vMPSIffl -K-*«l w ■*^w*' L V *< 1 H v* ■m a V- y - ^*^ *\^ R,' V ' *■ * WW - % Jl*/. Z*\1 Nicht ausleihbar PAULAOAM NACHFOLGER I KARL HON KUNSTBUCHBINDERE! DT'SSEI.BORF . v- ". r---------------1 UND STAr-T-1 B'»F.!CTi IKK I DQ5i£LDOHF i ^ ÜBER DIE IDEALE WEimiCHEK SCHÖNHEIT BEI DEN MORGENLÄNDERN. EIN VERSUCH V O 11 Anton Theodor Hartmau», Nebst ein ein Anhang von einigen literarischen, historischen uml kritischen Bemerkungen über einzelne angeführte Schriftsteller. Düsseldorf, bei J. H. C. Schreine r. 1798. 0 j IANDES- 1USID STADT- .'«iliii.km-IEK {DÜSSELDORF - . 4M- Dem Herrn Hofrath Eichhorn in Gottingen s eine m unvergefslichen, verehrungswürdigen Lehrer üler reicht zum Zeichen seiner Danlib arkeit und II och ach tun «• diesen Versuch dar Verfasser. t VORREDE. .Diesen schwachen Versuch über die Ideale weiblicher Schönheit Bei den Morgenländern, *) oder wie raufs ein Frauenzimmer beschaffen seyn, wenn es der Morgenländer schön finden soll — den ich in einigen Sommer- Wochen zur Erholung von ernsthaften !; ) Unter dem Namen Morgenlander begreife ich liier alle die Nationen, die der Mabomedanischen Religion zuge- than sind, mit Einschluls der Indier. A3 — 6 — Geschäften, mitten unter dem Geräusch feindlicher Waffen, vielfachen Zerstreuungen und verschiedenen Stimmungen der Seele, ausgearbeitet habe, übergebe ich als einen unvollkommenen Beitrag zur Einsicht in den orientalischen Geschmack über Schönheit und Häfslichkeit, ganz schüchtern und bescheiden, als die Erstlinge meiner .Tugendkräfte , der Beurtheilung des Publikums. Zwar habe ich in Göttingen, wo ich mir, um mich mit dem Geist, den Sitten und Gebräuchen des Morgenlandes, so viel als in meinen Kräften stand, vertraut zu machen, in dem letzten Jahre meines akademischen Aufenthaltes das Studium der orientalischen Dichter sehr angelegen seyn lief?, alle gedruckte arabische, persische und indische Gedichte, die auf der dasigen königlichen Bibliothek — (die, im Vorbeigehen sey dieses ge- säst, in diesem Theil der Litteratur verhältnifsrnäfsig eben nicht reich ausgestattet ist) — befindlich -waren, aufmerksam gelesen, und in Hinsicht auf die Schilderung weiblicher Schönheiten, die mich durch ihren Reiz und ihre Neuheit von jeher mächtig anzog, benutzt: weil mir aber der Plan, den ich in der gegenwärtigen Schrift auszuführen gesucht habe, noch gar nicht bestimmt vor der Seele lag, so mögen mir manche Stellen entschlüpft seyn, die eine Aufnahme verdient hätten, wie ich wenigstens aus einer Erfahrung, die ich erst neuerlich gemacht habe, *) zu schliefsen berechtigt bin. *) Als ich in der Ausarbeitung meiner Schrift schon beträchtlich fortgerückt war, erhielt ich durch die gütige Mit- theilung des gelehrten und würdigen Herrn D. und Professors Grimm in Duisburg Ruperti's gelehrte und durchdachte Symbolae ad interpretationem S. C, die sich über das Hohelied verbreiten. Hier — 8 — Zudem War mir der Zutritt zu morgenländischen Manuscripten gänzlich versagt, die, wie Kennern bekannt ist, ausserordentlich reich an Materialien für meinen Zweck sind, und an dem Ort und in der Lage, wo rinn ich lebe, mufste ich, von allen öffentlichen Bibliotheken getrennt , manche hierhin gehörige brauchbare Werke entbehren, und mich mit dein kärglichen Vorrath, der mir zu Gebote stand, befand ich ans Schriften , die ich bereits vor geraumer Zeit gelesen hatte, Erläuterungen geborgt, die mir entgangen waren, und die ich daher dankbar* lieh benutzt habe. Nur glaub' ich mit ziemlicher Zuverläfsigkeit behaupten zu dürfen: dafs dieses Versehen oder diese Nachläfsigkeit auf die Punkte selbst, womit die Morgenländer weibliche Schönheit vergleichen , fast gar keinen Einflute gehabt hat, sondern blos auf die Vervielfältigung der Beispiele, woran dem Leser ohnehin wenig gelegen seyn kann. gnügen — konnte daher Iceine andere als unvollendete jirbeit liefern, die ich aber lieber als gar Iceine geben wollte, um dadurch Gelehrte, die über diese Materie mehr gesammelt und langer nachgedacht haben, als ich, aufzumuntern, durch eine gründlichere Bearbeitung dieses Gegenstandes meinen Versuch bald überflüfsig zu machen. # Da die Sache, womit weibliche Schönheit verglichen wird, öfters einen Namen hat, der entweder eigentlich oder auch tropisch da steht; so werden vielleicht gelehrte Orientalisten, und nicht mit Unrecht, von mir verlangen , dafs ich in diesem Fall immer nach Gründen über den eigentlichen oder tropischen Gebrauch der Benennung jener Sache hätte entscheiden sollen. So gerecht ich auch jene Forderung finde, so wenig war ich doch im Stande, dieselbe zur gänzlichen Befriedigung jener Männer jrenau erfüllen zu 10 können, weil dieses, ohne arabische Stellen anzuführen, und ohne mich in gelehrte Untersuchungen einzulassen, nicht möglich war, dessen ich mich aber in dieser Schrift, die nicht blos für Gelehrte bestimmt ist, sondern für jeden Leser von Geschmack Interesse haben soll, und wegen der Ueberein- kunft, die ich deswegen mit dem Verleger getroffen hatte, enthalten mufste; nicht zu gedenken, dafs es mir, um einige Beweise scharf zu führen, an den dazu nöthigen Büchern fehlte. — Indessen habe ich immer nach sorgfaltiger Ueberlegung gewählt, und auch da, wo Gelehrte über die Bedeutung eines Worts, womit weibliche Schönheit verglichen wurde , abweichend dachten, nach genauer Prüfung entschieden. *) -■.) „ So erklärt das Wort, welches ich durch Karneole übersetzt habe, (die Lippen waren zwei Karneolen gleich) Job. Ludolfus in Corament. ad Histor. n Perioden zu machen, in denen sich der Geschmack der Morgenländer und ihre Urtheile über Schönheit und Häfslichkeit merklich oder gänzlich umgeändert hätten, dazu fand ich mich bei meinem kleinen Vorrath nicht ge- nöthigt, weil die Schilderungen von weiblichen Schönheiten, die wir bei den Verfassern der Moallakah im siebenten Jahrhundert antreffen, mit denen eines Motannabi im zehnten Jahrhundert und den Berichten neuerer Reisebeschreibungen, z. E. eines Vol- ney in s. Voyage en Syrie et en Egy- -pte , die in dieser Schrift angeführt sind, genau zusammenstimmen, und, ■ Aeth. p. 209. 1. y. durch Sapphir, etc. Jones durch Pyropen, wo mir aber die Uebersetzung und Erklärung in der Descript. Libri Achmedis Teifaschii de gemmis et lapidibus pretiosis, die Rau 1784 herausgegeben hat, vorzüglicher schien. " 1 wenn man bedenk t, wie sehr die Kultur der Araber, aus deren Schriften ich fast alle Materialien zu meinem Versuche entlehnt habe, seit mehr als tausend Jahren dieselbe geblieben ist, zusammenstimmen müssen. Zur Abwechselung, und um die Aufmerksamkeit des Lesers in beständiger Spannung zu halten, auch dem Ganzen mehr Reiz und Anmtith zu verschaffen, hahe ich jederzeit, da, wo es thunlich war, ähnliche Schilderungen aus griechischen , römischen und andern altern Dichtern mitgetheilt; nur aus neuern Schriftstellern verwandte Beschreibungen weiblicher Schönheit einzurücken,, habe ich unterlassen, weil ich sie als allgemein bekannt voraussetzen konnte. — Uebrigens wird es, wie ich glaube, auch noch für unsere Zeiten Interesse haben, den Geschmack der Mor- genländer in Hinsicht auf weibliche Schönheit kennen zu lernen, der, so sehr er auch in vielen Stücken von dem nnsern abweicht, in andern wiederum auffallend mit demselben zusammenfällt. Wer will indessen hierinn völlige Gleichheit verlangen , da alle Völker , wie wir zum Theil aus neuern Reisebeschreibungen wissen, in nichts so wenig harmoniren, als in ihrem Urtheil über das, was körperlich &chön oder häfslich ist? So sagt, um diesen Satz nur durch Ein Beispiel klar zu machen, Roche fort in seiner Histoire naturelle et inorale des Isles Antilles l. 2. c. 9.: „Je haariger Einer ist, und je röthere Zähne Einer hat, für desto schöner wird er von den Maldivensern gehalten. Den Mexikanern gefällt eine kleine und starkhaa- rigte Stirne. Die Guineer (Bewohner der Insel Guinea) lieben lange Nägel und eine platte Nase. — Bis auf die Schultern herabhängende Ohren loben - 14 — die Peruvianer und Malabaren. Bei den Aethiopern stehen dicke aufgeworfene Lippen in sehr grofser Achtung. Die Mosambicenser finden ausnehmend viel Behagen an spitzigen Zähnen, die sie deswegen mit einer Feile scharfen. An niedlichen kleinen Füfsen belustigen sich die Chineser. " Was den Anhang betrift, so soll er den* studirenden Jüngling mit einigen der auserlesensten Stücke der morgenländischen Litteratur bekannt machen, seine Aufmerksamkeit erregen, und seinen Eifer entflammen, wie auch bei dem Studium derselben ihm kein ganz unsicherer Führer seyn, ohne den man, wie der Verfasser aus eigener Erfahrung weifs, lange im Finstern tappen mufs; Nichtgelehrten den Reich- thum und die unbekannten Schätze, die in diesem Theil der Litteratur verborgen liegen, offen decken; und dem gelehrten Orientalisten eine angenehme _ i5 — ftüclcerinnerung geben, so wie überhaupt manche Bemerkungen, die dem Herausgeber dieses Versuchs am Herzen liegen, in einen gröfsern Umlauf sez- zen. — Nur wird der aufmerksame Leser in der Inhaltsanzeige und Schilderung von einigen im Anhange angeführten und beurtheilten Büchern eine gewisse Unvollständigkeit und oft gar zu auffallende Kürze bemerken, zum Ex. in Hariri Consessus, Odae Persicae ed. Recrizky , u. a., die daher rührt, weil ich die wenigsten von diesen Büchern selbst besitze, und also von d e m abhängig war, was ich mir bei dem Lesen über einzelne derselben bemerkt hatte —. welchem Fehler ich in der Folge , wenn mich das Schicksal in eine günstigere Lage versetzt, leicht werde abhelfen können. Ob übrigens diese Schrift noch ei- — i6 — nigen Wertli und Brauchbarkeit habe, darüber mögen einsichtsv r olle und billige Richter urtheilen. Düsseldo rf , am l• -d ' u g us t 1797. A. T. Hartmam, Erklärung des Kupfers neb s t einigen wenigen Bemerkungen über den morgenländischen JPutz überhaupt. JJa der Verleger auf dem Titelkupfer eine Morgenllinderinn vorgestellt wünschte, so wählte der Verfasser aus Armuth die von Hrn. Baurenfeind gezeichnete Araberinn in Tehania, wovon uns die Abbildung Nie- buhr in seiner Reisebeschreibung, I. Theil, lab. HX. miigetheilt hat, ob sie sich gleich weder durch körperliche Heize auszeichnet, noch auch mit d'e*m vollständigen morgenländischen Putz versehen ist. Doch wird sie, wie ich glaube, auch für uns Abend- B — i8 — länder nicht ohne alles Interesse seyn, und dem Verfasser Gelegenheit geben, über die Art, wie sich die Morgenländerinnen zu schmücken pflegen , einige nicht ganz unrichtige Bemerkungen hin und wieder einstreuen zu können. , I. Der Schleier, womit die Araberinn versehen ist, ist ein unentbehrlich nölhiges Kleidungsstück, ohne das sich die Morgenlanderinnen nie öffentlich zeigen, so dafs sie, selbst wenn sie ganz unverhofft überrascht werden , lieber das Gesicht mit der Hand bedecken, als es den Fremden ent- blofst sehen lassen, wie folgende Stellen aus neuern Beisebeschreibungen näher ins Licht setzen werden. So erzählt Niebuhr Reise- beschreibung Th. I. S. i65.: „ Ein Engländer überraschte einmal eine Frauensperson , die sich bei Basra im Euphrat badete, und diese hielt nur die Hände vor's Gesicht, ohne sich darum zu bekümmern, was der Fremde sonst sehen möchte. " — Von ebenderselben Sitte berichtet Mariti Viaggi Tom. II. p. g85. : „ Wenn ich im Sommer durch die Felder in Syrien lustwandelte, stiefs ich mehrmals auf Gruppen von Frau>- enzimmern, die sich nahe bei einer Quelle — 19 — ganz nackt Ladeten oder wuschen. Sie bewegten sich nicht von der Stehe, nur bedeckten sie das Gesicht mit Einer Hand, indem ihre ganze Schaam darin besteht, dafs sie nicht gekannt seyn wollen. Vergleiche ferner Arvieux memoires *£. III. p. 29a. nach der Ausgabe von P. Labat. Schon im Koran wird die Pflicht , einen Schleier tragen zu müssen, sehr eingeschärft; z. E. Sure 33. v. 56. 37. v. 49. in den Schriften der Hebräer geschieht häufig des Schleiers Erwähnung. Wer erinnert sich nicht an die muntere und naive Hebekke, (1 Mose24.. v.64.) die, als sie einen Unbekannten auf dem Felde ihr entgegen kommen sah, und hörte, dal's er ihr Bräutigam, der geliebte Isaak sey , hurtig von ihrem Kameel sprang und den Schleier vorschob. Sie fiel nicht herunter v,or Freude, dafs der Liebling ihres Herzens ihr so nahe sey, wie Viele geglaubt haben, sondern sie Stieg aus Hochachtung gegen den Fremdling herab, so wie noch jetzt im Morgenlande selbst die vornehmsten Frauenzimmer zu thun pflegen, wenn ihnen Mannspersonen begegnen. — So erzählt Niebuhr Beschreib, von Arabien S. 5o.: „ Eine arabische Dame, — 20 —i die uns in einem breiten Thale in der Wüste des Berges Sinai entgegen kam, entfernte sich vom Wege, liefs ihre Kameele von ihrem Bedienten führen , und ging selbst, so lange zu Fufse, bis wir vorbei waren. II. Ferner hat die Araberinn schwarz gemahlte oder in die Haut eingeriebene Zieren o rathen im Gesichte, an welchen sich die Morgenl'.mderinncn sehr ergötzen, und wodurch sie ihre natürliche Schönheit nicht wenig zu erhöhen glauben. Hier sey e3 mir erlaubt, von den Bemahlungen des Körpers im Allgemeinen etwas ausführlicher reden zu dürfen. Wansleü Beschr. von Egypten (s. Pau- lus's Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Oiient, Th. 5. S. i5g.) : „Im ganzen Lande zeichnen sich beide Geschlechter allerhand schwarze Figuren auf die Hände, Finger, Stirn, Kinn, Aerme, Brust, Bauch und andere Glieder des Leibes, und halten diese für eine besondere Zierrath; sie punk- tiren nämlich die Haut mit einer spitzigen Nadel, und reiben sie alsdann mit Kohol oder Rufs, das sich in die Haut festsetzt und die Stelle schwarz macht. Die Weiber haben noch den Zusatz, dafs sie die flache i— 21 —• Hand und die Fußsohlen mit Hinne (Al- henna) gelb färben. Niebuhr Beschreibung von Arabien S. 65.: ,, Die Araberinnen färben ihre Nagel blutroth , und ihre Hände und Fiifse mit dem Kraut Elhenna braungelb ; und mahlen sich noch andere schwarze Zierrathen in's Gesicht und auf die Hände. Arvieux memoires T. V. p. 287.: ,, Man belegt ihr Gesicht (es ist die Rede von den Neuverheiratheten zu Algier ) mit schwarzen , rothen oder kastanienbraunen Punkten, wie mit Schönpfl'asterchen. Damit diese Farbe festhalte, gebraucht man Leim oder Gummiwasser, und man streuet Goldsand darauf, wie wir auf geschriebene Sachen. Ihre Hände sind mit einer gelblichten Schwärze bestrichen, die ihnen statt der Handschuhe dient, und das, was man von ihren Aermen sehen kann, ist mit mehrern Kreißen von den verschiedensten Farben bemahlt; die Nägel der Hände und Füfse sind goldgelb gefärbt. " Ebendaselbst Tom. III. p. 297.: „ Die morgenländischen Frauenzimmer lassen sich die Aerme und Hände zerstechen , auch Blumen und allerlei unförmige Bildungen darauf zeichnen , welches bei ihnen für schön gehalten wird. Sie bemahlen auch ihre Fingernagel sorgfältig mit einer rüthlichen Farbe, die aus einer gewissen Erde, Khena genannt, zubereitet wird. " Mariti Viaggi T. II. p. XI. : „ Die jungen arabischen Frauenzimmer haben eine sehr schöne Gesichtsbildung, die sie aber durch verschiedene schwarze Flecken entstellen, welche sie wie Schminkpflästerchen mit einem scharfen Eisen und einer schwarzen Farbe hinein]nagen — eben dasselbe thun sie bei den Lippen, die sie schwarz punktiren. Ihre Hände, so wie auch die Nägel, bestreichen sie mit Kenaan (Al- henna) welches eine gelbe Farbe ist. Vollständige und genaue Nachrichten über diese Gewohnheit gibt llussel in seiner Naturgeschichte von Aleppo, S. i34-, nach der deutschen Uebersetzung von Gmelin : „ Die (morgenländischen) Frauenzimmer haben keinen Widerwillen gegen gekünstelte Verzierung, und bedienen sich einer Art von Anstrich, die weit unnatürlicher ist, als der ausschweifendste Gebrauch der rothen Schminke; diese besteht nämlich darinn, dafs sie die Finger, die Hand auf beiden Flächen, die Füise und die Zehen mit einer Pflanze, Henna, färben, die ihnen eine clunkelgelbe Farbe gibt. — Das gewöhnliche Verfahren ist, Mos die Spitzen der Finger und Zehen mit Henna zu färben, aber bei ausserordentlichen Veranlassungen mahlt man auf folgende Weise Sterne, Rosen, oder andere Blumen auf Hände und Füi'se: „ Man macht einen Teig aus den kleingestofsenen Blättern der Henna und Wasser; einen Theil dieses Teigs rollt man in kleine Fäden , das Uebrige behält man für die Spitzen der Finger und Zehen auf. Nun macht man einen dünnen Kuchen von diesem Teig, und legt auf diesen jene Fäden so, dafs sie die verlangten Gestalten bilden; nachdem die Spitzen der Finger und Zehen mit dem Teige bestrichen sind, so werden Stücke von den Kuchen mit den darauf in Ordnung gelegten Fäden auf die flache Hand, auf die andere Seite der Hand, auf die Füfse, u. s. w. gelegt, und durch dienliche Binden fest gemacht. Nach zwo bis drei Stunden sind die Theile dunkelroth und gelb gefärbt. Nachher deckt man auf die Hände und Füfse einen andern Teig aus Weizenmehl und Wasser, unter welchen man ganz wenigen rohen Salmiak mit Kalk ge- — 24 —' mengt hat, lind läist ihn ungefähr eine halbe Stunde liegen: so geht die Farbe in eine Art von Schwarz oder vielmehr in ein sehr dunkeies Grün über. Beide Arbeiten, aber vornehmlich die letztere, sind mit Schmerzen verknüpft; denn um die Bilder aufzudrücken, legt man eine sehr feste Binde an, und läfst den Teig mehrere Stunden liegen: die Farbe ist anfangs dunkelgrau, aber nach Verlauf von acht bis zehn Tagen geht sie stiifenweise in die dunkelgelbe Farbe über. " Auf dieselbe Sitte spielt an die dritte Ode von Hafez, (s. Select Ödes from die Persian Poet Hafez by Nott 17Ü7) wo ein Maal auf der Wange von einem persischen Frauenzimmer für schön gehalten wird , wobei Nott bemerkt: „Die Tungos Tartar Weiber bezeichnen ihr Gesiebt mit schwarzen Fiele* ken. " Und Moallakah Zohair, v. 2. u. i5.; Tarapha, v. 1.; Lebid, v. 19., wie auch 2 Mose i3. v. 9. , und Sakon- tala , von Forster herausgegeben, S. n5.: „Eine andere drückte aus den Lockschasaft, um ihre Füfse köstlich roth zu färben. " III. Die Augbraunen sind mit schwarzer Farbe verlängert — von welchem son« derbaren Verfahren ich unten im Artikel „ von den Augen " ausführlich geredet habe. Daher ich hier davon schweige. IV. Die Ohren sind mit Hingen geziert; welche Sitte irn ganzen Orient herrschend ist. S. Niebuhr's Rcisebeschreibung, Th. I. S. i56. — 167. Arvieux memoires , T. III. p. 299.: ,, Die Ohren des arabischen Frauenzimmers sind mit so viel Löchern durchbohrt , als nur immer darinn angebracht werden können; in diese Löcher hängt man goldene, silberne Hinge oder Ohrgehänge von Edelsteinen. " Vergl. 1 Mose 35, 4. Ezech. 16. v. 12. 4Mose 5i, öo. Eben so häufig findet man morgenlän- dische Damen mit einem Nasenring geschmückt, womit aber die Araberinn, welche auf dem Titelkupfer abgebildet ist, nicht versehen war. Ich kann daher nicht umhin, einige Stellen aus den vorzüglichsten lleisebeschreibungen über diese Mode liier einzurücken. Niebuhr's Beschreibung von Arabien, S. 65.: „Die arabischen Frauenzimmer tragen eine Menge Hinge um die Aerme und Finger, und bisweilen in der Nase und den Ohren, und einige Reihen Glasperlen ura 26 Jen Hals, wie die Weiber in Egypten und Sina. " Vergleiche Ives in s. Voyage from England to India; S. Q./\Z. Anquetil, auf seiner Reise nach Ostindien, fand, nach S. 619., Nasenringe hei den Indianerinnen. La Roque Voyage dans laPalestine, v. 17., bezeugt ehendasselbe. Mariti Viaggi T. II. p. 11.12.: „Die jungen Mädchen bohren ein Loch in eins von den beiden Naselüchern, und stecken eine Nelke hinein; oder andere fädeln an dessen Statt einen silbernen Ring hinein, an dessen Rand sie einige Korallen oder eine kleine Münze befestigen. " Chardin Voyage en Perse, T. III. p. gi. ed. .1711. in 3 Quartb. sagt: „ Alle Frauenzimmer tragen eine Schnalle an dem linken Naseloch, so grofs wie ein Ring, mit drei kostbaren Edelsteinen oder Perlen, welche darinn eingefädelt sind. " iVergl. Ar- vieux Tom. III. p. 5oi. 1 Mose 24, 22. le- saia 3, 21. Sprüchw. Sal. 11, 22. Hier ist der bequemste Ort, wo wir die Nachrichten aus Reisebescbieibungen vom Hals-, Arm- und Fufsschmuck ganz kurz zusammendrängen können — welches um So nöthiger ist, da wir in sehr vielen Stel- — a 7 — Ien alle drei Stücke beisammen finden. — S. die zuletzt angeführte Stelle aus Niebuhr. Pietro della ValleViaggi, T. I. Lett. 17.: „ Schmuck an Gold und Edelsteinen für's Haupt, den Hals, die Aerme, die Beine und die Füfse (denn sogar an den Zehen trägt man Hinge) gebraucht man in der That in gröfserem Uebermaafse als bei den Türken. " Arvieux Memoires Tom. III. p. 299.: „ Die arabischen Frauenzimmer haben auch Armbänder und grofse Ringe von Elfenbein, Hörn und Metall, womit sie ihre Aerme und ihre Füfse über den Knöcheln schmük- ken." Den zuletzt genannten Schmuck, die Fufsfesseln , die auf dem voranstellenden Kupfer aber fehlen, findet man sehr häufig hei vornehmen morgenländischen Frauenzimmern, und sollen, wie man vorgibt, sehr geschickt seyn , den Schritt gleichförmig und zierlich zu machen. — So sagt Eugene Roger in der Description de la terre sainte, L. II. c. 2.: „ Sie haben (er spricht von den Araberinnen vom ersten Range) anstatt der Armbänder silberne Fesseln, die sie um die Aerme und um die Füfse legen, woran eine Menge kleiner sü- -r- öS —i berner Ringe befestiget sind, die, wie eine Cymbel, ein lautes Getöse machen, wenn sie gehen oder sich nur ein wenig bewegen." Versl. Hofs Nachrichten von Fes und Macs rokos, S. 1Q0. u. Jes. 3, 18. Ueber Halsgeschmtide und Armbänder überhaxipt siehe Ezechiel 16, 11. 12. und 4 Mose 3i , 5o. Die grofsen Beinkleider, die alle Mor- genVänderinnen am blofsen Leibe tragen, wie auch das darüber geworfene Hemd, werden keiner weitern Erklärung bedürfen. /' EINLEITUNG. vJm in die nachfolgende Beschreibung der Ideale weiblicher Schönheit bei den Morgenländern mehr Licht zu bringen, und zugleich das Auffallende und vielleicht Anstöfsige von manchen Verglei- chungen, die uns im Fortgange dieser Schrift aufstofsen werden, so viel als möglich wegzuwischen; so wollen wir uns zuerst blos daran erinnern, dafs rnorgenländische Dichter, die unsere Hauptführer bei der Aufzählung der einzelnen Schönheitsforderungen seyn werden, wahre Naturdichter von einer glühenden Einbildungskraft sind, wie wir sie bei allen frühern Völkern antreffen; dann mit wenig Worten die Lage des weiblichen Geschlechts im Orient angehen; und zuletzt die Ursachen darlegen , warum die arabischen Gedichte vorzüglich reich an vielfachen Schilderungen weiblicher Schönheiten sind. I. Die Werke unkultivirter Völker tragen zwar das Gepräge des Ungeordneten und Rohen an sich, sind aber zugleich voll von dem Enthusiasmus und dem aufbrausenden Feuer, das die Seele der Dichtkunst ausmacht. Denn alle Nationen , die im Zustande der Kindheit als wahre Naturmenschen leben, werden von allen den Gegenständen , die auf sie ihren Einflufs äussern, ausnehmend stark afficirt; das Feuer der Phantasie ist durch die Kälte der Vernunft, die bei ihnen, wie bei Kindern, unentwickelt und gleichsam ganz eingeschlummert liegt, noch gar nicht gedämpft — nichts kann sich dem Strom ihrer Empfindungen widersez- zen, nichts die Stärke ihrer Einbil- — 3i — dungskraft schwächen. Ihre Leidenschaften, als Zorn, Rachsucht, u. s. w. sind tobend und oft fürchterlich aufbrausend; Traurigkeit und Freude äussern sich bei ihnen in wilden und lärmenden Ausbrüchen, und reifsen sie oft zu den äussersten Extremen hin. Daher mufs auch die Uebertragung dieser ihrer Gefühle in Worte, alle ihre Schilderungen und Beschreibungen, die nach dein jedesmaligen. Eindruck, den äussere Umstände und Veranlassungen, z. E. prächtige Naturszenen, auf sie machen, gefärbt sind, mit dem Charakter des Grofsen, Starken und Kühnen bezeichnet seyn, und also ihre Dichtkunst, die ein Kind der Einbildungskraft ist, in diesen ersten Zeiten am feurigsten und lebhaftesten seyn. Dazu kommt — und dieser Umstand -wirkt auf das Kühne und Erhabene in ihren Gedichten eben so stark, als die Heftigkeit ihrer ungezügelten Phantasie — dazu kommt, dafs ihre — 02 — Sprache ungebildet, roh und ganz arm. ist, und es ihr an eigentlichen Namen für die Gegenstände fehlt: denn da die Menschen in diesen Zeiten der Unkultur von bürgerlichen Gesellschaften getrennt, meist als Nomaden herumwandern, ihre Lebensart also einfach, ihre Bedürfnisse kle'in, und ihre Erfahrungen beschränkt sind; so haben sie nur einen kleinen Vorrath von Wörtern, die, weil sie ihre Vernunft fast gar nicht gebildet haben, so wie sie selbst, sinnlich sind. Daher sie die Lehren, die sie mittheilen, die gemachten Erfahrungen, die sie vortragen, und alle ihre Gedanken, ja ihre ganze Rede, und selbst abstrakte Gegenstände, in ein sinnliches Gewand einkleiden. Sie häufen oft Bilder auf Bilder, kämpfen mit Ausdrücken, und nehmen zu Umschreibungen ihre Zuflucht, um Andern die Gesinnungen ihres Herzens zu eröffnen oder üich ihnen verständlich zu machen. ÖO Es müssen demnach die morgenlandischen Poesieen, wie die frühem Naturpoesieen, ein völliger Abdruck ihrer glühenden Einbildungskraft und ihrer bildlichen Sprache seyn, und dieselben Schönheiten und Fehler mit jenen gemein haben. — Auf der einen Seite zeichnen sie sich zwar durch Kühnheit der Bilder, erhabene, hinreissende Schilderungen, durch Wärme und Innigkeit der Gefühle, wie auch durch unschuldige Naivität und ungekünstelte Einfalt vorzüglich aus, sind aber auf der andern Seite nur desto überladener mit grotesken Bildern , gigantischen Vorstellungen , ungeheuren Dichtungen, tändelnden Spielereien und einem bisweilen nur gar zu ekelhaften Schwulst und. Bombast. *) ) Obgleich im Fortgang dieser Schrift uns mehrere Beispiele aufstoisen werden, die die obigen Sätze bestätigen, C — H — Eben dieser Ursachen wegen müssen auch die Schilderungen solcher morgenländischen Naturdichter zwar stark, so will ich doch hier, um dem Leser einen Vorschmack von der Bildersprache der Morgenländer zu geben, einige wenige Proben aus dem Vorrath, den ich mir seit einigen Jahren gesammelt . habe, mittheilen, und zwar solche auswählen, die sich durch Naivität, Possierlichkeit und Kühnheit auszeichnen, wobei ich aber, der Kürze wegen, auf die Schriften der Hebräer keine Rücksicht nehmen will, weil ich diese als allgemein bekannt voraussetzen darf. So steht in den Excerptis ex Ispaha- nensi hinter Bonadini Vita Saladini ed. Schultens p. i3. folgendes kühne, drol- lichte und lächerliche Bild: „Die Töchter der Scheide sprangen aus ihren Behältern (Gemächern) hervor, voll Begierde, den Hals der Feinde zu umschlingen ttnd durstig in der Blutader des Halses zix schöpfen. Ihn Doreid, v. a3i. (Anhang N. IV.) : ,»Eine Tochter von 80 Jahren — 35 — nachdrucksvoll und naiv seyn , aber zuweilen auch gar zu kühn, stark und frei ausfallen; und dieses um so viel mehr, wenn wir ■ward mir als Braut entschleiert zugeführt " für : Ein achtzigjähriger Wein wurde aus seinein Behälter für mich losgelassen und mir vorgesetzt. (In Ossian's Fingal p. 2Q. nach der Frankfurter Ausgabe von 1780. heilst, nach einem ähnlichen Sprachgebrauch, ,, das glühende Eisen — der rotlie Sohn des Ofens. " ) Hariri Consessus II. p. 62.: „Die Hand der Armuth mischte ihm den Becher der Uneinigkeit. " —■ Arabsiadae Vita Timuri , nach der Ausgabe von Manger, S. 106.: „ wik- kelte der Kammerdiener des Todes die Tapete seiner Hoffnung zusammen, und eutrifs sie ihm. " S. i58. : „ als der Tod das Lebenskleid Sjahi Schegirä mit einer Borte besetzt hatte. " Ebendas. S. 0.6.: „ Er gereichte der Lampe seiner Anschläge zu einem hervorragenden Docht. " — seil. Erwägen, dafs, so wie fast im ganzen Alterthum, so auch noch heutzutage bei den Morgenländern, das Weibliche Geschlecht 4er verachtete Theil der Nation ist, und in den entlegensten Theilen des Hauses gleich- In einem sonderbaren Brief, tler sich in den Epistolis Turcicis et Narrationi- bus Bersicis findet, die Uli 1771 herausgegeben hat, schreibt eine Mutter unter andern an ihren Sühn : „ Tag und Nacht fleh ich Gott um die Gnade, dafs ich, bevor der Vogel der Seele aus dem Bauer des Körpers flieget, dein schönes Antlitz schauen möge. " Ein Dichter in der Geschichte von Cazrini, welche Stelle Jones in seiner . persischen Sprachlehre, S. 48. anführt, sagt : „ Wenn die Sonne des Weins aus dem Osten des Bechers hervorstei- get, sprossen tausend Tulpen in dem Garten des Becherträgers Wange hervor " hu"- Der Becherträger erröthet, wenn er den Gästen Wein darreichen soll- - 3 7 - sam abgesondert lebt. Daher auch auf diese palst, was Wood in seinem Originalgenie des Homer, S. 193. ff. auf die Griechen im Homerischen Zeitalter anwendet, -wenn er sagt: „Der Begriff von Frauenliebe erstreckt sich blos auf sinnliches Vergnügen. Der Dichter (Homer) ist daher, wenn er diesen Gegenstand behandeln wollte, nur auf allzufreie Gemälde der Schönheiten des andern Geschlechts , oder auf solche Schilderungen ihrer Wirkungen eingeschränkt gewesen , welche selbst die heutige Freiheit der Sitten nicht erlauben würde. " „ So wie die Liebe selbst, setzt er weiter hinzu, war auch der alten Griechen Sprache der Liebe niedrig und arm. Daher trift man auch fast bei keiner Nation des Alterlhums, etwa die Babylonier ausgenommen, *} Spu- *) Die Babylonier waren, nach dem Zeugnisse Herodots, I. 184-, uncl ande- — 38 — ren von Galanterie, oder artigem Benehmen und Hbilichkeitsbezeugungen gegen das schöne Geschlecht, an, wie wir sie in nnsern verfeinerten, gebildeten Zeiten finden. Dadurch wird's begreiflich, woher es kommt, dafs die hebräischen Propheten, wenn sie in ihren ermahnenden Volksreden vor der rer alten Geschichtschreiber, Wollüstlinge, Stutzer und Weichlinge — das zeigten sie in ihren Schmausereien und Trinkgelagen (s. Belsazar's Schmaufs). Ihr Haar flofs in langen Locken herab; reiche Stoffe, mit Gold und Silber durchwirkt, hüllten ihren Körper ein, und goldene Ketten zierten ihren Hals; schön geschnitzte Stöckchen, worauf eine Rose, ein Adler und andere niedliche Sä- chelchen angebracht waren, prangten in ihrer Rechten; und kostbare Siegelringe funkelten an ihren Fingern. Sie waren stets parfümirt, und dufteten von wohlriechenden Salben und Spezereien, dabei sehr galant, und hielten das andere Geschlecht in grofsen Ehren. - 59 - Abgötterei warnen, und die traurigen Folgen derselben unter dem bekannten Bilde schildern, sich so grobsinnlicher, ekelhafter Ausdrücke bedienen — (die, wenn man sie in der Ursprache liest, und die schmutzigen Nebenbegriffe, die damit verbunden sind, nackt vor sich liegen sieht, noch weit zurück- stofsender erscheinen) __ und wie sie häufig bei dieser Gelegenheit einzelne Situationen in so niedrig wollüstigen Gemälden darlegen, dafs der schamhafte Leser unserer Tage bei dem Anblick derselben gar zu sehr erröthen und sein Gesicht voll Unmuth wegwenden mufs. *) ! 0 So oft ich das sechszehente Kapitel im Ezechiel und andere ähnliche Stücke in den Propheten gelesen habe, ist es mir jederzeit auffallend gewesen, ilafs c in und derselbe Umstand so verschiedene Wirkungen hervorgebracht hat. Denn eben die Erscheinungen , die bei der Erklärung des Hohenliedes die — 4® — Da demnach im Orient die Frauenzimmer mit Mannspersonen, und diese mit jenen , gar nie oder äusserst selten zusammenkommen, sondern jede Klasse von der andern getrennt sich versammelt; so wird man in den Heden der Morgenländer von weiblichen Geschöpfen nicht die Zurückhaltung, und in ihren Schilderungen weiblicher Schönheiten nicht die Schamhaftigkeit verlangen können, die man in un- serm gebildeten Zeitalter mit Recht erwarten darf. Wenn die beiden Geschlechter häufig zusammenkommen, und das Zarte, Sanfte des weiblichen sich mit dem Ausleger alter und neuerer Zeiten zu so abgeschmackten Grillen und ungereimten allegorischen und mystischen Deutungen verleiteten, zeigen sich ja in den Schriften der Propheten nicht nur in demselben, sondern in einem verstärkten anstöfsigen Lichte wieder. Starken, Feurigen des männlichen verschmilzt und gleichsam amalgamirt ; wenn das Frauenzimmer geehrt wird, und der Jüngling oder der Blann sich mit Anständigkeit und Hochachtung demselben nähert — dann erst wird dieser in seinem Ausdruck delikat, in seinen Reden keusch, und in seinem ganzen Betragen fein und galant erscheinen. Daher ich um Verzeihung bitten mufs, wenn unter den bald folgenden, und, wie ich hoffe,' schönen, anmuthigen und kraftvollen Beschrei- bungen weiblicher Schönheit, einige nicht ganz delikate vorkommen sollten , ob ich gleich meine Leser versichern kann, dafs dieses nur in unbedeutend wenigen Fällen, und da wo der Verfasser nicht ausweichen konnte, der Fall seyn wird. III. Man finde* fast in allen arabischen Gedichten, wo nicht ausführliche Schilderungen weiblicher Schön- heit, doch wenigstens reizender Frauenzimmer Erwähnung gethan. Der erste Grund dieser auffallenden Erscheinung ist darinn zu suchen: a) Weil die Araber glauben, dafs ein Gedicht kaum diesen Namen verdiene, wenn es nicht eine schöne Beschreibung eines hübschen Mädchens enthalte, es mag nun der Name desselben erdichtet seyn oder nicht. Man vergleiche nur in dieser Hinsicht folgende Gedichte: Abidola in Erpe- nü Graimnatica Ara.bicq.ed. i656. und in Fabricii DantiscaniSpecimine Ära* bico; Ibn Doreid, Tograi, Khaab Ben Zoheir und andere. Daher Motannabi ganz artig sich ausdrückt: „ Jedes panegyrische Gedicht fängt mit dem Lob' auf eine Dame an, als wäre jeder beredte Dichter von der Liebe Na|z bestrickt. " b) Der zweite Grund liegt in dem Nomadenleben der Araber. __ Hatten - 4 5 - sich nämlich herumwandernde Horden neben einander gelagert, und der junge Araber des einen Zeltes mit einer jungen Schönen in dem ' andern süfse Bekanntschaft gemacht; so blieb, wenn die Geliebte mit ihrem Stamm aufbrach, dem verliebten Araber nichts als Sehnsucht, oft ohne alle Hoffnung der Wiedervereinigung, übrig, die, verbunden mit dem Gedanken an die seligen, in ihrer Gesellschaft verlebten, Stunden, und mit dem Anblick der nun von ihr verlassenen Stätte, seine Seele mit den peinlichsten Gefühlen quälte, die ihn bald in die rührendsten Klagen über ihre Trennung, bald in die prächtigste Schilderung ihrer ■Weiblichen Reize ausströmen liefsen. Belege hierzu sind die sieben Moalla- kah (Anhang N. 2.), das Gedicht Gje- nr in Hirtii Anthologia, Class. ÜL, Spec. II. , nebst andern. Daher fän K t das Gedicht Borda schön also an: (s. Anhang N. 5.) *• 44 - i. ,,Mischen sich, wenn du an Dsou Salems Nähe denkst, Thränen aus der Augen Winkel schlüpfend in dem Blutvergiefsen? " 2. ,, Braufst der Wind aus Kadems Gegend? Oder strahlt in der Dunkelheit aus Edam unbemerkt ein Blitz ? " 3. „Sprichst du: liebe Augen, weinet nicht! so fliefsen sie; Rufst du deinem Herzen zu: kehr' in dich zurück — so schweift es weit umher " u. s. w. Amru Mo a Hak ah, V. 21.: „ Reist sie ab , so gleicht der Schmerz eines Kameeis , das sein verlornes Füllen sucht — aber verzweifelungsvoll mit jammerndem Geschrei zurückekehrt, meinem Kummer nicht. " - 45 - X > ach diesen wenigen vorläufigen Bemerkungen wollen wir nun die einzelnen Schilderungen weiblicher Schönheit aus den morgenländischen Gedichten selbst nach der Reihe vorführen. "Will der Morgenländer ein schönes Frauenzimmer schildern, so läfst er ihre blühende Wange durch ein dunkeles Haar sanft beschatten, das er, in Hinsicht auf die Farbe, mit der Schwärze eines Raben, einer Kohle, Hyacinthe, ja der Nacht selbst, und in Hinsicht auf die ineinander geflochtenen Locken, mit Palmranken und Skorpionen vergleicht, wie folgende Beispiele lehren: Moallakah Amralkeis: (s. den Anhang N. IL) — 4 6 — V. 34.: „Das lange Haar, das ihren Rücken ziert, ist wie eine Kohle schwarz, Dicht, und wie Palmranken durch und durch verschlungen. " Abu Ebadeh Albektheri : (vergl. Ruperti's Symbola ad intex-pretationem, S. C p..Ö 7 . 88.) „ Ihre Locken flössen wie eine Nacht herab; ihr Gesicht beschämte der Morgen- röthe Glanz. " „ Deine Locken gleichen der Nacht an Schwärze; an Glanz der Mor- genröthe das Gesicht. " Im 63. Gedicht von Motannabi: (s. Proben der arabischen Dichtkunst in verliebten und traurigen Gedichten, aus dem Motannabi, S. 45.) (*) ' ( ft ) Vor diesen Gedichten, einem Produkt des zehnten Jahrhunderts , die lleiske mit kraftvollen Anmerkungen, wovon unten eine Probe vorkommen , „ Mit einem Haare, welches selbst des hellen Morgens Glanz in Nacht , verwandelt. " Ebend. im sechsten Gedicht, V. 5. heifsts : — ,, sie, die eine schwarze Nacht auf ihrem Haupte trägt. " Jones in seinem Commentario Poeseos Asiaticae, p. 101. nach der Lond- ner Ausgabe : „ Ich schwöre bei deiner Stirne weissem Glanz , und deiner Haare Schwärze. " Ebendas.: „ und bei den Skorpionen , die von ihren Haaren hängen. " _ In den Poems consisting chiefly of translations from the Asiatic language: (s. Anhang N. X.) N. i. „Ihr Mädchen von Aden hört eine lieblichere Erzählung, wird, hie und da begleitet hat, geht eine in ihrer Art einzige, redselige, ja drollichte Anrede an seine gelehrte Gat- tinn, die verdient gelesen zu werden, her. — 48 — * als je gesungen ward in bunten Wiesen und Thälern: Abele's Lächeln und Maja's Augen, worinn Schönheit spielt und Liebe schlummert; die duftenden Hyacinthen von Azzus Haar, die mit dem lachenden Sommerlüftchen spielen; liebegefärbte Wangen, wo Rosen ihre Röthe suchen, und Lippen, von denen der Zephyr Düfte stielt. " Ebendaselbst, N. 2. p. ig.: „ Ihre Lippen duftender, als Sommerlüftchen , und lieblicher, denn scythischer Mus- kus ihr Hyacinthen-Haär. " In Jones Grammar of the Persinn Language, (Anhang N. 9.) p. 43., ist aus Ferdosi folgende Stelle mitgetheilt: „ All' unsere Herzen haben wir diesen zwei schwarzen Hyacinthen preisgegeben. " - 49 — Motannabi 9. v. 9. : „ Ihr Haar ist wie ein Rabe *) schwarz, buschigt, nachtschwarz, dicht, von Natur, nicht durch Kunst gekräuselt. " *) Schlittens macht zu Hariri.Consessus IV- p. 8. (Anhang N. 1.) wo es heifst: „ die Nacht sey mit einem rabenschwarzen Fell bekleidet " — die Anmerkung : „ der Habe stehe oft für schwarzes Haar überhaupt, und führt als Beispiel folgenden Vers aus der Hamasa an : „ Wahrhaftig, sie haben von meinem Haupt den Haben abgeschoren. " — In den Werken Ossian's, jenes erhabenen und zärtlich schwermüthigen Dichters, finde ich fast immer, wo weibliche Schönheiten geschildert werden , der rabenschwarzen Haare Erwähnung gethan. Fingal II. 5i., nach der Frankfurter Ausgabe: ,, Schon war sie, die Tochter des mächtigen Conlochs. Sie erschien wie ein Sonnenstrahl unter den Weibern. Ihr Haar war dem Rahengefieder gleich. " Fingal III. p. 74- heifst es von der Fainasollis, Craca's D - 5o - Tograi (Anhang N. VI.) v. 18.: „ Sie schützen mit Schwerekern und langen Spiefsen schwarzhaarigte Mädchen. " Tochter: „ Ihren weissen Busen schwellten Seufzer. Der Wind war in ihrem flatternden schwarzen Haar; ihre Wange hatte Thränen. " IV. p. 83. : „ Tochter der schnee- weissen Hand! Ich war nicht so traurig und blind, ich war nicht so finster und einsam, als mich Erwallin liebte — Erwallin mit dem dunkelbraunen Haar, die weirsbusigte Liebe Cormar's. " Carthon, p. 71.: „Drei Tage, sagt Clessammor zu Fingal, blieb ich in Rauthamir's Halle, und sah den Lichtstrahl, seine Tochter. Ihre Brüste waren gleich dem Schaum auf der Welle; ihre Augen wie Sterne des Lichts; ihr Haar war schwarz, wie Rabenschwarze; ihre Seele edel und mild. " Lathmon, p. q5. : „Wir kamen zu der Halle von Selma, und safsen versammelt um die festlichen Schaalen; die Mädchen des Gesangs traten vor un' — 5i — Motannabi 9. v. 8.: „ Eine jede trug ein langes schwarzes Haar, das von Amber, Aloe und Rosenwasser lieblich duftete. " *) sere Augen, und die sanft blühende Erwallin. Ihr schwarzes Haar lag auf ihrem schneeweissen Nacken ; ihr Auge rollte heimlich auf Ossian. " *) Die Orientaler salben ihr Haar mit Ambra, besprengen es darauf mit Bo- aenwasser, und durchräuchern es endlich mit einem schmauchenden Stückchen Aloeholz, wovon der Geruch in dem vom Amber und von llosenwasser klebrigten Haare hängen bleibt. " lleiske. Rüssel in seiner vortrcilichen und gelehrt bearbeiteten Geschichte von Aleppo bemerkt Th. I. S. 142., nach der deutschen Uebersetzung von Gmelin : ,, Beide Geschlechter gebrauchen eine Menge zusammengesetzter Wohlgerüche , von ■welchen Bisam, Sandelholz und Spik- nard immer Bestandteile sind; diese, in kleine ziemlich flache Säckchen genäht, tragen sie in den Brusttaschen — auch haben sie Rosenöl und andere Es- — 52 — Das Gesicht des Mädchens vergleichen die Morgenländer, wenn sie den lieblichen Schimmer desselben ansdrük- senzen aus Indien. Aloeholz und wohlriechende Wasser werden anderwärts erwähnt werden. " Schon bei den Griechen (vergl. z. E. Homer II. 18. v. 5c)6. Odyss. 7. 106.) und mehrern Völkern des Alterthums war, wegen des heissen Klima's und der starken Ausdünstungen, die Gewohnheit herrschend geworden , sich mit Salben zu begiefsen, und mit wohlriechenden Spezereien Kleider und Haare zu durchräuchern. — Aber dieses Bedürfnifs artete bei ihnen bald in den verschwenderischsten Luxus aus, so dafs die Griechen die wohlriechendsten kostbarsten Spezereien zu diesem Behufe aus dem Innern von Arabien kommen Hessen. (Vergl. Plinius XII. i/j- Theophr. IX. 4- Athen. 3. 22.) Daher auch Ana- kreon so häufig in seinen lieblichen, tändelnden Gedichten der wohlriechenden Salben und der duftenden Haare Erwähnung thut; vergl. z. E. Ode IX. 5. — ÖS- ten wollen , bald mit der Morgenrtf- the, wie wir bereits oben "gesehen, bald mit Sonne, Mond und Sternen, XIII. 10. XXVIII. g. Und wer erinnert sich nicht, wie oft die Dichter des Augustischen Zeitalters , wo Luxus und Weichlichkeit so allgemein überhand genommen hatten, wohlriechende, starkduftende Salben anführen, und wie gerne sie sich bei mit Narde und Myrrhe benetzten Haaren verweilen , wenn sie die Sitten ihrer Zeit oder reizende Mädchen schildern. Vergleiche, um nur einige Beispiele anzuführen , Horazens Oden B. II. Ode XL v. i5. III. v. 14. 16. ü. 22. Ovid. Art. Amat. Metam. v. 53., und mehrere Stellen im Katull, Tibull und Pröperz. — Aber bei keinem Volke war diese Sitte herrschender, als bei den Morgenländern ; daher man auch in keinen Schriften so viel von köstlichen Oelen, Wohlgerüchen und lieblich duftenden Salben lieset, als in'den Schriften der Hebräer, Araber und Perser. Was die ersten betrift, so will ich blos auf Ka- - u - den majestätisch schönen Himmelskörpern, die so oft ein Gegenstand ihrer gerechten Bewunderung sind. pitel I. v. <2. II. v. 5. u. 6., und mehrere andere Stellen im Lied der Liebe, wie auch auf Esther 2, 12., aufmerksam machen. Die köstlichen Parfüms, wodurch die morgenländischen Frauenzimmer einen lieblichen Duft um sich her verbreiten, und vorzüglich der Moschus, womit sie ihr Haar durchräuchern, geben den arabischen und persischen Dichtern zu vielen schönen Spielereien und artigen Tändeleien Anlafs. So Jones im Comment. P. A. p. 187.: „ Als die beiden Mädchen aufstanden , wallte ein Moschusduft von ihnen, als wäre es ein Ze- phyrlüftchen mit Nelkenblüthe behangen. " Ein anderer Dichter bei Herbelot in s. Bibl. orientalis sub v. Kho- len, p. 99., fragt, als er eine ihm sich nähernde Freundinn beschreibt: „Weht ein liebliches Lüftchen aus dem Garten herüber? Oder kehrt eine mit Moschus beladene Karavane aus Khoten zurück?" — 55 — " Jones 1. c. p. 458. führt aus dem achtzehnten Consessus Hariri folgende Stelle an: Pag. 121. : „ Geruchlos ist der Moschus, kommt er nicht von dieses Mädchens Haaren. " Ebn AI Faredh: „Weht der Geruch x r on Chozams Kraut? Oder Hagers starker Duft aus der Städte Mutter (Mekka?) Oder wallt ein liebliches Lüftchen von der schönen Azza ? " Motannabi 66.: „ Bewegt sich das schöne Mädchen , so erfüllt klein geriebener Moschus überall die Luft. " Ebend. 9, 6.: „Von ihren Locken trägt der Wind den Moschus weg? " Ferdosi poems by Champion, Vol. I. p. 040., (s. Anhang N. VIII.) von welchem persischen Dichter ich in der Folge weitläuftiger zu sprechen Gelegenheit haben werde: „ Das Moschushaar, in wallende Ringeln gekräuselt, spielet mit der Luft, und scherzet, wenn es losgelassen flattert. " Ebendaselbst: „So lieblich sind ihre Lippen, dafs selbst das Lüftchen sich — 56 — „ Es war bei mir eine Schöne, die alle ihres Geschlechts an Reizen übertraf —■ trat sie hervor, so wichen die nicht zu nähern wagt, sondern nur von ferne wünscht. " Hafez , dieser liebliche Anakreonti- sche Dichter der Perser, den wir noch oft anführen werden, sagt, nach Jones Commcnt. p. 87., schön : „ Die Morgenluft duftet heute von Ambergeruch: Geht vielleicht meine Geliebte auf der Wies' einher ? " Eben dieser Dichter schilt oft in seinen scherzenden Oden mit dem Zephyr, ■ dafs er den Duft von den Haaren seiner Geliebten gestohlen habe. So in den Poems consisting chiefly of trans- lations cett. p. 191.: „ Bringst du den lieblichen Hauch von meiner Geliebten , o Zephyr? Mir ein süfses Geschenk; sage, wer gab es dir ? Sprich ! Hüte dich, Räuber! entwend' ihr nichts. Was hast du mit ihrem - 5 7 - beiden Himmelslichter, Sonn' und Mond, beschämt von ihrem Glanz zurück, und in der Jünglinge Brust entzündete ihr Blick ein heftiges Feuer. " Ebend. p. iai. heifst's unter andern: „Der Sonne Glanz wird durch den ihrigen verdunkelt; aufgelöseten Haar, was mit der Locke dein Spiel? " nach Herder's geschmackvoller Ueber- setzung in seinen zerstreueten Blättern, Samml. 4- S. 90. Ebenderselbe (vergl. Select Ödes by Nott (Anhang N.XI.) Ode V.) drückt die Neigung eines Jünglings zu den Locken seines Madchens so stark aus, dafs wenn der Duft davon über sein Grab wehe, er ihn ins Leben zurückrufen , und zum Gesang anstimmen würde. — Ebenderselbe: „Zephyr, eilst du die Wohnung meiner Geliebten vorüber: So wehe mir Ambrageruch aus ihren duftenden Locken entgegen! " — — 58 — Der Mond, neben ihr gesehen, gefallt nicht mehr. " Jones in s. Grammar of the Persian Language, p. 79. aus Hafez: „ Ein Mädchen mit einem Gesicht glänzend wie der Mond, duftete nach Moschus , raubte die Herzen, ergötzte die Seele, und entführte die Sinne. " — Michaelis Arab. Chrestomathie S. 92.: „ Lamisa trat in ihrem Glanz hervor, wie der Mond am Firmament." Hafez Ode XIV. 1. ed. Reviczky (Anhang N. XII.): „ Dein Gesicht ist wie des Mondes Schimmer reizend schön. " Auch gehören folgende drei Stellen hierhin, die ich aus Ruperti's Sym- bola ad interpretationem S. C. genommen habe. 1. ArabsiadaeHistoriaTimuri, p. 214.: „ Sie enthüllten (es ist von wilden zu-" gellosen Soldaten die Rede, die Mädchen und Frauen aus den Burgen zer- - m - störter Städte trieben) den Schleier der Mädchen, und liefsen Sonnen hinter den Vorhängen hervor ans den Burgen herabsteigen, und schöne Monde aus dem Himmel des Wonnelebens. " 2. Ebendas. p. 234., wo Arabsiades der Beschreibung des Gastmahls bei den Hochzeitfeierlichkeiten der Fürsten Sa- ttiarcands ein schönes Gedicht eingeflochten hat: „ der Garten des Paradieses , worinn das Gesicht meines Mondes (meiner Freundinn) strahlte. " 5. IbnOlWardi sagt in dem Excerpt, das Abulfedä Tab. Syriae angehängt *st: „ Zu Emessa seyen Frauenzimmer V on ausserordentlicher Schönheit, die selbst den Mond an Glanz überträfen. *) *) Oft findet man freilich schöne Frauenzimmer überhaupt ganz abstrahirt vom Gesicht mit der Sonne und dem Monde verglichen, wie, ausser einigen von den oben angeführten Stellen, folgende Beispiele anzeigen. — 6o — Motannabi 56, 9.: „ Ihr Schleier ist eine dünne lichte Nebenwolke, die den Mond verhindert, aufzugehen. " In der Philosophia popularis Arabura ed. Kall (Anhang N. VII. A.) N. 353. heilst es: „Stehe auf, Mond! Lafs mich an deiner Stelle sitzen.," Motannabi, Ged. g. v. 4.: „Sähest du wohl je Monde mit einem Schleier und einem Halsgeschmeide geziert? " (Ein ekelhaftes, geschmackloses Bild!) Hohelied 6. v. 9.: „ Wer ist, die da heraufglänzt , wie das Morgenroth, schön wie der Mond, wie die Sonne glänzend , furchtbar wie ein Kriegesheer. " O s s i a n sind diese Vergleichungen auch nicht fremd. So in the songs of Selma 176. : „ Daura , meine Tochter ! du warst schön, schön wie der Mond auf den Hügeln Fura's. " So Fingal, B.III. p. 6k: „Sie (die Tochter Morrens) kam in ihrer ganzen — 61 — Hariri Consessus II. p. ioc: „Sie nahm die Dämmerung' weg, die des Mondes Glanz verhüllte " für: „ Sie 2 og den Schleier weg, der ihr Gesicht bedeckte. " Ferdosi poems by Champion, im vierten Buch, p. io5.: „ Cyrus entliefs die schönen Töchter seiner Freude — mit Anmuth nähern sie sich — ihr strahlendes Gesicht entzückte jeden, der es sah. So giefst der Gott des Lichts, (die Sonne) durch die Dunkelheit mit seinen Morgenstrahlen brechend, sein erwärmend Licht über der Flu- then Glanz herab; Verscheucht von jedem Hügel die schwarze Nacht hinweg, und bricht unaufhaltsam mit dem glänzenden Tag herein. " Schönheit, wie der Mond aus der östlichen Wolke, hervor. " Vergl. Theo* krit. Idylle i8. v. a6. — a8. - Co — Pag, c5i. wird die junge Tochter Mahafreeds , Eritsch's Gemahlinn, so beschrieben: „ Als sie an Jahren wuchs, spielte mit ihrem in gekräuselten Locken herabwallenden Haar das muthwil- lige Lüftchen; glänzend wie die Plejaden , strahlte ihr Rosengesicht; Anmuth umleuchtete ihre reizende Gestalt. " In schwarze Augen sind die morgenländischen Frauenzimmer so verliebt, und sie sind ihnen ein so wesentlicher Theil" von Schönheit, dafs sie nicht nur die Augbraunen und Augenlieder, sondern selbst das Inwendige des Auges schwarz färben, damit das Auge desto reizender und voller hervorstrahle. Es sey mir erlaubt, dasjenige, was ich seit mehrern Jahren aus den vorzüglichsten Reisebeschreibungen über diesen Punkt gesammelt habe, dem Leser mitzutheilen, um dadurch über die — 63 — nachfolgenden Schilderungen arabischer und persischer Dichter mehr Licht zu verbreiten. Arvieux in seinen MemoiresT. V. p. 287., nach der Ausgabe von P. La- bat, sagt: „ Sie fäxben (es ist die Rede von Algier) die Augbraunen der Neu- verheiratheten mit einer Art von China- dinte (Schwärze.) " Mariti in s. Viaggi, T. I. p. 11., erzählt unter andern: „ Auch färben sie die Augbraunen mit einer gewissen Mischung, die sie Coliasteri nennen. " Niebuhr in s. Beschreibung von Arabien, S. 65.: ,, Auch das Inwendige der Augen machen die Araberinnen mit Küchhel, einer Farbe, die aus Bleierz verfertigt "wird , pechschwarz. " Wansleb in s. schönen Beschreibung von Egypten , (abgedruckt in Pau- bis's Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Orient, Th.III. S. 109.): >, Die Weiber in Egypten färben ihre Augenlieder pechschwarz. " — 64 — Franklin in S.Bemerkungen auf' einer Reise von Bengalen nach Persien, London 1790., die Forster in seinem Magazin merkwürdiger neuer Reisebe- schreibungen, 1. Th. Berlin 1790, über- setzt hat, bemerkt: ,, dafs das Frauenzimmer in Schiras mit Recht wegen seiner Schönheit berühmt sey, vorzüglich durch die hellen funkelnden Augen, welche sie durch das Reiben der Augenlieder mit schwarzem Staube von Antimonium befördern sollen. " Die berühmte Lady Montagne spricht in dem 29. Briefe, von Adrianopel datirt, von dieser Sitte, deren schon 2 Kön. 9, 3o. Jerem. 14, 3o. Ezechiel 23, 40. und andern Stellen des alten Bundes , wie auch in den Sentenzen des Naumachus, Juve- nal Satyr. II. g3. Plinius Hist. Nat. XXXIII. 6. Propert. IL 14. 27. 28. Zohair v. i5. (Anhang N. II.) gedacht wird, wenn sie sagt: „ Sowohl griechische als türkische Frauenzimmer ha- — 65 — ben die Gewohnheit , rings um ihre Augen eine schwarze Farbe zu ziehen, die in einiger Entfernung oder beim Kerzenlicht ihre Schwärze nicht wenig vermehrt. " — Diejenigen unter meinen Lesern, die über die Art, wie dieses Färben der Augen geschieht , etwas genauer unterrichtet seyn möchten, könnte ich zwar auf Sandys Travels p. 67. und Shaw p. 294. fol. verweisen, welche Stellen Lowth bei Jes. III. v. 16. in extenso mittheilt, — aber bestimmtere, brauchbarere und in jeder Hinsicht auserlesenere Nachrichten , als die sind, womit Rüssel in der oben angeführten Naturgeschichte von Aleppo, S. »36., das Publikum beschenkt hat, geben zu wollen, würde thörichte Vermessenheit seyn. Daher folgende kleine Abschweifung mir vergönnt seyn wird. „ Eine andere allgemeine Gewohnheit (diefs sind Russeis Worte) unter den Frauenzimmern ist, dafs sie, ver- E — 66 — mittelst einer kurzen glatten Sonde von Elfenbein, Holz oder Silber, worauf sie ein schwarzes Pulver, Koliol, :f! ) brin- *) Koliol oder iapahamscb.es Kohol, tür,- " kisch und persisch Surma. Koliol ist der allgemeine Ausdruck für eine Arze- nei , welche, in Gestalt eines fein abgeriebenen Pulvers an den Augapfel oder die inwendige Seite der Augenlieder gebracht wird, heilst schlechtweg al Kohol oder Ispahany. Kommen, wegen besonderer Feliler der Augen, noch besondere Zusätze, als Blumen von Weihrauch , Amber u. dgl. hinzu, so bekommt es noch einen schicklichen Beinamen. Zu Aleppo gebraucht man zum gewöhnlichen Kohol eine Art Bleierz, welche aus Persien kommt, und zu dieser Absicht in einer Quitte, in einem Apfel oder in einer Trüffel geröstet, und,- nachdem man einige Tropfen Mandelöl darauf gegossen hat, auf Marmor zart abgerieben wird; aber in den letzten Jahren hat man das Bleierz,' das unter dem Namen Arcifoglio aus England kam, Statt des Ispahany gebraucht. - 6 7 - gen, die innere Seite der Augenlieder schwarz machen. Die Sonde wird zuerst in Wasser getaucht, und dann ein Nach Rauwolff, S. 90., ist dieser Gebrauch unter allen Geschlechtern und Altern eingeführt ; er sagt nämlich : ,,Sonst habens noch einen seltzarne« Gebrauch , welcher in den Landen under Jungen und Allen, Manns und Weibspersonen sehr gemein, das sie nenilich (mehr jr gestalt zu zieren und das gesiebt für flüfsen zu verwaren) von Gal- len.ipfeln, gebranntem Ertz etc. ein dün- jies Miii'slcin zurichten , und damit schwartze Leffzen, und ring umb ihre augen machen , welche an ihnen schier wie die röte an den XUn gel tauben seind anzusehen. " Ueb. Die Menge von Kohol, welche im Morgenlande aulgeht , ist unglaublich grofs; es hat daher ein morgenlandischei Dichter, um sowol auf die Sonde, womit man das Pulver aufträgt, als auf die Berge, in welchen das Mineral bricht, anzuspielen, gesagt: „ dafs die Berge — 68 — wenig von dem Pulver darauf gestreut; nun bringt man die Mitte davon waagerecht an das Auge, läfst die Augen- / von Ispahan durch eine Haarnadel abgetragen waren. *J Die Sonde oder Nadel zum Kohol heilst Mihi, und ist von unterschiedener Giöfse, von derjenigen eines gewöhnlichen Federkiels bis hinunter; sie ist gerade, geht aber ein wenig spitzig zu, Und hat ein stumpfes Ende. Wenn ich mich nicht irre, so habe ich einige von Elfenbein zu Herkulaneum gesehen, welche denen, wie sie jetzt in Syrien im Gebrauche sind, sehr nahe kommen. Das Mineral , das zum Kohol gebraucht wird, heifst bei den Arabern Ithmed oder Ispahany, und ist ohne Zweifel das <7Tlßtov der Griechen, aber zweifelhaft ist es, ob unter (TtifXfJH immer das verstanden wird, was wir jetzt Spiesglas nennen. Reiner oder roher Spiesglanz wird gegenwärtig zu. Aleppo nicht zum Kohol gebraucht, und wurde es wahrscheinlich nie: das, wonach sonst - 6 9 - lieder darüber zuschliefsen, und zieht nun die Sonde zwischen ihnen durch: so ist das Innere derselben gefärbt, und am meisten gefragt wurde, war das Is- pahany, offenbar ein Blei, klein Spies- glanzerz; auch ist bereits angemerkt, dals an seine Stelle grofse Vorräthe von gemeinem englischen Bleierz eingeführt worden sind, weil das Ispahany selten uncl x tlieuer geworden ist. Ich habe viele Beispiele von Spiesglanz und Bleierz in den englischen Sammlungen untersucht, aber niemals etwas gesehen, was jenem Stoffe in Syrien ähnlich wäre. Man glaubt, der englische Spiesglanz tauge in seinem natürlichen Zustande, wegen der ihm zuweilen eingemengten Bleitheilchen, nicht sowohl zum Arze- neigebrauche; dies würde aber in Beziehung auf Kohol kein Einwurf seyn — denn sowohl Dioscorides als Plinius versichern, dafs Stibium, wenn es bei der Bereitung zu starke Hitze bekomme, zu Blei werde. (Matthiol. Commentar. in Dioscoridem, S. 596.) In dem Stoff, der jetzt zum Kohol gebraucht wird, ist — 7* — ein schwarzer Rand um die Augenwinkel. Das Kohol wird auch von Männern , aber nicht so allgemein, blos keine Beimischung von Spiesglanz. Der Gebrauch des Kohols ist sehr alt; Stellen der h. Schrift, welche sich darauf beziehen, siehe bei Shaw I Travels , etc. S. Gay.; Harniar, B. 2. S. 400., und Bischof Lowth in s. Anmerkungen zum Jesaias. Die folgende Stelle aus Naumachius erinnert an das Alter dieses Gebrauchs unter dem griechischen Frauenzimmer: „Ergötze dich nicht, o Jungfrau, an leerer Zierde, Und sehe deine Gestalt nicht zu aufmerksam im Spiegel; Bringe deine vielspalLige Haarflechten nicht zu sorgfaltig in Ordnung, Und schwärze deine Augen nicht unter deinen Augenliedern. " Shaw erzählt : dafs er unter andern Merkwürdigkeiten aus den Katakomben zu Sahara, welche das egyptische Frauenzimmer betreffen , auch ein Gelenk von gemeinem Bohr oder Doiiax sah, — 7 l •— zur Belustigung gebraucht; denn es wird mehr für weibisch gehalten. Man glaubt, es stärke das Gesicht, Und halte mancherlei Krankheiten des Auges welches eine von diesen Nadeln und zwei von diesem Koholpulver nach der Mode und dem Gebrauch dieser Zeiten in sich hatte. — Ueber die Stelle von» Xenophon , auf welche sich Shaw bezieht , erlaube ich mir zu bemerken : dafs Schwarzen der Augen zwar unter den Medern , aber zu dieser Zeit nicht unter den Persern im Gebranch war; denn Cy.rus (Cyropädic B. 1. S. 8.) scheint sich unter andern Dingen über die 'gemahlten Augen seines GroTsvaters Astyages gewundert zu haben. Galen erwähnt (B. IV. S. Q.Ö5. , griecb. Ausg. Basel i538, de sanitate tuenda, Venet. 1625. B.VI. K. 12.) des Schwitzens der Augen, als eines täglichen Gebrauchs unter dem Frauenzimmer. S. auch Ca- saubons (Juvenal S. 40.) Anmerkung über Juvenal II. v. 67., welche Stelle schon oben in einer Uebersetzung mit- gethcilt ist. ab; in dieser Absicht gibt man ihm gelegentlich Zusätze von verschiedener Art. Auch bei Kindern gebraucht man das Kohol, so wie sie zur Welt kommen, und .wiederholt ihre ganze Jugend hindurch nach Verlauf einiger Tage die Arbeit; dadurch erlangen die Frauen eine grofse Geschicklichkeit in der Ausführung eines Geschäfts, das einem Fremden schwer und schmerz- haft vorkommen mufs, Noch haben die Frauenzimmer eine andere Gewohnheit, welche jetzt nicht mehr so sehr Mode ist, als vormals; sie,besteht darinn, dafs sie eine gewisse Mischung, welche sie Khatat nennen, an die Augbraunen bringen — davon färben sie sich schön schwarz, und die Haare werden glatt und glänzend. *) *) Khatat. Die Mischung, welche man zum Farben der Augbraunen gebraucht, wird so bereitet: Man bringt sechszig Quinlchen Oel in einem irrdenen Ge- — ?3 — Nach dieser, wie ich hoffe, nicht ganz unnützen Digression wird es jetzt Zeit seyn, sich mit den einzelnen Dichterschilderungen naher bekannt zu machen. fäfse über gelindes Feuer, und setzt, sobald das Oel zu kochen anfangt, nach und,nach gleichviel gestofsene Gallapfel zu. Man l'äl'st das Gefal's, nachdem man es mit einem glatten Stein zugedeckt hat, noch über dem Feuer stehen, bis die Gallapfel eine brandschwarze Farbe bekommen; dann setzt man es ab, macht das, was sich an den Deckel gehängt hat, sorgfältig los, und vermischt es mit dem feinern Theile dessen, was im Gefäise ist — dazu setzt man noch folgende Dinge, welche zuvor klein gestofsen sind : Rohen Salmiak, gebranntes Kupfer, von beiden So Quintchen, Hannablätter 120 Quintchen — alles wird zu einem Teig geknetet, in kleine Täfelchen gebracht, und mit einem kleinen Stück eines Stocks aufgetragen. Eine andere Art, diese Farbe zuzubereiten, siehe bei Be- — T* — Fcrdosi in seinem oft angeführten Gedicht, B. 7. S. 35c, rühmt deswegen Mehrabs Töchter , indem er sagt : ,, Schwarz sind ihre Augenlieder, mit bewundernswürdiger Kunst gekrümmt." Ion Observations etc., Bruxelles i555. B. III. K.. 35. S. 554. Jones in Comment. S. 511. K. XIII. theilt folgendes elegische Epigramm mir, das der Dichter Schabl O'ddullah (vergl. Abulfcda 365.) auf den Tod der Noza- mi'l Molki verfertigt haben soll, wo sie wegen ihrer Schönheit, mit einer Perle verglichen wird: „ Hin ist unsere Nosami, die edele Perle. Der Himmel schuf sie aus reinestem Than, schuf sie zur Perle der Weit. Still glanzete sie, doch unerkannt von den Menschen; Darum leget sie Gott sanft in die Muschel zurück. " nach Herder's Uebersetzung in s. zerstreuten Blättern, St. 4. S. 91. - 7 5 - Jones, in s. Grammar of Persian Language , führt p. 57. aus Hafez folgenden niedlichen Verf an: j, Ich weifs nicht, warum die Mädchen, schlank wie Cyprcssen, mit ihren schwarzen Augen, glänzend wie der Mond, nicht haben die Farbe der Liebe. " Tograi, v. 21.: „ Ich wünsche mir eine Schöne, die in des Thaies Krümmung aufgewachsen, und mit der zärtlichen Blicke und der Schwärze Wasser ihre Pfeile (Augen) getränket hat. " Nahas zu Tarapha: „Schwarz ist Mir Auge, und rosenfarbig ihre Wange.'' Khaab Ben Zohair, v. 2. (Anhang ™- II.): „Am Morgen, da Soad (die Geliebte des Dichters) schied, schieden Realie: nur die kreischende, die schwarzen Augen niederschlagende Gazelle Mieb. " - 7 6 - Jones, in s. Kommentar, P. A., p. 176.: „Das Mädchen, mit Schönheit, Anmuth und vollkommner Gestalt geziert, hatte schwarze Augen. " Koran Sure, 56. v. 24.: „und es werden bei ihnen seyn schwarzäugigte, grofsäugigte Mädchen , wie Perlen in der Muschel verborgen. " Eben der Schwärze wegen vergleicht Ebn Rumi (s. Jones Comment. p. i85.) die Augen eines schönen Frauenzimmers mit einem dunkeln Veilchen: „ Ich sah im Garten ein Veilchen, dessen Blätter von Thautropfen glänzten. Gleich war jene Blume einem schwarzäugigen Mädchen, von dessen Augenwimpern Thränen rinnen. " Auch die griechischen und römischen Dichter rühmen dunkele Augbraunen und schwarze Augen an reizenden Mädchen , als Zeichen der Schönheit. — 77 — II. 15. loa. heifst es von der Juno: „ Sie lächelte zwar mit ihren Lippen, doch erheiterte sich die Stirne über der dunkeln Augbraune nicht. " Theokrit, Idylle 3. v. 18.: „Du Mädchen mit den schwarzen Augbraunen , küsse mich, den Hirten, wie ich dich küsse. " Katull schilt daher in s. 43sten Gedicht die Geliebte des Mamurio als häfslich , weil sie keine kleine Nase, keinen niedlichen Fnfs , und keine schwarze Aeuglein habe. Horaz lobt gleichfalls ein schwarzes Auge an einem Mädchen in mehrern Stellen seiner Gedichte; z. E. Ode 3a. v. ii. 12. B. i., und de Arte poe- tica, 5j.: „ Soll das schöne schwarze leibliche Auge den feurigen Morgenländer hinreifsen und entzücken, so toufs es entweder scharf und verwundend wie ein Schwerdt, oder grofs, sanft und lebhaft, wie das einer Ga- - 7 8 _ . zelle, oder endlich schmachtend, wie eine Narcisse , seyn. " Von jeder dieser drei Vergleichun- gen besonders. Zuerst also von den Schwerdtern, womit die grausamen Mädchen das arme Männerherz verwunden. Tograi, v. ßi., den wir schon einmal angeführt haben : ,, — und mit der zärtlichen Blicke und der Schwärze Wasser ihre Pfeile (Schwerdter) getränket hat. " — wobei Van der Sloot aus einigen Gedichten folgende Beispiele anführt: „ Wie Mareid Abda'l Mnmin Ben Ali's scharfes Schwerdt, so verwundet ihr Blick des Liebenden Herz. " Ein anderer Dichter sagt: „Was den Schwerdtern ist die Scheide, sind den beiden Augen die Augbraunen. " „Das- nenn' ich, sagt ein Dichter, den Schultens in der Anthologia Sen- — 79 —', tentiarum Arabb. p. 144- zu N. 47. (Anhang N. VII.) anfährt __ „Das nenn' ich erst wonniges Leben, dafs du unter Jünglingen dich belustigst , und von Bechern und der Madchen grofsen Augen hingestreckt zu Boden sinkest. " Eben so schon sagt Gjerir, in der Hamasa, dessen folgende Verse Schul- tens 1. c. gleichfalls mittheilt: „ Allerdings haben schmachtende Augen uns getödtet, und uns nachher ins Leben nicht zurückgerufen, etc. " Motannabi, Ged. 9. v. 5.: „ Sie schiefsen mit Pfeilen, deren Gefieder die Augenwimper sind, und spalten die Herzen, ohne zu \ ritzen die Haut. " Jones, in Comm. P.A. p. 130. aus Hafez: s , Des schlauen Mädchens Blick war wie ein gezogener Degen scharf. " — Üo — Ebu Feras: „ Jener milchweifsen Gemse Glanz verwundet mein Herz, " Amralkeis, v. ca.: „ Deine Augen vergiefsen Thränen, womit (Augen) du mir durch deine beiden Pfeile das geschlagene Herz verwundest. " Ein anderer pei'sischer Dichter sagt: „ — ihres trunkenen Auges durchdringender Pfeil durchbohrt auf einen Blick die Brust, wie das Herz eines Zieles. " Motannabi, 4c. v. 4- : „ Des Mädchens Blicke sind in Schwerdter *) gezaubert, deren Schärfen von meinem Blute ewig triefen. " *) Auch die griechischen Tragiker reden häufig von den Augenpfeilen, (man verzeihe mir diesen Ausdruck) wodurch Amor das Herz der armen Sterblichen verwundet, z. E. Euripides in seinem Hippolytus: — 81 — Tograi, v. ay.: „ Ich scheue nicht die doppelt tiefe Wunde, die durch der grofsen Augen Pfeile mir ins Herz geschlagen wird. " V. 5a5. „Amor, Amor, der du aus den i Augen Sehnsucht tröpfelst, und in die Seele, welche du bekämpfst, süfse Wonne giefsest, »ey niemals hart, noch grausam gegen mich. Denn weder des Feuers, noch der Blitze Pfeil brennt so tief, als das Geschofs, das Amor, Cytherens kleiner Knabe, aus den Händen schleudert. " Die letzten zwei Verse habe ich nach Valkenaers, wie es mir scheint, gegründeten Konjektur übersetzt, der Theo- krits Idyll ig. v. 8.: „ Klein bist du (Amor) zwar, aber schlagest tiefe Wunden" und Moschus Idyll 1. i3.: „ Klein sind deine Hände, aber lang die Pfeile " zur Erläuterung anfuhrt. F \ ^ — 82 — Ebendaselbst v. 08.: „ Ich fürchte nicht der Schwerdter Schärfe — erquickt mich nur ein verstohlener Blick durch deines dünnen Schleiers Hitze. " Eben dieser Gelehrte hat bei dieser Stelle ein recht artiges Epigramm von Meleager mitgetheilt, das ich meinen Lesern nicht vorenthalten mag: „ Als mir ein Pfeil ins Herz aus Minskus's Augen war gedrunger», rief der Stolze höhnend aus : Den Uebermüthigen habe ich besiegt! Zwei Strahlen brannten min mein Inneres, von Amors Augen ausgefahren. " Vergleiche ferner noch Aeschylus im Agamemnon v. rj5o , in den Supplices v. 10. 17. und Athenäus i3. p. 56/j,. Da Petrarke in seinen süfsen Liebeständeleien über die schönen Augen, wodurch die Laura sein Herz unheilbar verwundet, und ein unauslöschliches Feuer in seinem Innern entzündet habe, so schwärmerisch - rührend seufzt, und unter abwechselnd lieblichen Bildern klagt, so wird es, hoff ich, nicht an» - 83 — In der isten Ode von Hafez, nach der Ausgabe von Reviczky: „ Deiner vergiftenden Augen Zauberkunst füllte mit Blut mein armes Herz. Siehe, wie du mich tödtest! " — unrechten Orte seyn, wenn ich liier einige Proben aus seinen Gedichten mittheile. Die Ausgabe , die ich vor mir habe, ist die, welche 1785 unter dem Titel: „Le Rime Italiane del Petrarca" von Valenti besorgt ist. P. 11. Hab' ich meinen Blick dahin gerichtet , i wo derMadama schönes Antlitz glänzet, Und denk' ich an das Licht (Feuer) zurück, was mich brennt und mein Inneres allgemach verzehrt, so etc. Pag. a8.: „so schöne Augen waren nie gesehen, weder in unsern, noch in der Vorwelt Tagen, die mich so verzehren, wie den Schnee die Sonne. " - 84 - R Contes et Fables Indiennes, T. I. p. 144. nach der Ausgabe von M. Car- donne: „Der Sohn brächte einen schneidenden Säbel, hundert Mal P. 36. : „ Ich fürchte mich so sehr vor dem Angriff ihrer schönen Augen, in welchen Amor und mein Tod hei» sammen wohnen, dafs ich sie fliehe, wie ein kleines.Kind die Ruthe. " P. g5.: „ Mehr als tausend Mal zwischen Einem Tag und Einer Nacht greifet Amor, ach! mich Armen an. Ich kehr" dahin zurück, wo ich die Funken leuchten sah, die meine» Herzens Brand unsterblich machen. " P- 94-i : »» I £n weifs nicht, wohin ich fliehen soll: so langen Kampf erduld' ich von ihterti schönen Augenpaar, dafs ich fürchte, des Kummers Ueber- maafs zertrümmere ganz mein Herz, das niemal» Ruhe hat. " — 85 — schrecklicher, als die Blicke der SchÖHen, und tausend Mal kostbarer, als der Korall ihrer Lippen. " Casiri bibliotheca Hisp. Arab. Escu- rial P. I. p. 85.: „Ha! wie willst du dich vor Wunden schützen, wenn dich ihre Strahlen treffen? " — Jones in Comment, p. 176.: „ Ihre Augbraunen glichen Bogen , worauf die Blicke tödtliche Pfeile schössen. " Aber nichts ist s) lieblicher, als die Vergleichung grofser, sanftblickender, lebhafter Augen mit denen einer Gazelle, zu denen die Morgenländer in Aren Schilderungen weiblicher Schönheit so gern und so oft zurückkehren. Da man nun nicht nur die Schönheit der Augen, sondern auch einzelne ■Theile des Körpers, ja die ganze weibliche Gestalt selbst mit der einer Gazelle vergleicht, so scheint es mir nicht ■ — 86 — zweckwidrig zu seyn, meine Leser vorher mit diesem niedlichen Thierchen genauer bekannt zu machen. — Eine schöne Beschreibung desselben findet man in folgender Schrift: „ Die Sitten der Beduinen - Araber " aus dem Französischen des Ritters Arvieux. Ueber- setzt und mit Anmerkungen und Zusätzen versehen von Ernst Friedrich, Karl Rosenmüller. Mit einem biblischzoologischen Anhang des Uebersetzers. Leipzig bei Haug's Wittwe 1789. — aus welcher ich, mit Uebergehung aller gelehrten Untersuchungen, blos das hie- her Gehörige ausheben will. „ Das Thier ist halb so grofs als ein Damhirsch. Der Rücken ist braunroth, der Leib weifs. Eine braune Linie scheidet an den Seiten die Farbe des Rückens und des Bauches. Die Hörner sind rund, sechszehn Zoll lang, bei der Wurzel rückwärts, nachher etwas vorwärts gebogen, mit etwa dreizehn Ringen von der Wurzel an geringelt. An jedem - ö 7 - Knie ist ein Haarzopf. Es wird häufig angetroffen in der Barbarei, a) Egyp- ten, b) Arabien c) und Syrien, d) Mehrere Zoologen und Reisebe- schreiber, die dieses Thier gesehen haben, namentlich Arvieux, Shaw, Has- selquist, Sparrmann, stimmen darinn überein , dafs es eins der schönsten des Morgenlandes sey. Mit völligem Recht erhielt daher die Gazelle den Namen Zebi, das schöne , zierliche Thier. Herr Sparrmann e) sagt von der, mit der unsrigen sehr nahe verwandten, kapselten Gazelle: „ Diefs Thier ist vielleicht die allerschönste von den Gazellen, und zeichnet sich insonderheit, a) Shaw's Reisen, S. 357. der deutschen Uebersetzung. Hoest's Nachrichten von Fez und Marocko, S. 294. b) Büffon Hist. Nat. XII. p. 202. c) Pallas Spicil. Zoolog. XII. p. i5. d) Rüssel Natural History of Aleppo, p. 64. e) Reise nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung, Berlin 1784. 8. S. 896. — 88 — wie die Gazellen überhaupt, durch sein« feurigen und schönen Augen aus; daher man es auch in einem Theile der Morgenländer auf eine sehr anpassende Weise als das gröfste Lob, welches man der Schönheit eines Frauenzimmers beilegen kann, ansieht, zu sagen: deine Augen sind wie die Augen einer Gazelle. " Frosper Albinus ä) : „ Die Gazelle ist ein Thier mit grofsen, schwarzen, ovalen und sehr schönen Augen. Daher man bei den Egyptiern im Sprüchwort von sehr schönen Augen sagt: ain el Gazel, d. h. Gazellen - Auge. " Maillet b) : „Man findet um Ale« xandrien herum Gazellen in großer Anzahl. Diefs Thier ist eine Art Rehbock, mit grofsen, lebhaften und feurigen Augen, so dafs wenn man die Augen des Frauenzimmers loben will, man sie ge- a) Historia Aegypti Nat. P. I. Lugd. Bat. i 7 35. p- a32. b) Description de fEgypte, la Haye 1740. T. II. p. 125. _ 8 9 - wohnlich mit den Augen dieses Thie- res vergleicht. " Hoest a) : „ Rgazal ist ein überaus schönes Thier, von der Gestalt eines Hirsches, und von der Gröfse einer kleinen Ziege. Seine schönen Augen, seine Beine und das übrige schöne Ansehen machen, dafs die Mauren ihre Geliebten in Liebesliedern mit Rgazellen vergleichen. " — *) a) Nachrichten von Fez und Marocko, S. 224. *) Efeen so erzählt Arvieux memoires, T. III. p. 297.: ,, Wenn die Araber etwas von der Schönheit eines Frauenzimmers sagen wollen, so zeigen sie die Gröfse ihrer Augen , und sagen : Sie hat Augen , wie die einer Gazelle. Alle ihre Gesänge rollen nur über die Schönheit ihrer Augen, die sie allezeit mit denen einer Gazelle vergleichen —■ und wirklich hat dieses Thier schöne, schwarze , gröfse, weitgespaltene und sanftblickende Augen. " Niebuhr's lleisebeschreibung, Theil I. — 9° — Eine artige Abbildung, nebst einer brauchbaren Beschreibung dieses glatten Thierchens, findet man S. 97. u. f. in D. Hufnagels Uebersetzung und Erklärung des Hoheliedes, Erfurt 1784. Dieses mag zum bessern Verständnifs des Folgenden hinreichen. Nun wollen wir zu den einzelnen Stellen selbst fortgehen. Motannabi Ged. 9. v. 2.: „Wie viele sind Märtyrer ihrer Gazellenaugen geworden ? " — Ebendas. Gedicht 17. v. 8.: „ Sie blickte mich an mit den Augen einer Gazelle in einer weinerlichen Stellung, und wischte das Regengesprühe über eine Rose mit Anam. " (Das Wort Sprühregen drückt die S. 176. : „ Den Tag vor unserer Abreise von Kahiro nach Damiatte sangen unsere Matrosen einige Liebeslieder, in denen sie ihre Geliebte mit Gurken von JDamask , und ihre grol'se schwarze Augen mit Gazellen verglichen. " — 9* — Thräne, die Rose die Wange aus; Anam, die rothe Beere, steht für den nach Art der Araber damit gefärbten Finger.) Dem Sinn nach gehört auch hierhin Motannabi's s5. Gedicht, obgleich das Wort Gazelle fehlt, i. „ Selten geneset der, dessen Krankheit die weitgespalte- nen Augen *) sind. Denn das ist eine *) Grofse Augen sind nicht nur im Koran als Bild schöner weiblicher Augen aufgestellt, z. E. Sura 52. 20.: „ Wir ■wollen sie zusammengesellen mit weissen grolsäugigten Mädchen " (es ist die Ilede vom Paradiese); sondern kommen auch im Homer und andern griechischen Dichtern als solche vor. — So braucht Homer häufig das Epitheton Farrenäugig, wenn er schöne Augen eines Frauenzimmers schildern will. — Z. E. Ilias 1. 55i. U.5Ö2. von der Juno; 18, 40. von einer Nymphe; III. M4- von der Aethra, Pitheus's Tochter; vgl. Hesiod. in s. Theogonie 355.; *Pindar Pyth. Hymne III. 162. In die Schönheit der Gazellen sind die Morgenla'n- — 92 — unheilbare Krankheit, die schon vorzeiten viele Verliebte weggerafft hat. " — o. „Wer davon eine Probe sehen will, der so verliebt, dafs sie reizende Mädchen überhaupt mit denselben vergleichen. Vergl. Khaab Ben Zohair, den isten Vers, der schon oben angeführt ist; ferner Abulola, ein Dichter aus dem eilften Jahrhundert, sagt im 18. v.: „ Der Rebellen Kinder machen sie zu Waisen, und der Gazellen Jungen verlassen sie. " Ebend. v. 38.: „ Fürwahr in dieser Nacht hatte die Gesellschaft eine Sonne (schönes Mädchen) und eine junge Gazelle sehen können. " Aus einem Manuscript, p. m. 5t+. , welches Lette in s. Kommentar über Khaab Ben Zohair anführt: „ Meinem Geiste schwebte vor eine junge Gazelle, zart von Stimme, schlank von Wuchs." Aus Dahmen Ibn Amru dem Cela- biten: „ Eine Gazelle mit einer zarten Stimme , deren bezaubernde Schönheit des Weisen Herz bestrickt, und den Thor - 93 - blicke mich nur an. Meine Gestalt ist ein Bufsprediger (ich behalte das Reis- kische Wort mit gutem Vorbedacht bei) ■ ■ ■. durch List wie aus einem Hinterbalte tödtet. " Abuaniras in einem Manuscript: „ Keine Fü'sprache fand Eingang und gefiel, als die von der Gazelle, der Tochter Marwans. " Ex collectione variorum, p'. m. 47- •' „ Ich sah im Bade eine Gazelle, schön wie der Vollmond in einer finstern Nacht. " Abulfedae Tab. Syriae, S. 2.^. heifsts: „ Mein Herz war zu Tel Azaza (einer Burg nahe bei Halep) bei der flinken Gazelle. " Vergl. noch Ibn Doreid, v. i. (Anhang IV.) und Tograi, v. 29- Schön beschwört der Brätitigam im Hohenliede 2. v. 7. die Töchter Jerusalems bei den Rehen oder Gazellen, die schlummernde Braut nicht aufzuwecken : Ich beschwör' euch, Jerusalems Töchter, bei den Rehen, bei den Hindinnen der. Der arme Ibrahim seufzt in diesen Versen; ein Pfeil aus deinen Augen hat mein Herz durchbohrt. .2. Ach! wann wird die Stunde des Besitzes kommen ? Mufs ich noch lange warten ? Die Süfse deiner Reize hat mein Herz entzückt. 3. Ach! Suitana! Hirschäugige— ein Engel unter den Engeln! Ich sehne mich — aber meine Sehnsucht bleibet unerfüllt. Kann es dir Vergnügen machen, mir mein Herz zu rauben? — ioa — Stanze 4. 1. Mein Geschrei durchdringt die Himmel! Meine Augen schliefst kein Schlaf! Kehr' zurück zu mir, Sultana! dafs ich mich an dem Anblick deiner Schönheit weide. 2,". Lebe wohl! ich geh' ins Grab: Rufst du mich, so kehre ich zurück. Mein Herz ist wie Schwefel heifs, *) seufze nur, so wird es flammen. *) Schön ist in diesem Verse die Allgewalt der Liebe ausgedrückt, die, wie in allen Sprachen, so auch hier, mit einem lodernden Feuer verglichen wird. So auch Togrni, v. 23.; ferner Motan- «abi, i3. v. 4.: „ Ich habe durch der Liebe Feuer einen Brand empfunden, Wodurch sogar des Gazaholzes Flamm' erloschen ist. '* (Gaza ist eine Art harten Holzes, das dem Feuer sehr lange widerstehen soll, so dafs ein von solchem Holz angezündetes Feuer ganze 40 Tage brennen soll. — io4 — 3. Krone meines Lebens, meiner Augen schönes Licht,.r Meine Sultana! meine Prinzessinn! Ich reibe mein Gesicht gegen die Erde — ich schwimm' in heissen Thränen — ich rase! Hast du kein Mitleiden mit mir — willst du mir keinen deiner Blicke gönnen? Noch erst strahlt unter der Morgenröthe der Stirne das grofse schwarze Auge .. mit allen seinen bezaubernden Reizen — aber allmählig erhebt sich die spitze kleine, in geradem Ebenmaafse liegende Nase wie aus dem Nebel hervor. " Ferdosi poems , p. 343.: „ Ihre gerade Nase liegt in geradem Ebenmaafse ausgestreckt. " Reiske.) Vergl, über die Harte des Gazaholzes Pars Provferbb. Meidani ed. H. A. Schultens, 1795. p. 25<2. Ferner, Ibn Dorekl, v. 1.7. Ovid Trist. iL 407. 11. 607. Tibull IV. i& ig, Sappho-, in der zweiten Ode, v, 10, — io5 —- Jones de poesi Asiatica, p. 176.: »Ihre Nase ist, wie des Degens Schärfe, spitz. " Hohelied 7. v. 7.: „Deine Nase, wie der Thurm auf Libanon, der nach Damaskus schauet. " Die Wangen des Mädchens müssen, Wenn sie der Morgenländer schön finden soll, entweder wie die glänzenden Himmelskörper, Sonne und Mond, reizend strahlen, oder wie die lieblichsten Blumen sanft blühen. So Loves of Camarupa and Camalata p. 184. (Anhang N. XV.): „Hier waren zwei junge Becherträgerinnen, deren Wangen wie der Vollmond strahlten. " Jones in Gramniar of the Persian Language, p. 44., aus Hafez : „ Die Wangen der jungen Becherträgerinnen stehlen der Sonne ihren Glanz. " Mit keiner Blume bezeichnen die Morgenländer die frische Bölhe der Wangen so oft, als a) mit der Böse. — io6 — Hafez Ode X.: „Vollkommen war der Rose schönes Bild — geprägt axif ihre Wangen. " Loves of Camarupa and Camalata, p. 2a5.: „Ihre schöne Gestalt strahlte wie der Morgenthau auf dem Grase von den Perlenthränen, welche von ihrer reizenden Wange, die die blühende Rose an frischer Röthe übertraf, lieblich herabtröpfelten. " Hafez in der zehnten Ode: „ Die Rose verfärbte sich beim Anblick ihrer Wangen; der Jesmine Silberknosp' erblafste. " Jones in Comment. P.A. p. ijsi.j „ Ich schwöre bei der Rose ihrer Wangen. " Ebendess. Grammar of the Persian Langaage, p. io5.: „ Jeden Morgen blühten am Rosenstrauch Rosen, schön gefärbt wie die Wangen herzentzückender,Mädchen."*) *j) Anakreon vergleicht schön in der 54« 0*le, wo er ein Mädchen, das ihn we- — 107 — 2. Mit Basilium. — So Hafez in Poems Consisting, p. 191.: »0 süfse, liebliche Basilie, was bist du, mit ihrer frischen Wange verglichen? " 3. Mit der Anemone. S. Jones in Komment. P. A. p. 176.: »Siehaltezwei Wangen blühend wie Anemone. " Pag. i85.: „Der Wein, roth vor der Mischung, blafs nach derselben, hat zwei Farben, die der Narcisse und der Anemone. Meiner Freundin Wange gleicht dem lautern Wein; versetzest du ihn mit Wasser, so hast du des Liebenden Farbe. " gen seiner grauen Haare geflohen hatte, zu bekehren sucht, seine grauen Maare der Lilie, und die Wange des Mädchens der Rose, wenn er im 7ten und 8ten Vers ausruft: „ Siehe, wie schön läist ein Kranz von weissen Lilien und Hosen geflochten ! " — — io8 — Ebend. Abu Narras über den Apfel: „ Des Apfels eine Hälfte ist aus Lilie» gebildet; Aus des Granatapfels BlüLhe und Anemone die andere: Als hatte die Liebe nach derTrenmvng der Geliebten Wange mit des Lieben* den Wange vereinigt. " 4. Mit der Narcisse. „ Gieb sie mir, die schöne Narcisse, lieblicher nach meinem Blick' als die Rose; als wäre ihre glänzende Weisse vo» den Wangen des Mädchen«» die Blässe von meinen liebenden Wan' gen genommen. " Dunlcelrothe , schwarze Lippen * unter denen blendend weisse Zähne hervorstrahlen , müssen den kleinen Mun<* der schönen Morgenländerinn, wen 11 sie gefallen soll, artig schiiefsen. Dah e,: auch die morgenländischen Frauenzü* 1 ' mer, wie bei der Erklärung des Kupf el ' s — io 9 — aus Reisebeschreibungen dargethan ist, ihre Lippen sehr häufig bemahlen. Contes et Fables Indiennes, T. I. p. 44. ed. 1778.: „ Der Sohn brachte ein Schwerdt, tausendmal kostbarer als der Korall ihrer läppen. " The loves of Camarupa and Camala- ta, p. 2c5-: Zu einer andern Zeit duftete ihre korallenfarbige Lippe wie die Blüthe'einer offnen Rosenknospe. " Jones in Comment. P. A.p. 176.: „Ihre beiden Lippen waren wie zwei Karneole roth. " 'Ebendas. p. 121.: „ Ich schwöre beidemFiubin deiner lächelnden Lippe." Mehrere Beispiele anzuführen enthalte ich mich, weil uns im folgenden Artikel noch einige vorkommen werden. Aber in nichts erschöpft sich der Morgenländer so sehr, als in der Schilderung der schneeweissen Z,ähne seiner Geliebten, die er bald mit einer Perlen- °der Smaragdenschnur, bald mit Schnee- 110 tropfen, bald mit einer glänzendweissen Blüthe vergleicht, und die, verbunden mit der dunkelrothen Lippe, viel An- muth über das Gesicht verbreiten. Tarapha: ,,Es war im Stamm eine Gazelle mit schwarzen Augen und dunkeler Lippe, mit einer Doppel-Reihe von Perlen und Smaragd geschmückt. " Khaab Ben Zohair, v. 3.: „So oft Sie lächelte, liefs sie die weissen Zähne blicken. " Hariri in s. Consessus II. p. 84.: „ Ihre schonen Zähne glänzten wie Perlen, Hageln, oder ein Tropfer» kostbaren Weins, weifs schimmernd wie Kamillen- oder Palmenblüthe. " P. 100. ebend.: „Sie regnete Per» len aus den Narcissen, die die Rose benetzten, und bifs mit dem Hagel di e Trauben. " D. h.: Aus ihrem schmachtenden m Narcissus-Auge flössen Thränen (Perlen) die Rosenwange herab. Durch das letzte Bild „dieTrauben" werden die rothgefärbten Fingerspitzen verstanden, und durch den Hagel die Zähne. Ein ungenannter Dichter: „Diesem Mädchens Zähne glänzen heller, als der Perlen Beere. " Ein anderer: „Ihr Speichel zwischen der natürlichen Weisse ihrer Zähne und der braunen Farbe ihrer Lippen." Abu Ebodeh Alboktheri: „ Lächelte sie, so erschienen Hagel und Kamillenblüthe, nebst einer schönen Perlenschnur. " Ein anderer Dichter: „Durch deiner Zähne Weisse beschämst du die Kamillenblüthe. " Ferdosi poems, p. 343.: , » Bund sind ihre Augenlieder, und **»re schneeweissen Zähne, von der Hand ^r Natur schön geformt, werfen einen bellen Glanz. " Jones in Comment. p. 121.: „Ich schwüre bei deiner Zähne Perlenschnur. " P. 176. : „ Des Mädchens Mund schmückten Zähne,, wie Perlen an eine Korallenschnur schön gereiht. " P. 192. : ,, Die frische Narcissus- blüthe gleicht der Gelieb te v n -weissem Zahn. " Hariri Cons. 18. (vergl. Jones in Comment. p. 458.): „ Durch ihr Lächeln machte sie die Perlen verächtlich, und die Korallen wohlfeil; durch ihren Gesang forderte sie die Nachtigallen zum Wettkampf auf, und machte Babylons Zauberkünste wahr; sprach sie gar, so bestrickte sie des Weisen Herz, und zwang ihn von seiner Burg herab. " Nahas zu Tarapha , v. 6.: „ Rein *) war ihr Mund, frisch ge- «) Wenn die morgenländischen Dichte 1 der weissen Zähne bei einem Frauen' — n3 — "waschen ihre Zähne, schwarz das Auge, rosenfarb die Lippe. " Mehrere Beispiele liefert Lette in Deborae et Mosis Cantico (v. Sylloge dissertat. phil. exegett. P. I. p. GGj.) V ■ zimmer Erwähnung thun, so rühmen sie meistenteils ihren reinen nnfl lieblich duftenden Mund, und loben das kühle frische Wasser desselben , (den Speichel) das sie mit Wein und Honig vergleichen, und bei den Küssen gleichsam zu berühren und einzuschlürfen wähnen , daher die Küsse süfser als Honig schmecken. Antara in vita Timuri, T. IL , p. 24g,: „Ich küfste gerne die Schwerdter, weil sie glänzten, wie dein reiner Mund." Schultens zu Hariri Consessus II. p.98, führt eine Stelle aus der Hamasa an, wo Mädchen gerühmt werden weger» des frischen Speichels ihrer Lippen. Motannabi 9. v. 10.: „Ein kühles frisches Wasser schimmerte zwischen den blendend weissen Zähnen lieblich durch, wenn sie lächelnd ihre Lippen sanft verzog. " H — n4 ~ Jones in Comm. Poes. Asiat, p. 194.; „ Bei dem glänzenden Frühling und seinen reizenden Blumen, der Narcisse und der Parthemium, wovon jene des Mädchens Augen, diese ihren Zähnen gleicht. »' Ebendas. 17. v. 7. : „ Als sie mich küfste, schmeckte ich Wasser des Lebens auf ihren Lippen. " Ebend. 4 2 - v. 1,: „Ist das Thau deiner Lippen, oder Wasser aus den Wolken , oder Wein , wa9 in meinem Munde eiskühl ist, aber im Herzen wie eine glühende Kohle brennt? " Ebend. 58. v. 1.: „Das Wasser ihre» Mundes wird entehrt, vergleicht man es mit des Honigs Süfse. " Jones in Comment. P. A. p. 176. : „ Des Mädchens Lippen waren süfser als Honig, und kühlender als klare» Wasser. " p. iai.: ,, Ich schwöre bei ihrem liebU* chen Duft und bei dem süfsen Wasser» das von ihren Lippen fliefst, wie H"* nigseim und Tropfen Weins. " — n5 — Weifs, stolz und hervorragend ttufs der weibliche Hals seyn, wenn Ibn Doreid, v. 117.: „ Als mit mir scherzte eine zarte und weiche Schöne, ward ich heftig krank, aber durch einen ihrer Küsse wieder bald gesund, die wie rother Wein mit Wasser unter' mischt mir schmeckten, und die kosten kann, wer ihren kühlen Speichel schlürft, der zwischen ihrer Zähne Weisse und der Lippe dunkeler Farbe bebt." Hafez: „Herzu die Lippen, küsse die Wangen, und schlürfe den wie eine Hose lieblich duftenden Wein. " Im Hohelied an mehrern Stellen, und vorzüglich V. v. 1.: „Deine Lippen, o Geliebte, triefen Honigseim ! Milch und Honig ist unter deiner Zunge." Auch in griechischen und römischen Schriften kommen ähnliche Beispiele vor. Aristaenet 1, 12. p. 6i.: „Ihr Hals duftete nach Ambrosia, und süfs ist ihr Athem: küs?est du sie, so glaubest du — n6 — ihn der Morgenländer reizend Enden soll. *) Amrallceis Moallakah, v. So.: „Ihr Hals ist wie der Hals einer weissen Gazelle , wohlgestaltet — wenn sie ihn erhebt, und mit schönem Schmuck geziert. " Aepfel zu riechen mit Rosen vermischt." Aluphroii I. 38. p. 78.: „Sül'ser und unverfälschter Nektar flofs von /ihren Lippen. " 1 Horat. B. 1. Ode XIII. 5. nennt süfs die Küsse der Lydie, die init dem fünften Theil ihres Nektars Venus Deträufelt habe. *) Des Kinns finde ich in den arabischen und persischen Gedichten weiter keine Erwähnung gethan, als in der 14. Ode von Hafez nach lleviczky, wo das Grübchen im Kinn als Beweis weiblicher Schönheit gerühmt wird. V. »•: „Lieblich wie der Mond strahlt dein heiteres Gesicht; reizend schön ist das Grübchen in deinem Kinn. " — 11 7 — Jones in s. Commentar, p. 17G.: s , Ihr Hals ist wie ein indisch' Rohr gelenkig-. " Hohelied 7, v. 7.: „ Dein Hals gleicht einem Thurm von Elfenbein. " K. 4. v. 4.,: „Dein Hals wie Davids Thurm, gebaut zur Waffenburg. " Nachdem ein schüchternes Gazellenauge unter den dunkeln Augbraunen sanft hervorblickt, und aus dem rabenschwarzen Muskus duftenden Haar sich ein Paar glänzende, blühende Wangen in runder Fülle erheben — ein süfses Verziehen der Lippen eine Perlenschnur von glänzendweissen Zähnen enLhüllt, Und bereits ein schwanenweisser Hals schön proportionirt über der gewölbten Brust prangt, wollen wir, um uns zu erholen , und nicht von der Reize Menge Dezaubert oder verwirrt zu Werden, den Pinsel einstweilen niederlegen, und uns z Ur Abwechslung von dem lieblichen dichter Anakreon einen Abrifs zu einem — xi8 — Gemähide einer schönen Griechinn entwerfen lassen, den er in der 28.Ode uns aufstellt. „Wohin! mahle du, unter den Mahlern der erste Meister in der Rhodischen Kunst, a) mahle meine abwesende Geliebte genau, wie ich dir es sage. Mahle mir zuerst weich' und schwarze Haare, Z>) und wenn's das Wachs c) erlaubt, lafs sie auch von Salbe triefen. _a) Die Rhodier thaten sich schon in den frühesten Zeiten in der Mahlerei hervor, 1 so wie in mehrern andern Künsten, die auf dieser glücklichen Insel blühten. — ¥ün. H. N. VII. 38. XXXV. 10. b) Also hielt Anakreon auch schwarze Haare für die schönsten, wie die Morgenländer. c) Ueber die Kunst der Alten, in Wach» zu mahlen, s. Sulzers Theorie der schönen Künste unter dem Art. Enkaustisch, und Pün. H. N. 35. XI» — iig — Unter den dunkelen Haaren aus der ganzen Wang' heraus wölbe sich eine glatte Stirn, glänzend weifs wie Elfenbein, d) Die Haare zwischen den Augbraunen trenne nicht zu merklich, noch lafs sie in einander fliefsen. Die gekrümmten Augbraunen, der Augenlieder schwarze Rand e) müssen sich bei dieser wie bei jener d) Das Elfenbein soll das Glänzende und Weisse zugleich ausdrücken, und wird bei den Alten sehr häufig in der Schilderung weiblicher Schönheit gebraucht. So gofs, Odyss. 18. 202., die Venus göttliche Anmuth über die Penelope, und gab ihr eine glänzendere Weisse, als selbst das Elfenbein nicht hat. Ferdosi poems, p. 33a. heifsts von Mehrabs Tochter: „Ihre Schönheiten waren fleckenlos wie Elfenbein." Und eine Stelle in der Hamasa sagt: „ Zarte Mädchen, meist wie Säulen von Elfenbein, gingen rei- \ zend einher, " •) Schwarze Augbraunen galten demnach — lao — < sanft in einen Punkt verlaufen. Das Auge mache genau aus Feuer, zugleich blau wie Minervens, f) schmachtend zugleich wie Cytherens Auge. Mahle Nas' und Wangen Rosenroth mit Milch vermischt; die Lippe sey wie die der Pytho, g) zum Kufs einladend. An den Rand des weichen Kinns auch im Analcreontischen Zeitalter für schön. — f) Im Original heilst das Wort „feucht" — das steht aber für sehnsuchtsvoll, schmachtend üheihaupt, wo das Auge gleichsam schwimmt und leicht hin und her schlüpft. Wieland ahmt's oft wörtlich nach, z. E. in seinem Endymion, v. 437. g) Durch dieses Wort wird die Kraft der Ueberredung, der Lockung im Allgemeinen, und die hinreissende Macht der Beredsamkeit ins Besondere angedeutet. um den marmorweissen Hals h) müssen alle Grazien sich lagern. Uebrigens umflattere sie ein purpurfarbenes Gewand: Nur ein wenig Fleisch spiele sanft hindurch , und mache nach den verborgenen Reizen lüstern. Doch halt ein! ich seh' sie schon. Bald wirst du, o Wachs, selbst reden." Verirren sich die Blicke des glühenden Morgenländers von dem glatten Hals seiner Geliebten auf ihren Elfenbein- oder Lilienweissen Busen, (denn 'durch beide Farben drückt er die schöne Weisse desselben aus) so läßt er die beiden Brüste in runder blühender Fülle "Wie ein Paar Granatäpfel, oder wie ein Schneehügel sanft aufgebläht, unter dem h) Im Original steht: „ urn den wie Indischer Marmor weissen, ,d. h. sehr weissen Hals. " Dorm auf der Insel Lydus wurde sehr weisser Marmor gegraben. S. Plinius II. N.36. 8. — IÜ3 — sie verhüllenden Gewand schüchtern beben. ■*) Jones in Comm. Poes. Asiat, p. iai.: „Ich schwöre bei den Brüsten, die wie Granatäpfel sich über der Fläche sanft erheben. Ebend. p. 176.: „ Des Mägdleins Brüste waren wie zwei Granatäpfel voll und rund. " Anthologia sententt. Arabb. edit. *) Von der Vergleichung der beiden Brüste mit jungen Zwillingsrehchen wird unten in dem Abschnitt: „vom Hohelied" die Rede seyn. Von dem Busen überhaupt ist in folgenden Stellen die Rede. Ferdosi poems, p. 332.: „Ihres Busens Wölbung — welche Phantasie könnte die je mahlen! " Amralkeis, v. 01.: „Ihre Brust war glatt und glänzend wie ein Spiegel. " Jones in Comment. P. A. p. 176- : „ Ihr Busen stieg in schöner Wölbung» wie eine Quelle auf. " Schultens, N. 145.: „ und des Soldaten Speer löste die Granatäpfel ihrer Brust.*' Bei dieser Stelle führt Schultens p. 167. mehrere Beispiele von ähnlichen Redensarten aus arabischen Schriftstellern an. Man sehe ferner die Antwort, die Theokrit, Idyll. 27. v. 49., der muth- willigen Daphnis der muntern naiven Schäferinn gibt, mit der er auf dem Grase spielte und schäkerte. Aristoph. Eccles. v. 897.: „ denn üppige Fülle blähet die weichen Hüften und das runde Aepfel-Paar. " Vergl. Toup emendationes in Sui- dam, T. II. p. 117. Poems consisting chiefly of trans- lations, N. 2. p. 19.: »Ihr Busen schöner als Hügel von Schnee, ^nd niedlich hüpfend, wie ein munteres Reh; ftire Lippen duftender als Sommerluft, — iS4 — und $üfser als scythischer Moschus ihr Hyazinthen-Haar. " Amru Moallakah, v. i5. (s. Anhang N. 2.) : ,, Und zwei lieblich schöne Brüste, wie elfenbeinerne Gefäfse glatt und weifs, sanft geschützt gegen deren Hand, die sie zu berühren sich erdreisten. " Jones in Grammar of the Persian Language, p. nö.: „ Und der Mädchen Gesicht mit dem lilienweissen Busen duftete nach Jasmin. " , ■ Bevor wir in unserer Beschreibung weiter fortgehen, -wird es nöthig seyn, uns bei der Frage etwas zu verweilen: •womit die schlanke Gestalt, den emporstrebenden Wuchs seiner Geliebten der Morgenländer zu vergleichen pflege? i. Mit einer Fichte: so in Poems consisting chiefly of translations, p. 198. in einer Ode von Hafez: „0 Fichte, welche Ehre verdienst du* — 125 — im Garten, mit ihrer schlanken Gestalt verglichen! " Eben dieser Dichter sagt S. 367. : „ Mein erhabenes Herz zitterte wie eine Weide, aus Sehnsucht nach einer Freundinn, an Gestalt und Wuchs der Fichte gleich. " 2. Mit einer C y p r e s s e: so Hafez: „Reizend ging sie einher, wie eine schlanke Cypresse. " Jones in s. Grammar of the Persian Language, p. 57. in der schon oben angeführten Stelle aus Hafez: ji „ Ich weifs nicht, warum die Mädchen, schlank wie Cypressen, mit ihren .Schwarzen Augen, glänzend wie der 1 - . ■ Mond, nicht haben die Farbe der Liebe." ... Ferdosi poems, p. so3.: . »Mit nicht mehr, Grazie bewegt sich die schlanke Cypresse im Winde." 3. Mit einem Sevenbaum: ebendaselbst S. 33s.: — iQß — „ Zu Zal sprach so ein Krieger aus seinem Heer: DieserMehrab hat eineTochter, glänzender schön, und lieblicher, als die Morgensonne strahlend; schlank wie der Sevenbaum, göttlich schön. " 4. Mit einem Palmbaum: so Hohelied 7. v. 10.: ,, Dem Palmenbaum gleicht dein Wuchs. " wobei Rupert! Dafar-El Hadad citirt, den Abulfeda in seiner Beschreibung p. 8. anführt: „ Gleich den Palmen schmücken sich zartnackige Mädchen, und bekleiden sich mit dem Halsgeschmeide ihrer Frucht. " nach der zierlichen Uebersetzung von Amnion in seiner Schrift: „ Salomo's verschmähte Liebe " S. 11 o. So reizend, anmuthig, und wie ich hoffe, interessant die einzeln Sehn' — 127 — derungen, die wir nach der Reihe kennen gelernt haben, manchem gewesen sind, so ekelhaft, anstöfsig und grobsinnlich werden die wenigen Bilder seyn, die noch vorzuführen übrig bleiben. Ich bitte daher jeden delikaten Leser, damit am Ende dieses Versuchs kein widriger Eindruck in seiner Seele zurückbleibe, diese paar Stücke, die ich, ohne mich dem Fehler der Unvoll- ständigkeit nur gar zu sehr auszusetzen, unmöglich auslassen konnte, zu übergehen, und sich desto mehr an den lieblichen Oden von Hafez zu weiden, die gleich darauf in dieser Schrift einen Platz einnehmen werden. Ein morgenländisches Frauenzimmer mufs nemlich, wenn es vollkommen schön seyn, und das Männerherz bestricken soll, einen durchsichtig dünnen, hagern, oder wie Reiske sich ausdrückt, schmächtigen Leib, aber dabei dicke, plumpe und gleichsam vor Fett strotzende Hüften haben, die jenen — 12» — aufrecht halten und vor dem Umsturz sichern müssen; wie folgende Beispiele nur gar zu deutlich machen werden. Amralkeis Moallakah, v. So.: „Ich fafste sie hei ihres Hauptes Haar __; sie hog sich sanft: zu mir herüber: dünn war ihr Leib, dick und stark die Hüfte. ," V. 5i.: „Weifs war ihre Haut, dünn und schlank ihr Leib, und ihre Brust wie ein Spiegel glatt." Vergleiche. v. 36. ebendaselbst. Amru Moallakah, v. 16.: „Zart von Wuchs, enthüllte sie ihren schlanken, schon proportionirten Körper, und ihre Seiten, die im Gefolge ihrer Beize prächtig sich ausdehnten." V. 17.: „Und ihre Lenden, so lieb- lieh strotzend, dafs des Gezeltes Thür sie zu fassen kaum vermag U und ihre Hüften— deren schöne Wölbung mir den Gebrauch meiner Sinne vor Entzücken raubt. " — 12g —• Diesen gleichsam durchsichtig dünnen , ganz, hagern Leib, dem die dicken plumpen Hüften fast alles geraubt haben, vergleicht der sinnliche Morgenländer mit einem Mandelreis, das der Wind hin und her bewegt; dahingegen diesen ein watschelnder Gang, wo die Schöne wie eine Gans von einer Seite zur andern sich fortschleppt, bald mit ihr aussöhnt, wenn auch viele der einzeln angeführten zur Schönheit gerechneten Eigenschaften fehlen sollten, Motannabi, Ged. 6. v, 5.: „Sie ist ein Zweig, der auf zwei Sandhügeln der Wüste wächst. " D. h. Ihre schwerfällige, schneeweis- Se Hüften gleichen einem Paar weisser s andluigel in der Wüste, worauf ihr dünner Leib, als ein schlankes Muskatenreis, wenn die schöne Dame, wie eil *e Gans, lieblich watschelt hin und * er > wie vom Winde bewegt wird. Ebendas. Ged. 42. v. 2.: „Ist das I 150 ein schlanker Zweig, oder ein Sandhügel ? " Gedicht 56. v. 4.: „ — Die Spröde, die Schwerhüftige, deren liebliche Töne dieVögel von den Zweigen herablocken." V. 5.: „Ihre strotzenden Hüften machen ihre Kleider von ihren beiden Gürteln weit abstehen. " V. 6. : „ Heftig zitternd ob ihrem ■watschelnden Gang sanken Kleid und Gürtel herab , stützten die Arme sie nicht. " Gedicht 58. v. 7.: „ Ihre Taille wird entehrt, vergleicht man sie mit einem Muskatenreise. i( Den Eindruck, den die einzelnen aus Motannabi angeführten Stellen auf den Leser gemacht haben werden, kann ich nicht besser verstärken, als wenn ich beim Schlüsse dieser Materie ein in sei' ner Art einziges Gemische von eineö 1 zwar widrigen, aber nichts desto we* 11 ' o-ev lächerlichen Galimathias aus eben diesem Dichter mittheile. Es steht G& — »3x — dicht 60. v. 7., und lautet folgendermaßen : „ Zwei Granatäpfel bog mir entgegen ein Muskatenreis, gewiegt ypm Mond, und von den Lenden festgehalten. M D. h. Als die Dulcinee Abschied von mir nahm, drückte sie mich an ihre Brust. Ihr Leib war schlank wie ein Muskatenreis. Ihre beiden Brüste glichen zwei Granatäpfeln, ihr Gesicht dem vollen Mond. „ Sie watschelte und schwankte im Gehen, dafs man fürchtete, sie falle; aber die dicken Lenden erhielten sie im Gleichgewicht. " *) *) Nach Volney Voyage en Syrie et en Egypte, T. I. 1787. p. 99., ist den Tür- . ken ein Gesicht wie der Vollmond, und Hüften wie Kissen, ein Bild weiblicher Schönheit. S. 373. : „ Den Beduinen (den als Nomaden herumziehenden Arabern) sind folgende Stücke vorzügliche Beweise von weiblicher Schönheit:: Schwarze Augen, — l52 — Die übrigen zu beschreibenden Theile von weiblicher Schönheit (denn dem oft nur "-ar zu undelikaten sinnlichen Mor- genländer in der Schilderung Aveiblicher Reize überall zu folgen, erlaubt die Wohlanständigkeit und unser feiner gebildetes abendländische Gefühl nicht) werden uns um so weniger lange beschäftigen können, da wir denselben morgenländischen Geschmack in ihrem Urtheile über Schönheit und Häfs- lichkeit, den wir in dem zulezt durchgeführten Artikel kennen gelernt haben, grofs und sanft, als die einer Gazelle; der Blick melancholisch und voll Liebe; die Augbraunen gekrümmt, wie zwei Bogen von Ebenholz (also sehr schwarz); die Taille gerade und sanft wie eine Lanze; der Gang leicht, wie ein junges Hühnchen ; die Augenlieder mit Kahal geschwärzt; die Lippen blau gemahlt; die Nägel mit Alhenna goldgefärbt; die Brüste wie ein Paar Granatäpfel: die Worte suis wie Honig. " 5rr auch hier wieder antreffen werden. Daher einige wenige Beispiele hinreichen mögen. Weisse, runde und volle weibliche Aerme, zu denen wir jetzt fortgehen, lieben die morgenlhndischen Dichter eben so sehr, als unsere neuern Dichter, nur mit dem kleinen Unterschied,-dafs jene den Superlativen Grad verlangen, wie folgende zwei Stellen (denn mehrere anzuführen, enthalten wir uns aus guten Gründen) beweisen können. Amni Moallakah, v. 14-: ,, Sie liefs zwei reizende *) Aerme sehen, schön und voll wie die Glieder einer langhalsigen schneeweis- sen jungen Gemse, die im Frühling über Sandbänke und grüne Hügel hüpft. " *) Im Fingal, B. 1. p. i3., heilst's von der Morna : ,, Deine Aerme sind gleich zwei weissen Pfeilern in den Hallen des mächtigen Fingais. " — i j4 — Motannabi 56. v. 8.: „Ihre Aerme zersprengen vor zu starker Fülle ihre beiden Armbänder, (eigentlich: sind feind ihren beiden Armbändern) wobei Reiske (denn da wir uns jetzt von Mon- tannabi auf immer trennen werden , so kann ich nicht umhin, eine von den kraftvollen Beiskischen Anmerkungen, worauf ich schön oben aufmerksam gemacht habe, hierhin zu setzen) anmerkt: „ So möchte man bei uns etwa einen Bauerdrommel von einer Kühmagd beschreiben. " Die andere Hälfte des Verses ist zu ekelhaft, als dafs ich ihr in dieser Schrift einen Platz anweisen könnte. Wie der Fufs der schönen Mofgen- länderinn beschaffen seyn müsse, ob grofs undplump, öder klein und niedlich, wie der einer Chineserinn, kann ich nicht sagen > da mir keine bestimmte einzelne Beispiele hierüber vorgekommen sind. Nur zweimal lind" ich der Beine Erwähnung gethan, wo sie a) — i35 — mit zwei Säulen von Jaspis oder glattem Marmor verglichen werden; als Amru v. i5.: „ Mit zwei reizenden Säulen von Jaspis oder glattem Marmor, an welchem Ringe und Spielereien hangen, die ein geräuschvolles Getöse machen. " b) Mit einer Palmröhre. Amralkeis , y. 36.: „Ihr Bein glich einer Palmröhre, von Wasser getränkt." Nachdem ich meine Leser mit dem Geschmack der Morgenländer, vorzüglich der Araber und Perser, in Hinsicht auf weibliche Schönheit, so weit es das geringe Maafs meiner Kenntnisse und Baeine individuelle Lage es mir erlaubten , bekannt gemacht, und in ihrer Gesellschaft das morgenländische Frauenzimmer aus ganz orientalischen Augen vom Scheitel bis zurFufssohle betrachtet habe; so können wir uns nun allmählig der königlichen Braut im Lied der Liebe Mähern. Damit aber derüebergang nicht gar zu rasch sey, und der unangenehme IC 36 — Eindruck, den die zunächst vorhergehenden Beschreibungen auf Manchen werden gehabt haben , so viel als möglich verschwinde, auch zugleich der Leser Gelegenheit bekomme, sicli auf eine gefallende Weise mancher gehabten Schilderungen wieder erinnern zu können ; so werd' ich hoffentlich Nachsicht erhalten, wenn ich jetzt ein paar Oden aus dem lieblichen Anakreontischen Dichter hier folgen lasse. Dieser Dichter, der i388 gestorben ist, hat uns eine Sammlung von mehr als 5ooOden hinterlassen, die von Wein, Liebe und Rose handeln, und sich durch einen Reichthum von angenehmen Bildern, durch süfse Tändeleien, Wohllaut und Geschmeidigkeit sehr empfehlen. — Das neue Persische besteht aus dem Arabischen und dem alten Parsi — welches letztere sich in einem ebenen Lande', unter einem reizenden Himmelsstrich voll lachender Gefilde bildete, - io 7 - daher sich auch die persischen Gedichte durch Süfsigkeit, sanfte Bilder und An- muth auszeichnen. Es säuseln lauter Zephyre, es blühen nichts als Rosen in diesen Gedichten. *} *) Den Unterschied zwischen der arabischen, persischen und türkischen Sprache kann ich meinen Lesern nicht hesser und zugleich naiver angeben, als mit den Worten Chardins, die wir in s. Voyage en Perse, T. II, p. 102. nach der Amsterdamer Ausgabe v. 1711. in Quart, lesen: „ Sie (die Perser) sagen, dafs die arabische , persische und türkische Sprache eben so alt als die Erschaffung der Welt wären, und dafs alle drei im Paradiese geredet worden seyen. Die Schlange, die unsere Stammältern verführte, redete Arabisch — welches die beredte, starke, überredende Sprache ist. Adam und Eva unterhielten sich auf Persisch, d. h. in einer süfsen , liebkosenden, schmeichelhaften Sprache, die, wie man weifs, der Eva so gut gelang — der — i33 — Mit dem zehnten Jahrhundert ohtt- gefähr fängt die Blüthe der persischen Poesie an, und dauert bis ins fünfzehnte Jahrhundert. Engel Gabriel aber , welcher sie aus dem Paradiese jagte, fing Türkisch zu reden an, weil er, wie er ihnen den Befehl, aus dem Paradiese zu gehen, Arabisch —• aber vergebens — ertheilt hatte, sich zuletzt dieser drohenden, furchtbaren Sprache gegen sie bediente, worauf sie gehorchten. Die oben angeführte Ode aus Hafez Veranlafst mich, folgende mit dem Inhalt derselben ganz verwandten anrtm- thigen schönen Verse aus Shakespear's Poems, p. 207., mitzutheilen , die ich aber, damit der Leser die innernSchön- t lieiten derselben stärker empfinden, und sich zugleich an den lieblichen Bildern, die darinn so sanft mit einander ab-' wechseln, recht weiden könne, im Original einrücken will. „ The forward violet thus diel I chide gweet thief! whence dielst thou steal thy sweet that smells; — log — Doch, um wieder zu itnserm Dich- ter Hafez zurückzukehren — in der ersten Ode," die ich hier nach Herder's schöner Uebersetzung (zerstreute Blät- ter » Samml. 4. p. 90.) einrücken will, If not from my loves breath? The pur- ple pride, Which on thy soft cheek for complexion dwells In my loves vein thou hast too grafsly ttied. The lily I condemned for thy hand; And buds of majoran has stol'n thy heir, The roses tearfully on thorns did stand; One blushing shame, another white dis- pair A third, nor red, nor white had stol'n of both; And to his robb'ry had annex'd thy breath; **Ut for his thefts, in pride of all bis growth A vengeful canker eat him üp to death. M ore flow'rs I hoted, yet I none coul als die kraftvolle blühende Fülle der — i65 — Gemsen anzeigen, und darf gar nicht gedeutet Verden. — V. a.: „ Deine Zähne weifs, wie ge- schornes Wollenvieh, das neugewaschen aus der Quelle steigt; Zwillingsgebährerinnen sind sie alle und Kinderlose keine. " In diesem Verse werden an der reizenden Schöne Weisse und Wohlgestalt der Zähne und Reinigkeit des Mundes gepriesen, welche Stücke, wie oben unter dem Artikel ,, Zähne " gezeigt worden ist, den ich wieder nachzulesen bitte, einen vorzüglichenTheil der weiblichen Schönheit ausmachen. Die beiden letzten Züge in dem Bilde sollen blos den gesunden und blühenden Zustand der Heerde ausdrücken, und leiden keine besondere Anwendung. V. 3.: „ Ein Purpurstreifen sind deine Lippen, reizend deine Sprache. *- 164 — Ein aufgeschnittener Granatapfel Unter dem Schleier deine Wangen. " Dunkelfarbige Lippen bilden mit der weissen Perlenschnur von Zähnen einen lieblichen Kontrast, und geben, wie wir bereits wissen, dem weiblichen Gesicht einen schönen Reiz. Anfänglich hatte ich die letzte Hälfte dieses Verses so übersetzt: „Wie des vollen Apfels Hälfte strahlet deiner Wangen jede reizend schön durch des dünnen Schleiers Ritze. " — Und angenommen, der Dichter vergleiche die runden blühenden Wangen des Mädchens überhaupt mit einem vollen Granatapfel — weil aber die Wange doppelt sey, und die Rückseite derselben nicht in die Augen falle, so theile er den Apfel in zwei Theile, und lasse ganz sinnlich jede Hälfte desselben die Wange bezeichnen, die durch den Schleier sanft hindurchschielt. Aber die Schwierigkeiten, die mir das hebräische Wort — i65 — Pelach in den Weg legten, und die ich nicht ganz wegräumen konnte, hiefsen mich die andere gewöhnlichere Erklärung vorziehen, nach der die schöne rothe Farbe des aufgeschnittenen Granatapfels mit der Wange verglichen wird. V. 4.: „ Dein Hals wie Davids Thurm, gebauet zur Waffenburg. Tausend Schilde hangen an ihm — - lauter Schilde von Helden. " Schön proportionirt und fest steht der Hals über der gewölbten Brust des liebevollen Mädchens — weiter nichts soll die kühne, unser abendländisches Gefühl freilich stark beleidigende Ver- gleichung mit Davids Thurm anzeigen. Das Wort Thurm reifst den Dichter gleich zu einer Beschreibung der Bestimmung des Thurms und dessen, was darinn enthalten ist, fort __ welche einzelne Stücke aber eben so wenig» als die Süfsigkeit der Frucht, wo vom Apfelbaum die Rede war, und eben so wenig als das Zwiliingsgebähren und die Kin- — 166 — derlosiglceit, und eben so wenig als K.4, i3. die einzelnen Gewächse, n. s.w. hier speciell auf den kostbaren Halsschmuck gedeutet -werden müssen, wie fast alle Kommentatoren, die ich bei dieser Stelle verglichen habe, wie mir scheint, ganz gegen den Geist der orientalischen Dichter gethan haben. Man sehe nur, was über den Gang, den die arabischen und andere orientalische Dichter in ihren Gedichten nehmen, im Anhang N. II. III. IV. V. VI. bemerkt ist. V. 5.: „Deine beiden Brüste gleichen zwei Zwillingsrehchen, die unter Lilien weiden. " Schon blickte' das schmachtende Taubenauge des zärtlichen Mädchens durch den lichten Schleier sanft hervor, schon wallte das rabenschwarze Haar den schueeweissen Nacken herab — schon hatten sich die dunkelfarbigen Lippen geöffnet, und liebliche Töne hervorge- lispelt — aber noch war der lilienweis- se von Rosenroth durchglühete Busen i — 167 —* wie von einem dünnen Nebel umhüllt. Auch dieser sinkt, und siehe da! die holden Zwillingskinder der Liebe steigen schüchtern, aber voll und rund, wie junge Rehchen, vor den Augen des wonnetrunkenen Bräutigams, wie einst Cy- there aus den Fluthen des Meeres, herauf. — V. 9.: „Du entzückest mich, o Schwester Braut, du entzückest mich diirch einen deiner Blicke, durch Eine Kette an deinem Halsgeschmeide. " V. 10.: ,,Wie schon ist deineLiebe, >'i du Schwester Braut! Wie erquickender ist deine Liebe, ■ denn der beste Wein! Der Duft von deinen Salben, als alle Wohlgerüche! V. 1 1.: „ Von Honig triefen deine Lippen, Milch und Honig sind unter deiner Zunge j *» 168 — und starker noch als Libanons Geruch ist deiner Kleider Duft. " Alle diese Bilder finden theils in der morgenländischen Gewohnheit, sich mit wohlriechenden Sachen zu begies- sen, und die Kleider mit allerlei köstlichen Gewürzen zu parfümiren, wovon weiter oben ausführlich geredet worden ist, theils in dem, was bei Gelegenheit im Artikel von den Zähnen gesagt ist, ihre Erläuterung. V. 12.: „Ein verschlossener Garten bist du, meine, Schwester Braut, ein verschlossener Quell, ein versiegelter Born. ** Durch das Bild eines Gartens und einer Quelle wird der höchste Grad von weiblicher Schönheit bezeichnet, weil der hitzige Morgenländer einen schattigen Garten und eine erfrischende, kühlende Quelle für die höchste Glückseligkeit hält. Ist nun der Garten gar ummauert, und die Quelle versiegelt, so soll dadurch die Unschuld und Scham- .— 169 —- haftigkeit der Braut, die mit allen ihren Gefühlen sich blos um den Liebling ihres Herzens schmiegt, ausgedrückt werden. K. 7. v. 4.: ,, Wie niedlich sind deine Schritte in den Schuhen, du flinkes Madchen! Die Schlingungen deiner Hüften sind wie ein Kettenschmück , von des Künstlers Meisterhand verfertigt. " Im ersten Gliede scheint auf die noch jetzt im Orient herrschende Gewohnheit angespielt zu seyn, nach der vornehme Frauenzimmer goldene oder andere kostbare Fesseln um die Knöchel der Füfse legen, den Schritt gleichförmig und zierlich zu machen , wenn man ^icht lieber, da im vorhergehenden Vers v on dem Tanz die Rede war, an das leichte Hüpfen des Mädchens in den festlichen Reihen denken, und die Stelle ■Anakreon 6. v. 7. vergleichen will« — Gefällt das letzte, so können die Schlingungen der Hüften die ineinander ---- l'JO ---- verschlungenen Wendungen im Tanze bezeichnen, wo die Kreisbewegungen des Mädchens ganz sinnlich den Schwingungen des Kettenschmucks um den Hals verglichen werden — wo nicht, so denke man an den Gürtel, der sich so oft um die Hüften windet, wie die Kette um den Hals. V. 5.: „Dein Nabel ist eine runde Schaale, (ein runder Becher) • • • dem es nicht an Wem gebricht. Dein Bauch ein Weizenhügel, mit Lilien umkränzt. " Die letzte Hälfte enthalte ich mich aus guten Gründen weiter zu erklären; was aber die erste betrift, so erlaubt es der Zweck dieser Schrift nicht, die verschiedenen Erläuterungsversuche, die sich bei dieser Stelle mir aufgedrungen haben, dem Leser hier mitzutheilen. Ein jeder denke sich also so viel und so wenig bei dieser Vergleichung, als er kann oder will. — i 7 * — V. 7-: „Dein Hals ein Thurm von Elfenbein, Deine Augen Hesbons Teiche am Thor der Menschenreichen Stadt. Deine Nase wie der Thurm auf Libanon , der nach Damaskus schaut. " Das Gerade, Emporstrebende und Feste des weissen Halses wird sinnlich stark mit einem Thurme von Elfenbein Verglichen. Ungefähr eben so kühn vergleicht der Psalmist Ps. 144. v. 12: Töchter mit schön gehauenen Ecksäulen, um dadurch ihre Schönheit und besonders c Üe Länge und Schlankheit: ihres Leibes z u erkennen zu geben; und Ossian Fin- gal, S. i5., die Brüste der Morna mit zwei glatten Felsen. „ Klar und gleichsam schwimmend wie Hesbons Teiche sind ihre Augen. " Durch die dritte Vergleichung wird das Hervorragende und die schöne Pro- Portion der Nase bezeichnet. — 172 — V. 8.: „ Das Haupt auf dir ist wie der Karmel. Deines Hauptes hangend Haar wie dunkeler Königspurpur > - der in Ringeln um die Schulter wallt." V. 9.: „Wie schön bist du , und wie so lieblich, o Traute, in allen deinen Reizen." V. 10.: „Dem Palmbaum gleichet dein Wuchs, deine Brüste seinen Trauben. " V.u.: „Wie war's, dacht'ich, stieg auf den Palmbaum ich» und hing mich fest an seinen Zweigen. Deine Brüste sollten mir statt Trauben dienen; deiner Nase Geruch wie Aepfelduft anwehen. " Diese kurzen Auszüge aus dem Ho' henliede, dieser lieblich duftenden Bim me in dem mannichfaltig reizende 11 Kranze, den uns hebräische Propheten und Dichter gewunden haben, bei de' nen ich es gegenwärtig ungern beweO" — i 7 3 — den lassen mufs, weil es der Zweck deiner Schrift nicht anders gestattet, glaub' ich nicht besser beschliefsen zu können, als wenn ich ihnen die schöben letzten Worte, womit das eigent- bche Buch ausströmt und gleichsam Erhallt, als festes Siegel aufdrücke. K. 8. v. 6.: „Präge ein Siegel mich auf dein Herz, ein Siegel auf deinen Arm! Denn stark, wie der Tod, ist Liebe, unerschütterlich, wie die Unterwelt, ihr Eifer. Ihre Pfeile glühende Pfeile, Flamme des Herrn. Viele Wasser löschen sie nicht — die Liebe, und Ströme reissen sie nicht ein. Und gab' ein Mann auch all' seine Schatz' um Liebe, fcurHohn und Verachtung würde ihm zu Theil. « Tod und Holle, Gluth und Blitz, tcö me und Wasser, Haus und Guth — i 7 4 — kommt zusammen, dde Stinke, die Ewigkeit der Liebe zu bewähren. Sie hält fest wie der Tod, umarmt wie das Grab; sie glühet tief, sie flammet hoch: kein Feind, kein Hindernifs kann sie tilgen, sie überwindet Widerstand und Gefahr. Wo sie ist, ist sie allmächtig* und wo sie nicht ist, kann sie nicht er* zwungen, nicht erkauft werden; Reich' thum und Schätze werden um sie verachtet. (Lieder der Liebe S. 83.) Anhang von litterarischen, historischen und kritischen Anmerkungen über einzelne angeführte Schriftsteller. I. Hariri Consessus tres priores, 1701. edit. Schultern. __ — Consessus IV- VI. ab eod. ed. 1740. yon den 5o Konsessus des Hariri, der im Jahr der Hedschra 44.6 geboren und 5i6 gestorben ist, sind ausser den angeführten sechs nur noch der cGste von Reiskea) besonders herausgegeben; die a) Hariri Consessus XXVI. edit. Jo. Jac. Reiske, Lipsiae 1747. Ich kann von der Bearbeitung dieses Konsessus, da ich die lieiskische Schrift hlos aus öffentlichen Anzeigen kenne, weiter, nicht urtbeilen. —- 176 — übrigen alle liegen bis jetzt in der an orientalischen Manuskripten so reichhaltigen Bibliothek in Leiden vergraben, ä) a) Der Herr Professor Berg in Duisburg, unstreitig einer unsrer gründlichsten orientalischen Philologen in Deutschland , besitzt in seiner ungewöhnlich starken auserlesenen Bibliothek, ausser einem seltenen Schatz von mehr als 60 arabischen, vielen persischen und andern orientalischen Manuskripten, auch alle 5o Consessus Hariri. Eben dieser Gelehrte hat seit mehr als 3o Jahren, hei seiner ausgebreiteten Lektüre, die meisten einzelnen Bedeutungen, die Golius in seinem Wörterbuch den arabischen Wörtern beilegt, mit Stellen aus gedruckten und unge- druckten arabischen Schriftstellern, Lexikographen und Scholiasten belegt, und dadurch den Grund zu einem künftigen genauem Studium der arabischen Spr a " che und tieferm Eindringen in den Genius derselben möglich gemacht. Den" da Golius die einzeln Bedeutungen ei- — i 7 7 ~ Diese Konsessus, worinn der Reich- tlium der arabischen Sprache in vollen Strömen fliefst — die sich durch einen nes Worts gar nicht logisch geordnet, den Zusammenhang, worinn sie vorkommen, selten angegeben, und die Art der Konstruktion oft zu bemerken unterlassen hat, so ist klar, wie unsicher unsere Erläuterungen aus dem Go- lius allein, und wie oft die Gelehrten fehlgreifen müssen, die sich blos von der Autorität desselben leiten lassen. Ich glaube dieses durch ein Beispiel, das ich aus der schätzbaren Psalmenerklä- ' rang von Müntinghe, Th. 5. S. io5., entlehnt habe, naher ins Licht stellen zu können. Ich meyne das Wort •^5-'? welches Ps. 68, 14. vorkommt. Diesem Worte haben Michaelis und nach ihm Schnurrer, Dathe, Knapp und Döderlein, weil Golius V^a'mi durch: multum bibit, non expleta siti erklärt, die Bedeutung von Tränkrinrien gegeben, da doch dasselbe, das von den Arabern von Speise -" und Trank gebraucht wird, eigentlich M — i 7 8 — schonen Rednerschmuck, lind durch eine wahre Ciceronianische Beredtsamkeit (unter den gehörigen Modifikationen verstanden) empfehlen, und die, man mag nun auf die grofsen , erhabenen Gedanke n, die den Leser hinreifsen, auf die wohlge wählten, kühnen Bilder, womit einzelne Situationen gemahlt, oder so viel anzeigt, als ungesund, der Gesundheit nacht heilig seyn, wovon die Bedeutung: einen ungesunden Trank trinken, der, so viel man auch davon trinke , den Durst nicht löschet , gekommen ist, wie aus der Glosse des Gjeuhari: *» .» *5j *xo ££=>! föl ot ,**Jt oci«, deutlich' erhellt. Daher heilst auch bei Abulola: durch «ängstliche Nachahmung gezwungen, steif und schwulstig wurden. *) * 5 ) Da Mahomed an verschiedenen Stellen des Korans seine Schreibart als uner- reichbar , als wahrhaft göttlich gepriß" sen hatte, so bestrebten sich die nachfolgenden Dichter aus Andachtelei oder Ehrfurcht, entweder ihre Schreibart vo» diesem vermeintlichen Muster so weit als möglich entfernt zu halten , oder ahmten sie nach, so suchten sie ihre» Ausdruck mit Bildern , Blumen und Redensarten aus dem Koran zu verbrämen. In beiden ^Fällen verfielen sie i J1 Spielerei, Künstelei oder in unertrag" licben Schwulst und Bombast. Wie nach" tbeilig für die Ausbildung des guten ---- 205 ---- Doch blieb die Sprache im ersten Jahrhundert nach Mahomed rein, und Würde vielleicht noch lange unverfälscht geblieben seyn, wenn nicht im zweiten Jahrhundert die Neigung der Araber auf die spekulativen Wissenschaften gefallen Wäre — und dieses geschah durch die Abassiden. Diese trieben sich im Stu- Geschmacks überhaupt es gewesen, wenn die edelsten Köpfe der Nation durch Muster früherer Schriftsteller gar zu sehr gefesselt wurden , lehrt die Litterarge- schichte aller Zeiten nur gar zu deutlich , und in welche Fehler die lateinischen Schriftsteller des sogenannten silbernen Zeitalters gerathen sind, ist ja bekannt genug. Hier will ich blos auf die Gedichte des Silius Italicus aufmerksam machen, der durch eine sklavische Nachahmung des Virgils unerträglich weitschweifig, gedehnt und wässericbt wird, indem er nur gar zu häufig viele Verse hindurch Bilder auf Bilder häuft, ohne dafs der Hauptgedanke auch nur um etwas verstärkt würde. — ao6 — dium der Mathematik, Arzneikunde, Astronomie, Chronologie und Philosophie unaufhörlich herum, übersetzten die Schriften der griechischen Philosophen, Aerzte und Mathematiker, und fanden an den Werken der Einbildungskraft wenig Behagen. Ihr Ton ward zwar feiner und galanter, aber nicht so feurig und stark, als der bei den alten Dichtern. Ihre Schilderungen sind nicht mehr so lebhaft und so munter. Vom dritten Jahrhundert nach Mahomed war die Sprache äusserst verdorben, und trug gar zu auffallende Spuren von Un- reinigkeit an sich. Nach dieser kleinen Digression wollen wir zu unsern Moallakah's zurükkeh- ren. Die Araber vor Mahomed lebten» wie die Griechen zur Zeit des Homer» von Raub und Viehzucht, und liebten Blut- und Schlachtgesang. Gastfreiheit und Muth war ihr Vorzug; Edelmut und Tapferkeit ihr Schmuck; Ruhm be» der Nachwelt ihr Strebeziel. Und diesen Charakter finden wir nicht nur in den Moallakah, in den Ex- cerpten aus der gröfsern Hainasa, die hinter Erpenii Grammatica Arabica, ed. »748. abgedruckt sind, und in den Mo« numentis vetustioribus Arabiae, ed. Alb. Schultens, 1740.; sondern auch in den Werken Homers und Ossians vollkommen bestätigt. Denn Völker, die in einem ähnlichen Zustande der Sitten Und auf gleicher Stufe der Kultur leben, wo ähnliche Gegenstände und Leidenschaften auf den Menschen wirken und seine Einbildungskraft oder seine Seele auf gleiche Weise afficiren, bieten dem aufmerksamen Beobachter der Menschen ein ähnliches Gemähide dar, und ihre Geisteswerke müssen mit einem und demselben Stempel geprägt seyn. Zwar Verden Lebensart, Klima, der besondere Zustand oder eigenthümliche Charakter einer jeden Nation, und andere Einstände mehr, dieses Gepräge in einzelnen Zügen etwas umändern, aber — ao8 — doch nie so verwischen , dafs nicht dieselben Grundzüge überall durchleuchten sollten. Befinden sich nun gar diese Volker im Zustande ihrer Kindheit, oder auf der Stufe der Unkultur, wie hier der Fall ist, wo weder Luxus noch Weichlichkeit, weder Sittenverderbnifs, noch mannichfaltige Regierungsformen und Staatseinrichtungen, u. s. w. an dem Menschen gekünstelt und ihn unkenntlich gemacht oder verschlimmert haben; so wird diese Bemerkung um so viel gegründeter erscheinen. Und erst seitdem dieser Grundsatz in Ausübung gebracht, und zwischen mehrern Nationen, die auf gleicher Stufe der Kultur standen, Parallelen gezogen sind, hat man die Völker des Alterthums im Kreise ihres physischen und moralischen Zu- Standes betrachten gelernt, und, ohne unsere Begriffe und den Zustand unserer Zeiten zum Grunde zu legen, ihnen die Vorstellungsart, Sitten und Gebr'äu- — sog — che, und überhaupt den allgemeinen Charakter beigelegt, der den Zeiten, worinn sie lebten, eigenthüinlieh war. Dafs aber wirklich in den Werken Ossians, Homers, den sieben Preisge- dichten und den angeführten Schriften ein Geist herrsche, hoff ich durch Wenige kurze Bemerkungen zeigen zu können, wobei ich mich aber, um nicht zu weitläuftig zu werden, blos auf die *) Excerpte aus der Hamasa, die **) Monumenta Vetustiora Arabiae "•<) Hinter Erpenii Grammatica Arabien, ed. 1748. hat Schultens aus dem ersten und zweiten Buche der gröfsem Hamasa Stücke eingerückt, die Michaelis in seine arabische Chrestomathie aufgenommen hat, und die sich, ausser den angeführten Eigenschaften, durch grolle und erhabene Gedanken, durch weise Erfahrungen u. s. w. angenehm auszeichnen, und von Schultens trefflich erläutert sind. '-*) Monumenta Vetustiora Arabiae etc. und Ms. Nuweirci etc. ed. Alb. Schul- O — 210 — und auf die Gesänge Ossians und Homers einschränken will, da mich die obige Inhaltsanzeige, und das, was im Folgenden noch weiter davon vorkommen wird, der Mühe überheben, besondere Beispiele aus den Moallakah anzuführen. — Alle Helden Ossians beseelt Muth und Ruhm der Tapferkeit; die Thaten ihrer Vorfahren, die, wie schon oben berührt worden, durch den Gesang der Barden ihnen ins Andenken zurückgerufen wurden, suchten sie, wo nicht zu übertreffen, doch wenigstens zu erreichen; die Ehre, im Andenken der Nachwelt fortzuleben und in ihren Liedern tens, 1740. Diese Lieder gehören meist in die Zeiten vor Mahomed, und sind bei einem bestimmten Vorfall oder be» einer gewissen Veranlassung gemacht. Schultens hat in den Noten zu denselben aus meist ungedruckten histori- . sehen arabischen Werken Erläuterungen gegeben. an besungen zu werden, härtete sie <*egen die gröfsten Gefahren ab, und versilfste ihnen den Tod. So z. E. redet in dem Kriege von Inisthona, S. 31., der König von Morren Oscar an: „Sohn meines Sohnes, blick' auf unsern Ruhm! — denn du bist von einem berühmten Stamme entsprossen. Lafs nicht die Kinder der Ausländer sagen: Schwach sind Morrens Söhne! " Und wer erinnert sich nicht an die pathetische Anrede des alten Morin, Königs von Morren, mit der er seinem Sohne Gaul zum erstenmale seine väterliche Rüstung überreicht? (Vergleich« Lathmon im Anfang.): „ Hole mir die Waffen, die mein Vater in seinem Alter trug, denn mein Arm fängt an zu ermatten. Nimm diese Rüstung und renne in die erste deiner Schlachten. Dein Arm erreiche den Ruhm deiner Väter; dein Lauf auf dem *elde sey gleich des Adlers Schwingen. Was fürchtest du den Tod, mein Sohn? — 212 — Der Tapfere stirbt mit Ruhm; ihre Schilde treiben den Strom der Gefahr zurück, und Ehre ruht auf ihrem grauen Scheitel etc. " War's nicht Ruhm bei der Nachwelt, der Ossian beseelte, als er Gaul zurief: „ Unsere Väter werden unsere Tapferkeit preisen, wenn sie unsern Fall beklagen; ein Strahl von Freude wird ihre Seele erleuchten, während ihre Augen sich mit Thränen füllen. Sagen werden sie: Unsere Söhne sind ge- fallen, wie Gras auf dem Felde, denn sie verbreiteten Tod um sich her. " Eben dieses starke Gefühl von Schan' de undSchimpf, das die Helden mit dem Besiegtseyn verknüpften, war's, das Cu' chullin , aus Schaam, von Fingal überwunden zu seyn, in Turas Hole trieb- „Cuchulllq,, so sprach der Barde Carril zu Fingal, liegt in Tura's scheufslichef Hole; seine Hand ruht auf dem Schwerd* seiner Stärke — seine Gedanken hänge 11 an der Schlacht, die er verlor. Traur^ — Zi6 '—,. ist der König der Speere, denn oft ist er siegreich gewesen. Fingal B. IV. S. j 34. Eben dieser Drang, sich durch tapfere Thaten unsterblichen Ruhm zu erwerben , beherrscht alle Helden Homers. Um aus vielen Beispielen nur zwei zu Wählen — war's, nicht Ruhm der Tapferkeit, und die süfse Wonne, in berühmtem Andenken bei den Nachkommen fortzuleben , was Achill bewog , ein kurzes, thatenreiches Leben und eigenen Nachruhm einer Reihe in träger Mufse Und Lust durchlebter Tage vorzuziehen. Ilias I. 3Ö2. IX. 410. — Und was zieht tlektor aus den zärtlichen Umarmungen der Andromacha; was härtet ihn gegen die Thränen und das Flehen der Seinigen ab, als Krieges-Ruhm und Ehre, durch den Tod für's Vaterland Ruhm bei der Nachwelt einzuerndten ? II. VI. 440. f. In der Schultensischen Anthologie *thmet fast jedes Gedicht diesen Geist, öer Kürze wegen will ich blos die Seitenzahl, wo jedes Gedicht zu finden ist, — 2l4 — angeben: z. E. p. 33q. , Michaelis 6a. 63. in dem Gedicht des Abulkebyr des Hudeiliten; p. 440., Michaelis 74. in dem Gedicht des Taabbata Sjerran; p. 443., M. 80. in dem Gedicht des Bes- jama Ibn Hazini Nähsjalita. Denselben Charakter findet man auch in denMonu- nientis Vetustioribus Arabiae; siehe z.E. N. V. in Proelium ab Admenatidis et Cal- bitis adversus Homeiritas; N. VII. Carmen Hassan Ibn Noschba Adawensis in idem proelium; N. IX. Aliud adhuc ejusdem temporis in eundem casum 220 — dich davon überzeugen, versetzte ihm Tarapha, und verharrete so lange bei seiner Nachläfsigkeit, dafs die ganze Heerde zuletzt wirklich von den Mo- dacniten weggeführt -wurde — das war mehr als er vermuthet hatte. Er bat daher alle seine Freunde, ihm wieder zum Besitz seiner Kameele zu verhelfen __ unter andern seinen Vetter Malec, der aber Tarapha, anstatt ihm beizustehen, nur seine Nachläfsigkeit in seinen Geschäften, seine Verschwendung, Ausschweifung und Streitsucht vorwarf, indem er ihm vorhielt, dafs er ein Flecken seiner Familie sey, und unzählige Feinde sich zugezogen habe. Dieser Umstand veranlafste Tarapha 7,u seinem Gedicht, worinn er sein Betragen und seinen Charakter zu rechtfertigen sucht. Er thut grofs auf seine Neigung für's Frauenzimmer, und beginnt wie gewöhnlich damit, dafs er über die Abwesenheit seiner Geliebten ^- 2Ü1 — in bittere Klagen anstricht, deren Schönheit er mit lebhaften Farben schildert. Es wäre zu wünschen, dafs er uns mehr von seiner Geliebten gesagt, und weniger von seinem Kameel unterhalten hätte, wovon er eine lange, etwas ermüdende Beschreibung einmengt. Der Rest seines Gedichts enthält Lob seiner Tapferkeit, Freigebigkeit, Muth, vermischt mit heftigen Ausfällen auf das niederträchtige, undankbare Betragen Modacs. In einer Tradition hat uns Abu Obnida aufbehalten: dafs einer von den Emiren, dem der Dichter in dem achten Verse seine Aufwartung macht, ihn mit 100 Kameelen beschenkt, und dadurch in den Stand gesetzt habe, seinen Bruder zu überzeugen, dafs die Dichtkunst seinen Verlust ersetzen könne. II. Gedicht von Lebid. Obgleich der Anfang dieses Gedichts, das in einem sanften, elegischen Ton beginnt, Hirtensitten schildert, so scheint es doch seine Entstehung einem andern ----- ߣ>G -T* Umstand zu danken zu haben, als den Klagen eines Geliebten über die Abwesenheit seiner Geliebten. Denn unser Dichter, ein achter Patriot, am Hofe Slromann's, Königs von Hira in Mesopotamien, erzogen, war daselbst mit Rabejah, Sohn Zeiads, einem Chef der Absiten, über die Frage in Streit gera- then: welchem von ihren Stammen der Vorzug gebühre? Lebid behauptete den Ruhm seines Stammes, undvertheidigte seine Ehre gegen alle Vorwürfe; um diesen Sieg zu verewigen und seinen Triumph glänzender zu machen, ent- schlofs er sich zu seinem Gedicht. Die fünfzehn ersten Stanzen sind sehr mahlerisch und im hohen Grade charakteristisch für die arabischen Sitten , und sind begleitet mit einer heftigen Aeusserung von ihm oder einem seiner Freunde, der ihn überall begleitete, über die Thorheit seiner fruchtlosen Leidenschaft für Nawara, die ihn geschlagen und ihr Zelt fern von dem seinigen — aa3 — gesetzt habe. Dalier nahm der Dichter Gelegenheit zu einer langen Beschreibung von seinem Kameel, auf dem er ferne von dem Gegenstande seiner Liebe reisen wollte, und welches er, in Hinsicht auf die Schnelligkeit, mit einer Wolke vergleicht, die der Wind wegtreibt, oder mit einem wilden Esel, der nach einem See hinrennt, wenn er viele Monate auf der Weide zugebracht hat, oder vielmehr mit einer wilden Kuh, die begierig ihr Kalb aufsucht, das die Wölfe zerrissen im Walde zurückgelassen haben. Darauf kehrt er zu Nawara zurück, vergilt ihre Sprödigkeit mit gleicher Kälte, schildert die Freude, die er geniefse, und das Vergnügen, das ihm in ihrer Abwesenheit zu Theil werde; rühmt seine eigene Unerschrockenheit in Gefahren, seinen Muth im Kriege; was ihm den Anlafs gibt zu einer kurzen , aber lebhaften Schilderung seines Hosses. In der siebenzehnten Stanze s pielt er auf den Streit an, der diesem Gedichte seine Entstehung gegeben — und geht zuletzt über zum Lobe seiner Gastfreundschaft, das er mit einem Pa- negyricus auf die Tugenden seines Stammes schliefst. Ami alle eis. Der Dichter denkt sich, nach der Weise seiner Landsleute, auf einer Reise, begleitet von seinen Freunden, und als er sich dem Orte näherte, wo"elimals seine Geliebte wohnte , aber von wo nun ihr Stamm entfernt war, bittet er sie, ein wenig zu weilen, bis er seinen Schmerz durch eine Thrane über die Trümmer ihres verlassenen Ge- zelts lindere und seinem beengten Herzen Luft mache. Sie willigen ein, aber ermahnen ihn, mehr Starke der Seele zu beweisen, und schärfen ihm zweiHaupt- trostgiünde ein, nämlich: dafs er vorher gleich unglücklich gewesen sey, und das volle Maafs der Freuden genossen habe —, so war sein Kummer durch die Erinnerung an seine vorigen Vergnügungen gestillt. --- 225 --- Er gibt darauf seinen Freunden eine lebhafte Schilderung von seinen jugendlichen Vergnügungen, auf deren eine sie angespielt hatten. Es scheint, er hatte sich verliebt in ein Mädchen mit Namen Onaiza, aber kein Mittel gefunden, ihr seine Liebe kund zu thun. Eines Tages, als ihr Stamm aufgebrochen und ihren bisherigen Standort verlassen hat- te, folgten die Weiber, wie gewöhnlich, hinter den Uebrigen, mit den Sklaven und der Bagage, auf dem Rücken der Kameele sitzend. Amralkeis näherte sich sachte in einer Entfernung, und hatte das Vergnügen , als er den Stamm aus dem Gesichte verloren, Onaiza mit einigen ihrer Gespielinnen zu einem Bach hingehen zu sehen, der Darat jul j u 1 hiefs, wo sie sich auskleideten und badeten. Auf einmal erschien der Liebhaber (Amralkeis), setzte sich auf ihre Kleider, und schwur, keine solle zu dem Besitz ihrer Kleider — 2a6 — zurückkehren, die sich nicht nackt vor ihn hinstelle. Sie beschwuren ihn, drohten —■ da aber Amralkeis hartnäckig auf seiner Forderung beharrte, willigten sie end- lieh ein; nur Onaiza nicht, die ihre Schwüre erneuerte, und lange im Wasser blieb: doch zuletzt nahm auch sie die Bedingung an, und kleidete sich an. Einige Stunden nachher klagten die Mädchen über Kälte undHunger; Amralkeis tödtete augenblicklich das Kameel, auf dem er geritten , rief ihre Begleiterinnen zusammen, zündete Feuer an und briet es. Der Nachmittag verstrich unter angenehmen Gesprächen, nicht ohne erquickenden Wein, den er in ledernen Schläuchen mit sich trug. Als nun die Zeit zum Aufbruch gekommen war, hatte der Prinz weder ein Kameel, noch ein Pferd — daher ihm Onaiza, nach vielem Sträuben, einen Platz auf ihren* Kameele einräumte. Hierauf erzählt er seine Liebe zt* — 227 — Fathima, und seine noch gefährlichere Neigung zu einem Madchen aus einem Stamm, womit sein eigener Krieg führte, deren Reize er haarklein und mit einer Fülle von Worten beschreibt, __ Von diesen Liebeserzählungen geht er zum Lobe seiner Tapferkeit über, als er in einer diehtJinstern Nacht eine Wüste durchreisetej die Erwähnung des Morgens, der darauf folgte, führt ihn zu einer langen Beschreibung einer Jagd im Walde, die sich mit einem Schmaufs von dem Wild endigte, das er mit seinem Speer erlegt hatte, Hier scheint seine Erzählung durch einen Sturm, vom Blitz und heftigem Regen begleitet, unterbrochen worden ZU seyn. Erhaben schildert er den Sturm Und die Bäche, die von den benachbarten Bergen herabstürzten, und da sich «eine Freunde entfernen, dem Sturm zu entgehen, so hat das Stück ein Ende. Zohair. Der Krieg von Dahis, den, nach Einigen, Amralkeis veran- — 2Q8 — lafst haben soll, hat fast vierzig Jahre unter den Stämmen Abs und Dho- byan so schreckliche Verwüstungen angerichtet, dafs beide, endlich des Blut- vergiefsens müde, sich nach Ruhe sehnten — ein Traktat war vorgeschlagen und geschlossen; nur Hos ein, der Sohn Dem dems, dessen Bruder Harem durch Ward, den Sohn Hab es, erschlagen ward, hatte einen feierlichen Eid gethan, er wolle sein Haupt nicht eher in Wasser baden, bis er den Tod seines Bruders dadurch gerochen habe, dafs er entweder den Ward selbst, oder einen von seinen nächsten Verwandten umgebracht habe. Sein Haupt blieb lange ttngewaschen; er soll selbst das Recht der Gastfreundschaft durch die Ermordung eines Gastes gekränkt haben» der ein Absite war, und in gerader Linie von dem gemeinschaftlichen Vorfahren Galeb abstammte. Diese Bosheit und Rachsucht verursachte Harem un» Hareth , zweien tapfern Häuptern — 22g — ' desselben Stammes, mit Hosein einen tiefen Schmerz, und als die Absiten in einem kriegerischen Anzug heranrückten, den Bundesbruch zu rächen, sandte Hareth seinen eigenen Sohn zum Zelte ihres Oberhauptes, mit einem Geschenk von 100 schönen Kameelen, zur Aussöhnung für den Mord ihres Landsmanns, und einen Boten, der förmliche Genugthuung versprach, und dafs er hoffe, sie würden die Milch der Kamee- le dem Blute seines Sohnes vorziehen. Auf dieses Rabejah hielt der Fürst von Abs eine Bede an seine Truppen, und als er ihre Einwilligung bekommen hatte, schickte er den Jüngling mit der Antwort zurück: dafs er die Kameele als Aussöhnung annehmen, und die Un- vollkommenheit des vorigen Traktats durch einen aufrichtigen und achten Frieden ergänzen wolle. Zum Andenken dieser edeln Handlung machte Zo- hair, der damals schon ein alter Mann "War, seinen Panegyricus auf Hareth und — ßoo --- Harem — doch ist der Anfang des Liedes, gleich allen andern, amatorisch und elegisch. Der Dichter, der sich auf der Reise mit einem Freunde denkt, erkennt den Platz, wo zwanzig Jahre vorher das Zelt seiner Geliebten aufgeschlagen war: er findet ihn öde und verlassen; aber der Gedanke an seine vorige Glückseligkeit erwärmte seine Einbildungskraft so sehr, dafs er einen Haufen junger Frauenzini« mer zu bemerken glaubte, in deren Mitte seine Geliebte prange, von deren Pracht er eine recht lebhafte Schilderung entwirft; von da geht er freilich etwas schnell zum Lobe der zwei Friedensstifter und ihres Stammes fort ; schilt gegen die Bosheit Hoseins, personiiizirt den Krieg, dessen Verheerungen er in einer sehr mahlerischen Poesie schildert, und schliefst mit einer Zahl schöner Maximen , den Sprüchwörtern Salomo's an Werth nicht ungleich, die er seinem Freunde als eine Probe von Weisheit mit- 251 — theilt, welche er durch lange Erfahrungen sich gesammelt habe. Antara. Dieses Gedicht scheint etwas älter zu seyn, als das von Zohair, denn es mufs während des Kriegs von Dahis gemacht seyn. Antara, der galante Absite, zeichnete sich sehr früh im Kriege durch seine Tapferkeit aus, indem er den Stamm von Dhobyan angriff, und rühmt sich in diesem Gedichte, dafs erDemdem erschlagen habe, den Vater von Hosein und Harem, den Ward, Sohn von Habes, nachher tödtete. Eine alte Feindschaft dauerte, wie's scheint, zwischen unserm Dichter und diesen jungen Leuten fort, die, wie Antara glaubte, ihn ohneAnlafs verläum- det hätten. Sein Hauptgegenstand in diesem Gedicht war daher, seine eigene Thaten herauszustreichen , und unversöhnlichen Hafs gegen seine Verläumder zu bezeigen: doch ist dieser so unangenehme Gegenstand durch einen oft elegischen und aleatorischen Ton gemil- ■— 252 — dert; denn eben dieser rachsüchtige, ungestümme Krieger fand sich doch verbunden, der Sitte der arabischen Dichter nachzugeben, die, wie er sich beklagt, wenig ner.e Bilder ihren Nachfolgern gelassen. Er liebt an mit einer pathetischen Anrede an die Laube seiner geliebten Abla und an die Ruinen ihres verlassenen Hauses: er klagt über ihre schnelle Abreise, die Entfernung ihres neuen Aufenthalts und die unglücklichen Zwi- stigkeiten zwischen ihren beiderseitigen Stämmen : er schildert seine Liebe und die Schönheit seiner Geliebten mit grosser Energie j dann geht er über zu seinem eigenen mühevollen Lebenslauf im Kontrast gegen die üppige Indolenz der Schönen, und gibt eine starke Beschreibung von seinem Kameel, das er mit einem Straufs vergleicht,- der zu den Eiern hineilt, die das Weibchen in einem entfernten Thal verlassen hat. Dann geht er fort zu seinen Thaten, zu seiner Nach- _ 2 33 — sichtigkeit gegen die, welche ihn gütig behandeln, und zu seiner Unbiegsamkeit gegen die, welche ihn beleidigen — spricht darauf von seiner Gleichgültigkeit gegen den Reich thum, von seiner Fröhlichkeit und Freigebigkeit, und vorzüglich von seinem militairischen Muth und Unternehmungsgeist, über den er sich im übrigen Theil seines Gedichts triumphirend verbreitet, vier Stanzen ausgenommen, wo er dunkel auf ein Liebesabentheuer anspielt — und nach manchen lebhaften Schilderungen von Schlachten und einzelnen Gefechten, schliefst er mit dem Wunsch: dafs er so lange leben möge, bis er die zwei Söhne von Demdem erschlagen — und mit einem bittern Frohlocken über den Tod ihres Vaters, den er den wilden Thieren und den Gegnern zur Beute gelassen. VI. Gedicht von Amru. Es ist wahrscheinlich, dafs die beiden Stämme Beer und Tagleb, nach- — 264 — dem sie sich in einem langen Kriege entkräftet hatten, den der Mord von Co- leib des Taglebiten veranlagst hatte, dahin übereinkamen, dem verderblichen Zwist ein Ende z.U. machen, und den König vonHira-Amru zu ihrem Schiedsrichter zu machen; dafs an einem bestimmten Tage die Stämme sich vor den königlichen Pallast oder Zelt versammeln sollten, und dafs Araru, der Sohn Celthums, Fürst der Taglebiten, entweder sein Gedicht aussprach nach den Sitten der Araber, oder seine Ansprüche in einer feierlichen Sprache hielt, die er nachher versifkirte, damit sie desto leichter bei seinem Stamme und seiner Nachkommenschaft im Andenken bleiben möge. Das Gedicht ist über alle Vorstellung anmafsend. Der Prinz war sehr wahrscheinlich ein eiteler junger Mann, stolz, auf seine Thaten, und aufgeblasen über den guten Foitgang in seinen Kriegen: aber sein Produkt mufste sehr ge- — 235 — mein unter seinen Landsleuten werden, und seine eigene Familie, die Abkömmlinge Josham's, des Sohns Beer, waren so vernarrt in dasselbe, dafs sie fast nie aufhören konnten, es zu wiederholen, und glaubten, sie hätten schon den höchsten Gipfel des Ruhms erreicht, ohne dafs sie weitere Proben der Tapferkeit zu geben brauchten. Er hebt an in einem wahrhaft Anakreontischen Ton, indem der elegische Stil der vorigen Dichter zu seiner heftigen Freude und Triumph nicht pafste; doch findet man einen Anstrich von Klage über die Abwesenheit seiner Geliebten, deren Schönheiten er mit einer Kühnheit und einer Energie schildert, die in hohem Grade unpolizierte Sitten charakterisirt. Der Rest seines Werks besteht in Drohungen, Prahlereien und übertriebenen Lobpreisungen seines eigenen Stammes, die seinen Edelmuth und Tapferkeit, die Güte ihrer Pferde, die Schönheit ihrer Weiber, den Umfang ihrer Besitzungen — 236 — und die Zahl ihrer Schiffe zum Gegenstand haben — welche Prahlereien so wohl gegründet waren, dafs, einigen Schriftstellern zufolge, wenn Mahomed nicht geboren wäre, die Taglebiten die Herrschaft über ganz Arabien sich ange- mafst, und vielleicht einen mächtigen Staat zu Wasser und zu Lande gegründet hätten. VII. Hareth. Als Amru geendet, stieg Hareth auf und hielt folgendes Gedicht. Obgleich, wenn wir Asmai glauben, der Dichter um diese Zeit bereits über 100 Jahre alt war, so soll er doch seine Verse mit solchem brausenden Feuer herausgeströmt haben, dafs er, ohne es zu merken, seine Hand mit der Sehne seines Bogens verwundete, an den er, nach Art der arabischen Redner, sich, während er sprach, gelehnt hatte. Hareth beginnt damit, dafs er die Königin Aso- ma, die hinter dem Teppich zuhörte, bekouiplimentirte. Er scheint einen an- — 23 7 — dem von seinen Günstlingen (Vertrauten) aufgeführt zu haben, weil so die Matter des Königs hiefs, und er priefs den Monarchen selbst, als ein Muster der Tapferkeit, Gerechtigkeit und Grofs- muth. Die Beschreibung, die er ein- ilicht, ist sehr kurz, und er eröffnet die Vertheidigung seines Stammes mit Nüchternheit und Mäfsigung; aber so wie er weiter kommt, scheint sein Unwille sich zu erhitzen, und der Rest seiner Rede besteht in heftigen Expostulatio- nen und bittern Sarcasmen, nicht ohne Gründe und eine Menge Anspielungen auf Facta, die uns nur unvollkommen bekannt seyn können, obgleich sie bei seinen Zuhörern in frischem Andenken haben seyn müssen. Der allgemeine Gesichtspunkt seines Gedichts ist so zu fassen : dafs von Rechtswegen kein Schimpf die Söhne Becrs treffe, wegen der vielen Unglücksfälle, die die Tegle- biter ausgestanden hätten, und die vorzüglich durch ihre eigene Sorglosigkeit — 258 — veranlagst worden wären. Diese Rede oder Gedicht wirkte auf den königlichen Schiedsrichter so viel, dafs er zu Gunsten der Becriten entschied, und darüber sein Leben einbüfsen mußte. III. Caab Ben Zoheir. Carmen Panegyricum in laudem Mu- hamedis , ed. Lette 1748. *) Dieses Gedicht, dem Amralkeisi Mo- allakah (vergl. oben) angehängt ist», hat Lette mit einem sehr brauchbaren Kommentar versehen, worinn er einzelne Wörter und Konstruktionen, Dichterbilder, u.s.w. durch eine Fülle von Beispielen aus Scholiasten, und theils gedruckten, theils ungedruckten Werken *) Wahl in seinem Magazin für morgenländische Litteratur, Lieferung I. S. 77. hat diese Bearbeitung von Lette in ei- nem Auszug mitgetheiit, und Lief. 3. S. 46. dieses Gedicht übersetzt. — sag — zur Genüge erläutert, und auf das A.T. stets gebührende Rücksicht nimmt. Der Verfasser des Gedichts, der zur Zeit Mahomeds gelebt hat, beginnt mit einer Anrede an seine geliebte Soad, de-» ren Schönheit er schildert, und da er im dritten Verse ihre glänzenden Zähne dem Wasser, mit Wein vermischt, verglichen hatte, so läfst er sich im vierten und fünften Verse in eine Beschreibung dieses Wassers ein. Im sechsten Verse kehrt er zu seiner Geliebten zurück, und klagt über ihre Treulosigkeit und Wankel- muth bis Vs. is. Darauf beschreibt er die Abreise der Soad in ein fernes Land, wohin nur edeleKameele kommen , und (man bemerke den Uebergang!) dieses verleitet den Dichter zu einer detaillir« ten Schilderung von dem Kameel, die sich sogar bis auf die einzelnen Knochen erstreckt, und herzlich langweilig ist, worinn auch Vs. 20. der Familie des Kameeis in Eliren gedacht wird. Nach dieser langen Einleitung handelt der — 24.0 — Dichter das Thema selbst, das Lob auf Mahomed, ab, das er mit einer Digres- sion auf die Anhänger des Propheten schliefst. IV. Ibn Doreidi Poemation cum Scholiis Arab. Excerptis Chaluviae et La- chumaei etc. ed. Aggacus Haitsma St. Theol. D. et Ecclesiastes Middelumensis Franequerae 1770. Eben dieses Gedicht ist herausgegeben von Scheid, 1768., aber blos mit dem arabischen Text; 1786. gab er es unter dem Titel heraus: Abu Becri Mohame- dis Ebn Hoseini Ebn Doreidi Azdiensis Katsyida 'L Mektsowra s. Idylli 11m Arabicum latine redditum et brevisshuis scholiis illustratum, 17ÖC. Harderovici. Nach Herbelot, in seiner Bibliotheca Orientalis p. 3oo. ist Ibn Doreid in Bassora geboren, und 3a i. der Hedschra gestorben, (nach CG. 94.3.) lebte aber zu Bagdad, wo er eine Lehrstelle der arabischen Sprache bekleidete. Den Plan, den Haitsma bei der Aus- — <24 l — gäbe dieses Gedichts gehabt hat, sollen Uns seine eigenen Worte darlegen (S. 20. der Vorrede): „ Nicht alles, was die Erklärung einzelner Wörter und Redensarten betriff, ist von mir beigebracht Worden, sondern vorzüglich nur dasjenige, was den Sinn des Verfassers deutlich darstellen konnte, wobei wir aber nicht unterlassen haben, Bemerkungen zur Aufhellung mehrerer Schriftstellen einzustreuen. " Der Gang des Dichters, so schwer er auch wegen der vielen Absprünge zu bestimmen ist, scheint mir folgender zu seyn. Mit heftigen Klagen über sein trauriges Loos beginnt er seine hohe Schilderung bis Vs. 3i.; dann tröstet er sich mit dem Schicksal derer, die auch das gehoffte Ziel ihrer Wünsche nicht erreicht haben, bis Vs. 40., und tröstet sich mit dem Beispiel derer, die alle Schwierigkeiten besiegt, und endlich 3as Ziel errungen hätten, bis Vers 44. ^on V. 46., wo er von dem Schwur bei Q — 2^2 —' den Kameelen spricht, beschreibt er die Kameele, die nach Mekka wandern, bis Vers 5o.; redet darauf vom Pilger selbst, von den Gebräuchen, die er beobachten mufs, als von dem Gehen ixm die Caaba, von dem Küssen des schwarzen Steins, (sehr langweilig! ) bis 5g.; von Vers 60. folgt der Eid bei den Pferden, die beschrieben werden, bis V. 6c. Von Vers 64.-66. kommt Mahomeds placitum de bello contra infideles et re- ligionis ergo; Vers 67. der Eid bei den Fürsten von Sareb, deren grofse Thaten geschildert werden, bis Vers 72. Von V. 72. folgt die Apodosis auf die angeführten Eidformeln ; V. 73.-77. Lob sei* nes Muths und seiner Tapferkeit, denn er habe ein Schwerdt, das er näher beschreibt, und ein Pferd, das er fast nach seinem ganzen Knochenbau sehr langweilig schildert, von 78.-85.; sein« Gelenkigkeit ist dargestellt von 86.-88- Die Verse 89. und folgende enthalten hohe Gesinnungen von Edelmuth und — 243 •— Tapferkeit (wie man sie in den Ritter- poesieen antrifft.) Von Vers 98.-108. stattet er zweien Fürsten, die ihn mit Wohlthaten überhäuft hatten, seinen Dank ab, deren Freigebigkeit er beschreibt , bis 113. Von seinem Feuer, alles durchzusetzen, und seiner Stand- haftigkeit, bis »16.; darauf schöne Schilderung eines Mädchens — bittet, dafs eine fruchtbare AVolke gewisse Oerter erquicke, und mahlt, wie die Wolke beschaffen seyn müsse, bis 134.; die Folgen dieser "Wolke, bis 109.; von 140. spricht er von seiner Unerschrok- kenheit im Unglück, Edelnmth und Dienstfertigkeit, bis 15c. Das führt ihn auf moralische Betrachtungen aller Art, von i53.-2i5.; Lob seiner Gastfreundschaft. Darauf führt er ein Phantasma an, warum er die Wüsten durchreise. VonV. 228.-234. verdammt der Dichter alles, was Wollust, Lockungen des Bacchus und der Venus betrifft. V. Carmen Mysticum Borda dictum — 244 — Abi Abdallae Latine conversum, acce- dunt Origines Arabico - Hebraicae, edit. Uri Lugd. Bat. 1761. qto. Das Gedicht, das im Ganzen sehr wenig Interesse hat, beginnt mit Klagen über die Abwesenheit seiner Geliebten; darauf folgen moralische Betrachtungen» als: Lasse dich nicht von deinen Begierden beherrschen — in die mancherlei Sentenzen eingewebt sind. Von V. 34. besingt er das Lob Mahomeds bis zu Ende, wo von seiner Majestät, Würde, Macht, von seinen Thaten und seiner Religion gesprochen wird. VI. Carmen Tograi, abgedruckt in Hirtii Anthologia Arabica, Classis III. Specim. I. Dieses Gedicht, das aus 5g Versen besteht, zeichnet sich durch weise Sittensprüche, durch erhabene Gedanken und einen acht poetischen Schwung vorzüglich aus, und gehört zu den auserlesensten Stücken der arabischen Dichtkunst. — 24.5 — Es hat daher sehr viele Bearbeiter und Uebersetzer gefunden, als da sind: Jac. Golius , cum paucis aliis rebus emisit, Lugd. 1629. Vatier hat eine französischeUebersetzung besorgt, unter dem Titel: „L'Elegie du Tograi, aveo quelques sentences tire'es des Poetes Ara- bes; Carmen Tograi, ed. Pocock 1661.; et ed. Pet. Anchersen, cum versione lat. Golii, 1708. Diese Ausgabe, die sehr selten anzutreffen ist, ist meist kritisch; nur hier und da sind philologische Anmerkungen beigebracht. Reiske hat es 1756. unter dem Titel übersetzt: ,,To- grai's sogenanntes lamisches Gedicht; " und endlich die neueste und beste Ausgabe: „Poema Tograi ex versione la- tinaj. Golii, cum scholiis et notis, ed. Henr. van der Sloot, 176g. 8vo. Wahl in seinem Magazin für morgenländische Litteratur, iste Lief. S. 5g. hat uns Po- cocke's Bemerkungen zu diesem Gedicht im Auszug mitgetheilt. Tograi war nach Herbelot in seiner — 246 — Bibl. Oriental. p. m. 1027. col. 1. zu Is- pahan geboren, lebte im Jahr der Hed- schra 5o5. in Bagdad, und ward 5i3. durch den Sultan Mahomed ermordet; er hatte eine Hofbedienung bei Malek- schach , einem aus dem Stamm der Sald- schucken, und war nachher Vezier bei dem Sultan Massond, aus demselben Hause, der ihn ermordete, weil er von seinem Bruder eine Niederlage erlitten. Auch in diesem Gedicht, wie in allen vorigen angeführten Gedichten, herrscht keine Einheit des Thema; doch scheinen mir folgende die Hauptstücke zu seyn, die der Dichter abhandelt: „Edler Stolz und Würde bewahre vor dem Fall, bis Vers 3. Klagen über sein langes Umherwandern in der Welt, bis V. 8. Schilderung seines Beisege- fährten, und Auf munterung, demselben beizustehen, bis 16. — denn er reise zU seiner Geliebten. Vortrefliche Schilderung ihrer Beize, im Gegensatz gegen die Tugenden der Männer, als Gastfrei- —. ß47 — heit, Tapferkeit, etc. bis V. 3o. Trä2- lieit halte von grofsen Thaten ab — wer nichts wage, krieche stets am Boden; werde man auch nicht immer vom Glück belohnt, so wäre das erhabene Selbstgefühl, edel gehandelt zu haben, Belohnung genug. Man lasse also nie die Hoffnung fahren, und waffne sich mit Geduld, bis V. 48. Zum Schlufs kommen noch allerlei Betrachtungen vor. Bevor ich mich indessen ganz, von Tograi trenne, sey es mir erlaubt, folgendes kleine Gedicht über die Geduld, das uns Anchersen in seiner Ausgabe zum 47. Vers aufbewahrt hat, mitzu- theilen, das ein arabischer Seeräuber i635 in seinem Gefängnifs in England gemacht haben soll, und deswegen, seiner Schönheit wegen, einen Platz hier verdient. Damit ich aber den arabischen Text nicht anzuführen brauche, welches ich in dieser Schrift, so viel als möglich, zu vermeiden suchen mufs, will ich eine — 248 - deutsche Uebersetzung davon dem Leser hier mittheilen: „ Sey geduldig, denn Geduld schmükt den Edeln schön. Der Schlüssel der Geduld öffnet leicht das Thor der Freude; Der Geduldigen Thor ist stets geöffnet und durch nichts versperrt. Ins Paradies zieht durch dasselbe ein der Geduldigen Schaar. Drückt Unfall dich von allen Seiten, So wanke nicht; sey weder muthlos noch verzagt. Gegen Widerwärtigkeiten ist Geduld ein fester Panzer; Und ist dein Schritt beengt — er wird sich schon erweitern." Die übrigen vier Verse gehören nicht unmittelbar hierher, sind auch von keinem vorzüglichen Gehalt; daher ich sie hier nicht besonders anführen will. Eine Anmerkung sey mir jedoch am Schlüsse dieser angezeigten Gedichte zu machen erlaubt. — 249 — Aus der Inhaltsanzeige dieser vier angeführten Gedichte wird jeder, wie ich glaube, nur gar zu deutlich ersehen haben, dafs ihren Verfassern nie ein fester, bestimmter Plan, an den sie alles anreihten, vorgeschwebt habe, sondern dafs sie von den jedesmaligen Empfindungen, die sie beherrschten, oder von dem Feuer ihrer Einbildungskraft hingerissen , von einem Gegenstand zu einem andern, der ihnen zunächst lag, fortgeschleudert wurden. Diese Bemerkimg trift nicht nur die arabischen, sondern alle Naturdichter, und also auch die hebräischen, wozu unter andern die kleinen Propheten, das Buch Hiob und der Prediger (Koheleth) hinreichende Belege geben können. VII. iinthologia Sententiarum Ara- bicarum , cum ScholiisZamachsjarii, ed. vertit et illustravit Henr. Alb. Schultens, 1772. Alle Völker, die aus dem Zustand der Thierheit und Rohheit herausgetre- — a5o — ten sind, aber die Stufe der Kultur noch nicht erreicht haben, legen, weil ihre Vernunft noch nicht gebildet und gestärkt ist, und weil sie weder logisch zu ordnen , zu denken , noch richtig zu kombiniren und Schlüsse aus Schlüssen zu ziehen vermögen , ihre Weisheit, ihre gesammelten Erfahrungen, ihre gemachten Beobachtungen, und überhaupt ihre ganze Lebensklugheit, in kurzen Sätzen , Sentenzen und Spruch Wörtern nieder, *) die, wenn sie sich durch >;i ) Arabische, persische, hebräische, scy- thische, indische, sinesische, griechische, romische und andere 1 Sammlungen der Art bestätigen den oben angeführten Satz ganz klar. Was waren die Griomen eines Theognis, Bias, Pytha- goras, Solons, u. 6. w. anders, als solche kurze Sentenzen? Und lebten diese Weise nicht in der Periode, die zwischen dem Zustand der Rohheit und Kultur in der Mitte liegt? Der Kürze wegen verweise ich auf Meiner'3 Geschichte des Ursprungs, des --- 251 --- Wahrheit, Kürze, Naivetät und Nach- druck empfehlen, nicht nur zur Belustigung, sondern auch zur Belehrung, zur Kenntnifs des Charakters, der Sitten und Gebräuche der Nation, von der sie sich herschreiben, sehr viel beitragen. Da Sprüchwörter sehr oft einer bestimmten Veranlassung, einem physischen oder moralischen äussernUmstand, einem Zufall, einer Anekdote n. s. f. ihren Ursprung zu verdanken haben, so sind sie nicht selten ein erwünschtes, vortrefli- ches Mittel, manche wichtige historische Begebenheit aufzuklären, und über viele Stellen in den Schriften der Alten ein recht helles Licht zu verbreiten. Auch sind sie nicht wenig geschickt, uns die Begriffe eines Volks von Schönheit und Häfslichkeit, vom moralisch Guten und Bösen, ihre Empfindungs- und Den- Forrgangs und Verfalls der Wissenschaften in Griechenland und Rom, Th. I. S. 49- f - kungsart gleichsam wie in einem Abrifs darzustellen. Was nun die von Schultens herausgegebenen Sentenzen betrift, wovon ein Theil bereits ad calcem rudimentorum linguaeArabicae Erpenii abgedruckt war, so sind die meisten unter ihnen unbedeutend, man mag nun auf die gewählten Vergleichungen oder Beispiele, oder auf die in ihnen vorgetragenen Gedanken sein Auge werfen. Zudem enthalten sie so viel spielenden Witz, einen solchen Auswuchs von geschmacklosen Parono- masien, dafs man nur gar zu oft bei dem Lesen derselben ermüdet, obgleich man, um nicht tittgerecht zu seyn, gestehen mufs, dafs wiederum andere sicli durch kurze vortreflicheSittensprüche undwei- se Lehren auszeichnen, worunter folgende wenige hier einen Flatz einnehmen mögen. N. 2 3. Jeder Lebende wird durch den Tod hingestreckt: wohl dem, der reif abgem'ahet wird. — 253 — N. 34. Welcher Wohlthaten, die er Andern erwiesen, gerne vorrückt, und welcher dieselben gänzlich verweigert, sind sich an Tugend gleich (haben gleich weniges Verdienst}. N. 44. Wer die Wahrheit spricht, ist sehr wenigen Fehlern ausgesetzt. N. 85. Wenn an des Geizigen Thüre der Freigebige pocht, so fühlt jener keinen geringern Schmerz, als würde ein Zahn ihm entrissen. N. 99. Der Genufs der Wohlthaten ist süfser als Manna; das Vorrücken derselben bitterer als Aloe. N. 117. Wie die Strahlen der Sonne nicht verborgen bleiben können , so wird auch das Licht der Gerechtigkeit und Billigkeit nie erlöschen. N. i3o. Wen keine guten Sitten schmücken, wird das prächtigste Gewand nicht zieren. N. i3g. Je vortreflicher Einer ist, desto schwereres Unglück drückt ihn darnieder: —■- ao4 — als wäre Unfall des hervorstechenden Mannes Schwester. N. 160. Ein schaamloses Gesicht gleicht einem Holz, dem die Rinde abgezogen ist, oder einer Lampe, der es an Oel gebricht. N. 161 • Berg auf und Berg ab steigen ist besser, als zwischen vier Wänden müfsig sitzen. N. 173. Wie Ameisen die jungen Löwen, zernagen die Neider des Edlen Fleisch. N. 180. Durch beständiges Reiben der Zähne reinigest du vergebens den Mund, befleckst du durch unfläthige Reden denselben. — Keine Nation , weder unter den alten noch unter den neuen, hat uns so viele Sammlungen von sprüchwörtlichen Redensarten, Sentenzen, u. s. w. hinterlassen, als die Araber, die seit vielen Jahrhunderten auf derselben niedern Stufe der Kultur stehen, auf der die Gno- miker der alten Griechen sich befanden. — s55 — Eben daher sey es mir vergönnt, mich etwas länger, als es sonst der Zweck dieser Blätter gestattet, bei den vorzüglichsten dieser Sammlungen verweilen zu dürfen, und junge Studirende darauf aufmerksam zu machen, weil sie sehr wichtige Beiträge zur Erläuterung mancher Stellen des A. T., wie auch der Sprüchwörter Salomo's, des Buchs Syrach und der Parabeln Christi, die alle in Eine Klasse gehören, in nicht geringer Anzahl liefern. Arabum Philosophia Popularis s. Sylloge nova Provexbiorum a Jac. Salo- mone Damasceno. Dictata excepit et in- terpretatus est perillustris vir Frid. Rostgaard p. rn. Ed. cum annotationi- bus nonnullis J. Christ. Kallius, Haf- niae 1764- Die 54.5 Sprüchwörter, aus denen diese Sammlung besteht, haben keinen grofsen innern Gehalt, und weniger ausgezeichneten Werth, als die von Schultern herausgegebene, wozu noch kommt, — a56 — dafs einige unter ihnen durch wahre Un- fläthereien die Delikatesse des Lesers gar zu stark beleidigen. Indessen ist das Verdienst Kall's bei dieser Ausgabe nicht gering. In seinen freilich meistens sehr kurzen Anmerkungen verbreitet er sich häufig auf manche Stellen der Bibel, die er zuweilen sehr glücklich aufhellt, und nimmt nicht sowohl auf die Sprache Rücksicht, sondern sucht vielmehr den Sinn des Sprüchworts zu entwickeln, bei welcher Gelegenheit er oft seine historische Bemerkungen einstreut. — Zur Probe folgende: N. 25. Ist dein Freund Honig, so verschluck' ihn nicht ganz. Zu diesem Sprüchwort bemerkt Kall: „Das Wort Honig pflegen die Morgenländer zu gebrauchen , um einen Mann von artigem Betragen, und der der Freundschaft würdig ist, dadurch zu bezeichnen — daher ist der Sinn: Man mufs den Umgang mit einem guten und angenehmen Freunde nicht zu hau- — 2.5^ —. % seyn lassen, damit nicht die Freundschaft, die gar zu hitzig anfing-, Z u schnell erkalte — so wie Honig, in zu starkem Maafse genommen, dem Magen Ekel verursacht. Vergl. Sprüchw. c5, »6.17. Plaut. Asinar. III. 3. 24. Theokr. Idyll. 8. 33. N. 36. Gott verwirre die Haare, die in dem Kinn der Menschen hervorkeimen. Dieses ist eine der stärksten Verwünschungsformeln, weil dem Araber nichts heiliger ist, als der Bart. Vergl. 2 Sam. X. 4. Niebuhr's Beschreibung von Arabien, S. 011., und Arvieux me- rnoires, T. III., in dem Kapitel: des Moeurs des Arabes, nach der Ausgabe vom P. Labat. N. 86. Der Mensch ist ein Sohn seines Tages. Vergl. Jon. 4, l0 . Pind. Pyth. VIII. i35. N. 23o. Die Geduld ist des Trostes Schlüssel. Vergl. Horaz Ode I. 04, l Q- Jes. 60, 5. 1 B.Mose 42, 2»- B. — 258 — N. 208. Zwei Zufalle sind ihm begegnet: sein Bart ist hervorgesprofst, und zwei Tochter sind ihm geworden. Man vergleiche noch N. 248., die auf Matth. 23, 24. angewandt werden kann; und N. 262. u. 427., die sich auf eine gewisse Sache beziehen, womit die Araber den höchsten Grad von Infamie verknüpfen , die ich aber aus guten. Gründen nicht abschreiben will. B. Selecta quaedam ex Sententiis Pro- verbiisque Arabicis a Viro summo Tho- ma Erpenio *) olim editis, cum versio- ne latina, hie illuc castigata et accessio- ne centum Proverbiorum mere Arabico- rum in usum collegii domestici reeudi fecit Everardus Scheidius, 1775. *) Die Proverbien, woraus Scheid die Auswahl getroffen hat, sind herausgekommen unter dem Titel: Proverbio" rum Arabicprum centuriae cluae ab ano* nymo quodam Arabe collectae et expli" catae cum interpretatione latina et scho* liis Scaligeri et Erpenii. , Leidae ißi4-' — 25 9 — Von den Sentenzen sind folgende drei zu merken : N. 27. Wer das Unanständige billigt, hat es bereits begangen. (Match. V. S 80 N. 40. Ein Theoretiker ohne Praxis ist wie eine Wolke ohne Reeren. N. 47. Ein Weib ohne Schaam, ist wie eine Speise ohne Salz. Unter den Sprüchwörtern zeichnen sich folgende aus: N. 24. Dein Geheimnifs ist dein Gefangener, so lange du es bewahrst; du aber bist sein Gefangener, wenn es bekannt geworden ist. N. 58. Das Herz des Thoren ist auf seinen Lippen; die Zunge des Weisen aber in seinem Herzen. N. 65. Kenntnifs ist dem Jüngling eine Krone; Verstand eine goldene Kette. Mit dieser Sammlung stimmt gros- tentheils überein: C. Centuria Proverbiorum Arabicorum juxta cum Interpre- tatione Latina, ed. Andreas Sennert. P.P. — ß6o — in Acad. Witteb. iC58.; wie auch D. die ioo Sententiae Arabicae, die hinter Erpenii Grammatica Arabica, ed. i65G. abgedruckt sind, unter denen folgende wenige einen Werth haben mochten. N. 7. Wer auf dem Wagen der Hoffnung fährt, hat die Armuth zur Ge- fährtinn. N. i3. Wer dir zuführt, nimmtauch von dir. (D.h. Welche Anderer Geheimnisse dir hinterbringen, werden auch die dei- nigen Andern nicht verschweigen.) N. 74. Zähle dich nicht zu den Menschen, so lange der Zorn dich beherrscht. N. 7G. Die Enthaltsamkeit ist ein Baum, dessen Wurzel Zufriedenheit, dessen Frucht aber Ruhe (Erquickung) gewährt. In eben dieser Grammatik stehen auch: E. Adagia Arabica cum notis Golii Centuriae III. und F. Poetarum sententiae qixaedam, als: — 26l '— N. i5. Ist mir ein Tag verflossen, an dem ich nichts Gutes gethan, oder an Kenntnifs ("Einsicht) zugenommen habe , so verdient er nicht den Tagen meines Lebens zugezählt zu werden. N. 16. Trankst du den Baum der Freundschaft nicht mit dem Regen der Rechtschaffenheit, so wird er schnell vertrocknen. N. 36. Sey demüthig, und dem Gestirne ähnlich, welches dem Zuschauer am Ufer entgegenglänzt, ob es gleich selbst erhaben ist. Aber sey nicht dem Rauch gleich, welcher sich in die Lüfte schwingt, und doch selbst niedrig ist. N. 46. Betrage dich gegen des Neiders Nachstellungen geduldig, denn deine Geduld wird ihn tödten. So wie das Feuer sich selbst verzehrt, wenn es keine Nahrung findet. N. 57. Allerdings ist das Leben ein Schlaf, der Tod aber ein Erwachen, und der Mensch zwischen beiden ein Traum- — 262 — , bild (Gespenst), welches des Nachts herumschweift. Zu diesen beiden Versen fügt Kiiy- pers *) nachstehende Stellen zur Erläuterung — eine aus dem Schlüsse vitae Saladini ed. Bohaddini, wo die Worte stehen: „ Aber auch jene Jahre und Menschen sind zugleich hingeschwunden und nicht anders als Träume verflogen " — die andere aus Abulola, einem Manuskript: „Das Leben gleicht dem Feuer: aus Asche besteht sein Ende, und Rauch ist sein Anfang. " ") In dem Auctario zu seiner Ausgabe von Ali Ben Abi Taleb Carmina, Ara- bice et Laune, ed. et notis illustravit Gerardus Kuypers, Franc. Fil. Lngd. Bat. 1745., welche Gedichte Kuypers mit so voitreflichen ästhetischen und philologischen Anmerkungen begleitet hat, dafs man wenige Kommentare von gleicher Güte aufweisen kann. ~) — a63 — tind die dritte aus den Sententiis poeticis Golii, p. i65.: „Wahrhaftig, der Mensch ist Mos ein Sohn des gegenwärtigen Tages: So wie dieser selbst glänzt, ist er nicht mehr ein Sohn des gestrigen Tages. «' G. gehören hierhin: Centuria Proverbiorum Alis Imperatoris Muslemici distichis Eatino Germanicis expressa ab Andrea Tscherningio, cum notis brevio- ribus, 12. ohne Jahrzahl — nur am Schlüsse der Vorrede steht 1G41. Ali war der vierte Kalife nach Ma- homed, und ein Vetter des Propheten. Er verabscheute, heifst es in der Histo- ria Saracenica, die weltlichen Dinge; fürchtete Gott; gab reichlich Allmosen; war gerecht und demüthig; ein Verthei- diger der wahren Religion; scharfsinnig und sehr gelehrt; den spekulativen und praktischenWissenschaften sehr ergeben; kühn, freigebig und edeler Natur. Eben diese Sprüchwörter sind auch herausgegeben unter dem Titel: Proverbia quae- I — 364 — dam Alis Imp. Muslem. Et Carmen To- grai nee non dissertatio quaedam Aben Sinae, Lugd. Bat. 1629. Jedes Sprüchwort ist mit einem lateinischen und deutschen Distichon, und durch Parallelstellen aus den Sprüchwörtern Salomo's, dem Koheleth, griechischen und laseinischen Philosophen und Dichtern, wie auch einigen Kirchenvätern erläutert. N. II. Dein Bruder ist, wer dir in der Noth zu Hülfe kommt. Vergleiche Spr. Sah 18. v. 24. TacitiAnnalen I. 61. 3. c. 8. N. IV. Erzeige denen, die böse gegen dich handeln, Gutes — dann wirst du herrschen. Matth. V. Sprüchw. 25. v. 27. Rom. 12. v. 20. 21. N, I. Vertraue Gott _ so wird dir nichts mangeln. Vergl. Ps. 34, 9. -11. N. III. Den Rifs (die Lücke) der Habsucht kann nur die Erde zustopfen. Vergl. Koheleth 6. v. 10. Horaz Od. 34. B. 3. r- 265 —• N. VI. Gerechtigkeit ist die Stütze des Reichs. Vergl. Sprüchw. 16. v. 12 . Lucan B. 8. Cic. in Parad. jus et aecjui- tas vincnliun civitatis. Euripides in Ele- ctra, v. 985. N. 5. Das Geld des Geizigen ist ein Stein. Vergl. Seneka B. 2. Kap. 7. von der Wohlthätigkeit. Martial B. 2. Br. 2. Theokrit Idyll. XVI. $a.ijuovioi ti m^oQ. N. 5. Ein geiziger Reiche ist ärmer als ein freigebiger Arme. Vgl. Sprüchw. i3. v. 7. Horaz B. 3. Ode 16. Seneka Brief 16. N. 4. Der Thor schützt sich durch Stillschweigen. Vgl. Sprüchw. 17. v. 28. Plutarch von der Ruhe der Seele, p. 472. N. I. Auf dem Irrwege wandelt, wer ohne Gott den Allmächtigen hofft. Vgl. Pindar Olymp. Od. VIII. Sprüchw. 16. v. 9. Pindar Pyth. Od. X. *) N. III. Den Glanz deines grauen *) Die Nummern beziehen sich auf den Anfangsbuchstaben, womit jedesmal da» arabisch e Wort anfängt. — a66 — Hauptes verdunkele nicht durch irgend eine schwarze That. Vergl. Sprüchw. Sah 16. v. 3i. c. 20. v. 29. H. Proverbii utili e virtuosi in Lingua Araba,i Persiana e Tixrcai gran parte in versi. Con la loro esplicazione in lingua latina-italiana raccolti daTimoteo Agnelüni il minimo fra' i Vescovi della Mesopotamia, in Padova 1688. kl. 8vo. S. 56. Von S. 1.- rS. stehen die arabischen Sprüchwörter in einer lateinisch - italiä- nischen Uebersetzung; zugleich sind die arabischen Buchstaben mit lateinischen ausgedrückt. Von S. 14.-21. die persischen auf dieselbe Weise. Von S. 22. bis 33. die türkischen. Hierauf folgt Collectio Vocabulorum Ara- bicorum, Persicorum et Turcicorum La- tino et Italico Idiomate expressa, von S. 54. - 55- Obgleich viele von den in dieser Sammlung enthaltenen Sprüchwörtern — oßj — mit den bereits angeführten Wörtlich zusammenstimmen, so zeichnen sich doch andere von den bisherigen durch Neuheit und eine gute Moral aus, wie folgende Beispiele lehren. a. Aus dem Arabischen : „ Ein Gelehrter in seinem Vaterland ist wie Gold im Schoofs der Ex-de vergraben. ü. Efin Reicher ohne Freigebigkeit, ist wie ein Baum ohne Frucht; und ein Armer ohne Geduld, ist wie eine Lampe ohne Oel. 3. Die Hand, die du nicht beifsen kannst, küsse und lege sie auf dein Haupt. 4. Ein Wort, den beiden Lippen entronnen, durchläuft zwei ganze Städte. 5. Wer dir eine Ohrfeige gegeben hat, dem reiche auch den andern Backen hin. 6. Der Tod ist ein Becher, den Alle ausleeien müssen. " b. Aus dem Persischen: „Bedenke, dafs der Geist das Mark der Wahrheit sey, der Körper aber die Rinde. " — 263 — c. Aus dem Türkischen: „ Der Sohn eines Bären wird, wenn er auch unter Menschen auferzogen wird, ein Bär bleiben. " „Wer zwischen die Zähne hineingeht, geht zermalmt wieder heraus. " J. Proverbiorum et Sententiarum Persicarum Centuria collecta et versione notisque adornata a Levino W*rnero, Lugd. Batav. ex officina Jo. Maire 1644. Beigedruckt ist Levini Warneri Epistola Valedictoria in qua inter alia de Stylo Historiae Timuri. Die Anmerkungen beziehen sich auf einzelne Wörter, aber sind hinreichend, den Text völlig zu verstehen. Auch sind zuweilen ähnliche arabische, griechische und lateinische Sentenzen beigebracht, wo es geschehen konnte, und die Aehnlichkeit zwischen persischen und deutschen Wörtern bemerkt. Der Sinn der einzelnen Sprüchwörter und Sentenzen ist reciit artig erläutert. Als: — s.6 9 —. N. i. An dem Orte, wo du Salz issest, zerbrich das Salzfafs nicht. Anmerkungen. Wohlthaten mufs man nicht durch schlechte Handlungen erwiedern. Salz mit Einem essen, heifst, vertrauten Umgang mit ihm haben; so wie auch beim Demosthenes und Chrysostomus dXaw xoivwoicorit; Kameraden und Tischgenossen heifsen. N. sq. Obgleich Silber und Gold aus einem Stein hervorkommt, so wird doch nicht in jedem Stein Silber und Gold gefunden. N. 35. Wie kann man die Sonne anklagen, dafs die Fledermaus bei Tage nicht siehet? N. 38. Eine Rose macht den Frühling nicht aus. Anmerkung. Die Griechen sagen: juia X i *'$ ü,v tU(> QU TTOtih N. 63. Wann die Sonne aufgeht, ■wird die Lampe ausgelöscht. — 27° — N. 67. Ein böses Weib in dem Hanse eines guten Mannes, ist seine Holle auf dieser Welt. N. 97. Die Pauke gibt einen grofsen Klang, aber ist inwendig leer. Anmerkung. Dieses wird von denen gesagt, die mit vollem Munde ihr leeres Lob ausposaunen. Ein gewisser Laconier sagte schön von der Nachtigall : qwa. t* Tic, icrcri, %di ovhv ctÄAo- Noch könnte ich Proben moralischer Sentenzen aus Ghardin voyage en Perse, T. II. p. i5o. seqq. nach der Quartaus- gabe von 1711, anführen, wo er im 12. Kapitel von der Moral der Perser redet. Da diese aber die bereits angeführten meist nur bestätigen würden» und ich mich überhaupt bei dieser Materie zu lang aufgehalten habe, so mag dieses füglich unterbleiben. Nur kann ich nicht wohl umhin, dem neulich erschienenen Werke des seligen Schulten« wenigstens hier einen Platz einzuräu- — Zrj\ —— men. Ich meyne die Ausgabe von einem Theil der Meidanischen Sprüchwörter, die unter folgendem Titel erschienen ist: Meidanii Proverbiorum Ara- bicorum Pars. Latine vertit et notis illu- stravitHenricns AlbertusSchultens, Opus posthumum , Lugduni Batavorum, sum- ptibus Auctoris, 1796. In eine genaue Zerlegung und Be- urtheilung dieses Werkes brauch' ich mich hier nicht einzulassen, da dieses bereits von mehrern schätzbaren Gelehrten in periodischen Blättern geschehen ist, ob ich gleich, wenn ich dem Eindruck, den die Lektüre dieses Werkes auf mich gemacht hat, folge, offenließ zig gestehen mufs, dafs mir die Auswahl mifsrathen, und die meisten Sprüchwörter langweilig und unbedeutend scheinen. Das Verdienst Schultens bei der Bearbeitung dieser unvollendeten Schrift ist, wenn man die von Meidani selbst beigefügten Erläuterungen abrechnet „ nicht sehr grofs, und überhaupt die ge- — a 7 a — spannte Erwartung des Publikums getäuscht. Siebenzehen andere bisher ungedruckte Sprüchwörter von Meidani hat der gelehrte Hr. Prof. Rosenmüüer am Ende des vorigen Jahres, wie ihm das Lehramt der arabischen Sprache übertragen wurde, in einem eigenen Programm herausgegeben, und dieselben mit so zweckmäfsigen, auserlesenen Anmerkungen begleitet, dafs der Freund der orientalischen Litteratur bald ein ahnliches Geschenk von einer solchen Hand zu erhalten wünscht. VIII. The poems of Ferdosi transla- ted from the Persian by Joseph Champion. Esquire Vol. I. London 1788. 44.8 Seiten in 410. Ferdosi, der vornehmste heroische Dichter unter den Persern, lebte ungefähr ein Jahrhundert vor dem ersten Kreuzzuge, und hat ein Gedicht hinterlassen, das die Kriege drei persianischer Könige mit den Einwohnern von Mau- — 273 — raralnahar beschreibt, unter denen der letzte Caikkosru, d.i. Cyrus, ist. Jones in s. Cotmnentaxio Poeseos Asiaticae, p. 294- ed. Lond. vergleicht ihn mit dem Homer, indem er schreibt: Profecto nulluni est ab Europaeis scriptum poe'ma, quod ad Homeri dignita- tem et quasi coelestem ardorem propius accedat. Als *} Anekdote verdient bemerkt zu werden, dafs zu der Zeit, als Ferdosi '-•) Es ist ein durch die Geschichte aller Zeiten bestätigter Satz: dafs man bei ausserordentlichen Menschen, die sich etwa durch Tapferkeit , Kriegsgliick, Eroberungen, durch Ueberlegeuheit des Geistes oder ungewöhnlichen Grad von Weisheit atiszeichneten, Spuren des Ue- bernatürlichen zu entdecken geglaubt hat, und dadurch auf die seltsamsten Erdichtungen verfallen ist. So finde ich in Ahmed Arabsiadae Vita Timuri c. I. p. x5. ed. Mangeri, dafs bei der Geburt Timurs allerlei Prodigia sichtbar gewesen; dafs glühende Kohlen sich S — S74 — geboren wurde, sein Vater Ahmed das Kind in einem Traum gesehen haben soll, das Gesicht nach Westen gekehrt, und seine Stimme so erhebend, dafs das Echo von allen Seiten wiederschallte. Ahmed, darüber ganz bestürzt, erzählte des Morgens den Traum einem Ausleger , Rudgebuddein, der ihn dahin deutete: dafs der Ruhm seines Sohnes und seiner poetischen Talente der Gegenstand übereinander gewälzt , und Feld und Städte bedeckt hätten, n. s. w. So erzählt ferner die Kirchengeschichte von Dominikus Gusmann, berühmten Stifter des Dominikaner-Ordens, der 1170 zu Calahorra in Kastilien geboren ist, dafs seine Mutter geträumt habe, sie hätte einen Hund geboren, der mit einer brennenden Fackel im Munde herumlaufe und die ganze Welt in Feuer setze, was leider I in der Folge durch die Lebensauftritte dieses unsinnigen wüthenden Schwärmers, und vorzüglich im Albigenserkrieg, nur gar zu genau bestätiget ist. — a.j5 — der ganzen Welt seyn würden. Vergl. die Vorrede von Champion. Weil ich Ferdosi's Gedichte nicht im Original gelesen habe, und auch nur der erste Band von dieser englischen Ue- bersetzung mir zu Gesicht gekommen ist, so kann ich mich in eine ästhetisch- kritische Beurtheilung dieses Originalwerkes nicht einlassen; ich will aber, damit der Leser einen Vorschmack wenigstens von den Schönheiten dieses Buches bekomme, einige Bemerkungen darüber von Champion mittheilen. „ Erfindung, die Mutter eines Dichtergenies, zeigte nie eine solche unbe- gränzte Macht, als man in den Reichs- annalen von Ferdosi entdeckt: der ganze Umfang der orientalischen Kenntnils liegt darinn ausgebreitet; die morgenländischen Dichtungen sind verschönert; — die Sitten der Vorwelt genau gezeichnet, und die Gewalt der menschlichen Leidenschaften stark gemahlt. Die Perser legten sieben Eigen- — 276 — Schäften den Gedichten Ferdosi's bei —■ die Basis von Kenntnissen, den Frühling der Vortreflichkeit, ein Muster von Geschichte, das -wahre Gemähide von Religion , dafs die Quellen der Freude und des Kummers genau bezeichnet, und dafs alle Arten des Verstandes wunderbar bestimmt seyen., Das Lächeln Ferdosi's ist voll Nektar; seine Erfindung lebhaft und stark. Wenn wir die erstaunliche Länge seines Produktes betrachten, und die beständige Flamme, die durch das Ganze weht und immer gleich stark brennt, so wird das Gemüth des gemeinen Lesers dadurch in Erstaunen gesetzt , und das poetische Genie in unbekannte Gegenden der Einbildungskraft fortgeschleudert. «' „ Ist Ferdosi zu üppig, so wird er von dem Strom seiner Einbildungskraft fortgerissen, und verräth eine so ausserordentliche Fruchtbarkeit, dafs der Kritiker, unfähig, die Erhabenheit seiner Gedanken zu erreichen, ihn beurtheilen — fi 7 7 — mag nach der Kälte seiner eigenen Gefühle. Die Mühseligkeiten Rustems sind gleichsam die Standarte von Ferdo- si's Genius. Der Einflufs übernatürlicher Wesen auf seine Geburt bereiten das Gemüth zu grofsen und ausserordentlichen Thaten vor. Ferdosi's Betrachtungen sind voll Leben und Moral ; die Verse sind fliefsend und wohlklingend — eine Eigenschaft, die, ob man sie gleich durchweg bei den persischen Dichtern antrifft, doch liier durch die göttliche Kraft der Dichtkunst so erhöht ist, dafs sie den Leser ganz bezaubert. " ,, Ferdosi überschreitet die Grenzen der Natur, schafft sich neue Welten, und ordnet sie seinem Plan unter. Man findet bei ihm keine ermüdende Digressionen. Ferdosi's Einbildungskraft war aufbrausend — die einzelnen Charaktere sind mit so viel abwechselnden Zügen und so mannichfaltig geschildert, dafs das ganze Revier der mensch- — 278 — liehen Einbildungskraft erschöpft zu seyn scheint. " „ In der Auswahl der Charaktere ist Ferdosi sehr behutsam gewesen; man siehet keine tinbedeutende oder niedrig- imaginaire Personen in unserm Gedicht auftreten, die dem Leser die Würde seiner Helden aus den Augen rücken könnten. " „ Die Begebenheiten sind gehörig miteinander verkettet, und die speciosa miracula sind den Vorstellungen der Nation , für die er schrieb, gemäfs eingeflochten. " Den Inhalt jedes einzelnen Buches (es sind im ersten Bande acht enthalten) anzugeben , würde mich unnöthig weitläufig seyn lassen, daher ich es hier unterlasse. IX. Grammar of the Persian Lan- guage, by William Jones, London 17 71. *) *) Im Jahr 1776 ist von George Hadlev eine andere persische Sprachlehre unter — «79 — i In der Vorrede handelt er von dem Wohllaut, von der Biegsamkeit und Eleganz der persischen Sprache, zählt die Ursachen auf, warum man das Studium der persischen Sprache und der morgenländischen Litteratur überhaupt so sehr vernachläfsige ; bleibt dann bei dem Satz stehen: dafs die englischen Besitzungen am Ganges die Kultivirung dieses Zweigs der Wissenschaften nothwendig mache; zeigt die grofsen Vortheile, die aus dem Anbau dieses Theiles der Litteratur erwachsen, und endigt mit frohen Aussichten in eine bessere Zukunft. Bevor er indessen die Grundsätze der Sprache selbst abhandelt, gibt er Rechenschaft von der Methode, die er befolgt habe, und liefert eine Liste mehrerer Schriften, die man, wenn man es dem Titel erschienen : Introductory GrammaticalRemarks on the Persian Lan- guage with a Vocabulary English and Persian, die ich sehr brauchbar gefunden habe. •— 280 —' in dieser Sprache bald zur Vollkommenheit bringen wolle, nach der Reihe lesen müsse. Der Weg, den Jones geht, scheint mir sehr eben und leicht; die Regeln, die er aufstellt, genau und bestimmt, und die einzelnen Beispiele, die er beibringt, gut gewählt, obgleich Hadley in der unten angeführten Grammatik wiederum andere Vortheile dem Anfänger gewährt, die ihm das Studium der persischen Sprache erleichtern. Den Besclilufs von der Grammar of the Per- sian Language macht ein Yerzeichnifs von den schätzbarsten persischen Büchern, die in Oxford, Paris, London und einigen Privatsammlungen zu finden sind, und die Geschichte, Dichtkunst und Philosophie zum Gegenstand haben. Wahrscheinlich von eben diesem Gelehrten schreibt sich folgendes amnuthig geschriebene Buch her: }C Poems consisting chiefly of »trans- lations froin the Asiatic languages, to — ü8i — which are added two essays: I. On the poetry of the eastern nations; II. On the arts, commonly called imitative. Oxford 1772. Der Inhalt ist folgender: a) Solima, an Arabian Eclogue. b) The palace of fortune, an Indian Tale. c) The seven fountains, an Eastern Allegory. d) A Persian Song of Hafez. e) An Ode of Petrarch. VI. Laura an elegy. VII. A Turkish ode on the spring. VIII. Arcadia, a pastoral poem. IX. Caissa, or the game of Chefs. t: Das erste Gedicht, Solima, ist keine regelmäßige Uebersetzung aus der arabischen Sprache; doch sind alle Figuren, Gedanken und Beschreibungen wirklich aus arabischen Dichtern genommen. Als der Verfasser einige ihrer Verse über Freigebigkeit und Gastfreundschaft las, die sie als ihre liebenswürdigsten Tu- — a82 — genden betrachten, so formte der Verfasser daraus das Stück, Solima betitelt , und nimmt an, es sey zum Lobe einer arabischen Prinzessinn geschrieben, die eine Karavansere mit reizenden Gärten zur Erquickung der Pilgrime angelegt. Dieses niedliche, in einer süfsen Sprache geschriebene und mit den lieblichsten morgenländischen Blumen geschmückte Gedichtgen endigt sich mit folgenden Versen, p. 6.: So sung the youth, whose sweetly •warbled strains FairMena heard, andSaba's spicy plains. Sooth'd with his lay the ravish'd air was calm The winds scarce whisper'd air the flow'ry lawn, Like the swift ostrich, or the sportful fawn Their silken bands the list'ning rose- buds rent, •— 2 83 — And twin'd their blossoms round his vocal tent. He sung, tili on the bank the moonlight slept And closing flowrs beneath the night dew wept etc. IL The palace of fortune — an In- dian tale written in 176g. Der Plan zu diesem Stück war genommen aus einer indischen Erzählung, die von einem geistreichen Edelmann in Diensten der indischen Kompagnie vor einigen Jahren aus dem Persischen übersetzt ward; aber der Verfasser hat mehrere Episoden und Beschreibungen aus andern morgenländischen Schriften hin- zugethan , dem ganzen Stück eine etwas verschiedene Moral gegeben, und sich andere Veränderungen damit erlaubt. I n n h a 11. Ein liebevolles Madchen, Majah, voll Reize und jugendlicher Schönheit, wird von der Göttinn des Glücks in einem glänzenden Wagen zu ihrem Thron geführt, der mit den üp- — e84 — pigsten Bildern nach seiner ganzen Pracht geschildert wird. Hier nahen sich Sterbliche der Göttinn mit ihrem Anliegen, das sie ihnen gewahrt — ihre Wonne, ihr Glück wird mit den lebhaftesten Farben gemahlt, aber dabei nicht vergessen,, zu gleicher Zeit dem Leser die Veränderung und den Jammer vor Augen zu stellen, worein sie gestürzt sind. Also Pracht und Elend stehen einander immer gegenüber, wo dann die Folgen dieser oder jener Handlung zu bemerken nicht unterlassen ist. III. The seven fountains — a mo- ral allegory — soll nachahmen den persischen Dichter Nazami. Der Hauptinhalt ist geborgt aus einer Geschichte in einer Sammlung von Erzählungen des Ebn Arabschah, eines Damasceners, der im l5ten Jahrhundert blühte, und verschiedene Werke in einem schönen Stil schrieb; aber in die Hauptallegorie hat er eine Episode aus den arabischen Erzählungen von Tausend und Einer Nacht. ■— 285 — Inhalt. Die Reize der fünf Sinne und die Vergnügungen des Lebens werden symbolisch dargestellt. yil. A Turkish Ode on the spring. Hier wird zum Genufs des gegenwärtigen Augenblicks und Freude dieses Lebens eingeladen , indem der Dichter an dem Bilde des Frühlings, dessen Pracht er lebhaft schildert, zeigt, wie vergänglich alles sey. VIII. Arcadia a pastoral poem 176c. Der Entwurf dazu ist genommen aus einer Allegorie des H. Addison in dem 3asten Papier des Guardian. Me- nalcas, ein Schäfer, hatte zwei Töchter, Daphne und Hyla; beider Reize werden beschrieben. Menalcas fordert die jungen 4rcadier zum Wettstreit auf: wer den Preifs erhalte, soll eine seiner Töchter wegführen. Der Wettstreit der einzelnen Arcadier wird dargelegt. IX. Caissa or the game at chefs, a poem. — a86 — i Die erste Idee zu diesem Stück war genommen aus einem lateinischen Gedicht von Vida Scauhia, Ludus betitelt,- das von Marino ins Italiänische übersezr, und in dem 1 5ten Gesang seines Adonis eingerückt war. Doch gehören die meisten Schilderungen und die ganze Geschichte der Caissa , die den Ovid nachahmt, unserm Verfasser ganz eigen zu. Die Charaktere in diesem Gedicht sind eben so wenig eingebildet, als die in der Episode, worinn die Erfindung des Schachspiels dem Mars zugeschrieben wird, ob wol es gewifs ist, dafs dieses Spiel ursprünglich aus Indien gekommen ist. Essay I. On the poetry of the Ea- stern nations. Der Verfasser sucht hier die Sitten und Gebräuche der Araber, Perser und Türken in ein helles Licht zu setzen, und darnach ihre Dichterwerke zu würdigen. Diese Abhandlung enthalt viel Schönes und Durchdachtes, obgleich das meiste bekannt ist. — c8 7 — XI. Select Ödes from the Persian Poet Hafyz translated into english verse with notes critical and explanatory, by John Noit 1787. Neben dem persischen Text stehen zuweilen Anmerkungen unter dem Text, die recht artig sind, wo einzelne Bilder sehr gut erläutert sind. XII. Specimen Poeseos Persicae s. Haphyzi Ghazelae s. Odae XVI. ed. Re- viezky 177 1 - Von dieser Schrift hat Reviczky einige wenige Exemplare abdrucken lassen , die er unter seine Freunde vertheilt hat; sie ist also sehr selten anzutreffen. In der Vorrede liefert er eine recht artige Geschichte der persischen Poesie und ihrer Schicksale, nebst einigen Nachrichten von dem Leben des Dichters Ha- fez. Dann folgt eine schöne lateinische nach Horazens Manier verfertigte Ueber- setzung, und zuletzt vortrefliche Anmerkungen und Umschreibung einzelner Stellen, wo der türkische Korn- — 238 — mententar von Sudius fleifsig angeführt ist. — Mit diesen beiden Schriflen verdient noch verglichen zu werden: XIII. A specimen of Persian Poetry or ödes of Haphyz (Hafez) with an Eng- lish Translation and Paraphrase chiefly from the Specimen Poeseos Persiae of Baron Reviczky envoy from the Empe- ror of Germany on the court of Poland, with Historical and Grammatical Illustra- tions and a complete Analysis for the äs- sistance of those, who wish to study the Persian Language, London 1774. Diese Ausgabe enthält drei Oden von Hafez,, Persisch, und eine freie Ue- bersetzung zur Seite. Hierauf wird jeder Vers einzeln buchstäblich übersetzt, jedes Wort genau analysirt, und die nö- , thigen historischen und grammatikalischen Bemerkungen beigefügt. XIV. Select fables from Gulistan or the bed of roses translated from the Original Persian or Sadi by Stephan Su- - s8 9 ~ livan Esquire, London printed for J. Ridley in St. James's Street, I774. Alle diese Fabeln, an der Zahl G2., sind moralischen Inhalts , und zeichnen sich oft durch -weiseSittensprüche, treffliche Gedanken und schöne Gleichnisse aus. Einige wenige Beispiele zur Probe: Fabel I. p. 2.: „ Ein Baum , der erst eben Wurzel gefafst hat, kann durch die Kraft einer einzelnen Person leicht umgeworfen werden ; lassest du ihn allein, so wird er so hoch emporwachsen, dafs du ihn nicht wirst entwurzeln können. " „Zuerst kannst du den Ursprung, die Oeffnung einer Quelle mit einem Stück Korkholz (mit einem Stöpsel aus Kork-^ holz) leicht verstopfen; aber wenn sie eine Zeitlang geflossen, und das Land erfüllt hat, ist kein Elephant vermögend darüber zu setzen. " Pag. 4.: „ Ein Feuer auslöschen und einen Funken übrig lassen, und eine — 2Q0 — Otter tödten, aber ihre Jungen erhalten, heifst nicht als ein weiser Mann handeln. " „ Obgleich die Wolke Wasser des Lebens herabgiefst, so kannst dti doch keine Früchte vom Weidenbaum sammeln. Verschwende deine Zeit nicht mit unnützen Dingen: vom Bambusrohr wirst du keinen Zucker erhalten. '' Pag. 4.6.: „ Niederträchtige Menschen wünschen mit heftiger Begierde Untergang dem Wohlstand und Glück des Rechtschaffenen. " „Wenn das Auge der Fledermaus bei Tage nicht sehen kann — liegt denn die Schuld an den Stralen clor Sonne?" Fabel IV. p. 10.: „Mein Haupt ist niedergebeugt vor Schaam über die Niederträchtigkeit meiner Seele. Die Welt preist den Pfau wegen seiner Flecken und schönen Farbe, aber er selbst fühlt Schaam über seine häfslichen Füfse. "*) *) Die oben angeführte Schrift ist gezogen aus: Musladini Sadi Rosarium Po- — 291 •— XV. The loves of Camarupa and Ca- malata an ancient Indian Tale by Franklin 1793. liticura s. Amoenum sortis humanae theatrum de Pcrsico in Latinum verso a Georgio Gentio, Amstelodami i65i. kl. fol. 551. (Die Anmerkungen fehlen in dieser Ausgabe.) Dieses Rosarium ist im Jahr der Hedschra 656 geschrieben. Der Verfasser war ein Perser, in Cy- ropolis geboren; an Gelehrsamkeit ragte er über alle seine Zeitgenossen weit hervor — er hatte viele Länder durchreist, und erreichte ein hohes Alter. Der Inhalt ist: C.I. de'MoribusRegum. II.de Moribus Religiosorum. III. De conti- nentiaepraestantia. IV. DeSilentii cora- modis. V. De amore et juventute. VI. De Imbecillitate et Juventute. VII. De Disciplinarum Institutione. VIII. De con- versandi virtutibus. Der Gang, den Sadi nimmt, ist ungefähr folgender: Nach einer kurzen Geschichte oder Anekdote, die mit Versen oder kleinen Gedichten durchweht ist, folgen moralische Lehren. Die Moral selbst, die bei jeder — 292 — Weil diese Schrift wenig bekannt zu seyn scheint, so will ich den Inhalt derselben etwas genauer angeben. Camarupa, Sohn des RajahPeti, Königs in Oude in Hindos,tan, träumte, er sey, als er mit seinen fünf Freunden auf der Jagd gewesen, an eine herrliche Stadt gekommen , die ein anmuthiger Garten geschmückt habe, wohin er sich mit seinem Freunde IVIitra Chandra, Sohn des Veziers, begeben, aber zu seiner äussersten Bestürzung die Tochter des Beherrschers von Serendip, die schone Camalata, angetroffen habe. Nachdem sie sich hierauf vor Schrecken hinter einem Rosenstrauch versteckt hätten, seyen sie von den Begleiterinnen der. Prinzessinn bemerkt worden, die, hiervon benachrichtigt, und aufgebracht, Erzählung angebracht ist, ist in kurzen Sprüchen und bildlichen Redensarten vorgetragen. Die jedesmalige Erzählung steht blos als Nebensache der Moral wegen da, die er an diese anknüpft. — e 9 3 ~ dafs ein männlicher Fufs ihren Garten zu betreten gewagt habe, fest entschlossen gewesen sey, das Aensserste gegen sie zu unternehmen, wenn sie nicht durch eine ihrer Begleiterinnen besänftigt, zuletzt die zitternden Fremdlinge hätte zu sich kommen lassen. Bei ihrem Anblick sey er in Ohnmacht gefallen; die Prin- zessinn habepsich in ihn verliebt, und die Begleiterinn in Mitra. Camarupa erwachte; aber er war kaum erwacht, so sank er von einer Ohnmacht in die andere; auch keiner vermochte ihm seinen Schmerz zu lindern, und seinen gesunkenen Kräften neubelebende Stärkung zu verschaffen, weil der Name des Orts und der Prinzessinn, die ihm die Sinne verrückt hatte, gänzlich aus dem Gedächtnifs verschwunden war. Der Vater Kefs zu dem Ende alle Reisende befragen: welches die schönste Gegend der Welt wäre? aber lange forschte er vergebens, bis ihm endlich ein Bramine das Land Serendip als das reizendste der —' Qg4 — Erde priefs. Der Vater, hoch erfreut über diese Nachricht, schickt Abgeordnete nach Serendip, um die Prinzessinn für seinen Sohn zu werben. Aber der Prinz, voll harrender Ungeduld über die zögernde Antwort, besteigt mit seinen fünf Kameraden daselbst das Schiff; ein heftiger Sturm vertreibt sie; Mitra und Camarupa retten sich auf Eine Planke: auch diese wird zerschellt, und Jeder verschlagen. Camarupa kommt endlich ans Ufer. Wie er ängstlich nach einer Menschenwohnung sich umsieht, findet er einen prächtigen Pallast, und geht in den Garten, wo ihn die Prinzessinnen der Für- stinn zuführen. Diese verliebt sich in ihn, und bewürbet ihn stattlich. Als er nach dem Gastmahl in einem Garten eingeschlafen war, erblickt ihn die Kö- niginn der Geister mit ihrem Gefolge, vergafft sich ebenfalls in ihn, und führt ihn mit sich nach ihrer Residenz. Von hier entrückt ein junger ,Fürst, in die — 295 — Prinzessinn verliebt, aus Eifersucht den Camarupa durch seine Geister auf eine Insel, wo er einen scheufslichen Greis, wie ein Pferd seinen Reuter, auf sich nehmen mufs. Nachdem er lange Zeit in diesem traurigen Dienst sich gequält hatte, gelingt es ihm endlich, den Greis zu berauschen und zu tödten — entdeckt in einem der andern Pferde seinen FreundMitra, welcher ihm erzählt, wie er auf einer Insel, wo er angeschwommen sey, von Geistern ins Gefängnifs geworfen, losgelassen, und zuletzt durch die Luft hierhin versetzt worden sey. Beide finden an einer Quelle einen Vogel, dessen Fufs mit einem silbernen Faden umwunden war — und dieser ist ein anderer Kamerad. Dieser hatte sich auf einer Insel nach einem mit den anmuthig-, sten Gärten gezierten Pallast begeben, wo er eine Fee angetroffen, die ihn ihren Eltern zugeführt habe, denen er aber bald entflohen sey. Ein dritter Kamerad, Dhamrantary — 2 9 6 — Tubeel, ein Arzt, war, wie er nach dem Schiffbruch auf einer Planke schwamm, von dem vorbeisegelnden Schiffe eines Kaufmanns aufgenommen und nach Se- rendip gebracht worden. Hier hatte um dieselbige Zeit der Vater der Camalata alle Aerzte des Reichs versammelt, um seiner seh werkranken Tochter die Gesundheit wieder zu verschaffen, wozu aber keiner vermögend war. NurDhamranta- ry blieb diese Ehre aufbehalten, der in der Person eines Kranken, den Rajah- Peti, Königin Oude, an seine Majestät abgeschickt hatte, den vierten Kameraden wieder fand. Der vierte Kamerad, Chitra Maria, der Mahler, erzählt nun seine Geschichte. Er wäre, damit fangt er an, auf einer Planke zuCeilon an's Ufer geschwommen , und habe an das Thor eines prächtigen, nicht weit davon befindlichen Pal- lastes die Geschichte Kamarupa's, von seiner Liebe an, bis auf die Zeit seiner Trennung von ihm, in einem Gemälde dar- — 2 9 7 — gestellt. Der König der Insel, dadurch ganz in Erstaunen gesetzt, habe sich nach ihm erkundigt, und als er den Mahler in ihm erkannt, ihn als Gesandten nach Se- rendip geschickt. Auch hier mahlte er den Traum Camarupa's — seine Bestürzung und seine Ohnmächten beim Erwachen, wie auch seine unglückliche Schifffahrt, so genau und treffend, dafs die Prinzessinn ihren Liebhaber Camarupa in diesen Szenen gleich entdeckte, und den Chitra durch vieles Bitten dahin vermochte , dafs er nach Ceilon wieder ab- reisete, seinen Freund Camarupa aufzusuchen. Beim Nachforschen fand er einen alten Freund, der ihn zu Camarupa brachte. Dieser (Camarupa) hörte der Erzählung seines alten Freundes mit Aufmerksamkeit zu, verkaufte, um den Brammen seinen Dank abzustatten , seinen Rubin, und fand in dem Bedienten des Fürsten seinen alten Freund, den Juwelierer Manühya Chandra, wieder, der ebenfalls auf einer Planke an ein Ufer ge- - 2 9 8 - kommen war, wo er eine Karavane von Kaulleuten antraf, die ihn wegführten, und schon im Begriff waren, ihn zu töd- ten, wenn ihn nicht der Sohn des Chefs der Räuber, der sich seiner annahm, zum Prinzen llajah PeLi gebracht hätte, wo ihn Camarupa wiederfand. __ Hier traf auch Camarupa bei Gelegenheit einesGast- mahls, das der Fürst Rajah gab, den Musikus Kalarat Rasa, der ebenfalls auf einer Planke an ein Ufer gekommen war, an, wohin er wie die übrigen alle verschla« gen war, einen Baum bestiegen hatte, von wo ihn ein Sohn des Veziers von Ra- ja, der ihn gegen die Wuth eines Bären und einer Löwinn schützte, nach Hofe brachte. — Darauf wird die Geschichte des Braminen Samadhi Paihanan eingeflochten, der nach einigen Inseln in China getrieben, endlich in Serendip ankam, wo er die Prinzessinn im Tempel sah, der er Camarupa aufzusuchen versprach. Während er nachforschte, kam er zu der Hole eines Derwischen, der ihm Camarupa's — 299 — Aufenthalt kund that; worüber diePrin- zessinn in die lauteste Freude versetzt ward. Camarupa wollte jetzt Abschied nehmen, mufste aber, um dem l\ajah Beistand wider seine Feinde zu leisten, noch einige Tage verziehen. Endlich reisete er ab, und kam mit seiner Gesellschaft in Serendip an. Budea Chaund flog als Vogel mit einem silbernen Band zum königlichen Pallast, wo er die Prinzessinn mit ihren Begleiterinnen unter einer Cypresse fand. Er entdeckte ihr die Ankunft Cama- rupa's, und seine heisseLiebe gegen sie, und horte, dafs der Rajah an einem bestimmten Feste alle Jünglinge, die um seine Tochter buhlten, eingeladen habe. Camarupa und seine Begleiter begeben sich als Derwische dahin; die Prinzessin wirft ihm den Kranz zu. Ihr Vater ergrimmt, dafs sie einen Derwisch einem königlichen Prinzen vorzöge, liefs sie, Camarupa und seine Gesellschaft ins Gefängnifs werfen. Aber ein Geist, den Camarupa durch Verbrennen des Haars citirte, be- — 3oo — freiete sie aus diesem Kerker, und wiefs ihnen sogar unweit der Stadt ein Fort an. Von hieraus bekriegte Camarupa den Ba- jah, und schlug ihn, schickte darauf den Mitra zu ihm, liefs um seine Tochter anhalten, die ihm auch, da er sich als den Sohn des Fürsten von Oude zu erkennen gab, bewilligt ward. MitraChandra bekam ihreBegleiterinn zurGattinn, um die der Vogel Budea Chaund bereits angehalten hatte. Camarupa folgte seinemVater in der Begierung, und lebte mit seiner Gemahlin recht vergnügt. Astrologen bestimmten den glüklichstenTag zu ihrerVerbindung. Man sieht aus dieser kurzenDarstellung deslnnhalts, die ich nach dem, was ich mir vor mehrern Jahren, als ich das Buch las,darüber bemerkt hatte, so gut als es sich thun liefs, zusammengeordnet habe, wie wenig anziehend und unterhaltend diese Schrift sey. Das Ganze ist voll läppischer Feenmärchen, voll elender Geistergeschichten, und mit den langweiligsten Dichtungen durchwebt. Alle einzelne — 3oi ■— Stücke winden sich auf einerleiWeise ab; jeder Gefährte Camarupa's rettet sich auf eine Schiffsplanke; jeder wird an ein benachbartes Ufer hingetrieben; jeder erblickt einen Pallast, der mit reizendenGär- ten geziert ist; jeder wird durch die Lüfte entrückt, oder durch einen unverhofften Zufall in ein unbekanntes Land entführt. Diese Loves ofCamarupa and Camalata tra- gen demnach denselben Charakter an sich, womit so viele alte persische Dichtungen und Erzählungen gestempelt sind, worinn Feen, Fliesen, Drachen, Sagen von bezauberten Pallästen und Schlössern miteinander abwechseln, und sind also ein lebendiger Abdruck von dem kleinlichten Ge- schmak dieserNation, und von der niedern Stufe der Kultur, worauf sie sich befindet, obgleich auch in dieser kleinen Schrift ein Geist haucht, den man in allen morgenlän- dischenWerken, bald offen, bald versteckt wieder findet. Ueber den Namen des Verfassers, über die Zeit der Abfassung, u. s.w. kann ich, da der berühmte Herausgeber \ — 5o2 --- über diese und ähnliche Punkte das tiefste Stillschweigen beobachtet hat, dem Leser nichts mittheilen. XVI. Melanges deLitterature Orientale de differens Manuscrits Turcs, Arabes et Persans de laBibliotheque duRoi, parM. Cardonne, etc. Paris 1 770. T. I. IL 5i^. lind cg3. ingr. 12—t M. Cardonne hat die Auswahl getroffen, dafs in seinen Melanges nichts vorkommt, was in den Werken von Herbelot, Galand undDelacroix, die oft aus denselben Quellen geschöpft haben, bereits enthalten ist; daher in diese Sammlung lauter neue,bis dahin noch ungedruk- te Sachen aufgenommen sind. Auch hat er hie iind da einige Anmerkungen beigefügt, die entweder orientalische Gebräuche aufklären, oder den Leser mit den Personen näher bekannt machen, worauf sich eine Anekdotebezieht. Was nun den Inhalt dieser Melanges anbetrift, so enthalten sie meist Anekdoten mancherlei Art und von verschiedenenl'ersonen,nebst einigen hervorstechenden Zügen aus dem Leben von — 3o3 — Chalifen, z. E. von ihrer Gerechtigkeit, Freigebigkeit, Edelmuth, u. s.w., die dann mit schönen Beispielen von edeln Gesin- nungen,witzigen und sinnreichenAntwor- ten, u. s.w. abwechseln. DenBeschlufs des zweitenBandes maclit eine Sammlung von moralischen Lehren, Sentenzen und Betrachtungen, als p. 162.-236. Conseilsde Nabi-Efendi a ses enfans, ou im traite d'e- ducation, Poete fameux, qui fleurissoit snr la fin du siecle passe parmi lesTnrcs, worin zu Fasten, Beten, Allmosengeben, Wallfahrten nach Mekka und übrigen Stücken des Mahomedanischen Gottesdienstes ermahnt wird, und ausserdem viele vortreffliche Bemerkungen über Heuchelei, Stolz, Hafs, u. s. w. vorkommen. P. a36. ist: surlagrandeur deDieuetle neant de l'homme parKhalili poete iure, eingerückt, voll erhabener Gedanken und grofser Schilderungen; ein schöner Pendant zu ähnlichen schätzbaren Stücken im Buche Hiob, Jesaias und den Psalmen. Darauf folgen Betrachtungen über die Kürz© — 5o4 — des Lebens.Tod, Tugend, Unbeständigkeit des Glücks, etc. P. cöß. steht eine schöne Vergleichung sur le savant et l'ignorant: „ Der Weise schweigt, und seines Stillschweigens ungeachtet, entfahren ihm tausend Züge, welche seine Kenntnisse entdecken. Er ist eine kostbare Saibe, die, obgleich in einem Gefafse verschlossen,nichts destoweniger einen lieblichen Geruch ausduftet. Der Unwissende meidet den Umgang, und schreiet aus voller Kehle; er gleicht einer Trommel, die die Luft mit ihren schallenden Tönen schlägt, deren Inwendiges aber leer ist." Von ü 86. bis zuEnde desRuchs folgen diverses maximes,wor- aus folgende a als Proben hier stehen mögen. P. 288. „DieWohlthateri werden auf Sand geschrieben — der geringste Hauch löscht sie aus, und die Beleidigungen werden in Erz, gegraben: nichts ist vermögend denEindruck zu vertilgen, den sie auf uns machen." P. 291.: „DieWorte sind wie Arzneimittel, welche nützen, wenn man sie mäfsig gebraucht, aber schaden, wenn man sie zu sehr vervielfältigt. " Gedruckt bei C. L. Brecle in Offenbadi. 2V a c h t r a g. Zm S. ao. f., wo von dem Putz der Morgenländerinnen und ihrer Gewohnheit, sich zu schminken und zu färben, geredet worden ist, verdient vorzüglich verglichen zu werden Rosenmüller in seiner Schrift: „ Die Sitten der Beduinen-Araber" S. 208. f., Tausend und Eine Nacht, Th. I. S. i44>> ™ch der Ausgabe von 1712., und B r u n' s .Versuch einer systcviatischenErdbeschrei- bung der entferntesten Welttheile, (Erd- theile) Th. I. S. 1 68. — in welcher letzten Stelle auch der bekannten orientalischen Sitte, sich zu parfümiren, Erwähnung geschieht — und die daher zur weitem Erläuterung dessen dienen kann, ü — 3o6 - was oben S. 5i. f. hierüber beigebracht ist. — „Ungeachtet, so lauten die Worte, die ägyptischen Schönen nicht von Stutzern umflattert werden, und nicht für den grofsen Haufen der Männer sich putzen können, (denn der Eintritt in den Harem eines Andern ist jeder Mannsperson bei Todesstrafe verboten, und selbst der Herr des Hauses darf es nicht wagen, zu seinen Weibern zugehen, wenn sie Besuch von Fremden haben) so kann man sie doch von den Künsteleien der Mode und von eingebildeten Verschönerungen ihres Körpers nicht frei sprechen. Ihre Moden betreffen besonders den Schnitt ihrer Kleider, die Verzierung ihres Gürtels, und die Veränderungen ihres Kopfschmucks; an ihren Fingern tragen sie Ringe mit kostbaren Edelgesteinen; ihr langes schwarzes Haar salben sie statt Puder und Pomade mit kostbaren Essenzen; ihr Gesicht und oftmals den ganzen — 3o7 *■ Leib waschen sie mit Rosenwasser; ihre Kleider räuchern sie mit duftendem Aloeholz; den Rand der Augenlieder und die Augbraunen färben sie schwarz, die Nägel an Händen und Füfsen aber auroragelb. " S. ferner die *) Historie der Sultanin aus Persien und ihrer Seziere, oder an- *) Dieses Buch, in dem ein ganz orientalischer Geist haucht, und eben derselbe Hang zum Wunderbaren , Abenteuerlichen und Spielenden, wie in den Lo- vesofCamarupa andCamalata, den Tausend und Eine Nacht, Tausend und Eine Viertelstunde und ähnlichen Schriften herrscht, rührt von dem berühmten Chec-Zade, Lehrer Amurats IL, türkischen Kaisers, her, der von l£« bis i$Si regierte, (s. Gatterer's Versuch einer allgemeinen Weltgeschichte bis zur Entdeckung Amerikens, S. 789. f.) und ist 1717 aus clem Französischen von einem Ungenannten, wahrscheinlich demselben Manne, von dem um dieselbe Zeit eine deutsche Uebersetzung von Tausend und Eine Nacht und Tausend und Eine — 3o8 — genehme türkische Historien in türkischer Sprache verfafst von Chec-Zude, Leipzig 1717. S. 62. CS. „ Hoschendan, Tochter Tangribirdi's, eines Veziers bei seiner Majestät dem König derTartarei, Togaltimur, färbte, um den Oberstallmeister Saddyk zu beViertelstunde erschienen ist, fliefsend in unsere Muttersprache übertragen, und mit kurzen, aber brauchbaren Noten begleitet worden. Diese Historie, bei der man eine gewisse Einförmigkeit nicht verkennen kann, zeichnet sich von Seiten einer lebhaften Dichtung, durch anmuthige Erzählungen und durch passende moralische Reflektionen, die diesen zum Grunde liegen, vor allen ähnlichen Werken vorteilhaft aus, und dürfte, mit einer rasonnirendenEinleitung und mit zweck- mäfsigen erläuternden Anmerkungen versehen , durch die das Ganze an Interesse und Deutlichkeit nicht wenig gewinnen würde, ein willkommenes Geschenk für unser deutsches Publikum seyn. —. 3og — stricken, die Äugbraunen mit Vesme, (d.h.Indigo ausAgra, der schwarz färbt} und die Augenlieder mit Surme, d. h. präparirtem Spiefsglas; auch vergafs sie nicht, ihre Hände mit Cna oder Henna zu reiben. " Zu S. 53. f., wo die Schönheit eines Mädchens mit dem Monde verglichen wird, siehe Tausend und Eine Viertelstunde , nach der Leipziger Ausgabe von 1716., S. 9.: „Die beiden Damen kamen etliche Minuten nachher wieder in den Saal und glänzten tausendmal schöner als der Vollmond. Conf. Recueil des plus jolis contes livrees des Mille et Une Nuit, par J. Tkeoph. Schoummel , T.II. »778. p. 34. u. i63. Zu S. uo. f. von der Vergleichung weisser Zähne mit Perlen, s. S. 169. aus dem zuletzt angeführten Buche, wo es in der Geschichte des aufgewachten Schläfers also heifst: Abu Hassan, Kaufmann zu Bagdad, unter der Regierung des Ka- — 3x0 — lifen Harun Alraschid, fafste die Dame, die ihm zurFiechten stand, bei der Hand und hiefs sie sitzen — reichte ihr hierauf einen Blätterkuchen, und fragte sie: wie heifst du ? Perlenschnur, Gebieter der Gläubigen — antwortete sie. Worauf Jener: Wahrlich, man könnte dir keinen passendem Namen geben und der besser deinen Werth ausdrückte, als diesen — jedoch scheinen mir, ohne eben den tadeln zu. wollen , der ihn dir gegeben hat, deine schönen Zähne alle Perlen in der Welt an reinem Glanz zu übertreffen. Zu S. 122.: „ Dein Busen ist wie ein Paar Granatäpfel fein gerundet. " Vergl. Brunk's Analecta veterum -po'etarum Graecorum , T. III. p. 73. c. 8. u. c. 14. p. 75., wo Paulus Silentius dasselbe Bild gebraucht ♦ und Aristoph. Lysistr. v. i55.; ferner Leonidae Tarentini car- viina, p. G9. nach der Ausgabe von Meineke: — Sn — „Schmachtende Liebe blicket sanft 4ius ihrem schönen Augenpaar; ihr Busen rund wie eine Quitt', kündet Reife an." Aristinaet I. Br.L: „IhrBusen, rund wie eine Quitte, presset das Gewand. " Aristo-phan.Acharnens. v.i 198.: „Wie hart und wie der Quitte gleich gerundet sind ihre beiden Brüste! " Zu der ersten arabischen Ode aus Jones de poesi Jsiatica vergl. Recueil etc. p. 35. Die Prinzessinn Badrulbudur, Tochter des Sultans, (aus der Geschichte D'Alad- dins oder der wunderbaren Lampe) hatte grofse, lebhafte, glänzende Augen, einen sanften, bescheidenen Blick; die Nase war schön proportionirt und ohne Fehl; der Mund klein, die Lippen purpurfarbig, und durch ihre angenehme Symmetrie voll von Beiz. " Pag. i63.: „Abu Hassan fragte die sieben Damen, die an seiner Tafel im — 012 — ersten Saal safsen: wie sie hiefsen? und hörte die Namen: Alabasterhals, Korallenmund, Mondgesicht, Sonnenglanz, Augenweide, Herzenslabung und Zuk- kerrohr. " Zu der Stelle aus dem Hohenliede, C. i. v. 8.: „Einem Rofs an Pharao's Wagen gleich' ich, o Traute, dich! " gehört eine ähnliche aus Theokrit l8. <2Q. *) „Wie sich ein Schwad ausnimmt im fruchtbaren grofsen Gefilde, Wie die Cyprefs' im Garten, ein Thessa- lerrofs an dem Wagen: So war Helena schön, die Rosige, von Lakedämon. " *) Nach der schonen Uebersetzung in Vossens musterhaften Bearbeitung der ländlichen Gedichte Virgils S. 249. HERHSHBI u WQBHMHnOMI ■ .