%mt °§t\tmt zur alten Geschichte und Geographie der Rheinlande. Von ^ Prof. B r Schneider .3 ut elfte .fFolgr. Düsselborf 1879. Fr. IHttx, DilsseJtlorf. I Der römische Pfahlgraben von der Wetter bis zum Main. Nach eigenen Lokaluntersuchungen dargestellt Professor D* J. Schneider, Ritter des Rothen Adlerordens 4. Kl. und Inhaber der Fürstlich Hohen- zollern'schen goldnen Verdienstmedaille, Correspondent der Königl. Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunstdenkmäler zu Berlin sowie des Kaiserl. deutschen archäologischen Instituts zu Rom, Meister des Freien deutschen Hochstiftes zu Frankfurt a. M. und mehrer gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes ordentlichem, correspondirendem und Ehrerimitgliede. Mit einer Karte- Düsseldorf 1879. l/fef***' ■Jt DQSS , Non fingendum aut excogitanduni, sed inveniendum — § t Einleitung. Der römische Pfahlgraben am Mittelrhein ist hauptsächlich durch die örtlichen Untersuchungen des Oberstlieutenant Schmidt und des Staatsarchivar Dr. Rössel vom Rheine bei Hönningen bis zur Wetter bei Lieh seinem Laufe nach bestimmt worden, und wir können grösstenteils aus eigener Anschauung die Richtigkeit des angegebenen Laufes mit Ausnahme einiger wenigen Stellen, die bei einer andern Gelegenheit zu erörtern, sind, bestätigen. Die fernere Fortsetzung von der Wetter bis südwärts zum Maine ist aber bis jetzt, ungeachtet aller Bemühungen der Alterthumsforscher, nicht genügend ermittelt, zumal | sich die Bestrebungen des Landbaumeisters Arnd, den Pfahl - graben über den Vogelsberg und Spessart nach dem Maine zu führen, als verfehlt erwiesen haben. Bei den bisherigen vielfachen fruchtlosen Versuchen, die Fortsetzung und den weiteren I Verfolg von der Wetter aus im Zusammenhang vollständig aufzufinden, schien uns eine Zeit lang die Möglichkeit offen, dass in jener Strecke die Grenzwehr vielleicht nicht vorhanden, d. h., ss der Limes bis zu seinem Anschlüsse an den Main überhaupt I nicht zur Vollendung gekommen sein möge. Um diese Frage zur Entscheidung zu bringen, haben wir, gesLützt auf unsre langjährigen Erfahrungen in der Erforschung von Grenzwehren , den 'Gegenstand an Ort und Stelle nunmehr einer eingehenden Prüfung unterzogen, und daraus die Ueberzeugung geschöpft, dass sich der Pfahlgraben ganz unzweifelhaft von der Wet- iter südwärts bis zum Maine fortgesetzt hat. Die nachfolgenden Blätter haben zum Zweck, diese Ueberzeugung durch genaue Angabe der noch vorhandenen Ueberreste auch Andern zugänglich zu machen, und wir haben die Beschreibung so eingerichtet, dass nicht bloss der Leser, mit Hülfe der beiliegenden Kartenskizze, eine- deutliche Vorstellung des Laufes gewinnen kann, sondern auch Derjenige, welcher an Ort und Stelle die Spuren aufzusuchen und zu prüfen unternimmt, dadurch einen brauchbaren Wegweiser erhält. §2. Von der Wetter bis zum Riesengraben. Der vom Taunus her in einem grossen Bogen nördlich von Grüningen ziehende Pfahl graben endet nahe am Rande des Arnsburger Waldes, ungefähr 200 Schritte von der Chaussee, die von Arnsburg nach Lieh führt: seine Richtung durchschneidet die Chaussee zwischen Nummerstein 64 und 65, und man erkennt noch in den Feldern die Spuren in einem breiten Grasraine bis dicht an die Wetter. Jenseits der Wetter sind an dem untern Abhänge des steilen bewaldeten Berges alle Reste geschwunden, und treten erst gegen die Mitte immer deutlicher auf; man gewahrt den Wall und Graben am deutlichsten auf der Höhe am W ett er berge, wo er an einem dem oberen Rande des Berges entlang ziehenden Fahrwege endet. Hier hat der Wall eine Höhe von 1 m , die Breite der Wallkrone sowie der Grabensohle beträgt ebenfalls 1 m und man bemerkt hinter dem Wall noch einen zweiten Gräben von geringer Tiefe , wie dies auch anderwärts am Pfahlgraben öfters vorkömmt. Jenseits des obengenannten Fahrweges hören die Spuren im Walde eine kurze Strecke auf, dann findet man nur noch den blossen Graben, der sich in fast südlicher Richtung zuletzt nahe am Waldrande bis zu der alten Klostermauer von Arnsburg verfolgen lässt, wo er an dem Hardtfelde endigt. Wall und Graben sind in der Umgegend unter dem Namen „Pohlgraben" allgemein bekannt. Wer die vorbeschriebenen Ueberreste kennen lernen will, wird zunächst den genannten Fahrweg am Wetterberge aufsuchen, wo er das erste Stück antrifft, das sich den Abhang hinab bis nach der Wetter verfolgen lässt. Das zweite Stück kann am sichersten vom Hardtfelde aus in nördlicher Richtung durch den Arnsburger Wald begangen werden. Da in Lieh der „Pohlgraben" an den bezeichneten Stellen wohlbekannt ist, so kann man auch von dort sehr leicht einen Führer erhalten. — Bei Arnsburg, wo viele römische Alterthümer gefunden wurden, lag sehr wahrscheinlich ein römisches Castell an einer den Pfahlgraben durchschneidenden Römerstrasse. In der weiteren Fortsetzung, von Arnsburg an, sind in den dortigen Ackerfeldern alle Spuren geschwunden; nach den später — 5 — folgenden Ueberresten zu urtheilen hat sich hier der Graben nach Südwesten gedreht, in welcher Richtung er, südlich von Birklar, die Felder durchschritt, dann aufwärts die Höhe hinanstieg, wo man auf dem Kratzen berge neben dem sogenannten „Rie- senbäumchen" die Ueberreste, bestehend in Wall und Graben, wohlerhalten antrifft. Der Ort liegt im Muschenheimer Felde und ist den dortigen Landleuten unter dem Namen „Pohlgraben" wohlbekannt (s. das beiliegende Profil); es kann daher diese den Alterthumsforschern bisher nicht bekannte Stelle, an welcher der Pfahlgraben auf der ganzen Strecke bis zum Main das reinste Profil zeigt, von jedem Bewohner Muschenheims angewiesen werden. Verfolgt man vom Riesenbäumchen durch die Felder die bisherige Richtung weiter; so kömmt man alsbald an eine Stelle, welche ebenfalls' „am Pohlgraben" heisst, wo aber gegenwärtig alle Reste durch den Ackerbau getilgt sind. Die Richtung ging nördlich von Betten hausen nach dem von diesem Orte auf Langsdorf führenden Communalwege, der etwa 200 Schritt von Bettenhausen von dem Graben durchschnitten wurde. Hier gewahrt man nämlich in der bisherigen Richtung einen kaum fussbreiten Kain, der sich dem Auge schon dadurch ans der Ferne bemerklich macht, dass alle Feldgrenzen auf eine lange Strecke daiauf senkrecht stehn, und man kann denselben auf beiden Seiten des Weges weithin ununterbrochen verfolgen; seine Richtung geht rechts des Weges nach dem Riesengraben. (Von der Wetter bis Bettenhausen wurde die Untersuchung in Begleitung des Bau- accessisten Herrn Zimmer aus Lieh geführt, dem wir auch eine Notiz über den Pfahlgraben bei Arnsburg aus dem Archiv für liessische Geschichte und Alterthumskunde verdanken.) §•3. . Vom Riesengraben "bis zum Bingenheimer Forsthaus. Wenn in der bisherigen Strecke über den Zusammenhang der noch vorhandenen Theile und die gesammte Richtung des Pfahlgrabens kein begründeter Zweifel obwalten kann; so müssen wir leider bekennen , dass in dem vorliegenden Abschnitte solche Reste, welche Lage und Lauf der Grenzwehr deutlich erkennen lassen, nicht aufgefunden und, wie wir glauben hinzufügen zu können, auch nicht vorhanden sind. Glücklicher - 6 — Weise aber treten eine Reihe anderer Umstände auf, die den Lauf im Anschluss an den vorausgegangenen und den nicht minder sicheren nachfolgenden Theil hinreichend deutlich erkennen lassen. Etwa 1000 Schritt östlich vom Riesengraben beginnt an einem von Hungen nach Beilersheim führenden Wege, am Südrande des Waldes, ein alter Fahrweg, der durch den nördlichen Theil von In hei den geht, hierauf, die Oberhessische Eisenbahn durchschneidend, dicht nördlich an der Localität „auf der Mauer' vorbeizieht, und dann zum Theil nur mehr als Fusspfad nacli Osten läuft. Wir halten diesen Weg für die letzte Spur des durch die Cultur getilgten Grabens, indem derselbe genau in der bisherigen Richtung beginnt und sich dann östlich wendend dicht nördlich an der obengenannten Stelle „auf der Mauer" vorbeiführt! wo römische Alterthümer gefunden wurden und sich wahrscheinlich wiederum ein römisches Castell an einer den Pfahlgraben durchschneidenden, vor einigen Jahren im Boden gefundenen Steinstrasse befand. Die fernere Richtung ging dann, einige hundert Schritte südlich von Grass über die HorlofF, wie auch Schmidt ver- muthet, dann in einem Bogen an der Neumühl vorbei, und hierauf im Ganzen in südlicher Richtung, dem Fusse der letzten Ausläufer des Vogelsberges entlang, östlich von Trais-Horloff, an dem Schwalheimer Hof und Bisses vorbei, nach den Bin gen heim er Forst haus. Da sich bei Steinheim und Schwalheim Einbuchtungen ins Gebirge befinden, so ist es um s< wahrscheinlicher, dass der Pfahlgraben auch hier, wie bei der Neumühle , diesen Buchten in einem Bogen gefolgt ist, als sich in der Bucht bei Steinheim römische Alterthümer gefunden haben. Schmidt hebt mit Recht hervor, dass der Pfahlgraben hier den Zweck hatte, das fruchtbare Ackerland der Wetterau zu um- schliessen, und daher dem Streifen entlang laufen musste, welcher die unfruchtbaren bewaldeten Höhen des Vogelsberges begränzt. Und in der That, wenn man die Terrainbeschaffenheit in Verbindung mit dem späteren Laufe des Grabens, wie wir ihn sogleich aus seinen Resten nachweisen werden, iri's Auge fasst; so kann man, ungeachtet des Mangels an Ueberresten, kaum einen Augenblick im Zweifel sein, dass er keinen andern Lauf gehabt haben kann ? als zwischen, dem Fusse des Gebirges und dem breiten Wiesengrunde der Horloff, in der Art, dass jene ausgedehnten ehemals sumpfigen Wiesen dicht an die Innenseite des Grabens zu liegen kamen, wie wir es gewöhnlich bei den Grenzwehren finden, wo das schwer zugängliche Terrain durchweg an der Innenseite zu liegen pflegt. Eine fernere Bestätigung des angegebenen Laufes liefert das Vorhandensein eines dritten Castells hei E c h z e 11, an welchem zwei römische Heerstrassen zusammenlaufen , um dann den Pfahlgraben, wie in den genannten Fällen, zu durchschneiden, sowie auch das fernere Vorkommen römischer Alterthümer am Schwalheimer Hof, woher die dortige Mineralquelle den Namen „Römerbruunen" führt, ferner mehrerer Grabhügel in der Nähe des Bingenheimer Forsthauses, so dass der ganze bezeichnete Lauf, bei Inheiden, Steinheim, Schwalheim, Echzell, Bingenheimer Forsthaus, auch durch die aufeinander folgenden Alterthumsfunde, die sich bei näheren Nachforschungen wohl noch vermehren lassen, bezeugt wird. §4. Vom Bingenheimer Forsthaus bis Altenstadt. In dieser Strecke sind die hinterlassenen Spuren hinreichend, um nirgends über die Richtung des Grabens im Zweifel zu sein. Zunächst läuft aus der Nähe des Bingenheimer Forsthauses ein Damm, der früher in seiner ganzen Ausdehnung als Fahrweg gebraucht, jetzt meistens nur mehr einen erhöhten Grasrain bildet, und durch den Ackerbau wiederholt unterbrochen ist. Er führt den Namen „Herren weg", wie auch Schmidt angibt, und ist unter diesem Namen den • Luiidlouten iu Leidhecken wohlbekannt, von wo aus er auch leicht angewiesen werden kann. Dass dieser Damm nichts anders, als die Fortsetzung des Pfahlgrabens ist, wofür ihn auch Schmidt hielt, geht schon aus seiner Lage hervor, indem er genau dem Fusse des Gebirges nachfolgt, um die westlich gelegene Ebene, wie bisher, abzugränzen, und daher auch, da hier das Gebirge ein Wenig zurücktritt, eine fast südöstliche Richtung annimmt. Am sichersten kann man denselben nach Norden von seinem Anfange an der Nidda bei Staden verfolgen, von wo er,, einige hundert Schritte östlich der Chaussee von Staden nach Leidhecken, durch die Felder zieht. In der _ 8 Nähe der Chaussee von Leidhecken nach Bingenheim ist der D.amm verschwunden, dagegen tritt der Graben sehr deutlich auf und trifft auf die Chaussee bei Nummerstein 150; die fernere Eichtung des Dammes ging über letzteren Ort nach dem Forsthause, auf welcher Strecke er gegenwärtig theilweise geschwunden, theilweise als Fahrweg vorhanden, von Schmidt aber noch deutlich erkannt wurde. Die Fortsetzung von Staden aus nach Süden lässt sich an einem in der bisherigen Eichtung östlich des Ortes vorbeiführenden alten Graswege wahrnehmen, der zuweilen Hohlweg ist, und plötzlich im Felde aufhört, ab^sr später als Fahrweg nach der Chaussee verlängert wurde. Verfolgt man die Richtung dieses Weges grade aus weiter, etwa 1000 Schritt östlich an Stammheim vorbei; so trifft man den Graben wiederum östlich vom Stammheimer Walde und dann in demselben Verlängerung, ähnlich wie von Staden aus, in einem alten Graswege, der zuweilen Hohlweg ist, bis nach Altenstadt. Schmidt gibt an, dass der Graben im Stammheimer Walde liege, was jetzt nicht mehr der Fall ist, da der Wald an dieser Seite urbar gemacht worden. Man findet diese nur kurze Strecke, wo der Graben eine Tiefe von 4 m erreicht, am leichtesten, wenn man den obengenannten Weg von Altenstadt aus, links an der Kirbes Mühle vorbei, nach Nordwesten verfolgt bis an eine kleine Thalvertiefung, jenseits welcher man den Graben an dem sanften Berghang herabkommen sieht. — Bei Altenstadt wurden viele römische Alterthiimer gefunden, die daselbst ein Castell vermuthen lassen. § 5- Von Altenstadt bis Rückingen. Wenn man von Altenstadt, immer in der bisherigen südöstlichen Richtung, den Communalweg nach Rommeishausen bis in den Wald verfolgt, so trifft man genau in der Verlängerung des genannten Weges, der sich hier östlich nach Rommeishausen wendet , alsbald die Spuren des Pfahlgrabens, die weiterhin immer deutlicher auftreten, und in starken Dimensionen bis zum südlichen Ende des Waldes sich fortziehen. Der Wall, der eine Höhe von 1 — 2 m erreicht, ist an der Grabenseite zum Theil abgetragen und in den Graben geworfen, und der so auggefüllte — 9 — Graben dient gegenwärtig als Fahrweg; jedoch bemerkt man an dem äusseren Rande noch die deutlichen Reste des Grabens Die Anlage führt in der Umgegend den Namen „Schweinsgraben", ist von Schmidt unter dem Namen „hoher Graben" beschrieben und in der Generalstabskarte als „Pfahlgraben" gezeichnet. Wo der Graben, der zuletzt am östlichen Rande des Waldes herläuft, aufhört, gewahrt man in der Verlängerung in den Feldern einen schmalen Pfad, der um die Höhe des Mühlberges bis nach der Obermühle geht, von wo ein mit starken .Seitenböschungen versehener Fahrweg die Verlängerung bis zur Westseite von Marko bei bildet. Hier liegt an einer, die Richtung des Pfahlgrabens durchschneidenden Römerstrasse eine Stelle, wo öfters römische Alterthümer gefunden werden; die Oertlichkeit nördlich der Strasse heisst „die grosse Burg", die südlich „die kleine Burg", wahrscheinlich lag hier wiederum an der den Pfahlgraben durch- | ziehenden Römerstrasse ein Castell. Von der Westseite von Marko bei geht die Fortsetzung in südlicher Richtung in einem Wege, der sich durch seine Seitenböschungen als ehemaliger Damm zu erkennen gibt, zum Theil auch nur als Pfad erscheint, bis Rüdig heim, von wo die Spuren immer seltener werden, und meistens nur dadurch sich festhalten lassen, dass sie stets dieselbe Richtung beibehalten. Es setzt sich nämlich der obengenannte Weg unter dem Namen „Kuhweg" südlich fort bis zur Tiefeborns Mühle, und von hier als Pfad die Höhe hinan durch einen Tannenbusch, dann ununterbrochen weiter durch die Felder bis westlich von Langenseibold, wo er wieder zum Fahrwege wird und bis Lange ndieb ach geht. Um diesen dünnen Faden , welchen die letzten Spuren der Grenzwehr bilden, kennen zu lernen, folgt man am zweckmässigsten dem von Langen- diebach nordwärts führenden Wege nach, der in seinen wechseln- I den Formen bis zum Schweinsgraben führt, von welchem er die südliche Fortsetzung bildet. In der kurzen Strecke von Langen- diebach bis Rückingen ist keine Spur des Pfahlgrabens mehr vorhanden. Man hat bisher die südliche Fortsetzung von Marko bei bis Rückingen bald rechts bald links von der angegebenen Richtung aufzufinden geglaubt; aber abgesehen davon, dass durchaus kein Grund vorliegt, aus welchem der Pfahlgraben nach der — 10 — einen oder andern Seite hätte abweichen sollen; so sind auch dit angenommenen Verschanzungslinien, wie schon die Profile auswei- sen, nichts anders, als Gebückgräben (Landwehren), die in ihrem ferneren Laufe ganz andere Richtungen einschlagen. Ausserdem kannte Schmidt noch die Ueberreste des Grabens in den Fei. dem zwischen der Kinzig und Langendiebach, weswegen er ihn auch ganz richtig von dortaus „die grade Richtung" nach Mark- öbel nehmen lässt, und ältere Bewohner von Rückingen wissen sich ebenfalls noch der Wallreste am nördlichen Kinzigufer zu erinnern. — Bei Rückingen lag an der Alteburg, und zwar an einer über Hanau und Langenselbold führenden Römerstrasse ein Castell. § 6. Von Rückingen bis Grosskrotzenburg- Von der Alteburg aus setzt sich, zwischen der Kinzig und] der Lach, der Pfahlgraben in deutlichen Spuren, nämlich eineml breiten dürren Streifen in den Wiesen, bis zum Walde fort; denl älteren Bewohnern von Rückingen ist hier das Vorhandensein derl Wallreste wohlbekannt. Jenseits der Lach tritt der Damm inj Walde bis zu einer Höhe von 2 m auf, durchschneidet unter deml Namen „Pfaffendamm" die Frankfurt - Bebraer Eisenbahn beim] „Pohlhäuschen", zieht durch den Walddistrict „die Pohltannen"! theilweise zerstört, bis zur Leipziger Strasse, 300 Schritte Östlicl vom Neuwirthshaus. Von hier macht er eine geringe Biegung! nach Westen, und zieht unter dem Namen „Pohlweg" durch denj Bulau-Wald zu einer sumpfigen Niederung, jenseits welcher nur mehr ein gewöhnlicher Fahrweg vorhanden ist, welcher den Namen „Dammsweg" führt, bis Grosskrotzenburg am Main. Von einem , nach Schmidt, an der Ostseite des Walles einst vorhandenen Graben ist keine Spur mehr vorhanden. Der Name „Pfaffendamm" wird öfters auch auf die ganze Strecke des Pfahlgrabens zwischen Kinzig und Main ausgedehnt, und rührt ohne Zweifel von dem Umstände her, dass der Damm früher Kirchengut war; aus demselben Grunde heisst die Oberissig- heimer Landwehr „der Pfaffensteg", und der westlich von Marköbel gelegene Beiersröder-Hof „der Pfaffenhof", in ähnlicher Art, wie — 11 — ch ..... fl(>l: ler mir er den 1 r.,:„ 1 eine Landwehr am Niederrhein, im Kreise Rees, „der Pfaffendyk" lieisst und noch jetzt Eigenthum der Kirche in Haldern ist. Bei den Landleuten in Rückingen gilt es als unbezweifelte Thatsache, dass „der Pfaffendamm'' von der Alteburg in der bisherigen nördlichen Richtung grade aus nach R ü d ig h ei m gegangen sei, welche Ueberlieferung nur aus dem ehemaligen Vorhandensein der Ueber- reste in jener Strecke hervorgegangen sein kann. Eine fernere Bestätigung für jene Richtung liefert auch eine in Rückingen verbreitete Sage, wonach der Pfaffendamm ursprünglich hohl gewesen sei, und durch diesen hohlen Gang seien in alten Zeiten die Katholischen" aus Rüdigheim nach Grosskrotzenburg zur Kirche und Beicht" gegangen. Von der Kinzig bis zum Main ist der Pfahlgraben bereits von St ein er, Schmidt, Arnd und D u n c k e r beschrieben und gezeichnet. Bei Grosskrotzenburg lag an einer dem rechten Main- ufer entlang führenden Römerstrasse ein Castell. §7- Schluss. Die Veränderungen, welche der Pfahlgraben, wie alle Grenzwehren , im Laufe der Jahrhunderte erlitten, sind äusserst zahlreich und manchfaltig, und es ist nicht bloss für Denjenigen, welcher die hinterlassenen Ueberreste im Zusammenhange aufsuchen, sondern auch für Alle, welche die bereits aufgefundenen Spuren an Ort und Stelle verfolgen und als solche erkennen sollen, unbedingt erforderlich, sich mit diesen Veränderungen und den daraus hervorgegangenen Formen hinreichend bekannt zu machen, zumal da, wo die ursprüngliche Form nur mehr selten vorkömmt und die Veränderungen und Zerstörungen schon weit vorgeschritten sind. Der Pfahlgraben bestand ursprünglich aus einer Reihe von neben einander stehender und durch Flechtwerk unter einander verbundener Pfähle, welche Pfahlmauer vor sich einen Graben, und hinter sich einen Banrpietwall hatte. Nachdem das Holzwerk geschwunden, bietet das Profil nur mehr einen Graben mit dahin- tergelegenem Walle. In dieser reinen Form erscheint der Pfahlgraben zwischen Wetter und Main nur mehr an einer einzigen .. — 12 — Stelle, nämlich auf dem Kratzenberge bei Birklar, wo er seine Erhaltung dem Umstände zu verdanken hat, dass der Ort noch jetzt eine Wüstung ist, während in dem ringsum gelegenen Acker. lande die Spuren getilgt sind. Bei Weitem die meisten Veränderungen hat der Efahlgraben behufs seiner Verwendung zu verschiedenen Zwecken durch Menschenhand erfahren, und zwar in der vorliegenden Strecke, wo er grösstentheils durch bebautes Land ging, in seiner Verwendung als Weg. Diese Verwendung geschah in zweierlei Art, indem man entweder den Wall theil- weise abgrub und damit den Graben füllte, so dass der ausgefüllte Graben als Weg diente, wie beim Schweinsgraben zwischen Altenstadt und Marköbel, — oder, was häufiger geschah, man benutzte den Wall selbst als Weg, während der Graben nacli und nach gefüllt wurde, wie beim Pfaffendamm zwischen Gross- krotzenburg und Rückingen, beim Herrenwege zwischen dem Bingenheimer Forsthause und Altenstadt. Durch langen Gebrauch verschwand der Damm allmälig und es blieb nur mehr ein gewöhnlicher Fahrweg übrig, wie wir es bei dem Dammsweg finden, ebenso an einzelnen Stellen des Herrenweges, ferner bei Inheiden und zwischen Altenstadt und Staden; oder es lässt sich noch an den hier und da erhaltenen Seitenböschungen des Weges der ehemalige Damm erkennen, wie bei dem Fahrwege nord- und südwärts von Marköbel; zuweilen sind auch noch Stücke des Grabens geblieben, weswegen solche Wege hier und da Hohlwege bilden, wie zwischen Altenstadt und Stammheim, oder es sind noch Tlieilel des Grabens erhalten, wo der Weg durch den Ackerbau geschwunden, wie am Stammheimer Walde und an der Bingenheimer Chaussee. Wo solche Wege aber durch Ackerfelder führen und wenig mehr im Gebrauch sind, hat der Pflug dieselben immer mehr geschmälert, so dass manchmal nur noch ein Fusspfad geblieben , wie zwischen Langendiebach und der Tiefeborns Mühle Und nördlich der Obermühle, und wo auch dieser geschwunden, kann man aus der Lage der Flurgrenzen manchmal auf das ehemalige Dasein eines Streifens schliessen, der älter ist als die Flureintheilung, wie zwischen Bettenhausen und dem Riesengraben. Wo der Wall durch einen Wiesengrund ging, lässt sich öfters an der Farbe des Grases, in einem dunkleren Streifen, das ehemalige Vorhandensein desselben erkennen, wie sich dies r seine ,f " noch Acker. 5u ver- war in lautes Jndung l theil. ausge- fischen , man i nach Gross- l dem brauch :in ge- finden, beiden ich an r ehe- i süd- •abens )ilden, Tlieilel hwun- leimer n und immer .d ge- Mühle mden, f das it als dem läset eifen, . dies - m -> südlich der Altenburg, zwischen der Kinzig und der Lach, deutlich wahrnehmen lässt. Man hat auf alle diese Umstände hei der bisherigen Limesforschung nicht immer hinreichend geachtet, und ist in dem Bestreben, die Richtung des Pfahlgrabens durch Auffindung deutlicher Wälle und Gräben zu bestimmen, auf die in der dortigen Gegend zahlreich vorhandenen Landwehren ge- rathen, die man um so mehr für Reste des Pfahlgrabens hielt, als man sich bei näherer Untersuchung überzeugen musste, dass dieselben nach Lauf und Construction nicht, wie man gewöhnlich annahm, dem Mittelalter, sondern einer viel früheren Zeit angehören. So geschah es bei dem Pfahlgraben zwischen Rückingen und Marköbel und in der Umgegend von Hungen. Auch auf dem Vogelsberge und Spessart sind noch so zahlreiche Reste von Landwehren vorhanden, dass Arnd fast in jeder Richtung einen solchen Limes hätte herstellen können , wie er ihn in der von ihm projectirten Richtung durch Combinirung der nach den verschiedensten Richtungen laufenden Stücke zu Stande gebracht hat. Eine fernere Bestätigung für den vorbezeichneten Lauf des Pfahlgrabens liefern die an demselben vorkommenden zahlreichen Römerstätten , wie bei Arnsburg, Inheiden, Echzell, Altenstadt, Marköbel, Rückingen und Grosskrotzenburg, die wir, wie schon die bei einzelnen gefundenen Ligionsteine ausweisen, sämmtlich für Castelle halten , welche in der durchschnittlichen Entfernung von einer Meile am Durchschnitte der nach dem Pfahlgraben führenden Heerstrassen lagen , wie dies in ähnlicher Weise auch an dem übrigen Theile des Pfahlgrabens beobachtet ist. Ausserdem haben sich auch Spuren von den zwischen den Castellen egenen Wartthürmen ergeben , und zwar in zwei Trümmerhaufen, welche südlich von Birklar, nach Aussage der dortigen : Bewohner, in der Richtung des Pfahlgrabens im Felde lagen und an denen behauene Steine erkennbar waren, sowie in einem dritten mit römischen Alterthümern untermischten Steinhaufen, den Duncker neuerlich im Bulauwalde fand. Auch befindet sich noch an der Westseite des Pfaffendammes beim Neuwirthshaus eine aus Wall und Graben bestehende rechteckige Verschanzung. Es wird nun die Aufgabe der dortigen Altherthumsvereine sein, durch sorgfältige Nachgrabungen an den bezeichneten Römerorten die Bestimmung derselben festzustellen , die vorbeifüh- — 14 — renden Römerstrassen zu untersuchen, sowie fernere Römerspuren in der angegebenen Pfahlgrabenrichtung zu ermitteln. In dieser Weise wird die so lange schwebende dortige Limesfrage alsbald zu einem befriedigenden Abschlüsse gelangen, und wir schliessen unsre Darstellung mit dem Wunsche, hierzu in den vorliegenden Blättern einen nützlichen Beitrag geliefert zu haben. Anhang. Wir haben bereits vor einigen Jahren und später wiederholt unsre Zweifel über die von Arnd über den Vogelsberg und Spessart gezogene Limeslinie, aber noch nicht mit durchschlagendem Erfolge, geäussert, und es mögen daher die Gründe, die wir noch neuerlich in Pick's Monatsschrift f. d. Geschichte Westdeutschlands, Jahrg. V, 3—5 H. S. 225. kurz zusammengefasst, hier nochmals eine Stelle finden: „Zunächst wiederholen wir die Behauptung, dass eine Fortsetzung des Limes vom Maine bis zur Wetter, über den Spessart und Vogelsberg, bis jetzt nicht im Entferntesten nachgewiesen ist, und zwar 1. weil weder Arnd noch Steiner es auch nur| wahrscheinlich machen konnten, dass die von ihnen aufgefundenen Grenzwehrstücke ursprünglich der Art im Zusammenhangegestanden, dass sie als die Bruchstücke einer einzigen fortlaufenden Linie angesehen werden könnten, und 2. weil diese einzelnen Stücke nicht die Form der Palissaden graben, wie der Limes des linken Mainufers, sondern, gleich den Landwehren am Niederrhein, die der Gebückgräben haben. Wenn man nun ferner in Betracht zieht, dass die bisher aufgefundenen Grenzwehrstücke weder in ihrem, die verschiedensten Richtungen einschlagenden Laufe, noch in ihrer Construction mit dem Pfahlgraben der linken Mainseite eine Aehnlichkeit haben, vielmehr in beiderlei Hinsicht - 15 - mit den Landwehren des Mittel- und Niederrheins übereinstimmen; so werden wir unsere frühere Aeusserung noch dahin erweitern dürfen, dass es gar nicht einmal wahrscheinlich ist, dass jene Fragmente von Wällen und Gräben in einer einzigen fortlaufenden Linie die Fortsetzung des Limes auf dem jenseitigen Mainufer gebildet, dieselben vielmehr nichts Anderes, als Theile von Landwehren sind, die, gleich den übrigen zahlreichen Gebückgräben am Mittel- und Niederrhein, zusammenhängende Systeme gebildet, deren nähere Erforschung freilich nicht weniger wichtig ist, als die des römischen Pfahlgrabens. Fassen wir endlich den bemerkenswerthen Umstand ins Auge, dass der ganze grosse Landestheil zwischen einer Linie von Hungen nach Gross - Krotzenburg einerseits, und dem vorgeblichen Limes andererseits, nicht die mindeste Spur von römischenAnsiedlungen aufzuweisen hat, jener vermeintliche Limes also zur Begrenzung und zum Schutze eines Gebietes angelegt wäre, das gar niemals von Römern bewohnt war; so nehmen wir keinen Anstand , bei dieser Gelegenheit es auch noch für ganz unwahrscheinlich zu erklären, dass überhaupt in der angegebenen Richtung jemals ein römischer Limes bestanden hat." *) *) Vgl. A. Duucker, Beiträge zur Erforschung und Geschichte des Pfahlgrahens. Kassel 1879, und E. Hühner in d. Bonner Jahrhh. LXVI, S. 13 ff. 1/ich rt Der PFahlgrabear von der Wetter bis zum fyfain. i i „ _ v* ° Sir/da; 'eumühfa Ö S/etttheirii 'matheb/tcrllpf JBißes Forst/iaus J r4f PQ (^ 7Ta„1,-+ ~ ö^gffi j^NDES- u