D. Lit. 2 ### erworbenen Pom Nicht ausleihbar U3 Düsseldorf 44126 771 01 1 I ③ blüth 1 § 1 Gedichte von ilipp Braun. . Als Manuscript gedruckt. S Düsseldorf, im Februar 1868. Buchbruckerei von Fr. Dieb, Bilkerstraße 14. n. D. Lit. 1 MIKROFORM SIGNATUR: mfK/139 . 1 Der besten Freundin, — LANDSS. UND STADT-dem Fräulein 3 DUSSELDORF Kaise Platte in Halver . 1. Die Kirche, welche die . verehrungsvoll gewidmet. 12. 763 Am Morgen. Horch die Lerche schwirrt, horch die Lerche schwirrt Fröhlich in den blauen Höhn, Turteltaube girrt, Turteltaube girrt: . „O Erde schön!“ Aus dem Busch und Feld, aus dem Busch und Feld, So es immer Leben gibt, Ruft es durch die Welt, ruft es durch die Welt: „Die Gottheit liebt!“ Drum vergiß den Schmerz, d'rum vergiß den Schmerz, Da sich alles, alles freut; . Armes Menschenherz, armes Menschenherz, . Sei fröhlich heut'! Am Abend. Wenn die Sonne sinkt, wenn die Sonne sinkt, . Neigt sich betend jeder Halm; Von den Zweigen klingt, von den Zweigen klingt Manch' frommer Psalm. Jede Blume schließt, jede Blume schließt Selig ihre Aeuglein zu; Ueber's Wasser gießt, über's Wasser gießt Sich kühle Ruh. Aus dem Schlummer lind, aus dem Schlummer lind Wecket auf kein lauter Schritt, — Müdes Erdenkind, müdes Erdenkind, . O träume mit! . e Glocken. I. . Ich ging mit meinem Kummer Auf weiter Flur allein; Es läuteten in der Ferne Die Glocken den Abend ein. . . All rings um mich ist Friede, Im Luftmeer weht kein Hauch; — Da legten sich die Stürme In meinem Herzen auch. . Und sinnend schritt ich weiter, Ich weiß nicht, woran ich gedacht; O hätten die Glocken auf ewig Mein Leid zu Grabe gebracht! . . II. Von Schlafesarmen umfangen, Vergaß ich der irdischen Zeit; Es schien mir angebrochen Die ewige Seligkeit. Mein Suchen und mein Sehnen Ward ruhig und ward mild, Da tönten die Morgenglocken Zerstörend in's Traumgebild. Und heiße Thränen zerflossen Mir um die entschwundene Nacht; O wär' ich im Schlummer gestorben, Und nimmer zum Leben erwacht! . Des Kampfes Ausgau Das Auge und das Herz erhoben Zum Rangstreit sich mit Ungestüm, Und Jedes suchte sich zu loben, So gut es wollt' gelingen ihm. Das Auge sprach: „Vor meiner Klarheit „Weicht aller finst're Wahn zurück; „Ob etwas Trug ist oder Wahrheit, „Entscheide ich beim ersten Blick. „Mir liegen ob der Forschung Lasten, „Ich führ' der Seele alles zu; „Und eher kann sie nimmer rasten, „Bis ich gebiete: Abendruh. „Aus meinem Stern strahlt frisches Leben, „Mein Blitzen gibt die Liebe kund, „Und meiner Wimpern sanftes Beben „Ist ein bered'ter Trostesmund.“ „Du Thor!“ rief ihm das Herz entgegen, „Geb' ich nicht Licht und Wärme dir? „Die Liebe ruht in meinen Schlägen, „„Des Trostes Balsam strömt aus mir! „„Du kannst nichts Hohes offenbaren, „„Weil nur der äuß're Schein dein Ziel, „Doch ich vermag es mit dem klaren, 44 „Dem reinen, ahnenden Gefühl. Es sank der Tag, und zum Gebete Lud alle Blumen ein die Nacht; Es stiegen aus der Abendröthe Die Sterne auf in alter Pracht. Melodisch durch des Busens Räume Tönt zaubermächtig Himmelssang Dem längst vergess'ne Liebesträume Vermählten ihren Feierklang. Da brach das Auge aus in Thränen, Die ihm der Geist, der heil'ge, gab, Und trat bekehrt dem Herzenssehnen Den Sieg und künft'gen Vorrang ab. . . . Sympathie. . . . Neugieriges Weidenkätzchen! Kam'st diesmal zu früh hervor, Winter ist es wieder worden, Scharfer Nord pfeift dir um's Ohr. Eine deine Trau'r der meinen, Der auch ich zu früh erschien, Da in diese Welt gekommen Noch kein Grünen, noch kein Blüh'n. né à l’établissement, . — 1. Die Küche, die einige Welt, die sich auf né à l’établissement, que le 1 10 Zur Ermuthigung. Welch ein emsig Geistesweben Gibt sich kund im Vaterlande! War voll Schrecken einst das Leben, Hoffnung beut es jetzt zum Pfande. Keine Folter blieb den Henkern, Keine Scheiterhaufen glühen Flucht auch Rom noch kühnen Denkern, Eitel ist doch sein Bemühen! Sei gegrüßt, o Zeit, du neue, Die den alten Wahn vertrieben; Deutsche Eichen, deutsche Treue, Sind trotz alledem geblieben. Bald ist unser Spiel gewonnen, Aufgeklärt die Welt, die ganze; Schreitet fort nur! (doch besonnen). Und ersteigt die letzte Schanze! — . Am Todtenhügel. Beschwert mir dieses Jünglings Grab Mit keinem Kreuz noch Marmorstein; Nur Rosen, wie Natur sie gab, Pflanzt hin — und eine Lilie rein. Wie reich umwallte Blüthenglanz Den hoffnungsvollen Lebenslauf! Wie wucherten zum Todtenkranz So rasch die nackten Dornen auf! Drum hauche, Rose, deinen Duft Nun um die ew'ge Lagerstätt Und strahle auf der frühen Gruft Gleich feurig, wie am Hochzeitsbett. 12 Verkündige, daß jenes Roth, So deine Blumenblätter deckt, Einst Liebe war; — sie ist nicht todt, Sie wird von jedem Lenz geweckt! O Lilie, halte treue Wacht, Wo er, dein Freund und Liebling wohnt, Auf daß auch seine letzte Nacht Von bösen Wünschen sei verschont. Verwelke hier nicht zu geschwind, Verklärter Tugend schönste Kron'! Und über jede kleine Sünd Sprich aus die Absolution. . . . . “Titel”, “Mme, “Titel”, “Tit. 13 Heil dir im Siegeskranz! Der Epheu schlingt sich traulich Am alten Gemäuer hinan, Dort schmachtet in oberster Zelle Schon lang ein gefangener Mann. Für Freiheit hat er gestritten, Jetzt drücken ihn Fesseln schwer, Des edeln Dulders Blicke Schau'n trüb in's Wolkenmeer. Da wuchs ihm der freundliche Ephen Aus Mitleid zum Fenster hinein, Es durft' ja kein anderes Wesen In seiner Nähe sein. Und als er gestorben, ruhte Sein Haupt auf der Fensterbank; Man fand die Schläfe umwunden Von grüner Epheurank. . . . 14 Worte der Religion. . Empor den Blick! Zie herrlich strahlet doch die Welt zurück Der Gottheit unbegriff'ne Macht und Güte! Die höchste Weisheit thront in jeder Blüthe; Den Sternenhimmel schau'n, o welches Glück! Empor den Blick! Oeffne dein Herz! . Die ew'ge Liebe tritt ja allerwärts So tröstend und verheißend dir entgegen, Sie leitet Kind und Greis auf sichern Wegen Und heilet durch Vergessen jeden Schmerz. Oeffne dein Herz! Reich' deine Hand Zu allem Guten. Für das Vaterland, Für Wahrheit, Recht und alles Schöne Opfere gern; an Wohlthun dich gewöhne Und dem Verlass'nen an der Sünde Rand Reich' deine Hand. 15 Sei stets dabei, Wo man zerbricht das Joch der Tyrannei, Wo man bekämpft die knechtenden Gewalten, Die, geistbedrückend, mit der Lüge halten; Ob auch der Tod dir winke, — einerlei! Sei stets dabei! . Verzage nicht! Die Nacht geht bald zu End', dann wird es Licht. Alltäglich schon verjünget sich die Erde; Von Stern zu Sterne hallt ein göttlich „Werde“. Und wenn auch heute noch das Herz dir bricht, Verzage nicht! . O lebe rein! . . So bleibest du verschont von bitt'rer Pein; Des Unglücks Mächte dräu'n dir dann vergebens, Denn es umwallt die Pfade deines Lebens Beschützend heil'ger Unschuld Zauberschein: O bleibe rein! 16 Die zehn Gebote. Ob wir auch Vieles abgeschworen haben, Ob das Gesetz auch fehlt an unsern Thüren, Auf uns're Herzen wollen wir es schnüren Und standhaft halten, — bis sie uns begraben: Am großen Geist mög' dein Geist sich erlaben; Nie sollst du Göttliches zum Mißbrauch führen, Doch manche Stunde seinem Dienst erkühren! Den Eltern dank für ihre Liebesgaben. Besud'le deine Hände nicht mit Blut; O hüte dich, der Treue Schwur zu brechen! Es sei dir heilig deines Nächsten Gut. Laß deinen Mund stets laut're Wahrheit sprechen; Bezwinge der Begierden wilde Gluth, Und halte rein den Blick — von Neid, dem frechen. 17 Die Heimkehr. Bei ihren Rosen Sie sitzt am Fenster Und horcht dem Tosen Der Windesgespenster, Sie harret und harret Mit Sehnsuchtsmacht Und starret und starret Hinaus in die Nacht. Sie wartet schon lang Das Auge voll Schmerz, Es pochet so bange Ihr liebendes Herz; Von Thränen umschwommen Geht's Lämpchen aus: „Ja jetzt wird er kommen Wohl endlich nach Haus! 18 Er ist zu Hause, Im heimischen Land, Wir stehn im Gebrause Am nächtlichen Strand; Doch rufen die Sterne Uns tröstend zu: „Auch euch ist nicht ferne 44 Die ewige Rul . . né à l’établissement, pour la n . . né à l’établissement, que le dit . . . . 19 Gebet der Nonne. Mit des Abendthaues Zähren Kommt die düstre Nacht, Nur aus fernen Himmelssphären Strahlt noch Gottes Pracht; Früh erzog mich meine Mutter Für des Klosters Glück, Führte jetzt ein Martin Luther Mich daraus zurück! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! Seufzend blick' ich zur Madonne, Die den Knaben trägt; Neide sie um jene Wonne, So ihr Herz bewegt. Lebend soll schon Grabesfriede Stetig mich umwehn; O, wie bin ich's satt und müde, In das Chor zu gehn! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! 20 Unter Menschen möcht' ich treten, Auf des Lebens Bahn, Nicht mehr mit den Lippen beten Diese Bilder an. Möcht' in treue Augen schauen, Augen liebevoll; Jenes Todtenschädels Granen Macht mich hier noch toll!! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! Aus der weiten Zukunft Räume Klingt kein froher Ton; Meiner Jugend goldne Träume Hüpften längst davon. Such' umsonst nach der Guittarre, Sangsbegleiterin; Orgelton, der dumpfe, starre, Martert meinen Sinn. Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! 21 Gebet wieder meine Locken, Nehmt den Schleier mir! Alle meine Pulse stocken In der Oede hier. Niemand höret meine Klagen, Ahnt mein Herzeleid, Länger mag ich nicht ertragen Mehr die Einsamkeit! Es war nicht meine freie Wahl, Kein Gott erbarmt sich meiner Qual! Und wie sehr es mich auch ziehet Weg zu aller Frist, Eine Gottverlobte fliehet Jeder gute Christ. Abergläubisches Getriebe Drängt sich um mich her: Ich erhoff' von Gottes Liebe Keine Rettung mehr! Und ist der Himmel taub für mich, So ruf' ich, Geist der Menschheit, dich!! — Kreuzritter und Muselmann. Zu dem siegesfrohen Sultan Schleppen trunk'ne Janitscharen Den gefangnen Capitano, Deß' sie Herr geworden waren. Als er sah die Schlacht verloren, Dünkt ihm werthlos auch das Leben, Und ob man Pardon ihm anbot, Nimmer wollt' er sich ergeben. „Dieser Franke hat gefochten „Nach dem Kampfe noch, Gebieter; „Seine todesdurst'ge Klinge „Streckte manchen Moslem nieder. „Während vor des Halbmonds Strahlen „Glauzlos floh das Kreuzeszeichen, „Trotzte der des Fatums Mächten; „Sprich ein Urtheil sonder Gleichen!“ frug der Großherr forschend, „Ritter,“ „„Welches Loos würd't ihr mir schaffen, „Wenn in eure Hand gegeben „Mich das Würfelspiel der Waffen?" 23 Freien Abzug ohne Lösung „„„Wollt ich, Sultan, euch erlauben, „„ Doch nur unter der Bedingung: „„„Daß ihr annähmt meinen Glauben. „Würdet ihr verstockt dagegen „„ Eurem Islam nicht entsagen, „„„Ließ ich sonder groß Bedenken 1 „„„ Euch sofort das Haupt abschlagen: Säbelklirren ist die Antwort Auf des Christen stolzes Höhnen, Doch der Großherr bietet Stille Mahomeds empörten Söhnen. „Ritter, das ist Jesu Geist nicht, „„Welcher spricht aus eurem Munde, „Frevelt ihr auch an dem Sieger, „Hört doch seiner Großmuth Kunde: „Ziehet frei von dannen! Allah's 44 „„Segensspruch ist: Gnade, Friede. Dieser schönste Zug des Sultans Bleibe aufbewahrt im Liede. 24 Aus dem Lande der Citronen. Es erhebt der Inquisitor Sich aus seinem weichen Sitze: „Führt den Ketzer vor die Schranken! Und man bringt ihn gleich dem Blitze, Reißt vom Auge ihm die Binde Stößt ihn zur Armsünderstelle; S ist ein Jüngling edler Abkunft, Seine Blicke strahlen helle. Düster funkeln alle Kerzen In dem schwarz behangnen Saale, Daß kein Lichtschein sich im Herzen Der Dominikaner male. Und der Schöffe des Gerichtes Las im tiefsten Schreckenstone: „Schuldig bist du schnöden Meineids „An Gott Vater und dem Sohne! 25 „Unterfingest dich zu brechen, „Was am Taufstein du geschworen, „Abgefallen von der Kirche Bist du, die dich neu geboren!“ Keck entgegnet d'rauf der Jüngling: „O ihr irret euch, mein Pater, „Denn seit meiner Jugend bin ich „„Treu geblieben Gott dem Vater. „Nichts weiß ich von einem Taufstein, „Priestern gab ich nie Versprechen; „„Jenes Kindlein, das man taufte, 44 „„Konnt' nichts schwören, konnt' nichts brechen. Unterdessen war der rothe Henker angeschlichen sachte; Folgsam ist sein Beil dem Winke: „Lange leb' Urban der Achte!“ 26 Umulet. Das Goldne Abendstrahlen spielen Auf der Andenkette Gipfel, Herrlich leuchten auch des Urwalds Ungezählte Riesenwipfel. „Weil du Hohn sprachst unsern Göttern, „Mit der Bleichgesichter Schaaren „Unsern Zügen trotzig folgtest, „Sollst du Schreckliches erfahren. „Deine Zunge sei zerschnitten, „Arm und Bein vom Rumpf gesäget, „In die leeren Augenhöhlen „Werde Pfeffer eingeleget; „Und mit heißen Eisenzangen „Bis zum letzten Jammerstöhnen „Zwicke man des Körpers Reste, 14 „Unsre Götter zu versöhnen. 27 Solches knirschend, stand der Häuptling In der Indianer Mitte, Vor ihm bleich, ein Bild des Elends, Der gefangne Jesuite. Stummes Grauen ist gelagert Auf des Priesters starren Zügen, Dann sieht man ein spöttisch Zucken Um des Mundes Winkel fliegen. „Farb'ge Männer aus dem Westen, „Laßt euch meine Rede frommen, „Nicht zu eures Stamms Verderben „Sind wir über's Meer gekommen; „Sondern um euch zu verkünden: „„Wie einst Gott ein Mensch gewesen, „Alle Menschen von den Sünden „„Dieses Lebens zu erlösen. „Seht in dieser gold'nen Büchse „Meinen Gott in Brodsgestalten, „Seine Hand wird seinen Diener „Unversehrt vor euch erhalten. 28 „„Diesen Talisman so kostbar „Biet' ich euch zum Lösegelde, „Eure Tapfern, die ihn tragen, „Will beschützen er im Felde; „Daß nicht Messer, daß nicht Pfeile „Eine Rothhaut je durchdringen. „Meine Rede zu beweisen, „Laßt die schärfsten Beile bringen! „Und der stärkste Indianer „Mag aus allen Kräften hacken; „Wenn ich dieses Brod gegessen, 44 „Ritzt er nimmer meinen Nacken“. Offnen Mundes muß die Horde Auf Loyolas Jünger gaffen; Finster sprach des Stammes Richter: „Macht die Probe an dem Pfaffen! „Spricht er wahr, so sei das Leben — „Und die Freiheit ihm geschenker. Lächlend hat der Jesuite Auf den Block das Haupt gesenket. 29 In den Lüften schwirrt das Eisen, Dumpfer Schlag dröhnt durch die Stille, Aus entseeltem Priesterrumpfe Spritzet hoch des Blutes Fülle. So entging der Unverzagte Den ihm angedrohten Qualen; In den Indianerblicken Sieht man Zorn und Wuth sich malen. Tief beschämt schau'n die Enttäuschten Dann zur rothen Erde nieder; Doch der alte Häuptling redet An sie: „Theure Waffenbrüder! „Heut ist aller Aberglaube „Uns fürwahr genommen worden, „Und noch gar vom allerfrömmsten „Pater aus dem großen Orden.“ — 30 An Galileo Galilei. „Und sie bewegt sich doch!“ Aus Kerkergittern Drang dieses Wort zu Pabst und Cardinälen; Sie konnten grausam deinen Körper quälen, Doch nimmermehr den freien Geist zersplittern. „Und sie bewegt sich doch!“ Das macht erzittern Noch heutzutag der Orthodoxen Seelen; So lang die Sonne scheint, wird man's erzählen, Und alle Bullen wird dies Wort zerknittern. Doch du, empfang' in deinem Geisterlande Die höchsten Huldigungen aller Zeiten! Der Wahrheit gabst das Leben du zum Pfande; Nun trägt sie deinen Namen in die Weiten Und pflanzet ihn — zu Romas Schimpf und Schande Als Obelisk auf — in den Ewigkeiten! 31 An Garibaldi auf die Nachricht, daß er Juarez gebeten habe, das Leben Maximilians zu schonen. Italiens duft'ge Lorbeerhaine flüstern Von Deinem Ruhm, unsterblicher Giuseppe; Die Zeit wird Deinen Namen nie umdüstern! Nomadenführer der Kirgisensteppe Erzählen sich, wenn Nachts die Feuer lodern, Bei ihrem Schein vom großen Häuptling Wunder, Vor dessen Schwerdt die stärksten Feinde modern, Und der Despoten Pracht zerstäubt in Plunder. Jed' Auge ist nach Deinem Anblick lüstern; Dem Rosse selbst, Dich tragend, wachsen Schwingen, Und Heldenflammen sprühn aus seinen Nüstern, Wenn Du es schmeichlend führst zum blut'gen Ringen. Ein neuer Cid bekämpfest Du die Mohren, Die sich dem Tageslicht entgegenstemmen, Doch siegesmuthig vor Granadas Thoren Weht Deine Fahne. Zittert falsche Memmen! Du bist Prophet zugleich. Dem Glockensummen, Barbarischer Geschosse wildem Dröhnen 32 Weissagt Dein Mund ein endliches Verstummen, Dem Völkerhaß ein baldiges Versöhnen. Wir glauben Dir, ob auch geweihte Finger In Jesu Namen Dich mit Fluch befehden; Bist Du es nicht, ist Niemand Jesu Jünger, Die man erkennt, daß sie für Feinde beten. . . . 1. . 1 n — . nach dem Tode des einen Einzelnen . . . . . . . 1 . . . . n . . 33 Jetzt und einst. I. Was rings ich sehe, ist nur Schwerdterblinken, Und nichts als Waffenklang ist's, was ich höre; Der Fürst ruft seinem Volk: „Herbei und schwöre, 1 „Mit mir zu siegen oder zu — versinken: Man rüstet auf der Rechten und der Linken; Das Pfäfflein selbst ergreift die Feuerröhre, Denn, wissend, daß kein Bannblitz mehr bethöre, Soll wieder Ketzerblut die Erde trinken. Nur wir stehn wehrlos da, und kein Zuave Wird jemals uns're heil'ge Sache schützen; Kein Mächt'ger lebt, der wahrhaft ihr mag nützen. Doch sagst du mir, daß dies sei Gottes Strafe, So blick' ich gläubig auf zum Weltgerichte, Deß' Urtheil uns verkündet die Geschichte. 34 II. Was schaut mein Geist? — Am Boden liegt die Wehre; Das Schwerdt fraß Alle, die zum Schwerdte griffen, Und hieb sich stumpf, wie scharf man's auch geschliffen. Den Sanften blieb das Leben und die Ehre. Nun fließt kein Blutstrom mehr und keine Zähre, Kein Schuß mehr dröhnt zu Lande noch auf Schiffen, Kein finst'rer Haß erwächst aus Priesterkniffen; Denn Freiheit ist der Zukunft Atmosphäre. Ihr golden Banner weht von allen Zinnen, Schützt jeden Glauben, achtet jedes Streben, Ob's außerhalb der Kirche — oder drinnen. Und unsre Schule (vordem Unkensumpf) Streut edle Saat aus: Wahrheit für das Leben. Das ist der reinen Menschlichkeit Triumph!! 35 Vier Albumblätter. An . . Gedenk' des Kinderlebens, das wir führten, Kastanien suchend in den Promenaden, Wie Hand in Hand auf ländlich schönen Pfaden Im städt'schen Weichbild wir einher spazirten. . Wie Dich inzwischen alle Grazien zierten! Mit Schönheit haben sie Dich überladen. Ich spann indeß an einem ernsten Faden, Mir blühten nicht wie Dir der Liebe Myrthen. Wenn bald auch dieses Lebenslicht verglommen, Wirst Du doch sicherlich zur Grube kommen, Die man bereitete dem ird'schen Staube; 1 . Da wirst Du doch ein Vaterunser sprechen Und für's Gebetbuch eine Blume brechen, Obgleich mich tödtlich haßt Dein frommer Glaube. 1863. 36 . . II. An Du glücklich Kind der heitern Musen, Voll Launen, Uebermuth und Scherz, Es kennt des Lebens herben Schmerz Noch nicht Dein jugendlicher Busen. . . Ich kann einmal nicht mit Dir lachen, Für Deine Kunst bin ich zu dumm, In meinem Kopfe gehn herum Unzählig viele düstre Sachen. Doch bitt' ich, Zauberin, vergesse Mich nicht beim Tanze, nicht beim Schmaus, Des Abends nicht im Opernhaus Und nicht des Morgens — in der Messe. . . 1864. Wenn die Welt ein Schluß des . . . 37 III. (Einem Constrmanden.) . Entwinde Dich der Jugend Wirbeltanze, Mit diesem Tag trittst Du in's ernste Leben; Ich spür' um Dein Geschick ein leises Beben, Weil mancher Falter starb in Feuersglanze. . . Mißtraue stets dem Schein! Im Lorbeerkranze Sah man gar oft einher die Sünde schweben, Aus Gold und Purpur frech das Haupt erheben Mit Diadem, mit Mitra, Schild und Lanze. Und ob sie Deine Brust mit Orden zieren, Laß nimmer Dich vom Pfad des Rechts entführen; Man wirft um Deinen Geist ein Netz von Lüge. . O baue nicht auf fromme, sanfte Züge — Und fliehe vor des Lasters Rosenlippe, Eh' denn Dein Mund vom süßen Gifte nippe. 1865. 38 IV. (Nach Robert Burne.) An . O fändest Du im Sturm auf öder Haide Ein fremdes Kind, ein fremdes Kind, Du schütztest sicherlich mit Deinem Kleide Es vor dem Wind, es vor dem Wind; Und würdest es auf sanften Armen tragen Zur Mutter hin, zur Mutter hin; Ihr Dank, den eine Thräne Dir möcht' sagen, Wär' Dein Gewinn, wär' Dein Gewinn. Und schautest Du im Traum der Prophezeihung Dein künftig Kind, Dein künftig Kind, So schuldlos, treu und voll des Himmels Weihung Wie Engel sind, wie Engel sind, Nicht die umbuhltest Du mehr, deren Triebe, Verdorben schon, verdorben schon, Du suchtest seine Mutter; ihre Liebe 1 Gäb' Dir den Lohn, gäb' Dir den Lohn. . 1865. 39 Den Siegern zur Feier des 18. Octobers 1866. Wir grüßen Euch, Ihr heimgekehrten Brüder, Nehmt hin den Kranz von grünen Eichenreisern! Das Lob, davon so voll sind unsre Lieder, Habt reichlich Ihr verdient im Krieg, dem eisern'. Ihr warft der Habichtsburger Banner nieder Und botet Schach den Kurfürsten und Kaisern: So lang die deutsche Zunge mag erklingen, Wird man vom Ruhme Eurer Thaten singen. Kein Bruderkrieg war's, wie zuerst man glaubte, Es galt dem Feind des Vaterlands, dem alten, Der fremden Völkern ihre Freiheit raubte Und stets des deutschen Bundes Macht gespalten; Dem Czechen= und Magyaren=Oberhaupte Galt's, das in unserm Reiche wollte schalten. Da schlug Euch Preußens König rasch zu Rittern, Ihr zogt hinaus mit blutigen Gewittern. 40 Nichts konnte Eure Heldenkühnheit hemmen, Nicht Ströme, Schluchten, hohe Bergesrücken; Selbst gegen Hunger wußtet Ihr zu stemmen Die trotz'ge Männerkraft, — und voll Entzücken Sah'n wir, wie Alles, was Euch wollte dämmen, Sich wandelte in feuerfeste Brücken. Solch' tapferm Heer muß selbst die Höll' erliegen, Ein Caesar ist's, im Kommen, Seh'n und Siegen. Nicht wurdet Ihr vom Glück Bellonas trunken, Nicht unterthan dem wilden Völkerhasse, Ihr brach't im Pulverdampfe noch dem Funken Der edlen Menschenliebe eine Gasse. Ob Tausende von Euch dahingesunken, Ihr fochtet weiter wie Leonidasse Gen Sachsen, Bayern und den blinden Welfen, Die sich verschworen, dem Kroat zu helfen. 41 Beendet war der Kampf in wenig Tagen, Da drohte gleich ein schlimmeres Verderben: Wer von des Feind's Granate nicht erschlagen, Sollt' jetzo unter'm gift'gen Pesthauch sterben: Ihr hieltet wacker aus, — aus ohne Klagen, Bis eingestellt der Tod sein grausig Werben. Ulysses selber muß die Segel streichen, Will seine Fahrt er Eurem Zug vergleichen. D'rum seid willkommen, tapfere Soldaten! Stolz winden wir das Eichenlaub zu Kränzen, Begeistert singen wir die Festkantaten, So Euch geweiht sind bei den Siegestänzen. Germania lud Euch, als Ehrenpathen Bei ihrer Neugeburt heut' hier zu glänzen; Denn wenn wir sie einst stark und einig sehen, Ist dieses ganz allein durch Euch geschehen! 42 Gelegentliches. I. (Dank den Fräulein Pauline und Rosalie Rottsteper auf'm Haid für die Hochzeitsgabe.) Ich habe auf Eurem Kissen geruht, Geträumet den schönsten der Träume; Noch einmal empfunden, wie wohl es thut, Bei Euch verweilen Im Schatten der Jugendbäume! Wie Geister habt Ihr mich umschwebt, Gar Süßes mir zugeflüstert, Darob meine Brust so freudig gebebt; Das letzte Wölkchen Zerrann, das mich umdüstert. Ich habe mich in den Schlummer genickt, Mein Haupt in das Kissen geborgen, Und Perlen hab' ich hingestickt Mit meinen Augen; Die glänzen wie Thau am Morgen. Antonie. . . 43 II. . (Für das andere Kissen.) Deiner bleib' ich eingedenk, Hat mein Blick Dich auch verloren; Täglich mahnt Dein schön' Geschenk: „Denk auch an Mariechen Morhenn!“ Sollte ich 'was Böses thun Leg' ich flugs mich auf Dein Kissen; Darauf läßt so sanft sich ruhn — Wie auf dem besten Gewissen. n . . . 1. Die Kirche, die einige Antonie. 44 Bitte. Laß mich noch etwas ruhn, vergönn' der Müden Die selige, die lang entbehrte Rast; Ich fühle mich umhaucht von tiefem Frieden, Und in der Brust schweigt jede früh're Hast. Der Erde Noth, des Staubes Druck und Schwere, Sie heben sich empor wie flücht'ger Rauch; Von allen Leiden und vergoss'nen Zähren Blieb nur ein leiser, leiser, süßer Hauch. Und nie geahnte Melodien weben Mir um das Haupt den zauberreichsten Traum, Ich seh' nur Blühen, seh' nur Licht und Leben Und Seligkeit bis in den fernsten Raum. O laß mich ruhn; es darf einmal verlangen Der Mensch ein reines, ungetrübtes Glück, Und was in solchen Stunden er empfangen, Nimmt keine Zeit, nimmt ihm kein Gott zurück. Antonie. 45 Aufrage. „Willst du nicht das Lämmlein hüten Soll ich Dich mit Blüthen schmücken, Farbenreich und voller Duft, Veilchen auf den Hut Dir drücken Wie einst in der Abendluft? Ach die Blumen welkten hin, Holde Blumenkönigin. Sollen Dich die Schwalben grüßen Heiß von mir an Deinem Haus? Laß mich nimmer dafür büßen, Daß es mit den Schwalben aus; Alle, alle zogen fort Auf des Herbstes rauhes Wort. Willst Du tragische Gesänge, Jamben mit und ohne Reim Oder heitre Liebesklänge, Töne, süß wie Honigseim? Daran leid' ich keine Noth, Diese stehn Dir zu Gebot! 46 Antwort. Laß die Blumen, laß sie hauchen Leben aus in würz'gem Duft, Vollen ihre Seele tauchen Liebend ja in Himmelsluft. Kann die Blumen jetzt verstehn, Neid' ihr Kommen, neid' ihr Gehn. Und die Schwalben — laß sie ziehen . Immerhin zum neuen Ort; Treibet doch ein stilles Glühen Alle zu der Wand'rung fort. Kann die Schwalben jetzt verstehn, Neid' ihr Kommen, neid' ihr Gehn. Meines Herzens tiefstes Sehnen, Gleich dem Vogel, gleich der Blüth', Laß auch dies! — Es ist kein Wähnen, Das es dränget, treibt und zieht. Zolle es nur recht verstehn, Heiß' es kommen dann — nie gehn. . Antonie. Görböö . 47 Auf eines Kindes Grab. Nimmer geboren zu sein ist das Höchste, das Beste Oder zu sterben am sonnigsten Tage der Jugend; Eh' noch den Rücken uns beugt das bleierne Alter, Eh' uns'res edelsten Strebens schnöde Verkennung Und das erfolglose Mühen ermattet den Geist. Glückliches Knäbchen auf deinem hölzernen Pferde, Seliges Mägdlein, der bunten Puppe Gespielin, Eure Thräne gilt dem zerbrochenen Spielzeug Nimmer der Schuld, noch verstoßener Liebe Verzweiflung Kennt der Qualen nicht eine, — die brechen das Herz. Darum stirb, o Mensch, am Tage der Jugend, Vo dir noch lächlen Gott, die Welt und die Menschen; Velke als Knospe, vom Finger der Jungfrau gepflücket, Daß du nicht fallest ein Opfer der herbstlichen Stürme Und so im wüsten Schlamm' leidest den ruhmlosen Tod. S 48 Inhalt. Am Morgen S. 3 Am Abend 4 5 * * * * * * * * Die Glocken Des Kampfes Ausgang 7 * * * 9 Sympathie * * * * * * * * . . . . . . Zur Ermuthigung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . = 10 Am Todtenhügel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 13 Heil dir im Siegeskranz . . Worte der Religion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Die zehn Gebote. 16 Die Heimkehr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . = 17 Gebet der Nonne 19 99 22 Kreuzritter und Muselmann. Aus dem Lande der Citronen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Das Amulet . * * * * * An Galileo Galilei . . . . . . . . . . . . . . . . . = 30 31 An Garibaldi Jetzt und einst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 35 Vier Albumblätter . . . Den Siegern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . = 39 Gelegentliches . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . = 42 44 Pitte * * * * * Anfrage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . = 45 Antwort. 46 Auf eines Kindes Grab. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 a