Heubes lede bey der feierlichen Eröffnung der katholischen Pfarrkirche zu Wald bey Solingen. 1816. H.M. 108 108 182 Re bey der feierlichen Eröffnung der katholiſchen Pfarrkirche u Wald bey Solingen und der Einführung des ersten Pfarrers Herrn Joh. Wilhelm Cürten, gehalten am 22ten September 1816 von Johann Ferdinand Heubes, Pfarrer zu Benrath. 1816. the . . . Für sich erwähnt . der Stadt D 1. 108 Venit filius hominis quaerere et salvum facere, quod perierat. Luc. 19, 10. Des Menschen Sohn ist gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verlohren war. Lukas 19, 10. Kein Wort entkomme meinem Munde, ehe ich den Herrn öffentlich gebethen habe, daß er den Gedanke in meine Seele, und das Wort, welches ich reden soll, auf meine Zunge lege. Herr! Du wirst also meine Lippen öffnen; O öffne sie, so wird mein Mund dein Lob verkündigen! Psalm. 50, 16. Tief durchdrungen fühle ich das Erhabene, das Feierliche, welches diese unzählige Menge meiner Zuhörer schon an sich erwecket, und welches die Veranlassung die Ursache, welche diese Tausende herbeyruft, bis zum höchsten Grade der Rührung emporhebt. An diesem Tage, der unter die seltenen, unter die merkwürdigsten gehöret, die wir erleben; bey diesem Feste, welches in jedem Betrachte das schönste und höchste ist; vor dieser Versammlung, die sich nicht an Menge nur, sondern herrlicher an Andacht und christlicher Liebe auszeichnet; ja aus diesen Vielen an Wenigere, und an Einen ſoll ich reden; es geschehe. Der Spruch, meine werthesten liebsten Zuhörer! welcher unser heutiges Evangelium von der Tempelweihe endiget, sey meiner Rede Anfang: der Sohn Gottes, Jesus Christus, der Sohn des Menschen ist gekommen, um zu suchen und ſelig zu machen, was verlohren war. In diesen wenigen Worten liegt ganz entwickelt und beschrieben die göttliche Absicht, aus welcher Jesus auf diese Erde kam; hier ist uns offen gelegt der Zweck, nach welchem die Lehren Jesu, die Stiftung seiner Kirche, alle seine Heilsanstalten, sein Leben und sein Kreutztod abzielen: nämlich Jesus Christus ist aus Liebe seines himmlischen Vaters und aus Liebe gegen uns gekommen, um uns Menschen, die wir alle der Sünde wegen verlohren waren, zu suchen und selig zu machen. O göttlicher Ausspruch des Trostes und der Freude für das ganze Menschengeschlecht! O unbegreifliche Liebe Gottes! welcher die Welt so liebte, daß er seinen eingebohrnen Sohn hingab, damit Niemand, der an ihn glaubet, verlohren gehe; sondern Jeder das ewige Leben habe. Joh. 3, 16. Der seine Liebe gegen uns dadurch offenbarte, daß er seinen eingebohrnen Sohn in die Welt ſchickte, damit wir durch ihn leben. 1 Joh. 4, 9. O unendliche Liebe Jesu Christi! der unsere Schwachheiten auf sich geladen, und unsere Schmerzen selbst getragen hat, Isai. 53, 4; der unserer Missethat wegen verwundet, und unserer Sünde wegen ist zerschlagen worden, und durch dessen Blut und Wunden wir geheilet sind. 5. Welcher, da er die Seinigen liebte, sie bis zum Ende geliebet hat, Joh. 13, 1. Der für uns bis zum Tode, ja zum Kreutztode gehorſam wurde, Phil. 2, 8. Ist nun aber Jesus, der göttliche Retter, der liebevolle Erlöser gekommen, um uns verlohrne zu suchen, uns unglückliche selig zu machen: ſo kann es offenbar, fuͤr uns keine größere Pflicht geben, als diese: daß wir uns von ihm finden laſſen, uns von ihm ſelig machen laſſen; daß wir auf die Stimme des Suchenden merken, seinem Rufen Gehör und Folge leisten, und seine Mittel zu unserem Heile, so viel an uns liegt, weise benutzen, thätig brauchen. Wird es aber wohl nöthig seyn, könnte Einer denken, daß man einem Menſchen, der ſich in einem Gebüſche verirrt, in einem fremden, fernen Lande verlohren hat, der ſeinen unglücklichen Zuſtand, ſeine Hülfloſigkeit ängstllch fühlet, wird es wohl nöthig seyn, daß man es diesem zu beweisen suche: er müße seinem Wegeweiser, seinem Retter und Beglücker folgen, und das thun, was dieſer ihm vorſchreibet? Wird nicht die Noth, das Gefühl des Elendes, und das Sehnen nach Rettung auch nur eine Anzeige von Pflicht überflüssig machen? Es ist wahr, so benehmen wir Sterblichen uns im Zeitlichen, nicht aber in dem, was das Heil unserer unsterblichen Seele angehet. Nützlich und nöthig ist uns daher die Erinnerung: daß wir mit erster Tage, mit größtem Fleiße streben müssen, der göttlichen Erlö 6 sungs= und Beseligungs=Anstalt Jesu Christi theilhaft zu werden, und ihre Wirksamkeit sowohl überhaupt, als auch in jedem Mittel an uns zu befördern. Lasset euch von Jesus finden, lasset euch von ihm selig machen! Diese Lehre betrift uns alle, meine Liebsten! Diese Lehre betrift im Besondern dich, liebe katholische Pfarrgemeine zu Wald! Dieſe Lehre und noch dazu das Beispiel Jesu Christi ist im Einzeln für dich, würdiger Priester! der du dieser Pfarre als Seelsorger gegeben bist! Soll ich nun, wiewohl es nur in Eile und Kürze geschehen kann, diese allgemeine, besondere und einzelne Hinsicht in's Auge fassen, und zur Sprache bringen; ſo muß meine Rede, wie ihr m. L. leicht einsehet, drey Abtheilungen zählen. ich kann daher ihren Inhalt mit dreyen Worten anzeigen, ich rede nämlich: ein Wort an Alle, ein Wort an die katholische Pfarre zu Wald, ein Wort an ihren neuen Seelsorger. Oder: Wir alle müssen uns die Lehre Jesu Christi, und die Mittel, welche er zu unserm Heile angeordnet hat, zum Nutzen machen. 1. Thl. Benutze du, katholische Gemeine zu Wald das besondere Mittel, welches dir zu deinem Heile dadurch bereitet ist, daß du nun wieder eine eigene Pfarrkirche, einen eigenen Seelsorger hast. 2ter Theil. Neuer Hirt dieser Heerde! strebe du nach dem Beispiele Jesu alle deine Pfarrkinder selig zu machen. 3ter Theil. O Vater! der du deinen Sohn sandtest, damit er uns verunglückte rettete. Jesus unser Erlöser! der du zu uns kamest, um uns zu suchen und ſelig zu machen; der du uns ſo liebreich einladet: kommet alle zu mir, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmet mein Joch auf euch, und ihr werdet Ruhe für eure Seelen finden. Denn mein Joch ist sanft, und meine Bürde ist leicht. Matth. 11, 28. 29. 30. Heiliger Geist, Lehrer und Tröster! O heiliger dreyeiniger Gott! zwinge uns durch die Macht deiner Gnade, daß wir deiner Anordnung zu unserem Heile folgen und mitwirken. Zu diesem Zwecke diene meine Rede, welche ihr meine Liebsten! ich bitte euch, aufmerksam anhören, und beherzigen wollet. So wie dem Menschen kein anderer Nahme unter dem Himmel ist gegeben worden, durch welchen wir selig werden können, als der Nahme Jesus; Apostelgesch. 4, 12. so giebt es auch unter unserer Sonne keine andere Lehre, welche uns zu einer höhern Weisheit ausbildet, kein anderes Mittel, welches uns dauerhaft glücklich machet: als die Lehre, welche Jesus geprediget, die Mittel, welche er aus dem Himmel auf unsere Erde mitgebracht und uns angeordnet hat. Deswegen gt Jesus: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kömmt zum Vater, als durch mich. Joh. 14, 6. Mit vergeblicher Mühe also suchet ihr 8 Sterblichen! ihr suchet mit Zeitverschwendung einen nützlicheren Unterricht, eine schönere Wissenschaft, und die höchste Weisheit: wenn ihr sie in Grundsätzen, in Schriften, in Büchern, in Lehrgebäuden ſuchet, welche von der Lehre Jeſu Chriſti abweichen, derselben widersprechen, und verfaßt ſind, ſie zu vertilgen. Daß ich euch, meine Liebsten! väterlich und brüderlich warne vor allen Lehrsätzen und Büchern, welche gegen Gott, gegen Je us, gegen das Christenthum, gegen jede Religionsübung angehen, das vergebet meiner innigsten Liebe gegen euch; daß ich aber Ursache und Pflicht habe, diese Warnung im Nahmen Jeſu Chriſti an euch alle zu ſtellen: dieſes beweiſen, leider! die allzu vielen Gott verachteten und unchristlichen Lehrsätze und Bücher, welche in unſeren Tagen erſcheinen, und wodurch ſo viele Menschen von Gott, von dem Christenthume und von der Besorgung ihres Seelenheiles weggeleitet, verführet werden. Wenn also der Apostel sagt; 2 Tim. 4, 3. es wird eine Zeit kommen; ſo glaube ich, sagen zu müssen: die Zeit ist gegenwärtig, wo die Menschen die gesunde Lehre nicht mehr ertragen, sondern sich nach ihren Gelüsten Lehrer anstellen, welche ihnen die Ohren kitzeln. Der Wahrheit verweigern ſie ihr Gehör, geben es aber den Fabeln, den Gedichten, den Tändeleyen und dem Blendwerke der sogenannten philosophischen Gelehrtheit. Diese, diese Lehrer und. Lehren vermeidet, und haltet euch an der göttlichen Lehre Jesu Chriſti. Noch vergeblicher suchet ihr euer Glück im übertriebenen Verlangen und Streben nach Ansehen, Ehre und Groß ſeyn vor den Menſchen; oder in der unmäßigen Sucht Reichthümer, Schätze dieser Erde zu erwerben, zu häufen und zu bewahren; oder in dem ordnungs- und regellosen Genuße sinnlicher Freuden. Denn alle diese sind die Mittel nicht, welche uns zu einem wahren Glücke bringen. Wie unstet ist zuerst menschliches Ansehen, menschliche Ehre? Wie gleicht sie so vollkommen dem Rauche und dem Winde! Indem sie manchmal schneller noch, als diese vom zerstörten Gleichgewichte der Luft, von der menschlichen Willkühr weg= und zugeblasen wird. Wie leer und eitel ist äußere Ehre! wenn nicht zugleich innere Ehrwürdigkeit von Gott, und von dem auch unpartheyischen Richter, von dem Gewissen anerkannt und zugesprochen wird. Ob ferner Reichthümer und Erdengüter wahrhaft beglücken, dieses mögen diejenigen bezeugen, welche aus einem Ueberflusse derselben in Mangel und Dürftigkeit übersetzt wurden, welche selbst ihre Hinfälligkeit und des Glückes traurigen Unbestand erfahren haben. Doch lasset mich einen sichern lebenslänglichen Besitz der Reichthümer annehmen; was gewinnen dieselben dann an Werth? O wie bald sind wir an dieses Lebens Ende, an dem Grabe, an dieſer Gränze zwiſchen Zeit und Ewigkeit! Wie hart ist es dann, arm, entblöset von allem Zeitlichen, „vielleicht auch noch ärmer an guten Werken, an Tugenden in die Ewigkeit hin 10 übergehen! Warum aber rede ich? Da Gott die ewige Wahrheit durch seine Aussprüche die Sache entſcheidet? Denn Jeſus ſagt: Matth. 6, 19. 20. Sammelt euch keine Schätze auf Erden, wo sie der Rost und die Motten zerstören, wo sie die Diebe ausgraben und stehlen. Sondern sammlet euch vielmehr Schätze für den Himmel, wo sie weder der Rost und die Motten zerstören, noch die Diebe ausgraben und stehlen. Er sagt: Luc. 12, 15. Gebet acht, und hütet euch vor allem Geitze, denn das Leben des Menſchen beruhet nicht auf dem Ueberflusse der Güter, welcher er besitzet. Jesus verdeutlichet diese seine Lehre durch das bekannte Gleichniß vom reichen Manne, der seine Getreide=Speicher vergrößern, und sich von seinem Ueberflusse recht weidlich etwas zu gut thun wollte. Er schließt es aber mit den unvergeßlichen Worten: Vers 22. 23. Du Thor! heute Nacht noch wird man deine Seele von dir fordern. Wem wird dann Alles, was du zuſammengerafft haſt, zufallen? Eben ſo geht es demjenigen, welcher sich Schätze sammelt, und zwar reich ist, aber nicht vor Gott. Soll uns endlich regelloser unmäßiger Genuß sinnlicher Freuden wahrhaft glücklich machen? Dieser Genuß ist nicht vermögend, unsere Seele, welche zu höheren, zu ewigen Freuden erschaffen ist, zu sättigen; ja die Erfahrung bezeuget es mit eben so traurigen als unwidersprechlichen Beweisen: daß Körper und Seele von der Sinnlichkeit und Gelüsten zerrüttet werden; daß Sinnlichkeit und Ge 11 lüste einem versüßeten Gifte gleichen, welches unvorsichtig und kaum verkostet dem Körper den Tod, der Seele Verderben bereitet. Brüder so ermahnt uns daher der Apostel. Röm. 8, 12.13. Brüder! wir sind dem Fleische nicht schuldig, nach seinem Verlangen zu leben. Denn lebet ihr nach dem Fleische, so werdet ihr sterben; tödtet ihr aber die Werke des Fleisches durch den Geist ab, so werdet ihr leben. Keiner aber entfernet sich weiter von dem wahren Glücke, keiner stürzt sich tiefer im Abgrunde des Elendes, als der Mensch, welcher Freude und Glück in Sünde und Lastern sucht. Ach wie elend an Leib und Seele werden wir, wenn wir uns zu Sclaven der Sünde machen! Die süße innere Ruhe entfliehet, das Gewissen naget und straft, wir sinken herab von unserer hohen Bestimmung und Würde, wir empören uns gen Gott den Gütigsten und Liebenswürdigsten, kläglich ist unser Zustand hier auf der Welt, ſchrecklich die Ausſicht in die Ewigkeit! Doch laſset mich, wie der Apostel thut, Röm. 6, 23. alles mit einem Worte sagen: Der Sünde Sold (der Lohn, womit sie ihre Sclaven bezahlt,) ist der Tod; Tod für Leib und Seele, Verderben für Zeit und Ewigkeit. Unser eigenes Wohl, so wie die Ankunft unseres Erlösers auf dieser Erde fordern uns also laut auf, fordern uns auf mit dem stärkesten Nachdrucke: daß wir uns die Lehre Jesu Christi, und die Mittel, welche er zu unserem Heile an 12 geordnet hat, zum Nutzen machen. Diese Aufforderung meine Liebsten! dieser Pflicht=Ruf ergehet an uns Alle. Was fordere ich noch über dieses und im Besondern von dir, katholische Pfarrgemeine von Wald? Vernimm es im Das heutige so seltene und erhabene Freudenfest gehöret euch, katholischen Pfarrgenossen von Wald! Brüderlichen Antheil nehmen wir alle an eurer Freude; und das erste, was ich euch aus meinem gerührten Herzen offenbare, ist dieſes: daß ich euch unſere herzlichſten Glückwünſche zur Eröffnung eurer Pfarrkirche, und zur Einführung eures Pfarrherrn darbringe. Mit Recht erfreuet ihr euch, daß ihr nun wieder eine eigene Pfarrkirche, einen eigenen Seelsorger beſitzet. Kommet also, lasset uns zur Erhöhung eurer Freude, zur Gründung und Befestigung eures Glückes ein wenig betrachten; welches besondere und ganz vorzügliche Mittel Gott euch zu eurem ewigen Heile durch diese Pfarr=Einrichtung bereitet. Ihr habet nun eine eigene Pfarrkirche, das heißt: hier in eurer Mitte ist nun die geheiligte Wohnung Gottes, der Tempel des Allerhöchsten, von welchem ich sagen muß, was Gott der Herr dem Salomon sagte 2 Chron. 7, 15. 16 meine Augen werden offen stehen, und meine Ohren auf das Gebeth desjenigen merken, welcher an diesem Orte bethen wird. Denn diesen Ort habe ich erwählet und geheiliget, daß mein Nahme da ewig seyn, und meine Augen und mein Herz da 13 ewig bleiben sollen. Von dieser Kirche darf ich sagen, was Johannes in der Offenb. 21, 3. spricht: sehet hier ist die Wohnstätte, der Tabernackel Gottes bey den Menschen, worin er bey ihnen wohnen wird. Sie werden sein Volk seyn, und Gott wird bey ihnen als ihr Gott seyn. O so nahe bey euch! mitten unter euch wohnet Jeſus im heiligſten Sacramente des Altars; hier hat er den Thron seiner Allmacht und Liebe errichtet, damit ihr ihm eure Anliegen vortragen möget, und er euch seine Gnaden austheile. euch Glücklichen, daß ihr nun von Freude und Ehrfurcht durchdrungen mit dem Patriarche Jakob ausrufen könnet, wahrhaftig der Herr ist an diesem Orte! Welchen heiligen Schrecken erwecket dieser Ort! Es ist hier das Haus Gottes und die Pforte des Himmels! 1 B. Mos. 28. 16. 17. So wie heute, so wird nun an allen Sonnund Feiertagen für euch, meine Liebsten! hier das Opfer erneuert und dargebracht, welches Jesus am Kreutze blutend und sterbend geopfert hat. Jesus der ewige Priester nach der Ordnung Melchisedechs opfert sich hier für euch dem himmlischen Vater. Ja an jedem Wochentage habet ihr von nun an die Gelegenheit, das Glück: dem heiligen Meßopfer, dem Opfer des neuen Bundes beywohnen zu können. Hier ist der Gnadenort, wo ihr die heiligen Sacramente empfanget, wo eure Kinder in dem heiligen Taufbrunnen von der Erbsünde abgewaschen, und zu Kindern Gottes wiedergebohren werden; wo ihr, wenn ihr 14 eure Sünden aus einem zerknirschten reuevollen Herzen ausschüttet, wenn ihr euch, wie Petrus und Magdalena, zu Jesus nahet, in dem heiligen Sacramente der Buße die Verzeihung eurer Sünden erlanget; wo euch Jesus, o der göttlichen Liebe! an seinen Tisch nimmt, euch mit seinem heiligsten Fleische und Blute nähret, euch auf das innigſte mit ſich vereiniget, damit er in euch, ihr in ihm lebet; wo ihr jenes heilige Bündniß errichtet, welches ein Bild der Vereinigung Jesu Christi mit seiner Kirche darstellet; von wo aus ihr als Kranke mit den heiligen Sacramenten der Sterbenden versehen werdet, wo für euch als Sterbenden das Gebeth der ganzen Gemeine verrichtet wird; wo ihr als Gestorbene der Gnade und Barmherzigkeit Gottes von eurem Seelsorger, von euren Verwandten, und übrigen Mitchristen empfohlen werdet. Hier ist die Stelle, wo euer Seelsorger, derjenige, welcher dem Herrn seine Seele für die eurigen verpfändet hat, euch an den Sonn= und Feiertagen das Wort Gottes vorträgt, die Lehre Jesu Christi erkläret, wo er die Erwachsenen mit dem Brode der Lehre stärket, die Kinder mit der Milch des Unterrichtes tränket; wo er den Leidenden tröstet, den Sünder wecket, und den Gerechten standhaft machet. Und dieses Alles, meine Liebsten habet ihr nun in der Nähe, in eurer Mitte. Noch mehr, euer neuer Seelsorger stehet bereit, er hat es heute am Altare Jesu geschworen, er will der Mitarbeiter Gottes an eurem 15 Seelenheile werden, er ist entschlossen, alles, was er vermag, ja sein Blut und Leben für euer Wohl zu opfern. Was kann, was muß ich also ſagen, was anders, als dieſes? O katholiſche Pfarrgemeine zu Wald! benütze alſo wahrhaft, benütze thätigst das hülfreichste Mittel, welches dir zu deinem Heile durch die Wiedergabe einer Pfarrkirche, durch die Anſtellung eines eigenen Seelsorgers bereitet ist. Also liebsten Brüder aus Wald! lasset euch von Jesus und seinem Diener finden, und selig machen. Strömet oft, strömet in zahlreicher Menge zu eurer Pfarrkirche! Lasset Jesus nicht vergebens auf eure Anbethung warten; nicht allein von den Sonn⸗ und Feiertagen rede ich hier, ſondern auch an den Werktagen perſammlet euch zahlreich zur Kirche, damit ihr täglich mit gemeinsamen und vereinigten Gebethen und Lobgesängen den Herrn ehret, und euch seine Gnaden erflehet. Denn in der That, keine größere Schande gäbe es für euch, als wenn eure, eure Pfarrkirche von euch unbesucht, von euch leer und öde gelassen würde. Wohnet dem heiligsten Opfer Jesu Christi mit jener Andacht und Ehrfurcht bey, die es verdienet. Empfanget die heiligen Sacramente mit der Vorbereitung, in dem Seelenzustande, welche Jesus fordert, und wodurch ihr der Gnaden, die sie enthalten, empfänglich werdet; empfanget ſie oft, damit eure Helligung vollendet, und euer Fortschreiten in der Tugend schneller und standhaften werde. Kommet alle Erwachse 16 nen! denn um ewig selig zu werden, weiß man nie genug, nie zu viel, kommet Alle an allen Sonn= und Feiertagen zur Predigt, und zum Unterrichte in der christlichen Lehre, und bringet besonders alle Kinder dahin, welche nur des Unterrichtes fähig sind. Denn was nützte sonst der Vortrag der Lehre Jeſu? Wie troſtlos wäre es, für euren Seelsorger, wenn er leeren Wänden predigte! Wie unverantwortlich wäre endlich eure Verſäumniß, da ihr die Sache jetzt ſo bequem, ſo leicht habet! Unterſtützet euren Seelſorger in seinen schweren Pflichten mit eurem Gebethe, unterstützet ihn, wie es eure größte Pflicht ist, mit eurem herzlichsten Zutrauen, mit innigster Liebe und steter Ehrfurcht! Denn diese sind nöthig, damit er an dem ewigen Heile eurer Seelen zu arbeiten, dasselbe zu befördern vermag. Er wird mit Freude arbeiten, um euch alle selig zu machen, es ist seine Absicht, aus welcher er zu euch kömmt; ja zu eurem Troste will ich ihn, damit er es aus allen seinen Kräften thue, darum mit einem Paar Worte bitten im Dir, liebster Bruder, frommer Priester, ehewürdiger Seelsorger bringe ich nun unsere vereinten Glückwünsche, und mit ihnen das Herz, die Zuneigung und Liebe, deiner Pfarrkinder dar. Deine Bescheidenheit verbiethet es mir hier, dein gutes Herz, welches ich kenne, auch deinen Pfarrkindern. ſchon heute bekannt zu machen, ihnen zu reden von deinen Eigenschaften, von dei — 17. ner Liebe und dem Seeleneifer, welche ihnen die erfreulichste Erwartung für ihr Glück eröffnen und sichern. Du willst, daß nicht ich, sondern die Zukunft und der Thatenbeweis hierüber den Ausspruch thue; du willst vielmehr, daß ich nur von dem rede, was deine Pflicht von dir fordert. O sieh also Liebster! deine neue Heerdel Sieh! diese Seelen, welche Jesus mit seinem Blute erkauft hat, sind nun deiner Sorge anvertrauet; strebe also aus allen deinen Kräften, sie alle glücklich, ewig selig zu machen. Nimm dir von Jesus die Gnaden, einem von ihm unserem öbersten und beßten Hirte das Beispiel, daß du, wie er, suchest und selig machest, was verlohren ist. Sey du ein Mann des Gebethes und ein Fürbitter bey Gott für die Menschen. Sey ein Vorbild der Gläubigen in der Lehre und im Umgange, in der Liebe, im Glauben und in der Keuschheit. Lies, ermahne, und lehre immerfort. Vernachlässige die Gnade nicht, welche in dir wohnet, und welche dir, den Weiſſagungen gemäß, durch die Händeauflegung der Prieſterſchaft iſt mitgetheilet worden. Dieß überlege, dieß laß dir angelegen ſeyn, damit dein Fortgang Jedermann in die Augen falle. Gib auf dich und die Lehre acht, darauf halte standhaftig: denn thust du dieses, so wirst du dich selbst sowohl, als Alle, welche dich hören, selig machen. 1. Tim. 4, 12. 13.14. 15.16. Allein wollte ich dir die vielen schönsten Lehren vortragen, so müßte ich die beiden Briefe an den Timotheus, und den einen an (4) 18 den Titus ganz ausschreiben. Wozu aber dieses! Denn du kennest sie, und du wirst sie ohne meine Erinnerung lesen, betrachten, wieder lesen, zu deinem Eigenthume und zur Richtschnur deines Wandels machen. Werde also ein Diener Aller, werde Allen Alles, damit du sie Alle rettest und Jesu Christo gewinnest. 1 Cor. 9, 19. u. flg. Doch lasset mich schweigen, und kommet ihr, liebsten Pfarrkinder und empfehlet euch selbst eurem neuen Seelsorger; bittet ihn um seine ganze Sorge und Liebe. Kommet ihr zuerst lieben Kinder! ich will mit euch euren Seelsorger bitten: O lieber Vater unserer Seelen. Schenke doch besonders uns deine väterliche Liebe! Unterrichte uns, lehre uns Jesus und seine heiligen Gebothe, und den Weg unseres Heiles kennen; denn Ach! wir sind unwissend, wir sind wie irrende Schaafe, und so viele Gefahren umgeben unser Alter. Wir versprechen dir unsern größten Fleiß und kindlichen Gehorsam; o führe, bringe uns zu Jesus unserem göttlichen Heilande. Kommet Erwachsenen! und lasset uns bitten: ruhe doch nicht, du unser ehrwürdiger Seelsorger! bis du unsere Seelen gerettet, von den Sünden entfesselt, und zur wahren Liebe Gottes gebracht hast; sey unser Lehrer und Vater! Kommet Greise, die ihr von der Last eines vieljährigen Alters niedergebeugt werdet! redet euren Seelsorger an: Gott hat dich uns gegeben zum Bruder, zum Führer und zur beßten Stütze unseres Alters; sey uns dieses damit wir den Rest unserer Tage gottgefällig verleben, und alsdann zu einer ewigen Jugend, zur 10 ewigen Seligkeit auferstehen mögen. Kommet Kranken und bittet: O unser Seelenhirt, unser Tröster und Retter! besuche uns oft, da wir auf dem Lager der Krankheit und der Schmerzen liegen, erleichtere es uns durch deine salbungsvollen Tröstungen und Gebethe, bereite uns zu einem gottseligen Tode, versehe uns mit den heiligen Sacramenten, stehe uns bey in unserem Sterben, damit wir dorthin gelangen, wo kein Schmerz, keine Krankheit, kein Tod mehr wohnet. O seyd beruhiget, liebsten Pfarrkinder. Euer Seelsorger wird eure Bitten erfüllen; ich darf es euch mit Grund versprechen, und mit dieser tröstlichsten Versicherung meine Rede beschließen. Der heilige Vorsatz wird also jetzt von uns gefaßt: wir Alle wollen uns die Lehre Jesu Christi, und seine Heilsmittel zum Nutzen machen. Ihr liebsten Pfarrkinder! wollet das besondere Heilsmittel eurer Pfarreinrichtung recht benützen; und euer Seelsorger will alle seine Pflichten erfüllen. Doch ich kann meine Rede nicht eher endigen; bis ich noch einer Pflicht, nämlich der Pflicht des Dankes genüget habe. Sie meine Herren Linder und Schramm! Sie haben, da Sie früher das hiesige Bürgermeisteramt bekleideten, den Grund zu dem Werke gelegt, dessen Vollendung wir uns heute erfreuen, Sie haben thätigst dasselbe befördert, Sie haben unseren lauten Dank verdienet. Sie meine Herren Dinger und Küller, welche sie gegenwärtig den Bürgermeistereyen von Wald und Merscheid vorstehen, Sie haben die sprechendsten Beweise Ihrer Thätigkeit und — 20 Güte abgelegt. Das schöne Crucifix, das Bild Jesu Chriſti, welches dieſe neue Pfarrkirche auf ihrem Altare beſitzt, iſt, Herr Bürgermeiſter Dingerl das edle Geſchenk Ihrer beſondern Güte. Es wird das Denkmal bleiben, bey welchem diese katholische Gemeine ihr Gebeth für Sie, und ihren Dank stets erstattet. Sie, meine Herren Kirchen=Räthe Caspers, Krämer, Tombach und Dah m! Sie haben sich keine Sorge, keine Mühe, keinen Kostenaufwand gereuen lassen, um das schöne Werk der Pfarreinrichtung zu Stande zu bringen; es stehet da durch Ihr Bemühen, erfreuen Sie sich also vorzüglich dessen Ausführung. Nehmen Sie also, sämmtlichen Herren! welche ich nannte, nehmen Sie gütigst an den innigſten lebhafteſten Dank, welchen ich Ihnen im Nahme dieser Gemeine, ihres Seelsorgers und von meiner Seite darbringe. Ja Dank, lautester Dank sey euch allen, ihr edlen Bewohner der Sammtgemeine Wald! welche ihr eure Beiträge zu der Einrichtung dieser Pfarrkirche mit brüderlicher Liebe und christlicher Freygebigkeit gemacht habet! Bey Jeſus habet ihr eure Gaben auf Zinſen gelegt, und Jeſus, der das Gute nicht unbelohnt jäßt, wird es euch durch seinen göttlichen Segen tausendfach vergelten. O liebster Jesus! Segen beglücke Alle Nimm beßter Hirt! Göttlicher Erlöser! nimm diese Heerde und ihren Hirten in den beſondern Schutz deiner Gnade. Laße uns Alle deinem Suchen, deiner Lehre folgen! Lasse uns deine Anstalten und Mittel zu unserm Heile so benützen, daß wir zu dem Himmel, den du uns durch deinen Tod geöffnet hast, zu der ewigen Seligkeit gelangen. Amen. ein .