Erinnerungen aus Lichtenbergs Vorlesungen über Erxlcbens Anfangsgründe der N a L u r l e h r e V o>. GvtlIiebGamau5- Prediger in Oedeuburg. Zweytes Bändchem Wien und Triest, in GcistingcrS Buchhandlung- i L ! r. Lichtenberg über Luft und Licht nach seinen Vorlesungen herausgegeben. Mit Kupferiafeln. Wien und Triest, in Geist! ngers Buchhandlung, i 5! i l. Siebenter Abschnitt. Von der Luft. §. 202. Begriff von der Luft. sind allenthalben von einem Flui- dum umgeben, das matt die Luft nennt, und von dessen Daseyn man sich auf der Stelle mit feiner flachen Hand, so wie mit jedem Fächer, und auf taufend andere Arten überzeugen kann. Dieses Fluidum umfließt unsere ganze Erde, und bildet um dieselbe ein Luftmcer, auf dessen Boden wir wandeln, in welchem die Vogel wie die Fische herum schwimmen, und dessen Höhe man zu 10-12 geographische Meilen annimmt, aber eigentlich nicht gewiß bestimmen kann. — Die Luft ist unsichtbar. Jedoch dieß gilt nur von kleinern Portionen derselben. Stellt A 2 7. Abschnitt. sie sich uns in großer Quantität dar, so erscheint sie von hellblauer Farbe. Das, was wir den blauen Himmel nennen, ist die Luft. — Wie wichtig die Luft für uns sey, darf wohl nicht erst gesagt werden. Wir könnten nur wenige Minuten ohne sie leben. Ohne sie hatte unser Feuer keine Nahrung. Sie ist das Vehikel für die Tö ne, die Musik, und die Sprache. Wenn Gegenden vor Hitze verschmachten, so ge- ralh die Luft in Bewegung, oder führt re- genfchwerc Wolken dahin, oder zersetzt sich selbst in Wasser, und erquickt wieder die lechzende Gegend. Vermittelst der Luft sind die Welttheilc miteinander verknüpft worden. — Aus diesem Allen crgiebt sich wohl von selbst, wie interessant die Lehre von der Luft für uns seyn muß. §. 20Z. Elasticität der Luft. Die Elasticität der Lust wird recht gut bewiesen mit dem Eindringen des Was- Bon bor Lust. Z. ZoZi Z sers in cin mit der Ocffnung nach unken gekehrtes Glas, das man in einem Gefäß dergestalt unter Wasser taucht, daß der Rand desselben die Oberfläche des-Wassers ringsherum zugleich berührt. Nur muß man den Umstand, daß das Glas immer starker aufwärts getrieben wird, je tiefer man es untertaucht, nicht der Elasticität der Luft, wenigstens nicht derselben allein zuschreiben» Der nähmliche Umstand ereignet sich ja auch mit jedem Stückchen Holz von geringerem spezifischen Gewichte, als das des Wassers ist, so wie mit jedem leeren, etwas hohen und leichten Glase, das mit dem Boden voran untergetaucht wird. Es rührt also nur von der spezifischen Leichtigkeit des Glases her. Der Umstand, daß nur wenig Wasser in das umgestürzte Glas eindringt, und dasselbe nickt ganz damit gefüllt wird, wie es doch nach hydrostatischen Grundsägen sey» sollte: ist zugleich einer der simpelsten Be- A 4 7- Abschnitt. weise für daS Duschn der Luft, wovon im vorhergehenden §. die Rede war. Läßt mau ein Lichkchcn auf Kor? gefetzt, unter dem Glase brennen, so verlischt es zwar endlich? dieß rührt aber nicht von der Abwesenheit der Luft her, sondern daher, weil das xm- tzulum vitD für die Flamme alle wird. Für die Jmpcnctrabilitat der Körper und nahmentlich der Lust giebt dieser Versuch ebenfalls einen sehr schönen Beweis. Er wurde auch, als von derselben die Rede war, angestellt. (Sich >. Baudchcn S. 44.) Von diesem Versuche hat mau auch eine schöne Anwendung aus die T auchcr- glecke gemacht. — Robert Mcnzies (in seinem IPmamine xli^LloloAlgo yb. 'I'rnn^aoc. vom Jahr 1717 und 1721, welches man fich wegen des Datums zu merken hat. 6 7 Abschnitt. der an dem Mastbaum des Schisses befestiget war, in die See gelassen. — Halleyließ sich selbst mit noch 4 andern Personen 10 Klafter tief in die See, und verweilte mit seiner Gesellschaft i und 1/2 Stunde lang unter dem Wasser. Ja er korrespviidirte sogar in das Schiff hinauf, und man gieng Zoo Fuß auf demBvdcii des Meeres von der Glocke hinweg, aber versteht sich, wieder unter der Sauvc- Garde einer andern Glocke, die durch eine lederne wasserdichte Röhre mit der großen Glocke in Verbindung gehalten wurde. Um die verdorbene Luft in der Glocke zu ersehen, hatte man ein sinnreiches Mittel erfunden. Es wurden von dem Mäste zwey mit frEcher Lust gefüllte kleine Fässer von Holz und mit Bley überzogen, nach Art der Brunnen Eimer hinunter gelassen, ohne duß sie umstürzen konnte» In dem untern Boden hatten sie eine Seffuung, wo das Wasser eindringen konnte, wenn demselben von der Luft Platz gemacht wurde. Bo» der Lust 5. 7 .Oben an jedem Faße war an einer Oeff- nung derselben ein lederner Schlauch wasserdicht befestiget, der sich in eine kleine, mit einem Hahne versehene Röhre endigte. Di.sc Rohre zog man unter die Glocke, und drehte den Hahn ans. Nun drang das Wasser b y der untern Hessnrmg in das Fast hinein, m?d trieb auS demselben die Luft durch den Schlauch in die Glocke. Versieht sich von selbst, daß das Faßchcn jedesmahl ttcftr zu stehen kommen mußte, als die Glocke. An der Glocke war auch eine mit einem Hahn versehene Oeffnung, durch welche man die schlechte Lust hinauS schaffte. — So wurde also auch die Glocke restaurirt; so konnte man wieder eine Weile leben! War ei» Faßchen leer, so gab man ein Zeichen, und es kam das andere. Wollte man nach einer anderen Stelle, so korrcspondirte man hinauf, und das Schiff segelte weiter. — Um denn auch in der Glocke sehen zu können, war oben an 8 7> Abschnitt. derselben ein Glas angebracht. Aber das mußte gut gefaßt seyn; War die See glatt, so konnte man gut sehen; aber wenn sie rauh und stürmisch war, sah man wegen der vielfachen Reflexion des Lichtes nichts. Ein Kerzenlicht konnte man darum nicht gut in die Glocke hinein nehmen, weil dieß eben so viel Luft verzehrt haben würde, als der Mensch, und weil man hier mit der Luft so haushälterisch umgehen mußte. — Die einzige ttugcmachlichkeir, die man empfand, war der Schmerz in den Ohren. Dieser rührte von der Verdichtung der Luft beym Hinablassen der Glocke her. So wie nran aber langsamer damit zu Werke ging, verging de»selbe. Bey dicserGelegenheit etwas über einen Gedanken der Taucher. Sie nehmen einen Schwamm mit Oehl in den Mund. Man dachte gewöhnlich, es geschehe, um das Athemhvhlen dadurch zu befördern. Aber was in aller Welt hat das Athcmhvhlcn Von der Luft- Z. 20z. x mit dem Oehle gemein! Es geschieht vermuthlich des Sehens wegen. Es ist nähmlich schon eine alte Erfahrung, daß man mit Oehl die Wellen ebnen kann. Es kommt schon im Aristoteles und im Plutarch vor. Im letzten ist sogar eine Abhandlung : ma- rs oleo zeclara. Franklin ha! die Entdeckung von Neuem gemacht. Einst strandete an der Nordsee bey Hamburg ein Schiff. Man konnte demselben wegen der Brandung nicht zu Hülfe kommen. Da fielen gerade die Oehltennen, mit welchen es belastet war, in dw See, und siehe da! die Wellen legten sich.*) — Vielleicht druckt also der Tau- *) ,,Schiffer Mathias Heine. Schmidt, von Lnbek nach Lindau bestimmt, schreibt unter dem 8. Nov. 177s von Bornholm, daß er an der Norter-Ecke dieser Insel gestrandet, daß er mit sstnem Volk in größter Gefahr gewesen sey, aber nächst Gott, seine »nd der Seinigen Erhaltung einer Tonne Thran, die ans dem Verdeck gelegen, zu verdanken gehabt habe-'' (Aus den Hamb- Zeitungend. >c- 7. Abschnitt. wer den Schwamm unten an, daß das Ochl in die Höhe steigt, die See blank macht, und so das Sehen befördert. -» Ein Papst gab einmahl einem Schiffer ein Flasckchcn mit geweihtem Ochle mit, wie Lichtenbcrg in einem alten lateinischen Gedichte gelesen hat. Vielleicht halte auch dieses aus etwas AehnlicheS Bezug. Ein berühmter schwedischer Meckanikus Triewald verbesserte die Halleysche Taucherglocke. Bey derselben saßen nähmlich die Herren olle unter der Glocke. Dieß ist sehr unökonomisch. Wie viel Lust geht aus einer Stube nicht hinaus, wenn man hinein gehet. Trinwald stellt daher die Taucher so, daß nur der Kopf unter die Glocke, und noch dazu nur etwas über die Wasserflache zu stehen kommt. Erbringt zudem Ende Ketten an, die unten ein Fußgcscll tragen, auf Göttinger Taschen-Kalender v. Z. 158t- S. rio. Von der Lust, 20z. i« welchem die Herren stehen. — In Martins I'Ilüoso^Iiin drirnnian sind beyde Glocken beschrieben, und in Kupfer gestochen. Ueber das Alter und die Erfindung der Taucherglocke sehe man Bcckmanns Beytrage zur Geschichte der Erfindungen, den ersten Band. Die erste sichere Nachricht fand er in Schotts Necknian curiosa, wo ihr wirklicher Gebrauch auf das I. rxZ8 festgesetzt wird. Gewöhnlich setzt man die Erfindung derselben in das i6te Jahrhundert. Es kommt aber auf die Erklärung eines griechisch n Wortes im Aristoteles an: so ist sie alter, als Aristoteles selbst. Er sagt nähmlich schroklematum XXXII. §. 5.) DaS erste Wort bedeutet einen Kessel, das zweyte kömmt her von »2'«, 27l<- und , und kann heisscn entweder: ckemictenres, sie haben den Kessel nachgeschickt, oder Ruzzerimxonenreo, ste haben den Kessel umgestürzt. Im zweyten Falle wäre es offenbar die Taucherglocke. »2 7. Abschnitt. Im ersten Falle wurde der Kessel blos als Lustmagazin gedient haben, aus welchem der Taucher schöpfen konnte. Im Lateinischen heißt die Taucherglocke Eamzrana nrinutoria, von uriuaei, untertauchen, und dieß wieder von veu- ras. Man muß also ja nicht übersehen - das Wasser lassen, wie es schon geschah. Holberg, ein dänischer Schriftsteller, erzahlt, das Jemand folgende lateinische Stelle von einer Berlfischerey in einer Reisebeschreibung : ,,lVl.ckIeum auuin perclickerur, jcksocjns urinnliatnr, et cnm erun iuve- nirs uon ^>c)lerac, iterum urinadutur,^ so übersetzte: Er verlor seinen Hammer, und ließ deßwegen das Wasser, und a!S er ihn nicht finden konnte, ließ er noch einmahl das Wasser. §. 204. Schwere der Luft. Das Luftmcer ist schwer. Man weiß nicht nur daß es drückt, sondern man hat Bon der Luft. §.'so^- vz auch den Druck berechnet. Daß die Lust bey uns so dünne ist, rührt daher, weil wir uns nahe an der Gränze derselben befinden. Unten in der Erde ist sie gewiß dichter. Ja es giebt da Stellen, in welchen selbst das Gold schwimmen würde, weswegen denn auch Franklin einmahl die Luft für den dichtesten Körper erklärte. (S. i. Bandch. S. 52.) Die Schwere und der Druck der Luft wird weiter unten durch eine Menge Versuche bestätiget werden. Fürs erste reicht dazu die Erfahrung hin, das auS einer nicht allzuweiten, mit Wasser gefüllten, und oben verschlossenen Röhre, daS Wasser nicht her- ausflicßt, ungeachtet die Röhre unten offen ist, welches durchaus von nichts anderem, als von dem Drucke der Luft herrühren kann. Auch ans der allerw eitcsten Röhre würde das Wasser nicht ausfliesten, wenn dasselbe nicht beym Umdrehen der Röhre in eine schwankende Bewegung genekhe. Beugt man i/» 7. Abschnitt. dieser vor, so crrignet sich eben dasselbe, wie vey der engeren ?!öbre. Druckt man z. B. auf ein mit Wasser gefüülcs Glas ein Blatt Papier scharf an, und dreht dasselbe m eben dem Augenblick um, so fließt kein Tropfen aus. Der Versuch gelingt immer, wenn mau nur recht behende zu Werke gehet. (§. 206 ) §. 2OF. Wirkungen des Druckes der Luft. Auf die eben angeführte Erfahrung gründen sich eine Menge Phänomene, unter welchen daS mit dem Stech heb er das bekannteste ist. Hat man dieses richtig gefaßt, so kann man sich auch alle übrigen, z. B. das Vestalifche Sieb, den m a- zischen Trichter, denOehl! rug der Witwe, das nach diesen Gründen eingerichtete Di nten faß , die Taichen- sch r e i b fe d e r u mit Dinte, den Zauber- brunnen n, s. w. erklären. 'Voll der Luft. §. 20Z. DasVestalische Sieb sFig. 1.) tst eine Art von Gießkanne, deren Boden durchlöchert ist, also eigentlich der Stechhe- bcr sehr oft wiederhohlt. Halt man die obere Deffnung mit dem Daumen zu, so fließt unten nichts heraus» Zu dem Ende darf die Oessnung des Halses nicht so groß seyn, als der Hals selbst, wenn dieser etwas weit seyn sollte, damit man mit dem darauf drückenden Daumen die eindringende Luft sicherer abhalten könne. Der Nahme kommt daher: Eine Vcstalinn zu Rom kam in Verdacht, das Gelübde der Keuschheit gebrochen zu haben, da bath sie den Jupiter, er möchte ihretwegen ein Wunder thun ; das that er denn auch. Er verstattete ihr mit einem durchlöcherten Siebe Wasser aus der Tiber bis zum Tempel der Vcsta z» tragen. — „Wenn es ein solches Sieb gewesen wäre, sagte hier Lichlenberg immer, wie dieses hier, so könnten damit auch die Göttlugischen Vestalinnen Wasser aus dck i6 7, Abschnitt. Leine bis zum Tempel am Geißmapthore *) tragen. Ich habe sonst immer diese Anekdote erzählt, weil ich aber gehört habe, daß man mir es übel nehme, so thue ich es jetzt nicht mehr.,, Der magische Trichter (Fig. 2.) ist ebenfalls ein versteckter Stcchhcbcr. Es ist ein doppelter Trichter, und auf das Loch unter dem Henkel kommt alles an. Man kann rothen Wein und Wasser zu verschie. dcner Zeit, das ist, nacheinander aus demselben, auf eine überraschende Art heraus- fließcn lassen. Zuerst gießt man z. B. den rothen Wein in den Trichter, der steigt also, nach hydrostatischen Gesetzen, in den verborgenen Trichter hinein. Nun halt man das Loch unter dem Henkel zu, und laßt den Wein aus a wegfließen. Aus dd kann Das prächtige Gebäude des Gebärhauses in Gl'itlngcn am Gcißmartkore, dessen sich freylich größtenibeilj nur Vestaliuuen bedienen. — Göttingcn liegt an der Leine^ Von dor Lnft. §. 2-^5. 27 er nicht fließe»/ aus Gründen der obigen Erfahrung (§. 204). Acht wird, aber immer bey zugehaltenem Loche, unter dem Henkel Wasser in den Tnchter gegossen, das fließt naiürlich wieder unten zur Deffnung hinaus. Endlich wird der Finger vom Loche unter dem Henkel weggezogen, und nun stießt erst der Wein heraus, der bisher in ob versteckt war. Mit dem Oehlkruge der Witwe (Jig Z.) ist es ganz das Nähmliche. Er besteht aus zwey Kannen, die durch ein Diafragma getrennt sind, und bloß durch das kleine Loch a Communication haben. Man halt die Kanne so, daß der Zcige- und Mittelfinger durch den Henkel gehen/ der Daumen unter die Schncpye zu liegen komme, und der Gokd- vder kleine Finger das Loch d zuhalten kann. Nun läßt man Wasser in die Kanne giessen, natürlich dringt dass'lbc durch die Oeffunng n auch in die zweyte Kammer hinunter, wenn man »8 7- Abschnitt, den Finger von der Oeffnung l> wegnimmt. Wie man merkt, daß das Wasser hier her« ausfliessen will, halt man den Finger darauf. Jetzt füllt sich auch die obere Kanne mit Wasser. Nun dieß obere Wasser laßt man bey fest verschlossener Oeffnung b zur Schnelle heraus fließen, läßt dann in das innere der Kanne schauen, wo natürlich Niemand auch nur eine Spur von Wasser bemerken kann, und jetzt wird der Finger vom Loche d weggezogen, da denn erst das in der unter» Kanne befindliche Wasser zum Vorschein kommt. — Mit Wasser und Wein wird der Versuch noch überraschender. Uebri- gens freylich unterscheidet sich dieses Krüg- lein von dem Krüglcin der Witwe zu Zar- pad dadurch, daß man hier erst das Oehl hineinbringen muß, wenn man eines heraus haben will. Bey jenem wars anders. Das nach diesen Gründen eingerichtete Dinten faß (Fig. 4.) hat alle Eigenschaften eines guten Dintensaßeö. Es enk Von der Lust. §. sog. z? halt viele Diute, verdampft wenig, macht keine Klekser, wenn es umfallt, und die Feder kann beym Eintauchen nicht zu viel bringen. Es beruht wieder ganz auf dem obigen. Wird Dinte hinein gegossen, fo muß sie sich in W und horizontal stellen. Verkorkt man nun das Loch bey 0, und schüttet die Dinte aus /e weg, so kann die in Lst nicht ansfließen, wenn matt gleich das Tintenfaß umwendet. Stiept man aber mit der Feder in die Ocffnung L hinein , fo macht man der Lust eine kleine Ocffnung; ein Luftbläschen steigt bis E oder v hinauf, und drückt etwas Dinte herunter, so daß man gerade die Feder voll be« kommt. — ES wurde ein solches Wedgwo- difches Dintenfaß vorgezeigt. Die Tasche n schreibst dern mit Dinte beruhen auf denselben Gründen. Sie haben die Forin derjenigen, zu welchen man die Dinte a vaete haben muß. Aber sie führen ein kleines Dintenmagazin schon bey B 2 20 7- Abschnitt. sich, und bey einer kleinen, gegen die Erde gerichteten Sloßbewegung geben sie gerade so viel davon in die Feder, als nöthig ist. — So war die fruchtbare Feder des Hrn. Nikolai*) zu Berlin, mit welcher er seine Reise beschrieb. — M. Scyde verfertigt die selben, das Stuck für 18 g- Er. Der Zau be rb r u nn e n oder i n l c r- mittirende Brunnen (Fig. 5.) ist wieder ganz dasselbe. In das hohle Geföß an welchem sich vier Ausgußröhrchcn mit engen Oeffnungen befinden, isi die Röhre so eingclöthct, daß sie mit ihrer obern Oeffnung beynahe bis an den Kopf deS Gefäßes reicht. Unten is! die Röhre in ei« nen Teller, der auf einem andern hohlen Gefäße L befestiget isi, cingcfchraubt, und hat mit demselben durch eine enge Oeffnung, Nikolai war einer von den wenige» le» bendcn Gelehrte», über welche? sich Lichten» berg öffentlich so äußerte, daß man daraus abnehmen konnte er sen ihm nicht gut Von der Luft. §. icz, - 2» die immer kleiner seyn muß, als die Summe der Oeffnungen aller vier Ausgußrohren, Communication. Ferner hat diese Röhre unten bey ? eine Scitcnöffnung, durch welche, so lange sie offen bleibt, die äußere Lust eintreten, und durch die Röhre in das obere Gefäß gelangen kann. Befindet sich nun in diesem Gefäße Wasser, so fließt dasselbe durch die Ausgußrohren auf den Teller herab, und lauft, so viel es die Communications Oeffnung gestattet, durch dieselbe ab in das untere Gefäß. Weil aber diese Oeffnung kleiner ist, als die Summe der Oeffnungen der vier Ausgußrohren, so kann durch dieselbe nicht so viel Wasser ablaufen, als die Ausgußröhren geben. Es sammelt sich also auf dem Teller an, und verstopft endlich die Scitenöffnung bey ?, so daß keine äußere Lust mehr durch dieselbe eintreten, und das Wasser hcrabdrücken kann. Nun stockt also der Brunnen. Mittlerweile dauert das Ablaufen des Wassers durch die 22 7- Abschnitt. Communicationsöffnung in das untere Gefäß beständig fort, und da jetzt kein neues hinzukömmt, so wird die Seileuöffnung bey k wieder frey, die Lust dringt ein, und der Brunnen kommt wieder in Gang. — Die Taschenspieler können daher einen solchen Brunnen kommandircn, (Lontains cie com- mnnclemenz) aber eigentlich kommaudirt doch sie der Brunnen. — Um das Ablaufen des Wassers in das untere Gefäß mög. lich zu machen, muß dasselbe außer der Comniunicationsössnunq mit der Röhre LG noch eine andere Oeffnung, etwa bey haben. §. 207. Verschiedene Dichtigkeit der Luft. Aus der Schwere der Lust und ihrer Eigenschaft sich zusammendrücken zu lassen, zu ammengenommen, folgt natürlich, daß sie an einer jeden nidrigeren Stelle dichter Von der Lust. §. 2V7. :io. «z und zusammengepreßter seyn müsse, als an einer Hähern. Auf dem Hainbcrge (beyGöt- tingen) steht das Quecksilber um 6 Linien tiefer als im Thale. Die uns umgebende Luft ist also viel dichter, als die auf hohen Gebirgen, und die in tiefen Schachten wieder viel dichter/ als die uns umgibt. §. 21a. Saugwerk. Ventilatoren. Wenn man ein Glas mit Wasser auf Wasser umstürzt, so fließt aus demselben nichts heraus. Könnte man also von einer Stelle eines mit Wasser gefüllten Gefäßes, den Druck der Luft wegnehmen, so daß er auf allen übrigen blieb?/ so würde das Wasser gleich aufsteigen. Hierauf gründet sich nun das ganze Saugwerk. Statt vieler Beyspiele darüber nur das eine, das man taglich vor Augen hat/ von unfern gewöhnlichen P u m p e nb r u n n en. — Sie bestehen gewöhnlich aus drey luftdicht, mit- 24 /. Abschnitt. telst der sogenannten Büchsen übereinan- der gesetzten hölzernen Röhren/ der obern oder Dockcnröhre, der mittleren oder Stic- fclröhre, und der unteren oder dem Venris- stocke/ und die Hauptsache dabey ist, ein hohler messingner Cylinder /ehi, (Fig. 6.) der Stiefel genannt, und die Ventilbüchse CO. In dem Stiesel der ungefähr i und 1/2 Schuh lang ist, und an dem unteren Ende der Mittelröhre steckt, spielt der durchbohrte, und bey n mit einer Klappe versehene Stämpel oder Kolben bC. Die Ventilbnchse CO mit dem Ventile LN steckt am obern Ende der untern Röhre oder des Ventilstocks, die ungefähr Z Schuh lang, zum Eindringe» des Wassers bey O, O, I, K durchbohret ist, und auf dem Boden des Brunnen steht. Der Stiefel und die Vcn- kilbüchse bilden eigentlich ein Ganzes. Sie werden aber darum als besondere Theile auf solche Art miteinander verbunden, damit theils die Einsetzung derselben in die Von der Lust. §- so. :5 Röhren, theils bey einer vorfallenden Stockung, die Reparatur desto leichter könne vorgenommen werden. — Sobald nun der Stampel in die Höhe gezogen wird, erhebt sich das Ventil L, und das Wasser muß die Klappe am durchbohrten Stampel öffnen, und in den Stiefel in die Höhe steigen. Geschieht ein neuer Zug des Stampels, so sucht daS über demselben sich befindende Wasser, vermöge seiner Schwere zurückzufallen, weil sich aber alsdann die Klappe u schließt, so kann es nicht wieder zurück, und es wird von Neuem durch das Ventil k in den Stiesel Wasser treten. Spielt auf diese Weise der Stampel eine Zeit lm.ß ununterbrochen aus und nieder, so sieht mau leicht, das hicdnrch Wasser in die Höhe gehoben werden, und durch eine in der obersten Röhre angebrachte Ausgußröhre abfließen muß. Ventilatoren stnd Instrumente, die verdorbene Luft irgendwo herauszuvumpen- »s 7. Abschnitt. Der Erfinder davon ist D. Halcs, oö- wohl auch zu derselben Zeit im I. 17g! Triew ald darauf verfiel. — Der Blasebalg ist so ein Ventilator. Rob ins hat zu Philadelphia herrliche Versuche damit angestellt. Es war da ein Brunnen, der lauge nicht geöffnet wurde, brachte man Licht hinein, so ging es aus. Robins ließ sich einen großen Schmiedeblasbalg bringen, und brachte vorne an demselben einen langen Spritzcnschlauch an. So ließ er nun in den Brunnen hinein blasen, und bald idarauf konnte man schon Licht hinein bringen. Vermittelst des Ventilators wurde nähmlich gesunde Luft in den Blasebalg, und so durch den Schlauch in den Brunnen gebracht. §. 271. Ausdehnung der Luft durch die Wärme. Der Satz von der Ausdehnung der Tust durch die Warme, wird hier von dem Von der Luft. §. :ii. Verfasser blos lemmatifch des folgenden Paragraphen wegen angeführt. — Man kann sich von dieser Ausdehnung vor der Hand am deutlichsten durch folgenden Versuch überzeugen. Man zünde Werk an, und ha'tc eS brennend unter ein Stängel- oder was immer für ein anderes Glas. Dadurch wird nun die Luft in demselben so verdünnt, daß, wenn man es unigestürzt auf eine ebene Fläche, am besten auf nasses Leder stellt, und eine Weile fest hält, bis es kalt wird, dasselbe wegen des Drucks der äußeren Luft so fest steht, daß man Mühe hat, es wieder weg zu bringen. — Eben so, wenn beydem Drebbelfchen Luftthcrmomcter die Kugel oben erhitzet wird, sinkt das Wasser oder der Liquor herunter, und steigt hinauf, wenn sie wieder kalt wird. Daß die Luft durch diese Ausdehnung geringer werde, kann man sich am deutlichsten durch folgenden simpeln Versuch überzeugen. Man hange an eine Wagschale eine ,8 7- Abschnitt. umgekehrte Papicrdute, und bringe sie mit der andern Schale ins Gleichgewicht. Nun verdünne man die Lust unter der Dute durch angezündeten Flachs u. s. w., so wird die andere Schale daS Uebergcwicht bekommen und diese dagegen steigen. 5- 2l2. Ein Gefäß mit einer engen Oeffnung zu füllen. Man jagt die Lust durch die Erhitzung deS Gefäßes, z. B. eines Glases, aus demselben heraus. Sobald das Glas erkaltet, dringt das Wasser hinein, bringt man einen Tropfen Weingeist hinein, so kann man die Luft ganz heraus bringen. — Will man das Wasser wieder heraus haben, so darf man das Glas nur wieder erwärmen. Auf diese Art kann mau auch finden, wie stark ein gewisser Grad von Hitze die Luft ausdehne. Rob ins hat einem inwendig gut volirten, und genau calibrirten Flin- Von der Luft. §. 2cs. ziz. 2? tenlaus die Hitze des meißglühenden Eisens gegeben, und dann denselben gut an beyden Oeffnungen verschließen lassen, hierauf ließ er ihn erkalten, brachte ihn unter kaltes Wasser, öffnete ihn daselbst, und aus der Menge des nun eindringenden Wassers fand er, daß die Lust in der Röhre nur ,^4 von der äußeren war, folglich dieselbe in einem viermahl größeren Raume ausgedehnet wurde. — Hicraufgründen stch wichtige große Rechnungen. §. 2-Z. Gränzen des Druckes der Luft. Daß der Druck der Luft nicht unendlich seyn könne, sondern eine bestimmte Größe haben müsse, konnte man wohl a priori vermuthen. Aber seit Galilei's (geb. 1564. ch 1642) Zeiten weiß man es auch n posteriori. Ihm wird die Entdeckung zugeschrieben, daß das W a sse r nur Z2 Fuß hoch durch den Druck der Luft erhalten 7. Abschnitt. werden könne. Man sagt, er soll dieselbe bey folgender Gelegenheit gemacht haben: Ein Gärtner des Herzogs von Florenz wollte einen sehr hohen Pnmpcnbrunncn machen, wie er damit fertig war, konnte er nicht gebraucht werden, weil kein Wasser heraus kam. Er untersuchte die Maschine, und fand keinen Fehler daran; endlich rief er den Galilei, und der machte dann die Entdeckung. — Es ist aber ausgemacht, daß Descartes noch eher als Galilei dieselbe Entdeckung machte. Wußte man cS einmahl von einem Fluidum, wie hoch dasselbe durch den Druck der Luft erhalten werde, so konnte man es natürlich bald von allen übrigen wissen, deren spezifisches Gewicht man kannte. Man hat auch eine eigne Vorrichtung, (Fig. 7.) um es den Sinnen anschaulich zu machen, daß nicht alle Flüßigkeiten vom Druck der Luft gleich hoch erhalten werden. Versuchs darüber mit Wasser, Quecksilber, Qehl und Von der Luft. §. 215. 214. zr Vitriolöhl. Bey LL ist eine kleine Luftpumpe, mit welcher die Glasröhren in Kommunikation stehen. Die Glasröhren stehen unten in die Schalen hinein, in welchen die verschiedenen Fluida find. Zieht man nun oben an, so steigen die Fluida in die Höhe. LQ stellt daS Holz vor, an welchen die Röhren festsitzen. Das Vitriolöhl wird r6 Fuß hoch, und daS Quecksilber nur 28 Zoll hoch erhalten. §. 214. Gränze des Druckes der Luft für das Quecksilber. Weil das Quecksilber ungefähr 14 mahl schwerer als das Wasser ist, so wird es durch den Druck der Luft 14 mahl niedriger gehalten werden. Nun ist 2 Fuß — 27 ? Zoll ; also erhält der Druck der Lust das Quecksilber 23 Zoll hoch. Hier kann auch der Ei uw urf beantwortet werden, welchen man gegen den Z2 7> Abschnitt. Druck der Luft erhebt. Nimmt mau eine Laromelcrröhre von Zoll Höhe, füllt sie mit Quecksilber, hängt sie an eine Wage, und läßt sie unten in eine Queck- silb.r-Schale stehen, so muß das Gewicht, mit welchem man die Röhre in der anderen Wagschaalc balancieren macht, so groß seyn, als das Gewicht der Röhre mit dem Quecksilber. Wenn nun, sagt man, die Luft das Quecksilber trägt, wie kömmt es, daß -es doch auf die Wage wirkt, kehrt man die Röhre um, so trägt die Wage das Quecksilber wirklich, und die Röhre wirkt doch nicht mehr als vorhin? — Allein dirß Alles muß nothwendig aus dem Drucke der Lust erfolgen. Beym gewöhnlichen Gebrauche der Wage hak man an den Druck der Luft nicht zu denken, ja es kann auf jeder Schale ein Zentner Gewicht liegen, und man kann doch wägen, allein beym obigen Versuche kommt der Druck der Luft gar sehr in Betracht. Der untere Druck wird Voll der Lust- §. 2-4« Zz ja illl ersteren Falle ganz weggenommen, der obere drückt nach, folglich muß in die andere Schale ein gleich großes Gewicht geleget werden, um daS Gleichgewicht herzustellen. Im andern Falle hingegen, wo man die Röhre umkehrt, ist alles wie gewöhnlich. Folglich muß die Röhre in jeder Lage gleich viel wiegen. Man kann sich die Sache am besten auf folgende Art crlau- tcrn. Man hange statt der obigen Barome- terröhre einen soliden Cylinder, z. B. von z Pfund, an die Wage, und denke sich nun zwey gleichwirkende Stahlfedern über dem obern und untern Ende angebracht; die obere drückt den Cylinder hinunter, die untere drückt ihn hinauf. ES wirkt nichts weiter auf die Wage, als das Gewicht desselben. Legt man also in die gegenüber stehende Wagschale ein diesem Gewichte gleiches Gewicht, so muß die Waage balanciern. Wird nun ein Loth mehr in die Schale gelegt, so entsteht ein Uebcrgewicht, und man C 54 7. Abschnitt^ könnte also in dieser Lage der Wage recht out wagen. Dieß ist nun der obige zweyte Fall denn die obere Stahlfeder ist der obere, und die untere der untere Druck der Luft. Hangt man aber an die untere Stahlfeder ein kleines Gewicht, z. B. von einem Loth, so wird die gleiche Wirkung der beyden Stahlfedern aufgehoben; die obere drückt mehr, und es muß also auch ein Loth in die Schale gelegt werden, um das Gleichgewicht herzustellen. Dieß ist nun der obige erste Fall. 8. -"L. Größe des Druckes der Lust. Die Erfahrung, daß das Quecksilber durch den Druck der Luft 2L Zoll hoch erhalten werde, gibt ein vortreffliches Mitte! an die Hand, diesen Druck der Luft zu berechnen. Nur muß man dabey nicht vergessen, daß jene Höhe veränderlich ist Von der Luft. §. z;S. zz und diese Veränderlichkeit jedesmahl in Anschlag 'bringen. Will man z. B. den Druck der Luft auf'einen Qnadratfuß wissen, so darf man sich nur eine Quecksilbersäule denken, deren Basis dieser Quadratfuß, und die Höhe 28 Zoll mehr oder weniger ist. Man braucht also nur das Gewicht des Quecksilbers zu wissen/ um das Verlangte zu erhalten. Nun ein Rheinischer Kubiksuß Quecksilber wiegt 1176 Pfund Tropgewicht; *) folg ich *) Nach rollnischcm Gewicht wiegt ein Pariser ^iibisfuß Quecksilber nahe SZc? Pf ein Kubikzoll Duodczimalniaß 17 Loih 2 4/9 Quentchen. Wenn also der Druck der Lust das Gleichgewicht hält mit einer .Quecksilbersäule von 28 Zoll oder 2 e/z Fuß, so beträgt cr gegen eine Fläche von einem Quadralfuß 2--6 Hz Pf-, und von einem Quadratzoll 15 Pf. 12 2Z6sqz2 Loth. Um jede Linie, um welche das Qnecksiib-r höher oder niedriger als 28 Zoll ist, beträgt der Druck der Lnft ans eine Fläche von einem Quadratsuß S 4Z/72 Ps. mehr oder weniger. Grens Aatnrl, §, 770, C s z6 7. Abschnitt. muß man für jeden Zoll — Fuß dlk Quccksilberhöhe über einem Quadratfuße, 98 Pfund, »nd für jede Linie -^5 Fuß, 8 ^ Pfund rechnen. Es drückt daher die Luft auf einen Quadratfuß, bey 28 Zoll Baromclerhöhe, mit 2744 Pfund, und einen Quadratzoll mit 28 — »y?? oder mit Weglassung des kleinen Bruchs ^ 19 Pfund. Eine Seifenblase, die 4 Zoll im Durchmesser hat, und so groß kann man sie mit Bequemlichkeit blasen, hat zo Qua» dratzoll Qberflachc. Sie wird also mit ri» ner Last von 950 Pfund gedrückt. Das Gewicht Luft, welches ein erwachsener Mensch, seine Haut zu 15 Duadratfuß gerechnet, bey einer Baro- mekerhöhe von 28 Zoll beständig tragt, ist 12. 12. iz. iy 4il6a> Pfund. Also die Schweizer, die von hohen Ge- Voir dcr Licht. §. 215. z/ birgen in die Thäler herabsteigen, werden in kurzer Zeit von etlichen tausend Pfund, bald weniger, bald mehr Luft gedrückt, und bleiben doch gesund! — Zu O. uito in Amerika steht der Barometer nur auf 16 Zoll. Wie viel weniger Luft hat also da dcr menschliche Körper zu tragen ! Die Luftpumpe. §- 2l6. ') Geschichte der Luftpumpe. Die Aristotelische Lehre, daß es in der Natur kein Vacuum gebe, brachte in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts den Bür. germeistcr von Magdeburg Otto von Guerike auf den Einfall, zu versuchen, * Hier verließ Lichtcnbcrg den Gang des Compendiunis. Er ließ zuerst die vorzng- zz 7. Abschnitt. ob dieß auch wahr sey. Es kündigt immer einen großen Mann an, wenn man an allgemein geglaubten Wahrheiten zu zwei, ftln ansängt, und denselben nicht eher beystimmt, bis man sich selbst davon überzeuget hat! Und Guerike war wirklich ein großer Mann, nicht nur wegen dieser Erfindung, sondern auch wegen anderer Entdeckungen in der Lehre von der Elektrizität. Auch wurde er in Staatsacschäslen gebraucht, und zum Friedenskongresse nach Osnabrück, so wie nach Wien und nach Regcnsburg gesandt. lichstcn Versuche mit der kuftpumpe, die nuten von §. 22'bis §- ??5 vorkommen, durch seinen Ammaii»en,°is anstellen, und hierauf erst kam er auf die Geschichte der Luftpumpe, und die verschiedenen Verbesserungen derselben, und auf die Beschreibung und Auseiiiaiidcrlegnug der Smeatonschcu, der er stch bediente zurück. — Um die Paragraphen-Ordnung nicht zu zcrreisscn, folge i h dem Compcndium. Von der Luft. §. 216. Z9 Seine ersten Versuche stellte er mit einem hölzernen Faße an, das er mit Wasser füllte, allenthalben wohlverwahrte, und mit einer messingnen Feuerspritze in Verbindung brachte. Die Spritze wurde mit einem eisernen Ringe durch vier eiserne Schrauben an das Zapfenloch des Faßes befestiget, und war mit zwey ledernen Ventilen verleben. Das eine inwendig an dem vordem Theil der Spritze, um das Wasser aus dem Faße in die Spritze zu dringen; das andere auswendig, um es aus der Spritze zu schaffen. — Nun meinte Guerike, wenn an dem Kolben der Spritze gezogen wurde, mußte das Wasser Nachtreten, und auf diese Art in dem Faße ein Vacuum entstehen, allein er täuschte sich. Nicht nur, daß anfangs eher die Schrauben abbrachen, als der geringste Tropfen Wasser aus dem Fasse zu bringen war. Auch da er diese stärker machen ließ, und es so dahin brachte, das drey starke Männer das Wasser wirklich 4^ 7- Abschnitt. durch vas äußere Ventil herausspritzcn konnten, hörte er an allen Orten des Fasses ein starkes Geräusch, und die äußere Luft drang also durch die Dauben desselben hinein. Er ließ sich hicdurch nicht abschrecken, sondern dachte auf Mittel, der Luft den Eingang in das Faß zu verwehren. Er nahm deßhalb zwey Fasser von verschiedener Größe, sehte in das größere das kleinere , befestigte an demselben durch daS größere hindurch die Spritze, und füllte beyde mit Wasser- Nun ging es zwar besser, aber als es Abends stille wurde, hörte er an den Fässern ein Zwitschern und Missen, wie, nach seinem eignen Ausdrucke, eines caneutiz nvis, welches freylich bey einer Lustpumpe eine böse Sache ist. Als er hierauf beyde Fässer öffnen ließ, fand er, daß das innere größtentheils mit Luft »nd Wasser angefüllet war, doch spürte er Von der Luft. §> 216. gi auch bey dessen Eröffnung, daß die äußere Lust noch mit Gewalt hinein drang, und schloß daraus, daß der Raum desselben doch einigermassen leer gewesen seyn müßte. Dieß brachte ihn bald zur Vollendung seiner Erfindung. Er nahm nun, da er deutlich sah, daß mit dem Holze, welckics nicht nur die Lust, sondern sogar auch das Hasser durchdringen lasse, durchaus nichts zu machen wäre, eine hohle kupferne Kugel; und nach manchem mißlungenen Versuche, der auch hierbey statt fand, brachte er endlich seine Lustpumpe zu Stande, welche Karsten in seinem Lehrbegr. der gestimmt. Mathem. Theil VI. S. 409 (nach Schotts teckniLZ curiösa lstib. 1. Lax. 1), wörtlich folgendermassen beschreibt. „An dem Hauptcylindcr L (?ig. 8.) , ,ist ein anderer kurzer CylinderE, ungc- 42 7. Abschnitt. „fähr unter einem halben rechten Winkel, „angesetzt, der da;u dient, den mit einem „etwaö engen Halse X ? versehenen gläsernen Recipicnten D mit der Pumpe bey 0 „zu verbinden. Bey X befndet sich am Halbst des Recipienten ein Hahn, den man „verschließen kann, um der Luft den Rück- „wcg zu versperren, wenn man den ausgeleerten Recipicnten von der Pumpe wegnehmen will, um andere Versuche damit ,,zu machen. Bey ist eine mit einem „Ventil versehene Oeffnung, durch welche „die Luft aus dem Recipienten in den Cylinder hineinkrilt, wenn der Kolben I ver- „mittelst der Stange I X von l gegen X „fortgezogen wird; etwas höher bey II ist „eine andere mit einem Ventil versehene „Oeffnung, durch welche die Luft aus dem „Cylinder heraus in die freye Luft tritt, „wenn man den Stämpel von X nach „zurücktreibt, da dann das Ventil d der „Luft den Rückweg nach dem Recipicnten Bon der Lust. §. 216. 4z „verschließt, so wie die äußere Luft das „Ventil 15 zudrückt, wenn sich im Cylin- ,,der, die aus dem Recipienten heraustreibende verdünnte Lust befindet. Der Hals „des Recipienten, der Hahn bey L und „besonders die Stelle bey (l, wo der Hals ,,des Recipienten ausgesetzt wird, müssen „gegen den Zugang der äußeren Luft aus's ,,sorgfältigste verwahret werden. Um das „Eindringen der äußern Lust an diesen „Sollen mit desto mehr Sicherheit abzuhal- „len, setzte Gucrike die Pumpe beym wirk- „lichen Gebrauch in ein Gefäß 0 ? „das so hoch mit Wasser angefüllt war, daß „der ganze Hals des Recipienten nebst dem „Hahn L mit Wasser bedeckt wurde. Ue- „brigens war mit dieser Pumpe weiter kei- ,,ne mechanische Vorrichtung verbunden, die ,,zur Erleichterung der Bewegung des Stäm- „pels dienen konnte. Nur oben an der „Kolbenstange bey X befand sich ein Äucr- „riegel I. N, damit L Personen angrci- 44 7- Abschnitt. „fen konnten. Bey k, und IVl wurden auch „wohl Seile angebunden, damit allenfalls „ein Dritter und Vierter angreifen konnte, „wenn die Arbeit zuletzt, nachdem die Lust „im Rccipicntcn schon stark verdünnt war, „sehr beschwerlich ward." Um die unsägliche MühedeS Auspum- peus zu erleichtern, verfiel Guericke im Jahr r66z darauf, den Cylinder der Luftpumpe vertieal unter dem Recipicntcn aufzurichten und den Stampel vermittelst eines langen eisernen Hebels auf und nieder zu bewegen. Hiedurch konnte nun freylich ein einziger Mensch daö recht wohl bewerkstelligen, was bey der vorigen Einrichtung kaum etliche starke Kerls verrichten konnten. Allein es entstand daraus wieder die noch größere Unbequemlichkeit, daß man für diese Luftpumpe zwey übereinander gelegene Zimmer nöthig hatte. Endlich half Gue- ricke, durch eine weit einfachere Einrichtung, auch dieser Unbequemlichkeit ab, und Bvu der Luft. Z. 216. qz krönte damit seine merkwürdige Erfindung. -> Keine Ventile hat er so vollkommen verfertiget, daß es jetzt noch schwer halt, sie nachzumachen. Das Jahr, in welchem Gucrickc seine ersten Versuche anstellte, ist unbekannt. Doktor Kapp in Schwaben hat sehr genaue Untersuchungen darüber angestellt, und nun kann man doch so ziemlich die Gränze scharf ziehen. Er giebt folgende Data an: 1. Zu Ende des Jahrs 1646 reiste Gue- ricke nach Oßnabrück, und kam erst nach einem vollen Jahr zurück; also war er im Jahr 1647 nicht zu Magdeburg. 2. Im Jahr 164«) reiste er nach dem Hof des Kaisers, und blieb 2 Jahre aus; also war er in den Jahren -650 und wieder nicht in Magdeburg. Z. Im Jahr i6z.z reiste er nach dem Reichstag zu Regcnsburg, und machte da im Jahr l6^4 vor dem Kaiser seine Versuche. 4. Es ist gewiß, daß er die ersten Versuche zu Magdeburg angestellt hat. q6 ?. Abschnitt. Aus diesem Allen ergiebt sich nun, daß er feine ersten Versuche, entweder zwischen den Jahren 1648 und 1649, oder zwischen den Jahren 1652 und r6zz müsse angestellt haben. Das Medium arithmcticum aus dielen vier Jahren ist das Jahr 1650, welches man also immer für das Geburtsjahr der Luftpumpe halten kann. Der Churfürst von Mapnz und Bischof von Würzburg kaufte Guericke feine Luftpumpe ab und schenkte sie hernach nach Würzburg an den Jesuiten Kaspar Schott, der die erste Beschreibung davon im Jahr 1657 herausgab. §. 217. Verbesserungen der Gucri ersehen Luftpumpe. Durch die Schottfche Schrift lernte Robert Boyle die Luftpumpe kennen. Er erwarb sich, in Gemeinschaft mit D. Hook, folgende zwey große Verdienste um die Verbesserung derselben: Von dcr L»fr. §. 2 7. 47 1. Er erleichterte die Arbeit. Er brachte nähmlich eben so, nie Guericke, ^den Cylinder vertikal unter den Recipienten an; aber anstatt des eisernen Hebels, womit jener die Bewegung erleichterte, befestigte er an den Stämpel, eine Stange mir Zähnen, in welche ein Sternrad eingriff, das durch eine Kurbel umgedrehet wurde — wie bey der Fuhrmanns- winde. Aber freylich ging hier wieder auf der einey Seite daÄ au Zeit verloren, was auf der andern an Kraft gewonnen ward — welches auch schon von Guericke ausgestellt wurde. 2. Er versah seinen Becipienten oben mit einer Oessn ring, aus welche ein metallener Deckel mit einem ein- sseschlicffenen Stöpsel genau paßte. So konnte man den Rccipicuten öffnen, und was man wollte hineinbringen — oder au einem inwendig befindlichen Hacken aufhängen — ohne daß derselbe abgenommen wer' den durste. 48 7. Abschnitt. Uebrigens wich diese Lustpumpe die sich auch noch durch ein bequemes Fußgestell auszeichnete — dadurch von der Gueriekcschen ab, daß sie nicht mit Ventilen wie diese, sondern mit Hahnen versehen war. Am obern Theile des Cylinders ist nähmlich ein Loch mit einem ein- geschliffcncn metallenen Stöpsel, und am Halse der Kugel ein Hahn, wie bey Gue- ricke. Ocffnet man den Hahn und windet den Srampcl herab, so wird die Lust ir dem Reeipientcn verdünnt; verschließt mau dann den Hahn, und öffnet das Loch im Cylinder, so wird durch das Hcrauswin- den des S-ampels die aus dem Rccipicntcn gezogene Lust inS Zimmer getrieben. An eigentlicher Güte im Allgemeinem kam die Luftpumpe der Gucrickeschcn nicht gleich. Boyle hatte den Verdruß, daß die äußere Lust oft alsdann schon in seinen Recipienten drang, wenn die innere 50- bis 7ozigmahl verdünnet wurde. Guericke hinge» Von der Lust. §.217. 4> gen konnte die Lust in seinem Recipicnten, mehr als ivioomahl verdünnen, da er denselben gegen das Eindringen der äußern Lust durch das Wasser so wohl verwahrte. Um das Jahr 167z kam Diony- sius Papin, ein französischer Arzt und zulezt Professor der Mathematik zu Marburg— derselbe, der sich durch die Erfindung des von ihm benannten Papiniani- schen Topfes so berühmt machte — und brachte an der Bo y lisch en Lustpumpe folgende Verbesserungen an. Er verwarf die Boplische gezahnte Kolbenstange wegen der Langsamkeit der Arbeit, und wählte dafür eine ganz einfache, welche unten mit einem Steigbügel versehet« war, den man mit dein Fuße niedertrat. Er war der erste, der — auf Huyghens Rath — den Teller auf die Luftpumpe sehte. Dieß war eine wichtige Verbesserung. Nun be« durfte man nicht mehr der Kugeln, sondern konnte Glocken, umgekehrte Trinkgläser und D L0 7 Abschnitt. dergleichen gebrauäen, wodurch die Anstellung der Versuche ungemcin erleichtert wurde. Natürlich mußte durch diese Einrichtung der Hahn an dem Halft des Gucri- kischen und Boplischcn Recipientcn wegfallen. Papin ersetzte ihn durch ein Blasen- Ventil, am Ende des Communications- rohrs. Siehe ^atn Lruei. I-ixz. l68?lnanL. ^nn. zr. Z24, wo sich auch eine Abbildung der Papinianischcn Luftpumpe findet. Nun gab man der Luftpumpe verschiedene Lagen und versah sie entweder mit Hahnen oder Ventilen. Die berühmtesten darunter, bis auf die Smeatonsche, sind: die Senguerdschc, die Hauksbee- sche, die L eu p 0 ldsch e und die N Stil e t sch e. Die Sengucrdsche Lustpumpe — von Wolferd Senguerd, Professor zu Leiden, ist mit einem doppelt durchbohrten Haha »nd mit einem schiefliegenden Chlinder versehen; und die gezahnte Von dcr Luft. §. 217. zr Stampelstange wird vermittelst eines Kreuzkaspels aus- und ein gewunden. Diese Luftpumpe, die im Jahr 1697 zu Stande kam, wurde bald nachher in Deutschland fast allgemein bekannt und beliebt. Daher kömmt sie auch fast in allen deutschen Handbüchern dcr Naturlchre und der angewandten Mathematik vor. W 0 l f— dem sie diese Cclcbritat so vorzüglich verdankt stellte alle seine Versuche mit einer Scnguerdi- schen von Leupold verfertigten Lustpumpe an. Die Lichtenbergische wurde von Mus- senbroeck, einem Bruder des berühmten Physikers, verfertiget. Er fand sie einmahl im GSttingischen Zeughause verrostet, und erhielt die Erlaubniß, sie zu sich zu nehmen. Die Hauksbeesche Lustpumpe ist mit doppelten, vertikal stehenden Cylindern und mit Blasen-Ventilen versehen. Die bezahnten Kolbenstangen werden durch ein Stirnrad, vermittelst einer D 2 ;2 7. Abschnitt. Kurbel auf- und niedergewunden. Es soll durch diese Luftpumpe die Arbeit möglichst verkürzt werden. Während mittelst des einen Cylinders die Lust aus dem Rccipicn- ten gesogen wird, wird mittelst des anderen die ausgcsogcne Lust weggeschafft. Die Leupoldsche unterscheidet sich von derselben nur dadurch, daß die Kolbenstangen an einer Art Wagcbalken durch einen doppelarmigten Hebel auf- und niedergedrückt werden. N 0 llct' s einfache und doppelte Luftpumpe hat die Einrichtung, daß einerley Mechanismus, welcher die Kolben zu bewegen dient, auch den Hahn jedesmahl in die rechte Stellung verseht. — La Caille hat die erstere unter dte Gestirne versetzt. Schade, daß er dazu keine bessere wählte. Aber Rollet war ja sein Lsndsmann. —» S'Gravesands einfache und doppelte Luftpumpen sind im Wesentlichen den Nol» letschen ähnlich, nur mehr zusammengesetzt. Von der Luft. Z. r,/. zz Die Geschichte der Luftpumpe bis zur Smealonschen, findet man im IVten Bande des Karficnschen Lehrbegriffes der gesamm- tcn Mathematik. Endlich kam Smeaton und brachte die Luftpumpe zu einem hohen Grade von Vollkommenheit. Ihrer bediente fich Lichlenbcrg in seinen Vorlesungen, und sie wurde jedesmahl auseinander gelegt und Stück für Stück erklärt. Sie ist nach den von Nair- n e und Blunt dabey angebrachten Verbesserungen, nach der Vorrede des Com- pendiumS beschrieben. Auch Leiste zu Wolfenbüttel hat einige Verbesserungen zu dieser Luftpumpe angegeben. Doch die wichtigsten unstreitig haben Hurt er und Haaß, jener ein Schweizer, dieser ein Deutscher, angebracht. Auch die Schr a- dersche Luftpumpe — mit metallenen Ku- gelvcntilen ist nur eine Vebesscrung der Smeatonschen. Die Cuthbersonsche Lufipumve 54 7- Abschnitt. ohne Hähne und Ventile, wie sie ihr Erfinder Johann Cuthberson, ein geschickter englischer Mechaniker zu Amsterdam »— nennt, sucht durch Stöpseln / den gewünschten Endzweck einer Luftpumpe zu erreichen. Prof. Succvv zu Heidelberg hat davon eine gute Beschreibung geliefert. In den neuern Zeiten wollte man stch statt des Emboli, des Quecksilbers bedienen. Baader, ein Arzt zu München, hat dieß zuerst angegeben. Es mirdsbig.9.) bey offnem Hahn a (der, wie bey der Sen- guerdschcn Luftpumpe doppelt durchbohrt ist) und verschlossenem Hahn b, in den Trichter so lange Quecksilber gegossen , bis sich nach hydrostatischen Grundsahen, die beyden Röhren und das Gesäß L damit füllt. Nun wird der Hahn n-geschlossen, der Hahn b geöffnet; das Quecksilber in dem Gefäße 3 und in der an demselben befindlichen zs Zoll lange» Röhre stießt zur Oessnung b so lange heraus, bis es bis ck gefallen ist. Von der Luft. §. ->7. 55 wo die Federkraft der verdünnten Luft über ck zugleich mit der Quecksilbersäure ck e dein Drucke der Atmosphäre das Gleichgewicht hält ; die in der Glocke Q befindliche Luft breitet sich durch die Röhre c in das Gefäß lZ und die darunter befindliche Röhre auS, — und wird folglich verdünnt. Wird nun das ausgeflossene Quecksilber , auf die vorige Art wieder in den Trichter ^ gegossen, und dieß öfter wiederholet: so wird die Luft in der Glocke immer mehr verdünnt oder ausgepumpt. — Weil das beständige Abzapfen und Wicdereingießen deS Quecksilbers sehr beschwerlich war: so erfand Vaa- dcr noch einen Mechanismus, daß man die-- unter dem Trichter befindliche Röhre, niederlassen kann, so daß dieselbe in die Lag- I) zu liegen kömmt, Hindenbueg brachte bey dieser Baa» derschen Luftpumpe eine recht sinnreiche Verbesserung an. Er vertauschte die Röhre unter dem Trichter, mit einer gewöhnliches« z6 ?. Abschnitt. Pumpe. Bey niedergcstossenem Stämpel ist der ganze Raum des Gefäßes iZ, der darunter befindlichen Röhre, und des untern Theils des Cylinders genau mit Quecksilber gefüllt. Wird aber der Stämpel aufgezogen, so sinkt das Quecksilber in dem Gefäße L herab, das Gefäß wird leer, und so die Lust in der Glocke verdünnt. Die Cazaletsche Lustpumpe ist ganz nach den Grundsäßen der Hindenburgischen eingerichtet, nur daß er sich statt des Quecksilbers des WasscrS bedient. Von den Luftpumpen durch Wasserdämpfe kann erst in dem Abschnitte, von der Warme, Nachricht gegeben werden. §. 218. Einrichtung der Luftpumpe. Ist schon in den beyden vorhergehenden P ragraphcn vorgekommen. Ueber die ') Von der. neuern Luftpumpen siebe das F i- sch er' sch e Wörterbuch; Gilbe rt' s Annalen und Busch's Almanach. Von der Luft. §. 2-z. H? neuere Einrichtung der Lustpumpe lese man Lichtcnbergs musterhafte Beschreibung der verbesserten Smeaton'schen Lustpumpen, im ErHcben'schen Compendio, nach der Vorrede. — Man muß die Hahnensprache recht wohl verstehen, wenn man mit Lustpumpen umgehen will, die mit Hahnen verschen sind. Könnten die Stämpel so verfertigt werden, daß zwischen ihnen und den Hahne» keine Luft sitzen bliebe: so verdienten die Luftpumpen mitHahnen immer den Vorzug. Lichtenbcrgs Bruder hat eine solche angegeben. Die Ventile werden nähmlich am Ende von der verdünnten Lust nicht mehr gehoben, und dann steht die Verdünnung stille. Zwar ist diesem Gebrechen der Luftpumpen mit Ventilen durch die Verbesserung vonHurter und H aaß abgeholfen worden. Sie haben, jeder auf eine andere Art, ein Pedal am Boden dcS Stiefels angebracht, mittelst dessen das Bo- Z8 7- Abschnitt. denventil durch Treten geöffnet, und der Lust, so dünn sie auch sey, der freye Durchgang verstattet wird. Allein so sinnreich auch diese Einrichtung ist, so thut sie doch die gehoffte Wirkung nicht, wenn nicht auch, durch die beyden noch übrigen Ventile, der Lust' ein eben so freyer Durchgang verschafft wird. §. 222. Verdünnung und Verdichtung der Luft durch die Luftpumpe. Daß die Lust vermittelst der Lustpumpe nie gänzlich aus einem Gefäße weggenommen werden könne, ist mathematisch gewiß. Erpleben irrt indeß, wenn er behauptet : bey einer Höhlung des Cylinders und der Röhre — ^ der Höhlung der Glocke, würde nach 4 Zügen, der ersten Luft unter der Glocke bleiben. Dieß würde der Fall seyn, wenn die Capacität des Cylinders und der Röhre ^ der Glocke wäre. Es muß heißen (5)^ - ^-l^i Voir der Lust. I, 222. 59 Man kann sich seinen Fehler auf folgende Art erläutern. Es sey (lnA. 10.) L ck< E der Raum der Glocke und O der Raum des Stiefels und des Röhrwerks : so ist dieß der Fall, von dem Erleben eigentlich sprechen will. Aber er nimmt stillschweigend den Fall an, wo L El den Raum der Glocke und I) den Raum des Stiefels und des Röhrwerks vorstellt. Da nun die Luft nie gänzlich ausgepumpt werden kann: so frägt sich, wie weit man die Verdünnung derselben treiben könne'? Man will diese theils durch eiiE kleines Barometer (§. 22z.), das nian unter die Glocke setzt, theils durch ein großes (§. 224 ), das man außerhalb anzubringen tflegt, bestimmen. Allein wie viel die Luft verdünnet worden sey, zeigen diese Instrumente eigentlich nicht, sondern nur, wie stark daS nech übrige Flui- dum im Recipientln drückt. Und da die- 5s 7- Abschnitt. str Druck wieder theils von der Wärme des Ueberbleibsels, theils von der Beschaffenheit desselben abhängt: so sieht man die Unzulänglichkeit der Barometer zu dieser Bestimmung. Es entstehen nähmlich beym Verdünnen der Luft elastische Dämpfe, die ihre Stelle vertreten und auf die Barometer wirken, die daher hier bloße Elasticitätszeiger sind. Der eigentliche wahre Luftvcrdünnungs- messer oder Dichtigkejlszciger bleibt nur die sogenannte Birnprobe. Smeaton ist der Erfinder dieses Instruments und nannte es ?ear- gage, von der Aehnlichkeit, die es mit einer Birne hat. Also ja nicht: „Die ,,Birnprobe ist ein Instrument von P e a r „einem Engländer erfunden, und heißt im „Englischen P e a r - g age," — wie einer von Lichten bergs Zuhörern sich merkte. Der deutsche Nahme rührt von Kästn er her. Siehe darüber die Lichtenberg. Beschreibung der Smcatonschen Lupftpumpe. — Es er- Von der Lust. §. 22z. 6» eignet sich bey derselben der Fall, daß ein schwereres Fluidum auf ein leichteres gegossen wird. Daß man mit der neuereu Luftpumpe die Lust auch verdichten könne, ist bekannt. Nahmentlich ist dazu die Smeaton- sche vortrcfiich eingerichtet. — Siehe die Beschreibung derselben. — Schraubt man über die Ocffnung des Tellers eine zusam« mcngefaltenc Blase, und verdichtet die Lust-, so dehnt sich die Blase beym ersten Zuge aus, und zerplatzt bald/ mit einem großen Knall. — Auch eine Blase von Federharz, läßt sich auf diese Art ausdehnen, wenn man vorsichtig zu Werke geht. Nähere Untersuchung der Luft. §. 225 Die Luft durchdringt nicht alle Körper. Glas, Metall und nasscsLeder permeirt die Lust nicht; wohl aber das Holz 62 7- Abschnitt. und taufend andere Körper. — Vom Hol- z e hat hierüber schon Guericke die (für ihn) so traurige Erfahrung gemacht, wie wir oben gesehen haben. — Welch eines engen Weges die Lust bedürfe, um in die Körper zu dringen, kann man sich auch durch die Luftpumpe versinnlichcn. Man schraube eine messingene Röhre, die sich oben in die engste Oeffnung endet, die eine Röhre nur haben kann, in das Loch des Tellers derselben, stürze eine Glocke darüber und pumpe die Luft aus : die Glocke wird eben so f st ans dem Teller sitzen bleiben, als wenn man ohne Röhre gepumpt hatte. §. 226. Druck der Luft durch die Luftpumpe erwiesen. Lichtcnberg stellte folgende Versuche über den Druck der Luft mit der Luftpumpe an. 1. Wird eine Glocke auf den Teller der Lustpumpe gesetzt, und die Luft heraus- Von der Lust. Z. :Z?. 6z gepumpt: so sitzt sie fest an dem Teller. Der simpelste und zugleich offenbarste Beweis für den Druck der Luft! 2. Wird das sogenannte Daumenglas — ein gläserner, hohler, unten etwas weiterer Cylinder — über das -Loch des Tellers der Luftpumpe gesetzt; die obere Oeffnung mit dem Daumen oder der Hand bedeckt ; und dann die Luft darunter ausgepumpt: so wird der Daumen oder die Hand so fest an das Glas gezogen, daß man sie nicht wegbringen kann. --- Eben so, wenn man statt des Daumcnglases einen messingenen hohlen Halbkegel nimmt, und aus denselben einen Apfel und dergleichen etwas scharf einsetzt: so wird der Apfel hinunter gedrückt und zerschnitten. Z. Wird eine lange dicke, oben verschlossene, unten mit Schrauben und Hahn versehene Glasröhre in das Loch des Testers der Luftpumpe geschraubt, die Luft herausgepumptz hierauf die Nöhre bey ver- 64 7. Abschnitt. schlossenem Hahne weggenommen, und bey geöffnetem Hahn unter Wasser gehalten: so schießt das Wasser mit Vchemenz hinein. Es wird hier zugleich eine Luft entwickelt, die viel dünner ist, als die atmosphärische. 4. Wenn man eine kleine Glocke in eine große hängt'), beyde ans den Teller der Luftpumpe bringt, die Lust aus ihnen herauspumpt/ nun die kleine, außerhalb des Teller-Loches niederdrückt, jetzt die Luft zuläßt und die große Glocke wegnimmt: so bleibt die kleine fest an dem Teller sitzen. Will man sie wieder los haben, so muß die große darüber gesetzt, die Luft ausgepumpt Zu dem Ende ist an die größere Glocke oben eine messingene Haube festgeküttet, durch welche ei» messingener, mit einem Hacken versehener Drath , luftdicht in die Glocke hineingeht. An diesem Hacken hangt die kleine Glocke, an welche oben ein Ainz festgeküttet ist; und mittelst dieses Hackens kann man dieselbe niederdrücken oder in die Höhe ziehen. Von der Luft. §. »»5. 65 und dann die kleine Glocke in die Höhe ge° zogen werden. Ein wo möglich noch ecla» lauterer Beweis für den Druck der Luft. 5. Man setze von einer gekrümmten Röhre /r n.) den einen Schenkel kl in ein Gläschen E welches bis m mit ge» färbtcm Wasser *) gefüllt, und an der Oess- nnng n lustdicht verküttet ist, so daß die über m auf dem Wasser befindliche Luft eingeschlossen bleibt. Den andern Schenkel D setze man in ein gegenüber stehendes Gläschen L, welches nichts als Luft enthalt, und die Öffnung 0 um den Schenkel herum frey hat. Stürzt man nun über dieß System eine Glocke, bringt dieselbe auf den Teller der Luftpumpe und fängt ^u pumpen an; was wird geschehen? die Luft wird aus dem Gläschen L und aus der Röhret weggepumpt, und wie dieß erfolgt, fangt ') Gefärbt darum, «m den Versuch besser sehen zu können. E 7. Abschnitt. die wenige im Gläschen E eingeschlossene Lust sich auszudehnen an. Sie kann ja nun frey auf das Wasser wirken, auf das nicht mehr durch die Luft in der Röhre entgegen gedruckt wird. Das Wasser steigt also aus dem Glaschen E, mittelst der Röhre fo lange in das Glaschen L hinüber, bis cö zu Ende ist. Nun ist die Luft, welche vorher im Gläschen E blos in dem Raume über m zusammengepreßt war, im ganzen Glaschen und in der Röhre ^ ausgedehnt. Entwischen konnte keine/ oder doch nicht merklich viel, weil zwischen beyden Schenkeln der Röhre und dem Boden beyder Gläschen nur ein sehr enger Raum start findet, der sich früher von selbst mit Wasser verschließt/ als Luft zubringen kann. — Sobald man nun aber die Luft wieder in die Glocke zuläßt : so fährt sie auch ins Gläscken IZ und zagt das Wasser wieder in das Gläschen E zurück. Denn weil die Luft in diesem Gläschen und in der Röhre sehr ausgedehnet Von der Lust. §. 22S. 6? ist: so vermag sie dem Druck der eindringenden dichteren Lust nicht zu widerstehen und muß sich also-wieder in ihren alten engeren Raum über m zusammenziehen. — Es ist dieß auch zugleich ein sehr schöner Beweis für die Elastizität der Lust. 6. Es gehe durch die Haubenöffnung einer Glocke, lustdicht eine gläserne, oben verschlossene, unten offne Röhre; man bringe Glocke und Röhre auf den Teller der Lustpumpe und setze unter die Röhre ein Gesäß mit Quecksilber, aber so, daß die Röhre das» selbe nicht erreiche. Nun pumpe man aus dem ganzen Systeme die Lust tüchtig heraus, und schiebe, wenn es geschehen, die Röhre in das Quecksilber hinein. So lange das System lustleer bleibt, dringt kein Quecksil» der in die Röhre. Was sollte es denn hinauf drücken, es ist ja keine Luft da! So» bald hingegen dieselbe wieder zugelassen wird, so drückt sie auf das Quecksilber; in der Röhre ist keine Lust, die diesem Drucke wi» E 2 6Z ' 7- Abschnitt. dcrstchen könnte; folglich wird das Quecksilber in die Röhre hinausgetriebeck. Und dieß ist wohl der übcrfuhrendste Beweis, daß das Steigen des Q uc cksi lber s in Barometerröhren nur vom Druck der Luft herrühren könne. Freylich könnte man dasselbe, bey diesem Versuche, nicht auf 28 Zoll hinauf treiben. Aber man muß auch nie vergessen, daß man die Lust nie ganz wegpumpen könne. — Wird die Luft wieder weggenommen, so fallt das Quecksilber aufs neue herunter. Jetzt muß man die Röhre hinauf ziehen. Würde man es vorher thun, so lange noch die Lust da ist, so könnte das schwer herausplatzende Quecksilber die Glocke zerschmettern. 7. Unter einer mit einer messingene» Haute versehenen Glocke (siig. 12.) befinde sich das Gefäß L bis m mit Quecksilber gefüllt; es werde eine gläserne, unten und oben ebenfalls mit einer Haube versehenen Röhre an hie Glocke bey Ist fcstge- Von der Luft. Z. 226. 69 schraubt; durch diese Röhre gehen von oben an, eine andere engere, unten und oben offene, Röhre L bis in das Quecksilber hin« ab ; und an das obere Ende 5 der weitern Röhre, sey eine Spritze (? festgeschraubt. Wird nun die Luft aus dem ganzen System weggepumpt, so mag man hundert Mahl den Embolus der Spritze hin und her §ie< hen, es wird kein Quecksilber nachfolgen, weil es ja durch nichts gedruckt wird. Ab ex so bald wieder Lust zugelassen wird, geht das Saugwerk wie gewöhnlich von statten — zum deutlichen Beweis, daß auch das Saugen nicht ohne Druck derLufr geschehen könne. 8- Zu sehen, um wie viel mehr die Luft unter der Luftpumpe verdünnt werde, als es in der Natur jemahls geschieht? steckt man in ein, zur Halste mit Quecksilber gefülltes Gläschen, ein oben verschlossenes, ebenfalls mit Queckfichcr gefülltes, ungefähr z Zoll hohes Glasröhrchen. Natürlich wird 7<> 7- Abschintt. dasQuecksilber aus dem Röhrchen nicht heraus fließen. Dieß Röhrchcn kann man nur für ein äußerst lief gefallenes Barometer halten, so wie es in der Natur niemahls fallt. Stürzt man nun aber eine Glocke über das Glas, und pumpt die Lust weg, so sinkt das Quecksilber aus dem Röhrchen alfobald zu dem übrigen im Glase herab. Der Druck der Luft ist hier nicht vermögend, das Quecksilber nur ZZoll hoch zu erhalten, da er es doch in der frepen Narur 28 Zoll hoch erhält. — Was übrigens aus diesem Versuche auf die eigentUHe-Verdünnung der Luft unter der Glocke zu schließen sey, ist oben (§. 222.) vorgekommen. 9. Für den Versuch, daß im luft- leercn Raume alle Körper gleich schwer sind, hatte Lichtenberg einen großen Glascylinder von ungefähr 4 Zoll im Durchmesser und 2-5 Schuh Höhe. Auf diesen Cylinder paßt oben ein messingener Deckel genau an. An der untern Flachs Von der Luft, §. 226. ?! deS Deckels sind 4 oblonge Klappen angebracht, die sich in eine Spitze enden und nuttel!? folgender Schraubeneinrichkung, entweder dem Deckel gleichlaufend, oder an demselben herabhangend erhalten werden können. Durch den Mittelpunkt des Deckels geht nähmlich in einer Schraubenmutter, luftdicht eine Schraube, an deren äußerstem Ende eine runde mit einem Ausschnitte versehene Platte befestiget ist. Auf dieser Platte ruhen die Spitzen der Klappen, wenn man sie in horizontaler Lage haben will. Dreht man aber die Schraube herum, so kömmt eine Spitze nach der andern auf den Ausschnitt der Platte zu liegen und weil sie hier keine Unterstützung findet, fällt die Klappe hinab. — Auf jede der Klappen legt man in ihrer horizontalen Lage, einen Louisd or und auf den Louisd'or das oberste Ende eines ungeschlißenen Fe« dcrspuls; bringt den Deckel so bewaffnet auf den Cylinder, der schon auf drr Luft- 7» ?- Abschnitt. pumpe steht, drückt ihn fest an, und pumpt tüchtig eine Weile fort. Jetzt wird die Deckelschraube herumgcdraht ; so wie der Ausschnitt des Schraubcntcllerchens an eine Klappenspitze kömmt, laßt es die Klappe ent« schlüpfen, und Louisd'or und Feder fallen nicht nur mit gleicher Geschwindigkeit auf den Teller der Luftpumpe herab, sondern die Feder hüpft auch eben so hoch vom Boden in die Höhe, als der Louisd'or. §. 227. Stärke des Druckes der Luft, durch die Luftpumpe bestätiget. Wird über ein weites, oben und unken offnes Glas, eine Blase so fest gebunden, daß keine Luft durchdringen kann; wird hierauf das Glas auf den Teller der Luftpumpe gebracht, und die Luft weggepumpt: so verwandelt stch die ebene Flache der Blase in eine konkave und platzt endlich mit gro- Von der Luft. 5. 127. 7z ßem Knall, wenn sie nicht allzustark ist. Sollte dieß der Fall seyn, und man wollte sie ja platzen sehen : so darf man nur ein wenig mit dem Finger nachhelfen, »nd mit demselben auf die Blase stossen. — Eben so zerplatzt eine eckichte Flasche sogleich beym zweyten Zuge, wenn man ße mit der Mündung auf die Luftpumpe schraubt, und die Lust herauszieht, — Damit das Glas nicht umher spritze, wird über die Flasche eine Glocke gestürzt, und damit die Glocke nicht zersprengt werde, wird über die Flasche ein Drathnctz gehangen. — Daß die Glocken, deren man sich bey der Luftpumpe be. dient, nicht platzen, rührt daher, weil sie rund und gewölbförmig sind. Ein Gewölbe stürzt aber deßwegen nicht ein, weil. Alles zugleich fallen will« §. 228. Magdeburgischc Halbkugeln. Noch weit eklatanter wird die Stärke des Druckes her Luft mittelst der Luftpum- 74 7- Abschnitt. pe durch folgenden Versuch bestätiget. Man setze zwey, genau übereinander paffende, messingene, hohle Halbkugeln zusammen, schraube sie in dieOcffuung des Tellers der Luftpumpe ein, pumpe die Luft heraus, dra- he den über derSchraub? angebrachten Hahn zu, daß keine Luft in die Kugeln dringen könne, nehme sie von dem Teller weg, schraube dann an die eine einen solchen Ring an, wie sich schon an der andern befindet, und versuche nun/ bepde Kugeln von einander zu bringen: man wird es durchaus nicht im Stande seyn. — Bey der Dimension der Kugeln, mit welchen Lichteuberg diesen Versuch anstellte, — sie hatten 5 rhcinländ. Zoll im Durchmesser — würde eine Kraft von Z72 Pfund erforderlich gewesen seyn, um sie, wenn sie z. B. an einer Mauer befestiget gewesen waren, von einander zu reisten. Dtto von Gucricke stellte diesen Versuch mit seinen so berühmten Magdeburgisch e n Halbkugeln, auf dem Reichstag Von der Luft, Z. 208. 75 zu Regensburg , im Jahr 1654 vor dem Kaiser Ferdinand III. au. Es machte damahls eben so viel Aufsehen, als in unsern Tagen die Luftschifferep. Seine Kugeln hatten o,9L magdcburgische Ellen --- 1,732 Pariser Fuß — 2zo Pariser Linien, im Durchmesser. Die Thesis war: es könnten Zo Pferde, zwey Halbkugeln nicht auseinander reis- sen, die er doch auseinander blasen wolle. In seinen Lxzierimemiz noviz lVIuZstedur- Ziais ist der ganze Versuch, wie er ihn vor dem Kaiser anstellte, abgebildet. S. 229. Das Gewicht eines gewissenRau- mes voll Luft zu sinden. Das Gewicht eines gewissen Raumes voll Luft zu finden, ist unendlich schwer und noch bis diese Stunde nicht genau bestimmt. In Schweins- oder Nindsbla- sen, die man zuerst luftleer machen, und 76 7- Abschnitt. dann mit Luft aufgeblasen , wiegen wollte, kann man die Luft nicht gut abwägen. Sie sind sehe klein; wenn daher ein Fehler begangen wird, so wird er erstaunlich vermehrt. Die Luft laßt sich auch aus denselben schwer weznehmen. Und man weiß ja gar nicht, wie wc-t sie sich auftreiben lassen. ^ Deßhalb hat man eine andere Einrichtung ausfindig gemacht. Man nimmt ein bouteillenförmiges Glas, das vermittelst eines Hahnes genau verschlossen und an die Lustpumpe geschraubt werden kann. Dieses Glas setzt man, aus einer genauen Wage mit einem gewissen Gewichte inS Gleichgewicht, bringt es dann auf die Lust- Pumpe und pumpt die Luft, soviel als möglich heraus. Nun hängt man es wieder aus die Wage, wiegt cS genau ab, und erhält also das Verlangte. Aber man muß ja nicht vergessen, daß man hiedurch nur eigentlich das erfährt: Wieviel die Luft wiegH die man weggenommen hat; weiter Bon der Lust. Z. 229. 77 l?ickts; denn man kann ja nur die Lust verdünnen , aber nicht gänzlich herausnehmen. Man muß also immer auch die zurück» gebliebenem Anschlag bringen, und dazu dient folgendes Verfahren. Man bringt das Glas unter Wasser, das man so luftleer als möglich gemacht hat, öffnet den Hahn, und nun strömt daS Wasser hinein und füllt den ganzen luftleeren Raum aus. Was nun von Lust in dem Glase übrig bleibt, tritt, wenn man dasselbe umdraht, in den Hals des Glases und tanu entweder hier, wenn er dazu eingerichtet ist, oder in ein anderes dazu eingerichtetes Gefäß mit Wasser geleitet und daselbst gemessen werden. Der Raum dieser Lust von dem obigen abgezogen, gibt zum Reste den Raum der Lust, welchen man wirklich gewogen hat. — So weiß man also genau, wie viel «D gewisser Raum voll Luft wiegt. Allein freylich ist auch dieses Verfahren manchen nothwendigen Irrungen unterworfen, und es treten dtibcy Schwft- 78 7« Abschnitt. rigkeiten ein, die hier noch nicht einmahl verstandlich gemacht werden können, nähmlich wegen des Gewichtes, des in dem ausgepumpten Glase befindlichen Dampfes. — Nach dieser Methode hat der Engländer Sir Charles Sch uckburgh, die Luft wirklich gewogen, und aus seinen Resultaten weiß man erst genau das eigene und specifische Gewicht derselben. Er gibt das Gewicht von ioc> Kubikzoll Lust bey Barometerhöhe zwischen 29,5 und Zo englische Zoll und Ther- moAeterstand zwischen 50 und 60 Gran Fah- renheit zu 551,0197 Gran an. Ebenso viel destillirtes Wasser wog bey der nähmlichen Barometcrhöhe und Thcrmometcrstande 2 8 Gran. DaS specifiische Gewicht des Wassers verhakt stch also zum spezifischen Gewicht der Luft wie 2-Z18 : zi,ol<^7 ; also wie 816:1, oder die Luft ist 316 Mahl leichter als das Wasser*). *) Gren (Erundr. der Naturl. §. 807.) fand Von der Luft. §. 22z. 79 Ein anders, schönes Verfahren, das Gewicht der Luft zu bestimmen, zeigt die Höhen Messung mit dem Bar 0 me- t e r. Weiß man nähmlich genau das spezifische Gewicht des Quecksilbers und der Höhe einer Luftrcvier: so kann man daraus auch das Gewicht der Luft für diese Höhe finden.— Indeß dieß laßt sich freylich hier nur anzeigen aber noch nicht erklaren. Vorläufig kann man sich merken, daß das Quecksilber bey einer Temperatur von 6z-> Fahrenheit und Barometerhohe voll 27 Zoll 8 Linien und b.p nicht sehr feuchter Luft, das Gewicht einer Luftkngcl von uz 1/2 rheiul. Dczimal- kubikzoll, 7z l/2 Gran Medizinalgcwicht und berechnet daraus, daß ein rheiul. De- zimallubikzoll Lust 147/2Z9 vder o.öiz Gran in Mcdizinalgewicht wiege; — daß, da ein Dezimalkubikzoll iWasser bey obiger Temperatur ag«,229 Gran wiegt. sich das eigenthümliche Gewicht des Wassers z» dem der Lust, wie 492,229 : 615 oder nahe, wie Soo : l verhalte; und daß, wenn man das eigen- thümliche Gewicht des Wassers zur Einheit annimmt, das der Lust — o,cvl2A sey. Zo 7. Abschnitt. ans 72 Fuß schon um eine Linie fällt, und daß man recht gut nvch !<5 Theile einer Linie bep dem Barometer beobachten könne. §' 2ZV. Elastizität der Lust durch die Luftpumpe erwiesen. Die Lustpumpe setzt die Elasticität.der Luft gewisscrmasscn schon voraus. Jedoch laßt sich dieselbe damit auch durch unzählige Versuche beweisen. Der bekannteste ist mit einer fest zugebundenen und so zu- sammcngesaltetcn Biase, daß nur wenig Lust darinn enthalten seyn kann. Legt man sie nähmlich unter die Glocke einer Luftpumpe und pumpt die Lust weg, so schwillt sie bep jedem Zuge immer stärker auf, und bekömmt das Ansehen, als ob sie aufgeblasen worden wäre. So wie aber Luft zugelassen wird, sinkt sie wieder zusammen. Äo-n der Lust. H. 2^9. Hj Dieser simple Versuch wird auf verschiedene Art variirt. Eine Variation davon ist folgende: In eine m e ssi n g e n e Bü ch- se lege man eine fest verbundene, aber zusammen gedruckte Blase, bringe sie unter die Glocke einer Luftpumpe, und beschwere den Deckel derselben mit einigen Blcyplat- ten. Wird nun die Luft aus der Glocke gepumpt, so dehnt sich die wenige in der Blase befindliche Lust so aus, daß sie den Deckel der Büchse mit den Gewichten in die Höhe treibt. Damit diese nicht herab fallen, und etwa die Glocke zerschmettern, geht vom Deckel der Büchse ein Stäbchen aufwärts, an welches die durchbohrten Platten gesteckt werden, und diesem Stäbchen begegnet ein anderes, von dem Gewölbe der Glocke herab. Eine andere Variation des obigen Versuches, ist die mit dem sogenannten L u n- geng läse, das seinen Nahmen von dem berühmten Streite hat, der zwischen Hal- F 82 Abschnitt. ker und Ham berger darüber geführt wurde, ab zwischen der Lunge und der Pleu,. ra sich Lust befinde, und wie die Thiere sterben, wenn ihnen die Lust entzogen wird. Es besteht aus einem hohlen Kugclglasc, das oben eine DeffnunZ hat. (S. Fig. iZ>) In diesem Glase ist eine ausgedehnte Blase, die mit dem Rande ihrer Oeffnung über die Oeffnung des Glases gespannt ist. Sie ist so ausgedehnt, daß zwischen ihr und der inneren Flache des Glases nur wenig Luft seyn kann. Die äußere Luft hat mit der Lust der Blase Verbindung, die Lust aber zwischen der Blase und der inneren Flache des Glases ist verschlossen. Die Blase stellt die Lunge, das Glas die Brusthöhle vor. — Stellt man nun dasselbe unter die Glocke der Luftpumpe und pumpt die Luft heraus, so preßt die verschlossene Zwischenlust, die sich nun a usd e hnt, die Blase bald zusammen. Nun glaubte man vorher, die Lunge derjenigen Thiere, die unter der Luft- Von der Luft. §. 270. 8 z pumpe sterben, werde von der Luft der Brusthöhle eben so zusammengepreßt, wie hier die Blase von der Zwischenlust, und das verursachte ihren Tod. Allein dieß ist nicht der Fall. Die Ursache ihres Todes ist vielmehr die, daß die Luft, von der sie allein leben können, nicht erneuert wird.*) — Laßt man wieder Luft zu, so dehnt sich die Blase von neuem aus. ') Das Nähmliche behauptete Llchtenbcrg schon in seinem Taschenduche für das Jahr 7» .— „Dr. Frank in — heißt es daselbst S 97. — hat schon angemerkt, daß sich ans dem bekannten Versuche mit der Luftpumpe, da man eine Glocke, von der man die Luft ausgepumpt, nicht mehr klingeln hört, zu übereilt geschlossen wird, daß die Luft die einzige Ursache der Fortpflanzung des Schalles sey. Eben so kann man sagen daß man übereilt schließt, wenn man glaubt, Thiere könnten in dem Gucriklschcn Vakuo nicht lange leben, weil sie unter der ausgeleerten Glocke sterben. Bekanntlich sterben Thiere auch, « >enn man sie eine Zeitlang unter die un- ansgepumpte Glocke sperrt. Dieses muß sich F L L4 7- Abschnitt. Eben so zeigt sich die ausdehnende Gewalt der Luft bei) folgendem Vergliche. Man stecke in ein kleines gläsernes Gefäß, das zur Halste mit Quecksilber gefüllt ist/ eine Baroinelcrröhre, die oben und unten offen ist, und verlütle die übrig bleibende Oessnung des Gefäßes recht wohl. Bringt man nun dieses Gefäß unter eine Glocke, die so eingerichtet ist, daß durch die Haubcnöffnung derselben, eine oben verschlossene Glasröhre geht, mit welcher, die durch eben jene Qcff- nung gesteckte Baromcterröhre bedeckt wird -- und pumpt die Luft hinweg, so treibt in einer sehr verdünnte» Luft nm so schneller ereignen? ?e geringer der Vorrat!) ist, und der also mir einem einzigen Hauch bis zur Tätlichkeit verdorben werden kann. Um tiefen Versuch überzeugen > zu machen, müßte entweder der auSgeleeetc Raum sehr groß seyn, oder man müßte Mittel finden, den noch übrigen geringen Vorrath imm ^ zu erneuern, ohne ihn zu vergrößern." Von der Lust. Z. zzr, zz die wenige, in dem Gefäße verschlossene Lust, das Quecksilber in diese Rohre hinauf. Schraubt man eine eckichte, mit Luft gefüllte und wohl verschlossene Flasche, aus die Luftpumpe, stürzt eine Glocke darüber und pumpt die Luft aus dieser weg: so wird sich die in der Flasche verschlossene Lust, vermöge ihrer Elasticität ausdehnen, und dieselbe zersprengen. Man muß hierbei) wieder die oben (Z. 227.) angegebene Vorsicht gebrauchen. §. -Zt. Heronsball (stila tleroniz). Der sprechendste Beweis für die Ela» sticitat der Luft ist der Heronsball. — Wird derselbe unter eine Glocke gestellt, und die Luft um ihn herum weggenommen: so drückt die in demselben verschlossene Lust, die stch nun ausdehnt, das Wasser eben so gut in die Höhe, als wenn man zu viel Luft hin- 86 7- Abschnitt. ein geblasen hätte. -- Er wird in ein Glas- behaltniß gestellt und dann darüber die Glocke gesetzt, damit das herausspritzende Wasser nicht in die Luftpumpe dringen könne. §. 2Z2. Luft in flüßigen Körpern. Versuche hierüber mit gewöhnlichem Wasser, mit Selzer - Wasser und mit BraunschweigcrM u m me. Alles gerakh sogleich in Wallung und Aufschaumung, wodurch sich die fi^e Luft entwickelt, die in diesen Flüssigkeiten enthalten ist. Durch langes Pumpen würden sie ganz verschwinden. Aber daß man ja nicht glaube, sie bestanden ganz auö Luft. 'Nein ! sie würden in Dämpfen fortgehen; denn das Selzer-Was- scr bekömmt einen elenden, faden Geschmack, wenn es von der Luftsaure befreyr wird und fangt beym ersten Stämpelzug zu sieden an. DaS nähmliche geschähe nun auch Von der Lust. §. 2z:. 87 beym Champagner. Man sieht also, daß es nicht gut isi, wenn Champagnerbouteil- len lange Korkstöpscl haben. Denn indem mgnsie herauszieht, entsieht eine kleine Luftpumpe, und so würde man dem Champagner seine Lustsäurc rauben. — Das Nähmliche wurde auch mit der Milch gcschehen- §. -ZZ' Luft in festen Körpern. Versuche hierüber mit Kork, mit E pern, und mit einer runzsichten Birne. — Wenn ein Drittel Pfund Kork mit einem Pfund Bley beschweret und in Wasser gelegt wird : so schwimmt das Bley. (Sir. he eter Thl, S. u Boden; wird die Lust hin-ngelassen, so kömmt es wieder in die Höhe. Die Lnst dehnt nähmlich den Kprk aus; er bekömmt bey gleichem Ge? zz ?. Abschnitt. wicht ein größeres Volumen. Freylich helfen auch die kleinen Mongolfiere, die sich darüber hersetzen. Es ist eine allgemeine Erfahrung, daß die Eyer an dem spitzigen Ende kalter sind, als an dem stumpfen; nähmlich unserer Empfindung nach. Wir nennen diejenigen Körper kalt, die uns die Wärme sehr schnell entziehen- Wenn man im Win.r mit nacktem Fuß auf einen polirten Nagel tritt, so ist daS eine gar fatale Empfindung; liegt daneben eine Baumwolle, so scheint sie uns warm zu seyn. Aber daS rühret daher: der Nagel ist ein guter, und die Baumwolle ein schlechter Leiter der Wärme. Eben darum finden wir ein Zimmer so warm, wenn wir aus kalter Luft in dasselbe kommen, und diese Luft so kalt, wenn wir aus dem warmen Zimmer uns in dieselbe begeben; oder dünken unS die Keller im Sommer so kalt, und im Sommer so warm zu seyn; denn nnser Körper ist ein sehr schlechtes Thermo- Von der Lufr. §. 2?z. P9 metcr. Nur die erwähnte Erfahrung bey den Eyern hat auch hirrinn ihren Grund. Es liegt nähmlich an dem stumpfen Ende derselben ein kleines Häutchcn mit Luft gefüllt; alfo eine kleine Luftblase, die eine schlechte Leiterinn der Wärme ist; an dem spitzen Ende aber liegt das Häutchen ganz an. Macht man mn in das spitze Ende ein kleines Loch, hängt das Ey bey dem stumpfen, mittelst einer Schlinge, unter einer Glocke an dieselbe auf, und pumpt die Luft aus dieser weg: so wird die Luft in der eben erwähnten Blase so ausgedehnt, daß sie die ganze Wirthschaft des Eyes — Eyweiß und Dotter zur kleinenOeffnung heraustreibt. Wird hingegen wieder Luft zugelassen, so kehrt Alles zurück. — Befreyct man das Ey, entweder auf diese oder auf eine andere Art von seinem Inhalte, schneidet hierauf das spitze Ende der Schale mit einer scharfen Scheere rund herum gleich ab, und bringt nun dieselbe unter die Glocke, daß das ab- 9° ?. Abschnitt. geschnittene Ende in die Höhe gekehrt ist i so dehnt sich, bey weggepumpter Luft, die erwähnte Luftblase so aus, daß sie das ganze Cy wieder herzustellen scheint. Wird eine runzlichte Birn — es geht diesen Früchten, wie den Menschen - Gesichtern — unter die Glocke gebracht, und die Lust weggepumvt, so verliert sie alle Falten, weil die darin» befindliche Luft sich ausdehnt. Wie manche Dame würde diesen Versuch auch an sich anstellen lassen! §. 2Z6. Verschiedene Luft arten. Man nennt die künstlichen Luftarlen G az oder G a s, welches mit unseren! G ä sch oder Geist Zusammenhang hat. Die Lehre von derselben sollte eigentlich erst nach der Lehre vom Feuer abgehandelt werden, Ihr imsvnderabler Theil ist sicherlich und »ach allen Sekten Feuermatcrie, und nur Von der Luft. §. 2Z6. yi der ponderable besieht aus mehreren andern Materien. Man versieht darunter jede völlig unsichtbare, für sich permanente, wäg- nnd in Gefäße einschließbare Flüssigkeit» Sie werden durch die Wärme beträchtlich ausgedehnt, und durch die Kälte zusammengezogen, ohne jedoch durch letztere je, weder in einen fesien, noch in einen tropfbar- flüssigen Körper verwandelt zu werden. Auch können sie nie durch irgend einen Druck zerfetzt werden. Und durch dieß alleS unterscheiden sie sich deutlich genug, von den tropfbaren Fluidis, von dem Warmestoff, von der elektrischen und magnetischen Materie, von dem Lichte, und besonders von den Dampfen und Dünsten, mit welchen man sie so häufig verwechselt. — Die Dämpfe nähm- ckich, die man nach Vvlta, Halblu starten nennen kann, werden durch den Druck zersetzt, und wenn ihnen die Wärme, der sie ihre Flüssigkeit zu danken hatten. 92 7- Abschnitt. entzogen wird, fallen sie entweder in Tropfen nieder, oder hangen sich als ein mehl- lichteS Pulver an. — Die Lust hingegen ist ein permanent gewordener Dampf. Wärniestoff, elektrische, magnetische Materie und Licht, können weder gewogen, noch in Gläser eingeschlossen werden. Von diesen merkwürdigen permanent- elastischen Fluidis haben unsere ehrlichen Alten sehr wenig gewußt. Der erste, bey dem so etwas vorkömmt, ist Theophrastus Paracelsus. Sein ganzer Nahme ist: Phistppus Aureolus Theophrastus Paracelsus Bombastus ab Hohenstein. Ein gar fon-> dcrbarer Held! Er wurde bey Zürich im Jahre 149z geboren, und war ein chemischer, medizinischer und theologischer Schwärmer. Wirklich alles Mögliche! Er glaubte ein Elipier erfunden zu haben, mit welchem er sein Leben auf 200 Jahre verlängern könnte, und nannte es Llexier xroxrieta- ris. Allein es hat ihm zu nichts geholfen? Von der Lust. Z, -zü. ^ er starb schon in seinem 48 Jahre, im Jahr 1^41. Uebrigcns war er doch ein großer Kops, und machte bey den Luftartcn viele wichtige Entdeckungen. Sein sogenannter Schuler Johann Baptist van Helmont, war in Punk- ko des Schwärmers um kein Haar besser. Er wurde zu Brüssel im Jahr 1577 geboren, und schon in seinem i7tcn Jahre Professor der Chirurgie, wiewohl er hernach selbst gestand, daß er damahls noch kein Wort von der Chirurgie verstanden habe. Er verwandte sich hernach auf die Medizin »ud dann auf die Chemie. Er war, wie gesagt, eben so ein Schwärmer, alS Thco- phrast. So hielt er sich, z. B. für den einzigen von Gott eingesetzten Doktor. Indessen machte auch er verschiedene Entdeckungen, schrieb vieles und starb im Jahre 1664. Von ihm rührt der Nahme GaS her. Endlich kam Robert Bople (S. i. B. §. 2z.) und that schon mehr. Doch 94 7- Abschnitt. weit mehr noch that Halcs, und noch weit mehr Priestley. Letzlerer entdeckte am ikcn August 1774. die dephlogististcrte Luft, und dieser Tag wird der Geburtstag der französischen oder antiphlogi- stischen Chemie genannt. Die Eintheiluug aller bis jetzt bekannten Luftarten, übersteht man am besten in folgender Tabelle: -> Von der Lust- §. 2zk>. >»- .? cll ZZ-2 X xz ^-» eruviann5, und Lactus caerulsns. Man verfahrt dabey so: man bringt diese Pflanzen in eine Glocke, füllt dieselbe mit Wasser, stürzt sie auf einen Teller, auf welchem natürlich auch etwas Wasser seyn muß, und setzt nun alles dem Sonnenlichte aus. Die Wirkung rührt schlechterdings, nicht von der Sonnenwärme, fondern von dem Sonnenlichte her --- ein Umstand, den man sich recht gut merken muß, weil er zu den Leweisen für die Körperlichkeit deS Lichtes Abschnitt. gehört. Graf Rum for d hat den Versuch auch bey brennenden Kerzen gemacht. J n- genhouß hat zwar widersprochen; allein Rumford ist ein viel zu aknrater Beobachter, als daß man ihm nicht trauen sollte Ucbrigens kann man das SauerstoffgaS auch aus unserm Kohl erhallen; vorzüglich auch von der Eonlerva rivularis und von der gemeinen Hauswurz. Das Sauerstoffgas zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: 1. Es ist schwerer, als die atmosphärische Luft. Das specifische Gewicht desselben, verhalt sich zu dieser, wie iio.? : looa und ein Kubikzoll davon wiegt 0,50694 eines Grans. 2. Es besitzt weder Geruch, noch Geschmack, noch saure Eigenschaften. z. Es verursacht, durch den Beytritt seines Grundstoffs, des Opygens, wahrend der Verkalkung der Metalle, das größere, absolute Gewicht derselben. Von dcr Lust. §. az6. ivz 4. Es befördert das Brennen und Verbrennen der Körper auf das lebhafteste. — Wird über eine brennende Kerze ein mit dephlogisiisirter Luft gefülltes Glas gestürzt, fo brennt sie um vieles Heller und reiner. — Wird ein Hölzchen angebrannt und in ein solches Glas gesteckt : so entzündet sich die Kohle sogleich. Eben das geschieht mit einer ausgeloschenenKer- z e, deren Docht noch glüht. Wird Schwefel in ein solches Glaschen gehalten: so brennt er ausserordentlich helle, und mit der schönfarbigsten Flamme. Noch weit Heller, fast blendend hell, der Phosphor, bey welcher Gelegenheit sich die Phosphorsaure, so wie beym Verbrennen des Schwefels, die Schwefelsaure erzeugt. —- Wird eine Stahlfeder von einer Uhr, an welcher mittelst eines Eifcndrathes ein glühender Zunder befestiget ist, in ein solches Glaschen gehalten: so brennt sich dcr Zun/ der in eine Flamme, und der Stahl kocht 404 7- ''- öschuitt. und schmelzt, die glühenden Funken spritzen wie Feuerperlcn im Glase umher, und schmelzen selbst die Glasur vom irdenen Teller weg, auf welchem das Glas sieht, ungeachtet sie erst durch das Wasser dahin gelangen. Das Wasser wird gleichsam weggeblasen, wie man auch solche Kunststücke hak. .5. Es begünstiget das Athmen. Thiere leben und Lichter brennen darinnen auf 6 bis 7 Mahl länger, als in gemeiner Luft. Man nehme zwey Glocken oder Glaser, wovon eines mit gemeiner, das andere mit Lebenslust gefüllt isi, stürze sie über zwey Teller, aufweichen Wasser ist, und stelle nun darunter zwey Lichter auf Kork gesetzt: das Licht unter der gemeinen Luft löscht siel eher aus; am Ende muß freylich auch das andere auslöschen. — Weil die de« phlogistisirte Luft dem thierischen Leben so günstig ist, so hat man verschiedene Methoden , zum Einsaugen derselben ausfin- Von der Luft» Zi. -z". ruz big gemacht. Jngenhouß hat in seiner Sammlung vermischter Schriften mehrere Einrichtungen angegeben. Nur muß man aber nicht glauben, daß es ein Universal- mirtcl wäre. Ja eS kann sogar bey manchen Krankheiten schädlich werden, z. B. bey hitzigen. Diese Vermuthung hat Lichtcnberg in einer der ersten Vorrede zum Compendio, blos aus der Analogie geäußert. Sie wurde aber hernach vom Hofrath Herz zu Berlin bestätiget. Späterhin wurde unter den Wienerischen Aerzten viel darüber dis- putirt. Doch dieß gehört nicht hieher. 6. Es begünstiget das Wachsthum derPflanzen. Jngenhouß behauptete anfangs das Gegentheil; nahm aber hernach seine Behauptung wieder zurück. So fällt denn also — pflegte hier Lichten-- berg scherzweise zu sagen — die Schwierigkeit weg, welche ich bisher noch immer bey meiner Hypothese hatte. Ich bin nähmlich der Meinung, daß Adam und die Erzväter loL 7. Abschnitt. lauter dephlogistisirte Luft eingesaugt, und deßwegen so lange gelebt haben. Nur war mir aber das noch entgegen, daß diese Luft den Pflanzen schädlich seyn sollte, welche Schwierigkeit nun also Jngenhouß gehoben hat. Nach der neuern Chemie ist das Saustoffgas eine Verbindung des O^pgens Mit Calorique, wovon jenes die Basis, Grundlage oder der Grundstoff ist. Unter den vielen Nahmen, welche es führ t, sind die, der Le b e n s l uft, Feuerluft, reinen Luft, und dephlogisti- sirten Luft, die gewöhnlichsten. Lichten» berg bediente sich aus langer Gewohnheit, immer des letzteren, ungeachtet er das Unschickliche desselben selbst cingestand. 2. Gemeine oder atmosphärische L u ft. Ist ein Gemisch aus Sauerstoff- Stickstoff-und Kvhlenstofffaurem Von der Lust. §. izS. 107 Gas. Lichtenberg gab das Verhältniß d ieser Bestandtheile folgendcrmasscn an: dephlogistisirte Luft /z- phl 0 gisti- firte fixe Jetzt weiß man diese Bestandtheile genauer. Jedes Quantum atmosphärischer Luft enthält nähmlich: 1. an Sauerstoff 0,210 Theile. 2. an Stickstoff 0,787 - Z. an Kohlensäure 0,000 - 1,000 Z. Schwefel- Wafserstoffgas, ((FU2 Ii^ärogsns Zulxknre.) Wird erhalten, wenn man Schwe- fclleber in mit Wasser verdünnten Säuren auflößt, und zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: r. Es besitzt einen sehr unangenehmen Geruch, fast den von faulen Eyern. 2. Löscht ein hineingebrachtes Licht ans: ist aber selbst entzündlich, jedoch nicht roZ x. Abschnitt. ohne BeyMischung von atmosphärischer Lust. z. Es wird vom Wass'r, besonders vom kalten verschluckt, und das Wasser w'rd dann durch seinen widrigen Geschmack und übriges Verhalten/ den sogenannten Schwe- ftl wässern ähnlich. Nach der neuen Chemie ist die Basis dieses GasesHydrogene und Schwefel und es fübrt noch folgende Nahmen: hcpakische Luft, Schwefelleberluft, stinkende ^Schwefelluft, schwefelhaltiges oder geschwefeltes Wasserstoffgas. 4. Amm 0 niakgaS, (Oas ammoniac.) Wird erhalten, wenn man einen Theil Salmiak, mit zwey Theilen frisch zerfallenem Kalk vermischt, mit etwas Wasser befeuchtet, und in einer Retorte gelinde erhitzt. Es muß, weil es mit dem Kon der Lust. Z. 109 Wasser so äußerst vermischbar ist, über Quecksilber aufgefangen werden. Die vorzüglichsten Eigenschaften desselben sind folgende: 1. Es verhält sich zu den Pflanzenfarben, wie ein Alkali, färbt also den Vcil- chcnsaft grün. 2. Bildet mit dem Wasser, mit dem es sich sehr schnell vereinigt, den sogenannten ätzenden Salmiakgeist. Z. DaS Eis wird davon schnell zum Schmelzen grbracht. 4. Wird es mit sauren Gasarten in Verbindung gebracht, so ereignet sich daS schöne Phänomen, daß beyde GaSarten ihre Lustform verlieren und in einen festen Körper übergehen. — Daß also zwey permanent elastische, unsichtbare Flnida, die für sich Jahrhunderte lang so geblieben wären, in einen festen sichtbaren Körper verwandelt werden, sobald sie sich untereinander berühren. Mit dem salzsauren Gas z. B- Ilo 7. Abschnitt. wird auf diese Art der Salmiak gebildet. Lichtenbergs Freude war unbeschreiblich, als er diesen Versuch zuerst bey Priest- ley zu einer Zeit sah, da dieser die Entdeckung noch nicht lange gemacht hakte. Er ließ den Versuch im Collegio gerade so anstellen, wie er ihn bey Pricstlcy sah. Zurrst wurde salzsaureS Gas, — von welchem weiter unten — dann AnimoniakgaS gemacht, und beyde in gleichen, oben verschlossenen, einen Zoll in, Durchmesser haltenden Glasröhren aufgefangen. Hierauf wurden beyde Röhre in eine gläserne Schüssel mit Quecksilber gestellt und das Ammoniakgas zum falzfauren Gas hinübergelassen. Ueber der Schüssel befand' sich ein Holzgestell, an welches die Röhren angelehnt wurden. — Man darf so eine Röhre, in welcher sich drr Salmiak entwickelt hak, nicht nahe zur Nase bringen. Nach der neuen Chemie bestehet dieses Gas aus Stickstoff und Wasser-- Von der Luft. §. az6. in st off. In hundert Theilen sind gegen gc> des ersteren enthalten. Die verschiedenen Nahmen dieses Gases sind folgende : Laugenartiges Gas, flüchtig- alkalisches Gas, flüchtig- alkalische Luft, laugen- -salzige Luft, urinvse Lu ft. F. Wasserstoff.gas oderinflam- Mable Luft, ((Zn? d^äroZüne.) Wird am gewöhnlichsten und wohlfeilsten erhalten, wenn man auf Eife lisch an e oder grobgekörnten Z in k, mit Wasser verdünnte Vitriol - oder Salzsäure gießt. -» Man hat auch aus Kartoffeln in- flammable Luft gemacht. Ein neues Beyspiel, was nicht alles aus Kartoffeln gemacht werden kann. — Eben so erhält man auch das Wasscrstoffgäs, wenn man Waffe rd am pfe mit glühendem Eisen in Berührung bringt. Der Versuch hierüber ist um so merkwürdiger, da er über die Zu- HZ, 7- Abschnitt. sammensetzmig des WasserS und über die Natur des Wasserstoffgas selbst, so schöne Aufschlüße gibt. Man bringe in eine eiserne Retorte, an welche ein eiserner Flintcnlauf geschmolzen ist, reines Wasser, und erhitze dasselbe durch ein darunter stehendes Kohlenbecken. Eben so werde der eiserne Flintcnlauf, der an die Retorte geschmolzen und bey seinein andern Ende in den Trichter einer pnevmatischen Wanne gebogen ist, glühend gemacht. So wie min das Wasser m der Retorte zum Kochen gebracht wird, und die Dämpfe desselben durch die glühenden Stellen des Rohrs streichen, werden sie in infiammable Lust verwandelt, und gehen als solches in die Glocke über, die in der Wanne aufgestellt ist. Das glühende Eisen ent- zieht dem Wasser sein Opygen und wird dadurch verkalkt, das Hydrogen des Wassers aber wird frey, und bildet mit dem Calori- gue das MasserstoffgaSä Von der Luft. §. 2z5. Die vorzüglichsten Eigenschaften des Wafferstpffgases sind folgende: 1. Es ist m e p h i t i sch, und daher NN-. fähig daS Äthemhohl.n zu unterhalten» Bringt man in ein Glas, das mit solchem Gas gefüllt ist, Licht/ fo verlöscht es. Mau muß das Glas umgestürzt halten, sonst gibt es Explosion; denn die instammable Luft ist leichter als die atmosphärische, steigt also auf u. f. w. 2. Es ist fthr leicht entzündbar. Halt man unter ein GlaS, in welchem sich solches Gas befindet, Licht, so entzündet es sich. — Selbst durch den schwächsten elektrischen Funken entzündet es sich, worauf sich die Einrichtung der elektrischen Lampe gründet. — Mit einem Knalle begleitet entzündet es sich in Verbindung mit der atmosphärischen Luft, und noch lebhafter mit dem Sauerstoffgase. Mau nennt solche Mischungen Knallluft und nimmt zu derselben, wenn sie gut seyn soll, entive» H 5-4 7. Abschnitt. der gleiche Theile von der atmosphärischen und instammablen ; oder - inflammable und : dephlogistisirtc Luft. Einer der simpelsten Versuche hierüber ist folgender. Man rühme eine Blase, die mit Knalilust gefüllt ist, und drücke sie auf eine Scifenbrühe ans, die man auf einem Teller hat. Macht man nun auS dieser Seifcnbrühc Blasen, und halt das Licht an dieselben, so gibt es eine Explosion. Und blast man vollends zuletzt in die Seifcnbrühe auf dem Teller, daß mehrere Blasen entstehen: so gibt es, wenn Licht daran gehalten wird, eine noch heftigere Explosion. Das Sonderbare hie- bcy ist noch dieß, daß, wenn man den Finger in die Ohren steckt, und nach gehörtem Schall wieder gleich herauszieht, man den Schall noch einmahl hört. Dieß rührt daher : der Schall hat eine gewisse Dauer; er ist also daS crstcmahl noch nicht ganz verloren» — Vott der Lust- §. 115 Bey der Entzündung desSchießpul- vcrs ist es ebenfalls die Knalllust, welche die heftige Explosion verurfacht. Zu einem guten Schicßpulver gehören nach Ingen- hauß 75 Theile Salpeter, rz^ Theil pul- veristrte Kohlen , und 9^ T. eil Schwefel- Die Güte desfelben besteht darinn, daß diese Bestandtheile so vollkommen, als möglich gemischt werden. Eigentlich sollte jedes Körnchen ein Gemisch von diesen drey Theilen seyn. Der Schwefel sollte nach Jngcn- honß weggelassen werden, weil er die Zündlöcher, durch die Schwefelsäure, welche sich bey seiner Entzündung entwickelt, so sehr verderbt. Indeß zur schnellen Entzündung scheint er doch unentbehrlich zu seyn. — Nun durch die Entzündung des Salpeters wird Saucrstossgas, und durch die Entzündung der Kohle, Wasserstoffgas entwickelt. Beyde zusammen bilden eine Knallluft, die durch dieselbe Entzündung, durch welche sie entwickelt wird, auch in Explosion gerath- H 2 zi6 7. Abschnitt. — Aber warum sind nun die Wirkungen des Pulvers so ungeheuer ? Es entsteht dabey etwas ganz anders, als bey der Kuall- luft — etwas, was hier nicht einmahl recht deutlich gemacht werden kann. Geschieht nähmlich die Verbrennung der Knaklluft in verschlossenen Gefäßen, so wird Wasser erzeugt. Dieses Wasser verwandelt sich durch die Hitze (bey der Entzündung des Schießpulvers) in D äm p fe ; und diese sind es, welche die schreckliche Gewalt ausüben. — Doch, wie gesagt, dieß kaun erst bey der Lehre von den Dämpfen verständlich gemacht werden. Für eigene Vorrichtung für die Explosion der Knalllnft ist die Knallluft - Pistole, die, weil sie auch durch elektrische Materie losgeschlagen werden kaun, gewöhnlicher die elektrisch ePistole heißt. — Die Verbrennung der inflammablcn Luft in der atmosphärischen findet n»r in dem Verhältniße des Antheils dieser an Lebenslust statte Von dcr Luft. §. az6. 117 .Daher kann man die inflammable Luft auch zu einem Eudiometer *) gebrauchen. z. Es ist die leichteste unter allen Gas- arten. Das specifische Gewicht derselben zu dem der atmosphärischen Luft, verhält sich wie 1 - 12, 6z, und ein Pariser Cubik- zoll davon wiegt o,oZLZy Gran, ein Cubik« fuß aber 61,15 Gran. — Hierauf gründet sich die Lnstschiffercy. — Kiene Monkgolstere sind viel schwerer zu machen, als große. Versuche darüber mit Mettwurst» *) Bekanntlich ist dieß dasVoltaische Eudiometer — das beste und zuverla- ßigste, d'ß» tc auf einem umgewandten Tetler präsen- tirt werden, und so gäbe es also positive und negative Mettwürste. — Mit Ruder« kann man die Geschwindigkeit der Montgol- fiere nicht befördern. Ein Luftballon der 26 Fuß im Durchmesser hat, wird durch 2 Nuder, die Lv Quadratfuß Oberfläche haben, und 20 Fuß lang sind, in einer Sekunde, bey Windstille Fuß weit schneller fortbewegt. Die Geschwindigkeiten wachsen, wie die Cudikwurzeln aus den Rudern. Zu einer noch einmahl so großen Geschwindigkeit brauchte mau also 16 Ruder. Da müßte man aber auch wieder mehr Kerls haben u. s. w. Besser könnte man sich durch Verdünnung und Verdichtung der Luft helfen — (mit einen, Planum inclinatum). — Wenn ') Gittingen ^ ist dieser Art B ürste wegen/ die weit und breit verschicket werden, sehr berühmt. Von der Lust. §. 2Z6. lüg die Lustballons nur nicht so viel kosten möch» ten ! da könnte man sich sonst manches Vergnügen machen. Wenn man z. B. nach Hamburg reiste, könnte man den Ballon an den Wagen binden, und so in der Lust nebenher ziehen; man könnte über Flüsse, wie über Quecksilber gehen; man könnte über Ortschaften setzen; man könnte recht gut Höhen messen, indem man einen kleinen Ballon an einen seidenen Faden hinaufsteigen ließe; man könnte über die Atmosphäre wichtige Aufschlüsse erhalten; einem Pferde, das in einem Wagen 20 Centner ziehen muß, dürste man nur einen Lustballon an den Wagen befestigen, so würde es viel- leicht nur 12 Centner, oder noch weniger ziehen dürfen; zum Nccognosciren hat Lich- tenberg diese Ballons schon lange empfohlen. — Allein, wie gesagt, die Kostbarkeit derselben ist daran hinderlich. Um sich davon eine Idee zu machen, folgt hier die de- taillirte Beschreibung eines sslchen Lustbal- 12? 7. Abschnitt. lons. Blanchard brauchte zu einem Bas. lon von 26 Fuß im Durchmesser 659, Pfund Witriolsäure, das Pfund zu 10 Sous - Z gute Groschen — sie muß also fthr verdünnt gewesen seyn — macht 324 Thaler, ferner zzoo Pfund Blechspane und Eisen- feile; 1300 Pfund zu 60 Livres, macht 876 Thaler. Nun der Taffet. Eine Kugel deren Durchmesser 26 Fuß beträgt, hat 2110 Ouadratsuß Oberfläche. Nun noch der Firniß und alles klebrige. Man sieht also, daß der Spaß sehr hoch zu flehen kömmt. Nach der neuen Chemie besteht das Wasserstoffgas auS der Verbindung des Hydrogcns mit Cal 0 rigue; und die verschiedene Nahmen , welche es führt, flnd folgende: brennbar esGas, entzündbare Lust, entzündliche Luft, inflammable Luft, brennende Lust, Brennluft. Bey Helmen« heißt sie (Z n 2 xinZne. I n- 5 lammable Lust ist unstreitig der beste Von der Luft. H. Z.Z5. rri Nahme, weil er sich auf kein? von beyden Hypothesen gründet. 6. Kohlen - Wasferstoffgas, ((an? b^är-zzönL carbono). Es kömmt in vielen Stücken mit dem r einen Wasserstvssgafe überein; nur unterscheidet es sich von diesem, durch ein größeres eigenthümliches Gewicht, durch eine dichtere und gefärbtere Flamme, mit der es brennt; und besonders dadurch, daß es beym Verbrennen in verschlossenen Gefäßen mit Saucrstoffgas, nicht blos Wasser, fondern auch kohlcnstoffsaures GaS oder ssre Luft hinterlaßt, welches letztere bey dem reinen Wasserstossgafe nicht der Fall ist. — Man erhalt dieses Ggs bey der Zerlegung aller thierischer und vegetabilischer Körper durchs Feuer oder durch die Fäulniß. In der Natur findet man es in Sümpfem >2» 7- Abschnitt. Pfühen und stehenden Wassern, woher es besonders den Nahmen der Sumpfluft d^clroAene cie« marai«) führt. Um es hier bequem aufzufangen, nimmt man eine ausgebtückte Blase und bindet sie mit der Ocssnung an ein messingenes Rohr, das mit einem Hahn versehen ist. Unter daS Rohr bringt man einen Trichter an, der mit einer Oese versehen ist, daß man denselben mit einem Stocke in den Sumpf stürzen kann, um nicht selbst darinn waten zu dürfen. Rührt man nun mit einem andern Stocke in dem Sumpfe unter dem Trichter herum, so wird die Lust in die Höhe getrieben, und dringt in die leere Blase. Sobald die Blase voll ist, verschließt man den Hahn nimmt sie heraus/ drückt sie in Vouteillen aus, und füllt sie aufs neue. Auch in den Kloaken ist sie zu Hause diese Lust. Lichtcnberg las im Journal lle ?aris die Nachricht, daß ein Tabakraucher einen brennenden Fidibus in den Von der l!>>ft §> .ZS. i:z Lciöstuhl warf, darüber fing es in demselben hell zu lodern an, und es verbreitete fich ein so arger Gestank in der Stube, daß man nicht bleiben konnte. Schade, daß eö nur die Gelehrten wissen, welch' eine ine- chantc Luft über den Abtritten schwebe, und daß diejenigen, die fich sogar mit Wegräu- mung des Unralhcs derselben beschäftigen, nichts davon erfahren. Von den Kanzeln sollte man es vermelden. Aus dem obigen Umstände, daß man beym Verbrennen dieses Gases mit Sauer- stoffgas, nicht blos Wasser, sondern auch Kohlensaures Gas erhält: folgert die neue Chemie, daß die Basis desselben K o h l e n- stoff und W asse rstoff seyn , und gibt ihm d aher den Nahmen .Kohlenstoff- Wasserstoffgas. Die übrigen Nahmen find folgende: schweres brennbares Gas, Sumpfluft, Kohlenstoffhaltiges oder gekochtes Wasserst o ff L s s- !24 7- Abschnitt. 5?. Kohlig saures Gas (Gas oxiäe Enrdove.) Eine neue von Cruikschank in England entdeckte Gasart, von welcher in den Lichtenbcrgischcn Vorlesungen noch nichts »vrkam. L. Phosphor-WasscrstoffgasflZg^ b/ckroZäue xüoxxlrore,) Es hat viele Aehnlichkeil mit dem Schwefel-Wasserstoffgasc, oder die Schwefelleberluft, und wicd auf folgende Art c r- halten. Man nimmt zu zwey Unzen guter kaustischen Lauge, zwölf Gran Phosphor, bringt das Gemische in eine Retorte — die man des möglichen Zcrplatzcns wegen, mit einem Drathnetze einfassen muß -- seht dieselbe nun aufKohlenfeuer und fängt das sich entwickelnde Gas über.Quecksilber auf. — Zu einer guten ka u st i sch e u L äuge aber dient folgendes Recept. Aus zehn Von der Lust. §. 2ZS. I2Z Loth lebendigen oder ungelöschten Kalk, gieße vier und zwanzig Loth Wasser. Wenn diese Mischung noch siedet und heiß ist, gie - ße fünfzehn Loth vegetabilisches Alkali, (Pottasche) mit sechzehn Loth Wasser vermischt dazu, und rühre alles wohl durcheinander. Das Phosphor - WasserstoffgaS hat den ausgezeichneten Charakter, daß es sich unmittelbar bey Berührung der atmosphärischen nicht ganz kalten Luft, mit einer Explosion und lebhasten Lichte von selbst entzündet. Noch lebhafter geschieht dieß bey Berührung des Sauerstoffgases. Hieraus könnte nun manches Leuchten in der Natur erklart werden, und die Antiphlogistiker erklären daraus wirklich die Irrlichter, Stern- schuppen u. s. w. — Außer dieser ausgezeichneten Eigenschaft, besitzt dieses Gas einen sehr unangenehmen, fauligen, knoblauchartigen Geruch» ,:S 7« Abschnitt. Nach der neuen Chemie ist die Basis desselben, Wasserstoff und Phosphor, und es heißt daher: Phosphor- Wasserstoffgas. Die übrigen Nahmen sind: Phosphorgas, phosphori- sches Gas, Phosphorluft, phosphorhall iges oder gcphoSphor- tes Wasser st off gas, gasförmiger pH osph orisirter Wasserstoff. y. Kohlenstoffsaures Gas, oder fixe Luft. (Lla? NLläs Earlzoniczue). Ist diejenige Gasart, die sich bey jede? Weingahrung so häufig entwickelt und deßwegen auch dieG a h r u n g s l u fk genannt wird. Am leichtesten und wohlfeilsten erhalt man es, wenn man auf Kreide verdünnte Vitriolsaure gießt und in einer pneumatischen Vorrichtung die sich entwickelnde Luft auffangt. — Es wird auch durch das Verbrennen der Vegetabilischen Von der Lusi. Z 2Z^« 127 Substanzen gewonnen, woraus sich ergibt, daß es ein Bestandtheil derselben, und ihrem Wachsthum günstig seyn müsse. Da sich nun dasselbe auch beym Athemhohlcn warmblütiger Thiere entwickelt, wo man es in der ausgehauchten Luft allezeit antrifft, und die Pflanzen hingegen Lebenslust entwickln: so steht man hier einen sehr schönen Cirkel in der Natur. Diejenige Luft, welche die Menschen als eine ihnen schädliche Luft von sich schaffen, dient den Pflanzen zur Nahrung; und diejenige Luft, welche die Pflanzen beym Sonnenlichte entwickeln, ist wieder den Menschen so heilsam. Daher ist ein Spaziergang in grünen Auen und Feldern, und in Wäldern, in welche die Sonne dringen kann, so erquickend. Unter dem Schatten der Bäume hingegen, entwickelt sich eine schädliche Luft, deren Einfluß man auch bald fühlt, wenn man sich besonders Abends dahin lagert. 5 28 ! 7. Abschnitt. Die vorzüglichsten Eigenschaften des kohlensauren Gases find folgende. ES ist: z. m e p H itisch, und- also eben so wenig fähig das Verbrennen/ als das Alhcm- hohlcn zu unterhalten. Halt man Licht an die Ocffnung eines Glases, in welchem solches Gas enthalten ist/ so verlöscht ps an- geublicklich. Man kann die Flamme ordentlich auffangen. — Menschen und Thieren wird es tödklich. An einzelne Ausnahmen darf man sich nicht kehren- So hat es allerdings Menschen gegeben, die fire Luft einalhmeten. P < latre deRozier — der bekannte Märtyrer der Aeronautik, hat sogar Salpcterluft eingeaihmct. 2. Das kohlensaure Gaö ist beträchtlich schwerer als die atmosphärische Luft. Es verhält sich nähmlich zu dieser, wie 1,497z zu r, und ein Kubickzoll davon wiegt 0,68985 Gran. . Es sinkt daher in der atmosphärischen Lust Von der Luft. Z. 256. 119 zu Boden, und hieraus läßt sich erklären, warum funden in Höhlen, wo fixe Luft ist, z. B. in der Georca äel (?ans, (HundS- grotte) nicht weit von Neapel, diese Lust so tödlich wird, hingegen für die Menschen unschädlich bleibt. Sie nimmt nähmlich die untern Regionen ein. Nun halten die Hunde die Nasen tiefer, als die Menschen; kommen also in liefere Schichten und finden so ihren Tod. — Zündcl man in einem großen Glasgefäße, in dem sich Wasser befindet einen Schwärmer an: so brennt derselbe unter dem Wasser fort, und oben auf die Oberfläche des WasserS seht sich nun die fixe Luft, liegt ordentlich da, und wogt sich. Auf eine ähnliche Art muß man sich vorstellen, befindet sich dieselbe auch auf dem Boden der obigen Hundsgrotte. — Der Umstand, das die fixe Lust schwerer ist, als die atmosphärische, hat zu mancherlei) belustigenden Versuchen Veranlassung gcqeben, wodurch sich unter andern der Düc de Z zzc> 7. Abschnitt. Chaulnes auszeichnete. So gäbe? z.B. in einer Gesellschaft folgendes auf: In ein Glas, worinn nichts ist, aus einem andern worinn auch nichts ist, etwas zu gießen, was Lichter auslöscht, und Vögel lödtet. Natürlich, befindet sich in einem leeren Glase ein Licht, oder ein Vogel, und g'eßt man jn dasselbe aus einein andern Glase fiz?s Luft, so sinkt sie, weil sie schwerer ist, in das erste Glas hinein, löscht das Licht aus, oder tödtct den Vogel. Das kohlensaure Gas, verhält sich wie eine jede andere Saure. Es färbt nähmlich die Lakmus- linklur rotd, und der Daumen oder dis Hand, welche man über das Glas halt, wird dabey angezogen. — Die Lakmustinktur muß in das Glas, worinn die fige Lust ist, gegossen werden. Das kohlensaure Gas schlägt den Kalk im Kalkwasser nieder. Kalkwasser ist dasjenige Von der Luft Z. 256. izi reine Regcnwasser, in welchem ungelöschter Kalk ausgelöst und dann fillrirt wird. Auch mit dem Sclzcr - oder eigentlich Sellerscr Wasser, in welchem, so wie in allen Sauer- Wässcrn fi^e Luft enthalten ist, laßt sich dieser Versuch anstellen. Jedoch mit dem Unterschiede, daß sich der Kalk zwar niederschlägt, aber gleich wieder verliert, welches jedoch am Ende aufhört. 5. Das kohlensaure Gas geht mir dem Wasser sehr leicht eine Verbindung ein, und ertheilt demselben einen säuerlichen Geschmack. Es laßt sich ungefähr zu gleichen Theilen mit dem Wasser verbinden. Hierauf gründet sich nun die künstliche Nachahmung der Sauer- oder Mineral-Wasser. In allen diesen Wassern ist nähmlich fize Luft enthalten, und sie gerade verursacht die angenehme Säure derselben. Weil aber diese Wasser auch noch andere Materien enthalten, die einem Kranken schädlich I - ZZ2 7- Abschnitt. werden bürsten, wenn man ihm diesen heilsamen Trank reichen wollte: so hat man Vorrichtungen erfunden, das ftische Brunnen-Wasser mit fi^er Lust zu imprägnireu. So eine Maschine hat Parker, der berühmte Glasschlciffer zu London, von dem auch das bekannte Svnnenmikroscop herrührt , erfunden. Sie wird aber auch in Schorborn vortrefflich nachgemacht. Die Einrichtung derselben ist folgende. Es werden drey gläserne Gefäße /r, k, E, (Flg. IF.) von der Gestalt, wie die Figur sie zeigt, luftdicht in einander gesetzt. Das untere Gefäß E dient zur Entwickelung der fi- zen Luft, worinn also die Kreide mit verdünnter Vitriolfaure gebracht wird. Es hat bey u eine kleine Oessnnng, um während der Operation frische Materialien in das Gefäß zu bringen, oder die vorhandenen umzurühren. In dem mittleren Gefäße II befindet sich das Wasser, das mit fstcr Luft stnprägrnrt werden soll und welches, wenn Von der Luft. §. 2zS. izz dieß geschehen ist, zur Oeffnung b abgelas« stn wird. Es stehet mittelst zweyer fein und vielfach durchbohrten Stöpseln, die sich in dem Halse demselben befinden, und inner» halb welcher, auf dem untern ruhend, eine Klappe angebracht ist, um das Herabtrö? pseln des Wassers zu verhindern, mit dem untern Gefäße in Verbindung. Das dritte Gefäß ^ dient, die Berührung zwischen Wasser und Luft immer starker zu machen. Indem nähmlich die fi^c Luft aus dem un- reren in das mittlere dringt, treibt sie aus diesem das Wasser, mit dem es ganz voll ist, in daS obere Gefäß, und von hier aus drückt dieß Wasser wieder zurück, auf das, waS in dem mittleren enthalten ist. Der Hals dieses oberen Gefäßes ist deswegen umgebogen, damit die Luftblasen, wenn sie aufsteigen, nicht unmittelbar ans die Oeffnung treffen. — Uebrigens versteht sich von selbst, daß, wenn bey d das impragnirte Wasser abgelassen wird, das Wasser in lV IZ4 7 Abschnitt. nach L herabsinkt, und daß man, wenn die Operation fortgesetzt werden soll, bey der Oeffnung c eben so viel frisches Wasser nachgießen muß. Ueber die haarröhrchenartigen Canäle der beyden gläsernen Stöpsel im Halse des mittleren Gefäßes hat man sich gewaltig den Kopf zerbrochen. Ein gewisser Gelehrter verlangte 12 Dukaten für das Geheimniß. „Ich will es Ihnen umsonst sagen, mein Herr, sagte Lichtenberg. Man nimmt ein Büschel von Glasröhren; die werden mit Gasmasse stark umwickelt, dann bis zur Weiche erhitzt; dann wird gezogen." Im Compcndio sind verschiedene Bächer angegeben, die verschiedene Methoden zur Zmprägnirung des Wassers mit sirer Luft vorschlagen. Allein sie sind alle sehr kostbar. Weit simpler ist folgendes Verfahren, bey dem man mit einem Gehülfen viel imprägnirtes Wasser erhalten, und bey dem dieser Gehülfe noch dazu ein Bedienter seyn Von der Luft. ?. -z6. zzz kann. Man steckt an eine Boutcille oder Retorte, in welcher sich fixe Lust befindet, ein gebogenes bleyerneS Rohr und fangt nun diese Lust in einem mit reinem Wasser gefüllten Gefäße, mittelst zweyer mit Wasser gefüllten Boutcillen abwechselnd auf. Ist die eine Bouteille voll, halb mit fixer Lust, halb mit Wasserso schüttle man beydes untereinander und stecke die andere Boutcille indeß ans Rohr. Hat man die erste e tüchtig durcheinander geschüttelt, so fülle man sie wieder ans dem Gefäße ganz voll mit Wasser, schütte sie dann ins Gefäß aus, und fülle sie von neuem daraus mit Wasser. Macht man nun mit der andern Bouteille das Nähmliche, und repekirt das Verfahren eine Zeitlang: so wird bald daS Wasser, sowohl im Gefäße, als in den Boutcillen mit fixer Lust imprägnirt seyn. — Wenn man in ein Wasser langf haucht, so wird auch Sauerwasser daraus. M. Seyde machte den Versuch im Coltegio. iz6 x. Abschnitt. Der Effekt von dem Gebrauch der Aren Luft ist erstaunend. Nach der Erzählung von Cavallo hatte ein Kranker fo arge zusammenfließende Pocken, daß er wie rohes Fleisch aussah, und fo stark roch, daß es selbst die Wärterinn nicht aushalten konnte. Durch fi/e Luft wurde, nicht nur der Geruch vertrieben, sondern auch der Kranke hergestellt. — L i ch te n b e rg verordnete einmahl Jemanden im Faulfieber, eine Clp- flier mit firer Luft: sogleich änderte sich die Krankheit. — Sigaud de la Fond erzählt einen Fall, daß Jemand einen Krebs hatte, dessen größte Länge r6 Zoll betrug. Geheilt konnte er nicht mehr werden. Aber was ist bey solchen Krankheiten nicht schon eine Linderung werth! der Krebs zog sich doch bis aus 4 Zoll zusammen, und die Schmerzen wurden gelinder. Nach dem antiphlogistifchen Systeme i st die Basis des kohlensauren Gases Kohlenstoff und Sauerstoff. Daher der Von der Luft. §. 256. 257 Nahme. Die übrigen Nahmen sind: koh- fengcsaucrtcs , kreidensaurcs, lufk saures, mcphilisches Gas; wildes oder weiniges Gas; Kalkgas ; fi^ e, feste, künstliche Luft; mcphitische Säure, Kreidcnsau- re, Kohlensäure, Luft saure, Sauer l u st. io. Salzfa ures Gas ( Minuten vollendet, welches man daraus erkennt, wenn die Striche etwas weislich zu werden anfangen. -- Wenn man die Eudiometerröhren inwendig mit spathsaurem Gas ein wenig ätzt, so verhütet man, daß sich das Wasser nicht zu sehr ansetzt. Von der Luft. §. ,z5> rqg Vom Wasser wird dieses Gas sehr schnell verschluckt, wie man sich am besten überzeugen kann, wenn man in eine Röhre, in welcher es enthalten ist, mit einer oben gekrümmten Spritze, Wasser hineinbringt. Die Basis dieser Gasart ist nach der neuen Chemie daS unbekannte Radikal» fluorigue — und es führet noch folgende Nahmen : Flußspat h saure Luft, luftige Flußspathfa ure' flüssiges Gas, spathgesauertes Gas. »4. Opydirtes Stickstoffgas (Oxi- cke ck'a^.ore Aa2eux.) Wurde nicht erwähnt. ,Z. Stickstoffgas oder phlogisti- sirte Luft (Ga? nLvtiyue). Man erhältsie am wohlfeilsten, wenn man den gemeinen Phosphor in^der gemeinen Luft verbrennt, und ihre merkwürdigste 6 ,4t 7; Abschnitt. Eigenschaft ist die, daß sie mit dephlo- gistisirter oder auch gemeiner Luft vermischt, und durch den elektrischen Funken entzündet , eine wahre Salpetersäure gibt. Dieß ist eine Entdeckung von C a- vendisch, und auf diese Entdeckung stützt sich auch ganz vorzüglich das neue System der Chemie. Er nahm zu seinem Versuche drey Theile Lebens- und sieben Theile phlo- gistisirle Lust« Man erhalt dieses Gas auch, oder wenigstens demselben etwas frappant Achnli- ches, wenn man die Dampfe des kochenden Wassers durch ein glühendes irdenes Pfeifenrohr gehen läßt. — Dagegen sind viele Einwendungen gemacht worden. Siehe Priestlcys Werke VI. Band L .Sektion. Priestley hat folgenden merkwürdigen Versuch angestellt. Er nahm eine Glocke und setzte sie in ein Gefäß mit Quecksilber. Oben in der Glocke brachte er eine Retorte an. In die Retorte legte er feuchten Thon. So Von der Lilft. z. 2Z6. 147 erhielt er zur Retorte eine Lustart heraus und das Quecksilber fing an zu steigen. Wie er nun untersuchte, war eS die nähmliche Luft, welche unker der Glocke war, und das Wasser in der Retorte war auch das Nähmliche. Die Dampfe gingen also wieder retour ! So einen Fall gibt es in der ganzen Physik nicht. Hatte ich, sagte hier Lichkcnbcrg, Vermögen, ich gäbe gleich eine Preisfrage darüber auf, das dieses merkwürdige Phänomen näher untersucht würde. Nach dem antiphlogistischen System bestehet dieses GaS aus einem eigenen Grundstoff - Azote mit dem Calorique verbunden ; und es führt noch folgende Nahmen : phlogistisirte oder phl 0 gisti- sche Luft, verdorbene Luft, unreine Luft, Stickluft, Salpeterstofft gas, Stickstoffluft > Stickgas, azotisches Gas. K s iq8 7- Abschnitt. 16« Salpeter Gas (lZa? uin-eux.) Wird am bequemsten erhalten, wenn man auf Kupfer verdünnte Salpetersäure gießt. Scheele und Andere waren so verwegen, diese Luft einzuathmen. Dieß ist höchst gefährlich, weil sich dieselbe, wie wir gleich sehen werden, wenn sie mit gemeiner Lust vermischt wird, in Salpetersäure zerfetzt. Geschieht nun dieser Prozeß in der Lunge, so kann die Säure die Lunge angreifen und der Mann sich zu Tode husten. In der Berliner Moaathsschrift riech einmahl Jemand die Salpeterluft im Faulfieber, PdthisiS und andern Krankheiten, als sehr heilsam an. Welch' ein gefährlicher Rath! Er verwechselte die reine dephlogistisirte Luft mit der Salpeterluft, weil jene auch aus Salpeter erhalten wird. Der ausgezeichnete Charakter des Salpetergas besteht darinn, daß es bey Berührung der atmosphärischen Luft sogleich Von der Luft. 5. «?6. 545 seine Gasform verliert, und in einen röthlich gelben Nebel, unter Erwärmung und Verminderung des Volumens beyder Luftarten verwandelt wird. Nichts bleibt von der atmosphärischen Lust übrig, als das Stickstoffgas. Die röthlich gelben Nebel sind Salpetersäure, die das Wasser, mittelst dessen jene Berührung bewirket wird, nach und nach cinsaugt. — Mi! dem Sauerstoffgas zeigen sich natürlich alle diese Erscheinungen noch auffallender. Ein Maß desselben mit ungefähr zwey Maß Salpe- tergaS vermischt, verschwindet fast gänzlich und würde auch gänzlich verschwinden, wenn man das Sauerstossgas ganz rein von allem Stickgas erhallen könnte. Auf diese Eigenschaft des Salpetergas, daß es durch die respirabelen Lustartcn (atmosphärische und dephlogistisirte) zersetzt, aber durch die irrcspirabeln (z. B. Stickstoffgas) nicht zersetzt wird: gründen sich nun die Eudio meter oder Lustgülemes» ZS-> 7. Abschnitt. ftr. Es sind dieß Instrumente, welche die Größe der Verminderung, die die atmosphärische Luft durch Beymischung des Salpetergas erleidet, bestimmt angeben. Da nähmlich die atmosphärische Lust aus Sau- rrstoffgas und Stickstoffgas bestehet, jeneS aber bey der Vermischung mit Salpetergas ganz verschwindet, und nur dieses übrig bleibt: so muß sie um so reiner und heilsamer seyn, je größer nach der Vermischung ihre Verminderung wird, weil diese anzeigt, daß sie viel Sauerstostgas müsse enthalten haben. Indeß freylich zeigen die Eu- diometcr nicht immer die medizinische Güte der Lust an, und verdienen daher den Nahmen der Luftgütemeffer nicht. Es kann ja viel Verderbliches in der Lust enthalten seyn, was sie nicht anzeigen, weil es das Salpckergas nicht zersetzt, und umgekehrt kann manches, was dieses Gas nicht zer, setzt, dennoch heilsam seyn. Von der Lust. §. 2zS. Z5r Lichtenöerg verweilte lange bey diesem Salpetergas - Eudiometer , beschrieb das Priestle ysche; zeigte das Land ria- vische vor ; ließ mit dem gewöhnlichen von Fonkana Versuche anstellen; rühmte die Geschicklichkeit in ähnlichen Versuchen, des Hrn. Professors Pickel zu Würzburg, mit welchem Lichtenberg einen ganzen Monath lang zu Göttingen solche Versuche anstellte, und die im 2ten Jahrgang desGöt- tingischen Magazins beschrieben sind; sprach von den Verbesserungen, welche Cavallo, Luz und Wilke, bey dem Fontanaschen Eudiometer angebracht haben ; erzählte das Verfahren, das Herr von Sau schüre auf Reisen und auf Bergen bey Versuchen mit diesem Eudiometer beobachtet; verwies über die Procedur beym Eudiometer auf den ersten Band der Jngenhousischen Schriften; erklärte die Scherersche Geschichte der Luftgute- Prüfungslehre. Wien 178L, 2 Th. tür das beste Buch über die ganze Lehre IZZ ?. Abschltttt. vom Eudiometer u. s. w. Allem da durch neuere Entdeckungen dieses Eudiomecer fast ganz ausser Gebrauch gekommen ist, und das Voltaische mit Wasserstoffgas (Siehe oben Wasserstoffgas) unendliche Vorzüge hat: so wollen wir dabey nicht verweilen. Auch bey den übrigen Eudiomclcrn nicht, von welchen Lichtenbcrg das Scheel- sche — das zu viel Zeit erfordert, das Seguinsche und das Reboulsche — beyde mit Phosphor, erwähnte. Nach dem antiphlogistischen Systeme hat das Salpetergas mit der Salpetersaure einerley Grundlage, nähmlich Stickstoff (Azot) und Sauerstoff (Ogygen). Nur daS Verhältniß ist in beyden verschieden. Im Saloetergas befinden sich Z2 Theile Stickstoff, und 68 Theile Sauerstoff; in der Salpetersäure aber 20,A Theile Stickstoff und 79,5 Theile Sauerstoff. Oder im Salpetergas ist Azot : O^ygen ----- 1 : Von der Luft. §. 250. izz 2 ; ^) in der Salpetersäure aber ist Azot : ^pgeu ---1:4. Laßt man das Salpetergas über angefeuchtetem Eisenfeilstaub stehen, so erleidet es eine Verminderung seines UmfangS von etwa -Z und erlangt ganz andere Eigenschaften, als es vorher besaß. Dieß ist dann das opydirte Stickstosfgas (Oxicle ei'-.?ots ggxenx), welches oben ermahnt wurde. Das Salpetcrgas führt noch folgende Nahmen: Salpeterartiges Gas, Salpeterartige Luft, nitröse Luft, Sa lpe t er h a lbsaures GaS. Vom Gazometer. Gazomeler stnd sehr kostbare Instrumente, um das Verbrennen der dephlogisti- ') Lichtenbcrg gab hieß Verhältniß noch wie 2 : z an. 7- Abschnit» sirten und instammablen Lust in bestimmten Verhältnissen, und mittelst des elektrischen Funkens bequem zu verrichten, und das dadurch erhaltene Wasser gehörig zu sammeln und zu wägen. Eine solche gazometrische Maschine, mit welcher der jüngere I a c- quin zu Paris Versuche anstellte, und 1-5 Cubik Fuß Gas enthielt, kostete z6o Thaler. Sie war vonF 0 rtin verfertiget. Eben dieser macht *) nun auch eine für den König von Spanien, die 2ch tausend Reichsthaler kosten wird. Dasjenige Gajomcter, welches sich Lich- tenberg, nach meinem Gedanken von Volta verfertigen, und mit welchem er im Colle- gio Versuche anstellen ließ, hatte die Einrichtung, welche Fig. 16. darstellt. Die gläserne Kugel L, mit dem runden / gläsernen D Man vergesse nicht, sich in das Jahr i7?5 zu versetze», in welche»» Lichtenberg dieses sagte. Von der Lust. §. 2Z6. izz Fvstgestcll ^ stellt das eigentliche Gazome- ter vor, und steht mit der umgestürzten Glocke H , welche darauf geschraubt ist, in Verbindung — mittelst derOessnung s, die mit dem Hahne l> verschlossen werden kann. Nun wird L mit inflammabler Lust, K. mir Wasser gefüllt, und letzteres auf ersteres gebracht. Wenn das Wasser durch die Oefss nung a in die Kugel L herabfließt, so jagt es die inflammable Luft bei) c in ein starkes, messingenes, mit einem Hahn ä versehenes Rohr, das mit dem Halse der Kugel L zusammenhängt. Dieses Rohr führt in eine kleine Campane C, die am Ende des- selben befestiget ist. An diese Campane wird oben eine mit dephlvgististrter Luft gefüllte Blase O und unten ein gläserner Cylinder L geschraubt. So wie die Ca upane C mit inflammabler Luft gefüllt ist, wird durch Zusammendrücken der Blase O auch etwas deplogististrte Luft in dieselbe getrieben. Nun wird diese gemischte Luft angezündet, der rzi 7- Abschnitt. Cylinder L angeschraubt, und das Verbrennen der beyden Lustarren durch allmahliges Zcachdringen und Nachdrücken derselben unterhalten. Ließe mau die dephlvgisiifirte Lust auf einmahl häufig zufließen, so würde sich die Mischung mit einem großen Knall entzünden, und die Campaue zersprengen. — Das Verbrennen zersetzt nun beyde Lustarten in Dampfe, die sich an die Campane setzen, nach und nach in Wassertropsen in den Cylinder L hcrabfließen, und sich da sammeln. Am Ende würde die Lustmi- schung doch zu brennen aushören, wenn man auch noch so viel depholog'stifirte Luft nachstießen ließe, weil weder die dephlogiflisirle noch die inflammable Lust so rein ist, daß sie nicht etwas phlogistisirte Lust enthalten sollten, welche sich nach und nach in der Campane sammelt, und die Flamme erstickt. Würde man hingegen diese schlechte Luft wegpumpen, indem man an der Campane eine kleine Lustpumpe anbrächte: so könnte Von der Lust. 5. 2zo. 157 das Verbrennen und Zersetzen der beyden Luftarten so lange als man wollte, forkgesetzt werden. Mit diesen Gazomekern nun, wurden zu Paris die berühmten Versuche über die Zusammensetzung des Wassers angestellt; Lichtenberg erzählt blos von demjenigen, der durch Lefevr e de Guinea u angestellt wurde, und von welchem man im Rozier's Journal 1788 Deccm. Nachricht findet. Der Versuch dauerte 12 Tage lang, in einem fort; bey der Nacht wurde das Laboratorium versiegelt. Die dephlogistisir- te Lust zu diesem Versuche machte man auS Braunstein; die inflammable Lust aus Eisenspanen , mit einem Theil concentrirter Vitriolsäure und 5 Theilen Wasser vermischt. Von jeder Luftart hatte man 2^000 Cubikzoll. Die Höhe des Barometers, bey welcher man operirte, war 2z Pariser Zoll, und das Thermometer stand auf lo'Neaum. rzs 7- Abschnitt. Während der Operation pumpte man die phlogistische Lust oft heraus. Man verbrannte: 1 Pf/) i^Unz. 6Gros 10 Grains Sauerstoff- gas m>t c>- 8^2- 4- Wasscrstoffgast — also zusammeil 2 - 7 - 8 - >4 - Hicvon abgezogen - 4 - 7 - 2Z - die nicht ver- brannten,bleibt 2- Z - o - 6z - als das Totalgewicht der wirklich verbrannten Lustarten. Und das Wasser, welches man daraus erhielt, betrug 2 Pfund Z Unzen o Gros ZZ Grains. 'u, > > ") Man muß sich hübe» erinnern, baß das französische Pfund 16 Unzen, die Unge 8 Gros, und vas Gros 72 Grains hat» Das Sauerstoffgas wog demnach 18298 Grains; das Wassersioffzas 475^ ; beyde Gasarren z:.samme» der gasförmige Rückstand nach der Verbrennung aiZZl; die wirklich verbrannten Gasartcn 2222?, das erhaltene Wasser »019z. Von der Luft. 2z6i. 159 Delüc ärgert sich gewaltig, daß die Antiphlogistiker diesen Versuch ein Faktum nennen. Er ist sonst immer gleichgültig in seinen Schriften, aber wenn er auf dieses Wort kömmt, ärgert er sich desperat. Wenn Lichrenbcrg Geld gering hätte, so würde er allen Universitäten die Preisfrage aufgeben, was eigentlich ein Faktum sey. — Delüc behauptet, daß schon vor der Verbrennung im Sauerstoffgase sowohl, als im Wasser- stoffgase Waffer enthalten sey, und daß man also die Entstehung des Wassers durch die Verbrennung, nicht anders zu einen Beweis annehmen könne, als daß man stillschweigend voraussehe, diese Entstehung sey nur durch Zusammensetzung möglich. Dieß ist aber eine wahre xeririo xrinc!» xii. So lange die Antiphlogistiker nicht w xriori beweisen können, daß man durch Absonderung aus den Lustarten, kein Wasser erhalten könne, oder durch Versuche dar- thun, daß in denselben keines cnchaltm 7. Michttitt. ftp; bleibt eS um ihr sogenanntes Faktum, immer eine mißliche Sache. — In den Gipsfiguren, die auf den Strassen herumgetragen werden, ist F Waffer enthalten. Was die Zerfetzung des Wassers in dephlogistisirte und inflammable Luft betrifft, so hat man nicht nur durch Vergleichung des Gewichts und Umgangs der verbrannten Gasarten, sondern auch durch wirkliche Versuche herausgebracht, daß zoo Theile Wasser, 0,8? Lebenslust und inflammable Lust enthalten. Drey verschiedene Versuche gaben folgendes Resultat: ioo Theile Masser enthielten: Zum atenmahl 845 dephlog. 15.- inflam. Lust, 2tenmahl84? ° db 15^ - Ztenmahl 84b - ^15? - Man nannte auch dieß ein Faktum, ungeachtet es doch nach Delüc eine bloße Erklärung war. Von der Lust. §. aZ7« iSl Der enscheidcnste Versuch über die Wasserzerlegung schien derjenige zu seyn, der im Jahr 17L9 zu Amsterdam von den Henen Paets von Trostmych und Deiman angestellt ward. Sie brachten in einen gla- fernen mit dpstillirlem Wasser gefüllten Cylinder, (Siehe Fig. 17.) zwey Golddräthe und ließen auf dieselben eine clektrishe Batterie wirken. Da ereignete sich nun der merkwürdige Umstand, daß Lustbläschcn entstanden, in die Höhe stiegen / sich oben an das Glas ansetzten, und eine Luftsäule bildeten. War nun diese Luftfaule so lang geworden, als der obere Drath in die Röhre hineinging, so entzündete sie sich ley der nächsten Entladung, sie verbrannte, und das Wasser stieg wieder bis an die Spitze des Cylinders in die Höhe. Und hieraus zog man nun den Schluß: Weil der elektrische Funke diese Luftsäule entzündet habe : so müsse sie ein Gemisch von bephlogistisirtcr und in- flammabler Lust gewesen seyn. — Allein L -6» 7- Abschnitt. mit Recht hat man hingegen eingewendet, einmahl, daß man diese Lustsäule hätte herausnehmen und cudiometrisch prüfen sollen — welches nicht geschehen ist; und dann, daß man hiebey auf den chemischen Einfluß der Elektricität so ganz vergesse. Wer weiß wie groß dieser seyn mag! Siehe die Lich- tenbcrgische Vorrede zum Compendio. Hygrologie und HyZwmetrie- §- 2Z7. 2^8. H y g r o l v g i e. Erplcbens Ueberschrift: die Luft als ein Auflösungs Mittel anderer Körper, ist nach den neuesten Versuchen ganz falsch. Die Lust löst nähmlich daS Wasser durchaus nicht auf — was man auch dafür anführen, und so viel Anziehendes auch überhaupt das sogenannte Auflösung s spste m haben mag. Man hak Von der Lust. Z. 2Z7. 2Z8. lange geglaubt, und glaubt es zum Theil immer noch, daß so, wie daS Gold vom Königswasser ausgelöset wird, eben so auch das Wasser von der Luft ausgelöset werde, daß es dann in derselben schwimme, und als Regen u. s. w. niedergeschlagen werde. Liest man LeroyS Schrift — eines praktischen Arztes zu Montpellier/ so glaubt man, es könnte durchaus nicht anders seyn. Allein er wurde selbst gegen die AuflösungS» theorie mißtrauisch, und Dclüc sagt von ihm, wenn er jetzt sein Buch schriebe, würde er es ganz anders schreiben. Die Feuchtigkeit in der Luft ist ein Dampf, der bey jedem Grad von Warme aus dem Wasser aufsteigt. Es ist Wasser, durch Feuermaterie aufgelöst, oder Keuermalerie in einem solchen Grade mit Wasser verbunden, daß dieses in Dämpfen aufsteigen, und in der Lust sich erhalten muß. So wie aus Bley ein Blepfluß, und ans Eis Was L 5 ,64 7. Abschnitt. ftr wird, wenn sich eine gewisse Quantität Fcucrmatkrie damit verbindet: so werden auch, bey jedem Grad der Warme Dampfe. Die Luft hat hiemit schlechterdings nichts zu thun; ja sie ist der Evaporatio» öfters sogar hinderlich. — Dieß alles gründet und bestätiget sich vorzüglich dadurch, daß auch in dem Tvrricellischem Vakno Dämpfe entstehen; ja daß sogar das Quecksilber selbst in diesem Vakuo als Dampf aufsteigt. Das Erstere betreffend, darf man nur einen Tropfen Wasser über das Quecksilber im Barometer bringen und dasselbe dann der Warme aussetzen: es werden die Dampfe dieses Tropfens daö Quecksilber nach und nach merkssch hxxab treiben. DaS Letztere sah Lich, tenberg bey einem gewissen Aubert zu London, an einem Barometer mit einer Kugel oben. Er schlug nur an, so lief das Wasser in Tropfen herab. — Das Auskochen des Quecksilbers dazu ist eine gefährliche Sache. Von der Luft. §. ,57. zz?> i6F Von dieser Ausdünstungstheorie istDe- lüc der Urheber und seine vorzüglichsten Gegner sind Leroy, Saussüre und H u- b e. Allein er hat alle ihre Einwürfe widerlegt, und seine Meinung wird sich wohl, als die wahre behaupten. —> Pictet, der doch von dem reichen und impcricusenHerrn von Saussüre zu Genf sehr abhangig ist, wenigstens feine Ungnade zu befürchten hat; sag:: die Sache ließe sich nach Delüc eben so gut erklaren. Und Volta schrieb Lich- tenberg, daß er die Lehre deS Delüc vollkommen bestätiget gefunden habe. Die Lehre von der Ausdünstung muß also aus dem Kapitel von der Luft ganz heraus und unter dem Nahmen H y g r o- logie, und nach der Lehre vom Feuer, so wie die verschiedenen Luftarten, abgehandelt werden. 7» Abschnitt, 5- 2Z9- Hygrometer. Unsere Athmosphare ist so erstaunend wichtig, daß wir uns nicht genug um die Bestandtheile, die in derselben enthalten find, bekümmern können. Keiner von diesen Bestandtheilen zeichnet sich mehr quS, als die Feuchtigkeit. Die Lehre von dem Ursprung derselben und allem,- was sie angeht, heißt Hygrologie. — Die Lehre von dem, wie sie bestimmt und gemessen werden soll Hygromelr i e, und die Instrumente , mittelst welcher diese Messung geschieht, Hygrometer, eigentlich also Instrumente, den Dampsgehalt in der Lust anzugeben ; und mithin Meßinstrumente von den allerwichtigsten Beymischungen der Lust. Könnte man die Feuchtigkeit von der Lust genau scheiden, so könnte man sie auch Von bcr Luft. ?. 2Z9. ,67 leicht bestimmen. Allein da dieß nicht angeht , so muß man auf die Veränderungen achten, welche dieselbe in der Luft hervorbringt — wie ja auch z. B. beym Thermo- ter geschieht. Solche Körper, an welchen die Feuchtigkeit Veränderungen hervorbringt, heißen hygroskopische Substanzen, deren es eine unzahlige Menge gibt, die aber nicht alle zum Messen geschickt sind. Auch werden ste im Dienste alt, und also unbrauchbar. Das ist sehr traurig! Es kömmt also viel darauf an, solche Substanzen zu wählen, die nicht geschwind verwittern. Sie zerfallen in zwey verschiedene Classen: r. in solche, die die Menge der Feuchtigkeit der Lust, durch Abwiegen bestimmen , z. B. wenn man reines Vitriolöhl auf einer Waage ins Gleichgewicht setzt, dann in ein feuchtes Zimmer bringt: so wird man gleich eine Veränderung gewahr werden. 7. Abschnitt. 2. in solch?, bey welchen man aus die Veränderung ihrer Figur sieht z. B. die Stricke. Allein der Grad der Güte, womit diese den Unterschied angeben, ist erstaunend verschieden. Daher hat man genaue Untersuchungen angestellt, und bey diesen Untersuchungen haben sich vorzüglich Herr von Sau'ssüre und Deluc ans; gezeichnet. Herr von Saussüre bediente sich bey seinem Hygrometer eines Menschenhaares. Er laßt dasselbe in einer Lauge von mineralischem Laugensalz eine halbe Stunde kochen, damit es seine Fettigkeit verliere, und Feuchtigkeit lieber annehme. Zu der Lauge nimmt er aus i Unze Wasser, 6 Gran Laugcnsa'z. Die w.ißen oder blonden Haare sind die besten. Auch zwischen den Haare» eines Verstorbenen und Lebenden ist ein grosser Unterschied, und die letztereu sind besser. Das so präparirte Haar verändert seine Lange von der größten Tro- A Von der liust Z. .'Zz. 1K9 ckenheit bis zur größten Feuchtigkeit um 0,024 bis 0,025 seines Maaßes. — Dieses Haar befestiget er nun innerhalb eines Gestelles von Messing /Vk (? I) (Fig. 18.) oben bey a, laßt es über die Rolle b lauf- fen, schlingt es um die Rolle c herum, und hangt ein kleines messingenes Gewichtcheu s daran. An der Rolle c ist der Zeiger ck befestiget , der nach dem silbernen Maaßstab k g hinweist. Ist die Luft feucht, so dehnt ssb das Haar aas, das Äewichtchen zieht dasselbe herunter, dreht damit die Rolle um, und damit den Zeiger von rov gegen 1 hinauf. Ist hingegen die Lust trocken, so zieht sich das Haar wieder zusammen, und damit fällt auch die Rolle sammt dein Zeiger gegen iLc, zurück. Das Null vom Hygrometer oder die allergrößte Trockenheit bestimmte Saussüre auf folgende Art. Er sehte das Hygromr- ter unter eine mit Quecksilber versperrte Glocke. Nun machte er ein, in Gestalt ei« <76 7. Abschnitt. nes halben Cylinders gebogenes Eisenblech glühend, bestreute es mir einem Pulver aus gleichen Theilen Salpeter und rohe» Weinstein, und erhielt nun alles so eine Stunde lang im Glühen. Hierauf brachte er das Blech, so heiß, als ohne Zerspringung der Glocke möglich war, unter dieselbe — um das Hygrometer herum, daß dasselbe ganz bedeckt wurde, und nur so viel frey blieb, daß man sehen konnte, wohin der Zeiger weiset. Das heiße Blech, besonders aber der heiße Salpeter riß nun alle Feuchtigkeit der Lust mit grosser Begierde an sich, Und machte in der Glocke, in welcher er sich Stundenlang befand, die größte Trockenheit. Wo jetzt der Zeiger hinwies, da setzte Saussüre daS Null an seinem Maaß- stabe hin. Um 100 oder den größten Grad von Feuchtigkeit zu bestimmen, stellte er das Hygrometer wieder unter eine Glocke, legte auf den Boden derselben einen nassen Lap- Von der Lust- §. «zy. pen, dessen Dünste die Luft in de>- Glocke bald salurirten, und das Hygrometer — nach seiner Behauptung — auf den höchsten Grad der Feuchtigkeit eben so gut stellte, als wenn es unter Wasser getaucht worden wäre. Wo in diesem Falle der Zeiger hinwies, da fetzte er roc?. — Auch ein Thermometer brachte er bey seinem Hygrometer an, um dasselbe sogleich zur Hand haben, und zu Rathe ziehen zu können. Delüc hat gegen das Saussüresche Hygrometer viele Einwendungen gemacht, so wohl in Ansehung der Brauchbarkeit dcS Haares, als der Bestimmung der festen Punkte. In der ersteren Hinsicht wandte er gegen dasselbe ein, daß das Haar dabey einen ganz krummen Weg nehme, ungefähr so, wie ihn Fig. 19. zeigt. Die beste hygroskopische Substanz sey aber diejenige, welche einen geraden Weg, die schlechteste, welche einen krummen nehme, und eine solche sey die Saussüresche. — In letzterer Hin- !?I Abschnitt. ficht wandte er ein, daß die größte Feuchtigkeit nothwendig durch Einsenken ins Wasser müsse bestimmt werden, und daß man die größte Trockenheit besser durch den Gebrauch des Kalks erhalte. Er erkohr daher das W aIl si sch b ei n, das er nach der Quere der Fasern schneidet, zur hygroscopischen Substanz. Es ste- het zwar in der Subtilität dem Saussüre- schen Menschenhaare nach, allein er arbeitete eS doch so fein, daß ein Streif von einem Fuß in der Lange nur L Gran wog, und doch ! Unze trug, ehe es brach ; und dabey hat es den grossen Vorzug, daß ein solcher Streif von 8 Zoll Länge, zwischen den Punkten der größten Trockenheit und Feuchtigkeit einen Unterschied von einem ganzen Zoll gibt. — Dieß Wallfischbcinhy- gromeler hat ungefähr folgende Einrichtung. Der Fischbeinstreifen ^ L (Fig. 20.) ist am obern Ende ^ in eine Art von Zange E aus breit geschlagenem und gekrümm» Von der Lnfr. Z. ozz. l?z ten Drathc gefaßt, und vermittelst eines dünnen Mefsingdrathes I) an der Welle K befestiget, die dem Zeiger auf der Scheibe (5 chl l drehet. Das untere Ende L des Fifchbeinstreifeus ist ebenfalls mittelst einer Drathzange I! und des Drathcs !VI an einen beweglichen Querriegel l^ t) des Gestelles befestiget, welcher durch die Schraube ? hin und her geschoben werden kann, um dadurch den Zeiger zu stellen. — Der Fifchbeinstreifen wird vermittelst einer Feder, die in einem spiralförmig gedrehten feinen Golddrathc besteht, und deren Wirkung Deine dem Gewichte vorzieht, gespannt erhalten. Sie ist mit dem einen Ende kt. an der Welle, mit dem andern Ende S an dem Gestelle des Hygrometers befestiget und wirket auf den Fifchbeinstreifen, als ein Gewicht von ungefähr 12 Gran. So wie der Streifen durch die Feuchtigkeit langer wird, verliert zugleich die Feder durch Abspannung , einen Theil ihrer Gewalt. --- ,74 7« Abschnitt. Die Sl^c der Welle L hat fthr kleine Zapfen, welche in eine Vertiefung des flachen Endes zweyer Schrauben laufen. Sie ifl aus zwey Theilen von verschiedenen Durchmessern zusanimeugcseht; der Fischbeinstrci- ftn wirkt auf den größern, und die Feder auf den kleinern Durchmesser. — Um daS Null zu bestimmen, schloß Delüc das Hygrometer Wochen lang in ein messingenes Behältniß ein, in welches er gebrannten, ungelöschten Kalk that/der alle Feuchtigkeit der Luft an sich riß. Wo nun der Zeiger hinwies, sehte er das Null hin. Und um dieß sehen zu können, ließ er in dem Behältniß ein Paar Fenflercheu anbringen. Um sein >c-o zu finden, tauchte er daS Hygrometer ganz unter Wasser. Deluc bezeichnete die Grade nicht so, wie Saussüre Er seht die größte Feuchtigkeit tao und die größte Trockenheit ^ o; gerade umgekehrt Saussure. — DaS Saussüreschc Hygrometer, welches Lichten^ Von der Luft. §. -zz. 17z berg besaß, kostete >8 Thaler; und das De- lücsche 12 Thaler. Das letztere wurde von Haas, Dclücs Künstler zu London, verfertiget. Sie sind äußerst mühsam zu verfertigen. Delüc lieh einmahl das Seinigs Ramsdcn. Der zerbrach es. Da wurde er so böse darüber, daß er sogleich wegging, ohne ein Wort zu sagen. Delüc hat das Resultat seiner zwan» zigjährigen Beschäftigung mit der Hygrome- trie, in zwey Abhandlungen concenlrirt, bis in Grens Journal Vtem Bande übersetzt sind. Saussüres Versuch über die Hygrome- trie, ist das vollständigste Werk über diese Materie. Man muß es ja lesen. Er hat die mühsamsten Untersuchungen mit einem grossen Zeitaufwand angestellet. Er ha! auch eine Tafel über den Einfluß des Thermometerstandes auf das Hygrometer geliefert. Steht z. B. das Hygrometer auf Lo, so steigt es um 2,4 wenn das Thermometer l7>5 7- Abschnitt. um i' fällt; steht es auf YL, so steigt es in diesem Fall um z. Will man also wissen: wenn in Göttingcn das Hygrometer auf 8«, das Thermometer auf >L°, in Clausthal, das Hygrometer aus y6, und das Thermometer aus 7° steht : wo der meiste Dampfgehalt befindlich sey, so muß man suchen, wie daö Hygrometer in Göttingcn bey Thermometer auf 7° stehen würde. Es würde ganz nahe an 100 kommen. Man ficht also, daß, wenn man mit dem Hygrometer messen will, nothwendig auch das Thermometer zu Rathe gezogen werden müsse. Eben so mühsame Versuche hat Sausfüre angestellt, wie viel Wasser eigentlich die Luft enthalte, wenn daö Hygrometer auf diesem o?er jenem Grad steht. Sein Verfahren hievey ist folgendes. Er stellte sein Hygrometer unter die Glocke, und brachte es auf den möglichsten Grad von Trockenheit. Run ließ er bey klei- Von der Lust. Z. 2ZA. z?7 »es Oessnungen des messingenen Deckels der Glocke kleine nasse Lappchen in dieselbe hangen, nachdem er die Läppchen vorher gewogen hatte. Saugte die Lust in der Glocke so viel Wasser in sich aus den Läppchen, daß das Hygrometer auf einen gewissen Grad stieg - so nahm er die Läppchen heraus. wog sie wieder, und was abging, davon präsumirle er, daß es in die Luft aufgenommen wäre. Endlich ließ er die Luft sich ganz saturiren bis das Hygrometer auf 98, also nahe an 100 stieg, wog die Läppchen jetzt wieder und fand, daß, wenn das Thermometer auf 15° stand, 1 Kubiksuß sa- turirle Lust, 11 Gran Wasser ausgenommen haben müsse. Stand hingegen das Thermometer auf 6<>, so saturirtc sich die Luft schon mit L Gran Wasser. Saturiren nun ii Gran Wasser r Kubikfuß Lust: so saturirt 1 Kubikfuß Wasser 50000 Kubikfuß Lust: — Lambert brauchte auch schon dieß Verfahren; aber nach seinen im'- M ^7'K 7. Abschnitt. gen Resultaten, impragnirte sich i Kubikfuß Lust, erst mit 240 Gran Wasser, weil sich sein Saitenhpgrometer immer noch fortdrehte, da die Luft schon lange impragnirt war. Er schloß nun von den Umdrehungen des Hygrometers falsch aus die Feuchtigkeit der Luft. — Durch Saussüres Versuch ist wenigstens schon der Weg zu einem genaueren Verfahren gebahnt, um zu finden, wie viel Feuchtigkeit die Lust zu dieser oder jener Zeit enthält. Die Lehre vom Hygrometer ist in so kurzer Zeit, zur ziemlichen Vollkommenheit gediehen. Die Einwendungen eines gewissen Zylius, die Lichtenberg in ihrer ganzen Blöße darstellte, sind nicht der Rede werth. — Ein großer Vorzug des Hygrometers ist, daß man die zwey äußersten Granzpunkte auf demselben, so genau firiren kann. Keine trocknere Luft gibt es wohl nicht, als die man durch Kunst hervorgebracht hat, und eine feuchtere wohl nicht, als das Wasser, Von der Luft. Z. sz?. 179 :n welches man das Hygrometer gesteckt hak, um den feuchtesten Punkt zu erhalten. Beym Thermometer muß man willkührliche Punkte annehmen, nähmlich den Gefrierpunkt und den Punkt des siedenden Wassers. Man weiß lange nicht wie heiß, und wie kalt es werden kann. — Eben fo wenig ist das Barometer fi^irt. Andere Hygrometer. Unter den schon außer Gebrauch gekommenen Hygrometern, ist das merkwürdigste von Coventry. Erschlug Papicr- blattchcn vor. Der Bogen davon würde so fein seyn, daß er kaum 27 Gran wäge. Lich- tcnberg fand die Nachricht davon in Eriti- aal Revevv. Jahrg. 1788- ^ Zu Beobachtungen bey bewegter Luft, taugt es eben so wenig, als Das Lowitz ische. Tobias L 0- wih zu Petersburg, ein Sohn des alkern ' M n 7. Abschnitt. Zowitz, ging einmahl in Astrachan, bey Gelegenheit dcS Durchgangs der Venus durch die Sonne, an den Usern der Wolga, da wo der Fluß Kimitschinga (Kamyschinka), bey der Festung Dmitrowsky, in dieselbe fließt, svatzieren und bemerkte eine Art von Thonschiefer, welcher die Feuchtigkeit in so hohem Grade an sich zog, daß ihn Lowiß, auf die Zunge genommen, von derfelben kaum losmachen konnte. Daher gerieth er auf den Gedanken, ein Hygrometer daraus zumachen. Er schliffalfo zarte dünne Scheiben aus diefem Schiefer, etwa englische Zoll im Durchmesser und ^ Linie dick, «nd brachte eine solche Scheibe an den einen Arm einer sehr empfindlichen Waage, mit einem Gewichtchen an dem andern Arm, ins Gleichgewicht. Eine solche Scheibe trocken gebrannt, wog 175 Gran und im Wasser g-ssaltigt 247 Trau, folglich saugte sie 72 Gran Wasser in sich. Da es beschwerlich wäre, bey jeder Veränderung der Lust, Von bce Luft. §. 2zz. izi Grane ab und zu zulegen, so brachte Lo- witz an seiner Waage selbst einen Maaßstab von 72 an, der die Stelle der 72 Grane vertrat, und sich immer von selbst ins Gleichgewicht stellte. — Unter den vortrefflichen Geschenken, womit Baron Asch im Jahr 1730 das Göttingische Universitats » Mu- säum wieder bereicherte, befanden sich auch emige Scheibchen von diesem Astrachanschen Z honschiefer, deren sich der verstorbene Pro» ftffer Löwin zu einem Hygrometer bediente. Am 15 Februar i/yr, erhielt Lichtenbrrg von Lowitz aus Petersburg ein Paar neu? solche Scheiben, wozu die zwey Brüder V 0- gel aus der Schwell), die von Göttmgen nach Petersburg reisten, Veranlassung gaben. — Eine umständlichere Nachricht von dem Lowitzischen Hygrometer findet man im Göttingischen Magazin III. Jahrgang 4teS Stuck. Das Lambertsche Hygrometer gründet sich aus eine Darmsaite, mit einem Zeiger auf einer messingenen Platte.^ IZ2 7- Abschnitt. Das Retzische ist völlig so eingerichtet, wie das Delücschc. Nur wird hier statt deS Elfenbeins, ein Federkiel gebraucht. Bey Delücs erstem Hygrometer, war nähmlich die hygroskopische Substanz, das Elfenbein. Dieß Hygrometer hatte die Gestalt eines Thermometers, nur daß die Kugel eine Büchse aus sehr dünnem Elfenbein und blos die Röhre von Glas war. Die Büchse , und zum Theil auch die Röhre, war mit Quecksilber gefüllt. Bey feuchter Witterung wurde nun die Büchse geräumiger, dehnte sich aus, und das Quecksilber fiel; und so wurde also durch das Fallen des Quecksilbers die Feuchtigkeit, und durch das Steigen die Trockenheit angezeigt. Wnl das Quecksilber auch eine pyro- n etrische Wirkung hat: so war dabey auch ei i Thermometer angebracht, um diese Wirkung eorngireu zu können. Indeß weil dieß ZZo» der Luft. §. az6. l«z Hygrometer unter der Campane nicht gut zu gebrauchen war, und dabey nur eine Seite des Elfenbeins mit der Lust in Be- rnhruug kam: so gab es Dclüc'anf, und gab dalür ein neues an. Auch bey diesem war zwar der Körper, der die Feuchtigkeit empfängt, wieder Elfenbein ; aber eö ist ur Dünne eines feinen Hobelfpans gearbeitet, wird über messingene Rollen auf- und niedergeführt, und dreht endlich einen Zeiger. Die Wirkung der Hitze und Kälte zu corrigiren, gab er der Maschine eine, den rostförmigen Pendclstangcn ähnliche Einrichtung ; auch hatte er die relative Ausdehnung der dabey gebrauchten Körper, durch die Hitze und Kälte selbst von neuem bestimmt. *) Eine andere Art von Hygrometern hat man von Stricken, welche überhaupt ') Göttingischcs Taschenbuch. Jahrgang 177!?. Seite 4Z- «8q ?, Abschnitt. recht gute hygroscopische Substanzen sind. Man befestiget einen Strick irgendwo, läßt ihn über einige Rollen hin und her laufen, und hangt an das Ende ein Gewicht mit einem Zeiger. Je nachdem nun die Luft feucht oder trocken ist, verlängert oder verkürzt sich das Gewicht. — 3^ey dieser Gelegenheit empfahl Lichtenberg den Strick, der vom Johannisthurm in Göttingcn zu Jäger hinunter lauft, als ein allgemeines Stadlhpgromcter — den Wäscherinnen. — Wie merkwürdig das Verkürzen der Stricke sey, ist oben vorgekommen. (Siehe r. Bandch. S. 526.) Man hat eine ungeheure Menge von Hygrometern im gemeinen Leben, die man aber bester H y g r os c 0 p e nennen sollte. So z. B. das kleine Häuschen, wo ein Pärchen herauskämmt. Hinten ist eine Darmsaite angebracht. Regnet es, so kommt der Monsieur mit einem Parapluye heraus, bey schönem Wetter die Dame. Nimmt die Bon der Lust. §. -zy. Feuchtigkeit zn, so dreht sich das Ding ein Paarmahl. Da hat man also wohl darauf zu sehen, ob die Dame von hinten, oder von vorn, rückwärts oder vorwärts, mit dem positiven oder negativen Ende herauskömmt! Eine solche Art von Hygrometer, ist auch der M ö n ch mit d er K a putz e, die er wenn es feucht ist, über den Kopf zieht. In der Krünitzischen Encyclopädie, Band 27, werden eine Menge noch anderer Hygrometer beschrieben. *) Am leichtesten kann man sich täglich selbst ein Hygrometer machen, wenn man zwischen zwey Stäben, einen Streifen Papier festklebt. Ist die Luft feucht, so wird er sich ausdehnen und einen Bogen machen, ist sie hingegen trocken, so wird er sich anspannen. ') Von neuern Hygrometern siehe Fischers Wörterbuch, Gilberts Annalen und Wusch' s Almanach. iLL Abschnitt. §. -40. 24z. Diese Paragraphen/ die vom Rosten der Metalle, von der Gährung, von der Faulniß und vom Verwittern handeln/ wurden von Lichtenberg ganz Übergängen; nur der Gährung gedachte er mit ein Paar Worten. Sie entsteht, wenn man abgestorbene thierische oder vegetabilische Theile in Warme oder im Wasser der freyen Lust aussetzt. Man bemerkt dann immer innere Bewegung ; und diese wird die Gährung genannt ; von welcher man drey Ärten, die Weingährung, die Essiggährung und die faule Gährung, welche die Damm-Erde gibt, unterscheidet. Meisten- thciis gehen alle drey Veränderungen unter den erwähnten Umständen in einem Körper vor. Von der Luft- §. 244. r8? Künstlich zusammen gedrückte Luft. 8. -44- Heronsball. Heronsbrunnen. Der Heronsball (l'iln I4erc>nis) ist schon oben vorgekommen (§. 2Zl.) Bläst man in denselben hinein, so springt das Wasser eben so zur Ocfsnung heraus, als wenn die Luft um ihn herum genommen wird. Die Einrichtung des Heronsbrunnen (?onx IZeronis) ist folgende. Der gan» ze Brunnen besteht aus zwey Abtheilungen und O (Fig. 21.), und die obere wird durch die Oeffnung (5, vermittelst eines Trichters mit Wasser gefüllt. Wird nun in die Schüssel ^ Z Wasser gegossen, so fließt dasselbe in die Röhre bey L hinein und kömmt unten bey ? heraus, und treibt also die Luft aus der untern Abtheilung, bep I8Z 7. Abschnitt. kl in die Robre H I hinein, wo sie dann bey I herauskommt, verdichtet wird, und auf das Wasser so drückt, daß dasselbe bey !i in die Röhre k dringen und oben bey 1^ herausspritzen muß. — Es ergibt sich von selbst, daß die obere Abtheilung nicht ganz voll mit Wasser seyn kann, sondern nur bis unter die Oeffnung von I. — Nach einer andern Einrichtung des Heronsbrun- nens, werden beyde Abtheilungen weiter auseinander gerückt, und deren hat man auch doppelte. Sie werden, damit sie nicht so umständlich aussehen, in einem gehörig eingemachten Kasten eingeschlossen. Eben so hat man auch einfache und doppelte Hcrons- brunnen von G las, deren Einrichtung ganz auf ähnlichen Gründen beruht. In den doppelten springt das Wasser noch einmahl so hoch. Man hat von dem Hcronsbrunnen herrliche Anwendungen bey den Bergwerken gemacht. So war zu Von der Lust. §. 244. r«? Schemnitz, eine auf die Einrichtung des Heronsbrunnens sich gründende Maschine, Mit der man das Wasser 6r> bis L» Klafter hoch heben konnte. Die Einrichtung derselben ist kurz diese. Unten beym Wasserreservoir ^ (Fig. 2?.) öffnet Jemand die Röhre L, damit das Wasser in den Kessel ö fließe. Zst er voll, so gibt er dem, der oben bey der Röhre E steht, ein Zeichen. Der gießt nun Wasser in die Röhre. Dieß fließt in den Kessel L>. Hier wird also die Lust verdichtet und durch die Luftröhre L in den Kessel k gejagt. Und so wird nun das Wasser in demselben durch die Steigröhre k in die Höhe getrieben und in die Stelle El gebracht, wo es seinen Abfluß erhalt. -- In einer Minute wird dieß Manövre 20 Mahl wicderhohlt, und so können also in einer Stunde mehrere Eimer Wasser hinaufgebracht werden. Die Kessel sind ganz von Metall und ausserordentlich stark. Der obere ist 5 Fuß hoch und hat z Fuß im Durch- 7. Abschält. messcr. Der untere ist eben so hoch, hat aber einen kleineren Durchmesser. Die Röhre E ist von Eisen und 40 bis 50 Klafter hoch. — Diese Maschinen sind sehr kostbar und die Schcmnitzcr ist längst eingegangen. SegnerS schwimmende Fontaine (Fig. 2z.) hat folgende Einrichtung. Sie besteht ans zwey Theilen, aus dem obern ^ L und aus dem untern E O L, dcr obere Theil ist zur Hälfte mit Wasser gefüllt, daß man bey derOeffnung 5 hinein br ngt, welche hernach sorgfältig mit einem Kork veisch'osscn wird. Der untere Theil ist so, wie die daran befestigte Rohre hohl. Beyde schwimmen nnn, oder müssen so eingerichtet werden, daß sie in dein Gefäße O K schwimmen, welches bis I X mit Wasser gefüllt ist. Die Atmosphäre nun drückt auf die Oberfläche des Wassers I Iv. Es dringt also bey dcr Oeffnung L hinein,, und jagt d>c Lust zur Oeffnung der Roh- Von der Luft. Z. Tz5. re I- o heraus. Hier wird sie nun compri- mirt und drückt so aufdas Wasser im obern Theil, daß es zur Oeffnuug iVI der Röhre lVl hineingetrieben wird, und so oben bey herausspritzen muß. Die Wirkung des Windkessels in den Feuerspritzen hangt ganz von der csmprimirten Luft in demselben ab. Die gewöhnlichen Feuerspritzen gehen nähmlich nicht in einem steten Strahl; es gibt aber welche, die dieß thun; und dieß rührt von der Wirkung des Windkessels her Ihre Einrichtung ist folgende. In dem Kasten ^ (Fig. 24.) der auf einem Wagen steht, und voll mit Wasser gefüllet ist , befindet sich der Windkessel t). Dieser ist mit zwey einander gerade gegenüberstehenden Stiefeln E und v verbunden, vcrmög deren Kolbeuspicl das Wasser in den Kessel hineingetrieben wird, indem es durch die beyden Oeffnungcn u und m dringet. Die beyden Ventile L und sft mit he- I9T 7. Abschnitt. nen diese beyden Oeffnungen innerhalb des Kessels versehen sind, öffnen und schließen sich wechselweise, nachdem die Kolben steigen oder fallen. Die Boden der Stiesel sind unterhalb den Kegel-Ventilen k und ! mit Löchern versehen, an eben diesem Ort tritt das Wasser in die Stiefel hinein, so oft als ein Kolben gehoben wird. Die Wirkung dieser Kolben besieht dann darinnen, daß wenn sie das Wasser aus dem Kasten herbeygcsauget, und die Stiefel damit angefüllt haben, sie solches alsdann in dem Windkessel durch die Oeffnungen n und m hinein treiben. Hier wird nun die Lust, weil sie, sobald das Wasser über das Loch in die Höhe gestiegen, keinen weitern Ausgang findet, in dem obern Theil des Kessels zusammengedrängt und um so mehr verdichtet, je mehr Wasser in den Kessel tritt, da die Mündung des Loches 6 an sich weit kleiner ist, als die Mündungen der Stiefel, folglich mehr Wasser in dem Äon der Lust. §. 244. 191 Kessel beysammen verbleiben muß, als da. von in eben der Zeit wieder abgehen kann. Solchergestalt wird denn das Wasser ohne Unterlaß fortgetrieben, nicht allein, weil zwey Kolben vorhanden, die ihren Druck wechselweise verrichten, sondern auch deßhalb, weil die Oberflache des in dem Windkessel eingeschlossenen Wassers von der stemmenden Kraft der eingeschlossenen und verdichteten Luft niederwärts gedruckt wird, welche stemmende Kraft beynahe fast mit eben der Gewalt wirket, als diejenige beträgt, mit welcher die Kolben niederwärts gelrieben werden ; so daß also das Masser fast ununterbrochen fort, mit einerley Geschwindigkeit fortgefpritzet wird, ungeachtet dev unstätcn und ungleichen Wirkung derjenigen Personen, die an den beyden Armen des Hebels L ? beschäftiget sind. Man kann sich die Wirkungen deS Windkessels auch im Kleinen und ohne Feuerspritze sinnlich machen, durch folgende Vor- N ^94 ? Abschnitt. richtung. ES sey (Fig. 2Z.) ein rundes kupfernes Gefäß, L eine Ocffnung an dessen Boden, mit einem Ventil versehen. An dieser Ocffnung sey die Röhre E ö ange- löihet, und von oben herab gehe durch daS Gefäß die Röhre O L, die bey ? mit einem Hahne versehen ist, durch welchen ste geschlossen werden kann. Man bringe durch daS Zapfenloch 6 so viel Wasser in das Gefäß, daß es ungefähr bis K zu stehen kömmt. Nun schraube man das Gefäß bey der Oeffnung L an einen Luftverdichter, mittelst welchem man die Luft in den Windbüchsen verdichtet, und pumpe Luft in dasselbe hinein. Die Luft tritt nun durch die Röhre L E über das Wasser hinauf und verdichtet sich daselbst desto mehr, jemchr man hinein pumpt. Schraubt man nun den Lustverdichter wieder ab, und öffnet den Hahn so treibt die verdichtete Luft das Wasser durch die Röhre L O in dem Ver-» Von der Luft. Z. 245. 195 hältniß heraus und in die Höhe, in welchem sie verdichtet ist. S. 245. Carte finnische Teufelchen. Es sind dieß hohle Männchen aus Glas geblasen. Am Körper haben sie eine kleine Deffnung, durch welche man Wasser hineinbringen kann. Man bringt gerade so viel hinein, daß sie im Wasser schweben, oder nur etwas specifisch leichter werden, als das Wasser. So bringt man sie in eiu cp- lindrischcs Glas, das voll mit Wasser gefüllt, und oben mit einer starken Blase oder Wachslaffet zugebunden ist. Drückt man nun mit dem Daumen auf die Blase niederwärts , so dringt noch mehr Wasser in die Tcufelchen hinein, weil die übrige Luft in demselben elastischer ist, als das Wasser. Nun werden sie also schwerer als das Wasser, sinken folglich, schweben oder steige«^ N » , ^6 7- Abschnitt. auf, je nachdem sie durch den Daumendruck auf die Blase, kommandirt werden. So bald der Druck völlig nachlaßt, siellt sich die zusammen gepreßte Luft in dem Teufel, chen wieder her, treibt daS Wasser heraus, macht das Männchen geringer, und schwingt es wieder empor. — Bringt man mehrere solcher Teufelchen in ein Glas: so wird alles desto possierlicher. Z. 246. C 0 m p r e s s i 0 n s m a s ch i n e n. Sie machen einen Theil der guten Luftpumpen aus, und sind schon oben vorgekommen. Die Verdichtung der Lust durch dieselben laßt sich berechnen und messen. §. 247. Windbüchscn (T^ela xusvwariaa). Unsere gewöhnlichen Büchsen sind auch weiter nichts als Windbüchsen. Indeß man Bon der Lust. K. 247. IS7 nennt doch nur diejenigen Buchsen, Wind- büchscn, wo die Verdichtung der Lust, nicht durch Entzündung des PulverS, sondern durch mechanische Operationen bewerkstelli- get wird. Kaiser Joseph II. wollte ein kleines Corps von Windfchühen errichten; allein es unterblieb, wegen der gar zu leichten Destruktibilität der Windbüchsen. Gucricke hat durch verdünnte Luft geschossen. Dieß scheint ein Widerspruch zu seyn. Allein er verdichtete durch seine Operation die äußere Luft, und so drang dieselbe in die luftleere Röhre hinein und schlug die Kugel durch. Sein Versahren war ungefähr folgendes. K C (Fig. 26.) ist der Lauf einer Windbüchse, an dessen unterm Ende die genau und fest passende Kugel L, an dessen obern Ende das Ventil C sich befindet. Bey O hat der Lauf eine Ocssnung und die Seite desselben ist von da an, bis zum Ventil C hohl. L stellt den Recipien- ten über der Luftpumpe vor. Er brachte al- 198 7- Abschnitt. so den Lauf über die Luftpumve, machte ihn luftleer, und so mußte natürlich die Kugel von der äußern nun dichtem Luft durch den Lauf getrieben werden. — Uebri- gens sieht man freylich, daß man mit die» ser Büchse nicht auf die Jagd gehen könnte Z — §. 248. MariottischeS Gesetz. Nach welchem Gesetze richtet Z sich die Verdichtung der Luft? Durch die Beantwortung dieser Frage hat sich Mariotte unsterblich gemacht. Das Resultat, das sich <»ns seinen Versuchen ergab, ist das weltberühmte Mariottische Gesetz, das kurz so l autet: die Dichtigkeit der Luft verhält sich, wie der Druck der daraufStatt findet — wie die Kräfte , die darauf drücken. Alles in der Welt, nur dieses nicht vergessen! Sonst glaubt Von der Luft. §. -48. »9, man einem gar nicht, daß man Physik gehört habe. Mariotte nahm eine gekrümmte, Z bis 4 Linien weile Glasröhre ^ ö O (Fig. 27.) deren beyde Schenkel L und L O parallel, der eine 0 O von 12 Zoll Höhe und der andere R von 8 Fuß Höhe waren. Der kurze Schenkel war bey O zuge- fchmolzen, der längere hingegen bey ^ offen. Nachdem er nun in diese Röhre bey ^ so viel Quecksilber gegossen, daß die Basis derselben R ausgefüllet, und die Luft in dem Schenkel (l O von der Athmosphäre abgeschnitten war: goß er in den längeren Schenkel nach und nach immer mehr Quecksilber und trieb dadurch das in der Basis befindliche, immer mehr in den kürzern Schenkel e O hinauf — beydes in folgenden Verhaltnissen : 1. Wenn das Quecksilber im langer» Schenkel bis auf r8 Zoll stand: so stieg es s'm kürzern bis auf 4 Zoll. 2oo 7> Abschnitt. 2. Wenn cS im längern auf zg Zoll stand : so stieg es im kürzern auf 6 Zoll. Z. Wenn es im bangern auf yz Zoll stand : so stieg es im kürzern auf 9 Zoll. Was ist nun inAn sehung der z u° sam m e n d r ü cken d e n K räft c und in Ansehung der Verdichtung der Luft geschehen? In Ansehung der zusammendrückenden Kräfte ist folgendes geschehen. Beym ersten Stadium drückten vor der Operation, 23 Zoll auf die Luft in dem Schenkel O — laut damahligen Barometerstände; nach der Operation dauerte dieser Druck noch immer fort und es ist noch ein neuer von 13 ^ 4 — '4 Zoll hinzugekommen. Im Ganzen drücken also jetzt 24 ft- 14 42 Zoll auf die Luft in L! II>, und der al.te Druck verhält sich folglich zum neuen, wie 28 : 42 — 2 : z, oder der neue Druck ist Mahl größer, als der alte. Von der Luft. §. 245» 201 Beym zweyten Stadium drück« ten vor der Operation 28 Zoll auf die Luft in O O, nach derselben, 28 4> Z4 — 6 56 Zoll, und der alte Druck verhält sich also zum neuen, wie -8 : 56 — 1 : 2, oder der neue Druck ist 2 Mahl größer, als der alte. Beym dritten Stadium, drückten vor der Operation 28 Zoll auf-die Luft in L IZ, nach derselben 23 4< yZ — 9 ----- li2 Zoll, und der alte Druck verhalt sich also zum neuen wie 28 : 152 1 : 4, oder der neue Druck ist 4 Mahl größer als dcr alte. In Ansehung der Verdichtung der Luft in dem Schenkel sl O ist folgendes geschehen. Beym ersten Stadium nahm die Luft vor der Operation, den Raum von 12 Zoll-ein, nach derselben den Raum von 12 — 4 — 8 Zoll. Dcr alte Raum verhalt sich also zum neuen wie !2 : Z, und die Dichtigkeit der Luft hat 2oz 7« Abschnitt. folglich zugenommen, weil die nähmliche Quantität vorhin einen größern Raum einnahm. Sie hat aber gerade um so viel zugenommen, um wie viel der Raum abgenommen hat, weil sie sich immer verkehrt, wie der Raum verhalt. Mithin verhalt sich die alte Dichtigkeit zur neuen wie 8 : 12 — s : z oder die neue Dichtigkeit ist i-z Mahl größer. Beym zweyten Stadium nahm die Luft vor der Operation, den Raum von 12 Zoll ein, nach derselben, den Raum von z2 — 6^-6 Zoll. Der alte Raum verhält sich also zum neuen, wie 12 : 6, und da sich die Dichtigkeit verkehrt wie der Raum verhält: so verhalt sich die alte Di chtigkeit zur neuen, wie 6 : 12 ^ i : 2, oder die neue Dichtigkeit ist 2 Mahl größer, als die alte. Beym dritten S t a d i u m nahm die Luft vor der Operation, den Raum von Zoll ein, nach derselben den Raum von Von der Luft. §. «48- 20z 22 — 9 Z Zoll. Der alte Raum verhalt sich also zum neuen, wie 12 : Z, und folglich die a l te D i ch t i g k e i t zur neuen wie z : 12 1 : 4, oder die neue Dichtigkeit ist 4 Mahl größer, als die alte. Es bedarf nun wohl weiter der Erinnerung nicht mehr, daß die schönen Verhältnisse der zusammendruckenden Kräfte, und der Verdichtung der Lust, einander vollkommen gleich sind, daß also 28 : 42 — 8 : !2 LZ : ^6 — 6 : 12 2Z : ri2 --- z : 12; und es ist mithin ein allgemeines Gesetz; daß sich die Dichtigkeit der Luft verhalte, wie der Druck, der daraufStatt findet. Wenigstens hat eSMariotte wie aus dem eben angeführten erhellt, bis auf die vierfache Verdichtung richtig gefunden. Ja Wiukler zu Leipzig, hat es gar beym Z04 7. Abschnitt. achtfachen Druck bestätiget gefunden. Er- mußte also, um die Luft in den achten Theil eines :2 Zoll langen Raums zu pressen, acht Barometer Säulen über einander stellen, oder eine Quecksilbersäule von r8I Fuß Lange haben, und die Verhältnisse, welche er erhielt, mußten folgende seyn: 28 224 ---- : 12. Eben so hat dieß Gesetz auch der jüngere Saussürein verdünnter Luft auf Bergen, bey einem Barometerstande von iL Zoll bewährt. — Sulzer zu Berlin, wollte zwar etwas gegen dasselbe einwenden; aber L a m b e r t hat ihn in seiner Pyrometrie vortrefflich widerlegt. — Man kann das Mariottische Gesetz' nach einer doppelten Formel ausdrücken: 1. Die Dichtigkeit der Luft verhält sich verkehrt, wie die Räume, inwelchen si e eingeschl» s- sen ist; oder Von der Lust- §. 248. 205 L. Die Dichtigkeit der Luft verhält sich wie die Kräfte, die darauf drücken; und folglich Kräfte Räume Dichtigkeit r - 1 - I 2 2 2 Z 6 - 5 - - 5 - 3 6 20 6c> , I - 20 - 5*5 " 20 60 n -- I - N n Noch mnß folgendes bemerkt werden: 1. Wenn man in eine Glasröhre, worinn schon das Quecksilber 1 Zoll hoch siehet , noch , Zoll Quecksilber zugießt: so muß man ja nicht glauben, daß nun die Lust 1 Mahl verdichtet worden sey. Nein; sondern was ist geschehen? vorhin druckte die Luft mit einer 28 Zoll hohen Quecksilbersäule ; jetzt betragt der Druck 29 Zoll- «o6 7. Abschnitt. Gießt man 2 Zolle Quecksilber z», so beträgt der Druck 28 4- 2 Zoll zc>. Zu jedem Quanluplum der Verdichtung der Lust braucht man vielmehr den Druck einer ganzen Atmosphäre. Zu der viermahligen Verdichtung der Lust in dem Schenkel O (Fig. 27.) mußten vier Atmosphären über einander gegossen werden. Eine 23 war schon da, und drey neue Z. 23 --- 84 kamen hinzu. Und 28 84 oder 4. 23 112. So goß Winkler eigentlich 8 Atmosphären über einander. 2. Wendet man hingegen die Röhre um: so drückt die Atmosphäre, wenn 1 Zoll nachgegossen worden ist, mit einer 27 Zoll hohen Quecksilbersäule; wenn 2 Zoll zugegossen worden sind / mit 26 Zoll u. s. w. — Man kann also sagen, durch r Zoll Quecksilber zusammengedrückt oder ausgedehnt. F?on der Lust. §. 248. 207 Nun wie weit mag sich daS Mariottische Gesetz aufwärts und abwärts erstrecken? Aufwärts hat dieß Gesetz gewiß seine Grenzen. Man bedenke nur Kraft Raum Dichtigkeit 1-1 - » ^ - ^ — 2 - I - ? , 0 - ^ - c> Aber Z- ist das Zeichen für das Unendliche, in der ganzen Mathematik ist ov Es würde also folgen, daß wo kein Druck mehr ist, die Luft sich bis ins Unendliche erstrecke. Allein dieß kann doch unmöglich der Fall seyn. Das Mariottische Gesetz muß aufwärts seine Gränzen haben, und diese Gränzen müssen da seyn, wo die Erpan-- sionskraft der Schwere gleich ist. Abwärts hat man wohl noch durch die Erfahrung keine Abweichung von diesem Gesetze gesunden. Allein es ist a xriori nicht 2nZ 7. Abschnitt- unwahrscheinlich, daß auch da eine Abwei, chung Statt haben muß. — Eelre das Gesetz nur ir deutsche Meilen abwärts: so würden sich daraus folgende wichtige Resultate ergeben. Man denke sich einen so tiefen Brunnen, und lasse es bis anS Ende desselben wirken: so würde in einer Tiesc von Lyozi Toisen die Lust so dicht seyn, als das Wasser, und also dieses aufjener schwimmen. Um dieß zu finden, darf man nur den Logarithme von 600. 28 — 22400 suchen, davon den Logarithme von 28 abziehen, und von der erhaltenen Differenz die drey letzten Ziffern abschneiden. Also log. 22400 4, ZFS2480 davon abgezogen loZ. 28 l, 4471580 gibt zur Differenz s, 90Z0900 Hieraus ergibt sich dann ferner, daß das Zinn, in einer Tiefe von 37481 *) Toi° ") Das specifische Gewicht des Z'nns ist ---- 7, des Silbers 22? ri, des Quecksilbers Von der Luft. Z. 248^ zo? ftn Silber - - ZY444 - Quecksilber - 40492 - Gold - 418-8 - schwimmen wurde. Die letztere Zahl beträgt fast 1: deutsche Meilen, weil Z80Z Toisen 1 deutsche Meile ist. In einer Ticse also von 11 deutschen Meilen wurde das Gold schwimmen, wenn das Mariottische Gesetz bis dahin gälte. Wer da einen Du- ckaten fallen liesse, dem fiele er nicht auf die Erde, fondern er würde schwimmen. -» Im Mittelpunkt der Erde würde nichts schwer seyn. Hierauf gründet sich die schon mehrmahls erwähnte Franklinsche Behauptung, das die Lust der specifisch schwerste Körper iq des Geldes 19 anLcnomMcii. ilm obige Avisen z» erhalten, muß Zedc dieser Zahlen mit 2240a gvo . 2g multjpüeirr und dann von dem Logarilhnie des Pro dnktS, der Logarithme von 2g abgezogen werden. O 2!o > ?- Abschnitt. in der Natur sey — und seine Theorie von der Entstehung unsrer Erde. Da die specifische Elasticität der Lust durch die Wärme so grosse Veränderungen leidet : so versteht stchs-von selbst, daß darnach das Mariottische Gesetz corngirt werden muß. Hievon in dem Abschnitte von der Wärme, ein Mehrercs. In runder Zahl nimmt man an, daß bey einer Aenderung der Wärme von i° II. die Dichtigkeit bey gleichem Drucke, sich um ^ ändere. Z. -49- Wie weit geht die Verdi chtbar- kcit der Luft? Diese Frage kann nicht genau beantwortet werden, weil die Versuche darüber eines Theils zu schwer, und andern Theils zu gefährlich sind. Man weiß nur, wie oft man bereits die Luft hat verdichten können. Von der Luft. K. 249. 2it Halcs, Cabinetsprediger der Prin- zeßinn von Wallis, der Mutter des jetzigen Königs, und wegen seiner physikalischen Ver- dienste, in der Westmünstcrabley begraben, stellte hierüber folgenden merkwürdigen Versuch an. In ein Glaschen /t (Fig. 28.) , das einen Deckel von Kork hatte, steckte er durch diesen Korkdcckel, eine oben verschlossene Nöhre U, die 4,66 Zoll lang war. Unten bey ^ steckte die Röhre in Quecksilber, über welches ein bischen Ter- pentinspiritus schwamm, den er etwas blau gefärbt hakte. Diesen ganzen Apparat brachte er nun in eine Bombe, füllte dieselbe mit Wasser, und trieb einen tüchtigen Keil von Holz in die volle Bombe hinein, so daß am Ende das Wasser selbst durch ,die Poren desselben heraus drang. Natürlich wurde hiedurch das Wasser in der Bombe ausgedehnt, drang durch "den Korkdeckel des Gesäßes H., und preßte die Lust in demselben immer mehr zusammen. Diese 0 I 7. Abschnitt. zusammen gepreßte Lust trieb denn immer mehr Quecksilber in die Röhre U hinein, und dieseö Quecksilber preßte immer mehr die Lust in der Röhre zusammen, worauf es bey diesem Versuche ankam. Wie hoch aber das Quecksilber gestiegen war, und wie viclmahl also die in der Röhre sich befindende Lust verdichtet wurde: zeigte der blau gefärbte Terpeutinspintns au, der dem Quecksilber voran in die Röhre getrieben wurde, und also den Weg bezeichnete. AlS er das Gefäß herausnahm, zeigte sich durch die Spuren der blauen Farbe, daß die Luft in der Röhre, die vor der Compref- sion ^5 Theile eines Zolls eingenommen hatte, nach derselben nur ^ Theile eines Zolls einnahm, also V/ -ZLFMahl verdichtet wurde. Um dieß noch weiter zu treiben, verfuhr Hasts ein anders Mahl, auf die nähmliche Art, wie vorhin. Nur statt einen Keil in die Bombe zn treiben, sehte er dieselbe Von der Luft. §> 049. einer großen Kalte aus, die er dadurch künstlich vergrößerte, daß er Schnee mit Salz vermischt um die Bombe herum legte. Allein, weil sich das Wasser mit einen so grossen Gemalt ausdehnt, wenn es friert — wie man sich bald durch einen Flinten-' lauf überzeugen kann, der, wenn er mit Wasser gefüllt, an feiner Ocffnnng fest verschlagen oder vcrlöthet und dann einer großen Kalte ausgesetzt wird, mit großem Krachen zerplatzt: — so zersprengte die Kalte die Bombe, und damit auch das Gefäß K. und die Nöhre L in Stücken. Winkler berechnete aus der Kraft, mit welcher hier das Glas zerplatzte, daß die Luft ZZL/ Mahl müßte verdichtet gewesen seyn. Nach einer andern Rechnung kommt iLI7 heraus, §. 250. Permanenz der L u fl e lasti c i t a t. Aus dem Roberoallschen Versuche auf die Dauer der Elasticität der Luft Sl< ?. Abschnitt. schließen wollen: wäre sehr unphysisch und unphilofophifch. Der Verfasser führt eS auch nur im Scherze an. Aber aus den M us- senbroccklschen Versuchen laßt sich wohl darauf schließen. Er verfuhr wie Ma-- riotte mit seiner Röhre, goß immer zu^ hakte Thermometer und Barometer daneben , und bemerkte keinen Unterschied der Abnahme der Elasticität in fünf Jahren. Der -Hebe?. §. 2ZK. Begriff vom Heber. Die Lehre vom Heber ist keine von den unwichtigen Materien, theils wegen der schönen Anwendungen, welche davon die Natur sowohl, als die Kunst zu machen weiß, theils wegen der Streitigkeiten die darüber entstanden sind, und wegen welcher eine gelehrte Societät bald auseinander ge- Von der Luft. §. szz. 215 gangen wäre. Uebcrdieß kann man nirgends leichter, als hier, die Theorie durch die Erfahrung beleuchten. Es ist nicht schwer, die komplettste Sammlung von Hebern zu erhalten, so daß kein einziger wichtiger fehlt, wie dieß bey Lichtenberg der Fall war. Dieß rührt von dem so leicht begreiflichen Umstände her, daß die Heber nicht viel kosten. Dgö Phänomen ist bekannt, daß, wenn man das eine Ende einer krummgebogcncn zwcpschenklichtcn Röhre, ins Wasser hält, und am andern Ende saugt, das Wasser nachfolge, und zwar so lange, bis es in beyden Röhren horizontal zu stehen kömmt. Eben so ausgemacht gewiß ist es, daß dieß einzig und allein vom Druck der Luft herrührt. Man denke nur an den Stechhe- kcr, oder an jede andere Röhre in einem Gefäße. Aber es gab Personen, die es nicht vom Druck der Luft herleiteten, sondern x>er nltHualem LvlmeziouLin erklären woll- sl6 7. Abschnitt tcn. Darüber entstanden die so eben erwähnten Streitigkeiten. Die Procedur des Saugeus läßt sich sehr schön mit Sägspänen bemerklich machen, woraufLichtenberg zufällig verfiel. — Auch werden wir sogleich sehen, daß man den Heber nicht immer durch Saugen zu füllen brauche. ") Dieß war Syllman in Gelungen, Ans seinen Vorschlag wurde im December des Zabrs >757, von der Societät der Wissenschaften daselbjl, die Preisfrage aufgegeben: Zu erklären, warum der Heber i m V a c >i 0 fließe. (Siehe Götting. Anz. 2?57, 147,) Indeß bald darauf zeigte C 0- w itz dce Societät auf unterschiedene Manieren? daß Heber von gehöriger Größe, die in freyer Luft flössen, im Va- cuo nicht flössen. Und so nahm sie denn, im Julu des folgendes Jahrs die Preissrage zurück, und gab statt derselben eine andere auf, (Siebe Götting, Anz. >7Sfl, Mehrere?' hierüber, siehe Kästncrs Vorrede zu den Anmerkungen nbce^die MarIschridrk. Götting. 1775. Bon dcr Luft. §. szZ. 217 §- 2LZ. Anwendyngen vom Heber« Der Jordanfchc Heber hat die Einrichtimg, wie Fig. 29. zeigt. Beyde Gefäße H und 15, sowohl als beyde Röhren O und O find mit Wasser gefüllt. Oeffnet man nun den Hahn bey m oder bey n, fo fließt das Wasser aus dem andern Becher herüber und es entsteht also bey gleich langen Schenkeln ein Heber. Aber eben dadurch, daß das Wasser ablauft, entfleht erst dcr Heber. Der geöffnete Hahn liegt doch immer tiefer, als die Oberfläche des Wassers in dem entgegengesetzten Gefäße. Unter den verschiedenen Lagen, die ein Heber haben kann, kann man sich auch eine solche denken , daß der längere Schenkel in den kürzeren fleckte, und auf irgend eine Art daran befestiget wäre. Dieß ist denn der Fall beym sogenannten Ve^ieröecher --rg ?. Abschnitt. ^Oiadete5 Ifferonix) aus welchem das dar- inn befindliche Fluidum allemahl und nur alsdann auslaust, wenn er damit ganz gefüllt wird. In dem Gefäße ^ 1l E i) (Fig. zo.) fiellrn nähmlich die beyden Rohren m n und o x lz einen Heber vor. Die erstere oder w u die an beyden Enden offen ist, gehl durch den Boden des Gefäßes. Sie ist mit der andern oder mit o x bedeckt, welche nirgends offen ist, als bey o. Wird nun das Gefäß gefüllt, so tritt das Fluidum, dem die Lust durch n m ausweicht, nach hydrostatischen Gesetzen in den Raum zwischen beyde Röhren. Wenn es al- so der innern Röhre obere Oeffnung n erreicht hat, sängt die Heberwirkung an, und das Fluidum läuft zur Röhre o m heraus, so lange davon ein Tropfen im Gefäß enthalten ist. Die Schcmnitzl'fchcn Becher, milden schönen Inschriften - Was ich hier zeigen thu, ei» Wunder nennen mag, bin Kupfer und war Eisen w. find Von der Lust. Z. sZz« 2:9 auch auf diese Art eingerichtet. Auch hat man Vegierbechcr von Glas, bey welchen der Heber eine cirkclförmigc Gestalt hak- Fig. Zi. stellt einen solchen vor. — Seine Einrichtung bedarf wohl keiner weitem Erklärung. Der künstliche Brunnen, wobey eine Schlange saust, was der Storch auS- speyct, ist eine Verbindung des Heronsbrun- nen mit dem Heber, und hak folgende Einrichtung. Die zwey Gefäße /e L und E v (Flg- Z2 ) stnd mit einander durch die Stange L verbunden; das obere ist durch die Scheidewand ? in zwey Abtheilungen getheilt, und die Abtheilung ? U bis ? R mit Wasser gefüllt — zu welchem Ende das obere Gefäß irgendwo etwa bey m eine O'cffnuug haben muß. Auf dem oberen Gefäße, befindet sich das schüssclförmige Gefäß (3 I>I. Wird nun in dasselbe Wasser gegossen, und steigt dieß Masser über dcnKopf der Schlange I hinauf, so fängt die He- 25S 7. Abschnitt, öerwirkung an. Durch die Röhre n o x>, die einen Heber vorstellt, lauft nähmlich alles Wasser in der Schüssel G H in die Abtheilung des oberen Gefäßes ^ ll? und von hier durch die Röhre x gr in das untere Gefäß (l D ab. Und nun fangt die H er o n s b r u n n c nw i rku n g an. Die Luft, die sich über dem Wasser in dem Gefäße (l II befindet, wird durch die Röhre q r in die Abtheilung des oberen Gefäßes I" L getrieben, und daselbst verdichtet. Diese verdichtete Luft drückt nun auf das Wasser k L dergestalt, daß dasselbe in die Röhre « t hinaufgetrieben und aus dem Munde des Storchs in die Schüssel gespieen wird. — Auf diese Art wird die Schüssel von neuem gefüllt; die Schlange fängt wieder zu saugen gn, auf die Heberwirkung folgt abennahls die HeronSbrunnenwirkung gnd so immer fort. Der kleine Springbrunnen, den man an ein Gefäß mit Wasser Von der Luft. §. ?5z. hangt, hat eine Einrichtung, wie Fkg. zz. zeigt. „Man nimmt z. B. ein an 15 Zoll „hohes schmales Glas, welches bey ^ verschlossen und unten bey I! in einen messin- „gcnen Boden eingcknttet ist. Durch diesen ,/gehen zwey enge Röhren von etwa 25 Lie- „nien Weite, davon die kürzere mit ihrem „zugespitzten Ende an zwey Zoll über den „Boden hervorragt, die längere aber ihre „Mündung im Boden selbst hat. Man kehrt „dieses Werkzeug um und gießt in die lan- „gerc Röhre Wasser. Alsdann bringt man „es wieder in seine natürliche Lage, und „steckt in demselben Augenblicke die kürzere „Röhre inS Wasser: so springt das Was- „ser in dem oberm Glase, und läuft zugleich „aus der länger» Röhre R E beständig „heraus, so lange die kürzere noch im Was- „ser steht, weil das cingcgossene und wie-- „der herausfallende Wasser die Lust in dem „obern Glase etwas verdünnt, der Druck «z: ?. Abschnitt, „aber des Wassers in der langem Röhre „größer, und in der kürzern kleiner ist, als ,,der Unterschied zwischen dem Drucke der „äußern, und der im obern Glase cinge „schlosscucn Luft." *) Der Heber, den man nich: durch Sau> gen, sondern durch Einblasen der Lust laufen macht, oder der Bla sehe der, steht ans, wie ihn Fig. 34. darstellt. Blos der Theil ö stellt den Heber vor. Bey ^ ist ein kleines Loch, durch welches das Flui- dum so hoch in den Heber steigt, als es in dem Gefäße steht. Blast man nun Sey O hinein, so treibt man das Fluidum, daS sich schon in dem Schenkel L befindet, in die Höhe, es fließt bey L über, und die Heberwirkung kömmt dadurch in Gang» Man sollte denken, durch das Loch bey ^ müßte alle hinein geblasene Luft cffektlos H Aus Hllbc's Unterricht in der Narurlehrt/ 1,. Band S. 27s. Von der Lust. §. -5Z. :?^z herausfahren. Allein diese trifft zuerst auf das Fluidum, das sich in der Röhre L A befindet, und das Loch bey LV ist zu klein, als daß das Fluidum da so geschwind her auö könnte. So muß denn das Hineinbla- sen, die erwähnte Wirkung hervor bringen, — Ein solcher Heber ist eben keine Spitzfindigkeit. Bey einem guten Wein hat eS freylich nichts zu sagen, wenn Einem beym Saugen ein Schluck davon in den Hals kömmt; wohl aber bey andern Fluidks z .B. nur beym heißen Wasser. Es ist noch eine andere Einrichtung dieses Hebers wie Fig. Z5. fie darstellt. Hie? muß man aber nicht zu stark bey O hineinblascn, weil man sonst doch den Mund voll bekömmt. Auf die Theorie des Hebers gründet sich der sogenannte ionL Aeuuiuae krater- nitstiz. Wird aus der hohlen Glaskugel/l, (Fig. z6.) und den drey angeschmolzenen Röhren LEO, die Lust durch Erwärmung herausgetrieben, und stellt man dann i-24 7- Abschnitt. dieselben m drey ungleich gefüllte Weingläser: so dringt der Wein durch dieselbe so lange Ll die Kugel hinauf und zurück bis er in allen Glasern gleich hoch zu stehen kommt. Man könnte diesen t'ons besser jn5^ titiam ckiütrldutivam nennen, weil er gewöhnlich das beste für sich behalt, besonders wenn die Kugel groß ist, und das Flui- dum in den Glasern sehr ungleich steht. — Um ein Fluidum in zwey Gläsern auf eine ähnliche Art zu vertheilen, hat man eine Art von Ve statischem Sieb. Oben bey ^ (Fig. Z/.) hält man den Finger drauf; die untern Oeffnnngen L und 0 find wie beym Sieb durchlöchert. Zu den Anwendungen *), welche die Natur von den Gesetzen dcS Hebers macht, ') Eine sehr sinnreiche Anwendung des Hebers im Großen, findet man beym Eanal v o n L an g uc d o c. ,,Er läuft an einigen Stellen am AbHange von Gebirgen fort, und muß daher alles von diesen Lergen Von dcr Luft. Zü «zz. 225 zchörcn !?dhl die Erscheinungen am Eich. zier-Sec im Badcnscheii/ und amCirk- niher-See im Krainschcn, die bckamtt-- abfließende Masser aufnehmen. Um dett Schaden zu vermeiden, den das Ueberstr»- >ucn verursachen wurde, halte »mir anfangs Adzugsrvssd.eil angebracht , die durch dazu bestimmte Menschen geöffnet wurden, wenn das N asser im Canal eine gewisse Höhe erreicht halte; allein es zeigte stch bald, daß hiebe») auf die Aufmerksamkeit solcher Menschen nicht zu rechnen sey. Man enl» schloß sich daher, große gemauerte Heber t ^ipilvnez ) anzubringen , deren höchster NuNkt stch im Niveau des höchsten Standes , den das Wasser im Canal erreiche» sollte befand, und deren kurzer Schenkel bis auf den Boden des CanalS, dcr längere am AbHange des Gebirges herabging. Diese Heber wurden, so l^ild ste stch einmahl gefüllt hätten, nicht eher zu l ieße» aufhören, als bis dcr ganze Canal ausgeleert wäre, hätte man nicht die Vorsicht gebrauchc, im kürzeren Schenkel, im Niveau der gewöhnlichen Wasserhöbe, eine Deffnnng anzubringen. So bald daher dir Heber das Wasser so weit abgeführt ha» P 2Z6 7- ?lbichnitt. lich bey starkem Rcgenwettcr ganz trocken werden. Sie stellen denVerierbecher im Großen vor. Man muß nur nicht immer an gegossene oder gedrechselte Röhren denken; so wie man ja auch beym Sand und beym Löschxapler an keine künstlich verfertigten Haarröhrchen denken darf. — Es stelle L (Fig. Z8-) den See und C O L einen daran befindlichen Canal vor. Steht nun das Wasser im See, bey trockener Witterung bis ?, so steht es im Canal bis (? und es kann kein Abfluß des Wassers erfolgen. Aber bey starken Regengüssen steigt daS Wasser im See bis U, folglich auch über den Rücken des Canals O, und nun beginnt dke Hcberwirkung und das Wasser fließt ganz ab. — Solcher Canals kann es natürlich mehrere geben. ben, daß es bis zu dieser Höhe herabgrsun--. kcu ist, schlupft zu dieser Oeffnnng Luft hinein; und im Augenblicke hört die Wirkung des Hebers auf." GilbcrlS Annalce? XIX Band i. St. x. 141. Von der Lust. z. zz? 2Z4> Gränze der Heberwirkungj ES wollte einmahl Jemand in Göttin« gen — der obige Hollmann — behaupten, daß inan das Wasser von Hebertshau- scr> über den Haindcrg, welcher Zoa Fuß hoch ist, nach Göktingen, in einer Heber- töhre xer colraeslonsm bringen könne. — Darüber ist nun kein Wort mehr zu verlieren. Eben so wenig kann man dem Wasser durch den Heber einen höhcrn Fall geben, als es von Natur hat. Es sey z. B. (Fig- AY-) ein Berg, ö ein Thal oder eine Ebene, wo man einen Springbrunnen haben wollte, zu welchem der Teich E das Wasser hergeben sollte. Der Fall desselben wird durch den Heber O nicht verstärkt; denn das Wasser fängt erst bey L zu fäl-- !en an; O L kömmt in keinen Betracht P - 228 7. Abschnitt. Wäre die Oessnung bey L, so würd? gar nichts heraus fließen, weil die Ocffnung so hoch wäre, als der Teich. Die Höhe bleibt immer L 8. §- 255. Hcberwirkung im luftleeren Rau in. Der Apparat zu dem Versuche mit dem Heber im luftleeren Raum, hat folgende Einrichtung. Die Hauptsache ist das Glas (Fig. 40.) welches mit Wasser gefallet ist. Durch dasselbe geht der Heber L in das Gefäß E. U und L sind Barometer, jenes ein Wasserbaromcler, dieses ein Queckfilbcrbaromctcr. So wird die ganze Geschichte unter die Glocke b' gebracht. Ist nun die Luft tüchtig ausgepumpt: fs schiebt man den Stöpsel G in das GlaS ^ hinunter, so daß also das Wasser über den Rücken des Hebers IZ treten muß. Nun Von der Lust. z. -^6. Z29 sollte es also ganz auslaufen, wie in der freyen Lust geschieht. Aber das geschieht nicht, und geschieht nie, wenn der Versuch gehörig angestellt wird, d. h. die Luftpumpe gut, und der Heber nicht zu eng ist. Das Barometer und Manometer. §. -z6. Begriff vom Barometer. Das Wort Barometer kömmt bekanntlich von die Schwere und das Maaß her, und bedeutet also einen S ch w e r e m esse r, nähmlich der Lust, welches Wort man sich hinzu denken muß, so wie bey Thermometer, Hygrometer u. f. w. Allein das Barometer mißt nicht nur die Dichtigkeit der Lust, sondern auch ihre Elasticität; folglich ist es eigentlich ein Luftdruckmesser, weil der Druck der Luft sowohl von ihrer Dichtigkeit, als Ela- »zo 7- Abschnitt. flicität herrührt, und man würde es als? am besten Elateromcter nennen. Man hat diesem herrlichen und präcisen Instrumente auch den einfaltigen Nahmen: Wetterglas gegeben, und noch dajN oben die abscheulichen Zettel beygefügt. Schade, daß man dieselben nicht etwas langer macht und auch den jüngsten Tag darauf anbringt, den die Barometer so gut, als das Wetter angeben könnten! Indeß kann man doch über das letztere folgendes merken. Wenn das Barometer hoch steht und es heiß ist. so kann man sicher schließen, daß es nicht eher schlecht Wetter werden wird, als bis es fallt, und umgekehrt, wenn es gefallen ist und regnet, so wird chcn. Dadurch kommt nun die Rolle in Bewegung und mit derselben der Zeiger, und so wird auf einem in Grade getheilten Kreise das Steigen und Fallen des Quecksilbers angezeigt. — Lichtcnberg sah ein ahnliches Barometer in drin Zimmer des Königs von England mit aller Pracht angebracht. Vom Barometer war gar nichts zn sehen. Nur in der Tapete war ein Bogen ausgeschnitten, so wie beym Ealencinrio perxeruo« Doch war es eigentlich kein Hooksches Rad» lbaromctcr. Die sinnreichste Empfindlichkeit hat A m- montvns vorgeschlagen. Hier ist gar kci- Von der Lust. Z. 2to 261. ne Buchst, und es ist in der Haushaltung gar sehr zu empfehlen. Zu HZHeMessungen der Berge taugt es freylich nicht. Die Röhre ist nicht cylindrisch, sondern konisch. Ware sie cylindrisch, so wurde das Quecksilber bey steigendem Barometer bis oben an steigen und dann stehen bleiben, und bey sehr fallendem Barometer wurde unken etwas davon herausfallen. Wie nun diesem allen durch die Kegelsörmigkeit abgeholfen wird, sieht man leicht. — So bald die Röhre gefüllt ist, such! sich die Säule die Stelle von ^3 Zoll selbst. Soll es nur um einen Zoll steigen, so wird die Anzeige sehr präcis, weil nur das Quecksilber in der dünnern Röhre so sehr seine Lage verändert. Mau denke sich nur ein solches Barometer, so hoch wie der Iakobizhurm, was würde daS für eine Präcision geben! — Für das Herausfallen des Quecksilbers ist doch niemanden bange ? Auf der See ist dieß Barometer von unendlichem Nutzen und Gebrauch, Z4» 7> Abschnitt. weil man sich da, wegen des vielen Schall kcinS, mit den Buchsen nicht gut abgeben kann. Deswegen heißt es auch das M e e r-- barv meter. — Es ist schon oben erinnert worden, daß, wenn das Quecksilber auf der See schnell fallt, immer ein Slurm erfolgt : und daraus wird man um so mehr die Nützlichkeit eines recht empfindliche» Barometers auf derselben einsehen. Das Johann Bernoullsche sogenannte rechtwinklichte Barometer, das oben mit einem cplindrischen Gesäße versehen ist, in welchem das Quecksilber steigt und fallt, unten aber, anstatt ein Gefäß zu haben, sich in eine enge horinzontale Röhre endigt — hat zwar große Empfindlichkeit. Den» wäre z. B. der Kolben oben zehn Mahl größer, so würde dieß unten eine zehn Mahl größere Distanz geben. Aber zu präcisen Versuchen taugt es gar nicht. Die untere horizontale Röhre muß nähmlich sehr engs sehn, damit das Quecksilber in derselbe» Von der Luft. Z. 2to. 264, 241 nicht aus einander laufe. Aber eben dieß verhindert auch, daß es daselbst nicht recht nachkommen kann, wenn es oben in dem Kolben steigt oder fällt. Huygens hat das Barometer auf folgende Weife empfindlicher zu macheu gesucht. An den beyden Enden einer heber- förmig gebogenen Rohre — weßwcgen dieses Barometer den Nahmen eines Dop- pelbaromctcrs erhallen hat — sind zwey gleich große Gefäße angeschmolzen^ So wie das.Quecksilber in dem einen steigt oder fallt, steigt oder fällt es auch in dem andern. Ueber dein letzter» befindet sich nun noch eine enge oben offene Röhre, und in diese wird Spiritus Vini gegossen, der also bis auf die Oberfläche des ÄuecksilberS in dem Gefäße zu stehen kommt. Wird daher ans diesem G'fllße ein Zoll Spiritus Vini herausgejagt 5 so nimmt er in der cn- gekn Röhre einem viel größern Raum ein. -- Indeß auch diese Einrichtung taugs Q 24! 7- Abschnitt. nichts. Der Spiritus Vini verdampft und die Röhre muß doch offen bleiben. Man hat Barometer, die nicht 2jZ Zoll hoch sind; aber naturlich sind sie breiter. Sie bestehen aus verschiedenen mit einander zusammengefügten Röhren, die wechselweise mit Quecksilber und mit Spiritus Bin! gefüllt sind. Auf diesen Einsall istFah- rcnheit gerathen, und daher heißt ein solches Barometer ein F a h r c n h e i t sch e s. Man sollte es lieber das abgekürzte Amon- tonssche Barometer nennen, weil Amonlons lange vor Fahrenhcit dieselbe Einrichtung angegeben hat. Von allen diesen Versuchen, die Barometer empfindlicher zu machen, urtheilte Lichtenbcrg, daß sie entweder die starken Veränderungen des Barometers vergrößern -- welches nicht nöthig ist, und die kleinen, die man gerade nöthig hatte, gar nicht anzeigen, oder daß sie bepdc gänzlich verfüttert. Voit der Luft. §.265. u5:» 24Z Das kostbarste und prachtigste Barometer, das Lichtcnderg je gesehen, und das vielleicht je gemacht wurde, war das zu London in Cvzes (eines berühmten reichen Künstlers und Juwclcnhändlers) Museum. Lichtcnberg hat damahls — im Jahr 1775, dem Hofrath Kästucr eine Nachricht nach Göltingcn geschickt, und dieser ließ dieselbe in die Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen (Jahrg. 1775, St. yz.) einrücken. —. Das Cabinet war in einem großen Saal aufgestellt, der vorher ein Tanzsaal war. In der Mitte stund ein Tempel, der aus sechs korinthischen Säulen ruhte — deren Stamm von braunen Holz und oben die Verzierung und das Laubwerk mit Elfenbein ausgelegt war. In der Mittt dieses Tempels hing nun das Barometer, daS Zoo Pfund Quecksilber enthielt. So wohl die gläserne Schüssel, in welcher sich dasselbe befand, als die große dicke Röhre, in welcher es stieg und fiel, waren an Ketten D 2 144 7- Abschnitt. gehängt. Fiel das Barometer, so vermehrte sich das Quecksilber in der Schüssel, und sie sank sammt den Ketten, an welchen sie hing. Stieg hingegen das Barometer, so wurde die Rohre schwerer und nun sank diese mit den Ketten, an welchen sie hing, und die Schüssel siieg mit ihren Ketten. — Durch dieses Steigen und Sinken der Ketten wurde eine, oben am Tempel angebrachte Uhr, durch einen künstlichen Mechanismus von selbst aufgezogen, ohne daß sich Jemand darum bekümmern durfte. Man nannte deßwegen diese Uhr ein Perpetuum mobile. Außerdem — um dieß im Vorbeygehen anzuführen, zeichnete sich in diesem berühmten Cabinet noch folgendes aus. Erstens, ein aus Metall gearbeiteter, stark im Feuer vergoldeter Elephant, mit einem durch lauter Ringe und Rader zusammengesetzten Rüssel, mit welchem er durch bloßen Mechanismus, Aepfel und andere Dinge aufhob. Zmeytens: Bäume, auf welchen Von der Luft. §. »6n. ,6r. »45 Schlangen herumkrochen, und Bullantcn wie ein Kopf groß hingen. Ferner, ein großer, ans Silber gearbeiteter Schwan, an dem man von Ferne durch den matten Silbcrglanz und Falten, die Federn ruhen und sich sträuben sah. Auch in der Nähe mußte man die feine Fcdcrarbcit bewundern. Durch einen bloßen Mechanismus schlug er mit seinem Schnabel den Takt zu einer Musik, die auch mechanisch war, drehte seinen HalS auf und nieder, wandte sich gegen einen Spiegel, der vor ihm stand, und zog sich über fein eigenes Bild erstaunt schnell zurück. Endlich das Bild 'es Königs und der Königinn. Jedes Bild hatte eine Strahlenglorie um sich, und jeder Strahl bestand aus einem sein gewundenen Glasröhrchen, deren längstes et» wa 4 Fuß lang war. Alle diese Strahlen drehten sich durch eine» eigenen Mechanismus um ihre Achse, und da hinter den Bildern, bald ein rothes, bald ein gclbeS, bald Sg5 7. Abschnitt. ei» grünes Licht angebracht war : so wurde dieß mannigfaltige Licht, von den sich umdrehenden Älasstrahlen aufgefangen, und herrlich refraktirt. Na die Strahlen schraubenmäßig gewunden waren: fo wallte an jedem Strahle das Licht allmählig immer harmonisch hoher, so wie er nch drehte. Das war ein rechter Bauern-Himmel Man glaubte in ein Zimmer zu kommen, wie sie in tausend und einer Nacht beschrieben werden. — Uebrigens ließ Coxe diese Kunstwerke für Ostindische Nabobs ver-" fertigen. Allein sie blieben ihm zurück. Und da erhielt er die Erlaubnis eine Lotterie darüber anzukündigen, und sie vorher zur Schau auszustellen. Die Ent. ee betrug g Schilling. Alles war zwar im chinesischen Geschmacke, aber mit enormer europäischer Kunst gearbeitet. Ein Baromergraph ist ein Barometer, der seine Veränderungen zugleich selbst aufzeichnet, und, darnach man ihn cin- Von der Lust. §. 260. 261. «47 richte, Monathe oder Jahre lang sein Register darüber führt. Es ist um solche Ba- romctcrgraphen eine gar gute Sache. Es können sich nähmlich z. B. um Mitternacht große Veränderungen am Barometer zutragen , die Niemand beobachtet. Lichtcnbcrg hat ein solches Barometergraph zu London im Zimmer des Königs gesehen, das ungefähr folgende Einrichtung halte. Auf eines Heberbarometcrs Quecksilber ^ (Fig. 4Z.) ruht das Stift ö, eben so wie bey dem Hookfchcn Radbarometer das Gcwichtchen. Der Stift ist an einigen Stellen in Ringe eingcklappt, damit er nicht hin und her wackeln kann. An der Spihe dieses Stifts bey E ist ein Vlcystist horizontal angebracht, das die Verschiedenheiten des Barometers anzeigen würde, wenn man das Barometer in einer gleichförmigen horizon. talcn Richtung langst der Wand, hin und her führen würde; denn fiele das Barometer, so würde das Vlepsiist höher, und siic- «48 ?. Abschnitt. ge es, so würde es liefer anschreiben. ^ Anstatt nun das Barometer hin und her zu führen, ist folgender Mechanismus angebracht. Es ist mit einem Uhrwerke ein Rad verbunden, welches eine Scheibe, deren Centrum L ist, mit sich herumführt. Nachdem nun das Barometcrregisier langer oder kür» zcr in einem fort geführt werden soll, bekömmt das Rad die Einrichtung, daß es sich in einem Monath oder in einem Jahr ein Mahl herumdreht. Diese Scheibe dient nun dem Barometerstift zur Wand, an welcher es feine Veränderung, wie z. V. bey k auf'eichnet. Theilt man die Scheibe in 12 Theile ein, und dreht sich dieselbe in einem Zahr herum, so kann man den Barometerstand in jedem Monath vergleichen. — Das Stift ist nicht das schicklichste Instrument zum Aufzeichnen. Es kann stumpf werden, oder zuweilen gar nicht schreiben. Deßwegen hat Changeux eine Art von Hammercheg angebracht, das jfde Sekunde Vsn der Lust. §.260. sSi, 249 SAf eine Nadel schlägt, welche so ans der Scheibe Löcher macht, nach welchen man denn hernach leicht.eine Linie ziehen kann. — Man kann das nähmliche Papier auch im zweyten Jahre aus der Scheibe lassen, und darf nur ein anderes Vlepstist anbringen, oder die Linie mit einer andern Farbe ziehet!: so kann man aus den Gränzen, wo sich die verschiedenen Farben kreuzen, den Barometerstand beyder Jahre schön vergleichen. — Man sieht also, waS es für ein herrliches Ding um so ein Baromc- tergraph ist! Man kann eine Menge von Beobachtungen durch mehrere Jahre leicht vergleichen, und so vielleicht aufGcsche der Varometerveranderungen kommen. Siehe darüber Gothaisches Magazin, I.Th. S. rvL. §. 262. Verfertigung der Barometer. Die Anweisung dazu gehört nicht in die Physik. — Bey den gewöhnlichen Ba« 7. Abschnitt. rometern ist freylich nicht viel an der genauen Calibrirung der Röhre gelegen; wohl aber bry dem Delücschen, bey welchem alles in allen darauf ankömmt. §. 26z. Man 0 - oder Dafymeter Ist ja mit dem Barometer nicht einerley. Was das Manometer zeigt, kann kein Barometer zeigen. Er zeigt nähmlich, wie, und um wie viel, die Luft verdichtet worden ist. Das Varignonsche Manometer taugt gar nichts. Würde sich z. B. unsere Atmosphäre in inflammable Luft, die sich in Ansehung der Dichtigkeit zur gemeinen, wie i : 15 . verhalt, verwandeln, aber ihr Gewicht, in Summa nähmlich beybehalten: dieses Manometer würde völlig stehen bleiben, und nicht die geringste Veränderung angeben. Vo» der Luft, §. 26z. Das beste Manometer bleibt noch immer das Guerickische. Man bediente stch dazu, der so äußerst empfindlichen Nams- dcnschen Waage. (Siehe ites Bä.ndch. S. i8l,) An dein einen Ende des Waag- balkens hängt eine große Glaskugel, an dem andern ein so kleines Gegengewicht als möglich, also von Bley. Dieß verliert soviel von seinem Gewichte, als die Luft wiegt, welche sie ans der Stelle treibt, u. s. w. Von der Gerstner sehen Lustwaa- ge wurde das Buch nebst dem Kupfer herumgegeben. — Grub er hat auch ein sehr schönes Manometer angegeben. Siehe darüber Grcns älteres Journal IV. Seite 75-,. *) ') Von dem Kramp schon Manometer, das in dein gewöhnlichen Nicholsonsche» Aräometer bestehr, auf den Fall angewendet, wo der Körper, dessen specifische- Gewicht untersucht werden soll, die äußere Lust ist, konnte bis zum Iahe 2796 noch 2j2 7 Abschnitt. Mit dem Manometer kann man auch sehr gut die Höhen der Berge messen. Vom Schalle. Wieder ein Abschnitt, der nicht ganz am rechten Orte steht. *) nicht die Rede seyn, eben so wenig, als vom Sa » ssüre - B e r t h o l l c t s ch e n, das zugleich die Veränderungen in der Eia« stienät .und in der Zusammensetzung einer gegebenen Lnftmcnge zeigt. Siehe über das erstere H i n, d eN b nr g s Archiv der reinen und angewandten Mathematik, 2 Vdc. Utes und icrtes Heft; und über da-l letztere V : l b e r tS A n n al c >1, B. 07, p. 121. ") Ch ! a d n i siegt: ,,Es sollte nähmlich die Klanglehre nicht? wie gewöhnlich, bey der Lehre von der Lust abgehandelt werden; den» j'der andere elastische Körper kann ebenfalls' klingen, oder einen Klang forllei- tcn; es würde also schicklicher seyn, sie bey der Lehre von der Elasticität, oder von den Pendelschwingungen, oder bey der Lehre Von der Luft. §, 264. zzz Er gehört nur in so ferne in das Kapitel von der Luft, in wieferne diese, theils selbst ein schallender Körper, theils ein sv vorzüglich fchallfortvflanzender Körper ist. §. 264. Begriff vom Schalle. Wenn man zwey Körper an einander schlägt, fo gerathen sie dadurch in eine gewisse zitternde oder schwingende Bewegung. Diese Bewegung veranlaßt in unserm Gehörorgan eine Emvfinhung, und diese Empfindung nennt man den Schall. Die zitternde Bewegung bemerkt mau am besten. von der Bewegung überhaupt, vorzutragen, indem jede mögliche Bewegung entweder fortschreitend,, oder drehend, oder schwingend lmmuz progiwüivus, r»w.icu!U5 , vi- bi'-uorius) ist, unter welche letztere Art der Bewegung jeder Schall »nd Klang gehört.'^ Hindenbnrg Archiv, rtes Heft, 1794. Seite >.25. 25» Abschnitt. z. B. bey einer milWasser gefüllten Schale, an welche man schlag!; bey einer an einem Ende befestigten Stah lfedcr, deren anderes Ende man zur Seite legt, und wieder los laßt; bey einer gespanntenS alte, die man in der Mitte angreift, und loslassend — in die Hohe zieht. Schall, das Genus von allein, ist also jede hörbare Bewegung zweyer Gegenstände gegen einander. — Diese Bewegung kann entweder unregelmäßig oder regelmäßig seyn. Jene nennt man ein Geräusch (Getöse, Gcmurmxl, u. f. w.) Diese aber, bey welcher immer in gleichen Zeiten gleich viele Schwingungen erfolgen, einen Klang. Geräusch ist also jede Art von Schall, der durch unregelmäßige Erschütterung entsteht; Klang hingegen ist derjenige Schall, der durch regelmäßige Erschütterung hervorgebracht wird. — Ton ist Klang in Rücksicht aufHöhe und Tiefe, also in Absicht auf Spannung. Von der Luft. §. 264. 255 Da das Wesen des Schalles in einer hörbaren Bewegung zweyer Gegenstände gegen einander besteht, so crgiebt sich daraus von selbst, daß er nur unter folgenden Bedingungen möglich sey: ikeas, daß zwey Körper gegen einander beweget werden, und daß 2lenF, diese Bewegung auf irgend eine Art bis zu unserm Ohr fortgepflanzt werde. Z. 265. K o rt p fl a nz u n g s m i t t c l des Schalles. Daß die Luft, da sie ein so äußerst elastischer Körper ist, ein ganz vorzügliches Fortpflanzungsmittcl des Schalles sey, ist wohl über allen Zweifel gewiß. Aber nur muß man nicht glauben, daß sie das einzige Fvrtpflanzungsmittel desselben sey, und daher das Wesen des Schalles nicht schlecht- -Sö 7. Abschnitt. weg, wie Ergleben thut, in der BcwegunK der Luft suchen. Nahmentlich pflanzt das Wasser den Schall außerordentlich sort. Frank! in ließ eine englische Meile 52Z0 englische Fuß, laug, unter der See Kiesel zusammenschlagen, und hörte den Schall sehr nahe. Man braucht ja nicht den Kopf unker das Waffer zu flecken, sondern kann Instrumente dazu brauchen. — So pflanzt auch das Holz den Schall fort. Wenn man mit einer Nadel an einen Mastbauin kräht,, und das Ohr an die entgegengesetzte Seils halt: so hört man den Schall. Hier kann doch wohl nicht die Lust die Ursache davon seyn. — Eben so ist auch das Eis ein vortreffliches Fortpflanzungsmittcl des Schalls. Es ging einmahl Jemand auf der Newa bey Petersburg aus dem Eise spazieren. In Kronstadt wurden Kanonen gelöst. Er hörts dieß vermittelst des Eises, zuerst in einem wilden, zischenden Getöse. Spater erst kam Von der Luft. §. 2kZ. 2Z7 der ordentliche Schall durch die Lust nach. Halte man nun die Kanone können abfeuern sehen: so häkle man recht schön berechnen können, um wie viel der Schall durch das Eis schneller fortgepflanzt wurde, als durch die Lust. — Die Nachricht hievon findet sich im zten Bande der Edinburger 1rgU8ULtio»s, unter dem Titel: Guthrie's Abhandlung über das Klima von Ruß- land. Frank lin glaubt sogar, daß der Schall auch im luftleeren Raume fortgepflanzt werden könne. „Der Versuch unter der Lustpumpe — sagt er — beweist nichts. Ihr wißt ja nicht, ob darinnen kein Schall war; ihr habt ihn nur nicht gehört. Vorhin drückte oben und unten die Atmosphäre die Luft. Jetzt fallt das weg. Es ist gerade so, als wenn man eine Glocke mit der Hand anfaßt. Wenn man die Luft stark verdichtet, so schallt es ja eben so wenig- Hier sollte es doch starker schallen; allein R SF? 7. Abschnitt. gerade umgekehrt." — Man hak diesen! Einwurf — über welchen man ja nicht spotten muß — mühsam vorzubeugen gesucht , und deßhalb einen eigenen Apparat für cne Luftpumpe erfunden, um ihn zu widerlegen. Aus der großen Glocke ^ (Fig. ch,;.) wird die Luft weggenommen; in der kleinen L befindet sich Luft, und ein metallenes Glöckchen E, das vermittelst deS Stiftes ch>, in Bewegung gesetzt werden kann. Man hört nichts von einem Schall. — Allein Franklin antwortete: Dieß hebt meinen Einwurf gar nicht ; die Sache ist ja noch immer wie vorhin; die Glocken find noch immer genirt. Z. »66. Schallende Körper. Die Körper, welche durch ihre Bewegung gegen einander Schall erregen, wer- Bon der Luft. §. 2S6. 25g den schallende Körper genannt. Die Luft, als ein so ausnehmend elastischer Körper, behauptet auch unter diesen einen vorzüglichen Rang. Aber da alle Körper Elasticität, mehr oder weniger besitzen, so sind auch alle, mehr oder weniger schallende Körper. §. 267. Wie die zitternde Bewegung dex Körper zu unserm Ohr gelangt. Um die Fortpflanzung der zitternden Bewegung eines schallenden Körpers durch die Luft zu erklaren, nimmt man an, daß durch die Schwingungen desselben die umgebenden Lufttheilchcn u. s. w. abwechselnd zusammengedrückt werden, und sich vermöge ihrer Elasticität wieder ausdehnen; bis sie endlich unser Ohr erreichen. — Uebri- geizS findet dieß nach allen Seiten und R 2 a6a 7. Abschnitt. Richtungen Statt, so, daß man sich den schallenden Körper immer in einem Mittelpunkte denken muß, von welchem aus, der Schall sich in eine Kugel verbreitet. — Da eine Bewegung, wie die beym abwechselnden Zusammendrucken und Ausdehnen der Lusttheilchen, eine wellenförmige heißt? so werden die Lusttheilchen, wo sie immer am dichtesten sind, Schallwellen genannt, deren Aehnlichkeit mit den Was- scrwctten man übrigens nicht sehr urgire» muß. — Wie die übrigen Körper den Schall fortpflanzen, weiß man nicht. Die Bewegung des schallend en Körpers besteht nicht in einem Zittern der kleinsten Theilchen desselben. Diese Entdeckung verdankt man Herrn Chladni. Er hak auf das deutlichste bewiesen, daß nicht nur bey klingenden Saiten / sondern auch bey klingenden Ringen, Glocken und Stäben, während ihres Klanges gewisse Stellen dieser Bon der Luft. §. 2S7. sSx Körper ganz unbewegt bleiben, und daß um diese herum die übrigen Theile so os- cilliren oder schwingen, daß diese Schwingungen auf beyden Seiten der festen Stellen oder Schwingungsknotcn nach entgegengesetzter Richtung gehen. —> Wenn man also eine Glocke anschlägt, muß man ja nicht glauben, daß der ganze Cirkel schwinge; es schwingen nur gewisse Stellen. — Chladni hat auch gezeigt, wie man die Schwingungsknvten sichtbar machen kann, Gs wird auf lange Glasplatten seiner Sand gestreuct, und dann werden die Platten mit einem Violinbogen, nach gewissen Regeln/ bestrichen. — Wenn man mit einem solchen Bogen ein mit GlaS gefülltes Wasser nach gewissen Regeln bestreicht, kann man nicht nur am besten die zitternde Bewegung des Glases am Wasser sehen, sondern sich auch von den Schwingungskno- len, bey einem schallenden Glase, Glocke, u. s. w. überzeugen. i-62- Abschnitt. Aus Chladnis Versuchen widerlegen sich auch am besten die Beweise, welche mau für die zitternde Bewegung der kleinsten Theilchen gibt. Man sagt z. B. wenn man eine Zange aufschlagt, so sieht man die Schwingung, hört aber nichts; halt man hingeg-m etwas daran, so hört man gleich den Schall. — Allein jetzt entstehen ja viel schnellere Schwingungen, da die Schwlngungsknoten durch diese Berührung verändert, und dadurch die schwingenden Theile verkürzt werden. Ucberhaupt ist Chladnis Buch: „Entdeckungen über die Theorie deS Klanges, Leipzig 1787, 4." ein Meisterstück, uns verdiente besser bekannt zu werden. *) Hatte ") Ein neueres Werk voll eben dein Verfasser ist - Die Ak 11 stik? bearbeitet von E. Fl. Fr. Chladni, der Philosophie und Rechte Doktor, Lcipz, 1802, z-, und zic, S. 4 , mit >2 Kupfertaf. Siehe A. L. Z. IAZ- — Etwas älter ist eine schätzba- Won der Lust. §. 267. »s.z kill Engländer oder ein Franzose solche Entdeckungen gemacht: wie wurde man da gejubelt haben! — Dieser Chladni ist derselbe, der auch der Erfinder des Euphons ist, und der Behaupter, daß die großen Klumpen von Eisen, die in Sibcrien und Südamerika gefunden ivurden, Sternschuppen wären. Z. -68. Zeit zur Fortpflanzung des Schalls. Der Schall pfianzt sich in einer Sekunde ic>z8 Pariser Fuß weit fort. Dieß ist eine der wichtigsten Angaben» Wie man zu re Abhandlung in den Gilbertsch-n Annalen, Jahrg. rpoö. z. ,»id a. Stuck : U n- ter such 11 ngen über Schall u n » Licht, von Th. Aoung; bearbeitet vom Direktor Bieth in Dessau. 2^4 7. Abschnitt. solchen Angaben kommt , läßt sich leicht begreifen —> mittelst Kanonen und Tertien- Uhren. Fe weiter die Entfernung, desto basier. — Die Lichtcnbergischc Tertien-Uhr war vom jungen Ahrms in Hanover, und kostete 8 Louisd'or. Wer sich so kostbare Instrumente nicht anschaffen kann, der muß sich auf andere Art, z. B. mit Zahlen helfen. Fr an kl in hat dazu den Vaterunser vorgeschlagen. Zu so einem profanen Gebranch wollte Lichtenberg denn doch nicht rathen. Er schlug deßhalb vor, sich anzugewöhnen, in einer Sekunde so schnell als möglich, bis auf io zu zahlen. Hat man bis ans A gezählt, so hat man gerade eine ha 'be Sekunde oder Zo Tertien. Lichtenberg überzeugte sich aus verschiedene Art von der Richtigkeit der obigen Angabc, über die Fortpflanzung des Schalls in einer Sekunde. Vor seinem Gartenhause außer dem Wehnder Thore (in Göttingen), Von der ?uft. Z. -Z?: 265 konnte er recht gut mit einem guten Tc- lescop, den Hammer von der Uhr auf dem Jakobithurm sehen. Wie sich der Hammer hub, hielt er den Finger auf die Tertien- Uhr, und sobald er den Schall hörte, nahm er ihn wieder weg, und erwarb sich durch mehrere solcher Beobachtungen eine große Fertigkeit. Vom Jakobithurm bis zu seinem Gartcnhanse sind 2yZZ Calcnbcrgcr Fuß --- 26487'? Pariser Fuß, und die Zwischenzeit betrug immer 2 Sekunden und z6 Tertien. Es kamen folglich auf die Sekunde 1118 Fuß. Eben so ist vor seinem Gartenhaus« eine freye Aussicht nach FederSruhe — wie man in Gcttingen das Kartenhans des Hofraths Feder auf dem Hainbcrge nannte. Da ließ er Kanonenschlage anzünden, beobachtete mit einem guten dahin gerichteten Telescop die Flamme derselben bey ihrer Entzündung, und zahlte die Zeit, welche von dem Moment, in welchem er die obb 7. Abschnitt. Flamme erblickte, bis zu dem Momente verstrich, in welchem er den Knüll hörte. Bendavid aus Berlin, war seyn Mitbeobachter. Beym ersten Versuche zählten sie 4 Sekunden 14 Terzien; beym zweyten 4 Sekunden iL Tertien. Nach einiger Zeit maß die Distanz zwischen den beyden Gartenhäusern Hogreve mit dem königl. Prinzen, und fand die horizontale Fläche 4880 Kalenberger Fnff, — 4Z92 Pariser Fuß. Nenn sich nun der Schall in einer Sekunde 10Z8 Fuß weit fortpflanzt: so kommen 4 Sekunden und 14-^ Tertien heraus. Dieß ist doch sehr genau! Immerhin mag auch der Zufall etwas dabey gethan haben. Eine andere Probe stellte der Ingenieur-Major Müller zu Göttingcn an. Er maß eine Strecke vom Hainberg bis zur Dreckwartc, einmahl mit einem Kano-- nenschlag, und der Tertien-Uhr, und dann mit der Klafter. Das erste Mahl brachte er Von der Luft. §. 268. 2^7 7 Sekunden.54 Text en heraus; das zweyte Mahl Z2Lz Fu?. Also pflanzt sich nach dieser Beobachtung der Schall in einer Sekunde 10,40 Fuß weit fort. Von welch' a u s g e b r e i t c tem N ut- zen die beobachtete Fortpflanzung des Schalls in einer Sekunde sey, und welche angenchme Anwendungen sich davon machen lassen, ist kaum nöthig anzuführen. Die Welk um sezier können dadurch bestimmter die Größe einer Insel angeben. Bisher geschahen alle diese Angaben nur nach dem Augenmaße. Ein Bataillon Soldaten kann man unmöglich zu gleicher Zeit abfeuern hören, wenn ste gleich nach der besten Taktik epcrzirt worden sind; ja waS noch mehr ist, wenn sie auch wirklich zu gleicher Zeit abfeuern. Sie werden ja mit der Stimme kommandirt, und diese können sie ja nicht Zu gleicher Zeit hören, weil sie nicht in ei- nem Kre-sbogen stehen, und der komman- :6Z 7. Abschnitt. dirende Offizier sich nicht im Mittelpunkte desselben befindet. Aber stunden sie auch in einem Kreisbogen, und wurden sie z. B.mit einer Fahne kvnunandirt: so befinden sich ja die Zuhörer nicht in dem Mittelpunkte des Kreises. Will man also die Soldaten zu gleicher Zeit abfeuern hören: so muffen sie in einem Kreisbogen, und die Zuhörer in dem Mittelpunkte desselben stehen. Ue- brigens versieht sich von selbst, daß dann such noch die Abfeuernng wirklich zu gleicher Zeit erfolgen müsse. Don vielfachem Ruhen ist die bcob» achtete Fortpflanzung des Schalls auch bey einem Gewitter. Jedermann weiß, wie viel eine Sekunde beträgt. Er darf nur seinen Puls fühlen, welcher in jeder Sekunde ungefähr einmahl schlägt. Nun wenn man nach dem Blich nur 1 Sekunde zahlen kann: so ist das Gewitter schon über 1000 Fuß rnlfcrnt, und man weiß also gewiß, daß man sich in keiner Gefahr befindet. Bey 2, Von der Lust. Z. -6?. 269 Z oder 4 Sekunden, weiß man, daß das Gewitter auch gar den Ort nicht treffen wird, in welchem man wohnt. — Wenn man aber den Blitz sieht, muß man ja nicht sagen : Eins, sondern: Null. Auch lassen sich Entfernungen, zwischen welchen ein Berg ist, oder wo ein Nebelwetter, oder sonst ein Umstand das Sehen der Flamme nicht gestattet, mittelst des Schalles recht gut messen; nur daß man freylich bey einem Berge nicht weiß, ob der Schall mehr durch die Luft oder durch den Berg hindurch fortgepflanzt wird, welches wirklich verdiente ausgemacht zu werden. — Man geht so zu Werke. Die zwey Partheyen, die zu einer solchen Messung erforderlich sind, und deren jede mit einer guten Tertien-ltt'r versehen seyn muß, vergleichen sich, ehe sie an ihre Standpunkte und ö gehen, und bestimmen genau die Zeit, zu welcher sie die Schall - Messung anfangen wollen- Nun 270 7. Abschnitt. wird also in die Kanone losaebratinr, und es drückt jemand an d-e Teilten- Uhr- Nun wird in U eine Kanone gelost, und sogleich der Finger von der Tertien - Uhr genommen. Sobald man den Schall hkcvvn m hört, wird auch der Finger von der Tertien-Uhr genommen, und nun vergleicht man sich. Ans jeden Fall ist es gut, den Versuch mehrere Mahle anzustellen, Auf eben diese Weise kann man auch die mittlere Geschwindigkeit einer Kugel gegen die Scheibe berechnen. In dem Augenblicke, da man den Schall vom Schu- ßc hört, oder die Flamme auf der Zündpfanne steht, drückt man an die Tertien- Uhr; in dem Augenblicke, da man den Schall vom Schcibenschlage hört, nimmt man den Finger wieder weg. Fehlt man um eine Tertie, so fehlt man freylich um z>7 Fuß. Aber ein Trost ist, daß, wo eS auf Meilen ankömmt, der Zehler auch nicht mehr beträgt. — Man hat gefragt, ob es Von dcr Lust. §. 26z. 271 bey Schühenhöfen und dergleichen, nicht eine Stelle gibt, wo der Schall vom Schüfe und dcr Schall vom S6 eibcnschlage zugleich gehört werden kann! Die Antwort darauf ist: Ncm. Der Schall vom Schusse ist nähmlich dann schon weil voraus, warm die Kugel in die Scheibe schlägt, und der Schall davon kann den ersten Schall nicht mehr einhohlen. Selbst noch kleinere Distanzen lassen sich mittelst des Schalles messen. — In der Musik kann man kleine Räume ausserordentlich leicht beHallen. ' Eben so auch beym Schalle überhaupt. Man nimmt 20 zusammen, und dividirt dann mit 20 so ha! man 1, z. B. wenn die Zimmerleute Nägel auf den Dächern einschlagen. Auch kann man die Tiefe eines Brunnens, nach dem Schalle eines hineingeworfenen Steins berechnen. Die Aufgabe ist die: Wenn man einen Stein in einen Brunnen fallen lässt, aus der 27- 7. Abschnitt. Zeit, zwischen dem Momente, da man den Stein fallen laßt, und dem, da man den Schall hört, die Tiefe des Brunnens zu berechnen. Es sey die beobachtete Zeit — io Sekunden: so ist dieselbe natürlich auS folgenden zwey Zeitmomenten zusammengesetzt: erstens aus der Zeit, welche der Stein zum Hinabfallen in den Brunnen, und zweykens aus der Zeit, welche der Schall zum Heraufkommen aus dem Brunnen braucht. Da sich die Höhen des F o. l- lcs, wie die Quadrate der Zeiten verhalten, und also die Zeiten, wie die Quadratwurzeln der Höhen : so ist die erstere Zeit — — — und eben so die ' tL,09L. zweyte Beyde Formeln zusammen addirt, geben also für die Tiefe des Brunnens — x, folgende Gleichung: Von der Luft. §. 26z. 27z x x ' 15,09z ^ ioz8 ") Um diese Gleichung aufzulösen, fetze man 15095 oder die Fallhöhe eines Körpers in einer Sekunde, in Pariser Fnß -- g, 10Z8 — c und ro — X X m : so erhält man ^ ^ 4« ^7° --- in; oder 2-- m — x durch Versetzung; oder — m» V 2 M X Z' X ^— 4« ^ wenn man auf beyden Seiten quadrirt; oder ^ -- 2 mX X >2 m- 4, —durch Ver- /^X>2 X setzung; also ^ — m 2MX X 2MX 5 oder»- 4« - S 7-74 7. Abschnitt. §. 269. Modi ficirung der Fortpflanzung des Schalles. Der Schall wird durch Wärme und Kälte, und durch den Wind sehr modi- c x 2 mx m-; oder —77 4« T" " wenn man die beyden ersten Brüche auf einerley Bcuennung bringt; oder — - — 4< 2 m — —in»; oder (7 >4 2 in) . 7 --- in -; also (Ä ^(^4-^)' folglich (7)'- (-m 4. 7) 7--^ W »; durch Versetzung ; ddrr Von der Luft. §. 269. 27Z ficirt. Allein das erste ist sehr unbeträchtlich. Bianconi fand bey Bologna, daß - (2m 4< (m 4- - — m- ^ (m 4- Wenn man das Quadrat completirt, und auf beyden Seiten addirt; oder (Ä ^ (2 m 4 4 e >2 MC L» lIN 4- " ) 4- , Wenn man auf der rechten Seite das Addirte wirklich ausdruckt; oder ^ ^ c c "> beyden Seiten die Quadratwurzel auS» S s 2?S 7. Abschnitt. der Schall bey s3° Neanm. in einer Strecke von zo Meilen, 76 Sekunden brauchte. — Beträchtlicher ist die Modifikation durch den Wind. Allein man muß sich dadurch nicht abschrecken lassen. Bey andern Vcrsu- x zieht, und bedenkt, das kleiner als in ist ; oder x / /-mc c ^ ^ durch Versetzung; also ° «; oder in obigen Zaß« Im ausgedrückt, x , '^8 lv 4< "7—77777- — ^ »oz8 " 2. 1^,095 / » 6-8 ° 10. io?8 x Von der Lust §. i6?. 277 chen hat man noch viel größere Schwierigkeiten zu überwinden. Und diese Modifikation findet nur dann Stakt, wenn der Wind dem Schalle geradewegcö entgegen ist. Aber wenn beym stärksten Westwind der Schall in die Ouere kömmt, so thut dieß nichts. De la Caille fand, daß neun der Schall sich bey ruhiger Luft Sekunde verbreite, er bey starkem Winde^ — io Z4,Z82 — (I IZS, lZg 4< 667,64z) — 64,532 — »869,78z --- 44,Z82 — 4Z,-.jo s-- »,»42 ; also x 1,14- . ,oz8 ---- 1» 85,^96 Pa- riser Fuß. So tief würde also der Brunnen seyn; der Schall brauchte zum Heraufkommen 1,142 Sekunden; und der Stein zum Hinabfallcn 8,858 Sekunden. Siehe malh. Abhandl. vermischt. Inhalts, von Abrah-. Gotth. Kastner» Erfurt l?94, 4» !-7S ?. Abschnitt. der ihm entgegen war 8Z Sekunden dazu brauchte. AufzLooo Fuß macht es gerade 2Zoo Fuß, oder in einem kürzern Verhältniß auf 24 Fuß, i Fuß. §. 270. Intensität des Schalles. Der Schall nimmt ab, wie das Quadrat der Entfernung zunimmt. Man denkt sich deshalb dse Schall- strahlen, wie die Lichtsirahlen. Auch spricht man nach der Analogie, von Schallwellen (§. 267), von einem Schaltkreise, und vergleicht denselben mit dem Wellenkreife eines ins Wasser geworfenen Steins. --- Wenn L (Fig. 45.) ein Damm B. in einem großen Teich wäre, und in der Mitte bey E eine Oeffuung hätte: so würden sich, wenn man bey l) einen Stein ins Wasser würfe, die Wellen desselben so bilden, wie die Figur darstellt- Stünde abex Von der Luft. §. -70. 27s in 5 ein Pfuhl, so würden sie sich so bilden, wie Fig. 46. zeigt. — Und eben so verhält stch's nun auch mit dem Schalle Aber sonst ist cin großer Unterschied zwischen den Schallkreisen und den Wellen« kreisen eines inS Wasser geworfenen Steins. Bey den Steinen verhalten sich die Geschwindigkeiten, wie die Quadratwurzeln auS der Breite der Steine. Aber nicht so bey dem Schalle. Schlagt man mit einem gro« ßen oder kleinen Hammer irgendwo auf, so hört man den Schall immer zu gleicher Zeit. Dieß ist auch ein großes Glück für die Musik. Sonst würde man z. B. in einem Garten den Baß immer eher ankommen hören, als den Diskant. Und es wäre dann eine fatale Sache mit dem Noten« sitzen. §- 271. Vom Echo. Der Schall befolgt genau die Gesetze hex Reflexiyn des LichtS. Mau kann als? zZo 7. Abschnitt. die Wand, r-on welcher er zurückgeworfen wird, einen akustischen Spiegel nennen. Aber sonst gibt es viele Schwierigkeiten. So geben neue Gebäude ein viel schlechteres Echo, als alte Mauern. Dieß läßt stch indeß aus verschiedenen Ursachen begreifen; vorzüglich aus der Holprigkeit der alten Mauern. Büsch rechnet auch viel auf die Luft, die zwischen den Höhlungen derselben enthalten ist. Zu Leipzig vor den Ramstädter Thor ist ein berühmtes wiederhohlendes Echo. Dieß läßt sich aus dem nahe stehenden Häusern erklären, von welchen die Schalllinien zurück geworfen werden. In Altdorf, dem Observatorio gegenüber, ist auch ein sehr berühmtes Echo. Auf rzo Schritte wirft es das Wort om- uia ; auf szo responste midi, auf Z40 re- zxoncke will! cito , und auf Zgo resxon- midi cisissime zurück. Ein Jrländer, vielleicht derselbe, der bey der P^ulskirche in London fragte, ob die- Von der Lust. §. 271. 281 ft Kirche wohl in England verfertiget worden ftp — sagte einmahl in einer Gesellschaft, in welcher von berühmten Echos gesprochen wurde : O! bey mir gibt es wohl viel bessere Echos; wenn man da in ein Haus kommt, und fragt: Wie befinden Sie sich? so antwortet es : Ich danke für das gütige Andenken — recht wohl. Hiehcr gehört auch die Bauchredner e y — die bey allen Marionellenspielen Statt findet. Lichtenberg hatte im Jahr 1789 einen Bauchredner (Veutriloczuris) ans seiner Stube. Er p?ar ein Gärtner seiner Prosession nach, verstand sich aber auf das Bauchreden so gut, daß er ihn betrog, ungeachtet er von ihm betrogen seyn wollte. Er machte seine Versuche mit einer kleinen Puppe. Beym Lachen umarmte er dieselbe, damit man ihm nichts an dem Gesichte kennen möchte. — Das menschliche Ohr kann sehr schlecht von Lagen urtheilen. Wenn ^ statt ö sprä- ZS« 7. Abschnitt, che, rührte aber den Mund nicht, Z hingegen bewegte den Mund: so würde Jedermann glauben, L s-rechen. So sieht man sich auch, wenn man eine» dicken Manu, sein sprechen hört, um, und meint, es sprä- che Jemand anderer, weil man von ihm eine Baßstimme erwartet. Es ist fast gerade so, als wenn man des Abends in ein Spiegelzimmer ginge, in welchem eine Person säße. Mair glaubt eine ganze Gesellschaft zu erblicken. Käme nun diese Person rückwärts zurück: so würde man gewiß jemand Andern für die rechte Person halten, weil es doch nicht Sitte ist, daß man Jemanden auf eine so negative Art in Empfang nimmt. §. 272. Sprachge wölbe. Auf die Eigenschaften der Ellipse und auf die Gesetze der Reflexion der Schall- Voil dee Lnfr Z. 272. aijz strahlen, gründen sich die S p ra chg e w ö l- b e. — Eine Ellipse entsieht, wenn man einen Kegel schräg durchschneidet, so wie der parallele Durchschnitt demselben mit einer seiner Seiten, die Parabel, und mit feiner Ape die Hyperbel gibt. Sie besitzt die Eigenschaft, daß asle Schallsirahleu, die aus einem Brennpunkte derselben herkommen, so resiektirt werden, daß sie wieder in dem andern Brennpunkte derselben zusam- flien kommen. Kann man nun einem Gewölbe eine elliptische Form geben, so muß es auch in demselben zwey Punkte, ^ und L geben, von welchem alle Schallsirahlen nach dem Andern resiektirt werden müßen. Wenn nun Zemand in sehr leise spricht: so kann man ihn bey L doch gut versiehe» Wer aber a» einem andern Orte stunde, würde nichts hören. 7- Abschnitt. §. 27Z —276. Sprachrohr (lubu 8tei.toröu)- Der Schall nimmt ab. wie das Quadrat der Entfernung zunimmt (§, 270.), aber in cplindrischen Röhren kann man ihn sehr weit fortpflanzen, wie ans Fig. 47. deutlich genug erhellet. Wenn man daher eine Taschenuhr in die Mündung einer Kanone legt, und das Ohr an das Zündloch halt: so hört man sie sehr deutlich schlagen, so deutlich, als wenn man sie dicht an dem Ohr hätte. — Lichtenbcrg rielh einmahl einem seiner Zuhörer, mit den Röhren von Weifsenstein (jetzt Napoleon shö he) bey Kassel, ähnliche Versuche anzustellen; — und er fand es bestätiget. Man könnte solche Röhren in den B e- dientenstubea anlegen, und sich derftl- Voit der Litft. Z. »75—276. bcii stakt der Glocken bedienen/ auch in den Gefängnissen. — Die Kerls, die mit den C i rero s kö-.-> pfen, u. s. w. herumziehen, hängen ganz von diesen Rohren ab. Es ist unglaublich, welche Revolutionen ste deßhalb mit dein Fußboden der Zimmer anfangen, in welchen ste ihr Gaukelspiel treiben wollen. Die Fortpflanzung dcS Schalls durch solche Röhren erstreckt stch natürlich nur so weit, als die Länge der Röhren beträgt, wie ebenfalls aus Fig. 47. deutlich erhellt. So wie die Schallstrahlcn nach O resiektlrt werden, gehen ste nach der Richtung O L und !) b' auseinander, und ein Ohr in 6 würde nichts von ihnen vernehmen. Könnte man nun eine Röhre fo einrichten, daß die Schallstrahlen bev O parallel reflektirt werden müßten, so würde sich der Schall auch unabhängig von der Länge der Röhre, noch viel weiter fortpflanzen. Dieß ist nun daS Sprachrohr» 28k 7- Abschnitt. Man hat sich viel UM das Alte? der Erfindung der Sprachlehre gestritten. Ei» nigc wollen schon die Alten davon Gebrauch machen lassen. Sie berufen sich auf die Tuba, mit welcher die Alten ihre Truppen konimandirten. Doch dieß war wohl nur eine Trompete Denn bekanntlich kom- mandirte man Landtruppen nicht mit dem Sprachrohr. — Der Erfinder ist vielmehr Morland in England, von dem auch ein Barometer den Nahmen führt. Er machte die Erfindung um das Jahr 1670. Sobald die Erfindung gemacht war, gab man den Mathematikern das Problem auf, die beste Form anzugeben. Da kamen denn viele Vorschläge zum Vorschein. Die parabolische Form ist theoretisch unstreitig die richtigste. Die Parabel — welche entsteht, wenn man einen Kegel parallel mit einer seiner Seilen durchschneidet — hat nähmlich die Eigenschaft, daß alle Strahlen, die mit der Age derselben Bon der Lust H. 272—2,-6. 1S7 parallel einfallen, in einem Punk« in der Mitte des Halbmessers rcflektirt werden, welcher der Brennpunkt heißt; und wieder, daß alle Strahlen, welche aus diesem Brennpunkte auf die Parabel fallen, parallel zurück geworfen werden. Da man uun die Parabel fo spitz machen kann, als man will, so scheint sie sich wirklich am besten zu einem Sprachrohr zu aualifiziren, Mein man hat doch gefunden; daß kein merklicher Unterschied heraus kommt. Einmahl sind solche Sprachröhre schon sehr schwer zu verfertigen. Dann setzt die Parabel voraus, daß alle Schallsirahlen aus einem Punkte kommen, welches natürlich in der Prazk nicht der Fall ist. Man hat wohl ein elliptisches Mundstück angebracht : allein dem Uebel wurde dadurch nicht abgeholfen. Da kam denn endlich Lambert, und zeigte, daß, wenn man dem Kegel ein ordentliches Verhältniß seiner Höhe zur Basis gäbe, derselbe noch iznmer das beste Sprachrohr wäre» 2«8 7. Abschnitt. Man kann ohne Sprachrohr auf 400 Fuss hören. Nach dieser Bemerkung richtete er seine Angabe ein. Um doch ein Verhältniß zu kennen, mag man sich folgendes von Chladni merken. Oben, nach subjektivem Bedürfniß weit, ungefähr i^Zoll, unten 14Zoll im Durchmesser, und 4 Fuß hoch. Ferner von gut geleimten Pappdeckel und inwen» dig so glatt als möglich. Das Blech hat selbst wieder viele Schwingungen. Von welch' wichtigem Gebrauche übrigens die Sprachröhre seyen, besonders auf der See, bey einem Sturme, bedarf wohl keiner Erwähnung. §. 277- Hörrohr (luda aeustica.) DaS Hörrohr gründet sich ganz auf die Parabel. In gewisser Entfernung, wäre wohl die Ellipse besser. Bey Von der Lust. §. 277. 289 Thomson, Lichtcnbcrgs Sprachlehrer im Englischen, sah er ein Hörrohr, von der Gestalt, wie Fig. 48. es darstellt. Es war von Silber. Allein es ereignete sich damit der traurige Umstand, daß sich das Ohr, blos durch das leise Anhalten zu entzünden anfing, so daß er das Rohr ganz weglegen mußte. Er verfiel hernach aus die Vergrößerung der Ohren, durch das Flache beyder Hände. Und dieß mag Wohl das beste Hörrohr für solche seyn, die nicht ganz taub sind. Freylich sieht es nicht gut aus, und erinnert an den Freund Langohr. Aber Noth hat kein Geboth. —- Man hat auch von dünnem Pergament solche Ohren geformet. — Den Versuch kann man am besten mit einer Taschenuhr anstellen, die man aus einen Tisch legt, und sich immer weiter davon entfernt. «zo Abschnilt. 5- 27L. Andere F 0 rtpflanz un g s mi ttel des Schalles. ES war davon schon oben (Z. 265.) die Rede. Gründe der Musik- §. 279. Saiten. Um regelmäßige Schwingungen oder einen Klang (Z. 264.) hervorzubringen, bedient m n sich unter andern der Saiten. .Die Schwingungen derselben haben viele Seehnlichkeit mit den Schwingungen dcs Pendels. Deßwegen haben auch die Mathematiker ihee Schwingungen eben so berechnet, wie die Schwingungen des Pendels. Von der Luft. §. azs. L»i ZAi Z. 28o. Klang» Die Schwingungen einer gespannten Saite bringen einen Schall hervor, der sich durch eine größere Annehmlichkeit auszeichnet. Man nennt ihn einen Klang. Er unterscheidet sich von dem Geräusche dadurch, daß er durch gleichartige (gleich geschwinde) Schwingungen, die durch das Gehör oder durch andere Mittel bestimmbar sind^ hervorgebracht wird. (§. 264.) §. LZl. Klingende Körper. Nicht nur die Saiten, sondern noch viele andere Körper bringen einen Klang hervor. Man nennt sie klingende Körper. Chladni theilte sie in drep Klassen ein. Sie sind : T s -9» ?. Abschnitt. 1. für sich biegsam, aber durch S pannung elastisch; fadenförmige Körper dkser Art find Saiten ; membranen- förm ige stnd Pauken - und Trommelfelle. 2. ausdehnbar flüßig und durch Druck elastisch, wie die Luft, welche in den Blasinstrumenten der klingenden Körper ist. z. steif, und für stch elastisch, deren es zweyerlcy Gattungen gibt; an der einen stnd die Schwingungen line arisch, dergleichen gerade Stäbe, Gabeln, Ringe und andere, hauptfächlich nach der Länge ausgedehnte Körper wahrnehmen lassen; an der andern geschehen die Schwingungen nach gekrümmten Flächen, wie an Scheiben, Glocken, Gefäßen, u, d. gl. §. 2gz. Allgemeine SchwingungSgesetzc der Saiten. Die Schwingungsgeseße der Saiten stnd um so wichtiger, da von den Saiten nicht Bon der Lust. §. 2,5«. 29z nur ein so vorzüglicher Gebrauch gemacht wird, sondern auch alle übrigeu klingenden Körper sich gleichsam als Saiten gedenken lasse». Es richtet lich aber die Anzahl der Schwingungen einer Saite nach ihrer Lange, nach ihrer Spannung und nach ihrer Dicke, und das allg?. meine Gesetz derselben wird durch folgende Formel ausgedrückt: 8 V --- ^ z, , wo V die Schwingung der Saite I. die Länge der Saite ? das Gewicht der Saite, und 8 die Spannung der Saite bedeutet. Diese Formel stießt ans den Gesetzen der Elasticität harter Körper, und aus den Besetzendes Pendels. Aus jenen nähmlich ergibt sich welches hier freylich aus der höhern Mechanik po- ssulirt werden muß, da wir uns bey dex 294 7. Abschnitt. Elasticität nicht darauf eingelassen haben - dass f.-. v' oder, daß das Quadrat der Schwingungs- zcit ssl) einer Saite, gleich sey einem Bruche, wovon der Zähler ein Produkt aus dem Quadrate der Länge (l.) in das Quadrat der Dicke (O) der Saite, und der Nenner, die Spannung (8) derselben ist. Für diese Formel laßt sich setzen: I, . ? oder, das Quadrat der Schwingungszeit einer Saite, ist gleich der Länge derselben »nultiplieirt in ihr Gewicht, und dividirt durch ihre Spannung. Denn da die Saite «ine cylinbrische Gestalt hat, so ist rhr körperlicher Raum, und al!o auch ihre Masse oder ihr Gewicht (l') — Man kann also aus dem Zahler der erster« Bon der ruft. §. ^82. 29z Formel, 1^ . O» weglassen, und dafür ? fetzen: so erhält man in der letztern Formel zum Zähler f.. ?, und es ist also I . - Nun aus den Gesetzen des Pendels ergibt sich, daß sich die Schwingungsanzahlen verkehrt verhalten, wie die Schwingungszciten, weil ja natürlich die Anzahl der Schwingungen um desto großer seyn muß, je kleiner die Dauer jedes einzelnen Schwunges ist. Folglich ist 8 und auf beyden Saiten die Quadratwurzel ausgezogen, gibt 8 und so verhält sich >^so die Anzahl der Schwingungen von ein paar Saiten in ei- 7- Abschnitt. ncr gegebenen Zeit, wie die Quadratwur- zelu aus den Quotienten, die man findet, wenn man die Saiten spannenden Kräfte durch das Produkt, aus dem Gewichte der Saiten in ihre Langen, dividirt; oder es ist Anmerkung. Hieraus läßt fich nun einigermassen Eulcrs allgemeine Formel, für die Anzahl der Schwingungen einer Saite in einer Sekunde, verstehen. Es ist folgende: Z55 , Z»66.n V ' , wo V die Anzahl der Schwingungen in einer 355 Sekunde; die sogenannte Cölnifche Zahl, oder z,,41^92. Zl66, die Länge eines Sekundenpendels in Tauftndtheilen des Rhcinl. Fußmaßes; Voil der Lust. §. -82. -S? n, das Gewicht der Spannung der Saite; und a die Länge der Saite ebenfalls in Tausendtheilen des Rheinl. Fußmaßes bedeutet. Noch obiger Formel mußte nähmlich diese Euler'sche, folgendcrmassen ausgedrückt werden: 355 Zi66 V ^ ' ix' 1 ö'Weil aber Eulcr HZ. ^ ^ die spannende Kraft der Saite oder 8 durch ein Gewicht ausdrückt, welches ein Mul- tiplum von dem Gewichte der Saite ist, so daß also ? : 8 I : n und mithin n anzeigt, wie vielmahl die Spannung der Saite stärker ist, als ihr Gewicht : so kann da es — r gesetzt wird, aus der Formel weggelassen werden, und es verwandelt sich dieselbe, wenn man noch n statt 8 und s statt I. setzt, in folgende: Z5? Z -66. u V . tx^ "Z a 2^8 7. Abschnitt. Es sey die Lange der Saite . »der 6 oder I. --z 25 rheinl. Fuß, also im Tau- sendtheilen desselben - 2500, und sie werde durch ihr 10000 saches Gewicht gcs anut, also n " 10000 : so wird dieselbe in einer 2?? H166 . 10000 t. ZZZ5 Schwingungen machen. Will man die Lange der Saite nicht in Tausendtheile verwandeln, so darf man natürlich für zr66 nur Z,i66 setzen. Man sieht, daß diese Eulersche Formel viel Schönes hat, da sie ein sicheres Mittel darbietet, der Nachwelt Nachricht von unsern Tönen zu geben. Euler fand nähmlich, daß eine Saite / die in einer Sekunde Z92 Schwingungen machte, den Ton n angebe. Hieraus folgt, dass das Contra ^ von einer Saite angegeben .wurde, die 98 Schwingungen in einer Secunde macht, und das Contra C, wenn man dieses für den tiefsten Ton annehmen wollte, von einer Saite, die 555 Schwingungen Von der Lust. §. -gz. 299 in einer Sekunde macht. Sollte nun unser Fußmaaß wirklich verloren gehen: so darf man die Länge der Saite, nur nach einem solchen Maaße bestimmen, wovon zi66 Theile, die Lange eines Perpendikels machen, das Sekunden schlagt. §. 28Z. Besondere Schwingungsgesetze der Saiten. Aus diesem allgemeinen Gesetze lassen sich nun leicht alle besondere Gesetze herleiten. Lichtcnberg schränkte sich auf folgendes einzige ein, das er mit seinem von Chladni selbst verfertigten Monochord erläuterte bey gleich gespannten und gleich dicken, aber ungleich langen Saiten, verhält sich die Anzahl der Schwingungen umgekehrt, wie ihre Längen; oder V : v u-- il ; I- MV 7. Abschnitt. Weil nähmlich die Dicken gleich find, so verhalten sich ihre Gewichte wie ihre Langen, und statt deS Faktors ? und x in den Nennern der Gcncralformel, kommt also ch, und 1 zu stehen, so daß 8 8 V : v - oder welches einerley ist ,^>8 8 V : v ^ ° Weil aber auch die Spannungen gleich sind: so läßt sich für 8 und 5, r und 1 setzen, daß also ^ 1 1 V : V — welches einerley ist 1 1 V : v --- ^ oder welches eine'/, ley ist Bon der Lust- §. zZ4. zv» 3 284» Tom Sieht man bey einem Klänge blos auf die Geschwindigkeit der zitternden oder schwingenden Bewegung: so nennt man ihn einen T 0 n. (§. 264 ) Ein Ton unterscheidet sich von einem andern durch Höhe und Tiefe. Höher ist ein Ton, wenn in einer gegebenen Zeit die Schwingungen schneller; tiefer, wenn in derselben Zeit die Schwingungen langsamer ans einander folgen. Z. 48?. 486. Intervall oder Tonverhältniß. Ein In tervall oder Tonverhälk» n i ß ist der Unterschied eines Tons von dem andern; oder das Verhältniß der Schwingungszahlen für zwey Töne bey einerley Zeit der Schwingungen- Es wird »5! 7. Abschnitt, dieß Verhältniß der Töne gegen einander, nach den Langen derSailen bestimmt.. Wenn also von ein paar gleich dicken, und gleich stark gespannten Satten, ihr? Längen sich verhalten WieM ! die er;:? von ^ der zweyten i: i - . den Einklang - ' - i: 2 - r die Okravc - - 2: g - - die Quinte - - 3- 4 - - die Quart - - 4- 5 - - die groß? Terz s s L: 6 - - die kleine Terz - s 5 - 8 - - die kleine Serte - s- 3- 5 - - die große SeM - ES lassen stch alle diese Verhältnisse auf einem Monochorde, mit kleinen Satteln, von Pzpjer recht deutlich machen. Bon der Lust. §. »5?. MZ §- -87« Consonanzcn und Dissonanzen. Der Grundton, die Oktave, die Quinte und die große Terz gewähren dem Ohre Vergnügen, und werden dahero Consonnn z c n , Accordc, consonirende Töne genannt. In Kirchen, und sonst, singen Frauenzimmer gewöhnlich um eine Oktave höher, ohne daß sie es merken, daß sie höher singen. Dieß rührt von der schönen Zusammcnstimmung, der Oktave, Ouint und Terz her. Die übrigen Töne, deren eine unzählige Menge sind, heißen Dissonanzen oder dissonirende Töne. Auch dieß läßt sich mit dem Monochorde oder S o- noineter deutlich Machen. 8- 288. Fn einer jeden Oktave werden fiebcn Hauvttöne und fünf Nebentöne zc>4 7- Abschnitt. angenommen. Die ersten werden mit dett Buchstaben e, I) , L, I?, 6^, H, die lehtcrn mit l^i«, Ois, ?i5, (?is, L bezeichn „et. Die Töne, welche in Oktaven aus einander liegen, werden mit demselben Buchstaben, nur mit der kleinen Abänderung bezeichnet, daß man zu der ersten Oktave große Buchstaben, zu der zweyten kleine Buchstaben, zu der dritten einmahl gestrichene, zu der vierten zweymahl gestrichene kleine Buchstaben wählt, u. s. w. Also ll echechxuk a ä e f ^ n Ir u Und hierinn bestehet nun daS heutige Diatonische System, oder die Dia- üouischc Grundleiter. §. --8^. Temperatur. Bey diesem Diatonischen Systeme ereignet sich ein sehr merkwürdiger Umstand. Voll der Lust. §. 189. znz . Weil man gerne jeden der zwölf Töne für einen Grundton halten will, so geschieht es, daß, wenn man die Quinte rein haben will, man sich in die Oktave verliert. Es sind 12 Quinten, und man kann also gar nicht auf das c kommen. Da muß denn ein'Vcrgleich getroffen werden, bey welchem die möglichst kleinste Abweichung von der höchsten Reinigkeit Statt findet. Ein solcher Vergleich oder eine solche Einrichtung wird nun die Temperatur genannt.*) ') Ein sehr schatzbares Werk über die?em> peeatnr ist: Anleitung zu Tempera- t u r b e 0 e ch n u » g c n s >'i r diejenige n, welche in dem arithmetischen Theile der Musik, keine« mündlichen Unterricht haben können, iysbesonderc aber sür die Besitzer des L i r n b e r g c r'schcn Werkes: die Kunst des reinen Satzes n- s. w. Von Daniel Gottlob Türk Musikdirektor, jetzt Professor der Musik > in Halle. Halle rrog, 57? S. gr, L. Siehe darüber Hall. A> L. Z- ichs?. U zsS 7- Abschnitt- Man hat sehr viele solche Temperaturen vorgeschlagen. Die Kirnbergersche, für welche sich Einleben so warm erklärt, hat ihren Nahmen von Kirnberger, einein berühmten MusikuS, der die musikalischen Artikel zu Sulzerö Wörterbuch verfertigte. Um sie z» verstehen, muß man folgendes bemerken: Wenn man die Quinten alle rein stimmt: so wird das C zu hoch, in diesem Verhältniß 524258 : 5^44- , welches das P p t h a g 0 r i sch e Comma heißt, zum Unterschiede von dem gemeinen Comma, ode? Lo : gi. Nun nach der Kirnbergerschcn Verbesa serung sind 9 Quinten rein; von den drey übrigen schwebt das eine mit vom Py- thagorischen Comma, und von den zwey übrigen schwingt ein jedes mit 5^ vom Pptha- gorifcheu Comma. Die gleichschwebende oder mathematische Temperatur, die unstreitig vor allen übrigen den Vorzug verdient, ist Von der Luft. §. :F?. z»7 diejenige, wo alle Schwingungen in einem eigentlichen wahren geometrischen Verhaltnisse fortgehen. Man muß also die Oktave 0 bis c in 12 gleiche Intervalle oder Stufen eintheilen. Und dieß geschieht auf folgende Art: Gruadton O Oktave e 1 oder 2° 2 oder 2' oder 2 ^ 2^- 2— 2-4- . . 2-^ Wenn man also den Log. 2 mit tnultiplicirt (/?. Log. 2) so erhält man Log. 0,0250858, den man sucht, oder den Unterschied der zwölfLogarithmcn. — Zieht malt nun den Logarithmus 0,0,250853 von dem Log. 1 oder Log. i,ooovooo—r ab: so erhält man den Logarithmus 0,9749242-1, und die dazu gehörige Zahl ist 0,9438.. u. f. w. U 2 7. Abschnitt. §. 290. Musik. Die ganze Musik gründet sich auf den Unterschied zwischen den tiefen und hohen Tönen- Sie lehret nähmlich nichts anders, als Töne, die in Ansehung der Tiefe und Höhe verschieden sind, so mit einander zu verbinden, daß daraus eine angenehme Harmonie entsteht. Die Lyra der Alten bestand aus vier zwischen zwey Stierhörnern ausgespannten Saiten, und hatte Anfangs nur die 4 Töne c x o 5. »95. Reinheit des Klangs. Chladni entdeckte eine ganz eigene Art von Tönen an den Saiten, die zwar in der Musik nie werden angewendet werden können, weil sie unangenehm sind, die aber we« Von der Luft. §. z?r. z«? gen ihrer ganzlichen Abweichung von allen übrigen Schwingungsarten, Aufmerksamkeit verdienen. Er heißt sie Langcnkö ne° Man muß die Saite mit dem Bogen so nach der Lange unter einem sehr spitzigen Winkel streichen, nicht unter einem rechten, wie gewöhnlich geschieht. Bey den gewöhnlichen Tönen kommt nichts darauf an, was man für einen Körper nimmt. Allein bey den Langenlöncn ists ganz etwas anders, da geben die Mcssingsaiten andere Töne, andere die Darmsaiten, andere die Stahlsaiten. Diese sind um eine Quarte höher, als die Mcssingsaiten, und diese wieder um eine Septe höher, als die Darmsaiten» §. 292. Bemerkbarer Unterschied der Töne. Wie viel Schwingungen muß «i ne Saite in einer Sekunde ma« zrs 7. Abschnitt. chen, damit es in unsern Ohren ein Ton wird? — Sauveur glaubt is-5 Schwingungen. Dieß wäre der tiefste Ton; der allerhöchste wäre 6450. Also 125, 25, Fo, ico u. s. w. Die letztere Zahl ist ungefähr das Eonrra Bey Euler ist es 98; fahrt man also fort bis zur Zahl, die 6400 am nächsten liegt, so erhalt man 9 Oktaven. Eulcr rechnet für dm tiefsten Ton so, und für den höchsten 40S0 Schwingungen. Hier gibt es 96, dort 108 hörbare Töne. Bey den Farben kömmt etwas Achnliches vor. Der Mensch kann L19 Farben unterscheiden. §. 296. *) Erregung der Töne. Wie auf den verschiedenen musikalischen Znstrumenten, die Töne hervorgebracht wer- ') Die Paragra chen 29z, 294 und 295 wurden von Lichtenbcrg übeczangen. Sie hau- Voll der Lust. Z. 2)6. zrr den, ist bekannt. Eine andere Art Töne zu erregen, ist folgende. Wenn man Zink in ein Medizinglas wirft, und dann zuerst Wasser, hernach Salzsäure darauf gießt: so entsteht inflammable Luft. Setzt man nun auf die Oeffnung des Glases eine kurze Röhre, zündet die Luft an , und halt eine lange Glasröhre darüber: so entsteht ein herrlicher Ton. — Die stcdcnden Theekessel geben einen ähnlichen Ton von sich, und es ist auch ganz dasselbe. — Wenn man die iustammablc Luft mit Eiftnfcilstaub macht, kann man jenen Ton nicht erhalten. Hieher gehört auch die Niesen- oder Wetterharfe in Basel. Lichrenberg beschrieb sie im Götting. Taschenkal. für das Jahr 1792. Der Erfinder davon ist Paker Ven- t a n. Probst zu Bürkli, unweit Basel. Er dcln von der gleichzeitigen Fortpflanzung mehrerer Tone, von der Mittheilung derselben, und von der Resonanz, Zis 7. Abschnitt. war ein grosser Liebhaber vom Scheiben, schießen, aber auch dabey sehr podagraisch. Er mochte oder wollte sich keinen eigenen Mann halten, der ihm angezeigt hatte, ob ex getroffen oder Nicht getroffen hat. Er erfand also eine Methode die Scheibe ans Fenster zu ziehen. Dieß bewerkstelligte er mit einem Drath ohne Ende. Da hörte er denn, daß dieser Drath zuweilen des Nachts die angenehmsten Töne gab. Dieß machte sich ein gewisser Hauptmann Haas in Basel zu Nutzen, und spannte mehrere Sa!» tcn von Eisendratbc auf. Sie hatten eine Lang? von Z2o Fuß und eine Dicke von z, und 2 Linien, und tönten bey jeder Veränderung des Wetters; wcßwcgen er auch dieser Vorrichtung den Nahmen der Wetterharfe gab. Man hat sich auch Mühe gegeben Men- schenstimmen nachzuahmen. Die Akademie der Wissenschaften zu Petersburg gab darüber eine Preisfrage auf, und Kra- Von der Lust. §. zyS. ziz Heu st ein zu Kopenhagen, erhielt den Preis. Allein es kam doch nie etwas rechtes zum Vorschein. W o l fg a n g v. K em p e- len's Schrift enthält viel Gutes über diesen Gegenstand. — Bisher kann also blos der Kuckuck auf den Uhren thierische Stimmen nachahmen. Man sieht, es wäre von großem Ruhen, un^ vielleicht entdeckt es noch einmahl die Nachwelt. Da könnte man sich die Predigten absprechen lassen, und brauchte vielleicht die Pastor? gar nicht. Schlnßlich noch etwaS vom menschlichen .Ohr. Licktcnberg fand sich vorher bey Demonstrationen über das Ohr, in sehr grosser Verlegenheit, weil es äußerst schwer halt, eine perspektivische Zeichnung von den äußern Theilen des Ohres zu gebe». Bey dem Auge ist es ganz etwas anders. Da schneidet man nur in der Mitte durch, so kann man alles gut sehen. — Dieß bewog ihn denn endlich Sömmering, — den größten Physiologen unserer Zeit zu 7. Abschnitt. Mainz/ bey seiuer Anwesenheit zu Göttingen, zu ersuchen, ein g-oßes menschliches Ohr in Natura verfertigen zu lassen, woran die innern Theile alle, nach den neuesten Entdeckungen, verhaltnißmäßig angegeben wären. Dieß that er denn auch, und schickte ihm ein sehr schönes, großes, von Keck, zu Maisn im Jahre 179c gearbeitetes Ohr, wobey nun die Demonstrationen sehr leicht wurden- Als Br na manns von Leiden, in Gvttingcn war, und Lichtcnberg ihn ins Museum führte, fiel ihm nichts so sehr auf, als dieses Ohr. Vermuthlich, weil er sich wohl auch zuweilen in solcher Verlegenheit befand, wie Lich.'enbcrg. Man th ilt das Ohr am besten, in das äußere, mittlere, und innere ein. Das ä u ß e re Ohr (nuris externa) besieht aus folgenden Theilen : Heiix, /eutdolix, Lcoxlrn, Eoualm, Vragus, /rntitrgZus. Hierauf folgt der maaru« Voll der Lust. §. :x6. ziz suäitorin8 bis zur msmdrana tzpmxuui, weiches die Gränze zwischen dem äußer» und mittlern Ohr macht. DaS mittlere Ohr (auris insäla) besteht in der Pauckenhöhle, und hat folgende drey Theile, welche vasiculu unäi- tus (Gehöxknöcheichen) heißen: rd Hammer (malleus). 2. Ambos (incrio). Z. Steigbügel (stuxes). Der Hammer ist an dem Trommel- ftllchen mit seinem Stiele angewachsen, mit dem Kopf agirt er auf den Ambos. Dieser articnlirt mit dem Steigb ü. gel, und dieser ragt durch die senes- rru ovulis in das Labyrinth hinüber. Von der sensztru ovaliz ist die sene 5» tr u rotuncia sehr wohl zu unterscheiden. Sie liegt hinter jener. — Aus dem mittlern Ohr geht ferner noch die ruda LusrgLkii in den Mund hinüber. z,t 7. Abschnitt. Das innere Ohr (anriz imims) »der das Labyrinl!), besteht aus folgen- den Theilen: 1. Vssübulnm (Vorhof), z. Lauales semieireulares (drey bogenförmige Gänge). Z. Loebles (die Schnecke). Achter Abschnitt. Ä o m Lichte. Welch' ein wichtiger Gegenstand der Natur das Licht für uns sey, da es uns den Schauplatz der Welt aufschließt/ und bey weitem die allermeisten Begriffe zuführt, bedarf wohl keiner Erinnerung. Ueber dieß chcnscht über dieses wunderbare Agens noch eine große Dunkelheit. Man hat bis diese Stunde noch, fast nur Muthmaßungen über die wahre Natur desselben. 8. Abschnitt Allgemeine Bemerkungen über das Seyen» §. 297. Lichtstrahlen. Wenn die Sonne über den Honzoni herauf tritt, u. s. w. ss werden wir mit unserem Auge eine Menge Gegenstände gewahr. Es entsteht also die Frage: Wie wird unser Auge von diesen Gegenständen gerührt? Zwischen uns und den Gegenständen, muß irgend ein Agens seyn, durch dessen Einwirkung auf unser Gesichtsorgan, die eigenthümliche Empfindung, die wir Sehen nennenin uns bewirket wird: das ist gewiß; darinn kommen alle Physiker überein, so wie in dem Nahmen / den mau diesem Agens gibt. Es heifit nähmlich das Licht, oder die Licht- Natcric, oder der Lichtstofs. Abc? Vom Lichte. §. 2x7. Ziy worinn dasselbe bestehe, und auf welche Art es aus unser Gefichtsorgan wirke: darüber ist man noch nicht einig. Wir werden weiter unten die vorzüglichsten Hypothesen darüber naher beleuchten. Hier bemerken wir blos, daß die Lust jenes Agens nicht seyn könne, weil wir ja auch Körper sehen, die sich in einem völlig luftleeren Raume befinden. Alle Physiker kommen auch darinn überein, daß das Licht, es möge übrigens worinn immer bestehen, ingera d e «Linie n> die man daher Lichtstrahlen nennt, auf unser Auge wirke. Man hat nähmlich die Erfahrung gemacht, daß, wenn das Licht der Sonne durch eine kleine Äefsnnng in ein verfinstertes Zimmer fällt', die Erleuchtung der hintereinander liegenden Lusttheil- chcn, eine gerade Linie bildet. Auch weiß man jaj, daß man erleuchtete Gegenstände nicht wahrnehmen könne, wenn die gerade Linie zwischen ihnen und unsern Augen im- Z2c> L. Abschnitt. unterbrochen wird. — Dieß gewähret den erstaunenden Vortheil, daß sich die Untersuchung der Gesetze des Lichts, ohne weiter Rücksicht auf das Wesen desselben zu nehmen, auf Betrachtung gerader Linien d. i. auf Geometrie bringen laßt. Daher kömmt es denn, daß in der Lehre vom Licht so viel Mathematik vorkömmt. Allein daraus, daß das Licht sich in geraden Linien fortpflanzt, folgt reineswe- ges: daß wir e in en G e g cnstand nur dann wahrnehmen, wenn sich von demselben, nach unsern Augen hin, eine gerade Linie ziehen läßt, die nirgends von einem andernKörpcr unterbrochen wird. Hier hat sich Erxleben viel zu allgemein ausgedrückt. Einmahl sollte es schon heisscn: „von einem andern undurchsichtigen Körper;" denn natürlich kann die Linie von durchsichtigen Körpern unterbrochen sepn, od- zz'c das Sehen zu hindern. Dann aber sehe« Vom Lichte §. 2?7» Z»5 wir ja wirklich bey weitem mehr durch krumme Linien, ob sie gleich in vielen Fälle» sehr wenig von den geraden abweichen. Man denke doch daran, daß wir alle Tagej die Sonne schon sehen, wenn sie noch nicht ausgegangen, und noch sehen, wenn sie schon untergegangen ist. Man denke daran, daß der Schatten eines Körpers, wenn man einen Lichtstrahl davon durch eine enge Oeff- nung in ein verfinstertes Zimmer fallen laßt, immer größer, als der Körper selbst ist — welches freylich erst weiter unten ganz verstandlich werden wird. §. 2981 Feinheit der Lichtstrahlen. Die Lichtstrahlen müssen ungemein subtil seyn. Wenn man auf einem Thurme durch die geringste Oeffnung eines Karten- blattes, mit einem Nadelstiche/ sieht: so kann mau die ganze Stadt übersehen- All« S Z2Z 5. Abschnitt. Strahlen aus diesen Gegenstanden müssen durch dieses Loch, und verwirren sich doch nicht. Wären nun tausend Menschen auf dein Thurm, und sehen so, durch ein durch- stochenes Kartenblatt, so wurde noch immer derselbe Fall bleiben. Hier steht der menschliche Verstand stille. Das geht über unsere Begriffe. Weil nach dieser Erfahrung, ein leucht tcndcr oder erleuchteter Gegenstand von allen Seiten gesehen werden kann, das Auge mag gegen denselben was immer für eine Lage haben: so folget daraus, daß sich von jedem Punkte dieser Gegenstände die Lichtstrahlen nach allen Seilen zu, fortpflanzen müssen, so wie die Radii einer Kugel vom Mittelpunkte nach der Peripherie, und daß daher der Theil von ihnen, der auf unser Auge oder auf eine andere Fläche fällt, einen S t? a h l e n kcge l bildet, von dem das Auge oder die andere Flache, worauf die Vom Lichce. §. 299. Z2z Strahlen fallen, die Grundfläche ausmacht. §. 299. Starke des Lichts. Sobald man annimmt, daß die Lichtstrahlen einen Strahleukegel bilden, so wird auch leicht begreiflich, daß diese Strahlen immer lockerer werden müssen, je weiter man sich von der Spitze des Kegels entfernet. Es sey Fig. 49. ein solcher Strahlenkegel : so wird in der Stereometrie erwiesen, daß, wenn sich die Linien ad cd, ek, etc. die man sich vom Mittelpunkt des Kegels auf eine Seite desselben gezogen denkt, wie 1, 2, Z, 4, 5, 6 verhalten, sich die Zirkelflachen, wie 1, 4, 9, 16, 25, z6 und so weiter verhalten. Und daraus wird nun der Ausdruck verständlich : die Starke des Lichts nimmt ab, wie das Quadrat der Entfernung zu- X 2 324 k. Abschnitt. nimmt. Wenn man alsoin einer einen Fuß weiten Entfernung vom Lichte, recht deutlich lesen kann, und in einer noch einmahl so großen Entfernung eben so deutlich lesen will, so muß man 4 Kerzen anzünden. — Hieraus ist auch begreiflich, warum man die Sterne bey Tag nicht sehen kann. Es sey nähmlich ein Stern eben so groß «nd eben so glänzend als die Sonne, aber 400000 Mahl weiter, als sie, von uns entfernt: so wird sein Licht 400000 Mahl 400000 d.i. 160000 Millionen Mahl schwächer , als das Licht der Sonne seyn, und daher gegen dasselbe ganz verschwinden« §- Zvc>. Parallele Lichtstrahlen. Alle Lichtstrahlen, die unmittelbar auf unser Auge wirken, sind als diver- girend z» betrachten. (§. 293.) Indeß wenn die Entfernung des leuchtenden Ge- Vom Lichte §. 50z. ,2Z gcnstandes 20626g Mahl großer ist, als die Breite der Strahle» auffangende» Flache, wird der Winkels den die dioergiren- den Strahlen an der Spitze des Kegels machen so klein, daß er für uns ganz ver- schwindet, und daß man also die Strahlet» als parallel ansehen kann, ob sie gleich in der That aus einerley Punkt herkommen. — Mittelbar — durch Spiegel und Linsen — entstehen parallele Strahlen genug, sogar auch konvergirende. §. Zor. Z02. Leuchtende und dunkle Körper. Es gibt Körper, die für sich allein gesehen werden können, und wiederum andere, die man nur durch Hülse jener sieht. Erstere heißen leuchtend?; letztere d u nk- l e Körper. Ihre Erklärung richtet sich nach der Hypothese, welche man über die 3-6 x. Abschnitt. Natur und den Ursprung deS Lichts aufnimmt. §- Zc>Z. Durchsichtige und undurchsichtige Körper. Es gibt Körper, die ohne selbst zu leuchten, das Licht durch sich hindurch lassen; andere nicht. Jene heißen durchsichtige; diese undurchsichtige Körper. D-e Durchsichtigkeit der Körper ist eins der schweresten Probleme in der Physik und bis jetzt noch immer nicht genügend aufgelöst. Bey der Theorie des Lichts wird darüber etwas vorkommen. §. Zv-s. ZYF. Schatten und Halbschatten. Wird das Licht in seinem Fortgange durch einen undurchsichtigen Körper aufgehalten, so entstehet der Schatten. Vom Lichte, K. Z°4. Zvz. zs? Der Halbschatten findet nur bey großen Körpern statt, bey physisch kleinen Punkten gibt es keinen. Man kann sich die Sache folgendermaßen am besten vorstellen. Es sey Fig. 50. L ? eine brennende Ker- - ze, ^ eine Wand : so ist von bis Z ganzer Schatten, von L bis L Halbschatten, von (l bis O volles Licht. 8- Z°6. F: g ! rtes Licht. Der Bononische Stein ist eigentlich Schwerspat!), besteht also aus Schwer- erde und Vitriolsaure. Wenn er kalzinirt wird, so erhält er die Eigenschaft des L ich t- einfaugenS. Man nennt ihn deßwegen den Lichkmag n e t. Das Mondlichl haf nicht die mindeste Wirkung auf ihn. — Ob er mit Reckt Lichtmagnet heiße? k Abschnitt. Theorie vom Achte» Z- Zo?» Meinungen der Alten. Pythagoras (gestorb. Zoo Z. vor- Chr.) und nach ihm die Pylhagoräer, glaubten , daß sich von der Oberfläche der Gegenstände immer Theile absonderten, die ins Auge kamen. Demokrit (gest. g8c» I. v. Chr.) und Epikur, (gest. 270 I. v. Chr ) waren der Weinung, daß das Sehen durch seine Bil- derchen, die von den Gegenstanden immerfort ins Auge flössen, geschehe. Siehe-I.u- crgt. eis rer. nat. 11, 4. Emped 0 kles, (um d. 1.444 v- Chr.) Plat 0 (gest» Z45 I. v. Chr.) und H i p- parch (um d. I. r6o v. Chr), dachten sich sowohl aus den Augen, als aus den Gegenständen Ausströmungen von Licht. Bey- Vom Lichte. §. z->7. 529 de begegnen einander und empfehlen sich dann. Aristoteles (gest. (zzo I. v. Chr.) Meinung ist unbestimmt. Er sagt, (äs nur- mg lib. il. cgz?. 2.) daß zwischen dem leuchtenden Körper und dem sinnlichen Organ ein Mittel seyn müsse, so wie beym Schall und Geruch, und daß, wenn ein Vakuum zwischen beyden statt fände, wir gar nichts sehen würden. Die Stoiker, deren Ahnherr Zeno von Cittium (gest. 263 I. 0. Chr.) ist, behaupteten, daß das Licht aus den Augen ausflöße, sich zwischen demselben und den Gegenständen kegelförmig verbreite, und daß man also damit, wie durch einen Stab — wie durch Schnecke- Hörner — die Gegenstände befühle. Bekanntlich hat in den neueren Zeiten, der famose Marat, diese Hypothese , als seine eigne Erfindung wieder aufgewärmt. Laplace der große Mathematiker gab ihm einmahl eine Ohrfeige- zzo s. Abschiutr. Da sagte man: das möchte wohl das Licht gewesen seyn, das aus seinen Augen sprang. — Er stellte sich nähmlich vor, daß, wenn wir wohin sehen, w stößc gleichsam das Feuer aus unsern Augen hin auf die Gc- gensiande, und machte uns dadurch dicsel. ben sichtbar. Bey den Römern ist nichts zu hohlen. Sie behalfen sich mit den von den Griechen entlehnten Systemen und Hypo- Hefen. §. Z0F. Z09- Emanazions-Syste m. Newton war in seinen früheren Iahren dem Vibrationssystem zugethan. Allein die Schwierigkeiten, die er bey demselben entdeckte, bewogen ihn, es zu verlassen und die Analogie, die er zwischen den Erscheinungen des Lichtes, und anderen Wirkungen der Materien wahrnahm, brachten ihn zuerst auf den Gedanken, daß das Licht Vom Lichte. §. zox. zoz. zkl wohl etwas Materielles seyn möchte, das aus der Sonne und anderen leuchtenden Körpern gleichsam ausströme. Der große Mann wagte es nicht, diesen Gedanken für Gewißheit auszugeben, und ein System darauf zu bauen. Er wollte bey dem czuiä stehen bleiben, weil das cznomollo immer Hypothesen erforderte, und, — setzte er hinzu — Ii^otllesin nou kin^o. Er begnügte sich daher blos, durch die sorgfältigsten Versuche und Beobachtungen, die Möglichkeit gezeigt zu haben, daß das Licht etwas Materielles seyn könne. Allein nach ihm ward auf seine Meinung ein System gebaut, das von ihm den Nahmen des Newtonschen, oder des Emanazionsspstems führt, und daS im Wesentlichen aus folgenden Hauptsätzen besteht i. Das Licht ist etwas Mate? eielles, einFIuidum ganz eigener ZA! z. Abschnitt. Art. Zu dieser Annahme berechtigen so vie- le Erscheinungen des Lichts, nach welchen dasselbe eben den Gesetzen unterworfen ist, an welche alle übrigen Körper gebunden sind. Bey der Neft,ziou des Lichts, und vorzüglich bey der Berechnung desselben und bey der Zerlegung des weisen Lichtstrahls in mehrere farbige, wird hierüber ausführlicher gesprochen werden. — Zu dieser Annahme berechtigen ferner, so viele Wirkungen des Lichts, welche die Materialität desselben voraussetzen. Auf einen Umstand wurde schon oben bey dem Sauerstoffgase aufmerksam gemacht, daß dasselbe nahnttich auS gewissen Pflanzen, nur durch den Einfluß des Sonnenlichts erhalten werden kann. Eben so bleiben die Pflanzen weiß, wenn sie dem Sonnenlichte nicht ausgesetzt werden, und , das Hornsilbsr wird schwarz, wenn es demselben ausgesetzt ist. --- In Ansehung der näheren Beschaffenheit des Luflflui- Vom ?ichie. §. zc>z. zoy. ^z; diuns, kommen alle Newtonianer darinn übereil!, daß es ein äußerst subtiles, diskretes und ein aus T hei leben von verschiedener Art gemischtes Fluidiun sey. Die Subkilität desselben ist so groß, baß sie durch keine unserer Waagen bestimmt werden kann. Indeß daran wird sich wohl Niemand stossen. ES ist ja noch gar nicht ausgemacht, ob alle Materie wirklich schwer sey : eS ist sogar wahrscheinlich, daß cS Materien gebe, die nicht schwer sind. Doch gesetzt, dieß wäre nicht, so sind eö ja nur unsere Waagen, auf welche das Lichtftuidum nicht wirkt. — Haben wir endlich nicht ein Analogon an der Magnetischen Materie ? Ist sie ein Fluidnm, wie man allgemein annimmt, so muß sie ja noch viel feiner seyn, als die Lichtmaterie , weil sie durch alle Körper wirkt. Halt man z. B- einen Magnet an die eine Seite seines Kopfes und eine Magnetnadel an die andere . so leidet die letztere eben die Verän- 3Z4 8- Abschnitt. derungen, als wenn der Kopf nicht dazwischen wäre. Und doch wird man von alle dem nicht das geringste gewahr. Man denkt sich serner das Lichtfluidum, als eine diskrete Flüßigkeit, d. h. deren Theilchen durch große Zwischcnräumc von einander abgesondert sind, und keinen ununterbrochenen Strom ausmachen. Man denkt sich endlich das Lichtfluidum, als ein aus Theilchen von verschiedener Art gemischtes Flui- d u m. Hierauf gründet sich die Farben, lehre »ach Newton. Die verschiedenen Arten von Licht zusammen genommen, machen das weiße Licht aus« Wird dieses durch Brcchnung in seine verschiedene Bestandtheile zerlegt, so zeigen sich die verschiedenen Farben. 2. DaS Licht fluidum strömt aus der Sonne, als seiner vorzüglichsten Quelle, unaufhörlich, nach allen Seiten, in gradlinig- Vom Lichte. Z. Zog. rcr Richtung und mit unbesck'reib- iicher Geschwindigkeit aus — Asts die Sonne, als auf die Urquelle des Lichts, für alle ihre Planeren, und nah» mcntlich für unsere Erde und den Mond, weiset gleichsam der Augenschein und die Erfahrung aller Zeiten hin. — Eben diese Erfahrung spricht auch dafür, daß jene Quelle um a ushörl i ch fließe, n ach allen Seiten fließ?, ' und in g e r a d l i- n : g t e r R i ch t u n g fließe. Die unbeschreibliche Geschwindigkeit des Lichts ist vollends eine mathematische Thatsache. Es legt den Weg von der Sonne zu unserer Erde, der bekanntlich 21 Millionen Meilen betragt, in 8 Minuten und Sekunden zurück, und macht also in jeder Sekunde einen Marsch von 4,^ Tausend > Meilen. Z. Die Gegenstände auf wel ch e das Lichlflujd n m strö n: k,. w c?-> den dadurch zu einer neuen L - cht- zz6 «. Abschnitt. quelle für andere Gegenstände und für unsere Augen. — Das Licht nähmlich, das von jenen Gegenständen nicht durchgclassen oder eingcsogen wird, wird zurückgeworfen, strömt nun eben so,, wie das Sonnenlicht, ans allen Punkten des sichtbaren Gegenstandes gegen alle Seiten zu, in geradlinigter Richlnng ans, und bewirkt so die Gesichtsempfindungen, Erleuchtung, Helligkeit u. f. w. Man hat verschiedene Einwendungen gegen dieß Emanazionsfvstcin erhoben, aber dasselbe bis jetzt nicht umzustoßen vermocht. Die vorzüglichsten Gründe dagegen sind folgende: i. Die Sonne müßte durch das unaufhörliche Ausströmen einer Materie aus allen ihren Punkten, und nach allen Seiten langst erschöpft seyn. Ein kindischer Einwurf — möchte man sagen, ob er gleich wn Euler selbst herrührt. Es sollte wohl Vom Lichte. §. zoF- zo?. zz? lange dauren, bis man eine verspüren würde. Das Licht ist äußerst subtil und die Sonne so ungeheuer groß. Ihr Durchmesser verhält sich zum Durchmesser der Erde, wie 112 : l> Es kann also Mittionen Jahre dauern, ehe man es wahrnehmen wird. Man denke doch an den Moschus. Ein gewisses Gewicht davon unter Briefe gelegt, leidet keine Abnahme und doch riechen die Briefe noch in zehn Jahren darnach. — Und wie lange hat man denn die Sonne gemessen? Wer weiß, wie lange sie gestanden hat? Im Jahr i6cy wurden ja erst die Fcrnröhre erfunden, und lange nachher erst Messungen angestellt. — Ucberdiefi kann ja die Sonne anders woher Licht erhalten. Die Firsterne sind ja alle miteinander verbunden. Vielleicht führen ihr Kometen Licht zu, die sich in dieselbe stürzen. So verschwand ihm I. 1572 ein Stern in der Kassiopeja. Er wurde immer grösser und aus einmahl war er nicht mehr zu se- S ZK ' L. -Zibfthttltt. her?. — Und kann denn die Sonne, nicht' eben so, wie die Johannis. Wnrm» chen und andere sclbstleuchtcnde Körper <- ihr Licht selbst entwickeln? Kann sich nichr entweder in derselben oder auf derselben, oder um dieselbe, ei» großes Lichtlaboratve rium befinden? — Aber gesetzt auch, daß die Sonne abnähme! Was wäre es denn? Sie könnte ja eben so gut veralten, wieder Mensch. Und der Mensch ist vor Gott, ge' wiß eben so viel werth als die Sonne. 2. Die Lichtstrahlen würden si ch durch i h r e D u r ch k r e li tznngen in ihrer Bewegung aushalten und in ihrer Richtung stören, Dieser Einwurf ist schon etwas wichtiger. Allein man antwortet daraus, theils init der Subtilität der Lichtstrahlen, theils daß sie eine diskrete Flüssigkeit seyn könne. Wir kennen ja die S u b tilität der Lichtstrahlen nicht, können uns also dieselbe so groß, als wir wollen, denken. Sie- Vom Lichte- §. 3oz. zc9. zzc- können also vielleicht Raum genug haben. Hier zeigt sich recht der NuKen von der unendlichen Thcilbarkeit. — Was die D is- krezion der Lichtstrahlen betrifft: so ist eS ja gewiß, daß sich das Licht allmahlig fort- pflanze. Es braucht, wie schon erinnert wurde, 8 Minuten, um von der Sonne, die se Millionen Meilen von uns entfernt ist,' zu unS herab zu kommen. Nun nimmt man an, daß das Auge den Eindruck des Lichtes ^ Sekun» de lang erhalten kann. Man sieht d>eß, wenn man eine glühende Kohle in der Hand schwingt. Es scheint ein ununterbrochener Kreis gebjl- dct zu werden. Man sieht dieß ferner, wen« man ein durchlöchertes Blech auf etwas Gedrucktes legt. Hält man es still, so kann man nichts lesen; fährt man aber mit dem Blech hin und her auf dem Papier, so kann man lesen. — Nun in einer halben Sekunde legt das Licht, von der Sonne zu uns herab, 2l Tausend Meilen zurück. Die Theilchen der Lichtstrahlen können daher in einem V « Z4-- 8- Abschnitt. Zwischenranme von 21. Tausend Meilen von einander abstehew und unserem Auge würde es doch »och scheinen, als ob sie beysammen wären, oder ein Kontinumn bildeten. z. Die durchsichtigen Körper müßten alle in geradlinigen Gängen, nach allen Richtungen so durchbohret seyn, daß für die undurchdringliche Materie derselben kein Raum übrig bliebe. Unstreitig der stärkste Einwarf gegen das Emanazionssystem. Allein maw kann immer daraus antworten : wir kennen die Beschaffenheit der kleinsten Theilchcn der Körper und die Art ihres Zusammenhangs nicht -- worauf unstreitig ihre Durchsichtigkeit beruht. Auch der dichteste Körper, den wir kennen, kann noch so locker seyn, daß er für die subtile Lichtmaterie eine Art von Sieb bildet und also undurchdringliche Materie genug noch übrig behält. — Die Undnrchsich« tigkeit so mancher lockeren Körper erklärt Vom Lichte. §. Zog. zop. man recht gut aus der nähern Verwandtschaft der Theilchcn derselben zum Lichte, nach welcher dasselbe entweder verschluckt oder zurückgeworfen wird. — Was die Eu- lcrianer damit sagen wollen, daß manche Körper dadurch durchsichtiger werden, wenn man ihnen eine größere Dichtigkeit gibt, sieht man gax nicht ein. Es ist wohl wahr, daß das P a- pie r z. B. durchsichtiger wird, wenn man es in Wasser oder Oehl trankt, aber es ist auch eben so wahr, daß z.B. der Schaum undurchsichtig ist, der doch aus Wasser und Lust besteht, die beyde durchsichtig sind.") Aoungs Einwürfe gegen das Emana- zionSsystem, i» seiner, bey der Lehre vom Schalte, angeführten Untersuchung über Schall und Licht, rrleble Lichtenbcrg nicht mehr- Sie stns von der gleichförmigen G eschav i n d i g ke it, womit daS Licht von allen leuchtenden Körpern ausströmen soll, und von der parzialcn Zurück >ve rfun g , mit wclchcr jede Z' Abschnitt. Z. Zio. Aartesius Meinung. Aartesius nahm an, daß der ganze Weltraum mit vollkommen harten Kü- gelchen seines zweyten Elements angefüllet sey. Durch die beständig sich bewegenden Theilchen der lenkten! en Körper werden diese Kügelchen geflossen, und da es zwischen ihnen keinen leeren Raum gibt, sie sich also immer auf das genaueste berühren, so pflanzen sie den Stoß durch geradlinigte Reihen, in einem Augenblicke, auf eben die Art fort, wie das letzte Ende eines Stabes bewegt wird, den man an seinem obern Ende fortstößt. — Diese Meinung verdient keine Widerlegung mehr; aber historisch bleibt sie im- .Brcchung verbunden ist, hergenommen. Erstere sey ganz widersprechend, und letztere, «ach dem Emauazionssysieme, durchaus nicht erklärbar. Vom Lichte §. ziu- Zr5 uier mcrkürdig, weil sie die Grundfeste des V'brazionschstcms wurde. §. Z". Z!2. V i b r a z i o ns sp ste m. DasVibrazionssystem — das schon vor Euler, von Huyghens und Hooke vorgetragen, von jenem aber nur weiter auseinander gesetzt wurde,, — beruht auf folgenden Grundsätzen: i. Es gibt eine durch den ganzen Weltraum verbreitete, äußerst feine, flüssige und elastische Matcxie — Acther genannt Die Elasticität derselben ist wenigstens ro?o Mahl größer, als die der Luft , u> d vermöge dieser Elasticität bleibt der Aethe» nicht bloß über unserer Atmosphäre, sondern durchdringt sie allenthalben, und bahnt sich einen freyen Durchgang durch die Poren ai !er Körper. Z?4 «.Abschnitt. 2. Aufdie Theilchcn dieser Materie schlagen die leuchtenden Körper, indem sie Zittern, eben so, »vic die schallende»! Körper aufdie Luft schlagen. — Eulcr stellt sich eine an beyden Enden befestigte Saite vor, die, nachdem sie auf der einen Seite ist angezogen und wieder losgelassen worden, auf der andern wieder so weit hinaus schnellet und dadurch die elastische Materie, so sie vor sich findet, in Bewegung setzt. Das Thcilchen, so der zurückschnellenden Saite im Wege liegt, wird zusammengedruckt ; dieses drückt das zunächst vor ihm liegende zusammen; und so geht es bis auf eine gewisse Weire von der Saite fort, daß die Kngclchen immer weniger und weniger zusammengcdtnckl werden, bis auf das letzte, welches gar keine Znsammcndrückung leidet. -- Indem sich aber nachgchends daS erste zusawnungdrsckte Kugelchen wieder ausdehnt : so drückt eS auf alle folgende Vom Lichte. 5- Z'l. Zl2. Z45 und treibt sie fort; daher denn das vorerwähnte letzte Kügelchcn eben diese Veränderung leidet. Also befindet sich dieses Kügelchcn nun in den Umstanden, in denen sich zuvor das erste befand, und erregt folglich eben dergleichen Bewegung in einer Menge Kugeln vor ihm , die bis auf eine gewisse Weite von ihm entfernt liegen. Das Kügel- chen, das am Ende dieser Reihe lag, die von dem vorigen letzteren in Bewegung gefetzt wurde, kommt also bey der Ausdehnung des vorigen letzten, wieder in die Umstände, in denen das vorige bey der Ausdehnung des ersten war u. f. w. z. Lichtstrahlen sind daher eine Reihe von Schlagen auf den Aether, die sich bis zu unserem Auge fortpflanzen. — Und so sind denn nach dem Vibrazionsfysteme, leuchtende Körper diejenigen, die durch ihr immerwährendes Schlagen dem Aether ringsherum Schlage mittheilen und ihn erschüt- zg6 h. Ädschnui. ' Lern; spiegelnde Körper diejenigen, oss welchen die auffallenden Schlags des ActherS unter dem gehörigen Winkel zurückfahren; .d u r ch sich« i g e diejenigen, welche die Schläge des Acthers durch sich hindurch foripstan- zen; und undurchsichtige diejenigen, welche durch den erschütterten Aekhsr selbst z» einem Ziltern gebracht und dadurch i» den Stand gesetzt wurden, den sie berührenden Aekher minder in Bewegung zu sehen. Gegen das Vibrazionssystein sind fol- Lende Einwürfe, die bisher noch Niemand beantwortet hat: ,. D? rSchall p fs a n z t si ch nicht allein in gerader Linie, sondern auch von der Seite fort, man sieht aber nur in gerader Linie. Und mit diesem VibrazionsMem soll sichs doch wie bey dem Schalle verhalten. — Daß sich der Schall nicht allein in gerader Linie fortpflanze, sieht man am besten bey Mem Sprachrohre. Man braucht nicht w Vom Lichte. Z- Zir. zu. zqv derselben Richtung zu stehen, ill welcher Aas Sprachrohr ist, »in das Gesagte zu verstehen. — Daß sich aber die Lichtstrahlen in gerader Linie fortpflanzen, ist offenbar. Es würde ja sonst keine Totalsonnenflnster- Niße, ja gar keine Nächte geben. Man höret auf der See kanoniren , wenn die Schiffe schon weil unter dem Horizonte sind. Nach dem Vibrazwnssysteme müßte mau sie Ha auch sehen können. 2. Dic Lehre von derRefrak- tion der Lichtstrahlen läßt sich durchaus nicht nach der Euler- schenTheorie erklären, wenn man nicht neue Hülfsfiktionen annehmen will. Hingegen an die Ncw- tonsthe Hypothese schließt sich diese Lehre ungezwungen an. Dieß aber kann freylich erst weiter unten deutlich gemacht werden. Z. Es ist ganz unverkennbar, daß das Licht bey sehr vielen Naturprozessen, als etwas körper- «48 8. Abschnitt. liches mitwirkt. Wie in aller Welt könnte man den Einfluß des Sonnenlichtes z. B. auf die Pflanzen und auf das Horn-- silbcr, und so viele andere Dinge mehr, nach der Eulerfchcn Theorie erklären! Z. Z'Z. Werth beyder Theoricen. Will man ja eine Gleichheit zwischen beyden Theoriecn suchen: so kann es bloß die Hellheit betreffen. Diese laßt sich aus einer so gut als aus der anderen erklären. Sonst gebühret offenbar der Ncwtonschen der Vorzug. Wenigstens ist sie das beste Bild, unter welchem man sich die Sache vor- stellen kann. Eigenschaften des Lichts. z. Rektprogresskon der Lichtste a h l e n. (Gradlinigte Fortpflanzung — Optik.) Begriff. Daseyn, Gesetz und Wirkung dieser Eigenschaft der Lichtstrahlen ist be-- Vom kichtr- 5 Zrz« zq» kannt und auch schon erwähnet worden. Es ist also nur noch das zu berühren: was wir in Ansehung der Größe, Gestalt, Entfernung u. s. w. der Körper sehen. Und dieß ist uiu so nöthiger, da hiegegcn am meisten in Schriften und im gemeinen Leben angkstossen und gcsnn- diget wird. ? r 4» Sehe winkel oder scheinbare Größe. Der Sehe winkel oder die schein, bare Größe (im Gegensatze der absoluten Größe) ist derjenige Winkel, den zwey Lichtstrahlen, die von den beyden äußersten Enden eines Gegenstandes anssahren, mit dem Auge bilden. — Alle Dinge, die nnler einem Winkel erscheinen, haben einerley scheinbare Größe; die absolute Größe muß erst durch Messungen ausgemacht werden. 350 x. Abschnitt. So hat a!so Sonne «nd Mond unter Einem Winkel einerley scheinbare Große. Denk! man sich eine Reihe von Pfeilen unter einerley Winkel: so haben sie alle einerley scheinbare Größe. Z> Zi3- Größe der Gegenstände. Da die Größe der Gegenstände, wie sie deitr Auge erscheint, nicht ablein von ihrer währen Größe, sondern auch von ihrer Entfernung vom Auge abhangt: so fragt sich's:in welcher Entfernung verschwinden die Gegenstände? Wenn man blau und gelb vermischt, nahe vor d.n) Auge hält, so bemerkt man diese Mischung ; in einiger Entfernung aber erscheint sie grün Die Lichlstamme sieht man des Nachts ungeheuer weil; bey Tage' nicht einmahl Sil- ber und Gold so weil. — Tobias May- x r hat hierüber vortreffliche Versuche ange Bon? Lichis. Z. zrz. üzr stellt. Er fand aus einer Mischung von Far- bcnguadratchen, wo wcisse und schwarz? Äuadräkchen nut einander abwcchseiicn, daß die Gegenstaude verschwinden, wenn der Sehewinkel bis zu § oder zur Hälfte einer Minute abnimmt. Er ging nähmlich immer weiter zurück, bis er die Farben nicht mekr unterscheiden konnt?. Da ihm nun der Durchmesser der Ouadrcnchcn bekannt war , und die Entfernung des A'uges von drnftlbea gemessen werden' konnte so bestimmte er auf diese Lire die Größe des Sehewinkels, unter welchem die Gegenstände dem Auge verschwinden. — Lichrenbcrg zeigte das Original der von May er angegebenen und von M e i st er gezeichneten D.uadratchen vm-, mit welchem diese Versuche von dem ersteren angestellt wurden. Es ereignen sich in Ansehung des Ver- schwilldens der Gegenstände, in einer gewissen Entfernung, ganz seltsame Crsch-i M»gen. Man sieh: aus etnrm Kogei: Pa- Z5« «. Mjchnilt. Pier, eine» schwarzen Punkt in einiger Entfernung nicht; zieht man aber eine Linie dazu, so sieht man ihn. — Eben so sieht man einen Strick in der Ferne, ob man gleich einzelne Theile desselben nicht sehen wurde. — So sieht man auch Sterne von zlcr und 6tcr Größe, wenn sie neben einem großen Stern stehen, die man sonst nicht sehen wurde. — So sah Lichteuberg von seinem Gartenhause auö, hinter Bov- dcn, zwischen dem grünen Felde die gelben Bl ü m ch e n, die er einzeln gewiß nicht würde gesehen haben. — Ließ Alles ist in der That nicht so leicht zu erklären, als mau Anfangs denken sollte. Die Linie, der Strick u. s. w. besteht ja aus einzelne» Punkten und Theilen. Z. Zi6. 517. Entfernung der Gegenstände. Auf den Umstand, daß wir die Entfernung eines Gegenstandes, auch aus Vom Lichte, §. z,6. 517. zzz der Menge der Dinge schließen, die wir zwischen ihm und uns erblicken, gründet sich das bekannte Phänomen, daß der Mond, wen» er Abends über den Horizont herauf kömmt, so groß — „wie ein Mühlrad," hingegen im Meridian, viel kleiner erscheint. Eigentlich ist er vielmehr am Horizont kleiner, als im Meridian. — Daß die Dünste oder die Luft hicvon die Ursache seyen, ist leeres Geschwätz. Die wahre Ursache ist vielmehr : es ist Raisonnenicnt. Wir können durchaus nicht Entfernungen sehen, sondern schließen sie bloS. Es gehöret aber viel Uebung dazu, Empfindung und Rasonncment von einander zu trennen. Man zeichne sich doch den Mond, ein Mühlrad, einen Teller, und einen Mattir, *) unter einerley Schewin» kel. Was in aller Welt hat man nun für ein Recht, den Mond oder das Mühlrad für größer zu halten, als den Mattir? Un- ') Eine ! leine silberne Scheidemünze im hannoverischen. Z ZL4 8. Abschnitt. scr Urtheil richtet sich ja blos nach dem Bilde auf der Tunika rerina, und auf dieser erscheinen alle diese Gegenstände gleich groß- Man kann ja mit einem Mattir den halben Himmel bedecken. — Daß man nun aber doch das Mühlrad oder den Teller für grö^ ßer halt, als den Mattir, ist ein bloßer Vcr- nunftschluß. Der Teller war einmahl weiter von uns entfernt, als der Mattir, wir mußten die Hand darnach ausstrecken, wir gingen vorbey: nun sehen wir beyde unter einerley Winkel, und schließen also,„daß der Teller größer seyn müsse. — Bey dem Mond nun sind die nahen Berge, Bäume, Häuser oder andere Gegenstände die Ursache, daß er uns am Horizonte großer erscheint. — Hiezu kömmt noch der Umstand, daß wir aus der nähmlichen Ursache, den Himmel nicht für eine Halbkugel, sondern für ein Taschenuhrglas halten. Verlangt man daher von Jemanden, er möchte 45° am Himmel zeigen, so » Viül Licht?' §. zt5 zr7. ZZ5 zeigt er gewöhnlich Zv° und also viel niedriger. Er chalbirt nähmlich den Bogen vom Taschenuhrglas, und nicht den Bogen von der Halbkugel. So muß ihm nun natürlich auch der Mond im Horizonte viel größer vorkommen, als im Meridian, weil ihm je- ncr viel weiter entfernt zu seyn scheint, alS dieser. — Mit einer Zeichnung kann man jich die Sache recht sinnlich machen. Ein Paar Beyspiele werden dieß noch deutlicher machen, die Lichtcnberg selbst erfuhr. Er war einmahl zu London in einer italienischen Oper. Es wurde ein prachtiger Tempel vorgestellt, dessen hinterste Säulen sich weit, weit zurück verloren. Wie er so die Pracht des Tempels anstaunte , kam ein Hund über das Theater im Hintergrunde desselben gelaufen. Der sah aus wie ein Elephant und es entstund ein allgemeines Gelächter darüber. Man verglich ihn nähmlich mit den hintersten Säulen. — So ist es nun gerade auch bey dem Monde. Z 2 TjS 8. Abschnitt. Ein anderes Beyspiel. Lichtcnberg wohnte vorhin in einer sehr hohen Etage, wo also auch das Privet sehr tief war. Einmahl kam er in ein Privet von einer niederen Etage, sah da die halben Bogen liegen, und wunderte sich über die Ulisparsainkcit der Leute. Merkt man sich nur ein paar solcher Beyspiele, so wird man es am Ende recht leicht begreifen, daß mau Entfernungen durchaus nicht sehen könne. — So kommen ei« nem auch von einem Berge oder von einem Thurme die Leute unten viel kleiner vor. Allein ausser der schon angeführten Ursache kommt noch die hinzu, daß wir nicht gewohnt sind, von so hohen Gegenständen hinab zu sehen. 8. Z-8. Gestalt der Gegenstände. Wir sehen von den Körpern bloß ihre Gränzen oder Flachen. Je nachdem uns also die Größe und die Entfernung dirser Bom Lichte. ZiF. z.z? Gränzen erscheinen: erscheint uns auch die Gestalt dieser Körper und es finden in Ansehung derselben ebenfalls wieder die man- nigsaltigstcn Trugschlüsse Statt. §. Zt9. Z20. Bewegung der Gegenstände. Eine Bewegung wird-durchaus nicht gesehen, sondern bloß geschlossen. Indeß, wenn die Zeit sehr kurz ist, wahrend welcher man einen Körper an verschiedenen Orten sieht: so pflegt man auch zu sagen : man sehe die Bewegung. Und da entsteht dann die Frage: W i e g ro ß m u ß e i ne B x- wegung oder Geschwindigkeit seyn, die man sehen kaun ; Die Bewegung des Minutenzeigers sieht man, aber nicht jene des Stundenzeigers. Wie langsam muß also etwas gehen, damit es aussieht, als ob es ruhte? Man hat dieß auf folgende Art zu berechnen gesucht. Wenn ZZZ Z. Abschnitt. man einen Stern im Acquator z. B. den obersten im Jakobsstab des Orion eine Sekunde lang betrachtet, so kann man nicht bemerken, daß derselbe wahrend dieser Zeit fortrücke. Demungcachtct aber, rückt dieser Stern innerhalb einer Sekunde um einen Winkel von 15 Sekunden fort. Also wird ein Gegenstand dem Auge stille zu stehen scheinen, wenn sein Weg, den er in einer Sekunde durchläuft, im Auge einen Winke! von lg Sekunden macht. Nun stellt die Entfernung des Stern vom Auge den Cosinus des Winkels, die Fortbewegung aber in einer Sekunde, den Sinus desselben vor, und aus der Trigonometrie ist be- 8in. x kannt, daß Nang. x " ^ ftye. Der Sinus des Winkels von 15 Sekunden ist aber — 727? und der Eos. ^ 10,000000. Fo glich wird ein Gegenstand dem Auge stille zu stehen scheinen, wenn sich sein waSrcr W g zu seiner Entfernung wie 727z : Vom Lichte. §. Zi?. zss 10,000000 oder fast wie l : 1Z75 verhält. — Allein man sieht gleich, daß dieß keine allgemeine Regel geben kann. Mancher sieht schärfer als der andere u. f. w. 2. Reflexion der Lichtstrahlen. (Zurückwerfnng Katoptrik.) Beyweilem das Allermeiste, was über diese Eigenschaft der Lichtstrahlen gesagt werden kann, gehört in die angewandte Mathematik. Daher soll es denn anch hier nur ganz summarisch abgehandelt werben. §. Z2l., S esc tz d er Ncslexio n. Die Lichtstrahlen, wenn sie reflektirt werden, werden so reflektirt, wie die Körper beym Stoße und wie die Schallstral len. Nähmlich der Angnlus ineiden- tiä ist immer dem Angulo reflexiv n i S geich, wenn man in dem Einfalls» Z6o ?. Abschnitt. xunkt ein kolh errichtet. — In Fig. Fi. ifl ^ ZZ die re fle k li r e nde Flache (xla" num resleclen.<:) L E der einfallende Strahl (rnäinz inciäeuz ) E I) der r c- flcktirte Strahl (raäiuz rstlexus), 0 ? daö Einfallsloth (catketuz in- cicientiae) o der Ei n fa l l s w i n k e l (an- xuluz inciäennas) p der Reflexionswinkel (auFiiluz retfexionis). Sehr oft werden auch die Winkel xund^ — die bey ebenen Spiegeln ebenfalls einander gleich sind — mit dem Nahmen des Einfalls - und Reflexionswinkels belegt. — Die Ebene dnrch das Einfallsloth E ? nnd dem einfallenden Strahl L E heißt die Zur ü ck- werfungsebene (planum rekexionix). Hieraus läßt sich der Weg leicht bestimmen, den ein einfallender Strahl auf was immer für eine rcflektirende Flache — auf eine ebene oder krumme — nach seiner Z rückwcrfung nehmen wird. Man errichte nähmlich in Sem Einfallspunkte des Strahls Vom Lichto § Z21. Z«l ein Perpendikel, und mache jenseits desselben einen eben so großen Winkel als dieß- seits ist: der Schenkel jenes Winkels ist der Weg, den der zurückgeworfene Strahl nimmt. §- Z22. Theorie der Reflexion. Man wollte dieß Gesetz der Reflexion, nach Analogie des Gesetzes beym Stoße elastischer Körper, durch Kügelchen erklären. Allein es ist gerade so, als wenn man aus dem Billard, Tabalicrpn, Tintenfässer, Brillen u. s. w. stieße, und nun noch verlangte, daß die Zurückwerfung derselben eben so regelmäßig erfolgen solle, als die Zurückwer» fang der elfenbeinernen Kugeln. Weit glücklicher leitet Newton die Reflexion der Lichtstrahlen von einer Nepals! ons kraft der Fläche her, aufweiche dieselben fallen, und zeiget, daß ihr Zurückwerfen nicht wirklich auf der Oberfläche 8. Abschnitt. der reflcrtirenden Körper geschehe, sondern daß sie vor der Zurückwerfung erst gekrümmt und sodann nflcktirt werden. Es sey I- N 1 8 (Fig. LL.) ein re- stektirender Körper, E III ftjne rcflektirende Fläche, ^ I ein schief darauf fallender Lichtstrahl, und E O die Gränze, bis zu welcher sich die Repulsionskrast des rcstektirenden Körpers erstreckt. Die Bewegung des Serails kann zerlegt werden, in die Paralell- kraft ? ^ und in die Perpcndikularkraft ? I. Nur die letztere erfährt' einen Widerstand durch den reflekl-renden Körper. Je wehr also der Lichtstrahl ^ I unterhalb E D sich der Fläche s, M nähert : desto mehr »vird feine Bahn gekrümmt und er beschreibt nun die krumme Linie I 0. In 0 ist die Pcrpendikularkraft ^ I des Lichtstrahls ganz nufgehoben und die Krümmung desselben so stark, daß er mit der reflektirenden Fläche E !Vl eine parallele Richtung hat. Nun sann er sich also derselben nicht weiter na- Von bec Luft. §. Gegenstandes bewirken. — Auf den zweyten Einwurf wird weiter unten geantwortet werden. Nach Newton nähmlich besitzen alle Körper die Eigenschaft, nur diese oder jene Art des weißen Lichts zurückzuwerfen, die übrigen aber entweder durchzulaffen oder zu verschlucken. Aus dem schönen Versuche Franklins ergibt sich deutlich genug: daß schwarze Körper mehr Lichtstrahlen verschlucken, als andere. Er nahm verschiedenfarbige kleine Lappen von Tuch und legte sie auf Schnee, der von der Sonne beschienen ward. Die schwarzen Lappen sanken immer zuerst in den Schnee ein, zum Beweise, daß sie weniger Lichtstrahlen refiek- tirken, als die übrigen. Ebener Spiegel. §. Z26. 527. Ort des Bildes. Die Hauptsache bey den Spiegeln betrifft den Ort des Bildes, oder den z65 ?. Abschnitt. Ort, wo man einen gewissen Gegenstand in denselben steht. Von den e b e n e n Spiegeln sagt man gewöhnlich: man sehe den Gegenstand eben so weit hinter dem Spiegel, als derselbe vor dem Spiegel liegt. Allein dieß ist nur geometrisch war; physisch weiß man es nicht. En'fernungen werden ja nicht gesehen, sondern nur geschlossen. — Von dieser Bemerkung wird bey den Hohlspiegeln ein wichtiger Gebrauch gemacht werden. Daß der erwähnte Ort des Bildes geometrisch wahr sey, läßt sich leicht auf folgende Art darthun. Es ftp ^ II (Fig. LZ.) ein Spiegel, in E ein leuchtender Gegenstand, in 6 .das Auge: so fälle man aus E auf den Spiegel das Perpendikel E wäre der Spiegel nicht lang genug, fo verlängere man ihn im Gedanken — dieß Perpendikel mache man jenseits des Spiegels eben so lang, als es diesseits ist, und ziehe nun aus dem Punkte c nach dem Auge G eine Linie, Ina wird man den Gegen- Vom Lichte- I- 526. Z27. Z67 stand sehen. Nun muß bcwicftn werden, daß nach gezogener Auz-iliarlinie G O und nach errichteten! Perpendikel U I», die Winkel in und n gleich seyen ; denn sind diese gleich, so folget auch, daß der Einfallswinkel x dcm Reflexionswinkel ^ gleich sey. Das Vorige wird aber folgendermassen crwiestn: <7/e ^ laut der Bedingung. ^ s) ^ weil jede Größe fleh selbst gleich ist. 0 ^ x, weil beyde rechte Winkes sind. Mithin sind die Dreyecke und c /e I) einander gleich und ähnlich. Folglich ist auch m Aber cz ^ u, weil beyde Vcrtikalwinkel sind. Also auch m n. Ist aber in — n, so ist auch x zz? und es hat daher mit der Behauptung seine mathematische Richtigkeit; denn das darf woh nicht erst erinnert werden, daß das, was von den einen Punkte gilt, auch von al- Z6Z 8. Abschnitt. len nbrigcn Punkten, des daselbst befindlichen Gegenstandes gelte. Hieraus ergibt sich nun die Auflösung verschiedener interessanter Aufgaben, von welchen wir einige anfuhren wollen. Erste Aufgabe. Kann das Auge in einer gewissen Richtung einen gewissen Gegenstand in der Stube im Spiegel sehen? Es sey der Gegenstand in E (Fig. z^), das Auge (5, wo man will, und der Spiegel ^ ebenfalls in welcher Lage man will: so verfahre man wie vorhin ; fälle aus Ll das Perpendikel E /e auf den Spiegel, den man in Gedanken verlängern muß, wenn er nicht lang genug seyn sollte; und verlängere das Perpendikel bis c, daß L wird. Kann man nun aus c nach dem Auge G eine Linie ziehen: so wird man den Gegenstand in der Richtung ^ D c im Spiegel sehen; widrigen Falls kann er nicht gesehen werden. — Vom Lichte, §- Z»6. Zi/-. zvA Zweyte Aufgabe. Wie groß muß ein Spiegel seyn, darinn man sich ganz sehen soll? Wenn der Planspiegel vertikal steht, so braucht er nur halb so lang und breit zu seyn , als der Gegenstand selbst ist, der sich darinn abbilden soll. Dieß laßt sich am besten durch eine Zeichnung erläutern und beweisen. Es sey Fig. 54. ^ L ein vertikalstehender Planspiegel, und H zur Reflexion der Strahlen diene. Dieser Theil ist nun aber gerade der halben Höhe des Gegenstandes gleich ; oder II " H E D. Dieß erhellet folgendermaßen. Es ist nähmlich L 0 0 — L G kl (Kastncrs Geom. 26 Sah, Zus. -.) Run ist L O -ru ? Q O ; also muß auch L 5 2 OII ftyn. As z?« 8. Abschnitt Daß aber L L 2 L O sey, erhcllüt dar- aus, weil L1:lr Baucrnkerl hinein. Ganz etwas ahnliches ist eS mit einem Taschenspiel, wo durch 2 Hölzer ein Bindfaden gezogen ist, und man denselben mit einem Messer entzwei) schneiden laßt. Vom Lichte §. 315. z?z Wenn man zwey ebene Spiegel in einen Winkel stellt : wie viclmahl vervielfältigt sich das Bild? Äästner bat hierüber die beste Auslosung gegeben. Das Bild erscheint so ostmahl weniger eins, als der Winkel, den die Spiegel mit einander machen, in Z62 Graden enthalten ist. Hält man sein Gesicht zu so gestellten Spiegeln : so befindet man sich in angenehmer Gesellschaft — unter lauter Bekannten. Auch kann man mit solchen Spiegeln recht gut sein Profil zeichnen. Krumme Spiegel. 8. IZO -IZ9» Die krummen Spiegel werden in konkave und k 0 nvepe oder in Hohlspiegel und Vauchspi^gel, und zcns wieder in sph arische, elliptische, parabolische und hyperbolische ; diese in sphärische, cyIindrische und k 0- Z7< Abschnitt. nische eingetheilt, je nachdem nähmlich ihre Fläche einer Kugel, einem Ellipfoid, Pa- raboloid, Cylinder oder Kegel angehört. Die sphärischen Hohlspiegel sino die merkwürdigsten. Ueber alle nur ein paar Worte. g. Höh ! spiegcl. i. Spharische Hohlspiegel. Ueber denWeg den die reflektirten Strahlen bey diesem Spiegel nehmen. ist insbesondere folgendes zu bemerken: a. Alle Strahlen, die senkrecht auf den spharifchen Hohlspiegel fallen, werden in sich selbst zurückgeworfen. 2. Alle Strahlen, die mit der Ape p a- x allel und derselben sehr nahe, auf den fphärischcn Hohlspiegel fallen, werden in einem Punkt zurückgeworfen, der um den halben Halbmesser vom Spiegel entfernet ist, und der B r c « n ? u n k t genannt wird- Vom Lichte. §. zzo—?Zy. Z7S z. Alle divergirende Strahlen, werden bald weniger divcrgirend *), bald konverg rend; die kvnvcrgirenden hingegen immer mehr konvergicend zurückgeworfen. Lichtenberg pflegte diese Sahe blos durch eine Z c ich n u n g zu erläutern, welch s auch bald Jedermann für sich selbst zu thun im Stande seyn wird. Sie durch Rechnung zu bestätigen, überließ er der Mathematik, welches auch derselben angehört. Aus beyden ergibt sich klar genug, daß die Wirkung der Refraktion bey fpharischen Hohlspiegeln in einer größeren Konvergirung der Lichtstrahlen, als sie vor der Refraktion hatten, bestehe, und daß diese Konvergirung Weniger divcrgircnd, wenn die Distanz des strahlenden Punktes vom Spiegel , kleiner ist, als der halbe Halbmesser; kvnvergirrnd, wenn sie größer ist, al» dieselbe ; parallel, wenn sie derselben gleich ist. Z76 Abschnitt. Sey weitem in den meisten Fallen in eint Vereinigung derselben übergehe. Die verschiedenen Ersthcinungeu und Anwendungen, die in dieser Wirkung ihren Grund haben: beziehen sich vorzüglich ans die vergrößerte oder verkleinerte Abbildung des strahlenden und auf die Entzünd u n g des strahlcnaiissangenden Gegenstandes» Sphärische Hohlspiegel vergrößeren den Gegenstand, wenn sich derselbe zwischen den Brennpunkt und dem Spiegel befindet. Liegt er im Brennpunkte selbst, so macht er gar kein Bild; liegt er aber über den Brennpunkt hinaus, so entstehet ein umgekehrtes Luftbild vor dem Spiegel, das bald größer, bald dem Gegenstande gleich, bald kleiner als derselbe ist, je nachdem er weiter vom Brennpunkte wegliegt. Nach der Theorie sollte in eben diesen Fällen, daß Lustbild auch, bald in einer größexen, bald in einer gleichen, bald in einer Vom Lichee. Z. zzc,—zz?. ^ zy? kleineren Entfernung vom Spiegel erscheinen. Allein hiemit stimmt die Erfahrung nicht überein. Das Luftbild scheinet in jedem Falle auf dem Spiegel ftlbst zu schweben. Hierüber muß man sich nun gar nicht wundern. Es findet hier eine ganz neue Art des Sehens Statt. Wir sehen ja so außerordentlich wenig; vom Würfel nur das Quadrat, von der Kugel nur den Kreis. Wir sehen Erhabenheiten eben so wenig, als Entfernungen. — Lichtcnberg pflegte immer den Versuch über die Luftbilder mit versteckten künstlichen Rosen anzustellen. Das Bild davon war auf dem Hohlspiegel so lebhaft, daß man, nur in einiger Entfernung davon, die Rose natürlich zn sehen glaubte. Die zündende Kraft der Hohlspiegel ist den Allen unläugbar bekannt gewesen. Daß aber A rchimed, im 1.212 vor Chr. bey der Belagerung von Sprakus, die Flotte des MarcclluS durch einen Vrennspiegel in Brand gesteckt habe, ist eine Fabel. ES Z7» z. Abschnitt. erzählen es bloß spätere griechische Schriftsteller Zonaras und Tzczes, die sich auf Diodor und Dio Kassius berufen/ bey welchen die Stellen fehlen. Das Mährchen ist wahrscheinlich auf folgende Art entstanden. Monkücla vermuthet, die Verbrennung der Schiffe sey durch eingeworfenes Feuer geschehen. Weil nun Archiwed sich zu Syra-- kus aufhielt und über Breunfpiegel geschrieben haben soll, so ist aus diesen Umstanden das Mahrchcn zufammgcsetzk worden« Eine ähnliche Fabel hatte bey der Gelegenheit, als die schwimmenden Batterien der Spanier vor Gibraltar verbrannt wurden, zusammengesetzt werden können. Parker goß gerade damahls Brennglascr. Wären nun keine Zeitungen in der Welt gewesen, und man hatte nach mehreren Jahren diese gleichzeitigen Begebenheiten gelesen: so hatte man sicherlich behauptet , Parker hakte durch seine Brenngläser die Batterien der Spanier verbrannt. Die Geschichte ist wie ge- Vom Lichte. §. ZZ^--ZZ?. Z79 sagt ein Mährchcn; das sowohl das Still- schweigen der ältern Schriftsteller, welch? die Geschichte, wo die Verbrennung hingehört und selbst vieles den Archimcd betreffendes, umständlich erzählen, als auch die Unmöglichkeit der Sache gegen sich hat. Und sollte es ja möglich gewesen sei)!!, so weil zu brennen: so läßt sich noch mit Kästner fragen : ob Archimed wohl den tollen Gedanken habe haben können, eine so ungeheu; re Unternehmung zn veranstalten, die ein trübes Wölkchen hatte vereiteln können sder ob die Römer so ganz allen Verstand hätten verlieren können, als es zu brennen, anfing, von der gefährlichen Stelle nicht wegzufahren? Indeß man hat diese Sage auf all mögliche Weise zu retten gesucht, und ist dadurch auf sehr lehrreiche Untersuchungen gebracht worden. So kam Pater K ircher aufdcnGedanken,ai!s ebenen Spiegeln, einem mit dem man so weit brennen kann, zusam- zzs Abschnitt. menzusetzeu, welchen der Graf von B ü fso « und der Marquis von Conrtivron weiter ausführten. Ersterer Hit durch eine Verbindung von 400 Planspiegeln, die alle Strahlen auf eine Stelle zurückwarfen, in einer Entfernung von 140 Fuß, Bley geschmolzen. Im Grunds aber hatte den Einfall schon Anthemius unter Jusiinian. Herr von Seguer verfiel auch ans einen sehr sinnreichen Einsall, der in einer Dissertation cia L^eeulo 4VrcInmeckeo Jena 17ZZ gedruckt ist. Er gründet sich darauf, daß im varabo-- lischen Hohlspiegel alle Strahlen, die mit der Ihre parallel einfallen, genau in den Brennpunkt vereiniget werden. Es haben sich verschiedene Künsilcr durch Verfertigung großer sphärischcr Zrcnnspiegcl hervorgethan. Vilettezu Lyon hak L große Spiegel verfertiget. Zwey davon kamen in das Kabinet des Königs von Frankreich; einer wurde dem König von Persien geschickt ; einer dem König von Dänemark, und der Bom Lichte. §. Zzo—zzy. Zjfl fünfte ist in Kasse!. Noch berühmter sind die Brcnnspiegel von T sch i r u h a u sc n und von Höfe in Dresden. Letzterer verfertigte drey; wovon der eine zwey Ellen in der Chorde, und 20 Zoll Brcnnwefte, der ande- re 2^ Ellen in der Chorde und 22 Zoll Brennweite und der dritte 4 Ellen in der Chorde und 43 Zoll Brennweite hatte. Siehe altes Hamb. Magaz. zker und >6ter Band. Die Höfischen Spiegel sind aber parabolische, und gehören eigentlich nicht hiehcr. . Lichtenbergs großer Brennspiegel ist in Holz gehauen und vergoldet. Er ist so groß, daß dessen Chorde über eine Mannshöhe reicht. Er hängt in zwey Kugeln auf zwey hölzernen Säulen und kann dadurch verschiedene Richtungen erhalten. Versuch mit 2 gegenüberstehenden messingenen Lrenuspie- gcln. In dem Fokus des Spiegels ^ wurde auf einem DreyzaF, eine glühende Kohl? Holrgp Nachdem diese angeblasen wurde,i so 5. Abschnitt. schickte sie auf die Fluche des Spiegels Licht und Wärmestrahlen, welche in einer parallelen Richtung nach dem Spiegel ö reflek- tirr wurden, von wo aus sie wieder in den Fokus dieses Spiegels restektirt und daselbst vereiniget wurden. In diesem Fokus stock auf einem Stift ein Zunder — und dicker entzündete sich. — Der Versuch ist äußerst schwer anzustellen, besonders il! größerer Entfernung wegen der schweren (, liung der Spiegel, deren Zlpen genau iu eu-er geraden Linie liegen mästen. — Wachskerze thut es nicht; es muß strahlende Warme seyn. — Die Spiegel bleiben fast ganz kalt. — Mit gläsernen Spiegeln gerälh der Versuch nicht. Sie springen eher ehe sie zünden. — Wollte man den Versuch recht schön anstellen , und die zu resirktireuden Strahlen verstärken: so müßte man vor der Kohle. im Zentrv des Spiegels , eine Oeff- nung machen, und durch dieselbe die Kohle Vom Lichte §. ZZa-ZZ?. Z8z Mit einem Blasebalg anblasen, besonders mir dcphlogistisirter Lust. 2. Andere Hohlspiegel. Unter den übrigen Hohlspiegeln ist der parabolische der wichtigste. Alle Strahlen , welche mit der Axe parallel auf diesen Spiegel fallen, werden durch die Reflexion genau in dem Brennpunkte der Parabel gesammelt ; und alle Strahlen, die aus diesem Brennpunkte divergirend auf den Spiegel fallen, werden parallel zurückgeworfen. Aus dem erstern Umstände erhellet, daß diese Spiegel sowohl zu B r e n n sp i e g e l n, als zu Spiegel-Tclescopen die geschicktesten seyn müssen. Das sind sie auch wirklich. Wenn nur ihre Verfertigung nicht mit so fast unüberwindlichen Schwierigkeiten verknüpft wäre! Durch Verfertigung parabolischer Brennspicgc!, hat sich Niemand mehr Ruhm, als Hose zu Dresden erwor- ien, wie eben erinnert wurde; ss wie sich Äv4 8- Abschnitt. Herfchel durch Verfertigung seines großen .40 Fuß langen Spiegelel-Tescops, unsterblich gemacht hat. Der elliptische Hohlspiegel hat die Eigenschaft, daß, wem: der strahlende Punkt in dem einen Brennpunkte der elliptischen Krümmung steht, alle divergiren- de Strahlen nach dem andern Brennpunkte der Ellipse hingeworfen werden. Der hyperbolische Hohlspie-- g e l ist von keinem Gebrauch und wird des? halb auch nie verfertigt, b. Bauchspiegcl. r. Sphärische Bauchspiegel. Bey den spharischcn Banchspiegeln lauft Alles auf das Entgegengesetzte der Hohlspic» ge! hinaus. Ihre Wirkung besteht in einer größeren Divergirung der Lichtstrahlen, als sie vor der Rcstepion hatten. Die Gegenstände werden verkleinert in ihnen Vom Lichte. Zzo—Z3S- abgebildet. Sie sind von keinem Gebrauch. Lichlenberg überging sie ganz. Andere Bauchspiegel. Auf die konischen und cylindri- schen Banchspiegel gründen sich die sogenannten katoptrischen Anamorpho- se n. Mau sieht leicht, daß der konische Spiegel ? t? k (Fig. 56.) dem in G gestellten Auge, den Punkt in a, Ij in b darstelle, und also dem Bilde, wovon L ein Theil ist, ganz andere Lagen und Ber- Haltnisse seiner Theile d. h. eine ganz andere Gestalt gibt. Auf eine ahnliche Art verändern auch cylindrifche Spiegel die Gestalten der um sie herliegenden Bilder. Es kömmt also darauf an, ein verzerrtes Bild zu verzeichnen, das in einem Spiegel von gegebener Art, Größe und Stellung, dem Auge aus einem gegebenen Gesichtspunkte regelmäßig erscheine. Um sich doch »'»s 8. Abschnitt. von einer solchen Zeichnung für einen nischeu Spiegel einen Begriff zu machen, bemerken wir kurz folgendes. Es sey ^ l? (Fig. ??-) der Gegenstand, den man so verzerrt zeichnen will. Ware der konische Spiegel ld nicht da, so würde daS Auge in O den Gegenstand nach den Linien G ^ und 0 ll sehen. Nun aber kömmt der konische Spiegel darauf und bedeckt denselben. Es ist also klar, daß nun die Spitze des Pfeils so gezeichnet werden muß, daß sie einen Strahl nach L schickt, der dann nach dem Auge rcfiektirt wird. Eben dieß muß nun auch mit dem Bart und dcn Zwi- schenthcilcn des Pfeiles geschehen. Die simple Auflösung ist also die: man mache x zk u. f. w. Um dieß aber zu bewerkstelligen, verlängert man den konischen Spiegel z. B. ? () bis 6, und fällt vom Auge ein Perpendikel G I ^ I li. darauf. Aus diesem Punkt k wird nun durch L eine Linie ge zogen, bis sie das Papier dl S trifft, Bas Vom Lichte. Z. ZZc>-Zz?. Z8? Nähmliche geschieht nu» auch auf der andern Seite. — Mau muß sich natürlich zu solchen Zeichnungen einen eigenen Maaßstab verfertigen, und wo es dann nicht gehen will — nachhelfen» Auf diese Art kann man die Spadillc und Basta zeichnen, die der größte L'hom- brespieler nicht kennen würde. Besonders würde sich das Loenr Aß zu einer solchen Zeichnung schicken. — Ein regelmäßiges Fünfeck, um dessen jeder Seite ein Bogen beschrieben ist, erscheint durch einen konischen Spiegel betrachtet, ganz vertauscht, nähmlich die Bogen werden zu geraden Linien, und die Linien zu Bogen» tu. Refraktion der Lichtstrahlen« (Brechung — Dioptrik.) Eine äußerst wichtige Lehre! Wir haben durch Instrumente, die sich auf dieselbe gründen, den Himmel und den Bau des Vb » Z8s k Abschnitt. Thiere, den innern sowohl, als den äußere» kennen gelernt. — Es kömmt bey derselben vorzüglich ausfolgende vier Stücke an: auf den Begriff, auf das GcseH, auf die Theorie, und auf die Wirkungen derselben. §. Z4o. Begriff dcr Refraktion Unter der Refraktion der Lichts strahlen, versteht man d:c Absenkung derselben, wenn sie auö einer durchsichtigen Materie in eine andere von verschiedener Dichtigkeit, in schiefer Richtung übergehen. — Es sey unter L (Fig> 58.) Wasser, über ^ L Luft, und E O ein auf die Ober- flache des Wassers schief einfallender Licht» strahl: so gehl er nicht, wie er eigentlich sollte, nach der Richtung Olr oder bestan dig in einer geraden Linie fort, sondern er Weicht von diesem Wege ab, und erhält die Vom Lichte. §. Z4°. Z89 Richtung O?. — Umgekehrt märe unter ^ U (Fig. 59.) Luft, und darüber, Wasser befindlich: so würde der schief einfallende Lichtstrahl ch>, nicht nach der Richtungv ll fortgehen, sondern die Richtung I) ch er- halten. — Man kann sich von dieser veränderten Richtung sehr leicht a>'ch durch die Erfahrung überzeugen« Taucht man einen Stab i»s Wasser, so scheint der in dasselbe gesenkte Theil eine andere Linie zu machen, als der ausser dem Wasser befindliche, und der Stab gleichsam gebrochen zu seyn, woher wahrscheinlich auch der Nahme der Refraktion gekommen ist. — Eben so ist es mit einem Stücke Geld, das man in eine leere Casshkasse legt. Setzt man die Tasse auf den Tisch und tritt nun so weit von demselben zurück, daß das Geld dem Auge zu verschwinden anfängt: so wird es wieder fichtbar, wenn man Wasser in dieselbe gießt« Man hak fich daher vor klarem Wasser, in S?o 8, Abschnitt. welchem man so die Steine sieht, gar sehr ?n Acht zu nehmen. Die verschiedenen K un stauL drücke, mit weichen man sich bey der Refraklionsleh» re bekannt machen muß, sind folgende. Es heißt (Fig. 58- ». xy.) L die brechende Fläche. O der Einfallspu nkt (xunctnm jnLiäsntine.) kl das Einfallsloth, oder Perpendikel (LZtiiotus inciäenliae.) OO hereinfallende Strahl (raäius incillens.) O? der gebrochene Strahl (ra- ckins rekractns.) sder Einfallswinkel (gnAulus inciclentiae.) . x der gebrochene Winkel (anLu-- IllL rekraetns.) H der Brechungs Winkel ^anAtt» jux reirsotionix.) Vom Lichte Z. Z4o> ^?r L 1 zu betrachten ist, und welche dem Perpendikel II, nähet Vom Lichkr. §. W? gekommen, und dasselbe unter dem »reineren Winkel o 7>I Id schneidet, als die erstere Richtung X I, gethan haben würde. — Kömmt der Strahl nach u> so fangt die anziehende Kraft des Kö-pers entgegengesetzt, auf seine perpendikuläre Bewegung n 8 zu wirken an, ohne daß die parallele ZVI 8 gehindert würde. Es nimmt also diese Bewegung bey dem Fortgange des Strahls stufenweise wieder ab, und es wird seine Bahn, eben so von n nach in und l zu, auf die entgegengesetzte Seite gebogen, als es vo» I- nach IVI und zu, geschah. In 1 verliert er endlich seine ganze Per- pendikulargeschwindigkeit, die er in N hakte, so daß jetzt dieselbe derjenigen gleich ist, die er in hatte. Mit dieser Geschwindigkeit bewegt er sich nun in der Linie ! k fort, welche die Tangente der krummen Linie n m I und vom Perpendikel k abgelenkt ist. — S ch i e f e in fa l l ende Lichtstrahlen, werden dahex 8. Abschnitt. dem Perpendikel zu geb rochen^ rv e nn sie aus einer» dünncrnMit- tel in ein dichteres treten, und von demselben abgelenkt, wenn der entgegenge- fehle Fall eintritt — der Erfahrung ganz gemäß, Wäre bey der Annäherung des Lichtstrahls an die untere Fläche des Körpers /i, sein Einfallswinkel zr so groß, daß die krumme Linie mir der Flache schon parallel würde, ehe der Strahl selbige erreicht; so verschwindet seine Pcrpendikulargcsckwindig- keik ganz, und er wird folglich anstatt gebrochen zu werden, zurückgeworfen. Dieß ist also die Ursache, warum, wenn die ') Anmerkung. Daraus, baf bic entgegengesetzten Krümmungen und n m > einander ganz gleich sind. ergibt sich auch der besondere Fall, daß die Richtung des Lichtstrahls in l I< mit drr in I< I, parallel seyn müsse — wie,auch die Erfahrung Zehrt/ Vom Lichte. §. Z44» 4»». Strahlen bey dem Ucbergange ans einem dünnen Mittel in das dichtere so schief ausfallen , daß der Brcchungssinns größer werben müßte, als der Sinus Totus — was natürlich unmöglich ist — gar keine BrcchungStatt findet, sondern dieselbe sich in eine Zurückwerfung verwandelt. Eben so klar und deutlich, laßt sich auS der Newton'schen Hypothese, die Perman- eitat des Verhältnisses zwischen dem Sinus des Einfallswinkels und Brechungswinkels herleiten und erklaren. Es ergibt sich nähmlich aus derselben auf das Deutlichste, daß dieß Verhältniß, nicht von der tausendfach verändert ich en Größe des Einfallswinkels, sondern einzig und allein von der unveränderlichen Aniiehungskrast des brechenden Körpers abhänge und von der dadurch bewirkten vermehrten Geschwindigkeit des einfallenden Strahls. Und wie leicht L c 4»? 8. Abschliß. , laßt sich nicht beweisen, daß die alte S?- schwiudigkeit desselben zu dieser neuen, in dem nnverandcrlichen Verhältnisse der beyden Sinuse stehe, und folglich dieses Verhältniß immer dasselbe bleibe! Man lasse nähmlich den Lichtstrahl Is (Fig. 6l.) in was immer für cinerRichlung, aus der Luft, ans die Glasstäche E fallen; ziehe das Einsalisloth L d' ; und be- stimine nach dem bekannten Verhältniß, die Richtung des gebrochenen Strahls I- (Z. Die G e sch w i n d i g ke i t des einfallenden Strahls eV ü, laßt sich in die parallele /e bl und in die vcrpendikulare ^ t --- dl II zerfallen. Jene oder II wird durch die anziehende Kraft des Glases nicht »erandert, bleibt also -auch nach der Brechung dieselbe; und der Lichtstrahl /rS muß folglich, in eben der Zeit, in welcher er sich vor der Brechung um den Raum ^ II hem Perpendikel L? näherte, nach derselben, um den gleiche!! Raum l. sich davon eni. Vem Lichte. §. ZZI. qoz fernen. Bringt man also Iv ^ in paralleler Entfernung von E U, dahin zwischen l-cm gebrochenen Strahl und dein Ein- failslothe, wohin es gerade paßt: so hat man den ganzen, genau begranzken Weg II II, welchen der Lichtstrahl nach der Brechung nimmt, ,und der, da er sich in den Weg II ZvI --2 If p. ^ II und in den Weg 1- I> zerfallen laßt, in eben der Zeit zurückgelegt werden muß, in welcher eL II zurückgelegt wird.' Wohl aber wird die perpendikulare Geschwindigkeit II lZ des einfallenden Strahls II durch die Anziehungskraft des Glases verändert, und zwar vermehrt wie die Hypothese annimmt. Aber diese Vermehrung bleibt immer dieselvige oder eine gleichförmige, weil ja die Anziehungskraft des Gla- scs sich immer gleich bleibt. Folglich muff II II mit II I. ein immer gleiches Verhältniß haben, indem ja II L die perpendirulä- te Geschwindigkeit des Lichtes vor der Bre- Cc s 4"-t Z. Abschnitt, chung, ÜH aber dieselbe durch die Brechung vermehrt vorstellt. Haben aber die perpendikulären Geschwindigkeiten II L und II ein immer gleiches und unwandelbares Verhältniß: so müssen es auch die ganzen Geschwindigkeiten ^ ö und H X haben, weil ja ihre parallelen Geschwindigkeiten ^ II und II I, einan der ganz' gleich sind. Und welches ist denn dieses Verhältniß ? da^L: /eH(---III,)--- Sin.Tytus-Ein- fallsstnus, und XI,: L II " BrechUngsstnus Sin. Totus. so ist auch elIZ:IIX — Vrechungsstnus : Einfallssiuus; oder die Geschwindigkeit des LichteS vor der Brechung, zu der nach der Brechung, verhält sich umgekehrt, wie der Brechungssnus zum Einfallsstnus. Vom Lichte, §. Z44. 405 Nach Eulcrs Theorie erfolgt die Brechung, wegen des Anstosses an einen elastischen Körper, dessen Dichte oder elastische Kraft, vom Acther dergestalt unterschieden ist, daß stch die Lichtstrahlen mit veränderter Geschwindigkeit bewegen. Siehe Fig. 62. Aber wer in aller Welt, kann von Schwingungen der Lichtstrahlen so etwas beweisen! Hingegen wie natürlich nach dem Emanationssystem! Ein Lichtstrahl wird da stärker angezogen, als der andere. Man denke nur gn die chemischen Affinitaten. Wie das Brechen in Ebenen geschieht. 8-Z45- Weg der gebrochenen Strahlen. Aus dem allgemeinen Gesetze der Refraktion (§. Z41.) ergeben sich für ebene Flächen folgende besondere Sätze: 1. Parallele Strahlen in einer Ebene gebrochen, bleiben parallel, ße mö- 4«6 x. Abschnitl. gen aus ein?»! dünnern in ein dichteres, oder aus einem dichteren in ein dünneres Mittel übergehen. 2.-D i v e r g i rc n d c Strahlen in einer Ebene gebrochen, divcrgiren weniger, wenn sie in ein dichteres Mittel treten; mehr, wen» sie in ein dünneres treten. Z. K v n v e r g i r c nd e Strahlen, in einer Ebene gebrochen, konvergiren weniger, wc.n sie in ein dichteres Mittel treten; nirhr, wenn sie in ein dünneres treten. Geht ein Lichtstrahl durch ein durchsichtiges Mittel, das mit zwey parallelen Ebenen b gränzt ist, wieder in das vorige ge Mittel über:. so ist seine Richtung der vor dem Brechen parallel. 5. Geht ein Lichtstrahl durch ein durchsichtiges Mittel, das von zwey nicht parallelen Ebenen begrenzt wird: so wird er beym Ausgange aus demselben, eine andere Richtung, als beym Eingänge haben. Vom Lichte. §. Zgq. 4^ 5. Geht ein Lichtstrahl durch mehrere mit parallelen Ebenen einander berührende Mittel von verschiedener Dichtigkeit - so wird im letzten derselben die Brechung derselben so groß seyn, als wenn der Strahl unmittelbar, aus dem ersten Mittel in das letzte Übergängen wäre. §. 346. 347- Erscheinungen, die sich hierauf gründe n. Alle Erscheinungen, die sich auf die Refraktion der Lichstrahlen in ebenen Flachen gründen, beziehen sich entweder aus eine O r t sv er r ü cku n g oder auf eine Vervielfältigung des strahlenden Gegenstandes. Zur erstern gehören besonders solgerr- ge Phänomene: 1. Daß ein Gegenstand hinter einem ebenen Glase, dem Auge in 4^S «. Abschnitt. seiner natürlichen Größe und Gestalt, aber um den dritten Theil der Dicke des Glase-) näher liegend, erscheint. 2. Daß eine Münze in einem Gefäße z. B. in einer Caffectassc, die bey einer gewissen Stellung deS Auges nicht zu sehen ist, sichtbar werden sann, wenn das Gefäß mit Wasser gefüllt wird — wie schon eben angeführt wurde. z. Daß der Boden eines Gefäßes mit Wasser hohl zu seyn und höher zu liegen sich int. 4. Daß ein Stock im Wasser gebrochen erscheint — woher ohne Zweifel daS ganze Phänomen der Brechung der Lichtsirahlen seinen Nahinen hat. z. Daß einFisch im Wasser nicht an seinem wahren Orte, sondern ungefähr um 5 näher nach der Oberfläche zu, gesehen wird. 6. Daß die Sterne schon vor ihrem wirklichen Ausgangc und noch nach ihrem Vom Lichte. §. Z45. -^7- 4°;» wirklichen Untergänge, wahrgenommen werben können — und ähnliche Erscheinungen mehr. Zur zweyten, oder zur V crv i e l fäl- tiguug des strahlenden Gegenstandes, gehören die Rautenglascr, das Phänomen mit dem Isländischen Doppelspat h und die diop irischen Ana- morphosen. Die Rautengläser vergaß Lichtcnbcrg nie den Fürsten zu empfehle 1, die sich nur ein paar Mann Soldatc« ha'te» können *). ') „Ich kann nicht leugnen — sagt er hierüber in seiner Erklärung der Hogarth. „Kupferstiche 5te Brief. S. 21. — Daß eS ziinich bey den jetzigen ungeheuren Fortschritten in den optischen Wissenschaften, „wodurch selbst die gewöhnlichsten Menschen, in den Stand gesetzt werden, Ent- „dcckuugcn zu machen, oder am Himmel zu „messen, so wie Damen etwa oval drech- „scln, nicht wenig befremdet hat, daß noch „Niemand auf den Einfall gekommen ist, 4ZZ x. Abschnitt. Die Erscheinung beym Zsländischett Krystall, war von jeher das Eruxkssi/- sicorum und ist bis auf diese Stillide noch nicht erklärt. Die Hauptschwicngkelt dabey „diese« grossen Wink der Natur, ich meine „die pvlyedrischen Gläser aller Art polnisch „und statistisch zu nutzen. Denn da sich offenbar durch diese Gläser, nicht allein cin- „zelne Hirsche und wilde chchweine zn gan- „zen Hecrden, sondern auch einzelne Soldaten zn ganzen Bataillons, mil sehrgcrin- „gcn Llnfwand und ohne allen Schaden für „das Land vervielfälligcn lassen, so könnte „manchem Monarchen der zwölften Größe, „der alle- dieses nur zum Slaat oder Zeit- „vrrlrcib hält, ein großer Dienst damit gc- ..schehem und ein noch größerer den Unterthanen. Ja, es ist und bleib! in dieser Aück- „sicht eine Frage , ob nicht gerade dieser „Gebranch vom geschlissenen Glase, dem .„menschlichen Geschlechte mehr wahren Rufen gewährte, als Alles, was es uns bis „jetzt über Sternen - Nebel, und Jnsnsi- „vns - Thicrchen gelehret hat. Man hat „über der V^rgrössernng der Gegenstände „die Vervielfältigung derselben .vergesse« e fje ungleich mehr werth ist/« Von: Lichte. I. 316. Z47. gn ist folgende: einmahl werden die dadurch gesehenen Gegenstände verdoppelt, oder es findet eine doppelte Refraktion Statt. Und dann, wenn man einen andern Doppelspath in homogener Richtung darunter hält, so verdoppeln sich die Strahlen nicht, aber in. heterogener Richtung verdoppeln sie sich wieder. Siehe Fig. 6Z. und Fig. 6g. Wer nun dieß durch Vibration erklären sollte! Der Alles erklärende Silberschlag hat gerade das Schwerste bey der Sache nicht einmahl berührt. Siehe die Note Lichtenbcrgs Z. Z46. des Verfassers. *) Unter dioptrischen Anamorp Hosen werden Zeichnungen einzelner Theile von Gegenständen verstanden, die dupch ein pslyedrisches Glas betrachtet, als ein Ganzes erscheinen. ') Einen nützliche» Gebrauch des Doppelsraths hat R 0 Z-;l.) und auS dem Verhältniß derselben (§. Z4Z.) ergeben sich für die Linsengläser folgende besondere Sätze: s. bey Conv ex gläsern oder crhabe- nen Linsen. Wenn parallele Strahlen auf erhabene Linsen nahe bey der Axe des Glases fallen: so werden sie nach der Brechung in einem Punkt vereinigt, welcher der Brenn- piinkt hcißt- s. Wenn divergirenhe Straß- VöNl Lichte- §. ZZo—ZZz. 4rz len auf erhabene Linsen fassen: so werden sie nach der Brechung a. weniger diver girend, wen« die Entfernung des leuchtenden Punktes kleiner ist, als die Brennweite der Linse; parallel, wenn der leuchtende Punkt selbst im Vrennraum sich bebefindet ; 7. konvergirend, wenn die Entf ernung des leuchtenden Punktes größer ist, als die Brennweite der Linse. Z. Wenn konvergirende Strahlen auf erhabene Linsen fassen: so werden sie nach der Brechung noch mehr konvergirend. b. Bey Hohlglasern oder konkave« Linsen. I. Wenn parallele Strahlen auf hohle Linsen, nahe bey der Az-c des Glases fassen: so werden sie nach der Brechun.cz d i v e r g i r e n d? 4^6 x. Abschnitt. 2. Wenn divergirende Strahlen auf hohle Linsen fallen: so werden sie nach der Brechung, entweder «. weniger konvcrgir end, oder P. parallel, oder v. gar divcrgirend, je nachdem ihre Convergcnz größer oder geringer ist» Alle diese Satze lassen sich theils durch Zeichnungen erläutern, theils durch Rechnungen bestätigen. Auf keines von beyden ließ sich Lichtenberg ein, da beydes der Mathematik angehört. Er begnügte sich in der ersteren Hinsicht, eine allgemeine Anweisung zu geben, wie solche Fälle gezeichnet werden müssen; in der letzteren blos das Resultat aus allgemeinen Rechnungen in den bekannten Formeln ss" s ll v -ZZZ. 4-z k - z Zoll r — 4 Zoll, so ist die Brennweite -» 2> Z- — 4 4 !^ —^^ ^4' Steht nun der leuchtende Gegenstand z6 Zoll weit vor dem Glase, ss ist die Vereinignngsweitc Z6 . 24 864 zS--4 ^ ^ 7- Z°». Es ist nicht nöthig diese Formel durch alle erhabenen Linsengläser durchzuführen, da es dabey weiter keine Abkürzungen gibt. Aber das verdient bemerkt zu werden, daß auch diese Formel so viele Erleichterung bey der richtigen Zeichnung solcher Fälle gewährt. Denn gerade diese Fälle — wo die diver- girenden Strahlen nach der Brechung sich in einen Punkt vereinigen — sind besonders schwer zu zeichnen. Die Linsen müssen nähmlich sehr dünne genommen werden, und da sind dann die Instrumente zu grob und die Augen zu schwach. Nimmt man sie dicker so wi:d der Raum zu enge , und es gibt k!4 Abschnitt. Unrichtigkeiten gerade wegen der Dicke der Linse. Man weiß nähmlich nicht, von welcher Flache man die Brennweite anfangen soll. Für die Vereinigung der konvergi- renden Strahlen bey erh ab en e n Linsen, gälte die nähmliche Formel, wie bey den dioergirendcn. Aber sie ist hier von keinem Gebrauch, weil jene Vereinigung in keine Betrachtung kömmt. Bey den Hohlgläsern findet überall gerade das Entgegengesetzte Statt. U Dort ist die negative Brennw ei te 2. — ll. — r >5>2llr oder k — — ll —1" " — (ii -5 r)' 2 ll r und die negative Vers einigungsweite oder ü. — L —65 ^ ^ ä s) ^ 6^5' n ennt beyde auch dieZerstreuungswei- Bom Lichte. §. ZL4-z«i° 4as le, jene für parallele, diese für diocrgirende strahlen. §. ZF4—Z6r. Wie die. Linsen Bilder zeige». Es ist hierüber folgendes z» bemerken: i. DerOrl des Bildes liegt jm Konvergenzpunkte der gebrochenen Strahlen. Dieß ist aus den Grundsätzen über den Ort der Bilder bc> kannt. Da sich nun dieser Konvergenzpunkc durch Rechnungen finden läsit, so wird sich auch die Entfernung des Bildes durch Rechnung , und also durch eine allgemeine Formel bestimmen lassen. Mit einem Worte, Entfernung des BildeS und VereinigungS- wcite (S. 42s.) und Brennweite (S. 417.) ist vollkommen einerley. Man findet sie al? so nach der bekannten Formel: ä k 9 (S.Z04-), n>? Z- Abschnitt. ri, die Entfernung des Objektes vom Glase, und 5, die Brennweite desselben 2 K r i, ^ Z^^.) bedeutet. Die Entfernung des Objektes vom Glase verhalt sich immer zur Entfernung des Bildes von demselben, wie der Halbmesser des Objektes zum Halbmesser das Bildes. s. Das Bilderscheint immer vor dem Glase, wenn der Gegenstand hinter demselben, und das Glas also zwischen beyden liegt. Bey den Bildern der Spiegel ist dieß gerade umgekehrt, die Falle ausgenommen, wo Gegenstand und Bild por denselben ist. z. Hohlglaser geben keineBil- der, sondern blos die konsepen. Die Hohlgläser zerstreuen ja die Strahlen,, wie wir gesehen haben. Da nun aber der Punkt eines Bildes nur da gesehen werden kann, wo zwey unendlich nahe einfüllende Strahlen sich durchschneiden, wo es also Vom Lichte. §. ZZq—z6e. 4:7 einen Konvergenzvlmkt der gebrochenem Strahlen gibt, dieses aber bey Hohlgläsern nicht der Fall ist: so steh: man, daß sie auch ku'n Bild von den Gegenstanden machen können. Sie fahren aber aus dem Cla'e in einer solchen Lage auseinander, daß sie rückwärts verlängert, hinter dem Glase in einerley Vcrcinigungspunkt zusammen laufen würden. Daher nimmt man diesen eingebildeten Vereinigungspunkt der Strahlen, als das Bild des Objektes an. Dieß Bild ist aber nur ein mathematisches und kein physisches Bild. 4- Auch Convcpglascr geben nur in gewissen Fallen Bilder. Es ist darüber folgendes zu bemerken: s. Wenn der Gegenstand unendlich weit vom Glase entfernt ist, so erscheint das Bild imBrenn- punkte des GlaseS. Alle Strahlen nähmlich, die in diesem Falle von dem Gegenstände ausfahren und auf die Linse fal- z. Abschnitt. ieu, sind als parallel anzusehen. Wen« aber parallele Strahlen auf konvere Linse» fallen? so werden sie nach der Brechung in dem Brennpunkt derselben vereinigt. (S .Zoo.) Man kann also auch sagen: wenn (mit der Ihre des Glases) parallele Strahlen aus erhabene Linsen fallen, so erscheint das Bild im Brennpuukt derselben. Näher kann kein Bild dem Glase liegen, als der Brennpunks liegt. Wenn sich der strahlende Gegenstand im Brennpunkt des Glases befindet, so macht er gar kein Bild. Er kann nähmlich in diesem Falle nur divcrgkrende Strahlen auf die L-nsc schicken. Divergirende Strahlen werden aber, wenn der leuchtende Gegenstand sich im Brennraum befindet, nach der Brechung zu parallelen (S. Zoo.) die also nie, oder in einer unendlichen Entfernung zusammenlaufen. Man kann also auch sagen: dep Vom Lichte. §. 5Z4-Z5». ^'5 Gegl-nstand, macht ein unendlich großes Bild, in einer unendlichen Entfernung» c.. Wenn der Gegenstand werter vom Glase, als der Brennpunkt liegt, (nur nicht unendlich weit (g) ) so erscheint das Bild verkehrt und weiter vom Glase entfernt, als dieBren n weite beträgt Der leuchtende Gegenstand, kann nahmilch in diesem Falle, wieder nur divcrgircnde Strahlen auf die Linsen schicken. Divergi- rende Strahlen werden aber, wenn die Entfernung deS Gegenstandes größer ist, als die Brennweite, nach der Brechung konver- girend (S. Zoo). — Je naher das Objekt dem Brennpunkte des GlaseS kömmt, desto weiter rückt das Bild vom Glase weg und wird zugleich desto größer. Es verschwindet endlich ganz, wenn das Objekt in den Brennpunkt deS Glases z» stehen kömmt, (d) ä. Wenn der Gegenstand näher «ach dem Glase liegt, als des 5. Abschnitt. Brennpunkt, so kann gar keilt Bild entstehen. Es kommen näh nlich hier wieder nur dkvergircnde Strahlen in Betrachtung. Diese fahren aber in diesem Falle nicht zusammen, sondern bleiben divcr- girend, obgleich ihre Divergenz etwas vermindert wird. (S. Zoo) Es gibt a>so für das Auge, keinen Convcrgcnzpunkt der gebrochenen Strahlen. 5. ConveLgläser geben also nur in den zwey Fällen Bilder, wenn parallele Strahlen aus sie fallen, und wenn divergirende von einem Gegenstände kommen, der weiter vom Glase entfernt ist, als die Brennweite betragt. — Mit einer Licht flamme kann man sich dieß recht sinnlich erläutern. Das Bild davon; stellt stch hinter einer konvezen Linse klein und verkehrt dar, wenn die Flamme weit vom Brennpunkt der Linse entfernt ist : wird größer und entfernter, wenn die Vom Lichte. §. ZZ4--Z6-. 4Z-. Klamme dem Brennpunkte naher kömmt, und verschwindet endlich ganz, wenn die Flamme in den Brennpunkt tritt. IV. Disjunktion der Lichtstrahlen. (Spaltung deS Lichts. --- Farbenlehre.) Wir haben bisher das Licht; als einfach, und gleichartig betrachtet. Aber so ist eS nicht; es ist vielmehr zusammengesetzt und gemischt. Jeder Lichtstrahl laßt sich als ein Bündel von verschiedenen Lichtstrahlen betrachten; jeder laßt sich in mehrere andere spalten, die dem Stamme durchaus nicht mehr gleichen. Diese Eigenschaft derselben, könnte man die Spaltung oder Disjunktion des Lichts nennen. Gewöhnlicher wird sie, weil die Spaltung durch eine verschiedene Brechung bewirket wird, die verschiedene Brechbarkeit des Lichts rskrauxibilitaz Inais) genannt, »nd bcpm ^2 s. Abschnitt. Artikel der Refraktion abgehandelt, von dem sie auch als ein Appendig- angesehen werden kann. Die größte Entdeckung die Newton geinachthat, ist unstreitig die Spaltung des L i cht 6 d urch d as P r is m a. Er machte sie im I. 1666, in eben dems lbcn, in welchem er auch das allgemeine Gravitationsgcseß entdeckte, und gründete darauf st-ine wahrscheinlich ewig bestehende Theorie von den Farben» Zuerst von jener Entdeckung, und dann von dieser Anwendung derselben. Und dabey überall auch von EulerS Meinung über die nähmlichen Gegenstände. st. Z62--z66. Newtons Erfahrung mit dem Prisma. Die vorzüglichsten Erfahrungen, welch« Newton über die Spaltung des Lichts durch dss Prisma machte, sind folgend«: Vom Lichte. §. ^z—z66. qzz i. Wenn man durch ein kleines run- deö Loch , von ungefähr ^ Zoll im Durchmesser, die Sonnenstrahlen ^ ö (Fig. S5.) in ein dunkles, verfinstertes Zimmer gehen, und daselbst auf ein gläsernes, horizontal gestelltes, dreyseitiges Prisma SDL fallen laßt; so bilde» sie nach dem Durchgang durch das Prisma auf der vertikal stehenden Wand ? (l, ein längliches Far- benbild kl I (spectrum), das an der» beyden Seiten durch gerade, parallele Linien, oben und unten aber von Halbkreisen begranzt ist; und an welchem leicht, von unten nach oben zu, folgende Farben zu unterscheiden sind: 1. roth (rudeus, rouge) 2. oränge (anrantiua, orgNAe) Z. hellgelb (Savus, saune) 4. grün (viriäiü, verll) z. hellblau (caeruleuz, bleu) t. ind i g 0 b lau (inllienz, inlligo) 7. violett (vioiaceus, violer.) Ee 4Z4 8> Abschnitt. Ansialt also, daß die Strahlen, ein rundes weißes Bild der Sonne bilden sollten , weil ja bey der Brechung in ebenen Flachen, parallele Strahlen parallel bleiben : bilden sie dieses ianglichlc Farbeubild, das gerade fünf Mahl länger, als brei:, und so breit isi, als daS runde, weiße Bild seyn würde, das sie ohne Prisma hervorgebracht haben würden. — Das nähmliche findet auch bey jeder andern Art von Lichtsirahlen Statt, und nicht ullcin bey den eigentlichen Sen'xnsirohlen. s. Wenn was immer für einer von den sieben gefärbten Strahlen, durch eine geschickte Vorrichtung, von den übrigen abgesondert und mit einem zweyten Prisma aufgefangen wird: so verändert er nach dem Durchgang durch dieses Prisma seine Farbe nicht und bildet auf der Wand ein kreisförmiges Bild, lwd dieses Bild erscheint daselbsi, entweder höher oder nie- Vom Lichte. §. z6z—Z66. qzZ driger, je nachdem es einer von den Strahlen ist. Die Vorrichtung, der sich Newton zu dieser Erfahrung bediente, war folgende. Hinter das Prisma L II L (Jig.bä.) stellte'er in vertikaler Lage und in hinlänglicher Entfernung ein Brett III. mit einem kleinen Loche, und ließ durch dieses Loch einen Theil des im Prisma gebrochenen Lichtes besonders gchen. Um aber die darüber oder darunter befindlichen anders gefärbten Strahlen desto besser abzusondern, ließ er jenen Theil des Lichtes noch einmahl durch die eben so große Oessnung eines andern Brettes jVl treten, das mit dem ersten parallel und etwa 12 Fuß davon entfernt war. Hinter diesem Brette fing er nun den durchgehenden Strahl mit einem zweyten PriSma 0 ? auf, und erhielt die obige Erscheinung. Durch sanfte Umdrehung des ersten Prisma um seine A^e, brachte er nach und nach glte einfach gefärbten Strahlen des sieben- E s?. ,»zS z, Abschnitt. fachen Farbenbildes durch das Loch in den Brettern, und erhielt nicht nur bey einem jeden du-selbe Erscheinung, sondern fand auch, daß, wenn er die einzelnen Strahlen unter einerlei) Einfallswinkel auf das zweyte Prisma brachte, das rothe Bild des rothen Strahls, auf der Wand am niedrigsten, etwas höher das orangegelbe des orangegelben, noch etwas höher daS hellgelbe des hellgelben, und so fort daS Bild eines jeden in eben der Ordnung zu liegen kam, in welcher die Farben im Farbenbilde von unten auf nach oben zu liegen. z. Wenn mau alle sieben durch das Prisma gebrochenen Strahlen auf eine bikonvexe Linfe fallen läßt, und in den Brennpunkt derselben ein weißes Blatt Papier hält: fo geben sie dafelbst wieder das weiße, helle und runde Bild der Sonne. — Hält man dieß Papier näher nach der Linse zu, fo erscheint das alte Farbcn- l'ild wieder, nur mehr verengert, und in der Vom Lichte. Z. z65—zs6. 4Z7 gewöhnlichen Ordnung der Farben. Fangt man aber mit demselben, die Strahlen in einer größeren Entfernung, als die Brennweite betragt, auf: so erscheint auch wied r daS Farbcnbild; aber die Farben liegen in umgekehrter Ordnung, weil sich die Strahlen im Brennpunkte der Linse durchkreuzen. Und weil sie nun auch auseinander fahren: so wird daS umgekehrte Farbenbild desto größer, je weiter man das Pap er entfernt. Aus dielen und mehreren andern Erfahrungen leitete Newton mit Recht folgen- ge wichtige zwey Wahrheiten her: l. Das wcißeLichl besteht aus einer Mischung von sieben verschiedenen Strahlen, deren jeder seine bestimmte und unveränderliche Farbe hat. Eigentlich aus unzählbaren, unter welchen sich jedoch die sieben obc ngcnannten am kenntlichsten auszeichnen. — Diese Farbe ist also nicht nur 4Z8 x. Abschnitt. eine Modifikation deS Lichts durch dir Bre>» chung und Zurnckwcrfung, welche es von den Körpern erleidet, sondern eine ursprüngliche und eigenthümliche Eigenschaft desselben. Diese sieben Farben -- welche durch die Brechung in einem drcyseitigen Prisma keine Veränderung erfahren, nennt Newton einfache, gleichartige, homogene Farben, im Gegensatz der zusammengesetzten, ungleichartigen und heterogenen, welche durch eine solche Brechung allerdings verändert werden. Auch bestimmte er das Verhältniß, in welchem die sieben einfachen Farben, in dem weißen Lichte sich vermischt befänden. Et fand nähmlich, daß wenn die Länge des prismatischen Farbenbildes i gesetzt wird: die Höhe der einzelnen farbechten Strahlen folgende ftp : Vom Li tc. §. Zöz 4zz des rothe» ^ " o, 5 des-ran^egelben^- --- o, -070z des h.llgelben — --- 0, izzz des grüne» "ch ^ o> 1666. . . des hellblauen ch — , 0, »666. . . des ind'goblauen ^ ch — o, »ri». . . des violetten ^ ch — 0, 2222. . . und hieraus folgerte er natürlich, daß in dem weißen g>mischten Lichte, von den viele l t e n S t r a h l e n doS meiste, von den grünen und hellblauen, die gleich darauf folgen, gleichviel vorbanden sey; daß hierauf die hellgelben, hierauf die rothen/ hierauf d-'e indigodlauen/ und zuletzt die orangegelbe» folgen, von »reichen am wenigsten vorhanden ifl. 2. Die verfchiedencn Gattungen des weißen Lichts besitzen, in einerley brechenden Mitteln, ei- ue vcrschiedcnc Brcchbarkeit, und sd.cn ,d .ch diese verschieorAe 44^ x. Abschnitt. ' Brechbarkeit wird ihre Absender rung oder die Spaltung des weitsten Lichts bewirkt. Mit großem Scharfsinn hak Newton selbst das Brechungsverhaltniß der verschiedenen Galtungen des weißen Lichts gefunden. Durch viele und ziemlich übereinstimmende Versuche, ergab sich nähmlich dich Verhältniß aus Glas in Luft für rothes Licht 5a: 77 bis 775 fürorangegelöes--7 zo: 775 für gelbes ---- zo: 775 für grünes ^ so: 775 — 20 .'zr für hellblaues g?o: 77^- für indigoblaues — 50 : 77^ für violettes — 50 : 77 z bis 73; oder der gemeinschaftliche Einfallssinus ---- I gesetzt, so ist daS Brechungsverhältniß für rothes Licht --- 1 - 1 /54 bis 1,542^ für orangegelbes1: »,544 Vom Lichte. Z. 562—z6S. 41 r für hollgelbes 1 : r, 54667 für grünes l: r, zz für hellblaues i : 1, gzzzZ für indjgoblaues 1: 1, ALLLZ für violettes — 1 : 1,^6 Die größte Vrcchbarkeit des violetten, und die kleinste des rothen Strahls ist also gegeneinander wie 1,56 : 1,54 oder wie 78: 77- Theilt man das prismatische Farbenbild, nach Verhältniß dieser Brechungssinnsse in sieben Theile: so wird ^ <7 (Fig. 67.) ---- 5, ---- 5, — 5, 6 --- 5, --- r. Und hieraus wird eben bestimmt, welchen Raum eine jede Farbe einnehme. Es ist nähmlich: für die rothe 5 für die orangegclbe ei) --^O — 5^5-? ^ 4»! 7. Abschnitt. für dir h llgelbe v L ^ L — ^ I) ^ - -ß- ^ für die grüne L ^ ^ ^ L — -r — .- für die hell blaue k l? ^ ^ ^ j? - - — ^ für die indigoblane für die v oletle L L ^ L - ^ ?I -^l — z-^K §. Z67-Z72. Theorie der Spaltung des Lichts. Newton sucht die Ursache der verschiedenen Brechbarkcit der einfachen Lichtsirahlen , in der verschiedenen Größe der Kügrlchen, woraus er ein? jede Art bestehen laßt, und glaubt die violetten Lichttheil- chen seyen die kleinsten, die rothen aber die größten. Vom Lichte. Z. 367-372. 443 Nach Euler hingegen besteht das Zus amme ngesetzte eines Lichtstrahls, iu der ungleichartigen Geschwindigkeit, mit welcher derselbe eine Reihe von Schlägen dem Ac- thcr ertheilt. Die Schlage, welcke schneller auf einander folgen, werden weniger gebrochen, als die, welche weiter von einander liegen, und so entstehen also durch das Brechen auS einem Strahle mehrere. §- Z7Z-Z75- Newtons Meinung, wie die Körper Farben zeigen. So interessant auch die Erfahrutigen Newtons mit dem Prisma und die daraus hergeleiteten Wahrheiten schon an und für sich selbst sind z so werden sie es doch noch weit mehr, durch die Anwendung auf die verschiedenen Farben derKörper, welche Newton davon macht, und wobcy es auf folgende vier Sätze ankömmt: 444 8. Abschnitt. r» Die Absonderung der gefärbten Strahlen, aus weichen daS weiße Licht besieht, geschieht nicht allein durch das Glas, sondern durch jeden durchsichtigen Körper, dessen Flachen brechende Winkel bilde»!. — Nimmt man anstatt des Prisma z. T. ein tonisches, mit Wasser gefülltes Gefäß, oder auch ein gläsernes, hohles und mit Wasser gefülltes Prisma: so erfolgt dieselbe Abfonde»ung der Strahln. ». 2« Alle Körper sind in den dün- nesien Blattchen ihrer Oberfläche durchsichtig; und hier geschieht an den Lichtstrahlen eben das, was ihnen imPrisma widerfährt. Die Annahme der D u r ck si chtig k e i t der dünnstcu Blattch-m der Körper hat durchaus nichts Widersprechendes- Sie wird durch sas Mikroscop und durch die Cbemie bestätiget. Die Ständchen der festesten Materien Vom Lichte. §. Z7Z—Z7S. q.., erscheinen durchsichtig, wenn man sie genug vergrößert. Eben so werden auch die Auflö- sungen der Metalle durchsichtig. -- Was die Absonderung der rerschiedenen Lichtsirahlen, mtttelsi der verschiedenen Brechung in diesen dünnen, durchsichtigen Blättchcn betriffc: so wird sie dadurch bestätiget, daß überhaupt alle sehr dünnen, durchsichtigen Blättchcn, wie z. B- die Seifenblasen, eine gewisse Farbe zeigen, die von ihrer verschiedenen Dicke abhängt. Berühmt sind Newtons Erfahrungen über die Lustbl ät t ch c n, bey zwey erhabenen Gläsern von einem große» Halbmesser, wenn man sie gegen einander drückt. Z. Alle Körper besitzen die Eigenschaft, d i ese n v d e r j e n e n d e r sieben auf ihrer Oberfläche, durch die verschiedene Brechung abgesonderten Lichtstrahlen zurückzuwerfen, die übrigen aber, entweder durchzulassen oder zu vrr- ^6 8. Abschnitt. schlucken. — Dieß ist nun freylich eine Hypothese -- die aber auf vielfacher Analogie der Natur beruht. Wenu man auf durchsichtige Glaser, die gleichförmig, roth oder blau gefärbt und aus beyden Flächen eben sind, die aus einem Prisma fahrenden gefärbten Strahlen, in der Entfernung von einem Fuß fallen laßt: so laßt jedes Glas nur diejenigen gefärbten Strahlen durch, die es im gebrochenen Lichte zeigt. Ueberhaupt erscheinen Körper von allerley Farben, durch gefärbte, durchsichtige Glaser allerley Art betrachtet, dem Auge nur von derjenigen Farbe, welche das Licht hat, daß das GlaS durchlaßt, oder welche das Glas im gebrochenen Lichte zeigt. Man schließt hieraus, daß die übrigen gefärbten Strahlen, von dem Glase, auf irgend eine, unS unbekannte Art verschluckt werden müßen. Und worum sollte dieß nicht auch bey undurchsichtigen Körpern der Fall seyn, besonders da man, wenigstens ihrß Vom Sichte. 5> Z7Z--277. 44? Oberflachen, sich als dünne, durchsichtige Lamellen denken muß? — Doch Newton suchte seine Hypethese selbst durch die Er» fahrung zu bcstat gen. Er brachte gefärbte Körper, in das durch das Prisma abgesonderte, mit ihnen gleichartige Licht, u d fand, daß sie daseibfl am lebhaftesten und glänzendsten aussehen. So z.V. sieht Zjn-cher in dem rothen Lichte am lebhaftesten aus, im grünen Lichte nicht so sehr, im blauen noch weniger. Und dieß begünstigte allerdings seine Meinung, daß nicht das ganze Bündel weißer Strahlen zurückgeworfen, sondern daß dasselbe, sobald es die rcflek? tirende Fläche berührt, daselbst verschiedentlich gebrochen und abgesondert, ein Theil davon verschluckt oder durchgelassen, und nur der übrige Theil zurückgeworfen werde. — Warum nur freylich gerade dieser oder jener gefärbte Strahl zurückgeworfen wer« de: das gehört vor das Forum der hohem Chemie, und wer weiß, ob auch diese je 4^8 !< Adschiuit. darüber einen befriedigenden Aufschluß wird geben können! 4. Je nachdem ein Körper die- sen oder jenen Lichtstrahl zurückwirft, erscheint er uns von der Farbe, welche der Lichtstrahl hat. So sendet z.B. Mennig die am wenigsten brechbaren oder rothen Strahlen am häu<^ figsten zurück und erscheint d cher roth ; Veilchen werfen die am meisten brechbaren oder violetten Strahlen zurück, und erscheinen violett. Und überhaupt werfen alle Körper diejenigen Strahlen, welche zu ihren eigenen Farben gehören, häufiger als die andern zurück. Wenn leuchtende Körper eine gewisse Farbe zeigen, so strömen sie nur eine Art von Lichtstrahlen allein, wenigstens nicht alle sieben zugleich aus, als im welchem Falle, sie dem Auge weiß erscheinen würden. — Wie es übrigens zugehe. daß diese, oder jene Gattung des Lichts, im Auge diejenige Empfindung bt? Vom Lichte, §. Z--Z7L- 44S wirke, mit der die Vorstellung dieser oder jener Lichtfarbe verknüpft ist, macht keinen Gegenstand unserer Erfahrungskenntniß aus, und gehört also nicht in die Physik. Weiß erscheint ein Körper, wenn er alle Gattungen des weißen LichtS zurückwirft, oder, wenn es ein leuchtender Körper wäre, ausströmt. Die weiße Farbe entsteht folglich, wenn ein Körper, die weißen Strahlen unzersetzt in unser Auge schickt, und sie ist also eine Vermischung aller Grundfarben im gehörigen Verhaltnisse. Newton erwieß dieß durch verschiedene Versuche. Einer derselben war auch folgender. Theilt man die Peripherie eines Kreises nach Verhältniß der Räume ein, welche die sieben Farben in dem prismatischen Far- öenbilde einehmen: so kommen Für das rothe Licht 45 Grade. — — orangegelbe 27 — — hellgelbe 48 — grüne So K f 45Z 8- Abschnitt. für das hellblaue 6c> Grade. »»- indigoblaue.^o -- ---- — violette Zo — Man beschreibe nun auf einer runden Scheibe ld (käg. 68) zwey concentrische Kreise, und theile jeden derselben in sieben- Theile nach dem eben angegebenen Verhältniß , und bemahle die Flache eines jeden Theils mit einem seiner correspondirenden Pigmente. Wird nun die Scheibe, um ihre Ihre schnell herumgedreht: so erscheint sie weiß; bey einem anderen Verhältnisse der Farben aber gegen einander, gibt sie eigene Farben. Schwarz ijk die Abwesenheit alles Lichtes und aller Farben; denn es läßt sich durch keine Vermischung von Farben hervorbringen, und ist also eigentlich keine Farbe. Die Erscheinung des Schwarzen wird dadurch bewirkt, daß gewisse Körper, alle Lichtstrahlen verschlucken, und keinen derselben zurückwerfen -» weßwegcn auch Vom Lichte. §. Z73-Z7Z. 45i schwarzes Tuch z. B. so warm ist. — Das absolute Schwarz würde entstehen, wenn ein Körper gar kein Licht in unser Auge sendete. Mein, ein solches gibt es wohl nicht in der Natur. — Ziegel sind inwendig schwarz, so wie alle Knhe bey der Nacht. § Z76-V78- Enlers Meinung, wie die Körper-Farben zeigen. Die Eulerische Meinung, wie die Körper Farben zeigen, lernt man am besten aus seinen eigenen Worten kennen. Es sey mir daher erlaubt einen seiner Briefe über verschiedene Gegenstande aus der Naturlehre, nach der Kriesischen UebcrscHung, hier ganz abzuschreiben. „Die Unwissenheit in Ansehung der „wahren Natur der Farben hat von jeher .große Streitigkeiten unter den Philoso- Ff « 45? L- Abschnitt. „phen veranlaßt. Ei» jeder wär bemühe. „sich durch eine besondere Meinung über „diesen Gegenstand auszuzeichnen. — Die „Meinung, daß die Farben ihren Sitz in „den Körpern selbst hatten, schien ihnen zu „gemein, und eines Philosophen, der sich „immer über das Gewöhnliche erheben muß, „nicht würdig genug. Sie behaupteten da- „her, daß die Farben nichts Wirkliches wä- „ren, nnd daß in den Körpern selbst nichts „läge.- was ihnen entspräche. Die Newtv- „nianer setzen den Unterschied der Farben „bloß in die Verschiedenheit der „Strahlen, die sie in rothe, gelbe, grü- „ne, blaue und violette eintheilen; und sie „sagen, daß ein Körper uns von dieser oder „jener Farbe zu seyn scheine, wenn er Licht-, „strahlen von dieser Gattung zurückwerft. — „Andere, welchen diese Meinung nicht sub- „til genug schien, nahmen an, daß die Far „den bloß in der Vorstellung vorhanden „waren. Das ist uvstreitig das beste Mittel Vom Lichte. Z. Z76—z?s. 4SZ ,,sc''ne Unwissenheit zu verbergen; sonst „könnte der gemeine Mann glauben , „daß der Gelehrte von der Natur der „Farben nicht mehr wisse, als er. Ew. H. „werden aber leicht sehen, daß dergleichen „Fvihsindigkciten nichts als Ausflüchte »find.« „Man könnte vielleicht aus die Vermuthung kommen, daß die verschiedenen Far- „beu von der verschiedenen Stär- ;,k e der Lichtstrahlen herrühren, so daß „die stärksten Strahlen, z. V. rothe Farbe „hervorbrachten, etwas schwächere, die gel- ,che n. s. w. Aber es ist nichts leichter, „als diese Meinung zu widerlegen; da wir „aus Erfahrung wissen, daß derselbe Kör- „vcr immer dieselbe Farbe behalt, er mag „schwach oder stark beleuchtet seyn. Ein „rother Körper z. B. bleibt roth, man mag ;,ihu in den hellsten Sonnenschein halten, .ivder an einen dunkeln Ort stellen, wo die „Strahlen sehr schwach sind. Mani kann 4-4 8- Abschnitt. „daher die Ursache der verschiedenen Farben, „nicht in den verschiedenen Graden der Star- „ke des Lichtes suchen." „Es muß sich also durchaus noch ein „anderer Unterschied unter den Lichtstrahl „len finden, woraus sich die Verschiedenheit der Farben herleiten läßt; und wo- „rin könnte dieser anders liegen, als i n „der verschiedenen Anzahl der „Schwingungen, wodurch die Strahlen erzeugt werden? — Eine jede einfache „Farbe (um sie von den gemischten zu unterscheiden) rührt von einer bestimmten „Anzahl von Schwingungen her, die in „einer gewissen Zeit geschehen. So bringt „eine gewisse Anzahl von Schwingungen in tiner Sekunde die rothe Farbe hervor, „eine andere die gelbe, eine andere die gru- „ne, wieder eine andere d'e blaue, und „noch eine andere die violette, welches die „einfachen Farben find, so wie wir sie im „Regenbogen sehen." Vom Lichte. §. Z76 -Z78. 4SS „Wir müssen uns vorstellen, daß die „kleinsten Theilchen aufder Ober- „släche eines Körpers sich wie die „Saiten eines Instruments, in „einer gewissen Spannung b e» „finden, die durch ihre Masse und Elasticität bestimmt wird, und daß, wenn sie „nur auf die gehörige Weise berührt wer? „den, sie in eine schwingende Bewegung „gerathen, die nach dem Grade der Spannung schneller oder langsamer seyn wird. „Wenn also die Theilchen eines Körpers ei- „ne solche Spannung haben, daß, wen» „sie erschüttert werden, sie in einer Sekunde „so viel Schwingungen machen, wie z. B. „die rothe Farbe erfordert: so nenne ich „diesen Körper roth , so gut wie der Bau- „er, und ich sehe keinen Grund, warum „ich von der .einmahl angenommenen Art zu „sprechen abgehen sollte. Mit gleichem Rech- „te, wird man auch die Strahlen, welche „eben so viel Schwingungen machen, roth 4AS 8. Abschnitt. „nennen können; und wenn die Nerven des „Auges von diesen Strahlen berührt wor-' „den, so haben sie die Empfindung der ro- ;,then Farbe." „Dieß ist alles klar und deutlich, und „ich sehe keine Nothwendigkeit zu dunkeln „und gebeimnißvollen Ausdrücken, die im „Grunde zu nichts taugen, we ne Zuflucht „zu nehmen. Freylich sind wir noch nicht „so weit gekommen, die Anzahl der Schwiu- „gungen einer jeden Farbe zu bestimmen, „und wir wissen sogar noch nicht einmahl, „welche Farben mehr oder weniger Schwingungen erfordern, oder welche Farben deck „feinen, und welche den groben Tönen entsprechen. Aber es ist genug zu wissen, daß „eine jede Farbe ihre bestimmte Anzahl bon ^Schwingungen hat, wenn gleich diese An- „zahl uns noch unbekannt ist, und baß es gur darauf ankömmt, die Spannung, oder ndie Elasticität der kleinsten Theilchen eines Vom Lichte, Z. 57S^,?7F. 45" gKorpers zu andern, um ihm eine andere „Farbe zu geben." „Die Aehnlichkeit zwischen dem Schalle „und dem Lichte ist so groß, daß sie sich auch „in den geringsten Umständen bestätigt. Da z,ich von dem Versuche mit der gespannten „Sai'e sprach / die durch den bloßen Klang „gewisser Töne bewegt wird: so werden Ew. „H. sich erinnern, daß ich sagte, daß die Saite durch denjenigen Ton am leichtesten „und starrsten erschüttert werde, der dem z,ihrig>'n gleich ist, und daß andere Töne „nur in d m Grade einen wirksamen Eindruck machen, als sie mit der Saite zu- „sammcnstimmen. Gerade so ist es auch mit „dem Lichte und den Farben beschaffen; denn ,chie Farben sind hier das, was die Töne „in der Musik sind." „Um sich von dieser Sache, wodurch „mein System so sehr bestätiget wird, zu „überzeugen, mache man ein Zimmer ganz finster; in den Fensterladen wird ein klci- 4SL Z. Abschnitt. „nes Loch gemacht, und vor dasselbe in einiger Entfernung ein Körper von einer ge- »wissen Farbe; z. B. ein Stück rothes Tuch „so befestigt, daß, wenn es erleuchtet ist, .sseine Strahlen durch das Loch in das Zim- „mer fallen. Auf die Art werden nur rothe „Strahlen in das Zimmer kommen, weil „allem andern Licht der Zugang verschlossen „ist. Hält man nun in dem Zimmer der „Oeffnung gegenüber ein Stück Tuch von „derselben Farbe: so wird es vollkommen „erleuchtet, und seine rothe Farbe sehr glänzend seyn; wenn man aber an die nähm- ..lichs Stelle ein Stück grünes Tuch bringt, „so wird es dunkel bleiben, und man wird „fast nichts von seiner Farbe sehen. Sobald „man nun aber außerhalb dem Zimmer vor „der Oeffnung auch grünes Tuch befestigt, „so wird das grüne innerhalb dem Zimmer ,ssehr hell erleuchtet, und seine grüne Far- „be überaus lebhaft werden. Und gerade fs geht es auch mit den übrigen Farbenss- Vom Lichte, Z- s?6-Z7?> 42? „Ich denke, einen einleuchtender!! Verweis für die Richtigkeit meines Systems „kann es nicht geben. Wir sehen also dar- „aus, daß um einen Körper von einer gewissen Farbe zu erleuchten, Strahlen von „derselben Farbe dazu erfordert werden; „weil die Strahlen von einer andern Zar „be nicht im Stande sind, die Theile die- „ses Körpers in Bewegung zu setzen. Dieß „wird auch durch einen sehr bekannten Verbuch bestätigt. Wenn man Weingeist in „einem Zimmer anzündet, so wissen Ew. „A. daß die Flamme blau ist, und mithin „nur blaue Lichtstrahlen hervorbringt; da- „her sehen alle Personen in diesem Zimmer „sehr bleich und todtcnfarbig aus, so geschminkt, oder so roth sie auch seyn mö- „gen. Der Grund davon ist sehr deutlich; „denn die blauen Strahlen sind nicht fa „big die r.the Farbe dls Gesichts in Schwirr „gung zu bringen ; und man sieht nur eine „blaulichte und schwache Farbe; wenn aber chto ?. Abschnitt, „einer aus der Gesellschaft ein blaucS Kleid „an hat, so wird dieses hinwiederum vorzüglich glanzend erscheinen." „Die Strahlen der Sonne, einer Wachskerze, oder eines gewöhnlichen Lichtes erleuchten alle Körper beynahe ans gleiche „Weise; woraus man schließt, daß die Son- „nenstrahlen alle Farben zugleich in sich „fassen, wenn gleich ihr Licht eigentlich „gclblicht zu seyn scheint. Und in der That, „wenn man in ein Zimmer Strahlen von gallen einfachen Farben, rothe, gelbe, grü- „ne, blaue und violette, in ziemlich glei- „cher Menge fallen laßt, und vereinigt sie „alsdann zusammen, so entsteht daraus ci- „ne weißlichte Farbe. Man macht denselben „Versuch, auch mit verschiedenen Pulvern „von den erwähnten Farben, die, wenn sie „gehörig vermischt werden, auch eine weiß- „lichte Farbe geben. Hieraus zieht man „den Schluß, daß die weiße Farbe nichts „weniger, als eine einfache, sondern viel-- ^ Vom Lichte. §- Z7^Z78 46» „mehr eine aus allen einfachen zusammengesetzte Farbe ist; daher sehen mir auch, „daß das Weiße gleich geschickt ist , alle „Farben anzunehmen. Was das Schwarte anbetrifft, so ist es eigentlich keine Far- „be. Ein Körper ist nähmlich schwarz, wenn „seine Theile so beschaffen sind, daß sie kei- „ne Schwingungen machen können, oder „keine Lichtstrahlen hervorbringen. Also ist „es der Mangel aller Strahlen, was uns „die Empfindung der schwarzen Farbe er- „regt, und je mehr Theile sich auf der Ober- „fläche eines Körpers befinden, die keiner „Schwingung fähig sind, desto dunkler und „schwärzlichter sieht er aus." „Den lLten Juli) 1760." Gemischte Farben. Die gemischten oder zusammengesetzten Farben entstehen daher, das 46z ?. Abschnitt- die Korper/ welche dieselbe haben, nicht bloß eine Art von einfachem Lichte / sondern mehrere Arten, die in unzähligen Verhältnissen mit einander verbunden seyn können, in das Auge schicken. Wahrscheinlich ist auch kein Körper in der Natur vorhanden , der nur homogenes Licht einer einzigen Art zurückstrahlte. Ooid sagt: (Pastor. V., 21z.) ego ckiAsstos volui numerars cv- lores, xotui, inimero coyin masor erak. Dieß hat nun der unsterbliche Tobias Mayer gethan. Er hat gesunden, daß man 19 Farben von gleicher Spann mg unterscheiden könne. Aber mit den verschiedenen Abstufungen, welche diese Farben durch die Erhöhung mit weiß erhalten können, brachte er 819 Farben heraus, welche das menschliche Auge noch unterscheiden kann. Er nimmt drey Grundfarben an, gelb, blau, roth, weil diese durch keine Zusam- Vom Lichte. §. Z79--Z80. 46.Z menfttzung anderer Farben erhalten werde«? können, ans ihrer Verbindung aber, alle übrigen Farben entstehen, da bekanntlich gelb und blau-grün, gelb und roth - pyrpurfarb, blau und roth-orange, gebe». Er stellt sich nun jede der drey Grundfarben, wenn sie rein ist, in zwölf Theile getheilt vor, und seht jedes Zwölf- theil einer andern Farbe, mache dein Amie was Neues empfindlich, z. B. 11 Theile blau, und 1 Theil roth; oder ic> Theile blau, i Theil roth und r Theil gelb. Es lassen sich nun 12 aus 2 Theilen ZZMahl, und ans Z Theilen zzmahl zusammen setzen. Nimmt man dazu die z einfachen Farben: so kommen also y« Farben heraus ; und diese x>i Farben ordnete Mayer in seinem berühmten Farben kr i- angcl folgender Massen: die Z einfachen setzte er in gleiche Weiten von einand r, in die Winkel des gleichseitigen Dreyecks 464 K. Abschnitt. Id (Z !l. (b'jz. 69.) Von einer jeden zup andern ließ er die Mischungen auS ihnen b.yden gehen. So z. B. begeht die nächste Farbe, au der Hauptfarbe (? ays rr Theilen y Farben. Bey dieser Gelegenheit sprach Lichcen- berg auch von Mayers Wachs Mahlerey. Sie bestand darinnen, Figuren ist Wachscylindern, die ganze Tiefe hicdurch sichtbar zu zeichnen. Er hatte dabey di'5 Vom Licht?. §. A7?—zZo. 465 Absicht die Farben in Wachs zu erhalten. Eine andere Absicht war: Bacchus und Erk- gene. Er hat diese Kunst niemand bekannt gemacht, und sie ist bis jetzt von niemand wieder erfunden. Das Geheimniß ist mit ihm ansgestorben. In der Lehre der Farbenmischung ist vor Maper wenig geschehen. Auch jetzt sind wir darinn hauptsächlich deßwegen nicht weiter, weil es sehr schwer ist, die Nuancen der Farben zu bezeichnen, ohne daß man sie sieht. Musiknoten kann man in die ganze Welk schicken, und es wird sie Jedermann spielen. Zu den Farben hingegen haben wir keine solche Noten, sondern, wenn wir sie spielen sollen, so müssen wir die Musik gleichsam selbst verschicken. Z. B. von den Olivenfarben der Südseeinsulaner haben nur wenige einen Begriff; denn was kann man sich unter den Olivenfarben alles denken! Lichtenberg sah den berühmten Omai in England. Seine Farbe war so, G g 466 Abschnitt. wie wenn man mit Bärenzuckersaft oder Lakritz e nsafl einen Streifen Papier fein übertüncht. Die Farbenmischungen sind außerordentlich schwer; weil nicht gleiche Theile von zwey oder mehreren Farben, die Mittelfar- be geben. Für Mayers Augen gaben 88 Theile blau und 12 Theile gelb das erste Grün. Bey dem Exemplare von Mayers Farbentheorie, welches Lichtenberg dem König Georg III. übergab,mischte und ordnete er die Farben trocken ; denn das Mahlen derselben kann nicht accurat genug ausfallen , da durch chemische Prozesse so viel verändert wird. Um die Farbenmischung auch trocken wohl zu treffm, machte Lichtenberg immer mehrere Mischungen, und ließ dann scharfe Augen entscheiden, welches zwischen diesen und jenen Farben die mittlere Temperatur sey. Frauenzimmer-klugen sind hie- zu besonders geschickt. Sie unterscheiden Bam Lichte. §. Z7?-Z8». 4S7 Farben an Halstüchern, die hundert Manns- ptk/vuen nicht unterscheiden. ^ 581^582. Unterschied zwischen Farbe und Pigment. Farbe (color) heißt das reine Licht durch das Prisma; xigmenrum hingegen die gefärbten Körper, oder die färbenden Stosse. Colorcs kann man also nicht kaufen. Blaue und gelbe Farbe geben allemahl in der Mischung eine grüne, aber Nicht, blaues und gelbes Pigment. So z. B. gibt das blaue Lakmus mit der gelben Salpetersäure verbunden ein rothes Pigment. — Die Vires tinAenäi der Farben richten sich gar nicht nach dem Gewichte. Anmerkung. Hier sprach Lichtenberg auch von den zufälligen Farben, und dem farbenlichten Schatten, dere Einleben erst weiter unten (Z. Zs-6) gedenkt. Gg » 468 L. Abschnitt. Zufällige Farben sind diejenigen, die ihre Entstehung nicht dem äußern Lichte, sondern besondern Umstanden des Auges verdanken. Die Wahrnehmung der Farben ist nähmlich nichts anders, als die Wahrnehmung derjenigen Veränderung, welche durch einen Lichtstrahl in unserm Auge hervorgebracht wird. An und für sich yistiren die Farben eben so wenig, als der Raum und die Zeit. Wird nun in unserm Auge durch was immer für eine Ursache eine ähnliche Veränderung bewirkt, wie die Lichtstrahlen bewirken, so entsteht auch eine ähnliche Wahrnehmung. Büffon bemerkte, daß, wenn er ein rothes Viereck auf weißem Grunde betrachtete, und nach einiger Zeit die Augen auf den Grund wandte, dasselbe grün erschien. Ein gelbes zeigte sich blau. Er machte den Versuch mit mehreren andern gefärbten Vierecken auf weißem Grunde, und sie erschienen ihm alle in andern Vom Lichte, § 581—382. 469 Farbe?. Von ihm rührt auch die Benennung der zufälligen Farben her. Franklin hat auch Versuche über diese Farben angestellt. Er machte die Entdeckung, daß wenn man eine-Zeitlang ein Fenster unverwandt ansehe, die Fensterscheiben zuletzt schwarz, und die Rahmen weiß erscheinen, Zu den zufälligen Farben gehören auch die Feuer funken im Auge; ferner das glühende Roth der Buchstaben, wenn man bey Untergang der Sonne in einem Buche liest; ferner die Erscheinung: daß, wenn man einen Gegenstand lange durch ein rothes Glas ansieht, und dann plötzlich wegzieht, der erste Eindruck grün ist; umgekehrt, wenn man durch ein grünes Glas sieht, der erste Eindruck roth ist. Eine merkwürdige und bisher noch nicht erklärte Erscheinung biethen auch die ge. färbten Schatten dar. Wenn man nähmlich morgens beym Anbruche des Ta- 47-> s, Abschnitt. ges bey einem Talglicht liest, und den Schatten z. B. des Fingers, der durch daS. selbe verursacht wird, so auf einem weißen Papiere auffangt, daß zugleich der Schatten des Fingers von dem Tageslichte auf das Papier fällt: so wird der erstere him- melblau, der letztere gelb erscheinen. — Auch beym Untergehen der Sonne steht man herrliche farbigte Schatten» Das in der Note des Verfassers (Erleben Z. Z8<5.) angeführte Buch über diesen Gegenstand verdient von Jedem gelesen zu werden, der über denselben näher belehrt zu werden wünscht. Ferner eine Abhandlung von Thompson, oder dem Grafen Rumford in den ?llilo8. Irans. 1794. Auch Göthe, der berühmte Dichter zu Weimar, hat darüber herrliche Versuche angestellt. Vom Lichte. §. Z8z—z?2. 4?» §. ZLZ-.Z9? Vom menschlichen Auge. Die Gestalt des Augapfels (bul- duz oculi) kömmt der Kugelgestalt sehr nahe, nur daß vorne der durchstchlige Theil weiter hervorragend ist. Sein Langendurch- Messer betragt beym Auge des erwachsenen Menschen li ^ Pariser Linie, also beynahe einen Zoll. — Er ist in der Augenhöhlung (ordira), nach allen Seiten durch scchsAugenmue kein beweglich, und kann durch .den häutigen Ueberzug die Augenliedcr (pzlp dene), und durch die Haare an diesen Auqenliedern, die Augenwiuiper (vilia) bedeckt, und vor einfallenden Un- rcinigkciten, und zu starkem Lichte geschützt werden. Von den Augenli'edern und Augenwimpern muß man die Augcn brau neu (zuzierciüa) unterscheidm. Der Augapfel besteht aus verschiedenen Hauten (membranae, rumane), und 472 ?. Abschnitt. aus so genannten Feuchtigkeiten (Iiu- mvres). Die Häute werden in comiuu» ns8 und proprius eingetheilt. Zu jenen gehört die harte Haut (selerotieu) die braune Haut (clrorioiciLa) und die Netzhaut (recinn), zu diesen: der o» brau Ins eiliuris, die iris und das 1 ißnmeurum ciliure. Zu den Feuchtigkeiten gehört: die wässerigte, die gläserne und die krystallene Feuchtigkeit. Die harte oder feste Haut (tu» uicu 5clsroticu) macht den äußeren Umschlich des ganzen Augapfels aus. Je mehr sie sich dem Vvrdertheile desselben nähert, desto dünner wird sie) und endlich ganz durchsichtig, Dieser durchsichtige Theil, durch den das Licht zum Innern deS Auges dringt, heißt die Hornhaut (cornea), und ist das Segment einer Kugel, deren Halbmesser kleiner ist, als der des übrigen Augapfels. Sie ist daher hervorragend. — In Vom Lichte. §. Z«Z—M. q?z dem Hinkerthcile der Sklerotika, begibt sich der Sehnerve (nervus oxticus) in den Augapfel. Die braune Haut, (Gefaßhaut, Aderhaut, runicn ckarioiäen), liegt zunächst unter der harten Haut. Sie ist auswendig brau», inwendig fast fchwarz, nnd mit vielen Gefäßen versehen. — Am vordcrn Theile derselben befindet sich an der äußern Seite ein weißer, aus Zellgewebe bestehender Kreis, welche der Cili- arkreis oder das Strahlenband (ordicnlns ciliaris, ligamemum ciliare) genannt wird. Er verbindet die braune Haut mit der harten Haut. — Aus diesem Ciliarlreise entstehen die weiter einwärts gehenden, und bis an den Rand der Kry- stalliinse reichenden Strahlenfascrn (processns eilisrsz) , welche um die Krystalllinse herum einen sehr schönen gestreiften Ring, den S trahlenkörper, oder den gefalteten Ring (corxns oiüare) 474 8« Abschnitt. bilden, in welchem Fclice F ontan a den S t r ah len kan a l (czualjz ciliaris) entdeckt hat. — Das Lorxnz ciliare, ist der vorderste Theil der braunen Haut, in welchem sie sich endiget, und mit eben solchem schwarzen Schleime überzogen , als die übrige inwendige Flache derselben- — Zwischen der Hornhaut und den Strahlciua- scrn liegt der Augenstern oder die Blendung, wie ihn Sömmering sehr passend nennt. Die vordere Fläche desselben heißt die Regenbogenhaut (iri?), die Hintere die T r a u b en h a u t (uvcm). In der Mitte befindet sich eine kreisrunde Deffnung, die Pupille (Sehe- Lichtioch, xnpilla), durch welche allein das Licht nach dem Innern des Auges tritt, und welche auf eine bewundernswürdige Art, sich unwillkührlich bey schwachem Lichte erweitert, bey starkem Lichte vcrrengert. Wenn es blitzt, muß man zwey Talglichter an- Vom Lichte. Z. z?Z—M. 4?!- zünden, und durch dieselbe,» in den Blitz seyen, wenn es dem Auge nicht schaoen soll. Die Netzhaut (Markhaut, tunic? eslina) ist eine Verbreitung des ins Auge getretenen Markes des Sehnerven. Sie ist der Sitz der Empfindung, die durch die Vereinigungspunkte der Strahlen, welche zusammen das Bild des Gegenstandes machen, hervorgebracht wird. — Auf dieser Netzhaut, befindet fich nach Sömmeri >1 gs Endcckung, zwey Linien auswärts vom Sehnerven ab/ ein runder gclblichter Fleck, der in der Mitte eine Oeffnung hat, so, daß also die Netzhaut nicht das ganze Auge umzieht. Siehe Gökting. Anzeigen 1795, Nro. 14c?. Sommcring machte die Entdeckung im Jahre 1791. Theologen kommen hier übel weg. — Ob dieß die Stelle sey, wo man nicht sieht, scheint Lichtenberg noch zweifelhaft zu seyn. Es gibt nähmlich gewisse Stellen in unserm Auge, wy 4?s s. Abschnitt. man gar nichts sieht/ wo wir also alle den schwarzen Staar haben. Man mahle zwey Punkte und k auf ein Stück Papier hin, halte das linke Auge zu, und sehe mit dem rechten nach dem linken Punkte «H,, -o wird zugleich auch der andere Punkt L erscheinen. Rückt man hingegen das Papier immer mehr weg, so wiro bald eine Stelle kommen, wo man R nicht sieht, indem es da gerade den Nervus optikus bedeckt, folglich kein Bild machen kann; gleich bar- uf kömmt es wieder zum Vorschein. So konnte Lichtenberg auch den Jupiter verschwinden machen. Einmahl wollte ers auch mit der Sonne probieren; aber das that er nicht mehr. Die wässerigte Feuchtigkeit (Inimor gyueus) erfüllt den vordern Theil des Auges zwischen der Hornhaut und der Kapsel der Krystallliuse. Der ganze Raum« Vom Lichte. §. z?Z—Z9Z. 47^ wird durch den Augenstern in die vordere und Hintere Kammer eingetheilt, welche durch die Pupille Gemeinschaft haben. Die wasserichte Feuchtigkeit füllt beyde aus, und treibt die Hornhaut in die Höhe. Die GlaSfeuchtigkeit (llumor vitreuz) füllt den größern Theil des Auges hinter der Krystalllinfe. Sie stellt eine sehr klare und durchsichtige Gallerte vor, und ist mit einer feinen, durchsichtigen, eigenen Membran eingeschlossen. Die krystallene Feuchtigkeit, oder die Krystalllinfe llumor cr^stal- linuL, lenz cn^ztallina) liegt zwischen den andern Feuchtigkeiten. Sie ist nicht sowohl eine Flüssigkeit, als vielmehr ein fester, runder, höchst durchsichtiger, bikonveper Körper, dessen Hintere Flache mehr erhaben ist, als die vordere. — Sie ist in einer sehr durchsichtigen Kapsel eingeschlossen (cap- zula lenkiz cr^stallinae) doch so, daß der enge Raum zwischen beyden, mit einer ?- Abschnitt. Feuchtigkeit ausgefüllt ist. Ferner wird sie von dem Strahlenkörpcr eingefaßt. Vermittelst dieses so bewundernswürdig eingerichteten Werkzeuges erhalten wir nun diejenige Empfindung, die wir das Sehen nennen. Es kommt dabey auf die Wiedervereinigung, der zu einem Strah- lcnkcgel gehörigen Strahlen in einem Punkte auf der Netzhaut an. Dieß geschieht nach einer vierfachen Brechung auf fvlgende- Weise. Es fahren, wie wir gesehen haben von jedem Punkte eines sichtbaren leuchtenden, oder erleuchteten Gegenstandes, nach geraden Linien, Strahleiikngel aus, deren Grundfläche die vordere Flache der Hornhaut, und deren Spitze der sichtbare Punkt ist. Diese Strahlenkegel dringen durch die Hornhaut und die wässerichte Feuchtigkeit. Ein Theil ihrer Strahlen, wird zwar von der vorliegenden Blendung aufgehalten, das auf die Pupille fallende Licht aber trifft die Krystall- Vom Lichte. §. Zgz—z?Z. 47S linse, dringt durch dieselbe und durch die gläserne Feuchtigkeit bis an die Netzhaut durch. Es erleidet bey seinem Durchgange durch vier verschiedene Mittel, nähmlich, die Hornhaut und die drey sogenannten Feuchtigkeiten, vier Brechungen. Und so werden also die divergirrn- Strahlen des Strahlenkcgcls konvergirend, und treffen endlich in einem Punkte auf der Netzhaut zusammen, welcher der Ort des Bildes vom strahlenden Punkte ist. — Man steht, daß durch die ersten beyden Brechungen auch Strahlen durch die Pupille kommen können, die durch den geraden Fortgang auf die Blendung gekommen seyn wurden. Was nun von einem Strahlenkegel gilt, gilt auch von allen übrigen. Alle Strahlen jedes Strahlenkegels, der aus jedem Punkte des sichtbaren Körpers ansfährt, und auf die Pupille trifft, ver- q8«» L- Abschnitt. einigen sich hinter der Linse auf der Netzhaut. Von jedem sichtbaren Punkte eines Gegenstandes entsteht also ein Bild auf der Netzhaut, welche alle zusammen ein verkehrt stehendes, vom ganzen Objekte machen. Alles kömmt also beym deutlichen Sehen, das im Durchschnitte auf eine Entfernung von 8 Zoll gesetzt wird, auf die Wiedervereinigung her zu einem Strahlenkcgel gehörigen Strahlen in einem Punkte auf der Netzhaut an, welche allein» für diese Wiedcrvercinigungspuükte fühlbar ist. Und diese Wiedervereinigung hangt von zwey Umstanden'ab, e stcns: von der gehörigen Einrichtung des Auges, und zweytens von der gehörigen Größe und Entfernung des strahlenden Gegenstandes. Zur geh vrigen Einrichtung des Auges gehört aber, daß die Theile desselben gerade so gebildet sind, daß die Strahlen nach der vierfachen Brkchnng in Vom Lichte. §. zsz—Z92. 4?n in Punkten auf der Netzhaut vereinigt werden- Wenn also die Hornhaut, und die Krystalllinse entweder zu konvex oder zu flach sind, oder der Abstand der letzteren von der Netzhaut zu groß oder zu klein ist: so werden die Strahlen nach der Brechung entweder zu weit vor der Netzhaut, oder erst hinter derselben vereinigt. In beyden Fallen entsteht ein undeutliches Bild, und also muß auch das Sehen undeutlich werden, wenn sich jeder Punkt desselben in einen Kreis ausbreitet. — Wenn ferner die Krystall linse verdunkelt, oder undurchsichtig, oder der Schnerve und die Netzhaut gelähmt oder unempfindlich wird: so findet gar keine Empfindung des SehenS Statt. Im ersteren Falle entsteht nähmlich kein Bild, oder wenigstens ein äußerst undeutliches ; im letztern gibt es zwar ein Bild, aber keine Gefichtsemvfindung. Die beyden ersten Fälle sind unter dem Nahmen der Kurzsichtigkeit (Myovie) H h HZ» 8. Abschnitt. und Weitsichtigkeit (Presbyopie); die letztere unter dem Nahmen des Stahrs bekannt, des grauen (eataiucta) sowohl, als des schwarzen (amaurooiZ). Die Myopie oder Kurzsichtigkeit ist derjenige Fehler der Augen, vermöge welchen man kleine Gegenstände nur in einer Entfernung von ungefähr 4 Zollen deutlich wahrnehmen kann. Die Ursache derselben liegt darin, daß die Hornhaut zu sehr erhaben, die Krystalllinse zu kouvex kompakt, oder ihr Abstand von der Netzhaut zu groß ist. Es treffen nähmlich in diesen Fallen die Strahlen der Strahlenkegel von Gegenstanden, die »2 bis r<5 Zoll und darüber entfernt sind, nach dem Brechen zu früh zusammen, ehe sie die Netzhaut erreichen, oder die Divergenz der Strahlen von den Strahlenkegelu dieser Gegenstande ist für ein solches Auge zu gering, als daß der Vereinigungspnnkt die Netzhaut treffen sollte. Ein solches Auge Vom Lichte. §. Z8Z—ZS2. steht daher nur naheGegenstände deutlich, entfernte undeutlich« — Hohlgläser vermehren die Givergenz dioergirender Strahlen, und durch Hülfe derselben sehen also kurzsich.igc auch mehr cntftrnle Gegenstände deutlich. Sie müssen so vor das Auge gehalten werden, daß der Zerstreu- nngspunkt in die Gegend von dem Punkte des deutlichen Sehens fällt, weil man dann die Srrahlenkegel so empfangt, als ob sie aus der Gegend von diesem Punkte herkämen. Die Presbyopie oder Weitsichtigkeit ist derjenige Fehler der Augen, vermöge welchen man kleine Gegenstände nur in einer Entfernung von wenigstens 16 Zollen deutlich wahrnehmen kann. Die Ursache derselben liegt darin, daß die Hör n- haut und die K r v l! allli nse flach, und in der Konvexität vermindert ist, oder dem Boden des Auges zu nahe liegt. ES treffen also die Strahlen der Strahlciike- H h 2 484 ii. Abschnitt. gel von nahen Gegenständen zu spät zusammen, und das Vild würde erst hinter die Netzhaut fallen. Ein solches Auge kann nur entfernte Gegenstände deutlich wahrnehmen, nicht aber nahe. — Da erhabene Gläser das Vermögen haben, die Divergenz der divergirenden Strahlen der Strahlenkegel zu vermindern, und die Strahlen aus nahe» Punkten so zu brechen, als ob sie aus entfernten Punkten herkämen; so können Weitsichtige durch Hülfe derselben auch nahe Gegenstände deutlich sehen, und bedienen sich daher zu diesem Zwecke der Brillen. Der graue Stahr (curaracta) be steht in der Verdunklung, oder in dem Undurchsichtigwerden der Kristalllinse. Es wird ihm, durch Hinwegdrückung oder Heraus- zichung derselben abgeholfen. Denn da die wässerichte und gläserne Feuchtigkeit ebenfalls die Strahlen brechen, und ihre Kegel konvergent machen: so entsteht auch ohne Vom Lichte- Z. Z8Z-^Z92. 485 Krysialllinse cm Bild, ob sich gleich viele Operirle der Stahlbrillen bedienen müssen, um die Brechung zu verstärken, und den Mangel der Krystalllinse zu ersetzen , da sonst die Vereinigungspunkte allzuweit hinter die Netzhaut fallen würden. Der schwarze Stahl (amaurosis) besteht in der Lahmung, oder Unempfind« lichkcit des Sehnervcns und der Netzhaut. Die Kurzsichtigen müssen sich also der Hohlglaser oder der Fernglaser; die Weitsichtigen der Konvexglaser oder Brillen; die Stahroperirtcn der Stahlbrillen bedienen. Man hat ein sehr nettes Instrument, durch welches man alle drey Fehler und die Rcktificiruug derselben durch die gcnannlin Gläser sinnlich vorstellen kann. Es heißt das künstliche Auge, und ist von großer Wichtigkeit. Ueber gewisse Entfernungen hinaus sind wir alle kurzsichtig. Viele Dinge können wir gar nicht sehen, theils weil sie zu 486 8. Abschnitt. klein, theils weil sie zu entfernt sind. Diesem doppelten Uebel wird zum Theile durch Mikroscope und Fernröhre abgeholfen. Noch sind zwey wichtige Fragen über das Auge üb Ag; erstens: Warum sehen wir die Gegenstande trotz des verkehrten Bildes auf der Netzhaut, aufrecht? zweytens: Warum sehen wir die Gegenstände m t zwey Augen nur einfach ? Die erste Frage hat wohl schwerlich einen vernünftigen Sinn; denn sie verräth offenbar, daß man sich von der rohen Idee noch nicht los gemacht habe, hinter dem Auge säße unftre Seele, mit einem andern Auge, gleichsam auf einem Thron, und betrachte von da aus, den auf der Netzhaut abgebildeten Gegenstand. Doch dieß auch zugegeben, oder angenommen: »vn sähen wirklich unmittelbar nur das verkehrte Bild auf der Netzhaut, und nicht den Gegenstand selbst: so gränzt die Fra° Vom Lichte. Z. Z8Z--Z??. 48/ ge vollends an baaren Unsinn. Es bilden sich ja auch alle übrigen Gegenstände verkehrt auf der Netzhaut ab, folglich sahen wir noch immer, dasjenige oben, was oben ist, und dasjenige unten, was unten ist. Man mache sich doch nur deutlich, was oben, und was unten heißt, und was das sagen wolle: Ein Gegenstand bildet sich verkehrt auf der Netzhaut ab! Oben bleibt uns ewig, waS von der Oberflache der Erde am entferntesten ist, und unten, was ihr am nächsten ist. Verkehrt erscheint das Bild eines Gegenstandes auf der Netzhaut, wenn das, was an dem Gegenstande das Unterste ist, sich auf einem höher liegen Theile der Netzhaut, und das, was an demselben das Höchste ist, auf einem niedriger liegenden Theile der Netzhaut abbildet. — Wenn sich nun A lle s verkehrt auf der Netzhaut abbildet: fo bildet sich ja auch die Oberfläche der Erde auf dem höchsten Theile der 7. Abschnitt. Netzhaut ab; so bilden sich auch alle übn- gen Gegenstände so auf derselben ab, daß, was vorher oben und unten war, es auch jetzo ist; folglich verbleibt Alles beym Al- ten, und mithin Alles gerade. Weit wichtiger ist die zweyte Frage, und in der That, die Antwort darauf noch nicht ganz auf das Reine gebracht — daß sich in jedem Auge der Gegenstand wicklich abmahle, und wir den Eindruck von jeden Gegenstand aufnehmen, und folglich jedes Auge seinen nervus optienz habe, ist gewiß. *) Man kann sich davon, aus der *) Anmerk. In seiner Abhandlung über das Gesicht und die optische» Illusionen im Allgemeinen, und einiger insonderheit, welche Hr. Justizrath Buggc am 9. Janer 1807 in der königl. Societät der Wissenschaft zu Copenhazen vorlas — wirft er auch optische Zweifel auf, gegen De G allS Meynung, daß man nicht mit beyden Auzcn, sondcru nur mit einem sehe.- Vom Lichte, s- 28Z--ZS»- ^9 oben (Ä. 476) angeführten Erscheinung mit den zwy Punkten, überzeugen. Ferner auch ans folgender: wenn iiian nach einem entfernten erleuchteten Gegenstand steht, und in der nähmlichen Linie den Finger, vor das Gesicht hält: fo steht man den Finger doppelt, weil er sich in jedem Auge abbildet. Sieht man hingegen nach dem Finger, so wird der entfernte Gegenstand doppelt erscheinen. Doch die simpelste Erfahrung hierüber bleibt wohl die: daß, wenn wir das eine Auge schließen, den Gegenstand noch immer vermittelst des andern Auges sehen. — Sehen wir also einen jeden Gegenstand vermittelst eines jeden unserer Augen: wie kommt es, daß, wenn wir beyde Augen zu. gleich gebrauchen, wir gleichwohl jeden G» Auch zeigte er be'>) dieser Gelegenheit cii« von ihm verfertigtes Instrument vor, wcl' ches beweist, daß man mir beyden Augen stehet. H. A. L.Z° 1L07. Jutbl. 56» 4?v «. Abschnitt. genstand nicht zweymahl, sondern nur ein- mahl sehen? Man sagt gewöhnlich, man sahe mit zwey Augen, den Gegenstand nur darum einfach, weil sich die Gesichtsnerven beyder Augen vereinigen« Aber, wenn dieß die Ursache wäre, so sahe man nicht, w>e man doch eine Sache doppelt fthcn könnte, wenn man sich z.B. ein bischen das Auge drückt. Ueberdieß hat man ja auch durch die Anatomie gefunden, daß die Gesichtsnerven nicht in eins zusammen, sondern nur neben einander fortlaufen. Besser wird das Phänomen durch die Gewohnheit erklärt. Wir sehen alsdann erst einfach, wenn wir unsere Augen so gewöhnt haben, nach einer Ape hinzusehen, das wir es nicht merken, daß wir doppelt sehen. Kinder sehen anfangs unstreitig doppelt. Sie sehen so mit den Augen herum. Nach und nach werden sie aber Vom Lichte. Z. Z?Z— 3 -Z2. ^,Sl durch das Gefühl so betrogen, daß sie alle Dinge für einfach halten, und also das einfache Sehen aus der Praxis lernen. Auch hat man Beysp'ele von Personen, die einen heftigen Schlag auf das Auge bekommen haben : daß es sich verdrehte, und sie nun lange Zeit alle Gegenstände doppelt sahen; nach und nach sahen sie wieder alles durch die Gewohnheit einfach. — Indeß auch bey dieser Erklärung finden noch manche Schwierigkeiten Statt. Es müßte nach derselben etwas Geometrisches im Auge seyn, und es müßte darauS folgen, daß man auch andere Stellen dazu gewöhnen könnte. Im September r?y4 vom Luropean lVlagoxin ist über diesen Gegenstand eine Abhandlung mit E. ll. unterschieben, vermuthlich von Darwin. Er glaubt, in der Natur unserer Seele ftp etwas Cor? respondircndes, und dann sehen wir es nur einmahl. Er stellte hierüber folgenden Versuch an. Er schnitt seine Silhouette in ein 4?t Z. Abschnitt. Brett und verlängerte dieses sehr weit. In einiger Entfernung stellte er zwey Blätter Papier, ein weißes und ein rothes. Wenn er eine Weile auf das Rothe sah, und hernach auf das Weiße, so schien ihm auch dieses roth zu seyn. *) Das finstere Zimmer. Wurde nur mit ein Paar Worten berührt. 5. ZY5"4'o. Die Fernröhre (tele8cop>ig.) Man pflegt die Fernrohre einzutheilen m dioptrische und tat ad io p t r isch e. Die neuesten Erklärungen des Phänomens sind von Trorler und Haldat. Siehe über die erstere KimlyS u. Schmidts ophthalm. Bibel. Ztcn BdcS 2tes und ztes Stück. Eöttingcn i8»7; und über die letztere: TromSdorffS Annalen der Fortschr. u. s. w. i. Band. S. 645- Erfurt i8e<). Vom Lichte. S- ZyS^-4-o 4Ss Unter jenen sind die Dollondschen oder achromatischen Fcruröhre die berühmtesten; unter diesen, welche insbesondere Telescope genannt werden der, Her- schelsche Reflektor. Die Geschichte der Erfindung der achro- malischen oder farbenlosen Fernrohre, ist eine der seltsamsten in der ganzen Physik. Der große Newton, dessen größte Entdeckung unstreitig die Spaltung des Lichtes durch das Prisma ist, behauptete, daß die Unvollkommenhcit der Vordollondschcn Fernröhre, die von der verschiedenen Brechbarkeit der Strahlen herrührt, durchaus nicht gehoben werden könne. Er behauptete, daß, wenn die Farben aufgehoben würden, auch die Brechung aufgehoben werden müßte. Allein, dieß wurde hernach falsch befunden. Und der außerordentliche Mann hat also auch hiedurch gezeigt, daß er ein Mensch sey, und nicht allein durch seinen Eommen- tar über die Apokalypse, wie Voltaire sag- 4ya 5- Abschnitt. ke. — Im Jahre >747 kam nahm'ich Eule r auf der, Gebauten, die eben crwäinte Unvollkommenheit der Vordollvndschen Fernröhre dadurch zu heben, daß man das Objektivglas aus zwey Linsen zusammen setzte, welche daS Licht nicht aus einerley Art brachen , so daß die eine die farbigten Strahlen wieder vereinigte, welche die andere trennte. John Dollond zu London suchte den Gedanken EulerS auszuführen, aber fand es unmöglich, und vertheidigte Newtons Behauptung. Euler gab nun selbst alle Hoffnung auf, den Fehler zu verbessern. Allein, nun kam K l i n g e n sti e r n a, und zeigte in dem i6ten Bande der schwedischen Abhandlungen, baß Newton etwas noch nicht ausgemacht hatte. Dollond versuchte aufs Neue, fand daß Newton wirklich Unrecht hatte, und war der erste, der im Jahre 17^ ein farbenlvfes oder achromatisches Fernrohr zu Stande brachte. Nun wollte eS wieder Euler nicht glauben, und Vom Lichte. §. ZS5—410. 497 behauptete, es wäre nicht möglich. Endlich machte Zeih er in Willenberg b sserc Gläser, und nun gestand auch Euler i» dcn Berliner Mcmoires vom Jahre 1764, aber 1766 gedruckt, seinen Irrthum ein. ^ .Die wesentliche Einrichtung dieser achromatischen Fernrohre besteht nun darin, daß das Objektivglas aus zwey ganz nahe zusammen gestellten Linsen vom sogenannten Crownglasc und Flintglase znsam- wengesetzt wird. Dieses zerstreut die Strahlen ungleich stärker, als jenes, und cö ha! diese zerstreuende Kraft vorzüglich vom beygemischten Bleykalk. Zu 24 Theile Kieses, nehmen die Engländer 7 Theile Bley, und r Theil Salpeter. Flint heißt so viel *) Ein englischer SchiffSwiindarzt, Robert Blair, hat eine Art Glas erfunden, welches noch besser, als das bisher gewöhnliche Flintglas, die Farbe des Crown- glases zerbrcnt. Posselts Wrltknnde >798. S. 367, und Fischers Wörterbuch VI. Band S. 4-z. 496 z. Abschnitt. als Kiesel, woher auch der Nahme unsere? Flinten, wegen der Feuersteine. Man hat eine eigene Vorrichtung, die Verbindung des Crownglascs mit dem Flintglase zu zeigen. Aas Lichtenbcrgische In- .struwentchcn wurde von Dollond selbst verfertiget, uud kostete zwey Guineen. Was hätte Newton drum gegeben, wenn er dieß Jnstrumentchen hätte sehen können! Die katadiopkrischen Fern röhre oder eigentlichen Telescopc, kcmmcn alle darin überein, daß der große Spiegel konkav ist, um alle Strahlen des Lichtes, die er zurück wirft, auf einen Punkt zu sammeln. Aber der zweyte Spiegel kann konkav seyn, wie in Gregory's Te- lescop; eben, wie im Newtonschen; kon- v ep, wie im Casscgrainschen, oder ganz weggelassen, wie imH ersch elschen.') '> Zu diesen vier Systemen der Verfertigung der Teles'copc hat Hr. Burkhardt zu Bom Lichte, Z. ZSZ—4io. 497 Hcrschcls Rioscn-Tclescop besieh: aus einen: Spiegel von 4 Fuß im Durchmesser, dessen Brennweite aber 40 Fuß betragt, Mithin der ganze Durchmesser der Spiegelkngcl 80 Fuß. Der erste Spiegel, den er zu diesem ssofüffigen Te- lescop verfertigte, wog 10Z5 Pfund. Allein, da sich derselbe gebogen, verfertigte er einen andern von ULczo Pfund. Jener erste hätte in einem Kabinete Jahrhunderte lang liegen können, ohne daß das schärfest? Paris im Jahre 1807 ein fünftes vorgeschlagen , wo der zweyte Spiegel ein ebener ist, aber senkrecht mit der Axe» und gegen die Mitte der Länge der Brennweite steht. Aber die kaiserl. Akademie der Wissenschaft z» Petersburg vindicirte diese Erfindung einem ihrer Mitglieder, dem Hr. S ch ra d cr , ehemahligem Professor in Kiel, der dieselbe schon im Jahre 182? bekannt machte. Siehe Hall. A.L>Z. iFox, »öS und 287. I i Abschnitt. Auge eine Beugung daran würde bemerkt haben. Aber die refiek.irten Strahlen, geben auch das kleinste Gebrechen sogleich zu erkennen. Hcrschel schleift seine Spiegel durch eine Maschine ganz allein, und daraus macht er ein Geheimniß. Vorher brauckte er »2 Kerls dazu. — In sein neuestes Telescop sieht er gerade zu beyder Mündung hinein, indem er den Spiegel etwas inklinirt, und dadurch das Bild gegen die Gränze des Tuvi verrückt, wo er nun dasselbe durch ein Mikroscop ansteht. -- Man kann in den Tubus hineinsteigen. Herschel führt seine Gesellschaft hinein, hat auch einmahl Conzert darin gegeben. — Er steht unter freyem Himmel. *) ') Nach den neuesten Nachrichten soll dieß Ricseniiistriumnt unbrauchbar geworden sey». Vom Lichte. §. gut—41z. Z.) — die ein Alter ven 900 Jahren haben sollen, wird S° ri6, deutlich des Vergrößerungsglases erwähnt ; dieß wäre also eine Merkwürdigkeit für die Geschichte der Erfindungen . wenn es mit dem angeblichen Alter deS Dichters seine Richtigkeit hätte. Hall. A. L. Z 1808, 1Z4. — Das neueste Buch über die Mikroskope ist: IVkälUnirs sur In con- ^lruerion er I'aüage llu lVlicroscope, par l?, Viliars. Straßbnrg 1809, 52. 5. gr. 8' Mit Kups Siehe H. A. L. Z> 18^8, I i 2 s. Abschluß §. 4^4- Die Zauberlaterne. Lichtenberg hatte zu seiner I,arsrnz ms- Lieg, auch Figuren mit beweglichen Augen und Handen. Possierlich nahm sich ein Teufel, mit einer Klpstiersprihe au?. 5- 4-F- Bas Sonnen in ikroscop gewährt ein herrliches Schauspiel! Ein Floh erscheint in der Größe eines Ochsen, Skelete von Baumblättern, yne große Bäume und Gesträuche! Man sieht den Salmiak in Kristalle anschiessen ; und auf Polppeu, die Läuse sich hepum bewegen, u. f. w. Vom Lichte. §. 416. V. Jnflexion der Lichtstrahlen. §. 416. Beugung des Lichtes. " Unter der Beugung des Lichtes versieht man die Abweichung der Lichtstrahlen Bvn ihrem geradlinichlcn Wege, wenn sie Nahe an dem Rande eines Körpers vorbey gehend Grimaldi, ein Jesuite zu Bologna (geb. ldiZ, gest. 166Z), entdeckte diese Eigenschaft des Lichtes um die Mitlt des i7ten Jahrhunderts, und machte sie in seiner zico - l^Ialbe8iL cke lumrne, col?ribu.>z e?! zriss, Bologna 1665, 4 bekannt. Auch D. Hook, einer der größten Physiker Englands, hat darüber fast nm dieselbe- Zeit herrliche Versuche angestellt, und der , . Societät zu London im Jahre 16.72 getheilt. Zo- 8. Abschnitt. Grimaldi ließ durch ein kleines Loch in ein verfinstertes Zimmer Licht sollen. Hielt er nun in einiger Entfernung vom Loche, in dieses Licht einen dunkeln Kör-- per, so fand er den Schatten desselben viel breiter, als er der Brechung nach, bey geradem Fortgange des Lichtes hätte seyn können. Auch sahe er um den Schatten herum mehrere farbigte Lichtstrcisen. Setzte er z. B. einen Stab a u (Fig. 70) >n das Licht, so ergab sich folgende Erscheinung: zu— Stab, b d --- blau L c nichts e! ä — grün t' k — nichts A L " blau I> !i ^ schwarz i i roth Vom Lichte. §. 4^6. ZoZ Newton hat aber alle seine Vorgänger, wie gewöhnlich, zurück gelassen. Er hat nicht nur die Lichtsäumc und die dunkeln Zwischcnräume zwischen ihnen genauer beobachtet, sondern auch die Breite derselben gemessen. Er bemerkte nähmlich, drey farbigte Lichtsäume, deren Farbenordnung folgende war: beym ersten: violett, in- digo, blaßblau, grün, gelb, roth; beym zweyten: blau, gelb, roth; beym dritten: blaßblau, blaßgclb, roth. Die drey Lichtsaume stießen fast an einander, und wurden durch einen sehr schmalen Zwischenraum von einander getrennt. Die Breiten dieser Lichtsäume und Zwischenraume, (nähmlich die Breite des ersten Lichtsaums sammt seinem Zwischenraume zur Breite des zweyten, sammt dessen Lichtsaume u. s. w.) verhalten sich wie: ^ ^ 8- Abschnitt. Die untern Zahlen sind gerade diejenigen, wo bey Grimaldi nichts war. Da nun i t/"?: so kann man die Zahlen so einschließen, wie Fig. 71 zeigt. Denn Newtons Vermuthung war, daß vielleicht die Lichtsirahlen, indem sie nebelt den Rändern und Seiten der Körper Vorbeygehen, mehrmahls hin und her, auf eine schlangenförmigs Art gebogen werden, und die drey Farbcnsäume» etwa aus drey solchen Beugungen entstehen könnten. Am deutlichsten bemerkte Newton die drey farbigten Lichtsäumc, Mit ihren dunklen Zwischenraumen, wenn er den Lichtstrahl zwischen zwey scharfe Messerschneiden brachte, die er in einer und derselben Ebene, und in paralleler Lage, nur um kineS Zolls voneinander abstehen ließ. Das Licht, das in gerader Linie hätte durchgehen sol« lcn, ward zu beyden Seiten abgelenkt, und in zwey Theile getheilt, und ließ zwischen sich rinen Schatten, der desto breiter war/ Vom Lichte. Z. 4:6. x<-.Z je naher er die Schneiden zusammendrückte. Zu gleicher Zeit bemerkte er auf jeder Seite des Schattens in der -Xitte, die obigen drey farbigten Lichtsäume mit ihren Zack- schenraumcn. Newton hat seine Untersuchungen über die Beugung des Lichtes nicht vollendet. Er fieng sie in seinen frühern Jahren an, fand aber nicht mehr die Muse sie noch einmahl zum Gegenstand seiner Beschäftigung zu machen, was er sich damahls so fest vornahm. Alles aber, was nach Newton in dieser Lehre geschehen ist, hat uns nicht viel weiter geführt: so, daß hier noch ein weites Feld für Beobachtung und Entdeckung übrig bleibt. Auf den Umstand, daß Newton nur ui seinen früheren Jahren sich mit der Beugung des Lichtes beschäftigte, muß wohl besondere Rücksicht genommen werden, wenn sich die Behauptung^ Jordans — deö Neuesten, der in dieser Lehre etwas that — bestä-- 8. Abschnitt. tigen sollte: daß Newton sich über die Beugung des Lichtes in allen Hauptpunkten geirret habe. Jordan sucht diese Behauptung in folgender Schrift zu rechtfertigen: Ine od- zervationL ob Newton concerninZ tlle Inll.xions os ; aecempaviell w tll otiier observations llisserinß srom bis; anä azzpearin^ tc> leaä to a ellange ob chis chlleorie 05 l>iZllt anä Eolour«, welche zu London im Jchre 1799, in Oktav anonym erschien. Sie enthalt NewtonS Beobachtungen über die Beugung des Lichtes aus dem dritten Buche seiner Optik abgedruckt, und an jede derselben, die von Newton abweichenden Bemerkungen, Versuche und Folgerungen des Verfassers gereiht. Ein Freund von ihm hat aus dieser Schrift einen ziemlich vollständigen Auszug in Nich 0 lson 's sonrnal os naniral zzhi- Vol. 4. (^ai 1806) mitgetheilt» Nach diesem Auszüge — da er Jordan's Vom Lichte. Z. 416. L^7 Schrift selbst, sich nicht verschaffen konnte, hat Gilbe rt seine Abhandlung bearbeitet, die sich in seinen Annalen (18. Band, 1 Stück oder Jahrgang 1804, 9 Stück) unter dem Titel findet: Entdeckungen in der Lehre von der Beugung des Lichtes, von Gibbet Walter Jordan, 669, — nur daß er Newtons Beobachtungen über die farbigten Lichisaume, welche in dem Auszuge allzukurz angedeutet werden, aus seiner Optik, deutlicher hichcx übertragen hat. — Der Verfasser des Auszuges meint: wir waren um so mehr zu den größten Erwartungen von Jordans Entdeckungen in einem allzulange vernachlässigtem Theile der Optik berechtigt, als die sogenannten Höfe (die sich vor jenen Entdeckungen auf keine Art hatten erklaren lassen), aus ihnen sich genügend ableiten und aufhelfen ließen; — und diesem Urtheile stimmt Gilbert völl-'g bey. —- Jordan selbst hat in eben dem Jahre, in welchen seine obige Schrift erschien, eine Anwen- ?. Abschnitt- dnng feiner Entdeckungen über die Beugung des Lichtes, auf die Erklärung der Höfe um Senne, Mond und andere leuchtende Körper, in folgender Schrift gemacht: ^econnt of lbe Iriäk-8 oe Eoronae, xvick NNx>sgr nronnck anä contiZnou8 to rhs doäiex vf r!ie 8nn, moon anü otkso luminons odfscr , 46. S. 8. mit einer Kn- pfertafcl, welche in einer vollständigen Ueber« seyung in dem oben angeführten Stücke der Gilbertfchen Annalen enthalten ist. — Eine dritte hiehcr gehörige Schrift von Jordan ist folgende: lVsvv od8t?rvarion8 coneee- vinz tks colonrz of lbin trnn8pgr3nt do- ckies, Zchevp'iuA .rlisse pknsnomenn tc> ba änläsLtion8 of nnä r!mt of tlie ernnsmiszions ainl iLläectio»8 cleriveck trom tüem, bavs no sxi8tenco, but fai! «eznal!^ in rlisir applicntton bgr ldlevvton ro nccvuiir ior tks cslourL of uaturak boäie8. l,oneion -Zoo, 8- Gilbert macht Zu dem angeführten Stucke seiner Annalen von dieser Schrift die Verheißung: davon künftig ein Mehrercs! hat aber bisher dieselbe nicht erfüllt. Ende des zweyten Vändchens.