von den rqrittern ^ elmellci'ts m, ci k cleiT8^eiiT. kornAZnn, Inikas 42. — In Lua- dellusun I>ul-a8 20. m. 14. etc. In Uodesteiu Hude 14. et Llari manent iki etc. Im Jahre 1265 kommt zuerst ein Rodensteiner, als Zeuge in einem Vertrage des Landgrafen Heinrich zu Hessen mit Hartrard, Herrn zu Merenberg, datirt Nordecken vom 29. Sept. vor. Er wird darin Marschall v. Nodenstein (Narscaious cle koclinsteiii, inilos) genannt, woraus anzunehmen, daß ihre Burg damals schon erbaut war. Ein so vollständig als möglich, aus Urkunden >e. gezogenes, genealogisches Verzeichniß der von Roden- steinischen Familie, will ich hier zum erstenmal öffentlich mittheilen. Ich sage, zum erstenmal«: in einem so completcn Zustande. Denn alle mir bisher hierüber besannt gewordenen, sind entweder äußerst mangelhaft oder viciüs. Seiner Vollständigkeit wegen wird es im Allgemeinen sowohl, als auch für einen großen Theii des teutschen Adels insbesondere, hinsichtlich der Be- freundung mit dieser Familie von hohem Interesse seyn. Ich rechne es überhaupt zu der schmierigsten Arbeit in vorliegendem Werkchen, diesen genealogischen Wirrwarr, mit der Vollständigkeit, in die nachstehende Linealfolge gebracht zu haben. Ich hoffe daher auch billige Nachsicht von dem Kenner solcher Arbeiten zu erhalten, wenn er hier oder da ein Mitglied der Familie v. Rodenstein vermisien oder sonst eine Lücke darin entdecken sollte, Mir ist es z. B. nicht möglich gewesen, dem Hans v, Rsdenstein, (dessen Gemahlin Gretha genannt wird) welcher nach einer Urkunde vom Zahr 139? einen Theil des Schlosses Lishcrg käuflich an sich gebracht hat, eben so wenig, wie dem Pclagws Bletz v, Rodenstein, welcher in? Anfange des Igten Jahrhunderts eine Anna v. Venningen zur Gemahlin hatte, eine gewisse Stelle in dieser Genealogie anzuweisen. Strenge genommen, konnte erst von dem Hans v, Rodenstein, mit seiner Gemahlin Anna Baierin v. Boppart an, der nachfolgende Stammbaum der Herren v. Nodenstein, mit mehrerer Zuverlässigkeit bis zu seinem Schlüsse fortgeführt werden. Um diese Zeit fangen die Roden- stcinischen Urkunden und andere Quellen an reichhaltiger zu werden, und die Geschichte erhebt sich etwas mehr aus dem critisch-genealogischen Gewebe und wird so zu sagen faktischer, Genealogie der Herren von Nodenstein, In alteren Schriftstellern fiüdet man einzelne Familien-Glieder der Rodensteiner aus den frühesten Zeiten, und zwar namentlich, mit Beisetzung der Jahreszahl angegeben, allem ich glaube nicht, daß sich die meisten dieser Angaben auf Urkunden stützen. So bezeichnet z. V,.J. M, Humbracht einen Heinrich v. Nodenstein vom Jahre 1080, --- Johann v. Nodenstein 1119. — Martin v, Nodenstein Ritter 1296. — Wolfgang v, Nodenstein 1236, — Heinrich v. Rodenstein, Domherr 1293 und Cämmerer des weltlichen Gerichts zu Mainz 13 l 4 -h 1324 — aber auch dieser Heinrich war, wie ich schon früher bemerkte, kein » 7 Rodensteiner, sondern ein Herr v. Liebesberg (Lisberg). Ferner Anna v. Nodenstein, heurathek 1336 einen Friedrich v. Meckenheim. Elisabeths v. Nodenstein, heurathek 134t) Joh. Cammerer v. Worms -p aus Himmelfahrt 1387. Die ersten mir, aus Urkunden bekannt gewordenen Rodensteiner sind, ausser dem Marschall v. Nodenstein 1) Heinrich von und zu*) Nodenstein. 2) Ecking er v. Nodenstein und 3) Nudolph v. Nodenstein. Die Gemahlin Heinrichs war Agnes v. Liebesberg Wernhers v. Liebesberg Tochter. Erkinger hilft am 9ten Juli 1363 den Frankensteiner Burgfrieden mit unterschreiben. Und Nudolph der dritte Bruder war Pastor zu Neunkirchen -s- 1366. Diese 3 Brüder kommen in den Jahren 1333 bis 1363 in Urkunden vor. In einem Vertrage, betr. den Kauf eines Hauses zu Mossau (Mossauwe) vom Jahre 1333 auf St. Walpurgis Tage, kommt unter andern vor: By dyseme Kaufe ist gewesin der erber Hsre Her Rudolf v. Ro- dinstem, ein Canonich zu Wirzeburg. Sin Brudir Conrad. Brudir Alebracht der Pastor zu Mosauwe. Brudir Henrich Welf :c. Daß dieß der vorgedachte Rudolf scy, ist fast nicht zu bezweifeln. Agnes v. Ro.- denstein, welche im Jahr 1377 a s Klosterfrau zu ^ Zn den Urkunden werden die männlichen Famitien- glicder in mir von und zu Rodenstei» g nuint. K Blankenau vorkommt, war wahrscheinlich eine Schwester dieser Hrey Bruder. Heinrichs Söhne waren 1) Hermann zu Nodenstein und Lisberg 1398. 1413 henrathet Anna v. Lisberg, Friedrichs Tochter und Erbin, war laut seines Bestallungsbriefes von Kaiser Ruprecht, vom 25, Nov. 1492 zum Landvogt in der Wettcrau bestellt. Dicß scheint der Herman zu scyn, welcher als Zeuge in einem Vertrage zwischen Scheuch Eberhard zu Erbach und Hadamar Herrn zu Labar, wegen strittiger Güter vom Jahre 1418 vorkommt. 2) Erkinger v. Nodenstein iin Odenwalde Ritter 149! heurathet eine Echterin von Mespelbronst des :c. und der :c- Fetzerin v. Rimbach Tochter. Kinder des Hermann v. Nodenstein waren 1) Engelhard zu Nodenstein und Lisberg 1456 henrathet Jutta (Judith) Schenken zu Eubach, Gerhards und der w. v- Heimstatt Tochter. 2) Hermann, Junker zn Nodenstein 1432 Burggraf zu Alzey 1441. Dieser Hermann Hilst, laut einer Urkunde, seinem Vetter, Grafen Johann v. Katzenelnbogen einen, mit der verwittweten Gräfin Margarethe v. Nassau getroffenen, Vergleich am Hten May 1429 unterschreiben und kommt auch in einem qlten Weisthum der Cent auf dem Landsberg bey Heppenheim vom Jahre 1430 vor. 3) Hans v. Ravenstein war 1431 bey einem Turnier zu Darin- stadt^) gegenwärtig. 4) Margarethe v. Rodenstein und S) Else v. Rodeitstein« —" Enkel Heinrichs Diese Urkunde lehrt uns, daß auch im Jahr« 1431 ein Turnier zu Darmstadt gehalten worden ist. »>id Söhne Erkingers waren 1) Hermann v. Na/ densteil, Ritter 1434 heurathet Elifabethe v. Hirschhorn, Eberhards und der Demnth, Cammerern zu Worms, genannt v. Dalberg Tochter -z- 1436. 2) Hans v. Nodenstein, Domherr zu Mainz 1398 und Probst zu Aschasfenburg -s- Itcn April 1437. 3) Conrad v. Nodenstein 1432 henrathet :c. v. Staufenberg. Kinder En gel Harbs und der Judith waren 1) Erkinger v. Nodenstein 1480 Burggraf zu Alzey -z- im Oct« 1492 war vermahlt mit der ,c. Knebelin v, Katzenelnbogen, des Wilh. und der Irmgard Greifenklau Tochter. 2) Anna v. Nodenstein. Kinder Hermanns und der Elisabeth waren 1) Hans zn Nodenstein 1450 heurathet 1471 Zinna v. Nodenstein EngelhardS nnd der Judith Tochter. 2) Conrad v. Nodenstein 1451. 3) Eberhard v. Nodenstein, Domherr zu Worms ^ Bisten Marz 1461. 4) Georg v. Nodenstein, Domherr zu Worms -j- 28sten Sept. 1466. 5) Margarethe v. Nodenstein, heurathet 1441 Conradt zu Frankenstein -s- 1475. Kinder Er kingerS und der :c. Knebelin v. Katzenelnbogen waren 1) Erkinger v. Nodenstein -j- 1511. denken , . . heurathet Margarethe v. Geinmingen, des Dieter ») Judith MUß mehr als zwei Kinder gehabt haben, weil eben diese Anna in der Urkunde Rr. 14. als die älteste Tochter der Judith bezeichnet wird. Auch setzt Schneider dieser Schenkin von Erbach in seiner Erbachischen Chronik das Todesjahr irrthümlich im Jahre 14Z6 s-st, was doch ein offenbarer Anachronismus ist. «0 und der Marz. v. Sickingen Tochter ch 1530. Diese verheurathete sich später an Stephan v. Venningen ch im April 1531. 2) IV. v. Nodenstein, heuralhet ÜV. v. Helmstatt. Kinder des H ans v. Nodenstein und der Anna waren 1) Hans v. Nodenstein ch 1531, heurathct 1508 Zlnna Baycrin v. Boppart, des Heinrich und der Marg. Böckling v. Uttinger Thal Tochter. Dieses scheint der Hans zu seyn, welcher im Jahre 1518 einen Auszug aus einem Achsträgalspruch, in Betreff strittiger Güter und einer adeligen Burg zu Bensheim mit unterschreiben und besiege!» Hilst. Zm Jahre 1489 weißt Landgraf Wilhelm von Hessen an HanS v. Frankenstein, wegen seiner Hausfrau Amelie v. Nodenstein und deren Verzicht auf das Schloß Lißberg, einen jahrlichen Zins von 50 fl. an. Diese Amelie scheint eine Schwester des Hans zu seyn. 2) Georg zu Nodenstein, Teutsch- Ordensritter-Com- menthur zu Horneck 1531 und Frankfurth 1535 ch 13ten Oct. 1549. 3) Margarethe v. Nodenstein, Geistliche auf Marienberg bey Boppart ch 1520. Die Kinder des Hans und der Anna Vayerin v. Boppart, sind 1) Philipp v. Nodenstein,, geh. ,1510 -j- ledig. 2) Engelhard v. Nodenstein, geb. 1512 -j- Men März 1568 dessen erste Gemahlin war Felicitas Greifeuklau V. Vollraths, des Friedrich und der Anna Buches v. Staden Tochter, cop. 1534 ch 1556 ohne Kinder zu Dahlsheim; Zweite Gemahlin war Barbara v. Oberster», des Joh- Scyfrred und der Marg. Wil- chin v. Altzen Tochter, geb. 1542 cop. 1558 ch 29ßc» II Aug. 1613.3) Georg 1'. Rodeustein, geb. 4313 1563. Dessen Gemahlin war Anna v. Beimelberg, auch Boyneburg zu Lengfeld genannt, des Otto und der Anna Schelmin v. Bergen Tochter, -7 1565. 4) Hans v. Rodcnstein, geb. 1514 -7 1580 lcdig, machte 1572 ein Testament. 5) Conrad v. Rodeustein, geb. 1516 lcutscher Ordensritter. 6) Valentin v. Roden.' stein, kam zum teutschcn Orden. 7) Helene v. Rodenstein H ledig. 8) Barbara V. Rodcnstein heurathet Hieronymus Marschall v. Ostheim. 9) Walpurgis v. Rodenstein ledig. 10) Anna v. Rodenstein -7 ledig. 11) Dorothea v. Rodcnstein -z- im April 15Z6 deren Gemahl Philipp Florenz v. Venningen zu Küweiler, 1549 ohne Lei- bescrben. 12) Regina v. Rodenstein. 13) Kunigunde v. Rodcnstein. 14. Apollonia v. Rodeustein -s- ledig. — Von dem zweiten Sohne des Hans, von dem Engelhard v. Rodcnstein und der Barbara v. Oberstein stammen ab 1) Haus v. Rodeustein, geb. 1562 Churmainzischer Rath, Amtmann zu Höchst und Gernsheim -j- 5ten Sevt. 1624. Dessen erste Gemahlin war Anna Ulner v. Dieburg, des Phil, und der Marg. v. Heppenheim Tochter, eop. 17ten Zuly 1591 -s Ißren Ott. 1596. Dessen zweite Gemahlin war Zinna Magdalena v. Stein, ZLittwe, des Christian und der Marg. v. Nassau Tochter, cop. 1593 -z- Ilten Nov. 1618. 2) Philipp v. Rodcnstein, geb. 1564 war Domherr zu Speier und Worms, wurde als Bischof von Worms erwählt 1595 zu Speier am 2lsteu Marz 1604. 3) Margarethe v. Rodenstein, geb. 1566 ^ lcdig. 4) Agnes v. Rodcnstein, geb- 1? 1568 deren Gemahl Christoph Lehne v. Dirnistein, cop. 1594 -p 1617 — ^ Ferner stammen ab von dem dritten Sohne des Hans, von dem Georg v. Robenstein und der Anna 1) Anna v. Nodenstein, geb. 1542 henrathet am 23ste» Sept. 1563. Hans Conrad v. Helmstädc. Deren zweiter Gemahl war Valtin v. Derlichingen zu Dörzbach und Laibach. 2) Sibille v. Nodenstein, geb. 1543 -z- lcdig. 3) Philipp v. Nodenstein zu Grumbach, geb. 1544 henrathet 1566 Margarethe v. Habern, des Phil, und der Agnes v. Karßbsch Tochter, ^ ohne Leibeserben. Dessen zweite Gemahlin war Christine Schutzbar, genannt Milehliug, des Eberhard und der Anna v. Hattenbach Tochter. 4) Hans Helwig v. Nodenstein, geb. 1545 -p ledig. 5) Felicitas v. Nodenstein, geb. 1545 -z- 1604 cop. 1571 mit Wolf v. Bobenhausen zu Kleestadt. 6) Amalie v, Nodenstein, geb. 1547 -Z- ledig, 7) Hans Georg v, Nodenstein auf Lindenfels, geb. 1519 -p 1598. Dessen Gemahlin war Sibille v. Berlichingcn, des Velten und der Brig, b. Vehlberg Tochter. 8) Georg Otto v. Rodenstein zu Umstadt, geb- 1551 ^ 27ste» April 1593 cop. am 20sten Nov. 1573 mit Anna Helena v. Oberstein, des Hans Scpfried und der Margret Wilchin v. Altzen Tochter g- 1604. 9) Catharine v. Nodenstein, geb. 1553 cop. 1572 mit Ludwig zu Frankenstein, geb. 1544 und -s- Iten Jan. 1606. 10) Marie Jacobe v, Rodenstein, geb. 1555 heurathet am l4ten Oct. 1578. Jerg v. Bobenhausen -p 1607. 1l) Ursula v. Rodenstein, geb. 1556 -Z- Isten Nov. 1624 cop. 1588 mit HqnS Jerg v, Schgrfenstein zu Kütterich 1,'! -j- Iten April 1604. 13) Margarethe v. Rodensteiu, geb. 1558 -j- 1595. Deren Geinahl war Albrecht v. Berlichingcn zu Dörzbach und Laibach -p ebenfalls 1595. 13) Georg Balthasar v. Rodcnstein, geb. 1560 war Domherr zu Trier, Worms und Würzburg, resignirt 158Z und hcuralhet Magdalena v. Anlenbach, de« Conrad und der Anna v. Schaumberg Tochter. Nach deren Tod heurathet er 1613 Magdalena Koltwitz v. Aulenbach, des Joh. Lenh. und der Brig. v. Ernberg Tochter, blieb ohne Kinder- 14) Neginc v. Rodenstein, geb. 1561 -j- ledig. 15) Hans Heinrich v. Nodenfrein, geb. 1563 teutscher Ordensritter 1579. resignirt 1605 und heurathet 1607 Anna Dorothea v. Neip- perg, des Reinhard und der Sabine v. Jarsdorf Tochter. Von dem ersten Sohne des Engelhard, von dem Hans v. Nodenstei» »nd seiner ersten Gemahlin, der Anna Ulner v. Dieburg stammen ab 1) Philipp Engelhard v. Rodenstein, geb. 1593 ^ in demselben Jahre. 3) Hans Hermann v. Rodenstein, geb. 1594 -j- 1599. 3) Philipp v. Rodenstcin, geb. am 23sten May 1596. — Mit seiner zweiten Gemahlin, Anna Magdalena zeugte Hans. 4) Anna Cath. v. Rodenstcin, geb. am 30sten Nov. 1598. Deren Gemahl war Carl Rudolph Echters v. Mespelsbronn. Die Tochter dieser Anna Cath. war Maria Ottilia Echter. Deren Gemahl war Phil. Ludw. v. Ingelheim. Dessen Sohn war Franz Adolph Dietrich v. Ingelheim. 5) Anna Maria v. Rodenstein, geb. am Josten Zan. 1600 als Braut mir Adolph Friedrich v. Hunvldstein am 25stcn Febr. 1636. 6) Hans v. No- 14 dcnstein geb. 1691 ^ in einem Alter von sechs Wochen- 7) Maria Agnes v. Nodenstein, geb. am löten Aug. iMI henrathet 1629. Joh. Schwcichart v. Cronbcrg ^ 1635. Deren Sohn war Nikolaus v. Cronberg ch 1794. Von dem vierten Kinde des Engelhard, der Agnes v. Nodenstein stammen ab 1) Barbara Lehen v. Dirmstein. Deren Gemahl war N. Reichens v. Platsch. 2) Caspar Lehne v. Dirmstein. Von der ersten Tochter des Georg v. Rodcnstein, der Anna v. Nodenstein stammet ab: Anna Marg. v. Beriichingen. Deren Gemahl war Heinrich Conrad von Ellrichshau-' ^ ftn. Deren Kinder waren 1) Heinrich Valtin v. Elb richshauscn. Dessen Kinder waren Heinrich Wilh. v. Ellrichshansen cum sorore Anna Sybilla- 2) Hans Gg. v. Elirichshauscn. — — — Von . dein dritten Kinde des Georg v. Nodenstein, von dem Philipp stammen ab 1) Anna Cath. v. Nodenstein- Deren Gemahl war Eberhard v. Gemmingen zu Rappenau, eop. 1594 beide -p im Jahre Ikll. 2) Juliane v. Nodenstein. Deren Gemahl war Otto Hermann v. Buseck, genannt Brand, nupt. 1596. -p 1630. Desen Sohn, Job. Burkhard v. Buscck. Von der ersten Tochter des Philipp v. Rodenstein, von der Zinna Cath. stammen ab 1) Helene Cath. v. Gemmingen. Deren Gemahl war Joh. Bernhard v. Menzingen. Deren Kinder waren ») Anna Barbara, vermählte v. Stein, d) M. Magdalena, vermählte Schmittbevg. c) Ernst Friedrich v. Menningen. 2) Maria Margat rctha v. Gemmingen. Deren Gemahl war Philipp Ludw. v. Seckendorf. Deren Sohn und Tochter ZX« K, 15 3) Maria Christine v. Gemmmgen. Deren Gemahl war Adam v. Nessenberg. Deren Sohn Siegmund L»dw. v. Vestenberg. 4) Philipp v. Gemmingen, dessen Sohn war Eberhard v. Gemmingen 1676. Von dem siebenten Kinde des Georg v. Nodenstein, von dem Hans Jerg stammen ab 1) Hans Wolf v. Nodenstein, geb. 1579. -j- 1611 heurathet am 23. Nov. 1616 Marie Elisabeths v. Riebt, des Albrccht und der Susanne Walb. v. Praumheim, genannt Klettenberg Tochter. Diese heurathet später Wolf Werner von Wangen,- Herr zu Geroldseck. 2) Brigitte v. Nodenstein, gebt 1586 heurathet 16l5 Heinrich Reinhard v. Buseck und -j- 28. Juny 1629. Ihr Gemahl -z- am 28. Ort. 1638. Deren Kinder waren a) Hans Georg v. Buseck. I>) Dorothea Ursula Elisabeths. <-) 'Anselm Casimir und cl) Zinna Margaretha. 3) Anna Maria v. Rodenstein, geb. 1582 heurathet 1669 Veit Daniel P. Butzhausen. Deren Tochter war Anna Elisabeth« Burghausen. Deren Gemahl war IV. v. Göltz. 4) Philipp Albrecht v. Nodenstein, geb. 1583 -z- ledig. 5) Rosine v. Rodenstein, geb. 1585 heurathet 1617 Alexander Conrad v. Burghausen. 6) Otto Philipp v. Nodenstein, geb. 1586 -s- ledig. 7) Erkinger v. Nodenstein, geb. 1594 -j- ledig. Von dem achten Kinde des Georg v. Nodenstein, von dem Georg Otto und der Anna Helena stammen ab 1) Hans Philipp v. Rodenstein, geb. 1574 Churmainzischer Marschall und Amtmann zu Gernsheim -Z- 29. Juny 1622. 2) Anna Helena v. Rodenstein. Deren Gemahl war Philipp Wolfgang v. Jechenbach, ein Wittwer. nuxt- 1664. Ist. Deren Kinder waren ») Cath. v. Fechenbach. Deren Gemahl war Wolf Wilh. ». Dettendorf. Deren Kind Helene Cath. ?. Bettendorf. Deren Gemahl Joh. Philipp v. Bettendorf. 6) Dorothea v. Fechenbach. Deren Gemahl war Hans Bernhard Vicker, Obrist- licut. o) Anna Marg. v. Fechenbach. Deren Gemahl war Wolf Christoph Caper ». Oedt, genannt Bautz. 6) A. Helene p. Fechenbach. Deren Gemahl war N, v. Bullen, e) Anna Elisabeths v. Fechenbach. Deren Gemahl war Georg Friedrich v. Rodenstein -j- 1671. (Der letzte Nodensieiner männlicher Linie) Z) Wolf Ludwig v. Rvdcnstein, heurathet 1607 Anna Sidonia zum Jungen, des NazariuS und der Anna Knebelin v. Katzenelnbogen Tochter. Deren Kinder waren Gg. Otto und PH. Gg. v. Rodenstein. 4) Anna Cath. v. Ro- densteiu, heurathet 1608 Wolf Philipp Hund v. Saulheim 'p den 17. Aug. 1622. Deren Kind R. Hundin v. Saulheim. 5) Georg Ernst v. Rodenstein -j- in Ungarn. 6) Agnes Maria d. Rvdcnstein, Geistliche zu St. Clären zu Speyer. 7) Georg Anton v. Rodenstein war Domherr zu Mainz, Worms und Speyer 1609 Domprobst zu Mainz und Bischof zu Worms 1623. 8) Barbara Maria v. Rvdcnstein -j- ledig. 9) Elisabeth« v. Robenstein -s ledig. 10) Anna Wald- pnrgis v. Rodenstein heurathet 1615 Johann Christoph Hund v. Saulheim. Deren Sohn Joh. Adolph Hund v. Saulheim, Obrist und Commandant zu Königstein. — . Von dem zwölften Kinde des Georg v. Roden stein, der Margarethe v. Rodenstein stammen ab 1) Susanna v. Berlichingen. Deren Gemahl war 17 Joh. Burkhard Nawen v. Holzhausen. Deren Sohn Zeh. Adam Nawen. 2) Joh. Conrad v. Verlichingen. — Von dem dreizehnten Kinde des Georg v. Rodeustein, von dem Georg Balthasar stammen ab 1) Christoph Conrad v. Nodcnstein geb. 1584 -j- 1587. 2) Friedrich Neid Harb v. Rodcnstein, geb. am 24ten März 1586 heurathet 1694 Zfnna Maria Knebelin v. Katzenelnbogen, des Dieter und der Marz, v. WaldmannShausen Tochter. Deren Kinder u) Hans Rudolph v. Rodenstein K) Anna Bibiana v. Rodenstein. Deren Gemahl war Joh. Joachim Ganzke zu Godau. Deren Kind Agnes Maria, vermählte v. Haxthausen. 3) Hans Engelhard v. Rodsnstejn geb. und 1587. 4) Wolf Ernst v. Nodenstein, geb. 16ten Apr. 1590 heur. 1616 Cath. v. Carbcn, des Quirin und der Cath. v. Eberstein Tochter, Wittwe des Ulrich v. Cronberg. 5) Philipp Georg v. Rodeustein, geb. am 28tcn Sept. 1592. Dessen Gemahlin war Anna Felicitas Schelmin v. Bergen, des Joh. Andreas und der Cath. v. Rosenbach Tochter. Deren Kind war Georg Friedrich v. Rodenstein, geb. 1633 -j- 1671 fitmilms nliimns. Dessen Gemahlin war Marie Elisabeths v. Fechenbach, des Philipp Wolf und der Anne Helene v. Rodeustein Tochter. 6) Philipp Wolf Albrecht v. Rsdenstein, geb. 1594 -j- 1595. —»» Von dem fünfzehnten Kinde des Georg v. Rodenstein, von dem Hans Heinrich stammen ab 1) Anna Sabina v. Rodeustein geb. und -p 1609. 2) Adam v. Rodeustein, geb. 1611 -p zu Mosbach an der Pest. 3) Hans Henrich v. Rodeustein geb. 1612 -p 1621. 4) Jo, 2 15 Hanna Maria Eva v. Nodenstein, geb. 1616. Deren erster Gemahl war Hans Ludwig v. Seebach. Deren Kinder u) Sophie Elisabcthc Clara v. Seebach. 1H Hans Georg v. Sccbach. Dieselbe hcurathct 1653 ihren zweiten Gemahl Henrich Ludwig v- Bobenhausen, geb. am 25tcn März 1626. Deren Kinder ->) HansHeinr. v- Bobenhausen. 6) Gg. Ludwig v. Bobenhausen, geb. 28ten Juni 1657. Die Burg Nodenstein und andere Besitzungen dieser Familie. Wer die Burg Nodenstein erbauet hat, wann ste erbauet und wie lange sie bewohnt wurde, konnte aus Mangel an Urkunden bis jetzt nicht ausgemittelt werden. Es ist jedoch anzunehmen, daß sie zur Zeit des Marschalls von Nodenstein bereits gestanden habe. Soviel ist wenigstens gewiß, daß sie schon im Jahre 1316 zu r/, verpfändet worden ist. Viel. Urk. Nr. I. Die noch stehenden Reste der Burg, wie ich sie im Jahre 1821 angetroffen habe, lassen sich füglich in drey, hintereinander stehende Abteilungen bringen. Die erste Abtheilung bildet nähmlich die Einfahrt in die Burg, von der Ostseite. Sie besteht aus einem viereckigen, thurmartigcn Gebäude, mit vielem Mauerwerk. Die Kanten sind mit rothcn Sandsteinen ausgemauert. Im Innern dieses Thciles befindet sich das sogenannte Burgverlies, welches man von oben herab, da von der Seite ein Tagloch gebrochen ist, genau be- U9 trachten kann. Dieser thurmartige Eingang bildet eine gewölbte Thorhallc, unter welcher rechts, beim Hinein.' gehen, eine ziemlich große Nische befindlich ist, worin wahrscheinlich früher ein Crucifix, oder, was späterhin gebräuchlicher war, irgend ein Schutzheiligenbild gestanden haben mag. An der äußeren Wand, vor dem Thore, finden sich noch Spuren von Weißbinderarbeit. Es ist nähm- lich auf weißem Grunde eine Bordüre mit zwei parallele laufenden schmalen schwarzen Streifen gezogen. Im Innern dieser Bordüre, lauft in weißem Grunde ein eben solch schwarzer Streif zic? zack so, daß sich lauter kleine Dreiecke bilden. Ein sehr einfacher Schmuck, wie man ihn nicht selten an den geringsten Bauernhäusern antrifft. Die zweite Abtheilung dürfte wohl der noch zum Theil stehende mittlere Bau ausmachen. Er besteht nebst vielem, schon in Trümmern daliegenden Mauerwerke, aus einer noch ziemlich hohen Mauer, welche an den Kanten geründcc ist. Hier scheint der Rittersaal gewesen zu sey». Unter diejem Mauerwerke befindet sich ein großes Kellergewölbe, welches aber größtentheils verschüttet ist. Ueberhaupt hat die Burg viele Gewölbe, die aber zum Theil noch nicht eröffnet sind. Zur dritten Abtheilung rechnen wir den Mühlenbau. Es ist ein viereckiges tyurmartiges Gebäude. Hier hatten die Rodensteiner ihr Mahlwerk. Dieser Theil der Burg ist noch am besten erhalten, und es A> ist Projekt, ihn soviel möglich wieder herzustellen und mit einer Treppe von aussen zu versehen. Obgleich die oberen Stockwerke fehlen, so ist doch die Halle, worin das Mühlwerk ging, welches im Jahre 1824 der Erde gleich, ausgefüllt worden ist, noch 'von allen Seiten zugebaut. Diese Mühle trieb ein, in jenen Zeiten von dem höheren Gebirge der großen Rodensteiner Mark herunter kommender Bach, der sich in neuern Zeiten einen andern Weg gebahnet hat, nun durch das Eber- bacher Thal fließt und sich unweit Reichelsheim in die Gersprenz ergießt. Im Rodensteiner Schloßhof befand sich auch ein Brunnen, der aber jetzt beinahe verschüt- ket ist. Die Burg Rodenstein gehört zwar nicht zu den größten der tcutschen Bergvesten, dessen ungeachtet aber ist ihr Umfang nicht unbedeutend. Aus den vorhandenen Maucrrestcn sieht man, daß sie mit einer bedeutenden Zwingermauer und Thürinen versehen war. Die Terrassen vor. dem Schlosse sind gegenwärtig, so viel nöthig von dem wilden Gehölze gesäubert, auf englische Art angelegt und mit Tischen und Banken versehen worden. Die Aussicht von da aus, in die Gegend nach dem Reichenberge und nach Reichelsheim hin, ist um so überraschender, als man vorher in eine der wildesten Berggegenden sich versetzt glaubte- Das Auge weidet sich an dem schönen und fruchtbaren Eberbachcr Thale, in welchem das Dörfchen gleichen Namens, in zerstreuten Wohnungen, friedlich hinunter ziel/t und begüterte' Einwohner zählt. Seit wann das Schloß Rodenstein nicht mehr be? wohnt wird mnd warum , ist zwar ungewiß, indessen scheint doch ans so manchem hervorzugehen, daß es eingewaltsame Zerstörung möge Erlitten haben. Man fim det z- B. in den Trümmern der Burg noch Gegenstände,, die man, wenigstens die meisten derselben, bei einem ruhigen Abzüge und anderweitem Etablissement nicht würde zurückgelassen haben. So fand man im Jahre 18O3 in den Trümmern zwei sehr große eiserne Gewichte mit daran befindlichen Ringen, die ich selbst gesehen habe, und wovon das eine ganz rund und das andere unten platt ist; ebenso fand man ganz gut erhaltene Ofenplatten. Unter den vorgefundenen geringeren Gegenständen waren -Hufeisen, Messer, Stücke von Pfecdegebiß, ein Blech, worauf das v. Rodensteinsche Wappen sehr schön gemalt war, weiße erdene Pfeissen mit krummen Röhren, wie ein lateinisches L gebogen u. dgl. mehr. Ferner fand man im Jahre 1822 drei eiserne Pfeile, das Fnßgestcll von einem Humpen, ein metallenes Bändchen, wahrscheinlich von einem Buch, ein Stück Kette, einen Ring und verschiedenes Eisenwerk. Im Jahre 1824 wurden aber/ mals zwei eiserne Pfeile gefunden. Die Freyherren v. Gemmingen, welche für alles Schöne und Erhabene schon so vielen Sinn gezeigt haben, werden auch hier zur Erhaltung der ehrwürdigen Reste dieses Schlosses und zwar aus mehrfachen Gründen, das Nöthige zu verfügen, gewiß nicht unterlasse!». Weitere Nachforschungen im Innern des Schlosses dürften nicht unbelohnt bleiben. Beim Dnrchgraben im Burghofe fand sich unter andern ein großer, viereckiger, steinerner Brunnentrog, der nun in dem Hofe des, am Fuße des Schloßberges gelegenen Meicrhofes aufgestellt ist. An diesem Troge stehen folgende lateinische Buchstaben eingehauen: II. II. V. V. k. -V v. V. k. <1 V. K. mit dem Rodensteinschen und Neippergschen Wappen und der Jahrzahl 1608. Wenn man die Dechifferirung dieser Buchstaben in Rücksicht auf die Wappen, unternehmen wollte; so dürfte deren Inhalt folgender seyn: Hans. Iloioiiolt. Von. Vnh. Tu. Hockenstoin. ^una. Ooiotliss. Von. Hohenstein. (ledoone. Von. FeippenA. Hieraus geht mit Gewißheit hervor, daß diese Burg vor 200 Jahren — und vielleicht noch längere Zeit nachher, bewohnt wurde. Ein anderer in der Ruine aufgefundener Sandstein, hat die Jahrzahl 1539. Er ist nun über der Hauschüre der Pachterwvhnung eingemauert, Dieß ist ungefähr das Bcmerkenswerthe, was sich von der Ruine Rodenstein dermalen noch sagen läßt. Der Zahn der Zeit wird mit jedem Tage mehr daran nagen und darum habe ich diese topographische Skizze, von dem ehrwürdigen Reste, aus reutscher Nitterzeic hier entworfen. Doch will ich auch noch des sogenannten Lindengartens gedenken, weicher zur Einfticdigung der Burg gehört und schon zu der Rodensteiner Herren Zeit so hieß, Linden sind zwar kerne mehr vorhanden, aber Bohnen und anderes Küchcngepflänze ziert dieses» dem Eintretenden zur Linken liegende, zum Thcil noch mit Mauer umgebene Gartchen. Ausserhalb der Burg finden sich auch noch manche Merkmale, die von den Mannern zeugen, welche einfi hier hauseten. Ungefähr 3 Minuten von der Ruine, auf dem Wege nach Fränkisch-Crumbach hin, steht linker Hand am Wege eine uralte dicke Eiche, unter deren starkem Wurzelwcrke sich ein 3 Fuß tiefer, viereckiger Brunnen befindet. Die Tradition sagt, daß hier die Kinder der Nodensteincr getauft worden seyen. Diese zwar noch grünende Eiche wird von einer nahe dabei stehenden Buche schwesterlich in die Arme geschlossen, ohne welche sie wahrscheinlich schon längst der Vergangenheit gesunken wäre. Weiter gen Fränkisch-Crumbach hin, ungefähr 15 Minuten von der Burg entfernt, links im Walde ist der Platz, wo die Rodensteiner das Marker-Gericht zu halten pflegten. Auch finden sich in der Gegend um das Schloß herum Plätze, die man heute noch den großen und kleinen Burgfriede» zu nennen pflegt, welcher in den Rittcrzeiten genau bestimmt war. Auf der sogenannten Rodensteiner Höste, von Fränkisch - Crumbach herkommend, von" wo aus man die alte Burg zuerst gewahr wird/liegt dem Reisenden zur Linken ein, mit einzelncissEichen bewachsener Berg, der Wingertsbcrg genannt. Hier hatten die Nodensteincr Weinpflanzungen. In der Hälfte de? Ifiten Jahrhunderts theilten die Gebrüder Rodenstein bei Gelegenheit ihren Wein, wobei bemerkt wird, daß es zur Hälfte Umsiädter und zur Hälfte Rodensteiner Gewächs sey. Wer das Schloß Ikodenstcin besucht, der lasse sich von dem dortigen Waldschützcn den, gleich hinter dem Schloßbergc, im Walde befindlichen Wasserfall zeigen, den ein Waldbach hier verursacht. Nicht weit davon befindet sich der sogenannte Wiideweibchesstein. Man sieht ihn auf halbem Wege in dem Thale, wenn man links von dem Rodenftein ab, nach dem Rodcnsteincr Jagerhause und nach der Laudenauer Freiheit hingehet, rechts an einer, mit jungen Buchen bewachsenen Bergwand hervorragen. Unter diesem ungeheuren Felsen befindet sich eine Höhle, in welcher sich vor etwas über 100 Jahren ein Paar wilder Menschen aufgehalten hat. Die Eltern jetzt noch lebender, alter Einwohner dieser Gegend, konnten sich derselben noch wohl erinnern. Der Mann davon verschwand auf einmal, wahrscheinlich ist er in seiner Höhle gestorben; das Weib, welches noch einige Zeit nachher lebte, näherte sich öfter bis auf eine kleine Strecke den Feldarbcitern und schien am zahmsten van beiden zu sinn. Diesen Weg weiter verfolgend, gelangt man nach Laudenau und Winterkasten. Pittoreske Ansichten ergötzen das Auge zur Linken in die romantischen odenwalder Thaler. Einen Büchsenschuß rechts bei Winterkasten befindet sich der sogenannte Ranpenstein, eins steile, kahle Mit Granitblöcken übersKete Bergkupve, von welcher man die herrlichste Aussicht in die Rheingegenden nach dem Donnersberge », s. w. hin genießt. Besonders wird man von der Nähe des Felsbergs, ^es Melihokus und des Auerbach?!' Schlosses angenehm überrascht. Von sscr ist die Communication mit dem Neichenbachcr Thale; wo sich das gigantische Felsenmeer und nahe dabei die so berühmte Riesensäule befindet, leicht anzu.' knüpfen. In Winterkasten lasse man sich bei Wirth Kriechbaum, ein Glas Mossau er Bier reichen, ein köstlicher Labetrank in heißen Sommertagen. Gerührte Eier, Speck und Eier, Pfannenkuchen, eine herrliche Süßmilchsuppe :c. sind bei der Reinlichkeit in diesem Hause, besonders zu empfehlen. Obgleich Bacchus hier seinen Thron nicht aufgeschlagen hat; so kann man doch dem Reisenden den Genuß eines Glases Bergsträßer Weins, welcher nicht uneben ist, wohl anrathen. Ich habe den reisenden Freund geführt, gespeiset und getränkt. Er wird mir nun auch erlauben, daß ich nach dieser E.rcursion den Faden der Geschichte wieder auffasse. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hat sich eine Linie der Herren v. Nodenstein, in dem Dorfe Fränkisch-Crumbach angebauet. Philipp, Herr zu Nodenstein erbaute nähmlich im Jahre 1572 nächst der Fränkisch-Crumbacher Kirche, ein großes zweistöckiges Haus, mit einem von beiden Seiten spitz zulaufenden Dache, welches zwei übereinander befindliche Speicher in sich schließt. An der Westseite des Hauses ist in eine verzierte Saudsteinplatte das v. Rodensteinsche und v. Haberschc Wappen ausgehauen. Rechts unter dem Rvdensteinschsn A; Wappen steht: Ldiüxxus I-U Lodsnstein und links unter dem Haderschen Wappen: Margareta v. Loden- stein, gedarne V. Hadern. Zwischen beiden Wappen- schildcn steht die Jahrzahl 1574. Ueber dem Wappen befindet sich folgende, durch die Tüncher beinahe ganz zugeschmierte Inn sehr ist, welche man daher nicht anders, als durch Hinansteigen mit Leitern, lesen kann, sie lautet, wenn ich anders die Schrift richtig gelesen habe, wie folgt: Ina dar (ldristi Ledlirt als man lausend tunk Hundert sisdenLg und xwei ?ädlt diesen Lau tisng an seines lXamens Ldilixxus iu Lodenstvin adlied Ltammenz ine^n edlied Lemädl so ied dett von Ladern gedorne dies lVIargretd von Partien alldis der Lottesgaden dured der Lre^kaitigdeit Lnaden, An der Nordseite dieses Gebäudes, steht über dem Haupteingange folgende Inschrift: IVir wissen ader, so unser irdisedss Laus dieser Lütten ?udroeden wird, dass wir einen Lau daden von Lott srdaust, ein Laus nient mit Länden gsmaedt, das ewig ist im Limmel. lind üder demseldigen sedusn wir uns aued naed unserer Ledausung, die vom Lim- med ist, und uns verlanget, dass wir damit üder- kleidet werden. 2 tlor, 5 (lax. 1. 2, V. Ueber dieser Inschrift steht das Wappen der von der Reck zur Horst, mit der Umschrift: N»r. Lorotdsa vsrwitt- weis L. skrk)'-) Lrau von Lammingen (Lemmingen) gedorns von der Leek ^ur Lorst. Es versteht sich von selbst, daß diese letztere In - und Umschrift, sammt Wappen, erst in neuern Zeiten daselbst angebracht worden sind. Zu diesem Gebäude befindet sich auch ein großer viereckiger Ofen, welchen die' Herren von Rodensicin haben giessen lassen, mit vielen Dibelstellen versehen und die betreffenden Abbildungen dabei, mit der Jahrzahl 1585.^ Ein ähnlicher, wohl noch größerer Ofen, mit dem v. Nodensteinschen und v. Haderschen Wappen, der Inschrift: IMilippus V. Koclenstei» und blai'AU- letliu V. Hadern und der Jahrzahl 1573 stand ebenfalls in diesem Gebäude, wurde aber in die, am Fuße des Nodensteiner Schloßberges gelegene Pächterwohnung versetzt, — dieser Ofen wurde auf Ansuchen des, nun verstorbenen Herrn Grafen v. Erbach, von der ebenfalls im Dcc. 1822 verstorbenen Freifrau Dorothea v. Gcm- mingen, dem Herrn Grafen im Spätjahr 1823 überlassen, und von da nach Erbach überbracht. In der Kirche zu Fränkisch - Crumbach befindet sich das Erbbegräbnis der Herren v. Nodenstein. Die ältesten der steinernen Epitaphe liegen und sind so ausgetreten und vom Steinfraßc verzehrt, daß sie nicht mehr gelesen werden können. Die stehenden sind alle aus dem 13. Jahrhundert. Mehrere der Ritter stehen in Lebensgröße, geharnischt, an rslleb in Stein ausgehauen und sind vorzüglich gearbeitet. Einer davon hat auf jeder Seite eine Dame stehen. Die Tradition versichert, daß dieser Rodensieincr auf einem Zuge nach dem gelobten Lande sich mit einer Griechin verheurather habe, in der Meinung, daß seine kränkliche Frau, von der er auch lange nichts gehört hatte, bereits todt seyn -müsse — welches aber keineswegs der Fall war. Bei seiner Rückkunft lief indessen die Sache besser ab, als -man halte glauben sollen. Beide Gemahlinnen lebten und vertrugen sich schwesterlich miteinander. Ein anderer alter Ritter, mit abgezehrtem Gesichte und einer Adlernase blickt gespensterartig unter seinem weiten Helm hervor. Er ist bis an die Brust mit einem Kirchstuhle verdeckt, mit der Umschrift- ^no I)mi. NOOOOO.XXVI, — 2n Ilona stark d«r edel .luiioker Hans Heinrick v. kodenstein I des sele (tat Anadiz und Karin- Ker-ÜA sev. Verkäufe, Verpfändungen und Vererbungen der v. Rodensieinschen Güter. In den Jahren 1346 und 1347 verpfänden Henrich und Erkinger v. Rodenstein «n Graf Wilhelm v. Katzenelnbogen mit ihrem ganzen Recht und Eigenthum an den Dörfern Neunkirchen, Lützelbach, Steinau, Brandau und dem Zehnten zu Neutsch, Alle diese Besitzungen sammt dem zugehörigen, zum vormaligen Frankischen Ritter-Canton Odenwald gerechneten, Dorfe Frankisch-Crumbach, lagen innerhalb der Grenzen des vormaligen Amtes Lichtenberg und der Grafschaft Er- *) Dieser Hans Heinrich wird in der Gencalogie der Herren v. Rodenstein vermißt. bach. Ausserdem befassen die Herren v. Rsdenstein noch einige Katzenelnbogische und Hessische Lehen im Amte Umstadt und anderen Orten ") und waren im 14. Jahrhundert durä) Heurath zu einem Antheil an der kleinen Herrschast Lisberg (Liebesberg) gekommen. Auch Schenck Conrad Rauch v. Erbach kaufte dem vorgedachten Henrich v. Rodenstein ein Achttheil an der Burg ab, ver- ^ glich sich aber mit Graf Wilhelm II- dahin, daß er es von ihm zu Lehen nahm, und ohne sein Wissen und Willen weder zu veräußern, noch zu verpfänden versprach. Die Katzenelnbogische Pfandschast ist nie wieder abgelößt worden. Pfalzgraf Philipp suchte zwar 1493 zwischen Landgraf Wilhelm dem Mittleren und den Herren v. Rodenstein einen Vergleich zu vermitteln, nach Welchem der erstere der Pfandschaft entsagte, und die letztern ihr Schloß von ihm zu Mannlehen nahmen: er ist aber, besonders in Ansehung der zugleich auf gewisse Districte bestimmten Jagdgerechtigkeit der Noden- stcincr, nie zur Kraft gekommen. Der MannSstamm erlosch im Jahre 1671 mit Georg Friedrich v. Rodenstein und die uoch übrigen Güter dieser Familie kamen durch Heurath und Kauf von einem adeligen Geschlecht H Diese Lehen bestanden in einem großen Wiesenstück am Forst Umstadt, den Rohrwissen an der Gersprenz, einem Hof zu Habitzheim, genannt Anrichtsrshos, mit Landsicdelgericht und andern Gefällen :c. Sie kamen nach Abgang des Rodensteinschen Mannsstamms nach und. nach durch Erbschaft und Kauf auf die v. Haxthausen, Dodenhausen, Pretlack u. s. w. 3O zum andern. Die Besitzungen und EigenthumSreclue der Herren v. Rodenstein waren sehr beträchtlich. Ausser der früher besessenen Herrschaft Asberg, welche durch die Heurath Heinrichs v. Rodenstein mit Agnes der Tochter Wernhers v. Licbesberg an die Herren v. Ro- denstein kam, befassen sie Rodenstein die Burg, die Dörfer Neunkirchen, Lützelbach, Steinau, Brandau, Fränkisch-Crumbach, Dierbach, Eberbach, Erlau, Güttersbach, Aichelbach, die Laudenauer Freiheit (ein Weiler) Rimhorn, Winrerkasieu, Klcingumpcn, Pfasscn- beerfurt, welches sie in jenen Zeiten nach Heidelberg, dem Stift zum heiligen Geiste schenkten, doch hatte Erbach die Ccntobrigkeit daselbst, Laudenbach am Main :c. ferner den Zehnten zu Neutsch, sowie Güter und Gefälle zn Umstadt, Habitzheim, Klingen, Lengfeld, Semd, in Neustadt besaßen die Herren v. Rodenstein cincn Hof, über dessen Hofthor sich das Nodensteinsche Wappen befand. Ob es noch vorhanden ist, vermag ich nicht anzugeben. Babenhausen, Trcnufurt, Schwanheim am Rhein, BcnSheim und andern Orten. Die Güter zu Bensheim kamen nach dem Absterben Georg Friedrichs v. Rodenstein im Jahre ll671 an die Familie von Ucberbruck, die sich seitdem Ueberbruck v. Rodenstein nennt. Die übrigen Besitzungen aber kamen so nach und nach, wie schon oben berührt, an die befreundeten Familien v- Gemmingen, Pretlack, Fcchenbach, Haxthausen, Bobenhausen u. a. m. Die Freiherren v. Pretlack verkauften in den Jahren 18V2 und 1803 ihren Antheil an der Herrschaft Fränkisch-Crumbach, bis auf einige kleine Besitzungen, a» die Freiherrliche Familie v. Gemmingen um 98000 fl. Einige Jahre darnach kam diese Herrschaft unter Grostherzoglich Heft fische Hoheit. U rkunden, zum T heil auch Extr acte derselben. l. 13W den l. November. In Gottes Namen Amen. Ich Henrich Herr zu Nodenstein, und Agnes mpn eliche Hußfrau, und alle unser Erben thun kunt allen Luden, die diesen Briff sehin oder hören lesen, das wir eyntrechtiglichcn und mit sampter Hand han verkauft unserm lieben gncdigen Hern Grave» Wilhelm v. Katzenelnbogen und sinen Erben cyn Vierteil an dem Huße zu Rodenstein, inwendig an der Burg, und ustwendig an dem Borhoife, und eyn Garten zue bewisen an myne Teil, und den Weg gemeyne uf und zm riden und zu farne, und den Walt das sestcnteill zm inynem Halbcnteill zm allen Rotzen, wie sie geheisscn sint, und alles das ich han zm Lützeln- bach, und zm Branda, ersucht und unersucht, Gut, Ziehinden, Gerichte und Dorff, in Felde, Wasser und Weide, und wie man es nenet, Recht und Unrecht, zm glicher Wiste als es min Altfordern an mich hant bracht, umb sechshundert Pfunt Heller, die er mich gewerit hat gar und gentzlich, und in mynen Notz ge- want hau. Und dieser Kaufs ist geschcen mit Willen und mit Verhcngnis myner Brüder Erkingers und Rudolpsss :c. (hier folgt die gewöhnliche Formel wegen Beobachtung des Burgfriedens :c.) Zu einer mcren Stedigkcit han ich Henrich von Nodeustein vorgenant myn Jngcsiegcl gehangen an diesen Briest, und han gebeten Erkinger myn Bruder, und Bechtolt myn Schwager Hern zu Licbsperg, und die Edeln Knechte Dicmar von Roirbach, und Diemar von Zliebach., das die diesen Briest mit myr besiegeln der gegeben wart, da man zailte von Christus Geburt dryzehinhondere und sechs und viertzig Iare, uf Allerheilgen Abint. II. ,7,47 den 37. Februar. In diesem Jahre, Feria quarta proyima pvst diem Mathie Apostoli (37. Febr.) verkauft Erkinger Herr zu Rodenstcin wicderlöslich an Graf Wilhelm von Katzin- einbogen ein Viertheil an dem Hause Rsdenstein, das fein Theil halb ist, und alles was er hat zu Branda, zu Nuwenkirchen, und zu Steina, wie auch fem Theil an dem Zehenden zu Nytz — mit Willen und Verhängnis, seiner Brüder Heinrichs und Rudolphs. k - ' ^ , III. 1243. den 37. März. v c h e n s r e v c r s. Ich Conrait Schenke, Schenk Nouchis seligen Son von Erpach, veriehen offenlich an disem Briefe uyd dun kunt allen Luden, die in siheut oder horent lesen, daz ich alselich Achtheil Husis, als ich kaust han>umb Heinrich Heren zu Rodisiein, minem Neben, an dem Huse zue Rodisiein, daz ich dasselbe Theil zue Lehen han von dem edeln Manne und mimen Heren Greff Wilhelm von Katzinelenbogen, und sal ich und mine Erben sin und siner Erben Man sin und vcrliben. Auch han l ich verlobt dem vorgeuant Minen Herrn Greff Wilhelm, ob mir ze Mute wurde, daz vorgenant min Deil Hilsts ze verkeuffen oder ze versetzen,' daz ich,daz in keine Wis dun ensal, ich enhan iz von irsi an in getragen, und wil er, daran verliben, so sal ich iz ime baz guttuen dan einen andern: wil er aber nyt daran, so sal er mich min — damide lassen schaffen, und wenn ich iz danne furters verkaufte oder versetzete, der sal des forgenant mins Heren und siner Erben Man sin dar- von, glicher Wis als ich und Heinrich von Nodsnsiein min Nefe egenant für waz. Me geloben ich in den Burgfrieden zue Robensiem, und alle die. Anickcl und Puntte vcsie und siede, zu Halden, die in dem Briefe sient, die. der versprochen mine Here Greff Wilhelm, und Heinrich egenant, und auch Erkenger sin Bruder, unter einander geben und gemacher, alle Argelisi uz- bescheiden. Des zur Urkunde so hau ich uii» Jngessgcl gehangen an Visen Brief. Datum Anno Domini kl.LLL.XI.V1II, Feria tertia post Annunciationem Beate Marie Virginis. IV. 1ZS6 den 31. Marz. In diesem Jahre, Feria quinta ante Ambrosii diem Episcopi (31 Marz) verspricht Heinrich Herr zu Rodenstein, und Agnes seine eheliche Hausfrau, an Graf Wilhelm von Katzenelnbogen dreißig Pfund Heller zu zahlen, im Fall er an der Burg Rodenstein bauen wolle. In eben dem Jahre 1356. ipso die sancti Petri ad Vincula (1. Aug.) beurkunden Henrich Herr zu Ravenstein und dessen eheliche Hausfrau Agnes, daß ihnen Graf Wikhelm von Katzenelnbogen auf ihren ihm bereits versetzten Antheil am Schloß Rodenstcin noch weiter dreyhundert und vierzig Pfund Heller vorgeschossen. V. 13S2. Johann Herr zu Rodenstein und Gretha seine eheliche Hausfrau bekennen, daß ihnen Friedrich Herr zu LiSberg, und dessen Hausfrau Metza, einen. Theil an ihrem Schloß Lisbcrg, namentlich das Haus in der in- nerii Burg, das vormals Engelberten sei.- ihrem Vetter lind Schwager zugestanden, um l(XX> Gulden wiedeclöst lich Verkaust habe. lVIOLOXOII. VI» 1392. Johann Herr zu Ravenstein bekennt, daß er mit Friedrich Herrn zu Lisberg seinem Oheim, und Mezze dessen Hausfrau, einen Burgfrieden zu Lisberg errichtet. Im Fall sich ihre Diener, sie waren edel oder unedel, auf bemcldetem Schloß entzweiten, so soll erwähnter Herr Friedrich zwei) von seinen Burgmannen zu Entscheidung der Sache bestellen, und wenn diese den Zwist nicht entscheiden können, soll sie Friedrich von Lisberg selbst verhören und schlichten, el^ NOOOXOll« vrsstivo put'ilio, IVlaris, VIl, 1394. Leynsrevers, Ich Schenke Johann Here zu Erpach bekenne' Mic h uf feNtlichen mit diesem Brieffe, daz ich von deme edeln mpme lieben Hern, Graste Eberhard Grasten zu K'atziNelinboge, zu Manlehn hart enphangen eyn Beil in deme Huse zn Rodenstein in alle der Maße, als den Myn Vacher selige, Schenke Conradt der elter Here von Ecpach, von myM Heren Graste Wilhelm seligen, sime Bruder, und von »m bisher gehaibt han, und sollen ich und myne LchenSerben soliche Deil von vm, und sinen Erben, zu Mannlehen haben also lange, bis derselbe Deil, den ich yntzinnt in Panntschasste wegen also ynne han geloifie wird, nach Ußwisunge solicher Brieffe, die über dieselbe Pantschaffte sint geben vcrsie- ! gelt, und wanne derselbe Deil von mir, oder mynen s Erben, also geloist wird, so füllen ich, oder myne Lehenserben deme egenannt myme Heren, odir sinen Erben, davon nit me verbunden sin, und auch solicher Eide und Gioibde ledig sin, alle Argelift und Geuerde ußgescheiden. Urkunde dys Briefs mit myme anhcn- qcnde Jngeß versiegelt. Dutuin Xnnc, Oornlni <3 L (l nnnuZesimo i^uurto in kizüto chti Lurtlrolome:! VI II. 1413. .In diesem Jahre verpfändet Hermann von No- dcnstein das Dorf Neunkirchen um 200 fl. an Pfalz. Dolnvr in Xclelit, uel Iiistor. I?i>Iut. p. 81 IX. 1416. den 30 Juny. Der Grafen Johann und Gottfried v. Ziegenhain Circularschreiben an benannte Adelige », Städte, ihre ' Streitigkeiten mit Hermann von Rodenstein um das Schloß Lisbcrg btr. ,— Den strengen vnd festen Hern Gcrlache, Hern Johanne, Hern Gerlache Rittern, Arnolde vnd Gerlache von Breydenbach, Hern Wygande Rittern, Crasste, Godefryde vnd Craffte von Hatzfelt, Hern Johann Nyt- ter, Curde, Volprachte, Heydcnreich, Ebirhart vnd Ebirhart vnd Lodewigc Schengken zu Schweinßberg, den Ersa- men vnd wisen Luden Bürgermeistern, Scheffin vnd Nabe zu Martpurgh, Wetter, Ammclpurg vnd zur Nmvenstad intpyden «vir Johann vnd Gotfried Grafen zu Ziegenhain vnd zu Nidde Gebrudere vnsern fruntiichin Grus, lieben besundern Frunde, vnd laßen uch wissen, das mir Ließberg das Sloß, das vnser vfferstorben Eygentum ist, gewonnen vnd inne hau von den Gnaden Gotis, darzu vns vmb viel Vnwillens vns vnd den vnsern da- ruß vnd Widder darin» gesehen ist, brachte Haid vnd wir vor Jaren vnd Dagen darvmb zu Furderungen vnd Mannungen komme» sin mit Hermann von Rodensteyn, der vns reddeiichs Bffrrags nicht gefolgen aber des zu Ende komm wulte, vnd had vns dasselbe Slois mit Zugehorde mit vnrechter Gewalt vorbehalten; So had derselbe Hermann von Rodenstein, der dazselbe Sloiß gehabyt Haid, bynnen solichen Furderungen von vns an En getan, Eyns teils an andere Hende verphcndt vnd bracht ane vnsern Willen, derselbe Vorphender eyns teils vnß Finde worden sint, vnd vnö vnd die vnßen daruß vnd darin» Widder Recht bcschediget mit Brande vnd Roube', vnd auch ust des 38 Heilgen Richs Strassen swerliche Zugrysse und Roub ge- tan hant alsdann wol knntlich ist, das vns dach groi- plichen Widder vnd leyd ist. Jr moget wal pruben, das vns zu viel kortz vnd vngutliche gcschen ist von den Jhenen die uff vnsev Sloß geluwen hau an vnßern Willen, vnd vns darvon beschediget in vorgcß Masse, Ombe soliche vnd andere Vnwille» tryfftliehen vnd viel gcschen han wir mit Bewarungen vns zu demselben vesten Stoße vnde Eygenthum genehet, vnd biddcn uch fruntlichin mit Fliesse, abe Epmhe ander Redde ader Clage hy vone an uch gedyhen mit Schryssten aber Wortten, vns getruwelichen vnd frumlichen heruff zu uerantwurten, als wir uch des besundern gcntzlich glauben, das woln wir Graue vmb uch verschulden vnd fruntlich dangken. Gegeben zu Ziegenhain uff Dinstag nach Petri vnd Pauli Apostolorum vnder vnsie Jngeß annq tlLLE. eleoimo sexto. G3l. Hermann Herr zu Rodenstein, verkauft mit Consens seiner Söhne Hans und Engelhard, und seiner Töchter Grete und Else, wie auch mit gutem Willen Adolphs und Heinrichs Grafen v. Weitnau, das halbe Dorf Libichenrode, (Lichenrod) mit aller Zuge- hör, wiederlöslich an Eckart v, Fischborn und Henne v. Neylsberg um 4l) st- 14Z1. Datum am Montag nach saut Martins Tag. (K-. i Die Herren v. Rodenstein verleihen ihr nahe Hey Breuberg gelegenes Dorf Nimmcrn (Rimhorn) verschie denen adeligen Familien zu Lehen, als den Srarkkarten v. Breuberg, denen v. Hattstein und v- Dienheim, bis dasselbe pur «vnsuiiclaiioiism ihnen wieder hcim- fällt. Reichs-Ritterschaftliche Acte». XI. 1434. a us Sr. Peterstaq. Hermann Herr zu Nodenstein und Herr zu Lisperz und seine Söhne Haus und Engelhard, verpfänden den Zehendten zu Ernmpach, au seinen lieben Herrn und Neffen Schcnck Otto v. Erpach, und wird mit seinen Söhnen desselben Burginann zu Micheistadt, um W fl. gut an Golld :c- XII. > 456. Zu wissen das eyne Freundschaffc, die sich langt zu der heiligen Ec zwi'chent der wolgebornen Jung- frauwe Jutten, Schencken zu Erpach, des edlen Schenck Conradts Hern zu Erpach Dochcer eyns vnd dem edel» Engelhardt Herre zu Nodenstein des andern Deils, mit Willen, Wissen vnd Verhengniß des edlen wohlgebohr- nen Schenck Philipps Herrn zu Erpach, der vorgenk. Jungfrauwe Jutten Bruder beredt vnd beteydingt ist. Datum 1456 vf sauckt loffsnuis Tag Baptist«. Jch'Hans-vnd Er'kmger zu Rodenstein GeVettern bekennen vns in dessen vnsern offen Briest für vns vnd all vnsre Erben, Ganerben vnd Nachkommen, alß En- gelbrecht v. Rodenstein vuser Ganerbe die cttel Frauwe Gutta Schencken, Wittwe v.- Rodensiein :e. xiir. 1465.. Ich Erkinger v. Rodensiein bekenne .... das mir der edel Schenck Pilip Herr zu Erbach myn guedigcr Herr zu rechtem Man Lehen gelihen, als einem Tre.- gcr Hartman Waltmans seel. Kinde . . Samstag „est nach Walbnrgis 1465. XIV. '1471. Zuwissen das epn Kruntschasst die sich langt zu ifer heiligen Ee zwischen der ettcln Frauw Juttcn ge- born Schenckin zu Erpach Wittwen von Rodensiein Anne ir elften. Dochter eins, vnd dem veften Hansen zu Rodcnftcin des andern Theils . . bedepdingt ist .. vnd zu merer Sicherheit die Hochwürdigen etteln vnd veften Herrn Neinhart. Bischoff zu FSorms, Herrn Schenck Philipps, Hern zu Erpach, Schenck Jorge Here zu Erpach. Dieter v. HenHcfthcin vnd Erkingsrn zu Rodensiein vnsern gnedige libe Herren Brüder, Vetter, Schweger vnd gute Frunde gebeten, daz ir 41 jgliches zur Bekantnis syn Jngesiegcl an die vnsern gehangen . - Xnno Vamini 1471 in . . vomini. XV. 1493. ttf Freytag nach <3ant!,te (8t. Uieronvini Tag?) wurde zwischen Landgraf Wilhelm v. Hessen und Hann- ßen und Erkinger von Rodenstein mittelst ausgeschnittener Kerbzettel eine sogenannte Bcthcidigung aufgerichtet. XVI. 1499. Ich Johann Herre zu Nodinstein vndc zu Liesperg bekenne — daz — der Hochgeborne Fürste — Hermann Lantgraue zu Hessin mich -- bcleued mit dem Dorste Schershagin vnde mit deine Gerichte darsclben zu eyme rechten Erbeborglehen, als Burglehins Recht in, vnde sal ich und myne Erbin daz — verdienen zu Gruucnberg :c. vntunr Xnnv llomini AltiliLilXlüIX. Ilciminitm pioxiinn pvst gt. Von so vielen Bewohnern dieser Gegend zu verschiedenen Zeiten und gleichen Umständen gehört, erregte dieser Geisterlärm, besonders durch seine öfrern Ersehest 4 nungen im vorigen Jahrhundert, und die dadurch in der umliegenden Gegend verbreitete Furcht und Besorg- niß, die Aufmerksamkeit der Regierungen, und der Nodensteiner Gcisterzug wurde ein Gegenstand gerichtlicher Untersuchung. Der Justizbcamte zu Reichelsheim vernahm zu verschiedenen Malen Personen, welche Ohrcnzeugen des Geistergetöses durch ihre Wohnungen ziehend, gewesen waren, zum Protocoll, um der Wahrheit naher zu kommen. Diese Protocolle wurden in den Jahren 1742 bis 1764 aufgenommen, und bei dem Justizamte Neichenberg niedergelegt. Es sollen auch neuere Verhandlungen darüber vorhanden sepn und namentlich sollen sich bedeutende Acten-Convolute hierüber bei dem Justizamte Lichtenberg befunden haben. Auch in der Registratur zu Erbach sollen sich dergleichen Zeugenverhkre befinden und die Aussagen mit Eiden erhärtet worden scyn. Um nun der Sache weder von ihrer Glaubwürdigkeit etwas zu nehmen, noch ihr etwas zu geben, was sie nicht hat; so sollen die amtlichen Protocolle von -Wort zu Wort hier folgen. Das Ganze ist jedoch ein bischen grauserlich zu vernehmen, besonders für solche Schwächlinge, welche die sonderbare Idee haben, sie wüßten nicht alles, was in dem weiten Schöpfungs- raume vorgeht. ^ Glaubwürdige Nachricht wegen eines, in der Grafschaft Erbach sich befindenden Land-Geistes. Es befindet sich nächst dem Dorste Oberkeinsbach des Erbachischen Amts Neichenberg, jedoch in dem Hern schaftlichen Breubergischen ?s1ritoric» ein gewisser Berg, und auf demselben ein uraltes Schloß, davon nur noch einige kucloru zu sehen seyn, der Schnellerts genannt, wo von aber und wer eigentlich die ehemalige Masses- »c>res sothanigen Bergschlosses gewesen, keine weidere Nachricht noch zur Zeit bekannt geworden. — Gegenüber und etwan gegen der Sonnen Untergang, ohngc- fehr eine halbe Meil Wegs lieget auf Fränkisch-Crumbachischen Grund und Boden ein anderes und ebenfalls zerstörtes Bergschloß der Nodenstein genannt, von dessen Ruinen noch zur Zeit, noch ein ziemliches zu sehen, wie dann auch Wonniglich bekannt, daß das nunmehro vor längst ausgegangene Adcliche Geschlecht derer von Nodenstein hierseibsten ihren Sitz und ordentliche Wohnung gehabt haben. Dieses also zum voraus gesetzet, so ist die gemeine Rede unter denen hiesigen Amtes- und der Orten sich befindenden Einwohnern, sonderlich aber in gedachtem Obcrkainsbach nicht nur in denen alten und vorigen Zeiten schon gegangen, sondern auch noch bis 4->tc> wird erzehlet: däß ein gewisser Geist auf dem erstereu Schloß dem Schnellerts zwar seinen Aufenthalt habe, doch aber sich nicmalen merken lasse, ausser wann Kricgszciten, große Heercszüge und andere ausserordenc- > 4» liche Wichtige Dinge vorkommen wollten, insbesondere aber bei vorseienden Kriegs - M-pulssen zöge dieser Geist, oder vielmehr Geister von dem'Schnelleres ab — und nach dem gegenüber gelegenen alten Ravenstein, gleichsam als ob er flüchten, und das seinige in Sicherheit bringen wollte, wie es dann auch nicht änderst zu hören wäre, als wann vieles Fuhrwerk,, Pferdte und anderes Viehe vorbei zögen, wobei man aber noch nicht vernommen, daß jemand von diesem Gsisterhecr ehemalen das Geringste zu sehen bekommen, sondern alles bestünde cm bloßen Hören. Wann nun dieser unsichtbare Abzug nach dem Nvdenstein geschehen, und dieser Gcisterzug in kurzem (welches sonsten eine gute Bedeutung seyn solle) nicht wieder zurück nach dem Schnellerts geschiehst, so wird es vor eine tGulünuaiion des Krieges und dessen Unruhen gehalten. Gleichwie nun dieses von allen, so überhaupt erzehlet wird, und indessen ein gewisser Bauer und Einwohner dessen Güter um und unter dem Scbnellerts - Bergs gelegen, zu Obcrkeinsbach wohnhaft, durch welches Hofrairhc das ermcldte Geisserheer seinen jedesmaligen Ab- und Rückzug nehmen solle; als ist zu mehrerer der Sachen Gewißheit gedachter Bauer, namentlich Simon Daum, seines Alters 5 bis Jahre vor dem allhicsigen Amte über diese Geister-Historie 12- Februar 1742. 54 Wie der letzte Krieg am Rhein gewesen, *) habe es ein halbes Jahr zuvor sich schon hören lassen, und wie diesser Krieg sich geendiget, jeye es auch wieder zurückgezogen. Wann es sonst abziehe, und gleich wieder zurück komme, hatte es nichts zu bedeuten, allein wann es lang aussenbleibe; so Ware es gar nicht gut, und mithin Krieg zu besorgen, wie er solches auch von seinem Vatter seelig oft und vielmalen gehöret habe. ^etuin Reichelsheim. 1743 den 20. Sept. zeigte Szmon Daum an, er habe verschiedenes von dem Geister-Heer gehöret, und zwar so seye es anfängltch — und als die Franzosen in so großer Anzahl über den Rhein gegangen ab — doch aber nach Verlauf einiger Zeit wieder zurück gezogen. Kurz und wenige Tage vor der bekannten Schlacht ohnweit Aschaffenburg bei) Dettingen, seye Abends in der Demmerung ein blaffender —- jedoch (wie allezeit) ohnsichtbarer Postillon den Schnelleres - Berg hinauf maroftiret, da es "dann den andern Morgen bei anbrechendem Tag sich hören lassen, als ob eine Menge Reuter den Berg herab kämen und weiter fortgeritten wären- Nach der Dettinger Aotivn seye es gleich wie- *) Krieg des Kaisers und des Reichs gegen Frankreich, 1734, ") Wiener Friedensschluß >738. »") Am 27. Juni 1743. 55 , der zurückgekommen, und habe bis ciato sich nicht wieder hären lassen, ausser bey dem vor etlichen Tagen in dieser Gegend gewesenen Husaren-lVIaralis und Nacht- sirmrtiei', habe es in Sagers Hof sich nur ein wenig vorher gereget, welches allezeit auch geschehe, wann Soldaten klnrelio durch das Amt giengen. 1748 den 13. Jnly zeigt Simon Daum wieder an: Als das lebte Volk bei ihnen gelegen und in Brabant maroliiret, scye dieses Geisierhecr denselben Morgen mit Neutön und Fahren durch seinen Hoff gezogen, vier Wochen nach Martini in vorigem Jahr aber auf gleiche Art wieder zurück — und durch seinen Hof gekommen. Vergangenen Donnerstag 8 Tag, als den 4. Irffsns sei, es des Abends abermalen aus dem Schnelleres durch seinen Hof mit einem Getöse von Pferdcen und Kutschen gezogen, und habe mit Peitschen doch ganz dunkel, geklappert, als wann man dergleichen von weitem höre. 1748 den 11. Nov. meldet der Simon Daum von Oberkainsbach, daß das Geisterheer in verwichensr Woche an einem Morgen bey Hellem Tag sich merken lassen, wobei) es aber nicht viel gemacht, und feye seinem Bedünken nach wiederum in den Schnelle« gezogen. 'y 1756. den 24. D^reiget Elisabeth«, weil. Simon Daumin zu Wittib an, daß H Wahrscheinlich begab er sich auf den, am Oct» 1748, erfolgten Aachener Frieden wiederum 5» Ruhe. schon am vergangenen Dienstag vor 14 Tagen der Land/ geist aus dem Schnelleres bey ihrem Haus wicderüm vorbei) passiret, und habe es sich also zugetragen. Als sie Abends in der Nacht, da es eben geheißen^ das; die Kaiserl. Soldaten aus denen Niederlanden hierdurch irmi'diiren sollten, außer ihrem Haus herumgegangen, seye ihr vorgekommen, als ob ein Mensch sie stark an/ hauche, indem sie nun in die Höhe gesehen, habe sie wahrgenommen, daß sie unter dem Hals eines Pferdes stehe, auf dem ein Reuter gesessen; aus Angst habe sie keines von beiden betrachtet, sondern seye zurück in die Stube gelauffen, in welcher ihr die anwesenden Leute gesagek: daß es dreymal an einen Posten geschlagen , daß die Fenster "gezittert, welches der Geist zu thun pflege, wann es durch ihren Hof xassire.5) Sie habe nun nichts gehöret, ihres Rachbarn des Johann Georg Trautmanns Weibsleute hatten aber erzehlet, daß es den Mittwoch darauf wieder zurück x->s»iret seye, und sich an ihrem, des Ttaukmanns Haus gemeldet habe w. 17Z8 den 16, Dcc. zeiget Joh. Peter Daum''"*) von Oberkeinsbach an: der Land/Geist aus dem Schnei/ lerts seye in der Nacht vom 6. auf den 7. dieses von Nvdenstein aus wieder in den Schncllcrt gezogen; wann und wie er aus dem Schneltens nach Rodellstein *) Der siebenjährige keutsche Krieg nahm damals seinen Anfang. ") Ein Sohn des Simcn Daum, 5 / gegangen, solches hatten seine Leute nicht wahrgenommen, aber in der angezeigten Nacht habe seine Mutter, die ausser dem Haus gewesen, gehöret, daß der Land- Geist reuteud die Hecken herunter gekommen, und an seinem Haus habe er drepmal am Fensterposten geklopft, so er und seine Leute gehöret, und darauf seye er gegen den SchnellertS zugeritten. ") Weil nun der Landgeist wieder nach Hause gegangen; so hielten sie dieses für ein gures Zeichen und glaubten, daß in denen hiesigen Gegenden es wieder ruhig — und solche von denen fremdten Soldaten befreiet werden würden. 1758 den W Dec. Wurde in Erfahrung gebracht, daß sich der bekannte Landgeist jederzeit u. auch in der letzten Anzeige gemeldeten Nacht zu Brensbach in Joh. Leonhard Hübners Haus gemeldet. Dieser Hüöner und sein Nachbar besitzen ein Echterisches Haus- welches noch mit alten Mauern umgeben ist. Er er- Es scheint, der Land-Geist habe hier eine Waffenruhe nach der Schlacht ron Hochkirchen benutzen wollen. Das alte Hübnersche Habs-soll nicht mehr vorhanden u. an dessen Stelle ein anderes erbaut worden seyn u. dem Steuereinnehmer Schaffnit gehören. ***) Hans v. Rodensteins Tochter, Anna ^Cath. v. Rodenstein, geb. 1598. AxrHthete im Jahre 1622. Carl Rudolph Echter v. Mespelbronn. Die Einkehr daselbst dürste daher in den Bcrwandrschafrsverhältnis- sen ihren Grund haben. Uebrigens ist in Brensbach seit dem Lahre 1304. nichts mehr verspürt worden. zehlet: ehe dieser Krieg angegangen, und ehe man an einen solchen gedacht, seye der Geist in der Nacht in seinen Hoff gefahren gekommen, in seiner Küche hätten sie ordentlich gekochet, den Krovpen übers Feuer gehanget, und an den Tellern »nd Schüsseln geklappert, endlich aber alles hinter die Thür zusammen geworfen, und darauf fortgefahren. Es geschehe dieses jederzeit wann ein Krieg angehe, und wann alles unter einander geschmissen werde; so gehe es unglücklich, dahingegen er einen glücklichen Ausgang habe, wann das Geschirr in der Küche ordentlich aufgehoben werde. Es laute aber nur immer so, und verlege niemal etwas. Er habe es auch vor diesem Kriege in Brensbach gesagct, daß solcher kommen werde, man habe ihn aber damit nur aus- gelachet. Der Geist habe sich vor ohngefähr 6 oder 7 Wochen, da er aus dem Schncllcrts gezogen, in seinem Haus auch gemeldet, welches der Oberkainsbacher nicht wahrgenommen; Vor Zeiten solle dieser Geist auch in Grumbach *) vor einem Haus, worin ehedcssen ein Schmidt gewohnet, und welches jetzo von einem Zimmermann besessen wird, und dem Pretlackischen Hause gerad über stehet gemeldet haben, und gemeiniglich ") Ist hier das (damals v. Rodensteinischc) Dorf Fränkisch - Crumbach gemeint. ") Dieses Haus steht dem v, »^etlack'schen Hause nicht gegen über, sondern neben demselben, nach dem Rodenstein hin und gehört dermal dem Schmied Feick zu Fr. Crumbach. Das Haus soll jedoch in den frühesten Zeiten schon eine Schmiede gewesen sehn. allda die Pferde beschlagen lassen. Der Weg desselben gehet also von dem Schnelleres durch die sogenannte Hanl in Oberkainsbach nach Brensbach, von da nach Crumbach, u. so weiter nach Ravenstein. 1739 den 26. April zeiget Anna Elisabetha, weyl. Simon Daumen zu Sberkeinsbach hinterlassene Wittib an: am lezt vergangenen Palm-Sonntag den 8. dieses da es ohngesehr eine Stunde Nacht gewesen, habe sie gehört, daß es an dem Schnellertsberg sehr gekrachet, als wann man Aeste von Baumen abhaue, endlich habe sie gcdünket, daß eine mit Pferdten bespannte Kutsche den Berg herunter sehr langsam gefahren komme; sobald aber solche auf der Ebene gewesen, scpe es in der durch die Bach gehende Strafen, und nicht durch ihren Hoff ungemein schnell fortgefahren, so schnell einer fahren könne, und habe geraßelt, wie es zu geschehen pflege, wann man sehr hurtig über die Steine fahre, und seye noch nicht wieder zurückgekommen. Weil es nun nicht durch ihren Hoff gefahren, und auch nicht angeklopft; so habe es in hiesigen Gegenden jeho noch keine Noth, weil es aber noch nicht zurück- gekehret, so sepe es bcy denen Völkern am Mayn auch noch nicht ruhig :c. *) 1759 den 27. April zeiget Joh. Leonh. Hübners zu Brensbach Ehefrau ebenfalls an: daß sie vor noch . nicht gar 5 Wochen, Nachts um 12 Uhr einen starken *) Damals wurde grade der Feldzug wieder eröffnet. 5l3 I'uirmlt in ihrer Küche wahrgenommen und deutlich gehöret, und seye es ihr so vorgekommen, als wann man in aller Eil, Hafen, Schüsseln und Brunnen- Zübcr in einander stelle, oder in der'Geschwindigkeit und Eilfertigkeit zusammen packe. Weiter aber habe sie nichts gehört. 5769 den l?. April zeiget Georg Trautmann von Obcrkeinsbach an: Drei) Tage zuvor, ehe die Reuter vom Kvnigl. Französischen Regiment ^onstain zu Ober« keinsbaeh cingerücket, so jetzo ungefähr 7 Wochen sevn mögen, habe man Abends, da er zu Nacht gegessen, in seinem und seines, Nachbarn Peter Daumen Hoff, ein Getümmel, Gezisch und Reuten gehöret, als wann einige Reuter einrückten, und 3 Tage zuvor che sothane Reuter wieder aüsgerücket, seye in der Nacht in Peter Daumen Statt ein sehr großer Lermcn entstanden, als wenn man an denen Pfcrdcen arbeitete, und darauf hätten die Reuter auch plötzlich abmarschiren müssen. Am Mittwoch Nachts vor dem grünen Donnerstag habe in seinem Hoff wieder ein Pferde sehr gewiehert, er aber weder Renten gehöret, noch etwas gcschem und vor 4 Tagen habe es in Konrad Rauschen Hoff allda stark geritten, daß die Hufeisen geklappert, er habe aber nichts gehöret, wohin das Reuten gegangen. Am Mittwoch vor dem grünen Donnerstag in vorigem Zahr, seye es auch so gegen-den Schnellerrs durch seinen Hoff geritten, und den Freitag darauf die Schlacht bey Bergen vorgegangen. -) D n 5Z. April 5759. 51 1763 Ken 19. Jan. zeig« Johannes Hartman» von Oberkeiusbach an: Daß der Land-Geist in dem 'Schnelleres sich zerschiedenemal seit den Christ.Fcierta- gen wieder hören lassen, und erzchlct die dabey vorgegangene Umstände folgendergcstalt: Am lctzkvcrflosscnen zweiten Christ-Feiertag Abends und den dritten gegen Tag, und> also kurz vorher ehe die Kaiser!. Königs. Iruxssen durch die hiesige Gegenden xus«iret, dem sogenannten Schnelleres ein großer Lermen entstanden, welcher sich nach und nach seinen Gütern genähert, jedoch habe er auf der Erde nichts wahrnehmen können, sondern nuj' in der Lust ein Bellen vieler jungen Hunde gehöret, welche von jemand gleichsam gehetzet worden. Und auf gleiche Weise habe er dieses alles auch in der vorigen Woche wieder vermerket. Gestern Abend seye sein Knecht vom Hoff herein in die Stube gekommen, welchen seine vejzoncntens Weibsleute voller Aengften nachgcfolget, und hätten gesagt, daß in der Gegend des Schnelleres ein großer Lermen seye, und ihn sodurch veranlasset, hinaus zu gehen, um zu sehen, ob dem also seye. Als er nun in den Hoff hinausgekommen, habe er ein erstaunliches Getöß und Geräusch in der Lust gehöret, welche die O.uec über seine Güter vorbei) und gegen des Conrad Rauschen Haus sich gewendet, und habe es ihn Oapc>- nantan dicsesma! nicht anders gedünker, als wenn viele große Hunde zusammen belleten, und eine Stimme, welche immer gerufen: Hon! Höu l ") dieselbe aufhetzet?, *) Sollte nicht auch manchmal ein nachtlicher Flug der Eulen unsern Landgeist repräsentirt haben? ich sage manch- er seye zwar diesem Geräusch nachgegangen, um zu sehen, welchen Weg es noch weiter nehmen würde, habe aber als er an des obemeldtcn Rauschen Haus gekommen, nichts mehr wahrnehmen können. Und seye dieses dermalen besonders, daß das Geister-Heer nicht seinen Oi-clinairen Weg durch des Simon Daumen Hoff und weiter gegen Abend genommen, sondern dicsesmal jederzeit vor seinen Gütern vorbcy und gegen Mittag sich gewendet. Er glaube dahero, daß es noch nicht ruhig scyn, und noch viele Völker in die hiesige Gegend kommen würden. t.763 den 3. Febr. zeiget Johannes Weber von Oberkeinsbach an: Am lchtverwichenen Dienstag vor 14 Tagen seye bekanntlich der Geist ausgezogen und von seinem Nachbar, dem Johannes Hartmann gehöret mal — denn, daß Eulen am hellen Tage keinen solchen Aug halten, wo doch das Geisterheer so oft lobend, fortwandernd verspürt worden ist, bedarf keines Beweises; auch kann eine Eule weder die Trompete blasen, noch wie ein beladener Wagen krachen oder wie ein Pferd stampfen und an das Haus schlagen, daß die Fenster zittern — dessen ungeachtet aber kann sich doch manchmal etwas UnächteS unter das Aechte mischen. Ich verlange von dem nach Wahrheit Strebenden, daß er auch den Schatten des Lichtes, das er sucht, unparthciisch angebe, nur muß in allem bcscheidentlich Maß gehalten und bedacht werden, daß das Wahre nicht immer wahrscheinlich und das Wahrscheinliche nicht immer wahr ist. 63 worden. Den folgenden Donnerstag als den 20. letzt- -verflossenen Monats Zan. nach ungefähr 8 oder 3 Uhr, habe er Ouponaut, da er eben in feine Scheuer gehen wollen, ein starkes Gctöß wahrgenommen, als wann einige Schaffen den Berg hinauf gierigen und gegen das Schnelsens- Schloß zu führen. Er habe zwar nichts gesehen; gber doch die Pferdte gar deutlich trappen und die Räder knarren hören, und da sie den Berg stark hinauf gefahren, immer Ho! Ho! rufen hören, wie man insgemein zu ruffen pflege, wann man die Pferdte, welche eine große Last zu führen hätten, antreiben wollte. Weil der Geist auf diese Weise einzuziehen pflege, wann es ruhig werde, so werde insgemein dafür gehalten, daß jeho alles still und ruhig bleiben werde.*) 1764 den 23. März zeiget Joh. Peter Daum von Obcrkeinsbach an: der Schnellerts-Geist habe in der vergangenen Nacht sich wiederum einmal gemeldet. Es scye phngefchr 3 Stunden Nacht gewesen, da er und seine Leute etwas oben den Hoff herein, wo der Weg vom Schnellerts-Schloß hergehe, kommen hören, und da sie eben im Begriff gewesen, das Fenster aufzumachen, habe es dreymal so hart an dasselbe geschlagen, als jemand mit der Faust daran schlagen könne, und darauf habe es seinen Weg die Straße fort, gegen Niedcrkeins- bach zu genommen. Weil bei) denen letzten Kaiserkrönungen, von ilffn und feinen Leuten die nehmlichen Merkmale des Schnellerts-Geistes wahrgenommen wsr- *) Dictum kactum. 64 den^ so vermuthe er, daß dessen dermaliger Auszug die bevorstehende Römische Königs-Wahl und Krönung bedeute. Sobald diese geschehen, werde er wie sonstcn, auch wiederum zurückkommen. *) 1764 den 25. Inn«: Alldieweiten Joh. Peter Daum von Oücrkeinsbach bei) seiner lehren Anzeige, vom dem Auszug des Schnellerts-Geistes vermmhe, daß solcher nach vollendeter Krönung Jhro Römisch Königl. Majestät wieder zurückkommen werde, davon aber noch keine eigentliche Nachricht einheilet; als wurde derselbe mit seinem Nachbar Joh. Georg Trantmänn vorbeschie- den, und darüber befraget, welche dann einmüthig versichern, daß sie von deS Geistes Znrückkunft nicht das mindeste gehöret, sonsten sie es sogleich würden angezeigt haben. / 1764 den 20. Zuny zeiget Joh. Georg Traut- mann wiederum an: Es habe zwar weder er noch sein Nachbar den Einzug des Schnellerts-Geistes gehöret; nachdem sie aber nach ihrer Heimkunft ihre Weibsleute darüber befraget, so hätten diese versichert, daß ermcldeter Geist selbigen Abend, als der Daum von dem Auszug desselben, bey dem hiesigen Zimt die Anzeige gethan, che er wieder nach Haus gekommen, und da es kaum Nacht gewesen, auf die nehmliche Art, wie ») Am 27. März wurde Joseph ll zum römische» König gewählt. er ausgezogcn, wicöer in das Schuellerts-Schloß zurück- gegangen. Soweit die Protokolle des Amtes zu Reichelsheim^ Ich muß hier bemerken, daß ich hin und wieber diese Protokolle zum Theil in einer moderneren Sprache abgefaßt und mich abgekürzt gefunden habe, welches jedoch bcy dergleichen Urkunden wegen der Eigentümlichkeit, die sie haben, nicht geschehen sollte, indem manchmal ein anderes Wort der Sache einen fremden Sinn unterlegenkann. Ich habe sie dem Manuskripte getreu copirt und nur bey einigen am Schlüsse das weggelassen, was Unerhebliche Bezugnahme auf das vorhergehende Protokoll war« Es war mir daran gelegen, zu wissen, ob nicht auch in neueren Zeiten, von Seiten der Obrigkeit No- , tizen über diesen Geisterlärm eingezogen worden fepen« Ich ging daher an die Quelle. Johann Gcorg Daum (ein Enkel des Simon und Sohn des Johann Peter Daum) in dem ersten Hause, wenn man von Nieder.' keinsbach herkommt, in der sogenannten Haal zu Ober- kcinsbach wohnhaft, ein Manu zwischen 60 Und 70 Jahren, welchen ich darüber fragte, sagte, er wisse hiervon nichts, und bemerkte dabey, daß die Leute m weiter Entfernung, immer mehr von dem Asdenstsüi zn sagen wüßten, als er selbst« Auffallend soye cs ihm besonders, daß oftmals die Leute Sachen darüber Joseph I!. wurde am Z« April !764 zuw Kaiser ge. Zrbnt. k»f> schrieb»,, die gar nicht vorgefallen se»en , und Dinge widerlegten, welche sich wirklich zugetragen hätten. Er bemerkte ferner, daß der Rodenftein seit dem Schlüsse jeyer Verhöre zu Reichelsheim keineswegs ruhig geblieben seye; besonderen Spectakcl aber habe er in den 1790ss. Jahren gemacht. Er habe sogar jedesmal gewußt, ob sie viel oder wenig Einguartirung bekämen. Da seye denn jedesmal einige Zeit vorher, das Thal her, ein Durcheinander, ein Marschiren und Gespräche gewesen, als wäre die Einguartirung schon vor der Tküre und einige Tage darnach seye sie wirklich auch erfolgt. Es wäre damals gar nichts sclte, ncs gewesen, daß der Schnellerts-Gcist mit dem größten Getöse auf- und abgezogen scy. Eines Abends, da sie schon zu Bette gelegen, habe etwas so stark an das Haus geschlagen, daß seine Frau ihn und den Knecht geweckt, sagend, der Ochs müsse sich in dem Stalle los gerissen haben. Der Knecht aber, welcher noch gewacht Halle und wohl wußte, daß es der Ochs nicht, sondern das wilde SchnellcrtS.'Hcer sey, habe sie hierauf auch aufmerksam gemacht. Ein anderes Mal — er glaube, daß sein jetziges Haus dem Geist im Wege stehen müsse — habe es mit solcher Gewalt am Fundament des Hauses, vor seinen Fenstern, hin und her getobet, daß Thüre und Fenster gezittert und die Bücher vom Schrank herunter gefallen seycn, und sein Nachbar *) sey nichts davon ") Daum hat nur Einen Nachbar. Oberkeinsbach ist mahl eine Grunde lang. Die sogenannte Haal «nt- gewähr worden. Der Burg-Geist habe ach nun m neueren Zeiten verschiedentlich merken lassen, besonders aber im Spätjahr WM. Da seye er, Daum, einmal über den Berg hinüber nach Gerjprenz (ein Dorf) ge- gangen, wie er nun oben am Saume des Waldes hergegangen sey; o habe er auf einmal ein vollkommenes Jagdgeschrey gehöret, mit Hundchetzcn Peitschen und Hörnepblasen. Das, eine solche Jagd hier auf diesem Berge gehalten werde, sey ihm zwar befremdend vorgekommen, doch habe er in dem Augenblick nicht an das Gcistcrheer gedacht, und sogar einen armen Mann, der ihm begegnet und grade nach Oberkeinsbach gegangen, gebeten, er möge Foch seinen Weibslcnten sagen, daß sie den Hund alsbald anbinden möchten (es sey nämlich ein böser Hund gewesen) weil er sonst, wenn er in das Jagdgetümmel hineingericthe, todt geschossen werden könnte. . Bey seiner Zurückkunft Hab« er nun zu seiner größten Verwunderung vernommen, daß man zwar rund um und auf dem Berge, dieses furchtbare Getöse gehört, aber an keinem Ort etwas hinauf noch herunter kommen sehen. Er habe auch, was aber noch zu seines Vaters Lebzeiten sich ereignet habe, einen ganz besonderen Vorfall erlebt. Da wäre einmal der Herr Pfarrer B — von Brensbach, der später in Reichelsheim gestanden, der Keinsöach heruntergekommen, welcher Herr Pfarrer hält zwei Bauernhöfe davon , und so liegt denn das ganz« Dorf längs des Thales zerstreut da- 08 denn ein sehr freundschaftlicher guter Mann gewesen ftp, und immer bey seinem alten Vater zugesprochen und nie gelitten habe, das; man seine Kappe vor ihm abbehielt. Dieser hätte beim Hereintreten in den Hof seinen Vater gegrüßt und zugleich verwundernd gefragt, was er denn so eben für einen vornehmen Besuch gehabt hatte? Mein Vater sähe eben so verwundernd den Herrn Pfarrer an und sagte, daß er durchaus von kei- nem Besuche wisse und heute keinen Fremden, weder gehört noch gesehen habe. Hierauf hätte ihm der Herr Pfarrer Folgendes erzählt: Als er einige Hundert Schritte noch von hier entfernt gewesen, Habs er aus dem Hofe heraus einen vierspännigen Reiftwagen kommen sehen, in welchem er, da er näher zu ihm gekommen, zwei Herrn erblickt habe, wovon der eine mit mehreren Orden geschmückt gewesen ftp. Die. ganze Equipage ftye kostbar und ein jedes Pferd mit einem hohen goldenen Fadenböfthel auf dem Kopfe geziert gewesen. Er habe auch nicht unterlassen, seinen Hut abzuziehen und dieser hohen Herrschaft seinen Respecr zu bezeigen. Kaum ftye er aber wenige Schritte von dem Wagen entfernt gewesen, als er sich nach demselben umgesehen, ihn aber nicht mehr habe erblicken können- Dies; wäre ihm sonderbar vorgekommen; er ftpe daher über den Bach hinüber gegangen und da habe er ihn wieder in einiger Entfernung erblickt. Der Herr Pfarrer hätte noch die besondere Bemerkung hinzugefügt: Der Reiftube müsse seines Compliments nicht würdig gewesen ftyn, weil er gleichsam vor ihm verschwunden wäre. 69 Daum schloß mit dem Bemerken, daß er wohl noch mehrcrcs in neueren Zeiten erlebt habe, er aber als ein schlichter Bauer nichts aufschreibe, und ihm auch schon vieles in Vergessenheit gekommen sey, und wenn er jetzt nicht auf sein Feld gehen müsse, (er hatte seine Sichel während der ganzen Unterhaltung bereits in der Hand) ihm Wohl noch manches beyfallen würde. Ueberhauvt erzähle er nicht, gerne jedem viel von der Sache, weil er öfter zu sehr von seiner Arbeit abgehalten werde, und daher manchmal sage, er wisse nichts. Einige Büchsenschuß weiter oben im Thal? arbeitete ein junger Mann Namens Arras, welcher, nachdem man mehrcres über diesen Gegenstand gesprochen hatte, erzählte, daß sein verstorbener Vater den Schnel.- lcrts-Gcist in den 17öt)cr Jahren einmal mit solchem Getöse vom Schnelleres herabziehen gehört, daß bey einer gänzlichen Windstille der Staub davon geflogen sey. Er selbst aber habe noch niemals etwas davon gehört. So laufen denn noch znancherley Sagen von dem Rodenstein, unter dem dortigen Landvolke herum, über deren Grund oder Ungrund zu richten, ein schweres Amt seyn dürfte. Als eine lebendige Propaganda in unserer Geistcrsache, mit einem glücklichen Auge, zeich« not sich besonders eine gewisse Maria Agnes Bockin zu Fränkisch-Crumbach aus. Diese Person diente früher als Magd bey mehreren Beständen^) des, am Fuße *) Während der Pachtzeit des gegenwärtigen Beständen hat sich nach Aussage desselben, der spuckende Ritter nicht vernehmen tass-w. 70 des Rodensteiner Schloßberges gelegenen Hofhauses. Diese erzählt, sie seye in jener Zeit, wo sie und die übrigen Hofleute eines Abends beym Spinnen beisam- men gewesen wären, vor die Hauschüre herausgegangen, um irgend ein Geschäft zu verrichten. Kaum seye sie in den Hof hinein getreten: so wäre eine vierspännige Chaise vorgefahren, in welche man sie, ehe sie sich's recht versehen, geschwind hineingehobcn hätte, und mit ihr pfeilschnell querfeldein gefahren sey, wo man sie denn in einem entfernten Wicsengrunde, im Dunkeln Hülflos zurückgelassen hätte. Diese Angabe verhalte sich nun wie sie wolle; so steht doch soviel richtig, daß die übrigen, in der Stube befindlichen Leute, über das lange Aussenbleiben der Person besorgt, heraus ins Freye gingen, und sie laut beym Namen riefen, worfle denn in einer bedeutenden Entfernung Antwort gab. Mm ging im Dunkeln dem Rufen nach, und fand sie wirklich in einem entfernten moorigen Wicsengrunde im Koth stecken, wo man sie «ndlich mit Mühe glücklich wieder an Bord brachte. Ich frage hier nur: was konnte diese Person veranlassen, in einer Jahreszeit, wo man ohnehin nicht spaziren zu gehen pflegt, sich im Dunkeln in einen so entfernten Wiesengrund zu begeben? Ich möchte fast die Alternative stellen: entweder war ste geisteskrank, oder hatte sie Ritter Schnellerts wirklich zu einer Partie eingeladen. Die Frau läßt sich übrigens ihre Angabe nicht um ein Haar breit streitig machen — und das schlimmste 7i ist, daß hier das auäliiwr vi -»Iteiu xui-s Nicht appti- cirt werden kann. Wäre ich Philosoph genug, ich würde ihr das ganze Ding vor der Nase hinweg Philosophiren; so aber weiß ich von dem Feuer weiter nichts, als daß es brennt. Da wir doch einmal an der Equipage des Landgeistes sind, so wollen wir hier noch ein ähnliches Beispiel anführen. Vor ungefähr 6 Jahren hörte der Ortsbürger Peter Hörr zu Fränkisch - Crumbach nachts ein Getöse vor seinem Hause. Neugierig, zu sehen, was das wohl sein möge, öffnete er das Fenster, und erblickte da eine mit Reitern begleitete Chaise. Er glaubte hier einen Staatsverbrecher transportiren zu sehen; allein da die Chaise auf einmal vom Wege und seitwärts gleichsam abschwebre, so mußte er natürlich auf die Idee kommen, daß dieses Fuhrwerk zur Ambulante des wandernden Ritters gehören müsse. — Aber die Dunkelheit stellt doch vieles dem Auge anders dar, als es wirklich ist! Dagegen protestier der Ortsbürger Nothenhäuser das. der das nähmliche Trugbild gösehm zu haben behauptet. Sie mögen es beyde verantworten. Noch etwas. Im Jahre 18V4 kam der Schulprovisor Würthele zu Fränkisch - Crumbach eines Abends athemlos in dortige Amtskellerey gelaufen, und machte die Anzeige, daß soeben die Schnellertsgeister durch die Kirche gezogen und alle Kirchthüren mit dem größten Geprassel ausgeflogen sepen. Ben angestellter Untersuchung waren alle Kirchthüren fest zu. — Zu bemerke« ist, daß am nähmlichen Abend und um dieselbe Stunde, in der bekannten Küche zu Brensbach öas gewöhnliche Souper zubereitet worhcn seyn soll. Diese Angabe scheint die Feuerprobe nicht aushalten zu können, und hat vielleicht in der Starke der Einbildung ihren Grund, wozu die Fama, als eine I Schwester der Lügen, das Letztere hinzugefügt haben mag. Einer der merkwürdigsten Vorfalle der Art, hat sich im Nov. 1820 zu Fränkisch-Crumbach ereignet. In diesem Monate hörte man eines Abends (der Tag wurde vergessen aufzuzeichnen) um 9 Uhr, ganz in der Nahe, (es schien auf der v. Gemmingischen Berganlage zu seyn) ein starkes Trommeln und Lauten, Mehrere Personen, deren Namen zu nennen, mir die Bescheidenheit verbietet, und welche mir es damals, als eine besondere Merkwürdigkeit, gleich erzählten, haben es sehr deutlich gehört und zwar manchmal so nahe, daß ein Kenner den Trommelschlag würde haben componiren können. Wenn es in der Umgegend gebräuchlich wäre, bey einer Feuersbrunst zu trommeln; so hätte man auf die Idee kommen können, daß eine solche irgend in der Nähe ausgebrochen sey: da dieß aber nicht der Fall ist, so war das Trommeln um so auffallender, Dieses Trommeln und Läuten dauerte bis 11 Uhr in die Nacht hinein, und war gleichsam überall und nirgends. In dem, eine Stunde von da entfernten Hofhause am Nodenstein wurde es in derselben Stärke vernommen. Die dasigen Bewohner liefen auf die sogenannte Rodcnstciner Höbe, um. zu scheu, ob es vielleicht iu Fränkisch - Crunibach brenne. Derselbe Lärm wurde aber auch in der entgegengesetzten Richtung, bis Reinheim hin. also in einer Disiance von 3 bis 4 Stunden, gleich stark gehört. Auch von da her erkundigten sich am am Sern Tage Leute, ob es wohl in der Gegend von Fränkisch-Crumbach gebrannt hätte, da man gestern Abend in dieser Gegend so stark stürmen gehört. Wer diese Gegend kennt, der wird auf der Grelle einsehen, dasi der Schall eines gewöhnlichen Trommelns und Lautens, wenn es wirklich statt gefunden hätte, was aber keineswegs der Fall war, durch die vielen entgegengesetzten Bergreihen nicht so weit und zwar in solcher Stärke, Härte fortgepflanzt werden können. Dieser Vorfall möchte daher auch in die Reihe jener Geheimnisse gehören, wrbey uns zugerufen wird: bis hierher nnd nicht weiter! Sollten wohl die wandernden Kriegsherolde die Truppenmärsche der Oesterreicher, in das Neapolitanische in Consideration gezogen haben, oder wollte vielleicht der Burggcisi seine Theilnahme an der Griechischen Befreyungssache, durch den AuSmarsch seiner Truppen an den Tag legen, und mit der Theilnahme aller gefühlvollen Herzen, so vieler Nationen sich vereinigen? Freylich wird man sagen, was geht dieser Krieg das tcutsche Reich an? Man könnte antworten, er gehe die ganze Christenheit an, und dieß um so mehr, da er nicht gegen eine legitime'Herrschaft, sondern gegen Wer ein gefühlvolles Herz im Busen trägt, der wird wünschen müssen, seine Brüder in Christo, von dem eisernen Joche der Barbarey befreyr zu sehen. Und wir wissen auch, was überall und allerorts in unserm lieben Teutschland?, nur wenige ausgenommen, für die Sache der Menschheit geleistet und gethan worden ist. Man darf hier das Wollen mir dem Können und Dürfen nicht vermengen. Soweit meine Notizen über die Wandergeister auf Schnellcrts und Rodenstein. Alles das, in voranstehendcn amtlichen Protokollen, Ausgesagte und die übrigen spateren Ereignisse sammt und sonders für eine blosse Fabel erklären zu wollen, das wäre meiner Meinung nach eben so lacherlich, als unvernünftig. Das Warum? beantwortet sich selbst. Wie sich aber die Grundursache dieses sogenannten Gei- sterlärms auffinden und erklären lasse, das wäre freylich ein anderer Gegenstand und der Untersuchung allerdings würdig. Ein großer Theil der Menschen aber, dem der allzustarke Schwindel von sogenannter Aufklarung beschwerlich fällt, schüttet nun kurz d'as Kind mit dem Bade weg und ist sogar der Meinung, daß dieser Köhlerglaube, wie man sich gewöhnlich ausdrückt, für unser aufgeklärtes Zeitalter, d. h. in einer Zeit, wo bey Vielen der Geist zwar prächtig cnltlvirt, das Herz aber unter aller Würbe vernachlässigt wird — gar nicht mehr an den Vorurchcilcn unserer kurzsichtigen die gewaltsamen Unterdrücker der Vorfahren dieses berühmten Völkerstammes geführt wird. 75 Alten hängen zu bleiben — und erklärt das Ganze für einen Sinnentrug, einen bloßen Jrrthuw des Volks, (freylich ein starker Jrrthum, wo sich so viele Menschen zu gleicher Zeit, auf gleiche Weise irren können.) Andere^ die doch Anstand nehmen, ihre Vernunft als die höchste Instanz ihres Glaubens und ihres Jch's über.' Haupt, anzuerkennen, zweifeln zwar nicht, daß diese Begebenheiten sich also zugetragen, behaupten aber, daß man dieß alles aus natürlichen Ursachen erklären müsse und wollen überhaupt mit der Farbe nicht so recht heraus. Noch andere, die allerdings auch der letzter» Meinung, aber nicht ausschließend zugethan sind, finden und fühlen ausserdem noch eine höchste Macht, durch die Alles sein Dascyn hat und haben muß, und durch die sich alleS Vorhandene, nach weisen Gesetzen in der Nacur zwar bewegt — der sie aber, eben darum, weil sie nur Geschöpfe derselben und nicht so eitel sind, ihre Schwäche und ihren kurzen Horizont zu mißkenncn, gerne die Ehre geben — und bekennen, daß diese Macht in ihrem großen Haushalte, Gegenstande aufgestellt und . angeordnet haben könne, ohne grade uns darüber die Eensur anvertrauen zu müssen. — Hiermit bin auch ich einverstanden. Nun sind manche gleich mit ihrer natürlichen Er? klärung fertig, wenn sie behaupten, daß die Ursache dieses Lärms in den verschiedenen Wirkungen des Echo's u. dgl. zu finden sey. Wenn diese erst aus natürlichen Ursachen anzugeben vermöchten, was denn eigentlich ein so bedeutendes Echo hervorzubringen, im Stande wärc, . - ' « 7n weiches von den zerfallenen Bergschlüssern an, durch die vielen entgegengesetzten Bergrcihen, bis nach Reinheim hin, seine Wirkung äußere: so wäre es wohl einmal der Mühe werth, eine geeignete Antwort darauf zu geben. Sie wissen aber recht gut, daß alle bekannte Kräfte der Natur sie im Stiche lassen, bei) ihrer belieb/ tcn Echocrklärung, und besonders dann, wenn ein so!/ ches Echo stundenlang anhält, und manchmal ganz entgegen gesetzte Richtungen nimmt. Ich glaube, daß ein am passendsten Orte losgebraunter Vierundzwanzig/ pfünder das Räthsei nicht lösen würde. Aber viel/ leicht sind es trommelnde Erderschütterungen, oder eiec/ Irische Materie, welche wie Hund bellt, vielleicht auch ein Nudel Wild, welches die Trompete bläßt. Ja, wenn ein hie »nd da im Felde hcrumhupfendcs Häschen oder ein verscheuchter Rehbock diese meilenweite Strecke, in Bewegung zu setzen, im Stand wäre; dann, dann würde ich gerne einschlagen. Nun aber bin ich über diesen Gegenstand, in soweit mit mir im Reinen, daß . wohl der Staar nicht ganz wird gestochen werden können, der uns hindert, selbst nur das Nahliegende ganz zu entziffern, — vielweniger das, was der Schöpfer seiner Macht vorbehalten hat. Der Mann im Monde ist da, man philosophirt nur, was sich von ihm sagen läßt. Zu welcher Gattung von Räthseln übrigens der Gcisterlärm im Odenwalds gehört, ob zu natürlichen oder übernatürlichen, will ich meinerseits gerne dahin gestellt seyn lassen nur möchte ich bitten, die » » Welt mit Echo, Erdbeben, Blitzmatcrie und Rudel Wild zu verschonen, bis man denn etwas besseres dafür aufgefunden haben wird, und nichts läugnen und weg- demvnstriren zu wollen, wofür man doch nichts stichhaltiges aufzuweisen hat. Gehen wir nun endlich auf die göttlichen Urkunden der Bibel über, so finden wir dort allerdings eine Geisterwclt bestätigt — und welcher Vernünftige sollte bey einigem Machdenkcn nicht den ungeheuren Abstand zwischen dem Geiste der Geister, zwischen Gott und den Menschen ahnen? sollten keine weitere Wesen aus den Händen des Schöpfers hervorgegangen sepn und in dieser unabsehbaren Kluft mitten inne stehen? Der allmächtige Schöpfer hat uns in Christo Jesu Marth. Cap. Ist. V. 25. 26. und 27. und Marc Cap. 6. V. 4s. 49. und öv., den.Glauben an Geister, weder schwächen noch widerlegen wollen; sondern dort nur gezeigt, daß es gerade in diesen Fällen kein Wesen der Art sey — und ausdrücklich bemerkt: Ein Geist hat za nicht Fleisch und Bein, «ie muß es doch Geister geben. Es wäre Jesu ja ein leichtes gewesen, feinen Jüngern ein solches Vorurtheil, wenn es ein solches gewesen wäre, zu benehmen; er fand aber für gut, es nicht Zu thun, und ihnen bloß das Wesen eines'Geistes begreiflich zu machen. Ob nun solchen Wesen ihr Aufenthalt auch auf SchnellertS und Aodenstein angewiesen werden wolle — das ist ja eben der Schleyer, den wlr so gerne zu lüpfen wünschen. Zwar muß ich hier andeuten, daß ich die letzteren Bem.rrungcn nur - für diejenigen niedergeschrieben habe, die mit mir die Bibel, als das uns geoffdnbarte Wort Gottes anerkennen und sie weder verdrehen, noch mit selbst gemachten Bildern ausschmücken; sondern sie in ihrer rignen schmucklosen Einfachheit gebrauchen und sich daran genügen lassen. Wir haben aber noch mehr Gründe, diese Sache für keine bloße Fabel zu halten und ihr Vorhandenscyn — nur das Wie? ausgenommen — als feststehend, betrachten zu müssen. Man braucht kein Physiker oder Gelehrter »u scyn, sondern nur einen natürlichen gesunden Menschenverstand zu haben, um einzusehen, wie wenig Gründe ein ObcrkemSbacher Bauer hat, eine solche Sage zu erdichten. Erstlich ist für ihn durchaus kein Vortheil dabei abzusehen, im Gegentheil» hatten diese Menschen durch die, so viele Jahre hindurch geschehenen Citationen vor Amt, nur bedeutende Mühe und Arbeit. Ferner konnte der Werth ihrer Güter durch eine solche Sage nur verlieren; denn man weiß, daß es nicht immer jedermanns Sache ist, «in Haus zu bewohnen, das in einem so zweideutigen Rufe steht. Bedenkt man ferner, daß ein solcher Bauer in seiner Art der beßte Naturkundig? ist, daß er jeden Schritt und Tritt in, um und bei feiner Wohnung genau kennt, daß nur er das Echo, das man so gerne dort anbringen möchte, in seinem ruhigen Thale, so wie das Räderknarren und den Huftritt des Pferds, gewiß am beßten und genau kennt — und daher die geringste Abweichung vom gewöhnlichen 79 Gange, augenblicklich gewahr werden muß; bedenkt man endlich noch der dazu gekommenen besonderen Umstände: so ist es ja lacherlich, die Sache einer Täuschung, einem Sinnentruge zuschreiben zu wollen. Am Schreibtische schreibt man, von den Sinnen manchmal getäuscht, wohl manche Täuschung nieder — aber in der Hanl zu Oberkeinsbach stellt sich das Ding ganz anders; dort sind die Nebel bloß im Thal — aber die Köpfe sind rein. So wie es nun bis auf den heutigen Tag nicht erklärt werden konnte, was diesen sogenannten Geister- lärm veranlaßt, eben so gewiß ist es, daß derjenige, von einem großen Thcil der Menschen, ohne alle Gnade und Barmherzigkeit in die Zahl der Schwärmer recipirt und mit dem Prädicate eines Frömmlers beehrt wird, welcher ihn für übernatürlich zu erklären, und seine Beweise für eine Gcistenvclr, aus der Bibel zu dcdu» circn wagt. Ich weiß es wohl, daß es Menschen giebt, die ihren Gott nur in der Natur verehren, oder vielmehr deren Gott die Natur ist, und die über eine solche Beweisführung mitleidig lächeln werden. Dicß kann mich aber nicht veranlassen eine, in allen Lebensverhältnissen , als acht erprobte Sache, nähmuch die Lehre Jesu, und die daraus resultirenden Wahrheiten, mit menschlichen Lehrgebäuden zu vertauschen, deren es so viele gibt, als es Menschen gut dünkt, dergleichen aufzuführen, und wo immer eins das andere früher oder später verdrängt und vom Throne gestürzt hat; mithin cin festes Neposoir zur Beruhigung der Mensch, heil nie und nimmermehr darin gefunden werden kann. Selbst cin Hnmc, ein Kant und andere Philosophen beweisen, daß die philosophische Vernunft nicht hinreiche, über diese höchstwichtigen Gegenstände etwas Demonstratives und Zuverlässiges zu sagen. Dich ist dem Worte Gottes allein vorbehalten. Ueberhaupt ist es mir noch nicht klar, wie man die höchste Liebe Gottes in der bloßen Natur finden kann. Freylich ver- kündet die Natur unfern Schöpfer und Wohlthätcr. Die Erde ist voll seiner Macht und Herrlichkeit undx der Himmel predigt gewaltig seine Größe und Majestät, aber — für wie viele? ach, gewiß für die wenigsten der Menschen! Selbst den gelehrtesten Heiden waren es Anitialbegriffe, und sie erkannten kaum den Schau ten von denssallliebendcn Wesen, zu welchem uns Jesus Christus, als erlösete und geliebte Kinder hinführt- Die allgemeinen Gesetze, in Abficht auf die bloße Na, tur, sind wahrlich nicht von der Art. daß sie unsere Vernunft befriedigen, und den Menschen so sehr affici- ren dürften, die höchste Liebe darin zu finden. Man muß die Natur nicht allein von der angenehmen, man muß sie auch von der entgegen gesetzten Seite betrachten. Siehst du dort, Anbether des Balles, worauf dein Fuß ruht, wie die brcnnden Feuer-Crater ganze Gegenden verschlingen und die Eingeweide der Erde zerreißen; selbst auf Felsen gegründete Städte stürze» zusammen und begraben Tausende unter ihren Schutt und verstümmelt liegt dort dein Mitbruder, ungehövt und hülflvS, tief unter Trümmern verschüttet und haucht, nach oft vicltägiger Marter seinen Geist aus. Freund, siehst d» dort die Gegend, die jenes ferne Gebirg be- gräuzk, wage dich nicht hinan, die Pest wüthet fürchterlich dort unter deinen Brüdern; aber auch hier darfst du nicht länger verweilen, die Sonne dorret alles aus der Erde heraus, es wirb übel um deine Ernährung aussehen. Ziehe hinunter in jenes fruchtbares Gefilde, wie — auch dort findest du deine Göttin in innerer Zerstörung begriffen! Ungeziefer hat die Blätter der Bäume und das Bunte der einen aufgezehrt, und die stürmenden Fluchen des ausgetretenen Stromes reißen Brücken und Gebäude gewaltsam mit sich fort. Frennd! findest du immer noch in der bloßen Natur eine höchste Liebe, wie sie das Christ;nthnm seine Bekenner, unter allen Stürmen des Lebens fühlen läßt? Dn bist indessen zu beklagen, wenn du aus deiner Natur, die du ohnehin nur nach ausien zu erkennen, im Stande bist, — denn, ins Innere der Natur (ich will sie, so weit ss« es verdient, mit diesem Namen belegen: das nau pla« ultra wage ich nicht abzustecken) dringt kein erschaffener Geist— nicht einen gleichen Trost schöpfen kannst. Aber, gestehe es nur, du tritst zurück, und dein philosophisches Gechinme fällt in diesem Punkte in sein Nichts zusammen; denn dn hast hier überhaupt nichts höheres, als die Natur selbst, entgegen zu setzen. Einen blasen Spielball in der weiten Schöpfung abzugeben, das kann aber in der That wenig erbauen und noch weniger Beruhigung 0 82 gewähren, in Zeiten, von welchen wir sagen müssen, sie gefallen uns nicht. Und, was soll denn überhaupt dein, in allen seinen Thcilen so unsicheres Lehrgebäude zum Zwecke haben? Die Moral, die du mit dem Munde so hoch erhebst, doch gewiß nicht; denn dagegen streitet die tägliche Erfahrung mit allen Waffen. Alle Krämere-.) mit Moral und alle Gelehrsamkeit, ohne daß die wahre Religion die versöhnende Liebe im > Herzen des Menschen auch Wurzel geschlagen hätte, können höchstens nur für den Umgang mit der großen Welt verfeinern, uns brauchbar zu verschiedenen Geschäften des Lebens und fähig zur Erfindung neuer Wahrheiten machen. Aber damit hat immerhin der Mensch seine Bestimmung noch lange nicht erreicht und der ganze Quark kann ihm weder Gewissensruhe ver- t schaffen noch sichern. Dieses Glück ir alle n den wohl- thatigen Anwendungen unserer Kenntnissen und Fähigkeiten aufbewahrt, und diese lehrt uns die Religion. Gelehrsamkeit in der Seele eines Verächters der Religion ist oft einem goldenen Dolche in der Hand eines Banditen gleich. Sic ist um so gefähtlicher, wenn sie zum Dienste der Laster gemißbraucht wird, je weniger man diesen Mißbrauch von ihr befürchtet, und je einnehmender nuter ihrer Hülle das Laster zu erscheinen, fähig ist. Ich wünschte, daß die Erfahrung mir hier widerspräche. — So lange der Römer seine Götter und eine Vergeltung glaubte, war Treue und Glauben unter diesem 53 Volke; sowie aber ihre Weisen die Altäre umgestürzt und die Göttin Vernunft und ihre Tochter Eitelkeit als unumschränkte Herrscherin auf den Thron gesetzt hakten, da stieg die Sitienlosigkeit ei» ungezügeltes und üppiges Leben , auf den höchsten Gipfel, und der unvermeidliche Unkergaug des Volks ruhte vor der ThüreH) Es ist klar, und bis zur Evidenz erwiesen, daß ein festgestelltes, kirchliches System, zur Beruhigung des Volkes und einen bestimmten Lebenswandel zn führen., alles Vermag, abgesehen davon, daß jener Götzendienst, als solcher, ncbcnbey mancherlei) praktische Nachtheile hervorbrachte und hervorbringen mutzte. Die kraftigsten Waffen des Unglaubens, das Evangelium zu bekämpfen, oder vielmehr zu verdächtigen, sind nun besonders solche Dinge, die zwar durch ihr Alter etwas Ehrwürdiges an sich tragen, die jedoch in den heiligen Urkunden nicht begründet, sondern in spateren Zeiten ans dem Heidenthnm mit hcrübergeschleift oder willkührlieb, obgleich strenges, göttliches Verbotst des Supplirens vorliegt, als ein bejonderer dftacht;ag, hinzugefügt worden sind. Damit, und weil nun allerdings diese Schaale bitter ist, sucht der Unglaube auch den Kern mit zu zertreten oder, wie man im Sprüchworte zu sagen pflegt: er schüttet das Kind mit dem Vade weg; versteckt sich hinter das bekannte giftige Blieb das Vugurat zu Nein nicht noch das einzige Mittel, das dem Eigensinne ^ind dem Ungesiümme des Volks Einhalt thun koniftclt 6* Pcnmier, daß er einzelne Tharsachen, wo Handlungen des Zlbcrgiaubens ein nachlhciiigcs Licht auf die Religion Jesu warfen, oder wo Narren in religiöser Schwärmerei) das Wort Gottes mißbrauchten (und welches Gu-.e kann nicht mißbraucht werden?) auf Rechnung der geiffeubar- ten Religion überhaupt ausdehnt und sie ni't den schwärzesten Farben ausmalt. Sollten wir aber darum, weil ein Narr mit einem Lichte ein Haus anzünden kann, den Gebrauch aller Lichter untersagen, oder alle Treppen abbrechen, damit niemand herunterfalle? Man schreit, der Aberglaube ist das größte Ungeheuer, welches schon so vieles Unheil in der Welt angerichtet« Ihr habt recht, ihr lieben Leute, doch möchte ich bitten, die Sache aus dem rechten Gesichtspunkte zu betrachten. Man nehme die Geschichte zur Hand, und untersuche einmal die einzelnen Rädelsführer, welche eine Nation, die im Aberglauben versunken lag, zum Aufruhr und Empörung gegen ihre Obrigkeit aufreihten. Diese Unmenschen sind nichts weniger als Abergläubische, oder wozu man sie gerne machen möchte, Christen, sondern anerkannt verkappte Freygeistcr, -welche unter der Larve der Religion, den großen Häuft» in seinem Aberglauben schändlich mißbrauchen. Der Aberglaube ist eine mißvcrflandenc Religiosität, die sich auf Menschen-Sahuugcn gründet, der an und für sich ganz unschädlich scyn kann, »nd bcy welchem sich alle bürgerliche Pflichten treu ausüben lassen. Aber wehe denen, welche ihn mißbrauchten, wenn er erwacht, sein 85 Haupt erhebt, den Betrug einsieht, und mm cm gleiches auszuüben versucht. Auch in unfern Tagen haben wir treffende Beispiele hiervon, die Niemand läugnen kann. Und so ist auch der Aberglaube ein trauriger und gefährlicher Zustand der Menschheit, ob ich gleich ruhiger in der Hütte eines in bürgerlicher Ordnung lebenden Abergläubischen, als in der, eines Frcydenrers schlafen möchte. Vor allen diesen Uebcln würde uns die treue Befolgung der Lehre Jesu kräftigst schützen, und darum sollten wir um so mehr an der ewigen und höchsten Weisheit, welche alle übrige Weisheit bisher zu Schanden gemacht hat, an der kraftvollen Lehre Jesu Christi festhalten, welche so viele Jahrhunderte hindurch zum Tröste und zur Weisheit des Menschengeschlechtes gewirkt und diejenigen wahrhaft glücklich gemacht hat, die sie ohne Verunstaltung und Menschen- Satzungen treu in ihrem Herzen bewahrten. Diese göttliche Lehre hält aber auch die strengste Prüfung, sowohl über ihren Ursprung, als über ihren inuern Gehalt aus. Die größten Männer aller Jahrhunderte haben sie, soweit das schärfste mensc!«iiche Denken reicht, genau geprüft und sonach mit herzlicher Freude öffentlich bekannt, das weder eine trostvollerc Lehre zur Wiedervereinigung (Religion) mit der Liebe und der strengen Gerechtigkeit Gottes, gegeben, noch ein höheres Sitten-System aufgestellt werden könne, als jene, wie bekannt, ganz gemeinen und uugclehrten Menschen, die Evangelisten und Apostel unter der Autorität ihres Herrn und Meisters es aufgestellt haben. Von einem ähnlichen Beyspicle weiß die Geschichte nichts, und alle Systeme früherer und späterer, so acfeyerten Philosophen, hatten sich einer so einfachen und doch so festen Gründung und eines so herrlichen Fortganges nicht zn erfreuen. Woran liegt diesi? an nichts anderem, als an dem Gepräge feiner Göttlichkeit; .innere Stärke und Wahrheit gaben Sieg und Gedeihen allerorts; die Religion Jesu hat ihre Bekenner weder durch Reitznngen der Wollust geworben, noch durch der Waffen Gewalt gezwungen; Ueberzeugung ist ihre Einladung — doch, wehe dem, der sie leichtsinnig von sich weißt.*) Betrachten wir ferner die Urthcile und erfreulichen Bekenntnisse über die Christus-Religion eines Leibnitz, Ncütsn, Vörhaven, Hallcr, Pussendorf, Pütter, Käst- *) Die leichtsinnige Abweisung der Lehre Jesu, hat unter den Menschen gar mancherley Gründe. Der eine kann sie mit ssiner bizarren Lebensweise nicht in Einklang bringen; der andere will mit seinem eigenen Guten, daß er sogar im Uebermaße zu besitzen glaubt, vor dem Gott der Geiechtigkeit rrscheincn und was dergleichen mehr ist. Am lächerlichsten aber kommt mir jene Classe der Menschen vor, tie sich dieser Lehre sogar schämt. Und was ists in der Regel, wodurch sie zu dieser erhabenen Gesinnung gelangt sind? Antwort! manchmal der Rock, der Hut oder sonst etwas, womit dieser oder jener seinen Körper bedeckt. Sollte man aber glauben, daß Schneider und Hutmacher eine solche Despotie über die Menschheit auszuüben im Stande wären! 87 ner, Klopstock und anderer anerkannt starker Denker und sonstiger Gelehrten; ") so sollten es doch auch jene Naturvcrcyrer einmal der Mühe werth halten, sie mit aufrichtigem Herzen zu prüfen und zu, würdigen und dies; um so mehr, wenn so viele blinden Nachbeter unser ihnen, doch bedenken wollten, das, wenn man ihrer, in Beziehung auf Geistes,' und Verstandeskräfte, zu Dutzenden znsammcnknetete, nicht leicht einer dieser großen Männer herausgebildet werden könnte. Ich überlasse es daher jedem Unbefangenen, zu be- urthcilen, ob ich so ganz unrecht thue, wenn ich meine Meinung für das Vorhandensein von Geistern, ans diese erhabene Lehre stütze und die vielen entgegengesetzten und öffentlich ausgesprochenen Meinungen für sehr schwankend erkläre —und vor der Hand, und bis man denn eine bessere Ueberzcugung vom Gcgentheil erlangt haben wird , diesen sogenannten Geisterlärm in die Ca- thegorie des Uebernatürlichcn sehe. ") Die in neueren Zeiten für das Gegentheil gestimmten und dadurch zu hoher Celebricät gelangten Philosophen, zum großen Lhcil aus Franzosen bestehend, können hier in keinen Betracht kommen; da sie ausser ihrem flüchtigen Idecngange und bey einem großen Maße von Leichtsinn, bloß als flatternde Schöngeister erscheinen, die sich in einem täuschenden Vergrößerungsspiegel, in ihrer Aufgeblasenheit als Riesen unter den Denkern betrachteten, im übrigen aber ihr Denken durch ihr Leben hinreichend beurkundet haben. 88 Sollte jemand fragen: wozu aber diese lange M- Handlung, die doch ganz unabhängig von dem fraglichen Geistcrlärni ist: so antworte ich, daß ich es allerdings für nöthig erachtete, die Gründe, oder vielmehr die Lehre anzugeben und auseinander zu sehen, worauf sich meine Meinung eigentlich stützt. Verwirft man diese Lehre, nun so verwerft man auch meine daraus gezogenen Folgerungen und Ansichten und — die Sache ist kurz abgethan. Frcylich werden mir meine Antagonisten entgegnen, daß ich hier dlcß das Daseyn von Geistern im Allgemeinen zu beweisen gesucht habe, daß dieß aber, den Beweis; selbst für genügend erkennend, doch bey weitem nicht hinreiche, deren Existenz auch auf Schnelleres und Rodcnstein zu eonstatiren. Dagegen habe ich nur einzuwenden, i^ß wenn das eine wahr, daö andere doch möglich ist. Nebel gedeutet kann meine Ansicht nicht werden, denn sie ist gewiß sehr »»schädlich und dafür bürgt mir auch die Meinung«-Tollcranz unseres aufgehellten Zeitalters. Sollte mir aber irgend jemand sein Bedauern darüber zu spenden, geneigt seyn, der thue es doch im Stillen, ich bin nun einmal noch nicht zn der Stufe der Cuitur yinangestiegen, um das Alte ganz abschütteln zu können. Und so wollen wir denn das Gchcimniß unterdessen auf sich beruhen lassen/und sehen, ob nicht vielleicht eher noch dir Quadratur des Zirkels, als der Schlüssel zn jenen Eeisterburgcn gefunden werden wird. Uebernatürlich — das klingt fteyilch sonderbar dem Ohre des mechanischen Phussophen. Dem kommt das 89 Seyn, Lüben und Weben auf dem Erdklos nicht anders vor, als Hans Märten seine Kukuks-Uhr, wenn die ausgezogen ist, so geht das Ding seinen absolut nothwcn- digen Gang — und damit Punktum. Schreit auch der Kukuk manchmal nicht, so ist das eine kleine Diversion, woran die Witterung schuld ist, und so gehks auch im Großen. Wenn z. B. Lisabsnn seine Mauern zusammen schüttelt und Calabrien in den Rachen des Occans hinab sinkt; so sind das Ereignisse die so und nicht anders geschehen konnten. Das sind die geregelten Gesetze der Natnr. (Ich möchte die ungeregelten kennen) Wenn wir hier die Philosophie nicht zur Hand harren, wie ließ sich das Alles vereinbaren mit den geregelten Gesetzen der Natur! Wie wäre es aber, wenn doch der Mathematiker, dem es überlassen ist, aus den als wahr erkannten Gesetzen, mit Hülfe der Geometrie und Analysis, alle nur möglichen Folgen in ihrer größten Allgemeinheit darzu- thun, und eben dadurch andere verwiekeltere Erscheinungen mit jenen Gesetzen in übereinstimmenden Zusammenhang zu bringen — uns über so manche Ergebnisse, die in dem Buche des Schicksals mit allzu undeutlichen Hieroglyphen geschrieben sind -- Ausschlüsse zu geben, im Stande wäre! ? Vor 80 Jahren war man wenigstens in dieser Kunst noch nicht so weit gekommen, und ich glaube, daß man auch in unser» Tagen «in klares Nesmne, welches man aus den mannichsalrigen Betrachtungen so verschiedener Ergebnisse der Art zu abstrahiren bemüht war, nicht zu 90 geben im Stande ist. Ader darum möchte ich, wie man schon so oft getchan hat, die gesammte Mathematik, immerhin noch nicht für ein« Menge unfruchtbarer Sxecularioncn erklaren. Genug der mathematische Verstand konnte damals noch über manches in der Art, keinen Ausschluß geben — und daß dieses wahr ist, darum will ich eine Geschichte zur Bestätigung des Gesagten, obgleich - unabhängig von dem Geisterlärm im Odcnwalde, doch im wesentlichen Verwandt mit demselben, hier mittheilen, um somehr, als sie nicht zu vieler Mensche» Kenntniß gekommen ist, weil sie in den Werken verschiedener Gelehrten, unter vielen andern Dingen zwar erzählt wird, dergleichen Werke aber in der Regel zu theucr kommen, um sie dem größeren Publicum zugänglich zu, machen. Leicht könnte ich mehr als dreißig dergleichen, mit d.cn vollständigsten und wohl eben so glaubwürdigen, zum Thcil autographen Zeugnissen und sonstigen Umständen, zum bcßten geben, allein dieß liegt ausser dem Räume und dem Plane meines Werkchcns. Nur will ich hier zeigen, wie weit vor 80 Jahren der mathematische Verstand in Dingen dieser Art noch zurück war. In einem der vorgedachten Werke wird nun Folgendes erzahlt. Im Jahre 1748 nach Johannes-Tag starb in Braunschwcig ein Herr Dörnen, Hofmeister am Col- lcgio Carolins, ein Mann, der jederzeit seinem Amte mit aller Treue und Wachsamkeit vorgestanden Hatte, und dem ein sanfter, stets sich gleicher Charakter, eins 91 eben so kluge als natürliche Redlichkeit, und eine standhafte Seele eigen war. Kurz vor seinem Tode ließ er einen andern Hosmeister Herrn ÜI. Höfer, mit dem er in genauer Freundschaft stand, zu sich bitten, um etwas Nothwendiges mit ihm zu sprechen. Dieser, ob er schon bereits im Bette lag, wollte doch dm Wunsch seines Freundes nicht unerfüllt lassen, und ging daher zu ihm. Allein er kam zu spat, indem der Kranke bereits mit dein Tode rang. Nach einiger Zeit verbreitete sich das Gerücht, als wenn bald dieser, bald jener den Verstorbenen im Carolina gesehen hätte. Da aber diese Nachrichten bloß von jungen Leuten herrührten, so fanden sie wenig Beysall, vielmehr wurde alles für «in Resultat der, durch die Furcht aufgeregten Einbildungskraft ausgegeben. Endlich ereignete sieh im Monat October 17Ü6 ein Vorfall, der viele bewog, der Erscheinung einen ausgezeichneten Werth beuzulegen, anstatt, daß man sie vorher als ganz unwahr verworfen hatte. Es erschien nämlich der verstorbene Dänen "dem ül. Höfer zu der Zeit, als er seiner Gewohnheit nach, Nachts zwischen 11 und 12 Uhr, im Collegis herum ging, um zu sehen, ob seine Untergebenen zu Bette und alles in gehöriger Ordnung sen. Als er an des ssl. Lampadius Stube kam, sah er den Verstorbenen gleich daneben sitzen, in seinem gewöhnlichen Schlafrocke, einer weißen Nachtmütze, welche er nuten mit der rechten Hand hielt, so, daß man nur die Hälfte seines Gesichts, nämlich den untern Theil vom Kinne bis zu den Augen, doch mit größter Deutlichkeit sehen könnte. Dieser unerwartete Anblick setzte zwar den ssl. ^92 Höfe? in einiges Schrecken, allein überzeugt, daß er seinem Beruf nachgehe, faßte er sich bald wieder und ging in die Stube. Nachdem er Alles in Richtigkeit gefunden hatte, schloß er die Stube hinter sich zn, und bemerkte den vorhergesehenen Schatten noch unbeweglich in seiner vorigen Stellung. Er faßte den Mnth, daß er auf ihn loß ging und ihm geradb ins Gesteht leuchtete, jetzt überfiel ihn ein solches Entsetzen, daß er kaum die Hand w den Muth, daß er den Geist folgendermaßen anredete: Haben Sie noch Schulden? — Er mußte schon zum voraus, daß der Verstorbeue ciuige Thaler Schulden hinterlassen hatte, daher kam die Veranlassung dieser Frage. Bei dieser Frage wich das Gespenst einige Schritte zurück, richtete sich gerad in die Höhe, nicht anders als ob jemand etwas mit Aufmerksamkeit anhören wolle. Er wiederholte die Frage noch einmal, worauf der Geist mit der rechten Hand über den Mund hin und her fuhr. Der s.hwa ze Bart, den der Professor Oeder deutlich sehen konnte, veranlasse ihn, die Frage zu thun: haben Sie vielleicht noch den Barbier zu bezahlen? worauf das Gespenst de» Kopf versichiede- nemal langsam schüttelte. Die weiße TabackSpfcife war der Veranlassungsgrund zu folgender neuen Frage: sind Sie etwa noch Taback schuldig? hier wich es zurück, und verschwand auf einmal» Den Tag darauf entdeckte der Professor Oeder diesen neuen Vorfall dem Hofrath Erath, der einer von den vier Curatoren am Collegio Carolina war, und die Schwester des Verstorbenen bei sich im Hause hatte. Dieser machte sogleich Anstalt, daß die Schuld bezahlt wurde. Diese so glücklich abgelaufene Unterredung mit dem Geist, bcwog den Herrn Professor Scidler, die nächstfolgende Nacht bei Oeder zu bleiben, weil man vermuthete, der Geist würde wieder erscheinen, welches auch geschah. Früh nach fünf Uhr wachte Oeder plötz- lich auf, und fand seine» ungebetenen Gast, nicht wie gewöhnlich, an dem Schranke, sondern neben demselben, an der weißen Wand. Er blieb in dieser Stellung, jedoch nicht lange, sondern ging in der Kammer auf und ab, als wenn er begierig wäre zu wissen, wer ausserdem noch im Bett läge. Endlich näherte er sich dem Bette, worauf der Professor Order seinen Freund Seidler stieß, und zu ihm sagte: (sehen Sie!) dieser ermunterte sich gleich, sähe aber weiter nichts, als etwas Weißes, und den Augenblick darauf sagte Oedcr: jetzt verschwindet er. Sie sprachen eine geraume Zeit von dieser Begebenheit und Oedcr war unwillig, daß sich der Geist nicht länger aufgehalten hatte. Er fragte Seidler ob er ihn nicht cicircn solle? doch hierin wollte Letzterer nicht willigen, und da der Professor Ocder weiter nichts sprach, so glaubte Seidler er wolle wieder einschlafen. Dies war er daher auch zu thnn willens; allein jetzt fuhr Oedcr auf einmal im Bette auf, schlug um, und neben sich, und rief mit einer fürchterlichen Stimme aus? du mußt hier weg, du hast mich lange genug beunruhigt, willst du noch etwas von mir haben, so sage es kurz, oder gieb mir es durch ein deutliches Zeichen zu verstehen, und komm nachmals wieder an diesen Ott. Scidlcr hörte dicß alles mit an, allein er konnte nichts sehen. ' Als nun Oeder sich einigermaßen beruhigt hatte, fragte Seidler nach der Ursache seines Auffahrens, wo er dann zur Antwort erhielt, daß der Geist zum zweitenmal gekommen sey, als sie mit einander gesprochen, sich erst vor das Bette gestellt, hernach sich demselben genähert und mit dem ganzen Leibe darüber gelegt hätte. Von dieser Nacht an, behielt der Professor Oeder alle Nachte jemanden bcy sich, und brannte auch Nachtlicht, welches er vormals nie gethan hatte. Dieses fruchtete nun soviel, daß er zwar nichts sähe, aber doch fast alle Zeit, entweder nach drey, oder nach fünf Uhr, mit einer ungewöhnlichen Empfindung, oder vielmehr mit einem Kitzeln, aufgeweckt wurde, welche Empfindung er vormals nie gehabt zu haben versicherte. Er beschrieb diese Empfindung als eine solche, dergleichen man zu haben pflegt, wenn man mit einem feinen Flederwisch vom Kopf bis auf die Füße gestrichen wird. Manchmal hörte er auch am Schrank einiges Geräusch, oder ein Pochen an der Stubcnthüre. Nach, und nach unterblieb bevdes, so daß er glaubte, auf die Zukunft seines Gastes entledigt zu scyn, daher er auch wiederum allein schlief und kein Licht weiter brennen ließ. Zwey Nächte gingen auf solche Art ruhig vorüber, allein die dritte Nacht war das Gespenst um die gewöhnliche Zeit wieder da, obschon in einem merklichen Grad dunkler. Es hatte in der Hand ein neues Zei, chcn, mit dem es ungewöhnliche Bewegungen machte. Solches war einem Bilde ähnlich, und hatte in der Mitte ein Loch, in welches der Geist zum öfter» die Hand steckte. Oedcr war so beherzt, daß er sagte: er müsse sich deutlicher erklären, sonst könne er nicht er- rächen, was er haben wolle, oder wenn er dieß zu 7 / 98 thun unvermögend sep, so möchte er näher treten. Auf beyde Aufforderungen schüttelte das Gespenst den Kopf und verschwand. Eben diese Erscheinungen geschahen noch einigemal, sogar in Beyseyn eines andern Hofmeisters am Carolina. Nach langem Nachsinnen und Forschen, was der Verstorbene wohl mit diesem Zeichen haben wolle, brachte man so viel heraus^ daß er kurz vor seiner Krankheit etliche Bilder in eine magische Laterne von einem Bilderhändler auf die Probe genommen, die nicht zurückgegeben worden seyen. Man gab daher dem wahren Eigenthümer die Bilder zurück, und von der Zeit an blieb Oeder in Nuhe. Der Professor Oeder berichtete, diese Begebenheit mit dem Geist an Hof und an große Gelehrten, z. B. an den damaligen Probst Jerusalem, an den Professor Gebauer-in Güttingen, und an den Professor Segner, und war erbdtig, sein Zeugnis; mit einem Eide zu bestätigen. Ist es nun wohl begreiflich, daß man auch diese Erscheinung einer Tauschung der Einbildungskraft zuschreibt? und doch geschieht es gegen besser Wissen und Gewissen, und gegen alle innere Ueberzeugung. .Alle, die den Geist sahen, sollen sich dieß bloß eingebildet haben, und von dieser Einbildung soll dem verständigen Höfer, der sich nicht täuschen wollte, der Arm geschwollen seyn.*) In älteren Zeiten war es schon bekannt, und in neueren finden wir vielseitige Bestätigung, daß X? H Pft täuschende Einbildung soll öcdertt bewogen habkii, die Tabaksschulden zu errathen, Und für ihre Äezahs lung zu sorgen, und ebenso auch die geliehenen Glass gemälde ihrem EigeNkhümtt' wieder zuzustellen? Nein es ist unmöglich, daß ein vernünftiger Mensch solche unvernünftige Behauptungen im Ernste meinen kann-- aber warum behauptet man solchen UnsiNn? — Ant- Wort: Um das fürchterliche Ungeheuer, den Aberglau- bcn zu stürzen. Gerade als wenn das Aberglauben wäre, wenn man ein merkwürdiges Phänomen in der Natur steht, hört, mit allen Sinnen empfindet, ver- nünftig prüft und dann Schlüsse daraus zieht. — Sagt doch um Gottes- und der Wahrheitwillen, liebe Zeitgenossen! ist das denn Aberglauben? — wenn das Aberglauben ist, so sind alle unsere großen Physiker, Chemiker, Astronomen und Naturforscher sehr verächtliche und abergläubische Mensche», denn sie thutt nichts anders als das« Aber ich weiß sehr Wohl wo der Schuh drückt: die logisch richtigen Schlüsse, die Matt ganz natürlich aus einer solchen Erscheinung folgertt muß, sind der Aberglaube, den man fürchttt: sie beweißt unwidersptechlich die Fortdauer unsers Wesens nach dem Tod, und zwar mit der Rückerinnerung der de» absichtlicher Annäherung oder Berührung der Dunst-Hülle eines Geistes, welcher mit dem Berührenden vielleicht in keinem vollkommenen Rapport oder sonst convenablen Verhältnissen steht, der Berührende itt der Regel bösartige Geschwüre oder rniNdesteüF kinen Geschwulst davon tragen kann. 7« !M Geschickte unscres Erdeniebens; und niinink man noch andere, eben so wahre und gewisse Erscheinungen dazu, so bringt man bald, und ohne Mühe, lauter apodiktische Beweise, für die Unsterblichkeit der Seelen, für die Gewißheit der Belohnungen und Strafen nach diesem Leben, für erhöhkere Kräfte unseres Wesens nach dem Tod, für die Wahrheit der Erlösung durch Christum, mit einem Wort, für die wahre alte evangelische Bibelreligion heraus, wodurch dann das neuchristlich seyn sollende mechanisch philosophische Lehrgebäude, das sich, die durch Luxus und Weichlichkeit abstrappazirte Aufklärung, aus dem ärmlichen Vorrath, aus der Sinnenwelt abstrahirter Ideen, zusammen gezimmert hat, total darnieder gestürzt und zertrümmert wird. Dieß ist der Aberglaube, den man fürchtet. Darum hat der antichristliche Geist von jeher die Geister-Erscheinungen gefürchtet; anfangs mis- brauchte er sie zum Popanz oder zum schändlichsten, Aberglauben, und da er sie nun gleichsam mit Schande gebrandmarkt hat, so lnugnet er sie ganz; beydeö soll uns aber nicht abschrecken. Diese sehr ernste, feyerliche und ganz unbestreitbaren Zeugnisse für die Wahrheit der Bibel und ihrer Religion aufzusuchen und zu prüfen. - i.V.. / ' Dörren war also ein braver und rechtschaffener Mann, und doch war er nicht alsofort nach dem Tode glücklich,. Wir wollen ja nicht lieblos über ihn urthei- len, er kann bald hernach seelig geworden seyn, sondern vielmehr untersuchen, was ihn zu dieser traurigen Erscheinung veranlaßt habe? --- Daß es kleine Schulde» und das Zurückbehalten einiger Glas-Gemälde waren, ist klar, aber wie oft bleiben solche Sachen unberichrigt, ohne daß deswegen der abgeschiedene Schuldner wieder zurückkommt und auf die Berichtigung dringt? — Bey Döricn mußte also noch etwas hinzukommen, und dieses glaube ich darin zu finden, daß die noch nicht berichtigten zwcy Punkte in seiner Todesnoth seine ganze Seele erfüllten; weswegen er auch zu seinem Freunde Höfer schickte, vcrmuthlich, um ihn zu bitten, daß er die zwei) Punkte in Ordnung bringen möchte, wahrend welcher Zeit er aber mit dieser Sehnsucht starb. — Diese Sehnsucht war also so stark, daß sie den armen Geist in einer so quälenden Lage gleichsam im Thor der Geisterwelt zurück hielt. Man sieht hieraus. Wie wichtig das Hausbestellcn vor dem Sterben ist — man suche doch auch im Irdischen vorher alles in Ordnung zu bringen, ehe mgn die Welt verläßt, hat man das aber nicht gekonnt, oder hat mans versäumt, so ist das denn doch kein Gegenstand" mehr, der uns im wichtigsten Zeitpunkt unserer ganzen Existenz beschäftigen, uns mitSehnfucht erfüllen soll. Was man dann nicht mehr ändern kann, das überträgt man mit inbrünstigen und demüthigen Seufzern aus einem gebeugten Herzen der allwaltenden Vorsehung zur Berichtigung, und zur Aufrechthaltung der Ehre, und ergreift dann mit fester Zuversicht, die ewige Erlösung durch Christum im Glauben, so daß dieser Gedanke die ganze Seele erfüllt; man hüte sich aber ja, sich 1W Mit allem dem Guten, was man etwa sei» ganzes Lesben durch ausgewirkt haben mag , zu beruhigen und zu trösten; wenn darauf unsere Seligkeit gegründet werden soll, so werden wir ins- Gericht geführt, und unsere Sünden jenen guten Handlungen (die mir ohnehin, nach der erhabenen Sittenlehre Zes», zu thun schuldig waren) gegen über gestellt, und dann stehts auch mit den besten Menschen schrecklich aus; mi Gegentheil, wir müssen uns nackt ausziehen, und genau mit dem Gefühle und der Gesinnung des verlornen Sohnes uns in die Arme des Allerbarmers werfe»; uns mit aller Kraft unserer Seele nach ihm sehnen, und nur aus pur lauterer Gnqde Ihn um Aufnähmest» sein Reich bitten, so wie es auch der arme Schacher am Kreuz machte , dann wird uns diese Sehnsucht mächtig ans der sterbliche» Hülle empor flügeln, und dann ist an kein Wiederkommen mehr zu denken, Jetzt werdet ihr auch, liebe Leserl das Gleichniß des Herrn verstehen, Marth. 22. V. 11. 12. 13. wo der Hausvater die Gaste musterte, und eine» fand, der doch kein hochzeitlich Kleid an hatte; das war so einer, der Mit seiner eigenen Werkgercchtigkeit, seinem elenden, besudelten Kleih, die Gerechtsame zu haben glaubte, an dieser Tafel zu erscheinen, wo nur die Gerechtigkeit Christi das Hochzeitklejd, die allein gültige Uniform ist. Der abgeschiedene Geist, von dem hier die Rede »st, erschien sy, daj; er ohne das entwickelte Ahnungs- ' 103 Organ gesehen werden konnte, daher bemerkten ihn auch mehrere. Entweder war er noch zu neu in dem Geisterreich, so daß er noch nicht wußte, wie sich ein Geist mit einem noch lebenden Menschen in Rapport setzen könne, oder er fand niemand, der dazu fähig war. Indessen scheint es doch, daß er Versuche zu jener Ertwickelung habe machen wollen, denn er würkte auf Höfern, dessen physische Natur aber dieses Eimvür- ken nicht ertragen konnte, indem sein Arm schwoll, und er es auch nicht mehr wagte, dem Geiste näher zu kommen. Oeder konnte zwar dieses Würken besser leiden, und es kam auch einigermaßen zum Rapport, aber doch nicht so weit, daß der Geist mit ihm sprechen konnte. Ich bitte hiebe» wohl zu bemerken, daß ein solcher erscheinender Geist nicht jedermann hörbar sprechen kann, dazu fehlen ihm die Werkzeuge, sondern wo er jemand trift, der ein leicht zu entwickelndes Ahnungs- Organ hat, so würkt er auf ihn, indem er seine Gedanken in das Innere des lebenden Menschen haucht, die sich dann den inneren Gehör - Werkzeugen mittheilen, und so glaubt der Hörende die Stimme von aussen gehört zu haben. Daher kommts, daß jemand in Gegenwart anderer mit einem Geist sprechen kann, ohne daß die Anwesenden des Geistes Stimme hören. Dereinst wird uns das alles begreiflich werden, weil es uns dann natürlich ist. Der Geist hört auch nicht mit seinen Ohren was die Anwesenden sagen, sondern er liest es in der Seele dessen, ini-t dem er m IM Rapport ist, so wie eine magnetische Somnambüle in ihrem Magnetiseur. Ich bitte dieß alles wohl zu bemerken, so wird vieles Unbegreifliche erklärbar werden. Mit Ocdern kam es so weit nicht, sey's, daß seine physische Natur schwer in Rapport zu bringen war, oder daß es der Geist noch nicht recht verstand. Höchst merkwürdig ist hier wieder die schaffende Kraft abgeschiedener Geister: als sich Dörien nicht durch Worte verständlich machen konnte, so bildete er sich eine Tabackspfcife in den Mund und eine magische Laterne in die Hand. Alles freylich bloße Dunstbilder, die er aber doch bloß durch seine Imagination und durch seinen Willen sinnlich darstellte. Liebe Leser! was werden wir dereinst im himmlischen Element alles ausrichten können! — Ach laßt uns doch allen Ernst anwenden, um dort wohl aufgenommen zu werden. Oeders Betragen gegen den Geist war hart; er schalt ihn einen bösen Geist, ohngeachtet er wußte, daß es Dörnens Seele war; er schlug um sich, als er sich ihm näherte; freylich war das alles Folge der Angst, allein auch diese war Folge seiner mangelhaften Grundsätze. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, so hätte ich gesagt: gute, liebe Seele! du bist auf einem Irrweg; um das Irdische bekümmere dich nicht weiter, das ist deiner Aufmerksamkeit nicht werth, dafür laß du Mich sorgen. Alles, Alles was du noch zu berichtigen hast, wollen wir, deine Freunde, mikerfuchen und 105 bann in Ordnung bringen, so daß jedermann mit dir zufrieden werden soll, und ist noch etwas auf deiner Seele, das wir nicht gut machen können, so wende dich zu deinem Erlöser der kann Alles berichtigen; zu Ihm! zu Ihm richte nun deine ganze Sehnsucht, da findest du allein Ruhe, der Herr segne dich! und gebe dir Friede! Auf solche Weise hatte ich gehandelt, und ich bin überzeugt, daß er mich, wo nicht bei) den ersten Er/ scheinungen, doch endlich, an statt sich zu verdunkeln, hell verklärt würde verlassen haben. Wenn sich ein Geist so nähert, daß er unserm Körper nachtheilig werden kann, so weicht, man aus, wendet sein Gemüth zu Gott, und sagt ihm dann freundlich: Ich sage dir im 'Namen Jesu Christi, daß du mich nicht berühren darfst. . Soweit jener Herr Verfasser mit seiner Gcisterge/ schichrc. Die That-Sachen, welche in dieser Geschichte vorliegen, sind freylich von der Art, daß sie selbst mit der englischen Feile nicht ganz wegzuschaffen waren. Die Philosophie hat sie zwar schon von allen Seiten angepackt und erbärmlich herumgezerrt und zugerichtet, daß man glauben sollte, es hätte auch nicht ein ganzes Stückchen daran bleiben können, allein es will sich im/ mer nicht recht damit gabeln. Die verschiedenen Auslegungen darüber sind gar anmuthig zu lesen, es ist nur Schade, päß nicht noch ein mehreres darüber ge/ dacht und geschrieben worden ist, man hätte dann im/ t W6 mer mehr, an den künstlichen Meinungsformen des menschlichen Verstandes sich weiden können. Indessen ist nichts so schlimm, es ist für etwas gut. Bedenkt man, wie viele Unterhaltung diese Abhandlungen dem lesenden Publicum gewährt haben, wie so mancher ehrliche Mann etwas dabei, verdient hat und endlich, was denn die Hauptsache ist, wie mancher, der schon auf die schreckliche Idee gekommen war, er müsse »ach dem Tode fortleben, hat sich dadurch wieder getröstet und gestärkt, daß nun wieder ein weiterer Grund zur Vermuthung: man könne nach dem Tode fortleben, in Rauch und Nebel aufgegangen war: — so ist klar, daß das Verdienst jener Geister- Bekämpfer alle Anerkennung verdient. ^ Der größte Dank, den ich ihnen zolle, ist, daß sie / bey dieser dunkelev Sache, doch noch soviel Licht übrig gelassen haben, daß man auch sein bischen Meinung gelegentlich noch anbringen kann- Meine Meinung hierüber ist, daß man ein recht guter Christ seyn könne, ohne gerade auf die verschiedenen Erzählungen, von Erscheinungen der Geister, ausgenommen jene, welche uns die heilige Geschichte angibt, einen bedeutenden Werth zu legen. Es ist kein Glaubens-Artikel. Allein, da der Mensch, nur als ein solcher denken und alles nur in Zeit und Raum begreifen und empfinden kann; so ist doch klar, daß eine unendliche Menge von Dingen, ausser ihnen vorhanden seyn werden und müssen, die er nicht begreifen und nicht fassen kann. Sind sie aber darum, weil sie von ihm entweder gar nicht oder nicht ganz begriffen werden können, auch W7 nicht da? Die Bibel enthält eine Menge Veyspiele von Erscheinungen der Engel und abgeschiedener Men- schenseelen. Ich kann mich aber keiner Stelle darin erinnern, wo gesagt Ware, daß dergleichen in Zukunft nicht mehr erscheinen könnten. Gott wird aber seine ganz weisen Ursachen dabey haben, uns manches gleichsam nur von ferne zu zeigen oder nufi ahnen zu lassen, und uns an einem, unserer Natur und Bestimmung ganz angemessenen Scheidewege verweilen zu laßen Es scheint mir daher eine der größten Thorheite» der Menschen zu seyn, nur das glauben und für wahr halten zu wollen, was nnser so eingeschränkter Verstand begreifen und erklären kann. Wollten wir nach dieser Theorie als ehrliche Menschen verfahren, so müßten wir offenbar auch Gott laugnen, — weil wir ihn nicht begreifen und uns keine sinnliche Darstellung von ihm machen können. Man könnte mit dieser herrlichen Theorie bis ins Unendliche fortschreiten. Wer könnte da sonderbar finden, wenn ich mir einfallen ließ, zu iäug- neu, daß der Sultan in Constantinopel residire? ich habe es nicht gesehen nnd — darum glaube ich es nicht; ein Glück für ihn, daß er kein Geist ist, ich würde sonst seine ganze Existenz laugnen. Sollte aber Gott die Menschen mit dergleichen Erscheinungen nur ängstigen und Furcht unter ihnen verbreiten wollen!? Das wäre freylich ein wenig hart.— Warum sagt man dieß aber von keinem vorüberziehenden schweren Gewitter? da zittert und bebt ja ein gan- W8 zer Theil des Erdkreises; Schwachnervige bekommen die gefährlichsten Zufalle, und nicht selten werden sogar Menschen von dem Blitze geködtet. Wie doch der Mensch auf so mancherlei) Weise fürchten gemacht und geängstigt werden kann. Wenn aber Geistererscheinungcn möglich sind, warum kommen sie so selten vor? und warum mußte grade der gute und redttche Dörien in diesen bedaucrns- werthcn Zustand versetzt werden? Freylich eine Gewis- scnsfrage. Zn der Geschichte selbst, hat der Verfasser darüber ziemlich deutlich seine Meinung ausgesprochen. Ucbcrhaupt wie kann auch ich dies; Alles beantworten? müßte ich da nicht Geister studirt haben? Lyrick, der redliche Lyrick, stirbt in der Blüthe seiner Zahre an einer äußerst schmerzhaften Krankheit, während Torack steinalt wird, damit er zu seinen bereits begangenen Mordthatcn, noch einige Dutzend hinzufügn kann! Zch fragte, warum dieses Verhältnis, wenigstens nicht in soweit umgekehrt sey, daß der Mörder eines zeitigeren Todes gestorben wäre; allein die Antwort war eben von der Art, als wenn ich gefragt hätte, warum erschien Dörien und kein Anderer? Wir stoßen eben in dieser buckeligen Welt auf so mancherlei) Dinge, die mit unserer hochgefcycrten Vernunft in pur lauter Widerspruch stehen. Was daher öfter nicht gutwillig in ein System paßt, das wird mit Gewalt hinein gezwangt. Wir sehen daher wie höchst nöthig es ist, bey unserer Schwäche und Kurzsichtigkeir, W9 uns einzig und allein nach der einfache» Lehre des ewigen Wortes Gattes zu richten, und uns in allen Lebensverhältnissen von derselben leiten zu lassen. Giebt man hier auch nur ein wenig nach, so kommt mau in Gefahr aus Abwege zu gerathen. Der Eine verwirft alles,' was einem Geiste nur von ferne ähnlich sieht und der Andere setzt sogar, die Irrlichter in das Reich der Geister. Als die Reformatoren die Lehren und dm Gebrauch des heiligen Bibelbuchs wieder einführten, und das in demselben, in der bestehenden Form, nicht begründete und erst seit 1315 von Pabst Pius IV. ein- geführte^Fegfcuer auslöschten, gössen sie so viel Wasser hinein, daß zugleich auch jener Mittelort mit humeg- schwamm, den uns die Bibel Scherl und Hades nennt, welcher wahrscheinlich nach den Graden der abgeschiedenen Seelen, mehr oder weniger zum angenehmen oder unangenehmen Aufenthaltsort bestimmt ist. Was Christus am Kreuze dem Schacher Paradies nennt, ist ein Theil dieses Hades, *) zur Vorbereitung und zum Aufenthalte Sollten nicht vielleicht in diesem Mitteiorte (freylich je weiter vom Ziele, desto schwerer zur Begnadigung) Menschenseelcn, die weder zur Verdammniß noch zur Seligkeit reif sind, unbeschadet der ewigen kfebe und Gerechtigkeit Gottes, wenn sie ihrem Wesen und Zustande nach, durch das Heil der Erlösung, sich zu bessern noch im Stande sind -- noch Begnadigung erhalten können! ! Christus sagt Matth. C. 12, B. 32. vergleichweise bey der schweren Sünde wider den heiligen Geist: Wer wider des Menschensohn spricht, dem wird vergeben werden, wer aber wider begnadigter Menfthenseelcn. Die Hülle ist nach vielen Stellen der Bibel der unterste schreckliche Theil bcSHaVeS» Menschenseelen, die auf das Verdienst Jesu Chrjsti abscheiden, kommen nicht ins Gericht, mithin auch nicht in den Mittclort, sondern genießen nachher Lehre der Bibel alsbald die unbeschreiblichen Freuden im himmlischen Reiche, obgleich die eigentliche Seligkeit erst nach der allgemeinen Auferstehung unserer verklärten Leiber ihren Anfang nehmen wird. In dieser wichtigen Periode wird Alles an seinen ewigen Bestimmungsort gesammelt werden. Christus war daher zwischen seinem Tode und seiner Auferstehung im Paradies. Er war, wie wir ans der Bibel genau wissen, noch nicht zu seiden heiligen Geist spricht, dem wird es weder in dieser, noch in derkünftigen Welt vergeben werden. Hier spricht Christus ausdrücklich von Vergebung der Sünden in jener Welt. Hier erhalten wir Vergebung der Sünden, wenn wir im wahren Glauben auf das vollgültige Wersöhnungs-Opfer Jesu Christi absterben, und durch sein theures, zur Vergebung unserer Sünden, vergossene Blut, uns rein wasche» lassen. Dieß ist »ach dem neuen Testamente die einzige, unnach- lüßliche Bedingung zur Wiedervereinigung mit der Liebe und Gerechtigkeit Gottes. Alles übrige sind Palliativmittel, und selbst erdichtete DiNge, die uns zu nichts Helsen können. Auf Begnadigung, die zwischen dem Absterben und dem Weltgerichte noch statt haben könnte, sind wir nicht angewiesen, dieß müsse» wir dem Herrn anheiin gestellt seyn lassen. Uj nein Vacer aufgefahren. Aus diesem Hades mm, scheinen noch nicht vollendete Geister, wer weiß, welche Umstände und Verhältnisse dabei) grade Statt haben müssen — mit dem Reiche der Lebendigen in Berührung kommen zu können — und von der Art möchte denn Dö- riens Zustand gewesen seyn, als er Höfer und Oeder erschien. Wie sich nun, in Beziehung hierauf der Geisterlärm im Odenwalds erklären lasse, stelle ich jedem Denkenden anHeim. Ich bin kein Theolog, aber nach Christi Befehl soll man in der Bibel forschen — und die Wahrheit reden — dies habe ich nach meiner Ueberzeugung gethan, und bemerke nur noch, daß es überhaupt wenig darauf ankommen wird, ob man glauben will oder nicht — die Sache wird dereinst doch so kommen, wie es Christus bestimmt hat und daran wird auch kein Haar breit etwas geändert werden können. Kurzer Wegweiser. Der Reisende aus dem nördlichen Teutschlands kommend, welcher die beyden Bergschloßruinen zu besuchen willens ist, wählt am sichersten den Weg über Darmstadt, wo er das kostbare Museum, die, in ihrer Ausdehnung und vortrefflichen Einrichtung so berühmke Hofbibliothek und die Gemälde - Gallerte zu besuchen, nicht unterlassen sollte. Von Darmstadt nach Roßdorf. Spachbrücken, Reinheim. Grsßbieberau. Brensbach. Niederkeinsbach. Sticrbach. Schnelleres. Frank.-Crumbach. Erlau. Nodenstein» Die ganze Route bis Brensbach, in der höchsten Ausdehnung von sechs Stunden, hat man Chaussee. Der Weg von Darmstadt über das Gebirg nach Oberramstadt, ist für den Fußreisenden zwar angenehmer, ist aber, da es lauter Feld - und Waldwege sind, schwer zu finden. Von Osten über Würzburg kommend, wähle man den Weg über Miltenberg nach Erbach. Hier befindet sich der berühmte Rittersaal mit seinen Sehenswürdigkeiten. Von Süden und Westen kommend, durchkreuze man die Bergstraße bey Bens- Heim oder Auerbach, besuche zuvorderst die berühmte Riesensaule und das gigantische Felsen-Meer im Reis chcnbacher Thale. 1ZZ Nachtrag. Zwischen Urkunde IX. und X. ist einzuschalten: 1416, Im Jahre 1416 haben Johann und Gottfried Grafen zu Ziegenhain das Schloß LiSberg gewannen, und Hermann Herrn zu Rodenstein und zu Lisperg und seine Kinder gefangen, darauss denn dieselbige beide Graben durch Heinrichen Graven v« Weilenaw, Schenck Eberharten, und andre Ganerben und Burg- man vermocht worden, berürte Gefangene ledig zu las, sen, und das Schloß mit keiner Zugehocr ihnen wieder zu geben. 1418 24. August. Extrakt eines Sünebriefs. ^o. 1418 am St« Bartholomai Tag ist gethee, - dinget und wegen bißhcrger Fehde zwischen Landgrafen Ludwigen, Grafen Johann vnd Godfrisd zu Ziegen- Hayn, Gebrüdern, wie auch ihren Heistern und Helssers- helsscrn an einer, vnd Nörich v. Eysenbach, Ritter, ingleichen dessen Heistern vnd Helffershelffern auf der andern Seite, eine Sühne gegeben worden, also daß, was der Landgraf zu Nörich, vnd dieser wieder zu ihn zu sprechen habe, auf Johann v. Breidenbach, Diderich Poden, Ritter, Egharx y« Stvrnfurt, Landvogl zu L «4 Hessen, Tilcn v. Elbin, Heinrich v. Holzheim, vnd Eberhard Schenken den jungen, nebst der Zuspräche der Grafen von Ziegenhayn an Nörig, vnd dieses an jene, bestehen so Ire, ausgescheidcn, was sich in Fehcdcn Vorlaufe fen hätten. Doch soll dieser sie um Hcrman von "Ro- dinsteyn seinen kindcrn vnd vm das Schloß Lißberg voritzt nicht beschuldigen, sonder gutlichen darum mit. ihnen thcidingcn, worzn der Landgraf ihm guttlich Heist.n reden soll. Der Rorich soll auch dieses vnd der Grafen Feind wegen der Gaucrben von Lißberg in diesen Krieg nicht werden, alsdann Fritze von Slitzse des Norichs besonderer Feind sey, auch Otto vnd Gotschalck Gebrudere von Buchenau mit den Eravcn von Ziegenhayn in Vcrwahruuge stehen, Wegen Cnrt des jüngcrn auf einer, vnd den von Slizse, wie auch den von Dermbach auf der andern Seiten, ingleichen wegen der Gefangenen auf allen Seiten, soll es auf des Landgrass vnd der jechs gekoruen Ausspruch gleichfals ankommen, vnd hat solchen Vertrag Eghart Rietesel Landvoigt an drr Hohne, mit Otto Von, Buchenau unterstegcltt