— einanderung 734 D. Sp. G. . Nicht ausleibbar GUCHBINDES HOROSCOPUS I L TER ALAIT T PER VIRTUTES LI LABORES ADASTRA TRANSLATIDaß ist: Lugent= und LebensWandel DOANNIS WILHELMI Pfaltzgraffen bey Rhein / Des Heil. Röm. Reich Ertz=Truchsessen und Churfürsten / in Bäyern / zu Gülich / Cleve und Berg Hertzogen / Fürsten zu Mörß / Graffen zu Veldentz / Sponheimb / der Marck und Ravensperg / Herrn zu Ravenstein / ꝛc. ꝛc. Auffgeſetzt und vorgetragen In dessen höch=traurigen mit gröster So lemnität begangener Leich=Begraͤbnuß ersten Tags Durch R. P. Ferdinandum Orban S. J. Weylandt der ChurFürstl. Durchl. Beicht=Vatteren / den 5. Augusti Anno 1716. in der Residentz=Statt Düsseldorff. wie diese Regel tragen wird. Man wäre man nicht zu verstehen Permissu Superiorum Düsseldorff / getruckt bey Johann Wilhelm Beyer Churfürstlicher Hoff=Buchtrucker, 1716. Tp. G. 1525 LUME UND ETADT BADOHE possiboli 42 442 EPISTOLA DEDICATORIA Dem Durchleuchtigsten Thur⸗Fürsten CAROLO PHILIPPO Pfaltz=Graffen bey Rhein / des Heil. Röm. Reichs Ertz=Truchsessen und Churfürsten / in Bäyern / zu Gülich / Cleve und Berg Hertzogen / Fürsten zu Mörß / Graffen zu Veldentz / Sponheimb / der Marck und Ravensperg / Herrn zu Ravenstein / rc. etc. Meinem gnädigst=gebietenden Herrn / Herrn Hro Churfürstlicher Durchleucht als Unseres gnädigsten gebietenden Herrn Herrn, vollkommene Tugent / welche gleich dem Himmel geartet / cui, nach Zeugnuß Thucyd; æquè modico farrequàm per integrum Hecatombe litatur, aequè tibiis quàm tubis canitur, gleichmäßiger weiß in Gnaden ansihet ein Handt voll Mehl / als 100. geschlachte Ochsen; ebenfals den Klang einer geringen Pfeiffen als den Schall einer prächtigen Trompeten, veranlasset mich zu diesem unterthänigsten offert: dannen auch / weilen in dieser hoher tieffister Traur / als einer verfinsterter Nacht zwey helle Planeten und schönste Liechter der gantzen Welt zu Trost und Vorschein kommen durch special grosse Gnaden der göttlichen Majestät; qui facit de tenebris lumen splendescere 2. Cor. 4. nemblichen: erstens durch den Christlichsten vollkommnisten und heiligmä mäßigen Todt, und Hinscheiden des Durchleuchtigsten Churfürsten Herrn/ Herrn JOANN WILHELM glorwürdigster Gedächnuß; gestalten folgender Horoscopus, Lebens und Tugent=Wandel des Palatinischen Herculis in mehren Blättern wird erzeigen; anderens / weilen bey dieser Traur-Klag erfült worden, was der H. Geist durch den weisisten Syrach gesprochen: mortuus est, & quasi non est mortuus, similem enim reliquit post ie: Er ist gestorben / und gleichsamb noch lebent / aldieweilen er einen gleichmäßigen hinterlassen / hie auff Erden zu regiren und herschen über Landt und Leuth, welchen der gottseeligste Hercules gleichsamb vom Himmel anredet mit einigen Claudianischen versen in Consul. 3. Honorii. - - - me quoniam coelestia regna vocârunt, Tu curis succéde meis, tu pignora solus Nostra fove, tu dextrâ solus protege Fratres. Weilen ich von dem Himmel werde beruffen, überlasse ich dir meine Unterthanen glücklich zu schützen, und mit der rechter Handt die Länder und liebste Brüder zu umbfangen: worzu ich nicht nur allein unterthänigstens anwünsche / sondern auch beflissenster eyffrigstens bitte / das der Allerhöchste als eintziger Souvrainer Herr des Glücks / sothanes durch seine allmögende Gnaden wolle verleihen, in viele der erfolgenden Zeiten allerseiths gesegnister, vergnügtister, und seeligster massen. Ihro Churfuͤrſtl. Durchl. Servus humillimus & devotissimus P. F. O. S. J. 3 D S S S O HEMA Fecit quod placuit Deo, & fortiter ivit in via David: Spiritu magno vidit ultima, & consolatus est lugentes in Sion usque in sem piternum. Ecclesiast. 48. Vers. 25. Das, so GOTT gefallen, hat er gethan, und gienge starckmüthig in den Weg David: Mit grossem Geist sahe er an die letzte Ding / und hat getroͤst die Betrübte in Sion biß in Ewigkeit. Ein kluger sinnreicher Philosophus, noch weiser Theologus; sondern ein schwacher Criticus, kein subtilet in der experientz erfahrner Statist oder Politicus; sondern ein aberwitziger Beschnarcher Aristarchus; kein von reiffen Verstandt Censorius Cato, sondern wohl gar ein Zoilus wird es seyn gewesen / der dich O mondsinnige / kritlige / leichtglaubige eitle Welt so mannigfaltig beredt / bethört mit jenem Horatianischen Klag=Liedt Aetas Parentum pejor avis, tulit Horat. Nos nequiores, mox datura Lib. 1. Epist. f. Progeniem vitiosiorem. Die Eltern waren gut und recht / und 1000 mahlen frümer / Bey Vatters Zeit gieng ab diß G'schlecht / und wurd es immer schlimmer / Nun sicht es noch weit ärger auß / Und das so folgt / von gröstem Grauß. Sintemahlen gewiß das peripatetische axioma: idem Aristot. manens idem, semper facit idem, so lang eine Weesenheit verde Prinbleibt ein . ⸫4 ₰ bleibt in seiner Natur so operiret selbige immer gleichmäßiger massen forth nach seinen naturel; & modus operandi sequitur modum essendi: hypocondrische grimassen seyn es / nicht Jovialische oder Solarische Geister / sonder Saturninische Humoristen: welche immer die alte threnod iam intoniren: Ad ferrum venistis ab auro Ovid. Protinus erupit venae pejoris in aevum, Mera Omne nefas; fugére fides, verúmque pudórque, merph. In quorum subiére locum fraudesque dolique. Lib 1. Die güldene Zeiten seyn längstens entwichen / Von Erden und Eisen die bose eing'schlichen / Allwo die Laster stehn empor; Die Tugend aber in malor, Ja mit einem Wort recht eyffrig zu sprechen / ex justo calore mit denen Juristen, so ist es als unrecht zu benänibsen / als ein calumnia und injury außzustellen das immer anhaltende Seufftzen heu mores! heu prisca fides! O tempora ô mores! Ach der alt verwesenen Treu! OZeiten / O Sitten! wie auch die aller Orthen angewachsene Lamentationes Quomodo obscuratum est aurum! mutatus est color optiIerem. Thre. 4, mus, dispersi sunt lapides Sanctuarii. Das Gold ist verduncklet / die beste Farb abgeschossen / die Stein der Heiligkeit zerstöhret! ein Irrwohn ist es / eine phantasey nur der Bedagten und Alten / als welche in ihrer Jugend allzu distract und vagabund die eigentliche Beschaffenheit der Sachen vernachlaßiget oder nicht erkandt, nur in anwachsenden Alter erst angefangen zu critisiren: Welt verschleisse von Jahr zu Jahr / die Kräfften werden schwächer / das Firmament sambt denen Sternen weiche ab, die gantze Natur seye gleichsamb entkräfft / unfruchtbar, nicht mehr tüchtig zu erzeigen berühmte Helden und starckmüthige Hercules: in paradigmate von dergleichen zu sprechen / so seyn diese Critici auch eines theils ähnlich Harpasti der alten Schwieger-Mutter des weisesten Senecæ, welche sich immer beklagte / das Hauß werde dunckler / die Fenster nicht gesäubert / also daß sie benöthigt einen Handführer zu haben / incredibilem tibi narro rem, sed veram, nescit se caecam, Senec subinde paedagogum suum rogat, ut migret, ait domum teLib. 5 nebrosam esse. de ita Zur 55 Zur Prob dieses Unfuegs braucht es nicht mehr als den hierüber von der ewigen Warheit bey dem weisesten König Salomon abgefasten Sententz: Ne dicas quod priora temEccl. 7. pora meliora fuére quàm nunc sunt; stulta est enim hujusmodi interrogatio: nihil sub Sole novum, nec valet quisquam dicere, ecce hoc recens est, jam enim praecessit in læculis: Saget nicht / daß die vorgehende Zeiten besser gewesen als dermahlige / dann diß ist ein thörechte Meynung nichts unter der Sonnen ist neu / und ist keiner der mit Fueg kan sagen / sehet / daß ist eine Neuigkeit; dan dergleichen waren schon in verstrichenen Jahren: es bedarff nit mehr als ein kleines erwegen das allgemeine Sprichwort. Sicut it ire sinas, sic vult Deus optimus ire, Nam sicut nunc it, semper sic ibat & ibit. Laß gehn wies gehn die Sachen / Den Allerhöchsten machen: Dan wie sie gehen dermahlen / von Anfang also waren Und werden so verharren. Zur Bestättigung dessen hätte ich in der Handt den allgemeinen Schluß der Philosophischen Facultät als welche behaupten der Natur Eigenschafft seye es sich immer mehr zu perfectioniren: Natura semper tendit ad perfectiora, aberrat Conim si contingunt deteriora, Natura semper incipiens per bric. Salman. minima, tendit ad maxima: Ich haͤtte zur Handen dermahliger Zeiten gröste Helden / Generalen und Kriegs=Fürsten / vor welcher Großmuthigkeit / von deren Injenieur und Waffen=Kunst / auch wurde sich höchstens erstaunen duo fulmina belli Scipiades ein unüberwindtlicher Alexander Macedo, ein grosser Pompejus, Iphricrates Epaminondas, Asdrubal und Hannibal. Ich konte aufführen Minervam ein Praesidentin der Künsten mit ihren 9. Musis, welche in Erwegung dermahliger Wissenschafften wurd betheuren / daß ihr gantzer Parnassus, Helicon und Hyppocrene wären unvermögend nach Gebühr zu loben dermahlige grosse Virtuosen, bevorab/ weilen von jothanen war dero in Palm=Baum eingegrabnes Lemma: Crescunt crescentibus annis, Wir erwachsen mit den Jahren / Wie die gantze Welt erfahren: Wei ⸤ Weilen gewiß das gemeine Sprichwort: in Künsten und Wissenschafften kombt alles auff das hoͤchst / Culmina summa petunt, culmina summa tenent Pallas mit den Musen in Divan grösten . Rath / 75 Mayors in den Waffen / stehn nun im höchsten gradt. Begebe mich aber alles dessen / und ist mir genug dieses zu comprobiren durch den an die facciata angehefften titel: Horoscopus Herculis Palatini per Virtutes & Labores ad Astra relati. das ist Tugent= und Lebens-Wandel JOANNIS WILHELMI des Pfältzischen Herculis wegen seiner Tugent und Arbeit unter die Stern übersetzt Unsers Weyland gnädigsten gebietenden Churfürsten und Herrn Herrn nun glorwürdigster Gedaͤchtnuß: auß dessen calculation und explication solle seyn zu ersehen / quia ab actu ad potentiam op: tima est argumentatio, das keines wegs die Machin des Firmament verschlissen / die Stern auß dem Geleist gangen / die sieben Planeten waren foibles, sondern in Standt grosse Helden und Hercules zu erzeigen / daß die Natur nicht veraltet oder entkräfftet / Tugent=volle Gottseeligste Fursten auff die Welt zu bringen / sondern fruchtbahr gleich wie vor 2000. Jahren als sie den heiligen Israelitischen König Ezechiam gebohren: es solle erhellen / das gleich wie Hercules überwunden die grausamme Bestien, Hydras, Cerberum, Geryonem, Schlangen, Höllen-Hundt, wilde Ochsen, Bären und Löwen / dieser Unser Christlicher Palatinischer Hercules mit weith groͤsseren Sieg-Palmen geziert; indeme er die noch wildere Bestien, die grosse Sunden und Laster bestritten, die bestrittene überwunden / die überwundene Heldenmuhtig erschlagen / welches zweiffels ohne ein weith grössere Victori, inmassen es auch in dem blinden Heydenthumb schonstens erkent / Flumen eloquentiæ der weiseste Redner Marcus Tullius Cicero oratione in Marc. Marcell: verum animum vincere, Cicero Iracundiam cohibere, victoriam temperare, ille qui faciat, in orat. non ego cum summis viris comparo, sed similem Deo judiin Mar. Marcel. co. Sich selbsten überwinden / die Begierlichkeiten der Natur, Passio 875 passiones animi, die Zornmüthigkeit unvertruckrn / den Hochmuth dempffen seynd jener Heldenthaten / welche über die Menschen zu erheben / und denen Goͤtteren zu vergleichen: es solle erhellen / daß Ihme gebührender massen beyzumessen das hohe Lob / welches einen Gottseligsten König der heilige Geist in göttlicher Schrifft Syrach an dem 48 Cap. Eccleſ. als ein Epitaphium zugeschrieben: Fecit quod placuit Cap.48 Deo, & fortiter ivit in via David: spiritu magno vidit ultima, & consolatus est lugentet in Sion usque in sempiternum. Er hat gethan das so GOtt gefallen, und gienge starckmüthig in den Weg David: mit grossem Geist sahe er an die letzte Ding/ und hat getröst die Betrübte in Sion biß in Ewigkeit. Wie vollkommentlich diß seye an Unserem Durchleuchtigsten gnaͤdigsten Churfürsten und Herren Herren / höchstseeligster Gedachtnuß verificirt zur Warheit worden / werde in gegenwärtiger hoher Leich-Begangnuß erweisen / erstens Theil was gestalten Er in blühender Jugendt und ersten Alter gethan das so dem Allerhöchsten gefallen / in dem anderen / starckmüthig gewandelt den Weg David, und 3. Theil/ durch gottseeligstes heiliges Hinscheiden Himmel und Erden mit Freuden erfühlt / gleich einer himlischen Constellation: Lema Exornaturus utrumque: Die Erden und das Firmament Zu bestrahlen ohne Endt. Ewer Lieb und Andacht in Christo versamlete / heiteren auß umb dieses zu vernehmen ihro mit hoher Traur erfülltes Angesicht / halten in dero Hertzen immer auffwallende Seuffzer. Der H. Geist aber / welchen ich als die göttliche Majestät und ewige Weißheit in unterthänigster Reverentz anbettendt Ecclès. ersuche: Veni sancte Spiritus & emitte coelitus lucis tuae radium; Accende lumen sensibus, infunde amorem cordibus, in hym. er wolle durch die Vorbitt der 1000. seeligster Jungfrau und Mutter GOttes Mariae seiner außerwehlten Gespons mit seinen allmogenden Strahlen der goͤttlichen Gnaden mich erleuchten / B2 Lema. Eccles. Trismegis. Actor. Ioan. I. * die Hertzen Ewer Lieb und Andacht berühren / von welchen verhoffent die gewöhnliche Gedult, so mache den Anfang im Nahmen des Allerhöchsten. Ræcise nur so lang und nicht ferners ist befügt ihren splendor pomp und eclat anzuruhmen die angezundte hell und grel scheinende Flambo, Fackel oder Tortzen sambt den eigentlichen Lemma Aliorum consumor in usum. Mein gantzer Pomp und Pracht / Ist andern nur zu Dienst gemacht. Absolutè nur biß dahin kan sich aufführen in ihrer Galla die wunder=schöne Aurora, seyn und verbleiben aurea hora, Ein güldene Zeit Zu mindern das Leydt: Phosphorus, obwohlen er auch Hesphorus der edle Planet wird nur so lang an dem Firmament können herein prangen / und wahr machen / Afflictae gaudia noctis, Mein Zierath und Genuß Zum meisten ist in Finsternuß Biß daß sich über den Horizont erhebe lumen majus, oder wie der weise Syrach bekent Vas admirabile opus Excelsi, das wunder Gefäß / das schönste Werck / der gröste Planet die guldene Sonn. Höre es alleredleste Princessin auß den 9. Musis, allerwehrteste Vrania, in so weith kan praecise passiren dein excellentz in der Astrologia dein dan und wan so scharffsinng auffgesetzte Horoscopi, Nativität stellen und Planeten lesen in zuverlaͤßiger Prognostic biß daß ich dir zeige ober dem Firmament Ens entium, principium, medium & finem omnium, per quem, ex quo, & in quo sunt omnia, die höchste Wesenheit / auß dem von dem und in dem ist alles / Omnia per ipsum facta sunt, & sine ipso factum est nihil. Es ist zwar nicht ohn / groß und ansehnlich seyn deine Praerogativen, gewiß das deine Constellationes von vielmögenden Kräften / indeme die göttliche Warheit es authentisirt, solche er 9 erschaffen / ut sint in signa, in tempora, & dies & annos, das sie wären zur Vorbetheutung / Erkantnuß der Zeiten in Tag und Nacht / es ist bekandt nicht nur auß der theoria, sondern auch dem praxi, dan wer ist / dem nicht bekant auß bewehrtisten Scribenten / was massen dein scholar Spuria auß dem calculirten Horoscopo, Cajo Julio Caesari vorgesagt den Tag die Stundt des blutigen Untergangs ihn auch Fußfaͤllig gebetten Idibus Martij den 15. tag Martij das Ungluck zu vermeiden / sich zu Haus inzuhalten sonsten wurde er im Rath ermordet werden / wie auch geschehen durch 23. Wunden. Wer ist dem nicht bewust die prognostic auff welche Agrippina des Tyrannischen Kaysers Neronis Mutter so frech und ehrgeitzig geantwortet: Occidat dummodò imperat, Ich lasse mich ermorden / so fern diß von seiner Käyserlichen Hand oder Befelch erfolgt: es ist bekandt auß den Römischen Geschicht=Schreibern was begegnet Vitelio dem Kayser / indeme ihm von einem Astrologo die Zeit / Tag und Stundt seines grausammen Todts prognosticiret worden / es ist allerseiths kundig / was jener Teutscher nach Zeugnuß Flavii Josephi Herodi Agrippæ als er von Tiberio wurd in Gefaͤngnuß verschlossen / ware vorgesagt: daß er von Cajo Claudio wurd seyn frey gelassen und zum Königlichen Thron erhebt: es ist bekandt und Weltkündig die wunderliche historia Athenaidis einige Tochter des Philosophi und Mathematici Leonis: was massen / wie bezeugen die sämbtliche Annalisten der Grichischen Monarchy, daß sie in dem Vatterlichen testament gleichsamb enterbt; alles muste sehen überlassen ihrem ungeardetem und außgelassenem Bruder / auß Ursach / weilen dero Vat ter auß der constellation vorgesehen / daß sie werde zur Königlicher Dignitaͤt gelangen; indeme sie aber deswegen malcontent an den Kayserlichen Hoff zu Constantinopel bey Pulcheria der Regentin klagbar angelangt / hatte sie sich durch vollkommene conduite dermassen signalisirt, daß sie zur Ehegemahl deß Käysers Theodosii junioris erwehlt worden benambset Eudoxia: diese und dergleichen mehr stehet man die zu auß den grossen Scribenten Plutarcho, Orosio, Appiano, Floro, Valerio maximo, Plinio, hochgelehrtiste Vrania, ja so gar / daß du hierinfals seyest authentisirt von dem unvergleichlichem Theologo S. Thoma de Aquin: hoc modo innotescit, quod, qui sciret virtutem signorum & stellarum in iis positarum, dum nascitur aliqua res, posset proFlav. Joseph. in hist. Iuda. Socras tes Evas grius Nicephorus & Cyril lus in vita Euthimii. Plinius lib. 7. c. 15. S. Tho. lib.2.de generat & corrup. Apocalip. 2. Eccles. Sap. 13. 10 prognosticari de tota vita rei generatae: quff diese weiß erhelt / daß der / welcher wust die Krafft der Zeichen und Sternen / da nun die Sach wurd gebohren / könte vorbedeutlich wissen dero gantzen Lebens=Lauff. Aber so vortrefflich so hoch und bewehrt sich immer befindt diese Wissenschafft / so ist es jedoch unstrittig / daß es seye ein Creatur / consequenter unendtlich weniger / als dero Erschaffer / quia finiti ad infinitum nulla proportio, gewiß / und ungezweifflet / daß die allerhöchste göttliche Majestat hierüber der eintzig Souvrainer gebietender Herr / dominium altum habens illimitatum, mit denen Juristen zu sprechen: der eintzige universal Monarch an dessen fiat und placet alles gelegen / also und dergestalten / daß durchauß wahr daß gemeine Sprichwort Astra regunt homines, sed regit astra Deus. Die Stern regieren Leuth und Landt GOtt aber hats in seiner Handt. Wie es gesehen und beschrieben ein Apocaliptischer Adler S. Joannes, qui tenet septem stellas in dextra sua: alpha & omega, principium & finis, welcher in seiner Handt haltet die 7. Planeten / den Anfang und das Endt aller Sachen ist. Diese ewige Warheit wuste und erkente bester massen Philippus Wilhelmus, dilectus Deo & hominibus, cujus memoria in benedictione est, der bey GOtt und den Menschen geliebter / dessen Gedaͤchtnuß allerseiths gebenedeyt / Weylandt Hertzoglicher nachmahlen Churfürstlicher Herr Vatter Unsers glorwürdigsten Pfältzischen Herculis JOHANNIS WILHELMI, dahero auch bey allen Begebenheiten / so fern was wurde vermeldt von irrdischen Creaturen / allmahlen / als ein epiphonema heysetzte: sciant quantò Dominator eorum speciosior, oder wie die Caldaeische paraphrasis willpotentior est, man muß wissen / daß der erschaffener unendtlich mächtiger sey / specialiter aber / als Anno 1658. den 19. April wurde gebohren JOHANN WILHELM auß sonderen Gnaden GOttes nach so vielen Seuffzen und Gebett, wegen in Gefahr stehender succession, und unter vielen aggratulanten einiger offerirte des gebohrnen Printzen calculirte Nativität / oder Horoscopum mit der Erklährung hierauf erfol⸗ ⸸⛱ erfolgenden vielen Guts / in demonstration, daß hierin dominire Aldeboran, oculus tauri, ein Glück voller Stern / daß Jupiter ware in exaltatione, Saturnus in detrimento, Mercurius in domo propria, Luna in perigaeo, Mars, Venus, und se Sonn aber in der eccliptica hexagon: befragte hierauff Philipp Wilhelm, ins gemein wegen grosser Weißheit der Europæische Salomon genant / ob er als ein berühmbter Astrologus, auch waͤre ein warhaffter Christ? ob er auch glaubet, daß diese prognostic in so vielem Gluck seye souvrain und nit unterworffen der Handt des Allerhöchsten / ob nicht dieser das Glück könte verwenden in das Ungluck / dieses aber zum besten gedeyhen? worauff als die Antwort erfolgt mit ja: potestas ejus in saecula saeculorum, Aſtra regunt homines, ſed regit aſtra Deus, Seufftzte hierüber der Gottseeligste Hertzog / sagent wohlan / so muß daß sicherste seyn mich gäntzlich und alleinig an selbigen zu hangen; verbleibe also in meinen devis, sciant quantò Dominator eorum potentior est, alle wissen daß deren Beherſcher weith maͤchtiger ſeye; Sors tua mortalis est, non est mortale quod opto. Ovid. metam. Unsterblich ist nach dem ich tracht; Dein Glück ist eitel: gute Nacht. Ach der allerschönsten / vollkomensten Christlichen Gedancken! und Worth nicht allein in Goldt / Ceder, Marmor einzugraben/ sondern in alle Vaͤtterliche Hertzen! Ohohes gottseeligstes concept, von dem H. Geist stylisirt, von Christo Jesu vidimirt, von allen Engelischen choris in Ewigkeit zu loben! bevorab weilen erfolgt / dictum, factum. wie gesprochen / so gethan; dan man sahe allerseiths den grösten auffgewehnten Fleiß in Vätterlicher Sorg den jungen Printzen vor allem auff das Christlichste zu erzihen in allen Tugenten / gröstem respect, Unterthanigkeit und Forcht des Prov. I. Allerhöchsten / gemees der ersten Regel des H. Geistes: principium sapientiae, timor Domini, der Anfang aller Weißheit / ist die Forcht GOttes / gemeeß der wahren politic', indenie gewiß / aus Aristotele, principium quantitate minimum, potestate maximum, der Anfang ist zwar das kleinste wesen / aber auch das mächtigste. C 2 Lucret. 1. 4. 1 Reg2. Psal. 127 12 ſi prava eſt regula prima Omnia mendoſè fieri atque diſtorta neceſſe eſt. Die erste Abweichung von dem rechten Weg ist erstlich nur ein Tritt Erwachset aber mit der Zeit in 10000. Schritt. Dermassen Christlich und heilig ware diese Aufferziehung durch gelehrtiste und tugentsamme Vorsteher / daß hierdurch der freygebigste GOtt im Himmel wurde bewogen seinen allmögenden Segen reichlich mitzutheilen: gemeeß dessen parole, quicunque glorificaverit me, glorificabo eum, qui autem contemnunt me, erunt ignobiles: alle die mich preisen / werde ich ansehnlich machen / die mich vernachläßigen aber / verächtlich werden. Wer ist in gantz Europa, ja Asia, Africa und Europa, der nicht weiß hierinfals wie dieses zur Warheit worden: uxor tua sicut vitis abundans: filiae tuae sicut novellae olivarum in circuitu mensae tuae: ecce sic benedicetur homo, qui timet Dominum. Dein Ehegemahl wird seyn wie ein überflüsiger Reben-Stock, dem Töchter wie des Oelbaums erste Gespros umbgebent die Taffel: sihe also wird seyn gebenedeyet der Gottsforchtende? Wer ist der nicht weiß / was gestalten dessen erste Princessin Eleonora Magdalena seye erhoben worden zum Käyserlichen Thron vermählet LEOPOLDO dem ersten Römischen Käyser anno 1676. Maria Sophia zur Königlicher Cron in Portugal anno 1678. Maria Anna zur Königlicher Cron in Spanien anno 1690. Dorothea Sophia zur Hertzoglicher Dignitaͤt in Parma anno 1690. Hedwig Elisabeth zur Gemahlin Jacobi des Pollnischen Königlichen Printzen anno 1691. Leopolinda aber zu vielen Cronen designirt in bluͤhender Jugendt zu denen ewigen verschieden? Wer ist der nicht weiß diese benediction in so zahlreicher Schlaiß der liebsten Bruͤderen Ihro Churfuͤrstl. Durchl. als nemblich Wolffgangi Georgii vast ungezweiffelter zukuͤnfftiger Churfürst zu Cöllen / Ludovicus Antonius Hoch=teutschMeister und Coadjutor zu Mainz / von welchem gewiß: consummati in brevi complerunt tempora multa: Alexander Sigismundus Bischoff in Augspurg / Franciscus Ludovicus nun Churfuͤrst zu Trier / Fridericus Wilhelmus und Philippus Wil # Wilhelmus, welche das Lob erworben pro patria & in patria Cicero mori praeclarum est, das sehr preißwürdig seye vor und in dem Vatterlandt sterben. JOHANNI WILHELMO aber in selbigen einen Pfältzischen Hercalem in Christlichen Tugenten und Arbeit zu agiren, gemeeß meines thematis oder Vorspruchs / fecit quod Eccles. placuit Deo: das so GOtt gefallen hat Er gethan. 40. Dieses vortreffliche bellvedere in seinem Anfang was genauers zubeobachten / beliebe ewer Lieb und und Andacht nur ein kleines sich zu reflectiren / anzusehen seine erste Jugendt / sie werden finden alda den unterhänigen Gehorsamb gegen den Durchleuchtigsten Herrn Vattern und Frauen Mutter, in tieffer reverentz/ in zartistem kindtlichem respect, dermassen, daß Zeit seines Lebens nicht das geringste widriges hat können als wenigster defect außgestelt werden / dermassen / das genug ware der wenigste Finger-zeig, der kleinste Augenwinck/ oder angesinte Meynung seiner hertzliebsten Eltern/ 1. Reg. gleich also haben sie gesehen jenen heiligen Samuel, ecce ego, praesto sum, ein heilig willigen Isaac, einen gehorsamen Tobiam vor allem beobachtendt den Befelch des H. Geistes geCol. 3. geben durch den H. Paulum: filii obedite parentibus in omnibus, hoc enim placitum est Deo: liebe Söhn gehorsamet eweren Elteren in allen / dan diß ist GOtt wohlgefällig. Ein gleiches werden ewer Lieb und Andacht zu Gesicht kommen in seinem Musaeo, studir=Zimmer / Palæstra, und Gymnasio exercitiorum; wie willig gehorsam Er sich erzeiget gegen seinen geistlichen Instructoribus, Praeceptoribus, auch weltlichen Praefectis morum, Directoribus in allen adelichen einem so grossen Printzen gebührenden Wissenschafften und exercitiis, fecit quod placuit Deo; derohalben auch der treu=gütigste GOtt Ihn Vaͤtterlich gesegenet als seinem liebsten Sohn: proficiebat ſapientiâ & ætate & gratiâ apud Deum & homiLuc. 2. nes, Er machte grossen progress in den Jahren und in der Gnad bey Gott und den Menschen; dergestalten und massen, daß in allen Wissenschafften als Rhetorica, Physica, juris Prudentia, Geometria, Architectura, Mathematica qudi Musica und arte medica, chymica Er alle seines gleichen ubertroffen: Léme. Stellas sicut inter luna minores, Gleich Matt. 16 ed Rom c. 8. S. August. I. I. ca. I. 14 Gleichwie der Nacht Planet, So allen Stern vorgeht. Ein gleiches werden adjustiren alle Meister der hoch adelichen Fürstlichen exercitien, als tourniren / fechten jagen und reiten / die Wissenschafft Architectura militaris, wie auch aus mannigfaltigen Ursachen einen Printzen anständige Kunst in Silber Helffenbein und Holtz mit aller Erstaunung zu tre xelen und zu kunstlen / mit einem Wort: ex utroque Caesar der allerseiths gröste Meister. Verlangen Ewer Lieb und Andacht noch ein mehrers / so verfügen sie sich nur ein wenig in das Cabinet zu seinem BettStuhl / so werden sie Ihn finden / fecit quod placuit Deo: taͤglichen Morgen und Abends mit gebogenen Knyen mit aussgeregten Händen also beständig / daß er Zeit seines Lebens niemahlen diese höchst=Christliche Andacht unterlassen / memahlen einigen GOttes Dienst / Bett-oder Festag versammet / niemahlen die Zeit in Müssiggang / oder so noch arger mit spielen verschländert / sondern in bester occupation, durch lesen / zusammen schreiben aus den besten Scribenten der nutzlichsten sententzen / als devises, imprese, zum besten seiner Seelen. Hievon nun en passant was weniges Ewer Lieb und An dacht mitzutheilen / so werden sie finden auff das nettiste geschrieben mit eigener Handt / auch illuminirt: die haupt Regelen / prima principia aeternae veritatis, wie sie benambset der güldene Redner Chrysologus: ach wie hertzinniglich und GOtt gefällig ist alda zu lesen: der von Christo Jesu stylisirter Sententz: WILHELME (also sprach er ihm selbsten täglich zII) quid prodest homini, si Mundum universum lucretur, animae verò detrimentum patiatur? was soll es dir helffen / so du auch die gantze Welt soltest gewinnen / an deiner Seelen aber verunglücken? ach wie gottseelig ist alda angeschrieben: WILHELME, non sunt condignae passiones hujus temporis ad futuram gloriam quae revelabitur in nobis, der Himmel ist alles wehrt / ein Bagatelle das allhiesige Leyden / gegen den ewigen Freuden. Ach wie andächtig ist alda zu betrachten des heiligen Augustini Symbolum: fecisti nos ad te, & irrequietum est cor nostrum, donec requiescat in te: WILHELME, wisse daß dein Hertz seye dreyeckig / und könne von keinem / als dem drey eim 15 einigen GOtt erfült werden: O was amara dulcis ist nicht die Bedenckung des Rythmi Jacoponi: Quò Cæſar abiit magnus imperio? Quò dives Epulo totus in prandio? Dic ubi Tullius grandis eloquio? Vel Aristoteles summus ingenio? Tot Mundi Principes, tanta potentiâ, In ictu oculi clauduntur omnia. Wo ist die hoͤchste Macht? Des Julii grosser Pracht? Des Marci Tullii so grosse eloquentz? Des Aristotelis Verstandt und excellentz Ach GOtt wie eitel schnödt / Alles in der Welt vergeht! O wie anmüthig ist nicht alda angeschrieben das von dem heiligmaßigen Cantzler Thoma Moro gefälte Urtheil uber die bose Welt: si decima pars studii, quod pro Inferno impenditur, pro Coelo haberent, certò isthoc obtinerent. wan die Menschen den zehnten Theil der Arbeit / so sie anwenden vor die Höll / thäten vor den Himmel / wurden sie selbigen sicher erwerben. Vor allen anderen aber / welche waͤren in der menge beyzubringen / ware sein Achilles und gleichsam unuberwindtlicher Schild Turni, die Lehr des weiſiſten Syrach, die Ermahnung S. Pauli, radix omnium malorum est cupiditas: nihil iniquius est, quàm amare pecuniam, hic enim animam suam venalem habet. Die Wurtzel alles Ubels ist der Geitz und die Begierlichkeit / nichts schädtlicher als ein Gelt begieriges Gemuth; dan dieses verkaufft die eigene Seel. Von welchen Landt-schädtlichen verfluchten Laster auch nur zu hören ware JOHANNI WILHELMO ein grausen / ein angebohrene antipathia; entgegen eine sympathia zur Freygebigkeit; zu den heiligen Allmosen / zur Hülff gegen denen Bedurfftigen / welche annoch in der menge wissen zu contestiren / wie daß er deßwegen oͤffters von seinem grand Maitre muste ein repriment und correction übertragen; jedoch ohne alteration, weilen er wuste das eben dieses sey: fecit quod placuit Deo, ein Wohlgefallen Gottes / daß Er hiedurch würde ein Palatinischer Hercules, von welchem bekant / daß Er annoch in der Wiegen die vergifft ihnie. nach dem Leben trachtende Schlangen und Natteren zerrissen / dieser aber die höllische den verfluchten Geitz und GewinD2 Be1. Timo Prov.10 Ambr. in hex. Pfal.45 ⸗ 16 Begierlichkeit / von welchen noch viel zwar wäre zu moralisiren aus dem weisisten König Salomon, ingreditur blandè sed in novissimo mordebit ut coluber, daß diese Besty oͤffters zwar einschleiche unter dem praetext der æconomy der Gesparsam keit, aber endtlich die Seel erwürget: ich hätte zu gewahrnen mit einem H. Ambrosio, avaritiae malitia non est ex impetu naturae, aut actu primo, sed ex intellectu perverso, & voluntate corrupta, daß dieses Laster desto grösser / weilen es nicht aus einer ubereilung des Verstandts, sondern mit Bedacht und bösen Willen wird vollzogen; wan nicht die Zeit es erforderte mich zu begeben zu Unserem auff der Abreiß nach außländischen Königreichen schon außstaffirten Printzen / noch vielmehr aber mit heylsamsten Vaͤtterlichen Ermahnungen / ut placeat Deo, dem Allerhoͤchsten gefaͤllig und seinem Hauß loͤblich sich auffzuführen / welches geschehen anno 1674. den 18. Novemb. in einem höchst ansehnlichem und gleichsam Königlichem comitat, bey welchem à la façon de la Cour nach Hoff Gebrauch / das erste musie seyn ein devis oder impresa zu erkiesen / wurde deßwegen in unterschiedlicher Meinung votirt, bey OHANN WILHELM aber schon beschlossen / kein anderes als das GOtt wohlgefällige zu uben / fecit quod placuit Deo: Was erachten wohl Ewer Lieb und Andacht daß hierauß seye erfolgt / vielleicht seinem Herrn Vatter gemeeß / ein kandem? vielleicht mit Augusto Octaviano, festina lentè? vielleicht mit Maximiliano I. respice finem? oder mit Alphonso König in Castella & Legione, pro lege & grege, zur manutenentz des Gesatz und der Unterthanen? vielleicht mit Justiniano dem Kayser summa Justitia, summa injuria die strengste Gerechtigkeit ist ein Unbilligkeit? oder etwan von denen weisisten Storcis, Peripateticis entlehntes axioma? keines auß diesen, alles ware zu schlecht, allein beliebt die Warheit der göttlichen Schrifft / welche Er andächtig eröffenet / und hieauß erkiesen den 9. vers auß dem 45. Psal: Dominus Virtutum nobiscum; susceptor noster Deus, der Herr aller Tugenten seye mit uns, unser Erhalter der grosse GOtt. In der Warheit die schoͤnste Prob seines gottseligsten Gemuths ex abundantia cordis os loquitur, dann von dem das Hertz voll / geht der Mundt uͤber: versicherlich ein herrliches Zeichen: fecit quod placuit Deo, daß Er gethan das so Gott gefäl 7 gefällig; dahero auch der Allerhöchste Ihn gesegnet / durchauß beglückt / über Landt und Meer durch so viel Königreich und Lander / daß zu seiner und des gantzen Hertzoglichen Hauß wahr worden: das lemma der hell glantzenden Sonn: Lemma Terras quas visitat ornat, Die Länder so er visitirt / Auch zugleich mit Strahlen ziert. Ich haͤtte zwar allhier eine menge zuvermelden / weilen aber die viele der materi zu groß und an mir wahr: inopem me copia facit, auch wegen des Tugent eclat mir die Augen Ps. III. vergehen: bekenne es: defecerunt oculi mei in eloquium tuum: schweige also still und lasse sprechen hievon die 16. Provincen, des Königlichen und hochmögenden General Staten Niederlands: ich lasse reden groß Britanien und dessen gekröntes Haupt Carolum II. wie er diesen jungen Herculem Palatinum beehrt / mehr als Königlich tractirt; ich lasse reden die allerseiths berühmbte Academy und Universität zu Oxonien, wie sie sich verwundert ob dessen viele Scientien und Wissenschafften / auch deßwegen nicht pro formâ, sed ex condigno offentlich nach scharffen examen und disputation einen Doctorem Juris prudentiae creirt: ich lasse singen hievon das Welt=bekante Franckreich / und dessen Monarchen Ludovicum magnum, wie er Ihn nicht nur allein hoͤchstens geschätzt / geliebt / geehrt und gelobt / sondern auch beschenckt mit einem kostbahren Degen von vielen 1000. Rthlr. an wehrt, mit beygefügten Worten des Kaysers Trajani zu seinem HoffMarschallen: utere pro me, & si malè egero, contra me Plutardiesen gebrauche vor mich / so ich aber solte verfallen in Misse= de Trathat wider mich: ich lasse aufftretten das Königliche Hertzog=jano. thumb Savoyen, die Meyländische Statt / die Republic Genua, das groß Hertzogthumb Toscana, das Königreich Neapel, insonders das Haupt der Welt die Statt Rom und dessen Heil. Vatter den Papstlichen Stuhl: diese / diese wird wissen zu berichten, wie liebreich er diesen JOANNEM als ein Statthalter Christi an sein Hertz getruckt und embrassirt, ſeuffzent: Aspice vultus Ecce meos, utinam oculos in pectora posses Metam Inserere, & patrias intùs deprendere curas. lib.1 Was Genes. 2. Paral. Matth. S. Hieron. de vita S Paulæ, 18 Was gestalten er Ihn gesegenet zu himmlischen und zeitlichen Gedeyhen: det tibi Deus de rore coeli & pinguedine terrae; endtlichen wird wissen hiervon zu referiren das Hertzogthumb Mantua mit Modena Parma mit der Königlichen Signoria Venedig, bekennen: terras quas visitat ornat. bestehen: bene omnia fecit, Ihm das Lob abermahlen beymessen: non est visum tale opus in universa terra: das dergleichen sie niemahlen gesehen / indeme alles was immer von regal oder praesent JOANNI WILHELMO wurde verehrt / durch dessen Liberalität wurde außgetheilt unter die geistliche OrdensStändt / und arme Bedrangte / als eintzige bestelte Anwalden des Heylands der Welt durch die expresse Formalien: Quod uni ex minimis fecestis, mihi fecistis. Sage allein was gestalten das höchste Haupt LEOPOLDUS I. Ihro Römische Käyserliche Majestät / diesen Herculem Palatinum erkent / den erkenten höchstens geschätzt / den geschätzten Käyserlich empfangen / und dessen meriten mit einem kostbahrist=unschatzbahren eintzig noch übrigen Kleinodien beschencket. Was vermeinen wohl Ewer Lieb und Andacht daß dieses seye gewest? vielleicht das Vellus aureum insgemein Toison benamset? ach nein; dan mit sothanen ware Er schon vorhin außgeziert: pretium non vile laboris: ein Lohn der Heldenthat / so dieser Ritter hat? villeicht ware es ein Käyserlicher unschaͤtzbahrer Ring: æterni pignus amoris, als ein Zeichen der ewigen Lieb? ach nein daß ware zu gering, es ware von hoͤherem valor, es ware ein Antheil des Kayserlichen Gebluͤts, es ware seine leibliche Schwester MARIA ANNA eine ErtzHertzogliche / Königliche / Kayserliche Princessin / mit welcher er wurd vermaͤhlet zu Wien den 25. Octob. anno 1678. eine wahrhaffte Pandora aller Tugenten / also daß ich hieruber erstaune/ und alleinig hab zu sagen/ was ein heiliger Hieronymus geschrieben: si omnia mea membra verterentur in linguas, & omnes mei artus humanâ voce loquerentur, nil dignum tamen sancta Paulâ dicerem: wann alle meine Glieder solten seyn beredtbahre Zungen/ und alle Nerven solten seyn wohlklingende Seiten / so ware doch alles unvermögendt das gebührendt Lob zu sprechen: an statt alles / solle seyn: fecit quod placuit Deo: daß hierinnfals das wohlgefällig⸗ 9 ligste der göttlichen Majestät erfolgt / wovon er selbsten bezeugt: In tribus placitum est spiritui meo quae sunt probata Ecclesi. coram Deo & hominibus, concordia fratrum, amor proximorum, & vir & mulier bene sibi consentientes: In dreyen Begebenheiten ist mein Wohlgefallen: in Einigkeit der Bruder / in Lieb des Negstens / und Friedsamkeit der vermählten, welche dermassen ware vollkommen, daß Zeit des gantzen Lebens nicht die geringste differentz oder Mißverstandtnuß wurde vermerckt / sondern daß Er sie durchauß seinen liebsten Engel intitulirt, auch also tractirt. Dero mehreres Lob als besten Panegyrico dem Himmel überlasse; mich vergnuget daß ich Ewer Lieb und Andacht den ersten Theil meines thematis comprobirt: fecit quod placuit Deo: Das / so GOtt gefallen hat Er gethan: Ferners dann auch also fortgeschritten / insonders als Er sich befandt obligirt seiner Landen und Unterthanen zu wissen den theuren Verlust seiner ersten Ehegemahlin zu ersetzen / sahe Er sich deßwegen umb in gantz Europa, und weilen Er viel gehort von denen güldenen Aepffelen in Hesperien, machte Er sich auff als ein Hercules selbige zu erwerben / führet sich dermassen auff in seiner conduite, daß Er so grossen Schatz so hohe Kostbarkeit vor allen Anwerbern erobert: Anno 1691. ich will sagen ANNAM ALOYSIAM Unser gegenwärtige Durchl. Churfürstin gnädigste Fraw / Fraw einige Princeßin Ihro Königl. Hoheit des groß Hertzogs in Toscana, und hiemit auch erhalten die vollkommene Tugent / so an dem valor noch höher als guldene Aepffel; vilius argentum est auro, virtutibus aurum: also daß Er glücklicher gewesen als Salomon, indeme Er gefunden ein starckmuthige Heldin / Mulierem fortem, und zu gleich jene welche als ein sonders grosses Praesent des Hummels der H. Geist benambset: Domus & divitiae dantur a parentibus, à Domino autem propriè uxor prudens, die Hoheit des Stammen / und die Reichthumb geben die Vätter / ein verstandiges Weib aber eigentlich der Allerhöchste durch special Gnaden; wie und was gestalten auch hiebey seye verificirt worden das gemeine Sprichwort ist bekant: Quæ ducenda tibi, teneat P. quinque puella, Sit pia, sit prudens, pulchra, pudica, potens, Ein mehreres so hievon wäre zu melden / erlaubet mir nit dero grosse Eingezogenheit und verachtung zeitlichen Lobs VerE2 Prov. I. Mach. cap. 2. Eccles. Pſel. 144. Themist erat. 4. 20 Verfüge mich also zu dem anderen Absatz: & fortiter ivit in via David: und gienge starckmüthig in den Weg David: hievon tropologice mit denen Scripturisten Cornelio à lapide, Alphonso Tostato, Theophilo Rainacedo, Serrario, Scherlego, Villalpando, S. Ruperto und Theodoreto zu sprechen: ist via David nichts anders als sein Tugent-Wandel in der Andacht / in der Barmhertzigkeit / in der Treu / in der Freygebigkeit und Vermeidung aller Nachgierigkeit; wie zu lesen Mach. cap. 2. David in sua misericordia consecutus est fidem, David in seiner Mildigkeit hat erlangt den Glauben. Eccles. 47. in toto corde suo laudavit Dominum & dilexit Deum, qui fecit eum: in gantzen seinen Hertzen hat er gelobt den Herrn, und geliebet seinen Gott der ihn erschaffen / und dergleichen in der menge / welche in der kürtze verfast der H. text: Vir secundüm cor Dei: ein Mann nach dem Hertzen Gottes: braucht also nicht mehr / als anzusehen die Eigenschafften dieses gottlichen Gemuths / und was hier vor anderen excellent: es ist zwar hierinfals gewiß aus der gesambten Theologia, daß alle attributa und praedicata divina sich befinden im höchsten grad auch identificirt und unabsoͤnderlich / jedoch aber auch gemeß der ewigen Warheit: Misericordia ejus super omnia opera ejus, daß seine Barmhertzigkeit über alle seine Werck, also daß zwar groß die gantze Welt / aber 60. mahlen grösser die helle schöne Sonn / 730. mahlen grosser die Stern in dem Zodiaco als dieser Planet, Millionen mahlen grosser das Firmament / und unaußsprechlicher das von denen Philosophis so benante spacium imaginarium, aber jedoch nur ein Tropfflein Wasser gegen den Welt bezirckenden Oceanus, nur ein Sandtkörnlein gegen dem Gebirg Caucasus, nur ein atomus gegen allen Elementen / wan sie solten in ein paralel gesetzt werden mit der Gütig= und Barmhertzigkeit Gottes: Misericordia ejus supra omnia opera ejus; weilen jenes entlich / dieses aber sich unentlich befindt: tota die miseretur & commodat, daß gleichsam seine tägliche meiste occupation sich zuerbarmen und Gnaden zu verleyhen; ferners undisputirlich / daß je ähnlicher ein menschliches Gemuth dieser göttlichen Wissenschafft sich aufführet / je höher solches gelanget zur Vollkommenheit: gestalten es auch erkent der Heydnische Fürst: Clementiae beneficio Reges ad Dei similitudinem accedunt, durch die Mildigkeit und Clementz / werden die Regenten zum meisten gleich der Gottheit: Claudianus aber noch mehr / da er sein lentiment 21 in versen eingeschniert. Sis pius inprimis, nam cum vincamur ab omni Munere, sola Deos aequat clementia nobis. Sey fromm/ dan nur die ähnlichkeit Mit GOtt / ist die Barmhertzigkeit Einen kleinen Entwurff oder disegno hierinn zu geben / was gestalten Ihro Churfurstliche Durchleucht höchst seeliger Gedaͤchtnuß gewandlet in dem Weg David / in seiner Mildigkeit / lasse ich an meiner statt aufftretten den allgemeinen Herold der Welt / Famam mit ihrer Trompet, diese / diese wird alle gute Hertzen und Ohren vergnügen / in süssen Klang vermelden, daß aller Orth und End, bey Freund und Feind / bey Freud und Läid JOHANN WILHELM das hohe Lob erworben/ und gleichsam per antonomasiam wurde benambset: der allerbeste Churfurst / der gütigster / barmhertzigster / gnädigster Herr Herr / und weith mit besserem Fueg: delitiæ humani generis, wie jener Römischer Käyser Vespasianus, die Ergötzlichkeit des menschlichen Geschlechts, ich überlasse allhier an meiner statt das Lob zu sprechen dem gesambten Hoff=Stab / allen Bedienten in= und außländischen / welche als lebendige Zeugen werden sagen / daß sie in dem Werck erfahren / was jener Romischer Monarch vermeldt: non decet ut aliquis tristis à Caesare abeat, es geziembt sich nicht daß einer von unser Majestät disconsoliert von dannen gehe; sie werden mit weinenden Augen bekennen / daß sie von ibme allerseiths gnädigstens seyn angesehen worden / vatterlich getröst / und ohne Trost nicht entlassen / daß sie an ihme vermerckt jenes apostolisches Hertz S. Pauli: quis infirmatur & ego non infirmor, quis scandalizatur & ego non uror wer ist bedrangt / daß ich nicht auch seye bedrangt? wer ist geärgert / daß ich deßwegen nicht ereyffere? ubrigens bewerffe mich auff die öffentliche Æraria Geld=Cassier, ProviantCammer / Ziergarten / Apotheck und Medicamenta, das unangesehen der furberien so practicirt worden / jedoch solche offen und frey gestandenen Hülfflosen: ihr werd wissen diese Tugend zu loben / so viel 1000. der Armen / welche jährlich so reichlich begabt worden / dermassen miltreich angehort / also / daß er alle euere Supplic allmahlen eigenhandig gutigster massen auffgenommen / so gar / daß er in schwerister Unpeßlichkeit sich genesen zu seyn simulirt, auff daß er könte gegenwärtig claudiin 4. consul. Honor. Suedon de Cæsar. 2.Corn. 22 J. wärtig denen Armen und Betrübten sich zu dero Trost erzeigen / insonders ihro gesambte Arme in dem neuen Hospital in der Residentz-Stadt Düsseldorff werdet diß erkennen / bezeügent / daß ihr in der Zahl biß gegen 100. vermehret / mit schonster Kirchen, bester Wohnung, und aller Nothwendigkeit versehen / auch mit reicher Fundation und jährlichen Renten durch alle folgende Zeiten verpflegt zu werden: ihr werd erzehlen / was gestalten ihr öffters mit Brodt / Wein, Bier / und Fleisch seyet tractirt / bekleidt / beschenckt und durch visites geehrt worden: der Himmel aber wird diese grosse Tugend zu belohnen an dem jungsten Tag / allwo die Unbarmhertzige werden seyn als affter-Christen / zur lincker Hand stehent vermaledicirt, die mildreiche aber zur Rechten beruffen / mit denen höchsttrostlichen Formalien: esurivi & dedistis mihi manducare, nudus eram & cooperuistis me, infirmus eram & visitastis me, venite benedicti Patris mei, possidete paratum vobis regnum à constitutione mundi. Ich Matth. war hungerig/ ihr habt mich gespeist/ ich war bloß/ ihre habt Cap. 25 mich bekleidt / ich war kranck / ihr habt mich besucht / kombt her ihr gebenedeyte meines Vatters / besitzet das Reich / welches euch ist bereit von Anfang der Welt: eine Menge aber und unzahlbare Schaar der verlassenen Wittiben / Pupillen Waißlein / hilfflose adeliche Kinder / welche waren mit Gnaden-Gelder angesehen / mit Pensionen unterhalten / in die Klöster reichlich außgesteuret / oder als Pensionnaires verpflegt / vor der gantzen Welt an jenen peremptorischen Gerichts=Tag sich bedancken / ihme zulegen das schonste praedicatum gleich einen Husitischen Fürst Job: pater pauperum, Iob. Cap. 29. oculus fuit cæco, & pes claudo: quia ab infantia crevit cum eo miseratio, daß er seye gewest ein Vatter der Armen / das Aug dem Blinden / ein Fuß dem Lahmen / und das von kindlichen Jahren an mit ihme biß zur Perfection seye angewachsen die Barmhertzigkeit / und diß nicht nur Philosophicè schoner Sitten oder leydtseeligen temperament halber / sondern auß wahren motivis supernaturalibus übernaturlichen Bewegungen / wie er selbsten oͤffters pflegte zu sagen / daß diese waren die von Christo JEsu angesetzte Vicarii seine eintzige Favoriten / das von diesen zuerhoffen die gröste Patronantz und das gröste Glück ein seeliges End zu nehmen/ nach Lehr des H. Hieronymi: legi relegi, non inveni mala morS. Hierony in te mortuum, qui exercuit opera misericordiae, ich habe viel Epist. geleſen, 23 gelesen und abermahlen gelesen / aber keinen gefunden / welcher wäre unseelig gestorben / der zuvor die Werck der Barmhertzigkeit hätte geubt: sehr tröstlich ware zuvernehmen dessen demonstration, was gestalten barmhertzig zu seyn / wäre eine höhere Dignität / als die Gnad grosse Micacula zu thuen; indeme auß dem H. Chrysostomo bekant: per gratiam Miracula patrandi nos Deo obligamur, per datam Elemosinam autem Deus nobis obligatur. En detaille hievon zu sprechen / wäre viel zu sagen; an statt aller solle seyn was gestalten einen untuchtigen Bedienten einstens wurde angedeut / daß er sein Fortun könte anderer Orthen suchen / auch öffters / daß er wäre aller Pflicht entlassen / liesse dieser hierdurch sich nit im geringsten verstohren / fahrete fort in seinem Ambt / und auff befragen von Ihro Churfürstl. Durchl. / gabe er gegenwärtig die Antwort: ich erkenne von selbsten gnädigster Herr / daß sie meiner als untuchig nicht mehr nothig / aber ich höchstens dero Huͤlff und Gütigkeit, weilen nun sothane 1000. mahlen grösserer als alle meine incapacität / getroste mich dessen in unterrhänigstem Zuvertauen; ja absolute zu sprechen ich wuste in der gantzen Welt keinen besseren Herren zu finden / verbleibe also gantzlich in dessen Diensten; kaum ware dieses gesagt / gleich wurd er gnädigstens angesehen und zum Handt=Kuß gelassen mit lachendem Mundt versichert / wohlan; so bleiben wir also beysammen: eine menge dergleichen wäre allhier beyzubringen; wan mich nicht avocirten andere Tugenten so hierauß entsprossen nemblich die Königliche Princeßin Liberalitas, oder noch eigentlicher Munificentia benambset: dero definition bester massen beschrieben der engelische Doctor, Liberalitas est virtus dispensandi divitias in usus bonos sibi & suis: die Frey gebigkeit ist ein Tugent die Reichthumb außzutheilen zum guten Gebrauch seiner selbst und der seinigen. Wie vortrefflich und unvergleichlich sich hierinfals auffgeführt Unser gnädiger Churfürst / wie starckmuthig Er gewandelt in den Weg David / fortiter ivit in via David: was gestalten Er gleich gewesen einer Königlichen Fontain in der schonsten Tempe oder Lust=Garten spargit collecta per omnes, Das versamblet nur allein Soll andern zum gedeyhen seyn. F2 wie Chrys. supra Matt. S. Tho. mas 1 2.q.117. art. 3 Lama 24 Wie ungemein / ja höchst wunder=schön diese Tugent seye gewesen / contestiren die vor Augen stehende Kirchen / Cloͤster / Schulen und milde Stifftungen oder Fundationes; man werffe nur die Augen auff das allhiesige Hochwürdige Closter Coelestinensium Virginum und dero Kunstreich außgemahlten Kirchen / wie auch der Hochwürdigen Carmelitesserinnen, es braucht nicht mehr als anzusehen die negst anliegende und fundirte Abden der Cistercienser strictioris observantiae, die gezierte Kirchen S. Andreae Societatis Jesu, zu geschweigen des grossen Kirchen und Hospital=Gebaw / der Kirchen und Capellen Lauretana genant / den gantz massiv Silbernen Altar in der Hoff-Capellen / insonders aber den auffgerichten reichlich gestifften hoch-adelichen Ritter-Ordens S. Huberti, worin mehr als 30. wurcklich der Durchleuchtigsten Fürsten einverleibt / zu unsterblicher Ehre des Chur=Pfältzischen Hauß; dannen die erbaute grosse Casern zu Verpflegung der Militz / und Minderung des Lasts der Burgerschafft; beliebt was mehreres, so wende man die Augen auff entlegene Provincen, man wird sehen in Neuburg das prachtige wunder=schöne Closter der Hochwürdigen Frawen Ursulinerinnen, das neue Gymnasium Patrum S. J. wie auch das Seminarium, in allen Kirchen aber eine Fürstliche Freygebigkeit: Heidelberg als eine Churfurstl. Residentz-Statt wird vor Augen stellen eine neu erbaute Academy, die R. R. P. P. Societatis Jesu eine Fundation zu mehrerer subsistentz / die unter der Handt wachsende schönste Kirch / sambt dem Gymnasio, und wohl salerirten 6. Academischen Professoren, alle einmütig wiederhohlen den Lobspruch so einstens Antonino wurde von dem Volck zugeruffen: tu verè pius tu verè bonus, tu verè maximus: du bist in der That gut / from und hierinfals der gröste. Beliebet noch ein mehreres von diesem Davidischen Wandel zu sehen / so verfüge man sich in außländische Gegent / allda wird ein Churfuͤrstl. Hanoverische wie auch Wolffenbuͤtlische Kirchen vorstellen die von Kunstreichen Pensel kostbahriste Gemähl / wie auch Elwang in Schwaben / Altenhoven im Gülischen Hertzogthumb / Luttig in Niederlanden / Syburg die freye Reichs Abdey im Westphälischen Crais / und nicht wenig andere Oerther in Italien und Hollandt; ja man wird finden auff ein neues renovirt zu seyn was Alexandro magno angemessen Unus 25 ClaudiUnus Peleo juveni non sufficit orbis anus in paneg So groß Gemüth könt immer seyn / In einer Welt geschlossen ein. Auch Claudianus in paneg. probi. Hic non divitias, nigrantibus abdidit antris, Nec tenebris damnavit opes, sed largior imbre, Sueverat innumerashominum ditare catervas: Dan mir vor allen am besten bekant / daß die Freygebigkeit sich erstreckt biß in Ost- und West-Indien; indeme alda so viele Missionarii, insonders die Chinesische reichlich beschenckt worden / auch öffters nach der Evangelischer Regel: nesciat sini= Matt.6. stra tua, quid faciat dextra tua: deine lincke Handt solle nicht wissen / das so außgiebt die rechte: zugeschweigen die jenige welche ohne Zahl / ins gemein vor wenig offerirte Krautwerck, Fruchten und Gemuß von wenigen stüber / 20 auch 30. und mehr Rthlr. empfangen. Werde ich allhier amusirt auffgehalten von einem grossen passu und giganten Schritt in dessen Davidischen Weg: fortiter ivit in via David: indeme ich sehe / daß dessen Mildigund Freygebigkeit sich auch über seine Feind Beleidiger reos laesae Majestatis erstreckt / selbigen das böse mit gutem / die Beleidigung mit Wohlthaten / den Haß mit Lieb vergolten / I. Reg. gleich dem Königl. Psalmisten, welcher seinen capital Feindt 24. & 2. Saul den Calumnianten, den Rebellen Absolon geliebt / also Reg. 18. hiedurch genehm gehalten die Lehr unsers Heylands: si diligitis eos, qui vos diligunt, qualem mercedem habebitis, non ne & Publicani hoc faciunt: ego autem dico vobis diligite iniMatt.5. micos vestros, benefacite his, qui oderunt vos. So fern ihr nur jene liebet / so euch lieben / was Belohnung werdet ihr haben / pflegen nicht diß auch die Publicani zu thuen: ich sage euch / liebet ewere Feindt / und thuet Guts / denen so euch hassen. O was grosses spectacel hat sich nicht oͤffters in diesem passu ereignet / ich zweiffle nicht du O grosses Aug der Natur / Ziert des Himmels / einiger Trost der Erden hell glantzende Sonn / werdest dich verwundert haben / der gantze Himmel aber in Frieden gelacht / indeme du gesehen / was massen offters die capital Feindt / die höchst straffliche auff ein eintzig deprecor, auff ein eintziges obsecro, wurden erhoͤrt / mildig 20 . digstens pardonirt, zu Gnaden auffgenohmen / geliebt und beschenckt; ja so gar / daß / wan die Maleficanten nicht konten oder wolten gegenwärtig erscheinen / muste man ihnen die Supplic stylisiren, das concept einrichten / auff daß diese Tugent destomehr sich könte aufführen: Omnia scire debere, nec tamen Taci. in omnia persequi, nec poena semper, sed poenitentiâ contenAgricoli vita. tum esse. Ich zweiffle nicht du O allerhoͤchste goͤttlich grundtgütigste Majestät wirst das gröste Wohlgefallen geschöpft haben / so offt du angehört das von dessen eigener Handt geschriebene täglich gesprochene Gebett, in welchen allen Feinden und Verfolgern wurde vergeben / deiner Gerechtigkeit nicht nur allein alle Rach anheimgestelt / sondern auch Christlicher massen zu Gnaden recommendirt, welches zweiffels ohne verdient das Lemma eines Glöcklein in Königl. Cabinet: Qui ferit intimus ille mihi Der inneriste ohne Pein / Wird mir der grobe Schlengel seyn. Es ereignete sich zwar zu weilen / daß einiger Radamandus, Minos und Æacus als gar zu scharffe Areopagi Bluts=Richter dergleichen Güttigkeit als all zu viel taxirten: mit vermelden auß dem H. Paulo: non enim sine causa gladium portat Vindex Rom. in iram Dei, ei qui malum egit: der Fürst traget daß Schwert cap. 13. nicht vergebens / sondern es ist ein Straff des göttlichen Zorns denen so böses thuen; es wäre auch kein angenehmers Schlacht Opffer / als die von der Justitz werden hingericht: non est magis grata victima, quàm reus casus à Justitia: erfolgte hierauff die schönste Antwort: es wäre nicht ohn dieses Schwerdt seye nöhtig / aber niemahlen schoner als in der Scheidt; die victimas betreffent / wäre auß dem gemeinen Sprichwort befant: sicuti Medico multa funera, ita Principi dedecori sunt multa supplicia. Der Medicorum Schandt die viele Todten=Leicht / Die viele Henckerey einer Durchleuchtigkeit. Lege u Ubrigens hätten sie zu lesen den codicem lege unica: si quis nica: si quis Imperatori maledixerit: quoniam, si id ex levitate processerit, perato: contemnendum est, si ex insania, miseratione dignissimum, si ri male ab injuria, remittendum. So fern jemandt betretten würd alß dixerit tit.7.l.9. ein 27 ein Lästerer Käyserlicher Mäjestät müste man vor allem erforschen was weiß sich diß hätte ereignet / wäre es auß einer übersehung oder Unbesonnenheit / must mans verachten / auß einer Unsinlichkeit gebühre sich das Mitleyden / so es aber auß einer injury oder Lasterung / sollen es grosse Herren genereus verzeihen. Passirte also fort in seinem Davidischen Weg der Christlichster Palatinischer Hercules, und trachtete immer fort noch mehr und mehr sein Tapfferheit hierin zu signalisiren, insonders bey jener ereigenden Gelegenheit / da vor etwelchen Jahren 22. als Spionen und Voleurs wurden gefänglich eingezogen und würcklich durch die Justitz condemnirt zum Tod / war die erste Sorg sothane im Leben zu erhalten; beruffte also meine Wenigkeit / befragte eyffrig wie hierinfals ware zu procediren, worauff meine billige Antwort / daß ich meiner geistlichen Profession genieß ware angehalten / allen dergleichen keines wegs nachtheilig / sondern nach allem Vermogen verhülfflich zu seyn: uber das zu wissen / daß Ihro Churfürstliche Durchl. in einem anhaltendem Zweiffel (welchen Er von selbsten bekente) nach aller Lehr der Theologen nicht könne procediren in so wichtigen affaires, bevorab / weilen allen Juristen gemeß in diesen Maleficanten squalor diuturni carceris, das scharffe Urtheil unterbricht; warauff die gnaͤdigste Antwort erfolgt: liebster Pater, diß und ein mehreres nicht hab ich verlanget / hertzlich getrost umb ein Mittel erdacht zu haben diese armseelige bey dem Leben erhalten zu können / so auch gnadigstens erfolgt: an die allzu eyffrige aber zur strengster Justitz / die recht Heil. allerchristlichste adhortation: man hätte in allem und vor allem zuerlehrnen / daß Christus unser Heylandt niemahlen beatificirt, oder heilig gesprochen / die grosse König / noch Hochgelehrte / viel minder die Reiche und Mächtige / sondern allem vermeldt: beati misericordes, beati mites, beati pacifici, seelig die Barmhertzige / seelig die Sanfftmüthige / seelig seynd die Friedsame: In der Warheit abermahlen nicht nur allein gottseeligste / sondern auch heiligmäßige epiphonemata, die eigentliche Frucht / von welchen der H. text bezeugt: mala aurea in lectis argenteis, qui loquitur verba in tempore suo: guͤldene Aepffel in silbernen Schaalen seynd die Wort / welche zur rechter Zeit vorgebracht: auch das eigentliche naturel eines großmühtigen Heroischen allerbesten Hertzen: Quò G 2 Matt. 5. Prov. cap. 25. Ovid. Nos. Ephemerid. Erudito rum gal liae angliæ & germ. Ierem. 28 Quò major est animus, magis est placabilis ira, Et faciles motus mens generosa capit. Magnanimo satis est hostem protrasse Leoni, Pugna suum finem cum jacet hostis habet. Je grösser das Gemüth, je milder es sich zeigt Der Löw gibt gleich pardon wan sich der Feind nur neigt. Ein temperament will ich sagen mit denen Physiologis des besten humors, der schonsten complexion, authentisirt von allgemeiner Facultät dermahligen Chymisten und Galenisten welche durch die viele der Bucher Ephemerides eruditorum genant erweisen / daß die Saure / Dicke und Schärffe des Geblüths seye der Anfang aller Schwermuthigkeit und gefährlichsten Kranckheiten / insonders der so gemeinen Unpeßlichkeit morbi mesenderici, welche dem Sprichwort nach in nobilibus vocatur Hypocondria, in civilibus Melancholia, in plebeis stultitia: entgegen das süsse / reine / leichte und subtile Gebluͤth ein Ursach vollkommener Gesundheit / guter constitution, wie durch die neu erfundene Microscopia und transfusiones sanguinis, ad oculum demonstrirt, ein Ursach des allerbesten Gemüths / und hierauß erfolgender Auffrichtigkeit / Starckmuthigkeit / und Andacht. Verlanget jemandt hievon was genauers von der fidelität Auffrichtigkeit zu observiren in actu exercito, so sehe er an den Lebens=Lauff JOHANNIS WILHELMI, allda / allda wird er antreffen als einen Uberrest der alten Zeiten / die wahr teutsche Auffrichtigkeit fidelitas genant; ach allerschönste anmuhtigste Tugent / wie dürsichtig / wie außgemergelt / wie gelb oder gelbsüchtig sicht auß dermahlen dem Gestalt! was metamorphosis ist nicht allhie zu sehen / zu lamentiren mit Jeremia: omnes transeuntes per viam sibilaverunt, moverunt caput suum dicentes: haeccine est perfecti decoris: alle vorbeygehende lachten / den Kopff schütlent / und sprechent: ist diß die berühmbte Schönheit der Welt! ach was Jammer! indeme so gar dein Titel und Nahmen außgestrichen / an statt fidelitas, simplicitas angeschrieben; Iniquitates maximae vocantur stylus curiae, enorme nunc mendacium, excellens est ingenium: Furtum est praxis multiplex, Diabolus grandis Artifex: Error vocatur perplex & Furor exlex. Man 20 Man sihet kaum eine Löwen=Haut / ein Fuchsbalg hangt dar zwiſchen / Man thut wie das gemein Sprichwort lauth: Wasser mit Wein vermischen / Kalt / warm / weiß / schwartz / böß Wachs gut Hartz / alles auff einen Hauffen; Halb für gantz Loth / und diß Mäuß=Koth / vor Pfeffer=werck verkauffen. Entgegen O wie schön / O wie annehmlich / und gleichsam un beauté enchante alle Hertzen fascinierent tritt diese Tugent fidelitas die getreue Auffrichtigkeit herein: fortiter in via David, mit Unserem allergnädigsten Herrn / Herrn glorwürdigster Gedaͤchtnuß: ich umgehe allhier zuvermelden / daß Er gewesen Servus fidelis, quem constituit Dominus supra Familiam suam, der getreuste Pfaltzgraff, das ist in uhralter teutscher Sprach / ein Richter in Käyserlicher Burg; ich übertrage / daß Er gewesen des glorwürdigsten Hauß Oesterreich / ein ergebenister unverenderlicher Bluts-Befreundter / dessen haupt Zier wahrhafftes Edelgestein/ und kein duplet, daß Er seye gewesen der rechte Israelit: ecce verus Israelita, in quo dolus non est. Ein auffrichtiger getreuer Teutscher qui Scapham Scapham vocant, welche der Sachen Beschaffenheit tractiren wie sie ist / simpliciter ohne Hinterhalt: lasse an statt meiner sprechen das gesambte H. Röm. Reich / ja gantz Europa: diese / diese wird wissen zu ruhmen fidelem servum David, wie Er in diesem Weg starckmuthig gewandelt / und niemahlen auß dem Geleist gewichen / diese wird bekennen / daß Er weder in Betrohung / noch in Liebkosen könte seyn verleytet / wie Er lieber wolte ansehen offters seine Chur-Pfältzische Residentz=Statt Heydelberg verbrent / das gantze Landt außgeplündert, das Hertzogthumb Neuburg durch Waffen eingenohmen / das Hertzogthumb Gülich und Berg offters verwust / verhergt / als nur einen Zoll breit abzuweichen von seiner Treu: Ut ſtet dura ſilex, ſicuti Morpeſia cautes. Die Wellen zertrent / Von denen er brent. Spumantes dissipat iras. Diese wird wissen Ihn zu respectiren und hochfeyrlich zu celebriren als einen wahren Herculem, welcher zur Zeit des InterIacob. Balde cent. 2. de van. mund. Matt. c. 24. Ioan. c. Tacitus de morib. gero Virgil. Lemme Matt.e Cor. 30 Interregni nach Absterben der Käyserl. Majestät JOSEPHI I. als Vicarius Romani Imperii, nicht einen fabulosen Atlantem, sondern einen warhafften vertretten / die Weltkugel unterstutzt / ohne einigen Entgelt des Reichs / sondern mit freywilliger Auffwendung etlicher 100000. Florenen. Diese fidelität und Treue werdest du wissen durch alle Jahr-Schrifften zu loben Heil. Apostolischer Römischer Stuhl / bekennent daß Er gewesen jener auff den Felsen S. Petri gegründeter Pallast: Venerunt flumina, & flaverunt venti & corruerunt in domum illam & non cecidit: daß zwar berent / bestürmet ware dieses Hauß durch Wasser=Fluten und Sturm-Windt / aber vergebens / allemahlen vest in seiner bey dem H. Sacrament des Tauffs geschworner Glaubens-Pflicht, so gar, daß Er auch das allergeringste hierin wiedriges nicht könte anhören / noch erdulden / daß in der Papstlicher so famoser constitution (Umgenitus intitulirt) wurde critisirt oder distinguirt: mit vermelden: In captivitatem redigentes omnes in obsequium fidei. Einem Rechtglaubigen gebührt den Verstandt gefangen geben zu Diensten des Glaubens; ja man hat öffters gehört die Seuffzer / daß Er wunschte Gelegenheit / und solte Ihme seyn der gröste douceur und plaisir diesen zuverfechten biß auff den letzten Tropffen Bluts: der gantzen Gemein endtlichen aller Orthen wird seyn bekant / wie getreu Er verblieben in via David, wie starckmuthig Er fortgeschritten / als Ihme wurdeofferirt, auch zugelassen die Neutralität anzunehmen / Ihm und seinen Landen zum besten: wie großmuthig Er sich auffgeführet / als Ihme von einem des grossen Ludovici XIV. König in Franckreich Envoye oder Passagir wurden anerbotten etlich Tonnen Rthlr. als ein jährliche freywillige pension, über daß die mächtige defension aller seiner Landtschafften wider alle feindtliche Betastung / so fern er sich nur wurde impartial verhalten: Höret und erstaunet ob der schönsten Antwort: Monsieur: ich gratulire mir in vernehmung / daß ein so Weltkuͤndiger Monarch ewer Herr / auff meine Lander und Person mache so gütige reflexion, befinde mich auch deßwegen obligirt: aber noch vielmehr meiner Pflicht / in welcher ich als ein Vasal mit Eydt und Schwur verbunden dem H. Rom. Reich / dem Ertz⸗Hertzoglichen Hauß Oestereich aber so gar mit meinem Blut wegen so enger Sibschafft gantzlich bericht / daß in gantz Africa kein grössere Bestia wurde auffzusuchen seyn / als jene. welche von so schuldigen engagement und Treu solte apostati ren 31 ren: übrigens lebe der zuverläßigen Hoffnung / die allerChristlichste Majestat werden diese meine vor allemahlen abgefaste resolution und cathegorische Antwort billigen / und nicht im geringsten verdencken / sie aber Monsieur gegenwärtiges præsent mein Portrait als ein Mnomnosynon der abgereten affaires annehmen. Wie gesprochen so gehalten / wie resolvirt also fortgeschritten: fortiter ivit in via David: mit höchstem plaisir des Himmels / welcher deßwegen diese Treu gratificirt, daß nicht nur einmahl der text, so meinem thema einverleibt: in diebus ejus retroivit Sol: jene symbolische Sonn: par pluribus unus genant / sondern öffters müste zuruck weichen und seyn ecclipsirt, JOHANN WILHELM aber deßwegen mit dem grösten donativ so immer im Himmel ware zu finden / regalirt, gleich jenem Evangelischem Getreuen: euge serve bone, quia supra pauca fecisti fidelis, supra multa te constituam: intra in gaudium Domini tui. wolan getreuer Diener / weilen du über weniges bist gewesen auffrichtig / werde ich dich über viel bestellen: gehe ein in die Freud deines Herren. Ich zweiffle nicht Ewer Lieb und Andacht haben in Anhörung dieses / ein saͤhnliches verlangen zu wissen was doch diß vor ein praerogativ und Gnad von dem Allerhöchsten gewesen? vielleicht eine Königl. Cron auff sein Haupt? posuit in capite ejus Coronam de lapide pretioso? ach nein / das ware was irrdisch und zu schlecht; zumahlen bekant / daß dergleichen in dem Raßstattischen Friedens Congress Ihme wurd angesint und offerirt, aber nicht acceptirt, vielmehr verlangent durch seinen Legaten die Herstellung des lieben Friedens / auch mit Verminderung seiner erworbener Länder: - - - nil Jure belli poposcit Quæque dari voluit, voluit ſibi poſſe negari, Praetulit arma togis, sed pacem armatus amabat. Wolt nicht durch Recht der Waffen / Sonder durch Billichkeit Auch das was Er könt schaffen / Entbähren mit Bescheidt. Und da Er hatte Krieg geführt War nach Oliven sein Begiert. Viep̄2 Matte Luc. 19. Pſal. 20 Annaus Lucanual. 9. de Bello Phar. Libr. 9. idem Met.lib. Sap. 7. §. Tho2.2dæq. 20 art. 32 Vieleicht war es gewesen gratia gratis data nemblichen scientia infusa, die eingegossene Weißheit / und Wissenschafften? nein Er ware schon vorhin ein Meister, vortrefflich in der Theologia, Philosophia, ein Doctor Juris Prudentiæ, uber das in arte medica excellent, ein unvergleichlicher Orator, in lateinischer / italiänischer / Frantzoͤsischer und spanischer Sprach / Er wuste / daß es rühmlicher seye / was mit meriten zu haben / als ein grationair zu seyn: Laetius est quoties magno sibi constat honestum. Vieleicht ware es die Ehr zu haben ein Adeptus zu seyn in Erfindung des lapidis philosophici, ars chrysopopaeia genant / ein sonst allgemeine orexis vieler grossen Herren? ach neinan dessen hatte Er zwar ein Antheil / aber vielmehr zu einem divertissament; und seye es gewesen was es woll/ so kan hierauß erkennen seine grosse Gedancken / und selbigen zu Ehren halte die Uberschrifft Phaethontis: Quos si non tenuit, magnis tamen excidit ausis. Es ware / ohne ferneren Auffenthalt zu machen / ein weith grösserer höherer Schatz; nemblich die Gnad der wahren Andacht / oder mit mehrerer expression der Teutschen zu sprechen die allerchristlichste Gottseeligkeit / es ware ein göttlicher Schatz / von welchem der H. Geist meldet im Buch der Weißheit: Infinitus enim est thesaurus hominibus, quo qui benè usi sunt, participes facti sunt amicitiae Dei: es ist geben denen Menschen ein unendlicher Schatz/ wodurch die so selbigen wohl gebraucht / seynd theilhafftig worden der Freundschafft Gottes. Diese / diese ware die special Gnad von dem Allerhochsten / dieses ware das praerogativ und zwar vollkommentlich nach Beschreibung der Theologen: Devotio est voluntas prompta faciendi, quod ad Dei servitium pertinet: die Andacht ist ein hurtiger Will / zu üben das / welches gehörig zu dem Dienst Gottes. Allhie bekenne meine Schwachheit / daß ich unvermögent diese grosse Tugent zu beschreiben / daß über meine Kräfften zu erzeigen fortiter ivit in via Domini: wie starckmuthig Er nachgeahmet einem H. David / überlasse denen hochheiligen Sacramenten der Eucharisty und Buß / ihr / ihr werdet wissen zu sagen mit was ungemeinen Eyffer / aller gröster Andacht Er euch bedient / niemahlen anderst als mit eyffrigen Vobereitung / mit gebogenen Knyen / mit auffgeregten Händen 33 den / mit Seuffzen und Zähren über eine gantze Glocken=stund / und oͤffters noch viel länger; ihr wisset wie andächtig Er sich zur Erden geworffen vor dem Priester / ihme als einen Richter an statt Gottes den Sessel bereit / die Abstraffung begehrt / auch nach empfangener absolution die Handt gekust / und diß das gantze Jahr durch an allen hohen solemnitäten Christi / und seiner allerheiligsten göttlichen Mutter Maria / dero Fest-Tag Er allmahlen sambt dem gantzen Hoff mit vorhergangenem Fasten geehrt; an allen Patrociniis der OrdensFesten und vielen privat Solemnitaͤten. Ihr werdet wissen allda zu sprechen GOtt geweyhte Kirchen und Capellen, wie andachtig Er alle Tag beygewohnet dem Opffer der H. Meß / auch nit erdult die geringste Ungebühr in schwätzen oder Zeitung lesen, sonderen dergleichen laue Christen durch seine Trabanten öffentlich zur Thur hinauß verwiesen / nach dem Exempel Christi, Marci an dem 11. Marc. II. Domus mea, Domus orationis vocabitur: Ich will daß diß Hauß ein audientz=Zimmer seye der göttlichen Majestät. Ihr werdet wissen zu contestiren oͤffentliche Processiones bey hitzigem Sonnenschein / oder unfreundtlicher Witterung: ihr das Jahr durch so viele angesetzte Jahr-Taͤg oder TodtenBegangnussen / Sonntagliche Vesper / quadragesische mise rere, taglichen Litaneyen / gantze octav=Begängnussen und ordinari Predigen des Wort Gottes: ihr viel Stundt lang sich erstreckende Kirchen=ceremonien und Andachten der H. Charwochen / was grosser Eyffer und Inbrunstigkeit allda seye gewesen gleich einem Seraphinischen thuribuli oder Rauch Gefaͤß. Divinum consumor in usum. Lemme Ich mich verzehr Zu GOttes Ehr. Luna testis in Coelo fidelis der helle Nacht=Planet der Psal. 22. Mond wird es bezeugen / daß Unser andächtigster Churfürst niemahlen die Nacht-Ruhe betretten / noch in aller fruhe selbige verlassen / ohne sein ordinari langes Gebett / welches sich Zeit einigen Jahren hero auch in hell lauter Stimm biß uber 2. gantze Stundt erstreckt; diß bezeugen seine viele allerseits durch Gebrauch verschlissene Bettbucher / seine abgefretzte Bettschnur oder Rosenkrantz / die an seinem Hauß=Altar manchfaltige Reliquiarien, Ablaß=Pfenningen / heiliger Bilder Lemma 2. Cor. 1. Cor. axioma Phil. ⸗ⵏⴶⵏ der / welche von Thränen und küssen verschmutz / oder eigentlicher zu sprechen mit Edelsteinen und Perlen dardurch emellirt und geziert / dahero auch erfolgt ein Eyffer / Begierd / und resolution, die gantze eitele Welt wegen so grosser Seelen-Gefährlichkeit zuverlassen / umb desto mehr seinem Gott in geistlicher Ruhe bedienen zu können / und wer weiß was geschehen ware / wan nit meiner seiths wäre remonstrirt worden / was massen / die grosse Regenten und Fürsten wären beglückt / hätten den Vortheil in einer Stundt mehrer guts außzuwurcken durch administration der H. Justitz / durch Außreutung der Laster / Einführung der Tugenten / Vorleuchtung mit gutem Exempel, als ein in Thebaide, Lauro, oder Saba verborgener Eremith in 50. oder 60. Jahren erwerben / weilen diese nur in Finsternuß verborgene Stern / jene aber gleich einer Mittag⸗Sonnen: Lux & Dux praeest & prodest. So regiret mit eclat, Freud und 1000. Nutzen macht. Ferners daß dergleichen Anmuthungen ohne reiffliche gründtliche Erwegung könte seyn ein ignis vatuus, Irrwisch betrieglicher Schein / welcher nit von einem guten Engel angezunt / sondern von jenem bösen / der nach Zeugnuß S. Pauli: transfigurat se in Angelum lucis, sich betriglich ververmasquirt. Wohl gethan gedünckt mich allhier einen sprechent zu hören / aber nicht allerdings seye zu approbiren so langes vieles betten / so viele Andächtlereyen / und noch vielweniger das häuffige weinen und Zähr vergiessen / unanstandig grossen Fürstl. Gemutheren / unfüglich mit dergleichen in einer panegyri auffzutretten: diese gleich also zu expediren / dient zur Antwort der Sententz des H. Geistes 1. Corin. 3. Animalis autem homo non percipit ea, quae sunt spiritus Dei: der viehische Mensch begreiffet nit das / so eigentlich dem göttlichen Geist / noch viel weniger kan er es verlangen / quia ignoti nulla cupido, weilen das so unbekant / nicht kan verlangt werden: nach dem gemeinen Philosophischen axioma; ferners / daß sie solten auffschlagen das Nömische Missal, oder Meß-Buch, hierauß erlehrnen / daß eben dieses seye eine Tugent / ein special Gnad von GOttöffters zuersuchen / auff daß er die Hertzen berühre / die fliessende Zähr verleyhe / zur wahrer Buß zur Abwasch= und Außlöschung der Sünden / alwo die eigentliche Formalien . 35 lien lauten: Gratiam Spiritûs sancti Domine Deus cordibus Missale Rom. nostris clementer infunde, quae nos gemitibus lachrymarum Eccles. efficiat, maculas nostrorum delere peccatorum per Dominum in Orat. nostrum Jesum Christum &c. und wie? was solte es seyn unanständig das viele betten / indeme ab inductione bekant / unstrittig / daß ein H. David, ein H. Ezechias, ein H. Josias grosse König in Israel gewesen, Constantinus magnus, Theodosius, Carolus magnus, S. Henricus großmächtige Helden und Käyser / glorwürdigste Regenten, ein H. Stephanus in Ungarn / ein H. Ludovicus in Franckreich / S. Ferdinandus in Spanien / S. Eduartus in Engellandt / von denen jedoch bekant / daß sie waren die befliesseniste und ergebeniste dem vielen langen Gebett: und wer ist der nicht weiß / daß eben dieIoan. ses seye nach Lehr der H. Vaͤtter und Asceten, primum signum Nadas. praedestinationis, das erste Zeichen der ewigen Gnaden=wahl Roseg wer ist / der nicht weiß auß der Theologi, daß die Gotts=lästenalrung seye die gröste Sünd / auch in dem Rechten der Straff des Todt würdig: atqui daß andachtig Betten ist ein Lob Gottes / ergò so muß es seyn die gröste Tugent; nam contrariorum eadem est ratio, nach Lehr der Philosphen: wer ist der nicht weiß / daß Christus der Heylandt das boͤse Exempel, die Aergernuß hat versentenzirt, mit an den Hals angehengten Mühlen-stein in die Tieffe des Meers versenckt zu werden: exMatt. 18 pedit ei, ut suspendatur mola asinaria in collo ejus & demergatur in profundum maris: atqui contrariorum eadem est ra: tio. Das viele oͤffentliche Gebett in denen Gottes-Diensten ist ein gutes Exempel, hochst ausserbäulich / ergò wurdig; hat die meriten mit gülden Katten gezirt biß über das Firmament in den Himmel erhoben zu werden. Ach wie weit anderst werden diese Critici einstens an jenem strengen Tag des Gerichts sprechen / und dannen erst / aber zu spaͤth / seuffzen und weinen, præ augustia spiritûs gementes: hi sunt, quos habuimus aliquando in derisum, ecce quomodo Sapient computati sunt inter filios Dei: ergò erravimus à via veritatis: cap.5. ach leyder! diese seynd es/ welche wir außgelacht/ sihe wie sie werden auffgenohmen unter die Kinder Gottes/ also daß wir thorecht gewesen und den rechten Weg verfaͤlt. Unterdessen wird dergleichen genug seyn die gottseeligste Antwort / mit welcher Weylandt dieser andächtigste ChurFürst solche Criticos expedirt: Lieber: sprechent: was fügt euch doch an diese meine conduite in dem Gebett? wist ihr dan nicht / daſt J2 36 das so gemeine Sprichwort / auch so gar der unglaubigen Heyden von dem Gebett: Flectitur iratus voce precante Deus: Regnat, & in superos jus habet ipsa Deos. Das Betten kön entwaffen / Wan außgestreckt zu straffen Der grosse Gott sein Handt / zu schlagen Leuth und Landt. Er pflegte anmüthig zu bedauren / daß Er hierdurch hätte öffters wo nit Miracula, jedoch divina beneficia magna, grosse Wunder=hulff von GOtt empfangen / seye gewesen sein Panacaeon und universal Mittel / wider alles Ungluck; gleich dem Welt bekanten Kayser Caroli V. welcher befragt von Francisco I. dem damahligen gefangenen König woher seine so grosse prosperität, Gluckseeligkeit rührete / ob es ware ein destine, ein typhtera Jovis, oder eine magia naturalis; erfolgte zur Antwort: es wäre seines wissens keines dergleichen / sondern folgende Ursach / daß er gleich Anfangs des Tags die Don de erste Stundt wär lamm an Füssen und Handen; die andere los Ristumm; die drey folgende blindt; den übrigen Tag taub und os in gehorloß / er wolte sagen durch dieses ænigma, die erste stund apoph. lege er knyent mit auffgehobenen Händen zu GOtt in dem Gebett / die andere sitzent in Lesung der Bucher / die drey folgende in dem Rath und conferentien blindt mit der Justitz ohne respect der Personen, die folgende gantze Zeit aber Gehörloß zur Schmeichlerey und Ehr-abschneidung, welches sonsten wie Tacitus spricht: perpetuum malum Principum, gleichsam eine angebohrne Mutter=Mahl grosser Herren. Daß aber der Machiavellische und Pocäletische Einwurff ein scomma, ja ein spuma Cerberi seye eines höllischen HundtsSchaum / als wäre die grosse Andacht was nachtheilig der Heldenmuthigkeit probirt sich durch die von gantzer Welt prothocollirte / applaudirte wehrtiste Sententz: Fortior est qui se quàm qui fortissima vincit maenia, tunc omnia jura tenebis Cum poteris Rex esse tui. Das gröste Helden G'müthe man findt / An dem der sich selbst überwindt. Auß 60. Begebenheiten nur jenes anzuziehen / wie helden1. Reg. müthig Ihro Churfürstl. Durchl. fortiter ivit in via David, ja diesen gleichsam ubertroffen in seinem Semai, war hertztringendt 37 tringendt und in gröster Erstaunung anzusehen / als vor wenig Jahren der gottseeligste Hercules erfahren / daß er einigen durch uͤbereilten Sententz an der Ehre verletzt wust / war Ihme nicht genug die Ansinnung / das diese materi in rationem eines furti einschlüge / welche per indemnisationem Schaden=loß zu machen auch mediatè durch andere koͤnte geschehen; sondern resolvirt sich zu seiner überwindung / und sehe wunder: eben in mitten der Nacht des hohen Fest der Gebuhrt Christi / als Er vor der Kirchen die geistliche Religiosen versamblet sahe / hörte man diese Formalien: Ich wunsche Ewer WohlEhrwurden als Obern dieser Geistlichen und allen denen gejenwartigen heilige Christ-ferien, ferners aber bekenne / daß ich verwichnen Tagen einen dero Untergebenen an seiner Ehre Schaden verursachet / consequenter unrecht gethan / revocite es also / und bitte als ein Sünder / nam homo sum, & nihil humanum à me alienum puto, umb Verzeihung / und mich zur gäntzlicher meiner Besserung in ihren Sacrificiis und Gebett recommendirt zu haben. Siebey könte nicht anderst / als daß ich einem trutz biete allen Chronologis, Historiographis der Caldæischen Persischen / Griechischen und alt Römischen Monarchy, ob sie jemahlen dergleichen Großmuthigkeit gehoͤrt oder gesehen in einem Cyro=Xerxe oder Dario, in Alexandro, Antiocho, oder Ptolomaeo, in einem Cajo Julio, Octaviano Augusto, Tiberio, oder allerbesten Antonino? trutz allen Scribenten, der Zittenlaͤhrer / und Moralisten, ob jemahlen dergestalten sich auffgefuͤhrt und in Tugenten signalisirt, auch der vast heilig benambste Socrates, der goͤttliche Plato, der schier Christliche Epictetus und Seneca? ja sie werden betheuren / vielmehr befennen: Obstupui steteruntque comae & vox faucibus haesit, daß sie erstaunen / daß sic willig beypflichten dem Salomonischen sentiment: Melior qui dominatur animo suo expugnatore urbium: daß weit grösser und staͤrcker seye ein Bezwinger seines Gemüths / als der befestigsten Stätten; daß dieses ein Meister=stuck der Heldenmuthigkeit / daß der Horoscopus seye perfect, mithin also die Critici als laue Christen expedirt: Ubrigens daß auch dergleichen Aristarchis widerfahre / welche zwar zugeben fecit quod placuit Deo, & fortiter ivit in via David, er hat gethan das so Gott angenehm/ und starckmüthig gewandelt in dem Weg David: gleichwohlen jedoch seye bey diesem Horoscopo zu observiren, einiger defect, eim aspect, welcher Virgil. Prov. Virgil. Lib. 6. Aeneid Ioan. Paulus Oliva in coll. trag Actor. S. Greg. inmor. 35 cher nach zwerg scheinet / von Mercurio als einen Praesidenten der freyen Kunsten / so insgemein verursachet einen excess, allzu grosse affection zu denen Virtuosen, insonders Schildereyen / Mahlern / Statuariis und Musicanten, dannen auch ehdessen alzu vest verliebt in Dianam eine Göttin der Jägerey, allwo oͤffters die Fauni und Saryri die Gebühr überschreitten / sich Land=schädtlich aufführen; seye also wahr das so bekante: nihil est ex omni parte beatum, Quisque suos patimur manes. Keiner kan sich ruͤhmen / daß er sey perfect, Die Sonne selbst hat Maclen / ein jeder sein defect. In refutation dieser cavillation, werde vor allem gezwungen diese ungegründete Einstrehung zu klagen dem lieben GOtt als scrutatori cordis, ein Erforscher der Hertzen / werde gezwungen zu seuffzen mit dem grossen General Paulo Oliva: O perversitas hujus saeculi, quae minimum defectum proximi ignoranter corripit, & plurima bona, quae patent, videre negligit! O der Unbilligkeit dieser verkehrten Welt / welche den mindesten defect des Negstens unverständig betadlet / und die Viele der Tugenten zu ermessen übergehet; gleich den Nacht Rappen oder Kautzen: invideo, videoque nihil, welche nicht das Licht / sondern die Finsternus lieben: klage es dem Himmel als einem Antheil diesen Geni. welcher die, so er liebt, will durch viele Verfolgung und tribulation zu sich ziehen: quia per multas tribulationes oportet nos intrare in regnum coelorum. Directe aber hier auff zu dienen / so befrage ich alle dergleichen Cavillanten, was concept sie führen / was sie halten von denen boͤsen Sitten und groß aͤrgerlichem spielen in Wurffelen / Karten und dergleichen? was Meinung sie haben von vielen Panquet, Schlammereyen in essen und trincken / in tantzen und springen / durch die liebe gantze Nacht; durch den Tag hin aber in continuirlichen assembleen? sie werden es ohne Zweiffel mißbilligen mit S. Gregorio bekennen: Cacoetes ludendi est Lerna malorum, mater avaritiæ, pater iracundiæ, cauſa invidiae & saepè blasphemiae: daß die böse Gewonheit ist ein Pfütz vieler Laster / ein Vatter des Geitzes / ein Mutter des Zorns / ein Urſachdes Haß / und auch oͤffters der Gotts⸗laͤſterung; sie werden sagen mit einem H. Bernardo: frequentia ludendi est scandalum multorum, depravatio temporis, prognosticon malae indolis, damnum mentis & corporis: Die Ergeben 39 benheit des Spielen ist ein Aergernuß des Negsten / ein Verderberin der Zeit / ein Kenn=zeichen eines nicht guten humors, ein Schaden des Gemuths und des Leibs / und so gar / wie Aristoteles will / ein Zeichen nicht hohen Verstandts; ubi multum fortunae, parum ingenii. Hierauff argumentire, von Hertzen und Freuden auff ruffent mit dem H. Jeremia: Obstupescite coeli quae loquor, & portae ejus, vehementer desolamini: verwundert euch O Himmel / verlasset ewere Pforten umb anzuhören diß Wunder: JOHANN WILHELM der Palatinische Christliche Hercules war Zeit seines Lebens ein Feindt alles spielen / hatte hierüber einen natürlichen Eckel / und von GOtt angebohrne sympathy, der gottseeligste Churfürst ware hierin ein Spiegel der Tugent / immer occupirt in seinem Cabinet zur distraction mit gelährten Männeren / in erudition mit virtuosen Liebhaberen der Kunsten. Einem Curiosen hievon waß zu communiciren, und gleich sam ex pollice gigantem, auß dem Daumen einen Riesen abzumessen; so ist ihme erlaubt was näheres hiebey zutretten / anzuhören / wie hochverständig / scharffsinnig dieser grosser Churfürst JOHANN WILHELM als ein universal ingenium von allen Wissenschafften / gleichsam als in einer Academy Royal, problematicè pro & contra disputirt, in der Politic; qui Monarchia, Aristocratia, Democratia, oder Respublica, der beste. ex natura rei, zu guberniren Landt und Leuth? welche auß den 4. Monarchien, Caldaeica, Persica, Graeca, oder Romana, die sicheriste maximes zu regiren gehabt? ob besser wäre / mit Chariba dem Atheniensischen Hertzog zu sprechen: Exercitus cervorum aut leporum duce leone, aut exercitus leonum duce lepore? Ein grosses Kriegs=Heer von 40000. Haasen so von einem Löwen wurden angeführt / oder ein Kriegs-Heer von 40000. Löwen, welche einen Haasen hatten zum Hertzog? da wird seyn zuvernehmen definitive gesprochen; daß zu einem vollkommenen Mars bey dermahligen Zeiten das allerbest: Quinquaginta millia virorum in campo, Quinquaginta talia in aerario, Quinquaginta denique in ingenio, Duces constituantur ex Australibus. Milites gregarii ex Septentrionalibus, K2 Aristol. Ierem. Diodot l. 16. 40 50000. Mann wohl proviantirt, und disciplinirt in dem Feldt / 50000. dergleichen im Säckel / 50000. so es nöthig in sicherem concept, die Generalen waren zu erwählen auß denen Mittaglichen Laͤnderen / die gemeine Soldatesca aber auß denen Mitternachtigen / als starcker und daurhaffter von Natur; allda wird aufftretten dan und wan die Theologia, Philosophia, Facultas medica und Juris Prudentia, diese mit schönsten Reglen der Rechts=Gelährten: Regere non regi summa temeritas, regi non regere magna simplicitas, regi & regere maxima sanitas. Summa Dicasteria, sint valde adiaphora, quia sunt Principum perspicilia. Optima semper illa Imperia, ubi Reges philosophant, aut Philosophi imperant. Subditi populi membra ſunt Principi, bona amanda, mala curanda. Da Mecaenates habebis Virgilios, da Heliogabalos habebis asinos. Regiren und von keinem wollen regirt werden / ist ein Vermessenheit. Regirt werden / und selbsten nicht regiren ist foiblesse und eine Einfältigkeit. Regiren und lassen regiren / ist die Vortrefflichkeit. Der grossen Fursten Ministri und Dicasteria seynd die eigentliche Gläser und Brillen wodurch sie sehen / dahero nohtwendig daß sie seyn rein und unverfälscht. Alsdan ist die gubernation wohlbestelt / wan die König wohl raisoniren, philosophiren, oder die Philosophi regiren. Die Unterthanen seynd des Fürsten eigene Glieder / welche so sie gesundt / wohl zu erhalten / die böse aber zu curiren. Verständige freygebige Monarchen werden an sich ziehen die gelährtiste Männer / die unverständige aber und Schlämmer groste Idioten. Die Theologia wird allda sich lassen finden in schoͤner compendioser Ascesy mit 100. Reglen zu Christlicher Vollkommenheit. Frequens mortis meditatio. Praeceptorum divinorum observatio. Quotidiana ad Deum oratio. Passionum animi refrenatio. Nonaginta sex sunt Dei & proximi dilectio Die 48 Die öfftere Betrachtung des Todts / die Haltung der göttlichen Gebott / das tägliche Gebett / die Bezähmung der Begierlichkeiten / die übrige 96. seynd Gott lieben uber alles / und seinen Negsten als sich selbsten. Eine Philosophia experimentalis aber mit der medicin und chymia wird alda disputiren, jene würcklich zeigen unter den Planeten Saturnum ansatum, Jovem cum comitibus, den Jupiter und seinen Gefährten / auch dessen zonam und Ecclipses lusus & prodigia naturae; diese aber transfusionem sanguinis, die Abzapffung des Geblüts von einen Thier in das andere, mit Verwunderung wie das alte wieder kombt zu der Jugent: unterschiedtliche Phosphoros, Barometra und Thermiscopia, Microscopia, specula encaustica, so in wenig minuten Stein Marmor alle Metall, auch Scherben und Kiß zerschmältzen und verglassiren: 100. und mehr dergleichen / so es die Zeit erdultete / auch grosse secreta und arcana naturae könten hierinfals zu erlehrnen seyn / allwo aber an statt aller genug / den wenigen Augenschein eingenohmen zu haben der aller-edelisten occupationen und distractionen, vor allem aber anzusehen die nun Weltberühmbte Gallery, und darbey sich höchstens zu verwundern / daß alles so kostbahr es imer seye præcise und nur allein durch das Gelt / welches zum spielen und Ergötzlichkeit denen Fürsten eigenthumblich assignirt, ist auffgeführt und außstaffirt worden: also daß mit höchstem Fueg kan angehefft werden der Ehren Titel: Octavum miraculum Mundi, dignitate summum, admiratione primum, sanctitate maximum, quia ab Apolline scientiarum peritissimo, ab Hercule Palatino la boriosissimo constructum, & exornatum, tantummodo per pecuniam alias ad lusum & mentis relaxationem concessam, & ideo omni laude & imitatione dignissimum: Das achte Miracul der Welt / an Verwunderung das erste / an Hochheit das hoͤchste / an Heiligkeit das gröste / sintemahlen es nur praecisè durch das Geldt / welches zur recreation und spielen wurd offerirt, also herrlich erwachsen / derohalben mit allen Ehren erfült / würdig der Nachfolg von allen grossen Fürsten und Herren. Audite Coeli quae loquor! JOHANN WILHELM spå„ Jerem. re durchauß ein Feindt nicht allein alles Spielens / sondern 2. auch des Mußigangs / des grossen banquetiren, niemahlen bezecht / memahlen ein Liebhaber der Bals, niemahlen denen assem Horat. de arte poet. Lemma 42 assembleen und dergleichen vanderien, sondern nur denen Künsten in der Mahlery / Architectur, Chymy, Music und Philologi ergeben; also daß Ihme zuzumessen / was die Spanische nation ihrem König Philippo II. zugeschrieben: nihil unquam egit, quod non deceret egregium Hispanum. Er habe niemahlen was gethan / was nicht gebühret einem wahren Spanier: ich sage von Unserigem was nicht gebührt einem vollkommenen Pfaltz=Graffen; so fern ein Scepticus mithin noch nicht wäre vergnügt / soll er wissen / daß diese vortrefflichste Gallery und Liebhaberey der Kunsten seye fundirt in vieler raison, welche insgemein nicht wurden penetrit, es wäre die raison: didicisse fideliter artes, Emollit animos nec sinit esse feros. Der Kunst Liebhaberey / verjagt die Barbarey, Bezämet das Gemuth / gut Sitten sie einführt. Nach dem Exempel der Griechischen und Römischen Monarchen welche diß hatten vor ein haupt maxim, nach dem schoͤnen Beyspiel des Christlichsten Königs Ludovici XIV. der hierinfäls ihme und seiner nation die unsterbliche renommée erworben: Es ware die raison umb das Geld was solidi und permanens zu haben nichts eiteles und zergangliches; es ware die raison vielen Bedürfftigen an das Brodt zu helffen / sein hohes Churfürstl. Hauß aber in schönerem eclat und grösserem renommée zu bringen; es ware die raison hierdurch die schöne Wissenschafft der Historien / sinnreiche Fablen und grosser Heldenthatenmehr dem Gemüht einzutrucken / weilen denen Augen mehr als Ohren wird geglaubet. Segnius irritant animos demissa per aures, Quàm quae sunt oculis subdita fidelibus. Nur einem Auge glaubt man mehr / Als beyden Ohren viel Gehör. Ist also auß diesem öffentlich kundtbahr / das alles gleichmäßig dem symbolo einem gülden Ring / oder Gnaden-Pfenning: mit der überschrifft: est pluribus usibus apta. Belangent die Königl. Music so wohl vocal als instrumental, ware die raison hierdurch in denen Kirchen / Capellen / hohen Festen den GOttes-Dienst zu zieren, die Heilige zu verehren / und die laue eitele wenigstens hiedurch anzuziehen; es ware der . 843 der Eyffer zu folgen dem grossen König in via David, & stare Ecclesi fecit cantores contra altare, & in sono eorum dulces fecitmodos: Er führte auff gegen dem Altar die Sänger / und in deren Klang die süsseste Melodey; es war die Ursach hierdurch das schwarmuthige Gebluͤth der Sicambren zuverbesseren; indeme auß Pythagora, Galleno und gantzer medicin bekant / was massen durch die Music die Lufft werde alterirt, mithin das Geblüt bewegt / das bewegte subtilisirt, das subtilisirte gereiniget / dermassen / daß sothanes gleich also von einem Erfahrnen in der Pulß=ader wird observirt, der Patient aber auff das gelindiste curirt, alles schönster massen fundirt in göttlicher Schrifft / allwo David mit seiner Music spielent den verwirten König Saul dermassen curirt, daß auch so gar der böse Geist auß seinem Sitz der schwartzen melancholischen Gall muste außfahren; David tollebat Citharam, & percutiebat manu sua & refocillabatur Saul, & levius habebat, recedebat 1. Reg: cap. 16. enim spiritus malus: auch wie mehr als 20. der Scripturisten wollen natürlicher weiß: wie kahl und unbefügt der Jägerey halber / ist ja von Anbegin der Welt bekant / daß dieses nicht nur allein ein anstandige / sondern auch nothwendige recreation seye / wodurch das Gemuth nach vielem sitzen / decretiren, und consultiren, wird relaxirt, der Leib bewegt / die Nerven gestärckt / alle Glieder zur transpiration disponirt, die Gesundtheit hiemit erhalten / die Lebens-Geister auffgemuntert / encouragirt, umb desto tapfferer dem rasenden Feindt entgegen zu gehen / selbigen mit Feur und Schwerdt zuversolgen / den verſolgten zu überwinden / den überwundenen zuvertilgen; als ohne welche sie wurden allzu best gespant ermuthen und crepiren, gleich einem immer gespanten Bogen Dianæ, wovon schoͤnstens gesungen Ovidius: Arcus & arma tuae tibi sunt imitanda Dianæ, Ovid. Quem si non cesses tendere, laxus erit epist. 4. Aber hievon genug die Zeit erlaubt es nicht ein mehreres zuvermelden / sondern zwinget mich gleichsamb in ein compendium das uͤbrige zu ziehen / wie gleichmäßiger Hercules dieser gewesen / sage also: Das / wan jener so renomirte Hercules bey den Grie chischen Scribenten starck von Leib und Kraͤfften / untersetzt / compact und von guten Glied=massen gewesen / so ware Unser Durchleuchtigster von schönster lymetry, nervös vest von Kräfften / in lebendigen frischen Geistern / kühn / genereus, L2 starck Aristot inphysi Fecles. Invenal sat. 10. Ioan. pie Mirand.in phy. 44 stardmüthig in seiner völligen conduite, heldenmüthige dem temperament nach / sanguineo-Phlegmaticus, welches sich fundirt in calido-humido, consequenter in edlister Beschiffenheit / in bester humor, weilen Er war Solari scher und Mercurialischer complexion: beyde Augen waren als helleklare Stern / und zwar Cæsii oculi, Minervæ von denen Physiologisten zugeeigenet / und wann ihr also wie Aristoteles schreibt mollis cute & crine, apti mente, daß die so lindt von Haaren und zart an der Haut seynd von grossem Verstandt auch vieler capacität, so excellirte dieser hierin vor allem: indeme er insgemein wurde benambset: Apollo scientiarum, ein Patriarch der Wissenschafften: wan ihr also / wie S. Gregorius Naziancenus von dem abtrinnigen Kayser Juliano vermeldt / daß er auß dessen verstörten hinterhaltenden Angesicht prognosticirt die erfolgende Gottlosigkeit; so war Unser Christlicher Hercules apetae frontis von offenem Helm / Hertzen Gemüth; wan Ihme also / wie in göttlicher Schrifft der weisiste Syrach sentenzirt: ab occursu faciei cognoscitur sensatus, & ingressus hominis enunciat de illo: daß auß dem Angesicht die Weißheit erscheinet / und auß dem Gang dessen Beschaffenheit; so war dieser / wie die Frantzosen laconice sprechen: un abregé de toutes les bonnes qualitez, ein Begrieff aller guten qualitäten: bevorab weilen bey Ihme eingetroffen das / so Juvenalis vermeldt: Orandum est ut sit mens in corpore sano: das gröste Glück in der Welt seye einen gesunden Verstandt haben in gesundem Leib; indeme Er hierinfals ware der vollkomniste / und folglich dessen Tugenten die allerschonste gemeß des Virgilianischen Sententz: Gtatior eſt pulchro veniens è corpore virtus. Noch so fein sicht die Tugent auß / Wan sie bewohnt ein schones Hauß. Von hohen concepten, durchtringendem reiffen Judicio und Urtheil / von gröster raison in sentenziren, von unvergleichlicher memori und reminiscentz / daß man Ihn also wie der hochgelährtiste durchleuchtige Scribent Mirandulus sentenzirt, firma memoria maxime necessaria, sicuti de nocto lux accensa: cunctis hinc amor atque decor: daß vor allem seye das beste eine steiffe zuverlaͤßige memori, weilen diß gleichsam das Liecht in einem sonst finsteren Cabinet, wordurch zugleich alles wird mit Schonheit und Lieblichkeit erfült; als war 8 45 ware JOHANN WILHELM ein grosser Planet; indeme allerseits bekant hierinfals seine Vortrefflichkeit / weil Er nicht nur allein so viele 100. seiner Hoff-Bediente in frischer Gedaͤchtnuß hatte / alle in particulair erkente / sondern auch zur Kriegs=Zeit in seiner Armeé von 20000. Mann alle Oberund unter Officier, wie auch meiste auß denen gemeinen wuste mit eigenen Nahmen zu beruffen. Wan jener Weylandt in der Antiquität so Weltbekante erwürgt die grausame Nemeuische Löwen / so hat dieser mehrers und öffters den Rachen zerrissen jenem Löwen von welchem der 1. Petri H. Petrus gewarnet alle Christen: Attendite, quia adversarius vester Diabolus tanquam leo rugiens circuit, quaerens quem devoret: gebt acht / weilen ewer Wiedersager gleich einem brüllenden Lowen herumbgehet / suchent einen auffzufressen: ich will sagen den Löwen des Lasters / des Zorns / der Rachgierigkeit des Gemüths. Hat jener die Gnad gehabt von Junone der vermeinten Himmels Göttin mit süsser Milch von dero Brusten gelabt zu werden; so hat dieser weith mehreres / weilen er von der / quae Luc. 2. gratiâ plena obumbrata à Spiritu sancto, voll der Gnaden / umbschattet vom H. Geist / ist in 1000. Begebenheiten gelabt / gestärckt und begnadet worden; wie er öffters und in mehrerem sothanes declarirt, mit dem H Bernhardo seuffzent: hinc sa= S. Bern. nor à vulnere, hinc lactor ab ubere: die Wunden meines gecreutzigten Erloͤsers heylen mich / die gebenedeyte Brüst der Himmels Königin erquicken mich. Hat jener mit seinen Pfeilen die Stymphalische Landtschaͤdliche Raub-Vogel erschossen; so hat dieser die noch ärgere Spott=Vogel erlegt. æneid 3 Pestis, & ira Deûm stygiisque se extulit undis. Ein Pestilentz der Leuth / Und nur der Hoͤllen Freudt. Dan nichts wenigers konte Er erdulden / als anderer spotten / honisch oder Ehrabschneidisch durchlassen / noch vielweniger einen Geistlichen schimpflich zu tractiren, wie jener Colonel einstens in einem scharffen repriment erfahren / da er doch nur auß Unbesonnenheit vermelt; er hätte die Zeitung von seinem Regiments-Pfaffen / muste er gleich anhören: wisset / das diß eine Lästerung / das prædicat eines Pfaffen gebührt den Götzen=Dieneren / meine Geistliche aber daß sie seyn Ehrwurdige / die eurige Wohlehrwürdige / und last euch bey Vermej M Psal 79 Aencid Apocal. 46 meidung meiner Ungnad in solcher Unthat nitmehr betretten. Hat jener den wildisten Ochs / welches ist ein symbolum der Dumheit und ignorantz / so das Königreich Cretam verhergt / mit seiner clavâ oder Kolben erschlagen / so hat dieser von seinen Landen verjagt die Brutalitat / die ignorantz / Unwissenheit durch Stifftungen / Vermehrung der Academien, Gymnasien, Einführung der Kunsten und Wissenschafften: und allerseits verdient das Lemma: se fortior Hercule major, ein Meister uͤber Herculem. Hat jener vertriebenden wilden Eber aprum Erimanteum das wilde Schwein / so hat dieser vertrieben jenes noch wilderes von welchem der H. Geist sich beklagt: exterminavit eam aper de sylva, singularis ferus depastus est eam: mein Garten hat verwüst ein wildes Schwein / ein erschröckliche Bestia, ich will sagen die simoniam, den geistlichen Wucher / das Ketzerische Geschlecht der Pietisten, der Quakeren, Ministen, und Jansenisten mit außgestrecktem ramo aureo, den gülden Zweig/ tumida ex ira tunc corda residunt, se fortior, Hercule major. Hat jener gereiniget den von 3000. Ochsen Mist=vollen Stall Caci, so hat dieser gereiniget gantze Provintzen / auff daß schönste seine Lander gezirt / mit schöner Architectur, so wohl militari, als insonders civili, wie allhier Augenscheinlich erhellet in Düsseldorff / in Benßberg aber in dem Königlichen vast unvergleichlichen Pallast, also daß er könte sagen mit den Monarchen Octaviano Augusto: inveni Romam lateritiam, relinquo eam marmoream, inveni stabulum, relinquo Palatium: ich hab Rom gefunden von Letten / und verlasse es von Marmor=Stein. Hat jener von der Höllen / Alcidae wohin sie schon ware gerissen / starckmuthig zuruck gebracht / so hat dieser viele Seelen von dem ewigen Untergang erlöst; indeme bekant / daß, so fern nur wurde vernohmen / daß einige wäre in desperation, oder Gefahr ihrer Seelen wegen unverantwortlicher Rechnung, oder ungerechten Gut, wurden ihme diese gäntzlich geschenckt / worzu nicht nur einmahl mir die commission auffgetragen worden / se fortior Hercule major. Hat jener in Ketten geschlagen gefangen genohmen Cerberum den höllischen Hundt / so hat dieser noch Heldenmüthiger daß an den bißigen / haßigen neidigen Hunden erzeigt / indeme Er aller dieser ware ein abgesagter Feindt / sie allerseits verjagt, gemeß dem göttlichen Befelch: foris canes 47 & venefici & omnis qui amat & facit mendacium: weicht von dannen mit diesen Hunden und allen Lügneren: se fortior Hercule major. Hat endtlichen jener den vielköpffigen Drachen Lernam und Hydram mit seinem Brugel erschlagen / so hat dieser noch vielmehr der Laster / als vergiffte Bestien triumphirt; dermassen viel / daß ich muß mit Marone bekennen: Non mihi si linguae centum, sint oraque centum. Ferrea vox, omnes scelerum comprendere formas, Omnes poenarum percurrere nomina possem. Wan ich war Jung / hat 100. Zung / so könt ich doch nit sagen / Die Barbarey, die Tyranney so dieser hat erschlagen. sondern alleinig: se fortior Hercule major: fecit quod placuit Deo, & fortiter ivit in via David: das Er gethan was GOtt gefallen / und starckmüthig gangen in dem Weg David / auch deßwegen endtlich verdient mit jenem / aber unendtlich schoͤner in das gestirnte Firmament übersetzt zu werden. Quem pater omnipotens, inter cava nubila raptum, uadriguo curru radiantibus intulit astris, Deßwegen Er nun gantz beglantzet / Mit der Himmels=Cron bekrantzet / Ruhet in dem hoͤchsten Thron / Wo die Sonn und du O Monn / Seyt mit eurer Herrlichkeit Nur ein schwartze Dunckelheit. Auß sonderer special grosser Gnad der allerhöchsten göttlichen Majestät per gratiam finalem durch ein Christliches / andaͤchtiges / ja heiliges Hinscheiden / also / daß ich nicht weiß ob mehr seye die Zeit allhier zu trauren / oder sich zu erfreuen/ an tempus flendi, vel tempus ridendi? Diß aber ist gewiß / daß ich mich nicht kan inhalten / sondern alhier muß außruffen mit Annaeo Lucano: componite mentes Ad magnum virtutis opus summosque labores. Erhebet die Hertzen / Verjaget die Schmertzen / Umb zu sehen die Meriten / So die Tugent hat erstritten. Höret und erstaunet: spiritu magno vidit ultima & consolatus est lugentes in Sion usque in sempiternum: dan mit grossem Geist hat Er gesehen die letzte Ding/ und hiedurch die trauM2 renVirgil. Aeneid Metam de bello Phars. L. 9. Aristot. Psal. 75 Ribad. in 21. Octob. Ode. Franck Eccles. Seneca Epist.12 48 rende in Sion auffewig getröst. Spiritu magno vidit ultima das ist mit Großmuthigkeit und unerschrocken hat Er angesehen den bitteren Todt: den Todt / welcher nach Lehr des grossen Philosophi wird beschrieben: terribilium omnium terribilissimum mors: daß auß allen erschröcklichen das erschröcklichste seye der Todt: spiritu magno, jenen unüberwindtlichen general Feldt=Marschal der göttlichen Gerechtigkeit: spiritu magno: aller Helden / Potentaten, Monarchen grausamen Scharffrichter: qui aufert spiritum Principum: jenen von welchen bekant / daß auch so gar die gröste Heiligen erschrocken / gestalten gewiß von einem H. Arsenio, daß er als ein Anachoreta von 100. Jahren vor selbigen gezittert / von einem H Hilarion, wie bezeugt dessen Leben / daß er in dem Todt und letzten Zügen seine Seel also angeredt: Septuaginta propè annis Christo servivisti & mortem times? meine Seel bey nah 70. Jahren hast du Christo gedienet / und förchtest gleichwol den Todt? Spiritu magno vidit ultima, Er förchtete nit im geringsten sonst insgemein / das bitterest in der Welt den Todt. Horrenda mors tremenda mors, telo minax & arcu, Fatale torquet spiculum nulla quod arte vites. Der grimmige Todt mit seinem Pfeil / Thut nach dem Leben Zielen / Sein Bogen schiest er ab in Eyl / Und läst mit sich nicht spielen. Den Todt / von welchen doch die H. Schrifft bekent: O mors quàm amara est memoria tua homini pacem habenti in substantiis suis: O Todt wie bitter ist deine Gedaͤchtnuß einem Menschen / welcher in Frieden bey guten Mittelen gelebt! ja diesen / diesen so erschröcklichen Tyran hat Er nicht geförchtet / sondern / gestalten in vorhergehenden öffteren schweren Kranckheiten ware zu ersehen gewesen / gleichsamb mit Ihm argumentiret auß denen Epistelen Senecae: nullum malum gloriosum est, mors bona gloriosum est, ergò mors malum non est: kein uͤbel ist glorwürdig / der Todt ist glorwürdig / ergò: so ist der Todt kein ubel; consequenter nicht zu förchten: und was noch mehr / so ereignete sich diß nicht auß einem Stoischem Gemuth / nicht daß Er selbigen mit einem philosophischen Angesicht unter die Augen getretten / sondern mit einer Christlichen Starckmuthigkeit / fundirt in dem H. Geist: beati mortui, qui in Domino moriuntur, welcher feelig spricht und canonisirt die jenige welche in GOtt entschlaffen. visi sunt ⸗⛨⛨ visi sunt oculis insipientium mori, illi autem sunt in pace: es Sap. 3. gedüncke zwar hievon denen Unwissensenden / daß sie stürben / aber gefählt / dan sie waren in dem Frieden. Dieses grosse spectaculum mehrer und genauer zu observiren, so beliebe Ewer Lieb und Andacht biß an das Cabinet zu tretten / da werden sie sehen die völlige Beschaffenheit dieses Wunder: so bald nur der Christliche Hercules vermerckt die Gefährlichkeit / erinnerte Er sich des bekanten axioma: nulla sat magna securitas, ubi periclitatur tota aeternitas: kein Sorg zu groß / kein Beflissenheit zu viel / wan es gilt die Ewigkeit; waCone. re also das erste zu ergreiffen: secundam post naufragium taTriden bulam; das H. Sacrament der Buß als daß zweyte Mittel sich zu salviren in dem Schiff=bruch / wie es benambst daß H. Trientische Concilium, vermittels einer vollkommenen Beicht von gantzem verflossenem Leben / zu dessen Erforschung er den Beicht=Vatter adhortirt; bittlich ersuchent umb die Heil. absolution, bestens ingedenck des von Christo ihme gegebenen Io. 20. Gewalt: accipite Spiritum sanctum cui remiseritis peccata, erunt remissa: nehmet hin den H. Geist / dan jenem / welchem ihr werdet die Sünden vergeben / denen sollen sie seyn vergeben: da werdet ihr sehen / was gestalten Er an sein Hertz geschlagen mit viel weinen und seuffzen sprechent: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa: wie Er mit dem offenen Sunder seine Augen unterschlagen / sein Hertz aber erhebt zu Gott / bittent: propitius esto mihi peccatori: O Gott sey mir arLuc. 18. men Sünder gnädig; da wird man sehen mit was Inbrunstigkeit Er das H. Sacrament des Altars die Eucharisty empfangen als ein Viaticum auff den schmahlen Weg und enge Matth. Pforten zur Seeligkeit: arcta est via & angusta est porta, quae ducit ad vitam: wie andächtig Er seine viele und lange Gebetter in psalmen und rhitmis, deren Er bey 30 auß oͤffterem Gebrauch wuste ex memoria außwendig / gesprochen / öffters repetirent S. Ignatii und S. Xaverii Seuffzer: O Deus ex Rhit. ego amo te &c. cur igitur non amem te, O Jesu amantissime, S. Xav. nam sicut tu amasti me, sic amo & amabo, solùm quia Rex meus es, & solùm quia Deus es. Umb sonst umb nichts gleich wie du mich / Lieb ich Otreuer GOtt auch dich / Und liebe dich biß in den Todt / Darum weil du mein Herr und GOtk. off Luc. 2 S. Amb. in Hex 50 offters den gantzen hym. S. Ignatii worvon gleich dem vorgehenden nur die letzte vers citire: Obone Jesu exaudi me, intra vulnera tua absconde me, nec permittas me separari à te, ab hoste maligno defende me, in hora mortis meae suscipe me, ut cum Sanctis tuis laudem te. Sie werden sehen spiritu magno vidit ultima, wie Er auch mit grossem Geist das letzte hochheilige Sacrament der letzten Oelung empfangen extremam unctionem: kaum ware dieses von mir angesint / in vermelden / das es nicht nur allein zum besten der Seel / sondern auch des Leibs gegeben werde / vermög des Catholischen Catechismi: bedanckte Er sich mit vermelden: daß weilen sothanes seye ein actus professionis fidei ein offentliche Glaubens Bekantnuß des allein seeligmachenden Glauben / so seye die Gebühr / daß alle ceremonialia solemniter begangen werden / in Gegenwart aller primairs Ministres, welche auch in mitten der Nacht den 1 Junij beruffen / gleich also erschienen / auch in Christlichsten Trost unter vielen Zähren angehört / wie der gottseeligste Churfürst auff jede collect: per istam sanctam unctionem & piissimam misericordiam indulgeat tibi Deus quid quid per visum deliquisti: durch diese H. Salbung und gütigste Barmhertzigkeit verzeihe dir GOtt / was du immer durch die Augen / Anhörung 2c. gesündiget; von selbsten in dem Ritual gewöhnliche versiculen die respontz gesprochen / mit dem H. Simeone schliessent: nunc dimittis servum tuum in pace, quia viderunt oculi mei salutare tuum: nun entlassest du deinen Diener im Frieden / weilen meine Augen gesehen das heylwurdige: die fernere 8. Tag als überrest seines Lebens / wolte Er nicht das geringste wissen von einigen auch der wichtigsten affaires, sondern negotium omnium negotiorum maximum, ex quo dependet sempiternum: das gröste Werck aller Wercken woran hanget das ewige: die groſte Bußfertigkeit in oͤffterer Vorbettung der vollkomnisten Tugent / Ubungen der Hoffnung / Glaub und Lieb / welche ich wünschte in Ewer Lieb und Andacht Hertzen einzuschreiben / so fern es die Zeit vergunstigte / weilen selbige aber in der Länge / ziehe nur herauß quintam essentiam auß dem lateinischen vertirt; nemblichen mit Thränen begossene Seuffzer: Allerhöchst / unendliche göttliche Majestät in dem / von dem und durch deme ist alles / ich falle dir zu Füssen in unterthänigster Anbettung / in grösten Bußfertigkeit mit dem offenem 51 Actor. nem Sünder / in hertzlicher Reu und Leydt mit dem verlohrnen Sohn; veranlasset von deinem goͤttlichen vaͤtterlichen paLuc. 15. role in welchem du allen Sünderen versprochen alle Stundt und Augenblick seine Bekehrung in Gnaden auffzunehmen; sihe ich kehre und komm also zu dir / obwohlen bewust meiner vielen Sunden und Missethaten / aber noch mehr daß deine vätterliche Barmhertzigkeit seye unendtlich grösser als alle Sünden in der Welt; dieser also uberlasse ich mich in wahrem Glauben / Hoffnung und Lieb gegen dich als das hochste unendtliche Gut / venischent diß mein Gebett und Seuffzer / als welche an sich selbst unvermögent / mit dem blütigen Schweiß / mit den unentlichen Verdiensten Christi JEsu demes allerliebt sten Sohn / in welchen uns alle Hoffnung gegeben. Dich aber meinen Heylandt und Seeligmacher an dem 1. Tim. Creutz hangenden Jeſum Chriſtum umbfange ich bußfertigſten massen / küssent deine rechte Handt in unterthänigster Bedanckung vor so viele unaußsprechliche empfangene Gnaden / mit hertzlichster Bitt / mich an dem strengen Tag des Gerichts Matth. gleichfals zu deiner rechten Handt zuberuffen: ich kuͤsse deme lincke Handt in Christlicher Gedult und contestation, daß ich alle Schmertzen / Betrangnussen und Wiederwärtigkeiten von deiner straffenden Handt gehorsamlich auff= und annehme / ja bittent / hier schneide / hier bren / und seng / in dem anS. Aug. deren Leben aber seye gutig und nicht streng. Ich küsse in reumüthigem Hertzen deine Fuͤß mit dem offeLuc. 18. nem Sunder und Publican, daß du mir wollest gnädigst nach lassen meine Missethaten / selbe mit deinem kostbahristen Blut abwischen / und mich zu Gnaden auffnehmen: ich kusse vor alIoan.19. lem dem durch die scharffe Lantzen eröffnetes Hertz als einen asylum und Zuflucht wider alle feindtliche Nachstellung meiner armen Seel / so du so theur erkauffet; opffere dir entgegen auff mein Hertz / und hiemit all mein Vermogen / auff daß ich dich meinen Heylandt ewig und ewig könne lieben und anbetten in dem Chor aller Außerwoͤhlten. Ach mit was Inbrunstigkeit seyn alda anzusehen die geistreichiste Anmuthungen und Seuffzer zu dem Heil. Geist / als worzu Er die particular groste Andacht getragen / und auff eben diesem fundament erbaut / Fürstlich gestifft / und dieser Gottheit dedicirt das neue Hospital in Dusseldorff / worin / so auch alle erstumbten die Stein und Mauren wurden sprechen: si hi tacuerint, lapides clamabunt, wie offt Er wiederhohlt N2 Hymni ex Miss. Collect Eceles. Lemma Er. S. Bern. 52 hohlt der Catholischen Kirchen Hymnos: veni sancte Spiritus, & emitte coelitus lucis tuae radios: wie offt veni Creator Spiritus, kom H. Geist der du bist ein Erleuchter der Seelen / ein Seelig macher aller Christglaubigen; erleuchte / bestrahle mit deiner göttlichen Gnad meinen Verstand / Willen und Gedächtnuß; vermehre die mir durch das H. Sacrament des Tauffs eingegossene Tugenten der Hoffnung / glaub und Lieb: ich weiß / er kenne und bekenne / daß ich unendtlich obligirt dem himliſchen Vatter vor die Erſchaffung zu ſeinem Ebenbild / unendtlicher massen Christo JEsu vor die Erlösung von dem ewigen Untergang; ist also alleinig übrig / daß du seyest mein Seeligmacher durch deine Gnaden; daß du seyest mir der H. Geist wieder den bösen Geist; daß du seyest das himmlische Liecht; wann das Liecht meiner Augen wird verdunckelen; daß du seyest die ubernatürliche Stärcke; wan meine Kräfften an Händt / und Füssen werden erstarren; daß du seyest mein Trost / wan der Todten-Schweiß mich wird beängstigen; wan die Seel wird verlassen den Leib / verlasse mich nicht / stehe mir bey und nehme auff meinen Geist in deinen Schutz / qui cum Patre & Filio regnas in ſæcula ſæculorum. In süssestem Hertzen-Trost wird alda seyn zu sehen das spectacel eines Cristall-hellen Fluß sich ergiessent in das grosse Meer: giter & totus diffusus in illum. Trachten dem Ocean zu / Ist mein Leben und mein Ruh. O der kindtlichen liebreichen Seuffzer! O clemens ô pia, ô dulcis Virgo Maria, O milde O gutige O süsse Jungfrau Maria / ora pro me peccatore nunc & in hora mortis! bitte für mich armen Sünder jetz und in der Stundt meines Absterbens; jetz wo ich muß gehen den Weg der Ewigkeit; nunc, jetz alwo hanget der haupt punct der Seeligkeit. Ich bitte dich O 1000. seeligste Jungfrau / welche du bist voll der Gnaden / durch die unendtlich Ehr / womit dich von Ewigkeit angesehen der himmlische Vatter / und dich erwehlt zu seiner liebsten Tochter / durch die Lieb / mit welcher dich außerkiesen der Sohn Gottes zu seiner Mutter / durch die Hoheit mit welcher dich der H. Geist erhebt zu seiner Gespons / ich bitte dich und adjurire, beschwöre dich durch alles so vast du liebest des himlischen Vatters Ebenbild / das Blut Christi JEsu / so für meine Seel vergossen / durch die hochheilige Sacramenten, mit wel 53 welchen so offt mich begabt der heilige Geist; lasse nicht zu / daß diese so kostbahre Schatz an mir seyn verlohren / sondern nur gereichen zur Seeligkeit / alda mit dir als Himmels Konigin zu loben / ehren und anbetten / GOtt Vatter / Sohn und H. Geist in Ewigkeit. Dieses alles wird seyn zu sehen in spiritu magno in grossem Geist / und so zu verwunderen / in grösten Schmertzen / in todtlicher Kranckheit / welche war nicht nur allein die wiederhohlte apoplexia des Schlags / sonderen auch Geheiff von denen convulsionibus Nerven-gicht / Hydrops pectoris, Hertz=Wassersucht / Polypus cordis, Gewächs an dem Hertzen / putredo pulmonis, ein Faͤule der Lungen und immer anhaltendem Fieber; jedoch durchauß in unveränderlichem Gemuth / gleich dem Berg Olympo, alwo kein Ungewitter: Nubes excedit Olympus: gantzlich ergeben dem Willen Luc. de phars. Gottes / in so grosser vast unglaublicher Gedult / daß alle anwesende bekent / dergleichen Starckmuthigkeit in keinem Menschen / in keinem Helden / auch Geistlichen und Heiligmeßigem nicht gesehen/ noch gelesen zu haben/ in welcher dieser Christlichster Hercules JOANN WILHELM der gottseligste Churfürst seine Seel recommendirter massen auffgeben seinen Geist: Domine in manus tuas commendo spiritum meum und gestorben oder vielmehr / mit Valerio maximo zu reden / angefangen zu leben; quia sic mori vivere est: anno 1716. Valer. den 8. Junij umb 7. Uhr Vormittag / seines Alters im 58. max.de Epam. Jahr / also hiemit vollkommentlich mein thema oder thesin außgemacht / fecit quod placuit Deo, & fortiter ivit in via David: spiritu magno vidit ultima: Er hat gethan das so Gott Luc. 23. gefällig / ist starckmüthig gewandelt den Weg David / und mit grossem Geist die letzte Ding gesehen. Also das eintzig uͤbrig / & consolatus est lugentes in Sion usque in sempiternum, und hat die Betrübte in Sion getroͤst biß in Ewigkeit. Sion nach Lehr der Scripturisten und H. Vätter S. Ruperti, S. Augstini, S. Theodoreti, Cornelii à lapide, Benedicti Bererii, Alphonsi Salmeronis, Ludovici, Granadensis und Alphonsi Rodriquez der Asceten, ist in sensu mystico & symbolico nichts anders als das himlische Jerusalem; sambt denen Inwohneren; dannen auch die eyfferige GOtt-liebende Seelen u. der streithbahren Kirchen und Gemeine der rechtglaubigen Chriſten. Con Apoc. 1. Cor. Sip. 6 54 Consolatus est lugentes in Sion, Er hat getroͤst den Himmel als welcher gleichsam immer in Sorgen stehent wegen so vieler Seelen traurig / in Ansehung so vieler Untergang / entgegen in vollen Freuden empfangen zuhaben so grosse neue constellation in Hercule Christiano einzumatriculiren in das Buch des Lebens, in die Zahl der Außerwöhlten den gottseeligsten Churfürsten. O allerliebste Engel! was Freud wird euch nicht erquickt haben / wan ihr gesehen habt nun euren Mitconsorten von Christo JEsu empfangen / bewilkommen; O was Jubel, was aggratulation nicht seyn erschollen! da Ihme von goͤttlicher Hand seynd abgewischt worden die Zähr von seinen Augen, und verkehrt in die kostbahriste Perlen, gemeß des ewigen Versprechen: & absterget Deus omnem lachrymam ab oculis eorum, & mors non erit ultra neque dolor. O was Süßigkeit! wan Ihme sein Todten-Schweiß in himmlischen Balsam, seine Seuffzer in goͤttlichen Nectar und Ambrosiam verwandelt worden / alles in so grossen Freuden / das sie durchauß unbeschreib= und unaußsprechlich: nec oculus vidit, nec auris audivit, nec in cor hominis ascendit, quae Deus praeparavit diligentibus se: kein Aug hat es gesehen / kein Ohr gehört / kein menschliches Hertz begriffen / was GOtt bereit denen / so ihn lieben. Consolatus est lugentes in Sion, getröst ist hierdurch worden meine öffters beängstigte in Sorgen gequälte Seel / in Erwegung des von göttlicher Justitz andictirter sententz: horrendè & citò apparebit. quoniam judicium durissimum his, qui praesunt, fiet, das ein erschröckliches examen wird vorgenommen werden mit jenem / welcher uber Landt und Leuth gubernirt, deßwegen aber absonderlich beflissenster eyfferig ster von GOtt auff einmahl verendert / unendtlicher massen getröst worden; als ich auff mein dienstliches Anfragen, ob Ihre Churfürstl. Durchleucht sich nicht etwan beängstiget befindete von einiger tentation, scrupel oder Unruhe des Gewissens / von einiger attaque des Sathans? hierauff aber zur Antwort erhalten: nein mein liebster Pater, bedancke mich zu 1000. mahlen vor dermahlige / und durch viel Jahren hero treu=eyffrig geleiste Dienst / und versichere / daß ich mich befinde ohne eintzige Beängstigung / Forcht oder Betrübnuß / sondern vielmehr in süssestem Trost meiner Seelen gantz versenckt 55 in dem unergründlichen Meer der göttlichen Barmhertzigkeit / bekenne mit dem H. Paulo: repletus sum consolatione, superabundo gaudio in omni tribulatione: Ich bin voll Trost uberfliessent von Freuden auch in diesen grösten Layden: Ach was himmlischer Trost ware mir nicht alsdan / als ich eben nemblich den letzten Tag des Hinscheidens / expresse diese Formalia vernahme: Ich versichere sie liebster Pater nochmahlen / daß ich getroͤst / willig und gern sterbe / nicht nur allein der goͤttlicher Justitz gnug zu thun / als welche allen Menschen die Straff des Tods decretirt: stipendium peccati est mors, sondern allermeisten der Ursachen halber / weilen ich durch zeitliches Absterben in den Standt werde gesetzt, meinen liebsten GOtt, das allerhöchste Gut nicht mehr zu beleydigen / nicht mehr in die wenigste Sünd zu verfallen. Odes vollkommisten allerhoͤchsten sentiment! Oder gller Wohlredenheit / alle eloquentz uberreichende Worth! wurdig / das sothane nicht nur in allen den unsterblichen Ceder, dem unverwesentlichem Goldt; nit nur dem hartisten Marmor Porphir, nicht nur den Diamanten und orientalischen Saphir, sondern allen Christlichen Hertzen einzugraben / mit Cherubinischer Beitze einzuetzen; sintemahen gewiß allhier das lemma der Sonnen: Præstat tot millibus unus: Dan dieser hat die Praecedenz Vor tausendt andern excellent. Also daß ich hierinfals kan einem trutz bieten der allerweisister Theologischer Facultät, allen Asceten, einen Engelischen Verstandt S. Thomæ Aquinatis, einem guͤlden Mundt S. Chrysostomi, einem feurigem Hertzen S. Augustini, einer Seraphischen Feder S. Bonaventuræ, einer Hönigfliessender Zung S. Bernardi, ob sie wohl könten was vollkomenes ingenieren, was heiliges erdencken / als eben diesen actum appretiativum amoris Dei, wie solchen die hohe Schulen benambsen: ein act der allerhöchsten Liebe Gottes / consequenter das eintzige beste: undisputirlich die ewige Seeligkeit / das himmlische Paradeiß zu erlangen: dannen mit denen Juristen à minori ad majus zu argumentiren, kan deßwegen seyn kein Anstandt / weilen Dismas der fromme Schaͤcher den Himmel erworben mit einen eintzigen memorial, memento mei Domine cum veneris in regnum tuum: Herr sey meiner eingedenckt in deinem Reich: hat ein H. David nach so vielen Sunden durch wenige bußfertige Wort O2 2.Cor.7 Rom.6. Lemma Luc. 23. 2. Reg. Act. 19. EcclesClaud. 3.Cons. Honor: 56 Vort: peccavi Domino, die völlige amnesty erhalten; hat enl H. Paulus rasent gegen die Christen / mit einer kurtzen supplic: Domine quid vis me facere? Herr was wilst das ich thue? so hat ja dieser Unser Christlicher Hercules, durch so viel vollkommene Ubungen / deren diß und ein mehreres verdient; also daß ich Ihme mit grösten Fug und Recht und Billigkeit kan zumessen die inscription primi miraculi mundi, das erste Wunderwerck der Welt: Aut Deus ad Phidiam summo descendit Olympo, Aut Phidias in coelo hoc faciebat opus. Entweder der Meister im Himmel empor, Hat künstlet diß Werck von grösten valor; Oder der Himmel sich g'lassen herunder, Zu machen so grosses Spectacul und Wunder. Ausser mit dieser exception, das dieses beydes sich verificirt: dan Unser Virtuos hat mit seiner Andacht sich in den Himmel begeben / der Himmel dannen sich auff die Erden mit seiner allmoͤgenden Gnad. Ferners zu erzeigen consolatus est lugentes in Sion in sempiternum, befinden alle fromme eyffrige Christliche Hertzen / alle andächtige Seelen getroͤst in Ansehung und Vernehmung dem Beyspiel der Tugenten, in Behertzung so grosser Gottseeligkeit / Andacht / Gutigkeit / Auffrichtigkeit und Christlicher Starckmuthigkeit / als einem Spiegel sich in Ansehung dessen hievon zu copiiren. Consolatus est lugentes in Sion: so würden auch hierdurch getroͤst alle untergebene Provintzen und Länder mit Freudt in dem Leydt / wegen eines so Tugent=vollen gehabten LandtsFürsten / bevorab / weilen zugleich ad litteram in dem Horoscopo des H. Geists prognosticè erfült worden: mortuus est, & quasi non est mortuus, similem enim reliquit post se Er ist gestorben / und gleichsamb nicht gestorben; dan er hat einen der ihm ähnlich und gleich hinterlassen / und gleichsamb vom Himmel herunter also anredent: Me quoniam coelestia regna vocârunt, Tu curis succede meis, tu pignora solus Nostra fove, tu dextrâ solus protege fratrem. Nun hab ich dan mein Ziel und Endt den Himmel emportirt, Du aber hie das regiment, so dir allein gebührt / Worzu der liebe GOtt woll geben / Das Glück und Heyl in allem Seegen. Das 9 Das ist CAROLO PHILIPPO Unserem dermahlen gebietenden Durchleuchtigsten Churfürsten und Herrn Herrn, vor welchem ich mich in unterthänigstem respect neige / und auß geistlichem Hertzen Glück wunsche: Tibi gratulor, mihi gaudeo, tua tueor. Schließlichen aber mich erfreuent / daß mein Horoscopus Herculis Palatini inter astra translati demonstrirt. Wende mich zu Ewer Lieb und Andacht / als von welchen prognosticire und gleichsam dero Gemüther eröffenet sehe in Verlangen eines angedencken Mnemosinon von dero allergnädigsten gottseeligsten gebietenden Herrn Herrn: Hierinfals zu gratificiren, eröffene ich das Durchleichtigste Churfürstliche Hertz / und ziehe hierauß als ein reliquiarium kostbahres præsent, nemblichen: jenen von dem H. Geist vidimirten und eingeflossenen Sententz / welchen Er in seinem Larario andächtigen Cabinets Altar immerdar vor Augen hatte: Vanitas vanitatum & omnia vanitas, praeter amare Deum, & illi soli servire: Alles ist eitel ein Eitelkeit aller Eitelketien / ausser GOtt lieben und ihme alleinig dienen. Zu mehrerer impression dessen braucht es nit mehr alhier gegenwartig anſehen das in groſter magnificentz auffgefuͤhrte Castrum doloris, welche nach Lehr des grossen H. Vatters August. virorum potiùs monumenta, quàm mortuorum subsidia sunt: vielmehr zu Erinerung der lebenden / als der verstorbenen Hülff angesehen. Es bedarff nicht mehr liebe Seel, als dan und wan dich zu erinneren / was gestalten alles in diesem Leben kurtz / schnod / eitel und nicht ein Augenblick groß gegen der unendtlicher Ewigkeit / quia finiti ad infinitum nulla proportio; nur ein kleines sich zu reflectiren das nichts gemeiners als daß man in der Welt werde hoch intitulirt, heut eminent, execellent, Morgen ecce elendt; heut großmächtigster König / Fürst und Durchleucht / morgen in der Todten-Leicht; heut schön vortrefflich und kostbar; morgen in der Todten-Bahr; heut in Purpur drap d'or, broccato und kostbar / morgen in der Todten-Bahr; heut unter Juelen Perlen und Edelgestein / morgen unter dem Grab=stein / warhafftig / Vanitas vanitatum ein Eitelkeit aller Eitelkeit / und über das eine materi von aller gröster consequentz: statutum est omnibus hominibus semel mori, & post hoc judicium, alle Menschen müssen sterben / weilen in dieser Regul kein exception, und nach deme erfolgt das strengste peremptorisch Gericht / auf dieses Deut.32 Eccl.I. Kemp. L. 1. decivit. L.12.c. axioma phi Hebræ Matth. Fpid. ca. 28. S. Hier. in cap. 5. Matty 60 dieses aber der definitiv sententz von der göttlichen Justitz / entweders ite maledicti, oder venne benedicti, gehet von dannen ihr Verfluchte zur lincken Handt in das ewige Feur / oder kombt ihr gebenedeyte zur rechten und nehmet die possession des unendtlichen himlischen Reichs. Diese investitur aber so groß Glück zu erlangen / ist nach Lehr aller H. Vätter ein bewährtes Mittel, offters in Bedeckung ziehen den Todt Mortuus ut vivas, vivus moriaris oportet, Assuesce ergò priùs, quàm moriare mori. Daß wir gleichsamb lebendig sterben / uns erinneren Der Tod ist wohl ein grober Mann / Geht herein und klofft nicht an; Scepter, Cron und Bauren=Kappen / Thut er in ein Sarch einpacken. Gestalten diß Liecht auch erkent in denen heydnischen Finsternuß der tugentreiche Philosophus Epictetus: omnia quaecunque in malis habentur, ob oculos tibi quotidie versentur, om nium autem maximè mors, sic nihil unquam humile cogitabis, & impensè cupies. Das getreuste ist / dir vor Augen zu stellen / alles was übel oder verdrißlich seyn kan / zum meisten aber den Todt / als die wahre causa finalis, welche von Aristotele definirt: primum in intentione, quod ultimum in executione: so das letzte zwar in Vollziehung / das erste aber in der Ubung; dan auff diese weiß wirst du nichts verächtlichs üben noch in hefftigen Begierden dem eitelen Wesen nachstreben; sondern vielmehr erfolgen: amare Deum & illi soli servire: GOtt lieben und ihme dienen / in reiffer Erwegung mit einem H. Hieronymo wie leicht es seye / in aliis operibus potest aliquis dicere: non possum jejunare, non possum res totas pauperibus erogare, nunquid potes dicere non possum amare? in anderen Wercken kan man sich leicht excusiren, sagen es ist über meine Kräfften das fasten / mir unmöglich all mein Haab und Gut zuverlassen; aber keiner kan sagen / ich kan nit lieben: in Bedenckung wie billig es seye Deum amare den lieben GOtt zu lieben / der dich von Ewigkeit geliebt / von Ewigkeit an dich gedacht vor vielen 1000. dich begabt, geehrt, beglückt / begutert / defendirt, und annoch gnädigstens erhalt / und alle Augenblick vätterlich umbfangt, in Erinerung wie profitable es seye denen jenen zu lieben / welcher ist das allerhöchste 61 höchste unendtlich Gut Rex Regum & Dominus dominantium, ein König aller Königen / ein Herr aller Herren in quo ex quo, & per quem sunt omnia, in welchem / auß welchem und von welchem alles; dermassen / daß wan du hättest alles in der Welt / nichts würde seyn gedeylich ohne dem / daß wan du diesen aber allein habest vor dich / nichts in der Welt kan einigen Schaden zufügen / si Deus pro nobis, quis contra nos, also nehmen hin Ewer Lieb und Andacht das hoch=schaͤtz bahre reliquiarium und mnemosinon als ein valete Ite nunc fortes, ubi celsa magni Ducit exempli via, Superata tellus sidera donat. Also wird einstens erfolgen / daß ihr mit eurem höchst-seeliger Gedächtnuß / Churfursten gnädigsten Herrn Herrn / durch die Christlich inbrunstige Andacht / durch die Tugent des eyffrigsten Gebetts / auch kont erwerben: spiritu magno vidit ultima & consolatus est lugentes in Sion usque in sempiternum, mit grossem Geist die letzte Ding anzusehen / unerschrocken / ja mit innerlichem Trost und Freudt der Seelen selbigen zu überwinden / durch ernstliche Zubereitung / durch Genies sung der hochheiligen Sacramenten / durch wahre Buß, vollkomniste Reu und Leydt / durch inbrunstige Seuffzer in manus tuas commendo spiritum meum, JEsu du lebe ich / JEsu dir sterbe ich / JEsu dem bin ich todt und lebendig. E Apoc. Rom. Boetde. consol. philos. lib. 4. Luc. 23. 1 Bl., S.A-56, S.39 [!] , S.60, 61 77