K i n e z um Unterricht u n d zur Unterhaltung von , I. G. A. Galletti, Professor am Gymnasium zu Gotha, Mitglied der Akademjeen der Wissenschaften zu München und Erfurt. Drei) und zwaiijigster ^yeu. Gotha, in der Ettingcrschen Buchhandlung, rsiz. Inhalt. Vier und vierzigstes Kapitel. Von Napoleons Kaiserwürde bis zum Tilsiter Frieden. Erster Abschnitt. Napoleons Bestreben, sein Anschn in und ausser Frankreich zu befestigen. Pitt bewegt Rußland und Oestrcich, au dein Kriege gegen Frankreich Theil zu nehmen. Schlacht bey Trafalgar. Die Oestrcicher rücken in Bayern und Schwaben ein. Mack übcrgiebt einen beträchtlichen Theil der vstreichischen Armee. Der Erzherzog Karl sieht sich dadurch zum Rückzüge aus Italien gcno- thigt. Napoleon zieht in Wien ein. Die Franzosen erobern Tyrvi. Schlacht bey Austerlitz. Friede zu Preßburg. S. r. * Zwcy- Zwcytcr Abschnitt. Zwei' Brüder von Napoleon werden Köm>. Napoleon bestrebt sich/ das Anseh» seiner Hcrr- schcrsamilic zu befestigen. Die Auiniccksamkcit, die er dein Unterrichte und den Juden widmet. Pitt stirbt. Fox / sein Nachfolger, leitet Frie- dcnsunterhandiüngcn ein, die mit seinem Tode völlig abgebrochen werden. Der von Oubnl geschlossene Friede wird von Alexander nicht genehmigt. Napoleon schließt mit einem großen Thkil der deutschen Fürsten den Rheinbund. S. 9->. Dritter Abschnitt» Friedrich Wilhelm ill besetzt, einem mit Frankreich geschlossenen Vergleiche zufolge, Hannover. Er läßt.sich allmählig zum Kriege mit Frankreich umstimmen Treffen bcy Saalfeld. Schlacht bey Jena. Die preussischc Reservearmee wird bei) Halle geschlagen. Napobon zieht in Berlin ein. Das hohcnlohischc Corps crgiebt sich bcv Prenzlow.. Blücher muß bei) Lübeck in die Gefangenschaft einwilligen. Eine preussische Festung nach der andern capitulirt. Oer Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschwcig verli ren ihr Land. Friedrich Wilhelm verwirft den gcschl ssenen Waffenstillstand. Die Vereinigten erobern Schlesien. S. iZ9. Vier- Vierte? Abschnitt. Napoleon rüstet sich zum Kriege gegen Rußland. Revolution in Polen. Alexander kann, schon durch den Krieg mit der Pforte bcschäfftigt, dem Kaiser Napoleon nicht seine ganze Macht cnt« gegenstcllcn. Der Kurfürst, die Herzoge von Sachsenec. treten dem Rheinbünde bcyl Treffen bey Pultusk Schlacht bey Eylau. Danzig wird von den Franzosen, und ihren Bundesgenossen, erobert. Napoleon siegt bey Friedland Friede ^ zu Tilsit. Königreich Wcstphalen Herzvgtkum Warschau. Der König von Schweden räumt Stralsund. S. 210.' Fünf und vierzigstes Kapitel. Vom Tilsit er bis zum Wienev Frieden. Erster Abschnitt. Kopenhagen wird von den Engländern schrecklich bvmbardirt. Sie führen die ganz? danische Flotte fort. Dagegen verlieren sie Buenos-Ayrcs; auch können sie Alexandrien nicht behaupten. Duckworth, der durch die Dardanellen bis vor Cvnstantinopel durchdringt, muß sich wieder zurückziehen. Mini- stmvechsel zu London. Napoleons Macht steigt steigt indessen immer höher. Neuer französischer Adel. S. Zweytcr Abschnitt. Staatsverandcrung in Portugal. Der Prinz Regent gcdt nach Brasilien. In Spanien wird Karl lv von seinem Sohn Ferdinand zur Abdankung gcnöthjgt. Napoleon kömmt nach Bayonne. Karl und Ferdinand treten ihm alle ihre Rechte ab. Napoleon ernennt seinen Bruder Joseph zum Könige von Spanien. Die Spanier empören sich. Krieg zwischen ihnen und den Franzosen. S. -77. Dritter Abschnitt. Ursachen des neuen Krieges zwischen Oesircich und Frankreich. Treffen bey Abensberg, Landshut, Cckmühl. Napoleon zieht in Wien ein. Ocstreichische Revolutionsvcrsuche, Schlacht bey Aspcrn. Krieg in Italien, in Polen. Schills Unternehmung. Des Königs von Wesiphalcn Zug nach Sachsen. Schlacht bey Wagram. Aug des Herzogs von Oels. Englische Unternehmungen gegen Holland. Friede zu Wien. S. zzs. Die Titclvignettc stellt das Schloß Schonbrunn vor. Vier- Vier und vierzigstes Kapitel. Von Napoleons Kaiserwürde bis zum rilsiter Frieden. Erster Abschnitt. Napoleons Bestreben, sein Ansehn in und ausser Frankreich zu befestigen. Pitt bewegt Rußland und Ocstrcich, an dem Kriege gegen Frankreich Thcil zu nehmen. Schlacht bc» T-afalgar. Nie Oestrcicher rücken in Bayern und Schwaben ein. Mack übergiebt einen betrachtlichen Thcil der östreichischcn Armee. Der Erzherzog Karl steht sich dadurch zum Rückzüge aus Italien geno- thigt. Napoleon zieht in Wien ein. Die Franzosen erobern Tyrvl. Schlacht bcy Äusterlitz. Friede zu Preßburg. Napoleon war erster Consul geworden, um das Ruder des schwankenden Staatsschiffes der französischen Nation um so fester zu regieren, er war Kaiser geworden, um seiner Gallctti Wcltg. azr Th. A Re« Regierung eine größere Festigkeit zu geben, um alle Hoffnung der Vourbonen, jemahlS wieder auf den französischen Thron zu gelangen, zu vereiteln, und ihre Bemühungen um desto zweckloser darzustellen. Auf der Laufbahn, auf welcher er einherschritt, durste er kein sein Ansehn und seine Macht befestigendes Mittel unbenutzt lassen, mußte er seinen Feinden das Spiel, an seinem Untergänge zn arbeiten, immer mehr zu erschweren suchen. In nZclch einem ganz andern Verhaltnisse steht, zu dem auf dem Throne gcbohrncn, der, welcher sich, durch Talente und Glück gehoben, zu demselben cmpor schwingt? Während daß diesen eine lange Gewohnheit auf demselben festhält, muß jener durch die äusscrstc Anstrengung seiner geistigen und körperlich.?» Kraft sich zu behaupten suchen. In Hinsicht auf dieses Verhältnis; mußte Napoleon seine Familie mit einem dem Charakter seiner Nation und seiner Würde entsprechenden Glanz zu umgeben suchen. Daher blieben seine Brüder, Lucian und Hieronymus, deren Gemahlinnen keine dem neuen Ver- 5 Verhältnisse entsprechende Abkunft hatten, von der prinzlichen Würde, und von dem Besitze der Neichserzämtcr, ausgeschlossen. Vergebens verwendete sich die Mutter Latitia für ihren Licblingssohn Lucian. Sic rcisetc deswegen von Mayland nach'Paris. Wahrend daß sie jedoch für den Sohn nichts ausrichtete, erlangte sie für sich selbst die Vorrechte der fürstlichen Würde. Sie führte, seit der Mitte des Januars (1805) den Titel: kaiserliche Hoheit, und im Avril wurden ihr in den Tuilerien, in der Residenz des Kaisers, einige Zinimcr angewiesen. Um eben diese Zeit (z. April) kam Hieronymus aus Nordamerika nach Lissabon, wo er den Befehl über einige Kriegsschiffe übernahm. Aber Miß Pattcrson, die ihm bis nach Lissabon gefolgt war, wurde von da weggcwie- sen, und da sie auch im Tcpel nicht landen durfte, gicng sie nach England, wo sie bald hernach niederkam. Napoleon wünschte, als Kaiser, sein Volk von seinem eifrigen Bestreben, dessen Wohlstand zu befördern, immer lebhafter zu überzeugen. Daher bemühete er sich, den srok! 6 stockenden Handel wieder in den Gang zu dringen, und den Absatz der Manufakturen zu vergrößern. Die letzte Absicht erreichte er durch die Pracht, die er an seinem Hofe einführte. Kostbare Stickercycn, und herrliche scidnc ZcNgc, wurden jetzt wieder weit mehr, als bisher, gebraucht. Dadurch hob sich besonders Lyons Betriebsamkeit von neuem, und von den 16,000 Weberstühlen, die es vor der Revolution zählte, waren 12,000 wieder im Gange. Die Porzcllanfabriken zu Paris, die Gewchrfabrik zu Versailles, erreichte eine höhere Stufe der Vollkommenheit. Im Ministerium des Innern wurde ein eignes Departement für den Handel an- gcord'nct, und in Paris hatte ein allgemeiner Handelsrath für das ganze Reich seinen Sitz. Mit dem Wunsche der Nation, den alten Kalender wieder eingeführt zu sehen, stimmte Napoleons Neigung, die Denkmah- lcr der republikanischen Verfassung allmahlig zu vertilgen, recht gut übercin. Die Deca- den waren ohncdiefi schon langst nicht mehr geachtet, und die Sonntage wie ehedem ge- fcyert 7 fcyert worden. In dem Beschlüsse, durch welchen der Senat (am 9. Sept. 1805) der Nation bekannt machte, daß, vom lten Januar des künftigen Jahres, der gregorianische Kalender wieder in seine vorigen Rechte treten sollte, wurde die Ucbercinstimmung mit dem übrigen Europa zum Verwände angegeben. Napoleons Sorgfalt verbreitete sich auch auf Zeitungen und Journale, die auf die Mcynungen des Publikums einen bedeutenden Einfluß haben. In dieser Absicht wurden die Zeitungen einer strengen Aufsicht unterworfen, wurde die Zahl der in Paris erscheinenden eingeschränkt. Die bleibenden erhielten ein kaiserliches Privilegium, und der Herausgeber derselben mußte von der Regierung angestellt, oder wenigstens genehmigt scyn. Ein Theil des Gewinnstes wurde zu Pensionen für Gelehrte angewiesen. Als Hof- und Staatszeitung behauptete der Mos niteur seine Stelle. Sein Inhalt spricht deutlicher, als jedes andre französische Journal, die Gesinnungen des Regenten aus; e« entwickelt mehr, als jedes andre, die Ansicht 8 ficht der Begebenheiten, die der Regent bey dem Publicum zu erzeugen wünscht. Schon mehr als einmahl hatte Napoleon das Publicum von seiner Friedensliebe zu überzeugen gesucht. Er hatte daher seine Kaiserregierung kaum angetreten, als er (2. Zan. 182;) dem Könige von Großbritannien den schriftlichen Antrag zu einer Aussöhnung that. Aber Georg III, der ihn nicht als Kaiser anerkennen wollte, ließ (am 14WN) auf Napoleons Schreiben durch den Lord Mulgravc, den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, antworten. Dicß geschah vermittelst eines an Talleprand gerichteten Schreibens. In diesem wurde Napoleon Chef der französischen Regierung gc- ncnnt, und dabei) erklärt, daß Großbritannien, den ihm gemachten Antrag, erst mit den mit ihn in Verbindung stehenden Landmachten, vornehmlich mit Rußland, in Ue- bcrlcgung ziehen müsse. Gleich am Tage nach der Ausfertigung dieses Schreibens (15. Zan.) wurde Napoleons Antrag dem Parlamente vorgelegt, und Georgs III bey dieser Ge- 9 Gelegenheit gehaltene Rede zeigte gar keine friedliche Stimmung. Pitt verfolgte seinen Plan, der Macht der jetzigen französischen Regierung entgegen zu arbeiten, mit der unerschütterlichsten Sündhaftigkeit. So groß aber sein Einfluß auf die englische Staatsverwaltung war, so wenig konnte er doch das Vertrauen, das Georg III zu Addington hegte, entkräften. Er mu'sita. sich vielmehr (1804 Der.) mit demselben aussühnen. Addington wurde Präsident des geheimen Raths, und, unter Leni Nahmen Sid- mouth, Viscount von Großbritannien. Aber Sidmonth konnte, neben Pitt, seine Rolle nicht lange fortspielcn. Zu Pitts vornehmsten Freunden gehörte Lord Melville (Heinrich Dundas) der, seit Addingtons Abgang, wieder Secministcr geworden war. Man beschuldigte ihn, mit den ihm anvertrauten Geldsummen gewuchert zu haben. Addington drang auf dessen Bestrafung. Pitt wollte ihn aber erst durch eine gerichtliche Untersuchung überführt sehen. Darüber legte Sid- mouth (2. (All. 1805) seine Stelle nieder, und das ganze Ministerium wurde verändert. Pitt, 10 Pitt, die Seele desselben, setzte nicht nur den Seekrieg, sondern auch die Vcr- theidigunqsanstalten gegen Frankreich eifrig fort. Die Landmacht, die Großbritannien damahls in allen Erdtheilcn unterhielt, des lief sich auf zz2,/oc> Mann. Hierzu kam noch die ungeheure Schaar von 400,000 Fkcpwiliigcn. Diesen traute man jedoch so wenig zu, daß Windham, Sheridan u. a. m. sich öffentlich gegen sie erklärten, daß sie dagegen die Vermehrung der rcgulaircn Armee empfahlen. Jedes Kirchspiel mußte eine verhältnismäßige Anzahl von Recrutcn liefern. Die Militz wurde von 70 auf 46,000 vermindert, und die noch übrigbleibenden den regulären Regimentern einverleibt. Doch die großbritannische Landmacht war mehr als hinreichend, da Großbritannien mit Frankreich so wenig einen Kampf zu bestehen hatte, da es sich von der so unwahrscheinlichen Gefahr einer Landung, durch Verbindungen mit den Landmächten, zu bcfrcyen wußte. Zur See war seine Ucberlcgcnheit schon längst entschieden, und selbst die vereinigten Kräfte Frankreichs und seiner Bundes- desgenossen schadeten ehr nur wenig. Zu Anfang des Jahres erregte die (11. Jan. iZc>>) von Rochefort ausgelaufene Escadre keine geringe Besorgnis. Sic suchte die westindischen Inseln Dominique, Montfcr- rat, St. Christoph, Antiaoa, und St. Lueie, heim, bemächtigte sich aller in den Hafen derselben befindlichen englischen Schisse und Vorräthe, und zerstörte, was sie nicht mitnehmen konnte. Der dadurch den Engländern vcranlasite Verlust war sehr beträchtlich. Die Escadre, die ihn verursachte, erfüllte aber auch die Bestimmung, der französischen Besatzung auf Domingo, wo sich der General Ferrand tapfer wehrte, Verstärkung zu bringcn. So waren die alle Meere beherrschenden Engländer doch nicht im Stande, die Secunternehmungcn der tha- tigen Franzosen ganz zu verhindern! Die Franzosen und die mitj ihnen verbundenen Spanier stellten, von einer Zeit zur andern, Flottcrr auf, die ein furchtbares Ansehn hatten. Eine solche Flotte war die, welche Gravina und Villeneuvc bildeten. Sie zählte 20 Linienschiffe und 1968 Kanonen. Der 12 Der englische Admiral Kaldcr konnte ihr Nicht mehr als 15 Linienschiffe, und 1294 Kanonen, entgegenstellen. In der Schlacht bei) Finistcrre, an der nordwestlichen Küste von Frankreich (22. Jul. 1805) schrieben sich beyde Theilc den Sieg zu. Doch Kaldcr zog sich, nachdem er zwei) spanische Linienschiffe erobert hatte, zurück, und die vereinigte Flotte blieb, auch am folgenden Tage, einige Seemeilen von der englischen entfernt, in Schlachtordnung. Kalder wich einer neuen Schlacht aus; seine Schisse waren jedoch so beschädigt, daß er drei) von ihnen nach Ply- mouth zurückschicken mußte. Dren Monathe hernach drohcte der englischen Seemacht eine der größten Flotten, die jemahls gegen sie ausgerüstet worden waren. Aus Cadix liefen zz französische und spanische Linienschiffe aus. Diesen stellte Nelson nur 27 Linienschiffe entgegen. Bcy dem Vorgebirge Trafalgar, zwischen Cadix und der Meerenge, erfolgte,eine der größten Seeschlachten der neuem Zeit. Die Vereinigten bildeten (2t. Ott. 1825) eine fast anderthalb Meilen lange Linie, die sich von Nor- IZ Norden nach Süden erstreckte. Nelson stellte seine Flotte in zwey Tressen. Die Flotte der Vereinigten wollte sich, in der Gestalt eines halben Mondes, »m ihn herumziehen. Sie führte diese Bewegung mit kaltblütiger Nichtigkeit aus. Allein Nelson, der sich auf' seine wohlberechnete Scctaktik, auf seine geschickten Officiere, auf seine geübten Matrosen und Sccsoldaten, verlassen konnte, durchbrach die Linie her Vereinigten an zwey Punkten. Man kämpfte drey Stunden lang, in der größten Nähe. Nelson vernichtete gleichsam die Flotte der Vereinigten. Diese verlohren 19 Schisse, unter welchen eins izo, und ein anderes i2o Kanonen zählte. Gravina, der verwundet war, brachte nicht mehr als.10 Schiffe nach Cadix zurück. Villcneuve, und zwey spanische Admiräle, befanden sich unter den Gefangnen. Aber von den 19 genommenen Linienschiffen konnten die Engländer, so sehr waren sie beschädigt, beu dem stürmischen Wetter, nicht mehr als 4 nach Gibraltar bringen; auch mußten sie 16 von ihren Schissen zur Ausbesserung nach Hause schicken. Vier französische Schiffe, mit welchen chen sich Dumanoir nach Fcrrol geflüchtet hatte, fielen vierzehn Tage hernach (am 4. Nov.) dem englischen Admiral Strachau in die Hände. So blieben von der ganzen furchtbaren Flotte nur Linienschiffe übrig., Sie halte, auf 2z Linienschiffen, 1654 Kanonen, und wenigstens 15,000 Mann verlohren. Die Engländer hatten ihren glänzenden Sieg mit dem Tode ihres vortrefflichen Nelsons erkauft. Vergebens rieth man dem eben so eitlen als braven Admiral, der jeder Gefahr trotzte, die Ordensbänder und Sterne, die seine Brust schmückten, abzulegen. Sie dienten den Feinden gleichsam zur Zielscheibe, und kurz vor dem Ende der Schlacht traf ihn eine von dem Mastkorbe der Trinidad abgeschossene Flintenkugcl in die linke Brust. Er starb mit dem entzückenden Vcwußtscyn, gesiegt zu haben. Seine für die großen dem Vaicrlande 'geleisteten Dienste dankbare Nation widmete ihm ein herrliches Leichenbegängnis, daß zo,ooc> Pfund kostete. Sein Sarg war aus dem Mastbaume des Orients, bcy Abukir aufflog, verfertigt. Die Schlacht bey Trafalgar wurde wahrscheinlich gegen 15 gegen Napoleons Absicht geliefert. Der Kaiser hegte zu dem Admiral Villcneuve, der schon bcy Abukir wenig Thätigkeit und Entschlossenheit bewiesen hatte, ein so geringes Vertrauen, daß er ihn von dem Admiral Nosilli wollte ablösen lassen. Ville- ncuvc, der noch vorher einen Sieg zu erfechten hoffte, wagte es, sich mit einem Nelson zu messen. Napoleon meldete den erlittenen Verlust (2. März 1806) dem Senat mir den Worten, daß man sich unklu-- ger Weise in ein Treffen eingelassen hatte. Die verlohrnen 60 Millionen Franken kaum achtend, befahl er die Ausrüstung neuer Schiffe. Eine hinlängliche Entschädigung gewährte ihm das Glück, das damahls seine Unternehmungen zu Lande begünstigte; seine Unternehmungen gegen Oestrcich und Rußland, von welchen er, als Bundesgenossen Englands, angegriffen wurde. Alexander schien wahrend der ersten Zahre seiner Negierung, den Wohlstand und die Aufklärung seiner Unterthanen zum einzigen Gegenstände seines Bestrebens zu machen. Die Einrichtung der neuen Universitäten wurde i6 wurde mit Eifer betrieben. Die Zahl der Schulen und Unterrichtsanstalten wuchs ausserordentlich an. Zugleich vergrößerte sich die Zahl der fremden, vornehmlich deutschen Cvlonisten so gewaltig, daß man auf die Einschränkung ihrer Ansiedelung bedacht sepn mußte. Die Frcygebung der Bauern dauerte fort. Ilm das schon von der Kaiserin Katharina II beschlossene Gesetzbuch zur Vollendung zu bringen, wurde (im Ott. ißoz) die Gesetzcommission wieder hergestellt. Sie bestand aus 48 Personen, die, unrer der Lei? tung des Jusiizministcrs Fürsten Lapuchin, und des Herrn Nicolai Nowosilzvf, arbeiteten. Im Frühjahre 1805 war ein Theil des Plans schon ausgeführt. Doch schon die letzten Schicksale des Kaisers Paul bewiesen, daß die Großen und die Kauflcute Nußlands für England eine große Anhänglichkeit haben. Obgleich Napoleon sich Alexanders Gunst durch allerlei) Gefälligkeiten zu erhalten suchte, so gab es doch unter den letzter» umgebenden Großen eine dem französischen Interesse standhaft entgegcnarbüitcnde Pärchen, die den Kaiser immer mehr von jenem abzuziehen suchte. Sie benutzte in die- 17 dieser Rücksicht das Schicksal des Herzogs von Enghien, Alexanders Unwillen gegen Napoleon zu reihen; sie stellte ihm die für die übrigen Landmachte dringende Nothwcndigkeit, den herrschsüchtigen Planen des neuen französischen Monarchen zu rechter Zeit Schranken zu sehen, mit politischer Schlauheit dar. Pitt, der von der Veränderung in Alexanders Gesinnungen bald genug unterrichtet wurde, baute darauf das System einer Verbindung mit Rußland, welches der damah- lige russische Minister, der Graf von Wo- ronzow, mit dem lebhaftesten Eifer beförderte. Schon zu Ende des vorigen Jahres (1804) sprach man in London von einer Verbindung mit Rußland, und Nowosilzow war bis um diese Zeit in London, um, wie englische Nachrichten versicherten, diese Verbindung zur Vollendung zu bringen. Rußland half den Kaiser von Oestreich für die Thcilnahme an dem Kriege gegen Napoleon gewinnen. An der Anzündung dieses Kriegsfeucrs hatte Genz, der seit einiger Zeit aus preußischen Diensten in östret- chische übergetreten war, der sich den Eng- Ealletti Wcttg. --zr Tb. B lan- l8 landern als der Uebcrsetzer ihres Vurke bekannt machte, der von ihrem Könige einen ansehnlichen Jahrgehalt erhielt, vielen An- thcil. Genz entwarf schon im December 1804, in Vcrbindnng mit dem englischen Gesandten zu Wien, dem Lord Paget, den Plan, die Staatsminisrer, die den meisten Einfluß ans die Entschließungen des östrei- schen Cabincts hatten, durch ihre Frauen zu gewinnen. Genz hatte in den vornehmsten Hansern Zutritt. Paget wußte herrliche indische Schwals sehr gut anzubringen. Es bildete sich gleichsam ein weiblicher Ausschuß. Zu den Mitgliedern derselben gehörte die Gräfin Collorcdo, eine gebohrnc Niederländerin von der nicht reichen Familie Cren- neville, die Collorcdo, als die Wittwe eines gewissen Boudet, hcvrathcte; es gehörten zu demselben die Gräfinnen Zichy, Nombcck (Cobenzls Schwester), die Frau von Collcn- bach, und die Frau von Schosullan, die Kammerfrau der Kaiserin. Diese Frauen versammelten sich bey der Banqnicrswittwe Natorp. Ein männlicher Ausschuß, meistens aus den Umgebungen des Kaisers gewählt, hielt seine Zusammenkünfte bey dem Staats- rath 19 rath Stahl. Diese Heyden Ausschüsse beförderten die Plane der Petersburger Par- thcy, die den Krieg mit Frankreich wünschte. Stahrcmberg und Stadion, die östreichischen Gesandten in London und Petersburg, standen mit jener Parthey und mit Woronzow und Nasumowsky, den russischen Gesandten in London und Wien, im Briefwechsel. Ihre Briefe gicngcn durch Einschluß der Madam Natorp an Handelshäuser. Die Frauen stimmten den Staats - und Cabinetsmini- stcr, Franz Grafen von Collorcdo, den Fi- nanzministcr, Karl Grafen von Zichy, den- Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Ludwig Grafen von Cobenzl, den Bruder des Grafen Philipp, des östreichischen Gesandten in Paris, der den Engländern und Russen ganz ergeben war, und den Staats- refereudar, Grafen von Cvllenbach. Die meiste Mühe kostete es, den Grafen Zichy zu gewinnen, ihn, der mit dem schlechten Zustand der Finanzen so gut bekannt war. Die östreichische Staatsschuld, die sich schon im Jahre 1797 auf 470 Millionen Gulden beließ, war 1800 bis auf 1,100 Millionen angewachsen, und in diesem Jahre kamen B 2 noch 20 noch 120 Millionen hinzu. Die Staats- einnähme betrug, selbst den crhöhetcn Ein- fuhrezoll von Kaffee und Zucker mit gerechnet, im Jahre 1804, nicht mehr als 97 Millionen. Die Ausgab» stieg bis auf 120 Millionen. Von diesen verschlangen die Zinsen 40 , der Kricgsstaat 4z , die Staatsverwaltung 22, der Hof 15 Millionen. Seit 1804 hatte die Vermehrung, die neue Einrichtung, der Sold der Armee, noch 28 Millionen gekostet. Der Kaiser selbst ward durch den Grafen von Lambert«,, seinen Gcncraladjutantcn gewonnen, und die Kaiserin Marie Theresic hegte schon ohncdiefi, wie ihre Mutter, die Königin von Neapel, die feindseligsten Gesinnungen gegen Napoleon. Diese Parthcy siegte über die Mcpnung des Erzherzogs Karl, der nicht für den Krieg stimmte. Eben so gab es in Petersburg zwey Partheycn. Für den Krieg erklärten sich die Staatsministcr Nowostlzow und Stra- gonof, der Cabinctsministcr Guricff, der Marincministcr Tschitschagoff, der General- adjntant Winzingcrode u. n. m. Gegen den Krieg stimmten: der Finanzminister Wasilicf, der Justizminister Lapuchin, der Gencral- stld- 21 fcldmarschall Tolstoi, der ehemahlige Vice- kanzlcr Kurakin, der Commcrzministcr No- manzow, und sein Bruder, besonders aber auch die Kaiserin. Das östrcichische Cabinct setzte damahlS ein großes Vertrauen auf seine Kriegsmacht. Der Erzherzog Karl hatte, als Präsident des Hofkriegsrathcs, sich eifrig bemüht, den, östrcichischcn Kriegswesen eine vollkommenere Einrichtung zu geben. Auf seinen Antrieb führte man ein neues, mit der Volksmenge im Verhältnisse stehendes Recrutierungssystcm ein; die Regimenter wurden verstärkt; die Soldaten mußten neue Kricgsübungen und Manöver lernen; sie bekamen aber auch einen verbessertem Sold. Allein der Urhc- bcr dieser Verbesserungen, der Erzherzog Karl, wurde, durch mancherlei) seinen patriotischen Bemühungen sich entgegensetzenden Ränke (er besaß die Gunst der Kaiserin nicht) zu dem Entschlüsse bestimmt, die Stelle eines HofkricgsrathS - Präsidenten niederzulegen , und dicß geschah gerade zu der Zeit, wo man seines Nathcs am meisten bedurste, wo Scftrcich als Feind Napoleons auf- 22 aufzutreten beschloß. Zu Anfang des Jahres (1805) reifete der Fürst Galliczin nach Wien, um dem Entschlüsse des Kaisers Franz, an der Verbindung gegen Napoleon Thcil zu nehmen, die nöthige Festigkeit zu vcrschaf- fen. Aber auch Preussen wünschte man für diese neue Coalition zu gewinnen. Sein König, Friedrich Wilhelm III, hatte es bisher zu seiner vorzüglichsten Angelegenheit gemacht, den unter seinem Vater ausgeleerten Staatsschatz wieder anzufüllen. Schon waren, wie man sagt, 40 Millionen Schulden bezahlt worden. Dabcy hatte man noch große Summen angewendet, um den Adli- chen in den ncuerworbcnen polnischen Provinzen, denen das Geld lieber, als die neue Regierung, war, ihre Güther abzukaufen. Diese großen Geldvcrsendungcn verursachten endlich einen auffallenden Mangel an klingender Münze, der vornehmlich zu der Zeit (im Zun. 1805) als die berliner Bank die Discontirung der kaufmännischen Wechsel einstellte, großen Eindruck machte. Die Negierung eröffnete daher, als der Krieg un- vcr- 2Z vcnncidlich schien, im Auelande eine Ait- leihe von io Millionen Thalern. In dies scr Lage schien es für Prcussen rathsam zu scyn, sich der Thcilnahme an einem Kriege, der seine Sclbstcrhaltung nicht unmittelbar zur Absicht hatte, möglichst lange zu entziehen. Als daher der Kaiser Alexander (Febr. 1805) seinen Gencraladjutanten, den Grafen von Winzingerodc, nach Berlin schickte, «m die Gesinnungen des Königs nicht nur zu erforschen, sondern auch der gemeine» Sache geneigt zu machen, erklärte Friedrich Wilhelm, durch den General von Zastrow, den er nach Petersburg schickte, daß er sich auf weiter nichts, als auf das Geschäfte eines Vermittlers, einzulassen gedenke. Durch Preussens Verweigerung seines Beytrittes, ließen sich jedoch die übrigen Mächte von ihrer Verbindung gegen Napoleon nicht zurückhalten. Erst wurde (ir. April 1805) zu London zwischen Nußland und Großbritannien ein Couccrttractat geschlossen. Die Hauptabsicht desselben war, den französischen Kaiser zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes von Europa zu zwingen. Er -4 Er sollte nicht nur die hannoverischen Provinzen, sondern ganz Norddeutschland, räumen, und die Unabhängigkeit der katarischen und helvetischen Republik ungekräukt lassen; Piemont sollte wieder mit Sardinien vereinigt, und der König, wenn es möglich wäre, durch eine Gcbicthsvcrgrößeruug entschädigt werden; Neapel sollte eine vollkommene Sicherheit erhalten; die Franzosen sollten ganz Italien, die Znsel Elba nicht ausgenommen, verlassen; endlich sollte die Feststellung einer solchen Ordnung der Dinge, welche die Fortdauer und Unabhängigkeit der europäischen Staaten vollkommen sicherte, und eine zuverlässige Schutzmauer gegen alle künftigen Anmaßungen abgeben könnte, bewirkt werden. Nach dem Monitcur gab es noch einige geheime Bedingungen. Belgien sollte mit Holland vereinigt, und der Erbstatthalter wieder hergestellt werden; die französischen Festungen an der MaaS sollten östrei- chische und russische Besatzungen bekommen; Savoyen und Nizza, vielleicht auch der Bezirk von Lyon, sollten zu Piemont hinzukommen. Es kam also bey dieser Verbindung auf nichts geringeres an, als auf den Um- 25 Umsturz des ganzen napolconischcn Staatsge- baudes. Zur Erreichung dieser Absicht wollte man, ausser den englischen Hülfstruppcn, eine Macht von 500,000 Mann in Bewegung setzen. England machte sich verbindlich, für jede 100,000 Mann, 1,250,000 Pfund zu bc- zahlen, und die Vollziehung dieser Verpflich- tung sollte schon anfangen, wenn auch nur 400,000 beysammen wären. Zu diesen sollte Oestreich 250,000, und Rußland, seine in Albanien und auf den sieben Inseln befindlichen Truppen nicht gerechnet, 115,000 stellen. Die noch übrige Mannschaft sollte durch Neapolitaner, Hannoveraner, Sardinier u. a. m. ergänzt werden. Rußland, das, ausser den 115,000 Mann, noch Reserve- und Obser- vationscorps zu stellen versprach, wollte gleich 60,000 an die östreichische, und 80,000 an die preussische Gränze vorrücken lassen. Vier Wochen hernach (10. May) machte sich Rußland verbindlich, seine Armee bis auf 180,000 zu vergrößern. Im Julius waren die nö- thigcn Maßregeln mit Oestreich verabredet. Die Russen sollten, durch die östreichische» und preussschcn Lander, gegen die französische Gränze anrücken. Der berliner Hof aus- 26 äusserte sich damahls so freundschaftlich, daß man sich mit der Hoffnung seines Veytrit- tcs schmeichelte. Um die Aufmerksamkeit von den Rüstun- gen, durch die man Napoleons Untergang zu beschleunigen hoffte, abzuleiten, gab sich der Kaiser von Rußland das Anschn, als wenn es ihm Ernst wäre, den Frieden zwischen Frankreich und England zu vermitteln. Der König von Großbritannien, hieß es, hatte den Wunsch geäussert, daß, um die von Bonapartc dem Hofe zu London geäusserten friedlichen Gesinnungen zu crwiedcrn, ein Bevollmächtigter an denselben abgeschickt werden möchte, und der König von Prcus- sen sollte die für denselben nöthigcn Pässe auswirken. Dabey machte jedoch Pitt die Bedingung, daß der englische Bevollmächtigte mit dem französischen Obcrhauptc unmittelbar, und zwar ohne ihm den Kaiscrtitcl beyzulegcn, unterhandeln sollte. Napoleon bewilligte die verlangten Pässe ohne weitere Bcdenklichkciten, und ein Courier brachte sie dem Gesandten Laforest nach Verlin. Derjenige, für den sie bestimmt waren, No- wosilzow. 27 wosilzow, kam im Zunius in der prcussi- schcn Königsstadt an. Hier verweilte er bis zu der Rückkunft des Königs aus dem Alex- andcrsbade. Drcp Tage hernach (10. Iul.) schickte er die erhaltenen Passe dem Minister von Hardenberg zurück. Er fügte die Erklärung hinzu: durch Liguricns Vereinigung mit Frankreich, die mit dem Frieden zu Luncville im Widerspruche stände, wäre ein neues Verhältnis; eingetreten; auch hätte Bonaparte sein gegen Rußland heimlich gegebenes Versprechen, für Sardiniens Entschädigung zu sorgen, nicht erfüllt. Sieben Tage hernach (17. Zul.) reiscte Nowosilzow nach Petersburg zurück. Mir der angeblichen Annäherung Englands an Frankreich stand der Antrag, den Pitt um eben diese Zeit dem Parlamente machte, im auffallenden Widerspruche. Dieser Antrag betraf drey und eine halbe Million Pfund, um Verbindungen, die der Drang der Umstände nöthig machte, schließen zu können. Auf solche Verbindungen schienen Ocstrcichs Rüstungen, schienen die östreichi- schcn Truppcnmärsche nach Italien (1805 im Map) 28 May) hinzuweisen. Auf die französische Aufforderungen, diese Rüstungen und Märsche einzustellen, antwortete man, daß sie durch die betrachtliche Vermehrung der französischen Armee in Italien veranlaßt worden wären; es wäre des Kaisers fester Entschluß, ein der Sicherheit seiner Staaten angemessenes System anzunehmen; auch schränkten sich diese Müstungen auf die östrcichischen Gränzen ein, während sich die französische Armee in einem nicht zum französischen Reiche gehörenden Lande versammelte. Ocstrcich, das dem Kampfe mit der französischen Macht am nächsten war, unterzog sich der Tycilnahme an diesem Kriege mit desto größerer Vorsicht. Frankreich hatte, so erklärte das wiener Ministerium gegen das pctersburgische, 652,000 Soldaten. Davon könnten wenigstens 500,000 zu Felde ziehen, während der Dienst im Innern von Natio- nalgardcn versehen würde; Ocstreich könnte folglich die kriegerischen Unternehmungen nicht eher anfangen, als bis es seine Macht auf 300,000 gebracht hätte. Rußland > bestand jedoch aus dc,m baldigen Ausrücken der öftrer- 29 reichischcn Truppen; eine von seinen Armeen, fügte es hinzu, würde sich sogleich an die östrcichische anschließen. Hierauf wurde (am 16. Jul.) zu Wien eine bestimmtere Verabredung getroffen. Dieser zufolge sollten am itcn Octobcr z 15,060 Ocstreicher mit 59,860 Pferden, sich in Bewegung setzen. Die erste russische Armee von 54,916 Mann und 7,920 Pferden, die am i6ten August aus ihren Cantonicrungcn aufbrechen würde, sollte am 2oten October am Zun eintreffen; die zwcyte russische Armee, die am 2otcn August ausrückte, sollte zuerst Prcusscn beobachten. Oestrich trat hierauf (9. Aug.) der Verbindung zwischen Rußland und England feycrlich bev. England versprach für das erste Jahr (1805) Z, für die folgenden Jahre wenigstens 4 Millionen Pfund. Doch fand zwischen England und Oestrich keine bestimmte Verabredung, kein Einverständnis;, statt. Oestrich unterhandelte eigentlich nur mit Rußland. Sin Unterhändler zu Petersburg war der Graf Stadion, der sich seit 180Z (Jan.) wo er den Gcsandschaftsposten zu Verlin verlassen hatte, als ausserordentlicher Gesandter zu Petersburg befand. Indessen lud der Hof zu Z2 zu Wien, zum Schein, Frankreich und Nuß» land (5. 7. Aug.) zur Wicderanknüpfung der Unterhandlungen ein; dieser Autrag wurde jedoch (iz, Aug.) von dem Kaiser Napoleon völlig abgelehnt. Ausser Ausland und Oesrreich sollte aber auch der König von Schweden als Napoleons Feind austreten. England hatte schon zu Ende des vorigen Jahres (z. Dcc. 1804) Mit demselben einen Subsidieutractat geschlossen, durch den er sich verbindlich machte, ihm, für die Vertheidigung der Festung Stralsund, 60,000 Pfund zu bezahlen. Diese Verabredung wurde in dxr Folge (zi. Aug. 1805) noch genauer bestimmt. England versprach für jede looo Mann, die der König nach Stralsund schicken würde (doch sollte die Mannschaft nicht über 4000 betragen) monatlich 1800 Pfund zu bezahlen, und es sollte dafür, so lange dieser Tractat seine Wirkung behielt, die Handclsfrenhcit genießen. Einige Wochen hernach (am z. Oct.) übernahm es die Verpflichtung, dem Könige für jeden von den 12,000 Schweden, die zu den in Pommern landenden Russen stoßen / ZI stoßen würden, zwölf und ein halbes Pfund zu vergüten. Rußland und England wünschten fortwährend, daß auch Preußen sich an das große Vündniß gegen Napoleon anschließen möchte. Rußland ließ daher zu Berlin anfragen, welche Parthey der König ergreifen, und ob er wohl den Russen den Durchmarsch durch sein Land verstauen würde? Der König, der durchaus neutral bleiben wollte, fühlte sich durch Nußlands Anfrage so beleidigt, daß Napoleons Gesandter Duroc, der in sechs Tagen von Bonlogne nach Berlin geeilt war, um so mehr Eingang fand. Es marschierten bald hernach 100,000 Preußen nach der östlichen Gränze, um die bey Wilna stehende russische Armee zu beobachten. Die Stelle eines Ncutralitätscordons an der fränkischen Gränze vertrat (ich Sept.) eine im ernsthaften Tone abgefaßte Erklärung der festen Entschließung des Königs, sich aller Teilnahme an diesem Kriege zu enthalten. Napoleons Feinde wollten ihren Angriff von Holland bis Italien ausdehnen. Während rcnd daß sie sich zu demselben vorbereitete», schien Napoleon, gleichsam nicht darauf ach-' tend, blos mit den Anstalten zur Landung in England bcschäfftigt. Diese wurden jetzt eifriger als jcmahls betrieben. Die Zahl der im Hafen von Bonlogne befindlichen Boote belief sich, selbst nach englischen Angaben , auf 1700. Auf jedem derselben hatten 12O Mann Platz. Die ganze nordwestliche Küste von Frankreich machte gleichsam nur Eine Festung aus. Die Armee, die sich im Lager bey Bvulogne befand, wurde auf 150 bis 200,000 Mann geschätzt. Die Soldaten hatten sich artige hölzerne Hütten gebaut, die thcils wegen ihres weißen Anstriches, thcils wegen der zwischen ihnen angelegten kleinen Gärten, einen sehr angenehmen Anblick gewährten. Seit dem Ende des März (1805) wurde jedem Sffieier der Urlaub versagt. Auch in Holland wurden die Anstalten mit größcrm Eifer betrieben. Alles, was sich von Napoleons Garde noch in "Paris befand, marschierte (28. Jul.) nach Bonlogne. Einige Tage hernach (2. Aug.) reisete Napoleon gleichfalls dahin. Der Seeminister, ungleichen Verthier, Soult, Lan- zz Lannes folgten ihm. Die Generale befanden sich schon am Bord, und alle Anstalten zu einer nahen Landung schienen getroffen. Zn England, wo die Besorgnisse immer ängstlicher wurden, betrieb man die Ver- thcidigungs - Maßregeln ernstlicher, als jc- mahlst England wußte doch damahls ganz genau, daß sein Feind Napoleon die Küste von Bouiogne bald würde verlassen müssen, und Napoleon zweifelte wohl, schon lange nicht mehr, daß ihm die Mächte des festen Landes den Gefallen thun würden, ihm zur Einstellung der gefährlichen Unternehmung einen ehrenvollen Vorwand zu geben. Am 27tcn August nahm er die Maske plötzlich ab. Unvcrmuthet kam sein Befehl, die Truppen wieder anszsischiffen, und nach wenig Stunden befand sich die erste Division schon auf dem Marsche. Ein Thcil des Gepäckes wurde auf den Schultern der Infanterie fortgebracht. Viele Dragoner machten den Marsch zu Fuß. Nach 17 Tagen (15. Sept.) standen 100,000 Franzosen am Sbcrrhcin, wo sie, verstärkt durch mehrere Abthcilungen, die sich schon seit der Mitte des Augusts im Innern versammelt hatten, Galletti Weltg. szr Th. C die 34 die große Armee bildeten. Ausser diesen Truppen setzte sich auch die holländische Armee unter Marmont, und die hannövrische Abtheilung unter Bernadette, in Bewegung. Alle diese Truppen bildeten 7 Corps, über welche die Marschälle Dernadotte, Mar- mont, Davoust, Soult, Lanues, Ney und Augcreau den Oberbefehl führten. Hierzu kam noch die Reserve von schwerer Caval- lcrie, und von Dragonern, die Murat anführte. Gegen Ende des Septembers war alle diese Mannschaft am Orte ihrer Bestimmung angelangt. Ungleich schwacher, als die deutsche Armee, vielleicht kaum 65,000 Mann stark, war das Heer, das unter Mas- scna's Anführung in Obcritalien auftrat, und das erst späterhin, durch die 15,000 Mann starke Abtheilung des Generals St. Cur, der bisher im I^eapolitanischcn gestanden hatte, verstärkt wurde. Der König von Neapel machte sich (21. Sept.) durch einen beson- dcrn Vertrag verbindlich, kein TruppcncorpS der kriegführenden Mächte in seinem Ge- biethc landen zu lassen, und keinem im Dienste derselben stchcndcn Officier, oder einem 35 einem Emigrirten , den Oberbefehl über seine Armee anzuvertrauen. So im Rücken gesichert, konnte nun Napoleon desto rascher gegen Oestrcich vorrücken. Dieses erleichterte ihm die Ausführung seines Planes. Kaiser Franz, der, wie es scheint, es nicht erwarten konnte, ^-das schöne bayrische Land mir seiner Monarchie zu vereinigen, ließ, noch vor dem Anmarsch der Russen seine Armee gegen den Inn vorrücken; er verfolgte jedoch die Erreichung seines Zieles nicht mit der gehörigen Entschlossenheit. Von den Gesinnungen des Kurfürsten von Bayern nicht recht unterrichtet, schmeichelte er sich mit der Hoffnung, ihn, so wie die übrigen Fürsten zwischen dem Inn und Rhein, auf seine Seite zn ziehen. In diesem Wahne schickte er (z. Sept.) den Fürsten von Schwarzenberg mit einem eigenhändigen Schreiben nach München, worin er dem Kurfürsten den Antrag that, sogleich seine Truppen zu den östreichischen stoßen zu lassen. Der Kurfürst erklarte sich sowohl gegen Schwarzenberg, als gegen de» Kaiser, dem er (7. Sept.) E s wie- wieder eigenhändig antwortete, nicht abge- neigt, dem Verlangen desselben Gnüge zu leisten; zugleich beschwor er aber dm Kaiser, bcn allem Gefühle eines Vaters, ihm, wegen seines Sohnes, der sich jetzt im südlichen Frankreich befände, bis zur Zurückkauft desselben Zeit zu lassen. Aber wenige Stunden nach der Absenkung des Generals Nogarola, der diesen Brief nach Wien überbrachte, in der Nacht vom 8ten bis gitcn September, eilte der Kurfürst von Nnm- phcnburg nach Wirzburg, schickte er allen seinen Truppen den Befehl zu, nach Franken zu marschieren. Der Kurfürst rechtfertigte sich gegen die östreichischcn Beschuldigungen durch den Umstand, daß die östrei- chische Armee sogleich über den Inn gegangen Ware, um Bayern feindlich zu behandeln. Auch war der östrcichische General Klenau am Tage vor der Abreise des Kurfürsten (8. Sept.) wirklich über den Inn gegangen. Doch der. Kurfürst mochte sich wohl nicht geneigt fühlen, sich, als Bundesgenosse Oesircichs, der französischen Ueber- macht preis zu geben. Sein Entschluß mochte schon vorbereitet seyn. Z7 Die Ocstreichcr, die jetzt über den Inn in Bayern eindrangen, vermehrten sich bis ans 80,000 Mann. Die Ehre, ihren Oberbefehlshaber vorzustellen, hatte Franz II seinem Vetter, dem Erzherzog Ferdinand, zuerkannt; die eigentliche Leitung der Unternehmung aber war dem Fcldmarschalllieute- nant Mack aufgetragen, durch dessen Erhebung die altcrcrn, die altadlichcn Generale sich gewaltig gekrankt fühlten; ein Umstand, der auf den Erfolg dieses Krieges gewiß sehr nachtheilig wirkte! Die Oestrcichcr rückten nach sechs Tagen (14. Sept.) in München ein, und gegen das Ende des Monaths befand sich die östrcichische Armee jenseits des Lechs, in Schwaben. Franz II selbst brachte einige Tage lang (vom 22 - 26. Sept.) im Hauptquartiere zu Landsbcrg zu. Die Ocstreicher waren im Wirtembcrgi- schcn, bis in die Nahe des Schwarzwaldes vorgedrungen, als sie auf cinmahl Halt machten. Ihre bcyden Oberfcldhcrren, der Erzherzog Ferdinand und Mack, waren verschiedener Meynung. Mack, durch die unerwarteten Bewegungen der überlegenen fran- Zö- zösischcn Armee aus der Fassung gebracht, zog sich hinter der Itter, zwischen Ulm und Mcmmingen, zurück. Sein Hauptquartier war zu Mindclheim, zwischen deu Itter und dem Lech. So begann dieser Krieg, der nur durch Noten, die der ösircichische und der französische Gesandte (25. Aug. 12. Sept.) zu Rcgcnsburg übergaben, bekannt gemacht wurde. Napoleon kündigte ihn seiner Nation (2z. Sept.) durch eine im Senate gehaltene Rede an. Dieser bewilligte ihm 8o,oc>c> Conscribirte für das Jahr 1806. Die Nationalgarde wurde neu organisirt. Am 26tcn September kam Napoleon zu Straßburg an. Indessen nahmen seine Marschälle die ihnen angewiesenen Posten ein. Bernadette marschierte (17. Sept.) mit der hannövrischen Armee durch das Gcbicth des Kurfürsten von Hessen, der sich nur sehr ungern entschloß, ihm den Durchzug zu gestatten. Seine Soldaten waren, als die Franzosen ihren Weg durch Kassel nahmen, in Parade aufgestellt. Bcrnadottc gelangte nun um so eher bcy Wirzburg an, wo er sich (27. Sept.) mit dem 39 dem von Maynz heranrückenden Marmont vereinigte. Da zn den 40,000 Franzosen nnd Holländern von Vcrnadottc und Marmont noch 20,000 Bayern unter Dcroy und Wrede stießen, so wuchs die bcy Wirzburg vereinigte Macht bis auf 60,000 an. Die Frans zoscn, die über den Rhein herüber kamen, machten über 100,000 Mann aus. Napo- leons ganze Kriegsmacht, die jetzt gegen die Ocstrcichcr in Deutschland austrat, belicf sich also auf 160,000 Mann, und die östrcis chische Armee unter Ferdinands und MackS Befehle war nur etwas über die Hälfte so stark. Während dasi sich Davoust von Manns heim, über Heidelberg, nach Süd-Franken, und Soult von Bermersheim, über Heils bronn, nach Röcklingen zog, rückten Lonnes, Ney und Murat nach Stuttgart»! vor. Ney und Dupvnt erschienen zugleich von zwcy Seiten her vor Stuttgardt. Als man ihnen die Thore nicht gleich öffnete, führten sie Kanonen auf, ließen sie die Thore sprengen, quartirtcn sie sich mit Gewalt ein. Die Gesandten Ocstrcichs und Nußlands hatten 24 Stun? 40 Stunden hindurch Wache. Jetzt traf (am 2. Ott.) Napoleon in Stuttgardt ein, und dem Kurfürsten blieb nun keine Wahl übrig. Wahrend daß die Tochter des Königs von England den Feind ihres Vaters bcwirthete, schloß ihr Gemahl mit demselben ein Bündnis, das ihm die Verpflichtung auflegte, 8 bis 10,000 Mann (darunter 1000 zu Pferde) zu der französischen Armee stoßen zu lassen. Einen Tag früher (l. Ott.) hatte Napoleon auch den Kurfürsten pbn Baden, während daß sowohl seine Residenz, als sein Land, von französischen Truppen besetzt war, zur Stellung von z - 4000 Mann zu bestimmen gewußt. Schon fochten also einige 30,000 Mann Deutsche an der Seite der Franzosen. Die Abthcilungen von Lannes, Soult, Mural und Ney, zusammen 70,000, standen (6. Ott.) in der Gegend von Nöttingen bepsammen. Davoust bildete bey Oellingen gleichsam die Reserve. Wahrend daß diese Marschälle die östrcichischc Armee von vorne und von der Seite bedrohten, näherten sich Marmont, Vcrnadotte und die Bayern ganz unerwartet dem Rücken derselben. 4l bcn. Sie marschierten, auf dem kürzesten Weg, durch das anspachische Gebicth. Sie achteten auf die Einwendung und Vorstellungen der prcussischen Befehlshaber und Beamten so wenig, daß an mchrern Orten die prcussischen Unterthancn geplündert und gc- mißhandelt wurden. So sahen sich die an der Zllcr ganz ruhig stehenden Qcstrcicher plötzlich im Rücken angegriffen. Mack, dessen Spione und Patrouillen ihre Pflicht sehr schlecht erfüllten, hielten die nordöstlichen Bewegungen der Franzosen nur für solche, durch die die bedeutendem Unternehmungen seinen Augen entzogen werden sollten. Als Mack seine Tauschung gewahr zu werden anfieng, wendete er sich von Min- dclhcim nach Ulm. Weiter nordostwarts, bcy Wcrtingcn, stand eine östreichische Abtheilung unter Auffenberg. Gegen diesen rückte Mural, mit z Divisionen Cavallerie, mit Oudinots Grenadieren, und mit dem Corps von Lannes, (8- Oct.) so unvermu- thet an, daß die östreichischen Officiere bey der Tafel überrascht wurden. Ihre Soldaten stellten sich zwar geschwinde genug auf; aber 42 aber ihre Linie wurde von den Franzosen ss gesprengt, daß sie, nach ihrer eignen Angabc, 52 Offnere, und gegen 1500 Gemeine, nebst 6 Kanonen, vcrlohrcn. Am folgenden Tage gcricth Auffcnberg selbst in die französische Gefangenschaft. Mack zog sich in der darauf folgenden Nacht von Ulm nach Günzburg. Dort lehnte sich sein linker, hier sein rechter Flügel an. Bcy Günzburg war er weder im Rücken, noch von der Seite gedeckt; auch hatte er die Verbindung mit Tyrol vcrloh- rcn. Um so leichter konnte er von den Franzosen auf allen Seiten umgangen werben. Bey Günzburg, wo Ferdinand selbst den Oberbefehl führte, entstand (9. Oct.) zwischen den Oestrcichern und den Franzosen, die über die Donau gehen wollten, ein sehr hitziges Gefecht. Die französischen Grenadiere setzten, dem Flintenfeuer der Ocstrei- cher trotzend, über die Querbalken der abgetragenen Brücke. Napoleon selbst befand sich in der Nahe. Seine Soldaten ließen daher ihre Fortschritte durch das anhaltende Regenwetter nicht zurückhalten. Er wußte ihren N 4Z ihren Muth anzufeuern, vornehmlich bcy Augsburg, auf der Lechbrücke, wo er sich ihnen während eines abscheulichen Wetters zugesellte. Mack zog sich, den Franzosen, die sich jetzt fast sämmtlich an der südlichen Seite der Donau befanden, ausweichend, (10. Ott.) durch Ulm, an die nördliche Seite dieser Stadt, an den kleinen Bach Blum. Hier wurde die Division Dupont, vom Corps des Marschalls Ney, zwischen Ulm und Alpcck, zurückgeschlagen. Mack sah, seiner schlechten Spione wegen, die Gefahr, die ihn auf allen Seiten umschwebte, zu spät ein. Vergebens riethen ihm seine Generale zum Rückzüge. Indessen rückten die Franzosen immer näher gegen Ulm heran. Schon sagte Napoleon seinen Soldaten, daß die Oestrei- cher so eingeschlossen wären, daß kein Mann von ihnen davon kommen würde. Mit den sich nähernden Franzosen hatten die Oestrcichcr nun manchen Kampf. Der blutigste und entscheidendste fiel (14. Oct.) bcy Elchingen vor, wo der Feldmar« schall schall Riese von dem Marschall Ney zurückgedrängt wurde. Nach Elchingcn verlegte Napoleon sein Hauptquartier. Lannes besetzte die Anhöhen bcy dem Dorfe Phul; Marmvnt, der von Süden herkam, bemächtigte sich der Brücke über die Jllcr/ und Murat behielt indessen die ösircichische Ca- vallcric im Auge. Wahrend daß Mack alle diese Bewegungen der Franzosen für Anstalten zum Rückzüge hielt, geriethcn 6ooo von seinen Leuten, nebst 24 Kanonen, in die Gewalt der Franzosen. Ulm wurde jetzt von den Franzosen enger eingeschlossen. Die bey Heidenhcim stehende Abtheilung vonWcrncck war von dem Hauptcorps abgeschnitten. Während Ulm nur noch gegen Norden und Nordosten offen war, behauptete Mack noch immer, daß am folgenden Morgen kein Feind mehr zu sehen scyn würde. Er ermahnte die Einwohner von Ulm, seiner Armee nur noch für einen Tag Unterhalt und Wohnung zu gewahren; doch sollten sie seinen Soldaten auch mit Schuhen und Stiefeln aushelfen. Mack ließ sich durch die dringendsten Vorstellungen 45 lungen seiner Generale, selbst durch die Heftigkeit des Fürsten von Schwarzenberg, von seinem Entschlüsse, in Ulm stehen zn bleiben^ nicht abbringen. Der Erzherzog Ferdinand erklärte sich im Kriegsrathc so lebhaft gegen Mack, daß dieser ihn fragte: ob er nicht wüßte, wer hier Commandant wäre? Als Ferdinand behauptete, daß Mac? nur sein Gcneralquartiermeisrer wäre, breitete Mack sein Fcldhcrrendiplöm vor ihm ans. Wahrscheinlich war Ferdinand vom Kaiser, Mack aber von der englischen Parthey im Hofkriegsrathc, zum Oberbefehlshaber ernennt. Der Erzherzog Ferdinand zog hierauf mit einem Theile der Armee, (etwa 18,000 Mann), meistens Cavallcrie, begleitet von dem Fürsten von Schwarzenberg, nach Gaißlingen, um sich an den General Werneck anzuschließen. Werneck, der, nach dem Treffen bey Elchingen, sich nach Ulm zurückzog, stieß (16. Oct.) auf Murat, und verlor, im Kampfe mit demselben, zooo Mann. Nun eilte er nach Aalen, um sich mit dem Erzherzoge Ferdinand zu vereinigen. Sehr entkräftet ('7- 46 (i/. Oct.) hier anlangend, erhielt er den Befehl, sogleich nach Oeningen zn marschleren. Bey Nercsheim holten ihn die Franzosen ein; seine Cavallerie rettete sich meistens zu dem Erzherzog, von seiner Infanterie aber blieben nur noch 1,500 übrig, die, ermattet, hungrig, in eine Schlucht bey Trochtclfingen, nahe bey Vopfingcn, zusammengedrückt, von heftigen, mit Schnee vermischten Regengüssen durchnäßt, und von einer vierfach größern Zahl von Franzosen eingeschlossen, am folgenden Tage (18. Oct.) in die Kriegsgefangenschaft der Gemeinen einwilligen mußten. Der Erzherzog Ferdinand eilte indessen (20. Oct.) mit seinem, meistens aus Cavallerie und Flüchtlingen bestehenden Corps, nebst einem Zuge von 50 Kanonen, und vielem Gcpäcke, durch Nürnberg. Sein Nachtrab wurde jedoch in der Vorstadt von Nürnberg von den Franzosen eingeholt, und Murat, der mit 4 Cavalle- riercgimcntcrn, bcn Nürnberg vorbeyeilte, erreichte ihn bey Eschenau, nordwärts vor der Stadt, und nahm ihm 1,500 Mann, mit 2z Kanonen, und 400 Wagen, ab. Ferdinand, der verwundet war, kam, nebst dem 47 dem Prinzen Nohan, dem Fürsten von Schwarzenberg, und mchrcrn Generalen, zusammen mit etwa 6000 Mann, durch Bayreuth nach Egcr. Hier übergab (2z. Oct.) Ferdinand den bunten, schlecht geordneten Haufen dem Befehle des Grafen von Eollowrath, und eilte nach Wien. Murat war ihm nicht weiter, als bis Nürnberg, nachgefolgt. So rettete die Entschlossenheit des Erzherzogs Ferdinand doch wenigstens einen Thcil der östrcichischen Armee in Deutschland, während daß Macks Feighcrzigkeit den bcy weitem größern Theil der französischen Gefangenschaft überlieferte. Vor Ulm, wo er seine Zuflucht suchte, war nun (15. Oct.) Napoleon selbst angekommen. Seine Gegenwart machte den Soldaten, die von anhaltendem Regen durchnäßt, und bis an die Knice im Kothe wadcnd, zwei, Tage lang aller Lebensmittel entbehren mußten, neuen Muth. Sie eroberten nun die östrcichischen Verschanzungen auf dem Michelsberge, so daß jetzt die Stadt auf allen Seiten eingeschlossen war. Napoleon forderte drohend zur zur Ucbergabe auf Der an ihn geschickte Fürst Lichtenstcin hatte blc-s zur Ucbergabe dcr Stadl die Vollmacht. Napoleon be- stand aber auf dcr Gefangenschaft dcr Soldaten; doch wollte er, wenn der Erzherzog Ferdinand sich noch in der Stadt befände, auch diese erlassen. Da dieser nun nicht mehr da war, wurden die Unterhandlungen abgebrochen. Noch am Abend dieses Tages ließ Mack einen Armeebefehl drucken, dcr am folgenden Morgen (am 16. Ott.) aus- gethcilt wurde. Durch diesen wurden alle Obcrofficicre aufgefordert, nicht mehr von einer Ucbergabe zu sprechen; sollte es, setzte dcr Obcrgcncral hinzu, an Lebensmitteln fehlen, so wären noch gooo Pferde vorhanden, und er (Mack) selbst würde das erste Beyspiel geben, Pferdefleisch zu essen. An eben diesem Tage aber wurde Ulm von den Franzosen beschossen, und manches Haus beschädigt. Macks Staudhaftigkcit fühlte sich dadurch so erschüttert, daß er am Abend den Faden dcr Unterhandlungen von neuem anknüpfte, und noch waren (17. Ort.) keine 24 Stunden verflossen, als er einen Vcr- 49 Vergleich unterzeichnete, durch den die Stadt, nebst allen darin befindlichen Truppen und Kriegsvorräthcn, den Franzosen übergeben wurde. So handelte Mack, der noch kurz vorher das Wort Uebergabe zu nennen vcrboth, aller Geistesgegenwart und Entschlossenheit beraubt! In der fürchterlichen Nacht vom 16 -17. Octobcr wäre ein Versuch, aus Ulm sich herauszuziehen, gar nicht sehr gewagt gewesen. Die französischen Brücken waren durch die Uebcrschwcmmungcn der Donau weggetrieben. Die französischen Abthcilun- gen an den beyden Seiten des Stromes standen ausser Verbindung. Die Zahl derjenigen, die sich an der rechten Donau befanden, belief sich höchstens auf 22,000 Mann, unter welchen 4000 Bataver waren. Auch die französischen Abtheilungen an der linken Donau zahlten nicht viel mehr Leute, als die in Ulm eingeschlossenen Oestrcicher, weil Lannes und Murat dem Erzherzog Ferdinand nacheilten. Aber Mack tauschte alle Erwartung. Die Besatzung sollte mit aller militärischen Ehre ausziehen, und das Gewehr strecken. Die Officicre sollten auf ihr Ehrenwort entlassen, die Untcrofficiere und EM'ttl Wclcg. szr TH. D Ge- 5-> Gemeinen aber, wenn vor Mitternacht des 2;ten die Stadt nicht durch Oesrrcicher oder Russen entsetzt würde, nach Frankreich gebracht werden. Doch schon zwey Tage hernach (19. Oct.) unterzeichnete Mack einen neuen Vergleich, der den folgenden Tag zur Uebergnbc festsetzte. Hierzu bewog ihn Berthilds Versicherung, daß die üstrcichische Armee sich an dem heutigen Tage jenseits des Inn befände, daß Bernadette zwischen München und dem Inn stände, daß Murat gestern bcy Nördlingen gewesen, daß Wer- neck, Hohcnzollern, und andre Generale ca- pitulirt hätten, daß Soult, zwischen Ulm und Brcgcnz aufgestellt, Tprol bewache, daß also ein Entsatz der Stadt gar nicht möglich sei). Hierauf zogen am folgenden Tage (20. Oct.) 2z,oc>o Mann, worunter sich allein 2OOO Officierc befanden, mit 6c> Kanonen, aus. Napoleon sah, von seiner Leibwache umgeben, diesem Schauspiele auf einer Anhöhe zu. Während desselben waren die östrcichischen Generale um ihn her versammelt. Mack, und die meisten Generale, reiseten gleich in der folgenden Nacht nach Wien ab; aber Mack erhielt, noch vor dem Thvre 51 Thorr die Weisung, sich sogleich nach Brünn zu begeben, und daselbst das Urtheil des Hofkriegsrathes abzuwarten. Sein erworbener militärischer Ruhm war nun gleichsam auf ewig vernichtet! Vielleicht besteht sein größtes Verbrechen darin, daß er sein und seiner Leute Leben zu sehr schonte! Jetzt waren von der ganzen östreichischen Armee, ausser denen, die sich mit dem Erzherzog Ferdinand nach Böhmen gerettet hatten, nur noch die Abthcilungen von Kienmayer und von Jellachich übrig. Jener, der mit etwa 20,000 Mann, zu Anfang des Octvbers, am Lech stand, zog sich von da nach München, und sodann über die Isar ^ zurück. Während, daß die Franzosen und Bayern (12. Ort.) in München einrückten, eilte Kienmayer dem Inn zu. Drei? Tage hernach vereinigte er sich nutzer russischen Avantgarde unter dem Fürsten Bagratio», und hierauf stieß er, durch 6 Cavallcrie- uud 2 Jnfanteriercgimenter verstärkt, bcy Braunau, zur russischen Armee unter dem Befehle von Kutusow. Jellachich und Wolfs- kehl, die mit 6000 Mann bcy Biberach stan- D 2 den. ?2 den, schlichen sich, als Sonlt (14. Ocl.) gegen che anrückte, nach Bregcnz. Von da streiften sie, im Rücken der französischen Armee, bis an die Donau. Als aber Ty- rol von den Franzosen und Bayern besetzt wurde, als sich der Erzherzog Karl von Süd- tyrol entfernte, als Augercan, an der Spitze von 15,000 Mann, von Hüningcn bis zum schwäbischen Ufer des Bodcnsces vordrang; da schien für Jellachich und Wolfskehl kein Rückzug mehr möglich, Beyde waren überdies wegen der zu ergreifenden Maßregeln uneinig. Die Grafen Kinsky und Wartens- lcben schlugen sich (12. bis 19. Nov.), mit 10 Schwadronen, bis nach Böhmen durch; Jellachich und Wolfskehl, die noch 4500 Mann bey sich hatten, erhielten (14. Nov.) einen freuen Abzug nach Böhmen. Von der ganzen ösrreichischen Armee in Deutschland waren jetzt kaum noch 30,000 Mann übrig. Wahrend daß der Erfolg der östreichi« schen Unternehmungen in Deutschland so ungünstig ausfiel, erwarb sich die von dem Erzherzog Karl angeführte italienische Armee Ruhm und Ehre. Der Krieg begann hiev später. 5Z später, als in - Deutschland. Zu der Zeit, als Mack seine Nolle so unglücklich aus- spielte, gicng Massena, der Obcrgcncral der französischen Armee in Italien, (18. Oct.) über die Etsch. Er zog sich jedoch wieder zurück, und erst elf Tage hernach (am 29.) rückte er, gegen den rcchtiui von Vcllegarde angeführten Flügel der Öcstreichcr bcy Cal- diero, ernstlich heran. Er setzte seinen heftigen Angriff auch am folgenden Tage fort. Duhesmc führte den rechten Flügel, Gar- danc das Ccntrum, und Molitor den linken Flügel. Der Kampf war äusserst hartnackig; aber die Franzosen mußten endlich zurückweichen. Am folgenden Tage (zi. Oct.) griff Massena die Öcstreichcr wieder sehr ungestüm an. Schon wankten sie, von dem mörderischen Feuer der Franzosen erschreckt, so sehr, daß sie Nordmann und Collvredo kaum noch zurückhielten; aber die Entschlossenheit der östreichischcn Feldherren, und eine Abthcilung, die den Franzosen in die Seite fiel, verschaffte den Ocstreichcrn den Sieg. Die Ocstreicher berechneten den Verlust, den die Franzosen in drey Tagen erlitten hatten, zn 8000 Mann, von welchen 2000 gefangen waren; 54 waren; für sich selbst gestanden sie 5672 Todte, Verwundete, und Vermißte (120 Offenere) ein. Die Franzosen rechneten nicht mehr, als 7000. Eben diesen Sieg benutzte den Erzberzog Karl (i. Nov.) seinen Rückzug nach Deutschland, wohin ihn die Gefahr der Erblandcr rief, sicher anzustellen. Diesen Rückzug, der um Mitternacht begann, merkte Massen« erst am andern Morgen, um 9 Uhr; aber Hillin- gcr, der ihn mit 5000 Mann deckte, musire (2. Nov.) der Ucbcrmacht weichen. Karl, der auf seinem Marsche alle kleinen Trup- penabthciluugcn an sich zog, wurde von den Franzosen selten erreicht. Als er mit seiner zahlreichen und braven Armee der Verthei- digung der östrcichischcn Armee entgegen eilte, hatte sein Bruder, der Kaiser, schon die Waffen niedergelegt. Die östreichtsche Kriegsmacht belief sich, die Reserve mitgerechnet, damahls noch immer auf 160 bis 180,000 Mann, die, in Verbindung mit 100,000 Russen den Kampf gegen den siegreichen Napoleon noch einige Zeit fortsetzen konnten. Aber die Unternehmungen dieser Macht wurden zu wenig mit glücklicher Vorsicht geleitet, und Napoleon wußte 55 wußte die Fehler seiner Gegzrer zu gut zu benutzen. Am Tage nach der Ucbergabc von Ulm (2l. Oct.) kündigte Napoleon seiner Armee den Fcldzug gegen die Russen an. Jetzt, sagte er, sollte die Frage, ob die Franzosen die erste Infanterie in der Welt waren, völlig entschieden werden' die Ruft sen hatten übrigens keine Generale, gegen welche der Kampf Ehre brächte. In Schwaben blieb nur Ney zurück, mit welchem sich der (26. Oct.) über den Rhein kommende Augcrcau vereinigte. Alle übrigen Abheilungen der Franzosen setzten über den Inn. Kutusow und Meervcld, der anstatt Kicn- maycrs den Oberbefehl über die mit den Russen vereinigten Oestreicher übernommen hatte, zogen sich, ihren Verstärkungen entgegen, zurück. Napoleon warf sich dem neuen Kampfe nichts weniger als leichtsinnig entgegen. Seine Thatigkcit, seine Sorgfalt zeigte sich unermüdlich. Gewöhnlich nicht über 4 bis 5 Stunden schlafend, fuhr er öfters aus dem Schlafe auf, um etwas zu dictircn, oder selbst aufzuzeichnen. Zum Essen bedurfte 56 durfte er kaum einer Viertelstunde. An den Wänden seines Zimmers hicngcn Charten, auf welchen der Stand seiner Armeen durch Nadeln bezeichnet war. Den ganzen Tag hindurch stand für ihn eine Menge der bc- ftcn Reitpferde gesattelt, und er ritt nie anders, als im scharfen Gallopp. Ernsthaft wie Er, war auch seine Armee. So näherte sich diese dem Inn. Die von den Ocstrcichcrn zerstörte» Brücken waren bald wieder hergestellt. Mural und Daroust nahmen den geradesten Weg nach Wien; Bernadette marschierte, mit einer Abthcilung der Bayern, über Salzburg nach Klagcufurth; Soult wendete sich nach Krain; Augcreau, und die zweyte bayrische Abtheilung, rückten gegen Tyrol an; Lannes und Marmont folgten auf der Strafe nach Wien. Indessen kamen zahlreiche Schaarcn von Conscribirten über den Rhein hcrbey. Mural erreichte (am z r. Oct.) die 6000 Mann starke russische Arrieregarde bey Lambach, und verursachte ihr einen beträchtlichen Verlust. Daroust gieng (1. bis 5. Nov.) über die Traun und die Ens. Einige französische Ab- 5? Abteilungen, besonders Oudinots Grenadiere, trieben den russischen Nachzug, in der Gegend von Amstetten, zurück. Die russische Armee wendete sich hierauf, die Strafe nach Wien verlassend, nach Krems, an der linken Donau. In der Abtey Mölk fanden (9. Nov.) die Franzosen einen großen Vorrath von ungerschen Wein, der ihnen sehr willkommen war. Der Kaiser befand sich, als die Franzosen seiner Hauptstadt näher kamen, in großer Verlegenheit. Es fehlte ihm an den Mitteln, den schnellen Vomücken derselben Widerstand zu thun. Die Ungern zeigten sich nicht sehr bereitwillig, die östrcichische Monarchie retten zu helfen. Franz hielt es daher für rathfam, den am izrtcn October eröffneten Landtag wenigstens in Person zu schliefen. Er gieng deswegen nach Pref- burg, wo er jedoch den Eifer der versammelten Stande sehr erkaltet fand, weil man auf die Bedingungen, die sie mit einem allgemeinen Aufgcbothe verbanden, keine Rücksicht nahm. Diese Bedingungen waren: 1) die Abschaffung der geheimen Anklage; 2) die 58 2) die lateinische Sprache statt der deutschen in den öffentlichen Verhandlungen; z) die Vereinigung des Seehandels von Fiume mit dem ungrischen; 4) ein ungrischcs Artillerie- rcgimcnt. Das östrcichische Cabinct hegte wegen einer wohlbewaffneten, und mit Artillerie versehenen Jnsurrcction, eine lebhafte Besorgnis;; der Kaiser Franz wollte daher nur die beydcn ersten Artikel bewilligen, und für die Jnsurrection verlangte er eine Armee von 60,000 Mann. Wahrend der Unterhandlungen verstrich die Zeit. Es erschien weder Armee noch Jnsurrection, und die ganze Rüstung bestand in einem Grenz- cordon, um die Marodeurs abzuhalten. Indessen rückten die Franzosen der Kaiserstadt Wien immer naher. Die Einwohner derselben geriethcn in die lebhafteste Bestürzung. Ausser den Personen des Hofes, und den vornehmsten Staatsbeamten, wanderten auf 20,000 Menschen aus. Dagegen gesellten sich denen, die zurückblieben, noch viele Leute aus den Vorstädten, und vom Lande, zu. Während daß man die Archive des Hofkricgsraths, und die Hofkriegs- 59 kriegsbuchhalterey einpackte, liest man die ganze kaiserliche Artillerie, zwcy schöne Zeughäuser, und die Bibliothek, . bis auf die Handschristen, zurück, gab man den annähernden Feinden graste Vorräthe von allerlei) Kriegsbcdürfnissen preis, und doch stand zum Fortschaffen ein groster Strom, stand eine zahllose Menge von Flößen und Schiffen zu Gebothe! Man hielt es für bedenklich die Artillerie den Ungern anzuvertrauen. Sodann war man zweifelhaft, ob man das Acrarialgut bürgerlichen Fuhr- und Schiffslcuten übergeben könnte. Man fand den Preis, den sie verlangten, zu hoch. Die Aufseher des Monuirendepots hatten, wie sie sagten, keinen Befehl, die ihnen anvertrauten Vorräthe fortzuschaffen. Daher fielen in die Hände der Franzosen so große Magazine, daß man sie für iOo,ooc> Mann hinreichend hielt, daß man ihren Werth auf mehr als 22 Millionen Thaler schätzte. Desto sorgfältiger bewies man sich in der Wegräumung des Hofcigcn- thums; selbst alicr Hausrath und alte Wagen blieben nickt stehen. Indessen waren die Franzosen ganz nahe gerückt. Einige Ab- geord- 6o geordnete des Stadtraths überreichten (ir. Nov.) zu Hüttelsdorf dem Marschall Murat die Schlüssel der Stadtthore, und zwey Tage hernach (am iztcn) zogen die Franzosen in die ösircichischc Kaiscrstadt ruhig und friedlich ein. Napoleon verlegte sein Hauptquartier nach Schönbrunn. An eben dem Tage, an welchem Murat die Schlüssel von Wien cmpficng (ii. Nov.) gcrieth Morticr, der der russischen Armee ans das linke Donauufcr nachgefolgt war, in ein grofies Gedränge. Zn der Meynung, bey Dürrenstein, westlich von Krems, blos den Nachzug der Russen vor sich zu finden, rückte er nur mit 4 bis 5000 Mann gegen denselben an. Plötzlich aber sah er sich, auf einem eingeschlossenen Boden, von einer vierfach gröficrn Zahl von Russen umringt, und nur zwey Znfantericregimcntcr, die ihm Dupont zu Hülfe führte, retteten ihm vom gänzlichen Untergänge. Morticr schlug sich zu Dupont durch; aber er büßte fein Geschütz und viele Leute ein. Ucbcr 2000 Franzosen gericthen in die russische Gefangenschaft. Morticr verschwand auf einige Zeit aus der Reihe der französischen Generale. Das 6l Das Treffen bei) Dürrensicin kostete jedoch den Ocstreichcrn ihren vortrefflichen Generals quarticrmeistcr Schmidt. Die Russen zogen sich, ihres Sieges ungeachtet, nach Mah- rcn zurück, und noch am elften November schloß sich Vcrnadotte an das morticrsche Corps an. Soult wendete sich nach Mah- ren. Indessen wurde Tyrol zugleich von drcy Seiten angegriffen. Nordöstlich drangen die Bayern ein; vom Bodcnsce her, wo, bis in die Mitte des Novembers, Jel- lachich und Wolfskehl sich noch zu behaupten suchten, rückte Augcrcau an; von Norden her setzte sich Ney in Bewegung. Die öst- reichische Abthcilung in Tyrol, die unter dem Befehle des Erzherzogs Johann stand, war schon genug beschäfftigt, den Rückzug des Erzherzogs Karl zu decken, und sich selbst nicht abschneiden zu lassen. Die Eroberung von Tyrol blieb aber immer eine mit großen Schwierigkeiten verbundene Unternehmung. Enge, von hohen, steilen Felsen eingeschlossene, von vortrefflichen Büchsenschützen verthcidigtc Zugänge — von Scharfschützen, deren jeder ro Büchsen und 62 und 8 Ladcknechte hatte — die konnten den Wnth und die Standhaftigkcit der bravsten Leute erschüttern. Dcroy, ein bayrischer General, mufitc sich von dem Passe Strub, unweit Loser, mir großem Verlust zurückziehen. Dagegen bemächtigten sich die Franzosen (z. Nov.) des Passes Lucg, an der Südseite von Salzburg. Auch Ney's Angrisse auf die Bcrgfestung Scharnitz (4. und 5. Nov.) gelangen endlich. Aber sie kosteten viele Leute, und, nur durch Verräthcr geführt, fanden die Franzosen den Weg nach dem Passe Luitasch, einen bisher nur von Gcmsenjagcrn betretenen Fusistcig! Am folgenden Tage (6. Nov.) zog Neu in Znn- spruck ein. Am yten bemächtigten sich die Bayern auch der Festung Kufstein. Durch das Eindringen der Franzosen und Bayern in das nördliche Tyrol kam der Erzherzog Johann, der auf dem Brenner Karls und Hillcrs Rückzug deckte, in Verlegenheit. Karl hatte sich hinter den Tagliamento zurückgezogen; Massen« rückte ihm nach. Marmont war von Stcyermark her im Anmärsche. Jetzt blieb dem Erzherzog Johann 6Z Hann (iz, Nov.) blos der Rückzug durch das Pustcrthal offen, und diesen vollendete er mit solcher Vorsicht, daß sieben Tage hernach (20. Nov.) seine Truppen bey Klac gcnfurth beysammen waren. Ney rückte ihm bis Licnz im Pusccrthale nach. Von hier wendete er sich südlicher nach Brixen, um den bis Bötzen gekommenen Prinzen Rohan abzuschneiden. Dieser schlug sich jedoch hier, von den Bauern der umliegenden Gegend unterstützt, noch durch. Da ihm der Weg nach Karnthen versperrt war, eilte er, nach Italien der Vrenta, zu; aber bey Bassano mußte er sich (24. Nov.) nach einem hart; nackigen Kampfe, mit Zooo Mann, an den polnischen Obersten Grabinski ergeben. Der Erzherzog Johann vereinigte sich dagegen (28. Nov.) glücklich mit seinem Bruder Karl. Indessen wurde in Mähren der letzte Act dieses Krieges gespielt. Kutnsow, der sich seit dem Treffen bey Dürrenstein (ir. Nov.) ruhig nach der Gegend von Brünn zog, erwartete es nicht, von den Franzosen so bald erreicht zu werden. Vor den Abc theilungen von Mortier, Dupont und Du- mon- 64 monceau (ein batav'scher General) fürchtete er sich nicht, und da er mit Gewißheit voraussetzte, daß die Donaubrücke bcy Wien abgebrochen werden würde, so war er wegen der übrigen französischen Armeeeorps unbesorgt. Aber wie sehr tauschte ihn seine Erwartung! Die Anstalten zur Zerstörung der Brücke wurden, weil der kaiserliche Hofcom- missarius, der Graf von Wrbua, die Hauptstadt einer hartem Behandlung zu entziehen wünschte, von einer Zeit zur andern verzögert. Murat, Lannes, und andre französische Qfficiere, die man, als Parlamcntairs, über die Brücke gehen ließ, versicherten denen, die dieselbe bewachten, daß der Friede zwischen den Kaisern von Ocstrcich und Frankreich so gut als unterzeichnet wäre; ihrer Versicherung gab ein verabschiedeter östreichi- scher General, der sich in seiner Uniform an sie angeschlossen hatte, einen noch höher» Grad von Wahrscheinlichkeit. Dcr den Befehl führende östreichische Officier blieb jedoch seiner Pflicht getreu, und ließ, als einige französische Regimenter gegen die Brücke anrückten, den Kanonen, die die Franzosen während der Unterredung umgedreht hatten, ihre 65 ihre vorige Richtung geben. Schön war ein Kanonier im Begriffe zu feuern, als - ihm Lanncs einen Stoß gab, der ihn fast zu Boden stürzte. Dennoch ließen sich die östrcichischcn Offieiere nicht irre machen; die französischen Generale waren gefangen wor- den; 1800 auf der Brücke stehende Franzosen waren in die Luft geflogen, wenn der Fürst von Allersberg, der Oberbefehlshaber aller in dieser Gegend befindlichen Ocstrci- eher, nicht gerade dazu kam. Mural zeigte ihm, dem Vorgeben nach, von Napoleon empfangene Briefe, die die Nachricht von dem Frieden vollkommen bestätigten. Napoleon (sehte er hinzu) hatte es jetzt blos noch mit Nußland zu thun, und Ocfcreich würde sich wohl gar mit ihm verbinden. Allersberg traute diesen Briefen so sehr, daß er den französischen Nachtrab selbst über die Brücke führte, daß er, wahrend die Franzosen über die Brücke marschierten, einige östreichische Bataillone paradiren ließ. Auch merkte er seine Täuschung nicht eher, als bis seine Truppen von den Franzosen umringt wurden, als bis man ihm, auf Befehl sein es. Kai fers, Ketten anlegte. Gallctti Wcltz. azr Th. E Ausser 66 Ausser Murat und Lünnes zogen (14. Nov.) auch Soult und Davoust über die Brücke. Die Armcceorps von Mortier und Bernadottc befunden sich bereits an der linken Donau. Schon am Tage des Ucber- gangcs überraschte der Vortrab von Davoust, auf der Straße nach Brünn, die Russen so sehr, daß sie viele Kanonen zurücklassen mußten. Am folgenden Tage (am iztcn) stießen Murat, und das Corps von Lannes, bey Hollabrnnn, auf die russische Armee. Man verschaffte sich hier, abermahls durch eine Täuschung, Vortheil. Der Oberbefehlshaber der aus Oestrcichern und Russen zusammengesetzten Vorposten der vereinigten Armee, ein Graf von Nostiz, traute der Versicherung eines französischen Generals, daß der Friede geschlossen wäre, so sehr, daß er sich zurückzog. Die Franzosen besetzten hierauf das Dorf Schöngrabcn, das dem Mittelpunkte der russischen Marschlinie gerade gegenüber lag. Die vereinigte Armee gc- rieth dadurch in die größte Verlegenheit. Um sie aus derselben herauszuziehen, nahm man von Seiten ihrer Befehlshaber gleichfalls zu einer List seine Zuflucht. Der Baron 67 ron von Winzingerode, Gcneraladjutant des Kaisers von Rußland, kam selbst z» den französischen Vorposten, um anfj einen Waffenstillstand anzutragen. Die Bedingungen desselben waren, daß Kulnsow aus Deutschland abziehen, und Mural feinen Marsch nach Mahren nicht weiter fortsetzen sollte. Allein Napoleon erklärte den Winzingcrode für keinen rechten Bevollmächtigten. Indessen hatte Kutusow zwey Marsche gewonnen; aber Ba- gration, der, die Täuschung fortzusetzen, mit 5 bis 6000 Russen stehen bleiben mußte, kam (am 16. Nov.) in die sehr gefahrvolle Lage, von zo-40,000 Franzosen eingeschlossen zu werden. Zwar wurde das Dorf, in welchem die die Seite der Russen bedrohende französische Abtheilung lag, durch eine Bombe so in Feuer versetzt, daß die Franzosen abziehen mußten; sie kehrten jedoch bald zurück, und nun mußte sich manche Abtheilung der Russen mit dem Bajonnet einen Ausweg bahnen. So kam endlich Bagration, drep Tage hernach (19. Nov.) bep der Hauptarmee an. Diese stand jetzt zwischen Brünn und Ol- mütz, wo sie sich einen Tag zuvor mit der E 2 Armee 68 Armee unter dem Befehle von Buxhövdcn vereinigt hatte. Die bcyden Kaiser, Franz und Alexander, befanden sich zu Olmütz. Hier kam (24. Nov.) der Großfürst Eon« stantin, mit der russischen Garde, an. Ba- gration rückte wieder vor. Auch Murat wich jetzt zurück. In der Nacht vom atzlen zog sich die ganze französische Armee nach Brünn, wo Napoleon seit acht Tagen sein Haupts quartier hatte. Savari überbrachte dem Kaiser Alexander ein Billet von Napoleon, worin!, ihm derselbe seinen Wunsch, in frennd- schafclichen Verhältnissen mit ihm zu leben, zu erkennen gab. Alexander nennte ihn in seiner Antwort den Chef der französischen Nation. Am folgenden Tage (29. Nov.) warfen die Franzosen mit scheinbarer Aengst- lichkeit Vcrschanzungen auf, arbeiteten sie an Batterien. Indessen schlug Napoleon dein Alexander eine Zusammenkunft vor. Alexander schickte seinen Adjutanten, den Fürsten Dolgvrucköi, in das französische Hauptquartier. .Dieser soll, den französischen Berichten zufolge, auf die Räumung der Niederlande und Italiens angetragen haben. Napoleon gewann indessen die Zeit, noch /. eine 69 eine Abtheilung von der böhmischen Granze an sich zu ziehen, und wahrend daß er seine Vcrtheidigungsmaßregeln eifrig fortzusetzen schien, hakte er bereits die Gegend bcy Am sierlitz zum Schlachtfelde auscrschcn. Noch am 29tcn wendete sich eine Abtheiliing des Michclsonschcn Corps nach Ol- mutz. Die Russen rückten immer zuversichtlicher vor. Am zoten kamen Franz und Alexander nach Nausnitz, das von Brünn nur 4 Meilen entfernt ist. Am iten Der. verlegten sie ihr Hauptquartier nach Krzan- owitz, südöstlich von Brünn, schon über Au- stcrlitz hinaus. Napoleon munterte seine Soldaten durch eine feurige Proklamation auf, und am Iahrstagc seiner Krönung (am 2. Dcc.) lieferte er die für Europa so entscheidende Schlacht. Die Zahl seiner Streiter belief sich auf 8o,ooo. Zu 6o - 70,000 Russen waren 20,000 Oestrcichcr hinzlige- kommcn. Napoleon stellte seine Truppen recht zusammengedrängt, um ihre Zahl noch geringer erscheinen zu lassen. Die russischen Generale hatten den Plan gemacht, die französische Armee auf ihrem rechten Flügel zn um- 70 umgehen, und ihr dadurch in den Rücken, und in die Seite, zu fallen. Vurhövden war daher schon am vorhergehenden Tage über den südlichsten Punkt des französischen Hccrts hinausgcrückt. Allein Napoleon stellte ihm sogleich das Corps von Davoust entgegen. So begann die Schlacht schon um 7 Uhr des Morgens. Die Russen verließen im Wahne, des Sieges schon gewiß zu scyn, ihre vortheilhafte Stellung auf den Anhöhen. Als jedoch ihr linker Flügel den Franzosen schon ganz nahe war, ward er von ihnen, ans Napoleons Zeichen, unvcrmn- thct angegriffen. Indessen bemächtigte sich Soult der von den Russen verlassenen Höhen. Dadurch wurde der linke russische Flügel unter Bnxhövden, der zu weit südwärts stand, von der übrigen Armee abgeschnitten, und da ihn nun Davoust und Soult von zwcy verschiedenen Seiten bekämpften, so gerieth er bald in große Noch. Jetzt rückten aber auch Bernadotte, Murat und Lanncs, mit dem Mittelpunkte, und dem rechten Flügel, gegen das Centrum und den rechten Flügel des vereinigten Heeres, vor, über welche Kntusow den Befehl führte. An der Spitze des rechten ?r ten Flügels standen Coustantin und Dolgo- ruckoi. Die Reserve bildete die kaiserliche Garde, und eine Abtheilung von Infanterie, die Bagration anführte. Die Russen rückten mit großer Uncrschrockenhcit, an; aber das Artillcriefcucr der Franzosen wirkte unter ihnen so schrecklich, daß ihr Mittelpunkt nach einem kurzen Kampfe, durchbrochen wurde, und daß auch ihr rechter Flügel in Unordnung gericth. Vergebens drängten einige von Constantin geführte Abheilungen, die ihnen entgegen stehenden französischen zurück. Zwar brachte die anrückende russische Garde unter den Franzosen einige Verwirrung hervor; aber die französische, von welcher nun auch ein Theil den Kampfplatz betrat, gab nach einem kurzen, aber blutigen Gefechte, die Entscheidung. Den kräftigsten Widerstand leistete der linke russische Flügel unter Buxhövden. Endlich an einen gefrornen See hingedrängt, wollten die Russen sich über die Eisdecke zurückziehen, als diese, durch die französischen Kartätschcn- kugeln einbrechend, einige tausend derselben verschlang. Die russische Armee zog sich, den größten Theil ihres Feldgeschützes zurück- .. ^ > H 7- rücflassend, während der Nacht, nach der ungerschcn Grnnzc zurück. Kutusow, der das Durchbrechen dcS Ccntrums der Schuld der Ocstrcichcr bcymaß., berechnete den russischen Verlust zu 12,000, und den französischen zu 18,000 Mann. Der letzte übertraf die Angabe der Franzosen gerade viermal. So gering die französische Angabe des eignen Verlustes ist, so übertrieben möchten wohl 40,000 Russen und Oestrcicher gerechnet seyn. Der bcy Ansterlitz erfolgte Schlag kam denen, die ein so großes Vertrauen auf die russische Macht gesetzt hatten, so unerwartet, er vernichtete ihre schönen Hoffnungen auf eine so grausame Art, dasi sie, wenn es möglich gewesen wäre, gar gern das Gc- gentheil geglaubt hatten. Daher wurden auch in Norddeutschland, vornehmlich von Berlin aus, so viele falsche Nachrichten von dem Ausgange der Schlacht bcy Ansterlitz verbreitet; daher sollte Alexander, am dritten Tage, durchaus einen ganz entscheidenden Sieg erfochten haben; daher konnte man es dem Kaiser Franz nicht verzeihen, daß 7Z daß er, nicht noch ferner ans den russischen Bcpstnnd rechnend, die Waffen vielmehr nies verlegte. Franz II kam zwep Tage nach der Schlacht (4. Der.) in Napoleons Hauptquartier, und der französische Kaiser bestärkte ihn, während einer zweystündigcn Unterredung, in dem Entschlüsse, sich mit ihm auszusöhnen, so sehr, daß schon die vornehmsten Bedingungen des Waffenstillstandes verabredet wurden. Franz soll, dem französischen Berichte zufolge, auch von Seiten Rußlands den Waffenstillstand zugesichert haben. Savari begleitete ihn, um von dem Kaiser Alexander selbst zn erfahren, ob er dem Stillstand bcy- trcteu wollte. Das französische Bulletin erzählte manches von der Unterredung zwischen dem Kaiser und Savari; die Russen leugneten aber sogar Savari's Zusammenkunft mit ihrem Kaiser ab. Indessen wurden zwey Tage hernach (6. Dcc.) die Bedingungen des Waffenstillstandes von dem Fürsten von Lichtenstcin und Alexander Bcrthier unterzeichnet. Man setzte eine militärische Gränze fest. fest. Die Russen sollten Mähren und Uns gern in 15, und Galizicn in zo Tagen, räumen; auch wurde ihnen die Richtung ihres Marsches genau vorgeschrieben. An eben diesem Tage nahm Alexander, zu Holitsch in Mähren, von dem Kaiser Franz Abschied. Nach Petersburg zurückgekehrt, erklärte er in der Hofzcitung: er ziehe, ohne an dem zwischen Ocstrcich und Frankreich getroffenen Verabredungen Theil zu nehmen, seine Armeen zurück; er hätte blos den Zweck gehabt, seinem Bundesgenossen, dem Kaiser Franz Hülse zu leisten; da jedoch die erschöpften Kräfte des wiener Hofes, und die demselben zugestoßenen Unfälle, ihn zu einem Vergleiche bewogen hätten, so schienen die russischen Truppen nicht mehr nöthig. Diese marschierten hierauf (8. Dec.) nach dem preus- sischen Schlesien. Constantin und Dolgoruckoi rciseten nach Berlin, um dem Könige von Preussen im Nahmen des Kaisers Alexander anzuzeigen, daß die russische Armee, dem geschlossenen Bündnisse gemäß, bereit wäre, die Absichten des Königs befördern zu helfen; auch setzten die Russen ihren Aufenthalt 75 halt in Schlesien, zur großen Last seiner Bewohner, bis in den Februar des folgenden Jahres (i8c>6) fort. So entfernten sich die Russen vom Kriegsschauplätze, als ihr in der Schlacht bey Au- srerlitz erlittener Verlust, gleich am folgenden Tage, durch eine 12,000 Mann starke Abtheilung, die ihnen der General von Essen zuführte, großentheils ersetzt worden war; als der Erzherzog Ferdinand, der noch am ;ten December in der Nähe von Jglau, die bayrische Division von Wrcde besiegte, noch 20,000 Streiter zählte; als der Erzherzog Karl mit seiner wenig geschwächten Armee in Ungern bis an die Drau vorgerückt war; als sich dessen Patrouillen der Stadt Wien (am 7WN) schon bis auf 6 Meilen genähert hatten; als die ungersche Jnsurrection sich in Bewegung zu setzen' anficng; als der Feldmarschall-Lieutenant Chatelcr, den General Marmont zurückdrängend (5. Dee.) in Gräz einzog; als in der östrcichischen Kaiscrstadt, deren französische Besatzung nicht mehr als 4000 Mann betrug, eine dumpfe Währung herrschte; als in in Mayland, Genua und Parma der Geist der Unruhe spukte; als zu Neapel Russen und Engländer gelandet waren; als im nordlichen Deutschland Russen und Schweden über die Elbe gierigen; als die prcussische Armee sich schon der fränkischen Granze näherte. Welchen Widerstand hatten diese Kräfte, gut vereinigt und geleitet, noch bewirken können? Doch, der Erzherzog Karl durfte, durch ein Handbillct des Kaisers Franz benachrichtigt, seinen Zug gegen Wien nicht weiter fortsetzen; der Erzherzog Ferdinand, der von dem durch 9 Batallione verstärkten Wrcde mit einem Angriffe bedroht wurde, mußte die bcy Zglau gemachten bayrischen Gefangnen wieder herausgegeben; die.ungersche Jn- surrcction rückte nicht über die Gränze ihres Landes hinaus. Der Graf von Palfi, Com- mandant zn Preßburg, erklärte gegen den Marschall Davonst, die Ungern hätten keine Feindseligkeiten gegen die Franzosen zur Absicht; ihre Truppenkette wäre nur zur Abhaltung der östreichischcn' Marodcure bestimmt, und sie hätte den ausdrücklichen Befehl, sich vor den französischen Truppen zurückzuziehen. Davonst stand in der Mcy- nung. 77 nung, das; Palfi zu seiner Erklärung durch eine höhere Vollmacht berechtigt wares als er jedoch die nähere Angabe der Bedingungen verlangte, gestand ihm Palfi, nur aus eignem Antriebe gehandelt zu haben. Da- voust ließ hierauf eine Division in Ungern einrücken, die (27. Nov.) Preßburg besetzte. Diese zog einige Tage hernach (am zoten) über die March, nach Mähren, und es kamen nicht eher wieder Franzosen nach Preßburg, als bis sie (i r. Dec.) zur Besetzung der Demarcationslinic einrückten. Während sich das Kriegsschauspiel an der Donau seinem Ende näherte,' richteten die Feinde Napoleon» ihre sehnsuchtsvollen Blicke auf das nördliche Deutschland, von welchem aus seiner Macht ein starker Damm entgegengesetzt werden sollte. Es bildete sich nicht nur in Pommern (im Ott.) eine russisch- schwedische Armee, deren größter Thcil, 15,000 Mann, unter Tvlstoi's Befehl, aus Russen bestand; sondern es schien auch, als wenn Preussen sich an die gegen Napoleon vereinigten Mächte anschließen würde. Die Nachricht von dem französischen Durchmärsche durch 73 durch das Anspachische brachte z» Berlin einen ungünstigen Eindruck hervor, den die dem englischen Interesse ergebene Parthcy zu benutzen suchte. Hardenberg schickte (14. Ott.) dem französischen Gesandten, der diesen Durchmarsch durch vorhergegangne Beyspiele zu rechtfertigen suchte, eine in sehr ernsthaftem Tone abgefaßte Note zu. Sie schloß mit der Drohung, daß der Köllig sich jetzt in den Stand versetzt sähe, auf keine andre Pflichten, als die, welche die Sicherheit, und das allgemeine Völkerrecht, crfordre, Rücksicht zu nehmen; daß er seine Truppen die für die Verthcidigung seiner Staaten nothwendige Stellung werden nehmen lassen. Seit dieser Note hörte gleichsam das bisherige freundschaftliche Verhältnis? zwischen Preussen und Frankreich auf. Zu Berlin war die Stimmung für den Krieg überhaupt sehr herrschend. Aber der König blieb seinen Grundsätzen noch treu. Zwar ließ er die an die russische Gränze vorgerückte Armee wieder zurückziehen; zwar vcrstattcte er nun auch den Russen den Durchzug; zwar setzten sich alle seine Regimenter nach Süden und Westen in Bewegung; zwar bildete sich unter 79 tcr dem Herzog von Vraunschweig bey Hil- dcsheim, unter dem Fürsten von Hohcnloh in Franken, unter dem Kurfürsten von Hessen in Westphalen, und unter dem Grafen von Möllendors bcy Berlin eine Reserve; aber diese Armeen rückten nicht weiter vor. Die Prcussen begnügten sich, Hannover zu besetzen. Eben so wenig aber rückten die Russen und Schweden ihrer Bestimmung rasch entgegen. Obgleich der englische Minister in Wien, den schon am 8tcn October gelandeten General Tolstoi, durch einen Gesandten nach dem andern, zur Beschleunigung seines Marsches aufforderte, so bewegten sich die Russen doch nur sehr langsam durch das Mcklenburgische, so blieben sie doch an dem rechten Elbufcr stehen. Die Schweden, die einen Monath später (8- Nov.) in Pommern anlangten, zogen ihnen, als ihr König angekommen war, nun auch nach. Die englischen Hülfstruppcn wnrdcn drey Wochen spater, als verabredt worden war (2. Nov.) eingeschifft, und Napoleon war schon in Wien, als sie endlich auf dem deutschen Boden 8o Boden anlangten. Co verstrich die zu ei- nein Angriffe des unbesetzten Hollands so günstige Zeit! Aber zwischen den Bundesgenossen herrschte Mißtrauen, und eben dadurch wurden schwankende Maßregeln veranlaßt. Kein Theil wollte dem andern in Thatigkcit zuvorkommen- Erst zu der Zeit, als die Engländer landeten (10. Nov.) grenzen die russischen Generale Tolstoi und Ostcr- mann, bep Laucnburg über die Elbe; ihnen folgten zwei. Tage spater (am 12.) die Schweden. Ihr König besetzte Lüneburg, und erhöhet? den Elbzoll, um den Ertrag desselben auf Abrechnung der ihm von England verwillig- tcn Subsidien zu ziehen. Zwischen der Elbe und Weser machten die vereinigten Truppen aber wieder Halt. Ihre Oberbefehlshaber wollten die Mitwirkung der Prcusscn und Engländer abwarten. Das Benehmen der Preussen erregte den lebhaftesten Unwillen des Königs von Schweden. Die Zahl ihrer "Truppen, die (am 26. Set.) Hannover besetzt hielte», vergrößerte sich immer mehr. Die Gesinnungen der Einwohner, die sie gar nicht freundlich aufgenommen 8r nommen hatten, wurden durch starke Requisitionen , die man durch militärische Epccu- tion beyzutreiben drohcte, noch ungünstiger gestimmt. Wahrend der Zeit erlaubten die Preussen dem in Hameln befindlichen General Barbou, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Zndcsst» handelte doch das prcus- sischc Cabinet, seit der Zeit, das; der Kaiser Alexander (25. Oct.) nach Berlin gekommen war, auf eine entschiedenere Art. Seine Gegenwart und seine Vorstellungen wirkten auf den König und die Königin; sie wirkten, den behutsamen Grundsätzen des Herzogs von Braunschweig und des Grafen von Haugwitz, entgegen. Bald nach Alexander (zc>. Äct.) kam auch der Erzherzog Anton nach Berlin. Einige Tage hernach (z. Nov.) wurde zwischen dem Kaiser Alexander und dem Könige eine Verabredung getroffen. Der König verpflichtete sich, wie uns französische Nachrichten melden, dem Kaiser Napoleon Vorschläge zur Wiederherstellung des Friedens zu thun. Diese Vorschläge mochten aber wohl so beschaffen se»n, daß sie, wenn sie Napoleon nicht eingienge, den König von Preussen seinen Feinden beygesellten. Denn Gallctti Wclkg. 2zr Th. F bald 82 bald hernach zeigten die Truppen im nördlichen Deutschland eine größere Thätigkeit. Die Russen und Schweden besetzten das hannövrische Gebicth; die Preusscn bewegten sich nach dem Mayn hin' Alexander, der Urheber dieser Thatigkeit, verließ, in der Nacht vom 4- bis zten Nov. Potsdam, nachdem er, in der Gruft des großen Friedrichs, mit Friedrich Wilhelm III und seiner Gemahlin den zärtlichsten Frcundschafts- bund geschlossen hatte. Er eilte über Leipzig, Weimar, Dresden, nach Olmütz, der Schlacht bey Austerlih, entgegen. Diese gicng einen Tag der Versammlung der englischen Hülsslruppcn auf dem deutschen Boden voraus. Nachdem (am 19. Nov.) bey Stade 7 Vatallione von der han- növrischcn Legion, und 2 englische Jnfante- riebrigadcn, gelandet waren, erschien erst vierzehn Tage später (z. Dcc.) die Caval- lerie der hannövrischcn Legion, durch welche das ganze Corps bis auf 10,000 Mann anwuchs. Die Hauptflotte mit 12,00.0 Mann war durch einen Sturm so zerstreut, daß erst in der Mitte des Decembcrs (12-14.) noch 2000 8Z 2000 englische Reiter, und einige hannö- vrische Cavallcrie, anlangten. Mit dem ersten Tage des Decembers rückten die Engländer vor Hameln. Kaum waren aber (am 8ten) die Feindseligkeiten zwischen ihnen und den Franzosen angefangen, als der Waffenstillstand die Russen von dem Schauplatze des Kriegs abrief. Da sich nun der König von Prcussen für den Ncutralitätsbeschützer des nördlichen Deutschlands erklarte, so mußten sich die Engländer und Schweden zum Rückzüge beguemcn, und so war die ganze vereinigte zo - 40,000 Mann starke Macht, die, zu rechter Zeit gebraucht, eine wichtige Vcrändrnng hervorbringen konnte, in Untha- tigkcit versetzt. Napoleon gewann Zeit, seine Nordarmce, zu deren Zusammenzichung er am Zten Nov. den Befehl gegeben hatte, aufzustellen. Zu Anfang des Decembers stand schon eine betrachtliche Abtheilung derselben an der holländisch - westphalischen Granze. Das batavischc Reservecorps war, nach dem Waffenstillstände, von Maynz nach Nimwe- gcn zurückgezogen, und Angcreau zog ans Schwaben, über Heidelberg, nach dem Un- F 2 tcr- 84 terrhcin. Es sollte ein Heer von loo,ooo Mann zusammenkommen. Von allen Feinden Napoleons ärgerte sich keiner über den schlechten Erfolg der Kriegs- anstellten im nördlichen Deutschland mehr, als der König von Schweden. Wozu half nun seine (7. Nov.) gegen Frankreich erlassene Kriegserklärung, in welcher er der Welt bekannt machte, daß er, zur Rettung der allgemeinen Sicherheit, mit Großbritannien eine Verbindung geschlossen hätte! Als Napoleons Feind aufzutreten, schmeichelte seinem Gefühle so sehr, daß er den unbedeutenden Vorpostcngefcchteu zwischen seinen und den französischen Truppen besondre Bulletins widmete. Durch die Schlacht bey Austerlitz, und den darauf erfolgten Wassenstillstand, gc- rieth aber besonders der Hof z» Berlin in eine große Verlegenheit. Er hatte sich schon Schritte erlaubt, die seine Gesinnungen gegen Napoleon nichts weniger als freundschaftlich darstellten. Die Preusscn, die seie meh- 85 mehrern Wochen in Thüringen in Cantonie- runasguartieren gelegen hatten, setzten sich nach Franken in Bewegung. Schon hatten sie (am 15. Dec.) die bcydcn wirzburgischen Städte Neustadt an der Saale, und Meist richstadt, besetzt, als ihnen ein Courier den Befehl zum Haltmachen, und zum Rückzüge nach Sachsen, überbrachte. Napoleons Sieg bey Austcrlitz hatte zu Berlin einen um so liefern Eindruck gemacht, je weniger man von den Verrichtungen des Grafen von Haugwitz Nachricht hatte. Vor der Schlacht bey Austcrlitz war er bey dem Kaiser Napoleon nicht zur Audienz gelangt, und jetzt, als sie geliefert war, paßten die Vorschlage, die er überbringen sollte, nicht mehr zu den Umständen. Haugwitz, der den Krieg nicht liebte und nicht wünschte, konnte es jetzt nicht mehr wagen, den Ton des vorschreibenden Vermittlers anzustimmen; er mußte den Weg der Nachgiebigkeit einschlagen. Napoleon cmpfieng ihn, bey seiner ersten Audienz (10. Dec.) mit großer Freundlichkeit. Drey Tage hernach hatte er mit demselben eine wichtige Unterredung. Die Folge derselben war ein Vergleich, kraft dessen sich Preus- sen 86 scn verpflichtete, Anspach, Ncufchatel, Va- lcngin, und das an dem rechten Rheinufer noch übrige Stück von Cleve, nebst der Stadt Wesel, gegen das Kurfürstenthum Hannover, abzutreten. Mit diesem Vergleiche zurück« reisend, begegnete Haugwitz dem General Pfuhl, der ihn andre Vcrmittlungs-Vor- schlage, die Constantins und Dolgoruckis Aufenthalt zu Berlin veranlagt hatten, überbringen sollte; Haugwitz nahm ihn jedoch, da die Sache nun abgcthan war, mit nach Berlin zurück. Prcusscns zahlreiche Armeen waren also vergebens ausgerückt. Was hätten 150,000 Prcusscn, Russen, Schweden und Englander, wenn sie, vor der Einnahme von Wien, vor der Scblacht bey Austcrlitz, rasch vorrückten, im Rücken der französischen Armee nicht ausrichten können? Aber Mißtrauen und Unentschlosscnheit vereitelten alle Plane, die dem Beherrscher Frankreichs gefährlich werden konnten. Franz II rechnete jetzt auf den Bcystand andrer Machte so wenig, daß er den Entschluß faßte, den Frieden durch Aufopferungen zu erkaufen. Die zu Nikolsburg, einer bey 87 bey Brünn liegenden kleinen Stadt (am 7. Dec.) angefangncn Unterhandlungen wurden bald nach Prcßburg verlegt. Die Unter- handler waren Talleyrand und Stadion. Der Friedensvertrag, der am zwcytcn Feycr- tage (26. Dec.) unterzeichnet wurde, setzte folgende Hauptpunkte fest. Ocstreich tritt 1) seinen Theil von dem Herzogthum Venedig an Frankreich ab, von welchem derselbe zur Vergrößerung des Königreichs Italien bestimmt wird; es entsagt 2) dem Besitze der Grafschaft Tyrol und der schwabischen Lander; es erkennt z) die Königswürde der Kurfürsten von Bayern und von Wir- tembcrg an, die jedoch ihrer Verbindung mit dem deutschen Reiche keinen Eintrag thun soll. Dagegen erhält es das Recht, das Hcrzogthum Salzburg, nebst Berchtesgaden, dem östreichischcn Kaiscrthumc einzuverleiben, und das Hochmeisterthum des deutschen Ordens zu Mcrgcntheim einem Prinzen seines Hauses zu übergeben. Der bisherige Kurfürst von Salzburg erhalt das Herzogthum Wirz- burg, das der Kurfürst von Bayern bisher besessen hat. Der bisherige Besitzer des Vreisgaues, der Erzherzog Ferdinand, soll für 88 für seine» Verlust hinlänglich entschädigt werden. Dem Könige von Bayern wird die bisherige Reichsstadt Augsburg zu Theil. Durch diesen Vertrag verlohr Oestreich, etwas über 8oo Quadratmeilen Land mit 2,800,000 Einwohnern, also beynahe den achten Theil seiner Volksmasse. Aber wie groß war nicht noch ausserdem sein Verlust an Soldaten, an Kanonen, an Gewehren, an Kriegsbcbürf- Nissen aller Art; wie groß war nicht sein Verlust an Geld, dessen Menge durch eine Cvntribntion von 25 Millionen Thaler, und durch den ausserordentlichen Kricgsaufwand, der dem ösireichischen Staate und Volke ans 200 Millionen Thalcr entzog, noch so gewaltig vermindert wurde! Der Kaiser Franz schoß einen Theil der Cvntribntion aus seinem Privatschatzc vor. Dieser belief sich auf 120-140 Millionen Gulden, worunter allein 6 Millionen Ducatcn waren. Die Schuld, die England von Oestreich zu fordern hat, stieg jetzt um 120 Millionen, und schon war ihm Oestreich aus dem ersten Coa- litionskricg 179, und aus dem zwcytcn 110 Millionen Gulden schuldig. Doch Oestreich vcr- löhr nicht allein an Geld und Land, sondern auch 89 «ttlch an politischer Wichtigkeit. Dagegen ge- wannen Napoleons Bundesgenossen, Bayern, Wirtembcrg, Baden. Wirtcmbcrg mußte sich zwar mit 40 Quadratmcilcn, und 150,000 Einwohnern, und Baden mit 20 Quadrat- Meilen, und 50,000 Einwohnern, begnügen; aber der bäurische Staat wurde durch 400 O.uadratmeilen, mit 1 Million Einwohner, vergrößert, und zum Königreiche Italien kamen 500 Quadratmeilen, mit anderthalb Millionen Menschen, hinzu, So wuchs die von Napoleons Wink abhängende Macht, wahrend die Kräfte seiner Gegner ihm immer weniger furchtbar wurden. Ehe Napoleon (am 27. Dec.) »ach München reiscte, hatte er zu Stammersdorf, zwischen Wien und Mahren, mit dem Erzherzog Karl noch eine Zusammenkunft, die die Achtung, die bende für einander hegten, noch vergrößerte. Mit den Bürgern von Wien, die sich allen heimlichen Aufmunterungen ungeachtet, ruhig verhalten hatten, war Napoleon so wohl zufrieden, daß er ihnen ihr städtisches Zeughaus zurückgab. Zwey- 90 Zweyter Abschnitt. ZwN) Brüder von Napoleon werden Könige. Napoleon bestrebt sich, das Ansehn seiner Herr, schcrfamilie zu befestigen. Die Aufmerksamkeit, die er dem Unterrichte und den Juden widmet. Pitt stirbt. Fox, sein Nachfolger, leitet Frie- dcnSunterhandlungcn ein, die mit seinem Tode völlig abgebrochen werden. Der von Oubril geschlossene Friede wird von Alexander nicht genehmigt. Napoleon schließt mit einem großen Thcil der deutschen Fürsten den Rheinbund. ^)cr Krieg, den Napoleon jetzt geendigt hatte, gewann ihm nicht nur deutsche Bundesgenossen, auf deren Anhänglichkeit er um so stärker rechnen konnte, jcmchr ihre Macht sich) auf die feinige stützte; sie erweiterte nicht nur den Umfang seines Königreichs Italien sehr ansehnlich; sie verschaffte ihm auch eine günstige Gelegenheit, das Königreich Neapel, 9r pel, und die batavische Republik, mit dem französischen Staate in eine nahe Verbindung zu bringen. Der König von Neapel hatte sich, durch einen Ncutralitasvcrtrag verbindlich gemacht, keine fremden Truppen in seinem Reiche landen zu lassen. Dennoch erschienen (20. Nov.) 20 bis Zv,ooc> Russen und Engländer (jene kamen von den Siebcninseln) im Hafen von Neapel, die von der Königin (ihr Gemahl befand sich auf der Jagd) freundlich empfangen wurden. An diese schlössen sich die neapolitanischen Truppen an. Was hatten 40-50,000 Mann, wenn sie nach Qbcritalien, in den Rücken der Armee von Massen«, vordrangen, nicht bewirken können! Aber sie zögerten bis zur Nachricht von Napoleons Siege bcp Ausierlitz, und Napoleons Proclamation von Schönbrunn, am Tage nach dem preß- burger Frieden (am 27. Dec.) sagte nun der Welt, daß die Dpnastie von Neapel zu regieren aufgehört hatte. Uebertriebene Nachrichten von der großen Zahl der in Neapel gelandeten Russen und Englander, und von den Entwürfen ihrer Unternehmungen/ hatten den Geist der Unruhe, von den Geistlichen Y2 liehest angefeuert, in eine lebhafte Bewegung gebracht. Im Maylandischcn, in den Gebirgen von Parma und Piacenza, widersetzte man sich der Errichtung einer Nationalgarde mit kraftvoller Widerspenstigkeit. Durch Drohungen gegen die Geistlichen, welche die Gährung zu unterhalten suchten, und durch gut angebrachte Gcldaustheilung, kam es dahin, daß die Errichtung der maylandischcn Nntionalgarde aber doch ihren Fortgang hatte. Gegen die Aufrührer im Gebicthe von Parma und Piacenza mußte man von Genua aus (l. Jan. 1806) einige Regimenter anrücken lassen. Aber auch im Departement Genua, um Bobbio und Vog- hcra, war der Aufstand so bedeutend, daß man zur Unterdrückung desselben eines ganzen Corps bedürfte, Von diesen Unruhen wußte der Hof zu Neapel keinen Vortheil zu ziehen, und jetzt überzeugte ihn die traurige Erfahrung, wie viel er versäumt hatte. Stand es nicht in seiner Gewalt, die Hülfstruppen, seinem Interesse gemäß, früher in Bewegung zu setzen? Genug, diese schifften sich zu Anfang fang des neuen Jahres (iz. Jan. 1806) wieder ein, und Ferdinand IV sah sich nun, ohne alle Bundesgenossen, von Napoleons Macht bedroht. Eine Armee von 60,000 Franzosen näherte sich (im Febr.) seinem Reiche. An die Spitze derselben stellte sich Napoleons Bruder, der Prinz Joseph, der sich vorlaufig einen Gouverneur von Neapel und Sicilien nennte. Vergebens eilte jetzt der Cardinal Ruffo nach Paris, um Napoleons Zorn zu besänftigen; vergebens begab sich ein andrer Abgesandte zu dem Prinzen Joseph, nach Rom, um ihn zur Einstellung seines Marsches zu bewegen. Die Königin, der General Damas, und andre Günstlinge derselben, dachten indessen aufVcrtheigungs- maßregeln. Schon waren, gleich nach dem Abzüge der Franzosen (Ott. 1805) alle wehrhaften Leute von 20 bis 40Jahren aufgebothen worden, um die Linienarmee bis auf 60,000 Mann zu verstärken. Jetzt sollte die Ver- theidigung des Reiches eine Nationalsache werden. Man traf eine heimliche Verabredung, die sicilianische Vesper zu wiederholen, und alle Franzosen, nebst ihren ver- meynten Freunden, an Einem Tage zu ermorden. 94 morden. Der Ausführung dieser Verabredung kam zwar die Entdeckung des Herzogs von Ascoli, des Obcraufschers der Policcy, zuvor; aber eben derselbe vcrboth die genauere Untersuchung der Sache. Der König traute indessen den Vcrtheidigungsansialtcn seiner Gemahlin so wenig, daß er schon im Januar nach Palermo gicng; die Königin aber hatte, ungeachtet die Russen und Engländer sich entfernten, dennoch den Much, langer zu verweilen. Die Königin rechnete darauf, daß die ganze Nation aufstehen würde. Allein Radio, der Obcrgcneral, wurde mit feiner Auffordrung an die Einwohner der Provinz Abruzzo abgewiesen. Sic waren, sagten sie zu ihm, zur Ergreifung der Waffen bereit, wenn sich der König in eigner Person an ihre Spitze stellen wollte. Die Königin schickte hierauf den zweyten Gesandten an den Prinzen Joseph. „Man lasse mir mein Reich" ließ sie ihm sagen, „oder der Prinz wird nur zerfleischte Leichname und Ruinen finden." Als ihre Acusserung in Neapel bekannt wurde, befürchtete man mit Recht die 95 die Erneuerung der Greuclscenen des Jahres 1799. Die ruhigen Bürger, zu welchen vornehmlich die Freunde der Franzosen gehörten, beschlossen, zur Verhütung dieses Unglücks, eine bewaffnete Macht zu bilden, die in Zeit von acht Tagen auf 100 Com- pagniccn anwuchs. Durch sie wurden die gcdungnen Banditen in der Zucht gehalten. Die Königin gcricth darüber in eine solche Unruhe, daß sie alle Zugange des Pallastes zumauern ließ, daß sie heimlich zu ihrer Abreise Anstalten machte. Wahrend daß sie durch den Herzog von Ascoli „den braven Bürgern" die Bewachung der Hauptstadt auftrug, ließ sie die Palläste von Portici und Cascrta rein ausleeren, und alle Kunst- sachen auf Schiffe bringen. Zugleich wurden iO Millionen Silberducaten, die sich in der Bank befanden, und auch Geldsummen, die Privatleuten gehörten, eingepackt. Zuletzt schiffte sich die Königin, mit ihrer Familie (11. Febr.) selbst ein. Sie verordnete vorher ein Rcgicrungscollegium, dessen Leitung sie dem Gcnerallieutenant Naselli übertrug. Vier 96 Vier Tage nach der Abreise der Königin (am 15. Febr.) zog der Prinz Joseph ganz friedlich in Neapel ein. Um sich das Vertrauen der Einwohner zu erwerben, beschenkte er ihren Schutzpatron, den h. Januar, sehr kostbar. Er bestätigte die provisorische Negierung, so wie die meisten andern obrigkeitlichen Gewalten; auch bemühete er sich, den Credit der Bank aufrecht zu erhalten. Dabcy hielt er es aber doch für nothwen- dig, die Bürger ihre Feuergcwehre abliefern zu lassen. Die neue Regierung suchte sich durch manche wohlthatige Verordnung um die Nation verdient zu machen,, damit ihr eine neue Herrschcrfamilie um so willkommner seyn möchte. Sechs Wochen nach seinem Einzüge (zo. März 1806) ward Joseph als König von Neapel und Sicilien ausgerufen. Ein feyerlicher Umgang mit den Reliquien des h. Januars diente dicftpHandlung gleichsam zur Weihe. Der neue König beschafftigte sich nicht allein mit der Einrichtung der Staatsverwaltung, und des Hofstaates; er wendete auch sogleich seine Sorgsalt auf den Volksunter- 97 Unterricht. Die Jesuiten, die an demselben einen wichtigen Antheil genommen hatten, wurden entfernt, und die fremden Mitglieder dieses Ordens mufften das Land verlassen. Die eingezogenen Güter derselben, deren Werth anderthalb Millionen Silberhuca- ten betrug, dienten zum Unterpfande einer Anleihe von ,,200,000 Ducatcn. Alle von der vorigen Regierung, seit dem izten Januar 1799, gemachten Schenkungen wurden für ungültig erklärt; die Güter der dem Hofe Ferdinands gefolgtcn Personen fielen der königlichen Kammer zu; das Feudalsystem erreichte sein Ende, und die bisherigen Vorrechte des Adels fanden nicht mehr statt. So leicht als Joseph in Neapel eingezogen war, so wenig sah er sich doch noch im ruhigen Besitze seines Königreichs, so lebhaft dauerte der Widerstand fort, den ihm die königliche und englisch» Parthey entgegen stellte. Dieses veranlaffte einen heftigen Krieg. Die französische Armee, die das Königreich Neapel besehen sollte, rückte in drcy Hauptabtheilungcn heran; die mittlere unter Massena nahm ihren Weg über St. Ger- Eallctii Weltg. -;i Th. G mano 98 mano und Eapua; der linke Flügel, unter Lecchi, gicng über Jtri, und der rechte, linier Ncgnier, über Terracina. Masscna und Lecchi fanden keinen bedeutenden Widerstand. Eapua ergab sich am ig. Februar mit 2500 Mann. Am folgenden Tage rückte der französische Vortrab in Neapel ein. Aber Gaeta, wo der Prinz Ludwig von Hessen - Philippsthal den Oberbefehl führte, gab das Ben- spiel einer entschlossenen und standhaften Gegenwehr?. Dieser Prinz, der, bey einem holländischen Negfmente, als Obcrstlicutenant angestellt, das Fräulein von Trips, eine Schwägerin des Obersten Acton, eines Bruders des neapolitanischen Ministers dieses Nahmens, gcheyrathct hatte, kam durch die Unterstützung desselben in neapolitanische Kriegsdienste. Hier erfüllte er seine Pflichr so pünktlich, daß der Versuch des Generals Negnicr, Gaeta durch Uebcrrumpclung in seine Gewalt zu »bringen, verunglückte. Ein Opfer dieses Versuches war der kcnntnißvolle Ingenicurgcneral Grigny. Negnicr ließ nur eine kleine Abtheilung seiner Truppe» zur Beobachtung von Gaeta zurück. 99 zurück, und wendete sich mit den übrigen nach Rcggio, an der Meerenge. In der Nahe derselben, an den Ufern des Silo, bei) Lauria, stand die Armee des Königs Ferdinand, die, Linientruppcn und Insurgenten zusammengerechnet, aus 18,000 Mann bestehen sollte. Man hoffte sie, durch die Bauern von Calabricn und Basilieata, aus 100,000 Mann zu bringen; es fanden sich aber nur etwa 1000 Banditen ein, die den Fra Dia- volo zum Anführer hatten. Schon setzte sich diese Armee in Bewegung, um nach Neapel vorzurücken, und diese Stadt sollte geplündert werden, weil sie die Franzosen so bereitwillig aufgenommen hatte; aber der Anzug von Regnicr bewirkte, daß sich diese Armee bald auflösete. Damas, ihr Obergeneral, behielt kaum noch 2000 Mann bey- sammen. Mit diesen zog sich der Kronprinz, den seine jünger» Brüder, und die Minister begleiteten, nach Reggio. Von hier setzten sie (20. Marz) nach Sicilien über. ' Regnier kam nun, ohne bedeutendes Hinderniß, bis zur südlichen Spitze von Calabrien. Indessen war Sr. Cyr, an der südöstlichen Seite, bis Tarent vorgedrungen. G 2 Die Ivo Die Franzosen hatten nun das ganze Reich, bis auf Gacta, in ihrer Gewalt. Dieses vertheidigte der Prinz von Hessen- Philippsthal mit fortgesetzter Standhaftigs kcit. Ans die französische Aufforderung, sich zu ergeben, antwortete er: „Gacta ist nicht Ulm, und Philippsthal nicht Mack!" Der deutsche Prinz konnte der Macht der Belagerer um so eher trotzen, als Sidney Smith ihm nicht nur allerlei) Bedürfnisse, sondern auch Mannschaft, zuführte. Smith bemächtigte sich damahls auch der Insel Capri, am südlichen Ende des Meerbusens von Neapel. Aber der thätigc, der entschlossene Prinz von Philippsthal wurde (li. Jul.) bcy der Besichtigung einer Wallössnung so stark beschädigt, daß er den Oberbefehl an einen englischen Officicr abgeben, und sich nach Sici- lien bringen lassen mußte. Sieben Tage hernach capitulirte die Festung. Ihre Besatzung erhielt einen freuen Abzug. Die i6,oocz Mann starke Abtheilung, die ssie belagert hatte, mußte ihren Waffenbrüdern in Calabrien zu Hülfe eile». Die Königin von Neapel, und die englische Parthey, hakten den festen Entschluß ge- 101 gefaßt, das Königreich Neapel seinem neuen Besitzer wieder zu eutrcissen, Linientruppen, Insurgenten, Banditen — alles wurde in Bewegung gesetzt. Selbst in die Hauptstadt schlichen sich Abgeordnete des sicilianischcn Hofes ein, um zur Empörung gegen den neuen König zu reihen, und schon seit einiger Zeit war ein allgemeiner Aufstand, der plötzlich ausbrcchcn sollte, vorbereitet. Während daß die französische Hauptmacht noch vor Gacta stände, und die übrigen französischen Truppen durch die südlichen Provinzen zerstreut waren, sollte Neapel, von Calabricn aus, wieder erobert werden. In dieser Absicht landeten (r. Iul.) Zooo Engländer, nebst einigen sicilianischen Truppen, in dem Meerbusen von St. Eufemia, an der westlichen Seite von Calabrien. Nach zwep Tagen war dieses kleine Heer schon durch zooo Ca- labrier verstärkt. Der englische Obcrgcncral Stuart, verkündigte den Bewohnern Cala- briens: „die Fahne Ferdinands IV weh« wieder an ihren Küsten; sie sollten von Eon- tributionen frep sepn, und die Calabricr, die sich unter die Fahnen ihres rechtmäßigen Souvcrains, und seiner mächtigen Bundes- ge- IO2 genossen stellen würden, sollten baar bezahlt werden." Ncgnicr eilte, ans die Nachricht von dieser Landung, mit 4000 zu Fuß und zoo zu Pferde, von Reggio nach der Gegend von St. Eufcmia. Hier wurde er, in der Nahe des Dorfes Maida, (am 4. Jul.) von 5000 Engländern, mit dem heftigsten Ungestüm, angegriffen. Zhre leichte Infanterie, und ein eben gelandetes englisches Regiment, das den Franzosen in den Rücken kam, entschied die Vcsiegung derselben; 700 Franzosen wurden gctödtct, und loocz gefangen. Der General Verdicr, der, bey Coscnza, nordwärts von Eufcmia, mit 2000 Mann stand, zog sich, großen Verlust leidend, in die Gebirge zurück. Reggio ergab sich hierauf (12. Jul). an die Engländer, und die Festung Sciglio eroberte der Admiral Smith. Stuart feuerte den Much der Calabricr unter andern durch das Versprechen an, daß er für jeden gemeinen französischen Soldaten 6, und für jeden Sfficier 20 Silberducaten, bezahlen wollte. Auch sicherte man den Insurgenten den Besitz aller Güter der Französischgesinn- tcn, vornehmlich der Barone, zu. Jetzt 70Z Jetzt begann, durch schwärmerische Mönche und Pfaffen angefeuert, ein schrecklicher Ver- tilgungskrieg. Der der Gerechtigkeit entflohene Naubcrhauptmann Michael Pezzo, oder der sogenannte Fra Diavolo, und andre solche Banditcnanführer, sammelten große Haufen, die zum Plündern und Morden gebraucht wurden. Die Unglücklichen, die man für Freunde der Franzosen hielt, wurden langsamen Todesqualen geopfert. Selbst Bischöfe und Priester hatten das Schicksal, gekreuzigt zu werden. Die heftigste Wuth aber verfolgte die französischen Soldaten, die gespießt, gebraten, lebendig an die Wand genagelt wurden. Der englische General mußte diesem cannibalischcn Verfahren, durch Belohnungen für verschonte Franzosen, Einhalt thun. Die Thatigkeit der französischen Regierung zu Neapel vereitelte überhaupt den Plan, dessen Ausführung der Sieg bei) Maida befördern sollte. Der Ausbruch der Verschwörung in der Hauptstadt wurde durch zweckmäßige Maßregeln verhindert. Man bildete eine Nationalgarde vpn lauter vertrauten Leuten. Alle IOH Alle etwas bedenklichen Volkszusammcnrot- tungcn wurden mit Strenge bestraft. Die Abtheilung, mit welcher Massena Gacta belagert hatte, marschierte jetzt nach Calabrien. Bey ihrem Anzüge schifften sich die Engländer gleich wieder ein. Nur Reggio und Sciglio blieben von ihnen besetzt. Als Ver- dicr (22. Aug.) einen großen Kaufen von Insurgenten geschlagen hatte, giengcn selbst die sicilianischen Truppen nach ihrer Insel zurück. Zwei) Abteilungen von englischen und sicilischcn Soldaten, die, zu Ende des Novembers, bey Sciglio und bey Sagri landeten, wurden bald zurückgetrieben. Der kleine Krieg, oder der Banditcn- krieg, dauerte jedoch auch im folgenden Jahre (1807) fort. Die Franzosen, die ihn mit gereihter Erbitterung führten, verbrennten aber auch ganze Städte mit ihren Einwohnern und stießen alle bewaffneten Insurgenten, ohne Barmherzigkeit, nieder. In Neapel verfloß kein Tag ohne Hinrichtungen. Endlich wurde, nach vielen vergeblichen Bemühungen, Fra Diavolo , erwischt. Er war eben mit 250 Banditen von Mcssina herüber lOzl über gekommen, und hatte die Bewohner seines Geburtsortes Ztri, in Terra die Lauere, wieder so sehr in Bewegung gebracht, daß er einen Haufen von einigen tausend zu seinem Befehle hatte. Eine starke Abtheilung desselben schickte er nach der Nuffinclla, Lueian Bonaparte's Landsitz, unweit Rom. Als der General Duhcsme gegen ihn anrückte, zog er sich in unzugängliche Einöden zurück. Von diesen ans versetzte er die ganze umliegende Gegend in Unsicherheit. Selbst zu Rom, wo er manchen heimlichen Anhänger hatte, gcricth alles in Spannung. Das päbstliche Militär rückte gegen ihn aus. Aber mehr, als dieses wirkte der französische General Valentin, her von Gacta hcrbepkam. Dieser ließ seine Leute in mchrcrn kleinen Abrhcilnngen gegen ihn anrücken. Fra Diavolo irrte hierauf von einem Schlupfwinkel zum andern. Als alle seine Spießgesellen schon gefangen waren, wurde er selbst in Bcttlcrkleidung entdeckt. Er starb am Galgen (10. Nov. 1806). Zu den schrecklichen Verwüstungen, die die Provinzen Calabricn, Abruzzo und Campanien, in diesem Banditenkricge erfahren hatten, ge- io6 gesellte sich (zi. May) am fürchterlicher Ausbruch des Vesuvs^ gesellte sich wenige Wochen hernach ein Erdbeben. Indessen wurde auch die batavischc Republik ein Königreich für einen von Napoleons Brüdern. Diese Veränderung wurde mit politischer Schlauheit vorbereitet. Man wußte die damahlige Stimmung der Holländer gut zu benutzen. Der Kaufmann/ der, fast ganz allein auf das Gewerbe mit feinen ehedem gesparten Geldsummen eingeschränkt, mäßig und sparsam lebte, nahm an den Staatsveränderungen seines Vaterlandes einen ziemlich gleichgültigen Anthcil. Das gemeine Volk freute sich über die wohlfeilen Preise der Lebensbedürfnisse, die durch die gesperrte Ausfuhre nach England, und durch den Abmarsch eines großen Theilcs der französischen Nordarmce, veranlaßt worden waren. Manche sahen einer Regierungsveränderung , die ihrem Eigennutze mit Besoldungen, die ihrem Ehrgeitze mit Titeln schmeichelte, sehnsuchtsvoll entgegen. Zu diesen gehörte der Viceadmiral und Kriegsminister Verhuel, Napoleons Liebling, dessen Gunst er i°7 er sich erwarb, als er (isioz) wie der erste Consul die Küsten bcreisetc, als Gesandter seiner Republik, nach Boulogne geschickt wurde. Der junge, talentvolle Mann ge- siel dem ersten Consul. Jetzt befand er sich zu Paris, und es wurden zwischen dem Kaiser und ihm wichtige- Dinge abgehandelt. Die damahlige traurige Lage der Republik schien eine Staatsverändcrung nothwendig zu machen. Die Schuldcnmengc derselben war zu einer ausserordentlichen Höhe angewachsen, während daß sich das Vermögen des Staates nicht nur wegen des äusserst gesperrten Handels, sondern auch wegen des neuen Verlustes des Hoffnungs - Vorgebirges, auffallend verminderte. Die ausserordentlichen Zusammenkünfte der gesetzgebenden Versammlung, die Schimmelpennink veranstaltete, konnten dem um sich greifenden Uebcl nicht abhelfen. Gerade um diese Zeit (am 9. April 1806) starb der ehemahlige Erbstatthalter der Republik. Dadurch war das Band zwischen ihm und ihr völlig anfgclösct. Um so eher konnte ein ähnliches Oberhaupt, mit einer Würde, nach welcher jener vergebens strebte, an die Spitze des Staates treten. IO8 treten, und dieses Oberhaupt war ein König. Wenn auch zuweilen noch eine Vorstellung, welche die Vepbchaltung der republikanischen Verfassung empfahl, der gesetzgebenden Versammlung übergeben wurde, so hatte doch die Vollmacht, welche die den Kricgsministcr Verhucl nach Paris begleitende Commission befolgte, eine ungleich größere Wirksamkeit. So gedieh zwischen ihr und Napoleons Minister Talleyrand (24. May 1806) ein Vertrag zur Richtigkeit, der die bisherige batavische Republik in ein Königreich der Hcrrscherfamilic Bonaparte um- schnf. Vcrhuel bath sich, im Nahmen des batavischen Volkes, Napoleons jüngcrn Bruder Ludwig zum Könige aus. Er sollte König von Holland heißen, und einen mit dem französischen Kaiserthum nie vereinbaren Staat besitzen. Er sollte die vollziehende Gewalt allein, und ohne alle Einschränkung, besitzen. Die gesetzgebende Gewalt sollte eine Versammlung von Zo Personen ausüben; ein Staatsrath von iz Personen sollte dem Könige regieren helfen. Diese Staatsvcrändc- rnng IOY rung wurde dem batavischen, nunmehr holländischen Volke, um ^tcn Zum), bekannt gemacht, nachdem Schimmelpcnnink schon 5 Tage vorher seine Stelle niedergelegt hatte. Verhucl, der am yten von Paris zurückgekommen war, führte bis zur Ankunft des neuen Königs die Negierung. Diese erfolgte schon nach acht Tagen, und einige Tage hernach (2z. Zun.) hielt er seinen feycrlichen Einzug. Der neue König suchte sich seinen Untcrthancn, durch eine genauere Staats- wirthschaft, beliebt zu machen. In dieser Rücksicht verminderte er die Landarmee bis auf 22,164 Mann und Z2Z2 Pferde; die Thcilnahme an dem Kriege gegen Preussen machte aber bald eine sehr bedeutende Vermehrung derselben nothwendig. Während daß Napoleon zwey von seinen Brüdern zu Königen erhob, versäumte er überhaupt kein Mittel, sowohl vermittelst seiner Familie, als seiner geprüften Freunde, eine nicht nur dauerhafte, sondern auch große, auf das europäische Gleichgewicht entscheidend wirkende Macht zu gründen. Zur Beförderung seiner Absicht dienten ihm nur die von 110 von ihm abhangigen Staaten, die zusammen schon eine Volksmassc von 66-67 Millionen enthielten; es dienten ihm hierzu auch Staatsbündnisse und Verschwägcrungcn mit den ältesten und mächtigsten Fürstenhäusern; die Staatsverbindungcn mit Bayern, Wirtcmbcrg, Baden; die Vcrschwägerungen mit Bayern und Baden. Die schöne Prinzessin Auguste von Bayern wurde (14. Jan.) während Napoleons Anwesenheit zu München, die Gemahlin seines Stiefsohnes, des Prinzen Eugen. Der Kurprinz von Baden heyrathere (7. April) seine adoptirte Nichte, die Prinzessin Stephanie Napoleon. Napoleon versorgte auch andre von seinen Verwandten so reichlich, daß sie feste Pfeiler seiner Macht abgeben konnten. Den Prinzen Murat, seinen Schwager, ernennte er. (zc>. März 1806) zum Herzog von Cleve und Berg. Das lctztre hatte ihn der Kurfürst von Bayern, für Anspach und Nürnberg, abgetreten. Das seiner Schwester, der Prinzessin Paulinc, und ihrem Gemahl, dem Prinzen Borghese errhcilte Herzogthum Guastalla nahm er (24. May) wieder zurück. rück, um es mir dem Königreich Italien zu vereinigen. Die bisherigen Besitzer mußten sich mit dem Titel, und einer Entschädig gungssumme, begnügen. Die kleinen Für- stenthümer Massa und Carrara wurden (am i. Man) zum Fürsteuthume Lucca geschlagen , das eine andre Schwester des Kaisers, die Gemahlin des Fürsten Baeciochi, besaß. Durch ein besondres Familiengcsetz eignete sich Napoleon die Vormundschaft, und überhaupt die Oberaufsicht in Policey- und Dis- ciplinsachen, über die Mitglieder seiner Familie, zu. Kein Familienglied darf ohne Einwilligung des Kaisers heprathcn, das Reich verlassen, oder auch sich nur zo Lieues von der kaiserlichen Residenz, entfernen. Mit Recht nahm Napoleon auch auf seine vornehmsten Minister und Feldherren, als Hauptstützen seiner Macht, Rücksicht. Alexander Berthier wurde (am Zi. Marz) Prinz von Neufchatel; Talleuränd Fürst von Benevento; Dcrnadotte, Schwager des Königs Joseph von Neapel, (5. Jim.) Fürst von Pontecorvo. Zur Versorgung der treuen Gehülst» dienten auch zwölf große italienische Reichs- Ncichslehnc, deren Besitzer Herzoge von Dal? matien, Ismen, Friaul, Cadore, Bclluno, Concgliano, Treviso, Feltri, Bassano, Vi? eenza, Padua und Rovigo, vorstellten. Diese sollten den fünfzehnten Theil der Einkünfte dieser Bezirke ziehen. Napoleon behielt sich deswegen in diesen Landern für zo Millio? ncn Domänen zur eignen Verfügung vor. Dadurch entstand eine jahrliche Summe, die für Dalmaticn loo,ooo, und für jedes der andern Reichslehnc, 60,000 Franken, ab? warf. Napoleon aber suchte seine Regierung, die er mit so kluger Vorsicht befestigte, der französischen Nation von einer wohlrhatigen Seite zu zeigen. Daher entgicng kein auf das Wohl desselben sieh beziehender Gegenstand seiner sorgfältigen Aufmerksamkeit. Daher bemühetc er sich, dem Volksunterricht einen ausgedehntem Umfang zu geben. Die Zahl der Schulen wuchs von einem Jahre zum andern. Aber das, was in diesen Schulen gelehrt wird, bezieht sich hauptfachlich auf die Bildung des Kriegsstandcs. Daher nimmt die Mathematik immer die erste Stelle der Un- HZ Untcrrichtsgcgcnstande ein. Napoleon, der überhaupt auf die Einheit einen' so großen Werth setzt, führte diese Einheit auch im katholischen Religionsunterrichte ein, indem er für denselben (4. April 1806) einerlei) Katechismus verordnete. Der Gottesdienst war schon so gut wieder hergestellt, daß man in diesem Zahrc (1806) 46,000 Pfarrcycn, 80 Consistorialkirchcn, und z 1,800 Suecour» salkirchen zählte. Aber es fehlte für diese Kirchen an Geistlichen; es fehlte an jungen Leuten, die sich dem geistlichen Stande wid» men wollten. Zu den Einwohnern des französischen Kai» serthums gehörten jetzt auch 200,000 Juden. Diese wünschte Napoleon in ein dem Staate weniger nachtheiligcs Verhältniß zu bringen. Der Ausführung seines Planes arbeitete der würdige Bischof Grcgoire, durch eine den Juden gewidmete Schutzschrift, durch eine im vorigen Jahre (1805) unternom» mene literarische Reise, vor. Das, was die Juden ihren christlichen Mitbürgern vornehmlich verhaßt machte, war ihr rastloser Eallttti Wkltg. szr Th. H Wucher» "4 Wuchcrgcist, war der Druck, dem sie die Bauern unterwarfen. In Elsaß war ihnen der dritte Thcil aller Landercrcy verpfändet; dieß hatte auf den Zustand der Bewohner dieses Landes einen sehr nqchthciligcn Einfluß. Diesen und andern Beschwerden abzuhelfen, veranstaltete Napoleon eine Versammlung der reichsten und angesehensten Juden. Diese bestanden meistens aus einsichtsvollen Handelsleuten und Fabrikanten. Zu Anfang des Iuls (1806) waren schon 95 jüdische Notablen zu Paris versammelt. Diese wohnten in Iudenwirthshauftrn ben- sammen; auch handelten sie in Paris eben so eifrig, als zu Hause, vornehmlich mit Juwelen. Zu ihrem Präsidenten wählten sie den reichen, im besondern Ansehen stehenden Furtado, einen Portugiesen. Dieser Versammlung ließ Napoleon (29. Jul.) gewisse Fragen zur Beantwortung vorlegen. Die Beantwortung, die Furtado (il. Aug.) dem Kaiser übergab, entsprach seiner Erwartung so gut, daß er einen Sanhedrin verordnete, der diesen Aussprüchen die gesetzliche Kraft des Talmuds beylcgcn sollte. Um die Arbeiten dieses Sanhcdrins vorzubereiten, schloß sich' ein Aus- Ausschuß von 9 sehr einsichtsvollen Männern au einander an. 'Am 2vten Octobcr wurde der Sanhedrin wirklich eröffnet. Napoleon konnte der inner» Regierung Frankreichs seine Aufmerksamkeit um so eher widmen, je weniger ihm, nach Endigung des Landkrieges, militärische Unternehmungen beschäffrigten, je mehr selbst eine Aussöhnung mit seinem Erzfeinde, England, eine höhere Stufe der Wahrscheinlichkeit erstieg. Diese Wahrscheinlichkeit gründete sich auf den Tod desjenigen, der ihm unerschütterlicher, als jeder andre Sterbliche, entgegen arbeitete. Im ersten Monath dieses Jahres " (24. Jan. i"8o6) starb Pitt. Er war i7Iahre und z Monathe ununterbrochen dirigirender Minister gewesen. Vom 14. Marz bis zum 10. May 2806 trat er nur zum Scheine vom dem politischen Schauplätze ab. Er halte sein ganzes Leben noch nicht auf volle 47 Jahre gebracht. Den von seinem Vater geerbten Podagrasioss hatte er, durch ein wildes Univcrsitatslcbcn, und durch das Ueber- maß von Wein, an welches er sich in seinen letzten Iahren gewöhnte (er mußte, um H 2 nur il6 nur einigermaßen sich begeistert zu fühlen, den Portwein aus Spülnäpfen trinken) bis zu einer seine ganze Körpcrbeschasscnhcit zerstörenden Krankheit entwickelt. Freylich wurden seine Körpcrkrafte aber auch durch die unaufhörliche Anstrengung seines Geistes geschwächt. So in seinem Innern zerrüttet, fühlte er den Eindruck der schlimmen Nachrichten, die, zu Ende des vorigen Jahres, vom festen Lande herüber kamen, um so erschütternder. „O mein Vaterland!" diest waren seine letzten Worte. Und eben diese begeisterte Liebe für sein Vaterland erhob ihn über alle seine Zeitgenossen unter den Engländern. Mit tiefen Einsichten in die Regierungskunst, in die Staatswirthschaft, verband er eine hinreißende Bcrcdtsamkcit, verband er die Kunst, die Standhaftigkeir seiner Anhänger zu fesseln, und seine Gegner in den Schranken der Ehrfurcht zu erhalten. Seine Beerdigung war eine Natio- nalfeyerlichkeit. So halte Großbritannien, in Zeit von einigen Monathen, seine drey größten Männer, einen Cornwallis, einen Nelson, einen Pitt, verlvhren. An ii7 An Pitts Stelle erat- Fee, der, als dcs- scn erklärter Gegner, nach dem fast allgemeinen'Krtheile, derjenige schien, der seine Stelle mit dem glücklichsten Erfolge einnehmen könnte, und Georg III, der ihn einst aus der Reihe seiner geheimen Näthe ausgestrichen hatte, ernennte ihn zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten. Diese Ernennung erregte eine lebhafte Freude. Ilm so gespannter aber war die Erwartung in Ansehung eines Ministers, der sich immer so laut gegen den Krieg mit Frankreich, und so günstig für die Abstellung der irlandischen Beschwerden, erklärt hatte. Aber Fox, der Minister, entsprach nicht den Erwartungen, die man sich von ihm machte. Den Minister Fox leiteten jetzt ganz andre Grundsähe. Zwar brachte er es durch seine eindringenden Vorstellungen im Parlamente dahin, daß Wilberforce's menschenfreundlicher Plan, die Abschaffung des Sclavenhandcls (io. Inn. 1806) durch die Mehrheit der Stimmen festgesetzt wurde. Aber gegen das Ende dieses Jahres waren zur Ausführung dieses Beschlusses noch keine Anstalten gemacht. So groß waren die Ausflüchte und Schwierigkeiten, V i-8 ketten, die der Wuchergcist dieser Ausführung entgegensetzte. Eben so wenig wirkte Fox auf den Gang, den Melville's Proccß nahm. Pitt wollte diesen nicht fallen lassen (der Mann war reich und vornehm), und seine College» stimmten mit ihm übcrein. Mclville, so entschuldigte man ihn, hätte, die ihm anvertrauten Staatsgclder benutzend, nichts andres ge- than, als was hundert Cnfscnbeamtc vor ihn gcthan hätten; der gegen ihn verhängte Proccß wäre blos durch die Ränke seiner Feinde veranlaßt worden, wäre blos eine Partheysache. Melville's Proccß wurde (s. 29. April iZczS) mit vieler Feyerlichkeit behandelt. Sein ttnterbeamtcr Trottcr nahm bald alle Schuld auf sich, und so wurde Melville (r2. Zun.) von den gegen ihn vorgebrachten Beschuldigungen freygesprochen, und, aller Einwendungen einiger Mitglieder des Oberhauses ungeachtet, in seine alten Rechte wieder eingesetzt. Indessen brachte der Proccß gegen denselben doch die gute Wirkung hervor, daß man der Cassenverwaltung eine größere.Aufmerksamkeit widmete. Einen an- ' dem 119 der» Beweis von dem EinKnsse parthcyischer Gesinnungen auf die Parlaments - Verhandlungen gab eine Anklage der Gemahlin des Prinzen von Wallis, einer Tochter des Herzogs von Vraunschwcig. Man beschuldigte sie mit einem ihrer Diener in einem so vertraulichen Verhältnisse gelebt zu Hadem, daß ein jetzt schon vierjähriges Kind eine Frucht desselben wäre. Die ganze Beschuldigung aber wurde, nach einer genauem 'Untersuchung, für falsch erklärt. Um so mehr, sah sich nun ihr Gemahl, mit seiner Maitrcsse, dem Urtheile des Publicums blos gestellt. Fox, unter dessen Ministerium diese Ncchtshandel ihre Endschaft erreichten, war ehedem der eifrigste Verehrer der irländischen- Freyheit. Jetzt verstummte er. Um die Gcmüther der Jrländer etwas günstiger zu stimmen, wurde der reiche, sehr beliebte Herzog von Bedford, (6. Febr. 1806) zum Lordlieutcnanr von England > ernennt. Er zeigte sich der irländischen Nation mit einer ausserordentlichen Pracht. Die Staatslivree für einen seiner Bedienten kostete loa Pfund. Bedford war aber nicht allein ein prächtiger. 120 gcr, er war auch ein menschenfreundlicher Statthaltrr, dcr sich gegen die Nothlciden- den freygebig bewies, der den Ackerbau und die Leincweberey zu heben suchte. Dabcy blieb jedoch dcr Zustand der irlandischen Bauern noch immer jammervoll; auch behielten die Fehden zwischen dcr irländischen Militz und den königlichen Soldaten ihren Fortgang. Von Fox erwarteten viele nichts gewisser, als einen Frieden, der den unseligen Krieg endigte, der, wahrend er die englische Seeherrschaft immer mehr befestigte, dem englischen Handel mit dem festen Lande doch so schwere Fesseln anlegte. Bei) aller ihrer Uebcrlcgcnheit aber konnten die Englander die Seezüge der Franzosen doch nicht ganz verhindern. Vom Dccemöcr 1805 bis zum Marz 1806 streiften 6 kleine französische Flotten auf dcr See umher, die bey den Englandern lebhafte Besorgnisse erregten. Linois, der unter seinem Befehle ein Linienschiff von 80 Kanonen, und 1 Fregatte von 40 Kanonen, zwey vortreffliche, mit geübter Mannschaft besetzte Secgler, hatte, fügte den 121 den Engländern für mehr als 40 Millionen Franken Schaden zu. Zwar gcrielh dieses kleine Geschwader (iz. März 1806) unter die englische Flotte des AdMirals Marren, und Linois, der^ nebst seinem Sohne, verwundet war, mußte der Ucbcrmacht weichen; aber die Engländer fanden, da der vorsichtige Linois die beste Beute zu rechter Zeit nach Frankreich geschafft hatte, nur. wenig baares Geld, sondern Maaren. Der Admi- ral Lasscigncs, der (14. Dee. 1805), mit 5 Linienschiffen, 2 Fregatten, und i Corvctte, von Brest ausgeschifft war, brachte (am 20. Jan. 1806) 1500 Mann Landtrnppcn, nebst vielen Kricgsbedürfnisscn, nach Domingo. Hier verweilte er sich aber so lange, daß er dc-r vereinigten Flotte der englischen A'dmi- ralc Duckworth und Cochrane nicht ausweichen konnte. -Der Kampf mar sehr hartnak- kig; aber die Franzosen vcrlohren 4 Schiffe. Eine andre französische Flotte von 6 Linien- sclffffen, welche der Admiral Villaumez anführte, that (vom iz. Dee. 1805 an) dem englischen Handel gleichfalls großen Schaden. Bey dieser Flotte , befand sich Napoleons Bruder, Ieromc, der, durch einen Sturm 122 Sturm von'Villaumez getrennt, mit einem schlechten Scegler von 74 Kanonen, von dem englischen Linienschiffe Gibraltar eilige- holt wurde. Icromc hatte das Glück, daß sein erster Kanonenschuß den Vordcrmast des englischen Schiffes zertrümmerte. Nun kam Iersme, ohne weitere bedeutende Anfechtung, nach Europa, wo er einer ganz andern Rolle entgegen eilte. Der ungleich weniger glückliche Villaumcz verlohr dagegen allmählig seine gqnze Flotte. So schwächten die überlegenen Engländer die Seemacht ihrer Feinde immer mehr. Aber sie nahmen ihnen allmählig auch fast alle ihre in andern Erdthcilen liegende Besitzungen weg. Den Holländern entrissen sie das Hossnungsvorgcbirgc zum zweytcn Mahl. Die kleine holländische Besatzung von 2000 Mann, die, seit iSMonathen, wegen eines Angriffes der Engländer besorgt, in einem Lager stand, hatte durch die Ruhr und andre Krankheiten, fast den 6ten Theil ihrer Mannschaft verlohrcn. Die Bürger und Coloni- sten waren des Waffendienstes übcrdrüfiig. Die Hülfe vom Mutterlande fehlte. In diesem I2Z diesem Zustande befand sich das Cap, als (4. Jan. 1806) eine englische Flotte 5000 Soldaten an das Land setzte. Die ganze Macht, die ihnen der holländische Oberbc- fehlshabcrJansson entgegen stellen.konnte, be- stand ans izoo zu Fuß, und 150 zu Pferde, zu welchen noch zoo berittene Colonisten kamen. Den Engländern fehlte es an Caval- lerie, und an Kanonen. Aber ein deutsches Batallion der Holländer zog sich, vom Schrek- ken ergriffen, zurück. Dadurch gerietst die holländische Linie in Unordnung, in Verwirrung. Zwar fochten 200 Franzosen von einer gestrandeten Fregatte so lange, bis die Hälfte von ihnen getödtct oder verwundet war; aber das Castell und die Capstadt mußten sich dennoch (10. Jan.) ergeben. Jansson, der sich mit seinen wenigen Leuten in das Gebirge gezogen hatte, sah sich acht Tage hernach (18. Jan.) genöthigt, sich mit den indessen bis auf 8000 Mann angewachsenen Engländern zu vergleichen. Man sprach ihn von der Kriegsgefangenschaft frcy. Aber der Verlust des Caps drohete dem ohnedieß stockenden holländischen Handel nun vollends den Untergang. Nicht !24 Nicht so glücklich waren die Engländer in ihren Versuchen/ sich der spanischen Besitzungen in Amerika zu bemächtigen, oder sie zur Trennung vom Muttcrstaate zu bestimmen. In der letzten Absicht unterstützten sie den Abentheurcr Miranda, einen gebohr- nen Amerikaner, der, als Dumouriers Un- tergcncral in Belgien, eine so zweydcutige Nolle gespielt hatte. Er gehörte zu denen, die im Jahre 1797 deportirt wurden, und Bonaparte fand es (1799) nicht für gut, ihm die Rückkehr nach Frankreich zu erlauben. Dennoch wagte er es, sich nach Paris zu begeben. Er wurde jedoch (isioz) zum zweytcn Mahl verbannt. Jetzt wollte er das spanische Amerika rcvolutioniren, und die englische Regierung fand es nicht unter ihrer Würde, ihn mit Geld, mit Schissen, und mit Kriegsbcdürfnissen, zu versehen, ihm, in den westindischen Hafen, sichere Zu- fluchtsSrter zu eröffnen. Doch Miranda mag nicht allein mit England, sondern auch mit dem amerikanischen Freystaate, ein Einver- standnifi unterhalten haben. Um seinen Plan auszuführen, suchte er die Negerregicrung auf Domingo zur Theilnahme zu bereden. Als 125 Als ihm dieses nicht gelang, seegelte er (im März 1806) mit seinen zwev kleinen Kriegsschiffen, die er noch durch einige spanische vermehrte, nach der Küste des spanischen Südamerika. Die Spanier waren jedoch auf seinen Angriff so gut vorbereitet, daß sie ihm (28. April) zwey von seinen Schiffen nahmen, und ihn, mit dem dritten, zu einer schnellen Flucht nothigren. Durch dieses Unglück wurde jedoch Miranda so wenig erschüttert, daß er vielmehr, drcy Monathe hernach (am 1. Aug.) einen neuen Versuch wagte. Er landete auf der Küste der Provinz Venezuela mit einem gemischten Hau? fen von 500 Mann, forderte die Einwohner von Carracas durch eine Proclamatiow auf, die Waffen zu ergreifen, und das spanische Joch abzuschütteln. Allein seine Anf- fordrung fand bcy den gar nicht unternehmenden Einwohnern wenig Eingang, und der spanische Oberbefehlshaber, der sich anfangs zurückgezogen hatte, kehrte (11. Aug.) mit einer so verstärkten Macht zurück, daß Miranda, an die Küste zurückgetrieben, sich wieder einschiffen mußte. Die 126 Die Engländer, die den Miranda unter? stützt hatten, waren in der Ausführung ihres Planes, sich der spanischen Besitzungen am Platasirom zu bemächtigen, eben so wenig glücklich," Eine Flotte, die unter dem Admiral Popham (2, Ma») von St, Helena abgicng, seegeltc nach der Mündung des Pla- tastromes, wo die beudcn wichtigen Städte Buenos-Ayres und Monte - Video einander gegenüber liegen. Es befand sich auf dieser Flotte eine Abtheilung von Landtruppcn, über welche der General Beresford den Oberbefehl führte. Dieser that das spanische Militär, das doch die Ucberlegcnhcit der Ea- vallcrie hatte, so wenig Widerstand, daß (2. Jul.) Buenos-Ayres mit allen seinen Schätzen, von dem Gouverneur Quintana, den Engländern übergeben wurde. Allein das baare Geld, das die Engländer erbeuteten, betrug auf zo Tonnen. Der Kauft manusgcist der Engländer machte nun Buenos-Ayres zum Gegenstände mannigfaltiger Specuiationcn. Die englische Regierung traf Anstalten, die Mannschaft in der neuen Eroberungen verstärken, uud mit allen Kriegs- bcdürfnissen zu versehen. Sie vcrmuthcte mit 127 mit Recht, daß die spanische Regierung alle ihre Kräfte ausbuchen würde, die Englander nicht im Besitze von Buenos,-Anrcs zu lassen, und ihre Vermuthung traf so richtig ein, daß selbst die Eile, mit der sie ihre Rüstungen betrieb, diesen Besitz nicht retten konnte. Pueridan, Mitglied der Stadtre- gicrung von Buenos-Ayres, ein eben so thätiger, nls kluger Mann, wurde in seinem Plane, die Engländer wieder zu entfernen, von dem Obersten Liniers, 'einem gcbohrncn Franzosen, kraftvoll unterstützt. Während daß (12. Aug.) die spanischen Truppen alle Zugänge der Stadt besetzten, befanden sich sämmtliche Einwohner bewaffnet auf den Boden ihrer Häuser, und auf den Dächern der Kirchen, und man brachte auf die Thürme Kanonen, um das Casiell zu beschießen. So begann ein für die Engländer höchst verderblicher Kampf, der den General Bcrcsford zur Wiederciuraumung der Stadt nöthigre. Ein Angriff auf'Monte - vidco gelaizg den vom Cap her verstärkten Engländern auch nicht. Das 128 Das Ende dieses unseligen Krieges her- bcpzuführen, war eine von den Hauptabsichten, die Fox zu erreichen hoffte. Seine so oft und so nachdrücklich geäusserten Aufforderungen, einer Aussöhnung mit Frankreich die Hand zu Klethen, liefen es erwarten, daß er die erste Gelegenheit zu einer Annäherung benutzen würde. Als er daher, nicht lange nach dem Antritte seiner Minisicrstelle, (2o. Febr. 1806) von einer Verschwörung, den Kaiser Napoleon zu Passy zu ermorden, Nachricht bekam, eilre er, dem Minister Talleprand eine Anzeige davon zu nmcbcn. Zugleich äusserte er aber auch den. Wunsch, zwischen Großbritannien und Frankreich einen Frieden zu vermitteln. Unter den in Frankreich kriegsgefangnen vornehmen Engländern befand sich der Lord Parmouth. Durch diesen knüpfte Fox den Faden der Unterhandlungen an. Dieser wurde mit dem Lord Elgin nach England zurückgeschickt, um im Namen Napoleons und TalleyraNds Vergleichsvvrschlage zu thnn. Mit Gegenvorschlägen schickte Fox (19. Zun.) den Lord Marmouth nach Paris zurück , und nicht nicht lange hernach (am 2. Aug.) gieng der Lord Landcrdale, ein Freund von For, als Unterhändler nach Paris. Einer von den Hauptpunkten, die den Gegenstand dieser Unterhandlungen ausmachten, war die Rück- gäbe der deutschen Lander Georgs III, die seinem Herzen immer so Werth gewesen waren. Napoleon erklarte, durch Tallcyrand, seine Bereitwilligkeit, Hannover ohne Ersatz wieder herauszugeben, und wenn er auch Englands Antrag, den Besitzstand anzuerkennen, nicht gelten lassen wollte','so machte er doch Hoffnung, ausser Hannover, Maltha, das Vorgebürge der guten Hoffnung, Pon- dichery, Chandcrnagor, nebst den dazu gehörigen Bezirken, und die Insel Tabago, einzuräumen, und dem Könige von Sieilien von Spanien nicht nur die balearischcn Inseln, sondern auch einen anständigen Jahrgehalt, auszuwirken. Rußland sollte Corfn bekommen; Lauderdale bestand jedoch auf einer völligen Befriedigung Nußlands. Fop wurde bald hernach krank. Seine unregelmäßige Lebensart hatte ihm, verbunden mir den ' überspannten Geistcsanstrengungen, dir Wassersucht zugezogen. So wie seine Kräfte ab- Galletti Weltg. -zr Th. I »ah- izo nahmen, so bekamen die Unterhandlungen einen langsamem, mit größcrn Schwierig! keilen umwundenem Gang. Greenville und Windham, die Collegen von Fox, konnten sich nun für die Unterbrechung der Friedens! Unterhandlungen, die sie so lebhaft wünsch! tcn, immer thatigcr zeigen. Doch Fox hat! te, wenn er auch gesund geblieben wäre,, dem Strome doch nicht entgegen arbeiten können; er hatte, als Minister, von der Nothwcndigkeit, den Krieg mit Frankreich fortzusetzen, sich immer mehr überzeugen müssen. Mit seinem Tode (er starb am iz. Sept. 1806) verschwand aber auch die cnt! entfernteste Hoffnung zum Frieden. Lander! dale reiscte zu Ende dieses Monaths von Paris ab. Daß England aber gar nicht die ernstliche Absicht hatte, die Unterhaus! lungcn mit Frankreich bis zu einem glückli! chen Ende durchzuführen, beweiset schon die Art, wie es den zwischen Frankreich und Nußland geschlossenen Frieden aufnahm. Die Verbindung zwischen Nußland und England war, seit dem preßburger Frieden, nur auf kurze Zeit unterbrochen. Rußlands Große izr Große und Kaufleute wurden durch Handelsvortheile zu sehr nach England hingezogen, als daß diese Verbindung nicht bald hätte wieder aufleben sollen. Rußland nahm, an Englands unversöhnlicher Feindschaft gegen Napoleon, bald wieder Theil. Die unglückliche Schlacht bey Ausierlitz wurde auf die Rechnung Ocstreichs geschoben. Man schrieb, wie gewöhnlich, Napoleons Kriegsglück dem Ungefähr oder der Ucbermacht zu. Dieses Glück, diese Uebermacht konnte einmahl aufhören. Man durfte also nur den Much nicht verlieren. Man wünschte deswegen, daß Preußen nur auf den Kampfplatz treten möchte. Man voth ihm daher die Truppen an, die noch in Schlesien und in Norddeutschland standen, und wenn auch Preus- sen es für den damahligcn Zeitpunkt nicht für rathsam hielt, von diesem Ancrbiethen Gebrauch zu machen, so hatte die Reise, die der Herzog von Braunschwcig um diese Zeit nach Petersburg unternahm, doch gewiß die Befestigung der zwischen Preußen und Rußland geschlossenen Verbindung zur Absicht. Man zweifelte nach der Rückkehr des Herzogs, an dem berliner Hofe, gar nicht mehr I 2 an IZ2 an dem Ausbruche eines neuen Krieges. Der Kaiser von Rußland vergrößerte um diese Zeit seine Landmacht durch 6 Dragoner-, 11 Musketier- und 5 Jägerregimenter. Er befahl, um die für diese Regimenter nöthige Mannschaft herbcpzuschaffen, und die Armee wieder zu ergänzen, von 500 Seelen 4 Ne- cruten auszuheben. - Man führte die französische Taktik, und das Tirailliren, ein. Die russischen Scharfschützen übten sich, nach gemahlten Franzosen zu schießen; die russische Cavallerie übte sich, Franzoscnköpfe von strohernen Rümpfen abzuhauen. Eben daher war es auch mit den Unterhandlungen, die man durch den Staatsrath Oubril in Paris anknüpfen ließ, gewiß kein rechter Ernst, und Rußland spielte eigentlich nur Englands Nolle nach. Oubril hatte die Unterhandlungen mit dem General Clarke kaum einige Wochen lang fortgesetzt, als zum Erstaunen derer, deren Blicke nicht tief eindrangen, (20 Jul.) ein Friedensvertrag zwischen Nußland und Frankreich wirklich abgeschlossen wurde. D?irch diesen wurden folgende Hauptpunkte festgesetzt. Cattäro und 5ZZ und Dalmatien wird an Frankreich zurückgegeben ; auch ziehen sich die russischen Truppen nach den Siebcninseln zurück, wo sie aber bis auf 4000 Mann vermindert werden. Aagusa, die Siebcmnseln, und die Pforte, behalten ihre Unabhängigkeit und ihr Gc- bieth. Die Franzosen ziehen sich, in Zeit von drei) Monathen, aus Deutschland heraus. Die Frieden schliefenden Machte verpflichten sich auch, Preusscn und Schweden auszusöhnen, die Wiederherstellung des Sec- friedens einzuleiten u. s. w. Dieser Friedensschluß war dem englischen Interesse so wenig angemessen, daß man in London mit aller Zuverlässigkeit erwartete, er würde vom Kaiser Alexander nicht ratifi- cirt werden. Man hatte sich nicht geirrt. Der neue Minister der auswärtigen Angelehnten, der Baron von Budberg, machte (15. Aug.) durch eine Circularnote bekannt, daß sein Kaiser den von Oubril geschlossenen Frieden nicht ratisicircn könnte. Einen Hauptgrund, daß Alexander diesen Vergleich nicht genehmigte, gab der indessen bekannt gewordene Rheinbund ab. Dieser IZ4 Dieser Rheinbund wurde acht Tage vor Hubrils Frieden (am 12. Jnl.) unterzeichnet, und am Tage vor dem Abschlüsse desselben (19. Jnl.) von Napoleon ratificirt. Der preßburgcr Friede hatte zu der Trennung eines großen Theiles der bisherigen Mitglieder des deutschen Reiches den Grund gelegt. Die Könige von Bayern und Wirtcmbcrg, und der .Grofihcrzog von Baden (mit dem bescheidenen Charakter des letzter» stand der Königs- titcl zu sehr im Widerspruche) mußten, ihrer Sclbsterhalrung wegen, an den Kaiser von Frankreich sich enger anschließen. Dicß leitete auf die Idee eines deutschen Fürstenbundes, der, von der Verbindung mit dem deutschen Reiche getrennt, den Kaiser von Frankreich als seinen Beschützer anerkennt. Ein solcher Bund wurde, schon.zu Anfang des Jahres, von Napoleon dem Senat vorläufig angekündigt. Die deutschen Fürsten, die ihn mit dem Kaiser von Frankreich schlössen, waren Bayern, Wirtemberg, der Kurerzkanzler, Baden, Berg, Hesscn-Darmstadt, Nassau-Ufingen und Wcilburg, Hohenzollern- Hechingen und Sicgmaringcn; Salm-Salm und Salm - Kyrburg, Isenburg - Virstein, Arcm- IZ5 Aremberg, Lichtcnstcin und der Graf von der Lcyen. Welch ein Unterschied von Macht findet zwischen diesen Gliedern, z. B. zwischen einem König von Bauern, und einem Fürsten von der Leyen, statt? Aber der Fürst von der Leyen ist ein Neffe des würdigen Fürsten Primas. Der Fürst von Isenburg-Birstein, der vorher dem Kaiser von Oestreich und dem Könige von Prcussen gedient hatte, warb jetzt für den Kaiser von Frankreich ein deutsches Regiment. Der Hoheit dieser Mitglieder des Rheinbundes un- warf man andre deutsche Fürsten, die zum Theil, wie Fürstenberg, Dettingen, Hohen- loh, Nassau-Fulda, mehr Land und Unter- thancn, als die Souveraine, hatten. Dieses Schicksal traf sie, weil ihr Gcbicth mit dem Staate ihrer souverainen Nachbarn zusam- menhieng, oder weil sie weniger glücklich, als andre, unterhandelt hatten. So wurde also ein großer Theil des westlichen und südlichen Deutschlands von dem deutschen Reiche abgerissen. Das Gebieth des Rheinbundes enthielt, gleich bey seinem Entstehen, Z841 Quadratmcilen mit 9,880,002 Einwohnern.. Für den ZweF dieses Bundes erklärte man die iz6 die Erhaltung der Ruhe tu Deutschland, welche die bisherige deutsche Verfassung nicht gewähren könnte. Diesem Zwecke widmete jedes Mitglied eine gewisse bewaffnete Mannschaft, die zusammen eine Armee von mehr als 6z,oocz Mann bildete. Der Protcctor versprach den Bund mit 200,000 Mann zu vcrtheidigcn. Die Mitglieder desselben nahmen zum Theil neue Titel an. Der Kur- crzkanzlcr stellt seitdem den Fürst Primas des Rheinbundes vor. Aus Baden, Hessen-Darmstadt uiB Berg wurden Grofihcr- zoge. Nassau - Usingen nennte sich einen Herzog, von der Lcyen einen Fürsten. Alle Mitglieder thcilcn sich in zwcy Cvllegia; das erste bilden die Könige, der Fürst Primas und die Großhcrzogc; das zwcyte die Herzoge und die Fürsten. Am ersten Tage des Augusts zeigte eine Note des Gesandten Bachers der Rcichsversammlnng die Abschließung des Rheinbundes an, und an eben dem Tage machten die-Mitglieder desselben ihren bisherigen Mitsiändcn, so wie dem Reichsobcrhaupte, ihre Absonderung vom deutschen Reiche bekannt. Wie IZ7 Wie erstaunte mancher deutsche Staats- rcchtslchrcr, dessen Scharfsinn eine solche Revolution in der Verfassung des deutschen Reiches nicht gcahnet hatte! Was konnte das bisherige Oberhaupt desselben thun? Sollte es sich, durch den erst gccndigtcn Krieg noch entkräftet, der Gefahr eines neuen Krieges preisgeben, um seine bisherigen Rechte eines deutschen Kaisers zu' behaupten? Hatte es nicht, wie es den Titel eines Kaisers von Oeftreich annahm, eine solche Vcrändrung schon vorausgesehen? Der Kaiser hätte es, (so sagte er in seiner Abdankungs-Urkunde vom 6. Aug.) bep der nun vollendeten lieber- zcugung von der gänzlichen Unmöglichkeit, die Pflichten des kaiserlichen Amtes langer zu erfüllen, seinen Grundsätzen und seiner Würde angemessen gefunden, einer Krone zu entsagen, die nur so lange für ihn einen Werth gehabt hätte, als er durch das ihm bezeugte Vertrauen der Ncichsstände im Stande gewesen wäre, den übernommenen Obliegenheiten Gnüge zu leisten. Diese Erklärung wurde ( 12. Aug.) den Ncichstagsgcsandtcn, durch den öflreichischcn Minister, in ihre Wohnung geschickt. So erfuhr das deutsche Reich, i?8 Reich, nachdem es, seit Ludwig dem Deutschen, 95Z Jahre gedauert Hütte, seine Auflösung ! Aus dem, was nicht zum Rheinbünde gehörte, wurden nun Thcilc andrer Monarchien; Thcilc des Kaiscrthums Oestrich, der Königreiche Prcussen, Danemark und Schweden. Der Kurfürst und die Herzöge von Sachsen, so wie der Kurfürst von Hessen, die Herzoge von Mcklcnburg, der Herzog von Oldenburg n. a. m. erwarteten eine nähere Bestimmung ihres politischen Verhältnisses von der Zukunft, die sich bald genug einstellte. Prcusscns Krieg mit Frankreich entschied auch das Schicksal des noch übrigen Dcutschlandes. Drit- iz9 Dritter Abschnitt. Friedrich Wildclm Nl besitzt, einem mit Frankreich geschlossenen Vergleiche zufolge, Hannover. Er laßt sich allmahlig zum Kriege mit Frankreich umstimmen. Treffen bcy Saalfeld. Schlacht bcy Jena. Die preussische Reservearmee wird bey Halle geschlagen. Napoleon zieht in Verlin ein. Daö hvhenlohische Corps ergiebt sich de» Prcnzlow. Blücher muß bcy Lübeck in die Gefangenschaft einwilligen. Eine preussische Festung nach der andern capitulirt. Der Kurfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig verlieren ihr Land. Friedrich Wilhelm verwirft den geschlossenen Waffenstillstand. Die Vereinigten erobern Schlesien. treusten hatte von seinem System, ohne Thcilnahme am Kriege, die sich ihm darl biethcndcn günstigen Umstände zu benutzen, manchen scheinbar beträchtlichen Vortheil gezogen. 410 zogen. Jetzt glaubte es den Zeitpunkt er- lebt zu haben, das schöne Kuefürstenthum Hannover mit seiner Monarchie zu vereinigen. Die fremden Truppen, nemlich die Nüssen und Engländer, hatten sich daher kaum aus Norddeutschland entfernt, als (am 27. Jan. 1806) der Graf von Schulenburg- Kchnert, mit der zur Besetzung'des hannö- vrischcn Landes bestimmten Abtheilung von 2Z Batallionen, 25 Eseadronen und 5 Batterien, wirklich einrückte. Der König von Prcusscn hatte (dieß sagte das zugleich aus- gctheilte Patent) mit dem Kaiser Napoleon die Verabredung getroffen, das Kurfürstenthum Hannover, bis zum Abschlüsse eines allgemeinen Friedens, in seinen Schutz, und seine Verwaltung, zu nehmen. Vergebens widersprach (z. Febr.) im Nahmen des Königs von Großbritannien, der Graf von Münstsr, dieser Besitzergreifung. Bald hernach fieng eine Administrationseömmission zu Hannover ihre Sitzungen an. An eben diesem Tage (am 15. Febr.) unterzeichnete der Graf von Haugwitz zu Paris den Vertrag, durch welchen dem Könige von Preussen, für die Abtretung von Neufchatel, Anspach, Cleve 74» Cleve und Wesel, der Civilbesitz der hanuö- Vreschen Länder überlassen wurde. Diese Besitznahme kündigte Prcussen (l. April) durch ein besondres Patent an, und acht Tage hernach wurde das hannövrische Staatsmi- nisrcrium aufgehoben. Gegen diese Anmaßungen, die man durch Frankreichs Erobc- rungsrccht zu rechtfertigen suchte, legte der hannövrische Gesandte zu Verlin, der Herr von Ompteda, einen feyerlichcn Widerspruch ein. Er fügte die Erklärung hinzu, daß weder sein König, noch ein Prinz des Hauses, jcmahls in eine Abtretung des hannö- vrischen Landes willigen würde. Eben dieses erklärte man auch zu London gegen den preussischcn Gesandten. Der König von Preußen reihte aber den Unwillen des -Hofes zu St. James noch ^starker, als er, auf Verlangen des französischen Kaisers, den Engländern auch seine Häfen sperrte. Georg III äusserte seinen Unwillen in einer Declara- ration, worinn er'den König von Prcussen, dessen Betragen er hinterlistig nennte, für die Zukunft -einer Stelle unter den europäischen Mächten für unwerth erklärte, worinn er sein Betragen dem Einflüsse der Feinde Eng- 142 Englands in seinem Ministerium (man schob in London alle Schuld aufHaugwitz) zuschrieb. Dieser Deklaration folgte sogleich der Befehl, die prcussischcn Hafen an der Ems, Weser, Elbe, Travc, einzuschließen. Viele hundert prcussische Schiffe wurden jetzt eine leichte Beute der englischen Capercp, von welcher selbst die Prinzcnvom englischen Königshause Vorthcil zogen. Der König von Schweden, Englands Bundesgenosse, und Napoleons 'geschworner Feind, halfdic ansehnlichsten prcussischcn Häfen in der Ostsee blokircn. Preus- sen schien, politischer Verhältnisse wegen, auf die Feindschaft Schwedens nicht zu achten, oder es übte wenigstens kein Vergcl- tungsrecht ans. Desto mehr erschütterte den König Friedrich Wilhelm die durch londoner Briefe nach Berlin gekommene Nachricht, dast» Napoleon die Herausgabe des Kurfürstenthums Hannover, als die Grundlage seiner Unterhandlungen mir Großbritannien, anerkannt hätte. Diese machte ein Antrag Napoleons, Hannover allenfalls gegen eine andre Entschädigung zu vertauschen, wahrscheinlich. Den Eindruck, den diese Nachricht, und dieser Antrag, auf den König machte, benutzte die I4Z die dem englischen Interesse ergebene Pärchen seines Hofes, ihn zu dem Entschlüsse, mit Napoleon Krieg zu führen, zu bestimmen ; zu dem Entschlüsse, der seine Monarchie um die Halste verringerte, der che dem fast gänzlichen Verderben preisgab. Friedrich Wilhelm III zeigte in seiner bisherigen Regierung einen entschiedenen Eifer, das Glück seiner Unterthanen zu befördern, und sowohl die Macht als das Anschn seines Staates zu vergrößern. Durch weise Sparsamkeit, und sorgfaltigere Staatswirthschaft, hatte er die vom Vater geerbten 28 Millionen Thaler Schulden bezahlt, und zur Sammlung eines neuen Schatzes den Grund gelegt. Der Handel seiner Unterthanen blü- hete; die Zahl der urbar gemachten Aeckec vermehrte sich; der Kunstfleiß wurde wenigstens nicht gehemmt, und war die Nation nicht reich, so wurde sie dvch^.auch nicht übermäßig gedrückt. Zu Ansehung der Gei- stescultur machte der prcussische allen übrigen Staaten von Europa den Rang streitig. Eine so edle Dcnkfrepheit herrschte in keinem andern Lande; in keinem andern Lande gab - 144 gab es verhältnismäßig fo viele gute Uu- terrichtsaitstalten. Die Gcrcchtigkeitspflege wurde (wenige Fälle ausgenommen) mit strenger Unparthcylichkeit verwaltet. Die preußische Armee war noch nie so groß gewesen. Sie bclief sich auf 240,0010 Mann, und ihre jährliche Unterhaltung verzehrte bcynahe zwey Drittel aller Staatseinkünfte. Aber die Einrichtung dieser zahlreichen Armee war dem Zcitgciste wenig angemessen. Man sah, bcy der Beförderung ihrer Offenere, zu genau auf das Dienstalter. Junge, talentvolle Männer konnten daher nicht geschwinde genug emporgehoben werden, und der größte Thcil der Oberbefehlshaber bestand daher aus alten, zum Theil eben so sehr am Geist als Körper geschwächten Männern/die sich von dem Vor- nrtheile, daß die alten Kriegscinrichtungen den neuer» weit vorzuziehen wären, gar nicht losreißen konnten. Die Officiere waren größtcnthcils, fast neun Zehntel, aus dem Stande der Adlichen genommen; ein auf Friedrichs II Vorurthcil sich gründendes Herkommen. Bürgerliche gelangten nur beu den 145 den leichten Truppen, und bei, der Artillerie, zu Officicrstcllen. Mancher fähige und kennt- uißvollc Vürgerssohn erstieg kaum die Stufe eines Feldwebels oder Sergeanten, wahrend der eben so unwissende als prahlhaftc Junker der Stelle des hochgebietcnden Generals entgegeneilte. Der gemeine Soldat entbehrte ganz der Achtung, die ihm, als der Lohn seines mühseligen Berufes, zukömmt. Man betrachtete ihn gleichsam als eine, durch den Stock in Bewegung zu setzende Maschiene. Die Masse der gemeinen Soldaten bestand auch zu sehr aus einem bunten Gemische von Ausländern, auf deren Treue man sich nicht verlassen konnte, und von Inländern, die zum Theil, wie die Polen, für den preussischcn Soldatcndieust sehr wenig Neigung fühlten. Einem großen Theil von diesen Soldaten fehlte es, des langen Friedens wegen, au ganzlicher Kriegs- crfahrung. Ihre Verpflegung bewies nicht selten die eigennützigen Grundsätze ihrer Hauptleute, die, wahrend sie sich, durch die reichlichen Einkünfte ihrer Compagnie, für die dürftigen Zeiten des Subalternofficiers, zu entschädigen suchten, die Liebe und das Eailetti Weltg. ozr Th. K ' Ver- 146 Vertrauen ihrer Soldaten verscherzten. Diese so unzweckmäßig zusammengesetzte Armee schleppte eine ungeheure Menge von Wagen Und Pferden mit ins Feld. Der Ofstcicr wollte die Bequemlichkeiten, die er in der Garnison genoß, auch im Lager nicht entbehren; er schämte sich, gleich dem französischen Of- ficicre, neben seinem Zuge zu Fuße zu gehen. Die Verpflegung einer so großen Menge von Pferden erforderte aber nicht nur große Vorräche, die wieder neue Wagen und Pferde nöthig machten, sondern trug auch zu den schleichenden Bewegungen der prcussischen Armeen das meiste bey. Die Oberbefehlshaber dieser Armeen waren zum Theil- Männer von großer Erfahrung und Einsicht. Braunschweig, Hohcn- loh, Kalkreuth, Nüchel, Blücher gehörten wenigstens zu den gepricscnstcn Feldherren der neuern Zeit. Aber der Herzog von Braunschwcig, der als Erbprinz im siebenjährigen Kriege manche Gcncralstalente bewies, der aber schon während des FeldzugeS in Frankreich einen Theil seiner Lorbeeren eingebüßt hatte, der besaß in seinem Alter noch 147 Noch zu viel Diensteifer, oder zu viel Eitelkeit, um sich der Thcilnahme an einem Kriege gegen Napoleon zu entziehen. Der achtzigjährige Feldmarschall Möllcndorf hatte doch schon elf Jahre früher (1795) das lebhafte Gefühl der.Uebcrlegenheit der französischen Kriegskunst nicht unterdrücken können, und doch traute er sich noch die Kräfte zu, wider einen Napoleon, auf den Kampfplatz, zu treten. Hohenloh hatte in den Fcldzügen am Rheine, vornehmlich ben Kaiserslautern, allerdings manche Eigenschaften eines guten Feldherren gezeigt; aber seine eigne Mcy- nung von diesen Eigenschaften war vielleicht zu hoch gestimmt, als daß er die Schwierigkeit, sich in einem Kriege gegen Napoleon neue Lorbeeren zu erwerben, hätte lebhaft fühlen sollen. Kalkreuth sehte sich, am Ende dieses Krieges, in dem Rufe eines eben so gemaßigtdenkenden, als vorsichtighandelnden Generals noch fester. Nüchel, eben so sehr auf seine schnelle Erhebung, als auf seine ausgezeichneten Talente stolz, trieb seinen leidenschaftlichen Hafi gegen Napoleon so weit, daß er ihm fast in keinem Punkte Gerechtigkeit widerfahren ließ, daß er, in K 2 seinem l4Ü seinem Wahne, wohl gar den Gedanken äusserte, ihn, von dem so mancher gepriesene Feldherr, so manches große Heer besiegt worden war, an der Spitze von 50,000 Mann über den Rhein z» jagen. Diese pralhafte Stimmung verbreitete sich, von seinen nahen Umgebungen zur Schwärmerei) erhoben, auch unter die übrigen Officicrc, die sich nicht, wenig darüber freuten, wenn selbst die gemeinen Soldaten in ihren renommistischen Ton mit einstimmten. Diesen Ton unterhielt vornehmlich der Prinz Louis Ferdinand, der, bcy seinen ausserordentlichen Gcistcnkraften (er verband mit seinen militärischen Einsichten auch viele wissenschaftliche, und besonders viele musikalische Kenntnisse) in seinen Planen und Wünschen die Schranken der Mäßigung überstieg. Blücher, ein guter Cavallericgeneral, gab auch in diesem Kriege schöne Beweise von Much und Entschlossenheit. Massenbach hat, als Gencralguartiermeistcr des Fürsten von Ho- hcnloh, an den Unternehmungen und Handlungen desselben einen wichtigen Anthcil. Ihm verdankt man schätzbare Bcytrage zur Aufklärung dieses verhangnißvollcn Krieges; wenn aus 149 aus ihnen das Bestreben, sein Benehmen in jedem Punkte zu rechtfertigen, und seine Nachschlage als die zweckmäßigsten darzustellen, nur nicht gar zu anffallcnd hervor leuchtete! Dieß waren die Manner, mit welchen Friedrich Wilhelm III die Oberanführung seiner großen Armee theiltc. Seinen Eins sichten zu wenig trauend, und zwischen entgegengesetzten Mcynungen die Entscheidung nur mit Mühe findend, folgt er meistens nur fremden Rath. Daher war er auch zu wenig im Stande, das Spiel der verschiedenen Parthepcn in den Schranken zu halten. Einen sehr wichtigen Einfluß auf seine Entschließungen hatte der Rath des Herzogs von Braunschweig, für welchen er eine tiefe Achtung, eine gleichsam kindliche Ehrfurcht, hegte. Sein Vertrauter, vornehmlich in Sachen, die sich auf das Kriegswesen beziehen, war Köckeritz, ein redlicher, aber bis zu großen Ideen zu wenig sich erhebender, und das Mittelmäßige zu sehr schützender Mann. Nächst ihm waren die Cabinetsrathe Beyme und Lombard diejenigen, deren Redlichkeit und Einsichten Friedrich Wilhelm am meisten traute. Haugwitz und Lombard waren die 1)0 die Häupter der dem französischen Interesse ergebenen Parthcy, der Louis Ferdinand und Hardenbergs Freunde standhaft entgegen arbeiteten. Der Prinz fuhr in seinen Bemühungen, den festen Friedenssinn des Königs zu erschüttern, mit zudringlicher Beharrlichkeit fort, und als ihm der König besungen seinen Unwillen äusserte, stellte sich der Prinz an die Spitze der Ehrsüchtigen, die das Publicum recht geflissentlich für den Krieg stimmten, die ihre wüthcnde Stimmung in Mo- naths- und Tagesblättcr ausgössen. Diese murrten und tobten besonders zu der Zeit, als Friedrich Wilhelm, nach der Schlacht bey Austerlitz, von seinem Entschlüsse, an dem Kampfe gegen Napoleon Theil zu nehmen, wieder abgicng; als Haugwitz durch den wiener Vergleich alle Aussichten zum Ausbruche der Feindseligkeiten hemmte. Man scheute sich zu Berlin nicht, das Benehmen des Grafen von Haugwitz laut zu tadeln, und ihn wohl gar eines vcrrätherischen Eigennutzes zu beschuldigen. Selbst der König wies den von ihm geschlossenen Vergleich anfangs mit Unwillen zurück, und es gelang dem Urheber desselben nur erst allmählig, sich und die die Prüfung dieses Vergleiches vor den König zu bringen. Dieser mußte sich nun auch (200,000 Franzosen blieben in Deuschland zurück) zur Abtretung seiner Länder entschließen, Und er hatte dabep das krankende Gefühl, daß sie die Franzosen, noch vor der Ratification des pariser Vertrages, besetzten. ' Seinen Unmuth vergrößerte noch der große Verlust, den die englische Hafenspcr- rung und Caperey dem Handel seiner Unter- thancn zufügte. Friedrich Wilhelms Frie- denssinn wankte jetzt von neuem. Hardenbergs Einfluß wirkte wieder mächtiger, als jemahls. Zhm riefen die in Champagner berauschten Gcndarmeofficicrc ein lautes Vi- vat, währcnh sie dem Grafen von Haugwitz die Fenster einwarfen. Friedrich Wilhelm, den schon der Großsürst Constantin mit feindseligen Gesinnungen gegen den Beherrscher Frankreichs erfüllt hatte, den Louis Ferdinand , den seine Gemahlin mit Aufforderungen, die sein Ehrgefühl reihten, unaufhörlich bestürmten, der den Herzog von Braun- schwcig nach Petersburg schickte, um eine nähere 152 nähere Verbindung mit dem Kaiser Ale,ran« der zu verabreden, der war schon im Iu- nius fest entschlossen, den Kampf mit Napoleon muthig zu bestehen, oder sich dnrch eine drohende Stellung gegen denselben in eine frcyere und vortheilhastere Lage zu versetzen. Seinen Entschluß befestigte nicht nur die yermcpnte Gefahr, Hannover zu verlieren, sondern auch der Gedanke, daß durch den Rheinbund, den er nicht eher, als nach der Abschlicfiung erfuhr, ein großer Thcil von Deutschland in die Abhängigkeit von dem französischen Kaiser gerietst, und die Macht desselben beträchtlich vergrößern half. Seinen Unwillen über diesen Bund verstärkte fein Schwager, der Fürst von Fulda, der dem chcmahligen Grafen von der Leven nachstehen sollte. Diesen Unwillen besänftigte nur der Gedanke, daß Prcusscn mit den nordischen Rcichsfürstcn, die nicht zu den Mitgliedern des Rheinbundes gehörten, einen nordischen Bund schließen könnte. Zur Ausführung dieses Gedankens spann man mit Sachsen und Hessen Unterhandlungen an. Diese Diese Fürsten konnten sich aber nicht sogleich entschließen. Um so inniger wurde, vornehmlich seitdem Alexander Oubrils Friedensvertrag gcmißbilligt hatte, die Verbindung mit Rußland. Auch standen die aus Schlesien endlich abgezogenen russischen Truppen noch an der polnischen Granze. Im Vertrauen auf den russischen Bcy- stand, auf den Bcystand von Sachsen und Hessen, die ihn denselben doch am Ende nicht entziehen konnten, also im Vertrauen auf eine Macht von z - 400,000 Streitern; im Vertrauen auf den alten Kriegsruhm der Preussen, auf die hohen Einsichten seiner Feldherren, wagte es Friedrich Wilhelm, dem Kampfe mit Napoleon muthig entgegen zu gehen. Fast seine ganze Armee wurde in marschfertigen Zustand versetzt. Um die Summen, die dieser ausserordentliche Aufwand verursachte, aufzubringen, mußte man, weil der gesammelte Schatz wieder erschöpft war, zu Anleihen, zu Tresorscheincn, seine Zuflucht nehmen. Dennoch war die Freude, die das berliner Publicum über die ernstlichen Anstalten zum Kriege im Theater, und bep 154 bcy andern Gelegenheiten, äusserte, so laut lind ungestüm, dafi sie dem französischen Gel sandten Laforest zu lebhaften ' Beschwerden die Veranlassung gaben. Friedrich Wilhelm vermochte es nicht , diesen wilden Ausbruch der Kriegsbegeisterung zu mäßigen. Wie täuschend waren nicht die Erwartungen von dem Erfolge dieses Krieges, mit welchen sich die berliner Feuerküpfc schmeichelten! Während dafi sich Friedrich Wilhelm zu dem so gefahrvollen Kampfe rüstete, hörte die so sehr unbedeutende Fehde mit dem Könige von Schweden von selbst auf, so dafi es kaum einer Vermittlung von Rußland bedurfte. Die Schweden besetzten nun das Laucnbürgische von neuem, und wie sehr freute sich Gustav IV nicht, so mächtige Theilnehmcr an seinem Hasse gegen Napoleon zu haben! Den Nachthcil, den er durch diesen Krieg seinem Reiche zuzog, nicht achtend, war er schon entschlossen gewesen, die Feindschaft gegen Napoleon auch allein fortzusetzen, und als Kalkreuth, im Auftrage seines Königes, mit ihm unterhandeln wollte, sagte er ihm geradezu: „marschieren sie gegen I?5 gegen Napoleon, so sind wir ausgesühnt!" War es blos Gefühl des Rechts, das diesen König so zu handeln antrieb? England, der einzige Bundesgenosse Schwedens, both jetzt der Aussöhnung mit Preusscn bereitwillig die Hand. Die prcus- fischen Hafen standen den englischen Schiffen nun wieder offen. Der prcussische Gesandte Jacobi-Klöst, der London noch nicht verlassen hatte, nahm seinen diplomatischen Charakter wieder an. Morbcth eilte, als englischer Bevollmächtigter, nach Deutschland. Der Oberste Krusemark rcisctc geschwinde nach Petersburg, um den Marsch der russischen Truppen zu beschleunigen, und den Operationsplan zu verabreden. Zn den letzten Tagen des Augusts, und in den ersten Tagen des Septembers, zogen die preus- sischcn Regimenter ihren Vcrsammlungspla- tzcn zu, Der Kurfürst von Sachsen konnte der Aufforderung, sich anznschlicficn, nicht ausweichen, und der Kursürst von Hessen, äusserte seine Bereitwilligkeit, an PrcussenS Kampfe gegen Napoleon Thcil zu nehmen, durch l;6 durch die Einberufung der Beurlaubten, durch die Organisirung der Landmilitz. Indessen näherte sich der entscheidende Zeitpunkt immer mehr. Lucchcsini verließ Paris, und Knobelsdorf überbrachte dem Kaiser Napoleon (i. Oct.) einen Antrag seines Königs, der den Krieg unvermeidlich hcrbey führte. Friedrich Wilhelm verlangte von demjenigen, der nicht nur über Frankreich und Italien, sondern auch über Holland, und einen ansehnlichen Theil von Deutschland >. geboth, daß er Deutschland räumen, dem Schlüsse eines nordischen Bundes sich nicht entgegensehen, und Wesel wieder herausgeben sollte. Am 6ten October erwartete man seine bestimmte Antwort im prcussischen Hauptquartiere. So rasch man mit diesem Antrage verfuhr, so wenig rasch gieng man an die Ausführung. Schnell waren (s. az. Aug.) die preußischen Regimenter aus ihren Standquartieren ausgerückt, und nach drei Wochen (14—18. Sept.) gieng die schlesische Armee schon über die Elbe. Jetzt bekam die Ve- we- 157 wegung der Preußen aber einen langsamen Gang. Während daß man die Untcrhand- lungen zn Paris noch fruchtlos fortsetzte, versäumte man den besten Zeitpunkt, gegen die in Franken zerstreut stehenden französi- sehen Abteilungen entschlossen anzurücken, und auf diese Art einen glücklichen Anfang der Unternehmungen zu machen. Frcylich traten hier noch einige Verhältnisse ein', deren Erörterung dem Anfange des Feldzu- ges vorhergehen zu müssen schien. Der Kurfürst von Sachsen wollte seine Truppen nicht eher marchiren lassen, als wenn die preußische Armee sich in einer Stellung be- fände, in der sie sein Land decken könnte. Der Kurfürst von Hessen wünschte, seiner Rüstungen ungeachtet, neutral zu bleiben. Er reisete deswegen selbst (z. Okt.) in das königliche Hauptquartier nach Naumburg, und der König billigte endlich sein Verfahren. Dadurch erfuhr aber der preußische Opcrationsplan eine wichtige Abänderung. Nüchel, der, in Verbindung mit den Hessen, die Flanke der Franzosen bedrohen sollte, durfte sich nun nicht mehr nach dem Fuldaischen hinwenden. Der -53 Der Plan, den der Herzog von BraUn- schweig, als Oberfeldherr der preußischen Armee, entwarf, gründete sich auf die Voraussetzung, daß Napoleon, der, wie Lurche- fini behauptete, aus Politik den Vorwurf des Angriffes zu vermeiden suchte, an dem linken Ufer der Saale sich aufstellen würde. Aber die andern Feldhcrrn stimmten nicht mit ihm überein. Der Fürst von Hohcn- loh, und sein Genernlquarticrmeister, Mast seubach, bestanden darauf, daß der linke Flügel der Armee, über Hof, in das südliche Franken, vordringen müsse. Diesen Vorschlag suchte Massenbach, in dem Kriegs^ rath, der (5. 6. Ott.) zu Erfurt gehalten wurde, mit den einleuchtendsten Gründen durchzusetzen. Allein der alte Oberfeldhcrr schmiegte sich an diesen Vorschlag so wenig an, daß er den Urheber desselben vielmehr etwas unsanft zurückwies. Der König selbst wollte nicht entscheiden. So wurde kein fester Plan verabredet, und so zeigte sich schon hier der Einfluß des Mistrauens, der launigen oder absichtlichen Nichtübereinstimmung, sehr auffallend. Während daß die Oberbefehlshaber nicht recht wußten, was sie 159 sie thun sollten, litten ihre, Soldaten, wegen der in ihrer Verpflegung herrschenden Unord- nung, einen so fühlbaren Mangel, daß sich die Armee schon nach wenigen Tagen (7. Oct.) in einer schlimmen Lage befand. Jetzt wurde man überzeugt, wie sehr sich Lucchesini in seiner Vermuthung wegen Napoleons Operationsplan getauscht hatte. Napoleon hatte, schon zu Anfang des Septembers, die Mitglieder des Rheinbundes, theils selbst, theils durch den Fürsien Primas, aufgefordert, ihre CoNtingcnte in marschfertigen Zustand zu setzen. Er selbst versprach Zoc>,ooo Mann zu stellen. Auf die Nachricht, daß die Preußen (12. Sept.) in Sachsen eingerückt wären, setzten sich die französischen Truppen und ihre Bundesgenossen, sogleich in Bewegung. Die französische Garde eilte von Paris auf Wagen hcrbey. Um eben diese Zeit schloß sich der Großherzog von Wirzburg an die Mitglieder des Rheinbundes an. Napoleons Gegenwart flößte einigen von denselben, die in ihren Gesinnungen noch zweifelhaft gewesen waren, eine festere Anhänglichkeit ein. Zu diesen i6c? diesen gehörte der Großherzog von Hessen- Darmstadt, ein alter Anhänger des prcussi- sehen Hauses, der sich in einer Unterredung mit Napoleon zu Maynz crsr völlig entschied. Am 6. Oet. erfolgte Napoleons Aufrufan seine Soldaten, der in ihnen Gefühle der gekränkten Ehrlicbc rege machen sollte; am 7ten machte Napoleon die Ursachen, die ihn zum Kriege veranlagten, dem Senat bekannt. Napoleons Bewegungen waren, wie immer, rasch und durchgreifend. Am 8ten Oct. setzte sich die französische Armee in drey Abthcilungcn in Marsch. Der rechte Flügel unter Soulr und Ney, an welche sich eine von den Heyden bayrischen Divisionen anschloß, gicng von Nürnberg und Bamberg nach Hof; das Centrum, das aus der Reserve von Murat, aus dem Armeecorps von . Pontecorvo und Davoust, und aus der kaiserlichen Garde bestand, rückte über Kronach nach Gera vor. Der linke Flügel unter Augercau wendete sich über Schweinfurt und Koburg nach Saatfeld. Zu- i6r Indessen schwankte das preussisch - sächsische 120,000 starke Heer, längs dem bay- rcnthischcn Vcigtland bis an das Wcrrathal hinter Eiscnach, hin und her. Sein Oberbefehlshaber, der Herzog von Braunschwcig, verlor, als er seine Vcrmuthung wegen des Na- polconischen Planes getauscht sah, alle Gleich- müthigkeit. Mißmuthig, mißtrauisch,'und fast bis zur Verzweiflung abgespannt, änderte er seinen Plan wieder ab. .Nichts krankte ihn mehr, als seine Hoffnung, einen Hauptstrcich auszuführen, vereitelt zu sehen. Ehe er sich recht besinnen konnte, wurden die Prcussen von den Franzosen angegriffen. Murat setzte (8. Oct.) in der Nähe von Saalburg über die Saale. Da man seinen Ucbcrgang hier nicht vcrmuthet hatte, war der Widerstand, den ihm die Preussen entgegensetzten, nur sehr unbedeutend. Nun sah sich aber der General Tau- enzicn, der mit 6000 Prcussen und zoao Sachsen bey Schlcitz stand, umgangen. Erwürbe am folgenden Tag (9. Oct.) von Murat und Pontccorvo angegriffen. Napoleon war selbst gegenwärtig. Taucnzicn schlug sich, der französischen Uebcrmacht un- Gälletti Wcltg. 2zr Th. L ge- 162 geachtet, mit seinen Leuten durch. Das sächsische Dragoncrrcgiment Prinz Johann zeichnete sich bey dieser Gelegenheit sehr rühmlich aus. Bey Saalfeld siaud die 8c>oo Mann starke Avantgarde des Fürsten von Hohenlohe, über welche Louis Ferdinand den Oberbefehl führte. Der Prinz hatte von dem Herzog von Braunschwcig, und dem Fürsten von Hohenlohe, den ausdrücklichen Befehl, steh in kein ernstliches Gefecht einzulassen; aber der rasche Prinz konnte der Begierde, an den Franzosen zum Helden zu werden, nicht widerstehen. Er schrieb dem französischen Angriff auf Saalfeld blos die Absicht der Täuschung zu; auch wollte er die Magazine in Rudolstadt und Saalfcld nicht Preist geben. Und nun rückte er gegen die Franzosen vor, ohne seinem Oberbefehlshaber, dem Fürsten von Hohenlohe, davon Nachricht zu geben, weil ek' dessen Widerspruch befürchtete. Erst wie das Gefecht recht lebhaft geworden war, meldete er dem Herzog von Braunschwcig und dem Fürsten von Hohcnloh, dast er von zo,ooo Franzosen angegriffen wäre, und nun machte er, mit vieler Besonnenheit, zum ^ 16z zum Rückzüge ?lnstalten. Um die Wegschaffung der Artillerie zu beschleunigen, sprengte er selbst durch Saatfeld. Da hielt er sich aber bcy einer Kanone, deren Are gebrochen war, so lange auf, daß eine französische Colonne herbei) kam. Jeht ließ der Prinz die prcussische und sächsische Husaren vorrücken. Diese kamen jedoch nur in ein? zclncn Schwadronen, die von den überlegenem Franzosen bald zurückgeworfen wurden. Unter den Truppen des Prinzen verbreitete sich nun Unordnung nnd Flucht. Der Prinz gerieth in Verzweiflung. Er hielt sich mit Zurufen, Bitten, Drohen so lange auf, bis er auf allen Seiten von französischen Husaren umringt war. Ein Pistolenschuß tödtete ihn. Nach französischen Nachrichten wurde er von einem Wachmcistcr des loten Husa- reuregiments, dem er sich nicht ergeben wollte, des Lebens beraubt. So fiel, als eins der ersten Opfer dieses Krieges, derjenige, der an dem Ausbruche desselben einen so vorzüglichen Anthcil hatte! Sachsen befand sich nun in Napoleons Gewalt. Weder Dresden noch Berlin war L 2 ge- 164 gedeckt. Napoleon erließ (rc>. Ott.) einen Aufruf ein die Sachsen, sich von der ihnen aufgedrungnen Verbindung init Prcusscn wies der loszumachen; er würde, setzte er hinzu, ihren Beschützer abgeben, und ihre Unabhängigkeit sichern. Zwey Tage hernach (12. Oer.) hatten alle französischen Hauptabtheis lungen ihre Bewegungen so gut vollzogen, daß die prenffisch's sächsische Armee, auf dem linken Flügel umgangen, mit einer Halbs schwenkung ihren Rücken dem Rhein zukchs rcn mußte, während daß die Franzosen sie schon von der Elbe trennten. Die französ sische Armee bildete damahls zwen Linien. Die erste dehnte sich an der Saale aus. Auf dem rechten Flügel derselben befand sich Davoust, der, zwischen den 12 s und izten Octobcr, Naumburg, nebst den herrlichen Vorräthen von Kriegs- und Lebensbedürfnissen, in seine Gewalt brachte. Das Mittel- trcffcn, unter Launes, stand hinter Jena; der linke Flügel, unter Augereau, war schon bis Kahla vorgedrungen. Die zweyte französische Linie zog sich zum Theil an der Elster hin. Murat, der mit dem rechten Flügel über Zeitz hinausgicng, schickte seine Streif- 165 Strcifparthcnen schon bis nach Leipzig. In Zeitz selbst befand sich Pontecorvo. Im Mit? telpunkt, zu Gera, war das Corps von Sonst, nebst dem kaiserlichen Hauptquartiere. Ney , stand zu Neustadt an der Orla; Zerome befand sich mit den Bayern, und andern Deutschen, bey Schleitz. " Napoleon war jetzt Herr des Fcldzuges. Seine Franzosen lebten, wegen der in Naumburg, Hof, Schleitz, eroberten Magazine, im Uebcrflusse, wahrend die Preusscn und Sachsen kaum ihren Hunger stillten. Am 9ten Octobcr forderte Friedrich Wilhelm seine Armee zum Kriege gegen Napoleon auf; sein Aufruf kam jedoch kaum dem zehnten Theile seiner Soldaten zu Gesicht. Eine längere Schrift, worin er die Ursachen, die ihn zu diesem Kriege veranlaßten, entwickelte, hatte den bekannten Gcnz zum Verfasser; sie mißfiel jedoch dem französischen Kaiser schon wegen ihres deductionsmaßigen Zuschnittes. Was bedarf es auch da, wo Tha- ten entscheiden sollen, vieler Worte? l66 ' Napoleon, der den Verdacht, gegen das Glück der Menschen gleichgültig z» seyn, von sich entfernen wollte, forderte, noch am 12. Oct., den König von Prcusten zu einer friedlichen Erörterung der unter ihnen obwaltenden Streitigkeiten auf. Sein Schreiben überbrachte (ig. Oct. 4 Uhr Nachmittags) der Ordonanzossicicr Montesquiou in das Hohenlohische Hauptquartier. Diesem Schreiben waren noch Briefe von Bcncvent und Neufchatel an den Grafen von Haugwitz, und den Gencralquarticrmeister der prcussi- schcn Armee, zugesellt. Der letztere, den Hohenlohe erbrach, enthielt Vorschläge zur guten Behandlung der Gefangenen. Montesquiou bath sehr dringend, ihn, oder wenigstens sein Schreiben, in das königliche Hauptquartier zu befördern. Den Wunsch für seine Person schlug man ihm ab, weil man ihn nicht mit der Stellung der Prcusscn bekannt machen wollte; die Briefe besorgte man durch Dothen, und den Ueberbringcr behielt man einstweilen zurück. Friedrich Wilhelm erhielt Napoleons Schreiben, als es für die Wirkung, die es hervorbringen sollte, schon zu spät war. Wenn er es aber auch früher bekam. 167 bekam, so hatte es der König, durch die allgemeine Stimmung mit fortgerissen, nicht mehr in seiner Gewalt, auf den Inhalt desselben Rücksicht zu nehmen. Napoleon traf, wahrend sein Schreiben an den König abgicng, (am iz.) alle zu einer Schlacht uöthigen Anstalten. Er selbst erforschte, von einem Hügel bcy Jena, die prcussische Stellung, die ihn auf einen Sieg mit aller Sicherheit rechnen ließ. Während der Nacht ließ er, durch die felsigen Anhöhen des Rauhthalcs bcy Jena, für sein Geschütz einen Weg bahnen. Auf der Ebene dieser Höhen übernachtete Napoleon, von dem Corps des Marschall Lanncs, und von seiner Fufigarde, umringt. Soult und Ney marschirten indessen die ganze Nacht durch, um die Prcussen noch mehr zu umgehen. Diesen fehlte es, von ihren Magazinen getrennt, nicht nur an Vrod und Fütterung, sondern auch an Munition. Auf den Bericht von diesem Zustande verfärbte sich der König; seine Lippe zitterte, und eine Thra- ne trat ihm ins Auge. Der Herzog von Vraunschwcig sank ermattet in den Lchn- stuhl i68 smhl. Indessen schickte er dem Fürsten von Hohenlohe, ^durch den Obersten Maisenbach, den Befehl zu, sich durchaus in kein ernstliches Gefecht einzulassen. Aber schon Herrschte bey der preussischen Armee Unordnung und Trennung. Das Ho- hcnlohischc Corps war von der Hanptarmse abgesondert, und Nüchel war z Stunden weit entfernt. Der Kampf Hellte sich daher (14. Qct.) auch in zwei) Schlachten, die bcu Auersiadt und Vierz'ehnheiligcn geliefert' wurden, die in Zeit von 4 Stunden auf einander folgten. Die Preussen, die schon die Anhöhen bey Jena vernachlässigten, hatten auch die engen Wege bey Kösen nicht besetzt. Ihre Armee war, am vorhergehenden Tage, aus dem Lager bey Weimar, in Einer großen Colonne, nach Auersiadt vorgerückt. Der Herzog wollte sich über die Nnstrnth ziehen, um mit der Reservearmee des Prinzen Eugens von Wirtembcrg, die nach der Gegend von Halle marschirtc, sich in Verbindung zu setzen. Als er nun die Hohlwege bey Kösen schon von den Franzosen besetzt fand, wollte er sich den Weg nach 169 nach Naumburg mit Gewalt öffnen. Kaum hatte jedoch die Armee sich von Auerstädt aus in Bewegung gesetzt, als sie schon auf das Corps von Davoust stieß. Der Herzog wollte, das durch einen dicken Nebel vcr- hüllte volle Tageslicht erwartend, seine Armee erst in Schlachtordnung stellen; seine Meynung fand aber nicht den Bepfall derer, die zunächst den König umgaben. Die Franzosen, die sich zeigten, waren (sagten sie) nur einzelne Chasseurs. Blücher rückte gegen diese mit 25 Schwadronen, und 1 reitenden Batterie, an; aber bald sah er seit nc Cavallerie durch eine ganze Lage von einer französischen Batterie zurückgeworfen. Auf Möllcndorfs Rath gieng hierauf, bey fortwährendem Nebel, die Infanterie vor- tvärts. Der Kampf war abwechselnd. Doch schon herrschte bei) den Preussen, gegen einen gleichsam unsichtbaren Feind und seine Kanonen, wenig Zusammenhang. Die französischen Tirallcurs, die sich besonders die durch ihren Ringkragcn und ihre Schärpe ausgezeichneten Officjere zum Ziele wählten, richteten unter den Preussen großen Schaden an. Schon war der brave General Schmitt- Schmettau tödtlich verwundet, als der Herzog, ein Grcnadierbatallion gegen das Dorf Hasscnhausen vorführend, von einer Musketenkugel seiner Augen beraubt wurde. An des Herzogs Stelle übernahm nun der 8zjahrigc Möllcndorf den Oberbefehl. Der Nebel war iudesscn verschwunden; aber Möllcndorf setzte, mit dem Plane des Herzogs unbekannt, den Kampf nur in der Absiebt fort, um ihn nicht zu früh zu endigen. Die einzelnen preussischcn Batallionc bewiesen eine große Tapferkeit. Aber jeder Befehlshaber that, was ihm das Beste dünkte. Keiner wurde von dem andern unterstützt. Ein entschlossener Cavallcrieangriff des Prinzen Wilhelm von Preussen scheiterte an der Sündhaftigkeit der französischen Batallione. Die Pferde waren nur z» sehr an die Bewegungen des Excrcierplatzcs gewöhnt. So gewannen 70,000 Preussen den Zo,ooO Soldaten des Marschalls Davoust nicht den geringsten dauernden Vorthcil ab. Die Preussen, die sich endlich völlig überzeugten, daß sie zwecklos aufgeopfert wurden, ließen Much und Arme sinken. Den Rückzug der Preussen lyi seit hemmte das von den Franzosen angezündete Städtchen Auerstedt. Der Weg nach Weimar war schon von Pontccorvo's Ab- thcilung gesperrt. Es blieb also nur noch der nordwestliche Weg über Sömmerda, Sondcrshansen, Nordhausen, offen. Von der Elbe und Oder getrennt, hatten nun die Prcusscn keine Oertcr, die ihnen zum Sammelplatz dienen konnten. Jetzt zerstreuten sich zuerst die Auslander, die sich unter ihnen befanden. Die einbrechende Finsternis; begünstigte das Ausreisten. Die Fliehenden entledigten sich der Gewehre, der Rüstungen. Bald fanden sich jedoch Wege, Brücken, Dörfer, durch Packwagen versperrt. Nun trieb man sich im Kreise umher, und die Verwirrung wurde immer schrecklicher und vcrzwciflungsvoller. So endigte sich die Schlacht bey Auer- stadt. Indessen kämpfte Hohenlohe, bey Vierzchnheiligen, gegen die französische Hauptarmcc. Das Verhältnis; der Streiter war hier umgekehrt. Der Fürst hatte in der vorhergehenden Nacht von dem Herzog den Befehl bekommen, sich nicht ab- schnei- schneiden zu lassen. Er wollte deswegen links abmarschieren/ als ihn, während des Ankleidcns, der Kanonendonner aufmerksam 'Machte. In der Meynung, daß die Abthci? lung des Generals von Taucnzicn, der mit dem General von Holzcndorf den Vorposten bildete, von den Franzosen zurückgedrängt würde, ließ er, jedoch nicht sehr geschwinde, seine Armee vorrücken. Er glaubte nur den linken Flügel der Franzosen vor sich zu ha? bcn. Aber schon das Aufmarschieren seiner Batallione fand große Hindernisse. Holzen? dorf erfuhr entweder den Befehl, in die rechte Flanke der Franzosen vorzurücken, gar nicht, oder der Drang der Umstände hinder? te ihn an der Vollziehung desselben. Nüchel, den Hohenlohe, durch einen Adjutanten nach dem andern, auffordern ließ, die rechts .Flanke der Franzosen anzugreifen, kam nicht. Dennoch schien sich der Sieg für den Für? sten von Hohenlohe zu erklären. Die fran? zösische Linie begann bereits zu schwanken. Aber um i Uhr Nachmittags wurden die Franzosen durch 2 Divisionen des Marschalls Ney verstärkt. Die eine derselben bestürmte die Flanke, die audcre den Rücken der Prcus? i7Z Preussen. Ihre leichte Artillerie brachte eil ne schreckliche Wirkung hervor. Jetzt half es nichts, daß Hohenlohe das Dorf Vicr- zchnheiligen anzünden ließ. Die Bewcgun- gen der Prenssen stockten; ihre Munition hörte auf; ihr Muth erschlaffte. Erst als die Infanterie sich in einen unförmlichen Knaul zusammendrängte, als viele Schwal dronen schon gesprengt waren, als die Frans zosen, wahrend sie die Prcussen von vorne drängten, den linken Flügel derselben um- giengen, erschien Nüchel mit 8 — 10,000" Mann frischen Truppen. Hohenlohe trug ihm auf, seinen Rückzug zu decken; aber Nüchel, der die Schlacht entscheiden, der sich mit dem Ruhme, sie gewonnen zu hal bcn, krönen wollte, ließ sich weder durch die für ihn ungünstige Beschaffenheit des Bodens, noch durch die Ucbcrlegcnhcit der Franzosen, vom kühnen Vorrücken abhalten. Doch bald sah er seine linke Flanke von einem mörderischen Kartätschenfeucr bestürmt. Er selbst wurde, gleich -bcy dem Aufmarschieren, durch eine Kugel, dicht unter dem Herzen verwundet. Seine Truppen waren bald auseinander gesprengt, und die Vcr- 174 Verwirrung wurde bald so groß, daß die Fliehenden übereinander hcrstürztcn, daß sie einander den Weg versperrten. Jetzt war es, wo die Königin von Erfurts), wo sie sich wahrend der Schlacht befand, mit Thrä- ncn im Auge, abrciscte. Wenn die Preusscn die bcyden Schlachten bcy Auerstädt und Vierzehnhciligcn verloren, so war nicht der Mangel ihrer Tapferkeit daran Schuld. Viele derselben, besonders viele Officiere, bewiesen einen bewundernswürdigen Hcldenmuth. Von mehr als einem Regimentc war die Halste der Officiere gctödtet, oder verwundet. Unter den Verwundeten befanden sich fast alle Oberbefehlshaber. Aber verschiedene Regimenter, vornehmlich die polnischen, setzten ihren Kampf nicht sehr standhaft fort. Von einem zusammengesetzten Grenadicrbatallione lief? gleich bey dem Anfange der Schlacht, die Hälfte der Leute davon. Weder Bitten noch Drohungen' der Officiere konnten sie bewegen, Halt zu machen. Das Artillericfcuer der Franzosen, besonders das Feuer ihrer leichten, ihrer reitenden Artillerie, war es hauptsächlich. 175 lich, was die Standhaftigkeit der Prcussen erschütterte. Ihre Cavallcrie erwarb sich an diesem Tage keinen Ruhm; wenigstens- war das, was sie that, den hohen Erwartungen, die man von ihr hegte, nicht entsprechend. Wie wenig richteten die Cavallericangriffe des Generals Blücher und des Prinzen Wilhelm aus! Eine Hauptursache des Unglücks, das die prcussisch - sächsische Armee erfuhr, lag freylich in der unzweckmäßigen Anordnung ihrer Oberbefehlshaber, die so manche Maßregel der Vorsicht vernachlässigten. Man schreibt den geringen Zusammenhang, der unter den Manövern der preussischeir Abcheilungen statt fand, dem Umstand zu, daß der Herzog von Brannschweig, der sich gleich bcy dem Anfange der Schlacht entfernen mußte, die Anordnung derselben in seinem Portefeuille trug. Hatten denn aber die übrigen Oberbefehlshaber keine schriftli- che Anweisung in 'Ansehung desjenigen, was sie von ihrer Seite zum Gewinnen der Schlacht bcytragen, wie sie einander unterstützen, wie sie, wenn sie der feindlichen Uebermacht weichen müßten, sich zurückzie, hen sollten? Durch welche Ursachen wurde Nü- 176 Nüchel abgehalten, dem Fürsten von Hohenlohe früher Bepstand zu leisten? Der König, und seine Brüder, bewiesen an diesem Tage einen ihrer Vorfahren würdigen Much; aber unter dem Oberbefehle Friedrichs II hätte eine solche neidische, selbstsüchtige Nichtübereinstimmung der Generale nicht statt finden können. Leider war der Patriotismus, der Diensteifer der prenssisehen Generale, nicht so groß, als die hohe Mcy- nnng, die sie von ihren Gencralstalenten hegten, als die wirkliche oder absichtliche Unbckanutfchaft mit den Feldhcrrcngaben ihrer Gegner. Wie ganz anders war dieß alles bey Napoleons Armee! Im Besitze aller Vor- thcile, die der Kampfplatz daröoth, machte Napoleon von diesen Vortheilcn den glücklichsten Gebrauch, und jeder Oberbefehlshaber seiner Abthcilnngen führte das, was ihm oblag, mit entschlossener Pünkelichkeit ans. Die Früchte, die Napoleon von diesem Siege einerntete, waren sehr glänzend. Wenn sich auch die Zahl der Gefangenen noch nicht auf ZO,ovQ belicf; wenn auch nicht ^77 nicht 20,000 Pressuen und Sachsen getüdtct oder verwundet waren; wenn die Franzosen auch mehr als 4,100 Todte und Verwundete zahlten, so war die gegen 120,000 Mann starke Armee der Vereinigten doch ganzlich ausein- der gesprengt; so war, was noch mehr ist, unter die preussische Armee, und besonders unter ihre Officicrc, ein Schrecken gekommen, der ihr ganzes Selbstvertrauen niederschlug, der sie gleichsam in den Zustand der Besinnungslosigkeit versetzte. Ein Theil der geschlagenen Armee, der Ucbcrrdst von 14 Regimentern, zog sich über Weimar, dessen Herzogin sich um die Milderung des Schicksals seiner Einwohner so verdient machte, nach Erfurth. Unter den sechs Generalen, die diesen Weg einschlugen, befanden sich auch der alte Müllendorf, der Prinz von Oranien, der Graf von War- tenslcben. Schon am i^ten wurde die Stadt von dem Prinzen Mural eingeschlossen. Die Festungswerke der Stadt hätten einem ernstlichen Angriffe, wenigstens einige Tage, trotzen können; aber der Commandant des Pe- tersbergcs übergab, mit Bewilligung des al- Ealicttj Wcltg. -zr Th. M tcn i?8 tcn Fcldmarschalls, die Festung schon am i6tcn. So kamen noch 14,000 Preußen, unter welchen sich 8000 Verwundete befanden, in die französische Kriegsgefangenschaft. Ihr Schicksal thciltc die schöne Fusigarde des Königs. Die bey der jcnaischcn Schnecke gefangnen Sachsen, lauter Infanterie, erhielten schon am izsscn von Napoleon die Erlaubniß, nach Hause zu gehen. Große Züge von z bis 5000 Gefangnen wurden nun von Erfurth, über Gotha und Eisenach, nach Frankreich gebracht. Die Bedeckung des ersten Zuges bestand aus einer zu den Bewachenden unvcrhältnifimaßigcn Anzahl leichter Infanterie, die den Gefangenen wohl gar ihre Ladcstöcke gelassen hatte. Um so eher konnte es der preussische Husa- rcnlicutcnant Hclwig, mit 40 bis 50 von seinen Cameradcn, unternehmen, den ersten Transport von einigen tausend Preussen, in der Nähe von Eilcnach, in Frcphcit zu setzen. Auch von den übrigen Transporten lief ein großer Thcil wieder davon. Die Franzosen schienen das, was sie so leicht gewonnen hatten, eben so leicht zu achten. Zeht 179 Jetzt war es für Friedrich Wilhelm vielleicht »och Zeit, den Ueberrcst seiner Armee, seine Festungen, seine Monarchie zu retten/ Er mußte die Großmuth des Siegers in Anspruch nehmen. Auch schickte er, von Sömmerda, den Grafen von Dönhof, nach Weimar, um Key dem französischen Kaiser auf einen Waffenstillstand von sechs Wochen anzutragen; aber Napoleon wollte sich auf einen solchen Stillstand nicht einlassen. Doch Friedrich Wilhelm hatte, auf Rußlands Unterstützung rechnend, wohl nicht die ernstliche Absicht, Frieden zu schließen, und er wollte vielmehr nur Zeit gewinnen. Der König, und seine Vertrauten, machten jetzt folgenden Plan. Die Ucbcrrcsie der geschlagenen Armee sollten sich, bey Magdeburg, mit der Reservearmee des Prinzen von Wirtembcrg vereinigen, die Festung Magdeburg mit allen Bedürfnissen versehen, und sodcnn die Residenzstadt beschützen, oder sich hinter die Oder zurückziehen, und an die ostprcussischcn Regimenter anschließen. Aber die französischen Generale verfolgten die fliehenden prcussischcn Schaaken zu leb- M 2 hast. ichci hast. Mural und Ney eilten durch Erfurts) nach der Unstrut, um die Abthcilung, die Hohenlohe und Blücher nach Gondershausen führten, einzuholen. Die sächsischen Dörfer, die auf ihrem Wege lagen, hatten eben nicht Ursache, die gute Kriegszucht der Franzosen zu loben. Blücher rettete sich durch eine Kriegslist. Der französische General Klein glaubte seiner Versicherung, dafi der Waffenstillstand abgeschlossen wäre. Die fliehenden Abtheilungen der Preussen nahmen ihren Weg nach Magdeburg, theils über, thcils um den Harz. Der König übergab jetzt, sich von seinen Soldaten trennend, den Oberbefehl über dieselben, dem Fürsten von Hohenlohe. Kalkreuth, den Soult bis Magdeburg verfolgt hqtte, gieng mit 12,000 Mann nach der Oder, um, in Preussen, sich an die preussischen Regimenter, und an die Russen, anzuschließen. Unstreitig wählte er den Weg, den auch die Ucbrigcn, zu rechter Zeit, einschlagen sollten, wenn ihre Feldherren nicht Entschlossenheit genug besaßen, bey Magdeburg sich wieder zu sammeln, und den nachrückenden Franzosen ihre vereinigten Kräfte entgegenzusetzen. Es fehlte doch den Preus- iZi Preußen damals zu sehr an einem Oberbefehlshaber, dem die übrigen Staabsofficicrc ihr ganzes Vertrauen widmeten! Zn der Gegend von Magdeburg und Halle konnten sich die Ueberrcfle der geschla- gcncn Armee mit dem Rcscrvceorps des Prinzen von Wirtembcrg vereinigen. Aber der Prinz erfuhr das unglückliche Schicksal, das die Preusscn hei Zcna traf, nicht früh genug; auch schwankte er in seinen Maßregeln so lange, bis ihn Pontecorvo (ist. Oct.) bcy Halle überraschte, und völlig überwältigte. Nun kamen hier wieder 5000 Preussen, worunter sich zwey Generale befanden, nebst Z4 Kanonen, in die Gewalt der Franzosen. Einige hallische Studenten, die an dem Gefechte in der Stadt Thcil genommen hatten, erregten Napoleons Unwillen so lebhaft, daß er die Universität aufhob. Mit mehr Vorsicht und Entschlossenheit benahm sich der Herzog von Weimar. Dieser war niit einer Abtheilung von 10,000 Mann, über den Thüringcrwald, bis Kronach vorgedrungen. Eben wollte er, von da sich zurückziehend, sich an die vereinigte Armee anschließen, als er 182 er die Nachricht von ihrer Niederlage erfuhr. Er zog sich hierauf, über Gotha und Mühls Hausen, glücklich nach der Elbe, und nur das ausdrückliche Verlangen Napoleons, seine Gcncralsstcllc aufzugeben, und die Bitten seiner Gemahlin, bewogen ihn, die Anführung feines Corps dem General Winuing zu übergeben, und nach Hause zu gehen. Die prcufsifchcn Offiziere hatten so sehr alle Besinnung verloren, daß sie auch die dringendsicn Vorsichtsmaßregeln vernachlässigten. Dnvoust marschierte über Leipzig nach Wittenberg, um hier über die Elbe z» gehen. Fand er keine Brücke, so wurde sein Marsch aufgehalten, so kamen die Franzosen spater nach Potsdam und Berlin, so wurde vielleicht noch manches andre Unglück verhindert. Aber die Officicre, die die Brücke abbrennen sollten, erfüllten ihren Auftrag so schlecht, daß die Franzosen (21. Oct.) die Brücke noch unbeschädigt fanden. Eben so wenig Vorsicht bewies man, bei der Annäherung der Franzosen, zu Berlin. Der Graf von Schulcnbnrg - Kchncrt ließ weder das Zeughaus, noch die Vorräthc von Munition, weg- I8Z wegschaffen, weil er, wie man sagt, mit denen, die den Transport übernehmen wollten, wegen des Frachtpreises nicht einig werden konnte. Nur die Cassen, und die Kostbarkeiten des königlichen Hauses, wurden gerettet. Schulenburg selbst entfernte sich. An seine Stelle trat sein Schwiegersohn, der Fürst von Hatzfeld. Zugleich mit Schu- lcnburg reifeten auch viele andre vornehme Personen von Berlin weg. Der Prinz Fers' dinand, die Wittwe des Prinzen Heinrichs, und die Kurprinzcssin von Kassel, blieben zurück. Lucchcsini kam, als die Franzosen (22. Ort.) sich der Hauptstadt näherten, mit neuen Vcrglcichsvorschlagen zu Napoleon, mit denen er jedoch abgewiesen wurde. Zehn Tage nach der Schlacht bei Jena (24. Oct.) kam der Marschall Lannes nach Potsdam. Napoleon verlegte sein Hauptquartier hierher. Der Degen, die Schärpe, der Adlcr- vrden, die Krücke des großen Friedrichs, wanderten nun von Potsdam nach Paris. Jetzt (24. Oct.) gab der Befehlshaber in Spandau, der General von Benkendorf, das erste Bcyspicl, eine Festung auf die erste Aufforderung zu räumen. Am folgenden Tag (am 134 (am 2;sten) zog Davoust in Berlin ein. Zwei) Tage hernach hielt Napoleon selbst, an der Spitze seiner schönen Garde) einen glänzenden Einzug. Er gab der Prinzessin von Hessenkassel, der Schwester des Königs von Prensscn, manchen Beweis seiner menschenfreundlichen Denkart. Ilm so weniger erwarb sich der Fürst von Hatzfeld seine Gunst, den nur die Bitten seiner Gemahlin betteten. So leicht als die Franzosen nach der preussischen Hauptstadt kamen, so leicht wurde es ihnen auch., die verrennten Abtheilungcn des preussischcn Heeres zu vernichten. Diese sollte der Fürst von Hohenlohe bey Magdeburg sammeln, um mit ihnen über die Oder zu gehen; aber der General Kleist, der Oberbefehlshaber in Magdeburg, fand Bedenken, seinen schon verminderten Brodvorrath noch ferner z» theilen. Der Fürst mußte also mit den Truppen, die er bey sich hatte, gleich weiter marschieren. Er entfernte sich dadurch von den Abthcilungen, die von den Generalen Blücher und Winning geführt wurden. Vergebens forderte er den crstern auf, durch ununterbrochene Marsche der Vereint- i85 cinigung mit ihm entgegen zu eilen. Blücher kenn nicht. Er wollte seine Leute nicht Hey der Nacht marschieren lassen, sondern sie lieber der Gefahr preisgeben. Zu ihm stieß der General Winning. Der Fürst von Hohenlohe eilte indessen der Oder zu. In der Gegend von Prenz- low, in der Uckermark, nur noch 7 Meilen von Stettin, sah er sich (28. Oct.), auf allen Seiten, von den Franzosen unter dem Prinzen Mural und dem Marschall Lannes, eingeschlossen. Durch den angestrengten Marsch entkräftet, ohne Brod, ohne Munition, schienen seine Leute, etwa 10,000 Mann, nicht fähig, einen entschlossenen Ausweg zu suchen. Selbst Massenbach wußte keinen Rath. So mußte ein Corps von braven Leuten, die Garde des Königs, und -die Ueberblcibsel von 6 Regimentern, das Gewehr strecken. Der Fürst von Hohenlohe, der General Tancnzien und der Prinz Wilhelm August, wurden Kriegsgcfangnc. Am folgenden Tage (am Östren Oct.) übergaben 6000 prcussische Cavalleristcn sich, und ihre Pferde, bcy Pascwalk, nordwärts von Prcnz- 186 Prcnzlow, dem französischen General MiK Hand. Da man sich zu Berlin einen ganz an- dern Erfolg des Fcldzugcs versprochen hatte, so war die Versorgung der Fesrnngcn sehr vernachlässigt worden, und es fehlte ihnen daher nicht mir an Lebensbedürfnissen, fon- dern auch an Munition. Doch schon der Geist der Sparsamkeit, der damahls im preussischen Kriegswesen herrschte, war an den unzureichenden Vorrathen der Festungen Ursache. Die Oberbefehlshaber derselben waren meistens im Dienste alt gewordene S-aabsofficiere, die der Entschlossenheit und Geistesgegenwart eines unerschütterlichen Ver- thcidigcrs einer Festung entbehrten. In der stark befestigten Hauptstadt des preussischen Vorpommerns, in Stettin, führte der Ge- neral Rombcrg den Oberbefehl. Dieser über- gab (29. Oct.) die Festung, und seine 6000 starke Mannschaft, dem General Lasalle, der weit weniger Leute hatte. Zwcy Tage hernach mußten bei) Wichmannsdorf die preus- sisckcn Gendarmes, die in Berlin mit ihrem Much so geprahlt hatten, vor den Franzosen ,87 ftn absitzen. Die Officierc hörten, zu Berlin, bcy der Parade, von Napoleon , selbst sehr krankende Worte. Bey Anklam willigte der General Vila, mit 4000 Mann, in die französische Kriegsgefangenschaft. Der Oberste Ingersleben, der die zwischen Morasten liegende Festung Küstrin, mit 4000 Mann vcrtheidigcn sollte, hatte so wenig Muth, dasi er (zi. Ott.), selbst durch die Bitten seiner Gemahlin nicht zurückgehalten, dem Marschall Davoust, dem es an allen Vela- gcrungsmittcln fehlte, entgegen gieng, um ihm die Uebcrgabc der Stadt anzutragen. Von der über hundert tausend Mann starken preussischen Armee waren jetzt nur die kleinen Abthcilungcn, über welche Blücher und Winning den Oberbefehl führten, übrig. Diese standen jetzt beude unter Blüchers Aufsicht. Entkräftet, ohne Lebensmittel, und andre Bedürfnisse, sah sich Blücher von vorne von Pontecorvo, und an den Heyden Seiten der Elbe, von Soult und Mural, bedroht. Ihrer überlegenen Macht ausweichend, zog sich Blücher durch Lübeck, hinter die Trave. Schon am vorhergehcn- . den ,88 dm Tage (4. Nov.) hatte sich eine schwer bische Abthcilung, unter dem General Mör- ner, mit Gewalt den Weg durch die Stadt geöffnet. Blücher, der (am zttcn) Lübeck mit 5OOO Mann besetzte, hatte keine Zeit, die von ihm gewählte Stellung zu befestigen. Schon am folgenden Tage wurde er von den Franzosen, unter Pontecorvo, angcgrif- fen. Das Eindringen derselben konnten 16 vor das Thor gestellte Kanonen, die zum Thcil zu früh zurückgezogen wurden, nicht verhindern. Pontecorvo's und Soult's Truppen begegneten einander in der Stadt. Zu ihnen siiesi hernach auch die Mannschaft von Mnrat. Lübeck wurde jetzt der Schauplatz der schrecklichsten Auftritte. Die Franzosen verfolgten die Preussen bis in die Kirchen, bis in die Häuser. Vier Stunden lang wurde auf die schrecklichste Art gemordet, geplündert, gemißhandclt. In den Thoren und ans den Gassen lagen auf 5000 Tobte und Sterbende. Selbst friedliche Einwohner Lübecks traf das Loos, gedödtet zu werden. Am folgenden Tage (7. Nov.) wehrte endlich Pontecorvo dem Morden. Blücher mußte, von einer sehr überlegenen Macht eingeschlossen, 189 sc», in dem Dorfe Ratkau die Kriegsgefangenschaft unterzeichnen. Das Schicksal derselben thcilten mit ihm, und dem Herzog von Braunschwcig-Oels, noch 11 andre Generale, 518 Offeriere, und gegen 8000 Un- tcroffieiere und Gemeine. Die Franzosen rechneten, bei) ihrer Angabe von 20,000 Gefangnen, alle Regimenter vollzählig. Wenn Blücher die Stadt Lübeck, die er vielleicht für fester hielt, aufopferte, so erwarb er sich doch den Ruhm, drey Hauptabtheilungen der französischen Armee von dem frühem Ucbcrgange über die Oder zurückgehalten zu haben. Das schwedische Corps, das sich durch Lübeck zurück gezogen hatte, kam, wegen des schnellen Anzuges der Franzosen, in solche Noth, daß der grüßte Theil derselben der Gefangenschaft nicht ausweichen konnte. Jetzt (ii. Nor») mußten aber auch die Generale Pellet und Usedom, die sich von der blüchcrschcn Abthcilung getrennt hatten, das Gewehr strecke». Das Verdienst, die Franzosen einige Zeit zu beschafftigcn, hatten sich die Befehlshaber von Spandau, Stettin und Küsirin nicht er- IZo erworben, und jetzt konnten die Comman- danten von Magdeburg und Hameln noch weniger darauf Anspruch machen. Zn Mag« dcbnrg, der Hauptfestung der prcnssischen Monarchie, war der siebzigjährige General Kleist, ehedem einer der gepriescnsten prcus- fischen Feldherren, der Oberbefehlshaber. Die Besatzung bestand ans mehr als 2Z,czc:o Mann, und ans den Wallen standen 800 Kanonen. Der Marschall Ney, der Magdeburg einschloß, hatte noch keine 12,000 Mann, und es fehlte ihm ganz an Belagerungsgeschütz. Die Garnison war, als sie die Nachricht von den Unterhandlungen erfuhr, fast im Aufruhr, und dennoch wagte es keiner von den vielen Generalen, die sich in der Festung befanden, sich der Capitnla- tion (8- Nov.), durch einen nachdrücklichen Widerspruch, entgegen zu fetzen. Die Vcr- mnthung, daß Eigennutz an dieser schändlichen Uebergabe die Hauptschuld hatte, ist daher gar nicht unwahrscheinlich. Wenigstens bcdung sich der eigentliche Commandant, der Oberste du Trossel, besondere Vorthcilc aus, und dem Grafen von Wartenslcbcn wurde in der Folge der Proeeß gemacht. Jetzt I9l Jetzt weit von allen pvcussischen Fcstun- gen diesseits der Oder nur noch Hameln nnd Nienburg übrig. Nach Hameln zog sich die Abtheilung des Generals Lccoc, nachdem ihm sein Plan, sich mit dem blüchcrschcn Corps zu vereinigen, nicht gelungen war. Als der französische General Savary, mit einer gar nicht beträchtlichen Mannschaft (19. Nov.) naher kam, suchte Lccoc seine Zuflucht in Hameln, wo schon zooo Mann lagen, und schon am folgenden Tage unterzeichneten Lc- coc und Schöler, der Commandant von Hameln , dieUebergabe der Festung. Die Nachricht von derselben veranlaflte unter den Soldaten einen solchen Aufruhr, daß Schöler den General Savarp bitten mußte, seine Truppen, noch vor der bestimmten Zeit, einrücken zu lassen. Der französische General zog, unter einem Kugelregen, in die Stadt ein. Er ließ die Garnison auf einer Wiese einschließen, und die Staabsofficiere erhielten von ihm einen derben Verweis. Auch auf die übereilte Uc.bergabc dieser Festung mochte Eigennutz gewirkt haben. Fünf Tage hernach (25. Nov.) capitulirte Nienburg mit 4000 Mann, und an eben dem Tage ergab sich IY2 sich die bayrcuthische Festung Plassenburg an die bayrischen Truppen. Jetzt Heitie der König von Prcnssen sein ganzes Land zwischen der Oder und dem Rhein vcrlohren. Sein unglückliches Schicksal theilten seine Bundesgenossen. Zwar behielt der Kurfürst von Sachsen sein Land; aber dieses mußte eine Coiuriburion von 8 Millionen Thalcr bezahlen, und wenn auch die gefangnen Sachsen nach Hause geschickt wurden, so mußte doch die sächsische Caval- lerip ihre Pferde an die Franzosen abgeben. Ueber den Herzog von Weimar, dessen Jäger sich an die Prcnssen angeschlossen hatten, war Napoleon besonders aufgebracht, und nur die Bitten und die Vorstellung seiner würdigen Gemahlin besänftigten den Unwillen des Siegers so weit, daß er sich mit einer Contribution von 500,00c? Thaler begnügte. Diese wurde dem Lande des Herzogs von Gotha, wegen der günstigen Meynung, die Napoleon von dem Regenten desselben hegt, ganz erlassen. Um so trauriger war das Loos, das den Kurfürsten von Hessen, und den Herzog von Braunschweig, traf. Dem I9Z Dem Kurfürsten war die Neutralität, die ihm der König von Prcussen verstattete, schon vorher von dem Kaiser Napoleon zu? gestanden worden. Es geschah jedoch hernach manches, was seine Gesinnungen dem französischen Kaiser verdächtig machte, was den Verdacht, den er schon hegte, noch vergrößerte. Der Kurfürst hatte, im Herbst des vorigen Jahres, die Gelegenheit, Napoleons persönliche Bekanntschaft zu machen, und ihm einen Beweis seiner Achtung zn geben, versäumt; er hatte sich auf den Antrag, dem Rheinbunde beyzutrcten, nicht einlassen wollen. Jetzt hatte er die Beurlaubten einberufen, und an die Cavallerie Pferde abgeben lassen. Auf die französische Erklärung, daß man jede Bewaffnung als eine Kriegserklärung ansehen würde, hatte er seinen Gesandten von Paris abgerufen; er hatte den preussischen Truppen den Durchmarsch gestattet, und was würde er vielleicht, wenn Napolen von den Preussen besiegt wurde, im Rücken desselben gcthan haben? So dachte wenigstens Napoleon, als er den Marschall Mortier mit dem achten Armeekorps, das sich zwischen Frankfurth Ealletti Wcltz. -zr Th. N und 194 und Maynz gesammelt hatte, (l. Nov.) in das Land des Kurfürsten einrücken ließ; als er durch seinen Gesandten, St. Genest, von dem Kurfürsten verlangte, daß er seine Truppen entwaffnen, und alle Festungen räumen sollte. Da außer Morticr auch der König von Holland, an der Spitze eines Thciles der Nordarmce, sich der Stadt Kassel näherte, und da die Hessen nicht bcpsammcn waren; so schien ein Versuch des Kurfürsten, sich mit Gewalt bey dem Besitze seines Landes zu behaupten, zu gefährlich. Blos mit der Sorge für die Fort- schassung seines Schatzes beschäftigt, entfernte er sich von seiner Residenz in dem Augenblicke, als die fremden Truppen einrückten. Die braven Hessen mußten das Gewehr strecken, und die Officicre, die den dem Kurfürsten geleisteten Eid nicht brechen wollten, wurden, als Kriegsgcfangne, nach Frankreich geschickt. Der Divisionsgeneral Lagrange stellte sich an die Spitze der hessischen Regierung. Dieses Schicksat traf einen Fürsten, der mit 24,000 Mann wohl- gcübtcn Truppen auf dem Kampfplatz^ erscheinen konnte; dessen größtes Versehen viel- 195 vielleicht darum bestand, daß er seinen denk sehen Charakter zu wenig verleugnen konnte, daß er in der Ergreifung einer Parthcp nicht Entschlossenheit genug besaß. Daß er von seinen meisten UnterthaNen geliebt war, beweisen die Unruhen, die gegen das Ende des Jahres, in Hessen ausbrachen. Der Herzog von Braunschwelg halte steh erst nach Blankenburg am Harze schassen lassen. Vergebens erwartete er hier, daß die geschlagenen Prcussen sich wieder sammeln, daß sie sich den Franzosen von neuem entgegenstellen würden. Als er seine Hoffnung durch ihre fortgesetzte Flucht getauscht sah, setzte er, von den schrecklichsten Schmerzen gequält, seine Reise nach Braunschweig fort. Er hielt es für so unwahrscheinlich, daß die Franzosen nach Braunschweig kommen würden, daß er die schon eingepackten Sachen wieder auspacken ließ. Aber auch in dieser Erwartung getäuscht, begab er sich nach Altona. Zugleich schickte er seinen Hofmarschall an den damals zu Wittenberg sich befindenden Kaiser Napoleon, um der Großmuth desselben sein Land zu empfehlen. Napoleon, der sich erinnerte, daß der Her- N 2 zog 196 zog cinsi die Stadt Paris zerstören wollte, der den Herzog für einen Hauptnrhcbcr dieses Krieges, für einen seiner unversöhnlichsten Feinde hielt, sprach ihm den Besitz seines Erbherzogthums ab. Unglücklicher endigte nicht leicht ein andrer deutscher Fürst sein A'bcn. Seiner Augen, seines Landes beraubt, hatte er erst vor kurzer Zeit (als er den Oberbefehl über die prcussische Armee übernahm) seinen ältesten Sohn vcrlohre», erfuhr er eben, daß sein dtirter Sohn, der Herzog von Braunschwcig-Ocls, der übrigens seine Vatcrfreuden schon manchmahl gestört hatte, bcy Lübeck in die Kriegsgefangenschaft gerathcn war. Wenige Tage hernach (io. Nov.) starb er zu Ottcnsce, bey 'Altona. Dieses Schicksal hatten der Kurfürst von Hessen, und der Herzog von Braunschweig, die voruchmsten deutschen Bundesgenossen des Königs von Prcussen. Dieser, der jetzt nur noch auf den Vcnstand des Kaisers von Nußland rechnen durfte, suchte, um derselben zu entbehren, oder vielleicht nur um Zeit zu gewinnen, sich mit dem Kaiser Na- po- 197 polcon zu vergleichen. Am Tage vor Napoleons Einzug in Berlin (26. Oer.) über? brachte der General von Zastrow das dritte Schreiben desselben, worin er auf einen Waffenstillstand antrug. Nach den Unter- Handlungen von einigen Wochen, die durch die unglaublichen Fortschritte ldcr französischen Waffen mit immer grösicrn Schwierigkeiten umwickelt wurden, kam zu Charlot- tcnburg (16. Nov.) die Unterzeichnung eines Stillstandes wirklich zur Richtigkeit. Demselben zufolge, sollten sich die preußischen Truppen auf die rechte Seite der Weichsel, nach Königsberg, zurückziehen, und die Franzosen auch den Theil von Prcusscn, der sich, an der rechten Weichsel, bis an die Mündung des Bug erstreckt, besetzen. Man erwartete die Ratification dieses Waffenstillstandes längstens bis zum 2isten; aber Friedrich Wilhelm hatte sich indessen anders besonnen. Seine Hoffnung, mit Hülfe de§ Kaisers von Rußland, seine Monarchie wieder zu erobern, war durch die Annäherung der russischen Armeen mächtig gestärkt. Er konnte diese Armeen nicht wieder zurückmarschieren lassen. Alexander gab ihm ja sein Wort, 198 Wort, daß er krin Dorf von seinem Gebie- the verlieren sollte. An einem Vorwande, die Ratification des Stillstandes, den ihm der Marschall Duroc überbrachte, zu verweigern, fehlte c6 ihm nicht. Der französische Kaiser (so sagte Friedrich Wilhelm in der Proclamation, durch welche er seine Verweigerung rechtfertigte,) hatte, der schon am zisten Oct. getroffenen Verabredung zuwider, nicht nur die Provinzen an der Oder und Warte überschwemmt, sondern auch die Bewohner von Südprcussen zum Aufstande gereiht; er hatte, durch seinen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, erklären lassen, daß er die eroberten Länder als Entschädigungsgegenstände für vcrlohrne Colonicn betrachtete; er hätte die Zurückgabe derselben von den Verhältnissen zwischen Rußland und der Pforte abhängig gemacht; die französische Armee wäre indessen unaufhaltsam gegen die Weichsel vorgedrungen; sie bedrohe den russischen Boden feindselig zu betreten, und der König könne daher die übernommene Bedingung, den Rückmarsch der Russen zu bewirken, nicht erfüllen. Mit Friedrich Wilhelms politischem Systeme änderten 199 dcrten sich auch seine Umgebungen. Hang! witz, der immer zum Frieden rieth, begab sich auf seine Güther. An seine Stelle trat der General Zastrow. Das Amt eines Kriegsministcrs übernahm Nüchel. So sehr besaß er noch Friedrich Wilhelms Vertrauen! Lombard, der mit dem Grafen von Haug- Witz für die Vcybchaltung des freundschaftlichen Verhältnisses mit Frankreich stimmte, war, von der Ungnade der Königin getroffen, in Pommern zurückgeblieben. Die Königin rechnete vielleicht noch mehr, als ihr Gemahl, auf den Vcystand des mächtigen Alexanders. Indessen gcrieth aber auch Schlesien und Preusscn in Napoleons Gewalt. Mit dem November rückten die Franzosen in Schlesien ein. Die zur Eroberung dieses Landes bestimmten Truppen, die meistens aus Bayern und Wirtembergcrn bestanden, gehorchten dem Oberbefehle des Prinzen Jcromc, der ans einem Seeeapi- tain ein Feldherr geworden war. Seine Uutcrfcldhcrrcn waren Vandainme und Lc- febure. Die Bewohner Schlesiens verehrten die preussische Regierung so sehr, daß sie 200 sie der Behauptung derselben gern große Opfer gebracht hatten. Auf ihren Patno-, tismus gründete sich der Plan, des, bei) den schlcsischen Landständcn in befonderm An« sehn flehenden, Grafen Pücklcr, die Verthei- digung des Landes einem allgemeinen Land- flurm anzuvertrauen^ Auch einige von den Commandanten der schlesifchcn Festungen tha- ten Vorschlage, die eine glückliche Ausführung versprachen. Aber Trägheit, Eifersucht, böser Wille, arbeiteten dieser Vatcr- landsbcgeistcrung entgegen. Pückler gerieth darüber so in Verzweiflung, daß er fein Leben durch eine Kugel endigte. Die Franzosen ficngcn ihre Unternehmung (7. Nov.) mit der Belagerung der Stadt Glogau an. Dem Gouverneur Reinhardt fehlte Entschlossenheit; der Commandant Marwitz hatte guten Willen, ohne Festigkeit. Nach z Wochen ( 1. Dec.) bombardirte man die Stadt aus zwey Mörsern. Noch brennte kein Haus; dennoch hielt Neinhardt die ttcbcrga- be für unvermeidlich, und 2500 Mann streckten das Gewehr. Von Glogau zogen die Eroberer gleich vor Breslau, welches (feit 17. Nov.) eine kurze Zeit bcrcnnt ge- we- 2or wesen war. Die Besatzung dieser großen Stadt bestand nur aus 4000 Mann, die ein von allerlei) Regimentern zusammengesetztes, buntschäckigcs Ganze ausmachten. Auf das einzige vollständige Regiment, das sich unter demselben befand, konnte man sich, weil es aus unzufriedenen Polen bestand, gar nicht verlassen. Es fehlte derselben an hinlänglichen Vorräthcn. Ihre Oberbefehlshaber Thiel und Kraft waren alte Männer. Der Gouverneur Thiel ließ zwar die Vorstädte abbrennen; er zeigte aber übrigens wenig Eifer, die Arbeiten der Belageret, die meistens aus Bayern und Wirtcmbergern bestanden, zu stören. Diese rückten, unter dem Befehle des Prinzen Jcrome und des Generals Vandamme, der Stadt so nahe, daß ihre Bomben, Haubitzgranaten und glühende Kugeln die meisten öffentlichen Gebäude ganz zerstörten, oder sehr beschädigten, daß über izo Personen vom Civilstan- de thcils getödtet, theils verwundet wurden. Ein Versuch des Fürsten von Anhalt-Plcsi, die Stadt zu entsetzen. wurde nicht vom Glück begünstigt. Der 20S Der Vorschlag, den der Graf von Püek« ler zu einer allgemeinen Landcsbewassnung gcthan hatte, fand, nach seinem Tode, bcy dem Könige Eingang. Die Anordnung derselben übertrug Friedrich Wilhelm dem Für- sten von Anhalt-Pleß, mit dem Titel eines Generalgouverncurs. Zum Gehülfcn gab er ihm den Grafen von Götzen. Der allgemeine Landtag, den der Fürst ausschrieb, hatte, weil Breslau so schnell eingeschlossen wurde, keinen Fortgang. Ohne Geld, ohne Waffen, eilte nun der Gcncralgouverncur nach Ncisse, um aus den schlesischcn Festungen ein kleines Heer zu sammeln. Die ganze Mannschaft, die er zusammenbrachte, belief sich höchstens auf 8000 Streiter, die schlecht montirt und cxcrcirt, die sehr mittelmäßig beritten waren. Mit dieser Mannschaft sollte Breslau entsetzt werden. Dieser Plan wurde jedoch dem General Vandamme verrathcn, und dieser machte so gute Anstalten, daß (24. Dec.) eine von den Co- lounen, die der Stadt Breslau Hülfe leisten sollten, b.ey Strehlen gesprengt wurde. Eben dieses Schicksal hatte bald eine zweytc Eolonnc. Dennoch drang der Fürst bis vor das 20Z das feindliche Lager vor Breslau glücklich durch, und seine Nationalcavallcrie richtete unter den überraschten Belagerern einige Verwirrung an. Aber der Ausfall aus der Stadt, auf welchen bey dieser Unternehmung gerechnet war, unterblieb. Der Fürst zog sich, in der Besorgnis, abgeschnitten zu werden > nach Schweidnitz zurück. Er verließ hierauf den Schauplatz des Krieges, nachdem er die oberschlesischcn Festungen gehörig versorgt hatte. Aus einem Thcile seiner Mannschaft bildeten sich Streifpar- theucn, die, von unternehmenden und gewandten Officiercn angeführt, manchen entschlossenen Streich ausführten, aber in Schlesiens Schicksal keine Acnderung hervorbrachten. In der Mitte des Maus (1807) machte ein Theil der Besatzung von Silberberg, 140Q Mann stark, einen Versuch, die Stadt Breslau, die nicht stark besetzt war, den Franzosen wieder wegzunehmen. Eine Abtheilung von Bauern und Sachsen, die sie bey Kanth aufhalten sollte, gericth, durch das Zurückweichen eines sächsischen Bataillons, 204 lions, in ein lebhaftes Gedränge; aber Lee fcvrc machte bald solche Anstalten, daß nur wenige von den kühnen Preußen sich rct- tetcn. Breslau blieb nun seiner eignen Vertheft digung überlassen. Zwar schlug die Besatzung desselben vier srürmende Angrisse der Belagerer zurück; aber ein Ausfall, den sie versuchte, hatte keinen bedeutenden Erfolg, und da der Mangel an Holz, Brod, Fleisch, immer fühlbarer wurde; da die sehr zusammengeschmolzene Garnison immer mehr Widerspenstigkeit äusserte, so mußte, zu Anfang des folgenden Jahres (;. Jan. 1807.) die Stadt übergeben werden. Die Besatzung wurde kricgsgefangcn. . Sechs Tage hernach (am litcn) ergab sich, nach einem kurzen Widerstände, auch die Festung Bricg an eine bayerische, unter Deroy's Befehl stehende Division. Nun kam die Reihe an das vortrefflich befestigte Schweidnitz, welches 5,000 Mann, die mit Allem hinlänglich versehen waren, vertheidigten. Es unterstützte sie ein vortrefflicher Geist der Bürgerschaft. Aber der Commandant Haak wußte 20) wußte die Vorthcile, die et in seiner Gewalt hatte, nicht gehörig zu benutzen; er verstand es nicht, die Belagerer entfernt zu halten. Diese näherten sich daher der Stadt so sehr, daß sie durch ihre Bomben (z. Febr.) über zoo Gebäude entweder ganz, oder zum Theil zerstören konnten Drey Tage hernach unterzeichnete der Commandant die Ueberga- be, die aber, weil derselbe noch auf Entsatz hoffte, nicht eher, als vier Tage hernach (6. -Febr.) erfolgte. Die Festungswerke von Schweidnitz, die mehrere Millionen Thaler gekostet hatten, wurden nun geschleift. Ungleich standhafter wehrte sich die unter dem Befehle des Generals Stccnseu stehende Besatzung der Festung Ncisse, die erst am loten Mav capitnlirte; die Ueber- gabe sollte aber nicht eher, als am i6teu Inn. erfolgen; Cosel und Glatz öffnete die Thore erst im Junius, kurz vor dem Ende dieses Krieges (18. u. 25. Zun.). Ihre Verthcidiger waren Pulkammcr und der Graf von Götzen. Eben so brav, als Ncisse, Cosel und Glatz, vcrtheidigte sich die Festung Colberg in 206 in Pommern, die sich schon im siebenjährigen Kriege den Nuhm der Sündhaftigkeit erworben hatte. Die Belagerung dieser Festung, die erst spat anficng, unternahm die italienische Division, an die sich Truppen des Rheinbundes anschlössen. Ihr tapfrer Oberbefehlshaber, der General Teulis opferte (2. Iul. 1807.) sich, nebst 600 Mann, der Eroberung der Wolfsschanze auf. An seine Stelle trat der General Loison. Lucadou, der erste Commandant von Col- bcrg, machte dem entschlossenen Gneisen«» bald Platz. Die Mannschaft der Besatzung verstärkte das kleine Corps des in der Folge so bekannt gewordenen Schill. Ferdinand von Schill, (177z) in Ober- schlesicn gcbohrcn, war der Sohn eines ge- bohrnen Ungern, der sich, zuletzt im preus- sischcn Dienste, gleichfalls im kleinen Kriege, ausgezeichnet hatte. Der Sohn, der seit 1790 unter der prcussischen Cavallcrie diente, wurde, als Lieutenant bcy dem Dragoncrrcgimcnte der Königin, in der Schlacht bey Jena, auf einer Feldwache, verwundet. Er kam hierauf nach Stettin. Hier 207 Hier verleitete ihn sein feuriger Geist, einige der französischen Gefangenschaft ent- laufne Prenssen zu einem kleinen Freycorps zu bilden. Es gelangen dem kühnen Manne einige glückliche Unternehmungen. So bemächtigte er sich des zum Oberbefehlshaber des loten'Armeecorps bestimmten Marschalls. Victor; so hob er einen Transport von 8 arabischen, für Napoleon bestimmten Pferde auf. Die ganze Gegend zwischen Küstrin und Frankfurth an der Oder wurde von ihm unsicher gemacht, und er legte manchen Beweis von Muth und Entschlossenheit ab. Sein Corps vermehrte sich von einem Tage zum andern, und sein König gab ihm (Jan. 1807.) die Vollmacht, ein eignes Freycorps anzuwerben. Er ernannte ihn bald darauf (im Febr.) zum Rittmeister, und seine Leute halfen Colberg ver- thcidigcn. Um die Behauptung desselben machte sich auch der siebzigjährige Nettel- bcck, ein eben so muthvvller als redlicher Bürger, sehr verdient. Genug, Colberg vertheihigte sich so lange, daß der Friede dazu kam. Die 208 Die Eroberung von Cvlbcrg zu beschleus »igen, entfernte sich der Marschall Mortier, der Stralsund seit einiger Zeit eingeschlossen hatte. Er betrieb diese Unternehmung nicht mit Nachdruck, weil man sich mit der Hoffnung schmeichelte, den König von Schweden auf die französische Seite zu ziehen. Aber Gustav IV achtete ans die vortheilhaf- ten Ancrbictungen, die man ihm machte, so wenig, das; er vielmehr den Krieg gegen Napoleon fortsetzte. Da er jedoch die russischen und englischen Hülfstruppen abwarten wollte, brachte er nur einen kleinen Theil- seiner Armee auf den Kampfplatz, und seine Unternehmungen waren daher sehr unbedeutend. Zu diesen gehörte das schwedische Vorrücken, als Mortier mit seine» meisten Truppen nach Colberg gezogen war, und der General Grandjean, mit seiner wenigen Mannschaft, den Schweden keinen nachdrücklichen Widerstand entgegensetzen konnte. Die aus Stralsund vorrückenden Schweden drangen bis in das Mcklcnburgi- sche, und bis in das preussische Pommern, vor. Aber die Linie von der Oder bis nach Strelitz, die sie jetzt umspannten, war zu aus- 209 ausgedehnt. Um so seichter wurde es dem von Colberg zurückkehrenden Mortier (15. April) ihr Ccntrum zu durchbrechen, und die Schweden in ein so lebhaftes Gedränge zu bringen, daß sie sich durch einen Stillstand retten mußten. Durch diesen machten sie sich verbindlich, den Franzosen die Inseln Usedom und Wollin, ingleichen einige feste Punkte hinter der Peenc, einzuräumen, und bcy Stralsund keine fremden Truppen landen zu lassen. Dieser Stillstand sollte vier Wochen nach der Aufkündigung fortdauern. Aber Gustav IV mißbilligte den von seinen Generalen eingcgangnen Vergleich, der aber dem- ungeachtet anderthalb Monathe dauerte. Indessen wurde die Besatzung von Stralsund durch prcussische und englische Truppen verstärkt. Gallktti Weltg. -zr Th. 0 Vier- 210 Vierter Abschnitt. Napoleon rüstet sich zum Kriege gegen Rußland. Revolution in Polen, Alexander kann, schon durch den Krieg mit der Pforte beschäfftigt, dem Kaiser Napoleon nicht seine ganze Macht cnt, gegcnstcllen, Der Kurfürst, die Herzoge von Sachsen rc, treten dem Rheinbünde bcy. Treffen beyPultusk Schlacht bei» Eylau, Danzig wird von den Franzosen, und ihren Bundesgenossen, erobert. Napoleon siegt bey Friedland. Friede zu Tilsit. Königreich Westphalen. Hcrzvgthum Warschau. Der König von Schweden räumt Stralsund. dieser Krieg endigte sich aber nicht in Deutschland, sondern jenseits der Weichsel. Es schloß sich an den Krieg zwischen Frankreich und Preussen, ein Krieg zwischen Frankreich 2ir reich und Nußland an. Schon am 26tcn October (1806) kündigte Napoleon seiner Armee den Krieg mit den Nüssen an, und er beschäfftigte sich, während seines vierwS- chcntlichen Aufenthaltes zu Berlin, die MW tel zur Fortsetzung dieses Krieges herbeyzu- schaffen; dieses Krieges, der ihm von Sei? ten Rußlands Ruhe verschaffen sollte. Napoleon brauchte zu diesem neuen Kriege neue Truppen und neues Geld. Seiner Armee gesellten sich noch viele tausend Franzosen und Italiener (jene meistens Conscribirtc von den für das Jahr 1807 bestimmten 80,000) bcy. Sic marschierten sowohl im Spätherbste 1806, als im Frühjahre 1807. Selbst eine 10 bis 12,000 Mann starke Abthcilung von Spaniern erschien in Deutschland. Sic kam thcils aus Toscana, wo sie bisher die Garnison ausgemacht hatte, theils unmittelbar aus Spanien. Schon früher rückte eine beträchtliche Abtheilung von Holländern in das nördliche Deutschland ein. So führte Napoleon die Krieger des ganzen westlichen Europa gegen den Beherrscher Rußlands auf den Kampfplatz. Pferde brauchte Napoleon nicht herbeikommen zu lassen. Die prcus- O 2 si sclx 2l2 fische und sächsische Cavallerie lieferte ihm mehr Pferde, als er nöthig hatte, um seine Cavallerie zu remontiren, um mehrere tausend Dragoner, die zu Fuße gekommen waren, auf Pferde zu setzen. Auch befanden sich die Schatze der brnndcnburgischcn und mek- lcnbutgischen Stutereyen in seiner Gewalt. Eben so wenig war Napoleon wegen drs Geldes in Verlegenheit. Seine Krieger konnten, so lange sie sich auf fremdem Boden befanden, ihres Soldes in klingender Münze so ziemlich entbehren. Man sorgte für ihre Bedürfnisse, und sie selbst wußten es schon einzurichten, daß es ihnen nicht leicht an etwas fehlte. Freylich gereichte die Art, wie sie sich dabey benahmen, nicht immer zur Zufriedenheit ihrer Wirthe, die sie nicht nur mit Wohnung und Unterhalt, sondern auch mit Tabak, und andern Luxusartikeln, versehen mußten; eine Obliegenheit, die ihre Wirthe um so mehr drückte, je tiefer das Gewerbe der Stadtebewohner, vornehmlich zu Berlin und Potsdam, gesunken war. Die unaufhörlichen Einquartierungen vernichteten den Wohlstand von vielen taufenden Hausbesitzern. Das Elend vergrößerten noch die -IZ die starken Eontributionen, die entrichtet werden mußten. Die eroberten preußischen Lander sollten in kurzer Zeit, die ungeheure Summe von i;c> Millionen Franken (35 Millionen Thaler) aufbringen. Hierzu kamen nun noch die Coutriburionen von Sachsen, Meklcnburg, kamen die Einkünfte aller der Lander, die Napoleons Truppen besetzt hatten. Diese lieferten ungleich mehr baarcs Geld, als die französische große Armee (so hieß sie jetzt) nöthig hatte. Viele mit demselben bcladcne Wagen brachten es, von deutschen Pferden gezogen, nach Frankreich, wo es, in dem Münzhofe zu Paris, in französisches Geld verwandelt wurde. Andre Wagen schafften die zu Berlin und Potsdam erbeuteten Kunstschatze nach Paris. Dahin wanderte selbst die schöne Victoria, die das brandcnburger Thor zu Berlin zierte. Alle Zeughäuser, alle Gewehrfabriken, wurden von den Siegern ausgeleert. Die polnischen-, die badenschcn, und andre deutschen Truppen, wurden jetzt mit neuen preußischen Gewehren, die man von preußischer Seite für den Fcldzug zu gut gehalten hatte, bewaffnet. Mit preußischem Tuche wurden die französischen 214 fischen Soldaten jetzt neu gekleidet. Das prcussische Geschütz wurde zur Eroberung preussischer Festungen gebraucht. Die prcus- fischen Situarionskarten und Plane von Polen gaben vortreffliche Mittel zur genauen Bekanntschaft mit dem künftigen Kriegsschauplätze ab. 'So wußten Napoleon und sein Major-General Bcrthicr, alle zur Fortsetzung des Krieges nöthigen Mittel herbeizuschaffen, und alles, was sich ihnen dar- both, zu benutzen! Die prcussischen Provinzen behielten ihre bisherige Verfassung, doch unter der Aufsicht von französischen Civil- Mid Kriegsbcamtcn. Sie wurden in vier Departements getheilt. Zum Generalintendanten wurde Daru, der diese wichtige Stelle schon in Oesircich verwaltet hatte, ein wissenschaftlich gebildeter Mann, von Napoleon bestellt. Berlin bekam eine glänzende Nationalgarde, eine Geusdarmerie. Napoleon gewann, wahrend dieser großen Sorge, dennoch Zeit, sich als einen aufgeklärten Gönner der Wissenschaften zu zeigen. Johannes Müller wurde von ihm zu einer Unterredung eingeladen; zu einer Unter- 215 terredung, die dem französischen Kaiser für den deutschen Gelehrten eine besondre Hochachtung einflößte, die den deutschen Gelehrten zum feurigsten Bewundrer des großen Mannes machte. Als Napoleon von Berlin nach Posen gicng, war der Feldzug gegen die Russen schon völlig vorbereitet. Die Polen waren mit der prcussischcn Regierung unzufrieden, ob sie gleich ihrem Lande manchen Vortbeil gewahrte. Die freye Ausfuhr des Getreides hatte den Werth der Grundstücke sehr erhöht; es waren schon Vorbereitungen zum dritten Stande gemacht. Aber der polnische Edelmann bekam weniger Ehrenstetten und Aemtcr, er genoß weniger Auszeichnung, als er zu verdienen glaubte; die Damen fühlten ihren politischen Einfluß zu sehr geschwächt. Diese Unzufriedenheit mir der prcussischen Negierung, die die Polen fortdauernd beherrschte, war für dem Ucberwinder des Königs von Prcus- sen eine Aufforderung, diesen Polen ihre Unabhängigkeit zu verschaffen. Die polnische Legion in französischen Diensten bahnte zur 2It> zur Ausführung dieses Plaues gleichsam den Weg. Koschiuschko, der sich damahls in Frankreich befand, Dombrowski, und Wi- bizki, ließen an ihre Nation einen Aufruf zur Behauptung ihrer Frcyhcit ergehen. Es kamen schon Abgeordnete der Polen nach Berlin, um den Napoleon um seine Unter- stühunc; zu bitten. „Ich will sehen," sagte Er zu ihnen, „ob ihr verdient, eine Nation zu werden; ich gehe nach Posen; ergreift insgesammt die Waffen! " Schon zu Anfang des Novembers waren die Franzosen in Südprcussen eingedrungen, und am zten kam die Avantgarde von Davoust nach Posen. Dombrowski, der derselben nach Posen folgte, bcschäfftigtc sich mit der Errichtung von 4 polnischen Znfan- tcricregimcntcrn, unter welche viele ehemah- lige preußische Soldaten Dienste nahmen. Der Fürst von Isenburg bildete eine ganze Legion von preußischen Soldaten. Der Muth der für die Wiedererlangung ihrer Freyhcit sich bewaffnenden Polen wurde, durch das schnelle Vorrücken der Armeccorps der Marschälle Pontecorvo, Soult und Ney, inglei- 217 ingleichen der Reserve von Murat, die von Lübeck nach Polen eilten, sehr erhöht. Hier befanden sich, ausser Davoust, auch schon Lannes und Augereau. Um so eher wagten es die südpreussischen Polen über die schwa- chcn Garnisonen ihres bisherigen Monar- chen herzufallen, und sie zu entwaffnen, wagten sie es, mehrere preussische Strcifcorps aufzuheben. Eine kleine Abtheilung von Franzosen und Polen bemächtigte sich (19. Nov.) der Festung Czentochau. Die In- surrection griff immer weiter um sich. Die Preusscn wurden überall vertrieben. Dom- browSki, der Hauptbcfördcrer dieser Schritte , durch welche die preussische Regierung vernichtet wurde, bcwog den südpreussischen Adel eine Confödcrativn zu bilden. Er ordnete einen Regierungsrath von gebohrnen Polen an. Er wurde in seinen Bemühungen hauptsachlich von Wibizki unterstützt, der, weil er, als Empörer gegen die preussische Regierung, seine Güther verlohrcn hatte, den feurigsten Frcyheitsprediger abgab. Die polnischen Damen, welche die Franzosen weit liebenswürdiger, als die Preusscn fanden, verschafften der Revolution auch man- 218 manchen Beförderer. Zn diesem Zustande befand sich Südpreusscn, als Napoleon (24. Nov.) von Berlin nach Posen gieng. Er war mit diesen Vorbereitungen zufrieden. Diefi erklärte er den polnischen Magnaten, die ihn gleich nach seiner Ankunft zu Posen umgaben. Sie sollten, sagte er ihnen, wenn sie feines Zutrauens sich recht würdig machen wollten, ein allgemeines Aufgebots) durchsetzen. Napoleon bekam auf diese Art eine Verstärkung seiner Macht, die ihm den Rücken sicherte. Napoleon bedurfte dieser Verstärkung und dieser Sicherheit um so mehr, je weiter er sich von seinem Staate entfernte, je zahlreicher und furchtbarer die Feinde waren, die jetzt gegen ihn austraten. Ilm die Mitte des Novembers rückten 4 russische Cvlon- ncn, zusammen über 7Z,ooo Mann, in das prcussische Polen ein. Nun verstrich aber noch eine ziemliche Zeit, che die übrigen russischen Truppen aus dem inncrn Lande herbcvkamcn. Bennigsen, der Oberbefehlshaber von jener Armee, mußte, in Verbindung mit dem neuen Heere, welches der KS- Konig von Prcussen gebildet Hütte, sich auf Verthcidigimg einschränken. Dieses neue preussische Heer bestund aus den Ueberresten der großen Armee, und ans den ostprcussi- sehen Regimentern. Es zählte nzsoooStrei- tcr, die aber meistens z» Pferde dienten. Westprensscn stellte jedoch so viele Rccruten, daß aus denselben 20 neue Bataillone, als eine Reserve, errichtet werden konnten. Sie wurden äusserst geschwinde organisier und exercirt. Ihre Officicrc waren zum Thcil gediente Unrerossiciere, zum Thcil Eis vilbcamten und Studenten von Halle und Königsberg. Sie hatten an dem alten General Lestocq einen würdigen Oberbefehlshaber. Aus Soldaten, die sich dem französischen Kriegsdienste entzogen hatten, bildete Friedrich Wilhelm seine neue Leibwache, und von diesen erfuhr er manche Untreue seiner Obcrofficiere, die seinen Unwillen lebhaft rege machten. Wohl ihm, wenn es eher geschehen wäre! Hunderttausend Russen und Prcussen konnten der f,st noch cinmahl so starken Armee Napoleons sich nicht entgegenstellen. Als Als daher der Großherzog von Berg (28. Nov.) nach Warschau kam, zogen sich die Russen, die in dieser Stadt gelegen hatten, schnell über die Wcichsclbrückc zurück, die sie hinter sich abbrachen. Bennigsen selbst wich bis an den Bug zurück. Seinen Weg bezeichneten geplünderte und abgebrennte Dürfer. Um so lebhafter regte sich der Pa- triotismus der Polen; um so bereitwilliger folgten sie dem Aufgebots) zu einer allgemeinen Landesbewaffnung, das Nadziminski (l2. Dce.) an sie ergehen ließ. Selbst die Damen fühlten sich von Vaterlandsliebe so begeistert, daß sie derselben ihre Zuwclcn zum Opfer brachten. Die Zahl derer, die für die Frcpheit fochten, wurde bald sehr beträchtlich. Die polnischen Soldaten der Prcussen gicngcn compagniecnweise zu ihnen über. An diese schlössen sich viele an, die vorher im österreichischen nnd russischen Dienste gewesen waren. Aus allen europaischen Landern eilten geübte und erfahrne polnische Officiere herbey. Die Macht Napoleons wurde jetzt durch die Mannschaft verschiedener deutscher Fürsten, sten, die dem Rheinbünde beytratcn, vcr- größere. Der Kurfürst von Sachsen, der jetzt die Königswürdc annahm, schloß (11. Dcc.) zu Posen mit dem Kaiser Napoleon Frieden, und machte sich durch denselben zu einem Conlingcnte von 20,000 Mann verbindlich. Da jedoch seine Armee, und vornehmlich seine Cavallerie, sich seit der Schlacht bey Jena, in einem sehr unwehr- haften Zustande befand, so verstattete ihm Napoleon, für diesen Fcldzug nicht mehr als 6000 Mann zu stellen. Zu gleicher Zeit (15. Dec.) wurden auch die Herzoge von Sachsen unter die Mitglieder des Rheinbundes aufgenommen. Sie vergrößerten das Kricgsvolk desselben durch 2800 Mann. Spaterhin schlössen sich auch die Herzoge von Anhalt, die Fürsten von Schwarzburg, Waldeck, Lippe, Rcuß, an dm Rheinbund am. Durch ihre Contingcnte wuchs die Zahl von Napoleons Streitern wieder um 2840 an, und die ganze große Armee machte jetzt über 250,000 Mann aus. Dieser konnte Alexander noch lange nicht seine ganze Kriegsmacht entgegenstellen. Er brauch- 222 brauchte einen Theil derselben gegen die Pforte, mit welcher ihn Scbasnani's Schlauheit in Krieg verwickelt hatte. Rußland versuchte es zur unrechten Zeit, den Divan durch Drohungen zur Bewilligung seiner Forderungen wegen der Moldau und Walachei) zu bewegen. Der Divan blieb, von Scbastiani's Einfluß geleitet, standhaft, und Alerandcr mußte nun zu gleicher Zeit einen doppelten Krieg führen. Die Russen, über welche Michelson den Oberbefehl führte, besetzten (29. Nov.) Jassy, die Hauptstadt in der Moldau, ingleichen Bucharcst, die Residenz des Hofpvdars der Walachei). Auch ernennte Alerandcr den Czcrny Georg, den Anführer der wider die Pforte empörten Servier, zum russischen Generale. Dadurch sah sich der Divan bewogen, dem Kaiser von Nußland noch vor dem Ende des Jahres den Krieg anzukündigen. Eine Armee von 60, — 70,000 Mann, die Alexander) an der Donau brauchte, verminderte die Zahl der Truppen, die er gegen Napoleon ins Feld rücken lassen konnte, so beträchtlich, daß ihm keine 200,000 Mann mehr übrig blieben. So viel hatte Rußland noch nie mar- marschieren lassen; so ausserordentlich war seine ?lnstrengung noch nie gewesen! Um die Streitkräfte zu vermehren, oder um eine Reserve zur Landcsverthcidigung zu bilden , verordnete Alexander (12. Dec.) das Aufgebots) einer großen Landmilitz von 612,000 Mann, welche die Güthcrbesitzcr auf ihre Kosten moiitirtcn und bewaffneten. Indessen war auch die zwepte russische Armee, unter dem Befehle von Vuxhövdcn, an die Weichsel gerückt. Aber die Russen zogen sich, nach einigen Gefechten bcy Warschau und Lowicz, so weit zurück, daß die Franzosen über Warschau hinausgehen konnten. Diese kämpften jetzt mehr mit der rauhen Jahrszeit, und mit abscheulichen Wegen, als mit den Russen. Napoleon halte daher die Absicht, seine Stellung an der Weichsel zu befestigen, und die Hauptunter- nehmungcn bis zum Frühjahre zu versparen. In dieser Absicht begab er sich selbst nach Warschau, wo er, nachdem er diesen Weg meistens zu Pferde, und im Galopp, gemacht hatte, am 19. Dec. anlangte. Nur wenige Husaren folgten ihm bis Warschau. Die 224 Die russischen Generale, die noch keinen rechten Plan gemacht zu haben schienen, waren um diese Zeit bis nach Pultuok, eine sieben Meilen nordwärts von Warschau, an der Narcw, einem Nebenflüsse der Weichsel, liegenden kleinen Stadt, vorgerückt. Wahrscheinlich hatten sie die Absicht, den französischen Kaiser in eine Ebene zu locken, wo er, von ihren Kosacken umschwärmt, und ermüdet, ihrer Hauptarmce unterliegen müsite. Aber Napoleon vereitelte ihren Plan durch seine Vorsichtigkeit, durch feste Brückenköpfe, und verschanzte Lager, welche seiner Armee Sicherheit gewahrten. Um sie zum Abzüge aus dieser Gegend zu bewegen^ ließ er gleich nach seiner Ankunft in Warschau (22. 2z. Dec.) alle seine Ab- Heilungen, die sich hier beysammcn fanden, aufbrechen. Die Russen hatten damahls den ^jährigen Feldmarschall Kaminski zum Oberbefehlshaber. Von diesem hatte schon Sou- worow gesagt, daß Er zwar den Krieg, aber der Krieg nicht Ihn kenne. Auch richtete er, durch die Unbestimmtheit seiner Befehle, bald 22; bald Verwirrung in der russischen Armee an. Jetzt verließ er seine durch Moräste und Waldungen geschützte Stellung, und nachdem die Russen (2z. Dcc.) bey Czarnowo, zwischen Warschau und Pultusk, von den Franzosen zurückgedrängt worden waren, fühlte sich Kaminski aller Besinnung so unfähig, daß er den Oberbefehl wieder abgab. Diesen übernahm Bennigsen, der, wie der russische Minister Budberg laut sagte, die Armee, die Kaminski durch seine Geistesschwäche in große Gefahr gebracht hatte, noch rettete. Bennigsen besetzte (26. Dcc.) Pultusk. Diesen der Stadt Warschau so nahen Posten wollte ihm Napoleon nicht überlassen; allein die französischen Abheilungen wurden durch Nebel, schlechtes Wetter und abscheuliche Wege, so lange aufgehalten, daß die russischen Generale zur Vereinigung ihrer Kräfte, ukid zn einer festen Stellung, Zeit gewannen. Die Franzosen kamen schon entkräftet auf dem Kampfplatze an; dennoch trieben sie endlich die Russen wieder aus Pultusk heraus. Es floß vieles Blut. Die Franzosen sollen, nach dem Berichte der Russen, 20,000 Todte und Ver- Eallttti Weltg. -;r Th. P wun- 226 wundcte gehabt haben. Auch scbeieb sich Bennigsen, ungeachtet et seine Stellung bey Pultusk nicht behauptet hatte, den Sieg zu. Wahrend des Treffens Key Pultusk bekämpften Davoust und Augereau, bcy Go- lymin, den General Burhövden so gut, daß er sich nach Ostrolenka zurückzog.^ Napoleon, der nun sein Hauptquartier nach Pultusk verlegte, behauptete also seine feste Stellung an der Weichsel, wo er, gegen alle Angriffe gesichert, seiner Armee einige Ruhe gönnen, und die Verstärkungen derselben erwarten wollte. Bennigsen entschuldigte sein Zurückweichen von Pultusk durch die Behauptung, daß ihm Burhövden nicht zu rechter Zeit Hülse geleistet hätte. Bennigsen, der sich in Ansehung der Generalstalcnte wohl nicht mit einem Napoleon vergleichen durfte, wollte als Ober- feldhcrr der russischen Armee, das, was ihm bcy Pultusk nicht gelungen war, auf einem andern Wege zur glücklichen Ausführung bringen. Napoleon hatte 4 von seinen Hauptabthcilungen um Warschau zusammengedrängt. Ney stand bey Thorn, wel- 227 welches Lestocq so lange vcrthcidigte, bis er, auf Bennigsens Befehl (6. Dec.) sich von da zurückziehen mußte. Hierauf leistete er dem Marschall Ney bcy Solkau, ostwärts von Thorn (2z, 26. Dec.) einen braven Widerstand. Der Marschall Pontecor- vo unterhielt bey Osterode, nordwärts von Solkau, die Verbindung mit der Hauptarmee. Gegen diesen rückte jetzt Bennigsen unvcrmuthet an. Von seiner durch 4 neue bis auf 10 Divisionen verstärkten Armee ließ er z an der Narew zurück, um die Franzosen und Bayern zu beobachten; mit den übrigen 7 zog er, zu Anfang des Jahres (1807), über Buttstädt, Liebstadt, nach Osterode, um von da bis Thorn, in den Rücken der französischen Armee, vorzudringen. Pontecorvo zog hierauf alle seine Mannschaft bey Mehrungen, zwischen Liebstedt lind Osterode, zusammen, und eine von Markow angeführte russische Abtheilung mußte (25. Jan. ) nach einem harten Kampfe, bis Liebstadt zurückweichen. Da jedoch die Macht, mit welcher Bennigsen anrückte, Pontecorvo'ö Streitkräften sehr überlegen war, so zog sich dieser nach Elbing zurück, P 2 um 228 um sich mit dem Corps des Marschalls Ney zu vereinigen. Jetzt setzte Napoleon alle seine Abteilungen in Bewegung, um, Bennigsens Plan vereitelnd, dessen linken Flügel zu umgehen. In dieser Absicht schickte er dem Herzog von Pontecorvo den Befehl zu, sich nach Thorn zurückzuziehen, um den General Bennigsen in die Gegend zu bringen, in welche Napoleon ihn zu versetzen wünschte. Allein der Courier, der diesen Befehl überbringen sollte, wurde von den Kosackcn aufgefangen, und Bennigsen sah sich also im Stande, die nöthigen Maßregeln zu ergreifen. Er befand sich, als die Franzosen (z. Febr.) anrückten, bcy Allenstein, nordostwärts von Osterode, in Schlachtordnung. Da jedoch Soult die Brücke von Bergfried, und Gunot Guttstadt, nebst den daselbst befindlichen Magazinen, in seine Gewalt gebracht hatte, zog sich Bennigsen nach Prcussisch- Eylau, nordwärts von Guttstadt, zurück. Vor dieser Stadt stellte Bennigsen (7. Fcb.) seine zur Avantgarde gewordene Arricrgardc, unter dem Fürsten Bagration, auf. Hinter der 229 der Stadt, auf 'einer Anhöhe, stand die russische Armee in Schlachtordnung. Hier begann nun am folgenden Tage (8. Febr.) einer der schrecklichsten Kampfe, die jcmahls gekämpft worden sind. Napos lcon hatte den Besitz von Prcussisch s Eylan zu seinem Hauptziele. Abends io Uhr was ren endlich die Franzosen im Besitze Hessels ben. Davvusi bedrohte die linke, Ney die rechte Flanke dcr Russen. Die aus Eylan vertriebenen Russen zogen sich zu dcr jcns scits stehenden Armee zurück. Beyde Ars tnccn standen nur noch in der Entfernung eines Kanonenschusses von einander. Die Russen wollten, am folgenden Morgen (9. Febr.) den Besitz von Eylan durchaus nicht aufgeben; Napoleon wollte ihn durchs aus behaupten. Hier war es, wo, in scis ncr Nahe, eine Kanonenkugel einem Pfcrs de den Kopf wegriß. Napoleon suchte eis nigc Minuten hinter dcr Kirchmauer Schutz. Sein Plan war, wie gewöhnlich, vortreffs lich angelegt; aber die Natur widersetzte sich dcr glücklichen Ausführung desselben. Ein dichtfallendcr Schnee, der nicht auf 4 Schritt 2ZQ Schritte weit sehen lies, war Ursache, daß das Augercausche Corps sich zu weit links zog. Als sich das Wetter wieder aufhellte, ließ Napoleon die russische Armee durch den Grofiher- zog von Berg, mit seiner ganzen Cavallcrie, und das Corps des Marschall Lanncs, angreifen. Diese konnten jedoch, aller Anstrengung ungeachtet, nur zwei) Linien der russischen Infanterie durchbrechen; die dritte behauptete, an ein Gehölze angelehnt, ihre Stellung ganz unerschütterlich. Nachmittags drcy Uhr kam Davonst, durch den ' Schnee gleichfalls mehr als einmal von dem ten Wege abgeleitet, im Rücken der Nüssen an, und schon war er im Begriffe, durchzudringen, als Lescocq, der mit seinen frischen Preußen dazu kam, ihn daran hinderte. So endigte sich die Schlacht mit dem Einbrüche der nachtlichen Dunkelheit. Der Kampfplatz war mit einer schrecklichen Menge von Todtcn und Verwundeten bedeckt. Die 'Russen berechneten ihren eignen Vertust an Todten und Verwundeten, den die Franzosen zu 19 — 22,000 angaben, zu 20,000; die Franzofen hatten gewiß weit mehr, als 7600 Mann, vcrlohrcn. Auge- rcaus 2Zl rcans Corps war so aufgerieben, daß der kleine Ucbcrrcsi einem andern einverleibt wurde. Augereau, der verwundet war, reifere nach Frankreich zurück. Napoleon war nicht mit ihm znfricdcn. Beyde Heere brachten die Nacht auf dem Schlachtfclde zu; am folgenden Morgen aber zog sich Bennigsen nach Königsberg zurück. Er hält sich, in dem Bericht an seinen Kaiser, für berechtigt, sich zu diesem Rückzüge Glück zu wünschen, weil seine Armee in Königsberg, wo der ttebcrfluß herrschte, sich erholen konnte, wahrend die geschwächte und muth- los gewordene französische Armee fortdauernd unter den Waffen bleiben mußte. Bennigsens Soldaten bedurften also doch der Erholung, und er hielt es für rathsamer, ihnen diese Erholnng zu gönnen, als „seinen Sieg über den geschwächten und muthlos gewordenen Feind" zn vollenden. Noch am folgenden Tage (10. Febr.) rückte der Großherzog von Berg mit seiner Cavallcric bis nach Mannsfcld / in der Nähe von Königsberg, vor; er wurde jedoch durch ein hitziges Gefecht zum Rückzug genöthigt. Nach dem russischen Berichte sollten seine 12 Cava!- 2Z2 vallericrcgimcntcr fast ganz vernichtet wor- den scyn; so viel ist gewiß, daß der Gct ncral Haupoult bey dieser Gelegenheit sein Leben verlohr. Aber dieses Sieges unge- achtet, rückte Bennigsen doch nicht wieder vor, und es mag ihm wohl weniger an gutem Willen, als an den Kräften, gefehlt haben; denn hätte es nicht seiner Nnhm- bcgierde äusserst geschmeichelt, den gepriesen» stcn Helden unserer Zeit, einen Napoleon, besiegt zu haben? Die Feinde des großen Mannes dachten sich, seit der Schlacht bey Eylau, die Zurücktrcibung desselben als eine leichte Unternehmung. Wenigstens überschwemmten sie Deutschland mit den übertriebensten Gerüchten voll dem traurigen Zustande der französischen Armee. Aber diese Armee und ihr Kaiser blieben, wenn sie auch nicht nach Königsberg kamen, doch auf der rechten Seite der Weichsel; Napoleons Hauptquartier blieb noch 10 Tage zu Eylau, und es war in der Folge, abwechselnd zu Osterode, Finkenstein und Marienwcrder, in einer sehr sichern Stellung. Sieben Tage nacb der Schlacht bey Eylau (l6. Febr.) widerstand der General Savari, der den einst- 2ZZ einstweiligen Oberbefehl über das ;te Armee- corps führte, bey Ostrolcnka, einem heftigen Angrisse des russischen Generals Essen mit glücklicher Standhaftigkcit, Seit der Zeit fielen mehrere Wochen hindurch mir Vorpostengcfcchte vor. Napoleon versicherte sich (im Marz), durch die Besetzung der Stadt Brannsbcrg, des Ucbcrganges über die Passarge. Er übergab dem Marschall Massena, den er aus Calabrien herbcygcrnfcn hatte, den Oberbefehl über das ;tc Armeccorps, den der kranke Marschall Lanncs nicht führen konnte; und dieses in der Gegend von Warschau aufgestellte Corps wuchs, durch Italiener und Bayern (unter dem Kronprinzen), bis auf 50,000 Mann an. Indessen machte Napoleon dem Könige von Prcussen einen Friedensanrrag. Er wollte, wenn er sich mit ihm gegen Rußland vereinigte, ihm so viel Land lassen, daß er 8 Millionen Un- terthanen zählen sollte. Der König und die Königin fanden diesen Antrag gar nicht verwerflich; aber Hardenberg, und die meisten übrigen Mitglieder des Staatsrathes, stimmten für die Fortsetzung des Krieges. Na- 2Z4 Napoleons Gegner betrachteten seinen Friedcnsantrag als ein stillschweigendes Eins geständniß seiner gefährlichen Lage. Diese Lage hätte erst recht gefahrlich werden können, wenn sich Oestrcich in seinem Rücken aufgestellt hätte. Aber noch war damahls Oestreichs Kriegsmacht nicht wieder so hergestellt, um sich in einer wirklich furchtbaren Gestalt zu zeigen; auch war ihm die völlige Entkräftung Prcusscns, das seinen Planen so manchmal entgegengearbeitet hatte, wohl nicht ganz unwillkommen. Es begnügte sich daher mit dem Geschaffte eines Vermittlers, mit welchem es jedoch wenig Eingang fand. Der östreichischc General St. Vincent befand sich lange in Napoleons Hauptquartier. Hier fand sich auch ein türkischer und ein persischer Gesandter ein. Die Schlacht bcp Eylan brachte den Russen und Prcussen weder gleich, noch späterhin, einen bedeutenden Vortheil. Die russische Armee wurde, eben so wie die französische, wahrend der Wintermonathe, ansehnlich verstärkt. Die Nothwendigkeit ihrer Verstärkung bewiesen die Kalmücken und 2Z5 und Baschkiren, die aus dem inncrn Asien herbeogczsgen wurden. Zu Anfang des Aprils (am zncn) marschierte die 12,000 Mann starke russische Garde, geführt von dem Großfürsten Constantin, über den gs- frorncn Mcmelstrom, nach Königsberg. Zugleich fand sich auch der Kaiser Alexander bcy seiner Armee ein, und wenige Tage hernach (9, April.) wurde ein großer Kricgsrath gehalten, der aber keine große Wirkung hervorbrachte. Napoleon blieb in seiner festen Stellung, und Danzig mußte sich ergeben. Die eigentliche Belagerung dieser eben so großen als wichtigen Sradt fieng sich erst im April 1807 an. Die Armee, die sich rnit derselben beschafftigte, beließ sich zuletzt auf 60,000 Mann. Sie war ans französischen, sächsischen, polnischen, baden- schcn, und andern Truppen, zusammengesetzt. Den Oberbefehl über Dieselbe führte der Marschall Lcfcbrc. In der Stadt, deren Vcrthcidigungsmannschaft bis auf 21,000 Mann, Russen und. Preussen, anwuchs, war zuerst Mannstcin der Obcrbefehls- ha- 2Z6 Haber. Vielleicht hatte Danzig, wenn ihn der einsichtsvollere und entschlossenere Kalks reuth nicht ablöscte, sich weniger standhast gewehrt. Die Vcrtheidigung der großen Stadt erschwerte schon der Umstand, daß die sie umgebenden Anhöhen nicht befestigt waren, daß sie ausgedehnte Vorstädte hatte. Die lctztern, und mit ihnen so manches schöne Gebäude, wurden dem Feuer geopfert. Bald entzogen die Belagerer der Stadt die Verbindung mit Königsberg; auch hatten die Ausfälle, die die BelagcrungSarbciten stören sollten, keinen bedeutenden Erfolg, und das krokowschc Frcycorps wurde durch drcy Batallione Russen, die von Pillau Hers kamen, nicht genug ersetzt. Zn der Nacht vom 2g — 24. April nahm die Bombcnbes schießung ihren Anfang. Zahllose Bomben und Baßkugcln zerschmetterten alles um sich her. Die Einwohner flüchteten in die cnts fcrntern Thcilc der Stadt. Vergebens forderte Lefcbre hcn Grafen von Kalkreuth zur Ucbcrgabe auf. Hierauf folgte zwischen den 26 — 27. April einer der schrecklichsten Bombenangriffe. Da aber auch dieser Kalkreuths Standhaftigkcit nicht erschütterte, suchte 2Z7 suchte Lefebre die Uebcrgabe der Stadt durch eine nähere Einschliefiung zu erzwingen. Seine Absicht beförderte (7. May.) die Wegnahme des Holms, welcher von einigen russischen Batallioncn, deren Officiere mehr am Trünke, als an der Erfüllung ihrer Pflicht, Geschmack fanden, schlecht verteidigt wurde. Der Stadt wurde nun auch das Ncufahrwasscr abgeschnitten. Zwcy Tage hernach (12. May) landete der russische General Kamenskoi mit 7000 Mann. Von Pillau her rückte zugleich der prcussische Oberste von Bülow an. Auch einige englische Kricgsfahrzeuge näherten sich, um die Absicht der Russen und Prcussen, der Stadt Hülfe zu leisten, zu unterstützen. Aber man verfuhr bcy der Ausführung dieses Planes nicht rasch genug. Die gelandeten Russen setzten sich erst nach 7 Tagen (am 16. May) in Bewegung. Indessen gewann der General Oudinot Zeit, mit seinem herrlichen Grenadiercorps herbeyzukommen. Mit 4 Batallionen, mit welchen er über die Weichsel setzte, nöthigte er den General Kamenskoi, sich unter die Kanonen der Festung Münde zurückzuziehen; die englischen Schiffe gerieten 2Z8 then auf den Grund, und der Oberste Bü- low mußte den Rückzug antreten. Ein Versuch, den eine mit Kupfer beschlagene englische, mit 24 Kanonen und 120 Mann besetzte, Corvctte machte, die Stadt Danzig mit Neufahrwasser wieder in Verbindung zu bringen, und sie mit neuer Munition zu versorgen, fiel gleicbfalls sehr unglücklich aus. Sie wurde von einem Regen von Kanonen - und Flintenkugeln so durchlöchert, daß sie sich an ein Piket des Regimentes der Stadt Paris ergeben mußte. Es fehlte der Besatzung von Danzig nun so sehr an Pulver, daß der kleine Vorrath desselben kaum noch auf 5 Tage hinreichte. Und doch war eben diese Besatzung auf 7000 dienstfähige Leute zusammengeschmolzen , deren Cavallcristcn großen Thcils keine Pferde hatten. Die der Verwüstung und des Elendes übcrdrüßigcn Bürger äusserten auch ihre Klagen immer lauter. Unter solchen Umstanden konnte Kalkreuth weiter nichts thun, als (24. Map) die Ucbergabc mit ehrenvollen Bedingungen zu verknüpfen. Lefebre gestand ihm eben das zu, was Kalkreuth selbst ehedem dem Commandantcn von Mapnz best? il- 2Z9 willigt hatte. Drey Tage hernach (27. May) zog die Besatzung mit aller militärischen Ehre aus. Die Russen räumten nun auch Weichselmündc und Neufahrwasser. Napoleon legte dem Eroberer den Titel eines Herzogs von Danzig bey. Die Stadt berechnete ihren durch die Belagerung verursachten Schaden zu 5 Millionen Thalcrn. Eine eben so große Summe kostete ihr die Unabhängigkeit, die ihr Napoleon zugestand! Glücklicher als Danzig war Grau- denz, das der wackere Courbiere so standhaft vertheidigte, bis der Friede dazu kam. Warum machten aber die Russen keine ernstlichere Anstalten, den Fall von Danzig zu verhindern? Waren doch die im Frühjahre eröffneten Vcrglcichsuntcrhandlungen, seit dem Anfang des Maus, wieder abgebrochen; hatte doch die russische Armee, seit dem April, ^ durch viele reguläre Truppen, die durch 200,000 aus der Landmilitz aus- gehobene entbehrlich gemacht wurden, und die zusammen aus 85,000 Mann ausmachten, ihre völlige Stärke erreicht! Kaum war 2^0 war jedoch Danzig in der Gewalt der Fraiu zoscn, als die Russen und Prcussen sich in Bewegung setzten, gegen die französische Armee, die indessen auch so manchen Zuwachs bekommen, die den größten Thcil des Ve- lagcrungshecrcs von Danzig wieder an sich gezogen hatte, kraftvoll vorzurücken. Seit dem 5tcn Zun. bestürmten die Russen die französischen Verschanzungen an der Passarge. Das Corps des Marschalls Ney wurde am 6ten und 8ten zurückgedrängt. Soult wurde durch Kamenskoi am Uebcrgange über die Passarge gehindert. Die Russen waren in den meisten einzelnen Gefechten glücklich. Aber jetzt (9. Zun.) rückte Napoleon mit den Hauptabtheilungcn der Marschälle Ney, Mortier, Davonst, Lannes, und mit der Rcscrvecavallcrie, nach Guttstadt vor. Die 25,000 Russen, die hier standen, wurden durch den Großhcrzog von Berg zugetrieben. Bennigsen, der sich jetzt auf eine kraftvolle Gegenwehr einschränkte, zog sich nach Heils- berg, in ein verschanztes Lager, zurück. Die Franzosen, die ihn hier angriffen, mußten, nach einem blutigen Kampfe, zurückweichen. Napoleon, der (11. Zun.) auf einen An- 241 Angriff der Russen rechnete, ließ den Marschall Davoust nach der Nieder-Alle, zwischen Heilsberg und Eylau, marschieren. Dadurch versperrte er den Russen den Weg nach Eylau. Zugleich bedrohte er Königsberg. Hierauf wendete sich Bennigsen, wahrend Kamens- koi und Lcstocq dem Marschall Davoust cnt- gcgenzogen, auf das rechte Ufer der Alle. Sogleich rückte Napoleon mit seiner Armee, in verschiedenen Abtheilungen, nach der östlicher als die Alle fließenden Pregcl. Mural eilte, in Verbindung mit Davonst, nach Königsberg, und Soult richtete seinen Marsch nach Kreutzburg, nordwestlich von Eylau. Indessen näherte sich der größte Theil von Napoleons Armee der nordostwarts von Eylau liegenden Stadt Fricdland, und hier war es, wo, (14. Jun.) am Iahrstage von Marcngo, die den ganzen Krieg entscheidende Schlacht vorfiel. Die bey Schippcnbeil, am rechten Ufer der Alle, zusammengezogene russische Armee wendete sich plötzlich nach Königsberg. Ihr Weg gieng über das zwischen Schippenbeil und Königsberg liegende Friedland. Als Gallctti Weltg. -zr Th. ^ hier 242 hier ein Thcil der Russen, des Morgens z Uhr, über die Brücke setzte, faD er sich durch Lünnes, dem Bennigsens langsame Entwcrfung der Schlachtordnung hinlängliche Zeit gegeben hatte, um mit dem Grc- nadiercorps von Sudinot herbeizueilen, aufgehalten^ Indessen kam von der Prcgcl nicbt nur Mortier, sondern Napoleon selbst, mit Ney, Victor, den Garden und der Cavalle- rie, herbey. Die Russen hatten die vor- thcilhafteste Stellung; aber Bennigsen hatte, während er seinen linken Flügel an Fricdland stützte, den rechten zu sehr, anderthalb Stunden weit ausgedehnt. Nach 5 Uhr, wurde Neu, der, auf dem rechten Flügel, zunächst bey Fricdland stand, von den Russen angegriffen. Dieser trieb jedoch den Angriff nicht nur glücklich zurück, sondern er bemächtigte sich auch der Stadt Friedland. Bennigsen suchte hierauf das unter Lanncs stehende Centrum zu durchbrechen; aber auch dieser Versuch mißglückte, und nun ward der Rückzug der Russen, durch Mortier's Anrücken, vollends entschieden. Also waren es eigentlich nur die Corps von Ney, Lannes und Pontecorvo, nebst den we- 24Z wenigen Truppen unter Mortier, und den Garden, zusammen 55 — 60,ovo Mann, die den Sieg bei) Friedland erfechten, und die Garden, tuglcichcn das Corps von Pon- tecorvo, über welches Victor den Oberbefehl führte, kamen nicht einmal zum Gefechte. Die Russen .selbst, die 75,000 Streiter zählten, gaben ihren Verlust an Tobten und Verwundeten zu 10,000 an; die Franzosen schätzten ihn zu 15 — 18,000. Sic französische Angabe von 500 Tobten und zooo Verwundeten war wohl nicht im Ernst ge- meynt. Am folgenden Tage wollte sich die russische Armee auf der rechten Alle weiter zurückziehen; aber der Großhcrzog von Berg stand, nachdem er den General Lcstoeq zurückgetrieben hatte, schon in den Vorstädten von Königsberg. Davoust rückte (16. Inn.) bis an die Pregel v»r. - Die in Königsberg befindlichen Nüssen und Preuf- sen zogen sich hierauf aus Königsberg heraus, und gleich nach ihnen rückte der Marschall Soult ein. Die Franzosen freuten sich der großen Vorräthc, die sie zu Königsberg fanden. Bennigsen zog sich nordöstlich nach Tilsit, am Niemcn, zurück. Als Na- Q 2' po- 244 poleon sich näherte, ließ Bennigsen auch den Fluß hinter sich. Jetzt hatte Napoleon die ganze preussische Monarchie, bis auf einen sehr kleinen Theil, in seiner Gewalt. Die russische Abthcilung, die, am Narew, bis Warschan durchzudringen suchte, war so lange (bis zum 11. Jun.) glücklich, als Mass scna ihren Fortschritten nicht Einhalt that. Die Fortsetzung dieses Krieges war für die Russen gefährlich. Die Unternehmungen der siegreichen Franzosen wurden jetzt nicht mehr durch schlechtes Wetter aufgehalten. Sie näherten sich dem russischen Boden; sie konnten, vielleicht ohne große Anstrengung, die russischen Provinzen an der Ostsee wegnehmen. Die russische Armee durfte nicht sobald auf Verstärkungen rechnen. Genug, der Kaiser Alexander erlaubte es seinem Qber- gencrale Bennigsen, den Fürsten Bagration an den Kaiser Napoleon, mit Vorschlagen zu einem Stillstände, abzuschicken. Bald hernach kam der Großfürst Constantin zum französischen Kaiser. Man bestimmte (25. Jun.) die Linie des Waffenstillstandes. Auf' Constantins Antrieb, entschloß sich Alexander -45 der zu einer Zusammenkunft mit Napoleon. Ein auf dem Niemen errichtetes Floß mit 2 Pavillons war (25.. Iun.) der Schauplatz der großen Scene, von welcher die an deichen Ufern aufgestellten Truppen die Zuschauer abgaben. Napoleon, der zuerst auf dem Flosse ankam, gieng dem russischen Kaiser entgegen. Die Heyden Kaiser umarmten sich. Sie blieben 2 Stunden allein, und diese Unterredung stiftete unter ihnen eine enge Freundschaft. Am folgenden Tage (26. Zun.) kamen sie wieder zusammen. Alexander brachte den König von Preusscn mit. Diese Zusammenkunft aber dauerte, vielleicht wegen der Verlegenheit des Königs, nur eine halbe Stunde. Die Halste von Tilsit wurde für neutral erklärt. Bcyde Kaiser und ihre Garden befanden sich daselbst. Alexander und Napoleon waren nun immer beysammen. Der russische Kaiser speisetc immer bcy dem französischen; die russische Garde wurde immer von der französischen bewirthet. Am 6. Jul. war auch der König von Prcussen bcy dem Kaiser Napoleon zur Tafel. Acht- 246 Achtzehn Tage nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes (7. Jul.) war der Tilsiter Friede abgeschlossen. Alexander trat an Napoleon die kleine deutsche Herrschaft Zever, irebst der Republik der sieben Inseln, ab. Dafür erhielt er den ostpreussi- schen Bezirk von Bialustock; also einen Thcil von dem Gebicthc desjenigen, der von seinem Schutze die Erhaltung seiner Monarchie erwartete. Dagegen machte er sich verbindlich, das Herzogthum Warschau, und die Republik von Dauzig, anzuerkennen, und seine Truppen aus der. Moldau und Walachcy herauszuziehen; doch sollten diese Provinzen von den Türken nicht eher, als bis zum Frieden zwischen Nußland und der Pforte, besetzt werden. Die russischen Hafen sollten den Engländern verschlossen scyn. Aus dem Frieden zwischen Alexander und Napoleon konnte man schon den Schluß machen, daß den König von Prcussen ein sehr tingünstiges Loos treffen würde. Die Bedingungen des zwischen Frankreich und Preußen geschlossenen Vergleichs wurden (9. Jul.) von 247 von Bcncvcnt, Kalkreuth und Golz vcr- abredet, oder von dem ersten eigentlich dictirt. Friedrich mußte nicht nur allen seinen deutschen Ländern jenseits der Elbe entsagen, er mußte auch Ncuostprcusscn, Süd- prcusscn, und einen beträchtlichen Thcil von Westpreussen, abtreten. Er vcrlohr fast über die Hälfte seiner Unterthanen, und mehr als die Hälfte seiner Einkünfte. Vermöge einer bcsondcrn Convention sollte alles preussische Land an der rechten Seite der Elbe, am itcn October, von den Franzosen geräumt werden. Mit dieser Räumung wurde jedoch die Bedingung verknüpft , daß die dem Lande aufgelegte Contributiou (25 Millionen Thalcr) völlig bezahlt, oder für die .Entrichtung der rückständigen Summen eine hinlängliche Sicherheit geleistet würde. Diese Sicherheit sollte aber dem Urthcile des Generalintendanten Daru unterworfen seyn. Indessen blieben alle prcussischen Provinzen, Altostprcussen ausgenommen, von den Franzosen besetzt. Preussen war eben so unglücklich, als sein König. Aus 243 Aus einem Thcile der deutschen Prolin« zen des Königs von Preussen, ans einem Stücke deö Kurfürstenthums Hannover, aus dem Lande des Kurfürsten von Hessen und des Herzogs von Brannschweiz, bildete sich das Königreich Wcstphaien, (700 Quadrat- mcilcn mit 2 Millionen Einwohnern) das Napoleon seinem jüngsten Bruder, dem Prinzen Zerome, verlieh. Die polnischen Provinzen, die der König von Preussen abtreten mußte, verwandelten sich in das Her- zogthum Warschau , dessen Regierung Napoleon dem Könige von Sachsen, dem sie schon vor 15 Jahren bestimmt war, anvertraute. Dieser vereinigte dadurch ein Gebiets) von 2,760 Quadratmeilcn mit mehr als 4 Mili'"ueN Menschen. Napoleons Kriegsmacht wurde, durch die Contingente von Wcstphalcn und Warschau, um 50,000 Streiter vermehrt. Nur allein die Armee des rheinischen Bundes, machte, nach dem Beytritte der Herzoge von Mecklenburg und von Oldenburg (isiost) 116,000 Mann aus. Aber noch blieben viele schöne deutsche Provinzen, als die meisten hannövrischcn Lander, die Fürstcnthümcr Bayreuth und Fulda, 24? da, die Grafschaft Hanau, das Gcbicth von Erfurch u. a. m,, in Napoleons eig-^ ncm Besitze. So schienen die Machte von Europa den französischen Kaiser nur in der Absicht zu bekriegen, um ihn auf einen immer höhern Gipfel der politischen Grüße zu erheben. Einen kleinen Bcytrag zu derselben lies fcrtc die hartnäckige Feindschaft des Königs von Schweden. Seine Weigerung, den Wassenstillstand erst nach der Aufkündigung eines Monaths aufhören zu lassen, veran- lasite zwischen ihm und dem Marschall Brune (4. Iun. 1807.) zu Schlatkow eine Zusammenkunft. Gustav IV brachte ein an- , sehnliches Gefolge mit. Unter diesem erschienen auch einige französische Ludwigsrit- tcr. Brune war allein. Gustav blieb seinem Charakter so treu, daß er sich nicht scheute, den Kaiser Napoleon im Lichte eines Usurpators darzustellen, daß er den Marschall ermahnte, sich unter die Fahnen Ludwigs XVIII, eines Monarchen von großen und liebenswürdigen Eigenschaften, zu begeben. An dem Tage dieser Zusammenkunst wurde 2;c> de auch der Waffenstillstand aufgekündigt. Nach dem Waffenstillstand' zwischen Rußland und Frankreich/ der den Abzug der Russen und Prcussen zur Folge hatte, trug Gustav IV vergebens auf Waffenruhe an. Brune erneuerte (14. Jul.) die Feindseligkeiten, und die schwedischen Truppen cntgiengcn der Gefahr, von den Franzosen ganz überwältigt zu werden, blos durch ihren Rückzug nach Stralsund. Diese Stadt wurde nun von dem Marschall Brune eingeschlossen. Gustav IV befand sich selbst in Stralsund. Bald fleheten ihn Abgeordnete der Bürgerschaft um die Gnade an, ihre Stadt mit den Kriegsbedrängnissen zu verschonen. Ais er auf diese Bitte nicht achtete; als die Stadt von den Franzosen noch enger eingeschlossen wurde, flüchteten die vornehmsten Einwohner nach Rügen. Der Magistrat bath zum zwcyten Mahl. Gustav versammelte einen Kriegsrath (18. Aug.). Die meisten Mitglieder desselben stimmten für die Räumung. Der König und die Garnison giengcn hierauf nach Rügen. Der Magistrat übergab die Stadt dem Marschall Brune. Die Schweden setzten die Feindselig- ligkeitcn fort. Ihr König, der verschiedene Mahle vergeblich ans einen Waffenstillstand angetragen hatte, kehrte (26. Aug.) krank und verdrießlich nach Schweden zurück. Nun wurde auch die Insel Rügen den Franzosen übergeben, und diese befanden sich jetzt im Besitze des ganzen schwedischen Pommerns. Fünf Fünf und zwanzigstes Kapitel. Vom Tilsiter bis zum Wiener Frieden. Erster Abschnitt. Kopenhagen wird von den Engländern schrecklich bvmbardirt. Sie sübren die ganze dänische Flotte fort. Dagegen verlieren sie Buenos Ayrcs: auch können sie Alexandrien nicht behaupten. Duckwvrth, der dnrch die Dardanellen bis vor Cvnstantinvpel durchdringt, muß sich wieder zurückziehen. Mini- fierwcchsel zu London. Napoleons Macht steigt indessen immer hoher. Neuer französischer Adel. ^urch den abcrmahls so glücklich gecndig- teu Krieg mit Nußland und Prcusscn, und durch 2)Z durch den Tilsitcr Frieden, sah sich Napoleon in der vorthcilhaften Lage, nicht nur der Fortsetzung des Krieges mit England, sondern auch der innern Regierung seines großen Staates, eine gespanntere Aufmerksamkeit zu widmen, und zu der Erwerbung Spaniens und Portugals die zweckdienlichen Vorbereitungen zu machen. Den Gedanken, England in seinem eignen Gcbiethe anzugreifen, hatte er wohl nie recht eigentlich gefaßt, hatte er wenigstens aufgegeben. England sollte ans dem festen Lande bekriegt werden; hier sollten alle seine Bundesgenossen überwältigt; hier sollten ihm alle Erwerbsquellen versperrt werden. In dieser Rücksicht war das Verfahren, das sich England gegen Dänemark erlaubte, sehr willkommen. Danemark hatte bisher das Glück gehabt, seine Handlnngsverhaltnisse ungestört zu sehen. Die Städte Husum und Tönnin- gen trieben, während der fast allgemeinen Handelssperre, ein sehr lebhaftes Verkehr. Napoleon bewies die sorgfaltigste Achtung für die dänische Neutralität, und »och war von 254 von feiner Seite gar kein Versuch gemacht worden, Danemark zur Thcilnahme an seinem Contincntalsnstcme zu bereden. .Aber der Umstand, daß Rußland, vermöge des Tilsitcr Friedens, zur Thcilnahme an diesem Systeme sich verbindlich gemacht hatte, machte es wahrscheinlich, daß endlich auch Dänemark und Schweden gcnöthigt scyn würden, sich Englands Feinden anzuschließen. Eine aus den Flotten von Nußland, Dänemark und Schweden zusammengesetzte Seemacht konnte dem großbritannischcn Staate allerdings eine große Gefahr bringen. Diesen kritischen Zeitpunkt wollte das englische Ministerium nicht abwarten. Es beschloß vielmehr, Dänemark, das ihm den wenigsten Widerstand entgegen setzen konnte, zur Auslieferung seiner Flotte zu zwingen. Man war zu Kopenhagen, gegen dessen ähof England bisher die freundschaftlichste Sprache geführt hatte, gar sehr überrascht, als Sir Francis Jackson, ehedem Gesandter zu Berlin (8. Aug. 1807.), nach Kiel kam, zmd dem daselbst sich aufhaltenden Kronprinzen den Antrag machte, entweder von Seiten Englands eine feindliche Behandlung zu er- -55 erwarten, oder eine enge Verbindung mit demselben einzugehen, und ihm, zum Unterpfand?, seine ganze Flotte, bis zum wiederhergestellten Frieden, zu übergeben. Die Antwort, die der Kronprinz auf diesen Antrag erchcilte, „ wer gicbt Danemark feine verlorne Ehre wieder?" vcrstattctc dem Gesandken keine weitere Gegenrede. Er erhielt die Weisung, sich an das Ministerium zu Kopenhagen zu wenden. Der Kronprinz, der ihm jedoch zuvoreilte, machte in der Geschwindigkeit alle Anstalten, die Hauptstadt gegen einen feindlichen Angriff zu sichern. Den Oberbefehl vertraute er dem Generalmajor Peymann an, dem er den Artillerieobersten Bielefeld zuordnete. Ucbcr die Sec- defenfion bekam der Eommandeur Stccu Bille die Aufsicht. Da der größte Theil der regulären dänischen Landmacht, etwa 20,000 Mann, sich zur Behauptung der Neutralität an der holsteinischen Granze befand, so zahlte man in Kopenhagen, 2 Leib- regimcntcr mit gerechnet, nicht mehr als 5075 Mann reguläre Truppen, 127z Marinesoldaten, 477 Artilleristen. Zu diesen kamen noch 2 Bataillone seclandische Landwehre, und 2)6 und ein noch unerfahrnes und ungeübtes Valallion Landwehr-?lrtillerie. Auch die Bürgerschaft griff, so wie vor sechs Zahrcn, wieder zu den Waffen; es bildete sich ein Corps von frewvilligen Jägern; die Studenten, 812 an der Zahl, traten wieder unter die Fahnen, denen ehedem ihre Vorganger gefolgt waren. Die zur Vertheidigung der .Seescite bestimmte Flotille, die mit 5000 Mann besetzt war, bildete, mit den Land- und Scebatterien, eine furchtbare Verthci- dignngslinic. Die Landseite blieb jedoch, wegen der geringen Anzahl der Vertheidiger, zu wenig geschützt. Um so mehr hätte man den (16. Aug.) bcy Webeck, z Meilen von Kopenhagen, landenden Engländern Widerstand thun sollen! Allein Pepmann handelte nicht entschlossen genug. So kam Cathcart, der Oberbefehlshaber der englischen Armee, der Hauptstadt ungestört naher. Er nahm sein Hauplguartier an dem Ufer des Sundes, in dem schönen Landhausc Cjellcrup. Seine Bcrgschotten besetzten die Höhe des Lustschlosses Fricdrichsbcrg; die deutsche Legion un- / 2?7 unker dem General Decken stellte sich bey dem Schlosse Friedrichsburg auf Die Englander bezahlten anfangs ihre Bedürfnisse; auch nahmen sie nur in den Häusern, deren Besitzer abwesend waren, zur Selbsthülfe ihre Zuflucht. In ihrem Angriffsplanc verfuhren sie eben so vorsichtig, als thätig. Da eS ihnen nicht an Leuten fehlte, so konnten sie nicht nur Kopenhagen an der ganzen Landseite einschließen, sondern auch die schwachen Versuche, dasselbe zu entsetzen, leicht vereiteln. Einen solchen Versuch machte der Gcncrallieutenant Kastenskiold mit iO,ooc> Mann seclandischcr Landwehrc, die er bey Rothschild versammelt hatte. Diese Leute, die meistens schlecht bewaffnet und noch weniger geübt waren, die größtentheils unerfahrne Officiere anführten, wurden (29. Aug.) von der etwa 5 — 6000 Mann starken hannövrischen Legion bey Kiöge so überrascht, daß ein General, und 56 andre Officiere, nebst 1700 Gemeinen, in die Ge? fangenschaft gericthcn. Indessen halten die Engländer, die Kopenhagen von der Landseite erobern wollten, Eallttti Wcltg. -zr Th. R ihre 2;8 ihre zu dieser Absicht bestimmten Batterien so weit vollendet, und mit snnfzig Vier- und Zwanzig-Pfündcrn, und sechzig Bombenmörsern so furchtbar besetzt, daß sie auf die Wirkung derselben mit Sicherheit rechnen konnten. So groß also auch der Ver- thcidiguugsenthusiasmus in Kopenhagen war; so pünktlich jedes die Pflichten seines Postens erfüllte; so bereitwillig man jedem Bedürfnisse abzuhelfen suchte; so mnthig auch die Ausfalle der Belagerten waren; so war die Zahl der Streiter doch nicht hinlänglich, die Ansscnwerkc zu vertheidigen, und die Annäherung der Englander zu verhindern; so hatte man zu wenig Mittel, den schrecklichen Bombenangriff der Feinde weniger wirksam zu machen. Am?. Sept. forderten dcrAd- miral Gambier und der General Cathcart den General Pcymann noch cinmahl zur Uebergabe der Stadt auf. Sie verkündigten ihm zugleich das schreckliche Schicksal, welches seine fernere Weigerung den Einwohnern derselben zuziehen würde. Pcymann verlangte einen Paß für einen Voten, um an seinen König zu schreiben. Man schlug ihm dieses ab, und drang auf eine bestimmte Antwort. Als -59 Als sie Peymann staudhaft verneinte, fieng sich am Abend des -ten Sept. das Battcriefeucr der Engländer so gewaltsam an, daß Blitz nufBlitz, Schlag auf Schlag folgte, daß Dächer nnd Mauern nicdcrstürtzten, daß viele Häuser angezündet wurden, daß jeder, der sich auf der Straße befand, fast ohne Rettung verkehren war, daß selbst die Häuser, und die Keller, wenig Sicherheit gewährten. Ein Hauptziel der englischen Bomben war die Käthe- dralkirchc und die Sternwarte. Am Morgen des folgenden Tages ( z. Sept.) flüchteten viele Einwohner auf die Znsel Amnck, verbargen sie sich in den Kellern und Gewölben des abgebrannten Schlosses Christiansburg. Ilm Mittag wurde Peymann abcrmahls zur Uebergabe aufgefordert. Als er seine Standhaftigkeit fortsetzte, fleug in der folgenden Nacht das schreckliche Feuer von neuem an. Jetzt wurde auch die deutsche Pctrikirche von den Bomben erreicht, und die anstoßende Vegräbnißcapellc zerschmettert. Auch mit dem Anbruche der dritten Nacht fieng das Feuern wieder an. Die großen Vorrälhe von Bauholz auf den Zimmerplätzen genethcn in Brand. Das R - Lö- 26o Löschen desselben'wurde durch den Bomben-Regen der Engländer unmöglich gemacht. Fast an hundert Orten zugleich brach Feuer aus. Eine kongrcvischc Rakete zündete den Thurm der Frauenkirche an; die Kirche brennte so entsetzlich, daß selbst die Leichen in den Grabgewölben ein Opfer der Flammen wurden. Von den brennenden Häusern waren, aller Anstrengung migeachtet, Z05 nicht zu retten. Es lagen 20 Straßen nicdergebrennt; viele Greise, Frauen und Kinder waren in ihren Wohnungen erschlagen; viele irrten ohne Obdach herum. In der vierten Nacht (am zrcn) mußte man einen stürmenden Angriff der Engländer befürchten. Peymann trug nun auf einen Waffenstillstand an. Die Feindseligkeiten hörten auf, und am 6ten Sept. stimmten die meisten Mitglieder des Kricgsraths für die Capitulation, die am folgenden Tage (7. Sept.) abgeschlossen wurde. Derselben zufolge wurden alle Schiffe und Kriegssahrzcuac, nebst allen Schiffsgcräthschaften, den Engländern übergeben. Ein vom Kronprinzen abgeschickter Courier, der den Befehl, die Flotte zu verbrennen, überbringen sollte, wurde von den Eng- 26r Engländern aufgefangen. Der Kriegsrath verwarf den Vorschlag des Verbrennens, weil man Gefahr für die Stadt, und die Rache der Engländer, befürchten müsse. So kamen l8 Linienschiffe, 15 Fregatten, und zi kleinere Kricgsfahrzeuge, deren Werth, nach der Berechnung der Feinde, 4 Millionen Thaler betrug, in die Gewalt der Engländer. Von der Besatzung waren 88 l getödtct; von den übrigen Einwohnern fehlten gegen 400. Noch weit mehr aber tüd- tcten die Wirkungen des Schreckens und des Elends. Der zugefügte Schaden belief sich auf mehrere Millionen. Vom 8tcn an arbeiteten über 6000 englische Seeleute und Soldaten an der Ausrüstung der dänischen Flotte, und der Einschiffung alles desjenigen, was nur einigermaßen steh mitnehmen ließ. Das übrige suchten sie geflissentlich zu zerstören. Durch das Versprechen eines bessern Soldes lockten sie auch noch izoo dänische Seeleute in ihren Dienst. Vom i2kcn bis zum lytcn Oct. schifften sich die Engländer wieder ein, Ihre Flotte wurde von Stürmen so verfolgt, daß im Kat- 26? Kattegat, uiid >>i der Nordsee, viele Schiffe strandete». Einige Wochen nach der Capi- tulation (25, Sept.) erschien ein Manifest des englischen Cabinets, um das Verfahren, das man sich gegen Kopenhagen erlaubt halte) zn rechtfertigen. Man hatte, hicfi es, in demselben, die zuverlässigste Nachricht erhalten, daß der Beherrscher Frankreichs die Absicht gehabt habe, den dänischen Hof zur Sperrung des Sundes, und zur Unterstüz- znng einer Landung in Großbritannien und Irland zu zwingen. Sie Engländer hatten nun zwar die dänische Flotte; aber Dänemark konnte sich der Verbindung mit Frankreich und Rußland nicht mehr entziehen. Schon durch die Gefühle der Rachsucht wurden die Dänen zum Kriege gegen die Engländer angefeuert. Nach einer Verordnung vom xücn Sept. wurden alle in den dänischen Ländern befindlichen englischen Unterthanen als Kricgsgcfangne eingezogen, oder wenigstens unter strenge Aufsicht der Obrigkeit gesetzt; man belegte alles englische Eigcn- thum, ohne Ausnahme, mit Beschlag , und befahl alle Wechsclzahlungen für Engländer in die königlichen Lassen zu liefern. jDie dam- 26z dänischen Seeleute thatcn, als Kaper, den Engländern großen Schaden. So sehr Dänemark von England gemiß- handelt worden war, so that der Minister Canning dennoch den Vorschlag, das Gel schchcne nicht weiter zn erwähnen, sondern zwischen einer Wiederherstellung des Neu» tralitätszustandes, und einer engen Verbindung mit Großbritannien, zu wählen. Er machte zur russischen Genehmigung dieser Neutralität Hoffnung; auch sollte die Flotte, drei) Jahre nach dem Abschlüsse des allgemeinen Friedens, zurückgegeben werden. Dafür verlangte man aber die Abtretung der Insel Helgoland, und die englischen Truppen sollten auf der Insel Seeland bleiben. Dänemark aber erklärte dagegen, daß es sich durch diese Anerbictungen nicht weniger, als durch die Drohungen von neuen Feindseligkeiten, empört fühle, und daß von einem besonder» Frieden mit England nie- mahls die Rede scpn könne. Jetzt (4. Nov.) kündigte Großbritannien dem dänischen Staate förmlich den Krieg an. Der 264 Der Krieg mit den Staaten, die mit Napoleon in Verbindung standen, diente den Engländern zum Vorwaude, denselben allmählig alle ihre Colonicn wegzunehmen. Am ite» Tage des Jahres 1807 bemächtigten sie sich der holländischen Znsel Curassao; fünf Wochen hernach ( z. Febr.) nahm der englische General Achmuch die Stadt Monte-Video, im spanischen Vicckönigreichc la Plata, durch einen stürmenden Angriff, ein. Die Engländer wollten nun auch das dieser Stadt gegenüberliegende Buenos - Achrcs wieder in ihre Gewalt bringen. Das Corps, das sie hierzu bestimmten, drang, geführt vom General Whiteloke, (5. Zul.) in verschiedenen Colonnen in die Stadt ein; aber der Widerstand, den demselben die überlegenen, aus den Häusern und von den Dächern feuernden Spanier, unter dem Befehle von Ziniers, entgegensetzten, nöthigtc den General Whiteloke, der schon 1200 Mann vcr- lohrcn hatte, wegen der Auslieferung der Gefangnen, und eines frep.cn Abzuges, zu unterhandeln. Die vornehmste Bedingung, die er eingehen mußte, war die Räumung von Mvnte-Video, und von allen in Besitz ge- genommenen Landstrichen. So war der Aufwand von mchrcrn Millionen Geld, und mchrern tausend Menschen, abermahls fruchtlos. Zu den Unternehmungen, die einen solchen Erfolg hatten, gehörte auch die Besetzung von Alexandrien in Aegypten. Eine englische Truppenabtheilung von 5000 Mann, die unter dem Befehle des Generals Fräser standen, bemächtigte sich dieser Stadt (20. Marz 1807) durch eine Capitulation. So leicht diese Eroberung war, so unglücklich fielen die Versuche der Engländer, Rosctta in ihre Gewalt zu bekommen, aus. Eine Abtheilung der Engländer, die zu Anfang Aprils in Rosctta ungehindert einzog, wurde von dem aus den Häusern und Fenstern gerichteten Gewehrfeucr der türkischen Besatzung so schlimm empfangen, daß ein General der Engländer fiel, daß sie mit einem Verlust von 45O Tobten und Verwundeten wieder abziehen mußten. Ein zweytcr Versuch, No- setta zu erobern, kostete den Engländern 1000 Mann, und nur ein schneller Rückzug rettete die übrigen. Die Engländer konnten sich nun 266 nun auch bei) drin Besitzt von Alexandrien nicht behaupten. Der türkische Gouverneur Muhamed Ali Pascba rückte (22. Sept.) mir einer so überlegenen Macht gegen sie an, das; sie es rathsam fanden, die Auslieferung der bcn Rosetta gemachten Gefangnen, durch die Räumung von Alexandrien, zu erkaufen. Auch diese fruchtlose Unternehmung kostete der englischen Regierung mehrere Millionen, und 4000 gute Soldaten. Die englische Regierung wünschte Ruß» land, wegen des Krieges mit Napoleon, von dem Kampfe mit der Pforte bcfreut zu sei Heu. Ihr Gesandter, Arbuthnot, bemühet« sich daher, einen Vergleich zu stiften. Als ihm seine friedlichen Bemühungen fehl schlugen, that er (25. Jan. 1807) im Namen seines Königs, dem Diwan den Antrag, entweder eine enge Verbindung mit Großbritannien einzugehen, und den französischen Gesandten schnell zu entfernen, oder die nachdrücklichsten Feindseligkeiten zu Wasser und Lande zn erwarten. Die Wirkungen dieser Drohungen wurden aber durch Scba- stiaui's kluges Benehmen verhindert. Der eng- 267 englische Admiral, Duckworth, machte hierauf einen Versuch, durch die Erfüllung der Drohungen, den Gesinnungen des Diwans eine andre Stimmung zu geben. Er wagte es mit seiner Flotte, die 9 Linienschiffe und z Fregatten stark war, (18. Febr.) als die Türken sich gerade der Freude ihres großen Beyramsfestcs überließen, von einem starken Südwinde begünstigt, des heftigen Feuers der türkischen Schlösser ungeachtet, ohne großen Verlust, durch die Meerenge der Dardanellen, zu scegcln, und zwe» Tage hernach stand dieselbe vor Constantiuopcl. Auf der Höhe von Gallipoli verbrennte er 1 Linienschiff und 5 Fregatten der Türken, deren Besatzung sich in einer Moschee befand. Durch dieses Verfahren reitztc er die Erbitterung der Bewohner von Constantino- pel so sehr, dasi dem Sebastiani seine Bemühungen, die Türken zur standhaften Verteidigung zu bereden, um so leichter gelangen. Der Diwan benutzte den Vorwand der Unterhandlungen, um einige Zeit zu gewinnen. Die Forderungen des englischen Admirals, der die Stelle des kranken Ar- buthnots versah, waren so beschaffen, daß sie -68 sie den Entschluß der Verweigerung leicht rege machten. Die Pforte sollte den Engländern die Dardancllcnschlösscr übergeben, und 15 mit Munition bcladene, im Arsenale liegende Kriegsschiffe ausliefern; sie sollte dem Kaiser von Frankreich sogleich den Krieg ankündigen, und dem Kaiser von Rußland die Moldau und' die Walachei) überlassen u. s w. Die von Scbastiani geleiteten Vcrthcidigungs- mafiregcln waren jedoch indessen so weit gediehen, daß es Duckworth rathsam fand, den Ton seiner Forderungen herab zu stimmen. Er verlangte jetzt nur noch, daß man dem Gesandten einen Ort zu den Unterhandlungen anzeigen möchte. Man antwortete ihm aber, daß der Rückzug der englischen Flotte dem Anfange der Unterhandlungen schlechterdings vorausgehen müsse. Zu diesem Rückzüge sah sich nun Duckworth, durch die seinem Angriffe sich entgegensetzende furchtbare Battericnreihe, bewogen. Er kehrte (1. März) unter einem von Franzosen gerichteten Kanonenfeucr der Dardanellen-Schlösser, das ihm einen bedeutenden Verlust verursachte, durch die Meerenge zurück, und nahm seine vorige Stellung bey Tenedvs wieder ein. Der 269 Der Verdruß, den die englischen Minister über die verunglückten Krirgsunterneh- mnngcn empfanden, wurde noch durch die irländischen Unruhen vergrößert. Der alte, durch unduldsames Verfahren genährte, Ne- ligionshaß, den die katholischen Zrlandcr gegen die großbritannische Regierung hegten, war Ursache, daß in verschiedenen Grafschaften Empörungen ausbrachen. Diese Empörungen waren, wie gewöhnlich, auf französische Unterstützung berechnet, und sie wurden von französischen Emissarien geleitet. Das englische Ministerium hielt es um so nöthiger, kraft einer Jnsurrectionsbille, die Zrlander zu entwaffnen. Eben dieses Ministerium, die Grecnwill- Addingtonsche Administration, überzeugte sich zugleich aber immer mehr, daß die Vereinigung Irlands mit Großbrittannien, so lange als der Religiousdruck der katholischen Zrlander fortdaure, ein leerer Nähme bleiben müsse. Die Minister glaubten daher, nach dem Beyspiele von Fox, die Verpflichtung zu haben, sich für diese Leute zu verwenden, und sie thaten in dieser Rücksicht im Parlamente L70 niente dm Antrag, den irländischen Katholiken dcn Zugang zu höhern Ehrcnstellen bey der Armee zn öffnen. Aber die geistlichen Lords des Oberhauses, die diese Veränderung für höchst gefährlich hielten, vereinigten sich sogleich mit den alten Feinden dör Minister, uni der Ausführung ihres Vorschlages entgegen zu arbeiten. Die Bischöfe erinnerten den König an den bey seinem Regierungsantritte geleisteten Eid. Georg III, der einer Begünstigung der katholischen Jr- iander von jeher abgeneigt war, drang erst ans die Aufschiebung, hernach auf die gänzliche. Zurücknahme der Bill. Hierbei) noch nicht beruhigt, forderte er von den Ministern das Versprechen, das; in Zukunft niemals ein Antrag zum Vortheile der Katholiken gemacht werden, das; das jetzt bestehende Einschränkungs - und Untcrdrüeknngssystem immer fortdauern sollte. Setzt glaubten die bisherigen Minister, ihre Stellen niederlegen zu müssen. Unter denen, die (Jan. 1807) an ihre Stelle traten, befand sich der Herzog von Portland, als erster Lord der Schatzkammer, Georg Canning, als Staatssccre- rär der auswärtigen Angelegenheiten, Cast- lereagh lcreagh, als Staatssecretär das Krieges; gro« ßenthcils, vornehmlich Canning, schon von William. Pitt emporgehobene Männer. Das nene Ministerium entsprach dem Vertrauen der Nation gar nicht, weil seine Maßregeln, Napoleons Unternehmungen in Polen Hindernisse entgegen zu setzen, einen so wenig glücklichen Erfolg hatten. Napo« leons Ansehen und Macht war durch den Frieden zu Tilsit noch mehr gehoben und befestigt worden. Rußland, einer seiner furchtbarsten Feinde, schloß sich jetzt an sein System gegen England an. Das jetzt so ohnmächtige Preußen befand sich gleichsam in seiner Gewalt. Das Herzogkhum War« schau, das Königreich Wcstphalcn, und man« ches neue Mitglied des rheinischen Bundes, rciheten sich an die das französische Kaiser« reich, als eine Schützmauer, umgebenden Staaten an. Napoleon gcboth seitdem über eine Million Krieger. Kaum konnte noch' jemand den Gedanken hegen, sich mit ihm in einen Kampf einlassen zu wollen. Na« Napoleons eignes Gebicth war, seit dein Frieden zu Tilsit, beträchtlich vergrößert worden. Von Holland tauschte er, für Ost- friesland und Jever, das an. der linken Seite der Maas liegende Land) nebst ei? nem Theilc von Seeland (Bezirk von Rüssingen) ein. An Ocstrcich trat er (io. Oct. 1807) die Grafschaft Montefalcone ab, um die nördliche Granze des Königreichs Italien bis zum Jsonzo zu erweitern. Um eben diese Zeit (i. Sept.) wurde die Republik der sieben Inseln der französischen Herrschaft unterworfen. Acht Wochen spater (27. Oct.) verwandelte sich das Königreich Hctrurien in einen Thcil des napoleonischen Reichs. Äie Königin Marie Luise, die, als Vormündern, ihres kleinen Sohnes, regierte, sah sich, durch einen geheimen, zwischen ihrem Vater und dem Kaiser Napoleon geschlossenen Vergleich, bewogen (io. Dec.) der Regierung zu entsagen, und nach Spanien zurückzukehren. Napoleon vergaß, bcy der Vergrößerung seiner Macht, die Feldherren nicht, die sich auch im letzten Kriege um ihn so große Wer- Verdienste erworben hatten. Er wies ihnen zu ihrer Belohnung für 20 Millionen Franken polnische Güter au; er bedung sich in dieser Absicht auch die westphalischen Domänen aus. Hierdurch sah er sich in den Stand gesetzt, fast keinen seiner Generale ganz zu vernachlässigen. Zur Aufmunterung derselben war auch der im folgenden Jahre (1808) errichtete französische Adel bestimmt. Aus -Napoleons Feldherren wurden jetzt Prinzen, Herzoge, Grafen, Barone, die aber, wenigstens vor der Hand, noch nicht ganz die Vorrechte des ehemahligcn Adels genicsien, die keine Adelsarisiokratie bilden sollten. Unstreitig war es dem Adel, der wegen der Fortdauer seines vorzugsvollen Ab- standcs von den Bürgerlichen bisher so besorgt gewesen war, höchst erfreulich, seinen Stand durch Napoleon selbst wieder hergestellt zu sehen. Wahrend daß die Generale und die Staabsoffieicrc sich durch Güter und Ehre belohnt sahen, mußten sich die übrigen Officiere und die Gemeinen mit dem Orden der Ehrenlegion begnügen. Wie viele aber dieser Ehre ihr Leben und ihre gesunden Glieder zum Opfer brachten, zeigt Gallctti Weltg. - zr Tb. S sich 274 sich aus 180,000 französischen, und 50,006 italienischen Conscribirtcn, die, des polnischen Krieges wegen, in den Jahren 1807 und 1808 ausgehoben wurden. Uebrigens war in Frankreich nicht so, wie in andern europäischen Staaten, der Krieg eine Ursache zerrütteter Staatswirthschaft. Ohne daß die Abgaben der Unterthancn im geringsten vermehrt wurden, sah sich die Staatskasse im Stande, ihre Zahlungen mir aller Pünktlichkeit zu leisten. Unter den 720 Millionen Franken, die (1807) die Einnahme derselben ausmachten, befanden sich aber 50 Millionen, die das Ausland (Preussen und andre Staaten) entrichtet hatten. Die Unterhaltung der Land- armce kostete frcylich 80,550,000Thalcr; aber außer dem Sold wurde den Soldaten, so lange sie sich in andern Landern befanden, nichts bezahlt. Für Vorrarhc von Lebensmitteln wurde gewöhnlich nicht gesorgt. Napoleon behielt, ben dieses guten Staatswirthschaft, noch Geld genug, uni auf die Verschönerung seiner Hauptstadt, durch neue Straßen, neue Brücken/ neue Ge- 275 Gebäude, und prächtige Denkmähler, ansehnliche Summen zu verwenden. An die Tuillericn schloß sich/ dem Louvre gegen über, eine herrliche, der Gcmahldcsamm- lung gewidmete, Gallerie an; an Napoleons glänzende Siege sollten auch die Brücken von Austerlitz und Von Zcna erinnern, Der Kirchenstaat erhielt eine ansehnliche Vergrößerung ; ' es wurden 6000 Neue Beykirchen errichtet, und die Zahl aller Beykirchen des französischen Staates belief sich jetzt auf ZO,ooo. Aber es fehlte zu sehr an jungen Männern, die zum geistlichen Stande einen inner» Beruf fühlte». Mit dem collüge de France Wurde eine neue Schule für Erd- und Gcschichtkunde, mit zehn Professoren, gestiftet. Frankreichs politische Verfassung wurde durch Napoleons äusserst thätigen, alles Zweckmäßige ins Auge fassenden Geist all- mählig anders gebildet. Er hob, nicht lange nach seiner Rückkunft (ig. Sept.) das Tribnnat nuf, und trug die vorläufige Erörterung der Gesetze, die den Hauptgegenstand seiner Bcrathschlagungen ausgemacht Sä hat- 276 hatten, drey Commissionen der gesetzgebenden Versammlung auf. Die Form der Staats? Verwaltung zeigte sich jetzt immer monarchi? scher. Das bürgerliche Gesetzbuch der Fran? zosen erhielt den Nahmen Code Napoleon: alles hieß nun kaiserlich. Zwey- -77 Zweyter Abschnitt. Staatsverandcrung in Portugal. Der Prinz Regent geht nach Brasilien. In Spanien wird Karl IV; von seinem Sohn Ferdinand zur Abdankung genöthigt. Napoleon kommt nach Bayonnc. Karl und Ferdinand treten ihm alle ihre Rechte ab. Napoleon ernennt seinen Bruder Joseph zum Könige von Spanien. Die Spanier empören sich. Krieg zwischen ihnen und den Franzosen. -während sich Napoleon mit der innern Regierung iseincs großen Staates beschaff- tigte, war seine Aufmerksamkeit unausgesetzt auf die Lage der pyrcnäischcn Halbinsel gerichtet. Portugals Einverständnis mit England hatte ihn schon vor einigen Zahren zur feindseligen Behandlung desselben bewogen, und jetzt bestimmte ihn dieses Ein- ver- 278 Verständnis?, eine völlige Regicrungsvrrände- rung durchzusetzen^). Die seiner Macht so leicht auszuführende Unternehmung wurde noch, durch die kraftlose und schwankende Regierung des portugiesischen Hofes, befördert. Zu den Vielen königlichen und fürstlichen Personen unseres Zeitalters, die der Starke und Festigkeit des Geistes und Charakters völlig beraubt sind — das gewöhnliche Schicksal der spätem Nachkommen alfcr Regenten- familicn! — gehört auch der Prinz Regent von Portugal. Den Spielcreyen mit Pfaffen, die ihm durch die Zauberkraft des Aberglaubens und der Bigotterie beherrschten, sich preis gebend, überließ er die Regierung einigen Großen, die sich, aus Gcistesbe- qucmlichkeit, größtcntheils von Geistlichen leiten ließen. Männer von Kenntnissen und Kraft wurden absichtlich entfernt. Sie bildeten die Häupter einer Gegcnparthcy, die, wahrend die Freunde der Engländer für die Erhaltung des schwachen Ncgicrungssystems eifrig arbeiteten, alles aufbothen, um den Hof zum Einverständnisse mit Frankreich zu be- *) Thcil XXII, S. Z45. 279 bewegen. Zwischen diesen beyden Partheycn schwankte nun der Hof zn Lissabon, gleich einem rudcrloscn Schiffe, hin und her. In dieser Lage befand er sich, als durch Napoleons ernsthafte Maßregeln die Unsicherheit desselben ausserordentlich vergrößert wurde. Kaum war (Iul. 1807) zu Tilsit Frieden geschlossen worden, als sich schon an den Granzcn von Spanien, bcy Bayonne, ein französisches Heer versammelte. Dieses wuchs bis auf 50,000 Mann an, und schon bildete sich bey Nancy ein zwcytes starkes Reservccorps. Dieses stand unter der Aufsicht des Generals Dupont. Uebcr das Haupthcer führte der Marschall Junot den Oberbefehl. Mit diesen Zurüstungen stand ein (27. Oct. 1807) zwischen dem Kaiser Napoleon und dem Könige von Spanien geschlossener Vertrag in Verbindung. Dieser Vertrag hatte die Entfernung oder wenigstens völlige Entkräftung der jetzigen Negierung Portugals zum Gegenstände. In dieser Absicht hatte man eine Theilung dieses Reiches beschlossen. 2Fo sei». Die Provinzen cntrc Minho y Duro bestimmte man der Tochter Karls IV, der Königin van Etrurien, die ihr italienisches Land dem Kaiser Napoleon abtrat; die Provinz'en Alemtejo nNd Algarvc sollten dem Fricdcnsfürsten zu Thcil werden ; das Schicksal des noch übrigen Portugals wollte man der Entscheidung eines allgemeinen Friedens überlassen. Zugleich gab Karl IV nicht nur seine Einwilligung zum Durchzuge von 28,000 Franzosen; sondern er machte sich auch zur Stellung von 27,000 Mann eigner Truppen verbindlich. Von diesem geheimen Vertrage hatte man damahls eben so wenig zu Lissabon, als an den andern Höfen, Nachricht; sonst würde Napoleons gcbicthcrischcs Verlangen, entweder dem Continentalsysicm gegen England beyzutrcten, oder die Besetzung des Landes zu erwarten, eine noch lebhaftere Bestürzung verursacht haben. Die Verlegenheit, in welche der Hof zu Lissabon, durch Napoleons Verlangen, versetzt wurde, war aber nur so größer, je nachdrücklicher der englische Gesandte zu Lissabon, in 281 im Nahmen seiner Regierung, eine Erklärung verlangte, welche Parthcy Portugal zu ergreifen gedachte, und jcmehr er, in dem Falle, wenn man das Einrücken eines französischen Heeres gestattete, mit der Sperrung aller Hafen, und der Wegnahme aller Eolonien, drohcte. In dieser Verlegenheit that der dem englischen Interesse ergebene Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Antonio de Araujo Azevcdo, dem /Prinzen Regenten den Vorschlag, mit allen seegelfertigen Kriegsschiffen, allen marschfertigen Truppen, und allen fortzuschaffenden Schätzen, unter dem Schutze einer englischen Flotte, nach Brasilien zu gehen, und sich, durch die Eroberung des spanischen Amerika, für den Verlust in Europa zu entschädigen. Die Vorbereitung zu der 'Ausführung dieses Vorschlages machte der Prinz Regent dadurch, daß er seinen ältesten Sohn, den Prinzen Peter, Prinzen von Beira (geb. 12. Ott. 1798) am 2 Ott. zum Connetable, und VicekSnig von Brasilien, ernennte. Um 28? Um jedoch zur Ausführung dieses Pla nes Zeit zu gewinnen, unterhandelte der Graf von Lima, zu Paris, mit dem Minister Champagm), wegen eines auf Napoleons Verlangen sich beziehenden Vergleiches. Dieser Vergleich machte es zur Hauptbcdin- gung, dafi Portugal den Engländern seine Hafen verschließen, und eine monatliche Subsidie von zwey Millionen Franken bezahlen sollte. Napoleon, der schon über Portugals Schicksal entschieden hatte, brauchte die Unterhandlungen zur Erreichung der Abficht, der nach Portugal im Anzüge begriffenen Armee die nöthige Zeit zu verschaffen. Als sich diese der portugiesischen Gränze genähert hatte, befahl Napoleon seinen Agenten zu Lissabon, Nayncrol, dem dastgen Hofe zu erklären, daß der Kaiser, weil er von Portugals geheimen Unterhandlungen mit England Nachricht bekommen hätte, den Vergleich abbrechen muffe; daß alle englische Waaren sogleich in Beschlag genommen werden, dafi alle, nach der Abreise des Agenten, geschlossene Käufe ungültig seyn sollten. Die englischen Kauflcute wußten nun das, was sie in der Geschwin- dig- ?8Z digkeit nicht fortschaffen konnten, mit großem Nachtheil verkaufen. Jetzt war der Entschluß des Prinzen Regenten, seinen Thron nach Brasilien zn versetzen, entschieden- Wahrscheinlich hatte xr nun auch von dem zwischen Frankreich und" Spanien geschlossenen Vertrag einen Wink bekommen. Aber man wollte Zeit zur Flucht gewinnen; daher stellte man sich ganz -nachgiebig an; daher verschloß man den Engländern alle portugiesische Häfen. Doch am ifften Nov. kündigte das französische Amtsblatt, .der Monitcur, den Thron- vcrlust des Prinzen Regenten an, weil er den Jntrigucn Englands Gehör gegeben, weil er die englischen Waarcn nicht in Beschlag genommen hätte. Jetzt wurde es dem englischen Gesandten Lord Strangford, und dem Contrcadmiral Sidncy Smith, dem Oberbefehlshaber der englischen Flotte im Hafen von Lissabon, gar nicht schwer, den Prinzen Regenten zur Abreise nach Brasilien zu bereden. Alle Landtruppcn marschierten «ach der Küste. Die Flotte wurde in secgelfcrtigcn Zustand versetzt, Man schien 284 schien von französischer Seite zu glauben, daß Portugal wirklich die Absicht hätte, die englische Parthcv zu verlassen. Junot kün- digtc schon die Einstellung der Feindseligkeiten an; indessen that er doch den Einwohnern Portugals zu wissen, daß er ihr Land auf eine freundschaftliche Art besetzen würde. Als aber der Vortrab seiner Armee, bcy Abrantcs, angekommen war, beschleunigte der portugiesische Hof seine Abreise. Er machte (26. Nov.) der Nation durch eine Proclamation bekannt, daß er im Begriff wäre, mit seiner ganzen Familie, nach Rio de Janeiro in Brasilien, abzugehen; er kündigte ihr zugleich eine Interimsregierung an, die ihren Eid in die Hände des Car- dinalpatriarchen (eines Prinzen aus dem königlichen Hause) ablegen sollte. Am folgenden Tage bestieg er das Linienschiff seines Rahmens. Ausser seinen Verwandten, folgten ihm noch viele Große, und noch viele andre Familien. Auf der aus 8 Linienschiffen und z Fregatten bestehenden Flotte wurde ein baarcr Geldschatz von 250 Millionen Crusadcn (Gulden) mitgenommen. Noch blieben 5 Linienschiffe, 5 Fregatten, und -85 und viele kleine Kriegsschiffe, auch große Vorräthe von Kriegsbedürfnisscn, zurück. Junot war, als der portugiesische Hof von Lissabon abreiset?, nur noch 2 Stunden entfernt. Am zo. Nov. zog der Vortrab seines Heeres in Portugals Hauptstadt ein; am itcn Dec. mußte die Fahne von Bra- ganza dem französischen Adler weichen. Zugleich wurde alles englische Eigcnthum in Beschlag genommen, wurden alle Gewehre verbothen. Dadurch ließen sich aber die feurigen Einwohner von Lissabon, die sich von ihrer anfänglichen Bestürzung erholten, und die von ihrem künftigen Zustande nichts Gutes ahneten, nicht abhalten, einen Aufstand zu erregen, der, wenn es ihnen nicht an einem entschlossenen Anführer fehlte, den Franzosen sehr gefährlich werden konnte. Junot ergriff jedoch so strenge Maßregeln, daß er sobald keinen neuen Aufstand befürchten durfte. Napoleon, der nun Portugal in seine Gewalt gebracht hatte, bekam um eben diese Zeit 2^6 Zeit eine günstige Gelegenheit, seine Herrschaft auch über Spanien auszudehnen. Die spanische Nation fühlte sich, »och mehr als die portugiesische, durch das kraftlose, verächtliche Benehmen ihrer Regierung gekränkt. Das Volk ärgerte sich über die große Gewalt> welche vcrachlungswcrthe Emporkömmlinge ausübten. Zhr König/ Karl IV, folgte, um die Regierungsgcschäffte unbekümmert, blos seinem Hange zur Zagd, und ZU einem bequemen Privatleben. Von starkem, dem Anscheine nach gesundem Körperbau, den er dubch jugendliche Anstrengungen und Uebuttgeu gestärkt hatte, verriet!) er in seinen Mienen einen ernsten, sinsrel'n Charakter. Zum Zorne und zur Nachgicr leicht gereiht, schonte er selbst seine Gemahlin nicht. Diese wußte ihm jedoch allmahlig mehr Milde einzuflößen. Zugleich wurde er aber auch kraftloser, wurde er weniger selbststandig. Er fühlte einen wahren Negierungsekcl. Um so mchp gab er sich dem Vergnügen, wilde und zahme Thiers zu tüdtcn (z. B. Schweine zu schlachten) hin. Seine Geistesschwache wurde von seiner Gemahlin, Maria Luise The- 2Z7 Therese, Tochter des^Hcrzogs Philipp von Parma, zum mächtigen Einflüsse auf die Staatsangelegenheiten, und zur Erhebung ihres Günstlings, des Principe de la Paz, benutzt. Bestandig an der Seite des Königs , und seinem BequeMlichkcitshange schmeichelnd, erwarb sie sich seilt Vertrauen, seine Achtung, seine Liebe immer stärker. Ein Decret, das ohne ihr Vorwissen, ohne ikre Genehmigung, erlassen werden sollte, wurde manchmahl unterdrückt. Mit weiblicher Schlauheit wußte sie ihrem Liebling die Gunst ihres Gemahls so sehr zu verschaffen, daß er ihm selbst den Befehl gab, seiner Gemahlin, wenn er abwesend wäre, Unterhaltung zu verschaffen. Weil sie ihre und ihres Günstlings Regierung so lange als möglich fortzusetzen wünschte, so war es ehr auch nicht darum zu thun, ihrem Sohne, dcM Prinzen Ferdinand von AsturieN, eine seiner künftigen Bestimmung angemessene Erziehung zu geben. Sein Hofmeister, der Canonicus Escoiquitz, ein mit der schönen Literatur sehr bekannter Gelehrter, und selbst guter Dichter, besaß zu wenig Kraft Und Festigkeit des Geistes, um den Charakter 288 ter seines Zöglings zweckmäßig zu bilden. Wie oft schreibt man jedoch das, was auf die Rechnung der augebohrncn Anlagen kommen sollte, den Fehlgriffen der Erziehung zu! Das, worin sich Ferdinands Charakter noch etwas kraftvoll äusserte, war der von seiner Gemahlin, einer Tochter der Königin von Neapel, ihm eingeflößte Haß gegen Frankreichs Beherrscher. Nur ihr Tod (1806) verhinderte vielleicht den Ausbruch einer geheimen Verschwörung, die den Sturz des allmächtigen Günstlings, und die Absonderung von dem französischen Interesse, zur Absicht hatte. Der regierende Minister Godoy war, in der Gunst der Königin, der Nächfolger eines altern Bruders, den der Schwiegervater der Königin, Karl III, noch entfernt hatte. Seim Glück machte er wohl weniger durch sein vortreffliches Guitarrcnspicl, als durch seine schöne, mannliche Gestalt, durch sein lebhaftes, einnehmendes Wesen. Sein ehrgcitzigcs Bestreben wurde vom Glücke ") Thei! xxii, S. -59. 289 Glücke begünstigt. Seine schlaue Gönnerin wußte ihn durch die Hand ihres Gemahls sehr schnell zu heben. Grande von Spanien, Herzog von Atcudia — mit dem Orden des goldncn Vließes geziert — Gcne- raleapitain — ward er bald so sehr der Gegenstand des fast allgemeinen Hasses der Großen, daß schon vor elf Jahren (1796) ein Plan, ihn zu stürzen, entdeckt wurde. Der Gefahr, glücklich entgangen, empsieng er seit der Zeit, selbst am Aufenthaltsorte der königlichen Familie, die Beweise der höchsten bürgerlichen und militärischen Ehre. Der König erlaubte ihm, seine Cousine zu hcyrathen; er ernannte ihn (1807) zum Generallissimus der spanischen Landmacht, zum Gcneraleapitain des spanischen Indiens, zum Beschützer des Scehandcls; er sprach ihm den Titel: Durchlaucht, und königliche Ehre, zu. Alcudia, der, aus Eitelkeit, den Gönner der Wissenschaften vorstellen wollte, kündigte der spanischen Nation die Einführung der pcstalozzischcn Lchrart an. Diese wurde jedoch dadurch zu keinem günstigem Vorurtheile für ihn gestimmt. Vielmehr dauerte - ihre Uebcrzeugung von seiner Ne- Galletti Wcltg. -zr Th. T gie- 290 gierungsunfähigkeit so lebhaft fort, daß seine Entfernung der fast allgemeine Wunsch war. Dieser Wunsch äusserte sich schon vor einigen Jahren, in bedenklichen Unruhen, die in verschiedenen Gegenden Spaniens, und selbst in der Hauptstadt, ausbrachen, die die Verhaftung und Verbannung von vielen Menschen aus allen Standen nach sich zogen. Einige von den Großen, fuhren aber dcmungeachtct fort, an der Ausfuhrung des Plans, den Alcudia von der Regierung zu entfernen, chcimlich zu arbeiten. Das größte Ansehn unter denselben hatte der Herzog von Jnfantado, aus einer der vornehmsten .Familien Spaniens, in der Hauptstadt Frankreichs frühzeitig zum Hofmanne gebildet, und gränzcnlos chrgeitzig. Dieser wählte sich den Escoigmtz zum Gehülfen; den Vertrauten, des Prinzen von Asturicn, einen der heftigsten Feinde des Principe de la Paz, den er, als Erzieher des Kronerbcn, genauer kennen lernte. Escoiquitz stimmte, durch einen Briefwechsel, den Prinzen für Jnfantado's Plan. Dieser sollte schon früher 29! hcr (1806) ausgeführt werden. Schon hatte der Prinz von Asiiiricn den Herzog von Jnfantado, auf den Sterbcfall feines Vaters, zum Oberbefehlshaber über die Truppen in Neucastilicn ernennt; schon war eine schriftliche Bitte an den König, den nichtswürdigen Günstling, von welchem man die schrecklichste Schilderung entworfen hatte, mit seinem ganzen Anhange zu entfernen, aufgesetzt; schon wurden alle Handlungen des Herzogs genau beobachtet, um nicht nur noch mehr Beweise seines schänd- lichfelbstfüchtigcn Verfahrens zu sammeln, sondern auch seine der Ausführung des Planes gefährlichen Vorkehrungen in der Stille zu vereiteln. In dieser Lage befand sich die Sache, als die französische, nach Portugal bestimmte Armee den spanischen Boden betrat. Der Parthey, die eine Ncgierungsverände- rung durchsetzen wollte, schien es jetzt rathsam, auf die Gesinnungen, die Napoleon in Ansehung derselben hegte, Rücksicht zu nehmen. Um die Unterstützung des mächtigen Kaisers zu gewinnen, erkundigte man T 2 sich 2Y2 sich heimlich bey dem französischen Gesandten zn Madrid, ob wohl Napoleon dem Prinzen von Asturien die Vermählung mit einer seiner Nichten erlauben würde. Der Gesandte, der den Wunsch nicht ohne Hoffnung ließ, erfuhr immer mehr von den geheimen Entwürfen der Feinde des Princips de la Paz. Der Prinz von Asturien wagte es endlich, seinen Wunsch dem Kaiser Napoleon selbst zu eröffnen. Er erhielt keine bestimmte Antwort. Man wollte die da- mahligc Lage des spanischen Hofes benutzen, um zur Vereinigung Spaniens mit den übrigen Neichen des französischen Staatensystems den Weg zu bahnen. Napoleon hatte unstreitig schon vor einiger Zeit den Entschluß gefaßt) Spanien, so wie Portugal, seiner unmittelbaren Herrschaft zu unterwerfen. Nicht zufrieden, daß der König von Spanien an seinem Kriege gegen England Theil nehmen mußte, wollte er sich vielmehr in Ansehung des Gebrauchs der spanischen Staatskrafte ganz sicher setzen. Von der Notwendigkeit dieser Sicherheit war es durch Spaniens zwcydeuti- gcs 29Z gcs Benehmen überzeugt worden. Der Herzog von Alcudia hotte zu der Zeit, als Napoleon (1806 Oct.) den Krieg mit'dem Könige von Preussen begann, ein Heer zusammengezogen. Die eigentliche Bestimmung desselben hatte sich vielleicht alsdcnn, wenn die Schlacht bcy Jena sür Napoleon unglücklich ausgefallen wäre, gezeigt. Napoleon schien bcy der Erklärung des Hofes zu Madrid, daß die Zusammcnziehung jenes Heeres, durch die Besorgnis! wegen einer Landung der Kriegsmacht von Algier, veranlaßt worden sey, beruhigt; aber er wartete nur den günstigen Zeitpunkt ab> um wegen jener zwcydcutigen Maßregeln in seinem Rücken eine ernstliche Rechenschaft zu fordern. In dieser Rücksicht war ihm die Spannung zwischen den Parthcyen der Königin und des Kronprinzen gewiß sehr willkommen. Um jedoch die zu den nöthigcn Vorbereitungen gehörige Zeit zu gewinnen, verbarg er seinen Plan unter dem Schleyer des tiefsten Geheimnisses. Eben daher schloß er auch mit Spanien den Portugals Theilung betreffenden Vertrag. *) Eben *) Oben S. -85. 294 Eben dieser Vertrag aber war Ursache, daß die Parthey des Prinzen von Asturicn ihre Revolution zu beschleunigen suchte. Sie wollte den Principe de la Paz, als Fürsten von Algarve, nicht erst machtiger werden lassen. Doch dieser erfuhr, durch seinen Vertrauten Zzquierdo, daß der Prinz von Asturien sich an den Kaiser Napoleon gewendet hatte, daß der König selbst in einem ihm nicht ganz bekannten Briefwechsel mit dem Kaiser begriffen Ware. Er ließ genauer nachforschen, und es fanden sich gewisse auf seinen Sturz sich beziehende Papiere. Diese Entdeckung benutzte Alcudia, um, durch die Königin, dem Könige seinen Sohn, als einen, der ihm Krone und Leben zu rattben suchte, darzustellen. Karl gab hierauf (zo. Ott.) seine Einwilligung, daß der Prinz von Asturien, mit seiner ganzen Dienerschaft, verhaftet wurde. Dicß wurde der Nation durch eine Proclamation bekannt gemacht. Bald überlegten jedoch die Königin, und ihr Günstling, daß sie zu rasch verfahren waren. Die nach Portugal marschierende fran- -95 französische Armee befand sich gerade in der ^Nähc; man wußte nicht, wie Napoleon das Verfahren gegen den Prinzen von Astu- ricn .aufnehmen würde; man befürchtete für den Herzog von Alcudia Gefahr; man war wegen der Erbitterung der Nation besorgt. Es war also höchst rathsam, wieder einzulenken. Alcudia begab sich deswegen -zu dem verhafteten Prinzen, und er brachte ihn, nachdem er ihm erst die Folgen seines Benehmens recht schrecklich dargestellt hatte, zu dem Entschlüsse, seinen Vater um Verzeihung zu bitten, und den dieser Verzeihung enthaltenden Aufsatz zu unterschreiben. Hierauf erfolgte (5. Nov.) eine neue Proclamation, die dem spanischen Volke die Begnadigung des Prinzen ankündigte. Einige feiner vornehmsten Vertrauten wurden bestraft. Der Herzog von Zn- fantado wurde, weil er bey dem Prinzen von Asturien Dienste angenommen hatte, auf 60 Stunden von der Hauptstadt entfernt, und seiner Kriegsamtcr beraubt. Escoiguitz wurde zum Klostcrlcbcn vcrur- thcilt. Auch manche von den übrigen Thcil- nehmern traf das Loos der Verbannung. Die 296 Die richterlichen Urtheilc, die diese Strafen zur Folge gehabt hatten, waren den Wünschen und der Erwarrung des Herzogs von Alcudia nicht angemessen. Sie dienten ihm zum Beweise seines gesunkenen Ansehns. Die Briefe, die der Großhcrzog von Berg nach Madrid schrieb, und die Berichte seines Vertrauten Zzquierdo, spannten seine Besorgnis? immer mehr. Zugleich wurde der Haß, den die wegen einer Zerstücklung ihres Vaterlandes ängstliche Nation gegen den Herzog fühlte, immer größer, entwickelte sich ihre Zuneigung immer mehr zum Vortheile des Prinzen von Asturien. Die Königin und Alcudia, die alle Hoffnung zur Rettung aufgaben, drangen in den König, nach dem Beyspiele der portugiesischen Königsfamilie, seinen Wohnsitz nach dem großen und reichen Mexico zu verlegen. Karl ließ sich auch bereden, sich vor der Hand »ach den südlichen Provinzen zu begeben; die Ausführung dieses Entschlusses wurde aber durch die Aengsilichkeit des Königs so lange verhindert, bis die Parthcy des Prinzen von Astu- 297 Asturien den kühnen Schritt wagte, den König Karl zur Niedcrlegung der Krone zu zwingen. Dieser Schritt war um so gewagter, je mehr der alte König Karl mit dem Kaiser Napoleon in freundschaftlichem Einverstandnisse zu stehen schien. Noch zu Anfang dieses Jahres (Jan. istost) war Karl IV Napoleons strengen Maßregeln gegen England völlig beygctrcten; er hatte (25. Febr.) die Stadt Barcelona von französischen Truppen besetzen lassen; der Groß- Herzog von Berg näherte sich schon, an der Spitze einer Armee von 50,000 Franzosen, der Hauptstadt Madrid. Welche Ursachen hatte nun die Parthey des Prinzen von Asturien, bey der Revolution, deren Ausführung sie unternahm, aus den französischen Beystand zu rechnen? Genug, das Volk von Madrid wurde durch die Anhänger des Herzogs von Jnfantado, durch Kammerdiener und Soldaten der Leibwache, zu einem Aufstände gereizt. Das Volk drang (18 — 19. Marz) auf die Auslieferung des Alcudia, der, von seiner Leibwache nicht genug geschützt, bis zur Todesgefahr gcmißhandelt wurde. Der König wurde ^9,3 wurde durch eine Pistole, die man auf seine Brust richtete, zur Abdankung genöthigt. Der Prinz von Asturicn trat, als König Ferdinand VII, die Regierung an. Allein schon zwey Tage hernach (am 21.) erklärte Karl IV seine Nicderlcgung der Krone für erzwungen. Zugleich bath er den Grofiher- zog von Berg um seinen Schutz. Dieser zog drcy Tage hernach (24. März) mit -seinem Heere in Madrid ein. Ferdinand, der an eben diesem Tage seinen Einzug hielt, forderte Madrids Bürger auf, die Franzosen als Brüder aufzunehmen. Noch war es nicht entschieden, wer von Heyden, Karl IV oder Ferdinand VII, künftig über S-panien regieren sollte, als der Kaiser Nopolcon (15. April) zu Bayonne anlangte. Karl IV eröffnete ihm nun bald (aufmessen Rath?) den Wunsch, zu ihm nach Bayonne zu kommen. Aber nicht nur Karl stellte sich (zo. April) zu Bayonne ein; auch Ferdinand VII erschien vor dem Kaiser Napoleon. Wie wenig kannte doch derjenige, der ihn zu diesem Schritte bewogen hatte, Napoleons Gesinnungen! Fer- 299 Ferdinand erfuhr sehr bald, daß Napolöon mit der Art, wie er sich den spanischen Thron verschafft hatte, unzufrieden, ihn nicht als König von Spanien anerkannte. Ferdinand, sagt der französische Moniteur, konnte nicht regieren, und Karl wollte, un- tcr den Bedingungen, die ihm Napoleon vorschrieb, nicht wieder König scpn. Napoleon drohte ihm, wenn er sich von der englischen Parthcy nicht völlig absondern würde, mit einer feindlichen Behandlung, und Karl verlangte den Rückzug der französischen Armee, oder den Oberbefehl über dieselbe. Dieses konnte ihm Napoleon nicht zugestehen. Zn der Verlegenheit, in der sich der alte, schwache Karl nun befand, faßte er (5. Map) den Entschluß, dem Kaiser Napoleon, vermittelst eines Schreibens, alle seine und seiner Nächkommen Rechte auf die spanische Monarchie abzutreten, und seinen künftigen Wohnsitz in Frankreich aufzuschlagen. Ferdinand sah sich nun bewogen, die Krone, deren Besitz er sich angemaßt hatte, in die Hände seines Vaters zurückzugeben, und zwep Tage hernach (Z. May) erfolgte die feperliche Entsagung Karls IV Z00 IV zum Vorthcile des Kaisers Napoleon. Ferdinand, sein Bruder Don Carlos, und sein Onkel, Don Antonio, wurden nach dem französischen Schlosse Valcncay '(un Departement des Jndre) gebracht; der König Karl und seine Gemahlin kamen erst nach Fon- tainebleau; sie verlegten aber in der Folge ihren Wohnsitz nach Nizza, und von da nach Marseille. Die bisherige Königsfamilie aus dem bourbonischen Hanse hatte also den spanische» Thron verlohrcn, und im Besitze ihrer bisherigen Rechte befand sich Napoleon. Er hielt es für rathsam, der spanischen Nation wieder einen eignen König zu geben. Diesen König sollte sein älterer Bruder Joseph, bisher König von Neapel, vorstellen. Um dieser Thronvcrändcrung gleichsam die fcycrliche Genehmigung der Nation zu verschaffen, berief er (25. May) eine außerordentliche Versammlung ihrer Großen, eine Junta, nach Bayonnc. Indessen stand, zu Madrid, der Großhcrzog von Berg, als Gcncrallicutnant des spanischen Reiches, an der Spitze der Regierung. Die Mi- Z0l Ministeb, der Etaatsrath, und andre Bes Hörden, setzten ihre Verwaltung fort. Napoleon kündigte die Thronverande« rung den spanischen Volke durch ein Decret an. „Nach einer langen Kraftlosigkeit," sag« te er zu demselben „eilte euer Reich dem Untergänge zu; ich sah euer Unglück; ich will ihm abhelfen; eure Größe macht einen Theil der mcinigcn aus!" Die Richtig« keit dieser Behauptung war aber der spani« sehen Nütion, vornehmlich dem edlcrn Thci« le derselben, nichts weniger als einleuchtend? Napoleons Proklamation sagte ihr: das spanische Reich wäre schlecht regiert worden; Adel und Geistlichkeit hatten sich aber bey dieser Regierung doch so wohl befunden! Von den Franzosen, die man für Ketzer, für Ungläubige hielt, erwartete man keine für den Adel und die Geistlichkeit vorthcil« haste Negierungsvcrändcrung. Eine von deni Großherzog von Berg (22. May) nie« dergcsetzte Commission beschässtigte sich mit der Einziehung der geistlichen Güter. Zu welchen lebhaften Besorgnissen wurde nun die Geistlichkeit nicht dadurch berechtigt? Dem Z02 Dem hohen Adel drohete eine französische Verfassung mit dem Verlust seiner Vorrechte. Sehr bald giengen diese Besorgnisse zu dem heimlichen Entschlüsse, sich dieser Staatsvcr- ändcrung zu widersetzen, über. Schon acht Tage nach dem Einrücken der Franzosen (2. May) war in Madrid ein lebhafter Volksaufstand, der nur durch die eben so entschlossenen, als strengen Maßregeln des Großherzvgs von Berg unterdrückt wurde. Bald äusserten sich aber auch in andern Gegenden bedenkliche Unruhen, und die Ne- gierungsjunt.a zu Madrid sah sich daher (z. Iun.) bewogen, durch eine Proklamation die Uebelgesinncen, die falsche Nachrichten und Darstellungen verbreiteten, ernstlich zu warnen; .sie erinnerte sie an die zahlreichen französischen Armeen, die sich schon in Spanien befanden, an die eben so zahlreichen Heere, die sich den Granzcn näherten; sie fügte die Drohung hinzu, daß diejenigen Provinzen, die nicht bald zur Erfüllung ihrer Pflicht zurückkehrten, von französischen Truppen besetzt, und nach aller Strenge der Kriegsgesctze behandelt werden würden. Durch diese Drohung, der die wenigschoncn- de " Z5Z de Behandlung, die die Spanier, und vornehmlich ihre Geistlichen, von den Franzosen erfuhren, ein großes Gewicht gaben, fühlte sich der Stolz der spanischen Nation noch mehr gekrankt, und der Ausbruch der In- surrection wurde, wenn er noch nicht erfolgt war, dadurch nur beschleunigt. Auf französischer Seite schrieb man die Unruhe des spanischen Volkes der Ungewißheit seines künstigen Schicksales zu. Man hatte daher die Sache so eingeleitet, daß schon wenige Tage nach Karls IV Thronentsagung (iz. May) die Rcgierungsjunta, deren Präsidenten der Großherzog von Berg vorstellte, ingleichen der Magistrat der Hauptstadt Madrid, den Kaiser Napoleon, vermittelst einer Bittschrift, in ihren und im Nahmen des hohen Na- lhcs von Castilien bitten mußte, das Schicksal des spanischen Thrones nächstens zu entscheiden. Diese Bittschrift erwähnte schon des ältesten Bruders Napoleons, als des künftigen Besitzers des spanischen Thrones. Am 6ten Zun. machte hierauf Napoleon dem spanischen Volke bekannt. ZO4 kannt, daß er sinnen ältesten Bnidcr Joseph zn seinem Könige auscrseheu habe. Indessen war die Wahl der Mitglieder der ausserordentlichen Junta oder Reichsversammlung vollzogen. Die Zahl derselben war 150; ein Drittel aus dem geistlichen, zwe» Drittel aus dem weltlichen Stande. Als Hauptabsichl dieser Versammlung gab man die Verbesserung der Staatsverwaltung an. Schon der Versammlungsort, die französische Stadt Vayonne, bewies den Gegnern der Revolution, daß die Versammlung sich von dem machtigen Einflüsse Napoleons nicht würde frcy erhalten können. Noch mehr bewies diefi aber der Umstand, daß man über die Art, wie die Mitglieder dieser Junta gewählt worden waren, so wenig zuverlässige Nachrichten hatte. Unter den weltlichen Mitgliedern hoben sich Frias, Medina Celi, von Os- sun und dcl Parquc, vorzüglich heraus. Während die Mitglieder der Junta nach Vayonne eilten, traf (7. Inn.) der König Joseph daselbst ein, und schon vier Tage hernach (11. Jun.) kündigte er der spanischen Nation seine Thronbesteigung an. Die Z05 Die neue Verfassung des spanischen Reiches, mit welcher sich die Junta zu Vayonnc beschäfftigte, wurde derselben in der fünften und sechsten Sitzung vorgelegt, und in der zwölften (7. Jul,) war ihre freye Prüfung derselben schon so weit gediehen, daß sie einstimmig angenommen werden konnte. Der französischen ähnlich, gab sie dem spanischen Reiche einen Senat, einen Staatsrath, eine Nationalversammlung (Cortcs). Vcy dieser Staatsverfassung war jedoch auf den Nationalcharakter der Spanier zu wenig Rücksicht genommen. Jede Provinz Spaniens war gewohnt, sich gleichsam als ein besondres Reich zu betrachten; Castilicn und Aragonien waren durch einen alten, unversöhnlichen Natioualhaß getrennt. Für ein in seiner Denk- und Handelswcise so verschiedenes Volk paßte sich kein Einheitssystem der Staatsverfassung. Es war vielmehr eine der vornehmsten Ursachen von der Unzufriedenheit, welche die durch Napoleon herbcygeführte Negicrungsverände- rung erregte. Eallctti Wcltg. -zr Th. U Die- Zo6 Diese Unzufriedenheit leiteten eben dies jenigcn, die des Prinzen von Asturien Thronbesteigung durchgesetzt hatten; der Herzog von Jnfantado, der Abt Escoiquiz, und ein gewisser Saint-Charles, den Karls IV Gemahlin, in einem ihrer bekannt gemachten Briefe, den Boshaftesten dieser Rädelsführer nennt. Unter den Feldherren, die sich an die Spitze der Vaterlandsverchci- diger stellten, zeichnete sich vornehmlich Joseph von Palafor und Melzi, General der Truppen von Aragvnien, aus. Palafor und seine Freunde erklärten Karls IV und Ferdinands VII Abdankung für erzwungen; nach ihrer Meynung war Ferdinand rechtmäßiger König; doch erinnerten sie sich auch des östreichischen Erbrechtes, und Palafor äusserte den Wunsch, den Erzherzog Karl auf dem spanischen Throne zu sehen. Man führte aber, wie man absichtlich Hinzusehte, diesen Krieg nicht allein für die Behauptung der Unabhängigkeit, sondern auch für die Religion und Kirche. Der Prinz von Asturicn ließ schon am Tage vor seiner Unterzeichnung der Entsagungsurkunde (8. May) an die Bewohner Asturiens eine Zo? eine schriftliche Aufforderung, ihre Freyhcit zu vcrtheidigcn, ergehen. Schon um diese Zeit (zi. Mau) bildete sich eine General- junta von Aragonicn, von welcher Pala- fox zum Generalcapitain und Gouverneur ernennt wurde. Wahrscheinlich war der Aufstand auch schon in andern Provinzen vorbereitet. Es gab um diese Zeit (27 — 29. May) schon zu Valenzia und Sevilla eine oberste Junta. Der Erklärung der letzter» zufolge, hatte sich das Volk von Andalusien am 27^11 May versammelt. Zn seinem Nahmen crgieng, von ihren Sekretären Estaller und Pardo unterzeichnet, ein Aufruf an die Portugiesen, an dem gel mcinschafllichen Kampfe für die Freyhcit Thcil zu nehmen. Eben dieselbe forderte- die spanische Armee zur Vereinigung mit den Insurgenten ans; eben dieselbe erklarte sich (17- Zun.) vermittelst eines Manifestes, zur obersten Znsurrectionsauctoritat. An Aragonicn hatte sich schon ein großer Thcil von Catalonien, und ein beträchtlicher Thcil von Castilicn, angeschlossen. Die Generalcapitaine von Castilicn und Valenzia handelten mit Palafox, dem General- Ist 2 capi- Zc>8 capitain von Aragonien, übereinstimmig. Die vier Reiche von Andalusien, so wie die Provinzen Gallizien, Asturien und Estre- madura, erklärten sich hierauf entschlossen, den der spanischen Nation zugefügten Schimpf zu rächen. An die Linientruppcn reihcten sich große Schaaren von Bauern an, die, obgleich noch unerfahren und ungeübt, sehr tapfer fochten, weil es den Kampf für Religion und Freyhcit galt. Mit diesen Feinden wurden die Franzosen schon in der ersten Hälfte des Juny, zu Cordova, ingleichcn bey Tudcla, Vallado- lid, Saragossa und St. Ander, in sehr hitzige Gefechte verwickelt. Am aasten Zun. lieferte Palafox selbst den Franzosen ein blutiges Treffen. Die französische Armee lösete sich, dieser Unruhen wegen, in so viele kleine Abthcilungen auf, daß es in Barcelona an Mannschaft fehlte, daß die dortwohnendcn französischen Kauflentc die Wache beziehen mußten. Die Insurgenten besehten die catalonische Festung Figueras, und in Cartagena bewies sich die Abneigung gegen die französische Regierung schon durch den Umstand, daß eine prächtig uniformirte Com- ZO9 Compagnie von Kaufmannsdicncrn den Garnisondienst übernahm. Die Nachrichten von diesen Unruhen konnten dem sanstfühlcndcn König Joseph die Neigung, sich seinen neuen Untcrthcmcn in der Nahe zu zeigen, schon ziemlich benehmen. Auf Antrieb seines Bruders, des Kaisers Napoleon, begab er sich aber acht Tage hernach, als die Junta zu Bayonne die neue Constitution beschworen hatte, an der Spitze einer Armee von 6o,oczo Mann, auf den Weg, um in sein Reich und in seine Hauptstadt einzuziehen. Seine Begleitung bestand aus hundert Wagen, und sein Zug bis Madrid glich schon einem Fcld- zugc. In seinem Gefolge befanden sich die Herzoge von Jnfantado, dcl Parque, von Frias und andre spanische Große mehr.' Seine Minister waren lauter Spanier; den Finanzminister stellte der schon aus der Re- voltttionsgcschichtc bekannte Graf Cabarrus> den Minister für Indien Azara, den See- minister der Admiral Mazaredo, den Minister der auswärtigen Angelegenheiten Ccval- los, vor. Fünf Tage nach dem feycrlichen Ein- ZIO Einzüge in Madrid (25. Zus.) ließ sich Joseph als König von Spanien und Indien ausrufen. Wie weit war er aber da- mahls noch von der Behauptung seiner neuen Monarchie entfernt! Die französische Macht in Spanien erlitt zu eben der Zeit, als Joseph von der Hauptstadt Besitz nahm, einen Verlust, der sie und der König in große Verlegenheit brachte. Zwar zerstreute (14. Znl.) der Marschall Bcssicrcs, bey Mcdina del Rio scco (in der Provinz Valladolid) ein Heer von spanischen Insurgenten; aber der General Dttpont gicng indessen seinem Untergange entgegen. Dieser General, der den südlichen Thcil von Spanien der Herrschaft des Königs Joseph unterwerfen sollte, bewies bcy der Ausführung dieser Unternehmung zu wenig Vorsicht. Seine Truppen erlaubten sich ein gar nicht schonendes Verfahren. Um so bereitwilliger schlössen sich die Nachbarn dieser Stadt an die Truppcnab- thcilung des Generals Castannos an. Dieser erfocht (21. Jul.) bcy dem Flecken Vay- len (im Königreiche Jaen) über Dupont einen Zir einen Sieg, der denselben zur Nicdcrlcgung der Waffen nöthigte. Ausser den 8000 Mann von Dupont mußten sich noch die beyden Divisionen von Wedel und Gobcrt, die bis auf 9000 Mann zusammengeschmolzen waren, dem General Castannos ergeben. Dieser General forderte nun durch eine Proklamation die Spanier zur guten Behandlung der Franzosen auf. Ihre Zahl bclicf sich, die Ucbcrläufcr, Kranke und Verwundete noch nicht gerechnet, auf 17,000 Mann. Die Infurrection der Spanier ward, seit diesem Unfälle der Franzosen, so allgemein und so furchtbar, daß sich der König Joseph, schon acht Tage nach seinem Einzüge in Madrid, in dieser Hauptstadt, einer 12,000 Mann starken Besatzung ungeachtet, nicht mehr sicher fühlte, daß er (29. Jus.) sich nach Vurgos begab. Die französische Armee zog sich, zu Ende des Augusts, hinter dem Ebro in eine feste Stellung zusammen. Ferdinand VII, den schon die Truppen des Castannos als König ausgerufen hatten, wurde jetzt (24. Aug.) auch von der Junta von Castilicn dafür erklärt, und einen Mvnath spater (25. Sept.) Zl2 Sept.) bildete sich die Ecmraljunta zu Aranjucz. Die Macht der Insurgenten vergrößerte nun noch die Truppcnabthcilung des Gene« rals Nomana. Dieser, der sich mit dem unter seinem Befehle stehenden Kriegsvolke auf der dänischen Insel Seeland befand, hatte die Nähe einer englischen Flotte be- nutzt, um sich (17 — 20. Aug.) mit dem größten Theile seiner Mannschaft der Ben bindung mit den Franzosen zu entziehen, und zur Hülfe seines Vaterlands zurückzu- kehren. Er landete (9. Oct.) mit 9000 Mann glücklich in dem castilischen Hafen von St. Ander. Joseph sah sich jetzt auch von andern spanischen Großen auf eine meineidige Art behandelt. Cevallos, der den Abtretungsvertrag nicht nur unterhandelt, sondern auch abgeschlossen hatte, entfernte sich gleich nach Josephs Thronbesteigung, und gicng zu den Englandern über. Seinen Unmnth über die französische Beherrschung seines Vaterlandes legte er in einer eignen, wohl mit zu gallsüchtigcr Laune abgefaßten, Gcschichtsbcschrcibuitg dar. Infam Z!Z fantado stellte sich an die Spitze einer Insurgenten-Armee. Seinem Bcyspicle folgte der Herzog del Parquc. Wenn die Spanier den Kampf für ihre Frephcil Mit so viel zuversichtlichcr^Entschlos- scnheit begannen, so waren die heimlichen Aufmunterungen der Engländer und ihrer Anhänger daran nicht wenig Ursache. Schon am 4ten Juli hatte die englische Regierung mit der spanischen Nation Frieden geschlossen, und ihre Jnsurrcetion also für rechtmäßig anerkannt. Sie hatte aber auch das höchste Interesse, die pyrcnäischc Halbinsel nicht unter die französische Herrschaft gera- thcn zu lassen. Sic war ihr für ihren Handel zu unentbehrlich. Das englische Ministerium beschloß daher, eine ansehnliche Kriegsmacht nach Spanien zu schicken. Vor allen Dingen aber wollte sie Portugal, das ihrem Handel von jeher so wichtig gewesen war, in den Zustand seiner Unabhängigkeit zurückbringen. In dieser Absicht schickte sie schon im August (1808) eine Armee von 35,000 Mann, unter welchen sich 5000 zu Pferde befanden, nach Portugal. Die erste Landung Zi4 düng derselben erfolgte (20. Aug.) in der Vay von Peniche, in Estremadura. Von der Garnison dieser Stadt, die ans 800 Schweitzern bestand, giengen die meisten zu den Engländern über. Schon am folgenden Tage (2r. Aug.) kamen die Engländer und Franzosen bcn Vimicra einander so nahe, daß eine Schlacht ganz unvermeidlich war. Die englische Artillerie war gut bedient. Besonders zeigten sich die Shrapnells, die ihren Nahmen von dem Obersten Shrapnell führten, sehr wirksam. Es waren Bomben, mit mehr als hundert Mnsketenkugeln gefüllt. Diese fügten, in einer gewissen Entfernung, den muthig anrückenden Franzosen so großen Schaden zu, daß sie sich in den nahen Wald zurückziehen mußten. In weniger als dritt- halb Stunden (von halb 10 bis 12 Uhr Vormittags) war der Ausgang der Schlacht entschieden. Der Marschall Junot,, den Napoleon zum Herzog von Abrantes, einem stark befestigten Flecken am Tejo, ernennt hatte, sah sich, zugleich von den siegenden Englandern, und von der im Aufstande begriffenen portugiesischen Nation bedrängt, zu dem Entschlüsse bewogen, wegen eines srcycn Ab- zu- Zl5 zugcs zu unterhandeln. Er schickte deswegen (22. Aug.) den General Kcllcrmnnn in das Hauptquartier des englischen Generals Wel- leslcu, des dritten Oberbefehlshabers der Engländer , der auf Hcw Dalrümple und Harry Bevrard folgte. So sehr sich Abran- tes in Verlegenheit befand, so gefährlich blieb es doch für die englischen Generale den entschlos- scnen Feldhcrrn, und seine uncrschrockncn Soldaten, durch die schimpfliche Bedingung des Gcmchrstrcckcns, zu einer verzwciflungsvollcn Gegenwehr«: zu veranlassen. Sie willigten daher (zo. Aug.) iu eine Convention, die dem französischen Heere einen völlig freyen Abzug zugestand, die es den Engländern zur Bedingung machte, dieses Heer, auf ihren Schissen, nach Frankreich zu bringen. Die englische Armee rückte hierauf (im Sept. 1808) aus Portugal nach dem nördlichen Spanien. Den Oberbefehl über dieselbe übernahm der General John Moore. Seine Soldaten trugen, neben der rothen spanischen, die englische Cocardc. Auch zu Corunna, in Gallis zicn, landeten (iz. und 24. Oct.) zwey englische Truppcn-Abtheilungcn. Auf die englische Zl6 sehe Hülfe mit Zuverlässigkeit rechnend, boch die spanische Centraljunta alles auf, um eine ansehnliche Nationalarmce zu versammeln. Aber diese Centraljunta, deren Z2 Mitglieder, Key gleicher Vollmacht, durch Eigennutz und Eifersucht geschieden wurden, entbehrte eines Mannes, dessen höhere Geistesgaben ihn fähig machten, ihre Beschlüsse und Verordnungen zu leiten, und der Vollziehung derselben mehr Entschlossenheit und Kraft zu leihen. Die Kricgsrüstungen der Insurgenten hatten daher keinen bedeutenden Erfolg. Die Armee unter dem Oberbefehle der Generale Castannos und Palafor machte, im November, nicht mehr als 40,000 Mann aus, und diese bestanden größtcuthcils aus armseligen, schlecht gekleideten, schlecht bewaffneten, und schlecht angeführten Leuten, denen das gegenseitige Vertrauen fehlte. Die englischen Generale wurden von der Junta durch falsche Nachrichten getäuscht. Es befanden sich unter den Mitgliedern der Junta Männer, die den Franzosen alle Anschläge und Entwürfe verricthcn. Man ließ der zurückgedrängten französischen Armee Zeit, Verstärkungen an sich zu ziehen. Die zi7 Die Regimenter, die Napoleon zur ersten Besetzung Spaniens gebraucht hatte, bestanden meistens aus jungen, ungeübten Leuten, Jetzt sollten alte, erfahrne Truppen über die Pyrenäen marschieren. Diese sollten aus Deutschland, vornehmlich aus den preussischcn Ländern, gezogen werden. Um sie hier entbehren zu können, und überhaupt, während des spanischen Krieges, im Rücken gesichert zu seyn, beschloß Napoleon mit seinem Bundesgenossen Alexander eine persönliche Zusammenkunft zu halten. Zu dem Orte derselben wählte er die Stadt Erfurt. Die Zusammenkunft dauerte von den letzten Tagen des Septembers bis in die Mitte des Oktobers (lsiosi). Auch die Könige von Bayern, von Wirtcm- berg, von Sachsen, von Westphalcn, und viele andere Mitglieder des rheinischen Bundes, fanden sich zu Erfurt ein. Man erlebte hier das in der Geschichte von Europa einzige Bcyspiel, 2 Kaiser und 4 Könige bcysammcn zu sehen. Diese Fürsten wurden von den Soldaten eines Batallions der französischen Garde bewacht; ihr Ver- gnü- Zi8 gnügcn beförderte ein Thcil von den Schau» spielcrn des französischen Theaters. Von den Verhandlungen, die den Ge- gensrand der Zusammenkunft zu Erfurt ausmachten, kam in das Publikum blos die Nachricht von einem Friedensantrage, den die Kaiser Napoleon und Alexander nach London geschickt hatten. Um dem-Erfolg desselben naher zu scyn, begab sich der Graf Nomanzow, der russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, nach Paris. Das gemeinschaftliche Schreiben am den König von England, vermittelst dessen ihm die Bereitwilligkeit der bcydcn Kaiser, Frieden zu schließen, eröffnet wurde, war kein bestimmter Antrag. Er wies vielmehr blos auf den Besitzstand, oder auch auf eine Grundlage der Reciprocitat und Gleichheit, hin. Das englische Ministerium glaubte jedoch, seinem dem Parlamente darüber gegebenen Berichte gemäß, daß die täuschende Aussicht eines Friedens die Wirkung hervorbringen könne, diejenigen Völker, die durch die französische Bundcs- verwandschast zu Boden gebrückt würden, oder zi9 oder die sich bei) einer unsicher» und mißli- liehen Unabhängigkeit von Frankreich zu behaupten suchten, in ihrem Entschlüsse, den Kampf fortzusetzen, wankend zu machen. Es verlangte, als vorlausige Bedingung, daß die spanische Junta, die in Ferdinands VII Nahmen regierte, an den Unterhandlungen Theil nehmen sollte; da jedoch die Mitglieder dieser Junta von Frankreich für Empörer gehalten wurden, so konnten, schon dieses Punktes wegen, die Unterhandlungen keinen Fortgang gewinnen. Napoleon hatte indessen Zeit gehabt, seine Kriegsmacht in Spanien auf einen ansehnlichen Fuß zu setzen. Schon gegen das Ende des Augusts (1808) zogen baden- sche, hessische, primatische, nassauische, und andre Truppen des rheinischen Bundes, über den Rhein, um nach Spamcn zu gehen. Aus Preussen eilte das Armeecorps des Marschalls Victor, zum Theil auf Wagen, eben dahin. Napoleon flößte einem Theile dieser Truppen, als er sie zu Paris musterte, durch eine kurze, aber gehaltvolle Rede, allen den Diensteifer ein, der sie bey dem Zuge Zuge nach Spanien beleben mußte. Daß Er, „ich bedarf eurer, Franzosen! ". zu ihnen sagte, war ihnen schon genug. Der gesetzgebenden Versammlung erklärte er (25. Ott.), daß es sein ernster Wille wäre, seinen Bruder wieder auf den spanischen Thron zu sehen, und den französischen Adler auf den Wallen von Lissabon aufzupflanzen. Zu Anfang des Novembers reisete er selbst nach Bayonue, und bald befand sich seit Hauptquartier zu Viktoria, in der Provinz Alava. Der Krieg in Spanien nahm, jetzt einen andern Gang. Die sehr verstärkte französische Armee rückte schon seit der letzten Hälfte des Octobcrs wieder vor. Der Marschall Moncc» trieb (26. Ott.) die spanischen Insurgenten an der nördlichen Seite des Ebro zurück; der Marschall Ney bemächtigte sich (am 27.) der am Ebro, in der Provinz Durgos liegenden befestigten Stadt Logrono; der Marschall Lefcbre nahm, nachdem er (am zi.) den Marquis von Nomana bey Durango geschlagen hatte, Bilbao, die Hauptstadt der Provinz Vis- capa, ein. Die Herzoge von Dalmaticn und Z2! und Zstrien eroberten (ro. Nov.) die Stadt Burgos dtirch einen stürmenden Angriff. Sic hatten vorher die Insurgenten bei) Es- pinosa geschlagen. Eine englische Truppen' abthcilung, unter dem General Hope, die bis in die Nähe des Escorials vorgerückt war, hielt es (21. Nov.) nicht für rath- sam, die Annäherung von Napoleons Armee abzuwarten. Die Insurgenten-Generale Castannos und Palafox mußten (2z. Nov.) bcy der in Navarra am Ebro liegenden Stadt Tudela, dem Armcecorps des Herzogs von Montcbcllo (Marschall Lannes) weichen. Die Franzosen drangen (zo. Nov.) durch die Bergwege von Somo Sierra, in in die Ebene von Neucastilicn vor. Am 2ten Dec. erschien Napoleons Armee auf den Anhöhen von Madrid, und zwcp Tage hernach wurde diese Hauptstadt, deren Einwohner und Garnison sich dem Kaiser unterworfen hatte, von den Franzosen besetzt. Napoleon befahl sogleich die Absetzung des Raths von Castilien, und die Aufhebung des Lchnssystems; er verordnete, daß die Inquisition aufhören, und die Klöster bis auf den dritten Theil vermindert werden Eallttti Weltg. -zr Th. T soll- Z22 sollten. Die Einwohner schworen (2Z. Dec.) dem neuen KSnige Joseph, und Spaniens Eroberung schien jetzt keinen großen Kampf mehr befürchten zu lassen. Die spanischen Insurgenten konnten, ihrer muthigen Begeisterung ungeachtet, den erfahrnen und geübten Kriegern Napoleons keinen Widerstand thun. Ihre Bundesgenossen, die Engländer, die sich in dem großen Zutrauen, das sie ans die Insurgenten gesetzt hatten, getauscht sahen, mußten auf ihre eigne Sicherheit bedacht scyn. Die Ccntraljunta konnte sich, in Rücksicht des Opcrationspla- nes, nicht mit den englichcn Generalen ver? ' einigen. Die englische Armee sollte, ihrem Verlangen gemäß, sich in der Mitte von Spanien aufstellen. Dicß hielt der General Moore für gefährlich. Er zog sich, nach der Schlacht bey Tudcla, nach Galizien und Leon zurück. Die Aufforderungen der Junta bewirkten, daß er wieder stehen blieb. Er wollte sich mit dem bey Leon stehenden la Nomana vereinigen, um, in Verbindung mit demselben, Madrid zu vcrthcidigen. Aber das spanische Corps von 25 ,000 Mann hatte keine Waffen, keine Kleider, keine Officicre, und es zerstreute Z2Z tc sich sehr leicht. Die Reserve der Insurgenten, über welche Znfantado und Cucnca den Oberbefehl führten, war bis auf 11,000 armselige Krieger zusammengeschmolzen. Dens noch rückte Moore (22. Dec.) mit mehr als 25,000 Mann bis zu der kleinen. Stadt Sahagun, in Leon, vor. Nomana, der ihn unterstützen sollte, konnte nicht mehr als 7000 Mann, mit zoo Pferden, aufstellen. Der linke Flügel der englischen Armee wurde von dem bcy Saldanna stehenden Marschall Soult bedroht. Moore wollte ihn angreifen, und schon standen (2z. Dec.) beyde Heere einander gegen über, und schon machte das englische Anstalten, den linken Flügel der Franzosen zu umgehen, als Napoleon mit einem Theile seiner Hauptarmcc schnell herbey kam, um den Engländern den Rückzug abzuschneiden. Dieser Plan wurde blos durch schlechtes Wetter und schlimme Wege verhindert. Dem General Moore blieb, da alle Wege nach Portugal schon von den Franzosen beseht waren, nur die Straße nach Corunna übrig. Seine Rettung beförderten zwcy Ta- gcmarsche, die er vor den Franzosen vor- X 2 aus Z24 aus hatte. Am zr. Dec. war er schon zu Astorga, in Leon. Der Herzog von Dal- matten, der ihm auf dem Fuße nachfolgte, sprengte (am go.) bey Manctlla Romana's armseligen Truppen-Haufen, und bemächtigte sich am folgenden Tage der Stadt Leon. Am itcn Januar (1809) hatte Napoleon Astorga erreicht. Moore zeigte sich, bey seiucm Rückzüge, als ein vortrefflicher Feldherr. Ucberall, wo es nur der Boden erlaubte, that er kräftigen Widerstand, schlug er die französischen Angrisse zurück; seine Absicht, Romana's Truppen an sich zu ziehen, gelang ihm aber nicht. Dalmaticn rückte, während daß Eichingen bey Astorga stehen blieb, den Engländern immer nach. Napoleon kehrte nach Valladolid, und von da (25. Jan.) nach Paris zurück. Moore, der sich nach Lugo, in Galizicn, nahe an der Quelle des Minho zurückzog, stellte sich nicht weit von Castro auf. Hier war sein Rücken durch die Stadt, und seine rechte Seite durch die tiefe und reißende Tain- 325 Tambova, gesichert. Zwey Tage lang (7. 8. Jan. ) erwartete er Dalmatiens Angriff vergebens; der französische Marschall wollte ihn seiner ermüdeten Avantgarde nicht zw muthcn. Moore brach hierauf (am xUcn) thcils seiner Einschiffung naher zu kommen, theils durch Mangel gcnöthigt, wieder auf. Er beschloß, mit drey Vierteln seiner Ar« mce, gerade nach Carunua zu gehen. Schon zwey Tage hernach besetzte der Vortrab des Herzogs von Dalmatien die kleine Stadt Vetanzos, nicht weit von Corunna. Der General Moore fieng nun (14. Jan.) die Einschiffung seiner Armee an. Den Anfang machte die Cavalleric und die Artillerie, ei« ncn kleinen Thcil ausgenommen. Die In«' (urgenten in Corunna hatten, von dem sieb« zigjahrigcn Greis Morena angeführt, einen großen Much; die Engländer mußten aber dennoch Corunna verlassen. Hierzu nöthigte sie (16. Jan.) ein mörderisches Treffen mit Zo,ooo Franzosen. Der Gencrallicutcnant David Vaird bekam eine schwere Wunde; den Oberbefehlshaber Moore tödtcte eine Kanonenkugel. Die Englander setzten ihre tapfere Gegenwehr bis Abends 6 Uhr fort. Um Z26 Um ii Uhr in der Nacht nahmen sic bedachtlich, und in der besten Ordnung, ihre Einschiffung vor. Dennoch konnte, der Dunkelheit wegen, das unordentliche Zusammentreffen der Trupen nicht verhindert werden. Zwey Brigaden blieben, als Nachtrab, an der Küste zurück. Am folgenden Tage wurde die englische Flotte durch die Kugeln und Bomben, die ihnen die Franzosen von der Anhöhe von St. Lucia zu- schleudcrten, in so große Verwirrung verseht, daß sie, um geschwinder unter Secgcl zu gehen, die Ankertaue kappen mußten. Die englische Armee hatte in Spanien gegen 10,000 Mann vcrlohren. Aber ihr unersetzlichster Verlust war der General Moore. Einige Tage vor dem Abzüge der Engländer (iz. Jan.) schlug der Herzog von Belluno (Marschall Victor) eine Insurgenten-Armee, zwischen Ueles und Alcazar, in der Provinz Toledo, so nachdrücklich, daß 12,000 Mann das Gewehr streckten/ Zwry Tage nach dem Abzüge der Englander ( 19. Zan.) ergab sieb Corunna, und noch vor dem Ende dieses Monaths (26. Jan.) kam, kam, durch eine Capitulation die Stadt Fcrrol, mit einer im Hafen derselben liegende Flotte von 7 Linienschiffen, und z Fregatten, in die Gewalt des Herzogs von Dalmaticn. Der König Joseph zog nun (22. Jan.) zum zwcytcnmahle in Madrid ein. Die französischen Unternehmungen in Spanien behielten auch noch einige Zeit lang ihren glücklichen Fortgang. Saragossa, die große Hauptstadt Catalonicus, mußte, nachdem sie der Kunst und Tapferkeit der Franzosen fast z ganze Monathe getrotzt hatte, ihr endlich dennoch weichen. Gleich nach der Schlacht bcy Tudela (2z. Nov.) war sie von dem linken Flügel der französischen Hauptarmcc, unter dem Herzog von Montebcllo, der aus dem zten und 4tcn Armeecorps bestand, eingeschlossen worden. In der Folge kam auch noch das 5W Ar- mcccorps hinzu, so daß die Macht, die Saragossa belagerte, bis auf 60,000 Mann anwuchs. Diese Stadt war aber auch die Hauptstütze der spanischen Insurgenten, der Sitz der Parthey, die einen östrcichischen König Z28 König auf dem spanischen Thron zu sehen wünschte. Die Gesinnungen der jetzigen Aragonier glichen denen, die ihre Vorfahren vor hundert Jahren gehegt hatten. An 10,000 reguläre Soldaten schlössen sich alle Bürger von Saragossa, und viele Bauern ans der umliegenden Gegend, an. Die Zahl aller Bewaffneten in Saragossa belief sich auf 50,000 Mann, die in 50 Regimenter eingetheilt waren. Ihr Oberbefehlshaber war Palafox. Die Mitglieder des Generalstabes, und die meisten Officiere, bestanden aus Mönchen. Die Wälle vcr- lhcidigten 200 Kanonen, und für die Bedürfnisse der Belagerten war durch unge- gcheurc Magazine gesorgt. Ein vorzügliches Zutrauen setzten sie ans den Vcystand der heiligen Frau dcl Pilar. Als man auf französischer Seite alle Mühe, die Ue- bcrgabe der Stadt, durch einen Vergleich zu bewirken, vergebens sah, machte man die ernstlichstcn Anstalten, diese Absicht durch gewaltsame Mittel zu erreichen. Die förmliche Belagerung nahm am 26. Jan. ihren Anfang. Eins der ersten Opfer derselben wurde (1. Febr.) Lacoste, General des Genie- Z2Y niewesens, und General-Adjutant des Kau fers. Eine Belagerung, wie die von Saragossa, ist in der Geschichte fast einzig. Es war nicht eine Festung, es waren eine ganze Menge von Fcstnngcn, die die Franzosen einzunehmen hatten. Jedes Kloster, jedes steinerne Haus, war mit Schießscharten und Geschütz versehen. Selbst das Innere der Stadt war verschanzt. Die Franzosen mußten eine Straße nach der andern erobern, mußten das Eroberte durch Vers schanzungcn und Verpfählungen sichern, mußten selbst in der Stadt Laufgräben ziehen. Der Hauptangriff aber war unterirdisch, durch Minen. Er war so schrecklich wirksam, daß schon nach io Tagen mehr als ein Drittel der Häuser im Schutte lag. Unter andern war die Kirche der h. Jungfrau del Pilar ganz von Kugeln durchlöchert. Die tapfere Garnison (sie wurde, nebst 1500 Mönchen, nach Baponnc abgeführt) war bis auf 15,000 zu Fuß und 2000 Pferde zusammengeschmolzen; iz,Ooo lagen in den Lazarcthen, und 20,000 waren im Gefechte oder an Krankheiten gestorben. Der Sterbenden zählte man zuletzt ZZo letzt täglich 5 — 6oo. In diesem Zustande befand sich Saragossa, als es sich (21. Febr. 1809.) dem Herzog von Montcbcllo ergeben mußte. Die Eroberung von Saragossa verstärkte die Zahl der französischen Truppen, die sich mit andern Unternehmungen bcschäffligm konnten. Die französischen Feldherren dran« gen jetzt nach Süden und Westen immer weiter vor. Der Herzog von Bclluno (Marschall Victor) trieb (23. März) bcy Me- dcllin in Estrcmadura den Insurgenten - General Cuesta zurück. Sebastiani siegte an eben dem Tage, bcy Cuidad Real, über eine Abthcilung des Armeccorps von Cuesta. Diese glücklichen Fortschritte ermunterten zur Wiedcrcrobcrung Portugals. Der Herzog von Dalmaticn, der schon zu Anfang dieses Monaths (6. März) über den Minho nach Portugal gezogen war, nöthigte (am 19.) das nördliche Heer der portugiesischen Insurgenten, das sich bey Braga in einer sehr verwahrten, und durch eine zahlreiche Artillerie vcrtheidigtcn, Stellung befand, sich nach Oporto zurückzuziehen. Hier schlössen sie ZZl sie sich nn eine englische Truppen-Abthcis lmtg^an. Es gelang ( 29. Marz) dem Herzog von Dalmaticn sie aus ihrer vors lheilhaftcn Stellung zu vertreiben. Doch die Englander, die sich durchaus bey dem Besitze von Portugal behaupten wollten, verstärkten (im April) nicht nur ihre Ars mce in diesem Lande bis zu 28,000 Mann, sondern sie gaben ihr auch den General Wellcslcy, den Ucbcrwinder des Tipps Saib, zum Oberbefehlshaber. Dieser zog alle Truppen, die in andern Gegenden cnts behrt werden konnten, nach Braga hin. Die Verbindung zwischen den Truppens Abs thcilungen der Herzoge von Damaticn und Elchingen hörte nun auf. Jener mußte (12. May) Oporto räumen, mußte sich, Ars tillcrie und Gepacke zum Thcil vernichtend, aus Portugal wieder herausziehen. Nach vieler Mühe gelang es ihm Oz. May) bey Lugo, in Galizicn, sich mit Etchingcn zu vereinigen. Corunna und Fcrrol kamen nun (21. 22. Inn.) wieder in die Gewalt der Insurgenten. Wels ZZ2 Wcllcslcy wollte, nachdem er Portugal von den Franzosen beftcut hatte, dem KS- nige Joseph auch den Besitz der Hauptstadt Madrid cntreisscn. Er zog in dieser Absicht seine Truppen bei) Alcantara, in Estrcma- dura, zusammen. Wahrend daß er, in Verbindung mit Cuesta, am Tajo vorrückte, zog, auf seiner linken Seite, der General Wilson, mit einer Abthcilung von Engländern und Portugiesen, über Plascnzia, und der Insurgenten - General Vanegas mit 14,000 Mann von der Sierra Morena heran. Der Plan des englischen Obcrgencrals war vortrefflich ausgedacht, und es standen ihm, znr Ausführung desselben, 100,000 Mann zu Gcbothe. Dieser Ausführung setzte jedoch der Marschall Jourdan, den Napoleon zum Major-General der spanischen Armeen ernennt hatte, kluge Anstalten entgegen. Die Macht, die er gegen Wellcsley vereinigte, bestand aus den Truppen - Abtheilungen des Marschalls Victor und des Generals Sebastian:, und aus der von Dcsalles angeführten Reserve. Gegen Wilson stellte Jourdan das Corps von Mortier, gegen Vanegas die deutsche Division 3ZZ vision unter Leval auf. Der Kampf zwischen den Hauptarmeen bey Talavcra de la Reyna blieb (26. u. 27. Jul.) unentschieden, und auch am 28. wichen die Engländer nicht. Der Mcnschcnverlust an beydcn Seitctt war groß. Veyde Theile schrieben sich den Sieg zu, und der König von Großbritannien war mit seinem Qbcrgencrale sowohl zufrieden, daß er ihm zum Lord Wellington von Talavcra ernennte. Der Mo- uitcur äusserte die Meynung, daß der Sieg aus der französischen Seite nur deswegen nicht vollkommen gewesen sey, weil die französische Armee nicht mit hinlänglicher Erfahrung angeführt worden wäre. Wcl- lcSlcy sah sich indessen doch zum Rückzüge gegen die portugiesische Gränze bewogen. Vancgas wurde (10. Aug.) bey Almanacir von dem Könige Joseph, den Sebastian; und Dcsallcs begleiteten, zurückgedrängt, und Wilson mußte vor Ney zurückweichen. Die Mönche hatten bey Vanegas Vorrücken von neuem Empörung gepredigt. Der König Joseph befahl deswegen (18. Aug.) die ZZ4 die völlige Aufhebung aller Mönchsorden. Die Klostcrgütcr wurden für die Staats- casse eingezogen. Dagegen verbesserte man die Einkünfte der Pfarreyen; auch gab man die von der Inquisition vcrbothcncn Bücher frey. Die Staatscasse brauchte übrigens große Zuflüsse. Die Staatsschuld betrug nicht weniger, als 7,200 Millionen Realen (zu 7 Kreuzer), und wenn auch der Werth der Nationalgütcr bis zu 9656,147,406 R. stieg, so fehlte es doch, für den augenblicklichen Gebrauch, so sehr an baarcm Gelbe, daß der König sich gcuöthigt sah, die Auslieferung alles Goldes und Silbers zu befehlen; ein Viertel desselben sollte gleich baar, und das übrige binnen 4 Monathen bezahlt werden. Das, was der König Joseph (im Oct. 1809) in Spanien besaß, begriff, ausser Madrid und einem kleinen Landstriche auf der Süd- und Westseite dieser Hauptstadt, nur noch einen Thcil der Provinzen Salamanca, Valladolid, Leon, fast ganz Altcastilien, inglcichcn Navarra und Aragonicn. Fast alles übrige befand sich in der Gewalt der Insurgenten, über welche die Centralfunta eine schwankende Ne- ZZ5 Negierung führte, weil die Provincial- Junten ihren Verordnungen nur wenig Folge leisteten. Den stärksten Einfluß auf die Plane und Unternehmungen der Insurgenten hatten Wellesley und de la Nomana; jener vornehmlich seit der Zeit, als er die Spanier ihrem Schicksale zu überlassen dro- hete. Auf Antrieb des de la Romana wurde ein Vollziehungsdircctorium angeordnet. Dieses Direktorium, zu dessen Mitgliedern Nomana gehört, suchte sein Anschn durch Strenge zu behaupten. Vorzüglich aber wendete es seine Aufmerksamkeit auf die Anschaffung der zur kraftigen Fortsetzung des Krieges nöthigcn Mittel. Alles Kirchensilber wanderte in die Münze, und die Unterthanen mußten eine gezwungne Anleihe entrichten. Dadurch sah man sich in den Stand geseht, die Armee mit ioo,ooc> Mann zu vermehren, sie mit Waffen und guten Officicren zu versehen. Noch fehlte aber immer ein Mann, dessen Talente und dessen Ansehen über die Eifersucht der übrigen Feldherren erhaben war. Daher gelang auch den Insurgenten nicht ZZ6 nicht der Pinn, ihr Vaterland ganz von den Franzosen zu bcfreyen. Arezaga, der von dem Vollzichungsdirectorium den ausdrücklichen Befehl hatte, dem König Joseph die Hauptstadt Madrid zu cntrcisscn, rückte mit 50,000 Mann, über Toledo, bis Oranna vor; allein der Marschall Sonlt, das neue Oberhaupt des französischen Gene- ralstabes, machte so gute Anstalten, daß (18. Nov.) die Jnsurgcntenarmcc von Zo,ooo Franzosen völlig geschlagen wurde. Das meiste wirkte das von Scnarmvnt vortrefflich geleitete Artillericfcncr. Den Duca del Parque, der, um sich mit Arezaga zu vereinigen, zu weit über den Tormcs, einen Nebenfluß des Duero, vorgerückt war, trieb (28. Nov.) Kellcrmann zurück. Der Rückzug der Insurgenten war aber nicht ihre Vernichtung. Die Geflohenen sammelten und stellten sich bald wieder. Hauptsächlich geschah dies, in Aragonien und Catalonicn. In dem letzten Lande sahen die Franzosen die Eroberung desselben durch die standhafte Gegenwehr der Festung Ge- rona aufgehalten. Diese eigentlich aus citt- zel- ZZ7 zelnen, nicht in Verbindung stehenden Forts zusammengesetzte Festung verthcidigte, unter dem Oberbefehle von Marians Alvarcz, eine von Religionsschwarmcrey angefeuerte Besatzung, mit solcher Thatigkcit, daß das vou Gouvion St. Cyr angeführte Belagerungscorps, welches zu Anfang des Junis (1809) die Laufgräben öffnete, keine Ruhe hatte. Hierzu kam, daß jeder Transport von Lebensmitteln und Kricgsbedürsnissen einer zahlreichen Bedeckung bedurfte, und dennoch manchmahl verlohrcn gieng. St. Cyr ließ sich von den Insurgenten - General Blackc (zo. Aug.) verleiten, seine Truppen von der Festung zu entfernen. So gelang es den Insurgenten, die bedrängte Festung mit neuen Vorräthcn zu versehen. St. Cyr gab hierauf den Oberbefehl ab, und der Marschall Moncey, Herzog von Cone- gliano, trat an seine Stelle. Dieser ließ, durch den General Souham, den auf den Höhen von Sante-Colonna stehenden Blacke ( 1. Nov.) vertreiben, und fünf Wochen hernach (10. Dec.) erfolgte endlich die Ue- bcrgabe der Festung. Der Insurgenten- Krieg dauerte aber immer fort. Selbst Eallctti Wcltg. 2zr Th. V Wei- ZZ8 Weiber und Kinder gesellten sich den Kämpfern bei,. Aber der Kampf nahm einen schrecklichen, einen unmenschlichen Charakter an. Wenn die Franzosen die Mönche, die sie bewaffnet antrafen, sogleich an die nächsten Bäume hiengcn, so rächten sich die Insurgenten dafür an denen, die das Unglück hatten, in ihre Gefangenschaft zu gc- rathcn, und ihre Grausamkeit gieng so weit, daß sie dieselben unter Martern sterben ließen, daß sie die Kranken und Verwundeten durch Feuer, das sie unter den Wagen, auf welchen sie fortgeschafft werden sollten, anlegten, verbrennten! Während diese Schreckcnssccnen in Spanien vorfielen, genoß Portugal einer fast ununterbrochuen Ruhe. Die Regierung führte eine Regentschaft von drey Personen. Ohne den Rath und die Einwilligung des Marschalls Wellesley durste aber nichts geschehen, und so waren die Engländer eigentlich die Herren des Landes. Drit-- ZO Dritter Abschnitt. Ursachen dcs neuen Krieges zwischen Oestreich und Frankreich. Treffen bei) Abensberg, Landshut, Eckmühl. Napoleon zieht in Wien ein. Oestreichische Rcvvlutionsvcrsuche. Schlacht bei) Aspern. Krieg in Italien, in Polen. Scknlls Unternehmung. Oes Königs von Wcstphalen Zug nach Sachsen. Schlacht bey Wagram. Zug dcs Herzogs von Oels. Englische Unternehmungen gegen .Holland. Friede zu Wien. 'Ss konnte so leicht für niemand weniger gleichgültig scyn, wenn Napoleon Spanien und Portugal seiner Herrschaft unterwarf, als für Oestreich. Seine Macht erhielt dadurch einen ungeheuren Zuwachs. Auch V 2 glaub- Z4o glaubte Ocsrrcich, wegen seiner Verwandt? schaft mit der ehemaligen spanischen Herr? schcrfamilie, auf die spanische Krone gegründete Ansprüche zu haben. Vielleicht hatte England, welches unter allen Mächten den Besitz von Spanien und Portugal dem Kaiser Napoleon am wenigsten gönnte, auf die Gesinnungen des östreichischen Hofes auch einigen Einfluß. Wenigstens zahlte es, um das freundschaftliche Vcrhalmiß wieder anzuknüpfen, die noch rückstandigen Subsidien. Zu einem neuen Versuche, Napoleons Macht zu erschüttern, und die eigne Sicherheit zu befestigen, reihte aber schon der Umstand, das; ein großer Thcil seiner Armee in Spanien und Portugal hinlänglich bcschäfftigt, und daß die Masse seiner Streitkräfte dadurch sehr beträchtlich vermindert war. Ans fremden Bcystand durfte Oestrcich bey einem Kriege mit Napoleon nicht viel rechnen. Der Kaiser von Rußland hatte seine Verbindung mit Napoleon, durch die Zusammenkunft zu Erfurt, noch mehr befestigt; die Aussicht, ihm zur Theilnahme an Z4r an dem Kriege gegen Frankreich zu bestimmen, war also höchst unsicher. Man konnte mit Recht eher eine feindliche Behandlung desselben befürchten. Die englische, Hülfe konnte sich nur jenseits der Pyrenäen,, oder in Holland, wirksam zeigen. Desto mehr aber rechnete Oestrcich auf die Gesinnungen der über die französische Herrschaft unzufriedenen Deutschen, rechnete es auf seine eigne, noch immer sehr furchtbare Macht. Um feinen- Streitkräften eine noch grösiere Ausdehnung zu geben, beschloß es schon in Zun des vorigen Jahres (1808) eine große Nationalmilitz, oder eine sogenannte Landwehre, zu errichten. Diese verschaffte ihm den Vorthcil, die Zahl seiner Streiter, ohne eine beträchtliche Vergrößerung seines Kricgsaufwaudes, zu vermehren. Diese neue Bewaffnung zog jedoch so bald die Aufmerksamkeit der französischen Regierung auf sich, daß schon zu Ende des folgenden Monaths (Julius) deswegen Vorstellungen gemacht wurden, daß Napoleon selbst, bcn der feycrlichcn Aufwartung an seinem Geburthsfeste (15. Aug. 1808) sich mit dem östreichischcn Gesandten, dem Grafen Z4- fcn von Metternich, über die Absichten der östrcichischcn Bewaffnung, in ein lebhaftes Gespräch verwickelte. Indessen schien er durch die Erklärungen des östreichi scheu Hofes so beruhigt, daß er kein Bedenken trug, die große Armee in Preußen, von welcher (im Ott.) schon der größte Theil nach Spanien marschiert war, bis auf die Besatzungen in einigen prcussischcn Festungen, völlig aufzulösen, das; er den Fürsten des rheinischen Bundes erklären ließ, daß der Bund nicht mehr bedroht werde. Napoleon schien nicht nur wegen eines östreichischcn Angrisses beunruhigt; er sah vielmehr denselben mit aller Gewißheit voraus; aber er war vielleicht auch überzeugt, daß Ocstrcich ihm Zeit lassen würde, der Eroberung Spaniens und Portugals erst kräftig vorzuarbeiten. Er sah daher diesen Zeitpunkt kaum sich nahen, als er zn dem Kriege mit Oestreich schon Vorbereitungen Machte. Schon zu Anfang des Februars (1809) erhielten die Fürsten des rheinischen Bundes, von dem Fürsten Primas, und dem Herzog von Nassau, die Aufforderung ihre 34? ihre Contingentc vollzählig zu machen, und schon in der Mittc dos folgenden Monaths setzten sich diese Contingentc in Bewegung. Sie wurden dem Oberbefehl französischer Feldherren übergeben. Die Bayern bekamen den Marschall Davoust, die Wirtcm- bcrgcr den General Vandammc, die Sachsen den Fürsten von Pontccvrvo zum Oberbefehlshaber. Die Oestreichcr, die sich nun schon seit drcy viertel Jahren gerüstet hatten, wcihe- ten jetzt erst (9. März 1809) die Fahnen ihrer Landwehrc ein, und einen vollen Mo- nath hernach (ro. April) waren sie endlich im Stande, ihre Unternehmungen anzufangen. Sie rückten zu gleicher Zeit nach Bayern, nach Italien, und nach dem Herzogthum Warschau, vor. Ucber die Alpen zog der Erzherzog Johann mit etwa 60,000 Mann; gegen die Weichsel rückte der Erzherzog Ferdinand, der Schwager des Kaisers Franz, mit 56,000 Mann vor; über den Inn setzte der Erzherzog Karl, der Oberbefehlshaber der ganzen kaiserlichen Kriegsmacht, mit einer Streitmasse von 180,000 144 180,000 Köpfen, welche die ersten secbs Corps seiner Armee, die Bcllcgardc, Col- lowrat, Fürst von Hohcnzollcrn-Hcchingcn, Fürst von Noscnberg, Erzherzog Ludwig, und Baron von Hillcr anführten, ausmachten. Zu Böhmen blieben noch zwcy Reserven, die unter den Befehlen des Fürsten von Lichtcnstein und des General Kicnmancr standen, zurück. Unter dem Befehle des Generals Chastellcr gicngcn einige taufend nach Tyrol. Die östrcichischc Kriegsmacht konnte, wenn sie einen Monath eher vorrückte, die glücklichsten Fortschritte machen. Die feindlichen Kräfte, die ihn damahls entgegenstanden, waren noch unbeträchtlich. Napoleon stellte anfangs nur die sogenannte Rheinar- mcc des Herzogs von Auerstadt (Marschall Davoust), und das Armeccorps von Sudi- not auf. Bepdc bestanden aus acht und einer halben Division, die zusammen wohl noch nicht 90,000 Mann ausmachten. Einen Theil der Hauptstärke des französischen Kaisers bildeten ZO,oOo Bauern, 12,000 Wirtembcrgcr, 8000 Vadcner, 6000 Hessen. Z4? sen. Späterhin rückten auch noch 17,000 Sachsen, und andre Contingcnte des rheinischen Bundes, rückte auch das Armeecorps des Herzogs von Nivoli (Massena), herbey. Die Ocstreichcr sicngcn nicht nur ihren Feldzug zu spät an; sie begannen ihn auch mit auffallender Langsamkeit. Vom ro — z6. April kamen sie nicht weiter, als bis Landshut. Sie hatten also auf dem 10 bis 12 Meilen langen Weg vom Inn bis zur Isar nicht weniger, als 6 Tage, zugebracht. Dadurch verschafften sie dem Marschall Da- voust Zeit, die Divisionen seiner Armee einander näher zu bringen, und ganz gemächlich , von Franken aus, durch die Oberpfalz, an die Donau zu rücken. Er stand, als der Erzherzog Karl über den Inn setzte, bcy Regensburg. Am i6ten April giengen die Oestreicher, durch Landshut, über die Isar. Der bayrische General Dcroy zog sich, nach einem tapfer» Widerstand, zurück. Jetzt kam Napoleon, dem seine Garden vorausgegangen waren, am ryten nach Donauwerth, und am i6ten nach Ingolstadt. Am Z46 Am folgenden Tage setzte sich seine Armee in Bewegung. Den linken Flügel derselben bildete der bcy Regcnsburg stehende Da- voust. Noch weiter zurück stand der rechte Flügel. Von Augsburg her rückte Oudinot hcrbcy. Ihm folgte Masscna. In der Mitte, bey Abensberg, standen die Bayern und Wirtcmbcrgcr. In ihrer Nahe, bcy Sicgcnburg am Abcnsflussc, war das ;te und 6tc östrcichischc Armeccorps, unter dem Erzherzoge Ludwig und dem General Hillcr, die den linken Flügel bildeten, aufgestellt. Dieses wollte Napoleon, wahrend Davoust mit 2 Divisionen die Armee des Erzherzogs Karl beobachtete, (20. April) ganz vernichten. Den linken Flügel des Heeres, das er hierzu bestimmte, bildeten die bcydcn französischen Divisionen Morand und Gu- din; in der Mitte standen die drcy Divisionen der Bayern; auf dem rechten Flügel befanden sich die Mrtemberger; den Rücken sicherten Masscna mit den Divisionen von Molitor und Boudct. Napoleon brauchte diese Macht nicht, um den Erzherzog Ludwig zu schlagen. Schon 347 Schon dic Bayern waren ihm hinlänglich. An dem Kronprinzen von Bauern, der ihm entgegen kam, sprach er: „auf solche Art wird man König!" An die bayerischen Generale und Officierc hielt er folgende kleine Rede, die ihnen der Kronprinz verdeutschte. „Bayern! Der Kaiser der Franzosen ist, als Beschützer des Rheinbundes, ohne fremde Truppen, unter euch; er will heute mit euch fechten und siegen; die Ocstreichcr haben euer Land, ohne Kriegserklärung, überfallen, und dic Residenzstadt eures biedern Königs besetzt; innerhalb eines Monaths werde ich diesen Frevel rächen; wenn ich Las vorige Mahl gegen den Feind großmü- thig gewesen bin, so werde ich es dieses Mahl nicht wieder scnn; Bayern! ihr wäret von jeher die Bundesgenossen Frankreichs; die Ocsircichcr waren seit undenklichen Zeiten Feinde eures Landes; fechtet tapfer! ich werde euren König so groß machen, daß er künftig, um Krieg zu führen, keines Beystandes mehr bedarf; kämpft mu- khig, Gott ist mit uns!" Napoleon leitete, auf der Anhöhe von Abensberg, die ganze Schlacht, wie auf einem Excrcierplatze, bis Z43 bis er, an der Spitze einer großen Schaar französischer und wirtembcrgischcr Reitcrey, den Ausgang der Schlacht vollends entschied. Wahrend sdic Rcitercy die Oestrcicher vcr« folgte, genoß er, in Gesellschaft des Krön« prinzcn von Bayern, bcy einem großen Feuer, etwas kalte Speisen, crthcilte er, vor einer Landkarte kniecnd, seine weiter» Befehle. Nach diesem Treffen, welches die Franzosen die Schlacht von Tanc (Tann) nennen, erfolgte die Vereinigung des Mittcltreffcns und des linken Flügels der französischen Ar« mcc. Von dieser überlegenen Macht wurde am folgenden Tage (21. April) der linke Flügel der östreichischcn Hauptarmec (die 5te und 6te Abtheilung) bis hinter Lands« Hut zurückgedrängt. Indessen rückte der Erzherzog Karl, den linken Flügel seinem Schicksale überlassend, mit z Armeccorps, die über 60,000 Mann betrugen, gegen den mit 2 Divisionen bcy Regensburg sie« hcnden Davoust an; der französische Marschall wurde von der überlegenen Zahl der Oestrcicher zurückgedrängt, und diese bemäch« Z49 machtigten sich des 6zsten französischen Li? . nien-Regiments, welches in Regcnsburg zurückgeblieben war. Gegen den Erzherzog Karl rückte Napv- lcon mit 4 Divisionen seiner eignen Krieger, ingleichcn mit den Bayern und Wirtcmbcr- gern, an. Zehn Stunden von Lnndshut, bey dem zwischen Landshut und Regcnsburg an der Laber liegenden Flecken Eckmühl, wurde (22. April) nachdem am vorhergehenden Tage schon bey Landshut ein hitziges Treft fen vorgefallen war, auch der Erzherzog Karl von Napoleon besiegt. Die deutschen Bundesgenossen des Kaisers hatten an diesem Siege großen Anthcil. Zwcy bayerische Cavallcric-Regimenter eroberten eine bey Eckmühl stehende Batterie. Ein Corps von 16 Cavallerie - Regimentern vollendete die Verwirrung der Ocstreichcr, die hierauf (vom 22 — 24.) bey Regensburg über die Donau gicngen. Um ihren Rückzug zu beunruhigen, beschossen die Franzosen die Stadt Regcnsburg mit Haubitzen-Granaten. Die abziehenden Ocstreichcr versetzten Stadt am Hof in Brand. Napoleon wurde Z5c> de bcp Regcnsburg von einer Flintcnkugel am Fusie leicht gestreift. „Es war meine Schuld," sagte er zu dem Minister Aldis in; „ ich war zu neugierig! " Die Armee des Erzherzogs Karl war durch ununterbrochen fortgesetzte Marsche, und durch fünftägige Gefechte, gar sehr vermindert worden. Viele taufend Ocstrcichcr waren gctödtct oder verwundet; viele tausend wurde als Gefangne nach Frankreich abgeführt. Napoleon konnte, wenn er ihm mit Beharrlichkeit nachrückte, das Ende dieses Krieges vielleicht beschleunigen. Aber er lief; ihm ruhig ziehen, um seinen Plan, sich der Hauptstadt Wien recht bald zu bemächtigen , mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit auszuführen. Er hatte sich einmahl vorgesetzt, vier Wochen nach Eröffnung des Fcldzugcs in Wien zu seyn. Karl gewann dadurch Zeit, seine Armee den Cham, an der böhmischen Gränze, wieder zu sammeln, und in den Zustand, in welchem sie von neuen auf dem Kriegsschauplätze erscheinen könnte, zu versetzen. Sein Much 35 l Much war durch dir erlittenen Widerwärtigkeiten noch nicht gelähmt. Auch andre östrcichische Generale zeigten, daß sie das Vertrauen zu dem Kriegsglücke ihres Monarchen noch nicht vcrlohrcn hatten, oder nicht verlieren wollten. Hiller fließ schon am 24., mit den Uebcrblcibfcln des ^ten und 6tcn Armcccorps zu dem 7WN Nescrve- corps unter Kienmapcr, das noch nicht gefochten hatte. Er kämpfte mit diesem Kricgs- volke, Key Neumark, gegen die von der Isar her anrückenden Franzofen und Vun- destruppcn, sehr tapfer, und zog sich, nur der Ucbermacht weichend, von einem Posten bis zum andern fechtend, endlich (8. Map.) bep Stein über die Donau. Indessen war (26. April) Masscna bep Passau, und Lannes bep Mühldorf, über den Inn gegangen. Hiller zog sich erst nach Linz, nnd, bep Edersberg, über die Traun zurück. Er vertheidigtc sich so brav, daß die Franzosen, von der Division Clapa- redc, gegen 4000 Mann verlohrcn, Lannes gicng (9. Map) über die Ens; zwcp Tage hernach stand er bep St. Pölten. Am 10. be- 3)2 bemächtigte sich der Vertreib der französischen Armee der Vorstädte von Wien. Der Erzherzog Maximilian hatte, weil er ans die Hülfe des Erzherzogs Karl rechnete, die Bürger Wiens znr standhaften Verthcidi- gnng ihrer Stadt aufgefordert. Die Franzosen, die sich in den Vorstädten befanden, wurden daher mit Kanonenkugeln begrüßt. Napoleon ließ hierauf (am iitcn) die Stadt nzit Bomben beschießen. Der Erzherzog Maximilian, der seine Hoffnung wegen des Entsatzes getäuscht sah, zog sich mit den wenigen regulären Truppen, die er unter seinem Befehle hatte, aus Wien heraus, und überließ es der Stadtobrigkcit, mit dem Kaiser Napoleon eine Capirnlation zu schließen. Zum zwcytenmahl zogen ( iz. Man) die Franzofen in Wien ein, und Napoleon, der sein Hauptquartier zu Schönbrunn nahm, hatte seinen Wunsch erreicht. Napoleon hatte bey Wien fast lauter Franzosen um sich, und der durch die Gefechte und Marsche verursachte Verlust seiner Armee war, vornehmlich seit der Ankunft Z5Z Ankunft der Garde, reichlich ersetzt. Ein Theilcher Bnndcstruppcn war theils rechts, thcils links zurückgeblieben, um den Mücken der großen Armee zu sichern. Die östreichi- sche Truppen-Abtheilung des Generals Jcl- lachich, welche die Stadt München besetzte, mußte sich -schon nach den Treffen bey Abensberg und Eckmühl, wieder zurüchzichen. Die Bewohner der bayrischen Hauptstadt, und des umherliegenden Landes, zeigten gar keine Neigung, den Aufforderungen der Oestrcicher, an ihrem Kampfe gegen die Franzosen Thcil zu nehmen, Gehör zu geben. Das östrcichische Ministerium, das, bey dem neuen Versuche, Napoleons Macht zu schwachen, auf die Mißvergnügten unter den Deutschen rechnete, suchte, nach dem Beyspicle des französischen Nationalconvcnts, die durch den rheinischen Bund an Frankreich angeknüpften Deutschen zur Empörung zu reihen, oder, in der östreichischcn Sprache, zu bearbeiten. Ihre Proclamationcn erklartten daher, daß sie die Entfesselung der deutschen Nation, die Bcfrcyung von Europa, die Rettung alles dessen, was dem Menschen theuer und heilig wäre, zur Ab- E»!IettiWcltg.2zrTH. Z sicht Z54 ficht hatten. Sie suchten die Gemüther durch Emissaricn zu stimmen; sie hatten, wie man ihnen Schuld gab, eine Propaganda von schwärmerischen und ränkevollcn Leuten zusammengesetzt. Der Erzherzog Karl forderte, durch eine besondre Procla- mation, die Deutschen auf, zu ihrer Rettung mitzuwirken. „-Nur der Deutsche, der sich selbst vergißt, ist unser Feind!" Noch deutlicher drückte sich ein namenloser Aufruf ^ an die deutschen Völker aus. Er wies auf das große Bcyspicl der Spanier hin. Man drang auf die Bekanntmachung und Aus- thciluug dieses Aufrufs. Eine besondre Proclamation des Fürsten von Nvsenbcrg, die in der Sbcrpfalz und in Bauern ausgegeben wurde, forderte den König von Bayern auf, sich in die Gränzcn, die vor dem preßburgcr Frieden statt gefunden hatten, zurückzuziehen. Der Erzherzog Karl, der sich während des Treffens bcy Eckmühl auf dem Schlosse zu Eglofsheim befand, äusserte gegen den dortigen Beamten seinen Unwillen über die ihr wahres Interesse so sehr verkennenden Bayern. Das Gut des bayrischen Ministers Montgclas wurde nicht nur 355 nur geplündert, sondern fast abgebrannt. Der östrcichische Armcccommissär von Stadion, der die Leitung der Empörungsvcrsu- che übernommen hatte, war drey Jahre lang als östreichischcr Gesandter in München gewesen, und er harte sowohl in Bayern, als in den benachbarten Landern, manche Verbindung angeknüpft. Auf diese rechneten die Oesrrcichcr mit ziemlicher Zuverlässigkeit, und sie hatten deswegen den Krieg gleich nach Bayern versetzt. Als sie sich in ihrer Erwartung getäuscht fanden, äusserten sie ihren Unmulh durch Erpressungen, durch die Wegnahme der öffentlichen Cassen, durch Verhaftung und Wcgführung der Beamten. München wurde übrigens von Zcllachich so gut behandelt, daß seine Mäßigung bey den Einwohnern dieser Hauptstadt Bewunderung erregte. Je weniger die Bayern geneigt schienen, den Aufforderungen der Oestrcicher Gehör zu geben, um so größer war die Bereitwilligkeit der Tyrolcr, sich an ihren ehemaligen Landesherren, den östreichischen Monarchen, wieder anzuschließen. Der östrei- Z 2 chi- chischen Herrfchast, die ihnen manche ihrem Nationalcharaktcr angemessene Frcyheit gestattete, schon seit Jahrhunderten gewohnt, konnten sie sich in die neue ihnen von Bauern aufgcdrungne Verfassung schlechterdings nicht finden. Genug, die bayrischen Beamten verstanden es nicht, sich ihr Zutrauen ^u crmerben. Zugleich mit dem östrcichi- schcn Uebcrgange über den Inn begann der Aufstand in Tyrol, in welcher der General Chasteler eingerückt war. Die kleine Schaar bayrischer Soldaten, die sich zu Jnnspruck befand, wurde von den Insurgenten bald überwältigt, und, aus Nachsucht, unbarmherzig behandelt. Der General Chasteler zog hierauf (14. April) in Jnnspruck ein. Durch den Aufstand in Tyrol, der sich in Zeit von vierzehn Tagen durch das ganze Land, und auch in die benachbarten Lander verbreitete, wurde der Rücken der französischen Armee in große Gefahr gebracht. Der bayrische General Wrcdc mußte daher mit seiner Abthcilung sich von der nach Wien marschierenden französischen Armee trennen, um die Tyroler wieder zum Gehorsam zurückzubringen. Er drang, wahrend 357 rend Dcroy die Festung Knffstein von der Einschließung der Tyrolcr bcfreyte, durch die Passe von Lofcrs und Strub bis in die Gegend von Jnnspruck vor. Die bayrischen Soldaten, die, durch den Kugelregen und die herabgc- rollten Steine der Tyrolcr, so viel gelitten hatten, behandelten, wie schon der Tagesbefehls des Generals Wredc beweiset, die Tyrolcr, die ihre Camcradcn nicht geschont hatten, anfangs mit auffallender Unbarm- hcrzigkeit. Sic plünderten und verbrennten Dörfer, weil aus denselben auf sie geschossen worden war. Dieses Schicksal traf unter andern (15. May) den schönen Marktflecken Schwaz. Wrcde gab jedoch die geraubten Sachen zurück; auch bewirkte er durch seine Vorstellungen, daß der französische Oberbefehlshaber, der Herzog von Dan- zig, weniger streng verfuhr. Die Unterwerfung der Tyrolcr, die damahls erzwungen wurde, dauerte aber kaum so lange, als die bayrischen Truppen im Lande waren. Sie zogen ab, weil Napoleon ihrer Hülfe an der Donau bedurfte. Na- Z58 Napoleon war, wegen des Erzherzogs Karl, gleichsam unbesorgt, an der südlichen Seite der Donau nach Wien gezogen. Acht Tage hernach, als er daselbst angekommen war, wollte er, um den Ausgang dieses Krieges zu entscheiden, seinen Gegner an der nördlichen Seite aufsuchen. Dieser hatte die Absicht gehabt, dem französischen Kaiser bey Wien zuvorzukommen. Da es aber an dem linken Ufer der Donau keine unterbrochne, für Armeen gangbare Straßen giebt, so sah er sich gcnöthigt, durch Böhmen über Budweis seinen Weg zu nehmen. Er konnte daher nicht zu rechter Zeit bey Wien anlangen. Jetzt stand er, der Stadt Wien gegen über, am Fuße des Bie- sambcrgcs, mit 75 — 80,000 Mann. Seine Vorposten erstreckten sich rechts bis Krems, und links bis an die March. Hier wollte ihn Napoleon nicht nur besiegen, sondern auch vernichten. Schon sechs Tage nach dem Einzüge in Wien (19. May) gicngcn die Franzosen über den größcrn Arm der Donau. Am folgenden Tage fanden sich schon Franzosen auf 359 auf dem festen Lande, an der linken Donau. Der Ucbcrgang über den größern Arm wur- de durch die Insel Lobau gedeckt, und, uns tcr dem Schutze der auf dieser Insel aufgestellten Batterien kamen die Franzosen über den kleinem Arm. Die Oestrcichcr konnten, ohne sich großer Gefahr auszusetzen, ihren Ucbcrgang nicht hindern. Es blieb dem Erzherzog Karl also weiter nichts übrig, als durch weise Maaßregeln den gefährlichen Folgen dieses ttcbcrganges vorzubeugen, und vielleicht entwickelte sich erst jetzt der Gedanke, die Zahl der übersetzenden Franzosen nicht zu groß werden zu lassen, und zur Erreichung dieser Absicht, die Brücken durch brennende Fahrzeuge zu rechter Zeit zu zerstören. Napoleon befand sich nun bey Aspcrn (21. May) in einer Lage, in welcher er von seiner gewöhnlichen Art zu manövrircn, keinen Gebrauch machen konnte. Gewohnt, große Massen, in weiten Kreisen, um seine Feinde auszudehnen, jedes Versehen derselben kühn zu benutzen, und sie thcilweise zu besiegen, sah er seine Bewegungen hier in einem z5o einem zu engen Raum eingeschränkt, sah er seine einzelnen Abteilungen, che sie sich noch zu einem Ganzen aneinander angcrcihet, ehe sie sich noch recht aufgestellt hatten, mit dem entschlossensten Unstüm angegriffen. Vergebens waren alle Bemühungen der Franzosen, die zerstörten Brucken wieder herzustellen, um das Corps des Herzogs von Auerstedt, und die Reserve der Herzoge von Rivoli und Mvntcbcllo, nebst der andern Hälfte der Garde, noch herüber zu bringen; vergebens waren alle Anstrengungen Napoleons und seiner tapfern Krieger, die in weit überlegenem Zahl fechtenden Oestrci- eher zu durchbrechen. Der Erzherzog Karl und seine Soldaten setzten ihnen die standhafteste Tapferkeit entgegen. Karl ergriff, als er das Bataillon Zach schwanken sah, selbst eine Fahne desselben, er stellte sich selbst an die Spitze einer Grenadier-Division. In der darauffolgenden Nacht kamen noch die Divisionen Oudinot und St. Hi- laire, nebst zwey leichten Kavallerie- Brigaden, und einem Arrillcriczug, über die Brücken herüber. Ehe aber die andern Truppen nachfolgen konnten, wurden die Brücken z6i Brücken durch eine Menge dicker Baums stamme und abgehauener Flößen , welche die mächtig angcschwollne Donau hcrabfchwemm- tc , mit fortgerissen. Jetzt (22. Man) bc- fahl Napoleon dem Herzog von Montcbello, sich, zur Behauptung des Schlachtfeldes, mit dem linken Flügel an eine von Masses na geschützte Anhöhe zu lehnen, und mit dem rechten Eßlingen zu vcrthcidigcn. Bald fehlte es jedoch an Munition, an Kanonen. Die Ocstreichcr, die die Verlegenheit der französischen Armee gewahr wurden, rückten von neuen cheran. Dreymahl griffen sie Afpcrn und Eßlingen vergebens an. Gegen Abend zogen sie sich in ihre vorige Stellung zurück, und die Franzosen blieben im Besitze des Schlachtfeldes. Aber Napoleon hatte einen seiner größten Feldherren, den Herzog von Montcbello, dem eine Kanonenkugel bcpdc Beine zerschmetterte, und noch vier andre Generale, verlohren; die meisten übrigen Generale waren verwundet; auf dem Schlachtfelds wurden 7000 Franzosen begraben; auf dem Schlachtfelds zahlte man 17,000 französische Gewehre und zc?oo Kürasse. Doch der Erzherzog Karl hatte seinen Z62 NM Plan, Napoleons Armee ganz zn vernichten, nicht erreicht. Er wollte, wie man sagt, es seinen Grenadieren nicht erlauben, dm stürmenden Angriff ans Eßlingen fortzusetzen, und alle Vorstellungen des Erzherzogs Ferdinand, und des Generals Hillcr, konnten ihn nicht bewegen, den Rückzug der so sehr verminderten Franzosen, zu ihrer ganzlichen Vernichtung, zu benutzen. Er ließ vielmehr, den menschenfreundlichen Gedanken äussernd, daß des Mcnschenblutcs schon genug vergossen sey, die Franzosen ruhig abziehen. Vielleicht war diese Aeusse- rung eine Wirkung seiner Ucbcrzeugung, daß auch das östreichische Heer sehr geschwächt war. Die Franzosen zogen sich über den kleinen Arm der Donau auf die Insel Lobau zurück. Doch der Mangel an Lebensmitteln war hier noch einige Tage so groß, daß die Franzosen zu Pferdefleisch, Brennesseln und Waldgras ihre Zuflucht nehmen mußten; die nene Brücken, die sie bauten, wurden (26. u. 27. May) durch abgerissene Mühlen und die Heftigkeit des Stromes wie- Z6Z wieder zerstört, und der Uebcrgang über den immer mehr wachsenden Strom war so gefahrlich, daß die Franzosen auf das rechte Ufer zurückgehen mußten. Napoleon kehrte also unangefochten über die Donau zurück; er besetzte mit großer Sorgfalt die Uebcrgangspunkte bcy Linz, St. Pölten und Prcßburg; er behauptete sich im Besitze von Wien. Die Äestrcicher machten nicht den geringsten Versuch, ihn in demselben zu stören, und in dieser Absicht an manchem Orte, wo sie die Gelegenheit dazu hatten, überzusetzen. Was konnten sie, mährend die italienische Armee noch auf dem Marsche war, während die Bayern noch in Salzburg, die Wirtembergcr zwischen Linz und Passau, und die Sachsen in der Qbcrpfalz standen, durch einen raschen und kraftvollen Angriff nicht ausrichten? Genug, Napoleon gewann Zeit, seine sehr verminderten Streitkräfte wieder zu starken, und naher an einander anzuschließen. We- Z6-4 Wenige Tage nach der Schlacht bey Aspern schloß sich der Vicckönig von Jta- licn an ihn an. Es folgte dem aus Italien sich wieder zurückziehenden Erzherzog Johann. Dieser war (seit li. April) mit einem Heere von 50 — 60,000 Mann in das ehemahlige venezianische Gcbicth eingerückt. Seine Unternehmungen schienen anfangs von Glücke begünstigt. Die italienische Armee war auf den Angriff eines so zahlreichen Heeres noch nicht vorbereitet. Der Prinz Eugen musite sich bey Fontana Fredda (15. 16. April) zurückweichen, und der Erzherzog Johann drang bis Vicenza vor. Doch das traurige Schicksal, das die deutschen Heere der Scstrcichcr in Deutschland hatten, unterbrach sehr bald das weitere Vorrücken des Erzherzogs Johann. Er zog sich aus Italien frevwillig, wiewohl nicht ohne Verlust, nach der Donau zurück. Das östreichische Ministerium hatte auch in Italien auf die Mitwirkung der Einwohner zu viel gerechnet. So sehr diese aber die Rückkehr der östreichische» Herrschaft vielleicht nicht ungern gesehen hätten, so hatten sie doch nicht alle Lust, ihr Leben 36? und ihr Vermögen deswegen auf das Spiel zu setzen. Am wenigsten fühlten sich hierzu diejenigen, die am lautesten murrten, geneigt. Auch erinnerten sich manche Italiener nach der unbarmherzigen Behandlung, die sie von den Oestrcichcrn vor . zehn Jahren (1799) erfahren hatten. Der Erzherzog Johann sollte den Paß von Pontafel behaupten, um, rechts an Tyrvl gelehnt, den Vicckönig Eugen so lange als möglich zu beschäfftigcn, und die tyrolischcn Insurgenten von Süden her kraftig zu unterstützen. Allein die italienische Armee drang, nachdem sie (8- May) über die Piavc gegangen war, mit eben so vieler Kraft als Schnelligkeit gegen Deutschland vor. Fünf Tage vor der Schlacht bey Aspern (16. May) stand sie schon bey Tarvis in Kärnthcn; Macdouald besetzte mit einer Abtheilung derselben Tricstc; er rückte (22. May) bis Laybach vor. Bey Bruck in Steycrmark erfolgte (25. May) die Vereinigung des italienischen Heeres mit Napoleons Armee. Zu dieser stieß nun auch der Herzog von Nagusa (Marschall Marmout), nachdem er die ungersche Seestadt Fiume besetzt hatte. In- z66 Indessen war die Armee des Erzherzogs Johann, der sich nach .Ungern zurückzog, auf 30,000 Mann zusammengeschmolzen. Eben so wenig, als in Deutschland und Italic», gelang den Oestrcichern ihre Unternehmung gegen das Herzogthum Warschau. Der Erzherzog Ferdinand hatte unter seinem Befehle gegen 40,000 Mann. Dieser konnte das Hcrzogthum Warschau, von dessen Kriegsleuten ein ansehnlicher Thcil in Spanien diente, anfangs nur 12,000 Mann entgegenstellen. Der größte Theil derselben war bey Warschau versammelt. Den Oberbefehlshaber, und zugleich Kriegsminister, stellte der Fürst Poniatows- ky, der Neffe des letzten Königs von Polen, ein kluger, erfahrner und entschlossener Feldherr, vor. Unter den übrigen Generalen zeichneten sich Dabrowsky und Zajvnczck aus. Die Heyden letzter» hatten sich schon als Anführer der polnischen Legionen in Italien Ruhm erworben. Die Polen, die Staatsbürger des jetzigen Hcrzogthmns Warschau, bewiesen einen ausserordentlichen Eifer, ihr Vaterland zu vcrthcidigcn, und sie tru- 3 6/ trugen die Opfer an Menschen und Geld, die man ihnen abforderte, meistens sehr bereitwillig bey. Warschau wurde mit großer Thätigkcit umschauzt. Der Erzherzog Johann drang, nachdem er (15. April) über bcn Granzfluß Pilica gegangen war, ungehindert bis Nowcmiasto, 12 Meilen von Warschau, vor. Pouiatowsky zog sich hierauf mit allen Truppen, die er zusammenbringen konnte, nach Raszyn, z Stunden südlich von Warschau, zurück. Seine Strci- terzahl vergrößerten hier noch lzocz Sachsen, die der General Dyhcrrn anführte. In dem Tressen, das ihm der Erzherzog Johann (19. April) lieferte, stellte er nur iz,ooo Mann auf. Die Ocstrcicher benutzten ihre Ucbermacht zu wenig. Die Polen, die sehr brav fochten, verlohren 1500—> 2OOO Mann. Poniatowsky zog sich hierauf nach Warschau zurück. So sehr er das Anschn hatte, als wenn er diese Stadt ver- theidigcn wollte, so bald faßte er doch (21. April) den Entschluß, sie einem traurigen Schicksale durch eine Capitulation zu entziehen. Die vornehmste Bedingung derselben war der Rückzug der polnischen Armee über Z68 über die Weichsel. Sie sollte alles/ was sich fortschaffen ließ, mitnehmen dürfen. Der Erzherzog Ferdinand bewies sich ab- sichtlich so schonend, um die Nation zu gewinnen. Dennoch waren die Warschauer über den geschlossenen Vergleich unzufrieden, und der Erzherzog mußte eine Stunde warten, che ihm die Schlüssel der Stadt von einer Deputation überreicht wurden. Der sachsische General Dyherrn kehrte mit seiner kleinen Abtheilung in das Vaterland zurück. Mit der Einnahme von Warschau hörte aber dieser Krieg zwischen den Oestreickern und den Truppen des Herzogthums Warschau noch nicht auf. Der General Svkol- uicki schlug (21. April) den öfrreichischcn General Mohr, der Praga besetzen wollte; er zerstörte (z. May) die össreichische Brük- kenschanze bcy Gura, z kleine Meilen südwärts von Warschau, und machte eine beträchtliche Menge von Gefangnen. Das warschauische Heer wuchs, durch Recrutcn und galizischc Uebcrlaufcr, immer stärker an, und der neue Staat harte endlich die Freude, daß sich der Erzherzog Ferdinand (z. Zun.) aus seinem Gebiethe herauszog, um sich 369 sich an die große östreichische Armee anzu- schließen. Eine Unternehmung, die, wenn sie zu rechter Zeit ausgeführt wurde, dem Nücke» der französischen Armee eine grofie Gefahr bringen konnte, war der Zug des Majors Schill, des braven Officiers, der sich in Pommern so ausgezeichnet hattet). Dieser unternehmende Mann glaubte sich beruft», die deutsche Nation von dem französischen Einflüsse zu befrcycn. Er wurde in diesem Gedanken von vielen angesehenen Männern bestärkt. Sein Plan stimmte auch mit den Empörungsentwürftn der Oestrcichcr übcrein. Als Befehlshaber einer Abtheilung der bcr- Untschen Besatzung, hatte er eine gute Gelegenheit, sich zu seiner Unternehmung vorzubereiten. Er rechnete bcy derselben auf mächtige Unterstützung, auf eine Znsurrcc- tion in Hessen, im Braunschwcigischcn, auf ein Corps von Soldtruppcn des Kurfürsten von Hessen, das sich in Böhmen bilden sollte; *) Oben S. 207. Eallctti Weltg. -zr Th. Aa z?o sollte; vielleicht auch auf eine englische Landung, Wie viel hatte er, wenn er seinen Zug nicht zu frühzeitig begann, ausrichten können? Unter dem Vorwandc, die seinem Befehle untergebenen Leute im Manövrircn zu üben, war er schon manchmahl aus Berlin ausgerückt. Seine Soldaten nahmen alsdcnn ihr ganzes Gepackc mit. Als er cinsrmahls auch auf diese Art ausgezogen war, kam er nicht wieder zurück. Er hatte, ausser seinem Husarenrcgimcnte von 600 Mann, einige Compagnien von Jägern und Uhlancn bcy sich. Bald zogen ihm auch noch einige Compagnien von Infanterie nach. Es schlössen sich überhaupt noch viele Sfficicre, und andre junge Manner, von den vornehmsten Familien des Landes, von verschiedenem Alter und Range, an ihn an. Es folgten ihm vcrheprathcte Familienvater, Leute, die Vermögen hatten, Leute, die die Verzweiflung hierzu bestimmte. Seine Schaar war bald größer, bald kleiner. Anfangs beobachtete er eine vortreffliche Kricgszucht. Sein Plan wurde blos durch den Zufall geleitet. Aber er fand bei) den Bewohnern Norddeutschlands nicht die erwar- Z7l erwartete Unterstützung. Die Nachrichten von den Unglücksfällen der Oestreicher was ren gar nicht geeignet, zu einem Aufstande zu reihen. Es wagten es daher nur östrci- chifche und andre Ucberläufer, Schills Schaaren zu vergrößern, und er erreichte bcy seinen Kreuz- und Qucrzügen keinen andern Vorthcil, als daß er einige Gemeinde s Cassen in Beschlag nahm. Nachdem er, nach einem Gefechte, das er (5. May) mit den westphälischcn Truppen bcy Dodendorf, unweit Magdeburg, gehabt hatte, einige Wochen hindurch unangefochten herumgezogen war, brachte er (am ?z. May) die mcklcnburgische, an der Elbe liegende kleine Festung Dömitz in seine Gewalt, überwältigte er bey Damgarten ein Batallion meklenbnrgifcher Soldaten. Der holländische General Gratien, der mit einigen französischen und holländischen Truppen gegen ihn anrückte, hatte zu wenig Mannschaft, ihn mit Eifer zu verfolgen. Schill zog nun einige Tage in Meklenburg umher. Bald war er in Wismar, bald in Rostock. Sein Plan ward jetzt immer unzusammen- hängcndcr, aber seine Gefahr auch immer Aa 2 grö- Z72 größer. Die Festung Dömitz war ihm (24. Man) durch den westphälischen General D'Albignac wieder entrissen worden. Zu dem General Graticn stieß jetzt noch der dänische General Ewald mit 1500 Mann, und das vereinigte Corps war nun 5000 Mann stark. Dieser überlegenen Macht ausweichend, zog sich Schill (25. May) nach Stralsund zurück. Hier machte er alle Vcr- theidigungs-Anstalten, die ihm die niedergerissenen Festungswerke erlaubten. Zu dieser Absicht waren ^jedoch weder seine Kanonen, noch seine Artilleristen, hinreichend. Noch both ihm Rügen eine sichere Zuflucht an. Aber der sonst so unternehmende Mann hatte seine Besonnenheit verlohrcn. Die Maßregeln, die er ergriff, waren nicht zweckmäßig. Als Gratien und Ewald (zr. May) gegen ihn anrückten, hatte er, ausser seinen 6oo Husaren, 400 andre Cavallc- ristcn, 150 Uhlancn, 2 starke Compagnicu Fußjäger, viele Forstleute, die ihm zugelaufen waren, 1500 Mann pommcrsche Landmilitz, und einige hundert meklenburgi- sche Ucberlänfcr. Nach einem heftigen Gefechte von 20 Stunden verlohrcn Schills Leute Leute den Muth, und 8c>o derselben streckten das Gewehr. Die übrigen zogen, in ziemlicher Unordnung, aus der Stadt heraus. Man ließ sie größtentheils nach dem preussischen Lande ziehen. Schill, der, zum letzten Zufluchtsmittel, Stralsund anzünden wollte, fiel, von einer Musketcnkugel getroffen, und ward von einem dänischen Husaren vollends getödtet. Seinen Kopf verwahrten die holländischen Soldaten, die manchen braven Mann, und unter andern den General Tarieret, verlohrcn, in Weingeist. Schill rechnete unter andern auf einen Aufstand in Wcstphalcn. Dieser war auch so vorbereitet, daß der König Jcrome, in der Nacht vom 21 — 22tcn April, auf seinem Schlosse in Cassel, gefangen genommen werden sollte. Noch zu rechter Zeit wurde ihm die Gefahr von einem Herrn von Malsburg angezeigt. Der Oberste von Dörnberg, der des Königs Vertrauen hatte, wollte die seinem Befehle untergebenen Jäger zur Untreue bereden. Als er seine Mühe fruchtlos sah, entfernte er sich. Die Aufrührer, die sich der Residenzstadt näherten. Z74 tm, wurden von der königlichen Garde leicht zerstreut, und die, die in ihrer Treue wankten, rief die Entschlossenheit des Königs, mit welcher er ihnen eine neue Eidesleistung freystcllte, zu ihrer Pflicht zurück. Alle diese Unternehmungen, durch welche die Deutschen zum Abfalle von den Franzosen gereiht werden sollten, standen in keiner planmäßigen Verbindung. Erst nach Schills Tode rückte der östreichische General am Ende, durch kleine Streifzüge des sächsischen Obersten Thiclemann gereizt, mit einer kleinen Truppcnabthcilung nach Sachsen vor. Die wenigen sächsischen Truppen des aus Polen zurückgekehrten Generals Dyherrn, zu welchen die kleine Reserve unter dem Befehle des Obersten Thiclemann gestoßen war, konnte die Oestreichcr nicht abhalten (11. Zun.) die Hauptstadt Dresden zu besetzen. Der König von Sachsen gieng mit seiner Familie erst nach Leipzig, und so- dcnn nach Frankfurt am Mayn. Sein Land wieder zu erobern, rückte der König von Westphalcn (21. Zun.) bis Sondershausen in Thüringen vor. Der Herzog von Braun- 375 Braunschwcig-Ocls, der sich mit einem kleinen Corps von mnthigcn Leuten, die er angeworben hatte, an den General Emande anschloß, wagte sich bis Leipzig; er zog sich aber, bey der Annäherung des Generals D'Albignac mit einer Abthcilung von Wests phälingcrn und Hollandern, wieder zurück. Der König von Westphalcn kam hierauf (26. Inn.) an der Spitze eines Corps von Wcstphälingcrn, Holländern und Sachsen erst nach Leipzig, und (1. Zul.) nach Dresden. Die Oestrcicher zogen sich nach Böhmen zurück. Um diese Zeit näherte sich der große Kampf seiner Entscheidung. Zu dieser hatte der französische Kaiser solche Vorbereitungen gemacht, daß er auf die glückliche Wirksamkeit derselben mit Zuverlässigkeit rechnen konnte. Ilm von den Zurüstungcn, die er in der Gegend von Wien machte, die Ocstreichcr abzulenken, zogen der Prinz Engen und der General Lanriston von Wienerisch - Neustadt nach Ocdinburg, in Ungern. Hier stand der Erzherzog Johann mit dem Ueberrcst seiner Armee, die sein Bru- 376 Bruder, dcr Palatinus, durch die ringen sche Jnftirrection zu verstärken suchte. Indessen rückte der Marschall Davoust nach Engerau, einem der Stadt Prcsburg gegen über liegenden Dorfe, und Maedonald zog gleichfalls nach Ungern. Eben feuerten (14. Zun.) der Erzherzog Johann und dcr Pala- tinus zu Raab ihre Vereinigung, als sie,. 50,000 (nach östreichischen Berichten nur 36,000) Mann stark, von 35,000 Franzosen und Italienern unter dem Prinzen Eugen angegriffen, und, nach einem Gefechte von 2 Stunden, zurückgetrieben wurden. Die Stadt Raab mußte, nachdem sie einen achttägigen Bombenangriff ausgehakten hatte (22. Zun.) in die Ucbergabc einwilligen. Indessen beschoß dcr Marschall Davoust die Hauptstadt Prcfiburg. Seine Batterien wirkten um so sichrer, jemchr sie durch die niassivgcbaute Kirche des Dorfes Engerau geschützt wurden. Durch 4000 Bomben und Haubitzen-Granaten stürzte der schönste Theil von Preßbukg zusammen. Indessen hatte Napoleon alle Truppen, die er in andern Gegenden entbehren zu kön- Z77 können glaubte, bcy Wien vereinigt, hatte er alle Anstalten zum Uebergange gemacht. Der Marschall Lefcbre mit 2 Divisionen Bauern, der General Vandamme mit den Wirtcmbcrgcrn, der Prinz von Pontecorvo mit den Sachsen, auch Hessen, und andre Vundcstruppen, vereinigten sich bcy Wien mit der durch Cvnscribirte verstärkten fran- zösischcn Armee. Die Ocstrcicher blieben indessen auf dem Marchfelde unbeweglich stehen. Ihre Aufmerksamkeit war blos auf die Gegend zwischen Aspern und Eßlingen gerichtet. Hier, glaubten sie, müßte Napoleon wieder übergehen. Aber sie sahen sich getauscht. Zn Anfang des Iuls ließ Napoleon, vom festen Lande bis zur Insel Lobau, eine gegen alle ZerstSrungsmittcl hinlänglich gesicherte Brücke bauen. Auf der Insel Lobau, und den kleinem um dieselbe liegenden Inseln, wurden 120 Stücke Belagerungsgeschütz versammelt. Die Brücke, die von der Lobau nach dem linken, Donau- Ufer führte, hatte die Absicht, den eigentlichen Ucbergang zu verbergen. Der Ort desselben war anderthalb Meilen weiter hinunter, bey Enzcrsdorf, auf dem äußersten Punk? 378 Punkte des östreichiscben linken Flügels, der, nur mit wenigen Truppen besetzt, bcy- nahe unbewacht war. Die Insel Lobau, und die neben derselben liegenden kleinem Inseln, Kothen dem französischen Kaiser eis ne schöne Gelegenheit dar, unbeobachtet von Vorposten und Spionen, alle zum Ucbcr- gange nüthigen Vorbereitungen zu machen. Die, ohne das Corps des Fürsten Rcuß, iOO,Oou Mann starke Armee des Erzher« zogs Karl (loz Batallione, 148 Schwadronen) besetzte eine zu ausgedehnte Linie. Diesen Umstand wußte Napoleon vortrefflich zu benutzen, um seine große Streitcr- mcnge nicht nur glücklich an das linke Donau - Ufer zu versetzen, sondern auch plan- maßig aufzustellen. In der Nacht vom 4 — 5tcn Jul. 10 Uhr Abends gicngcn, bey Fischamcnt, 1500 Mann in io Kano- nicrschaluppcn über den Strom. Sie stellten sich, nachdem sie die Vorposten des östreichischcn linken Flügels vertrieben hatten, bep dem Dorfe Mühlleuthcn, etwa dreyviertel M- lcn östlich von Enzersdorf, auf. Um 11 Uhr begann von den Batterien Z79 rien auf dcr Insel Lobau ein schreckliches Feuer, das die Stadt Enzersdorf zertrümmerte, und die östrcichischcn Batterien in Unthätigkeit versetzte. In Zeit von drey Stunden wurden > noch so viele Franzosen übergesetzt, daß sich schon am Ende dieses Tages ihre Zahl auf 10,000 belief, und noch vor dem Anbruche des folgenden TagcS stand die, wahrend eines schrecklichen von heftigen Regengüssen begleiteten Sturmwetters übergesetzte französische Armee, 150,000 Mann stark, an dem linken Donau-Ufer, auf einer so kurzen Strecke, bcysammen, daß sie sich ungehindert entwickeln und aufstellen konnte. Ihren linken Flügel führte Massena, den rechten Davoust an. In der Mitte stand Oudinot. Das zweyte Treffen bildeten dcr Vicekönig und Pontccorvo. Zur Reserve standen die Garde und die Cü- rassicr da. Ilm sechs Uhr früh (am 5ten) waren schon alle Vcrschanzungen dcr Scstrcichcr, zwischen Enzersdorf und Eßlingen, im Rücken genommen, waren die Oestreicher aus denselben vertrieben. Nur Elbersdorf wur» Z8o wurde, ungeachtet es brennte, von einem östrcichischen Batallion tapfer vcrtheidigt. Die östreichischcn Feldherren wollten nun die Vortheile der Stellung, die ihnen Napoleons kluge Anordnungen entrissen hatten, durch Tapferkeit im offnen Felde.wieder gewinnen. Vielleicht schmeichelten sie sich mit dem Gedanken, eine der bey Eßlingen ahnliche Schlacht zu liefern. Der General Nordmann bemühcte sich vergebens, den rechten Flügel der Franzosen zu bekämpfen. Gegen Abend bestürmten die Franzosen das östrcichische Mittcltreffcn bey dem Dorfe BauiNersdorf; aber die Sonne gicng unter, und noch stand das östrcichische Heer uncr- schüttcrt auf den Höhen bey Wagram. Dieses Dorf ließ Napoleon, in der folgenden Nacht, durch die unter Pontecorvo stehenden Sachsen^ besehen. Die Sachsen wurden jedoch durch zwey von verschiedenen Seiten anrückenden östceichischen Vatallione in ein so mörderisches Feuer gebracht, daß sie sich mit großem Verlust zurückziehen wußten. Die nachthcilige Stellung, in welcher sich die französische Armee am Ende des vorigen 'Tages befand, ließen- die öst- reichi- Z8l rclchischen Feldherren unbenutzt. Dadurch gewann Napoleon Zeit, seine Truppen« Abthcilungcn naher zusammenzuziehen. Die Ocstreichcr dehnten hingegen ihren rechten Flügel von Wagram bis Aspern, auf z Stunden, aus; die Abtheilungen, die denselben bildeten, standen auch zu wenig in festem Zusammenhange. Um so eher konnte ihn Napoleon durchbrechen. Doch die Oestrcichcr setzten ihm, vornehmlich bey dem Dorfe Adcrklaa, einen so tapfsrn Widerstand entgegen, .daß die Division Carra St. Cyr bis auf wenige tausend zusammenschmolz. Die Oestrcichcr erbeuteten Kanonen und Adler; sie machten Gefangne. Napoleon ließ hierauf, gegen den Mittelpunkt der Oestreicher, 2 Divisionen von Macdonald vorrücken. Zu ihrer Unterstützung marschierten die Füscliers und Ti- ralleurs der Garde, die Division von Nan- souti von 4 Cuirassier- und 2 Carabincrs- Ncgimentcrn, die Garde zu Pferde, zusammen 12 Infanterie- und ig Cavallerie-Regimenter , mit einem Artillcricpark von hundert Kanonen. Und auch dieser ungeheure Streittoloß, wurde, hauptsächlich durch die uner- Z82 unerschütterliche Gegenwehr? der Sstreichi- sehen Grenadiere, zum .Weichen gebracht. Indessen ließ sich Röhenberg, auf dem linken Flügel der Oestrcicher, von Davoust zurück drängen. Nun zogen sich auch Hohen- zollcrn, Bcllcgarde, und die andern Generale, allmählig zurück. Der Erzherzog Karl stellte sich hierauf am Viesambcrge auf, wo er seinen rechten Flügel an die Donau stützte. Er entschloß sich zu diesem Rückzüge nicht eher, als- bis er auf den Anzug des Erzherzogs Johann nicht mehr rechnen konnte. Der Erzherzog Johann, der, mit dem Palatinus, zur Vescbühung der Festung Komorn, auf der Insel Schütt stand, sollte sich an den linken Flügel der Armee des Erzherzogs Karl anschließen. Schon am 2gsten Iun. hatte er den Befehl bekommen, gegen die Leytha vorzurücken. Am ztcn Jul. erhielt er vom Erzherzog Karl die Verordnung, die in Ungern stehenden Franzosen, die größtcntheils nach Wien gezogen waren, auf alle Weise zu bcschäfftigcn. Er bestimmte zur Ausführung dieser Unternehmung die Nacht Z8Z Nacht zwischen dem 4 — 5tcn Jul. Der Palatinus sollte, seiner Einladung gemäß, am jenseitigen Donau-Ufer mitwirken. Die Ausführung dieses Angriffes wurde aber durch eine stürmische, von großen Regengüssen begleitete Nacht verhindert. Am folgenden Tage (5. Jul.) erhielt Johann vom Erzherzog Karl den Befehl, sich an seinen linken Flügel anzuschließen. Der Weg, der ihm vorgeschrieben wurde, war nicht der kürzeste, er betrug 12—15 Meilen. So wurde der Erzherzog Johann verhindert, zu rechter Zeit auf dem Schlachtfeld? einzutreffen. Was hätten seine iZ,ooo Mann, in Verbindung mit 24,000 ungcrfchen Insurgenten, nicht ausrichten können? Napoleon benutzte seinen Sieg, die Ocsireichcr rastlos verfolgend. Der links Flügel derselben, den der Fürst von Rosenberg anführte, zog sich nach Znaym in Mähren; der Erzherzog Karl wich mit dem sehr zusammengeschmolzenen Hauptthcile seiner Armee bis Jglau zurück. Davoust stand mit dem rechten Flügel schon am 9ten bey Nikolsburg, und Massena war mit dem lin- Z84 linken über Stockerau nach Hollabrunn vor- gerückt. In der Mitte rückte Marmont mit dem Centrum, und der Garde, vor. Er folgte erst der großen Straße nach Brünn, und schwenkte sich von da nach Zna»m, wovon er am loten nur noch eine halbe Meile entfernt war. Seine Franzofen besetzten die bey Znaym befindlichen Anhöhen. Schon am folgenden Tage zeigten die Oestreicher, die noch mit vieler Tapferkeit fochten, aber feit 9 Tagen auf zo,ooo Mann vcrlohrcn hatten, ihre Bereitwilligkeit, das Ende dieses für sie so gefährlichen Kampfes, durch einen Waffenstillstand zu beschleunigen. Indessen gicng Davoust über die Taya, wo sich rechts ein Thcil des Centrums an ihn anschließen sollte, während Massen«, an der rechten Seite der Taya, bis Znaym vorrückte. Schon war die Brücke, und ein Thcil der Vorstädte, von den Franzofen besetzt; schon bedrohet? die auf einer Strecke von 2 — z Meilen wieder vereinigte französische Armee die Oestrcichcr mit einem neuen Hauptangrif- fe, als sich der Fürst von Lichtenstcin, im Hauptquartiere des Kaisers Napoleon, mit einem Was- 385 Waffenstillstandsantrage einfand, der auch noch an diesem Tage (12. Zul.) zu Znaym unterzeichnet wurde. Wahrend daß an der Donau die Waffen ruhctcn, und zu einem Friedensvertrage Vorbereitungen gemacht wurden, loderte das Kriegsfcuer doch in verschiedenen andern Ge- gendcn noch fort. In Tyrol wüthete der Empörungsgeist ärger, wie jemahls; in Norddeutschsand setzte der Herzog von Braunschweig-Oels feinen Kreuzzug noch fort; in Holland zog eine englische Landung Napoleons Aufmerksamkeit auf sich. Der Herzog von Braunschwcig - Ocls war, in Verbindung mit dem General Am Ende, nach dem Abzüge des Königs von Westpha- len, wieder nach Sachsen vorgerückt; Dresden war (14. Iul.) von den Oestreichern zum zwcytenmahl besetzt worden. Zugleich rückte der üsireichische General Kienmeycr nach Franken vor. Der Herzog von Abrain tes, der mit einem bcy Hanau gebildeten Corps herbcy kam, machte einen unglücklichen Versuch, ihn zurückzutreiben. Der König von Wesiphalen rückte, mit einem aus Eallttti Wcltg.-zr Th. V b sei- Z86 seinen und holländischen Truppen zusammengesetzten Heere bis in die Gegend von Schlcitz. Er zog sich aber von hier nach Erfurt zurück. Hier empficng er die Nachricht von dem geschlossenen Waffenstillstand. Die Ocstrcichcr räumten hierauf sowohl Sachsen, als Franken. Doch der Herzog von Sels, der sich kan diesen Waffenstillstand nicht gebunden glaubte, setzte seinen Kriegszug, durch den er sich an die Küste bringen wollte, noch weiter fort. Er vertrieb (26. Zul.) den General Thiele- Mann mit seiner kleinen Truppen - Abtheilung von Leipzig. Die Forderung von 20,000 Thalcr, die er an die Bewohner dieser Stadt machte, beweiset eine große Genügsamkeit. In Halberstadt überwältigte er (28. Iul.) ein wcstphälisches Infanterie - Regiment. Er zog hierauf (am zi.) in Braunschwcig ein. Da ihn aber ein wcstphälisch - holländisches Corps unter dem General Reubel, und hernach unter dem General Bongars, einzuschließen suchte, so eilte er der Küste zu, und er war von 4000 Wcstphalcn und 6500 Holländern verfolgt, (7. Aug.) so glücklich, sich fast mit allen sei? Z87 seinen Leuten zu Elsfleth, an der Weser, einzuschiffen. Eine englische Flotte brachte ihn nach England, wo ihm das Parlament, als einem Verwandten des Königs, einen Zahrgchalt von 10,000 Pfund aussetzte. Seine Truppen fechten, an der Seite der Engländer, in Portugal. An der Seite derselben hatten sie vielleicht schon in Holland gefachten, wenn der Herzog nicht auf seine Rettung bedacht scyn mußte. Die englische Regierung beschloß eine Unternehmung gegen Holland, nicht sowohl um einem Bundesgenossen Hülfe zu leisten, als ihn zur Fortsetzung des Krieges aufzumuntern, und nebenher Frankreichs wachsende Seemacht in dieser Gegend zu vernichten. Am 27. Jul. (1809) giengcn voir Pvrtsmouth izo Transportschiffe mit bey- nahe 40,000 Mann Soldaten, begleitet von z6 Linienschiffen, 95 Fregatten und andern kleinen Schiffen, und 200 Kauonenböten, nach Holland ab. Die Flotte stand unter dem Befehl der Admirale Otway, Gardner, Kcatcs, und Sir Home Popham. Oberbefehlshaber über sämmtliche Truppen war Vb 2 de? Z88 der Graf von Chatham, älterer Bruder des verstorbenen Pitt, Obcrvorstehcr des Artillc- ricwcscns, ein noch gar nicht durch Kriegs- thatcn ausgezeichneter Feldherr. Unter ihm commandirten Eure Coote, John Hope u. a. m. Der Admiral Missieffi, der über die französische Escadre bcy Vlissingen die Aufsicht führte, seegelte mit derselben, vom Kriegsminister gewarnt, die Westcrschelde hinauf. Er erreichte, die schweren Kanonen über Bord werfend, den Hafen von Antwerpen, und war nun gegen jeden Angriff durch das Fort Lillo gedeckt. Eine Flotte von 14 Linienschiffen, 8 Fregatten, und andern kleinen Schiffen, war nun gerettet. Hingegen räumte der französische General Bruce die Insel Südbcvcland, ohne einen Schuß zu thun, um sich nach Bergen op den Zoom zurückzuziehen. Auch Middelburg öffnete den Engländern sehr bald die Thore. Diese griffen hierauf ( r. Aug.) die Stadt Vlissingen an. Der General Monnct, der in derselben den Oberbefehl führte, zählte 7000 Streiter. Diese sollten 18,000 Engländern Widerstand thun. Monnet hatte es versäumt, die Deiche zu durch- 389 durchstechen. Diese Arbeit war wenigstens zu nachlässig betrieben worden. Die Englander rückten daher der Stadt so nahe, daß sie dieselbe mit großem Erfolg beschießen konnten. Monnct hielt dieses Bombardement nicht langer, als z6 Stunden, aus. Er übergab (15. Aug.) die Stadt, und unterzeichnete, die Kriegsgefangenschaft seiner 6000 Mann starken Garnison. Doch das ungesunde Klima dieser Gegend, vornehmlich in der damahügen Jahrszcit, stürzte einen großen Thcil der englischen Soldaten in das Grab, oder wenigstens auf das Krankenlager. Da nun Antwerpen und die Küste von Flandern, in kurzer Zeit, von großen Schaaren von französischen National- gardcn und Freywilligen, unter Pontecorvo, beseht wurde, so vcrlohren die englischen Generale alle Hoffnung, noch andre glückliche Unternehmungen auszuführen. Chatham kehrte, daher mit dem größten Theile seiner Armee nach England zurück. Der ganze Erfolg der großen Unternehmung bestand am Ende in der Zerstörung der vlissingcr Docke, die aber nicht einmahl vollendet wurde. Wie wenig entsprach dieser Erfolg dem Auf- wan- Z9c> wände von mchrcrn Millionen, dem Verlust von 16,000 Mann! Der Kriegsministcr Castlereagh zog sich deswegen lebhafte Vorwürfe zu. Der Staatssekretär Canning, der seinen Einsichten wenig zutraute, und der den Marquis Wclleslcy, den ehcmahligen Gencralgouverncur des cnglifchcn Ostindiens, an dessen Stelle bringen wollte, erklärte sich jetzt auf eine für die Ehre des Kriegsmini- siers so nachthcilige Art, daß ihm dieser zum Zwcykampf heraus forderte. Dieser zog (22. Sept.) die Abdankung der beydcn Minister nach sich. Nun wurde Spencer Pcr- reval erster Lord der Schatzkammer. Das englische Ministerium sah feine Hoffnungen, die es auf die holländische Unternehmung, und die Aufstandsvcrsuche im nördlichen Deutschland, gefetzt hatte, vereitelt. Eben so wenig bewirkte die Empörung der Tyrolcr und Vorarlbcrgcr, so feurig auch hier der Kampf gekämpft wurde. Nach dem Abzüge des Herzogs von Danzig von Innspruck (25. May), war die zurückgebliebene kleine Abtheilung der Division Dcroy von den tyrolischen Insurgenten bald über- wäl- Zy! wältigt worden, Andreas Hofer, Wirch zum Sande im Passcyerthale, ein untere nehmender, unter seinen Nachbarcn in großem Ansehen stehender Mann, versammelte auf dem Brenner, wo das östrcichische Corps des Generals Buol stand, einen Landsturm von 18,000 Streitern, Der General Cha- stclcr, der durch die vorbcyzichende italienische Armee in die tyrolischen Thälcr zurückgedrängt war, rückte in das Pusterthal vor. Tyrol war nun abcrmahls ganz frei). Wahrend des Waffenstillstandes, zu Anfang des Augusts, rückte aber (i. Aug.) der Herzog von Danzig, mit einer aus Franzosen, Bayern und herzoglich-sächsischen Truppen zusammengesetzten Abtheilung, wieder in Tyrol ein. Er kam ohne große Hindernisse bis nach Jnnspruck. Aber der Ausstand der Ty- rolcr, den Andreas Hofcr, als Obercvmman- dant, leitete, war jetzt furchtbarer, als je- mahls. Die über den Brenner vorrückenden herzoglich - sächsischen und bayrischen Truppen wurden von den Tyrolcrn, die sie in den engen Vergwegen mit Büchsenschüssen und Sreinwürfen empfiengcn, (4—12. Aug.) in eine so große Noch versetzt, daß sie sie sich, mit Zurücklassung vieler Todtcn, Verwundeten und Gefangnen, zurückziehen mußten. Durch das Beyspiel der Tyroler aufgemuntert, zeigten sich auch die Vorarlbcrs gcr, die schon seit dem May im Aufstande begriffen waren, und einen D. Schneider zum Anführer hatten, sehr thälig, nicht nur ihre eigne Freyheit zu behaupten, sondern auch die benachbarten Schwaben zur Teilnahme an ihrem Frcyhcitskampfe zu reihen. Der König von Wirtemberg traf jedoch so gute Maßregeln, daß seine durch Bürger-, garden, Forstbedicnten und Freywillige verstärkten Soldaten, in Verbindung mit Franzosen und Bayern, die weitere Ausbreitung dieser Unruhen kraftvoll verhinderten. Die Tyroler mußten, als Napoleon sich mit Franz ausgesöhnt hatte, zur. Unterwerfung zurückkehren. Von Norden her rückten (Ott. 1809) Franzosen und Bayern, unter dem Befehl des Kronprinzen, und des Generals Drouet, von Süden her Franzosen und Italiener, angeführt von Paraguay d'Hilliers, ein. Die tyrolischen Znsurgenten waren jetzt selbst auf ihren steilen Bergen nicht mehr sicher. Selbst Hofers verschanz- Z9Z schanztcs Lager auf dem Zsclbcrge konnte (i. Nov.) einem stürmenden Angriffe nicht widerstehen. Nach einiger Zeit (29. Zan. 1810) wurde auch Andreas Hofer, der einen geschlossenen Vergleich nicht gehalten hatte, in seinem einsamen Zufluchtsorte gefangen genommen, und nach Mantua gebracht, wo er, nach dem Ausspruche eines Kriegs- geeichtes, (19. Febr.) erschossen wurde. Alle diese Empörungen hatten also nicht den Erfolg gehabt, den sich die östreichische Pcirthep von denselben versprach. Der Gefahr, ganz vernichtet zu werden, war zwar Ocstrcich entgangen; aber es sah doch keine zuverlässige Hoffnung, den Krieg mit Frankreich auf eine vortheilhaftc Weise zu erneuern. Schon mit der französischen Macht mehr als zu sehr beschäfftigt, hatte es auch das unangenehme Gefühl, von seinem ehe- rnahligen Bundesgenossen, dem russischen Kaiser Alexander, sich feindlich behandelt zu s-hen. Dieser erklärte (schon am 28. April) daß seine Verhältnisse mit Ocstrcich, des Einfalls in das Hcrzogthum Warschau wegen, aufgehoben waren. Im Iuny rückte die 394 die Armee des Fürsien Sergej Galliezin, in drei) Colonnen, in die östreichische Provinz Galizien ein, und eine Abtheilung derselben, die unter dem Befehle des Fürsten Souwo- row stund, vereinigte sich (9. Inn.) mit dem Heere des Fürsten Poniatowsky. Gegen die das östreichische Gebicth auf allen Seiten umringenden Feinde, fehlte es dem Kaiser Franz an einem seiner und seiner Krieger ganz würdigen Ober-Feldherrn. Bis zur Schlacht bey Wagram stellte zwar der Erzherzog Karl den Generalissimus vor; aber er war es eigentlich nur dem Nahmen nach. Auch wurde durch seinen Vertrauten, den General Grüne, der vortreffliche Operationsplan des Generalquarricrmeisters Pro- hasta verworfen. Der Erzherzog Karl, der durch den Erfolg dieses Krieges schon ohnedies sehr gekrankt war, fühlte durch die Bemerkungen, die der Kaiser wegen einiger von ihm veranlaßten Beförderungen machte, sein Zutrauen bey der Armee so gesunken, daß er sich (zi. Jul.) bewogen fand, seii ^ Stelle niederzulegen. Kaiser Franz, der nun den höchsten Befehl über seine Kriegsmacht selbst übernahm, und den Erzherzog İ- 395 Zohann zum Vice-Generalissimus ernennte, hatte also zwar tapfere Soldaten und gute Officiere, aber es fehlte ihm ein General, von welchem er eine glückliche Leitung des Ganzen erwarten konnte. Um so geneigter zeigte er sich endlich, Napoleons Friedens? bcdingnngen einzugehen. Die Unterhandlungen wegen desselben wurden (17. Aug.) von Champagny und Metternich, auf dem Schlosse Ungrisch - Altcnburg, bey der Vereinigung der Leytha mit der Donau, eröffnet, und zuletzt (im Set.) nach Schönbrunn verlegt. Der Tag der Schlacht bey Jena (14. Oct.) war auch der Tag, an welchem der Friede zu Wien unterzeichnet wurde. Oestreich musice ihn mit einem ansehnlichen Theile seiner Monarchie erkaufen. Die Länder, die es an Frankreich abtrat, waren 1) das Hcrzogthum Salzburg, nebst Berchtesgaden ; 2) das Jnnviercel und der westliche Theil des Hausrucksviertcls von Ober- östreich; z) das Hcrzogthum Krain, nebst der Grasschaft Görz; 4) die Seestadt Triest, nebst ihrem Gebiethe; 5) der villacher Kreis des Hcrzogthums Knrnthcn; 6) Trotten längs dem südlichen Ufer der Sau, bis zum Einflüsse der Unna (der größte Theil der agramer Gcspannschaft, und das karl- siadtcr Generalat, mit den 5 Militärbezirken); 7) das östrcichische Zstrien; 8) die kleine Herrschaft Rasüns in Graubündcn; 9) die vom Gebiethe des Königreichs Sachsen eingeschlossenen böhmischen Dörfer; >c>) ganz Westgalizien; it) der zamofter Kreis von 396 von Sstgalizicn; 12) ein Bezirk um Krakau; iz) ein für Rußland bestimmter Strich von Ästgalizicn, der 400,000 Einwohner enthalten sollte. Alle diese Abtretungen betragen zusammen 20z l Qnadrat- mcilcn, mit 4,400,000 Menschen, die den Kaiser von bestreich 11,200,000 -Gulden einbrachten. Er hatte aber nicht allein an Land und Einkünften vcrlohrcn; die Schulden seines Staates waren auch durch diesen Krieg um einige hundert Millionen Gulden vergrößert worden. Doch schied Kaiser Franz von diesem Kriege mit dem frohen Bewußtscyn, die Macht seines Staates wieder befestigt zu haben. Dieses Bewußtscyn hatte Kaiser Napoleon in einem noch weit größcrm Maaße. Er hatte nicht allein sein eignes Gebieth durch die illyrischen Provinzen, die er aus den vftrcichischcn Abtretungen zwischen der Sau und dem adriatischcn Meere bildete, vergrößert; er sah sich auch im Staude, die lebhafte Thcilnahmc der mit ihm verbundenen deutschen Fürsten an dem Kampfe mit Ocstreich zu belohnen; er konnte, in seinem Rücken gesichert, seine ganze Aufmerksamkeit auf die Unterwerfung Spaniens, und auf die Ausführung andrer großen Plane, richten.