Offener Brief eines rheinischen Bauern an seine Nachbarn. Wen sollen wir wählen? Wen wollen wir wählen, fragt Einer den Andern, und Wen wollen wir wählen, fragt der Andere den Einen, und der Eine räth hin, und der Andere räth her, und der Eine will har, der Andere will hott, und mit all dem Har-Üh-Hott weiß doch Keiner die Kaar aus dem Loch zu bringen. „Wen wollen wir wählen," habt ihr auch mich gefragt, und „Wen wollen wir wählen" hab ich Euch wieder gefragt, und ich hab nicht Bescheid gewußt, und Ihr habt es auch nicht gewußt. Aber jetzt hab ich es mir beschlafen und hab es mir dreimal überlegt und will es Euch sagen, wen wir wählen wollen. Einen unsers Gleichen wollen wir wählen und doch Einen, der noch etwas mehr ist als wir, Einen, der Haus und Hof und Küh und Pferde und schöne Aecker und Weinberge hat, und keine Schulden darauf und etwas vor sich bringt, und Morgens früh aufsteht und seine Knechte und Mägde in Ordnung hält, und wohl auch selbst hinterm Pfluge geht, und keine krumme Furche zieht, einen rechten deftigen Landwirth wollen wir wählen, der von der Pike auf gedient hat, und weiß wo Barthelden Most hott, und wo uns Bauern der Schuh drückt, Einen, der nicht gerne noch mehr Steuern bezahlt, aber auch keine Steuern verweigert, weil er weiß, daß das kein Gut thut, und nur Lumpen dazu rathen, die vielleicht gar nichts zu versteuern haben. Wenn wir so Einen wählen, dann haben wir Einen unsers Gleichen gewählt; wir wollen aber Einen wählen, der unsers Gleichen ist und doch uoch etwas mehr als wir, weil er länger und besser gewirthschaftet, und es weiter gebracht hat als wir alle zusammen und auch einen Hahnenschrei weiter sieht, als Unser eins; Einen der nicht blos sei- nem Haus vorzustehen weiß, sondern auch allenfalls eine Gemeinde verwalten könnte, wenn er auch weder Schöffe noch Bürgermeister gewesen ist, denn wer nicht wenigstens eine Gemeinde verwalten könnte, was will der von Staats- sachcn verstehen? Freilich, schwatzen kann darüber ein Jeder und Die tadeln, die daS Heft in der Hand haben; wenn es aber ans Besser machen geht, daß es heißt, nun regiere du einmal, und laß schauen, was du kannst, dann stehen die Ochsen am Berge, wie wir denn leider die Beispiele davon erlebt haben. Wenn Ihr so Einen wählt, dann gilt es gleich, ob er rechts oder links ist, ob er Hott oder Haar ruft, denn so Einer wird schon zur rechten Zeit Üh! sagen, wenn er sieht, daß die Kaar in den Dreck geräth. Am besten istS freilich, wenn er grad aus fährt, und das schnurstracks, daß er weder Hott noch Har braucht, denn es taugt alles beides nicht. Hott soll man nur rufen, wenn es zuviel Har geht, und Har nur, wenn es zu viel Hott gegangen ist. Das ist eben das Unglück, daß sie lauter schlechte Fuhrleute wählen, die nicht gradaus fahren können, sondern immer Hott oder Har wollen, zu beiden Seiten in die Löcher hinein. Das wird all sein Lebtage tnn Gut thun, und hat auch diesmal kein Gut gethan, und viele meinen, die Kaar sei schon verfahren, und es werde Vorspann brauchen, um sie wieder ins ebene Gleis zn bringen. Wer aber den Vorspann bezahlen müßte, das sind wir, denn wir sollen am Ende doch immer den Sack läppen! Darum wird es gut sein, wenn ihr einen stämmigen handfesten Mann wählt, der im Nothfall selber mit Hand ans Werk legt und einen tüchtigen Ruck thun kann. Und Haare auf den Zähnen muß Einer haben, und muß auch einem die Zähne weisen können, wenns drauf ankömmt, denn mit Leuten, die sich ins Bockshorn jagen lassen und durch die Abtritte kriechen, wie man Beispiele hat von Exempeln, mit solchen Helden ist uns schlecht gedient. Was Euch die aus der Stadt vorschwatzen, die sich Demokraten nennen und aufs Land predigen gehen, wo sie doch Niemand zu predigen bestellt hat, das hält nicht Stich, wenn Ihrs beim Licht beseht, und es wundert mich nichts mehr als wenn gescheidte Leute solche Narren sind, sich von ihren Redensarten die Köpfe verdrehen zu lassen. Sie sollten doch erst zusehen, was das für Kameraden sind, und was sie im Schilde führen, d. h. was sie eigentlich mit uns vorhaben. Was es für Kameraden sind, das hab ich balv weggehabt; denn ich kenne den Vogel an den Federn. Respektspersonen, die zu Haus in Ansehen, Ehren und Würden stehen, sind keine drunter. Der Eine ist laput, der Andere ist bankerut, der Dritte ist versoffen, der Vierte ist verloffen. An durchgefallenen Kandidaten, verabschiedeten Kom- mis, vacirenden Kellnern und verwunschenen Schneidergesellen ist auch keine Theurung. Auch sind einige junge Schnauber darunter, die sich gerne wichtig machen, Studenten, die sich im Reden üben wollen, hier uud da halten sich auch ei.nge junge Aerzte zu ihnen, die keine Patienten haben, aber vollauf zu thun bekämen, wenn es Mord und Todtschlag gäbe. Die Studenten will ich ausnehmen, die mögen noch einige Mutterpsenm'ge halxn; aber der Andern könnt ihr ein Dutzend auf den Kopf stellen, und wenn so viel herausfällt, als unser einem in den Räthen sitzt, so will ich gleich selbst unter die Demokraten gehen. Die Studenten nehme ich noch einmal aus, denen steht die ganze Welt noch offen, in die sie jetzt nur gekickt haben, und wenn das Ci nicht klüger sein wollte als die Henne, so wäre wenig gegen sie einzuwenden. Die Andern sind meist mit Gott und der Welt zerfallen, und weil die Welt von ihnen nichts wissen will, möchten sie das Oberste zu unterst kehren. Bei einigen ist es auch nur Arbeitsscheu, und doch gerade sind sie keine Faulenzer, denn wenn sie auch Morgens nicht aus dem Bette können, so sind sie dafür bis tief in die Nacht in der Schenke thätig, das Wohl des Volks zu berathen. Davon muß der Sternewirth zu F. Wind gehabt haben, denn als er gefragt wurde, ob er auch ein Demokrat sei, gab er zur Antwort: Nein, ich nicht, aber mein Ochse, denn er mag gern essen und^nicht arbeiten. Diese Leute reden sich öffentlich Bürger an, und hassen doch nichts mehr als den Bürgerstand, dem si« gern abnehmen möchten, was er sich redlich verdient hat. Dazu sollen wir ihnen behülflich sein, und Leute ihres Schlags in die Kammern schicken, damit sie den König absetzen und Raub und Mord zum Gesetz erheben. Da wären wir aber rechte Narren, wenn wir ihnen die Kastanien aus der Asche langten und uns dabei die Finger verbrennten; denn wenn sie erst mit den Bürgern fertig wären, dann ginge es über uns Bauern her, die es doch immer zuletzt ausbädeN müssen. Was predigen eigentlich diese falschen Propheten? Sie predigen die Republik, erst die himmelblaue, wenn sie euch fangen wollen, die rothe, wenn Ihr schon in ihren Netzen zappelt. Die Republik, sagen sie, ist die wohlfeilste Regierungsform. Da braucht ihr nicht so viel Steuern zu zahlen, weil Ihr den König und alle seine Hofschranzen nicht unterhalten müßt. Das haben sie ihnen in Frankreich geglaubt und den König weggejagt; aber was gäben sie jetzt darum, wenn sie ihn wieder hätten! Sie wollen die sechs Millionen sparen, die der Hof und der König kosteten, aber nun kömmt es heraus, daß die Republik in dem einen noch nicht vollen Jahre sechshundert Millionen mehr gekostet hat, als die konstitutionelle Monarchie. Und das wird nun auf Grund und Boden geschlagen und die armen Bauern müssen es aufbringen. Darum haben sie jetzt auch alle wie Ein Mann für den Louis Napoleon gestimmt, damit sie nur wieder eine Art von König kriegen, und die tolle republikanische Wirthschaft los werden, die sie zu Grunde richtet. Was hätte es erst gegeben, wenn der Cavaignac nicht gewesen wäre, der sie vor der rothen Republik «nd dem Communismus behütet hat! Wißt Ihr, was das ist, die rothe Republik? Die rothe Republik ist die Herrschaft des Lumpengesindels, das ungestraft sengen, brennen und stehlen darf. Und wißt Ihr, was das ist, Communismus? Da wird Euch genommen, was ihr habt, und Einem soviel gegeben, als dem Andern. Dem Faulen so viel als dem Fleißigen, dem Mäßigen soviel als dem Säufer und dem Schlemmer, und nach weniger Zeit wird auf's Neue getheilt, und was der Fleißige auf den Haufen gebracht, der Mäßige erspart hat, das nimmt man ihm ab, und gibt eS dem Faulen, dem Säufer und dem Schlemmer, damit sie auch das noch verwahrlosen nnd durch die Gurgel jagen. Und wenn das Theilen eine Weile so fortgedauert hat, dann ist Alles verjuckt und verjubelt und Nichts mehr übrig als allgemeines, Hülfloses Elend. Es leben jetzt in Rheinpreußen 4 bis 5000 Menschen auf der Ouadratmeile; bei einer communistischen Wirthschaft könnten sich noch nicht 100 Menschen darauf das Leben fristen; die Andern müßten Alle todt geschlagen werden. Und das würde auch nicht ausbleiben, denn Niemand läßt sich gerne das Seine nehmen. Wer nun Lust hat, sich todt schlagen zu lassen, oder seine Brüder todt zu schlagen, der gehe hin und stimme, wie ihm die Demokraten rathen. Die Vernünftigen unter Euch werden aber das nicht wollen, sondern einen tüchtigen erfahrenen Landwirth wählen, der fest im Sattel sitzt, und auch gerne drin sitzen bliebe. Und wenn sie den nicht haben können, weil keiner Lust hat, Haus und Hof im Stich zu lassen, und sich mit den Berliner Bummlern herumzuschlagen, so werden sie einen wackern Geschäftsmann wählen, der die Bedürfnisse des Staats und der Gemeinde kennt, und alle Räder der Staatsmaschine wie wir unsern Pflug und weiß, wo es hapert und wo nachgeholfen werden muß, damit sie wieder in den Gang kommt. Wer aber von sieben demokratischen Teufeln besessen ist oder gar den Communismus im Leibe hat und die rothe Republik, dem werden sie ihre Stimmen nicht geben, er sei auch wer er wolle, und wenn er noch so schön spräche. Denn die Schönrednerei ist vom Uebel, und die vielen Reden haben dem Staat schon schweres Geld gekostet. Einen einsichtigen, festen, unerschrockenen Mann müssen wir haben, der weiß, was er will und sich nicht irre machen und in die Tasche stecken läßt, einen Mann, der für mäßige und gleichmäßige Besteuerung ist, aber auch weiß, was der Staat zu seiner Erhaltung bedarf, einen Mann, der dem Volke gibt, was des Volkes ist, und dem König, was des Königs ist; einen Mann, der Ja! sagen kann, wo es das gemeine Beste gilt, und Nein! sagen, wenn sie über die Stränge hauen wollen, kurz einen Mann, der für die Ordnung und die rechte Freiheit stimmt. Die rechte Freiheit ist aber die gesetzliche Freiheit, die sich mit der Ordnung verträgt und bei der Bürger und Bauern bestehen können, und noch etwas für die Armuth übrig behalten. Einen solchen Mann wollen wir wählen. Druck von I. Hildtnbrandt m Eoblenz. und wenn das Ei nicht klüger sein wollte als die Henne, so wäre wenig gegen sie einzuwenden. Die Andern sind meist mit Gott und der Welt zerfallen, und weil die Welt von ihnen nichts wissen will, möchten sie das Oberste zu unterst kehren. Bei einigen ist es auch nur Arbeitsscheu, und doch Morgens nicht aus dem Bette können, ^ Volks zu berathen. Davon muß der <^ ein Demokrat sei, gab er zur Antwort: Diese Leute reden sich öffentlich ^ abnehmen möchten, was er sich redlich lZ die Kammern schicken, damit sie den K rechte Narren, wenn wir ihnen die Käst sie erst mit den Bürgern fertig wären, l Was predigen eigentlich diese fa sie euch fangen wollen, die rothe, y wohlfeilste Regierungsform. Da brq seine Hofschranzen nicht unterhalten Das haben sie ihnen in Frankreich ihn wieder hätten! Sie wollen die sech aus, daß die Republik in dem einen no tionelle Monarchie. Und das wird nun Darum haben sie jetzt auch alle der eine Art von König kriegen, un tet. Was hätte es erst gegeben, we «nd dem Communismus behütet hat Wißt Ihr, was das ist, die ro das ungestraft sengen, brennen und genommen, was ihr habt, und EineM gen, dem Mäßigen soviel als dem M theilt, und was der Fleißige auf der^ gibt eS dem Faulen, dem Säufer u Gurgel jagen. Und wenn das Thei und Nichts mehr übrig als allgemein Es leben jetzt in RheinpreußenM Wirthschaft könnten sich noch nicht il! schlagen werden. Und das würde Wer nun Lust hat, sich todt schlage^ wie ihm die Demokraten rathen. Die Vernünftigen unter Euch wählen, der fest im Sattel sitzt, weil keiner Lust hat, Haus und Hol gen, so werden sie einen wackern « kennt, und alle Räder der Staatsma werden muß, damit sie wieder in de Wer aber von sieben demokrati rothe Republik, dem werden sie ihre spräche. Denn die Schönrednerei ist vi^ Einen einsichtigen, festen, uner irre machen und in die Tasche stecken auch weiß, was der Staat zu sein kes ist, und dem König, was des Ki und Nein! sagen, wenn sie über sie keine Faulenzer, denn wenn sie auch ht in der Schenke thätig, das Wohl des denn als er gefragt wurde, ob er auch nn er mag gern essen und^nicht arbeiten. ehr als den Bürgerstand, dem si« gern hülflich sein, und Leute ihres Schlags in m Gesetz erheben. Da wären wir aber «bei die Finger verbrennten; denn wenn ie es doch immer zuletzt ausbädeü müssen. Republik, erst die himmelblau/, wenn elt. Die Republik, sagen sie, ist die zahlen, weil Ihr den König und alle aber was gäben sie jetzt darum, wenn sie !r König kosteten, aber nun kömmt es her- lionen mehr gekostet hat, als die konstitu- die armen Bauern müssen es aufbringen. poleon gestimmt, damit sie nur wie- t los werden, die sie zu Grunde rich- wäre, der sie vor der rothen Republik ist die Herrschast des Lumpengesindels, s ist, Communismus? Da wird Euch Dem Faulen so viel als dem Fleißi- ach weniger Zeit wird auf's Neue ge- art hat, das nimmt man ihm ab, und das noch verwahrlosen nnd durch die dann ist Alles verjuckt und verjubelt uadratmeile; bei einer communistischen -en; die Andern müßten Alle todt ge- nd läßt sich gerne das Seine nehmen, zu schlagen, der gehe hin und stimme, n einen tüchtigen erfahrenen Landwirth Und wenn sie den nicht haben können, den Berliner Bummlern herumzuschla- ürfnisse des Staats und der Gemeinde wo es hapert und wo nachgeholfen en Communismus im Leibe hat und die per er wolle, und wenn er noch so schön dem Staat schon schweres Geld gekostet. ,, der weiß, was er will und sich nicht und gleichmäßige Besteuerung ist, aber der dem Volte gibt, was des Vol- n kann, wo es das gemeine Beste gilt, einen Mann, der für die Ordnung und die Stränge hauen wollen, kurz die rechte Freiheit stimmt. Die rechte Freiheit ist aber die gesetzliche Freiheit, die sich mit der Ordnung verträgt und bei der Bürger und Bauern bestehen können, und noch etwas für die Armuth übrig behalten. Einen solchen Mann wollen wir wählen. Druck «on I. Hildenbrandt m Cobltnz.