⛪ ② ⸸⛨ läge 1 ② rotestantische für die Allgemeine Versammlung Kircher oder: Consilium abeundi concilio! Das ist der Geist der Zeit! Still forsch' ich in der Gottheit Spur: Noch eine kleine Spanne nur, Dann Liebe weit und breit! Frohahnend weht's in mir, O schöner Tag, o neue Welt! Als ging ein Hauch vom Himmelszelt Und stifte Frieden hier. Die Guten nah' und weit, Sie sind so eins und herzverwandt, So ganz wie in der Freiheit Land: Das ist der Geist der Zeit! Goss ⸸ Mannheim. Druck und Verlag von J. Schneider. 1870. ③ — Prolog des Staatsanwaltes. So quellenfrisch von den Zweigen Durchklingt's die grüne Welt! Die Vöglein können nicht schweigen, Sie singen, was ihnen gefällt. Kein Knabe darf sie drängen, Noch fangen weit und breit; Gar hold ist den freien Gesängen Die hohe Obrigkeit. Die Vöglein dazu kamen: Sie pickten die Raupen brav; Doch willst du nach sie ahmen, Gleich heißt es: „Paragraph Und führst du nicht am Zügel Dein Liedchen ſacht und fein, So packt man dich beim Flügel, Du großes Vögelein! Auf zum Concil! Ein Herold, glänzend wie beim Waffenspiel, Ihm winken Tausende mit frohem Gruße, Der ladet ein die Menschheit zum Concil, Beredten Munds in feurigem Erguſſe. Zum Ebro geht sein Ritt, zum alten Nil, Zum Amazonen= und Lorenzoflusse, Auf allen Höhen und in allen Gründen Will er das festliche Ereigniß künden. Die Bulle, die er trägt, hebt also an: „Ihr Freiheitsföhne, in der Gleichheit Brüder! Wir bieten heut' euch Ablaß von dem Bann, Der knechtend sich gelegt um eure Glieder; Des Mittelalters Nebeltraum zerrann, So wacht denn auf und singet Morgenlieder. Es zieht die einst allmächtige Tiara Grell fluchend sich zurück in die Sahara. „Da nun des Alten Trümmer sind gestürzt, So seid des neuen Glaubens uns Berather; Mit Wundern sei kein Knoten mehr geschürzt, Der Geist des Fortschritts ist uns heil'ger Vater. Ein Bischof, — wer die Nacht des Wahns verkürzt. Ja Jeder, der nach Wahrheit strebt, ein Pater; Und wer die Lüge opfert seinem Grimme, Erhält auf dem Concilium Sitz und Stimme. „Ihr fleiß'gen Forscher an des Wissens Quell, Auf eure Arbeit wir besonders zählen: Euch danken wir, daß das Jahrhundert hell, So seid erhoben denn zu Cardinälen! O kommt hervor aus der Gelehrtenzell Und strahlet Licht auch in der Narren Seelen, Die zornig schielend hinter finst'rer Brille Sich heiser schrei'n: „„Und dennoch steht sie stille „Wir stellen jetzo neue Dogmen auf, Die dem Gedanken nicht mehr sind Gefängniß; Von jenem Gott, der in des Jahres Lauf Uns hat erlöst aus Concordatsbedrängniß, Von Wahrheitssonnen, die nun zieh'n herauf Gar siegesstolz in strahlender Empfängniß. So Jemand scheut, dies Dogma anzunehmen, Trifft ihn die Zeit mit ihren Anathemen.... Ob dieser Allocution, der neuen, Erfüllt ein lauter Jubelton die Erde; Es fühlen sich als Priester alle Laien, Und die Getrennten bilden eine Heerde. Das ist ein Flaggen und ein Palmenstreuen Den Pilgern, die zu Wagen und zu Pferde Hinströmen zum Concil — am Gangesstrome, Am Meere — und in deutscher Eichen Dome. Muth, Muth mein Herz! Muth, Muth mein Herz! Des Geistes Osterflamme Auf tausend Gräbern loht sie hell empor; Nicht aus dem Dornbusch, nicht aus Judas Stamme Ging ihre lichte Herrlichkeit hervor. Die Menschheitsseele war ihr heil'ger Herd, Dort hat sie um ihr ewig Recht gekämpft In Menschenseelen hat man sie gedämpft, Doch in der Menschheit hat sie sich bewährt. Der Funke glomm. Der Feinde Sturmeswüthen Hat ihn zur hellen Flamme angefacht; Die ersten Funken waren Zornesblüthen, Jetzt glänzt das Feuer freundlich durch die Nacht. Und was es zündet, wird nicht wild verzehrt, Verwandelt wird es und mit Geist getauft; Des Geistes Freiheit ist mit Blut erkauft, Doch Lieb' und Frieden nur hat sie bescheert. Ja, Lieb' und Frieden! Denn des Geistes Glühen Verklärt den Wahn zu menschlichem Gefühl; Hell aus dem Glauben will die Wahrheit blühen Und immer bleicher wird der Nacht Gewühl. Denn immer weiter zuckt die lichte Gluth, Und Geistessärge sprengt der Geistesblitz, In Nacht verschwimmt Gott Vaters Wolkensitz, Doch höher steigt der Liebe gold'ne Fluth. Muth, Muth mein Herz! Der heil'ge Ostermorgen Der Menschheit bricht in Lieb' und Frieden an; Das Licht erwacht, die Schrecken und die Sorgen Der Nacht sind nun auf ewig abgethan. Die Menschheitsseele ist des Lichtes Herd, Lang hat es um sein ewig Recht gekämpft, In Menschenseelen hat man es gedämpft Und dennoch hat's die ganze Welt verklärt. Eine Commissions-Sitzung. Es erhebt der Inquisitor Sich aus ſeinem weichen Sitze: „Führt den Ketzer vor die Schranken Und man bringt ihn gleich dem Blitze, Reißt vom Auge ihm die Binde, Stößt ihn zur Armsünderstelle; S ist ein Jüngling edler Abkunft, Seine Blicke strahlen helle. üster funkeln alle Kerzen In dem schwarz behangnen Saale, Daß kein Lichtschein sich im Herzen Der Dominikaner male. Und der Schöffe des Gerichtes Liest im tiefsten Schreckenstone: „Schuldig biſt du ſchnöden Meineids „An Gott Vater und dem Sohne! „Unterfingest dich zu brechen, „Was am Taufstein du geschworen, „Abgefallen von der Kirche „Bist du, die dich neu geboren Keck entgegnet d'rauf der Jüngling: „O ihr irret euch, mein Pater, „Denn seit meiner Jugend bin ich „Treu geblieben Gott dem Vater. „Nichts weiß ich von einem Taufstein, „„Priestern gab ich nie Versprechen; „„Jenes Kindlein, das man taufte, # „„Konnt' nichts schwören, konnt' nichts brechen. Unterdessen war der rothe Henker angeschlichen sachte; gsam ist sein Beil dem Winke: Fol „Lange leb' Urban der Achte!“ Dem „hohen“ Clerus. Wenn die Kärrner zur Hand, Können die Könige bau'n! (Frei nach Schiller.) Ihr seid die „Kön'ge, das versteht sich! (Wir lassen gern euch diesen Ruhm;) Doch sagt, um welche Achse dreht sich Euer unsichtbares Königthum? Ist es der krumme, vielbesung'ne, Nun altersſchwache Hirtenſtab, Der oft als Geißel hochgeschwung'ne, Venn's Schäflein keine Wolle gab!? ... Ist es vielleicht der neue grade, Der hohle Stab so blank und kühl, Der auf Mentanas blut'gem Pfade Zum Sieg geführt im Schlachtgewühl? Der Stab aus Erz, den, euch zu trösten, Des Erzes Engel — Michael Zur Stunde, als die Noth am größten, Herbeigeschafft so blitzesschnell!? Und der noch jetzt mit seinen Schauern Die heil'ge Burg der Engel schützt, Indeß die Feinde ringsum lauern Und Satanas die Pfeile spitzt?? ... Ihr seid die „Kön'ge“! — Unverzaget Baut ihr im neuen Babylon Den Thurm, der in den „Himmel“ raget Dem neuen Geist zu Trotz und Hohn. Ihr seid die „Kön'ge“ und gebührlich Zicht ihr Gebühr und Steuern ein Das Volk zahlt gern: aus Lust natürlich, Aus Lust, von euch beherrscht zu sein!! Wir sind die „Kärrner“! ollt ihr's rügen, Daß wir so emsig allzumal? Wir liefern euch zu euren Flüchen In Babylon — das Material! Wir holen's her, wo Ströme münden, Aus Tiefen, die kein Strahl durchblitzt, Wir holen's her, „wo wir es finden“, Auch von dem Felsen, d'rauf ihr sitzt. Wir sind die „Kärrner“, das versteht sich, Die „Wühler“ auf der Zukunft Pfad; Und um die Freiheitsachse dreht sich An unsrer Karre stolz das Rad! *) „Mein Reich ist nicht von dieser Erde“ Sprach einst der Liebe frommer Held; Nun, Erz und Silber, Thurm und Heerde Sind doch wohl sehr „von dieser Welt“! Anmerk. d. Setzers. 10 Einem Fischer in's Stammbuch. Gewalt'ger Fischersmann! Am kleinsten Strande Warfst du dein Netz in gläubigem Vertrauen, Und doch bestrickt es — wunderbar zu schauen Schon manch' Jahrhundert alle Erdenlande. Dein Kahn schwankt immer an des Strudels Rande, Doch hängt dein Blick am Himmel, an dem blauen; Die Hand am Schwert. Nur kecklich zugehauen! Und blutig liegt des Gegners Ohr im Sande. Gedenkend dessen, was dir einst verheißen, Wollt'ſt du zu gierig Geld und Menſchen fangen; Zwar Millionen sind in's Garn gegangen, Doch mußt' die Beute selbst das Netz zerreißen. Und so sind Millionen dir entwischt, Die du bei nächt'ger Trübe hast gefischt! Sei du der Priester deiner selbst! Sei du der Priester deiner selbst, Sprich selbst mit deinem „Ebenbilde“ Kannst du es nicht, so kann es, traun, Auch keiner von der Hirtengilde! Sei du der Priester deiner selbst Und eigner Hüter deiner Seele! Im Herzen wohnt ein Richter dir, Der weiß um alle deine Fehle. 11 Sei du der Priester deiner selbst, Jasch' büßend rein dich von Gebrechen; Las auch ein And'rer dir verheißt Dein eigen Herz muß frei dich sprechen! Sei du der Priester deiner selbst, Auch auf des Sterbelagers Kissen; Des Todes bange Nebel scheucht Dir nur dein lächlendes Gewissen. Aus dem Nonnenbrevier. Mit des Abendthaues Zähren Kommt die düst're Nacht, Nur aus fernen Himmelssphären Strahlt noch Gottes Pracht: Früh erzog mich meine Mutter Für des Klosters „Glück“, Führte jetzt ein Martin Luther Mich daraus zurück! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! Seufzend blick' ich zur Madonna Die den Knaben träg Neide sie um jene Wonne, So ihr Herz bewegt. Lebend soll schon Grabesfriede Stetig mich umweh'n; O, wie bin ich's satt und müde, In das Chor zu geh'n! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! 12 Unter Menschen möcht' ich treten, Auf des Lebens Bahn, Nicht mehr mit den Lippen beten Diese Bilder an. Möcht' in treue Augen schauen, Augen minniglich; Jenes Todtenschädels Grauen Stürzt in Wahnsinn mich!! Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! Aus der weiten Zukunft Räume Klingt kein froher Ton; Meiner Jugend goldne Träume Hüpften längst davon. Such' umsonst nach der Guitarre Sangsbegleiterin; Orgelton, der dumpfe, starre, Martert meinen Sinn. Es war nicht meine freie Wahl, O Gott, beende diese Qual! Gebet wieder meine Locken, Nehmt den Schleier mir! Alle meine Pulſe ſtocken In der Oede hier. Niemand höret meine Klagen, Ahnt mein Herzeleid, Länger mag ich nicht ertragen Mehr die Einsamkeit! Es war nicht meine freie Wahl, Kein Gott erbarmt sich meiner Qual! 13 Und wie sehr es mich auch ziehet Weg zu aller Friſt, Eine Gottverlobte fliehet Jeder gute Christ. Abergläubisches Getriebe Drängt sich um mich her; Ich erhoff' von Gottes Liebe Keine Rettung mehr! Und ist der Himmel taub für mich, So ruf' ich, Geist der Menschheit, dich!! Dem Erzieher. O führe deine Kinder zum Gebet Nicht vor des Rachegötzen finst're Züge, Nicht vor das Andachtsbuch voll frommer Flüche! Vor Seelenhoheit, Geistesmajestät! Wo deines Volkes Freiheitsbanner weht, Zu deinen Todten aus gerechtem Kriege, An deiner Denker, deiner Dulder Liege Führ' deines Volkes Kinder zum Gebet! Wo Liederströme für das Vaterland Aus tiefster Seele frisch emporgequollen, Und wo der Wahrheit Zeugniß kühn erschollen, Wo fromm gewaltet eine edle Hand, Vo Volkesgröße Ehrfurcht heischend steht, Dahin, o Priester, führ' sie zum Gebet! 14 Politische Vor-Schläge. Denkt ihr daran, Als der von Nazareth mit Geißelhieben Die Taubenkrämer aus dem Tempel jagte, Daß eure Zunft es war, die oft verklagte, Die er im heil'gen Zorn hinausgetrieben? O nein, daran habt ihr wohl nie gedacht! Noch heut' verlangt ihr irdisch Gut und Reich. D’rum ist auch jüngst bes Geistes Zorn erwacht Italias Hand gab euch den ersten Streich! Denkt ihr daran? Ich glaube wohl, ihr habt es nicht vergessen: Groß war der Schmerz und rasend euer Fluchen; Ihr mußtet Schutz bei halben Freunden suchen so Lorbeer'n sonst, da wuchsen jetzt Cypressen. Ihr aber hofftet. — Da erschien ein Stern, Blutrothen Glanzes in des Nordens Reich; Ihr rieft auf ihn herab den Zorn des Herrn Umsonst! In Deutschland fiel der zweite Streich! Denkt ihr daran? Nun wohl, ich seh', noch beben euch die Glieder, Was stolz gefaßt auch eure Lippen sagen; Zwei alte Freunde schon im Kampf erschlagen, Und . . . neue finden sich so leicht nicht wieder! Da sandtet ihr die Rose über's Meer, Der süßen Freundin, die noch stark und reich. Die Freundin floh — ach, ohne Wiederkehr! Hispanias Volk gab euch den dritten Streich! 15 Denkt ihr daran? O, kaum sind ja der Monde zwölf entschwunden, Seit jener Himmelsblitz herniederzischte Und all die Macht mit einem Hauch verwischte, Darin ihr eure Stütze oft gefunden! Und dennoch hoffet ihr und dennoch glaubt Ihr, daß beschieden euch ein weltlich Reich . . . Und wie ihr hofft und wie ihr Rache schnaubt, Gebt ihr euch — fluchend — selbst den letzten Streich! Jesus. Mit keinem Wort ward Frevel mehr getrieben, Mit keinem Namen mehr, als mit dem deinen, An Keinem hat das Grübeln und das Meinen Die Seele und das Hirn so wund gerieben. Von deinem Tempel, wo ein heilig Lieben Zum Himmelreich die Völker sollte einen, Darin gestillt der Erde Noth und Weinen, War oft ein Scheiterhaufe nur geblieben. Und dennoch, Wunderkraft im Gottesfunken! Zu welcher Nacht der Zeitgeist auch gesunken, Dein Bild taucht stets empor in reinster Klarheit. Ein tröstlich Zeichen uns, daß alles Irren, Selbst wenn es Sturm gebiert und blut'ge Wirren Nichts rauben kann vom Wesen ew'ger Wahrheit. II. Ob man der Erde dunkeln Schooß durchdrungen, Und Erdenweisheit rastlos voranschreitet, Ihr Fittich schon den ganzen Ball umbreitet, Ob längst die Memnonssäule auch geklungen, Ob Meinungskampf das Geistesschwert geschwungen, Ob Menschenwitz zur Hoffart ward verleitet, Daß er um den Besitz der Wahrheit streitet Und schon die höchsten Ziele wähnt errungen, Du, schönstes Licht, bleibst doch dem Herzen theuer, Ein ew'ger Gegenstand zu frommer Feier! Dir beugen sich der Weltgeschichte Sterne; Denn Du hast uns im Beispiel aufgemauert Ein Ideal, das Alles überdauert Und nicht erblasset in der Zeiten Ferne. Keppler. An öder Stätte und zu nächt'ger Stunde, So krank die Brust, bleischwer die matten Glieder, Schon Todesschatten um die Augenlider, Mit jeder äußern Noth im engsten Bunde, Das Herz noch blutend aus der tiefen Wunde, Geschlagen von dem Wahnsinn deiner Brüder, Rauscht dennoch deines Geistes Aargefieder In Aethershöhen über'm Erdenrunde. 17 Ein Flüchtling vor dem wüsten Zeitgetümmel, Hast du dich in den ew'gen Raum ergossen Und fromm gelauscht der Sphärenharmonie. Durch dich, ein neuer Petrus, ward der Himmel, Den Rom gesperrt, uns wiederum erschlossen: Denn mächtiger als Glaube ist — Genie! Anmerkung. Der Leser erinnert sich des berühmten Epigramms von Prof. Kästner, sowie des Umstandes, daß Kepplers Mutter als Hexe verfolgt ward. An Galileo Galilei. „Und sie bewegt sich doch!“ Aus Kerkergittern Drang dieses Wort zu Papst und Cardinälen; Sie konnten grausam deinen Körper quälen, Doch nimmermehr den freien Geist zersplittern. „Und sie bewegt sich doch!“ Das macht erzittern Noch heutzutag der Dunkelmänner Seelen; So lang die Sonne scheint, wird man's erzählen, Und alle Bullen wird dies Wort zerknittern. Doch du, empfang' in deinem Geisterlande Die höchsten Huldigungen aller Zeiten! Der Wahrheit gabst das Leben du zum Pfande; Nun trägt sie deinen Namen in die Weiten Und pflanzet ihn zu Romas Schimpf und Schande Als Obelisk auf in den Ewigkeiten! 18 Hans Luther an Martins Wiege, 10. November 1483. Ich fahre mit der Lampe Alltäglich in den Schacht, Erhell' mit ihrem Scheine Die unterird'sche Nacht; O trügest, Knabe, du ein Licht In's Zeitendunkel! — Noch tagt's nicht Im deutschen Vaterland. Ich fördre glänzende Erze Aus dunkler Grube zu Tag, Und manche Silberader Erklingt von meinem Schlag; Kläng deine Stimme, wie Silber rein, Bei Gott! es würde anders sein Im deutschen Vaterland. Auch unscheinbaren Stücken Sind ächte Knappen hold, Denn hier schläft tief verborgen Nicht selten edles Gold; O ruf' der Wahrheit goldnes Wort Aus armer Hütte, ihrem Hort, In's deutsche Vaterland. Geh', singe an den Thüren Zuerst ein Lied um's Brod; Dein letztes Lied muß heißen: „Der Lüge Haß und Tod!“ Ich greif' zur Lampe, ein schlichter Mann, Glückauf! — nicht anders ich dienen kann Dem deutschen Vaterland. Er kann nicht anders! Die Blitze leuchten, die Wolken zieh'n Herauf mit rollender Mahnung; Zwei Jünglinge wandeln im Freien dahin, Fern jeglicher Todesahnung. Ein Blitz! und der Eine hat ausgelebt! Der Freund seinen Jammer im Kloster begräbt, Seine Seele konnte nicht anders! Und Jahre vergehen; zum starken Mann Sieht man den Trauernden reifen, In Büchern, weil „er nicht anders kann“, Die leuchtenden Augen schweifen. Da hört er von Ablaß, von päpstlicher Gier; Und der Hammer erschallt an der Kirchenthür Der Hammer — er konnte nicht anders! Zersprengt sind die Ketten der geistlichen Macht, Der Vorhang im Tempel zerrissen, Den tausend Jahre die Priester bewacht In Gräuel und Finsternissen. Und sie schleppen den Störer vor's Ketzergericht, Der aber muthig die Worte spricht: „Hier steh' ich — ich kann nicht ander Und dem Muth'gen gehört die ganze Welt, Er denkt nicht an den Tod und Erliegen. Als einen Rock man zur Schau gestellt, Ist Einem der Groll gestiegen; Und ehe noch „Gottes Stimme“ ihn rief. Schrieb er dem Bischof den Scheidebrief. Der brave konnte nicht anders! 20 Und das Licht, es leuchtet der ganzen Welt, Und Keiner kann sich verbergen. Jetzt werden sie Alle zur Schau gestellt, Die finsteren Geistesschergen. Und ob sie drängen zur Dunkelheit, Es rauschen und klingen die Flügel der Zeit: „Zum Lichte! — Ich kann nicht anders!“ In Garibaldi auf die Nachricht, daß er Juarez gebeten habe, das Leben Maximilians zu schonen. Italiens duft'ge Lorbeerhaine flüstern Von deinem Ruhm, unsterblicher Giuseppe; Die Zeit wird deinen Namen nie umdüstern! In West und Ost, auf weitentleg'ner Steppe Erzählen Nachts bei ihrer Feuer Lodern Die Jäger ſich vom großen Häuptling Wunder, Vor dessen Schwert die stärksten Feinde modern, Und der Despoten Pracht zerstäubt in Plunder. Jed' Auge ist nach deinem Anblick lüstern; Dem Rosse selbst, dich tragend, wachsen Schwingen, Und Heldenflammen sprüh'n aus seinen Nüstern, Wenn du es schmeichelnd führst zum blut'gen Ringen. Ein neuer Eid bekämpfest du die Mohren, Die sich dem Tageslicht entgegenstemmen, Und siegesmuthig vor Granadas Thoren Weht deine Fahne. Zittert falsche Memmen! Du bist Prophet zugleich. Dem Glockensummen, Barbarischer Geschosse wildem Dröhnen Weissagt dein Mund ein endliches Verstummen, Dem Völkerhaß ein baldiges Versöhnen. Wir glauben dir, ob auch geweihte Finger In Jesu Namen dich mit Fluch befehden; Denn die allein sind Jesu wahre Jünger, Die, mild wie du, für ihre Feinde beten. 21 Voltaire an Castelar. Vor hundert Jahren schrieb ich: „C'est du nord Que nous vient la lumière Doch heut' fürwahr nähm' ich zu deiner Ehre An diesem Satz 'ne kleine Aend'rung vor; Denn, wie ich durch Freund Hengstenberg vernommen, Soll jenes Licht jetzt aus dem Süden kommen. An Alexander von Humboldt, zum 14. September 1869. Vor hundert Jahr' im deutschen „Morgenlande Ging auf dein Stern in wunderhellem Licht, Und es verließ am fernsten Lebensrande Der Gottheit Nimbus deine Bahnen nicht. Viel stolze Fürsten waren dir gewogen Und haben oft nach deinem Rath gesendet, Mehr als der „Kön'ge drei“ sind hingezogen, Die dankbar Gold und Weihrauch dir gespendet. Doch bliebst du arm; — denn deine Erdengüter Gehörten wie dein Wissen aller Welt; Du warst nicht Mammons=, sondern Geisteshüter, Dein Silber all coursirt am Himmelszelt. Bald zum Concil wird man die Glocken läuten Nicht dir zur Ehre dürfen schallen sie; D'rum schlägt die freie Dichtung an die Saiten, Die Glocken sind der Päpste Artill'rie! Zu ihrem Trotz auf beiden Hemisphären, In Nordlands Eis, in der Savannen Ried, Auf von der Kirche unentweihten Meeren Ertönt an deinem Tag ein Ruhmeslied. 22 Es neigt sich, Humboldt, dir die Welt der Geister, Durch klare Lehre hast du sie gebeugt; Denn nicht geziemt's dem wahrhaft großen Meister, Daß er durch dreiste Bullen überzeugt. Obwohl dir mehr bewußt als Schalai=Lama, Nicht war Unfehlbarkeit dein stolzes Pochen! Schon darob knirscht die eitle Lügenfama, Daß nicht der „Kosmos“ auch von ihr gesprochen; Doch was des Menschenlebens schönste Blüthe, Das hast in That und Schriften du gepriesen! Groß wie dein Wissen war dein schön Gemüthe, Und auf das Herz hast du stets hingewiesen! Sei's überflüssig, weiter dich zu loben, So kann ich doch das Eine nicht verhehlen: Den „Seelenmörder“ schelten dich die Popen, Als „Popentödter“ grüßen dich die Seelen. Wenn in den Tag herab die Eulen steigen, Wie durch Meduſas Haupt kann man ſie bannen; Man wird dein strahlend Antlitz ihnen zeigen, Und angstvoll kreischend flattern sie von dannen! 23 Charfreitag und Ostern. Betrauert die nicht, welche ausgerungen Und eingegangen sind zum ew'gen Frieden; Hört ihr die Seufzer besser, die verklungen, Rührt euch die Thräne dessen, der geschieden, Denn mehr als der Lebend'gen tiefer Jammer, Der täglich stöhnt aus mehr als einer Kammer? Wohl hat man stets die Edelsten verhöhnet Und ihren Henkern immerdar geschmeichelt, Doch noch zur Stunde wird der Macht gefröhnet Und vor Altär' und Thronen feig geheuchelt; Noch heut' gelangt, ein früher Raub des Todes, Manch Kind zur Welt und in die Hand Herodes'. Das Volk wankt elend an dem Lügenstabe, Den ihm zur Stütze reichten Pharisäer; Die Freiheit starb, man trug sie schon zu Grabe, Und dieses wird bewacht vom römischen Späher, Laßt drum uns Asche streuen in die Locken, Und stumm soll sein der Jubelmund der Glocken. O laßt uns trauern, bis der Ostermorgen Für die Begrabnen alle ist gekommen; Wo sie ersteh'n und düstre, bange Sorgen Von Aller Herz und Seele sind genommen. Noch ist Charfreitag, noch liegt Winterschnee Und auf der Menschheit noch das alte Wehl 24 Im schwarzen Lager greift man zu den Waffen, Als Losung tönt des Erdenstillstands Lug; Von Kuttenträgern, Nonnen, Ehrenpfaffen Bewegt sich zum Concil ein langer Zug. Auf röm'schem Boden baut man Kriegsgezelte, Als ob es jetzo die Entscheidung gälte. Da rührt sich neu, was lange schien begraben: Der alte Haß, der einst auch uns erregt. Er will die Schlacht, wohlan, er soll sie haben, Der alte Wust sei kühn hinweggefegt! Und abgerissen der Vermittlung Brücke: „Hie laut're Wissenschaft, — hie Glaubenstücke! O sprosse, deutsche Erde, deine Husse, Die jenes Welschthum stürzen in den Sand O wecke, Freiheit, auf mit deinem Kusse Viel tausend Schläfer in dem Vaterland! Daß man von diesem Jahre einst berichte: „Es war das Ostern in der Weltgeschichte Himmelfahrt. Da fährt er zum „Himmel“, da schwebt er hinauf, Zu suchen die Wohnstatt der Seligen auf; Tief unter ihm Elend und Mühen und Leid, Hoch über ihm . . . die Unendlichkeit! Da ist keine Grenze, da ist kein Ziel, Fort geht's wie der Sternenwelt sausendes Spiel! In tausend Gestalten wohl grüßt ihn das Licht, Er achtet der lächelnden Wanderer nicht. 25 Tief unten im Weltall vergessen liegt Die Mutter, die ihn gekost und gewiegt, Die Athem und Leben und Flügel ihm gab, Nun deckt sie des Undanks grausiges Grab. Wer eilet dahin, wer schwebet hinauf Zum „Himmel“ und suchet die Hölle sich auf Und lästert die Erde, sein Heimathland? ... Es ist der kranke Menschenverstand! 1 Der Heilung bedarf er und suchet das „Heil“, Sucht „Leben“ und findet ... das Henkerbeil! Die Richtstatt des Geistes steht immer bereit, Der Henker trifft in der Dunkelheit. Rings Nacht und Dunkel und selige Ruh', So steuert man kopflos dem Nebel zu. Indeß der Verstand in's Blaue verreist, Fährt flüchtend zum Himmel der Liebe Geist. Zum Himmel der Herzen, zum Himmel der Welt, Vo der Engel der Menschheit die Hochwacht hält, Wo heller der Spiegel der Schöpfung blinkt, Die Sonnenstrahlen der Freude trinkt. Zum Himmel, ihr Herzen, zum Himmel der Welt, Rings leuchtet die Liebe im Frühlingsfeld; Warm duftet's, hell blüht es in Lenzesart, Brecht auf, ihr Herzen, — zur Himmelfahrt! 26 Pfingsten. Pfingstsonntag ist's; die Auserwählten neigen In Demuth sich dem kirchlichen Gepränge, Gebet und andachtstrunk'ne Festgesänge Vom Dom empor zum ew'gen Himmel steigen. Ich kann das Knie mit ihnen nimmer beugen, Denn fremd bin ich dem Glauben dieser Menge; Nicht Priesterwort, noch Sang und Orgelklänge Vermögen meinen Sinn zu überzeugen. Und dennoch darf ich freudig zu dir treten, Ob auch kein Opferlamm in meinen Händen, Und die Vernunft vom Wunder unbezwungen. Ich glaube, daß dein Geist in allen Zungen Sich kund gibt, — und noch Größ'res wird vollenden, Als je sich ließen träumen die Propheten! Du „lieblich Fest“ Der heil'ge Geist der Freude Durchzieht die Welt auf Flügeln sonnenlicht, Daß er des Lenzes holde Ziele deute, Doch wie viel „Beter“ ach, versteh'n ihn nicht! Und doch so einfach liegt's, so klar und offen Vor aller Menschen Augen liegt es da Warum, warum auf Weitentferntes hoffen? Seht hin, der Himmel ist so nah, so nah! 27 Ein Blick hinaus! Da klingt aus tausend Freuden Ein Ton der Trauer mir in's Herz hinein, Hör' ich des Geistes Todtenglocken läuten, Seh' ich der Wahrheit off'nen Todtenschrein. O, Tausende und Millionen wallen Zu ihrer besseren Gedanken Grab, Verschmähend stolz — Phautomen zu Gefallen! Des eignen Busens Leuchte, Stütz' und Stab. Du hoher Drang, der kühn zur Wahrheit steuert, Du Geist der Liebe, der das All durchkreist, Du Sonne, die den Glanz des Schönen feiert Dreiein'ger Gott, komm' zu uns, heil'ger Geist! Du bist die Freude! Flammende Altäre In allen reinen Herzen opfern dir Von ihres innern Kampfes goldner Aehre Mit Wahrheit, Tugend, Schönheit für und für. Das — „lieblich Fest!“ — ist deine heil'ge Sendung: Rings auszugießen neuen Frühlingsgeist, Ein Lichtmeer in die Tiefen der Verblendung, Die schnöden Lug der Sage „heilig“ preist! Geh! „heilig“ ist die Macht, die tausend Blüthen Menschlichen Fühlens roh im Lenze knickt Und ihres Wahnsinns unheilvolles Wüthen Mit der Verfluchung aller Freien schmückt! „Heilig“ der Geist, der in erregte Herzen Den Drang zu Mord und zu Verfolgung goß, Der Dank annahm von Weihrauch und von Kerzen, Als Blut um Blut vor seinen Tempeln floß! Der Geist ist heilig?! — Schaudernd abgewendet Nah'n wir dem Heil'gen, das auf Erden lebt, Das, nie vom eignen Widerspruch geschändet, Uns zu der Menschheit schön'rem Selbst erhebt! Den Gegnern. Werft ihr auch mich zu jenen Apostaten, Die schnöde sind aus Reih und Glied getreten? Ihr habet Recht! Ich mag mit euch nicht beten, Mag ernten nicht die Früchte eurer Saaten! Der Fahne meiner ahl getreu mit Thaten, Dient ich ihr auch im Amte des Poeten; Ihr aber steinigt uns, weil wir Propheten Der „freien Kirchen“ sind „in freien Staaten“. Daß ich kein Deserteur, soll offen künden Der Handschuh, den ich schleudre euch zu Füßen; Laßt eures Muthes Phosphor daran zünden! Und hebt ihr auf den Handschuh, sollt ihr's büßen; Denn gleiche Waffen fordert unsre Wette, Die blanken Klingen müssen sein: Sonette. Den Halben. Die fromm aus Menschenfurcht die Wimper senken, Verleugnend jeden Zweifel, den sie hegen, Die jedes Wort nach ihrem Vortheil wägen Und wie es bläst — nach rechts, nach links sich schwenken. Im Innern kühner als wir selber denken, Doch betteln geh'n um eitlen Priestersegen, Vielleicht gar um geweihten Hut und Degen, Die sachten Ritter von den Kirchenbänken, Das sind die allerfeigsten der Verräther! Ihr matter Arm mag keiner Fahne nützen, Sie heben jeden Schild, um sich zu schützen; Noch schwächer sind sie als ihr Ahnherr Peter, Der vor des Hohenpriesters Mägden heuchelt Und seinen Freund — durch eine Lüge — meuchelt. Auch dies den Halben! Ihr, die ihr längst im Stillen abgefallen, Sagt an, was soll die weise Tadelsrede: Daß ich nicht mehr im alten Tempel bete Wo ihr noch betet mit den Basen allen!? Als ich mein Lied noch ließ im Dom erschallen, War's heil'ger Ernst mir, was ich dort erflehte; Ihr singt nur mit aus Schen vor offner Fehde, Ihr, die beim Wein die Muthigsten von Allen! Wenn ihr im alten Tempel beten müßt, So laßt daheim den frechen Glaubensspott Und scheltet uns nicht fürder „Apostaten“! Denn wer zugleich die alten Götter küßt Und sie verräth, ... ist ein Ischariot: Das merket euch, ihr Ritter ohne Thaten! Der freie Mann. Der freie Mann rührt nie die Bubenharfe. Mag sie durch tausend Stümperhände gehen, Der Macht zulieb das Heilige zu schmähen, Fort singt und muthig er das Lied, das scharfe: Von jenen Frommen in der Gleißnerlarve, Von jenen Bettlern, die den Thron umstehen, Von jenen Klugen, die das Recht verdrehen, Glüh'n hellen Zorns die Saiten seiner Harfe. Entreißt sie ihm und sperrt sie ein, die Geister; Ihr dienstbeflissnen Zucht= und Kerkermeister! Entwindet ihm das tönende Gewissen! Ha, ihr versucht's!? — Da lacht's durch alle Lande, Denn längst beschloß der große Unbekannte: WolkenDas Licht der Freiheit quillt aus! rissen. 31 Zur Ermuthigung. Welch' ein neues Geistesweben Gibt sich kund im Vaterlande! War voll Schrecken einst das Leben Hoffnung beut es jetzt zum Pfande. Keine Folter blieb den Henkern, Keine Scheiterhaufen glühen, Flucht auch Rom noch kühnen Denkern, Eitel ist doch sein Bemühen! Sei gegrüßt, o Zeit, du neue, Die den alten Wahn vertrieben; Deutsche Kraft und deutsche Treue Sind trotz Bruderkampf geblieben. Bald ist unser Spiel gewonnen: Aufgeklärt die Welt, die ganze; Freunde auf! nicht feig besonnen! Und ersteigt die letzte Schanze!! ⸸⛱ⵜ Inhalt. Prolog des Staatsanwaltes . Auf zum Concil! . Muth, Muth mein Herz! * * Eine Commissions=Sitzung * * * * * * Dem „hohen“ Clerus * * Einem Fischer in's Stammbuch Sei du der Priester deiner selbst! Aus dem Nonnenbrevier . Dem Erzieher Politische Vor=Schläge Jesus . . . . . . . . . Keppler An Galileo Galilei * * * * * * * * Hans Luther Er kann nicht anders! An Garibaldi . . . . . . . . . . * * * * * * * * Voltaire an Castelar An Alexander von Humboldt Charfreitag und Ostern Himmelfahrt . . . . . . . . . . * Pfingsten . . . . . . . . . . . Den Gegnern . . . . . . . . . . . * * * * * * * * * * * Den Halben Auch dies den Halben Der freie Mann . . . . . . . . . Zur Ermuthigung Seite 17 24 30