% H *1 •f H / ' -A—l—nsfesasfgK A—astss A-fl^6-A- tt/Sr} C009006060obo0o'i>000000e00000000a00000cicnnno000000000e''0^ ubiläums-Feier Idoooooo OQOOOOO0«'».'■ oo )OoO" ' ClOOOCOOOOO ISS © *• <» ■ ^ h r 600jährige Jubiläums-Feier Düsseldorfs vom 13.—16. Octoher 1888. Im Stadt-Theater: Festspiel von Edmund Henoumont, bestehend aus 7 lebenden Bildern mit Deelamation und Musik. Musikalischer Leiter: Herr Musikdirector H. WiHemsen. Deelamation: Die Herren Alfred Einecke und Ludwig D i n g e 1 d e v. •--NN- PROGRAMM. 1. Jubelouverture von C. M. von Weber. Herold: Alf. Einecke; Geist der Heimathliebe: Ludwig Dingeldev. Melodram. Musik von Willenisen. I. Bild. Germanen und Düsseinixe, gestellt von Herrn Maler Freut z. Musik von Tausch, Germanenzug. 2. Vorspiel von Tausch. Deelamation: L. Dingeldev. II. Bild: Die Schlacht bei Worringen, gestellt von Herrn Maler Neuhaus. Musik: Kriegsmusik aus „Templer und Jüdin“ von Marsclmer. 3. Entr'act von Schubert. Deelamation: L. Dingeldev. III. Bild: Jacobe von Baden, gestellt von Herrn Maler Pütz. Musik von Willeinsen. 4 . Hohenzollern-Marsch von Willeinsen. Deelamation: L. Dingeldey. IV. Bild: Erster Gruss aus Kur-Brandenburg, g-estellt von den Herren Malern W. Petersen und Zieger. Musik: Borussialied von Spontini. 5. Entr'aet von Burgmüller. Deelamation: L. Dingeldey. V. Bild: Jan Willem und Grupello, gest. von Herrn Maler Pohle jr. Musik: Sarabande von Händel. 6. Musik a. d. „Stumme von Portici“ von Auber. Declamation: L. D i n g e 1 d e y. >’I. Bild: Einzug der Revolutionstruppen, gestellt von Herrn Maler Kampf. Musik: Marseillaise. 7. Hohenfriedberger Marsch von Friedrich dem Grossen. Declamation: L. Dingeide y. YII. Bild: Unter dem Hohenzollernaar, gestellt von Herrn Maler Spatz. Musik: Nationalhymne: Heil dir im Siegerkranz. Preise der Plätze: A. Zur Generalprobe. I. Für Festkarten-Inhater: I. Rang Proscenium 1 Parquet- „ I. Rang-Balkon I. Rang-Mittel- und Seitenloge Parquet Parquetloge II. Rang-Balkon II. Rang’-Seitenloge Parterre Gallerie . II. Für Hidit-Maber von Festkarten: M. 2,00 M. 3,00 11 1,50 2,00 V 0,75 11 1,00 11 0,50 11 0,50 B. Für die Abendaufführungen. I. Für Festkarten-Inhaber: II. Für HicM-Inhaber von Festkarten: I. Rang-Proscenium | M. 7,50 M. 10,00 Parquet „ I. Rang-Balkon. „ 4,50 „ 0,00 I. Rang- Mittel- und Seitenloge Parquet 1 „ 3,75 „ 5,00 Parquetloge II. Rang-Balcon . ) • „ 2,25 „ 3,00 II. Rang-Seitenloge. , „ 2,00 „ 2,50 Parterre. . „ 1,50 „ 2,00 Gallerie . . „ 0,75 „ 1,00 Lebende Bilder. 1. Bild: Germanen und Düsseinixe gestellt von Frentz. 2. Bild: Schlacht bei Worringen gestellt von Neuhaus. 3. Bild: Jacobe von Baden gestellt von Pütz, 4. Bild: Ein erster Gruss aus Kurbrandenburg gestellt von Petersen und Zieger. 5. Bild: Jan Willem und Grupello gestellt von Pohle. 6. Bild: Einzug der Revolutionstruppen gestellt von Kampf. 7. Bild: Unter dem Zollernaar gestellt von Spatz. mm Ein Herold mit dem deutschen Reichspanier tritt auf. Wenn zwischen Rhein und Düsseitochter hier Eu’r Ohr dem Gruss des Wappenherolds lauschet, So blickt hinauf zu Vaterlands Panier Und hört, wie Luft der Heimatli drinnen rauschet. Das eine lässt sich nicht vom andern scheiden, Willkommen soll ich heissen Euch von beiden. Es glüht am Völkerhimmel unsrer Welt Als Sonnenlicht zum Vaterland die Liebe; So lang ihr Strahl warm in die Herzen fällt, Zu üpp’gem Wachsthum keimen alle Triebe Und ewig neu gestärkt von diesem Lichte Durchschreitet dann ein Volk die Weltgeschichte. Doch wenn vor ihrem segensreichen Glanz Der Selbstsucht Nebel sich zu Wolken thürmen, In Dunkel hüllend jene Strahlen ganz Und stets aufs neue wild vorüberstürmen, Dann stockt das Leben in den Wurzeln allen, Und seinem Schicksal ist das Volk verfallen. Es kreist ein Stern um jenes Sonnenlicht, Er zieht daher in freundlich stillen Gleisen, In eignem Schimmer will er glänzen nicht, Will nur, als Mond, um jene Sonne kreisen; Doch — ohne ihn — wie wär’s uns dumpf und trübe; Denn dieser Stern — es ist die Heimathliebe. Er blinket hell aut unser kleines Land, Auf unser täglich Thun und Treiben nieder Und der Erinnerungen theures Band Knüpft er mit längst verschollnen Ahnen wieder. Er knüpft beständig und in stiller Weihe Dies Band vom Grab zur Wiege stets aufs neue. Und diesen Freund, der Heimathsliebe Stern, Wir sehn ihn heut in hellerem Schimmer blinken, Aus Zeiten, die uns nah und die uns fern Die Grüsse einer Ahnenreihe winken; Denn sechs Jahrhunderte verflossen heuer, Seit er erhellt die Scholle, die uns theuer. Der Geist, der diesen Stern bewohnt, will Euch Begrüssen jetzt aus wechselvollen Zeiten Und Euch zum Gruss aus seinem weiten Reich Manch buntes Bild vorüber lassen gleiten; Denn bunt schaut stets vergangener Zeit Getriebe. Erscheine denn Du: „Geist der Heimathliebe! u Geist der Heimathliebe tritt auf und ‘spricht diese sowie die folgenden Dichtungen I. Germanen und Düsseinixe. Eh' ich geboren hier am Niederrhein Und mit der Düsseinixe mich verbündet, Eh’ ich zum Bau gefiiget Stein auf Stein Und Heerdfeu’r neben HeerdfeuT angezündet, — Wenn auch im Strom sich gleich blieb Well’ und Welle — Ein andres Antlitz zeigte diese Stelle. Es rauschte hier der unberührte Wald Aus eigner Kraft sich stetig neu gebärend, Von Dammwilds Ruf und Schakals Schrei durchschallt, Dem Wolf, dem Räuber, freie Jagd gewährend. Hier bog der Ur sein mächtig Haupt zum Streite, Stolz kreist’ der Aar hoch über Waldes Breite. Da ging ein Brausen durch die Weltgeschichte, Es wogten Völkerfiuthen auf und ab, Und donnernd wild ging eine Welt zu nichte, Um’s Leben kämpfend sank sie in ihr Grab. Und jung an Kraft, an Wille und Gedanken, Trat eine neue siegreich in die Schranken. Und auch in diesen Urwald wogt’s hinein, .Jahrhunderte geht’s wechselnd auf und nieder; Bald spiegeln Rom’s Cohorten sich im Rhein, Blondlockig bald Germanenschaaren wieder — Und sank ein blondes Volk von Romas Streichen, Kampffreudig stand ein andres auf den Leichen. Wie hat in dieses wilde Volksgewühl, Das schwertgewaltig hier die Zeit durchrauschet, Aus ihres sonst so stillen Schilfs Asyl Die Düsseinixe w r ohl emporgelauschet. „Was ist das für ein sinnverwirrend Treiben!“ „Wer wird zuletzt als Sieger bei mir bleiben ?“ Erstes Bild. II. Schlacht bei Worringen. Gestaut ist endlich jene Völkerfluth, Die lang die Welt, die alte, Überflossen; Belebend hat sich das Germanenblut In’s Römerblut, das welkende ergossen. Die Welt ist neu — gewebt sind neue Bande, Und Grenzen scheiden wieder Land von Lande. Doch innerhalb der Grenzen wogt es nach; Die starke Thatenlust fährt fort zu stürmen, Des Ritters Burg ragt trotzig in den Tag, Die Stadt umringt mit Mauern sich und Thürmen. „Wer ist mein Feind? — Wer ist mein Streitgenosse?“ Selbst der Prälat sitzt kampfgerecht zu Rosse. — <5 — Auch unser Land sah blitzend Helmzimier Und reis’gen Tross und Volk in klirr’nder Wehre; Denn Eisen gegen Eisen klang auch hier, Das Banner flog — es splitterten die Speere. Und Berg’sche Faust verstand das Waffenschwingen; Denn selbstgeschmiedet waren ja die Klingen. Und als Graf Adolfs Kriegesruf erklang, Hat manche Faust den Hammer fahren lassen, Den in der Schmiede auf ein Schwert sie schwang, Kampflüstern nach des Schwertes Griff zu fassen. Auch hier im Dörflein an der Düssei Münden War mancher Flachskopf wohl im Helm zu finden. Bei Worringen am Rheine tobt die Schlacht, Zu wildem Kneuel ist Heer in Heer verschlungen, Und Schwert an Schwert, Harnisch an Harnisch kracht, Und Mann an Mann wird auf und ab gerungen. Der Krummstab und der Fürstenscepter rechten —■ Wird geistlich, weltlich Schwert den Sieg erfechten? Und unberührt im zweiten Treffen noch Der Berg’schen Rüstzeug in der Sonne gleisset; Graf Adolph hebet sich im Sattel hoch: „Jetzt zeigt, wie hart Ihr EuerenStahl geschweisset!“ Und in der Kriegsgeschichte steht's zu lesen, Wie hart bei Worringen ihr Stahl gewesen. Die Sonne sank, entschieden war der Streit, Der Kurfürst Erzbischof — er war gefangen. Nachklingt’s für uns bis auf die heut’ge Zeit, Dass siegreich damals Berg’sche Waffen klangen. Denn damals ward in dem erfolgten Frieden Des Dörfleins an der Düssei Loos entschieden. Graf Adolph sprach: zum Handel auf dem Rhein Fehlt meinem Land bis jetzt der rechte Schlüssel, Das Recht der Stadt muss drum verliehen sein Dort jenem Dörflein zwischen Rhein und Düssei, Dass Schiffe können dort vor Anker bleiben, Im Berg’schen Land die Waare zu vertreiben. ■ fk . Es liegt ein Ort in blüh’nder Gärten Kranze, Anregung fand die Kunst in ihm und Ruh’; In frischem Streben und erworbenem Glanze Steu’rt er der Grösse einer Weltstadt zu. Stolz schau’n zurück wir und in Zukunfts Weite, Das danken wir bei Worringen dem Streite. Zweites Bild. III. Jacobe von Baden. Zog der Hader auch wild in die Lande hinein, Den die Zeit, die erregte, geschaffen, Im Schlosse zu Düsseldorf am Rhein, Da ruhten heute die Waffen. Es wirbeln die Tänze, es schmettert das Spiel, ■— 0 Bewegung, o Jugend, o Wonne! — Der Herzog schaut blöde und stumpf in’s Gewühl, Die Herzogin strahlt wie die Sonne. „0 Fürstin, o Fürstin, es schimmert die Nacht, „Es geht durch die Seele ein Beben, „Der Blick ist entschleiert, das Herz ist erwacht, „0 wunderbar schön ist das Leben! „0 Junker, o Junker, Ihr nehmt es zu leicht, „Ihr glaubt, dass es immer so bliebe — „Die Lampen erlöschen, der Taumel schweigt, „Das Leben ist dunkel und trübe.“ Und es schlingt sich dasPaar durch den tanzenden Kreis Zwischen glänzenden Damen und Rittern; Er hält sie umschlungen und flüstert ihr leis Und fühlet sie an sich erzittern. Sie hat Feinde, die Fürstin des Bergischen Lands, Sie ist elend in blendender Fülle; Es folgt ihr der Hass selbst zu Fest und Tanz, Es lauscht die Prinzessin Sibylle. 8 „0 Fürstin, erlöschen die Lampen auch schnell, „Und zieht auch der Taumel von hinnen, „Eine ewige Lampe bleibt brennen mir hell „Im Tempel des Herzens tief innen.“ „0 Junker, es zittert im sündlichen Schein, „Was „ewige Lampe“ Ihr nennet, „Lasst das Gewissen die Ampel sein, „Die ewig im Heiligsten brennet!“ Ihr ist es, als hör’ sie sein pochendes Herz, Ihr Aug’ will dem seinen entfliehen; Doch senkt sich die Wimper auch niederwärts, Sie fühlt seine Blicke, die glühen. „Ist Eu’r Blick nicht umnachtet, schaut hin, schaut hin, „Ihr Ritter der Bergischen Lande: „Der Krone des Herzogs, dem Hermelin „Droht buhlenden Schrittes die Schande!“ So spricht Frau Sibylle den Rittern und Herrn, Den Feinden der Fürstin, der jungen, Und der Hass lässt sich zeigen die Flecken so gern, Die dem Hass zu erspähen gelungen. „0 Fürstin, der ewigsten Lampe Brand, „Der strahlt in die nächtliche Trübe, „Er wird von den Menschen die Liebe genannt, „0 Fürstin, o Fürstin, ich liebe!“ Und der Reigen wogt aufwärts und woget zurück, Sie fühlt seinen Odem, den heissen, Ein Schauern befällt sie, sie hebet den Blick, Und kann sich dem Blick nicht entreissen. „Ihr Männer, ihr Väter, habt acht, habt acht, „Steht vor diesem Throne auf Wache. „Prunkt buhlend die Schande in fürstlicher Pracht, „Droht sie Eurem eigenen Dache!“ Es kämpft Frau Jakobe mit lockendem Traum, Die Gegnerin ruht nicht und flüstert, Es folget dem Paar im hell leuchtenden Raum Manch Auge, von Argwohn umdüstert. Es erlöschen die Lampen, der Taumel verfliegt, Es herrscht wieder finstere Stille; Auf dem Siechbett der Herzog, der alternde liegt, Leis spinnt ihre Fäden Sibylle. Sie spinnt sie unsichtbar, den Parzen gleich, Hinaus in die Bergischen Lande, Sie spinnt sie hinüber zu Kaiser und Reich, Zum Netz unzerreissbarer Bande. Ob wohl noch die Ampel, die heilige, glüht Im Herzen der Fürstin, der jungen? Es strahlet die Schönheit, die Jugend blüht, Ist der Sieg ihr, der schwere, gelungen ? Und malig im engern und engern Kreis Die Maschen des Netzes sich ranken — „Jakobe von Baden, auf Kaisers Geheiss, „Du stehest verklagt vor den Schranken!“ Vor Düsseldorfs Schloss rauscht vorüber der Rhein, Es spiegelt sich Nachts in der Welle, Drin spiegelte auch sich der matte Schein Eines Lämpleins aus einsamer Zelle. Da fleht auf dem Lager an feuchter Wand Empor zu des Himmlischen Gnaden, Verlassen hinieden von Leuten und Land Die Fürstin Jakobe von Baden. Da naht sieh’s von aussen der Kerkerthür, Die Angeln, die eisernen, knarren — „AVer seid Ihr? wer schickt Euch? was wollt Ihr von mir? „Könnt Ihr des Richtspruchs nicht harren?“ „Jakobe von Baden, der Spruch ist gefällt, „Jakobe, der Stab ist gebrochen — „Jakobe von Baden, Du hast auf der \\ T elt „Dein letztes Gebet gesprochen!“ 10 Und es dämmert der Tag, und es blickt in den Rhein Das Schloss, das erwachende nieder — Doch jenes Lämpleins matt zitternden Schein Erblickt’s in den Wellen nicht wieder. Drittes Bild. IV. Ein erster Grass aus Kurbrandenburg. Der Herzog ist todt und erledigt der Thron, An der Fürstengruft kniet kein trauernder Sohn. Mit dem Odem des Herzogs erlosch sein Geschlecht, Wer ist nun der Erbe, wer hat nun das Recht? Wem ist mit dem Rechte die Macht auch gegeben, Aus der Tiefe des Rheinstroms den Schatz zu heben? Wohl streckte sich aus manche lüsterne Hand Nach des Niederrheins Kleinod, dem Bergischen Land, Wohl erwachte aus modrigem Schlummer tief, Manch alt Pergament in verstaubtem Archiv, Und der Themis bebrillete Nasen steckten Sich tief in Folianten des Rechts und Pandekten. „Nun — forscht Ihr nach jeglichen Rechtes Gebühr, „Auch mir ist zur Hand ein vergilbtes Papier, „So gut wie Ihr andern, auf Siegel und Schein „Kann ich es behaupten: das Recht ist mein. „Warum soll Euch der Kurfürst von Brandenburg weichen ?“ Und er blickt auf den Adler, sein Wappenzeichen. „Noch bist Du nicht gross und noch bist Du nicht stark, „Doch jung ist im Bau Deiner Schwingen das Mark, „Und ernst ist Dein Wollen und frisch ist Dein Muth, „Auf — wage den Flug, junges Adlerblut. „Und ist es gleich heut’ nur zur Probe der Schwingen— „Einst wird Dir der Flug wohl im Ernste gelingen!“ 11 Vor Düsseldorfs Thore die Luft ist so lind, Es ergeht sich der Bürger mit Weib und Kind. Da sprengt aus dein Walde ein Reiter hervor, Er springt aus dem Bügel, er naht sich dem Thor. Schwarz-weiss ist der Wappenrock, der ihn bedecket, Manch Ohr wird gespitzet, manch' Hals wird gestrecket. „Ihr Bergischen Völker, Eu’r Herzog ist todt, „Es sendet sein Erbe Euch Gruss und Gebot; „Und Eu’r Herr und Gebieter ist zu dieser Stund’ „Der Kurfürst von Brandenburg, Sigismund!“ Anheftet an’s Thor er Kurbrandenburgs Wappen Und jaget davon auf dem schnaubenden Rappen. Es stutzen die Bürger und schauen sich an : „Habt Ihr es vernommen ? — wer war dieser Mann ? „AVas ist auf dem Wappen das dort für ein Thier ? „Der BrandenburgerV — wer kennet ihn hier? „Unglaublich! — Das sind ja kuriose Sachen!“ Und spöttisches Lächeln und schallendes Lachen. Ihr Bergschen, heut’ kam Euch der Adler in Sicht, Heut’ war er zu schwach noch, könnt weilen nicht, Doch gewaltigen Fluges in sonnigen Höh’n, Ihr werdet ihn einst bei Euch wiederselm. Ihr werdet ihn kennen, der Zw'eifei wird schw r eigen, Eu’r Blick in Bevvundrung empor zu ihm steigen; Denn — spiegelt sich einst als hellleuchtender Schein Die Blütlie des Bergischen Landes im Rhein, AVird einstens als keimende AA T eltstadt genannt Das Städtlein, das kleine, am Diisselstrand, Und tritt seine Kunst mit der AA’elt in die Schranken, Ihr werdet’s dem Adler der Zollern verdanken. Viertes Bild. 12 V. Jan Willem und Gruppello. Die Allongenperrücke, der schnörkelnde Styl, Die Kunst nach gekünsteltem Schnitte, Der fürstliche Hof mit dem Schranzengewühl, Die fränkische Sprache und Sitte, Da sie machten im ganzen Europa sich breit, Bei uns waren auch sie zu finden; Denn der Kurfürst Jan Wilm war ein Sohn seiner Zeit Und besass ihren Geist, ihre Sünden. Doch blieb eine Stelle im Herzen ihm frei — Da wusste er ahnend zu trennen. Kam die Kunst im Geleite der Künstelei, Er konnte die hohe erkennen. Und sie streuete rings ihren Samen aus, Und der Samen hat Früchte getragen, Und wir sehn aus dem schimmernden Beiwerk heraus Ihre Werke, die herrlichen, ragen. Und sucht auch der Kurfürst durch welsche Zier Nach Versaillischem Muster zu glänzen, Er stand immer treu zu des Reiches Panier Im blutigen Kampf an den Grenzen. Und wenn ihn die eitle Prunklust bewog, Sich selber ein Denkmal zu setzen, Wir wollen ihm gönnen das Standbild hoch Und das Kunstwerk Grupellos schätzen. Die bedeckende Hülle sinkt niederwärts Aut dem Markte vor Düsseldorfs Schlosse; Es erblicket der Kurfürst sein Abbild von Erz, Geharnischt auf ehernem Rosse. Gleich hat er den Werth dieses Kunstwerks erkannt, Er betrachtete mit freudigem Staunen, Er drückt dem bescheidenen Meister die Hand, Die Höflinge zischeln und raunen. ■Üti. Doch es jauchzet das Volk seinem Fürsten bewegt, Es jauchzt auch dem Künstler entgegen; Denn was da den Stempel des Genius trägt Kann auch einfache Herzen bewegen. Es hat den kurfürstlichen Reiter die Zeit Und den Bildner von dannen getragen, Doch wir sehen das eherne Standbild noch heut’ Als Wahrzeichen Düsseldorfs ragen. Fünftes Bild. VI. Einzug der Revolutionstruppen. Es hatte die Fackel des Geistes gesprüht, Erleuchtet zugleich und geblendet; Die Wahrheit, der Irrthum, die Lüge glüht — Ein grosses Jahrhundert endet. Es naht sich am Himmel ein flammende]' Schein, Man hält’s für den Aufgang der Sonne, Es brechen die Strahlen sich blitzend im Rhein, Man begrüsst sie mit Hoffnung und Wonne. Dumpf hallet es wieder vor Düsseldorfs Thor, Die Kanonen blitzen und wettern, Erwartungsvoll lauschet manch’ Auge und Ohr Und dankt den vermeintlichen Rettern. „Die Freiheit, die Gleichheit, die Brüderlichkeit!“ So brüllt’s aus den ehernen Schlünden! „Zu Grab mit der alten tyrannischen Zeit, „Mit der Väter Verbrechen und Sünden!“ Wo warst du, o Eisen des deutschen Lands, Der Lüge die Antwort zu geben — Du Krone des Reiches, im strahlenden Glanz Der Wahrheit empor dich zu heben? 14 Noch ruhte das Eisen im Bergesschacht, Es ward keine Antwort dem Holme, Noch lag, von den Nibelungen bewacht, In der Tiefe des Rheinstroms die Krone. Noch sollte verfiiessen manch’ finsteres Jahr Ueber Eisen und Gold in der Tiefe, Bis einst aus der Ferne der Zollern'sche Aar An die Sonne die beiden beriefe. Und Düsseldorfs Stadtthor ward aufgethan, Man hat es nicht lange bestritten; Und der Sansculottes wilder Armada voran Kam die Göttin der Freiheit geschritten. Und Eure Ahnen sie haben’s geschaut, Sie konnten es treulich bekunden, Und sie haben’s den Kindern und Enkeln vertraut, Wie sie diese Freiheit gefunden. Sechstes Bild. VII. Unter dem Uollernaar. Es hat wohl Mancher einst von unsern Ahnen Gedankenvoll den Blick zurückgelenkt, Wenn donnernd auf Vergehns und Werdens Bahnen Zur Neige sein Jahrhundert sich gesenkt. Doch mächt’ger brausend, strudelnd, wellenthürmend Und wechselnder im Werden und Vergehn Hat Niemand wohl der Weltgeschichte Stürmen Beim Schlüsse eines Säculums gesehn, Als wer da heufgen Tags mit hellem Blicke Aufs scheidende Jahrhundert schaut zurücke. Viel längst Verschollnes wieder aufgewecket, Mit neugebornem Leben Seif an Seif, Was ewig dauernd schien, dahingestrecket, Das Bleibende in neu gewebtem Kleid. Dem tiefsten Schoosse der Natur entrungen, Was als Geheimniss dort gewirkt, geschafft, Der Zauber in den Menschendienst gezwungen Und bald verdrängt von neuer Zauberkraft. Wir schau’n, was uns genommen, was gespendet, Der Geist erstaunt, die Blicke sind geblendet. Es ward erfasst auch unsrer Heimath Stelle Von der gevvalt’gen Triebkraft dieser Zeit, Die Thore sanken nieder und die Wälle, Luftdürstend strebt die Stadt in’s Freie weit. Und als sie Fuss gefasst im neuen Grunde Und endlich frei im Sonnenlichte stand, Da sah sie erst, wie eng die einst’ge Runde Und wie so gross und schön das Vaterland. Als Theil des Ganzen lernt’ sie sich betrachten Und, dieses liebend, selbst sich höher achten. Und durch der frei gewordnen Strassen Breite Ein neues Leben in das Weichbild zieht, Wetteifernd in des Fleisses edlem Streite Erschallt der Hammerschlag, die Esse glüht; Bewimpelt mehren sich im Strom die Masten, Von Wagenrad und Hufschlag dröhnt der Grund, Und nach des Tages Sorg’ und schweren Lasten Ein Pulsschlag frohen Lebens gibt sich kund Und reichend drauss dem Grün der Flur die Hände Durchrauscht ein Hain die Stadt von End’ zu Ende. Und angelockt durch dieses Haines Rauschen Ein Mädchen aus der Fremde kam herbei, Sie hemmt den Schritt, den flüchtigen, zu lauschen, Und heimathlieh klang ihr die Melodei: Hier ist bei regem Treiben heitre Stille, Die Luft von beiden muss ich atlnnen ein, Entfalten kann sich hier die Lebensfülle, Hier kann ich ernsthaft, kann ich scherzend sein. Aufstellte hier bei uns die Kunst, die holde, Ihr Spinnrad, das die Fäden spinnt von Golde. So hat sich unsre Stadt emporgerungen In des Jahrhunderts emsigem Gewühl, Es streben in ihr, schwesterlich umschlungen, Die Arbeit und die Kunst zu hohem Ziel. — 1(5 Und wenn wir die Erreichung nicht eideben, Des rothen Löwen Bahn geht fort und fort — Zu einer Weltstadt sucht sich zu erheben An Rhein und Düssei unser Heimathort. Wem danken ivir den schon erworbnen Segen, Den Hoffnungsblick zukünft’ger Zeit entgegen? Als einst nach welterschütterndem Getümmel Des fränk’schen Cäsars Joch zerbrochen war, Da schaut’ die Düsseinixe auf zum Himmel Und schweben sah sie einen schwarzen Aar. Misstrauisch sah sie auf zu seinen Schwingen: Du Adler hemmst mir Licht und Sonnenschein, Willst mich in deiner Flügel Schatten zwingen, Und sonnig glänzen muss mein Vater Rhein. Zieh heim gen Ost — in deinem Bann gehalten, Kann meine Stadt sich nimmermehr entfalten. Die Sonne schien zu Rhein und Düssei nieder, Kein Adlerflügel hemmte ihre Gluth, Es kamen dunkle Wolken hin und wieder, Der Aar zertheilte ihre schwarze Fluth. Und Ungewdtter hoben an zu blitzen, Dem Rhein, der Düssei Vater, zugekehrt, Da schoss der Aar und griff die zack’gen Spitzen Und schleudert sie zurück an ihren Heerd. Die Düsselnix’ schaut’ auf zu ihm in Thränen, — Es floss viel Blut, auch Blut von diren Söhnen. Doch von der Ostsee bis zu den Vogesen Sieht sie entzückt ein einig Vaterland, Da ruft sie aus: mit meinem ganzen Wesen, 0 Zollernadler, Dir mit Herz und Hand! Du bist’s, der alle, alle uns gerettet, Du hochgewalt’ger schwarzer Zollernaar, Mein rother Löwe ist an Dich gekettet, Er wird Dir folgen jetzt und immerdar. Nur wo Du über ihm in lichten Höhen, Wird fest im Grund sein Wappenanker stehen! Siebentes Bild. -»sK~- Buchdruckerei C. Kraus. Düsseldorf. £ hx CD s; o Q. UI