c 22 3 r 9P 1794 1894 c ss 3 c cs> 3 DAS HAUS RUD. IBACH SOHN BARMEN KÖLN. ein rückblick beim eintritt IN DAS ZWEITE JAHRHUNDERT seines bestehens. Den Freunden zu eigen. Barmen 1894. lanoforfe 1 in seinen beiden jetzigen Entwickelungsformen des Flügels und des Pianinos ist in unseren Tagen mit dem ruhigen Nachdruck innerer Berechtigung in die vorderste Reihe unserer Hausgötter getreten und thront heute in unbestrittener Oberhoheit, umgeben von einem Hofstaat vieler Tausende, die seinem Kultus ihr Dasein ausschliesslich widmen oder dasselbe in seinem Dienste zu verschönern streben. Es ist der Träger unserer Hausmusik geworden, ohne welche kein Heim; es ist der berufene und vielseitige Begleiter unserer ' Ö o öffentlichen Tonkunst verschiedenster Färbung. Wenige o o Altersstufen giebt es, wenige Gesellschaftsschichten, denen es nicht als heiterer oder ernster Freund nahegetreten wäre. Es gehört zum täglichen Brot unseres geistigen Lebens und ist wie ein selbständiges bewusstes Wesen mit unserer Häuslichkeit innig verwachsen. Aus unscheinbarsten Anfängen welch' wunderbare Ent- wickelung! Aus der kläglich zirpenden summenden kleinen Musiklade der Entstehungszeit, welche trotz ihrer Dürftigkeit doch nur für den Gebrauch weniger Auserlesenen geschaffen schien, ist in einer kurzen Spanne Zeit das heutige Piano m r ) und Zahl sind schwer zu schätzen und in stetigem Wachstum EUD. IBACH SOHK begriffen; seine Industrie eine der rührigsten und entwickeltsten , die ihrerseits schon wieder eine ganze Reihe blühender Hiilfs- und Unterhülfs-Industrieen ins Leben gerufen o hat und auf manche andere einen belebenden Einfluss übt. Diesem Instrumente sei hier ein schlichtes Denkmal gesetzt in der Geschichte eines Hauses, welches, jetzt seit einem Jahrhundert, schon in der vierten Generation sein Leben und Schaffen dem Piano und seiner Ausbildung erfolgreich widmet und mit der Entwickelungsgeschichte desselben eng verwachsen ist. Möge darum diesen Blättern eine freundliche Aufnahme nicht versagt sein! - Als im Jahre 1794 der damals 28jährige Johannes A. Ibach in Beyenburg unweit Barmen eigenhändig sein erstes tafelförmiges Klavier baute, war seine edle Kunst den Kinderschuhen noch nicht entwachsen. Das Klavier war damals noch ein seltener Luxus und wurde nur auf Bestellung gebaut. Dementsprechend war es auch eine weit individuellere Schöpfung als heute, abhängig weniger von festen, erst durch regelmässige Produktion gezeitigten Normen, als vom Verständnis, Geschick und auch wohl Glück des seinem Verbesserer-Instinkte folgenden Erbauers. Ibach war einem altangesessenen bergischen Geschlecht entsprossen (wie noch ein Ort jener Gegend seinen Namen trägt) und verdankte seinen Jugendunterricht und erste gen den kunstsinnigen Mönch' 3 " ''' 3C O EUD. IBACH SOHN. Klosters Beyenburg. Auf der späteren Wanderschaft war er bei mehreren Instrumentenmachern thätig gewesen und hatte den Orgel- wie den Pianobau seiner Zeit gründlich erlernt. Sein Erstlings- und Meisterwerk, dessen Vollendung in dasselbe Jahr i 794 fällt, war der Umbau der Beyenburger Orgel, welcher ihm Ehre eintrug und der Grundstein des späteren Ruhmes wurde. Aber obschon damals die Orgel ein bekannteres und beliebteres Instrument war als das Klavier, wandte Johannes doch dem letzteren besondere Aufmerksamkeit zu und wurde bald durch die solide schöne Arbeit und den guten Klang seiner in den ersten Jahren stets ganz eigenhändig gebauten Instrumente in der Provinz bekannt. Die Preise der damaligen Klaviere bestätigen deren Anspruchslosigkeit; für ein Piano forte in Nussbaum wurden 80 bergische Thaler bezahlt, für eins in Kirschbaum 65. Im Jahre 1801 siedelte Ibach nach Rittershausen und 1806 nach Wupperfeld über, zwei damals getrennten aber jetzt lange dem Barmer Stadtgebiet einverleibten Ortschaften, nicht ohne jedesmal seine Werkstätte zu vergrössern. So schwer auch die traurigen Kriegsjahre zu Anfang dieses Jahrhunderts auf dem jungen Geschäfte lasteten, vermochten sie doch nicht das langsame aber gesunde Wachstum desselben dauernd zu hemmen; nicht ohne Stolz konnte der Meister in seinem Tagebuche verzeichnen, dass in dem schlimmen Jahre 1811 nicht weniger als vierzehn Klaviere verkauft wurden — eine für damalige Verhältnisse achtunggebietende Ziffer! Im Jahre 1816 nach der endlichen Erlösung von schwerem 'u J§ EUD, IBACH S O H IN. Kriegsdruck, musste schon eine neue grössere Fabrik an der Alleestrasse in Barmen bezogen werden, und nun erst kam eine lange Periode ruhiger Entwickelung, welcher des Gründers ältester Sohn, Carl Rudolf, seinen Stempel aufgedrückt hat. „Nicht nur seine Geschicklichkeit in seiner Kunst, sondern auch sein gutes moralisches Betragen wird diesen jungen Künstler empfehlen"; dieser Satz findet sich in einem, im Jahre 1823 dem neunzehnjährigen Jünglinge für eine erfolgreiche Orgelreparatur in Velbert erteilten Zeugnis, dessen Prophezeiung sich schön erfüllt hat. Des Vaters früh eintretende Kränklichkeit und Schwäche bürdeten dem jungen Carl Rudolf schon mit 21 Jahren Alte Fabrik, Alleestrasse. EUD. IBACH SO PIK die Sorge für die zahlreiche Familie auf. Ein noch vorhandenes Schriftstück der Pastoren Leipoldt und Snethlage, datirt vom 3. November 1825, welches seine, durch die Verhältnisse gebieterisch geforderte Befreiung vom Militärdienst befürwortet, kennzeichnet die Lage wörtlich wie folgt: „Carl Rudolf Ibach ist die Stütze und der Versorger einer sehr zahlreichen Familie. Der Vater, 59 Jahre alt, ist seit geraumer Zeit durch Körperschwächlichkeit genötigt worden, sein Geschäft diesem seinem Sohne zu übertragen, der, ausgezeichnet durch Fleiss und Talente, vom Ertrage desselben seine Eltern und seine zehn, alle noch im väterlichen Hause befindlichen, unversorgten Geschwister, von denen der älteste Knabe zwölf Jahre alt ist, hauptsächlich ernährt. Da in cler Familie, die grösstenteils aus Töchtern besteht, Keiner ist, der seine Stelle nur einigermassen vertreten kann, so würde durch seine Entfernung nicht nur das Geschäft ins Stocken geraten, sondern auch der ganze Haushalt der Familie zerrüttet werden" u. s. w. Auf ihm, dem Einundzwanzigjährigen, beruhte also die Zukunft des Hauses und der Familie. Wenn er schon als Knabe seinen Beruf als ein kostbares Familienerbstück ehren und lieben gelernt hatte, so erfasste er ihn als Jüngling mit einem wahren Feuereifer, der noch gespornt wurde durch das Gefühl der Verantwortung und Sorge für die Familie. <_> o In diesem Streben wurde er wesentlich unterstützt durch seine Mutter, eine umsichtige energische Frau, unter deren 1 O <_> > EUD. IBACH SOHK strengem Regiment auch die Töchter dem Geschäfte mit mancherlei Belederungsarbeiten, zu denen ihre geschickten Finger sich recht tauglich erwiesen, dienen mussten. Unter der Führung Carl Rudolfs gewann die bisher kleine Fabrik immer grössere Bedeutung; er wurde der treue Hüter der praktischen Erfahrungen des Vaters, die ihn nebst den eigenen, mit sicherem Blick hinzuerworbenen, eine Autorität verliehen, der sich die später hinzutretenden jüngeren Brüder willig unterordneten. Von diesen übernahm der zweite, Richard, später die Orgelfabrik, während der jüngste, Gustav Adolf, i 862 aus dem väterlichen Geschäft austrat und eine eigene Fabrik gründete. Carl Rudolfs ausgedehnte Reisen durch Frankreich und das ferne Spanien, zu einer Zeit, wo solche Unternehmungen noch für ein grosses Wagnis galten und ein Ereignis für weite Kreise bildeten, zeigen uns, wie er ebensosehr auf die Ausbreitung seines Geschäfts bedacht war wie auf seine eigene Ausbildung durch Aufnahme fremder und neuer Eindrücke. Der Erfolg blieb nicht aus und die Verbindungen, welche er damals anknüpfte, wirken noch heute nach. Auch den zu dieser Zeit epochemachenden grossen Welt- und Landes - Ausstellungen wandte Carl Rudolf in richtiger Erkenntnis ihrer damaligen Wichtigkeit o 00 seine Aufmerksamkeit zu. Eine Reihe derselben wurde beschickt und die gediegene Arbeit und der grosse edle Ton der ausgestellten Instrumente trugen dem Aussteller stets die wohlverdienten Ehrenpreise ein. Carl Rudolfs Verdienste als Stadtverordneter, um das öffentliche Wohl, ~*(5 SU EUD. IBACH SOHN. \r \ namentlich aber um die Musikpflege und die rühmlichst bekannten Abonnementskonzerte der Konzertgesellschaft stehen noch heute bei den älteren Bürgern der Stadt Barmen in lebhaftem Andenken, während die Bescheidenheit, Liebenswürdigkeit und strenge Ehrenhaftigkeit seines Wesens ihn zum Mittelpunkt eines grossen Freundeskreises machten. Das Geschäft aber war so innig mit Carl Rudolfs Persönlichkeit verwachsen und so ausschliesslich auf seine Leitung angewiesen, class es durch seinen schon 1863 erfolgten Tod um viele Jahre zurückgeworfen wurde und es seinem that- kräftigen Sohne Rudolf erst gelang, das ITaus auf seine alte Höhe und weit darüber hinaus zu erheben, nachdem er sich ganz auf eigene Füsse gestellt hatte. In weiser glücklicher Einsicht war der Vater, vielleicht im Hinblick auf seine eigene sorgenvolle Jugend, stets darauf bedacht gewesen , den Knaben zu frühem selbständigen Plandeln zu erziehen. Häufige kleine Reisen, teils mit, teils ohne Begleitung des Vaters, lehrten den Sohn schon früh den Umgang mit Menschen, der ihm durch seine angeborenen liebenswürdigen Charaktereigenschaften und durch den sanften erzieherischen Einfluss seiner edlen Mutter ohnehin erleichtert wurde. So durfte Carl Rudolf, als er im Jahre 1863, viel zu früh für sein Haus, seine Kunst und seine Stadt, starb, mit ruhigem Vertrauen seinem ältesten Sohne Rudolf die o Sorge für das Werk seines eigenen arbeitsreichen Lebens überlassen. Kaum zwanzig Jahre alt und eben der praktischen Lehre an der Hobelbank entwachsen, unter dem Schutze 4 t mä 10 —v-v ••. ——.— BUD. IBACH SOHN. eines Oheims, welcher sich ausschliesslich dem Orgelbau gewidmet hatte und dem Klavierbau weniger Interesse entgegentrug, sah er sich der schweren Aufgabe gegenüber, das Lebenswerk des Vaters und Grossvaters in deren Geiste weiterzuführen. Gleich zu Anfang seiner Laufbahn traten ihm schon die Schreckgespenster des Krieges und der Cholera mit ihrem allen Geschäftsverkehr lähmenden Einfluss hindernd in den Weg und machten das Fehlen der emsigen Thätig- o o o keit des Vaters um so fühlbarer. Die Jahresproduktion sank in diesen Zeiten auf die Hälfte der bei Lebzeiten Carl Rudolfs erreichten Ziffer. Inzwischen waren auf dem Gebiete des Klavierbaues und besonders auch in der Fabrikations- methode gewaltige Fortschritte gemacht worden und der althergebrachte gemeinschaftliche Betrieb des Kirchenorgel- und Klavierbaues erschien dem klaren Blick des jungen Rudolf wenig geeignet, die von ihm geplanten Reformen durchzuführen. Er drang deshalb mit der ihm eigenen Energie auf eine baldige Trennung dieser beiden Geschäftszweige, welche denn auch 186g stattfand. In diesem Jahre übernahm Rudolf Ibach als ältester Sohn des ältesten Sohnes des Gründers die altangestammte Pianofortefabrik für seine alleinige Rechnung und gab ihr in pietätvollem Anklang an den Namen des Vaters die nunmehrige Firma Rud. Ibach Sohn. Somit bezeichnet das Jahr 1894 für das Haus Rud. Ibach Sohn nicht allein eine hundertjährige, sondern gleichzeitig, ja fast mehr noch, eine grosse fünfundzwanzigjährige Epoche seines Bestehens; denn dieses letzte Vierteljahrhundert mm RUD. IBAOII SOIiH. überbietet an grossen Erfolgen und künstlerischer Ausbildung seiner Erzeugnisse die drei vorhergehenden so gewaltig, dass dieselben ihm gegenüber wenig in Betracht kommen. Als Rudolf Ibach vor fünfundzwanzig Jahren die Leitung der Fabrik übernahm, beschäftigte dieselbe nur wenige Arbeiter und war beim 3Öoosten Instrument angelangt. Damals war seine junge Frau sein erster Commis und ist es getreulich bis an sein Lebensende geblieben; alle Pflichten, welche die Erziehung der Kinder, der Haushalt und eine weitgehende Gastfreundschaft ihr auferlegten, vermochten das thätige Interesse nicht zu verdrängen, welches sie alle Freuden und Leiden des rasch erblühenden Geschäfts stets willig mit dem Gatten teilen liess. Namentlich auch auf Reisen und im weitverzweigten Verkehr mit der Künstlerwelt war sie ihrem Manne eine unschätzbare Gehiilfin, deren feiner Takt und herzliche Liebenswürdigkeit den grossen Freundeskreis des Flauses zusammenzuhalten und stetig auszudehnen wusste. Zwei Jahre nach der Übernahme stieg die Jahresproduktion bereits wieder auf die höchste je erreichte Ziffer und heute übertrifft sie dieselbe um mehr als das Fünfzehnfache. Auf seinen ausgedehnten Reisen hatte sich Rudolf rasch die Fortschritte seiner Kunst zu eigen gemacht und säumte besonders nicht, das kreuzsaitige System in richtiger Erkenntnis seiner Vorteile sofort anzuwenden. Kaum auf eigenen Füssen stehend, zögerte er keinen Augenblick, auf der Altonaer Weltausstellung des Jahres 186g seine Leistungen in den weitesten Kreisen bekannt zu machen. Ein Ehrenpreis und ein unmittelbar 13 pf-sySgä= EUD. IBACH SOHN. fühlbarer Aufschwung des Geschäfts waren der Lohn. Doch schon wieder drohten die schweren Kriegswolken des Jahres 1870 mit seinen weltbewegenden Ereignissen, die ein gewaltiges Reich erschütterten und ein noch grösseres wieder aufbauten. Anfangs schwer lastend auf allem Geschäftsleben, endete das Jahr unter dem Einfluss der siegesfrohen Stimmung mit einem allgemeinen Aufschwung in Handel und Gewerbe, welcher auch den jungen Geschäftsmann erheblich vorwärts brachte. Dann kam das Jahr der grossen Weltausstellung in Wien, 1873. Voll Vertrauen auf seine Leistungsfähigkeit unternahm es Rudolf Ibach, der Welt zum erstenmal zu zeigen, wie gründlich hässliche Möbel bisher ihre o ) o Klaviere waren, indem er ein Pianino in italienischer Renaissance ausstellte, dessen Gehäuse in seiner edlen Schönheit noch heute bewundert wird. Dieser Schritt in das Reich des Schönen, auf einem ganz neuen Gebiete, erregte damals berechtigtes Aufsehen und kann als der erste auf der vom Hause Rud. Ibach Sohn erfolgreich betretenen Bahn gelten. Einige wenige der später gebauten stilgerechten Prachtinstrumente sind im dritten Teil des Anhangs abgebildet, dessen beschränkter Raum leider nur eine sehr knappe Auswahl gestattet. Dass aber das Innere der Instrumente dem Ausseren nicht nachstand, zeigt nicht nur der Wiener Ehrenpreis, sondern auch das hier faksimilirte Zeugnis des Kölner Konservatoriums aus dem Jahre 1870. Von nun an nahm das Haus unter Rudolf Ibach'S unermüdlicher genialer Leitung einen grossartigen Aufschwung. Mi 15 EUD. IBACH SOHK 1876 wurde die Preismedaille der Philadelphier Weltausstellung errungen und gleichzeitig die neue grosse sechsstöckige Fabrik Neuerweg 40 bezogen, welche noch immer dergeschäft- Pianino, Wiener Ausstellung, 1873. liehe Mittelpunkt und Sitz der Hauptbureaus geblieben ist. 187g musste schon das anstossende Grundstück mit seinen drei- und vierstöckigen Gebäuden hinzugenommen werden, während gleichzeitig die Filialen Köln und London errichtet l6 EUD. IBACH SOHN. und die Firma auf der Weltausstellung in Sydney preisgekrönt wurde. Die gleichfalls in diese Periode fallende Auszeichnung des Titels: „Hof-Pianofortefabrikant Sr. Maj. des Königs und Kaisers" zeigt die Bedeutung, zu welcher Rudolf Ibach sein Haus zu erheben gewusst. Die Düsseldorfer Ausstellung von 1880, an welcher Rud. Ibach Sohn sich mit mehreren Flügeln und Pianinos, darunter das hier abgebildete Prachtinstrument in italienischer Renaissance, ohne Pianino, Düsseldorfer Ausstellung, 1880. 17 3 EUD. IBACH SOHN. Preisbewerbung beteiligte, besiegelte den Ruf seiner Leistungsfähigkeit. 1883 führte das rasche Wachstum des Geschäfts zum Ankauf und Ausbau des grossen Schwelmer Etablissements, welches nun der Schwerpunkt des maschinellen Betriebes und der Pianinofabrikation wurde, während der Flügelbau in Barmen blieb. In den nächsten Jahren entstanden die Filialen Berlin, Bremen, Frankfurt, später Hamburg, während das Rud. Ibach SoHN -Piano schon lange einen hervorragenden Platz in allen bedeutenden Handlungen des Vaterlands gefunden hatte und an allen Exportmärkten der Welt bekannt und beliebt war. Diese Epoche kennzeichnet sich ferner durch das Erblühen des früher weniger berücksichtigten Flügelbaues. Unter Führung der durch die Künstler rasch o o bekannt gewordenen Konzertflügel brachen auch die Stutzflügel der Firma sich überall Bahn und begannen den Pianinos eine von Jahr zu Jahr erfolgreichere Konkurrenz zu machen, so dass sie im Laufe der Zeit jene zu „überflügeln" drohen. - Wennschon die Organisation und Leitung eines solchen, Hunderte von Arbeitern beschäftigenden und alljährlich Tausende von Pianos liefernden Betriebes die ganze Lebenskraft eines Mannes voll beanspruchen kann, so widmete Rudolf Ibach als echter Sohn seines Vaters doch den öffentlichen, namentlich den Kunstinteressen seiner gleichfalls rasch erblühenden Vaterstadt eine hingebende Aufmerksamkeit. Alle hervorragenden Kunst- und anderen Institute Barmens hatten an ihm einen wertvollen Mitarbeiter und treuen Berater. Auch an dem ganzen grossen Kunstleben des Vaterlandes RTTD. IBACH SOHN. nahm R udolf I bach lebhaften Anteil und seine weitverzweigten persönlichen Beziehungen zu Künstlern aller Richtungen machten ihn zu einem angesehenen Kenner auf manchen Gebieten. Charakteristisch ferner für R udolf I bach waren seine stille Wohlthätigkeit, die manchem armen Kunstjünger dauernd geholfen hat, und seine weitgehende Gastfreundschaft gegen seine Freunde und alle Künstler, von welcher die Fremdenbücher des Hauses ein beredtes Zeugnis ablegen; an Tagen, wo grosse Aufführungen viele auswärtige Künstler und Musikfreunde in Barmen zusammenführten, glich das Haus I bach einer Wartburg im Kleinen. Als Mensch war R udolf I bach das Urbild des kernigen, echt deutschen, lebensfrohen, genialen Rheinländers, voll gesunder Lebenskraft und Daseinslust, die seine Freuden wie seine Arbeit kennzeichneten. Eine sympathische, gross angelegte Natur, deren Wärme den flüchtigen Bekannten rasch zum Freunde reifte und den Freund auf immer festhielt. Offenes Herz und offene Hand, offener Verstand und offenes Wort, offenes Auge für alles Schöne und Edle zierten diesen Mann. Ein Geschäftsmann von ungewöhnlicher Weitsicht, Thatkraft und strenger Rechtschaffenheit; ein von seinen Untergebenen geliebter und verehrter Chef; ein Bürger von thätigem Gemeinsinn und vielem Verdienst um das öffentliche Wohl und die Kunstpflege seiner Vaterstadt; ein liebevoller, fürsorgender Gatte und Vater; ein Freund von unerschütterlicher Treue: das war R udolf I bach. Ehre und Liebe seinem Andenken! Er wurde am 31. Juli 1892 aus EUD. IBACH SOHE voller Manneskraft dahingerafft und sollte die schönsten Früchte seines rastlosen Schaffens nicht mehr geniessen. - Der ungeahnte Aufschwung des Geschäftes in den siebziger Jahren veranlasste auch Rudolf'S jüngeren Bruder Walter, sich der Kunst des Pianobaus zu widmen. Nach dreijähriger Lehre bei einem tüchtigen deutschen Meister ging er auf die Wanderschaft, um sich in Paris, Brüssel, London und New York in seiner Kunst zu vervollkommnen. Ausgerüstet mit einem Schatz praktischer Kenntnisse kehrte er nach zehnjähriger Thätigkeit in den besten Werkstätten der alten und neuen Welt im Jahre 1883 zurück und stellte seine Kraft ebenfalls in den Dienst des inzwischen unter Rudolf Ibach'S Leitung zu grossartigem Leben erblühten Werkes. Dasselbe wird jetzt von ihm in Gemeinschaft mit der Witwe und erwachsenen Söhnen des Verstorbenen, welche die praktische Schule des Pianobaus bereits hinter sich haben, mit allen altbewährten Kräften in Fabrik und Comptoir in den alten Traditionen weitergeführt. Rastloses Streben nach Vervollkommnung, Noblesse im geschäftlichen Verkehr und für den Künstler und Gastfreund ein offenes Haus: das ist heute wie immer die Regel des Hauses Ibach. Vier derselben Kunst in derselben Familie erfolgreich geweihte Menschenalter sind zu allen Zeiten eine seltene Erscheinung. In seinem kompakten Zusammenhange, seiner Vererbung in gradester Linie immer von Vater auf ältesten Sohn, seinem zähen Festhalten des ursprünglichen Charakters, seiner immergrünen Frische und Lebenskraft gemahnt das Haus Ibach an die Tannen der nordischen Wälder; und gleich ihnen verspricht es ein Alter zu erreichen, gegen welches die zurückgelegte Spanne kurz erscheint. Der Geschichte des Hauses Rud. Ibach Sohn entsprechen auch seine Werkstätten, die hier nur in grossen Umrissen gezeichnet werden dürfen. Die jüngste aber grösste der drei Fabriken der Firma liegt in Schwelm, eine Meile von Barmen, und enthält die Plolzlager und den gesamten Maschinenbetrieb; dort werden die Pianinos ganz und die Flügel halb, nur soweit sie Maschinenarbeit erfordern, fertiggestellt; die Pianinos werden von dort direkt versandt, während die Flügel in Barmen vollendet werden. Die Barmer Stammfabrik, die älteste und zweitgrösste der drei, dient jetzt ausschliesslich dem Flügelbau, dessen Vorarbeiten in Schwelm gemacht werden, und welcher im letzten Jahrzehnt bedeutenden Umfang erreicht hat. In Köln endlich befinden sich im An- schluss an die dortigen grossen Magazine noch Werkstätten für die Kunstschreinerei der stilvollen Luxusgehäuse sowie Ateliers für Reparatur und dergleichen. Die unmittelbar am Bahnhof gelegene Schwelmer Fabrik kann bei voller Ausnutzung auf eine Jahresproduktion von ungefähr 4000 Flügeln und Pianinos gebracht werden. Sie hat ein Areal von 1 58000 Quadratfuss und 135000 überdachten Arbeitsraum. Sämtliche Gebäude sind feuerfest aus Stein und Eisen, die Decken Wellblech, die Fussböden Beton, alle Stühle, die Dynamos, die Pumpen der Wasserbehälter sowie einen Exhaustor (Luftsaugapparat), der alle Späne und Abfälle aus den Maschinensälen direkt ins Kesselhaus führt und gleichzeitig ventilirt. Vertiefte Schienengeleise mit Rollwagen verbinden jeden Arbeitssaal mit dem Hauptfahrstuhl, sodass ein Knabe das schwerste Instrument überallhin befördern RUD. IBACH SOHL Räume durch schwere eiserne Thüren getrennt, und ausserdem sorgen noch grosse Wasserbehälter unter den Dächern o o für weitere Sicherheit gegen Feuer. Eine Dampfmaschine von 80 Pferdekraft treibt einige dreissig Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen vollendeter Konstruktion, drei Fahr- Arbeitssaal in Schwelm. EUD. IBACH SOHN. kann. Jede Hauptabteilung der Fabrik steht in telephonischer Verbindung mit dem Comptoir und den Barmer Hauptbureaus. Die Arbeitsräume sind dampfgeheizt, elektrisch erleuchtet, gut ventilirt, geräumig, hell und mit Allem versehen, was die Wohlfahrt des Arbeiters fördern kann. Grosse Magazine Arbeitssaal in Schwelm. enthalten die lange im Voraus fertiggestellten Teile vieler Hunderte der marktgängigen Modelle, wodurch einerseits grösste Promptheit bei Ausführung eiliger grosser Aufträge und andrerseits höchste Dauerhaftigkeit der Instrumente gesichert wird. Alles zur Verwendung kommende Holz wird jahrelang vorher an der Luft und zuletzt in hoher Temperatur BTJD. IBACH SOHN. getrocknet, was gleichfalls grösstmögliche Haltbarkeit bedingt; die riesigen Holzlager repräsentiren ein anscheinend totes, in Wahrheit aber jedes Jahr wachsendes Kapital von achtunggebietender Höhe. Die Arbeiter, deren viele schon der dritten Generation dienen, bilden eine wohlgeschulte, selbstbewusste, auch theoretischer Bildung keineswegs ermangelnde Körperschaft, die stolz ist auf den Namen des Hauses, an dessen Ruhm sie mitgearbeitet hat, und ihren Pflichten mit um so grösserem Eifer obliegt. Allen Fabriken von Run. Ibach Sohn o o hat der Genius der Arbeit seinen Stempel der Ordnung und Selbstachtung, des Fleisses und der Reinlichkeit aufgedrückt, und es gereicht der Firma zur besonderen Genugthuung, auch an diesem Ehrenplatze lobend und anerkennend ihrer Arbeiterschaft in Barmen, Schwelm und Köln zu gedenken, ohne deren treue und intelligente Mitwirkung die jetzige Flöhe nicht erreicht worden wäre. — Wenn das Werk den Meister loben soll, rnuss es auch zum Worte zugelassen werden. Eine noch so gedrängte o o o Betrachtung des Hauses Rud. Ibach Sohn wäre unvollständig ohne Erwähnung des Rud. Ibach Sohn-Pianos. Der Verdacht der Ruhmredigkeit ist daher wohl ausgeschlossen, wenn seine hervorragendsten Eigenschaften hier kurz und sachlich berührt werden. Das Rud. Ibach Sohn-Piano hat während der hundert Jahre seines Bestehens zu allen Zeiten in erster Reihe gestanden. Geschäftliche Interessen haben sich dem 26 EUD. IBACH SOHN. ernsten Streben nach Vervollkommnung, welches die Firma kennzeichnet, nie in den Weg stellen dürfen und noch immer werden keine Opfer gescheut, um dem vorgesteckten Ziele, Richard Wagner - Flügel. (Innere Ansicht.) das Höchste und Beste zu leisten, immer näher zu kommen. Der Ruf, den das Ibach-Piano nicht nur im Vaterlande sondern in allen Weltteilen geniesst, und das Blühen des Geschäfts zeugen von der Anerkennung, welche dieses Streben gefunden hat. EUD. IBACH SOIIK Dem F1 ii g e 1 b a u hat das Haus Rud. Ibach Sohn von jeher die grösste Aufmerksamkeit gewidmet. Der Flügel, dessen Herstellung bei Weitem die meisten und grössten Schwierigkeiten bietet, ist und bleibt mit Recht das bevorzugte Instrument aller Musikverständigen. Seit langen Jahren der Ausbildung dieses edelsten der Pianos unablässig gewidmet, hat die Firma ihre Flügel zu solcher Vollkommenheit gebracht, dass sie unter den vornehmsten unserer Zeit genannt, von vielen Virtuosen mit Vorliebe gespielt und von grossen Künstlern warm empfohlen werden. Die Pianinos von Rud. Ibach Sohn reihen sich den Flügeln in jeder Hinsicht würdig an. Ein langjähriges, mühevolles Studium und unausgesetzte Versuche führten endlich zu der heute angewandten, erprobten und absolute Solidität mit geringem Gewicht verbindenden Konstruktion. Das Eisen ist dabei nur da angewandt, wo der Widerstand gegen den enormen Zug der Saiten (beiläufig ungefähr 20000 kg per Instrument) es durchaus notwendig macht; dagegen ist die unnütze, häufig für grösste Solidität ausgegebene Anhäufung dieses tonfeindlichen Metalls sorgfältig vermieden. Daher o o die eigentümlich ansprechende Klangfarbe, welche dem Rud. Ibach Sohn-Piano eigen ist, und die unverwüstliche Dauerhaftigkeit, welche die durch erstere gewonnenen Freunde auf immer zu fesseln weiss. Wieviel Gedankenarbeit, Ausdauer und auch wieviele Enttäuschungen durch missglückte Versuche es gekostet hat, die jetzige Höhe zu gewinnen, davon kann sich selbst §)(yx^r 28 EUD. IBACH SOHN. Derjenige kaum einen Begriff machen, dem der Meister einmal in seiner Werkstatt die Entwicklung vom rohen Stoff bis zum fertigen Kunstwerk vorführte. Vollkommenheit ist der einzige grosse Grundgedanke, der die Fabrik regiert; was es kostet, sie zu erreichen, darf nicht in Betracht kommen. Das schon erwähnte Streben nach Veredelung der äusseren Hülle des Pianos hat erst mit dem Neuerblühen des deutschen Kunstgewerbes seine reichsten Früchte zu tragen angefangen. Der gänzliche Mangel an Harmonie zwischen dem Piano und den umgebenden Möbeln war früher eine so gewöhnliche Erscheinung, dass er erst auffiel, als ihm abgeholfen wurde. Rud. Ibach Sohn macht eine hochentwickelte Specialität aus der Plerstellung geschmackvoller und insbesondere streng stilgerechter Gehäuse für seine Instrumente. In den diesem Zweige gewidmeten Abteilungen der Fabriken ist die moderne Kunstschreinerei vollständig vertreten. Eine reiche Auswahl alles einschlagenden Materials, tüchtige Meister unter der Leitung competenter Zeichner sowie die ständige Verbindung mit bedeutenden Architekten setzen die Fabrik in Stand, jeden Wunsch bezüglich des Ausseren verwirklichen zu können. Zwei in den Jahren 1883 und 1891 erlassene grosse Preisausschreiben (unseres Wissens die einzigen ihrer Art), bei welchen die besten Kräfte Deutschlands konkurrirten, haben zum Erwerb einer reichen Sammlung schöner origineller Entwürfe für Pianinos in allen beliebten Stilen geführt, von denen diese Blätter im ersten und zweiten Teile des Anhangs leider nur eine kleine Auslese bringen können. Nicht ohne berechtigte : -. *--» — -»- — i r «*^ * c= RUD. IBACH SOHN. Genugthuung deutet die Firma auf diesen ihren zeitgemässen Fortschritt in der rechten Richtung, welcher ihr schon viele Preisausschreiben 1883. Erster Preis. Entwurf von Bruno Schmitz, Berlin. Anerkennung eingetragen hat. Dabei wird aber das gewöhnliche Instrument, wie der anspruchslosere bürgerliche Haushalt es fordert, keineswegs vernachlässigt, sondern zeigt bei RUD. IBACH SOHN. gediegener Einfachheit gleichfalls geläuterten Geschmack. - Die für Tropen-Klimate bestimmten Instrumente werden gegen ihre späteren Hauptfeinde, Hitze, Feuchtigkeit und Preisausschreiben 1891. Erster Preis. Entwurf von Emil Rockstroh, Berlin. Insekten, mit allen Mitteln geschützt, welche Erfahrung, Wissenschaft und praktische Intelligenz an die Hand geben, und zwar bis zu den kleinsten und scheinbar unwichtigsten Teilen hinab. Bedenkt man, welche Seltenheit gute Stimmer und Reparirer in den Tropen sind, wie rasch das unbeschiitzte Instrument dem Klima unterliegt und wie diese Umstände, BUD. IBACH SOHN. Tropenfestes Pianino. verbunden mit der grossen Entfernung der Fabrik, den Wert eines dauerhaften Pianinos dort verdoppeln, so findet diese Fürsorge in dem starken Absatz dieser Tropenmodelle nur ihren gerechten Fohn. Doch auch die gewöhnlichen . EBD. IBACH SOHN. Modelle von Rud. Ibach Sohn , welche ohne besondere Vorbereitung in alle überseeischen, nicht extrem tropischen, Länder versandt werden, bieten die beste Gewähr der Haltbarkeit, Flügel - Pianino. weil sie alle mit Rücksicht auf die Ungewissheit ihres späteren Standortes eine derartig dauerhafte Konstruktion und Ausstattung erhalten, dass lange Seereisen und ungewöhnliche RUD. IBACH SOHK ; «• Temperaturen ihnen nichts anhaben können. Bei der scharfen Konkurrenz der besten Erzeugnisse aller Länder auf den bedeutenderen Exportmärkten ist das stetige Steigen der Ausfuhrziffer, welches Rud. Ibach Sohn seit vielen Jahren zu verzeichnen hat, die praktischste Empfehlung seiner Fabriken. Umgekehrt ist aber auch der Export nach den ver- • schiedensten Ländern die Hochschule des Pianobauers, indem er ihn auf Versuche und damit Verbesserungen hinlenkt, zu welchen das bequemere vaterländische Geschäft keine Anregung geben kann. Ein anderes Feld, welchem die Firma hervorragende Aufmerksamkeit widmet, sind Schule und Seminar. Rud. Ibach Sohn baut als ständiger Lieferant vieler Seminare und Präparandenanstalten Deutschlands zum Lehren und Üben besonders geeignete Modelle, bei welchen neben einfachen, dauerhaften Gehäusen das Hauptaugenmerk auf grösste Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit der Hämmer und der ganzen Mechanik unter ungewöhnlich schwerem Dienst gerichtet ist. Auf solchen Posten, wo das Piano jahraus jahrein täglich viele Stunden lang den sich stündlich erneuernden Angriffen fleissiger Jünglinge ausgesetzt ist, hat diese seine künstliche Abhärtung sich als sehr zweckmässig erwiesen. Zum Schluss sei noch kurz der Konzertflügel gedacht, die seit langen Jahren in ganz Deutschland und Nachbarländern dem guten Klange ihres Namens Ehre machen. Während der Winter immer Dutzende derselben zum Gebrauch der Künstler fortwährend auf Reisen hält, gönnt ihnen i » — - 34 BUD. IBACH SO IIB auch der Sommer keine Erholung wie den anderen Musikern, da sie in den Kursälen der Bäder ebenso gern gesehene Gäste sind wie im Konzertsaal. Die Grössen alle aufzuzählen, welche den Ibachflügel gern gespielt und gelobt haben, würde zu weit führen, ebenso wie selbst die kürzeste Wiedergabe der im Besitz der Firma befindlichen Anerkennungsschreiben, welche einen stattlichen Band füllen würden. Nur der unsterblichen Meister von Bayreuth und Weimar, die mit ihrer Anerkennung die Erzeugnisse und mit ihrer Freundschaft den Leiter des Hauses ehrten, sei hier in Dankbarkeit und Verehrung gedacht. Noch steht in Wahnfried das durch die Hand des grossen Toten auf immer geweihte Original des jetzt in pietätvollem Gedenken seinen Namen tragenden Richard Wagner-Flügels, welcher sein Begleiter und Freund während der letzten Lebensjahre in Italien war; und das Liszt-Museum der Weimarer Hofgärtnerei birgt gleichfalls ein vom Altmeister viel benutztes und jetzt seinem Andenken dauernd gewidmetes Instrument von Rud. Ibach Sohn . Unter den jüngeren Ivunstgrössen ist es besonders Emil Sauer , der langjährige treue Freund des Hauses, der den Ibach-Hügel zum Mithelfer und Teilnehmer seiner phänomenalen Triumphe erhoben hat. Überhaupt gehören weitverzweigte und intime Beziehungen zur deutschen Künstlerwelt nicht nur musikalischer Richtung zu den Traditionen der Firma, deren Leiter an den Pflegestätten der Kunst häufig und gern verweilten und viele treue Freunde gewannen. — 1g 35 EUD. IBACH SOHN. Das Absatzgebiet des Rud. Ibach Sohn-Pianos ist so gross wie das Reich des Pianokultus überhaupt; wo man Pianos kennt, da kennt man auch Ibach. Vertretungen an allen Hauptplätzen des In- und Auslandes sorgen für möglichst unmittelbare Fühlung des grossen Publikums mit der Fabrik, sodass alle Wünsche und Geschmacksströmungen des ersteren prompt an's Hauptquartier gelangen, wo sie gründliche Beachtung finden. Im Zentrum dieses, alle fünf Weltteile umspannenden Riesennetzes, liegt das Barmer Hauptbureau, wo man die Fracht- und Zollsätze, das Klima und den Geschmack von aller Herren Ländern kennt und in allen Welthandelssprachen korrespondirt. Der ganze Häuserkomplex, in dessen Erdgeschoss die Bureaus und der grössere Teil der Magazine sich befinden, ist der Musik und dem Instrumentenbau geweiht. Im ersten Geschoss liegt ein etwa 200 Personen fassender freundlicher Musiksaal, welcher für kleinere Aufführungen gern benutzt wird, sowie ein den Freunden unentgeltlich offenes Lesezimmer, in welchem ausser einer gewählten musikalischen Bibliothek sämtliche Musikzeitschriften Europas und Amerikas geordnet aufliegen. Im zweiten Stock wirkt das Barmer Musikinstitut, ein rühriges kleines Konservatorium für alle Fächer der Musik. Den ganzen dritten und vierten Stock endlich füllt das schon jetzt berühmte IiiAcirsche Museum alter Tasteninstrumente, eine der reichhaltigsten, interessantesten und wertvollsten Privatsammlungen der Welt, einzelne Stücke enthaltend, die selbst den Berliner und Londoner Museen fehlen. Hier findet 40 EUD. IBACH SOHK der Klavierbaugeschichtsforscher eine Goldgrube für seine Studien, die lange Reihe der Entwicklungsstufen vom primitivsten Klavichordchen aufwärts bis heute praktisch dargestellt, und dazwischen viele, durch alte Malerei, seltsame Konstruktion und scharfsinnige Beigaben mancherlei Art allein schon hochinteressante Stücke. Mehr als eine, in den letzten Jahren als wichtige Erfindung der Welt vorgeführte Idee findet sich schon in diesem oder jenem uralten Instrument angewandt und später als unpraktisch bei Seite geschoben; für alle zum „Erfinden" neigenden Naturen ist der Besuch dieser gern gezeigten Räume sehr zu empfehlen, wenn er auch der Thätigkeit des Reichspatentamts vielleicht Eintrag thun würde. Im Nachstehenden ist eine kleine Auswahl aus den Schätzen dieser Sammlung abgebildet. Tafelklavier von Joh. Georg Sehenck, Weimar, 1800. Aus Friedr. Rückert's Familie. Von J. N. Hummel viel gespielt. Ireiseitiger Flügel von K. Schiimbach, Königshofen, 1803. EUD. IBACH SOHN. Wer aber ermüdet vom Betrachten dieser Schätze zurückkehrt, dem winkt im anstossenden Wohnhause ein beschauliches Plätzchen, das berühmte „Altdeutsche", der Lieblingssammelpunkt wegemüder Künstler, der von manch' interessanter Begegnung, manch' glänzendem Turnier mit scharfen Geisteswaffen beim Becher gefochten, manch' un- vergesslicher Stunde im Kreise erlesener Menschen zu erzählen weiss. Nicht viele berühmte Künstlernamen der letzten Jahrzehnte fehlen in seinen mit Liebe gepflegten Fremdenbüchern. Vom »Altdeutschen« kommt man in's Allerheiligste, eine kleine Walhalla, die Wände geziert mit den selbstgestifteten Bildnissen befreundeter Künstler; am Ehrenplatz im Hintergrunde ein lebensgrosses Porträt (das letzte) mit der eigenhändigen Überschrift: „Seinem freundlichen Tongehilfen Rudolf Ibach dankbarlichst Richard Wagner, 1882". — Nicht unwürdig aber dieser Tonkunstmeister, welche das ißach -Piano und seinen Erbauer mit ihrem freundlichen Interesse beehrten, sind die bildenden Künstler, welche am äusseren Schmucke desselben gearbeitet haben. Wenn im Anhang eine kleine Auslese aus der schwer zu erschöpfenden Fülle von Entwürfen prachtvoller, stilgerechter Instru- ite geboten wird, welche, zum Teil erst ausgefiA^ * 45 0 v|_ - -gxCj EUD. IBACH SÖHN. das Haus sein eigen nennt, so kann dieselbe freilich von dem Gesamtreichtum, aus dem sie geschöpft, keine auch nur annähernde Vorstellung geben, mag aber doch den kunstliebenden Beschauer in doppelter Hinsicht interessiren: Teil I und II miteinander verglichen veranschaulichen den Umschwung im Geschmack der Künstler während der zwischen den beiden Preisausschreiben von 1883 und 1891 liegenden acht Jahre; Teil III mit seinen, auf Bestellung entworfenen und meistenteils bestimmten Einrichtungen angepassten Zeichnungen vertritt den Geschmack des Publikums, beziehungsweise der Möbeldekoration der letzten Dekade. — Das hundertjährige Geschäftsjubiläum des Hauses, verbunden mit dem fünfundzwanzigjährigen seines ruhmvollen Bestehens unter der Firma Rud. Ibach Sohn und der Fertigstellung des 2 5 OOO Instruments, eines nach Entwurf des Architekten Bruno Schmitz, Berlin, reich eingelegten und geschnitzten Richard Wagner-Flügels, vereinigte am 15. September 1894 die Angestellten und Arbeiter von Barmen, Schwelm und Köln nebst ihren Angehörigen, die Spitzen der Behörden, zahlreiche Künstler und andere Ehrengäste, Abnehmer, Lieferanten und Freunde des Hauses aus allen Weltteilen, reichlich 600 an der Zahl, zu einem glänzenden Feste, bei welchem Frau Rudolf Ibach Mk. 10000 für eine Arbeiterwitwenkasse stiftete. — 46 •?r'V'; EUD. IBACH SOHN. Um schliesslich auch durch die Kunst den Übergang in's zweite Jahrhundert zu verschönen, wurde im Herbst 1893 ein drittes Preisausschreiben erlassen behufs Gewinnung eines künstlerisch hervorragenden Gedenkblattes des hundertjährigen Jubiläums, Das Preisgericht, bestehend aus den Pierren Professor Hans v. Bartels -München, Professor Emil Doepler d. j. -Berlin, Maler Karl Gehrts- Düsseldorf, Maler Th. Rocitoll -Düsseldorf in Vertretung des verhinderten Architekten Bruno Schmitz -Berlin, und Walter Ibach - Barmen, prämiirte am 28. und 29. Dezember 1893 in der Kunsthalle zu Düsseldorf unter 1 74 aus ganz Deutschland und Nachbarländern eingelaufenen Entwürfen die hier als Titelblätter verwandten vier und empfahl sie nebst einer Reihe anderer zur Ausstellung in deutschen Kunststädten. Auch der Entwurf des Buchdeckels (von Bernhard Wenig, München) wird diesem Preisausschreiben verdankt. Dieser weitere glückliche Versuch, die Kunst für die Anforderungen des praktischen industriellen Lebens zu interessiren und dadurch Beide zu fördern, hat in den Reihen der Künstlerschaft wie in der Tagespresse anerkennende Beurteilung gefunden; denn obgleich die hohe Kunst hier scheinbar in den Dienst des Gewerbes gestellt wurde, so ist sie doch in Wahrheit die Herrscherin, welche mit sanftem Scepter die spröde Alltäglichkeit zu lenken weiss, indem sie sich ihr unterordnet, die das Errungene mit Zähigkeit festhält und ihr Reich da, wohin sie einmal ihren Fuss gesetzt, mit sieghafter Macht ausbreitet. — — — ==§>, IL"- 49 7 RUD. IBACH SOHI. Wenn die vorstehenden Mitteilungen ein trotz knapper Umrisse klares und freundliches Bild vom Hause R ud. I bach S ohn , seinem Geist, seiner Geschichte, seinen Kämpfen und Errungenschaften und seiner Zukunft geben konnten, so haben sie ihren Zweck erfüllt. Diese Blätter sind nur ein Festgruss zur Erinnerung an das einhundertjährige glückliche Bestehen des Elauses und an die fünfundzwanzigjährige ruhmvolle Laufbahn des Namens R ud. I bach S ohn , allen Freunden gewidmet. Sie atmen Freude über ein in den Annalen des Pianobaues sehr seltenes Ereignis; sie bringen Dank für unzählige empfangene Beweise von Wohlwollen und Freundschaft; sie tragen die Hoffnung auf ein durch dieselben Sympathien und dieselben Erfolge verschöntes Zweites Jahrhundert des Hauses Rud. Ibach Sohn.