* * ⛪ Teil 2 der Widerlegung der von Jos. Schram herausgegebenen Duches 1804 . — 9 — * * ⚓ * * * . * * . . * ** # ✋ ⸸ ⸗ * * * Zweyter Theil der Widerlegung des von dem Professor Joseph Schram ohnlängst herausgegebenen Zuches durch einen Freund der Wahrheit. 4 Gedruckt in Germanien 18¼. H. M. IV 64 Es werden sich reissende Wölfe bey euch einschleichen, welche der Heerde nicht schonen: und aus euch selbsten werden Männer aufstehen, welche verkehrte Dinge vortragen, damit sie Schüler an sich ziehen: deswegen seyd auf eurer Hut. Paulus K. 20. vv. 29. 30. 31. Apostl=Gesch. — N Vorbericht. Anhaltende sehr trübe Tage — und zum Theil schlaflose Nächte versenkten mich in eine Art von tiefem Trauer, wodurch mich die Muse, diesen versprochenen zweyten Theil zu schreiben, auf eine Weile verließe. Da man sich indessen bey Winterszeiten an unangenehme Witterungen endlich zu gewöhnen pflegt, so wird das Gemüth allmählig wieder aufgeheitert, und erhält den vorigen Schwung obliegende Geschäfte zu bethätigen und in der Folge zu vollziehen. Dem IV Demnach bin ich schlüssig geworden diesen meinen zweyten Theil dermals zu verfassen, und der Presse um so lieber zu überliefern, je sehnlicher ein wohldenkendes Publikum sein diesseitiges Verlangen geäussert hat. Den Grundsätzen einer ungeschminkten Nächstenliebe, so wie der beliebten Gelassenheit und Wahrheit werde ich immer getreu bleiben: wobey jedoch die von dem bekannten Verfasser beleidigte und angenagte Religion eine ihrer hohen Würde angemessene weitere Vertheidigung und Genugthuung mit allem Rechte und lauter Stimme fordert; also zwar, daß nur ein Fürchterling in Hinsicht auf ein zeitliches Wohl oder Unwohl ihr dieselbe weigern würde. Uebrigens sind die kurz gedrängten Anzüglichkeiten, welche vermuthlich der Ver Verfasser selbst in die Düsseldorfer Zeitung Nro. 144. gegen mich und meinen ersten Theil hat einrücken lassen, so ungezogen, daß sie, nicht zwar von mir, sondern in Wahrheit von dem einsehenden und unparteylichen Publikum für baare und nichts beweisende Grobheiten bezeichnet werden; welche mithin niemanden anders, als nur seinen eignen Erfinder beschimpfen können. Zum Beweise mögen nur einige dieser Ausdrücke des Verfassers dienen, wo er in der angezogenen Zeitung z. B. sagt: „Meine Schrift sey eine Brut eines ver„rückten Kopfes.“ Weiters: „Ich „verstünde weder den Kant, noch das „Evangelium.“ Ferners: „Es sey Pflicht „auf meinen ersten Theil, als eine schäd„liche Volksschrift, die Polizey aufmerksam zu machen, u. s. w.“ Da Da haben wir nun eine ganz neue Method mit kurzem Bücher zu widerlegen, und zwar als ein Originalstück des Verfassers. — Das Meiste soll die um Hülfe angerufene Polizey leisten, wenn sich Jemand untersteht gegen solche Herren zu schreiben, und ihnen zu beweisen, daß sie mit ihren Schriften nicht allein die Religion, sondern auch die Regenten und Staaten bedrohen. — Hingegen redet das einsehende Publikum von einem ganz andern Buche, wogegen die Polizey sehr nachdrücklich anzurufen sey. — 1 Erster S 5 Erster Absatz. Das reizende Wort; Aufklärung, hat manchem Flattergeiste zum Vorwande und zur Beschleyerung seines auch scheuslichsten Vorhabens und Unternehmens gedient. Leute welche den Sturz der Religion beabsichteten, und Reiche umwälzen wollten, verbargen sich hinter die betrügerische Larve einer Aufklärung der Völkerſchaften und des ganzen Menſchengeschlechtes. Sie warfen sich als schimmernde Lichter und Weltapostel einer reinen VernunftMoral, und zwar mit Hintansetzung aller göttlichen Offenbarungslehre, mit hocherhobener Stirne auf; wobey ihre angestrengsten Bemühungen dahin gerichtet waren, um Proselythen und Schüler aller Orten anzuwerben, und in ihre unſelige Grundſätze einzuweihen. Da ihnen aber dieses bey Reifdenkenden nicht nach ihrer ganzen Erwartung gelingen wollte, A 4 wollte, so richteten sie endlich ihren Gesichtspunkt hauptsächlich auf die noch zärtere und empfänglichere Jugend, in der vollen Hoffnung, wenn sie diese einmal mit ihren trüben Aufgaben umwölkt und betaumelt hätten, so ließen sich wenigstens für die Zukunft im Gebiete der Geistesfreyheit, d. h. in der ungebundenen Freyheit zu denken und zu handeln wie man immer wolle, so wie in der Gleichheit aller Stände ohne Ausnahme, größere, ja wohl allgemeine Vorschritte machen. Länger als ein halbes Jahrhundert hindurch wurden auch in unserm Deutschlande nicht allein in geheimen Klubs, sondern auch in offenen Lesegesellschaften zweckmäßige Anlagen und Versuche zur Erreichung und Erfüllung dieses Planes veranstaltet: man schickte sogar in die halbe Welt Emissarien aus, um diesen verderblichen Secktengeist zu verbreiten, und in allen Orten zu realisiren. Solche Leute versuchen und wenden zwar alles mögliche an, um ihren Zweck zu erreichenund ihre Grundsätze geltend zu machen; nichtsdeſtoweniger können ſie den angehoften Beyfall noch nicht erzwingen: sie werden auch in christlichen Gegenden noch mit manchen Hindernissen zu kämpfen haben, ehe sie das wahre wahre Licht des Christenthums, so wie den Felsen, auf welchem die Kirche samt ihrer Hierarchie ruhet, beseitiget haben werden, sollten sie auch gleichwohl noch ohne Unterlasse auf den Statthalter Chriſti, auf die allgemeinen Kirchenräthe u. s. w. losschimpfen. Wenn man nun die in meinem ersten Theile in ein näheres Licht gestellten, gerügten und widerlegten Grundsätze unsers Verfassers unpartheilich beurtheilen will; so wird man vollkommen überzeugt werden, daß seine Absichten zum Sturze der Religion gerichtet sind, und daß er folglich keinen andern Zweck im Schilde führe, als jenen, der diesen seinen schwarzen Absichten entspricht, da er sich für den Schöpfer und Stifter neuer Land. und Stadtschulen eigenmächtig und ohne Berufe aufwirft. — In der Folge wird sich das Wahre näher entwickeln lassen, und Eins mit dem Andern näher unterſuchet und beleuchtet werden. Den zweyten Abschnitt, ersten §. seines Werkes fängt der Verfasser mit den folgenden Worten an. „Die zufällige Verschiedenheit der Volksclassen in Beziehung auf Lebensund Berufsart — macht mehrere wesentlich verschiedene öffentliche Lehranstalten nothA 5 10 „ nothwendig. Vor allen andern sind Elemen„ tar⸗ oder allgemeine Land⸗ und Stadtſchu„ len erfoderlich; worin die Kinder aller „ Volksclassen bis zum Uebergang in's rei„fere Jugendalter unterrichtet, und zur „ menschlichen und bürgerlichen Bestimmung „ vorbereitet werden. Es ist eine weltkündige und ausgemachte Sache, daß von der guten Erziehung der Jugend die Unterstützung und Zierde der Religion, so wie das Wohl der Staaten ein Wo die Jugend triftiges Gewicht erhalte. durch böse und irrführende Lehren schon bey ihrem Aufkeimen verdorben wird, da werden nicht allein dem Christenthume, sondern auch der bürgerlichen Ruhe und Sicherheit tiefe Wunden geschlagen. Die Erziehung der Jugend ist also einer der wichtigsten Gegenstände, worauf vorzüglich die Vorgesetzten der Kirche, und auch die Beherrscher der Staaten ihren Gesichtspunkt richten, und ihre sorgfältige Bemühungen verwenden müßen. Als gute Hirten, und eifrige Zionswächter sind sie verpflichtet zu verhüten, daß sich keine Wölfe, wenn dieselben auch gleichwohl mit doppelten Schaafskleidern einher giengen, einschleichen, um die junge Läm 11 Lämmerheerde mit ihren giftvollen Zähnen zu zerreiſſen. — Die Eltern ſind nicht weniger schuldig ihre Kinder vor bösen Lehren zu verwahren, und in diesem Betracht ein besonders wachtsames Aug auf sie zu heften; denn aus bösen Grundsätzen folgen böse Handlungen. Diese Sorgfalt muß zu unsern Zeiten, wo so viele Afterphilosophen der jungen noch unschuldigen Heerde auflauern, bis zum höchsten Grade hinaufsteigen. Die Kirche, als eine sorgfältige und dazu besonders geeignete Mut ter, muß in ihrem ganzen Wirkungskreiße die Lehrer, die Lehrbücher, so wie jede in die Religion einschlagenden Lehranstalten genau prüfen, und sodann genehmigen oder verwerfen. Ist es demnach nicht verwegen, und der Jugend, ja wohl dem Staate selbst nicht sehr nachtheilich, daß der Verfasser sich unterzogen hat eigenmächtig ein Werk über die Anstalten der Land= und Stadtschulen öffentlich in das Publikum auszustreuen, welches vorzüglich der Jugend, sowohl im Stoffe der Glaubenslehre, als der christlichen Sitten äusserst schädlich ist? Und 12 Und in der That ist der Verfasser schon im Anfange seines zweyten Abschnittes aus dem rechten Geleise gewichen, da er sagt: „In „ Beziehung auf Lebens= und Berufsart ver„ schiedener Volksclassen seyen mehrere we„sentlich verschiedene Lehranstalten „ nothwendig.“ Denn, wenn hier von jener Lebens= und Berufsart, welche den edelsten und nöthigsten Zweck der in den Schulen zu erziehenden Jugend zum Gegenstande hat, nämlich vom Unterrichte im Christenthume, die Rede vorzüglich ist, und seyn muß; so dörften wohl, wenigstens in dieser Rücksicht, die Lehranstalten nicht nothwendigerweise weſentlich unterſchieden ſeyn: Chriſtus iſt nicht zertheilt; und seine göttliche Lehre ist, auch im strengsten Sinne des Wortes, einig und wesentlich, ja pünktlich einstimmig. Daß aber bey christlichen Zöglingen vor allem andern auf den Unterricht im Christenthume Rücksicht genommen werden müße, damit sie mit ihrem Berufe zur ewigen Seeligkeit bey Zeit bekannt gemacht werden, und sich nicht als blos leibliche Maschinen betrachten, dieß wird nur ein roher Materialist verneinen wolsen. — Unser Hauptzweck ist weit über alles irrdische erhoben; denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, hingegen aber an seiner Seele schaden leidet? Da 13 Da übrigens der Verfasser von der Vorbereitung zur menschlichen und bürgerlichen Beſtimmung der Kinder redet, darf man nur die in meinem ersten Theile geprüfte und gerügte so genannte reine Vernunftmoral wieder zu Gesicht nehmen, um überzeugt zu werden, was die Naturalisten der ersten Ordnung durch die menschliche Bestimmung verstehen. Man wird finden, daß sie in einer schändlich erdichteten Sittenlehre ohne Glauben, ohne Pflichten gegen Gott, ohne geoffenbarte Glaubensartikel, ohne die Gottheit Chriſti, ohne eine künftige Belohnung der Tugend, oder Bestrafung des Lasters, mithin ohne Furcht eines allwissenden Richters, ohne Hülfsmittel der Versöhnung mit dem gütigen Gott, und ohne Himmel und Hölle bestehe. Mit solchen die ganze Welt empörenden Grundsätzen beeifern sich diese Herren die Jugend zu verpesten, und dieselbe zeitlich und ewig unglücklich zu machen. Und allem diesem ungeachtet brüsten und rühmen sie sich noch obendarauf, als wären sie die besten Wohlthäter und wahren Aufklärer der Nationen und Völker, da sie jedoch im tiefesten Schlamme herumwühlen, und das Menſchengeschlecht in einen Thierstall einsperren wollen. — Wenn aber die Wür 14 Würde der Menſchheit, womit der Verfaſſer immer so hoch hebt, darin bestehen soll, so redet er in seinem Mischmasche sehr inconſequent. Auf der nähmlichen S. 81. sagt der Verfaſſer nun weiters: „Ich sage vor allen andern; denn dieſe Land⸗ und Stadtſchulen ſind dem Staat weit nothwendiger, als alle übrigen Bildungsanstalten, Gymnasien, Lyceen, Prytaneen, Universitäten u. s. w.“ Wenn der Verfasser sich auf solche Landund Stadtschulen beziehen wollte, in welchen nebst den erforderlichen Kenntnissen und Fertigkeiten der Schüler in zeitlichen Wissenschaften auch vorzüglich die reine Glaubenslehre vorgetragen und den Zöglingen nächst an's Herz gelegt wird, so würde ich ihm meinen ganzen Beyfall gestatten, daß diese Schulen der Kirche und dem Staat, und überhaupt dem allgemeinenweesen weit zuträglicher und nothwendiger wären, als z. B. Akademien oder Universitäten, auf welchen man sich mit allen Kräften beeifert das allen Ständen so wohlthätige Christenthum nicht allein 15 zu verstümmeln und zu verhunzen, sondern sogar vollends zu entwurzeln; wie es leyder! die vielfältige und traurige Erfahrniß bestätiget. — Mit Rührung und Schauder erinnere ich mich öfters mehrerer solcher Universitäten, wo nicht wenige Professoren durch ihre Grundsätze die Sache endlich so weit getrieben haben, bis die Geisselgottes den ganzen Zusammenhang in die Flucht geschlagen hat. Wenn aber die Rede von Akademien und Universitäten seyn soll, auf welchen die ächten Wissenschaften in ihrer wahren und ganzen Reinigkeit, und im Glanze jener erhabenen Wahrheit, welche alle finsteren Trügschlüsse zerstreuet, und jede Täuschungen verscheuchet, vorgetragen und den Schülern samt der Gottesfurcht und der ungeheuchelten Frömmigkeit nächst an's Herz gelegt werden; so können die von dem Verfasser vorgezeichneten Land= und Stadtschulen diesen das Gleichgewicht nicht halten, vielweniger denselben vorgezogen werden. Da übrigens nicht allein auf die Wissenschaft, sondern auch auf die Religion, Sittlichkeit, Tugend und Redlichkeit der anzustellenden Professoren besondere Rücksicht genommen — 16 nommen werden muß, damit die Lehrlinge, welche sie auch immer seyn mögen, nicht Gefahr laufen, von ihren Lehrern durch falsche und bösartige Grundsätze verdorben und hinter das Licht geführt zu werden; — So läßt es sich um soviel mehr abschließen, welche Eigenschaften ein Mann besitzen müße, der sich zum Stifter der Landund Stadtschulen aufwirft, und mithin alle dahin einschlagenden Schüler sowohl der Städte als des Landes nach seinen Grundsätzen bilden will. Wenn man übrigens das abentheurliche Lehrgebäude des Verfassers beherziget, so wird es sehr einleuchtend, auf welchen Fuße er seine Land- und Stadtschulen einrichten wolle. Nichtsdestoweniger versichert er auf der 81. und 82. S. von diesen seinen Schulen: „Die gesammte Volksjugend empfängt in denselben nicht nur den ersten allgemeinen Unterricht, sondern auch die erste eigentliche Richtung des Geistes und Herzens, wovon der Werth oder Unwerth ihres ganzen folgenden Lebens gröstentheils abhängt. Daher ist die Zweckmäßigkeit der Einrichtung dieser Schulen unter 17 ter allen der wichtigste, und eine der ersten Staats= und Nationalangelegenheiten. Aber Dank sey der Vorsicht, daß der Verfasser von der einschlagenden Behörde zur Einrichtung des Schulwesens nicht beauftraget worden ist; denn wenn die Land= und Stadtschulen nach dem Geschmacke seiner nun enthüllten Grundsätzen eingerichtet werden sollten, so würden in diesen Schulen keine neue Christen, sondern neue Heiden erwachsen: wodurch sich dann folglich der Werth oder Unwerth ihres ganzen folgenden Lebens am pünktlichsten bestimmen ließe. — Man urtheile nun, ob eine so geeignete Schuleinrichtung eine der wichtigsten und ersten Staats= und Nationalangelegenheiten sey. — Daß aber der Verfaſſer die chriſtliche Glaubenslehre tilgen, und eine völlige Irreligion einführen wolle, dieß hab ich in meinem vorhergehenden Theile unwidersprechlich bewiesen, und werd es in der Folge noch weitläufiger erproben. Bey allem dem Unwesen, welches solche Philosophen in unseren Tagen treiben, pflegen sie sich auf den Geisi der Zeiten zu berufen und zu stützen, ohne uns zu erklären, ob dieser ein guter, oder ein böser Geist sey? Und in der That, wenn der Geist unserer Zeiten mit 13 mit unsrer heil. Religion durchaus harmonisch ist, wenn er in keinem Theile von der göttlichen Offenbahrung und Glaubenslehre abweicht, wenn er besonders die unerschütterlichen und heiligen Grundsätze des Evangeliums begünstiget und nachdrücklich unterstützet, wenn er die darin enthaltene, und daraus herflißende reinste und wahre Sittenlehre bethätiget, wenn er die Kirche hört und sich nach ihren Aussprüchen und Anordnungen füget, und wenn er zugleich die guten Gesetze wohlgeordneter Staaten verehrt und erfüllt; so kann und muß man ihn als einen der menschlichen Gesellschaft nützlichen und nothwendigen Geist anerkennen und aufnehmen. Sollte aber der Geist der Zeit sich gegen Alles eben erwehnte starrköpfig und steifsinnig aufwerfen, und mit der Anmaſung einer ungebundenen Geiſtesfreyheit allen Gesetzen trotzen; und sollte er noch oben darauf behaupten wollen: eine solche Geistesfreyheit sey das einzige innere Gut, wovon der Werth des Lebens, ja sogar des Menschen selbst abhängig wäre; so wär dieser Polltergeist ein Ungeheuer, welches Religion, Kirche, Thronen, Staaten, Ordnung und Tugend zu verschlingen trachtete; 19 — tete; und auf welches folglich die ganze menschliche Gesellschaft Jagd machen müste, um so ein schädliches Unthier aller Orten zu verdrängen. Wenn es wahr wäre, daß die blose Geistesstärke, wie Danzer will, die einzige Tugend sey; oder, wie der Verfasser sagt, daß die Geistesfreyheit das einzige innere Gut sey, so wären auch diese Dinge der einzige und wesentlichste Maßstab menschlicher Entschließungen und Handlungen, um die Würde der Menschheit empor zu schwingen, und über jede Gesetze zu erheben, die nicht aus eigener Willkühre herstammten; oder wenigstens derjenigen, welche vor dem philosophischen Richterstule der blosen eignen Vernunft nicht vorläufig geprüft und gutgeheißen wären, sollten sie auch gleichwohl selbst aus dem Munde Gottes herfließen. Ja selbst das reine Naturrecht, jene ewigen Geſetze, welche der Finger Gottes allen Menſchen in die Bruſt geſchrieben, und ihren Seelen eingeprägt hat, werden von diesen starken und freyen Geistern mißkannt und B2 weg⸗ 20 weggeläugnet, unangesehen, daß sogar die wilden Barbaren und blinden Heiden dieselbe zum großen Theile empfunden und geehret haben. Kein Mensch verwildet so, dem ein gebornes Licht Nicht, wenn er sich verfehlt, sein erstes Urtheil spricht. Die Kraft von Blut und Recht erkennen die Huronen, Die dort am Mithigams beschneyten Ufern wohnen; Und unterm braunen Süd fühlt auch der Hottentott Die allgemeine Pflicht und der Natur Gebot. . . . . Zweyter Absatz. . 7 — 7 Der Verfasser äussert sich S. 83. ferners also „ Mechanische Fettigkeiten im Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen, auswendig gelernte Erklärungen allerley Kunstausdrücke aus der Religionslehre, Grammatik, Naturgeschichte, Geographie, Physik u. s. w. tragen dazu (um nämlich vernünftige Menschen, rechtschaffene Bürger, würdige Christen zu machen) wahrlich noch lang nicht bey.“ Hier . 21 Hier scheint der Verfasser die heilige Religion, welcher man die tiefeste Verehrung schuldig ist, zu einer Kunst umzuschaffen und abwürdigen zu wollen. Er vermengt sie nicht allein mit den ringeren Freyenkünsten, sondern er giebt auch zu verstehen, die Religionslehre enthalte Kunstausdrücke: er redet von der Erklärung dieser Kunstausdrücken. — Wo nun die Artikel oder Lehrsätze der Religion der Christen nichts anders, als das eigentliche Wortgottes sind, so ist es sehr herabsetzend, wenn sich Jemand freventlich unterzieht, dieselbe allerley Kunstausdrücke zu nennen. — Allein, der Verfasser hat uns in seinen vorigen Abhandlungen schon zum Ueberfluß bewiesen, welche Achtung er gegen das geoffenbarte Wortgottes hege; und eben dieses bestätiget er ferners durch dasjenige, was er hier S. 84. u. 85. noch mit folgenden Ausdrücken hinzusetzt: „Das Nöthigste und Wichtigste, nämlich das zur Angelegenheit eines jeden gehörende, folglich zu jedem möglichen Berufe des Lebens vorbereitende — besteht wesentlich aber nur in sehr wenigen einfachen Wahrheiten, die jeder natürlich gesunde Verstand begreifen kann. . . . Nichts unverständliches, fremdartiges, verwickeltes und unanwendbares darf. daher in den allgemeinen Schulen vorkommen; nichts von Dingen, B 3 22 den, die bey Kindern noch nicht auf deutliche Begriffe zurückgeführt werden können.“ Welche anhaltende Sorgfalt, welche Bemühung und Anstrengung des Verfassers, damit den Schulkindern gegen den Unterricht in überirrdischen Sachen die Ohren geschlossen werden! — Mittlerweil daß sich christliche Schullehrer beeifern ihre Schulkinder, als welchen die Ausübung des Guten, und die Vermeidung des Bösen bey Zeit eingeschärft werden muß, mit ihrem übernatürlichen Zwecke und ihrer ewigen Bestimmung bekannt zu machen, läßt sich der Verfasser angelegen seyn; solche und dergleichen Dinge für fremd, verwickelt und für die Kinder unanwendbar zu schildern; vermuthlich, weil solche Dinge in der angeblichen reinen Vernunft=Moral der Naturalisten nicht enthalten sind. Und eben wegen solcher kurzgefaßten VernunftMoral moͤchte wohl das Wichtigste, welches die Kinder zu jedem möglichen Berufe vorbereiten soll, nur in sehr wenigen einfachen Wahrheiten bestehen sollen, welche ein jeder natürlich gesunder Verstand (ohne Rücksicht auf das Wortgottes) ſoll verſtehen können. Im ersten Theile meiner Widerlegung haben wir bereits gesehen, daß die Naturalisten von keinen Geheimnissen der christlichen 1 23 chen Religion, z. B. von der heiligsten Dreyfaltigkeit, von der Menschwerdung der zweyten Perſon in der Gottheit, mithin von dem von diesem Gottmenschen vorgetragenen Evangelium durchaus nichts abwiſſen wollen. Eben so verhält es sich bey diesen Leuten mit anderen göttlichen Wahrheiten, die uns vom Himmelslichte erkläret worden sind, und welche der blose Menscheverstand nicht erreichen konnte, weil sie über diese begränzte Sphäre, ohne nähere Offenbarung, hinauslaufen. Welcher Christ wird es aber in Abrede stellen können und dörfen, daß solche erhabene Wahrheiten den christlichen Schulkindern nicht vorgetragen, und die Kenntniß derselben ihnen nicht mitgetheilt werden sollte und müßte. — Und da der Verfasser auf der nämlichen Seite 85, „von einem Abzeichen der Thorheit, das die meisten Menschen bis an ihr Ende begleite, und wo vor die Kinder nicht frühzeitig und sorgfältig genug bewahrt werden könnten redet; und da er ebenda sagt: „Sie, die Kinder, werden der Kleinigkeiten, Albernheiten und Dummheiten leider nur gar zuviele! in ihrem Leben noch zu erfahren bekommen“. ſcheint er, als ein tief gewürzelter Naturaliſt, die oben erwehnten christlichen Wahrheiten dadurch bezeichnen zu wollen. Wenigstens sind diese die Kunſtgriffe der Naturaliſten, wenn ſie die ReB 4 Religion treffen wollen. Und just dieses mag den Verfasser bewogen haben S. 86. daherzusagen. „Die ersten Begriffe, die durch Unterricht in ihrem Verstande veranlaßt werden, müßen durchaus rein, einfach und deutlich seyn und durch die Berufung auf ihren noch nicht verfälschten innern Intuitionssinn unauslöschlich haltbar in ihnen gemacht werden. Dieß ist das sicherste Mittel, die Kinder in der empfänglichsten Periode ihrer Bildsamkeit im voraus schon gegen die Täuschungen und Vorurtheile zu schützen, die der Thätigkeit ihrer Geistesfreyheit in der Folge unausbleiblich noch einst in den Weg treten werden.“ Mit deutlichſter Ueberzeugung hat man bishero eingesehen, welche eigentlich jene Täuschungen und Vorurtheile seyn sollen, die der naturalistischen Geistesfreyheit im Wege siehen: es ſind nämlich jene, ꝺie von den Philosophen des Zeitgeistes: Fanatismus, Aberglaube und Bigotismus genennt werden; oder deutlicher zu reden: es sind die Glaubens= und Sittenlehren des Christenthums. Gegen diese will der Verfasser die Kinder gleich in der ersten und empfänglichſten — 25 lichsten Periode ihrer Bildsamkeit so nachdrücklich schützen, daß diese den christlichen Grundsätzen durchaus entgegengesetzten Lehren des Naturalismus bey ihnen unauslöschlich haltbar gemacht würden. Demnach wird es von Seite zu Seite anschaulicher, daß der Verfasser, bey weitem noch nicht damit zufrieden, daß er für sich vom Christenthume zur schwarzen Fahne der Irreligion übergegangen ist, sich beynebst aus allen Kräften bestrebe, die ganze Jugend, zum höchsten Nachtheile der Menschheit, der Kirche und des Vaterlandes in eben solchen schauervollen Abgrund zu stürzen. — Wer wird nun so blödsichtig seyn, daß es ihm nicht einleuchte, gegen eine dem allgemeinen Besten so äusserst schädliche Unterrichtsschrift der sämmtlichen Jugend, müße nicht allein die Polizey, sondern auch die Kirche aufmerksam gemacht werden! — Denn, wenn jemals eine so wilde Erziehung bey der Jugend Platz greifen sollte, so würden anstatt gesitteter und gottseligen Menschen in der Folge lauter Taugenichtſe anzutreffen ſeyn, die sich auf eine zügellose Geistesfreyheit, als ihr einziges inneres Gut stützten; und in ihrem Betragen weder auf die göttlichen, noch B 5 26 noch auf die menschlichen Gesetze Rücksicht nehmen würden. Uebrigens möchte ich doch gar gerne wissen, was der Verfasser durch die räthselhaften Worte: innerer Intuitionsſinn eigentlich anzeigen und bedeuten wolle? Hier läßt sich die Frage aufstellen, ob dieser innere, Intuitionssinn in der geistischen Denkungskraft, oder im Gegentheile in einem mechanischen Wesen und Vermögen bestehen solle? — Will nun der Verfasser das Erste behaupten, so wäre dieser innere Intuitionssinn nichts anders, als der menschliche Verstand. Allein, wo er sagt: „Die ersten Begriffe, die durch den Unterricht im Verstande veranlaßt werden, müßen ſich auf den innern Intuitionsſinn berufen so kann der Verstand nicht dadurch bedeutet werden; denn, wenn Begriffe, die schon wirklich im Verstande vorfindlich sind, sich noch auf etwas anders, nämlich auf einen Intutionssinn berufen müßen, damit sie unauslöschlich haltbar gemacht werden sollten, so muß ein solches Ding nothwendigerweise von dem Verstande unterschieden seyn. Sollte aber der innere Intuitionsſinn des Ver Verfassers zu einem Mechanismus herabsteigen, so würde dieser innere Intuitionssinn zuletzt noch seinen Wohnsitz in dem Materialismus haben. — Soviel weiß man, daß die Naturalisten, Materialisten und Atheisten gute Nachbarschaft miteinander halten. — Auf der nämlichen S. 86. erzehlt uns der Verfasser weiters das folgende: „Den ersten Stoff zur Anregung der Denk= und Willenskraft des Menschen—bietet nun die umgebende Natur uns dar, mittelst der Eindrücke, welche die Gegenstände derselben auf unsere Sinnorgane machen. Dadurch entstehen Vorstellungen und Empfindungen in uns.“ Nein, Herr Professor! sie irren himmelweit, da sie vorgeben: den ersten Stoff zur Anregung der Denk= und Willenskraft des Menſchen — biete uns die umgebende Natur (die Sinnenwelt) mittelst der Eindrücke, welche die Gegenstände derselben auf unsere Sinnorgane machen, dar; denn ein reifdenkender Verstand findet den ersten Stoff dazu in seinem eignen Daseyn, in ſeiner 28 seiner Seele, in den erhabenen Eigenschaften und Kräften des menschlichen Geistes, und in der ganzen Wesenheit seiner eignen Menschheit: er findet, daß sein Daseyn zufällig, und daß in ſeinem ganzen eignen Wesen, so vortreflich es auch immer ist, nichts anzutreffen sey, welches hinlänglich wäre, ihm, ohne höhere Ursache, sowohl sein Daseyn, als seine Wesenheit zu verschaffen; er findet, daß es mit dem Daseyn seines Vaters, Grosvaters u. s. w. die ganze Sprosleiter hinauf, das nämliche Verhältniß habe, und daß es mithin einen ersten allmächtigen Schöpfer geben müße, von welchem das Menschengeschlecht und alle übrigen begränzten Wesen urspringlich herstammen müßen: und er findet endlich, daß alle andere atheistischen Träumereyen dem gesunden Menschenverstande schnurgrad zuwiderlaufen, und daß sohin ein gesunder Menschenverstand den ersten Stoff zu denken in sich selbst enthalte, wodurch er bis zur hellesten Ueberzeugung belehret wird, daß es ein höchstes Wesen gebe, welchem er, als ein vernünftiges Geschöpf dieses allgemeinen ewigen Vaters, seine Anbetung und tiefeste Verehrung sogar auch aus der natürlichen Empfindung eines rechtſchaffenen Kindes ſchuldig iſt. Man 29 Man urtheile nun, aus welchem Beweggründe der Verfasser behaupten wolle: in Gefolge des Naturrechtes ſey der vernünftige Menſch Gott keine Pflichten, mithin keine Anbethung, keine Dankbarkeit, keine Verehrung u. s. w. schuldig. — Wenn Gott, der Schöpfer, der Erhalter, der ewige Vater und Wohlthäter des Menschen ist (welches nur ein ruchloser Atheist läugnen wird) wenn dieser ewige und weiseste Vater seinen vernünftigen Geschöpfen und Kindern die unauslöschlichen Gesetze der Natur nicht umsonst in die Seele geschrieben hat, wodurch sie, nebst vielem andern, auch von seinem gütigsten Vaterherz überzeugt werden, wie dieses eine unverkennliche und ausgemachte Wahrheit ist; so läßt es sich gar leicht entziffern, aus welchem Beweggrunde der Verfasser die oben erwehnten Schuldigkeiten und Pflichten sträflichst aus dem vernünftigen Natürrecht wegstreichen wolle. ### Und wahrlich, wenn ein zeitlicher Vater . mit und aus allem Rechte von seinen wohlgezogenen Kindern die ihm gebührende Verehrung fordert; wie vielmehr ist ein solches zwischen Gott und den Menschen anwendbar und erforderlich! . . Sollte . 30 Sollte aber der Verfasser vieleicht von einem Brutal=Naturrecht, welches die Natur alle Thiere gelehret hat, reden wollen; so weicht er von jenen reinen Naturgesetzen ab, die Gott unseren Seelen eingepräget hat, und von welchen selbst ein heidnischer Cicero Orat. pro Milone das folgende sagt: „Dieses ist kein geschriebenes, sondern ein uns angebornes Gesetz, welches wir nicht erlernt, nicht zufällig überkommen oder gelesen haben; sondern es ist uns von dem Ueberheber der Natur mitgetheilt und eingeprägt worden.“ — Die Kantianer harmoniren mit dieſen erhabenen Grundſätzen des Ciceros durchaus nicht; sie sagen im ganzen Gegentheile: „Die Naturgesetze sind wesentliche Verordnungen des freyen Willens eines Jeden.“ — Demnach wäre die so hoch gepriesene Geistesfreyheit dieser Leuten auch endlich noch die Schöpferin des Naturrechtes. In der That, wenn die Naturgesetze wesentliche Verordnungen unsers freyen Willens seyn sollen; so würde man keinen Professor des Naturrechtes vonnöthen haben. . Um mich indessen mit den immer anhaltenden Wiederholungen des Verfassers nicht aufzuhalten, übergehe ich sein ungebleichtes Zeug 31 Zeug von S. 87. bis 91. wo er sagt: „Der Grundplan des erſten Unterrichtes in den allgemeinen Schulen müßte demnach darauf gerichtet ſeyn; von denjenigen Bedürfniſſen und Umgebungen des sinnlichen Daſeyns, die den Kindern aus eigner Erfahrung schon bekannt sind — Anlaß zu nehmen, ihnen einige deutliche Vorstellungen beyzubringen; und ihre Aufmerksamkeit hernächst allmählig nicht nur auf das Regelmäsige und unwandelbare, auf das große Ganze in den Erscheinungen der Natur — sondern auch auf die Aeusserungsart ihres moralischen Urtheils dergestalt hinzulenken, daß ihre Gemüther dadurch in ein gewisses ehrfurcht=volles Staunen, oder in eine solche Stimmung versetzt werden, um das Daseyn eines unbegreiflichen Urhebers aller Dinge, eines allgegenwärtigen höhern Wesens, dem nur das Gute aus reinem Zwecke gefallen kann — schon im Voraus zu ahnden, ehe ihnen wörtlich oder namentlich davon noch irgend etwas bedeutet worden. Wenn man diesen durcheinander geworfenen Wirrwarr auseinander legt, und zugleich mit den schon im ersten Theile angeführten Grundsätzen dieser Leute verbindet, so wird dahier der Betrug und die Hinterlistigkeit wieder 32 wieder ganz augenfällig. — Man findet sodann, daß den Schulkindern weder namentlich noch wörtlich etwas von Gott, dem Urheber aller Dinge, bekannt gemacht werden solle: dieses würde ihnen hernächst allmählig durch ihre Aufmerksamkeit auf das große Ganze in den Erſcheinungen der Natur ahnden. Hingegen haben wir im ersten Theile vernommen, daß die Herren Kantianer vorgeben: nicht allein der Beweis, welcher aus dem Daseyn der zufälligen Dinge auf das Daseyn eines Nothwendigen ausgeführt wird, sey nichtig; sondern auch jener, welcher aus der Ordnung, Zweckmäßigkeit der weltlichen Dinge (des großen Ganzen) hergeleitet wird, thäte das Daseyn eines Schöpfers nicht dar; sondern nur eines Baumeisters von einer sehr großen, nicht aber von der höchsten Weisheit; mithin sey auch dieser Beweis nichtig, und unzulänglich das Daseyn Gottes zu erproben. Aus diesen Wendungen und Schleichwegen solcher Herren ergiebt sich nun das klare Resultat: daß den Schulkindern der rechte Weg 33 Weg zur Erkenntniß ihres Schöpfers, und ihrer ewigen Bestimmung sowohl durch den namentlichen, als wörtlichen Unterricht, als wie durch das Daseyn zufälliger Dinge, so wie auch der Ordnung und Zweckmäßigkeit des großen Ganzen vertiegelt werden solle: Und dieses wäre dann ein angemessenes Mittel, die ganze Jugend in das seelenmörderische Netz der Gottesläugnerey zu bringen. — Der wahre Unterricht der Schulkinder im Christenthume dörfte sodann nicht mehr zur Sprache kommen; denn wo den Schulkindern weder namentlich, noch wörtlich von Gott irgend etwas bedeutet werden soll, da hören alle Glaubenslehren, alle daraus herfließenden Christenhandlungen, und alle seligmachenden Tugenden auf einmal auf. Und auf diese Weise würde man bald saubere und prachtvolle Schulenanstalten erleben. — Wenn aber die Schulkinder in dem neuen Unterrichte nichts von dem allmächtigen Beherrſcher Himmels und Erde vernehmen sollen, und in dieser wilden Stupidität erzogen werden, so dörften sich dieselbe in der Folge eben wenig, oder noch vielweniger um die zeitlichen Regenten bekümmern: sie würden die ihnen in der Jugend eingepropfte Geistesfreyheit über jede gesetzgebende Macht weit erheben; und nur ihre eigene Per 84 Vernunft und ihr Wille würde die Richtschnur ihrer Handlungen seyn. — Doch, welchem einsehenden und belesenen Manne ist es unbekannt, daß die Afterphilosophen unsers Zeitalters sich verschworen haben, Religion und Thronen zu stürzen? — Und wie ſehnlich waͤre es zu wuͤnſchen, daß die jedem Stande höchst gefährlichen Grundsätze dieser verschwornen Leute, so wie die schon wirklich daraus erfolgten häufigsten und unerhörten Greuelthaten doch nun endlich so tief und nachdrücklich beherziget würden, daß weitere Fortschritte dieses erschrecklichen Uebels gehemmt werden möchten. — Wenigstens müste gesorgt werden, daß die Jugend mit solchen Grundsätzen nicht vergiftet, und sohin heute oder morgen keine Werkzeuge eines Alles zerstörenden Wahn= und Unsinnes abgeben würde. . S. 92. sagt uns der Verfasser nun weiters: . ri . „Das Wesentliche, oder der Hauptzweck der Erziehung besteht aber darin: thätigen Sinn für Wahrheit, Redlichkeit, Tugend und Gottſeligkeit im Menſchen zu begründen. Ein solcher Sinn kann nicht von aussen — 35 senher dem menschlichen Gemüthe eingepflanzt und angebildet werden. Derselbe kann ſeiner Natur nach als eigne Befliſſenheit — nur aus dem Innern des Menschen selbst hervorgehn. Es bedarf hier keiner Bewährung der Authorität.“ Wenn der thätige Sinn, nämlich das werkthätige Bestreben nach Redlichkeit, Tugend, Gottseligkeit u. s. w. durchaus nicht von Aussenher, sondern nur aus dem Innern des Menschen selbst hervorgehen, und dem menschlichen Gemüthe angebildet werden könnte; so würde der von Aussenher fließende, wäre er auch gleichwohl der schönste und zudringlichste, Unterricht über die Gerechtigkeit, Gottseligkeit, und überhaupt über jede Tugend, so wie über die Bestrebung nach diesen Gegenständen überflüßig und unnütz seyn. — Und wenn zur Beförderung Bewährung und Ausübung der Tugenden keine Authorität miteintreten dörfte; so wären sowohl die göttlichen als menschlichen Gesetze zur Ausbildung, und zu der Erfüllung der Pflichten des Menschen untaugliche und verwürfliche Mittel. — Wir haben schon im ersten Theile gesehen, daß die Naturalisten den Mensch nur im Menschen selbst C 2 36 selbst vervollkommnen wollen: was von Aussenher kömmt, dieß ist bey ihnen unanwendbar und fremd. — Und eben deswegen wird S. 93. “ die Selbstthätigkeit der Seele, und das Streben, mit eigner Forschung zu denken, aus eigner Bestimmung, aus eignem Antrieb zu wollen “ von dem Verfaſſer seinen Zöglingen nachdrücklichst empfolen. S. 94. heißt es ferners: „Der Hauptzweck Aller Erziehung ſey: Beſonnenheit, Selbſtthätigkeit, Freyheit des Geistes, und aufrichtige Achtung für Wahrheit und Menschenwürde.“ Wenn indessen der Hauptzweck al. ler Erziehung in diesen kurzgefaßten Dingen, wobey die Menschenwürde den Schlußstein ausmacht, bestehen soll; so wäre im Hauptzwecke aller Erziehung der Unterricht von der höchsten Würde der göttlichen Majestät ganz ausgeschlossen. — Und die erhabenste Bestimmung des Menschen zum himmlischen Vaterlande bliebe eben auch von dem Hauptzwecke aller Erziehung entfernt. — Aber in dieser scheuslichen Hypokhese würde es unmöglich seyn, die von dem Verfasser 37 fasser sonst so hoch angepriesene Menschenwürde irgends noch anzutreffen; denn, wenn der Menſch einmal von ſeiner Beſtimmung zur ewigen Seeligkeit herabgewürdiget, und mithin in das bloſe Thierreiche, wo keine Aussicht zum ewigen Leben vorwaltet, hingeworfen wäre, so hätte die Menschenwürde auf einmal ein Ende. Aus diesen und anderen häufigen Irrsätzen, welche gleichsam ohne Unterlaß vorkommen, läßt es sich nun leicht entnehmen und abschließen, in welche dichte Finsternisse und tiefe Abgründe solche Professoren ihre Schüler hinleiten, und eben so unverantwortlich als absichtlich stürzen wollen. Dritter Absatz. S. 96. und 97. sagt der Verfasser das folgende: „Die einfachsten und gemeinfaßlichsten Wahrheiten sind auch hier (im sittlichen) die wichtigsten und gehaltvollsten; es sind die, auf welchen das Wesen, die Bedeutung und Wirksamkeit der gesammten Sittenlehre beruht; nicht dem Buchstaben, sondern dem C 3 38 dem Geiste nach, nämlich in sofern sie aus dem eigenen Wollen des Menschen hervorgehn, und wieder zurückfließen. 1. Wenn die Wahrheiten, auf welchen sogar das Wesen der gesammten Sittenlehre berüht, aus dem eignen Menschenwollen hervorgehen, und auf dasselbe wieder zurückfließen sollten; d. h.: wenn das blose Menschenwollen urspringlich und rückführlich der Grund und Sitz der gesammten Sittenlehre wäre, so würde der Wille des Menschen die einzige Quelle der ganzen Sittenlenlehre ausmachen: aus diesem blosen Willen müßten alle Sittenlehren entspringen, und auf ihn zurück geleitet werden. Der ewige Gesetzgeber, die Glaubenslehre, die Kirche, ja selbst die unveränderlichen Gesetze der Natur dörften sich in den Stoff der Sittenlehre nicht mischen; denn sogar von den Letzten sagen die Kantianer “auch diese (die Naturgesetze) seyen nichts anders, als wesentliche Verordnungen des freyen Willens eines Jeden.“ — Mithin ſollten die reineſten Nakurgesetze, welche selbst die Gottheit den Menschen mitgetheilt hat, und eben auch die gan ze Sittenlehre, welche den Menschen zu seiner ewigen Bestimmung anleitet, blose Producten des menschlichen Willens seyn. — Und auf diese Weise würden wir beynahe so viele unterschiedene Naturrechte, und so viele wesentlich entgegen gesetzte Sittenlehren antreffen, als es unterschiedene Willensmeynungen bey den Menſchen giebt: ein jeglicher würde sich demnach nach seinem eignen Wollen ein eignes Naturrecht, und eine eigene Sittenlehre schmieden können. Philosophische Schwindelköpfe! höret auf eure begränzte Vernunft, und eure vermeynte Weisheit mit unerträglichem ja verdammlichem Stolze über die unendliche Weisheit Gottes zu erheben: Höret auf euer verdorbenes Menschenwollen als die ächten Naturgeſetze, und als die wahre Sittenlehre freventlich aufzustellen: Höret auf die Menſchheit, vorderſamſt aber die unbehutſame Jugend mit euern eben so übermüthigen als gottlosen Grundsätzen zu bethören und zu betrügen: Höret endlich auf sanftmüthige und wohlthätige Christen zu blutgierigen Barbaren umzuschaffen. — Euere empörenden Grundsätze haben Blut genug vergossen. — Und C 4 40 Und wie manche Seele haben sie nicht in das ewige Unglück gestürzt, und dem Fürste der Finsternissen überliefert!! Nach einer weitschweiffigen und mit gleißnischer Hülle überzogenen Declamation, in welcher der Verfasser das reifere Alter bestimmen will, in welchem das Bedürfniß religiöser Belehrung bey der Jugend erst erwache, und mithin dann erst Statt haben solle; — verzeichnet er S. 99. das folgende: „ Glaube, Hoffnung und Liebe aus sittlicher Ueberzeugung entsprungen, werden — der Ausdruck lautet schwärmerisch, aber der Gedanke hat wahren Sinn — werden die edlern Theile ihres Weſens durchströmen.“ Wenn der Glaube an Gott, die Hoffnung Ihn ewig und selig zu genießen, und die Liebe dieses vollkommensten Gutes sich nur auf eine sittliche Ueberzeugung (cretitudo moralis) stützten, so könnte man in diesem Stoffe noch möglichst getäuscht oder betrogen werden; denn eine nur sittliche Sicherheit ist noch lang keine metaphysische Gewisheit 41 heit von dem Daseyn des Gegenstandes, auf welchen diese göttlichen Tugenden unmittelbar gerichtet ſind. — Im erſten Theile haben wir auch vernommen, daß die Naturalisten diese Tugenden durch blosen Unterricht, ohne einen göttlichen Einfluß von obenherab, in dem Menschen erzeugen wollen; — obschon diese Lehre schon längst von der Kirche verdammt worden ist. — Ueber dieses wissen wir eben auch aus dem Vorigen, daß diese Herren Naturalisten, als welche nur ein einziges inneres Gut, nämlich die Geistesfreyheit anerkennen wollen, den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, diese drey göttlichen Tugenden, zum Aussenwerk hingewiesen, und allso aus der Reihe des innern Gutes des Menſchen weggeſtrichen haben. 5/7 Da übrigenes sich der Verfasser unterzieht zu ſagen: „Glaube, Hoffnung und Liebe werden die edlern Theile ihres Wesens durchströmen“ und da er selbst hinzusetzt: „dieser Ausdruck lautet schwärmerisch; muß ich hinzusetzen, daß er noch obendarauf materialistisch und gottlos laute, und daß der Gedanke davon wahren Unsinn enthalte. — Denn Glaube, Hoffnung und Lie — 42 be sind geistische Handlungen einer geistischen Seele, die nicht aus Theilen zusammengefügt ist; folglich kann in diesem untheilbaren Weſen keine Rede von durchſtrömten Theilen seyn. — Hier scheint der vorhin schon gerügte innere Intuitionssinn des Verfassers wieder rege gemacht zu werden. Bekanntlich wollen die Materialisten das ganze menſchliche Weſen aus körperlichen Theilchen zusammen zimmern; wobey sie sich zugleich bearbeiten, die Denkkraft des Menschen aus einer solchen durchaus körperlichen Maschine herauszudrechseln. — Allein bey allen ihren Zusammenfügungen auch der edelsten körperlichen Theilchen, waren sie bishero noch nicht so glücklich beweisen zu können, daß auch die bestens organisirte Materie menschlich denken könne: alle ihre diesseitigen Anstrengungen sind noch bis auf den heutigen Tage fruchtlos geblieben; und ihre Widersprüche, so wie die Uneinigkeiten unter ihnen ſelbſten ſind ſo zahlreich, daß man gute Weile haben müste, wenn man alle ihre Widersinnichkeiten dahier niederschreiben wollte. Und mit welchem Grunde wird es jemals bewiesen werden können, daß eine aus lauter körperlichen Theilen, so fein sie auch immer seyn 43 seyn mögen, zusammengefügte! Maschin die menschliche Denkkraft ausüben könne? — Die menſchliche Denkkraft kann ſich uͤber alles ſinnliche weit erheben; ſie kann geiſtiſche Gegenstände erreichen, betrachten, und über dieselben nachdenken und angemessene Schlüsse machen: sie schwingt sich bis zu der Gottheit hinauf; ſie dringt in die Schönheit der Tugend, und in die Schwärze des Lasters hinein; ſie hat die Willenskraft das Gute, oder das Böse zu wählen; sie kann das Böse bereuen, und ſich über das ausgeübte Gute im Geiſte erfreuen; ſie hoft die Belohnung der Tugend, und fürchtet die Beſtrafung des Laſters; kurz: ſie hat das Vermögen ſich über alle ſinnliche und irrdische Gegenstände empor zu schwingen. — Wer aber ſolche erhabene Kenntniſſe einer Maschine zuschreiben will, der hat entweder den Kopf verloren, oder er iſt ein aufgelegter Bösewicht; der aus vernünftigen Menschen nur körperliche Maschinen umstalten will. . Es ist in der That auch sehr wunderlich und auffallend, daß solche Leute, die ihre natürliche Vernunft sonst über Alles erheben, und mit derſelben in ihren Schriften ſo großthun, ihr nur eine materielle, mithin eine äusserst niedrige Wesenheit zugestehen und ein einräumen wollen. — Wenn der ganze Menſch nur aus lauter zusammengefügten materialischen Theilchen bestehen sollte; so hätte es mit der menschlichen Vernunft das nämliche Verhältniß. — Wer wird aber so unsinnig seyn, daß er sich mit einer blos materiellen, zusammengepflochtenen Vernunft brüsten und großmachen wolle? — Dieß hieße eigentlich die Würde der Menschheit, wel che der Verfasser sonst bis an die Sterne erhebt, bis zum Staube erniedrigen. — . Es wird nicht unangenehm seyn, über die Uneinigkeit der Philosophen in Betref der menschlichen Seele den launigten, vom Heidenthume zum Christenthume übergegangenen Philoſoph Hermias in ſeiner Schrift: die geneckten Philoſophen zu vernehmen, wo ersagt: „Fragt man sie, was die Seele ist, so sagt uns Demokrit, sie sey ein Feuer. Die Stoicker nennen sie eine luftige Substanz. Heraklit eine Bewegung; und Hippon ein Zeugungswasser. Nach dem Critias ist sie Blut; nach dem Dinarkus eine Harmonie. Die eine behaupten, die Seele ſey eine Ausdünſtung, eine Kraft, welche von den Gestirnen abträufelt; die andern machen ein Element der Elemente eine sogenannte Monade aus ihr. Himmel welch ein Wirrwar 45 war von Meynungen! Welches Gezänke unter dieſen Sophiſten und Philoſophen! — Sic ſind alle erhitzter auf das Raufen, als ſie in der Entdeckung der Wahrheit glücklich sind. Wenn indeſſen die oben berührten Sätze des Verfassers die Grundlehren der moralischen Religion, wie er sie S. 99. betitelt, seyn sollen, so ist diese Religion fürwahr keine göttliche Religion: nein, göttlich ist einmal die angebliche Religion der Kantianer nicht; denn wir haben im ersten Theile gesehen, daß ihre sogenannte Moralreligion in den Grundsätzen einer Ethischbürgerlichen Gesellschaft bestehe; und daß in Gefolge dieser Grundsätze nicht allein eine vollständige Gleichheit, sondern auch eine ungebundene Freyheit in die menschliche Gesellschaft eingeführt werden solle. Noch mehr: Einjeder, der in ihre ethiſch⸗bürgerliche Gesellschaft eintritt, muß vorläufig ſeiner bishero ausgeübten Religion völlig entsagen, um der angeblich reinen Moralreligion dieser Unchristen immer näher und näher zu kommen. Diese wäre demnach endlich jene Irr- und Unreligion, in welcher die anwachsende Jugend künftighin, jedoch unvermerkt, unterrichtet werden sollte. — — Und alsdann — alsdann erst — soll die Ppilosophie 46 phie unſrer Zeiten über die chriſtliche Religion triumphiren, und auch in unserm biedern Deutschlande ihre Fahnen wehen lassen. Der Verfasser äussert sich demnach S. 101. also: Möchten sie (die Schullehrer) sich aller auf's wirkliche Leben unanwendbarer, bildlicher und mystischer Benennungen, aller Unbegreiflichkeiten und übertriebener Darstellungen enthalten — wodurch sinnlose Begriffe, faselhafte Empfindungen bey den Kindern erreget, wodurch die Phantasie getrübet, durch Schreckgestalten geängstiget und betäubet wird u. s. w. Nach dieſer Vorſchrift des Verfaſſers sollen die Schullehrer den Kindern nichts anders, als was auf ihr wirkliches Leben anwendbar ist, vortragen und bekannt machen: — Von dem künftigen ewigen Leben soll bey den Schulkindern durchaus keine Erwehnung geſchehen. — Aber, wie wäre es, wenn einige dieser Schulkinder in die Ewigkeit abreißten, ehe man ihnen Etwas vom künftigen Leben gesagt, und ehe man sie mit den erforderlichen Mitteln, um ewiglück glückselig zu leben, ausgerüstet hätte? Diese würden den Verfasser, sowie die Schullehrer vom nämlichen Schlage und Gelichter ewig verfluchen; beſonders, weil man ihnen nicht einmal die nothwendigsten Mittel zur Seeligkeit bekannt gemacht hätte.— Wer diese für die anwachsende Schuljugend unanwendbare, bilderliche und übertriebene Darstellungen nennt, der ist ein erklärter Feind der Religion und des Seelenheils. S. 101. und 102. heißt es weiter: Möchten sich die Lehrer ferner durchäus nicht auf kirchliche Dogmen einkassen. .. Die Schule ist der Ort nicht, sich mit polemisch=theologischen Vorstellungsarten abzugeben, die ganz aus dem Gesichtskreise des reifern — geschweige des kindlichen Alters liegen. . . Die streitigen Glaubenspunkte... haben mit dem ächten Grundbegriff der Christuslehre wenig, oder gar nichts gemein. Kirchliche Dagmen! — um sich nicht zu verstoßen, so muß ich den Verfasser hier erinnern, daß die Kirche keine Dogmen, d. h. keine Glaubensartikel machen könne: diese müßen aus dem Mund Gottes herfließen; G 48 sie sind das Wortgottes selbst. — Die unfehlbare Kirche kann zwar den wahren Sinn des Wortgottes erklären; machen kann sie es aber nicht. Wo nun unsere Dogmen oder Glaubensartikel, auf welchen die chriſtliche Sittlichkeit, als auf ihrem Grundpfeiler, beruht, gleichsam die Seele der christlichen Lehre ausmachen, also zwar, daß die christliche Sittenlehre von den christlichen Dogmen unzertrennlich ist; so ist es eine beyspiellose Erkühnung und Verwegenheit, den christlichen Lehrern verwehren zu wollen, sich in diesen Schulen durchaus auf keine Glaubensartikel einzulassen. Die eigentliche Ursache dieses freygeistrischen Verbotes wird sich in der Folge näher erklären lassen. — Wenn indeſſen der chriſtlichen Schuljugend durchaus nichts von den christlichen Glaubensartikeln bekannt gemacht werden soll, so wird es ihnen eben so wenig bekannt seyn, ob sie Christen, oder z. B. Heiden seyen. — Wer sieht hier die Absichten der ungläubigen Philosophen nicht ein, sich tückischerweise der Schuljugend zu bemächtigen, dieselbe im Unglaube zu erziehen und für die ganze Zukunft darin zu unterhalten? — Wenn Wenn übrigens die Glaubenspunkte wie sie auch immer von den heutigen Philosophen angestritten werden, mit den ächten Begriffen der Chriſtuslehre nichts gemein haben sollen, so bestätiget es sich, daß der Verfasser und seines Gleichens ganz andere Begriffe und Auslegungen von der wahren Christuslehre haben, als die unfehlbare allgemeine Kirche davon hat. — Dieser einzelne Mann, als ein afterphilosophischer Finsterling, würde uns demnach die Christuslehre weit andersi, als die allgemeinen Kirchenräthe und alle hocherleuchte Kirchenväter erklären. — Er würde die Glaubenspunkte aus der Christuslehre ausmustern, weil diese, wie er sagt, sogar aus dem Gesichtskreise auch selbst des reifern Alters lägen. Statt der Glaubenspunkte und der darauf beruhenden christlichen Sittenlehre würde er uns seine reine, d. h. seine von dem Christenthume gereinigte Moralreligion auftischen. Da aber der Verfasser auf der nämlichen Seite vorgiebt: “ es würde zweckwidrig seyn, die Kinder mit den erwehnten Sätzen bekannt zu machen, weil die Erörterung derselben den 50 den Verstand der Zöglingen aus Mangel der Einsicht desjenigen, was darfür, oder darwider streitet, leicht trüben und verwirren oder gar ihr Herz verderben könnte“ muß ich ihm in's Gesicht hinein sagen: daß die Grundsätze der in unsern Tagen überhand genommenen Freygeisterey eben diejenigen sind, welche den Verstand der Jugend verwirren, und ihr Herz zum grösten Leidwesen ihrer christlichen Eltern, der Kirche und des Staats gänzlich verderben und vergiften; Da hingegen die christliche Glaubens= und Sittenlehrē den Verstand erleuchtet, den Willen zur Tugend anflammet, und das Herz zu allem Guten vorbereitet, und empfänglich und haltbar macht. — Man vergleiche nur die Sitten, oder besser zu sagen, die Ausschweifungen der neugebackenen Philosophen mit den Sitten der Christen, welche die wahre Glaubens- und Sittenlehre der Religion b. folgen, und pünktlich erfüllen; wobey es sich dann richtig beurtheilen und abschließen läßt, auf welcher Seite das Wahre, Erhabene und Gottselige vorfindlich sey. Mit allem diesem noch nicht zufrieden fährt der Verfasser in seinem wilden Enthuſias. 51 siasmus auf der nämlichen S. 102. also fort: „Oder man müste denn den Grundsätzen jeder Erziehung= sowohl, als Unterrichtsmethode zuwider — die Kinder (wenn man sie in den Glaubenssätze unterrichten wollte) zu maschinenartigen Geschöpfen abrichten wollen, die blindlings nachsprechen sollen, wovon sie nichts verstehen? Man müste statt der Aufrichtigkeit und Wahrheit, statt des unbefangenen Frohsinns in allem ihren Thun und Lassen — den Hang zur Verstellung und Heucheley, und frühe Gleichgültigkeit gegen das Ehrwürdigste der Menschheit in ihnen begründen wollen? Nein! die Schulen dörfen die Oerter nicht seyn: gedankenloses Nachbeten, frömmelnden Unsinn, fanatische Schwärmerey, ſcheinheiliges Weſen, Sectengeiſt, Verfolgungs= Verketzerungs= und Verdammungsfucht den Gemüthern der Jugend einzupflanzen, und dadurch von Geschlecht zu Geschlecht zu verewigen, was nicht nur der Ausbreitung einer vernunftmäßigen Religiosität im Geist und in der Wahrheitvon jeher im Wege stand, sondern auch jeder gemeinnützigen Landesanstalt, jedem Versuch das Volk aufzuklären, mildere Sitten, menschenfreundlichere Gesinnungen, größere Sorgfalt für häusliche Erziehung, D 2 Fami — 52 Familienglück, und Wohlstand in ihm zu erwecken. Da haben wir wieder ein Meisterstück der Schmähkunst gegen unsere eben so wohlthätige als heilige Religion; und zwar von einem öffentlichen Lehrer auf einer catholischen Akademie, der sich sogar anheischig gemacht hat, auch Vorlesungen über die Seel— Bravo! — das ſorge zu halten. wird saubere Vorlesungen über die Seelsorge von Seiten eines Mannes geben, der die christliche Religion in seinen Schriften zum öffentlichen Spotte aufstellt. — Im Vorhergehenden haben wir wahrgenommen, wie er unsere Glaubensartikel behandle; und jetzt eben haben wir gelesen, daß unsere Religion statt der Aufrichtigkeit und Wahrheit den Hang zur Heucheley begründe. — Und daß man sich in den Schulen, in welchen auch der Unterricht in der christlichen Glaubenslehre vorgetragen wird, bearbeite: frömmelnden Unsinn, maschinenartige Abrichtung, fanatische Schwärmerey, scheinheiliges Wesen, Seckten- und Verfolgungsgeist ꝛc. ꝛc. der Jugend einzupflanzen. Dieses Unwesen des Verfassers und Konsorten hab ich schon wesentlich im ersten Theile Theile beantwortet, und sattsam widerlegt: ich würde demnach abgethane Arbeit wiederholen, wenn ich mich nochmals damit befaſfen wollte. — Genug, daß die Schmähsucht aus einem jeden der angeregten Sätze des Verfassers deutlich hervorblinkt; und daß ein jeder unbefangene und einsehende Mensch von der Unwahrheit dieses seigten Geplauders vollkommen überzeugt ist. Immittelst möchte ich doch wissen, wodurch der Verfasser beweisen wolle, daß die Grundsätze der heutigen Philosophen, sie mögen sich dann Atheisten, Materialisten, oder Naturalisten nennen, sowohl den gemeinnützigen Landes als Familienanstalten zuträglicher, als die Lehrsätze des Christenthums seyen? Auf Thatsachen, welche die Freygeisterey erzeuget hat, darf sich der Verfasser gewiß nicht berufen; denn sogar die neuesten geben einen Wiederhall, der alle menschliche, vorzüglich aber alle christliche= Obren grausenvoll erschüttert. — Ich will sie hier nicht erzehlen: sie sind weltkündig; und sie werden nicht allein von einzelenen Familien, sondern auch vom Allgemeinenwesen beweinet: beyden Theilen sind sie tiefest fühlbar geworden. D 3 Wenn 54 Wenn man die abentheuerlichen Grundsätze der Freygeisterey nur mit flüchtigem Auge durchschaut, so ist man schon zulänglich überzeugt, daß diese Mißgeburten die schrecklichsten Folgen in der menschlichen Gesellschaft nach sich ziehen müßen. Sie sind nichts anders, als: Geistesfreyheit, Zügelloßigkeit, Insubordination, Abwerfung und Verachtung göttlicher und menschlicher Gesetze; mithin untreu gegen Gott und den Menſchen, Egoismus und das hoͤchſte Gut in sich selbsten, die Beförderung dieses eignen Gutes durch alle dazu anwendbare Mittel, die der Zweck heiligen soll, ob sie auch gleichwohl in sich die Abscheulichsten wären; Herrschsucht, Sturz der Religion und der Regenten, Beseitigung des Himmels und der Hölle, Abläugnung des Daseyns Gottes, der Gottheit Christi, eines untrüglichen Richters, der göttlichen Offenbarung, der Unsterblichkeit menschlicher Seele, eines sittlichen Unterschieds zwischen Tugend und Laster, Verhöhnung der göttlichen Gnade, der Glaubensgeheimnisse, der Sakramente und der Nachlassung der Sünde; kurz ein schwarzer Unglaube in allem, was heilig ist, und wodurch die menschlichen Leidenschaften in Zaume gehalten, und das vernünftige Geschöpf zu seiner ewigen Bestimmung geführt wird; wird; diese sind die Charakterzüge und Grund sätze der heutigen Freygeister, die sich hinter den schimmernden Namen: Philosophen verbergen, um desto leichter betrügen zu können. Nun stelle man diesem allschädlichen Gewebe nur das heilige und erhabenste Evangelium entgegen; man vergleiche die göttliche, jedem Stande und Berufe höchst erſpriesliche Lehre des Evangeliums mit den angezogenen Widerſinnigkeiten und Abgeschmacktigkeiten solcher Afterphilosophen; u d alsdann urtheile man, auf welcher Seite die Wahrheit ruhe, und welcher Theil dieser beyden sowohl die zeitliche als ewige Glückseligkeit der Menschheit bezwecke und hervorbringe? — Nur ein in der Wurzel verdorbenes Herz, nur ein im Schlamme seiner Leidenschaften wühlender und gottvergessener Mensch würde sich demnach entschließen, sich zur Parthey dieser unseligen Philosophen zu schlagen. — Das hinreissende schönste und göttliche Gemählde des Evangeliums zerstreuet alle Finsternisse des Philosophismus vor den Augen, die noch nicht ſtockblind geworden sind, und ertheilet uns die wahre Aufklärung. S. D 4 56 S. 103. erzehlt uns der Verfasser das folgende: „Die Absonderung des sittlichreligiösen Unterrichtes in den Schulen von der Unterweiſung in den kirchlichen Confeſſionsbegriffen iſt übrigens der Natur der Sache so angemessen; daß von den ältesten Kirchenvätern schon, namentlich von Clemens von Alexandrien — der Wunsch geäussert wurde: es möchte bey den Kindern nicht mit den Glaubensbegriffen, sondern mit der allgemeinen Sittenlehre, und mit den Wahrheiten der natürlichen Religion der Anfang gemacht werden. Aber nur schade, daß uns der Verfasser den Ort nicht angezeigt hat, wo diese Stelle bey dem zroßen Clemens von Alexandrien zu lesen seyn soll! — Gesetzt auch, daß in den Schriften dieses Mannes die Stelle, wie sie der Verfasser hier niederschreibt, vorfindlich wäre (welches aber unrichtig ist) so würde der Verfasser nichts dabey gewinnen; denn der Verfasser spricht von der völligen Absönderung und Abschaffung der Glaubensartikeln bey der Unterweisung in der Sittenlehre: und wie er selbst die unterschobene Clementinische Stelle anführt, so hätte Clemens 57 mens gewünscht: mit der Sittenlehre den Anfang zu machen. — Es ist aber ein mächtiger Unterschied: den Unterricht in Glaubenssachen ganz aus den Schulen verbannen wollen — und zwischen der Aeusserung eines Wunsches: man möchte mit der Sittenlehre anfangen. Lasset uns aber sehen, ob der große Clemens den heutigen philosophischen Glaubensfegern günstig sey, und ob sie sich auf ihn mit Grunde und Wahrheit beziehen können? Titus Flavius Clemens war ein Athenienser. Man nennte ihn den Clemens von Alexandrien, weil er sich in dieser Stadt lange Zeit aufgehalten hat. Anfangs war er ein heidniſcher Weltweiſe, und sogar das Haupt einer berufenen, in diesem Orte errichteten Schule. — Aus Ueberzeugung gienge er in der Folge vom Heidenthume zum Christenthume über. Von seinen Schriften ist nichts auf unsere Zeiten gekommen, als: ſeine Rede an die Griechen — ſein Pedagog — und seine Stromata oder Sammlungen. In ſeiner Rede an die Griechen (sie waren Heiden) verkündigt er ihnen den wah. D 5 58 wahren Sohn Gottes; er sagt ihnen: "Er ist das Wort Gottes, und der Sohn Gottes. Er hat die Welt lange Zeit durch die Propheten unterrichtet; endlich ist Er selbst gekommen, um die Fesseln zu zersprengen, womit der Teufel das Menschengeschlecht gebunden hielt.“ In seinem Pedagog zeigt er den Christen die Grundsätze an, nach welchen sie ihren Wandel ordnen sollen, und entwirft das schönste Gemählde der christlichen Sittenlehre zu ihrer Richtung und Befolgung. Er sagt ihnen: “daß sie Kinder Gottes sind, und daß Gottes Sohn selbst ihr Lehrmeister sey: er führt diesen Gottmenschen selbst redend an, und bezeichnet die Pflichten, die jeder Stand, und jedes Alter Gott schuldig ist. Seine Stromaten sind eine Sammlung der Bemerkungen über verschiedene Gegenstände der Weltweisheit, Gottesgelehrtheit, Sittenlehre, und Alles dessen, was den Geist bilden und nähren kann. — In diesem in acht Bücher eingetheilten Werke, steht im ersten Buche eine Schilderung der Sophisten oder Afterphilosophen, welche sich sehr passend auf gewisse Schriftsteller unserer Zei Zeiten anwenden läst. Sie ist die folgende: „Diese Sophisten oder Schwätzer, welche mit der dreiſteſten Genügſamkeit von allem plaudern, und über Alles (wie unser Verfasser) entscheiden, sind im höchsten Grade stolz; sie wollen alles wissen, werfen verfängliche Fragen auf, machen mehr Lärmens, als die Heuschrecken im Sommer, und unterhalten diejenigen, welche die Schwachheit, oder den Kützel haben auf ihr schales Geschwätz zu horchen. Deshalben sagt Plato: daß diese Afterphilosophie äusserst gefährlich sey, und Aristotoles nennt sie, diese Afterphilosophie, die Kunst zu verführen und zu betrügen, weil sie unter der Maske der Weltweisheit die wahre Philosophie bestreitet. So erhaben redet dieser erleuchte Mann von den Glaubenssätzen, und von der davon unzertrenlichen Sittenlehre des Christenthums. Er ist vielmehr eine Geißel, als ein Günſtling der ungläubigen Philoſophen unsers Zeitalters. — Und sein Schüler, der gelehrte Origenes, hat den Erzfeind des Christenthums, nämlich den heidnischen Philosoph Celsus schon in jener Zeit so gezüchtiget, daß er, mit Schande bedeckt, das Wahl⸗ 60 Wahlfeld räumen muste. — Und nichtsdestoweniger entfärben sich unsere modernen Philosophen nicht diesem ihren unseligen Urvater Celsius fleißig nachzubeten, und ihr Unwesen aus dessen trüben Quellen zu schöpfen. Diesem ihrem Celsus ziehen sie ein jetzt modiſches Röcklein an, und laſſen ihn damit, unter ihrem eignen Namen, auf die Schaubühne treten. S. 103. u. 104. beschäftiget sich der Verfasser mit der Abstellung der bishero in den Schulen gebräuchlichen Catechismen; statt derselben soll ein für die drey christlichen Confessionen (wie er sie nennt) gemeinnütziger Catechismus ausgefertiget werden. — Vielleicht ist er schon fertig, und liegt bis zum projecktirten Zeitpunkte noch im Skade. — Demnach sehe ich mich genötigt, die List und den Betrug des Verfassers in einem so wichtigen Stoffe in das wahre Licht zu setzen. Bekanntlich haben sich mehrere Schriftſteller ſchon lang bemühet die drey chriſtlichen Religionen zu vereinbaren: allein bishero ist dieser ganze Versuch, wegen wesentlichen Hindernissen, fruchtlos geblieben. Aber — 61 Aber sehet und höret: Unser durchgreifende Verfaſſer will endlich das Mittel gefunden haben, wodurch dieser äusserst wichtige Gegenstand berichtiget werden soll. — — Zu diesem Ende will er einen Catechismus aufstellen, in welchem durchaus nichts von den chriſtlichen Glaubensſätzen vorkommen darf. — Nur eine so genannte Kantiſche⸗Moralreligion (die an ſich alle Religionen verwirft) soll das gemeinnützige Lehrbuch der drey besagten Religionen ausmachen; oder deutlicher zu reden: es soll keinem Theile der erwehnten Religionsgenossen erlaubt seyn, der Jugend Etwas von Glaubenssachen beybringen zu lassen. Durch dieses Stratagem würden nun mit der Zeit diese verschiedene Religionsgenossen einig, daß heißt: ohne alle Religion ſeyn. — Aber wehe! den Regenten, die keine andere, als von aller Religion entblöste Unterthanen hätten! Um aber seinen unseligen, und dem Staat sowohl, als der Religion höchst nachtheiligen Plan durchzuſetzen, verwirft der Verfaſſer nicht allein die bishero in den Schulen gebräuchlichen catechetischen Unterricht als einen Stifter verschrobener Catechemunen; sondern er geht zugleich mit denen bey den Frey⸗ 62 Freygeistern gewöhnlichen Schmähungen, ja sogar mit Bedrohungen auf alldiejenigen, beſonders aber auf jene Geiſtlichen los, die ſich allenfalls gegen die Abschaffung der hisherigen christlichen Catechismen sträuben wollten. Deswegen ſagt er S. 104. „Sollten aber einige Geistliche aus Bequemlichkeit, Unwissenheit, oder fanatiſcher Widerſetzlichkeit zur Abstellung dieser widersinnlichen Unterrichtsmethode sich nicht sehr geneigt zeigen; sollten sie durch die Gemeinschaftlichkeit der Schulen für alle Confessionen eine Gefährdung der Rechtgläubigkeit in den kirchlichen Lehrbegriffen zu befürchten vorgeben, und dem rohern Theile der Gemeinden auf ihre Weiſe dagegen aufzubringen suchen; so wird es wohl Mittel geben, solche unverträglich gesinnte Zeloten, wenn nicht zur bessern Einsicht — doch zu einem bescheidenen Betragen zu vermögen. — Wenigstens werden die Regierungen, besonders in den Ländern, wo die verschiedenen Glaubensverwandten in mehr oder weniger gleichmäßigem Verhältniß nebeneinander wohnen (Einige wohnen auch neben den Hebräer) sich durch solchen pfäffischen Unfug nicht ver 63 verleiten lassen, von dem staatsrechtlich gegründeten Gesichtspunkte abzuweichen: daß öffentliche Lehranstalten keine kirchliche ſondern polizeyliche Anstalten ſeyen, welche für die Kinder sämmtlicher Staatsgenossen, ohne Unterschied ihres kirchlichen Glaubens — eingerichtet und brauchbar seyn müssen. Endlich beschließt der Verfasser seine Deklamation für die Austilgung des bisherigen christlichen Catechismus S. 106. mit dem folgenden: „Diesem Unwesen (so betitelt er den Unterricht nach den christlichen Catechismen) sey nicht ohne Grund der auffallende Verfall des Christenthums zuzuschreiben. Ich muß geſtehen, daß ſich der Verfaſſer bey seinen mitverschwornen Religionsfeinden eine eben so große Achtung, als vorzügliche Verachtung bey allen redlichen Christen durch solche Grundsätze erworben habe. — Man sollte glauben, es sey platerdings unmöglich, daß ein Mann, der noch Kopf hat, z. B. behaupten wolle: durch den Unterricht aus den in der Kirche üblichen und von ihr gutgeheisenen Catechismen sey das Christenthum verfallen: und nichtsdestoweniger will es der Verfaſſer behaupten. — Meiner Seits werde ich 64 ich es auch nie glauben, daß die Religion bey dem Verfasser dadurch, weil er seinen katholischen Catechismus, sondern eigentlich deswegen, weil er einen Voltair, einen d'Alambert, einen Helvetz, einen Kant u. s. w. gelesen hat, verfallen sey. Wenn indessen die Aufwerfung eines Dammes gegen einen giftvollen Strom, der die Schuljugend überschwemmen und zum völligen Unglauben hinreissen soll, eine fanatische Widersetzlichkeit und ein pfäffischer Unfug seyn soll, so wird Pflicht und Tugend zum Laster, hingegen das Laster zur Tugend erhoben. — Welche Verwegenheit ist es aber nicht, christliche Regierungen zur Unterstützung eines so schwarzen Unternehmens aufzufordern! Daß übrigens die öffentlichen Schulanstalten im catechetischen Unterricht keine kirchliche, sondern nur eine polizeyliche Angelegenheit seyn sollen; dieß wird der Verfaſſer weder aus dem Geiſtlichen⸗ noch aus dem Staatsrechte beweiſen können. Der Stoff des catechetischen Unterrichtes war immer eine Religionssache; eine Sache, die zum Seelenheile behörig ist. — Daß aber die Beförderung des Seelenheils blos 65 in das politiſche, keinesweges aber in das kirchliche Fache einſchlage, dieß wird nur ein Überwitziger behaupten wollen: immittelst hält es gar nicht schwer die eigentlichen Absichten solcher Behauptungen zu errathen. — Der Verfasser wird es auch nicht für gut befinden, den so hoch angepriesenen neuen Catechismus zur kirchlichen Cenſur auszustellen, aus gegründeter Besorgniß, die Kirche möchte das ganze Werk zum Feuer verdammen. — Ob aber ein Catechismus für die catholiſche Schuljugend ohne kirchliche Censur an das öffentliche Licht gestellt, und den Kindern eingeprägt werden dörfe, dieß mögen diejenigen näher erwegen, die es von Amtswegen angeht. 1 Vierter Absatz. Nachdem der Verfasser den Schullehrern eine eben so leere als weitläufige Unterweisung, wie sie die Kinder bilden sollten, gegeben; sagt er S. 118. unter andern das folgende: „ Alles, 66 „Alles, was die Kinder schreiben, muß mit ihren innigsten Ueberzeugungen zusammentreffen: es müssen gleichsam aus ihrer Seele geschriebene Wahrheiten seyn. Mit eigener Hand in den Jahren der Kindheit, und mit Einsicht geschriebene Wahrheiten dringen bis zum reifern Alter. Um aber diesen schönen Zweck zu erreichen, werden die Schreibübungen der Kinder — in den Schulen aufbewahrt werden müssen; nicht nur, um dieselben bey den jährlichen Prüfungen vorzeigen zu können, sondern auch, um sie den Kindern einst bey ihrer Entlaſſung aus der Schule mitzugeben, und sie darauf, als auf ein köstliches Denkmal aus ihrer Jugendzeit für das folgende Leben aufmerksam zu machen. Wenn dasjenige, welches in den neuen Unterrichts=Schulen des Verfassers den Kindern zu schreiben aufgegeben wird, mit den Grundsätzen, welche er bishero verkündet hat, harmonisch seyn wird; so läßt es sich mit vielem Grunde vermuthen, daß wenigstens nichts von den Kirchen Geboten darin vorkommen wird; besonders, weil in dem neuen Unterrichte die Rede von der Sammlung 67 lung und Aufbehaltung jener Wahrheiten ist, die den Kindern gleichsam in die Seele geschrieben sind. In der Voraussetzung also, ja in der gegründeten Vermuthung, daß der Verfasser seinen Grundsätzen getreu bliebe, sohin den Kindern manchen schwärmerischen und irreligiösen Grundsatz der heutigen Philosophen aufdictirte, und zur Einrichtung ihrer ganzen Lebenszeit schriftlich aufzuverwahren bestens empfehlen werde; so möchte dieses wohl das köstliche Denkmal seyn, wovon er so viel Werkes macht, und welches noch zur Zeit verheimlicht bleiben soll. Aber aus welchem Beweggrunde mag der Verfaſſer verordnet haben, daß die Kinder, während ihres Schulkurses, dieß ihr köstliches Denkmal nicht mit nach Hause nehmen dörfen, sondern in der Schule zurücklassen müßen? — Fürchtet er vielleicht: die Eltern, oder andere Zionswächter möchten diese neue Geheimnisse einsehen, und wegen verschiedenen Entdeckungen als den Kindern gefährliche Producten — — — Hier läßt sich vieles denansehen? ken, aber nicht alles schreiben. E 2 Um 68 Um aber zugleich auch kein Mittel unbenutzt zu laßen, die Verherrlichung unserer, den heutigen Philosophen so verhasten, wahren und reinen Religionsübungen abzuwürdigen, läßt sich der Verfasser S. 164. im Wesentlichen also vernehmen: „Um von Seiten der Geistlichen das Volk durch jährlich besonders dazu geeigneten Kanzelvorträgen über die Erfordernisse einer guten Kinderzucht zu belehren, sey es der Sache angemessen, daß der geistliche Lehrstand selbst mit einem guten Beyspiek der häuslichen Erziehung vorleuchte.“ Um aber diesen Selbsterziehungszweck zu erreichen, bezieht sich der Verfasser auf der nämlichen Seite auf eine Broschur mit folgender Inschrift: Bitte an die Fürſten Deutſchlandes um die Aufhebung des Cölibats. 1801. — Und noch auf eine andere des nämlichen Schlags. 1802. Aus diesem Antrage des Verfassers erhellet es nun deutlich, das dasjenige, welches die allgemeine Kirche aus weisesten und grundvollen Absichten für diejenige, welche sich freywillig dem geistlichen Stande wid⸗ 69 widmen, angeordnet, und zum heilsamsten allgemeinen Kirchengesetz sanctionirt hat, von den Fürsten Deutschlandes eigenmächtig abgestellt, und zum Gefallen der Philosophen zernichtet werden könne und solle. — Ein solches Verlangen äussert wenigstens der Verfasser; nicht aber die erhabenen Fürsten Deutschlandes. Allerdings würde es den Absichten der neuern Unphilosophen angemessen seyn, wenn sie die Aufhebung des Cölibats erwirken könnten: sie würden dadurch ihrem Zwecke, den Glanz unserer Religion zu verdunkeln, desto näher kommen; indem sie die fleißigen, mit der häuslichen Erziehung eigener Kinder sammt anhänglichen Nebendinge unbehinderten Arbeiter im Weinberge des Herrn nicht wenig zurückſetzten. Ja selbst die Religionspflichten würden dadurch um ein merkliches benachtheiliget werden; denn es würde bey unsern Glaubensgenossen sehr schwer halten, alle ihre begangene Fehltritte einem beweibten Priester offenherzig, und mit den erforderlichen Umstände zu beichten, besonders, wenn ein solcher Priester ein raffinirtes Weib zur Seite hätte. — Und wie viele würden noch gar ein Bedenken tragen, die E 3 die Messe ihres nicht eben so hochwürdigen, als hochbeweibten Herrn Pastors zu hören? Ueber dieses möchte ich von dem alles umfassenden Verfasser sehr gern belehrt werden, warum die im Cölibat lebenden Geiſtlichen nicht allein jährlich, sondern auch öfters das Volk über eine gute Kinder Erziehung nicht unterrichten können sollen? — Wird es diesen an Geisteskräfte, an Wissenschaften, an Kenntnissen im Christenthume, an Zeit und Gelegenheit den diesseitigen Unterricht zu ertheilen mehr, als den beweibten Priestern gebrechen? Allein, waren denn die im Cölibat lebenden hocherleuchten, und vom Eifer des christlichen Unterrichts brennenden heiligen Kirchenväter der vergangenen Jahrhunderte, samt so vielen andern Kirchenlichter nicht aufgelegt gute Christen zu bilden? — Lesen sie nur, mein Lieber! diese Wunder der Gelehrsamkeit, der Tugend und der Redlichkeit; und demnach packen sie ihren philosophischen Unterricht zusammen, und begraben ihn in die ihm eigenthümliche Finſterniß; denn ihr modischphilosophischer Unterricht der Jugend ist mit dem wahren Lichte der Religion und der Vernunft durchaus nicht vereinbarlich; das wahr⸗ wahrhaft aufklärende Licht des Evangeliums zerstreuet die unphilosophischen Finsternisse; in diesem von unserm göttlichen Lehrmeister angezündeten Lichte sehen wir den jungfräulichen Stand, den sie, Herr Verfasser! sogar bey dem gesalbten Priesterthume tilgen wollen, vorzüglich erhoben und bestens empfoh— Es wird auch keinem Vernünflen. tigen beygehen, das Buch des Verfassers dem Buche des Evangeliums vorziehen zu wollen; worüber der Verfasser den Rousseaux nochmal nachſchlagen kann. Also nein, mein Freund! der Cölibat wird nicht aufgehoben — wenn auch gleichwohl öffentliche Vorlesungen desfalls gehalten würden. S. 181. ertheilt der Verfasser den folgenden Unterricht: „Bey der steigenden Vorliebe unsers Zeitalters für Alles, was sichtbaren Nutzen bringt — läst sich von so vielen, fast von den meisten! scholastischen Kenntnissen, die ehemals noch für unentbehrlich zur Bildung des Gelehrten gehalten wurden, keine staatsgedeihliche Anwendung mehr erwarten. Und E 4 72 Und S. 184. fügt er, in Rücksicht auf das theologische Fach, noch hinzu: „Was würden den Religionslehrern scholaſtiſche Spitzfindigkeiten, myſtiſche Grübeleyen, und Verfänglichkeiten einer veralteten Casuistik frommen, wenn es ihnen an praktischer Menschenkenntniß fehlt u. s. w.“ . In Gefolge dieses Plans möchte wohl künftighin die praktische Menschenkenntniß die Stelle der Gottesgelehrtheit einnehmen. — — Vermuthlich, weil die Gottesgelehrtheit keinen so sichtbaren Nutzen, als wie die praktische Menschenkenntniß bringen soll. — Und in der That haben wir aus den vorhergegangenen gleichsam aufeinander gethürmten Sätzen des Verfassers wahrgenommen, wie niedrig er die in die Gottesgelehrtheit einschlagende geoffenbarte Religion, und die christliche Morallehre behandelt habe. — Ueber dieſes unterzieht er sich nochmals S. 192. „Die Achtung für die Würde der Menschheit; und Wahrhaftigkeit im Geständnisse vor sich selbst, für die Grundlage der Moralität anzugeben. — Auf dieſe Weiſe würde hinführo nicht mehr die göttliche Religionslehre, sondern die praktische 73 tische Menschenkenntniß die Grundlage der christlichen Moral ausmachen, besonders, wenn die Wahrhaftigkeit im Geſtändniſſe vor ſich selbst noch hinzugeflickt würde. Um aber die wahre Religions= und Sittenlehre tückischerweise herabzusetzen, läst er sie unter der betrügerischen Hülle einer scholastischen Spitzfindigkeit, einer mystischen Grübeley, und einer veralteten Casuistick auftreten, mit dem Zusatze: es ließe sich keine staatsgedeihliche Anwendung mehr davon erwarten. Wem ist es aber unbekannt, daß die Aufrechthaltung der Religion und der Moralität eine der ersten Staatsangelegenheiten seyn müße? — Wo Religion und mithin die Sitten verfallen, da dörfte gar bald mit dem Staat das nämliche eintreten. Wo es nun von keinem vernünftigen und redlichen Manne in Abrede gestellt werden kann, daß die Religions= und Sittenlehre dem Staat nicht allein nützlich, sondern auch nothwendig sey; so wird es auch einemjeden einleuchten, daß wahre, tugendhafte, mit Wissenschaften begeisterte und der Religion von Herzen ergebene Religions= und Sittenlehrer unentbehrlich seyen. 1. E 5 Wenn Wenn es aber den Absichten des Verfasſers nachginge, ſo waͤren die Profeſſoren der theologischen Fakultät nicht allein überflüßig, sondern in Rücksicht auf seinen Plan, allerdings schädlich; denn er beeiffert sich unnachläßig, im Religions- und Sittengeschäfte einen ganz andern Grund zu legen. — Statt der veralteten (wie er sie nennt) Lehren des Christenthums, will er eine neuphilosophiſche Mode⸗Religion einfuͤhren und unter der Rubrick: Aufklärung, begründen; nämlich jene. Etisch=bürgerliche Gesellſchaft, zu welcher Heiden und Türken, Juden und Christen berufen ſeyn ſollen, und in welche ſie aufgenommen werden könnten, nachdem sie ihren vorigen Glauben abgeschüttelt haben würden. Das hinterlistige Benehmen des Verfassers scheint indessen schier kein Ende nehmen zu wollen; indem er S. 185. fortfährt unter einer ästthätisch- philologisch- und philosophisch=gefärbten Maske zu wähnen: die in diese Wissenschaften einschlagenden Kenntnisse in Hinsicht auf das Uebersinnliche seyen Hirngespinnste ohne Haltung; Lichtstralen, die statt der wirklichen Dingen nur Pfanthaſie⸗Bilder berührten. Leute n.2 1 75 Leute von dieſer ungläubigen Gattung beschäftigen sich in ihrem Schulunterrichte blos mit der Sinnenwelt, und mit jenem, was in diesem zeitlichen Leben anwendbar und genußbar ist. — Und ob sie auch gleichwohl hie und da so Etwas von dem Geisterreiche, vom ewigen Leben, von der Unsterblichkeit menschlicher Seele u. s. w. miteinstreuen, so geschieht dieses aus keinem andern Zwecke, als nur um die Einfalt zu täuschen, und ihre Trügschlüsse damit zu bemänteln. — Wenn man das Gift mit Hönig vermengt, dann wird es desto süßer eingenommen. S. 185. fügt der Verfasser das folgende hinzu: „Gegenwärtige Betrachtung (über die Religionslehre) ließe sich noch mit einer Psychologischen (über die Seelenlehre) Untersuchung über die Nothwendigkeit erweitern: daß erst die untergeordneten Seelenkräfte, das Wahrnehmungs⸗Vorſtellungsund Empfindungs=Vermögen, das Gedächtniß, die Einbildungskraft, der Verstand mit geeignetem Stoffe versehen seyn müssen, das heißt mit richtigen Begriffen in Anſehung alles deſſen, was den Menſchen am nächsten angeht, und in seinen gewöhnlichen Ver⸗ 76 Verhältnissen begleitet; damit die Vernunft diesen Stoff demnächst unter eine höhere Ordnung bringe u. s. w.“ Diese durcheinander geworfenen Dinge machen nichts anders, als einen verworrenen, in mancher Hinsicht auf den Materialism anspielenden Mischmasch aus. — Ueber dieses ist es auch besonders auffallend, daß die Vernunft dasjenige, was in dem Verstande, als einem ihr untergeordnet seyn sollenden Wesen, vorkömmt, unter eine höhere Ordnung bringen soll. — Dieß sind gewiß Hirngespinnste ohne Haltung. — Da nun solche Philosophen nebst ihrer natürlichen Vernunft auch einen besondern natürlichen, von ihrer Vernunft unterschiedenen Verstand besitzen wollen, so ist es kein Wunder, daß sie sich in duplo aufgeklärt zu seyn glauben. — Vermuthlich wird aber auch ihre Einbildungskraft verdoppelt seyn. — Daß aber solche Philosophen die vom Verfasser eben angeregten Kräfte aus einem verfeinerten Organismus herleiten wollen, darüber hab ich mich in dem vorhergehenden weitläufiger erklärt, und den Unfug eines so scheuslichen Systems genug bewiesen. . . . Da 77 Da indessen der Verfasser S. 197. das reine, das heißt bey den Naturalisten und Kantianer: das von den Glaubenslehren ausgemuſterte Chriſtenthum, für die einzige wahre Religion, zu welcher alle Menschen berufen seyn sollen, angiebt, verwechselt er den Namen des puren Naturalismus mit dem Namen des reinen Christenthums, um unter diesem Scheinwerke die Unvorsichtigen in seine Schlinge zu bringen. Er sagt: alle Menschen seyen zu dieser reinen Religion berufen; versteht sich: zu der reinen Moralreligion der Ethisch=bürgerlichen Gesellschaft des nunmehro (mit tiefestem Leidwesen des dermaligen Hochwürdigen — Zeitungsschreibers in Düsseldorf) verblichenen Kant. Freylich wohl sollen (wie wir oben gesehen haben) in diese Gesellschaft, nach Kantischer Einleitung, Heiden und Türken, Juden und Christen, wenn sie ihren vorigen Glauben abgeschüttelt haben, aufgenommen werden können: daß sie aber dazu berufen seyen, dieß würde nur ein Bösewicht behaupten wollen, wie auch, daß die geoffenbarte christliche Religion: die hundertköpfige Hyder des Aberglaubens und des Pharaͤismus sey. Wir 78 Wir wollen übrigens hoffen, daß wenigstens der oben berührte würdige Zeitungsschreiber nicht zu der angeführten kantischen Gesellschaft übergegangen sey; denn, wo Kant die Gottheit Christi mit Arianern und Socinianern platterdings abläugnet, so könnte keinem seiner Schüler ein beabsichtetes Amt in der Seelsorge mit gutem Gewissen aufgetragen und anvertraut werden. Denn bey Männern, wo die Gottheit Christi weggeläugnet wird, kann keine Frage mehr wegen dem wahren Priesterthum, vielweniger von der Seelsorge aufgestellt werden. Indessen beeifert sich der Verfasser S. 225. u. s. w. die transcendentale kantische Philosophië, samt ihrem Unwesen für die Jugend einzuführen und haltbar zu machen. Auf die von ihm selbst aufgestellte Frage: „Ob es rathsam sey, mit Jünglingen gleich im Anfange schon den erhabenen Weg zu betreten, den die kantische Critik hierin zuerst gebahnet habe.“ Antwortet er S. 226. 227. u. s. w. das folgende: „Mich dünkt, es würde dem Bedürfnisse der Mehrheit der Jünglinge angemessener seyn, wenn die Lehrer sich befleißigten: dieselben mit den Kunstausdrücken sowohl, als mit den Haupt 79 Hauptmomenten des critiſchen Syſtems nur in so weit bekannt zu machen, daß sie in Stand gesetzt würden, die zur befriedigenden Auflösung der oben erwehnten Aufgaben (diese waren die Vorbereitungs=Elemente zum Kantianismus) nötigen Zurüstungen und den innern Zusammenhang derselben zu überblicken. Diejenige Jünglinge, welche zu erſten Meditationen besondere Neigung und die Vorkenntnisse haben, können aus den kantischen Schriften sebst mit erreifertem Verstande einst weitere Belehrung schöpfen. Aus diesen Gründen scheint es mir nothwendig, die Jünglinge etwa auf die oben gezeigte Art zuvor auf den gehörigen Standpunkt zu führen, um sie von dem wichtigen Endzweck der sich daraus ergebenden Aufgaben der Transcentalphiloſophie auf das Innigſte zu überzeugen, ehe mit den zur Auflösung derselben erforderlichen Untersuchungen der Anfang gemacht wird. Eben so nothwendig scheint es mir, diese Untersuchungen selbst — demnächst so populär als möglich, einzukleiden, und in solchem Zuſammenhange darzuſtellen, daß der Ueberblick ihrer Resultate im Ganzen und Großen lichtund unvergeßlich zum Bewustseyn der Da Jünglinge komme. — 80 Da haben wir nun den Hauptzweck des Verfassers im Weiten und Breiten vor uns liegen; nämlich: die anwachsenden und befähigten Jünglinge mit der kanntischen Lehre zu umwölken, ihre Herzen durch dieselbe zu vergiften, und sie in den tiefesten Abgrund des völligen Unglaubens zu stürzen. Sauberer Schuluntericht für Kinder christlicher Eltern! — Wehe den Kindern der Kirche! Wehe dem Staat! Wenn nach dem Beſtreben des Verfaſſers die kantiſchen Grundsätze einstens populär — werden sollten! Religion, christliche Sittlichkeit, geprüfte und wahre Tugend würden alsdann aus den meisten menschlichen Herzen gerissen und verdrungen werden. Und wie ist es anderst möglich, als daß eine Lehre, die der Gottheit selbst nicht ſchonet; eine Lehre, welche die ganze Schöpfung belacht, und das erstaunungsvolle Weltgebäude samt seiner Zweckmäßigkeit keinem unendlichen weisen Gott, sondern einer begränzten Weisheit eines Baumeisters zuschreibt; eine Lehre, die nicht allein die göttliche Offenbarung läugnet, sondern auch die unveränderliche Gesetze des Naturrechts der 81 der bloſen Willkähr des menſchlichen Willens anheimstellt; eine Lehre, die alle psychologische Beweise, für die Substantialität, Einfachheit und Gewißheit des Daseyns der menſchlichen Seele angeführt werden, für paralogistisch, d. h. für eine betrügerische Schlußrede hält; eine Lehre, die vorgiebt: mit gleichen Vernunftgründen mit welchen z. B. die Sätze: Die Welt hat einen Anfang, und ist begrenzt: es existirt ein nothwendiges Ding als die erste Ursach der Welt bewiesen werden; könnten auch die denselben contradiktorisch entgegengesetzten Sätze bewiesen werden; eine Lehre, die behaupten will: die Sittlichkeit, die Tugend, das Gesetz, die Pflicht sey das höchste Gut, und der letzte Endzweck des Menschen; folglich eine Lehre, die nebst diesen berührten Abscheulichkeiten noch viele andere mit der größten Dreistigkeit vorträgt, ſoll nach der Vorſchrift und Weiſung des Verfaſſers der lehrſamen Jugend innigſt und unvergeßlich eingeprägt werden. Ueber die Scheuslichkeit der kantischen Lehrsätzen wollen wir noch einmal den im erſten Theile ſchon angerühmten Wienriſchen Professor Miotti hören, da dieser in der Vorrede seines Buches: über die Falschheit 82 heit und Gottloßigkeit des kantiſchen Syſtems S. 4. das folgende ſagt: „Kant hat allen Unrath uralter Sekten der heidnischen Philosophen zusammengerafft, um, zur Gunst der heutigen Freyheit und Gleichheit, die natürliche Vernunft zuerst, hernach alle Kenntniße Gottes, alle Religion, und alle politische Ordnung zu vertilgen. — — Wenn aber diese widernatürlichen Lehren nicht einmal bey den Heiden haben fußfassen, noch weniger die Entstehung und Fortpflanzung der christlichen Religion hindern konnten; werden sie wohl bey Christen gelten, und hinlänglich seyn, dieſelbe aus ihren Herzen zu reiſſen? — Kant hofft es, und gründet seine Hoffnung auf eine ausſtudirte Verwirrung, eine willkührliche Veränderung der angenommenen Wortbedeutungen, auf offenbare Trügschlüsse, ja sogar auf häufige Widersprüche, die er ohne Abſcheu begeht. Hier werden auch einige Stellen eines Briefes, den, nach Zeugniß des Herrn Miotti, Herr Jenisch (ein Kantianer) S. 405. anführt, und von einem bekehrten, und dem Tode nahenden Philosoph erhalten hat, auf dem rechten Orte stehen; Die Worte Ich verdieſes Mannes ſind die folgende: “ lasse 83 lasse die Menschheit in einer mehr als jemals bedaurungswürdigen Lage; bedaurungswürdig in Rücksicht ihrer politischen Verhältnisse, aber noch bedaurungswürdiger in Rücksicht der neuen philosophischen Erleuchtungen. Ist es möglich, daß die Philosophen (die Aechten) und Theologen des Jahrhunderts das höchst Gefährliche des Kantischen Systems für die heiligen Wahrheiten, ich will nicht sagen, der geoffenbarten, sondern auch nur der natürlichen Religion verkennen können? — Heil mir daß ich diesen Gott, nämlich der Menschen schuf, und sie ewig an seinem Herzen trägt, ohne transcendentalen Idealismus verehrte! Dieser Ruhm in der Stunde des Todes — — — ist mir Bürge, daß ich nicht umsonst glaubte. Möchten doch die ungläubigen Philoſophen unſerer Tagen dieſem rührenden Beyspiele nachfolgen! Möchte es sich im ganzen Umfange bestätigen, daß einige der vorzüglichsten dieser Männer noch vor kurzem diesen Weg wirklich angetreten hätten! mit welchem Ruhm würde man sie einem Justin aus Palestina, einem Tatian aus Asprien, einem Athenagaras, einem Theophilus von Antiochien, einem CleF 2 — 84. Clemens von Alexandrien, einem Minutius Felix, einem Cyprian, einem Arnobius, einem Laktantius und mehreren solcher großen Männer, die vom Irrwege zum Christenthum übergegangen sind, an die Seite stellen! — In der That, wenn man den Inhalt der saftvollen, erhabenen und heilbringenden Schriften dieser großen Lichter mit den Schriften der Afterphilosophen unpartheylich vergleicht, so wird man vollkommen überzeugt, daß bey den Ersten die wahre Aufklärung, bey den Letzten hingegen nichts anders, als eine Heilund Religionswidrige Finsterniß anzutreffen sey. Nachdem die berüchtigten Philosophen Celsus, Prophyr und mehrere ihres Gleichens alle Spitzfindigkeiten gegen die christliche Religion vergebens erschöpft hatten; und da die heidnischen Kaiser mehr, als drey hundert Jahre hindurch die Chriſten mit Feuer und Schwerde, mit wilden Thiere, und mit allen erſinnlichen Gattungen der Grauſamkeit verfolgt hatten, konnten sie, diesem allem ungeachtet, ihren Zweck, das Christenthum zu vertilgen, nicht erreichen; im Gegentheile verbreitete es sich immer dergestalten, daß das verspritzte Blut der Christen gleichsam ein neuer Saamen zu ihrer Vermehrung wurde. 35 Die christliche Religion, als welche auf ihrer göttlichen Grundveste unzerstörlich ruht, hat in allen Schlachten, die man ihr lieferte, allzeit den Sieg erfochten und davon getragen. — Dörfte sie demnach durch die Unternehmungen der heutigen Sophisten wohl niedergestürzt und aus der Welt vertrieben werden können? — Der göttliche und unfehlbare Stifter der christlichen Religion sagt nein dazu. Und von welcher Gattung sind denn eigentlich diejenige, welche unsere heilige Religion anfeinden, und ihr das Herz abstoßen wollen? Sind es vielleicht Leute, die eine edle und aufrichtige Denkungsart, eine ausgebreitete und wahre Kenntniß in den erhabenen Wissenschaften besitzen, und von einem ausgezeichneten Tugendwandel ausgeſchmückt sind ? — — Nein, es sind eigentliche Pasquillanten und Verläumder ehrlicher, dem Christenthume unzertrennlich ergebenen Leute: es sind Authoren, welche die Liebe des Nächsten zwar mit Buchstaben anpreisen, in der That aber dieſelbe mit Füßen treten, und zum Behufe ihres Egoismus gänzlich zernichten wollen: es sind Leute, deren Absichten nicht allein die Kirche im Wege steht, sondern die sich zugleich bestreben die Bände der F 3 86 der Gesellschaft aufzulösen, und die Grundveste der Regenten zu erschüttern: es sind Leute, die den Glauben des vernünftigen Geschöpfes an seinen Schöpfer belachen, die Hoffnung der Belohnung der Tugend als lohnsüchtig, und die Bestrafung des Lasters, in Hinsicht auf die Zukunft, als chimärisch ausrufen; kurz: es sind Leute, die unter der Maske einer seltenen Aufklärung alle Religion von sich abgeworfen haben, mithin Leute, die zu Allem aufgelegt und der menschlichen Gesellschaft gefährlich sind. Es ist in der That wunderlich, daß selbst Einige dieser neueren Philosophen solchen Unfug und Wahnwitz mehrerer ihrer Collegen eingesehen und gerüget haben. Zum Beweise davon will ich eine dahin einschlagende Stelle des J. J. Rousseau anführen, in welcher er wörtlich das folgende sagt: „Fliehet diejenigen, welche unter dem Scheine die Nätur zu erklären, verderbliche Grundsätze in die menschlichen Herzen ausstreuen, und deren scheinbare Zweifellehre hundertmal mehr bejahet und bekräftiget, als die entscheidende Sprach ihrer Gegner; unter dem Vorwande, daß ſie allein erleuchte, wahrhafte und redliche Leute seyen, unterwerfen sie uns ihren stolzen Entscheidungen gebietherischer Weise, und wollen uns die unbegreiflichen Lehrgebäude, welche sie in ihrem Gehirne aufgeführt haben, als wahre Gründe der Sachen aufdringen: da sie übrigens Alldasjenige, was die Menſchen in Ehren halten, umkehren, zerdrümmern und mit Füßen treten. Sie benehmen dadurch sowohl den betrübten den letzten Trost ihrer Armseligkeiten, als den Mächtigen und Reichen den einzigen Zaum ihrer Leidenschaften. Sie reißen die Beängstigungen des Lasters, und die Hoffnung der Tugend aus dem Grunde der Herzen heraus; und prahlen noch dabey, sie seyen die Gutthäter des menschlichen Geſchlechtes. Die Wahrheit, ſagen ſie, iſt den Menschen niemals schädlich. Dieß glaube ich eben so gut, wie sie: und das ist, meinen Gedanken nach, ein Beweis, daß dasjenige, was sie lehren, die Wahrheit nicht sey. " Emile Tom. 1. pag. 181. Ganz richtig; denn, wenn dasjenige, was solche Philosophen lehren, die Wahrheit wäre, so würde es der Religion, und den darauf beruhenden wohlgeordneten Staaten nicht so gefährlich und nachtheilich seyn. Und eben deswegen setzt der Herr Voltaire Tr. de la Toler, ch. 20. noch hinzu: „We nur 88 nur immer ein Staat errichtet ist, da ist eine Religion vonnöthen. Das Gesetz wachet über die öffentlichen, und die Religion über die heimlichen Laster.“ Es ist keinem Zweifel mehr unterworfen, und die traurige Erfahrung hat es bestättiget, daß diejenige, welche das Band der Religion, welches die Staaten umschlingt und aufrecht hält, auflößen wollen, sich in dem nämlichen Zeitpunkte für Feinde des Vaterlandes erklären. — Die Verſammlung der französischen Klerisey im Jahre 1765. sagt demnach in ihren Abhandlungen sehr gemessen und richtig das folgende: „Es ist ein so wunderbares Band von der Vorsicht Gottes vestgesetzt worden, daß die Glückseligkeit des Staates nothwendiger Weise von der Haltung göttlicher Gebote abhängt. Der Geist der Unterwerfung und des Gehorsams, welcher Kinder Gottes macht, bildet auch treue Unterthanen; und eben die Freyheit zu denken, welche die gottloßesten Lehrgebäude aufrichtet, erschüttert die Grundveste des Thrones und der Macht.“ Plato erkannte in den unbeleuchten Zeiten des Heidenthums schon diese Wahrhei= 89 heiten; er sagt ausdrücklich: „Die Unwissenheit in der Erkenntniß des wahren Gottes ist die gefährlichste Pest aller Staaten: wer demnach die Religion störet, der zerstöret den Grund der menschlichen Gesellschaft. Lib. 10. de Leg. Ja, ein Staat ohne die Religion, iſt nichts anders, als eine Verwirrung aller Dinge, und ein Schauplatz, wo schier nichts anders, als Unordnung, Gräuel= und schreckbare Trauerbilder erblicket werden; wo die Macht ohne Milde, die Vernunft ohne Richtschnur, der Mensch ohne zureichende Gesetze, die Tugend ohne Belohnung, und das Laster ohne Strafe ist. Welch ein abschreckendes Gemählde für die menschliche Gesellschaft! Wenn man Gott und die Religion auf Seite setzt, so müßen die Stützen des Staates in der Folge nothwendiger Weise zusammenfallen; denn es giebt keine regelmäßige und dauerhafte Gesellschaft ohne wechselseitige Pflichten der Glieder, die sie ausmachen; keine Pflichten ohne Gesetze, das sie auflegt; kein zeitlicher Gesetzgeber ohne Gott, von welchem alle Macht ursprünglich herstammt. Der römische Redner beherrlichet diese Grundsätze mit diesem seinem Ausspruche: „Wie heilig muß nicht die bürgerliche Gesellschaft seyn. 90 seyn, wo der unsterbliche Gott, als Richter und Zeug, in's Mittel kömmt.“ Cic. de Leg. — Man vergleiche dieſe, und dergleichen Sätze mit den Grundsätzen des Verfassers. Ohne Religion leben ist eins der schwersten, ja beynahe das größte Laster; aber, noch oben darauf sich bestreben, auch seinen Mitmenschen die Religion zu rauben, dieß übersteigt alle Bosheit. Nichtsdestoweniger machen solche Unphilosophen einen unaufhörlichen Lärmen von der Menschenliebewo sie doch in der That eben so bittere Menschen= als Religionsfeinde abgeben. Solche philosophische Irrlichter heben ihre eigene Vernunft über unsere, von der ewigen und unbegränzten Weisheit Gottes geoffenbarten Glaubenspunkte himmelweit hinauf: in diesem ihrem eingebildeten Glanze blicken sie auf die Religionsfreunde mit Verachtung herab. — Allein, der Herr Saint-Foix rufet ihnen in ihrem Taumel also zu: „Ihr kleine Adler, welche ihr bey euern von euch verachteten Landsleuten so hochmüthig daher schwebet; ihr neue Luftzeichen in der Gelehrsamkeit: ich nehme die Freyheit, euch im Gipfel euers Glanzes zu betrachten; und ich glaube 91 glaube wahrzunehmen, daß die Stralen euren Herrlichkeit aus nichts anders, als aus Seltsamkeiten, aus unrichtigen Meynungen, aus Zügen wider die Vernunft und das Vaterland, und aus der Ruchloßigkeit bestehen.“ Möchten doch solche Philosophen das göttliche und untrügliche Glaubenslicht so hell und nachdrücklich in ihre Seelen einstralen lassen, daß ihr bedaurungswürdiger Unglaube, samt allem dem Unwesen, welches damit verbunden ist, beseitiget würde! — Möchten sie die Falschstricke, welche sie theils der Kurzsichtichkeit, theils der Unbesonnenheit aufgespannt haben, zerreissen, und statt derselben ihren Mitmenschen den sichern Weg zur Seeligkeit vorbereiten und zeigen! — Möchten sie den Schöpfer aller begränzten Dinge nicht länger verkennen wollen, Ihm ihr Herz weihen, und Ihm durch wahre sowohl innere, als äussere Religionspflichten die gebührende Ehre beweisen! — Möchten sie ihre Zöglinge, und ihre übrigen Anhänger und Anbether mit dem erhabensten Zwecke ihres Daseyns, mit der edelsten Bestimmung zum ewigen Leben so bekannt machen, daß ihnen diese Wahrheiten in allen ihren Handlungen zur Richtschnur dienten! — O! wie gern würde alsdann der gute göttliche Hirt diesen ver 1 — 92 verirrt gewesenen Schaafen ihre Verirrung vergeben, und sie seiner Heerde wieder einverleiben! — Mit Inbrunst wollen wir Gott um diese Gnade anflehen, damit endlich die Ruhe in der Kirche und in den Staaten wieder hergestellt, und bis in die spätesten Zeiten aufrecht gehalten werde. Druckfehler. Seite 40 statt cretitudo — lese — certitudo. . de 2 0