Untersuchungen von den Stein- und Staub-Niederschlägen und den damit verwandten Meteoren. Ginc Jnauguralschrift, vorgelegt der philosophischen Fakultät der Lndwig-Marimilians- Univcrsität zn München von HZhitippos Ionnnis, der Philosophie Doctor. München IM. Gedruckt bei GeorgFran . . neyae tam kaeiles res ul!s est, quin es primvm „Oissieilis maxis aä creäunäuin eoustet; itomquv ,,^i1 aäeo inaximm, nec^ue tau» iniraliilo qui6qnam „Huoü vou ^aullatim winuaut wlrarler oinnes." I^uvretius 6v rerum natura. ZZidl.Il, v.?k Einleitung. Aie Frage über den Ursprung der Stein-- und Staub-Niederschlage und der damit verwandten Meteore gehört unstreitig unter die schwierigsten Fragen, deren Beantwortung der speculativen Physik obliegt. Schon im graucsten Alterthume wurden solche seltsame Naturerscheinungen wahrgenommen, wiederholten sich auch später, und sind in der neuen Zeit öfters beobachtet worden. Ihre Natur scheint im Alterthume so wohl, als in dem spateren Zeitalter Niemand unerklärlich vorgekommen, mithin auch ihre Wirklichkeit Niemand zweifelhaft gewesen zu feyn. Der Grund davon mag theils in der lebhaften Einbildungskraft der alten Menschengeschlechter liegen, welche überall in der Natur göttliche Wesen sahen und alle nothwendigen Naturwirkungen für freie Göt- tcrhandlungen zu halten gewohnt waren; theils in dem Aberglauben des späteren Zeitalters, wo man Zwar einen richtigeren Begriff von der Gottheit und der Natur gewann, und der letzten jede freie Wirkung absprach, aber sich stark zum Glauben der Wunder hinneigte, und leicht solche seltsame Phänomene als die Zeichen des göttlichen Zornes ansah; theils endlich in der leeren Spekulation, welche die ganze Wissenschaft der alteren Naturalisten ausmachte, aber den Ersahrungskreis kaum berührte, und sich in die unendliche Leere der Traumereien hinaus verlor. Was konnte einer solchen Naturwissenschaft unerklärlich und zweifelhaft bleiben? Als aber in der neuen Zeit die Naturwissenschaften aufzuleben anfingen, und aus den sie einhüllenden Larven einer ganz subjectiven Existenz in das objektive und eigentliche Leben hervorbrachen; als man die Unfruchtbarkeit der rein spekulativen Methode der älteren Naturalisten einsah, sich von derselben entfernte, und den mühsamen, aber sicheren Weg der Erfahrung betrat, um auf demselben zur wahren Naturkcnntniß zu gelangen; als man endlich merkte, daß es weder wissenschaftlich noch richtig ist, jedes ungewöhnliche Phänomen, dessen Natur man nicht begreift, der unmittelbaren Wirkung einer übernatürlichen Macht zuzuschreiben; da stellte man den Grund- sah auf, alles naturmäßig, d. i. erfahrungsmaßig zu prüfen, und keiner Angabe Glauben beizumessen, welche mit den erkannten Naturgesetzen nicht in Einklang stünde. Dieser an sich richtige aber sehr oft unrichtig angewandte Grundsatz führte nun die Naturforscher zu einem, der Leichtgläubigkeit der alteren entgegengesetzten Fehler, nämlich zu dem Fehler, daß sie alles das, was außer dem engen Kreise ihrer Natur- kcnntnisse zu liegen schien, geradezu als eine physische Unmöglichkeit bezeichneten, und ohne sich vorher die Mühe geben zu wollen, dem Wahren, das in so vielen historischen Berichten über die Stein- und Staub-Niederschlage, was in gleichzeitiger, freilich seltenen, ahnlichen Wahrnehmungen enthalten war, nachzuforschen, die Frage darüber von sich ganz abwiesen, indem sie die Berichte für fabelhaft, die gleichzeitigen Wahrnehmungen aber für eine Tauschung erklarten. Gewiß soll man sich gegen Berichte, und selbst gegen Wahrnehmungen sehr in Acht nehmen, welche mit der erkannten Naturordnung in Widerspruch zu stehen scheinen, und sein Urtheil darüber so lange zurückhalten, bis man mit der Sache ins Reine kommt. Sich aber in die Frage gar nicht einlassen wollen, sondern vor jeder Untersuchung die Sache darum für unmöglich erklären, weil sie unseren gegenwärtigen Naturkenntnissen entgegenzulaufen scheint, hieße so viel, als uns eine vollkommene Bekanntschaft mit den Gesetzen und der Wirkungsweise der ganzen Natur anmessen wollen; und wer von den Sterblichen dürfte denn sich rühmen, den zwar kurzen, aber unergründlichen Codex der Naturgesetze entziffert und ausgelernt zu haben? Erst vor kurzer Zeit '), nachdem sich die Beobachtungen vervielfältigt hatten, und zum Theil von Männern gemacht worden waren, welche zu redlich, und zugleich mit zu vielen Kenntnissen ausgerüstet waren, als daß sie dem Verdachte Raum lassen konnten, sie hätten sich entweder in ihren Beobachtungen getauscht, oder sie hatten in der Beschreibung derselben die Andern täuschen wollen, verschwand endlich 4) Der Mcteorsteinsall zu Woldcvtsagc in Aorkshire in England am 48. Dcccmbcr 479S, welcher gehörig beglaubigt mar, und erst von King, sodann von Howard untersucht wurde, erregte zuerst die Aufmerksamkeit der Naturforscher, und machte bei ihnen den frühere» Unglaube» schwankend. Eine kurze Zeit darauf, am Sl, April 4803 ereignete sich der grosse und merkwürdige Steiufall zu i'Aiglc in Frankreich, welcher eine große Zahl von glaubwürdigen Augenzeugen hatte, von Bivt, dem die Akademie die Untersuchung der Sache auftrug, au Ort und Stelle untersucht und bestätigt wurde, und somir jeden Zweifel über die Wirklichkeit solcher Phänomene aufhob.' s jeder Zweifel über die Wirklichkeit der erwähnten Naturphänomcne. Die Naturforscher wandten diesem Gegenstände ihre Aufmerksamkeit zu, und die Frage: „woher diese seltsamen Phänomene?" wurde nun mit vollem Ernste erörtert. Unter den Mannern, welche sich mit dieser Erörterung beschäftigt haben, verdienen Hör wart, Hötsöker, Dalton in England, Lavoisier, Laplace, Halley, Rey- nold und Murray in Frankreich, Bcnzenber- gcr, Brandes, Chladni, Schreiber. Egen, Ruhland und Idelcr in Deutschland, Bolta, Beccaria rmd Vcssali in Italien, vorzüglich erwähnt zu werden. Verschiedene Meinungen sind von diesen und anderen Naturforschern über den Ursprung der fraglichen Phänomene aufgestellt worden; und obwohl viele davon etwas für sich haben, so trägt dennoch keine einen entscheidenden Charakter, und die Frage wird immer von neuem aufgeworfen: „woher die Stein- und Staub - Niederschläge, woher die mit denselben verwandten Meteore?" Wenn ich nun auch die Beantwortung einer so schwierigen Frage wage, welche so viele ausgezeichnete Männer beschäftigt hat, .ohne eine befriedigende IN Lösung zu erhalten, so geschieht dieS nicht in dem eitlen Wahn, ich sey der Ocdipus dieses Näthsels der Natur, und meine Antwort entscheide völlig die vorgelegte Frage. So viel aber darf ich zu meiner Rechtfertigung sagen, daß ich nicht ohne wichtige Gründe und ohne selbstständige Erwägung des Gegenstandes die bisher aufgestellten Hypothesen für unhaltbar erachtet, und mich entschlossen habe, eine neue Erklärung der fraglichen Phänomene zu versuchen, und dieselbe in dieser Abhandlung darzulegen. Um systematisch dabei zu verfahren, werde ich vorerst eine geschichtliche Darstellung dieser Naturphänomene vorausschicken, sodann die verschiedenen bisher versuchten Erklarungsarten, und zwar die am meisten accreditirten auseinander setzen, und endlich es wagen, auch meine Ansicht hierüber mit der nö- thigen Kürze auszusprechen. Erstes Enpitel. Geschichtliche Darstellung der Stein- und Staub- Nicderfälle. ^ls die frühesten in die Fabelzeit sich verlierenden Nachrichten von einzelnen Steinmasscn, welche auf die Erde von oben herabfielen, darf man vielleicht die bei den ältesten Schriftstellern vorkommenden Aussagen von den sogenannten betrachten, welchen das abergläubische Gemüth der damaligen Beobachter einen göttlichen Ursprung und wohl auch eine göttliche Macht zuschrieb, dieselben als Symbole der Gottheit in den Heiligthümern aufbewahrte und anbetete.') Ueber die Zu diese» gehört das Palladium zu Troja; das Symbol der Diana z» Ephcsus XIX. §. 35.), das Symbol des Sonnengottes Elagabal genannt zu Emissa in Syrien, das römische Marssymbol, welches nach Plutarch 13.) von Numa den salischcn Priestern zur Aufbewahrung iiberliefertwnrde; die nach Pausanias(/?oea,?v IX. 38.) zur Zeit des Ctcokles zu Orchomcnos vom Himmel herabgefallenen Steine, welche von den Orchome-- »icrn vorzüglich verehrt wurden! der im Jahre tSti vor der Abfassung der Panschen Marmorchrvnik auf den ey- bclischcn Berg in Creta gefallenen Meteorstein, welcher von 12 Ilmstande aber, welche das Herabfallen dieser Meteormassen (wenn sie es wirklich sind) begleiteten, können wir naturlicher Weise bon so alten und vagen Ueber- lieferungen keine Belehrung erwarten. Etwas bestimmter lauten die Berichte von solchen Naturereignissen, welche in eine spatere historische Zeitepoche fallen, und sich in den historischen Werken des Alterthums und den Chroniken des Mittelalters zerstreut finden. ') Allein auch diese enthalten entweder keine Erwähnung der Phänomene, welche jene Naturereignisse begleiteten, oder berühren sie nur kurz, oder endlich, verrathen sie einen solchen Zustand des Entsetzens und der abergläubisch aufgeregten Einbildungskraft, daß sich ein Naturforscher auf so verdächtige Nachrichten keineswegs verlassen, noch aus denselben die Data schöpfen darf, auf welche er seine Erklärung zu stützen hat. Da es nun in meinem Plane nicht liegen kann, eine Geschichte von dergleichen Naturereignissen zu liefern; so verweise ich den Leser, welcher sich darüber umständlicher belehren will, auf das vortreffliche Werk von Chladni über Feuermeteore, wo der bebe» idäischc» Dactylcn, wahrscheinlich als ei» Symbol der Cybclc, zu religiöse» Gebräuchen aufbewahrt wurde; das Simbol der Göttcrmuttcr, welches »ach Appiau VII. ZS.j die Römer in der Zeit des hauuibalschcu Krieges von Pessinns in Phrygicn holte», und als ei» dem Staate Schutz verheißendes Sinnbild nach Rom überbrachten, n. a. m. 4) Zu diesen Nachrichten gehört jene des Scholiasten von Pin- dar »ich. 4. <7r. 437.), jene des Titus Livins Das Verhältnis; des Umfangesder herabgcschlendertcu Stein- masscu zu jenem der Feuerkugel ist nach Hoff wie lN t00»00. 17 welche sich isolirt an mehreren Orten der Erdoberfläche finden, wo sonst kein Eisenlager und keine Eisenhütte weitnmhcr anzutreffen ist. Für ihren meteorischen Ursprung sprechen auch andere Gründe, von denen später die stiede seyn wird. Etwas verschieden sind aber die Erscheinungen, welche bei den weit seltner vorkommenden Staudniederschlägen und dem sogenannten Vlutregen und Blutschnee statt finden. Gewöhnlich sieht man dabei zuerst feuerrothe,') gelbe oder auch dunkle und schwarze Wolken den Himmel bedecken, oder die Atmosphäre sich zusehends mit dicken Dünsten füllen, und nicht selten eine so dichte Finsternis) entstehen, daß man mitten am Tage Licht anzünden muß. Dieser Erscheinung geht bisweilen auch ein warmer Wind voran. Alsdann beginnt nun der 1) Dies ist besonders im I7tcn Jahre der Regierung des Leo Thrar zu Constantinopel, und im Jahre 1313 den 13. und 11. März zu Kalabric» und Abruzzo in Italien der Fall gewesen. Das erste Ereignis; erzählt Nicephorns Hieronymus solgcndcrmasten; ,,c"7?7ir kl owTVklp!/? ryV /Ze-Icet», sclaxktr» T'ochi z?7c7 7-7-- <777-s 7-^-7 ,/r. />7-? 6 7-7-7-776 chk 7-c-i -!7i76'?" /lo?c-7-t größeren Stücken, braune Flecken von Eisenopyd! perstchiedengestaltete Körner von einer etwas häkstM! stnh dunkleren Steinart, und wieder andere PCM einer Weißen erdigen Substanz, welche aus Thon- Mch Kalk-Erde zu bestehen scheint; endlich kleine Theil- chen, welche mit Feldspath, und manche andere, welche mit Olivin einige Aehnlichkeit haben. 22 Das specifische Gewicht der Meteorsteine variirt zwischen 3,12 und 4,28. Eine Ausnahme macht der zu AlaiS im Jahre itMi herabgefallene, welcher wegen seines Kohlengehalteö ein specifischeS Gewicht von 1,9 hatte. In Betreff ih^er Kohäston sind weder alle Meteorsteine mit einander, noch dieselben mit sich selbst zu allen Zeiten gleich. Viele waren gleich nach ihrem Herabfallen weich, und erhärteten sich später. Manche sind auch spater leicht zerreiblich, manche andere hingegen hart. WaS endlich ihre chemische Zusammensetzung anbelangt, so zeigen die besten und genauesten Analysen derselben, daß sie alle so ziemlich die nämlichen Bestandteile haben, und in dieser Hinsicht keinem Mineralkörper auf der Erde gleich kommen. Die Stoffe, welche mit wenigen Ausnahmen in allen Meteorsteinen, bald in einem größeren, bald in einem kleineren Verhältnisse enthalten sind, sind folgende : 1) Eisen, theils gediegen, theils als Schwefcleisen, oder Eisenoryd. ES macht gewöhnlich den vierten, bei manchen wohl auch den dritten Theil der Masse aus. 2) Kieselerde, welche ebenfalls ein Hauptbestandteil der Meteorsteine ist, und bei einigen mehr als die Hälfte betragt. 3) Bittererde, deren Quantität zwischen den 2 und 32 Hunderttheilen variirt. 4) Kalkerde, meistens in geringer Quantität. Eine ungewöhnlich große Menge, d. i. 12 Procent, wurde in den Meteorsteinen bei Stannern gefunden. SS 5) Nickel, welches von einigen Decimaltheilm bis auf 10 Procent (wie in den von Dorovinsk 180.1) steigt. Mit Nickel fand VerzeliuS auch eine Spur Kobald k) Mangan, welches gewöhnlich 1 bis 2 Hundert- theile betragt. In den Steinen von Charcove betrug eö an 4 bis tt Procent. 7) Schwefel, größtenteils mit dem Eisen in Verbindung, immer jedoch in geringer Quantität ^). Außer den angeführten Stoffen, welche mit wenigen Ausnahmen "beständige Bestandteile der Meteor» steine sind, finden sich auch öfters folgende: 1) Chrom, welches 1 oder 2 Hunderttheile, bisweilen aber auch weniger beträgt, und nach Vauguelin in regulinischem, nach Strohmeier in orydirtem Zustande vorhanden ist, 2) Thonerde, in geringer Quantität. Eine ungewöhnlich große Menge, d. i. 14 Procent, fand sich in den Meteorsteinen von Stannern. S) Natrum, welches nur selten vorkommt. Stroh- meicr hat in dem Steine von Errleben 0,7 Procent gefunden. t) Die Meteorsteine bei Stannern 4808, die bei Agen 48t4, und die bei Langrcs 184S, machen eine Ausnahme: weil sie nach den gemachten Analysen kein Nickel enthielten. " L) In dem Meteorsteine von Langres fand Vanqnelin kein Schwefel. Höchstwahrscheinlich ist der Schwefelgchalt der Meteorsteine, bevor dieselben herabgekommcn sind, weit größer, als man ihn nachher in denselben findet. Wenigstens spricht dafür der Schwefelgeruch, welcher von denselben über beträchtliche Strecken verbreitet wird, und auch noch anfangs an den niedergefallenen Massen bemerkbar ist. 24 4) Wasser, in den Steinen von Stannern und von Alais. 5) Kohlenstoff, welcher nur in dem Steine zu Mais, und zwar 2'/ Procent gefunden wurde. 0) Salzsäure, welche von Scherer in den Steinen von Stannern gefunden wurde. Berzelius, welcher neulich einige Meteorsteine ana- lystrt hat, will auch in denselben eine Spur von Kali, Zinn und Kupfer gefunden haben '). Von den Staubniederfallen sind nur zwei analysirt worden; jener der in Kalabrien und Abruzzo im Jahre 1813 den 13. und 11. Marz, und jener, welcher im Jahre 1810 den 5. April auf dem Berge Tonale, und noch an anderen Orten des nördlichen Italiens aus rothen Wolken als ziegelrother Schnee herabfiel. Tie Analyse des ersteren gab nach Dementina 33 Procent Kieselerde, 15'/, Thonerde, 11'/» Kalkerde, 1 Chrom, 11'/- Eisen, 9 Kohlensaure, 15 Verlust; also die Magnesia abgerechnet, worauf die Substanz nicht besonders mag geprüft worden seyn, enthielt jene Meteorsubstanz die nämlichen Bestandtheile, wie die Meteorsteine, die keinen Nickel enthalten. Die Analyse des Bodensatzes deS Schneewassers gab 30,77 Procent Kieselerde, 1,02 Kohlensaure, 0,90 Schwefel, 7,09 brenzliches Oel, 7,0 Kohlenstoff, 7,09 Wasser, 8,00 Verlust. Nach dieser Analyse zeigt sich die letzte Substanz in ihrer chemischen Zusammensetzung von dem Meteorstaube etwas verschieden; allein diese Verschiedenheit ist nicht von der Art, daß sie den meteorischen Ursprung derselben zweifelhaft machen kann. 1) Beggendorfs Annale» zweite Reihe III. Band. 25 Die größte Seltenheit der klebrigen, haarichten und membranartigcn Niederfälle, welche sich meistens in einer Zeit zutrugen, wo weder die analytische Chemie ausgebildet, noch der Alles prüfende Geist der späteren Zeit wach war, ist die Ursache, daß wir die chemische Beschaffenheit derselben bisher sehr wenig kennen. AnS den physischen Zeichen, welche unS die Berichte von den Begebenheiten selbst überliefern, dürfen wir mit großer Wahrscheinlichkeit schließen, daß jene Materien, wenn sie anders wirklich von oben herabfielen, ans Schwefel, Kohlenstoff und anderen organischen und unorganischen Beimischungen bestanden. Die mit einer Feuerkugel im Jahre 17L9 den 8. März in der Oberlausiß niedergefallene Materie war, nach den darüber erhaltenen Berichten gelblich, ölig, klebrig, zäh und elastisch. Am Feuer entzündete sie sich leicht, brannte wie Kamphcr und hinterließ eine zarte Kohle. Wenn man sie schmelzte, so wurde ein klebrig harziges Wesen daraus. Im Weingeist und Baumöl löste sie sich nicht auf. Terpentinöl löste nur einen Theil davon, und zwar mit Mühe auf. Bei der Auflösung der Materie in Schwefelsäure erhielt man eine braune harzige, klebrige Substanz, und durch Kali ließ sich ein Pulver niederschlagen, welches getrocknet gelblich und der Materie selbst ahnlich war. Nachdem ich nun die Haupterscheinungen, welche bei den Stein- und Staubniederfällen Statt finden, so viel cS unS bisher bekannt ist, geschichtlich dargestellt, und die physischen Charaktere und chemischen Bestand- tbeile der herabgefallenen Massen selbst, wie dies alle bisher gemachten Analysen zeigen, angegeben habe. 2« schreite ich jetzt zur Auseinandersetzung und Prüfung der verschiedenen über den Ursprung und die Natur derselben ausgesprochenen Meinungen. Drittes Capitel. Verschiedene Hypothesen von dem Ursprünge der Natur der Stein- und Staub-NiedcrMle. Zu den verschiedenen bisher aufgestellten Hypothesen, welche den Ursprung und die Natur der Stcin- und Staub-Nicderfällc, wie auch die dabcy stattfindenden Phänomene erklären sollen, rechne ich nicht jene, früher so gewöhnlichen Erklärungen, daß nämlich die Stcinmasscn von irgend einem Vulkane in die Höhe geschleudert, und dann von der Erde herabgezogen; der Staub aber von irgend einem Windstoße aus fernen Gegenden herübergeführt worden sey. Man bediente sich solcher Erklärungen in einer Zeit, wo man sich zu aufgeklärt dünkte, um an die Wirklichkeit eines eigentlichen Meteorsteines oder Meteorstaubes zu glauben, und wo die Naturforscher die Frage mehr von sich abzuweisen, als zu lösen suchten. Seit dem man sich aber überzeugt hat, daß weder in der Nähe von Vulkanen, noch irgendwo anders auf der Erde Steine oder Staub zu finden sind, welche hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung den erwähnten Meteorsubstanzen gleichen; seit dem man eingesehen, daß solche Erklärungen keiner der einzelnen Erscheinungen genügen, welche bei L7 den fraglichen Niederfallen wahrgenommen werden, hü» den auch solche Erklärungen keinen Sinn mehr. Eden so wenig zähle ich zu den wahrhaft etwas erklärenden Hypothesen jene ganz unbestimmten Musterungen, welche nichts anders als die bloste Möglichkeit für sich haben, wie z. B. die Annahme einer Verkörperung des in dem unendlichen Raum überall ergoßenen AetherS. Ich führe nur jene Hypothesen an, welche nicht alles Grundeö ermangeln; und diese können füglich in zwei Klassen eingetheilt werden. Die eine begreift in sich die Hypothesen, nach welchen die fraglichen Meteore unserem Planeten und der denselben umhüllenden Atmosphäre ganz fremd sind. Die andere hingegen enthält solche Hypothesen, nach welchen die genannten Meteore unserem Weltkörper zugehören. Nach der ersten Ansicht wären sie entweder: 1) Auswürfe aus den Mondvulkanen, also lunari- schen Ursprungs, oder 2) Bruchstücke eines größeren, durch irgend ein großes Ereignist zersprungenen Weltkörperö, also planetarischen Ursprungs, oder 3) kometartige Körper, oder Haufen von Urmate- ric, welche in dem unendlichen Raum herumschweifen, und in den Bereich der Anziehungssphäre der Erde hereinfallen, also kosmischen Ursprungs. Nach der zweiten Ansicht sollen sie hingegen atmosphärischen Ursprungs seyn, und zwar entweder aus Verdünstungen herrühren, welche von den auf der Erdoberfläche befindlichen Substanzen unmerklich emporsteigen, und sich in den höheren Luftregionen wieder verdichten und durch ihre Schwere herabfallen; also ein 28 Analogen des Regens, Schnees und Hagels, oder sie sollen aus den metallischen und erdigen Substanzen herkommen, welche daö Wasserstoffgas bei seiner-Entwicklung auf der Erde auflöst und mit sich in die höchsten Regionen der 'Atmosphäre hinaufführt, oder aus gewissen unbestimmten Gasen entstehen, welche über den Luftkreis schwimmen, oder endlich ihren Ursprung hauptsachlich dem Erdmagnetismus verdanken, welcher die Metalle und Erden in ihre ferneren gasförmigen Bcstandtheile zerlegt, und auf die Weise dieselben in die obersten Schichten der Atmosphäre hinauftreibt. Ich werde alle diese Ansichten der Reihe nach auseinandersetzen und prüfen. Viertes Empitel. Die Meteorsteine »nd der Mctcorstanb sind luna- rischen Ursprungs. Diese Ansicht genoß früher einen großen Kredit bei den Naturforschern, zumal nachdem der berühmte L a- place dieselbe dadurch unterstützt hatte, daß er durch Hilfe der Analysis die Kraft berechnete, mit welcher ein Körper vom Monde entschleudert werden müßte, um aus der Anziehungssphare desselben zu kommen, und in jene der Erde hereinzufallen, und somit die Möglichkeit eines solchen Ereignisses bewiesen worden war. Allein viele und sehr wichtige Gründe machen eine solche Hypothese unwahrscheinlich; so daß sich heutzutage nur wenige Naturforscher zu derselben bekennen 20 Ich brauchte nicht lange dabei zu verweilen, hätte sich nicht vor kurzer Zeit der berühmte Berzelius für diese Meinung erklärt, und durch einige neue Gründe, wie durch seine Autorität, derselben einen gewissen Kredit wieder gegeben. Ich werde also zuerst die Berechnungen '), worauf die Möglichkeit der Hypothese beruht, hier wiedergeben, dann die weiteren Gründe von Berzelius erörtern und die Gegengründe anführen. Denke man einmal Mond und Erde ruhend, und nehme an, die gerade Linie, welche die Mittelpunkte der beiden Weltkörper verbindet, und welche ich der Kürze halber Centrallinie nenne, gehe durch einen Mondvulkan, welcher Steine nach der Richtung eben dieser Centrallinie ausschleudert. Bezeichne man ferner mit « die Größe der genannten Linie, mit r und ? den Radius des Mondes und der Erde, mit x die Entfernung des Projectils von dem Mittelpunkte des Mondes nach Verlauf der Zeit t, und endlich mit 1»^ und ^ die Intensität der Anziehungskraft des Mondes und der Erde in der Einheit der Entfernung von ihrem Mittelpunkte. Da nach dem bekannten Satze der Mechanik die Anziehungskräfte sich umgekehrt verhalten, wie die Qua' drate der Entfernungen, so wird das in der Entfernung x vom Mittelpunkte des Mondes befindliche Projektil von demselben mit der Kraft > ^ , von der Erde 1) Diese Rechuung entlehne ich theils von der Mechanik, theils von einer früheren Abhandlung von Poisson, indem ich inireinige, mir zweckmäßig erschienene Veränderungen erlaube, und Einiges weiter ausführe. SN alier mit der Kraft z angezogen. Die beschleunigende Kraft v, welche an dieser Stelle auf das Pro- jectil wirkt, wird der (Uberschuß der zweiten Kraft, welche x zu vergrößern strebt, über die erste seyn, welche x zu vermindern sucht. Es ist demnach X <,2 I,, .Ix die Geschwindigkeit des ProjectilS. Multiplicirt man obige Differentialgleichung mit 2 üx und integrirt, so erhält man ^ ^ ^ «'X ^ -- wo L die willkührliche Konstante bezeichnet. Um diese zu bestimmen, nenne man v die anfängliche Geschwindigkeit (also die Wurfgeschwindigkeit) des Mobils, welche der Entfernung x r entspricht, so wird aus der obigen Gleichung tt-r ' r Substituirtmanden Werth von«- aus dieser in die obere Gleichung, so ergiebt stch Diese Gleichung giebt die Geschwindigkeit des Pro- jectils für jede Entfernung desselben vom Mittelpunkte des Mondes. Bezeichne man nun mit 6 eben die genannte Entfernung, wenn das Projectil an einem Punkte v der Centrallinie gelangt, wo dasselbe gegen Mond und Erde gleich gravitirt, so wird ^ soffst« woraus stch cl) -5 ^ ergiebt. Nenne man ferner k 31 die kleinste anfangliche Geschwindigkeit, welche nöthig ist, um das Projectil bis zum Punkte 0 hinzutreiben, wo es angelangt eine Geschwindigkeit o haben wird, so ist zugleich v x s'; - ^ o, und auS der Gleichung (o) ergiebt sich °)-c- ^ 4) Ist nun die Wurfgeschwindigkeit kleiner als k, so wird das Projectil auf den Mond zurück fallen; ist sie hingegen größer, so überschreitet es den Punkt I> und fallt aus bje Erde. Im Falle v — k ist, wird daS Projectil eine unendlich große Zeit brauchen, um den Punkt I) zu erreichen, weil es in einem unendlich kleinen Abstände von dem genannten Punkte von einer unendlich kleinen Kraft sollicitirt werden, und sonach eine unendlich kleine Geschwindigkeit haben muß. Die Intensitäten der Anziehung zweier Körper in der Einheit der Entfernung verhalten sich wie die Massen der Körper selbst. Ist also m die Masse deS Mon- IN des, die der Erde, so wirdll^ ——. Ferner hat jU, man aus der Wirkung des Mondes auf die Erhebung des Meerwassers geschlossen, daß die Masse des Mondes zu der der Erde in dem Verhältnisse 1: 75 steht, wcl- ches ich mit Ic bezeichnen will. ES ist also Auch kann man ohne erheblichen Fehler « — litt (-sehen. Durch Substitution dieser Werths und gehöriger Rechnung findet man aus () zu intcgrircn, »enue ma» ä 2 den oeräii- d-rUchen Faktor ^ l-i-- >/ ergiebt sich 2 c- V tl V 1 4- 52 ' (1 ^ 7 ') S.,I>st.tt.t.o» 6 ^ er- - (i >2) - '(x/ I<^^> Zerlegt man jcpt dies i» Partialdrüche, indem man 2 « v- .1 v ^ ^ Ij v -st- t,' ) 0 (1 -i- ) ^ ^ S 34 5z ^1.^. sie. ^tx. e^: V^ ^ ^'. ' ) -k-l?^ . I? k' 7 ^7- i< -! ^2 Bräche IN gleiche Vencnnung dringt, und die Coeffizienten IZ„ «te. nach dem dckanntei: Sake der Aualysis bestimmt, so crgiebt sich auf diese Art . ^ « ,, 2» v/ lc ^ — 7,^ ! IZ — n; 0 — ——-X ; (>/ i< — 1)2 ^ (>/ i< - 1)^ 2« 1c 1) — o; tp —. — -—— lind dnrchSnbstitntion (V/ Ic — 1)- 2» ^ ^ (1 's- 7^)"' >1 7 "- >/ 1c 7^ (s -s- ^-2). , ^ Durch die partielle Integration der verschiedenen Theile dieses Ausdruckes findet sich sodann . _ 1 7 1- / 67— » — -irc (tx, " ^1). V 1c ^ k U ^ (1 7^)^ c>7- 7^)'' ^ T sc-v' (tx. 221- 7). III. ^2^^2)_2 6 7 ^ - 7 (1 -i-7^' -s- ; -rrc. (-. - X V Ic 2 ), so erhält man obiges Integral für t. Ä. 35 Nimmt man nun dcu Werth dieses Integrales von X I- bis x » — c, lind verrichtet die numerische Rechnung, so findet man man die Zeit des Falles des Körpers vom Monde bis auf die Erde d. i. tuv I2K ?Z.b" — L5,llig Stunden ungefähr. Nennt man ferner v die Geschwindigkeit des Pro- jectilS an der Oberfläche der Erde, oder in der Entfernung x — « — (> vom Mittelpunkte des Mondes, so findet man vermöge der Gleichung e) i) 1)2- v2-l-2v2 (- —2Ir2f- —) Substituirt man ferner in (b) den Werth von ll! aus (x) mit dem positiven Zeichen, und wieder den erhaltenen Werth von v in (i), und führt die numerische Rechnung auS, so ergicbt sich für die Geschwindigkeit, mit welcher das Prosectil, abgesehen von dem Widerstände der Erdatmosphäre, an die Oberfläche der Erde gelangen würde, ^ 105L« ungefähr. Allein der Widerstand der Luft würde diese Geschwindigkeit sehr vermindern. Bisher haben wir noch keine Rücksicht auf die Bewegung deS Mondes selbst um die Erde genommen. Diese Bewegung würde keinen großen Einfluß auf die des Projectils haben. Durch die Veränderung der Nich- t) Poisson hat in einer früheren Abhandlung über diesen Gegenstand die Zeit t— gt Stunden gefunden, wo er aber ein anderes Verhältnis! der Massen der beiden Welttörper. und für g einen geringeren Werth angenoimnen hat, Ans obiges Verhältnis! habe ich, nach Jntegrirnng der Formel, die Rechnung numerisch ausgeführt, und das angezeigte Resultat gesunden. tung der anfänglichen Bewegung können aber die Falle auf eine unbestimmte Wzahl vermehrt werden, wo der entschleuderte Körper nicht auf die Erde fallen würde. Eben diese Falle bleiben uns noch zu untersuchen übrig. Bezeichnen wir mit x, 2 die rechtwinklichen Koordinaten eines beliebigen Punktes im Räume, den Mittelpunkt des Mondes für den Anfangspunkt, und die denselben mit dem Mittelpunkte der Erde verbindende Linie für die Abfcisfenlinie genommen, so wird, da in solcher Entfernung die Anziehung des MondeS Ii- und die der Erde -4- 52 -j- 2-' (« —v' -s- 2- ist, für den Punkt, wo das Projectil von beiden Weltkörpern gleich angezogen wird, die Gleichung X- 2, — ^ x)- ^ 5- -j- 2- X- -f- .V2 -f- 2- ^ (I - X)- -f- vL^Statt finden. Wird nun diese Gleichung unter die Form gebracht, (le) x" 2- so sieht man, daß dieselbe zu einer Kugel gehört, deren Radius n >/ I( ist, und deren Mittelpunkt in der Entfernung ^7—^ jenseits des Mittelpunktes des Mondes liegt. Diese Kugel ist die Anziehungssphare des Mondes. Rebmcn wir jeßt an, ein Körper sey von der Oberfläche des Mondcö nach einer Richtung entschleudert, welcbe mit der Eentrallinie der beiden Weltkörpcr einen 37 spitzigen Winkel macht, und die Wurfgeschwindigkeit desselben sey groß genug, um außer der Anziehungssphäre deS MondeS zu kommen. Außerhalb dieser An- ziehungSfphäre wird die Schwere des Körpers zum Mittelpunkte deö MondeS so gering seyn, daß man dieselbe ohne erheblichen Fehler außer Acht lassen kann. Der Körper wird demnach, vermöge der ihm zurückgebliebenen Geschwindigkeit und der Anziehung der Erde, um dieselbe einen Kegelschnitt beschreiben, dessen Fokus eben den Mittelpunkt der Erde einnehmen wird; folglich wird der Körper allemal die Erdoberfläche erreichen, wenn seine pcrigeische Entfernung kleiner seyn wird als der ErdradiuS. Stelle nun p die psrigeifche Entfernung deS Mobils, und b feinen Abstand vom Mittelpunkte der Erde im Augenblicke vor, wo es außer der Anzichungssphäre des Mondes tritt- Ferner beiße n seine Geschwindigkeit in demselben Augenblicke, und ?> der Winkel, welchen die Nichtung der Bewegung mit dem Radius Vektor b macht. So werden die Gleichungen in der pax. 1i)l> des ersten Bandes der invoa- nigne Celeste (l) ^ ^ l>° - b- sin' geben. Der Werth von p ist also bekannt, sobald n »i!^ »I ^ i ^ ssiM erhalten, woraus sich 39 — sin^. in — cos. in ergiebt. Das ^74 negative Zeichen gilt für einen Punkt jenseits deö MondeS. Ist nun o gefunden, so findet man auch I, und sin. P aus den leicht begreiflichen Gleichungen ') — — —, und Ii «in ch wn « sin. w, und durch Sub- t! 2 ^ stitution derselben in die Gleichung (I) ergiebt sich I' --- -» °> W» -» (°) »' -- "'"I " >« ° °-rKmj-h°I- der beibehalten worden ist. Daraus ersieht man, daß p desto kleiner wird, je kleiner der rechtsstehende Bruch, also je kleiner u und in ist. Demnach wird p immer kleiner als wenn die Geschwindigkeit u und der Winkel in klein genug sind. Dieser Winkel ist gerade nicht jener der Projection; da sich aber dieser durch den ersten leicht bestimmen laßt, so kann man in der Anwendung annehmen, der Winkel in sey unmittelbar gegeben. 1) Die erste dieser Gleichungen kommt daher, daß bei gleicher Anziehung sich die Quadrate Per Entfernung des Modus von den beide» Anziehenden Körperp »erhalten, wie die Massen eben dieser Körper. Die zipeich scher daher, daß wenn Man YW Mittelpunkte der Arpe qilf die Gerade, die durch den Mittelpunkt des Monhes !ind den Punkt geht, wo das Proicctil die AnziehnngssvWe der Erde trifft, eine senkrechte 8 fällt, folgende Proportionen statt finden 8: Ii. " «in P! 1; und 8: « — «in. III ! 1; woraus Ii «in P ^ c sin »>. 40 Um durch ein Beispiel zu zeigen, wie die Bedin- e ^ ^ ^ gung p < ? erfüllt werden kann, setze man 2 o d. i. V e-ü 2471", und 81». m — —, d. j. m 1° 1)4^ 80". Der obige Werth von rcducirt sich demnach auf 2??^ . . . 2 » u" —-, und der von >> auf u — ... —oder o k ^ — 1 !' 2 —- — ^ woraus man leicht ersieht, daß p < ? V ic — -l. ist. Um nun auch den ProjectionSwinkel zu finden, welcher dem angenommenen Werths von m entspricht, muß man die vom Augenblicke der Ausschleuderung des ModilS diS aus jenen dcS Austrittes desselben von der AnziebungSsphare deS MondeS verflossene Zeit berechnen. edeUtt nun diese t, und n die mittlere Bewegung, oder Winkelgeschwindigkeit deS MondeS, so wird ut der Winkel seyn, welchen der Mond wahrend der Zeit > um die Erde beschreibt. Nimmt man der Einfachheit wegen an, der Körper sey so cntschleudert, daß die Richtung seiner Bewegung in der Ebene der Laufbahn des MondeS liegt, so sieht man leicht ein, daß der ProjectionSwinkel durch m — „t, oder m -l- »t, je nachdem die Projcction nach derselben, oder nach entgegengesetzter Richtung mit der Bewegung deS MondeS geschieht, ausgedruckt wird. Ich will den letzteren Fall nehmen, um einen größeren ProjectionSwinkel zu haben. Ten Werth von t findet man, wenn man die Differentialgleichung (in) in Bezug auf clt auflöst, in- 41 tsgrirt und den Werth des Integrales von lt üü r l'is st ^ ii nimmt, wodurch sich t — 21, 1b findet. tag Da nun die fiderische Umlaufszeit des Mondes 27, 331 betragt, so findet man durch die Analogie 3ti» — 2l, 1: nt ; nt — 11° 34; folglich ist der Pro- fectionswinkel 11° 34' ss- 1° 54' M" — 13° 28' Sti". Wenn also ein Körper von der Oderflache des McndeS mit der Geschwindigkeit » ^ 2471", und unter dem Projectionswinkel 13° 28' 3K" entschleudert wird, so wird er auf die Erde fallen müssen. ES ist ebenfalls leicht zu zeigen, wie die entgegengesetzte Bedingung, wo nämlich i> > ? ist, und folglich daS Mobil nicht auf die Erde fallt, erfüllt wird. Man braucht nur entweder dem Winkel m, oder der Ge- 1) Es ist nanilich 2 " <, ist, so ist «lt — , - » V '4 X st' äst; folglicht — ^ -1 v "st -ss- 6. Wenn st — r, so istt ^ n: also c: — — ^ r V"- folglich vir st — v istt — (« ^ — r ^ r); x 1 V O und da 2Ir^ — so ist t ^ ^ (c ^ c — r / r). Da serncr «in IN — 0,0333333; rn« m — 0,99g 444t, so findet sieb — 6,Lt4470 ?; Scye man ferner r — > so erhält man durch Snbstitntion dieser Werthe nnd gehörige» Rechnung t — Zt, t>». 42 schwindigkeit a, also oder auch beiden zugleich einen hinlänglich großen Werth zu geben. Behalten wir z. V. die nämliche Geschwindigkeit n, und nehmen m^L°, so wird «im in V,tl272M5; cos. in ^ ; c — v,1»3314 XL»?; t — 21,1>>; nt — 11°, 34'; ttlp X ,)2 !),8L0ä8 .. ^ — V" P — 1 ^ 7MW2Z' Aus diesen Nechnungen ersieht man, daß ein Steinfall vom Monde auf unsere Erde keine Unmöglichkeit ist, da sie auf dem Monde eine vulkanische Kraft vorausseht, die ungefähr viermal die Kraft übertrifft, mit welcher eine zwanzigpfündige Kanonenkugel ausgetrieben wird. Die Bedingungen aber, unter welchen ein solcher Steinfall, nach eben diesen Nechnungen, geschehen kann, machen die obige Annahme sehr unwahrscheinlich. Wir werden diese Bedingungen weiter unten erörtern, wenn wir vorher noch die Gründe werden angeführt haben, wodurch BerzeliuS der lunarischen Hypothese einiges Gewicht zu geben neulich gesucht hat. Diese Gründe bestehen nun in Folgendem 1) Daß die Meteorsteine, weil sie mit regulinischcm Eisen durchseht sind, oder auch ganz aus solchem bestehen, irgend woher kommen müssen, wo kein lufthaltiges Wasser, wie auf der Erde und in der Atmosphäre, vorhanden ist, wodurch das genannte Metall rosten würde. Da man nun auf dem Monde bisher kein Wasser entdeckt hat, so ist zu vsrmuthen, daß die Meteorsteins aus dem Monde kommen. i) Podendorfs Amialcn, zweiter Ncihc Illr Band. 4?. 2) Daß die Meteorsteine, als Felfenarten betrachtet, von den auf der Erde vorkommenden sehr verschieden sind, indem ein ganz anderes Verhaltniß der Be- standtheile in den Meteorsteinen obwaltet, als dies in den Felfenarten der Erde der Fall ist. Die Talkerde, z. B- ist ein vorwaltender Vestandtheil der Meteorsteine, und die Kieselerde, wie auch die Silikate von Tbonerde und Alkali, finden sich in denselben in einer verhältnismäßig unbedeutenden Menge; wo hingegen auf der Erde die Kieselerde überwiegend, und die Silikate von Thoncrde und Alkali überall die hauptsachlichsten Ge- mcngtheile sind, die Taikerde aber nur sparsam vorkommt. 2) Daß die UNS zugewandte Seite des Mondes voll Höhen ist, worunter sich viele Berge finden, welche den mit Kratern versehenen Vulkanen unserer Erde ähnlich gebildet sind, und dabei so große Dimensionen haben, daß man mit guten Fernröhren in die Krater sehen, und eine beschattete, so wie eine von der Sonne beleuchtete Halste darin unterscheiden kann. 4) Daß die meisten Meteorsteine in der Zusammensetzung so ähnlich mit einander sind, als wenn sie einem und demselben Berge angehörten. Wahrscheinlich werden sie also sammtlich von dem großen, um die Mitte der Mondesscheibe gelegenen Krater auögespieen, woher sie um so leichter und hausiger auf die Erde gelangen können, als sie von demselben in einer fast direkten Richtung gegen die Erde ausgeschleudert werden. Hingegen sollen die selteneren Meteorsteine, wie jene von Stannern, Jonzac und JuvenaS, welche in ihrer Zusammensetzung von den übrigen abweichen, Auswürf- 4s linge von einem andern Mondvulkane seyn, der von dem Mittelpunkte der uns zugewandten Mondesseite entfernter liegt, und demnach die Steine in keiner direkten Richtung gegen die Erde auswirft, so daß sie häufig die AnziehungSsphare der Erde nicht erreichen können. Da sich nun die meisten Meteorsteine durch einen großen Eisen- und Nickelgehalt auszeichnen, so ist mit der Annahme, daß sie dem großen, um die Mitte der MondeSscheibe gelegenen Berge angehören, auch die Ursache bekannt, warum der Mond immer die nämliche Seite der Erde zuwendet. DaS scheint nämlich die Wirkung einer von der Gravitation verschiedenen, rein magnetischen Anziehung der beiden Weltkörper zu seyn. Zu den obigen Gründen kann man wohl auch den Umstand hinzufügen, daß das specifische Gewicht der Meteorsteine mit jenem der MondeSmasse ziemlich übereinkommt. Denn, wenn <1, m, v die Dichtigkeit, Masse und das Volumen des Mondes, II, M, V aber die nämlichen Größen in Bezug auf die Erde vorstellen, so findet die Proportion . Octobcr am östlichen Fuße des Schlangenträgers, und von Cassini im Jahre 1K7U wahrgenommenen neuen Sterne, welche mit einem abwechselnd helleren und dunklern Lichte auf einige Zeit glänzten, und dann für immer verloschen. Gegen die Möglichkeit, und selbst die Wahrscheinlichkeit der Zerstörung eines WeltkörperS habe ich gewiß nichts einzuwenden. Die Idee eines zerstörten WeltkörperS ist zwar eine das menschliche Gemüth tief erschütternde Idee, die Sache aber darum nicht minder möglich oder wahrscheinlich. Was Körper ist, ist sterblich, mag es auch so groß, oder so klein seyn, und mag seine Cristenz sich nur auf wenige Augenblicke, wie die der Tagethierchen, oder wie die der Weltkörper, auf Aeonen erstrecken. Ist einmal seine Bestimmung erfüllt, so muß er vergehen, um seinem aus den «Lir>i»iliu8 rorum neuentstandenen Nachfolger seine Stelle zu überlassen. Ohne uns darüber auf eine höhere Autorität zu berufen, welche in einer naturwissenschaftlichen Schrift nicht am rechten Orte seyn möchte; ohne uns der sernsichtigen Augen und der feinen Berechnungen der Astronomie zu bedienen, erblicken wir denn nicht auf unserm eigenen Planeten die unzweideutigsten Zeichen mehrmaliger Revolutionen desselben und mehrmaliger Katastrophen der auf demselben lebenden animalischen und xflanzenartigen Gebilde? Allein der größte Theil der Gegengründe, welche gegen die lunarische Hypothese oben angeführt worden sind, gilt auch wider die planetarische Ansicht. Auch mit dieser verträgt sich keineswegs die zickzackförmige Bahn der Feuerkugeln, ihr nicht selten beobachteter plötzlicher Stillstand, und die Veränderung ihrer Richtung, ihre blendendstarkc Lichtentwicklung, die oft in einer Höhe über der Erdoberfläche statt findet, wo die Luft tausendmal verdünnter ist, die mehrmaligen Explosionen der Meteore, ohne daß dabei eine Zerspringung geschehe, und Steine herabfallen, die große Ungleichheit ihres Umfanges mit dem der Steinmassen, welche hernach niederfallen, ihre bestandige Kugel- Gestalt :c. Wie würde man ferner durch die planetarische Hypothese den oft beobachteten Zusammenhang der fraglichen Meteore mit dem elektrischen Zustande der Atmosphäre, ihre Abhängigkeit von der Jahreszeit, und der geographischen Breite, die entschieden elcctri- schen Erscheinungen, welche die Staubniederschläge begleiten, und endlich den Umstand erklaren, daß seit so vielen Jahrhunderten, wo sich Stein und Staub- Niederfälle ereignen, immer nur so kleine Planetentrümmer und kein größeres Stück in den Bereich der Anziehung der Erde hereingerathen? Man füge hinzu , daß eö nicht wahrscheinlich ist, daß alle Himmelskörper gerade aus den Grundstoffen bestehen, die wir auf der Erdrinde antreffen. Wir müssen also auch diese Hypothese verwerfen, und zur Erörterung-einer dritten mehr accreditirten übergehen. 54 Sechstes Enpite!. Die Stein- und Staub-Niederschläge find kosmischen Ursprungs. Die Hypothese von dem kosmischen Ursprünge der Stein- und Staub-Nieherfalle ist zuerst von Torndecrn, Bcrgman, und besonders von Ehladni ausgesprochen, sodann von vielen Naturforschern als die wahrscheinlichste angenommen, und bis jetzt in vorzüglichem Credit erhalten. Nach dieser sollen die fraglichen Meteore aus kometartigen Haufen einer chaotischen Materieherrühren, die in dem Welträume solange herumschweifen, bis sie in die AnziehungSsphare eines Welt- körperö treten, wo sie dann, je nachdem die Anziehungskraft die Fliehkraft übersteigt oder nicht, entweder auf denselben fallen, oder um ihn herumlaufen. Denselben Ursprung weist man auch den Feuerkugeln, welche mit keinem Steinfalle begleitet sind, und sonach auch den mit denselben engvcrwandten Sternschnuppen an. Diese Ansicht stützt sich auf die Betrachtung der Eigenschaften der Kometen und auf einige Beobachtungen der Astronomen, welche manchmal am Tage und deö NachtS durch daS Feld der Fernröhre Lichtpunkte ziehen, und manche dunkle Erscheinungen durch dieSon- ncnscheibe vorübergehen sahen, die man für kometartige Körper halt. Chladni, welcher sich zu dieser Ansicht vorzüglich hinneigt, spricht die Vermuthung aus, es sey eine sehr weit im Hintergrunde hinter allen sichtbaren Sternen befindliche große Niederlage von Materie, eine, nach seinem Ausdrucke, vg^ina uminlo- l-um, aus welcher nach mehreren Richtungen Stoff zur Bildung ganzer Weltsysteme ausgeschleudert werde. Viele von den Nebelflecken, weiche sich durch die stärksten Fernröhre nicht in einzelne Sterne auflösen lassen, und an denen man Veränderungen der Gestalt bemerkt, waren demnach nichts anderes, als eine solche lockere, durch einen ungeheuren Raum verbreitete chaotische und leuchtende Materie, welche im Laufe der Aeonen einen Weltkörper oder ein Welt>ystem erzeugt. Die Leichtigkeit, womit diese Hypothese einige nach den vorhergehenden Ansichten schwer oder gar nicht zu begreifenden Erscheinungen erklären kann, gibt ihr ein Gewicht, dessen jene ermangeln, und welches Chladni zu einem den Ausschlag gebenden dadurch zu vermehren suchte, daß er auch Gründe vorbrachte, welche die Unmöglichkeit des atmosphärischen Ursprunges der fraglichen Meteore beweisen sollen. Dieß sind nun folgende: 1) Die oftmalige Wahrnehmung bereits ausgebildeter Feuerkugeln in einer so beträchtlichen Höhe, daß die Luft, könnte auch alles Ponderable ganz in erdige und metallische Theile verwandelt werden, wegen ihrer starken Verdünnung, nicht Stoff genug dazu geben könnte, wie denn auch dergleichen Stoffe die Luft nicht enthalte. 2) Die parabolische und meistens Anfangs fast horizontale Bahn der Feuerkugeln, und die Geschwindigkeit ihrer Bewegung, welche so ist, als hätte der Körper noch vor seinem Eintritte in die Anziehungssphäre der Erde eine eigene Bewegung. 3K 2) Tic bei vielen Feuerkugeln beobachtete sprungweise gehende Bewegung, welche beweise, daß dieselben von außen in einem sehr ausgedehnten Zustande schief in unsere Atmosphäre fallen, und darum von derselben, bisweilen mehreremal hintereinander, wie eine rikoschettirende Kugel abspringen. Die Existenz kometartigcr Körper, welche im Welträume herumschweifen, kann gewiß Niemand in Abrede stellen, wiewohl jene hellen oder dunklen Erscheinungen, die man durch das Feld der Fernröhre hat ziehen sehen, wahrscheinlicher in der Atmosphäre selbst befindlich sind. Erwägt man aber, daß nach den bisher darüber aufgesammelten Berichton ') gegen zwanzig Feuerkugeln jährlich beobachtet werden, und daß demnach alle, welche auf der ganzen Erdoberfläche theils bemerkt, theils unbemerkt sich ereignen, wohl auf jahrlich gerechnet werden können; fügt man dann die unzahlige Menge der mit ihnen verwandten Sternschnuppen hinzu, so wird die Absurdidät der Hypothese, es seyen alle diese Meteore kosmischen Ursprungs, und rühren von eben so vielen, man weiß nicht wo, wie und woraus neu entstandenen komct- artigen Körpern her, in die Augen springen. Der weite Himmelsraum hatte den Anschein, als wäre er ein unendlich großer, mit einer wallenden Urmaterie erfüllter Kessel, worin beständig neue (eS ist gleichgültig, ob große oder kleine) Weltkörpcr sich gleichsam als Schaum ausscheiden, und wieder entschwinden. Wäre diese Ansicht richtig, was sollte dann auö der I) Kämtz Meteorologie III. Band. S. 210. 5,7 Welt und der überall herrschenden Harmonie werden? Abgesehen von der Verwirrung, welche die Nichtigkeit einer solchen, das menschliche Gcsühl tief verletzenden Ansicht in die Weltordnung notbwendig einführen würde, giebt es noch andere wichtige Gründe, die entschiedener dagegen sprechen. Ich werde sie weiter unten anführen, nachdem ich vorher die Gründe widerlegt haben werde, wodurch Chladni die kosmische Hypothese gegen die atmosphärische verfechten zu können glaubte. Was erstens die Behauptung Chladnis betrifft, die sehr beträchtliche Höhe, wo oft ausgebildete Feuerkugeln beobachtet worden sind, mache, wegen der dortigen großen Verdünnung der Luft, die Ausübt des atmosphärischen Ursprungs der Stein- und Staub-Nieder- fälle unzulässig, so bemerke ich, daß uns nichts berechtigt, die in einigen Berichten angegebene Höbe als richtig anzunehmen. Denn die Berichte tragen in Bezug auf die Angabe der Höhe den Charakter der erforderlichen Genauigkeit nicht nur nicht, sondern es läßt auch die Natur der Sache eine richtige Höhenmessung nicht zu. Wie könnte denn eine solche bei einem durch die Atmosphäre so rasch hinfliegenden Meteore bewerkstelligt werden, und wie leicbt wäre es, durch das bloße Augenmaß die Stelle an dem Himmelsgewölbe zu verrücken, wo sich die Bahn des Meteors projectirt? Außerdem kann nach Litrow die Abnahme der Dichtigkeit der Atmosphäre von der Erdoberfläche an unmöglich, wie das mariottesche Gesetz Vorlesungen Aber Astronomie 2tcr Th. S. 117. 58 fordert, dem Drucke der odern Luftschichten, oder der Barometcrhöhe genau proportional seyu- Wäre diesi der Fall, so würde die Lust einer unendlich großen Ausdehnbarkeit fähig seyn, die Atmosphäre würde sich wirklich ohne Ende ausdehnen, und sich endlich in den Weltraum zerstreuen. Da dieß nun gegen die Erfahrung ist, so muß die Ausdehnsamkeit der Luft in größeren Höhen schneller abnehmen, als der auf ihr lastende Druck, und endlich eine Verdünnung derselben Statt finden, für welche alle Ausdehnsamkeit der Luft verschwindet. Angenommen nun, die Höhe, wo die fraglichen Meteore entstehen, betragt zehn geographische Meilen, und die Verdünnung der Luft in eben der Höhe ist tausendfach, was nicht viel von der Wahrheit abweichen mag , so findet man durch Berechnung , daß tausend Pfund Materie in einem kubischen Raum enthalten ist, dessen Seite 48ll Fuß groß ist. Da nun die clectrische Kraft auf die in einem weit größeren Räume enthaltene gasförmige Materie wirken kann, so sieht man nicht ein, warum die Bildung solcher Meteore in der obenerwähnten und in noch größeren Höhen unmöglich wäre. Der andere Grund Chladni's, welchen er auS der Richtung und Geschwindigkeit der Feuerkugeln genommen, um dadurch die atmosphärische Ansicht anzufechten, ist um nichts kräftiger, als der vorhergehende. Allerdings ist eö bei der Annahme, die Feuerkugeln werden in der Atmosphäre gebildet, schwierig zu erklären, woher ihnen jene schräge, und bisweilen auch fast horizontale Bewegung, woher der so geschwinde 59 Flug kommt. Allem auch die Hypothese Chladni's steht nicht hesser daran. Durch seine Annahme hat er diesen Stein deS Anstoßes, welchen er zu zerstäuben nicht vermochte, nur auf ein fern liegendes, unnah« bareS, den Menschentritten und Menschenaugen entzogenes Feld hinausgeschoden, und bleibt uns immer die Erklärung schuldig, wie und durch welche Kraft der kvmetartige Körper bei seiner Entstehung in der 'irxiint muittloruiii jenen mächtigen Stoß erhält, wodurch er auS seinem Geburtswinkel verjagt, die weiten Himmelsräume in schnellem Fluge durchläuft. Die Bahn der Kometen, also auch der nacssChladni kometartigen Körper, kann, wie uns mechanische Gesetze lehren, nicht das einfache Resultat der Anziehung seyn, welche andere Himmelskörper auf dieselben ausüben. Sie setzt immer einen ersten Impuls voraus, und so lange die der Chladnischen Ansicht huldigenden Naturforscher die.Ursache dieses Impulses nicht gezeigt haben, sind sie auch nicht berechtigt, eine andere Ansicht nur darum zu verwerfen, weil es ihr gleichfalls schwer fällt, eine genügende Erklärung dieser Bewegung zu geben. Ich werde später aus diesen Punkt noch einmal zurückkommen. Anlangend die zickzackförmige Bewegung der Feuerkugeln, bemerke ich, daß sie keineswegs in Sprüngen besteht, wie sie Chladni angenommen, um dieselbe als Rikoschettirung zu erklären, sondern vielmehr in solchen Biegungen, deren Converität sich nach allen Seiten wendet. Wäre diese aber auch immer nur nach oben gewendet, so würde man dennoch eine gänzliche Unkunde der Bewegungslehre verrathen, wenn man k« solche Sprünge für eine Nikvschettirung holten wollte. Eine solche ist nur da möglich, wo sich zwei Medio von so verschiedener Dichtigkeit und Elosticität anein- ondcrgränzcn, doß die Differenz derselben, mithin ouch der Uebcrschuß des Widerstandes, welchen das zweite dichtere Medium über den des ersten, worin sich nomlich der Körper bewegte, leistet, größer ist ols die ouf eben doS dichtere Medium normol stehende Scitenkroft der Bewegung; denn nur in solchem Falle wird die Scitenkroft, wodurch der bewegte Körper in dos dichtere Medium einzudringen strebt, von dem Widerstände des letzteren vernichtet, und ihm durch die Elosticitot desselben eine eben so große Bewegung im entgegengesetzten Sinne ertheilt. Wo sind ober in der Atmosphäre zwei oneinonder stoßende Luftschichten zu finden, deren Dichtigkeit und Elosticitot so sehr von cinonder verschieden wären? Ist eS nicht vielmehr bekonnt, doß die Dichtigkeit der Luftschichten nur unmerklich von unten noch oben abnimmt? Hierwider würde auch die Einwendung nichts taugen, dag die Feuerkugel bei ihrer schnellen Bewegung die vor derselben liegenden Luftschichten so stark zusammenpresse, doß diese dadurch die erforderliche überwiegende Dichtigkeit erlangen. Denn ouch in diesem Falle würde ein rückgängiges Abprallen der Feuerkugel wohl begreiflich seyn, keineswegs aber eine Iii- koschettirung derselben. Nach der Widerlegung der Gründe, wodurch Chladni die Unmöglichkeit der atmosphärischen Hypothese beweisen, und somit die kosmische Ansicht begründen zu 64 können glaubte, komme ich auf die Auseinandersetzung jener andern, welche direct gegen die letztere sprechen. Angenommen erstens, die fraglichen Meteore sind nichts anderes, als im Welträume sich herumbcwc- gcnde komctartige Körper, so ist nach mechanischen Gesetzen erweislich, daß nur der kleinste Theil von jenen kometartigen Massen, welche in den Bereich der Anziehung der Erde hereingeriethen, eine solche Richtung und Geschwindigkeit haben würden, daß sie gleich, oder nach einem Paar Umlause um die Erde, auf dieselbe fallen müßten; in einer größern Anzahl würden sie als Satelliten um die Erde herumlaufen, und die meisten würden wohl, nachdem sie eine Störung in ihrer Bahn durch die Erdanziehung erlitten, sich wieder davon in den Himmelsraum entfernen. Erwagt man nun, daß solche komctartige Massen bei einem Durchmesser von einer Viertelmeile, dem kleinsten, den sie gewöhnlich haben, trotz ihrem kometartigen matten Lichte unter einem scheinbaren Durchmesser von zwei Minuten, d. i. in der Entfernung von beinahe 444 Meilen mit unbewaffneten Augen wohl gesehen werden könnten, so begreift man, daß wir, im Falle die Annahme des kosmischen Ursprungs richtig wäre, eine große Menge Feuerkugeln würden die Erde umkreisen, viele andere derselben zueilen, und sich wieder davon entfernen sehen. Unzahlig würden aber diese kleinen Satelliten der Erde sehn, wenn auch die Sternschnuppen kosmischen Ursprungs waren, wie es die Kosmisten behaupten. Zweitens ist nach dieser Ansicht unbegreiflich, warum seit mehr als dreitausend Jahren, wo die Ge- K2 schichte solcher Phänomene hinauöreicht, kein größerer kometartiger Körper auf die Erde gefallen ist, um entweder eine allgemeine oder eine partielle Umwälzung derselben hervorzubringen, oder wenigstens eine weite Strecke Landes mit seincrMasse zu überschütten. Diesen Einwurf vermögen die unter allen Völkern verbreiteten und von Thatsachen bestätigten Aussagen von früheren Umwälzungen unseres Planeten nicht im mindesten zu entkräftigen. Denn abgesehen davon, daß es sehr zweifelhaft ist, ob jene Umwälzungen einer äußern kosmischen Einwirkung, oder vielmehr einer innern individuellen Lebenöthätigkeit des ErdkörperS zuzuschreiben sind, müßten die Niederfälle von sehr großen kometartigen Körpern sich um so häufiger und sicherer ereignen, als der HimmclSraum so fruchtbar an neuen Weltkörpern wäre, und die kometartigen Massen bei ihrer unzähligen Menge, und wegen der geringen gegenseitigen Entfernung, eine starke Anziehung auf einander unfehlbar ausüben würden, wodurch sie sich nähern und vereinigen müßten. Drittens widerspricht der kosmischen Hypothese die offenbare Abhängigkeit der fraglichen Meteore von der Jahreszeit und der geographischen Breite, so wie aucb ihr nicht zu verläugncndcr Einfluß auf die Witterung und aus andere Zustände der Atmosphäre, Der Umstand endlich, daß die Stein- und Staub- Niederschläge nur aus solchen Substanzen bestehen, welche auch auf der Erde vorkommen, machen die obige Ansicht unwahrscheinlich. Sollte die Natur so einförmig in ihren Erzeugnissen seyn? Sollten alle KZ Weltkörper nur auö einem Theile der Grundstoffe bestehen, welche den Erdkörper ausmachen? Aus allen den angeführten Gründen ersieht man, daß die Hypothese deS kosmischen Ursprungs derStein- und Staub-Niederfalle, wenn auch nicht unmöglich, doch sehr unwahrscheinlich ist, und daß man die Erklärung der genannten Meteore anderswohin suchen muß. Die Naturforscher scheinen ihre Zuflucht zu dieser Hypothese nicht darum genommen zu haben, weil sie das Entstehen, die Geschwindigkeit und andere Erscheinungen der fraglichen Meteore wirklich erklart, sondern weil man dadurch die Untersuchung solcher Schwierigkeiten ganz übergehen könnte. Siebentes Cffpitel. Die Stein- und Staub-Nicderfälle haben den nämliche» - Ursprung wie die Wasser niederschläge. Vor kurzer Zeit hat Dr.Jdeler in einer über diesen Gegenstand verfaßten Abhandlung ') die alte aristotelische Meinung wieder geltend zu machen versucht, nach welcher nicht allein die als flüchtig erkannten, sondern auch die am meisten feuerfesten Stoffe, die letzteren nur in ganz geringem und unmerklichem Gra- 1> Ucber den Ursprung der Feuerkugel» uud des Nordlichtes von Dr. Jul. Jdelcr. Berlin 1832. K4 de, durch Wärme in einen dunstförmigcn Zustand übergehen können. Ten auf diese Weise and den Mineralien sowohl, als aus den Pflanzen- und Thiersubstanzen, welche sich auf der Erdoberfläche Hefinden, erzeugten Dünsten, weicheich, mit Aristoteles, der Kürze halber, zum Unterschiede von den Wasserdünsten, trockene Dünste nennen will, hätten die Stein- und Staub-Niederfälle sowohl, als jene klebrigen Meteorsubstanzen und die Sternschnuppen ihren Ursprung zu verdanken. ES geschehe hier ein Analogen der stiegen- oder Schnee- und Hagelbildung, indem die trockenen Dünste, wenn sie den Grad der Dichtigkeit überschreiten, wo sie sich in ihrem dunstförmigen Zustande erhalten können, natürlicher Weise in die con- crete Form übergehen müssen; und da sie dadurch schwerer geworden sind, als sie von der Luft getragen werden können, so fallen sie auf die Erde. Die Licht- Feuer- und Knallphänomcne, welche die genannten Meteore begleiten, sehen electrische Phänomene, wie es denn auch bekannt ist, daß der Uebergang der Materie von einem Aggregationszustande zum andern mit Bindung oder Freiwerdung von Clcctrieitat gewöhnlich verbunden ist. Waö die wirkliche Verdunstung der Metall- und Erdesubstanzen, und die sonstige Gegenwart concreter Materie in der Luft betrifft, so glaubt Jdeler die Belege davon in folgenden Thatsachcn zu liefern. 1) Daß eS chemische Verbindungen von Erden und Metallen gibt, welche einen crpansiblen Aggregatzustand annehmen; z. B. Kiesel, Gold u. s. w. «5 2) Daß das stiegenwasser ein größeres specifischeS Gewicht hat, als daS destillirte Wasser, und daß chemische Analysen von demselben nicht nur die Gegenwart von einer geringen Quantität Salze, sondern auch von einem Minimum von Eisen und Mangan gezeigt haben. 3) Daß ein feiner Staub in der Atmosphäre, und namentlich dann bemerkbar wird, wenn ein Sonnenstrahl in ein wenig erleuchtetes Zimmer einfällt, welcher Staub, nach seiner Meinung, sich auch hoch über die Erdoberfläche findet, und ein chronisches Meteor ist, da ihn Nafinesque auch auf dem Meere und auf dem Mücken hoher Gebirge gefunden hat. 4) Daß aste feuerbeständigen Metalle, wenn sie einer höhcrn Temperatur ausgesetzt, oder auch nur gerieben werden, einen Geruch verbreiten, welcher beweise, daß sie einen erpanfiblen Dunst erzeugen. 5) Daß einige Metalle und Erden, wie Kupfer, Kobalt, Boron, Stronzian, der Flamme eine Farbe ertheilen, die nach ihm nur die Wirkung der daraus sich verflüchtigenden Theile seyn kann. Was ferner die Analogie der Bildung der Stein- und Staub-Niederfälle mit dem der gewöhnlichen Wasser- nicderschlage anbelangt, so sucht sie Jdelcr durch folgende Beobachtungen zu erweisen. 1) Daß solche Niederfälle häufig in Begleitung von Gewittern Statt gefunden haben. 2) Daß außer dem in stiegen- und Schneewasser, wie oben gesagt, gefundenen metallischen und erdigen Beimischungen, auch sonst Hagel mit metallischem, 5 V6 dem Eoncremente der Meteorsteine ganz ähnlichen Kerne niedergefallen ist. 3) Daß, wo matt die fraglichen Niederfalle von ihrem Entstehen an zu beobachten Gelegenheit hatte, man gewöhnlich auch einen mehr oder weniger ausgebreiteten Lichtschimmer an dem Orte der Erscheinung bemerkt hat. Dieses Phänomen ist aber, Nach ihm, analog demjenigen, welches man in Folge der Entbindung der Electricitat bei dem Uebergange dcSWas- serdunsteS in den tropfbar flüßigen Zustand wahr- nimmt- 4^ Daß eine Reihe von Beobachtungen, welche Egen zusammengestellt hat, zu beweisen scheinen, die Stein- und Staub-Niedcrfälle stehen in einem gewissen Zusammenhange mit den andern Veränderungen in unscrm Luftkreise, und beide wiederum mit den im Innern deS Erdballes vor sich gehenden Revolutionen, So geschickt auch Jdeler die Thatsachen gewählt und die Umstände zusammengeordnct, und so scharfsinnig er auch die Folgen daraus gezogen hat, um dadurch seine originäre Ansicht zu begründen, so hält diese doch eine genauere Prüfung nicht aus. Was erstens den dunstförmigen Zustand anbelangt, welchen manche erdige und metallische Stoffe, theils rein, theilS in Verbindung mit andern Stoffen t) Man muß einen Unterschied zwischen Dnnst und Gas machen, indem man Dnnst jenen erpansiblc» Znstand der Materie nennt, welcher sich dnrch eine gewisse Temperatnr erhalt, Gas aber jenen, welcher sich in der Erpansibilität unabhängig von der Temperatur erhalten kann. / K7 annehmen, so wissen wir, daß Quecksilber, Arsenik, WiSmuth , Kadmium , Zink , Osmium, Tellur bei einer gewissen Temperatur in Dunstform übergehen, und daß außerdem das Chlor- und Filuor- Gas die Eigenschaft besitzen, mit manchen Metallen und Erden, z. V- mit Wolfram, Titan, Tantal, Chrom, Kiesel, gasförmige Verbindungen einzugehen; allein die Dünste der Ersten sind so schwer, und erfordern, um bestehen zu können, eine so hohe Temperatur, daß sie weder in die höhern Luftrcgionen emporsteigen, noch im Falle sie mit der Luft vermengt, sich dort erhöben, ihre Dunstform erhalten könnten. Wie ließe sich denken, daß die genannten Metalle hoch über der Erdoberfläche in einer so niedrigen Temperatur sich in Dunstform behaupten können, wo es bei dem flüchtigsten unter allen, dem Quecksilber, durch genaue Versuche erwiesen ist, daß seine Dünste bei der gewöhnlichen Temperatur kaum einige Zoll aufzusteigen vermögen? Was die gasförmige Verbindung der zweiten betrifft, so ist es ebenfalls bekannt, daß sie in einer feuchten Lust nicht bestehen können, weil das Chlor- oderFluor-Gas sich darin mit dem Wasserstoffe der Feuchtigkeit zu Salz- oder Flußsaure verbindet, und das Metall oder die Erde sich gleich niederschlagt. Außerdem vernichtet diesen Grund Jdelers, oder wendet ihn vielmehr gegen seine Ansicht selbst, die allbekannte Thatsache, daß sich in den Stein- und Staub- Niederfallen gerade von jenen Metallen keine Spur findet, welche in Dunst- oder Gasform übergehen können, und daß sie gerade solche Metalle und Erden enthalten, welche erwiesener Weise nie verfliegen. Wie V8 wäre dies möglich, wenn die Stein- und Staubregen der Verdunstung der auf der Erdoderflache befindlichen Mineralsudstanzen ihren Ursprung verdankten? Zweitens können die Analysen des Negen- und SchneewasserS, adgesehen davon, daß die Genauigkeit derselden noch immer von Vielen bestritten wird, zwar das Vorhandenseyn von Metall - und Erdesudstanzen im schon gebildeten und herabgefallenen Negen und Schnee, nicht aber die Art und Weise deS Vorhanden- seynS derselden in der Atmosphäre deweisen. ES ist ja möglich, daß diese Sudstanzen in der Atmosphäre erst in dem Augenblicke der Negen- und Schneebil- dung aus einfacheren in derLuft schwebenden Elementen durch eine electrische Wirkung entstehen; und die Frage ist nicht, ob Metall- und Erdsudstauzen von oben herabfallen, sondern in welcher Art und Weise, und wo dieselben, ehe sie als solche zu uns herabkom- mcn, vorhanden sind. Drittens können die Beobachtungen von Nafineöque (äoui-llick uf dem Meere fand, kann nicht gefolgert werden, daß er überall, also auch hoch über der Erdoberflache sich finden müsse. Denn der erwähnte Beobachter hatte allerorts, wo er nur solche Beobachtungen machte, in seiner Nähe Körper, deren allmählige Zerstörüng seinen Beobachtungen jenen Staub liefern könnten. WaS viertens den Geruch, welchen metallische und erdige Substanzen bei höherer Temperatur ent- KS wickeln, fo wie die Farbe betrifft, welche einige von solchen Substanzen der Flamme ertheilen, so glaube ich nicht, daß diese Erscheinungen als Zeichen einer Verflüchtigung der genannten Substanzen, wenigstens nicht als solcher, gelten können. Es ist bekannt, daß selbst die reinen Electricitaten nicht nur Geruch, sondern auch Geschmack haben, und die neuen Entdeckungen über die Natur und die Eigenschaft des Lichtes liefern den Beweis, daß die Farben nichts anderes sind, als die Wirkung der geschwindern oder langsamem Schwingung des Aethers auf die Sehnerven, so daß die erwähnten Erscheinungen des Geruchs und der Farbe als bloße dynamische Wirkungen betrachtet werden können. Will man aber dem Geruch und der Farbe etwas Materielles zum Grunde legen, so sieht man wieder nicht ein, warum die Erscheinung als eine Verflüchtigung, und nicht vielmehr als eine Zersetzung der Matal!- oder Erdesubstanz angesehen werden soll, wobei die zersetzten Elemente in Gasform entweichen, die Gettichnerven afficiren, und den Aether in eine geschwindere oder langsamere Schwingung versetzen. Nachdem nun alle jene Stützen weggefallen sind, auf welchen die Ansicht Jdelers beruhte, kommen jetzt auch folgende Betrachtungen hinzu, um dieselbe ganz umzustoßen. Erstens: wenn die Stein- und Staub-Niederfalle ihren Ursprung der Verdunstung der Metall- und Erdc- substanzen zu verdanken hatten, so müßten jene Metalle, welche erwiesener Weise Gasform annehmen können, in den Meteorsteinen, wenigstens in geringer Quantität, angetroffen werden. Da sich aber gerade von sol- 70 chen Metallen, wie öden bemerkt, keine Spur darin findet, so muß obige Hypothese unrichtig seyn. Wollte man dawider einwenden, daß die als flüchtig bekannten Metalle sich nur in geringer Quantität auf der Erdoberfläche vorfinden, so wäre es leicht, solche Einwendung durch die Bemerkung zu vernichten, daß Zink, Arsenik, Wismuth, Antimon, Quecksilber keine Seltenheiten sind, und daß Nickel und Chrom wenigstens eben so selten als Zink und Arsenik vorkommen. Zweitens, abgesehen von den Meteormassen, welche bis auf geringe Beimengungen ganz aus Eisen bestehen, weicht auch das Verhältnis; der Bestandtheile der übrigen Meteorsteine sehr von demjenigen ab, in welchem dieselben auf der Erdoberfläche vorkommen. Das so seltene Nickel macht 2—IL Hunderttheile, und das Eisen gewöhnlich den dritten Theil des Meteorsteins aus. Sollte diese so auffallende Abweichung einer vcrhältniß- maßig größeren Flüchtigkeit der letztgenannten Stoffe zugeschrieben werden, so müßte die Flüchtigkeit des Eisens millionenmal starker als die des Kiesels, und wieder die des Nickels ohne Vergleich stärker als die des Eisens seyn; was dann unserer Wahrnehmung unmöglich verborgen bleiben könnte. Ferner widerstreitet der Ansicht Jdelers der Umstand , daß das Eisen und die übrigen in den Meteorsteinen befindlichen Metalle, wenn sie als solche in der Atmosphäre vorhanden waren, sich durch die Feuchtigkeit derselben orydiren müßten, und in den Meteormassen nie im regulinischen Zustande vorkommen könnten. 71 Auch die Erscheinungen, welche den Niederfall der fraglichen Metcormassen zu begleiten pflegen, sind der -Ansicht JdelerS keineswegs günstig. Wenn die Bildung der genannten Meteormassen als ein Analogon der Negen-, Schnee-und Hagclbildung angesehen wird, so kann man wohl begreifen, wie durch Condensirung der metallischen und erdigen Dünste in den höhern Luftregionen jene feuerrothen Wolken entstehen, und sich jene Staub - Niederfälle bilden können, welche bisweilen beobachtet wurden. Unbegreiflich bleibt aber nach dieser Ansicht das Zusammenballen aller in einer weiten Strecke der Atmosphäre sich condensidirenden Dünste in eine einzige Kugel, das Erglühen derselben, ihr schräger von dem Winde unabhängiger rascher Flug, der leuchtende Schweif, welchen dieselben in ihrem Zuge zurücklassen, jenes beständige Krachen, jenes Aussprühen von Funken, und manche andere entschiedene Wirkungen eines starken electrischen Gegensatzes, welche dabei gewöhnlich beobachtet werden. Bietet die Negen-, Schnee- und Hagelbildung etwas diesen Erscheinungen ahnliches dar? Aus dem Dargestellten ersieht man, daß die Hypothese Jdelers weder auf festen Basen beruht, noch sich mit den Erscheinungen der Stein- und Staub-Nieder- fälle verträgt. Demnach kann sie nicht die richtige seyn. 72 Achtes Capitet. Einige andere weniger verbreitete Ansichten« Nach geschehener Prüfung und Widerlegung der obigen am meisten accreditirten Ansichten, bleibt und noch die Ansicht Laroisier's und Volta's ') so wie jene von Reynolds 2) und Murray 2) zu untersuchen übrig, welche ebenfalls etwas für sich haben. Die Ansicht der Ersteren besteht nämlich in der Annahme eines, die höheren Regionen unseres Luftkreises anfüllenden brennbaren Fluidums, wahrscheinlich des Wasserstoffgases, in welchem der Ursprung der fraglichen Meteorsubstanzen, des Nordlichtes und anderer feurigen Meteore zu suchen sey. Die Hypothese von Reynolds ist von jener Jdelers wenig verschieden. Nach derselben löst die Warme auf der Erdoberfläche die Bestandtheile der Meteorsteine auf, und hebt dieselben in die obersten Regionen der Atmosphäre, wo sie sich bei Temperaturveranderungen zu Wolken con- densiren, welche bei entgegengesetzt electrischem Zustande eine Detonation bewirken, und die Pracipita- tion der emporgehobenen Mineraltheilchen hervorbringen- Murray's Ansicht weicht nur darin von der so eben angeführten ab, daß nach ihm das Wasserstoffgas es ist, welches bei seiner Entwicklung auf der Crd- 1) 8. «Wils o>>ere >t«I «ontv /tlvssiiiiill'o Volt». I'iie»?.«! tkUg, Vnl. Iii. >>. 32. L> ^»Ivri-Üin z»»rniU ak seience. !. p. 21g. 3) kRilvsvpb. 1,1V. p. L9. TS oberfläche dw metallischen und erdigen Substanzen auflöst , und über den LuftkrciS hebt, wo sie sich durch einen dem obigen ahnlichen Proceß, d.i. durch Wolkenbildung und Detonation pracipitiren, etwa so, .wie man vermittelst der Electricitat aus dem Arsenikwasserstoffgase daS Arsenik in regulinischem Zustande ausscheiden kann. Die Ansicht Lavoisier'S und Volta's ist zu unbestimmt , als daß sie eine Widerlegung zuließe. Sie hat für sich nichts anderes, als die bloße Möglichkeit. Gegen die von Reynolds, welche von der Ansicht Jdelers nicht wesentlich verschieden ist, gelten die nämlichen Gründe, welche ich der letztern entgegengestellt habe. Anlangend die murrayische Hypothese, so ist dawider zu erinnern, 1) daß das Wasserstoffgas bei einem viermal geringeren Drucke als dem der Atmosphäre nicht entzündet wird, mithin auch jene Detonation und jene Präcipitation der mineralischen Theile in den höchsten Regionen des LuftkreiseS nicht erfolgen könnte; 2) daß die Anzündung deS Wasserstoffgases sich nicht auf eine geringe Strecke beschranken, sondern sich auf einmal über die ganze Atmosphäre verbreiten müßte; so daß überall gleichzeitige Meteorniederschläge würden erfolgen müssen; 3) daß die Verbrennung des Wasserstoffgases zugleich einen Wasserniederschlag, oder wenigstens eine dichte Bewölkung des Himmels hervorbringen müßte; 4) daß auch die übrigen Erscheinungen, welche bei den Stein- und Staub-Nicderfällen Statt finden, in dieser Hypothese keine befriedigende Erklärung finden können. 74 Dalton hat eine andere Meinung aufgestellt, nach welcher die höchsten Schichten der Atmosphäre aus GaSartcn bestehen, die selbst, oder deren Grundstoffe wir hier unten nicht haben, und deren Thcilchen sich mit denen unserer Atmosphäre zurückstoßen. Die spe- cifische Leichtigkeit dieser Gasarten macht, daß sie über der atmosphärischen Luft schwimmen, und darum sich für immer den Nachforschungen der Physiker entziehen. Dalton glaubt, daß diese erpansiblen Flüssigkeiten magnetische Eigenschaften besitzen, und daß man also nicht umhin könne, dieselben für eisenhaltig zu erklaren. Diese wenigen Punkte der Ansicht DaltonS habe ich nur durch die erwähnte Schrift Jdelers kennengelernt. Da ich bisher die Schrift deS englischen Naturforschers selbst nicht habe bekommen können , und folglich nicht weiß, wie er seine Hypothese weiter entwickelt und begründet, so kann ich auch nichts weiter darüber sagen. Indessen sehe ich, daß sie in einem Punkte mit jener Ansicht zusammentrifft, zu welcher ich, ehe ich etwas von der Dalton'schen wußte, durch die bloße Betrachtung geleitet wurde, daß sich in den Meteorsteinen nur solche Metalle finden, welche magnetische Polarität annehmen. Darum gehe ich auch gleich zur Darstellung der letzten Ansicht über, und überlasse den Sachkundigen, zu entscheiden, ob und in wie fern sie mit der Dalton'schen übereinstimmt. X 75 Neuntes Capitel. Die Stein - und Staub - Niederfälle verdanken hauptsächlich ihren Ursprung den dnrch Zersetzung aus der Erdmasse entweichenden, und in die höheren Luftregionen emporsteigenden gasartigen Elementen der Mineralien. Die große Anzahl der Stoffe, welche die Chemie einfache Stoffe nennt, weil sie dieselben nicht weiter zu zerlegen vermag, überzeugt uns schon a priori, daß sie nicht wirklich einfach seyn können, sondern aus anderen einfacheren Stoffen bestehen müssen, welche vielleicht die Verbindungen noch einfacherer Vestandtheile sind, so daß diese Analysis sich bis zu den absoluten Elementen der Körperwelt fortseht. Stehen die zwei Grundsätze der Chemie fest: lstenS daß die Atome der gleichartigen, oder gleich electrischen Materie einander abstoßen, die der ungleichartigen, oder entgegengesetzt electrischen Materie aber sich gegenseitig anziehen; 2tens daß je starker der Gegensatz zwischen den Atomen der ungleichartigen Materie hervortritt, desto starker die gegenseitige Anziehung derselben vor der Verbindung, und desto starker auch ihre ruhende Verwandtschaft nach der Verbindung, d. i. ihr Beharren in der Verbindung ist, so folgt daraus, daß die unseren Sinnen sich darbietenden Verbindungen der Materie, nach dem Grade der Verwandtschaft ihrer ungleichartigen Vestandtheile, bald sv fest erscheinen müssen, daß sie durch keines der Mittel, die dem Chemiker zu Gebote stehen, zerlegt werden können, mithin als 7V einfache Körper erscheinen, bald aber auch so locker, daß sie eher ein Gemeng, als eine chemische Verbindung darstellen. Denkt man sich die verschiedenen Grade der Verwandtschaft zwischen den ungleichartigen Materien als eine steigende Reihe bildend, deren erstes Glied jenen Grad der Verwandtschaft anzeigt, welcher die lockerste Verbindung bewirkt, so kann selbst das letzte Glied dieser Reihe, sie mag auch so lange seyn, und ihre Glieder auch so schnell wachsen, dennoch nicht lloiu>mönos ll'iii- tliciumation vorllsblo llsns cos imsxes p!i ä'vbsorvsteurs i'attestont, ot oomiue go 1'iti vu iiroi mömo, traiispartout sroo eux lo^riiioipo cko ieur z>iio8p!x>rosveiico, et isnoont ^>sr iirtervicklos lies jots ckv iuwiöro, lies espooos llo kusöos gui iaissent «xrös elles li-rns t'sir une traee bisnollütro. Oir liolt «iaiio alliuotwo, coinnie une oiivso su marus vraisem- dlalils, «zue la mstlere 60 I'surore bvresle j>eut evn- teulr ile« suiistsircos susoo^tilries lle s'eoklairimer soeilleii- telleweut soit p»r elles meiues, soit psr lies llöeirsiKes oieotiiguos, vporeos lisiis ies nuees nni ies recelent. Wie Sauerstoff und Stickstoff in der Atmosphäre, wie Sauerstoff und Wasserstoff, wie Chlorgas und WasscrstoffgaS ewig miteinander gemengt bleiben, ohne sich miteinander zu perbinden, bis die gemengten Stoffe in den zwei ersten Fallen durch einen elektrischen Funken zu Salpetergas und Wasser, im dritten aber durch den kleinsten Lichtstrahl zu Salzsaure vereinigt werden, so bleiben auch jene, auf die erwähnte Weise entwickelten und die obersten Regionen der Atmosphäre einnehmenden höchst feinen Gase miteinander gemengt, bis ein starker elektrischer Gegensatz in jenen Schichten rege gemacht wird, welcher eine Verbindung der ungleichartigen Stoffe miteinander auf eine größere oder kleinere Strecke bewirkt. Dieser elektrische Gegensatz kann, nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen, auf vielerlei Weise, z. B. durch die ungleiche Erwärmung der genannten Schichten, oder durch jede Mischung und'Scheidung, welche in der Atmosphäre vorsich geht, hervorgerufen werden. Das Erzcugniß der Verbindung ist eine lockere Masse, in welcher die ferneren 89 Bcstandtheile der in den Stein-und Staub-Niederfallen befindlichen metcillischen und erdigen Stoffe in einem ganz anderen Verhältnisse miteinander verbunden vorkommen, als spater in den concrcten Metallen und Erden. Senkt sich nun dieses sehr lockere Meteor, wegen seines größeren spezifischen Gewichtes, in die Atmosphäre herein, so beginnt damit in der dichteren atmosphärischen Luft ein neuer chemischer Prcceß, wobei daö Meteor sowohl in Bezug auf die chemische Verbindung der verschiedenen Stoffe miteinander, aus welchen eS besteht, als auch hinsichtlich seines Aggregat- zustandeS eine allmahligc Veränderung erleidet. Dieser Proceß und die daraus folgenden Veränderungen scheinen theils durch die vermittelnde Verwandtschaft der atmosphärischen Luft zu den Bestandtheilen des Me- teoreS, theils durch die Entwicklung einer größeren Warme, welche die Verwandtschaft zwischen den Stoffen ebenfalls modifiziren kann, theils durch die wirkliche Verbindung der Vestandtheile der atmosphärischen Luft, des Sauerstoffes, des Kohlenstoffes und anderer Beimengungen mit den Stoffen des Meteors, und die Verflüchtigung einiger von den letzteren bedingt zu seyn. Die zusammengesetzte Masse, welche durch viele Veränderungen allmählig geht, erhält endlich in der letzten Periode des Processes jene'feste Form, in welcher sie auf die Erdoberfläche herabfallt. Wie man sich auch anders den Ursprung der fragil Eine solche vermittelnde Verwendtschaft der atmosphärischen Luft bewirkt z. B. die Orydation eines im Wasser eingetauchten Eisenstabes durch die Zersetzung des Wassers, wo dieser hingegen ohne den Zutritt der Lnst sich im Wasser nie orydirt. W lichen Meteore denken mag, so kann man unmöglich von den manigfaltigen Erscheinungen, welche bei oen Stein- und Staub-Niederfallen statt finden, Rechenschaft geben. Faßt man aber die Sache nach der obigen Ansicht, so lassen sich daraus die angeführten Erscheinungen befriedigend erklären. WaS erstens den Unterschied der Steinniederfalle von den Staubregen betrifft, so scheint er darauf zu beruhen, daß in dem ersten Falle die wolkenartige Masse bei ihrem Hereinsenken in die Atmosphäre eine vollkommene Ruhe in derselben findet, wodurch der Pro- ceß, wenigstens in der ersten Periode, ruhig von Statten geht, und die Materie sich in eine zusammenhangende kugelförmige Masse zusammenballt; wogegen im zweiten Falle die genannte wvlkenartige Masse sich in eine ungestüm bewegte Atmosphäre einsenkt, zertheilt, und in diesem zertheilten Zustande die folgenden Veränderungen im Processe erleidet. DieS scheint auch die Ursache zu seyn, warum die Staubniederfalle gewöhnlich von furchtbaren Gewittern und sonstigen auffallenden Veränderungen in der Atmosphäre begleitet werden. Anlangend zweitens daö blendend starke Leuchten der Feuerkugeln, so wie das feuerrothe Ansehen der Wolken bei den Staub-Niederfällcn, welches Letztere nach den früheren Ansichten unerklärbar blieb, fo ist aus meiner Hypothese klar, daß diese Lichterscheinun- gen die nothwendigen Folgen des chemischen ProcesscS sind, welche die Meteormasse erleidet. Das Gekrache und die sogenannten Explosionen der Feuerkugeln finden ebenfalls ihre natürliche Erklärung in dieser Hypothese. Auch sieht man daraus, wie Explosionen in einer so großen Höhe über der Erd- VI oberfiachc, wo die Luft sehr verdünnt scyn muß, geschehen kennen, und warum so viele Erplosionen gehört werden, ohne daß dadci Steine auf die Erde fallen; was notdwendiger Weise geschehen müßte, wenn die Mcteormasse als Auswürflinge der MondeSvulkane, oder als Stücke zerstörter Planeten in unsere Atmosphäre in feste Form hereingeriethen. Das oftmalige Gekrache nämlich und der endliche große Knall sind keine eigentliche Erplosionen, sondern sie rühren daher, daß die lockere Meteormasse, so oft sie eine festere Form annimmt, auch einen luftleeren Naum läßt, in welchen die atmosphärische Luft gewaltig eindringt, und einen Knall verursacht. Daß dei den Staub-Niederfällen kein starker Knall gehört wird, sondern ein Sausen in der Luft, ist ebenfalls nach obiger Ansicht begreiflich. Nicht minder klar ist daraus, warum die niederfallenden Massen gegen den wahrgenommenen Umfang des Meteoros nur sehr klein sind. Der Umstand, daß sich die genannten Meteore in den heißen Klimaten und Jahreszeiten weit häufiger ereignen, als in den minder heißen, ist dem Einfluß der Clectrizität auf die Bildung jener lockeren Masse zuzuschreiben. Da nämlich die chemische Verbindung jener höchst feinen magnetischen Stoffe, welche die obersten Regionen der Atmosphäre einnehmen, durch einen rege gewordenen starken electrifchen Gegensatz bewirkt wird, und dieser electrische Gegensatz in der Atmosphäre bekanntlich um so kräftiger hervortritt, je heißer der Himmelsstrich und die Jahreszeit ist, so folgt daraus, daß auch die genannten Meteore in den heißeren Himmelsstrichen und Jahreszeiten sich häufiger ereignen müssein Auch der Einfluß der genannten Me- 92 tcore auf den Zustand der Atmosphäre, so wie der Zusammenhang, welchen man zwischen denselben und Erdbeben oder vulkanischen Ausbrüchen bemerkt haben will, find nach meiner Hypothese nicht unbegreiflich. Denn, da die Bildung jener wolkenartigen Mcteormassen in den obersten Schichten des LuftkrciseS durch einen starken elccirisehen Gegensatz bedingt wird, und auch die atmosphärische Luft auf die Fortbildung derselben wirkt, so muß auch der electrische Zustand der letzteren mehr oder weniger verändert werden; und da der Ursprung der Meteore jenen magnetischen Stoffen zu verdanken ist, so muß bei ihrem Entstehen das Gleichgewicht des Erdmagnetismus einigcrmassen gestört werden, wodurch nun die sich im Innern der Erde thätig verhaltenden Kräfte reger gemacht, jene typhvnisehen Phänomene hervorbringen können. Die übrigen seltenen Niederfälle, wie auch die Sternschnuppen, scheinen von den Stein- und Staub- Nieoerschlägen nicht dem Ursprünge nach verschieden zu seyn. Sie entstehen ebenfalls in jenen obersten Schichten der Atmosphäre, die mit seinen gasartigen Grundstoffen erfüllt sind. Ihr Unterschied von den genannten Meteoren mag darin bestehen, daß sich nur einige von jenen feinen Grundstoffen zu einer lockereren und leichteren Masse vereinigen. Unter den schwierig zu erklärenden Erscheinungen der Feuerkugeln gehören auch die Geschwindigkeit und die Bahn derselben. Wir haben gesehen, daß sie weder in der lunarischen noch in der kosmischen Hypothese eine Erklärung finden. Jdeler hat nicht einmal versucht, die Bewegung der erwähnten Meteore durch seine Hypothese deS atmosphärischen Ursprungs der- !SS selben zu erklären. Vergleicht man nun aber die Feuerkugeln mit den Sternschnuppen, und jenen stern- schnuppenartigcn Fcuermeteoren, welche Biet bei dem Nordlichte beobachtete, so wird man auf den Gedanken kommen, entweder entwickeln sich im Innern der gebildeten Meteormassen durch den bestandigen chemi- mischen Proccß Gase, deren nicht nach allen Seiten gleichem Drucke jener schnelle Flug sowohl als die schlangenförmige Bewegung zuzuschreiben ist, so daß wir also ein Beispiel der Natur jener Bewegungen an den Nasetten und Dampfmaschinen haben, oder wahrscheinlicher sind die Erscheinungen aller jener Bewegungen die Wirkung eines machtigen, durch den Bil- dungsproceß deö MeteorcS selbst starker hervorgerufenen electrischen Gegensatzes, wodurch die gebildete Feuerkugel von der gleichelectrischen Stelle der Atmosphäre heftig abgeflossen und zu einer ungleichelectrischen getrieben wird. Daraus läßt sich auch die zickzacksör- mige Bahn der genannten Meteore ungezwungen erklaren, indem mau zu diesem Zwecke nur der Annahme bedarf, daß die Feuerkugel ihren Weg zwischen zwei ungleichelectrischen Stellen der Atmosphäre, von welchen sie abwechselnd abgeflossen und angezogen wird, fortsetzt. Ich läugne nicht, daß auch diese Erklarungsart noch viel Dunkles in sich hat; allein in derselben Kategorie ist Alles was wir bisher über die Luftelectrizitat und ihre typhonisch mächtige Wirkungen wissen. Ich werde noch einige neuere Beobachtungen hinzufügen, wodurch die obige Ansicht ein größeres Gewicht gewinnt. In der Nacht vom 12. auf den 13. November 1833 beobachtete man in New-Häven in den vereinigten Staaten einen röthlichen Dunst, welcher vom südlichen Horizont !)4 allmählig bis zum Zenith heraufstieg, dort still stand und anfangs so dünn war, daß er nur die kleineren Sterne zu verdunkeln vermochte. Nach Verlauf von ungefähr 5 Stunden erreichte das Meteor das Mari- mum seiner Ausbildung. Eine ununterbrochene Neihe von Feuerkugeln, deren eine sogar die scheinbare Größe deS Mondes gehabt haben soll, schoßen von einer Stelle deS Mcteoreö rakettenahnlich nach allen Seiten hin, und zwar in der Art, daß wenn man ihre Bahnlinie rückwärts verlängerte, sie alle in einen Punkt des Himmels zusammentreffen würden. Um diesen Punkt war ein kreisrunder Flecken von mehreren Graden, innerhalb dessen keine Feuerkugeln wahrgenommen wurden, da sie sammtlich den Anfang ihrer Bewegung in verschiedenen Abstanden von dem erwähnten Flecken nahmen. Nebst den zahlreichen Zuschauern dieses Schauspieles wurde es besonders von Palmer und Olmsted beobach- . tet und beschrieben. Ein ganz ähnliches Phänomen wurde von Olmsted in der Nacht vom UZ. auf den 14. November 1834, also nach einem Jahre, in derselben Stelle des Himmels beobachtet.') Wenn diese merkwürdigen Phänomene unö über die eigentliche Ursache jener Bewegungen nicht ganz genau belehren, so überzeugen sie unS wenigstens, daß die Feuerkugeln und Sternschnuppen ihre Geschwindigkeit nicht von dem Weltrarnne, wo sie sich früher nach der kosmischen Hypothese herum bewegt haben sollen, in die Atmosphäre hereinbringen, sondern daß ihnen dieselbe durch eine Kraft eingeprägt wird, welche in der Atmosphäre durch die Fortbildung des Meteors selbst rege gemacht wird. Eiche Kämz Mineralogie. B. III. S- S3t. Jetzt muß ich auch einigen Einwendungen begegnen, welche man wohl gegen meine Ansicht erheben^ kann. Erstens wird man mir vielleicht einwerfen, daß die Stein-und Staub-Niederfälle keineswegs aus lauter magnetischen Substanzen bestehen, da die meisten Bestandthcile derselben, wie z. V. Kieselerde, Kalkerde:c. nicht die geringste Empfindlichkeit gegen MagnetismnS zeigen. Allein gegen diesen Einwurf bemerke ich erstens, daß es mir wenigstens nicht bekannt ist, ob man Versuche mit den Radikalen der Erden in ihrem reinen Zustande gemacht, und sich dadurch überzeugt hat, daß sie sich gegen den Magnetismus ganz unempfindlich verhalten. Zweitens können die Erdradikalen solche fernere Bestandtheile haben, die des Magnetismus empfanglich sind, und nur darum unmagnetisch erscheinen, weil sie noch eine geringe Quantität von einem andern Stoffe in sich enthalten. So werden auch z.B. Eisen, Kobalt und Nickel unmagnetisch, wenn daS erste sich mit einer bestimmten Quantität Snuerstoff, die letzteren aber mit dem geringsten Antheil von Arsenik verbunden haben. Ucbrigens will ich durch die Hypothese, die Stein - und Staub-Niederfälle verdanken hauptsächlich ihren Ursprung dem Magnetismus der Erde, den Einfluß jeder andern Ursache auf die Bildung derselben keineswegs ganz bestimmt ablaug- nen. ES ist ja möglich, daß eine andere Ursache, z.B. das Sonnenlicht, eine ähnliche langsame Zersetzung der erdigen Substanzen bewirke, wie der Magnetismus der magnetischen Metalle, wo dann mit ihren ferneren Bestandtheilen dasselbe vorgeht, wie mit den durch den Magnetismus zersetzten. Unmöglich ist es aber, durch irgend eine andere, als durch meine obige Ansicht, den W auffallenden Umstand zu erklären, daß in den Stein- und Staub-Niederfallen nur solche Metalle enthalten sind, welche magnetische Polarität annehmen, und daß gerade von solchen Metallen keine Spur sich darin findet, welche in Dunstform übergehen können. Noch weniger kann irgend eine andere Hypothese uns einen Grund angeben, warum manche von den herabgefallenen Meteormassen, fast ganz aus Eisen und Nickel, den zwei eminent magnetischen Metallen bestehen. Daß diese Eisenmassen, welche sich an mehreren Stellen der Erdoberflache finden, meteorischen Ursprungs seyn müssen, beweist nicht nur der Umstand, daß sie ganz einsam an solchen Stellen liegen, wo keine Eisengru- ben und keine Vulkane in der Nähe zu sehen sind, daß sie eine ganz eigenthümliche Struktur, eine weißere Farbe und beständig einen auffallend großen Nickelgehalt haben, sondern auch entschiedener das historisch erwiesene und beobachtete Herabfallen ganz ahnlicher Eisenmassen in Djordjan im Jahre im Neun- höfer-Walde in Sachsen, zwischen 1S4ll und 155», bei Lahorn in Hindostan im Jahre 1L21 am 17. April, zu Hraschina bei Agram in Croatien im Jahre 1751 am 2K. Marz um 6 Uhr Abends. Wenn nun die fraglichen Meteore lunarischen, oder planetarischen, oder kosmischen Ursprungs seyn sollen, wie läßt es sich denken, daß die Mondvulkane so oft nur Eisenmassen entschleu- dern, daß die Stücke der zerstörten Planeten so oft nur aus Eisen und Nickel bestehen, daß die chaotische Materie nur in diese metallischen Substanzen übergeht? Sollen sie hingegen atmosphärischen Ursprungs seyn, so frage ich weiter: welche ist die Kraft, die aus so vielen Substanzen, woraus der Erdkörper besteht, ge- 97 rade jene auswählt und volatilifirt, welche eminent- magnetisch sind? Durch welches Verhängnis findet sich in der Atmosphäre gerade von solchen Sudstanzen keine Spur, welche so leicht Dunstform annehmen, und folglich in derselden, wenn die Jdelersche Ansicht richtig wäre, unmöglich fehlen würden? Da sich nie ein Steinfall ereignet hat, worin das Eisen fehlte, viele aber, worin die unmagnetischen Erden nicht vorhanden sind, so folgt daraus nothwendig, daß das Eisen das Wesentliche und Beständige in den fraglichen Meteoren, mithin die magnetische Kraft die Hauptursache derselben, die anderen Sudstanzen aber nur zufällig sind, und wohl einer Nebenursache zugeschriedcn werden müssen. Zweitens wird man mir einwenden, daß jene gasförmigen Bestandtheile der M.talle und Erden, welche durch die magnetische Kraft deS Erdkörpers verflüchtigt werden sollen, eine ganz hypothetische Eristenz haben, und außer jeder Erfahrung liegen. Nun sollte man die fraglichen Meteore durch etwas ErfahrungSmaßiges, und nicht durch ganz hypothetische Dinge zu erklären suchen. Ich erwicdere, daß man immer in der Physik sei- neZuflucht zu Hypothesen genommen hat, und die besten Erklärungsarten, welche später für unbestreitbare Thesen gegolten, anfangs nur bloße Hypothesen gewesen sind. Besonders muß man sich mit Hypothesen bei der Erklärung von Naturereignissen verhelfen, welche in einer dem Menschen unzugänglichen Gegend vor sich gehen, und wo folglich keine Erperimentirung möglich ist. Was würde aus der Lehre von dem Weltsysteme, wenn man die Hypothese deS KopernikuS und deö Newton verwerfen, und nur die bloßen Sinne zu Raths 7 !>8 ziehen wollte? Ist nicht die Eristenz eines daS All clusfüllenden ätherischen Fluidums, auf welche der große Euler seine Theorie vom Lichte gegründet hat, rein hypothetisch, und sinnlich gar nicht wahrnehmbar? Ist seine Theorie nicht eben deswegen früher so heftig bekämpft worden, und wird noch heutzutage von manchen bestritten? Je genauer man aber die Eigenschaften und die Phänomene deS Lichteö kennen lernt, desto vollkommener überzeugt man sich, daß die Euler'srbe Hypotbese doch eine Wahrheit seyn, oder wenigstens der Wahrheit am nächsten liegen müsse, da keine andere Hypothese vermag, die so mannigfaltigen und wunderbaren Phänomene deS Lichtes, namentlich die Interferenz- und Beugungserscheinungen befriedigend zu erklaren. Wenn nun die menschliche Vernunft in ihrem so natürlichen Streben, Alles auS Gründen zu erklären, allzu oft genöthigt ist, zu Hypothesen ihre Zuflucht zu nehmen; wenn ferner die Zuläßigkeit einer Hypothese nur darin besteht, daß sie keine Unmöglichkeit in sich schließt, oder keinem Naturgesetze zuwiderläuft, ihr positiver Werth aber und der Grad ihrer Wahrscheinlichkeit desto höher ist, je mehr sich auS ihr erklären laßt, je leichter und gründlicher dies geschieht, je weniger Hülfshypothesen sie bedarf: so ist die gegebene Erklärung der fraglichen Meteore so viel begründet, als es sich nur bei so dunklen Naturerscheinungen erwarten laßt. Denn die Hypothese von der Zerlegung der Metalle und Erden durch den Erdmagnetismus widerspricht nicht nur keinem Naturgesetze, sondern stützt sich auch, wie oben bewiesen worden, erstens auf die Thaisache der Bildung von metallischen und erbigen Stoffen in solchen Umständen, wo ihre ferneren 9!) Bestandtheile nur aus rudern, nicht metallischen und eidigen Substanzen herkommen können; zweitens auf die chemische Wirksamkeit deS Magnetismus; drittens auf die Phänomene der Polarlichter, welche sich nicht anders erklaren lassen, als durch die Annahme einer von der Erde ausströmenden feinen Materie. Wenn wir diese Substanzen nicht sinnlich wahrnehmen können, so liegt der Grund davon einerseits darin, daß sie, selbst wahrend der Polarlichterscheinungen, sich nur in geringer Quantität entwickeln, und größtentheilö sogleich in die obersten Luftregionen hinauf steigen, andererseits aber darin, daß der mit der atmosphärischer, Luft vermengt bleibende Theil derselben allzugering ist, um eine merkliche Veränderung in der Mengung der lehtern hervorzubringen, und daß sie sich darum in die Menge des Stickstoffes verlieren müssen, dg wir fein Neagenö kennen, wodurch wir dieselben gleichsam auffangen können. Welches Merkmal haben wir denn für den Bestandtheil der atmospäri- schen Luft, welchen wir Stickstoff nennen ? Ist e6 nicht das bloS negative Merkmal, daß er daö Verbrennen und das MtMN nicht unterhält? Wenn nun auch andere gasartige Substanzen dasselbe negative Merkmal mit dem VtlMoffe gemein haben, wie können sie von dem leisten unterschieden werden? Wie hätte man z. B, , ehr man tue Neaginmg des Kalkes auf das kohlensaure Gas gekannt, dasselbe in der atmosphärischen Lust finden können? Meine Hypothese hat überdies den Vorzug, daß sie nicht nur den Ursprung der Stein- und Staub- Niederfälle möglichst befriedigend erklärt, sondern sie auch andere für ganz heterogen gehaltenen Natnrerschei? nungcn, die Sternschnuppen und Polarlichter, mit- umfaßt, und indem sie einen Zusammenhang unter allen begründet, dieselben wechselweise beleuchtet. Eine solche Hypothese aber, welche viele Erscheinungen mit einander in Verbindung seht und erklärt, hat eben darum einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, wie es auch Biot in Bezug aus das Nordlicht bemerkt hat: „ll>a lisisoii mulnelie , l-r eliffmiistsiieL intime, ezui so troinont sinüi naturellemont etülilie« eiitro porlicu- lilriteis sussi nomlireuses, srizsi ^loixnäes lo» une« i!n» siitres, ntlrent un cliaeilatüic! «I« röslite, kjii« l'an trenivv raoemeiit «1ai>8 las eansicläiatiaiis i!t xoint l-r vvoite giour I)S8S. ss?!,)'«. expeiim. V. Il, p. Dieß ist das Resultat der Betrachtungen, welche ich über diesen sehr dunklen Gegenstand der speculati- ven Physik gemacht habe. Sachkundige mögen beur- theilen, ob sie einen Werth haben oder nicht. Wenigstens werden sie, wie ich hoffe, die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf diesen Gegenstand noch einmal lenken, und sie veranlassen, die oben ausgesprochene Ansicht genauer zu prüfen. Die Zeit wird dann dieselbe entweder bewähren, oder widerlegen. O^iiirioiium oiiim oomments clelot ä!e», natur-gL g'u- Reis oonürmst. tVca?-. c/er/so?-. //ö. //. A. 2. Ooirißencka. Seite 7 I. 13 statt was lies das Seite 12 Z. 21 statt Simbol lies Symbol. Seite S1 Z. 4 statt ^ lies ^ iln.l. Z. 6 statt f' lies k- slat.) Seite 66 Z. 2 streiche das sich- Seite 6t Z. 16 statt als sie lies als daß si e