Recollections. Oder Ernewerungs Zuchlein / Worin man das Böse meyden lehret / und das Gute würcken; Das iſt: Die Weiß und Manier Wohl zu Leben und wohl zu Sterben. Dann Auff ein gut Leben / folget gemeiniglich ein guter Todt. Dieses Recollections Buͤchlein ist zusammen und in diese Ordnung gebracht worden / Durch P. PHILADELPHUS von ACHEN, Capuciner Ordens. Mit Erlaubnuß der Obrigkeit. E * # 0 ### Düsseldorff / gedruckt bey Joh. Wilhelm Beyer / Hoff=Buchdrucker / 1711. eCCe DeVs pro te MorltVr. Vt tV DeCLlnes à Malo. ############################ ############################ Bedencke doch mein lieber Christ Daß GOtt für dich gestorben ist / Auff daß du auch wohl lebest / Vnd in dem HErzen sterbest. Vorred. Ndächtige Christliche Seel / ich bitte dich lasse deine Bekehrung keinen Augenblick anstehen; Die verflossene Zeit iſt vorbey / die künfftige iſt nit in deiner Gewalt / die gegenwärtige allein ist dir zugehörig / und ist nur ein Augenblick / welcher dir verliehen ist GOtt zu dienen / und die ewige Seeligkeit zu gewinnen. Begreiffe wohl die Krafft dieser Wort / und trucke sie tieff in deine Gedaͤchtnuß. Ein Gott / ein Augenblick / eine Ewigkeit. Ein GOtt der dich überall siehet. Ein Augenblick der gleich vergehet. Eine Ewigkeit die deiner wartet. Ein GOtt der alles ist. Ein Augenblick das nichts ist. Ein Ewigkeit die dir alles nimbt / oder gibt für allezeit. Ein GOtt deme du so wenig dienest. Ein Augenblick das du so übel anwendest. Eine Ewigkeit / die du in tausenderley Gefahr stellest. OGOtt! O Augenblick! O Ewigkeit! Bedencke dieses wohl und bekehre dich zu Gott / durch erneiverung deines Lebens. 95 4 S Das I. Kapitel Wie man die zehen-oder acht=tägige Exercitia verrichten und sich erneiveren solle. Uß täglicher Erfahrnuß ist genug samb bekannt / daß diese so heilige ☛ übung sehr fruchtbahr seye / nit allein für die Welt=Leuth (in welchen sie offt wunderliche Lebens-Bekehrungen verursachet) sondern auch in den erkalten Ordens=Persohnen / zu ihren vorigen Eyfer wieder zu gelangen / darumb ehe einer die Exercitien anfanget / ist rathsamb / daß er ernstlich nachsinne / was und in wem seine fürnembste Noth und Seelen-Kranckheit bestehe: welches Laster und böse Anmuthung ihme am meisten zu schaffen gebe? Was für Hindernussen ihn in so vielen Jahren der Religion von Erlangung der Vollkommenheit abgehalten haben? Indem er in so vielen Jahren so wenig in selber fortgeschritten ist / und vielleicht auch weiter zurück gewichen / als er beym ersten Eyffer und Eintritt der Religion ware. Und so er die Wurtzel seines Seelen ſcha⸗ stwenjeder zu 55 schadens ergründet / soll er in währender Zeit der Exercitien die Augen seines Gemüths darauff schlagen / mit vestem beständigen Fürsatz sich darinnen zu überwinden / und selbe in particulär auß dem Weeg raumen; dann sonsten wo man nur generaliter und in gemein sich zu besseren fuͤrnimbt / bringet ein solcher gemeiner Fürsatz der Hülff bedürfftigen Seel / wie die klare Erfahrnuß lehret / wenig Nutzen. Die Exercitien seynd fürnemblich darum zu halten / daß der Mensch sich erneuere und als ein andrer eiffriger Mensch herfürgehe. Darumb soll sich der Mensch inwendig wohl durchgründen / ob er in seinem Gewissen sich in einem solchen Stand befinde / daß wann es seyn müste / er ohne sondern grossen Schrecken ihme trawen würde vor GOtt zu erscheinen / ihme von seinem Leben Rechenschafft zu geben; und so er verspühret / sich zum Eintritt in die Ewigkeit nicht genugsamb disponirt oder geschickt zuseyn / soll er gedencken / daß eben jetzt durch diese Exercitien / so vielleicht die letzte seyn tberden / ihme der HErr an die Hand Gelegenheit gebe / sich zu dieser Erscheinung der Ewigkeit besser vorzubereiten / damit nach Ver 6 Verrichtung derselben / er also bereit seye / wie er seyn wolte bey seinem Todt zum Eingang in die lange Ewigkeit. In denen ersten vier Tägen / so die Seel zu reinigen angesehen seynd / soll man betrachten von der schwehre nicht allein der Todt=Sünd / sondern auch der läßlichen Sünd / damit man eine wahre Rew und heiligen Grausen darwieder bekomme / wie dann auch von den vier letzten Dingen des Menschen / als Todt / Gericht / Höll / und Himmlische Glory / auff daß die H. Glaubens-Warheiten uns ins künfftig dienen an statt unfehlbaren Regeln / darnach wir all unser Thun und Lassen richten mögen / besiehe unten in dem III. und IV. Cap. An denen negsten vier Tägen aber kan betrachtet werden / was zur Zier und Erleuchtung unserer Seelen gehörig / und was zu der Tugend dienlich ist / als nemblich von dem H. Leben und Leyden Christi auff daß wir seinen Göttlichen heiligen Tugenden nachfolgen / sonderlich in denjenigen so uns meistens abgehen / und deren wir am meisten bedürfftig seynd / besehe das II. Cap. An denen zwey letzten Tägen sollen die Betrachtungen zur vereinigung mit Gott / durch 87 durch die Liebe / ihm in allem zu gefallen angeſtellet werden: Item vom hochwuͤrdigen Sacrament des Altars / selbiges würdiglich zu empfangen / und vom Göttlichen Willen selbigen vollkommentlich zu erfüllen. Beſehe das im V. und VI. Cap. Die Gewissens-Erforschung solle im Tag zweymahl geschehen / das general oder allgemeine Examen des Abends ehe man schlaffen gehet / das andere vor oder nach dem Essen uͤber jene Passion oder boͤse Leidenschafft / so ihme am meisten zu schaffen gibt. Man soll über die gefundene Mangel Reiv und Leyd haben / mit einem starcken Fürsatz sich zu bessern. In währender dieser seiner zehen=tägigen Andacht soll er etwas mehrers als er pflegt zu thun sich casteyen und abtödten; im Essen und Trincken oder Schlassen etwas mehrers abbrechen / sich öffters discipliniren / oder des Cilicii sich gebrauchen / rc. doch alles mit dem heiligen Gehorsamb und Rath des Beichtvatters / alles nach der Maß des Alters / der Complexion / der leiblicher Gesundheit oder Schwäche eines jeden. Dann obwohlen die Natur solle abgetödtet werden / so muß sie doch der Nothwendigkeit nicht beraubt werden. §§ 8 Auff daß diese so nützliche übung der Exercitien auch ersprießlich seye fürs künfftige / ist sehr rathsamb / daß einer in ein absonderliches Andachts=Büchlein jene sonderbare Liechts-Gnaden / so er darinnen von Gott nach und nach empfangen hat / wie auch seine sonderbare darin gemachte Fürsätz / mit wenig Worten auffzeichne / damit er desto besser selbige in der Gedächtnuß behalte; damit er deren nicht vergesse / solle er zum wenigsten sie an denen Sonntägen lesen/ dann sonsten bey unserer lauer Seel und schwacher Gedächtnuß heist es: Auß den Augen / auß dem Sinn / und zwar nicht ohne unseren grossen Schaden. Am End der Exercitien sollest du mit grossem Vertrawen durch die Fürbitt der allerheiligsten Jungfrauen MARIAE, deiner H. Patröner / Patroninnen / und aller Heiligen Gottes / einen neuen Geistund Gemüths=Stärcke von GOtt begehren / alles dasjenige auß dem Weeg zu raumen / was dich von Erlangung der Vollkommenheit / nach welcher mehr und mehr zu streben, du dich durch die heilige Profession und Gelübde so starck hast verbun= 9 bunden / verhinderen mögte; Und wann du dieses auß dem Weeg geraumet hast / so befleisse dich etwas Gutes an dessen stell nemblich schöne Tugenden und Gewohnheiten einzupflantzen / darzu wolle dich genädigst gelangen lassen GOtt Vatter / Sohn/ und H. Geist / Amen / 5 5 2 3 Das II. Kapittel. Was vom Leyden Christi die gantze Woch kan betrachtet werden. Am Sonntag. BEtrachte / wie Christus vor antrettung * seines H. Leydens sich von seiner heiligsten Mutter beurlaubet habe: Wie Er sich gegen ihr wegen der 33. Jahr empfangenen Mütterlichen Diensten bedancket habe: Führe zu Gemüth und betrachte wohl / was bittere Zähren bey diesem Abschied die heiligste Mutter vergossen habe: Wie sie so demüthiglich umb Verzeihung gebetten / daß sie ihme nicht mit grösserer Liebe gedienet habe: Wie sie von ihme der § 10 S den Göttlichen Seegen knyend begehrt habe: Und endlich wie sie beede auß kindlicher und Muͤtterlicher Liebe zum Valete einander hertzlich empfangen und beurlaubet haben. Bedencke / wie Christus den Jüngern auß Liebe und Demuth die Füß habe gewaschen: Wie Er das H. H. Sacrament habe eingesetzet: Wie Christus die Apostolen / so gar den Judam damit gespeiset habe: Und wie Er alsdann sambt den Jüngeren sich auff den Weeg begeben / gegen den Oelberg / und was auff diesem fürgangen ſeye. Am Montag. BEtrachte / wie Christus mit ihnen auff den Oelberg ankommen: Wie Er alldorten seye betrübt worden biß zum Todt: Was diese grosse Betrübtnuß in ihm habe verursachet: nemblich die lebendigste und empfindlichste Vorstellung aller Sünden der ganzen Welt / auch in specie der deinigen / für welche Er so grausamblich leyden wurde: Wie Er von seinem eigenen Discipel / deme Er so viel Guts erwiesen hat / so schelmischer weiß verrathen worden. Bedencke wie Christus dreymahl umb 11 umb Abwendung des bitteren Kelchs so kindlich seinen Himmlischen Vatter gebetten / und doch nicht erhöret worden: Wie Er sich in den Willen seines Himmlischen Vatters gantz und gar ergeben habe: Wie Er in Todt Angst gefallen seye und Blutgeschwitzet habe. Wie Er von einem Engel so ihm der Vatter zugesendet hat / seye gestärcket worden; Wie die Apostel auß verdriessiger Kleinmüthigkeit eingeschlaffen. Endlich ihn gar verlassen haben / und darvon geflohen / rc. Am Dienstag. BEtrachte / wie Er von denen Juden gefangen worden: Wie Er so übel tractirt: Wie Er so grausamblich mit Worten gescholten worden: Wie von diesen allen der Heil. Johannes der heiligsten Mutter die traurige Zeitung gebracht habe. Gedencke wie er gefanglich zur Statt / ja mittendurch die Stadt / und mit so grossem Spott, und bey so grossem Zulauff des Volcks seye geführet worden: Wie Er auff seinen heiligsten Backen so grausamblich geschlagen sey worden / rc. Am § 12 & Am Mitwoch. BEtrachte den höchst=schimpfflichen Spott / wie Christus der da ist die Unschuld selbsten / der wahre Richter der Lebendigen und der Todten / als der gröste Übelthäter zu den Gottlosesten und ungerechtesten Richtern / zu Annas / zu Caiphas zu Pilatus / und zu Herodes / von ihnen gerichtet zu werden / seye geführt worden: Wie Er als ein Narrweiß bekleidet worden: Wie Er so grausamb gegeißelt worden / etc. Führe zu Gemüth / wie Er mit Dörnern schmertzhafftig gekrönet: Wie man ihm in sein heiliges Angesicht gespyen: ein so übel verstelltes Angesicht mit Fausten und flacher Hand geschlagen / rc. Am Donnerſtag. BEdencke wie Er von dem Volck so übel zugericht / auff der Altana vorgestellt sey worden / und diß mit des Pilati Worten: Ecce Homo! Siehe ein Mensch Wie das ganze Volck mit diesem allen nicht ersättiget / grausomblich zusammen geschryen: Crucifige, Crucifige eum, Creutzige / Creutzige ihn / rc. Betrach 5 3 Betrachte / wie Er zum Todt verurtheilt sey worden: Wie das ungerechte Urtheil gar mit Trompeten=Schall außgeruffen worden: Wie das Creutz ihm zu tragen beygebracht worden / etc. Am Freytag. Führe zu Gemüth wie Er das Creutz auf den Calvari=Berg getragen: Wie ihm seine heiligste Mutter begegnet: Wie Er mehrmahlen mit dem Creutz gefallen: wie die Henckers=Knecht ihn gestossen: Wie ihm Simeon das Creutz helffen tragen / rc. Betrachte wie Er gecreutziget worden: Wie das Creutz auffgerichtet: Wie neben ihme die zwey Mörder gecreutziget worden: Wie Er mit Gall und Essig geträncket Wie Er die sieben Wort am Creutz gesprochen: das erste für seine Feind: dass andere zu dem Schächer / so ihn erkennet für Christum und den wahren Meisiam; das dritte zu seiner gegenwärtigen Mutter und Johannem: das vierdte zum Himlischen Vatter / der ihn soweit verlassen: das fünffte Sitio, mich dürstet: das sechste Consummatum est, es ist vollbracht: das siebende In manus tuas, &c. Vatter in deine Händbefehl ich meinen GeistAn 2 § 14 Am Sambstag. FRinnere dich wie Er vom Creutz abgenommen / und in seiner allerheiligsten Mutter Armb und Schoß gelegt worden: Mit was Anmuhtung der Schmertzen die Mutter ihn beweynet und beklaget habe: Wie die Werckzeug seines Leydens seynd zusammen getragen worden. Betrachte wie man ihn zum Grab getragen: wie Er begraben worden / und was seine heiligste Mutter darbey gethan / wie sie ihn ferners beklagt habe / ꝛc. Das 15 Das III. Kapittel. Wie man die Woch hindurch nützlich betrachten soll. Am Sonntag. Von dem Zihl und End des Menschen. BEtrachte / daß ein jeder Mensch darum allein erschaffen seye / damit er Gott erkenne / ihm allein diene / ihn allein liebe / und also seelig werde. Wem dienest du? Was liebest du? Wie bemühest du dich umb deine Seeligkeit? nichts kan dich davon abhalten als die Sünd. Betrachte dieses wohl: Einmahl hie verfehlen / ist ewig verlohren gehen. Am Montag. Von Gottes Würdigkeit. Führe zu Gemüth / daß GOtt allein das höchste Gut seye / die Sünd ist ihm zu wider. Himmel und Erd soll man billiger vergehen lassen / als eine Sünd thun / und dardurch GOtt beleydigen. So gut ist GOtt / so böß ist die Sünd; und du sündigest 16 % digest so offt / so leicht / umb eine nichtswärtige Sach; du sündigest und lachest darzu. Betrachte und erwege diß wohl: GOtt lieben ist besser als Himmel und Erd / Ein Sünd thun / ist ärger als die Höll. Am Dienstag. Von Würdigkeit der Seelen. BEdencke daß du nichts köstlichers haben kanst als deine Seel / und soll diese deine Seel / deine eine / eintzige Seel / deine so sehr von GOtt geliebte Seel / deine mit dem Rosenfarben Blut des Sohns GOttes erlöste Seel / soll diese deine Seel umb ein Härlein / umb nichts / durch eine Todsünd verlohren gehen? Erwege es recht und wohl; was wird es dir nutzen? was hingegen schaden? Am Mitwoch. Von der Gegenwart Gottes. BEtrachte daß GOtt an allen Orthen ist / zu allen Zeiten gegenwärtig / und siehet alles / GOtt ist zu förchten sagt St. Augastinus: GOtt ist zu förchten in dem offenen S7 S offenen / GOtt ist zu förchten in dem verborgenen! Gehest du auß/du wirst gesehen: gehest du ein / du wirst gesehen! brennet die Kertz / scheinet die Sonn / GOtt siehet dich ist die Kertz außgelöscht / in den dicken Finsternussen / GOtt siehet dich. Sey keusch / getreu / Friedsamb / gedultig / oder wilst du ja sündigen / so siehe dir ein Orth auß / da GOtt dich nicht sehe / und thue das was dir gelüstet. Aber wohin wirst du dich verbergen vor dem Angesicht GOttes? erwege es recht und wohl / und habe allzeit in frischer Gedächtnuß diesen heylsamben Gedancken: GOtt siehet mich. Am Donnerſtag. Von der Gegenwart Gottes unsers Richters. Zuͤhre zu Gemüth / daß GOtt dein gerechter Richter dich sehe / und zugleich alles Kein Dieb stehlet / kein Mörder schlagt zu todt in gegenwart seines Richters / der ihn auff frischer That mit Galgen und Rad würde lassen abstraffen: und du solst dich nicht scheepen zu sündigen / in gegenwart GOttes deines Richters / der Gewalt hatin dem Augenblick da du sündigest Leib und Seel in die Hoͤll zu stürtzen; erwege es recht 2 und # 18 S und wohl: die Höllische Hencker warten und tringen auff den Winck Gottes. Lasse dir abermahl diesen Gedancken das Hertz durchtringen: GOtt sieht alles, Am Freytag. Von dem Leyden Christi. B Etrachte daß Gottes Sohn am Creutz hanget deiner Sünden halben aller verwundet und zerfleischet / mit Blutfliessenden Handen und Füssen / mit eröffneten H. Seyten / und du solst sein H. Blut so vermessentlich verschütten / seine H. Wunden so freventlich ernelveren? an deinem ungezämten Fleisch / Augen / Ohren / Zungen / Händen und Füssen gnug thun den unzulässigen Gelüsten / welche an seinem heiligenzarten Leib der Sohn GOttes durch so bittere Peyn und Schmertzen soll abbüssen? O Schand! O Schmach! erwege es wohl und höre auff durch ein sündhafftiges Leben zu creutzigen deinen HErrn / du nichtswärtiger schalckhafftiger Knecht! deinen GOtt du verachtlicher Erdwurm. Betrachte auch daß das Leyden Christi ein allgemeine Ursach seye unsers Heyls / unser Erlösung / gleichwie ein Brunn ist ein gemei 19 50 gemeines Mittel unseren Durst zu löschen / oder uns darinnen zu waschen / gleich aber wie uns solcher Brunnen weder zum Durst loͤschen / noch zum waschen dienen wird / es sey dan Sach / daß wir seine Wässer schöpffen / trincken / oder zum waschen anwenden; Also / obwohlen Christi Leyden ein allgemeiner und unerschöfflicher Brunnen ist / unsere Seelen mit den köstlichen Wässeren der Göttlichen Gnaden zu träncken / auch dieselbige von allen Gestanck und Koth der Sünden zu reinigen / so ist doch nothwendig / daß wir diese Wässer schöpffen / und unseren Seelen zu Nutzen machen / durch einen lebendigen mit guten Wercken gezierteu Glauben und andächtigem Gebrauch der Heil. Sacramenten Christlicher Kirchen. Am Sambstag. Von den Gutthaten GottesBEdencke von den vielfältigen Gutthaten Gottes / daß er dich erschaffen / daß Er dich erlöset / daß Er dich erhalten / daß Er dich zu dem wahren Glauben erwählet / daß Er dich auß der Welt in die Religion beruffen / und dir noch unzahlbare geistliche / leibliche / allgemeine / und dir besondere GutB 2 thaten 20 thaten erwiesen / daß du dich danckbar erzeigtest und ihn darumb niemahl vergiessest. Führe auch zu Hertzen daß die Urtheil Gottes unergründlich seynd / in außtheilung der Gnaden; GOtt gibt selbige wem Er wil / wie lang / wo / und wie Er wil. O ſpie gebraucheſt du die Gnaden GOttes? was nutzen bey dir so viele Predigen: so gute Ermahnungen des Beichtvatters: so heylsambe Einsprechungen des SchutzEngels? so viele aufferbauliche Exempel / der Frommen? was wird es dir helffen / wan du das gute weist und nicht thuest? Erwege es recht wohl / es ist die hohe Zeit von der Lauigkeit und schlaff zu erwachen. GOtt schlafft nicht / Er wird nicht schertzen: lang genug ist Er gedultig gewesen / wan Er kombt mit der Schärffe / so kombt Er gewiß: nimbst du Heut die Zeit und Gelegenheit nicht in acht / wer weiß ob du Morgen die Gnad haben wirst. Da wir Zeit haben / lasset uns das Gute wircken. Das IV. Kapittel. Von den vier letzten Dingen des Menschen / Fegfeur und von der Sünd. Am ### ### ⸸ 21 ℳ Am Sonntag. Betrachte die himmlische Glory. Führe zu Gemüth die grösse der Glory des Paradeys / die unendliche Glory / so GOtt selbsten in ihm geniesset / das unendliche Meer des Göttlichen Wesens / seine unendliche vollkommene Eigen schafsten und Jugenden / die grosse Glory der heiligen Menschheit JEsu Christi und unser Lieben Frawen / der Neun Chör der Engeln und anderer Heiligen / und endlich daß ihre Glory in alle Ewigkeit kein End haben wird Am Montag. Vom Todt. BEtrachte daß es gewiß seye / daß du einmahl sterben müssest / wie / wann / wo / diß alles ist dir unbekannt / soltest du noch Heut / noch an diesem Orth / soltest du noch unter diesem Werck / soltest du noch in dieser Stund in diesem Augenblick. Bilde dir auch ein du befindest dich zu Beth in dem letzten Zügen / oder ein Engel sägte zu dir: über drey Stund wirst du sterben / und was du alsdann wünschen woltest Guts gethan zu haben. Du must auch behertzigen des Gewissens=Angst / weilen du so viel und offt ge §. 11.55 gefündiget hast / daß die Teuffel dich anfechten und versuchen werden. Item behertzige daß dem Menschen seine böse gemachte Gewonheiten auch in selber Stund viel zu schaffen geben werden; Bedencke was alsdann für grosse Schmertzen der ewigen Verdammnuß seyn werden. Am Dienstag. Vom jüngsten Gericht. BEhertzige die Erschröcklichkeit des jüngsten Gerichts / stelle dir vor / als wann Heut GOTT seinen Thron dich und die Welt zu urtheilen / liesse auffrichten / Rechenschafft zu geben von allen deinen Gedancken Wort und Wercken / was du wider die gehen und fünff Gebott / wider deine heilige drey Gelübd / wider dein H. Regel gefündiget hast. Ach wie wirst du alsdan leyden können die so grosse Verschmähung vor allen Englen und Menschen? da du jetzt deine Schandthaten so sorgfältig bedeckest. O ihr außschweissige unkeusche Augen, wie werdet ihr dann den erschrecklichen Richter / die wutende Hencker können ansehen? O jetzt fürwitzige Ohren / wie werdet ihr dann können anhören die viel zu wahre An⸗ 1 23 Anklagungen und den erschröcklichen strengen Sententz? O jetzt Lasterhaffte Ehrenrührische Zung / was wirst du alsdann antworten? O jetzt unreine Händ / zum Gottes=Dienst faule Füß / muthwilliges Fleisch was wird dann ewer Lohn seyn? vielleicht wirst du gezwungen müssen anhören den erschröcklichen Sententz: Gehe hin du vermaledeyter in das ewige Feuer diß erwege bey Zeiten und lebe wohl. Am Mittwoch. Von der Hoͤllen und Ewigkeit. BEtrachte und führe zu Gemüth / daß wann einer in einer Todtsünd abstirbt / über ihn ergehen werde der erschröcklicher und unwiderrufflicher Sentenz: Gehe hin von mir du vermaledeyter in das ewige Feuer; O was ein Donner-Knall! O Sünd! O Feuer! O ewiges Feuer! kanst du wohl / obschon nicht länger als ein Viertel Stund / obschon nicht mehr als das äusserste Glied von einem Finger nur allein in einer kleinen brinnenden Kertzen / unbewegt still halten? O Nein du kanst es nicht / auch umb viel Gelts willen / noch umb eines Augenblicklichen Viehischen Wollnſis §.4. Wollusts willen: neben dem Feuer so ewig in der Höllen brennet / ist auch der Rauch und Höllische Schwefel / die äusserste Finsternuß / der unendliche Gestanck / der nagende Höllen=Wurm / das grausambe Fluchen / Wünschen und Vermaledeyen / die unangenehme Gesellschafft aller Verdambten / die besondere eigene Tormenten aller Glieder / der Augen / der Ohren / der Zungen / der Händen und Füssen / rc. die Ewigkeit selbsten / ohne alle Hoffnung / nimmermehr darauß erlediget zu werden. Am Donnerstag. Vom Fegfeuer. Führe zu Gemüth das Fegferer / so von dem Höllischen Feuer allein unterschiedden ist / daß es nicht ewig ist. Gedencke wie alles so genau und scharff darinnen abgestrafft wird. Daß ein eintzige kleine Sünd / solt nicht mehr seyn als ein unbedachtsambe Schertz=Lügen / ein willige Zerstreuung im Gebett / ein Ungerechtigkeit eines einzigen Hellers / im anderen Leben müssen abgebüsset werden / durch NB. (mercks lvohl) durch ein zeitliche AbWeisung von Gottes Angesicht ins zeitliche Feuer. E 25 Feuer Ein Vatter lasset seinem Sohn welcher auß dem Elend wieder nach Hauß kommen / die Thür verschliessen / befilcht ihn darzu durch das Feuer zu verbrennen: entweder muß ein solcher Vatter ein Tyrann seyn / oder muß der Sohn sich gröblich gegen ihn vergriffen haben. GOtt ist kein Tyrann / aber wohl ein liebreicher Vatter; so muß dann das Verbrechen der armen Seelen groß seyn. Erwege dieses wohl / und halte nicht für klein / dafür die Straf ſo groß iſt. Am Freytag. Von der Sünd. BEhertzige von der schwere der Todsünd / was sie für einen grausamben Schaden der Seelen anthue? dann sie thut sie geistlich tödten / nimbt ihr das Leben der heiligmachenden Gnad: verliehret den Himmel und ewige Glory: Ladet auff sich die ewige Peyn der Höllen / wans nur auch ein einige Todsünd seyn solle; drumb bedencke wohl was für ein grosse Gefahr seye in der begangenen Todsünd urplötzlich und unbußfertig zu sterben: Einmahl ist gewiß / daß ein jede Todsünd die Höll verdienet: ungewiß aber ist / ob du das Paradeyß habest ver § 26 verdienet / ob du die begangene Todsünd recht gebeicht und genug bereuet habest / ob du nicht weilen du hierin saumseelig gewesen / werdest ewig / ach ewig verdambt werden? dann streng und entsetzlich seynd die Urtheil Gottes / so streng und entsetzlich / daß St. Paulus rund herauß bekennet Hebr. 10 Horrendum est incidere in manus Dei viventis. Erschröcklich ists / in die Haͤnd des lebendigen Gottes zu fallen. Diesem zu entlauffen / falle jetzt zu Füssen mit Reip deiner Sünden / deinem am H: Creutz angenagelten GOTT und HErm. Am Sambstag. Von hochschaͤtzung kleiner Sünden. BEtrachte fleissig was Eccles. am 10. geschrieben stehet: Qui spernit modica paulatim decidet. Der ein geringes nicht achtet / wird allgemach dahin fallen in das grosse. Keiner wird auffeinmahl böß: Heut machet man nichts auß einem kleinem / Morgen waget man ein groͤffers; über=Morgen schämet man sich nicht im grössesten. Erwege es recht und wohl / und wofern du gedenckest frey 27 frey zu seyn von Sünden die groß seynd / so bewahre dich sorgfältig für Sünden die klein seynd / gedencke an deine letzte Ding / und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen / Eccl. 7. Amen. Das V. Capittel. Etliche nutzliche geistliche Erinnerungen den Tag recht zu zu bringen. 1 Sø bald du vom Schlaff erwachest sollen deine erste Gedancken von GOtt seyn / nemblich Benedictio & Claritas &c. Lob und Klarheit / und Weißheit und Dancksagung / Ehr und Krafft und Staͤrcke sey unserm GOtt von Ewigkeit zu Ewigkeit / Amen. 2. Sey sorgfältig alles was du selben Tag / ja durch dein gantzes Leben gedenckest / redest / würckest / zu vereinigen / gleich als einen Tropffen Wasser mit dem grossen Meer mit den heiligsten Gedancken / Worten / Wercken Christi und seiner heiligen Mutter und aller Heiligen / ja auch mit aller Gerechten auff Erden. 3. Nimb 28 E. 3. Nimb dir für / GOTT über alle Creaturen zu lieben / alles zuthun / so du glaubest / daß Er darob ein Wohlgefallen hab / alles was ihme mißfallet zu meiden; so offt die Uhr schlägt / erhohle einen neuen Actum dieser Liebe GOttes. 4. Mache einen steiffen Fürsatz / was GOttes=Dienst anbelanget / daß du es zum vollkommesten verrichten wollest / und das du jedes deiner Wercken / so du selben Tag üben wirst / so treulich mit vollem deinem Geist verrichten wollest / als wann es dein allerletztest Werck wäre. 5. Vergesse nicht / alles was du thust / mit einer würcklichen Meynung / ohne Absehen auff aller Menschlicher Gunst / zu grösserer Ehr und Glory GOttes / und ihnen ein Wohlgefallen zu machen. 6. Beichte offt andächtiglich mit Erforschung deines Gewissens / erwecke Reiv und Leyd über deine begangene Sünden / und mache einen steiffen Fürsatz dich ernstlich zu beſſern. 7. Empfange allemahl die H. Commnnion mitsolcher Andacht und Vorbereitung als wäre es die letzte Wegzehrung / und ob du gleich darauff sterben müssest. 8. Du 29 8 Du sollest die H. Messen Divinum Officium, Gebett und alle andere deine geistliche übungen mit allem Fleiß verrichten / dich hüten versireuet zu werden: und am End derselben erforsche dich / wie du dich verhalten haſt. 9. Umb Mittag=Zeit erforſche dein Gewissen / bereue dein Unbeständigkeit in guten Fürsätzen / und erneuere den Willen dich zu besseren. 10. Auff daß du GOtt mit deinem Hertzen desto besser anschauen moͤgest / lege ab alle unordentliche Neigung aller Irrdischen Sachen. 1. Seye sorgfältig außzureuten die Laster / und die Tugenden einzupflantzen: sollest arm seyn / keusch / gehorsamb / demüthig / geduͤltig / resignirt / rc. 12 Absonderlich befleisse dich der Andacht zu der allerheiligsten Mutter Gottes daß du taͤglich ihr nachfolgest in ein oder anderer ihrer Heroischen Jugenden, vergesse nicht etlichmal im Tag sie zu verehren und an den vor-Abend ihrer Festtägen zu fasten / auch am Sambstag. 13 Trachte immerdar nach der Vollkommenheit und dich mit GOtt zu vereinigen: ⸗₉ N 30 gen: dich ihme in seinen Goͤttlichen Tugenden nach deiner Moͤglichkeit zu vergleichen / dann umb so viel du dich Gott vergleichest / so viel wirst du vollkommen seyn. 14. Befleisse dich in allen Sachen deinen Willen mit dem Göttlichen zu vereinigen / damit GOttes Willen in dir vollzogen werde. 15. Mehr als den Tod / ja als die Höll selbsten hasse die Todsünd / fliehe auch die läßliche / sonderlich die frey= und muthwillige und bemühe dich deine Seel allezeit rein zu halten. 16. Beym Essen und Trincken vergesse nicht dir durch Mortification was abzubrechen / und in allem deinen Willen zuverlaugnen. 17. Vergesse nicht für die arme Seelen im Fegfeuer und für deine Entthäter zu betten. 18. So offt du schlaffen gehest / knye nieder und begehre von JEsu und Maria den Segen / sprechend: HErr JESP. Christe / in Vereinigung deiner Liebe / die uns den Schlaff verordnet hat / dessen du dich unsertwegen bedienet hast / wil ich selben §. 3. ben annehmen zu deinem ewigen Lob / und Nothdurfft meines Leibs. 19. Ehe du schlaffen gehest / erforsche dein Gewissen / bereue die begangene Mängel / mache einen steiffen Fürsatz dich zu bessern / und befleisse dich daß deine letzte Gedancken des Tags von Gott seyn / daß du in selbigen einſchlaffeſt. 20. Wandle allezeit in die gegenwart Gottes / seye behutsamb in allem deinem Thun und Lassen / in allen deinen Gedancken / Worten und Wercken/ lasse oͤffters auß deinem Hertzen und Mund Seufftzer und Schuß=Gebettlein gegen GOtt / der Heil. Mutter Gottes / und seiner Heiligen herauß / glaube an Gott / hoffe und vertraue auff Gott / und seinen heiligen Verdiensten / und liebe deinen gütigsten Gott von Hertzen. Das VI. Capittel. So viel geistliche Sprüch als Stund im Tag und in der Wochen. Am 3½ Sonntag Am 6 R Etrachte ernstlich daß du allein er1. schaffen seyest daß du GOtt dienest und seelig werdest. 2. Behertzige daß der Himmel mit Gewalt gewunnen / und durch die Sünd verlohren werde. 3 Wann du sterbest / must du alles hier lassen / deine Wercke gehen allein mit dir / seynd sie gut / wirst du seelig / seynd sie bös / so wirst du verdambt. 4. Erinnere dich / daß jetzt die Zeit der Gnaden / wie du absterbest / so wirst du in Ewigkeit verbleiben. Gedencke offt daß Gott alles sehe / und so gar die Nieren durchgrunde. 6. Fliehe die böse Gelegenheiten / und den Anfechtungen thue starcken Widerstand. 7. Verlange lieber zu ster ben / als tödlich zu sündigen.. 8 Bist du gefallen / stehe geschwind auff / und eyle zu der Beicht 9. Deinem Nächsten seye barmhertzig und milt / dir aber streng und hart. 10. Erwähle dir einen guten BeichtVatter / folge dessen Rath 11. All dein Thun und Lassen verrichte daß du GOtt gefallest. 12. Auff daß du im Gutenverharrest / gedencke daß diese die erste Stund seye deines guten Wercks / oder aber die letzte Stund. Am 33 Am Montag. 1. Es wird keiner gekrönet / er habe dan zuvor Ritterlich gestritten. 2. Derjenige lebet sicher / welcher nicht sich / sondern Gott lebet. 3. Der Geistlicher nimbt in seinem Stand ab / welcher nicht jederzeit zunimbt. 4. Der Geistlicher / welcher sich in frembde Sachen mischet / verabsaumet sich und die inige. 5. Der Geistliche kan GOTT nicht dienen / welcher über sich selbst nicht herrschen kan. 6: Es ist nicht daran gelegen in wie lang du im Orden gewesen / sondern wie auf lang der Orden in dir gewesen / das ist / wie ### lang du wohl darin gelebt hast. 7. Der begehet einen Diebstahl/der ohne Frucht im Orden lebet. 8. Wie kan der Geistliche mit GOtt hinscheiden / der im Leben mit GOtt nicht gearbeitet hat? 9. Der mißbrauchet seine Zell / welcher darinnen mit tem N. Christo nicht conversirt oder für Christo ir aker nicht arbeitet. 10. Der Geistliche weis einen ganz sich nicht zu lieben / welcher sich übermäsig liebet / und zuviel zugibt. 11. GOTT erfordert / daß seine Diener wohlgemuth und Mannhafft / nicht zart und liederlich seynd 12. Der dienet nicht GOtt / sondern sich. selbsten / welcher im Dienst seinen zeitlichen Nutzen ſuchet. Am 5 4 Am Dienstag. 1. Wehe dem / welcher unter den Frommen bös ist. 2. Der Geistlicher ist nicht demüthig / welcher die Verschmähungen nicht liebet. 3. Der ist nicht arm / welcher die Beschwernussen der Armuth nicht tragen wil. 4. Derselbig ist nicht keusch / der unkeuschheit nicht hefftig fliehet. 5. Der ist kein wahrer gehorsamber / welcher im Gehorsamb seiner eignen Sinnligkeit folget. 6. Einen Geistlichen zieret wohl die Wissenschafft / aber die Tugend krönet ihn. 7 Wehe dir der du andern mit deinen Worten aufferbauest / und mit deinen Exempeln zu Schanden macheſt! 8. Einem Geiſtlichen ist das ärgste Gifft sein eigener Will 9 Wann du durch die Gassen gehest / so. erinnere dich / daß du ein Geistlicher und kein Mähler seyest. 10. Wehe dem Geistlichen / welchem die Gesundheit mehr weder die Heiligkeit angelegen ist. 11. Der Diener Gottes lebet nicht daß er esse / sondern er isset daß er lebe und GOtt diene: 12. Ein wahrer Diener Christi achtet keine Mühseligkeit. Am Mitwoch. 1. Ein nachläsiger Geistlicher ist dem Teuf= feleit ### du ### tím e C Wund Christe 35 Teuffel ein frohlocken. 2 Ein fürwitziger Geistlicher vergisset seiner selbsten. 3. Je mehr du umb Christi willen arbeitest / je mehr du Christo schuldig bleibest / dann es ist dein eigener Nutz. 4. Es sey fern von einem Geistlichen zu haben die Stimm Jacobs und die Händ Esau. 5. Des Geistlichen Zung ist ein Posaun oder Anzeig seines Hertzens und gemüths. 6. Der Geistlichen Exempel ist der Weltlichen Leben oder Todt. 7. Wie kan einer seyn das Licht der Welt / der ihm selbst nicht leuchtet. 8 Der weis Christum nicht zu gewinnen / der für Christo nicht weis zu leyden 9. Ein guter Geistlicher und wahrer Diener Christi ist GOtt nicht weniger lieb kranck als geſund. 10. Es wird kein Murren im Krancken Hauß seyn / dafern der Krancke mit Gedult / und dessen Pfleger mit Liebe gezieret ist. ij. Dessen Leben ist nicht geistlich / welcher die läßliche Sünden zu vermeiden sich nicht befleissiget. 12. So die lästliche Sünden in den Welt Kindern GOtt mißfallen / wie wird er sie in den geistlichen Persohnen erdulden koͤnnen. Am Donnerstag. 1. Einen müssigen Geistlichen jaget der Teuffel 36 Teuffel und fanget ihn. 2. Ein zanckischer Geistlicher ist ein Officin des Teuffels. 3. Der hat keine freundliche Zusprach zu GOtt / der kein Liebhaber des Gebetts ist. 4. Der Geistlicher ist der Welt noch nicht abgestorben / der sich seiner Freund und Verwandten zuviel annimbt. 5. Mit einem eytelen Geistlichen spielet der Teuffel gleich wie mit einem Ball. 6. Andern nutzen und sich selbst beschädigen / ist kein Lieb / sondern ein Thorheit. 7. Ein frommer Geistlicher verachtet die Welt / und erfreuet sich, von derselben verachtet zu werden= 8. Ein Diener Christi strebet darnach / daß er heilig seye / nicht daß er für heilig gehalten werde. 9. Du hast Christo nichts gegeben / so du ihm dein gantzes Hertz nicht geben hast. 10. Ein eyffriger Geistlicher ist dem Teuffel ein scharffe geissel u. Ein zanckischer Geistlicher ist ein Höllischer Donnerschlag so alles zerstöhret. 12. Ein sanfftmühtiger ist ein Zierd seines Ordens. Am Freytag. 1. Es ist dir nichts nutz das weltliche Kleyd abgelegt zu haben / dafern du im geistlichen Stand kein Buß schaffest. 2. Ein Diener Christi leydet gedultig / spricht wenig 1 Welt inneisc nd al begierd Im all gredt taden V wenig und arbeitet viel umb Christi willen. Ein wohl resignirter und bereitwilliger Offein der Geistlicher ist ein treffliche Stelle seines Ordens. 4. Daß du von der Welt außgehabet die gehest ist wohl gut / aber am besten ists / daß die Welt auch von dir außgehe. 5. Der ist recht geistlich / welcher mit dem Heiligen annimt. Francisco sagen kan: Mein GOTT sen spieln und alles. 6. Ein eigenthumblicher Gall. 6. Ar Geistlicher verliehret mehr als er stillt. 7. Unruhig wirst du leben / wann nur ein boͤse digen Begierd oder Neigung in dir herrsche / obEmbe schon alle andere in dir mortificirt oder abgetödt seynd. 8. Der Geistliche betrie### get sich selbst und nicht seine Oberen / welcher an statt dessen was er nit thun will / spricht: er könne es nicht thun. 9 Wer seine Obrigkeit nicht annimbt an statt Gottes / denselben wird auch GOtt nicht annehmen für sein Kind. 10. Wofern du im Orden unter den guten nicht gut bist / wie wirst du in der Welt unter den bösen gut seyn können. 1. Der im Orden mit seinen Brudern oder Schwestern friedsamb leben will / soll niemand widersprechen. 12. Es ist ein undanckbarer Geistlicher / welcher vermeynet / daß er seinem Orden mehr gebracht habe als er Nutzen darvon bekommen. Am N 38 K Am Sambstag. 1. Der Diener Gottes solle ihm allzeit GOtt für Augen stellen / und in dessen gegenwart wandele / dieses kan leichtlich mit andaͤchtigen Seufftzeren / Betrachtungen und Schuß=Gebettern geschehen. 2. Auß einer jedwederen Sach / die er höret / sehet / leset und thuet / soll er eine Leyter machen / umb zu GOtt zu steigen 3. Wann der Mensch in einem Gebrechen oder Verstrewung gefallen / soll er seinen Mangel gleich verbesseren / und bey GOTT umb Barmhertzigkeit anhalten 4. Ein Diener GOttes soll in allem seinem Thun und Lassen eine pure Intention und Meynung haben / alles richten zur höchster Ehren GOttes und zum Heyl seiner Seelen. 5. Der Diener Gottes soll allezeit fertig und bewaffnet seyn / wann ihme etwas zu wider geschicht / daß er solches mit Demuth und Gedult annehme. 6. Wann einer kein Oberer ist / soll er nicht auff andere Mängel sondern auff seine eigene gebrechen sehen. 8. Er soll kein Neigung oder Affect zu den zeitlichen Sachen / wohl aber zu GOTT haben. 8. Das Leben / Leyden und Lehr Christi soll er allezeit für Augen haben / damit ### ### — ### ### einz ### Geist inkun ### 88 N° 39 damit er dieselbige nachfolge. 9. Mit allem Fleiß soll er daran seyn / daß er seinen ### eigenen Willen verlaugne / und in den Willen Gottes resignire. 10. In deiner Trüb###kne sal und Widerwärtigkeit fliehe zu GOtt / am 2c. wie ein Kind zu seinem Vatter. 11. Seye deinem GOtt danckbar für alle gut= und ch/Ne. Wohlthaten. 12. Mit einem tapfferen er eine eigen 3 und Hertzhafften Gemüth soll ein Geistlicher alles auß dem Weeg raumen / was ihme aufdem Weeg der Vollkommenheit schädlich und verhinderlich ist / als da ist unordentliche Lieb zu ungleichen Persohnen obschon der Geistlichen / Bücher / Gaben und schanckungen / die das Hertz und gemüth unruhig machen / er soll allein dem Erschaffer und seinem GOtt anhangen / und darinn plsine sich verlieben / Amen. Am Sonntag. Soll ein Geistlicher all sein Thun und Lassen Gott dem HErrn auffopffern durch die H. H. Engel für Erhöhung der ChristCatholischen Kirchen / Fried und Einigkeit Christlicher Potentaten. Am Montag. Durch die Hand ber Patriarchen und Propheten / für Nothleydende / bedürfftige Seelen im Fegfeuer. Am 40 Am Dienstag. Durch die H. H. Apostolen / für die Eltern und gutthätern Leibs und der Seelen. Am Mittwoch. Soll der Diener Gottes all sein Thun und Lassen GOtt auffopfferen durch die Händ der Heil Martyrer / für seine Oxdens Brüder und Schwestern / für seine Freund und Verwandten. Am Donnerſtag. Durch die Beichtiger für alle heilige Ordens=Ständ. Am Freytag. Durch die Händ der Heil. Jungfrawen und Witfrauen / für Bekehrung aller Sünder / und sonderlich seiner Feinden Wohlfahrt. Am Sambstag. Soll ein frommer Geistlicher durch die Händ der allerseeligsten Jungfrawen und aller Heiligen / all sein Thun und Lassen GOtt dem Allmächtigen für alle empfangene Wohlthaten auffopfferen, Wech 50 zir deme 1. Deß d. 2 L. 25 4.55 Weeg zur Vollkommenheit. Wandele sorgfaͤltig auff dreyerley Weis. 1. Für GOtt demüthig und andächtig. 2 Für dich selbsten scharff und streng. 3. Für deinen Nächsten auffrichtig und dienstlich. Laß dich taͤglich finden in drey Orthen. 1. In dir selbsten / dich fleissig zu erforschen 2. In GOtt / über eine Barmhertzigkeit dich zu verwunderen. 3. In Christi Leyden / dich in seiner Lieb zu trösten. Schäme dich täglich in dreyen Dingen. 1. Daß du so kleinen Fortgang thuest in Tugenden. 2. Daß du so viel böse Exempel gebest anderen. Daß du GOtt so viel schüldig bleibest für seine Wolthaten Opffere GOtt täglich drey Præsenten. 1. JEsum deinen Seeligmacher mit seinem gantzen Leyden und Verdiensten 2. Allg * 42 * 2. Alle seine Heiligen mit ihren LobGesänge und Tugenden. 3. Dich selbsten mit allem was du thust, bist / und in Ewigkeit werden wirst. Drey Gnaden must du von Gott begehren. 1. Daß Er dich durch ſeine Barmhertzig keit zu allen Tugendtenauffmunteren wolle. 2. Daß Er dich in seinem Glauben und Hoffnung stärcken wolle. 3. Daß Er dich in seiner Goͤttlichen Lieb vollkommen machen wolle. Acht heylsambe Gedancken. 1. Soll man gedencken: Mein Hertz ist ein Acker Gottes / das Unkraut seynd die schädliche Gedancken / sobald sie sich blicken lassen / muß man sprechen: Weg mit dem Unkraut / ehe es ein ander außreisset und verbrennet. 1. Mein Hertz ist ein Mühl / welches mahlet / was man auffschüttet / schütte auff etwas Guts / thuest du es nicht / so wirst du für den Säwen / für den Teuffel mahlen. Mein Hertz ist ein Schatz-Kammer / darinnen die beste Schatz sollen auffbehalten werMend ### raum Awan ken 88. # 43 werden / Schätz der keuschen Gedancken / zu GOtt / zum Himmel / zu ewiger Seeligkeit / alle andere böse Gedancken müssen verworffen werden. 4. Mein Hertz ist ein Stadt / da muß man keinen Feind einlassen / keine böse Gedancken / Begierden und Lüsten. 5. Mein Hertz ist ein Fluß / und was seynd die fünff Sinn anders als Bächlein, die von weitem hinein rinnen / und allerley Unrath mit sich hinein führen. 6. Mein Hertz ist ein Werckstatt / darinnen man bereiten soll allerley KunstStück / und güldene geschir: der geistlichen Tugenden / der Liebe / gedult / gehorsamb / Armuth und Keuschheit / rc. Was thut ein Künstler / wann einer ihn mit neuen Zeitungen und Schweßen auffhalten und verhindern will? Er gibt ihm kein Antwort / oder sagt: Lasset mich in frieden / ich hab jetzund anders zu schaffen. Mein Hertz ist ein Zollhauß / da muß man die Gedancken nicht Zoll frey lassen und völligen Durchzug geben / man muß examiniren ob die Gedancken heilig / geistlich oder zulässig seynd / wo nicht / muß man sie zurück schlagen. 8. Mein 44 8. Mein Hertz ist ein Gasthauß / darinnen die heilige Gedancken sollen einkehren und sich in GOtt belustigen / wans aber böse / unreine / neidige / eitele und ungedultige Gedancken seynd / ach diese seynd böse Gäst. Dreyerley Gäst seynd die den Wirth übel bezahlen: Ein Mauß in einem Sack / ein Feuer in dem Buesen / und ein Schlang in der Schooß; nicht anders machen es die böse Gedancken. O schlimme Gäst / solche muß ein Geistlicher nicht beherbergen / will er anders wohl leben und seelig in dem HErrn sterben / Amen. Eine geistliche gantz güldene Ubung / mit gebogenen Knyen zum wenigsten einmahl im Tag als wie ein Gebett zusprechen: Llergütigster HErr GOtt und ErI — schaffer / gleichwie ich ganz dein bin / also gebühret es sich auch / das alles dein seye / was von mir herrühret. Du hast mich erschaffen darumb bin ich verbunden / mich dir vielen Ursachen halber wiederum zu schencken / sambt allen meinen Wercken / Welche keiner wehrt seyn würden / wann sie nit den 2 # 45 nit zu dir als meinem letzten Ende werden gericht seyn. Ich N derhalben der ich bin dein verächtliches Geschöpff / opffere dir auff als meinem höchsten Gut / in allem Augenblick mich selbsten / mein gantzes Leben und alle meine Werck / besonder aber diejenige welche ich thun werde auff diesen heutigen Tag / sowohl die gute als auch diejenige so weder gut noch böß seynd / sowohl die freye als auch die natürliche. Auff daß sie aber dir meinem Gott desto mehr gefallen mögen / so vereinige ich dieselbige mit den Wercken unsers HErrn JEsn Christi / und der allerseeligster Jungfrawen seiner Mutter / wie auch mit denen der seeliger Geister und Heiligen so gewesen seynd / jetzund seynd / und in Ewigkeit seyn werden. Dir eigne ich auch alle meine Schritt und gehen / all mein Reden / und die Wort meines Munds / alles sehen und blicken meiner Augen / alle bewegungen meines Leibs alle Gedancken und Athem meines Hertzens / mit allem dem was ich thun werde / zu diesem Ende und mit dieser Begierde / daß ich wolte mit einem jedwederen dieser Wercken dir geben unendliche Glory / und dich lieben mit einer unendlicher Liebe. Ich nehme mir auch 5 46 56 auch für / daß ich dir in aller meiner würckung wolte auffopfferen die=Hertzer aller Creaturen / die vollkommen= und Heiligkeit aller Engelen / die Krafft und Tugend aller Patriarchen / Propheten und Apostelen / die Peyn und Schmertzen der Martyrer / die Bußwürckung der Beichtiger / die Reinigund Keuschheit der Jungfrawen / die Heiligkeit aller Heiligen / und endlich dich dir selbsten / mit deiner unendlichen Vollkommenheit / und Güte. Dieses aber nicht derhalben / daß ich von dir begehre zu haben einige Sach / noch auch daß ich dieserhalben möge besitzen das Paradeys oder Himmelreich / sondern auff daß ich dir möge geben ein mehreres Wohlgefallen und Glory. Nicht allein aber opffere ich dir mein Hertz meinen Willen / meinen Verstand / und alles was ich bin / auff die Manier die dir am meisten gefallet (welches ich zuthun begehre in einem jedwederen meiner Wercken) sondern mit allem diesem opffere ich dir auch und richte zu dir / alle diejenige Werck welche von den Creaturen geschehen lverden; ohne solche Fürbild oder Meynung. Weiters opffere ich dir auch auff alle die Werck der Liebe / mit welchen ich dich (wie ich hoffe) lieben werde in alle Ewigkeit / und ſcheucke §. 47 schencke dir jetzund freywillig / welches hernacher wird seyn ohne Freyheit. Ein gleiches bin ich gesinnet zuthun mit allen tugentsamen Ubungen / sowohl von mir als von allen Heiligen im Himmel geschehen werden. Und weilen eine jedwedere Sach umb so viel herrlicher ist / und dir auch wohlgefälliger und angenehmer / als wie viel dieselbige gleichfoͤrmiger ist deinem heiligen Willen / so begehre ich in allen meinen Wercken nicht allein meinen Willen dem deinigen gleichförmig zu machen / sondern gedencke alleinig zu Werck zu stellen / was dir gefallet / wollend / das allein dein Will geschehe und nit der meinige / allzeit sagend / mit dem Mund mit dem Hertzen / mit den Lefftzen / und mit meinem gantzen Leben / HErr dein Will geſchehe. Würdige mich nur OHErr / mir zu verleihen diese Gnad / daß ich dich zu allen Zeiten möge inbrünstiger lieben / dir vollkommener dienen und mit mehrerer Reinigkeit wircken zu deiner Glory; verwandele mich auff eine solche Weiß in dich / daß ich in dir lebe / und in deinem Dienst / und das soll seyn mein Paradeyß hier auff Erden dasjenig zu thun was deiner Göttlichen Majestät wird wohlgefallen / Amen. Die 48 Dieses Gebettlein solsen alle Tag zu Morgens einmahl wiederholen / und ist zwar nicht vonnöthen daß du eben dieselbige Mort wiederhoiest / sondern kansk es thun mit einem Gedancken / das ist / du kanst zu GOtt dein Hertz erheben mit einem Seufftzer / und im Hertzen sprechen: O HErr lich setze wieder auff wie gestern: Oder: O guͤtiger GOtt / ich ernewere wiederumb mein Bundnuß / wie du weist / so ich mit dir gemacht habe. Zum Schluß. Ermahne ich dich treuhertzig wie im Anfang. Bedencke doch mein lieber Christ Daß GOtt für dich gestorben ist / Auff daß du auch wohl lebest / Vnd in dem HErren sterbest. NDE D .