Geschreibung der von den Gebindern Simon & Nikolaus Meister gemalten Diotamen 3 H.M. II ULB Düsseldor „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ „ 49102 788 01 1 eschreibung der von den Gebrüdern Simon u. Nikolaus Meister gemalten nen. 1 D Die letzten Momente der Schlacht bei Fulm am 30. August 1813. II. Die Königliche Jurg Stolzenfels ☚ ihre Umgebungen bei Sonnenuntergang und während eines Gewitters. Ausgestellt im Diorama zu Köln in der Wolfsstraße. 1843. Druck von W. Clouth. Ihlerisches Museum der Stadt Dasselvors. M. H III Stolzenfel Jurg Die und ihre Umgebungen. Der bloße Namen Rhein ruft uns immer die großartigsten Bilder vor die Seele, denn kein Strom Deutschlands entzückt uns, wie er durch einen solchen Reichthum der anmuthigsten und zugleich erhabensten Landschaften. Welchen Punkt man auch von Coblenz bis Bingen, sowohl auf dem linken als rechten Ufer wählt, eben gigantisch, eben romantisch schön ist die Szenerie, die unser staunendes Auge überrascht; es wechseln die reizendsten Fernsichten mit großartigen Rundgemälden und wild romantischen Partieen, wie sie nur immer die reichbegabteste Phantasie zu schaffen vermag. Eine der herrlichsten Aussichten entzückt den Blick von der Höhe der Veste Stolzenfels, etwa eine Stunde oberhalb Coblenz, welche hier im Bilde ihren stattlichen Bau vor uns emporthürmt, die Reize ihrer wunderfreundlichen Umgebungen vor uns entfaltet. Von der Westseite, von einer Höhe des Stolzenfelser Thales überschauen wir den majestätischen Burgbau mit seiner Hauptwarte, ein kecker Lugin'sland, seinen Wehrmauern, Nebenwarten, Erkern und Zwingern, wie ihn unsres Königs Majestät aus seinen Ruinen erstehen ließ, nachdem er länger denn anderthalb Jahrhundert, verwüstet und öde, gänzlichem Verfall entgegen trauerte. Jetzt eine wahrhaft königliche Veste, eine neue Zierde den Ufern des Mittelrheines, die, von den Zinnen und Erkern der Veste betrachtet, nach Ost und West, nach Nord und Süd ihre malerischen Schönheiten in reichster Fülle dem wonnetrunkenen Auge darbieten. Hier überschaut man des Rheines unbeschreibliche Pracht von den stolzen Thürmen der Marxburg bis zu den trotzenden Zinnen Ehrenbreitsteins, den kühnen Forts, welche Coblenz schützen, bis hin zum Niederwerth, einem schwimmenden Garten, schaukelnd auf des Rheines Wellen. Freundliche Städte und Dörfer beleben die Landschaft, wilde Felsbildungen wechseln mit sanft ansteigenden Hügeln, deren Scheitel dunkler Eichen= und Buchenwald krönt, während an ihrem Fuße üppig die Rebe wuchert und die blühendsten Obstgärten mit ihrem Segen die Ufer des Stromes umkränzen, welcher in ruhiger Majestät dahin gleitet, freundlich Städte und Dörfer, die sich vertrauend an seinen Busen drängen, begrüßt, aber wild aufbrausend der Felsen spottet, welche, der Ufer Hüter, sich seinem Laufe entgegenstemmen wollen, und leicht tändelt mit den zahlreichen, den Segen der fernsten Zonen, des Fleißes Früchte und tausende von Rheinpilgern zu Berg und zu Thal führenden Schiffen. In wunderlichem Wechsel, wie ihn des Lichtes und der Wolken Spiel erzeugt, wie ihn Frühling, Sommer und Herbst hervorzaubern, ist die herrliche Strecke, so weit sie das Auge beherrscht, in jeder Tageszeit, in jeder Stunde neu, aber immer eben reizend, eben schön und erhaben, und Jeder, der einmal die Herrlichkeiten dieser Aussichten von den Zinnen und Erkern der Burg Stolzenfels genossen, wird sich oft und gern in der Erinnerung an den reizenden Ort zurückträumen und gestehen, daß Stolzenfels ein Sitz, würdig eines Königs. Im Bilde schweift das Auge von den Mauermassen der Veste über des Rheines Spiegel nach dem rechten Ufer, wo sich der Burg gerade gegenüber die Lahn mit raschem Laufe in den Rhein stürzt. Rechts auf einer mäßigen Höhe erhebt sich der Burgstall der alten Veste Lahneck, am Anfange des vierzehnten oder gleich am Ende des dreizehnten Jahrhunderts von dem Erzstifte Trier gebaut, welches auch auf derselben seine Burgmänner hatte, bis 1689 die Franzosen die Burg zerstörten. An das rechte Ufer der Lahn lehnt sich Niederlahnstein mit seinen freundlichen Häusern, seinen Herbergen, im Frühlinge und Sommer immer stark besucht und lebendig durch die Thätigkeit auf dem Flusse, welche die reichen Erzeugnisse des Lahnthales dem Rheine zuführt. Ueber Niederlahnstein steigt der Allerheiligen Berg empor, mit seiner jetzt verlassenen Klause, früher ein besuchter Wallfahrtsort. Freundlich locken die Höhen des Lahnthales, welches nach Norden einbiegt, reich an Naturschönheiten und Produkten, wie sie kein anderes Nebenthal des Rheines liefert. Hinter dem Burgbau versteckt liegt die Johanneskirche, wie er uns auch die fruchtbare Ebene entzieht, welche sich bis zu dem preußischen Grenzdorf Horchheim erstreckt, das wir auf dem rechten Ufer hinter der linken kleinen Eckwarte der Veste gewahren. Die immer mehr vom Ufer zurücktretenden Höhenzüge sind reich bewaldet auf Gipfeln und Hängen, während an dem Fuße derselben allenthalben kostbarer Wein gedeiht. Die Spitze des Oberwerths taucht aus der klaren Fluth des Rheines empor, und folgend seinem Laufe überraschen uns im Dufte der Ferne die kühnen Werke der Festung Coblenz, die Forts Alexander und Kaiser Franz. Am linken Ufer, an dem vorbei sich die Landstraße zieht, näher der Burg zu, sehen wir noch die Laubachsmühle, eine viel besuchte Wasserheilanstalt, die schon manchem Leidenden Gesundheit und neue Lebenslust gab. Unter der Burg bemerken wir links einen schlanken Kirchthurm, der des Dorfes Kapellen, welches sich längs des Rheines an den Burgberg lehnt und immer zu dem Banne der Veste gehörte. Links machen die Wald bekränzten Uferberge sich um die Kuppe, auf der die Veste prangt, ziehend, und das Stolzenfelser Thal bildend, den Vordergrund und schließen hier das Bild. Einige Andeutungen über die Geschichte der Burg Stolzenfels werden dem Bewunderer des aus seinen Trümmern herrlich entstandenen Baues und seiner reizenden Umgebung nicht unwillkommen sein, wenn wir auch alle Ausführlichkeiten vermeiden müssen, um nicht zu weitläufig zu werden. Urkundlich läßt sich die Zeit der Erbauung der Veste Stolzenfels nicht bestimmen. Sie bestand aber schon am Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, denn Friedrich II. Braut, die Prinzessin Isabelle von England, wurde auf derselben Anfang. Juli 1235 von dem Erzbischofe von Trier Theodorich von Wied (1213—1242) mit vieler Pracht empfangen und bewirthet, als sie von Cöln, wo sie sechs Wochen Hof gehalten hatte, nach Worms, zog, um hier mit ihrem kaiserlichen Bräutigam das Beilager zu halten. Der Erzbischof von Cöln, Heinrich von Molenark, der Herzog von Brabant, viele Grafen und Ritter, die Bürgermeister von Cöln, Andernach und Coblenz mit vielen Bürgern Cöln's bildeten ihr Ehrengeleit, und des Kaisers Rath Peter de Vinea begrüßte sie hier im Namen seines kaiserlichen Herrn. So holdselig, liebreizend die Prinzessin war, eben so heitern Sinnes und Gemüthes war sie. Es erzählt uns ein gleichzeitiger Chronist, daß die königliche Jungfrau, nachdem sie und ihr Geleit ein Mahl von Rheinsalmen und Rehwild eingenommen, wobei der Oberweseler auch nicht geschont worden, recht munter getanzt habe. Bei dem Ehrentanze auf Stolzenfels erschienen die Bürgermeister von Cöln, Andernach und Coblenz in reichen Faltenhosen von Atlas und in Schauben und Brustkleidern von Goldstoff. Theodorich's Nachfolger Arnold II. Graf von Isenburg (1242—1259) erweiterte um's Jahr 1250 die Veste und ließ sie weidlich verstärken, denn sie bildete die nächste Schutzwehr an der nördlichen Grenze des Erzstifts Trier, und bei den Unruhen des Interregnums war Schutz und Wehr wohl allenthalben nöthig. Der Bau selbst wurde mit dem Gelde des Probstes Warner des St. CastorStiftes in Coblenz vollführt und diesem dafür die Burg verpfändet, und erst 1262 durch den Erzbischof Heinrich von Vinstingen (1259—1286) gegen die Summe von 400 Mark kölnischer Denaren ausgelöst. Die Burg an sich hatte nur geringes Grundgebiet, und das in ihrem Banne liegende Dorf Kapellen war auch unbedeutend. Die Kapelle, woher es seinen Namen und seinen Ursprung leitet, wurde erst 1408 zu Ehren des Martyrers Mennes eingeweiht, und war früher nur ein Bethaus für die Mönche der Stifte St. Castor und St. Florian in Coblenz die hier bedeutenden Weinwachs hatten und deren Leute sich hier nach und nach ansiedelten. Die Veste Stolzenfels diente zur Aufbewahrung der Archive des niedern Erzstiftes Trier und vielen Erzbischöfen zum Aufenthalte, welche hier immer ihre eigenen Burgmannen und einen Burggrafen (Amtmann) hielten. Unter Balduin, Grafen von Luxemburg (1307—1354), dem Bruder Kaiser Heinrich VII. von Luxemburg erhielt die Veste Stolzenfels besonders Bedeutung, da der mächtige Erzbischof, nachdem sein Bruder, der Kaiser, 1313 in Italien gestorben, Ludwig den Baier gegen Friedrich von Oestreich wählte, der seine Hauptstütze am Rheine in dem Erzbischofe von Cöln Heinrich II. Grafen von Virneburg (1304—1332) fand, welcher die Wahl Friedrichs von Oestreich 1314 durchsetzte und denselben in Bonn krönte, trotzdem, daß Cöln und die meisten Städte des Erzstiftes sich für Ludwig den Baier erklärten. Balduin hatte schon früher Alles gethan, ſeine Lieblingsveſte Stolzenfels kräftigſt zu ſchützen; von dem Kaiser, seinem Bruder, hatte er 1309 einen Zoll zu Kapellen erhalten, um mit den Ungeldern, wie man damals die Zollsteuern nannte, seine Burgen zu stärken. Kapellen selbst erhielt im Norden und Süden Thore und Thürme mit eigener Besatzung, und sehr vermehrt wurde die Zahl der Burgmannen auf Stolzenfels zur Vertheidigung der Veste, die unter einem eigenen Amtmanne oder Burggrafen stand. Litt auch das Erzstift Trier viel durch des Cölner Erzbischofes Streifzüge, Stolzenfels blieb eine feste, unüberwindliche Stütze. Die Familie Beyer von Boppard lieferte der Veste viele Burgmannen und Burggrafen, so noch Heinrich Beyer von Boppard unter dem Erzbischofe Boemund Grafen von Saarbrücken (1354—1362) dem Nachfolger Balduin's, welcher hier oft seinen Hof hielt, wie auch sein mächtiger Nachfolger Cuno von Falkenstein (1362—1388), der zugleich Administrator des Erzstifts Cöln war, und durch dessen Vermittlung sein Neffe Friedrich von Saarwerden 1370 Erzbischof von Cöln ward. Cuno's Nachfolger der Erzbischof Werner, Graf von Königstein (1388—1418) wohnte fast beständig auf Stolzenfels, vergrößerte die Veste bedeutend und soll hier mit dem emsigsten Fleiße seine alchemistischen Studien, damals eine Manie der vornehmen Stände, betrieben haben. Die immer mehr sich verbreitende Erfindung der Schießgewehre, der Büchsen (Bussen), wie unsere Vorfahren sie nannten, mußte natürlich das Ansehen der Burgen, sonst unüberwindlich, schwächen und somit sehen wir auch Stolzenfels immer mehr von den Erzbischöfen Trier's verlassen. Erzbischof Otto, Graf von Ziegenhain (1418-1429) haus'te zwar noch zuweilen auf Stolzensels, seine Nachfolger, von denen drei zugleich gewählt wurden: Ulrich von Manderscheid, Jakob von Syrk und Raban von Speier kümmerten sich nur um ihre Fehden unter sich, aber wenig um die Veste, wenn wir auch noch Burggrafen finden, denen dieselbe meist verpfändet wurde. Schon 1432 hatte ein Orkan Dach und Bekrönung der Hauptveste heruntergestürzt und so die nebenliegende Baulichkeiten mit zerstört. Wenn auch vielleicht die Warte wieder neu aufgeführt wurde, so wurde die Burg doch nach und nach ganz verlassen und blieb veroͤdet, denn der am Tage St. Mathei 1500 eingesetzte Burggraf Hilger von Langenau sagt selbst in einer Urkunde die Burg sei so verlassen und öde, „daß sich eine Maus eine Nacht nicht darauf hätte speisen mögen.*) Die spätern Amtleute von Kapellen wohnten meist im Zollhause, und die stattliche Veste, die mit Recht den Namen Stolzenfels trug, mußte verfallen. In dem wilden Wechsel der Zeiten verloren die Vesten als Schutzplätze ganz ihre Bedeutung. In der unheilschwangern Periode des dreißigjährigen Krieges, als der Erzbischof Philipp Christoph von Sötern (1623—1652) auf dem Stuhle Trier's saß, versuchte 1636 der auf Ehrenbreitstein schaltende französische Commandant Salüdie auch die Veste Stolzenfels zu überrumpeln, wie er mehre Vesten des trierer Erzstiftes sich eigen gemacht hatte; sein Anschlag mißlang aber, Stolzenfels wurde von den Franzosen nicht *) Wir verweisen auf: Heinrich Beyer's „Burg Stolzenfels. Coblenz 1842 bei Hölscher, wo uns eine Menge merkwürdiger Urkunden mitgetheilt werden. Eine ausführliche Geschichte und Beschreibung der Burg in allen ihren Theilen hat von Malten angekündigt und wird bei Brönner in Frankfurt reich ausgestattet erscheinen. 11 erobert. Die Trier'sche Besatzung machte seinen Versuch zu Schanden. In den Raubkriegen Ludwig's XIV. gelang es den französischen Mordbrennern, zu solchen stempeln sie ihre ruchlosen Thaten, sich der Burg 1688 zu bemächtigen, und schonungslos wurde der herrliche Bau den Flammen Preis gegeben. Die ernsten Trümmer, Zeugen einer thatenreichen Vergangenheit, sahen den raschen, Alles Bestehende umstürzenden Wechsel der Dinge, und 1802 unter französischer Herrschaft wurde die Ruine Eigenthum der Stadt Coblenz, welche dieselbe im Jahre 1825 dem damaligen Kronprinzen von Preußen, unserm jetzigen König, zum Geschenke machte. Er, die Wichtigkeit aller historischen Monumente in ihrem ganzen Umfange erkennend, ließ den schönen Bau, eines deutschen Königs würdig, wieder herstellen. Im ewig denkwürdigen Jahre 1842 wurde der äußere Bau, wie wir ihn vor uns sehen, vollendet unter der Leitung des Hrn. Obristen von Wussow, des Hrn. Hauptmanns Schnitzler, des Hrn. Hauptmanns Naumann und des Hrn. Lieutenant von Rappart. Des Innern Einrichtung, soviel möglich treu der Zeit, welcher der ursprüngliche Bau angehört, wird dem Aeußern entsprechen. Möge sich unser König noch lange dieses herrlichen Sitzes am Rheine erfreuen! ### Schlacht bei Kulm Die am 30. August 1813. Ein ungefähr fünf Meilen langer und eine Meile breiter Bergkessel, durch das Erzgebirge und das Mittelgebirge gebildet, breitet sich in sonniger Sommerpracht vor unsern Augen hin und überrascht durch die Schönheit im Wechsel seiner Fernen, durch die Manchfaltigkeit in den Linien der amphitheatralisch hintereinander ansteigenden Bergrücken. Reizend und malerisch schön ist die ganze Gegend, so weit der Blick dieselbe in dem 72 Fuß breiten und 44 Fuß hohen Bilde beherrscht, ausgestattet mit allen Schönheiten eines herrlichen Berglandes, wenn auch von dem Standpunkte, welchen die Gebrüder Meister bei der Aufnahme an Ort und Stelle wählen mußten, um auch bei den Dispositionen der Schlacht der historischen Wahrheit treu zu bleiben, kein Wasser sichtbar, und so der Landschaft als Bild das eigentliche Lebensprinzip fehlt. Fernher im Hintergrunde ziehen sich die luftigen Höhen des Erzgebirges. Einzelne Kuppen treten unterscheidend hervor und folgen wir ihnen von Westen nach Nordost, von der Linken zur Rechten, so sehen wir zuerst den kleinen Mühlenschauer, dann den großen Mühlenschauer oder Donnersberg. An der südlichen Abdachung des Donnersberges gewahrt man das Schloß Bogeslaw und unter demselben die Jedawina Capelle, einen berühmten Wallfahrtsort der Gegend. Die runde Kuppe, die jetzt folgt, ist der Klotzberg und rechts von demselben in duftiger Ferne erhebt der Belinenstein seine Spitze. Die eigenthümlich geformte Kuppe mit dem tiefen Sattel ist der Schloßberg von Teplitz, und rechts von demselben sehen wir das Teplitzer Schloß, unter dessen Schutz der bekannte Badeort, die Stadt Teplitz liegt, deren Heilquellen schon seit der zweiten Hälfte des achten Jahrh. bekannt gewesen sein sollen. Zwischen dem Erzgebirge und den mehr in den zweiten Plan rückenden Hügelzügen des Mittelgebirges dehnt sich, eine weite anmuthige Ebene aus. Die Höhen des Mittelgebirges sind bebuscht, und verschiedene Dörfer und Gebäulichkeiten an den Berghängen und in der Ebene malerisch in den Buschpartien versteckt. Rechts auf der Kulmer Höhe winkt uns die Begräbniß=Kapelle des Grafen von Westpfahl. Kulm selbst sehen wir nicht, da es hinter dieser Höhe liegt. Links am Fuße derselben gewahren wir das gräfliche Schloß mit seinem rothen Ziegeldache. Von dem Schloß breitet sich links in der Ebene das Dorf Karbitz aus, in Folge der Schlacht in hellen Flammen. Mehr im Hintergrunde, wo die Schlacht in vollster Bewegung, steht das brennende Arbesau, hinter demselben in der Ferne Auschine, ganz am Berge Strisowitz, und im Vordergrunde links in der Ecke Schoberitz. Der Rauch, der rechts vor dem Schloßberge aufsteigt, rührt vom Dorfe Schandau her. Dies die einzelnen Hauptpunkte, soweit das Auge dieselben in dem weiten Terrain unterscheiden kann, da hier eine in alle Einzelheiten gehende Schilderung zu weit führen würde. Es kam nur darauf an, die wichtigsten Punkte auf dem Schauplatze der Schlacht selbst hervorzuheben, so daß sich der Beschauer bei der Beschreibung derselben leicht orientiren kann. Die Landschaft selbst aber ist bis in die kleinsten Details treu der Natur, ein wahres Spiegelbild, wie sich jeder überzeugen wird, welcher die schöne Gegend genauer kennt und dieselbe von dem Punkte, von welchen die Gebrüder Meister sie aufnahmen, nur einmal betrachtet hat. Zum Verständniß des wildbewegten Schlachtbildes in seinen vielen, sich genau unterscheidenden Gruppen müssen wir eine kurze geschichtliche Uebersicht des Herganges der Schlacht geben, theils nach kriegsgeschichtlichen Werken *), theils nach den schätzenswerthen Berichten von Männern, welche an dem heißen Tage mit fochten, und theils nach den Mittheilungen, welche den Malern an Ort und Stelle von zuverläßigen Männern gemacht wurden, wodurch die reiche Handlung des Bildes selbst nur noch mehr Interesse und Leben erhielt. Der Sieg, welchen die Verbündeten am 30. August 1813 über den General Vandamme und sein Heer erfochten, war eben so glänzend als er blutig erkauft wurde und mit entscheidend für den Feldzug des heiligen Jahres dreizehn. ) Vgl. Die Tage von Dresden und Kulm in dem Feldzuge 1813. Als Anhang zu den Planen der Schlachten und Treffen, welche von der preußischen Armee und ihren Verbündeten in den Feldzügen 1813, 14 u. 15 geliefert worden. Mit Allerhöchster Bewilligung. Berlin 1831. Bei G. Reimer. 4. Heiß war die Schlacht am 26. und 27. August bei Dresden, unglücklich für das Heer der Verbündeten, die sich zurückziehen mußten. Schwarzenberg führte das Hauptkorps über Dippoldiswalde nach Altenberg, um über den Kamm des Erzgebirges durch Schluchten und Pässe in das Egerthal zu gelangen, um hier bei Teplitz eine feste Stellung einzunehmen. Napoleon benutzte den errungenen Vortheil nicht; er zog mehre Truppenabtheilungen nach Dresden zurück, um sie mit der alten Garde auf der Straße nach Berlin voranzuschieben. Die Schlachten bei Großbeeren (23. Aug.) und an der Katzbach (26. Aug.) hatte der Verbündeten Tapferkeit gewonnen, und ein neuer Sieg stand ihnen bevor, an den Napoleon gar nicht dachte. Der russische Führer Graf Barclay de Tolly hatte auf dem Schlachtfelde von Dresden von Schwarzenberg den Befehl erhalten, dahin zu streben, seine Heerhaufen mit denen des Generals Ostermann Tolstoy, der von dem Heere Vandamme's von Pirna zurückgedrängt wurde, in den Engpässen von Peterswalde zu vereinigen. General Ostermann erhielt von Barclay den Befehl sich an die Hauptarmee bei Maxen zu schließen, im Falle es dem General Vandamme gelingen sollte, ihm den Rückmarsch nach Peterswalde abzuschneiden. Geschah dies, so stand dem Feinde das Eggerthal offen und die feste Stellung bei Teplitz konnte nur schwer behauptet werden; dies bewog den General Ostermann, dem Befehle zuwider, Alles daran zu wagen, Peterswalde zu erreichen. Der Paß nach Böhmen wurde von seinen tapfern Russen mit dem Baydnette erstürmt, aber rasch folgten ihnen die Franzosen und 16 drängten sie über die Höhen von Nollendorf in den Kessel zurück bis gegen Kulm. Ostermann erhielt zwar von dem preußischen General von Kleist die Nachricht, daß das preußische Armeekorps auf Nollendorf zu marschieren bestimmt sei, und dies Dorf demzufolge behauptet werden müsse. Dies konnte aber nicht geschehen, und Ostermann selbst, der in Teplitz mit dem Könige von Preußen zusammen traf, sah wohl ein, daß er zu schwach, dem französischen Heere die Spitze zu bieten, und doch mußte Alles daran gesetzt werden, denn es galt das Hauptheer, welches in den Pässen des Erzgebirges verwickelt war und nur auf dieser Seite einen Ausgang finden konnte. Von dem Könige von Preußen wurden alle Mittel in Bewegung gesetzt, um Truppen heranzuziehen, und Ostermann und die Generale Prinz Gallizin, Großfürst Konstantin, Hermoloff und Knorring boten Alles auf, die Stellung zu behaupten, von der einzig die Rettung des Hauptheeres abhing. Vandamme erwartete nicht einmal seine sämmtlichen Streitkräfte, er führte am 29. August seine Truppen, wie sie ankamen, gegen die Russen in's Feuer, und übermenschlich waren die Anstrengungen, mit denen diese den Franzosen die Spitze boten, blutig wurde jeder Schritt errungen, das Dorf Priesten dreimal von den Franzosen genommen, und dreimal ihnen wieder entrissen. Eine Kanonenkugel riß dem General Ostermann den rechten Arm weg. Miloradowicz übernahm den Oberbefehl. Die Russen behaupteten ihre Stellung bei Arbesau trotz aller Anstrengungen Vandamme's, dem es nicht entgangen war, daß das russische Heer immer mehr durch neue Truppen verstärkt wurde, bis dieser das Gefecht gegen Abend abbrach und sein Lager bei Kulm bezog. Der festen Ueberzeugung, die ganze französische Armee folge den Verbündeten auf dem Fuße, und jeden Augenblick glaubend, dieselbe von der Höhe des Geyerberges herabrückenzusehen, wollte er am folgenden Tage mit seiner ganzen Streitmacht, von der noch 23 Bataillons auf dem Marsch waren, den Kampf erneuern und entscheiden. Der Morgen des dreißigsten brach heran und fand die französische Armee in Schlachtordnung um Kulm herum aufgestellt. Das Herr der Verbündeten war indeß auch durch eine Menge Truppen, die durch die Schlucht von Graupen aus dem Gebirge kamen, bedeutend verstärkt worden, und so konnten sie dem Feinde, der sich so tollkühn ohne Rückhalt in die Ebene von Teplitz gewagt hatte, eine Schlacht anbieten. Den Oberbefehl führte Barclay de Tolli, Fürst Gallizin befehligte den linken Flügel, das Centrum General Miloradowicz und den rechten Graf Colloredo=Mansfeld. General von Kleist hatte gemeldet, daß er entschlossen, über Nollendorf zu marschiren und sich über Aussig durchzuschlagen, weshalb Barclay de Tolli beschloß, den linken Flügel der Franzosen anzugreifen und sie so nach dem Gebirge zu drängen, wo ihnen von Kleist leicht in den Rücken fallen konnte. Hier entwickelte sich die Schlacht, und Vandamme bot Alles auf sie zu halten. Das Gefecht war allgemein und hitzig, da donnerten die ersten Schüsse der Kanonen des General von Kleist. Es war gegen 10 Uhr Morgens. Vandamme hatte Verstärkung unter Marschall Mortier und Napoleon selbst erwartet, da stan 18 den ihm plötzlich Feinde im Rücken, und bald entspann sich hier ein mörderischer Kampf. Ein Hauptschauplatz war das Dorf Arbesau, eben so tapfer angegriffen von den Preussen, die hier den Führer des schlesischen Landwehrregiments Fürsten Pleß und den Adjutanten des, die 12. Brigade kommandirenden Prinzen August von Preußen, Major von Roeder verloren, als die Franzoſen es vertheidigten. Vandamme sah bald ein, daß es für ihn nur ein Mittel der Rettung gab, da ihm der Weg über Nollendorf, von woher er Freunde erwartet hatte, durch Feinde gesperrt war, nämlich sich mit dem Degen in der Faust durchzuhauen, weshalb er auch seinen sämmtlichen Brigaden Befehl ertheilte, sich bei Kulm zu concentriren. Bald waren die einzelnen Brigaden im Rückzuge, um, zwischen dem Gebirge und der Landstraße marschirend, vereint die Preussen anzugreifen und sich hier mit Gewalt Bahn zu brechen, das einzige Mittel der Rettung. Die Verbündeten, besonders die Russen drängten und allgemein war das blutige Handgemenge, da die Franzosen mit dem Muth der Verzweiflung kämpften und Alles vor sich niederwarfen. Wild braus'te ihre Kavallerie daher, in geschlossenen Quarre's focht die Infanterie; aber die östreichischen Dragoner Erzherzog Johann sprengten diese, und gerade diesen Moment sehen wir im Bilde vor uns. Entschieden ist das Glück des Tages für Deutschland's heilige Sache. Nur den Generalen Corbineau, Dumonceau und Philippon gelang es, sich durch die preußischen Bataillons des linken Flügels durchzuschlagen, der größte Theil des Heeres, 10,000 Mann, Vandamme selbst und drei seiner Generale wurden 19 gefangen, 81 Stück Geschütz fielen in die Hände der Verbündeten, und 5000 Franzosen deckten die Wahlstatt. Das Herr der Verbündeten konnte ohne alle Störung vom Gebirge in die Ebene von Teplitz ziehen, um sich zum Vorrücken gegen Sachsen zu ordnen. Unser hochselige König feierte mit seinem ganzen Heere am 1. September den entscheidenden Sieg durch einen feierlichen Gottesdienst auf freiem Felde bei Kulm, und eine bei Arbesau aus Gußeisen errichtete Kreuzpyramide bezeichnet, gemäß dem Willen Friedrich Wilhelm's III., das Andenken des glorreichen Tages bei Kulm, den 30. August 1813. Wenden wir uns jetzt zum Bilde selbst. Die verschiedenartigsten Kampfesszenen entwickeln sich vor unserm Blicke, allenthalben die wildeste Verwirrung, buntbewegtes Getümmel in den mannichfaltigsten Szenen, wie sie nur ein so ungeheures Schlachtgewühl hervorrufen kann. Und gerade in diesen einzelnen Szenen, alle Bilder für sich, hat Simon Meister sein seltenes Talent als Schlachtenmaler wieder auf's schönste zu bekunden verstanden. Der Geschichte möglichst treu, ist doch alles mit künstlerischer Freiheit behandelt, der lebhaftesten Phantasie kein Zwang angethan. Gerade im Mittelpunkte über der Hauptlandstraße wälzt sich die Schlacht in dem letzten entscheidenden Momente dahin. Im Vordergrunde sehen wir den Prinzen August von Preußen hoch zu Rosse, in seiner Linken flattert die Fahne des zweiten schlesischen Regimentes, um die er seine Truppen, welche dem Sturm der französischen Cavallerie gegenüber schon zu wanken anfingen, sammelt, um sie jetzt wieder neu ermuthigt, den Anstürmenden ent gegenzuführen. Es war das 16. französische Chasseur=Regiment, das sich auf der großen Straße durchschlagen wollte. Die beiden Parteien sind im hartnäckigsten Handgemenge. Ein französischer Chasseur hat eben über die Lafette einer der zwei Kanonen, die hier aufgestellt waren, gesetzt, um den Prinzen von hinten niederzustoßen, als ihn einer der preußischen Artilleristen mit dem Hebebaume niederschmettert. Eine eben so lebendige als glücklich gewählte Gruppe, welche das Andenken des vor Kurzem hinübergegangenen tapfern Führers auf's schönste ehrt. Von der linken Seite stürmt das schlesische braune Husaren=Regiment wie eine Windsbraut heran und überreitet ein Bataillon des 85. französischen Infanterie=Regimentes, das sich hier Bahn brechen wollte. Mehr in den Hintergrund geschoben, hauen die östreichischen Dragoner Erzherzog Johann auf das erste Bataillon des 85. Regiments ein und vernichten es. Die Dragoner Erzherzog Johann wurden am ersten Schlachttage auf Befehl Sr. Majestät unseres hochseligen Königs herangezogen und thaten den entscheidenden Schlag, als die russischen erste und zweite Cuirassier=Divisionen schon kampfesmüde zu wanken anfingen. Auf dies anspielend, hat Meister sich eine künstlerische Freiheit erlaubt, und in der Ferne auch Se. Majestät den hochseligen König als Beobachter des Ganges der Schlacht angebracht, Links über das wieder anrückende Bataillon des zweiten schlesischen Landwehr = Regiments sehen wir auf einem Hügel den General von Kleist halten mit seinem Generalstabe, seinem Adjutanten von Thiele, dem jetzigen kommandirenden General der Rheinprovinz; eben sinkt ei 21 ner seiner General=Stabsoffiziere, Lieutenant Rüdiger, zu Tod getroffen nieder. Ruhig im Wetter der Schlacht schmaucht Obrist von Jagow, Commandeur der 11. Infanterie=Brigade, seine lange Pfeife, seine Befehle ertheilend. Auf diese Weise wußte der Maler jeden Umstand zur Belebung seines reichen Gemäldes zu benutzen, und gab ihm durch solche Einzelnheiten noch größern historischen Werth. Vor Arbesau, das an allen Enden brennt und während des heißen Tages der Schauplatz der unsäglichsten Anstrengungen gewesen war, da sich hier die Schlacht am lebendigsten entwickelte, sehen wir ein wildes Kampfgewühl. Es ist der letzte Kampf bei diesem Dorfe; denn während die französische Cavallerie sich über die Chaussee fortwälzte, debouchirte eine französische Colonne, die sich auf Arbesau geworfen, aus dem Dorfe und warf das 10. LandwehrRegiment, welches anfänglich das 2. schlesische mit fortriß, und erst durch den Heldenmuth des Prinzen August von Preußen, wie schon erzählt, wieder gesammelt und zu neuem Angriff geführt wurde. Wenden wir den Blick von der linken zur rechten Seite, so sehen wir unter dem Berge der Kulmer Kapelle das von den Franzosen in Brand geschossene Städtchen Karwitz. Der hinter dem Berge aufsteigende Rauch rührt von dem Dorfe Kulm her, welches im Laufe der Schlacht von den Russen eingeäschert wurde. Mehr im Vordergrunde überrascht uns eine schöne Gruppe, es ist die Gefangennehmung des General Vandamme. Als er Alles verloren sah, da die zuversichtlich erwartete Hülfe durch Mortier oder den Kaiser selbst ihm nicht gebracht wurde, wandte er sich von der Chaussee, von wo aus er in dem entscheidenden Momente die Schlacht befehligt hatte, zur Flucht. Ein tüchtiger Reiter, auf flüchtigem Pferde, würde er entkommen sein, hätte ihm nicht ein Szekler Husar die Zügel durchgehauen. Ein Szekler Wachtmeister mit vier Husaren war auf ihn eingesprengt und hatte ihn aufgefordert, sich zu ergeben. Er hieb den Wachtmeister nieder und sprengte fort, als er sich plötzlich von mehren Kosaken umzingelt sah. Kühn vertheidigte er gegen die auf ihn Eindringenden Leben und Freiheit, bis ihm der Husar den Zügel durchhieb, und er so, des Pferdes nicht mehr mächtig, sich ergeben mußte. Dieser Moment begeisterte den Maler zu einer eben so schönen als lebendigen Gruppe. Hinter dieser Gruppe braus't russische Cavallerie daher, Baschkiren und Kosaken zur Verfolgung des nach dieser Seite hin fliehenden Feindes. Aus dem Gebüsche sprengte der Großfürst Constantin mit seinem Stabe, vor ihm Baschkiren, die hier aber noch durch französische Husaren und ein Paar Geschütze aufgehalten werden. Der Schrekkensruf: sauve qui peut! war aber hier schon erklungen. Die Franzosen mußten Geschütze und Munition zurücklassen und die Artillerie warf sich auf die Trainpferde, um in wilder Flucht dem von allen Seiten nachsetzenden Feinde zu entgehen. Diese Szene schließt das Bild rechts, wo Kanonen, Munitionswagen und Pulverwaggons den ersten Plan füllen, und der Maler mit vielem Geschick einzelne Szenen, wie sie auf den blutigen Feldern der Ehre sich oft wiederholen, anbrachte. Lebendig sehen wir den Ehrentag der Verbündeten vor uns, die letzten Augenblicke einer Schlacht, in welcher die 23 Franzosen uns den Sieg sehr theuer erkaufen ließen, der aber nicht zu theuer erkauft war, denn der Sieg bei Kulm mit dem von Großbeeren und an der Katzbach waren die großen Tage, mit denen das heilige Werk der Befreiung begann, das auf der Wahlstatt von Leipzig vollendet wurde. Es ist ein Blatt jener in ihren Erinnerungen für Deutschland größten Zeit, die Deutschland nur nie vergessen möge, denn keine wichtigere, viel bedeutsamere für Fürsten und Völker hat die Geschichte des deutschen Volkes in ihren ewigen Jahrbüchern aufgezeichnet. Möge sich Deutschland ihrer immer freuen und sich selbst treu im Glücke voll des Dankes erinnern, nie gezwungen sein, sich im Unglücke ihrer erinnern zu müssen! G