Syst. Th. III. 2. be Med 280 2) = Med. 282 Jeil. 284 6 leht au 44028 520 01 Aechtes Actenstuck der Lästerung, Verläumdung, und Unverschämtheit aus dem Bönnischen Universitäts-Briefschranke Aufgeklärt von dem Catholischen Pfarrer zu Calenberg. Percipientes mercedem injustitiae, voluptatem existimantes diei delicias: coinquinationes, & maculae deliciis affluentes, in conviviis suis luxuriantes vobiscum. Oculos habentes plenos adulterii, & incessabilis delicti. Pellicientes animas instabiles, cor exercitatum avaritia habentes, maledictionis filii. Derelinquentes viam rectam, secuti viam Balaam. PETRI II. 2. V. 13. 14. 15. S E Düsseldorf bey Peter Kaufmann 1790. 1. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Die Kirche, die einzelne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S 2 2 Vorbericht. Seit einiger Zeit her erhielte ich von einer unbekennten, und vielleichte freundvielleichte feindschaftlichen Hand verschiedene bönnischen Abdrücke, und vor einigen Tagen auch noch jenen, welcher den Titel führtKlage des Dom Capitels zu Kölln gegen Die Kurcöllnische Universität zu Bonn Aus authentischen Aktenstücken dargestellt von einem Catholischen Priester zu Antwerpen. Nebst einer Vorrede, und einigen Anmerkungen des Herausgebers. Als ein Beytrag zur Be Vorbericht. Geſchichte der Aufklärung in der uralten freyen Reichsstadt Kölln 90. Freyburg 1 Kaum hatte ich diesen ein wenig durchblättert, so bemerkte ich schon die inneren Zügen der bönnischen Ausgelassenheit, Keckheit, Unverschämtheit, Grobheit, Verläumdung, Lästerung, Gottlosigkeit, Irrlehren, Ketzereyen, und Unglaubens. Auf einmahl kame daher mir um: so mehrere Lust an, das künstliche Bildwerk mit Jacobs=Blumen (* zu Latein Hydrogeron, auszuschmücken, als eines Theils während dem Lesen ich eine kleine Schrift erhielte betitült: Nachtrag zu dem (*) Sollen diese Blumen in meines besten, und alten Amtsbruders Herrn W. Jacobs Pfarrers zu Lanck Garten wohl zu suchen und zu finden ſeyn? Vorbericht. dem katechetischen Unterrichte des Eulogius Schneider Professor zu Bonn. Andern Theils bragte auch nach geendigtem Lesen unser Schuhlmeister mir einige Versen zu, welche Passende Gedichte, oder Anhant zu denen Gedichten des Eulogius Schneider Professor der schönen Wissenschaften zu Bonn betitult, und recht zum Lachen waren, wie schon folgender Anfang bezeugt: Ein feistes Schwein Den Niederrhein Mit Kothe schmeißt umher, Ein Dichter, und ein geiler Bock in einem Rock Kennt sich, als Mönch nicht mehr. Ueber dies fande ich in dem Cöllnischen Staatsbothe 173 St. Donnerstag den 28 October 1790. die besondere Anzeigen "Da “ es einigen Uebelgesinnten in Cölln beyge„fallen . Vorbericht. fallen ist, mich als den Verfasser einer „ gewissen Schrift, betitelt: Klage des „ Domkapitels gegen die Curcöll„nische Universität zu Bonn 2c. " bey dem Publikum darzustellen, so glaube „ ich's der Achtung eines Hochwürdigen „ Domkapitels, und meiner Ehre schüldig zu seyn, öffentlich zu erklären: daß ich „ weder mittel=, noch unmittelbaren Antheil „ an gedachter Schrift habe, noch haben „ kann, weil ich von dergleichen Grundsätzen „ die in der Vorrede derselben überhaupt, „ und besonders gegen das Hochwürdige „ Domkapitel aufgestellt sind, immer ent„ fernt war. Das gemeine Sprüchwort: // Excusatio non petita est accusatio, ist „auf mich hier nicht anwendbar, denn der Ruf in Cölln beschuldiget mich, wogegen „ das Gefühl der Ehre, und Rechtschaffenheit Vorbericht. „heit mich nicht kann gleichgültig seyn „ lassen. Bonn den 27 October 1790. Froitzheim der Rechte Doctor // auf der hohen Schule zu Bonn. Kan also ein rechter Doctor glauben, es der Achtung eines Hochwürdigen Domcapitels und seiner Ehre schuldig zu seyn, daß er eine öffentliche Erklärung ertheile; so erachte ich mich aus Liebe der Wahrheit befügt die in der allervollkommensten Schandund Schmähschrift gegen das Hochwürdige Domcapitel angeführten Grundsätzen aufzuklären. Von Hochdemselben hange ich indessen auf keinerley Weise ab, und erwarte auch davon nichts für mich, oder die meinigen, sondern hab dagegen nur jene Hochachtung, die ein jeder andere einem so erhabenem, und ansehnlichem Stifte, welches Erzbischöfen, und Churfürsten des H. Römischen Vorbericht. miſchen Reichs woͤhlt, ſchuldig iſt. Welche Achtung der rechte Doctor dagegen habe, weis ich nicht, kan dahingegen leichte errathen, warum der Ruf in Cölln, wie auch in mehreren Oerteren ihn beschuldige. Bekenntlich hat derselbe in seinen wenigen Schriften, sonderlich in der Dissertatione maugurali de quinque praecipuis fontibus *** Juris Ecclesiastici Coloniensis &c. (**) Davon hat H. GOTTHELFUS JOSEPHUS 1 VAN DEN ELSKEN Epistol. alt. de Omissionibus Omiss. II. bereits erwehnt "Omisisti laudare famosum popularem tuum Casparum Froitzheim, qui de illuminatorum grege aliam denegati pallii caussam somniare, atque effingere ausus est. Pol! Omissio non inculpabilis, sed culpabilior. Adeone in republica litteraria peregrinus es, ut nescias illuminatum hunc inter doctos primae classis non infimum tenere locum? Adeone peregrinus es, ut nescias ejus a te haud laudatam, sed praetermissam Dissertationem inauguralem, qua catholicae doctrinae contrariam, perversam, heterodoxam, 0 ac Vorbericht. so gute Catholische Sätzen angeführt, und so grosse Hochachtung gegen den Römischen Stuhle gezeigt, daß er von der Cöllnischen Universität zum Disputiren, und Doctorwürde nicht zugelassen, sondern so gar die Dissertatio verbotten worden. Solle daher der Ruf in Cölln den rechten Doctor nicht um so mehr beschüldigen können, als noch andere dergleichen Schriften, sonderlich die im Jahre 1789 herausgekommene Beac schismaticam, ab alma, atque antiqua universitate Coloniensi reproba"tam, immo & rejectam, ejusque autorem, sive Froitzheim, sive damnatus Hedderich fuerit, ad disputandum, & ad summos in jure honores, & privilegia doctoralia obtinenda non admissum, sed meritissime repulsum esse? “ Adeone peregrinus es, ut nescias can"didatum turpiter expulsum post in illuminata universitate Bonnensi generice, adeoque & theologiæ, & utriusque juris, & medicinae, & philosophiae promotum, creatum, electum factumque esse doctorem? Vorbericht. Begründete Gegenbemerkungen über die Betrachtungen wider die 73 Artikelen des pro Memoria, das von Seiten des Herrn Erzbischofs, und Churfürsten von Köln der Versammlung der Reichsstände in Betref der Nunciatur ist überreicht worden, zugeschrieben werden, wie der mit den begründeten Gegenbemerkungen selbsten mir zugekommene Brief mit denen Worten bewähret; Nefandi hujus operis cerrus auctor est Doctor Bonnensis Froitzheim. Doch hievon genug. Nun zu der Sitten= und tugendreichen Vorrede, und Anmerkungen des Herausgeber. E Text. 9—85 5 55 E Text. Sey Gottes Freund, Der Pfassen Feind. I. Aufklärung. icht des Gottes, wovon der gotteslästerische Schneider (1) in höchster Gegenwart des Erzbischofs von Cölln sagte „ Der Gott des Geistes ist nicht der Gott „ des Evangeliums; der Gott des sinnlichen „Juden ist nicht der menschenfreundliche, „ sanfte, allweise, allgütige Gott des gei„ stigen Christen. Er ist ein zörniger, rachgieriger, auf seine Ehre und Vorrechte „ eifersüchtiger Gott, ein grimmiger Gott, „ der das Verbrechen des Vaters am Soh„ ne, und wohl bis ins fünfte Glied hinab zu rächen drohet. Er ist kein unpartheyischer, jedes seiner Geschöpfe mit gleicher „Liebe, und Sorgfalt umfassender Schöpfer, (1) S. Jesus als Sohn Gottes, und als Lehrer der Menschen vorgestellt in zwey Predigten von den Professoren Thaddäus, und Schneider in Bonn. Bl. 32. pfer, kein Allvater, wie Jesus ihn vorgestellt, er ist ein leidenschaftlicher blos fuͤr sein auserwaͤhltes Volk eingenommener Despot. Ihm ist es nicht mit bloser Reue, und Besserung gedient, wenn schwache Sterbliche seine Gebothe übertreten haben: nein, er fodert auch Opfer, „er will auch den Wohlgeruch, der von verbrannten Kälbern, und Lämmern aufsteiget, versöhnet werden. Sein Dienst bestehet nicht, wie der Gottes Dienst des denkenden Christen, im stillen, frohen Geplisse der Guter des Lebens, sondern in „ knechtischen Stellungen und zwangvollen „ Cäremonien. Feind der ungesitteten, unverschämten, bösen, bühlerischen, und ketzerischen Pfaffen, der abtrinnigen, entsprungenen, und entkutteten Mönchen, Bibel=Rechts= und Geschichts=Uhlanen, woraus die bönnische Universität, gröstentheils bestehet. Zum Beweise singt unser Schulmeister: Bonn, o Stadt, die sonsten Catholiſch geweſen, Was plagt dich anjezo für scheuliches Weesen, Ein schmutziger Schneider, und andere mehr, Bedecken mit Schande dein Angesicht sehr. Gestehet ihr Bürger, und redliche Männer, Der vorigen Zeiten ihr Zeugen, und Kenner! Als Bayern Fürsten, und Bischöfe gebahr, Ob damahls die Schuhle so pöbelhaft war? Von ### 13 Von garſtigen faulen Betretern der Gaſſen Ihr wolltet die Kinder verderben nicht lassen: Um unter der Sorge der Lehrer zu seyn, Ihr schicktet dieselben zur Schuhle hinein. Wenn Neigung sich hatte zum Bösen gebogen, Sie wurde vom Lehrer ins Gute gezogen. Wenn schickten die Eltern Onanen heraus; So kamen doch wieder Josephen nach Haus. Itzt Gassen=Gesindel besteigt die Katheder. Was soll ich es schweigen? es weis es ein jeder. Man prediget: mit epikurischer Lust Die Kinder sich sollen ergötzen die Brust. Wenn Schurken, und Hefen der Lüderlichkeiten Die lerende Jugend zum Laster verleiten: O! Ist es denn Wunder, daß Glaube vergeht? Der Schüler nur Possen, nicht Gründe versteht. Ein Spiegel der Bosheit verachtet die Guten, Unrühige Bonzen, die höllischen Bruten Empfiehlt er dem Fürsten, und hebt sie empor, Und setzet die Laster den Tugenden vor. Wenn Mönche gethane Gelübde bereuen, Sich über verfallene Sitten erfreuen; So werden sie Lehrer, bekommen Gehalt: Dann glänzet das Laster in Tugend Gestalt. Dann schmeissen die stinkenden fleischlichen Böcke Mit ihrem besudelnden Kothe die Röcke Derjenigen, welche sie nehmen in Schutz, Auf daß sich verliere der Tugenden Putz. So eile denn Städtchen? Dem Fürsten es klage. Eröffne dem Vater die misliche Lage. Er jage das Spiegel= und Bonzen Geschmeiß So deine Bewohner der Tugend entreißt. Text. 14 Text. Es war von jeher das Loos der Wahrheit, verkannt und gehaßt zu werden. In allen Jahrhunderten vereinigten sich boshafte Menschen, das Verdienst mit wüthender Rache zu verfolgen. II. Aufklärung. fnd dermahlen vereinigen sich boshafte Lehrer zu Bonn, um die Sitten, und Catholiſche Religion zu verfolgen. Text. such unser Zeitalter, wo man so viel von dem Triumphe der Vernunft über Thorheit lärmt, wo Aufklärung, und Menschenliebe das Losungswort der Nationen geworden sind; auch unser Zeitalter ist leider! nur zu fruchtbar an irreligiösen und schändlichen Auftritten. III. Aufklärung. Darum ist unser Zeitalter leider nur zu fruchtbar an irreligiösen, und schändlichen Auftritten, weilen die heutige Aufklärung, und Menschenliebe das Losungswort derer Nationen geworden sind. Denn die heutige Aufklärung ist nichts anders, als 15 als Dummheit, Unsinnigkeit, Ausgelassenheit, Ausgeschämtheit, Betrügerey, Spötterey, Heucheley, Schmeicheley, Gleisnerey, Scheinheiligkeit, Wollust, Ueppigkeit, Geilheit, Ketzerey, Freygeisterey, und Unglauben, wie dieses der ehrwürdige P. Meinrad Widmann in ſeinen Abhandlungen betitelt: Wer ſind die Aufklärer, ſo dann Freymuͤthige Anmerkungen zu der Frage: Wer ſind die Aufklärer? nach alphabetscher Ordnung sattsam erwiesen hat. Solle also dieser wohl fähig genug seyn, zu Bonn die Doctorswurde zu erhalten? So oft ich die Aufklärungs=Apostelen von der Menschenliebe predigen höre; so fallen mir immer unseres Schulmeisters Versen von der Tugend, und Menschenliebe des Schneider Lehrers der schönen Wissenschaften zu Bonn ein, welche lauten: Höre Lina! meine Lehre, Höre! süß die Tugend klingt: Tugend Kenntnuͤß drum vermehre; Tugend viel Vergnügen bringt. Wenn ich auch im Bonzen (1) Stande Theile meine Lust mit dir; Wirds (1) Der ausgeſprungene Schneider nennet in Ordensseinen Gedichten seine ehemaligen brüder, 16 — Wirds dann jemand hier zu Lande Deuten aus zur Schande mir? Wenn ich nachmahls der Babetten Zauber Munde eile zu: Oder liege in Nanetten Armen lieblich, was denkst du? Jedesmahl werd' ich verbleiben (Sorge liebste Lina! nicht) Tugendhaft, und werd' vertreiben, Was die Menschenliebe bricht. Menschenfreund und Menschenliebe: O wie rührt mich jedes Wort! Beide lenken meine Triebe, Meine Tugend immerfort. Nun O Lina! Sollſt du wiſſen, Menſchen giebt es zweyerley: Eine Gattung will ich küssen, Trotz der ernsten Möncherey. Spricht man nicht in einzler Zahle Der Mensch, das Mensch? letztes Ich Wähl, und harre alle Male Menschenfreund, und tugendlich. Verdient derselbe also nicht auf die bönnischen Universität zum Lehrer der schönen Wissenschaft mit einer Besoldung von 500 Gulden brüder, nemlich die Franciskaner eben so Bonzen, wie bey denen Japaneren die Götzenpriester genennt werden. Man pflegt auch mit diesem Nahmen andere Götzenpfaffen in Indien zu belegen, wie der H. Xaverius in seinen Briefen berichtet. 17 Gulden angestellt zu werden? Zu dessen mehrerer und leichterer Beförderung dürfte vielleichte ein vieles beytragen unseres Schulmeiſters Phantasie Still! Hans Jakob! Still! Ich höre Ein Getös. Was iſt's! Ich ſchwöre, Jemand ist's, den itzt bey Nacht Wollust zu der Lina jagt. Ja, ja Heinrich! sieh den Schurken, Stehen da auf dicken Furkeln Sieh! er klettert an der Wand: Lina zieht ihn mit der Hand. Ist's nicht der, der zu Babette Stieg, wie auch zu der Nannette, Und zu vielen andern kam; Weil er stets in Geilheit schwammt. Ja! er ist's der Gottesschänder Der verlaufne Bonzenländer Der so sehr verkehrte Jung, Dem das Klettern oft gelung. Ey! was soll denn nun geschehen? Sollen wir es übersehen, Daß der Bonz den Eid zerbricht, Das verſproch'ne liefert nicht. Nein (Hans Jakob ſpricht zum andern) Nein: so darf er nicht fortwandern. Nimm das angewohnte Holz; Treib ihm aus den geilen Stolz. Greif! Hans Jakob! Greif den Lümmel, Denn er machek ein Getümmel Durch die laſterhafte Bahn, Die er wandert bis heran. Ich P 13 Ich den Schneider bey den Haaren, Und dem Krage will verwahren. Heinrich! mit dem Peitſche⸗Stumpf Fahr dem Bonzen um den Rumpf. Sich mit Lüsten auszumasten, Sieht man ihn nach Dirnen taſten. Heinrich! Nimm denn deinen Stock; Staub dem Schneider aus den Rock. Zarte Jugend zu verführen, Eitle Neigung mehr zu rühren, Heißt er schön, was andre geil; Schilt die Keuschheit Vorurtheil Weil er wilder Liebe frohnet, Mus er billig ſeyn belohnet. Heinrich! mit dem Farren=Schwanz Spiel dem Schneider einen Tanz. Schurke! nun, nun kannst du gehen, Wenn wir dich noch einmahl sehen; Schmieren wir dir so den Pelz, Daß du dich zur Erde wälzt. Schleicht der feiſte Bachus⸗Bruder Nochmahls zu dem feilen Luder: Blitz! Hans Jakob! wie ein Teig, Klopfe ich ihn Lederweich. Von dem Kopf bis zu den Füssen Will ich ihn ſo lang begrüſſen; Bis er bleibt vom Fensterloch, Wo er durch zur Lina kroch. Text. Finen neuen überzeugenden Beweis hievon giebt die von dem Domkapitel bey dem Kurfürsten zu Kölln gegen den Freyherrn von 19 von Spiegel als Kurator der Universität, und die Professoren Hedderich, Thaddäus, und van der Schuͤren zu Bonn eingereichte Klage, welche nebst dem desfalls an die Universität ergangenen Kurfürstlichen Rescripte, und den Vertheidigungs-Schriften der beklagten Männer hiermit einem unpartheyischen Publikum zur eignen Beurtheilung vorgelegt werden. IV. Aufklärung. Den Bönnischen Nachrichten, und Urkunden ist zwar um so weniger zu trauen, als die Universität noch mit einer besondern Facultät prangt, deren Fach ist nicht allein Schriften, und Schriftsteller zu zerstümmelen, und zu verfälschen, sondern auch sogar Päbstliche Bullen treflich zu schmieden. Für diesmahl will ich indessen ohne einige Untersuchung das Schreiben des Cöllniſchen Domkapitels hier einruͤcken wie der Herausgeber es geliefert hat. „ Euer Kurfürstl. Durchlaucht belieb// ten gnädigst in Eingangs bemeldtem Ant„ wortschreiben das Domkapitel überhaupt, „ und jedes Mitglied insonderheit bey den „ schuldigen Pflichten aufzufodern, Höchstdenenselben anzuzeigen; wo, und von wem eine Irrlehre in Höchstdero Erz bistum vorgetragen worden se Um B2 20 Um diese unsere Pflichten sammt, und sonders gehorsamst zu erfüllen, mögen wir unerrinnert nicht belassen, was massen schon bey der ersten Errichtung „ der dasigen Universität, und bey dem „ Inaugurationsakt der von Sr. Päbstl. „ Heiligkeit rechtlich abgewürdigter Herman “de Weda, als ein Muster eines or.ho„ doxen Erzbischofen aufgestellt, und dessen „ so genannte Kirchenreformation vom Jahre „ 1544 als eine Vorschrift zur Bildung der Jugend, und Geistlichkeit öffentlich gerühmt worden sey, welche Reformation jedoch, wovon Bucerus und Melanchton „ die Urhebere, und Verfasser waren: als ein Geweb von offenbaren, und erwie„ senen Irrsätzen allenthalben bekannt ist, „ und welcher so gleich das berühmte Antididagma entgegen gesezt worden, also, „ daß Pabst, und Kaiser den Religionsei„fer des Domkapitels, welches sich nebst uͤ übriger Klerisey, wie auch hiesiger Universität dem Hermannischen Unternehmen standhaft widersetzte, und die katholische Religion dadurch sicher stellte, äusserst belobt haben; folgschließlich jenes Angeben „ in obbedeuteten Inaugurationsakt, es hätte nemlich er (Herman) das Glück nicht gehabt, die Geistlichkeit von der Nothwendigkeit seiner Vorschlägen zu über 21 " überzeugen, damitten sich gar nicht rei„ men mag 11 Jene ärgerliche, die H. Schrift gegen die tridentinische Verordnung auslegende, ja lächerlich machende und noch dazu in deutscher Sprache aufgestellte Dissertationen des P Thaddäus sind fast in aller Händen, und mögen andersi u nichts dann Uebel würken, zu geschweigen, daß auch ein Gelehrter, und in „ Charakter stehender Protestant damahlen „ öffentlich ausgesagt habe: ein solches würde man auf protestantischen Universitäten nicht zugeben. # Etwelche Dissertationen des P. Hed„derich sind wegen ihrer irrigen Sätzen „ vom apostolischen Stuhl kündiger Dingen „ verdammt worden; selbiger P. Hedderich scheuet sich nicht in seinen Vorlesungen, so wie in seinen gedruckten Dissertationen, und Thesibus den römischen Stuhl, und „Päbstliche Heiligkeit (welche von ihme // Episcopus Romanus genennt wird) un„ leidentlich anzutasten und selbigen, obschon „ das Oberhaupt der katholischen Kirche, „ gehaͤßig zu machen; ja so gar in seinen “ Lectionibus das Sacrosanctum Concilium Tridentinum aus der Zahl der „ General Concilien herauszusetzen, gleichwie wie ein solches dro öffentliche Ruf ihm “ beylegt; seine Censur über den so schänd„ lich verfälschten Schenkl (von wem wollen // wir nicht untersuchen) liegt mit dem Werk selbsten am hellen Tage; er wird dahero „ auch von jezt regierender Päbstlicher Heiligkeit infensissimus sedis apostolicae " Hostis genannt, weniger nicht vom Domkapitel schon mehrmahlen auf dessen Entfernung wegen seiner an Weiland Sr. Kurfürstl. Gnaden im Jahre 1779 und 1783 erlassenen Domkapitularischen Schreiben bemerkten anstößigen, und ärgerlichen „ Lehrsätzen angetragen worden ist. „ In der philosophischen Facultäe daselbst braucht man zum Handbuch den Feder, wessen Werke mit solchen der Re“ ligion gefährlichen Sätzen eingewebet, „ daß darüber unter den Protestanten selbst „ Bewegungen entstanden sind. Auch ist hier der öffentliche Ruf dem desfalsigen # Vorleser P. Elias, und dessen zusetzlichen „ Bemerkungen gar nicht günstig, worüber „ die gnädigste Untersuchung anstellen zu lassen, gehorsamst anheim geben; Wir „ können aber nicht unbemerkt vorbeygehen lassen, was massen sehr bedenklich seye, daß man mit Hintansetzung treflicher katholischer Vorlesungs Bücher, einen solchen ge= 23 „ gefährlichen Protestanten sich wählt, und „ zwar in solchem Fache, wo die Grund„ lage zu höheren, insonderheit theologischen „ Wissenschaften zu machen ist. Alles dieses hat uns aufgerufen, wegen der Behandlung deren Lehren in denen Schulen, in unserem vorhinnigen „ Schreiben unsere ehrerbietsamste Errinnerung einzulegen, zumahlen allemahl, und 11 insonderheit in gegenwärtigen sich alles freye im Denken, Reden, und Schreiben unter dem misbrauchten Ausdrucke Aufklärung — erlaubenden Zeiten die gröste Sorge (wie Euer Kurf. Durchlaucht von selbsten erleuchtet ermessen werden, seyn willt, daß die Lehre in denen Schulen auf eine katholische, aufrichtige, und unverfälschte Weise nach der Meinung, und Weisung der allgemeinen Kirche künftig behandelt, und alles, was auch von weitem die Religion gefährten könne, gleich im Aufgang ersticket werde, zumah„ len wo auch aus widrigen Lehrsätzen so wohl für Höchstdero als benachbarte Unterthanen nachtheilige Besorgnisse veran„ lasset werden. „Wir zweifeln solchemnach nicht daran, „ Euer Kurf. Durchlaucht werden gnädigst zugesagter massen zur gleich erwähnten Bey⸗ 24 „ Beybehaltung der reinen katholischen Lehre die zweckmäßigste Vorkehrungen zu treffen, mildest geruhen; warum angelegentlichst bittende, mit all ersinnlicher Ehrerbietung immer zu seyn bezeugen ꝛc. Nun lasset uns die Anmerkungen hören, welche der zügellose Herausgeber darüber macht. Text. Fin Freund der Wahrheit, den jedes Bemühen zum Wohl der Menschheit nicht nur herzlich freuet; der selbst als sein thätiger Mitarbeiter für die gute Sache zu einem so erhabenen Werke die Hände bietet, und nur die Gränzen seiner Kräfte zu jenen seines guten Willens macht; ein edler Mann wird nicht ohne gerechten Unwillen diese authentische Aktenstücke durchlesen. — Unglaublich wird es ihm scheinen, daß die Priester der Menschheit sich noch in unsern Tagen der Ausbreitung vernünftiger Begriffe, und nützlicher Kenntnisse mit boshaftem Unwillen entgegenstemmen. Beklagen wird er das traurige Schicksal des katholischen Deutschlands, wo der verheerende Geist der Unwissenheit, und des Mönchthums mit seinen eisernen Szepter noch solche Menschen tyrannisiret, welch Stand, und Amt zu einer wärmern Theilnahme für die Beförderung des 25 des Guten, zu einer vernünftigeren Denkungsart, zu edleren Gefühlen, und richtigeren Einfichten verpflichtet. Staunen wird er über die Bosheit der Domkapitularen in Kölln, die ihrer eigenen Indolenz bewußt, jene rechtschaffene um das Wohl des Vaterlandes verdiente Männer durch Verläumdung zu kränken suchen, denen sie Hochachtung, und reelle Verehrung schüldig sind. V. Aufklärung. Das zusammengerafte Bönnische Völklein halt nach seiner Mundart, Eingezogenheit, Sittenlehre, Tugend, und Religion dasjenige für Verläumdung, was bey anderen eine Wahrheit ist. Balde wird dasselbe auch also den lateinischen Mahler (1) für einen Erzverläumder erklären, welchem wir folgende Abbildung der so rechtschaffenen, um das Wohl des Vatterlandes verdienten Männer, zu verdanken haben. Bonna, decus Rheni, quondam fortissima semper Haeteseos victrix, sponsaque sida Deo Quò ruis in præceps? quantùm mutaris ab illa, Quae primae sedis filia prima fuit? Heu mihi! quae rerum facies? Merctricis ad instar Depravata jaces, perfida facta Deo. Bonna (1) S. Journal historique, & litteraire 15. Oct. 1790. pag. 286. 26 Boopa Dei quondam sedes, quae dogmata Christi Tutiùs è puro lympida fonte bibit: Haec jam Bonna jacet stygiis obfusa tenebris: Heu! jacet, & noctem non capit ipsa suam. Musa mihi causas memora, quo crimine tanto Læsi sint Superi, quòd mala tanta ferant! Palladium Bonnam dicunt! ego dico lupanar Dogmatis insani; canta juventa cave. Deposito, quae turba docet malesana, cucullo Suspicit, & leges has putat esse Dei. Cerberus è stygio non tot mala provomit antro, Quanta viri unius lingua profana vomit. Hostes Romuleae sedis, triplicisque tiarae Effundunt virus, quale nec Orcus habet. In primam Christi cathedram Hedderichius iras Eructat, quales impia turba solet. Judas Thadæus, primi cognominis audax Sectator, quae non Ethnica monstra parit. Effrons Schneiderus Veneri blanditur, & aulae: Pestiferam tentat dextra nefanda lyram, Aulae assentator Weymerus, masculus ille Imberbis, Latium se putat esse Deum. Siccine, dira cohors, laceras pia viscera Matris; Matris, quae plenum pectus amore gerit. Utredit ad vomitum canis, ut furor, iraque mentem Praecipitat, stricto cùm timet, ense necem; Sic ipsana cohors, quò plus convellitur, iras, Non verum veris objicit; una sapit. Bucerus infernis si quandò rediret ab undis, Vobiscum similes funderet ore sonos. Gallia tristè gemit Superum sibi turpiter aras Everti, amissas Religionis opes. Ipsa Vienna docet, quid sit contemnere Divos, Tangere sacrilegâ quid vasa sancta manu. Hæc 27 Haec videt Austriaco natus de sanguine Princeps Haecque videns inter talia monstra tacet! Auri sacra fames! quò non mortalia cogis Pectora terrenis non saturanda bonis? Credite Christiadae! mortales discite: saepe Impia sub dulci melle venena latent. Diese Versen seynd von einem Bruder von unserer Teutschen Zunge also übersetzt worden. Bonn, des Rheines edle Zierde, einst ächte Gottes Braut, Die Käzzer allzeit hast beſiegt, Trophäen aufgebaut! Wo bist du endlich hingestürzt? Wie sehr nun umgeschafft, Die für den Stuhl zu Rom doch sonst am mehrſten haſt gehafft, Ach! Welch ein trauriger Anblick? geschändt der Welt zum Spott, Bist du, wie ein treuloses Weib, warfst Untreu deinem Gott. war, wo jeder Bonn, da einst Gottes Wohnsitz Chriſtus Lehr Aus reinen Quellen sicher trank, und suchte Gottes Ehr: Bonn, dieses Bonn, dies liegt nun da, verfinſtert, ohne Licht, Gleichwie die Hölle liegt es da, so liegts, und weißt es nicht! Deckt Muſen mir die Quelle auf, die grobe Laſterthat, Die 28 Die so die Gottheit aufgebracht, uns so gezüchtigt hat, Bonn nennt man einen Musen Sitz, ich nenns ein Schande=Haus, Wo nichts, als Bosheit wird gelehrt! Ach! Jugend fleuch daraus! Was nach abgelegter Kappe die Lehrer da ausstreun, Bewundert man, und glaubt, daß es Geſetze Gottes ſeyn. Der Hölle Hund, glaub ich, daß nicht die Uebel ſpeien kan, Die da auswirft die böse Zung von einem einz'gen Mann? Feinde der dreifachen Krone, und vom heiligsten Stuhl, Speien ein Gift, was man nicht findt mitten im Hölle=Pfuhl. Gegen den höchſten Stuhl zu Rom erkühnt ſich so mit Wuth Hedderich das Unkraut aufzustehn, was selbst die Bosheit thut. Und welche Greuel des Heidenthums bringt Judas nicht zur Welt. Thaddäus heißt er, der sich doch Jokariot zugesellt. Der Venus, und dem Hofe schmäuchlt Schneider der freche Mann, Stimmt unverschämt auf seiner Leyer verfluchte Lieder an. Weymer des Hofes Schmeichelkatz, das Hänsgen ohne Bart, Bildet sich ein, er sey so gar von hoher Götter Art. So 29 So, so verwundst du, wilde Schaar, das gute Mutter Herz, Das seine Kinder zärtlichst liebt, verursachst solchen Schmerz, So, wie der Hund, was er ausspie, dann wieder ſelbſt aufzehrt, Und wie Wuth, bey gezücktem Dolch, Sinn, und Verstand verkehrt. So tobt die Unsinns volle Rott, Wuth strotzt sie, nicht Wahrheit, Sie frißt, was sie ausspeit, und glaubt, sie sey allein geſcheid. Wenn Butzer aus der Hölle Gluth die Erde dörft berührn, Könnt er wohl eine andre Sprach, als diese Schurken führn. Frankreich seufzt schon, weil es schändlich, wie es der Welt bekannt, Gottes Altäre niederriß, Religion verbannt. Auch Wien giebt Lehre, was es sey, wenn man Gott ſelbſt verlacht, Und sich ans heilige Geschirr mit Gottes=Raube macht. Dies alles ſieht ein groſſer Prinz vom Hauſe Oesterreich, Er sieht so grosse Ebentheuer, sieht sie, und schweigt zugleich! Geldgeitz! wo reissest du nicht hin das blinde Menschen Kind, Das in Gütern dieser Erde doch nie Ersättigung findt? Drum lernet es, ihr Sterblichen! Ihr Cristen glaubt es frey Daß auch unter süssem Hönig oft Gist verborgen sey. Text. 80 Text. In den mittleren Zeiten — den Zeiten der I Finsterniß und des Aberglaubens, wo es noch als ein verdienstliches Werk betrachtet wurde, unter der Maske der Religion ſein persönliches Interesse zu beförderen, wo der Priester Jesu sich mit Dolchen und Feuerbränden wafnete, um das Emporstreben der Vernunft zu unterdrücken, und durch infallibele Machtsprüche die Allgewalt der geistlichen Despotie zu befestigen; wo man vernünftige Männer öffentlich verkezern, und mit inquisitorischer Wuth bis zum Scheiterhaufen verfolgen dorfte; — in diesen Zeiten würden die Kläger durch ihre fanatische Verläumdung gewiß Epoche gemacht haben. VI. Aufklarung. Bravo, Herr Herausgeber. So seynd dann alle jene Vorstellungen, Be) schwerschriften, und sonderlich das so bekennte Antididagma, oder Christliche, und Catholische Gegenberichtung ebenfalls fanatische Verläumdungen, welche das Cöllnische Domkapitel dem Erzbischofe Herman von Wied, dem Pabst, und Kayser in jener Zeit übergeben, und abdrucken lassen, wo von dem Erzbischofe selbsten Irrlehren eingeführt, und die Catholische Religion völlig wollte vertilgt 31 tilgt werden (1). Oder gleicht vielleichte die jetzige Vorstellung dem vorherigen nicht? Wenistens kan sie um so stärker seyn, als dermahlen schier die ganze heilige Schrift wilt untergraben werden. (1) S. Religionsgeschichte der Cölnischen Kirche unter dem Abfall der zweien Erzbischöfen, und Churfürsten Herman Grafen von Wied, und Gebhard Grafen von Truchses. Band. II. Cap. III. Text. Die Domkapitularen heucheln in dieser Klage reinen Eifer für die katholische D Religion, und guten Sitten. Aber was für Begriffe mögen sich wohl diese Männer von der katholiſchen Religion, und guten Sitten machen? Gewiß sind ihnen diese Worte eben so leer an Bedeutung, eben so kraftlos an guten Wirkungen, als es erlernte Hofceremonien nur immer seyn mögen. Diese Menschen, die das Wort: Religion, und Reinigkeit der kristkatholischen Lehre stets im Munde führen, bedenken wohl nicht, daß der Glaube an Jeſum Chriſtum, wenn er nicht von den Werken der Bruderliebe beseelet ist, den Menschen nicht rechtfertige, nicht selig machen könne; daß der Geist des Kristenthums der Geist der Sanftmuth sey: daß 22 daß Verläumdung, falsche Anklage, Haß, und Verfolgung mit der göttlichen Lehre der Offenbarung in dem offenbarsten Widerspruch stehe; daß die katholische Religion selbst jeden verdamme, der nicht nach dem Glauben handelt; und daß der fanatische Priester dem heuchlenden Pharisäer gleiche, den selbst der sanftmüthige Lehrer Jesus, als einen verworfenen brandmarkt. VII. Aufklärung. icht die Domkapitularen, sondern die Bönnischen Schriftgelehrten, sonderErzbilich der Professor des Cöllnischen ſchoͤflichen Hirtenbriefs in Betref des Faſtengebots (1) haben bereits öffentlich gezeigt, daß sie einen Eifer für die Catholische Religion heuchelen. Diese prahlen immer mir ihrer Sittenlehre, und Religion, und beweisen zugleich durch ihre Schriften, Predigten, Unterrichten, Gedichten, und Beyspielen, daß sie nicht einmahl eine heidnische Sittenlehre, vielweniger die wahre Christkatholiſche (1) S. Gespräch zwischen dem Vorsteher zu Lank, und dem Pfarrer daselbsten über den Cöllnischen Erzbischöflichen Hirtenbrief in Betreff des Fastengeboths. Zweyte verbesserte, und vermehrte Ausgabe. Duͤsseldorf 1790. 33 catholiſche Religion haben. Sie klagen uͤber Verläumdungen, und falsche Beschuldigungen, und sie sich nehmen die Erlaubnuͤß, andere öffentlich zu verläumden, und fälschlich zu beschüldigen, wovon der Herausgeber ein Meisterstuck liefert. Derselbe wird auch aus des buhlerischen Schneider katechetischem Unterrichte nie erweisen, daß der sanftmüthige Gottes Sohn jemand gebrandmarket habe. Vielmehr sprach er zu dem ehebrüchigen Weibe (2). “ So verdamme ich dich auch „ nicht. Gehe hin, und sündige fürter nicht mehr. (2) Joann 8. V. 10. Hätte Schneider sich dieser Stelle errinnert, so würde er sie gewis angeführt haben. 10 . Text. Das Evangelium Jesu spricht also das Urtheil über die Klage des Domkapitularen, wenn sie verdienstvolle, wahrheitsforschende Männer unter dem Vorwande der Irrlehre, und Ketzerey durch Verläumdung zu stürzen streben. VIII. Aufklärung. Das Evangelium spricht das Urtheil über diejenigen, welche unter dem Scheine der ### 34 der Frommigkeit, und Religion Irrlehren, Ketzereyen, und Unglauben in aller Welt ausstreuen, und die Jugend völlig verführen, und verderben. 0 S dun Text. Die Klage des Domkapitels ist allgemein. Eine Art, die schon der heidnische Römer verwärf. . 1 IX. Aufklärung. Also ist auch die Klage des jetzigen Pabsts e Prüs Vl. (1) allgemein, wann er in seinem Briefe an den Erzbischof von Cölln meldet: Illud praeterea non sine immenso animi dolore intelleximus, in Tua Bonnensi Universitate pessimae notae doctrinas tradi, atque defendi, quae similiter scandalum pariunt subditis tuis, bonisque omnibus, quaeque insuper Populos in errorem conjiciunt, iisdemque spirituale . generant detrimentum. (1) S. S.-D. N. PII=Papæ sexti responsio ad Metropolitanos. pag. 345. §. 18. Editio altera ROMAE MDCCXC. ### Auch die D Text. 9•7 35 Text. Die Klage des Domkapituls enthaͤlt offenbare Unwahrheiten, und Lügen; wie ich unten noch beweisen werde. X. Auflaͤrung. Der Beweis wird schon Rechtsbeständig, und vollkommen seyn, wann leere Woͤrter hinlangen. Text. Statt des Beweises führen sie den öffentlichen Ruf, oder die Sage des Volkes an. — Vermuthlich schien ihnen diese Art zu beweisen leichter, als jedes andere rechtmäßige, und in den Gesetzen gegründete Beweismittel. Freylich erfoderet ein gründlicher Beweis vernünftige Untersuchung, tiefes Nachdenken, und eine reife Ueberlegung; Gegenstände, wozu eine solche Menschenklasse nicht geschaffen zu seyn scheink, die sich bisher nur mit heiligem Muͤßiggange beschäftiget, die den Schweis des gekränkten Landmannes verzehrt, ohne irgend einen verhältnißmäßigen Beytrag zum Wohl ihr Mitmenſchen zu leiſten. C 2 XI. Auf XI. Aufklärung. Der Herausgeber beweist, daß er die Gesetzen nicht kenne. Sonsten hätte er gewust, daß ein gegründeter Ruf, und öffentliche Sage des Volks ein rechtliches Beweismittel seye. Wann Geistliche, und Weltliche, Grosse, und Kleine, Alte, und Junge, Bürger, und Bauren, Männer, und Weiber von den bönnischen Irrlehren, Ketzereyen, Schwärmereyen, Verfälschungen, Aufklärungen, Ausschweifungen, und viehischen Zoten öffentlich reden, und sogar eine keusche, und tugendhafteste Schöne (1) laut ſingt: Der als Priester das verachtet, Was die Kirch für heilig achtet, Wird als Lehrer frömmer seyn? Der als Mönch nicht ohne Buhlen Leben konnte, wird in Schulen Seinen Mund, der Keuschheit weihn? Solle da noch ein fernerer Beweis erforderlich seyn? Nichts destoweniger beruft das hohe Domkapitel sich zugleich auf des P. (1) S. die Verſen unter der Aufſchrift: An das bönnische Publikum. Selbige seynd verfertiget von dem gelehrten Fräulein de Clair zu Bonn. 37 P. Thaddäus, und Hedderich Dissertationen, und sonderlich des letzten gehaltene Vorrede (2), worinnen gemeldet wird “ De " Hermanno Archiepiscopo, qui Seculo “XVI ad annum usque 1547 Ecclesiae nostrae praefuit, quid dicam? qui anno a 1525, dum Clero Coloniensi sua ab "Imperatoribus legitime concessa privilegia per Magistratum civilem contra"dici, & turbari coeperant, suam in " illis conservandis, & vindicandis col"locavit operam? qui in Comitiis Im"perii pro tuendis suis, & aliorum Ar"chiepiscoporum juribus suam saepius " auctoritatem interposuit? qui anno " 1536 in Synodo provinciali à se con"vocata celeberrimos edidit Canones " pro componendis Religionis dissidiis? " qui novam suae Ecclesiae reformatio" nem in erigendis scholis", eliminandis " abusibus, & reducenda Ecclesiae disciplina ad pristinam puritatem medita"batur, quamvis successu fatoque ina felici, quod tacere, dolere est. Sollen vielleichte alle diese Schriften, oder doch wenigstens Auszügen haben beygelegt werden (2) S. Entstehung, und Einweihungs Geschichte der Kurköllnischen Universität zu Bonn, Bl. 74. den müssen. O! Die Schriften seynd zu Bonn gedruckt, offentlich verkauft, und in alle Welt verschickt, mithin sattsam bekennt. So wenig iſt bekennt dahingegen, daß die Domkapitularen sich bisher mit dem heiligen Müßiggange beschäftiget, der den Schweis des gekränkten Landmanns verzehrt, ohne irgend einen verhältnüsmäßigen Beytrag zum Wohl ihrer Mitmenſchen zu leiſten. Davon mus ein rechtmäßiger, und in denen Gesetzen gegründeter Beweis geführt, und bis dahin der Herausgeber für die Erzverläumder des ganzen Teutschlandes gehalten werden, zumahlen die Lästerung ganz allgemein, und unbeſtimmt iſt. Text. . er hohe Grad des Leichtsinnes, womit die Klage hingeworfen ist, beweiset deutlich den Grad der Gewissenhaftigkeit, der Gerechtigkeits- und Menschenliebe, welche diese hochwürdige Priester in Kölln beseelet, wenn es auf die Ehre verdienstvoller Männer, auf die Beförderung der katholischen Religion, auf das Glück, oder Unglück einer ganzen Menschengeneration ankömmt. XII. Auf 39 39 XII. Aufklärung. 9 Das fromme, und nicht genug zu lobende Beyspiel der Christ=catholischen Vorfahren beseelt das lebende Domkapitel, die Abschaffung der neumodischen Aufklärer, Schwärmer, Ketzer, Gotteslästerer, Epikurer, Petronianer, und Verderber der Jugend zu beförderen, die Catholische Religion wider diese Erbfeinden zu vertheidigen, und für das zeitliche, und ewige Glück des Erzbischthums schüldigst zu sorgen. Text. Sie glauben eine gegründete Beschwerde zu finden, wenn die Professoren der hohen Schule zu Bonn nach Feders Handbuche Philosophie vorlesen. Sie setzen den Grund hinzu, weil Febers Werke der Religion gefährliche Lehren enthielte, worüber selbst unter den Protestanten Bewegungen entstanden seyn sollen. XIII. Aufklärung. Zum Hauptgrunde wird gelegt, daß es eines theils sehr bedenklich seye, auf einer Erzbischöflichen, und Catholischen Univerſität 40 versität mit Hintansetzung treflicher Catholischer Vorlesungsbücher einen Protestant, und zwar in solchem Fache, wo die Grundlage zu höheren, sonderlich theologischen Wissenschaften zu machen ist, zu wöhlen, und andern Theils den P. Elias, welchem der Ruf nicht günstig ist, zum Vorlesen anzustellen. Dieser Elias van der Schüren eben so, wie mehrere seiner Ordensbrüder, aufgeklärte Minorit, und Doctor der Philosophie bey der Universität zu Bonn schwärmte vor kurzer Zeit mit langen Haaren ohne Cron, mit einem runden, und hohen Hute, mit einem bald grünen, bald andern farbigen Kleide, bald mit neumodischen Stiefelen, bald mit seidenen Strumpfen, wie ein ausgemachter Stutzer in Aachen herum, und gab Aergernuͤß schier der ganzen Welt, wie auch seiner leiblichen Muhme, welche den entkutteten Vetter nicht mehr kennen wollte, Welcher Verdienst voller Mann, um dessen Ehre es dahier zu thun iſt. Text. Aus Feders philosophischen Schriften Lehren herauszufinden, welche der Religion gefährlich sind, dies ist vorsetzliche mishandlung eines noch lebenden Authors, die ohne Beyspiel, und nur Männern dieser Art möglich 41 möglich ist: Ihnen, die überall Ketzerey wittern: Ihnen, den wahren Antipoden einer arbeitsamen Biene, die, statt aus giftigen Blumen Hönig zu saugen, aus hönigreichen Pflanzen nur Gift zu sammlen sich bemühen. XIV. Aufklärung Ists eine vorsetzliche mishandelung Wien eines noch lebenden Schriftstellers, wann ein Catholischer anführt, daß dieser Protestant der Religion gefährlich seye? Ist diese mishandlung ohne Beyspiele? Ist dann ein Voltaire bey Lebzeiten ohne Beyspiel von allen denen mishandlet worden, welche dessen der Religion so gefährliche Grundsätzen gerüget haben? Ist noch ein lebender Michaelis, Semler, und andere ohne Beyspiel mishandlet worden, wann so gar Protestanten bewähren, daß diese Männer der Religion, und Christenthume gefährlich seyen. Hieraus sauge der Herausgeber entweder Hönig, oder Gift, wie er kan, und wilt. Text. Fätten die Domherrn in Rölln-Febers Schriften selbst gelesen! wie wäre es möglich 42 möglich gewesen, diesem ehrwürdigen Manne gefährliche Lehren anzudichten? Einem Manne, der mit so vieler Wärme Tugend lehrt, der nur mit Verehrung, und Würde von Religion spricht, sie als die einzige Quelle der menschlichen Glückseligkeit betrachtet; der als ein erklärter Feind aller Bibelspötter gegen Irreligion mit Mannes Kraft kämpft; der jene erhabene Wahrheiten, welche der Theologie zur Grundlage dienen, mit Muth und Feuer behauptet; der durch seine deutsche Emile sich Beyfall aller Erzieher, und durch seinen sanften unverfälschten Karakter die Liebe der deutschen Nation sich erwarb! XV. Aufklärung. Solle wohl vernünftig können vermuthet werden, daß keiner derer Domherren Feders Schriften gelesen haben? Sollen selbige es machen, wie die bönnischen Bonzen, welche aus nicht eingesehenen Schriften Stellen anführen, und nach ihrem Eigendünkel vermehren, verminderen, zerstümmlen, und verfälschen? Solle ferner der Herausgeber einen rechtlichen Glauben verdienen, wann er von Feders Tugend, Religion, Wahrheiten, Ziehungen und Liebe der teutschen Nation zeugen wilt? Da er die bönnischen Jrrlehren, Schwärmereyen, Ketzereyen, 43 reyen, Gotteslästerungen, und Zoten bis im höchsten Himmel erhebt, beweist er dadurch nicht vollkommen, daß er von wahrer Tugend, Sittenlehre, Christenthume, und Catholischer Religion gar keine Kenntnüß habe. Text. Das mögen diese Menschen wohl unter gefährlichen Lehren verstehen? — Vielleicht solche, die Irrthum verbreiten? Feder lehrt nur Wahrheit — oder solche Lehren, die der Dummheit gefährlich sind? — In diesem Betrachte hat das Domkapitel Ursache zu klagen. Denn gesunde Vernunft ist mit Dummheit eben so unverträglich, als es Licht, und Finsternis sind. Nur Menschen von solchem Gelichter, als diese Kläger, denen Religion nichts als einträgliche Oekommie ist: deren ausschweifende, ja selbst dem Atheisten ärgerliche Lebensart, die uns durch den öffentlichen Auf schon hier in Brabant bekannt ist, hinlänglich beweist, daß sie weder sich, weder ihre Bestimmung, und Pflichten kennen; daß ihr Körper allein ihr angebethetes Idol ist; und daß sie weder an natürliche, noch an geoffenbarte Religion glauben. Nur einem Domherrn in Kölln kann daran gelegen seyn, den Laien in Unwissenheit zu erhalten, ihn in dem Wahne von der Heiligkeit seiner geistlichen 44 lichen Person zu stärken, und durch einen ſcheinbaren Religionſeifer das Volk zu taͤnschen, oder vielmehr die Aufmerksamkeit des Publikums von seinem so erbaulichen Aristkatholiſchen Lebenswandel abzuziehn, und auf andere Gegenstände zu lenken. XVI. Aufklarung. In ihrer Vorstellung verstehen sie gewislich keine anderen, dann die Bönnischen, D welche schon sattsam bekennt, und zu viele ſeynd, als daß ſie alle dahier moͤgen nachgeführt werden. Ich will dahero nur ein, und andern, und zwar des predigenden Schneiders dermahlen beruͤhren. Ist es nicht der Christlichen, ja so gar der natürlichen Religion gefährlich, wann der Christliche Prediger (1) schmeichelt: "Ich bewundere Sie, als einen rastlosen Befoͤrderer der Aufklärung, und der allein seeligmachenden Religion der Menschenliebe. So macht dann die Religion der Gottes= und Chri(1) S. Predigten für gebildete Menschen, und denkende Christen vom Eulogius Schneider ehedem Herzogl. Würtenbergischen Hofprediger, jezt Professor der schönen Wissenschaften zu Bonn Bl. 5. Breslau 1790. 45 Christus Liebe nicht mehr seelig, unerachtet das erste Gebott ist: du sollst Gott deinen Herrn aus ganzem Herze, und ganzer Seele lieben? Ist es nicht gefährlich, wann der Prediger (2) vom David sagt, dieser originelle Mann, der sich durch seine ausgezeichnete Talente vom Hirtenknaben bis zum Despoten Israels empor geschwungen hat. Und gleich hinzufügt (3) Ferne seye von uns, den Despotismus zu predigen, der nicht allein den Rechten der Menschheit, sondern selbst der Sittenlehre Jesu, und seiner Apostel widerspricht. Also nennet er den David ein Mann, der nicht allein denen Rechten der Menſchheit, ſondern auch der Sittenlehre Jesus, und dessen Apostolen widerspricht. Ist nicht gefährlich, wann der Prediger (4) meldet: Beforderet aber das Christenthum die Industrie, so vermehrt es eben dadurch die Bevölkerung: Arbeit verschaft Nahrung, und wer Nahrung hat, der versagt sich nicht lange die Freuden, und Vortheile des Ehestandes. Widerspricht dieſes (2) Daselbst Bl. 15. (3) Bl. 17. (4) Bl. 38. 46 dieses nicht der Lehre Jesus, und des Apostels von dem Ehelosen Stande. Ist nicht gefährlich, wann der Prediger (5) verkündet " Alle Ausschweifungen, und Ver. gehungen verzeihen wir gerne einem Jüngling, der Beweise eines guten, menschenfreundlichen Herzens giebt: und der keuscheste, froͤmmiste, ordentlichste Jüngling darf sich wenig Freunde versprechen, wenn seine Handlungen nicht das Gepräge eines guten wohlwollenden Herzens tragen. Stimmt dieses mit der Lehre des Heilands und derer Apostelen, oder nicht vielmehr des Epikurus überein? Ist der Jüngling nur freygebig, und wohlthätig gegen Dürftige, und Nothleidende, oder sonst andere; so seynd alle Ausschweifungen, und Laster ihme gerne zu verzeihen. Mehrere derley Grundsätzen zu entdecken will sich denenjenigen überlassen, welche des Schneider katechetischen Unterricht aufzuklären sich bemühen werden. So dann will ich von den gröbsten Verlaͤumdungen, welche der Herausgeber wider das hohe Domkapitel auszustoßen sich erfrechet, nur anregen. Et documenta damus, qua simus origine nati (6). Die (5) Bl. 72. 6) OVIDIUS Metamorph. Lib. I.s.V. 415. 47 Die giftige Natter giebt nemlich zu erkennen, daß sie nicht in der Schule des sanftmüthigen Lehres Jesus, sondern des lügenhaften Belial erzogen seye, welche den Staubbefen, und Brandmark verdient, und gar zur Laterne gehört. Text. Ferner will das Domkapitel Feders Lehrbuch verbannt wissen, weil der Verfasser ein gefährlicher Protestant ist. Welche Logick! Welche Association der Ideen in diesen leeren Köpfen! (a) Protestant, und gefährlich sind ihnen Sinonimen. Welche Intoleranz! Welcher Partheygeist! Wären diese Kläger gutgesinnte Katholiken; wären sie Schüler, und wahre Priester Jesu; so würden sie bedacht haben, daß der rechtschaffene, der nützliche Mann einen größeren Werth in den Augen Gottes hat, als der verfolgende Priester, und der rachsüchtige Orthodox. Sie würden bemerkt haben, daß das Wahre und Gute, wäre es auch von Huronen gelehrt, immer wahr, und gut bleibe. Sie würden mit schonender Vernunft gesprochen, sie würden die Begriffe Protestant, und gefährlich nicht mit Lojolitischer Andacht per(a) Vermuthlich lernten sie diese schöne Logick aus jenen vortreflichen katholischen Lehrbüchern, oder Mönchs Dialecktiken; welche sie statt Feders Schriften eingeführt wissen wollen. verwechselt, sondern dem Verdienste die gebührende Gerechtigkeit haben widerfahren lassen. XVII. Aufklärung. So ist wohl in der Vorstellung eine 9 Spuhr zu finden, daß das Domkapitel Feders Handbuch wolle verbannt wissen: Wann dasselbe errinnert, daß man mit Hindansetzung treflicher Catholischer Vorlesungsbücher einen gefährlichen Protestant sich wähle; macht es darum zwischen einem Protestant und gefährlichen Protestant keinen Unterschied, und gelten die Wörter. Protestant, und gefährlicher Protestant bey ihm gleich? Wann Seine Heiligkeit Pius VI. (1) in einem Anschreiben an den Erzbischof von Cölln erwehnen, daß die bönnischen Schriftgelehrten Zedderich, Spiegel, Spitz, Froitzheim, Thaddäus, und Schneider gefährlich seyen, ist dieses von allen bönnischen Lehreren zu verstehen, und die Lehrer Cramer, Daniels, Gynetti, und andere darunter zu verstehen? Wann Protestanten dafür halten, daß dieser, und jener Prediger gefährlich seyen; denken, und sagen sie, daß (1) S. S. D. N. PII Sexti Responsio ad Metropolitanos. p. m. 346. daß alle Prediger gefährlich seyen! Haben also die Wörter: Prediger, und gefährlichen Prediger, sodann Schriftsteller, und gefährlichen Schriftsteller eine gleiche Bedeutung? Arme Logick, oder Schlieskunst, welche die bönnischen Ermönchen aus Feders Schriften lehrnen, und selbst eine ächte Catholische um so weniger verfertigen können, als sie nicht mehr Catholisch seynd. Text. Endlich ſpricht das Domkapitel von Bewegnungen welche Feders Lehrbuch unter den protestantischen Orthodoxen veranlaßt haben soll. Dies ist die Sprache des Exjesuiten Feller, der so, wie die Domherrn in Kölln, die durch Bahrdt und Kant unter den deutschen Gelehrten entstandene Revolutionen dem frommen Feder zu Last legt. Es ist also Sprache der Unwissenheit — Und wahrlich! wenn man die Kenntniße, welche das Domkapitel uns hier offen vorlegt, zum Maaßstabe ihrer litterarischen Vollkommenheit in anderen Zweigen der Wissenschaften machen will, so muß der Biedermann von Herzen bedauren, daß von daher so wenige Unterstützung für die Wissenschaften, und so mächtige Hinderniße gegen die Verbreitung einer vernünftigen, und zweckmäßigen Aufklärung zu hoffen sind. Ja man sollte fast glauben, das köllnische Domkapitel 50 kapitel habe nur deswegen diese gewissenhafte Klage entworfen, um dem Kurfürsten einen unwidersprechlichen Beweis von den erhabenen Eigenschaften ihres erleuchteten Verstandes, und ihres edlen Herzens zu geben. XVIII. Aufklärung. So ist dann der Exjesuit Abt von Feller, der, wie Herr Feder (1) selbst sagt, ungenennte Verfasser einer auf dem Reichstage ausgetheilten auf die Cöllnische Nunciatur Strittigkeit sich beziehenden Schrift, welche enthällt (2) Dans l'Academie de Bonn on enseigne entr'autres Ouvrages d'un choix plus que singulier ceux d'un certain Feder, pour qui la mort de l'ame est une chose au moins indifferente, comme on peut le voir dans sa metaphysique, particulierement dans le Chap. (1) In der Emil, oder von der Erziehung Vorrede (*) Frankfurt, und Leipzig 1790. (2) Reflexions sur les 73. Articles du pro Memoria présenté a la Diste de l'Empire touchant les Nonciatures §. 73. pag. 228. lit, b. RATISBONNE MDCCLXXXVIII. 51 2. intitulé: De lanimarum ortu, & interituLe meme Auteur renvoie sans cesse à Rousseau, à Helvetius, & a d'autres pedagogues du philosophisme, & meme du plus plat materialisme. Legt Herr von Feller darum dem frommen Feder die durch Bahrdt, und Kant unter den teutschen Gelehrten entstandene Revolutionen zu Last? Worinnen bestehen diese Revolutionen, oder Abwechslungen, oder Abänderungen? Vermuthlich weis der Herausgeber eben so viel davon, als von des Feder gefährlichen Sätzen, und zusetzlichen Bemerkungen, die ein ausschweifender, und wie man mir gesagt hat, dumme van der Schüren darüber macht, wann er des H. Feder Logick und Metaphysick (3) sonderlich Log. Hauptst. III. Abschn. I. §. 80. Met. Hauptst. II. Abschn. I. §. 47. §. 51. §. 56. §. 63. §. 64. §. 69. Naturl. Theol. §. 13. §. 14. §. 16. 2c. vorliest. Gibt also der Herausgeber nicht einen öffentlichen Beweis seiner Unwissenheit, Unerfahrenheit, und Schmähkunst? (3) S. Fünfte vermehrte Auflage Frankfurt und Leipzig 1783. D2 Text. 52 Text. Jedoch es ist wahrscheinlich, daß das Domkapitel nur das blinde Werkzeug einer fremden Macht war; daß mehrere Kapitularen sich durch den Zaubernamen: Religion, und Orthoderie verblenden liessen, ihren Namen zu dieser ungerechten, und schimpflichen Klage zu leihen, um dadurch die politischen Absichten des Römischen Hofes auf Kosten ihres eignen, aber leider aus Vorurtheil verkannten wahren Intereße zu unterstützen. Mehr, als wahrscheinlich ist diese Vermuthung. Die allgemeine Kirchengeschichte, und die besondere Lage der Universität zu Bonn spricht für ihre Evidenz. XIX. Aufklärung. Ware das Domkapitel zu Zeiten des Erzbischofs Hermann von Wied, und Gebhard von Truchses ebenfalls ein blindes Werkzeug einer fremden Macht? Liese dasselbe sich durch den Zaubernahmen: Religion, und orthodoxie verblenden, ganz gegrundete, und nöthige Vorstellungen, und Klagschriften an den Pabst, und Kayser gelangen zu lassen? Unterstützte es nicht aus reinen Absichten die Catholische Lehr? Wandte es nicht alle seine Kräften, und Vermögen an, um das Unheil abzuhalten? Und zu jetziger 58 jetziger Zeit soll es seinen Nahmen zu ungerechten, und schimpflichen Klagen wider verderbte, und ketzerische Lehrer herleihen, um die politischen Absichten des Römischen Hofes zu unterstützen? Spricht die Geschichte, und Augenscheinlichkeit nicht (1). Arrente consideret Christianus Lector rapidum progressum illuminatismi (Die Aufklärung ut vocant) comparétque, ac combiner uniformem, aut variam agendi normam in antiquis, & modernis reformatoribus, observet etiam, ut diversis saeculis, diversisque modis eaedem saepe res agantur. (1) S. Colloquium in regione mortuorum inter Hermannum a Weda, Gebhardum Truchsess Archiepiscopos Colonienses &c. pag. 4. Text. Die Römische Kurie, deren Macht nur auf Finſternis, und Ignoranz gegründet ist, war von jeher thaͤtig, alles, was nur Licht, und vernünftige Belehrung hies, zu unterdrücken. Sie brauchte daher auch das Domkapitel zu Kölln als Instrument, die Hofnungsvolle Universität in Bonn wieder zu vernichten. Schon unter der Regierung des vorigen Kurfürsten Max Friedrichs muste das Domkapitel zu Wezlar gegen die von 54 von den Klöstern des Erzstiftes Kölln im Jahre 1783 gefoderte Beyträge sich widersezen; ward aber zur Ehre der Wissenschaften, zur Ehre des kaiserlichen Reichskammergerichts, zur Ehre Deutschlands mit seiner fuglosen Klage abgewiesen, und dem Erzbischofen zugleich ein Wink gegeben, daß er berechtiget sey, von dem Domkapitel selbst einen jährlichen Beytrag zur Beförderung der neu gestifteten Akademie in Bonn zu fodern. Mehrere fruchtlose Versuche wurden nun wiederholt, um den biedern Hedderich, den Vater der Vernunft im Erzstifte Kölln, der Ketzerei wegen verdächtig zu machen, und ihn von der hohen Schule zu verbannen. Der heilige Vater Pius VI. muste endlich selbst seine ganze Beredsamkeit verschwenden, um den seiner Kurie gesährlichen Mann aus Deutschland zu entfernen. Exjesuiten, Franciskanermönche, und feile Räthe wurden gedungen, die Universität, und ihre Lehrer zu lästern, und noch immer ist ihre neidische Rachsucht unermüdet. Denn eine Macht, deren Ansehen nur auf Vorurtheilen beruhet, hat alles von der Wahrheit zu befürchten. Diese zu unterdrücken, die Blindheit stets zu unterhalten, war immer die große Handlungsmaxime der römischen Kurie. Jezt vorzüglich, da das katholische Deutschland anfängt mit eigenen Augen zu sehen; und die Fessel der römischen Skaverey zu zerbrechen, jezt bietet die Kurie vollends alle Schleichwege auf, um diese ihr so nachtheilige Revolution zu hindern. Die gegenwärtige 59 genwärtige Klage kann zu einem neuen Beweise dienen, was für niedrige Triebfedern Rom zur Beförderung seiner geldgierigen Absichten in Bewegung sezt. — Man lese nur die Klage selbst, um sich zu überzeugen daß der so genannte Nuntius Pacca in Kölln der versteckte Kläger sey: Denn die Klage ist ein wörtlicher Auszug aus den Schandschriften des Exjesuiten Feller, jenes römischen Miethlings, auf den ganz Deutschland mit Unwillen, und Verachtung herabsteht. (b) Die Klage verwechselt absichtlich die katholische Religion mit der römischen Politick; den Primat des Pabstes, mit den habsüchtigen Grundsätzen der römischen Kurie. Ferner die Kläger wollen nicht nur die köllnische, sondern auch fremde Unterthane (vielleicht in benachbarten Diözesen) vor den angeblichen Irrlehren bewahrt wissen. Was kümmern auswärtige Staaten, und Diözesen das Domkapitel in Kölln, für welche es nicht zu sorgen hat? So konnte nur der Diener der Kurie sprechen, dessen Interesse nicht nur von der Verblendung des Erzstifts Kölln, sondern von der Existenz des Aberglaubens im ganzen katholischen Deutschlande (b) Man vergleiche nur die “Anmerkungen über die 73. Artikel des von Seiten Ihro Kurfürstl. “ Durchlaucht Erzbischofen von Kölln auf ꝺen “ Reichstag eingegebenen Pro Memoria betreffend die Päbstliche Nuntiaturen. Regensburg 1788. (1 S. 201, 202, 203, seqq. (wovon das Original in französischer Sprache geschrieben war) mit der Klage des Domkapitels. lande unzertrennlich abhangt. — Auch fehlt es ja leider in dem übrigen katholischen Deutschlande nicht an ähnlichen Auftritten; wenn es nur überall eben so bereitwillige, eben so Gerechtigkeit liebende, eben so erleuchtete Domkapitularen anzutreffen sind, wie in Kölln. XX. Aufklärung. Fin allgemeines Plauderwerk ohne Beweis. Catholische, und gesittete Mundart der bönnischen Verläumder, und Lügner. Schade, nur immer Schade, daß dieſe des bekennten Estors Freyheit der teutschen Kirchen (1) nicht gelesen haben. Sonsten würden gewis noch Schilderungen der so genennten Curtisanen, oder Curialen zu Rom beygekommen seyn. Wie siehet es nun mit der Erzbischöflichen Kurie zu Bonn aus. Finden sich da nicht Exminoriten, welche sich nicht mehr Brüder ihres Ordens nennen, die gewöhnlichen Ordenskleider ablegen, und nichts mehr bedauren, als daß Erzbiſchof Hermann von Wied ſeine vorhabende Religions-Verschlimmerung nicht vollführen, die mehrsten Catholischen Hauptlehren nicht ausrotten, noch die Neuerungen des Bucer, und Melanchton haben an(1) S. CCCCXXV. anpflanzen können? Finden sich nicht Exjesuiten, welche nicht nur einen noch lebenden ehrwuͤrdigen P. Schenkl, sondern auch den schon längstens verstorbenen P. Rupprecht ohne Beyspiel misstalten, zerstümmlen, und auf das allerschändlichste verfälschen? Finden sich nicht Franciskaner, welche immer ihre Linen, Babetten, Nanetten, und so weiter besingen, und der unschüldigen Jugend zeigen: Et quibus ipsa modis tractetur blanda voluptas. Finden sich nicht Carmeliter, und Benedictiner, welche nicht das Evangelium unseres Heilandes, sondern der verderbten, und teuflischen Aufklärung, oder vielmehr Verfinsterung predigen, und Auslegungen der heiligen Schrift erdichten, welche den Unsinn, Schwärmerey, und Raserey ihrer Erfinder völlig entdecken; und nicht nur von Catholischen, sondern auch Protestanten verworfen, und verdammet werden? Finden sich nicht so genennte Weltgeistliche, oder Pfaffen, welche als vermaledeyte Hofbediente, oder Curialisten denen Bischöfen schmeichelen, den Cöllnischen Erzbischof zu dem Allerhöchsten Oberhirte, und das Cöllnische Erzbischthum zu dem einzigen, und allgemeinen Schaafstalle machen, die Catholiſche Religion, und Kirchendienſt mit 58 mit allen Kräften durchhechelen, und wider das Pabstthum, und Nunciaturen scheuslicheren Quartbänden zusammen schmieren, als bis dahin der ärgste Ketzer und Mammeluck nicht gewagt haben? Dieser bischöflichen Miethlingen Schandschriften geben den wahren Catholischen, wie auch allen wohlgesitteten solche Aergernuͤß, daß es besser wäre, wann man Mühlensteinen an ihre Hälse hienge, und sie ins Meer würfe. Text. Ier aber auch der wahre Kläger sey; so S bleibt es in jeder Rücksicht ein schändliches unkristliches Bubenstück, welches nach den Grundsätzen der katholischen Religion immer eine auffallende Strafe verdient. XXI. Aufklärung. unvergleichliche Sittenlehrer der bönnischen Universität! Darf man nach ihren eigenen Sätzen nicht wiederhohlen, daß die Vorrede des Herausgebers ein schändliches unchristliches Bubenstück seye, welches sammt seinem Verfasser nach allen Christlichen so wohl, als heidnischen Gesetzen verdient verdammt, und verbrennt zu werden? Text. 59 Text. Ich würde zu weitläufig werden, wenn I ich die ganze Klage noch weiter gehörig entwickeln wollte. Folgende Bemerkungen werden indessen dem Leser ein hinlängliches Licht über die Eigenheiten dieser Klage verschaffen. XXII. Aufklärung. Die Schand= und Schmähschrift wird nicht, sondern ist schon würklich zu weitläuftig. Die folgenden Bemerkungen, als fernere Verläumdungen hätten also hinwegbleiben können, und sollen. Text. Die Kläger sind frivole Tagdiebe, die durch ihr sittliches Betragen das katholische Priesterthum schänden. — Die Beklagte sind thätige Männer, die sich mit der Kultur wohlthätiger Wissenschaften unermudet beschäftigen, und die gesammelten Kenntnisse zum Wohl der Menschheit, zum Unterrichte des Vaterlandes, und zur Beförderung der wahren Religion gemeinnüzig verbreiten; die durch Schriften, und Vorlesungen, durch erbaulichen Wandel, und menſchenfreundliche Thaten ihren Mitmenschen 60 schen zu nüzen streben; die sich für das Glück des Menschengeschlechtes, für wahres Kristenthum opfern XXIII. Aufklarung. Der Herausgeber mus gewislich des Theodulphi Josephi van den Elsken Parallelismi inter Lovaniensium, Bonnensiumque doctorum sententias specimen primum in bonum Religionis catholicae (1) gelesen haben. Sonst würde ihm wohl schwer gefallen seyn, so trefliche Vergleichung, und Uebereinstimmung zu machen. Aber ahmet er auch ganz getreu nach? Bildet er die Kläger und die Beklagten gut ab? Wir kennen die Kläger, als Männer, die in die Fußstapfen ihrer frommen Vorfahrer löblichst eintretten, die die Wahrheit nicht verheelen, sondern gründlich vorstellen, den bösen Sitten, und Lasteren sich widersetzen, die Schwärmereyen, Ketzereyen, Gotteslästerungen, und Unglauben bestreiten, und für die wahre Catholische Religion eiferen Wir wiſſen dahingegen auch, daß die Beklagten Burschen seyen, welche die mehreste Zeit in denen Gasthäuseren bis in die (1) Wann es erforderlich seyn sollte; so kan ich die Herren, Oerter, und Häuser benennen. die spate Nacht schwärmen, und schwelgen, welche mit dem Kleide, und Crone ihren Orden ablegen, und wie Modeschneider, und Putzmäncher auf denen Gassen herumlaufen, welche mit fleischlichen Begierden sich unermüdet beschäftigen, unkeuschen Lieder offentlich singen, ein jedes Weibsbild, das sie nur sehen, anwieheren, vom Samstage bis auf den Sonntag tanzen, am Sonntage keine H. Messe hören, auf Fasttägen in öffentlichen Wirthshäuseren Fleisch, sonderlich Krammetsvögel so gar zur Aergernuͤsse derer Protestanten fressen, und gottlose Reden von der Religion führen, (1) welche die Jugend in der Kunst zu lieben üben, Schauspielerinnen, sonderlich die beeden Reinholt zu Muster der Schönheit vorstellen, und vom Haupte bis zu denen Füssen mit dem Ovidius (2) beschreiben: Quos humeros, quales vidi, retigique lacertos, Welche gefährliche, anstößige, ja Gotteslästerische Predigten im Angesichte des Erzbischofs daher sagen, welche böse, und schändliche Sittenlehren einführen, welche den Saamen der Schwärmerey, Ketzerey, und Unglaubens durch ihre Schriften ausstreuen, welche die heilige Schrift nach (2) Amor: Lib. I. Eleg. V. v. 19. 62 nach ihrem Eigendünkel, Sinnlichkeit, und Leidenschaften aufklären, welche die heiligen Vätter, und andere Schriftsteller verfälschen, welche falsche Urkunden schmieden, welche nicht nur die Catholiſche, ſondern auch die Christliche Religion anfertigen, und als Arianer, und Socinianer die Gottheit des Erlösers (3) verlaugnen. Ey wie gemeinnützig verbreiten diese Afterlehrer, und Ungeheuren nicht ihre gesammelten Kenntnüssen zum Wohl der Menschheit, zum Unterrichte des Vatterlandes, und zu Beförderung der wahren Religion? Wie streben ſie durch Schriften, und Vorleſungen, durch erbäulichen Wandel, und menschenfreundliche Thaten ihrem Nebenmenschen zu nutzen, und wie opferen sie sich für das Glück des menschlichen Geschlechts, und für das wahre Chriſtenthum? (3) Hievon kan ich auch einen rechtlichen Beweis führen.] Text. Die Kläger sind für ihren Müßiggang reichlich bezahlt, und verschwenden den Schweis des arbeitsamen Landmanns in Ueppigkeit, und Wollust. — Die Beklagte ge 63 geniessen für ihre unschätzbare Mühe keinen Lohn, als Verfolgung, und Undank. (c) (c) Die Professoren Thaddäus, und van der Schüren haben 100 Thaler Besoldung. Der geistliche Rath Hedderich hat 500 Fl. Einnahme. — Jeder Domkapitular genießt für seinen Müßiggang jährlich eine Summe von 2000. Fl. XXIV. Aufklärung. Seynd die Kläger Müßiggänger, welche reichlich bezahlt werden, ist dann nicht das Haupt des Domkapitels auch das Haupt der reichlich bezahlten Müßiggänger, welches der Sage nach dafür jährlich 150000 Fl. geniesset? Oder gilt vielleichte dieser Schlus nach Feders Logick nicht? Ferner seynd die Kläger reichlich bezahlten Müßiggänger, wie haben sie dann die Vorstellung, und Klagschrift verfertigen können, wofür sie grössern Lohn verdienen, als die Irrlehrer für ihre gottlosen Aufklärungen. Selbige haben mit 100 Thaler, und 500 Fl. noch viel zu viel. Sonst könnten sie sich ja große Engelländischen Hüthen, Kleider von allerley Farben, seidene Strümpfen, niedlichen Hausrath, und einen mit den besten Weinen gefüllten Keller nicht anschaffen. Text. 64 Text. Die Kläger sind durch Unwissenheit, und Dummheit in dem ganzen katholischen Deutschlande bekannt. Denn das Domkapitel zählt 16 Grafen, und 8 Doktoren. Jene glauben ihren Geburtsadel zu schaͤnden, wenn sie sich mit Wissenschaften beschäftigen sollten, die nur für den bürgerlichen Pöbel gehören. Die Doktoren wetteifern mit ihren gräflichen Kollegen. Ihre Doktor-Diplome sind gewöhnlich in Rom, oder Rölln, mit vielem Golde erkauft. Der Generalvikar von Horn Goldschmidt hat sich in dem verflossenen Jahre 1789 nicht nur durch eine gründliche Schutzschrift für die Nothwendigkeite des filbernen Kirchengeräthes, und durch die bekannte Apologie des Xaverianischen Rosenkranzes gegen die Freigeister in dem Stadtrathe zu Kölln, welche die Wunderkraft dieses heiligen Kosenkranzes frevelnd bezweifelten; sondern auch durch die wohlthätige Erfindung eines kräftigen Weihwassers, welches alle Blitzableiter in dem Erzstifte Kölln entbehrlich macht, rühmlichst ausgezeichnet. (d) Der Domherr von Hillesheim war im Jahr 1769 als Bevollmächtigter des Erzbischofs von Kölln auf dem Konvente der drey geistlichen Kurfürsten zu Koblenz. Er unter(d) Siehe die Annalen der neuesten theologischen Litteratur, und Kirchengeschichte. Erster Jahrgang 1789. pag. 526. und 591. 65 unterzeichnete die daselbst entworfene dem Publikum hinlänglich bekannte Beschwerden der Erzbischöfe gegen die päbstliche Kurie. Im Jahre 1788 schrieb er ein Exercitium acadicum, und widerrief jene von ihm selbst beförderte Punktationen. Er lieferte sogar dem Nuntius Pacca, und seinen Miethlingen die Materialien zu jenen Schandschriften, und Bullen, wodurch man die Kraft des Emser Bundes zu lähmen suchte. Er ist endlich der wahre Verfasser, und Beförderer dieser Klage gegen die Universität zu Bonn, und dieser einzige Zug stempelt seinen Karakter. In Kölln selbst lacht der Pöbel über die Stupidität ihrer Kirchenprälaten, der Freiherrn von Geyr, Merle, und Konsorten. — Die Beklagte sind Männer, die sich durch ihre Schriften allgemeinen Beyfall in ganz Deutschland erworben haben; von ihnen sprechen katholische, und protestantische Gelehrte mit Achtung; sie sind die Zierde, und der Ruhm des katholischen Deutschlands: die Stüze der deutschen Kirchenfreiheit. XXV. Aufklärung. Beweis der Christlichen Doch ein näherer Sittenlehre, und Catholischen Unterrichtes zu Bonn. Hat ein Hochwürdiges Domcapitel nicht den grösten Fug, sich über den Unterhalt, und Besoldung der so unchristlichen, und unverschämten Verläumder — 66 zu beschweren. Wäre dieses Gesindel dem Cammergerichte bekennt gewesen, wuͤrde das Cammergericht, wie die Bönnischen pochen, dem Erzbischofe wohl einen Wink gegeben haben, daß er berechtiget seye, von dem Domcapitel selbsten einen jährlichen Beytrag zu Beförderung der allerungeſitteſten, und allerzügellosesten Universität zu forderen. Und wäre ein solcher Wink gegeben worden, würden die bönnischen Hornissen nicht Himmel, und Erde bewogen haben, das Domcapitel zu einem unmäßigen Beytrage weit stärker zu zwingen, als jene Closterfrauen, welche bettelen gehen, und von denen Almosen jährlich fünf Gulden zum Unterhalt des bönnischen Raubnestes beytragen müssen, welches verdient durch Hunger vertilget zu werden. Ziehen dessen Zöglingen den Herr General Vicarius von Horn Goldschmidt nicht mit denen Haaren herbey, blos allein, um die Catholiſchen Kirchengebräuche zu verhöhnen, und lächerlich zu machen? Wie einfältig, und kindisch dichten sie nicht, daß der wohlbemelte Herr General Vicarius ein kräftiges Weihwasser erfunden haben solle, welches alle Blitzableiter in dem Erzstifte Cölln entbehrlich macht? Was folgt ferner, wann der Domherr von Hillesheim nach reiferer Erwegung, und Ueberlegung seine Meynung dem bekennten Spruchworte nach: Pru 67 Prudentis est consilium mutare in melius, abgeändert, und verbessert hätte. er deswegen zu tadelen, und zu zupfen? Ist nicht vielmehr der Herausgeber scharfest zu bestrafen, wann er daher zu schreiben sich erfrecht, daß der Domherr von Hillesheim dem Herrn Nuncius zu Cölln, und dessen Miethlingen die Materialien zu jenen Schandschriften, und Bullen geliefert habe, wodurch man die Kraft des Emſer Bundes zu lähmen suchte? Mein! Wer verfertiget dann diese Schandschriften? Ein päbstlicher Gesandter, und Nuncius? Und wer giebt die Schandbullen wider den elenden, und armſeeligen Bund des Bubenbades? Der Pabſt selbst? Also rühren dann die Schandschriften, und Bullen von dem päbstlichen Gesandten, und dem Pabste selbsten her? Wer darf wohl so denken, und sprechen? Die bönnischen Verläumder, und Bösewichter. Erwerben sie dadurch den allgemeinen Beyfall im ganzen Teutschlande? Sprechen desfalls alle Catholiſchen, und Proteſtaͤntiſchen Gelehrten von ihnen mit Achtung? Seynd sie darum die Zierde, und Ruhm des Catholischen Teutschlandes, und die Stütze der teutſchen Kirchenfreyheit? O Aufklärung uͤber alle Aufklärungen! O Eitelkeit über alle Eitelkeiten! O Dummheit über alle Dummheiten! O Thorheit über alle Thorheiten! 0 E2 68 O Unverschämtheit über alle Unverschämtheiten! O Lüge über alle Lügen! Text. Die Kläger riechen Heterodorie in den Schriften der Professoren zu Bonn. Diese Schriften sind dem Domkapitel schon längstens bekannt. Wenigstens hätten sie es seyn sollen. Und doch hat das Domkapitel diese heterodore Schriften noch nie widerlegt. Wenn die Religion, oder die Lehre der katholischen Kirche in diesen Schriften wirklich verfälscht wurde; wenn das Domkapitel für Katholizismus wirklich eisern zu müssen glaubt; so ware es längst ihre Pflicht, die angeblichen Irrthümer durch nüzliche Schriften zu entlarven, und gründlich zu widerlegen. — Allein verkezern ist leichter, als widerlegen. (e) Die Beklagte beweisen durch ihre Verantwortung, daß nur die Vertheidigung der katholiſchen Religion ſie ermunterte, gegen die römische Kurie, und gegen die Feinde der Bibel zu kämpfen. (⁴) Warum beſtimmt das Domkapitel die irrige Saͤtze in den Abhandlungen des Professors Thaddäus, und die kezerische Lehren des P. van der Schüren nicht? Ist dies nicht eignes Geständnis ihrer Absichten, und ihres Unvermögens? XXVI. Auf 69 XXVI. Aufklarung. Darum sollen die Kläger die gefährlichen, 9 irrigen, schwärmerischen, und Ketzerischen Lehren ferner entlarven, und gründlich widerlegen, wo dieses schon Polychronius Gassman (1) Thomas Dolleschall (2) Ful(1) In vetere circa jejunium Ecclesiae disciplina dissertatione historico-juridica à paradoxis recentioris cujusdam JCti commentis vindicata. COLONIAE AGRIPPINAE 1782., & cum venia, censura, & praefamine Ubaldi de duobus fratribus recusa COLONIAE AGRIPPINAE 1783. In Dissertatione inaugurali juridica de jure (2) patronatus. COLONIAE Anno MDCCLXXXIII. (3) In Assentationibus in Dissertatione juris ecclesiastici de eo, quod circa decimas novales in Germania, ac praecipue in Dicecesi, & Territorio Coloniensi justum est, quam sub praesidio Philippi Hedderich Min. Conv. Presbyteri, Ss. Theol. Doctoris Eminentissimi principis Electoris, & Archiepiscopi Coloniensis Consiliarii ecclesiastici actualis, Consilii Electoralis Achematici Assessoris, Ss. Canonum in Electorali Academia Maximilianea Bonnensi Professoris P. & O. atque inclyti Col 76 Fulgentius de Verita (3) Theodorus Lilienthal (4) Josephus de mille animabus (5) Goswinus Josephus de Buininck (6) Gotthelfus Collegii juridici Assessoris publicae eruditorum disquisitioni Christianus Franc. Weidenfelt ex Neukirchen, Patriæ Coloniensis jurium auditor emeritus, author, & defendens anno MDCCLXXXII. die XII. Septembris submisit, contentis, ac detectis VERCELLIS MDCCLXXXIII. (4) In Epistola Critica in nuperam de Testamenti factione Diatriben P. Hedderich Min. Conv. Bonnæ Canonum Professoris. FRANCOFURTI MDCCLXXXII. (5) In litteris Parceneticis ad eminentissimum, ac celsissimum Archiepiscopum S. R. I. Principem Electorem circa nuperam de clericorum suorum testamentis ordinationem §. 3. ⸗ 4. EX TYPOGRAPHIA PRIVATISSIMA 1783. Hae litterae, uti & Confessio publica R. Patris Philippi Hedocrick. quae 1784. prodiit, sunt recusae 1787. (6) In Disceptatione forensi de Illuminato crimine falsi litterarii, & tygographici habita. DUSSELDORPII, 1788. In supplemento ad disceptationem forensem de iiluminato crimine falsi litterarii, & typographici, sive rationes publicitus redditae, cur nuperrima seu fratris, seu Philippi 21 helfus Josephus van den Elsken (7) Theodulphus Josephus van den Elsken (8) Franciscus Antonius Zaccaria (9) Cornelius lippi Hedderich epistola responsione indigna sit. DUSSELDORPII 1788. In Disceptatione forensi secunda de illuminato crimine falsi litterarii, & typographici habita. DUSSELDORPII 1788. (7) In Epistola aenigmatica ad Theodulphum Josephum van den Elsken patruelem, ac Clericum Juliacensem de subscriptionibus a seu fratre, seu Domino Philippo Hedderich emendicatis. DUSSELDORPII MDCCXC. & in Epistola altera, ac singulari ad Theodulphum Josephum van den Elsken patruelem de omissionibus DUSSELDORPII MDCCXC. Nec non in Consistorial Anmerkungen über den Cöllnischen Erzbischoflichen Unterricht vom vierten Hornung 1787. Düsseldorf 1787. (8) In Parallelismi inter Lovaniensium, Bonnensiumque Doctorum sententias specimine primo, Editio II. DUSSELDORPII 1790. & in Tenebris, nubibusque, quibus ab annis jam rribus Coelum Bonnense aut involutum, aut obscuratum fuit. Edidit PET. KAUFFMANN 1790. (9) In fratris Philippi Hedderich Dissertationem Juris ecclesiastici Germanici de juribus Eccle nelius Agrippa von Verulamio (10) Colloquia Ecclesiae Germanicae in Conventu Emsiano explicatis &c. specimine animadversionum PLACENTIAE MDCCLXXXIX. Wie hoch gelehrt ist es nicht, wann die bönnischen Dumköpfe in den begründeten Gegenbemerkungen über die Betrachtungen wider die 73 Artikelen des pro Memoria Blat 252, und 263. bemerken Will der verkappte Schriftſteller von Placenz, ein Franziskaner Mönch von Aachen in seinem Werkchen: Specimen animadversionum in Cl. Hedderich Dissertationem de juribus Ecclesiae Germ. in Conv. Emsano explicatis Gründe aufgedeckt haben, die Autenzie der Paulinischen Bulle verdächtig zu machen,.. So dann ferner: Hat der angebliche Schriftsteller von Placenz, der von seinem P. Guardian nie ausser Deutschland ist verschickt worden, Rom niemahl gesehen „. So wissen dann die bönnischen Ertzgelehrten noch nicht, daß der wegen seiner vielen Schriften, wovon auch ich eine Meuge hab, so berühmte Abt Zaccaria ein Exjesuit zu Rom wohnhaft, und der Verfasser jener Schrift seye, welche zu Bonn sehr schlecht, und einfältig widerlegt worden. (10) In Apocaliptischen Noten über die Einführungs=Rede des Freyherrn loquia Doctoris Ingolstadiensis de rebus ad Ecclesiae doctrinam, & disciplinam pertinentibus (11), Colloquium in regione mortuorum inter Hermannum à Weda, Gebhardum Truchsess Archiepiscopos Colonienses, & Sacerdotem de hodierno statu Eccclesiae germanicae. (12) G. J. D. B. JC. Epistola Familiaris ad Excellentissimum Dominum Comitem B. D. P. de seu Fratris, seu Domini Thaddæi a S. Adamo commentatione Biblica in Effatum Christi Math. XVI. 18. 19. (13) und mehrere andere gethan haben? Diese Schriftsteller, und Werken seynd genugsam bekennt. Warum widerlegen dann die bönnischen Prahler dieselben nicht. Ja warum erfüllt nicht einmahl der Hedderich (14) der Vatter der Vernunft im Erzstifte Cölln sein Versprechen, und liefert die schon längstens herrn von Spiegel zum Diesenberg. Amaurotum 1789. (11) DUSSELDORPII MDCCLXXXIX. 2) FRANCOFURTI, & LIPSIAE 1790. (13) DUSSELDORPII MDCCXC. (14) S. HOTTHELFI JOSEPHI VAN DEN ELSKEN Decani ruralis Neostadiensis epistola ænigmatica Aenigm. I. 74 stens durch öffentliche Wochenblätter angekündete Rechtfertigung der fälschlich geschmiedeten Bulle nicht? Hat er noch nicht Lehrburschen genug, die ihme helfen können? Oder wartet er vielleichte noch auf einen geschicktern Meistergesell, als den jungen Weimer, den im ganzen H. Römischen Reiche so bekennten verfälscher des Rupprecht und Schenkl? Da mir gemeldet wurde, daß derselbe dafür noch eine Belohnung, und Beförderung erhalten habe; so meynte ich: ich hörte den Herr von Haller (15) singen Doch Männern deiner Trefflichkeit Versagt der Himmel keine Kronen: Er lohnet Maecenen mit Maronen Und Tugend mit Unsterblichkeit. (15) In denen Gedichten. Zueignungs=Schrift. Achte Auflage Zürich MDCCLXII. Text. Die Kläger sprechen mit Leidenschaft, erlauben sich Worte, die allein hinreichend sind, ihre Irreligion zu beweisen. (f) Die (f) 3. B. die Schimpfwörter gegen Feder, Zedderich 2c. Die Beklagte antworten mit Anstand, und Würde. So spricht nur der Lehrer einer wahren Religion, der sich zu einem Schüler Jesu gebildet hat. XXVII. Aufklärung. Wann angebliche Schimpfwörter gegen Feder, Hedderich ꝛc. die Ungewissenhaftigkeit derer Kläger beweisen; bestättigen dann nicht wahre Schand=Schmäh= und Verläumdungswörter gegen das hochwürdige Domcapitel, und dessen Mitglieder gegen den Pabst, Päbstlichen Nuncium, Zaccaria, Feller ꝛc. die Gottlosigkeit derer Beklagten in aller Vollkommenheit? Giebt nicht der Herausgeber, wie auch die bönnischen Verfasser der begründeten Gegenbemerkungen über die Betrachtungen wider die 73 Artikelen des pro Memoria. Bl. 324. das beſte Zeugnuͤß davon! Text. Die Kläger drängen sich als Reformatoren der Theologie, und der philosophischen Wissenschaften auf, und das ganze Domstift zählt nicht einen Mann unter seinen Kapitularen, der die orientalische Sprachen gründlich erlernet hätte, also keinen Theologen; nicht 76 nicht einen Mann, der gesunden Menschensinn in diese Klage eingemischt hätte, also gewis keinen Philosophen. — Die Beklagten sind als Theologen, als Gelehrte dem ganzen Publikum hinlänglich bekannt. XXVIII. Aufklärung. Die Kläger suchen nur die alte Catholische Lehre, und Kirchenverfassung beyund also gottlose, und ketzerischen Neuerungen abzuhalten, so wie ihre Vorfahren immer gethan haben. Die Beklagten dahingegen wollen theils uralte, theils neuere Irrlehren, Schwärmereyen, Träumereyen, Hirngeſpenſter, Unſinnigkeiten, Ueppigkeiten, Wollüsten, und Geilheiten einführen, und noch gottlosere Schüler, als sie selbst seynd, erziehen Haben alle diese Hornissen die orientalischen Sprachen so gründlich gelernet, daß sie ein bis dahin noch nicht übersetztes Werk ins Lateiniſche, oder Teutſche gut, wohl, und geläufig in Gegenwart eines darzu sonderlich bestellten Aufsehers übersetzen können? Seynd sie also Gottesgelehrte, und Weltweisen! Ja wohl solche, derer Schriften der Römische Stuhl verdammet hat, und derer böse Unterrichtungen, und Lasteren ein jeder Christliche, ja nur ehrlich denkende Mensch verdammt. Text. 77 Text. Die Klage war allgemein. — Die Beklagte antworten bestimmt, und deutlich. XXIX. Aufklärung. Eben so bestimmt, und deutlich, als der Herausgeber verläumderisch, schändlich, und gottlos. Text. Die Kläger sind Landstände des Erzstifts Kölln, und klagen zu Gunsten des rö— mischen Hofes, zu Gunsten einer ausländischen Universität, zu Gunsten der Finsternis. Die Beklagte sind Ausländer; sie verfechten die Rechte der Erzbischöfe, und des köllnischen Stuhls, die Sache der deutschen Kirchenfreiheit, die Sache der Religion, und der Vernunft. — Sie vertheidigen ihre Meinungen mit Aufopferung ihres eigenen Privatvortheils. XXX. Aufklaͤrung. Wiederum ein schönes Gewebe der bönnischen Schlieskunst. Klagen die Kläger zu Gunsten des Römischen Hofs darum, weilen sie Landstände des Erzstifts Cölln seynd? 78 seynd? Ist die Klage darum ungegründet, und ungerecht, weilen sie zu Gunsten des Römischen Hofs gereichet? Gereichet sie mehr zu Gunsten des Römischen Hofs, als der Catholischen Kirche, und Lehre, Gereichet die Klage zu Gunsten der Cöllnischen Universität. Ist diese eine ausländische? Ist derer Beklagten Aufklärung nicht höllische Finsternüs? Seynd alle Domherren Einländer, und die Beklagten darum Ausländer, weilen sie die Rechten derer Erzbischöfen, und des Cöllnischen Stuhls so verfechten, daß sie den Pabst, wo nicht völlig abschaffen, doch wenigstens zu einem Schnitzbilde machen, wovon der Psalmist (1) sagt: Sie haben einen Mund, und reden nicht, sie haben Augen, und sehen nicht, sie haben Ohren, und hören nicht, sie haben Nasen, und riechen nicht, sie haben Hände, und fühlen nicht, sie haben Füß, und gehen nicht. Die Beklagten verfechten die Sache der teutschen Kirchenfreyheit, der Religion, und der Vernunft so, daß daraus eine Sache der Freygeisterey, und Freydenkerey, des Unglauben, der Ausschweifung, der Geilheit, der Unverschämtheit, und Unwissenheit wird. Sie opferen ihre Privatvortheilen bekennter (1) Ps. CXIII. v. 5. 6. 7. 79 kennter Dingen so auf, daß sie sogar armen Closterfrauen das Blut aus denen Nägelen ſaugen. Text. Die Kläger führen offenbare Lügen an. Hiehin gehört die dem Freiheren von Spiegel angedichtete Vertheidigung des unglücklichen Erzbischofs Hermanns von Wied; die Anekdote von den Meinungen des Professors Hedderich über das Ansehen der tridentinischen Synode; die Beschüldigung gegen Feders Handbuch; die boshafte Erzählung des von einen ungenannten Protestanten über die Schriften des D. Thaddäus gefällten Urtheils ꝛc. ꝛc. ꝛc. — Die Beklagten belegen jede ihrer Antworten mit den unwiderſprechlichſten Beweiſen. XXXI. Aufklärung. Eine grobe und boshafte Lüge iſt, daß die Kläger dem Freyherrn von Spiegel die Vertheidigung des unglücklichen, nicht wahr, Unwillen das Vorhaben, -und die Religionsabänderung nach Wunsche des Hedderich nicht gelungen, unglücklichen Erzbischofs Hermann von Wied andichten; anerwogen dieselben in ihrer Vorstellung nur errinneren "Was massen schon bey der ersten 80 sten Errichtung der dasigen Universität und bey dem Inaugurationsakt der von Sr. Päbstl. Heiligkeit rechtlich abgewürdigter Hermann de Weda, als ein Muster eines orthodoxen Erzbischofen aufgestellt, und dessen so genannte Kirchen Reformation vom Jahre 1544 als eine Vorschrift zur Bildung der Jugend, und Geistlichkeit öffentlich gerühmt worden sey. Wo ist hierin der Nahm des Freyherrn von Spiegel anzutreffen? Imgleichen ist das Angeben von denen Meynungen des Hedderich keine Lüge, sondern Wahrheit, die durch die Schühler, und ihre so genennten Notaten leider nur allzuviel bewiesen wird. Ferner ist auch die Erzählung von einem ungenennten Protestanten über die Schriften des Thaddäus gefällten Urtheils keine Lüge, sondern pure Wahrheit, die ich mit mehreren Protestanten beweisen kan, als die bönnische Cacodämonie Lehrer, und Schühler zählt. So unwidersprechlich seynd also die Beweisen. Text. Die Kläger ärgern sich, daß Doctor Thaddäus deutsche Abhandlungen geschrieben habe. Diese Klage verdient nun zwar eigentlich keine Antwort. Indessen muß ich bemer 81 bemerken, daß die Kläger weder Deutsch, noch Latein schreiben können. Denn die Klage ist nicht nur in einem barbarischen Stile geschrieben, der die ganze Stupidität des Domkapitels karakterisirt; sondern in der Urſchrift dieſer Klage waren überdies 33 orthographische Fehler zu finden. XXXII. Aufklärung. Wie schön Teutsch der Herausgeber schrei ben könne, zeigen die von ihme gebrauchten Woͤrter: Autor, Idol, Association, Ideen, Intoleranz, Sinonimen, Evidenz, Frivol, Stupidität, Kultur, Biographie rc. ꝛc. Hieraus ist schon zu schliessen, daß derselbe eben so Latein wird schreiben können. O Sprachmeister, der die orientalischen Sprachen gründlich erlernet hat. Text. Die Kläger glauben, der öffentliche Ruf T sey der Orthodoxie in der Universität in Bonn nicht günſtig (g) Der oͤffentliche Auf erzählt aber von dem praktischen Kristenthum, oder dem Lebenswandel der Domkapitularen C) Dieser Ruf hat keinen andern Ursprung, als die Verläumdungen ꝺer Domherrn in Kölln, und ihrer Mietlingen, einiger Erseſuiten, und des ſeraphiſchen Franziskaner Ordens. 82 kapitularen in Kölln Dinge, die ich nicht schreiben darf, ohne die Ehrbarkeit, und das sittsame Schaamgefühl eines jeden katholischen Lesers zu empören (h). (1) Wirklich ist ein Franziskaner Mönch P. Albertin Schott in Düsseldorf mit einer Sammlung beſchäftiget, und will die Biographien verſchiedener Domkapitularen zu Kölln hier in Antwerpen drucken; Sie erscheinen noch vor der Leipziger Herbstmesse; wenn sich nur eine hinlängliche Anzahl von Subscribenten finden wird. XXXIII. Aufklärung. Welch halbgesitteter Heid, und welcher Halb Christ, ja Wüterich sonder Reu, den fein nahes Ende schrecket, hat sich jemahls solches Schänden, Verläumden, Lästeren, und Rasen erlaubt, als nur die bönnischen Unmenschen, welche so wahrlos, als unverschämt, prahlen, daß sie sich mit Bearbeitung wohlthätiger Wiſſenſchaft unermüdet beschäftigen, die gesammelten Kenntnüssen zum Wohl der Menſchheit, zum Unterrichte des Vatterlandes, und zu Beförderung der wahren Religion gemeinnützig verbreiten, durch Schriften, erbaulichen Wandel, und Menschenfreundlichen Thaten ihren Mitmenſchen zu nützen ſtreben, ſich fuͤr das Gluͤck des menschlichen Geschlechts, und wahres Christenthum opferen, sich durch ihre Schriften ten allgemeinen Beyfall im ganzen Teutschlande erwerben, als Lehrer, die sich zu Schühler Jesus gebildet haben, Unterrichtung in wahrer Religion, Christenthume, Tugend, und Sanftmuth geben, so dann die Zierde, und der Ruhm des Catholiſchen Teutſchlandes, und die Stüͤze der teutſchen Kirchenfreyheit seyen. Diese Bösewichter selbst bestättigen also dasjenige, was nicht nur die Domherren, und ihre Miethlinge, einige Exfeſuiten, und Franciscaner, ſondern auch unzählige andere von allen Ständen, Würden, und Religionen sagen, klagen, und bedauren. Uebrigens scheinet der Herausgeber den verkappten Franciscaner Mönch entdecken zu wollen, welchen, wie oben erwehnt, andere bönnischen Lehrer nicht entlarven können. Allein die Mühe iſt ganz vergeblich. Der würdige P. Albertin Schott, dermahlen Exprovincial, Churpfälzischer geistlicher Rath, und Director studii theologici zu Düsseldorf hat bis dahin noch nicht die allermindeste Spuhr gegeben, daß er von dergleichen Art Lehrer gebildet, und von selbigen in dem Fache der Verläumdung, Unverſchämtheit, und Unmenschlichkeit seye unterrichtet worden. Wer auch dessen Gemüths, und Denkungsart, Lebenswandel, Tugend, und Sitten E 2 nur 84 nur kennt, kann nicht anders zeugen, als daß derselbe nicht einmahl im Stande seye, solche höllische Verläumdungen, und Ehrabschneidungen wider einen einzigen, zu geschweigen ein hochwürdiges Domcapitel zu verbreiten. Sollten also die Lebensbeschreibungen verschiedener Domcapitularen zu Cölln dermahlen einst im Drucke erscheinen; so weis man jezt schon zum voraus, daß der Spottvogel in dem bönnischen Neste ausgebruͤtet seye, wessen Mutter seyn mag die Lina eines meckernden Schneider, oder die Julie eines, wie er selbst bekennt, weder Catholischen, weder Lutherischen, weder Calvinischen, noch sonst intoleranten Schwärmenden, sondern ganz frey denkenden Pfarrers Volksstern (1) (1) S. Das schändliche Lustspiel: Der Zölibat ist aufgehoben Bl. 45. Speier 1790. Viele glauben daß der bönnische Schneider dieſes Flickwerk gemacht habe. Text. Kurz: die Klage des Domkapitels iſt eine A schwarze That, ein tollkühner Schritt. Neid, und Verfolgungsgeist waren die geheime Triebfeder, welche der Nuntius Pacca in Bewegung setzte. Sie ist aber ein ewiges Denk= 85 Denkmal von der Irreligion, und der Unwissenheit der Domherrn in Kölln; und verdient in jeder Rücksicht die schärfste Ahndung, so wie der biedre Fürst Hieronimus von Salzburg ebenfalls im verflossenen Jahre 1789. jene Rezerjäger öffentlich strafte, welche dem edlen Professor Danzer ein ähnliches Auto=da=fe zugedacht hatten. (i) (1) Der Erzbischof von Salzburg gab den Klägern einen Verweis, der ihnen alle Lust noch ferner zu klagen nahm. Die Verläumder wurden bald nachher in ihre Klöster zurückgeschickt, und musten die Universität räumen. Ihre Stelle ward mit Männern wieder besezt, die sich auf protestantischen Universitäten gebildet haben. XXXIV. Aufklarung. Hier bey so unerhörter Grobheit, Unverschämtheit, Bosheit, Ehrenschändung, Lastersucht, Rache, gar Unchristenthume, und Unmenschlichkeit überfällt mich ein kaltes Schauderen, und Grausen. Die Hand fangt an nicht allein zu zitteren, sondern gar zu erstarren. Ich solle dahero nur noch kürzlich berühren, daß die Gesinnungen, Neuerungen, und Aufklärungen des Erzbiſchofes von Salzburg bereits im ganzen Teutschlande bekennt seyen. Gereicht demselben wohl zum Ruhme, und Lobe, daß er die Stellen mit Lehreren besetze, die sich auf 86 auf protestantischen Universitäten gebildet haben? kann seine eigene Universität keine geschickte Lehrer mehr hervorbringen? Oder glaubt er, daß es keine anderen wahren, und geſchickten Catholiſchen Lehrer gebe, als die auf protestantischen Universitäten gebildet worden? So glaubt doch der Erzbischof von Cölln noch nicht. Sonsten würde derselbe seine sauberen Ermönchen schon längstens in die Clöster zurück geschickt, und gar zwischen vier Mauren einsperren lassen, als derer kein einziger sich auf protestantischen Universitäten gebildet hat. Text. Von den weisen Einsichten des Erzbischofs Maximilian von Kölln kann daher das Publikum mit Recht erwarten, daß er die Verläumdung des Domkapitels, die hier in ihrem vollen Lichte erscheint, gehörig ahnden; daß er den gekränkten Professoren nicht nur eine öffentliche Genugthuung verschaffen, sondern auch ihren Muth durch angemessene Belohnungen ermuntern wird, damit sie fortfahren können, in dem Gebiethe der Wissenschaften immer weiter fortzudringen, und durch gemeinnüzige Schriften und Vorlesungen die Lehrer des Volkes die künftige Domherrn zu Menschen, zu Bürgern, zu Kristen, Das und würdigen Priestern zu bilden. Pu⸗ 87 Puklikum darf es zugleich von ſeiner unpartheiischen Gerechtigkeitsliebe, von seinem Eifer für wahre Religion erwarten, daß er durch eine baldige Untersuchung dem Aerger steuren werde, den die Ausschweifungen, die Unthaͤtigkeit, und der sittenlose Wandel der Domkapitularen in Kölln unter dem Volke stiftet. Die Menschheit wird ihn dafür segnen, und die Anhänger der wahren Religion werden sich unter jeder Volks Klasse eben so zahlreich vermehren, je schneller die Anhänglichkeit der Glaubigen an die katholiſche Religion, durch jene boͤſe Beyſpiele der höheren Geistlichkeit verführt, an Kraft, und Stärke bisher täglich verliert. Geschrieben zu Antwerpen den 15ten März 1790. Der Herausgeber. XXXV. Aufklärung. Heiligster Vatter Pius VI., Du Statthal7 ter unseres Herrn Jesus Christus, welcher nach Zeugnüsse des H. Petrus der Sohn des lebendigen Gottes, gebohren von dem Vatter von Ewigkeit her, Gott von Gott, Licht von Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott ist, du sichtbahres Haupt der von dem eingefleischten Gott geſtifteten Kirche, du, wie der H. Ber 38 Bernardus (1) spricht, einiger Hirt nicht nur derer Schaafen, sondern auch derer Hirten, welche alle dir allein anvertrauet seynd, gestatte mir, daß ich dir eben so, wie der H. Bernardus dem Pabst Eugenius IV. zuschreiben dörfe. Du hast bis dahin vätterliche Ermahnungen gegeben, du hast holdseelig zugeschrieben, du hast den rechten Weeg gezeigt, und bereitet, du hast dein Amt bis dahin verrichtet. Was hast du mit allem deme gefrüchtet? Leider, ach leider! Die Schaafen kennen dich nicht mehr, sie hören deine Stimme nicht, und sie folgen, und gehorsamen nicht. Vielmehr fahren sie ungescheut fort, dir zu widerstehen, dein Ansehen zu verringeren, dich, und die Römer Flegel, Schurken, Lügner, und Heuchler (2) zu nennen, und deine Macht, und Gewalt zu zernichten. Sie fahren fort, von deiner Starthalterschaft in öffentlichen Wirthshäuseren schändlich zu reden, deine Abgesandten, und Nuncien öffentlich zu verläumden, nichts, als Creuzige, Creuzige zu rufen, und ihr Schreiben, ja sogar deine eigenen Bullen für Schandschriften aus(1) De Considerat. Lib. II. Cap. 8. (2) S. das Lustspiel: Der Zölibat ist aufgehoben, Bl. 91. 89 auszuschreien. Sie fahren fort, über die Catholiſche Religion, Kirchendienſt, und Gebräuche zu spotten, verkehrte, boshafte, und gotteslästerische Auslegungen der heiligen Schrift zu machen, dadurch sogar das Christenthum selbst zu untergraben, und die Gottheit unseres Erlösers, und Seeligmachers, wo nicht gänzlich zu verneinen, doch wenigstens zu bezweifelen und zu verdunkelen. Sie fahren fort, Catechetiſche Unterrichten (3) welche weder Catholisch, noch Christlich seynd, zu verfertigen, drucken zu lassen, und darzu obrigkeitliche Erlaubnuß (4) zu geben. Sie (3) S. Katechetischer Unterricht in denen allgemeinen Grundsätzen des pracktiſchen Chriſtenthums Bonn 1790. (4) Auf der vierten Seite des vorangeführten katechetischen Unterrichts ist zu lesen Imprimi permittitur Bonnæ 6ta Augusti 1790. P. HEDDERICH. Ss. Theol. & J. U. D. Consil. eccl. act. Ss. Canon. Prof. & Libr. Cenfor ord. mpp. Mit diesem Beweisstücke kann der Erzbischöſliche Bücherrichter, Vatter der Vernunft im Erz 90 Sie fahren fort, Irrlehren, Schwärmereyen, und Ketzereyen auf denen Lehrstühlen vorzutragen, und ihre Schühler zu fleischlichen Erzbischthume Cölln, Zierde, und Ruhm des Catholischen Teutschlandes, Stütze der teutschen Kirchenfreyheit, Beschirmer der vermeynten Erzbischöflichen Gerechtsamen, und Verfolger des Römischen Stuhls sich eben so schön, rechtlich, und bündig entschüldigen, und rechtfertigen, als mit der dem privilegirten Buchhändler Haas im Jahre 1787 ertheilten Erlaubnüsse, den von dem examinatore Synodali Joanne Weimer so schändlich, und schier durchaus verfälschten P. Schenkl wiederum aufzulegen, wie in DE BUININCK Disceptat, forens. de illuminat. Crim. falsi &c. pag. 7. zu lesen: CENSURA ORDINARII. Cum D. H. J. Haas Bibliopola Auctoritate Eminentissimi, ac Serenissimi Archiepiscopi Principis Electoris Domini nostri clementissimi gratiosissime privilegiatus: Syntagma Juris Ecclesiastici ab Eximio P. Mauro Schenkl, Presbytero Monacho Prillingensi concinnatum sumptibus suis, ac curis divulgare intendat, eundemque uti decet, censurae, ac revisioni ordinariae praeviae subjecerit, hisce praefato Bibliopolae, hunc librum nihil fidei, & bonis. 91 chen Begierden anzureitzen. Ist also jene Zeit nicht würklich da, wovon der Weltlehrer (5) vorgesagt hat "Es wird die Zeit kommen, daß sie die heilsame Lehr nicht dulden werden, sondern werden ihnen selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrmeister aufwerfen, wie ihnen die Ohren jucken: und werden zwar das Gehör von der Wahrheit abwenden, aber zu den Fabelen sich kehren. Derowegen halte würdigster Vatter an, es seye gelegen, oder ungelegen, drohe, strafe, ja mache eben so, nis moribus contrarium continentem typis iteratis divulgandi facultas conceditur. P. Hedderick Sr. Theol. & U.J. Doctor, Eminentissimi, ac Serenissimi Archiepiscopi Elect. Col. Consil. Eccles. Attualis, Ss. Canonum in Universitate Bonnensi Prof. pub. & ord. & librorum Censor ordinarius. mpp. O bönnische Entschuldigung, und Rechtfertigung, wodurch der Vatter der Vernunft im Erzbiſchthume Cölln nach allen Rechten verdient, zum Bücherrichter nicht allein des H. Römischen Reichs, sondern auch der ganzen Römiſch. Catholiſchen Kirche erhoben zu werden. Wir wünschen darzu schon würklich Glück, und freuen uns in unserer Seele. (5) II. Timoth. 4. V. 3. 4. — so, wie dein Herr, und Meister, (6) eine Geisel aus Stricken, söndere die räudigen Schaafen, und geile Böcke ab, und treibe sie alle zum Stalle hinaus. Dadurch wird deine Heerde zwar verringert werden; darum förchte dich aber nicht, wie Christus selbst (7) schon gesagt hat. Brauche demnach dein Ansehen, als ein Moyses, richte als ein Samuel, übe deine Macht, und Gewalt, als ein Petrus, aus. Schone auf keinerley Weise, nehme keine Rücksicht auf die Persohnen, fahre nur ganz gerade durch. Du kannst, wie ein Apostel Paulus (8), alles in demjenigen, der dich stärket, und seiner, nicht Cöllnischen, nicht Maynzischen, nicht Salzburgischen, sondern allgemeinen, und ganzen Kirche, worzu ich mich immer bekennen werd, und gehören will, versprochen hat, daß die Pforten der Hoͤllen sie nicht uͤberwältigen werden. Geschrieben Calenberg aufm Stadtwall den 4 November 1790. (6) Joann. II. V. 15. (7) Luc. XII. V. 32. (8) Philipp. IV. V. 13. N. 93 N. S. Zey schier geendigtem Drucke erhalte ich von unserm geliebten Amtsbruder dem Herrn Camerarius der Christianität Neustadt ein aus vielen Bogen bestehendes Schreiben, wovon ich zu fernerer Aufklärung der XXV. Aufklärung folgenden Auszug beyzufügen unermangele: 7/5 Wer für die Beybehaltung des sil„ bernen Kirchengeräths eifert, der handelt nach dem Geiste des Catholischen Kirchengesetzes. Er ist kein Nabuchodonosor, kein Heliogabal, kein Kirchenräuber, wie . . . Wer aber sagt, daß der Herr General Vicarius die Nothwendigkeit desselben durchaus, und ohne Bedingung behauptet habe, der ist ein unverschämter Lügner. Meynt der Herausgeber den Rosenkranz, welchen der H. Xaverius in Lebzeiten gebraucht hat, oder die bekannte Xaverianische Andacht, welche in Cölln „ noch immer eine der schoͤnsten Nahrungen „ für Catholische Seelen ist, und bleibt. Der Herausgeber verräth hier den ganzen „ Geist eines Bodenstein, sonst Carlstadius genennt, welcher dem Luther selbsten nicht u einmahl in allem gefallen wollte. Daß übrigens die Wunderkraft Gott allein zukomme, weis der Herr General Vicarius weit besser, 94 „ besser, als Schneider den Catechismus, „ oder kurzen Begrief der Christlichen Lehre. „ Ganz Cölln kennt kein neu erfunde„nes Weihwasser. Das alte hingegen, woil pon Collin Traité de l'eau benite, ou " l'Eglise Catholique justifiée sur l'eau benite. PARIS 1776 nachzusehen, bleibt „ noch in seiner schüldigen Achtung, und „ Cölln so ziemlich frey von Donnerschlägen, „ ungeachtet es der Fränkelinischen Erfindung „ sich so, wie Bonn, nicht bedient Wann der Domherr von Hillesheim „ die Puncten wiederrufen hätte; so hätte er „ vernunftig gethan, wie Bonn ebenfalls thun " würde, wann es auch einmahl wiederrief. „ Inzwischen kann ich wenigstens in dem von „ dem Herausgeber angeführten exercitio juridico vom 19 Jun. 1787, und nicht, wie „ der Herausgeber irriglich anführet, academico von 1788 die Stelle nicht finden, „ wo hochbemelter Domherr die von ihme „ selbsten beförderten Punctationen solle wiederrufen haben. Hätte derselbe sonst dem „ Herrn Nuncius die Materialien zu dem „ Päbstlichen Antwortschreiben geliefert, so „ gereichete ihme nicht zur Unehre, sondern vielmehr zum Ruhme, daß er dasjenige „ gethan, was seine Religion, und Gelehrt„heit empfiehlt. Aber Päbstlichen Bullen „ Schandschriften benamsen, ist die Sprache grober 95 grober Ketzer, und unchristlicher, wie auch 22 uncatholischer Lotterbuben. Und der Emser „ Congreß ist noch immer so ein Ding, wie 47 der Schwartzwalder Abt in seiner Ecclesia “ Militante ihn beschrieben. Falls endlich der Domherr von Hillesheim auch der wahre Verfasser, und Beförderer dieser Klage wäre, wer würd selbigem dieses übel ausdeuten, als nur der schwärmerische Herausgeber mit seinem Geschwader der pöbelhaftesten Miethlingen. Für diesmahl genug. Mehrere, und grössere Auszuͤgen dörften balde nachfolgen, und die Aufklärung des von dem Herausgeber beygelegten Churfürstlichen Schreibens (1), des von dem tollkühnen Hedderich zusammen geschmiedeten Pro memoria, der von dem schwärmerischen Thaddäus verfertigten Erklärungen, der von dem ausschweifenden van der Schüren gegebenen Antwort, und jenen am 4. Martz 1790 erstatteten Berichts (2) lieferen, worinnen der Geber, nemlich Freyherr Spiegel zum Diesenberg nur dasjenige zu seiner Rechtfertigung wiederhohlt, was er als Curator der Universität in seiner gehaltenen Rede (3) schon angeführt, und was der (1) S. Klage des Domkapitels zu Kölln Bl. 34. M. B. (2) Daselbst Bl. 74. lit. F. (3) S. Entſtebung, und Einweihungs⸗Geſchichte der Karköllnischen Universität Bl. 39. der Vor- oder Nachsänger Zedderich, welcher als der zu Rom sehr öfters verdammte Canonist, und der groste Verläumder da steht, in seiner gehaltenen Rede (4) mit dem Zusatze gerühmt hat: Quamvis successu fatoque infelici, quod tacere, dolere est. Wen bezielet demnach die Klage des Domcapitels, den Vormund der Universität, oder den noch minderjährigen, und nicht genug erfahrenen Bullenschmied=Gesell Hedderich? Nicht das hohe Domcapitel benennet in seiner Vorstellung, oder Schreiben (5) den pflichtigen, sondern der Vormund selbst macht sich zum angeschüldigten, und angeklagten, und sucht daher sich zu rechtfertigen. Aber wie! Elendig genug, wie der aufgeklaͤrte Bericht selbst, woruͤber Cornelius Agrippa von Verulamio Apocaliptische Noten eben so, wie über die Einführungs=Rede des Freyherrs Spiegel zum Diesenberg machen kann, in aller Völle beweist. (4) S. Oben Aufkl. XI. Bl. 37. (5) S. Oben Aufkl. IV. Bl. 19. und Aufkl. XXXI. Bl. 79. B. V. E. F. ⸸ⵉⴱ Druck ⸸ S Druckfehler. Anstatt ist zu lesen S. 25. Oct — Oct. 35.scheink— scheint 42. gelesen haben gelesen habe. 47. Lehres Jeſes Lehrers Jeſus 60. catholicæ (1) catholicæ ohne (1) als welches versetzt ist 69. (3) circa circa 70. (5) Hedorich Hedderich (6) illuminato — illuminato 71. (8) tribus — — tribus 73. (14) HOTTHELFI GOTTHELFI B—5 . . . . . . . . . . . . . . — . . — . . . . . . Ich habe ich mich nicht mehr zu schützen, wie es . . 7 .