des Vereins der Düsseldorfer Künstler z. g. u. u. K. am 1, Juli 1894. Der KmmS 8. i>. A. K. g. A. u. K. Malkastenstück in einem Aufzuge von Edmund Mnouiiiont. Gedruckt bei August Bagel in Düsseldorf. Personen. Der Genius der Kunst. Der Genius V. d. D. K. z. g. U. u. H. Ein Maler. Seine Frau. Der Fürst v. Laugenwaden. Ein Kammerherr des Fürsten. Ritter Haubold v. Eisenbolz. Bürgermeister von Schildburg. Stimme eines unsichtbaren Geistes. Chor der Gläubiger. Zeit der Handlung: 16. Jahrhundert. Ort: Eine Malerwerkstatt. Atelier eines Malers. Maler (vor der Staffelei stehend). Endlich nach so heißem Mühen, Nach so Vielem, was mißlungen. Zu Erfolges erstem Blühen Hab' ich mich emporgerungen. Als ich nach der Lehrzeit Strenge Frei begann mich umzuschauen, Um im wilden Weltgedränge Eig'nem Compaß zu vertrauen — Ach — wie lachte mir entgegen Da die junge Morgensonne, Und auf leichten, glatten Wegen In beständ'gen Schaffens Wonne Dacht' ich mit bethörtem Sinne, Daß ich Ruhm und Glück gewinne. Doch, im eignen freien Gleise Selbst den Kampf des Lebens wagend. Ohne Meisters strenge Weise, Wie stand ich, mein Schicksal tragend, Rathlos bald und fast verzagend. Doch, wenn's heut' mich beugte nieder. Morgen ward's aufs neu' bezwungen. Und ich kämpfte immer wieder. Und ich Hab' mich durchgerungen. Und ich schätz' es mir zur Ehre, Daß es war kein leichtes Spiel, Nur gepaart mit Arbeits Schwere, Kommt Begabung an ihr Ziel. Jetzt bin ich in sich'rer Lage, Ueberschritten ist die Grenze, 4 Und durch arbeitsvolle Tage Schlingt die Liebe ihre Kränze. Und wenn auch nicht Reichthums Fülle Blinkend in der Truhe liegt. In des Künstlerhauses Stille Weib und Kindlein darben nicht. Mach einer Pause.) Doch, was mir bis jetzt gelungen. Ist es auch die richt'ge Kunst, Weil's den Eingang hat errungen In der reichen Käufer Gunst? Ob sie ein Talent mich nennen. Fühl' ich doch mich oftmals schwanken. Schärfste Kritiker dem Können Sind die eigenen Gedanken. (Es wird plötzlich Heller auf der Scene, und der Genius der Kunst erscheint.) Maler. Ha — in diese stillen Räume Welch' ein Lichtschein kommt geflossen? Sag', bist Du ein Bild der Träume, Holdes Wesen, lichtumflossen? Lächeln strahlt Dein Blick, der weiche. Und Du trittst mir traulich nah. Und doch königinnengleiche. Majestätisch stehst Du da. Genius der Kunst. Ich bin's, nach der in heißem Drang Du hast gesucht so lang, so lang Auf vielverschlung'nen Wegen. Ich Hab' gesehn Dein heiß Bemühn, Das Samenkorn zur Frucht zu ziehn. Das still in Dir gelegen. Ich weilte oft in Deiner Näh' Und war, wo ich jetzt sichtbar steh'. Unsichtbar Dir zur Seite. 5 Und lächelnd sah ich oft Dir zu. Wie mit Dir selbst gerungen Du Im innern Widerstreite. Und nun, da manches Du erreicht. Und da Dein frisches Können steigt Mit jüngst erworb'ner Ehre, Jetzt steigen in Dir Zweifel auf. Ob auch Dein Schiss den richt'gen Lauf Gewählt in meinem Meere. Freund, solchen Zweifel Hab' ich gern. Er ist der fruchtbar inn're Kern Zu neu erwecktem Streben. Ob Du nun aus der richt'gen Spur, Komm, fasse Muth und frag' mich nur. Ich werd' Dir Antwort geben. Maler. O Tu, nach der ich lang gestrebt. Die ich bis jetzt im Traum nur sah. Mit der mein ganzes Sein verwebt. Und die mir jetzt so sichtbar nah. Sag' mir, nach wem soll ich mich richten? Nach Kunstgelehrter Urtheil? — sprich — Soll ich den Mann des Volks, den schlichten. Als Mittler stellen zwischen Dich und mich? Soll folgen ich der alten Meister Wegen, Nach ihnen richten all mein Schaffen ein? Soll dem Erfolg ich strebsam gehn entgegen. Der Kauflust unterthänig sein? Soll ich, wie's Viele thun in heut'gen Zeiten, Des Elends ganzes Grausen stellen dar. Vom viel vernomm'nen Spruch mich lassen leiten. Daß Deiner würdig Jegliches, was wahr? Kunst. O nein, was jeder Andre spricht. Ob es ein Mann des Volkes schlicht. Ob es ein reicher Gönner, 6 Ob er, in Theorie ergraut. Die Kunst nach der Schablone schaut. Als vielerfahr'ner Kenner. Ob Dir aus alter Meisterschaft Gemalten Wortes Zauberkraft Lebendig glüht entgegen. Und, eig'ner Mängel wohl bewußt. Du Dir demnthig sagen mußt. Wie sie Dir überlegen. Hör' Alles, sieh' Dir Alles an. Doch sammle Dich und sei ein Mann, Der eignen Blickes sichtet. Mein heilig Feu'r in Deiner Brust, Es sei in Heller Schaffenslust Der Richter, der Dich richtet. — Drum, Künstler, frei emporgeschaut. Mir, — der Natur, — Dir selbst vertraut Und keinem fremden Zwange, Dann laß ich nimmer Dich allein. Unsichtbar werd' ich bei Dir sein Auf Deinem Erdengange! (Sie verschwindet.) Maler (ihr nachschauend). Noch steh' ich vom Glanz geblendet. Halb gelobt und halb getadelt — Daß sie sich an mich gewendet. Hat allein mich schon geadelt. Jetzt muß Alles sich verklären, Jede Nebenrücksicht schweigen, Göttin, Deinen reinen Sphären Geb' ich mich jetzt ganz zu eigen. (Anderer Genius tritt auf.) Maler. Was kommt dort mir zuzuwandern? Jst's eilt neues Traumgesicht? Ernst und freundlich gleich der andern, Doch so strahlend lange nicht. 7 Genius. Bin ich auch so lichtumflossen Nicht wie meine schöne Schwester, Dir und Deinen Kunstgenossen Helf' auch ich, mein Liebster, Bester. Sie hebt Euch ins Reich des Schönen, Wo die Ideale walten. Und ich helf' Euch Erdensöhnen Unten festen Fuß zu halten. Maler. Daß Du so zur Hüls' erbötig. Bin ich Dir zu Dank verbunden. Doch, ich glaub', es ist nicht nöthig — Hab' schon meinen Weg gefunden. Hab' der Mode zwar entsaget. Laß mich nicht mehr von ihr leiten — Wer Talent hat und sich plaget. Wird sich schon durchs Leben streiten. Wieder werd' ich auch erringen Bald der reichen Käufer Gunst, Werd' ich nur entgegenbringen. Fern von aller Mode Dunst, Wahre, echte, große Kunst. Genius. Nun, Du hast viel Selbstvertrauen, Doch es könnte Dir versagen. Wirst Du einst ins Auge schauen Einem Heer von schlimmen Tagen; Denn die Welt dreht sich im Kreise, Wirst an Zeiten denken müssen. Wenn aus dem gewohnten Gleise Alle Ordnung losgerissen. Wenn des Kriegsgott's wild Getöse Durch erschreckte Lande fliegt, Und das Gold, das so nervöse In die Truh' sich fest verkriecht. 8 Wenn ein Siechthum Dich streckt nieder. Hemmend Deine Kraft des Strebens, Und die Deinen immer wieder Bitten Dich um Brot vergebens. Auch für Künstlers klein're Sorgen, Die nicht Kunst sind, die Geschäfte — Will ich immer gern Dir borgen Meine Müh' und meine Kräfte — Nun, sag' an: soll ich auf Erden Dir für manche Noth und Pein Eine gute Helferin werden? Hier ist meine Hand — schlag' ein! Maler. Nun — ich könnte Dich zwar missen. Tragen Lebens Last allein — Doch vielleicht — wer kann es wissen? Sei es drum — ich schlage ein! Doch wer bist Du denn, Erscheinung, Die so altklug zu mir spricht? Kenne jetzt zwar Deine Meinung, Deinen Namen kenn' ich nicht. Genius. Meinen Namen? sollst ihn kennen. Und, bedarfst Du einstens mein — Dreimal laut mußt Du ihn nennen. Werde gleich dann bei Dir sein. Maler. Aber sprich, ich muß ihn wissen. Noch verschwiegst Du ihn mir ja — Wie werd' ich Dich rufen müssen? Genius (feierlich). V. d. D. K. z. g. U. u. H. (Genius pathetisch ab.) 9 Maler lallein). Der Verkehr mit Geisterfrauen Ist zwar interessant und gut. Doch, macht' wieder Menschen schauen, Menschen, die von Fleisch und Blut. Horch — schon klirrt mir in die Ohren Dort vom Flur ein schwerer Tritt, Klingt nach Harnisch, Schwert und Sporen, Nein — das ist kein Geisterschritt. Ritter Haubold v. Eisenbolz leintretend). He — seid Ihr der Albrecht Dürer, Der mit Oelfarb' um sich kleckst, Oder sonst so 'n Pinselschmierer, Der auf Leinwand Bilder hext? Maler lwürdevoll, doch höflich). Hab' die tapfern Ritter gerne. Wenn auch etwas derb der Schein, Sind doch tüchtig oft im Kerne - - Doch so tritt man hier nicht ein. Ritter. Nun — nicht gleich beleidigt schauen. Wenn man etwas heftig spricht; Unsereins kann reiten, hauen. Feine Worte machen nicht. Maler. Nun — was steht Euch zu Befehle? Ritter. Will bestellen hier ein Bild; — Doch mir brennt's schier in der Kehle, Löschung als Parole gilt, Eine Kanne, einen Humpen, 10 Nicht zu winzig darf es sein. Laß dafür mich mich nicht lumpen; Denn mein Auftrag ist nicht klein. Maler (für sich). Rauh ist zwar die Art und Weise, Wie er einen Trunk begehrt, Doch ein Auftrag, hoch im Preise, Ist wohl eine Kanne werth. (Laut, indem er eine Kanne und zwei Gläser auf den Tisch stellt und einschenkt) Hab' hier Alles gleich am Orte — Nun kann's losgehn zum Gefecht. (Er stößt mit dem Ritter au.) Ritter. Farbenkleckser, Eure Sorte Ist, beim Satan, gar nicht schlecht. Doch nun hört: vor wenig Wochen — 's war just vor den Ostertagen, — Kam ein langer Zug gekrochen. Wie ein Wurm, mit Roß und Wagen, Krümmt sich langsam und verdrossen Durch den Weg, den schmntz'gen, schlechten, Regen kam herabgeflossen; Kaufleut' waren's mit den Knechten. Ungewohnte Schwerter hingen Um die Glieder, um die steifen. Und die Rechte mußt' .sich zwingen, Um den Fettwanst erst zu dringen. Eh' sie könnt' den Schwertgriff greifen. So die Kaufleut', hoch zu Gaule, Und der Knechte Volk, das faule. Ließ der Hellebarden Stangen Von den plumpen Schultern hangen Schlapp, als wenn es Besen wären. Um die Gossen auszukehren. 11 Mannen rvaren's wohl an hundert. Und auf langer Fuhrwerksstrecke War'n gehäuft und aufgeplundert Ballen, Kisten, Fässer, Säcke. (Blinzelnd) Nun — es mag verschwiegen bleiben. Wo der Zug hinging und herkam. Will Euch nur etwas beschreiben. Was ihm plötzlich in die Quer' kam. Durch des Regenstromes Prasseln Aus dem Fichtenwald zur Linken Hört man's plötzlich klirren, rasseln. Sieht man's funkeln, sieht man's blinken. Mit Hallo in Zuges Breite Kommt ein Ritter eingesaust. Um ihn 'rum zwölf wackre Leute: Blankes Schwert in starker Faust. „Jetzt ans Fell Euch Pseffersäcken, Jetzt sollt Ihr uns lernen kennen!" Doch die packt ein wilder Schrecken — Wie sie jagen, wie sie rennen! Spornstreichs in die Kreuz und Quere Stiebt die Sippschaft auseinander. Wie dereinst die Perserheere Vor dem großen Alexander. Und der Kram auf all den Wagen War jetzt mein, wie sich's gebührte — Das heißt — nein — ich wollte sagen. War des Ritters, der sie führte. Und aus jener fetten Beute Legt' ich — nein — der Andre war es. Hier ein Sümmchen auf die Seite, 's sind zweihundert Gülden Baares. Möcht' dafür das Reiterstückchen Bunt gekleckst auf Leinwand haben. Ab und zu mit einem Blickchen Aus der Burg mich dran zu laben. (Er legt ein Säckchen auf den Tisch). Maler. Nun — der Vorwurf ist verlockend. Links aus dunkeln: Tannwald sprengt es. Hier der Zug der Wagen stockend. Drüber grau vom Himmel hängt es. Und in aufgelöstem Haufen, Bis zu Tod erschreckt und fluchend, Kaufleut', Knechte, rennen, laufen. Hierhin, dorthin Rettung suchend. Ritter. Ha — wir können uns verstehen — Ich kam an den richt'gen Mann, Mein', ich könnt' das Bild schon sehen Jetzt mit eignen Augen an. Maler. Doch Ihr müßt mir eins verzeihen: Jenes Ritters Angesicht, Aehnlich es zu conterfeien. Das hält schwer — ich kenn' es nicht. Ritter. Hm — er war mir etwas ähnlich, Drum — den Pinsel in die Tatze Selber war ich's nicht persönlich. Aber malt nur meine Fratze. Maler. Nun, so laßt uns gleich beginnen, Möcht' Euer markig Angesicht Flücht'gen Risses gleich gewinnen. Daß ich es vergesse nicht. (Er setzt de» Ritter auf eine» Sticht im Hintergründe und beginnt zu zeichnen.) 13 Bürgermeister von Schildburg (von rechts eintretend und, ohne de» Ritter zu bemerken, zum Maler). Heil der Kunst, der edlen, hohen. Hebend himmelwärts die Geister, Heil dem Augenblick, dem frohen. Wo der Meister grüßt den Meister. Maler. Also, Hab' die Ehr', zu sehen Einen Meister unsrer Kunst? Bürgermeister. Nein — 's ist anders zu verstehen: Bürgermeister — mit Vergunst, Bürgermeister Schildburgs bin ich, Doch die Kunst ist mein Entzücken, Trum, als Stadthaupt, strebe hin ich, Schildburg künstlerisch zn schmücken. Ritter (für sich). Dieser Wanst, die wulst'ge Lippe, Das Gesicht da sollt' ich kennen — (lachend) Ha — 's ist einer ja der Sippe, Die ich jüngst gebracht ins Rennen. Bürgermeister. Bring' drum einen Auftrag heute. Unser Rathhaüs auszumalen. Und aus städtischen Säckels Weite Werd' ich's reichlich Euch bezahlen. Wandbilds Vorwurf sei bedeutend. Wählt' aus eigener Erfindung Drum, als den Gedanken, leitend, Unsers Spritzenhauses Gründung. 14 Ich in meiner Amtstracht Glanze Vorn im Bild den Grundstein legend. Und um mich, den Baas oon's Ganze, Schildburgs Bürger, Ehrfurcht hegend. Oben hoch Minerva schwebend Wie in einem Wolkentempel, Und sie klassisch nackt umgebend Sonst'ger mytholog'scher Krempel. Dann ein Genius, auf den Scheitel Mir im Flug was fallen lassend — Glaubt mir nur, ich bin nicht eitel — Doch ein Lorbeerkranz war' passend. Nun — wollt Ihr den Vorwurf malen? (Ein Säckchen Geld auf den Tisch stellend.) Hier, dies würd' auf Abschlag langen, Und den Rest wird man Euch zahlen. Wird Eu'r Bild im Rathhaus prangen. Maler (für sich). Solch ein Vorwurf — ach wie schwächlich Doch man leistet, was man kann, Gegenstand ist nebensächlich. Ans die Ausführung kommt's an. (Laut) Nun — es könnt' mir wohl gelingen, Hab's halbfertig schon im Kopf. Ritter (für sich). Nein, ich kann mich nicht bezwingen, Ich muß uzen diesen Tropf. (Vortretend, laut) Der Ihr Spritzenhäuser gründet, Stadthaupt Schildburgs, ehrenreich. Hoff', daß Ihr Euch wohlbefindet. Meinen Rittergruß an Euch. 15 Bürgermeister (den Ritter betrachtend). Diese Haltung, diese Mienen, Dies verwitterte Gesicht — Der ist mir schon mal erschienen. Und, ich glaub', ich täusch' mich nicht. Ritter. Schwere Pflicht habt Ihr zu tragen. Nur sürs Wohl der Stadt zu leben. Doch Ihr treibt wohl — dars ich fragen — Etwas Handel noch daneben? Bürgermeister (mißtrauisch). Guten Morgen — guten Morgen, Mein Herr edler Rittersmann, Doch, was gehn Euch Stadthaupts Sorgen, Was geht Euch mein Handel an? Ritter. Theilnahm' ist's. Euch aufzuwarten, Wenn's zu fragen mich begehrt. Ob Euch auf den Handelsfahrten Nie ein Unheil widerfährt. Bürgermeister (für sich, den Ritter betrachtend). Ha — er ist's — der Krippenreiter, Der uns jüngst beraubt, geschlagen. Wünscht' ihn aus des Galgens Leiter, Um den Hals den hänf'nen Kragen. Ritter (spöttisch). Dieses Handeln und Verkaufen Muß wohl recht erheiternd sein. Und dabei bringt's ganze Haufen Blanken Gold's wohl immer ein. 16 Bürgermeister (wüthend). Ja — gäb's keine Raubgesellen, Nachtgespenster, Stegreifbrüder — Brauchet Euch nicht zu verstellen — Ritter, ich erkenn' Euch wieder. Ritter (mit persiflirter Theilnahme). O — glaubt wirklich Euer Gestrengen, Daß solch' böse Menschen leben? Ha — man sollt' sie rädern, hängen — Das heißt — (sich spöttisch die Hände reibend) hätte man sie eben. Bürgermeister. Ihr habt recht — sollt' ich Euch haben 'mal bei uns in Schildburgs Mauern, Lange sollten nicht die Raben Aus ein Mittagessen lauern. Ritter. Und dies Federviehgeschmause Gäb' ein neues Bild am Ende Als Pendant zum Spritzenhanse Für des Städtleins Rathhauswände. Und Ihr selbst steht dann natürlich In dem Vordergründe wieder. Und ein Genius, wie gebührlich. Senkt den Lorbeer auf Euch nieder. Knappe (hereinstürzend). Ach, Herr Ritter, schlimme Kunde Bring' aus Schildburg ich zur Stunde. Sollt' zu Sattelzeugs Vermehrung Dort beschaffen, was thüt noth. Zu der Arkebuse Nährung Auch dort kaufen Kraut und Loth. 17 In der Herberg' saßen eben Hans und ich heut' Morgen früh. Da wollt' Hans ein Küßchen geben Ganz in Unschuld der Marie. Plötzlich brüllt ein plumper Bengel, 's war ein Schuster aus dem Ort: Hand weg — mein ist dieser Engel, Und er reißt das Mädchen fort. Doch das könnt' Euer Knecht, Herr Ritter, Sich doch nicht gefallen lassen. Schlug den Bierkrug gleich in Splitter Ihm ums Haupt gewissermaßen. Nur ein kleines Stücklein Schädel War ihm draus herausgesprungen — Nun — so was kommt für ein Mädel Doch zuweilen vor bei Jungen. Aber plötzlich, wie im Sturme, Häscher angeflogen sind. Und jetzt sitzt der Hans im Thurme So unschuldig wie ein Kind. Ritter ldrohend auf den Bürgermeister zugehend). Was — mein Knecht bei Euch da drüben Um 'ne Bagatell' in Haft? Gleich das Document geschrieben. Das ihm seine Freiheit schafft! Bürgermeister (trotzig). Ritter, hier laßt Euren Dünkel, Kommt uns hier nicht ins Gehege, Thurm und Galgens rechter Winkel, Das sind städt'sche Privilege. Ritter. Thurm und Galgen? Ihr wollt's wagen? Nun — ich rath' Euch — seht Euch vor. Ist er frei nicht in drei Tagen, 18 Wird mein Fehdebrief geschlagen, Schildburgs Stadthaupt, an Euer Thor! Wehe dann Euch allen, allen. Euren Fässern, Kisten, Ballen, Den Besitzern auch dazu. Können mir's dann nicht verübeln. Fang' ich sie, sie können grübeln Tief in Burgverließes Ruh'. Bürgermeister (für sich). Das könnt' unsre Stadt verderben. Doch wenn wir mit Goldesklange Gleich ein Fähnlein Landsknecht' werben. Dann braucht's uns zu sein nicht bange. (Laut) Nun — so mordet, plündert, raubet, Mein Herr Stegreifsrittersmann, Wir sind stärker, als Ihr glaubet, Schildburg nimmt die Fehde an. (Zum Maler, indem er ihm die rechte Hand hinreicht und mit der linken das Säcklein an sich nimmt) Euch zu sehn, hat mich entzücket, Drum auf baldig Wiedersehen! Maler (nach dem Säckchen greifend). Mich hat's auch recht sehr beglücket. Doch das Säcklein, laßt's doch stehen. Bürgermeister (das Säckchen festhaltend). Jetzt muß ich's zurücke legen. Um Landsknecht' dafür zu werben, (mit einem gehässigen Blick auf den Ritter) Sonst rennt dieses Räubers wegen Unser Schildburg ins Verderben! (Bürgermeister ab.) 19 Ritter (ihm lachend nachdrohend). Schildburgs Haupt, Du bist geprellet. Wart' auf meinen nächsten Ritt. Maler (halb weinend). Für das Bild, das er bestellet. Nahm das Geld er wieder mit. Ritter. Ja, der Bürgerstand, der protz'ge. Fault am Geiz im innern Kern. Maler. Da ist edler doch der trotz'ge Stand der ritterlichen Herrn. Ritter. Uns behagt nicht faule Ruhe, Schwert und Pferd ist unser Leben, Für das Gold in Kift' und Truhe Haben kein Talent wir eben. Maler. Ja — dem Bürger all mein Tadel, Euch allein des Künstlers Gunst; Denn die Kunst ist richtiger Adel, Und der Adel richt'ge Kunst. Ritter (dem Maler die Hand gebend). Wir verstehn uns auf das Beste, Doch jetzt muß ich heimwärts reiten. Und mit Schildburgs protz'gem Neste Meine Fehde vorbereiten. 20 (Zum Knappen) Spitzbub', komm zu unfern Gäulen, Müssen im Galoppe gehn Heut' noch sechs bis sieben Meilen, (dem Maler die Rechte gebend und mit der Linken das Geldsäckchen nehmend) Farbenklecks'r, auf Wiedersehn! Maler (ihm das Säckchen bestreitend). Ach, Herr Ritter, laßt's doch liegen. Dieses Sümmchen ist ja mein. Einen von hochdero Siegen Sollt' dafür ja conterfei'n. Ritter. Pinselfex, zu andern Zeiten Bin ich gern dazu erbötig. Jetzt, wo's geht ans Reiten, Streiten, Hab' mein Geld ich selber nöthig. Jetzo gilt's, in allen Stücken Schildburgs Wehrkraft zu bezwingen, Schwerter schmieden. Panzer flicken. Einen Stückmeister zu dingen. Dafür muß manch' blanker Thaler Springen in die weite Welt, Drum für jetzt adio, Herr Maler, Heut' Hab' ich für Euch kein Geld. (Ritter mit Knappen ab.) Maler (allein). Was? führt man mich an der Nase? Auftrag neben Auftrag drängt sich. Und dann wie die Seifenblase Alles in der Luft zersprengt sich. Doch der Fürst von Langenwaden, Ließ sich heute sagen an; So ein Fürst von Gottes Gnaden, Das ist doch ein andrer Mann. 21 Schon hör' ich treppauf ihn steigen — Ob's wohl einen Auftrag gilt? — Gut, daß ich ihm gleich kann zeigen Von ihm selbst ein trefflich Bild. Fürstengnnst, du bist der Bronnen, Draus das Gold dem Künstler blinket, » Bist zugleich -das Licht der Sonnen, Draus der Ruhm ihm strahlend winket. Fürst Von Langenwaden (der eine sehr dicke rothe Nase hat, mit einem Kammerherrn auftretend). Fürst (sehr freundlich und herablassend). Seid schon lang von fern bekannt mir. Freut mich jetzt. Euch nah zu sehn. Gebt nur dreist die Künstlerhand mir. Bin so gern der Kunst Mäcen. (Er drückt dem Maler, der eine tiefe Verbeugung macht, die Hand.) Kammcrherr. Durchlaucht, wollt' auch mir erlauben. Ihm mein Kompliment zu machen; Denn die Kunst, Ihr könnt mir's glauben. Hat mich ganz und gar im Rachen. (Er macht dem Maler eine sehr artige Verbeugung.) Fürst. Besser paßt's dem guten Fürsten, Kunst zu fördern und zu heben. Als nach Schlachtenruhm zu dürsten. Kostend Blut und Menschenleben. Und im Kunstbeförd'rungsdrange, Der die Brust mir ganz durchkleistert. Sammle ich schon lange, lange. Was die Kunst auf Leinwand meistert. 22 Kammerherr lzum Maler). Könntet Ihr im Rahmen goldig Durchlanchts Bilder all' erblicken. Würdet sarbentrunkenboldig Vor Begeist'rung und Entzücken. Fürst. Doch nicht nur berühmte Meister Such' ich auf in Näh' und Ferne, Auch manch' strebsam junge Geister Von Begabung fördr' ich gerne. Und von Euch ward mir gesungen Viel des Guten, junger Freund, Manches ist Euch schon gelungen. Wie man's unter Kennern meint. Nun — laßt mich mal etwas sehen, Zeigt's mir hier im Licht, im Hellen, Macht' ein fert'ges Bild erstehen. Auch vielleicht noch eins bestellen. Maler. Durchlaucht macht mir zu viel Ehre, Habe grad' ein Bild hier fertig. Kenner sagen, wie ich höre. Daß es nicht ganz minderwerthig, 's ist ein heiliger Johannes. Fürst (das Bild betrachtend). Ha — wie faßt mich das mit Rührung, Trefflich, herrlich lzum Kammerherrn) ja—der kann es. Schaut doch diese Pinselführung. Kammerherr. Durchlaucht, ich steh' ganz in Flammen, Wie das wirkt so plastisch, drastisch. Wie das Alles wirkt zusammen. Und der Fleischton, wie elastisch. 23 Fürst. Ja — dies Bild ist etwas Rares, Möcht's wohl in Besitz bekommen, (zum Kammerherrn) Ihr habt doch ein Sümmchen Baares Heute sorglich mitgenommen? Kammerherr leinen kleinen Geldsack hervorziehend). Durchlaucht, dieses Säckleins Hülle Schließt ein niedlich Sümmchen ein. Maler (für sich, in Ekstase das Säcklein betrachtend). Fürstengunst und Goldesfülle, Heut' ist alles beides mein. Fürst. Hört, mein Freund, ich Hab' vernommen. Daß Ihr vor ganz kurzer Zeit, Ohne Auftrag zu bekommen. Mich sehr ähnlich conterfeit. Laßt mich sehen diese Leinwand. Ist sie ähnlich, ist sie mein, Macht an Ahnensaales Steinwand Würdig aufgehangen sein. Maler. Durchlaucht, ich will nimmer prahlen, Doch von allen Pinselthaten, Die ich that, seit ich könnt' malen. Ist am besten die gerathen. lv w o 8- kv