Rheinpreußen und > seine siaatswirthschaftlichen Interessen der heutigen Europäischen Staaten-Krise, oder vergleichende Betrachtungen libxr deil frühern und den gegenwärtigen Zustand der Königlich Preußischen Rheinlands mit volkswirthschaftlichen Vorschlagen und statistischen Nachweisungen von Vr. Per. Kaufmann, Berlin. Bei Ferdinand D ü m m l e r. 18 3t. D e i. um Rheinische Volksbildung, Rheinische Kunst und Wissenschaft wohlverdienten Preußischen Staatsmännern, so wie seinen Mitbürgern in den ältern Theilen der Preußischen Monarchie, mit dem Gefühle inniger Verehrung und Zuneigung, gewidmet vom Verfasser. Vorwort. ^)ie vorliegende!! Betrachtungen wurden durch einige Aufsatze Französischer Blätter veranlaßt, in welchen die Verfasser bemüht sind, das linke Rheinufer unter Preußischer Hoheit, als ein dem . Druck der Staatslasten erliegendes, die Herrschaft der Franzosen sehnlichst wünschendes und ihnen deshalb leicht zu eroberndes Land darzustellen. Da ich in Rheinpreußen geboren, und — einen Theil der Zeit, in welcher ich meine akademischen Studien vollendete, so wie die fast einjährige Dauer meines hiesigen Aufenthaltes abgerechnet — ununterbrochen am Rheine gelebt, als Mitbeteiligter den verschiedenen Zustand meiner Heimath zu verschiedenen Zeiten beobachtet, endlich mich als Lehrer der Staatswissenschaften an der Bonner Hochschule insbesondere zu Forschungen über die staatswirthschaftlichen Angelegenheiten der Rheinlande berufen fühlte, so fand ich in diesen Umständen eine Aufforderung, mittelst einer genauen Schilderung der früherett und der heutigen staats- und volkswirthschastlichen Verhaltnisse von Rheinpreußen, die Anschuldigungen und Gründe jener Zeitungen einer sorgfaltigen Prüfung ihrer Start- haftigkeit zu unterwerfen. Mit der Ausführung dieses Vorsatzes fand mich ein Aufsatz in der Allgemeinen preußischen Staats - Zeitung beschäftigt, welcher eine übersichtliche Zusammenstellung der von der Preußischen Regierung seit ihrer Einführung am Rhein getroffenen Anstalten enthält, die Folgen derselben aber größtenteils unerörtert laßt. Ich zweifle, daß derselbe eine wissenschaftliche Prüfung aushalten könne, da sich einseitige Auffassung und staatswirchschastliche Irrthümer darin finden. Ein zweiter, dadurch veranlaßter Aufsatz desselben Blattes ist gründlicher geschrieben und daher von uns mit einer kritischen Bemerkung in diese Schrift aufgenommen worden. Der Verfasser eines dritten, in der Kölnischen Zeitung vom 25. März d. I. enthaltenen Aufsatzes sagt in thatsächlicher Beziehung viel Wahres, ist aber in den dialektischen-Sophismen J.B. Say's, eines der oberflächlichsten Schriftsteller nach unserer Ansicht, die jemals über politische Oekonomie geschrieben haben, so befangen, daß er die heutigenUnruhen in Frankreich einer Anstalt zuschreibt, die anerkannt — mehr als einmal ist der Gegenstand in den Französischen . Kammern verhandelt worden — allein im Stande ist, das Wohl der zahlreichsten Klasse der Bewohner jenes Landes, d.h. die Höhe des Arbeitslohns, und die Möglichkeit ungeheurer Steueren^ rlchtung zu sichern. Bei der Verfassung dieser Schrift war meine Absicht darauf gerichtet, in Verfolgung des bereits bezeichneten Zwecks mit einigen Hauptzügen ein Bild von den Fortschritten meiner Heimath seit der ersten Französischen Staats- umwalzung zu entwerfen, die zweckmäßigsten Mittel zur Beförderung einzelner Seiten ihrer wirthschaftlichen Wohlfahrt einleuchtend vorzutragen und endlich auf günstige Aussichten und die Gefahren der Zukunft aufmerksam zu machen. Die staatsrechtliche Seite ist von der Bearbeitung ausgeschlossen worden. Allgemein bekannte Gegenstande, z.B. die höheren Bildungs-Anstalten in Rheinpreußen, die jenen der altern Reichstheile gleich sind, und solche, die ihrer kurzen Dauer halber noch kein entschiedenes Ergebniß geliefert haben, -> B. die höheren Bürgerschulen, sind ebenfalls übergangen worden. Hauptsächlich waren nur die wirthschaftlichen und die verwandten Gebiete des Staats- und Volkslebens Gegenstand der vorliegenden Abhandlung. Meiner bisherigen Verhältnisse wegen, die eine äußere Anregung zur Verfassung dieser Schrift vermuthen lassen könnten, finde ich für nothwendig zu erklaren, daß keine andere Veranlassung als diö vorhin erwähnte, keine andere Ursache als eigner Entschluß mich dazu geführt habe, und daß alle darin geäußerte Ansichten und Vorschläge lediglich mein Eigenthum sind, folglich Tadel wie Beifall allein auf mich zurückfallen muß. Die statistischen Angaben sind da, wo kein Gewährsmann nahmhaft gemacht ist, aus öffentlichen, behördlich verbürgten Mittheilungen geschöpft und daher möglichst zuverlaßig. Hauptsächlich sind wir hiebei den auf amtliche Nachrichten gestützten Beitragen zur Statistik der Königl. Preußischen Rheinlande (Aachen 1829) gefolgt. Andere An-- gaben über dieselben Gegenstande blieben, um widersprechende Ergebnisse zu vermeiden, unberücksichtigt. *) Berlin, im April 1831. Der Verfasser. ') Die zu Ende der Schrift stehenden Berichtigungen wolle der Leser nicht unbeachtet lassen. Ä n halt. Seite Blick auf den heutigen politischen Zustand von Europa — Ansichten der. Rheinländer im Jahre 1815 j Ungünstige Verhältnisse der Rheinlands im Jahre I815> .... 5, Rückblick auf den Zustand der heutigen Preußischen Rheinlande vor der ersten Fränkischen StaatsuimrAzung 1<> Einige Vortheile dieses Zustandes 13 Die Verdienste der Franzosen uin daS linke Rheinnfer 1ü Vergleichung des Zustandes vor und unmittelbar nach der Fränkischen Staatsumwälzung 18 Die Staatsverwaltung der Franzose» auf dem linken Rheinufer 19 Nachteilige Folgen schlechter Amtsbesoldungen 22 Die Französische Forstvenvaltung 25 Die heutige Forstvenvaltung ... 5 27 Die Verpflichtung zum Kriegsdienste oder die sogenannte Konskription . . . 28 Heute und Vormals ZV Die Fortschritte deS Preußischen Rheinlandes unter Preußischer Staatsverwaltung - . . il Grundriß zu einem Krcditvereinc für die weinbauenden Gegenden von Rheinpreußen 7V Einwürfe wider Kreditvereine 73 Prüfung, derselben für den vorliegenden Fall . 74 Vortheile der vorgeschlagenen Anstalt 73 Fernere Fortschritte des Rheinlandes unter Preußischer Hoheit . 81 Seiic Errichtung der.Hochschule zu Bonn 81 Rheinische Landwirthschaft — Blüthe des Ackerbaus unter Französischer Herrschast; überwiegendes Wohlsein des platten Landes in Vergleich zu jenem der Städte 89 Volksbildung . « . . 127 Aussichten 1^0. Blick auf denjenigen Theil von Rheinpreußen, dem die Fränkischen Institutionen nicht zu Theil wurden 141 Politische und kriegszweckliche Bedeutung des Preußischen Rheinlandes für Preußen und Deutschland .148 Die Errichtung eines Landcsgetreidemagazins in Koblenz .... 151 Welche Vortheile würde dem linken Rheinufer > eine Verbindung mit Frankreich gewähren, lind welche Nachtheile würden für dasselbe damit verknüpft sein? . . . . . . . . . . 155 Eine Vereinigung mit Belgien . 161 Die treue Anhänglichkeit der Rheinpreußen an das Königliche Haus und den Preußischen Staat 162 Messen in Köln. 166 Die Gefahren, welche dem Rheinlande von Innen drohen ... 171 Die Steuern in Rheinpreußen 185 5 Blick auf den heutigen politischen Zustand von Europa.— Ansichten der Rheinlander im Jahre t815. fünfzehn Jahre sind seit der Wiederherstellung des allgemeinen Friedens von Europa verflossen. Seither schienen seine Völker, der größern Zahl nach, in ihre natürlichen Landesgebiete gewiesen, ihren kriegerischen Planen entsagt, und den Kampf auf einen rühmlichen Wetteifer im Handel und in den Gewerben, in wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen beschränkt zu haben. Die öffentlichen Verhandlungen der Tritten und Franzosen, der Niederländer und anderer Völker beschäftigten die politischen Geister, indeß der Streit der Meinungen und die Folge desselben in der Gründung neuer Staatsverfassungen in Spanien und Neapel, die vermittelnde Thätigkeit mächtiger Nachbarn zur Aufrechthaltung der alten Ordnung der Dinge nur auf kurze Zeit in Anspruch nahm. Selbst der Nothkampf der Neugriechen störte unsers Welttheils heilsame Waffenstille nur vorübergehend auf seinex Schwelle, und der Krieg der Russen mit der Pforte, die vergebens in der Umbildung der bisherigen Staatsformen ihre Rettung t ' ' ./ ^ ^ - " ? gesucht hatte, und letztere in der Mäßigung imd Großmuth eines mit dem Zeitalter fortgeschrittenen Siegers fand, endigte schneller/ als man erwartet hatte. Alle Verhältnisse der gesitteten Welt schienen sich vermöge eines wohlthätigen Friedens mit jedem Tage in Europa mehr zu befestigen, da die Mißgriffe der Fränkischen Dynastie, welche die Bedürfnisse des Französischen Volks eben so wenig begriffen hatte, wie die Mittel, sie zu befriedigen, nur für eine ferne Zukunft Besorgnisse zuließen. Die Lüftung ihres Schleiers aber zeigte, wie wenig man sie errathen konnte und wie wenig man sie errathen hatte. Das Grundgesetz der Französischen Staatsverfassung wird von den Ministern Karls X., welche den Haß und die Verachtung des Volks auf sich geladen haben, verletzt. Furchtbar, aber greuellos erneuern sich die Scenen der vor 40 Jahren ausgebrochenen Französischen Staatsumwälzung; nach drei Tagen blutiger Arbeit und mörderischer Kämpfe ist sie vollendet, und der frische Zweig eines alten Herrscherstamms zum Statthalter des Reichs erwählt; bald auch soll Europa mit Erstaunen erfahren, daß die Bewohner von Paris und an ihrer Spitze einige Volksvertreter einen gesetzlichen König vom Throne gestürzt haben und einen Andern darauf heben. Die öffentliche Meinung beherrscht Völker und Fürsten: lautschnell eilt die Kunde der drei Tage von Volk zu Volk bis zu den entlegensten Ländern, reißt denkende Köpfe zur Bewunderung hin, weckt träge Geister, die es verschmäht haben, dem Riesengange der Zeit zv folgen, aus apathischem Schlummer, nährt Hoffnungen und erzeugt Wünsche, empört und löset die Leidenschaften, und erschüttert alte Staatsformen-, die bald zerfallen im tobenden Strudel aufrührerischer Volkshaufen. — Der Impuls ist gegeben, Ende und Ziel der Bewegung nicht abzusehen. Die Masse des Menschengeschlechts wird in wichtigen Momenten großer Bewegungen und Ereignisse mehr von zeitgebornen Ideen als kalter Berechnung geleitet; der Augenblick entscheidet, und ruft Verhältnisse und Gestaltungen ins Dasein, die das Gepräge eines neuen Zeitalters werden. In einer so aufgeregten Zeit lohnt es sich der Mühe, zu betrachten, welche Bewandniß es habe mit dem Wohlstande des Vaterlandes und den Maaßregeln der Regierung zu seiner Beförderung, welche Bedürfnisse die Zeichen der Zeit kund thun, was man fürchten und was man hoffen müsse. Als im Jahr j815 die Rheinprovinzen dem Könige von Preußen in Folge der Verhandlungen des Kongresses zu Wien zugefallen waren, herrschte am Rhein gegen die neue Landeshoheit eine ungünstige Stimmung. Die Erinnerung an Preußens früheres, angeblich selbst verschuldetes Unglück, worin man es gering zu schätzen gewohnt war, so wie die Betrachtung, daß vorzüglich durch seine Thätigkeit Napoleon, für dessen Schicksal man seiner großen Talente wegen allgemeine Theilnahme hegte, gestürzt war, und welcher in der letzten Zeit seiner Regierung glühenden Haß gegen Preußen durch heftige Proklamationen den Bürgern des Kaiserreichs mitzutheilen gesucht hatte, machten die meisten Gemüther einer Neigung für die neue Regierung unzugänglich. Vermehrt ward diese Abneigung durch die Vorstellung, daß man in dem neuen Staatsver- bände zu lebenslänglichem Kriegsdienste verpflichtet sei, welche Ansicht man allenthalben am Rheine verbreitet fand. Ueberdieß waren die Gemüther durch die Besorgniß beunruhigt, daß die-Französischen Gesetze abgeschafft werden und andere/ weniger vollkommne, an ihre Stelle treten möchten. Dagegen schien man zu jener Zeit für andere Maaten, na-. mentlich für Oesterreich eine günstigere Meinung zu bewahren; Sächsische Landeshoheit wünschte man aber am Mittelrheine vorzugsweise, sowohl weil der König von Sachsen den Rheinländern als rechtlicher Mann galt, indem er -Treue gegen Napoleon mit eigner Aufopferung bewiesen hatte, als weil in den Sitten seiner Unterthanen Aehnlich-, keit mit den Rheinischen wahrgenommen worden war.< Viele Stimmen erhoben sich auch für die Wiederherstellung des Zustandes vor der Französischen Staatsumwälzung, in welchem die größern Fürsten geistliche Landesherr» waren, die den größten Theil der öffentlichen Ausgaben aus ihrem Privatvermögen bestritten und deshalb äußerst gcringe Steuern erhoben. Das Selbstgefühl der Rheinländer war durch die Herrschaft eines so nördlichen und darum fremdartigen Staats , wie Preußen, verletzt. Sie hatten sich als Bürger des Fränkischen Kaiserreichs ausgezeichnet; mehrere der Rheinstädte hatten von Napoleon vortheilhafte Beinamen erhalten, und die Rheinischen Krieger, die der öffentlichen Meinung zufolge den Muth der Franzosen mit der Ausdauer der Ueberrheinischen Völker verbanden, hatten in den kaiserlichen Heeren den ersten Rang behauptet. Auch war man sich des Wohlstandes von dem linken Rheinufer bewußt, und scheute darum eine Verbindung mit Preußen, dessen Lande öffentliche Blätter und die herübergekcknmeUen Krieger als arm und verwüstet schilderten. Vollends entschied Wider Preußen die Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses, da von Nheinpreußens Bewohnern nicht einmal der vierte Theil der Evangelischen Religion zugethan ist, und überdieß die Evangelische Bevölkerung größtenteils das rechte Rheinufer bewohnt, welches minder berücksichtigt wurde. *) Ungünstige Verhältnisse der Rheinlande im Jahre 1815. Andere Verhältnisse waren der neuen Regierung, sofern sie Neuerungen und Verbesserungen zur Beförderung der Kulturfortschritte beabsichtigte, nicht günstiger. Napoleon, durch bloße Verstandesbildung zum vollendeten Feldherrn und Staatsmanne geworden, erzog das Volk nur für seine Zwecke. Der öffentliche Unterricht, statt von Seiten des Staats wirksam unterstützt zu werden, war ihm in gewissem Betrachte zur Finanzquelle geworden, indem die dazu bestimmten Gesälle nicht ungeschmälert dafür verwandt wurden, daher die Entgeltung für die Benutzung der Lehranstalten sehr hoch gehalten und von denjenigen, welche der höhern Laufbahn im Staatsdienste sich widmeten, gleichsam ') Das Zahlverhältniß der verschiedenen Glaubensbekenner war im Jahre 1828 folgendes: Die Gesammtbevölkerung bestand aus 2,172,345 Menschen, wovon: 1,660,972 Katholiken, 487,920 Evangelische, 1315 Menno- niten, 22,338 Juden. Obgleich die Bevölkerung seit 1816 bedeutend gestiegen ist, indem sie zu jener Zeit nur 1,849,711 betrug, so kann man doch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß das Verhältniß der verschiedenen Glaubensbekenner dasselbe gewesen sey, wie heut zu Tage; mit Gewißheit läßt sich aber behaupten, daß es nicht um ein Bedeutendes verändert worden ist. eine Auflage erhoben ward. Es wurden nemlich die zur Förderung der Lehranstalten von den Provinzen erhobenen besonderen Beitrage großentheils nicht zur Verbesserung und Erhaltung ihrer Unterrichtsmittel verwandt, sondern nach Paris gezogen, um die unmaßigen Gehalte der an dortigen Bildungsanstalten wirkenden Professoren und selbst müßiger Gelehrter zu bestreiken. Wir würden Bedenken tragen, diese harte Beschuldigung zu äußern, wenn ein freisinniger anerkannt wahrheitsliebender Franzose sich nicht viel heftiger darüber ausgesprochen hätte. Er Nennt Napoleons Verwaltung in dieser Beziehung ein System von Eigenmacht und Staatsbeuterei. Der von des Kaisers außerordentlichen Talenten verbreitete Schimmer und Glanz hatte, so lange er glücklich war, jeden Zweifel an seiner Größe erstickt, jedes selbstständige Denken gelähmt, gewöhnliche Geister blendend, die hervorragenden mit dem Zauberstabe der Auszeichnung sich aneignend, und dadurch die Wirkung erhöhend. Jede ungewöhnliche Kraft, jede seltene Gabe schien sich in des Kaisers Größe wieder zu finden, und in seinem Ruhme verjüngt und erstarkt wieder zu strahlen. Je mehr aber das Meteor Europa's über seine Nähe und die Hauptstadt Licht und Helle verbreitete, desto größer war der Schatten in den andern Theilen Frankreichs, und folglich auch am Rheine. Viele der an den Unterrichtsansialten wirkenden Lehrer hatten thätigen Antheil an der Fränkischen Staatsumwälzung genommen, und waren begeisterte Verehrer des ') vllpin, (korces prockuet. et eowmerc.) 56.1. Systeme 60 äespodisme et tiscslite. Mannes, der die wohlthätigen Folgen jener Umwälzung an seine Herrschaft zu fesseln, und zugleich den Sturm der bürgerlichen Unruhen, die endlos zu werden gedroht hatten, zu beschwören gewußt hatte., Sie stellten seine Verdienste als unerreichbar für die Nachwelt, seine Ansichten als un-. fehlbar, seine Maaßregeln als untadelhast dar, und hatten dadurch bei Vielen blinde Anhänglichkeit an die Fremdherrschaft gegründet. Die Stelle der edlern Gefühle hatte die Selbstsucht eingenommen. Man schätzte nur, was unmittelbaren materiellen Nutzen versprach oder gewährte; der Sinn für abstracte Wissenschaften, sofern sie keine Anwendbarkeit im practischen Leben gestatteten, war erloschen, und dadurch Gleichgültigkeit, und selbst Geringschätzung gegen jede höhere Forschung entstanden; der Philosophie ward ihr Lehrstuhl geraubt. Und wie konnte es anders sein? Das Vorbild aller Größe, Buon aparte stand int Verzeichnisse der Gottesleugner Frankreichs, und sein Heer glaubte, wie er selbst, ein unvermeidliches Schicksal. Des Krieges Rüstzeug wurde selbst in dem Unterrichte bereitet. Die meisten Anstalten bildeten nur Kriegs-Hauptleute; früh ward die Lust für das blutige Handwerk geweckt, und genährt : allseitige wissenschaftliche Bildung, die sich mit dem durch Waffengeräusch und Waffenübungen ausgezeichneten Leben des Kriegers schwer vereinigen läßt, ward nimmer dadurch erzielt. Hätte das Fränkische Kaiserreich länger bestanden, so wäre vielleicht ein Stillstand der Kultur, wie in China eingetreten, denn das Land des großen Volks war den letzten Gründen der Wissenschaft, woraus sie nur Leben und innern Zusammenhang gewinnt, unzugänglich. Von der Griechischen Sprache wurden die Anfangsgründe gelehrt, die Lateinische ward den Schülern sorgfältiger und ziemlich ausführlich beigebracht; wie wenig man aber den Werth des klassischen Alterthums verstand, geht daraus hervor, daß man Schriftsteller aus einem schlechten Zeitalter und selbst solche erklärte, deren klassischer Ursprung auf keine Weise dargethan werden kann. *) Der Unterricht in der Mathematik war vielleicht im Innern von Frankreich entsprechend ertheilt: am Rheine war er dürftig und mangelhaft. Die oberste Klasse einer sogenannten Rheinischen Secondärschule hatte es bis zum Pythagoreischen Lehrsatze gebracht; die meisten Schüler aber lernten nichts davon, als die gewöhnliche Rechenkunst, für deren Lehren die Gründe in einem endlichen richtigen oder zutreffenden Ergebnisse gefunden werden. Die Französische Sprache war der Hauptgegenstand des Unterrichts der niedern Klassen, die Muttersprache diente nur zum Verständnisse; nur ausnahmsweise wurden Stilübungen in ihr vorgenommen. Die ersten Schriftsteller des Deutschen Volks in gebundener und ungebundener Rede lernte die Jugend spät oder gar nicht kennen. Eine Anzahl der Lehrer bestand aus gebornen Franzosen', aus dem Innern Frankreichs an den Rhein gesandt; diese so wie die Oberauffeher der Schulen tour«) waren des Deutschen häufig nicht mächtig, und wurden den Schülern durch verderbte Aussprache lächerlich. Dieser unvollkommene Zustand der gelehrten Bildungs- Anstalten wurde von der Mangelhastigkeit des Volksunterrichts weit überboten. Eine Menge von Gemeinden hatte ') So las man z. B. auf den Schulen zu Coblenz und Köln das Büchlein äs viris illustribus komao urbis; in einer andern Klasse eine epitome lüstoriso sscrae. Schullehrer, die selbst nur unvollkommen lasen und schrieben, zum Lehren dieser Fähigkeiten aber ganzlich ungeschickt waren; viele Gemeinden hatten keine Lehrer, andere hatten sie eine gewisse Zeit hindurch; wo sie ausfiarben, ward die Wiederbesetzung Ler Stellen oft Jahre lang verschoben. So mangelhafte Unterrichtsmittel äußerten einen sehr ungünstigen Einfluß auf die Gemüther der heranwachsenden Generation. Der größte Nachtheil bestand darin, daß Sinn und Empfänglichkeit für die Fortschritte der höhern Bildung erstickt wurden. Der unvollkommene Zustand der Bildungsanstalten erschien selbst Männern, welchen vorzügliche Einsicht zugeschrieben wurde, nicht als Uebelstand, weil er einmal dem.geringen, vom Staate dazu bestimmten Aufwande (oder dem, welchen man wirklich dazu verwandte) entsprach, auf der andern Seite aber in sich selbst abgeschlossen den Verhältnissen, die ihn hervorgerufen hatten, angemessen war, indem er zur Schöpfung von Beamten, wie man sie bedürfte, genügte. Ja, man sah selbst etwas Vortreffliches darin, daß man Alles entfernt hatte, wovon praktischer Vortheil nicht augenfällig zu erwarten stand. Die nachtheiligen Folgen davon erstreckten sich auf den ganzen Verband der bürgerlichen Gesellschaft; materialistische Ansichten herrschten allein; dem Vorhandenen ward gehuldigt, ohne Rücksicht darauf, mit welchem Rechte und ans welchem Grunde es bestehe. Eine öffentliche Meinung hatte es nicht mehr gegeben, weil der Inhalt der Französischen Blätter der Ausdruck der von Napoleon besoldeten oder in Furcht erhaltenen. Zeitungsverfasser war. Vergleichungen mit dem, was die Vergangenheit dargeboten hatte, ließen das Gegenwärtige als etwas Ausgezeichnetes erscheinen, und erhielten und vermehrten die Zufriedenheit mit den erwähnten unvollkommenen Einrichtungen. Wir gehen daher hier auf die frühern Verhältnisse unsers Landes zurück, und erlauben uns einen Rückblick auf den Zustand der heutigen Preußischen Rheinlande vor der ersten Fränkischen Staatsumwälzung. Die erste Fränkische Staatsumwälzung fand das linke Rheinufer fast allenthalben in dem Zustande bürgerlicher und geistiger Erschlaffung. Ueber den Äckerbau war das große Netz hundertfältiger bäuerlicher Lasten, wie es heut zu Tage auf der Landwirthschaft des größten Theils von Deutschland ruht, ausgegossen. Nicht leicht gab es ein grundherrliches Verhältniß, wovon sich hier kein Muster gefunden hätte. Das Grundeigenthum gehörte zum großen Theile Personen, die heute aufgehört haben, in der Gesellschaft zu sein, z. B. Klöstern und Genossenschaften (Korporationen). Wie die bäuerlichen Lasten des Ackerbaus Fortgang und Gedeihen verhinderten, so stellten sich den Fortschritten der Gewerbe fehlerhaft, ja verderblich eingerichtete Zünfte und Innungen entgegen. Der Verkehr endlich erlag den unbesieglichen Banden und Schwierigkeiten, welche die außerordentliche Menge kleiner Landeshoheiten, ausgerüstet mit den Ueberbleibfeln des Feudalsystems und des Mittelalters, bis zum Uebermaaße geschaffen hatte. Das Land war in eine unsägliche Menge kleiner Herrschaften zerstückt, wovon eine große Zahl eigene Lan- desverordnungen, besondere Vorrechte, eigene Volkswirth- schaftliche Einrichtungen, z. B. Zölle, Maaße und Gewichte, Münzen u. s. w. besaß. *) Einige der kleinen Fürsten beherrschten ihr Gebiet, gleich unbändigen Zwingherren, mit der wildesten Eigenmacht. Noch heute leben Erinnerungen roher Unmenschlichkeit und empörender Grausamkeit, die sie übten, in dem Gedachtnisse des Volks. Unmäßig gehegtes Wild zerstörte die Hoffnungen der Landleute, und wenn diese es erlegten, fielen sie der unerbittlichen Strenge jener Kleinherrscher anheim. In dem heutigen Regierungsbezirke Koblenz allein gab es ungefähr eben so viele Landesherrlichkeiten, wie gegenwärtig in ganz Deutschland. Darf man sich wundern, daß unter solchen Umständen der Verkehr äußerst beschränkt, der Großhandel an den meisten Orten im Keime erstickt, der auswärtige Handel den meisten Gegenden ganzlich unbekannt blieb? Wer sollte Land- und Wasserstraßen und Brücken bauen? Zu welchem Zwecke sollte man sie anlegen? Fehlte nicht, wenn auch so viele verschiedene Regierungen sich zu einem und demselben Unternehmen hatten vereinigen können, wenn sie bei der allgemeinen Armuth ihrer Unterthanen dennoch die Mittel dazu aufzubringen gewußt hätten, wegen des durch andere Uebelstände verhinderten Verkehrs Bedürfniß und Gebrauch der Handelsstraßen, ohne welche ihre Anlegung und Erhaltung unnütz war, und nie belohnte Kosten erforderte? Aber wie groß alle diese Uebel waren, die Schmach, welche auf der Menschenwürde ruhte, war größer. *) Der Rhein war in solchem Maaße mit Zöllen beschwert, daß Waaren, welche die Landfracht nicht leicht vertragen, z. B. Hohlen, Schiefer u. a. zu Lande neben ihm auf seinen Ufern fortgeschafft wurden. Ihre Entweihung, der Menschheit scheußliche Geissch schnöde Leibeigenschaft, nistete vor der Fränkischen Staatsumwälzung in mehreren Gegenden der Rheinischen Lande. Vom dem schmäh« ligen Verhältnisse, worin der Mensch Eigenthum eines Andern ist, verloren sich ihre Arten in hundertfältigen Uebergängen zu den persönlichen Dienstbarkeiten und Frohnen, welche an den Besitz von Grundstücken geknüpft waren. Man erkennt hierin die niedrige Stufe der Civilisation, worauf sich das Land befand; andere Umstände stimmten mit ihr überein. Müßige Bettelmönche durchstreiften das Land, und erlangten von der Unwissenheit der Landleute einen Theil der Vorräthe, die sie im Schweiße ihres Angesichts der Erde abgewonnen hatten. Dagegen gediehen der reichen Klöster träge und üppige Bewohner in Freuden und Ueberfluß, und verschlangen, ohne ihren Mitbürgern zu nützen, den Segen, womit der Himmel die Anstrengungen emsiger Bauern belohnen wollte. Ein Heer unbeschäftigter Bettler fand durch die Allmofen dieser Klöster Unterhalt, und verjüngte sein trauriges Dasein mittelst der von ihnen erhaltenen Gaben. Die Menge der verwertheten Umlaufsmittel war äußerst gering; Gebrauch und Genuß auswärtiger Natur - und Kunsterzeugnisse folglich sehr beschränkt. Man erstaunt, wenn man die Gehalte der ersten Beamten der damaligen größern Staaten erfährt; ein Theil ihrer Besoldung bestand in dem Empfange landwirthschaftlicher Erzeugnisse. Der Luxus hatte eben so wenig Fortschritte, wie Künste und Wissenschaften gemacht, und war nur an den Höfen bekannt. Einige Vortheile dieses Zustandes. Dieser'Zustand bürgerlicher und geistiger Erschlaffung gewährte auch einige Vortheile, namentlich vor Allem ein niedrigmenschliches Wohlbefinden. Berücksichtigt man auch die geringe Menge der umlaufenden Mittel oder den höhern Preis des Geldes jener Zeit, so erscheinen die damaligen Steuern noch äußerst gering. Die Privateinkünste der größern Fürsten waren nicht selten so groß, daß, um einen Theil davon unter dem Volke in Umlauf zu setzen, neue Gebäude aufgeführt und andere Anlagen unternommen wurden. Die Bevölkerung entwickelte sich gefetz- und regelartig in den Schranken, womit das Leben bestrickt war, und schritt darum langsam fort. Die Beobachtung und Anerkennung dieser Schranken wiesen, wie bei einem vollendeten Kastensysteme, jedem Neuen Bürger seine Stellung fast unabänderlich an, und sicherten mehr oder weniger, jenachdem das Loos seiner Geburt glücklicher oder ungünstiger gefallen war, demselben für immer sein Unterkommen. Die Sitten waren einfach, die ganze Richtung der Geistes- thätigkeit unter geistlichen Staatshäuptern religiös und mechanisch. Damals gab es weniger Bedürfnisse, weil man weniger kannte, weniger Ansprüche, weil die erste Tugend Demuth war, weniger Unrechtlichkeit, weil der Versuchungen, einer Folge der Bedürfnisse, weniger waren, und weil man der Erziehung der Kinder eine vollkommen religiös- sittliche Richtung gab. Große Verbrechen waren eben so selten wie große Tugenden, welche letztere außerordentliche Kräfte und Verhältnisse erheischen. Erwachende.s Selbstbewußtsein dieses Zustandes. Bei dem angeführten Zustande war der traurigste Umstand, daß eine Verbesserung des Ackerbaues/ eine Ver- Mehrung des Wohlstandes, die Fortschritte- allgemeiner Bildung, das Gedeihen der Wissenschaften, Künste und Gewerbe nicht ohne gänzliche Umgestaltung aller Verhältnisse möglich zu fein schienen. Wenn es daher Fürsten und Regierungen nicht entging, daß ihr Land im Vergleiche mit andern unentwickelt und dürftig war, so nahmen sie dennoch Anstand, wirksame Beförderungsmittel der Bildung anzuwenden, aus Beforgniß, daß durch die Erweckung edler Triebe und Gefühle in der menschlichen Natur zugleich Unzufriedenheit und Neuerungssucht erzeugt werden möchten. Während die Verhältnisse des linken Rheinufers im Allgemeinen dem Freunde der Menschheit, wie dem des Vaterlandes, gleich wenig Erfreuliches darboten, waren inzwischen die Bewohner einiger Nheinstädte, deren höheren Bildungsanstalten ausgezeichnete Männer angehörten, mit der Zeit fortgeschritten. Viele davon erkannten den ganzen Druck jener Verhältnisse, und wünschten um jeden Preis ihr Vaterland davon zu befreien. Hieraus erklärt sich der lebhaste und thätige Antheil, den die Bewohner des linken Rheinufers an der ersten Fränkischen Staatsumwälzung genommen haben. Man begreift zugleich, wie falsch es ist, auf den Grund dieser frühern Ereignisse diejenigen Rheinländer, welche Ursache haben, mit ihrer Staatsverwaltung zufrieden zu fein, einer Vorliebe für Frankreich zu beschuldigen, da sie nicht wie früher das Bedürfniß, und alfo auch keine Neigung fühlen können, sich einem Volke anzuschließen, dessen Sprache dem größten Theile der Rheinischen Bevölkerung fremd ist, und welches ihnen heut zu Tage keine wirthschaftliche Vortheile, wohl aber neben den frühern eine Menge neuer Nachtheile bringen kann. Mehrere Deutsche Staaten hatten zu jener Zeit ebenfalls bedeutende Fortschritte gemacht, und die neuen Ansichten über die Rechte und die Bestimmung der Menschheit drangen von Westen und Osten ins Rheinland. Die größern Rheinischen Fürsten waren endlich genöthigt, dem Strome zu folgen, und eine öffentliche Meinung der Aufgeklärten, wie gering auch ihre Anzahl sein mochte, in zeitgemäßen entsprechenden Einrichtungen anzuerkennen. So erfolgte die merkwürdige Erscheinung, daß auf den Gymnasien geistlicher Landesherren Kantische Philosophie gelehrt wurde, vor welcher man früher, wie vor vergifteter Speise, zurückschauderte. Die ungemein niedrige Stufe der Volksbildung war endlich auch erkannt worden, und man suchte sie durch neue Anstalten zu fördern. Als jedoch die Ausschweifungen und Grauel der Frankischen Staatsumwal- zung alle wohlthatige Folgen der Aufklarung zu überwiegen schienen, kehrte die alte Besorgniß ihrer nachtheiligen Wirkung zurück, und man war im Begriffe, Rückschritte zu machen, als die Franzosen das Land besetzten. Die Verdienste der Franzosen um das linke Rheinuser. So unvollkommen wir den Zustand des innern Volkslebens am Rheine, auf den wir, um das Gemälde zu vollenden, bald wieder zurückkommen werden, bei dem Heimfalle des linken Rheinuftrs an Preußen fanden, so hatte cr doch die Stelle eines ungleich mangelhaftem — des so eben geschilderten eingenommen, und jedermann hatte die Verbesserung erkannt. Das Verdienst der Franzosen um das linke Rheinuser ist, insofern Wohlthaten, zum Theil auf Kosten rechtlicher Besitzer erzeigt, Wohlthaten bleiben, — wenn sie nur fortdauernd tresliche Wirkungen äußern — in der That außerordentlich groß. Kaum hatten sie ihre Herrschaft am Rheine befestigt, als gleichsam wie mit einem Schlage Leibeigenschaft, bäuerliche Lasten, Zehnten und Frohnen, Zünfte und Innungen, Kastensystem und jede Ungleichheit vor dem Gesetze schwanden. Neugeboren, wie auf den Ruf der Gottheit aus Nichts hervortretend, stand ein jugendlich blühendes, kräftiges Bürgerthnm da. Die Franzosen haben vortreffliche Landstraßen angelegt, die Münzen, die Maaße und Gewichte vereinfacht, einige Städte oder ihre Umgebungen verschönert. Sie haben religiöse Unduldung und Aberglauben vernichtet, Mißbräuche abgestellt und Gespensterfurcht verscheucht, den bunten Rock von hundert verschiedenen Rheinischen Gesetzgebungen und Rechtspflegen in ein schlichtes, den Bauer, wie den Marschall umfangendes Gewand zweckmäßig bestimmter und' gemein verständlicher Gesetze verwandelt, und die Oessent- lichkeit der Gerichte eingeführt. Sie haben ferner die richterliche Gewalt von der Verwaltung geschieden und beide genau begrenzt. Einiger Verbesserung hatte sich selbst der Volksunterricht durch die Einführung sogenannter Normalschulen, worin Volkslehrer gebildet wurden, zu erfreuen. Mehrere ihrer Landvögte, sogenannte Präftkte, hatten durch unmittelbare Einwirkung aus den Ackerbau die Landwirch- schaft zu verbessern gesucht; namentlich ward die Schaaf- zucht zucht durch Einführung Spanischer Widder veredelt. Der Landvogt Lezay Marnesia hatte die Esparsette rum vnoliricliis) einzuführen gestrebt. Er ließ große Vor- räche davon an die Gemeinden gegen Entgeltung vertheilen, und wenn das neue Gewächs auch nicht allenthalben die er» warteten Vortheile gewährte, und später wieder auf seine Pflege an verschiedenen Orten verzichtet werden mußte, so rührt doch der Anbau desselben in mehrern Gegenden aus jener Zeit her. Derselbe Großbeamte suchte eine ausgedehnte Haide der Eisel urbar zu machen, und hatte bereits einige Anstalten zum Umbrüche derselben getroffen, als die Unfruchtbarkeit des Bodens und die Harte des Himmels — jene Oede liegt nemlich sehr hoch — den Ernst seines Entschlusses wankend machten, und ihn bewogen, auf die Ausführung seines Plans zu verzichten. Mit der Schaffung und Entwickelung des BürgerthUms hatte die Hervorbringung sachlicher Güter, so wie der Wohlstand des Volks große Fortschritte gemacht; Ackerbau und Gewerbfleiß blühten vermöge der Festlandsperre; dagegen waren höhere Bildung und geistiges Leben zurückgeblieben. Oberflächlichkeit und Selbstsucht nahmen ihre Stellen ein, und die Ideen von Volksvertretung und Bürgerherrschaft, Vorbilder der Fränkischen Staatsumwälzung, waren unter Buonaparte's eisernem Herrscherstabe spurlos verschwunden. Nie endende Kriege zogen die Aufmerksamkeit seines Geistes von der Wohlfahrt der Bürger ab, deren Blick hinwiederum unverwandt auf den Glanz seiner Großthaten geheftet war. Dadurch wurden neben der gedachten tiefen Stufe geistiger Bildung alle Mängel der Fränkischen Staatsverwaltung erzeugt, welche, sobald wir den eben geschilderten Zustand des Rheinlandes mit dem, welcher ihm vorausging, und ebenfalls dargestellt worden ist/ verglichen haben, Gegenstand einer neuen Erörterung sein werden. ' tzLiiiuk'! -- - - i .-^1 .!>) Vergleichnng des Zustandes vor und unmittelbar nach der Fränkischen StaatSumwälzung. In beiden Zeitläuftech sowohl mehrere Jahrzehnte vor, als nach der Fränkischen Staatsumwälzung erscheint der Mangel des bessern Selbstbewußtseins im Volks- und Staats- leben charakteristisch auf dem linken Nheinufer. Aber in beiden Perioden ist der Grund dieses Mangels sehr verschieden; in der ersten ist es der Schlummer der Körper- und Geisteskräfte, der Zustand des Halberwachtseins, welcher deutliche Wahrnehmung äußerer und innerer Gegenstände verwehrt; in der zweiten sind es die großen, sich drängenden Erscheinungen der Außenwelt, welche des Geistes gespannte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und ihn, indem sie jene unabläfsig fesseln, verhindern, auf sich und das zunächst ihn Umgebende zurückzukommen. In der ersten schmeichelt dem Menschen ein niedrig-menschliches Wohlsein, eine Art angenehmen Pflanzenlebens; in der zweiten belebt ihn das heitere Gefühl des Erwacht- und Erstan- denseins, die Taufe des Bürgerthuins, die'Wiedergeburt , aller Verhältnisse, aber die Thätigkeit, die er selbstständig, zts entwickeln strebt, wird von der vorausgeeilten Zeit und den großen, eindruckerregenden Ereignissen des Tags für eine bestimmte Form in Anspruch genommen, Ermähnt ihn aber das. Bedürfniß, zeitgemäß fortzuschreiten, das drin- gerende Bedürfniß der Selbsterhaltung und zeitlicher Mittel zu großem Anstrengungen, als früher, so fehlt dennoch das höhere Bewußtfein, der tiefere Einklang des Lebens bei dieser Thätigkeit, und die Kraft strebt selbst süchtig und vereinzelt nach größerer Entfaltung und Ausbildung. Die Staatsverwaltung der Franzose» auf dem linken Rheinufer. Wer die Fränkische Staatsverwaltung aus den über sie bestehenden Gesetzen kennen lernt, wird eine weit günstigere Vorstellung von ihr erhalten, als sie sich in der Wirklichkeit erweist oder am Rheine erwiesen hat. Bekanntlich ist noch heute das Verwaltungssystem der Franzosen ein anderes, als das des Preußischen Staats. In Frankreich huldigt man dem Büreausysteme, in Preußen hat man dem Collegialsysteme den Vorzug gegeben. Wenn das erstere den Geschäftsgang ausnehmend beschleunigt und große Einheit, Tack, Zufammenhang und Folgegerechtigkeit in die Verwaltung bringt, fo lohnt das andere dagegen unter gleichen Umständen mit höhern Gütern, größerer Rechtlichkeit, geringerer Bestechlichkeit der Beamten, einem besonnenem Gange, gewissenhafterer Bearbeitung der Geschäfte, und einer sicherem Verbannung der Leidenschaften, endlich einer gewisser» Vermeidung des Unrechts einzelner Bürger. Wenn man keinem der beiden Systeme unbedingt den Vorzug zuerkennen kann, so mußte doch unter den mit der Fränkischen Herrschaft eingetretenen Uebelständen das Büreau- fystem viel nachtheiligere Folgen haben, als dies bei dem Collegialsysteme der Fall hätte sein können. Diese Uebelständc waren folgende: 1. Verwahrlosung der innern Verwaltung von Seiten der obersten Gewalt, deren Aufmerksamkeit stets nach außen und auf den Krieg gerichtet war; 2. Bekleidung der höchsten Staatsämter durch anerkannt unrechtliche Männer, deren außerordentliche Verstan- desgaben sie dem Kaiser unentbehrlich gemacht hatten. (Wir erinnern nur an den Minister Fouche, der eben sowohl von den Freunden, als den Feinden Napoleons bestochen ward); 3. Die geringe Besoldung der Beamten, die nachher Gegenstand einer ausführlichem Betrachtung sein wird; 4. Der Umstand, daß die öffentlichen Angelegenheiten in der Französischen Sprache verhandelt wurden, deren der größte Theil der Rheinischen Bevölkerung nicht mächtig war; 5. Der Umstand, daß die wichtigsten Aemter des Rhein« landes von gebornen Franzosen bekleidet wurden, die in der Regel die Deutsche Sprache nicht verstanden. Unter diesen Umständen bot die Französische Verwalt tung, so einfach und geregelt sie dem Plane nach erschien, eine Menge unvollkommener Einrichtungen, schreiender Mißbrauche und nichtswürdiger Unterschleife dar. Obgleich die Gewalt der Landvögte (Präfekte) durch organische Gesetze begrenzt war, so konnte es ihnen bei dem oben erwähnten Umstände, daß ihre Landsleute die bedeutendsten Aemter inne hatten, und daß der größte Theil der Bevölkerung der Französischen Sprache unkundig, weder die allgemeinen Maaßregeln noch die besondern Schritte der Negierung prüfen konnte, keineswegs schwer fallen, ihre Macht über 21 die vorgezeichneten Schranken auszudehnen/ oder wenn dieses unbequem und aussehenerregend war, denselben Zweck durch ihren persönlichen Einfluß zu erreichen. Mit welcher Leichtfertigkeit alle, selbst die wichtigsten Angelegenheiten behandelt wurden, beweist die Thatsache, daß die Französischen Prä- fekturen ohne Registraturen waren. Untersuchungen bereits entschiedener Verwaltungsgegenstande waren daher äußerst erschwert, und bei dem Mangel aller Ordnung und Systematik in den Archiven nach längerer Zeit kaum möglich. Doch wie hatte man sich auf diese einlassen wollen, da vorliegende Ansprüche und Gesuche, sobald es dem Fränkischen Tetrarchen gefiel, ohne ihnen die mindeste Folge zu geben, zur Seite gelegt wurden. Die Beamten des Rheinlandes waren an diese, alle Rechte des Bürgers verletzende, die Menschenwürde schändende Regierungsweise, so gewöhnt, daß sie, nach Einführung der neuen Verwaltung am Rheine, über die unmittelbare Bescheidung einfacher Landleute von Seiten der Regierung in Verwunderung geriethen und ernstliche Besorgnisse empfanden, daß eine solche Würdigung des Bauernstandes nachtheilige Wirkungen hinsichtlich des Gehorsams und der Willfahrigkeit desselben äußern möchte. Wie groß war nicht in dieser Beziehung Friedrichs des Einzigen Geist, welcher jedem schlichten Landmanne erlaubte, sein Anliegen vor seinem Throne mündlich zu erörtern? Ein auffallender Uebelstand in dem Französischen Staatsgebäude war die äußerst niedrige Besoldung der Beamten. Ein sogenannter Präfekturrath erhielt jahrlich 2400 Franken oder 640 Thaler, ein Gehalt, welches in der Preußifchen Verwaltung nicht einmal dem eines Tagbuchführers (Jour- > nalisten), zuweilen nur dem eines amtlichen Abschreibers (Canzellisten) gleichkömmt, und hiernach beurtheile man das Uebrige. Dadurch ward der Bestechung Thür und Thor geöffnet; Oberauffeher mußten häufig dem Unterbeamten seine Unterschleife ungerügt lassen, weil sie selbst ohne feine Geschenke nicht bestehen konnten. Die redlichen Staats- dietter, welche man am Rheine fand, waren Deutsche; aber auch nicht alle Deutsche waren redlich. Das lange Tau der Bestechung war mit dem einen Ende in der Nähe des Throns befestigt, mit dem andern hing es in unzähligen Fäden in fast alle amtliche Verhältnisse hernieder. Nachtheilige Folgen schlechter Amtsbesoldungen. Der Staat, wird nian vielleicht erwidern, ersparte die großen Gehalte unserer heutigen Beamtet,, und dadurch mußte der Betrag der Abgaben geringer sein. Dieser Ansicht muß man entgegensetzen, daß eine Sparsamkeit, welche den Beamten in den traurigen Wechselfall zwängt, entweder mit den Bedürfnissen, die bei ihm Anspruch auf Lebensgenuß und die Aufrechthaltung der Achtung und des Anfthns seiner Stellung hervorbringen, einen immerdauernden Krieg zu führen, öder diefe Bedürfnisse auf Kosten feiner sittlichen Denk- und Handlungsweise, so wie eines unbescholtenen Nuss zu befriedigen, einmal ein zeitliches Gut auf Rechnung eines sittlichen, also eines unsterblichen und ewigen zu erringen strebt, folglich schon von dieser Seite als durchaus verwerflich erscheint, und zum Andern ihren Zweck auch gänzlich verfehlt, indem uns eine gesunde Staatswirthschaft die Belehrung gewährt, daß hiebei dem Volke weit mehr verloren geht, als dem Staate im engern Sinne dcs Worts dadurch gewonnen wird. Der Vortheil ist folglich nur scheinbar. Nur halb soviel Geld wandert aus der Staatskasse in die Taschen der Beamten, aber ihre Küchen und Vorrathskammerii sind reichlich mit den kostbaren Erstlingen landwirthschaftlicher Hervorbringung und dem Theuersten und Besten gefüllt, was der Grundeigner im Schweiße seines Angesichts erzeugte, und was er nur an Festtagen genießt. Ein Unkundiger könnte bei der Aussicht in jenem Theil des Hauses zu der Vermuthung veranlaßt werden, daß er sich in der Vorhalle des Landes Utopia befinde; aus diesem Traume würde ihn jedoch die traurige unverlarvte Wirklichkeit, die sich ihm in verkümmerten, sichtbar nothleidenden Einwohnern schrosse- fien Gegensatzes offenbaren würde, in Kurzem aufscheuchen. Besoldungen, welche anerkannt nicht hinreichen, um den nothwendigen Aufwand der Staatsdiener zu bestreiken, weisen die Letztern gleichsam von Amtswegen auf Volks- diebstahl an. Sie erzeugen jene Fälle, worin die Tugend- lehre selbst nur zweifelhafte Auskunft ertheilt, weil Selbsterhaltung mit Berusspflicht kämpft, und die Strenge des Gesetzes muß verstummen vor der Menschlichkeit des Richters, wenn er Verbrechen, die der Schuldige ohne eigenen Untergang nicht unverübt lassen konnte, bestrafen sott. Aeußerst nachtheilige Wirkungen hat die allzugeringe Besoldung der Gerichtsbeamten. Wie tadelnswürdig die Anordnungen des Französischen.Kaiserthums in dieser Hinsicht waren, beweiset der Gehalt der Friedensrichter. Er bestand in 8VV Franken oder 213 Thaler 10 Sgr., und war selbst, wenn die Spötteln, wie es doch nur ausnahmsweise der Fall war, eben soviel betrugen, nicht hinreichend, den Auf- wand eines gebildeten Mannes zu bestreiken, der sich durch kostspielige wissenschaftliche Vorbereitung auf einer Hochschule die zur Ausübung seines Amts erforderlichen Kenntnisse hatte erwerben müssen. Ohne Zweifel vermag eine Staatsverwaltung jdem Gewerbfleiße und jeder Art von wirthschaftlicher Hervorbringung durch nichts eine kräftigere Unterstützung zu gewähren, als durch eine rücksichtslofe, thatschnelle, und gewissenhafte Rechtspflege. Sie ist der Kern, um welchen wie um eine gemeinschaftliche Grundlage sich die übrigen Vorzüge der Landesverwaltung als Krystalle anlegen; sie ist die Sonne der öffentlichen Ordnung, um welche alle Kräfte, Güter und Verhältnisse, wie um einen gemeinschaftlichen Schwer- und Mittelpunkt kreisen. Welches Schwinden jeden Wohlstandes, aller sittlichen Gefühle, aller höhern Civilisation ihr Mangel zur Folge habe, beweisen jene unglücklichen Länder an den Thoren Europas, welche unter dem günstigsten Himmelsstriche gelegen, von der Natur mit ihrer reichsten Ausstattung gesegnet dennoch nichts als dürftige Hütten und verzweifelnde Einwohner aufzuweisen haben. Die geringen Besoldungen der Französischen Gerichtsbeamten brachten ihre schlimmen Früchte zur Reife. Gerüchte verbreiteten sich im Rheinlande, daß dieser und jener Richter Geschenke nehme. Gewisse Anwälte wurden als Menschen gefürchtet, die mit der Waffe des Gesetzes selbst unrechtliche Gewalt verübten. Häufig ließ man fahren, was sie mit scheinbarem Rechte in Anspruch nahmen, und dadurch erwarben sie ungeheure Reichthümer. Von dem Vorsitzenden eines Rheinischen Landgerichts, einem gebörnen Franzosen, wurde behauptet, daß er eine Preisliste besitze, nach welcher man 25 jedes Urtheil gemäß dem Werthe des Gegenstandes, um welchen der Streit geführt wurde, erkaufen könne. Welchen sittenmordyiden Einfluß der Ruf dieser Gräuel auf das Volk ausübte, bedarf kaum erinnert zu werden. Der dadurch herbeigeführte Zustand läßt sich mit folgenden wenigen Worten bezeichnen: man verzweifelte an der Herrfchaft des Rechts und der Tugend, und erkannte, ohne sich's zu gestehn, den Zufall als Herrn und Meister des Vorhandenen an. Die Französische Forstverwaltung. Die Forstverwaltung war unter Fränkischer Herrfchaft dem Geschäftskreise der Landvögte entzogen und selbststän- dig gehandhabt. Was wir im Allgemeinen von der Französischen Verwaltung äußerten, daß sie dem Plane nach musterhaft genau und vollendet erschien, in der Ausführung aber die größten Mängel äußerte, gilt besonders von dem vorliegenden Zweige derselben. Die Forstbezirke, Befugnisse und Obliegenheiten der Behörden waren genau begrenzt, die Formen aber so weitläufig und zeitraubend, daß die Thätigkeit der Beamten durch schriftliche Arbeiten erschöpft und dem wichtigern praktischen Betriebe nur untergeordnete Rücksicht zu Theil wurde. Obgleich die Verwaltungs- Wirthfchafts- und Aufsichtsbezirke größer, als die Preußischen waren, so kostete die Unterhaltung der Französischen Forstbeamten wegen ihrer großen Zahl weit mehr als die der Preußischen. Die Gemeindewaldungen waren der Aufsicht und Leitung des Staats unterworfen, welches bei unserer heutigen Verwaltung seit 1818 nicht mehr der Fall ist. Die Französische Forstordnung stammt aus dem Jahre 1669, und ist im Vergleiche mit den Deutschen höchst unvollkommen. Bekanntlich ist die Forstwissenschaft/ wie beinahe sämmtliche Erwerbswissenschaften, eine Wissenschaft der neuern Zeit, die den Hochpunkt ihrer Ausbildung noch nicht erreicht hat, und welche ihre heutige Höhe beinahe ausschließlich den Verdiensten Deutscher Gelehrten verdankt. Die wichtigsten Ergebnisse dieser Wissenschaft können folglich auf jene Frankische Forstordnung keinen Ejnfluß geäußert haben. Ihr zufolge trat die Schlagwirthschaft in Frankreich schon früh als Regel auf, und wurde stets hinsichtlich der verschiedenen Beschaffenheit der Forste so rücksichtslos durchgeführt, daß dadurch mehr Schaden angerichtet wurde, als in vielen Gegenden von Deutfchlaud durch den verderblichen Plänten-oder Fehmel- betrieb. Waren die Nachtheile derselben in einzelnen Gegenden Frankreichs unter glücklichen Wachsthumsverhältnissen weniger empfindlich, fo äußerte in dem Rheinlande dieses System einer unbedingten Einförmigkeit fo verderbliche Folgen, daß gegenwärtig die meisten der auf diefe Weise behandelten Schläge als Blößen erscheinen würden, wenn nicht künstlicher Anbau unter der heutigen Verwaltung in's Mittel getreten wäre. Das Grundübel der Fränkischen Staatsverwaltung und die Erbsünde derselben, Bestechung und Unterschleif, wucherten üppiger auf diesem Zweige derselben, wie der Mistel auf den Aesten alter Apfelbäume. Sie traten hier in einer eigenthümlichen Weife auf, welche näher beleuchtet zu werden verdient. Der Verkauf des Holzes fand nur in großen Massen (en Kloo) statt, ganze Schläge wurden mit einmal versteigert. Durch diesen Umstand waren die kleinem Kaufleute und Capital- eigner gänzlich von dem gewinnbringenden Großhandel des Holzes ausgeschlossen, und das Mitwerben oder die Konkurrenz bei diesem Verkehre auf eine äußerst geringe Anzahl von Käufern beschränkt. Sie traten zusammen, und machten unter sich und mit dem Forstbeamten gemeinschaftliche Sache, und auf diese Weise wurden Volk und Staat be- stohlen. Viele höhere Beamte kehrten bei den Unterbeamten häufig ein, und ließen sich reichlich bewirthen, nahmen Geschenke von ihnen, und mußten darum blind gegen ihre Veruntreuungen sein. Eine unzweckmäßige Einrichtung bestand endlich darin, daß die Ausführung von Holzpflanzungen dem Ansteigerer als lästige Bedingung auferlegt wurde.' Auch hier befreiten häufig Geschenke und Einverständnis; mit den Beamten von der vollkommenen Erfüllung der übernommenen Verpflichtung. Die heutige Forstvcrwaltung. Alle diese verderblichen Einrichtungen sind heute vermöge einer vollkommnern Forstvcrwaltung verschwunden. Der Verkauf des Holzes findet in den kleinsten Haufen statt, und indem auch der kleine Holzhändler und jeder Holzbedürftige feinen Bedarf unmittelbar von der Behörde erhalten kann, wird mittelst der vermehrten Mitwerber der Preis des Erzeugnisses zum Vortheil des ganzen Staats so hoch als möglich hinauf getrieben. Besondere, gewöhnlich ausreichende Gefälle sind für die Ausführung von Pflanzungen und Verbesserungen bestinunt. Sie werden von den Forstbeamten selbst auf Rechnung ausgeführt, und es bestehen für die gewissenhafte fachgemäße Behandlung des Geschäfts fo vollständige Bestimmungen, daß der Zweck durchaus nicht verfehlt werden kann. Die Verpflichtung zum Kriegsdienste oder die sogenannte Konskription. Die fämmtlichen erwähnten Uebel konnten im Vergleiche mit der sogenannten Konskription als leidlich erscheinen. Diese war ohne Zweifel das größte. Des Kaisers nie endende Kriege drohten allmählig den Kern der Bevölkerung zu verschlingen. Da sie meist die Folgen weit- ausfehender politischer Berechnungen seines Geistes waren, so konnte das Volk keinen innigen Antheil daran nehmen, und die Rheinländer wenigstens erblickten nur den traurigen Zwang darin, gesunde Gliedmaßen, körperliches Wohlsein, oder das Leben selbst für eine fremde Sache aufzuopfern. Das erhebende Gefühl der Vaterlandsverthejdi- gung, des Kampfes für Ruhe und Frieden, der Züchtigung übermüthiger Feinde, konnten den Rheinisch-Frankischen Krieger durchaus nicht begeistern. Der unbemittelte Familienvater sah in den heranwachsenden blühenden Söhnen eben so viele Opfer des Schwertes, bestimmt, der unersättlichen Ruhmsucht eines einzigen Mannes dargebracht zu werden. Die Zuläßigkeit der Stellvertretung würdigte den Krieger zum feilen Söldner herab, und befreite den Reichen von der Bürde des Dienstes, wahrend der Arme rücksichtslos zu Wunden und Tod in's Feld gerufen ward. Schändliche Mittel wurde» angewandt, um junge Leute^zu bewc- gen, für andere einzustehen. Man benutzte einen ihrer unglücklichen Augenblicke, worin sie der Drang mißlicher Verhältnisse zu einem verzweifelten Entschluß trieb, hielt sie beständig berauscht, entzog sie den forschenden Blicken untröstlicher Verwandten, und erkaufte endlich ihre Annahme als Stellvertreter am Ziehungsorte mit neuen Geschenken. Auch wirthschaftliche Nachtheile erzeugte die Zuläßigkeit der Stellvertretung. Da die waffenfähigen Jünglinge nach und nach selten wurden, so stieg ihr Preis bedeutend, und viele Familien stürzten sich dadurch ins Verderben, daß sie die letzten Mittel aufwandten, um ihre Kinder vom sichern Untergange zu retten. Das Uebel war um so größer, als man zuweilen mehrmal nacheinander Stellvertreter erkaufen mußte. Die Konskription wüthete, wie eine gewaltige Landplage. Die Hoffnung unbemittelter Eltern, die erhaltenden Stützen darbender Wittwen, der Trost des Greises, das in Kunst oder Wissenschaft aufblühende Talent, alle gingen, um verstümmelt oder niemals wiederzukehren. Noch heute treten uns die Bilder jener eisernen Zeit vor die Seele. In langen Zügen sahen wir die Unglücklichen, die nicht wußten, warum und wofür sie Blut vergießen oder sich hinschlachten lassen sollten, meist berauscht, und den Schmerz der Trennung auf immer, in dumpfer Bewußtlosigkeit erstickend, dem Ziehungsorte zuwandeln. Neben und hinter ihnen folgten die trostlofen Väter mit wankendem Haupte. Sie hatten alles baare Geld mit sich genommen, um das letzte Mittel, ihr.e Söhne durch Geschenke zu lösen, nicht unversucht zu lassen. Vergebens! Ihre Kinder wurden ihnen entrissen, und ihr Geld dazu. Scheußlicher als sonst wo, verübte hier das Ungeheuer der Bestechung seine tranerver-, ' ' ' . > , 30 breitenden Gräuel. Aerzte und Wundärzte verkauften Leben und Blut, und die Landvögte *) selbst sollen mit ihnen und ihren Günstlingen den sündhaften und schandlichen Gewinn getheilt haben. Recht und Sitte schienen von der Erde gewichen, und die Zeit der Menschenopfer wiedergekehrt zu sein. Heute und Normals. Um den Unterschied des frühern und des heutigen Zustandes einleuchtend darzustellen, verzichten wir darauf, uns streng an die Zeitfolge zu halten, nach welcher die Verbesserungen unserer Deutschen Staatsverwaltung eintraten, und stellen sogleich eine Betrachtung über die wachsende Güte der gegenwärtigen Rheinischen Rechtspflege und anderer Zweige der Staatsgewalt an. Die Rechtspflege hat unter Preußischer Hoheit ihr schönstes Zeitalter erreicht, denn obgleich die Fränkische Gesetzgebung fast gänzlich unverändert beibehalten worden ist, so findet sich doch, da die ihr nachtheiligen Uebelstände von unserm Staate beseitigt worden sind, ein großer Unterschied zwischen der vormaligen und der jetzigen Handhabung der Gesetze. Selbst die wenigen Rheinländer, welche mit der jetzigen Gestaltung der Dinge nicht zufrieden sind, hört man die Worte äußern: „Es ist doch Gerechtigkeit im Lande." Ueber die ') Als Thatsache, für deren Wahrheit ich einstehe, führe ich an, daß, als ein Arzt einen Landvogt von der Lustseuche geheilt hatte, dieser ihm die Stelle als Untersucher der Konskribirten, als eine für Beide sehr einträgliche, anbot. Der redliche Arzt schlug das Anerbieten mit einer Entschuldigung auS. , Vorzüge und die Schattenseite der Französischen Gesetze und Rechtspflege im Vergleiche zu der Preußischen sind in der neuesten Zeit viele Schriften gewechselt worden. Veranlassung dazu gab das Vorhaben des Staats, die Vorzüge der ältern Preußischen und der Französischen Gesetze in einem neuen Gesetzbuche für alle Theile des Staats zu vereinigen. Wir bescheiden uns gern des Bekenntnisses, daß uns über die rechtswissenschaftlichen Vorzüge beider Gesetzgebungen keine Stimme gehöre, nehmen aber dafür das Recht in Anspruch, auf die volkswirthschaftlichen Vortheile der Frankischen Rechtsbücher aufmerksam zu machen. Nach unserer Ansicht bestehen diese in folgenden Punkten. t. Das Fränkische Gesetzbuch beschränkt sich auf die möglichst geringe Anzahl von Gesetzen, und stellt mehr Grundsätze auf, als daß es über alle besondere und mögliche Fälle entscheidet. Dadurch gelangt der Bürger leicht zu der Uebersicht und der Idee des Ganzen; er bleibt kein blinder Beteiligter in seiner Rechtsan- gelegenheit, und vermag selbst zu beurtheilen, wie sehr oder wie wenig er und seine Sache durch die bestehenden Gesetze begünstigt oder von ihnen bloßgestellt werde. 2. Widersprechende oder die gesetzliche Folgerechtigkeit aufhebende Gesetze oder Verordnungen können wegen der geringen Anzahl derselben nicht unerkannt bleiben. Der Richter kömmt also nicht durch die Anwendung der ' Gesetze in Verlegenheit, (weil ein Widerspruch derselben nicht leicht möglich ist.) Sein und der Gesetze Ansehen beim Volke wird folglich nicht gefährdet. 3. Sprache, Ausdruck und Stil des Fränkischen Gesetz- - buchs sind natürlich und vollkommen gemeinverständlich. Es ist daher die unschätzbare Aussicht vorhanden, daß künstig vermöge der steigenden Volksbildung jeder Landmann die nothwendigsten und am meisten zur Anwendung kommenden Gesetze wissen oder leicht nachschlagen könne. 4. Das Fränkische Gesetzbuch kann von Unbemittelten in allen Ständen angeschafft werden; es kostet nicht den Asien Theil desjenigen/ wofür man das Preußische Allgemeine Landrecht ersteht. Die allgemeine Kunde der Gesetze wird folglich auch hierdurch ungemein befördert werden. 5. Hinsichtlich des . gerichtlichen Verfahrens tritt der namhafte volkswirthfchaftliche Vorzug zu Gunsten des kürzern Fränkischen Gerichtsgangs hervor, daß ursprünglich werbendes Vermögen nicht so lange todtes, wie bei andern Gerichtsverfassungen wird. Denn obgleich die unter die Aufsicht derselben gestellten Güter und Mittel in Staatsanstalten verzinslich untergebracht werden, so ist doch nicht zu erwarten, daß der dadurch erreichte Vortheil so groß sei, als jener, zu welchem die freie Verfügung des Eigners führen würde. 6. Da bei der Gerichtsverfassung der alten Provinzen mehr Beamten erforderlich sind als bei der Rheinischen, so wird die Entstehung und Anhäufung unproduktiver Menschen durch die erstere mehr als durch die letztere befördert. Die Processe sind in den alten Provinzen theurer und dennoch doppelt fo zahlreich als am Rhein (wie Letzteres eine Uebersicht in der Preußischen Staatszcitung vom Jahre 1822 unbestreitbar bar zeigt), daher dem Wachsthum des Volksvermö- gens ungünstiger. Die Vergleiche sind >dort seltner und die Entsagungen häufiger; beide Umstände aber sowvhl in sittlicher als wirthschafilicher Beziehung als nachtheilig anzusehen. Die vorstehenden Punkte haben dem Frankischen Gesetze die große Vorliebe, womit man an ihm hangt, verschafft. Vermöge ihrer hat die Nechtsbildung des Volks bereits bedeutende Fortschritte gemacht. Schlichte Landleute haben sich das Rechtsbuch angeschafft, und treten nicht selten als Anwälte bei den Friedensgerichten auf. Diese letztern sind von unglaublichem Einflüsse auf alle Volksangelegenheiten, und folglich auch auf die Erzeugung sachlicher Güter. Die Oeffentlichkeit befördert das Recht und die gute Sache außerordentlich. Fremde, welche den Spruchsaal eines Rheinischen Friedensgerichts besuchen, erstaunen über das Interesse, welches Menschen aus allen Klassen und Standen an den gerichtlichen Verhandlungen nehmen. Der Raum ist mit Bürgern angefüllt, welche mit sichtbarer Spannung und ununterbrochener Aufmerksamkeit den Gang der Vortrage verfolgen; und erwägt man, wie Ansicht und Urtheil des Erkennenden das menschliche Leben und alle seine Verhältnisse bis in die innersten Fugen durchdringen, so erscheint uns der Wirkungskreis eines Friedensrichters groß, wichtig und erhaben. Unendlich viel hat das Preußische Rheinland durch die Steigerung der Besoldungen, sowohl der höhern Gerichtsbeamten, als vorzüglich der Friedensrichter gewonnen. Die nächste Folge davon war die Möglichkeit, von den Dienern der Gerechtigkeit genügendere Kenntnisse, vollständigere wissen- schaftliche Bildung und die unverbrüchlichste Rechtlichkeit bei ihren amtlichen Leistungen fordern zu können. Und in welchen, erfreulichen Maaße diese Anforderungen hon den jüngern Beamten befriedigt Werden, wissen alle diejenigen, welche Sinn für das allgemeine Wohl besitzen, und den frühern Zustand mit dem gegenwärtigen in diefer Hinsicht verglichen haben. In der That, glaube ich, könnte Man für die Rheinprovinzen nichts vorschlagen, was im Verhältnisse zu den Kosten der Ausführung wohlthätigere Folgen hervorbringen könnte, als einen mäßigen Zusatz zu den Gehalten einiger der gedachten Beamten, deren Einkommen noch immer im Vergleiche mit jenem anderer Staatsdiener zu gering erscheint. Die Wirkungen würden sich durch die Zunähn«? der Neigung zu ihren Berufsgeschäften, und die größere Gemüthsruhe derselben, welche wieder einen sehr günstigen Einfluß auf ihr unverdrossenes Strebn, strenge Gerechtigkeit Aller mit öer besondern Wohlfahrt Einzelner in Uebereinstimmung zu bringen, z. B. Vergleiche, über welche keine Parthel sich mit Recht nachher beschwert, herbeizuführen, unzweideutig Vottheilhaft offenbaren. Wir dürfen diefe Verbesserung von der Einsicht der obersten Staatsbehörden und ihrer anerkannten Sorgfalt für das materielle Wohl der Bürger erwarten, wenn diefe Hoffnung bei dem durch kriegerische Rüstung des Stagts vermehrten Aufwands auch nicht sogleich in Erfüllung geht. Eine eben so erfreuliche Erscheinung, wie die jüngem Friedensrichter, bieten die neuangestellten Geistlichen und die Landschullehrer dar. Da die erstem eine deutsche Universität besucht haben müssen, um eine Anstellung zu erhalten, so bringen unsere Priester nicht nur gründlichere Kenntnisse - /' und gediegenere Ansichten mit in den Kreis ihrer Wirksamkeit/ sondern auch eine vollkommnere allgemeine Bildung, welche den erlaubten Lebensgenuß eben so wenig anfeindet, und dadurch die gehässige und schädliche Scheidewand zwischen Geistlichen und Laien, ein Beförderungsmittel des priesterherrschaftlichen Kastengeistes vermeidet, als bei starren unwesentlichen, im Widerspruche besserer Einsicht und auf Kosten des versöhnlicheren christlichen Geistes bestehenden Formen beharrt, und sich dadurch ein tieferes Eingreifen in alle Richtungen des Lebens versagt. Ohne der Ehre unserer ältern Kirchendiener zu nahe treten zu wollen, — fern sei von mir eine so unziemende Antastung — glaube ich behaupten zu dürfen, daß, wenn man eine Vergleichung zwischen den frühern und den seit dem Wiederaufleben wissenschaftlicher Thätigkeit am Rheine gebildeten und wirksamen Geistlichen anstellen wollte, der Vortheil im Allgemeinen entschieden auf der Seite der letztern sein würde. Unsägliche Herabwürdigung mußte der Beruf des Priesters durch die Grundsatze von Buonaparte's Verwaltung erfahren, da nach diesen in den gesammten Beziehungen des Staats Alles genügte, sobald es nur brauchbar war. Auf den Stand der Geistlichen angewandt, zeigen solche Grundsätze die scheußlichsten Folgen; man nimmt aus Mangel wohl unterrichteter Jünglinge solche, welche die Bekanntschaft der Alten so wenig gemacht haben, daß sie kaum die Anfangsgründe der Lateinischen Sprache verstehen; vollkommen unwissende, ja kopflose Menschen drängen sich hinzu, um nur ein schnelles und angenehmes Unterkommen zu finden. Man sucht endlich nur durch die Wahl dieses Berufs dem Kriegsdienstzwange, der alle übrigen Stände ohne Ausnahme trifft, zu entgehen; so sinkt mit jedem Tage der Stand der Priester herunter, mit ihm die Achtung dafür, mit ihr der religiöse Sinn und die Sittlichkeit vieler Staatsbürger, ' Kaum laßt sich absehen, wie weit dieser Verfall der Geistlichkeit und folglich der sittlichen und religiösen Bildung sich unter Französischer Herrschaft ausgedehnt haben würde, da trotz der unverantwortlichen Erleichterung der Erlangung desselben dennoch immer mehr Pfarren unbesetzt blieben, und der Mangel der Diener des Altars immer fühlbarer wurde. Durch die höhere Achtung, deren dieser wichtige Stand sich gegenwartig erfreut und die ehrende Aufmerksamkeit, die ihm der Staat zugewandt hat, durch den Umstand, daß sich mehr junge Leute den Wissenschaften widmen, läßt sich die merkwürdige Erscheinung hinreichend erklaren, daß jetzt zu einer Zeit, wo die materiellen oder äußern Vortheile des geistlichen Standes bei weitem nicht so augenfällig hervortreten, indem der die übrigen gebildeten Stände treffende Kriegsdienst für dieselben äußerst erleichtert und bekanntlich im Frieden auf Ein Jahr eingeschränkt ist, dennoch eine Fülle talentvoller, mit klassischer Bildung ausgerüsteter, junger Leute der Fahne des Glaubens folgt, und in der Weihe eines unbescholtenen Lebens dem Christenthum und der Civilisation ein großes Opfer bringt. Sind künftig die Einrichtungen des Staats in staatsrechtlicher Beziehung vervollkommnet, und hat sich durch die öffentliche Verhandlung der wichtigsten Landes- und Volksangelegenheiten politische Bildung im Volke, vorzüglich in den untern Ständen, entwickelt, so darf man von der Wirksamkeit so ausgezeichneter Männer die tröstlichsten Hoffnungen hegen. Welchen Einfluß wohlwollende und kluge Pfarrer auf den Wohlstand ihrer Gemeinden äußern können, haben einige Rheinische Geistlichen, deren rühmliche Thätigkeit der Verfasser kennen gelernt hat, in bewunderungswürdigem Maaße dargethan. Nicht nur haben sie Alles hinweggeräumt, was das Glück aller Menschen stört, und folglich auch die Seelenruhe und das Gedeihen ihrer Pflegebefohlenen schmälerte, Aberglauben und Vorurtheile, Handeln ohne Selbstbestimmung, blindes Vertrauen auf den Himmel da, wo menschliche Anstrengung Rettung gewähren konnte; sie haben mehr gethan; durch gemeinverständliche, der Fassungskraft ihrer Pfarrkinder entsprechende Kanzelreden haben sie in den Gemüthern die Sehnsucht nach der glücklichen Zufriedenheit eines unbescholtenen Lebens, und den lohnenden Folgen häuslicher Tugenden, der Mäßigung, der Sparsamkeit und des Fleißes mit , unwiderstehlicher Beredsamkeit erweckt, sie genährt, und endlich dadurch diese Güter, die unvergänglichen Elemente des Glücks der Völker, nach und nach in ihrer Gemeinde geschaffen und erhalten; sie haben Abscheu gegen unwirthschastliche Laster, Trägheit, Unmäßigkeit, Zank-und verderbliche Prozeßsucht hervorgebracht, diese Volkswohlstand schmälernden Grundübel in ihrem gehässigsten Lichte gezeigt und sie endlich entwurzelt und vernichtet. Aber dieses von ihnen gesagt zu haben, genügt noch nicht; ihr Verdienst ist damit lange nicht erschöpft. Sie sind weiter gegangen; sie haben sich genaue Kenntniß von den moralischen und physischen Kräften der Gemeindemitgliedcr verschafft; durch das Lesen der besten agronomischen Schriften erwarben sie sich gründliche Kunde von der Landwirth- schaft; sie verglichen die Lehren derselben mit dem in ihren Gemeinden bestehendem Verfahren; mißtrauisch gegen das, was sie darin aufgestellt fanden, haben sie eine Zeitlang sorgfältig geprüft, was jene Schriften empfahlen, die Umstände des Landes der Verfasser und die des ihrigen zusammengehalten, und wenn sie endlich das, was anderswo reife Erfahrung bewährt hatte, und gesunder Verstand billigte, als nachahmungswürdig erkannten, so versuchten sie es zuerst auf eigne Gefahr bei ihren Pfarrgütern. So vorsichtig angestellte Versuche lohnten in der Regel mit er» wünschtem Erfolge. Indem sie die vortheilhaftere Kulturmethode und den Anbau neuer Pflanzen weiter ausdehnten, vermehrten sie nicht nur den Ertrag ihrer Guter und ihr Einkommen, sondern reizten auch ihre Mitbürger zur Nachahmung; das Letztere war ihre Absicht und ihr schönster Lohn das Gelingen derselben. Sie ertheilen jedem ohne Unterschied Belehrung über das neue Verfahren, über die neuen Erzeugnisse und die Größe ihrer Ergiebigkeit. Sie wenden selbst ihre eignen Mittel auf, um fleißige und aufgeweckte Bauern zu unterstützen und sie aus augenblicklich drückender Noth zu befreien oder ihnen das Kapital zu neuen und einträglichen Anlagen darzuleihen. Der Segen ihrer schönen Wirksamkeit wird allenthalben wahrnehmbar, ihr wohlwollendes, menschenfreundliches Gemüth wird auf die lohnendste Art anerkannt; das Vertrauen auf sie wächst, wenn es größer werden kann, mit jedem Tage. Man legt alle Angelegenheiten in die Hände des vortrefflichen Priesters; er schlichtet Rechtshändel, und söhnt Partheien aus; , er ist das Haupt der Familien, und theilt ihr Glück wie ihr Unglück, er weiß überall Rath zu schaffen, und seine eigne Aufopferung kennt keine Grenzen. Auf diese Weise sind viele Geistlichen in den Nheingcgenden die Gründer und Erhalter des Wohlstandes ihrer Pfarren geworden; sie waren oder sind noch die Väter ihrer Gemeinden im schönsten Sinne des Worts und die Wohlthäter ihrer Mitbürger. Welch ein herrliches Beispiel bewunderungswürdig erfüllten Berufs hinterlassen sie den jüngern Priestern zur Nachahmung! Wer an solchen Erscheinungen zweifelt, weil sie in andern Gegenden Deutschlands seltner sind, den bitten wir, die Umgegend von Koblenz zu besuchen, und sich nach den Ursachen des gediegenen und allgemeinem Wohlstandes der in der Nahe dieser Stadt gelegenen Orte zu erkundigen, sodann die Mosel - und Ahrgegend zu besuchen; — er wird finden, daß wir zu wenig gesagt haben. Die geistlichen Oberbehörden haben, seitdem sie wieder eingesetzt worden sind, großen Antheil an der Beförderung der Rheinischen Kultur genommen: sie haben die so nach- theiligen Wallfahrten verschwinden lassen, und dadurch dem Müßiggange und einer unschicklichen Gottesverehrung vorgebeugt; sie haben den Geist der Verträglichkeit in den Ortschaften gemischter Religionen und allgemeine D"ldnng hervorgernsen; sie haben die Anfeindung anderer Neligions- bekenner zerstört und allenthalben sittlichen und religiösen Sinn befördert. Der Erzbischof von Köln hat sich durch die ausgezeichnete Sorgfalt für die Ausbildung der zum Priester- thum berufenen Jünglinge große Verdienste erworben; er erkannte zuerst, wie wichtig es fei, daß nur fähige wissenschaftliche Männer mit den Jnsignien dieses Standes be- kleidet seien; er machte zur Erlangung desselben ein Examen und das Gymnasial-Abgangszeugniß II. zur Bedingung desselben. Ich darf die wichtige Betrachtung über die gestiegene Wohlfahrt der Rheingegenden, als Folge der Wirksamkeit einsichtsvoller und menschenfreundlicher Geistlichen nicht schließen, ohne des Verdienstes zu erwähnen, welches sie sich in der thatigen Beförderung des Landfchulwefens er« worben haben. In der That gehört diese zu den vorteilhaftesten Seiten der Geistlichen; der Pfarrer scheint der natürliche Vorsteher und Aufseher des Unterrichts der seiner Seelsorge anvertrauten Gemeinde zu fein. Mehrere der altern, die meisten der jüngern Landpriester haben sich aber keineswegs auf diese Aufsicht beschränkt. Da, wo der ältere Schullehrer minder tüchtig, als zu wünschen wäre, ist, haben sie den Unterricht theilweise oder ganz selbst übernommen; sie haben bessere Lehrmethoden eingeführt, und die Anforderungen an die zu entlassenden Schulkinder Höher gestellt. Dadurch ist es ihnen gelungen, diesen vollkommnere Begriffe über ihre Bestimmung und ihre Pflichten als Menschen und Bürger beizubringen, wohlthätigen Verordnungen der Regierung, deren Ausführung nicht erzwungen werden kann, schnell die richtige Deutung und leichtern Eingang zu verschaffen und sie überhaupt für alles Gute und Wahre empfanglicher zu machen. Mehrere der ausgezeichneteren Geistlichen sind zu Schul- infpektoren ernannt worden, und verbinden bei diefem Berufe mit dem Talente, die Tüchtigkeit der Lehrer schnell zu erforschen, die Gabe, die Mittel zu finden und anzugeben, wodurch einem mangelhaften Unterrichte die nöthige Ver- / besserung ertheilt wird. Die Einrichtung der Schulinspektionen ist eine äußerst nützliche Anstalt. Indem nemlich der einsichtsvollste und würdigste Mann einer Gegend dazu berufen wird, den Zustand und Fortgang der Volksschulen anhaltend zu beobachten, sich von den Fortschritten der Schüler durch öftere Prüfungen derselben zu überzeugen, und der Verwaltungsbehörde über diesen Gegenstand Bericht zu erstatten, und die geeignetesten Mittel ziw Verbesserung des Unterrichts vorzuschlagen, entsteht bei dem Schullehrer. dadurch eine sehr wirksame Triebfeder, alle feine Kräfte aufzubieten, um sich für feinen Beruf zu vervollkommnen und seiner Pflicht in ihrem ganzen Umfange zu genügen. Die Regierung wird zugleich dadurch in den Stand gesetzt, die Stufe der Volksbildung eines jeden Theils ihres Verwaltungsbezirks kennen zu lernen, und die verschiedenen Gegenden bald mit stärker wirkenden, bald mit schwächern Mitteln zu unterstützen, jenachdem es das Bedürfniß derselben erheischt und ihr Wohlstand zuläßt. Alle diese Vortheile erwachsen dem Volke und dem Staate durch eine Anstalt, welche beiden keine Ausgaben verursacht, indem die Schulinspektoren unbesoldet sind. Die Fortschritte des Rheinlandes unter Preußischer Staatsverwaltung. Die innern Verhältnisse des Nheinlandes waren der Preußischen Regierung bei der Uebernahme desselben, wie sich aus dem früher Erwähnten entnehmen läßt, nicht günstig. Die Mißbräuche der Französischen Verwaltung waren mit dem Erlöschen derselben verschwunden und vergessen worden, das Bedürfniß vollkommnerer Bildungöan- stalten wurde nicht empfunden, gegen verbesserte Einrichtungen war man mißtrauisch und den Neuerungen abgeneigt. Vielleicht wären die Schwierigkeiten, welche dieselbe bei der Schaffung der neuen Ordnung fand, größer gewesen, waren die Gemüther nicht durch jene allgemeine Begeisterung, welche die Bewohner Deutschlands ergriffen und gegen die Feinde des Vaterlandes bewaffnet hatte, mit fortgerissen worden, und für ungewöhnliche Dinge vorbereitet gewesen. Es ist nemlich vollkommen irrig, wenn man glaubt, die Bewohner des linken Nheinusers hätten keinen thätlichen Antheil an den Ereignissen jener Zeit gehabt. Kaum waren die Verbündeten über den Strom gekommen, so bildeten sich Haufen von Freiwilligen, welche schnell in den Waffen geübt und nach Frankreich gesandt wurden. Hochherzige Männer der höhern Stände hatten sich aus.dem Schooße ihrer Familien losgerissen, und waren als Hauptleute an ihre Spitze getreten; der Verfasser des Rheinischen Merkurs hatte nach den» eignen Geständniß der Franzosen die fünfte der gegen Frankreich verbündeten Haupt-Mächte geschaffen. Die neue Verwaltung war über- dieß durch die provisorische Regierung vorbereitet worden. Einige Zeit dauerte es aber, ehe die Verbesserungen.des Schulwesens eingeführt werden konnten, und längere Frist war nöthig, um sich mit der neuen Landeshoheit auszusöhnen und ihre wohlwollenden Absichten anzuerkennen. Die Gerechtigkeit^ liebe des Königs wurde zunächst ein Gegenstand des Beifalls der Rheinländer; Forderungen, deren Nechtmäßigkeit nicht bestritten werden konnte, und welche die Französische Regierung anerkannte, denen aber genug zu thun, sie unter nichtigem Vorwande zögerte oder verweigerte, wurden so- 43 gleich befriedigt, oder ihrer Lösimg eine Frist gesetzt, nach deren Verlauf fie abgetragen sein mußten. Eine Menge "Unbemittelter, welche ein unverdientes Schicksal aus der Reihe der Wohlhabenden gestoßen und tief erniedrigt hatte, gelangten zu dem lang entbehrten Genusse ihres Eigenthums, welches nun die unerwartete Stütze ihres Alters wurde. Eine gleiche Sorgfalt bewies der Landesfürst für die Rückstände derjenigen Staatsbürger, welche der Französischen Regierung Dienste geleistet hatten, und deren Gehalte von , ihr nicht berichtigt waren. In Aachen bestand eine besondere Behörde für die Auseinandersetzung diefer Angelegenheiten, welche später mit der dortigen Negierung verbunden worden ist. So war eine Menge neuer Capitalien geschaffen, welche zur Unternehmung neuer Industriezweige aufmunterten, und die Hervorbringung der rohen und der künstlichen Erzeugnisse beförderten. Die Fürsorge des Königs für die Wohlfahrt seiner neuen Unterthanen und seine Neigung für sie hatten die' Rheinländer bald Gelegenheit noch besser kennen zu lernen. Als im Jahre 1817 allgemeiner Mangel an den nothwendigsten Nahrungsmitteln ein unbeschreibliches Elend unter der niedern Volksklasse der Städte eben so wie unter vielen Bewohnern des platten Landes hervorgerufen hatte, erschienen auf dem Rheine die Getreideschiffe des Staats, welche der rettende Vater des Vaterlandes mit den Vorräthen der Ostseeküsten gefüllt und in schleuniger Eile dem Rheinland? zur Unterstützung gefandt hatte. *) ') Durch ungünstige Vorfälle ikar ihre Ankunft leider verspätet worden. — Zwei Millionen Thaler waren zu Getreide-Ankäufen Behufs der Versorgung der Rheinprovinzen vom Staate bestimmt. Seit dieser Zeit hat der Wohlstand der Rheinstädte im schnellen Fortgange zugenommen. Er würde in der That noch weit größer sein, wenn nicht gewisse Umstände, hauptsachlich steigende Bevölkerung und vermehrter Luxus seinen Wachsthum immer wieder von Neuem schmälerten. Die Ursachen dieses Gedeihens sind bei den verschiedenen Städten verschieden/ haben aber das mit einander gemein, daß sie meist durch einen lebhafteren Verkehr, einen größer» Erguß des Numerars, und die Beschleunigung seiner Cirkulation innerhalb der Gebiete jener Städte ihre wohlthätigen Ergebnisse herbeiführen. Zunächst sind es die Behörden, deren Glieder gegenwärtig viel zahlreicher und besser besoldet sind, als früher unter Französischer Herrschaft. Buonaparte verwandte den größten Theil der Einkünfte zur Besoldung großer Heere, zur Führung seiner nie endenden Kriege, und belohnte seine Großen mit Millionen, während die Unterbeamten so.kärgliche Gehalte empfingen, daß sie als rechtliche Männer nicht bestehen konnten. Vergleichen wir den Amtsbesoldungsauswand der Französischen und der Preußischen Verwaltung in dieser Hinsicht. Die Franzosen verwandten zur Unterhaltung der Prä- fektur des Rhein- und Mosel-Departements 30,000 Francs ^ oder 8000 Thaler Preußisch Courant, welches nicht den 5ten Theil desjenigen beträgt, was heute die dortige Regierung kostet. Da nun bekanntlich von Beamten selten Ersparnisse gemacht werden, so hat man in dem Angeführten einen Maaßstab für die Größe der jetzigen und der frühern Konsumtion und für die Menge und die Bewegung des dadurch in Umlauf gesetzten Geldes. Bald nach der Ein- führung der neuen Ordnung zeigten sich die Spuren des vermehrten Wohlstandes. Die Wohnungen stiegen um mehr als die Hälfte ihres vorigen Preises; die Eigner derselben waren also um eben soviel reicher geworden/ sofern die Zunahme der Hausbesteurung und der Umstand, daß die Miethen spater wieder ein wenig sanken, unberücksichtigt bleibt. Dann wurden die Festungsarbeiten die Quelle des Geld-Verdienstes sowohl für einzelne Menschen, welche für Taglohn Beschäftigung suchten, als für solche, die Pferde besaßen, und also Gespanne stellen konnten. Dieser Vortheil erwuchs nicht nur den Städten, Koblenz und Köln und in geringerm Maaße Wesel und Jülich, die bereits befestigt waren, und bloß Nachhülfe und Ausbesserung ihrer Werke verlangten, fondern auch den Umgegenden jener Orte. Der sichere Gewinn hatte Leute aus einer Entfernung von mehr als 10 Meilen herbeigezogen, und man traf unter den Festungsarbeitern häufig genug Ausländer, weil sie der Staat von der Theilnahme an den Arbeiten nicht ausgeschlossen hatte. Die Folge davon war eine große Konsumtion der nothwendigsten Bedürfnisse, deren Gegenstände zum Theil die Städte, zum größern Theile die ihnen nahe gelegenen Ortschaften lieferten. Eine Zunahme der entgoltenen Konsumtion führt vermehrte Nachfrage, und bei freiem Verkehre, und wenn die Höhe der Produktion noch nicht die Summe aller produktiven Kräfte beschäftigt hat, wie es hier und in den meisten Theilen von Deutschland der Fall ist, eine Erweiterung der Gütererzeugung herbei, wodurch der Wohlstand des Landes in jeder Hinsicht erhöht wird? wie es hier geschah. Es unterliegt ferner keinem Zweifel, daß die Lösung einer fo großen Masse Nnmerars, — viele Millionen find zum gedachten Behufe zerflossen — wie sie hier zur Herstellung der Bollwerke Deutschlands verwandt, und in die Cirkulation geworfen wurde, einen entschieden günstigen Einfluß auf has ganze Rheinland und selbst die dem Nheine minder nahe gelegenen Gegenden äußern mußte. Sie zeigten auch bald eine ganz andere Blüthe, wie früher. Die Volksmenge stieg, neue Gebäude wurden aufgeführt, und die Umgebungen verschönert. Die Menschen sah man besser bekleidet, und den Erwerb und Verkehr allenthalben belebter. Außer den angeführten Ursachen dieser Fortschritte hatte die Vernichtung des Kontinentalsystems, welches ein übertriebenes Prohibitiv- sysiem mit politischem Zwecke darstellte, sehr viel zur Steigerung der Wohlfahrt der Rheinstädte beigetragen. Hatte nemlich jene Sperre, welche allen Verkehr mit dem andern Ufer des Rheins zerstörte, für den ganzen Kaiser- staat bei vielen Nachtheilen auch namhafte Vortheile, so wurden die letztern von den unmittelbar an den Grenzen liegenden fabrikleeren Städten nur schwach empfunden, während die erstem mit ihrer ganzen Schwere auf denselben lasteten. Man hatte sich freilich hie und da durch Ein- fchwärzungen dafür schadlos zu halten gesucht, allein die Unrechtlichkeit des Schleichhandels, die Größe der damit verbundenen Gefahr und die entehrenden Strafen, welche die dabei Ergriffenen trafen, verhinderten, daß redliche und wohlhabende Kaufleute daran Theil nahmen, und daß bleibender und fester Wohlstand dadurch begründet wurde. Mit der Aufhebung der gedachten Handels-Scheidewand ward der Verkehr der beiden Ufer wieder hergestellt, und ungestört fand der gegenseitige Austausch der Erzeugnisse start. Wer konnte mehr hicbei gewinnen, als diejenigen Orte, die unmittelbar am Strome gelegen, gewissermaßen die Verbindung der beiden getrennten Theile vermittelten? .Die Kolonialwaaren, die unter der Fremdherrschast einen Preis erreicht hatten, welcher Unbemittelten den Genuß derselben unmöglich machte, der mittlern Klasse des Volks aber äußerst erschwerte, waren plötzlich so wohlfeil geworden, daß jeder auf ihre Konsumtion als ein Gemeingut Aller Anspruch machte. Dieselbe Bewandniß und theilweise noch eine für die Verzehrer günstigere hatte es mit England's und Elberfeld'-s Manufakturwaaren. Die Folge davon war, daß seit dem Uebergange der Verbündeten über den Rhein die Zahl der kleinern unmittelbar aus dem Laden verkaufenden Handelsleute bedeutend gestiegen war, die nun ihrer Seits wieder eine große Menge von Handwerkern und Dienstleistenden beschäftigten. Verschwiegen darf aber hier nicht werden, daß einzelne Handel- und Gewerbtreibende durch die plötzlich erfolgte Umgestaltung der Verhältnisse große Verluste erlitten, und daß der Untergang ihres Vermögens, des Verlustes Größe nicht ertragend, eine Menge Mitbeteiligter mit sich in den Strudel des Verderbens fortgerissen hatte. Die Summe dieser Verluste mochte im Ganzen groß und ansehnlich sein, aber sie trafen das Fabrikland des linken Nheinufers, die Gegend von Aachen, nicht so furchtbar, weil dieselbe größtentheils wollene Tuche liefert, deren Preis unter Fränkischer Herrschaft bei weitem nicht zu einer solchen übertriebenen Höhe, wie die der baumwollenen Zeuge im Verhältnisse zu den Preisen des Auslandes gesteigert worden war. Weit überwogen waren diese Nachtheile von den Vortheilen, die dem Fabriklande des rechten.Nheinnfers, der Gegend von Elberftld, erwachsen waren. Diese letzteren waren so außerordentlich groß, daß sich die Elbcrfelder niemals eines größern Absatzes ihrer Waaren erfreuet haben, als zu jener Zeit, die man wohl das goldene Zeitalter des dortigen Gewerbfleißes nennen kann. Bald entwickelte sich auch unter günstigen Umständen ein neuer Zweig des Handels, welcher nicht nur die damit beschäftigten Kaufleute sichern und ansehnlichen Gewinn hoffen ließ, sondern mittelst der dadurch erweiterten Verzehrung und Erzeugung von Urprodukten die kleinen Landeigner eines weithin gebreiteten Saumes in Kurzem zu bereichern versprach. In der That ist er seit jener Zeit die Quelle der Wohlhabenheit vieler Bewohner des Preußischen Rheinlandes geworden, und wenn er sich in der zweiten Hälfte des entwichenen Jahrzehnts minder wirksam und segenreich erwies, so lag dies meistentheils in unvermeidlichen Ereignissen, die eine höhere Macht geschaffen hatte. Eine Fülle günstiger Konjunkturen trug nemlich dazu bei, um dem Weinbau unter der neuen Verwaltung eine lang ersehnte ja dringend nothwendige Stütze zu leihen. Seit I8ll, wo der Wein des Rheins und seiner Nebenflüsse fast beispiellose Güte erreicht hatte,. war das darauf folgende Jahr 1812 das einzige, welches einen vollen Herbst gebracht hatte; die Güte desselben war aber so gering, daß er zu Lagerwcin nicht geeignet war, daher bald getrunken werden mußte, und dadurch die Ursache einer großen vorübergehenden Wohlfeilheit dieses Erzeugnisses wurde. Das Jahr vou 1815 hatte guten aber eine äußerst geringe Menge Wein geliefert, und das auf das nächst- fol- folgende Jahr von 1817 hatte ein Erzeugmß von so geringem Werthe gebracht, daß die Winzer es zum Theil nur weit unter dem natürlichen Preise verkaufen, zum Theil gar nicht absetzen konnten. Die ungenannten Zwi- schenjahre waren gänzliche Fehljahre. Die lange Reihe von fünf theils Mangel-, theils Mißwachsjahren hatte bei den Weinerzeugern großes Elend hervorgebracht und ihre Hoffnungen so sehr zu Voden geschlagen, daß sie viele Grundstücke, die in der Thalebene lagen, und zum Gemüse- und Getreidebau geeignet zu sein schienen, der Weinstöckc beraubten, und in Ackerland verwandelten. Zu ihrem Troste erschien der Herbst von 1813, welcher von günstigen Umstanden begleitet, die gesunkene Hoffnung kraftig zu beleben vermochte. Der Wein hatte zwar nur eine etwas bessere als mittlere Güte, allein die Weinpreife waren unterdessen zu einer bis jetzt unerhörten Höhe gestiegen. Die Ursache, davon war nicht bloß das vorhergehende und anhaltende Mißwachsthum, — die fremden Weine hatten leider die Stelle der vaterlandischen eingenommen, — sondern auch die Erwartung *) des neuen Schutzes, den eine längs des Fränkischen Gebiets sich erstreckende lebendige Schirmmauer von Grenzauffehern dem Deutschen Kunstfleiße und der vaterländischen Erzeugung überhaupt ge- °) Noch im Jahre 1819 wurde von fremden Weinen keine Eingangs-Steuer, sondern nur eine Verbrauchs-Abgabe von 2 Gr. 3 Pf. vom Quart erhoben. — Deutsche Weine wurden sogar nur mit 1 Gr. 3 Pf. vom Quart verzollt. Der Tarif vom 15. Oktob. 1821 ordnete eine Eingangs-Abgabe von allem in die östlichen Pro- -- vinzen des Preußischen Staats eingehenden fremden Weine von 8 Thaler vom Centner, und von 6 Thalern von dem in die westlichen Provinzen desselben eingehenden Weine an. 4 wahrte. Frankreich hatte zuerst eine Mautlinie gegen die Deutschen Staaten hergestellt, welche hinsichtlich Rhein-, preußens besonders für die ihm so nahe gelegene Eifel höchst drückend wurde, und den Staat zu schleuniger gesetzlicher Widervergeltung aufforderte. Die Eifel führte nemlich nach Frankreich eine beträchtliche Menge Vieh, besonders Schlachtvieh aus, und Franzosen erschienen auf den Eifel-Markten häufig als Käufer. Ueberdieß fetzten die gewerbfieißigen Bewohner des Preußischen Staats Getreide, Leinwand, Eisenwaaren, Bänder, Garn u. s. w. an Frankreich ab. Dieser Verkehr wurde durch die unerschwinglichen Eingangssteuern, welche der Französische Staat auf jene Waaren gelegt, und wodurch er ihr Einbringen, wie mittelst gänzlichen Verbots, verwehrt hatte, vollends zu Boden geworfen. Die vaterländischen Hervorbringn- anderer Gegenstäiide wurden ebenfalls, wenn auch in geringerem Maaße, dadurch benachtheiligt, und da die Franzosen gleichwohl ihrer Seits eine Menge Fabrikerzeugnisse, namentlich Kattune und Seidenwaaren, wie zuvor, in das Preußische Rheinland brachten, so wurden, die Manufakturbesitzcr der Gegend von Elberfeld, deren Werkstätten sich vorzüglich mit der Hervorbringung dieser Waaren beschäftigten, bald der ungleichen Stellung und ihrer nachteiligen Lage inne, und forderten den Staat dringend zur Entgeltung der Unbill und zur Befchützung des inländischen Gewerbfleißes auf. Damals war man in Deutfchland, welches seit einigen Jahren erst wieder seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, der Unbeschränktheit jeder Art von Verkehr sehr ergeben. Einmal nemlich dehnte man die Ideen der Freiheit, womit ein großes Volk erwacht war, auf alle Verhältnisse des Lebens und also auch auf den Handel aus, und zum Andern unterstützte die ihr günstigen Gefühle und Ansichten, die damals und meist noch jetzt herrschende Schule des A. Smith's. Des letztern, eines Schotten, Werk über die Ursachen des Völkerreichthums hatte die vorher in Deutschland gelehrte Staatswirthschaft, deren Lehre sich aus den Verwaltungsgrundsätzen einiger der größten Europäischen Staatsmänner, namentlich Colbert's, Cromwell's und Friedrich's des Großen entwickelt hatte, im ersten Jahrzehnt unsers Jahrhunderts verdrängt. Unrichtig bezeichnet man die ältere Schule mit dem Ausdrucke Handels - oder Merkantilsystem und das letztere mit der Benennung Jndustriesystem, da, wie jeder leicht einsieht, durch das erstere, welches Prohibitivanstalten verlangt, die Industrie beschützt, der Handel aber beschränkt, durch das letztere hingegen der Handel von allen Fesseln befreit, und der Gewerbfleiß ohne allen Schutz preisgegeben wird. Obgleich Napoleon dem älteren Systeme in der Festlandsperre huldigte, so hatte er ihm doch, weil er es zur Erreichung politischer Zwecke mißbrauchte und übertrieb, mehr Feinde als Anhänger erworben. Da der Verfasser dieser Schrift eben so wenig zur ältern Lehre zurückgekehrt ist, als das Smith'sche System angenommen, das letztere vielmehr zuerst, wie früher niemand in England und in Deutschland, mit Gründen bekämpft hat, die bis jetzt mit allen Folgen »»widerlegt geblieben sind, so wird es für den Leser angenehm sein, über die Frage, die für Einzelne und für ganze Staaten gleich große Wichtigkeit, gleichviel 4* > Anziehendes, wie für die ganze Menschheit hat, naher unterrichtet zu werden. Der Verfasser ergreift die Gelegenheit zu diefem Vorwürfe AM so bereitwilliger, als er in feiner frühern Schrift darüber der Gründlichkeit halber und zur Entwaffnung einer meisterhaften Dialektik den gemeinfaßlichen Vortrag zu verlassen und die Kunstsprache der Wissenschaft festzuhalten genöthigt war. '' Zunächst begreift jeder leicht, daß, wenn es eine Lehre über die Natur und die zweckmäßigste Behandlung des öffentliche Vermögens (Volks- und Staatsvermögens) giebt, diese, wofern sie Anspruch auf Berücksichtigung ihrer Sätze bei der Ausführung staatswirthschaftlicher Maaßregeln machen will, fo beschaffen sein muß, daß sie Menschen und Verhältnisse, nicht, wie sie sein sollten, oder etwa sein könnten, sondern wie sie wirklich sind, voraussetzt. Sprechen wir nicht stets von Plato's Staat, als einem solchen, der nur' unter Platonischen Sterblichen ausgerichtet werden könne, und dessen Plan für die Begründung der Staatswissenschaften keinen oder nur geringen Werth enthalte? In ähnlicher Art, wie der Platonische Staat ausgeführt ist, kann man sich einen Weltstaat, eine sogenannte Univer- falmonarchie bauen, und Betrachtungen über feine Vortheile anstellen; aber die Politik wird uns wenig Dank dafür wissen. Eben so läßt sich eine Weltwirthschaft, die das ganze Menschengeschlecht verbindet, lind deren Gang durch keine Hindernisse, unterbrochen wird, vorstellen. Man kann für ihre Errichtung und Erhaltung eine Menge Grundsätze auffinden, und sie durch unwiderlegliche Beweisgründe unterstützen. Versucht man aber die für eine Weltwirthfchaft aufgefundenen Sätze auf die Lehre der Staatswirthfchast zu übertragen/ so wird die letztere bald zeigen, daß dies nach den meisten Beziehungen darum eine Ungereimtheit ist, weil sie das erste Erfvrderniß einer praktischen Wissenschaft, nemlich die Verhältnisse fo wie sie wirklich sind, zum Grunde zu legen, unerfüllt läßt. Wäre es daher auch eine ausgemachte Wahrheit, daß freier Bekehr aller Völker dem gesammten Menschengeschlechte die größten, nur möglichen Vortheile gewährte, so bliebe es doch noch immer zweifelhaft, ob er auch jedem der besondern Staaten den größten Nutzen leistete, und er könnte fo lange nicht der Grund des unbeschränkten Handels einzelner Staaten werden, als nachgewiesen bliebe, daß für den besondern Staat durch die Beschränkung desselben ein Vortheil, wenn auch auf Kostm des andern entstände, weil man immer zugeben muß, daß die meisten der Staaten jenen Vortheil sich aneignen wollen. *)- Gewiß zweifelt Niemand daran, daß ein allgemeiner Weltfriede der Menschheit die größten physischen Vortheile gewähren würde, aber ist es jemals einem Staatsmanne eingefallen, zu behaupten, daß ein Staat unter allen Umständen nichts Besseres thun könne, als immer den Frieden zu erhalten, oder nie Krieg zu unternehmen? Wenn daher ein Staat, indem - er den Handel eines andern beschränkt, einen Vortheil, der *) Die verschiedene Größe dieses Vortheils, welcher für Staaten von verschiedenen Bedürfnissen und verschiedene? Bildungsund Gewerbestufe daraus entsteht, wird so lange' die Ausführung der Idee allgemeiner Handelsfreiheit eine Chimäre'erscheinen lassen, als -es für den einzelnen Staat Klugheit bleibt) ein Verhältniß zu vermeiden, bei welchem man gewinnt und verliert, jedoch mehr verliert als gewinnt. Beschrankte aber einen Nachtheil empfindet, so ist aller Wahrscheinlichkeit nach zu erwarten, daß die Beschränkungen eben so wenig aufhören werden, wie die Kriege. Die neuere staatswirthschaftliche Schule hat dies erkannt, und daher, um das Princip der Handelsfreiheit zu stützen, nicht nur zu beweisen gesucht, daß, wenn freier Handel zwischen zwei Völkern bestehe, dieser das Maximum aller erreichbaren Vortheile gewahre, sondern sie hat sogar zu dem gedachten Behuf die Ansicht aufgestellt und nie aufgehört zu vertheidigen, daß Handelsbeschränkungen dem beschrankenden Volke die größten Nachtheile bringen, und daß ein kluges Volk nichts Weiseres thun könne, als die Beschränkungen der Nachbarn unerwidert zu lassen. Hier liegt der Gegenstand der Abweichung zweier staatswirthschastlichen Schulen; er bildet die Scheidewand zweier verschiedenen Systeme der politischen Oekonomie. Adam Smith und seine ganze Schule fordert unbedingte Handelsfreiheit, als den unter allen Verhältnissen nützlichsten Zustand für jeden einzelnen Staat, mögen seine Grenznachbarn auch noch so strenge Prohibitivmaaßregeln ergreifen; sie thun es nur zu ihrem eigenen Schaden. Das (fälschlich) sogenannte Merkantilstem will Beschränkung des Handels, aber nicht unter allen Verhältnissen, sondern nur dann, wenn er einem Staate mehr nehme als gebe, d. h. wenn dabei mehr Geld ausgeführt, als eingebracht werde. Dagegen müsse man sich hüten, behaupten feine Schüler, den einem Staate überwiegend vortheilhasten Handel durch Erschwerung zu schmälern, man müsse sogar, falls die beiden Vortheile der verkehrenden Staaten gleich.seien, Anstand nehmen, solchen Verkehr zu beschränken, um die Aufmerksamkeit und die Eifersucht des angränzenden Staats nicht zu erregen. Die beiden Schulen entwickeln, so wie die Feldherren gegenüberstehender Heere verschiedene Bewegungen machen, und den Angriff oder die Abwehrung vorbereiten, eine Menge Vordersätze, um das letzte gänzlich abweichende Ergebniß ihrer Ansichten zu schirmen, und ihm wo möglich den Sieg zuzuwenden. So wie nun das Streben und Ringen der Menschen sich so häufig auf das große Schwungrad des Verkehrs, das Geld, bezieht, so ist es anch wieder hier der Gegenstand einer hartnäckigen Fehde, - doch ist es der Besitz nicht, um den man kämpft, sondem seine Eigenschaften sind der Vorwurf des Haders. Die ältere staatswirthschastlichc Schule machte einen Unterschied unter den Gegenständen des Verkehrs, wie sich schon aus Obigem entnehmen läßt, und betrachtete Geld nicht als das einzige Vermögen — unverdient ist ihr häufig so grober Irrthum zur Last gelegt worden, — sondern als das einzige, welches man im Handel gewinnen könne. Der Verfasser des Werks über die Ursachen des Völker >Reichthums, A. Smith, nahm an der Überschätzung des Geldes Aergerniß, setzte es zu einer gemeinen Waare herab, und gründete hieraus das System des unbeschränkten Handels. Hiernach ist die Frage, ob Geld mehr oder weniger als bloße Waare sei, kein bloßer Wortstreit, sondern die letzte und wichtigste Frage der ge- sammten politischen Oekonomie. Nur ein vollständiges und ausführliches Studium kann uns in den Stand fetzen, die Folgen eines Grundsatzes für die ganze Wissenschaft zu überschauen, und ohne ein solches wird man nie gegen Widersprüche mit sich selbst und folglich gegen Irrthum gesichert sein. Hier genügt es, die Streitsache in ihrem wahren Lichte zu zeigen, ohne sie neuerdings entscheiden und auflösen^ zu wollen, welches wir anderswo gethan haben. Vor Allem muß bemerkt werden, daß beide Schulen die Erscheinungen der Wirklichkeit oder die Ergebnisse der Erfahrung nicht genügend aufzulösen vermögen. Nach Smith hätte England durch sein strenges Prohibitiv- system eher verarmen ^ls reich werden müssen; er glaubt auch in der That, daß die Schiffahrtsacte den Dritten hinsichtlich ihres Wohlstandes mehr geschadet als genützt habe, Huskisson aber, bekanntlich derjenige Brittische Handels- minister, welcher die Freiheit des Handels am meisten beförderte, hat in seiner über diesen Gegenstand gehaltenen Rede unumwunden bekannt, daß England den Gipfel des Reichthums und der Macht, worauf es sich gegenwärtig befinde, lediglich seinem Sperrsysteme verdanke; so vortrefflich dies aber auch für verflossene Zeiten gewesen sei, fügte er hinzu, so wenig verdiene es heutiges Tages Anwendung, da die Völker ihren Vortheil kennen gelernt, und die Nordamerikaner jüngst durch die Anwendung desselben Systems zu außerordentlichen Reichthümern gelangt seien. Die Erfahrung tritt also der Smith'schen Theorie entgegen, aber sie verleugnet nicht minder die Ansicht der alten Schule oder des Merkantilsystems. Die Nord- amerikaner haben nemlich nach allen über ihren wirthschaftlichen Zustand gesammelten Nachrichten hinsichtlich ihres Wohlstandes fast unglaubliche Fortschritte gemacht, und zwar nicht nur durch Ackerbau, und Manufakturindustrie, — der eine bereichert nur langsam, und die andere ist noch zu unbedeutend, — sondern anerkannterweise Haupt- sächlich durch den Handel, und doch haben sie während einer geraumen Zeit des Fortfchreitens mehr Geld ausgeführt, als eingebracht. Da nun eine wahre oder vollkommene Theorie — um das erste Attribut zu erhalten, darf sie nie falsche Thatfachen zum Grunde legen, um das zweite zu erlangen, muß sie alle Verhältnisse in Rechnung bringen, und keinen Umstand unberücksichtigt lassen — von der Erfahrung nie Lügen gestraft werden kann, fondern den Schlüssel zu allen Erscheinungen der Wirklichkeit bietet, so folgt hieraus, daß weder das eine noch das andere jener Systeme wahr und vollkommen sein könne. Der Irrthum der neuen Schule besieht hauptsachlich darin, daß einer Ansicht, die privatwirthfchaftlich betrachtet begründet ist, staatswirthfchaftliche Gültigkeit beigelegt wird. Wenn nach Smith der Vorsteher einer Familie vollkommen Recht hat, dasjenige, was er mit größern Kosten durch die Mitglieder derselben verfertigen läßt, lieber außerhalb feines Haufes zu kaufen, als es durch die erstere machen zu lassen, so ist es darum nicht wahr, daß auch ein Staat alles dasjenige, was seine Bürger nicht so wohlfeil, wie die Ausländer zu liefern vermögen, mit Vortheil außerhalb kaufe. Bei einem Staate oder Volke kommt nemlich eine Menge neuer Verhältnisse in Rechnung. Machen wir nur eine Anwendung von dem Smithifchen Principe auf die Rheinprovinzen. Es lasse unsere Staatsverwaltung die Französischen Weine ohne Mautgebühren eingehen; was ist die Folge davon? Die Weingüter der Rhein- und Mosel- Ahr- und Nahe- User sinken wenigstens!um die Hälfte ihres heutigen Werths im Preise, — die Preise der Weine selbst sind vorher ebenfalls auf die Hälfte des, gegenwärtigen Werthbetrags gesunken. Das Volk kann also mit demselben Aufwande von Vermögen noch einmal soviel genießen. Wenn aber eine allgemein beliebte Waare, wie diese, um die Hälfte ihres Preises sinkt, so lehren Staatswirthschaft und Erfahrung, daß nicht nur das Doppelte, sondern bei weitem mehr, vielleicht das Dreifache davon konsumirt wird. Mögen wir nun die Bilanz der Rheinländischen Produktion und Konsumtion nach ihrem reellen oder nach ihrem Tauschwerthe betrachten, in beiden Fällen hat Rheinpreußen verloren. Nach dem Tauschwerthe betrachtet, hat der Gesammtwerth der Produkte um die Erniedrigung der Preise sowohl der Weingüter als der erzielten Weine abgenommen, nach dem reellen oder.Gebrauchswerthe betrachtet, ist die Produktion sich gleich geblieben, oder hat höchst wahrscheinlich sogar abgenommen (weil ihr die vorige Ermunterung fehlt), während die Konsumtion um einen beträchtlichen Theil — um welchen nemlich die Konsumtion der Weine gestiegen ist zuge, nommen hat; folglich hat die gedachte Gegend in jeder Beziehung an Wohlstand abgenommen. Aber dieser Nachtheil, der gleich Anfangs eintritt, ist der bei weitem geringere, der ungleich größere liegt in der dadurch hervorgebrachten Verminderung des Umlaufsmittels, in der Schmälerung oder augenblicklichen Vernichtung des Kredits, in der unaufhörlichen Stockung des Handels, in den steigenden Gewinnsten der müßigen Kapitalisten und in den Verlusten und verzweifelten Umständen der gewerbthätigen Unternehmer. Wenn nemlich das umlaufende Medium auch eine noch so geringe Verminderung erleidet, -so wird dies doch, da es alles im Verkehr befindliche Vermögen vertreten muß, leicht fühlbar, und es nmssen, wofern der Ab- nähme kein Ziel gesetzt wird, die angeführten nachtheiligen Umstände ohnfehlbar eintreten. Die Mechanik des Geldumlaufs läßt sich mit jener eines Mühlwerks vergleichen. So wie jeder Zahn des Kammrads die ganze Kraft, welche die Mühle treibt, gleichsam übernimmt, und sie auf einen andern Theil der Mühle übertragt, so pflanzt sich in jedem 'Stück Gelde ein Theil der belebenden Kraft der Produktion fort, und eben sowohl das Mühlwerk als der Verkehr geräth in's Stocken, wenn das kraftleitende Princip fehlt, mag die Kraft auch noch so groß sein. Der Hauptunterschied zwischen der Wirthschaft eines Familienvaters und eines Staats, welcher den früher ver- neinungsweife angeführten Satz vollkommen unstatthaft macht, besteht darin, daß jeder wirtschaftliche Nachtheil eines Gliedes der Familie in demselben Maaße der ganzen Familie schadet, in welchem es dem einzelnen Gliede Schaden bringt, dagegen ein Nachtheil eines einzelnen Staatsbürgers diesen allein und nur mittelbar in sehr vermindertem Maaße den gan- zen Staat trifft. Die Glieder einer Familie sind zu einer wirthschaftlichen Einheit verbunden, keineswegs die eines Staats. Adam Smith hat durch zwei Irrthümer, die eben so groß als tauschend sind, und von denen, welche Staatswirthschaft nicht als Berufswissenfchaft treiben, fast nie erkannt wurden, den schwierigsten Theil der sogenannten Nationalökonomie in eine scheinbar leichte Kunde verwandelt. Diese Irrthümer sind keine andere, als t) die bereits durch ein Beispiel erläuterte Anwendung einer privat- wirthschaftlichen Wahrheit auf einen Staat oder ein ganzes Volk, und 2) seine falsche Ansicht vom Gelde und seinen Eigenschaften, worüber seine Lehre so leicht ist, daß sie in drei Zeilen oder in eben soviel Worten dargestellt werden kann, während Pinto, Büsch, Nebenius den Gegenstand in großen Werken nicht erschöpfen konnten. In meinen Untersuchungen habe ich sowohl diese Hauptirrthümer als eine Menge anderer falscher Sätze Adam Smith's in mathematischer Strenge nachgewiesen; ich habe die daraus entspringenden Widersprüche und Ungereimtheiten! gezeigt, und da es mir lediglich um Wahrheit, nicht um Befried!« digung von Gelbsucht und Eitelkeit zu thun ist, so fordere' ich alle sachkundige Männer auf, den hochwichtigen Gegenstand von Neuem zu prüfen, und mich, wofern es ihnen möglich ist, falscher Voraussetzungen oder irriger Schlüsse zu überführen, mich dabei aber eben sowohl mit nicht gerechtfertigtem Tadel, als mit einem auf keine Entwickelung von Gründen gestützten Lobe zu verschonen. Daß nun die neue Schule so viele und entschiedene Anhänger findet, darf uns nicht befremden, wenn wir die Richtung der Zeit betrachten, die im Allgemeinen freisinnig, den Geist ihrer staats- und völkerrechtlichen Ansichten auf alle und also auch auf die wirthfchaftlichen Beziehungen der Staaten auszudehnen strebt. So geschieht es zum Nachtheil der Bildungsfortschritte, daß man dasjenige, was Ergebniß nüchterner Verstandesthätigkeit und besonnener Betrachtung sein sollte, in die unsichern und nebelgetrübten Gefilden der Phantasie und des Gemüths flüchtet, und dadurch eben sowohl der Wissenschaft, als dem Leben, das ihren Einfluß erleidet, schadet. Wir kommen von der abstrakten Seite unsers Gegenstandes auf die konkrete desselben zurück. Bei der Einführung der Maut in Aheinpreußen hat man das Princip der Handelsfreiheit vorzüglich zu berücksichtigen beabsichtigt, und die Eingangsstcnersätze in der Regel nur so hoch zu stellen gesucht, daß die auswärtige Produktion wenigstens nicht um den Betrag der im Jnlande darauf ruhenden Lasten im Vortheil wäre. Dabei unterstützte die Besorg- nifi, lebhaften und verderblichen Schleichhandel zu erregen, jenen Grundsatz. Aber wie schonend man immer zu Gunsten der auswärtigen Hervorbringung dabei zu Werke gegangen war, so wurden die Vortheile dieser Einrichtung von den meisten Nheinuferbewohnern in der ersten Zeit verkannt, und sie selbst von vielen heftig angefeindet. Als aber die guten Preise der Weine den Weinbau wunderbar förderten, begriff man endlich die neue Wohlthat,-und viele waren mit der Regierung zufrieden. Der Wohlstand der Winzer hat seit dieser Zeit bis ohngefähr zum Jahre 1826 zugenommen und unverkennbare Fortschritte gemacht. Seit dem angeführten Jahre aber scheint ein gewisser Stillstand, wenn nicht eine Abnahme desselben eingetreten zu sein. Die Ursache davon liegt zum großen Theile in den Konsumtions- und Absatz-Verhältnissen des Produktes selbst, dann aber auch in den mit Hessen, Würtemberg und Bayern abgeschlossenen Handelsverträgen. Für die Weinerzeuger von Rhempreußen ist es stets ein ungünstiger Umstand, wenn mehrere Jahre Wein in Menge, aber in geringerer als mittlerer Güte bringen. Ein solcher Wein wird weder ausgeführt, noch kann er für eine Reihe von Jahren mit Vortheil aufbewahrt werden. Der Preis desselben sinkt daher in Kurzem wie kaum bei einem andern Produkte herab. Beim Mäuse eines Jahrzehnts, von 1818 bis 1828 war, z. B. der Preis des Rothweins bis zum vierten Theile seines anfänglichen Werths gesunken, worauf er sich wieder zu heben begann. Auf das Jahr 1824 folgten vier Jahre, wovon drei viel, aber mittelmäßigen Wein, und eins nur guten, und wenig Wein brachten. Dieser Umstand ist einer Menge von Winzern verderblich geworden, und hat in Verbindung mit den neuen Handelsverträgen viele Familien in Schulden und Dürftigkeit gestürzt. Nichtsdestoweniger hat der Weinbau eben sowohl an Umfang, wie an verbesserter Kunstpflege anhaltend zugenommen. Den Beweis über die Zunahme der Weinberge liefert folgende Uebersicht:*) Es wurden an Wein erbaut im Provinzial-Steuer- directions-Bezirk Köln. 1824 1825 1826 1827 1828 Morg. HiR. Morg. IHR. Morg. mR. .Morg. UM, Morg. 33,220 65 36,454 161 38,278 18 38,644 54 44,756 Der Ertrag an Wein war in den angeführten Jahrgängen: Eimer 206,931 362,245 711,113 140,815 880,340 In den 4 ersten Jahren wurden gewonnen 1,421,104 Eimer. Rechnet man den Eimer durchschnittlich zu einem Werthe von 18 Thalern, so betragt die Preissumme der in den gedachten 4 Jahren erbauten Weine: 6,394,968 Thaler. Der Gesammtweinertrag von 1828 war 889,340 Eimer; - namentlich: Moselwein ... 469,919 Eimer. Saarwein.... 31,985 - Rheinwein . . . 169,589 - Nahewein.... 118,561 - Ahrwein..... 45,306 - Sonst. Weine. . 54,889 - Gesammtheit: 880,349 Eimer. .') Ferbcr's Beiträge S. 186. Die Wcinkultnr hat in qualitativer Beziehung noch größere Fortschritte gemacht. Es fehlte den Winzern unter den kleinherrschaftlichen Hoheiten beinahe an allen Erfordernissen einer blühenden Produktion. Kapitalien waren in geringer Zahl vorhanden; der Absatz beschränkte sich auf die Konsumtion der Nachbarschaft, die Weingüter waren mit hundert verschiedenen gutsherrlichen Abgaben belastet, die häufig gleich dem Zehnten, als Quote vom Roherträge erhoben, für den^ Inhaber der Grundstücke die Anwendung von Kapital wirthfchaftlich betrachtet unräthlich machten, und daher alle Verbesserung und Fortschritte verhinderten. In der Regel hatte der Winzer eine gewisse Menge Wein an die Grundherren abzuliefern, und da die Güte desselben nicht bestimmt war, so baute er die schlechteren Traubenarten, nämlich Kleinberger Lammerschwänze und Putscheren, die nach dem Ausdrucke der Winzer viele aber schlechte Brühe d. h. Most lieferten. Als darauf alle die angeführten Lasten in Folge der Französischen Umwälzung schwank den, wurde der Weinbau hiedurch zur Vervollkommnung ermuntert, und zum Andern ward der Krieg ein Umstand, welcher die Konsumtion, und folglich auch trotz der Konkurrenz der Französischen Weine, die man mit ihnen mischte, den Preis der Weine beförderte. Dagegen hatte der Wein» bau unter der Französischen Herrschaft an Ausdehnung außerordentlich verloren wegen der vortrefflichen Getreidepreise, deren sich die Landwirthschaft zu erfreuen hatte, und welche die Verwandlung mancher Weinberge in Ackerbau veranlaßten. Obgleich vor der Französischen Staatsumwalzung die Menge des erzielten Weins bedeutender gewesen sein mag,*) als gegenwärtig, indem man heut zu Tage noch auf vielen Grundstücken, die seit vielen Jahren als Ackerland benutzt werden, Spuren von Weinbau und znrückgebliebenen verwilderten Nebenstöcken findet, denen jetzt diese Kultur gänzlich fremd geworden ist, so bleibt es doch keinen Augenblick zweifelhaft, daß niemals fo viele Strecken, welche nur für Wein benutzt werden können, und die daher von der Natur eigentlich dazu bestimmt zu sein scheinen, mit Wein, wie gegenwärtig, bestellt gewesen sind. Man kann dem Nheinlande Glück dazn wünschen, daß die Erzeugung des edlen Gewächses diese Richtung genommen hat,**) in der sie zwar Anfangs mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, später aber auch um fo reichlicher für die anfänglichen Opfer entschädigt wird. Leichter kann man freilich Ackerbette und Getreideböden, als steile Hügel, klippige Abhänge und unfruchtbare Riffe in Traubengärten verwandeln, aber die Natur lohnt hier mit demselben Maaße, in welchem man sich um ihre Geschenke beworben und bemüht hat. Der an stets besonnten fast unzugänglichen Felswänden reifende und ihrem unfruchtbarem Fuße mit unsäglichen Schwierigkeiten entrungene Wein, ist ein von jenem ganz verschiedenes Erzeugniß, welcher in der Thalebene mit geringer An- stren- ') Dieß ist nur eine Vermuthung von uns, deren Richtigkeit weder bewiesen noch widerlegt werden kann, da landesherrliche Verhältnisse vor der Revolution es höchst wahrscheinlich machen, daß man nie eine zuverläßige Nachricht über diesen Gegenstand erhalten könne. ") Dieß ist nicht allenthalben der Fall; so hat man in der Nähe von Kreuznach einige der besten Getreideböden in Weinberge verwandelt. strengung erzielt wird. Von einigen der vortrefflichsten Weinböden ist es buchstäblich wahr, daß sie der Winzer auf seinem Rücken zu Gipfeln hoher Berge getragen hat, deren Schmuck sie gegenwärtig sind. Die fortschreitende Bildung hat aber auch auf die Auswahl der Nebenarten und die Behandlung derselben ihren wohlthätigen Einfluß geäußert. Man pflanzt heut zu Tage die bessere Weinrebe, nemlich den Rießling an, und entsagt der schlechteren, die mehr aber geringeren Wein giebt, nemlich dem Kleinberger, den Putscheren, Heinischm, Lämmerschwänzen, so daß schon durch diese Verbesserung die Güte des Weins mit jedem Jahre erhöht wird. Ueberhaupt bestrebt man sich, mit großem Vortheile den Grundsatz zu befolgen, lieber weniger Wein, aber guten, als viel aber geringhaltigen Most zu erzielen. Die Regel, die Stöcke so dicht, als möglich, neben einander zu setzen, hat man, als irrig erkannt, verlassen, und vielmehr dem Sprichworte gehuldigt, in welchem die Nebe sagt: pflanz' mich für zwei, so trag' ich für drei. *) Neuerdings hat man aber auch feinere und südliche Rebenarten in Rheinpreußen anzupflanzen gesucht; die Zukunft wird lehren, mit welchem Erfolge die Versuche einsichtsvoller Männer belohnt werden. Die Stufe der Wein- kultur ist aber nicht an allen Orten der Preußischen Rheinlande gleich; die Bewohner weniger sorgfältig und zweck- ') Die größern Zwischenrciume der Weinstöcke bieten nicht minder denselben eine größere Nahrungssphäre, als sie die Strahlen der Sonne besser eindringen lassen, wodurch nicht nur die Menge, sondern auch die Güte des Mostes vermehrt wird. 5 - —- 66 mäßig bauender Gegenden wenden daher noch einige Fortschritte machen müssen, um die Stufe der geschickteren Winzer zu erreichen. Im Allgemeinen steht der Weinbau des Nheinthals höher, als jener der Mosel; die westliche Mosclgegend aber (die sogenannte Obermosel) ist der östlichen (der sogenannten Untermosel) um ein Bedeutendes vorgeeilt. Die Menge der besseren, der Ausfuhr würdigen Weine kann sieben-bis achtmal so groß werden, ohne des Absatzes ins Ausland zu- bedürfen. Leider wird sogar noch eben soviel fremden Weins nach Rheinpreußen und Westfalen eingebracht, als daraus in den östlichen Theil des Staats geführt wird, wie folgende aus Ferber's Veitragen entlehnte Tabelle beweist. In den westlichen Provinzen wurden eingeführt, ausgeführt, durchgeführt, - 1825' 23,527 Centn. 5,283 Centn. 60/300 Centn. 26 15,813 - 6,055 - 59,460 - 27 16,752 - 4,709 - 62,729 - ' 28 14,541 - 5,583 - 51,727 - Sume 70,633 Centn. 21,630 Centn. 234,216 CeNtn. Aus den westlichen Provinzen in die östlichen wurden aber eingeführt, ausgeführt, durchgeführt, 1825 13,038 Centn. 4 Centn. 197 Centn. 26 15,224 - 3,718 - . 123 - 27 16,705 - 3,779 - 5,040 - 28 16,762 - 25 - 197 - Sume 61,729 Centn. 7,526 Centn. 5,557 Centn. In den östlichen Provinzen wurden eingeführt, ausgeführt, durchgeführt, 1825 103,004 Centn. 1,006 Centn. 54,216 Centn. 26 119,566 - 469 - 58,290 - 27 122,687 - 705 46,244 - 28 135,514 - 1,367 - 39,063 - Sume 480,771 Centn. 3,547 Centn. 197,813 Centn. Wenn in den bereits erwähnten Handelsvertragen mit Hessen, Baiern und Würtemberg die fortdauernden Ursachen von dem gesunkenen Wohlstande der Weinbauern zu suchen sind, so haben die ungünstigen vorhin entwickelten Verhaltnisse ihrer Produktion das Meiste zur jetzigen Verminderung desselben beigetragen, und da die letzteren wieder günstiger geworden, die Weinpreise wieder bedeutend gestiegen sind, und sich der Natur der Sache nach noch mehr heben müssen, so wird ein künftiges, gutes Jahr diesem Zweige der Rheinischen Hervorbringung eine außerordentliche Stütze gewähren. Jedoch bereitet ein Uebelstand, der in den wirthschaftlichen Verhältnissen fast aller Weinländer seinen Grund hat, dem Aufblühen eines allgemeinen gediegenen Vermögens der Producenten große Hindernisse. Er besteht in der Unsicherheit des Ertrags der Lese, in der Größe des zur Weinerzeugung erforderlichen Kapitals, und in der bisweilen dringenden, wenn auch vorübergehenden Kapitalverlegenheit der Winzer. Die Bearbeitung eines Weinbergs ist eine Lotterie, worin zwei bis drei Nieten und ein Treffer im günstigsten Falle sind. Da folglich der Einsatz, oder was dasselbe ist, das aufgewandte Betriebskapital nach mehreren Jahren erst mit Gewinn erstattet wird, so ist der Winzer, um den Einsatz in der Zwischenzeit erneuern zu können, gezwungen, das dazu erforderliche Geld bei Kapitalisten zu leihen, und dadurch Schulden zu häufen. So lange er hypothekarische Sicherheit für größere Summen leisten kann, werden die Schulden gewöhnlich nicht verderblich für ihn, weil er die Anleihen bei redlichen Geldbesitzern machen kann, die nur einer geringen Gefahr, das Ihrige einzubüßen, ausgesetzt, ohne Nachtheil das Verlangte — 68 mit den gesetzlichen oder landesüblichen Zinsen vorstrecken. Ist diese aber erschöpft, oder nur für kleinere Summen " ausreichend, und des Winzers Bedürfniß, wie es zu ge- schehen pflegt, dringender geworden, so treibt ihn die Noth zu Wucherjuden, von denen er um jeden Preis Geld leiht, weil augenblickliche Verlegenheit das menschliche Gemüth blind gegen künftige Gefahr und größeres Elend macht. Wer aber dem Wucher zinspflichtig geworden ist, vermag sich seiner unbescheidenen Herrschaft nur unter den günstigsten wirthschafilichen Verhältnissen zu entziehen, zollt ihm aber in der Regel mit Kindern und Enkeln. Der Mangel an Kapital und das Bedürfniß desselben wirkt aber nicht bloß hierdurch unheilbringend auf den Zustand 'der Winzer, fondern er nöthigt ihn auch, dem Genusse der Früchte zu entsagen, welche die Zeit allein an dem Erzeugnisse feines Fleißes zur Reife bringt, indem der Wein durch das Lager theils größere Güte erhalt, theils bessere Preise erlangt, mit einem Worte, er muß sein Weinerzeugniß vor der Zeit verkaufen, um drohenden Manichaern, die von feiner Verlegenheit neuen Vortheil ziehen, genug zu thun. So geschieht es nun, daß die Früchte des Weinbaus größten- theils nicht den Producenten, sondern den ihr Erzeugniß aufkaufenden Handelsleuten und gewissenlosen Inhabern kleiner Kapitalien zufallen, der Winzer aber größtentheils in drückender Dürftigkeit lebt. Wir reihen hieran folgende Betrachtung: Da der Handel kein unbedingt produktives Gewerbe, und Gewinn der Käufleute da als halber Verlust anzusehen ist, wo ohne ihre Hülse dieselbe Größe der Produktion erhalten werden kann, so folgt daraus, daß, wenn man die Producenten selbst in den Stand setzen könnte, die Früchte der Zeit an ihrem Eigenthum« zu erndten, dieß nicht nur für die arbeitende Klasse wohlverdienter Vortheil sein würde, welcher ihrer Produktion neuen Schwung verleihen und sie daher vermehren würde, sondern auch für die Gesammt- hervorbringung der Güter von wichtigen Folgen begleitet wäre, indem die dadurch frei gewordenen Menschenkräfte uud Kapitalien Beschäftigung bei andern Erwerbszweigen aufzusuchen genöthigt, und vielleicht neue Erwerbsquellen dadurch zu öffnen veranlaßt waren. Gewiß ist es, daß man diesen Vortheil nur dann ganz erreichen könnte, wenn man Producenten und Kapitalisten in Einer Person vereinigen, mit andern Worten, wenn man den Winzern zu den erforderlichen Kapitalien verhelfen könnte, die sie in den Stand fetzen würden, den Gewerbsgewinn der Kaufleute und denjenigen Betrag, welcher über die gesetzlichen Zinsen, als Wucher an die Kapitalisten entrichtet wird, zu ziehen. Zu diesem Zwecke schlagen wir folgende Einrichtung vor, zu der wir um so größeres Vertrauen hegen, als sie, zweckmäßig ausgeführt, sich in andern Theilen des Staats als nützlich bewährte, ihre Nachtheile aber Umständen verdankt, welche für den vorliegenden Fall gänzlich beseitigt werden. Wenn die angegebenen Vortheile auch nur zum Theil, der Natur der Sache, nach aus der angedeuteten Anstalt zu erwarten sind, indem die Winzer nicht dadurch von der Entrichtung der Zinsen für gelehnte Kapitalien befreit, sondern' nur den , Gewerbsgewinn der Handelsleute ganz oder theilweise zu - beziehen, in den Stand gesetzt, uud gegen verderblichen Wucher geschützt werden, so weiß jeder, wie außerordentlich viel auch damit schon gewonnen ist. Die angedeutete Ein- richtung ist ein zweckmäßig mit Bezug auf die be» fvnderen Verhältnisse des Grundeigenthümers ynd die Bedürfnisse der Rheinwinzer geordneter Kreditverein. Indem wir hier die Grundzüge dazu liefern, bescheiden wir uns gern des möglichen Umstandes, daß einzelne Punkte unseres Umrisses für die Bedürfnisse be» sonderer Gegenden eine zweckmäßige Abänderung erleiden können, wodurch die Ausführung des näher zu beschreiben» den Gegenstandes erleichtert wird. Die Einwürfe, die man im Allgemeinen gegen Kreditsysteme angeführt hat, werden keineswegs Übergängen, sondern näher untersucht, und ihre Statthaftigkeit wird in Bezug auf unser Vorhaben umständlich geprüft werden. Vorläufig bemerken wir noch, daß die eigenthümliche Schwierigkeit, welche die Theilbar» keit der Güter in Rheinpreußen bei der Ausführung der erwähnten Einrichtung darbietet, keineswegs von uns über» sehen worden ist. Grundriß zu einem Kreditvereine für die weinbauenden Gegenden von Rheinpreußen. t. Die Weingutsbesitzer treten zu einer Gesellschaft vereinigt zwischen diejenigen, welche Kapital bedürfen, und die Kapitalisten in die Mitte, werden die Gläubiger der erstem und die Schuldner der letztern, denen letz» tern sie mit dem verpfändeten Grundvermögen aller Vcreinsglieder für den Stamm und die regelmäßige und pünktliche Entrichtung der Zinsen haften. 2. Jedem Weingutsbesitzer leihet der Verein eine Summe, welche die Hälfte oder zwei Drittel des Mittelpreises stilles sorgfältig abgeschätzten Grundvermögens erreicht; das letztere haftet dem Vereine als Hypothek zur Versicherung des vorgestreckten Betrags. Z. Der Schuldner des Vereins ist bei der vorgeschriebenen Entrichtung der Zinsen für immer ggen die Aufkündigung des Vereins gesichert; kann zber zu jeder Zeit- das angelehnte Kapital zurückgeben, und sich dadurch von der Pflicht der Verzinsung beseien. 4. Die Darleiher der Kapitalien erhalten, imNamen des Vereins ausgestellte Obligationen. 5. Werden dem Vereine Kapitalien gekündig, so muß er sie von' andern Kapitalisten zu erhalten ^chen. 6. Neben den gewöhnlichen Zinsen wird noch ine kleine Abgabe zur allmähligen Tilgung der Schul, und zur Bestreitung der Verwaltungskosten (etwa < pCt.) entrichtet. 7. Die Zinsen werden von den zur Verwaltung beimm- ten Ausschusse des Vereins eingefordert und si> die gelehnten Kapitalien an die Kapitalisten entrichtet,, 8. Nur dann leihet der Verein, wenn das Erforderst einer Anlage, und die Zweckmäßigkeit, fo wie. die Grö. derselben ausgemittelt"und nachgewiesen ist. — Wc das erhaltene Kapital zu andern Dingen, als wozu es geliehen wurde, notorisch verwendet, verliert das Recht der Nichtaufkündigung, so daß der Verein auf jede Weise und zu jeder Zeit das Darlehn eintreiben kann. 9- Um diesem Punkte genügen ^zu können, vereidigt der Verein drei wohlhabende, anerkannt rechtliche Winzer in jedem Orte. Derjenige ihrer Mitbürger, welcher 72 von dem Vereine zu borgen wünscht, setzt jene drei Männer davon in Kenntniß, weis't sich über die Nothwendigkeit und Zweckmäßigkeit einer Anlage aus, indem er sie zr dem betreffenden Grundstücke führt, und erhalt, sftrn den Sachkundigen die Nachweisung genügt, eii Zeugniß darüber, vermöge dessen er von dem Vereine unter den angegebenen Bedingungen borgen kann. Die Anmeldungen der Kapitalbedürstigen können a allen Werktagen bei den drei sachkundigen Mänrrn geschehen; die Ausmittelung der Zweckmäßigkeit e?er Anlage geschieht an Sonntagen, um die er- wertzweckliche Thätigkeit der Beteiligten nicht zu stören. 10. DieZinsett für die gelehnten Kapitalien werden nicht mitjedem Jahre, sondern binnen Jahresfrist nach gun und Mitteljahren eingefordert; die inzwischen .ifgelaufenen Zinsen werden ebenfalls mit Zins er- cattet. Es steht jedoch jedem Schuldner frei, auch l in schlechten Jahren die Zinsen zu entrichten. j Der Verein erhalt für fällige Und rückständige Zinfen ein Pfand' an dem jährlichen Ertrage der Lest, so daß der gewonnene Wein nur mit Benachrichtigung der genannten Sachkundigen verkauft wird, und aus dem Erlöse die fälligen und rückständigen Zinfen sogleich an sie entrichtet werden. 1?. Es ist nicht nothwendig, daß der Winzer, um Kapital zu erhalten, die Zweckmäßigkeit einer Anlage an einem Weinberge nachweise; sie kann auch eine landwirth- fchaftliche Unternehmung betreffe». Nur muß das dazu verwandte Kapital von' den Sack)kundigen als werbend angelegt erklärt werden. 13. Jeder borgelustige Weinbauer wird, bevor ihn nach Erfüllung der gesetzlichen Bedingungen Kapital vorgestreckt wird, von den Sachkundigen mit seinen neuen Pflichten als Schuldner des Vereins bekannt gemacht. Er kann durch Ausstellung eines Reverses für die Leistungen besonders verpflichtet werden. Einwürfe wider Kreditvertine. Als Nachtheile der bestehenden Kreditvereine werden folgende Umstände bezeichnet: 1. Durch die Erleichterung des Borgens sind viele Landwirthe veranlaßt worden, Schulden zur Bestreitung eines unproduktiven Aufwandes anzuhäufen, unter deren Last sie endlich erlagen. Zwar brachte die Gelegenheit, Kapital zu erhalten, einige Zunahme bei der Produktion hervor, allein sie wurde von den aus der größern Konsumtion entspringenden Nachtheilen weit übertrossen. . 2. Ungewöhnliche Mißgeschicke, nachtheilige Ereignisse, z. B. Krieg, Aufruhr, erniedrigten die Preise der Grundstücke und ihrer Rente, uud setzten den Verein außer Stand, sowohl ausgelehnte Kapitalien als ihre Zinsen ganz einzutreiben, und seinen Verpflichtungen an die Kapitalisten zu genügen, da der Preis der zu diesem Behufe gerichtlich veräußerten Grundstücke die Höhe der darauf geliehenen Summen nicht erreichte. 3. Da bei den ältern Vereinen nur größeren Gutsbesitzern diese Vortheile dargeboten wurden, indem die kleineren nicht zur Theilnahme zugelassen wurden, so > ... . 74 v - erschwerte dieser Umstand den weniger bedeutenden Grundeigenthümern das Anleihen von Kapitalien außerordentlich, so daß bei ihnen eine Abnahme der land- wirthschaftlicheu Produktion durch den Mangel des stehenden und Betriebs-Kapitals statt fand. Prüfung derselben für den vorliegenden Fall. Der erste Einwurf, welcher gegen die bestehenden Kreditvereine meistentheils mit Recht erhoben wird, verliert durch den Punkt 8. des angegebenen Grundrisses alle Gültigkeit; er verhindert nemlich, daß ein von dem Vereine dargelehntes Kapital unproduktiv angelegt werde. Der zweite Einwand kann durch keine Einrichtung eines Kreditsystems entkräftet werden, wofern der Zweck des Vereins, den Grundeignern die benöthigten Kapitalien in genügendem Maaße und mit Leichtigkeit zu verschaffen, erfüllt werden soll. Sicherheit des Vereins und Leichtigkeit der Anleihen sind zwei Größen, die sich wechselseitig beschränken; in demselben Maaße in welchem die eine wächst, nimmt die andere ab, und die Aufgabe bleibt nur übrig, in der Ausführung eines Systems das Maximum der beiderseitigen Vortheile zu erreichen. Außerdem kann den Verein nur genieinfames Mißgeschick Aller treffen, dem auch der einzelne, abgesondert Stehende nicht entrinnt. Der dritte Einwurf endlich wird durch die gestattete Theiluahme aller Grundeigenthümer vollkommen beseitigt. Vortheile der vorgeschlagenen Anstalt. Weit entfernt, von der mitgetheilten Einrichtung außerordentlichen Erfolg zu gewartigen, glauben wir doch, daß folgende Früchte mit vieler Wahrscheinlichkeit davon erwartet werden können: j. Obgleich die Kapitalisten nicht unentbehrlich gemacht werde», fo wird doch in vielen Fallen verhindert, daß die gewissenlosen Mitglieder dieser Klasse der Gesellschaft,, höhere Zinsen, als gesetzliche erhalten. S. Dem Winzer wird das Anleihen zur Ausführung wirth- schaftlicher Zwecke bedeutend erleichtert, welcher Umstand äußerst vorteilhaft auf die Produktion wirken muß. Er fallt weder Winkelsachwaltern noch Wucherjuden in die Hände. Z. Da die größeren Kapitalisten durch die Sicherheit der Anstalt veranlaßt werden, ihr Vermögen bei derselben verzinslich unterzubringen, so wird eine große Konkurrenz der Kapitalien-Inhaber entstehen, wodurch der Zinsfuß erniedrigt wird. Der letztere fiel stets da, wo ein Verein der gedachten Art errichtet wurde. Die. Wucher-Kapitalisten, welche in der Regel nur geringere Kapitalien besitzen, und sich diese so hoch, als möglich, verzinsen lassen, können ihr Vermögen bei dem Vereine, da er ^ nur gesetzliche Zinsen gewährt, nicht anlegen. Sie werden dieselben also auf andere als Grundeigen- thumssicherheit auszuleihen suchen, und derjenige Weinerzeuger, der kein Pfand leisten kann, wird unter dem Versprechen, Zinsen zu leisten, welche den gesetzlichen Fuß um wenige Prozente übersteigen, das Nöthige leicht erhalten. Dies kann nur vortheilhafte Wirkungen äußern; der Borgende wird nemlich entweder mittelst des Erhaltenen seine wirthfchastlichen Umstände verbessern, in welchem Falle der gute Erfolg unzweideutig ist, und den Wucherer befriedigen/ oder er wird untergehen, in welchem Falle der Verlust des Kapitalisten nicht zu beklagen ist, indem ein den wirthschaftlichen Verhältnissen des Volks nachtheiliger Bestandtheil der Gesellschaft geschwächt, und seine Wirkung dadurch unschädlicher gemacht wird. Die Blindheit dieser Unredlichen läßt sie fast niemals erkennen, daß sie eine gefährliche Lotterie spielen, in welcher gänzlicher Verlust ungewöhnlichen Gewnm aufwiegt. Möge also der Stachel ihrer Leidenschaft, die ihrer Natur nach den Wohlstand bedrängter Bürger gänzlich zu untergraben strebt, durch verdiente Einbuße geschwächt und abgestumpft werden. In jeden» Falle werden die wirthschaftlichen Verhältnisse der Winzer dadurch, daß sie auf ungewöhnlichem Wege gelehnte Kapitalien niedriger verzinsen, verbessert. 4. Der Winzer kann seinen Wein längere Zeit hindurch selbst aufbewahren, und einen Theil des Gewerbge- winns des Weinhändlers erlangen.- Er wird nicht genöthigt sein, sein Erzeugniß oder sein Eigenthum aus Noth unter dem Preise zu verkaufen. 5. Da der Winzer in günstigen Jahren die inzwischen für die schlechten aufgelaufenen Zinsen aufzubringen, übcrdieß einen kleinen Zuschlag Behufs der allmäh- ligen Tilgung feiner Kapitalschuld zu entrichten hat, so wird er in glücklichen Iahresläuften von stärkern Ausgaben abgehalten, und zur Sparsamkeit aufgefordert werden, und zweitens nach einer gewissen Frist durch die anhaltende Entrichtung des Zuschlages unmerklich und ohne besondere Opfer und erschöpfende Anstrengungen zu dem Besitze des angeliehenen Stamm- vermögens gelangen. Bevor wir diesen Gegenstand verlassen, erlauben wir uns noch zu bemerken, daß die Verbindung eines kleinen Acker- und Gartenbaues mit der Weinkultur den Wohlstand des Winzers fördert, und die Unsicherheit seiner Sub- sistenz vermindert. Er kann nemlich auf Grundstücken, deren Bau und Pflege die schwächeren Glieder seiner Familie übernehmen, die unentbehrlichsten Bedürfnisse des Lebens selbst gewinnen, und die niüßigen Kräfte der Seinigen auf eine höchst eintragliche Weise benutzen. Die auf diese Weise bearbeiteten Böden liefern zuweilen einen unglaublichen Ertrag. Der Vortheil der Verbindung von Acker-, Garten- und Weinbau wird deshalb von klugen Winzern anerkannt, und der steigende Wohlstand bekundet sich häufig durch den Ankauf.neuer Grundstücke aus den Gemarkungen angränzender, nicht weinbauender Gemeinden.*) Hieraus leuchtet hervor, wie vortheilhast der Gebrauch desKapitals für den verständigen und unternehmenden Winzer sei. Die Zinsen, welche er für dasselbe entrichtet/ gewinnt er oft vierfältig aus dem Ertrage des dafür angekauften Grundstücks. Was endlich die Mitwirkung der Behörden zur Beförderung des Weinbaus in Rheinpreußen betrifft, so freuen ') Der Ort Winningen, welches die einsichtsvollsten und thätigsten Weinerzeüger in sich vereinigt/M in dieser Hinsicht große Strecken von seinen Nachb.irn erworben haben. wir uns, die Verordnungen der Staatsverwaltung hin» sichtlich des Eintritts der Lest/ der Beförderung des Spät« herbstens, der Vermeidung ungewöhnlicher aus Spätfrösten entstehender Nachtheile, der Verbreitung weinverbessernder Gahrungsvorrichtungen u. f. w. als musterhaft anführen zu können. Nur diesen Vorschlag haben wir anzugeben, und feine Ausführung als einen Wunsch auszusprechen, daß in den Seminarien die für die Schulen der weinbauenden Gegenden zu bildenden Elementarlehrer, wo möglich aus jenen Gegenden selbst gewählt, und bei dem Unterrichte über die Pflanzenkunde aufmerksam gemacht werden auf die Wichtigkeit, sich mit der Natur der verschiedenen Traubenarten, ihrer Behandlung, folglich der Beschaffenheit des besten Schnittes und der zweckmäßigsten Befestigung an Pfähle genau bekannt zu machen. Die in den Rheinischen Seminarien unterrichteten Schullehrer erreichen in denselben gewöhnlich eine solche Stufe allgemeiner Ausbildung, daß, wenn sie eine von Jugend auf in der Heimath durch Anschauung und Ausübung erworbene Kunde über den Weinbau mitgebracht haben, sie die über diesen Gegenstand handelnden Schriften mit Leichtigkeit verstehen, un.d alfo spater, neben der Erfüllung ihres schönen Berufs als Volkslehrer, ihren Mitbürgern die anderswo als vortheilhaft erprobten Kulturmethoden erklären und selbst mit einem Beispiele durch eigene Ausführung dazu ermuntern können. Der Vorsteher des Seminars kann ihnen die darüber verfaßten Bücher verschaffen, und sie auch später von der Erscheinung neuer, diesen Vorwurf behandelnder Schriften durch Briefwechsel in Kenntniß setzen. Unzweideutig erkannte Vortheile, die groß und umfassend genug sind, kön- nen selbst in den Amtsblattern empfohlen werden. Durch ehrende Anerkennung der Verdienste solcher Lehrer, welche sich in dieser Beziehung auszeichnen, wird von Seiten des Staats ein edler Wetteifer, Ungewöhnliches zu leisten, angeregt werden. Schullehrerbiblivtheken der weinbauenden Gegenden, worin das Fach der Traubenpflege besonders vollständig ist, werden von außerordentlichem Nutzen sein. Die Lehrer werden auch die verbesserten Gährungsvorrich- tungen und die Behandlung der Weine im Fasse kennen lernen, und sich die dabei zu beobachtenden Handgriffe aneignen, um sie durch Unterweisung aus ihre Mitbürger übertragen zu können. Es bleibt endlich noch eine Aufgabe übrig, welche von den Volkslehrern aus Mangel besonderer chemischer Kenntniß nicht gelöst zu werden vermag. Sie besteht darin, die zweckmäßigsten den einzelnen Gegenden und Böden am meisten entsprechenden Düngerarten auszu- mitteln. Wenn man bedenkt, welchen unverkennbaren Einfluß die Art der Düngung auf andere Pflanzen ausübt, wie verschiedenartig die Wirkung des Mergels auf verschiedenen Krumen und bei verschiedenen Pflanzen ist, so darf man nicht zweifeln, daß eben fo wenig Menge als Beschaffenheit der Besserung bei dem Weinbau gleichgültig sei. Die in den mittleren und kleineren Städten des Rhein- landes wohnenden Apotheker sind unstreitig.diejenigen Männer, welche Kenntnisse und Stellung zu Versuchen über diesen Gegenstand berufen, zumal dann, wenn sie, wie es häufig der Fall ist, Besitzer von Weinbergen sind. Gewiß sind die Versuche dieser Art mit eigenthümlichen Schwierigkeiten verknüpft, weil man nicht leicht erfährt, welchen Theil der Güte man auf Rechnung des Düngers zu bringen hat, da dieselben Lagen, unter denselben Umstanden der Witterung verschiedener Jahre, oft ganz verschiedene Resultate gewahren; und außer Zweifel gestellte Ergebnisse müssen Verdienst um die Wissenschaft genannt werden. Um endlich den für die Rheinlande so wichtigen Produktionszweig die Aufmerksamkeit vieler wissenschaftlich Gebildeter zuzuwenden, würde eine önologische Gesellschaft, wie sie z. B. in Würtemberg besieht, welche sich die Ermittelung und Verbreitung aller Verbesserungen und Fortschritte anderer Lander im Rheinlands als Zweck vorsetzte, höchst Erspries- liches leisten. Sie würde durch Briefwechsel die den Weinerzeugern günstigen oder ungünstigen Handelsverhältnisse des Auslandes erforschen, den Behörden Vorstellungen darüber einreichen, sie auf die Nützlichkeit zeitgemäßer Einrichtungen und zweckmäßiger Abänderung des Bestehenden aufmerksam machen können; sie würde sich vermöge ihrer briefwechfelnden Mitglieder eine ganz genaue Kunde von der Stufe des Weinbaues in den verschiedenen Gegenden von.Rheinpreußen verschaffen, dieselbe durch andere Theil- nehmer der Gesellschaft ordnen, und eine genaue, ins Einzelne gehende Wein-Kultur-Statistik, wie sie wahrscheinlich in keinem Staate noch besteht, daraus darstellen lassen; diefe Einrichtung würde ihre Absicht, den Weinbau in allen Theilen von Rheinpreußen auf dieselbe (höchste) Stufe zu erheben, äußerst fördern. Sie würde der Verwaltung vorschlagen, die Schullehrer derjenigen Orte, welche in dem Weinbau die meisten Fortschritte gemacht, und die höchste Staffel erreicht haben, in jene Gegenden zu versetzen, welche darin zurückgeblieben sind, um auf diese Weise die vollkommneren Kulturmethoden durch Unterweisung zu ver- verbreiten. Sie könnte auch eine Schrift, alle durch Erfahrung bewährte Vorschriften über den Weinbau.in leicht faßlichem/ dem Volke verständlichem Vortrage enthaltend, Herausgeben. Sie würde, sich nicht damit begnügen, den Vortheil der Winzer allein zu erzielen: sie würde auch die Grundnachbarn derselben auf die Möglichkeit, durch' die Bepflanzung geeigneter Strecken mit Akazien (rokina pseu- äacacis) einen bedeutenden Ertrag vermittelst dieses schnell« wüchsigen, vortreffliche Weinphäle abwerfenden Baumes zu erhalten, aufmerksam machen. Sie würde endlich alle Pflichten eines Leben und Wissenschaft vermittelnden Organs erfüllen und der letztern eine Brücke in's erstere bauen. Fernere Fortschritte des Rheinlandes unter Preußischer Hoheit. Die Betrachtung über die Einführung und die Folgen der Preußischen Maut, eines gemäßigten Eingangsjollsystems und die Einrichtungen zur Unterstützung des Weinbaus in Rheinpreußen, haben uns von der allgemeinen Seite unsers Gegenstandes abgeführt; wir kehren daher zu andern Beziehungen desselben zurück. Errichtung der Hochschute zu BoNn- Das Jahr 1818 zeichnet sich in den Annalen von Rheinpreußen durch die Errichtung der Universität Bontt aus, welche von dem Könige beim Anfange der Besitznahme dem Rheinlande versprochen worden war. Zur För, derung der geistigen Fortschritte unter den Rheinländern 6 könnte nichts Zweckmäßigeres geschehen. Gelehrte vom ersten Range, die zu dem Sitze der Musen berufen wurden/ erwarben ihr Achtung und Vertrauen. Der Zugang zur' höheren Geistesausbildung ward den Bewohnern der Rhein- nfer dadurch äußerst erleichtert, und dieser Umstand zeigte bald einen erfreulichen Einfluß. Die Hochschule selbst wurde auf eine Weise ausgestattet, wie nur Universitäten vom ersten Range bei der Stiftung begründet zu werden pflegen; die dafür ausgeworfenen Gefalle übersteigen die aller übrigen Gesammtbildungsanstalten des Staats mit Ausnahme jener der Hauptstadt, wie aus einer Vergleichung derselben erhellt. *) Zur Schöpfung einer Bibliothek wandte der Staat überdies besondere Summen auf, und in der Anschaffung naturhistorischer Sammlungen, mathematisches und physikalischer Werkzeuge, anatomisch-bereiteter Gegenstände, in der Einrichtung der zu ihrer Aufnahme bestimmten ^Gebäude wurde so wenig gespart, daß man nicht leicht im ganzen Deutschen Vaterlande eine mit so großem Reichthnme, mit so vielem Glänze ausgestattete Anstalt findet. Große Opfer brachte überdies der Staat der Anlage einer Kunstsammlung von klassischen Gipsabbildungen, einer chemischen Werkstätte, einer Sammlung Rheinischer Alterthümer, eines bota- ') Im Jahre 1829 waren folgende Einkommen fiir die sechs Preußischen Universitäten bestimmt: 1.-für Berlin mit denjenigen Anstalten, welche zugleich als Einrichtungen der Hauptstadt angesehen werden 12-j,626 Thlr, 7 Sgr. 6 Pf. 2. Bonn ......... . . . 94,876 — 8 — 10 — 3. Breslau ............ 70,144 — Ä2 — — — 4. Halle. ..... . . 68,593 — 14 — 2 — ^ 5. Königsberg . . . ' . ... 60,095" — 5 — 6 — 6. Greifswalde . . . . . 55/,86 SS — 10 — Nischen Gartens, einer Geburtshülfeanstalt, einer akademischen Krankenbett-Lehranstalt uni> der Errichtung einer land- wirthschaftliche» Anstalt zur Unterstützung des theoretischen Vortrags über Oekonomie. Jni Aheinlande fehlte es nicht an Mannern, die den hohen Werth der' neuen Schöpfung in vollem Maaße zu würdigen verstanden. Mehrere Rheinische vaterlandsliebende Männer wurden mit Begeisterung dafür erfüllt, und beschenkten das neuerstandene^Heiligthum der Musen mit kostbaren Sammlungen, deren Errichtung das Tagewerk ihres Lebens gewesen war, und welche gegenwartig noch einen sehr schatzbaren Theil der akademischen Sammlungen ausmachen. Spater wurde auch ein Einkommen zur allmähligen Gründung einer technologischen Modellensammlung angewiesen; ein agronomischer und ein forstlicher Garten, welche im Verhältnisse zu den Kosten ihrer Anlage sehr viel zur Unterstützung der Kameralwissenfchaften leisten, werden hoffentlich der Gegenstand künftiger Ausführung fein. Ohne Zweifel ist'die Gründung eines agronomischen Gartens d. h. eines solchen, worin sämmtliche landwirthschaftliche Pflanzen in kleinen Betten gebaut werden, ein klares unverkennbares Bedürfniß des Nheinlandes. Eine solche Anstalt, die sich auf mchrern Deutschen Hochschulen, und namentlich zu Heidelberg musterhaft ausgeführt findet, erleichtert dem Praktiker das Studium der land- wirthfchaftlichen Schriften ungemein... Einigemal ist der Fall am Rheine vorgekommen, daß Landwirthe eine Pflanze, die sie in ihren Büchern mit.,WtbekannM und botanischen Namen bezeiMet-fanden, lange Zeit.näher kennen zu lernen suchten, Und vergebliche Mühe!.aufwandten) bis sie zufällig durch den Vorsieher eints.botanischen Gartens ent- 6* weder mit dem fraglichen Gewächse bekannt gemacht wurde», oder die Belehrung erhielten, daß es eine gewöhnliche einheimische, ihnen wohl bekannte Pflanze sei, deren Namen in ihrer Gegend nur von der Bezeichnung anderer Gegenden abweiche. Eigene Anschauung der unbekannten Pflanze, wie sie in Masse gedeiht, würde, gewiß mehr geleistet haben, und es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn gebildete und wißbegierige Landwirthe von einer Stelle zuverläßige Mittheilung eines landwirthschaftlichen Gewächses in mehrern Exemplaren, wie es die vorgeschlagene Einrichtung gestattet, und seines Saamens mit Aufschrift erwarten könnten, die Erkundigungen und Auskunftgewährungen zum Vortheil des vaterländischen Ackerbaues sehr häufig würden. Leicht ließen sich vermittelst der gedachten Einrichtung ackerbanliche Pflanzensammlungen, sogenannte Herbarien, darstellen, deren Anfertigung nur den Aufwand der dazu erforderlichen Mühe erheifchen würde. Da die Anfangsgründe der Pflanzenkunde in den Schul- lehrer-Seminarien gelehrt werden, so könnten die Volkslehrer auch hierin nützliche Hülfe leisten. Die in der Nähe der Anstalt wohnenden Landwirthe könnten die gewünschte Kunde durch eigene Anschauung erhalten und gegen Täuschungen um so gesicherter sein. Die Entstehung und das Dasein der Rheinischen Hochschule haben einen wirksamen Eifer zur Erforschung der Naturbeschaffenheit des Rheinlandes hervorgebracht. Die Rheinische Flora ist näher gekannt und genauer bestimmt worden. Steininger in Trier und Nöggemth in Bonn haben ergebnißreiche Forschungen übe»? die Rheinischen Gebirge angestellt; der erstere hat höchst anziehende Ausschlüsse über die erloschenen Feuerberge der Eifel gegeben, und sich ein bleibendes Verdienst um die Gebirgskunde dieses Theils von Deutschland erworben; der zweite bereits längere Zeit in dem Studium der Niederrheinischen Gebirge, besonders des Siebengebirgs, begriffen, hat sowohl Mineralien aufgefunden, deren Vorhandenfein im Rhein« lande theils unbekannt, theils zweifelhaft war, als auch Anlaß zu neuen Entdeckungen in diesem Zweige des Wissens gegeben. Ueberdies hat der zuletzt genannte Gelehrte die sorgfältigsten Beobachtungen über die am Rheine stattgefundenen Erdbeben angestellt, alle darüber vorhandene Nachrichten gesammelt und auf die Eigenthümlichkeiten und gleichzeitige verwandten Erscheinungen aufmerksam gemacht. Endlich hat derselbe Gelehrte die Herausgabe einer gehaltreichen Zeitschrift zu Mittheilungen von Untersuchungen über die Nheingegenden übernommen; die letztern verdienen um . so mehr den Dank des Volks, als dadurch künftige Nachforschung nach unterirdischen Schätzen erleichtert worden ist. Niebuhr, Hasse, Brandis und Püggö haben die Wissenschaft durch die Herausgabe von Rheinischen Museen gefördert. Leider sind die zwei ersten, um Deutschlands wissenschaftlichen Ruhm hochverdienten Männer zu früh für die jugendliche Blüthe der Hochschule in's Reich der Vater gegangen. Wenn der Bewohner und Freund des Rheinlands mit inniger Zufriedenheit diese verdienstlichen Forschungen der genannten vaterländischen Gelehrten mit ihrem glücklichen Erfolge wahrnimmt, so erfüllt ihn dagegen ein neu erblühtes Werk, wenn er dessen Werth erkannt hat, mit unaussprechlichem Vergnügen. Es ist ein Eigenthum des —- 86 Rheinlandes, wie es entschieden nicht das übrige Deutschland :md nach dem Urtheile sachkunhiM Männer wahr- fchemlich ganz Europa nicht aufzuweisen hat, ein Werk, welches seinem Errichtey-'-demi-Professor Gold fuß zu Bonn die Unvergeßlichkeit in den Rheinischen Annalen sichert. Es ist die in-.naturwissenschaftlicher Hinsicht unschätzbare Petre- fakten- oder Versteinerüngenfammlung, zn deren Stiftung die vvn warmen Vaterlandsfreunden geschenkten Sammlungen den ersten Grund legten, welche neue Geschenke zu erfreulicher Ausdehnung förderten, und mit deren Klassenbestimmung, Anordnung, Aufstellung und Vermehrung der genannte Gelehrte feit langer Zeit rastlos beschäftigt ist. Man überzeugt sich von dem Werthe und der Wichtigkeit dieser Sammlung, wenn man Zweierlei erwägt, erstens, daß sie zu nähern Ausschlüssen über die äußerst anziehende Kunde der Vorwelt führt, und zweitens, daß der Rheinische Boden eine Fülle der vorweltlichen Trümmer sowohl in dem Schooße der Rheinischen Schieftrgebirge (Uebergangs-Thonschiefer), als in den Kalkzugen der Eifel verbirgt, folglich die gründliche Erforschung dieser Gegenden durch die Kunde ihre? Versteinerungen bedingt ist. Das Dasein der Rheinischen Gesammtbildungsanstalt hat für die Stadt Bonn hinsichtlich des wirthfchaftlichen Gedeihens einen äußerst wohlthätigen Einfluß geäußert. Keine der Rheinstädte zeigt eine fo gänzliche, im höchsten Maaße erfreuliche Umfchassung aller Verhältnisse, wie dieser Ort. Die anziehende Bemerkung eines großen staats- wirthschaftlichen Beobachters, des vorerwähnten Schotten Adam Smith's, bewährt sich hier in auffallendem Grade, Smith führt nemlich zur Unterstützung seiner Behauptung, daß unproduktive Arbejt die nachteiligen Folgen ihrer Natur stets wahrnehmen lasse, als Beispiel die Geschichte der Französischen. Parlamentssiädte an. So lange die Parlamente in ihnen bestanden, sagt er, waren sie ann, weil die meisten Bewohner Einkommen bezogen, das mit ihrem Tode ..erlosch, wMnd sie sich heut zu Tage eines blühenden Wohlstandes erfreuen, weil ihre Einnahme aus Kapitalien fließt, die sie ist den Gewerben oder im Handel angelegt haben. Bonn und Koblenz, worin sich längere Zeit hindurch fürstliche Hofhaltungen befanden, zeigten zur Zeit der Rheinischen Kleinherrschaften niemals die Blüthe, welche sich heut zu Tage dem Fremden so unverkennbar offenbart. Ein bedeutender Theil der Bewohner bezog seinen Unterhalt aus Hofdiensten und Hofgesinde- diensten, bei welchem nichts erworben und folglich kein Vermbgensstamm gesammelt werden konnte. Als aber Bonn unter Neufränkischer Herrschaft fast alles Erwerbs durch den Mangel großer Behörden beraubt war, versanken viele Familien in schmählige Armuth, der Ort wurde nach dem Ausdrucke eines Rheinischen Gelehrten*) so leer, wie eine hohle Nuß, und manche Straßen nährten üppigen Graswuchs. Welch' einen ganz andern Anblick gewährt heut zu Tage diese Stadt? Die Straßen sind mit Menschen angefüllt, die Häuser verschönert, die geschmackvollsten Gebäude neu ausgeführt, altes Mauerwerk, früher den Ort entstellend, ist niedergerissen; allenthalben herrscht die größte Geschäftigkeit, allenthalben der unverdrossenste Erwerbseifer. ') Des Professors Rucksruh -l in den Jahrbüchern der Bonner Hochschule. So scheint es, daß die Umwandlung der Verhältnisse selbst auf den geistigen Zustand der Bewohner heilsamen Einfluß geäußert, und sie unternehmender und kunstfleißiger gemacht habe. ' -l.!> , Die naturgeschichtlichen Sammlungen werden zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse künstig sehr viel beitragen. Es sind aus den doppelt vorhandenen Gegenständen der Sammlungeil kleinere Lehrsammlungen für die Gymnasien zusammengestellt worden, und überdies besteht neben der Hochschule ein besonderes Seminar zur Bildung von Lehrern, die dazu bestimmt sind, naturwissenschaftlichen Unterricht auf den Gymnasien zu ertheilen. Die Bildung akademischer Lehrer aus den Bewohnern der Rheinufer ist in sofern wichtig, als dadurch viele Verbindungen mit der Einwohnerschaft selbst angeknüpft und unterhalten werden, der Wissenschaft leichter Anerkennung und Eingang ins Leben verschafft wird, und die Anstalt, welche alle geistige Kräfte zur Entwicklung und Ausbildung auffordert, der dortigen Bevölkerung minder fremd bleibt, dadurch folglich ihren Zweck vollkomnMr erfüllt. Die Fortschritte der Gewerbe sind an die Stufe der Naturwissenschaften und den Zustand allgemeiner wissenschaftlicher Bildung geknüpft; man darf folglich nicht zweifeln, daß auch sie einmal durch die erstere am Rheine unterstützt und in ihrem Fortgange befördert werden, Rheinische Landwirthschaft. — Blüthe deS Ackerbau? unter Französischer Herrschaft; überwiegendes Wohlsein deS platten Landes in Vergleich zu jenem der Städte. Wenn wir die Fortschritte der Rheinischen Städte in Beziehung auf wirthschaftliches Wohlsein und geistiges Leben um ter Preußischer Hoheit unverkennbar fanden, fo erscheint dagegen die Erhöhung des ländlichen Wohlstandes seit dem Rück- falle des Rheinlandes an Deutschland minder unzweideutig, ja beinahe zweifelhaft. Um den Zustand des Ackerbaus genau erkennen und würdigen zu können, bedarf es einer Einsicht in die Beschaffenheit der Rheinischen Landwirthschaft, deren Verhältnisse ausgezeichnet sind. Zunächst müssen wir anführen, daß die Behandlung der Aecker in den verschiedenen Theilen des Landes verschieden ist, daß sie jedoch sämnttlich entweder den Charakter des sogenannten konsumtiven oder verzehrenden Systems wirklich besitzt, oder Spuren ihrer Entstehung aus demselben an sich trägt. In Rheinpreußen giebt es Zwei-, Drei-, Vier-, Fünf- und Sechsfelderwirtschaft, endlich eine besondere Art, welche die Wissenschaft mit dem Ausdrucke der freien Wirthschaft bezeichnet' hat. Diese letztere ist in den fruchtbaren, dem Nheine zunächst gelegenen Flächen herrschend, und würde, kunstgerecht ausgeführt, eine Wechsel- Wirthschaft darstellen, während ihr letzt der Umstand, daß sie die Fehler des verzehrenden Systems, z. B- Halm auf Halm zu bauen, nicht abgelegt, und keine bestimmte Frucht- folgc anerkannt hat, diesen Namen entreißt, Offenbar ist diese ungeregelte, dem Gartenbau durch ihre sorgfaltige Bearbeitung verwandte Wirthschaft eine Folge des freien Eigenthums und der unbeschränkten Theilbarkeit der Landgüter. Es wäre eine anziehende Forschung, den Anfang dieser Kulturart in die früheren Zeiten zu verfolgen, und ihre allmählige Ausdehnung nachzuweisen. Wenn ihre Entstehung auch nicht mit der Erscheinung der Franzosen am Rheine beginnt, so schreibt sich ihre allgemeine Verbreitung doch gewiß aus jener Zeit her, in welcher das Grundeigenthum frei wurde. Die Zunahme der Bevölkerung hat ihre Ausbreitung äußerst befördert; eine bedeutende Stufe derfelben scheint sogar Bedingung jener Kultur zu sein, indem eine Menge menschlicher Kräfte dazu erfordert wird, um dem Boden den hohen Ertrag abzugewinnen, der gegenwärtig daraus entspringt. Auf dem linken Rheinufer finden sich in dem Regierungsbezirke Koblenz und Trier die meisten Kleinwirthschaften dieser Art, und das Grundvermögen, bereits in unzählige Stücke zerschlagen, stellt in manchen Gegenden, besonders in der Nähe bevölkerter Orte eher Gartenpflege als Acker dar.*) *) DaS Verhältniß der verschiedenen Bodenkultur in Rheiii« pxeußen ist folgendes: Bon einem Flächeninhalte von 459, g, Meilen Ackerland Wildland. . . , . , 4,037,691 S73,467 905,013 Wiesen und Weiden Weinberge..... 44,756 Wege, Flüsse. , . . Waldungen, . , . . Oeden ....... . . 3,148,713 « . . 870,39k - . . 297,573 - Summe 10,218,450 Morgen. Davon sind 191, zz LMeilcn katastrirt. 91 Dieses Land hat durch den staatswirthschastlichen Streit über die Vorzüglichkeit der kleinen oder großen Landgüter und den Grundsatz der beschränkten oder unbegrenzten Theil- barkeit des Grundvermögens eine hohe staatswissenschaftliche Wichtigkeit gewonnen; die Vertheidiger und die Gegner der gedachten Principien entnehmen den Stoff zur Eich Wickelung ihrer Grüude daraus, und wir würden des Lesers Neugierde vielleicht gereizt, aber nicht befriedigt haben, wenn wir unsere Ansicht darüber nicht beibrächten; es scheint uns Das Verhältniß der Waldfläche zum ganzen Areal ist folglich ohngefähr — 1 : 3,^. Im ganzen Staate nach einer (uns sehr unwahrscheinlichen) Wgabe von Pfeil ist dasselbe Verhältnis, 1:6. Einer frühern Schätzung von Hasset (?) gemäß ist es, 1:4. Die katastrirten Ländereien in Rheinpreußen betragen 5,942,75 t Morgen; die Anzahl der Parcellen in den katastrirten Gemeinden ist 6,129,190. Man ersieht hieraus, wie sehr das Grundeigenthum zerstückelt ist. Bei Gleichstellung von 15 Morgen Wildland mit 1 Morgen Ackerland fallen in Rheinpreußen auf eine Familie von 5 Personen dhngefähr 12 Morgen. Dieß ist der durchschnittliche Betrag. Nach der besondern, in demselben Sinne ausgeführten Rechnung kommen im Regierungsbezirk Düsseldorf Morgen, im Regierungsbezirk Koblenz aber 14 Morgen auf die Familie. Der Reinertrag vom ganzen Grundeigenthum ist 10,668,70» Thlr. Der Morgen erträgt im Durchschnitte deS ganzen Areals folglich ctwaS mehr als 1 Thaler. Von den Waldungen sind Eigenthum ,i) des Staats 634,572 Morgen d) der Gemeinden 1,026,031 - e) der Privaten. 1,488,110 - 3,148,713 Morgen. Der Reinertrag von Wohnhäusern, Fabrikgebäuden, Mühlen, ist 1,958,459 von andern Ljegenheiten 8,710,241 Iöch68,700 Thaler. Der Reinertrag von den Liegenheiten stellt sich, nach Abzug von 2 Gr. für den Morgen öden Landes, zu 8,677,341 Thaler. aber die Abhandlung dieses Gegenstandes an einem andern Orte passender zu sein, woselbst wir ihn in Verbindung mit einem andern sehr wichtigen Stoffe zu erörtern gedenken. Obgleich es dem Rheinland? nicht an wissenschaftlich gebildeten Landwirthen fehlt, und sich darunter mehrere finden, die Anfangs die Landwirthschaft praktisch in der vorhandenen Weise trieben, und später durch Selbstunterricht, d. h. mittelst des Lesens der besten agronomischen Schriftsteller ausgezeichnet wurden, so sind dieselben doch im Verhältnisse zu der Zahl der Rheinischen Landwirthe und im Vergleiche mit andern Landern gerade wegen des nicht häufigen Vorhandenseins größerer Güter als selten zu betrachten. Besitzungen, welche am Nheine sehr groß'und ausgedehnt erscheinen, z. B. Güter, von 300—400 Morgen würden in den übrigen Theilen des Königreichs als kleine oder höchstens als mittlere Landgüter erscheinen; die Mehrzahl der landlichen Besitzthümer erreicht einen Umfang von 8—20 Morgen; die Eigner größerer Landereien sind in den meisten Gegenden wohlhabende Bauern; Besitzer von 50—100 Morgen werden als reich betrachtet, und sind in der Regel früher Hofleute, d.h. Erbpachter von Höfen gewesen.- Der Boden hat bei dem ausgedehnten Mitwerben der großen Zahl kleiner Grundbesitzer einen sehr hohen Preis erlangt, so daß der Morgen selbst in einer Entfernung von 5 bis 6 Stunden vom Rheine z. B. zu Mendig mit 400 — 500 Thalern Prcuß, Währ, bezahlt wird, Güter, deren Flächeninhalt mehr als 500 bis. 600 Morgen beträgt, kommen in den mästen Ortschaften nicht vor; Grundbesitzungen von tausend und mehr als tausend Morgen, wie sie z. B. in der Mark Brandenburg und in Pom» mern nicht ungewöhnlich sind, sind in Nheinpreußen so selten, daß dem Verfasser, der viele Ortschaften durch eigene Anschauung kennt, kein Beispiel einer solchen in Rheinpreußen bekannt ist. Der Grund des Zerschlagens großer Güter liegt, wie bereits angedeutet wurde, in der Art und in dem Preisverhältnisse des Bodenbesitzes. Da nem« lich die Menge der kleinen Landwirthe bereits sehr groß ist, und mit jedem Jahre zunimmt, so steigt die Nachfrage nach den kleinen Grundstücken unaufhaltsam, und bringt einen so hohen Preis derselben hervor, daß der Geldzins, welchen der dafür hingegebene Kauffchilling als Kapital angelegt einbringen würde, bei weitem höher ist, als die Bodenrente des dafür angekauften Grundstücks. Der Bauer, welcher ein solches Grundeigenthum ankauft, beabsichtigt nicht sowohl den Neinertrag des Grundstücks zu erwerben, als vielmehr bezahlte Arbeit dadurch zu erhalten. Der Ackerbau belohnt also nur denjenigen hinreichend, der Hie damit verbundene Arbeit selbst über uimmt; der größere Gutsbesitzer aber, welcher diese Arbeit durch andere ausführen lassen und sie folglich bezahlen muß, erlangt in dem Bodenertrage nicht die Rente des in jenem Grundvermögen enthaltenen Kapitals. Erhielten daher nicht Nebenumstande z. B. landwirtschaftliche Gewerbe, namentlich Brennerei, Stimme auf dein Landtage, Vorliebe für das Landleben, Familienverbindungen u. s. w. den größer» Gütern Vortheil und Dasein, so würden sie bereits verschwunden sein, oder in Kurzen» verschwinden. *) Aus dem ') Die Unzahl der sämmtlichen landtagsfähigen Rittergüter, wovon 75 Thaler und mehr qn Principal - Grundsteuer entrichtet werde». erwähnten Umstände erklart sich eine bekannte Thatsache/ die darin besteht, daß Kaufer von Staatsgrundeigenthum und von adlichen Grundbesitzungen in Rheinpreußen häufig den doppelten und einen noch höhern Werth aus dem Verkaufe derselben erlösten, nachdem sie in kleine Grundstücke zerschlagen und an kleine Grundeigner veräußert worden waren. Nicht zu leugnen ist, daß diese Unternehmer mittelst eines billigen Kaufpreises jene Grundbesitzungen erwarben, allein nimmer würden sie dieselben so vortheilhaft versilbert haben, hätte nicht die Zerstückelung eine Menge von Grundeignern zur Erstehung kleiner Theile derselben berufen. Bei diesem Zustande des Rheinischen Ackerbaus ist es leicht zu erklären, wie die Fortschritte der Englischen und Deutschen Landwirthschaft keinen besondern Einfluß auf denselben äußerten, weil nemlich Maschinen und Bestellungsarten für größere Güter berechnet sind, auf welchen man die menschlichen Kräfte mit Recht durch die wohlfeilem thierischen, nemlich durch Pferde und Stiere zu ersetzen strebt, während bei dem Rheinischen Erdbau die Beschäftigung einer Fülle von menschlichen Kräften gerade den höchsten Vortheil gewahrt. Die Nähe eines vortreff- ist in ganz Rheinpreußen (also für mehr als 459 lH Meilen) 421 (Eigenthum von 226 Besitzern). — Durchschnittlich wird nicht mehr als pCt. (oder 161 Thaler von jedem) von dem Principal der Grundsteutr für sie entrichtet. Von diesen Landgütern kommen auf den Regierungsbezirk von Koblenz lZO - Tritts . . . . : . 14 - Aachen 86 - Köln 144 - Diisseldorf .'. > . . . ... 147 Summe 421 ... - llchcn Stroms, und die Menge blühender Städte, welche den Absatz erleichtert, weisen die Bewohner überdies zur Erzielung vieler Gemüse- und Küchengewächse an, deren Bau die große Bevölkerung jener Orte durch Verzehrnng und Darbietung von Dungstoffen äußerst vortheilhast macht. Wer könnte hier den oft gepredigten Grundsatz, die Hälfte öder sogar zwei Drittheile des Grundbesitzthums mit Futterkräutern zu bestelle«, folgerecht ohne Nachtheil durchführen? Einige Meilen vom Rheine in der Eifel oder auf dem Hundsrücken ausgeführt, würde er erfreuliche Früchte tragen, während die Bewohner von Neuendorf bei Koblenz dem entschiedenen Apostel dieser Lehre mit Recht ihren Beifall versagen würden. Der Zustand der Rheinischen Landwirthschaft bietet mit einem Worte die Vortheile kleiner Grundbesitzungen und noch besondere dar, ist aber auch von ihren Nachtheilen nicht frei. Die Bewohner der minder stark bevölkerten Weingegenden, des Hundsrückens und der Eifel, die größere aber unfruchtbarere, durch Anbau minder verbesserte Ländereien besitzen, und dieselben durch Urbarmachung von Wildland mit jedem Jahre vermehren,*) ') Die Folqq davon ist Vermehrung des Viehstandes. Vom Jahr 1319—28 stieg er in Rheinpreußen bei den Pferden um 19 pCt. dem Rindvieh . 7 - Schaafvieh 13 - Großen Antheil hat aber auch hieran die weise Maßregel der Regierung^ vermöge welcher auf Verlangen der Betheiltgten die Eingangssteuern für Ochsen von 20 Gr. auf 5 Thlr. Kühe - 10 — '.»3 — Rinder - 10 — - 2 — . u. f. w. erhöht worden smd. " '"'b *''' ' finden in der freien Wirthschaft des Nheinthals nicht die Muster für ihre Bestellung, weil sie die Umstände entbehren, welche die Ursachen von der Eigenthümlichkeit des Rheinischen Erdbaus geworden sind. Der Boden der Eifel ist unfruchtbar, und bedarf, da es allenthalben an hinreichenden Dungmitteln fehlt, häufiger Brache, der Himmel ist rauh, und dem frühen Gedeihen der Pflanzen zuwider, der Winter währt geraume Zeit langer, als im Rheinthale, und die Eifelergebirge sind noch mit Schnee bedeckt, wann am Nheine die Milde des Frühlings den Stachelbeeren das erste Grün entlockt hat. Dieser Umstand veranlaßt die wichtige Erscheinung, daß es den Bewohnern der Eifel zuweilen an Kräften fehlt, und daß sie zu einer andern Zeit einen Ueberfluß daran besitzen, fo daß sie dieselben zu andern als acker« baulichen Arbeiten zu verwenden genöthigt sind. Das Taglohn ist im Frühling, Sommer und Herbst ungleich höher, als während der Wintermonate, in welchen ein Theil der jungen Leute das Gebirgsland der Eifel verläßt, um in glücklicheren Gegenden die Unzulänglichkeit menschlicher Kräfte als Drescher zu ergänzen. Getreide wird in der Eifel nicht in einem zum Bedarfe genügenden Maaße erzielt; der Boden ist häufig nur zur Erzielung von Heidekorn geeignet, aber Kartoffeln gedeihen vorzüglich darin und werden schmackhafter, als in irgend einem andern Theile von Rheinpreußen. Die Landwirthschaft ist bedeutender Vervollkommnung 'fähig, aber die wirksamste Ermunterung dazu, gesicherter Absatz und hoher Preis der ihr eigenthümlichen Erzeugnisse, der Kartoffeln, des Schlachtviehes, des Geflügels und der Eier gehen ihr ab wegen der Seltenheit größerer Städte und des Mangels an Fabriken und Manufakturen. Die Eifel ist ist von der Natur auf die Anlage solcher Fabriken gewiesen, deren Erzeugnisse aus Kartoffeln darstellbar sind, alsBrannt- weinbrennen, Starke-, Oblaten-, Feinnudeln-, Kartosselfago- fabriken u. a. m. Obgleich sich die ersten hin und wieder finden, so sind sie doch gewöhnlich von so unbedeutendem Umfange und aus einer so tiefen Stufe des Gewerbes, daß sie nur ein geringes und in jedem Betrachte unvoll- i kommnes Produkt liefern. Größere Vorrichtungen können in der Regel bei dem Mangel an Kapital und der geringen Ausdehnung ländlicher Besitzungen nicht eingeführt werden. Sie würden aber gewiß die Anlage mit außerordentlichen Zinsen lohnen, besonders wenn der Unternehmer die ihm günstigen Ereignisse z. B. das häufig eintretende Erfrieren der Kartoffeln, die alsdann zum Genusse unbrauchbar, wohl aber zum Brennen geeignet, um einen äußerst niedrigen Preis zu erhalten sein würden, auf eine geschickte Art zu benutzen verstände. Bekanntlich hat die Darstellung des Brannteweins in Frankreich und in unserm Staate so außerordentliche Fortschritte gemacht, daß, wer dieselben im Großen benutzt, die kleineren Unternehmer, welche die größeren vortheilhaften Vorrichtungen nicht in Anwendung bringen können, durch die Konkurrenz feiner Erzeugnisse erdrücken muß, obgleich der große Unternehmer in Preußen das Quart Maische um 2 Pfenninge höher versteuert, als die kleinen Brenner. Auch die Darstellung von Kartoffelstärke würde bedeutende Vortheile, gewähren, aber es werden sich nicht leicht am Nheine wohnende Kapitalisten und Landwirthe bewegen lassen, die hespe- rischen Gärten seiner Ufer mit den Schneefeldern der Eifel zu vertauschen, in welchem Falle sie nur den Erfolg der Unternehmung durch ihre Gegenwart sichern könnten. Der 7 98 Mangel an Absatz gewöhnlicher Erzengnisse der Landwirth» schaft nöthigt die Bewohner der Eifel zur Erschwingung der Steuern, diejenigen Produkte auf den Markt der entlegenen Städte zu bringen, welche bei geringer Schwere größeren Werth enthalten, vorzüglich Vieh, Butter, Eier. Indem sie aber dieser kräftigen Nahrungsmittel entbehren, und sich fast ausschließlich auf den Genuß von Pflanzen beschränkt sehen, erlangen sie nicht den Ueberfluß körperlicher Kräfte und-diejenige Arbeitslust, welche die Bewohner geseg- - neterer Länder den Fortschritten der geistigen und physischen Kultur so zugänglich machen. Der Ackerbau hat seit der Fränkischen Umwälzung bedeutende Fortschritte gemacht, aber dennoch immer nur eine niedrige Stufe erreicht, und die Viehzucht, auf deren Pflege die Eifel durch ihre natürlichen Boden» und Klimaverhältnisse hingewiesen ward, ist im Vergleiche zu andern Theilen des Preußischen Staatsgebiets nur mittelmäßig. Die Veredlung der Schaafc kann nur auf großen Gütern und bei anfehnlichen Kapitalien "unternommen und nachhaltig durchgeführt werden. Beide Elemente fehlen hier. Die Folge davon ist, daß die Anzahl der veredelten und halbveredelten Schaafe in den Regierungsbezirken, welche Theile von der Eifel und dem Hundsrücken (mit dem es in dieser Hinsicht dieselbe Bewandniß hat) enthalten, also vorzüglich Trier, Koblenz, Aachen, im Verhältnisse zu den unveredelten beinahe am geringsten ist. Münster allein hat verhältnißmäßig weniger veredelte Schaafe, wie folgende amtlich verbürgte Uebersicht beweiset: Regierungsbezirke. Ganz ZHeredeltc. Halb Veredelte. u». veredelte. Ueberhaupt, Also durch- MitUich äns'bicqeo- grapl>is»e Qd.-Meile. Merseburg.... 161979 479547 244848 -886374 4758 Breslau 287360 668413 165347 1121120 458S Akagdeburg . . . 224871 406290 283643 914804 4467 Stralstmd .... 45357 161431 78886 285674 3785 Stettin 187590 343755 298850 830195 3561 Erfurt 19927 89753 115Ä04 224884 350Y Posen 125223 513099 426044 1064366 3251 Potsdam . . . 245323 494384 442253 1181965 ' 3189 Bromberg .... 63191 150657 415699 629547 2983 Liegnitz 125138 388244 182178 695560 2769 Frankfurt .... A8334 461608 278179 958121 2713 Oppeln ..... 149668 341759 103511 594938 2403 Minden 9033 61069 124663 194765 2085 Köslin 113945 183855 217128 514928 1992 Marienwerder. . 114169 153132 336547 603848 1917 Aachen 7102 20959 107645 135706 1776 Trier ...... 2222 5576, 199988 207786 1717 Koblenz 2501 16548 150091 169140 1546 Arnsberg . . 12199 41127 155480 208806 ^ 1505 Münster 754 10178 160774 1V1706 1299 Danzig ..... 512Z2 25903 84722 161857 1073 Königsberg . . . 135037 94453 201919 431409 1063 70297 38411 171184 279890 942 Köln ...... 3928 26470 34517 64915 870 Düsseldorf . . . 2332 l 10228 66671 79231 801 Im ganzen Staate >2378717 j5186849 !5045971j 126115371 2502 Wir fügen noch eine amtlich verbürgte Tabelle über den gesammtcil Viehstand in den Rheinischen Regierungsbezirken auf der folgenden Seite bei. 7* Am Schlüsse des Jahres 1828 war der Viehstand in Rheinpreußen folgender; es hatte Regierungsbezirk Pferde Füllen Bullen Ochsen Kühe Koblenz... Trier - - - - Aachen ... Köln .... Düsseldorf. . 12454 25538 17887 14182 30967 1139 3778 2285 1385 4116 1194 1142 818 837 1021 31735 25981 5764 10914 6383 85807 78051 73232 78105 106Z56 Summe. . . 101028j12703 5012 80777^421451 Regierungsbezirk Koblenz. . . Trier .... Aachen . . . Köln .... Düsseldorf. . Summe. . . 200185j 53565j234657I656778 Der Hundsrücken hat manche Beziehungen mit der Eifel gemein, unterscheidet sich aber darin auffallend von ihr, daß er einen weit fruchtbaren Boden und im Allgemeinen auch einen milderen Himmel besitzt; der Ackerbau ist daher viel ergiebiger und lohnender, die Landleute sind unternehmender und emsiger, und treiben bei der Land- Wirthschaft auch landliche Nebengewerbe. Der humusreiche Boden und das gelindere Klima machen den Bau mancher Erzeugnisse, die in der Eifel nur ausnahmsweise mit Erfolg erzielt werden, z. B. des Obstes, des Flachses, sehr vortheilhast; dies letztere Erzeugniß gedeiht in manchen Gegenden vortrefflich; das Verspinnen desselben und das Jungvieh Vocre u> Ziegen Schweine Schafe 49115 11478 49630 169140 36680 5416 73750 207786 35077 7554 31486 135706 40345 9573 28496 64915 38968 19544 51295 79231 Weben des Gefpinnstes beschäftigen die Landleute während des Winters, und verschaffen ihnen vortreffliche Leinwand. Man findet daher in diesem Theile Rheinpreußens bei weitem mehr Wohlstand/ als in der durch das Moselthal von ihm getrennten Eifel. Beide Gegenden enthalten in dem Schooße ihrer Gebirge viele nutzbare Mineralien, hauptsächlich Blei und Eisen. Das letztere Metall ist in beiden Gegenden so sehr verbreitet, daß nicht nur eine Menge von Eisen- und Stahlhütten in denselben besteht, sondern auch allenthalben Eisenstusen, durch eigenthümliche Farbe und Schwere dem Mineralogen leicht erkennbar, ohne voran» gehende bergmännische Arbeiten entdeckt werden. Die Hüt» ten würden sich dabei ohne Zweifel vermehren, hätte nicht der vorhandene oder zu besorgende Holzmangel die Anlagen derselben widerrathen und die bergmännische Thätigkeit auf die Förderung und Zugutemachung der reichsten Erze beschränkt. Der Holzmangel oder der verhaltnißmäßig hohe Preis des Holzes vieler Gegenden der Eifel, die fo vielen unbedingten Holzboden besitzt/ ist eine eben fo überraschende als merkwürdige Thatsache, die nur aus der früheren fchlech- ten forstwirtschaftlichen Behandlung und der Vernachläßi- gung der Eifel sich erklären läßt.*) Hätte Lezay Mar- nefia, statt die unglückliche Idee zn nähren, Heiden der Eifel in Ackerbau zu verwandeln, die Ansicht gewonnen, daß durch AnHolzung einer Menge öder Strecken, die nicht einmal als Weide vollkommen benutzt, einen gänzlich unbe- ') Der Regierungs-Bezirk Trier, von dessen Gebiet Gegenden der Eifel den größten Theil bilden, hat bei b99,609 Morgen Ackerland -597,324 Wild- und Schiffelland! Letzteres macht beinahe den bten Theil vonderGesammtfläche des gedachten Verwaltungsbezirks aus. deutenden Ertrag gewahren, das Land nur entsprechend verbessert werden könne, so würden die Aussichten seiner Bewohner auf künftigen Wohlstand um sehr Vieles gestützter sein. Es wäre Unrecht, die Ursachen des schlechten forst» lichen Zustandes der Eifel, deren Waldungen alle Folgen unvollkommner Bewirthschaftung zeigen, und welche ungeheure, zur Holzzucht geeignete, gänzlich unbestandene Flachen enthalt, den Franzosen allein aufbürden zu wollen. Ob» gleich ihre Forstordnung, welche aus dem Jahre 1669 stammt, auch unter Buonaparte's Herrschaft unverändert in ihrer UnVollkommenheit erhalten wurde, an und für sich eben so unzweckmäßig war, wie die wirkliche Handhabung derselben tadelnswerth, so war die vor der Französischen Umwälzung bestehende Behandlung wenigstens eben so man» gelhast. Der Grund von der Zerrüttung des Eifeler Holz» baues und der Nacktheit großer Flächen ist hauptsächlich in den früheren landes- und grundherrlichen Verhaltnissen zu suchen. Eine große Aufgabe bleibt es für unsere Zeit, diese Lücken der Rheinischen Bodenkultur auszufüllen; jene Oeden sind gewöhnlich Gemeinde-Eigenthum; die besseren Strecken, deren es aber gewöhnlich nicht viele giebt, und die nur einen unbedeutenden Theil des Ganzen ausmachen, werden heute oft getheilt, und alsdann in Kurzem in Felder verwandelt. Diefer Gang, im Allgemeinen nützlich, bietet nicht die Vortheile dar, welche er mit sich zu führen scheint; denn obgleich an Grundstücken gewonnen wird, fo entzieht die Bestellung derselben den vorhandenen besseren Aeckern die sorgfältigere Bearbeitung und die reichlichere Düngung, indem an bestellenden Kräften und Besserung allgemeiner Mangel ist. Unserer Staatsverwaltung stehen drei Mittel zu Gebote, den Zustand der Eifel in der gedachten Beziehung zu ver. bessern; das erste ist: den größeren Theil jener Flachen an fich zu kaufen, und sie mit Wald zu bestellen, um sie später bei gestiegener Bevölkerung mit außerordentlichem Gewinne zu veräußern; das zweite Mittel ist ihre Theilung, wie es jetzt geschieht, mit Ausnahme derjenigen, welche die besten Weiden gewähren, zu befördern, und zur Waldanzucht zu ermuntern. Die Verbindung des Waldbaus mit der Land» wirthschaft ist in der Regel nützlich, würde aber in der humuslosen Eifel, worin sie wegen bereits entstandener Seltenheit des Holzes häufig unterbleiben muß, unglaubliche Vortheile gewähren. Leider kann auf diesem Wege nur wenig geleistet werden, weil der kapitalentblößte Ein« wohner mit den Bedürfnissen der Gegenwart und der Er- schwingung der Steuern zu kämpfen hat, und folglich Unter« nehmungen flieht, deren Früchte erst den Nachkommen reifen. Das dritte Mittel besteht darin, die Gemeinden selbst dazu anzuhalten, jährlich eine bestimmte Fläche mittelst gemeinschaftlicher Anstrengung ihrer sämmtlichen Glieder mit Wald zu bepflanzen. Für die erste Methode spricht der Vortheils daß sie leicht, schnell, und mit dem größten volkswirtschaftlichen Erfolge ausgeführt werden kann, indem der Staat, falls er die zur AnHolzung erforderlichen Arbeiten zu einer Zeit ausführen ließe, in welcher der Ackerbau keine oder eine geringe Beschäftigung erheischt, z. B. zwischen Saat und Ernte, der Bevölkerung Gelegenheit zum Gelderwerbe verschaffen würde, dessen wohlthätige Folgen nicht lange vermißt würden. Dagegen erfordert sie anfangs ansehnliche Kosten, die sich erst spat, wenn auch mit hohen Zinsen erstatten, und ist insofern dem Geiste der Preußischen Finanzverwaltung zuwider, als sie ihre wirthschaftliche Aufsicht vermehrt, da diese doch strebt, durch Verwandlung der Staatsgüter in Privateigenthum, den Anforderungen der Wissenschaft gemäß, sowohl ihre Thä- tigkeit zu vereinfachen, als den Ertrag der Güter zu erhöhen. Des zweiten Mittels nachtheilige Seite würde, wie schon angedeutet, die äußerst langsame und' spate Erreichung des vorgesetzten Zwecks sein. Die dritte Methode empfiehlt sich durch leichte Ausführbarkeit, drohet aber alle die Nachtheile an, welche Unternehmungen haben, worin des Einzelnen Vortheil nur mittelbar angesprochen wird; diese Nachtheile äußern sich darin, daß mehr Kräfte in Athem erhalten werden, als sich in der Förderung des bezweckten Werks wirksam erweisen. Bekanntlich leisten vier Frohnarbeiter bei landwirthschafilicher Verrichtung nur so viel, als drei ' Tagelöhner, wobei die Arbeit der letztem noch vollkommner als die der ersteren ausfällt. Sind wir aber auch nicht im Stande, einen Weg zur Erreichung des erwähnten Zwecks vorzuschlagen, welcher ohne Schwierigkeit wäre und der durch die damit verbundenen einladenden Vortheile allein einen schnelleren Erfolg hoffen ließe, so machen wir hinsichtlich der zu befolgenden forstlichen Wirthfchaftsmethode und der zu wählenden Holzart auf den sehr bedeutenden Nutzen der Hackwaldwirthschaft aufmerksam, die, bekanntlich eine Verbindung von Feld- und Forstwirthschaft, durch die Gewinnung der Lohe manchen Gegenden einen ansehnlichen Ertrag abwirft. Der Boden der meisten Eifeler Heiden ist gerbestoffhaltig, und besitzt Dammerde genug, um Eichen, Birken, Ellern u. a- m. in vierzehn- bis zwan» zigjährigem Umtriebe reichlich zu erhalten. In der Nähe 'befinden sich die größten und vortrefflichsten Gerbereien des Staats und der Niederlande, nemlich zu Prüm, Malmet») und Stablo u. a. O., so daß der Absatz als gesichert betrachtet werden kann. Ware der Ort des letztem auch für manche Dörfer entlegen, so blieben zwei Mittel übrig, der Lohe Werth zu geben und zu erhalten, nemlich entweder dieselbe im Winter abzufahren, zu welcher Zeit das Gespann wegen mangelnder landlicher Beschäftigung sehr wohlfeil ist, oder die Lohe chemisch auszuziehen, und dieselbe als Extract in der Ferne abzusetzen. Ohne Zweifel würden die augenscheinlichen Vortheile dieser Wirthschaft, die der Eifel selbst in ackerbaulicher Beziehung darum sehr angemessen ist, weil das damit zu gewinnende Getreide oder Heidekorn keiner künstlichen Düngung bedarf, die Bewohner derselben bald zu größerer Ausdehnung derselben ermuntern. Die, Eifel würde vermöge dieser Anlagen so wohlfeile Lohe liefern, . daß andere Gegenden kaum mit ihr in Konkurrenz zu treten vermöchten. Vielleicht würden durch diesen einladenden Umstand und durch die Aussicht, die Häute in der viehreichen Eifel sehr wohlfeil einzukaufen, viele Gerber und Unternehmer veranlaßt, sich darin niederzulassen und Werkstätten anzulegen, wodurch die Erfüllung einer wesentlichen Bedingung von ihrem Gedeihen und dem Wohlstande ihrer Bewohner befördert würde. Uebrigens ist der Hackwaldbetrieb in Nheinpreußen nicht unbekannt, und er wird namentlich zu Bernkastel an der Mosel mit Einsicht und Erfolg getrieben. Zur Beschäftigung der Eifelbewohner während ihrer langdauernden Winter würde nichts angemessener fein, als gleich ihren Nachbarn auf dem HundSrücken zu spinnen und zu weben. Wenn das erstere aber allgemein von den ^ Frauen geschieht, so ist das männliche Geschlecht eben so wenig damit, als mit dem Weben beschäftigt. Das erstere, Gegenstand weiblicher Arbeit, scheint auch für den Bedarf der Eifel an Gespmnst nicht nur zu genügen, sondern auch um Lohn für nachbarliche Gegenden übernommen zu werden; dieser Verdienst aber bekanntlich der geringste und unpreis« würdigste, den es giebt, ist in der Eifel noch wohlfeiler, als anderswo. Könnte das Weben ebenso allgemein unter den Mannern werden, wie das Spinnen unter den Frauen verbreitet ist, so würde die Folge Vermehrung des häuslichen Wohlstandes und vielleicht auch Zunahme der umlaufenden Mittel fein, da man Hanf und Flachs theils selbst erzielen, theils von den Nachbarn auf dem Hundsrücken und im Jülicher Lande kaufen, zubereiten, verspinnen und das Er« zeugniß entweder als Garn verkaufen, oder zu Leinwand gewebt versilbern könnte. Obgleich aber die Webekunst, so schlicht und einfach, wie sie zur Darstellung gewöhnlicher Leinwand erforderlich ist, leicht erlernt wird, fo ist ihre Verbreitung doch an das Dasein einiger Anlagen und an eine gewisse Geschicklichkeit geknüpft, und hat, wofern wir nicht irren, meist vor undenklicher Zeit da, wo sie sich findet, bestanden, oder ist durch Einwanderer dahin verpflanzt worden. Man darf daher nicht zweifeln, daß eine leicht zu bauende Maschine, welche dem Webenden alle Geschicklichkeit entbehrlich macht, dem Bewohner der Eifel empfohlen zu werden verdient. Eine solche ist die in England bereits verbreitete Kurbelwebmaschine oder 6->nciy-1oom, die selbst in Großbritankn für 4 Pfund Sterling oder ohngefahr 26 Thäler 12 Sgr. zu erhalten ist. Obgleich wir fast alle Gattungen von Webevomchtungen durch eigene Anschauung kennen gelernt, so haben wir uns doch vergeblich bemüht, die gedachte Art in dem gewerbreichsten Theile des Staats aufzufinden; leider können wir daher nichts Näheres darüber mittheilen, erlauben uns aber die Vermuthung, daß die Darstellung derselben im Vaterlande wohlfeiler ausgeführt werden könne, sowohl darum, weil andere Maschinen, z. B. Dampfmaschinen eben so gut, und dabei wohlfeiler bei uns verfertigt werden, wie in England, als wegen des Umstands, daß in diesem Lande keine Sparsamkeit in der Anlage des stehenden Kapitals berücksichtigt wird; in letzterer Hinsicht dürfen wir nur daran erinnern, daß die Nordamerikaner zur Ersparung des Kapitals diejenigen Maschinen aus Holz fertigen, z. B. die Tuchfcheermafchinen, welche von den Dritte n aus Eisen dargestellt werden. Um die Einführung dieser nützlichen, durch Erfahrung in England bewahrten Maschine in der Elfel zu bewerkstelligen, würden der Regierung folgende Maaßregeln zu Gebote stehn: j. Mehrere Muster derselben den.Landrathen Behufs der Vertheilung unter gewerbthatige Bürger des Kreises zu überschicken. 2. Den damit Beschenkten die Pflicht aufzuerlegen, bei der Anwendung der Maschine jedermann Zutritt in die Webstube zu gestatten, an Sonn- und Feiertagen aber dieselbe vor ihrem Hause oder an einem andern geeigneten Orte zur Schau aufzustellen, um die Aufmerksamkeit des Volks darauf zu lenken. Z. Einen Preis für Mechaniker oder Tischler auf die vollkommenste und wohlfeilste Anfertigung derselben zu setzen; besondere Geld- und Ehren-Belohnung könnte sowohl für Handwerker des platten Landes, als für Bauern, die mit der Fertigung der gedachten Vorrichtung zu Stande kommen würden, ausgesetzt werden. 4. Diejenigen, welche zuerst von der Maschine Gebrauch machten, könnten in einem gewöhnlichen öffentlichen Blatte oder selbst im Amtsblatte als die gcwerbflcißigsten Staatsbürger namhaft gemacht werden, vorausgesetzt, daß nicht andere Gründe dieser Auszeichnung entgegenstanden. Die Ausführung des vorliegenden Plans würde gewiß die schönsten Früchte zeigen; ein Hinderniß aber, welches den Erwerbsfleiß der Eifel so vielfältig lahmt, tritt ihm auch hier hemmend entgegen: es ist die Seltenheit des Kapitals. Obgleich der Aufwand von 4 Pfund Sterling oder ohngefähr 26 Thlr. 12 Sgr. nicht sehr bedeutend erscheint, so würde er doch schon eine sehr ansehnliche Ausgabe für einen Eifelbewohner fein. Wenn der Mangel an Kapital kein unbedingtes Hinderniß für die Industrie eines Staats ist, — mannigfaltige Mittel giebt es, feine Entstehung zu befördern, dasselbe zu ersetzen oder herbeizuschaffen, — so vermag es doch, gewisse Gegenden längere Zeit in ihrer gewerblichen Entwickelung zurückzusetzen. Um die Fortschritte der Landwirthschaft in den Theilen vc» Nheinpreußen, worin die freie Wirthschaft noch nicht herrscht, zu befördern, würde die Einrichtung einer Musterwirthschaft oder eine landwirthfchaftliche Lehranstalt, wie sie in Deutschland zu Möglin, zu Hoch heim, Schleis heim, und zu Hofwyl in der Schweiz bestehen, gänzlich unzweckmäßig fein. Die mit der Hochschule zu ' ^ ' ... 109 Bonn verbundene landwirthschaftliche Anstalt hat nicht den mindesten Einfluß auf den Rheinischen Ackerbau zu äußern vermocht. Der Vorsteher derselben war nach dein mißlungenen Versuche, vollkommnere Feldgeräthschasten einzuführen/ zu dem Bekenntnisse gezwungen, daß der Pflug von Bonn der dortigen Gegend nie geglaubte Vortheile gewähre, und anstatt Landwirthschaft an, Nheine zu lehren, hat er einen Theil derselben daselbst erlernt. Soll eine Anstalt dieser Art die von ihr erwarteten Vortheile herbeiführen/ und sich in Bezug auf die Fortschritte der Landwirthschaft als nützlich und fördernd bewähren, so müssen folgende Punkte dabei berücksichtigt werden, und sie muß nachstehende, den örtlichen und grundeigenthümlichen Verhältnissen entsprechende Einrichtung erhalten: Z. Der Zweck der Anstalt ist keineswegs, große Guts« besitzer oder künftige Verwalter großer Güter für einen ausgedehnten Wirkungskreis auszubilden. Da, wo die Zahl größerer Güter selten, und die Aussicht vorhanden ist, daß sie nach und nach gänzlich oder bis auf wenige verschwinden, würde man in dem an» geführten Verfahren einen nichtigen Vorsatz verfolgen. Die von den Zöglingen zu ihrer Ausbildung aufzu» bringenden Kosten würden so bedeutend sein, daß die Sohne selbst wohlhabender Landwirthe die Anstalt nicht besuchen könnten. Falls ihre Mittel aber auch hinreichten, würden sie die gesammelten Kenntnisse bei der Leitung kleiner Wirthschaften meistentheils nicht anwenden können. Die Anstalt muß folglich auf die Ausbildung kleiner Wirthe berechnet sein; der Vortheil dtt Wirthschaft muß hauptfächlich in dem Anbau der ergiebigsten Pflanzen, der zweckmäßigsten Fruchtfolge, dem angemessensten Verhältnisse zwischen Viehstapel und Getreidebau, der Anwendung der verschiedenen Besserungsmittel, der Verbindung landwirthschaftlicher Gewerbe mit dem Erdbau u. s. W. gesucht werden. Größere Maschinen, z. B. Drill- und Dreschmaschinen oder ihre Modelle könnten gezeigt, brauchten aber nicht erklart und ihrer Mechanik nach begriffen zu werden, da letzteres zuviel Zeit, und zu bedeutende Vorkenntnisse und Fähigkeiten erfordern würde. Dagegen könnten die Vorzüge kleinerer Geräthfchaften, z. B. des Sichets vor der Sichel, des Bayleyschen Pflugs vor den andern u. s. w. umständlich auseinandergesetzt werden. 2. Die Zöglinge treten als Wirthschaftsgehülfen, nachdem sie zwei Jahre lang aufgehört haben, schulpflichtig zu sein, und den heimathlichen Ackerbau praktisch erlernt haben, bei der Anstalt ein. Nahrung und . Wohnung entsprechen ihrem Verhältnisse./ 3. Der theoretische Unterricht findet nur im Winter statt; in den übrigen Jahrszeiten wird er praktisch vermittelst der Theilnahme an den ländlichen Verrichtungen erreicht. 4. Der Sohn eines wohlhabenden durch Fleiß und gute Wirthschaft ausgezeichneten Bauern aus jedem Dorfe wird von dem Schöffen für die Anstalt vorgeschlagen. Der Lehrer des Orts berichtet über seine geistigen Fähigkeiten, und-falls die letzteren genügen, wird er in die Anstalt aufgenommen; im entgegengefetzten Falle wird ein fähigerer Mensch dazu ausersehen. — 111 —- 5. Außer den gewöhnlichen ländlichen Verrichtungen be» fchästigt jeden Zögling die Theilnahme an einem land- wirthfchastlichen Gewerbe, namentlich Brennerei, Brauerei, Stärkebereitung u. s. w. 6. Die Aufnahme findet zu Anfange des Winters statt, und die Belehrung beginnt mit vollkommnerem Unterrichte im Lesen, Schreiben, Rechnen, Auffatzmachen, ^ und geht allmählig in einer leichtfaßlichen Art zur Betrachtung einer Landwirthfchaft und ihrer Verhält- ' nisse über. Jeder Zögling wird dazu angehalten, die Einzelheiten des heimathlichen Ackerbaus zu beschreiben. Er wird dadurch zum Nachdenken geleitet, und zum Verstehen landwirthschaftlicher Schriften tüchtig gemacht. Hat er sich vollkommene Kenntniß der Landwirthfchaft theoretisch und praktisch angeeignet, so wird ihm auferlegt, die Fehler der heimathlichen Kulturart und die Mittel zu ihrer Verbesserung in einem verständlich geschriebenen Aufsätze anzugeben u. f. w. 7. Da der aus der Anstalt scheidende Zögling als vollendeter Landwirth zu betrachten ist, so wird ihm der Staat Einjährigen Militärdienst zugestehen. Dieser Vortheil wird den Besuch derselben wünschenswerth machen, und eine wohlhabende Bauernfamilie leicht dazu veranlassen, gern eines ihrer Glieder während der Zeit von zwei Jahren zu vermissen, da dieser Verlust durch die Erfparung einer ebensolange» Dienstzeit wieder ausgeglichen wird. 8. Die Richtung der Anstalt ist durchaus praktisch. Auf alle Weife wird dem Uebelstande vorgebeugt, daß die Zöglinge, über ihren Beruf hinaus gebildet, Bedürft 112 nisse kennen lernen, deren Befriedigung ihre künftige Wirthschaft zcrrüttcn würde. Die vorstehenden Punkte würden die Hauptzüge einer dem Bedürfnisse von Rheinpreußen angemessenen landwirth- fchaftlichen Bildungsanstalt fein. Die von dem Staate dafür aufzuwendenden Kosten könnten sowohl deshalb, weil die Arbeit der Zöglinge wirthfchaftlich *) benutzt wird, als auch, weil die höchste Ersparung von Aufwand in Wohnung, Kleidung, Nahrungsmitteln in ihrer Bestimmung liegt, keineswegs bedeutend , fein. In den Rheinischen Schullehrer - Seminarien finden sich junge Leute, welche die heimathliche Ackerwirthschaft von Jugend auf praktisch erlernt haben. Die fähigsten Köpfe davon könnten ausersehen, zu ihrer weitern Ausbildung in die landwirthschaftlichen Institute Deutschlands geschickt, und nach einigen agronomischen Fußreifen als Lehrer der Anstalt mit sehr maßigem Einkommen angestellt werden. Würde mir die Frage vorgelegt, ob ich die beschriebene Einrichtung zur Beförderung des Ackerbaus in Nhein- preußen für nothwendig erachte, so würde ich sie verneinend beantworten, weil derselbe mit der steigenden allgemeinen Bildung ebenfalls fortschreitet; würde aber die Ueberzeugung ausfprechen, daß mir kein Mittel zur Verbreitung des ländlichen Wohlstandes und allgemeiner Kultur wirk- ') Zu diesem Behufe könnte die Anstalt in der Nähe einer großen Heide angelegt werden. Die Urbarmachung derselben wurde neben den ländlichen Arbeiten eine Menge von Händen beschäftigen, und das Gebiet der Anstalt immer mehr erweitern. wirksamer erschiene/ als das.aiuzegebene. Da der Staat zur Beförderung der Gewerbe ungeheure Mittel aufwendet, so ist es billig, daß zur Beschleunigung der ackerbaulichen Fortschritte ebenfalls etwas geschehe. Vielleicht wendet man gegen den angeführten Gegenstand ein, daß die Ausführung desselben die Menge des Getreides vermehren und seinen Preis erniedrigen werde, welches Ergebniß den Grund von dem Niederliegen und Stillstande der Rheinischen Landwirthschaft erhalten und ausdehnen werde. Dieser Ein- wurf hat aber nur scheinbare Statthaftigkeit, indem er sich durch die Betrachtung widerlegt, daß sowohl durch die Verbreitung landwirthschaftlicher Nebengewerbe, als durch die Einführung neuer Pflanzen, welche die Stelle des Getreides einnehmen, und ausländische Erzeugnisse ersetzen, der Begehr desselben und folglich der Preis nur erhöht werden könnte. Was auf diesem Wege noch zu leisten sei, zeigt eine Uebersicht der selbst hervorgebrachten und der eingeführten ländlichen Haupterzeugnisse. Der Ertrag an den verschiedenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist in Nheinpreußen folgender. Im Jahr 1828 wurde gewonnen an: Weizen . . . . . 06,501 Mispel. Roggen. . . . . 224,626 - Gerste . 62,002 - Hafer . 252,144 - Spelz . 14,760 - Buchweizen . . . 28,936 - Kartoffeln. . . > . 706,266 - Erbsen. . . . . , . 9,603 - Nübfaamen. . . 12,164 - 8 Leinfaamen ...... 4,031 Centner. Hopfen........ 2,781 Futterkräutern. . . 11,010,042 Heu und Grummet 7,858,090 Wein . 880,340 Eimer. Tabak 11,561 Centner. > - An landwirthschaftlichen Haupt-Gegenständen wurde im Jahr 1828 Folgendes eingeführt: Getreide. ....... 117,650 Centner. ^Dagegen im Jahr 1827 632,900 » ^ ' Oelsämereien . . ^ . 64,000 » Flachs und Hanf. . . 9,190 - Wein......... 11,160 Eimer. Pferde ........ 2,900 Stück. Rindvieh........ 4,110 . ' Schweine . 4,510 « Schaafe, Kälber, Ferkel 39,600 - Wolle 8,250 Centner. Butter . . . 3,170 Käse ..... . . -. 8,590 Tabak (in Blättern) . 59,000 Die Einfuhr der Karden stieg von 700 Centner des Jahres 1824 bis zu 5,100 Centner des Jahres 1828. Dagegen fiel die Ausfuhr von 250 Centnern des Jahres 1825 bis zu 200 Centnern des Jahres 1828. Aus ge- werbfleißzwecklichen Gründen ist die Beförderung ihres Anbaus mittelst Einfuhrbesteurung unrathfam. Die mit Tabak bestellte Flache erweiterte sich von 2,187 Morgen des Jahres 1825 bis zu 2,740 Morgen des Jahres 1827. *) ') Ferber's Beitrüge S. 190. Da im letztem Jahre der Ertrag an Tabak im ganzen Staate 173,045 Centner, im Provinzial-Steuer-Bezirk, Köln aber nur 17,075 Centner betrug, so erhellt zur Genüge hieraus, welcher Fortschritte der Bau dieser Pflanze, in Rheinpreußen bedarf, um sowohl dem inländischen Bedürfnisse -— zu dessen Befriedigung im Jahr 1828 59,000 Centner eingeführt worden sind — zu genügen, ^ als die Rolle auszufüllen, welche ihm geeigneter Boden und günstiges Klima in Rheinpreußen zugetheilt zu haben scheinen. Eine bedeutende Einfuhrbesteurung des ausländischen Tabaks muß bei niedrigen Getreideprcisen in Rhein- ' preußen für unbedenklich zweckmäßig angesehn werden. I " ' ^ ^ Nach diesen Abstl)weifuugen, worin wir Hnige Mittel zur Erhöhung des ländlichen Wohlstandes in Nheinpreußen angegeben haben, kommen wir auf den glücklichen Zustand des Ackerbaus auf dem linken Nheinufer unter Französischer Herrschaft zurück. Unsere Landleute erinnern sich noch lebhaft jener in dieser Beziehung günstigen Zeiten, worin Auspfändungen wegen Steuerreste seltene, ja fast unbekannte Erscheinungen waren. Die Blüthe des Ackerbaus und überhaupt des platten Landes unter den Franzosen hatte ihren Grund in den ziemlich gleichmäßigen und stets guten Preisen des Getreides und der übrigen landwirthfchaft- lichen Erzeugnisse, in dem geringen Betrage her direkten Steuern und der Gemeindeauflagen, in dem seltneren Genusse fremder Erzeugnisse von Seiten der Landleute und endlich in der geringeren Bevölkerung. Gegenwärtig haben diese Ursachen der L* 116 landwirtschaftlichen Blüthe abgenommen; Hie Ursachen des stadtischen Gedeihens sind erstarkt, und ihre Wirkungen zeugen davon. Betrachten wir jede der erstem und der letztem in dieser Hinsicht naher. I. Hohe Getreidepreise sind das kräftigste Ermuttte- rungsmittel für die Landwirthfchaft, erhalten dem Grundeigner Laune und Lust, und erleichtern ihm die Aufbringung seiner Abgaben, vermehren feinen Kredit/ und befestigen sein Loos für die Zukunft^ indem sie ihm die Löschung hypothekarischer Schulden erleichtern, oder ihn in der Erwerbung und Urbarmachung neuer Landereien unterstützen. Welche Umstände waren aber als die Ursachen von den guten Getreidepreiscn auf dem linken Rheinufer unter Frankreichs Herrschaft anzufchen, und ist die Höhe derselben, wenn sie auch heilsam zur Förderung der Landwirthfchaft wirkt, auch als ein Vortheil für die gefammte Gesellschaft anzusehen? Die Beantwortung der letztem Frage scheint die Untersuchung der erstem anziehender zu machen; sie löst sich durch die Anwendung eines allgemeinen staats- wirthschaftlichen Grundsatzes, dessen Nichtigkeit niemals bestritten worden ist: derjenige Preis der Erzeugnisse uttd folglich auch des Getreides ist am nützlichsten für die Gesammtheit des Volks, welcher dem natürlichen gleichkömmt oder sich ihm am meisten nähert. Der natürliche Preis ist jener, welchen der Producent ' erhalten muß, um alle aufgewandte Kosten nebst dem gewöhnlichen Gewinne zurück zu erhalten. Wenn also dem Landmanne die zur Bestellung des Ackers aufgewandte Ar- 117 beit gemäß dem herrschenden Liedlohne bezahlt, und ihm daneben die Zinsen für's stehende und umlaufende Kapital nebst der gewöhnlichen Bodenrente erstattet werden, so hat das Getreide denjenigen Preis erlangt, wobei die Summe des Wohlbefindens aller Staatsbürger am größten ist. Ist der Preis niedriger, so leidet der Landwirth, ist er höher, der übrige Theil der Gesellschaft. Unmäßige Preise des Getreides sind auch darum als schlimme Zeichen anzusehen, weil sie den Mangel des ersteren andeuten; sie steigen jedoch nicht in gleichem Verhältnisse mit dem letztern, sondern in einem beschleunigten, so daß wenn ein Drittel an der Ernte fehlt, der Preis des Getreides ohngefähr noch einmal so > hoch als gewöhnlich ist, worauf Graf Lauderdale wich« tige Folgerungen für die politische Oekonomie gegründet hat.*) Die Ursachen von den guten Preisen des Getreides und aller landwirthschastlicher Produkte unter der Französischen Herrschaft sind folgende gewesen: *) Noch King steigt der Preis deS Getreides im Verhältniß zum Ausfalle an der Ernte folgendermaßen: Wenn in der Ernte fehlt so steigt des Preis über den ^7 Mittlern Satz um -z^ v>n das 1/^ fache I l> ^ Nimmt man für die Periode von. 18ld —M den MittelpreiS des Getreides in Rheinpreußcn zu 2 Thlr. für den Berliner Scheffel (Roggen und Weizen) an, so folgt aus der vorstehenden Regel, daß selbst in dem Mangeljahre 1816, worin der höchste Preis in Rheinpreußen 5> Thlr. 8 Sgr. 6 Pf. fiir den Weizen, und 6 Thlr,,,, 1ä Sgr. 1 Pf- für den Roggen betrug, noch nicht -z an der Ernte gefehlt habe, (sofern nemlich die stattgefunden«» Zuführen von Getreide außer Rechnung bleiben). - 118 a) die Abhaltung ausländischer Erzeugnisse mittelst des sogenannten Kontinentalsystems. Der Zucker der Kolonien wurde zum großen Theile durch den aus Runkelrüben bereiteten ersetzt. Zu diesem Behufe waren große Strecken mit der gedachten Pflanze bestellt und dadurch dem Getreidebau entzogen. Der Flachs mußte die Baumwolle ersetzen, sein Preis mußte steigen, folglich der Anbau desselben vortheilhaft sein, sich ausdehnen und den Anbau des Getreides beschränken; folglich mußte es unter gleichen Umständen theuer werden. Der Verbrauch anderer Kolonialwaaren wurde beschrankt, und man suchte sich durch den reichlichen Genuß der inländischen schadlos zu halten. Welchen Einfluß diese Umstände auf die Beschränkung des Getreidebaus, die Mindererzeugung der Cernalien und folglich ihren höhern Preis äußern mußten, läßt sich hinlänglich würdigen, wenn man bedenkt, daß det Preußische Staat nach Ferber im Jahre 1827 allein einen Werth von mehr als fünf und zwanzig und einer halben Million Thaler an Baumwollerzeugnissen dargestellt hat, wovon, da die Ausfuhr unbeträchtlich war, bei weitem der größte Theil im Lande konsumirt worden ist. !i) Beständige Kriege oder kriegerische Aussichten, die Versorgung der Festungen mit Lebensmitteln, die Anlegung oder Erhaltung von Magazinen, die Konsumtion ungeheurer Heere. Bekanntlich lebt ein gewöhnlicher Bauer nicht so gut, wie ein Französischer oder Preußischer Soldat, er verzehrt daher als Soldat mehr land- wirthschaftliche Erzeugnisse, als wenn er zu Hause ist. c) Geringere Produktion wegen der geringen Entwickelung der ackerbaulichen Fortschritte; der Landbau bildete sich/ seitdem er von den grundherrlichen Fesseln befreit worden war, immer mehr aus. Die Bestellung der früher vorhandenen Aecker ist sowohl sorgfältiger ausgeführt, als ihre Zahl durch die Urbarmachung von vielem Wildlande vermehrt worden. Der Friede erhalt dem Landbaue heute eine Menge von Händen/ die ihm unter Frankreichs Herrschaft der Krieg entriß. Indem diese ländliche Arbeit suchen und verrichten/ vermehren sie die Gesammtheit landwirthschaftlicher Erzeugnisse. ä) Die Menge des umlaufenden Mittels. Bekanntlich strebte Napoleon/ alles Geld in Frankreich anzuhäufen. In seinen Kellern befanden sich nach feinem eignen Geständnisse zu einer gewissen Zeit nicht weniger als vierhundert Millionen Franken oder über hundert und sechs m?d eine halbe Million Thaler klingender Münze. Die Marschälle zogen aus den ihnenvon Buona- parte im Auslande geschenkten ungeheuren Besitzungen die baaren Einkünfte/ und verzehrten sie in Frankreich; der Soldat lebte jenseits des Rheins häufig ganz oder zum Theil auf Kosten des Landes; seinen vollständigen Sold empfing er nur in Frankreich/ brachte das in der Fremde geplünderte Geld in's Französische Kaiserreich/ und die Französischen Kommissaire kehrten bereichert in ihr Vaterland zurück. Brandschatzungen und die Beitreibung von Kriegssteuern in fremden Ländern brachten Frankreich häufig baare Mittel. Die Folge mußte Wohlftilheit des Geldes/ Theurüng aller übriger Gegenstände sein, sofern besondere Umstände Letzteres nicht verhinderten. Die Gleichmäßigkeit der Getreidepreise ist ein äußerst wichtiges Moment in Bezug auf ländlichen Wohlstand. Die schlechten Umstände vieler Rheinischen Landwirthe würden in geringerem weniger drückenden Maaße vorhanden sein, hätten sie nicht die guten Getreidepreise von 1816 bis 1822 mit vielen Bedürfnissen vertraut gemacht, deren Befriedigung sie bei den folgenden, äußerst niedrigen Preisen der Körner, nicht entsagen konnten und wodurch sie in's Verderben gerissen wurden. Uebermäßige Getreidepreise nähren den Wahn, daß man bei demselben Besitze zu größerem Vermögen gelangt sei, flößen überspannte Erwartungen hinsichtlich ihrer Dauer und ihrer künftigen Erhöhung ein, uniz reizen zur theuern Erkaufung neuer Grundstücke. Der einsichtsvollere Besitzer von großen Ländereien gewinnt über die kleineren Grundeigner ein Uebergewicht; er begreift die kurze Dauer der überspannten Preise, und indem er feine Grundstücke vorteilhaft veräußert, ladet er vielen Bauern eine Schuld auf, unter deren Last sie bei verschwundener Theurung beinahe erliegen- Dieser Gang der Dinge hat feit fünfzehn Jahren in Rheinpreußen auf dem linken Nheinufer statt gefunden. In Folge der hohen Getreidepreise von 1816 und 1817 hatte das Grundeigenthum einen Werth erlangt, wie ihn viele Zeitgenossen nicht gekaM hatten. (Siehe die nebenstehende Tabelle.) (Zn Seite 12») Durchschnitts-Martini-Marktpreise der Kornfrüchte in den Königlichen Rheinprovinzen ! ' von 1816-1826. Getreide - Arten. ^ Martini-Marktpreise pro Berliner Scheffel in 1816. rtl. Isgr.I pf. 1817. 1818. 1819. 1820. 1821. 1822. 1823. 1824. 1825. 1826. 1827. 1828. rtl-I sgr.I vs. rtl. i sgr.I ps. rtl./sgr.I ps. rtl. Isgr.I pf. rtl. j sgr.I ps. rtl. Isgr.I Pf. rtl.I sgr.I pf. rtl. I sgr.I pf. rtl. Isgr.I pf. r«. I sgr.I pf. rtl. Isgr.I ps. rtl. Isgr.I ps. Weizen Roggen Gerste. Hafer. Weizen Roggen Gerste. Hafer. Weizen . Roggen. Gerste. . Hafer. . Weizen Roggen Gerste. Hafer Weizen Roggen Gerste. Hafer, 1. Im Regierungs-Bezirke Koblenz. 4 1 11 4 14 3 2 22 9 2 2 11 1 25 3 1 21 6 2 5 1 11 11 1 1 3 1 10 3 1 12 10 1 26 6 2 1.0 6 3 1 5 3 28 6 2 8 3 1 16 1 9 3 — 28 8 1 24 11 26 8 20 9 1 — 10 1 6 8 1 18 7 1 27 8 2 4 7 2 22 6 1 23 6 1 5 11 27 10 20 11 1 10 8 17 5 15 8 — 24 1 27 1 1 4 !! 1 14 4 1 2 6 1 10 7 1 2 8 — 28 9 19 1 — 13 3 — 27 6 13 Z 10 8 18 4 19 11 19 8 26 9 2. Im Regierungs-Bezirke Trier. 2 2 22 4 2 24 17 29 8 123 11 128 16 8 25 118 1 5 23 15 3. Im Regierungs-Bezirke Aachen. 5 2 9 4 1 11 2 18 11 2 — 6 1 4 14 4 3 14 9 2 11 6 1 11 3 1 2 10 6 2 4 6 1 16 5 1 9 — 1 1 4 9 1 4 2 1 6 8 1 3 1711 10 120 4 20 13 10 28 21 12 Zm Regierungs-Bezirke Köln. 11 28 21 11 4 23 21 14 112 4 24 17 126 112 217 3 212 129 1 2 -24 4 16 3 4 8 7 2 26 7 1 27 1 24 3 1 20 11 1 26 1 7 3 1 3 3 1 9 2 1 16 7 2 2 11 2 14 9 4 4 1 3 24 5 2 13 3 1 14 10 1 13 4 1 5 11 1 25 3 26 — 22 4 1 7 5 1 8 — 1 28 9 1 29 7 2 3 2 2 15 4 1 24 6 1 9 8 1 3 7 27 9 1 16 8 25 3 — 23 4 — 26 1 — 28 4 1 7 6 1 4 10 10 11 1 10 3 1 6 8 1 — 10 — 17 4 — 16 6 — 25 10 12 11 — 12 8 17 7 23 8 23 5 — 25 1 5. Im Regierungs-Bezirke Düsseldorf. 4 24 2 4 15 4 3 7 8 2 4 10 1 291 9 2 3 1 23 5 1 14 2 1 6 7 1 14 3 1 19 9 2 5 5 2 24 — 4 6 9 3 15 3 2 15 7 1 16 3 1 13 9 1 6 6 1 18 6 1 1 2 22 3 1 3 2 1 12 6 2 1 3 1 21 1 2 16 2 2 5 6 1 28 10 1 13 6 1 5 2 26 10 1 9 10 24 10 23 6 — 28 3 1 4 10 1 9 10 1 7 1 1 10 9 1 6 4 1 w 3 1 4 7 22 6 — 17 6 24 8 15 3 15 20 4 27 9 24 9 27 1 121 Haupt-Durchschnitte der dreizehnjährigen Martini- Marktpreise in der Königlichen Rheinprovinz nach Absetzung des theuersten und wohlfeilsten Jahrs. Getreide-Arten I>ro Berliner Am Regierungsbezirke Für ganz Rhcjn- Scheffel. Trier 'S- Köln preuücn. rtl.isy.svf. rtl.! sq.lvf^ rtl.isg.Ivf. Weizen . , . 2 2 5 2 7 7 2 2 1 2 3 1 ? 9 3 2 4 10 Roggen . . . 1 18 1 23 3 1 22 — 1 23 4 1 23 2 1 21 1t Gerste.... 1 5 b 1 8 g 1 S 7 1 7 4 1 9 b 1 7 4 Hafer.... — 22 zo — ?o 9 — 24 1 24 7 — 26 5 — 23 9 Während her dreizehnjährigen Periode war in Rhein- preußen der höchste Preis: Vom Weizen H1816 im Reg.-Bez. Triers 5 rtl. 8sgr. 6pf. Pom Roggen ^1816 » » - Äachen^4 - 14 - 4 VonderGersteH1816 - - - Triers 2-26-7 Vom Hafer ^1816 - - - Köln^Z 1-10-11 - niedrigste Preis: Vom Weizen ^1824 im Reg.-Bez. Koblenz^ 1 rtl. 1 sgr. 3 pf. Vom Roggen 1^182-L - - » Koblenz^ - 20 - 9 - VonderGerste^1824 - » - Koblenz^ - 15 -8» Vom Hafer ^1821 - - - Triers - 10 - — - Nach den für das Steuer-Kataster gesammelten Nachrichten hat sich in nachbenannten Rheinischen Städten der Roggenprcis pro Berliner Scheffel folgendennaaßen gestellt: i I' ll' Königsberg . Danzig . . . Marienwerder Durchschnitt.......... I51j3312-^18> Seit längerer Zeit hatten größere preußen die Güter des ausgewanderten, Rheinischen Adels gekauft; sie begriffen die Gunst des Augenblicks, und benutzten ihn mit Wucher, indem fie Güter zerschlugen, und Zur Vergleichung folgen hier noch die Getreidepreise aus einigen andern Regiernngs-Bezirken der Monarchie. Durchschnitts-Martini-Marktprcise der Kernfrüchte von 1816—1828. (pro Berliner Scheffel in Gilbergroschen.) Provinz Preußen, per Meile 1715 Seelen. Regierungsbezirk. Höchster ^ Niedrigster Preis in der dreizehnjährigen Periode. 1) 100jähr.Durchschnittspreis V .Jahre 160V—1700 2) - - - - 1700-1300 3) 60 - . - 1760—1820 4) 30 - - - 1790-1820 Theile derselben äußerst hoch an kleine Grundbesitzer verkauften. Eine große Zahl der letzter» befindet sich dadurch noch jetzt in drückenden Verhaltnissen, und das angeführte Ereigniß hat den Rheinischen Landmann in mancher Art bedeutend zurückgesetzt. II. Als die zweite Ursache von der Blüthe des Rheinischen Ackerbaus unter Französischer Herrschaft führten wir den geringern Betrag der direkten Steuern an. Hinsichtlich einer genauen Erörterung dieses Gegenstandes verweisen wir auf einen spatern Abschnitt dieser Schrift/ worin von den Auflagen überhaupt dieRede ist. Niemanden der Rheinischen Grundbesitzer ist es unbekannt, daß die Französischen direkten Steuern geringer waren, als die heutigen sind. Die heutige Grundsteuer ist zwar im Wesentlichen aus Fränkischer Zeit beibehalten worden, allein in derjenigen Höhe, zu welchersieB uo- naparte in der letzten Zeit seiner Negierung erhoben hatte, und in welcher sie gewissermaßen eine Kriegssteuer in sich enthält, da sie vorher solche Größe nie erreicht hatte. Man kann sich aus einer genauen Beobachtung der Wirkungen verschiedener Steuern davon überzeugen, daß sich eine direkte Steuer weniger leicht, als indirekte und eine Grundsteuer zuweilen am schwierigsten auf andere überwälzen läßt, folglich den Besteuerten leicht allein trifft. Erwägt man die niedrigen Getreidcpreise während einer Reihe von Jahren seit dem Erlöschen der Französischen Herrschaft am Rheine, die außerordentliche Höhe der Preise nicht lange vor der ungewöhnlichen Wohlseilheit derselben eintretend, also ihre Ungleichmaßigkeit, welche, wie die Tabelle zeigt, so groß war, daß der niedrigste beim Roggen 6 mal, beim Weizen 5 mal, beim Hafer 4 mal in dem höchsten enthalten war, so läßt sich begreifen, wie schwer es dem Rheinischen Grund- eigner fallen mußte, zu jeder Zeit diefe Steuern zu er- schwingen, und wie sehr sein häuslicher Wohlstand besonders durch den zuletzt genannten Umstand mit dauernden Gefahren bedroht, denen nicht jeder entrinnen konnte, und durch anhaltenden Druck geschmälert war, dessen Spuren bei den heutigen günstigern Verhältnissen noch nicht gänzlich verschwunden sind. Obgleich Frankreichs Bürger zur Zeit ungleich höhere Abgaben entrichten, als Preußens Unterthanen, so ist doch bereits daselbst die Grundsteuer her» unter gesetzt worden, woraus gefolgert werden muß, daß auch -den Franzofen die Höhe der Steuer beträchtlich erschienen sei. Im Zahre 1826 aflein war eine Verminderung der Grundsteuer um 19 Millionen Francs vom Französischen Finanzministerio vorgeschlagen. Indem nun aber umgekehrt die indirekten Steuern jener Zeit größer waren, als gegenwärtig, so wurden die gewerblichen Thätigkeiten der Städte svwohl durch die Theuermachung ihrer Gegenstände, auf deren Gebrauch dk gedachten Auflagen ruhten, als durch die lästige Erhebung derselben beeinträchtigt, und der städtische Wohlstand selbst dadurch geschmälert. III. Als dritte Ursache von dem guten Gedeihen der - Rheinischen Landwirthschaft zur Zeit der Fremdherrschaft haben wix die geringen Gemeindeauflagen erwähnt. So wenig wir die heutige Höhe derselben und ihren Zweck tadeln, vielmehr die dadurch erreichten Fortschritte der Civilisation freudig anerkennen, eben so wenig läßt sich leugnen, daß die auf dem Landmanne ruhenden Lasten dadurch vermehrt worden sind. Aerzte, Chirurgen, Hebammen, Schullehrer, Löschanstaltcn sind weit zahlreicher und größtentheils auch vorzüglicher geworden, als sie zur Zeit der Franzosen waren, aber sie kosten den Gemeinden auch bei weitem mehr als früher. Ueberdies haben die Gemeinden einen großen Theil ihrer Schulden getilgt, und hiezu war häufig der Beitrag der Einzelnen erforderlich. Der Bau von Kirchen und Schulhäusern und andern Gebäuden hat an verschiedenen Orten ebenfalls Opfer gekostet. IV. Die vierte Ursache von dem günstigen Zustande des Rheinischen Laudbaus zur Zeit der Franzosischen Herrschaft am Nheine fanden wir in der geringeren Konsumtion ausländischer Erzeugnisse. Die Kolonialwaaren wurden außerordentlich theuer verkauft; der Genuß derselben von Seiten der Landleute mußte daher sehr beschränkt werden, und die Ausgabe dafür abnehmen. V. Als fünfte Ursache von der Rheinischen ländlichen Wohlstandsblüthe unter Fränkischer Herrschaft führten wir die geringere Seelenzahl an. Die Bevölkerung des Preußischen Rheinlands ist seit der Wiederherstellung der Deutschen Staatsverwaltung am Nheine bedeutend gestiegen, wie folgende Uebersicht ergiebt: , Die Bevölkerung von Rhcinpreußen war zu Ende von 1816 ... 1,849,711 Seelen. - 1828 . . . 2,172,545 folglich war der Zuwachs . 322,834 Seelen. Er war folglich 17^ pCK der Bevölkerung von 1816 und jährlich im Durchschnitte 1^ pCt. Die Zunahme der Bevölkerung war in den verschiedenen Regierungsbezirken sehr abweichend: nemlich in der 12jahrigen Periode bei Koblenz . . 20 pCt. . . 1-^ pCt. für 1 Jahr. - Trier . . . 22^ - . . - —124 ^— so läßt sich begreifen, wie schwer es dem Rheinischen Grund- eigner fallen mußte, zu jeder Zeit diese Steuern zu erschwingen, und wie sehr sein häuslicher Wohlstand besonders durch den zuletzt genannten Umstand mit dauernden Gefahren bedroht, denen nicht jeder entrinnen konnte, und durch anhaltenden Druck geschmälert war, dessen Spuren bei den heutigen günstigern Verhältnissen noch nicht gänzlich verschwunden sind. Obgleich Frankreichs Bürger zur Zeit ungleich höhere Abgaben entrichten, als Preußens Unterthanen, so ist doch bereits daselbst die Grundsteuer herunter gesetzt worden, woraus gefolgert werden muß, daß auch -den Franzofen die Höhe der Steuer beträchtlich erschienen sei. Zm Jahre 1826 aflein war eine Verminderung der Grundsteuer um 19 Millionen Francs vom Französischen Finanzministerio vorgeschlagen. Indem nun aber umgekehrt die indirekten Steuern jener Zeit größer waren, als gegenwärtig, so wurden die gewerblichen Thätigkeiten der Städte sowohl durch die Theuermachung ihrer Gegenstände, auf deren Gebrauch die gedachten Auflagen ruhten, als durch die lästige Erhebung derselben beeinträchtigt, und der städtische Wohlstand selbst dadurch geschmälert. III. Als dritte Ursache von dem guten Gedeihen der - Rheinischen Landwirthschaft zur Zeit der Fremdherrschaft haben wir die geringen Gemeindeauflagen erwähnt. So wenig wir die heutige Höhe derselben und ihren Zweck tadeln, vielmehr die dadurch erreichten Fortschritte der Civilisation freudig anerkennen, eben so wenig läßt sich leugnen, daß die auf dem Landmanne ruhenden Lasten dadurch vermehrt worden sind. Aerzte, Chirurgen, Hebammen, Schullehrer, Löschanstaltxn sind weit zahlreicher und größtentheils auch vorzüglicher geworden, als sie zur Zeit der Franzosen waren, aber sie kosten den Gemeinden auch bei weitem mehr als früher. Ueberdies haben die Gemeinden einen großen Theil ihrer Schulden getilgt, und hiezu war häufig der Beitrag der Einzelnen erforderlich. Der Bau von Kirchen und Schulhäusern und andern Gebäuden hat an verschiedenen Orten ebenfalls Opfer gekostet. IV. Die vierte Ursache von dem günstigen Zustande des Rheinischen Landbaus zur Zeit der Französischen Herrschast am Rheine fanden wir in der geringeren Konsumtion ausländischer Erzeugnisse. Die Kolonialwaaren wurden außerordentlich theuer verkauft; der Genuß derselben von Seiten der Landleute mußte daher sehr beschränkt werden, und die Ausgabe dafür abnehmen. V. Als fünfte Ursache von der Rheinischen ländlichen Wohlstandsblüthe unter Fränkischer Herrschaft führten wir die geringere Seelenzahl an. Die Bevölkerung des Preußischen Rheinlands ist seit der Wiederherstellung der Deutschen Staatsverwaltung am Rheine bedeutend gestiegen, wie folgende Uebersicht ergiebt: , > Die Bevölkerung von Rheinpreußcn war zu Ende von 1816 . . . 1,849,711 Seelen. - 1828 . . . 2,172,545 folglich war der Zuwachs . 322,834 Seelen. Er war folglich 17^ pCt. der Bevölkerung von 1816 und jährlich im Durchschnitte 1^ pCt. Die Zunahme der Bevölkerung war in den verschiedenen Regierungsbezirken sehr abweichend: nemlich in der tHahrigen Periode bei Koblenz . . 20 pCt. . . pCt. für 1 Jahr. - Trier ... 22z - . . I^L ' - 126 - hei Aachen . . 13 pCt. . . 1^ pCt. für 1 Jahr. - Köln ... 16 - . . 1^ - - Düsseldorf 16^ - . . 1^ - Die Erfahrung lehrt, daß derjenige Zustand eines Landes für die ganze Gesellschaft in wirthschaftlicher Hinsicht am nützlichsten sei, worin das Kapital und mit ihm die Bevölkerung fortwahrend, zunimmt, und daß, je näher ein Land sich der Stufe der Bevölkerung nähert, worauf dieses Element wegen mangelnden Kapitals nicht mehr fortschreiten kann, oder bei welcher es selbst Rückschritte machen muß, die wirthschaftlichen Verhältnisse des Volks sich verschlimmern. Das Fortschreiten, sagt Adam Smith, ist der Instand des Gedeihens und der Freude, das Stillstehn ist die Beraubung aller Empfindung, und das Abnehmen macht traurig und trostlos. Zum Beweise führt er Nordamerika, die Gegend von Calcutta und China an. Obgleich nun diese Wahrheit auf den Zustand von ganz Nheinpreußen bezogen werden kann, so bestätigt sie sich doch vorzugsweise bei dem platten Lande, weil dessen grundeigenthümliche Verhältnisse unter Französischer Herrschaft ihrer Entwickelung um so schneller entgegen gingen, als die Wegräumung der grundherrlichen Lasten, die Ursache der acker- baulichen Fortschritte, den Anfang dieser Periode bildete. Der Zunahme der Bevölkerung wirkte zu jener Zeit die Kriegsverpflichtung oder die Konscription entgegen, welche jährlich eine große Menge mannbarer Jünglinge dem Lande entzog. Erwägt man die so eben entwickelten Ursachen von dem Flore der Rheinischen Landwirthschaft unter Frnnk- reichs Scepter genauer, so gewinnt man leicht die Ueberzeugung, daß ein Theil davon nur kurze Zeit dauern konnte, ein anderer aber so viel Schlimmes in sich enthielt, daß alle Vortheile von den damit nothwendig verbundenen Uebeln weit überwogen wurden. Die heillosen ohne Noth unternommenen Kriege waren Gräuel, vor welchen die Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts erröthetc. Die Plünderungen harmloser Völker waren Gewaltthaten, deren Schuld ebensowohl Buonaparte, als seine rohen Krieger auf sich luden. Die Konscription war die eiserne und traurige Verpflichtung, zu verwunden oder selbst verstümmelt zu werden, zum Morde oder zum Tode. Welche Familie in dem Rheinlande zahlt nicht einen ihren Angehörigen unter jenen, die entweder ein Opfer der Ruhmsucht des Siegers von Europa fielen, oder verstümmelt in die Heimath zurückkehrten? Welche hätte nicht gern aller Befriedigung minder dringender Bedürfnisse entsagt, wenn sie auch ' nur Einen der Ihrigen hätte retten können? Oder wünscht eine Familie heut zu Tage den hohen Preis landwirth- schaftlicher Erzeugnisse und jene günstigen Zeiten mit den gesunden Gliedmaßen oder dem Leben ihrer Söhne zu erkaufen? Volksbildung. Keine Seite des heutigen Zustandes des Preußischen Nheinlandes stellt 'sich dem Freunde des Vaterlandes erfreulicher dar, als die hohe Stufe der Volksbildung. Weun uns dir Merkmale ihrer Höhe, die Zahl der Schulkinder oder der größere oder geringere Theil der Bevölkerung, welcher den Unterricht besucht, die Tüchtigkeit der Volkslehrer, die Beschaffenheit derjenigen Anstalten, worin die letztern gebildet werden, die "Stufe des Kunstfleißes, die günstigen oder ungünstigen bauerlichen und gewerblichen Verhältnisse/ die Zahl und Vollkommenheit der gemeinnützigsten bürgerlichen Einrichtungen/ die Beschaffenheit der Wohnungen und der Kleidung, die Zahl geringerer und größerer Verbrecher, die Einsichten des gemeinen Mannes, die Art der Verbreitung von Reichthum und Wohlstand, die Leichtigkeit der Staatsverwaltung ihrer guten Absichten Anerkennung, ihren zweckmäßigen Anordnungen, selbst Wünschen Eingang zu verschaffen, wenn uns alle diese-Umstände bei der Schätzung und Würdigung der Fortschritte eines Volks oder eines Landes richtig zu leiten vermögen, so führen sie bei der Untersuchung in Rheinpreußen zu dem unschätzbaren Ergebnisse, daß dieser Theil des Preußischen Staats das an Volksbildung am weitesten fortgeschrittene Land von Europa ist, oder in Kurzem diese Stufe erreichen wird. Vielleicht beschuldigt man uns in der Erwägung eines gewissen Um- standes einer Vorliebe für die Bürger unserer Heimath, und sagt: »das, was dem Geiste am nächsten, die Form und Hülle seiner Thätigkeiten ist, die Sprache, fanden wir bei ihnen »Ninder gebildet, als in vielen andern Theilen von Deutschland." Dieser Einwurf hat nur scheinbare Kraft; die Nichtigkeit desselben werden wir später darthun, und hier genüge es, den Umstand, der vielleicht bei manchen ein ungünstiges Vorurtheil gegen die Bürger von Rheinpreußen erzeugt hatte, als Kriterium der Volkskultur zu —129 zu verwerfen. Wir gchen zu den Beweisgründen für den aufgestellten Hauptsatz über. Zunächst hat kein Land der Erde so viele Volksbildungsanstalten, wie Preußen, aber mehr als Preußen hat Rheinpreußen. Nach Düpin*) besucht in England der sechszehnte Theil der gestimmten Bevölkerung die Schulen, in Oesterreich der dreizehnte, in Holland der zwölfte, in Böhmen der eilfte, in Portugal der achtzigste, in Frankreich der dreißigste, in Preußen aber nach Ferber (S. dessen Beiträge S. 216 und die Staatszeitung von 1823 Nr. 79.) der neunte Theil, in Rheinpreußen endlich beinahe der sechste Theil. Amtlich verbürgter Nachricht **) zufolge war im Jahre 1828 die Zahl der schulpflichtigen Kinder vom fünften bis zum vierzehnten Jahre 394,714, die Zahl derer, welche die Schulen wirklich besuchten, 318,68?. Theilt man die ganze Bevölkerung von 2,172,545 durch die letztgedachte Anzahl, so erhalt man' das erwähnte glänzende Ergebniß. Bevor wir von diesem erstm Merkmale der Volksbildung scheiden, blicken wir noch einmal auf Frankreich zurück, und überzeugen uns, wie wenig zu hoffen war, daß am linken Rhemufer unter seinem Schilde die Volksbildung die gegenwärtige Höhe erreichen würde. Nach Düpin***) zählt dieses dem Rufe und der Aeußerung feiner Bürger nach so gebildete Land nicht weniger als vier- ') lorees proä. «tc. äs la kr.ince l. p. 52. ") Siehe Pciträge zur Statistik der König!. Preußischen Rheinlands aus amtl. Nachr. Aachen 1829, (woraus die meisten hier mitgetheilten statistischen Angaben entlehnt sind), Seite 11t. Siehe lorees proä. elo. äo la kriinee p. 52. 9 zehn tausend, ja beinahe fünfzehn taufend Gemeinden, die ohne Lehrer und Volksunterricht sind. Richt die Hälfte, fast ttur der dritte Theil der Franzofen kann lesen und schreiben. Die Soldaten schulen, wovon Düpin (in- troä. p. XXII. des a. W.) behauptet, daß sie ein schätzbares Element der Civilisation, ein tüchtiges Werkzeug zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse in allen Theilen eines Staäts seien, haben sich auch in Rheinpreußen als nützlich und in jeder Hinsicht zweckmäßig bewährt, und zur Steigerung und Verbreitung allgemeiner Volksbildung viel bei- getragen. Die Sonntag 6 schulen sind ebenfalls in Rheinpreußen verbreitet, und wirken selbst in der rauhen Eifel vortrefflich. Ein anderes Beurtheilungsmittel der Volksbildung ist die Tüchtigkeit der Volkslehrer ünd die Beschaffenheit derjenigen Anstalten, worin sie gebildet werden. Es lassen sich für die Vor« itefflichkeit der Volkslehrer und die weife und zweckmäßige Einrichtung der Schullehrer-Seminarien keine Zahlen anführen, aber die Gegenstände des Unterrichts zeugen von der klugen Auswahl der Vorträge. Diejenigen, welche diüse Anstalten kennen, und ähnliche Lehreinrichtungen anderer Länder damit verglichen haben, fordern wir auf, uns vollkomm nere Anstalten zu nennen. Von dem darin ertheilten Unterrichte wird nichts ausgeschlossen, was eine Anwendung auf das Leben gestattet. Es wäre thöricht, eine Stufe wissenschaftlicher Bildung zu erzielen, welche dem Volkslehrer die Erfüllung seines Berufs unangenehm machen, und indem sie ihn in die höheren Sphären der Wissenschaft geleitete, feine Brauchbarkeit als Volkslehrer vermindern würde. Die ausgezeichnete Güte der Anstalten ist hauptsächlich der unermüdlichen Aufmerksamkeit der Staatsverwaltung auf diesen Gegenstand zuzuschreiben. Die Prüfungen finden unausgesetzt jedes Jahr statt, und da nur Kenntnisse bei der Besetzung der Stellen ohne alle Rücksicht für andere Umstände entscheiden, so können bloß.vollkommen fähige Jünglinge als Lehrer angestellt werden. Auch ihre Anzahl (4) ist im Verhältnisse zu der Bevölkerung sehr günstig, da ohngefähr auf eine halbe Million Einwohner Ein Schul- lehrer-Seminar zu rechnen ist. Vergleicht man die heute in den Rheinischen Seminarien gebildeten Lehrer mit den frühern, so wird man finden, daß die unterrichtetsten der frühern Zeit den schwächsten Zöglingen der heutigen nicht an die Seite gesetzt werden können. Die Volkslehrer begnügen sich aber nicht mit den in den Seminarien erworbenen Kenntnissen, sondern erweitern das Gebiet ihres Wissens durch Selbstunterricht, wozu Schullehrerbibliotheken, dergleichen bereits in der Eifel be stehn, äußerst zweckmäßig sind. Was die Stufe des Kunstfleißes betrifft, fo' dürfte bloß die Gewerbsamkeit der Hauptstadt, welche vom Staate selbst so wohl mit Rath als That wirksam unterstützt wird, der Rheinischen überlegen sein. Jedoch sind einige Gewerbe, deren Staffel ein wichtiges Merkmal der Fortschritte eines Landes ist, am Nheine vollkommner als in der Hauptstadt selbst, wohin vor allen die Rheinische Gastwirthschaft zu rechnen ist, welche jener von Berlin um 50 Jahre vor- geeilt ist. Als ein anderes Kennzeichen von der Stufe der Volksbildung bezeichnet man mit Recht den Zustand der bäuerlichen und gewerblichen Verhältnisse. -Bekanntlich 9* hat kein Theil von Deutschland. ein erwünschteres -Loos gezogen, als das linke Nheinufer; ein glückliches Unrecht der Zeit hat alle die kulturlähmenden erdrückenden Lasten von den Landleuten gewälzt, womit andere Gegenden Jahrhunderte hindurch gerungen haben, und womit sie so lange ringen werden, bis sie auf dem langwierigen Wege des Rechts unter der Obhut aufgeklärter Negierungen die schwere Bürde niederlegen. Das Grundeigenthum ist auf dem linken Rheinufer und im Bergischen frei, der Bauer säet und erntet für sich; ihm gehört der ganze Lohn seiner Anstrengungen und der Segen des Himmels. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß ihn ganz andere Gefühle, ganz andere Ansichten vom Leben und seiner Bestimmung, ein ganz anderer Er- werbseiftr, als den unglücklichen Kolonen erfüllen müssen, der sich als ein zu fremder Arbeit gebornes Geschöpf betrachtet. Wir betrachten die unbegränzte Theilbarkeit der Güter als einen auf die Dauer nachtheiligen staatswirth- schaftllchen Umstand; allein das Walten dieses Princips auf eine bestimmte Zeit oder bis zu einer gewissen Grenze hat gewiß gleich große Vortheile sowohl für die physische Kultur, als die geistige Ausbildung des Volks. Die Vorzüge der Theilbarkeit erscheinen so lange in einem glänzenden Lichte, als noch nicht der Zustand des Bodenbesitzes in der Ferne, die endlichen nachtheiligen Folgen derselben erblicken läßt. Die gleiche Vertheilung der Grundstücke unter die Söhne und Töchter, die gleiche Versorgung der Kinder durch die Eltem weckt und nährt die sittlichen Gefühle in beiden, und erhält die Zufriedenheit der Gemüther mit äußern Umständen, während der Vorzug der Erstgeburt schon früh die eiserne Ruthe der Nothwendigkeit fühlbar macht, und die tyrannische Herrschaft der Verhältnisse verkündet. Eben so günstig/ wie die grundeigenthümlichen oder bäuerlichen Verhältnisse, wirken auf die allgemeine Volksbildung die gewerblichen. Zünfte und Innungen sind bekanntlich im Rheinlande mit Ausnahme des vorm. Nass. Gebiets verschwunden, und wenn die Meinungen der großen Zahl von Schriftstellern, welche diesen Gegenstand behandelt haben, über Vorzüge und Nachtheile derselben wesentlich getheilt sind, so bleibt es nicht im Mindesten zweifelhaft, daß zur Umschaffung eines Zustandes bürgerlicher Verhältnisse, wie ihn die Fränkische Umwälzung am Rheine fand, die Auflösung aller Fesseln, welche die Gewerbsamkeit umschlungen hielten, nützlich, ja selbst nothwendig war, und daß nur dadurch in allen Regionen des Burgerthums das zeitgemäße Fortschreiten ermittelt werden konnte. Die Folgen dieser neuen Epoche der Rheinischen Gewerbe können nicht verkannt werden, und haben bis jetzt am Rheine weniger Anlaß zu Klagen, als da gegeben, wo politische Wiedergeburt nur allmahlig und in sansterm Uebergange erzielt wurde. Gewiß ist es, daß die Verbannung des Gewerbzwangs die Rheinische Volksbildung wirksam befördert hat, und daß sich bis jetzt wenige nachtheilige Seiten derselben gezeigt haben, womit jedoch ihre künftige Unschädlichkeit nicht verbürgt ist. Zahl und Vollkommenheit der gemeinnützigsten bürgerlichen Einrichtungen führten wir als ein anderes Kennzeichen der Volksbildung an. Es ist bekannt, waS im Preußischen Staate für die gelehrte und gewerbliche Ausbildung und die Anstellung vollendeter Aerzte, Chirurgen, Hebammen u. s. w. geschieht. In Rheinpreußen konnten alle nützliche Einrichtungen um so vollkommner ausgeführt werden, als der Wohlstand der mittlern und unteren Stände allgemeiner verbreitet, wie in den übrigen Theilen des Staats, größern Aufwand erlaubt. In Nheinpreußen giebt es 1 Uni« versität, 17 Gymnasien, 15 Progymnasien, 17 höhere Bür« gerschulen und allgemeine Stadtschulen, 6 Handelsschulen, 7 männliche, 16 weibliche Pensionate, 1 Kunstverein, 2 Kunst« akademien, 13 Frakenvereine, 3 Vereine zur Verbesserung der Gefängnisse, 4 Schullchrer-Seminarien, 2 gelehrte Gesellschaften, 6 öffentliche Bibliotheken, 2 Priester-Semina- rien, 5 Gewerbfchulen, 1 Münze, 1 Bank, 337 Aerzte, 297 Wundärzte, 76 Thierarzte, 1388 Hebammen, 268 Apotheken, 21 Krankenhäuser, 17 Waisenhäuser, 140 Hospieien, 12 Sparkassen, 14 Leihhäuser, so daß durchschnittlich auf 5500 Menschen Ein Arzt, auf 7300 Ein Wundarzt, auf 8100 Eine Apotheke, und 57 Geburten auf Eine Hebamme kommen; überdies 30 öffentliche Badehäuser mit 278 Bädern, 2 Arbeitshäuser, 1 Jrrenheilanstalt, 2 Gebährhauser, 12 öffentliche Mineralbrunnen, 6 Jrrenaufbewahrungsansial- ten, 35 Eichämter, 2 öffentliche*) und 2 Privat-Brandver- ') ES sci mir erlaubt, hier, auf den Fehler, der öffentlichen für die Regierungsbezirke Koblenz und Trier bestehenden Feuer-Versiche- rungs-Anstalt aufmerksam zu machen. Der Fehler besteht in dem Uebelstande, daß die Größe des Beitrags von Seiten der Versicherten in keinem entsprechenden Verhältnisse mit der verschicöcnen Größe der Gefahr steht. Daher ziehen sich die Bewohner steinener Wohnungen auS dein Verbände, als einem für sie unvortheilhasten, zurück, und versichern ihre Gebäude bei andern Gesellschaften. Bei dem heutigen politischen Zustande von Europa find die bei der Königl. Feuer-Verslcherungs-Gesellschaft von Frankreich erkauften Versicherungen als wenig verbürgt anzu. sehn, und um so mehr ist Abstellung des gerügten UebelstandeS zu wünschen. sicherm,gsanstalten, 12 andere Actiengefellschaften, worunter ' t) auf Wege?, 2 auf Fabrikanlagen, 1 auf überseeischen Handel,*) 1 auf Amerikanischen Bergbau, 1 aufflLohnun- gen für Fabrikarbeiter, 1 zur Versicherung verschiffter Güter. Hinsichtlich der ^Beschaffenheit der Wohnungen laßt sich anführen, daß man kaum in einer andern Gegend schönere und freundlichere Dörfer, bessere Häuser, Vortheil- haftem, Wechsel zwischen kleinern und größern Orten, zwischen Dörfern und Städten findet, als auf den beiden Rheinufern. Das Verhältniß der Einwohnerzahl der Städte zu der Menge der Landbewohner ist ein günstiges, indem die erster» 23 pCt. also den öten >— 4ten Theil der Gesa»,mtbevölkerung ausmacht. Wenn der Hundsrücken und die Eifel auch in minder portheilhaftem Lichte dieser Be» ziehung nach erscheinen, so lassen die Fortschritte, die sie in der letzten Zeit gemacht haben, jn Kurzem die Annäherung an den Zustand der Rheinischen Stufe hoffen. Die schöne und reichliche Kleidung vieler Landleute zeugt von einem zahlreichen wohlhabenden Mittelstande, welcher oft genng in andern Theilen Deutschlands gänzlich vermißt wird, und die glückliche Beschaffenheit ihrer bürgerlichen und wirthschaftlichen Verhältnisse bekundet **). Dies führt uns zu der Erwägung eines andern Kriteriums der Volks- ') Die Rheinische Westindische Handelsgesellschaft ist im Widersprüche mit der heutigen Stnfe der Staatswirthschaftslehre unter-, nommcn worden. Gleich so vielen frühern HandelSoereinen, welche bei weit größern Vortheilen endlich doch unterlagen, ist auch sie bereits gesunken und ihrer Auflösung, die sehr' zu wünschen ist, äußerst nah. ") Der Dienst im stehenden Heere wirkt in dieser und mancher andern Beziehung vortrefflich auf die unteren Stande. Er macht bilduiig, zur Betrachtung der Art/ wie Reichthum und Wohlstand oder die sachlichen Güter vertheilt sind. Wir berufen uns hiebet auf das, was wir über die Beschaffenheit des Grundbesitzes und die Landwirthschaft in Rhein- Preußen gesagt haben. Kaum läßt sich ein günstigerer Zustand in dieser Hinsicht erdenken: alles Güte hat bis jetzt die Theil- barkeit des Grundeigenthums in dem Preußischen Rheinlands mit sich geführt, ohne noch ihre schlimmen Folgen, welche die Zukunft lehren wird, empfinden zu lassen. Was die Theilbarkeit der Grundbesitzungen auf dem platten Lande hervorgebracht hat,, gleichmäßige Vertheilung der Güter, hat die Gewerbefreiheit in den Städten herbeigeführt. Die Leichtigkeit der Regierung, zweckmäßige Anordnungen durchzusetzen, und wohlwollenden Absichten Anerkennung zu verschaffen, beweiset die Menge nützlicher Institutionen, welche die Preußische Regierung seit ihrem Bestehen geschaffen hat/ so wie die Abwesenheit aller Widersetzlichkeit gegen die Behörden. In dieser Beziehung scheinen die Rheinprovinzen der Hauptstadt selbst vorgeeilt zu sein, denn wahrend man in Berlin noch häufig nach dem alten Münzsysteme rechnet und zahlt, bedient man sich in den Theilen der Rheinlande, die dem Verfasser bekannt sind, ausschließlich des neuen. Mit bewundernswürdiger Willfährigkeit wurden die neuen Gewichte und Maaße überall angenommen, und mit- fast ängstlicher Folgegercchtigkcit auf alles Meß- und Wagbare angewandt. .—. die jungen Leute ehrlicbend und zu Freunden der Ordnung, dep Reinlichkeit und des Auslandes. Aeußere Haltung und nctter Anzug machen diejenigen, welche im Preußischen Hccn gedient haben, Vor andern leicht kennbar. Was endlich die Menge der verübten Verbrechen und derer, die sie begiengen, betrifft, so'wissen "wir leider keine Zählen darüber anzuführen, berufen uns über in dieser Hinsicht auf die bekannte Thatsache, daß sie in Rhein» Preußen seltner als in Frankreich und in den meisten Theilen von Deutschland sind. Die hohe Stufe der Sittlichkeit leuchtet unbestreitbar aus dem günstigen Verhältnisse der ehlichen Geburten zu den unehlichen hervor. Welches Land der Welt hat wie Nheinpreußen bei gleicher Bevölkerung und bei denselben gewerblichen Verhältnissen von hundert Geburten nur 3 bis 4 (also den 25 — ZZsten Theil) mich- liehe im Durchschnitte? Bekanntlich giebt es Gegenden in Deutschland, wo die Zahl der unehlich gebornen größer ist als die Hälfte der ehlich Gezeugten. Obiges Verhältniß ist außer Zweifel gefetzt durch die amtlichen Beitrage zu der Etat. d. R. P. (S. 104). Erwägt man den gegenwärtigen Zustand des Preußischen Rheinlandes und die Stufe seiner Kultur, die Menge seiner wohlthätigen Einrichtungen, die günstige Beschaffenheit feiner bürgerlichen und bäuerlichen Verhältnisse, die einfache und schnelle Rechtspflege, die Vortrefflichkeit feiner Bildungs- anstalten u. s. w.: so gelangt man zu der Ueberzeugung, daß zwei der gebildetsten Staaten Europa's das Preis- würdigste und Vollkommenste, was sie besitzen, und was der eine von ihnen im blutigen Sturze verjährter Ansichten und Verhältnisse errang, der andere in vieljähriger unverdrossener Anstrengung weiser Fürsten und unterrichteter Staatsmänner sich schuf, dem Lande am Rheine mitgetheilt haben. ^ Was endlich die Sprache betrifft, welche wir als Merk« »> ^ . ' —- 138 - „ml der Volksbildungsstufe verwarfen, so kann es Niemandem unbekannt sein, daß da, wo dieselbe allgemein reiik^ gesprochen wird, solches nicht Folge der Volksbildung, sondern des Umstandes ist, daß dort das Hochdeutsche Dialekt, ist. Die Mundarten scheinen nach bestimmten aber unbekannten Naturgesetzen an gewisse Gegenden gefesselt zu sein, und wenn nicht geleugnet werden kann, daß es Aufgabe der Volkskultur ist, die Sprache des Volks so sehr als möglich zu veredlen, und sie der Schriftsprache ahnlich zu machen, so muß auf der andern Seite die Schwierigkeit dieses Problems anerkannt werden, da wahrscheinlich die gelungene Lösung desselben in keinem Lande von betrachtlichem Umfange nachgewiesen werden kann. In Rhein- preußen herrscht eine Menge von Mundarten, die in der Regel desto mehr dem Hochdeutschen sich anschließen, je näher sie dem Oberrheine sind. Zeigt nun nicht die Nichtigkeit des Sprechens, sondern die Zahl der Menschen, welche die bessere von den Fehlern der Landesmundart gereinigte Sprache reden, die Stufe der Volksbildung an, so ergiebt sich, daß in Gegenden von Deutschland, worin besser, als auf den Ufern des Rheins gesprochen wird, dennoch selbst in der Sprache, als einem nach unserer Art gedeuteten Kriterio der Kultur, die Volksbildung niedriger er- ' scheint, indem nemlich die einheimischen Fehler derselben z. B. die Verwechselung der Beugfälle weit höher in die verschiedenen Stande der Gesellschaft hinaufreichen, als dies mit der Landesmundart am Nheine der Fall ist. Endlich muß ich hier noch einer Eigenthümlichkeit erwähnen, worin der Charakter des Rheinischen Volks sich auffallend von jenem einiger anderer Deutschen Stämme un- terscheidet, und deren Verkennnng den Fremden zuweilen zu einem falschen Urtheile über den gedachten Volksstamm verleitet hat. Diese Eigenthümlichkeit besteht in einem un- besieglichen Widerwillen gegen künstliche Formen im Aeußern oder gegen die Bildung der Bühne, gegen die häufige Be» zeigung zarter Gefühle mittelst körperlicher Ausdrücke. Der Nheinbewohner haßt diese Formen an sich und schätzt sie gering an Andern. Da die Volkstugenden Wahrheitsliebe in That und Wort, Offenheit und Biederkeit sind, fo ist jede Verfälschung, jeder Schein, jede erkünstelte Gabe ein Gegenstand seines Mißfallens. Das Gefühl soll ihm die stummen Wohnungen der Seele nicht verlassen, bis es überwallt, thatkräftig in Handlungen sich spiegelt, uud so die Macht seines Daseins verkündet. Von der Natur nach innen reichlich bedacht, namentlich mit einem unbeugsamen Muthe und unverwüstlichen! Frohsinne, gesundem Verstände und praktischem Sinne begabt, schöne oder romantische Gegenden seine Heimath nennend, meist in vorteilhaften wirthschaftlichen Verhältnissen lebend, darf er es nicht scheuen, sich und sein Loos mit Wahrheit zu betrachten, und jeder Selbsttäuschung zu entsagen. So vorteilhaft diese Gaben für die Sittlichkeit und den Ernst guter Gesinnungen sind so sehr widerstreben sie der Formen-Bildung des Volks. Mögen daher diejenigen, welche sich von der Bildung des gemeineil Mannes, namentlich der Landleute am Rheinc unterrichten wollen, minder nach der Abglattung und der Gefälligkeit äußerer Formen, als nach den Einsichten urtheilen, die sie gewiß bei ihnen in reichlichen» Maaße finde», und die sich in richtigen Begriffen über ihre Verhältnisse als Menschen und Bürger offenbaren werden. Aussichten. Die jüngst erschlossene Knospe Rheinischer Kunst und Wissenschaft wird sich unter Preußens Schild kräftig zur herrlichen Blüthe entfalten; indem sich die physischen und geistigen Erzeugnisse vom Osten und Westen Deutschlands vermöge der besondern Lage des Staats wechselseitig austauschen, wird der daraus entspringende Vortheil ein Eigenthum des ganzen deutschen Vaterlandes werden. Die Verschiedenheit der Anlagen in den unter Preußischem Scepter vereinigten Stämmen wird wohlthätig wirken, vor einseitiger Richtung wissenschaftlicher und künstlicher Fortschritte bewahren, und indem jeder Kraft die angemessene Entwickelung und die entsprechende Beschäftigung gegeben wird, die harmonische Vollendung der ganzen Volksbildung herbeiführen. Der Schlesier und Ostpreuße bildet sich am Rheine zum Künstler, der Rheinländer in der Hauptstadt zum Baumeister oder Gelehrten, Bernstein von der Ostseeküste und Chrysopras von Schlesien werden an die Ufer des Rheins gebracht, Rhein- und Moselweine werden dagegen in Danzig und Königsberg getrunken. Der Getreide- Ueberfluß von Westpreußen sichert die Rheinlande vor Mangel und Hungersnoth, uud Bergische Manufacte finden im Preußischen Staate Absatz bis an die Grenze von Rußland. Der Umstand, daß sich Belgien von Holland getrennt, ist das günstigste Ereigniß, welches zum Vortheil der Industrie von Rheinpreußen eintreten konnte. Bereits jetzt ist unser Kunstfleißland sowohl auf dem rechten als' linken Rheiimfer in der Versorgung von Holland mit Ge- ° ' I 141 werbfleiß--Erzeugnissen äußerst thätig und einige seiner Werkstätten sind lebhafter als jemals. Holland und Nheinpreußen sind Länder, die durch Handelsverbindungen nur gewinnen können. Von der Weisheit unserer Saatsverwaltung ist zu erwarten, daß der zu einem neuen Handelsvertrage günstige Zeitpunkt' nicht unbenutzt fahren gelassen werde. Blick auf denjenigen Theil von Nheinpreußen, dem die Fränkischen Institutionen nicht zu Theil wurden. ^ ' Nur ein geringer, fast nur der zwanzigste Theil der Bevölkerung von Rheinpreußen (128/577 Scel.) ist durch den Umstand, daß er weder unmittelbar dem Französischen Scepter, noch dem Großherzogthume Berg angehörte, der Neufränkischen Schöpfungen nicht theilhaftig geworden. Wahrend der Dauer der Fremdherrschaft am Rheine ruhten dort und es ruhen zum Theil noch die Lasten auf dem Landbaue, welche altes Recht und lange Getvohnheit ihm aufbürdeten. Statt augenblicklicher gewaltsamer Umwälzung, in welcher die Gestalt der bäuerlichen und bürgerlichen Verhaltnisse in den Fränkischen Rheinbesitzungen wiedergeboren wurde, strebte die aufgeklärte Nassauische Regierung im rechtlichern und gesetzlichem Wege die Vortheile jener Umwandlung beim Bauern- und Bürgerthume zu erreichen. Dankbar erkennen die Zeitgeflossen ihre Verdienste an, wenn sie auch nicht im Stande war, mit dem schwächeren aber rechtlichen Mittel die Wiedergeburt verjährter Zustände wie in dem Fränkischen Reiche zum Glücke aller Staatsglieder thatkräftig hervorzurufen. Ihre vorzüglichen Leistungen waren: Sicherung der bürgerlichen Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetze, Duldung religiöser Meinungen und freie Ausübung des Gottes» dienstes, möglichste Ausdehnung der Abzugsfreiheit, gänzliche Vertilgung der Leibeigenschaft, Lösung des Frohn- und Dienstzwangs mit Schadloshaltung der Dienstherren, Abstellung körperlicher Züchtigungen, gleiche Berechtigung aller Bürger zu allen Staatsämtern, Unabhängigkeit der Rechtspflege von dem Einflüsse des Staatsoberhaupts, Unterwerfung des Fiscus unter die Gerichtshöfe, Abschaffung der Wildbahn und gesetzliche Beschrankung der Weidegerechtsamen, vorbereitende Maaßregeln zur Ablösung der Zehnten, Dienstbarkeiten und Grundbelastungen, Erleichterung einer künftigen Vertheilung gemeinheitlicher Allemenden, Vorbereitung zur Einführung einer völligen Gewerbefreiheit, wissenschaftliche Regelung der Abgaben, Abschaffung besonderer Steuerfreiheit, Einführung einer Brandversicherung, (die aber fehlerhaft eingerichtet ist,) Begründung einer besonderen Befferungs-und Jrrenhausanstalt, Verbesserung der Rechtspflege mittelst einer Menge von Verordnungen. Die Preußische Regierung hat zum Theil dasjenige, was die Nassauische Staatsverwaltung vorbereitet hatte, ausgeführt, zum Theil auch neue Einrichtungen, namentlich im Schul- und ärztlichen Fache getroffen. Sie hat das große Verdienst, die richterliche und verwaltende Gewalt getrennt, und dadurch Mißbräuchen und Bedrückungen für immer vorgebeugt zu haben. Es leuchtet aber jedem leicht ein, daß die Fortschritte — 143,- nicht dieselbe Stufe in diesem Theile von Rheinpreußen er. reichen konnten, auf welcher sie sich in den, übrigen Rheinlands befinden, weil die Grundlage, worauf die neuen Preußischen Institutionen seit 1816 gegründet wurden, in beiden Landestheilen ganzlich verschieden war. Kein Zweig des Staatsorganismus in" dem vormaligen Nassauischen Gebiete bedarf fo sehr einer Verbesserung, wie die Rechtspflege, welche noch die meisten Mängel des modernen Römischen Rechtsganges an sich trägt, und die Partheien allzusehr verzögernden und unrechtlichen Kunstgriffen listiger Anwälte bloßstellt. Politische und kriegsz'weckliche Bedeutung des Preußischen Rheinlandes für Preußen und Deutschland. Wenigen ist heut zu Tage die politische Wichtigkeit von Belgien für Frankreich und Deutschland unbekannt. Die neuesten großen Ereignisse haben so häufig zu ihrer Betrachtung geführt; sie ist fo oft Gegenstand öffentlicher Verhandlungen und der Aufsätze in Tageblättern gewesen, daß wir hier nur die herrschende Ansicht anführen wollen: Von dem Besitze Belgiens hängt die Sicherheit und das Schicksal vonDeutschland wie vonFrank- reich ab. Unter gleichen Verfassungsverhältnissen kann und würde die Jnnehabung von Belgien dem Dentfchen Volke weit mehr die Eroberung von Frankreich erleichtern, als dem letztern derselbe Besitz die Ueberwindung von Deutschland. Von den Niederländischen Grenzfestungen kann ein Heer in wenigen Tagen nach Paris kommen, wenn es den gegenüberstehenden Feind in einer entscheidenden Schlacht < 144'-— auf's Haupt geschlagen hat. Dagegen würde eine 'Französische Kriegsinacht, wenn sie ihren Deutschen Feind aus Brabant und Flandern vertrieben hätte, große Schwierigkeiten beim Vordringen in den Nheinfestungen, dem Strome selbst und in den natürlichen Wasserschutzwehren Hollands finden, welche unsern: Heere den Rückzug sichern, und dem Volke neue Rüstungen in Deutschland zu machen gestatten würden. Die größte Schwierigkeit würde sich selbst nach der glücklichen Eroberung der Niederlande den Franzosen in dem unter Preußischer und Bairischer u. s. w. Hoheit stehenden Rheinufer darbieten, welches im Rücken durch vier Festungen, Wesel, Köln, Koblenz, Mainz gedeckt, mit der fünften (Jülich) in die Nahe der Niederländischen Grenze, mit der sechsten und siebenten (Saarlouis und Luxemburg) > gegen Frankreich hin ausgestreckt liegt. Die Franzosen können im nördlichen Deutschland durchaus nicht vordringen, ohne sich die Seite und den Rücken durch die Eroberung des/linken Rheinuftrs geschützt zu haben. Ihre Verbindung mit Frankreich ist stets ohne diese bedrohet, und ihr Heer in Gefahr, abgeschnitten zu werden. Dieselbe Rolle nur mit beschränkterer Wichtigkeit spielt das linke Rheinufer in der Eroberung vom mittlern und südlichen Deutschland. Leider ist hier die Beschaffenheit der Deutschen Staatsgebiete sehr ungünstig. Sie breiten sich von Norden nach Süden aus, wodurch es dem von Westen eindringenden Feinde leicht ist, das Land von einem Ende bis zum andern zu durchziehen, alsdann einzelne Staaten von Deutschland abzuschneiden und deren Macht wider dasselbe mit sich zu vereinigen. Dieser Fall ist in der neuern Geschichte so häufig vorgekommen, daß das Völkerrecht eine - . ^ eigene t cigcne"Kategorie dafür erfunden hat. Die Festigkeit von Deutschland würde um ein Bedeutendes größer fein, wenn sich -feine Staatsgebiete in langen Säumen von Westen nach Osten erstreckten, wie jetzt manche z. B. Baden von Süden nach Norden sich ziehen. Im Osten und.Westen hat Deutschland politische Riesen zu Nachbarn, im Süden ' und Norden ist seine Selbstständigkeit durch keine Macht bedroht. Der Preußische Staat hat die zur Sicherung von Deutschland geeigneteste Lage. Man kann sich sein Gebiet als einen Römischen Sturmwidder denken, dessen Schwungbalken die Russische Grenze berührt, und dessen westliches Ende, als seine festenbewehrte Stirn, an die Ringmauern von Frankreich angelehnt ist. Durch Vorschiebung des Preußischen Staats nach Westen hat die Sicherheit und politische Selbstständigkeit von Deutschland eine ganz andere Gestalt und Kraft, wie vor der ersten Fränkischen Umwälzung, erhalten. Damals fiel es den Franken nicht fchwer, die Gebiete der kleinen Landesherren, die in zahlloser Menge die Schwelle von Deutschland beherrschten, zu überfallen, zu plündern, wie es oft geschah, oder selbst mit den daraus erpreßten Mitteln, wie es in der neuern Zeit sich ereignete, ausgerüstet über den Rhein in das Herz von Deutschland zu dringen. Wie sehr hat sich alles dies geändert? Rheinpreußen, ein Land von 2, l 72,545 Einwohnern hat bei einem Flächenraume von 459 Quadratmeilen nicht weniger als fünf Festungen, darunter drei Hauptfestungen, wovon eine nach dem Urtheile des größten Feldherrn der Zeit die erste nach Gibraltar auf dem Festlands Europa's ist. In der Nähe liegen noch drei andere, Mainz, Landau, Luxemburg, wovon die letztere nach Car- - ' 10 not's Urtheile der Schlüssel der Niederlande ist. Außer Jülich und Saarlouis sind diese Festungen keineswegs solche, welche man bloß einzuschließen braucht, und die man alsdann gefahrlos hinter sich zurücklassen kann. Mainz, Koblenz, Köln und Wesel beherrschen die Heerstraßen, welche in's Innere von Deutschland führen. Ein feindliches Heer, welches den Rhein überschritten hat, ohne eine derselben genommen zu haben, wagt beim Vorgehen seine ganze EMenz; je weiter es vordringt auf dem rechten Ufer des Rheins, desto schwieriger wird die Erhaltung seiner Verbindung mit dem westlichen Mntterlaude. Aber gefahrlos könnte es auch nur dann über den Rhein setzen, wenn sich kein Deutsches Heer in der Nahe desselben aufgestellt hatte. Ist aber das Letztere der Fall, fo hat eine Deutsche Heeres- macht bei jeder der vier großen Rheinfestungen den Vor- theil, sich an dieselben anzulehnen, und unangreifbar dem Feinde gegenüber auf dem rechten Nheinufer zu stehn, wodurch dem erstem der Uebergang an einer andem Stelle gefährlich, das Vordringen na6) Deutschland fast unmöglich gemacht wird, weil er das Deutsche Heer stets im Rücken >md auf der Seite behalten würde. Der Rhein bildet die Operationsbasis der Deutschen Heere, und die Deutschen Festungen, die in der Nahe Frankreichs und der Niederlande liegen, sind die vorspringenden Winkel derselben. Das Preußische Rheinland aus dem linken Rheinnfer stellt Eine Festung im Großen dar, deren östliche Schutz- maucr der Rhein mit feinen Bollwerken bildet? welche von Süden durch die Nahe, den Hundsrücken und die Mosel geschützt ist, und deren westlicher Wall die Eifel mit den in der Nähe befindlichen Festungen Jülich, Luxemburg, Saarlouis ist. Die Nheinfestungen haben außer dem Vortheile, daß sie Brückenköpfe sind, den Eingang der Straßen für Nord- deutschland verriegeln, einem Deutschen Heere eine Stellung leihen, aus welcher es jeden Augenblick über seinen Feind herfallen, selbst aber unantastbar, durch seine bloße Gegenwart seinen ganzen Zweck erreichend dastehn kann, den Vorzug, daß sie einer geschlagenen Deutschen Kriegsmacht sichere Aufnahme gewähren, und mittelst der Schifffahrt äußerst leicht mit Lebensmitteln versehen werden können. Bei gutem Wasserstande fährt man mit gewöhnlichen Rheinfchiffen in Einem > Tage von Mainz nach Koblenz, und in derselben Zeit von dem letztern Orte nach Köln. Ohngefahr in derselben Zeit wird der Weg von Köln nach Wesel zurückgelegt. Die Dampfschiffe fahren in einigen Stunden von Koblenz nach Köln. Die letztern, in Kriegsdampfschiffe, wie sie die Nordamerikaner besitzen, verwandelt, würden vielleicht zur Zeit des Kriegs darum Unerwartetes auf dem Rheine leisten, weil sie auf dem Strome mit Geschütz nicht wirksam beschlossen werden können, theils weil die Ufer des Rheins in der Regel bedeutend höher, als sein Wasserspiegel sind, -theils weil sie außerordentliche Schnelligkeit besitzen, und kein sicheres Ziel gestatten. Die vielen Festungen des Rheinlandes überhaupt sind der Beschaffenheit des Preußischen Heeres äußerst angemessen. Der-Dienst in der Linie ist die Schule der Kriegsübung, die Landwehr vom ersten Aufgebote bildet den Kern der Krieger, das zweite Aufgebot bedarf der Schonung; nur ein Theil seiner Krieger befindet 10* sich in der Fülle der Lebenskraft; seine Bestimmung ist, die Festungen zu vertheidigen: Wirft der Staat dasselbe in die Letztem, und zieht er die Wehrleute des ersten Aufgebots zu einem Heere zusammen, fo hat er das ganze Land von waffenfähige« Mannern entblößt, und die Festungen besetzt, ohne das schlagfertige Heer vermindert zu haben. Die Besetzung der fünf Festungen in Rheiupreußen erfordert nach dem Urtheile Sachkundiger zum Mindesten 50,000 Mann. Im Jahre 1828 war dcr Kriegerbestand von Rhein- preußen folgender: 1. Am stehenden Heere waren. ... . 17,932 2. In der Kriegsrcserve........ 14,34!» - 3. In der Landwehr des 7. Aufgebots 62,525 4. In der Landwehr des II. Aufgebots 49,423 /Summe aller Streiter 124,22i.> Man ersieh» hieraus, daß Nheinpreußen vermöge sei- ner Streitkräfte allein im Stande ist, nicht nur die Festungen zu besetzen, lind zu vertheidigen, fondern auch überdies ein achtbares Heer ins Feld zu stellen. Wenn man die Schutzmittel erwägt, welche die Natur selbst für das linke Rheinufer' zwischen der Mosel und Maas reichlich angehäuft hat, fo kann die Ansicht, nicht befremden, daß eine Stellung in der Nähe der Französischen Grenze möglich sei, durch dcrcn Behauptung allein schon ein Dcntschcs Heer dem Vordringen des westlichen Feindes ein Ziel setzen, und seinem Erscheinen am Mittelcheine vorbeugen könne. Die Erreichung dieses Zwecks ist darum vdn der höchsten Wichtigkeit, weil der Feind, indem er gleich Anfangs beim Vordringen unübersteigliche Hinder- nisse findet, muthlos gemacht wild, und überdies die Mittel eroberter Gegenden nicht erpressen kann, um seine Fortschritte zu befördern. Die Kriegsgeschichte Friedrichs des Großen bietet zwei Beispiele entscheidender Stellungen dar. Die eine war sein Lager in der Nahe von Glatz, vermittelst dessen er im Stande war, der doppelten Macht seiner Feinde das Vordringen zu verwehren, ohne sich zu einer Schlacht genöthigt zu sehen; die andere war die der Oesterreichs in Böhmen zur Zeit des Baierischen Erbfolge- kriegs. 'Die letztere war so vortheilhaft, daß Friedrich es nicht wagte, sie anzugreifen, und unverrichteter Sache abziehen mußte. Ist Trier auf dieselbe Weise wie Koblenz befestigt, so beherrscht ein daselbst aufgestelltes'Heer den Mittelrhein und die Niederlande. Ein Heer würde fowohl durch den Schutz der Festungswerke, als durch den der Moses um angreifbar sein. Luxemburg würde ihm das Eindringen in Frankreich erleichtern, und das feindliche Land wäre stets dadurch im Herzen bedroht. Die Festung Luxemburg wurde keineswegs dadurch überflüßig werden, vielmehr au Wichtigkeit gewinnen, indem eine aus Frankreich kommende Kriegsmacht, wenn sie dasselbe eingeschlossen, es nicht ohne Gefahr hinter sich zurücklassen, und vor dem deutschen Heere bei Trier erscheinen könnte. Saarlouis und Landau würden dadurch erst Bedeutung erhalten; Trier als Festung bildet den Central- oder Vereinigungspunkt für die Straße von Luxemburg und jene von Saarlouis; für Deutschland hat es ganz dieselbe Wichtigkeit, welche Metz für Frankreich hat. Von Trier aus ist die Entsetzung von Luxemburg und Saarlouis äußerst leicht; der Feind kann es. nie wagen, 150 seine Macht von dem Belagerungsheer, welches Luxemburg und Saarlouis eingeschlossen hat, zu entfernen, weil Flucht und Untergang des letztern dadurch höchst wahrscheinlich gemacht waren. Ein bei Trier aufgestelltes Heer beherrscht die Mosel bis Koblenz; wollte ein von Süden kommender Feind über dieselbe setzen, so würde er außer den: verderblichen Uebelstande, daß er Mainz im Rücken, ein Heer zur Linken, Koblenz zur Rechten hätte, unübersteigliche Hindernisse in den Hohlwegen und Bergschluchten finden, die er sowohl auf dem Hundsrücken, als auf den beiden'Moselufern durchziehen müßte. Dieselben Schwierigkeiten würde die Eifel einem von Norden kommenden feindlichen Heere darbieten. Das letztere wäre in diefem Falle einer noch größeren Gefahr ausgesetzt, weil Trier die große nach den Niederlanden über Bittburg, Prüm, Aachen führende Straße beherrscht, auf welcher ein bei Trier aufgestelltes Heer mit Leichtigkeit vorgehen, und den aus Belgien gegen den Rhein andringenden Feind abschneiden oder durch den Angriff im Rücken und auf der Seite zu einem gefahrlichen Rückzüge nöthigen würde. Einer bei Trier aufgestellten Kriegsmacht ist folglich die Verbindung mit dem Rheine und Deutschland stets gesichert. Sie kann von Koblenz aus, also von der ganzen Rheingegend mit Lebensmitteln versehen, und durch Truppen mit Leichtigkeit verstärkt werden; weil nicht nur die Mosel beide Orte verbindet, sondern auch eine große, 24 Stunden lange Landstraße, von dieser Festung auf dem linken Moselufer nach Trier führt. Auf dem rechten Ufer der Mosel führt ebenfalls eine Straße von Trier über den Hundsrücken nach Koblenz und eine andere / bei Bingen att den Rhein, und folglich nach Mainz, be- rührt die Orte Büdlich, Monzelfcld, Kirchberg, Simmern u. s. w. Unmittelbare Verbindung mit dieser Festung ist folglich ebenfalls möglich, und ihr Entsatz dem bei Trier aufgestellten Heere leicht; das letztere könnte von dorther ebenfalls mit Lebensmitteln versorgt werden. Erwägt man alle die erwähnten einflußreichen Umstände und Verhältnisse, welche rücksichtlich der Vertheidigung von Deutschland bei dem linken Nheinufer in Betracht kommen, so kann man an der politisch wichtigen Bedeutung des Preußischen Rheinlandes, so wie an der Wichtigkeit seines Besitzes von Seiten Preußens nicht zweifeln, vielmehr wird man die Ueberzeugung gewinnen, daß man in der Erhaltung des Preußischen Rheinlandes die Selbständigkeit von Deutschland erhalte, in seiner Vertheidigung das Recht der Deutschen, ein Volk zu sein, vertheidige, und daß Deutschland aufgehört habe, unabhängig zu sein, wenn die schwarz- weiße Flagge zum letztenmal auf der Zinne von Ehren- breitstem geweht hat. Die Errichtung eincS LandesgetrcidcmagazinS in Koblenz. Die Anlegung einer Landesvorrathskammer von Getreide, Behufs der Verfolgung von Rheinpreußen würde folgende Vortheile gewähren: 1. Außerordentlichem Mangel und Elende in einer Größe und in einer Ausdehnung, wie diefe Uebel in den Jahren 18M und 1317 erschienen, würde vorgebeugt werden. Die Anhäufung von Kornvorräthen kann zwar die Theurung nicht verhindern; der Bedarf eines Volks daran ist so groß/ daß alle Magazine nur als ein .unwesentlicher Zuschuß zu dem Vorhandenen betrachtet werden müssen; die Theurung selbst muß daher in Mangeljahren durch verminderte Konsumtion das Meiste leisten, und kann nicht entbehrt werden, jedoch wird übermäßige Theuruttg, welche Noth und Elend erzeugt, leicht dadurch vermieden. 2. Die Staatsverwaltung erlangt bis zu einer gewissen Grenze die Macht, die Getreidepreise zu bestimmen, und ihre Gleichmäßigkeit, einen in Bezng auf ländlichen Wohlstand äußerst wichtigen Umstand, (wie wir früher dargethan haben) zu erhalten. Sie öffnet, schließt oder füllt ihre Vorrathskammern je nach der Höhe der Preise. Durch die Erklärung, daß sie nicht unter einem gewissen Preise den aufgehäuften Vorrath durch Verkauf vermindern werbe, verhindert sie, daß die Unternehmungen von Privatleuten aufhören, da den letztern stets ein beträchtlicher Vortheil im günstigen Falle gesichert bleibt. Z. Der Ort Koblenz bietet insbesondere den Vorzug dar s) daß die Vorräthe mit leichten Frachtkosten selbst aus entfernten Gegenden, z. B. aus Pommern, Altpreußen, mittelst Schiffe dahin gebracht werden können. b) Daß bei der außerordentlichen Festigkeit dieses Bollwerks der Gefahr, daß die Vorrathe zur Zeit des Krieges in die Hände des Feindes fallen, ganz vorgebeugt wird. Die Stadt, worin man die Vorräthe aufbewahren würde, kann sticht einmal vom Feinde beschossen werden. e) Dieser Ort liegt den meisten Rheinischen Festungen am nächsten; die meisten und bedeutendsten, namentlich Mainz, Köln, Wesel, Saarlouis, können von dorther mittelst Wasserfahrt versorgt werden. Der größte Theil des Wegs von Koblenz nach Luxemburg (ohngefähr Z) kann ebenfalls zu Wasser^ zurückgelegt werden. 4. Das Land befindet sich hinsichtlich des wichtigsten Kriegsbedarss in einem gerüsteten Zustande. Die Vorrathe gewähren dem Staate fast dieselbe Sicherheit, wie das im Schatze aufgehäufte Geld. 5. Alle Rheinfestungen sind niit dem Unentbehrlichsten stets versorgt. 6. Dem Deutschen Oberfeldherrn wird es dadurch möglich, Menschenmassen am Rheine, an der Mosel, und selbst in der Nähe der Französischen Grenze in solcher Menge anzuhäufen, wie es dem Feinde, der diesen Vortheil entbehrt, unmöglich ist. Die Kunst, Krieg zu führen, sagt der größte Feldherr*) des Jahrhunderts, besteht darin, größere Streitkräfte auf einem Punkte anzuhäufen, als sie der Feind auf demselben hat. 7. Das Rheinland wird dadurch zu einer großen felbst- ständigen Festung. Der Oberfeldherr darf nicht einmal um die Verbindung mit Deutschland besorgt werden. Als Nachtheile der großen Getreidemagazine führen die Staatswirthschaftslehrer folgende Punkte an: Ein großes Kapital wird unproduktiv oder todt niedergelegt. ') Baonaparte bei Segur. - 154 —- S. Statt Zinsen zu bringen, muß zur Erhaltung desselben, sowohl um den durch Kornwürmer, innere Verderb- niß, Mäuse, Feuersbrunst, verursachten Schaden zu ersetzen, als die zur Aufbewahrung desselben erforderlichen Arbeiter zu besolden, jahrlicher Zuschuß geleistet werden. 3. Die Unternehmungen der Privatleute werden hinsichtlich des Getreidehandels gelähmt, und dadurch wird der Zweck der Einrichtung, Mangel und Hungersnoth zu verhindern, vereitelt, indem es an der zum Anhäufen von Getreide erforderlichen Ermunterung fehlt. Die Menge des gesammelten und von der Verwaltung aufbewahrten Getreides, sei sie auch noch so groß, ist im Vergleich zu dem zur Unterhaltung des Volks erforderlichen Bedarfe fo geringe, daß man mittelst der größten Magazine der Noth des Landes nur auf kurze Zeit steuern kann. Diese Einwürfe wider die Errichtung landesherrlicher Getreidekammern zerfallen bei folgenden Betrachtungen für den vorliegenden Fall als nichtig: Es ist Grundsatz im Preußischen Staate, zur Deckung außerordentlicher Bedürfnisse, vorzüglich solcher, die bei der Rüstung zum Kriege gefühlt werden, zahlfertige Mittel oder einen sogenannten Staatsschatz zur Verfügung bereit zu halten. Da diefer als ruhendes Kapital zu betrachten ist, fo kann die Verwandlung eines Theils desselben in Getreide um so weniger als eine Schmälerung desselben angesehen werden, als gerade dadurch der Zweck des Schatzes, Sammlung von Mitteln zur Befriedigung außerordentlicher Bedürfnisse vollkommen erreicht wird. Die jährlichen zur Erhaltung des Getreides nothwendigen Zuschüsse können mit dem beim Verkaufe erlöseten Gewinne wahrscheinlich bestricken werden. Durch die Gleichmäßigkeit der Getreidepreise, welche durch große Vorrathskammern, wie wir gezeigt haben, befördert wird, wird der Getreidehandel zu einem weniger gefahrvollen Geschäfte, und der Verkehr, sobald die Vorräthe nur bei einer bestimmten Höhe der Preise ausverkauft werden, nicht gestört. Der zuletzt angeführte Einwand, daß man mittelst der größten Getreidekammer die Noth nur kurze Zeit stillen könne, erledigt sich durch die oben angeführte Bemerkung, daß ihr Zweck nicht Verhinderung der Theuerung, sondern nur Verhütung ausnehmenden Mangels sein könne. Der kriegerische Zweck, große Heere mittelst der Vorrathskammern zu unterhalten, und Festungen aus ihnen zu versorgen, wird immerhin aus dem Grunde dadurch erreicht, weil auch ein sehr großes Heer nur ein geringer Theil der Gesammtbevölkerung eines kleinen Landes ist. Ein Heer von 200,000 Mann, welches in Nheinpreußen stände, würde nicht einmal den zehnten Theil seiner Bevölkerung ausmachen, und doch' macht Nheinpreußen nicht den fünften Theil von Preußen, Preußen aber nicht die Hälfte von Deutschland (der Bevölkerung nach) aus. Welche Vortheile würde dem linken Nheinufer eine Verbindung mit Frankreich gewähren, und welche Nachtheile würden für dasselbe damit verknüpft sein? Eine sehr empfindliche Frage, die von einem Deutschen Manne nicht ohne Unwillen und die Unterdrückung des Gefühls von der Größe seines Volks unpartheilich erörtert 156 werden kann, nöthigen uns die verlaumdenschen Aeußemn- gen und falschen Beschuldigungen der Französischen Zeitungs- Schreiber hier gründlich zu untersuchen/ und sie auf den Prüfstein bekannter Thatsachen und Verhältnisse zu bringen. Obgleich höhere Gründe, als wirthschaftliche Vortheile den Rheinländer bestimmen, die Fremdherrschaft zu verabscheuen, und der Erhaltung vaterländischer Sprache, Regierung und Sitten die größten Opfer zu bringen, so kann doch nur die Erforschung der wirthschaftlichen Vorzüge einer Verbindung mit Frankreich oder der Erhaltung vaterländischer Regierung Gegenstand der folgenden Forschung sein, und dies um fo mehr, als sich die Gründe jener Verfasser von Tagblattern hauptfächlich nur auf sachlichem Vortheil beziehen. Zunächst dringt sich uns die Frage auf, ob die Rückkehr solcher Verhältnisse, wie sie die Fremdherrfchast unter Napoleon im Rheinlands geschaffen hatte, wünschenswert!) sei? Eine zweite Frage ist, ob das Wiederkehren der glücklichen Umstände jener Zeit oder nur die Erscheinung ungünstiger Verhältnisse möglich sei? Wer unsere Schrift bis an den gegenwärtigen Abschnitt gelesen hat, kann kaum noch darüber im Zweifel ' kein, daß der Zustand der Rheinlands unter Buonapar- te's Herrfcherstab ein schlimmer gewesen sei. Die Vor- " fheile desselben waren meist aus Umständen hervorgegangen, welche größere Uebel waren, als die erstem Güter. Alle wirthschaftliche Vortheile wurden von der Geisscl der Kon- fcription allein weit überwogen. Der Gefammtbetrag der Steuern war eben so groß und vielleicht noch etwas größer, wie gegenwärtig, und wenn der Ackerbau blühte, so waren da- gen die Rhemsiädte wegen des unbeschränkten Sperrsystems gänzlich bedeutungslos geworden. Auch der Ackerbau konnte, wie wir gezeigt haben, nur eine Zeitlang die damalige Blüthe behaupten, so lange nemlich als er noch Fortschritte machen konnte, und die höchste Ausdehnung und den größten Umfang noch nicht erreicht hatte. In seinen damaligen nothwendig vorübergehenden Verhaltnissen war sein Gedeihen znm großen Theile begründet. Hegte man aber auch Zweifel, ob die wirthschaftliche Wohlfahrt damals oder jetzt größer fei, fo würde die Betrachtung, daß durch die Mängel und Mißbräuche der Französischen Staatsverwaltung und die Verwahrlosung der Bildungsanstalten der Zweck des Staats vollkommen verfehlt wurde, über das Uebel der Wiederkehr jener Verhältnisse keinen Zweifel übrig lassen. Aber wenn auch die Fränkische Herrschaft wieder an den Rhein kehren kann, so können nur einige Vortheile jener Zeih- namentlich Absatz für Rheinisches Getreide, Leinwand, Eisenwaaren, Wolle, Schlacht- und anderes Vieh mit ihr wieder erscheinen, dagegen würden folgende Uebel dis» unvermeidlichen Folgen davon sein: 1. Der Krieg würde seine furchtbare Geissel über das Rheinland schwingen. Es bedarf keines tiefen Blicks in die Politik Europas, um zu begreifen, daß sich Frankreich nur mit Gewalt in den Besitz des linken Rheinufers setzen würde, und daß die übrigen Mächte nicht aufhören würden, ihm diesen Besitz solange streitig zu machen, als sie nicht an einer endlichen Ueberwindung der Franzosen durch vereinte Kraft verzweifelten. Die Folge davon wäre beständiger Krieg, und dessen unzweifelhafter Schauplatz das Rheinland. Wäre es den Franzofen durch Ueber- 158 - macht oder die unerwartete Schnelligkeit ihrer Bewegungen gelungen, ein Deutsches Heer und die Vortheile seiner Stellung auf dem linken Rheinufer zu überwinden, und das erstere bis hinter den Rhein zurückzuwerfen, fo würden die Bollwerke des letztern die errungenen Vortheile des Feindes erfolglos machen, und ein furchtbarer Kampf würde anheben, zu dessen Entscheidung der Westen und Osten alle Kräfte Europas aufbieten, und an den wichtigen Strom führen würde. Verheerung und Elend würden an die Stelle des Rheinischen Wohlstandes treten. 2. Alle Wahrscheinlichkeit streitet dagegen, daß das linke Rheinufer ohne Belgien an Frankreich gelangen könne. Das Rheinland würde also nothwendig mit Belgien verbunden werden, welche Vereinigung das Grab des Rheinischen Gewerbfleißes auf dem linken Ufer dcs Stroms sein würde. Belgien wird vermöge des Zustandes, worin es sich gegenwärtig befindet, jedem Fabriklande, welches der freien Konkurrenz der Belgischen Manufakturen bloßgestellt ist, den Todesstoß versetzen, und das unsägliche Elend seiner unbeschäftigten Arbeiter auf die gewerbfleißigen Einwohner des mit ihm verbundenen Staats übertragen. Kein Land der Welt vermag unter den gegenwartigen Verhältnissen mit ihm Markt zu halten. Seine halbverhungerten Arbeiter werden für halben Lohn, ja für den nothdürftigen Unterhalt alle Anstrengungen machen. Neue Unternehmer erkaufen die Wassergefälle, Gebäude und Maschinen der erloschenen Fabriken für die Halste des ursprünglichen Preises; sie können folglich durch Ersparung der Zinsen am stehenden Kapital immer die Erzeugnisse so wohlfeil liefern, als es den Unternehmern anderer Länder vollkommen unmöglich ist. Nicht drei Monate würden verflossen sein, und der blühende Wohlstand des Fabriklandes zwischen der Mosel und den Niederlanden wäre in seinen innersten Grundpfeilern erschüttert, die Gegend von Aachen und Eupen würde von Bettlern und verzweifelten Landstreichern wimmeln. Z. Die weinbauenden Gegenden des Preußischen Rheinlands würden durch freien Markt mit der Fränkischen Weinerzeugung in das furchtbarste Elend gerathen. Der Weinbau ist mittelst kostbarer Anlagen zu einer Ausdehnung gebracht worden, in welcher er nur durch die Verbindung mit weinbedürftigen Ländern die dafür geopferten Kapitalien verzinsen kann. Sowohl Frankreich, als Rheinbaiern — denn ohne die Einverleibung des letzter» läßt sich der Heimfall des sinken Nheinufers an Frankreich ebenfalls nicht denken — würden das Rheinland mit Weinen über- fluthen, und diefen wichtigen Rheinischen Hervorbrin- gungszweig durch die Vernichtung seines Absatzes ersticken. Aus dem Umstände, daß das linke Rheinufcr vormals den Markt mit der Französischen Weinerzeugung ertrug, läßt sich durchaus nicht folgern, daß dies auch heute der Fall sein werde. Frankreichs Weinbau hat an innere Entwickelung und an äußerm Umfange zugenommen. Viele Absatzwege für die Französischen Weine sind verstopft worden, und der ein»/ leuchtendste Beweis für des Rheinlandes Unfähigkeit, in Wein den Markt der Nachbarstaaten zu ertragen, ist, daß trotz der ungeheuren Eingangszölle, welche auf fremden namentlich Französischen Weinen ruhen, diese dennoch einen bedeutenden Theil der zur Verzehrung von Rheinpreußen gelangenden Weine liefern. 4. Die Rhcinstädte würden als Frankreichs äußerste Grenzorte zu ihrer vormaligen Bedeutungslosigkeit -heruntersinken, ohne daß der frühere Wohlstand des platten Landes nothwendig, wie früher, damit verbunden wäre. — Der Französische Landbau hat ebenfalls an Umfang und innerer Entwickelung zugenommen. 5. Der Verkehr, welcher vermöge der heutigen Verhältnisse sich nach Deutschland und Holland gewandt hat, würde bei dem strengen Sperrsysteme, dem auch jetzt noch die Franzofen huldigen, ganzlich erliegen. Verlegenheit und Stockung des Handels würden die neue Gestaltung der Dinge begleiten. Namentlich würde die große Handeksstadt Köln den bedeutendsten Theil ihres Verkehrs mit Holland und Norddeutschland einbüßen. 6. Frankreich würde seine hohen Steuern, welche mehr als die Preußischen betragen, von den Rheinländern erheben. Die Französischen Steuern verhalten sich zu den Nheinpreußischen ohngesähr wie 17 :1?.*) 7. Da mit dem Besitze vom linken Rheinufer für Frankreich ein langwieriger Krieg verbunden wäre, so wurden die Konscription und die meisten damit verbundenen Uebel eintreten. , So Siehe den spater folgenden Abschnitt von den Steuern. So sind sie beschaffen die Glücksgüter und glänzenden Geschenke, welche die Französischen Zeitungsverfasser dem Rheinlands mit so vieler Freigebigkeit darbieten, und wonach ihnen zufolge seine Bewohner so heftige Begierden fühlen! Wahrlich müssen sie ohne alle Kunde der Interessen beider Lander schreiben, oder uns M vollendete Thoren halten! Eine Vereinigung mit Belgieq. Da endlich ein Englisches Blatt die Ansicht geäußert hat, daß Rheinpreußen unter gewissen Umständen mit den Belgen gemeinschaftliche Sache machen werde, so weisen wir nur auf die hier (Nr. 2.) geschilderten Uebel als Folgen einer Verbindung mit Belgien zurück, um die Ungereimtheit der gedachten Meinung, so wie die Unwissenheit ihres Urhebers außer Zweifel zu setzen. Abgesehen von dem Umstände, daß die materiellen Interessen beider Länder sich schnurgerade widersprechen, ^a sich- todt- feindlich gegenüberstehn, sind Sprache, Charakter, Sitten und Bildungsstufe der Bewohner beider Länder gänzlich verschieden. Der Rheinbewohner ist offen, bieder, frei- und froh sinnig, des Belgen Charakter ist eine sehr tiefe und hartnäckige Leidenschaftlichkeit, wie unter Europäern sie vielleicht nur in Spanien'gefunden wird; er ist darum verschlossen, fanatisch, und Personen oder Ideen blind ergeben. Der größere Theil des Belgischen Volks ist unwissend und roh, während Rheinpreußen von dem aufgeklärtesten Volke Europa 'S bewohnt ist; die Niederländische Sprache ist den Preußischen Rheinanwohnern unverständlich, und wird von ihnen als verderbtes Deutsch gering geschätzt oder selbst verabscheut. Die 11 — 164 fchranktes Verbotsystem, sondern im Ganzen ein gemäßigtes und zweckmäßiges Einfuhr-Zollsystem, welches zur Förderung jeder Art Rheinischer Hervorbringung bereits vortrefflich gewirkt hat. Wenn alle diefe Umstände eben so viele Elemente der.Wohlfahrt und des innern Glücks für Rhein- preußen bilden, — die Leugnung dieser Wahrheit würde nur Unkunde in den Staats- und Kameralwissenfchaften beweisen, — und wenn sie einem Deutschen Volksstaimm zu Theil wurden, drffen vortreffliche Anlagen und edlen Sinn günstige Zeit- Bildungs- und Wirthfchaftsverhältnisse entwickelt und vervollkommnet haben, darf man sich dann, — wie es von Leuten, die den heutigen Zustand von Rheinpreußen nicht'kennen, geschah, — noch wundern, daß der geliebte Landesfürst und die Häupter ftines erhabenen Hauses, in der Uebung so mancher Tugend als Muster dä stehend, Mit den unzweideutigsten Beweisen der Treue und - Ergebenheit, der höchsten Begeisterung und dem lautesten Jubel des Volks an den blühenden Ufern des Rheins empfangen werden? Welcher Rheinpreuße erkennt nicht dankerglüht die Verdienste des Königs und feiner weifen Staatsmänner um das Rheinland an, welcher wünscht nicht die fortdanernde Entwickelung der Bildung und des Wohlstandes feiner friedlichen Bewohner? Wahrlich nur Selbstsüchtige, Unwissende und rohe Uebelwollende welche eigener Schuld oder unvermeidlichen Verhältnissen ihr Unglück danken, können einen Wechsel der Verhältnisse wünschen, und unzufrieden und blind gegen die Vortheile fein, beren das Rheinland unter Friedrich Wilhelms III. beglückenden Regierung ungestört genießt. ^ ^ ^ »'165 Die Unruhen von Aachen beweisen nichts wieder die vortrefflichen Gesinnungen der Nheinpreußen. Haben nicht alle nähere Erkundigungen darüber das Ergebniß geliefert/ daß nur der Auswurf der Gesellschaft die öffentliche Ordnung störte, diese Ausschweifungen ohne alle politische Tendenz beging, und bloß ftine eigenen wohlhabenden Mitbürger zu berauben beabsichtigte? Die gewerblichen und wirthschaftlichen Verhaltnisse der in Kunstfleiß und Bildung. fortgeschrittenen Europäischen Staaten haben Noth und Elend als unvermeidlich damit verbundene Uebel unter der Arbeiterklasse des Volks geschaffen; in England und Frank-. reich äschern Unzufriedene die Wohnungen harmloser Landleute ein, und verüben alle Gräuel roher Barbaren, welche die Civilisation bekämpfen: in der That Europa stände auf " einem glimmenden Vulkane, wenn sich da die Überlegenheit der Einsicht befände, wo jetzt die körperlichen Kräfte überwiegen. Keine politische Ansicht verfolgen diese Unglücklichen; sie machen nur ihre Ansprüche auf Selbsterhaltung, Abstellung ihres Elends und die Verbesserung ihres Zustandes geltend, aber kein Staat kann diese Ansprüche genü- > gend befriedigen, ohne, einen Umsturz aller Verhältnisse herbeizuführen. Den Bürgern des Preußischen Staats ge^ reicht es zum Troste, seiner Verwaltung zur Ehre, daß sich Störungen der öffentlichen Ordnung und Ausschweifungen dieser Art in Preußen außer den uubedeutenden Aufläufen von Aachen und Berlin trotz bedeutender äußerer Veran- » lassungen nirgendwo ereignet haben. » 166 Messen in Köln. Oeffentliche Blätter haben vor einiger Zeit die Errichtung zweier Jahrmärkte in der Stadt Köln zur Entschädigung für das aufzuhebende Umschlägsrecht zur Sprache gebracht. Es wird für den Leser anziehend fein, hier einige Betrachtungen über die Vortheile einer solchen Einrichtung zu finden. Im Allgemeinen verdient die Bemerkung vorausgeschickt zu werden, daß Messen und Märkte keineswegs unbedingt unter allen Umständen wl'rthfchastlichc Vortheile gewähren. Wenn als Vorzüge derselben die Erleichterung des Verständnisses zwischen Käufern und Verkaufern, des Abrechnens, Bezahlens und der Bestellungen, ferner die Bequemlichkeit der großen Auswahl von Waaren, also die Möglichkeit, Preife und Güte der Waaren zu vergleichen, um das Entsprechendste und verhältnißmäßig Billigste aus- zulefen, drittens Beförderung und Erweiterung des Absatzes für die Verkaufer, endlich die dadurch erlangte genauere Kunde der Erzeuger von dem Bedürfnisse der Zeit hinsichtlich des Gefchmacks, der Größe des Verbrauchs, und folglich von der Beschaffenheit der begehrten Waaren, in einem vortheilhaften Lichte erscheinen, so müssen als Nachtheile derselben angeführt werden: t. Störung des gewöhnlichen und regelmäßigen Verkehrs. Sie dauert fo lange, bis der regelmäßige Besuch des Jahrmarkts der Bewegung des Handels selbst wieder eine bestimmte Form gegeben hat. 2. Abhaltung der Erzeuger von unbedingt hervorbringen- der Thätigkeit; Zeitvergeudung sowohl während der Reisen, als während des Meßbesuchs selbst. Z. Unterbrechung des häuslichen Wirthschaftsganges bei Käufern und Verkäufern. 4. Vcrtheurung der Waaren durch Reisekosten und den Aufenthalt der Erzeuger an den Meßorten. !, Die vorstehenden Punkte sind wirthfchastliche Vortheile und Nachtheile; wird dagegen die Sache der Volks» bildung berücksichtigt, so ist keinem Zweifel unterworfen, daß Messen und Märkre die Entwickelung und den Fortgang der Civilisation ungemein befördern. Die Verschiedenheit der Menschen, ihrer Denkungsart, Heimath, Tracht und Sitten, der Unterschied der Sprachen und Mundarten, die Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse und ihrer Bestimmung, die sich durchkreuzenden Angelegenheiten der Meßbesilcher, das Spiel des Angebots und der Nachfrage, die Menge ungewöhnlicher Volksbelustigungen, die Vorzeigung von seltenen und ungesehenen Gegenständen, alle dieft Dinge erweitern den Gesichtskreis, die Kenntnisse und die Um- gaiigsfähigkeit der Bürger, bereichern ihre Vorstellungen und bilden ihren Geist. Betrachten wir nunmehr, in wiefern die in. Allgemeinen als vortheilhaste oder nachtheilige Umstände bezeichneten Folgen der Messen von den in Köln zu errichtenden Jahrmarkten erwartet werden können. Köln scheint zunächst eine zu Märkten und Messen geeignete Lage, wie kein anderer Ort in Deutschland, zn besitzen. Die große Handelsstraße >des Rheins verbindet die Schweiz und England, Frankreich und Deutschland, Belgien und Holland. Die Nähe einer andern (der Frank- > furter Messe) kann Gedeihen und Blüthe der Kölner Jahrmärkte nur befördern, da ein großer Theil der Kaufer und Verkaufer, welche die Messe zu Frankfurt besuchen, über Köln auf dem Rhein dahin gelangt." Die Vollkommenheit der Landposten und die Vorzüge der Dampffchifffahrt vermindern die Kosten der Reisenden bedeutend. Die ansehnlichen schiffbaren Nebenflüsse des Rheins erweitern auf seinen beiden Ufern das Marktgebiet der Kölner Messe bis zu bedeutender Entfernung. Selbst größere Schiffe können unmittelbar aus der Nordsee bis Köln gehen. Die Verträge mit Hessen, Würtemberg und Baiern begünstigen die Handelsverbindung von Nheinpreußen und den gegenseitigen Austausch ihrer Erzeugnisse sehr bedeutend. Ein glücklicher Wechsel von Gegenden im Marktgebiete, welche Her- vorbringungen des Kunstfleißes und solcher, welche rohe Erzeugnisse liefern, sichert durch gegenseitige Bedürfnisse Fülle und Lebhaftigkeit des Verkehrs. Welch' einen reichen Schauplatz der Gewerbe und des Kunstfleißes bieten nicht die Umgebungen von Köln dar? Oestlich von ihm liegt Deutschlands England, das Bergische Land, seit Jahrhunderten durch Manufakturen, wie keine andere Gegend des Vaterlandes ausgezeichnet, wetteifernd mit Großbritaniens Erzeugern, und nicht selten sie durch Güte und Wohlseilheit mancher Hervorbringungen vom Markte scheuchend. Baumwollene Erzeugnisse, Seidenwaaren und Spitzen liefern seine Bewohner im Ueberflusse. Stahlwaaren kann kein Land der Erde wohlfeiler zu Markte bringen. In der Nähe zu Lennep und Hagen werden eine Menge Tuche verfertigt; weiter östlich in Westphalen ragt die Gegend von Bielefeld und Warendorf durch die Ver- —_ 169 fertigung vortrefflicher und berühmter Leinwände hervor. Das Land von Arnsberg ist'durch alle Zweige der Metallurgie ausgezeichnet. Westlich von Köln Herrsicht nicht minder blühender Gewerbfleiß; die Gegend von Aachen, Düren und Eupen stellt das Gemälde einer betriebsamen und kunstfleißigen Bevölkerung dar. Die Verfertigung von Tuchen und Kasimiren Hat hier eine hohe Stufe der Vollendung erreicht; die Nadelfabriken von Aachen und Köln haben ihren Ruf weit in der Ferne verbreitet. Die Dampfmaschinen von Eschweiler sind bekannt und geschätzt; die Messingwaaren von Stollberg sind ausgezeichnet und berühmt. Die Mineralerzeugnisse der Eifel liefern den Stoff zu einer Menge von metallurgischen Hervorbringungen, welche im Ahrthale und in andern Gegenden der ,Eifel dargestellt werden. Die Lederfabriken von Prüm und Mal- niedy, von Andernach und Koblenz in Rheinpreußen, und jene von Stablo auf Niederländischem Gebiete liefern die besten Waaren ihrer Art in Deutschland. Nördlicher bietet uns Kreseld die Schätze seines Kunstfleißes an; das große Manufakturland Belgien mit feinen zahlreichen Fabriken liegt westlicher; noch westlicher entwickelt sich auf Fränkischem Boden der mit der.Darstellung feiner Tuche beschäftigte Gewerbfleiß von Sedan.- England endlich, welches das ganze Erdrund mit seinen Kunstfleiß-Schätzen versorgt, ist vermöge der Dampfbote zur Theilnahme an den Märkten von Köln angewiesen, und seine Kaufleute, die ihre Waaren hier verkaufen oder sich mit den ihnen nothwendigen Marktgegenständen versorgen, ersparen an der Reise nach der Frankfurter Messe einen Tag und wieder einen Tag an der Rückkehr. Die kunstfleißigen Bewohner der aufgezählten Gegenden bedürfen der bei weitem größten Zahl nach nicht zweiex TMeifen,, um mittelst der Postanstnlten Köln zu erreichen. Welch' ein bedeutender Vortheil, wenn man erwägt, daß die Fortfchaffung schwererund umfangreicher Waaren ihren Preis merklich erhöht, .und darum die Ausbietung derselben auf Messen und Märkten bei größerer Entfernung unmöglich macht. Aber für Köln selbst und die nächsten Rheinufer würde der Vortheil am größten sein. Leipzig und Frankfurt verdanken sowohl den gediegenen Wohlstand aller Klassen und Stände ihrer Gebieter, als einen großen Theil der Reichthümer einzelner Kapitaleigner ihren Messen. Der Gebrauchsaufwand so vieler meist wohllebender Menschen, die hier sämmtlich Erwerbsgeschäfte treiben, erfordert eine Menge von Erzeugnissen aller Art, belebt den Handel mit Lebensmitteln, erhöht dadurch den Werth des Grund- eigenthums und der Gebäude, und eröffnet eine'unübersehbare Menge neuer Erwerbsquellen. Das Herbeiströmen von Geschäftsleuten und Fremden würde sowohl dem Staate durch Benutzung der Postansialten und die vermehrte Zolleinnahme, als der Bevölkerung von Rheinpreußen durch die Konsumtion der Reisenden unzweideutige und ausgebreitete Vortheile gewähren. Rheinpreußens Handel würde größem Schwung erhalten, und ein neues wichtiges Element des Wohlstandes, der Volksbildung und der Staatswohlfahrt wäre damit gegründet. Die als Nachtheile der Messen angeführten Umstände, Zeitverlust, Erhöhung des Waarenpreises durch Reisekoste», Unterbrechung der Wirthschaft, müssen erstens bei den Messen von Köln wegen der Nahe des Orts als unbedeu- 17t tender betrachtet werdey, wie bei andern Jahrmärkten, und zweitens als unschädlicher angesehen werden, indem die Konsumtion gerade zum Vortheile vaterländischer Bürger erweitert wird, und dadurch ein Theil der umlaufenden Mittel statt im Auslande aufgewandt zu werden, im Jn- lande erhalten wird. Die Gefahren, welche dem Rheinlande von Innen drohen. Nachdem wir die Gefahren des Rheinlandes von Außen, deren Erfüllung wir in einer Besetzung desselben durch die Franzosen, in einem dadurch herbeigeführten lang» wierigen Kriege, und endlich in einem Heimfalle desselben an ein Nachbarreich fanden, in frühern Erörterungen beleuchtet haben, sei es uns erlaubt, Besorgnisse für die Fortdauer eines blühenden Wohlstandes, welche aus seinen innern Verhältnissen entspringen, unbefangen und frei zu äußern. Wir erklären hiebei, daß wir, der Herrfchaft der Gründe huldigend, bereit find, unsere Ansicht zu ändern, sobald jemand überwiegende Beweisführung der unfrigen entgegenstellen kann. Die Hauptgefahr, welche uns für das Rheinland besorgt macht, ist eine allzugroße Bevölkerung. Bekanntlich hat Malthus zuerst mit Erfolg auf die Nachtheile derselben aufmerksam gemacht, während früher in dem Fortschreiten derselben von einem großen Heere von Schriftstellern, unter welchen Sonnenfels hervorragt, nur Vortheile erkannt wurden. Nach Malthus beschäftigte sich eine große Menge von Verfassern mit dem Gegenstände, bald ihm beipflichtend, bald seine Ansichten bc- 172 —— kämpfend, bis Wein hold das Mittel, ihr zu steuern fand, mittelst der Jnfibulation den Gordischen Knoten mit dem Schwerte zerhieb, und der Menschenwürde Nehmen wollte, was ihr alle Nachtheile einer zu sehr gestiegenen Bevölkerung niemals rauben können. Obgleich die Anficht von Malthus, daß die Bevölkerung in geometrischer Progression, die Hervorbringung sachlicher Güter in arithmetischer zunehme, einen Irrthum enthalt, welchen jede nähere Untersuchung des Gegenstandes in der Erfahrung aller Zeiten und Völker offenbart, fo ist der Grundgedanke derselben, daß die Bevölkerung schleuniger, als die Erzengung Wirth- fchastlicher Gütxr fortschreiten könne, vollkommen wahr, verdient die höchste Beachtung der Staatswirthe, und stützt sich auf eine Fülle von Beobachtungen und unleugbaren Thatsachen. Wir finden die Völker in allen möglichen Zustanden: arm und dürstig ohne Bildung (fast alle wilde Volksstämme), wohlhabend und mächtig ohne die höchste Stufe derselben (Nordamerika), blutarm und theilweise.aus Mangel der nothwendigsten Gegenstände verkommend, auf einer bedeutenden Stufe von Bildung (Ostindien, Theile, von China). Viele reden von der fortschreitenden Kultur als dem Beschränkungsmittel der Bevölkerung; sie haben aber keine Erfahrungen auf ihrer Seite, und indem sie von der Kraft gebildeter Gemüther reden, und sie dem Gs- fchlechtstriebe entgegenstellen, rechnen sie mit unbekannten Größen, und würden bei'der gleichen Behandlung eines Gegenstandes im Privatleben als leichtfertige Wirthe das Ihrige verlieren. Wenn es wahr ist, daß die Fortschritte der Bildung die Sittlichkeit befördern, so laßt sich daraus unter gleichen 173 - ' Umständen eher auf Beförderung als eine Hemmung der Bevölkcrungsfortschritte schließen. Wenn die unmäßige Befriedigung des Gefchlechtstriebs nicht mehr die Keime künftiger Generationen zerstört, und wenn die unfruchtbaren bloß zur Stillung des Bedürfnisses veranstalteten Befriedigungen seltener werden, fo muß offenbar der Trieb der Kinderzeugung alfo auch die Neigung sich zu verehlichen, erstarben, und zugleich muß er sich in den Ehen-wegei? ungefchwächter Kraft wirksamer erweisen. Durch beide Umstände wird die Hervorbringung von Menschen befördert- Nur der mit der Bildung steigende Luxus vermag mehr Menschen von den Ehen zurückzuhalten;' um eine Familie zu nähren, würde man seine Ausgaben beschränken und auf die Befriedigung einer großen Zahl von Bedürfnissen verzichten müssen, deren Stillung für viele angenehmer ist, als das Glück, Familienvater zu sein. - < - Wenn aber diese Betrachtung Gebildete von den Ehen zurückhält, so ist es gewiß nicht bei dem großen Theile des Volks der Fall, und am wenigsten bei schlichteu Landleuten, deren Leben sich in der von den Vätern angenommenen Form fast unverändert fortbewegt. Immerhin werden einige davon durch bey gänzlichen Mangel - aller Habe genöthigt sein, unverheirakhet zu bleiben; dagegen werden unbedeutende Mittel schon im Stande sein, andere zu bewegen, eine Heirath zu schließen, und eine Familie zu gründen, wenn diesem Gange der Dinge nicht durch Herkommen oder bestehende Gesetze, namentlich das Erstgeburtsrecht, vorgebeugt ist. Taglöhner, die 'nichts besitzen als ihre Hände, womit sie sich den täglichen Unterhalt erwerben, pflanzen eben so wohl ihr Geschlecht fort, als der reiche Gütsbesitzer, dessen Grundstücke sie bearbeiten. Es giebt/ wie erwähnt, Schriftsteller, welche behaupten, daß mit der Zunahme der Bevölkerung auch die hervorbringenden Kräfte zunehmen, wenn dieß nicht geleugnet werden kann, so hätte sie die Betrachtung, daß, wenn die Kräfte selbst in dem Maaße, wie die Bevölkerung steigt, wachsen, außer ihnen auch Grund und Boden, der nicht vermehrt werden kann, nothwendig sei, von der Schwäche dieses Grundes wider die Ansicht von den Nachtheilen übermäßiger Bevölkerung überzeugen sollen. Der Gebrauch eines großen Theils der Naturkräfte, gerade der wohlfeilsten und nützlichsten, der Wasserkräfte kann nur bis zu einem gewissen Grade vermehrt werden, fo lange nemlich, als bei Flüssen oder Bächen eines Landes noch nicht alle Gefalle benutzt sind.. Der Wind, als die minder zuverlässige Kraft, kann in vielen Ländern fast gar nicht, in manchen hin und wieder, in andern endlich bis zu einer ungeheuren Ausdehnung zur Anwendung gebracht werden. Die Dampfkräfte gestatten eine äußerst ausgedehnte Anwendung, sind aber bei weitem theurer als die vorhergehenden. Dasselbe gilt von den Thierkräften, die darum eine minder ausgedehnte Benutzung zulassen, weil sie sich an einem Punkte nicht in so ungeheurem Maaße anhäufen lassen, wie die Dampfkräfte. Zins allen diesen Umständen erhellt, daß der Gebrauch der Kräfte über gewisse Grenzen vervielfältigt durch Ausdehnung und Vermehrung theuer werde, daß folglich alsdann die steigende Bevölkerung nur mit größerem Auswanderer dadurch hervorgebrachten Güter theilhastig werden, oder daß ihre Unterhaltung von dieser Seite betrachtet, erschwert, mit andern Worten/ daß sie in dieser Hinsicht dürstiger werden müsse.*) Weit unvortheilhafter erscheint der Umstand, daß die rohen Erzeugnisse, welche den Stoff zu den Manufaktur- arbeiten liefern/ von der Zahl dcr Grundstücke abhängig sind, welche letztere nicht wie die hervorbringenden Kräfte vermehrt werden können. Wenn man dagegen anführen wollte, daß die Fruchtbarkeit der Grundstücke, und folglich der Ertrag derselben bis ins Unendliche vermehrt werden könne, so würde diese Behauptung ihren Werth durch die Betrachtung verlieren, daß einmal die Ergiebigkeit des unentbehrlichsten Noherzeugnisses, des Getreides, nur bis zu einer gewissen Grenze durch vermehrte Fruchtbarkeit gesteigert werden kann — eine zu üppige Düngung bringt bekanntlich das Lagern und dadurch das Verderbniß des Getreides hervor und daß zum Andern die Fruchtbarmachung des Bodens durch vollkommnere Düngung und Bestellung nur bis zu einem gewissen Grade vortheilhaft getrieben werden kann, indem es eine anerkannte Wahrheit ist, daß die auf die Verbesserung der Grundstücke verwandten Kapitalien nur bis zu einer gewissen Grenze hinreichend lohnen, und nach Ueberschreitung dieser letztem sich nur minder zinsend erweisen, bis sie zuletzt fast nur todtes Vermögen sind. Es bestätigt sich alfo auch von dieser Seite, daß die in Folge gestiegener Bevölkerung zunehmende Hervorbringung, sobald sie ein gewisses Maaß überschritten hat, theurer werden müsse, oder daß bei glei- ' Die Fortschritte dcr Mechanik lehren zwar neue Kraft benutzen und die vorhandenen vortheilhafter anwenden, allein die künst. lichere Einrichtung der Maschinen macht sie oft theurer. — 176 - cher Anstrengung das Menschengeschlecht weniger hervorbringen/ also weniger genießen könne, mit andern Worten, daß es ärmer werden müsse. Um dem Ziele unserer Untersuchung näher zu kommen, wollen wir die entwickelten Sätze zusammenstellen, und erforschen, welche Schlußfolge daraus hervorgehe. Der erste erwiesene Hauptsatz war: in der innern Natur des Menschen und in der Ausbildung derselben liegt keineswegs ein Anlaß zur Dämpfung der Bevölkerung, selbst wenn ihre Zunahme den Wohlstand beträchtlich vermindert; der zweite war: der Gebrauch der Naturkräfte und der Grundstücke über eine gewisse Grenze ausgedehnt, vermehrt die Hervorbringungskosien oder macht das Menschengeschlecht, wenn es in demselben Maaße, in dem es zunimmt, seine Anstrengungen ausdehnt, ärmer. Hieraus folgt, daß die Bevölkerung bis zu einer bestimmten Höhe zu des Volkes Flor und Gedeihen steige, daß sie aber nach Erreichung dieses Hochpunkts der wirthschaftlichen Wohlfahrt trotz des Nachtheils, der für letztere daraus entsteht, -fortdauernd zunehme, wenn ihr keine äußeren Hindernisse entgegengesetzt werden. Diese äußeren Hindernisse sind vorzüglich in bürgerlichen Einrichtungen zu suchen; es waren oder sind fast in allen Theilen des gesitteten Europa, für die Bewohner des platten Landes, und den Adel die Unteilbarkeit dex Bauerngüter, für die Bewohner der Städte, die Zünfte und Innungen. Bekanntlich hat eine sehr bedeutende Zahl von Schriftstellern über beide Gegenstände geschrieben; leider haben Hie meisten die Sache nicht bis auf ihren letzten Grund, die Bevölkerung, verfolgt, fondern sich nur mit dem Zufälligen 177 und Unwesentlichen beschäftigt. Als Vortheile der unbegrenzten Theilbarkeit werden folgende Punkte angeführt: 1. „*) Die Landgüter, welche im Verhältniß zu dem Kapitale und den persönlichen Fähigkeiten des Eigen- thümers zu groß sind, können so weit verringert werden, daß sie eine bessere Bewirthschaftung erhalten, und verhältnißmäßig einen größeren Reinertrag geben." Diese Behauptung kann nur von der Theilung der Güter gelten, wenn sie nicht über eine gewisse Grenze fort» gesetzt wird, und die Verbesserung der Grundstücke oder die Anwendung der Kapitale bei den Gütern nur bis zu einem gewissen'Maaße geschieht. Das Angeführte, statt die unbegrenzte Theilbarkeit zu rechtfertigen, führt also gerade zu der Ansicht, daß die Beschränkung derselben vorzüglicher sei. 2. „Da die Stücke, aus denen ein Landgut besteht, einzeln höher verkauft werden können, als das Gut im Ganzen, fo ist die Verkleinerung ein bequemes Mittel, sich von Schulden zu befreien." Dieser Satz, für sich unleugbar wahr, zerfällt als Beweisgrund für die unbegrenzte Theilbarkeit vor der Betrachtung, daß wenn auch der Preis der Güter durch die Theilbarkeit höher getrieben wird, der reelle Werth — wenn er einmal eine bestimmte Höhe erreicht hat, — so wie der Ertrag nichts desto weniger derselbe bleibt. Es wird also durch die Theilbarkeit nur das Verhältniß der Güterpreise geregelt, keineswegs werden aber die Güter selbst dadurch vermehrt oder ihr Einkommen dadurch erhöht. Forderungen der Bürger Eines Staats unter sich schmälern das Volksver- mögen ebenso wenig, wie es durch ihre Tilgung vermehrt wird. ') S. Rau Lchrb. d. pol. Oek. II. S.77. 12 z. „Die Taglöhner sind bei der Verkleinerung der Güter im Stande, sich ein kleines Eigenthum zu erwerben. Die Gewißheit, daß sie die Früchte ihres Fleißes ganz allein zu verzehren haben, steigert ihre Ansiren- gung in dem Grade, daß sie dem Boden einen weit höhern Ertrag abzugewinnen vermögen, als es in größern Gütern möglich ist, vorausgesetzt, daß es an Geschicklichkeit und an Gelegenheit zum Absätze solcher Erzeugnisse nicht fehlt, welche viele Arbeit erfordern." Auch dieser Vortheil, welcher so groß und unzweifelhaft zu sein scheint, ist nur ein solcher, welcher bloß für eine gewisse Periode der Entwickelung ackerbaulicher Verhältnisse anerkannt werden kann. Die unbegrenzte Theil« barkeit, welche diesen Vortheil zu einer gewissen Zeit herbeiführt, bringt in einer spatem um so größern Nachtheil. Der Taglöhner nemlich kann der großen Güter aus dem einfachen Grunde nicht entbehren, weil sie ihm die Arbeit darbieten, deren Lohn er zu feiner Erhaltung nothwendig hat. Indem nun die unbeschrankte Theilbarkeit, wie Ueber- legung und Erfahrung beweisen, das Schwinden der großen Güter veranlaßt, und das Erwerben der kleinen Ländereien von Seiten der Taglöhner begünstigt, vermehrt sie die letztern und raubt einem Theile derselben den nothdürftigsten Unterhalt. Der Vortheil der unbegrenzten Theilbarkeit, daß kleine Grundstücke von den Taglöhnern erworben werden können, wird durch die begrenzte Theilbarkeit nicht ausgeschlossen, indem da, wo letztere Regel ist, dennoch gewöhnlich kleine Ländereien von den Taglöhnern besessen werden. Der höhere Ertrag, welcher durch die sorgfaltigste Bearbeitung des Bodens entsteht, ist nur ein größerer Rohertrag; der Reinertrag der Grundstücke wächst, wie wir früher gezeigt haben, mit der zunehmenden Anwendung von Kapital nur bis zu einer bestimmten Grenze, und nimmt nach Überschreitung derselben wieder ab. Daß bei der Aufhebung der beschrankten Theilbarkeit sich anfangs sehr erfreuliche Folgen äußern, darf eben so wenig Verwunderung erwecken, als die Freude lachender Erben, welche den Schatz theilen, den der Erblasser mit Wucher vermehrte. Die Erfahrung zeigt sehr oft, daß der Erblasser in der Sparung und Vermehrung seines Schatzes weit besser für die Erben sorgte, als diese letztem für sich sorgen, nachdem sie der Erbschaft theilhaftig gewordm sind, wiewohl sie sich eine Zeit lang ungleich besser befinden, wie früher. „Diejenigen Bauernsöhne, welchen die väterlichen Güter nicht zu Theil werden, gelangen nun zu einer kleinen Besitzung, und sind nicht mehr genöthigt, bloße Taglöhner oder Dienstboten zu bleiben. Die Bevölkerung mehrt sich beträchtlich, während sie sonst auf dem platten Lande lange Zeit still stehen konnte." Dieß ist gerade der größte Nachtheil, wenn die Bevölkerung bereits zu der Stufe, womit der Hochpunkt wirthschaftlicher Wohlfahrt verbunden ist, gestiegen ist. Dann mehren sich Menschen und Güter, aber die erstem m größerem Maaße als die letzteren, welche folglich .ärmer werden müssen. Endlich ruft der Verfasser, aus dessen Werk wir die erwähnten Gründe für die unbegrenzte Theilbarkeit angeführt haben, die Erfahrung zu Hülfe. „In solchen Gegenden, wo nur Getreidebau und Viehzucht für entfernte Märkte den Landwirthen Gewinn versprechen, ist die Vorzüglichkeit größerer Güter so einleuchtend, daß man auch bei voller Freiheit 12* nur selten Zerstückelungen derselben bemerkt, weil die Eigenthümer besorgen, auf einem kleinern Umfange von Lände- reien fich nicht mehr erhalten zu können." Als Thatsache wird in der Note angeführt, daß im Jsarkreise trotz aller Begünstigung des Zerstückelns 53 Preußische Morgen ohne die Weiden auf einen Eigenthümer kommen. Wie schwach ist aber diese Erfahrung von höchstens 50 Jahren für einen Gegenstand, bei welchem hundertfache und tausendjährige Erfahrungen nur entscheiden können? Wie wenig beweist sie gegen die Beobachtung, ^dasi große Gegenden, ganze Länder trotz der höchsten Fruchtbarkeit des, Bodens nut einer übermäßigen dürftigen Bevölkerung bedeckt sind, wovon Hunderttausende in Mangeljahren vor Hunger sterben, wie es in Jndostan und China der Fall ist? Wenn auch eine Zeit hindurch bei unbegrenzter Theil- barkeit die Grundstücke nicht getheilt werden, so muß es dennoch in der Folge geschehen, weil bei gleichtheilendem Erbrechte der Gutsherr zur Abfindung der Geschwister Schulden anhäufen muß, deren Zinsen er mit der Boden» rente — da diese gewöhnlich kleiner als der Geldzins ist — nicht decken, folglich solange immer tiefer verschuldet, bis sich Theilung oder Verkauf in Theilen als die letzten Rettnngsmittel darbieten. Ohne gleichtheilendes Erbrecht hat die unbegrenzte Theilbarkeit weder Sinn noch Statt- haftigkeit. i Aus dem bereits Dargelegten geht hervor, daß die unbegrenzte Theilbarkeit der Grundstücke einer unmäßigen Zunahme der Bevölkerung Thür und Thor öffnen und über kurz oder lang die nachtheiligsten Folgen äußern müsse. In mehreren Ländern hat man sich voit der Wahrheit dieser Ansicht vollkommen überzeugt, und eine gewisse Größe der Güter bestimmt, bis zu welcher sie nur getheilt werden können. Man bezeichnet diese Größe mit dem Ausdrucke, gesetzliches Minimum. Diejenigen Schriftsteller, welche sich für die unbegrenzte Theilbarkeit entschieden haben, führen als Nachtheil davon an, daß es wegen der großen Verschiedenheit in der Bodengüte und Venutzungsart durch» aus unpassend sei. „Wenn eine solche gesetzliche Grenze der Theilungen in den am besten angebauten betriebsamsten Gegenden, wo eine Familie sich auf wenigen Morgen Landes fortbringe, und wo zum Nebenerwerbe reichliche Gele» genheit sei, nachtheilig wirkte, weil sie solche Zerstückelungen hindern, die keiner Besorgniß Raum gäben, so würde sie dagegen schon zu klein für andere Gegenden sein, wo der Bodenertrag gering sei und zunächst noch keine Verbesserung des Anbaues erwartet werden könne. Daher müßte man für jede Gegend, ja vielleicht für einzelne Theile eines Amtsbezirkes, mit Zuziehung verständiger Landwirthe, das Minimum bestimmen, und das Garten- und Weinland, so wie die Gemarkungen der Städte von demselben ausnehmen; diese Ausmittelung sei ein mühsames Geschäft, und gleichwohl würden noch Fälle übrig bleiben, auf welche die gesetzliche Norm nicht passe, weil jemand außer der Bewirthschaftung der Ländereien noch andere Erwerbsquellen finde; es müßten daher, nach obrigkeitlichem Ermessen, auch Theilungen ucker dem Minimum gestattet werden; und die Aufstellung, desselben hätte daher nur die Bedeutung, daß bei einer Zerstückelung bis zu dessen Belauf keine besondere Erlaubniß eingeholt zu werden brauchte." Diesen Behauptungen liegt, wie ckan leicht einsehen wird, die Ansicht zu Grunde, daß die Zerstückelung der Güter bis zu dem Grade, daß sich eine Familie noth- dürstig darauf erhalten könne, als Ideal der Grundeigenthumstheilung angesehen werden müsse. Ein solcher Zustand, der die größte Ausdehnung der Bevölkerung in seinem Gefolge hat, muß aber gerade als der höchste Uebelstand angesehen werden. Wenn nemlich bei den einzelnen Grundbesitzungen alle vorkommenden Arbeiten von den Eigenthümern selbst verrichtet, und die letzten kaum hinreichend dadurch beschäftigt werden, so können diejenigen Bürger, denen ländlicher Grundbesitz fehlt, — und solche werden immer vorhanden sein, wie Betrachtung und Erfahrung lehren — keine Arbeit und folglich auch keinen Unterhalt vermittelst derselben finden. Gewahrt nun der Zustand der Städte ebenfalls keine Rettung für unbeschäftigte Arbeiter, indem die daselbst vorkommenden Beschäftigungen bereits von andern verrichtet werden, so muß Nothdurft, Mangel und Elend die Folge der unbegrenzten Theilbarkeit sein. Der Staat birgt ein Heer Unzufriedener in seinem Schooße, welche jederzeit bereit find, die öffentliche Ordnung zu stürzen, weil Verzweifelte nur gewinnen, nie verlieren können; die Zukunft öffnet dem Volke nur trübe Aussichten, und an feiner Wohlfahrt nagt eine Brüt hungernder Nattern. Wenn daher durch die Anordnung eines gesetzlichen Minimum's die äußerste Zerschlagung der Landgüter, und ihre Gleichheit in Bezug auf den Ertrag verhindert wird, fo daß es neben mehreren Gütern, welche nur eine und zwei Familien erhalten können, anch solche giebt, chie drei bis sechs, ja mehr Familien ernähren, so muß dieser Zustand als ein äußerst günstiger angesehn, keineswegs aber als ein ungünstiges Verhältniß des Grundbesitzthums betrachtet werden. Da es nemlich nicht zu vermeiden ist, daß Familien ländlicher Grundbesitzer einen Ueberschuß an Kräften hervorbringe», indem nicht alle Kinder auf dem Gute der Eltern untergebracht werden können, so werden diese bei den größern Gütern als Knechte und Taglöhner ein Unterkommen finden. Uebrigens läßt sich das gesetzliche Mini- mum viel näher, als es nothwendig ist, ausmitteln, wenn nur die Grundsteuer eines Staats auf gesetzlichen Abschätzungen des Bodenertrags beruht. Die ungleiche Größe der Güter ist innerhalb gewisser Grenzen der Entwickelung der Bildung günstiger als die Gleichheit, weil die Verschiedenheit des Vermögensbesitzes einer größern Mannigfaltigkeit von bürgerlichen Verhältnissen Raum giebt und Einzelnen eher erlaubt, etwas für wissenschaftliche Zwecke aufzuopfern. So wie die unbegrenzte Theilbarkeit der Grundbesitzuu- gen die Zunahme der Bevölkerung in gefährlichem Grade begünstigt, so wird ihr Wachsthum in den Städten durch die Gewerbfreiheit befördert. Die Einführung derselben äußerte an manchen Orten anfällglich ein eben so erfreuliches Gedeihen der Gewerbtreibenden wie die Anerkennung unbeschränkter Theilbarkeit ländlicher Besitzungen den Bauernstand im Anfange schnell zu ungewöhnlicher Blüthe hob. In der Folge stellten sich aber unerwartete Uebel ein; viele Unternehmer giengen im Strudel des freien Marktes unter, und ein Heer halbverkümmerter Handwerker nahm die Stelle wohlhabender Meister ein. Das Volk hatte den Vortheil, die Mittel zur Befriedigung seiner Bedürfnisse um etwas wohlfeiler zu erhalten, während sich diejenigen, welche sie erzeugten, in einer ungleich nachtheiligern Lage als früher befanden. Am Rheine haben sich bis heute nicht so nachtheilige Folgen der Gewerbefreiheit gezeigt, wovon die Ursache vielleicht in dem Umstände liegt, daß mit der Aufhebung der Zünfte und Innungen Zugleich alle übrige Verhältnisse umgefchassen wurden, und daß mit den dadurch vermehrten Erwerbsquellen die äußeren Verhältnisse feit jener Epoche stets günstiger für das Rheinland geworden sind. Wir wiederholen hier aber die früher geäußerte Bemerkung, daß mit dem heutigen günstigen Zustande der Rheinischen Gewerbe keineswegs ihr künftiges Gedeihen verbürgt ist. Welcher Ansicht man hinsichtlich der Zünfte und Innungen beitrete, mag man sich für ihre Erhaltung oder. ' Abschaffung erklären, so bleibt es gewiß, daß in der Unbe- schränktheit der Gewerbsreiheit ein wirksames Beförderungsmittel der Bevölkerung anzuerkennen fei. Die Besorgniß, die Volkszahl über die nützliche Grenze vervielfältigt zu sehen, wird folglich dadurch vermehrt, und die Aufforderung zur Beschränkung der Theilbarkeit ländlicher Grundbesitzungen bringender. Wir verhehlen uns nicht die Schwierigkeiten,' welche die Durchführung dieses Grundsatzes in dem Rhein- lande hat, glauben aber dennoch, daß künftig die Nützlichkeit und selbst die Nothwendigkeit davon gefühlt werden wird. Als Vorbereitungsmittel dazu sind folgende Punkte anzusehen: t. Die öffentliche Meinung mit dem Gegenstande vertraut zu machen, um sie für ihn zu gewinnen. Oeffent- liche Blätter leisten hiebei das Meiste; 2. Landständische Verhandlungen darüber zu veranlassen. Daß die begrenzte Theilbarkeit nicht für die lebende —- 185 -— sondern die künftige Generation'zum Gesetze werden könne, bedarf hier kaum erwähnt zu werden. Die Steuern in Nheinpreußen. Die Summe sämmtlicher landesherrlichen Steuern betragt für Nheinpreußen .. 9,382,687 Thaler. Davon betragen a) direkte Steuern . 4,055,846 d) indirekte Steuern 5,284,301 » c) Bergwerkssteuern 42,540 «) Grundsteuer. Das Principal der Grundsteuer beträgt 1,999,357 Thaler. Zulags-Centimen. . 426,222 - - Hebegebühren . . . - 97,106 - Summe 2,522,685 Thaler. d) Klassensteuer. Der Brutto - Betrag derselben ist . . 1,140,712 Thaler. e) Gewerbesteuer. Der Brutto «Betrag derselben ist. . . 392,449 Thaler. Die verschiedenen Zweige der indirekten Steuern (unter der Verwaltung der König!. Provinzial-Steuer-Direktion zu Köln) machen folgende Beträge aus: 1. Eingangs-Abgaben . . . . . 1,465,900 Thaler. 2. Ausgangs-Abgaben ..... 26,200 - 3. Durchgangs - Abgaben . ... 87,400 . 4. Branntwein-Steuer .... . 584,500 - 5. Braumalz-Steuer 234,500 2,398,500 Thaler. 186 2,398,500 135,000 11,200 '1'rausport 6. Weinmost-Steuer 7. Tabaks - Steuer 8. Mahl-Steuer (ausschließlich des Kommunal-Zuschlags) . 9. Schlacht-Steuer (ebenso) . . 10. Stempel - Steuer 469,900 11. Salzverbrauchs-Steuer . . . 1,204,359 12. Wasser-Zölle . 549,100 13. Barriere-Abgaben ..... 125,742 Summe -Haler. 202,500 188,000 Thaler. 5,284,301 5 Rhcinpreuffen's Ste uern im Jahr 1818. v. Restorff^) giebt den Gesammtbetrag der Steuern von Nheinpreußen im Jahr 18 l 8 folgendermaaßen an: An Grundsteuer ...... 1,731,932 Thlr. 5Sgr.8Pf. Zusatz-Centimen dazu . . Personal u. Mobiliar-Steuer Zusatz - Centimen dazu . . Thür - u. Fenster-Steuer . Zusatz-Centimen dazu ... Haus-Steuer auf d. rechten Rheinufer im Rgsb. Koblenz Patent- od. Gewerbe-Steuer Einregistrirung in Stempel Dazu kam das Salz-Monopol und die Zoll- u. Verbrauchs- Steuern a. d. Gesetz vom 26 Mai 1818 . . . . . . 692,496 »9-4 336,222 - 14 -5 128,857 --12 .'6 139,099 - 19 - 9 20,570 - 12 , 6 1,848 - — 234,701 - — 756,106 - — 409,818 » — 700,000 - — - — Summe der Abgaben 5,151,652 Rtlr. 2Sgr. 4Pf. ') Topographiftl> - Statistische Beschreibung der Königl. Preußischen Rheinprovinzen v. Fr. v. Restorff, S. 204. Sind die Angaben von Restorss richtig, so folgt daraus, daß seit 1818 das Einkommen des Staats in Rheinpreußen um die bedeutende Summe von 4,231,035 oder um nur ^ weniger als das ^Iterum tantum gestiegen ist. Sehr irrig Ware jedoch der aus dieser That« sache abgeleitete Schluß, daß der Druck der Abgaben in demselben Verhältnisse zugenommen habe. Mehrere der hinzugekommenen Steuern, z. V. die höheren Eingangsabgaben, so wie Branntweinsteuer, welche allein weit über 2 Millionen einbringen, würden, auch abgesehn von ihrem finanziellen Zwecke, wünschenswerth sein, da die erstem die vaterländische Hervorbringung befördern, und die Verzeh» rung ausländischer Erzeugnisse beschranken, die letztere aber hinsichtlich der Sittlichkeit des Volks höchst wohlthätige Folgen hat. Ein Theil der gedachten Abgaben wird von den Fremden entrichtet, namentlich werden außer einem Betrage an Eingangsabgaben, die Durchgangsabgaben, die Wasserzölle, die Barriereabgaben, die Ausgangsabgaben (zusammen — 788,442 Thaler) großentheils von den Aus-- ländern bezahlt. Man hüte sich aber den Finanzbestand der Periode von 1814—1818 mit jenem der frühern Französischen zu verwechseln. Zur Zeit der Französischen Herrschaft gab es 6rc»ils reunis, ein Tabaksmonopol und eine ungeheure Salzsteuer, so daß der Gesammtbetrag der Steuern höher war als gegenwärtig. Wem es auffallend erscheint, daß mittelst der vereinigten Rechte, der höhern Salzsteuer und des Tabaksmonopols weit mehr als vier Millionen zur Zeit der Fremdherrschaft aufgebracht worden sei, - den machen wir auf den Unterschied zwischen dem Ertrage der niedrigern Salzsteuer der Periode 1814—1818 und der heutigen aufmerksam, welcher Unterschied mehr als eine halbe Million ausmacht, wofern die Resiorff'fchc Angabe zuverläßig ist. Das finanzielle Maximum wird bei der Abgabe vom Salze— weil es jedermann unentbehrlich ist — beinahe durch das Maximum der möglichen Vesteurung erreicht — freilich nicht ohne volkswirthschaftliche Nachtheile. Aus einer Vergleichung der Grundsteuer der Finanzperiode von 1814—1818 und von der letzten Französischen, welche beide Perioden in dieser Hinsicht gleich sind, mit der, heutigen, ergiebt sich, daß die Grundsteuer im engeren Sinne des Worts zu jener Zeit unbedeutend ge- , ringer gewesen sei, als gegenwärtig, indem sie damals mit Zusatz-Centimen 2,424,428 Thlr. betrug, während sie heute 2,425,579 Thlr. (ohne Hebegebühren) beträgt. Rechnet man aber die Thür- und Fenstersteuern sammt ihren Zusatz-Centimen — 159,670 Thlr. dazu, so erscheint sie nur um den letztern Betrag für die damalige Zeit höher, oder — 2,584,098 Thlr., also um 61,413 Thlr. höher - als gegenwärtig. Ob die Hebegebühren bei Restorff's Angabe mit hinzu gerechnet feien, ist von ihm nicht näher bemerkt. Ist letzteres nicht der Fall, so stellt sich die Sache zu Guw sten der heutigen Grundsteuer in Rheinpreußen noch vor- theilhafter heraus. Die indirekten Französischen Steuern, namentlich die vereinigten Rechte («lroks reuuis) waren äußerst verhaßt. Die Abgabe vom Salze war so hoch, daß die dürftigen Bewohner einiger Ortschaften in der Eiftl zuweilen auf seinen Gebrauch gänzlich verzichten mußten, so daß deshalb viele von ihnen erkrankten. Vertheilt man den Gesammtbetrag aller Steuern 9/382,687 Thlr. auf die Bevölkerung von 1828, so kom-' men auf den Kopf, da die letztere — 2,172,545 war, 4,,, Thlr. oder nahe 4 Thlr. 9 Sgr. Dabei sind die Einkünfte aus Domainen und Forsten, der Lotterie u. f. w. fo wie die Postgesälle nicht mit eingerechnet. Nach v. Nestor ff betragen die Domainen-und Forst-Einkünfte im Regicrungs-Bezirk von Düsseldorf 164,000 Thlr., von Aachen 42,000 Thlr., von Trier 81,000 Thlr.; die vom Negierungs - Bezirk Koblenz hat er nicht beigebracht. Es laßt sich aus diesen und andern Gründen keine Ver- gleichung mit dem Gestimmt-Steuerbetrag des Königreichs aufstellen/ Folgende. Betrachtung verdient aber vielleicht näher erwogen zu werden. Es ist höchst wahrscheinlich, *) daß die gegenwärtigen Steuern von Rheinpreußen ohngefähr denselben Ertrag liefern, welchen die Abgaben unter der Fremdherrfchaft einbrachten; damals war die Bevölkerung des Französischen Reichs um 10—11 Millionen größer als heutzutage. Das gestimmte Staatseinkommen war nach dem Bericht des Französischen Finanzininistcrs vom 30. April 18 l.1 —972,000,000 Fres. Würden die Franzosen den letztern Betrag hente entrichten, so würden die Einzelnen- ohngefähr z mehr als zur Zeit des Kaiferthums bezahlen; um eben soviel mehr würden sie entrichten als die Bewohner von Rhein- ') Den Beweis ersehe man in dem folgendem aus der Preußischen Staats-Zeltung abgedruckten Aufsätze. preußen. Die Französische Staatscinnahme hat aber bedeutend zugenommen. Im Jahr 1828 betrug sie 1,037,104,494 Fres. . . 29 » . 1,029,315,975 , . . 30 « - 979,352,224 . In der Sitzung vom 11. Febr. d. I. legte Lafitte das Budget des Staats vor. Die regelmäßige Einnahme betrug 971,101,894 Frcs. Die Ausgabe war 955,377,335 - Folglich Ueberschuß 15,724,559 Frcs. Dagegen war das außerordentliche Budget — 219,773,700 Frcs., folglich das Gesammteinkommen des Staats — 1,190,875,594 Frcs. Die Franzosen würden folglich beinahe ^ der früheren Steuereinrichtung an erhöhten Abgaben mehr entrichten, wenn die Bürger von Frankreich noch eben so zahlreich wie zur Zeit des Kaiserthums wären. Da ihre Zahl aber ohn- gefähr um -z der damaligen Bevölkerung und ^ der heutigen geringer ist, so zahlen die Einzelnen offenbar 1 von dem, was sie früher entrichteten, und von dem, was verhältnißmäßig die Nheinpreußen heute zahlen. Wir haben hier, wenn nicht ein ganz genaues, doch ein zuverläßiges Verhältniß der Französischen und der Rheinpreußischen numerischen Steuermasse. Andere Zahlenvergleichnngen sind darum minder zuverläßig, weil zwar die in Rheinpreußen aus Steuern entspringende, nicht aber die aus den sämmtlichen übrigen Staats - Einkommen - Quellen hergeleitete Staatseinnahme bekannt ist. Zur nähern Vergleichung der früheren Französischen Vestcurung mit dcr heutigen führen wir folgenden, aus der Allgemeinen Preußischen Staats-Zeitung v. 19. Jan. d. I. entlehnten, Aufsatz an. In dcr ersten und zweiten Nummer der diesjährigen Staats-Zeitung findet sich ein vom Rhein eingesandter Aufsatz abgedruckt, in welchem unter Anderem eingeräumt wird: daß zwar die Steuern in der Preußischen Rheinprovinz jetzt höher seien, als unter der Herrschaft Napoleons, daß es aber für das Wohl der Einwohner nicht hierauf, sondern auf die gerechte und wohlthätige Verwendung der Steuern ankomme. In letzterer Beziehung enthält jener Aufsatz mehrere Daten zur Vergleichung der Vergangenheit mit der Gegenwart, welche zu Gunsten der letztern sprechen. Dagegen wird die Angabe der thatsachlichen Verhältnisse, aus welchen die eingeräumte, jetzt höhere Steuerbelastung zu erkennen oder zu folgern sei, gänzlich vermißt. Wir glauben daher, den Verfasser des Aufsatzes (dessen wohlgemeinte Absicht darum keineswegs verkannt werden mag) und Anderen unserer Mitbürger am Rheine einen Dienst zu erweisen, indem wir zur nähern Prüfung jener Angabe auf ein bereits im Jahre 1823 erschienenes Werkchen. „Der Regierungsbezirk Aachen in seinen administrativen Verhältnissen während der Jahre 1816—1822" hinweisen. In dieser Schrift, deren Verfasser aus amtlichen und zuverlässigen Quellen zu schöpfen Gelegenheit Hatte, wird Seite 224—227 im Einzelnen nachgewiesen, daß die Brutto-Erträge an Steuern des Rechnungsjahres 1813 im Umfange des jetzigen Regierungsbezirks Aachen sich beliefen auf 1,552,210 Rthlr. wahrend die (ebenfalls im Brutto berechneten) Steuer »Ertrage desselben Regierungsbezirks im Jahr 1822 nur auf 1,228,706 Rthlr.' ansteigen. Da nuN, bei der Gleichförmigkeit sowohl des damaligen als des jetzigen Steuersystems, der Schluß von einem Theile auf das Ganze wohl zulassig; da ferner feit dem Jahre 1822 eine Erhöhung der Steuern in der Rhein» provinz nicht, sondern gegentheils einige Ermäßigung an der Klassen-, Gewerbe-, Wein- und Tabaks-Steuer eingetreten ist: so -würde sich aus obigen Zahlen der Erweis herausstellen, daß die dermalige Besteurung der Preußischen Rheinprovinz, so weit sie früherhin dem Französischen Kaiser- thume angehörte, um etwas mehr als ^ geringer sei, als in den letzten Jahren der Napoleonischen Herrschaft. Man sollte meinen, daß. dieses Resultat einem jeden bewußt sein könne, welchem das Vormals und Jetzt der Steuereinrichtungen am Rhein, auch nur aus eigener Betheiligung und ohne auf Vergleichung größerer Zahlener. gebnisse zurückzugehen, bekannt ist. Die Grundsteuer ist seit dcm Jahre 1813 in ihrem Hauptertrage fast unverändert geblieben und nur auf Berichtigung der Einzclnvcrtheilung durch die Fortsetzung des Kataster-Werks hingewirkt. Die Klassen-Steuer, nebst der Mahl« und Schlacht- Steuer, als ihrem Surrogat in den größern Städten, und die Gewerbe-Steuer liefern einen etwas höhern Ertrag, als Hie, statt ihrer, frühes- erhobenen Personal- und Mobiliar-, Thür- und Fenster- und Patent-Steuern. Dagegen sind unsere unsere dermaligen indirekten Steuern, um ein sehr Bedeu? tendes geringer, als die Erträge der Französischen Douanen und vereinigten Rechte (»lroks v^unls — jetzt conirllm- Ilons inclireetes); und wie schwer letztere, unter ihnen besonders die Getränksteuern, auf dem Verkehr der minder wohlhabenden Volksklassen gelastet haben, ergiebt sich aus der allgemeinen Aufregung, welche in Frankreich jetzt gegen diese Abgabe herrscht, und aus den — zur Zeit erfolglosen — Versuchen, sie durch andere Steuern zu ersetzen. Das Französische Tabacks-Monopol ist seit der Preußischen Besitznahme ganz aufgehoben. Das Preußische Salz-Monopol liefert den Gegenstand des Monopols zu einem Preise, welcher noch nicht der zu Französischer Zeit auf dieß Bedürfniß gelegten Steuer gleichkommt. Die Preußische Stempel-Steuer ist mäßiger, als die Französische Einregistrirungs- und Stempelabgabe. Letztere betrug z. B. bei Eigenthumsveränderungen von Immobilien 4 pCt. vom Werth (die sogenannte sukven^on äe Fuerre eingerechnet), während nach dem Preußischen Stem- pclgesetz nur Ein pCt. entrichtet wird. Erbschaftsstempel wird von den an die Kinder oder Eltern oder an die hint^r- bleibende Wittwe des Erblassers gelangenden Erbanfällen gar nicht entrichtet, so daß also bei uns diese Steuer das Prädikat einer Abgabe auf die Thränen der Hinterbliebenen, welches noch vorlängst in der Französischen Deputirten- kammer dem hierin einschlagenden Theile des Enregistre- ments beigelegt wurde, nicht verdient. Mancherlei sogenannte Vorerhebungen auf die Gemeinden (xreleveinents) endlich, welche nach Französischer t3 —' 194 -— Steuerverfassung für verschiedene Verwaltungszwecke zu den Staatskassen flössen, sind seit der Preußischen Besitznahme aufgehoben. Wenn nun dessen ungeachtet in einem Aufsatze, dessen achtbarer Zweck sich nicht verkennen läßt,, die dermalige höhere Belastung, in Vergleich gegen- jene frühere Zeit, gewissermaaßen als eine notorische, keines weitem Erweises bedürftige Wahrheit hingestellt und eingeräumt wird, so glauben wir, den Grund jenes Irrthums (nächst der allgemeinen Wahrnehmung, daß wenigstens in Steuersachen man sich früherer Vortheile lebhafter und länger zu erinnern pflegt, als der sie begleitenden Nachtheile) hauptsächlich darin suchen zu müssen, daß: j. unsere dermaligen direkten Steuern, wie oben eingeräumt, wirklich etwas höher sind, als die gleichartigen . Französischen, und sich dies aus dem Standpunkte des einzelnen Steuerzahlers vollständiger übersehen läßt, als es bei dem Antheil des Einzelnen an den indirekten Steuern möglich ist, ohne baß darin die Höhe der letztern für minder wesentlich auf den Wohlstand aller Volksklassen einwirkend angesehn werden möchte; ja hierauf, wegen der höhern Administrationskosten, die von den Steuerpflichtigen mitaufgebracht werden müssen, sowohl, als wegen der Behufs ihrer Erhebung nothwendigen Kontrol-Maaßregeln, wesentlicher noch einwirkt, als die erstere Steuergattung. Sodann aber 2. scheinen in jenem Aufsatze die für den allgemeinen Staatshaushalt, einschließlich der Provinzial- und Kreiskosten, aufkommenden Steuern mit den "Gemeindeab- gaben zusammengeworfen oder verwechselt zu sein. Jene letzter» Abgaben können jetzt allerdings in mehreren Gemeinden höher stehen, als zur frühern Französischen Zeit, ja es kann der Fall vorkommen, daß in einer und der andern Gemeinde, wo zufällig in einem oder in einigen aufeinander folgenden Jahren, mehrere aus früherer Zeit versäumten Obliegenheiten nachzuholen oder vernachläßigte Bedürfnisse zu berücksichtigen waren/ die mehrere Höhe der Aufbringung zu Gemeinzwecken selbst der Minderbetrag der Staatssteuern auf oder überwogen- habe. Die Zwecke, für welche jene Leistungen verwendet werden, sind in dem mehrgedachten Aufsatze angedeutet, und es ist erfreulich, wahrzunehmen, daß ihre hohe jetzt mehr als früher beachtete Wichtigkeit für das Wohl der Gemeinden auch von denen nicht verkannt wird, deren Kräfte für die Erfüllung jener Zwecke in Anspruch genommen werden. Eben darum aber läßt sich hierunter eine allgemeine, die ganze Provinz umfassende Äergleichung des Vormals und Jetzt nicht wohl durchführen, indem die Höhe der Kommunalabgaben für jede Gemeinde verschieden ist, sich nach den Vorschlägen der Gcmcindevertreter (Municipal-Räthe) richtet, und die Mitwirkung der Regierung hierbei sich mehr in prüfender, genehmigender und leitender Weife (letzteres insbesondere, wo es auf die Art der Aufbringung ankommt) ausfpricht, eigentlich anordnend aber nur da eintreten kann, wo es sich um Erfüllung wirklicher Verbindlichkeiten der Gemeinden handelt; und daß auch in letzterer Beziehung die an die Gemeindekassen gemachten Ansprüche der Art nach sich seit dem Jahre 1313 nicht ver- 13* mehrt haben, würde sich ebenfalls im Einzelnen nachweisen lassen. In demselben Aufsatze findet sich noch eine andere statistische Vergleichung, welche ebenfalls, obwohl hier im entgegengesetzten Sinne als die eben beleuchtete, einer Berichtigung bedarf. Die Steuern des jetzigen Frankreichs sollen nemlich 28^ Francs, in der Preußischen Monarchie dagegen 15^ Francs auf den Kopf der Bevölkerung betragen. Leider ist aber hierbei — auf die Autorität eines für diesen Zweck nicht ausreichenden Gewährsmanns — das Französische Budget ohne Weiteres mit dem Preußischen verglichen, obschon ersteres von der Brutto-Einnahme, letzteres hingegen nur von dem zu den eigentlichen Staats- haushalts-Ausgaben verbleibenden Reinertrag an Steuern ausgeht. Die Vergleichung ist also beziehungsweise gegen Frankreich zu günstig für Preußen, und dennoch sind die 45^ Francs, wenn sie als Reinertrag an Steuern für jedes Individuum in Preußen angefehn werden sollen, wiederum zu hoch, weil unter der Gesammtsumme der Preußischen Staatseinkünfte, welche hier zur Division gezogen sind, etwa ^ aus den Domänen, Forsten und Bergwerken herrührt — wie man sich dessen aus den: zuletzt bekannt gemachten Staatshaushalts-Etat für das Jahr 1829 des Näheren überzeugen kann. Ermittelungen und Vergleichungen dieser Art gehören zu! den schwierigsten Aufgaben der Finanz-Statistik, zu deren Lösung, fchon Behufs der Richtigstellung der miteinander zu vergleichenden Zahlen, eine sehr genaue Kenntniß der gegenseitigen Steuereinrichtungen nicht nur, sondern auch der gesammten Verwaltungssysteme der einzelnen Staaten erforderlich ist» und womit am Ende zur Begründung eines sichern Urtheils über das Wohlbefinden der Einwohner in dem einen gegen den andern Staat, doch nur wenig gewonnen wird. Denn jederzeit wird es ein sehr gewagter Schluß bleiben, wenn aus der numerischen Höhe der Ausgaben auf den mehr oder mindern Druck, welchen der Pflichtige beim Abtrag seiner Schuld empfindet, gefolgert werden soll. Die richtigere oder unrichtigere Vcrtheilung der Abgaben auf die Einzelnen, welche sie entrichten sollen, die Erleichterungen, welche bei dem Abtrage derselben dahin gewährt werden, daß- letztere dem Pflichtigen fast unmerklich wird, oder im entgegengesetzten Sinne die Erschwerungen, welche bewirken, daß der eigentliche Beitrag zu den Staatskosten sich durch Verust von Zeit und Kraft beim Zahlungsakh oder bei den ijm vorangehenden Formalitäten erhöht und verdoppelt, ewlich der durch die Erhebungs- und Beauft sichtigungsart der Steuer wesentlich bedingte Spielraum, welcher den Pfichtigen zur freien Anwendung ihrer produktiven Kräfte uid industriellen Thätigkeit verstattet oder beschränkt wird; das Alles sind nur einige der in den Steuereinrichtungen selbst liegenden Momente, welche viel wesentlicher aus die Lösung des großen Problems über wirkliche oder vermeintliche Steuer-Ueberbürdung, und auf die Beurtheilung des zwischen Kraft und Last stattfindenden Verhältnisses einyirken, als die Begleichung der nackten Zahlen-Resultate und die Berechnung der letztern auf die vorhandene Kopfzahl, oder gar auf die zum Staatsgebiet gehörigen Quadratmeilen. » ^ i l " 198 -— Wir glauben Ms der Zustimmung der Verstandigern versichert halten zu können, wenn wir auch in Bezug auf M eben angedeuteten Momente, für das Preußische Steuer- Wem das Anerkenntnis;/ nicht einer schon erreichten Vollkommenheit, wohl aber eines regen und besonnenen Fort- schreitens zum Bessern, in Anspruch nehmen. Wenn wir itt dem Verfasser des vorstehenden Aufsatzes einen gründlichen Staatswirth anerkennen müssen, so dürfen wir eine in demselben enthaltene Ansicht nicht ungerügt lassen. Es ist allerdings ein gewagter Schluß, wenn aus der numerischen Höhe der Abgaben auf den gwßern oder geringern Druck, welchen der Pflichtige beim Abtrag seiner Schuld empfindet, gefolgert werden soll, jedoch nicht der Umstände halber, welche in dem vorstehenden Aufsatze angeführt werden. Jede aufgeklärte Negierung wird die vortheilhafteste Einrichtung derselben — da drse nicht mehr kostet als die schlechtere — herbeizuführen suchen, und zuletzt bleibt es zweifelhaft, welcher Staat die beste Steuerverfassung besitze. Ganz andere Momente, ,ls die angegebenen, machen vielmehr die Vergleichimg )er Zahlenergeb- msse, als Maaßstab des Steuerdrucks, unzuverlässig/ hauptsächlich 1) der ungleiche Preis des Geldes in verschiedenen Ländern — er hängt zusammen mit der Große des Verkehrs, der Bevölkerung, der Manufakturindustrie u. f. w. und 2) der ungleiche Theil, welchen die Fremden odel- Ausländer zu den Steuern eines Landes beitragen. Nur nach der Ausmittelung einer Menge wichtiger Verhältnisse zur Bestimmung der ge- ' 199 -— dachten Umstände läßtsich der ohngesahre Druck verschiedener Steuerverfassungen erfolgern. Wenn man vom Köpfe in Baiern etwa 24 Gulden, wie in England, erheben wollte, so wäre die Ausführung eines solchen Vorsatzes sogar physisch unmöglich! Niemals wird man aber bei der sorgfältigsten Erfüllung aller zur Sprache kommenden Erfbrdernisse ein vollkommen genaues Ergebniß über das Verhästniß zwischen Kraft und Last der Steuerpflichtigen verschiedener Staates herbeiführen können, weil nemkch die genaue Bestimmung mancher einflußreichen Umstände z. V. des Umfangs der Erwerbsquellen, nicht Möglich ist. - ^ Berichtigungen. Seite 25 heißt es zuletzt irrig: die Gemeindewaldun« gen waren der Leitung und Aufsicht des Staats unter« worfen, welches bei unserer heutigen Verwaltung nicht mehr der Fall ist. Dieser Gegenstand ist dahin zu berichtigen, daß seit 1816 die vormundschaftliche Einwirkung des Staats auf die Gemeindewaldungen in der Art gemildert ist, daß der erstere Gemeinde-Forstbeamten nicht gleich seinen eigenen unmittelbar anstellt, sondern deren Anstellung, nachdem sie von den Gemeinden vorgeschlagen worden sind, genehmigt. Seite 62 statt: es wurden an Wein erbaut, lies, es waren mit Wein bestellt. 200 Zur Seite 80, Zeile 4, ist zu bemerke»/ daß bereits eine önologische Gesellschaft im RHMlapd^wie der Verf. . vor Kurzem erfahren hat, besteht. . Seite 90 muß es heißen, statt, katastrirt, nicht ka> tastrirt. / - i ^ ^ ^ Seite 0,1 heißt es, der Reinertrag vom ganzen Grund- cigenthum ist 10,ßK8,700Thlr. — AusdcnBeitr. z'. Etat, d. Pr. R. L. (Aachen 1829) ist nicht zu. ersehen, daß die vorsiehende Summe nur den Reinertrag deß katastrirten Grundeigenthums bilde, wie solches die StaatHeitung vom 14. Dec. 1829 in ihre» Beilage «Webt; hiernach würde der Morgen des katastrirten Grundeigenthums beinahe 1? Thaler ertragen. Seite 160, Zeile 24, muß es statt 17:12 heißen 20:12 — 5.3. Seite 190, Zeile 20, statt ^ lies Hinsichtlich der Druckfehler, welche sich in diefer Schrift finden, wird in Beträcht der Eile, womit dieselbe wegen der schleunigen Abreise des Verfassers gedruckt worden ist, des Lesers Nachsicht in Anspruch genommen. .S?s,c>tS«»6 ZsNUNl. ! 'ÄttUMto« )>s NÄZii'/i Gedruckt bei Tpotvitzsä) und Sohn.