Ein V | Jahrhundert cterMoafe 1796-1896 'AT Cult.G. I 1459 *ss TL^T ULB Düsseldorf / i +4118 832 01 m ~] u s Berliner uewerbe/V usstellun 4*tSOK» ! n 5 m% VORWORT. ^^»|icht der Zufall noch einseitige Willkür oder Laune Ein- i^Q) \l zclner schafft die Moden in der Bekleidung der Men- (gc|((5^| sehen. Und wenn Julius Lessing den vollgiltigen T"."' ^ö Beweis geführt hat, dass man eigentlich die Art des Entstehens einer Mode kaum nachweisen könne, so steht doch so viel fest, dass ebenso wie der Geist der Zeit sich in Sprache, Litte- ratur und Kunst offenbare, dieser in gleicher Weise, vielleicht sogar noch leichter erkennbar auch in der Bekleidung der Menschen sich zeichne. Das Studium dieser wird daher zu einem wichtigen Hilfsmittel der Kulturgeschichte. Wenige Beispiele genügen. Als die Entdeckungen überseeischer Länder, namentlich von Amerika, ihren gewaltigen Einfluss auf das ganze Kulturleben unseres Erdteiles geltend machten, flutete eine bisher unbekannte Menge Edelmetalle, glänzender Steine, echter Perlen nach Europa herüber. Xun bedeckten sich die Kleider, zu denen meist kostbare, importierte Stoffe verwendet wurden, mit solcher Fülle von Stickereien in Gold und Perlen , dass deren Übermass namentlich in Spanien und Italien, wohin der Goldstrom sich am ergiebigsten er- goss, die Versteifung der Kleiderformen erzeugte. Und als wenige Zeit nachher der Humanismus und die Reformation die Geister von allen Fesseln befreiten und das Recht uneingeschränkter Individualität verkündeten, riss mit alten Vorurteilen auch das Kleid des Menschen in der europäischen Kulturwelt, die nunmehr alles, was am Kleide die freieste Beweglichkeit des Körpers behinderte, aufschnitt und zerschlitzte und jene bunten, berühmten Landsknechtsmoden des 16, Jahrhunderts schuf. Während dann im 17. Jahrhundert die hochmütig gespreizte Unnatur Frankreichs unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. die Welt in Knechtschaft schlug, konnte sie kaum einen vollendeteren Ausdruck auch im Kleide linden, als in der Allongeperücke, den hohen Hackenschuhen und dem Reifrocke. In gleicher Weise sehen wir auch die Verhältnisse der Zeit von •^Jj t/$j *j$j «^jj *%.» ./Jj */$.i «^> «/jj *)$., u^, ^J^J ,/^j ,$j ,%.. ,/^.t ,/^j Jj>j m/$j i^_. *%j */}., .^j ./[.t ,^u t/J., njLt «Jjj »Jjj i/j.» »jjij ,^, »jJj »Jg*-" •Jjlf «jJj ».ijj «jJj «^5^ *^j «/fj «jJj «/(« •^-> «^j «v- 1 »^ *^* 1796 bis 1896 sich abspiegeln in den Gestalten, deren Vorführung in den Prachträumen des Berliner Ausstellungsgebäudes ein sehr glücklicher Gedanke des Herrn Moritz Bacher, des Vorsitzenden der Gruppe II der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, war. Freilich hatte er auch das Glück, in seinen Mitarbeitern, Herrn Maler Guthknecht und Herren Verch und Flothow die geeignetesten Kräfte zur Verwirklichung dieses Planes zu finden. Die französische Revolution hatte wie ein Sturmwind alles weggefegt, was in Frankreich bisher als unumstössliches Gesetz gegolten und als solches von dem übrigen Europa anerkannt worden war. Staats- und Völkerrecht ebenso wie die Religion waren durch die Minen der Freiheit in die Luft geflogen. Was brauchte man noch die Unterschiede, welche die Natur durch Schönheit der Körperbildung geschaffen. Hässlich kann jeder sein, und wer es nicht ist, der soll es scheinen. Es entstanden daher die Incroyables vom Jahre 1793, denen die Weibertrachlcn der Sauvages und Merveil- leuses sich anschlössen. Man bezweckte damit geradezu Verunstaltung der Körperform. Aber die Franzosen müssten nicht mehr Franzosen gewesen sein, wenn sich die ganze Nation auf einmal ihres Gefühles für Schönheit und Grazie, für Pracht und Schmuck hätte entschlagen wollen. Und die republikanische Freiheit, in der man sein Ideal sah? Waren die allen Griechen nicht auch freie Republikaner und doch zugleich die Hüter des Schönheitshortes gewesen, dessen AVert noch heute ungeschmälerte Geltung hat? Also wenn man ein echter Republikaner, namentlich eine Republikanerin war, so musste Schönheit andererseits nicht in Widerspruch mit den freiheitlichen Ideen stehen, und diese zur Geltung zu bringen, war Pflicht jeder guten Bürgerin. Die Formen des Körpers sollten durch die Bekleidung eher gezeigt als verdeckt werden. So verschwanden für diese pseudoantike Tracht der eleganten Damenwelt die Unterkleider fast ganz, sogar in einem speziellen Falle, der den Parisern aber doch zu stark erschien, wirklich ganz, und ein seidenes Tricot blieb als Letztes unter dem Peplos, wie man das neue Kleid nannte, übrig. Wir sehen daher in unserer Ausstellung das Kostüm, welches die reizende Madame Tallien auf einem öffentlichen Balle in Paris trug. Armbänder und Knöchelringe , sogar Ringe auf den Zehen ihrer durch Sandalen bekleideten Füsse schmücken die aus dem Schlitze des Peplos bis über das Knie sichtbaren Beine und vervollständigen die sehr reizvolle aber doch nichts weniger als antik erscheinende Tracht. Das Kostüm der Männer erfuhr in dieser Zeit eine tief einschneidende Änderung. Die Kniehose (Culotte) musste dem langen Beinkleide, dem Pantalon, weichen. Es war das die Tracht der extremen Republikaner, welche ihnen den Spottnamen „Sansculottes" eintrug, womit nicht, wie oft fälschlich geglaubt wird, eine Verwerfung der Hose überhaupt, sondern nur der Kniehose gemeint ist. In Deutschland fand diese bequeme Neuerung erst dann allgemeine Geltung, als König Friedrich Wilhelm III. von Preussen auf der Promenade der Bäder von Pyrmont 1797 in dieser Tracht erschien, die auch die Erfindung des Hosenträgers zur Folge hatte. Die Revolution und die Kriege, die sie mit sich brachte, kosteten nicht nur viel Blut, sondern auch viel Geld und Geldwerte. Der junge Brigadegeneral Bonaparte war sehr froh, von einem Diener der Madame Tallien Tuch zu einem neuen Rocke zu erhalten «Xfj «jJj m^j ,^ij »jJij i^Jj <^u t^L» .^>. .^u t/j^t tJ^t t/Jn «^j tJ$j >Q^ t$j «^i üjp .^.. «jjtj ..^j .$j ./fj t/gu t/^j .^jij i^j t^i «jJu .^L. tijij t Jjti i/jU .jjkj ,yfj «j^h ».ijL. * «-0-« «■?-• »$j >?j >/fj «■$-» i^i «4f-> •j5>j ■-?-• »<$-> ■^ ij •/?•* «'S 1 -* "?-* • J S t * * J 5 kj *^* »'I'j •$> -v-f «j! 1 -* «-^S« ■/?" »^8" *'5 ij *v j *-^* »^ »^ *&* '-&* *^8» "5^* '^ * J 5 >j *■&* «^ «^N* „Reiche der Mitte" durch Marschall Palikao endete. Dieser Triumph französischer Waffen brachte eine Menge ostasiatischer Einflüsse nach Frankreich, die durch friedliche Beziehungen, durch die Expeditionen, von Preussen und Osterreich nach den ostasia- tischen Gewässern entsendet, reichliche Stärkung erfuhren. China wurde Mode und Japan lauschte seine Kultur mit dem Abendlande. So wich die Krinoline allmählich Modeformen, in denen ostasiatischer Ursprung unverkennbar ist, und welcher heute noch mit einem Eclecticismus kämpft, in denen wir Erinnerungen an alle möglichen Kleidergestaltungen früherer Zeiten wiederfinden. Ich vermeide es, auf die einzelnen Gruppen der Ausstellung des Herrn Bacher einzugehen, welcher nebenbei noch das Verdienst hat. nur und ausschliesslich Berliner resp. Charlottenburger Kräfte zu deren Ausführung herangezogen zu haben. Ich habe nur versuchen wollen, aufmerksamen Beschauern eine kleine Anleitung zu geben, die Formen der Trachten mit den auf sie einwirkenden Einflüssen der allgemeinen Kulturverhältnisse in Beziehung zu bringen, durch welche allein sie verständlich und interessant werden. August von Heyden. %ruck von Jf/. Kupferber i Mainz, reines Hadern Farbendruckpapier ron Ho ff mann & Engelmann Neustadt V*. /A, um Mi 7nr M j^A %F m% ►C