_l > ^üg», L2^?A'-^T^ -N Dramatisches Rittermährchen in vier Aufzügen von E-mund Henoumont. (Dm Bühnm gegenüber Manuscript.) Die Verfügung über das Aufführungsrecht ist der Agentur der Genossenschaft dramat. Autoren und (Komponisten LU Leipzig übertragen. Das ReproduclionS- und Nebersetzungsrecht ist Vorbehalten. , Die Lomposttioncn hierzu sind von Herrn Tajsnu in Düsseldorf und auf Verlangen vom Verfasser des Stückes, - Herrn Edmund Henoumont in Düsseldorf zu beziehen. Leipzig. Druck von Oswald Mutze. 1876 . E o . Personen. «uno, Graf von Gleichen. Eabert^Eastellan aÜf^Schl°ß Gleichen. WianLeibknappe des Grafen. Hans, l Knappen des Grasen. Kunz, ^ Ein Mönch- Ein Minnesänger. Erster Geist- Zweiter Gerst- Scheich 2brah«n. Zuleika. ferne Tochter. Erster Eunuche. Erster Türke- Zweiter Türke. Dritter Türke, ^rken. Türkinnen. Lrster Auszug. In der Burg des Grafen von Gleichen. Gräfin Kunigunde steht am Fenster und fchaut hinaus. Castellan Egbert auf der andern Seite der Scene betrachtet fie von rückwärts. Erster Auftritt. Gräfin Kunigunde. Castellan Egbert. Kunigunde (für sich). O — meine Sonne edlen Ritterthums, Vor der die andern Sterne neidisch bleichen, Mein Meier deutscher Kraft und deutschen Ruhm's, Wo weilst Du Gatte, Graf Kuno von Gleichen. Castellan (für sich). O, wie die güldne Locke niederwallt, Um schwelgend dieser Schultern Schnee zu saugen, — Wie edelhcrrlich diese Hochgestalt, Und — dreht sie um sich — diese blauen Augen! Kunigunde (schwärmerisch). Wohl liegt er lauernd jetzt im Föhrenhain Auf jener Hansa geldumkatzte Leute — Es naht der Zug — halloh — die Sporen ein, Glück zu — Glück zu, mein Held, — Dein ist die Beute! 6 Castellan (für sich). O, soll ich stets in würdeloser Frohn Um diese Reize nur von Ferne schweifen? Das Glück ist der Beherzten Schutzpatron — Die Welt ist dem, der sic versteht zu greifen! (Er sinkt auf ein Knie nieder. Laut:) O, Gräfin! Kunigunde (sich umwendend). Auf den Knie'n der Castellan? Hat wieder wohl in seines Hirnes Däsel Im Hausgehalt eine Eselei gethan Und bittet um Pardon, er alter Esel? O, Gräfin! Castellan. Kunigunde. Hör er, Alles hat sein Maaß, Will ewig er auf meine Nachsicht pochen? Er weiß, im Haushalt kenn' ich keinen Spaß, Gnade ihm Gott, wenn er etwas zerbrochen! Castellan. O, Gräfin! Kunigunde (plötzlich aufhorchend, ohne sich weiter um den Castellan zu kümmern). Horch, den Schloßbcrg sprengt's hinan! Klingt das nicht, wie das Wiehern müder Roste? (Ein Trompetenstoß im Hofe. Wieder an's Fenster springend.) Er ist's, mein Kuno ist's, mein Rittersmann, Mein Herr, mein Liebster ist's, mein Eh'genoste! (Sie schwenkt mit dem Taschentuch.) O sieh dies Liebeszeichen, Mein Gras aus, von und zu und ohne Gleichen! Castellan (aufstehend für sich). Das nenn' ich einmal abgeblitzt, wie nie, Hat man wohl je so schnöde Art gesehen? Nun — wenigstens — lag vor ihr auf dem Knie, 7 Der erste Schritt war somit doch geschehen. Das nächste Mal geh weiter ich voran; Wer langsam geht — kommt doch am Ende an. (Castellan ab.) Zweiter Auftritt. Kunigunde. Graf von Gleichen» Kunigunde (allein). Ich höre schon den ehr'nen Schritt im Flur So schreitet nur unbänd'ge Mannsnatur! Mein Weib! Gleichen (eintretend). Kunigunde. Mein Mann! Gleichen. Mein Engel Du! Kunigunde. Mein Leu! (Sie umarmen sich.) Vor dein die nieder» Thiere all' erschrecken, Die Löwin darf dem Löwen nahen frei Und ihren Arm in seine Mähne strecken. (Sie küßt ihn, und schlingt ihre Hand in sein Haar.) Nun — schau mir in's Gesicht und künd' mir, Mann, Künd' mir, wie Dir's erging, — und schau' mich an! Gleichen. Du weißt, daß jüngst ich Fehde angesagt Denen von Cöln, Braunschweig, Hamburg und Bremen, Weil, ohne Zoll zu zahlen, sie gewagt, Durch mein Gebiet frech ihren Weg zu nehmen. Nun — gestern, am Sankt Nepomuckenstag, Ich mit den Knappen dort im Hohlweg lag. Sankt Nepomuck, sprach ich, beschütz' uns heut! Und Christian und die Knappen sagten: Amen! Da plötzlich, denk' Dir, gar von uns nicht weit, 8 Sechs Cölner von der Leipz'ger Messe kamen. Da sieht man, was ein fromm Gebete nutzt! — Die schickt uns Nepomuck, sprach ich den Knappen, O, wie die Geldkatz' ihren Leib umstrutzt! Und ihre Kleider, welch' kostbare Lappen! Das Fuhrwerk schwer blieb fast im Lehme stecken, Drin schwoll es hoch von Bündeln, Fäßern, Säcken, Und als gelangt sie just dort zu der Brucken, Da dacht ich — jetzt soll's Euch benepomucken! Kunigunde (mit dem Finger drohend). Du Schalk! Gleichen. Dann frisch die Sporen in den Rappen, Mir nach mit donnerndem Halloh die Knappen. Ein Hieb nach rechts, ein Hieb nach links gezogen, Und rechts und links zwei Kaufmannsköpfe flogen. Weinhändler waren es, aus Cöln am Rhein — Die andern gaben drauf sich gleich gefangen. Doch was — Du bebst? Kunigunde. Ach, lieber Kuno mein, Bist Du darin nicht was zu weit gegangen? Gleichen. Nun — wie man's nimmt — doch ist die Hauptfach' schier Der ganze, ganze Kram gehört jetzt mir. Doch komm' jetzt mit und zieh' mir aus den Panzer, Man kann das Mahl Herrichten in der Zeit. Kunigunde. O, Herzenskuno, bist ein Mann, ein ganzer, (Mit ei em zärtlich vorwurfsvollen Blick) Doch gingst Du "ute wirklich was zu weit! (Beide ab.) * Dritter Auftritt. Christian, Hans und Kunz, (letztere mit Kannen und Schüsseln). Christian. Jetzt deckt den Tisch und tummelt Euch, Ihr Lumpen, Setzt hier die Kanne her und dort den Humpen, Hier, rechts und links, setzt der Spanferkel zween, Der Hammel muß in ihrer Mitte steh'n. Hierher das Schnappmesser des gnäd'gen Herrn, Den Zahnstocher daneben, nicht zu fern, Daß Graf und Gräfin zweisam ihn benütze Je nach Bedarf und in des Kampfes Hitze. (Geht auf und ab.) Hans (zu Kunz, der mit ihm die Mahlzeit herrichtet.) Der Wein hier in der Silberkanne schwer Ist sicher Rheinwein, so will mich bedünken. Hunx. Hör' Hans — der Meister Christian schaut nicht her, Laß' uns ein schnelles kräft'ges Schlückchen trinken. (Die Beiden trinken abwechselnd.) Christian (sich umsehend). Was seh' ich, Ihr Spitzbuben, Ihr Hallunken, Trinkt uns'rcs gnädigen Herren Wein — o Himmel — Als wär' es Dünnbier in den Dorsspelunken, Wo ihre Kehle baden Bauernlümmel, Solch Göttertrank, — Sankt Nepomuck verzeihe, Solch Perlenwein, — vor solche Säue! Hans und Kunz. Ach, Meister Christian, bitten um Verzeihung s' war nicht aus Durst, — s' war nur so aus Zerstreuung. Christian. Ein schönes Diebsgesindel hier im Haus — Hinaus mit Euch — Schlingel — zur Thür hinaus! (Er giebt jedem eine Ohrfeige. Hans und Kunz ab.) 10 Christian (entrüstet). Das ist ein Elend mit dem Dienstvolk heut Wo sind sie hin die guten, alten Zeiten! — Das scheert sich um die Herrschaft keinen Deut, Sich selbst nur will das guten Tag bereiten. (Er greift zerstreut nach der Kanne und trinkt.) Vierter Auftritt. Der Vorige. Lastellan. Castrtlan. Was muß ich seh'n, he —' Meister Christian — Ihr trinkt den Herrschaftswein, was sicht Euch an? Christian (verwirrt). Ach Castellan, ich bitt' Euch um Verzeihung, 's war nicht aus Durst, 's war nur so aus Zerstreuung. (Christian ab.) Castellan (allein). Ha wie mich's ekelt, mit dem Volk, dem schlechten, Ein Knecht zu sein, mit solch' elenden Knechten. Viel höher geht in dieser Brust die See, Mein Schiff durchkreuzt die Fluth des wilden Meeres, Der Liebe Wimpel flattert in der Höh', Du, Kunigunde, bist mein Ziel, mein hehres! (Cr nimmt die Kanne und thut einen tiefen Zug.) Fünfter Auftritt. Der Vorige (noch immer trinkend). Der Teufel. Teufel (dem Castellan die Hand auf die Schulter legend). Er glaubt wohl, Castellan, es sei so leicht, Des Grafen Eheweib für sich zu minnen, Als aus des Grafen Krug das edle Feucht Für seine Kehle diebisch zu gewinnen. CasteUcm (heftig erschreckend). Ach, Meister Satan, bitt' Euch um Verzeihung, 's war nicht aus Durst, — 's war nur so aus Zerstreuung. Teufel. Steh Er nicht da, so Jammerangesichts, Ich sollt ihm diesen kargen Schluck verübeln? Ein Schluck aus fremdem Kruge ist noch nichts, Höchstens das Alpha in des Satan's Fiebcln, Träumt doch vom Omega Er schon zur Stund'! Ueber des Grafen Leib flog in Gedanken Schon buhlerisch sein Sinn zu Kunigund — Und steht jetzt da, und Seine Kniee schwanken. Hätt' ich gedacht, solchen Poltron zur Stelle, War heimgeblieben in der warmen Hölle. Auf, Muth gefaßt, denk Er an's schöne Weib, Soll leben hoch der Gräfin weißer Leib! (Er nimmt die Kanne und trinkt.) Cllstcllan. Der thut ja grad, wie unser einer macht, Wenn ihm der Durst zuschnürt die trockne Kehle, Hätt so gemüthlich nimmer ihn gedacht, — Der Teufel trinkt Rheinwein bei meiner Seele. (Er greift lachend zur Kanne.) Der Gräfin weißer Leib, das ist ein Spaß, Ich trink Bescheid Euch, Junker Satanas! (Er trinkt.) Trufrt (in die Kanne sehend). So, jetzt versteh'» wir uns, es ist nichts drin geblieben, Mit diesem Schluck hat er sich mir verschrieben. Jetzt setz' er sich auf jenen Sessel dort, Ich hier, daß wir in Ruh delibcriren. (Sehen sich.) Vor allen Dingen muß das Gräflein fort, Dann kann der Castellan hier frei regieren. Nun hört, mein Plänchen wird Erich gleich erhell'n. Zu Anfang muß ich sein Gewissen plagen; Jüngst hat im Strauß zwei Weinhändlern aus Cöln, 12 Mir nichts, dir nichts, die Köpf er abgeschlagen. Die sollen als Phantome riesengroß Beim Mahle ihn, den Kopf im Arm, umschweben. Sie lassen ihn gewiß so bald nicht los, Weinhändler waren's ja in ihrem Leben. Und wenn er dann von Saal zu Saale flieht — In tausend Aengsten immer bänger, bänger. Und hinterher im leisen Geisterschritt, Den Kops im Arm des Rhein's gespenst'ge Dränger, Dann schick ich einen Mönch und einen Sänger; Und, glaub er's, solch gemischte Kumpanei, Das Weltall könnt' sie heben aus dem Gleise — Zum Kreuzzug werden werben ihn die zwei, Und jeder wird's auf seine eig'ne Weise. Der Mönch wird pred'gen, daß an Joppe's Strand Ausschwitzbar jede Sund' im Wüstensand. Des Sängers Lied umnebeln wird die Sinne, Von Beute Cypernwein und Haremsminne, Und bald wird zieh'n der Graf zum heil'gen Land, Halb abgehärmter Büßer und Casteier, Halb Stegreifritter, der auf Abenteuer. Lastrllan. Ha, Satan, Deine Helfershelfer treib, Daß bald sie ihn entführst: mit Schild und Lanze. Teufel. Und Dein wird sein Kun'gundens weißer Leib, Dein diese Burg, und Du der Baas von's Ganze. (Teufel verschwindet.) Castell an (zusammenfahrend). Der Baas von's Ganze, hört! (Er sicht sich um.) Ha, er ist weg, Sprach ich denn eben hier nicht mit dem Teufel? Röch's nicht im Saal nach Schwefel noch und Pech, Könnt zieh'n den ganzen Dialog in Zweifel. Doch hier sein kann der Graf im Augenblick, Noch bin ich Diener, muß mich zieh'n zurück. 13 Noch bist Du Herr, mein Gräflein, aber warte, Bald werd' ich tafeln hier an Deiner Statt, Denn Satan-hat diesmal gemischt die Karte Und Du liegst bald am Libanon im Scat. (Castellan ab.) Sechster Auftritt. Graf Gleichen (im Hausanzuge). Gräfin Kunigunde. Erster Geist. Zweiter Geist. Gleichen. 's gibt in der Welt doch etwas Schön'res nicht, Als mit der Gattin Seit' an Seit' beim Schmause. Kunigunde. Wenn man im Vollgefühl gethaner Pflicht Von wackrer Arbeit kehret müd' nach Hause. (Sie setzen sich zu Tisch.) Gleichen (die Kanne nehmend). Nun will ich erst durch einen guten Schluck Mein Schlingwerkzeug ein wenig vorbereiten. — — Was ist denn das? — beim heil'gen Nepomuck, Die Kanne leer, was soll denn das bedeuten? (Die Geister der beiden Weinhändler erscheinen mit dem Kopf unterm Arm.) Erster Geist. Sie brauchen Wein — wir haben's wohl gedacht. Und sorglich cin'ge Proben mitgebracht. Gleichen (erschreckt aufspringend). Ha, was ist das? — o steht mir gnädig bei Ihr Heil'gen all' der ganzen Litanei! Zweiter Geist. Wir stellen ganz gewiß zufrieden Sie, Uns schickt aus Cöln die Firma Schmitz und Compagnie. 14 Kunigunde. Was ist? Du stehst ja da wie fcstgebannt. Strichen. Siehst Du denn nichts? Kunigunde. Ich seh' nichts als die Wand. Erster Geist. Wir haben hier ein Pröbchen Moselwein, Zwar etwas sauer, dran merkt man, daß er rein. Gleichen. O Weib, o Weib, hörst Du ihr schaurig Wort? Kunigunde. Ich hör' und seh' nur — Dein Verstand ist fort. Erster Geist. Hier ein Pisporter, leicht und angenehm. Zweiter Geist. Nur vierzig Thaler kost't die Ohm von dem. Gleichen. O hör', o hör' — welch' schaurig Angebot. Sankt Nepomuck — erlös' mich aus der Noth! Erster Geist. Ein lieblich Weinchen hier aus Steg am Rhein, Zweiter Geist. Auf Ehre, kein Atom Bleizucker drein! Gleiche» (sich bekreuzend). O weiche von mir — höllischer Lügenspuk. Kunigunde. Er spricht im Wahnsinn, hilf Sankt Nepomuck! Erster Grist. Ein Montebello hier, ein edler Wein, Beziehen ihn direkt vom Niederrhein. Gleichen. O Schreck der Schrecken — o mit mir ist's aus! (Er stürzt aus der Thüre, die Geister ihm nach.) Kunigunde. Was saßt denn meinen Mann so wilder Grans? Weh' mir, auch mich erfaßt ein ahnend Zittern, Was könnt' die Stiernatur so stark erschüttern? Er streckte nieder heut' der Kaufleut' zwei, Vielleicht quält jetzo ihn deshalb die Reu', Er denkt vielleicht, er sei zu weit gegangen, Hätt' lieber nehmen sollen sie gefangen. (Der Graf stürzt von der andern Seite herein, die Geister ihm nach.) Gleichen. O weh mir — weh — der Spuk wird immer ärger! Erster Geist. Hier ist ein exquisiter Scharzhofberger. Zweiter Grist. Versuchen Sie doch diesen Wein aus Lorch. Erster Geist. Wir geben gern ein Aenkerchen auf Borg. Kunigunde (dem Grafen die Hand auf die Stirn leger/ ). O Mann, die Stirne brennt Dir lichterloh. Erster Geist. Wir machen auch in Capwein und Bordeaux. Gleichen. Wann hört das auf? O rett' mich gnäd'ger Himmel I 16 Oie beiden Geister. Wir führen auch Chartreux, Cognac und Kümmel. (Die beiden Geister verschwinden. Der Graf sinkt vor der Gräfin nieder und birgt den Kopf in ihren Schooß.) Siebenter Auftritt. Kunigunde. Gleichen. Kunigunde. Du bist wahnsinnig, Kuno, auf mein Wort. Gleichen. Die grausen Zwei — schau' hin — stehn sie noch dort? Kunigunde. O Mann, ich schwör' es Dir mit heil'gem Eide, Niemand war hier als Du und ich, wir Beide. Gleichen. Und ich schwör' Dir's, es waren hier zur Stell'» Die zwei geköpften Kaufleute aus Cöln. Achter Auftritt. Orr Vorigen. Castrllan. Castcllan (eintretend). Herr Graf — ein Mönch und Sänger harren drauß', Daß man mit güt'gem Willkomm sie begnadigt. Kunigunde. Ein Mönch, ein Sänger? Führ sie gleich in's Haus, Vielleicht beruhigt ihn Gesang und Predigt. Castellan (für sich). Wort hält mir der mit Pferdefuß und Schwänze, Juchhe! ich seh' mich schon als Baas von's Ganze. (Er läßt Mönch und Minnesänger ein. Der Graf erhebt sich.) 17 Neunter Auftritt. Gleichen. Kunigunde. Mönch. Minnesänger. Cnstellan. Mönch. In nomins ckomini, ich segne dieses Haus, Sind Teufel drin, ich treib sie alle aus; Der Mensch steckt tief im schwarzen Sündenschlamme, Ich kämm' ihn aus mit meinem Gnadenkamme. An Gnaden reich ist Palästina's Sand, Ich pred'ge Wallfahrt nach dem heil'gen Land; Sammle zugleich für den Bedarf des Jahres, Für's Kloster nebenbei auch etwas Baares; Auch flüssige Gabe soll willkommen sein; Denn knapp und sauer ist unser Klosterwein. Minnesänger. Mein edler Graf, hier beidenthalben Dein Des Wortes Mannen steh'n selband zu zwei». Der sagt den Weg Dir, draus Du Buße thust, Ich sing' Dir zu, wie leichte drauf zu Hüpfen, Der schließt das Thor Dir vor der Freud' und Lust, Ich sing' Dir, wie durch's Schlüsselloch zu schlüpfen. Doch soll das Lied des Sängers gülden sein, Muß güldner Dung in seine Tasche fleußen, Und wenn er duft'ge Blume hat, Dein Wein, Wirst Du auch blumenduftigen Sang geneußen, Und daß der Sang fein adlig sich bewege, Man neue Kleider an den Sänger lege, Der Sänger der getrag'ne Kleider gehrt, Der ist des echten Minnesangs nicht werth. Gleichen. Ha, Weib! aus Dieses Ernst und Jenes Scherzen, Ich fühl' schon halb getröstet mich im Herzen. Laß rollen ihnen zu das gelbe Gold, Dem für das Kloster, dem als Minnesold. Bring' alles, was die Speisekammer schließet, Und was im Keller Allerbestes fließet. 2 18 Es sollen zieh'n von diesem reichen Ort Nicht unbefriedigt Mönch und Sänger fort. Kunigunde. An Kellers- und an Speisekammersthür Steht sparend sonst das deutsche Weib auf Posten, Doch gilt's den Dienst der heilg'en Kirche schier Und Minnesang, läßt gern sie sich's was kosten. Und heilt Ihr singend, pred'gend meinen Mann, Soll diese Hand frcigeb'gen Lohn Euch reichen, Doch erst laßt hören, was ein Jeder kann, Der Lohn folgt, wenn die Arbeit ist gethan; So ist die Ordnung auf dem Schlosse Gleichen. (Sie setzt sich auf einen erhöhten Sessel.) Mönch (im Predigerton). So hör' mich denn Du sünd'ge Menschenbrut: Der Türk' am heil'gen Grabe breit sich thut, Und Du schlampampst in fauler Ruhe hier, Steckst bis zum Hals im sünd'gen Weltplaisir, Denkst nicht an Hölle, Fegefeuer oder Himmel, Nicht, daß die Seele fingerdick voll Schimmel, Die Lieb' zu Gott von Zinn, der Glaube pappen, Dir wird vom Himmelreich auch nicht ein Lappen. Und ach an Palästina's heil'ger Grenz Der Ablaß nur so auf der Straße lieget; Denn mehr als hier zehn Ellen Rosenkränz' Im heil'gen Land ein Paternoster wieget, Doch der Herr Ritter muß sich hier ergötzen Und frech sitzt dort der Türk' auf seinen Schätzen. Gleichen (zerknirscht). Ha! wie so feste packt mich an die Reu', Auf meiner Seele liegt's so schwer wie Blei, Und Ablaß ist so bill'g an jenen Orten — Sprach auch von sonst'gen Schätzen ja noch dorten. Minnesänger (singt). Smaragd und Rubinen — fern vom Ganges In Sultan Reschid's güldnen Truh'n 19 Wcr will's gewinnen? — greif es, lang es! Der Tapfre wird nicht träge ruh'n. Was ist nicht Alles feil für Gold? Tandaradai! Kleine Liebesräder — rollt! Gleichen (zum Sänger). Hör'! find die Schätze wirklich dort so groß? Minnesänger. O — da gibt's noch viel mehr, als Schätze blos. Mönch (weiter predigend). Und statt sich dort im Gnadenstrom zu baden, Unschlüssig mancher Held am Ufer steht. Frisch, Ritter, zugegriffen nach den Gnaden, Ein Esel ist der Christ, der sie verschmäht. Ein Tropf, wer scheut die lumpige Gefahr, Wo's gilt, ein Himmelsplätzchen zu erwerben, Schon rüstet hierwärts eine wack're Schaar, Bereit den Türken frisch das Fell zu gerben. Wer jetzt zu Haus bleibt ist ein Einfaltspinsel, Ihr nächstes Ziel ist Cppria, die Insel. Gleichen. O, wie die Reu zerknirscht mich durch und durch, Zu eng wird's mir in dieser Ritterburg. Minnesänger. Ihr hört, das nächste Ziel soll Cypern sein — Ich will Euch singen eins vom Cyperwein. (Er singt.) Am Himmel blaue, ganz vom Golde Ein Ritter was Herr Sunnenschein, Er sah eine Franc, — schöne holde, Und sprach: willt Du mein Buhle sein. Frau Cypern hieß das schöne Weib Tandaradai! 2 » 20 Sunnenschein pflag Zeitvertreib. Er küßt so unbändig Flammenküsse, Frau Cypern war so duldsam still, Da fühlt sie inwendig — himmlisch süße, Daß drinnen etwas leben will. Wuchs ein Rebstock, ha welch' Wein! — Taudaradai! Heiß wie Vater Sunnenschein! Gleichen (zum Sänger). Sagt, ist der Wein denn dort in Cyperland Verschnitten nicht wie unsre Moselweine.? Minnesänger. Der Katzenjammer ist dort unbekannt, Dieweil wie Nektar das Getränk so reine Mönch (weiterpredigend). O, wenn doch »rein Gebet des Feuer's. Gluth Und meine Worte Lanzcnspitzen hätten! — Es buhlt der frechen Türken Uebermuth In tollen Harems an den heil'gen Stätten, O Sodoma, Gomorrha —- Sünd' und Schand'! Hinaus die Türken aus dem heil'gen Land! Gleichen. O das zerknirscht mich immer mehr und mehr — Ich sitz' hier faul, als ob das gar nichts wär'! Kunigunde. O das muß ja entsetzlich sein, da drauß', ^ Besonders diese Harems sind ein Graus. - '' Minnesänger (leise zum Grafen singend, nur das Tandaradai stärker betonend.) Es rieselt die Welle — Palmen rauschen, Am Himmel blasse Sternleiu steh'u. Wer schleicht zur Stelle? Blicke lauschen, Wie Asiens Nacht so märchenschön. 21 Harems Thür steht offen, Christ — Tandaradai! Wenn das die Frau Christin müßt! Gleichen (zum Sänger). O das ist reizend — ist das Liedlein neu? Kunigunde. Ich könnt' nichts hören, als das Tandaradai. Minnesänger (fortfahrend). Sternlein versteck Dich — darfst's nicht misten, Du könnt'st dem Mond es plaudern zu — Himmel bedeck Dich — kannst Du küssen? Weist Du, was Lieb' ist, Ritter Du? Meeresstille, — Sturmgebraus! Tandaradai! Wieder still, mein Lied ist aus. Gleichen (zum Sänger). O welch' ein allerliebstes Liedelein, Wie Zauber hör' ich's noch im Ohre klingen, Das muß Er mir, wenn wir nachher allein, Bei einem vollen Glas noch einmal singen. Kunigunde. Was soll denn dieses „Tandaradai" bedeuten? Minnesänger. Nur ein Refrain, wie's Brauch bei Sangesleuten. Mönch (die Hände reibend, vertraulich zum Grafen). Nun Graf — was meint Ihr zu dem Kreuzzug — sprecht? Gleichen. Hm, hm, was meinst Du dazu, Kunigunde? Kunigunde. Verzeiht, ein deutsches Weib spricht schlecht und recht Aus freiem Herzen und mit freiem Munde, Warum denn büßen drauß' im fremden Land? Könnt in der Heimath geh'n im Bußgewand; Denn, irrt er dort in fremder Weltenrunde — Hier, ohne ihn, geht das Geschäft zu Grunde. Gleichen (unentschlossen). Recht habt Ihr Alle, Du und diese Beiden — O Gott, wie schwer hält's doch, sich zu entscheiden! Zehnter Auftritt. Die vorigen. Die Geister. (Während die Geister der Weinreisenden sprechen, flieht der Graf von der einen Seite der Scene zur andern. Die Geister ihm nach.) Erster Geist. Herr Graf wir stehen Ihnen zu Befehlen. Zweiter Geist. Hier unser Preiscourant, Sie können wählen. Erster Geist. Das Moselblümchen hier ist superfein. Zweiter Geist. Der Geisenheimer wird Sie auch nicht reu'n. Erster Geist. Und hier der Firma Schmitz und Companie, Ein leichter Rothwein, er ist xroxro erus. Zweiter Geist. Hier, dieser Düffelwein ist etwas plump, Doch geben gern wir einen Ohm auf Pump. 23 Gleichen (auf den Mönch stürzend). Ich zieh' zum heil'gen Land, — Mönch! Deinen Segen! (Der Mönch segnet ihn, der Graf stürzt hinaus.) Kunigunde (ihm nacheilend). O Kuno, laß doch erst uns überlegen! (Der Castellan, der Mönch und der Sänger treten zusammen und sehen sich lange an. Der Teufel erscheint plötzlich in ihrer Mitte. Sie betrachten sich alle vier gegenseitig. Plötzlich brechen Alle in ein schallendes Gelächter aus. Während dessen fällt der Vorhang.) . -. 26 - Wüste Gegend in Palästina. Erster Auftritt. Graf Gleichen. Christian. Christian. Und das hier nennt man das gelobte Land, Da lob' ich mir doch Thüring'n oder Sachsen. Hier ist ja nichts wie Sand und immer Sand, Kein Kohlstrunk könnt' in diesem Boden wachsen. Die Kehle trocken und der Magen leer, Mit jedem Athem zwei Loth Sand im Schlunde, Wer Euch das Land gelobt hat, gnäd'ger Herr, Ich ließ ihn hängen noch zu dieser Stunde. Doch solches Lumpenvolk hat immer Glück — Kein Baum ist hier, den Strick daran zu binden. Gleichen. Mir dünkt noch eins, denn außer Baum und Strick, Wir müßten doch die Kerle selber finden. Christian (boshaft). Der Pfasf, der Bänkelsänger, diese Gäuche, Sie schwatzten uns hinaus in's heil'ge Land, Und pflegen jetzt daheim die faulen Bäuche, 25 Da wir, — Kameelcn gleich — im Wüstensand. Ha, wenn ich denk', auf unsrer eig'nen Burg Sitzt jetzt vielleicht das Pack und schwelgt in Wonnen, Frißt sich durch unsre Speisekammer durch Und säuft im Keller unsre besten Tonnen. Und uns klebt hier die Zunge fest am Gaum, Selbst ein Schluck Wasser ist nur 'n schöner Traum. Gleichen. Still Christian — mäß'ge Deinen Knappenzorn, Hier handelt's sich um's Heil von unsrer Seele, Wir waten hier im ew'gen Gnadcnborn, Und Du denkst immer nur an Bauch und Kehle. Christian. Ach, gnäd'ger Herr, wir waten hier im Sand, Und nirgends hör' ich einen Born sich regend — Und unser Schwitzen hier im Sonnenbrand, Es ist das einz'ge Naß in dieser Gegend. Gleichen. So geh' und schau, ob findbar nicht ein Quell — Ich werd' erwarten Dich an dieser Stell'. Christian. Ach, während heim des Rheinweins Quellen fließen, Hier selbst nach lump'gem Wasser suchen müssen! (Christian ab.) Gleichen (allein). Der Knapp' hat Recht — und könnt' an's Fell ich Euch^ Ihr, Mönch und Sänger, solltet an mich denken — Doch jetzo geht's uns hier an's eigne Zeug — Wer grübelt da, wie and're Leut' zu henken! Nur Muth, was ist ein echter Rittersmann, Der lebt in Saus und Braus bei guten Tagen, Sitzt man im Keller, frisch an's Spundloch, dann Mag's stromweis fließen durch den durst'gen Kragen, Doch gilts — dann auch im trocknen Wüstensand, Die Stirne hoch und kampfbereit die Hand! 26 Zweiter Auftritt- Der Vorige. Scheich Ibrahim. Fünf Türken. Ibrahim. Allah ist groß — gib Dich gefangen Christ, Sonst rollt Dein Kopf sogleich zu Deinen Füßen. Gleichen stein Schwert ziehend). Holt Euch den Kopf, wenn Euch danach gelüst't, Und sagt Eurem Allah — ich laß ihn grüßen. (Die Türken dringen auf ihn ein. Graf Gleichen durchbohrt einen von ihnen, die Andern weichen zurück.) Gleichen. Der kann sogleich bestellen meine Grüß'! Ibrahim (zu den Türken). Feiglinge! denkt Ihr nicht an's Paradies? Allwo neuntausend Houris jedem blühen? (Die Türken dringen wieder auf ihn ein, ein zweiter Türke fällt, die andern weichen wieder zurück.) Gleichen. Der kann gleich die Neuntausend-Eh' vollziehen. Ibrahim. Drauf los, sonst kriegt Ihr All' die Bastonade! Erster Türke. Ja der durchschlägt einem stets die Parade. Zweiter Türke. Laßt uns etwas verschnaufen, edler Scheich. Ibrahim. Ja, aber dann drauf los, das rath' ich Euch! Gleichen (sein Schwert hoch erhebend). Ha! sinkt Euch schon der Mnth, elende Prahler? Dritter Auftritt. Die Vorigen. Die beiden Geister der Weinreisenden mit dem Kopf unterm Arm von hinten an den Grafen herantretend. i Erster Geist. Wir haben hier ein Pröbchen Affenthaler. Zweiter Geist. Der Rüdesheimer hier ist etwas schwer — Erster Geist. Doch nicht geschmiert auf mein xarols ä'bonnour. Zweiter Geist. Was meinen Sie zu dem Bernkastler Dom? Erster Geist. Sehr wohlfeil ist er in der halben Ohm. Zweiter Geist. Auch guten Cyperwein führt unser Haus. Gleichen (der während der ganzen Scene gezittert hat). O weh mir, dreimal weh — mit mir ist's aus. (Er läßt sein Schwert fallen und bedeckt das Gesicht mit den Händen. Die Geister verschwinden.) Ibrahim. Ha! seht! das Schwert ist ihm entfallen, seht! Erster Türke. Allah ist groß und Mohamed sein Prophet! Zweiter Türke (den Säbel schwingend). Jetzt wächst mir plötzlich wieder hoch mein Muth. Dritter Türke (ebenso). Ich zapf ihm ab sein schlechtes Christenblut. 28 Ibrahim. Nein, nehmt den Christ gefangen mir lebendig, Er sei mein Sclav' in dieser Welt elendig. (Die Türken binden ihn und führen ihn ab.) Vierter Auftritt. Christian (zurückkehrend). Erster Türke. Christian. Kein Tümpel weit und breit, nicht eine Pfütz! Ich glaub' so trocken ist's nicht in der Hölle. Doch wo ist denn der Graf? Donner und Blitz, Er wollt' doch warten hier an dieser Stelle! O Gott! — wo mag er hingerathen sein In diesem trocknen Gottverfluchten Sande, Und ich bin hungrig, durstig und allein — Das hat man vom gelobten heil'gen Lande! (Er stößt einen langen Seufzer aus und setzt sich nieder.) Erster Türke (zurückkehrend). Scheich Ibrahim hat's Taschentuch vergessen. — Ha! wiederum ein Christenhund ist da. (Christian betrachtend) Schaut, wie der And're, lang nicht so vermessen. — Sitzt wie ein Klumpen dickes Elend da, Leicht muß die Arbeit sein mit solchem Tropf, Ich greif' ihn an — he Christenhund — Dein Kopf! Christian (aufspringend und das Schwert ziehend). Auch das noch — hol's der Henker, fechten sollen, Wenn schier vor Durst die Kehle zugeschwollen! Erster Türke. Allah ist groß und Mohamed sein Prophete! (Er dringt auf Christian ein.) 29 Christian. Zehn Schritt vom Leib, verfluchte Türkenkröte! (Sie fechten.) Türke (während eine Pause im Gefecht eintritt). Er wird schon mürb, noch etwas Fechterei, Dann hau ich mitten ihm den Wanst entzwei. Christian. Ach brächt' der Teusel nur, um mich zu stärken, Mir einen einz'gen, lump'gen Schoppen Wein — Ich glaub' mit diesem magern Kümmeltürken Würd' ich in zwei Sccunden fertig fein. Fünfter Auftritt. Trnfet. Christian. Teufel (erscheint mit einer Kanne und einem Becher). Hier ist ein Wein, man schnalzt darnach die Zungen, Credenz' ihn gern so einem lieben Jungen. (Christian betrachtet den Teufel mißtrauisch von oben bis unten, dann bekreuzt er sich und nimmt den Becher.) Christian (indem er trinkt.) O dieser Wein! noch nie trank ich solch' Schöppchen/ Man sagt umsonst nicht: „Teufel, welch' ein Tröppchen." Er fährt durch's Blut wie Lebenselirir — (Mit einem zweiten mißtrauischen Blick auf den Teufel.) Wer Du auch sein magst — doch ich danke Dir! So jetzt kann's wieder losgch'n, Türke her! (Sie fechten, der Türke fällt) Da liegt er schon im Sand und zappst nicht mehr. Teufet. Bravo, bravo, Ihr seid ein wackrer Degen. Christian (wieder mit mißtrauischem Blick.) Hm, bin um Lob von Euch nicht grad' verlegen! 30 Trust!. Auch nicht um Dank für meinen guten Trunk? Christian. Ich dankt' Euch schon, mich dünkt, das ist genung. Trustt. Ist nicht ein Becher noch gefällig — was? Christian. 'S war' allerdings gesund wohl für den Magen. Trustt. Da nehmt zugleich die Kanne mit dem Glas. Christian. Nun — höflich ist der Kerl, das muß ich sagen, Gebt her — 's ist wirklich eine seltne Marke. Trust!. Und Freundchen, eine seltne Kanne auch, Der Schlucke' noch so viel und noch so starke, Aufs Neue füllt sich stets der runde Bauch. Christian. Hurrah! das wäre ja der Kannen Kanne, So 'n Trinkzeug wünscht' ich jedem braven Manne! Trustt. Habt nur Vertrau'n — ich meines nicht schlecht mit Euch Und hört, wie's Eurem gnäd'gen Herrn ergangen. Die Völker Jbrahim's des großen Scheich, Sie haben just das Gräflein weggefangen. Nun muß er dort als Sclave, zweifelsohne Mit Hack' und Spaten leisten bittre Frohne. Christian (weinend). Mein armer Herr — welch' Elend riesengroß, Die Grafenhand soll mit dem Spaten wirken, Gewohnt an Kampf und Bechcrheben bloß Und noch dazu bei einem Kümmeltürken! 31 Teufel. Na, wegaewischt von seiner Stirn die Sorg' — Des Türken Kind hat Augen wie Gazellen, Ein Graf hat immer Glück in Lieb' und Borg Und junge Brunst lernt schnell das Vaterprellen. Bring gleich den Weinkrug dem gefangnen Mann, Den Kopf des Scheich's gilt's duselnd zu berücken. Denn leicht empfänglich, trotz dem Alkoran, Ist auch 'ne Türkenkehle guten Schlücken. Sodann zeug' eilig hin gen Joppe's Küst', Ein schnelles Schifflein rüste aus im Hafen, Denn schleun'ge Hochzeitsreise rathsam ist, Eh' Schwiegervater noch den Rausch verschlafen. Christian tganz gerührt). Hört, ich Hab' wohl 'ne Ahnung, wer Ihr seid, Und schlimm ist oft, sich mit Euch einzulassen, Doch glaub' ich, Unrecht thun Euch doch die Leut', In so gar schlimmen Leumund Euch zu fassen. Im Herzen seid Ihr, glaub' ich, nicht so schlecht, Vielleicht hat schlechter Umgang Euch verdorben, Da ist denn das Gefühl für Pflicht und Recht, Wie das zu gehn pflegt, immer mehr erstorben. Ich glaub', ein einz'ger wackerer Entschluß Der könnt' Euch gleich auf bess're Wege bringen, Könnt' lustig leben ja, im Ueberfluß, Ihr seid ja reich, und flott den Becher schwingen. Doch wozu nützt denn all' der and're Kram, Wozu auf solch' verboi'nes Zeug sich steifen, Ich glaub', seid Ihr mal erst Halbwege zahm, Ihr könnt' dann selbst Euch selbst nicht mehr begreifei Am besten wäsis, Ihr nähmt ein braves Weib, Und hörtet auf Eu'r stänkernd Weltdurchwandern — Denn wer zu Haus hat Glück und Zeitvertreib, Der gönnt zumeist auch Glück und Ruh' den Andern. Und nun adjes, ich dank' Euch heut' am Tag, Das sag' ich frei heraus und ohne Schwanken, Und was ich Euch gesagt, denkt drüber nach, Ihr werdet's mir vielleicht in Zukunft danken! (Christian ab.) 32 Trufrl (allein). Wie bildet sich der Mensch die Götter ein, Doch stets nach seines Jch's tiefinnerm Wesen, Ein guter Kerl, denkt der da, müßt ich sein, Weil ich gewillt, den Herrn ihm zu erlösen. Und ist's nicht wirklich eine gut? That? Ja, wenn die Münze keine Kehrseit' hätte, Zwei Königinnen in dem einen Staat, Der Weiber zwei und nur ein Ehebette! Denn von den Weltskandalen allesammt, Die auf mein Höllenreich zurück zu deuten Doch keiner so direkt vom Teufel stammt, Als häuslicher Skandal bei Eheleuten. Nun will ich schau'n doch durch mein Opernglas Ein wenig weltenübcr in die Weiten, Wie Sänger, Mönch und Castellan sich baß Auf unsres Gräfleins Rückkehr vorbereiten. (Cr sieht mit dem Fernrohr nach rückwärts. Der Hintergrund geht in die Höhe und man sieht das gräfliche Schloß. Rechts ein Faß auf dem rittlings der Mönch sitzt, der Sänger daneben auf dem Boden liegend, beide schwer betrunken. Links die Gräfin, die mit stolzer Haltung den ebenfalls betrunkenen Castellan von sich abwehrt. Während dieses lebenden Bildes fällt der Vorhang.) Dritter Auszug. Die Scene stellt eine ländliche Besitzung in einem Garten dar. Rechts ein Haus mit einem Schilde, worauf: „Harem Sr. Excellenz des Scheichs Ibrahim," geschrieben steht. Neben der Thür stehen die Worte: „Verbotener Eingang." — Graf Gleichen im Sclavenkleide an der Arbeit. Erster Auftritt. Graf Gleichen (allein). Oft setzt' ich ein im Kampfgewühle heiß Des Körpers allerletzte Kraft, zu siegen, Jetzt lern' ich einer andern Arbeit Schweiß, Ich bin ein Mann und Christ und will mich fügen. Doch ach, durch meines Herzens Mitte geht Ein tiefer Riß, ich weiß nicht, wie zu heilen, Die Hälfte sehnsuchtsvoll nach Hause weht, (mit einem Blick auf den Harem) Die Hälfte will hier liebfchmachtend weilen. Dort harrend meiner von der Thurmwart Höh'n Hinab in's Thal zwei blaue Auge lauschen, Zwei schwarze Augen hier, die märchenschön, Im Palmenschatten Liebesblicke tauschen. Dort harrt vergebens Liebe Stund' um Stund', Hier will die Lieb' auf meine Rettung sinnen, Halb mich zurück Dir bringen Kunigund, Und als der Rettung Preis mich halb gewinnen. 3 34 O daß dem falschen Troubadour mein Ohr, So süß umgaukelt, gierig lauschen müssen, Jetzt steh' ich da vor Doppelglückes Thor, Zwiefach elend, und mitten durchgerissen! Zweiter Austritt. Graf. Christian. Christian (mit der Kanne). Da ist er ja, mein lieber, guter Herr, Mein zuckersüßer Graf — o laßt Euch sagen — Vor lauter Freude kenn' ich mich nicht mehr, Möcht' wie ein Büblein Purzelbäume schlagen! Gleichen. Was, ist das Christian, täuscht mich mein Gesicht? Wer führt Dich her, sag an, wie das geschehen? Christian. Ach, gnäd'ger Herr, sprecht davon lieber nicht, s' war einer — nun — Hab' schlecht're schon gesehen. Doch was? Ihr arbeitet im Sclavenkleid? O, könnt ich an den Hals den Muselmanne! Doch Herr, ich bring' Euch gute Neuigkeit, Vor allen Dingen eine volle Kanne. Erst stärkt Euch selbst, so viel Ihr wollt, am Wein, Die Kanne wird nie leer, ein selten Stücke. Dann sollt Ihr seifen Euren Türken ein, Daß er nicht weiß, ob Turban, ob Perrücke. Wenn er da liegt dann wie ein nasser Sack Vor Morgengrau'n erwachend keines Falles, Dann macht Euch schleunigst fort mit Sack und Pack, Und Eurem Dirnlein, o, ich weiß schon Alles. Ich will, ein Schiff zu suchen, jetzt nach Joppe gehn. Doch eins beherzigt, und dann Gott befohlen, Nur nicht geschäkert; denn wer küßt, bleibt stehn, 35 Und wer steh'n bleibt, ist unschwer einzuholen, Könnt's ja nachher, so viel Ihr wollt, an Bord. Gleichen. Hör' mich, mein Dank ist ewig Dir verpfändet, Doch eh' Du gehst, ein einzig offen Wort, Sag' Christian mir, wer hat Dich hergesendet? Christian (im Weggehn). Hm, Herr, viel wissen Kopfweh machen thut, Und schlimm war jetzt, wo's Handeln gilt, Migräne. Wer fragt woher der Wein, wenn er nur gut, Geschenktem Gaul sieht man nicht in die Zähne. (Christian ab.) Dritter Auftritt. Graf Gleichen. Zulrika (erscheint am Fenster des Harems). Gleichen. Zuleika Du? Als säh' ich Kunigund, So heimelt's mir aus Deinem Anblick nieder, Und denk ich ihrer — auf Gedankens Grund Seh' ich Zuleika's holdes Bildniß wieder. Zuleika. Und schau' ich, Christ, in Deinen Augenstern, Der Zukunft spiegelnd Bild seh' ich darinnen, In Glück und Eintracht um den einen Herrn Die blonde und die dunkle Gattin minnen. Gleichen (melodramatisch). Ein Ritter zog in's heil'ge Land, Weil so sündliche Brut in der Seele, Der Ritter schmachtet im Wüstensand, Nicht gebrach's ihm an Muth in der Seele. Der Ritter fiel in Feind's Gewalt, Er bekämpfte die Wuth in der Seele; Zwei Augen haben ihn angestrahlt, O, es kocht ihm, wie Gluth in der Seele! 3 * 36 Die Augen war'n so wunderhold, And die Maid war so gut in der Seele! Verachtet Vaters irdisch Gold, Denn das Gold ihr ja ruht in der Seele! Den Ritter küßt ein rothcr Mund, Hah, wie schwoll ihm die Fluth in der Seele! Doch sieht er in der Seele Grund, Zwei Augen heim sich weinen wund, Das stießt ihm wie Blut in der Seele. Zuleika (melodramatisch). Wie sich mit Schiras Rosen ja, So minnig Bülbülls Sang vermählt, Wie sie ihn alle kosen ja, Von seinem Lied so bang beseelt, Wie Well'n die leise», losen ja, Ein einz'ger Zephir fein erregt, Wie Meeresfluthen tosen ja, Wenn sie ein Sturm allein bewegt. Wie viele Blumen kränzen ja, Ein einzig Haupt, das theucr ist, Wie viele Sterne glänzen ja, Um die ein Sonnenfeuer stießt — Wie Töne sich ergänzen ja, Wenn Sang von einer Leyer fließt. Was willst Du Christ begrenzen da, Wenn Dein die Liebe Zweier ist. Gleichen. Dein Liebeswort, Zuleika, habe Dank, Verscheucht aus meiner Brust des Zweifels Geister, In dieser Kanne fließt ein Zaubertrank, Er wird noch heut' des strengen Vaters Meister. „Kun'gund-Zuleika!" heißt mein Losungswort. Wenn es Dein lauschend Ohr heut' Nacht vernommen, Dann komm' herunter, — sicher ist der Ort. Zuleika. Still, still, ich hör' des Vaters Schritte kommen. (Zuleika verschwindet. Scheich Ibrahim tritt auf.) d» , — 37 — Vierter Auftritt. Graf Gleichen. Zchrich Ibrahim. Ibrahim. Wie schön, hat man die Türkenpflicht erfüllt, Dreimal gen Mekka hin den Leib gebogen, Hat dreimal laut „Allah ist groß!" gebrüllt, Hat seine Abwaschungen prompt vollzogen; Wie schön, kommt man des Abends dann nach Hans, Ein Stündchen auf und ab im Harem wandern. Man sucht sich für den Dienst was Nettes aus, Und schäkert auch ein wenig mit den Andern. Doch weiß ich nicht, wie's kommt, es fehlt mir was, Es ist mir hier im Kehlkopf gar so trocken, Kein Derwisch weiß mir ein Recept für das. Ich glaub' beinah, ich Hab' im Hals die Pocken. Etlichen. Ihr seid mein Feind, Herr Scheich, doch weiß ich auch, Ein Christ muß immer seinem Feind vergeben, Ein Tränklein fließt in dieser Kanne Bauch, Für trock'nen Hals das richt'ge Mittel eben. Ibrahim. Laß seh'n, das ist doch nicht, Allah verzeih', Ich will's bei seinem Alkoran nicht hoffen, Das ist doch nicht, Mohamed steh mir bei! Der Trank, der bei Euch Christen wird gesoffen? Gleichen. Nun, ist das Tränklein nicht nach Euerer Art, Es zwingt Euch Niemand von ihm zu genießen. Ibrahim. Nicht also Christ, bei des Propheten Bart, Ich will, was dieser Kanne Inhalt, wissen. Gleichen. Nun so versucht's doch mit 'nem tücht'gen Zug. — :;8 — Ibrahim. Was ist darin? Sprich wahr, bei Deinem Leben. Gleichen. Ein Christenritter scheuet Lug und Trug, Es ist vom allerbesten Saft der Reben. Ibrahim. Was? — Das Getränk ist Christenwein? Gleichen. Nun ja, Ihr klagtet doch, des trocknen Halses wegen. Ibrahim. Das allerdings, als Medicin etwa Hat Mohamed vielleicht doch nichts dagegen. (Ibrahim erst versuchend, dann in langen Zügen trinkend.) Ha, welch gewaltig', sprühend Leben fleußt Mir durch den Hals wie Fcuerströme nieder, Ha, wie im Leib die Ringelwelle kreist Und strömt von da in Brust und Blut und Glieder, Und jetzt steigt's, wie Raketen in die Höh', Es tanzen Geister mir im Kopf den Reigen, Schon unterm Turban wogt's wie hohe See Und mehr und mehr der Geister aufwärts steigen. Und jetzt geh'n plötzlich mir die Augen auf. Mir ist, als wollt die Welt in eins zerfließen, Das ist das Paradies, ich wette drauf, Neuntausend Houris seh' ich lächelnd grüßen. Sie schweben auf mich zu, umringen mich, Ha, wie sie näher, immer näher wehen, Breiten die Arme aus, umschlingen mich, — Und jetzt — auf einmal gar nichts mehr zu sehen! (Er sinkt taumelnd nieder.) Gleichen. Er hat genug und ist halbtodt besoffen. Nun schnell der Lieb' und Freiheit Losungswort! > 39 „Kun'gund-Zuleika!" ha, die Welt steht offen, Der Rettung Segel schwillt in Joppe's Port. Zuleika (aus dem Harem tretend). Den Würfel warf des Fatums mächt'ge Hand, Flieh'n wir, eh' noch verbleicht der Sterne Schimmer. (Zum Himmel schauend) Euch feh' ich wieder in dem fremden Land, (um sich blickend) Lulom glkikum Asien Dir auf immer! (Graf und Zuleika ab.) (Das Orchester spielt eine träumerische Melodie.) Fünfter Auftritt. Ibrahim. Zwei Eunuchen (kommen händeringend auf die Bühne gestürzt). Erster Eunuch. O Unglück, he, hallo! — wo ist der Scheich? Zweiter Eunuch. Wer hätt' das von Zuleika denken sollen! Erster Eunuch. Das gibt ein Unglück, sagt' ich damals gleich. Zweiter Eunuch. Ich sagt' es auch, man hat nicht hören wollen! Erster Eunuch. Ich sagte stets, Zuleika ist zu frei. Zweiter Eunuch. Ich auch, doch wozu tauben Ohren pred'gen? Erster Eunuch. Ich sagt' noch jüngst, der Christ ein Spitzbub sei. Zweiter Eunuch. Ich auch, ich sagt's direct dem Herrn, dem gnäd'gen. 40 Erster Eunuch. Wenn das der Scheich erfährt, wie wird's uns gehn? Zweiter Eunuch. Das geht Dich an, Du hattest Haremwache! Erster Eunuch. Nein Dich, Du hattest das Patrouillengehn! Zweiter Eunuch. Du schliefst auf Posten, daran liegt die Sache. Erster Eunuch. Bei des Propheten Bart, das lügst Du Hund. Zweiter Eunuch. Hallunk, ich kann's beim Alkoran beschwören. Erster Eunuch. Ein Schwur von solch' verfluchtem Lügenmund. Zweiter Eunuch. Na wart, Du Hund, ich werd' Dich lügen lehren. (Sie prügeln sich und stolpern über den schlafenden Ibrahim.) Mrahim (sich schlaftrunken erhebend). Ihr süßen Houris — nicht so allzugleich, Komm lieber eine nach der andern leise, Sich so betragen hier im Himmelreich, Ist das anständ'ger Houris Art und Weise? (Er reibt sich die Augen.) Was seh' ich? Ali, Hassan, Ihr wart das? Ihr wart's? zum Himmelhalbmondsdonnerwettern! Und nur ein Traumbild war der ganze Spaß! Und Kopfweh noch dazu zum Wändeklettern! Die beiden Eunuchen (vor Ibrahim knieend und jeder auf den andern weisend). O Herr, der da allein ist Schuld daran, Der Christ ist mit Zuleika durchgegangcn. 41 Ibrahim (wüthend). Potz Türkenzakarament und Alkoran, Holt einen Strick, Ihr sollt mir Beide hangen! Dort an der Dattelpalme häng' ich Euch, Schnell einen Strick herbei Ihr Schurken! (Sich an den Kopf fassend.) O Gott, mein Kopf! — hört bringet mit zugleich Mir aus der Küche ein paar sauere Gurken! Erster Eunuch. Laß hängen sich, wer will, ich thu' nicht mit! Zweiter Eunuch. Mir ist mein Hals nöthig zu andern Dingen! (Die beiden Eunuchen entwischen.) Ibrahim. Halt, halt, Ihr Schurken, weiter keinen Schritt — Mein Kopf, mein Kopf, mein Kopf will mir zerspringen. Zuleika Dich und Dich Du Christenhund In einem Sack ersäufe ich Euch Beide, O hält' ich einen Häring, mir geht's rund, Mir dreh'n sich um im Leib die Eingeweide! Und weit und breit kein Doctor, kein Chirurg, Um diesen grausen Jammer wegzuputzen, Wie wär's ich prügelt' meinen Harem durch, Vielleicht das Mittelchen könnt' mir was nutzen! (Er nimmt einen Kantschu und stürzt in seinen Harem. Drinnen wilder Lärm, und gleich darauf stürzt ein Haufe schreiender Türkinnen heraus. Der Scheich mit dem Kantschu hinterher. Während dieser Scene fällt der Vorhang.) In der Burg des Grasen van Gleichen. Erster Austritt. CastrUan. Kunigunde (zurückweichend vor dem Castellan, der in kostbaren Kleidern vor ihr steht). CastrUan. Beugt, Gräfin, endlich Euren stolzen Sinn. Kunigunde. Elender Knecht — zurück in Deine Grenzen! CastrUan. O grenzenlos, Kun'gund', glüht meine Minn! Kunigunde. Laß' glüh'n im Dorf sie bei den Kirmestänzen! CastrUan. Was — Ihr das mir? — wißt — mein ist jetzt die Macht. Kunigunde. Der Esel will im Löwenfelle prangen. Castrtlmr. Frau Gräfin, — Gräfin — nehmet Euch in Acht! Kunigunde. Doch ficht die Eselsohren man, die langen. Castellan. O prahlt nicht so in stolzer Herrlichkeit, Wer seid Ihr denn! — nur noch der Burgfrau Schatten, Kein Diener horcht dem Wort mehr, das Ihr beut, Seit man erfuhr den Tod des stolzen Gatten. Kunigunde. Wer, Schurke, hat die Lügenpost gesandt? Der Mönch und Sänger waren Deine Boten. Logen den Grafen erst in's heil'ge Land, Und möchten lügen ihn jetzt zu den Todten. Lastrttan. Mein Herz, — je stolzer Ihr es weist zurück, Je wilder drin die Gier, Euch zu besitzen. Mein ist die Macht, mein ist der Augenblick Und mein der Wille, Beide zu benützen. (Er dringt auf Kunigunde ein, sie weicht bis an's Fenster zurück und richtet sich stolz auf. Es ertönt ein Trompetenstoß.) C asielllM (für sich). Ha, wohl ein Nachbar zum Besuch aufs Schloß, Kann mit dem Mönch und mit dem Sänger zechen. Gut, daß bestellt' ich unten bei dem Troß, Ich sei für Niemanden jetzund zu sprechen. Nun vorwärts denn, und komm, was kommen mag! (Laut) Sei mein freiwillig, stolze Kunigunde, Sonst warst Du mein, eh' noch der letzte Schlag Der Thurmuhr schlug die gegenwärt'ge Stunde. (Der Graf erscheint mit Zuleika unbemerkt.) 44 Zweiter Auftritt. Graf Gleiche». Kunigunde. Zulrika. Castellan. Kunigunde (zum Fenster hinausweisend). Durch einen Sprung in jene Tiefe da Fall zehnmal lieber ich dem Tod zum Raube, Eh' Esel, Deinem brünstigen Ja Ich nur den Hauch in's Antlitz mir erlaube. CasteUan (der auf sie zuspringen will). Nun, stolzes Weib, dann ist's um Dich gethan, Auf Schloßhofs Pflasterstein Dein Leib zerschelle! Gleichen (den Castellan von hinten erfassend). Willst Du nicht selbst versuchen, Castellan, Des Schloßhof's Pflaster an dem eig'nen Felle? (Er wirft ihn aus dem Fenster.) Kunigunde (sich dem Grafen an die Brust werfend). Mein Held, mein Herr, mein Mann, mein Liebster, Du? Ein Engel hat Dich mir zurückgetragen. Gleichen. Mein Schatz, mein Weib, mein Heldenweib dazu, Ich fühl' Dein treues Herze wieder schlagen. Kunigunde. Wie dacht' ich Dein so stets bei Tag und Nacht, Bei Sonnenschein und bei der Stern Gefunkel, Hab' ich geweint, gebetet und gewacht; Doch wer ist dort das Weib so fremdlich dunkel? Gleichen. Hm — sprachst Du eben nicht: zur rechten Stund' Hab' mich ein Engel Dir gebracht zurücke? Zulrika. Lalom alsikum, deutsches Weib, so blund, O, laß mich schau'n in Deine blauen Blicke! 45 Dritter Auftritt. Dir Vorigen. Christian. Christian (händeringend hereinstürzend). O Unglück, über Unglück, gnäd'ger Herr — Leer sind sie, wie die ausgebrannten Krater. Gleichen. Du sprichst in Räthseln, Christian, wer ist leer? Christian. Sind beide leer, hilf Du himmlischer Vater! Im heil'gcn Land träumt' ich doch Tag und Nacht Von nichts als dieses Schlosses Speisekammer Und von des Keller's tonnenreicher Pracht, Nun find' ich beide leergemaust — o Jammer! Und Jene, die uns eingebrockt den Spaß, Den Mönch und Sänger fand ich schwer betrunken Im Keller bei dem allerletzten Faß, Ein lustig Liedlein singend, die Hallunken! Kunigunde. Ja, Kuno, Sänger, Mönch und Castellan, Sie haben hier die Völker aufgewiegelt, Haben Dich todtgesagt, Du lieber Mann, Und Küch'- und Kellerthüren frech entriegelt! Gleichen. Ha! büßen soll das Pack, was es gethan, Stehn ohnedies schon tief in meiner Kreiden. Christian. Schaut, da kommt Mönch und Sänger just heran, O Herr, nur nicht geschont die lump'gen Beiden! 46 Vierter Auftritt. Die Vorigen. Mönch und Bänger (schwer betrunken, Arm in Arm und abwechselnd singend). Mönch und Sänger. Bis an die Ohren sand'ge Wüste, Prosit Herr Graf am Libanon, Du hast es geschworen, frommer Christe, Im Himmel oben sei Dein Lohn, Wir trinken Deine Fässer aus Tandaradai! Hoch unser liebes Grafenhaus! Gleichen (vortretend). Ihr habt in's heil'ge Land mich tandaradait Ich will Euch etwas wieder tandaradaien! (Er sticht Beide nieder.) Schaff' Christian dieses saub're Paar auf Seit', Wird sich nicht mehr an meinem Keller freuen. Christian (indem er die beiden Leichen hinausbringt). Ha, Lumpenvolk, da ist Euch recht gescheh'n, Jetzt will ich gleich in Küch' und Keller drüben Ein wenig nach den schäb'gen Resten seh'n, Die noch vielleicht im Nest zurückgeblieben. Gleichen. Doch jetzt, o weh, der kritische Moment, O wenn mein Mund die richt'gen Worte fänd! Luleika. Was Du nicht sagen kannst, o laß mich's singen, Denn tiefer kann Gesang als Worte dringen. (Melodramatisch) Zum heil'gen Land ein Ritter sollst Erwerben Himmclsgnaden hehr, Manch' edler Lanzensplitter rollt An Asiens Gestaden her. Des Fatum's Hand so bitter wollt' 47 In Elend tief verderben ihn, Da hört beim Klang der Zither hold Er eine Maid umwerben ihn. Sie ließ des Palmenthales Grün, Wo sie vom Glanz umbettet war, Gab Eltern, Heimath, Alles hin, Damit ihr Christ gerettet war. Die Lieb' nimmt ohne Wahl es hin, Was tief im Herzen glüht vor ihr Am Grund des Rittersaales hin, Die das gethan, sie kniet vor Dir. (Sie finkt vor Kunigunde auf die Kniee) Des Ritters Herz ist weit und ach, Zwei Herzen haben Raum darin, Werden sich lieben beid' und ach, Sie thun's schon, da sie kaum darin. Sie liegen Seit' an Seit' und ach, Zerwachsen, daß kein Saum darin Und theilen Freud' und Leid, und ach, Sie träumen schönsten Traum darin. Fünfter Auftritt. Nie Vorigen. Nrr Teufel. (Kunigunde hält das Taschentuch vor die Augen und weint. Der Teufel erscheint horchend hinter einem Ofenschirm.) Teufel. Zu viel des Sentiments wird hier verwandt, Da muß ich etwas näher steh'n und lauschen. Was ich so schön geplant aus langer Hand, In ein Paar dummen Thränen sollt's verrauschen? Kunigunde (am Fenster stehend). Das Weiberherz, es ist kein Wanderzelt, Wo's einmal Wurzel schlug, will's ewig wohnen. Und fein Scholle ist ihm seine Welt, Da will es ewig dienen, ewig thronen. 48 Da ist es Magd und Königin zugleich Und Recht und Pflicht sind dort verschwistert enge Und einig, ganz, untheilbar ist dies Reich, So weit der deutschen Zunge Hcimathklänge. Doch weitert sich mein Blick, — fern über'm Meer, Seh' ich im heißen Sand Gebeine bleichen. Die Karavane zieht darüber her, Das war dereinst der mächt'ge Gras von Gleichen. (Aus dem Fenster hinabweisend) Und schau' ich in die Tiefe hier hinab, — Zerschmettert liegt ein Weib am kalten Grunde, Das, weichend vor der Schmach, den Tod sich gab; O Wandrer steh', — hier ruht Frau Kunigunde! (Zuleika die Hand auf die Schulter legend und ihr in die Augen sehend.) Es lagen schon im Grab Lieb, Leben, Glück, Und noch im Tod getrennt durch tausend Meilen, Was ich verlor, Du bringst es mir zurück, Was Du zurückgebracht, komm laß theilen! (Sie zieht Zuleika an die Brust. Der Graf betrachtet sie gerührt.) Teufel. Ha — macht' vor Scham gleich werden ein Trappist! Der Teufel, Autor einer Rührcomödie! Geprellt durch seine eigne Höllenlist! Doch halt — es werde doch noch zur Tragödie. Doch was — mit diesem Personale da? So zahme Burgfrau'n, Türkinnen und Ritter, Die besten äig-dolos ex inaobma Die hol' ich jetzt — es sind die Schwiegermütter. (Teufel ab.) Gleichen (weinend.) O wie die Thränen kitzeln mir den Bart, Solch' liebe Frauen hat's noch nie gegeben, Zwei beide von der allerbesten Art, Und Jede doch was ganz Apartes eben. Das gibt einmal ein Leben auf der Burg Hier links die dunkle, rechts die Sonnenblunde! 49 Bei Gott, Fortuna geht jetzt mit mir durch, Nachdem sie mir gezürnt so manche Stunde. Doch, vorzubeugeu allem künftigen Weh', Will gleich kanonischen Dispens besorgen, Ein Bischof weilet hier grad' in der Näh' Und so etwas doch lieber heut', als morgen. (Gleichen ab. Die beiden Damen setzen sich auf einen Divan und plaudern.) Sechster Auftritt. Oie vorigen. Oer Teufel (erscheint, an jedem Arm eine Schwiegermutter). Teufet. So meine Damen, wir sind arrivirt, Verhaltungsregeln brauch ich nicht zu geben, Sie wissen mehr als ich, was hier gebührt, Und wie die Ding' in's richt'ae Gleis zu heben. (Teufel ab.) Irmrntraut (Roxane durch eine Lorgnette betrachtend). Was hat denn dies zigeunerhafte Weib In meines Schwiegersohnes Schloß zu suchen? Norane (Jrmentraut von der Seite betrachtend). Sieht aus, als wollte sie zum Zeitvertreib Hier den Verbrauch von Schmalz und Eiern buchen. Irmrntraut (Kunigunde gewahrend). Da ist mein Kind, ja, meine Kunigund', O Du Verrath'ne, ärmste aller Frauen. (Umarmt sie.) Norane (Zuleika gewahrend). Zuleikchen Du? — sag' bist Du noch gesund? Ich komm' nach Ordnung hier im Haus zu schauen. (Umarmt sie.). Irmrntraut (Zuleika gewahrend, zu Kunigund e). Das ist wohl die verworfne Creatur, Um die Du armes Kind so viel gelitten? 4 50 Noranr (zu Zuleika). Auf einem, rath' ich Dir, bestehe nur, Die Kinder werden alle Moslemiten. Irmrntraut (auf Roxane deutend). Und das die saubre Schwiegermutter wohl, die traun Ihr Kind verschachert hat für was an Baarem? Rorane (zu Zuleika). Zuleika, sag', sind diese beiden Fraun Nicht auch aus meines Schwiegersohnes Harem? Irmrntraut (zu Kunigunde). Nein, Kind, nein, was zu viel ist, ist zu viel, Du wirst den Schimpf doch nicht geduldig tragen? Am leichtesten kommst Du wohl noch zum Ziel Durch recht viel Thräncn, Seufzer, lautes Klagen. Auch eine Ohnmacht ist von Zeit zu Zeit Recht vortheilhast in solchen Ehesachen, Versäum' vor Allem nie Gelegenheit Zu einem eklatanten Scenemachen. Rorane (zu Zuleika, auf Kunigunde deutend). Hör' mich, Zuleika, schön ist jenes Weib, Sie ist gewiß Dich zu verdrängen lüstern. Versäum' nie bei der Kosung Zeitvertreib Ein Wort ihm über sie in's Ohr zu flüstern. Denn Du bist jünger, Du bist schöner auch, Mußt Jene baldigst aus dem Sattel heben, Das ist anständ'gen Harems stets der Brauch, Die Jüngste ist die Favoritin eben. Irmrntraut (zu Kunigunde). Dann wirf vor Jenen stets Dich in die Brust, Dein Stolz muß ihnen ihren Standpunkt klären, Ich selbst will geben Dir ein Beispiel just, Wie man mit solchem Volke muß verkehren. (Laut) He! Alte, bring' mir ein Glas Wasser her, 51 Ich bin des Grafenhauses Schwiegermutter, Und Du da — wie Du heißt — ich weiß nicht mehr, Hok mir herauf Obst, Käse, Brod und Butter. Norane. Allah ist groß, und Sclavinnen wir all'. Doch Du sprichst mir, als war' ich die Geringste, Mir kommet zu der zweite Platz im Saal, Weil ich der Schwiegermütter allerjüngste. Der erste Platz kommt meiner Tochter zu, Weil sie die allerjüngste ist der Frauen, Sieh doch in allen noblen Harems zu, Und überall wirst Du dasselbe schauen. Irmrntraut. Hast Du gehört, die Türkendirne dort Soll Dich, die rechte Gattin, überragen, Nun sprich' Du selbst ein echtes Frauenwort, So stolz, wie es die Zunge weiß zu sagen. Kunigunde (zu Noxane). Du irrst, ich war es, die der Duldung Gnad' Aus Mitleid auf Dein Kind ließ überfließen, Ich fürchte fast, aus meiner Großmuth Saat, Des Undanks schwarze Früchte werden sprießen. Norm» (zu Zuleika). Hörst Du, sie will Dich seh'n als Magd im Haus, Als Anhängsel nur so von Gnade wegen. Jetzt sprich ein Wort zur Leber frei heraus, Noch stolzer, wie sie Dir, tritt ihr entgegen. Zuleika. Du klagst Kun'gunde mich des Undanks an, Du solltest mich auf Deinen Knieen loben, Der Sclave meines Vaters war Dein Mann, Ich Hab' ihn erst zu unserm Herrn erhoben. Irmrntraut (zu Kunigunde). Hörst Du, was spricht der frechen Dirne Mund? 4 * — 52 Norane (zu Zuleika). Recht so, Zuleika, nur nicht nachgelassen. Ärmrntraut (zu Kunigunde). Das lassest Du Dir bieten, Kunigund'? Norane. Mußt sie nur immer srisch von Neuem fasten. Kunigunde (zu Zuleika). Ich zeige Dir, wer Herrin hier im Haus. Zuleika (zu Kunigunde). Ich kenn' nur einen Herrn, deß sind wir Beide. Kunigunde. Fort! Türkenweib, aus diesem Christenhaus. Zuleika. Der Türkin Schönheit füllt Dein Herz mit Neide. Drrnentraut (zu Kunigunde). Jetzt komm' zu sichern dieses Haus, mein Kind, Was nur verschließbar, laß uns schließen schnelle, Denn sicher ist nicht Kiste, Truh' noch Spind', Wo solch' ein fremdes Weibervolk zur Stelle. (Jrmentraut mit Kunigunde ab.) Rorane (zu Zuleika). Hast Du gehört? Jetzt schnell nur, schnell hinaus, Die Schlüssel müssen wir entreißen ihnen, Denn wer die Schlüssel hat, der hat das Haus, Da handelt's sich um Herrschen oder Dienen. (Roxane und Zuleika ab.) Siebenter Austritt. Graf Gleichen (mit einem Papier in der Hand). Hurrah, des violetten Herrn Dispens ist hier, Hab' zwar ein hübsches Sümmchen zahlen müssen, 53 Doch kann ich jetzt in Ruhe für und für Am heim'schen Hcerd mein Doppelglück genießen. Zwei Wesen hold umgeben spät und früh Den Mann in Lieb' und Eintracht allerorten, Und bald wird schaukeln er auf jedem Knie Ein schwarzes hier — ein blondes Büblein dorten — (man hört draußen Lärm, er horcht) Was hör' ich, welch' ein tolles Lärmen dort? Es klingt ja, wie von hundertfachen Zungen, Wild, unverständlich drängt sich Wort in Wort Und jedes, wie von gift'gem Dorn durchdrungen! Achter Auftritt. Graf Gleichen. Irmentraut. Norane (in wild verworrenem Disput gefolgt von Kunigunde und Julrika, welche Beide laut schluchzen.) Irmentraut. Die Schlüssel, die Du mir geraubt, heraus! Uorane. Ha, Du willst hier allein im Haus regieren? . Irmentraut. Ich will's, denn ich bin Herrin hier im Haus! Uorane. Still', freches Weib, sonst geht's an's Kehlenschnüren. Gleichen. Still, Ihr da, hier ist Niemand Herr, wie ich, Was stört Ihr hier in meinem Haus den Frieden? Das sieht ja aus, als käm's zu Hieb und Stich, Wer seid Ihr zwei, wer hat Euch herbeschicden? Irmentraut. Mein Schwiegersohn, die Mutter Deiner Frau Befiehlt Dir, dieses Weibsvolk zu vertreiben. 54 Rorane. Wie das so lustig commandirt, schau, schau! Bin Schwiegermutter auch und werde bleiben. Innentraut. Mein Sohn, so hör' doch die Befehle mein, Jag' gleich hinaus des Betlelvolkes Schritte. Rorane. Die Jüngste muß die Favoritin sein, So ist's in allen noblen Harems Sitte. Irmentraut. Die Schlüssel, — o, ich halte mich kaum mehr. Rorane. Nein, ich will halten im Verschluß die Butter. Irnrentrant. Ich bin die Schwiegermutter, Schlüssel her. Rorane. Ich geb' sie nicht, ich bin auch Schwiegermutter. Gleichen. Still' da, Ihr zwei, ein Schloß vor Euern Mund, Ich will in meinem Haus den Frieden haben. Kommt an mein Herz, Zuleika, Kunigund', An Eurer Eintracht will ich mich erlaben. Kunigunde. Mein Gatte, nein, kein liebend Wort von mir, So lang' dies Weib von Dir im Haus gelitten. Zuleika. Und ich verlang': aus ihren Kniecn hier, Soll sie sogleich von mir Verzeihung bitten. Kunigunde. Großmüthig wollt' ich ändernd meine Hand An altehrwürd'ges Rechtsgefüge legen, 55 Doch kaum ging noch der erste Tag in's Land, Da wankt dies Haus schon seinem Sturz entgegen. Ein Weib nur kann an Mannes Seite steh'n, Vor Gott und Recht bin ich hier diese Eine, Du wirst Kun'gunde nicht mehr vor Dir seh'n, So lange sie nicht die einzig, einzig Deine. Armentrant (ihr nachgehend). Recht so, mein Kind, das war ein mnthig Wort, Nichts ist so wirksam, als ein stolzes Truhen. Norane. Allah sei Dank, Znleika, sie sind fort, Jetzt kannst Du gleich den Augenblick benutzen- Zuleika. Ich habe Dich befreit, ich folgte Dir Durch heißen Wüstensand, durch Meereswogen, Ich that noch mehr, an dieser Stelle hier, Hab' ich vor jenem Weib mein Knie gebogen. Als Sclavin nicht bog ich vor ihr mein Knie, Ich wollt ihr meines Herzens Liebe zeigen, Dir will ich Weib und Sclavin sein wie sie, Doch nie mich ihrer stolzen Herrschaft beugen. (Zuleika ab.) Noranr (ihr nachgehend). Bleib doch, Du darfst den Faden nicht verlieren Du mußt ihn jetzt ein wenig caressiren. Neunter Auftritt- Graf Gleichen. Irmentraut. Norane. (Es wird allmählig dunkel.) Gleichen (allein). Es hat ein Zaubermärchen mir geträumt, So schön könnt es kein Troubadour erfinden, Jetzt wach' ich aus, die wilde Woge schäumt, Ter Abgrund gähnt mich an aus tausend Schlünden. 56 Es schwamm so lieblich sich auf glatter See, Zwei Wasserfeen kos'ten mit dem Ritter, Da schnellt das Meer zwei Ungeheu'r zur Höh', Aus seinem Drachengrund — zwei Schwiegermütter. Ach bleichte mein Gebein im Wüstensand! — Jetzt steh' ich da auf ausgangslosen Wegen Was, ach! so schön begonnen Engelshand, Der Teufel mußt' drin seine Eier legen. (Er entkleidet sich und legt sich auf ein Ruhebett.) Wie anders dacht' zu ruh'n ich diese Nacht, Von zwei Paar Armen fühlt' ich mich umschlungen, Von zwei Paar süßen Augen angelacht, Von einer einz'gen Seligkeit durchdrungen. (Schläft ein. Träumerische Melodie. Jrmentraut und Roxane stürzen im Nachtkleide, um ein Betttuch zankend auf die Bühne.) Jrmentraut. Mein Schwiegersohn, schütz' mich vor diesem Weib, Sie will die allerbesten Lacken haben. Norane. Schütz' mich vor der, sie will den alten Leib In einem ganzen Bettzeugwulst begraben. Jrmentraut. Sie hat mit Pfuhl und Strohsack doch genug, Was will denn solches Volk mit guten Leinen? Norane. Mein Schwiegersohn, hier dieses Linnentuch, Sie riß es mir gewaltsam von den Beinen. Gleichen (auffahrend). Was, Heren, die Ihr all mein Glück zerstört, Ihr wollt mir auch den Schlummer noch verjagen? Hinaus, hinaus mit Euch, wo ist mein Schwert? Ich Hab' von Euch heut' grad' genug im Magen! (Er steht auf und greift nach dem Schwert. Jrmentraut und Roxane entfliehen.) Das fehlte noch, das bischen Schlummerruh', 57 Das Einz'ge noch auf Erden, mich zu trösten, Das aus den Wimpern dringt der Seele zu, Das Tröpfchen Lethe woll'n sie mir verpesten. (Er legt sich wieder und schläft ein. Jrmentraut und Roxane kommen wieder hereingestürzt.) Jrmentraut. Mein Sohn, die Nachtruh' stört mir dieses Weib, Sie schnarcht, man kann's im andern Zimmer hören! Norane. Sie weckt' mich mit 'nein Fußtritt vor den Leib, O, ich will dieses Weibsbild Anstand lehren. Gleichen (aufspringend und sein Schwert ergreifend). Verfluchte Heren, fahrt dem Blocksberg zu, Hinaus, Ihr Fleischgeword'nen Höllenstrafen! Ich schwör's, stört Ihr noch einmal meine Ruh', Dies Schwert hier bringt Euch an das ew'ge Schlafen. (Jrmentraut und Roxane entfliehen. Graf Gleichen zum Schwerte, indem er dasselbe neben sich legt) Du sollst mir nicht mehr von der Seite geh'n, Ein Laut noch hier, und Du wirst Arbeit haben, Mir träumte eben noch so wunderschön: Ich lag' zehn Klafter tief im Sand begraben. (Er legt sich wieder hin und schläft ein.) Zehnter Auftritt. Graf Gleichen. Kunigunde und Zulrika (sich umschlungen haltend aus der Thüre links). Zuleika. Dacht' mir's: ein Augenblick mit Dir allein Und klar wird, wie Dein blaues Aug' der Himmel. Kunigunde. Dein Auge blickt so sonnenheiß darein, Scheucht vor sich her der Wolken schwarz Getümmel. Juleika. Die Sonn' hat Flecken, Du hast sie geseh'n, Kunigunde. Du sahst am Himmel Ungewitter dreuen. Zutcika. Wert»' drum doch fromm zu diesem Himmel flehn. Kunigunde. Und ich werd' mich am Sonnenglanz erfreuen. (Auf den schlafenden Grafen zeigend) Wie wird dem wieder lächeln froh die Welt, Sieht er in lieber Eintracht uns zusammen. ZUlrika (Kunigunde umarmend). Sieht er an diesem großen Himmelszelt Bescheiden meine kleine Sonne flammen. Kunigunde. Komm' laß uns treten vor seinem Lager hin, Erwecken ihn mit Lieb- und Friedegrüßen. Zuteika. Laß Brust an Brust uns zwei erwecken ihn, Indem wir seine beiden Augen küssen. Gleichen (erwachend und wild aufspringend). Da sind sie wieder, Schwert thu' Deine Pflicht, — Zurück zur Höll', drauß' Satan Euch entführet, Schon Manchem löscht' ich aus das Lebenslicht, Noch Keinem, dem es so wie Euch gebühret! (Er ersticht Kunigunde und Zuleika) Es ist gescheh'n, sie liegen todt am Grund; Was Hölle, bist so leicht Du zu verletzen? Ich glaubte, solcher Monstre-Doppelmund Müßt' noch im Tod die Zunge greifend wetzen. (Tritt näher) Und Arm in Arm verschlungen diese Zwei, Wie Freundinnen, vom Tod ereilt, zu schauen. (Er beugt sich über die Leichen, plötzlich wild auffahrend.) 59 O Gott im Himmel, steh' mir gnädig bei, Ich Hab ermordet meine beiden Frauen! (Nach einer langen verzweifelten Pause.) Da steh' ich nun, die Hand befleckt mit Blut, Am Grab des Glücks, das ich mir selbst gegraben, Ich, dem der Welten zwei ihr schönstes Gut, Die edelsten all ihrer Perlen gaben. Der deutschen Lilien keuscheste wuchs hier Und Schiras schönste Rose glüht daneben, In keinem Garten küßt je ein Zephyr Mit einem Hauch zwei solche Blumenleben. Der goldne Becher schwoll bis an den Rand, War's Cypern's Feu'r, waren's Altrheinlands Gluthen?' Ich hielt den Becher zitternd in der Hand Und sah' den Trank zu meinen Lippen fluten. Zertreten ist das edle Perlenpaar, Die Ros', die Lilie hat ein Sturm geknicket, Der Becher, der an meinen Lippen war, In Scherben liegt er vor mir da zerstücket. (Zu seinem Schwert) Du guter Stahl hast wacker ausgefegt, Nun noch die letzte Arbeit alter Degen, Wohin Du Deines Ritters Glück gelegt, Dahin sollst Du jetzt Deinen Ritter legen. (Er will sich erstechen, doch plötzlich einhaltend) Doch komm' ich so nicht Ewigkeit zu Dir Mit einer grausen Todsünd' Fluch beladen? O güt'ger Himmel gieb ein Zeichen mir, Ob ich mich darf im eig'nen Blute baden. (Die Geister der Weinreisenden erscheinen mit dem Kopf im Arm.)- Erster Geist. Wir haben hier ein Pöstchen noch auf Buch. Zweiter Geist. Wir drängen nie, doch nur der Ordnung wegen. Gleichen. Du sprachst, o Himmel, jetzt weiß ich genug, Zahl' ineine Schulden, alter wackrer Degen. (Er ersticht sich. Die Geister verschwinden.) 60 Elfter Auftritt. Irmentraut und Rorane (stürzen herein). Irmentraut. Mein Schwiegersohn, schütz mich vor dieser hier. Sie putzt' mit meiner Zahnbürst' sich die Ohren. Nsranr. Und sie zerschlug vor Wuth mein Waschgeschirr, Nein, solche Furie ward noch nie geboren. Irmentraut. Was seh' ich? — ha, im Blut schwimmt Kunigund, Erstochen liegt mein Kind, die Gräfin Gleichen? Norane. Hilf, Mohamed, Zuleika liegt am Grund, Ein Leichnam zwischen starren, blut'gen Leichen! Irmentraut (zu Roxane). Durch Deine Schuld stoß Kunigundens Blut! Noranr (zu Irmentraut). Durch Dich sank schuldlos dieses Opfer nieder! Irmentraut. Gieb mir mein Kind zurücke, Drachenbrut! Norane. Selbst Drachenbrut, gieb mir Zuleika wieder. Zwölfter Auftritt. Die Vorigen. Der Teufel« später ein Enget. Teufel (zwischen Irmentraut und Roxane tretend.) Wozu denn meine Damen dieser Zank? Sie thaten redlich Jegliche das ihre, Und unumwunden sag' ich meinen Dank, Kein Feldherr rühmt sich bess'rer Offiziere. 61 Engel (erscheint, zu den Todten). Ihr habt geliebt, ich trag' Euch himmelwärts, War gleich etwas bigamisch Euer Lieben. (Zu den beiden Schwiegermüttern) Doch Ihr da, hängt Euch an des Satans Sterz Und fahrt zum Höllenpfuhl, Ihr bösen Sieben. (Die Todten erheben sich und folgen dem Engel langsam nach.)» Teufel. Und jetzt, ich wiederhol's bewunderungswarm, Ganz meisterhaft war Ihres Spiel's Vollendung, Erlauben mir die Damen ihren Arm, Find' für Sie wohl noch sonstige Verwendung. (Der Teufel bietet höflich den Damen den Arm.) Schlußscene. (Die Bühne stellt plötzlich die Hölle vor. Links tritt auf des- Teufels Großmutter, rechts der Mönch, der Sänger u. der Castellan.> Teufel. Hier präsentir' ich meine Großmama, Werden gewiß sich gegenseitig lieben, Und die drei frisch gekomm'nen Herren da, Sind Ihnen wohl bereits bekannt von drüben. Doch da zusammen g'rad so lust'ge Kumpanei, Könnten sogleich ein Tänzchen wohl riskiren, Ein Fiedler ist zum Glücke ja dabei, Da bitt' ich denn die Herrn zu engagiren. (Der Minnesänger spielt auf. Der Mönch tanzt mit des Teufels Großmutter, der Castellan mit Jrmentraut, und der Teufel mit Roxane.) Während dieses Tanzes fällt der Vorhang. !e^ > !> vo Sj o 2. M o. V