Kleine Weltgeschichte zum Unterricht und znr Unterhaltung von I. G. A. Gallekti, Professor zu Gotha. Siebzehnter Thetl. Gotha, in der Cttingcrschcn Buchhandlung r8o6. Inhalt, Siebenter Abschnitt. Lage der Kriegführenden Mächte am Ende des dritten Fcldzugcs. Fcldzug des Jahics 17;? zwischen den Franzosen und den Allürten. Nie Franzosen besetzen Frankfurth. Ferdinand greift den Duc de Vrogliv, bey Bergen, mit unglücklichem Erfolge an. Die Franzosen bcscz- zen Kassel, Minden. Ferdinand siegt bei) Minden. Der Herzog von Wirtcmbcrg wird, bey Fulda, von dem Erbprinzen von Braun- schwcig überrascht. S. ; a Ach- II Achter Abschnitt. Friedrich läßt die russischen Magazine in Polen verderben. Heinrich vernichtet die Verrathe der Rcichöarmce in Franken. Wedel wird von den Russen bey Palzig geschlagen. Friedrich selbst leidet die Niederlage bey Kuncrsdorf. Die Rcichsarmee besetzt indessen Torgau und Dresden. Aus der großen Gefahr, in welcher sich Friedrich nun befindet, rettet ihn die geringe Uebereinstimmung seiner Gegner. Fink wird bey Maxen zur Gefangenschaft genöthigt. S. 2? Neunter Abschnit t. Friedrichs vergebliche Bemühungen wegen des Friedens. Austand der Armeen, am Anfange des Feldzugcs (>76-?.) Fouquct wird bey LandShut überwältigt. Dresden wird von den Preussen schrecklich bestürmt. Elatz kömmt in die östreichische Gewalt, und Brcslau wird von Laudon mit Bomben heimgesucht. Schlacht bey Licg- nitz. Berlin von Tottlebcn und Haddick ge- brandtschatzt. Schlacht bey Torgau. Cvlbcrg von den Russen belagert. S. zc>; Z e h n- llr Zehnter Abschnitt. Fcldzüge der Franzosen und Alliirtcn in den Iah, rcn 1760,1762. Broglio dringt in Hessen ein. Der Eibprinz geht über den Rhein, »nd belagert Wesel vergeblich. Frankreich thut Frie- dcnsvorschlägc. Fruchtloser Congrcß zu Augsburg. Die Untcrnchmung-n der Franzosen wer- den, durch die geringe Uebereinstimmung von Soubisc und Brvglio, gehemmt. An Brvglio's Stelle kömmt d'Ctrccs. Die Franzosen müssen sich bis Frankfurt!) zurückziehen, und Kassel räumen. Bourbonisches Fanulienbündniß. Die Spanier dringen in Portugal ein, verlieren aber Havanna!). Präliminarien zu Fontaincblcau, und Friede zu Paris. S. iz; Elfter Abschnitt. Friedrichs und der Marie Thercsic Mittel, den Krieg fortzusetzen. Vutturlin und Landen handeln vereinigt mit zu wenig Uebereinstimmung. Schwcidnitz von Laudon überrascht. Friedrich in großer Gefahr. Colbcrg von den Russen eingenommen. Friedrichs bedenkliche iLage. a - Peter IV Pctcr m ftin Fi>cund, sein Bundesgenosse. Schwcidnitz von den Preussen wieder erobert. Heinrichs Sieg bey Frcybcrg. Kleist streift nach Franken. Friede zu.Huberlsburg. S. Fünf und drcyßigstcs Knpitel. Großbritannien befestigt feine See/ herrschaf t. Erster Abschnitt. Spanien unter Ferdinand vr und Karl m. Die durch Sguillaci veranlaßte Empörung. Portugal unter Pedro, Johann V. Mcthucn - Trae- tat. Patriarch. Mafra. Unter der Regierung Joseph Emanucls stellt Pvmpal einen sehr thatigen Minister vor. Großes Erdbeben. Die Jesuiten werden aus Portugal vertrieben. S. -i; Zweyter Abschnitt. Nadir Schahs letzte Thaten. Das persische Reich zerfallt in den westlichen und östlichen Staat. Die Macht des indischen Kaisers sinkt immer tiefer. tiefer. Dieses benutzen der Nabob von Auhd, die Dschatcn, der Nizam, die Nohjlla's, die Marrattcn, die Engländer. Die englisch - vst- indisehc Compagnie gelangt zum Besitze von Bengalen, und zur Herrschaft über Dekan. S. 257 Sechs und dreyßigstcs Kapitel. Rußlands mächtiger Einfluß auf das nördliche und östliche Europa. Erster Abschnitt. Ende der Regicrungsgcschichte der russischen Kn- serin Elisabeth. Der unvorsichtige Peter Hl unterliegt sehr bald einer Revolution, die seine Gemahlin, Katharina II, auf den Thron hebt Iwans in gewaltsamer Tod. S. z-e Zweyter Abschnitt. Katharina 11 bewirkt Stanislaus Poniatowski Wahl zum Könige von Polen- Die wiederhergestellten bürgerlichen Rechte der polnischen Dissidenten veranlassen heftige Unruhen. Diese geben geben den benachbarten Mächten, Oestreich, Rußland undPrcussn, Gclcgenbcit, ansehnliche Landstriche Polens in Besitz zu nehmen. S. z;; Dritter Abschnitt. Krieg zwischen Rußland und der Pforte. Die Russen erobern Choczim, und dringen in die Krim ein. Für das geringe Glück in Morea entschädigt sie der Sieg bey Tschcsme. Roman- zow erzwingt, durch die türkische Niederlage am Kagul, den Frieden zu Kudschuck Kainardschj. Indessen wird durch Pugatschews Empörung die Ruhe des russischen Asiens gestört. S. Z7 es 'vielmehr, bey seiner Anwesenheit zu Verässlles, dahin, daß Contades zurückberufen, daß ihm, an dessen Stelle, der Oberbefehl übergeben wurde. Indessen hatten sich die Franzosen von Kassel nach Gießen zurückziehe» müssen, und es blieb ihnen von allen ihren Eroberungen wckcer nichts als (das am 25. Zui. weggenommene) Münster, übrig, für dessen Vertheidigung nicht gehörig gesorgt war. Der General Imhof, der die Stadt einschloß, hatte zu wenig Kriegsvolk, um den Marquis d'Armentteres von einer bessern Pro- viantirung abzuhalten. Indessen kam der November herbey. Als aber ein neuer Versuch des d'Armentteres, Münster mit frischen Lcbensmittcln zu versorgen, (20. Nov.) fehl schlug, mußte die Besatzung die Stadt dem Grafen Friedrich Wilhelm von Lippe - Bückeburg, der zuletzt den Oberbefehl über die Velagcrungstruppen übernommen hatte, übergeben. 27 geSen. So war also am Ende dieses Feld« zuges der ganze Plan des Kriegsministers Belleisle vereitelt! Vroglio, der jetzt allein den Oberbefehls- Haber der französischen "Umse i'- Demse-'land vorstellte, schmeiäwcke mit der Hoffnung, dem französischen Kricgsglück wie"..'- einen neuen Schwung zu geben. Er wvlire daher die Vereinigten von Kaff-! zu r.e»i!-n mchcn. " Zur Ausführui.g dieses Entwurf'« bestimmte er die TruppenabrheUu!">, des He'.-ogs von Winemberg, die aus l6 Batallioncn und 12 Schwadronen, -amc>- ! a? 'sutz-en Soldaten, bestand. Der He>',?g wollte unter keinem andern OS-r.seftula'l-uber stehen. Er mußte also seine eigne Rolle spielen. Jetzt barh ihn Broglivnsm fulda vorzurücken. Im Triuinphe zog der Herzog dahin, und nun überließ er sich den Lustbarkeiten so sorgenlos, daß ihn der Erbprinz von Braunschweig (21. Nov.) überfallen, daß er sein ganzes Corps zerstreuen, und ihn selbst beynahe gefangen bekommen konnte. Unter andern mußten drey Bataillone von seinen schönen Grenadieren das Gewehr strecken. Wahr- 28 Wahrscheinlich hatte Ferdinand die Franzosen noch weiter zurückgetrieben, wenn er nicht g-nörhigt gewesen wäre, dem Könige Friedrich eine 12,000 Mann starke Abtheilung seiner Armee zu schicken. 29 Achter Abschnitt. Friedrich läßt die russischen Magazine in Polen verderben. Heinrich vernichtet die Vorrathe der Reichsarmce in Franken. Wedel wird von den Russen bey Palzig geschlagen. Friedrich selbst leidet die Niederlage bey Kuncrsdvrf. Die Reichsarmce besetzt indessen Tvrgau und Dresden. Aus der großen Gefahr, in welcher sich Friedrich nun befindet, rettet ihn die geringe Uebereinstimmung seiner Gegner. Fink wird bey Maren zur Gefangenschaft genöthigt. Friedrich war durch allerley Unglücksfälle, in eine Lage versetzt worden, die ihm jene Hülfscruppen unentbehrlich machten. Seine Armee war durch zehn Schlachten, einige Belagerungen, und durch die angestrengter sten Marsche des Feldzngcs von 1758 so sehr Z0 sehr entkräftet worden, daß ihm die Ergän, zung derselben sehr schwer fiel. Er zählte 161 Bataillons und 20z Schwadronen, von weichen jene (zu 700) 112,700, diese (zu 140) 30,450 Köpfe, beyde zusammen also 14z, 150 Mann, enthielten, und bey dieser Angabe war manches Vatallion, und manche Schwadron mit gerechnet, denen noch ein Tbcll ihrer Volkszahl fehlte. Seine ganze Kriegsmacht mag vielleicht nicht viel über 120)000 Mann betragen haben. Diese sollten nun das Land ihres Königs gegen 120,000 Ocstreicher, 70,000 Nüssen, 20,000 Neichstruppen, und 16,000 Schweden, zu« sammcn also gegen 226,000 Mann, zu ver, theid'.gcn sucken. Auch war zwischen den Soldaten selbst schon ein wichtiger Unter, schied. Unter den Zo,ooO, die Friedrich zur Ergänzung seines Heeres brauchte, waren nur ein Drittel Inländer, aber meistens sehr junge, mit den Kriegsgefahren unbekannte Leute, die, mit Muth und Vaterlandsliebe angefüllt, es den alten Soldaten an Dienst, ctfer wohl noch zuvorthaten. Die Ocstrei, cher konnten ihre Armee nur allein mit 40,000 Landcsktndern recrutirsn. Die Ruf, seu sen waren lauter rüstige, blind gehorchende Leute. Friedrichs Feinde handelten jetzt mit größerer Uebereinstimmung. Die Russen waren dem Mittelpunkte seiner Monarchie naher gerückt. Die Oestreicher hatten ihre ganze Macht an der schlcsischen Gränze versammelt. Friedrich rechnete zwar noch auf den Beystand des Großsulcans, den er sich zu verschaffen bemüht war, und auf den nahen Tod des Königs von Spanien, der eine wichtige Veränderung in Italien zur Folge haben mußte, aber er rechnete falsch, und dieser Fcldzug war daher für ihn der unglücklichste. In der Mitte des März (1759) rückte Friedrich mit seiner aus 45 ,000 Main: bestehenden Hauptarmee in die Gegend zwischen Schweidnttz und Löwenberg. Ihm gegenüber stellte sich Daun, nachdem er nach Mariazell in Böhmen eine fromme Wallfahrt gehalten harte, mit 8Z.000 Mann auf. In Oberschichten stand Fouquec mit iZ,0oo, dem General de Mlle, der an der mäh- mährischen Gränze 20,000 versammelt hatte, entgegen. Gemmingen schützre die böhmische Gränze bis Egcr mit 14,000, die sich an die Neichsarmee in Franken anschlössen. Diese beobachtete in Sachsen Prinz Heinrich mit Zz ,0oo. Zn Mcklenburg und in Schwedisch« Pommern stand Dohna mit 20,000, auf die Unternehmungen der Russen und Schweden aufmerksam. So waren die Rollen des großen Trauerspiels vertheilt. Friedrich konnte mit Muth und Tapfen kcit aliein, seinen noch einmahl so starken Feinden, keinen hinlänglichen Widerstand entgegensetzen; er mußte vielmehr zur Klugheit und Vorsicht seine Zuflucht nehmen. Es war ihm daher äusserst wichtig, den Anmarsch der Russen, und ihre Vereinigung mit den Ocstreichern, auf die möglichst längste Zeit zu verhindern. In dieser Absicht mußten die russischen Vorräthe in Polen vernichtet werden. Gelang dieser Pian, so brauchten die russischen Generale Zeit, neue Zu sammeln, so konnten sie nicht so bald vorwärts gehen. Der General Wobersnow, dem der König diese Unternehmung auftrug, machte zz machte den polnischen Magnaten die Ursachen seines Einmarsches durch ein lateinisches Mal infest bekannt. Er berief sich hauptsachlich auf die den Nüssen gegebene Erlaubniß, Magazine anzulegen. Der Graf Brüht, und der Fürst Sulkowski, der die Russen besonders eifrig unterstützt hatte, gaben sich zwar alle Mühe, den preussischen Einmarsch in Polen für einen offenbaren Fricdcnsbruch gelten zu lassen; ihre Absicht wurde jedoch durch die vielen Feinde des Fürsten vereitelt. Sulkowski und seine Leibwache wurden von den Preussen aufgehoben, und nach der schlee fischen Festung Glogau gebracht. Die polt nischcn Bauern ließen sich durch die zu Vresl lau ausgeprägten schönen, blanken Tümpfs (5 auf r Thaler) deren innerer Werth dem damahligen schlechten Münzfuße angemessen war, blenden. Wobersnow war so glücklich, in Polen einen Mehl - Vorrath, der für 50,000 Mann auf drey Monathe hinreichte, zu verderbe!?. Auch in Friedland vernichtete er einen beträchtlichen Vorrath von. Hafte und Heu. Sein Rückzug nach Glogau war so glücklich, daß er blos einige Kosaken zn sehen bekam. Die Nüssen mußten nun ihren Galletti Weltg. i/r Th> E Marsch Z4 Marsch nach Deutschland einige Monath? lang aufschieben. Friedrich wollte jetzt durch Fouquet die östreichischen Magazine in Schlesien verder- den lassen. Dieser Unternehmung setzten aber Gebirge und Hohlwege große Hinder- Nisse entgegen. Der General stellte dieß seinem Monarchen vor. Friedrich, der d«S Gewicht der Einwendungen, die ihm sein General machte, sehr gut fühlte, war zu stolz, seine einmahl gegebenen Befehle weis stern zu lassen. Er hielt die Befolgung den selbe» für nöthig, um sich nicht, wie er sich ausdrückte, die Gurgel zuschnüren zu Sassen. .Indessen verstärkte er Fouquets Truppes» Menge mit 8ooo Mann, und einigem Gc- schütz. Fouquet fand, wie er es voraus gesagt hatte, in Troppau und Iägerndorf keine Verrathe; auch konnte er nicht weiter, als bis an die Morawa, vordringen. De Nille stand hier auf steilen Felsen, durch eins zahlreiche Artillerie gedeckt. Fouquet mußre sich nach Troppau zurückziehen. Friedrich ärgerte steh über die fehlgeschlagen« Unternehmung, Und doch hatte er noch gute Laune genug, um Z5 um seinen gekränkten General trösten zn können. Glücklicher führte der Prinz Heinrich den Auftrag seines königlichen Bruders aus, die östreichischen Vorräthe in Böhmen zn vernichten. Freylich hatte Gemmingcn, um die Linie von Psterswalde im leitmeritzcr Kreis bis Eger zu besetzen, nicht mehr als 14,000 Mann. Allein Heinrich machte auch sehr gut übereinstimmende Anordnungen, die eben so still als geschwind ausgeführt wenn den. Er sonderte seine Armee in zwey Abl theilungen ab. Mit der einen drang er selbst (im April) bey Gießhübel vor, wäh> rend daß Hülsen mit der andern durch daS Erzgebirge rückte. Von da gieng der Marsch über Peterswalde und Töplitz bis nach Leite meritz, und nach Vuddin. Alle Vorrathe, die auf diesem Wege lagen, wurden vcrnich» tet. Eins der größten Futter ? Magazine, das sich in Vuddin befand, wollte der her, beygeeilte Gemmingen retten; die Preussen zündeten es daher au, und die dadurch ente staudene Feuersbrunst verzehrte auch einen großen Theil der Stadt. Hülsen drang bis C 2 Coutt Z6 Commotau im saatzer Kreise vor, wo des -Oberste Belling über 1000 Gefangne machte. Zn Saatz gerieth das stärkste Magazin der Ocstrcichcr in preussische Gewalt. Der für 50,000 Mann und 25,000 Pferde auf fünf Monathe hinreichende Vorrath, der mehr als eine halbe Million Gulden gekostet hatte, wurde in Zeit von fünf Tagen verwüstet. Friedrich beschäfftigte indessen Dauns Aufmerksamkeit durch Bewegungen, die er an der schlesischen Gränze machen ließ. Während daß er aber die preussische Armee von Schlesien her in Böhmen erwartete, überraschte ihn die Nachricht von der Vernichtung seiner Vorräthe. Heinrich, der ihn derselben so glücklich beraubt harte, trieb jetzt auch die Oestreicher und die Reichsarmee aus Franken zurück. Um die Unternehmungen derselben gegen Sachsen zu unterstützen, war Vrogiio näher gerückt. Der größte Theil der Neichsarmec camonirte damahls (im May) in der Gegend von Cuimbach; die Oestccicher hatten aber schon ein Lager bezogen. Nach der zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Herzog Ferdinand getroffenen Wer- Verabredung, ruckte nun der Erbprinz von Braunschweig mir 12,000 Mann aus dem Hessischen in das Wirzburgische bis Königshöfen vor, wahrend daß sich Heinrich mit drey Colonnen in Bewegung setzte. Die Oestrcichcr wichen hierauf sehr ängstlich bis nach Nürnberg zurück, und die Neichsannee ließ die Preussen sich gar nicht nahe kommen. Heinrich durfte sich aber von Sachsen nicht weiter entfernen. Seine Absicht war jedoch erreicht. Der Vereinigung der Reichsarmcc und der Franzosen waren größere Hindernisse entgegengestellt. In Bam- bcrg hatte man sich (16. May) eines großen Magazins bemächtigt, und man hatte durch diese Bewegung mehr, als durch eine Schlacht, gewonnen. Der Prinz Heinrich, dieser kluge Feldherr, brauchte nun (im May) kleine Abtheilungen seines Heeres, um die Feinde seines Vaterlandes auch auf andern Seiten zu beobachten. Wahrend daß Hülsen mit 9000 Mann dem Grafen Dohna zu Hülfe zog, gicng Fink mit 4000 Mann nach Dresden, um die schwach besetzte Stadt gegen die 38 die Angriffe des Fcldrnarschalls Dann, wenn er etwa mehr Thätigkeit beweisen sollte, vcr- theidigen zu helfen. Ein ansehnlicher Vor« rarh von Kriegsbedürfnissen, und einige Millionen baarcS Geld, waren dieser Vorsicht wohl werth. Doch Dresdens Sicherheit wurde blos durch eine Truppenablheilung von einigen tausend, mit welchen der General Wehla in die Oberlausitz einrückte, bedroht, und diese zog sich bey den Annäherungen einiger Truppen von der königlichen und von der dohnaischen Armee gleich wieder zurück. Des General Wehla's Erscheinung in der Lausitz vereitelte einen Plan, den Wo- bcrsnow auesührcn sollte. Die russische Armee, welche die Neumark, und die jenseits der Oder liegenden Theile Schlesiens, bedrohet-, war noch in mehrere Abtheilungen, die sich auf verschiedenen Wegen langsam gegen die Weichsel fortwälzten, abgesondert. Indessen sollte Dohna, um zu Prinz Heinrichs Unternehmung ein Gegenstück zu liefern, die russischen Vorräthe in Posen aber- mahls zerstören. Er überließ daher, in der Mitte zy Mitte des May's, die auf der Insel Rügen und in Stralsimd eingeschlossenen Schweden, der Beobachtung des Obersten Kleist, der hierzu nicht mehr als 5'OOO Mann hatte, und eilte mit seinen übrigen Truppen nach der Oder. Wobersnow war schon bis Glo- gau gekommen; Wehla's Anmarsch nöthigte ihn aber (im Zun.) zum Rückzüge, und die Russen behielten nun ihr Magazin in Po« sen. Fsrmor gewann dadurch Zeit, seine ganze Macht bey dieser Stadt zu versam- meln. Er übergab nunmehr dem General Soltikow den Oberbefehl, hatte aber Dienst» eifer genug, dennoch bey der Armee zu biet» den. Friedrich war mit dem Grafen Dohna nicht recht zufrieden. Er hatte seine Vewe- gungen nicht schnell und entschlossen genug eingerichtet. Er setzte ihm daher den General Wobersnow, den Feuer und Uncrschrok- kenheit auszeichnete, an die Seite. Die doh- naische Armee setzte hierauf über die Warte. Die preussischen Generale sollten die Russen, die sie noch an dem rechten Ufer des Stromes vermutheten, angreife»; diese befanden sich 4v sich jedoch schon am linken Ufer. Webers« now eilte nun nach Posen, um den Pro« vlantzug und das Gepäcke in der dasigen Vorstadt zu verbrennen; es stellte sich ihm hier aber!gut verschanzte Infanterie entge« gen. Da nun die Polen nichts liefern woll« tcn, mußten die Preussen sich wieder zurück« ziehen. Sobald Daun mit Zuverlässigkeit bcrcch« neu konnte, daß die Russen bey Posen an« kommen würden, rückte er, in der Obcrlau« sitz, bis nach Marklissa, an der Qucis, vor. Solrikow zog sich nach der Oder, und nach Frankfurt!), hin. Dohna, der mit der Sorge für Brod schon genug beschafftigt war, konnte ihn nicht daran hindern; auch vermochte Wobcrsnow nicht, dessen Uncntfchlossenheit, manche gute Gelegenheit zu benutzen, zu be« siegen. Soltikow, der feine Armee von 40,000 Mann zu bedeutenden Unternehmt«,« gen zu schwach fand, verlangte noch 20,000, und doch hatte er schon 15,000 Streiter mehr, als Dohna, den nicht aliein seine Kränklichkeit, sondern auch die Furcht vor Friedrichs Ungnade, von einem Angriffe zu« rück« 4l hielt. Friedrichs Ungnade entgicng er aber doch nicht. Er mußte seinen Oberbefehl dem Geuerallieutenant von Wedel übergeben. Diesen feurigen und entschlossenen Feldherrn ernennte Friedrich, wegen der altern Genc> rale, die sich bey der Armee befanden, gleicht sam zum Dictator, der seine Person vor? stellen sollte. Er hatte von ihm den bel stimmten Befehl, die Russen, ehe sie sich mit den Sestrcichern vereinigen konnten, an» zugreifen und zu schlagen. Doch die große Erwartung, die Friedrich von seinem neuen Qbcrgcnerale hatte, wurde gar sehr getauscht. Wedel, dem es nicht nur an Mannschaft, sondern auch an Artils lcrie, fehlte, griff (2z. Jul.) bey dem Dorfe Palzig im züllichauer Kreise, nahe an der Oder, die russische Armee auf einem für ihn ungünstigen Boden an. Eine preussische Brigade nach der andern wurde geschlagen. Die Preussen vcrlohrcn in dieser Schlacht die von Nachmittags vier Uhr bis zu Sons nen - Untergang dauerte, über 5002 Mann. Noch größer hatte aber ihr Verlust werden können, wenn sie Soltikow nicht ruhig über die 42 die Oder hätte gehen lassen. Der brav« Wobersnow wurde an der Spitze seiner Bris gade erschossen. Friedrich kalte, durch das unglückliche Tressen bey Palzig, nichr nur einen Theil seiner besten Infanterie verlohrcn; er sah auch, was noch schlimmer war, seine Abt sieht, die Vereinigung der Oestreich« und Nüssen zu verhindern, vereitelt; er sah die Mark Brandenburg, und seine Hauptstadt Berlin, in der größten Gefahr. Schon hatt ten sich die Nüssen der Stadt Crossen an der Oder bemächtigt; schon hatten sie in Frankfurth ein Vatallion Landmilitz übe» waltigr; schon rückten ihnen Haddick und Laudon mit Z6 ,ooo Mann aus der Lausitz entgegen. Friedrich wollte die Russen vor ihrer Vereinigung mit den Oestreich«!! schlagen; er wollte die Niederlage bey Palzig an ihnen rächen. Aber den blutigen Kampf ahnend, setzte er, vor seiner Abreise aus Schlesien, vor der Trennung von seinem Bruder Heiut rich, dem er die schlesische Armee übergab, noch 4Z «och seinen sehten Willen fest, beschwor er den Prinzen Heinrich, den er znm Vormund seines Neffen, des Prinzen Friedrich Will Helm, ernennte, dos er, wenn der König das Schicksal hätte, umzukommen oder ge« fangen zu werden, niemals in einen für das Haus Brandenburg schimpflichen Frieden eine willigen sollte. Eine rührend fcycriiche Scene! Hieraus zog Friedrich mit 18,000 Mann nach der Oder. Er wünschte die östreichischen Ge« nsrale, noch vor der Vereinigung mit Solti« kow, anzugreifen; aber die Wachsamkeit der« selben vereitelte seine Absicht. Laudon ließ, uin sich den Nüssen mit 20,000 Mann gcschwm« bcr zu nähern, sein Gepäcke zurück. Bey Mühirose, in der Mittelmark, im Kreise von Lcbus, stieß Friedrich zu der Armee des Generals Wedel. Dieser cmpfieng jetzt eben so viel Verweise und Vorwürfe, als «r vorher Lobsprüche erhalten harre. Die russische Armee, welcher Friedrich einen entscheidenden Angriff bestimmte, brei« tete sich zwischen Franksiwlh und Kunersdorf aus. Die schöne östreichische Cavallene, die Laudon mitgebracht Halle, machte dem rufst« schen 44 scheu Obergoncral Soltikow um so größere Freude, je weniger die russische von großer Bcdcurung war. Die Qestreicbcr standen nahe bey der Stadt. Friedrichs Plan gieng dahin, unter den Russen eins solche Niederlage hervorzubringen, daß den übrig gebliebenen weiter nichts, als die Fluthen der Oder, übrig bleiben könnten. Diesem Plane waren (12. Aug.) alle seine Anordnungen, wegen eines Angriffes auf die Flanke und auf den Rücken der Russen, angemessen. Wunsch sollte, wahrend der Schlacht, die Stadt Frankfurth besetzen, um den geschlagenen Russen die Brücke zu entziehen. Allein die den Kampsplatz durchkreutzendcn Gehölze, Anhöhen und Brüche verhinderten eine genaue Uebersicht desselben. Diejenigen, von welchen Friedrich umständlichere Nachrichten erwartete, konnten ihrem Auftrage, theils aus Unwissenheit, theils aus Bestürzung, nicht recht Gnüge leisten. Dennoch entschied die Tapferkeit des preussischen Fußvolks. Der von drey Batterien unterstützte Angriff der preussischen Batallionc erschütterte die Russen so gewaltig, daß sie ihre Verschauzungcn, nebst 70 Kanonen, zurückließen. 45 ließen, daß der ganze links Flügel der Ruft scn in der größten Unordnung zurückwich. Um dessen Niederlage zu vollenden, fehlte es dem Könige nur an Cavallerie und Ge- schuh. Jene befand sich auf dem linken Flügel. Auch brauchten die etwas in Unc ordnung gebrachten Grcnadierbntalllonc einige Zeit, ehe sie wieder anrücken konnten. Diese benutzten aber die russischen Generale, für ihre geschlagenen Regimenter frische einrüsten zu lassen, und eine bessere Stellung einzunehmen. In dieser empfiengen sie den König, als er mit seinem rechten Flügel einen neuen Angriff begann. Man focht jetzt ganz in der Nahe, und die Preussen hatten schon alle ihre Patronen verschossen, als eine Abtheilung derselben, mit weicher Fink den Rücken der Russen bcdrohcte, ihren Rückzug bewirkte. Ihre gänzliche Zerstreuung schien jetzt so unvermeidlich, baß Friedrich schon einen Courier mit der Nachricht von derselben nach Berlin schickte. Fast alle Generale waren der Meynung, der König würde wohl thun, sich mit seinem Siege zu begnügen. Die Hitze war sehr heftig, bis Soldaten fühlten sich äusserst entkräftet. Allein 46 lein Friedrich wollte eS den Nüssen nnmög« lich machen, oder ihnen wenigstens olle Lust benehmen, sich seinen Provinzen wieder zu zn nähern. Vielleicht schien es ihm auch gefährlich, die Soche unvollendet zu lassen, znmohi wenn Soltikow Entschlossenheit genug hotte, stehen zu bleiben. Friedrich hatte, die Russen weiter zu bekämpfen, ausser dem zweyten Treffen seines rechten Flügels, noch die Cavallerie, und den linken Flügel; auch befand sich Wunsch schon in Frankfurch. Friedrichs Anordnung seines neuen Am griffcs war, wie gewöhnlich, vortrefflich; je» doch mit dem Boden, den er nicht genug kannte, zu wenig übereinstimmend. Auch wirkten jetzt die Ocstreicher', die sich bisher unthätig bewiesen hatten. London war, als er seinen Bundesgenossen geschlagen sah, bis an einen 10 bis 15 Fuß tiefen Graben vor» gerückt, und hatte die Anhöhe, die von dem« selben emporstieg, mit seinen Grenadieren und vielen Geschütz beseht. Hinter den Oest« reichern stellte Soltikow verschiedene Linien von seiner Infanterie auf. Fink, der ge« wisse Anhöhen erstürmen sollte, fand einen Hort« 47 hartnäckigen Widerstand, der alle seine An» griffe vereitelte. Die durch die schreckliche Gefahr zur Verzweiflung gebrachten Russen fochten jetzt tapferer, als jemahls. Seydlitz stürmte nun mit der Cavallerie heran; aber die Kanonen schmetterten seine Leute Haufen« weise nieder, und Seydlitz wurde so stark verwundet, daß er sich wußte wegbringen lassen. Jetzt fiel die russische und östrcit chische Cavallerie die preussische so nachdruckst voll in der Seite an, daß sie in Unordnung gerieth, und sich auf die Flucht stürzte. Seil« dem mißlangen den Preussen alle ihre Ant griffe, und es verbreitete sich unter ihnen ein allgemeiner Schrecken, eine entschiedene Neigung zur Flucht. Zuletzt blieb Friedrich, von seiner ihm sonst so ergebenen Armee verlast n, nur von wenigen Adjutanten unit ringt, und dem stärksten Feuer ausgesetzt, allein auf dem Schlachifelde. Vergebens bath man ihn dringend, seine Person in Sicherheit zu bringen, weil er sich eine todt tende Kugel wünschte. Zwischen Erschlaget ucn und Verwundeten, während daß ver« schiedcne von seinen Begleitern theils gcrüdt tet, theils verwundet wurden, theilte er mit ruhst 43 ruhiger Unerschrockenhcit seine Befehle ans. Schon war ein Pferd unter ihm getödtct; schon war ein zweytes dem Niedersinken nah, und er hatte das Pferd feines Adjutanten Gölz kaum bestiegen, als eine Flintcnkugcl, zwischen dem Rocke und der Hüfte des Köt uigs, in die Tasche fuhr, wo sie durch ein goldncs Eiui vom weitcrn Eindringen abt gehalten wurde. Die feindliche Cavallerie, die eben heraussprengte, wurde noch durch die Husaren zurückgetrieben. Jetzt fiel aber der Adjutant dem Pferde des Königs in den Zügel, und riß ihn, wider seinen Willen, aus dem Schlachtgetümmcl, heraus. Der Rückzug der Preussen nach der Oder geschah in der schrecklichsten Unordnung, in welcher sie sich jemahls befunden halten. Hätten die Russen die Besetzung der Schifft brücke nicht vernachlässigt, so waren alle Preussen verlohren gewesen. Die feindlichen Generale, vornehmlich Soltikow, die sie leicht vernichten konnten, gönnten ihnen einen Zufluchtsort hinter der Oder. Es waren 8000 derselben getödlet, 15,000 vcrwnndet, und zooo gefangen. Fast alle Generale und Staubst 49 StaabSofffciere waren verwundet. Friedrich fand, als er an der Oder anlangte, nicht viel über 5000 Mann beysammen, und er zahlte, mit Inbegriff der Truppenabtheilung des Generals Wunsch, kaum noch 18,000 Mann. Sein Geschütz von 165 Stücken blieb theils auf dem Schlachtfelde, theils auf den schlechten Wegen, stehen. In dieser Schlacht zeichnete sich Scydlitz wieder besonders aus. Er hatte mit seiner Cavallerie eine solche Stellung genommen, daß Laudon lang« Zeit nicht vorzurücken wagte. Auf den wiederholten Befehl seines Königes, eine Batterie, die ihm viele Leute wegraffte, wegzunehmen, erinnerte er, daß er seine Stellung nicht verlassen dürfe, ohne die Infanterie in die größte Gefahr zu briin gen. Er sollte, ließ ihm endlich Friedrich sagen, in des T . . Nahmen die Batterie angreifen. „Nun gut," sagte Scydlitz, „wenn das seyn soll, so wollen wir bald damit fertig werden!" Den Hur in die Augen drückend, hob er den Degen auf, und jagte mit dem Ausruf: „Kinder, mir nach!" dem Kartalscheufeucr der Batterie zu. Bald Eallttt! Milg. i7l Th. D zcr, 50 zerschmetterte ihm aber eine Kugel den Kord am Degcngcfasse, und quetschte ihm drey Finger so sehr, daß er sich mußte wegbringen lassen. Seine Voraussagung traf übrigens richtig ein; die Batterie wurde genommen, aber Laudon drang auch durch diese Lücke in das preussische Fußvolk ein. Unter denen, die hier als Helden starben, befand sich auch der liebenswürdige Dichter Kleist. Zu Zeblin in Pommern (1715) gebohren, brachte er seine Knaben- und Jünglingsjahre erst auf einer Jesuiten- schule in Großpolen, und hernach auf dem Gymnasium zu Danzig, zu. Auf der Universität zu Königsberg erwarb er sich ausgezeichnete Kenntnisse der alten Literatur, der Philosophie, der Mathematik, der Rechte, erwarb er sich eine Fertigkeit i» den neuern Sprachen. Durch Anverwandte wurde er nach Dänemark gclokt. Hier blieb ihm, als ihm seine Bewerbungen um eine Civilstelle einigemahl fehlgeschlagen waren, blos die Aussicht auf eine Qfficierstelle übrig. Als Ofsicier widmete er nun der Kricgs- wisscnschaft einen unermüdlichen Flcis. Der daui- 5l dänische Dienst verschaffte ihm aber keine Gelegenheit, seine Talente zu benutzen. Er gieng daher, als eben Friedrich II die Re» gierung antrat, zur preussischen Armee. Unter den Mauern von Prag (1744) dich» tete er die Elegie: Sehnsucht nach Ruhe. Zn dem Zeitraume bis zum siebenjährigen Kriege arbeitete er unter andern sein vor« züglichstes poetisches Werk, den Frühling, aus. Die Belagerung von Prag (1757) gab ihm Gelegenheit, den Muth der preussischen Krieger, durch eine an die preussische Armee gerichtete Ode, anzufeuern. Seine militari» sehen Obliegenheiten vernachlässigte er darüber s> wenig, daß er sich vielmehr bep jedem Auftrage, der ihm zu Theil wurde, aus» zeichnete. Dieß geschah vornehmlich auch seit der Zeit, als er den Dienst eines Ma» jors versah. Als Major eroberte er, in der schrecklichen Schlacht bey Knnersdorf, an der Spitze seines Barallions, drey Bat» terien. Eine Kugel zerschmettert ihm die rechte Hand; dennoch rückt er, den Degen in die linke Hand fassend, gegen die vierte Va.terie an. Ein Kartatschenschuß wirft ihn nieder. Man bringt ihn aus dem D 2 Schlacht« ?2 Schlachtgetümmel in einen Graben. Hier überlaßt man ihn seinem Schicksale. Kosa- keit überfallen den im Blute schwimmenden Kleist, und gönnen ihm selbst das Hemd nicht. Russische Husaren, die vorbeyritten, hatten noch so viel Mitleiden, dasi sie ihm einen alten Mantel, etwas Brod, und einen halben Gulden, zuwarfen. Aber auch dieses nahmen ihm wieder andre Kosaken ab. Zwar schwer, aber nicht tüdtlich verwundet, hätte Kleist länger leben können, wenn er nicht nackend, und in seinem Blute schwimmend, die ganze Nacht durch, bis zum folgenden Tage unter freyem Himmel liegen mußte. Er starb in Frankfurth als russischer Gefangner, 11 Tage (24. Aug.) nach der Schlacht! Die preussische Armee verlohr in ihm einen braven Officicr, und Deutschland einen seiner besten Dichter. Der Verlust so vieler braven Leute verbreitete über Friedrichs Gemüth die äusserste Niedergeschlagenheit. Er, dessen Courier mit der Nachricht von dem Siege nach Berlin flog, schrieb nun an seinen Minister Finkenstein: alles wäre verlohrcn, und er sollte 5Z sollte nur den Hof und die Archive retten. Einige Tag- in sein Zimmer eingeschlossen, sprach er blos diejenigen, die ihm eine Mcl- dung zu thun hatten. Das Gefühl jcineS Verlustes war bey ihm so herrschend, daß er gegen den Adjutanten, der ihm die Rettung mehrerer Kanonen meldete, mit den Worten herausfuhr: „Herr, er lügt, ich habe keine Kanonen mehr!" Es war ihm unbegreiflich, daß, wie er mcynte, seine Armee das nicht mehr leistete, was er von ihrer bekannten Tapferkeit zu erwarten sich berechtigt glaubte. Er äusserte dieß einmahl gegen den Artillerie - Obersten Möller. Dieser, in Verlegenheit, ihm die eigentlichen Ursachen seines Unglücks zu sagen, schob die Schuld auf die gar zu geringe Gottesfurcht, die, seit der Unterlassung der Predigten und Bcthsiundcn, unter seiner Armee herrsche. Friedrich gab wirklich den Befehl, den Lager- Gottesdienst wieder anzuordnen, und Möller blieb einige Zeit hindurch sein vertrauter Gesellschafter. Allein Friedrich der schon manches sehr unglückliche Ereignis überstanden hatte, der war 54 war auch durch das gegenwärtige seinem Untergänge noch nicht nahe gebracht. Wenn er auch gleich in den bevdcn Schlachten bey Palzig und bey Kuncrsdorf zo,ooo Mann von seiner besten Infanterie vcrlohren hatte; wenn er auch, von der Armee des Prinzen Heinrich, und von seinem Heere in Schle« sien getrennt, von seinen Feinden umringt, wen» auch gleich Sachsen gegen die Reichst armce ohne Schutz war, so gab ihm doch der große Verlust, den die Russen und die Oestrcicher (diese 2500, jene 16,000) gehabt hauen, schon einige trostvolle Hoffnung, die seinen Muth von neuem emporhob. Er berief den General Kleist, der die Schwe« den bisber beobachtet hatte, mit seinen 5000 Mann zu steh; er ließ aus Küstrin und Ber« lin Geschütz und Munition kommen. Im dessen zog er sich bis Fürstenwalde, zwischen Frankfurth und Berlin, zurück. Halte Dann während der Zeit, daß Friedrich mit den Russen beschäfftigt war, daß er mit ihnen bey Palzig und bey Kur nersdvrf kämpfte, eine größere und zweck« mäßigere Thätigkeit bewiesen, so würde er 55 er sich um das östreichische Haus ausseror- deutlich habcu verdient machen können; aber er versäumte einen Zeitpunkt, der so gün- stig nie wieder kam. Um sich indessen das Ansehn zu geben, als wenn er die Ausführung des mit den Bundesgenossen verabred- ten Opcrationsplancs wirklich zu theilen bemühet wäre, billigte er den Vorschlag des Generals dc Ville, den General Fouguet ans seiner Stellung an der Gränze in das innere Schlesien zu drängen, und sich dadurch den Weg in die Lausitz zu öffnen; allein Fouguet ließ sich durch keine Bewegung irre führen, und der von keiner Armee unterstützte dc Ville konnte sich, kaum ohne Gefahr, aus Schlesien wieder herausziehen. Doch Dann unternahm indessen auch nichts gegen den Prinzen Heinrich; ja er blieb, selbst nach der Schlacht bey Kunersdorf, drey Wochen unthätig.stehen. Um so thätiger bewies sich die Reichs- armce, die freylich in Sachsen, wo nur noch Dresden, Leipzig, Torgau und Wittenberg von den Preussen besetzt waren, wenig Widerstand fand. Zu dem elend befestigten Torgau 56 gau wehrte sich der Oberste Wolftrsdorf fünf Tage hindurch so brav, daß man ihm (15. Aug.) eine ehrenvolle Capitulation zugestehen mußte. Wolftrsdorf zog mit allem Geschütz seines Königs aus. Man hatte unter andern ausgemacht, daß, so lange die Besatzung die Stadt und die Verschanzung vor dein Eibrhore noch nicht ganz verlassen hätte, keine tftberläiiftr angenommen werden solltet?. Aber unvcrmnlhct riefen die Officiere des Prinzen von Stollbcrg, des Befehlshabers der Belagerung, einem Batallione zu: „wer ein braver Sachse, wer gut kaiserlich gesinnt, wer von der Ncichsarmee ist, der trete aus!" Dieser Zuruf bewirkte, daß die Leute dieses Bataillons, die fast aus lauter Sachsen, Gefangnen, oder Uebcrläuftrn bestanden, auseinander liefen, und sich versteckten. Allein der entschlossene Wolftrsdorf rief ihnen zu: „bleibt in euren Zügen, oder ich lasse euch auf der Stelle todtschicßen!" Auch streckte er selbst sogleich einen zu Boden, und seine Officiere, Jäger und Husaren erhielten von ihm den Befehl, seinem Beyspiele zu folgen. Der Prinz von Stollbcrg, der sich dadurch beleidigt fühlte, drohet? 57 hete dem Obersten; dieser rief aber einem eben vorbeymarschSerendeu Bataillone: „halt! Front! Fertig!" zu. Eben diesen Befehl gab er auch einem Ncgimente. Er erklärte hierauf dem Prinzen ganz entschlossen, daß er sich an die Capuulacion nicht mehr gebunden glaube. „Reiten sie nur, sagie er zu ihm, „sogleich in die Schanze, oder ich werde anschlagen und Feuer geben lassen!" Der Prinz erstaunte über die Geistesgegenwart und Einschlossenheit des preussischen Obersten, und ließ, auf den Rath eines Generals, die Ueberlaufer wieder ausliefern. Die Neichsarmee rückte hierauf (20. Aug.) gegen Dresden an. Mit ihr war eine östreichische Tcuppcnabrheilmlg unter den Generalen Wehla, Brentano und Maquire vereinigt. Der Graf von Schmertau, der preussische Befehlshaber in Dresden, ließ sich durch die Deohungen des Obcrgsnerals, des Herzogs von Zweybrürkcn nicht erschüttern. Er würde, erklärte er, in dem Falle eines Angriffs die Vorstädte abbrennen; auch zog er seiner schwachen Besatzung wegen, aus der Neustadt ab. Indessen erhielt 58 hielt cr von dem Könige die Weisung, daß man ihm zu einem Entsatzc keine Hoffnung machen könne, und daß er, bey einer Capi« tulation, nur ans die Rettung der sieben Millionen Thaler in der Casse bedacht seyn sollte. Wahrend daß die Belagerer das Geschütz ans Böhmen erwarteten, wagten diese einen Angriff auf die östliche, oder die-pirnaische Vorstadt; sie wurden aber zurückgetrieben, und die Preussen brennten nun die Vorstadt ab. Dagegen errichtete Maguire in der von den Preussen verlassenen Neustadt, gegen die Elbbrücke, eine Batterie, welche der Altstadt drohetc. Indessen näherte sich der preussische General Wunsch, der Torgau wieder erobert hatte, der bedrängten Stadt Dresden. Der Herzog von Zweybrücken eilte nun, die Stadt durch eine Capitulation, in seine Gewalt zu bekommen. Schmettau und Maguire kamen (4. Sept.) zur Verabredung derselben auf der Brücke zusammen. Schmettau bedung sich einen völlig freyen Abzug aus. Gleich am darauf folgenden Tage erschien Wunsch in der Nähe von Dres- Dresden, bcn Großcnhaun. Brentano mußte, selbst mit Wehla vereinigt, vor ihm weichen; da aber Wunsch von dem Schicksale der Stadt gar nichts erfuhr, auch kein Zeichen einer fortdauernden Belagerung bemerkte, zog er sich nach Eroßenhayn zurück. Schmcttan hatte, einige Tage nach dem Empfange der ersten Cabinetsordre, eine mit Cbiffern geschriebene Nachricht erhalten: daß noch nickt alles verlohren sey, daß der König nur auf Geschütz, Munition, und auf die kleistische Truppenabtheilung, warte. Er verfuhr also zu rasch. Friedrich v>! urtheilte ihn daher zum FestunaSvcrhafr. Er erhielt erst späterhin einen Jahrgehalt von iooc> Thalern, mit dem Befehle, sie blos in Brandenburg zu verzehren. Schade um den braven Officier, der so viele Kenntnisse besaß! Glücklicher war Wunsch, der, zuerst an der Sptze seines Freyregimcnts, sich als ein glücklicher Partheygänger bekannt gemacht hatte, und jetzt als General mit nicht mehr als 4000 Mann bcn östreichischen General St. Andre, der über 10,000 Streiter zu gebiethen hatte, besiegte; der sich das Zutrauen 6a Zutrauen des Königs erwarb; der den gesunkenen Muth der Preussen wieder cmpor- hob, und dadurch den Weg zur Wiedcrcr- oberung Sachsens bahnte. - Mit der schönen Aussicht zu derselben konnte sich Friedrich wohl schmeicheln, da es ihm immer lebhafter einleuchtete, daß der Sieger bey Kuucrsdorf nicht die Absicht hatte, seinen Untergang befördern zu helfen. Soltikow, der indessen Fcldmarschall geworden war, schien nach zwey Siegen, in welchen er über 20,000 Mann eingebüßt hatte, zu erwarten, daß die östreichische Armee, die indessen keine bedeutende Unternehmung ausführte, sich thätigst beweisen würde. Er behielt daher seine Stellung bey Frankfurth ganz unveränderlich bey. Dann meynte, er dürfe zur Sicherheit dcs Besitzes von Dresden, sich nicht entfernen, und Soltikow sollte daher nur weiter vorrücken; Berlins Reichthümer würden für ihn eine belohnende Beute, werden. Allein Soltikow, der sich verpflichtet glaubte, seiner Monarchie den Usbcrress seiner Armee zu erhalten, und ihn nicht dem östreichischen Interesse aufzuopfern, der 6l der warf dem Dann seine geringe Theiluah- me an der Ausführung des Opcrationspla« nes vor, der drohete, daß er nach Posen zurückkehren würde. Um ihn zu einem andern Entschlüsse zu stimmen, lud ihn Dann zu einer Unterredung zu Guben in der Nic- derlausch ein. Doch Soltikow blieb gegen olles, was ihm Dann und Montalembert, der französische Bevollmächtigte, sagten, hartnäckig standhast. Er könne, so schloß er seine Erklärung, in einem so ausgezehrten Lande, seiner Armee nicht langer Unterhalt verschaffen. Dann versprach ihm zwar, diesem Bedürfnisse abzuhelfen; die Erfüllung seines Versprechens war ihm aber nicht möglich, da er selbst schon alle seine Lcbcnsmit- tel aus Böhmen ziehen, da er sie auf der Achse herbcyfchaffen mußte. Doch Dann hatte allerdings hinlängliche Ursachen, sich von Dresden nicht weiter zu entfernen. Wunsch wollte diese Stadt durch eine» unvermutheten Angriff wieder einnehmen; dieß gelang ihm jedoch nicht. Dann ließ vielmehr 20,000 Mann unter Haddick nach der Eibe marschieren, um der Neichs- grmee 62 armee Sachsen behaupten zu helfen. Mit Wunsch vereinigte sich aber nun Fink, und diese beyden Feldheeren b.-schäffligten die Aus, merksamkeit der vereinigten Ocstreichcr und Neichstrnppcn so iar.ge, bis der Prinz Heim rieh aus Schlesien herbeykam. Dieser hatte indessen, in der Stellung bey Schmuckftiffeu, im bunzlaucr Kreise, mit einer Armee, die dem daunischen Heere an Starke weit nachstand, die größten Be< weise seiner Generals > Klugheit abgelegt. Wahrend daß seine Verbindung mit dem Könige völlig aufgehoben, und Dresden in Gefahr war, machte er einen auf Dauns äusserst vorsichtigen Charakter berechneten vperarionsplan. Dann sollte auf den Gee danken gebracht werde», daß Heinrich sich mir Gewalt mit dem Könige wieder in Ver, bindung sehen wolle. Zielheu rückte daher mit 12,000 Mann bis Sorau in der Ni/< dcrlausitz vor, und der Prinz selbst zog sich nach Sagan in Niedcrschlesicn. Die Trup« pe» die bey Schmuckseisscn stehen blieben, standen unter Fouqucts Befehl. Dann stutzte über Ziechens schnelle Bewegung. Er bil» dcte c-Z dete sich ein, Heinrichs ganze Armee Ware in Bereitschaft, ihn anzugreifen. Als er aber (2. Sept.) endlich einsah, dasi er sich getäuscht hatte, wollte er Zickheus Truppen« abthcilung einschließen. Seine Absicht blieb dem General Ziethen so unbekannt, daß er sie, selbst wie sich die Qestreichcr schon nä« hcrtcn, nicht glauben wollte. Dennoch ge« lang ihm ein eben so ordnuugsvolier als schneller Rückzug nach Sagan. Durch Heinrichs schnelles Vorrücken nach Sagan wurde Daun, der sich gegen ihn nicht stark genug fühlte, bewogen, seine in der Oberlausitz zerstreuten Truppcuabtheilun« gen an sich zu ziehen, so daß nur dc Vüle bey Lauban stehen blieb. Da diese Gegend nun wieder unbesetzt war, so schwingte sich Heinrich über Bunzlau in seine vorige Stel« luug bey Löwenberg zurück. Von hieraus zog Stutterheim mit 7000 nach Friedlaud iu Böhmen. Durch diese Bewegung wurde de Ville zum Rückzüge nach Görlitz genö« thigt. Heinrich, der jetzt den Verlhcid!« gungskrieg plötzlich gegen den Angriffskrieg vertauschte, drang bis Lauban, bis Görlitz vor. 64 vor. Dann gcncth darüber in eine solche Verlegenheit, daß er seine ganze Macht bey Vautzen zusammenzog. Die Nachricht von seinem Rückzüge erregte das Mißverständnis; zwischen ihm und Soltikow von neuem. Soltikow gieng (14. Sept.) über den Wan- kelmuth seines Bundesgenossen sich äusserst beklagend, an die Oder zurück. Laudo», der die unangenehmen Folgen dieser Absondrung sehr wohl einsah, that, von Montalcmbcrt unterstützt, alles, um den Soltikow von sei; nem Vorhaben abzubringen. Endlich er; klarte sich der russische Feldmarschall bereit, unter der Bedingung, daß man ihm 12,000 Mann Hülfstruppcn schickte, Glogau zn belagern. Daun ließ die gewünschte Mannschaft zu ihm stoßen. Soltikow der dieß nicht erwartet hatte, machte sich nun verbindlich, bis nach Christianstadt, in der Nahe von Guben, in der Niedcrlausitz, vorzurücken; würde er aber daselbst nicht auf vierzehn Tage Brod und Futter finden, so sollte man ihn wieder unbeweglich sehen. Friedrich hatte, wegen den Nüssen, denen er allein keine wichtigen Unternehmungen zutraute. 65 traute, unbesorgt, sich mit allerley Bcwet gungcu beschäffcigt, die eine Unternehmung gegen Dresden anzukündigen schienen. Als aber der östreichische General Campitclli sich mit den Russen vereinigt hatte, entstand in Friedrich, wegen des nur schwach besetzten Glogaus, eine lebhafte Besorgnis). Er rückte daher schnell bis nach Sagan vor, wodurch er sich mit dem Prinzen Heinrich wieder in Verbindung setzte. Heinrich machte nun Anstalten, nach Sachsen zu ziehen. Daun, der sich den Bet sitz dieses wichtigen Landes nicht wollte cntt rcissen lassen, versammelte daher seine ganze Macht bey Bautzen, wo er von der prcuft sischen Armee bey Görlitz nicht weiter, als einen starken Marsch, entfernt war. Er wollte dem Prmzen die Verbindung mit Sachsen entziehen. Dieser täuschte ihn aber durch einen falschen Rückzug, wahrend er, in drey Tagen und eben so vielen Nächten, einen Marsch von 10 Meilen zurücklegte, und dadurch (25. Sept.) den vor Honcrst wcrda nördlich von Bautzen liegenden Wald erreichte. Hier meldeten ihm die LandesciUt Eallctli Weltz. i/r Th. E wohner, 66 wohner, daß Wehla, der mit 4000 Mann hinter der schwarzen Elster stände, von seinem Anzüge gar keine Nachricht hatte. Diesen überraschte nun Heinrich durch seine trefflich angeordneten Bewegungen so glücklich, daß er über 2000 Mann einbüßte. Daun nicht wenig erstaunt, als er den Prinzen bey Görlitz nicht mehr fand, als er die Richtung seines Marsches erfuhr, schwcngte sich nach Bautzen zurück. Wie man ihm aber das Unglück der wehlaischen Truppcnabtheilung meldete, gieng er über die Elbe, und nahm, in der Nähe von Dresden, bey Kcffelsdorf, eine feste Stellung. Durch den ununterbrochenen zu sehr anstrengenden Marsch wurden viele von seinen Soldaten sehr entkräftet, und manche zum Nrsreisscn verleitet. Haddick machte einen Versuch, den General Fink aus der Gegend von Meißen zu entfernen; dieser gelang jedoch so wenig, daß Daun dem Haddick darüber einen lebhaften Unwillen zeigte. Der geschickte Feldherr verließ hierauf die östreichische Armee. Daun selbst rückte nun (2. Oct.) mit drey Colonnen SMN 6? gegen den General Fink an; dieser zog sich jedoch eben so schnell als vorsichtig nach Scrchla, nordwestlich vor Meisten, zurück. An eben dem Tage gieng Prinz Heinrich über die Elbe. Er und Fink schlössen sich nun an einander an. Durch so klug ange« ordnete Bewegungen wußte sich Heinrich, aller Bemühungen Dauus ungeachtet, in die Gegend von Dresden zu versetzen. Der Kriegsschauplatz lvar nun wieder in dem unglücklichen Sachsen, in der engen Gegend zwischen Dresden und Meisten. Hier standen die beyden Armeen einander so nahe, daß eine Schlacht unvermeidlich schien. Die Starke derselben war einander ziemlich gleich, wenn zu dem östreichischen Heere die hinter dem plaueuschen Grunde siehende Ncichsarmee, und die ungrische Milttz, nicht mitgerechnet wurde. Daun, der von seiner Monarchin den Befehl zu einer Schlacht hatte, suchte, durch kluge Bewegungen, den Prinzen Heinrich aus seiner festen Stellung bey Strehla herauszulocken, suchte ihn aus Sachsen zu entfernen, und von Torgan zu trennen. Er ließ daher eine Abtheilung sei» E 2 ucr 68 «er Truppen nach Leipzig marschieren. Alt lein während daß Fink sich mit 5000 nach Leipzig hinbewegte, verschanzte sich Heinrich selbst hinter dem großen Teiche bey Torgau, und Dauns Plan wurde dadurch vereitelt. Jetzt wollte Dann die Preussen nicht nur von Leipzig und Wittcnberg trennen, sondern sie auch bey Torgau einschließen. Dieser Absicht gemäß gieng die Neichsarmes über die Elbe nach Großenhayn; Daun selbst zog sich nach Schtlda, südlich von Tocgau, und Aremberg schwengte sich mit 2o,ovQ Mann über Eulenburg nach Düben, an der Mulde, nordwestlich von Torgan, um den Preussen in den Rücken zu kommen. Allein die Ausführung dieses Planes entsprach seit ner klugen Anordnung nicht. Daun, in dem Wahne, daß Heinrich nun über die Elbe gehen würde, blieb, in seinem Lager sich sorgfältig einschließend, drey Tage Hins durch ruhig stehen. Diese Zeit benutzte Heinrich, den General Wunsch mit 4600 Mann, durch einen Umweg über Wirrens berg, zum General Bittcrfelö, im Rücken von Aremberg, stoßen zu lassen, während daß 69 daß Fink (29. Oct.) von vorn gegen ihn anrückte. Unter Arembergs Truppen ver< breitete sich, bey der so unerwarteten Erschein nung der Preussen, eine so l bhaftc Bestür- hnng, daß sie sich in der größten Unordnung in den torgaucr Waid warfen. Ueber 1400 Mann geriethen in die preussische Kriegsgefangenschaft; die übrigen wurde» zerstreut. So war Dauus Plan, durch sein Zaudern, und durch Heinrichs Wachsamkeit, abermahls vereitelt. Dennoch hatte Marie Thcrcsie zu ihrem Feldmarschall ein so uneingeschränktes Zutrauen, daß sie seine Ver< fahrungsart sehr gütig entschuldigte. Er machte hierauf zum Rückzüge nach Dresden, und zu den Winterquartieren, Austasten. Indessen kam auch Friedrich herbey. Soltikow, sowohl über Dauns schnellen Rückzug nach Sachsen, als über den Mangel an Verrathen zu Chrifiianstadt, unwillig, faßte den raschen Entschluß, die Belagerung von Glogau zn unterlassen, und dagegen bey Crosse» über die Oder zu gehen. Kaum beredte ihn Montalcmbcrt, nicht weiter, als bis nach Earvlath, nördlich von Glogau. 7-Z Glogau, ZU marschieren. Mit seinem Steift sinne stimmte aber LaudonS Drang zur Thätigkeit immer weniger übcrcin. Soltikow erhielt zwar von Petersburg den bestimmten Befehl, seine Unternehmungen gegen Bres- lan zu richten; als aber Dann nach der Gegend von Dresden sich zurückzog, lief, er sich durch keine Vorstellungen weiter abhalten, die Winterquartiere jenseits der Weichsel aufzusuchen. Bey seinem Abzüge ließ er (2g. Oct.) Hcrrnstadt durch seine Bomben und Kugeln anzünden, weil der standhafte Commandant die Sradt nicht übergeben wollte. Die Flammen von der Stadt Gurun, und von 12 Dörfern, bezeichneten den Weg, auf welchem die unbarmherzigen Russen abmarschierten. Man sollte, hieß es, auf hohem Befehl, den preussischen Unterthanen weiter nichts, als Luft und Erde, übrig lassen. So machte es die Uneinigkeit zwischen den Oestreichern und Russen für Friedrich möglich, seinen mächtigen Feinden mit nicht mehr, als 24 000 Streitern, Widerstand zu thun. Er wurde eben damahls so sehr vom Podagra gepeinigt, daß er kein Pferd besteigen, daß er sich nicht einmahl fahren lassen 71 lassen konnte, daß er sich von den Grenadieren seiner Fußgarde tragen lassen mußte. Zum Glücke wußten dieß seine Feinde nicht. An seiner Stelle führte Hülsen den Obcrbc- fehl. Als er seinen Generalen die Ursachen seiner Entfernung von der Armee bekannt machte, trug er ihnen auf, seinen braven Soldaten zu versichern, daß er, der vielen unglücklichen Ereignisse dieses Feldzuges um geachtet, alles thun würde, den ehemahligen Zustand wieder herzustellen; daß er sich dabey auf ihre Tapferkeit verlasse, und daß ihn von seiner Armee nichts, als der Tod, trennen sollte. Diese Armee näherte sich nun der Elbe. Dann zog sich jetzt (Nov.) langsam nach Dresden hin. Heinrich, den Hülsen verstärkt hatte, gab seinem Rückzüge eine schnellere Bewegung. Indessen kam (14. Nov.) Friedrich nach Hirschstein, einem aoelichcn Schlosse zwischen Meißen und Strchla. Heinrich eilte hier zu ihm. Als sie eben im vertraulichen Gespräche begriffen waren, kam die Nachricht an, daß die damische Armee in acht Eolonnen nach Böhmen ziehe. „Ha, 72- „Ha, ha," rief Friedrich aus, „sie riechen mich schon; aber nun soll auch den Dann der Teufel holen!" Sogleich mußte sich Wedel i» Bewegung setzen, um der östrei- chischcn Armee nachzufolgen. Heinrich selbst mußte mit der ganzen Armee den Marsch antreten. Vergebens stellte er seinem Bru- der vor, daß die schnelle Verfolgung der O-streicher keine andre W-rkung hcrvorbrin» gen würde, als den Verlust vieler Leute nach sich zu ziehen; daß man Dresden von selbst räumen würde. Allein Friedrich wollte nicht einmahl 24 Stunden warten. An der Spitze der wunschischcn Truppenabthciluug holte er den östreichischen Naclnrab ein, und ein hitziges Gefecht mit demselben kostete vor» nehmlich den Ocstreichern viele Leute. Fric- drichs Muth wuchs nun immer mehr. Dann sollte genöthigt werden, durch eine gebir» gige, an Lebcnsmitteln arme Gegend, seinen Rückzug zu nehmen. Fink erhielt daher Befehl, seine Stellung bey Dippoldiswalde, südwestlich von Dresden, zu nehmen, um dadurch dem Grafen Dann den nächsten Weg nach Böhmen zu versperren. Fink kam jedoch in eine Lage, in welcher er von der Armee /a Armee des Königs leicht getrennt werden konnte. Vergebens stellte er dieß dein Kö- nige vor. Dieser befahl ihm vielmehr in einem gebieterischen Tone, nach Maxen, zwischen Dippoldiswalde und Pirna, zu marschieren. Die dannsche Armee, der auf diese Art die Verbindung mit Böhmen einzogen werden sollte, stand hinter dem plaucnschcn Grunde bey Dresden. Auf der Straße »ach Dippoldiswalde war Sincere, auf dem Wege nach Pirna Brentano, aufgestellt. Bey Cotta, nach Böhmen zu, befand sieh die Neicksarmee. Friedrich rückte bis Wilsdrnf, Ziechen bis Kcsseisdorf vor. Zwischen Friedrich und Dresden lag jetzt der plauensche, von der Weißritz durckstossene Grund. Fink wollte bey Dippoldiswalde einige Bataillone aufstellen, um sich die Verbindung mit Frcy- borg, woher er seine Lebcnsmncel zog, und mit dem Könige, zu erhalten; allein Friedrich gestattete ihm dieses nicht, und ein Bericht, worin er ihm seine für ihn daraus entstehende Gefahr schilderte, wurde wahrscheinlich aufgefangen. Zinks Slelinna brachte den Fcidmarschall Dann aus den Gedanke», seine ganze Trup- pcnab- 74 pcnabthcilung zu überwältige». Der Ent- Wurf, den er hierzu machte, war sehr ein» sichtsvoll. Drey tausend Manu, die von Dippoldiswalde anrückten, vertrieben die Preussen von den Anhöhen bey Maxen, wahrend daß Brentano gegen die Mitte des finkischcn Lagers anrückte, und die Neichsar- niee alle engen Zugänge von Dohna bis Vurkerswaldc, von Osten nach Süden, besetzte. Der Muth und die Tapferkeit der Preussen mußten der überlegenen Zahl der Oestreichcr weichen. In Unordnung zogen sie sich nach Falkenhayn und Bloschwitz zurück. Hier waren sie nun völlig eingeschlossen. Fink machte einen kühnen Entwurf, ans dieser schrecklichen Lage sich hcrauszuwindcn. Wahrend daß Wunsch mit der Cavallcric, die am wenigsten gelitten hatte, der Aufmerksamkeit von Brentano sich entziehend, zur königlichen Armee eilen sollte, wollte sich Fink selbst mit dem Ucberrest seiner Infanterie, durchzuschlagen suchen. Allein seiner Leute waren viel zu wenig, um die von den Oestrei« chcrn gut besetzten Passe am rothen Wasser zu vertreiben. Es blieb ihm daher weiter 75 ter nichts, als iintcrhandftmgen, übrig. Dann bestand auf der Kriegsgefangenschaft. Ieht (21. Nov.) mußten 16 Barallione, und Z5 Schwadronen, zusammen auf rr c?oco Mann, nebst 11 Generalen das Gewehr sirecken. Nur einige Husaren entwischten, um dem Könige die traurige Nachricht über- bringen zu können. Finks unglückliches Schicksal war gewissermaßen das Gegenstück zum sächsischen Lager bey Pirna. Der preuft sischc General war entweder nicht entschlossen genug, zur rechten Zeit ans seiner gefahr- vollen Stellung sich herauszuziehen; oder er fürchtete sich zu sehr vor dem Zorne des ohncdicß über ihn aufgebrachten Königs, der, wie er hoffte, den Grasen Dann abhalten würde, einen förmlichen Angriff gegen ihn vorzunehmen. Auch ließ Friedrich, durch Ziechen gewarnt, den General Hülsen mit 8000 Mann dem bedrängten Fink zu Hülfe ziehen; dieser kam jedoch, durch die beschwer^ lichen Wege abgehalten, einen Tag zu spät au. Dann rückte hieraus wieder in seine vo- rige Stellung bey Dresden. Hier überraschte 76 raschle er (z. Dec.) den preussischen Genera! Direke. Zwar merkte dieser die ihm bet vorstehende Gefahr noch bald > genug; allein die starke Eismasse der Elbe bey Meißen, die die Wiedcrstellung der Brücke, und das Ucberschen auf Kähnen, erschwerte, war Ur- fache, daß abermahls 1400 Preussen, nebst ihrem Befehlshaber, in die östreichische Ge- fangenschaft geriethcn. Friedrich hatte, nachdem seine Armee um 14 bis 15,000 Mann vermindert worden war, nicht mehr als Z6,oc>o Streiter. Dennoch behauptete er sich, den December hindurch, in seiner Stellung, die sich von Wilsdruf bis Frepverg erstreckte. Dann, mit dem Besitze von Dresden, und der umliegenden Gegend, sich begnügend, Härte sich, wenn es mit Anstand geschehen konnte, wohl gar nach Böhmen zurückgezogen. Der Bezirk von Dresden bis Dippoldiswalde und Maxen war für die große östreichischHArmee nicht ausgedehnt genug. In einem so engen Raume standen nun die Oesireichcr und Preussen bis in den Januar des folgenden Jahres, mit dem erschrecklichsten Ungemach eines 7? eines Winterfeldzuges kämpfcnd. Dieser drückte jedoch am meisten die Preussen, die, bey der überlegenen Zahl der Sestrcichcr, eine größere Wachsamkeit nöthig hatten. Ganze Regimenter derselben waren in kleine Dörfer zusammengedrängt. Die Officicre nahmen die Stuben und Kammern ein. Die Soldaten bauten sich Drandhuttcn, wo sie Tag und Nacht um das Feuer herum? lagen, auf der einen Seite der Gefahr zn verbrennen, auf der andern dem Schicksale die Glieder zu erfrieren, ausgesetzt. Der Schnee war viele Wochen hindurch so tief, daß er bis an die Knie reichte. Zuletzt fehlte es so sehr an Holz, daß man Zäune, Ställe, Scheunen, Häuser, verbrennen mußte. Soldaten, die von der Kälte so viel ausstehen mußten, hatten nun keine andre Nahrung, als Wassersuppen von Commiß« brod. Noch schlimmer aber war das LooS der sechs Bataillone, welche täglich im Lager auf die Wache ziehen mußten. Die gefror« neu Wände der Zelre glichen Vre'.crn; die Officiere hielten sich in hölzernen Hütten auf. Täglich hatten Soldaten das Schicksal, Glieder zu erfrieren; täglich vermehrte sich die 78 die Zahl der Kranken, und so kostete dieses traurige Ende des fruchtlosen Feldzuges mehr Leute, als zwey Schlachten. Endlich kam (1760 am 10. Jan.) der Erbprinz von Brauuschweig mit 12,000 Mann bey Fries drichs Armee an, und dieser glaubte sich nun stark genug, seine Armee in ordentliche Cantonierungsquartiere zu verlegen. Sein Hauptquartier war zu Freyberg. Neun- Munter Abschnitt. Friedrichs vergebliche Bemühungen um den Frieden. Zustand der Armeen, am Anfange des Fcldzugcs (1760). Fvuqutt wird bey Landshut überwältigt. Dresden wird von den Preussen schrecklich bestürmt. Glatz kommt in die östreichische Gewalt, und Breslau wird von Laudvn mit Bomben heimgesucht. Schlacht bey Lieg- nih. Berlin von Tvttlebcn und Haddick ge- brandrfthatzt Schlacht bey Torgau. Colberg von den Russen belagert. 'Friedrichs Lage war am Ende dieses Felde zugcs sehr gefahrvoll. Seine Armee hatte 60,000 Manu verlohrcn, und sie war daher bis auf die Hälfte vermindert. Wie viel gehörte nicht dazu, sie wieder in ihrer? voril gen Zustand zu versehen, und wie höchst unwahr? Lo unwahrscheinlich war es, daß Friedrich den vereinigten Kräften von Oestreich, Rußland, Frankreich dem deutschen Reiche und Schwes den, blos von der Alliirten Armee unters stützt, würoe Widerstand thun können. Eis nige Aussichten, die sich ihm wegen einer Theilung einer großen Macht seiner Feinde zeigten, verschwanden wieder. Eine solche Aussicht hatte ihm eine in Italien erfolgte Veränderung dargebothen. Der König Karl von Neapel hatte, nach dem Tode seines Vaters (1759 Aug.) den spanischen Thron bestiegen. Nun sollte, dem aachncr Frieden zufolge, Karls jüngerer Bruder Philipp, Herzog von Parma, das Königreich Neapel bekommen, und dagegen seine Lander dem Hause Oestreich überlassen. Allein Karl trat Neapel seinem dritten Sohne Ferdinand ab, und Oestreichs Erwartung wurde also ges tauscht. Friedrich hoffte nun, daß Marie Theresie in Italien Krieg anfangen würbe; aber Parma und Piacenza war für sie wes Niger wichtig, als Schlesien, und sie behielt daher ihre Macht in Deutschland beysammen. Der Diwan zn Cvnstantinopcl, den Fries brich zu Feindseligkeiten gegen Oestreich zn rcitzen 8r reihen suchte, dachte entweder zu rechtschaffen, oder hatte zu wenig Muth, den geschlossenen Waffenstillstand zu brechen. Eben so wenig erfüllten Friedrichs Hoffnungen die Versuche, durch die er den Frieden einzuleiten versuchte. Der Prinz Ludwig von Vraunschweig, der Bruder des regierenden Herzogs, der sich im Haag befand, that, von dem grosibrimnnischcn Ministee unterstützt, den Gesandten von Oestreich, Rußland und Frankreich, Friedensvorschlage, die aber kein Gehör fanden. Friedrichs Bevollmächtigter, Edclsheim, wurde zu Paris unanständig behandelt. Die beyden Kaiserinnen waren noch zu sehr gegen den König von Preussen erbittert; ihre Hoffnung, ihn seinem Untergange nahe zu bringen, war noch zu lebhaft, und Frankreich wurde, durch die Pompadour und durch Choiseul, dem Interesse von Oestreich noch so treu erhalten, daß es zwar mir Großbritannien, aber ohn» Preussen, sich zu vergleichen wünschte. Friedrich mußte sich also zu einem neuen, zum fünften Fcldzuge, rüsten. Er mußte EM'ttj MItg. i/r Th. Z stMZ 82 seine Armee wieder zu ergänzen suchen. Für Preussen und Westphalen, die ihm keine Nccrutcn mehr lieferten, entschädigte ihn Sachsen, das ihm nicht nur Menschen geben, sondern auch seine Kriegscasse wieder füllen helfen mußte. Die besten kursächstschen Wälder, z. B. der torganer, wurden umgehauen, und an Capitalisten überlassen. Die Pachtgelder mußten ein Jahr vorausgezahlt werden. Sogar vom dem Hochstifte Hildesheim, und der Reichsstadt Mühlhausen, forderte man Geld. Endlich erinnerte sich Friedrich noch, daß Hildcshcim schon Herzog Ferdinands Armee mußte versorgen helfen. Nennten verschafften heimliche Werbungen, die sich in ganz Deutschland ausbreiteren, verschaffte vornehmlich der unermüdliche Co- lignon, der, um Leute zu fangen, allerley Kleidungen und Gestalten annahm; der für Studenten und Handclsdicncr Officicrspa, teilte ausfertigte; der ihnen die freye Wahl überließ, ob sie bey der Infanterie, oder bey der Cavallerie, dienen wollten. Die Ne- crutcn von dieser Art reisclen oft auf ihre eigenen Kosten. Sie bcstahlcn ihre Väter, ihre Herren, die ihnen anvertrauten Lassen; kamen 8Z kamen sie aber zu Magdeburg an, so üben zeugte sie der gebieterische Stock bald von der Nothwendigkeit, die Muskete auf die Schulter zu nehmen. Colignon erhielt für jeden Nccruren, den er nach Magdeburg lieferte, 15 Thaler; davon zahlte er aber dem Rccruken selbst nur 10 Thaler aus. Weil der Hofkricgsrath zu Wien, seitdem bey Maxen und Meisten so viele tausend Preussen in die östreichische Kriegsgefangen» schast gerathen waren, keine Gefangne mehr auswechseln wollte, so machte sich Friedrich kein Bedenken daraus, Oestreicher, die sich in seiner Gewalt befanden, zu seinem Kriegs» diensre zu zwingen. Durch sslche Mittel brachte er gegen 60,000 neue Soldaten zu» sammen. Die meisten Regimenter, sogar die beg Maxen verlohrncn, waren wieder vollzählig, und unter den Ausländern befand sich mancher, der mit dem Jnnländer in der Bravheit wetteiferte; die meisten waren je» doch unansehnliche, wenig disciplinirte Leute. Die frische Mannschaft der Ocstreichcr bestand hingegen aus schönern Leuten, weil, wie ge» wöhniich, die ansehnlichern jetzt erst an die Reihe kamen. F z Frie» 84 Friedrich konnte seinen Feinden, die ihn in Sachsen, Schlesien und Pommern, mit mehr als 200,000 Mann bekämpften, nicht mehr als 90,000 Streiter entgegenstellen. Dabey fehlte es ihm an Offneren. Es gab jetzt preussische Regimenter, die, statt 52, nur 12 Officiere, zahlten, und unter diesen befanden sich manche, die kaum dem Kna- benaltcr entschlüpft waren, die aber, in den Cadetteuhüfen gut gebildet, dennoch ihre Pflicht thaten.. Friedrichs Feinde hatten hingegen an guten Generalen, an Verpflegungs- austalten, Mangel. Sie mußten daher ihre Kriegsmacht theilen; sie konnten ihre Unternehmungen nicht zweckmäßig einrichten. Neid und Eifersucht verhinderten ihre Feldherren, mit Uebereinstimmung zu handeln, und jeder hatte gleichsam seineu eignen Plan. Bey den Preussen war hingegen nur Ein Wille, war an der Spitze ein Mann, der allein den Werth von vielen Generalen hatte. Die Anstalten, welche Friedrichs Feinde zu seiner Bekämpfung machten, waren sehr furchtbar. Frankreich stellte, ausser den Sub- sidicn. 85 sidien, die es, seiner änßerst zerrütteten Fit nanzeu ungeachtet, an Nußland und Schwe- den zahlte, 120,000 Soldaten. Russen sollten, in Verbindung mit den Schweden, Pommern, und vornehmlich Stettin, zum Gegenstande ihrer Thätigkeit machen; die Kaiserin Elisabeth wünschte jedoch, auf Sol- tikows Vorschlag, zuerst die Stadt Danzig, nach welcher schon Peter der Troste lüstern war, in Besitz zu nehmen. Pommern würde ihr alsbcnn auch willkommen gewesen seyn, und es läßt sich nicht laugncn, daß dieser Plan dem russischen Interesse sehr angeniest sen war. Desto weniger gefiel er der Marie Theresie, die blos die Wiedereroöerung von Schlesien im Auge hatte. Diese sollte Soltikow, in Verbindung mit Laudon, unterstützen; Soltikow fühlte sich aber gar nicht geneigt, die Unternehmungen der Ocstreicher zu theilen. Auch liebte er es, eben so wenig als Dann, sich zu übereilen. Jeder Obcrgonerai wollte, seine Armee schonend, dem andern die Last des Krieges aufbürden. Doch Soltikow erhielt von seiner Mo- narchin, auf welche Oestreichs und Frankreichs 86 rcichs Einfluß mächtig wirkte, den ausdrückt lichcn Befthl, nach Schlesien zu marschieren. Er qehorchre ihm sehr ungern. Dann wollte indessen, mit der Rcichsarmce in Verbindung, den König Friedrich in Sachsen festhalten. Friedrich, für welchen, bey seiner schwachen Armee, ein Verthcidigungs- krieg unumgänglich nöthig war, bis ihm die Lage der Umstände den Gang der Unternehmungen verzeichnete, machte, gleich bey dem Anfange des Fcldzugcs, seinen Generalen bekannt, daß er sich genöthigt sehen würde, seiner Armee ungewöhnlich starke Marsche machen zu lassen, und daß er dabey auf ihre Standhafrigkeit, auf ihre Beharrlichkeit, rechne. Der Fcldzug nahm, weil man mit der Entwerfnng der Plane sich so lange bescbäff- tigte, erst im Junius (1760) seinen Anfang. Daun hatte, obgleich mit der Rcichsarmce gegen 80,000 Mann stark, keinen Beruf, die Stellung des Königs, die durch den plau- enschen Grund, und die Mulde, gedeckt war, zu beunruhigen. Er wollte es bey Dresden ruhig abwarten, was Soltikow, in Verbindung 87 dung mit Laudon, dessen Heer bis auf 40.000 Mann verstärkt worden, in Schi« sie» ausführen würde. Dennoch fürchtete sich Friedrich, der Darin freylich gut kannte, so wenig vor demselben, daß er (im Febr.) das Hülfscorps dcs Erbprinzen von Braun- schweig zurückgeschickt hatte. Desto thäliger aber bewies sich Laudon, der, nachdem sich Soltikow (im Oct. 1759) von ihm getrennt hatte, längs der östlichen Gränze Schlesiens bis nach Mähren gczo- gen war. Er fand es zu langweilig, auf die Russen, die noch bey Posen standen, bis in den August zu warten. Die Richtung ihres Marsches sollte Heinrich mit einem Heere von z 5 ,000 Mann bey Frankfurlh beobachten. Indessen stand Schlesien einer östreichischen Unternehmung völlig offen. Die Postenkette, welche Heinrich und Fouquet von Landshut, längs der Vober, der O.ueis, und der Oder, durch die Ncumark bis an die Ostsee, gezogen hatten, war zu ausgedehnt, als daß sie das schöne Land hätte schützen köne ucn. Fouguet, der, bey Landshut am Fuße dcs Niesengebirges stehend, die Gefahr dessek den 88 den am innigsten fühlte, bath den Prinzen H inrtch, seine Truppeuablhetlung von 10,000 Mann, mit welchen er Schlesien vertheidig gen sollte, zu verstärken. Der Prinz konnte seine Bitte nicht erfüllen, und der König befahl ihm, LaudonS Marsch genau zu beobachten, und, wenn derselbe nach Schlesien gerichtet wäre, hauptsächlich auf die Sicherheit der Festungen Rücksicht zu nehmen. Als daher Laudon (im Irin.) sich nach dem Zob- tenberg, in der Gegend von Schwcidnitz, wendete, und bis Nimptfch, zwey Meilen von dieser Festung gegen Südostcn, vorrückte, der General Beck zugleich aber von Zittau aus in das schlcsische Gebirge eindrang, zog sich Fouguet, der ohne grosie Gefahr den Posten bey Landshut nicht länger behaupten konnte, nach SckwcidniH. Laudon besetzte hierauf sogleich die Posten bey Landshut und Fricdland mit 8000 Mann, und gicng, während daß er zur Belagerung von Glah alle Anstalten machte, und alle Zugänge sorgfältig besetzte, in das Gebirge zurück. Fouquet rückte ihm gleich nach. Indes- 89 Zndcssnr hatte dieser Theil von Schlesien die Wirkungen des östreichischen Einfalls schon sehr lebhast empfunden. Der Gene« ral Veck, der sich im Gebirge immer mehr ausbreitete, forderte Brandschatzuugen ein, die ihm, des schlechten Geldes wegen, mit 25 Proceitt Aufgeld entrichtet werden muh, tcn. Die Leinewandfabriken dieser Gegend wurden gehemmt; die Weber und Spinner kamen ausser Verdienst. Darüber liefen bey dem dirigircndcn Minister von Schlaberu- dorf laute Klagen ein. Dieser brachte sie dem Könige vor. Er überlegte dabey nicht, ob sich Fouguet auch im Stande befand, das drückende Schicksal der Schlesien abzuwenden. Friedrich ließ sich in der raschen Entschlossenheit, in welcher er seinem General die Wiederbelebung von Landshur befahl, einige denselben krankende Ausdrücke entfallen. Fouquct hatte, ausser dem Könige, fast keinen Freund. Selbst seine Kinder fühlten für ihn nur eine knechtische Furcht. Die Soldaten, gegen die er, zumahl als Gouverneur von Glatz, eine nicht selten an Grausamkeit gränzende Strenge ausübte, halfen ihn, nebst den Mönchen, bey dem Volke Volke verhaßt zu machen. Die Collegia glaubten daher diese Gelegenheit, den Ty- rannen aller Mcnschenklasscn zu demüthigen, nicht unbenutzt lassen zu dürfen. Sie machten ihm selbst ungegn'mdcte Beschuldigungen. Daher Friedrichs Unwille. — „Was," rief Fouguet, bey dem Empfange des königlichen Befehles aus: „der König halt mich für einen schlechten Kcrl, weil ich mich von dem Gebirge zurückgezogen habe; ich will ihm, obgleich von meinem und dem Untergänge so vieler braven Leute überzeugt, das Gegentheil beweisen." Dieser Entschließung gemäß lautete auch seine Antwort an den Monarchen. Noch am Abend dieses Tages (17. Jun.) marschierte Fouguet mit 8000 Mann nach Landshut; den übrigen Theil seiner Mannschaft ließ er in Graditz, bey Schwcid» nitz, zurück. Die östreichischen Generale, die ihm eine überlegene Macht zutrauten, zogen sich nach dem schroffen Felsen von Ncichhcnncrsdorf zurück. Fouquct hatte jedoch so wenig Ursache, ihnen Trotz zu biethen, daß er vielmehr seine Vcrschanzungcn nicht nur wiederherstellte, sondern auch noch vermehrte. Um die Verbindung mit Schwcid- nitz 5" uitz nicht zu verlieren, stellte er den jüngern Ziethcn mit zooo Mann auf dem Zeisken- berge bey dem Schlosse Fürstcustcin auf. Der Posten bey Laudshnt, eine Kette von sieben bis acht steilen Bergen, war, wenn ihn Zo,ooo Mann vertheidigten, uu- bezwinglich; Fouguet hatte jedoch nur 9000 Streiter. Um so eher du fte es Landen wagen, ihn, wahrend Deck über Hirschberg und Schmiedeberg ihm in die Seite kam, mit z 1,000 Mann in der Fronte anzugrci- fen. Vcck bewies sich zwar, ans Eifersucht über Laudon, so wenig thätig, daß Fouguet zum Rückzüge nach Schweidnitz Zeit genug haire: allein, um dem Verdachte der Feig» Herzigkeit auszuweichen, wollte er die Rolle des LevuidaS spielen. Er meldete daher dem Könige, daß er, von Schweidnitz getrennt, und auf seinem Posten gleichsam angenagelt, sich bis auf den letzten Mann wehren wollte. Seine Infanterie, die (2z. Jun.) zu auS- gedehnt stand, und nicht unterstützt werden konnte, leistete den vier angreifenden Eolom ncn der Oestreichcr einen zwar tapfern, aber doch nicht hinreichenden Widerstand. Nachdem Y2 bei« Fouguet die Hälfte desselben eingebüßt hatte, sah cr sich auf allen Seiten so eingeschlossen, daß ihm blos zwischen Kriegsgefangenschaft und Tod die Wahl übrig blieb. Um kein Gegenstück zu Maxen zu liefern, gicng cr an der Spitze einiger Bataillone, im Angesicht? der Ocstrcichcr, mit der größten Ordnung, über die Bobcr. Als cr alle Anhöhen und Zugänge schon von östreichischer Cavallerie beseht sah, trotzte cr den Angrissen derselben so lange in einer vierck- kigen Schlachtordnung, bis sich noch einige Grenadierbatallione mit derselben vereinigten. Die Preussen wurden nun überwältigt. Fouguct stürzte mit dem getödtcten Pferde; er wurde dreymahl verwundet, und er war schon dem Todesstreiche nahe, wenn ihn nicht sein Bedienter durch den Zuruf: „wollt ihr denn den eommandirenden General niederhauen?^ noch gerettet hätte. Der General Schcnkcndorf, der ihm mit der übrigen Mannschaft folgen sollte, verlohr, noch ehe cr die Bobcr erreichte, sein Pferd, und die Freyheit. Seine Leute bildeten ihre vicrck, kigc Schlachtordnung so übereilt, daß sie Lücken gaben, in welche die östreichische Cavallerie 9Z vailerie eindringen konnte. Der Oberste Bclow, der ein seiner Steile den Oberbefehl übernahm, wollte, nach Wundern von Tapferkeit, sich durch die östreichische Cavalierie durchschlagen, und beantwortete, obgleich alier Unterstützung beraubt, die Aufforderung sich zu ergeben, mit Kanonenschüssen; er wurde jedoch von der überlegenen Menge der Oestrcichcr endlich so gedrangt, daß seine Leute das Gewehr wegwarfen, und um Gnade bathen. Dennoch wurden sie (kaum kann man es glauben) auf Laudous Befehl, ohne Erbarmen niedergehauen. Gegen siococz brave Preussen waren hier gctödtet oder gefangen. Fouquet, der von Laudon mit vieler Achtung behandelt wurde, zog, seit diesem unglücklichen Ereignisse, aller Schmei- chelcycn, aller Geschenke seines Königs ungeachtet, den Degen nie wieder. Friedrich erhielt die erste Nachricht von dieser traurigen Begebenheit durch das Frcudcnfeuer der ausgerückten östreichischen Armee. Jedermann glaubte nun, Laudon würde, nachdem er die fouquetsche Truppenabchei- lung vernichtet, und dagegen seine Armee bis 94 bis auf 50,000 Mann verstärkt hatte, Glatz angreifen, und Friedrich wurde ganz Schle« sicn räumen müsse». Allein der Feldzug nahm einen ganz andern Gang. Friedrich, der besorgt. Dann möchte ihm in Schlesien zuvorkommen, denselben aus seiner Stellung bey Dresden herauszulocken. Und zu einer entscheidenden Schiacht zu nöthigen suchte, der sah, daß Dann, ihm zum Vcrdrusse, ganz unbeweglich stehen blieb, der mußte endlich zuerst nach Schlesien aufbrechen. Ast hin Daun blieb ihm, durch angestrengte Marsche, immer so weit vor, daß er sich mit Laudon ganz ungehindert vereinigen konnte. Die Oesireichcr mußten aber bald durch Moraste, bald auf schmalen Dämmen zwst sehen Seen und Teichen, und bald durch äusserst enge Hohlwege, marschieren. Die Anstrengung war, bey der heftigen Hitze, so entkräftend, daß viele Leute todt nieder« sanken, oder wenigstens auf lange Zeit un« tauglich wurden. Die in schnellern Bewe« gungen geübten Preussen, die, der Prügel ungeachtet, den Durst der Erhitzung durch kaltes Wasser zu löschen suchten, hatten auch manchen y; manchen Verlust. Friedrich übereilte sich bey einem Angriffe des Generals Lasen, der, abgesondert von der daunschcn Armee, noch an der Elbe stand, so sehr, daß der östreichische General, mit vieler Geschicklichkeit ausweichend (8- Jul.) so schnell und glücklich über die Eibe setzte, daß die Preussen nicht einmahl seinen Nachzug einholen konnten. Friedrich befand sich bey dieser Gelegenheit in großer Lebensgefahr. Aus dieser rettete ihn noch der Umstand, daß ein Page den zwey Uhianen, die ihn spießen wollten, polnisch zurief: „wo sie der Teufel hinführen wolle?" Friedrich wollte aber, ehe er den Kriegsschauplatz nach Schlesien verlegte, erst die Hauptstadt Sachsens wieder in seine Gewalt bringen. Diese hatte eine östreichische Besatzung von 14,000 Mann, und Lascy konnte, mit der Neichsarmee vereinigt, einem Angriffe des Königs wohl Trotz biethen; ans Dauns Befehl mußte er sich jedoch bis Groß- sedlitz bey Pirna zurückziehen. Als Ma- quire, der östreichische Commandant in Dresden, die Uebergabe verweigert halte, griffen (iZ- '>6 (iz. Zu!.) die Preussen die pirnaische Vorstadt a», und die Oestreicher zogen sich aus derselben so schnell zurück, daß beynahe ein preussisches Freybatallisn zugleich mit ihnen in die Stadt gedrungen wäre. Durch eine Brücke mit Lascy, und der Neichsarmec in Verbindung, konnte Maguirc, der schlechten Festungswerke ungeachtet, die Vertheidigung der Stadt wagen. Die Preussen begannen daher (14. In!.) eine förmliche Belagerung derselben. Sogleich zündete die Besatzung das am Elbuser aufgethürntte Brennholz an, und die dadurch erzeugte Fcu.rsbrunst brei« tetc sich auch über die anstoßenden Hauser aus. Die Preussen hatten, weil ihr Bcla- gernngsgeschütz von Magdeburg noch nicht angelangt war, nur Zwölspsündec und Hau- bitzgrenaden, deren Kugeln häufig zündeten; aber das Feuer wurde immer wieder gelöscht. Dabey mußten sich besonders die Zuden thatig beweisen. Die Preussen schössen mehr auf die Stadt, als auf den Wall. Endlich kam die schwere Artillerie an. Der Um- stano, daß Maguire immer frische Vertheidiger hcrbeyzichen konnte, ließ einen langsamen Gang dieser Belagerung voraus sehen. Dieß 97 Dieß war jedoch mit Friedrichs Plane gar nicht übereinstimmend. Er beschloß daher, einen Versuch zu machen, ob er die frühere Ucbergabe der Stadt durch eine unbarmherzige Behandlung derselben erzwingen könnte. Jetzt erfolgte eine der schrecklichsten Kriegs- scenen. Die Bomben flogen so ununtcrbro« chen in die Stadt, daß die Einwohner so« wohl in, als ausser ihren Häusern, sich in beständiger Lebensgefahr befanden. Die wils« drufcr Vorstadt brannte ab, nnd die preussischen Batterien rückten nun näher. Hinter den Schutthaufen abgebrannter Häuser konnten sie von dem östreichische» Geschütz nicht erreicht werden, und wegen des Wassermangels (die Preussen schnitten die Röhren ab) konnte man dem Feuer keinen Widerstand thun. Dieses wüthete daher in der Altstadt so entsetzlich, daß die vornehmsten Straßen, die schönsten Hauser, sich in Schutt verwandelten. Das, was die unglücklichen Einwohner, in ihre festen Keller retteten, plün« dertcn die Oestreichcr. Auf dem Thurme der schönen Krcutzkirche stand eine kleine Ka« uone, die man an Festtagen abzufeuern pflegte. Aus dieser hatte man unvorsichtiger Gallklli Welch. i?r Th. G Weise 98 Weise einige Schüsse gethan. Dies, diente .den Preussen zum Verwände, den herrlichen Thurm als eine Batterie anzusehen, und bald war die Kirche, nebst den umstehenden Hausern, zerstört. Auch andere Kirchthürme dienten den preussischen Artilleristen zum Ziel. Manche Bombe flog auf die gewölbte Kuppel der Krcutzkirchc, wo sie aber höchstens Nisse hervorbrachte. Ganze Familien lebten unter den Trümmern ihrer Hauser. Viele fluchteten nach der vor den Bomben sichern Neustadt, wo sie, bis unter das Dach, gleichsam übereinander lagen. Wegen des Mangels an Pferden, musite manches feine, wohlgebildcte Mädchen ihre Habselig- kciten, die sie zu retten wünschte, selbst tragen. Die alten und kränklichen Personen schasste man auf Schiebekarrcn fort. Die Oestreicher suchten, während dieser für die Einwohner Dresdens so schrecklichen Zeit, die Preussen durch manchen Ausfall heim. Sie wollten einst (20. Jul.) selbst den König überraschen; aber in Zeit von drey Minuten standen die Preussen in Schlachtordnung. Der Andrang der Ocstrcicher wurde jedoch endlich so lebhaft, daß Friedrich es für S9 für gut fund, sein Lager aus dem großen Garten zu entfernen. Um die linke Seile desselben zu sichern, verwandelte man die herrlichen Alleen des Garleus in einen Verhau. Dann rückte naher. Die Ücstreichcr bemächtigten sich eines Zuges von Proviant« fuhren, der von Magdeburg kam. Friedrich marschierte hierauf (zo. Iul.) in einer reg« nigcn, stürmischen Nacht nach Meißen. Vor« her gab er feiner Armee ein sehr in die Au« gen fallendes Beyspiel militärischer Strenge. DaS Infanterieregiment von Veruburg halte sich, seiner Meynung nach, bey einem Ueber« falls nicht standhaft genug in den Laufgra« den gewehrt. Zur Strafe mußten nun, die Gemeinen ihre Seitengewehre, die Ober« und Unterofstciere ihre Huttrcssen, entbehren. Die Qfficiere bathen nun fast alle um ihren Abschied; aber ste mußten ferner dienen. Friedrch schreibt die Vereitelung seines Plans, stch der Stadt Dresden in kurzer Zeit zu bemächtigen, seinen Ingenieurs und Artilleristen zu; Kenner des Kriegswesens erklären jedoch seine Beschuldigung für un« gegründet. Die schreckliche Bestürzung hatte für Dresden die Folge, daß sechs Kirchen, G 2 und IOV und 416 Palläste und Hauser zerstört, und 115 andre beschädigt wurde». Friedrich, der über den vergeblichen Aufwand, den ihm Dresden kostete (er verlohr unter andern 1750 Mann) schon verdrießlich war, bekam jetzt eben die Nachricht, daß Glatz, seine zweyte Festung, (26. Zu!.) von Laudon erobert worden war. Sie war mit allen Bedürfnissen reichlich versehen: ihre Besatzung von 2400 Mann bestand jedoch grüßtcntheils aus ttsberläufcrn und Auslandern, die den General d'O, einen Italiener, zum Befehlshaber hatten. Laudon, der die von Harsch geführte Belagerung deckte, unterhielt, nach Friedrichs Erzählung, durch Hülfe einiger Jesuiten und andrer katholischer Geistlichen, mit verschiedenen Offi- cieren und Soldaten ein Einverständniß. Diese räumten einige Ausscnwerke; auch wurde der bedeckte Weg von den Preussen so nachlässig bewacht, daß sich die Ocsirci- cher desselben ohne große Mühe bemächtigten, daß sie zugleich mit den Preussen in die Stadt drangen. Jetzt empörte sich auch der größte Theil der Besatzung, und d'O mußte IOI musite daher die Stadt übergeben. Mit M' kamen ungeheure Verrathe in die Gewalt der Oestrcicher. Jetzt näherten sich aber auch die Nüssen der Oder. Ihre Armee bestand ans 60,000 regulären und 6 bis 8000 irregulären Sol, daten. Ihre erste Bestimmung war die Er, vbcrung der Festung Glogau. Oestreich sollte sie zu dieser Absicht mit Geschütz und Mu, nition verschen. Weil die Hcröeyschassuug dieser Bedürfnisse aber zu viele Beschwerlich, keilen mit sich führte, that man der Kaise, rin Elisabeth den Vorschlag, ihre Armee bis nach Vreslau vorrücken zu lassen. Elisabeth befahl ihrem Feldmarschall, diesem Vorschlage Gnüge zu leisten; dieser that es aber mir Widerwillen. Er hatte bereits alle Anstalten zum Marsche nach Glogau ge, macht; sodann konnte er sich von dem Ge, danken, das; der Hof zu Wien der russischen Armee die Last des Krieges vorzüglich auf, bürden wollte, nicht losmachen. Montalem, bert, der eben so kluge als französische Bevollmächtigte bey der russischen Armee, brachte es zwar endlich dahin, den Feldmarschall für den IVA den neuen Plan zu stimmen; dieser blieb je? doch noch so lange stehen, bis sein Magazin, welches bey seiner Entfernung von dem Prinzen Heinrich bedroht wurde, nach Ka- lisch geschasst war. Darüber kam das Ende des Iuis herbey. Heinrich hatte indessen, jenseits der Warte, eine Stellung genommen, in welcher er eben sowohl Schlesien, als die Neu- mark, decken konnte. Als jedoch Glast von den Ocstreichern erobert war, und Soltikow sich gegen Breslau hinbcwegte, gicng Heinrich (i. Aug.) bey Glogau über die Oder, um Soltikows und Laudons Vereinigung zu verhindern. Er wendete sich gegen Breslau. Diese Stadt war bereits von den Ocstreichern eingeschlossen. Laudon mußte sie, noch vor Heinrichs Annäherung in seine Gewalt zu bekommen suchen. Es fehlte ihm jedoch an Belagerungsgeschütz und an Munition, und einem stürmischen Angrisse setzten die mit Wasser angefüllten Graben große Hindernisse entgegen. Laudon suchte daher seine Absicht erst durch Unterhandlungen zu erreichn»; allein der preussische Befehlshaber Tauen- IOZ Tauenzien blieb standhaft, obgleich die aus zooo Mann bestehende Besatzung, meistens Ucberlanfer oder gezwungne Leute, aber auch der Ueberrcst der bey Kolin vernichteten Fußgarde, ausser der Festung, noch 9000 unruhige, östreichische Kricgsgefangne, bewachen mußte. Die Croaten waren schon in die Vorstädte eingedrungen; Tauenzien ließ sie aber wieder herausjagen, und die Vorstädte abbrennen. Vergebens both nun Laudon, Tauenzicus Standhaftigkeit zu erschüttern, alle Arten von Gründen auf; Breslau, sagte er unter andern, wäre ein unhaltbarer, ein Handclsort. Auch auf den Stadtdirector suchte man durch Drohungen zu wirken. Da Vorstellungen und Drohungen aber fruchtlos waren, so beschloß Laudon, ein Gegenstück zu Dresden aufzustellen. Hierauf wurde die Stadt von drey östreichischen Batterien so heimgesucht, daß der Pallast dcS Königs, nebst verschiedenen andern Häusern, in Brand gcrielh. Es fehlte aber bald an Munition. Tauenzien wußte die Standhaftigkeit seiner Leute vortrefflich ausrecht zu erhalten. Er bereitete sich muthig vor, einen stürmenden Angriff abzu« lv4 - abzuwehren. An der Spitze der Garde wollre er sich auf dem Walle bis auf den letzten Mann wehren, und das Schauspiel, die ganze königliche Garde gefangen zu sehen, sollte der Welt nicht gezeigt werden. Doch Heinrich, der in drey Tagen 18 Meilen zurückgelegt hatte, dessen Leute in einem Tage nicht mehr als vier bis fünf Stunden ansruheten, der war bereits (z. Aug.) bey Glogau über die Oder gegangen, wahrend daß Solrikow noch neun Meilen wett zurückblieb. Laudon entfernte sich daher von Breslau, nachdem er dieser Stadt einen beträchtlichen Schaden zugefügt hatte. Soltikow stand nun nicht weiter, als eine Meile von Breslau; aber er wagte es, der guten Anstalten Heinrichs wegen, nicht über die Oder zu gehen. Heinrich stand jetzt in der Mitte zwischen zwey feindlichen Heeren; Laudon blieb jedoch so unthatig, daß Svlti« kows Mißtrauen gegen die Ocstrcicher sich von neuem lebhaft regte, daß Monralembert viele Mühe hatte, seine Entfernung von der Oder zu verhindern. Indessen mußte Heinrich, ohne seinen königlichen Bruder unter- 105 unterstützen zu können, bey Breslau stehen bleiben. Friedrich hatte, seit dem Verlud von Glatz, die Heiterkeit seines Geistes fast ganz verlohrcn. Wegen des Besitzes von Schlesien äusserst, besorgt, beschloß er für dessen Rettung sich selbst thätig zu beweisen. Eine ansehnliche Truppenabcheilung unter Hülsen in Sachsen zurücklassend, setzte er, im An- gesichte der östreichischen Armee, über die Elbe, die Spree, die Neiße, die QuciS, die Bobcr. Nach einem Marsche von fünf Tagen, in welchen er 20 Meilen zurückgelegt hatte, stand er, (8- Aug.) mit seiner ganzen Artillerie, und einem Zuge von 1000 bcladcncn Wagen, bey Vunzlau. Daun rückte bis Löwenberg, im Bezirke von Vunzlau. Beyde Armeen standen jetzt von Lieg- nitz und Breslau glcichwcit entfernt. Friedrich, dessen Lebcnsvorrath nur noch auf 10 Tage hinreichte, mußte sich entweder nach Breskau, oder nach Schweidnitz, zurückziehen. Von beyden Städten suchte ihn jedoch Daun, in Verbindung mit Laudon und Bcck, zu trennen. Friedrich konnte den 100,000 106 100,000 Oestreichern nicht mehr als 90,000 Preussen entgegenstellen. In dieser gefahrvollen Lage war DannS bcdächtlicher Charakter sein vornehmstes Nettungsmittcl. Ehe Dann mit den Anstalten zu einem Angriffe fertig war, hatte Friedrich schon wieder eine andre Stellung eingenommen. Da Friedrichs Vorrath aber nur noch auf einige Tage hinreichte, gicng er (12. Aug.) über die Katzbach, den Fluß, an welchem Liegnitz sich ausbreitet, zurück. Friedrich stand nun wieder bey Liegnitz, und Dann bey Hochkirch, nicht weit von Liegnitz. Die östreichische und die preussische Armee waren jetzt blos durch die Katzbach getrennt. Dann, der über 90,000 Mann geboth, wagte es doch nicht, den König mit seinen Zo,OOO Streitern anzugreifen. Er begnügte sich, ihm die Verbindung mit Brcslau zu entziehen, und er war dabey so besorgt, von dem Prinzen Heinrich im Rücken angegriffen zu werden, daß er den Fcldmarschall Soltiksw ersuchte, den Prinzen vom Uebcr- gange über die Oder abzuhalten. Dabey versprach er ihm, sobald er mit Laudon und Lafcy ic>7 Lascy vereinigt seyn würde, den Angriff nicht länger aufzuschieben. Soltikow, der sich darüber wunderte, daß Dann sich noch nicht für stark genug hielt, dem Könige eine Schlacht anzubiethen, ließ doch den Gene» ral Czernichew mit 20,0110 Mann über die Oder gehen, um theils Friedrichs und Heim richs Vereinigung zu verhindern, theils die geschlagenen Preussen zu verfolgen. Dann durste den Angriff nun nicht länger aufschieben. Der Tag (15. Aug.) war schon dazu angesetzt. Allein Dann kämpfte noch mit so vielen Pedenkiichkcitcn; er verrieth seine Absicht durch so viele Recognoscirungen und Vorkehrungen, daß Friedrich Zeit gewann, einen Versuch zu machen, ob er, (10. Aug.) den linken Flügel der Oestreichcr umgehend, mit Schweidnitz sich in Verbindung sehen könnte. Er brach am Abend von Liegnitz auf. Lascy stellte sich daher auf den Anhöhen bey Prausnitz, nicht weit von Goldberg, auf. Er stand hier zu vor- thcilhaft, als daß es Friedrich wagen durfte, in seiner Gegenwart über die Katzbach zu gehen. Er kehrte daher nach Goldberg zurück. Bey dieser Gelegenheit überraschten die !08 die Preussen Lascy's Gepäcke. Unter andern wurden ihnen dessen Feldgerarhe, nebst seil nee Köchin, einer schönen und artigen Tyro- lerin, zu Theil, die Friedrich dem General noch an eben dem Tage zurückschickte. Lascy wendete sich wieder nach .Jaucr. Friedrich konnte, durch den durchschnittenen Voden ab- gehalten, ihm nicht folgen. Indessen versperrte ihm der anrückende Dann den Weg über Zauer. Dadurch sah sich Friedrich abcrmahlS von Schwcidnitz getrennt, und zum Rückzüge über die Katzbach genöthigt. Hier sollte nun Friedrich, nach Dauns Plan, auf allen Seiten eingeschlossen werden; er sollte die Verbindung mit der Oder, oder wohl gar mit Glogau, und also mit der Mark, verlieren. Friedrich hatte nur noch auf drey Tage Brod. Der Weg nach Breslau war ihm versperrt, und es blieb ihm blos die Straße nach Glogau offen. Daher der Marsch nach Parchwih, zwischen Liegnitz und der Oder. Vielleicht konnte er sich an der Oder mit dem Prinzen Heinrich vereinigen. Am Abend vor dem Abmärsche (14. Aug.) herrschte bey der preussischen Armee 109 Armee eine feyerliche Stille. Theils den folgenden Morgen mit Sehnsucht erwartend, theils unter den Waffen schlafend, umringten sie ihren, in seinen Mantel gehüllten, neben einem kleinen Feuer sitzenden König. Lau- don, der (15. Aug.) der preussischen Armee in den Rücken fallen sollte, fand sie in einer unerwarteten Stellung auf Anhöhen. Zwar griff er sie mit Entschlossenheit an; aber das bernburgischc Regiment, das diese schöne Gelegenheit, seine Ehre wieder herzustellen, begierig ergriff, hielt den Ungestüm der östreichischen Cavallcrie so nachdrücklich auf, und der Oberste von Möllendorf zeigte sich mit einem Theile der Fußgarde so wirksam, daß die östreichische Cavallerie fl-chcnd ihre Infanterie mit fortriß. Doch die Kugeln der auf Anhöhen stehenden Preussen trafen die Oestreicher um so sicherer. Daun, der mit Tagesanbruch den rechten Flügel der Preussen, während daß ihn Lascy in der Flanke faßte, in der Fronte angreifen wollte, erfuhr, weil der Wind das Knallen des Geschützes abwärts trieb, Laudons unglückliche Lage nicht eher, als bis es zu spar war. Durch die Zeit, die das Schlagen der Vrük- ken IIO ken über die Katzbach erforderte, aufgehalten, erschien er erst um fünf Uhr des Morgend hinter Liegnitz. Jetzt verkündigte ihm der sich vertheiicnde Puivcrdampf, daß ein Treffen geliefert worden war. Der rechte Flügel der Preussen, unter Zicthen, stand, hinter dem.schwarzen Wasser, in Schlachtordnung. Zwar setzten zo östreichische Schwadronen über das Wasser; allein das grobe Geschütz der Preussen ließ sie gar nicht zum Aufmarschieren kommen. Vergebens suchte Lafcy eine Brücke, um sein- Infanterie hinüber zu schassen. Zum Schlagen einer Brücke war keine Zeit. Auch war die Gegend zu morastig. Endlich fanden die östreichischen Husaren eine Furth, und sie überraschten das Gepäcke des Königs, welches jedoch Pr twih mit der Ereuadicrcompagnie der Leibgarde so tapfer vertheidigte, daß, bis auf die Briefschaften, die der englische Gesandte Michel, und der geheime Cabincts« rath Eichel verbrennten, alles gerettet wurde. Jetzt kehrte Daun in feine vorige Steliung zurück. Den Oestreichern kostete dieser verunglückte Angriff io,oc>o Mann, und Kanonen- Laudon wurde wegen seines nu- glückli, Ill glücklichen Schicksals bedauert. Friedrich ließ nun, so wie es Daun nach FouquetS Ucbcrwälkigung gethan hatte, ein dreymahl wiederholtes Siegcsfeuer machen. Als er nach demselben an der Fronte der aufgestellten Armee hinritt, fielen ihm einige alte Saldaren des bernburgischen Regiments in den Zügel, und bathen, indem sie, seine Knie umfassend, sich auf das, was sie gethan hatten, beriefen, um seine Gnade. „Ja Kinder," (sprach Friedrich gerührt) „ihr sollt sie wieder haben, und alles soll vergessen seyn!" Friedrich ließ den siegreichen Theil seiner Armee, der noch vom Kämpfen ermüdet war, sogleich den Marsch nach Parchwitz fortsetzen. Diesem Zuge folgte nicht allein alles Geschütz; es folgten ihm auch alle Gefangne, alle Verwundeten. Die letztem wurden, nebst den erbeuteten Gewehren, auf Mehl - und Vrodwagen, und auf den Hanbpscrden, fortgeschaft. Vier Stunden nach der Schlacht war der ganze Zug in Bewegung, und er legte noch an diesem Tage den drey Meilen lange«» Weg bis Parchwitz zurück. t!2 zurück. Daun stund in der Nahe dieses Orces, und noch waren 20,000 Nüssen dis- scirs der Oder. Zlller Vorrath, den die Preussen hatten, reichte, ausser dem, was sie auf den Rücken trugen, nur noch auf einen Tag hin. Ans dieser gefährlichen Lage half sich Friedrich (16. Aug.) durch eine Nachricht, die er dem General Czerinchew in die Hände zu spielen wußte. Die östreichische Armee sollte, dieser Nachricht zufolge, nicht mehr diesseits der Oder stehen. Solti- kow setzte daher über diesen Strom, und ließ zum Beweise, daß er die Verbindung mit den Oestreichern gänzlich aufheben wollte, sogar die Brücken abbrechen. Zwar wollte er die Truppenabtheilung unter Czernichcw noch zurücklassen; als er aber, anstatt Lau- donS, den König bey Neumark, zwischen Liegnitz und Breslau, erscheinen sah, stieg sein Unwille so hoch, daß ihn Montalem- bcrt kaum vom Rückzüge nach Polen zurückhalten konnte. Auch hinderte ihn ein heftiges Fieber, den Oberbefehl selbst zu führen. Die rnssische Armee erregte jetzt bey Friedrich eine so geringe Besorgnis!, daß er, ihre !lZ ihre Beobachtung dem General Goltz mit 10 bis 12,000 Mann übertragend, den übrigen Theil von der Mannschaft des Prinzen Heim richs mit der seinigen vereinigte. Mit einer Armee von 50,000 Mann wollte er nun seinen Gegner Dann, dem 90,000 Streiter zu Gebothe standen, nicht »nr von Schweid- nitz, sondern ans Schlesien, vertreiben. Daher zog er (29. Aug.) des heftigen Ka? nonenftuers ungeachtet, ganz nahe bey dem östreichischen Lager vorbey. So sinnreich sich aber der König bewies, den östreichischen Qbergeneral in Verlegenheit zn sehen, so behutsam zeigte sich Dann, einem Angriffs desselben auszuweichen. So kamen (im Sept.) beyde Armeen immer tiefer in den gebirgigen Theil von Schlesien. Friedrich stand nun hinter Schwcidnitz, von Bnrkerst dorf bis Hohenfriedberg. Die Lager der Oestreichcr und Preussen waren jetzt cinanr der so nahe, daß sie dieselben mit ihren Km nonenkngeln erreichen konnten. Endlich fand man es für gut, das zwecklose Schießen zu unterlassen, und man war seitdem so wenig feindselig gesinnt, daß die Vorposten einander wohl gar zurecht wiesen. Friedrich, der Eaiictli Welch, i/r Th. H die !I4 die Verrathe in Schlvcidnitz in der Nahe hatte, konnte es ruhig abwarte», daß die rauhe Jahrszeit seinen Gegner zum Abzüge nöthigte. Daun, der seine Lcbeusmiriel auS einer Entfernung von einigen Meilen bekam, hoffte, daß die Russen ihre Thätigkeit wieder erneuern sollten. Doch Fermor, dem Soltikow einstweilen wieder den Oberbefehl übertragen hatte, bewies eben nicbt mehr Bereitwilligkeit, als Soltikow, Dauns Pian zu unterstützen. Man hatte ihn von Wien aus, bey der Kaiserin Elisabeth, nicht gut empfohlen; man hatte sein Benehmen verdächtig zu machen gesucht. Fermor ließ daher diese Gelegenheit, sich zu rächen, nicht unbenutzt, und die Vereinigung unterblieb. Endlich erhielt Fermor von Petersburg den ausdrücklichen Befehl, in die Mark Brandenburg einzudringen. Aber auch zu dieser Unternehmung konnte er sich, aus Abneigung gegen -Oestreich, nur mit Mühe entschließen. Unter seinen Generalen befand sich Tottleben, ein Deutscher, der lange in Berlin gelebt hatte. Diesen ließ er, während daß Ezernichew mit dem Vortrabe seiner "5 »er Armee sich der Spree näherte, und Roman zow mit einer andern Trnppenabthcilung sich nach Crosscn zog, mit zooo Mann re- gulären Truppen, und aller leichten Mann- schuft, über Gubcn und Beeskow, eiligst nacb Berlin vorrücken. Dann, über diese Unternehmung höchlich erfreut, schickte der russischen Armee den General Lascy mit 15,000 Mann nach. Friedrich hoffte, daß ein Weg von 24 Meilen durch ein ausge- zehrrcs Land, daß die Uneinigkeit der östrei- epischen und russischen Generals, daß Dauns Abzug aus Schlesien, ihm Zeit und Gele« genhcit verjchaffen würde, seiner Hauptstadt zu Hülfe zu kommen. Aber seine Hoffnung tauschte ihn. Daun, der jetzt zu rechter Zeit den Fabius spielte, blieb in seiner Stellung, in welcher er einem Angriffe trotzen konnte, ruhig stehen. Indessen kam Tottlcben, wahrend Czerni- chew bis Fürstenwalde vorrückte, und die übrige russische Armee sich längs der Ober bis Frankfurt!) heraufzog, (z. Oct.) mit 5000 Mann nach Berlin. Die Hauptstadt der preussischen Monarchie war, theils durch eine H 2 schwache Il6 schwache Mauer, theils nur durch Pallisaden, geschützt. Die Thore waren schlecht verwahrt. Die Besatzung bestand aus drey Vatallioncn Garnisontruppcn, die 12 bis Mann ausmachten. Der alte Lehwald, und der in der Schlacht bey Knncrsdorf verwundete Seidlitz, die eben auch zu Berlin waren, ermunterten den Commandanten Nochow zu einer staudhaften Vertheidigung. Sie selbst übernahmen kleine Schanzen vor den Thoren. Alles, selbst Invaliden und Kranke, ergriff die Waffen. > Vergebens suchte Tottlebcn die Stadt durch Bomben heim; vergebens ließ er zwey Thore bestürmen. In der folgenden Nacht erschien bereits die Cavallerie von der Trup- penabiheilung des Herzogs von Wirtcmbcrg, die in einem Tage neun Meilen marschiert war, und am Abend dieses Tages (5. Oct.) langte auch das Fußvolk an, das in zwey Tagen li Meilen zurückgelegt hatte. Hülsen war gleichfalls im Anmärsche. Tottlc- den, über die schnelle Erscheinung der Preussen erstaunt, und in der Lage, sein Geschütz wegen Untauglichkcit, und wegen Mangel an Munition, nicht weiter brauchen zu können. ll7 ncn, zog sich bis Köpenick zurück, um mit Czernichew iu Verbindung zu kommen. Aber nicht allein Czernichew, sondern auch Lascy, rückte näher, und Montalembert bestimmte den russischen General, an einem Angriffe gegen die Preussen Theil zu nehmen. Da diese jedoch ihren zo,ooo Mann starken Feinden nur 14.00c? Streiter entgegenstellen konnten, so zogen sie sich, dem Tressen ausweichend, nach Spandau zurück. Rochow sah sich nun (9. Oct.) genöthigt, in die Kriegsgefangenschaft der Besatzung von Berlin einzuwilligen. Tottlebcn rückte mit seinen Russen ein. Lascy, der von der Besetzung der preussischen Hauptstadt nicht ausgeschlossen seyn wollte, brachte es dahin, daß ihm Czernichew drey Thore, und 50,000 Thaler von der Contribution, überlassen mußte. Die Oestrcicher quartierten sich aber, hiermit noch nicht zufrieden, in der Friedrichstadt ein, und sie verfuhren mit den Einwohnern derselben so unbarmherzig, daß Tottlebcn mehrere russische Regimenter mußte einrücken lassen, um die von den Ocstrci- chcrn gestörte Ordnung wieder herzustellen, und mit Gewalt zu behaupten. Aber eben dieser li8 dieser Tottleben verlangte von den Einwohnern Berlins die ungeheure Summe von vier Millionen Thaler, ausser welchen ihm auch noch ein Geschenk von 200,000 Thaler» gemacht werden sollte. Die Berliner waren der Verzweiflung nahe, bis Gotzkows- ky, ein reicher Kaufmann, mit Aufopferung großer Summen, die Freundschaft und das Zutrauen des russischen Generals sich so glücklich erwarb, und dessen Vorliebe für Berlin, wo er ehedem einen so angenehmen Auffenihalt gehabt hatte, so gut bcnutzie, daß Tottleben zwey und eine halbe Million von der Contribution nachließ. Sein Geschenk mußte ihm gleich baar ausgezahlt werden; für die übrige Summe stellte die Kaufmannschaft, unter Gotzkowöky's Bürgschaft, Wechsel aus. Eben dieser vortreffliche Mann erwies dem Könige den wichtigen Dienst, das Lagerhaus, welches das Tuch zu den preussischen Monturcn verwahrte, imglcichcn die Gold - und Silbermanufac>ur, zu retten. Sie sollten (10. Oct.) geplündert werden; Gotzkowsky verhinderte es jedoch durch die Vorstellung, daß der Ertrag dieser Manufakturen blos für das große Waisenhaus IIY Haus zu Potsdam bestimmt sey. Das schöne Zeughaus befand sich gleichsam in großer Gefahr. Die Oestrcicher, die Friedrichs Rc« sidcnz zu zerstöre» wünschte», halten den Vorschlag gethan, das große Gebäude durch Puiver zu sprengen; allein 50 Rüsten, die das dazu nöthige Pulver abholen sollten, benahmen sich dabey so unvorsichtig, daß es Feuer fieng. Jetzt war kein Pulver mehr überflüssig. Man begnügte sich daher, Km »oncn, Gewehre, Fahnen, auszuräumen, und das, was man nicht mitnehmen konnte, zu vernichten. Auch andre Vorräthe von dieser Art wurden geplündert oder verdorben. Die berlinischen Zeitungsschreiber hatten ihrer Hanptpflichc, »upartheyisch zu erzählen, manchmahl zuwider gehandelt; sie hatten von den Ocstrcichern und Rüsten manche ungünstige Schilderung aufgenommen. Dafür sollten sie nun durch die Spießruthen laufen, und sie befanden sich schon deswegen auf der Hauprwache. Gstzkowsky war aber derjenige, der auch sie von dem schlimmen Schicksale befrcyte Sie wurden, vor die Soldaten« caste geführt, mit einem nachdrücklichen Verweise 120 weise angefertigt. Ob der crlanaische Zeitungsschreiber, der den Keilig Friedrich geärgert halte, blos mit der Bescheinigung seiner Strafe davon kam? — Die Oestrci- cher verfuhren übrigens noch schlimmer, als die Russen, lind die sächsischen Truppen rächten an dem schönen Hausralh zu Charlotten- burg das zerstörende Verfahren, das sich die Preussen gegen den brühlschen Pallast zu Dresden erlaubt hatten. Aber auch die Häuser der Privatleute wurden, einer Con- tribution von 150,000 Thalern ungeachtet, von den Ocstrcichcrn und Russen geplündert. Einige Männer, die dieß nicht leiden wollten, peitschte man bis auf das Blut, und manche Weiber und Mädchen dienten der sinnlichen Wollust der zuchtlosen Soldaten zum Opfer. Doch jetzt eilte Friedrich aus Schlesien, zur Rettung seiner Hauptstadt so schnell herbey, daß die östreichischen und russischen Generale, in der Bcsorgniß, die Verbindung mit ihren Hauptarmccn zu verlieren, sich (11. Oct.) entfernten. Mit der kricgsgc- fangnen Besatzung mußte auch das halbe Cadet- 121 Cadcttcn s Corps mit fortwandcrn. Knaben von 10, 11, 12 Jobren errrngen die Müh« seligkeiten des Marsches um so weniger, je schlechter für ihre» Mögen gesorgr wurde. Die abziehenden Russen verfuhren mit allen auf ihrem Wege liegenden Oertern, mir Kör peuik, Fürstenwaldc, Becskow, Landsbcrg, Oranienburg, u> a. m., so unbarmherzig, daß sie die von den Thoren Berlins, bis zur polnischen, schlesisehcn und sächsischen Gränze sich ausbreitende Gegend in eine Wüste verwandelten. Um von den Einwvh« nern der Stadt Frankfurth alles, was man verlangte, zu erpressen, hatte man ans dem Markte schon ein großes Feuer angezündet, hatte man einen Bürgermeister schon gepeitscht. Die Oesireicher schienen mit den Russen zu wetteifern. Von allen königlichen Schlössern blieb nur Sans Souci, und daS Schloß zu Potsdam, für welches sich Ester« haft) verwendete, »»verwüstet. Eben dieser edle Fürst rettete auch die potsdamischc Gc« wehrfabrik von der ihr von den Kosaken zugedachten Plünderung. Friedrich ließ sich von dem Äerger über das Verfahren der Oesireicher und Russen gegen Charlottenburg so so weit hinrcissen, daß er^' zur Nach?, das kur- sächsische Jagdschloß Huberroburg der Plünderung preisgab. Diese Plünderung übernahm das Frcybatallion des Obersten Jcilius, der dafür hundert tausend Thaler schlechtes Geld in die Lazarethcasse liefern mußte. Friedrich, der durch seinen schnellen Anmarsch die Oesircicher und Russen aus der Gegend von Berlin entfernt hatte, war aus Schlesien nicht eher aufgebrochen, als bis die Witterung eine Belagerung von Schweid- nitz nicht mehr erlaubte. Dann erfuhr seinen Abmarsch (4. Oct.) zu spät; dennoch blieb er ihm hernach immer zur Seite. Da es dem König nicht gelingen wollte, die Generale Czcrnichew und Tottlcbcn von der Hauptarmec zu trennen, so wendete er sich nach Lübben, in der Nicdcrlausitz. Dann zog dagegen nach Torgau, wo sich Lascy mit ihm vereinigte. Hülsen, der gleichfalls zu Berlins Rettung herbcygccilt war, hatte der Z5,czocz Man» starken Rcichsarmee, mit seinen 12,000 Streitern, endlich weichen müssen. Einige Wochen lang stand ihm jedoch die dreymahl größere Armee gegenüber, ohne daß daß deren Generale einen ernstlichen Angriff wagten. Sie wollten erst den Anmarsch des Herzog von Wirtemberg erwarten. Dieser Fürst, der schon die Königswürde seiner Nachfolger zn ahnen schien, verlangte für sein kleines Heer von 12.000 Mann keine Snbsidicn, sondern nur die Erlaubniß,, die feindlichen Lander zn brandschatzen. Von dieser machte er auch im hessischen und prcussis scheu Gebiethe den unbarmherzigen Gebrauch. So marschierte er (im Sept.) aus Franken, dnrcb Thüringen, bis nach Leipzig. Als er hier den Major von Werner, den Vefehlss Haber der kleinen Besatzung, zur ttebcrgabe aufforderte, antwortete dieser: er wisse zwar nicht, daß sein König mit dem Herzog von Wirtemberg Krieg führe; er würde aber die Siadr standhast vertheidigen. Da der Hern zog sein Geschütz noch nicht bc» sich hatte, konnte er keinen kraftvollen Versuch machen, die Standhaftigkcit des Commandanten auf die Probe zu stellen. Er setzte daher seinen Marsch nach Halle fort. Hier vereinigte er sich (21. Sept.) mit der Ncichsarmce, die jetzt (27.), über 40,000 Mann stark, Tors gan 124 gau mit 2oc>o Preussen in ihre Gewalt bc- kam. Hülsen zog sich, nachdem er die Brücke bey Torgau abgebreimt harte, nach Wittcnbcrg zurück, wo er seine Stellung einige Tags behauptete, bis ihn Berlins Gefahr (2. Oct.) nach der Mark rief. Die Neichsarmee hatte jetzt einmahl Gelegenheit, eine eben so glückliche als leichte Thätigkeit zu beweisen. Die Preussen mußten ihr Leipzig überlassen; der General Salcnmon, der Befehlshaber von Wittenbcrg, mußte (15. Oct.) nicht allein diese Stadt, die durch die Bomben der Bereinigten gewaltig heim« gesucht worden war, sondern auch seine Mannschaft, übergeben. Die Unternehmungen der Rcichsarmee wurden aber, schon nach wenig Tagen, durch die Annäherung Friedrichs, dessen Armee sich (am 20. Oct.) mit den Truppcnabtheilungcn von Hülsen und Wirtembcrg vereinigte, gehemmt. Sie mußte bis Leipzig zurückweichen, und auch hier konnte sie, ungeachtet Daun zu ihrer Unterstützung bis Eulenburg vorrückte, sich nicht behaupten. Sie wurde vielmehr bis nach Lucka im Altcnburgischen verscheucht. Dres- 125 Dresden, und der größte Theil des Kurs fürstenthums Sachsen, befand sich aber noch ln östreichischer Gewalt; auch war fast die ganze östreichische Macht i» demselben ver- sammelt. Dann wollte es auch durchaus behaupten. Allein Friedrich war eben so fest entschlossen, den Besitz des für ihn so wichtigen Landes nicht aufzugeben. Seine damahlige Lage war sehr beunruhigend. Die bey Landsberg an der Warte stehenden Russen erwarteten die Fortschritte ihrer Bundesgenossen in Sachsen, um von neuem in das Brandcnburgische einzudringen. Friedrich vcrlohr, wenn dieses geschah, die Verbindung mit Brandenburg, Pommern und Schlesien. Der Winter rückte heran, und der Frost drohete der Elbe mit einer Eisdecke. Eine Schlacht konnte hier allein entscheiden. Dann wählte, ihr ausweichend, die vortheilhafte Stellung bey Torgau, die Heinrich im vorige» Jahre behauptet hatte. Aber auch hier beschloß Friedrich, ihn anzugreifen. Dauns linker Flügel lehnte sich (g. Nov.) an die Eibe an; der rechte war durch Anhöhen 126 hen mit grofien Batterien, durch Gehölz?, Gruben, Teiche, Moräste, VerHucke, gc< deckt. Zu einer geringe» Entfernung von der Hanpturmec stund Lascy, die, nebst einer Kette von Teichen, seine beyden Flanken sicherte. Friedrich wollte seinen Gegner zugleich in der Fronte und im Rücken angreifen. Zieth-n zog sich daher mit 2u Bataillonen und 52 Schwadronen nach Eulcnburg, um auf die, unweit Torgau, bey Siptitz liegenden Anhöhen zu komme». Mit den übrigen 40 Bacallioncn und 68 Schwadronen, rückte Friedrich selbst an. Um den rechten Flügel der Oestreicher sich herumziehend, hört er aus der Ferne ein Kanviienfcucr, weiches ihn Ziclhenö Ankunft in Dauns Rücken anzukündigen scheint. Auch war es schon um zw y Uhr Nachmittags, und bis zur Dunkelheit blieben wenige Stunden übrig. Friedrich ließ also seine Bataillone zum Angrisse anrücken. Diese marschierten, wegen des durchschnittenen Bodens, nur langsam, und nicht ohne einige Verwirrung, auf. Auch kvnnrc ihnen das schwere Geschütz nicht gleich nachfolgen. Die preussischen Grenadiere waren jetzt von den Oesireichcrn kaum 800 Schritte 127 Schritte entfernt. Das auf sie, gleichsam als auf einen Punkt gerichtete Kartätschen- fcuer von 420 Kanonen streckte, in Zeit von einer halben Stunde, 5500 derselben nieder, nachdem sie kaum ihr Gewehr hatten losfeuern können. Die preussischen Batterien konnten nicht zum Laden kommen, weil Kanoniere, Ossicicre, Knechte urd Pferde, in der größten Geschwindigkeit niedergeschossen wurden. Der Donner des Geschützes, und noch mehr der Eiseuhagcl, der die Luft so ununterbrochen, so gewaltsam zerriß, schien die Wolken zu zertheilen. Der Himmel hei- tc'kte sich auf. Aber jetzt zeigte sich auch der beträchtliche Verlust, den die Oestreichcr erlitten hatten; jetzt zeigte sich die große Verwirrung, in welche besonders ihre Cavallerie gerathen war. Dann selbst war verwundet; aber die Schlacht schien für die Preussen schon so entschieden vcrlohrcn, daß östreichische Couriere mir der Sicgcsnachricht nach Wien flogen. Jetzt rückte aber Ziethcn herbey. Er hatte alle Hindernisse, die ihm Lascy mit 20,000 Streitern entgegenstellen konnte, glück- 128 glücklich überwunden. Eine Brücke im Holze, bereu Besetzung die Oestrcichcr versäumt hatten, brachte ihn unvcrnmthet in d,c Nahe derselben. Der General Saldern besetzte die Anhöhen bey Siptttz. Das Dorf stand in vollen Flammen. Möllcndorf, Oberstlieutenant von der Garde, riech, einige Batterien durchmarschieren zu lassen. Hülsen, der, an der Spitze einiger Vatallionc, alle seine Pferde verlohren hatte, und, seines Alters und seiner Wunde wegen, nicht zu Fuße gehen konnte, wagte sich, auf einer Kanone sitzend, in daS feindliche Feuer. Vergebens versuchte es Lasey zweymahl, die Preussen wieder von dcn günstigen Anhöhen bey Siptttz zu vertreiben. Dies; gab der Schlacht gegen halb 10 Uhr ihre völlige Entscheidung. Die Oestreichev waren ganz auseinander gedrängt. Sie zogen sich in eben so großer Stille, als Geschwindigkeit, über die Elbe zurück. Gegen Morgen (4. Nov.) stand die ganze östreichische Armee jenseits des Flusses. Wahrend der nächtlichen Dnnkeihcit befanden sich die ans dem Schlachtfeldc hcrnmirrcndcn, und über Gleichen und andre Gegenstände hinstürzenden Prcns- I2Y Preussen in einer so lebhaften Bcsorguiß wegen der Oestreichcr, daß sie wohl gar auf die Freunde schössen, daß die, durch daS Brüllen und Aecbzeu der Sterbenden, er- stickte Befehlshaberstimmc ihrer Officiere sie nur mit der größten Mühe sammelte. Die 14 Stunden lange Wiuteruacht war noch dazu entsetzlich kalt, und der Boden vom Regen sehr morastig. Da war während der Verwirrung das Gefühl für den M-nschcn so rege, daß Oestreichcr und Preussen sich oft an Einem Feuer wärmten! Den Oestreich ecn kostete diese Schlacht 20.000, den Preussen 14/000. Jene harten 12,000, diese 10,000 Todte und /Verwundete. Dann hatte sich doch brav vertheidigt; daher gicng ihm Marie Theresic einige Meilen weit entgegen. Dauus Armee stand nun hinter dem plaucnscheu Grund. Torgau wurde geräumt; die Neichgarmee mußte, vor Hülsen zurückweichend, über die Saale zurück. Die Preussen konnten nun (24. Nov.) in Sachsen ruhig die Winterquartiere beziehen. Friedrich verdankte dieß seinem braven General Zierden, der bey Torgau eine Hauptrolle spielte. Calicttj Wkitg. 17c Th. I HauS lZ-Z Hans Joachim von Ziechen (geb. iß. May 1699) der Sohn eines Landedelmannes von sehr mittelmäßigem Vermögen, zeigte, ,n seinem Knabenalter größtcnthcils sich selbst überlassen, frühzeitig eine bestimmte Vorliebe für den Soldatcnstand, und ein bis zum Trotze starkes Gefühl für das, was er für Recht hielt. In seinem i-pcn Jahre wurde er Fahnjunker; aber der kleine, schwach und kränklich aussehende Ziechen machte seinem Obersten keine große Freude, und wurde von seinen Cammeradcn auch nicht eher geachtet, als bis er seinen Muth gegen die, die ihn kränkend behandelten, sehr überzeugend bewies. Als er, bey der Besetzung einer Officicrstelle, zum viertenmahle nachstehen mußte, nahm er, (172z) seinen Abschied. Nach einigen Jahren (1726) wurde er bey einem Dragoncrregtmcnte als Lieutenant angestellt. Während daß er sich nun bey demselben allgemeine Liebe und Achtung erwarb, wollte es ihm nicht gelingen, das Vertrauen seines Staabsrirrmeistcrs zu erhalten. Dieser machte ihm vielmehr bey jeder Gelegenheit so viel Verdruß, daß er ihm endlich (1728) eine Herausfoderung zuschicken IZI schicken mußte. Der Staabsrittmcistcr mele dcre es dem Könige, und Ziechen kam nur auf die Festung bey Königsberg. Als er nach einiger Zeit seinen Dienst wieder antrat, nahmen seine Handel mit dem Rittmeister einen so schlimmen Ausgang, daß er gar verabschiedet wurde. Endlich kam er (17Z2) seiner eigentlichen Bestimmung naher. Er wurde bey einem Husarcnregimcute Ofsicicr. Am Rhein, wo er (17z 5) eine kleine Husch renabtheilung commandirte, gewann er die Zuneigung des östreichischen Generals Baro- nay so sehr, daß dieser nicht nur sein Freund und sein Lehrer wurde, sondern daß er ihn auch seinem Könige nachdrücklich empfahl. Zn der Schlacht bey Prag (1741 May) überwältigte er fast ein ganzes Eavallerie» Regiment, und fast wurde damahls auch sei» Gönner Darvnay sein Gefangner. Friedrich, der feine Taleule sehr richtig beurtheilte, machte ihn zum Obersten, zum Inhaber eines Husarenregimcnts, das er von dem Untergänge, dem es sein bisheriges Ober« Haupt nahe gebracht hatte, glücklich rettete, und dieses wurde seitdem das Muster aller preussischen Husarenregimcntcr. Dennoch gee I 2 laug IZ2 lang es seinen Neidern, ihn bey dem scharfsichtigen Friedrich so sehr in Verdacht zu dringen, das er ihm seine Gnade zu entziehen anfieng; er sah jedoch seinen Irrthum bald ein, und bewies es dem rechtschaffnen Ziechen ans eine so rührende Weise, daß dieser in seinem Dienste blieb, das; er an den glänzendsten Unternehmungen den wichtigsten Antheil hatte. Während daß Zicthen seinem Könige den Besitz von Sachsen retten half, bewirkte Friedrichs General Golz, daß Laudon, der, um sich der Festung Koscl zu bemächtigen, allerley Mittel anwendete, aus Schlesien ganz abziehen mußte. Indessen fuhren die Nüssen fort, die Ncumark und Pommern ohne alle Schonung zu behandeln. Tottlcbcn drang bis in das Havclland vor. Die Hauptarmes die jetzt unter dem Befehle des Feldmarschalls Butlurlin stand, zog sich nach Polen zurück; Ein Theil derselben war bcschäffligt gewesen, die Stadt Colberg in Hinterpommcrn, die den Russen zu einer Niederlage, und zur Sicherung ihrer Winterquartiere, unentbehrlich schien, mit der größ» IZZ größten Lebhaftigkeit anzugreifen. Die Stadt war (im Augusts nicht allein auf der Lands feite belagert; sie war auch von der See her, von 27 russischen und 8 schwedischen Kriegsschissen, eingeschlossen. Die Nüssen bemüheten sich aber vergeblich, die Stands haftigkeit des braven Obersten Heyden, durch ihre Bomben, zu erschüttern. Endlich kam Werner mit vier Batallioucn, und einem Hnsarcnrsgimcntc, herben. Darüber gcricth ein Heer von 15,000 Russen so sehr in Ves siürzung, daß es (19. Sept.) eiligst abzog. Namler widmete der Befreynng seiner Vas terstadt eine schöne Ode. Werner rückte hierauf, durch zwey Bas tallionc der Besatzung von Stettin verstärkt, gegen die Schweden an. Diese spielten noch immer eine den Preussen gar nicht furchtbare Rolle. Sie erschienen meistens nur da, wo keine Preussen waren. Im vorigen Jahre (>759) hatten sie Manntcuftl, mit einigen Bataillonen, die er zu Berlin auS Wi-dcrs genesenen bildete, und der Oberste Belling, mit einem Husarenregimcutc, und einem Freybatallione, so in Furcht gesetzt, daß sie (im IZ4 (im Nov.) über die Peene zurückgegangen waren. Nun zog aber (1760 Jan.) ihr Ober- general Lantingshausen seine ganze Macht bey Greifswalde zusammen, und rückte, (im Febr.) bis Anklam so unerwartet vor, daß Manntcufel selbst in die schwedische Gesaut genschaft gcrielh. Dagegen bclief sich die Zahl der schwedischen Gefangnen, die Bei« ling machte, allmahlig auf zoocz. Die Schweden (17 Bataillone und 42 Schwa« droncn) ficngen ihren eigentlichen Feldzug erst im August an. Die schwache preussische Abtheilung unter dem General Slulterheim mußte bis Prcnzlow zurückweichen. Hinter den dortigen Morasten standen nun dieSchwe« den, den ganzen September hindurch, wie« der ganz ruhig, weil sie vermuthlich den Ausgang der Belagerung von Colbcrg ab< warten wollten. Jetzt übersiel jedoch Werner einen Theil derselben in Pascwaik, und der Herzog von Wirtcmbcrg, der über die stutter- heimische Abtheilung den Oberbefehl über« nahm, machte dem General Lantingshausen, wegen der Verbindung mit Mcklenburg, so bange, daß er sich aus der Gegend von Prenzlow zurückzog. Als Wtrtemberg nach Berlin IZ5 Berlin eilte, waren Werner und Belling schon hinlänglich, die Schweden in der Furcht zu halten. - Zehnter Abschnitt. Feldzügc der Franzosen und Alliirtcn in den Iah, rcn 1760,1762. Vroglio dringt in Hessen ein.. Der Erbprinz geht über den Rhein, und belagert Wesel vergeblich. Frankreich thut Frie- dcnSvvrschläge. Fruchtloser Cvngrcß zu Augsburg. Die Unternehmungen der Franzosen wer, den durch die geringe Uebereinstimmung von Soubisc und Brogliv gehemmt. An Brvgliv's Stelle kömmt d'Ltrccs. Die Franzosen müssen sich bis Frankfurt!) zurückziehen, und Kassel räumen. Bourbvnischcs Familicnbündniß. Die Spanier dringen in Portugal ein, verlieren aber Havannah. Präliminarien zu Fontajncblcau, und Friede zu Paris. Indessen bcschäfftigte Ferdinand die französische Armee zwischen der Werra und dem Rheins so anhaltend, dass sie sich mit den Öcsireichern und Neichstruppcn nicht in Ver- bin- !Z6 bindung fetzen konnte. Frankreich stellte in diesem Feldzugc (1760) eins größere Streis tcrzahl, als in dem vorigen, auf. Wahrend daß Broglio die Hauprarmee von 80.000 Man» urirer feinein Befehle hatte, stand Sr. Germain mit ZO,ooo am Nicdcrrhcin, Und der sächsische Prinz, Raver, bildete mit 15.000 Sachsen ein Reserve - Corps. Doch auch das Heer der Vereinigten war jetzt stärker, als sonst. Zu den englischen Hülfs- trnppen waren noch 7000 frische Leute hin? zugekommen; die Hessen waren bis auf 24,000, die Hannoveraner, nebst den Brauns schwetgern und Bück, bürgern, bis auf 26,000 vermehrt worden. Die ganze Armee sollte sich auf 98,000 Mann belaufen; aber manches Batallion, manche Scbwadron, war von ihrer eigentlichen Mannszahl noch so sehr entfernt, daß das Ganze wahrscheinlich nicht viel über 70,000 Köpfe betrug. Von den Franzosen mögen jedoch auch manche gefehlt haben. Die Franzosen hofften in diesem Feldzuge wenigstens Hannover und Hessen zu erobern. Während daß St. Germain bei) Düsseldorf über iz? über den Rhein gieng, nnd bis Dortmund vorrückte, drang Brogiio mit seiner Armee, die er (im Juu.) zwischen Hanan und Frankfurt!) znsan'.mcngezoaen hatte, über die Obni, bis Sclnvcinsbcrg in Oder Hessen vor, auch bsselste er Marpurg. Seinen Plan, sich, der Stadt Frihiar, der Niederlage der Alliirtcn zu bcnuachtigen, vereitelte Luckuer, ein Mann, der zu den ersten Parthcygaiigern des siebenjährigen Krieges gehört. Nicolaus Luckncr, (-721 zu Cham in Bauern gcbohren) äusserte frühzeitig ciucn unbändigen, allen Zwang scheuenden Unternehmungsgeist , der ihm das Leben eines Icsuiierschülers zu Passau ganz unerträglich machte, der thu für das Militär bestimmte. Die hanuövcrische Regierung vertraute ihm ein Corps leichter Truppen an. Mit diesem streifte er unternehmend und kühn vor der Hauptarmee her, that er den Franzosen großen Schaden, wußte er sich aus jeder Verlegenheit, der er nicht entgehen konnte, auf eine listige Art herauszuhelfen, wagte er es aber auch jede Unternehmung, die feinem kühnen Geiste, und seiner Bereicherungs- suchc IZ8 sucht eine schöne Aussicht gewährte, und schonte er, die lctztre zu befriedigen, kein Mittel, wodurch sich etwas erpressen ließ. Furcht und Schrecken gicngcn vor den lucks nerschcn Husaren her, und die leichte Ca« vallerie der Franzosen ließ sich nur sehr Mit gern mit denselben in einen Kampf ein. Ferdinand, Lückners Obergeneral, beobt achtete den Gang der französischen Untcrnehs münzen hinter der Schwalm, bey Ziegent hayn. Bey Corbach im Waldcckischen, wo Vroglio und St. Germain sich vereinigten, glückte (am 10. Jul.) dem Erbprinzen von Braunschwcig ein Angriff so wenig, daß er 820 Mann und 14 Kanonen verlohr; er ließ diesen Unfall aber nicht lange ungeracht, indem er bald darauf (16. Jul.) den sächsle scheu General Glanbitz mit 2400 Mann, und 5 Kanonen, in seine Gewalt brachte. Die französische Armee verlohr damahls einen ih< rcr besten Generale, den Marquis von St. Germain. Von einer alten adelichcn, aber sehr armen Familie in der Franche < Comtä (geb. 1708) herstammend, wurde er nicht nur Zögling, sondern selbst Mitglied der Ze, suiten. IZY smten. Aber 17 Jahre alt gieng er unter ein Dragoncrregiment. Hierauf stieg er uns ter der Landmilih seines Vaterlandes bis zum Hauptniann cinpor. Ein unglückliches Duell nöthigte ihn (17Z4) nach Deutschland zu gcs hcn. Hier diente er dem Kurfürsten von der Pfalz, und hernach dem Kaiser. Engen vers traute ihm eine Compagnie bey seinem Negis inentc an. Er wollte hierauf (1740) nicht gegen sein Vaterland dienen. Daher gieng er zu Karls VII Armee, wo er bis zum Genes ral der Cavalleric emporstieg. Nach dem Tode dieses unglücklichen Fürsten bewarb er sich um eine preussische Generalsstcllc. Schon hatte Friedrich alle seine Forderungen bewilligt, als eine Unterredung mir dem alrcn Fürsten von Dessau die ganze Sache rückgängig machte. So sehr erschrak St. Germain über Leopolds Schilderung von dcrKrisgszucht der Preussen! Er entfernte sich noch an eben dem Tage, ohne eine andre Bestimmung zu wissen. Endlich stellte ihn der Marschall von Sachs sen bey der Armee in den Niederlanden an. Jetzt machte er sich aber dadurch vers haßt, daß er den Operationsplan für die deutsche Armee laut tadelte. Broglto sehte aller» 142 l allerley Ranke gegen ihn in Bewegung. Man verweigerte ihm den Marschallsstab, und er nahm seinen Abschied. An seine Stelle trat der Chevalier du Muy. Dieser sollte (27. Jui.) in Vor« bindnng mit dem Grafen Chabot und dem Grafen Vroglio, dem Bruder des Obcrge« Zierats, den General Spörkcn bey Volmcrs« Haufen in Nieder«Hessen, nordwestlich von Kassel, zugleich auf beyden Seiten, und in der Fronte, angreifen; der hannoverische General machte jedoch einen sehr künstlichen Rückzug 'nach Wolfshagsn. Hier zog Ferdi« nand sine ganze Armee zusammen, und stellte sie hernach, zwischen Kassel und Liebe« nau, an der Dimcl, auf. Broglio wollte nun die alliirte Armee nicht allein von ihren Magazinen in Paderborn und Lippstadt treu« neu, sondern auch in dem Winkel von Hes« sen, den die Dimel mit der Weser bildet, so einsperren, daß sie entweder sich schlagen, oder zurückgehen müßte. Wenn er seinen gut« angelegten Plan mit Vorsicht ausgeführt hatte, würde sich Ferdinand allerdings in Verlegen« heit befunden haben. Gicng er über die Weser, I4l Weser, so wer er in Gefahr, die Verbindung mit Westphalen zu verlieren; setzte er, »in seine Festungen und Vorräthe in Wests phalcn zu decken, über die Dimel, so stand den Franzosen der Weg nach Hessen und Hannover offen. Doch Broglio zeigte ihm endlich selbst den Weg, ans dieser Verlegenheit sich hcrauSzuwindcn. Er wendete sich mit seiner Armee nach Kassel, um Hessens Eroberung zu vollenden. Dadurch entfernte er sich vom Chevalier du Muy, der bey Warburg im Paderbornischen die Dimel bewachte, um einen Tagemarsch. Nun bereitete Ferdinand, auf den Vorschlag des Erbprinzen , dem unvorsichtigen General das Schicksal zu, dem Spörken so klug entgegen war. Wahrend daß (zi. Jul.) Sporken und der Erbprinz ihm in die Seite und in den Rücken fielen, griff ihn Ferdinand selbst in der Fronte an, und der von allen Seiten eingeschlossene du Muy mußte, nach einem hitzigen Gefechte, nach seinen über die Dimel geschlagenen Brücken eilen. Die Ca- vallerie sehte durch. Dieß wagte auch ein Theil der Infanterie, von welcher aber viele Leute umkamen. Die Franzosen verlohren im 142 im Ganzen zooo Mann. Bey dieser Gele« genhcit hielten sich vornehmlich die Grenadiere, und die Reicer der Engländer, sehr brav, und der englische General Granby bewies einen ausserordenrlichcn Muth. Ferdinand nahm hierauf längs der Dimel eine sichere Stelle. Broglio blieb, ihm gegenüberstehend, in Unthätigkeir. Zwar bekam Stainville die Festung Ziegenhapn in seine Gewalt, und Kielmannscck, der mit Looo Mann bey Kassel stand, mußte sich (zi. Iul.) als Xaver bey Kassel erschien, in das Hannoverische zurückziehen; auch ward Göttingen von Xaver besetzt. Die beyden Flanken der allürteu Armee waren jedoch, rechts durch Münster und Lippstadt, und links durch die Weser, Hameln und Münster, so gut gedeckt, daß Broglio keine wichtige Unternehmung wagen durfte. So wurde der französische Plan, Hannover und Hessen z» erobern, auch im dritten Feldzuge vereitelt. Die durch die Thätigkeit des Herzogs Ferdinand und des Erbprinzen in die Gegend von Kassel gebannte französische Armee kämpfte, in dem ausgezehrten Hessen, mit Man- l-tZ Mangel, und mit den Beschwerden, ihre Verrathe herbsyzuschassen, nud in Sicherheit zu stellen. Xaver konnte stch nicht einmahl bey dem Besitze von Göttingcn behaupten. Doch Broglio war fest entschlossen, seine Winterquartiere in Hessen, und einem Theile des Hannöverischen, zu halten. Er verließ daher (im Sept.) die Dimel, und die aus? serst feste Stellung zwischen Kassel und der Wilhelmshöhe. Zugleich besetzte er die User der Wcrra und Fulda, imgleichen die Zu? gange bey Münden und Witzenhausen sehr sorgfältig. Xaver stellte sich zwischen der Werra und Leina mit 25,000 Mann auf. Der haunövcrische General Wangenheim musite sich (19. Sept.) von Münden über die Weser zurückziehen. Broglio befand sich jetzt im Besitze eines großen Landstriches, der sich nordlich bis nach Göttingen er» streckte. Broglio hatte bey Wesel eine Truppen? abtheilung versammelt, die gegen die preus? sischen Festungen und Magazine in Westpha? len anrücken sollte. Ferdinand ließ daher (zo. 144 (zo. Sept.) den Erbprinzen mit 15,000 Mann über den Rhein gehen, während er selbst, nm diese Unternehmung zu decken, und die Weser genauer zu beobachten, über die Dtinel zurückgicng. Der Erbprinz zerstreute (r. Ocr.) jenseits des Rheins einige Abtheilungen von Franzosen, die sich zn- sammenzwhcn wollten; auch schloß er (14. Ocr.) Wesel ein. Der Graf von Bückeburg konnte jedoch, des anhaltenden Regens wegen, mit dem Geschütze nicht bald genug herbcnkommen. Judessen eilte der Marquis von Eastries herbey. Jetzt waren 20,000 Franzosen bereit, die Festung Wesel zu entsetzen. Diese standen nicht iveit von Kloster Kämpen. Hier griff sie (16. Set.) der Erbprinz mir denjenigen Truppen an, die zur Einschließung von.Wesel nicht unentbehrlich waren. Castrics leistete ihm jedoch einen tapfern Widerstand, und da der durchschnittene Boden, nebst dem Mangel an Munition, den Fortschritten der Alliirte» große Hindernisse entgegenstellte, so mußte sich Her Erbprinz nicht nur zurückziehen, sondern auch (15. Ocr.) die Belagerung von Wesel ausheben. Sein Verlust betrug gegen 1200 Mann ?45 Mann. Die Franzosen büßten doppelt so viel ein. Einer ihrer Officiere gab damahls ein außerordentliches Beyspiel von patriotischem Diensteifer. Der Capilain d'Asses, der ei» Piket in dem Walde von Kämpen- brock commandirte, war, durch die Schüsse des Treffens aufmerksam gemacht, etwas vorausgegangen, als er sich (es war 4 Uhr des Morgens) plötzlich von englischen Grenadieren umringt sah. Diese drvheten, ihn, wenn er den geringsten Laut von sich geben würde, sogleich niederzustoßen. Allen: d'Asses rief, ohne sich einen Augenblick zu besinnen: „hierher, Auvcrgne, hier sind die Feinde!" Indem sank er von vielen Bajou- netstichen durchbohrt nieder. Der Erbprinz befand sich, als er wieder über den Rhein gehen wollte, in großer Verlegenheit. Seine Brücken waren indessen von dem angeschwollncn Strome zerrissen worden, und sie konnten auch nicht so bald wieder hergestellt werden. Indessen stellte sich der Erbprinz in Schlachtordnung auf. Die Franzosen stutzten; die Brücke wurde fertig, und der Ucbergang der Alliirten nun Ealletti Weltg. -7r Th. K durch Z46 durch nichts mehr gehindert. Castries gieng nun auch über den Rhein. Die Lippe trennte hierauf die Franzosen und die Alliir- ten so lange, bis die rauhe Herbsiwittcrung den Erbprinzen nach Westphalen zurückzog, dem er so muthvoll Schutz verliehen hatte. Indessen war der Herzog Ferdinand, durch eine Skrcifercy, die Stainville in daS Brauuschweigische und Halberscadtische vornahm, verleitet worden, sich von der Dimel zu entfernen. Er hoffte, den Franzosen die Stadt Göttingcn zu entrcissen; allein ein Angriff, den er (28. Nov.) auf den französischen Posten bey Hcdcmündcn, in der Nähe von Güttingen, that, fiel nicht glücklich aus. Ferdinand fühlte es in diesem Fcldzugc mehr als einmahl, daß die französische Armee einen geschickten Obcrgeneral hatte, der die Kricgszucht aufrecht erhielt, und das Vertrauen seiner Soldaten besaß. Hatte Bro- glio die sogenannte kleine Armee, deren Befehlshaber St. Gcrmain vorher gewesen war, nicht nach Hessen gezogen, so würde sich Ferdinand in großer Verlegenheit befunden haben. Dieß !4? Dieß war mm der vierte Feldzug, tn Welchem Frankreich, wahrend daß die Eng« landcr ihm seine Besitzungen in andern Eintheilen wegnahmen, nnd seinen ganzen Handel vernichteten, wahrend daß fast unerschwingliche Abgaben die Unterthanen drückten, seine Kräfte blos zu Oestreichs Vortheile verschwendete. Die leidcnschaftlose Parthey des Ministeriums sah den Nachtheil dieses Krieges sehr wohl ein. Der Friede wurde von der Nation laut verlangt; aber der Eindruck, den Klagen Und Vorstellungen hätten mache» sollen, wurde durch die Ränke der Hosparthey vereitelt. Der dirigircnde Minister Choiseul bestand auf der Fortsetzung des Krieges, weil Friedrich in einer poetischen Epistel, die ihm Voltaire mittheilte, seine Eitelkeit gekränkt hatte. Doch Englands ungeheure Zurüstungen seiner Seemacht drangen ihm den Entschluß ab, die Neigung zum Frieden bis zu dem Zeitpunkte zu äusser», wo cS ihm gelungen seyn würbe, den König von Spanien zur Theilnahme an dem Kriege gegen Großbritannien zu bewegen, die zertültere Seemacht zu ergänzen, und die noch übrigen Cvlvnien sicher Zu stellen. K ei Er 148 Er erklärte daher den Bundesgenossen seines Monarchen, daß sich Frankreich, nach einem kostbaren Kriege voll vier Jahren, ausser Stand befände, den Plan, der Preussens Ent- krafrung zur Absicht Härte, ferner befördern zu helfen. Die Kaiserin von Rußland, deren Kränklichkeit und Scbwäche immer mehr zunahm, mußte sich ihren, von Oestreich erkauften Günstlingen und Rathgcbcrn überlassen, und diese waren standhaft der Meynung, daß «s ihrer Würde zuwider wäre, vor Friedrichs Vernichtung Frieden zu machen. Auf das Verlangen des Königs von Polen, der Sachsen von den Preussen befrcyt zu sehen wünschte, wurde gar nicht geachtet. In Schweden war die französische, dem Frieden günstige Erklärung sehr willkommen. Die königliche Parthey machte der ständischen den Vorwurf, durch diesen Krieg das Vaterland in das Verderben gestürzt zu haben. Doch Schweden mußte demungeacblet an diesem Kriege noch ferner Theil nehmen. Marie Therefle fand es zu vorrheiihaft, daß der größte Theil von Europa ihren Licblingsplan unterstützte, als daß sie von demselben nicht ferner halte Gebranch machen sollen. Zwar hatte 14? hatte sich die Schuldenmcnge des östreichischen Staates so sehr vergrößert, daß man zu Kupfer- und Papiergeld seine Zuflucht nehmen mußte; aber man rechnete noch auf französische Geldunterstützung. Indessen that man doch den Vorschlag, zu Augsburg Frie- densunterhanblungen z» eröffnen, und der Fürst Galliczin, der russische Gesandte zu London, bekam den Auftrag, den Königen von Großbritannien und Preussen von diesen Gesinnungen eine Anzeige zu machen.- In Großbritannien war Georg II (1760 am 25. Oct.) gestorben, und sein Enkel, Georg III (geb. 17Z8 am 4. Jun.) saß jetzt auf dem großbritannischen Thron. Pitt, der das Parlament, und vornehmlich das Unterhaus, beherrschte, blieb zwar noch einige Zeit hindurch erster Minister, aber er mußte seine Staatsgewalt mit dem Grafen Bnte, dem ehemahligen Hofmeister und Günstling des neuen Königs, theilen. Dieser wünschte die Wiederherstellung des Friedens, weil er durch denselben Gelegenheit zu bekommen Hossie, sich des Staatsruders allein zu bemächtigen. Nun war zwar die Nation 150 Nation des Krieges, und vornehmlich des Krieges auf dem festen Lande, überdrüssig. Frankreich, welches durch die Gelegenheit, die es dem Bitte verschaffte, durch Friedens- Unterhandlungen bey der Nation sich beliebt zu machen, seine Absicht zu erreichen suchte, schlug einen Waffenstillstand vor, der, so lange als der Friedcnscongrefi, dauern sollte; allein Butc durfte seinen Wunsch, den das Parlament so wenig, als die übrigen Mächte, billigten, noch nicht äusscrn. Pitt wusste die Eroberung von Canada, und die Vernichtung des französischen Handels, dem Parlamente so wichtig darzustellen, daß es ohne Mühe, die zur Fortsetzung des Krieges erforderlichen Summen bewilligte. Die englischen Flotten befanden sich bald in dem besten Zustande. Man schickte zwar einige Bevollmächtigte zum FriedcnScongresse, wollte sich aber auf keinen Waffenstillstand einlassen. Zu dem Congresse ließ nun auch Friedrich einige Gesandten abgehen; aber er gab ihnen keine Vollmacht. Desto lebhafter unterhandelte er in London. Frankreich sollte nicht nur seine rheinischen Länder räumen, sondern auch Oestreich nicht weiter mir Geld und Truppen mtter- unterstützen. An dem Fricdenscongrcsi sollte kein Bevollmächtigter des Kaisers Theil nehmen, weil man nicht mit dem Ncichsobcr- Haupte, sondern mit der Konigin von Uu< gern und Böhmen, Krieg sühre. So wurden die Unterhandlungen unterbrochen, ehe sie noch recht angefangen hatten, und man eröffnete den fünften Feldzug. Frankreich stellte jetzt (1761) zwey Heere in Deutschland ans; ein großes von 110,000 Mann, unter dem Prinzen von Soubise, am Nicderrhein, und ein kleineres von 45,000 Mann, unter Broglio, am Mayn. Jener sollte die Alliirten aus Wcstphalen vertreiben, und dieser, von der Ncichsarmee unterstützt, in das Hannüvcrische eindringen. Broglio, der seine Winterquartiere zwischen der Fulda und Wcrra hielt, hatte sie, auf der rechten Seite der Werra, bis nach Mühlhauscn, Langensalz, und Gotha ausgedehnt, um sich daselbst an die in Franken sich ausbreitende Neichsarmce anzuschließen. Friedrich befürchtete, die französische Armee auf beyden Seiten der Wcrra könnte seinem Besitze von Sachsen gefährlich werden. Er vcral» !?2 verabredte daher mit dem Herzog Ferdinand den Plan, die Franzosen in Thüringen zu überfallen, und sie, wenn das Glück diese Unternehmung begünstigte, bis über den Rhein zurückzutreiben. Zur Beförderung dieser Absicht ließ Friedrich (zu Anfang des Februars 1761) 4000 von seinen Leuten bis an die Werra vorrücken. Der Erbprinz nä- herle sich dem Mittelpunkte der französischen Quartiere in Hessen; er fand jedoch bey Fritzlar und Marpurg einen lebhaften Widerstand, der seine Fortschritte hemmte. Spörkcn, der sich von Dnderstadt her gegen die Werra zog, wurde schon bey Mühlhausen aufgehalten. Broglio, der die Absicht der Alliirten, seine Magazine zu zerstören, und ihm den Besitz von Hessen zu einreist sen, sehr gut einsah, eilte, seine Armee zu versamnicln. Der Ofsicier, der den bey Lan- gcnsalz stchcnden Sachsen den Abmarsch ankündigen sollte, kam jedoch zu spät. Diese wurden nun (17. Febr.) von dem hannövcrischen Spörkcn und dem preussischen Syburg so überrascht, das, sie nur allein 2000 Mann an Gefangnen verlohren. Da sich nun der Erbprinz indessen auch der Stadt Fritzlar bemäch- , I)) bemächtigt hatte, so fand es Broglio, dessen Flanken nicht mehr gesichert waren, für rathsam, sich über Hersfeld und Fulda bis Bergen bey Frankfurts) zurückzuziehen. Mit diesem Rückzüge war der Verlust von man- chen Vorrachen verbunden. Doch Kassel, Marpurg und Ziegcnhayn blieben in franzö« sischcr Gewalt. Die Versuche der Allürtcn, sich ihrer zu bemächtigen, wurden durch die Standhafrigkeit ihrer Vertheidiger, und die ungünstige Jahreszeit, vereitelt. In Kassel lagen 8,zoo Franzosen, und der Graf von Bückcburg, der die Stadt erobern sollte, zählte zwar viele Bataillone; diese waren aber so schwach, (4, z, 200 Mann, und noch weniger) das sie zusammen nicht mehr, als 7,5Z5 Streiter ausmachten. Broglio, dem dü Müy 12 1 15,000 Mann von der Nheinarme zuführte, rückte sogleich wieder vorwärts. Die Allürten musiten nun (im März) ihre Belagerungen aufheben, und sich zurückziehen. Die Franzosen waren ihnen jetzt in manchem kleinen Gefechte überlegen. Allein ihre Zahl war, durch Krankheiten, und durch Ansreissen, auch so sehr vermindert worden, daß von 22,000 Engländern nicht 154 nicht mehr als yovo übrig blieben; daß 20,0-00 Hessen bis auf die Hälfte, und 12,000 Mann leichte Truppen bis auf 5000, zusammengeschmolzen waren. Der Erbprinz wurde (21. März) von den Franzosen bey Alzcuhayn so überrascht, das; fünf Bataillone theils getüdtct, theils gefangen wurden. Unter denselben befand sich das Leibregimcnt des Herzogs von Braunschwcig. Das Um glück würde, wenn Luckncr nicht zu rechter Zeit herbcyeiltc, noch größer gewesen seyn. Ferdinand hatte also durch seinen Winterfell»- zug wenig ausgerichtet; wenigstens war der Tufwand von Kräften, den er erforderte, nicht vergütet worden. Soubise und Broglio sollten mit dem Anfange des Mayes (-761) den Fcldzug er, öffnen; ihre Armeen hatten jedoch so viel gelitten, und waren noch so wenig ergänzt und versorgt, daß sie sich nicht eher, als zu Ende des Juns, in Bewegung sehen könn« tcn. Der Anfang des Fcldzuges wurde aber auch dadurch verspätet, daß bey Wesel 4z Schiffe, die in Holland Hafer und Heu geladen hatten, verbrennten. Choiscul halte die i?5 die ganze französische Kriegsmacht einem Obcrgencrale allein nicht anvertrauen wollen. Er harte sogar jeden von den beyden Obcr- gcneralen einen abgesonderten Wirkungskreis angewiesen. Beyde waren aber nicht abgeneigt, den Ruhm des andern entgegenzuarbeiten. Sonbise, bey vieler Tapferkeit und Uncigennützigkeit, sehr eingeschränkt in seinen Kenntnissen, und um so eingebildeter und unbiegsamcr, war, durch die Ränke der Hosparthrn, wieder Oberfeldherr geworden, und Broglio, dem er vor zwey Jahren hatte weichen müssen, stand ihm jetzt nacb. Bro- glio, ein einsichtsvoller und aus Ruhmsucht unternehmender General, war zu eifersüchtig, um einen verdienstvollen Nebenbuhler zn gestatten', auch ließ er, der Eigenliebe sich zu sehr überlassend, und den Rathschlägen seines Binders zu viel trauend, sich wichtige Fehler zu Schulden komme». Die Armee der Alliirten, welche die beyden Heere der Franzosen zu bekämpfen hatte, sollte zwar aus mehr als 100,000 Mann, und zwar aus 22,600 Engländern, Z7,248 Hannoveranern, 2z,2Z6 Hessen, 962 c Braun» Braunscbweigern, 2Z48 Preussen u. a. m. bestehen; allein die Batallionc und Schwa» dronen waren abcrmahls so wenig vollzählig, daß die ganze Mannszahl sich kaum auf 80,000 belief. Ferdinand, ihr Obcrgencral, dnrfie also die beyden französischen Armeen, die ihm auf alle Fälle weit überlegen waren, nicht zur Vereinigung kommen lasse». So» bald also Soubise (im Jul.) aufbrach, rückte Ferdinand bis nach Wirla, an der nordwest» liehen Seite des Herzogthums Wcstphalen, vor. Soubise nahm nicht weit davon, bey Unna in der Grafschaft Mark, eine sichere Stellung. Durch einen anhaltenden Marsch von z6 Stunden wollte-Ferdinand dem Sou» dise, in der Ebene von Dortmund, in den Rücken zu kommen suchen; durch den schlech» ten Weg wurden aber seine Colonnen aufge» halten, und Soubise rückte indessen bis nach Soest, östlich von Wcrla. Beyde Armeen trotzten nun einem Augrisse. Vroglio, der indessen über die Dimcl gegangen war, und den General Spörkcn zurückgedrängt hatte, stand nun (9. Jul.) bey Padcrborn, im Rücken von Ferdinand. Seine Vereinigung mit Scubise fand keine Hindernisse mehr. So So groß aber die Gefahr war, in welcher sich Ferdinand jetzt befand, so wurde diese durch die geringe Uebereinstimmung der beyden französischen Feldherren, und durch ihre zu weit getriebenen Vorsichtigkeitsmaßregeln, entfernt. Die vielen Nrcogno- scirungen der französischen Generale verriethen dem Herzog Ferdinand ihre Absicht. Bey einer derselben gerieth (16. Zul.) Bro- glio's Armee, bey dem Dorfe Fellinghausen, in ein unzeitiges Gefecht. Der unentschiedene Kampf wurde am folgenden Morgen erneuert. Die Franzosen mußten sich, mit einem Verlust von zooo Mann, zurückziehen; die Alliirten hatten nur halb so viel verlohren. Man glaubt, Broglio hätte, um die Ehre des Sieges allein einzucrndten, den Soubise an dem Angriffe nicht Theil nehmen lassen wollen. Soubise war indessen doch geneigt, ihm Hülfe zu leisten; aber er wurde durch seine Uutergeucralc davon abgehalten. Beyde Oücrftldherren der Franzosen machten nun einander Vorwürfe; beyde suchten ihr Benehmen zu rechtfertigen. Choiseul gab jedoch -58 jedoch beyden einen Verweis, »nd den anst drücklichcn Befehl zum Angriffe. Ihr bis» hcriger Verlust war so unbedeutend, daß sie vereinigt noch viel hätten wirken können. Sie waren jedoch, in Ansehung dcS Opera» tionsplanes, abermahls uneinig. Sonbise that den Vorschlag, Broglio's Armee mit Zo,ooo Mann zu verstärken, und sich als» denn in den Gebirgen hinter der Ruhr auf» zustellen; Broglto wollte sich hingegen det Weser nähern. Das französische Ministe» rium war mit diesem nickt übereinstimmen» den Operanonsplane sehr unzufrieden; allein das Versäumte war nun nicht wieder gut zu machen, weil Ferdinand indessen zwischen beyden Armeen eine vorthcilhafte Stellung eingenommen hatte. Die übrige günstige Jahreszeit wurde mit uichtsbewirkenden Mär» scheu uud Gegenmärschen zugebracht. Son» bise schickte seinem College» Brogiio noch io,oocz Mann. Der letztere wollte jetzt (im Ocr.) seinen Plan, das haniiöverische Land-zu erobern, endlich durchsetzen. Er gieug daher bey Höxter über die Weser.nach Gandcrsheim. Ferdinand blieb in der Ge» zend bey Hüpter ruhig stehen, bald Göttin» gen 159 gen bald Kassel bedrohend. Der Graf von der Lausitz, (so nennte sich der kursächsische Prinz Xaver) bemächtigte sich indessen (11. Oct.) der Stadt Wolfcnbüttcl, nachdem er sie durch ein zweitägiges Bombenfeuer heim« gesucht hatte. Die Residenzstadt Braun« schweig rettete (14. Oct.) der Prinz Friedrich August, der Sohn des regierende» Herzogs, von dem traurigen Schicksale, in einen Aschen- Haufen verwandelt zu werden. Er rückte mit sechs Bataillonen so schnell herbey, daß Xaver sich zurückzog, daß er auch Wolfen- büttel wieder räumte. Vroglio, der jetzt bey Einbcck stand, munterte den Prinzen Soubise vergebens auf, seine Unternehmungen auf der rechten Seite der Weser zu un« terstützcn. Dieser gieng vielmehr, nachdem der Erbprinz nach Westphalcn zurückgekehrt war, wieder »ach dem Rhein. Die Franzosen hatten in diesem Fcldzuge zwar manche Verwüstung angerichtet, aber keinen Fuß breit Land gewonnen. So klug wußte Fer« dinand ihrer überlegenen Macht Widerstand zu leisten. Indessen war Pitt, der auf die Wirksamkeit der alliirten Armee so großen Einfluß I6-Z fluß hatte, nicht mehr erster Minister von Großbritannien. Als er seine Theilnahme an den Beschlüssen des londoner Cabinets fast ganz verschwunden sah, erklärte er: die Stimme des Volkes habe ihn in das Ministe! rtum gerufen, und dem Volke glaube er da« her, wegen seines Verfahrens Verantwortung schuldig zu seyn; da er aber die Regierung nicht mehr nach seinen Einsichten leiten dürfe, so könne er auch nicht langer verantwortlich seyn, und er wolle sich daher dieser Lage lieber entziehen. Dieser Erklärung zufolge legte er nun (1761 Qct.) seine Mini- stcrstelle nieder. Wie sehr wurde sein Abgang von den Freunden des Vaterlandes bedauert! Das französische Ministerium schmeichelte sich schon mit der Hoffnung, daß Großbritannien mehr Neigung zum Frieden zeigen würde; allein der dirigircnde Vute wagte es nicht gleich, der Stimmung der Nation zuwider zu handeln. Er sorgte daher nicht nur für die Ergänzung der englischen Truppen in Deutschland, sondern er vermehrte sie auch noch durch ein neues Bataillon Berqsckouen. Die Armee der Mimten war noch nie so stark gewesen; doch die 102,OOQ I6l IO2,0OO Mann, aus welchen sie bestehen sollte, waren gewiß wieder nicht vollzählig. Das französische Heer zahlte in diesem Fcldzuge (1762) über Zo,ooo Mann wenis ger, als in dem vorigen. Man wellte, wegen der Fricdenshossnung, keine neuen Eroberungen machen, sondern nur die alten behaupten. Daher glaubte man auch den Marschall Broglio entbehren zu können. Broglio und Soubise hatten sich, als sie während der Winterquartiere zu Paris was rcn, damit beschäfftigt, den schlechten Erfolg des Feldzuges auf die Rechnung des andern zu schreiben. Die Hofparthey entschied jedoch für Soubise, An Broglio's Stelle kam der alte Marschall d'Elrees. Unter dem Prin» zen von Conde stand noch eine französische Armee am Niederrhein. Das französische Hauptheer zog sich (im Zum) bey Kassel zusammen; Ferdinand stellte, wahrend daß der Erbprinz den Prinzen von Conde beobs achlere, seine Armee an der Dimel auf. Um diese Armee von Hessen zurückzuhalten, nahmen die beyden Marschälle ihre Gallettj Weitg. i?r Th. L Stets 162 Stellung zwischen Kassel und der Dimel. Das schöne landgrafliche Lustschloß Wilhelms» thal war ihr Hauptquartier. Ferdinand» wollte sie hier (24. Irin.) überraschen. Sein vortrefflicher Plan würde, pünktlich ausge» führt, eine Niederlage der Franzosen zur Folge gehabt haben; aber einige Colonnen verspäteten sich, und der Verlust der Fran< zosen betrug daher nicht viel über 4200 Mann. Die Angst, welche die Marschalle über die ausgestandene Gefahr empfanden, war jedoch so groß, daß sie sogleich über die Fulda zurückgiengen. Ferdinand wünschte sie jetzt immer mehr hinter der Fulda zusammenzudrängen. Auf der steilen, mit Holz bewachsenen Anhöhe bey Lutternberg standen aber die Sachsen. Diese versäumten es, das Ufer der Fulda zu bewachen. Die Alt liirten setzten durch das Wasser, das ihnen bis an den Leib reichte, und die Sachsen wurden von ihnen (24. Iul.) so überrascht, daß sie 1200 Mann und iz Kanonen ver< lohren. Die sachsische Leibgarde zu Pferde machte, mit den von den Franzosen empfan« gcnen Pferden, ein schlechtes Probestück. Die französischen Marschalle hielten sich jetzt in l6z in der Gegend von Frankfurts) nicht mehr für recht sicher. Conde mußte vom Nicderrhein her zu ihnen stoßen. Die Vereinigung mit demselben erfolgte an der Nidda, nachdem sie, Göttingen und Münden räumend, (17 bis 26. Aug.) über Hersfcld und Hüncfcld sich zurückgezogen hatten. Der Erbprinz blieb dem Prinzen Conde immer zur Seite; dieser war jedoch zu wachsam, als daß er ihm zu einem günstigen Angrisse hätte Ges legenheit geben sollen. Die Franzosen bet setzten den Johannisbcrg bey Friedberg. Bey dieser Gclcgcicheilt wurde (zo. Aug.) der thätige Luckner von ihnen überrascht, und der Erbprinz, der ihm Hülfe leisten wollte, wurde so nachdrücklich zurückgetrieben, daß seine ganze Infanterie in Unordnung gcrieth. Der Erbprinz führte sie nun selbst noch eins mahl gegen den Feind, als ihm eine Muss ketenkugel durch den Unterleib fuhr. Die Alliirten büßten an diesem Tags 1400 Mann ein. Die französischen Marschällc rückten hiers auf (Sept.) wieder bis Gießen vor. Ferdinand stellte sich ihnen bey Homburg an der Ohm entgegen. Er wollte, um Kassel ruh;g bclas gern zu könne», sie aus dieser Gegend cnts L 2 fernen. /Z4 ferne». Dieß veranlaßte (21. Sept.) ein schreckliches Kanonenfcuer bey einer Brücke, das vielen Leuten, ohne Erfolg, das Leben kostete. Ueber die Belagerung von Kasse! (seit 16. Set.) führte der Prinz Friedrich, Ferdinands Bruder, die Aufsicht. Die Besatzung von 6700 Mann war so schlecht versehen, daß sie mit Brod von Hafer, Starke, Reis, und Kürbissen, und mit Pferdefleisch, sich begnügen mußte. Ein Pfund schlechtes Kuhfleisch galt zwey Gulden. Nach ?4 Tagen (am 1. Nov.) mußte die Stadt, deren Festungswerke noch ganz unbeschädigt waren, übergeben werden. Dieß war der letzte Auftritt des Krieges zwischen den Franzosen und den Alliirtcn. Frankreich und Großbritannien hatten indessen Frieden gemacht. Choiseul fühlte es zu lebhast, wie sehr der Stand der Ruhe für den Staat, dessen erster Minister er vorstellte, unentbehrlich war. Die Engländer halten den Franzosen fast alle ihre Colonien, die Stützen ihres Handels, weggenommen. Sie hatten sie aus Ostindien ganz verdrängt; Pondichery war (1761 Jan.) und Maho, eine wich- Z6; wichtige Niederlassung auf der Küste Malat bar (im Febr.) von den Englandern erobert worden. Diese hatten den Franzosen auch die westindische Insel Dominica weggenoni! wen. Ja sie bemächtigten sich (1761 April) sogar der nicht weit von der Küste von Vre! tagne entfernten Insel Belle Jslc. Die Stadt und Festung Palais wurde von 4000 Mann, über die St. Croix den Befehl führte, gut vertheidigt, und an der gegenüberliegen! den Küste stand der Duc d'Aiguillon mit 20,000 Mann. Allein es fehlte an einer Flotte, die ihn hinüber brachte. Die Eng« länder herrschten seitdem auch über den bis! cayischen Meerbusen, der sich zwischen Frank! reich und Spanien ausdehnt. Chviscul schickte hierauf den Grafen von Vussy, als einen Friedcnsunterhandler, nach London; dagegen kam der Lord Stanley, im Nahmen des Königs von Großbritannien, nach Paris. Indessen machte aber Choiseul noch einen Versuch, die große Ueberlegenheit der englischen Seemacht zu bekämpfen. Er beredte den König von Spanien, sich mit Frankreich durch das bourbonische Familien! bünd! 166 bündniß zu vereinigen, welches (1761 Aug. 15.) zu Paris unterzeichnet wurde. Dieses Bündniß, au welchem man auch Neapel und Parma Theil nehmen ließ, hatte hauptsacht lich die Absicht, jeden Krieg, in welchen einer von den Bundesgenossen gerathen würde, als einen gemeinschaftlichen Krieg zu bebaut dein. Frankreich verschaffte sich durch dieses Bündniß den Vortheil, immer einen Bunt desgcnossin zu haben, der, während eines Krieges mit Großbritannien, einen Theil der englischen Macht beschässtigte , UNI dem, den Engländern ganz ergebenen portugiesu scheu Reiche gegen denselben Schutz zu vers leihen. Um einen Vorwand zum Kriege zu haben, verlangte Bussy, im Nahmen des Königs von Spanien, daß Großbritannien demselt ben nicht nur einige weggenommene Han< delsschisse wieder zurückgeben, sondern auch der Bcftigniß, an der Hondurasbay, in der Statthalterschaft Guatimala, Campechcholz zu fällen, entsagen möchte. Pitl, der sich von dem bourbonischcn Familienbündnisse eine Abschrift zu verschaffen gewußt.hatte, behaupt tete l6? tete im Staatsrathe, daß man dem Könige von Spanien auf der Stelle, und noch vor der Vollendung seiner Rüstungen, den Krieg ankündigen müsse; Vute's Parthey über« stimmte ihn jedoch. Bald hatte man aber Ursache, die Weisheit von Pitts Rath zu fühlen. Die zu Cadiz erwartete Silberflotte war kaum angekommen, als die Sprache des madrider Hofes einen entschlossener!! Ton an« nahm. Spaniens Staatscasse und Armee befand sich damahls in einer guten Verfas« sung. Die Spanier hatten seit hundert Iah« rcn nicht so viele Kriegsschiffe gehabt. Ha« vannah, ihr wichtigster Ort in Nordamerika, war durch eine Flotte von iz Linienschiffen, durch eine ansehnliche Abtheilung von Kriegs« volk, und durch gute Festungswerke, gedeckt. Auch schmeichelte man sich mit der Hoffnung, daß sich Großbritannien, bey dem ungcheu« ern Anwachse seiner Nationalschuld, nicht noch in einen neuen Krieg würde einlassen können. Allein man irrte sich; Georg III kündigte (1762 am 2. Jan.) dem Könige von Spanien den Krieg an. Die bourbonischen Höfe fiengen nun ihre Feindseligkeiten gegen England damit an, daß 568 daß sie (im März) von dem Könige von Portugal die Bewilligung, Lissabon und noch drey andre Häfen seines Reiches mit ihren Truppen zu besetzen, verlangten: auch rückte, diese Bewilligung zu errroz- zcn, ei» spanisches Heer an die portugie- fische Gränze: Portugal blieb aber dem» ungeachtet seiner Ergebenheit für Großbritannien treu. Hierauf drangen 40,000 Spanier, die den siebzigjährigen Marquis de Sarria zum Oberbefehlshaber hatten, in drey Abtheilungen, in Portugal ein. Bald befand sich fast die ganze Provinz Douro und die Provinz traz os Montcs in der Gewalt der Spanter. Der Weg nach Porto stand ihnen offen, und die englischen Kaufleute entfernten sich schon. Die Spanier drangen zugleich in die Provinzen Bcira und Estremadura ein. Aber ihre Fortschritte wurden plötzlich gehemmt, als der Graf F', drich Wilhelm von Lippe-Bückeburg, der sich als einen der ersten Ingenieure dieser Zeit aus-eichucte, als oberster Befehlshaber der portugiesischen Armee, anlangte. Dieter hatte mir allen möglichen Hindernissen zu kämpfen. Das portugiesische Heer, das !6? das aus 17,000 zu Fuß, und 2400 zu Pferde bestehen sollte, hatte kaum die Hälfte von dieser Mannschaft; auch fehlte eS der» selben ganz au kriegerischem Geiste, und an Kriegszncht. Die 6000 Soldaten, die der König von Großbritannien seinem Bundes« genossen schickte, behandelten die Portugiesen so schlecht, daß sie von den erbitterten Leu« ten zum Theil niedergehauen wurden. Nei« dische Minister und Generale arbeiteten dem deutschen Feldherrn wetteifernd entgegen. Dennoch brachte es dieser dahin, daß die Spanier, die bald schlechtere Soldaten nlS die Portugiesen waren, alle portugiesische Provinzen wieder räumen mußten. Der sehr unbedeutende Fcldzug kostete dem Könige von Spanien 15,000 Mann und vieles Geld. Allein Spanien vcrlohr auch Havannah. Eine Florte unter dem Admiral Pokok vere setzte eine Truppeuabtheilung, die den Gra« fe» von Albemarle zum Oberbefehlshaber hatte (1762 Jun.) an den Ort ihrer Be« siimmung. Die englische Flotte gicng durch die alte Meerenge bey Bahama. Visher hacce man diese Durchfahrt für eine große Flotte »7" Flotte für unmöglich geholten. Noch neun Wochen (iz. Aug.) war der für den spani» scheu Handel so wichtige Ort erobert. Die Engländer bemächtigten sich auch, von Ost» indien ans, (6. Oct.) der reichen Handels» stadt Manilla auf der philippinischen Insel Lw""t. Spanien verlohr nun alle Lust, die» scn Krieg fortzusetzen. Da nun die Englän» der den Franzosen indessen auch noch die westindischen Inseln Martinique, Grenada, St. Lucic und St. Vincent weggenommen hakten, so fühlte das französische Ministeri» um den lebhaftesten Drang, den Staat ans diesem Kriege herauszuziehen. Die Nation hatte, durch die gänzliche Hemmung ihres Handels gar zu sehr gelitten. Das viele Subsidiengcld, das man nach Deutschland schickte, und das die englischen Capcr weg» nahmen, hatte einen so fühlbaren Mangel an klingender Münze nach sich gezogen, daß, um diesem Uebel abzuhelfen, der König, die Prinzen vom königlichen Hause, und die Herren vom hohen Adel, ihr Silbergeschirr in die Münze schickten. Dieses Mittel war jedoch nicht hinreichend. Unter diesen Umstanden konnte cS das französische Mi» niste» r?l nistcrium dem Besten Frankreichs unmögs lich angemessen finden, einen Krieg, der demselben jahrlich zo Millionen Thaler kos stete, länqcr fortzusetzen. Dach auch die englische Nation verlohr die Lust, diesen Krieg, der igm einen jährlichen Aufwand von 50 Millionen Thaler verursachte, der die Interessen seiner Staatsschuld mehr als verdoppelte, länger fortzusetzen. Bute, der jetzt die Staatsverwaltung nicht mehr mit Put theilte, hatte daher -keine grgße Mühe, den König und die übrigen Minister, für den Frieden zu stimmen. Choiseul, dem diese Gesinnungen nicht lange unbekannt blieben, schickte (1762 Sept.) den Duc de Nlvers nois nach London. Zu Paris erschien der Herzog von Bcdford. Die Unterhandlungen erforderten keine lange Zeit. Da Bute von Pitts Plan, das Haus Vourbon in eine für Großbritannien ganz unschädliche Lage zu versetzen, abgteng, und Nivernois ein Meister im Unterhandeln war, so kam man schon nach einigen Wochen (1762 am z. Nov.) zur Unterzeichnung der Präliminarien. Dieß geschah auf dem Jagds schlösse 172 schlösse Fontainebleau. Der feyerliche Friedensschluß erfolgte zu Paris (176z am icz. Febr.) Diesem trat auch Portugal bey, welches also, so wie Großbritannien, mit Frankreich und Spanien sich wieder aus- sehnte. Frankreich mußte, für Belle Jsle, Minocca wieder herausgeben. Die Festungswerke von Dünkirchen sollten, sowohl auf der Land- als Seeseite, geschleift werden. Zn Amerika verlohr Frankreich ganz Canada bis in die Mitte des Flusses Missisipi, ungleichen das Cap Breton, nebst der dortigen Fischerei), und die Inseln Grenada, St. Vincent, Dominica, und Tabago. In Ostindien bekam es zwar Pondichery und Mahü wieder; es wurden ihm aber in ganz Bengalen nicht mehr, als drey schwach besetzte Factoreyen, erlaubt. In Afrika mußten die Franzosen den Englandern den Senegal, und alle mit demselben verbundenen Besitzungen und Rechte, abtreten. Spanien überließ, um Havannah, uud das auf Cuba weggenommene, wieder zubekommen, den Engländern Florida, und die fernere Befugniß, das Campe- !?Z Campecheholz zu benutzen. Portugal kam wieder in seine vorige Lage. Elfter Abschnitt. Friedrichs und der Marie Thercsie Mittel, den Krieg fortzusetzen, Butturlin und Landen handeln vereinigt mit zu wenig Uebereinstimmung. Schweidnitz von Laudon überrascht. Friedrich in großer Gefahr. Colbcrg von den Russen eingenommen. Friedrichs bedenkliche Lage. Peter m sein Freund, sein Bundesgenosse. Schweidnitz von den Preussen wieder erobert. Heinrichs Sieg bey Frcybcrg. Kleist streift nach Franken. Friede zu Hubertsburg. Friedrich II, dem Frankreichs Feindschaft jetzt nicht länger Bcsorgniß machte, hatte schon früher das Glück gehabt, Nuß» land aus der Reihe seiner Feinde abtreten zu sehen. Vorher bestand er jedoch noch einen harten Kampf, der ihn seinem Untergange 174 gange nahe brachte. Am Ende des letzten Fetozugcs (1760) wo ihm der Sieg bey Torgan den Besitz von Sachsen rettete, strengte er alle Kräfte seines Geistes, und «ille seine Erfahrung an, um die zur Fort« setzung des Krieges erforderlichen Mittel anst zutreiben. Seine vornehmste Quelle blieb noch immer Sachsen. Die Stadt Leipzig, welche die Reichsarmee etwas zu bereitwil« lig aufgenommen haben sollte, wurde zu um geheuer» Geldsummen, und zu unerschwing» liehen Lieferungen verurtheilt. Eine halbe Million Thaler, die schon bezahlt worden war, reichte noch nicht hin. Die Stadt sollte noch 600,000 Thaler aufbringe». Ber« gebcus stellte der Magistrat die Unmöglich« keit vor, dieser Forderung Gnüge zu leisten. Die vornehmsten Magistrarspersoncn und Kaufleute hatten nun das Schicksal, vier Monathe hindurch im Gefängnisse, als Missethäter, behandelt zu werden. Man wollte sie sogar als Necrurcn nach Magdeburg schaffen. Zum Glücke befand sich Gotzkows« ky, den wir schon als den Netter von Ber« lin kennen lernten, in Leipzig. Dieser brachte es.(i7<5i Han.) dahin, daß sich der König mit 800,000 l?5 800,000 Thalern begnügte. Indessen waren viele Menschen vor Gram gestorben, Nnd viele waren weggezogen. Der Handel stockte, nnd die berühmten Messen waren von Jahrmarkt ten wenig verschieden. Ein andres Mittel, wodurch Friedrich sich Geld verschaffte, war die hohe Verpachtung der Münze. Er hatte dieselbe den beyden berlinischen Juden, Ephraim und Itzig, ver» kaust. Die Summe, die sie dafür entricht teten, wurde jährlich erhöht. Sie betrug zuletzt sieben Millionen Thaler. Mit dee Erhöhung des Pachtgeldes sank natürlich der Werth der Münzsorten. Die Eindrittelt stücke, die nicht allein unter preussischen, sondern auch unter sächsischen, meklenburgit schcn und anhaltbernburgischen Stempel aust geprägt wurden, waren zuletzt so geringhalt tig, daß ein alter Friedrichsd'or gegen 20 Thaler von dieser Münze verwechselt wurde. Dieses Erwerbmittel wurde bald nachgeahmt. Kleine Fürsten, und Schweden, nahmen zu demselben gleichfalls ihre Zuflucht. In Virt mingham, und in Holland, wurden ganze Fässer von so schlechtem Gelde gemacht. Das Uebel l?6 Uebel breitete sich, aller Verbothe des Kai» fers und der RcichSkreisc ungeachtet, immer weiter aus. Theuerung und Verarmung wa» ren die unvermeidliche Folge desselben. Dem Könige fehlte es nun fast weniger an Geld, als an Recruten. Seine meisten Lander konnten ihm keine Mannschaft mehr stellen- Desto mehr junge Leute mußten Sachsen und Meklenburg liefern. Der geschäfflige Colig» nvn warb alle Nationen für die preussische Armee. Er schonte kein Land; aber er brachre seine Leute auch in der grüßten Ge» schwindigkcit zusammen. Friedrichs Gegnerin, Marie Theresie, befand sich in keiner geringern Verlegenheit, die Mittel zum künftigen Feldzugc aufzutrei, bcn. Ihre Unterthanen mußten eine Vcr» zuögcnSsteuer von zehn Procent entrichten. Eine päbstliche Erlaubniß berechtigte sie, sich von allen Stiftern den zehnten Theil ihrer Einkünfte geben zu lassen. Dennoch wurden die Staabsofficiere bis zum Major blos mit Staarsobligarionen bezahlt, die sie, mit Ver« Zlust, bey einer vom Kaiser Franz errichteten Bank in baares Geld umsetzen konnten. Mit ebm 177 solchen Obligationen wurden auch die meisten Lieferungen bezahlt. Vermögende Patrioten liehen der Kricgseasse ansehnliche Beyträge zufließen. Der Fürst Wenzel von Lichten- stein übernahm die Unterhaltung eines Theiles des östreichischen Artilleriecorps. Die Frauenzimmer zupften für die vaterländischen Helden, die den .Wunden trotzten, ganze Fuder von Charpie. Der Nalionalhaß, der auf den Gang der Kriege einen entscheidenden Einfluß hat, wurde zwischen den Sestrcichern und Preussen immer stärker angestammt. Die Ocstrci- chcr behandelten die preussischen Kricgsge- fangnen unbarmherzig. Sie zwangen sie zum Theil zum Kriegsdienste. Die Offeriere die man in kleine Städte verlegte, bekamen oft keinen Sold. Fonquet, der sich derselben mit zu lebhafter Wärme annahm, wurde, als ein Majcstätsvcrbrccher, nach Karlstadt in Croaticn gebracht, und in eine Festung eingesperrt. Des Vergcltungsrcchtes wegen ließ Friedrich die östreichischen Generale, die sich in seiner Gewalt befanden, auf die Cittadelle zu Magdeburg setzen. Eallttti Weltg. i/r Th. M Dafür 178 Dafür schickten die Oestrcichcr die preussisclicn Generale nach Kuffstcin in Tyrol. Friedrich schonte nnn auch die östreichischen General- lieukenante nicht, und einer derselbe» wurde sogar mit Gewalt eingeschlossen. Marie Thsresie rechnete noch immer auf die Wiedcrerobcrnng von Schlesien. Obgleich Friedrich schon viel verlohrcn hatte, so blieb ihm in Schlesien doch noch manche Festung übrig. Man brauchte daher in diesem Lande zwey Armeen; mit der einen wollte man die Festungen zu erobern suchen, mit der andern die Belagerungen decken. Die russische Armee unter Bnttnrlin sollte sich mit Lauhon vereinigen. Dieß bildete zusammen eine Kriegsmacht von 120,000 Mann. Diesen konnte Friedrich nichr mehr als 58,c>ooStreitcr entgegenstellen, wahrend daß sein Bruder Heinrich mit Z2,ooo Mann die Fortschritte des weit starker» Danns, und der Reichsarmee, deren Oberbefehl von dem Herzoge von Zweubrücken an den Feldmarschall Serbclloni üdergegangen war, aufzuhalten suchte. In Pommern mußte Friedrich, der Festung Loiberg wegen, auch eine Abrhci- I?y Abtheilung von seinen Truppen stehen lassen. Nur au der Hand des Glücks entgicng der König der großen Gefahr, die über ihn her« einzubrechen drohete. Laudon kündigte den bis zum 26tcn May verlängerten Waffenstillstand schon am 28tcn April auf. Er wollte der Truppcnabthci« luug, mit welcher Golz in Schlesien stand, Finks und Fougucts Schicksal zu bereiten; Golz vereitelte jedoch diesen Plan durch seine Wachsamkeit. Friedrich eilte nun (im May) mit einem Theile seines Heeres nach Schle« sicn. Von Strehla aus legte er in ic> ?a« gen zi Meilen zurück. Er gönnte seinen Leuten nicht mehr als einen Ruhetag; aber sie fanden auch überall, wo sie hinkamen, einen wohibeschtcn Tisch. Bey Schweidnitz zog Friedrich (16. May) einen Theil des golzischen Heeres an sich; mit dem Ueber« reste, 12,000 Mann, mußte Golz gegen Glogan vorrücken, um den Marsch der Ruf« scn zu beobachten. Diese waren noch mit Vorbereitungen zu ihrem Feldzuge beschaff« ligt. Golz that daher seinem Könige den Vorschlag, die noch abgesonderten Abrhei« M 2 lungett iZo lungen der Nüssen von 8000 Mann unter dem General von Schmctcau einzeln angreis fen zn lassen. Eben raffte jedoch den bra- von und einsichtsvollen Feldherrn eine Krankheit hinweg. Ehe sein Nachfolger, Ziethen, anlangte, hatten sich die Abtheilungen des russischen Heeres schon aneinander angeschlossen, und Ziechen bekam von seinem Könige den Vcfchl, nach Vreslau zurückzukehren. Laudon machte einen vortrefflichen Plan, dem Könige die Verbindung mit der Festung Neiße zu entziehen; aber an der Ausführung desselben hinderten ihn falsche Nachrichten, die ihm ein Officicr des Generals Brentano brachte. Indessen bemächtigte sich Friedrich, durch eine äusserst gewagte, jedoch meisterhaft ausgeführte Bewegung, der Anhöhen bey Großnafsen, die ihm die Verbindung mit Neisse versicherten. Die Vereinigung der Scsireicher und Nüssen, die in Sbcrschlesicn erfolgen sollte, mußte nun in Nicdcrschlcsien versucht werden. Die russische Armee marschierte, nach Vutturlins politischen Rücksichten, nur sehr langsam. Sie legte in einem Tage oft nur eine Meile zurück. Dennoch !8l noch richtet- Laudon, von der Menge seiner leichten Truppen unterstützt, seine Bewegung gen mit so vieler Klugheit ein, baß Frie- brich dessen Absicht, der Vereinigung mit den Nuss-n sich zu nähern, erst nicht errathen, und, als er sie endlich merkte, sie nicht mehr vereiteln konnte. Laudon und Butturlin umarmten sich bey Jaucr (12. Aug.). Allein ihr Herz hatte an dieser Umarmung wenig Antheil. Keiner traute dem andern; jeder war mit dem andern unzufrieden. Laudon machte dem Butturlin seinen langsamen Marsch zum Vorwürfe; Butturlin glaubte, Laudon hatte den günstigen Zeitpunkt versäumt, die Abtheilungen der Preussen einzeln anzugreifen. Friedrich hatte jetzt die Russen vor sich, und die Oestreichcr auf der Seite. Es glückte ihm, die Anhöhen bey dem Dorfe Vunzclwitz zu besetzen. Diese verschafften ihm den Vortheil, nicht nur eine Belagerung von Schwcidnitz zu verhindern, sondern auch Vrcslau von einem Angrisse zu sichern. Um sich auf diesen für ihn so wichtigen Anhöhen zu behaupten, machte er aus ihnen ihnen eins, jedem Angriffe trotzende Festung, ließ er seine Leute bey Tage schlafen, und mit dem Nctraiteschuß wieder unter das Ge, wehr treten. Laudon zog sich nun erst von dem Gebirge herab, tn die Ebene, um sich an die Russen naher anzuschließen. Die beste Jahrszeit war jedoch schon verstrichen, und noch hatte die große vreinigte Macht ihre Ueberlegeuheit nicht benutzt. Laudon mußte mit Recht die Vorwürfe seiner Mo- liarchin befürchten. Laudon und Bntturlin hielten emcn Kricgsrath; jener wollte angreifen, und dieser nur einschließen, An der Tafel, bey einem Glase Wein, hatte (zv. A»g.) Btttturlin (wie Friedrich erzählt) dem Entschluß«: des Angrisses seinen Beyfall gegeben; er besann sich aber, als er den Rausch ausgcschlafen hatte, wieder anders. Laudon sah nunmehr alle seine schönen Aussichten, sich Ruhm und Ehre zu erwerben, vereitelt, er sah, die Hoffnung, Schlesien zu erobern, verschwunden. Noch einmahl begab er sich selbst zu Bntturlin: noch einmahl gab er sich alle Mühe, ihn dem Angriffe geneigt zu machen; aber der russische i8Z sche Feldmarschall bewilligte ihm blos auf den Fall, wenn die östreichische Armee ange« griffen werden sollte, die Hüsse einer Trup« pcnabtheilung. Der Verdruß den Landon deswegen empfand, zog ihm eine Gallen« colik zu, die ihn zwey Tage peinigte. Er entwarf hierauf (im Sept.) den Plan zu einer Schlacht; er wagte es, den Russen ihre Rollen auszutheilen. Dieses diceatori« sehe Vorgreifen bewirkte, daß die bisher gc« heuchelte Freundschaft des auf seine Ehre und sein Dienstaltcr stolzen Butturlins in Kaltsinn, und in ein entschlossenes „Nein" übcrgieng. Vutturlin zog sich, eine Trup« penabthciluug von 20,000 Mann unter Czcr« nichcw bey den Oestrcichcrn zurücklassend, mit der Hauptarmee nach Jaucr, und nach der Oder, zurück. Laudon wendete sich nun wieder nach dem Gebirge, und Friedrich war durch die geringe Uebereinstimmung, mit welcher seine Feinde handelten, der gro« ßen Gefahr, die ihm drohete, glücklich eim gangen. Friedrich, der sich jetzt wieder freyer be« wegen konnte, schickte den General Platm mit 184 mit 8c>oc> Mann nach Brcslau. Der ei^t schlossene Mann sollte die nissischen Maga- zinc in Polen vernichte». Bey dein Kloster Gosti» überraschte er (12. Sept.) einen großen Vorrath, der zur russischen Armee geschafft werden sollte. Von den 5000, die demselben zum Schuhe dienten, wurden 600 getödtct, und 2000 gefangen. Das Maga- zin stieg in Ranch auf. Vierzehn Tage hernach (zo. Sept.) verließ Friedrich seine bisherige Stellung bey Vunzclwitz. In Schwcidnih war nur noch auf einen Monath Vorrath übrig. Die Zuführe aus Vres- lau konnte nur unter dem Schutze einer starken Bedeckung hcrbeykommcn. Friedrich näherte sich daher den Magazinen in Neiße. Laudo» ließ ihn in Frieden ziehen. Seine Entfernung both ihm zur Ausführung einer wichtigen Unternehmung eine günstige Gelegenheit dar. Das Innere der Festung Schwcidnih, von welcher sich Friedrich jetzt entfernte, war vielen Officicrcn von Laudons Armee noch bekannt. Unter den Kriegsgcfangncn befand sich ein Osficier, der dem Laudon sehr zweckmäßige i85 mäßige Anschläge zukomme!! ließ. Die Besatzung bestand nur aus z8or> Mann. Sie zählte zu wenig Artillerie. Verschiedene Werke waren sehr vernachlässigt. Die Ca- valleris - Patrouillen, die des Nachts die Festung umritten, blieben zu sehr in der Nahe. Die O-streichcr, unter welchen sich nur 500 russiche Grenadiere befanden, näherten sich der Festung wahrend der nächtlichen Grille. Laudon untersagte seinen Leuten die Plünderung; er versprach ihnen dafür eins Belohnung von 100,000 Gulden. „Führen sie uns nur au," riefen ihm die wallonischen Grenadiere zu; „wir wollen kein Geld!" Hierauf näherten sich 00 Vataliione, in vier Colonncn, mit Leitern und Faschinen, unbemerkt den Ausfemv-rken. Zastcow, der Befehlshaber der Besatzung, hatte, gewarnt, am vorhergehenden Nachmittag (zo. Sept.) die Besatzung ins Gewehr gerufen, und auf die nöthigen Posten vertheilt. Er selbst wohnte nicht, wie man ihm Schuld giebt, einer Tanzgcfellfchaft bey; er befand sich vielmehr auf dem Hauptwalle. Die Befaz- zuug unterhielt in den Werken beständig ein kleines Gewehrfeucr. Die Artillerie that von ,86 von Zeit zu Zeit einige Kanonenschüsse. Um so weniger konnte man ( i. Oct.) das Ans rücken der O-streichcr hören. Zasirow hatte seiner Reserve keine bestimmten Befehle ac- geben. Die Verwirrung ward daher bald herrschend, als die östreichischen Grenadiere, ohne einen Schuß zu thun, mir gefälltem Bajonet, in den bedeckten Weg eindrangen, und die Russen, gleich Unsinnigen, so hereinstürzten, daß sie übcr die Leichen ihrer Camcradcn, mit weichen sich eine unerwartete Tiefe anfüllre, hinüberkiettcrtcn. Zugleich setzten sich 250 östreichische Kriegsgefangne, die sich im Wasserfort befanden, in Freyheit. So wurde die preussische Besaz- zung schnell überwältigt; doch kostete es den Oestreichcrn 1490, und den Russen 100 Mann. Jene plünderten, des Verboths ihres Obergcncrals ungeachtet. Die Russen sahen ruhig zu. Zastrow's Bericht an seinen König ficng sich an: ,,Sire, alles ist verloh- ren, nur die Ehre nichtFriedrich fand seine Rechtfertigung so hinlänglich, daß er den Vorfall für ein Räthsel erklärte, übcr welches er sein Urtheil verschieben wollte. Zastrow bekam auch erst nach dem Kriege seinen Abschied. An, l3? Anstatt dcr Belohlmngcn und der Lobpreisungen, die Laudon von seiner Monarch«? erwartete, wurden ihm von der Marie Thcrcsie Verweise zu Theil. Der Hofkriegsrats» konnte es ihm nicht verzeihen, eine so wichtige Unternehmung, ohne seinen Vefehl ausgeführt zu haben, und kaum rettcie der Kaiser Franz, der Vertraute seines Vorhabens, die kältere Uebcrlegung des Funken Kaunitz, und dcr machtige Einfluß des alren Licktenstein, den General ohne Ahnen, ohne Protcction, dcr sich blos durch seine Talente vom Eroatenmajor emporgeschwungen hatte, von dcr Ungnade dcr Monarchin. Friedrich konnte Schweidnitz jetzt nicht wieder erobern. Laudon konnte seine Eroberungen weiter treiben, wenigstens seine Winterquartiere im schlesischcn Gebirge behaupte». Friedrichs Lage war im ganzen Kriege kaum so bedenklich gewesen. Seine Soldaten fiengcn an, den Muth zu verlieren. Fncdnch versammelte daher die vornehmsten Officiere seiner Armee. Er schilderte ihnen seine Ungiücksfalle, seine Hoffnungen. Jedem von ihnen sollte es freistehen, seinen Dienst IL8 Dienst zu verlassen. Keiner bediente sich dieser Erlaubniß. Das Verlangen »ach einer Schlacht war fast allgemein; aber Laudon wich derselben geflissentlich ans. Um sowohl Neiße als Vreslau zu decken, und LandouS Fortschritte zu hemmen, wählte Friedrich bey Strchlcn, zwischen Schweidnitz und der Oder, eine Stellung, wo ihn Laudon in ungestört tcr Nuhc ließ, weil ihn der Befehl des Hoft kricgSrathcS auf die Vertheidigung, und die Winterquartiere zwischen Schweidnih und Böhmen, einschränkte. Der Wunsch, den großen Mann, den man mit offener Gewalt nicht zu unterdrük- kcn vermochte, auf eine hinterlistige Weife aus der Welt zu schaffen, mochte zu Wien manchem schon in den Kopf gekommen seyn. Zu der Nähe von Strehlen, wo Friedrich sein Hauptquartier hatte, lebte der Baron von Warkotfch, ein fchlesischer Edelmann, der in seiner Jugend in östreichischen Kriegsdiensten gewesen war, von einem .Vermögen von Zoo,czoo Thalern. Dieser genoß Friedrichs Gunst so sehr, daß er ihn von allen Kricgsabgaben befreyte, daß er ihn au seiner ih'9 „er Tafel, und in seinem Umgänge, liebreich aufnahm. Dennoch entwarf der von seinen Mirstanden beneidete Günstling Friedrichs einen Plan, der dem Leben oder der Freyheit des Königs drohcte. Dieser Plan sollte schon einige Monathe früher (15. Aug.) ausgeführt werden, als Friedrich in Schönbrunn, einem warkotschen Dorfe, übernachtete. Zu dem Zimmer, wo Friedrich damahls schlief, führte eine verborgene Thür und Treppe. Aber durch Zufall schloß sich am Abend vorher das ziethensche Corps, das eben seine Stellung veränderte, um Schön- brunn an. Warkotsch mußte daher die Ausführung seines Planes bis zu einem günstigern Zeitpunkt verspüren. Dieser war nun gekommen. Friedrich hatte in dem 400 Schritte von Strehlen entfernten Dorfe Weisclwitz nicht mehr als eine Grcnadier- compagnie, von welcher zo Mann auf der Wache waren, zur Bedeckung. In der Nähe war ein Wald. Derjenige, der mit Warkotsch Friedrichs Ucbcrraschung vcrabrcd- te, war der Graf Wallis, der Befehlshaber des laudouschcn Regiments. Warkotsch brauchte seinen Jäger Kappel zum Bothen, und und ein benachbarter Pfarrer, Nahmens Schmidt, sorgte dafür, das, die Briefe rtch» tig bestellt wurden. Die Nacht des zosten Novembers war die zur Ausführung be» stimmte Zeit. Allein Kappel, dem War» koisch seine Briefe, ehe er sie von ihm zu» siegeln liest, erst vorlas, der glaubte, als der Theilnehmcr an einem so wichtigen Ge> Heimnisse, seinem Herrn Trotz biethen zu können, und der war, als er in der un» freundlichen Novembernacht, nach den müh« samen Anstrengungen des Tages, abermahlS einen Brief überbringen sollte, des Handels endlich so überdrüßig, daß er den Brief nicht zu Schmidt nach Schönhuben, sondern zum lutherischen Pfarrer zu Schönbrunn, dem biedern Gerlach, brachte. Dieser bath ihn dringend, dem Könige den Brief sogleich zu überreichen. Warkolsch und Schmidt ent» wischten; doch Friedrich sprach dem erster» den Besitz seiner Gülher ab; auch ließ er ihn, nebst dem Priester, im Bildnisse vier» theilen. Ääppel erhielt eine Forstbcdicnung. Gerlach starb, uubclohnt, in Armuth. Der Hof zu Wien leugnete alle Theilnahme a» diesem Plane standhast ab- Die Familie der i9i der Grafen von Wallis wollte den Mitvcr- schwornen des Warkotsch nicht für ihren Verwandten anerkennen. Warkotsch starb, nach langem Hernmirren, in Ungern, wo er mit dem kleinen Iahrgehalt von Zoo Gulden, den ihm Marie Thercsie als ein Allmoscn zugestand, sich begnügen mußte. Während daß Friedrich durch seine Klugheit und sein günstiges Schicksal der großen Uebcrlegenheit seiner Feinde glücklich auswich, behauptete sich sein Bruder Heinrich standhaft bey dem Besitze von Sachsen. Zwar beließ sich die daunsche Armee, seitdem sie an Laudon einen großen Theil ihrer Leute hatte abgeben müssen, nur noch auf zo,ooo Mann; allein die Neichsarmce unter Serbclloni, die 20,000 Streiter zählte, war zu ihrer Unterstützung in der Nähe. Bey Heinrichs Heere, das Z2,ooo Köpfe zählte, waren verschiedene Regimenter noch nicht vollzählig, und die meisten Freybatallione sicngcn erst an, ihre Mannschaft zu sammeln. Dann stand, nicht weit von Dresden, an bei,den Seiten der Elbe; die Neichsarmee dehnte sich vom Vogt- lande bis an die Saale aus. Heinrichs Heer stand IY2 stand bis Nvstiz hin. Von zwey Armeen in der Nähe bedroht, mußte er auf die französischen Unternehmungen gegen Magdeburg und Hal- bcrstadt seine Aufmerksamkeit richten, durste «r auch die Schweden in Pommern nicht ganz vernachlässigen. Doch Dann lies: sich, die großen Unternehmungen in Schlesien ab- wartend, nur auf den kleinen Krieg ein. In diesem zeichneten sich auf der Seite der Preussen der General Seydlitz und der Oberste Kleist, auS. Der letzte, der Inhaber eines Hnsarcnrcgiments, warb, aus Patriotismus, 5 Schwadronen Frepdragoncr, und i Va- tallion sogenannter Croatcn, an. Die grsi- ncn Röcke, und die Bärcnmutzcn von jenen, lockten viele jünge Leute herbey. Sie waren der Schrecken der Feinde, vornehmlich der Reichs- armee,. und Kleist gehörte zn den ersten Par- thcygangern. Solche Officicrc brauchte Heinrich, um während der Zeit, daß er bald gegen die Franzosen, und bald gegen die Schweden, Abtheilungen von seinem Heere sclstckcn mußte, seine Feinde in der Furcht zu erhalten. Die Schweden sollten den Russen, welche Lolbcrg abermahis einschlössen, keinen Beystand I9Z stand leisten. Schon zu Anfang des Juns (1761) verschanzte sich eine Abtheilung der Nüssen, vor Colberg, zwischen der Ostsee und der Pcrsanlc. Endlich erschien auch eine russische Flotte auf der Nhede von Rügen« walde, die Geschütz und Kriegsvolk mit« brachte. Die Zahl der zur Belagerung Colt bcrgs bestimmten Russen, über die Roman« zvw den Oberbefehl führte, belicf sich nun auf 24,000 Manu. Diese schlössen (Sept.) zugleich mit der Festung, das preussische Corps unter dem Herzoge von Wirtemberg ein. Sie belagerten es so regelmäßig, daß sie sich dem« selben sogar in Laufgraben näherten. Einen Sturm, den sie wagten, schlugen jedoch die Preussen so tapfer zurück, daß die Russen Zoos Mann verlohren. Im Lager der Prcus« sen wurde aber der Mangel an frischem Wasser, und an Lebcnsmittcln, immer fühl« barer. Sie freuten sich daher ausserordent« llch, als die vereinigte Flotte der Russen und Schweden, zu Anfang des Ocrobers, von einem heftigem Sturme weggetrieben wurde. Nomanzvw wurde von Butturlins Armee »erstärkt. Zwar vereinigten sich (4. Oct.) Eallelli Wcitg. i/r Tb. N mit l?4 mit WlrtembergS Mannschaft noch die Abtheilungen der Generale Platzn und Scheu- kendorf; die ganze Macht der Preussen, die Colberg beschützen seilte, belief sich aber doch nur auf 15 - r 6,000 Mann. Der General Knoblauch, der von Trepww, im Bezirke von Grcifcnberg, an der Spitze von 2000 Mann, einen Vorrath abholen sollte, wurde von siooo Russen angegriffen, und wußte, nachdem er sich hinter den schlechten Mauern fünf Tage lang vertheidigt hatte (2z, Ott.) in die Kriegsgefangenschaft einwilligen. Wir- temberg verlohr dadurch alle Verbindung mit Stettin. Der Maugel an Fütterung und an Holz wurde immer drückender. Man mußte zuletzt die Hauser abbrechen, um sich gegen die Novcmberkälte zu schützen. Nomanzows Heer wuchs indessen bis auf 40,000 Mann an. Wtttembcrg und Platcn waren von der Gefahr, von den Russen ganz eingeschlossen zu werden, immer mehr bedroht. Um derselben zu entgehen, setzten sie über den Fluß Nega. Obgleich die Russen alle Kahne und andre Fahrzeuge zertrümmert hatten, gieugcn die Preussen (am 14. Nov.) über einen Damm, wo ihnen freylich das Waffe 195 Wasier bis an die Knie reichte, doch hin» über. Heiden, der nun in Colberg sich selbst überlassen war, sehte seine Standhaftigkeit aber demungeachtet fort. Der Vorrath an Brod reichte jetzt kaum hin, jedem Soldat ten taglich i Pfund zu reichet». Wirtembcrg machte (im Dec.) einen Versuch, der be» drängten Festung einige frische Lebensmittel zuführen zu lassen; allein der Schnee war so rief, und die Kalte so groß, daß, ohne daß der Zweck erreicht wurde, viele Leute ihre Glieder erfroren, oder gar umkamen. Zu Zeit von einem Monathe starben i,ioo Menschen. Viele liefen aus Mifimurh da» von. Ein Handelsschiff mir Korn, welches zum Glück vorbey kam, half der Besatzung wieder auf 14 Tage fort. Um ihr einige Erleichterung zu verschaffen, gieng Werner mit einer Abtheilung von Cavallsrie nach Treptow, im Rücken der Russen; aber er benahm sich dabey so unvorsichtig, daß er sich überfallen, und mir vielen von seinen Leuten gefangen nehmen liest. Heiden begoß seine Wälle mit Wasser, um sie spiegelglatt N 2 zn i?6 zu macheu; aber der mächtige Feind, den er in ssiner Mitte hatte, der Hunger, nöthigte ihn endlich (16. Dec.) doch, die Festung zu übergeben. Indessen hatte der Oberste Bell ling mit seinem Husaren < Regiments, und einem Frcybarallione, die im Nothfälle vier Batallione Landmiliz unterstützten, die schwc- tusche Armee abgehalten, den Russen Hülfe zu leisten. Die Ocstretcher hielten in Schlesien, und die Russen in Pommern, zum erstenmal)! Winterquartiere. Zn Sachsen waren die Ocstrei« cher und Rcichstruppen viel weiter, als in den vorigen Feldzügcn, vorgedrungen. Frie- brich hatte drey Festungen verlohren. Sein Heer war ausserordemlich zusammengeschmolzen. Auf 20,000 von seinen Soldaten; die sich in der östreichischen Gefangenschaft befanden, wollte Marie Thcrcsic nicht auswechseln lassen. Die Zahl der Ausreißer war sehr groß, und der Wirkungskreis des Generals Werner schrankte sich immer mehr ein. Diese traurige Lage, in welcher sich Friedrich am Ende des Feldzugcs (1761) befand, machte seinen Feinden Hoffnung, seinen Untergang °>! l?7 zu vollenden. Marie Thercsie dachte sich die Wiedercroberung Schlesiens so gewiß, daß sie schon allerley, vornehmlich den Handel betreffende Einrichtungen, in diesem Lande machte; daß sie (1761 Dcc.) bey jedem Re< gimente drey Compagnien einzog, und die Armee um 20,000 Gemeine, und 1500 Oft ficicre, verminderte. Friedrich fühlte auch das Traurige seiner Lage jetzt inniger, als sonst. Ganz in sich gekehrt, sprach er, selbst mit seinen Vertrauten, sehr wenig; speisete er gewöhnlich allein; hielt er keine Parade, machte er keinen Spazierritt; legte er sogar die Flöte weg. So sichtbar das Lebensende der Kaiserin Elisabeth hsrannahete, so wenig rechnete doch Friedrich darauf, weil er sich vom Glücke ganz verlassen glaubte, und um so angenehmer überraschte ihn endlich die Nachricht von ihrem (1762 am 5. Januar) wirklich erfolgten Tode. Peter III, der Nachfolger der Elisabeth, war, wahrend dem Kriege gegen Preussen, nicht in dem Sraatsrathe erschienen. Er hatte seine Abneigung gegen diesen Krieg merklich geäußert. Um so eher durfte ihm Frie, 198 Friedrich zu seiner Thronbesteigung Glück wünschen, durfte er ihm seinen Wunsch, mit ihm in ein freundschaftliches Verhältnis zu kommen, zu erkennen geben. Peter schickte den Obersten Gudowitz, seinen Günstling, un< ter dem Verwände, dem Fürsten von Zcrbst, seineni Schwager, einen Beweis seiner Achtung zu geben, nach Deutschland. Dieser erhielt die geheime Weisung, über Breslau zu gehen. Friedrich, dem er hier aufwartete, machte es ihm ohne viele Mühe begreiflich, daß zum Kriege zwischen ihm und Rußland gar keine Ursachen vorhanden waren. Er schickte auch sogleich den Herrn von Golz, als seinen ausserordcntlichen Gesandten, »ach St. Petersburg, um noch vor Eröffnung des neuen Feldzuges mit dem Kaiser zur Nichtigkeit zu kommen. Elisabeth hatte sich, nock auf ihrem Todbette, vom Senat das Versprechen geben lassen, baß man nicht, ohne Theilnahme der Bundesgenossen, mit Preussen Frieden machen wollte. Dennoch schloß ihn Peter, als Elisabeth kaum verschieden war. Die Russen zogen nicht nur aus der Neumark, aus Pommern, aus Preussen ab; sie räumten auch Colbcrg, und !?? und gaben die Gefangnen zurück. Peter riech seinen bisherigen Bundesgenossen, sich gleichfalls mit dem Könige von Preussen zu vergleichen, und da man zu Wien noch im» mcr die Forderungen sehr hoch trieb, so gieng der russische Kaiser in seiner Freund« schaft für den König Friedrich so weit, daß er dem General Czernichew den Befehl gab, mit seiner Truppenabtheilung zur preussischen Armee zu stoßen. Wie erstaunten nicht die Qesircichcr, als sie die Russen, die bis« her mit ihnen in einem Lager gestanden hat« tcn, nun mit den Preussen vereinigt sahen! Eine Folge dieser Vereinigung war, daß die Schweden, die sich vor den Russen fürchte« tcn, unter der Vermittlung ihrer Königin, zu Hamburg (1762 am 22. März) mit dem Könige von Preussen Frieden machten. Friedrich, der die Zahl seiner Feinde auf einmahl so ansehnlich vermindert, und seine Hülfstruppen vermehrt sah, für den der Kai« scr Peter, der sich durch den preussischen Adlcrordcn, und eine preussische Uniform ge« ehrt glaubte, an der Spitze eines großen Heeres selbst zu Felde ziehen wollte, der fienz zoo sienq a», seine Officicre mit größerer Wirth- schafclichkeit und Strenge, als bisher, zu behandein. Er entzog seinen Officiercn die sogenannten Winterdouceurgelder, die sie zur Rüstung für den neuen Feldzug brauchten; dagegen gab er ihnen mehrere strenge Verordnungen, ließ er sie den Degen gegen den Esponton vertauschen. Seine leichten Truppen vermehrte er, so wie seine Artillerie, die nun bis auf Z500 Köpfe anwucbs. Damahls machte er auch einige hundert Artilleristen beritten; er soll jedoch schon vor drey Zahren (1759) reitende Artillerie gehabt haben. Marie Thcrcsie, die jetzt den Kampf mit dem Könige allein zu bestehen hatte, wünschte ihre abgedankten Soldaten wieder versammeln zu können; allein diese hatten sich zu sehr zerstreut, und durch neue Mannschaft konnten sie nicht so geschwinde ersetzt werden. Die östreichische Macht zog sich unter Daun wieder in Schlesien zusammen. Ihr Hauplbesireben war dahin gerichtet, den König zu hindern, daß er die verlohnten Festungen.nicht wieder erobern möchte. Schwcivnitz wurde 201 wurde in den festesten Zustund versetzt, und mit einer auserlesenen Besatzung von 12,000 Mann versehen. Der Oberbefehlshaber den selben war Guasco. Die Vertheidigung lei« tcte Gribauval, einer der ersten Ingenieure seiner Zeit. Daun stellte seine Armee am Fuße des Zobienberges, in der Nahe von Schwcidnitz, auf. Friedrich versammelte sein Heer in der Gegend von Breslau. Frie» brich wollte (im Zul.) den linken Flügel der Oestreicher bey Strigau umgehen; Daun wählte aber eine andre Stellung zwischen Bögeudorf und dem Zeiskenbergc. Ein zwey« tcr Versuch wurde von Brentano so tapfer vereitelt, daß von fünf preussischen Bacalliot ncn 1200 Mann gefangen wurden. Die Kosaken die sich den östreichischen Vorposten jetzt sehr furchtbar machten, behandelte» die östreichischen Unterthanen in dem benachbart ten Böhmen doch etwas menschlicher, als sie die preussischen behandelt hatten, und zum Theil noch menschlicher, als die Preussen. Eben war Friedrich mit dem Plane bei schafftigt, durch seine Bewegungen die östrcit chische 2OS einsehe Armee von Schweidnitz zu entfernen, als Czerrnchew von der Kaiserin Kachanne, die indessen ihrem Gemahls auf dem Throne gefolgt war, den Befehl erhielt, den Rückzug nach Polen anzutreten. Friedrich, der den Gesinnungen der neuen Kaiserin nicht traute, wollte die Truppcnabthcilung von Czernichew schon entwaffnen lassen, als ihn die Vorstellungen seines geheimen Cabiners- raths Ksppcrn von diesem Entschlüsse zurückbrachten. Er befolgte dessen Rath zu seinem Glücke; denn Katharine, die aus Friedrichs Briefen an ihren Gemahl Peter sah, daß ihm derselbe freundschaftliche Gesinnungen gegen sie empfohlen hatte, die wollte seine Feindin nicht seyn, und alle Kriegsanstalten wurden daher eingestellt. Noch war den Oestreichcrn der an Czernichew crgangne Befehl nicht bekannt. Um so eher konnte der russische General dem Könige die Gefälligkeit erweisen, während des Angrisses, den er gegen Darms Heer bey Burkcrsdorf machte, vor seinem Lager aufzumarschieren. Der General O'Kelly, der die 2OZ die engen Zugänge bc» VurkcrSdorf und Leut» wanusdorf vertheidigen sollte, ließ es gc» schehen, daß die Preussen große Batterien errichteten. Da ihn nun Dann auch nicht mit gehöriger Sorgfalt unterstützte, so ge< lang den Preussen (20. Jul.) ihre Absicht, diese Zugänge zu überwältigen, vollkommen. Der östreichische Verlust beiief sich aus 9400 Mann. Möllendorf, der damahls schon Gc» ncral war, trug zum glücklichen Erfolge sehr viel bey. Friedrich konnte nun ganz ungestört die Belagerung von Scdwcidnitz unternehmen. Die Aufsicht über dieselbe führte der General Tauenzten. Dem Gribauval sollte lc Fevre, gleichfalls einer der größten Ingenieure seiner Zeit, entgegenarbeiten. Le Fevre bet diente sich, um seines Gegners Mineugänge einzustürzen, der von Bclidor erfundenen Druckkugein; diese waren aber zu wenig wirkmm, dem von ihnen erwarteten Zweck zu entsprechen. Dieß erzeugte eine» unter» irrdischeu Krieg, der, sechs Wochen hin» durch, mit abwechselndem Erfolge geführt wurde. 2c?4 wurde. Le Febrc rückte indessen immer nicht weiter vor. Der darüber verdrießliche König übernahm nun die Anordnung der Belage« ruugsanstaitcu selbst, und diese wurde zwar mit weniger Gelehrsamkeit, aber richtigerm Ucbccblick, geführt. Dann wollte (16. Aug.) Scluveidnitz cnt« sehen; der General Bcck, dem er dieses auftrug, wurde jedoch von seinen Collegen, Lascy und Brentano, so schlecht unterstützt, daß die Unternehmung fehlschlug. Darm konnte jetzt weiter nichts thun, als durch eine Gelegenheit, die sich fand, dem Gene« ral Guasco bekannt zu machen, daß er ihm das Schicksal der Festung überlassen müsse. Dieses half ein Zufall beschleunigen. Ein junger, erst kürzlich zur preussischen Armee berufener Feuerwerker richtete eine Haubitz« grcnade dahin, wo er arbeiten sah. Diese flog zur Thüre des Pulvermagazins hinein. Mit dem großen Vorrakh flogen 9 Officicre und 200 Gemeine, in die Luft. Zugleich wurde die Maueröffuuug, welche schon die vierte Druckkugel hervorgebracht hatte, so sehr 20) sehr vergrößert, daß ein Batallion in der Fronte einrücken konnte. Da nun die Ve- satznng jetzt nicht allein an Munition, son- dern auch an brauchbarem Geschütz, und an Lebensrnitteln einen drückenden Mangel hatte, so mußte sie (9. Oct.) sich und die Festung übergeben. Die geringe Thätigkeit, die Dann bey der Rettung dieser Festung bewiesen hatte, zog ihm den Haß des wiener Volkes zu. Man warf seiner Gemahlin eine ganze Menge Schlafmützen in den Wagen; man sah an Dauns Pallafle, an der Hofburg, an allen Straßenecken, satyrische Einfalle und Kupferstiche. Vielleicht harte sie Daun jetzt weniger, als sonst, verdient. Von Schlesien zog Friedrich jetzt nach Sachsen. Hier stand eine östreichische Truppenabtheilung, über welche Scrbelloni den Oberbefehl führte, von der Elbe bis nach dem Erzgebirge hin. An diese schloß sich die Reichsarmce unter dem Prinzen von Stollberg an. Serbelloni hatte, zur Sicherheit seiner Stellung, an der Mulde eine Postenkette gezogen; diese war jedoch so ausgedehnt. 206 gedehnt, daß sie Seydlitz und Kleist (11. May) durchbrechen konnten. Der östreichi, sche General Zertwitz wurde, nebst 1500 von seinen Leuten gefangen. Die Preussen drangen hierauf bis Frcyberg vor, und die Reichsarmee mußte das Erzgebirge verlassen. Seydlitz brandschatzte (im Jnn.) einen am sehnlichen Landstrich von Böhmen. Er bet handelte basvnders den Adel und die Geist, lichkeit sehr unbarmherzig, und er soll dieß, wie man sagt, auf ausdrücklichem Befehl seines Königs gethan haben, um die von den Russen in der Mark Brandenburg an, gerichteten Verwüstungen zu rächen. Kleist verfuhr noch mit größerer Schonung. Er, der (Jul.) die Weisung hatte, eine gewisse Anzahl von Dörfern abzubrennen, ließ , um seinem Auftrage wenigstens scheinbar Gn.üge zu leisten, eine große Menge Stroh und Reißholz auf einer Anhöhe zusammenbringen, und einige nahe Hütten abbrennen, deren Besitzer aber vorher ihre Habscligkeiten weg, schaffen durften. Das Geschrey der böhmi, schcn Geistlichen und Mönche, über die Em, wcihung und Plünderung der Kirchen und Klö, 207 Kloster, empörte das Herz der frömmelt Mm ric Thcrcsie. Sie warf auf Serbelloni, der Böhmen nicht besser vertheidigt hatte, einen lebhaften Unwillen. Dieser schob zwar die Schuld auf den übereilten Rückzug der Reichst armes; dieß half ihm jedoch, wegen der heimlichen Gegenbemühungen seiner Feinde, so wenig, daß er den Oberbefehl an Haddick abgeben mußte. Haddick sollte nur gezwungen, oder unter den günstigsten Umständen, sich in ein Treffen einlassen; er brachte es jedoch (Sept.) durch seine klugen Bewegungen dahin, daß der Prinz Heinrich seine bisherige Stellung bey Prcrschendorf verließ, und sich theils hinter die freybergische Mulde, theils hinter die Triebst', zurückzog. Ja Haddick bewies sich so thacig, daß die Preussen (im Occ.) sogar Frcpberg räumen mußten. Doch Heinrich drang, durch die schmettauische Truppennbt theilung aus der Lausitz verstärkt, bald wie» der vor, und Stollberg wurde durch die einsichtsvollen Bewegungen desselben, an deren Ausführung Sepdlitz und Kleist den vornehmsten 2oZ sren Zlntheil nahmen, bey Frcybcrg (29. Oct.) so glücklich überrascht, das die Prcus, ftn über die vereinigten Qestreicher und Neichstruppen einen vollkommenen Sieg er, fochten. Die lctztern, die mit 49 Vatallio, nen und 78 Schwadronen gegen 29 Vatal, lione und 60 Schwadronen fochten, vcrlvh, ren, in Zeit von einer Stunde, 8000 Mann, indem die Preussen nur 1400 ein» büßten. So endigte sich dieser Feldzug in Sachsen. Man vcrabrcdte zwischen Preussen und Oestreich (im Nov.) einen Waffenstillstand. Da dieser sich blos auf die östreichischen und preussischen Lander bezog, so benutzte Friedrich diese Zeit, die Neichsstande in Franken für ihre Theilnahme an dem Kriege gegen ihn zu züchtigen. Er übertrug dieses Geschaffte dem General Kleist, der mit 10,000 Mann in Bambcrg und Nürnberg einrückte, und die ungeheure Summe von 1,500,000 Thalern verlangte. Die kleistischcn Husaren erpreßten auch noch manche Summe. Sie wagten sich bis auf eine Meile von Regens, bürg. 209 bürg. Die Neichsversammlung machte bereits zur Flucht Anstalten. Sie ersuchte den preussischen Gesandten Plotho um seinen Schuh. Alle Fürsten im südlichen Deutschland geriethen in Schrecken. Der Herzog von Wirtembcrg war im Begriff, nach Elsaß zu gehen. Endlich kam eine östreichische Truppcnabtheilung aus Böhmen herbey, sind die Sachsen näherten sich der Stadt Wirz- burg. Allein Kleist zog sich mit großen Geldsummen, vielen Geiseln, und 12 neuen nürn- bergiscben Kanonen, nach Sachsen zurück. Da nun die Franzose» sich zum Nückznge über den Nhein bereiteten, so vcrlvhren die Neichsstände vollends alle Neigung, den Krieg gegen Preussen fortzusetzen. Der Kur« ürst von Bayern war der erste, der sich (176z Jan.) von der Theilnahme an demselben lossagte. Seinem Bcuspicle folgten Mayuz, Wirzburg und Bambcrg. Mcklen- burg hatten es schon früher (1762 Dec.) gethan. Indessen both Friedrich alle ihm zu Gebothe stehende Hülfsmittel auf, um den neuen Eallstti Weltg. -7k Ti). O Feld- 210 Fcldzug (176z) ganz entscheidend zu machen. Die Stadt Leipzig sollte jetzt wieder 400,000 Ducaken in Gold entrichten; Gotzkowski, der von Hamburg herbeyeiite, brachte es jedoch dahin, daß sich der König mit 100,000 Ducaten in Gold, und 700,000 Thaler in Silber, begnügte. Eben derselbe verwendete sich auch für den ganzen leipziger Kreis, um die sachsischen Vergstädte. Der harte Druck, den die Unterthanen des Kurfürsten von Sachsen schon so viele Jahre hindurch fühlten, erregte in ihrem Regenten, dem Könige August, den lebhaften Wunsch, den Frieden in sein Land zurückzurufen. Mit diesem stimmte Marie Theresie, die, von allen Bundesgenossen verlassen, die Hoffnung, Schlesien wieder zu erobern, aufgegebn hatte, gar sehr übcrein. Zwar hatte sie die westphälischen Länder des Königs von Preussen, welche die Franzosen räumten, besetzen wolle»; allein Friedrich, dem es, da er auch die von der alliirtcn Armee abgedankten leich, ten Truppen in Sold genommen hatte, nicht an Kricgsvolk fehlte, kam dcmDestrcichcrn leicht zuvor. Er hoffte jetzt, mit einer Kriegs- 2Il Kriegsmacht von 200,000 Mann, diesen Feldzug ganz entscheidend zu machen. Dieß wollten Marie Thcrcste und August Hl nicht abwarten. Schon im November des vorigen Iaht reS (1762) war der kursachstsche geheime Rath Fritsch, unter dem Vsrwande, seine in dieser Gegend liegenden Güter zu besu« chen, nach Meißen, dem damahligen Haupt« quartiere des Königs, gekommen. Ein Brief vom Kurprinzen, den er dem Könige über« reichte, überzeugte denselben von dessen sehn« lichen Verlangen nach der Wiederherstellung deS Friedens. Da Friedrich allen Entschä« digungeu wegen seines Aufwandes entsagte, so wurden die fcycrlicheu Unterhandlungen (zr. Dcc. 1762) bald angeknüpft. Der Ort dieser wichtigen Unterhandlungen war das Schloß Hubertsburg zwischen Leipzig und Dresden, wo man erst die von den Preussen eingeschlagenen Fenster und Sefen wieder herstellen mußte. Hier arbeiteten der üstcei« chische Hofrarh von Collenbach, der preusst« sche Legaiionsrath von Hertzberg, und der S 2 kur« 2l2 kursachstsche gchcilne Rath von Frltsch, so thälig, daß der Friedensschluß (176z am 15. Febr.) zur Unterzeichnung gedieh. S-st- reich und Preussen kamen völlig wieder in die Lage, in welcher sie sich vor dein Kriege befunden hatten. Dieses war auch in Rücksicht Kursachscus der Fall, nur daß in Ansehung des OdcrzollcS bey Fürsteubcrg in der Niedcrlausitz eine etwas veränderte Einrichtung gemacht wurde. So hatte man also sieben Jahre laug um Nichts gckawpft. Darüber war Deutschland, und vornehmlich Sachsen, ausserordentlich entnervt worden. Die aus demselben abziehenden Preussen erpreßten nicht nur alle noch rückständigen Lieferungen und Zahlungen mit den härtesten Maßregeln und Drohungen; sie nahmen auch noch viele Weiber und Mädchen mit, die, nach Friedrichs Wunsche, dazu dienen sollten, den erlittenen Menschenvcrlust um so geschwinder zu ersetzen. Dieser Mcnschcnverlust betrug für die Preussen 190,000, für die Qestrcichcr 140,000, für die Franzosen 200,000, für die 2IZ die Engländer und ihre Bundesgenossen 160,000, für die Schweden 25,000, für die Reichsarmce 28,000, für die Russen 120,000, für olle Kriegführenden Mächte zu« summen, 596,000 Mann. Dem Könige von Preussen kostete dieser Krieg allein 125 Mtl« lioncn Thaler. Zu. diesem konnten die übrig gebliebenen Provinzen kaum 28 Millionen beytragen. Das fehlende ersetzten die Kriegs« steuern von Sachsen, Meklenburg, und an« dcrn deutschen Ländern, die Verpachtung der Münze, die englischen Subsidicn. So führte also Friedrich eigentlich mit fremden Gelde Krieg. Allein hatte auch schon dem nnglüek« liehen Sachsen, an Geld und Lieferungen, 70 Millionen Thaler gekostet. Oestreich, das seinen Standen und Unterthanen so große Lasten aufbürdete, hatte dennoch durch diesen Krieg seine Schulden mit mehr als 100 Millionen Thaler vermehrt. Dem großbri« launischen Reiche verursachten nur die ersten drey Jahre dieses Krieges (1755 bis 1758) einen Aufwand von 790 Millionen Thaiern. Die Franzosen rechneten über 200 Millio« neu. Für die Preussen, die, nebst ihren Alliir« -14 Alliirten, eine wenigstens noch einmahl so große Macht bekämpften, bleibt dieser Krieg ein ewiges Denkmahl eines dnrch die bewundernswürdige Geisteskraft ihres großen Friedrich geleiteten mnthvollen und rühmlichen Krieges! Fünf- 21? Fünf lind dreyßigstcs Kapitel. Großbritannien befestigt seine See- Herrschaft. Erster Abschnitt. Spanien unter Ferdinand Vl und Karl lil. Die durch Sguillaci veranlaßte Empörung. Portugal unter Pedro, Johann V. Mcthncn - Trac- tat. Patriarch. Mafra. Unter der Regierung Joseph Emanucls stellt Pompal einen sehr thätigen Minister vor. Großes Erdbeben. Die Jesuiten werden aus Portugal vertrieben. ^n Spanien und Portugal, die zuletzt gleicht falls in den siebenjährigen Krieg eingefiochr tcn wurden, hatten sich indessen Veranderunl gen ereignet, die nicht mir für diese Reiche selbst, sondern auch für das übrige Europa, eine 216 eine bedeutende Wichtigkeit hatten, und be- sonders Großbritanniens Handels- und See- Überlegenheit überzeugend bewiesen. In Spanien war Karl III, der sich an Frankreich anschloß, der Nachfolger seines altern Bruders, Ferdinands VI, der seit dem Tode seines Vaters, Philipps V, (seit 1746) regierte 5). Der Sohn sah sich durch die große Schuldenlast von 45 Millionen Piaster (60 Millionen Thaler) die ihm sein Vater hinterließ, in eine dringende Verlegenheit vorsetzt. Aus dieser half ihm jedoch eine aus Bischöfen, Ministern und Ncchts- gclehrtc» zusammengesetzte Commission, der er die Erörterung dieser Angelegenheit übertrug. Diese erklärte, daß der König nicht verpflichtet wäre, die von seinem Vorgänger gemachten Schulden zu bezahlen. Ferdinand schob daher die Befriedigung der Staatsgläu- vigcr auf; er bestimmte ihr wenigstens nicht mehr, als jährlich ic,cz,ooo Piaster. Natürlich wurde dadurch Spaniens Credit vernichtet. Da jedoch Ferdinand sein Geld in der Casse behielt; da er dabey seine Sparsamkeit so weit trieb, daß er Armee, Festungen, Neben- ») Theil xvi, S. aso. 217 Nebcnländcr, vernachlässigte, so war es ihm freylich ziemlich leicht, mährend seiner drey« zehnjährigen Regierung, einen Schatz von 41 Millionen Thalern zu sammeln; sein Nachfolger, Karl III, sah sich dadurch in den Stand gesetzt, den vom Bruder ver« nachiässigtcn Credit des Reichs wieder zu befestigen. Er ließ (seit 1761) den Staats« gläubigem sechs Prvcent zahlen; diese wur« den jedoch nach sechs Jahren bis auf vier herunter gesetzt, und zwey Jahre hernach (1769) hörten sie gar auf. Doch Ferdinand VI sparte nicht allein einen Schatz; er wachte auch manche für seinen Staat wohlthätige Anordnung, an welchen sein erster Staarsministcr, D. Jo« scph dc Caravajal, großen Antheil nahm. Durch ein (175z) mit dem Pabst gcschlossc« nes Concordat hob er die gar zu großen Am maßungen der päbstlichen Gewalt in Spa« nicn auf. Die päbjrliche Vergebung der Pfründen wurde in engere Gränzen eingc« schlössen; auch sollte der h. Vater über die Vcrlasseuschaft der spanischen Geistlichen nicht mehr willtührlich bestimmen können. Man entschä« 2-8 entschädigte ihn dafür durch eins gewisse jähr- liehe Geldsumme. Ferdinands Minister Car- vajal, der dieses Concordat cinicirctc, starb bald hernach (1754 April) und dessen College Eusenada, der die Finanz < Kriegs - und Handlungssachen dirigirte, der (1752) die Stiftung einer Akademie der bildenden Künste beförderte, wurde, (im Iul.) durch die Bemühungen des englischen Gesandten am madrider Hefe, entfernt. Er mußte, bis zu Ferdinands Tode, zu Granada, in der Gefangenschaft schmachten. Das Manifest, durch welches Ferdinand VI die Verabschiedung dieses Ministers der Nation bekannt wachte, beschuldigte ihn, das Volk durch höhe Auflagen gedrückt, und für dessen Unterhalt zu wenig gesorgt zu haben. Doch dessen Nachfolger, der Zrländer, Richard Wall, bisher spanischer Gesandter in London, gab seinem Könige manchen Rath, der die Wohlfahrt des Reichs beförderte. Er sorgte vorzüglich für die Abstellung des Gctrcidemangels. Man ließ aus Neapel und Sicilien für 15 Millionen Piaster Getreide kommen. Um dem Ackerbau einen lebhastern Schwung zu geben, wurden gegen 20,000 2cz,ooo Müßiggänger, dir sich im Lande her« Umtrieben, aufgefangen, und als Knechte vertheilt. Man berief fremde Handwerker und Fabricanten, vornehmlich englische Wc« bcr, »ach Spanien; man ließ durch englische Schiffbauer eine verbesserte Einrichtung des Schiffbaues einführen. Es wurden neue Landstraßen und Kanäle angelegt. Die Eo« lonien in andern Erdtheilcn wurden, in Ruck« sichc ihrer Verbindung mit dem Mnttcrlandc, weniger eingeschränkt. Genug, Wall folgte sehr vernünftigen Grundsätzen der Regie« rung und Staatswirthfchaft. Unter die Männer, welche auf Spanien in diesem Zeiträume einen bedeutenden Ein« fluß hatten, gehörte auch der italienische Sänger Farinelli. Karl Vroschi, ans einer vermuten eidlichen Familie im Neapolitani« scheu (geb. 1705) widmete sich, durch einen unglücklichen Fall vom Pferde um seine Mannheit gebracht, der Singkunsr, in wel« chcr er den berühmten Porpora zum Lehrer hatte., Den Nahmen Farinelli erhielt er von drey Brüdern, Nahmens Farina, die feine Ausbildung vorzüglich beförderten. Nachdem seine 220 seine Geschicklichkcit schon eins den vornehm« sten italienischen Theatern bewundert worden war^ nahm er einen Nnf nach London an, wo man ihm für sechs Monathe 1500 Pfund St. bezahlte. Er wurde hierauf (17^2) kaiserlicher Kammersänger zu Wien, und hier war es, wo sich Karl VI das Verdienst erwarb, ihn auf den richtigen Geschmack im Vortrage zu leiten. Nun wurde Farinelli erst der große Sänger, dessen Ruhm sich durch ganz Europa verbreitete. Dieser brachte ihn an den Hof Philipps V von Spanien, der den sanften, bescheidenen Mann, den in der Kunst, ihn aufzuheitern, niemand übertraf, so lieb gewann, daß er seinen Umgang nicht einen Tag vermissen konnte. Farinclli benutzte jedoch die Gunst des Königs mehr zu andrer, als zu seinem eignen Vortheile, und nie ließ er sich durch Geschenke oder Schmcichclcycn dahin bringen, seinem Monarchen eine unwürdige Person zu empfehlen. Einer der spanischen Großen, welcher Vicekönig von Peru zu werden wünschte, both ihm vergeblich 400.000 Piaster an. Ein andrer machte einen vergeblichen Versuch, seine Freundschaft vermittelst einer 22l eines ganzen mit Gold angefüllten Kastens zu erkaufen. Um so bereitwilliger half Fan» nclli den Bedrängten, zog er das Verdienst hervor. Den Veranlassungen des Neides und Hasses vorsichtig ausweichend, überhäufte er wohl gar seine Gegner mit Wohlthaten. Vergebens both ihm Ferdinand VI mehrere Staatsamter an, und kaum konnte er ihn bewegen, den Ritterorden von Calarrava anzunehmen. Er verließ zwey Jahre vor Ferdinands Tode (1757) Madrid, um auf einem kleinen Landgute in der Nahe von Bologna sein Leben zu beschließen, welches er noch 25 Jahre (bis 1782) fortsetzte. Ein größeres Ansehn, als Farinclli, be» hauptete bey Ferdinand VI sein Beichtvater, der Pater Nabago, der letzte jesuitische Ge» Wissensrath eines Königs von Spanien, der viel vermochte. Die Vercdlsamkeit desselben war aber doch nicht hinreichend, ihm wegen des Verlustes seiner Gemahlin Maria Bar» bara, einer portugiesischen Prinzessin, den ein trauriger Tod (1798 Aug.) veranlaßte, Trost einzuflößen. Die Betrübniß, die er über denselben empfand, gieng in Schwer» mtich muth, in Wahnsinn über. In diesem Zu» stände verließ er die Welt, in seinem Zimmer des Pallastes zu Villa viciosa eingeschlossen (1759 am 10. Aug.). Da Ferdinand VI keinen Sohn hinterließ, so wurde der spanische Tnron seinem Halbbruder, dem Könige Karl beyder Sici- licn, zu Theil. Dieser, der den aachncr Frieden nicht anerkannt hatte, hielt sich auch durch daS, was derselbe in Rücksicht seiner Erbfolge in Spanien verordnete, nicht verbunden. Sein ältester Sohn war an Geist und Körper so schwach, daß er sich der Regierung nicht unterziehen konnte. Dies; wurde der Nation durch ein Gutachten einer Commission von Aerzten, welchen Karl die Untersuchung aufgetragen hatte, bekannt gemacht. Nun trat der jüngere Bruder Karl an dessen Stelle. Der dritte, Ferdinand, wurde König von Neapel. Dieser widmete sein Vertrauen dem Italiener Squillaci, der ihn, untersiüht von Grimaldi, dem span. Gesandten zu Paris, für das bourbonische Vülidniß-gewann. Eben Eben dieser Squillaci, ein schlauer, thatiger, talentvoller, aber auch sehr eigennütziger, stolzer, habsüchtiger Mann, machte sich sowohl bey den Vornehmen, als bey den Gemeinen, verhaßt. Die Vornehmen konnten es ihm nicht verzeihen, daß er, als ein Ausländer, sie so stolz behandelte; die Gemein?» fanden es unerträglich, daß der Minister auf seine Kosten, durch die gesteigerten Preise der unentbehrlichsten Lebensmittel, sich Millionen sammeln wollte. Alle Classen von Personen sehnten sich nach einer günstigen Gelegenheit, sich an dem verhaßten Manne zu rächen. Diese Gelegenheit führte eine neue Erhöhung des Brod - Preises, führte ein königlicher Befehl, der den Castiliancrn ihre Mäntel, und ihre breiten, runden Hüte untersagte, herbey. Die gemeinen Bewohner Madrids ergriffen (1766 am 2z. May) die Waffen. Man bestürmte den königlichen Pallast. Der König und seine Familie entfernten sich in der größten Geschwindigkeit. Der Minister mußte sich verstecken; eine Hinterthürc brachte ihn zu einem Wagen, der mit ihm davon eilte. Die spanische Garde weigerte sich, gegen die Empörer a»L zurücke»; aber die wallonische Garde, die nicht so wie jene von Nationalliebe beseelt war, feuerte. Jetzt fiel jedoch der Pöbel schrecklich über sie her, und mehrere von den Soldaten wurden ein Opfer seiner Wuth. So dauerte dieser Lerm einige Tage fort, bis endlich der Äö» uig, an der Spitze mehrerer Regimenter, ein« rückte, bis der Preis des Brodes herunter» gesetzt wurde, bis Squillaci seinen Abschied bekam. Im ersten Aerger wollte Kari sei» neu Wohnsitz nach Sevilla verlegen. Ma» drid, des königlichen Hofstaates, seiner vor» nehmsien Nahrungsquelie, beraubt, würbe alsdenn eine volkieere, arme Stadt gcwor» den seyn. Allein es glückte noch ihren Frenn» den, den Monarchen von der Ausführung seines Entschlusses abzuhalten. Uin jedoch in den Bewohnern der Hauptstadt jede künf» tige Neigung zur Empörung zu unterdrücken, ließ man bis Garnison aus !o,oocz Mann bestehen. Diese waren, wenn der König von einer ansehnlichen Schaar seiner Leib» wache begleitet, ausfnhr, in den Straßen aufgestellt. Bald gewahrte aber der Anblick derselben den Bewohnern von Madrid nicht sowohl ein furchtbares, als ein unterhalten» deS 22? des Beyspiel. Die Empörung hatte indessen doch die wohlthätige Folge, daß der neue Minister Aranda, den Ursachen derselben nachdenkend, es für nöthig hielt, der Poln zey eine zweckmäßigere Einrichtung zu geben, und vornehmlich dem Hange zum nächtlichen Herumschwärmen, welches zu Valgcreycn und Mordthaten die Veranlassung gab, Einhalt zu thun. Portugal war indessen mit den Jesuiten in einem eben so gefährlichen als lebhaften Kampfe begriffen ^). Der König Pedro war noch in den ersten Jahren des spani« scheu Erbfolgckrieges (1705 am 4. Der.) ge« storbcn. Seinen Tod beförderte eine Schlaft sucht, die ihm eine Verkalkung zuzog. Ob« gleich mit keinen gelehrten Kenntnissen ans« gerüstet, besaß er doch Erfahrung und Ar« bcitsliebe; auch rühmt man seine Mäßigkeit, die Ausschweifungen in der Liebe abgerechnet, die jedoch, weil die Gegenstände derselben meistens Frauenzimmer von geringer Herkunft waren, auf seine Regierung keinen Einfluß hatten. Sein Nachfolger, Johann V, cnt« fernte ') Theil XIV, S, -2-. EM'tti Weitg. -7t Th. / P 226 fernte sich nicht sehr merklich von den Ncgie- rungsgrundsätzen seines Vaters. Sein Reich hatte, wenn er dessen Reichthümer zweckmäßig benutzte, zu einem hohen Wohlstande emporsteigen können. Es war unter seiner Staatsverwaltung, daß man (>698) die Goldminen und (172z) die Dinmanteugru- ben Brasiliens entdeckte. Eine Flotte brachte (1708) einen 50 Millionen Thaler werthen Schatz nach Portugal. Allein die amerikanischen Reichthümer gicngen sogleich in die Hände der betriebsamen Engländer über, denen ein unter dem Könige Pedro (170z) geschlossener Handelsvertrag, der seinen Nahmen von dem glücklichen Unterhändler Ms« thuen cmpfieng, das portugiesische Reich gleichsam zinsbar machte. Durch denselben war nicht nur die Einführe der englischen Wollenwaarcn von allen Abgaben bcfreyt, sondern die portugiesischen Zollbcdicntcn durften auch ein englisches Packctboot, welches wöchentlich nach Portugal kam, keiner Untersuchung unterwerfen. So blieb Portugal, der brasilianischen Schätze ungeachtet, ein armer Staat, und sein baarcs Geld verschwand immer mehr. Einen 227 Einen großen Theil desselben verzehrte Johanns Aufwand, den er kirchlichen Stift tungen widmete. Erst verwandelte cr die Hofkapelle zu Lissabon, mit Erlaubniß des Pabstes Clemens XI, in den Sitz eines Pal triarchats, damit Portugal, eine der kleinsten Monarchien in Europa, an der Spitze seil ncr Geistlichkeit einen Patriarchen haben möchte! Der Schmuck und das Silbergeschirr der Patriarchalkirche kostete aber eine ungel heure Geldsumme. In der Folge (1739) bewilligte der Pabst, daß der Patriarch je- desmahl mit der Cardinalswürde geziert, und ein Prinz des königlichen Hauses, seyn sollte. In einer gefährlichen Krankheit gelobte Jvl haun V die Stiftung eines Klosters. Seine fromme Mildthätigkeit widmete die Ausstatl tung desselben der ärmsten OrdenSgcseilschaft in feinem Reiche. 'Dieß war das Kloster zu Mafra, wo 12 arme Franciscaner in einer Hütte lebten. An der Stelle desselben stieg nun, (1717» 1731) des sandigen und dürren Bodens ungeachtet, nach einem in Rom vcrc fertigten Riß, eln Gebäude auf, welches selbst das spanische Escorial an Pracht übcrl trifft. Der Baumeister desselben war Ludo« P 2 vici 22F vici Friedrich, ein Deutscher. Die beyden Seiten desselben schließen zwey Palläsic, den einen für den König, den andern für den Pas triarchen und seine Domherren, ein. Der Bau verzehrte die große Summe von 150 Millionen Crufaden, oder halb so vielen Spcciesthalcru. Daß ein König, von Johanns V Denkart seine Augen dem schrecklichen Schauspiele eines Auto da Fe nicht entzog, laßt sich leicht vermuthen; indessen gab er doch den Befehl, die Beschlüsse der Inquisition, der Genehmigung des königlichen Staatsralhs zu unterwerfen. Für den h. Vater war ein solcher König ein sehr lieber Sohn der Kirche. Venedicc XIV legre ihm daher den Titel „des allergetreuesten Königs" bey. Dennoch gericth er wegen eines gewissen Bicchi, den der Pabss nicht zum Cardinal erheben wollte, in eine so lebhafte Uneinigkeit mit demselben, daß er dem Patriarchen die Ausübung aller pabstlichen Rechte in Portugal auftrug, daß er dem Pabste seine Einkünfte aus Portugal nicht verabfolgen jließ. Indessen geschah das, waS er hier that, blos zum Schein. Johann war zu fromm, als daß er mit dem h. Water 22Y tcr hätte zürnen sollen. In den letzten acht Jahren seines Lebens-, wo ihn eine anhal« tendc Kränklichkeit niederdrückte, führte der Franciscancr Calper Aveiro, oder der Pater Gaspard, das Negicrungsruder. Johanns V Regierung dauerte aber fast 44 Jahre (bis i'/go Jnl-)> Nichts, das für seinen Staat von wohlthätigen Folgen gewesen wäre, kam znr Vollendung. Zum Adel sagte er zwar oft: „mein Großvater hat euch geliebt, mein Vater hat euch gefürchtet; ich will regieren wie ein Herr, der von Gott und Rechts wegen König ist." Aber diese Drohung gieug nur in Rücksicht des niedern Adels in Erfüllung; den höhern schonte Avciro, ein Standcsgenosse desselben. Wenn Johann (1720) mehrere Akademien, und unter andern eine der portugiesischen Geschichte, stiftete, so vernachlässigte er dagegen die Kriegsmacht, den Ackerbau und die Betriebsamkeit seines Reichs auf eine unverantwortliche Weise. Es war hohe Zeit, daß unter seinem Sohne Joseph Emanuc! ein andres Regicrunssystem angec nommcn wurde. Joseph Emanucl (geb. Jun. 1714) von der kaiserlichen Prinzessin Marie Anne, Leo» polds 2ZO polds I Tochter, war zwar von Mönchen erzogen, aber doch helldcnkcnd genug, um sich von ihren Vornrtheilcn ziemlich frey zu erhalten; daher hatte man ihn auch, so lange der Vater lebte, von aller Einmischung in die Regierungsangclegenhcitcn entfernt. Uni so inniger fühlte er aber die Nothwendigkeit, der Staatsverwaltung seines Reiches eine zweckmäßigere Richtung zu geben. Zum Gehülfen in dieser wichtigen Angelegenheit wählte er sich einen der größten Minister, die die portugiesische Nation auszuweisen hat. Sebastian Joseph von Carvalho, (geb. i699)cin armer Edelmann, der sich aber schon durch seinen schönen und starkgcbautm Körper empfahl, wurde von seinem Vater der Rechtswissenschaft gewidmet. Diese gab jedoch dem feurigen, unternehmenden Geiste desselben keine angemessene Bcschäffrigung. Er wurde daher Soldat. Allein das portugiesische Militär befand sichdamahls in einem so schlechten Zustande, daß der muntre Carvalho auch hier keine hinlängliche Unterhaltung fand, daß er sich den Ausschweifungen über- 2Zl überließ. Er wurde nun von seinen Obern zurückgesetzt. Darüber verdrießlich, nahm er seinen Abschied. Hierauf lebte er mehrere Jahre sich selbst, und seinem Familicncirkel, bildete er während dieser Zeit seine Fähig« kciccn glücklich aus. Bald ward er der Lieb« liug der Weiber — der Mann einer reichen Wittwe. Er verschaffte sich nun nicht allein die Bekanntschaft mit dem Hofe, sondern auch die Gunst desselben. Sein Onkel, ein Domherr und ein talentvoller Mann, der sich seiner Bildung eifrig angenommen hatte, brachte es dahin, daß man ihm die Stelle eines ansserordcntlichcn Gesandten am großbri« launischen Hofe anvertraute. Einige Zeit her« nach schickrc man ihn mit geheimen Aufträgen nach Wien. Es gelang ihm hier, ein Günstling der Kaiserin Marie Theresie zu werden, und, von ihr unterstützt, eine Grafin Dann zu heyrathcn. Der große Staatsmann da Eunha hatte ihn dem König Joseph, als er noch Kronprinz war, so nachdrücklich empfohlen, daß ihn derselbe, gleich bey dem Antritte seiner Regierung, zum Staatssccrelär der auswärtigen Angelegenheiten erhob. Carvalho war ihm bald un« entbehr- entbehrlich; er war bald der eigentliche Regent. Carvalho, der sein Vaterland wieder heben wollte, hatte mit mächtigen Schwierigkeiten zn kämpfen. Zuerst suchte er die Schiffahrt und den Handel seiner Nation wieder empor zu bringen. Er ltcß daher die befestigten Ocrter an der Küste in eilten furchtbarern Znstand versehen, damit sie die nlgierschen Seeräuber nachdrücklicher als bisher zurückhalten mochten. Er ließ, zum Schutze der Handelsschiffe, eine ansehnliche Flotte auslansen. Nm der Betriebsamkeit der Portugiesen einen vermehrten Schwung zu geben, verboth er (1751) den Engländern die Ausfuhre des Goldes; sie sollten entweder Waaren gegen Waaren eintauschen, oder von dem Golde, das sie sich bezahlen ließen, zwey Procente abgeben. Die vorige!; Könige hatten ihre Domäncngütcr oft sehr freygebig unter den Adel ausgetheilt, und die Kammereinkünftc waren dadurch all- mählig sehr vermindert worden. Diese Güter mußte» nun (175z) ihre Besitzer zum Theil wieder hergeben, und mancher wurde dadurch 2ZZ dadurch i» einen sehr dürftigen Zustand ver< setzt. Dieß zog naiüriich dem Minister den Haß des Adels zu. Die Handlung der Port tugiescn sollte mehr eigne Regsamkeit erhalt leu. Zur Beförderung dieser Abstckr erricht tete Pemdal (1754 und 1755) die Handt lungsgescllschaften von Zudicn und M want haou. Durch diese wurde jedoch die Han« dclsfteyhcit der Nation gar zu sehr eingct schrankt; denn diese befand sich nun allein in den Hauben einiger reiche» Kaufleute von Eadix, deren Seele ei» gew'siw Oldenburg war. So entzog sied Po-nba! auch die Zut Neigung der Kaufleute. Mir der Geistlich« keit verdarb er es aber auch sehr bald. Er schränkte die Gewalt der Jnguistiion ein, und unterwarf die Beschlüsse derselben, ehe sie vollzogen wurden, der Genehmigung des Siaatsrathcs. Es sollte auch kein Auto da Fe mehr gehalten werden. Der Zorn des Himmels, meyntcn die frommen Geistlichen, müßte über ein solches Verfahren entbrennen, und leider schien daS schreckliche Erdbeben, dieses Jahres ihre Erwartung zu rechtfer« tigcn. Des 2Z4 Des Morgens (7. Nov. 7755) um neun llbr brach bey heiterm, stillem Wetter plöh- lich zu Lissabon eine Erdscbüttcrung ein, die 70 Minuten anhielt. Aber diese kurze Zeit war hinlänglich, die schönsten Pallaste, die herrlichsten Kirchen der Hauptstadt Portugals in bejammernswürdige Trümmern zu verwandeln. Eben waren, dcs Aller Heilig gen Festes wegen, sehr viele Menschen in den Kirchen versammelt. Diese wurden nun unter den einstürzenden Gewölben und Mauern begraben. Was das Erdbeben nicht umwarf, verzehrte eine von demselben unzertrennliche Fcucrsbrunst. Um dieses schreckliche Schauspiel aber gleichsam noch zu vergrößern, überstieg das stürmische Meer seine gewöhnliche Höhe um 60 Fuß, riß es viele kleine am Hafen stehende Häuser mit fort, zerstörte es Zollhauser und Waarenlager. Auch die Städte Braga, Coimbra und Sc- tuval waren durch dieses Erdbeben sehr beschädigt; aber das traurigste Schicksal traf doch Lissabon. Der ganze westliche Theil von Lissabon, oder die Hälfte desselben, wurde zerstört. Man rechnete die Zahl der Umgekommnen zwischen zo - 40,000. Die sie 2)5 sie überlebenden, viele tausend, lagen auf dem Felde untereinander, ahne Nahrung, ohne Kleidung. Kinder schrieen nach ihren Elrern, Eitern suchten ihre Kinder; der Mann konnte sein Weib, das Weib ihren Mann nicht finden. Drey Tage lang wagte es, der fortdauernden Erschütterungen wegen, niemand, sich den Trümmern seiner Woh- nnnaen zn nähern. Nur eine Bande von Sraßenräubsrn verbannte alle Furcht und alles Mitleiden, um diese Gelegenheit zum Plündern zu benutzen. Der König, der, während sein Pallast cinfiürtzte, sich mit seiner Familie eben zu Belem (an der Mündung des Tejo, westlich von Lissabon) befand, und die Nacht, unter freyem Himmel, in Kutschen zubrachte, that, von seinem Minister Pombal unterstützt, alles, um den unglücklichen Bewohnern seiner Hauptstadt Hülfe zu leisten. Zuerst sorgte man für einen hinlänglichen Vorrath von Lebcnsmittcln. Sodann mußten einige Regimenter in die Stadt rücken, um die Sicherheit wieder herzustellen. Von den Siraßcmäubcrn, die sie störten, wurden an einem Tage z6 gehenkt. Gegen Zooo Menschen arbeiteten täglich an der der Wegraumung des Schuttes. Die um glücklichen Bewohner Lissabons erhielten nicht allein von Privatpersonen eine mildthätige Unterstützung; auch ganze Staaten borhen deni Könige ihre Hülfe an. Der spanische Ferdinand VI schickte ihm 500.000 Thaler. Frankreich und England erbothen sich gleich» falls zu einer Gelbhülfe. Joseph dankte ihnen dafür, weil es ihm nicht an Gelde fehlte; dagegen nahm er eine Schiffsladung von allerley Baugcrathcn, die ihm England schickte, bereitwillig an. Das verwüstete Lissabon stieg hierauf prächtiger, als ehedem, wieder empor. Pomönl, der von einem ihm indessen zu» gcfallncn Gute auch den Nahmen Melo an» genommen hatte, wußte seine Verdienste, die cr sich um das zerstörte Lissabon erwarb, seinem Könige so einleuchtend zu machen, daß cr sich in dem Vertrauen desselben völlig befestigte. Der alte Petro von Motta, der bisherige Minister des Innern, war kurz nach dem Erdbeben gestorben. Zu seinem Nachfolger ernennte Joseph den Marguis von Pombal. Staatssecretär der auswarti» gen 2Z7 gen Angelegenheiten wurde nun (1756 May.) Ludwig von Acunha, bisher ansserordcntlieher Gesandter zu London, Pompals Freund. Da es für Pombal, als Minister des Ine nern, eine vorzügliche Sorge war, die Ruhe und Sicherheit ausrecht zu erhalten, so ließ er, um die vielen Bösewichtcr, von welchen sie gestört wurde, zu schrecken, nur allein in der Nähe von Lissabon 100 Galgen er, richten, und auf einmahl Z50 Diebe an den, selben aufheulen. Jeder Ungehorsam gegen seine Befehle wurde für ein Verbrechen der beleidigten Majestät erklärt- Seine Strenge erregte Unzufriedenheit. Sie veranlaßte einen Aufruhr zu Oporto. Mancher Große fiel in Ungnade. Doch keine Mcnschenklasse war dem Minister Pombal verhaßter, als der Orden der Jesuiten. Die Jesuiten galten am Hofe zu Lissa» bvn sehr viel. Der P. Morcira, der Beicht, vater des Königs, war derjenige, den Jo, seph bey allen Angelegenheiten von einiger Bedeutung zu Rache zog. Seine Meynung stimmte mit der des Ministers nicht immer überein. Für Pombal, der alles allein thun wollte. 2Z8 wollte, war dieses Verhältnis unerträglich. So lehr Moreira, wegen der Theilnahme a» seiner Erhebung, auf seine Dankbarkeit Anspruch machen konnte, so fest war Pom- bal einschlössen, ihn und die übrigen Jesui» ten vom Hofe zu entfernen. Es kostete ihm viele Muhe, den König für seinen Plan zu gewinnen. Den Weg hierzu bahnre ihm die jesuitische Republik in Paraguay. Sehon 150 Jahre dauerte dieser Staat im Verborgenen fort, als ihn endlich ein Granrvertrag, den Spanien und Portugal (1750) schlössen, an das Licht brachten Die Veranlassung zu diesem Granzvertrage gab die Colonic San Sacramento, welche die, Portugiesen (1650) an der nordlichen Küste der Provinz la Plara angelegt hatt ten. Diese Colonie wurde jedoch von den Spaniern, unter dem Verwände, daß sie innerhalb der vom Pabst gezogenen Gränzt linis sich befände, zerstört. Zwar lieferten sie die Spanier (1681) den Portugiesen wie« der aus; allein im spanischen Erbfolgckricae ward sie abermahls von den Spaniern weg» gcnoim Th. XIV, S. 6?. 2Z9 genommen, und den Portugiesen auch nicht eher, als im utrechlcr Frieden, zurückgcge- den. Sie gab zu einem großen Schleichhandel mit Buenos Ayres, einer Stadt im spanische» Paraguay, eine gute Gelegenheit. ltm demselben Einhalt zu thun, schloß Spanien mit Portugal einen Vertrag, der die Gränze des beyderseitigen Gebiethes genau bestimmte. Vermöge desselben trat Portugal an Spanien die Clllonie San Sacramento, und den Bezirk von Monte Video in Paraguay, ab. Spanien überließ dagegen dem Könige von Portugal einige an der Gränze von Brasilien liegende Missionen oder Vekehrungs- bczirke von Parguay, im Lande der Gua- rani. Die Jesuiten, denen jetzt wegen der Fortdauer ihrer Republik bange wurde, gaben sich alle Mühe, die Vollziehung dcS Vertrages zu verhindern, und die beyden Höfe in Gränzstreitigkeilen zu verwickeln. Da ihnen dieses nicht gelingen wollte, da vielmehr (1752) Commissarien beyder Nationen erschienen , um die Gränzen zu berichtigen, und die Vollziehung des Vertrages zu 240 zu bewirke», so wagten eS (175z) die Jesuiten , die spanische» und portugiesische» Truvpen n>it Gewalt von ihrer Republik zu entfernen. Diese musitcn auch anfangs ihrer überlegenen Mannschaft von Guarani > In- dianeru weichen. Zwar erföchte» (1756) die Svcmier und Portugiesen, in vergrößerter Anzahl, eine» Sieg über die Soldaten der Jsutten, der ihnen die Fahnen und Kano- neu derselben in die Hände lieferte; allein ihre weiter» Forischritie wurden durch ein Heer von 20,000 discipliuirtcn Indianern gehemmt, und die Höfe sahen sich zu cincin Vergleiche mit der jesuitischen Negierung in Paraguay bewogen. Es verdroß den Minister Pomln.l, daß man die jesuitische Republik nicht übermalt tigen konnte. Sein Bruder, den er nach Maranhaon, oder in die am Marauhaon liegende Provinz, geschickt hatte, mußte durch seine Berichte an den 'König dazu bey- tragen, denselben dem Orden immer abgeneigter zu machen. Genug, Joseph willigte cnolich nach einem langen Kampfe (17;? Sept.) in die Entfernung der Jesuiten vom Hof- 24l Hofe ein. Diese verlohren dadurch alle Beichtväcerstellen, die ihnen einen Einfluß von der größten Wichtigkeit verschasst hatten. Eine solche Kränkung war für die ehrgeitzlt gen Väter unerträglich. Pombal zog sich jedoch nicht allein den Haß der Jesuiten, sondern auch den des Adels, zu. Unter den Familien desselben zeichneten sich besonders Avciro und Tavora aus. An der Spitze des erster» Hauses stand Don Joseph Mascarenhas, Herzog von Avciro, der Abkömmling eines unehelichen Sohnes Johanns II, und also ein Verwandter des Königs, der, als der Neffe des Caspars Aveiro, zur Zeit Johanns V, ein großes Ansehn behauptet hatte. Er war Oberhoft mcister des Königs, und hatte eine jährliche Einnahme von 150,000 Thalern, die seinem Stoltze allerdings zur Nahrung gereichen konnte. Dieser fand sich durch das despottt sche Verfahren des Ministers Pombal sehr gekränkt. Sein Schwager, der MarquiS Franz, General der Cavallerie, war daS Haupt der Familie von Tavora. Die edclt denkende, aber sehr chrgeihige Gemahlin Gallttli Weltg. 17s Th. H desscl, 242 desselben, Donna Eleonora, konnte es nicht vergessen, daß sie unter der vorigen Negierung weit mehr, ais jetzt, gegolten halte. Eben so fühlte sie sich auch gekränkt, daß der König, auf Antrieb des Ministers, ihrem Gemahle die herzogliche Würde versagte. Sie hatte zwey Söhne, beyde Adjutanten des Vaters, und einen Schwiegersohn, den Grafen von Antougnia. Die schöne Gemahlin des altern Sohnes, die Donna Tercsa, wurde (seit 1752) von dem Könige Joseph geliebt. Wegen seiner äusserst eifersüchtigen Gemahlin, mußte Joseph sein Licbcsverständ« niß mit der Donna Tercsa geheim halten. Zur Beförderung dieser Absicht diente ihm sein Kammerdiener, Peter Texeira, durch den er den vertraulichen Briefwechsel mit der Tercsa unterhielt, der ihn bey den nächtlichen Besuchen seiner Geliebten begleitete. Dieß Verhältniß nährte seinen Stolz. Durch diesen beleidigte er den Oberbofmei- ster Avciro. Der Wunsch, eine Regierung, wie die damahlige gegen eine andre vertauscht zu sehen, war also bey verschiedenen Großen sehr dringend. Wäh- 24Z Während daß Joseph in der Nacht der zärtlichen Unterhaltung mit der Donna Tel resa entgegen gieng, schloß sich sein Minister Pombal in sein Zimmer ein, um dadurch bey dem Pnblicum den Schein zu erregen, als wenn der König, in seiner Gesellschaft, selbst in den dem Schlafe bestimmten Stun« den, für das Wohl seiner Unterthanen arl bettete. Dieser gieng indessen, vermittelst einer heimlichen Treppe, zu einem vor dem Schlosse haltenden Micthwagen, der ihn zur Donna Tcrcsa brachte. In dieser Nacht (1758 am z. Sept.) befand er sich in der Chaise des Texcira. Auf dem Rückwege von seinem Besuche, wurde er von einem ir Personen starken Haufen verkappter Reiter überrascht. Einer derselben schoß nach dem Kutscher; zwey andre durchbohrten mir ihren Kugeln den Rücken der Chaise. Joseph ward von einer dieser Kugeln am obern Theile des rechten Armes verwundet. Er ließ sich sogleich in das nahe Haus cineS bekannten Edelmannes bringen. Von da begab er sich noch in dieser Nacht nach sei, nein Schlosse Bclem. Q 2 Ganz 244 Ganz Lissabon gericth wogen dieses Vorfalles in Bewegung. Joseph, dem es unangenehm war, wenn das Publicum, wenn seine Gemahlin, mit der Ursache seiner nächtlichen Besuchen bekannt wurde, bemühetc sich, von seinem Minister unterstützt, über den Vorfall den Mantel dunkler Unbestimmtheit auszubreiten, und die Erzählung der Umstände zu verwirren. In dieser Absiebt liest er sich, in einem Zimmer seines Pallastcs eingeschlossen, drey Monathe lang, von niemand, als von Pombal, und von seinem Arzte, sehen. Der lctztre war auch derjenige, der ihm die nöthigen Speisen und Getränke reichte. Selbst die Königin wurde nur in der Dunkelheit zu ihm gelassen. Obgleich ein großer Theil der Bewohner von Lissabon, von Avciro's und der Familie Tavora Theilnahme an dem Plane gegen das Leben des Königs, überzeugt war, so äusserte doch der kluge Pombal das, was er darüber glaubte, nicht eher, als bis er die zweckmäßigsten Vorbereitungen gemacht hatte. Die erste sichere Anzeige machte ihm ein Schuhmacher, den ein Liebeshandel mit einem von 245 von den Hausmädchen des Hauses Aveiro in eine verborgne Ecke des Zimmers brachte, wo die Vcrschworncn, nach dem mißlungnen Kö- nigsmords, einander ihre Gedanken und Empfindungen mittheilten. Pombal hatte auch die Vorsicht, die Papiere der nach Brasilien gehenden Schiffe durchsuchen zu lassen, und seine Vorsicht ward durch eine diese Verschwörung aufhellende Nachricht gc- rechtfertigt. Er ließ hierauf (1758 Nov.) unter dem Vorwande, die Reinigung der Straßen, und die Wiederaufbauung der Hauser, zu beschleunigen, einige Regimenter Soldaten in die Stadt rücken. Jetzt (9. Dec.) wurde erst der Nation die Gefahr, die dem Leben des Monarchen gcdrvhet hatte, durch ein königliches Manifest bekannt gemacht. Die Familie Tavora wohnte (iz. Dec.) eben einem von den Bällen bey, welche die englischen und deutschen Kaufleute in jedem Winter zu veranstalten pflegten. Sie erfuhr sogar die Bewegung der Soldaten. Dennoch tanzte der jüngere Sohn des Tavora mit der Lady Hay, der Gemahlin des englischen Gesand- 246 sandten, noch cineMcnuet; er wurde jedoch, ehe er seine Wohnung erreichte, in VerHast genommen. Eben das Schicksal hatten bald hernach seine Brüder, und ihre Gemahlin« ncn. Der alte Tavora, den die zu seiner Gcfangcnnehmung bestimmte Soldatenabthci- lung verfehlt hatte, glaubte sich noch so sicher, daß er nach Velcm fuhr, und um ciue Audienz bey dem Könige bath. Hier wurde er jedoch, nachdem ihn Pombal selbst der Theilnahme an dem Mordplane gerade zu beschuldigt hatte, verhaftet. Die Damen schloß man in Klöster ein. Sehr bedeutend war die vorzügliche Schonung, mit welcher man die Donna Tcrcsa behandelte. Man wies ihr zu ihrem Aufenthalte das schöne, nicht verschlossene Kloster das Santos, an. Sie genoß hier vollkommne Freyheit, und es wurden ihr monathlich 90 Ducaten aus« gezahlt. Ein ganz andres Loos ward ihren Verwandten zu Theil. Der Herzog Avciro wurde erst am folgenden Tage (14. Dec.) in Verhaft genommen, weil ihn Pombal anfangs vergessen hatte. Sein Kammerdiener, 247 ner, der die Gefahr hereinbrechen sah, entfernte sich noch zu rechter Zeit. Aveiro selbst war nicht so glücklich. Um die Flucht von Personen, die in diesen Plan hätten ringe- flochten seyn können, zu verhindern, wurde niemand über die Gränze gelassen, durfte einige Tage lang kein Schiff, selbst kein Packetboot, abscegcln. Jede Nacht brachte einer von den drey Staatssecrelären in der königlichen Wohnung zu. Die gerichtliche Untersuchung des Verbrechens, an welchem die Verhafteten Theil genommen hatten, unterwarf Pombal einer besonder» Commission, bey welcher er den Vorsitz führte. Den Sccrelär machte ein Mitglied von dem Rathe des Pällastes (dem höchsten Gerichtshöfe in Portugal). Dieser und Pombal waren diejenigen, die die Verhafteten verhörten. Auch die in Portugal gebräuchliche Folter wurde, zur Unterstützung der. Aussage von den Zeugen gebraucht. Die Acten wurden, wie es in den Criminalpro- ccssen von vornehmen Personen gewöhnlich ist, der Durchsicht von drey Gerichtshöfen übergeben. Alles geschah auf gesetzmäßige Art. 248 Art. Endlich sprach (1759 am 12. Jan.) die Commission das Urtheil. Dieses wurde schon am folgenden Tage (iz. Jan.) vollzogen. Der Schauplatz der gräßlichen Scene war ein 18 Schuh hohes Gerüste auf dem Marktplatze zu Belcm. Avciro und der alte Tavora wurden lebendig gerädert. Elconora Tavora, die, 40 Jahre alt, noch immer zu den schönsten Damen Portugals gehörte, gieng dem Tode durch das Schwcrdt mit der edelsten Standhaftigkcit entgegen. Pombal übertrieb bey dieser Gelegenheit seine Strenge, oder, wie seine Feinde sagen, seine Nachsucht. Er ließ die Asche der Hingerichteten in das Meer werfen; er ließ ihre Häuser niederreißen, und den gepflügctcn Boden mit Salz bestreuen. Eine Schandsaulc verkündigte das Verbrechen des Avciro und des Tavora der Nachwelt; dagegen bezeugte eine auf dem Platze der Verwundung erbaute Kapelle die Dankbarkeit, von welcher sich Joseph gegen den Himmel durchdrungen fühlte. Zum Zum Beweise der Dankbarkeit, die Jo- seph den Verdiensten, die Pombal bey dieser Gelegenheit sich nm ihn erworben hatte, widmete, diente (1759 Jun.) die Würde eines Grafen von Oeyras , die er demselben verlieh. Dieser benutzte nun die Spuren, die in dem Processe der Köuigsmörder von der Theilnahme der Jesuiten vorkamen, seit ncn König für die Verbannung derselben zu stimmen. Schon zu Anfang des Jahres (1759 Jan.) waren der Provincial, und mehrere andre Mitglieder des Jesuitenordens, verhaftet, und, nach wenig Tagen, für mitschuldig, und des fernern Besitzes ihrer Güter für unwürdig erklärt morden. Dieß machte (im Febr.) ein königliches Manifest der ganzen Nation bekannt. Daß ihre Entfernung aber schon vor der Mordsceue von dem Minister beschlossen war, beweiset der bereits vorher nach Brasilien abgcgangne Befehl desselben, sie aus diesem Lande zu vertreiben. Jetzt wukdcu in Zeit von wenig Wochen (im Sept. und Qct.) über zgo alre und Von einem Flecken an der Mündung des Tcjo, wo stlombal schöne Garten und Weinberge angelegt hatte. 2)0 und junge Jesuiten aus Spanien fortgeschickt. Man krackte sie auf Schiffen nach Civitq vccchia im Kirchenstaate. Der Pabst nahm es natürlich nicht gut auf, daß man ihm diese Gäste, ohne seine Einwilligung, zuschickte. Sein Nuncius in Portugal machte dagegen Vorstellungen. Der Pabst verlangte die Auslieferung der schuldn gen Jesuiten; der Minister bestand hingegen auf der gänzlichen Aufhebung des Ordens. Darüber cutspann sich, zwischen dem Hofe zu Lissabon und dem pabstlichen Stuhle, ein so lebhafter Schrifccmvechscl, daß dem Nun» cius Acciajuolt endlich der Hof und das Reich verbothen wurde, daß man ihn (1760 Jun.) unter einer Bedeckung von Soldaten aus Lissabon fortschasste. Unter den portugiesischen Jesuiten zeichnete sich der Pater Ma» lagrida durch seine Beredtsamkeit, und sein Anschn, die dem Plane des Ministers manch« mal entgegengearbeitet hatten, besonders aus. Dieser wurde, als ein Haupttheilnehmer an dem Mordplane, (1761 am 21. Sept.) in seinem 74stcn Jahre hingerichtet. Eben die» ses Schicksal hatten Noch mehrere andre Je» suiten. sulten, und über 200 derselben ließ man in schrecklichen Gefängnissen verschmachten. So endigte sich der Verscbwörungsproccß, und die mit demselben in Verbindung stehende Vertreibung der Jesuiten. Die Mitglieder und die Anhänger dieses Ordens haben frey» lich keine Mühe gespart, alles, was hier geschah, der Nachsucht des Ministers zuzu« schreiben. Ihre Darstellung bewirkte auch, daß die jetzige Königin von Portugal, 21 Jahre hernach, nicht nur verschiedene von denen, die sich noch im Verhafte befanden, in Freyheit setzte, und einige Nachkommen der Vcrurtheiltcn beförderte; sie bewirkte auch eine neue Durchsicht der Proceßactcn. Eine besondre Comnusson, die dazu niedcrge« seht wurde, that (1781 April) einen Anst svruch, der den Verurtheilten günstig war. Die Königin, die an diesem Tage (7. April) gerade Amvandclungen von Schwer« muth fühlte, ließ die Mitglieder der Comif« sion noch in der Nacht zu sich kommen, und nun wurden alle die Personen, die theils hingerichtet waren, theils noch im Gefängnisse sich befanden, für unschuldig erklärt. Maria Maria Francisco wurde, nebst den vielen Personen, auf deren Schicksal diese Erklärung Einfluß hatte, in die lebhafteste Freude versetzt. Diese dauerte jedoch nur kurze Zeit. Der königliche Sachwalter that gegen diese Erklärung einen so nachdrücklichen Einspruch, und stellte für das erste Urtheil so viele Gründe auf, daß man es für nöthig fand, eins Zeit von bspnahc sechs Zahren hindurch nichts weiter in dieser Sache vorzunehmen. Aber auch diese Zeit ist verflossen, ohne daß weiter etwas geschehen wäre. Es erhellt also daraus wenigstens so viel, daß sich die Beschuldigung, daß sich Pombal, durch die unbarmherzige Behandlung derThcilnehmer, an dem Adel und den Jesuiten habe rächen wollen, sich wenigstens aus den Acten nicht beweisen läßt. Oeyras benutzte übrigens die Verbannung der Jesuiten, und den Bruch mit dem päbst- lichcn Stuhle, manche wohlthätige Veränderung im portugiesischen Kirchen- und Schu- lcnstaate durchzusetzen. Der Inquisition wurde die Bücherccnsur genommen, die man einem eignen Collegium anvertraute. Die Dispensationen von Ehesachen sollten nicht mehr 25Z mchr von Rom eingeholt werden; die Ge« richtbarkeit des päpstlichen Nuncius über die portugiesische Geistlichkeit sollte aufhören; zwischen den alten und den neuen Christen sollte kein Unterschied mehr statt finden. Den Klöstern wurde die Aufnahme von Novizen auf zehn Jahre lang untersagt. Pombal richtete seine Aufmerksamkeit aber hauptsächt lich auf die Verbesserung des Schuluntert richts. Er nahm in Ansehung der Universität zu Eoimbra manche zweckmäßige V-ränt derung vor, und gab derselben acht neue Professoren der mathematischen, physischen und naturhistorischen Wissenschaften; er er» richtete auch verschiedene höhere Schulanstalten, als für junge Edelleute, die jedoch nach einigen Jahren (176z) wieder aufgehoben wurde, imgleichen für Künstler und Kaufleute; er stiftete die Akademien zu Masra und Ltssa- bon; er legte in allen größern Städten Schule» an, in welchem, ausser dem Lateinischen und Griechischen',, auch schöne Wissenschaften und Philosophie gelehrt wurden. Im weltlichen Staate machte Pombal gleichfalls einige sehr zweckmäßige Einrichtungen. 254 gen. Da der Bau des guten Weines, den die Engländer so bereitwillig kauften, auf Kosten des Getreidebaues, gar zu übermäßig getrieben wurde, so sackte er dieses Mißverhältnis!, durck die Emsckräukung des Wein» baues, zu heben. Auf eine unbarmherzige Art wurden nun viele Weinsiückc herausge» rissen, wurden dadurch viele Familien in dürft tige Umstände versetzt. Pombals echtes Ge- fühl des Mensckenwerlhcs bewies sich durch ein Gesetz, welches (177z) die Eiugebvhruen Brasiliens für eben so frey, als die Pvrtn« giesen, erklärte. Der Krieg mit Spanien gab ihm Gelegenheit, seinem Könige die Verbesserung des Finanzwesens, 'und des Kriegsstaates, recht dringend an das Herz zu legen. In einer Nacht wurden Zo,ooo Fn.anzbedientcn, welche sich auf Kosten des Staates bereichert harten, verabschiedet, und die Verwaltung der Einkünfte des Reiches erhielt eine zweckmäßigere Einrichtung. Der GrafvonSckanmburg Lippe, der manche deut» sche und englische Officiere mitbrachte, be- mühcte sich, unter dem portugiesischen Militär einen bessern Geist herrschend zu machen, und dem Kriegsstaare eine ansehnlichere Gestalt 2)5 statt zu geben. Man benutzte hierzu die Zeit des nachfolgenden Friedens. Die Wiederaufbauung der Hauptstadt war gleichfalls ein Gegenstand für Pombals Sorgfalt. Er bewirkte (1760 Ort.) einen königlichen Befehl, nach welchem alle noch stehenden Gebäude niedergerissen wurden, um sie nach einem re« gclmäßig-rn Plane wieder aufzuführen. Die neu emporsteigende Stadt wurde aber (z>. März 1761) abermahls durch ein Erdbeben erschüttert. Daß es aller Verdienste, die sich Pombai um sein Vaterland erwarb, ungeachtet, noch immer nicht an Feinden der damahligen Negierung fehlte, laßt sich leicht vermuthen. Es beweiset dieß auch eine neue Verschwörung, welche nicht lange nach der ersten (176c, Aug.) entdeckt wurde. Viele Personen zogen sich dadurch das Schicksal der Gefangenschaft zu. linker diesen befanden sich selbst die legitimsten Brüder des Königs, Don Anton und Don Joseph. Die Strenge, zu welcher Pombal zuweilen seine Zuflucht nahm, war nicht immer tadelnswerth. Seine Staatsverwaltung . die er durch dieselbe zu behaupten suchte, suchte, hat dem portugiesischen Reiche man« chen Vortheil gebracht. Auch hat er selbst seine Regiernngsgrundsähe gut vertheidigt. Wenn er das, was er that, nicht immer auf die schoncndste Art vollzog, so war dieß ein Fehler, der in seiner frühern Erziehung, und in seinem Temperamente, seinen Grund hatte. Nachdem er seine Ministerstelle 27 Jahre verwaltet, und dem Staate einen Schatz von 65 Millionen Thalern gesammelt hatte, starb der König Joseph (1777 am 25. Febr.), der schon seit sieben Jahren seit ne gewöhnliche Heiterkeit so sehr verlohrcn hatte, daß ihm selbst Jagd und Singspiel, seine Lieblingsvcrgnügungcn, keinen Zeitven treib gewahrten. Pombal, den sein Tod ge« wältig erschütterte, bath um seinen Abschied, den man ihm auch mit Titel und Einkünften gewahrte, und durchlebte die ihm noch übrA gen wenigen Jahre (bis 1782 Map) in der Stille. „Wegen desjenigen," sagte er zu der an seinem Sterbelager versammelten Familie, „was ich als Minister gesündigt habe, bitte ich nicht um Vergebung, weil das Beste meines Königs immer mein Zweck war, und habe ich gefehlt, so ist es aus Mangel .j Zweyter Abschnitt. Nadir Schahs lchte Thaten. Das persische Reich zerfällt in den westlichen und östlichen Staat. Die Macht des indischen Kaisers sinkt immer tiefer Dieses benutzen der Nabob von Auhd, die Dschaten, der Nizam, die Robiüa's, die Marratten, die Englander. Die englisch - vsi- invjsche Compagnie gelangt zum Besitze von Bengale»/ und zur Herrschaft über Dekan. sZ)en überzeugendsten Beweis, dasi Pomdals Staatsverwaltung im Ganzen vortrefflich war, giebt eine Verglctchrmg, die man zwischen dem jetzigen und dem damahligen Zustande Ponugals anstellr. Die Betriebsamkeit der Portugiesen ist seit Pombalö Zeiten wieder Eastetti Welrg. -7r Th> N ganz -58 ganz unterdrückt. Ihre amerikanischen Schätze fließen alle nach England. Dieses hat jedoch in den neuesten Zeiten beynahe die Reichthümer von ganz Europa sich zugeeignet. Seine ausgebreitete Schiffahrt, sein großer Handel, zwingt alle Nationen, den Engländern Tribut zu geben. Eine Hauptgnelle dieses Handels ist Ostindien, wo die cnglisch- ostindische Compagnie sich allmahlig einen Landstrich von 14 bis 15,000 Omadratmeilen, mit 50 Millionen Menschen, zugeeignet hat. Ihre Eroberungen beförderte der ohnmächtige Zustand, in welchem sich der ostindischc Kaiser, seit Nadir Schahs gewaltigem Einfalle, befand. Dennoch war der persische Staat, seit dem Tode des furchtbaren Monarchen, durch innerliche Kriege zerrüttet, und in zwey Reiche getrennt worden *). Als Nadir Schah O7Z9) ans Indien in sein Reich zurückkehrte, fand er dasselbe einer Empörung seines ältesten Sohnes Nisa Kuli Mirza, den er zum Neichsverweser ernennt hatte, preisgegeben. Dieser hatte nicht nur den eingesperrten Shah Thamasp, dessen (* Theil XVI, S. 1?. 259 dessen Leben Nadir noch immer schonte, er- mordet, und die Unterthanen unbarmherzig behandele; er machte sogar Anstalten, die dem Leben seines Vaters droheten. Der treulose Sohn wurde jedoch von dem Vater bald überwältigt, und durch die Blendung der Augen in den Stand versetzt, an keiner Revolution weiter Antheil nehmen zu kün- uen. Doch auch Nadir war nicht immer glücklich. Sein Heer erlitt in einer Schlacht gegen die Tataren in Lesghistan, ans der kaukasischen Landenge, eine große Niederlage. Zu seinen Feinden gehörten jetzt auch die Türken, die einen Nebenbuhler desselben, den Schah Rade, unterstützten; er besiegte jedoch denselben (174;) bey Eriwan in einer äusserst blutigen Schlacht. Der Großsnltaik fühlte durch dieselbe seine Macht so erschüttert, daß er den Persern die freye Wallfahrt nach Mccea nicht länger verweigern durfte. Der glückliche Krieger Nadir konnte sich die Liebe und das Zutrauen der Perser aber doch niemahls erwerben. Diesi war jedoch auch seine Absicht nicht; vielmehr legte er ihnen, um allen Muth zur Aeusserung ihres N 2 Frey- 260 FreyhcitSgcfühls in ihnen zu ersticken, unerschwingliche Abgaben auf, die mit unmenschlicher Grausamkeit eingetrieben wurden. Die Verzweiflung der Perser erstieg die höchste Stuft. Manche entzogen sich dem unerträglichen Zustande durch den Selbstmord; viele, die Bewohner ganzer Flecken und Dörfer, flüchteten in die Gebirge, nach Indien, zu den Türken. Die armenischen Kaufleute, die, seit hundert Jahren, dem persischen Handel einen vermehrten Schwung gegeben hatten, zogen fort. Vergebens suchten Na» dirs zahlreiche Aufpasser die Auswanderungen zu verhindern. Vergebens glaubte Nadir seinen Thron und sein Leben durch große Armeen von Afganen, und andern Nichtpcr» scrn, gesichert. Seine Feinde bewirkten eine Verschwörung, die seinen Tod beschleunigte. Drey Ofsicicrc seiner Leibwache tödtetcn ihn (1747 Jun.) in seinem Zelte, und machten aus seinem Hicnschädel, für welchen kaum die Welt groß genug war, eine Kugel des Kegelspiels. Nadir Schahs Tod gab das Zeichen zu innerlichen Kriegen. Ein Neffe desselben, Ali Ali Kuli Chan, eignete sich sogleich den Besitz der am kaspischen Meere liegenden Provinzen Chorasan nnb Sedschcsran zn. Um wegen der Nachkommenschaft des Nadirs, die er in einer Festung in seine Gewalt bekommen hatte, nicht in Besorgnis? leben zn dürfen, ließ er sie, nach orientalischen Grundsätzen, hinrichten. Der einzige Shahrok Mirza, Nadirs Enkel, hatte das Glück, sein Leben zu retten. Ali'Knli wünschte mit ihm einen Prinzen zu behalten, den er, wenn er .sich selbst zu behaupten nicht im Stande wäre, als einen rechtmäßigen Thronerben ausstellen könnte. Er nennte' sich hierauf Schah Ali, theilte die vorgefundenen Schätze unter seine Anhänger, und überlief; sich nun zu Masandecan dem Genusse des Weins und der Wollust. Desto thätiger zeigte sich (1748) sein Bruder Ibrahim Chan, Statthalter von Ispahan. Diesen wollte Ali Chan durch den Emir Ali, den Statthalter der Provinzen an der westlichen Seite des kaspischen Meeres, beobachten lassen. Dieser ließ jedoch diesem Emir, dem die Wittwe des Nadirs 262 dirs Schäl), die man ihm schon versprochen hatte, zu Theil geworden war, den Kopf abschlagen, »nd ihn dem AÜ Schah über! schicken. Ali Schah machte nun zwar An« stalten, den aufrührerischen Statthalter zu züchtigen; dieser schlug ihn jedoch, in Verbindung mit dem Statthalter von Aderbid« schan, und Ali Chan, der auf der Flucht in seine Gewalt gcricth, hatte das Schicksal geblendet zu werden. Hierauf überwältigte der Emir Ali auch seinen Bundesgenossen, den Statthalter von Aderbidschan. Den, Prinzen Schahrok Mirza, der zu Meschcd eingesperrt war, lud er, unter dem Vorwan- de, ihn als den nächsten Thronerbe» krönen zu lassen, nach Jspahan ein; die kurdischen Herren von Chorasan setzten ihn aber, ohne ihn nach Jspahan gehen zu lasse», selbst auf den Thron. Jetzt ließ sich Ibrahim in Tau« ris, der Hauptstadt von Aderbidschan, zum Schah ausrufen. Als er jedoch gegen den Schahrock zu Felde zog, wurde er, obgleich mit vollen Händen Schätze austheilend, von seinem Kriegsvolke, das gegen seinen rechtmäßigen Herrn nicht fechten wollte, gefangen, und des Lebens beraubt. Doch 26; Doch Schahrock war nur das Spiel der Anführer der kurdischen Turkmanncn und Araber. Einige Zeit hindurch behauptete Jussuf, der Befehlshaber der Turkmcinnen ciä vorzügliches Ansehn; dessen Collcgcn be« nuhtcn aber (1749) seine Abwesenheit, den Schahrock, in dessen Nahmen er regierte, zu blenden und einzusperren. Sie räumten dessen Stelle dem Solciman Schah, einem Abkömmlinge des Hauses Sofi, ein. Allein dessen Herrlichkeit wurde, schon nach sechs Wochen, von dem zurückkehrenden Jussuf ge« endigt. Der blinde Schahrock musite den König wieder vorstellen. Doch Jussuf selbst hatte endlich das Schicksal, von den Befehls« babcrn der Kurden und der Araber überwäl« tigt und geblendet zu werden. Sein Schah« rock wurde abcrmahls eingesperrt. Diejeni« gen, die diese Revolution bewirkt hatten, gerielhcn aber selbst in Uneinigkeit. Der arabische General Mir Aiim unterdrückte den kurdischen. Aber auch Mir Alim spielte seine Rolle nicht lange; er wurde von Ahmed Schah, dem Beherrscher von Kandahar, über» wältigt. Dieser 26^ ' Dieser war von dem Stamme der Ab« dalli, der von Abdal, einer Stadt in der Nachbarschaft von Hcrat, seinen Nahmen hatte, und zur Zeit des Nadir Schahs die persische Oberherrschaft anerkannte. Ahmed der sich, von einem der untersten Hofbedicu« ten, zum Schatzmeister des Nadir Schah cm« porgcsckwungen hatte, zog, während der nach Nadirs Tode entstandenen Verwirrung, mit zoo kostbaren Kameclladungcn, in die afganischcn Gebirge. Hier benutzte er nun die Reichthümer, die er sich zugeeignet hatte, sich ein Kriegsherr zu verschaffen. Von diesem unterstützt, eroberte er allmähiig die Provinzen Kandahar, Cabul, Gazna, und das übrige östliche Pcrsicn. Zu seiner Rest« dcnzstadt machte er die von Nadir neuge« baute Stadt Kandahar. Er bezwäng nun auch den arabischen Mir Alnn, der sich die Ne« gierung in Chorasan und Scdschestan angemaßt hatte, lind ließ den geblendeten Schah« roek zum drittenmal)! den Thron besteigen, auf welchem derselbe (bis 1765) ruhig sitzen blieb. Wahrend daß dieß in Ostpersicn geschah, bildete sich in Westpcrsicn ein besondrer Staat. Hassan Hassan Chan, ein asganischcr General von niedrer Geburt, behauptete sich, seit N.mir Schah's Tode, in dem unabhängige» Besitze von Astarabad und Tauris. Diesen miß, gönnte ihm aber Ali Mcrdan Chan, das Oberhaupt einer turkmannischcn Nomaden» Horde, die in der am persischen Meerbusen sich ausbreitenden Provinz Laristan herum» zog. Um seiner Unternehmung gegen den Hassan das Ansehn der Gerechtigkeit zu ge< ben, schrieb er ihr die Absicht, die Neckte des kleinen Jsmaels, eines Enkels des un» glücklichen Husseins, zu vertheidigen, zu Unter dem Vorwande, die Entwürfe der Empörer zu vereiteln, drang (1749) Ali Mcrdan, plündernd und verwüstend, bis Jspahan vor. Mit ihm war Mohamcd Ke« rim Chan, daö Oberhaupt einer kurdischen Nomadenhorde von 200-0 Köpfen vereinigt. Von diesen wurde die große Hauptstadt, Jspahan, ohne große Schwierigkeiten, für den kleinen Jsmael erobert. Der freygcbi» gcre Kerim machte sich aber bald beliebter, als der strengere Ali Mcrdan. Um so eher dürfte er es wagen, ihn ermorden zu lassen. Die 5) Th. XV. S. ZSv. 266 Die Verwandte!? und Befehlshaber desselben zerstreuten sich; die Gemeinen nahmen bey Keriin Dienste. Dieser, ein ftstgebautcr, allen Beschwerden trotzender Mann, der sich nun allein im Besitze der Sradr Zspahan, und eines ansehnlichen Heeres, befand, üoer- wältigte endlich (1759) auch die Chane in Tauris, und brachte alle Provinzen des westlichen PersisnS, die gebirgige!!, und einige an der Küste liegende Landstriche abgerechnet, durch seine Truppen dahin, daß sie ihm Gehorsam und Tribut nicht versagen durften. Er legte sich nun den Titel eines Bchkil (Regenten) bey. Zsmacl, in dessen Nahmen er alles that, lebte indessen in der Festung Abada, fünf Tagereisen von Schiras, eingesperrt. Pcrsien befand sich unter seiner drey- siigjahrigcn Regierung, in Vergleichung mit den vorigen Zeiten, sehr ruhig. Ohne zu lesen und zu schreiben, ohne Erziehung und Bildung, fand Kerim, blos von seinem gesunden Menschenverstände, und seinem guten Herzen, geleitet, die Mittel, seine Unterthanen glücklich zu machen. Seine Policcy war vortrefflich; seine Rechtspflege auf Billigkeit gegründet; die Abgaben hatten das Drük- Drückende der ehemahligen Zelt verlohren; die Armenier fanden sich wieder ein, und die Handlung bekam einen neuen Schwung. Ohne ein Kenner der Künste und Wissens schaften zu seyn, war Kcrim doch ein Beförs derer derselben. Er baute viel, vornehmlich in Schiras. Eifrig in seiner Religion, war er gegen fremde Religionen gar nicht uns duldsam. Von allen Fürsten seiner Nachbars schaft geachtet, endigte er (1779 Febr.) sein Leben, nachdem er sich auch noch der reichen Handelsstadt Bassora in Irak arabi bemächs tigc hatte. Ahmed Schah, der Schach von Kandas har oder Ostpcrsien, bcfestiate sich indessen immer mehr in dem Besitze seines Staates. Er vergrößerte denselben auch durch Provins zen, die er dem Kaiser von Delhi wegnahm. Dieser befand sich, seitdem seine Macht durch Nadirs Einfall, so gewaltig erschüttert worden war, in einem so ohnmächtigen Zus stände, daß die Fürsten, die seiner Herrs schaft unterworfen gewesen waren, es wagen durften, unabhängige Regenten vorzustellen. Zu diesen gehörten vornehmlich der Subah von von Dekan Als Nadir Schah (l7Z9) von Delhi wieder abgezogen war, befand sich die ganze, dem Kaiser Mahomed noch übrig gebliebene Macht in den Händen des Nlzams, bey welcher er sich auch noch zwey Jahre behauptete. Als er (1741) wegen der Empörung seines zweyten Sohnes, und der Strcifercyen, durch weiche die Marattcn sein Land heimsuchten, in sein Land zurückkehren mußte, ließ er seinen ältesten Sohn Gazioddin, als den Regenten, in Delhi zurück. Dieser war jedoch nicht vermögend, die Zertrümmerung des indischen Kaiscrthu- nies zu verhindern. Die Nachbarn nahmen Länder weg; die Vasallen machten sich unabhängig. Der Beherrscher von Kandahar, Ahmed Schah, bemächtigte sich (1747) des Reichs Kaschcmire am Oberindus, und der Länder Multans und Sindy. Er griff zwar auch das kaiserliche Gebieth selbst an; er wurde aber doch noch glücklich zurückgetrieben. Nicht lange hernach endigte Mahomed seine kummervolle Regierung im 48sten Lebensjahre. Das Th. AVI, S. 1;. 2Ü9 Das Reich, das sein Sohn Ahmed Schah von ihm erbte, begriff jetzt nicht einmahl die Provinzen Agra und Delhi ganz. Zu seinem Wessir ernennte er den Nabob von Auhd, dessen Staat sich an dem Gagra und Dschumna, die den Ganges bilden, ausbreitete. Des damahligen Nabobs Sufdar Jung Vorsahren stammten auS der persischen Provinz Chorasan, und der Vater hatte sich um den Kaiser Mohamed, durch den Beystand, den er ihm gegen den König von Kandahar leistete, verdient gemacht. Auch der Sohn suchte dessen Eroberungen zu verhindern; aber Ahmed sah sich endlich (-751) doch genöthigt, sthm die Provinz Lahor (in Panschab) abzutreten. Der Nizam al Muik, Gazioddin, behauptete indessen sein Ansehn am Hofe zu Delhi noch fünf Jahre, bis er (1752) in einem Kriege mit seinem jüngccn Bruder, der ihm Dekan entrcissen wollte, umkam. Der Kaiser ernennte hierauf dessen Sohn gleiches Nahmens zum Nizam. Von diesem wurde Sufdar Jung, der Nabob von Auhd, vom Hofe verdrängt; doch mußte man demselben die Provinz Elhadabad überlassen. Der Kaiser machte zwar einen neuen Wessi? 2/0 Wessir; Gazioddin blieb aber doch immer der eigentliche Regent. Zu den Völkern, welche von der Ohn» macht des indischen Kaiserthums Vortheil zu ziehen suchten, gehö'tcn auch die Dschaten, ein Stamm der Hindu's, die, ehedem nur als Räuber bekannt, sich verschiedener wichs tigen Festungen im nordwestlichen Agra, und in Agimcre, bemächtigten. Ihr Oberhaupt, Surudge Mull, der den Titel eines Rajah annahm, halte jahrlich 12 Millionen Thaler Elnkünfte, und nur allein 12,000 Mann Cavallerie. Gazioddin, der seiner weitern Ausbreitung Einhalt thun wollte, trieb ihn aus dem ebenen Lande der Provinz Agra in die befestigte Hauptstadt; der Kaiser Ahmed versagte ihm aber das zur Belagerung ders selben nöthige Geschütz, weil er den Nizam nicht wollte mächtiger werden lassen und sein Wessir brachte es durch Unterhandlungen dahin, daß sich der Najah der Dschaten mit dem Kaiser vereinigte. Dadurch fand sich Gazioddin so beleidigt, daß er (175z) den Kaiser, durch einen Haufen von Maratten, in seinem Lager überfallen, und plündern ließ; 27 r ließ; daß cr nicht nur den Wcssir, und andre Nachgebe? desselben absetzte, sondern ihn selbst zur Nicderiegung der Regierung zwang. Der unglückliche Ahmed hatte das Schicksal, im Gefängnisse geblendet zu werden. Gazioddin machte hierauf einen Sohn vom Iehander Schah, Allumgir !I, zum Kaiser. Dieser gab unter andern 17 Prinzen vom kaiserlichen Hause ihre Freyheit. Gazioddin, der jetzt wieder den Wessir vorstellte, wollte dem Könige von Kandahar die Provinz Lahor wegnehmen; cr war aber bey seiner Unternehmung so wenig glücklich, daß zencr vielmehr (1756) bis nach Delhi vordrang, und vieles Geld erpreßte. Er plünderte bey dieser Gelegenheit den kaiserlichen Paliast und die Hauptstadt mit der unbarmherzigsten Naubjüchtigkeit. Allumgir schob das Unglück, das ihm begegnet war, auf den habsüchtigen Gazioddin. Er bath daher den König von Kandahar um die Erlaubniß, den Nohillafürstcn Nigib ul Dowla zu seinem Wessr annehme» zu dürfen; einen Fürsten, der dem Kaiser Mahomcd so wichtige Dienste geleistet hatte, daß er für dieselben mir mit einem 770 O.uadratmcilcn großen Lands strich der Provinz Delhi, der 8 Millionen Thaier einbrachte, belohn: worden war. Doch Gazioddin wollte sich die Wessirs stelle nickt nehmen lassen. Er erschien an der Spitze eines marrattischen Heeres, und schloß den Kaiser Allumgir in Delhi ein. Als lumgirs Sohn, Ali Gohar, auch Schah Zadc genannt, der seinen Vater aus seinem bedrängten Zustande zu befteycn wünschte, eilte, den Nachstellungen des Gazioddins glücklich entgangen, zum Nigib. Dieser gab ihm und seinem Hofstaate monatlich 50,000 Rupien. Allein die Marratten, Gazioddins Bundesgenossen, bedrängten den Nigib selbst so gewaltig, daß er in einer Festung seine Zuflucht suchen mußte. Ali Gohar flüchtete nun zum Nabob von Auhd. Allumgir wußte jetzt nr seiner Noch kein andres Nettnngss murcl, als den Beystand des KSnigs von Kandabar. Das Schreiben, das er (1760) deswegen an denselben abgehen ließ, kam jedoch in Gazioddins Hände. Dieler beschloß nun Allumgirs Untergang. Er brachte ihn, theils durch Ueberrcüuug, theils durch Dro« hungen 2?Z cher hungen dahin, einen wunderthätigen Fakir . oder herunuvandrrndcn muhamcbanischen Mönch, der seinen einmahl gewählten Aufenthalt nicht verlassen durste, zu besuchen. Kaum war aber Allumgir bey demselben angelangt, als er von zwey versteckten Mördern niedergestoßen wurde. Sein lobtcr Körper blieb, an dem Ufer des Dfchnmna, zwey Tage unbegrabcn liegen. Gazioddin ließ hierauf den Jehandcr Schah, einen Enkel des Kaisers Anrungzebe, zum Kaiser ausrufen. Dieser blieb jedoch auf die Mauern seines Pallastcs eingeschränkt, und sein ferneres Schicksal ist ganz unbekannt. Doch ein neuer Einfall des Schahs von Kandahar nöthigte den Gazioddin, seine Zuflucht bey den Dschaten zu suchen. Zu diesem Einfalle ward aber der Schah Ahmed nicht allein durch die große Gewalt, die sich Gazioddin zu Delhi anmaßte, sondern auch durch die Bitten der von den Marralten äusserst bedrängten Nohillafürsten, bewogen. Die Rohilla's, ein afganischer Stamm aus dem Bezirke Noh, in der persischen Provinz Galsttli Weltg. r/r Th. S Cabul, 274 Cabul, zogen, gleich andern Abenthcuern von dc» an der Nordseite Indiens sich hinziehenden Gebirgen, in das schöne Land, um daselbst als Kriegslcute ihr Glück zu machen, und sich Lchngüter zu erwerben. Unter Aurungzcbc hatten (167z) zwey Brüder, Aliuni und Hussein, den jenseits des Ganges, zwischen den nördlichen Gebirgen und Auhd liegenden Landstrich Kuttair, sich zugeeignet. Sie besagen ihn als Landcsver- theidigcr. Ali Mahomcd, der selbst dem Kaiser Mahomcd furchtbar war *), erhielt zur Belohnung sür den Beystand, den er demselben gegen die Sycd's leistete, den Nabobtitel. Sein Land hieß hierauf Nohil- cund (Land der Nohilla) zum Beweise, daß es die Rohilla als ihr Eigenthum betrachteten. Doch der Kaiser Mahomcd, der ihm dieses Eigenthum nicht zugestehen wollte, bekriegte ihn (1745) in Verbindung mit dem Nabob von Auhd. Ali gcrieth in die Gefangenschaft; dennoch blieb seine Familie im Besitze von Rohtlcund. Unvermuihct schlichen sich aber 4000 Nohilla' nach Delhi, wo sie sich vor dem kaiserlichen Pallaste ver- einig- *) TM xiv, S. s. 275 einigten. Die Hauptstadt hatte eine schwache Besatzung; das Kricgsvolk war entweder abgedankt, oder entfernt. Ali erhielt also seine Freyheit wieder; doch wußte er seine beyde» ältesten Söhne als Geisel zn'.ücklas« sen, und es wurde ihm auch nur die Statthalterschaft des Bezirkes Sirhind zu Theil. Allein des Schahs Ahmed Einfall in Hin- dostan, der sich um eben diese Zeit (1747) ereignete, gab dem Ali Mahomcd Gelegenheit, sich Nohilcunds wieder zu bemächtigen. Er starb nicht lange hernach (1749). Seitdem standen die Nohtlla unter mehrcrn Fürstcn. Zetzt (1760) vereinigten sich die Nohilla- fürsten, um sich der Marratcen zu erwehren, mit dem Schah von Kandahar. Die Mar- ratten wurden aus Lahor vertrieben; sie erlitten bey Sirhind eine Niederlage; die Vereinigten besetzten Delhi und Agra. Sie siegten noch über zwey Heere der Marratten, besonders auch über den Najah Holkar, der den Staat von Malva besaß. Der Schah Ahmed wurde nun durch nichts mehr gehindert, den Prinzen Ali Gohar auf den Kai- S 2 serthron 276 scrthron zu erheben, und den Nabob von Auhd zu dessen Wcssir zu ernennen. A!i Gohar, der sich, auf die Ikachricbt vpn der Ermordung seines Vaters, zu Puma in der Provinz Bahar, hatte zum Kaiser ausrufen, und Schah Allum (Herrn der Wett) neuneu lassen, wollte, ehe er nach der Hauptstadt Delhi zurückkehrte, vorher Bengalen erobern. Indessen drangen die Marratten in die Provinz Delhi ein. Diese hatten die Zerrüttung der kaiserlichen Macht, eben so wie andre dem Hofe zu Delhi unterworfene Völker, zur Vergrößerung ihres Gebiethes, und zur Befestigung ihrer Unabhängigkeit, benutzt ^). Der Peischwa Vajirow wollte (17Z9) dem Nizam das Land Dekan cntrcissen; dieser wehrte sich aber gegen seine 50,000 Netter mit 12,000 Mann so gut, daß seine Unternehmung verunglückte. Der Verdruß, den er darüber empfand, beschleunigte sein Lebensende. Nun ward sein Sohn Ballajirow Peischwa. Nicht lange hernach (1740) starb auch der zu Sitterah eingesperrte Maharaja, oder ») Theil XVI, S. 1-. 277 oder Gros,fürst, ohne Erben zu hinterlassen. Die Wah! seines Nachfolgers wurde endlich von dem Peischwa auf den Prinzen Rom, ein sieben Jahre altes Kind, geleitet. Die« ses gab, zu Sittcrah eingesperrt, die schönste Gelegenheit, in seinem Nahmen die Regierung zu fuhren. Zwar wollte Ragozi, der Obcrgcneral der Armee des Obcrraja's, der damahls die Stelle eines. Sbcreinnchmers in Berar, dein östlichen Theile des Marratten- landcs, verwaltete, dem Peischwa Ballast- row die Herrschaft entreisscn; dieser behauptete sie jedoch so nachdrücklich, das; sich Ragozi mit dem unabhängigen Besitz der Provinz Berar begnügen mußte. Seitdem stellt der Najah von Berar, nach dem Peischwa, einen der mächtigsten Fürsten der Marratten vor, der viertchaib Crore Rupien jahrliche Einkünfte, und?o,oocz Soldaten, hat. Das Land, grüsztcnthcils dichte Waldungen, und langS der Küste uncrstcigliche Gebirge, wird von einem wilden Volke, untcr der Herrschaft vieler Polygars, bewohnt. Der Peischwa Vallajirow, der dem Najah von Berar die Unabhängigkeit nicht streitig ^78 tig machen konnte, hatte bey seiner Unter- nehmung gegen Delhi desto mehr Glück. An der Spitze eines HecrcS von ZOO,OO0 Mann, unrer welchen sich auch mehrere Ne, gimenter Seapois, das hcifit europäisch or- ganisirtcs und cxercirtcs Fußvolk, befandcu, uno das einen ansehnlichen Zug von Geschütz mit sich führte, drang des Pcischwa Bruder Vhow, drangen, in Verbindung mit ihm, Holkar, die Dschatcn, und Gazioddin, in Delhi ein. Die Hauptstadt des indischen Kaiserthums wurde damahls wieder auf eine unbarmherzige Art geplündert und verwüstet. Man durchwühlte die Trümmern des kaiserlichen Pallastcs so raubsüchtig, daß der Werth der silbernen Verzierungen und Gc- rärhschaften, die man zusammcuplündertc, noch auf anderthalb Millionen Thaler betrug. Doch selbst die Gräber wurden nicht geschont. Zetzt rückte aber der Schah von Kanda« har herbey. Bhow zog ihm entgegen. Bey Panuibut nicht weit vom Ganges bezog Bhow <1760 Oct.) ein verschanztes Lager. Ahmed zählte 79,000 Streiter, unter welchen 41,000 zu 279 zu Pferde waren. Viermahl so groß war die Zahl seiner Frcywilligen lind leichten Reiter. Auf jedem von 2000 Kamcclen sa< ßcn zwey Schützen mit einer Art von Doppelhaken. Von einer großen Anzahl andrer Kameclc wurden Drehbassen (eine Art von kleinen Kanonen) abgefeuert. Die Armee der Marratlcn bestand aus 55,000 Mann, unter welchen 5000 zu Fuße fochten, und aus einem ungeheuern Troß. Beyde Heere blieben drey Monathe in einerley Stellung. Doch im Lager der Marratten wurde der Mangel an Lebcnsmitteln immer fühlbarer. In der Verzweiflung umringten die Befehlshaber der Mgrrattcn das Zelt des Vhow, erklärten sie ihm entschlossen, entweder zu siegen, oder zu sterben. Die Marratten fochten auch (176t am 7. Jan.) mit dem feurigsten und standhaftesten Muth; dieser unterlag endlich aber doch der Menge der Feinde, und ihr Heer wurde fast ganz vernichtet. Ihr ganzes Lager, mit 2000 Kanonen, kam in die Gewalt der Sieger. In demselben befanden sich aber auch auf 500,000 Menschen, die zu den Verwandten, und zum Troß der Marratten, gehörten. 28o ten. Diese wurden von Ahmeds Abdalli's größtcntheils kaltblütig niedergehauen. Vor jedem Zelte in Ahmeds Lager waren große Haufen von den Köpfen der Erschlagenen aufgechürmt. Dieß war ein Opfer, welches die niuhamedanischcn Abdalli ihren Weiber» und Mülrern versprochen hatten. Die Menge der Pferde, Kamrelc und Lastochscn, welche die Sieger erbeuteten, war ungeheuer groß. Die Schlacht bei) Pannibut hatte übrigens die Folge, daß die Marrattcn von Delhi abziehen mußten, daß der Verdruß über das erlittene Unglück den Petfchwa noch in diesem Jahre tüdtcte. Ahmed, der nun wieder nach Kandahar zog, harte jedoch von seinem ganzen Zuge weiter nichts eingeerud- tct, als die Ehre, die Marrcmen besiegt zu haben. Die Entkräftung des indischen Kaisers, und der Marrattcn, gewährte den Engländern die Gelegenheit, ihre Macht in Vcn- galen, dem Lande am Ganges, immer mehr zu befestigen ^). Dieses wurde seit der Regierung des Forokshere (171z - 1725) von dem *) Theil xv , S. 8. 281 dem Chan Joffer, einem dem Kaiser von Delhi sehr ergebenen Fürsten, beherrscht. Sein zum Nachfolger erklärter Enkel, Ser» seraz, wurde von seinem Vater Shuja c> Dows la, bisherigen Statthalter der Provinz Orissa, genöthigt, ihm Bengalen zu überlassen. Der Kaiser Shah Allum II, dem er kostbare Geschenke machte, bestätigte ihn auch in der Würde eines Nabobs von Bengalen, und der Sohn Serfetaz kam nicht eher, als (17Z9) nach dem Tode des Vaters, wieder zum Bes sitze von Bengalen. Aber er blieb niebt lange in diesem Besitze. Zwey von seinen Vers wandten, Aliverdi und Hagi Chan, denen der Vater die Regierung von Bahar übers lassen hatte, überwältigten ihn, und der uns glückliche Serferaz wurde auf seinem Elephant tcn erschossen. Hierauf wurde Allverdi Chan Nabob von Bengalen. Da, mit der Hauptstadt Murs schedabat, die reichen Schätze des vorigen Nabobs, in seine Hände gekommen waren, so war es ihm nicht schwer, sich die Gunst des Kaisers zu Delhi durch kostbare Geschenks von Gold und Edelsteinen, die den Werth von von IZ bis 14 Millionen Thalern hatten, und durch das Versprechen eines jährlichen Tributs von ciftehalb Millionen Thaler, zu erkaufen. Der Kaiser ernennte ihn zum Subah von Bengalen, Bahar und Orissa. Doch Aliverdt war mit widerspenstigen Großen, vornehmlich mit dem Najah von Bcrar, und den Marratten, die jetzt zum erstcnmahl Bengalen heimsuchten, im immcrivährendcn Kampfe begriffen. Wahrend desselben starb Alivcrdi (>756). Sein Sohn Surajah Dowla, ein habsüchtiger, grausamer Fürst, gericth bald mit den bengalischen Engländern in Streit. Die Engländer hatten seit den Zeiten des Kaisers Jchangir sich in dem schönen, äusserst fruchtbaren Gangeplande immer zahlreicher niedergelassen 5). Schon die Königin Elisabeth hatte einer londonschcn Gesellschaft von Kaufleuten das ausschließliche Recht, nach Ostindien zu handeln, auf 15 Jahre verliehen. Diese setzte sich, als Nebenbuhlerin der Portugiesen, auf den südasiatischen Inseln, als auf Sumatra, Java, und auf den ') Theil xv, S,4-o. 28 z den Molucken, fest. Die Engländer ver- drängten die Holländer von der Insel Am? boina, dem Hanptsihe des Gewürzhandcls. Da jedoch die englische Handelsgcü'lüchast, zur eignen Gegenwchre noch zu schwach, von Jacob I und dem Parlamente nicht untere stützt wurde, so konnte sie dem Schicksale, die Molucken ihren hollandischen Ne^cnbuh- lern überlassen zu müssen, nicht eingehen. Desto mehr wurden ihre Unternehmungen auf den ostindischen Küsten Malabar und Koromandcl vom Glück begünstigt. Sie legte si6ri, 1612) zu Massulipatam, Calicut, Snratc, ja selbst zu Delhi, Comivire an. Sie schlug die Angrisse der Portugiesen, die ihre Niederlassungen in Ostindien zu verhindern suchten, tapfer zurück. Sie half sich (162z) in Verbindung mit dem persischen Schah Abbas, aus Ormus vertreiven. Dafür wurde sie durch die am Eingange des indischen Meeres liegende Insel Vender Adassi belohnt. Diese diente ihr zu einer vortrefflichen Niederlage für ihren Handel mit Persien *). Zehn Jahre hernach (i6zz) erwart ') Theil XV, S. z/s. erwarb sie sich das Eigenthum von der Insel Bombay, an der Küste von Concan. Sie legte in den? Reiche Tellichcry, auf der Küste Malabar, eine kleine Colonie an; sie baute auf der Küste Coromaudel das Fort St. George oder Madras; sie gründete daselbst auch die Niederlassungen zu Massulipa- tam und Vizegapatam; sie bekam (1690) zu Calcutta in Bengalen eine Factorey, nebst einem Fort. Während der Negierung Karls I und Croimvels geschah für Indien wenig, und nach Cromwcls Tode sank das Auschn der Englander in Ostindien immer tiefer. Karl II unterwarf den Handel der ostiudi- schcn Compagnie manchen drückenden Einschränkungen. Diese machte sich aber auch, durch ihre Gewaltthätigkeit und Erpressungen, bey den Indianern verhaßt. Sowohl auf diesen Haß, als auf Karls II bestechlichen Charakter rechnend, wagten es die Hollander (1680) die Engländer von der Insel Vantam zu vertreiben. Die englische Compagnie rüstete sich zwar, ihren Besitz mit Gewalt zu behaupten; allein Karl II, den die Holländer durch 250,000 Livres gewonnen hatten, verboth ihr, zu kriegerischen Maßre- 285 Maßregeln ihre Zuflucht zu nehmen. Der vergeblich gemachte Kricgsaufwand hatte die Casse der Compagnie erschöpft. Um dieselbe wieder anzufüllen, behandelten die Admtni« srrarorcn die Indianer auf eine sehr betrüge« rtsche und ungerechte Weise. Sie unterstan« den sich sogar, eine für die Armee von Aurung« zebc mit llebensmittcln bcladenc Flotte weg» zunehmen. Die Compagnie mußte sich nun von Aurungzcbe's Rache durch große Summen, durch eine fußfallige Abbitte ihrer Abgeordneten, loskaufen. Ihr Handel stockte, ihr Credit sank. Der Krieg zwischen England und Frankreich (1689 bis 1697) fügte der Compagnie gleich« falls großen Nachtheil zu. Viele von ihren Jndienfahrern wurden von den französischen Capern weggenommen. Die Lcincwand und die baumwollncn Zeuge, welche die Compagnie bisher aus Indien geholt hatte, wurde durch die von französischen Neligionsflüchtigcn in Schottland und Irland angelegten Fabriken entbehrlich gemacht. Die englische Nation ver« laugte, auf die ausschließlichen Vorrechte der Compagnie eifersüchtig, die Frcvgebung des Handels immer lauter. Das Parlament erlaub« tc einstweilen, bis das Privilegium der Com« pagnie 2LS Minie erloschen seyn würde, jedem Privat« wanne, der nicht zu den Mitgliedern der Compagnie gehörte, nach Ostindien zu han« dein. ES bildeten sich jetzt viele kleine Han« delsgesellschaften, deren Wetteifer aber dem ganze Handel nach Ostindien mit dem Un« tergange droherc. Endlich vereinigten sich (1702) diese kleine Handelsgesellschaften wie« der in Einer Compagnie. ES wurde gleich« sam eine neue Societät errichtet, die, durch die weise Leitung ihrer Direccoren, und die glücklichen Maßregeln der Negierung, in Zeit von 48 Jahren (1702 - 1750) immer herrlicher aufblühete ^). Die Compagnie war bis dahin mächtig, ohne zu herrschen. Allein nun trat der Zeitpunkt ein, wo die Kriege, die England und Frankreich in Europa führten, sich bis nach Ostindien verbreiteten, und zu Eroberungen Veranlassung gaben, wo eine Nation die andre ganz zu ver« drängen suchte. Ausser den Portugiesen und Engländern hatten auch die Franzosen, in dem productcn« reichen Ostindien, sich Besitzungen zu erwerben *) Theil xvi, S. x. 28? bcn gesucht. Seit Colberts Zeiten hatten sie, nach mancherley mißlungenen Versuchen, den Handel nach Ostindien in ihre Hände zn bringen, (1665) eine ostinbische Compagnie errichtet, die sich auf ein Capital von 15 Millionen Livres gründete Die Jn'cl Madagaskar war zur ' Waaren - Niederlage dieser Societät bestimmt; allein nach fünf Jahren (1670) sah sich diese Gesellschaft, durch eine unkluge, verschwenderische, treu» lose Verwaltung ihrer Beamten, zn dem mit angenehmen Entschlüsse bewogen, ihr Bort recht aufzugeben, und dafür auf denn gerat den Wege nach Ostindien zu handeln. Da« durch wurde aber ihr Gewerbe noch immer nicht blühender, und es verflossen beynahe 60 Jahre, ehe die französisch t ostindische Compagnie aus ihrem ohnmächtigen Zustande sich herauszuheben vermochte. In diesem Znstande wurde sie hauptsächlich durch die Ungeschicklichkeit und Treulosigkeit ihrer Agcn« ten, durch das dadurch veranlaßte saumseee lige Bezahlen der Actiouäre, durch die un» weisen Maßregeln der Nachfolger Colberts, durch Geldmangel, der das Auskommen von niant ') Th Xlll. S- i5). LZ2 cher Niederlassung verhinderte, und durch die Unglücksfälle des Krieges von 1689 bis 1697, erhalten. Wahrend des spanischen Erbfolgckricges (1707) hörre die Compagnie auf, eigne Schiffe nach Ostindien zu schicken. Sie überließ die Ausübung ihrer Handelsvorrechte zuerst einigen reichen Handelshäusern, die ihr von den eingeführten Waaren 5 Procent entrichten mußten. Nicht lange hernach trat sie aber den ausschließlichen Gebrauch ihres Privilegiums, das sie sich (1714) erneuern ließ, einigen Schiffeausrü- stcrn von St. Malo ab. Das lawsche Fi- rianzchstcm zehrte ihre Kräfte vollends auf, bis. unter dem Ministerium von Flenry, zwey Brüder, Orry und Fulvy, dem Emporkommen derselben ihren Eifer widmeten.' Wahrend daß jener den Cardinal für das Interesse derselben stimmte, und dieser ihre Werwalmug leitete, und die wichtigsten Posten nur Männern von Talenten vertraute, kehrte Ordnung und Thätigkeit zu den Ge» schäffte der Gesellschaft zurück. Anfangs war die Stadt Snrate in Gu- zurake die Hauptniederlassung der französischen Com- 28) Compagnie, wegen der nachtheiligcn Concur- rcnz mit andern Europäern wählte sie sich aber einen eignen Ort. Zu einer solchen Niederlassung both ihr die Küste Carnatik, an der östlichen Seite von Ostindien, eine günstige Gelegenheit an. Diese Küste war, unter der Herrschaft des indischen Kaisers, dem Subah von Dekan unterworfen. Die» ftr übergab die Aussicht über dieselbe einem Statthalter, der seinen Wohnsitz zu Arcot hatte. Einer dieser Statthalter Sadatulla (1711 bis 1732) verwandelte sich in einen unabhängigen Regenten. Da der Subah von Dekan, der Nizam al Mnlk, in Delhi volle Veschässtigung hatte, so überließ er den Marrattcn, den ungehorsamen Nabob zu züchtigen. Diese leisteten auch ihrem Auftrage so nachdrücklich Gnüge, daß (1740) Doast Aii, des Sadatulla Bruderssohn und Nachfolger, in einem Treffen blieb. Sein Sohn Subdar Ali erkaufte den Frieden durch eine große Geldsumme, und die im südlichen Carnatik liegende Provinz Tritschi- napuli. Nach zwey Iahren (1742) hatte aber dieser Nabob das Schicksal, von einem ihm untergeordneten Nabob, Mortlz Ali, Ealietti Weltz. i/r Td. T vergifi 290 vergiftet zu werden. Dieser mußte zwar dein Sind Mahomcd, einem Enkel des Sadatulla, den der alte nach Dekan zurückgekehrte Ni> zam zum Nabob von Caruatik ernennte, nach kurzer Zeit weichen; allein Martiz Ali wußte sich dieses Gegners bald (1744) durch Gift zu entledigen. Jetzt kam der Zeitpunkt, wo sich die Franzosen und Engländer in die Hän» del von Caruatik mischten. Beyde Nationen hatten hier schon seit einiger Zeit Besitzungen. Die Engländer besaßen, ausser dem Fort St. George und der Stadt Madras, den Flecken Chinapatam, und die Landschaft Eudalorc. Die Franzosen verschafften sich (1676) den Flecken Pudut, schery, den sie Pondichery nennten. Dieser verwandelte sich bald in eine an, sehnliche Handelsstadt, und dieß geschah vor, nehmlich während der Zeit, daß sich dieselbe (169z bis 1697) in dem Besitze der Hollän, der befand. Ihre Aufseher arbeiteten an ihrem Besten mit vieler Thätigkeit. Dumas verschaffte ihr vom Kaiser zu Delhi das Münzrccht, das ihr jährlich 500,000 Livres einbrachte; er verschaffte ihr den Besitz von Earcal 2YI Carcal, mit welchem ein großer Theil des Handels von Tanjorc, im südlichen Carnatik, verbunden war. Um einen Landungsort für Lebensrnittel zu haben, besetzten die Franzose» (17Z5) die Insel Frankreich, die unter dem Nahmen St. Moritz ehedem den Holländern gehört hatte. Dupleix, der seit dem Jahre 1-741 die Oberaufsicht über die französischen Niederlassungen in Ostindien führte, vermehrte dieselben durch Chandernagor am Ganges, welches feine Handelsgeschafftc nicht nur bis in das Gebieth des indischen Kaisers, sondern bis nach Tibet, ausbreitete. Die Schisse der Compagnie durchkreuhten jetzt alle Meere dieser Gegend. Dieß erregte die Eifersucht der englischen Compagnie. Zum Ausbruche derselben gab der Krieg, welcher wegen der östreichischen Erbfolge geführt wnrde, Gelegenhcir. Der französische Admiral Vourdounais schlug (7. Jul. 1746) die englische Eseadre an der Küste von Co- romandcl, und eroberte die reich angefüllte Handelsstadt Madras; die Insel Vomban ließen sich aber die Engländer nicht wegnehmen. Eben so brav vertheidigte aber Dupleix (1748) Pondichcn). T ? Um 292 Um ihre Macht in Ostindien zu vergrößer», zogen sowohl die Engländer, als die Franzosen, die inländischen Nabobs in ihre Händel. Die Franzosen mischten sich in die Angelegenheiten von Dekan und Carnatik. Als der alte Nizam (1748) sein Leben beschloß, hinterließ er fünf Söhne. Da der älteste, Gazioddin, den Emir al Omrah zu Delhi vorstellte, benutzte der zweyte. Na- zir Jung, diese Gelegenheit, die Regierung von Dekan sich anzumaßen. Bald trat jedoch Mnrzaf-Jung, der Sohn einer vorzüglich geliebten Tochter dcS alten Nizam, und sein Liebling, auf. Dieser hatte zwar nicht so viele Anhänger, als Nazir; aber er rechnete auf den Beystand von Dupleip, der schon vorher die englische Hauptfestung in Carnatik erobert, und sich mit dem Zustande dieses Landes genau bekannt gemacht hatte. Mit Hülfe desselben verschaffte sich Mnrzaf (1749) den Besitz von Carnatik. Zur Belohnung dieser Dienste vergrößerte Mnrzaf das Gebieth von Pondichery durch eine beträchtliche Anzahl von indischen Dörfern. Für den Nazir, der seine Rechte an der Spitze eines Heeres von Zoo,ooo Mann bchaup- 2-/Z tcn wollte, verwendeten sich nun die Englän- der. Mnrzaf hatte nicht Geld genug, sein Kriegsvolk zu bezahlen, und selbst ein an« sehnliches Anlehn von Dupleix reichte nicht hin, seine Verlegenheit zu endigen. Dupleix konnte ihm auch mit seinen Truppen mehr mehr beystehcn, weil sich der Geist der Ems pörung unter ihnen regte, weil die Officicre den Feldzug nicht fortsetzen wollten. Der von seinen Bundesgenossen verlassene Mur- zaf wußte daher kein andres Nettungsmittel, als einen Vergleich mit seinem Gegner. Er traute den Versprechungen des Nazir Jung. Dieser ließ ihm aber, sobald er in sein La? ger kam, Ketten anlegen, und ein Gefängniß anweisen. Murzafs Armee zerstreute sich bald. Doch Nazir Znng genoß sein Glück nur kurz- Zeit. Murzafs Schicksal rührte die Nabobs von afganischem Stamme, welchen der Großvater Nizam ansehnliche Bezirke in den mittlern Gebirgen (Ghauts), an den nördlichen Gränzen von Mysore, verliehen hatte. Da ihnen nun der neue Regent Nazir die Freyheilen und Vorrechte, die sie sonst -94 sonst besessen hatten, nicht zu gestehen wollte, so beschlossen sie, das Ende seiner Herrschaft auf eine gewaltsame Weise zu befördern. Mit ihnen vereinigte sich Dnplcip, dem es jetzt nicht mehr an Kriegsvolk fehlte. Du« pleir eroberte (1750) durch einen stürmenden Angriff die wichtige Handelsstadt Massnlipa- tam, wo Nazir das französische Waarenla« ger hatte plündern lassen; er bemächtigte sich auch der berühmten Festung Gingi. Nazir, unrer dessen Heer sich der Geist des Mißvcr- gnügcns eingeschlichcn hatte, vcrlohr (am 4. Dcc. 1750) eine Schlacht, und ward ge< tödtet. Er halte bey dem Anfange des Treffens den Befehl gegeben, dem cinge« sperrten Mnrzaf das Leben zu nehmen; die« ses war jedoch nicht befolgt worden, und Murzaf ward nun aus seinem Gefängnisse geholt, und zum Subah von Dekan erhoben. Die französischen Truppen machten seine Leibwache aus. Mit ihnen, mit seinem eignen Kriegsvolkc, und mit seinen Schätzen, zog er nach Pondichery. Hier ernennte er einen Anhänger der Franzosen, den Chunda Sacb, zum Nabob von Carnattk. Der Na« bob 295 bob Martiz *) Ali, dem Dupleix (1744) seinen Beystand zusagte, überließ dennoch die Nabobswürde dem Anwarodin Chan. Dieser hatte jedoch so viele Feinde, daß sie, von Dupleix unterstützt, ihm den Chunda Sacb entgegenstellen konnten. Dieser, ein Abkömmling des Sadalnlla, war seit acht Jahren (1741 bis 1749) ein Gefangner der Marrattcn gewesen. Seine Gemahlin und Kinder hatten sich indessen zu Pondichcry, im Schntze der Franzosen befunden. Jetzt verschaffte Dupleix dem Chunda Saeb seine Freyheit, und die Nabobswürde von Car- natik. Anwarodtn verlohr Schlacht und Leben. Dupleix wurde für das, was er hier gethan hatte, reichlich belohnt. Die französische Handelsgesellschaft, die bisher, in den verschiedenen Secprovinzcn von Hindostan und Dekan, nur einzelne zerstreute Festungen und Handclslogcn besessen hatte, erwarb sich jetzt in der Nachbarschaft von Pondichcry einen ansehnlichen Landstrich von acht Dörfern, zu welchem noch eine Niederlassung in Taujore, ungleichen Massullpatam, gehörte. Ihre Oben S. -so. 296 Ihre jährlichen Einkünfte belicscn sich nun< mehr auf fünfthalb Millionen Nuplcn. Bey den Revolutionen, welche die Europäer in Ostindien bewirkten, gewannen diese gewöhnlich mehr, als die Fürsten, welche durch dieselben erhoben wurden. Chunda Saeb konnte sich gegen den Mahomed Ali, den die Engländer unterstützten, (175z) nicht behaupten. Als Dupleix den Sohn in die Stelle des umgekommenen Vaters erheben wollte, geboth ihm (1754) ein zwischen seiner und der englischen Nation geschlossener Vergleich, die Einmischung in die Handel von Carnatik aufzugeben. Doch auch der Subah von Dekan, Murzaf^), konnte Duplcix nicht aufrecht erhalten. Die afga- nischcn Nabobs, die dem Murzaf Beystand geleistet hatten, waren mit demselben unzufrieden, weil er ihre Wünsche nicht alle befriedigt hatte. Sie verlangten nicht nur die Erlassung alles Tributes, und die Vergrößerung ihres Gebiethes, sondern auch die Hälfte von Nazirs Schätzen. Dupleix verwies Oben S. -5-1. 2?7 wies sie auf die Zeit, wo Murzaf in Dekan würde angekommen seyn. Ans Vorsicht gab cr <1751) dem obersten Bussy den Austrag, ihn, mit einer französischen Truppeuabthcilung, nach seiner Hauptstadt Hyberabad zu begleit teil. Allein schon auf dem Marsche fimgcn die Nabobs mit dem Snbah schon so bedeut tcnde Händel an, daß sie sich mit dessen Ert mordung endigten. Bussy und seine Leute befanden sich in der größten Gefahr. Doch der entschlossene Mann ließ (1751 Febr.) den Salabad Jung, den zweyten Bruder Nazirs Jung, der sich als ein Gefangner bey der Armee befand, zum Nabob von Dc» kau wählen. Dieß brachte ihm ein Geschenk von 650,000 Thaier ein. Auch seine Svlt baten wurden von dein neuen Subah so gut belohnt, daß jeder Fahndrich 95,000 Thaler bekam. Doch der große Sold, oen Salat bad Jung auszahlte, zehrte die Kräfte feiner Casse bald auf. Jetzt glaubte der ältre Bruder Gaziodt bin, der indessen im Nahmen des Kaisers zu Delhi regiert hatte, die Herrschaft über Des kan sich selbst wieder zueignen zu können; allein alle seine Bemühungen, sich des Bey- stant 2U8 standes der Marrattcn zu versichern, und die Franzofen zu gewinnen, waren vergebens. Er wurde vielmehr (1752) von feiner Mut- ter, auf Anstiften seines Bruders Salabad, vergiftet. Die Franzofen, die sich von ihrer Freuudfchaft für Salabad nicht hatten abmcn- dig machen lassen, erhielten nun die sogenannten nördlichen Eirears; ein Nahme, den sie in Rücksicht auf Madras und Pondichcri) führen. Es gehört zu demselben die ganze Küste von Golconda, und ein Theil von Ori« M, oder ein 120 Meilen langer, und 6-18 Meilen breiter Landstrich. Er sollte den Franzofen wegen des Soldes, den ihnen der Subah geben mußte, zur Sicherheit dienen. Das französische Gebieth erstreckte sich nun bis in die Nähe des Ganges, und das Aufehn, das sie in Dekan behaupteten, war sehr groß. Die Nabobs dieses Landes ärgerten sich über dieses Anschn aber immer lebhafter, und sie drangen (1756) so lange in den Subah, bis er den Bussy fortschickte, und sich dagegen mit den Engländern in Madras in eine Verbindung einließ. Da diese aber, wegen der damahligen Unruhen in Vengalen, keine 299 keine Truppen entbehren konnten, so mochte Bnss» einen Versuch, das französische Ansehn in Dekan wieder herzustellen. Er drang wirklich bis Hnderabad vor; allein die Ge, fahr, in welcher sich die nördlichen Circars befanden, erlaubte ihm nicht, sich daselbst zu behaupten. Der verdienstvolle Dupieix war nach Frankreich zurückberufen worden, und sein Nachfolger Lallu, der seinem Vorgänger weit nachstand, gcricrh in einen großen Kampf mir den Engländern. Die Engländer, die während des Krie, gcs, mit Frankreich, der von Amerika nach Europa versetzt wurde, ihre Besitzungen in Ostindien zu vergrößern suchten, beschlossen die Franzosen aus den nördlichen Circars, aus welchen sie die zur Erhaltung ihrer Ar, mee nöthigen Mittel zogen, und, in Verbin, düng mit dem Suöah Salabad, auch aus Dekan, zu vertreiben. Sie hatten aber schon mit dem N >bob von Bengalen, dem Surajah Dowla, zu kämpfen. Dieser wollte, unterstützt von den Franzosen, die reichen lind habsüchtigen Leute aus seinem Gebiethe entfernen. Er nahm ihnen daher (1756) erst ihre Factorey in Eossinbazar. Ihre Haupt, ZOO ^ Hauptniederlage befand sich in der Stadt Calcutta. Diese hatte, bey unvollendeten Festungswerken, eine schwache Besatzung. Um so eher konnte sie (im Jun.) von dem Nabob, und den Franzosen, erobert werden. In den Magazinen derselben befanden sich nur noch für 200,000 Pfund St. Waaren, und 50,000 Pfund an baarem Gelde. Der Acrgcr, den der Nabob über seine getauscht ten Erwartungen empfand, rcitzte ihn zu einem unbarmherzigen Verfahren gegen die Engländer, die sich vor der Uebergabe der Stadt nicht hatten auf die Schiffe retten können. Die meisten von ihnen mußten in der schwarzen Höhle verschmachten. Ein Theil von den Gebäuden der cngli- schon Niederlassung war, bey der Einnahme von Calcutta, ein Raub der Flammen ge< worden. Die Befehlshaber des Nabobs wußten daher die gefangnen Engländer, die aus Kaufleuten, Soldaten, Matrosen, und einer Frau, und überhaupt aus 146 Personen bestanden, an keinem andern Orte, als in einem engen nur 11 Fuß langen und 18 Fuß breiten, für einzelne Verbrecher bestimmten ZOl ten Gefangnisse, zu verwahren. In diesem noch nicht völlig 200 Ouadratschuhe grofieNi Kerker, wo auf jeden der 146 Gefangnen nicht mehr a!S fünfviertel Quadratschuhe kam, gericthen die Unglücklichen bald in den schrecklichsten Zustand. Von der brennendsten Hitze, von den abscheulichsten Ausdünstungen der verveststen Luft, von einem äusserst peinigenden Durst gequält, half es ihnen nichts, sich völlig zu entkleiden, und den Schweis der nächsten Nachbarn einzusaugsn. Das wenige Wasser, das man ihnen zu den Gitterfenstern hineinreichte, gelangte nur bis zu einer kleinen Anzahl dieser Unglücklichen. Vergebens bcmühetcn sie sich in der Verzweiflung, diejenigen, welche ihr Gefängniß bewachten, so sehr zu reihen, daß sie ihnen das Leben nehmen möchten. So verschmachteten wahrend einer schrecklichen Nacht, so viele von diesen Eingesperrten, daß nicht mehr als 2z von denselben den Anbruch des andern Tages erlebten. Jetzt wagten es die Ofsiciere erst, dem Nabob von dem Zustande der Gefangnen Nachricht zu geben, und jetzt gab derselbe den Befehl, die noch am Leben befindlichen aus der schwarzen Höhle hcraus- zu< ZO2 lassen, aber hauptsächlich in der Absicht, da« nnt er den Ort, wo die Schätze der Facto« rey vergraben wären, von ihnen hcrauspres« sen könnte. Durch den Verlust von Calcntta, und das traurige Schicksal, welches den Englän« dern daselbst widerfahren war, wurden die Präsidentenschaften oder die Rcgicrnngscolle« gicn zu Madras und Bombay in die größte Bestürzung versetzt. Die Kräfte, über die sie in Ostindien zu gebiethen hatten, waren zu schwach, um die bevorstehende Gefahr ab« wehren zu können. Aus Europa konnte man, wegen dcS damahligen Krieges mit Frank« reich, wenige Hülfe erwarten. Die französi« sckc ttebermacht drohcte selbst den Niederlas« jungen in Dekan. Doch gerade in dieser Zeck der Noth (1756) kam eine englische Fwtte unter dem Admiral Watson an, der einen Theil ssiner durch Stürme zerstreuten Schisse endlich doch nach Bengalen brachte. Auf diesen Schiffen befanden sich auch 2400 Mann Landtrnppen unter dcni Obersten Clive, der jetzt seine wichtige Rolle zu spielen an« fieng. ^ Robert ZvZ Robert Clive (geb. 1725 Sept.), der Sohn eines englischen Rechtsgclehrtcn, zeigte schon als Knabe eine Kühnheit und einen Mnth, die seinen Fleiß und seine Lernbc- gicrde übertrafen. Er gieng als Schreiber der ostindischen Compagnie nach Madras; die Abhängigkeit eines Comtoirbcdicnten war ihm jedoch bald so unerträglich, daß er die Feder gegen den Degen vertauschte, und diesen Degen führte er in den Jahren 1744 bis 1748, auf eine so ausgezeichnete Weise, daß ihn die Directoren der Compagnie, als er (175z) nach Europa zurückkehrte, mit einem kostbaren Degen beschenkten, daß sie ihn zum Oberstlieutenant und Befehlshaber des Forts St. George ernennten, daß sie ihm die Statthalterschaft von Madras versprachen. Clive gieng hierauf (1755) wieder nach Indien. Er erwarb sich um den dasigcn Handel das Verdienst, einen eben so kühnen als mächtigen Seeräuber, den Cona- gi Angria, der durch die Bedeckungen, durch welche sich die Kauffahrer gegen seine Angriffe schützen mußten, der Compagnie einen jährlichen Aufwand von zo,ooo Pfund verursachte, glücklich zu überwältigen. Jetzt eroberte Z24 vberte er (1757 Jan.) nicht nur Calcutta wieder; sondern er verrrwb auch des IkabobS Besitzungen aus einigen andern Oertcrn die« scr Gegend. Er wollte dadurch die Schis« fahrt auf dem Ganges sperren. Der Nabob Enrajah rückte hierauf wieder gegen Calcutta an. Während daß er die Engländer durch Friedensvorschläge zu täuschen suchte, griss ihn Ciive in seinem Lager unvcrmuthct an; allein seine 2Ovo Soldaten waren gegen des Nadobs Truppenmenge so wenig hinreichend, daß er seine Absicht, den Nabob in seine Gewalt zu bekommen, nicht erreiche» konnte. Indessen zeigte sich die Macht der Englau« der dem Nabob doch so furchtbar, daß er dadurch (1757 Febr.) zu einem Vergleiche mir denselben bewogen wurde. Die Englan« der erhielten nicht nur alle ihre Factoreycn und Handclsorkcr wieder; sie sollten anch für den zugefügten Verlust entschädigt werden; sie sollten Calcutta befestigen, und ihren Hau« bei eben so frey, wie ehedem, treibe» dür« fen; sie bekamen anch noch z8 Dürfte auf der Südseite von Bengalen. Dennoch ZO> Dennoch machte Clive den Plan, nicht nur den feindseligen Nabob Snrajah Dowla zu entfernen, sondern auch die Franzosen aus Ostindien zu vertreiben. Zuerst entriß er den Franzosen ihre Niederlassung Chandernagor. Snrajah Dowla, der heimlich die Franzosen unterstützte, ermunterte ihre Befehlshaber, die Engländer aus Bengalen völlig zu vertreiben; allein viele von seinen Feldherren und Großen waren mit seiner habsüchtigen, launigen und harten Negierungsart so unzufrieden, daß sie sich mit der englischen Regierung in ein geheimes Einversiandniß einließen, welches die Absicht hatte, einen von ihnen an dessen Stelle zum Nabob von Bengalen zu machen. Sie bestimmten hierzu den Mir Zassier, xinen Verwandten des Surajah, und einen seiner vornehmsten Feldherren, der eins große Gewalt besaß. Ausser den ansehnlichen Summen, die Mir Jafsicr an die Mitglieder der bengalischen Negierung auszahlte, gab er den englischen Land - und Seetruppcn sogleich ein Geschenk von 4,000,000 Thaler. Das, was Clive damahls erhielt, betrug allein 256,500 englische Pfund. Clive setzte sich nun sogleich mit Z000 Mann in Bewe- Galittti WM. i7k Tb. U amia. zo6 gung. Unter diesen waren nur 1000 Euros päer; die übrigen bestanden aus Seapois. Das ganze Geschütz dieser kleinen Armee schränkte sich auf acht Scchspfüuder, und eine Haubitze, ein. Das Heer des Nabobs zahlte 20,000 zu Pferde, und 40,000 zu Fuß, die mit 5z Kanonen versehen waren. Dennoch siegte Clive (1757 am 26. Zum) bey Plassey über die theils muthlosen, theils verrätherischen Feldherren des Surajah Dow, la so entschieden, daß er das Lager des Na, boös eroberte. Die Beute war so groß, daß nur allein Clive's Antheil 254 000 Pfund betrug. Der Nabob, der sich jetzt selbst in seiner Hauptstadt nicht mehr sicher glaubte, suchte in fremder Kieiduug zu entfliehen; er wurde jedoch erkannt, und ermordet. Zwar schwang sich Cossim Ally ganz uuvcrmurhct auf den Thron eines Nabobs von Bengalen; aber auch dieser wurde von Clive übermal, tigt, und dieser machte nun den Mir Kassier zum Beherrscher von Bengalen. Dieser mußte freylich viel geben, und noch mehr versprechen. Dem Clive wurde unter andern ein Lehnsbezirk, der ihm jährlich 50,000 Pfund einbrachte, zu Theil. Doch Zo? Doch Mlr Jassier fand die von seinem Vorgänger hinterlassene Schatzkammer nicht reich genug, die Forderungen seiner engli- scheu Bundesgenossen zu befriedigen. Er konnte die Halste der ungeheuren Summen, zu deren Zahlung er sich verpflichtet hatte, nicht sogleich liefern. Zur Sicherheit derselben mußte er nun den Engländern verschiedene Oerter einräumen. Diese trieben jedoch ihre Anmaßungen immer höher. Die calcut- tische Regierung mischte sich in alle bengalischen Angelegenheiten von einiger Bedeutung; sie verlangte von dem Nabob die Abdankung seines unuöthiqcn Kriegsvolkes; sie nahm sogar einige von seinen Großen, die er, weil sie ihm verdächtig waren, absetzen wollte, in Schuh; sie preßte ihm für den Beystand, den sie ihm gegen einige Europäer leistete, den Salpetcrpacht der Provinz Vahar ab. Dieß wollten nun die Holländer nicht zugeben; die Holländer, die nicht nur in Bengalen einige Facrorcpe», z. V. Chinsura am Hugleuflusse, sondern auch, auf der Küste Koromandel, einen an die Südseite der Präsidentschaft Madras gränzenden Bezirk besaßen. Sie verabredren es heimlich U 2 mit Zv8 mit dem Nabob, ihm gegen die Engländer beyzustehcn. ttnvermuthct kamen (1759) von Batavia her 2000 europäische und ma- layische Soldaten »ach Bengalen, die, wie man vorgab, die hollandischen Besatzungen am Ganges ablösen oder verstärken sollten. Der Nabob stellte sich, als wenn er ihre Landung nicht hätte verhindern können. Clive dnrfte, wegen der damahligen Verbindung zwischen England und Holland, als englischer Befehlshaber, die Holländer nicht angreifen; er konnte es jedoch auf Befehl seines Bundesgenossen, des Nabobs von Bengalen, thun. In dieser Absicht ließ er die holländischen Truppen, durch bestschne Wegweiser, nicht nach Chmsura, das sie in einem Tage erreichen konnten, sondern in die Sümpfe und Gebüsche der niedrigen Gegenden am Huglcy, führen, wo sie endlich an einen Haupiposten der Engländer kamen, deren Batterien sie nöthigten, das Gewehr zu strecken. Zugleich wurden ihnen auch ihre sieben im Hngley liegenden Schiffs weggenommen. Die gefangnen holländischen Soldaten wurden nach Vatavia zurückgeschickt, und der ganze Streit, der deswegen zwischen den Zo? den bei,den Handelsgesellschaften entstand, endigte sich durch einen Schriftenwechsel. Der Nabob von Bengalen, der sein Miß? vergnügen über den verunglückten Plan der Holländer verbergen mußte, der sah jetzt auch die Franzosen zu ohnmachtig, der Macht der Englander in Ostindien entgegen zu ar« betten. Bussy behauptete sich zwar, durch seinen Muth und seine Entschlossenheit noch einige Zeit in Dekan, und er brachte sogar (1757 und 1758) die Nabvbs der nördlichen Cirkars zur vorigen Unterwürfigkeit zurück; allein der Oberbefehlshaber Lally gericth in Carnatik in so große Verlegenheit, baß er den braven Bussy mit seinen Leuten hcrbeyru« fen mußte. Der Subah von Dekan bekam da« durch volle Freyheit, seine Verbindung mit den Engländern zu befestigen. Clive vertrieb nun O759) die Franzosen aus den nördlichen Circars; er nahm ihnen die reiche Manu« factich - und Handelsstadt Masulipatam, und (1760) die Festung Gjngi, weg. Die fran« zosische Truppenzahl schmolz, weil sie aus Europa nicht verstärkt wurde, immer mehr zusammen. Lally, der sich noch durch einen Unglück« ZlO unglücklichen Angriff aus Madras schwächte, mußte (1760) mir den 7400 Mann, die ihm übrig blieben, zuleht in Pondichery seine Zuflnchr suchen. Nachdem er hier neun Monathe eingesperrt gewesen war, nöthigte ihn (1761 Jan.) der Hunger, sich und die Sradt zu ergeben, und nur der Friede gab Poudi- chery den Franzosen, als ein Steinhaufen, wieder zurück. Der Nabob von Carnatik, Mahomcd Ali 5), j^rd „un ein völliger Vasall der Engländer, denen er fast alle seine Einkünfte überlassen mußte. Er behielt kaum so viel übrig, als zur Unterhaltung seines Hofstaates nöthig war, und zwar 254,778 Rupien. Er halte den Engländern in Zeit von 16 Jahren (175011766) 25,805,000 Thaler bezahlt, und blieb ihnen nock immer 25,500,000 Thaler schuldig. So entkräfteten die Engländer die mächtigen Nabobs von Indien. Weder die Hollänher noch die Franzosen vermochten es also, die Fortschritte der Engländer zu hemmen. Eben so wenig vermochte es *) Obku S> -?6. Zir es aber der Kaiser Schah Allum II, der, gleich nach dem Antritte seiner Regierung (1759), Bengalen, das ihm sein Vater Alt lumgir geschenkt hatte, erobern wollte ^). Mir Jaffters unbezahlte Soldaten wollten nicht fechten, und seine Vasallen erwarteten nur den günstigen Augenblick, sich gegen ihn zu erklären. Er erschien mit Zo,ooo Mann vor Patna, der Hauptstadt der Provinz Ba- har, und siegte auch (1760 Febr.) über Mir Jafficrs Befehlshaber, der Patna vertheidigen sollte. Clive befand sich damahls gerade in Europa; der Zeitpunkt schien also für den Schah Allum günstig genug. Dennoch war dieser nicht im Stande, Vengalen wieder zu erobern; er sah sich vielmehr (1761 Febr.) bewogen, mit den mächtigen Engländern einen Vergleich zu schliefen. Der indische Kaiser kam selbst in das englische Lager, um sich in den Schutz der Engländer zu begeben. Dem Nabob von Bengalen war es sehr unangenehm, daß der Kaiser sich so in der Nähe befand; er ließ daher kein Mittel unversucht, ihn aus seinem Gebiethe zu entfernen; er erregte sogar unter dessen Truppen einen ') Oben S. -98. ZI2 einen Aufstand. Schah Allum zog daher (176c Zun.) von Patua endlich wieder ab, und begab sich zu seinem Wcssir, dem Nabob von ?tuhd. Die Entfernung des indischen Kaisers bewirkte aber nicht Mir Jassier, sondern dessen Nachfolger, Mir Cossini. Jener konnte, weil seine Finanzen, durch die Nachlässigkeit seiner Minister, zu sehr in Verfall gerathen waren, die den Engländern versprochenen Snbsidicn nicht bezahlen. Die londoner Direktoren der Compagnie, die ans die bengalischen Reichthümer rechnen zu dürfen glaubten, verminderten nicht nur die Summen, die sie sonst nach Indien schickten, sondern verlangten auch noch den Ucberschnsi von den Einkünften, die man nicht brauchte. Allein d>c Summen, mit welchen Mir Jassier die Nabobswürdc erkauft hatte, waren entweder zu den bengalischen Kriegskosten verwendet worden, oder den Beamten zugefallen. Die Regierung zu Calcutta wufite daher, um neues Geld zu bekommen, kein andres Mittel, als die NabobSwürde aber- mahls zu verkaufen. Au Beschuldigungen, die man dem Mir Jaffier machte, fehlte es nicht Z!Z nicht, wenn sie auch nicht gegründet waren. Er wollte cS seinem Schwiegersohn, Mir Cossim, nicht gestatten, in der Verwaltung seiner Staatseinkünfte die Ordnung wieder herzustellen. Dieser brachte es nun (1760 Scc.) leicht dahin, sein Nachfolger zu werden. Es kostete freylich große Geldsummen. Die Glieder der Regierung zu Calcutta erhielten von dem neuen Nabob so große Geschenke, daß es dem Gencralgouverncur Vau- sittart allein 58.ZZZ Pfund trug. Der ost- indischen Gesellschaft wurden, um ihr eine jährliche Einnahme von 4,6^,000 Rupien zu sichern, noch mehr Bezirke eingeräumt. Die Summe von 400,000 Thalern Subst- diengeidcr mußte baar ausgezahlt werden. Die Beamten der Gesellschaft durften auch nicht vergessen werde!,. Mir Cossim und der Generalgouverneur Vausiltart, begaben sich hierauf, von Soldaten begleitet, nach Murschcdabat, der Residenz des Nabobs, und Mir Jafficr mußte sich endlich doch entschließen, mit seinem Harem, und seinen Kostbarkeiten, nach Calcutta zu ziehen, und mit einem seinem Stande angemessenen Iahr- gchalc sich zu begnügen. Der Zl4 Der neue Nabob, Mir Cossim, war jedoch thätiger und unternehmender, als es die Engländer wünschte!?. Nachdem er den Kaiser Schah Allum, den/, er, von den Engländern gezwungen, huldigen mußte, von Patna entfernt hatte, bereitete er sich in der Stille zur Ausführung des Planes vor, von dem Joche der fremden Kaufleute sich zu befrcycn. Seine Finanzverwaltnng erhielt eine bessere Einrichtung; die asiatische Pracht wurde vom Hofe verbannt; man bezahlte das Kriegsvolk richtig; man vermehrte es nicht nur durch Schaaren von tapfern Mongolen und Afgancn, sondern auch durch europäisch organisirte Seapois. Um sich der Aufmerksamkeit der Engländer zu entziehen, verlegte Mir Eossim seinen Wohnsitz nördlicher, nach Monghier. Nach diesen Vorbereitungen fieng er an, den Handel der Engländer, durch neue Zollcinrichtungen, einzuschränken. Darüber gerieth er (176z) mit denselben in Handel, in Krieg. Die Engländer eroberten und plünderten die Stadt Patna. Diese kam jedoch bald wieder in die Gewalt des Nabobs, der nun die Engländer aus allen ihren Factoreyen vertrieb, und nicht nur Z'ö nur dir Gefangnen, sondern auch noch andre, die sich in seinem Gebiethe befanden, todten ließ. Die Regierung zu Calcutta, die sich durch Mir Cossims Erbcbnng so gewaltig getauscht sah, liest hierauf (176z im Ju>.) den Mir Jafsier wieder Nabob werden. Dieser zahlte den englischen l!and 1 und Seetruppcn 458,000, und den Beamten der vstmdischen Compagnie 975,000 Pfund, ans. Er machte sich überdies? verbindlich, die alte Zollfrei heir wieder herzustellen, nur eine bestimmt« Anzahl von Truppen z» halten, und monath- lich 400,000 Thaler Snbsidiengcldcr zu bezahlen. Die Engländer versprachen ihm dafür ihren Beystand gegen den Mir Eossim, der, durch ein ansehnliches und wohlversehe« nes Heer vertheidigt, die Provinz Bahar, und die Festungen Murfchedabat, Monghier und Patna, noch im Besitze hatte; der zuletzt auch den Kaiser Schah Allum, und den Nabob von Anhd, für seine Sache gewann. Dennoch unterlag er der Macht der Engländer, die (176z Jnl.) Murfchedabat eroberten, die (im Oct.), nicht starker als 5000 Mann, zr6 Mann, sein 60,000 Streiter starkes Heer bcn Oudanulla scblnaen, und Monghier er« oberten. Der Nabob hatte vorher seine Schätze in Sicherheit gebracht, und die Eng- länder, die sich daselbst befanden, ermorden lassen. Diese Engländer erstürmten endlich (6. Oct.) auch Pama, Mir Eossims letzte Festung. Mm Cossini setzte jetzt seine ganze Hoffnung auf den Nabvb von Auhd, uird der Kaiser Schah Allum, der sich bey demselben befand, muhte, wider seine Neigung, an seinem Feldznge nach Bengalen Theil nehmen. Der Nabob von Auhd schickte, als Wcssir des indischen Kaisers, drohende Vorstellungen nach Calcutta. Er und seine Bundesgenossen fielen hierauf (1764) mit einer gewaltigen Kriegsmacht tu Vahar ein. Bald schlich sich jedoch die Uneinigkeit unter ihnen ein. Der Nabob von Auhd gab das Gepäcke des Mir Cossims, der seine besten Sachen schon in Sicherheit gebracht hatte, der Plünderung preis, und ließ ihn selbst, als einen Gefangnen, nach seinem ^ager b,singen. Jetzt z-7 Jetzt rückte aber (1764 May) die indessen verstärkte.englische Armee gegen den Na- bob von Auhd an. Er räumte hierauf die Provinz Bahar, und verschanzte sich bey Buxar, am südlichen Ganges. Als die Engländer ihm hier nachrückten, wurden sie (2z. Oct.) von ihm angegriffen. Sieben tausend Soldaten der Compagnie, unter welchen sich nur 900 Europäer befanden, fochten jetzt gegen 40,000 der besten indianischen Truppen. Dennoch war den Engländern der Sieg, ward ihnen das ganze Lager der Vereinigten, nebst einem Artillcriczuge von izc> Kanonen, zu Theil. Der Nabob von Auhd flüchtete, nachdem er dem Mir Cossim seine Freyheit gegeben hatte, nach Elhadabad. Mir Cossim, der sein Land nicht wieder sah, fand seine letzte Zuflucht bey den Rohilla's, und lebte hierauf zu Delhi (bis 1777) von den Usberbleibseln seiner geretteten Reichthümer. Der Kaiser Schah Allum II mußte sich, von seinen Bundesgenossen verlassen, in die Arme der Engländer wersen. Diese wiesen ihm zuerst die Stadt Vsuarcs, am westlichen Zi8 chen Ufer des Ganges, den Hanptsik der ,n- dischen Gelehrsamkeit, zu seineuLlufenthalts« orte ein. Sie schlössen ciuch (176.^ Dec.) einen Vergleich mit demselben. Durch diesen markten sie sich verbindlich, ihm die Provinzen Elhadabad und Anhd zu erobern. Deifür trat er ihnen den Bezirk von Bcna- res, und die von ihren bengalischen Besitzungen entfernte Provinz Ghazipore, eine der nördlichen Landschaften von Bahar, ab. Die Englander eroberten hierauf die Stadt Lucknow, die Residenz der Nabobs von Anhd, und die Festung Elhadabad. Eine Armee von Marratren, die dem Nabob zu Hülfe " kommen wollte, wurde (1765 Man) durch das englische Kanoucnfeuer bald zerstreut. Eben dieses Schicksal traf des Nabvbs eignes Heer, der zu dem afganiichen Najah zu Feruckabad flüchtete. Um sei» Land wieder zu bekommen, beschloß der Nabob, zu der Gnade der englischen Regierung seine Zuflucht zu nehmen. Er begab sich daher selbst in das englische Lager. Gerade um diese Zeit war der mit der Würde eines iudischcuLordS, und dem Titel eines Barons ZI9 Barons von Plassey, gezierte Clive nach Cal- cutta zurückgekehrt. Die Dir.ctoren der ostindischen Compagnie fanden, durch die großen Eroberungen, und durch die vielen erbeuteten Schätze, weder ihren Handel erweitert, noch ihre reinen Einkünfte vermehrt. Die Actien- inhaber bekamen sogar eine kleinere Dividende als vorher; sie bekamen, anstatt A, nur 6 vom Hundert. Um so mehr halten sich ihre Beamten und Befehlshaber bereichert. Diesen sind in dem Zeitraume von 1757 bis 1771 nicht weniger als Z4 Millionen Thaler zu Theil geworden. Die Compagnie glaubte, daß niemand mehr, als Clive, im Stande wäre, den Mißbrauchen in der indischen Staatsverwaltung Gränzen zu setzen, und die Ordnung der Finanzen wieder herzustellen. Der König ernannte ihn Häher zum Gouverneur von Bengalen, und zum Oberbefehlshaber aller Truppen in diesem Lande. Seine Ankunft zu Calcutta fiel gerade in den Zeitpunkt, wo der Krieg mit dem Nabob von Auhd geendigt war. Clive folgte bey seinem Benehmen gegen diesen Nabob, und die übrigen indischen Fürsten, welche von den Engländern überwältigt wa- ren> Z20 reu, den Grundsätzen der Billigkeit, ohne jedoch den Vortheil der ostinblschen Compag- nie zu vernachlässigen. Der alte Nabob von Bengalen, Mir Jafficr, starb um diese Zeit (5765 Febr.), Clive bestätigte nun seinen zweyten Sohn, Nudznm a! Dowla, zum Nachfolger desselben. Freylich kostete ihm dieses eine große Geldsumme; auch war seine Gewalt sehr eingeschränkt. Er durfte nur wenig Krisgsvvlk Hairen ; seine Minister wurden von der Negierung zu Calcntta ernennt, und der englische Resident gab seinen Zinanzminister ab. Zuletzt ließ sich die Compagnie alle Einkünfte des NabodS, bis sich auf 14,400,000 Thaler beliefen, gegen einen Jahrgehait von z,Z6o,oo0 Thaler abtreten. Der Kaiser Schah Allum, und der Nabob von Auhd, erhielten nicht viel bessere Bedingungen. Jenem gab Clive die Provinzen'Ghazipore und Vcnares zurück; dagegen musite er aber den Engländern nicht allein die Provinzen Bengalen, Vahar und Orfta abtreten, sondern ihnen auch alle seine Staatseinkünfte, zusammen 19 Millionen Thaier, überlassen, und und sich mit einer jährlichen Einnahme von 2,080.000 Thalern, begnüge». Diese erhielt er aber nur sechs Jahre lang (bis 1771). Die Nabsbs von Bengalen ans Mir Jaft fiers Nachkommenschaft sahen ihren Jahrge- halt auch immer mehr vermindert. Der Nabob von Auhd gelangte zwar wieder zn dem Besitze seines Landes; dafür mußte er aber nicht allein den Englandern einen ganz freyen Handel gestatten, sondern ihnen auch 4 Millioü'en Thaier für die Kriegskosten be- zahlen. Auch in Dekan befestigte Clive die Macht der ostindischen Gesellschaft. Nachdem sich Vussy (1758) aus diesem Lande emfenu hatte, vereinigten sich die Polygars, oder die klei- neu Fürsten derselben, mit den Engländern, die die Franzosen immer mehr verdrängten. Der Subah Salabad Jung, dem ein jün- gercr Bruder, Nizam Ali, lebhafte Besorgt msse erregte, mußte sich (1759 März) zu einer Verbindung mit den mächtigen Engländern entschließen; er mußte ihnen Masuiipa- tam, nebst verschiedenen nördlichen Circars, abtreten. Dennoch ward er von den Englän- Gallctti Weltg. i/r Tb. T dern Z22 dcrn so wenig geschützt, das ihn sein Bruder Nizam Ali (1764) überwältigen, und ermorden konnte. Die Engländer blieben im Besitze der Circars, den ihnen mich Shah Al- lum bestätigen mußte. So viel wirkte Ctive. Als er (1767) noch Europa zurückkehrte, brachte Bengalen der vstindischen Compagnie jährlich fünf Millionen, und ihr ganzes Gebieth in Ostindien rz Millionen Pfund, ein, und die jährliche Dividende betrug 6c> vom Hundert. Seine Verdienste wurden in Großbritannien von vielen, und vornehmlich auch vom Könige und den Ministern, anerkennt. Er wurde, kurz nach seiner Rückkehr, mit dem Orden von Bade geschmückt. Allein die Hoffnungen, die sich die ostindische Compagnie von den großen Eroberungen und Handclsfrcyhcitcu gemacht hatte, wurden getäuscht. Die Beamten der Gesellschaft handelten so eigennützig, so gewaltsam, daß sie das Gewerbe ihrer indianischen Unterthanen völlig niederdrückten, daß sie eben dadurch die Einkünfte der Gesellschaft ausserordcntlich verminderten. Das Silber verschwand in wenigen Jahren, und ein Mißwachs, den die Monopolicn äusserst drückend machten, veran- Z2Z veranlaßte (7770) eine Hungersuoth, welche von den Unterthanen der Compagnie (15 Millionen) den achten Theil, hinwcgrasfte. Die großbritannische Regierung fand es be« deutlich, einer Gesellschaft von Kaufleuten die Herrschaft über ein so großes Land zu übers lassen; um sich dabey zu behaupten, mußte die Compagnie eine jahrliche Abgabe von 420,000 Pfund versprechen. Diese konnte sie jedoch nach einigen Jahren so wenig ent- richten, daß sie vielmehr (177z) die Nation um einen Vorschuß von 1,400,000 Pfund ersuchen mußte. Das Parlament befahl ihr nun, die Dividende, bis auf den Zeitpunkt, da ihre Schulden bezahlt seyn würden, auf sechs vom Hundert herabzusetzen, und während bor Zeit ihre Einkünfte auch blos zu dieser Absicht zu verwenden. Die Feinde, die sich Clive dtssch seine glücklichen Unternehmungsgeist zugezogen hatte, ließen den bedenklichen Zustand der ostindischen Compagnie nicht unbenutzt, seine ostinbische Verwaltung allerley Beschuldigungen zu unterwerfen. Sie brachten eS auch dahin, daß das Parlament ihm den Proceß machte, daß er sich in Gefahr befand, Vermögen, Ruhm und R 2 Ehre Z24 Ehre zu verlieren; allein der Ausgang dieses Processes ward so sehr zu seinem Vortheile entschieden, daß man ihm, als (1774) der iiorbamcrikanische Krieg ausbrach, den Oben befehl über die Truppen in Nordamerika auftrug. Doch seine Kränklichkeit, die er sich durch den Aufenthalt in Indien zugezogen hatte, gicug zuletzt in eine solche Verstimmtheit des Geistes über, daß sie ihn (1774) zum Selbstmorde durch einen Pistolenschuß antrieb. Clive, der ein Vermögen von 20 Millionen Thalern besaß, glaubte sich vor dem Schicksale der Dürftigkeit nicht gesichert l Sechs? Z25 Sechs und dreyßigstcs Kapitel. Rußlands mächtiger Einfluß auf das nördliche und östliche Europa. Erster Abschnitt» Ende der Regicrungsgcfchichte der russischen Kaiserin Elisabeth. Der unvorsichtige Peter Hl unterliegt sehr bald einer Revolution, die seine Gemahlin, Katharina U, auf den Thron hebt. Iwans Hl gewaltsamer Tod. ^nf den Gang des siebenjährigen Krieges hatte der Tod der Kaiserin Elisabeth einen entscheidenden Einfluß. Diese schwache Res gcntin überließ die Besorgung der Staatsges schaffte ihren Vertrauten, ihren Lieblingen. Am längsten spielte unter denselben Vestu« schew Z26 schem seine Rolle. Dieser, der von einer englischen, »ach Rußland gewanderten Familie, Nahmens Best, abstammte, dessen Vater, bey dem Regierungsantritte der Kaiserin Elisabeth, in den Graftnstand erhoben worden war, befand sich in seinem zwanzigsten Jahre bereits unter dem Gefolge einer Gesandtschaft, die Peter 1 (1712) nach Deutschland schickte. Er diente hierauf eine kurze Zeit dem Könige Georg I von Großbritannien, der ihn als seinen Gesandten nach Petersburg schickte. Von da kam er (1717) wieder in russische Dienste, und nachdem er erst bey der Herzogin Anna von Kurland, und hernach bey der Kaiserin Katharina I, die Stelle eines Kammerhcrrn versehen hatte, ernannte ihn die Kaiserin Anna, durch Viron für ihn gewonnen, zu ihrem Cabinetsminister Zugleich mit Biron fiel auch Bcstuschcw; doch erhielt er, auf Befehl der Kaiserin Elisabeth (1741) bald seine Freyheit wieder. Er wurde Wicckanzlcr, Senatcur, General - Dircctor der Posten; er stieg nach vier Jahren bis zum Großkanzlcr empor. Je mehr ihn aber die Kaiserin Elisabeth ihres ganzen Vertrauens ") Theil xvi, S. 76. -oz. Z27 traueus würdigte, um so verhaßter war er bey dem Großfürsten Peter. Dieser konnte es ihm nicht verzeihen, daß er, als Gesand« ter am dänischen Hofe, sich einiger der wichtigsten holsteinischen Urkunden bemächtigt, und sie nach Petersburg gebracht hatte. Be- siuschew machte daher den Plan, den Großfürsten Peter von der Thronfolge auszuschließen, und sie seinem Sohne, dem kleinen Großfürsten Paul, unter der Vormundschaft seiner Mutter, zuzuwenden. An der Ausführung dieses Planes verhinderte ihn aber der Verlust seiner Mintstcrstcllc. Sein eigenhändiges Schreiben an den Feldmarschall Apraxin gab den überzeugendsten Beweis, daß der übereilte Rückzug der russischen Armee sein Werk gewesen war. Seine Feinde benutzten den Unwillen der Elisabeth, den Sturz des eben so beneideten als gefürchtc- ten Mannes z» bewirken. Die Kaiserin entsetzte ihn (1758 Febr.) aller seiner Aemter und Würden, und ließ ihn auf sein Gut Gorctowo, 14 Meilen von Moskau, bringen. Seine Stelle eines Großkanzlers nahm Woronzow ein; ihr vertrautester Liebling war jedoch Alexet Gregorewitsch Rasumowski, und Z2Z und da lieben und geliebt werden ein Haupt- erfordcrniß ihrer Glückseligkeit ausmacbte, so brachte es der schöne Mann endlich dahin, daß sie sich heimlich in eine eheliche Verbindung mit ihm einließ. Ucbrigens war es ihr Grundsatz, die Ausländer, die so oft die Thronveräudcruugcn in Rußland veranlaßt hatten, von der Theilnahme an der Negierung auszuschließen, und sie zog ihnen daher sogar unwissende Inländer vor. Der Adel drückte den Bürgerlichen so gewaltig nieder, daß er ihn nicht höher, als bis zum Secretär, steigen ließ. Die Justiz war gegen Gcldbestcchungen nicht spröde, und die Entscheidung der wichtigsten Angelegenheiten hicng nicht selten von Laune und Leidenschaft ab. Die Staatskasse blieb, der drückenden Auflagen ungeachtet, arm. (Der siebenjährige Krieg hatte ihr allein zo Millionen Rubel gekostet.) Alle gemeinnützigen Ansialte» gerie- then in Verfall. Daß die Elisabeth (1758) «ine Akademie der Mahler und Bildhauer stiftete, macht eine kleine Ausnahme aus, und daß sie kein Todcsurthcil unterzeichnete, beweiset vielleicht eben so sehr die Schwäche, als die Gutmüthigkeit, ihres Charakters. Der Z2? Der Nachfolger der Elisabeth, Peter Fe, drowitsch, Sohn des Herzogs Karl Friedrich von Holstein 5), der bereits seit seinem funft zehnte!, Jahre in Nußland lebte, war von seinen russischen Lehrern, entweder ans Um wissenheit, oder aus Absicht vernachlässigt worden. Wenigstens entsprach er nicht den Hoffnungen, die sich seine holsteinischen Leh, rer von ihm gen^cht hatten. Diese Hoff, uungen waren jedoch zu schmeichelhaft, weil das zwanzigjährige Leben, das Peter als Großfürst führte, es sehr wahrscheinlich macht, daß es ihm zwar nicht an einer g« wissen Lebhaftigkeit des Geistes, aber an Verstand, und an der Fähigkeit, seinen Lei« denschastcn zu gebiethen, und guten Rath zu benutzen, fehlte. Der Anfang seiner kurzen Negierung schmeichelte den Erwartungen nicht wenig. Er übte an dem Grafen Münnich sogleich eine Handlung der Humanität aus. Der um Rußland so verdiente Mann, der ?.r Jahre in Sibirien durchlebt Halle erhielt (1762) ") Theil xvi, S, 67. Theil XVI. S. 4?. zzo (i"62 F-br.) die Erlaubniß, nach Peters» bürg zurückzukommen. Er erschien vor dem Kaiser in dem Schafpelze, der in Pelim seine Kleidung ausgemacht hatte. Auch alle übrigen Staatsgcfanzne, Vestuschcw ausgenommen, gelangten wieder zu ihrer Frey» holt. Die bisherige Staatsiuquisition, eine geheime Commission, wurde aufgehoben. Es wurde ein Plan entworfen, die in der Verwaltung der Gerechtigkeit ctugcrissencn Mißbrauche abzustellen. Der Adel erhielt die ihm bisher versagte Erlaubniß, sich dem Kriegsdienste zu entziehen, und in fremde Lander zu reisen. An die Stelle des gehet» mcn Conseils trat eine kaiserliche Commission, die aus den Prinzen von Holstein, dem Kanzler Woronzow, dem aus Sibirien zurückberufenen Münnich, dem Fürsten Wolchonski u. a. m. bestand. So wohlthätig aber manche Einrichtung, die Peter III in den ersten sechs Wochen seiner Staatsverwaltung machte, sich ankündigte, sobald verrieth doch eben dieselbe einen Geist der raschen und leidenschaftlichen Unbesonnenheit, der fast keine Menschenclasse des ZZI des russischen Reiches unaekränkt ließ. Uns ter diese gehörte vornehmlich die Geistlichkeit. Diese erhielt, anstatt der reichen Einkünfte aus ihren Klostergütern, spärliche Jahrgc« halte; diese sollte keine Novizen, die jünger als Zo Jahre waren, aufnehmen dürfen; diese sah, das, manches Heiligenbild aus den Kirchen geschasst wurde. Der Erzbischof von Nowgorod, der sich diesen Neuerungen zu unbiegsam widersetzte, wurde verbannt; dieses verursachte jedoch eine so laute Unzufriedenheit, daß ihn Peter wieder znrückru« fcn mußte. Peter erlaubte sich auch einige Handlungen, die man als eine Verachtung des griechischen Glaubens auslegte. Er wohnte unter ander!: der Einweihung einer lutherischen Kapelle in der Festung OraniciU bürg bey; er theilte unter die Soldaten Gesangbücher aus. An der Einweihung einer russischen Kapelle nahm er dagegen keinen Antheil. Den Adel kränkte Peter durch den Vorzug , den er den Ausländern gab, durch das besondre Vertrauen, das er ihnen schenkte. Seinen Oheim, den Prinzen Georg von Holstein, Holstein, setzte er dem ganzen russischen Kriegsstaate als Generalissimus vor. Die holsteinische Garde von 1000 Mann galt ihm weit mehr, als die russischen Gardere- gimcnter. Ganz besonders ärgerten sich aber die Russen über Peters gränzenlose Vorliebe für das Preussische. Peter, der jedem gefangnen preussischen Ofsiciere 100, und dem Generale Werner ivoco Ducatcn Reisegeld gab, der die grüne Uniform gegen die preussische blaue vertauschte, der die preussische Waffenübung einführte, der sich eine Ehre daraus machte, Generallisutenant Friedrichs II zu sonn, der bewies bey mancher Gelegenheit, daß er auf die russische Nation einen geringen Werth setzte. Die Russen kränkte es auch sehr, dasi zwey Garderegimeutcr, dem Herkommen zuwider, gegen die Dänen marschieren sollten. Peter hatte schon seit langer Zeit beschlossen, den Antheil an Schleswig, den Dänemark seinem Vater entrissen hatte, wieder zu erobern. Sobald er daher die Regierung angetreten hatte, liest er die Armee, die bisher in Pommern gegen die Preussen focht, nach Meklcnburg marschieren. Er vergräsertc sie noch durch andre Truppen, Truppen, und der König von Dänemark, der seine ganze Mache unter dein berühmten Sc. Germain in Holstein aufstellte, befand sich in großer Gefahr. Den Ministern, dle -Petern diesen Krieg widerriethen, antwortete er: „ich will gar nichts weiter davon hö- ren!" Er war schon im Begriffe sich zu seil ner Armee zu begeben, als ihn die Revolution daran hinderte. Peter stand auch mit seiner Gemahlin Katharina, einer (1729) gebohrnen Fürstin von Anhaltzerbst, nicht in dem freundschaftlichen Verhältnisse, wie eS ihre guten Eigenschaften erwarten ließen. Mit einem sanften, liebenswürdigen Charakter vorzügliche Fähigkeiten und einen unermüdlichen Fleis vereinigend, hatte Katharina, in der langen Reihe von Zahren, die sie als Großfürstin durchlebte, alle berühmten Schriftsteller im politischen Fache studiert. Sie schien also gleichsam ihre künftige Regierung zu ahnen. Zwischen ihr und ihrem Gemahle herrschte auch bis zur Gcburth ihres Sohnes Paul Petrvwitsch (1754) das vollkommenste Eins Verständniß. Damahls hatten aber Personen, ZZ4 neu, die Peters Vertrauen besaßen, ihm die eheliche Treue seiner Gemahlin so verdächtig gemacht, daß die ehemahlige Zuneigung im- wer sichtbarer in Kaltsinn übcrgicng. Hierzu trug die zärtliche Ergebenheit, die Peter für die junge Gräfin Woronzow, die Toch- tcr des Grvßkauzlers hegte, sehr viel bey. Da diese schöne Gräfin eine Schwester der Fürstin Daschkow, der liebsten 'Vertrauten der Katharina war, so benutzten ihre Feinde diesen Umstand zum Beweise, daß Katharina selbst das Licbcsvcrständniß ihres Gemahles eingeleitet habe, um vor den Vorwürfen desselben gesichert zu seyn. So sehr daher Peter dem Verstände und den Einsichten der Katharina seine Hochachtung nicht versagen konnte, so begegnete er ihr doch meistens auf eine ziemlich achtungslose und unhöfliche Art. Dennoch bsgieng er die Unvorsichtigkeit, ihr, als Oberster, die Ofsiciere seines Regiments vorzustellen, und sie, an der Spitze desselben, mit dem Esponton zu begrüßen. Freylich that er dieß wohl hauptsächlich nur deswegen, weil er so gern den Soldaten spielte. Wie er Kaiser geworden war, gieng sein Widerwille gegen seine Gemahlin immer weiter. ZZ5 ter. Die Verehrer der Katharina beschuldigen ihn der gröbsten Beleidigungen, die c: sich gegen dieselbe erlaubt haben soll. Sie beschuldigen ihn sogar der Absicht, daß er sie und den kleinen Großfürsten Paul habe einsperren lassen wollen, und Katharina soll diesen Plan von Peters Geliebten, der Grafin Woronzow (dieß wäre doch in der That sehr unvorsichtig gewesen!) erfahren haben. Es wurde, wie man erzahlt, in der Festung Schlüsselburg ein steinernes Haus mit 11 Zimmern, für eine sehr vornehme Person, in aller Eile, in den gehörigen Zustand ver, setzt. So lautet der Bericht der Anhänger der Katharina. Nach der Erzählung ihrer Gegner hatte die kluge Prinzessin den Plan, sich in die Stelle ihres Gemahls auf den Thron zu schwingen, in Verbindung mit Ve- stuschew, schon früher entworfen, ehe ihr Peter die Veranlassung dazu gab. Dieses soll durch ihre Briefe an die Fürstin Dasch- kow bewiesen worden seyn. Eben diese Fürstin Daschkow nahm an dem Plane, der dem Kaiser Peter lll den Thron entreißen sollte, einen vorzüglichen Autheil. ZZ6 - Antheil. Sie theilte denselben mit einigen der vornehmsten russischen Herren, deren Stolz durch Peters unvorsichtiges Benehmen gekränkt war, als mit dem Fürsten Wol- chonski, dem Grafen Panin, Oberhofmcisicr des jungen Großfürsten, und dem Liebling der Kaiserin Elisabeth, dem Grafen Rasn- mowski, und Glebow, den Generalprocu« reur des Senats. Zu den Anhängern der Kaiserin gehörte vornehmlich Gregorewitsch Srlow, nebst seinen vier Brüdern, und feinem Freunde Potemlin. Orlow, der Enkel eines Strclihen zur Zeit Peters des Großen, war damahls noch U-tterofficicr bey der Garde; er empfahl sich aber eben so sehr durch seinen schönen, als rüstig gebauten Körper, und er war einer von denen, die der Kaiserin unter den Gardercgimentern Freunde verschafften. In diesem Punkte machte sich aber besonders der Graf Nafumowski, als Oberstlieutenant des ismailowschen Gardcregimeuls, um die Katharina sehr verdient. Anfangs sollte Katharina nur die Vor- münderin ihres Sohnes vorstellen; man gieng jedoch von diesem Plane bald zu dem Gedan- ZZ7 Gedanken über, daß die Eigenschaften der Kaiserin sie würdig machten, die Krone selbst zu tragen. Peter wurde durch einen Franzosen, Nahmens Valois, mit dieser Verschwörung bekannt gemacht. Da jedoch die Personen, in deren Cirkel seine Gemahlin lebte, zu seinen Vertrauten gehörten, so hielt er die Nachrichten von einer Verschwörung für unglaublich, für beleidigend. Die Ausführung des gegen ihn gerichteten Plans wurde (1762 Zul.) durch einen Zufall beschleunigt. Passek, Lieutenant bey der Garde, und einer von denen, die für die Katharina gewonnen waren, ein wilder Mensch, hatte einen solchen Haß ans den Kaiser geworfen, daß er ihn, in der Mitte seines Hofstaates, erstechen wollte. Der That kam aber sein Verhaft zuvor. Seinen Verrathet' machte eilt Soldat seiner Compagnie, die er für dir Kaiscrin gestimmt hatte. Dieser fragte einst den Capitain, den er für einen Theilnehk mer der Verschwörung hielt, wenn die Zeit kommen würde, gegen den Kaiser die Waffen zu ergreifen, und ihn in eine Festung einzusperren? Der Capitain zeigte die wich- tigs Entdeckung dem Kaiser an; dieser untcr- Gallctli Wcltg. i/r Th. P warf ZZ8 warf jedoch, aller Vorstellungen ungeachtet, die Sache keiner Weilern Untersuchung. Ganz unbesorgt begab sich nun Peter, von seinen Günstlingen und zwölf Damen begleitet, nach Oranienbaum, einer am sinnt» scheu Meerbusen, fast sechs Meilen von Petersburg, liegenden Stadt, um daselbst das Petersfest zu fcyern. Katharina hielt sich indessen in dem zwey Meilen davon entfernten Lustschlosse Pecerhof auf. Peter wollte am folgenden Tage bey ihr zu Mittag speisen. Während daß jedoch zu Oranienbaum der Frohsinn herrschte, trieben sich in der Phantasie der Katharina ängstigende Gedanken an die bevorstehende Revolution umher. Ihre Anhänger glaubten, seit Passeks Verhaft, die Ausführung ihres Planes nicht länger aufschieben zu dürfen. Gregor Orlow eilte daher (8. Jul.) mit einem Wagen nach Pe- tcrhof, um die Kaiserin nach Petersburg zu zu holen. Katharina schlich sich in fremder Kleidung, des Morgens nm drey Uhr, ans ihrem Zimmer heraus, und gieng ganz allein bis zu dem Orce, wo der Wagen stand. Orlow machte den Kutscher, und er fuhr so schnell. ZZ9 schnell, daß die Pferde fielen, daß die Kai« serin, ehe noch der halbe Weg zurückgelegt war, ihn zu Fuß fortsetzen mußte. Katha« riua verbraunte, wegen ihres Schicksals besorgt, die Papiere, die sie bey sich hatte. Zum Glücke begegnete ihr bald darauf ein Vauerkarren. Auf diesem laugte sie (am 9tcu, um sieben Uhr des Morgens) sehr ermüdet zu Petersburg an. Die Freunde der Katharina hatten schon einen Theil der Garde zu ihrem Empfange vorbereitet. Sie begab sich daher sogleich nach der Caserne des ismailowschen Regiments. Ehe Nasumowski, der Oberstlieutenant desselben noch herbey kam, rief Katharina entschlossen Ofsiciere und Soldaten zusammen. Einige derselben hatte Orlow bereits für ihre Sache gewonnen; die meiste» aber wurden jetzt so unerwartet im Schlafe gestört, daß sie nur halb angekleidet erschienen. An diese hielt nun die schöne Frau, die ihren Vertrag durch Seufzer, durch Thränen, noch eindringender zu machen wußte, eine kurze Rede, worin sie denselben Peters Verachtung der Nation, ihrer Ge- Y 2 brauche. Z4-? brauche, und ihres Glaubens, dessen Vorliebe für die Ausländer, und die ihr und ihrem Sohne drohende Gefahr vorstellte. Sie schloß dieselbe mit einer Aufforderung, ihr zu folgen. Die ttnentschlossenheit, welche einige Äfficicre noch äusserten, besiegte der indessen hinzngekommsie Nasumowski. Das ganze Regiment legte hierauf der Katharina den Eid der Treue ab. Katharina begab sich nun, um dem, was sie jetzt that, gleichsam das Siegel der Religion aufzudrücken, nach der Kirche der Jungfrau Maria von Kasan. Auf dem Wege zu derselben schlössen sich noch verschiedene Haufen von den Garderegimcnteni, und manche von dem vornehmsten Adel, an ihr Gefolge an. Zn der Kirche rief sie der Erzbischof von Nowgorod, nachdem er ihr den gewöhnlichen Eid abgenommen harte, als Kaiserin aus. Edelleute und Bürger schworen nun haufenweise. Hierauf erschien Katharina im Senate, von welchem sie gleich, falls anerkannt wurde. Das ausgestreute Gerücht, daß Peter durch einen unglücklichen Sturz vom Pferde gcrödtet worden sey, trug zur Z4l zur Vollendung dieser Revolution nicht wenig bei). Diese beförderten auch die gegen den Kaiser äusserst feindselig gesinnten Popen, die dem Volke vorsagten, daß die Kaiserin und der junge Großfürst an diesem Tags hatten eingesperrt werden sollen. In der Freude über die Throuvcränderungen erlaubte sich der Pöbel die Schenken zu plündern. Er trank ja auf die Gesundheit der neuen Kaiserin! Eine der ersten Veranstaltungen derselben war der Befehl an die beyden Garderegi- mentcr, die zu ihrem großen Acrgcr gegen die Dänen marschieren sollten, nach Peters« bürg zurückzukommen. Das Manifest, durch welches Katharina ihre Thronbesteigung bekannt machte, schien mit allgemeiner Freude aufgenommen zu werden. Der Prinz Georg von Holstein, der, von einigen Husaren begleitet, nach Oranienbaum eilte, wurde, so wie verschiedene andre Anhänger des Kaisers, verhaftet. Indessen stellten sich lo,ooo Mann auf. An der Spitze derselben erschien, des Abends 6 Uhr, die Kaiserin in der Gardeuniform, mit einem Etchenzweige auf dem Hute, Z42 Hut-, den bloßen Degen in der Hand, auf einem graufarbigcn Hengste reitend, von der Fürstin Daschkow, dem Grafen Rasumowski, und den Brüdern Orlow, begleitet. Auf ihren Befehl ward der Marsch nach Peter« Hof angetreten. Auf dem Wege dahin schloß sich noch ein Regiment von 1600 Mann an. Zu Petcrhof befand sich jetzt der Kaiser. Peter hatte nach einer frohen Abendgesellschaft, bey welcher der Wein reichlich geflossen war, in sorgenloser Ruhe, zu Ora- uicnbaum geschlafen, und war am folgenden Morgen (9. Jul.) in die preussische Uniform gekleidet, um 11 Uhr, nach Petcrhof gefahren , um bey seiner Gemahlin zu Mittage zu speisen. Hier sollte sie nun, wie seine Feinde sagen, ihrer Freyheit beraubt werden. In Peters Gesellschaft befanden sich Elisabeth von Woronzow, ihr Onkel, Peters Liebling Gvdcwirsch, Müunich, und noch einige andre Personen. Er war noch nicht weit gefahren, als ein aus Petersburg entmischter Edelmann ihm von seiner Gefahr Nachricht geben wollte. Doch Peter befahl dem Kutscher, weiter zu fahren. In Peterhof, mcynte Z4Z mcynte er, würde cS noch Zc.it genug seyn, den Edelmann anzuhören. Allein dieser stellte die Nothwendigkeit, gehört zu wer« den, so dringend vor, daß Peter endlich aus dem Wagen stieg. Anfangs fand er das, waS ihm der Edelmann berichtete, unglaub« lieh; allmählig giengcn jedoch seine Zweifel in Erstaunen, in Betäubung über. Er schickte einen Adjutanten nach Oranienbaum, um die dasige Besatzung anrücken zu lassen. Als er im Pallaste zu Pctcrhvf anlangte, überzeugte ihn die Abwesenheit der Katha- rina noch mehr voir der Wahrheit dcsjeni- gen, was ihm der Edelmann gemeldet hatte. Der alte aber noch' immer sehr entschlos- ene Münnich ricth ihm, sogleich nach Pe- tersburg zu marschieren. „Ich will vor» angehen", sagte er, „und nur über meinen alten Körper soll man zu Ew. Maj. durchdrungen können!" Doch eben bey dieser Gelegenheit, bey dem letzten Acte seiner Rolle, zeigte sichs in die Augen fallend, daß es Perer ill an Geisteskraft, daß es ihm an Entschlossenheit, fehlte. Vielleicht hätte er, an der Spitze seiner tausend ihm ganz ergebenen Holsteincr, auf die Soldaten der Garde Z44 Garde, in denen zum Theil noch nicht alle Liebe für ihn erloschen war, einen für sich günstigen Eindruck machen können. In Fällen dieser Art kann man durch ein muihlo- scs Benehmen niemahls etwas gewinnen, aber meistens alles verlieren! Allein Peter wollte seine wenigen Holsteiner nicht aufopfern. Er wußte, während daß ihn ab, wechselnd Furcht und Hoffnung belebten, zu keinem festen Entschlüsse zu kommen. Sein Wankclmnth wurde aber durch das Benehmen derer, die um ihn waren, noch vermehrt. Die Damen, die sich heulend und zitternd an ihn anhicngcn, die, ihm ihren Nath zu ertheilen, wetteiferten; die thaten dieß mit so viel Geschrey, daß man ihre Meynung nicht deutlich vernehmen konnte. Manche, die in der Stille zur Parthey der Katharina gehörten, halfen, unter dem Scheine der innigen Theilnahme, den Lerm vergrößern. Peter gcriclh dadurch allmählig in den Zustand der sinnlosen Betäubung. Endlich fertigte er den Vicckauzlcr Galiczin, mit einem Schreiben, an seine Gemahlin ab. Diese war noch nicht zwey Stunden weit von Petersburg entfernt, als Galiczin bey ihr 34? ihr anlangte. Er lieh sich bereden, seinem Kaiser untren, der neuen Monarchin zu schwören. Der Großkanzler Woronzow, der ihr gleichfalls entgegen kam, wankte desto weniger in der Ergebenheit für seinen Kaiser, und er wurde deswegen verhaftet. Auf einem Dorfe, 6 Stunden von Peters» bürg, machte Katharina Hatt. Sie hatte aber kaum anderthalb Stunden ausgeruhet, als sie, bey Tagesanbruch (io. Jul.) schon wieder zu Pferde saß. Jetzt gieng der Marsch drey Stunden weiter, bis zum Kioster dcS h. Sergius zu Strclna. Wahrend daß sie nun in demselben ihre Andacht verrichtete, schlössen es die Truppen mit ihrem Lager ein. Peter, dessen angstvolle Verzweiflung indes» scn immer zunahm, schickte einen Courier nach dem andern an seine Gemahlin, um ihr Ver« gleichsvvrscbläze zu thun; es kam jedoch keiner derselben wieder zurück. Endlich beschloß er, in Kronstadt, einer Festung auf einer klei» neu Insel im finnischen Meerbusen, seine Zuflucht zu suchen. Seine Holsteiner sollten daher nach Oranienbaum zurüekmarschtcren. Allein Z4v Allein Peter besann sich wieder zn lange, ehe er sich auf den Weg begab. Indessen langte der Admiral Tallcin, als Bevollmäch- tigter der Kaiserin, zn Kronstadt an, und ließ den General Lievcrs, Peters Abgeordneten, in Verhaft nehmen. Als daher Peters Jagd vor der Festung erschien, wurde sie zurückgewiesen. Jetzt war Peter noch im Stande, über den bothnischcn Meerbusen, zn seiner Armee in Pommern, oder nach Holstein, zn kommen; aber durch die Hoffnung, zu einem Vergleiche mit seiner Gemahlin zu gelangen, und durch das Geschrey und die Bitten der Damen, wurde er verleitet , nach Oranicnbaum zurückzukehren. Dieß geschah um vier Uhr des Morgens, und Peter hatte nun die preussische Uniform gegen die russische vertauscht. Seine holsteinischen Soldaten bezeigten über seine Ankunft die lebhafteste Freude; sie versicherten ihm ihre Treue und Anhänglichkeit auf die rührendste Weise. Schon rief er: „zum Gewehr," als die Thränen der Damen, als der Gedanke, daß die braven Leute ihn doch nicht retten könnten, seine Entschlossenheit wieder niederdrückte. Peter Z47 Peter hatte den Generalmajor Jsmailow zn seiner Gemahlin, nach Strclna gesä)ickt, um einen Vergleich mit derselben zu unter« handeln. .Er bedung sich weiter nichts, als die Erlaubniß, aus, mit der Elisabeth Wo« ronzow, und Godewitsch, nach Holstein ge« Heu zn dürfen. Katharina bestand darauf, daß Peter selbst nach Pctcrhof kommen sollte, und Jsmailow übernahm den Auftrag, seinen Herrn zur Unterwerfung zu stimmen. Jsmai« low erfüllte diesen Auftrag, von Gregor Or« low, dem Liebling der Monarchin, und einer starken Wache begleitet. „Sie sind" sagte er zu dem Kaiser, „Herr meines Lebens" dennoch verhafte ich sie auf Befehl der Kai« serin. Indem er ihm nun, mit der Lebens« gcfahr drohend, den Orden abriß, las er ihm die Abdankungsschrift vor, die er unter« zeichnen mußte. Jsmailow brachte hierauf den Kaiser, die Elisabeth Woronzow, und Godewitsch, in seinem Wagen, nach Peter« Hof. Hier mußte min Peter, nachdem man ihm alle noch die übrigen Zeichen seiner Wür« de entrissen, nachdem man ihm seine Kost« barkciten, ja sogar seine Kleider, abgenommen hatte, das ihm von Jsmailow in die Feder Z-i8 Feder gesagte eigenhändige Eingcstandniß aus« stellen, daß er seine Rcgierungsunfähigkeit einsehe, daß seine Regierung dem Staate nachthcilig und schimpflich gewesen sey, und daß er ihr daher entsage. Hierauf wurde er, noch am Abend dieses Tages, nach Nops scha, einer kleinen, etwa vier Meilen von Petersburg entfernten Scadt, gebracht. Katharina kehrte jetzt nach Petersburg zurück. So feucrüch ihr Einzug war, und so allgemein die Freude über ihre Thronbe» stcigung zu seyn schien, so regten sich doch bey vielen, vornehmlich bey den gemeinen Soldaten, die Empfindungen des Mitleidens, die der häusig genossene Branntewein bisher niedergedrückt- hatte. Die Garden fingen an, sich desjenigen, was sie sich gegen ihren Monarchen erlaubt hatten, zu schämen. Dieses Gefühl erregte Uneinigkeit unter ih» neu. Schon bereitete sich eine Gegonrevolm tion vor, und Katharina brachte einige Nachte sehr unruhig zu, als Peters III Tod ihr plötzlich Sicherheit gewahrte. Der Z4l) Der unglückliche Fürst kämpfte, in seinem Gefängnisse zu Nopscha, mit Angst, Verzweiflung, und Wuth. Das schreckliche Gewühl dieser Leidenschaften zog ihm Unverdaut lichkeit, Kolik zu. Am 7:01, Tage seines Verhaftes (16. Jul.) reichte ihm der Leibarzt Kruse einen Gifttrank, den er wider seinen Willen nahm. Dieser wirkte schon nach einer Stunde. Peter fühlte seinen Hals und seinen Magen von den unerträglichsten Schmerzen angegriffen. Er verlangte Milch; man schlug sie ihm ab. Nun warf er sich ganz verzweifluugsvoll einem Bedienten in die Arme. „Man hat mich" sagte er „gehindert, König von Schweden zu werden; man hat mir den russischen Thron entrissen; nun werde ich von denen, die daS Verbrechen der Katharina theilen, auch noch vergiftet!" Während daß er nun mit dem Tode kämpfte, kam der jüngere Prinz Ba- ratinski, nebst Potemkin und AlexlS Orlow, herbey. Varatinski befahl dem letztem, den Kasser zu erdrosseln. Er gieng ihm mit seinem Beyspiele vor. Wüthend raffce Peter noch alle feine Kräfte zusammen, bis er überwältigt erstickte. Sterbend bezeichnete er den Baran- Z5o Varantinski mit seinen Nägeln. Katharina schien bey der Nachricht von seine!» Tode sehr betrübt. Sie vergoß Thränen, und sie schloß sich einige Tage, in Gesellschaft der Fürstin Daschkow, und Gregors Orlow, in ihr Zimmer ein. Krnse bekam Befehl, mit Zuziehung der Leibchirurgcn die Leiche zu Offnen. Das Gesicht zeigte sich schwarz. Nach dem Berichte war eine Hämorrhoidalkolik die Ursache des Todes gewesen. Vier Bedienten trugen den Sarg in die Gruft, in welcher die Prinzessin Anna, Peters Tochter, beygesetzt war. Zwey Jahre hernach endigte Iwan III, der als Kind die Rolle eines russischen Kaisers gespielt hatte, auf eine ahnliche Art sein Leben. Er befand sich, von seinen Eltern getrennt, anfangs in Oranicnbaum eingesperrt *). Es gab unter den Russen noch manche, die an seinem traurigen Schicksale Theil nahmen, die ihn in Freyheit zu sehen wünschten. Einem Mönch war es endlich gelungen, ihn bis nach Smolensk zu bringen; aber hier wurden beyde verhaftet. Den Prinzen ') Theil XVI, S> 45. z;i Prinzen brachte man nun in das waldaische Kloster auf einer Insel dieses Sees, nahe bey der Landstraße, die von Petersburg nach Moskau führt. In den letzten acht Jahren seines Lebens (feit 1756) war er in Schluß» selburg eingesperrt; in einem gewölbten Zinn wer mit steinernen Mauern, mit einem Fuß« bodcn von Backsteinen, mit Glasscheibe», dle man durch einen Ueberzug von Gips für die Augen derer, die sich ausserhalb befanden, undurchsichtbar gemacht hatte. Hier bestand sein ganzes Hausgeräthe aus einem Schiebe» bette, einem Tische, und einigen Stühlen. Manchmahl durfte er, im Innern der Fc» stung, die freye Luft genießen. In dieser Einschließung war sein Körper zu einer Lange von sechs Fuß gediehen; dabey war er schön und stark gebaut. Seine kleinen Augen wa« rcn nicht ohne Feuer, und eine schöne, blaße Gesichtsfarbe nahm zu seinem Vortheile ein. Aber seine Vcrstandeskräfte blieben unentwlk» kclt. Er lernte weder lesen, noch schreiben; er sprach sehr unverständlich; im Zorne stam» mcltc er; im Trunke gab er Beweise von Tollheit; auch ausser demselben schien er zuweilen wahnsinnig. Anfangs hielt man ihm Z52 ihm eine herrliche Tafel, lieh man ihn auf Silber speisen. In der Folge wurde aber der für ihn bestimmte Aufwand eingeschränkt, doch betrug es monathlich noch 150 Gulden. Seine Garderobe wor weitläufig genug; aber es machte auch eins seiner Lieblingsoerguü- gen aus, sich an einem Tage zwanztgmahl anders anzuziehen. Von Peter III wurde der arme Iwan gleich nach seiner Thronbesteigung (1762 März) besucht. Der Kaiser hatte die inen- schenfrcundliche Absicht, ihm seine Freyheit zu geben; da er aber, um sie zu genießen, zu blödsinnig war, befahl er ihm nach der Festung Kexholm, auf zwey kleinen Inseln im Ladoga - See, zu bringen. Auf dieser Reise schlug das Boot um, und Iwan befand sich in Lebensgefahr. Auf Befehl der Kaiserin Katharina II wurde Jwaiz (176; Aug.) wieder nach Schlüsseiburg versetzt. Hier beförderte ein Sfsicier, der ihn bcfreycn wollte, seinen Untergang. Wasili Mirowitsch, dessen Großvater, als Anhänger des Mazeppa, gegen Peter den den Großen, gedient hatte, verlangte die Rückgabe der eingezogenen Güter. Als ihm diese versagt wurde, faßte er, um sich zu rächen, den Entschluß, Iwan III wieder auf den Thron zu setzen. Zu Theiinchmern an der Ausführung seines Planes- hatte er nicht mehr, als einen Hofbedienren, einen Artiile- rie - Lieutenant, drey Corporale, und zwey Gemeine. Durch diese gewann er die noch übrigen Soldaten von der in dem Theile der Festung, in welcher Iwan eingesperrt war, befindlichen Wache von 40 Mann. Als (1764 am 5. Iul.) die beyden Officicrs derselben, ein Hauptmann und ein Lieutenant, den Widerstand vergebens sahen, tödtecen sie den Iwan durch einige Degenstiche, zeigten sie, die Thüre öffnend, auf den Leichnam desselben, mit den Worten: „hier ist euer Kaiser!" Mirowilsch, der erst ganz bestürzt zurückfuhr, gab hernach ganz gelassen seinen Degen dem Commandanten der Festung, ihm sagend: „ich bin jetzt ihr Gefangner!" Am folgeni den Tage wurde Iwans Leiche, blos im Hemde und in Schlafhvsen, vor dem Wachhause, ausgesetzt. Das Volk, das dieses sah, äusserte theils Unwillen, theils Mitleiden. Der Gailetti Weich. 17t Th. Z Aufiauf 4Z5 Auflauf desselben wurde jedoch so bedenklich, daß man die Leiche in einen Schafflall brachten Mau setzte sie in einer alten Kapelle den. Mirowilsch wurde (im Sept.) hingerichtet-, seine Mitschuldigen bestrafte man durch Spieß- ruthen. Ist es unter diesen Umständen wohl wahrscheinlich, daß Mirowitsch heimlich verleitet worden seyn soll, diese Verschwörung zu stiften, um zum Tode Iwans III eine Veranlassung zu bekommen? Zwey, Zweyter Abschnitt. Katharina II bewirkt Stanislauö Poniatowskr Wahl zum Könige von Polen- Die wiederhergestellten bürgerlichen Rechte der polnischen Dissidenten veranlassen heftige Unruhen. Diese geben den benachbarten Mächten, Oestreich, Rußland und Preussen, Gelegenheit, ansehnliche Landstriche Polens in Besitz zu nehmen. ^ie Kaiserin Katharina II, die sich so glück« lieh auf den russischen Thron schwang, verdiente dieses Glück durch das ausgezeichnete Ansehn, das sie dem russischen Staate er« warb, durch den großen Einfluß, den sie demselben auf das Schicksal aller seiner Nachbarn verschaffte. Unter diese gshörte vor» nehmlich die polnische Republik. Polen hatte, Z 2 wäh« Z56 während des siebenjährigen Krieges, dem Könige August III zum Zufluchtsorte gedient, und seine Ruhe war, die russischen Durch» Märsche und einige preussische Streiferepen abgerechnet, vom Auslande her, durch nichts gestört geworden. Aber im Innern herrschte desto weniger Einigkeit. Kein Reichstag wurde auf eine gesetzmäßige Weise geendigt. Die MißHelligkeiten der polnischen Fürsten giengen sehr oft in Fehden über. Die schwa- che Regierung war, bey zweckwidrigen Gesehen, zu unvermögend, Ruhe und Ordnung zu erhalten. Aber bey dem größten Theile der Nation herrschte auch die gröbste Unwissenheit, der fühlbarste Mangel an Betriebsamkeit, immer fort. Das Land blieb, seines ergiebigen Bodens ungeachtet, arm, und Polen diente seinen Nachbarn zum Gegenstände des Spottes. Als August !II, unter welchem sich dasselbe in einem so schlechten Zustande befand, (176z am 5. Oct.) gestorben war, konnten sich die pr.urschcn Großen, wegen der Wahl eines neuen Königes, nicht vereinigen. Dieß hatte die Folge, daß viele Landtage zerrissen, daß Z57 baß manche doppelt gehalten, baß manche Landbothcn doppelt gewählt wurden, daß eine Confödcrattou die andre drängle. ES entstanden Schlägerepen; es kam zwischen ein» zeinen Theilen der Kronarmee selbst zu bluti- gen Gefechten. Um die Unordnung nicht noch mehr einreisten zu -lassen, ließ Katha- rina II russische Truppen ins Land rücken. Sowohl sie, als mehrere benachbarte Machte, wünschten, daß die Polen einen Piasten (einen eingebohrncn Herrn) zu ihrem KSni- gc wählen möchten. Eben dieses war der Wunsch der großen Familien Czatorinskt, Radzivil, Luboinirski, Branizki. Auch meldete sich kein andrer fremder Kronbewcrber, als der Sohn Augusts III, der Kurfürst Friedrich Christian von Sachsen. Da dieser aber seinen Vater nur kurze Zeit (bis 176z 17. Dec.) überlebte, und sein Sohn, der jetzige Kurfürst Friedrich August (geb. 2z. Dec. 1750) unter der Vormundschaft seines Sheims, des Prinzen Xaver, stand, so würde, wenn er sich auch zur polnischen Krone ge- meldet hätte, auf ihn keine Rücksicht genommen worden seyn. Nun hatte aber auch kein andrer Hof Lust oder Geld, sich um diese eitle Z58 eitle Ehre zu bewerben, und den Absichten der mächtigen Katharina entgegen zu arbci- ten. Katharina verwendete sich nehmlich für den Grafen Stanislaus Ctolek-Poniatowski, aus einem der ältestew und angesehensten polnischen Familien (geb. 7. Jan. 17Z2) einen schön gebauten, sehr liebenswürdigen Herrn, der, als Gesandter Augusts III in Petersburg, eine günstige Gelegenheit gefunden hatte, sich die Gewogenheit, die Liebe der Kaiserin zu verschaffen. Dieser wurde, elf Monathe »ach Augusts Tode, (1764 am 7. Sept.) gewählt. Poniatowski, der, mit mancherley Kenntnissen, eine vorzügliche Beredtsamkeit vereinigte, zeigte einen lebhaften Eifer, manchen in der Staatsverwaltung Polens eingcschli- chenen Mißbrauch abzustellen, und wünschte daher, wöchentlich ein geheimes Consilium halten zu können. Allein die Gegcnparthey, die aus den großen Familien bestand, deren Hoffnungen wegen der Königskrone getauscht worden waren, arbeiteten dieser gutgcmeyn- ten Z59 ten Thätigkeit emsig entgegen. Zu den Ge« gcnständen derselben gehörte vornehmlich auch die Bemühung, den Dissidenten wieder zu den bürgerlichen Rechten zu verhelfen, die man ihnen vor 48 Jahren (1717) so un« barmherzig entrissen hatte *). Der Znstand der polnischen Nichtkatholiken war seit der Zeit so tramig, daß die angranzcndcn Mächte, als Nußland, Preussen und Dänemark, im« gleichen England, auf die Wiederherstellung ihrer ehemahligen bürgerlichen Verhaltnisse drangen. Srauislans benahm sich bey dieser Sache mit kluger Mäßigung. Viele Große waren auch nicht abgeneigt, den Wunsch der Dissidenten zu erfüllen, und es kam (1765) wirklich fo weit, daß sie (einige Staatsbe« diennngen ausgenommen) den Katholiken völ« lig gleichgesetzt wurden. Dieß war jedoch für einige eifrige katho« tische Prälaten, und vornehmlich für die Bischöfe von Krakau und W.'llna, Soltyk und Massalski, eine Anordnung, die ihren höch» sten Unwillen reitzte, der sie mit dem leb« haftesten Ungestüm wiedersprachen. Sie und ihr« Tl). XV. S. - 87. z6a> ihre Freunde, konnte» sich gor nicht entschlieft sen, dem dissidcntischcn Adel größere Rechte, als den Schutzjuden, zuzugestehen. Sie wi> versetzten sich der Befolgung des den Dissi- deuten günstigen Beschlusses aus allen Kraft tcn, »ud es machte ihnen nebenher eine gro< sie Freude, daß sie ihrer Bemühung, der Parthey des Königs entgegen zu arbeiten, den Anstrich des Ncligionsetfers geben konn- tcn. Die Dissidenten, die auf den Schutz von Rußland und Preussen rechneten,.verbanden sich mit den Städten zur nachdrücklichen Behauptung ihrer wieder hergestellten Rechte. So entstanden (1767) Confödcrationen. Unter der Leitung von Nußland schlössen sich die kleinen Coufüderationen an einander an; auch gesellten sich zu ihnen diejenigen, die mit der politischen Verfassung ihres Vaterlandes unzufrieden waren. So traten Leute, die in ihren Absichten und Wünschen verschieden waren, in einen Bund zusammen. Aber von jeher bewiesen die Polen eine große Thätigkeit, wenn von Coufüderationen, die ihren Frcyhcitsschwindel so sehr schmeichelten, die Rede war! Die katholische Parthey setzte dieser Conföderation eine andre entgegen, Zül gen, die den dein Könige verhaßten Fürsten von Radzivil zum Oberhaupte hatte. Dein noch mußte Stamsiaus, der mit jener seine Gegner vereinigt sah, dieser beytrctcn. Bey dieser Uneinigkeit der polnischen Herren, weicher der zu sehr eingeschränkte König keine Gränzen zu setzen vermochte, konnte nur eine auswärtige Macht, wie Ruß« land, eine entscheidende Wendung hervorbrin« gen. Dieß zeigte sich auf dem Reichstage (i-6Z Oct.), auf welchem die Sache der Dis« sidenten zur Richtigkeit kommen, oder von der Nation bestätigt werden sollte. Der Ge« sandte der Kaiserin Katharina, der Fürst Rcpnin, ertrotzte die Wiederherstellung der dissidentischen Rechte an der Spitze einer russischen Garde, und einer starken Parthey von Nichtkaihoitken, und als dem Beschlusse des Reichstages einige, und vornehmlich der Bischof von Krakau, noch immer einen sehr hartnäckigen Widerspruch entgegensetzten, ließ Rcpnin ihn, und einige andre Haupter der Unzufriedenen in der Nacht (rz. Oct.) in Verhaft nehmen, und nach Nußtand brin« gen. Dieß erlaubte sich der Gesandte einer auswar« ZÜ2 auswärtigen Macht gegen Repräsentanten eines freyen Volkes! Diese gewaltthätige Handlung bewirkte indessen, daß der Reichs« tag einer ans seinen Mitgliedern gewählten Commission (im Dcc.) den Auftrag gab, die den Dissioenten nachthsiligcn Gesetze, durch eine fcycrliche Acte, aufzuheben. Die Dissi« deuten erhielten durch dieselbe auch einen Antheil an dcc gesetzgebenden und vollziehen« den Gewalt; doch eben diese Urkunde, welche eine so große Wichtigkeit hatte, war so im« vorsicklig abgefaßt, daß sie nicht nur bey den Katholiken, sondern selbst bey vielen Dis« sidentcn, Unzufriedenheit und Erbitterung ver« anlaste. Die politische Gährnng in Polen wurde jetzt größer, als sie jemahls gewesen war. Die eifrigen Katholiken empfanden über das« jenige, was der Reichstag den Dissidenten bewilligt hatte, den lebhaftesten Aergcr. Es bildeten sich sowohl in Groß - als Kleinpo, len Gegenconföderationcn, welche die Ve« hauptung des bisherigen Zustandes zur Absicht hatten. Die meisten Mitglieder zählte eine, die zu Kcakau geschloffen worden war. war. Aber in keiner derselben herrschte ein ungestümerer Neligionscifer, als in derjenigen, die der Bischof Krasinski von Kaminicz zu Bar in Podolicn errichtete. Die Folge von diesen Confüderationen waren blnrige Handel, waren Fehden, wclcbe die Ruhe von allen Provinzen störten. Nur die rufst- sehe Macht brachte sie in ihre Scbraukcn zurück. Aber eben dieser gebiethende Einfluß auf Polen, den sich Katharina anmaßte, war den Nachbarn des polnischen Staates, als dem deutschen Kaiser, und der Pforte, gar nicht gleichgültig. Oestreich war auf Preussen, das Rußlands Uebcrmacht befördern half, eifersüchtig. Es sehte ihr einstweilen aber nur heimliche Ranke entgegen; es suchte Frankreich mit in'das Spiel zu ziehen, welches die Gegner Nußlands auch durch Geld und Emmissartcn unterstützte. Frankreichs Gesandter zu Constanrinopel bewirkte auch, daß die Pforce den Entschluß faßte, sich der polnischen Katholiken gegen Rußland anzunehmen, daß sie den Anführern derselben, Krasinski, Pulawski und Potocki (1769) eine günstige Ausnahme gestattete. Die katholische Confödcration unterstand sich nun (177^) den Z64 den polnischen Thron für erledigt zu erklären. Ja man vergriff sich sogar an der Person des Königs, und zwar in der Milre seiner von polnischen und russischen Truppen besetzten Residenz. Als der König fz. Nov. 1771) nach seinem Pallaste zurückfuhr, wurde er von einem Haufen von Reitern angefallen, die ihn bey den Haaren fahlen, die ihn am hinkern Theile des Kopfes verwundeten, die ihn hernach, zwischen zwey Pferden, bis an den Stadtgraben fortschleppten; über diesen sollte er auf einem Pferde setzen; das Pferd brach jedoch -in Dein, und der König fiel in den Mvrast, aus welchem er sich nur mit gro- sicr Mühe wieder hcrauswinden konnte. Von hier wurde er, aller Kostbarkeiten beraubt, auf den beschwerlichsten Wegen, über Berge nnd durch Sümpfe, weiter gebracht. All- mahlig ergriff jedoch die Königsraubcr eine so lebhafte Vesorgnifi, daß man sie verfolgen und einholen möchte, daß sie sich zerstreuten. Nur einer derselben. Nahmens Kosinski, blieb bey dem Könige, den er, nachdem er ihm eine fcyerliche Verzeihung abge- abgedrungcn hatte, in eine abgelegene Mühle beachte. Der Befehlshaber der Fusigarde, den man holen ließ, brachte den König, in einem Wagen, nach Warschan zurück. Die Theilnahme, die das Volk an seinem traun- gen Abentheuer bewies, war so herzlich, daß jedermann, als er bey seinem Pallaste aus« stieg, ihm die Hand küssen, daß er wenigstens sein Kleid berühren wollte. Die bis zu den Knochen durchgedrungene Wunde war eben so schmerzhaft, als gefährlich; Stanis» laus crrrug jedoch alles mit Standhaftigkeit. Erst nach zwey Monathen (5. Jan. 1772) erschien er wieder öffentlich. Im folgenden Jahre (177z) wurde im Senate über die Königsräuber Gericht gehalten. Der König sprach, mit seiner gewöhnlichen Beredtsam- keit, zur Vertheidigung derselben; sie wurden aber dennoch, den Kosinski ausgenommen, (im Sept.) hingerichtet. Um diese Zeit harte der polnische Staat eine große Veränderung erfahren. Da zu den Unruhen, welche om Ruhe desselben störten, auch noch d --64. 4S4 chcm sich Schweden unter dem Könige Adolf Friedrich befand, gleichsam vorbereitet wor- den. Diesen traurigen Zustand veranlaßte der unaufhörliche Kampf zwischen den beyden Partheyen der Hüte und Mützen. Der schwedische Adel war größtcnthcils nicht reich genug, um ohne ein Amt leben zu können. Daher waren derjenigen, die sich um ein Amt bewarben, immer mehrere. Jeder, der es nicht erhielt, schrie über Unrecht, und trat zur OpposilionSparthcy über. Die hab« süchtigen Reichstag - Abgeordneten unterlagen den Einwirkungen des Goldes, welche vor» nehmlich bey der Wahl des Sprechers, und des geheimen Ausschlusses, angewendet wurden. Der Sprecher war derjenige, der den Gang der Verathschlagungen bestimmte; der geheime Aussthuß besorgte die Regienmgs- angclegenheitcn, die Verschwiegenheit erforderten, und des Vonwssens der Reichsstande nicht bedurften. Seine Gewalt war nicht nur wahrend der Dauer eines Reichstages uneingeschränkt, sondern sie wirkte auch, wegen der geheimen Jnstruction, die der Reichs- rath von ihm empficng, noch nachher. Der Neichsrath ließ sich nun entweder von Rußlands 4 Maßregel, nach welcher noch ein Regiment in die Stadt rückte, und berittene Bürgcrpakrouillcn für die nächtliche Sicherheit sorgten, in einem auffallenden Widerspruch. Die Parthey der Mützen bewies sich aber vornehmlich durch einen geheimen Ausschuß wirksam. Dieser verfuhr gegen einige von den größten Handelsleuten der Nation sehr gewaltsam. Dadurch wurde der ganze schwedische Handelscredit vernichtet. Alles dieses geschah blos in der Absicht, alle Anordnungen der Hüte umznwcrftn. Zn eben dieser Absicht entzog man auch den Fabriken und Manufaciuren die bisherige Gcldunterstützung. Diese verminderten sich daher so merklich, daß von 18,600 Fabricanten, die man 1761 zählte, drey Zahre hernach, nur noch 14,270 vorhanden waren; daß von 2157 Wcrkltät- keii, » 40? tsn, bis er damahls zu Stockholm gab, sechs Jahre später (1767) nur io6z übrig blieben. Zwei, Regimenter, jedes von 1200 Mann, lauter in Deutschland geworbene Leute hatten dazu beygetragen, die schweb:'- schs Volksmenge zu vergrößern. Von diesen war aber eins abgedankt, und das andre sehr vermindert worden. Die Stapelgerech- tigksit, die sich Stockholm sonst ausschließlich zueignete, mußte sie jetzt mit verschiedenen Städten in Finnland und Wellbvthnien theilen. Mit dem Jahre 1766 erlosch der Freyheitsbrief der ostindischen Gest lisch«fr. Dieß benutzte die jetzt herrschende Parthey, dem Smate einen ansehnlichen .Geldvorschuß zu verschaffen. Diejenigen, die das neue Pri? vilegiinn erhielten, der Generalmajor Löwen und der Commercienrath Finnlay, liehen der Regierung zc> Tonnen Goldes, von welchen ihnen lo gar nicht, die übrigen 20 aber mit 6 vom iOo, verzinset wurden. Der Hanptsitz dieser neuen ostindischen Gesellschaft war, wie bey der alten, zn Gothenbnrg. Zu Droktningholm, einem Lustschlosse auf einer Insel im Maiarsee, wurden verschiedene Fabriken angelegt, die englische Stahlwaaren, 4!O Waaren, imgleichen holländische Spitzen, und seidene Zeuge, zum Gegenstände hatten. Dieß war, ausser der Preßftcyheir, das wenige Gute, was der damahlige Reichstag anordnete, und die jetzt herrschende Parthey der Mützen setzte auch dieses blos deswegen durch, weil es nur den Grundsätzen der Hüte im Widerspruche stand. Dagegen mar-te sie mit dem Papiergelde eine Ein« rickttung, die das Unglück vieler Leute vcr- ursachte. Es sollten von den Bocozettcln nur etwa 100 Tonnen Goldes im Umlauf bleiben, und der Reichsthalcr in Papiergelde sollte allmähiig bis fast auf die Halste heruntergesetzt werden. Dieser Beschluß blieb jedoch nicht geheim. Dieß hatte die Folge, baß jedcrman sein baares Geld in der Casse behielt, daß er sich von den Bankozctteln zu befreyen suchte. Da nun der Werth der Bankszettel sank, so mußten die Schuldner wenigstens ein Drittel mehr zurückgeben, als sie empfangen hatten. Nun nöthigte sie aber die Negierung, die Bank zu bezahlen, und mancher mußte, um dieser Forderung Gnügc zu leisten, sein Haus, oder seine Länderey, verkaufen. Eine große Menge der 4ll der besten Hänscr gerieth in Verfall, und die Unzufriedenheit der Nation, vornehmlich aber des in Stockholm wohnenden Theiles derselben, äusserte sich immer lauter. Wie sehr freuten sich darüber die Hüte, die sich deswegen init der Hoffnung schmei- cheltcn, die verhaßte Parthey der Mützen um so leichter verdrängen, und zu ihrer ehe« mahligsn Herrfchaft gelangen zu können. Diese schöne Hoffnung glaubten sie in einer ausserordentlichen Neichsvcrsammlung gewiß erfüllt zu sehen. Um den Hof zur Veranstaltung derselben zu bewegen, zeigten sie ihm die reihende Aussicht, daß alle seit dem Jahre 172z gemachten Einschränkungen der königlichen Macht aufhören würden. Der König verlangte hierauf (1768 Febr.) vom Rcichs- rarhe eine schleunige Zusammcnberufung des Reichstages. Zur Ursache gab er daö Bedürfniß an, dem traurigen Zustande des Reiches bald abzuhelfen. Der Neichsrath mcynte jedoch, das liefeingcwurzelte Nebel könne nicht sogleich gehoben werden; die Heilung desselben müsse freylich Schmerzen verursachen; das Schlimmste wäre jedoch bald überstanden. 412 stand«!!?, und eine Znsammenbsrnsnng der .Reichsstände scy daher vsr der Hand unnöe thig. Darauf erklärte der König dem Reichs» rathe, vermitttlst einer Schrift, die ihm (12. Oec.) der Kronprinz Gustav in seinem Nahmen mittheilte, baß er. Mein? der Reichsrath, in Zeit von drey Tagen, seinem Verlangen keine Gnüge leiste, seine Regierung niederlegen würde. Zugleich untersagte er dem Neichsrath einstweittn den Gebrauch des königlichen Stempels. Der Neichsrath befand sich deswegen in großer Verlegenheit. Die Hüte bekamen dadurch eine schöne Gelegenheit, das Ansetzn der jetzr herrschende» Parthey zu untergraben, und der Reichsralh konnte selbst von seiner Parthey zur Verantwortung gezogen werden. Schon hatte der Kronprinz den Entschluß seines Vaters fast allen hohen Collsgien bekannt gemacht, als der Neichsrath dem Könige berichtete, daß der Reichstag auf den April des künftigen Jahres ausgeschrieben werden sollte. Er setzte zwar der Vollziehung dieses Beschlusses noch einige Bedenklichkcircn entgegen; als aber die Collegia, und die Generale, ihm den ftrnern Gehorsam verweigerten, so mußte 4lZ mußte er sich (ry. Dec.) zur wirklichen Zu« sammenbecusung der Rsichsfiände eurschiie, ßen. Der Reichsruth verlegte, aller Verfielt langen den Königs ungeachtet, die Reichst versamlung nach Norköping in Ofigothland. Ein Theil ssiner Mitglieder blieb indessen zn Stockholm. Allein die Parthey der Mützen konnten es nicht verhindern, daß sowohl die Beamten des Reichstages, als die Mitgliet des geheimen Ausschusses, den Wünschen des Königs und der Hüte gemäß, gewählt wurt wurden. Der französische Einfluß zeigte sich auch hier wieder sehr wirksam. Der frauzöt fische Gesandte äusserte gegen den König, baß sein Monarch geneigt wäre, ihm, in dem Falle, daß er die Verbindung mit Eng? land aufgäbe, hshülflich zn seyn, seine könit gliche'Macht zu erweitern, und seinem Hanse die Thronbesteigung zu sichern. Der frauzöt fische Monarch sparte auch weder Geld noch Werte. Nun wurde zwar (1769 Jun.) der Reichstag nach Stockholm verlegt; allein die Hüte sahen ihre reitzenden Hoffnungen, mit welchen sie sich geschmeichelt harren, getäuscht. Die 4>4 Die innige Theilnahme, die man für den König, als er die Regierung niederlegen wellte, bewiesen hatte, gieng allmählig in Gleichgültigkeit über. Die Parthey der Mützen beschuldigte ihn, und die Hüte, der Absicht, die Freyheit der Nation zu uuterdrük- kcn. Sie wußte ihre Verdienste um die Staatswirthschaft in dem schönsten Lichte darzustellen; sie zeigte der Ncichsversammluug, daß sie 156 Tonne» Goldes erspart, daß sie die Ausgabe des Staates um 450,000 Thaler vermindert habe. Genug, die Parthey der Mützen behauptete ihre Herrschast, und die Hüte mußten (1770 Jan.) der Ausschließung eines Reichstages, dessen längere Dauer ihnen sehr nachtheilig werben konnte, beystimmen. So mußte also der König Adolf Friedrich das Schicksal, vor der Parthey der Mützen abzuhängen, bis an seinen Tod (1771 am 12. Febr.) ertragen. Glücklicher war sein Sohn Gustav III (geb. 1746 am 24. Jan.) Der talentvolle Prinz, der Schwestersohn des großen Friedrichs, hatte an dem Grafen Tesstn, der erst im vorigen Jahre (1770 Jan.) 4l; Jan.) in der Eiugezogenheit gestorben war, einen vortrefflichen Erzieher gehabt, der wie seine „Briefe an einen jungen Prinzen von einem alten Manne" beweisen, sein Herz eben so sorgfältig, als seinen Geist bildete, der vornehmlich sein etwas gespanntes Ehrt gefühl zu mäßigen suchte'. Zum Nachfolger Tcssins bestimmte der König den Dalin, als Unterhofmeister; dieNeichsstände waren jedoch mit dieser Wahl so unzufrieden, daß sie den Dali» seines Dienstes entließen und den Grafen Scheffer zum Erzieher des Kronprin» zen ernennten. Dieser vollendete Tessins Er« ziehungsplan mit eben so viel Glück, als Eit ser. Hauptsächlich bemühcte er sich, der Eit telkeit, der Unbeständigkeit, der Ruhmsucht des Prinzen entgegenzuarbeiten. Diese Schwät chen ließen Gustavs übrige herrliche Eigen» schastcn jedoch leicht übersehen. Mit einem schnell und ticfeindringendem Verstand, mit einem allzeit fertigen Witze, mit einer hin« reißenden Beredrsamkeit, mit dem Selbstgefühle großer Seelen, vereinigte er eine her« zeugeivinnende Freundlichkeit, vereinigte er einen schöngcbauten Körper. Als er (1765) sein künftiges Reich, ans einer Reise kennen sti6 zu lernen, sich bemühete, ward d-s Volk durch die echtschwedische Mundart eines Äroiix prinz-n, die es seit einem halben Jahrhunderte nicht gehört hatte, ganz entzückt. Tie R>ttcksstände vcrwilligtcn ihm die zu einer Neise durch die vornehmsten europäischen Lander nöthigen Geldsummen. Choiscul, Frankreichs damahliger erster Minister, hatte den Wunsch geäusstrt, den schwedischen Kronprinzen in Paris zu sehen. Gustav, erfüllte, von seinem Bruder, Friedrich Adolf, begleitet (??7i Febr.) diesen Wunsch. Das französische Cabincr bewies dem talentvollen Kronprinzen alle Aufmerksamkeit. Damahls war es auch, wo zwischen ihm, und den französischen Prinzen eine Freundschaft sich budelc, die auf die spätern Zeiten wirkte. Die Prinzen wollten im Frühjahre nach London, im Sommer nach Italien, und im Herbst nach Wien gehen; die Ausführung dieses Neise- Plans wurde jedoch durch den Tod ihre? Vaters vereitelt. Der König Adolf Friedrich klagte (12. Febr.) am Abend eines HossesteS, über schmerzliche Brustbeklemmung, und starb, ehe man ihm 4-7 ihm Hülse leisten konnte. Der sich sogleich versammelnde Reiehsrarh erklärte die Thron» besteigung Gustavs III, und der General» licutenant Schesser eilie nach der stauzösischen Hauptstadt, mit der Versicherungsurkunde, die Gustav unterzeichnen sollte. Ehe der Kö» nig von Paris abreiset?, zahlte man ihni die Hälfte der schuldiggeSliebenrn anderthalb Millionen Livres aus; die übrige sollte er nach der glücklichen Ausführung einer Nevo» lution erhalten. Man versprach ihm auch jährliche Subsidien. Merkwürdig ist das, was sein Snkel, der große Friedrich, den er in Berlin besuchte, in einem Briefe an d'Alcmbcrt über ihn urtheilte. „Er ist" sagte er unter andern „liebenswürdig, und voll Kenntnisse; aber wie viele Gelegenheit wird er finden, seine Standhaftigkeit zu üben! Es ist ein schreckliches Schicksal, in jenem Lande König zu seyn!" Der ftchsundzwanzigjährige König leitete den Plan zu einer Revolution, die ihm eins der Würde des schwebischen Staates ange» messene Uneingeschränktheit verschaffen sollte, mit musterhafter Klugheit und Vorsichtigkeit Eailctti Weltg, i/r TH, D d ein. 4lS ein. Sein erstes Bestreben war darauf ge< richtet, sich die Liebe und das Zutrauen sei» «er Nation zu erwerben. Daher empfieng er jeden, der sich ihm nahcle, mit der einnehmendsten Freundlichkeit; daher verstattete er, drey Tage in jeder Woche, jedem den frcyesteu Zutritt. Gustav lies; sich wohl gar auf die häuslichen Angelegenheiten ei», und mancher Laudmann kehrte, über ihn ganz entzückt, nach Hause zurück. Die armen Bewohner der Hauptstadt segneten in ihm denjenigen, der thuen wohlfeiles Brod zu verschaffe» suchte. Während daß der junge, liebenswürdige König die Herzen des Volkes immcr stärker an sich zog, diente ihm das eigennützige, die Unterthanen drückende Verfahren der herrschenden Parthey, zur Grundlage der von ihm entworfenen Regierungsverändcrung. Die Mützen wollten es, auf dem bevorstehenden Reichstage, dahin bringen, daß die N>ichs- ständc nicht nur die gesetzgebende, sondern auch die vollziehende Gewalt, erhalten möchten. Der größte Theil der Hüre stimmte für die Leitung des Neichsraches; die übrigen 4iy gen trugen auf eine Erweiterung des königlichen Wirkungskreises cm. Bey der Eröffnung des Reistages (1772 Zuu>) hatte die Parthey der Mützen unter den Geistlichen, den Bürgern, und den Bauern, die meisten Stimmen; unter dem Nitterstaude waren zwar die meisten Hüre, selbst der Neichsmar- schall, Axel Leyonhosvud; allein der aus Bürgerlichen bestehende geheime Ausschuß, der den Reichstag leitete, war aus Anhängern der Mützenparthey zusammengesetzt. Auf ihn wirkten Rußland und England durch ihren goldnen Einfluß, und sie wirkten jetzt nm so eifriger, je weniger Gustavs Vorliebe für Frankreich, aller seiner patriotischen Aeusserungen ungeachtet, unbemerkt blieb; je thätiger Vergcnnes, ein französischer Gesandter vom ersten Range, unterstützt von einem spanischen, auf Gustavs Plan hinarbeitete. Siegten Rußlands und Englands Anhänger, so verlohren Gustavs Freunde ihre Sraats- ämter, so war der Abslchuß einer Verbindung mit Nußland und England ganz sicher, so verschwand alle Aussicht zu einer Revolution. Gustavs Lage war um so gefährlicher, je weniger er, des fremden Goldes wegen, D d 2 selbst 420 selbst dem Rittccstande iranen durste, je we- nigcr er überhaupt unter den Standen noch Freunde zählte. Seine vornehmste Hoffnung gründete sich jetzt auf den allgemeinen Unwillen des Volkes über den Despotismus der Mützcnparthey; sie gründete sich auf die Uneinigkeit zwischen dem Adel und den drey übrigen Ständen, welche jener von der Verwaltung der hohen Staatsgüter ausschließen wollte. Durch diese Händel wurde der Fortgang der Neichstagsgcschässtc gehemmt. Gustav gab sich fortwährend das Ansetzn, als wenn es ihm ernstlich darum zu thun wäre, diese Streitigkeiten zu ersticken. Seine Reden, die er deswegen hielt, waren voll Herzlichkeit, voll Patriotismus; allein seine Vergleichsvorschlage wurden immer nicht angenommen. Wegen der Zusätze zu der neuen Verpflichtung des Königs entstand gleichfalls Streit. Gustav wollte sie, ohne Einstimmung des Ntttcrstandes, nicht unterschreibe». Als er sich endlich (1770 am 5. März) dazu verstand, that cr es, ohne die Schrift zu lesen. „Ich hoffe" sagte er dabey, „man hat das Beste des Reichs zum Zwecke gehabt, und diesen Schwur habe ich schon lange in 421 in meinem Herzen abgelegt." Ohne Zweifel war es ihm nicht unbekannt, daß in dieser Schrift unter andern die Worte standen: „nicht im geringsten ehrgcitzig seyn zu wol« lcn." Nachdem (1772 May) die ausserordent« lich glänzende Krönung, die auf 27 Tonnen Goldes verschlang, vorüber war, schien Gu« stav der ländlichen Ruhe, und der Beschaff« ligung mit den Künsten, vornehmlich mit Zcichenkunst, so hingegeben^ daß sein öftrer Anseiichalt außer der Hauptstadt, und der Kaltsinn, mit welchem er die politischen An« gclcgcnheitcn behandelte, zum Gegenstande dcs öffentlichen Tadels wurde. Indessen ar« Leiteten jedoch heimliche Emissaricn Gu« siavs daran, durch Geld und Worte, die bisherige Staatsverwaltung immer verhaßter zu machen. Seine Plan begünstigte, der gränzenlose Ucbermuth der drey untern Stau» de, die den Adel fast bis zur Verzweiflung brachten. Man unterwarf (1772 März) das Verfahren des Reichsrathes einer Untcrsu« chung; man beschloß dessen Absetzung. Die herrschende Parthey der Mützen war vom Taumel 422 Taumel ihres Glücks ganz hingerissen. Der Hutparthey wurde ron Seiten der (französischen) Macht, die sie bisher unterstützt hatte, zu wisse» gethan, daß alle Ge dzuflüsse künf- tig aufhören würden. Da nun manche Mitglieder derselben keine andre Unterhaltsqnclle ha i.n, so mußten sie sich an den König um so enger anschließen. Diejenigen, die sich gegen jede Veränderung der Ncgierungsvcr- fassuug ganz laut gcäusscrt hatten, entfernten sich aus der Hauptstadt. Unter ihnen zeichnete sich der Graf Axel Fersen, eins der geistvollsten Häupter der Hutparthey, und einige Zeit hindurch der cigentlicbe Regent Schwedens, aus. Da er Oberster der Garde war, so war seine Abreise von Stockholm für Gustavs Plan sehr günstig. Die Ausführung dieses Plans konnte dem Könige blos eine ansehnliche militärische Macht sichern. Gustav fieug damit an, ein ansehnliches Officiercorps für feine Sache zu gewinnen. Die Gelegenheit hierzu verschaffte er sich durch taktische Ucbungen, die er von 150 Osficicren, unter dem Befehle des Obersten Sprengportcn, eines sehr unternehmenden 42Z den Mannes, und eines seiner eifrigsrcn Anhänger, vornehmen ließ. Er wußte, diesen Uebungen selbst bemvohncnd, durch seine Freundlichkeit, die Officicrc so zu bezaubcrn, daß sie bald die innigste Ergebenheit für ihn fühlten. Durch diese Ofsictere wurden nun bald die Soldaten, über die sie den Befehl führten, für seinen Plan gewonnen. Alles kam jetzt darauf au, daß der neue Reichs- rath, der aus Anhängern Nußlands und Englands bestand, die Verbindung mit diesen beyden Mächten zur Richtigkeit zu bringen, verhindert wurde. Zum Glücke waren die anderthalb Millionen Livrcs französischer jährlicher Subsidien, deren Verlust man ais- dcun entgegen sah, für Schweden eine so bedeutende Summe, daß man sich nicht übereilen durste. Doch eben diese Besorgnisi, daß die Parthey der Mützen, durch Rußlands und Englands Beystand, ihre Macht zu sehr befestigen möchte, war die vornehmste Ursache, dct den König zur beschleunigten Ausführung seines Entwurfes antrieb. Die Aufmerksamkeit der herrschenden Parthey mußte von der Haupt- 4?4 Hauptstadt auf die Provinzen gelenkt werden. Gustavs Brüder, die Prinzen Karl und Adolf Friedrich, die, unter allerley Verwände, nach Schonen und Finnland giengen, mußten Gelegenheit bekommen, ansehnliche Truppcnabthcilungcn unter ihrem Befehle zu vereinigen. Hierzu bothen falsche Nachrichten von Empörungen in den beyden von einander entfernten Provinzen, Schonen und Finnland, die beste Gelegenheit dar. An allen öffentlichen Plätzen in Stockholm waren Flugblätter, die zum Aufruhre reihten, angeheftet. Die dumpfen Gerüchte von den Unruhen in den Provinzen erfüllten die herrschende Parthey mit der lebhaftesten Besorgnis. Der geheime Ausschuß erhielt den Auftrag, alle zur Verhinderung einer Ucbcrrum- pelung nöthigen Maßregeln zu ergreifen. Sprcngportcn, dem man, als Gustavs Freunde, nicht traute, wurde zu den Truppen in Finnland geschickt. Rudbeck, der Oberstatthaltcr von Stockholm, auf welchen der geheime Ausschuß ein gränzenloses Vertrauen setzte, gicng nach Gothenburg und Karlskrona, um die Bewohner dieser Gegend von der Theilnahme an einer Empörung 425 rung abzuhalten. Den Vlcestatthaltcr machte indessen Pecblin, ein glcichmüthigcr n»d unternehmender Mann, der geistvollste unter den Mitgliedern der Mütz-nparthcy. Indessen gab einer von Gustavs Anhängern, der Hauptmann Helllchius, ein feuriger Mann, der seinen Ehrgcitz unbefriedigt fühlte, das Zeichen zum Aufstande gegen die damahlige Regierung. Ais Commandant der Zoo Mann starken Besatzung der Festung Christianstadt in Schonen, an der Gränze von Biekingcn, machte er (12. Aug. 1772) durch ein Manifest bekannt, daß er den Befehlen der herrschenden Parthey nicht länger gehorchen würde. Sogleich machte der Prinz Karl, der sich in dem acht Meilen davon entfernten Kariskrona befand, der getroffenen Verabredung gemäß, Anstalten, eine Abtheilung von mchrcrn Regimentern zusammenzuziehen. Nudbeck kam mit dem Berichte, daß man ihm den Eingang in Christianstadt verwehrt habe, nach Stockholm zurück. Der Rcichsrath gab hierauf zwey Bataillonen Befehl, nach der Hauptstadt zu marschieren; auch ließ er Vürgerpatrouillen umher reiten. Vom 426 Vom Könige verlangte man die Zurückbern- snng feiner Brüder, so wie das Versprechen, baß er sich von Stockholm nicht entfernen wollte. Gustav hörte indessen die Berichte von dem Aufruhre in den Provinzen mit scheinbarem Befremden an; er billigte die gctroffnen Maßregel». Es gelang ihm, selbst den alten, erfahrnen Rudbeck zu täuschen. Gustav ritt ja sogar mit den Vürgerbairouil- len umher. Während der Zeit gewann er jedoch ihre Liebe. Der König erhielt hierauf von seinem Bruder Karl ein Schreiben, worinn ihm dieser die Zusammenziehung von fünf Ncgi- mcntern weidete, worin er sich zugleich den Oberbefehl über dieselben ausbarh. Allein der Ausschuß, dem Gustav dieses Schreiben mittheilte, ernennte den Neichsrath von Funk zum Oberbefehlshaber jener Truppen, und bestand auf der Zurückbcrufuug der Prin- zcn. Der Graf Kalling wurde zum General < Commandanten der Stadt ernennt, und die Officiere in den Thore» erhielten den Befehl, dem Könige den Ausgaug zu verwehren. Gustav 427 Gustav befand sich jetzt in einer äusserst gefährlichen Lage. Sein ganzes Glück stand auf dem Spiele. Die der herrschenden Pakt then ergebenen Truppen waren, von den fähigsten Ojficicrcn angeführt, in vollem Anzüge. Das Volk liebte den König zwar, aber es war auch eben so sehr an Unterwerfung gewöhnt. Doch Gustav war fest entschlossen, entweder a s König zu leben, oder — zu sterben. Die Vorbereitungen zu der Revolution, die er jetzt durchsetzen wollte, waren gleichsam vollendet. Seine Vertrauten hatten die Soldaten von der Garde, und von dem Artillerie - Regimentc, für ihn gestimmt. Am Abend vor dem wichtigen Tage (15. Aug ) war die Hofversammlung glänzender, als jemahls. An diesem Abend wurde die erste Oper in schwedischer Sprache aufgeführt, herrschte an der Tafel eine besonders frohe Laune. In der Nacht schrieb Gustav an seine beyden Brüder, schrieb er an Karin; er sollte seinen Anmarsch nach der Hauptstadt beschleunigen; Gustav vertraue hauptsächlich auf sich, und auf die Liebe seines Volkes. Am 4-8 Am Tage dcr Ausführung (19. Aug.) begab sich Gustav tu das Zimmer des Reichs! rathes. Dem entscheidenden Augenblicke sich nahend, ertrug er das Benehmen der übers nnuhigcn Neichsräthe jetzt mit verminderter Nakbsicht, gcrieth er mit einigen derselben in den lebhaftesten Wortwechsel. Er ritt hierauf nach dem Zeughofc, wo die Wachparade der Leibgarde aufgestellt war. Die ihm ergebenen Officicre versammelten sich indessen in großer Anzahl um ihn her. Von ihnen begleitet, folgte er dcr Parade nach dem Schlosse. Auf dem Wege dahin grüßte er das auf den Straßen befindliche Volk mit ausgezeichneter Freundlichkeit. Während daß nun beyde Wachen, die ans- und abziehende, vor dem Schlosse, unter dem Gewehre'standen, berief er die Officicre derselben in die Wachstube zusammen. Hier sagte er ihnen, in einer kurzen aber zum Herzen dringenden Rede, daß es gar nicht seine Absicht wäre, eine uneingeschränkte Regierung sich anzumaßen, daß er vielmehr blos das Ende des aristokratischen Unwesens, und die Wieder, Herstellung der alten Nationalfreyheit, bewirken wolle. Auf die Frage, ob sie ihm die 42? die Beförderung dieser Absicht eidlich verspee» chen wollten, erklärten sie sich sämmtlich, bis auf den commandirenden Major Cederström, und noch zwey andre, bereitwillig. Knlling> der eingelassen zu werden verlangte, wurde abgewiesen. Aus der Wachstube gisng Gustav, von den Osficicren begleitet, wieder zu der Pal rade. lim seinen linken Arm war ein weift ses Tuch gebunden, und noch jetzt erinnert eins weiße Binde am Arme der schwedischen Officicre a» diese für Schweden so wichtige Begebenheit. Die Soldaten der Garde, und des Artillerie-Regiments, die indessen vcr> sammelt worden waren, wurden, durch eine herzerschütternde Rede Gustavs, sogleich für ihn gestimmt. Während dieser Rede strömte das Volk haufenweise herbey. Dieß be< wirkte das von Gustavs Anhängern indessen verbreitete Gerücht, daß man ihn verhaftet hätte. Aus dem Munde der Bürger und Soldaten erschallte hierauf der entzückte Zu» ruf: „es lebe Gustav!" Die Ncichsraihe wollten das merkwürdige Schauspiel, das sie bisher aus dem Fenster mit angesehen hat» tcn, 4ZL> tcn, in der Nähe betrachten; sie wurden je« doch von den Bajonnctten von zo Grenadic« ren, die ihre Ausgange besetzt hielten, zu« rückqewiefen. Hierauf schlichen sie sich ein« zcln fort. Gustav begab sich nun, von den Officic« reu, und einer großen Anzahl von Soldaten begleitet, nach dem andern Theile der Stadt, wo die übrigen Besatzungstruppen aufgestellt waren. Auch diese bedachten sich gar nicht, ihn ihrer Ergebenheit zu versichern. In we« Niger als einer Stunde sah Gustav alles Kricgsvmk in Stockholm seinen Befehlen uu< lcrworfcn. Er ließ hierauf unter die Sol« baten Patronen austheilen, und auf verfehle« denen Platzen Kanonen aufstellen. V?y den letztern standen Artilleristen mit brennenden Lunten. Ohne einen vom Könige unter« schriebcncn Paß, durfte uieniand zum Thore hinaus. Rudbcck, der, mir dem bloßen De« gen in der Hand, laut schreuend: „Scluve« den! Brüder! zu den Waffen! zu den Waf« fen! sonst ist's um eure Freyheit gethan!" durch die Straßen lief, wurde verhaftet. Eben dicfes Schicksal hatten die übrigen Häupter der Mützeuparthey. Gustav 4Zl Gustav, jetzt gleichsam der Eroberer der Hauptstadt, ließ, vom Zeughause aus, die fremden Gesandten zur Mittagstafel cinla- den. Theils wollte er ihnen Sicherheit ge- währen; theils wollte er sich in Ansehung ihrer sicher stellen. Um die Nothwendigkeit dieser vorsichtigen Maßregel einzusehen, darf man sich nur an einen Vergenncs, an einen Ostermann, an einen Shrridan, Sccretär der englischen Gesandtschaft, erinnern. Hier» auf leistete auch der Stadtrath, und die Admiralität, dem Könige den Eid der Treue. Während der darauf folgenden Nacht blieben die Soldaten immer unter dem Gewehre, und Gustav selbst befand sich fast immer zu Pferde. Seine treuen Officiere hatten sich in der Stadt vertheilt. Aber alles blieb ruhig. Die Hüte freuten sich über den Unter, gang der Mützen. Die Mützen, die einan, der selbst nicht trauten, bedienten sich jetzt des einzigen ihnen noch übrigen Rcttungs, mittels. Sie unterwarfen sich, und bewarben sich um die Gnade des Königs. Der große Haufe des Volkes frohlockte über das Ende des drückenden Aristokrarismus, und freute sich des schönen freundlichen Königs. Am 4Z2 Am folgenden Tage (20. Aug.) huldigte ihm die ganze Bürgerschaft. Die in Stockholm befindlichen Rcichsstände wurden zur Vers sammlung am nächsten Tage aufgefordert. Zeder, der nicht erschien, sollte für einen Verräthcr des Vaterlandes gehalten werden. Ein finnisches Heer war, wie man ausbrei« tctc, der Hauptstadt schon so nah-, daß man die Quartiere für dasselbe bestellte. Am Morgen des folgenden Tages (21. Aug.) bes setzte eine starke Abtheilung des Garderegis ments den Platz, wo sich sonst der Ritters stand versammelte. Vor dem Vcrsammlungs- hause wurden Kanonen aufgeführt. Die Stände durften sich nicht besonders versams mein; sie durften noch weniger im fcycrlis chen Aufzuge erscheinen. Gustav trat im vollen Glänze der KünigSwürde, von seinen Leibtrabanten, und vielen Officicrcn gefolgt, in den Saal ein. Seine herrliche Rede schloß sich mit der eidlichen Versicherung, daß er blos die Freyheit und die Gesetze der schwedischen Nation, wie sie unker Gustav Adolf bestanden hätten, wieder herstellen wolle. Die vornehmsten Punkte der neuen Negierungsform waren folgende: es hängt allein 4ZZ allein vom Könige ab/ wenn und wohin er die Rcichssiände zufammcnbcrufen will; diese berathschlagen sich auch blos über die Gegem stände, die ihnen der König vorlegt; ihre Versammlung ist auf drey Monathe eingee schränkt; die Reichsräihe, die der König allein ernennt, sind nur ihm verpflichtet, und sie können nur Rath, aber keine Entscheid dung, geben; der König hat sowohl gesetzgce bende als die vollziehende Gewalt; die alten Abgaben hören nicht eher auf, als bis man sich wegen neuer vereinigt hat; im Falle eines Krieges stehen alle Maßregeln, so wie auch die Abgaben, in der Gewalt des Köe nigcs; dieser besetzt alle höhcrn Staatsmittel,'; dieser theilt mit niemand die Oberaufsicht über die Kriegsmacht zu Wasser und zu Laut de. Als nach der Ablesung dieser Punkte, der König die Stande fragte, ob sie dieselt bcn genehmigten, erklärten sie sich so einmül thig, als es noch nie geschehen wgr. Nach wenigen Tagen war die neue Form der Staatsverwaltung im ganzen Reichs aner» kannt. Gustav vergaß und verzieh alles, wodurch man feinen Vater, und ihn seldst, gekränkt hatte. Alle Verhaftete erhielten, Gallilti Welch, i/r Th. E so 4Z4 so bald sie den Eid leisteten, ihre Freyheit. Der Hauptmann Hcllichius, der zuerst den Muth hatte, sich gegen die aristokratische Regierung zu erklären, ward, mir dem ehrenvollen Nahmen Gustavsschild, zum Obersten erhobcft; Spreugportcn, der an der Spitze von Zoo Dragonern, die er, nebst andrer Mannschaft in Finnland, in der größten Geschwindigkeit, zusammengebracht hatte, nach Stockholm eilte, stieg sogleich zum Ge- ncrallicutenant, und zum Commandeur des Schwcrdtordcns, empor; bald hernach wurde er noch Befehlshaber des Gardcregimcnts. Karl und Friedrich hießen seitdem, mit cr< hühctem Jahrgehalte, Herzoge von Süder- maunland und Ostgothland. Die sämmtlichen Officicre des Garderegimcnts wurden um zwey Grade erhöht; von den tturcrofsi« eieren erhielt jeder eine Denkmünze, und Zoo Kupftrthalcr Gehalt. Einige Wochen hernach (1772 am 9. Sept.) hörte der bisherige Reichstag auf. Die Parihcynamen der Hücc und Mützen, deren Gebrauch Gustav bey Strafe untersagte, kommen seitdem nur noch in den Geschichlbüchcrn vor.