zweyte Rede bey dem eilfhundertjährigen Jubelfeſte des heiligen Biſchofes Suitbertus, Apostels hiesiger Gegend und der benachbarten Länder, Vorgetragen den 7ten des Monats Julius 1817 in der Pfarrkirche zu Kaiserswert — von Heinrich Joseph Saur, Pfarrer in Mon the a Mit Genehmigung des Hochwürdigsten ErzStift, Cölnischen General Vicariats. . Düsseldorf, gedruckt bey Franz Friedrich Stahl, Hofbuchdrucker, Inhalt. Danksarkeit unseres Vaterlandes für die naſchätzbaren Wohlthaten, welche der h. Suitbert demselben durch die Verkündigung der Religion erwiesen hat. Si decem millia paedagogorum habeatis in Christo, sed non multos patres. Nam in Christo Jesu per Evangelium ego vos genui I. ad Cor. C. b. V. 15. Wenn ihr zehn tausend Lehrmeister in Christo hättet, so habet ihr doch nicht viele Vaͤter. Denn ich habe euch durch das Evangelium in Christo Jesu gezeuget. — Dem Voͤlkerlehrer hatte die Liebe, wovon ſein Herz voll war, den Grundſatz eingepräget, daß es ihm gleich gelte, auf was immer für eine Art es geſchehe, wenn nur Chriſtus geprediget werde; (Phil. K. 1. V. 18.) er macht daher den Korinthern eben so wenig, als ihren Lehrern, worauf sie stolz thaten, einen Vorwurf. Allein die Korinther gingen zu weit; sie theilten sich gleichsam, und jeder glaubte in seinem Lehrer einen Vorzug zu finden. Diesem Zwiste ein End zu machen, bedient er sich des Ansehens, welches er, als Glaubensvater, uber sie hatte. Durch mich, sagt er, seyd ihr zum Glauben gekommen, gleichviel, wer der sey, welcher euch nachher unterrichtet; haltet euch nur fest an die Lehre, die ich euch geprediget habe. So ermahne ich euch, als meine allerliebsten Kinder: denn, wenn ihr auch zehntausend Lehrmeister hättet, so habet ihr gleichwohl nicht viele 4 viele Väter, denn ich habe euch durch das Evangelium in Jesu Christo gezeuget. Bey dieser Feierlichkeit, womit wir das eilfhundertste Jubeljahr nach dem seligen Tode des heiligen Suitberts feiern, glaubte ich diese Worte des Apostels ihm in den Mund legen zu können, und zu müssen; denn er war der erste, der uns das Evangelium gepredigt hat: er ist also unser Glaubensvater, unser Apostel. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß unser Vaterland mehrere Lehrer aufzuweisen hat: aber nur dem heiligen Suitbert gebührt die Ehre, daß er den Weizen ausgesäet, und andere nach ihm den Acker gepfleget haben, oder wie der heilige Paulus spricht: Er hat gepflanzet, und andere haben die Aussaat begoffen. (1. Cor. K. 3. V. 6.) Kurz: Wenn wir noch zehn tausend Lehrer hätten, so ist doch nur er der Vater, der uns durch das Evangelium in Christo Jesu gezeuget hat. 22. Welchen Dank sind wir, m. Chr! diesem Manne, diesem unsern Apostel und Glaubensvater, dem heiligen Suitbert ſchuldig! . ### ### Wir Der 5.— Der Gegenstand meiner Rede ist daher folgender: 936 Dankbarkeit unseres Vaterlandes für die unschätzbare Wohlthat, welche der heilige Suitbert demselben durch die Verkündigung der Religion erwiesen hat. Die Schuldigkeit des Dankes folgert sich aus der Große der Wohlthat; die man erhalten hat; und die Größe der Wohlthat faͤllt im Gegengehalte mit dem entfernten Uebel greller in die Augen. Meine Rede wird demzufolge in folgender Abtheilung beſtehen: Was waren unsere Vorfahrer, ehe der heilige. Suitbert in unsere Gegend kam? 1. Theil. Was sind sie, und wir mit ihnen durch den heiligen Suitbert geworden? 2. Theil. Worin soll unser Dank gegen den heiligen Suitbert für diese Wohlthat bestehen? 3. Theil. Hei 6 Heiliger Suitbertus! indem ich mich deinen heiligen hier gegenwärtigen Gebeinen, diesen kostbaren Werkzeugen deines apostolischen Eifers nähere, bitte ich durch deine Verdienste bey Gott, erhalte mir einen Funken jener nachdrücklichen Beredsamkeit, wodurch du so viele Seelen Gott gewonnen hast; damit, was ich nicht verdiene, durch deine Fürbitte geschehe, und durch meinen Vortrag der Namen Gottes geheiliget, deine Verehrung vermehret, und das Heil meiner Zuhörer befördert werde. Euch, m. Z.! bitte ich zur Ehre Gottes in feinem Heiligen um Aufmerksamkeit und Geduld. Erſter Theil. Was waren unsere Vorfahrer, ehe der heilige. Suitbert in unsere Gegend kam: Sie waren Heiden. Ein Wort, welches aber das ganze Unglück ausdrückt, welches auf unserm Vaterlande lag, ehe es sich zur Lehre des Evangeliums bekennte. Lasset uns den Sinn, den Begriff, den dies Wort in sich fasset, auseinander setzen. Wenn der Prophet Isaias die Heiden schildern will, so nennet er sie ein Volk welches welches in den Finsternissen wandelt; Menſchen, welche im Lande des Schattens des Todes wohnen. (Is. K. 9 V. 2.) Eben so gräßlich ist das Bild, welches uns der Pater des heiligen Johannes des Taͤufers Zacharias beym heiligen Lukas davon entwirft, wo er die Große der Wohlthat der Menschwerdung Jesu Christi darin setzt, daß er gekommen sey, diejenigen zu erleuchten, welche in den Finſterniſſen, und im Schatten des Todes sitzen. (Luc. K. 1. 79. V.) Sehet, m. Chr.! in wenigen Worten den Begriff, den wir uns nach dem Sinne des Propheten, und des Evangeliums von unsern Vorfahrern machen müssen. Blindheit des Verstandes, (denn sie wandelten in Finsternissen) und Verdorbenheit des Willens (denn sie saßen im Schatten des Todes) waren das traurige Loos, welches auf unsern Urvätern lag. Zwar hat die Güte unseres Gottes dem Menschen die Erkenntniß, daß ein Gott sey, eingepräget: denn, wie der gekronte Prophet sagt: Das Licht deines Angeſichtes iſt in uns gezeichnet. (Pſ. 4. V. 7.) Allein durch die Tyranney, welche der Satan von der Sünde des ersten sten Menschen an in der Welt ausübte, war dies Licht fast erloschen, und die Erkenntniß des wahren Gottes gleichsam aus dem Herzen der Menschen verwischt; denn das kleine Haufchen des gläubigen Judenvolkes, welcher auch nicht allemal diese schöne Benennung verdiente, weggerechnet, welch ein Grauel der Verwüstung, welche Finsternisse des Verstandes lästeten nicht auf dem fast ganzen ubrigen Menschengeschlechte! Wir wollen bey allgemeinen Begriffen stehen bleiben. Die erste Pflicht, so wie der größte Vortheil des Menschen ist, daß er sich bestrebe, seinen Ursprung, seine Natur, und ſein letztes Ziel und End zu erkennen, und auch den rechten Weg, den er eingehen muß, um dahin zu gelangen. Wenn man aber die alten Geschichtschreiber, selbst die heidnischen, zur Hand nimmt, so muß man erstaunen, wie Menschen denen Gott Verstand gab, und denen es schon ein inneres Gefühl sagt, daß es einen ewigen ersten Ursprung, einen Gott gibt, ſo tief haben ſinken, ſo weit. ſich verirren können, daß sie, damit ich mit dem heidnischen Cicero rede, wenn schol ihnen die Nothwendigkeit eines höchsten Wesens einzuleuchten schien, dennoch in dem dem Begriffe, was er sey, und wie nothwendig er einzig sey, auf die widersinnig ſte Abwege gerathen konnten. Um den diesfallsigen Beweis zu führen, würde ich mich vergebens auf die mehresten Scribenten berufen; denn man mochte einwerfen, daß selbe von den Romern und Griechen geſchrieben, und ihre Aussagen auf unser Deutschland nicht paßten. Ich will mich daher nur auf den Tacitus beziehen, der ein eigenes Werk von den Sitten der Deutschen geschrieben. Man findet bey ihm, was auch durch andere bestätiget wird, daß Deutschland in fast unzählbar kleine Völkerschaften sich abgetheilet habe; man findet aber auch eben ſo bey ihm eine ahnliche Perſchiedenheit von Göttern, die ſie anbetheten. Vorzuglich aber scheint sich durch eine unverſiegte Uebergabe behaupten zu laſſen, was eben dieser Tacitus saget, daß bey den alten Deutschen die Haine oder Büsche in Verehrung gestanden, weil sie in ihrem Dunkel ein verehrungswürdiges Bild der Gottheit waͤhnten; woher bis auf unsere Zeiten sich die Namen vieler Ortschaften mit der Sylbe Hain, Hahn, und Hohn erhalten haben. Es dienet zur Bestatigung dessen eine 10 eine berühmte Eiche im Hessischen, welche späterhin durch den heiligen Bonifacius zerstöret worden. Es fällt besonders ins Lächerliche, was uns der obige Tacitus im10. Hauptst. erzählt, wie man kleine Holzstückchen zusammengeworfen, und aus diesem Mischmasche geweissaget, und daß eben so zu dem Ende das Singen und der Flug der Vögel, fort das Wiehern und Rennen der Pferde von weisser Farbe gedienet habe, die auf Kosten der Gemeinde in den Hainen oder Büschen unterhalten wurden. Und von den Boructuariern, in deren Provinz nach der Meinung des ehrwürdigen Beda (apud Bolland. 1. Mart. in Comm. hist. §. 1. n. 9.) das Bergische lag, erzählt uns die Lebensgeschichte des Heiligen, daß sie verschiedene Gotter angebethet, durch gottesschanderische Opfer sich beym Teufel Raths erhohlt, und sich auf Vogeldeuterey und Wahrsagerey verleget hätten. Da die Sitten mit der Religion im engsten Einverständnisse sind, so läßt sich leicht von dem Begriffe, den, die alten Deutschen von der Gottheit hatten, auf ihre Sitten schließen. — Wahr ist es, und es gereicht den alten Deutschen zur Ehre, daß 11 daß sie besonders auf die Keuschheit hielten; und es wurde dies Laster, vorzüglich der Ehebruch aufs schärfeste bey ihnen geſtrafet. Merket euch dies, Ihr heutigen Christen! und erkennet, wie tief ihr gesunken seyd, da ihr nicht einmahl die Schändlichkeit eines Lasters einsehen wollet, welches eure heidnischen Vorfahrer mit den Begriffen vernünftiger Geschöpfe zu streiten glaubten. Sie waren auch ein treues Volk. Merket euch dies, Ihr! bey welchen Wortbrüchigkeit an der Tagesordnung ist, und verdeckte Betrügereyen feine Handelsspekulationen sind. Alte deutsche Treue, kennt man dich auch noch? — Wenn wir aber übrigens einen Blick auf die Sitten der alten Deutschen werfen, so kann man mit Recht behaupten, daß dieſelbe eben ſo rohe gewesen, als die Verehrung, welche sie in den Hainen oder Büschen der Gottheit beweisen zu müssen glaubten. Alle Geschichtschreiber kommen darin überein, daß die Deutschen ein rohes und barbarisches Volk gewesen; und dies läßt sich von dem Stammen der Boructuarier, der alten Sachsen, Westphäler, und Engerer, welche eigentlich unsere Vorfahrer waren, beweisen. Der Lebensschreiber nennt sie ein bar 12 barbarisches, grausames, und rohes Volk. Es ist beinebst bekannt, daß die beyden heiligen Ewalden, welche Gesellen unseres heiligen Suitberts waren, als sie kaum in ihre Gegend eingedrungen, auf den Verdacht, daß ihr Heidendienst dadurch leiden dörfte, zur Stelle der Eine enthauptet, der andere aber durch einen recht grausamen Tod aus dem Wege geraumet worden. daß unserm heiligen Suitbert nicht das namliche widerfuhr, kam nur vom Schutze des Königs Pipins her. Denn die Lebensgeschichte des heiligen Ludgers, ersten Bischofs von Munster hat es uns aufbehalten, daß gesagter Pipin, endlich der Einfälle mude, dreißig Jahre nach dem Tode des heiligen Suitbers, nämlich im Jahr 748. Kaiserswerth befestigen lassen, um es wider die unglaubigen Sachsen, Westphaler und Engerer zu schützen. Und eben so versichert uns Werner von Tietz in ſeiner Neuſſer Chronick, daß Pipin dem tapfern Hunold, Grafen von Angiers, diese Festung wider die ungläubigen Heiden zu vertheidigen übertragen habe. Und da man doch so ziemlich von der Roheit des Regenten auf jene der Nation schließen kann, so meine ich, daß es hier am rechten Orte stehe, was der bekannte Sexarius im 3ten Buche seiner Mayn= 13 Maynzergeschichte (notat. X. post vitam S. Bonifacii) saget, daß im Jahre 719 der Tyrann der Friesländer Radbod gestorben sey, nachdem er mehr, als vierzig Jahre die Könige und Herzoge von Franken beunruhiget. Ferner führt er an, daß der heilige Suitbert viele Muͤhe auf die Bekehrung des gesagten Radbods verwendet, dieser anfaͤnglich sich wohl willig erzeiget, dann aber erklaret habe, der Gesellschaft ſeiner fuͤrſtlichen Vorfahrer nicht entbehren zu wollen, um mit wenigen Armen im Himmelreiche zu ſeyn. Mich deucht, dies reiche hin, um dargethan zu haben: Was unsere Vorfahrer gewesen seyen. Wir wollen also jetzt etwas Angenehmeres horen: Was sind unsere Vorfahrer, und wir mit ihnen durch den heiligen Suitbert geworden? Der zweyte Theil. So, wie die Morgenröthe den Tag ankündiget, die Finſterniſſe zerſtreuet, und durch ihre holden Strahlen die Hoffnung gibt, daß gar bald die Sonne ihr wohlthätiges Licht uns mittheilen, und durch ihre 14 ihre Wärme gleichsam ein neues Leben auf der Erde verbreiten wird, so erschien Suitbert unter unsern Vorfahrern. Ja, er erscheint; die Finsternisse des Heidenthums verschwinden, das beseligende Licht der wahren Religion tritt an ihre Stelle; er ertheilet die Kenntniß des wahren Gottes, und mit dieser die Kenntniß der Pflichten, die den Menschen zu Gott führen, und nur allein das Gluck des Menschen ausmachen koͤnnen. Ich denke mich in diesen glücklichen Zeitpunkt versetzet; und mich deucht es, den Aufruf des Propheten an Jerusalem zu hören. Stehet auf, Ihr Berger! werdet erleuchtet: denn euer Licht ist, gekommen, und die Herrlichkeit des Herrn iſt uͤber euch aufgegangen. (Is. K. 60. V. 1.) Gleich jenem Propheten, den Gott ehedem bestellet hat, um auszureißen, und zu zerstören, zu bauen, und zu pflanzen, (Jer. K. 1. V. 10.) griff Suitbert das Werk des Herrn an. Ueberzeugt, daß alle gute Gabe nur von oben kommen; (Jac. K. 1. V. 17.) und da die Haine und wilden Bäume ihm den betrübten Zustand der Einwohner eindruckten, mußten auch eben diese Wildnisse die Zeugen 15 gen seines Gebethes, seiner Seufzer seyn, um die Gnade der Bekehrung für sie zu erhalten. Hier sammelte er jenen Eifer, der einen Apostel gestaltet, und er ergriff die evangelische Axt, um diesen wilden Acker zu fäubern. Gleich einer Donnerſtimme, die umher rollet, (Ps. 77. V. 29.) predigte er; er erklarte die Lehre Jesu; er uberzeugte; er bekehrte: und durch dieſen unermudeten Eifer brachte er es endlich dahin, daß diese zuvor ganz wilde Gegend eine andere Gestalt gewann oder deutlicher, und alles mit einem Worte gesagt, daß unsere Vorfahrer das Heidenthum verließen, und Christen wurden. Ja, wir sind durch die Bemühungen des heiligen Suitberts mit der Gnade Gottes Christen. Fasset, m. Z.! was dies sagen wolle: Wir sind Christen: denn was sagt das Wort: Christenthum? und welch eine Wohlthat ist es, daß uns Gott dazu berief? Betrachten wir diese Wohlthat in ihrem Ursprunge, so ist es eine von uns ganz unverdiente Gnade; die uns Gott zu Theil werden ließ; betrachten wir diese Wohlthat in ihrer Wesenheit, so gibt sie dem Menschen seine wahre Große; betrachten wir endlich diese Wohlthat in ihren Wir⸗ 16 — kungen, so machet nur sie das wahre und einzige Gluͤck des Menſchen aus. Eine unverdiente Gnade. Denn da Gott, wie der Apostel redet, uns vor der Gründung der Welt aus Liebe vorerwaͤhlet hat, (Ephes. K. 1. V. 4.) wo fand er die Grunde dieser Vorliebe, die uns zum Christenthume berief? Gewiß nicht in uns: denn wir waren noch nicht: Gott dachte alſo an uns, um uns glücklich zu machen, bevor wir an ihn denken konnten, um ihn dafür zu preisen. Oder fand Gott vielleicht die Grunde seiner Vorliebe in der Voraussehung unserer künftigen Verdienste? O Christen! nichts zu sagen, daß unsere Verdienste nur den Grund in der Gnade Gottes haben (denn ohne diese vermogen wir nichts) (Joh. 15. K. 5.) war nach dem Ausdrucke des Propheten unser Vater ein Amorrhaͤer, das ist, ein Aufrührer, und unsere Mutter eine Cethaerinn, (Ezech. 16. K. 3.) das ist, eine Thörinn, indem wir dem allgemeinen Fluche des Menſchengeschlechtes durch die Sunde unserer Stammeltern unterlagen. Gott konnte also an uns nichts anders, als Sünde und Elend entdecken, und dennoch berief er uns zum Christenthume. Mein the 1 Mein Gott! was konntest du noch mehr thuen, um deine Liebe gegen elende Sklaven zu bezeigen, und unsere Liebe zu verdienen! Wie viele Voͤlker, wie viele Nationen, wie viele Länder und Reiche ſind noch in den Finſterniſſen der Irrthumer begraben, da uns das Licht des Evangeliums scheinet? Wie viele Seelen sind in eben dem Augenblicke, da du die unfrigen schüfst, aus deinen Händen hervor: gegangen, um die Leiber der Wilden und Barbaren zu beleben, die täglich in ihrem Unglauben zu Grunde gehen, waͤhrend du uns zur Taufe im Schooße deiner Kirche bestimmtest? Waren denn wir würdiger deiner Erbarmungen in deinen Augen, 0 mein Gott! würdiger, als so viele Seelen, die täglichen Schlachtopfer deiner Gerechtigkeit? Haben wir deine Vorliebe mehr verdient, als viele andere, die derselben nicht genossen, und vielleicht einen heiligeren Gebrauch davon gemacht hätten, als wir? Nein, Chriſten! nach dem Vorſatze seines Willens, wie der angezogene Apoſtel ferner redet, hat uns Gott durch Jeſum Chriſtum an Kindesſtatt vorher beſtimmt, und wirklich angenommen. (C phes. K. 1. V. 5.) B Ich 13 Ich berühre, fast ohne es zu wollen, die Wesenheit der Gnade, die uns dadurch, daß wir Christen sind, zu Theil wurde, und welche nur allein unsere wahre Große ausmacht. Da der Mensch nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen war, verlor er durch die Sünde diese Würde, und mit dieser seine ganze Glückseligkeit. Bestimmt mit seinem Gott zu herrschen, hatte er das Recht verloren, an seinem Reiche Theil zu nehmen; er trug, wie der heilige Bernard redet, die Augen und das Haupt aufrecht, um den Himmel zu betrachten: und er kroch mit dem Viehe auf der Erde und im Kothe; sein armes Herz war unruhig, um dauerhafte Ruhe zu finden, und er kannte seinen Gott nicht, der nur den großen Raum dieses seines Herzens ausfüllen, und seine immer fortsehnende Begierden ſättigen konnte. Erwägen wir die Tiefe dieses Elendes, um die Größe zu erkennen, zu welcher uns das Christenthum erhob. Welcher Uebergang! der heilige Cyprian ſchildert uns dies, da er in seinem Briefe an seinen Freund Donatus von sich selbst spricht: Die neuschaffende Taufe, tilgte die Makel des vorigen Lebens; das heitere Licht von oben 19 oben senkte sich in mein mit dem Himmel ausgeſoͤhntes Herz; die zweyte Geburt durch den heiligen Geist verwandelte mich in einen neuen Menſchen. Wir waren, wie der Apostel sagt, Finsternisse; nun aber sind wir Licht im Herrn. (Ephes. K. 5. V. 8.) Der Glaube, beseelet von der heiligmachenden Gnade, schaffet ihn um in ein Kind Gottes (1. Joh. K. 3. V. 42.) und machet ihn zugleich theilhaftig ſeiner goͤttlichen Natur (2. Pet. K. 1. V 4.) Welch eine Liebe! welch eine Ehre! welch eine Größe! denn durch diese gottliche Kindschaft, sind wir mit Jesu Christo so eng verbunden, daß wir nur einen Leib ausmach cœ; (1. Cor. K. 12. V. 27.) wir stehen mit ihm in einem so genauen Verhältnisse, daß wir durch die Gnade das sind, was er von Natur ist; daß wir durch geistliche Wiedergeburt das werden, was er durch seine ewige Geburt ist. Ueberzeugen wir uns nach diesem Grundsatze ganz von unserer Große. Wenn wir zufolge der göttlichen Kindſchaft Eins mit Jeſu Chriſto sind, so suchen wir, wenns moglich ist, uns begreiflich zu machen, wie groß dieser göttliche Erlöser ist; und wir werden dann auch begreifen, wie groß wir selbst sind, 20 sind, wenn wir uns als seine Brüder betrachten. Wenn Jesus Christus der Sohn des ewigen Vaters, und der Gegenstand seines Wohlgefallens ist, so sind auch wir durch die Annahme an Kindesstatt Kinder Gottes, und Gegenstände seiner Liebe. Wenn Jesus Christus von Ewigkeit her bestimmt war, das Haupt des auserwählten Geschlechts zu seyn; wenn er der Heilige aller Heiligen, der erste König und Priester ist, so sind auch wir von Ewigkeit her bestimmt, dieses auserwählte Volk, Heilige, Könige, und Prieſter zu ſeyn. (1. Pet. K. 2. V. 9.) Wenn endlich Jesus Christus eines Tages in den Wolken des Himmels kommen wird, um die Lebendigen und Todten zu werden; so mussen auch wir einst mit ihm erscheinen, umfloſſen vom himmliſchen Lichte, ſitzend auf dem Throne ſeiner Herrlichkeit, um die Menſchen und ſelbſt die Engel zu richten. (1. Cor. K. 6. V. 3.) Alle diese herrlichsten Ehrentitel, alle diese erhabensten Vorzüge will Jesus Christus mit uns theilen; wir treten in alle seine Rechte ein; und alles das, was seine Größe ausmacht, macht auch die unſrige aus. Was 21 Was aber die Wohlthat, Christen zu seyn, vollkommen macht, ist, daß, wie wir Kinder Gottes, und Brüder Jesu Chriſti geworden ſind, eben ſo mit Jeſu Chriſto zur Erbſchaft berufen ſind; (Rom. K. 8. V. 17.) und ſo macht die Wohlthat, die uns zum Christenthume berief, in ihren Wirkungen das wahre und einzige Glück des Menschen aus. Im Menschen liegt ein unersättliches Streben nach Glückseligkeit; und wo soll er dieselbe, das heißt, eine solche Glückseligkeit finden, welche die Wunsche seines Herzens befriedigen könnte? Die Erde ist zu begränzt, um die Größe seiner Seele auszufüllen; die Zeit, wie lang sie auch dauern mag, zu kurz, um das Ziel seiner Wünsche zu seyn; nur der Gedanke, daß alles, was uns die Welt darbiethen kann, mit dem Tode sich endiget, läßt uns die Vortheile der Erde nicht mit Vergnügen genießen, sondern muß vielmehr Schmerzen erregen, und Bitterkeit verbreiten. Nein, dies ist nicht das betrübte Loos des Christen. Du bist ein Miterbe Jesu Christi, ruft ihm der Apostel zu. (Rom. 8. V., 17.) Seine heilige Religion zeiget ihm ein Reich nach dem Tode, wo ihm Gott eine unverwelkliche, eine ewige welches das Krone vorbehält; ein Reic Reich 22 Reich seines Gottes selbst ist, und welches er mit Jesu Christo, seinem Erlöser, seinem Bruder, seinem Miterben theilen wird. In diesem Gedanken liegt schon die zeitliche Glückseligkeit des Christen: denn was soll seine Zufriedenheit storen? Verfolgungen, Elend, Kummer, Krankheiten, jede Widerwärtigkeit werden es nicht vermoͤgen; denn sie sind für ihn nur ein Unterpfand künftiger, unbegreiflicher Belohnungen, wohin ihm sein Erlöser eben so durch Leiden vorgegangen ist; wohin er ihn nach sich einladet: ich gehe hin, euch einen Ort zu bereiten; (Joh. K. 14. V. 2.) wo alle seine Thranen werden abgetrocknet werden; (Apoc. 7. K. 17. und so ist der Tod, dem das Weltkind mit so vielem Schrecken entgegen sieht, für ihn kein Schreckenbild; denn er ist für ihn der erwünschte Uebergang vom Elende zur Seligkeit, vom Kummer zu den reinsten Vergnügungen, von der Niedrigkeit zur Herrlichkeit, zum Leben, wo er im Reiche seines Gottes nach dem Ausdrucke des gekronten Propheten mit einem Bache ewiger Freuden wird getränkt werden. (Ps. 35. V. 9.) So unverdient berücksichtiget, so groß, so 23 so glücklich ist der Christ durch seinen heiligen Glauben! Wenn nun das Unglück unserer Vorfahrer, da sie noch Heiden waren, ein unabsehbares Elend war; wenn wir durch das Glück, Christen zu seyn, nur unsere wahre Größe, als Menſchen, erhalten konnten und wirklich erhalten haben; wenn endlich das kostbare Werkzeug, wodurch wir vom tiefesten Elende zur erhabensten Größe gelanget sind, der heilige Sultbert war, muß nicht unser Herz vom lebhaftesten Danke gegen diesen großen Mann, diesen unsern Retter, diesen unsern Apostel aufwallen? Wodurch aber soll sich dieser Dank an den Tag legen? Höret mich noch hierüber. Dritter Theil. Wodurch ſoll ſich dieſer Dank an den Tag legen, m. Z.? und was mag wohl ein so liebender Vater von seinen Kindern, die er so zärtlich, und bis zu seinem Ende geliebt, und für welche er sich so viele Mühe gegeben, was mag er wohl von ihnen erwarten? Was Suitbert unter uns gethan, wissen wir; und ohne Zweifel wird das, was er von uns dagegen verlangt, dieses seyn, — 24 seyn, daß wir, was er mit so vielem Schweiße gebauet hat, nie wieder zu Grunde richten; und daß wir vielmehr an der Lehre, die er uns geprediget, und als ein kostbares Erbtheil hinterlassen hat, allezeit fest halten. Er lehrte uns aber heilig glauben; und er lehrte uns heilig leben. Sehet also, m. G! was Suitbert von uns zum Danke verlangt; und was er durch meinen Mund euch alle bittet: daß ihr nämlich an euerm heiligen Glauben euch allezeit fest haltet: und daß ihr auch nach den Vorschriften eueres heiligen Glaubens allezeit lebet. Ich finde in seinem Leben beym Sutius am 26. Hauptstücke etwas, bey dessen Durchlesung jedem eine Aehnlichkeit zwischen dem heiligen Suitbert, und dem Voͤlkerlehrer auffallen muß. Der heilige Paulus, wie uns die Apostelgeschichte berichtet (K. 20. V 35. u. folg.) sieht seine Neubekehrten von Miletus, Ephesus, und der umliegenden Gegend zuletzt, und er hält seine Abschiedsrede: der heilige Suitbert nähert sich dem Tode, und auch er giebt seine letzten Ermahnungen. Und was mag er ihnen wohl gesagt haben? Sein Biograph sagt uns sehr wenig davon. Erlaube es mir also, heiliger. Suitbert! daß ich dir die Worte des großen Paulus auf die 25 die Zunge lege: denn ich meine, da ich hier deine heiligen Gebeine gegenwartig verehre, dich auf dem Sterbbette zu sehen; und die Worte an deine Neubekehrten zu hoͤren, mit welchen Paulus die Seinen anredete. Vernehmet also, Geliebte! die letzten Worte eueres sterbenden Vaters: Ihr wisset es, spricht er, wie ich von der Zeit an, daß ich unter euch aufgetreten bin, mich unter euch betragen habe; wie ich euch nichts verborgen gehalten, was zu euerm Heile dienen konnte; wie weder Eigennutz, noch eine andere zeitliche Absicht, sondern nur euere Heiligung der Gegenstand meines Schweißes, meiner Arbeiten, meiner Bemuhungen war. Nun verlasse ich euch; haltet euch fest an die Lehre, die ich euch geprediget habe; ich weiß, daß nach meiner Entfernung reißende Wölfe unter euch kommen werden, die der Heerde nicht schonen; ja aus euerer Mitte werden Männer aufstehen, und verkehrte Lehren ausstreuen, um Jünger an sich zu ziehen. Wachet alſo, und bleibet der apostolischen Lehre treu, die ich unter euch geprediget habe. Ach, liebe Christen! was ich hier vortrage, und was Suitbert schon vor eilfhundelt 26 dert Jahren vorsagen konnte, sehen wir nicht, daß dies wirklich achthundert Jahre nach seinem heiligen Tode in Erfüllung gegangen, und so große Gemeinden der alten Boructuarier, und Altsachsen aus dem Schooße der Mutterkirche ausgetreten sind, und Lehren angenommen haben, die ihre Vater nicht kannten? Doch wir sind diesem Unglücke entgangen. Aber sind wir deswegen ganz sicher Denn gibt es nicht auch unter uns Menschen, die sich Katholiken nennen, aber Wölfe im Schafpelze sind; Menschen, die uns ganz andere Lehren aufdringen wollen, als Christus, und sein Apostel Suitbert uns gegeben haben; Menschen, die nicht allein durch ihr freyes und ärgerliches Leben, sondern auch durch ihr freyes Reden und gottlose Grundsätze, die sie immer im Munde führen, die Frommen ärgern, und die Schwachen zu verführen suchen; Menschen, welche, da ihre Laster es ihnen wunschenswerth machen, daß es keinen Richter, keine Hoͤlle, keine ſo heilige Religion gäbe, die Posaune des Unglaubens uberall ertonen lassen; Menschen, welche, damit ihre Laster sie nicht brandmarken mögen, in der Mehrzahl ihrer Anhänger eine Decke ihrer Schande 27 de suchen; Menschen endlich, welche da sie immer Menschenliebe und Duldung im Munde führen, wahre Menschenhasser, und im bürgerlichen Leben die unduldsamsten sind, wenn sie nur den Streich verbergen, und heimlich ausführen können. Mich deucht, daß euch hier der heilige Suitbert zurufe, was auch einst der heilige Paulus an seine Gläubigen schrieb: O! meine Kinder! die ich mich abermal bemühe zu gebahren, bis daß Christus in euch gebildet werde; (Gal. K. 4. V. 19.) werdet doch nicht wankende Kinder, und laſſet euch nicht von jedem Winde der Lehre durch Schalkheit der Menſchen, oder durch List, wodurch ſie euch verfuͤhren, herum treiben; (Eph. K. 4. V. 14.) stehet, und lasset euch nicht wieder unter das Joch der Dienstbarkeit bringen, (Gal. K. 5. V. 1.) der ihr ſo glücklich entgangen, und zur Erkenntniß der Wahrheit gekommen seyd; stehet fest im Glauben, handelt, wie Manner, und ſeyd beherzt; (1. Cor. K. 16. V.13.) haltet die Satzungen, (2 Theſ. K. 11. V. 14.) die Christus durch sein Evangelium, und durch seine Apostel so wohl ſchrift⸗ 28 schriftlich, als mündlich hat verkündigen lassen, bleibet treu dem Glauben euerer Vater, euerm Glauben, der schon durch sein Alterthum das Geprage der Wahrheit vor jeder neuen Lehre hat. denn, wie der Apostel an die Hebräer schreibt, (K. 13. V. 8.) Jesus Christus war gestern und heute, und wird derſelbe in Ewigkeit seyn; folglich wie unveränderlich er selbst ist, muß auch seine Lehre, die er geprediget, seine Kirche seyn, die er gestiftet hat. Wozu aber dies, werdet ihr denken, da ich zu Rechtgläubigen rede? Verzeihet Allerliebste! Wenn Suitbert, euer Apostel, nach dem Zeugnisse seines Lebensstellers (C. 26.) die Seinen mahnen zu dörfen glaubte, daß sie alles, was sie von ihm gelernet, und was sie an ihm gesehen hätten, mit unerschüttertem Glauben, und Treue bewahren sollten, so glaubte ich auch, mich berechtiget zu seyn, diese Sprache zu führen: ja, ich glaubte mich dazu aufgefordert zu seyn. Warum? Gewiß nicht, daß ich an euerer Anhänglichkeit für die Wahrheit zweifle, sondern weil die Gefahr, den Glauben zu verlieren, in diesen unsern Tagen groß ist. Sehet diesen meinen Ausdruck nicht als eine heilige Träumerey an: denn 29 denn mich schrecket, was der Völkerapostel seinem Jünger Timotheus, diesem so heiligen Bischofe, schreibt: Streit einen guten Streit, und ſorge für ein gutes Gewissen bey deinem Glauben; denn etliche, welche das gute Gewissen nicht achteten, haben auch im Glauben Schiffbruch gelitten. (1 Tim. K. 1. V. 19.) Wen, der auch für euer Seelenheil eifert, sollen diese Worte nicht schrecken? Nicht auch euch, m. G.? denn, wenn man seine Augen unter den heutigen Christen umher wirft, sind es wohl christliche Sitten, woran man ihren Glauben erkennen kann? Beweisen es aber nicht auch die Geschichte, und die Erfahrung (und dies ist der Sieg der katholischen Kirche!) daß es mit den Sitten deren, welche sie verließen, schlecht aussah. Unbedenklich wußte Suitbert nur gar zu gut, wie enge heilige Sitten mit dem wahren Glauben vereinigt seyn müssen; und daher, da er die Seinen heilig glauben lehrte, lehrte er sie auch heilig leben; und dies ist es auch, was er noch zum Danke von uns fordert. Es hat nämlich der Glauben zweyerley Gegenstände; und da er unserm Verstande Geheimnisse vorhalt, welchen wir einen demuthigen und ungezweifelten Beyfall 30 — fall zu schenken und zu seinem Dienste unſere ſchwachen Begriffe gefangen zu geben (ə. Kor. K. 10 V. 5) verpflichtet sind, beschaͤftiget er zugleich unsern Willen mit Vorschriften, die wir in Ausübung setzen, und unweigerlich befölgen müssen. Der nämliche Glauben, der uns an einen einzigen Gott in dreyen Personen zu glauben befiehlt, legt uns zugleich die Pflicht auf, dem Dreyeinigen Gott durch die tiefeste Anbethung zu huldigen, und nach seinem uns geoffenbarten Willen zu dienen; — der namliche Glauben, der uns einen für unser Heil gekreuzigten Gott vorhält, verbindet uns, ihm durch Verläugnung unserer selbst, und willige Uebertragung jeder Widerwärtigkeit — der naͤmliche Glauben, ihm zu folgen: der uns sagt, daß Jesus Christus wegen unserer Rechtfertigung von den Todten auferstanden, und in den Himmel aufgefahren sey, gibt uns den Unterricht, daß wir aus dem Grabe der Sünde aufstehen müssen, wenn wir gleich ihm zum Leben aufstehen, und nicht, wenn er wiederkommen wird, von ihm gerichtet werden wollen; — der nämliche Glauben, der uns unterrichtet, daß es einen Himmel und eine Hoͤlle gebe, verspricht uns die ewigen Belohnungen des Himmels, wenn wir die Werke des Glaubens — 31 bens ben, und zeiget uns ein ewiges Feuer der Hölle, wohin alle die stürzen werden, welche die Werke der Finsternisse thuen; u. ſ. w. Bey dieser Erwägung werfe ich meine Augen auf deine kostbare Ueberbleibsel, heiliger Suitberte! und ich meine, deine Stimme, die Stimme eines liebenden Vaters zu hören: O ihr alle, die ihr Enkel meiner Kinder seyd, welche ich durch das Evangelium Jesu Christo gewann! Vernachlässiget die Gnade nicht, die in euch ist; zubet doch die Werke des Glaubens, ohne welche euer Glauben ein todter, ein fruchtloser Glauben, ein Glauben seyn würde, der euch nicht zum Leben führen kann, der vielmehr euere Verwerfung schrecklicher machen wird. Da ich euern Apostel so redend einführe, fällt mir ein Umstand ein, der mich verwirrt macht. Suitbert verließ alles, und folgte Jesu nach; auch er also wird nach der Verheißung des Heilandes mit ihm zu Gerichte itzen, — und richten: — und wen? Vielleicht unsere unglaubigen Vorfahrer? ol diese sind schon gerichtet. Wen also? Euch, m. G.! wenn ihr nicht nach den Vorschrif ten lebet, die ihr nach dem Unterrichte eueres Apostels von euern christlichen Vorfahren gererbet habet. Schrecklicher Gedanken! Großer Heiliger! Du wirst also deine 32 Berger, denen du deine ganze Liebe schenktest, richten, und — vielleicht verdammen? O! nein: theile vielmehr noch jetzt einen Theil deines Eifers allen Vorgesetzten, besonders den Eltern mit, damit sie das kostbare Erbtheil ihrer Vater auch auf die ihrigen kommen lassen mögen! dein Geist ruhe auf uns allen, damit wir glauben, und handeln, wie du, beßter Vater! uns gelehret hast! Dieses, Christen! sey unsere Bitte, die wir bey seinen heiligen Gebeinen zu ihm in den Himmel schicken; dies sey unser Streben, das heißt, (ich wiederhole es) halten wir fest an dem Glauben, den Suitbert predigte; uͤben wir die Tugenden, welche Suitbert durch Worte, und Beyspiele lehrte. Vergessen wir alſo nie, was wir heute hörten: Größer konnte das Unglück nicht seyn, als welches unsere Vorfahrer traf, da sie noch Abgötterer waren; — größer konnte unser Glück nicht seyn, als welches uns zu Theil wurde, da Gott uns durch den heiligen Suitbert aus diesen Finsternissen in das wunderbare Licht seines Glaubens versetzte: — Kann denn wohl unser Dank gegen den heiligen Suitbert zu groß seyn? und was fodert er denn von uns? Ich habe es gesaget: Glaubet und lebet, wie er uns gelehret hat. Amen: es geschehe. A. Z. G. E. G.