kiMntinrin äe 8 KöllmmMÄMü V6I6lll68 i^in IX. O-srrisinäs IZs^ir-ks (^.Issr^ruricl) der 81ad1 >Vien. 6nmä IllVöiitLrs ^r...^ .187i>. Ul-6 vüssslcloi'f -^9093 6Z4 01 MteckiMlus der praktischen Mndergärtnerei. Katechismus der A-akMen >4 M. Von Friedrich Seidel. .r« Mt SS in den Bert gedruckte» UGN»«E -»">" F'i R A p-t -4- k «! IchLig Verlagsbuchhandlung von I- 2. Weber 1875 /--7 ",",-'-5? 7' «t j^/r i i.,-> ^«4 ^ ^ ^ 1 - " - ',z.M l L> >-- , ——'— . >> V' > ^!l > »« »« » » ' iX. W' l«« Vorwort. -Veit dein ersten Erscheinen dieses Buches hat die Kindergartensache einen so bedeutenden Aufschwung genommen, daß die Verbreitung der Kindergärten eine ganz allgemeine geworden ist, ja daß dieselben in einem großen Staate — Oesterreich — bereits durch Gesetz angeordnet und geregelt sind. Die intelligente Welt hat die Fröbel- schen Erziehungsgrundsätze insgesammt anerkannt, die Gegner der letzteren sind verstummt, und es erscheint fast kein Buch auf dem Gebiete der allgemeinen Pädagogik, ohne Bezug zu nehmen aus die Bestrebungen Fr. Fröbel's und seiner Nachfolger. Die Literatur auf diesem Gebiete ist ungemein mannichsach und reichhaltig geworden; die verschiedenen Spiele und Beschäftigungen Fröbel's sind sämmtlich und mehrfach bearbeitet und herausgegeben, auch durch neue Erfindungen vermehrt worden; umfängliche und werthvolle Handbücher sind erschienen, in denen Fachleute tiefer gehende Belehrung suchen und finden: aber VI Vorwort. ein zweites Werkchm, welches, wie unser Katechismus, in gedrängter Kürze und Uebersichtlichkeit den Leuten von Fach als willkommenes Vademecum zur Seite steht und Fernerstehenden zum schnellen Verständniß der Kindergartensache verhilft und sie zu Freunden derselben gewinnt, giebt es bis jetzt noch nicht. Darum dürfte wohl die vorliegende zweite Austage unsers Buches den Zweck desselben auch ferner erfüllen und seinen Platz in der Fröbcl- literatur behaupten, um so mehr, als die Fortschritte, welche der Kindergarten im letzten Decennium innerlich und äußerlich, theoretisch und praktisch gemacht hat, gebührend darin berücksichtigt worden sind. Und so möge denn die zweite Wanderung des Büchleins für das hohe und heilige Erziehungswerk, dem es dient, von reichlichem Segen begleitet sein! Weimar, im December 1874. Der Verfasser. Inhaltsveyeichniß Seite Einleitung.3 Erller Theil. Aenßcre Ginrichtmig des Kindergartens. 1. Das Local.10 2. Die Geräthschasten.II 3. Die Kinder.12 4. Die leitenden Personen und Gehilfen..13 5. Die Buchführung.15 Zweiter Theil. Inneres Leben des Kindergartens. 1. Allgemeine Grundsätze und Gesetze.19 2. Die Bewegungsspiele. 21 3. Der Ball.26 4. Kugel, Walze, Würfel.29 5. Der in acht Würfel getheilte Würfel.33 6. Der in acht gleiche Längentafeln getheilte Würfel ... 37 7. Der in 27 Würfel getheilte Würfel.40 8. Der in 27 Täfelchen getheilte Würfel.42 9. Täfelchcn-Legen.44 10. Stäbchen-Legen.47 11. Ringe-Legen.49 VIII Inbaltsverzeichniß. Seite 12. Das Fadenspiel.'.51 13. Das Zeichnen.53 14. Das Ausstechen. 62 15. Das Ausnähen.66 16. Das Ausschneiden.68 17. Das Flechten.71 18. Das Verschränken.77 19. Der gegliederte Stab.79 2V. Das Schnüren.86 21. Das Falten.82 22. Das Pappen.85 23. Die Erbsenarbeiten.96 24. Das Modelliren.93 25. Die Beschäftigung im Garten.95 26. Wanderungen ins Freie.99 27. Der Gesang.161 28. Die Erzählung.193 29. Das Bilderklären.195 36. Das religiöse Element.197 31. Der Beschäftigungsplan.119 ver^eickniss äer Adbiläungen. 1. Der freie Ball.27 2. Der gebundene Ball.27 3. Fröbel's Grabmal.32 4. Erkenntnißformen der ersten Baugabe.35 5. Lebensformen der ersten Baugabe.35 6. Schönheitsform der ersten Baugabe.36 7. Erkenntnißform der zweiten Baugabe.39 8. Lebensform der zweiten Baugabe.39 9. Schönheitsformen der zweite» Baugabe.39 19. Erkenntnißformen der dritten Baugabe.41 11. Lebensformen der dritten Baugabe.41 12. Schönheitsform der dritten Baugabe.42 13. Lebensform der vierten Baugabe.43 14. Täfelchen-Legen mit rechtwinkligen Dreiecken.45 15. Drei Stäbchenformen.48 16. Ringe-Legen.59 17. Lebensformen zum Fadenspiel.52 18. Erkenntniß-, Lebens- und Schönheitsformen im Netzzeichnen 56 19. Schönheitsformen zum Netzzeichnm mit gebogenen Linien . 59 29. Erkenntniß-, Lebens- unh Schönheitsformen im Netzzeichnen 61 21. Ausstechen.64 22. Ausnähen.67 23. Ausschneiden.69 X Verzeichniß der Abbildungen. Seite 24 a. Flechtnadel.72 24 b. Flechtblatt.72 24 o. Flechtmuster.73 25. Verschränkformen.78 26. Erkenntniß-, Lebens- und Schönhcitsformen des gegliederten Stabes.86 27. Schnürformen.81 28. Windmühle. Faltsorm nach dem ersten Gesetz .... 84 26. Schweinchen. Faltsorm nach dem zweiten Gesetz ... 84 30. Trage. Pappform mit bloßem Ausschnitt.88 31. Kanapee. Pappform mit Umbiegen.88 32. Pappform mit Ankleben.89 33. Erbsenarbeiten.92 34. Thonformen.94 35. Der Beschästigungsgarten.97 K.iteckismuö der praktischen Kindergartnerei. Seidel, Kindergärtnerei. 2. Aufl. 1 (. rr-ri «A n. iH--'.. ^ »« Einleitung. r 1. Was ist der Kindergarten? Der Kindergarten ist eine Erziehungsanstalt, welche Kinder vom 3. bis zum 7. Jahre nicht nur in Aufsicht nimmt, sondern auch ihnen eine ihren: Wesen entsprechende Thätigkeit giebt, ihren Körper kräftigt, ihre Sinne übt und den erwachenden Geist beschäftigt, sie sinnig mit Natur und Mensckenwclt bekannt macht, besonders auch Herz und Gemüth richtig leitet und zum Urgrund alles Lebens, zur Einigkeit mit sich führt. 2. Welche Stellung nimmt der Kindergarten zu Haus und Schule ein? Er steht als Vermittelungsglied zwischen beiden, indem er die große Kluft ausfüllt, welche die Schule von der Familie trennt. 3. Inwiefern thut er das? Insofern er die aus mancherlei Verhältnissen und Umständen unzureichende Hauserziehung durch gemeinsame Spiele und Beschäftigungen ergänzt und durch eine Harnionische Entwickelung aller Körper- und Geisteskräfte die Kinder auf die Lernschule vorbereitet. 4. Gegen welche falsche Deutungen muß sich der Kindergarten verwahren? Einmal, daß er die elterliche Erziehung überflüssig machen, und zweitens, daß er in die Rechte und Pflichten der Schule eingreifen wolle. i 4 Einleitung. 5. Wie verhält sich der Kindergarten znr Verwahr-(Klein- kindcr-)schulc? Der Kindergarten steht über diesen Anstalten, weil er die Kinder nicht blos beaufsichtigt, sondern durch eigens dazu ausgebildete Frauen auch planmäßig beschäftigt -und entwickelt, wählend er andrerseits schulmäßiges Lernen sorgfältig vermeidet. 6. Wie verhält sich der Kindergarten znr Spielschnle? Im Kindergarten wird nicht allein durch das Spiel erzogen, sondern auch durch ernstere, finnige Bethätigungen des Leibes und der Seele. 7. Wie unterscheidet sich der Kindergarten von Arlieits-sStrick-, Näh-)schulen? Einmal dadurch, daß der Kindergarten nicht einseitig die Kinder mit Arbeit beschäftigt, dann aber auch, daß er statt der geistlosen Arbeiten des Strickens u. dergl. kindliche, angenehm unterhaltende und bildsame Beschäftigungen wählt, wie Papier- flechten, Falten, Bauen, Zeichnen u. a. m. 8. Wer ist der Schöpfer der Kindergärten? Der Schöpfer der Kindergärten ist Friedrich Fröbel. 9. Wer und was war Fröbel? Friedrich Fröbel ist geboren den 21. April 1782 zu Oberweißbach in Thüringen, wo sein Vater Pfarrer war. Schon vor Vollendung seines ersten Lebensjahres hatte er das Unglück, feine Mutter zu verlieren. Der Knabe war viel sich selbst überlassen und sein empfänglicher Sinn für das Naturlebcn trieb ihn oft hinaus in die Berge und Wälder seiner Umgebung, auch zogen ihn die mancherlei Werkstätten seines gcwcrbfleißigcn Heimathsdorfes an, so daß er sich reiche Anschauungen sammelte, welche während seines späteren Aufenthaltes (1792—1796) bei seinem Oheim, dem Superint. Hoffmann in Stadtilm, durch den Besuch der dortigen Schulen, mit positiven Kenntnissen herrlich ergänzt wurden. Anfangs bestimmte er sich zur Forstwissenschaft und er trat zwei Jahre (1797—1799) bei einem Förster als Gehilfe ein. Doch bald trieb es ihn, sich eine Einleitung. Univcrsitätsbildung anzueignen, weshalb er 1799—1801 nach Jena ging, wo er sich den Naturwissenschaften und Cameralien widmete. Durch äußere Verhältnisse gezwungen, nahm er in einem vornehmen Hause zu Frankfurt a. M. eine Secrctär- steile an. Hier lernte ihn derDirectorder Musterschule, Grüner, kennen, und als Fröbel einst gegen diesen seine Mißstimmung darüber aussprach, daß er seinen eigentlichen Beruf nicht entdecken könne, klopfte dieser ihn auf die Achsel mit dem Zurufe: „Sie müssen Schulmeister werden 1" —Grüner verschaffte ihm an der Musterschulc eine Stellung, die Fröbel zwei Jahre lang mit Liebe und Gcschicklichkeit ausfüllte. Zu jener Zeit erscholl der Ruf Pesta- lozzi's durch die Welt. Fröbel eilte nach Uverdon, um zu den Füßen des großen Meisters fitzen zu können. Er begleitete 1808 die drei Söhne des Herrn v. Holzhausen als Hofmeister dahin. Mit Klarheit erfaßte er die Richtigkeit des Pestalozzi'schcn Anschauungsprincips, nur erkannte er, daß jener noch nicht die geeigneten Mittel zur Anschauung gesunden habe. Nur aus den Wissenschaften, glaubte Fröbel, könnten die Fundamente der Anschauungen entlehnt werden. Mit neuem Eifer warf er sich daher wieder auf naturwissenschaftliche Studien in Göttingen und Berlin (1811 und 12). Er erhielt durch den Professor der Mineralogie Weiß zu Berlin die Stelle eines Assistenten bei dem mineralogischen Cabinet daselbst. Doch da kam das Jahr 1813. Glühend von Vaterlandsliebe trat Fröbel in die Reihen der schwarzen Jäger unter Lützow ein. Als Unterofficier hatte er unter seinen Untergebenen zwei etwas jüngere Männer, Wilhelm Middendorff aus Westphalcn und Heinrich Langethal aus Erfurt, mit denen er einen innigen Freundschaftsbund schloß, und die er mit seinen Erziehungsideen vertraut machte. Nach beendigtem Feldzuge kehrte Fröbel in seine Stellung zurück, bald aber trat ein Ereigniß ein, das ihn seinem wahren Berufe zuführen sollte. Sein Bruder war gestorben und die hilflose Wittwe hatte sich an ihn um Rath und Beistand bxi der Erziehung ihrer Kinder gewandt. Er nahm Abschied von den beiden Freunden, um in Grießheim (bei Stadtilm) die Erziehung der Kinder seines Bruders, zu welchen sich noch einige 6 Einleitung. andere aus der Unigegend fanden, zu übernehmen. In einem halben Jahre (November 1816) folgten ihm Middendorff und Langethal als Mitarbeiter nach. 1817 gründeten sie in Keilhau bei Rudolstadt ein Erzichungsinstitut, welches der Ausgangspunkt einer deutschen Nationalerziehung sein sollte. Fröbel übernahm Naturwissenschaften und Mathematik, Middendorff den Religionsunterricht, Langethal den Unterricht in Sprachen. Unter großen Anstrengungen und Opfern wurde rüstig fortgearbeitet. Als in der Folge ein Bruder Fröbcls, ein bemittelter Fabrikant, sein Vermögen der Anstalt zuwendete lind mit seiner Familie dahin zog. war das Unternehmen auch finanziell gesichert. Nun war es Fröbel möglich, seine Geliebte, Wilhelmine, eine Tochter des Kriegsraths Hoffmeister in Berlin, als Gattin heimzuführen (1818). Sie war für das Werk Fröbels hoch begeistert und gab sich, da ihr das Glück, eigne Kinder zu besitzen, versagt blieb, ganz den Kindern des Instituts hin. Jetzt galt es auch, seine Ideell durch das geschriebene Wort zu verbreiten, und Fröbel gab 1826 seine „Menschcnerzichung" und die,, Erziehende Familien- wochenschrift geeinigter Familien" heraus. Weiterhin, nachdem das Institut durch mehrere hinzugekommene Lehrkräfte, namentlich Barop, selbständiger geworden war, zog Fröbel auf Wanderungen aus und gründete in der Schweiz (1831) Wartensee, Willisau und Burgdorf, ähnliche Anstalten. Die bedrohte Gesundheit seiner Gattin nöthigte ihn dann zum Ausgeben seiner Stellung und er ging 1836 nach Berlin. Hier entsprang zuerst die Idee des Kindergartens und wurde darauf in Blankcnburg bei Rudolstadt (1837) weiter ausgebildet und veröffentlicht. In seinem „Sonntagsblatt" (1838—1840) machte er die Welt mit seinen Gedanken bekannt. Mancherlei Bedrängnisse, vor allen der Tod seiner Gattin (1839), wirkten zwar niederschlagend auf ihn ein, aber die neugefaßte Idee des Kindergartens erhielt ihn immer wieder lebenskräftig. Reisen und Schriften und die Einrichtung eines Bildungseursus für Kindergärtnerinnen, erst in Blankcnburg, dann in Keilhau, beförderten die Sache mit Schnelligkeit. Es erschienen die „Mutter- und Koselieder"(1843) und die „Spielgabcn". Durch Vortrüge in Frankfurt a. M., Einleitung. 7 Dresden, Hamburg u. s. w. (1844 —1847) verschaffte Fröbel seinen Kindergärten dort Eingang; in verschiedenen anderen Orten Deutschlands nahm man sie ebenso bereitwillig aus Da erschien im September 1851 das Verbot der Kindergärten in Preußen, eine Maßregel, die sich aus ein gänzliches Mißverstehen der Fröbel? schen Person sowohl, als seiner Bestrebungen gründete. Es war ein gewaltiger Schmerz für den großen Mann, sich so verkannt und verfolgt zu sehen. Zu einem freundlichen Asyl seiner Wirksamkeit räumte ihm der Herzog von Mciningen das Schlößchen Marien- thal bei Liebenstein ein (1850). Dort bildete er junge Damen zu Erzieherinnen nach seiner Idee ferner aus. Unter diesen befand sich Fräulein Luise Levin, welche ihm schon mehrere Jahre als eifrige Schülerin und treue Gehilfin zur Seite gestanden. Beider Herzen zogen sich an und sie wurde ihm eine zweite liebende Gattin (1851). In dieser Zeit wurden Fröbel noch manche bedeutende Männer und Frauen als Freunde und Förderer seines Systems zugeführt, unter denen D i esterw eg, Wichard Lange, Marquart, Benfey, Georgens, Pösche, Frau v. Maren- holtz u. A., in deren Thaten für ihn die frohe Zuversicht lag, daß sein Werk nicht untergehen würde, auch wenn er vom Schauplatz dieses Lebens abtreten sollte. Am 21. Juni 1852 trat das Ereigniß seines Todes ein, nachdem er nur wenige Tage an das Lager gebannt gewesen war. Fest und ruhig, ohne Schmerz und Aengste schied er von der Erde, da er sich bewußt war, auf ihr nur Gutes gewollt und gewirkt zu haben. Nach dem Hinscheiden Fröbels fiedelte seine Wittwe nach Keilhau über, woselbst die Bildungsanstalt unter Middendorffs trefflicher Leitung bis zu dessen Tode (26. Nov. 1853) weiter bestand. Sodann wandte sich Frau Fröbel erst nach Dresden, später (1854) nach Hamburg, wo sie bis jetzt einen Kindergarten, verbunden mit einer Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, leitete. Heinrich Langethal, der dritte Mitbegründer des Fröbel-Jnstituts in Keilhau, ist gegenwärtig als ÜOjährigcr, wennschon erblindeter, doch geistig noch rüstiger Greis, nachdem er jahrelang in Hildburghausen ein geistliches Amt bekleidet, nach Kcilhau zurückgekehrt. 8 Einleitung. Die Fröbel-Jdee ist wacker und glücklich weiter geführt worden durch praktische Schulmänner, wie, außer den oben genannten, durch Dr. Karl Schmidt (gest. als Schulrath in Gotha den 8. November 1864), Director Aug. Köhler und I)r. Weber in Gotha, Friedr. Seidel und Franz Schmidt in Weimar, Pfarrer G. Steinacker in Buttclstedt, H. Goldammer und Dr. E. Pappenheim in Berlin, Dr. E. Thiel in Breslau; — durch Männer der Wissenschaft, wie Professor Dr. Bock in Leipzig (gest. den 19. Februar 1874); — durch einflußreiche Beamte, wie Bezirksgerichtsrath v. Dobeneck in Hof; — durch Frauen, welche sich dem Erzieherberufe widmeten, wie Frl. Angelika Hartmann in Käthen und viele Andere. Die Zahl der Kindergärten ist gegenwärtig groß. In Oesterreich sind sie feit 1873 staatlich eingeführt, eine Errungenschaft, die angestrebt wurde durch den seit 1857 bestehenden „Allgemeinen Fröbelvcrein " (Gotha-Weimar) und nach welcher auch für alle Staaten mit vereinten Kräften gestrebt wird durch den im Jahre 1873 in Nordhausen gegründeten „Verband der deutschen Fröbelvereine" (Vorort für 1874 bis 1875 Weimar-Gotha). Auch besteht für die Fröbcl'sche Pädagogik seit 1860 ein besonderes Fachblatt in der Zeitschrift „Kindergarten rc.", herausgegeben von A. Köhler, Fr. Schmidt und Fr. Seidel (Weimar, H. Böhlau). Als hervorragende Schriften der Fröbel-Pädagogik neuerer Zeit sind zu bezeichnen: Dr. Wichard Lange, „Fr. Fröbels gesammelte Werke". Berlin, Enslin. A. Köhler, „Die Praxis des Kindergartens". 3 Bände. Weimar, Böhlau. -, „Der Kindergarten in seinem Wesen". Ebendaselbst. -, „Die Bewegungsspiele des Kindergartens". Ebendaselbst. H. Goldammer, „Der Kindergarten". Berlin, Habel. Einleitung. 9 H. Goldammer, „Das Baum, die Täfelchen rc." Berlin, Hugo Bretsch. Fr. Seidel und Fr. Schmidt, „Die Arbeitsschule". ISHefte: Das Netzzeichnen, Flechten, Pappen, Ausstechen, Stäbchen- legen, Erbscnarbeiten, Thonmodelliren, Verschränken, Ausschneiden, Nähen, Schnüren, die Fadenspiele und der gegliederte Stab. Weimar, H. Böhlau. Erster Eher!. Aeußere Einrichtung des Kindergartens. Erster Abschnitt. Das L o c a l. 10. Welche Räumlichkeiten erfordert ein Kindergarten? Einen Bewegungs- oder Spielsaal, ein Beschäf- tigungs- oder Arbeitszimmer und einen Garten. 11. Wie muß der Bewegungssaal beschaffen sein? Da derselbe zu den Bewegungsspielen dient, so muß er vor allem, der Kinderzahl entsprechend, geräumig sein, und zwar in Länge, Breite und Höhe, wo möglich ein Rondel oder Quadrat. Licht und Luft (keine Zugluft!) darf nicht fehlen. Alle sperrenden, namentlich scharfkantigen und eckigen Geräthe sind daraus fern zu halten. Staub muß sorgfältig vermieden oder beseitigt werden. Eine zu große Ofenwärme im Winter ist nicht nur überflüssig, sondern auch schädlich, indem die Kinder durch die Bewegung von selbst mehr erwärmen, als in gewöhnlichen Zimmern. Als Zierde wären Wandgemälde mit Spielscenen sehr erwünscht. 12. Wie muß das Arbeitszimmer beschaffen sein? Es kann kleiner sein als der Spielsaal, jedoch rechtwinkelig und hell. Kleiderrechen find am besten in einem Vorzimmer an- Das Local. — Die Gerathschaflen. 11 zubringen. Die Wände werden mit Arbeitsmustern und Bildertafeln geschmackvoll dccorirt. Das Arbeitszimmer steht durch eine Thür mit dem Bewegungssaal und dieser ebenso mit dem Garten in Verbindung. 13. Wie ist der Garten einzurichten? Der Garten ist einzutheilen in n) einen Sandplatz mit einem Zeltdache im Sommer zu den Bewegungsspielen; b) einen Grasplatz mit schattigen Obst- und anderen Bäumen und Sträuchen? zu den nichtkreisförmigen Bewegungsspielen; a) einen Blumen- und Fruchtgarten, in welchem zur Anschauung und Belehrung der Kinder alle einheimischen Blnmen-, Gemüse- und'Gctrcidearten rc. repräsentativ gezogen werden; cl) einen Arbcitsgarten mit kleinen Bcctchen, von denen jedes Kind eins zur Bearbeitung und Pflege erhält. — Trockene Sandwege überallhin und große Lauben sind wesentliche Erfordernisse. 14. Was ist bei der Wahl des Locals zn beobachte»? Daß dasselbe den Wohnungen der Kinder nicht zu fern liege, damit sie den Hin- und Herweg leicht allein machen können, und daß die Zimmer zu ebener Erde sich befinden, damit das in der Menge leicht gefährliche Treppensteigen vermieden wird. Auch ist ein besonderer Augenmerk auf die Aborte zu richten, daß diese nicht zu entfernt und doch auch wieder nicht zu nahe liegen, und daß namentlich ihre innere Einrichtung kleinen Kindern angemessen ist. Zweiter Abschnitt. Die Geriithschaften. 15. Welche Geräthe sind im Arbeitszimmer nöthig? Subsellien. eine Wandtafel und ein oder einige Schränke. 16. Wie müssen die Subsellien beschaffen sein? Die länglichen Tafeln sind 50—53 am hoch, 7 0 am breit und liegen die Deckblätter horizontal. Die Bänkchen sind 28 am 12 Aeußere Einrichtung des Kindergartens. hoch, der Sitz 28 om breit und mit schrägen Lehnen in der Höhe der Tafeln versehen. Die Kinder sitzen an beiden Seiten der Tafel einander gegenüber, so daß jedes Kind 50 om ins Geviert Flächenraum aus der Tafeldeckc zu beanspruchen hat. Die Platz- grenzen sind durch (rothe) Linien zu bezeichnen: auch ist es aus Gründen der Aesthetik gut, wenn Tafeln und Bänke (grün oder ockerbraun) gefirnißt, oder lackirt sind. Bei der Beschäftigung »stehen die Tafeln so, daß die Kindergärtnerin bequem an jeden Platz gelangen kann. 17. Was ist von der Wandtafel z» sagen? Sie dient zum (Netz-)Zeichnen und ist deshalb mit einem rothen Liniennetze von 5 om Weite zu beziehen. 1 m ins Geviert wären ungefähr ihre Dimensionen. 18. Was ist über die Schränke zu sagen? Diese dienen zur Aufbewahrung der Spiel- und Beschäs- tigungsmittel und der angefangenen oder fertigen Arbeiten der Kinder. Deshalb ist es zweckmäßig, wenn sie am obern Theile Glasfenster haben. Man stellt sie in die Ecken, oder so, daß sie bezüglich des Raumes und Lichtes nicht stören. 19. Welche Geräthe sind. im Garten nöthig? Eine Schaukel, kleine Schubkarren und Radeberren, Gießkannen, Rechen, Spaten, Hacken, Schaufeln und in den Lauben Tische und Bänke. Äriller Mschnitt. D i K i n d e r. 20. Welche Kinder nimmt der Kindergarten auf? Ohne Ausnahme die Kinder aller Stände und beiderlei Geschlechts vom 3. bis zum 7. Jahre, insofern sie nicht wegen Un- reinlichkeit, ansteckender Krankheiten, häßlicher Redensarten rc. Bedenken erregen. Die Kinder. — Die leitenden Personen. 1Z 21. Werden die Kinder aber dann nach Stand nnd Geschlecht getrennt? Niemals. Vielmehr kann der Kindergarten durch ein gegenseitiges Bekanntwerdenlassen der Kinder aus den verschiedensten Familien und durch gemeinsames Schaffen und Spielen der Knaben und Mädchen sein Ziel desto besser erreichen. 22. Wieviel Kinder kann und darf ein Kindergarten auf- ' nehmen? Bei einer Kindergärtnerin ohne Gehilfen wäre die Zahl 30 das Maximum; sonst richtet sich die Zahl der Aufzunehmenden stets nach der Zahl der leitenden und helfenden Personen und — selbstverständlich — nach der Größe des Locals. Bei einer das Maximum übersteigenden Kinderzahl werden die Kinder nach Maßgabe ihres Alters in zwei Abtheilungen gebracht und in den beiden Zimmern zu gleicher Zeit beschäftigt und beaufsichtigt. (S. letzten Abschnitt.) 23. Ist auch eine besondere Kleidung der Kinder erforderlich? Wenn auch nicht eine uniformirte, so doch eine möglichst einfache, bequeme, haltbare und wohlfeile, im Sommer von Leinen, im Winter von Wolle. Zur Schonung der Kleider tragen in den meisten Kindergärten die Kinder Schürzen mit Brustlätzchen, die im Vocale aufbewahrt bleiben. Vierter Mschmtt. Die leitenden Personen und Gehilfen. 24. Wer soll den Kindergarten leiten? Die geeignetste Leitung eines Kindergartens geschieht durch zwei Personen, eine männliche und eine weibliche. 25. Welche Anforderungen sind an sie zu stellen? Sie müssen auf der Höhe der Bildung eines geprüften Lehrers oder Lehrerin stehen, müssen die Fröbcl'sche Pädagogik des Kindergartens besonders studirt haben, müssen namentlich warme Liebe 14 Aeuvere Einrichtung des Kindergartens. für die Kinderwelt im Herzen tragen, eine gute Singstimme und die Gabe kindlicher Umgänglichkeit besitzen und dürfen weder zu alt, noch schwach und kränklich sein. 26. Wo werden Kindergärtnerinnen gebildet? Zu diesem Zwecke bestehen Bildungsanstalten: in Gotha, unter dem Jnstitutsvorstehcr und Kindergärtner A. Köhler; in Berlin das Seminar des Fröbelvereins; in Breslau das Seminar des Fröbelvereins; in Sondershausen das Seminar von Frl. Naveau; in Köthen das vr. Karl Schmidt-Institut von Frl. Angelika Hartmann. 27. Sind im Kindergarten noch andere Personen nöthig? Gut ist's, wenn je nach Anzahl der Kinder eine oder mehrere Gehilfinnen mit thätig sind. Dies können junge Mädchen sein, welche. sich dem Kindergarten widmen, oder auch solche, welche sich zu verständigen Kinderwärterinnen ausbilden wollen. 28. In welcher Weise haben die leitenden Personen sich in die Geschäfte z» theilen? Der männliche Theil übernimmt die Direktion, die äußern Geschäfte, wie die Aufnahme der Kinder, die geschäftlichen Verhandlungen mit den Eltern, die Vertretung gegen etwaige Angriffe und Zumuthungen von Außen, wie auch die Anordnung des Beschäftigungsplanes. Der weibliche Theil leitet mehr das Innere, die Spiele und Beschäftigungen u. s. w., jedoch kann ersterer recht wohl auch einige Fächer, z. B. Erzählen, Besprechung von Dingen und Bildern, Zeichnen, die Gartenarbeiten übernehmen. Die Buchführung. 15 Fünfter Mschnilt. Die önchführung. 29. Welche Bücher müsse» für den Kndergarten angelegt werden? Zu einem gut eingerichteten Kindergarten gehören folgende Bücher: eine Zu- und Abgangstabelle, ein Cassabuch ein Tagebuch, ein Statut. 3V. Wie ist die Zu- und Abgangstabelle einzurichten? Nach folgendem Schema: Name und Ge- Stand und Nr. iurtszeit des Wohnung der Kindes. Eltern. Zeit des Abgangs. Zeit der Aufnahme. Karl Rathgen, Regierungsrath 1870. 1874. t. Oktober. 31. März. I. 1856. Schillerstraße 27. October. Nr. 19. 31. Nach welchem Schema ist das Cassabuch anzulegen? Etwa so: (S. Schema auf folgender Seite.) 32. In welcher Weise ist das Tagebuch einzurichten? Man legt für jeden Tag des Jahres eine Seite an, auf welche alle Beschäftigungen und Spiele, Vorkommnisse und Erscheinungen, sowie alle eigenthümlichen Beobachtungen an den Kindern täglich eingetragen werden. 33. Welchen Nutzen hat das Tagebuch? Es vertritt die Stelle der Jnstitutschronik — und das ist wichtig; es ist aber auch die beste Selbstcontrole, ein Wecker und Mahner zur Gewissenhaftigkeit, dieser Cardinaltugcnd alles Lehrer- und Erzieherthums — und das ist noch wichtiger! 1b Aeußere Einrichtung des Kindergartens. t>v 2 L0 »t» Nummer in der Zu- und Abgaugs- tubclle. 8 G G W -ri -K 2 o !? V S 6! § K» 3 SY 8 3, N 2 U 2 2 2 2 2 2 2 2 2 52 2 2 2 -2. 2 2 2 « 2 2 2 2 2 -2. 2 2 8 2 2 2 2 2 2 2 2 -§ 2 2 S 2 2 2 2 2 s 2 2 2 LS « -r >—»> oo 8 E 6t s 7» Die Buchführung. 17 34. Wie könnten die Statuten lauten? Das Statut wird natürlich den örtlichen Bedürfnissen immer anzupassen sein, jedoch würde für Städte mittlerer Größe ein Statut, wie es für den Kindergarten des Herrn A. Köhler in Gotha besteht, im Ganzen sich wohl eignen. Dasselbe lautet: 8 1. Der Kindergarten ist eine Erziehungsanstalt für jüngere Kinder. Die Methode des Unterrichts und der Erziehung ist diejenige, welche Fr. Fröbel in seinen Schriften und Vortrügen aufgestellt hat und wie sie in den durch ihn hervorgerufenen Kindergärten ausgebildet ist. 8 2. Die aufzunehmenden Kinder dürfen nicht unter 21/2 und nicht über 5i/r Jahre alt sein. 8 3. Sie dürfen nicht an ansteckenden Krankheiten leiden. 8 4. Die Anstalt ist täglich, mit Ausnahme von Sonn- und Festtagen, von 10—12 Uhr Bor- und 2—4 Uhr Nachmittags geöffnet, Montag und Donnerstag Nachmittag ist frei. 8 5. Im Monat Juli und an jedem Hauptfeste treten kurze Ferien 'ein. K 6. Die Kinder haben sich präcis einzusinken und müssen pünktlich abgeholt werden. Nur in dringenden Fällen kann die Abholung vor Schluß geschehen. 8 7. Sind die Kinder verhindert, die Anstalt zu besuchen, so ist dies von Seiten der Eltern der betreffenden Kindergärtnerin anzuzeigen. 8 8. Der Eintritt in die Anstalt kann zu jeder Zeit geschehen, der Austritt aber nur mit Ablauf eines Quartals, nachdem vier Wochen vorher die Anzeige deshalb bei dem Unterzeichneten gemacht worden ist. 8 9. Das monatliche Honorar, 2 Mark für jedes Kind, wird in der Regel am ersten jeden Monats postnuinsrnmlo entrichtet, doch kann die Bezahlung auch vierteljährlich prnöllumörnnäo geschehen. 8 10. Die Anstalt hält dem Kinde sämmtliche Spiel- und Be- schästigungsmittel vor; dafür bezahlt jedes Kind beim Eintritt ein für alle Mal 1 Mark 50 Pf. 8 1l. Die Zahlungsverbindlichkeit beginnt mit dem Monat der Aufnahme und läuft — auch bei Nichtbesuch der Anstalt — bis zur erlangten Entlassung fort. 8 12. Auch wenn der Eintritt in die Anstalt mitten im Monate geschieht — oder Ferien in den Monat fallen — muß das Honorar für den ganzen Monat gezahlt werden. Seidel, Kindergärtnerei. 2. Aufl. 2 18 Aeußere Einrichtung des Kindergartens. K 18. Krankheiten, die das Kind mindestens drei Monate von dem Besuche der Anstalt zurückgehalten haben, befreien auf Ansuchen der Eitern von der Zahlungspflichtigkeit. i ß 14. Der Besuch des Kindergartens ist Jedem gestattet. Gotha, den 1. September 1857. A. Köhler. 35. Was ist sonst noch anzurathen? Daß ein genaues Jnventarienverzeichniß geführt wird mit Angabe des Ankaufspreises der einzelnen Gegenstände; ferner daß jedem Kinde ein gedrucktes Statut mit angehängtem Quittungsbuche eingehändigt wird. Zweiter Theil. Inneres Leöen des Kindergartens. Erster Mschnilk. Mgcmcine Grundsätze und Gesetze. 36. Welches ist der oberste leitende Grundsatz der Pädagogik Fröbcls? Das Kind wird entwickelnd erzogen. 37. Wie ist das zu verstehen? Das Kind soll von innen heraus gebildet werden durch harmonische Entwickelung aller in ihm wohnenden Kräfte und Triebe; hingegen soll alles und jedes von außen kommende bloße Anlernen vermieden werden. 38. Wie geschieht das? Nicht durch bloßes Auswendiglernen, sondern durch Anschauen, Begreifen, Sprechen undThun, oder Schaffen. 3!). Welcher Grundsatz schließt sich diesem an? Das innerlich Empfundene und Erkannte wird äußerlich dargestellt. 4Y. Ist dieser Grundsatz so wichtig, nnd warum? Er ist von großer Wichtigkeit, weil der Mensch nicht nur ein denkendes und fühlendes, sondern auch ein wollendes, 20 Inneres Leben des Kindergartens. schaffendes Wesen ist, das feine hohe Bestimmung ohne gute und schöne Entfaltung des Thätigkeitstriebcs nicht erreichen, ja vielmehr durch einen vcrdumpften und irregeleiteten Trieb des Schaffens und Thuns zu einer thierischen Creatur herab- sinkt. Fröbel ist der erste Pädagog, der diesen Grundsatz betont und anwendet. 41. Wodurch wird dieser Grundsatz im Kindergarten zur Anwendung gebracht? Durch Spiel und Beschäftigung (Arbeit). 427 Welche Hanptgesetze werden bei der kindcrgärtncrischen Thätigkeit befolgt? Die Gesetze von den Gegensätzen und deren Vermittelung. 43. Was begreift Fröbel unter dem Gesetz der Gegensätze? Er sagt: Die Geistesgesctze sind identisch mit den Weltgesetzen, d. h. im menschlichen Geiste wirken dieselben Gesetze, die im Naturlcben sich vorfinden. Jede Wirkung ruft eine Gegenwirkung hervor, Physisch wie psychisch. Als Gegenwirkung der ersten Sinnesrcccptionen ist die Thätigkeit des Willens, das Strampeln und Greifen anzusehen. So hat auch jeder Gegenstand sein Entgegengesetztes: Natur und Gott, Vater und Mutter, Kugel und Würfel u. s. f. 44. Was versteht Fröbel nun unter dem Lcrmittelungsgcsctz? Die Gegensätze haben ein Drittes, in welchem die Eigenschaften beider verbunden erscheinen, z.B. Natur — Mensch — Gott; Vater— Kind —Mutter; Kugel —Walze — Würfel; Anschauung — Phantasie — Wille (schaffende Thätigkeit). 45. Wie werden die Gesetze des Gegensatzes und der Vermittelung im Kindergarten befolgt? Dem einen Spiel- und Beschäftigungsmittcl ist stets ein anderes, gleiches entgegengesetzt, dazwischen besteht ein drittes, mit beiden verwandtes: Kugel — Walze — Würfel; Sitzen (Ruhe) — Stehen — Gehen (Bewegung); blau — grün — gelb; Ausstechen (Punkt) — Ausnähen (Linie) — Aus- Allgemeine Grundsätze und Gesetze. — Die Bewegungsspiele. 21 schneiden (Fläche); Stäbchcnlegen (Linie) — Täfelchen- legen (Fläche) — Bauen (Körper). 46. Welche Wichtigkeit haben diese Gesetze? Die Dinge der Außenwelt werden durch dieselben in der Beziehung, in welcher sie zu einander stehen, erfaßt, die Wesenkette, die nun doch einmal besteht, wird erkannt und die Kinder werden stets in ihrem ganzen Wesen bethätigt und zur Wesens- einheit gebracht. Zweiter Mschnitt. Die Lewegungsspiele. 47. Was versteht man unter Bewegungsspielen? Bewegungsspiele sind diejenigen Spiele, bei denen die körperliche Bewegung vorherrschend ist. 48. Welche Stelle weist Fröbel den Bewegungsspielen im Kindergarten an? Die oberste Stelle; obgleich er nicht von vornherein gleich auf die Bewegungsspiele gekommen, hat er ihnen doch später die meiste Bedeutung beigelegt. 49. Welchen Zweck und welche Bedeutung haben diese Spiele? Sie sollen die harmonische Entwickelung des Körpers in allen einzelnen Gliedern, die freie Unterordnung der Kinder unter ein waltendes Gesetz, und ein Thatleben des Kindes, d. h. ein äußerliches Darstellen des innerlich Erkannten und Empfundenen befördern. 50. Was stellen die Bewegungsspiele dar? Erlebtes, d. h. sie sind Nachahmungen des wirklichen Lebens. Fröbel ist bei der Wahl derselben der kindlichen Natur Schritt vor Schritt nachgegangen, indem er aus den vorhandenen Kinderspielen diejenigen aufnahm, in denen die Kinder die Thätigkeiten der Handwerker, Bauern, Jäger u. dcrgl. darstellten, oder indem er andere ähnliche mit Glück und Geschick erfand. 22 Inneres Leben des Kindergartens. 51. Welche Anforderungen sind an die Bewegungsspiele zu stellen? Sie müssen wahrhaft kindlich, d. h. den Kindern angenehm, klar und verständlich sein, und dürfen nur sittlich gute Elemente enthalten. 52. Wo finden wir die Fröbcl'sche» Bewegungsspiele gesammelt ? In dein Werkchen von A, Köhler: „Die Bewegungsspiele des Kindergartens". Weimar, H. Böhlau. 5. Anst. 3 Mark 50 Pf. 53. Dürfen außer diesen nicht auch andere volkstlsiimliche Spiele herangezogen werden? Gewiß, wenn sie den obigen Anforderungen entsprechen. Es finden sich überall in Kindcrkreiscn noch originelle und sinnige Spiele, welche Fröbcl nicht gekannt und aufgenommen hat; manche davon, aus sehr alter Zeit stammend, sind uns heute nicht mehr verständlich, oder es werden in ihnen sittliche Fehler nachgespielt; andere jedoch eignen sich ihrer Klarheit und ethischen Reinheit wegen recht gut für den Kindergarten. Solcher sind eine Anzahl gesammelt und vom Verfasser d. mitgetheilt in der Zeitschrift „Kindergarten und Elcmentarclasse", 2. Jahrgang. Weimar, H. Böhlau. 54. In welche zwei Abtheilungen lassen sich die Bewegungsspiele bringen? In Spiele mit und Spiele ohne Ortsveränderung. 55. Welches ist ein charakteristisches Spiel mit Ortsberän- dernng? Die Enten"). Die Kinder bilden, sich an den Händen fassend, einen Kreis, der den Teich vorstellt; in diesen tritt eine Anzahl anderer Kinder, von denen eins die alte Ente, die übrigen die jungen sind. Sie schwimmen, mit Armen und Händen das Rudern nachahmend, — die Mutter stets voran — im Teich umher. Ein ') Aus „Lieder für Elternhaus und Kindergarten" von Friedrich Seidel. Langensalza, Schulbuchhandlung. 1. Heft. 1 Mark. Die Bewegungsspiele. 23 Kind ist schon vorher zum Weihen und eins zum Jäger bestimmt. Diese stehen beide an entgegengesetzten Punkten außerhalb des Kreises seitwärts. Jetzt singt der Kreis, indem er sich hcrumbewegt: m/' > > Ar. Seidel. ^ l > ^ b F ^ ^ - * » Vers 1. Die Ent'und Entlein fischten im schilf-be-wachs'nen s—j- < ^ ^ ^ ^ ^ ^ I—?-^- F - Teich, und wenn sie was er - wischten, so rie-fen al - le gleich: Li - te - lit, Pakpak, li - te - lit, pakpak, li - te - /V - s -1-.- ^ T' I ^ I lit, pakpak, pak - pak Vers 2. Die alte Ente lehrte: „Ihr Kinder, habet Acht! Wenn uns ein Raubthier störte, So eilt ins Rohr ganz sacht." Litelit, pakpak rc. Sobald der dritte Vers beginnt, umkreist der Weihe den Teich in der Richtung, in welcher dieser sich bewegt. Vers 3. Kaum hat sie dies empfohlen Den Kindern ernst und warm, So folgt schon ganz verstohlen Der Weih' dem Entenschwarm. Litelit, pakpak rc. Vers 4. Die Enten seh'n den Räuber Hoch oben in der Lust; Ins Rohr geht's ohne Treiber, Dieweil die Mutter ruft. Litelit, pakpak rc. 24 Inneres Leben des Kindergartens. Vers 3. Der Weihe schwebte lange . Den Enten über'm Haupt, Und war auch ihnen bange, Ward keine doch geraubt. Litelit, pakpak rc. Bei Vers 6 kommt der Jäger in entgegengesetzter Richtung angelaufen, und sobald er mit dem Weihen zusammentrifft, ist dieser todt und kauert sich still bis zu Ende des Spiels zur Erde nieder; der Jäger bleibt bei der Beute stehen. Vers 6. Drauf kam der Jäger Plötzlich Und schoß den Räuber todt. Die Enten schrie'n ergötzlich, Als aus war ihre Noth. Litelit, pakpak rc. Vers 7. Jetzt dankten auch die Jungen Der Mutter für die Lehr', Von allen ward gesungen Dem Mütterlein zu Ehr': Litelit, pakpak rc. Vers 8. Von nun an Jede hörte Stets auf die Mutter blos; Drum nichts ihr Glück mehr störte, Sie wurden Alle groß. Litelit, pakpak rc. (Julius Weichbrodt, in Fröbel's Wochenschr.) 56. Was ist bei diesen Spielen noch zu beobachten? Zu den selbständigen Rollen wählt man anfangs die größeren und beherzteren Kinder, dann aber auch die jüngeren und schüchternern, um Alle zur Durchführung eines jeden Spieles zu befähigen. 57. Welches wäre ein charakteristisches Bewegnngsspiel ohne Ortsvcränderung? Die Leinweber"). Die Kinder sitzen im Arbeitszimmer an den Tafeln und ahmen mit Armen und Beinen die Bewegungen des Webers nach; ein längliches Bauklötzchen vertritt die Stelle des Schiffchens (Schützen) und wird taktmäßig herüber und hinüber, von einer "1 „Kindergarten rc.", 4. Jahrgang, Seite 47. Die Bewegungsspiele. 25 Hand zur andern geschossen. Bei den Zeilen mit „poch — poch" tappen die Füßchen eins ums andere taktmäßig auf. Alle fingeni Heiter. Volksweise. '"3——s- r--i - i—— ^4 . ^ j — —s— WerS 1 ! Die Leinwe-ber sind sehr flei -ßi-ge i Sie we - ben dir und mir das Leut', - Kleid, s Wa-rum, < < >. /X ck--. ^ du? F—F-F- »—»— darum, poch, poch, poch, poch. Roth u. grau, gelb und blau, ^- ^—s— -s—I — ' I s ' ^ i ' -1 s" - . ^— t! —^—2 i ' . poch, poch, poch; grob und fein, groß und klein, ^ ^ I bM — d ——i-i ^->- ch'—!— roth und grau, gelb und blau, poch, poch, poch. Vers 2. Die Leinweber haben ein Schiffelein, Warum, darum, poch, poch, poch, Sie schießen damit Fädchen ein. Warum, darum, poch, poch, poch. Roth und grau. Gelb und blau, poch, poch, poch. Grob und sein, Groß und klein rc. Vers 3. Die Leinweber machen schöne Musik, Warum, darum, poch, poch, poch, Sie halten Takt mit viel Geschick, Warum, darum, poch, poch, poch. Roth und grau, Gelb und blau, poch, poch, poch rc. (Nr. Seidel.) 26 Inneres Leben des Kindergartens. 58. Was wäre a» dieses Spiel zu knüpfen? Fragen und Belehrungen über den Webstnhl, das Material des Webcns, die Verwendung des Gewebes u. s. w. „ Wo wohnt ein Weber in unserer Stadt? in welcher Straße? wie heißt er? was hat die Mutter bei ihm gekauft? was hat er noch zu verkaufen?" u. dergl. "Dritter Abschnitt. Drr Lall (erste Sprelgabe). 59. Worin besteht die erste Spiclgabe? Sie besteht in sechs Bällen, von denen jeder eine der Regenbogenfarben — blau, grün, gelb, orange, roth, violett — trägt*). 60. Warum stellt Fröbel den Ball seinen Spiclmitteln voran? Weil er alle seine Spielmittel auf eine mathematische Basis gründet und weil die Kugelgestalt des Balles die einfachste, in sich vollendetste Form aller festen Gebilde ist, in der alle andern enthalten sind. Auch ist er in der Wahl des Balles zum ersten Spielmittel der Beobachtung gefolgt, daß jede Mutter ihrem Kinde so bald wie möglich einen Ball in die Händchen giebt, wie auch der Ball ein Lieblingsspielzeug für größere Kinder, ja hier und da auch für Erwachsene ist. 61. Welche Elemente der Anschauung repräsentirt der Ball? Der Ball zeigt die Elemente der Form, Farbe und Bewegung. 62. Was lernt das Kind am Ball hinsichtlich der Form? Das Kind sieht und begreift am Ball, was ein vollkommen runder Körper ist, an deni weder Flächen, noch Linien und Punkte besonders hervorspringen. ') Der Ballkasten ist in Gotba von Frau Köhler, Gartenstraße 11, zu dem Preise von 1 Mark SO Pf. zu beziehen. Der Ball. 27 63. Was zeigt die Ballgabe hinsichtlich der Farbe? An den sechs Bällen erscheinen die drei Grundfarben — blau, gelb, roth — in ihrer Reinheit; die drei Mischfarben vermitteln dieselben: grün — blau und gelb, oränge — gelb und roth, violett —roth und blau. Es läßt sich also an ihnen die Farbe nharmonie verdeutlichen. 64. Welche Bewegungen veranschaulicht der Ball? Der freie Ball (Fig. 1) veranschaulicht 1. das Ruhen der Dinge auf einem ruhenden Gegenstände, 2. das Ruhen der Dinge auf einem sich bewegenden Gegenstände, 3. das Bewegen der Dinge aufeinem ruhenden Gegenstände: a) auf einer wagerechten l b) auf einer senkrechten ? Ebene, e) auf einer schiefen j 4. das Bewegen der Dinge auf einem sich bewegenden Gegenstände. Der gebundene Ball (Fig. 2) veranschaulicht 1. einfache Drehbewegungen, 2. doppelte Drehbewegungen, 3. Ziehen eines Gegenstandes, 4. Hüpfbewegungen. Fig. 2 . Der gebundene Ball. Fig. 1. Der freie Ball. 65. Welche körperlichen Uebungen bringt das Ballspiel mit sich? Das Greifen und Umspannen des Balls kräftigt die Muskeln der Hand und des Armes, und der vor den Augen des Kindes hin und her schwebende Ball bildet das Auge im Firiren eines 28 Inneres Leben des Kindergartens. Punktes; auch erregen die Ballspiele iin Freien eine gesunde Bewegung des ganzen Körpers. 66. Inwieweit gehört der Ball in den Kindergarten? Die elementaren Ballübungen — „Mach's Händchen auf, nimm's Bällchen aus!" — „Hinüber, herüber!" — „Hopp, hopp!" — sind für das erste Kindesalter von 1 bis zu 3 Jahren; doch wird man diese Uebungen bei vernachlässigten Kindern im Kindergarten nachholen müssen. Die Bewegungsballspiele sind der eigentliche Spielstoff mit dem Ball für den Kindergarten. 67. Welches ist ein solches Bewegungsballspiel? Die Jagd. Die Kindergärtnerin oder eins der größeren, im Werfen geübteren Kinder ist der Jäger, bewaffnet mit einem weichen Balle. Ein Kind stellt denHund vor, die anderen die Häschen; sie springen im Garten auf dem Rasen umher oder kriechen hinter Bäume, Büsche und Lauben; Jäger und Hund halten sich in den Wegen. Alle rufen wiederholt:' äs-chen, ver-ste-cke dich, der Jä - ger kömmt und schießt dich! Piff, paff, puff! Der Jäger! schießt mit dem Balle. der Getroffene fällt todt nieder und wird vom Hund geholt und in die Niederlage — eine Laube — gebracht, wo er bis zu Ende des Spiels verweilt. Ebenso bringt der Hund jedesmal den Ball zurück. Das Spiel ist aus, wenn alle Häschen geschossen sind; es kann auch nach Belieben aufhören. 68. Welche weiteren Belchrimgsquellcn giebt es in Bezug aus den Ball? Fr. Fröbels gesammelte Schriften von W. Lange. II. Theil. Berlin, Enslin. 8 Mark. Der BaN. — Kugel, Walze, Würfel, 29 A. Köhler, „Praxis des Kindergartens", I. Theil, 2. Aufl. Weimar, H, Böhlau, 4 Mark, H, Goldammer, „Der Kindergarten", 2. Aufl, Vierter Abschnitt, Lugel, Wahr, Würfel (zweite Spielgabe). 69. In welcher Beziehung steht die zweite Gabe zur erste»? Die zweite Gabe ist das Entgegengesetztgleiche der ersten: entgegengesetzt, indem der Ball weich, rauh, leicht und klanglos, die Kugel (Walze, Würfel) aber hart, glatt, schwer, klingend ist und mehr Kraftanstrengung von Seiten des Kindes erfordert, sowie auch Walze und Würfel in ihrer Gestalt von dem Ball abweichen; gleich, indem die Kugel ebenso rund und beweglich ist wie der Ball und indem Kugel, Walze und Würfel init dem Ball drei im rechten Winkel sich schneidende Axen gemein haben. Die Kugel vermittelt den Ball mit Walze und Würfel. 70. In welcher Beziehung stehen die drei Körper der zweiten Spiclgabe unter sich? Kugel und Würfel sind zwei Entgegengesetztgleiche, die Walze bildet die Vermittelung, 71. Inwiefern sind Kugel und Würfel einander entgegengesetzt? Die Kugel ist einstach ig rund, der Würfel sechsflächig eckig; die Kugel ist beweglich, der Würfel ruhend; die Kugel zeigt in der Bewegung stets dasselbe Bild, der Würfel — sobald man ihn um eine seiner Axen dreht — zeigt nicht mehr die Würfelgestalt; die Kugel ist die Einheit, der Würfel die Vielheit. 72. Worin beruht die Vcrinittclnng durch die Walze? In der Walze einen sich Kugel und Würfel zu einem gemeinschaftlich Verwandten: mit der Kugel hat die Walze die Rundung und Beweglichkeit gemein, mit dem Würfel die geraden Flächen 30 Inneres Leben des Kindergartens. und die Ruhe; mit beiden zugleich aber die Festigkeit, Schwere, den Klang und die Glätte ihrer Flächen. 73. Welche Uebungen bedingt die Kugel? Mit der Kugel werden dieselben Uebungen gemacht wie mit dem Ball, also theils frei, theils gebundew. Um einen Faden befestigen zu können, ist an der Kugel eine vertiefte kleine Oese angebracht. 74. Wird bei der Kugel auch auf die Farbe Rücksicht genommen ? Ja. Das Kind bekommt zu der weißen Kugel noch eine schwarze, welche beide die Licht- und Schatten-, die Tag- und Nachtseiten des Lebens versinnbildlichen und gleichsam die entgegengesetzten Pole des Farbenkreises (der Bälle) darstellen. 75. Womit vergleicht die Kindesphautasie die Kugel? Mit einem Apfel, einer Kirsche, einem Mcnschenkopfe, der Sonne, den; Monde rc. 76. Was wird mit dem Würfel vorgenommen? Der Würfel wird zunächst allseitig betrachtet: seine Seiten (Mächen), Kanten (Linien) und Ecken (Punkte) werden gezählt und ihre Stellungen zu einander aufgefaßt. Dabei kommen die Begriffe: oben und unten, vorn und hinten, links und rechts, hüben und drüben, wagereckt, senkrecht, rechter Winkel und schief zur Erkenntniß. 77. Welches wären die vorzüglichsten Freiübungen? l. Der Würfel auf eine Seite gestellt u) dem Auge gerade gegenüber, in gleicher Höhe mit demselben, zeigt: 1 Fläche, 4 Linien, 4 Punkte und 4 rechte Winkel; b) gerade gegenüber, etwas tiefer, zeigt: 2 Flächen, 7 Linien, 6 Punkte und 8 rechte Winkel; o) schräg gegenüber, etwas tiefer, zeigt: 3 Flächen, 9 Linien, 7 Punkte und 12 rechte Winkel. ' »M»W Kugel, Walze, Würfel. Z 1 2. Der Würfel auf eine Kante gestellt a) dem Auge gerade gegenüber, in gleicher Höhe, zeigt: 1 Fläche, 4 Linien, 4 Punkte, 4 rechte Winkel; b) gerade gegenüber, tiefer, zeigt: 2 Fl., 7 L., 6 P„ 8 r. W.; o) schräg gegenüber, tiefer, zeigt: 3 Fl., 9 L., 7 P., 12r. W. 3. Der Würfel auf eine Ecke gestellt a) dem Auge gerade gegenüber, in gleicher Höhe, zeigt: 1 Fl., 4 L., 4 P.. 4 r. W.; b) gerade gegenüber, tiefer, zeigt: 2 Fl., 7 L., 6 P., 8 r. W.; o) schräg gegenüber, tiefer, zeigt: 3 Fl., 9 L., 7 P., 12 r. W. 78« Welche Bewegungen läßt der gebundene Würfel zu? Es lassen sich mit dem Würfel dreierlei Bewegungen darstellen: 1. pendelmäßige Schwingung, 2. Ziehen, 3. Drehen um seine Axen. 79. Was ist über die beiden ersten Arten der Bewegung zu sagen? Sie ergeben fast dieselben Resultate wie das Schwingen und Ziehen des Balles und der Kugel. 8l>. Wie wird die Drehung des Würfels hervorgebracht? Man durchbohrt den Würfel in der Richtung feiner Axen, steckt ein Stäbchen hindurch und läßt ihn um sich selbst rotircn. Zur Vereinfachung läßt sich auch an dem einen Endpunkt jeder Axe eine vertiefte Oese und ein Faden anbringen, um welchen sich der Würfel dreht. 81. Welches sind Sie Würfelaxcn? 1. 'Die Flächcnaxe, von der Mitte einer Fläche aus zur entgegengesetzten; 2. die Kantenaxe, von der Mitte einer Kante aus zur entgegengesetzten; 3. die Ecken axe, von einer Ecke zur entgegengesetzten. 32 Inneres Leben des Kindergartens. 82. Wie verhalten sich diese Axcn zu einander? Die zweite ist länger als die erste, und die dritte wieder länger als die zweite. 83. Als was saßt das Kind den Würfel aus? Als Quaderstein, als Waarcnballen, als steinernen Garten- tisch, als Kasten u. s. w. 84. Welche Uebungen bietet die Walze dar? Die Walze bietet Anschauungen der Ruhe und der Bewegung. In ihrer Ruhe betrachtet, zeigt sie drei Flächen — eine runde und zwei ebene — und zwei Kreislinien. Punkte sind nicht vorhanden. Die beiden ebenen Seiten sind gleichgroß, die runde Fläche ist größer als eine der andern. Die gerade Länge (nicht der Umfang) der runden Fläche beträgt gerade so viel als der Durchmesser einer der Seiten. Zu Angelpunkten der Bewegung hat die Walze drei Axcn: 1. die Are der ebenen Flächen, 2. die Axe der runden Fläche, 3. die Kantenaxe. Um die ersten gedreht, zeigt die Walze wieder die Walze (wie die Kugel eben nur die Kugel), um die zweite Axe gedreht, eine Kugel, um die dritte einen ungleichen Doppelkegel. 85. Welches Gesetz geht hervor aus der Axcndrchung der Körper der zweiten Spielgabc? In der Kugel ist die Walze, in dieser der Würfel, in diesem der Kegel: also sind in der Kugel alle Körper enthalten. Fig. 3. Frobel's Grabmal in Schweina bei Liebenstein. Kugel, Walze, Würfel. — Der in acht Würfel getheilte Würfel. ZZ ; i 86. Womit vergleicht das Kind die Walze? Mit einem Baumstämme, einem Arme, einem Finger rc. 87. Welchen Bezug hat die zweite Spiclgabe zur Kunst? Der Würfel, die Walze und die Kugel, als eine zusammengehörige Drcihcit, weisen auf eine andere Dreiheit der Baukunst, die Säule mit Picdestal lWürfel), Schaft (Walze) und Capital (Kugel) hin. 88. Was gehört von dieser Gabe in den Kindergarten? Die zweite Spiclgabe soü dem Kinde schon im zweiten Jahre in die Hand gegeben werden. Ist dies nicht geschehen, so muß der Kindergarten die Anschauungs- und Thätigkeitsübungen nachholen, da bei den spätern Spielen und Beschäftigungen die mathematischen Grundbegriffe, welche Kugel, Walze und Würfel geben, durchaus nicht fehlen dürfen. 89. Wie werden die Mittel dieser Gabe an die Kinder vertheilt? Jedes Kind muß ein Kästchen mit vollständigem Apparat — Kugel, Walze, Würfel, Faden, Stäbchen — erhalten"). 96. Welche Schriften geben über die zweite Gabe mehr Nachweis? Fröbel's gesammelte Schriften von W. Lange. II. Theil. A. Köhler, „Praxis des Kindergartens". I. Theil. Jünger Abschnitt. Der in acht Würfel grtheiltr Würfet (dritte Spielgabe). 91. Worin besteht die dritte Spiclgabe? Sie besteht in einem Kästchen mit einem durch einmalige Theilung nach jeder Seite hin in acht gleiche Würfel zerlegten Würfel "*). Z„ beziehen durch Frau Kühler in Gotha. I Mark. "1 Baukasten hierzu bei Frau Köhler in Gotha. so Pf. — Die Lithographien z» sämmtlichen Baugabcn ebendaselbst. S Mark 7» Pf. Bei Hugo Bretsch in Berlin Kasten und Borlagen svon H. Goldammer), letztere so Pf. Seidel, Kindergärtnerei. 2. Anst. 8 kücjc-gogwcne t-lvclwaimls Gsu« 34 JnnertS Leben des Kindergartens. 92. Wie verhält sich diese Gabe ;nr vorigen? Sie ist der Gegensatz derselben, da hier ein Ganzes in Theile zerlegt wird. während Kugel, Walze, Würfel »»zertheilt blieben. Dort tritt mehr das innere, geistige, sreithätige Sich- beschästigcn des Kindes hervor, und das leibliche und äußere zurück, während hier beides gleichmäßig auftritt. Die dritte^ Gabe ist der zweiten aber auch gleich, insofern nämlich das Kästchen mit Kugel, Walze, Würfel auch Glieder eines Ganzen enthält wie der getheilte Würfel. Die Vermittelung liegt in dem Würfel der zweiten und in der Würselgestalt der dritten Gabe. 93. Wie verhalte» sich die Thcilwiirfcl zu einander? Auch sie sind einander entgegengesetzt-gleich, ersteres durch ihre verschiedene Lage, letzteres durch ihre gleiche Gestalt und Größe. Die Durchschnittslinien vermitteln die acht Glieder zu einem Gliedganzcn. 94. Worauf gründet sich die Wahl des getheilten Würfels znr dritten Spiclgabe? Ungefähr mit dem dritten Jahre bricht in dem Kinde das Bestreben hervor, den Grund der Dinge zu erforschen. Es sucht den Körper zu zertheilen, seine Form zu verändern, um neue Eigenschaften an demselben zu entdecken und neue Ge- brauchsanwcndungen aufzufinden; es möchte nach dem Aeußern auch das Innere eines Gegenstandes sehen, aus den Theilen desselben wieder das erste Ganze oder ein neues Ganzes zusammenfügen. Daher pflegt das Kind in diesem Alter gewöhnlich alle Spielzeuge — zum Leidwesen der Eltern — zu zerstören und das Spiel dann mit den Trümmern lieber als mit dem Ganzen fortzusetzen. Aus diesem Grunde wendet Fröbel den getheilten Würfel an als Spielzeug, welches dem Untersuchungsgeistc des Kindes die gewünschte Nahrung reicht und sich gleichwohl nicht zerstören läßt. 95. Gehört diese Spielgabe in den Kindergarten? Jawohl, denn sie ist diejenige, mit welcher im Kindergarten— sofern im Elternhause die zwei ersten Gaben gehörig vorhergegangen sind — der Anfang gemacht wird. Uebcrflüssig werden durch den getheilten Würfel die vier ersten Spielmittel (Ball, Kugel, Walze, Würfel) jedoch nicht, vielmehr sind letztere neben- Der in acht Würfel getheilte Würfel. 35 her zur Erinnerung und Vcrgleichung recht wohl, wenn auch in beschränkterem Maße, anzuwenden. 96. Wie wird diese Gabe im Kindergarten angewendet? Der Würfel wird zerlegt und wieder zusammengesetzt zum Würfel oder zu neuen Formen. 97. Welche Formen entstellen durch das Zerlegen des Würfels? Durch das Zerlegen des Würfels in 2, 4 und 8 gleiche Theile entstehen gewisse Körper, an wel- ' chen das Kind mathematische Erkenntnisse und Begriffe lernt, weshalb sie Erkenntnißfor- Fig. 4. Erkenutnißforme» der erste» men heißen (Fig.' 4). Sie ent- sprechen mehr dem Verstände. 98. In welcher Weise setzt man die Wiirfelchen zusammen? Man legt entweder Fläche auf Fläche, oder Fläche an Kante, oder Kante an Kante. 99. Welche Formen entstehen dadurch? Lebens- und Schönheitssormen. 1V0. Was »ersteht man unter Lebensformen? Lebensformen sind Gestalten des wirklichen Lebens, z. B. Stuhl, Bank, Tisch. Haus, Brunnen. Dieselben befriedigen Fig. S->. Kirche. Fig. °b. Rathhaus. hauptsächlich das Wil- leusvermögen. (Fig. 5u u. 5b.) Lebensformen der ersten Baugabe. 101. Was versteht man unter Schonheitsformen? Schönheitsformen sind Gebilde der Phantasie, an denen vorzugsweise die Symmetrie hervortritt, wie Kreise, Sterne. Sie entsprechen dem Gefühlsvermögen. (Fig. 6.) s 36 Inneres Leben des Kindergartens. 102. Welche Regel ist beim Bauen mit der dritten Gabe zu befolgen? „Verwende stets zu einer Figur alle acht Würfel'/' 103. Wird nicht auch ein Freibauen gestattet? Auch das; wenn alle Formen erschöpft find, läßt man mit 2, 3, 4—7 Würfeln bauen. 104 Welche andere Regel ist noch anzuknüpfen? „ Laß eine Figur immer aus der vorhergehenden entstehen!" Es darf demnach nicht die gebaute Form sofort gänzlich «angerissen werden, sondern es muß durch Versetzung nur eines oder einiger Steine die folgende hervorgehen. 105. Welche Resultate bringt die dritte Gabe für die Entwickelung des Kindes? Das Kind übt daran einmal alle seine Geisteskräfte, Verstand, Phantasie, Schönheitssinn, Willen, dann lernt es auch Gesetze der Physik kennen und anwenden, welche für das Leben von großer Wichtigkeit sind; z. B. die Gesetze von der Schwere und vom Gleichgewicht, bei der schwebenden Treppe, dem Kreuz rc 106. Was ist im Ganzen noch zu sagen? Daß über alles Dargestellte das Kind sich aussprechen lernt und daß hie und da passende Erzählungen und Lieder einzu- flcchtcn sind ; so beim Taubenhaus: Fig. 6. Schönheitsform ter ersten Baugabe. Zlobert Kohl. 3 -. . 1 ' --- Ich öss-ne jetzt mein Tauben-Haus, die Täubchen die -— M^ —W-F-l— l—«-F- —!-s— - , - M—I flie-gen so sroh hinaus; sie flie - gen hin auf'« grüne Der in acht gleiche Längentafeln getheilte Würfel. 37 S -—» Feld, wo's ih-uen gar zu wohl ge-fällt; doch keh-ren sie « » Heini zur gu-ten Ruh, so schließ ich wie-ier mein Häus-chen zu. (Ar. Aröbel.) 107. Welche Hilfsmittel giebt es für diese Spielgabe? Fröbel's gesammelte Schriften. II. Theil. Köhler, „Praris". I. Tbcil. Goldammer, „Kindergarten". Sechster Mschnilt. Der in acht gleiche Längentafeln getheilte Würfel (vierte Spietgabe). 108. Wie ist die vierte Spiclgabe eingerichtet? Der Würfel ist nach zwei Richtungen hin getheilt: von oben nach unten in zwei, von vorn nach hinten in vier, also im Ganzen in acht gleiche Theile. Diese Glieder sind aber keine Würfel, sondern Längentafeln*). 109. Worin bcrnhtldcr Gegensatz znr vorigen Gabe? Der Gegensatz beruht in der Gestalt der Theile: die Würfel hatten lauter gleiche Oberflächen, die Täfclchen haben ungleiche; die Flächen der Würfel waren Quadrate, die der Tafeln sind *) Kasten bei Frau Köhler. Gvtha. 30 Pfg. „ „ Bretsch. Berlin. Vorlagen bei Bretsch, Berlin. 50 Pf. 38 Inneres Leben des Kindergartens. Rechtecke,- die Kanten der Würfel waren gleichlang, die Tafelkanten verhalten sich in ihrer Länge (in geometrischer Progression) wie 1:2:4; die Würfelbanten sind rauinausfüllend, die Bauten aus Täfelchen sind auch noch raumeinschließcnd (hohle Gebilde). 110. Worin bericht die Gleichheit der beiden Spiclgaben? Gleich sind die dritte und vierte Gabe in der Anzahl und Größe (Schwere) ihrer Theile, wie auch in der allgemeinen viereckigen Gestalt derselben, oder in ihren Winkeln. 111. Wodurch geschieht die Vermittelung? Zwei Würfel der dritten Gabe aneinandergesetzt bilden ein Rechteck, welches mit einem Täfelchen der vierten Gabe die gleiche Länge und Breite, mit einem Würfel der dritten Gabe aber die gleiche Breite und Höhe gemein hat. Uebrigens ist die Vermittelung schon in dem Ganzen jeder Gabe vorhanden, da beide gleichgroße Würfel sind. 112. Was ist über das Verhältniß der Glieder der vierten Gabe unter sich zu sagen? Sie sind sich entgegengesetzt in ihrer Lage, gleich in Gestalt und Größe, vermittelt durch die Theilungslinicn. 113. Was zeigt sich beim Bauen mit den Täfelchen? Indem die Täfelchen bald auf die breite, bald auf die schmale und hohe Fläche gestellt werden können, zeigen sich noch mannich- saltigerc Formen als bei den Würfeln. Die Formen sind ebenfalls — wie bei allen nachfolgenden Gaben und Beschäftigungen — dreierlei : Erkenntnißformen (Fig. 7), Lebensformen (Fig. 8), Schönheitsformen (Fig. 9). 114. Welche Naturgesetze treten hierbei auf? Das Gesetz des Gleichgewichts, wenn auf die schmale Seite der einen Tafel eine andere mit ihrer breiten Seite gelegt wird, und das Gesetz der sich fortpflanzenden Bewegung, wenn alle Täfelchen in kurzen Zwischenräumen hinter einander Der in acht gleiche Längentafeln getheilte Würfel. 39 aufgestellt werden, so daß beim Fall des vordersten alle folgenden mit umgeworfen werden. Fig. 7. Erkenntnißform der zweiten Baugabe. Fig. 8. Brandenburger Thor in Berlin. Lebensform der zweiten Baugabe. Fig. g. Schönheitsformen der zweiten Baugabe. 115. Wie wird bei dieser Gabe das Freibauc» angewandt? Das Freibaum ist hier ein doppeltes: einmal ein Bauen mit weniger als acht Steinen, zweitens ein Combinircn der dritten und vierten Gabe. 116. Was muß im Allgemeinen wieder bemerkt werden? Wie bei der vorigen Gabe, so wird auch bei dieser und allen solgenden Alles besprochen, und wo thunlich mit Erzählungen und Liedern ausgeschmückt. 40 Inneres Leben des Kindergartens. Die Doppelbank. Doh. Stangenberger. 'S', . ^ ^ -1—ch W »-1 ^ M b ^ > II Das ist die schö-ne Dop-pelbank, wo man schaut das (Das 2 . Mal -?——^ ——— > ' ^ -!- j-I ^ ^ » I ! -!I. . —* L LH, 7> Thal entlang. Hier vorn sieht man die Fluren bliihn und /"haltend ^ si -lsi -! X 1^ ^... .! . —! / / 7s 7 - 4s ^>l- ^ b ^ ^ -< ! ^ ^. I ^ r ii - ii hin-ten sich die Berge ziehn. 117. Welche litcrarischcn Hilfsmittel sind für diese Gabe vorhanden? Fröbel's gesammelte Schriften. II. Theil. Köhler, „Praxis". I. Theil. Goldammer, „ Kindergarten ". Siebenter Abschnitt. Der in 27 Würfel getheilte Würfel lfünfte Spielgalie). 118. Woraus besteht die fünfte Spielgabc? Sie besteht aus 27 Würfeln, welche durch zweimalige Theilung nach jeder Seite hin entstanden sind. Drei davon sind diagonal halbirt und andere drei wieder geviertelt*). *) Kasten bei Frau Köbler, tdotba. 75 Pf. „ „ Bretsch, Berlin. 1 Mark. Vorlagen bei Bretsch, Berlin. 1 Mark. Der in 27 Würfel getheilte Würfel. 41 119. Inwiefern ist sie der vierten Gabe entgegengesetzt? Insofern, als sie mehrfach und anders getheilt ist und als die schiefe Ebene, Linie und der schiefe Winkel (l /2 rechter) entwickelt wird. 120. Welche geometrischen Formen ergeben sich hierbei als Erlcnntnitzsormen? Das Dreieck, das Parallelogramm, .das Trapez; als Körper das Prisma; der pythagoräische Lehrsatz wird spielend ausgebaut. (Fig. 10.) Fig. 10. Erkenutnißformen der dritten Baugabe. 121. Welche Lebensformen treten besonders hervor? Es sind namentlich architektonische, welche vermöge der Prismen der Wirklichkeit äußerst nahe kommen. (Fig. 11.) Divan. Brunnen. Fig. 11. Lebensformen der dritten Baugabe. 122. Wie gestalte» sich die Schönhcitsformcn? Mit Hilfe der Dreiecke ebenfalls sehr mannichfaltig und geschmackvoll. (Fig. 12.) 42 Inneres Leben des Kindergartens. Fig. 12. Schönheitsform der dritten Bangabe. 123. Ein wieviel- saches i bauen? ist das -Frei- Ein nämlich vierfaches , 1 . Bauen mit weniger als 27 Würfeln, 2. Combiniren mit Gabe 4, 3. Combiniren mit Gabe 3, 4. Combiniren mit Gabe 3 und 4. 124. Wo ist weitere Belehrung zu suchen? In Fröbel's gesammelten Schriften. II. Theil. Köhler. „Praxis". I. Theil. Goldammer, „Kindergarten". Uchler Mschnitt. Der in 27 Tiifelchrn getheilte Würfet (sechste Apirlgatie). 125. Wie geschieht die Theilung des Würfels bei dieser Gabe? Der Würfel wird in 27 Längcntäfelchcn getheilt, von denen drei in je 2 Säulen und wieder drei in je 2 gleiche Gevierttafeln zerfallen*). Kasten bei Frau Köhler, Gotha. 75 Pf. „ „ Bretsch, Berlin. Vorlagen bei Bretsch, Berlin. 1 Mark. Der in 27 Tafelchen getheilte Würfel. 43 126. Welcher Unterschied ist demnach Zwilchen dieser nnd der fünften Gabe? Die Theile sind von ganz anderer Form als bei jener, auch sind es 6 Steine weniger. 127. Was ist noch dieser Gabe eigenthümlich? Daß sie viel mehr Lebens- und Schönheits- als Erkenntnißformen zuläßt. (Fig. 13.) 128. Wie tritt bei Gabe 6 das Freibaucn anf? 1. Bauen mit nicht allen 2 7 Tafelchen, 2. Combination von Gabe 6 mit 5, 3. Combination von Gabe 6 mit 4, 4. Combination von Gabe 6 mit 3, 5. Combination von Gabe 6 mit 5 und 4 6. Combination von Gabe 6 mit 5 und 3, 7. Combination von Gabe 6 mit 4 und 3, 8. Combination von Gabe 6 mit 5, 4 und 3. 12!>. Welche Gruppe der Spiclmittel schließt mit der sechsten Gabe? Die sechste Gabe beschließt die Körpergruppe, indem die nachfolgenden Beschäfligungsmittel Fläche, Linie und Punkt vertreten *). Fig. 13. Phantanebau Lebensform der vierten Baugabe ) H. Goldammer hat nach Fröbel's Grundsätzen einen fünften Bau kästen mit Rundungen construirt, welcher 12 Würfel, 12 Viertelwürfel (Dächer), 44 Innert Leben des Kindergartens. 130. Welches Hilfsmittel giebt es für diese Gabe? Fröbcl's gesammelte Schriften. II. Theil. Köhler, „Praxis". I. Theil. Goldammer, „ Kindergarten Neunter Ms-Hnitl. Liifelchen-Legen Erbrüte Zpielgalie). 131. In welcher Beziehung steht das Spiclmittcl der Lcge- Täfelchen zu den vorigen? Die Täselchen sind eine Forteniwickelung der Bauklötzchen der vierten Gabe. Wie die Natur vomKörperlichen, Massigen (Stamm, Ast, Zweig, Blatt) zum Flächigen herabstcigt, so gehen auch die Spielmittel des Kindergartens von dem Körper zur Fläche über. Würfel und Täselchen sind demnach Gegensätze, die durch die Bausteine der vierten und sechsten Gabe in Vermittelung treten. 132. Bon welcher Gestalt find die Täselchen? Es sind deren zweierlei: Geviert- und Gedritttafeln; letztere zerfallen wieder in recht-, spitz- und stumpfwinkelige Dreiecke. 133. Wie werde» diese Täselchen dem Kinde gereicht? In fünf Gaben. Erste Gabe: Quadrate. 1. Abtheilung 4—8 Tafeln, 2. Abtheilung 9—27 Tafeln. Zweite Gabe: rechtwinklig-gleichschenklige Dreiecke, halbe Quadrate. 1. Abth. 4 Tafeln, 2. Abth. 32 und mehr Tafeln. Dritte Gabe: spitzwinklige (gleichseitige) Dreiecke, 9 Tafeln. 6 ausgekehlte Würfel und 12 halbe Walzen enthalt und der als Ergänzung der Fröbel'schen Baugaben betrachtet werden muß. — Zu haben bei Dretsch in Berlin für 1 Mark 25 Pf. Vorlagen dazu für 75 Pf. Täfelchen-Legen. 45 Vierte Gabe: rcchtwinklig-unglcichschcnklige Dreiecke, halbe Rechtecke 64 Tafeln. Fünfte Gabe: stumpfwinklig-gleichschenklige Dreiecke, halbe Rhomben. Zahl beliebig. Die Täfelchen sind auf beiden Seiten gefärbt und zwar trägt jedes derselben zwei entgegengesetzte Farben: blau und gelb, gelb und roth, roth und blau*). 134. Was ist über die Verwandtschaft der Lcge-Täsclchcn zu den Bauklöychcn noch z» sagen? Die erste Gabe der Täfelchen ist eigentlich nur eine Wiederholung der Erkenntniß- und Schönheitsformen der dritten Spiel- oder ersten Baugabe. Die zweite Täfelchengabe entspricht der fünften Spiel- oder dritten Baugabe. (Fig. 14.) Ebenso sind die vierte und fünfte Lcgegabe Folgerungen der vierten und sechsten Spiel- oder zweiten und vierten Baugabe. Die dritte Lcgegabe entwickelt sich aus den Baugabcn mit Würfeln. Fig. 14. Täfelchen-Legen mit rechtwinkligen Dreiecken. 135. Welche Uebungen werden mit diesem Spiele vorgenommen? Die Täfelchen jeder der fünf Gaben für sich werden erst einfarbig — Seite an Seite. Seite an Ecke, Ecke an Ecke — an- *) In Gotha bei Frau Köhler und in Berlin bei Dretsch (nebst Vorlagen) billig zu haben. 46 Inneres Leben des Kindergartens. einandergelegt, dann zweifarbig (mosaikartig). Es kommen meist Erkenntniß- (geometrische) und Schönheitsformen zum Vorschein, und die sechs Regenbogenfarben wiederholen sich in ihrer Verwandtschaft. Späterhin werden die Gaben combinirt. Weiteres hierüber in Köhler, „Praxis". II. Thl. 136. Von welcher spätern Beschäftigung bildet das Täfclchen- Legcn den Grund? Von dem Zeichnen; indem die ersten Zeichenvcrsuchc aus senkrechten, wagercchten und schiefen Linien, oder aus quadrat- und dreicckförmigcn Figuren bestehen, wie sie an den Täfelchen erscheinen. 137. Wann soll das Täfclchcn-Legen angewandt werden? Die Kindergärtnerin soll mit dieser Gabe nicht etwa so lange warten, bis die Kinder sämmtliche Baugaben durchgespielt habcn^ sondern sie schiebt die Täfelchen gabenweise zwischen die Baugaben ein. Als Fortsetzungen desSpiels mit Leg e-Tä selchen für das spätere Kindesalter sind folgende bei H. Böhlau in Weimar erschienene Werkchen zu betrachten: Figurenräthselspiele für Kinder. Von Fr. Seidel. 12 Tafeln mit 119 Figuren und 4 Holztäfelchcn in Futteral. Preis 1 Mrk. 50 Pf. Symmetrisches Figuren spiel für kleine und große Kinder. Von Fr. Seidel. 14 Tafeln mit 88 Figuren und 12 Holztäfelchcn in Futteral. 2 Mrk. Geometrisches Figurenspiel für Jung und Alt. Von A. Kunze, Professor der Mathematik. 20 Tafeln mit 244 Figuren und 7 Holztäselchen in Futteral. Achte Aufl. 2 Mrk. ' MSN.»''' Stabchen-Legen. 47 k Zehnlrr Aöschnill. Ltädchen-Fegell (elfte Spielgabe). 138. Wie verhält sich das Stäbchen zn den vorhergehenden Spiclmittcl»? Das Stäbchen ist die dreifache Axe von Ball. Kugel. Walze und Würfel, oder eine gleichsam abgelöste Kante des Würfels, oder als Mehrheit das Ergebniß eines zerspaltenen Täfclchcns, oder eine gleichsam erstarrte gerade Linie; es ist somit allen jenen Körpern entgegengesetzt-gleich. 13N. Wie sind die Stäbchen beschaffen? Sie haben die Länge der Bauklötzchen der vierten Gabe. oder die doppelte Länge der Theilwürfel von Gabe 3, und sind abgerundet glatt; Schwefclhölzchcn ohne Zündstoff, wie man sie das Tausend für l Sgr. leicht aus Fabriken beziehen kann *). 140. Sind nicht auch andere Stäbchen zuzulassen? In manchen Kindergärten werden allerdings noch Stäbchen von verschiedener Länge — s-e. 1 / 2 . 1/4 — und mit den Farben, sowie auch geknickte Stäbchen zu Rundungen angewendet. 141. Wieviel Stäbchen erhält jedes Kind? Ades Kind erhält zehn Stäbchen in einem Bündclchen oder Blechschere; indem es das Bündclchen öffnet, löst es unbewußt den Zehner in Einer auf. 142. Welcher Gang ist beim Stäbchenlcgcn z» nehmen? Die'Uebung ist durch die Zahl bedingt. Mit Einem Stäbchen wird begonnen, dasselbe in allen Richtungen gelegt und mit ähnlichen Dingen der Wirklichkeit verglichen. So finden die Kinder: Mein Stäbchen ist ein Bleistift, ein Stock, ein Finger, ein Spieß u. s. w. Hierauf folgen Uebungen mit zwei Stäbchen: Hammer, Schlagbaum, Kreuz rc., dann 3 bis 10 Stäbchen. In Gotha bei Frau Köhler. Vorlagen bei Dretsch in Berlin zn 50 Pf. I 48 Inneres Leben des Kindergartens. 143. Dürfen auch Uebungen mit mehr Stäbchen gemacht werben? Wie bei den frühern Spielgaben außer den sogenannten Schulübungcn auch freie Uebungen gestattet find. so auch beim Stäbchenlcgen. Es treten zwei oder mehr Kinder zu einem gemeinschaftlichen Spiel zusammen und legen mit 20, 30 und mehr Stäbchen beliebig große Formen aus 144. Welche Bedeutung hat das Spiel mit Stäbchen? Das Kind lernt am Stäbchenlegcn zunächst die Zahlen von 1 bis 10 sicher und bestimmt anschauen, dann lernt es von den Körpern oder Gegenständen der Außenwelt die Contur abstrahlen. und damit wird die Erinnerungs- und Vorstellungskraft bedeutend belebt, indem längst geschwundene Bilder aus dein Leben in voller Frische und Verkettung wieder hervortreten; die Kraft der Vergleichung wird geübt, indem das Gleichartige unbewußt näher an einander tritt; der Reichthum der Vorstellungen und Anschauungen wird vermehrt, indem das Stäbchenlegcn sowohl eine große Zahl von Erkenntnißformcn. als auch und namentlich eine unendliche Menge von Lebcns- und Schvnhcitsformen bietet; endlich wird die Kraft der Anschauung und Auffassung selbst geschärft. (Fig. 15.) Fig. 1S. Drei Stäbchenformen. 145. Für welches Alter passen die Legcstäbchen eigentlich? Die Stäbchen passen für das Alter, in welchem das Kind nach jeder Seite hin Kraft und Fähigkeit erlangt hat, nicht allein im gewöhnlichen Sinne damit zu spielen, sondern sich auch wirk- Stabchen-Legen. — Ringe-Legen. 49 lich sinnig, also bildend damit zu beschäftigen, — und das wäre nach begonnenem fünften Jahre des Kindes. 14V. Welches wäre ein hierher paffendes Spicllicd? Der Sägebock. D. Stangenberger. Laßt uns uns - re Ar - me re-gen, woll'n der Mut - ter V--S' Holz klein sä-gen: st - ge, sä - ge Holz ent-zwei, - 1 > ' * -st- k l-LV > —L, ' ! ' -.. I—. i ^4 klei - ne Stückchen, gro - ße Stü - cke, sä - ge, sä-ge, sä -- ge, schni, schne, schni, schne, schnucks! 147. Welche Schriften belehren hierüber weiter? Das „ Stäbchenlcgen", Arbeitsschule V und VI von Fr. Seidel und Fr. Schmidt. 4. Aufl. 1 Mark 50 Pf. Köhler, „Praxis". II. Theil. Elster Mschni1t. Kiilgt-Lrgeu (zwölfte Spielgabe). 148. Worin besteht dieses Spiel? Es besteht aus 24 ganzen und 48 halben Kreisen aus starkem, schwarz lackirtcm Eisendraht*). *1 Bei Bretsch in Berlin nebst Vorlagen zn 1 Mark Seidel, Kindergärtnerei. 2. Aufl. 50 Inneres Leben des Kindergartens. 149. Welche Berechtigung hat es in der Reihe der Fröbcl'schen Spielmittcl? Der Kreis ist das gebogene Stäbchen, oder die Peripherie des Balles, der Kugel und Walze. Wie das Stäbchen correspon- dirt mit Würfel und Legetäfclchen, so der Kreis mit Walze und Kugel. Es hat also das Ringe-Legen als Conscquenz dieselbe Berechtigung wie das Legen mit Stäbchen. 150. Wie wird es im Kindergarten ausgeführt? Der Gang ist ähnlich dem beim Stäbchen-Legen, die Zahl ist Leitfaden: erst 1 Ring, dann 2, dann 3 u. s. s. bis 24 Ringe; — sodann 2 Halbringe, dann 4, dann 6 u. s. w. bis 48Halb- ringc; — schließlich ganze und halbe Ringe combinirt. Fig. 16. Ringe-Legen. 151. Was wirkt Las Ringe-Legen für die Bildung des Kindes? Es wirkt besonders auf das Gefühl, da die dargestellten Figuren zumeist Schönheitsformen sind. Siinge-Legen. — Das Kadensvicl. 5l 152. WclchcS Hilfsmittel ist dazu vorhanden'? Kreis und Halbkreis. Ein Legespiel von 24 ganzen und 48 halben Kreisen, nebst Anleitung und l 2 Figurentafeln, von Frau Fröbel. (Fig. 16.) Köhler, „Praxis". 11. Theil. Zwölfter Uöschnilt. Das Fadeillpirl (lcchs)rlinte Gabe). 153. Welche Stellung nimmt dieses Spiel in der Reihe der Fröbcl'schcn Beschäftigungen ein? Es vermittelt die beim Stäbchen-und Ringe-Legen an hartem, starrem Material sich ergebenden körperlichen Linien durch weiches, fügsames Material und schwache, sehr geschmeidige Körpcrlinicn mit dem Zeichnen. 154. Welches ist daS Wesen dcS Fadcuspicls? Man nimmt einen 2 5 om langen Faden von baumwollenem (nicht wollenem) Strickgarn oder Heftzwirn, läßt ihn in senkrechter Haltung sich ausleiern, damit er beim Gebrauche nicht zusammen- oder übereinanderschnörlt und verknüpft die beiden Enden durch einen möglichst feinen Knoten zu einem Ringe. Dann taucht man diesen Fadcnring ins Wasser und legt ihn auf den Tisch oder besser auf eine Schiefertafel von 26 om Länge und l5 om Breite. Hierauf zieht man mit einem spitzen Schiefer- oder Bleistifte, Zahnstocher, einer Stopfnadel oder dergl. den Faden in Kreis-, Stern- und andere Formen. Der Gang ist, wie bei allen Fröbel- scheu Beschäftigungen, ein genetischer, d. h. es muß die nachfolgende Form sich möglichst lückenlos aus der vorhergehenden entwickeln. Es ist fast immer nur ein einziger weiterer Zug des Fadens durch den Griffel nöthig, um das vorhandene Bild in ein neues überzuführen. 52 Inneres 2eben tes Kinderg.rnens. Fig. 17. Lebensformen znm F.rtenft'iel. 53 Ist der Faden während des Spiels zu trocken geworden, so taucht man ihn wieder ei», oder man gießt einige Tropfen Wasser auf die Fläche, worauf man das Spiel ausführt. Die gefundenen Formen können auch firirt werden, indem man den Faden mit Tinte tränkt und über das daliegende Fadenbild ein Blatt weißes Papier legt und darauf die Form abdrückt. Daraus crgiebl sich ein recht hübsches Sammelbuch für das Kind, (Fig, 17.) 155. Giebt es auch noch andere Fadcnspicle? Allerdings, und zwar Spiele mit einem längern Fadenringc, unter dem in der Kinderwelt beliebten Namen „Abheben". Dabei wird der Faden unter mancherlei Veränderungen um die Finger der einen Hand oder beider geschlungen, und es kann dieses Spiel sowohl ein Kind allein, als auch zwei, drei rc. zugleich beschäftigen. Doch läßt sich dies weder genauer beschreiben, noch auch bildlich veranschaulichen. 150. Was ist über das Fadcnspicl erschiene»? „ Arbeitsschule XIV. Fadenspielc." 20 Pf. Siehe auch Köhler, „Praxis". II. Theil. (dreizehnter UöschniN. Das Zeichnen (lltlyrhnte Spirlgabr). 157. Warum steht das Zeichnen hier am Platze? In den Erkenntniß- und Schönhciksformen der Baugabcn, welche doch mehr plane als Plastische Formen sind, und in den Gebilden der Lcgcspiele mit Täfelchen, Stäbchen, Ringen und Faden bat das Kind eigentlich ein Zeichnen mit körperlichen Flächen und Linien ausgeführt. Nun will es auch freier werden, und will sich die Flächen und Linien selbst schaffen. Das kann nur geschehen, wenn es Zeichenmaterial in die Hand bekommt. 158. Welches ist das erste Zcichcnmatcrial des Kindes? Als erstes Material zum Zeichnen für kleinere Kinder giebt es wohl kein besseres und wohlfeileres (für Deutschland wenigstens), 54 Inneres Leben des Kindergartens. als die althergebrachte und beliebte Schiefertafel mit Griffel. Sie ist dauerhaft und unendlich dienstbar, indem durch Verwischen immer neuen Zeichnungen wieder Platz gemacht werden kann, oder Verbesserungen an verfehlten Formen leicht anzubringen find. Künstlich nachgemachte Schiefertafeln aus Blech, Holz und Pappe eignen sich zu dem Zwecke nicht, da die zum ersten Zeichnen nöthigen Hilfslinien auf ihnen nicht gezogen werden können: auch Schiefertafeln mit rothen Linien find nicht brauchbar. 150. Welche Hilfslinien sind nothwendig? Die Schiefertafel muß mit einem stereotypen Liniennetze von 1 om Weite bezogen werden, so daß die ganze Zeichenfläche in kleine Quadrate von 1 om Inhalt zerfällt, in deren Grenzfurchen der spitze Schieferstist leicht und sicher hinfährt. Die Operation des Linicnziehens geschieht vermittelst eines scharfen Nagels, mit Abzickelung der Linicnweite, oder nach dem Augenmaße. 160. Müssen diese Hilfslinien so unbedingt sein? Ja, weil cinestheils das Augenmaß der Kinder und andern- theils die Hand noch nicht bis zu der Sicherheit gebildet sind, daß die ersten Zeichcnvcrsuche ohne die Mithilfe des Netzes zur Zufriedenheit der Kinder selbst ausfallen könnten. Dem Kinde darf ein Gelingen feiner Versuche aber keineswegs zu schwer gemacht werden, damit nicht die Lust erlahme und ein Begnügen mit unschönen Formen hervorgerufen werde. Durch das Netz nun bekommt das Auge einen Leiter, an dem es das Senkrechte, Wagercchte und Schiefe von ein- bis fünf- und mehrfacher Länge verfolgen und sich einprägen kann: es lernt m essen. Hand und Finger erhalten zugleich einen strengen Bildner an dem Netz. 101. Wer hat das Zcichcnnctz zuerst:.angewendet? Pestalozzi wandte es zuerst an, indem er seine Zöglinge in Burgdorf über die Zeichenvorlage ein Netz mit Bleistift und auf die Schiefertafel ein gleiches entwerfen ließ, in welches die Das Zeichnen. 55 Zeichnung übertragen wurde. Diesem Beispiele folgen heute noch viele Zeichenlehrer. Dieses Netz war jedoch kein stehendes, es wurde stets mit verwischt. Fr ö bel erst verwandelte es durch Graviren in ein unverwischbares, wodurch viel Zeit und Mühe erspart wird. 162. Nach welcher Methode wird das Zeichnen im Kindergarten betrieben? Nach der genetischen, d. h. es wird vom Einfachen zum Zusammengesetzten, vom Leichten zum Schweren, von der Einheit zur Vielheit fortgegangen. Das Zeichnen, wie alle Fertig- keitcn (Schreiben z. B.), kann nie umgekehrt betrieben werden. 163. Welches ist die erste Uebung? Die erste Zeichenübung ist die Darstellung der geraden Linie und zwar der senkrechten, da des Kindes Sinnen und Thun immer mehr in die Höhe als in die Breite gerichtet ist. Die Kindergärtnerin zeichnet an der Wandtafel (siehe Frage 17) eine Senkrechte von einfacher Länge und die Kinder zeichnen sie auf ihrer Tafel eine ganze Seite voll (wie überhaupt bei allen Zeichenfiguren) nach. Sodann folgt die Senkrechte von zwei-, drei-, vier- und fünffacher Länge; hierauf eine Zusammenstellung der verschiedenen Längen: also ein- und zweifache; ein-, zwei- und dreifache; ein- bis vierfache; ein- bis fünffache Länge. (Fig. 18 a.) Dabei kommt zugleich das Gesetz der Gegensätze zur Anwendung, indem die fünf Linien alle einmal von Einer Linie (Basis) unten, zweitens von Einer Linie oben anfangen; oder indem einmal die einfache Länge vorn unten, vorn oben, zweitens hinten unten, hinten oben zu stehen kommt. 16-1. Welche zweite Uebung schließt sich daran? Als Gegensatz zur senkrechten Linie wird nur die w«gerechte ganz so wie jene — von ein- bis fünffacher Länge und in entgegengesetzten Zusammenstellungen geübt. (Fig. 18 b.) 165. Was folgt als dritte Uebung? In derselben Ausschreitung werden jetzt die Senk- und Wagerechten in Punkten vereinigt, also zu rechten Winkeln verbunden. (Fig. 18 o.) Das Zeichnen. 57 166. Welches ist die vierte Uebung? Die rechten Winkel treten so zusammen, daß sie geschlossene Figuren bilden und zwar Erkenntniß-, Schönheitsund Lebensformen. 171. Wie wird das Gesetz des Gegensatzes beim Zeichnen weiter verfolgt? Jede Figur wird — so weit dies möglich — in verschiedenen, einander entgegengesetzten Stellungen und Lagen gezeichnet, damit das Kind eine allseitige Anschauung und Auffassung des Bildes erlange. So läßt z. B. der Stuhl nicht weniger als 16 Stellungen zu, 8 rechte und 8 schiefe. Diese sind: 1. aufrecht, die Lehne vorn, 2. aufrecht, die Lehne hinten, 3. verkehrt, die Lehne vorn, 4. verkehrt, die Lehne hinten, 5. liegend (auf dem Rücken), die Lehne vorn, 6. liegend (auf dem Rücken), die Lehne hinten, 7. liegend (auf den Vorderbeinen), die Lehne vorn, 8. liegend (auf den Vorderbeinen), die Lehne hinten, 9. —16. in ähnlicher Weise schiefstehcnd. 172. Welche Uebung wird ferner mit der Zcichnnng vorgenommen? Viele Figuren lassen sich vergrößern und verkleinern dadurch, daß man die Dimensionen ihrer einzelnen Theile Proportionen verlängert oder verkürzt, — eine Uebung, welche die Zeichcnlust und die Gewandtheit im Richtigsehen ungemein fördert und welche darum nicht übersehen werden darf. 173. Was folgt auf das Schtcfcrtafclzcichnen? Wenn die Kinder den Zeichencursus auf der Schiefertafel ordentlich durchgemacht haben, durchlaufen sie denselben noch Fig. 19. Schönbeilsfvrmen z^un Netzzeichnen mit gebogenen Linien. 60 Inneres Leben des Kindergartens. einmal, aber mit andern: Material. Dieses besteht in blau liniirtcm Netzpapicr mit Bleistift. (Fig. 20.) 174. Ist das wohl ein Fortschritt? Ja. Beim Schiescrtafclzcichncn waren die Zeichnungen weiß auf schwarzem Grunde, beim Zeichnen auf Papier sind sie schwarz auf weißer Fläche (also reiner Gegensatz); — das Schiefermatcrial ist eins, d. h. Fläche und Stift aus gleicher Masse, Papier uud Blei fiud aber gauz verschiedene Substanzen; — Schiefertafel und Griffel sind von Kinderbänden leichter zu behandeln als das zarte Papier und der weiche Bleistift; — in den Furchen des Schiefers kann der.Griffel eher die Linie einhalten als auf dem nicht gravirten Liniennetz des Papierblatlcs; — endlich noch, und zwar als sehr wichtig, die Zeichnungen aus Papier bleiben, während jene wieder verwischt wurden. 175. Welche Zugabe könnte noch gemacht werden? Die Kinder könnten noch Farbenstifte in die Hand bekommen, mittelst deren die Formen mehr Leben erhalten würden. Es wäre das eine Anknüpfung an die sechs farbigen Bälle und (in Hinsicht auf Papier und Blei) an die weißen und schwarzen Kugeln der zweiten Spielgabe. 17li. Welche methodischen Winke sind hier anzulügen? 1. Halte beim Zeichnen — sowohl auf Schiefer, als auf Papier — auf größtmögliche Genauigkeit und Reinlichkeit! 2. Laß viel Uebungen im Takt zeichnen! 3. Laß von ein und derselben Figur immer eine ganze Teile voll zeichnen! 177. Gehört das Netzzcichucn nur in den Kindergarten? rstffrfMndern des Kindergartens kann mau nur die ciu- > ... r7^oriw^>;rlangen, die größeren und schwereren gehören ,ktf die Ucberga»H^..f^id die Elementarclasse. Welche Schrieen belehren weiter über daS Netzzcichncn? . Schmidt, „Arbeitsschule I. Das Netz- Linien". 7. Anst. I Mrk. 50 Psg. — Fig. 20. Erkenntniß-, Lebens- und Schönheitsformen im Netzzeichnen. 62 „Arbeitsschule VII. Das Netzzeichnen mit gebogenen Linien." 3. Aufl. 1 Mrk. 20 Pf. Weimar, H. Böhlau. Köhler, „Praxis". II. Thl. Fröbcl's gesammelte Schriften. II. Thl. Goldammer, „Der Kindergarten". Vierzehnter Abschnitt. Das Äusstecheu (achtzehntr Gabe). 179. Was vertritt das Ausstcchcn? Das Ausstechen vertritt den Punkt, so wie Zeichnen und Stäbchen-Legen die Linie vertraten. Wir sind somit, indem wir die voranstehcnde Reihe der Spiel- und Beschäftigungsmiltel durchlaufen haben, von dem Ganzen auf seinen kleinsten Theil, von dem Körper zur Fläche, Linie und endlich zum Punkte herabgestiegen, als der äußersten Grenze der mathematischen Theilbarkeit. 180. Welches Material und Werkzeug dient zum Ansstechen? Das Material des Ausstcchens besteht in weißem Papier. das einzige nöthige Werkzeug ist die Ausstechnadel. Letztere ist leicht herzustellen, indem man in den Halter einer Häkelnadel eine Nadelspitze einschraubt, so daß dieselbe 5 mm lang heraussieht. 181. Auf welche Weise wird das Ausstcchcn ausgeführt? Diese Beschäftigung ist eigentlich nur ein Zeichnen in punktirter Manier, d. h. es werden vorgezeichnete oder nur gedachte Linien vom Kinde nachgestochen, so daß die Figur auf beiden Seiten des Papierblättchens zugleich sichtbar wird, auf der einen Seite etwas vertieft, auf der andern erhaben. Die Kindergärtnerin giebt dem Kinde die Nadel, eine Vorzeichnung, zwei oder mehrere Blättchen weißes Papier und etwas Fließpapier zur Unterlage. Die weißen Blättchen müssen ringsum 5 mm kleiner sein als die Vorlage, damit sie in diese einge- DaS Ausstechen. 63 schlagen werden können. Sodann sind die Linien der Zeichnung senkrecht (!) in gleichweit von einander abstehenden Punkten zu durchstechen, worauf die weißen Copien als fertig herausgezogen werden. 182. Welche» Uebungsgang befolgt man bei dieser Beschäftigung? Der Gang ist natürlicher Weise dem des Zeichnens ganz ähnlich. Die ersten Uebungen bestehen im Durchstechen gerader Linien, -und zwar erst senkrechter, dann wagerechter, endlich schiefer. Erstere sind erst von ein-, dann von mehrfacher Länge, letztere ebenfalls und von verschiedenen Graden der Schrägheit. Daran schließen sich Combinationen von wagerechten und senkrechten, senkrechten und schiefen, wagerechten und schiefen, schiefen und senk- und wagerechten Linien. 183. Gebraucht man hierzu Vorlagen? Am besten ist's, wenn als Vorzcichnung stets ein Stückchen Netzpapier (wie es zum Zeichnen dient) gegeben wird. (Fig. 21 a.) 18-1. Kann die Größe des Papiers eine beliebige sein? Das nicht. Es muß auch in Hinsicht auf die zu durchstechende Fläche ein Stufcngang eingehalten werden. Demnach ist's genug, wenn die ersten Ausstechblättchen l/32 Bogen groß sind; die folgenden sind >/i 6 , ^/z, 1/4 Bogen. 185. Wie weit sollen die Stiche von einander entfernt sein? Die ersten Stiche werden in die Durchschnittspunkte der Netzlinien gethan und sind mithin 5 mm weit; in der Folge wird diese Entfernung durch einen Stich in der Mitte der senk- oder wagerechten Linie halbirt, dann ferner gevicrtheilt. Bei Theilung der Diagonale geht man bis zu sieben Punkten, also zu acht Theilen. 186. Welche Uebungen werden auch noch in das Netz gestochen? Die Uebungen der Bogen- und Kreislinien. 64 Inneres Leben des Kindergartens. 187. Was ist über die folgende» Uebungen zn sagen? Die weiteren Stechübungen bestehen im Nachstcchen gezeichneter Bilder (Fig. 2 l b), zunächst mit bloßen Conturen, dann mit merklichen Schattirungen. Diese Bilder müßte entweder die Kindergärtnerin verzeichnen, oder sie benutzt, da jenes oft zu schwierig und zeitraubend sein dürfte, gedruckte Vorlagen, wie <7 b Fig. 21. Ausstechcn. sie zu diesem Zwecke erschienen sind in „Arbeitsschule IV. Das Ausstechen" v. Fr. Seidel und Fr. Schmidt. Weimar, H. Böhlau. 18 Blätter. 3. Aufl. 1 Mrk. 80 Pf. 188. Wodurch werbe» die gestochenen Muster noch passend ausgeschmückt? Jedes ausgestocherte weiße Blättchen wird von dem Kinde Das Ausstechen. 65 mit Buntstiften nach eigner Phantasie und Geschmack ausgemalt. Das kann geschehen, indem das Kind entweder die gestochene Contur nachzeichnet, oder aber indem es dazwischen und um dieselbe herum malt. Durch die Farben kommt viel Anmuth in die Beschäftigung. 189. Wozu können die ansgestochenc» Bilder dienen? Kein Bild darf verloren gehen; Alles, was das Kind mit eigner Hand schafft, muß es werth halten. Das kann es hier sehr leicht lernen, da die Bildchen sich in ein Sammelbuch einheften oder einkleben, oder zu Buchzeichen und allerhand kleinen Gegenständen, wie Uhrhaltcrn, Arbeitskörbchen und dergl., verwenden lassen. 190. Welcher Werth liegt in dieser Beschäftigung? Die Hand und die Finger werden bei Führung der Nadel geschickt gemacht; das Auge lernt auch auf dem Kleinen (dem Punkte) haften; die Formen der Dinge prägen sich durch das genaue Nachstechen bis zur Unverlierbarkeit tief ein; Zahl und Farben kommen wiederholt zur Anschauung; Phantasie, Geduld und überhaupt die Willenskraft erhalten Nahrung und Gelegenheit zur Uebung; der Sinn lernt sich auf's Praktische schon richten, da das Kind bereits etwas Verwendbares, Nützliches schafft; endlich wird die Sittlichkeit erweckt durch die Freude am Geschaffenen und durch das Bewußtsein, durch Geschenke sich Andern (Eltern, Geschwistern rc.) dankbar und dienstlich erweisen zu können. 191. Wann soll das Aiisstcchcn im Kindergarten beginnen? Vor dem fünften Jahre nicht, weil die vorhergehenden Spiele mit Körpern, Flächen und Linien erst das Kind für den Punkt vorbereiten und interessieren müssen. 192. Was ist außerdem noch anznrathcn? 1. Man beschäftige die Kinder nicht zu lange auf ein Mal mit Ausstechen — höchstens ein halbes Stündchen! 2. Man nehme diese Beschäftigung nicht bei mangelhaftem Lichte oder trübem Himmel vor! Seidel, Kindergärtnerei. 2. Nufl. 5 66 Inneres Leben des Kindergartens. 3. Man empfehle den Kindern im Umgänge mit der Nadel Vorsicht, um Andere nicht zu beschädigen! Weitere Belehrung in: Köhler, „Praxis", II. Thl, Fünfzehnter Abschnitt. Das Mslilihcn ftmuyrhnte Gabe). 193. Welche Wendung tritt mit dieser Beschäftigung ein? Von jetzt an steigen die Beschästigungsmittel in umgekehrter Reihenfolge — vom Punkt zur Linie, Fläche und zum Körper — wieder aufwärts. In den Spielen mit dem Ball bis zum Durchstechen herrschte das Princip der Theilung, in den Beschäftigungen des Ausnähcns und den darauf folgenden herrscht das Princip der Wiedervcrbindung dcs Stoffcs. 1!tl. Worin besteht das Ausnützen? Das Ausnähen ist zunächst wieder ein Aus stechen, sowie dieses eigentlich nur ein Zeichnen ist. Durch die eingestochenen Punkte wird nun mit einer etwas handlichen Nähnadel ein Faden von Wolle oder Seide gezogen, sodaß also eine körperliche Linie die einzelnen Punkte verknüpft. Der Faden thut dasselbe, was die Legestäbchcn, der Schiefer-, der Bleistift beim Zeichnen und die Buntstifte beim Ausmalen der Ausstcchblättchcn gethan haben. 195. Wie folgen die Nähiibuugen auf einander? Ganz ähnlich den Ausstcchübungcn ist die Aufeinanderfolge der Uebungen im Ausuähen. Ausgehend von der senkrechten und wagerechtcn Linie schließen sich daran Verbindungen beider, sodann die schrägen Richtungen und ihre Combinationen unter sich und mit den rechten Linien. Den Schluß bilden Umrisse von einfachen Gegenständen (Erkenntniß-, Schönheits- und Lebensformen). (Fig. 22.) Das Rusnähcn. 67 196. Welche eigenthümliche, aber natürliche Erscheinung bemerken wir beim Änsnähen? Daß mittelst des Fadens keine gebogene und runde Linie dargestellt werden kann. Annähernd wird die Rundung hervorgebracht durch eine vielfach gebrochene Linie. 197. Was ist über die Farben zu sage»? Man wühlt für den Anfang immer wieder die drei Grundfarben, und nicht sogleich alle drei auf ein Mal, sondern jede einzeln, später verbunden,- hierauf nach und nach die Mischfarben. Bei den Lebensformen sehe man auf eine möglichst vollkommene Uebereinstimmung mit der Wirklichkeit, daß nicht etwa die Blume eine grüne Blüthe und ein blaues Blatt erhält. 198. Welche Verwerthung lassen die fertigen Aus- näharbeiten zu? Sie bieten dein AvA ein noch unmuthigeres Bild als die Ausstechformen und lassen eine noch mannich- faltigere Verwendung zum Praktischen zu. Am schönsten nehmen sie sich als Decken auf Brieftaschen, Notizbüchelchcn, Etuis und dergl. aus. Sie sind eigentlich elementare Stickereien. 199. Was ist über das Änsnähen erschienen? Fr. Seidel und Fr. Schmidt, „Arbeitsschule XI und XII". 2. Aufl. Weimar, H. Böhlau. Preis jedes Heftes 1 Mrk. 60 Pf. Siehe auch Köhler, „Praxis". II. Thl. Fig. 22. Ausnahen. 5" 68 Inneres Leben des Kindergartens. Lechszchnter Abschnitt. Das Ausschneiden (neunte Gabe 200. Welche Aufgabe hat das Ausschneiden? Das Ausschneiden soll die Trennung der Fläche und die Wiedervereinigung der Theile zu einem Ganzen veranschaulichen. 201. Worin besteht das Material und Werkzeug desselben? Das Material ist feines weißes oder farbiges Papier, das Wcrkzeug^cine Schcerc. 202. Worauf gründet sich Sie Ausnahme dieser Beschäftigung in die Reihe der Fröbel'schcn Mittel? Die Kinder zeigen schon frühe den Trieb und die Lust, mit der Schcerc in der Hand Schneidevcrsuchc an allerhand Stoffen, wie an Papier, Tuch, Leder, zu machen — oft zum Schaden und Verdruß der Eltern. Dem muß vorgebeugt werden — nicht durch Entziehen des gefährlichen Instruments, sondern durch Anleitung zu einem bildenden und nützlichen Gebrauch desselben. Dies geschieht beim Ausschneiden nach dem Gesetz in Papier. 203. Woraus geht das Gesetzmäßige des Ausschneidens hervor? Die Gesetzmäßigkeit des Ausschnitts liegt in der Gestaltung der auszuschncidenden Papierfläche. Diese ist stets ein Geviert, welches diagonal dreimal gebrochen zu einem achtfach (2X2X2) übereinanderliegenden gleichschenkeligen und weiterhin gleichseitigen Dreieck gefaltet wird. Dieses Geviert läßt man aus hll» Bogen Papier entstehen. 204. Welche Schnittarten ergeben sich hieraus? 1. Formen mit nur Einem Schnitt, 2. Formen mit zwei und mehr gleichartigen Schnitten, 3. Formen mit senkrechtem Schnitt, 4. Formen mit wagerechtcm Schnitt, 5. Formen mit schiefem Schnitt, Das Ausschneiden. 69 6. Formen mir gebogenem und rundem Schnitt, 7. Formen mit bloßem Abschnitt, 8. Formen mit Ein- oder Ausschnitt. 205. Womit wird angefangen? Dcir Anfang machen die einschnittigcn Formen und unter diesen ist der senkrechte Schnitt der erste. Derselbe ergiebt zwei Muster, indem einmal die rechte Ecke des auf seiner Basis ruhenden achtfachen Dreiecks senkrecht abgeschnitten wird, und dann ebenso die linke. — Der erstere Schnitt zeigt bei seiner Entfaltung ein regelmäßiges Achteck und als Abschnittsel vier rechtwinkelige Dreiecke. Der andere Schnitt, entfaltet, zeigt ein auf der Spitze stehendes Quadrat mit quadratförmig ausgeschnittener Btitte. — Jeder Schnitt wird in einem Sammel- buchc mit seinen ihm zugehörigen Abschnittscln zu einem symmetrischen Ganzen aufgeklebt. Da aber dieses Ganze je nach Art und Zahl der Abschnittsel sich in verschiedener Weise zusammenstellen läßt, so lasse man einen und denselben Schnitt so oft machen, als sich noch originelle Muster in der Zusammenstellung auffinden lassen. 206. Welcher Schnitt folgt iinil? Der nächste Schnitt ist ein Wäger echter, durch welchen die rechtwinkelige Ecke des Dreiecks quer abgetrennt wird. Dabei entfaltet sich das Muster zu einem Kreuz mit rechtwinkelig zugespitzten Armen; die Ausschnittsel bilden 4 Dreiecke. Dieses wird ebenso — wie alle Schnittformen— in die Sammlung geklebt. (Fig. 23.) 207. Welche Schnitte kommen dann? Hieran schließt sich die Form mit zwei senkrechten, ferner mit zwei wagcrechten, ferner mit einem senkrechten und einem Fig. 2S. Ausschneiden. 70 Inneres Leben des Kindergartens. wagerechten, ferner mit zwei senkrechten und einem wagerechten Schnitt. Dann kommen die Formen mit schiefep; Schnitte — einem, zweien, links, rechts rc. —. welche immer einer Kathete des Dreiecks (der Grundform) parallel laufen. Durch die Verbindung von zwei sich treffenden schiefen, oder einer schiefen und einer rechten entstehen die Formen mit Aus- oder Einschnitten. Zuletzt erscheinen runde Schnitte. Diese sind auch entweder A b schnitte, oder Aus schnitte, jenachdem das Abschnittst! hohl oder voll ist. 208. Sind auch freie Schneidübnngen zulässig? Nachdem die Kinder die an die Gesetzmäßigkeit der an das achtfache Dreieck gebundenen Formen geübt haben, sind auch' Freiübungen — nicht nur gestattet, sondern erwünscht. Doch findet ein allmählicher Uebergang von jenen zu diesen statt. 200. Worin besteht der Uebergang? Das Ausschneiden eines achtfach zusammengefalteten Papiers zeigt bei dem einfachsten Schnitte doch immer eine große Man- nichfaltigkeit der Formen — ähnlich wie das Kaleid oskop durch zusammengesetzte Spiegel aus ein paar bunten Stcinchen, die in zufälliger Ordnung oder Unordnung bei einander liegen, die schönste Arabeske zu gestalten vermag. Legen wir das Papier nur vierfach zusammen, so will schon ein mehrmaliger und gut berechneter Schnitt gethan sein, um ein hübsches Schnittmuster hervorzubringen. Bei nur doppelt liegendem Papier ist dies noch schwieriger. Denn das achtfache Papier zeigt jede Schnittlinie achtmal, das vierfache viermal, das zweifache nur zweimal. Es muß also, um dem Kinde das freie Ausschneiden zu ermöglichen, der Stufengang von der geringeren Schwierigkeit zur größeren — von vierfachem Papier zu zweifachem — eingehalten werden. 210. Was nennt man freies Ausschneiden? Freies Ausschneiden nennt man das Ausschneiden in einfachem Papier. Das ist das schwierigste, da hier nicht die mechanischen Gesetze des Zusammcnfaltcns zu schönen, ebenmäßigen Formen mit helfen. Das Flechten. 71 211. Welche Formen lassen sich namentlich durch das freie Ausschneiden erzielen? Die Erzeugnisse des gebundenen Schnittes waren Erkenntniß- und Schönheitsformm, die des freien Schnittes sind Lebensformen: Blätter, Blumen, Thiere, Geräthe u, si w. Hier werden die Abschnittsel nicht mehr verwendet, Meister im freien Ausschneiden ist Karl Fröhlich in seinem „ABC für artige Kinder". Cassel, E, Vtzllmann. 212. Welche Beschäftigung könnte dem Ausschneiden als Anhang beigefügt werden? Das Aufkleben farbiger Papierstreifen, Das ist weiter nichts als eine Wiederholung des Stäbchen-Legens oder des Zeichnens im Großen. Die Strcifchen haben die Länge und Breite der Legcstäbchcn. 213. Für welches Alter eignet sich das Ausschneiden? Am geeignetsten ist diese Beschäftigung für das spätere Kindergartenalter von 5—7 Jahren, wennschon die vierjährigen Kinder die ersten Schneidübungen vornehmen könnten. Das Aufkleben von Papierstreifen kann feiner Leichtigkeit wegen früher (mit dem Stäbchen-Legen in Verbindung) auftreten. 214. Was ist über diese Beschäftigung im Buchhandel erschienen? „Arbeitsschule X, Das Ausschneiden," 2, Anst. — 1 Mrk. 50 Pf, Köhler, „Praris", II, Thl, Lieözehiiler Mschnitt, Das Flechten (zehnte Gabe). 215. Wie reiht sich das Flechten den vorhergehenden Beschäftigungen an? Das Flechten ist wie das Täfclchen-Legen und Ausschneiden eine Darstellung der Ebene, Mit dem Ausschneiden correfpon- Fig. 24 g. Flechtnadel mit eingezogenem Streif 72 Inneres Leben des Kindergartens. dirt es n^ch insofern, als es wie dieses einmal trennt und dann wieder zusammenfügt. Auch ist es ein Seitenstück des Ausnähens : war dieses das elementare Sticken, so ist das Flechten die Grundlage des Webens. 216. Welches sind Material und Werkzeuge des Flechtcns? Was das Material zum Flechten anlangt, so dient Anfangs weißes und farbiges Papier dazu; späterhin wird Band, Leder, Wachstuch, Anschrote, Bindfaden, Stroh, Binsen verwendet. Als Flecht- werkzeug dient die Flechtnadel. Sie ist von Holz und hat — wie die Spicknadel — am Hinteren Ende einen Spalt, in den der Flcchtstreif eingeklemmt wird. (Fig. 24 a.) 217. Welche Vorrichtungen machen sich nöthig? Da das Flechten ein Weben ist, so muß Las Flccht- materiäl in doppelter Weise zubereitet werden: als Flechtblatt (der Auszug des Gewebes) und als Flecht- streisen (der Einschlag beim Weben). 218. Von welcher Beschaffenheit ist das Flechtblatt? Das Flechtblatt ist ein Octav- oder Quartblatt, welches man in Längenstreifen schneidet, doch so, daß Fig. 24 b. Flechtblatt. ein ringsum gelassener Rand von Daumenbreite die Streifen zusammenhält. (Fig. 24 d.) Das Flechten. 73 219. Bo» welcher Beschaffenheit sind die Flcchtstrciscn? Sie sind einzelne Streifen, deren Länge der Flechtblattbreite, und deren Breite der Breite der Flechtblatrstreisen gleichkommt. Für den Anfang beträgt die Breite der Flechtblatt- und Flecht- strcifcn 5 mm, nach und nach immer weniger, so daß das Geflecht zu einem immer höheren Grade der Feinheit hinaufsteigt. 220. Wie stellt man sich Flechtblatt nnd Flcchtstreifen her? Dies geschieht recht praktisch, wenn man eine größere Anzahl — etwa 12 — Blätter übereinander auf ein Schneidbrct (von Ahorn, oder Buche, — überhaupt von einem harten, astlosen Holze) legt und mittelst eines scharfen Messers an einem eisernen Fig. 24 e. Flechlmuster. KÄS Lineale die Streifen entweder nach dem Zirkelstich oder dem Augenmaße schneidet. — Will man die Arbeit, die allerdings einer ziemlichen Mühe, Zeit und Geschicklichkeit bedarf, nicht selbst übernehmen, so kann man die Flechtpräparate fertig, von einer Maschine sehr genau und glatt gearbeitet, beziehen durch 74 Inneres Leben des Kindergartens. dic Vcrlagshandlung von H. Böhlau in Weimar, welche in einer Flechtmappe 12 große und 24 kleinere Flechtblätter nebst 24 Blatt Flcchtstreifcn und 1 Flcchtnadcl zn dem Preise von 1 Mrk. 20 Pst liefert. 221. Wie wirb geflochten? Der Flechtstceif wird in die Flechtnadel eingeklemmt und mit dieser quer durch die Streifen des Flechtblattes — jenachdem es Flechtgesetz oder Flcchtmuster verlangt — gezogen. Jeder Flcchtstreif muß dicht an den vorhergehenden angeschoben werden, damit Las Geflecht Dauer und Accuratesse erhält.' Zuletzt sind die Enden der cingeschobcnen Flechtstreifen mit Gummi auf dem Rande des Flechtblattes festzukleben. (Fig. 24 o.) 222. Was ist über die Wahl Ser Farben zu sagen? Die sechs Regcnbogenfarben mit Einschluß von Schwarz und Weiß sind natürlich wieder die Elemente, mit denen der Anfang gemacht wird; doch kommen in der Folge alle anderen Farben- nüancen — Grau, Braun, Rosa, Silber, Gold u. s. w. — hinzu: denn das Flechten ist diejenige der Kindergartenbc- schäftigungen, an welcher sich die Kenntniß der Farben und ihrer Harmonicgesetze bis zum höchsten Grade der Vollendung gipfelt. 223. Was ist zu sagen über dic Verbindung der Farben? Alle Farben werden zuerst mit Weiß verbunden, dann mit Schwarz, dann wechsclsweise unter und mit einander. Demnach nimmt man zum Flechtblatt zunächst weißes und zn den Flcchtstreifcn buntes Papier; hierauf zum Flechtblatt schwarzes und zu den Flechtstreifen wieder buntes, endlich zu beiden buntes Papier. In Folge dessen erscheint entweder das cingeflochtenc Muster auf einem hellen oder auf einem dunkeln Hintergründe; — man könnte sagen: das Bild ist einmal ein positives, ein andermal ein negatives. Marmorirtes Papier ist hier dem Auge schädlich. 224. Welcher Ucbungsgang ist beim Flechten einzuhalten? Den Uebungsgang schreiben die Flechtgcsetze vor, wie solche A. Köhler in seiner „Flechtlchre" (Weimar, H. Böhlau. 1 Mark 50 Pf.) zuerst aufgestellt hat. Das Flechten. 75 225. Worauf gründe» sich die Flechtgesctze? Sie gründen sich auf die Zahl, d, h. das Verhältniß der auf und unter die Nadel zu nehmenden Flechtblattstreisen zu einander. 226. Wie vielerlei Gesetze giebt es? Dreierlei: 1. einfache, 2. zusammengesetzte und 3. abgeleitete Flechtgesctze. Die einfachen Gesetze bestehen aus zwei Zahlen, die zusammengesetzten aus vier und mehr; beide haben einen regelmäßigen Anfang. Die abgeleiteten Gesetze gehen aus ersteren gemeinschaftlich hervor und haben einen unregelmäßigen Anfang. 227. Wie weit kau» der Kindergarten das Flechten cultivircn? Für den Kindergarten bieten schon die einfachen Flecht- gesetze eine fast unzählige Menge von Mustern d.ar, so daß er sich mit diesen vollständig begnügen könnte. Fähigeren und größeren Kindern würde mitunter die Freude der Anwendung zusammengesetzter und leichter abgeleiteter Gesetze zu gönnen sein; doch muß die Kindergärtnerin sich hüten, über die Leistungsfähigkeit der Kinder hinauszugehen, da ein übertriebenes Nachhelfen und Ausbessern aus pädagogischen Gründen verwerflich ist und zu einer unhcilsamen Charlataneric den leichtgläubigen Eltern gegenüber führt. Die Sucht mancher Kindergärtnerinnen, die Fröbclisch sein wollen und es nicht sind, mit recht schwierigen Kinderarbeiten zu glänzen, hat gerade das Gegentheil bewirkt von dem, was sie beabsichtigten, indem das Urtheil Sachverständiger und Unparteiischer sich gegen statt für den Kindergarten wandte. 228. Welches sind die wichtigsten einfachen Flcchtgcsetzc? 1 auf 1 nieder 3 nieder 3 auf 1 nieder 1 auf 3 n. 1 a. 2 a. 1 n. 3 n. 2 a. 1 n. 2 a. 4 a. 4 n. 2 n. I a. 4 a. l n. 1 a. 2 n. 4 a. 2 n. 2 a. 2 n. 4 a. 3 n. 76 Inneres Leben kes Kindergartens. 2 n. 2 a. 1 n. 4 a. 3 a. 3 n. 2 n. 4 a. 3 a. 1 n. 3 n. 4 a. 3 a. 2 n. '4 n. 4 a. 1 a. 3 n. 5 a. 5 n. 2 n. 3 a. u. s. w. 22!». Welche Maunichfaltigkciten läßt das Flechten auch bei Anwendung nur einfacher Flechtgcsetze zu? Die Streifen, welche Anfangs stets gleiche Breite haben, können später verschieden — einfach und doppelt —breit fein. Wenn im Anfange immer nur zwei Farben — eine als Flechtblatt, eine als Flechtstreifen — mit einander verflochten wurden, so lassen sich weiterhin in das Flechtblatt mehrere Farben einziehen. 23t). Welches ist ein gutes Disciplinarmittcl bei dem Flechten unter einer größer» gleichzeitig z» beschäftigenden Kindcrzahl? Das Taktflechten: „Nadel zur Hand!"— „Eingefädelt!" — „Angesetzt!" — „Eins auf! Eins ab! Eins auf! Einsatz!" — „Angeschoben!" — „Eingefädelt!" — „Angesetzt!" — „Eins ab! Eins auf!" u. s. f. — 231. Wie lange wird ein Muster oder Gesetz geübt? Natürlich so lange, bis es alle Kinder aus dem Kopfe fehlerfrei flechten können. Sollte die Wiederholung auch viele Mal geschehen müssen, so wird es gleichwohl die Kinder nicht langweilen, sobald man nur stets eine andere Farbcnverbindung wählt. 232. Hat das Flechten einen besondern Werth? Den hat es unbedingt. Abgesehen davon, daß die fertigen Geflechte sich zu Dekorationen von Büchern, Taschen, Kästchen, Untersetzern und dcrgl. Gegenständen verwenden lassen und daß das Kind durch diese Beschäftigung in das Verständniß des für's Leben so unentbehrlichen Webcns eingeführt wird, — liegt in dem Flechten eine noch tiefere Bedeutung und zwar die der reinsten Zahlenanschauungen. So mancherlei Hilfsmittel man auch ersonnen hat, die Zahlcnerkcnntniß dem Kinde zu Das Verschränken. 77 erleichtern, keines stellt die Zahl als etwas Ganzes so dar, wie , das Flechtblatt. Wenn wir das Kind 2 auf, 2 nieder flechten lassen, so saßt es die Zahl in ihrer Vielheit, als 2 Einsen auf. Zieht es aber nach diesem Gesetze den Streifen ein, so entstehen mehrere Längenrcchtecke, welche dein Kinde als eine ganze, un- getheiltc Zwei erscheinen. Diese Zwei würde das Kind aber als eine größere Eins anschauen — wie es bei der Rechenmaschine mit Klötzchen geschieht—, wenn nicht unter und neben derselben die Eins zur Vergleichung gegeben wäre. Und so bei allen Zahlen, die man zur Anschauung bringen will. - 233. Was ist über das Flechten erschienen? „Arbeitsschule II. Das Flechten für^SiM^VW-La^lä- , von Fr. Seidel und Fr. Schmidt. Weimar, H. Böhlau. Aufi. 15 lith. Tafeln. 1 Mark 50 Pf. Köhler, „Praxis". II. Theil. Goldammer, „ Kindergarten". Achtzehnter Abschnitt. Das Verschränk eil (vierzehnte Gabe 234. In welcher Beziehung steht diese Beschäftigung zu den früheren? Das Verschränken ist eine Fortsetzung des Stäbchen-Lege ns, verbindet aber die Stäbe zu einem haltbaren Ganzen. In Hinsicht auf die Art und Weise der Verbindung der Stäbe ist es ein Flechten im Groben und Großen und leitet das Papier- flechten über zum Rohr- und Korbflechtern 235. Welches ist das Material des Berschränkcns? Es sind Holzstäbe, Spähne oder Schleißen von 25 om Länge, 1 om Breite und I mm Stärke"). Hat man Mühe und Kosten zu scheuert, -so behilft man sich mit geschlitzten Dachspähnen, wie In Packeten von 25 Stück zu beziehen durch Frau Köhler in Gotba und H. Bretsch in Berlin. 78 Inneres Leben des Kindergartens. es die Kinder auch außer dein Kindergarten thun, denen Fröbel dieses Spiel abgelauscht hat. 236. Wie wird verschränkt? Die Stäbe werden über- und durcheinander geschoben, so daß sie sich gegenseitig stützen und halten und so ein festes Ganzes bilden. 237. Wie folgen die Uebungen? Wie beim Stäbchen-Legen nach der Zahl der Stäbe. Mit 1 — 3 Stäben ist ein festes Ganzes hier noch nicht möglich, wohl aber mit 4 Stäben; daher ist das Verschränken von 4 Stäben die erste Uebung, mit 5 die zweite, mit 6 die dritte u. s. w. 238. Was für Formen ergeben -sich meist aus dieser Beschäftigung? Weniger Lebens- als vielmehr Erkenntniß- und Schönheitsformen. (Fig. 25.) Fig. 25. Verschränkformen. 239. Welches Gute hat diese Beschäftigung? . Sie belehrt die Kinder über die Spannkraft (Elasticität) des Holzes; sie kann schon mit dreijährigen Kindern vorgenommen Das Verschränken. — Der gegliederte Ltab. 79 werden; ihr Material ist wohlfeil und wird nie verbraucht, sondern läßt sich in unerschöpflicher Weise immer wieder zu neuen Formen gestalten. Siehe Weiteres in „Arbeitsschule IX, Das Verschränken". Köhler, „Praxis". II. Theil. Neunzehnter Abschnitt. Der gegliederte Ztali (vierzehnte Gabe IZ). 240. Was ist der gegliederte Stab? Der gegliederte Stab ist eine Kette von zehn Lcgcstäbchen, deren Enden mit einander verknüpft sind. Die Stäbchen werden mittelst Drahtgelenke mit einander verbunden, doch so, daß jedes einzelne Glied beweglich bleibt. Man bedient sich hierzu des in allen Kleinwaarcnhandlungcn billig zu habenden zehngelenkigen ganzen oder besser halben Metermaßes. 241. Welche» Zweck hat dieses Spiclmittel? Es soll zeigen, wie eine Figur aus einer andern entsteht: der Rhombus aus dem Quadrat, das Rhomboid aus dem Rechteck rc. Auch bietet es die beste Unterlage zu Winkelstudicn. 242. Wie wird diese Veränderung einer Form bewirkt? Durch bloßes Verschieben der Stabglicdcr — entweder auf dem Tische oder auch in der Luft durch Aus- und Ab-, Hin- und Herbcwcgen der das Ganze haltenden Hände. 243. Welchen Gang nehmen die Uebungen? Hier — wie bei mehreren der voranstellenden Beschäftigungen des Kindergartens — ist wieder die Zahl das leitende Princip. Zu einem geschlossenen Ganzen gehören — das hat das Kind bereits beim Stäbchen-Lcgen, mit welchem das Spiel am gegliederten Stäbe eng verwandt ist, erkannt — mindestens drei Linien oder Stäbchen. Es wird demnach die erste Uebung an einem Stäbe mit drei Gliedern gemacht werden müssen. gg Inneres Leben des Kindergartens. Derselbe zeigt ein Dreieck, welches sich jedoch nach keiner Richtung hin verschieben läßt, also eine starre Form. Die zweite Uebung: der Stab mit vier Gliedern, zeigt das Quadrat, welches sich zum Rhombus verschieben läßt. Die dritte Uebung: der fünffachgegliederte Stab, zeigt ein regelmäßiges Fünfeck, welches zu einem unregelmäßigen (zur Giebelseite eines Hauses) und zu einem Viereck oder Dreieck verschoben werden kann. Die vierte Uebung: der sechsfachgegliederte Stab, zeigt ein regelmäßiges Sechseck, oder ein Rechteck, oder ein Rhom- boid, ein Fünfeck und Dreieck. Und so schreiten die Uebungen vor bis zu zehn Stabgliedern. (Fig. 26.) Fig. L«. Erkenntniß-, Lebens- und Schönheitsform des gegliederten Stabes. 244. Welche literarische Hilfsmittel giebt es für diese Beschäftigung? „ Arbeitsschule XV. Der gegliederte Stab." Weimar, H. Böhlau. 1875. Preis 1 Mark. Iwanzigger Abschnitt. Das Schnüren (fünfzehnte Gabe). 245. Was ist das Schnuren? Es ist ein Verknüpfen oder Verschlingen zusammengefalteter, fidibusälmlicher Papicrstreifen. Das Schnüren. 81 246. Wovon wird dabei ausgegangen? Von Einem Streif, welcher zu den mathematischen Grundformen — Quadrat. Rechteck, Dreieck, Sechseck rc. — verschlungen wird. Dann folgen 2, 3 und mehr Streifen, bis allerlei künstliche Arbeiten: Rosetten, Sterne und dergl. daraus entstehen. Wg. 27.) 247. Welchen Nutzen hat diese Beschäftigung? Der Ruhen ist theils ein formeller, indem das Schnüren zu mathematischen Anschauungen, zu Fingerfertigkeit und Genauigkeit des Augenmaßes verhelft, theils ein materieller, indem eine spätere Anwendung davon bei der Anfertigung von Kleider- schnürcn, Bändern, Litzen und andern weiblichen Arbeiten sich von selbst crgicbt. 248. Mit welchen Beschäftigungen ist das Schnüren verwandt? Das Schnüren vereinigt gewissermaßen die Beschäftigungen des gegliederten Stabes und des Vcrschränkens in sich und bildet gleichsam ein Ver- mittclungsglicd zwischen diesen und dem Flechten. 249. Kann auch die Farbe hierbei berücksichtigt werde»? Gewiß, und zwar bei den Uebungen mit mehr als Einem Streifen. Siehe „Arbeitsschule XIII. Das Schnüren". 1 Mark20 Pf. Köbler, „Praxis". II. Theil. Goldammer, „Kindergarten". Fig. 27 . Schnürforinen. Seidel, Kindergärtnerei. 2. Aufs. 6 82 Inneres Leben des Kindergartens. Einundzwanzigster Abschnitt. Das Faltrn (achte Gabe). 25V. In welchen Bczichnngcn steht das Falten z» den vorhergehenden und nachfolgenden Beschäftigungen? Das Falten führt von der Fläche, welche im Ausschneiden, Verschränken, Schnüren dargestellt wurde, über zu dem Körper, indem die beim Falten entstehenden Formen theils plane, theils plastische sind. Mit dem Ausschneiden stimmt es noch darin überein, daß die Grundform der Ausschnitte (das zu einem Dreieck zusammengebrochene Quadrat) sich hier wiederholt, woraus man zugkich ersieht, daß das Falten — wenigstens in seinen Anfängen — vor dem Ausschneiden geübt werden muß. Überhaupt sollen ja die Spiele und Beschäftigungen, welche wir in diesem Werkchcn des Verständnisses halber in systematischer Reihenfolge vorführen, nicht auch in gleicher Weise nach einander im Kindergarten auftreten, sondern je nach ihrer Schwierigkeit und Bedeutung bald vor, bald mit einander. 251. Worin besteht das Material des Faltcns? Das Faltblatt ist ein Viertelbogen weißes, wenn man will, farbiges, oder, sollte es die Oekonomie erheischen, beschriebenes Papier. 252. Welches ist die Grundform des Faltblattes? Diese ist das Quadrat, in seltenen Fällen — und darauf ist man erst in neuester Zeit (Köhler in Gotha) gekommen — das Dreieck. Die Quadratsorm stellen sich die Kinder aus dem Rechteck des Viertelbogens so her, daß sie eine kurze Seite des letztem an eine lange legen, die Biegung falzen und dann das übrige einfache Stück Papier wegschneiden. So haben sie ein zweifaches, rechtwinkeliges Dreieck, welches auseinandergebreitct eben das Quadrat bildet. 253. Worin besteht die Thätigkeit des Faltcns? In einem regelmäßigen Brechen des Faltblattes nach zwei Gesetzen: 1) dem Gesetz der Eckenbiegung, 2) dem Gesetz der Scitenbicgung. Die Formen des erstem einsprechen der Würfelthcilnng der dritten und fünften Spielgabe, die Formen des andern Gesetzes der vierten und sechsten Gabe. (Bisher kannten die Kindergärten nur das erste Faltgesetz, das andere ist eine neuere Erfindung von A. Köhler.) 254. Welches ist die Ausübung des ersten Faltgesetzcs? Das Faltblatt wird durch einen diagonalen Bruch in ein Doppeldreieck verwandelt. Hierzu bedarf es nur einer Benutzung des bei der Herstellung des Faltblattes entstandenen Bruches. Das Dreieck wird wieder entfaltet und das Quadrat in der zweiten Diagonale gebrochen. Dadurch entsteht ebenfalls ein doppeltes Dreieck. Bei der Entfaltung zeigen fich im Faltblatt zwei Brüche, welche sich rechtwinkelig in der Mitte des Quadrats schneiden und dasselbe in vier gleiche Dreiecke theilen. Die Seiten der quadratischen Grundform find die Basen dieser Dreiecke, die an ihren Spitzen auf einander stoßen. Zwei dieser Dreiecke bilden je eins der großen Dreiecke. Der rechte Winkel an jeder Ecke des Quadrats ist durch den Bruch halbirt, mithin ist der Winkel an der Basis jedes Dreiecks ein halber rechter und die Summe aller drei Winkel im Dreieck beträgt zwei rechte. — Diese mathematischen Grund- anschauungen fallen bei dieser Beschäftigung dem Kinde von selbst in die Hand. Jetzt bricht man jede Ecke der Grundform so um, daß die Spitze genau in die Mitte dcsQuadrats fällt. Was zeigt sich? Ein zweifaches Quadrat, dessen untere Fläche aus einem einzigen, die obere dagegen aus vier Stücken, vier Dreiecken, besteht. Das Ganze ist ein quadratisches Briefcouvert, also eine Lebensform. Eine dieser Ecken wieder aufgefaltet, verwandelt das Couvert in ein Haus. So wird im Auf- und Zu falten derEcken, nach innen und außen, nach oben und unten, einfach und vielfach, fortgefahren, so lange fich Formen, plane oder plastische, finden lassen. Eine weitere Verfolgung läßt sich leider weder durch Wort noch Bild gut verdeutlichen, vielmehr ist es anzurathen, sich zur vollständigen Be- 84 Inneres Leben des Kindergartens. lehrung fertige Faltformcn von einer tücktigcn Kindergärtnerin kommen zu lassen. (Fig. 28.) 255. Wie wird das zweite Faltgcsctz ausgeübt? Eine Seite der Grundform wird auf die entgegengesetzte gelegt, wodurch das Quadrat in ein doppeltes Rechteck gefaltet wird. Aufgebrochen und dasselbe mit der andern Seite gethan, erscheinen zwei in der Mitte der Grundform sich kreuzende rechtwinkelige Brüche, welche das Quadrat in vier kleinere theilen. Auffinden mathematischer Wahrheiten wie beim vorigen Faltgesetz: alle Winkel sind rechte, also gleiche zc. Das Falten der Seiten auf und zu u. s. f. wird fortgesetzt, und Fig. 28 . Windmühle. Faltform nach dem ersten Gesetz. Fig. 29. Schweinchen. Faltform nach dem zweiten Gesetz. Erkenntniß-, Schönheits- und Lebensformen erscheinen in Menge. (Fig. 29.) D»S Falte». — Das Pappen. 85 256. Köimcii die beiden Faltgesctzc auch vereint angewendet werden? Sie können es nicht blos, sie sollen es auch, um die Beschäftigung recht mannichfaltig 'zu machen. 257. Was geschieht mit den gefertigten Faltsormcn? Diese lassen sich allerdings nicht, wie die Flecht- und Ausschneidemuster, zu praktischen Gegenständen verwenden, denn das - Falten gehört zu einer Gruppe von Beschäftigungen (Stäbchen- Legcn, Verschränken), welche dic Umwandlung des Stoffes in verschiedene Formen bei gleichbleibender Masse zum Zweck hat; aber es lassen sich die fertigen Faltsormcn wenigstens als Zengcn des Fleißes und der Geschicklichkeit aufbewahren, indem sie entweder mit Radeln an der Wand, oder in einem Sammelbuche an einander gereiht werden. 258. Was ist über das Falten erschienen? Das Fröbel'schc Fallblatt v. A. Köhler. Weimar, H. Böhlau. Mit vielen Holzschnitten. 2. Anst. Preis 1 Mrk. Köhler, „Praxis". H. Theil. - Goldammer, „Kindergarten". Fröbel's gesammelte Schriften H. Tbl. Zweinndzwanzigster Uöschmtt. Das Sappen suennte Gabt L). 259. Was ist das Pappen? Das Pappen ist ein Modelliren aus steifem Papier oder Pappe. Es tritt mit dieser Beschäftigung das Kind aus dem Bereiche der Täuschung, in welcher es sich beim Skäbchen-Legen, Zeichnen u. s. w. bewegte, in das Bereich der Wirklichkeit, weil dic aus Pappe zusammengesetzten Formen nicht mehr bloße Bilder (Conturcn) der Gegenstände sind, sondern dic Gegenstände selbst in allseitiger Ansicht, meist in verkleinertem Maßstabe, oft auch in wirklicher Größe. 86 Inneres Leben des Kindergartens. 260. Welchen früheren Spielen entspricht das Pappen? Den Bauspielen, mit denen es das Körperliche, Wirkliche gemein hat. Das Bauen construirt aber seine plastischen Formen aus Körpern, das Pappen aus Flächen; die Bau- formen sind daher meist massiv, die Pappformen hohl. Das Spiel mit den Bausteinen ist ein stetiges Umwandeln des Stoffes, die Beschäftigung des Pappens ein Fertigen aus dem Stoffe. Außerdem gründet sich das Pappen auf das Zeichnen, Falten und Ausschneiden, welche Thätigkeiten sich beim Pappen wiederholen. 261. Was ist über das Material und die Werkzeuge zu sagen? Das geeignetste Material wäre steifes Noten- oder Acten- papier, oder dünne, glatte Pappe; in manchen Fällen ließe sich sogar Holz (Cigarreukästchen) anwenden. Meistens müssen die Theile an einander geklebt werden, wozu sich also ein Klebestoff nöthig macht. Als solchen müssen wir das arabische Gummi (auch Kirschharz) empfehlen, da dieses stets flüssig erhalten werden kann und die Arbeit nicht so leicht befleckt; nur sehe man darauf, daß dasselbe nicht zu leichtflüssig sei. Zum Zuschneiden des Papiers braucht man ein scharfes Messer (mitunter die Scheerc) und ein eisernes Lineal; zum Abmessen der Linien einen Zirkel und etwa ein Winkelmaß und einen Transporteur. Das Schneidebret ist schon beim Flechten erwähnt. 262. Sollte die Handhabung der genannten Werkzeuge für die Kleinen des Kindergartens nicht zn schwer sein? Jawohl, und nicht nur zu schwer, sondern auch gefährlich; aber es ist hierbei nicht gemeint, daß die Kinder das Zuschneiden immer selbst besorgen sollen: höchstens die leichteren Zuschnitte, wobei nur die Scheere erforderlich ist, — die schwereren Schnitte besorgt die Kindergärtnerin. Uebcrhaupt gehört diese Beschäftigung nur in ihren Anfängen in den Kindergarten, die späteren Uebungen sind für das Elternhaus zur Bethätigung größerer Kinder von 7 —14 Jahren. Das PapPen. 87 263. Wie macht man sich den Zuschnitt zn einer Pappform? Der Zuschnitt (Mantel) muß wo möglich immer aus Einem Stück bestehen, damit das Ganze recht viel natürlichen Zusammenhang bekommt und wenig Fugen oder Nähte. Ueber das Stück Papier, aus dem Etwas geschnitten oder modcllirt werden soll, entwirft man ein Liniennetz in Quadraten, schneidet die wegfallenden Stücke ganz ab und ritzt die Linien, auf welchen eine Umbiegung erfolgt, halb durch, damit die Kante knapp wird. An jeder Stelle, die an eine andere geklebt werden soll, muß des bessern Halts wegen ein Streifchcn Papier von der eigentlich wegzuschneidenden Fläche stehen bleiben: der K l e b e l a p p e n. Da das Auffinden eines Mantels einer projectirten Form immer noch seine Schwierigkeiten hat, so zieht man Vorlege- blätter zu Rathe, wie solche „Arbeitsschule III. Das Pappen" (Weimar, Böhlau. 4. Auch 1 Mrk. 50 Pf.) in großer Auswahl auf neun Tafeln liefert. Die dort gegebenen Muster sind nur vergrößert (ein Maßstab ist angefügt) auf das Schnittpapier überzutragen, um sich zu allerlei Gegenständen gestalten zu lassen. 264. I» welche zwei Hauptabthcilungen zerfallen die PaPP- sormen? 1. Formen, welche der Wirklichkeit ganz entsprechen, also Lebensgröße haben. Dahin gehören die Kästchen und Körbchen rc., die zur Aufstellung von Sammlungen, wie einer Mineraliensammlung, gebraucht werden können. 2. Formen, welche Gegenstände der Wirklichkeit im Kleinen darstellen, wohin die Modelle von Geräthen, Gebäuden rc. gehören. 265. Welches sind die ersten Uebungen? Für die Kindergärten, namentlich für solche, welche nicht Kinder über das sechste Lebensjahr haben, sind die ersten und einzigen Uebungen diejenigen, welche durch bloßes Ausschneiden, oder durch Ausschneiden mit Umbiegen entstehen, so daß 88 Inneres Leben des Kindergartens. mithin die Anwendung von Klebemitteln für ein weiteres Alter vorbehalten bleibt. Pappform mit bloßem Ausschnitt. Die Ausschncidcformen ohne Umbiegen weisen den Zusammenhang des Ausschneidens mit dem Pappmo- delliren nach. (Fig. 30.) Die Ausschncidcformen mit Umbiegen einzelner Theile sind schon eigentliche Pappmodelle. (Fig. 31.) Zu diesen Formen sind übrigens Spielkartenblätter recht gut verwendbar. 266. Welches sind die ersten Formen mit Anwendung des Klebestoffs? Das sind die Modelle von Kästchen ohne Deckel, die also von außen und innen zugleich betastet werden können. Die Fig. 31. Kanapee. Pappform mit Umbiegen. viereckigen eröffnen die Reihe, dann schließen sich sechseckige, achteckige u. s. w. an. (Fig. 32.) Das Pappen. 89 267. Welche folgen dann? Dann folgen geometrische Körper — Würfel, Pyramide, Prisma, Walze rc. —, welche ringsum geschlossen, also nur von außen belastbar sind. Den Schluß bilden Geräthe — Ofen, Bett, Sopha — und Häuser, durchweiche letztere derUebergang zu den in neuerer Zeit sich geltend machenden Modcllirbogen hergestellt wird. Flg. 32. Pappform mit Ankleben. 268. Bon welcher Wichtigkeit ist Sie Beschäftigung des Pappcns? Diese Beschäftigung bringt für die formelle Ausbildung des Kindes großen Gewinn, indem sie die mathematische Anschauung bedeutend vermehrt und erweitert. In praktischer Hinsicht wird ebensoviel gewonnen, indem zu der Kenntniß der Gegenstände auch noch die Geschicklichkeit in der Anfertigung derselben hinzukommt. — Ohne uns über den Werth des Pappmodellirens hier weiter auslasten zu können, sei diese 90 Inneres Leben des Kindergartens. Beschäftigung, in je beschränkterem Maße sie der Kindergarten verwerthen kann, desto mehr der Hauserziehung als eins der vortrefflichsten Bildungs- und Unterhaltungsmittel der Kinder empfohlen! Äieiundzwanzigster Abschnitt. Die Lrbsenarbeiten (dreizehnte Gabe). 269. Was ist unter Erbsenarbeiten zu verstehen? Unter dieser Beschäftigung versteht man das Verbinden der Legestäbchen mittelst ausgeweichter Erbsen zu Schönheits-, Erkenntniß- und Lebensformen. , 270. In welcher Beziehung steht diese Beschäftigung zu den vorigen? Bei den Ballspielen wird mit Körpern, beim Pappen mit Flächen, — bei den Erbsenarbeiten mit körperlichen Linien und Punkten gebaut. Das Stäbchen-Lcgen fügte die Hölzchen nur lose und auf der wagerechten Ebene an einander, jetzt werden dieselben Hölzchen nicht nur fest verknüpft, sondern auch noch aus der senkrechten und schiefen Ebene. Und in Folge dieses Verknüpfens der körperlichen Linien tritt die Beschäftigung mit Stäbchen und Erbsen in nähere Verwandtschaft zu dem gegliederten Stäbe, dem Verschränken, Schnüren und Ausnützen. 271. Welche Vorrichtungen erfordert das Material dieser Arbeiten? Das Zuspitzen der Stäbchen mittelst des Messers, welches den größeren Kindern überlassen bleibt, —und das Einweichen der Erbsen, Tags vorher, was jedes Kind leisten kann. Statt der Erbsen sind auch Wachs- und Thonkügelchen anwendbar. 272. Welches ist der leitende Grundsatz dieser Beschäftigung? Gehe vorn Einfachen zu dem Zusammengesetzten! Wiederum ist es die Z ah l, welche den Lehrgang bedingt. Die Erbsenarbeiten. 91 1 Stäbchen und I Erbse — die Stecknadel, der Spazier- stock. 1 Stäbchen und 2 Erbsen — die Walze, die Wagenaie mit Rädern. 2 Stäbchen und 1 Erbse — rechter Winkel, Einschlagmesser. 3 Stäbchen und 2 Erbsen — Hausthür, Brücke. 3 Stäbchen und 3 Erbsen — Dreieck, Dachgiebcl. u. s. f. 273. Was ist das Charakteristische dieser elementare» Uebungen? Daß sie nur Eine Fläche darstellen, wie die Formen des Stäbchen-Lcgens, Verschränkcns, Schnürens u. a. — Bemerkt sei, daß die Kinder beim stetigen Fortschreiten der Uebungen gehörige Winkelstudien zu machen haben, d. h. sie müssen (bei Anwendung von mehreren Stäbchen) die Stäbchen nicht nur im rechten, sondern auch in den verschiedenen Graden des spitzen und stumpfen Winkels einstechen lernen. 274. Welche Formen folgen nun? Nun schließen sich die Formen an, bei denen die Stäbchen auch in die Höhe gerichtet sind. Da find es immer wieder die geometrischen Körper, welche die Grundformen bilden, — wie ja durch alle Fröbel'schen Spiele und Beschäftigungen die Mathematik die Grundlage abgiebt. 8 Erbsen und 12 Stäbchen — Würfel, Kasten. 4 Erbsen und 6 Stäbchen — dreiseitige Pyramide. u. s. w. (Fig. 33.) 275. Lassen sich auch Stäbchen verschiedener Größe anwenden? Auch dies; ja die getreue Darstellung gewisser Lebensformen (z. B. des Hauses mit Thür und Fenstern) gebietet dies sogar. Rundungen bringt man durch Rohr- oder Drahtstäbchen an. Es ist überhaupt zierlicher, wenngleich kostspieliger, Drahtstäbchen statt der hölzernen zu gebrauchen. 92 Inneres Leben des Kindergartens. Fig. 33. Erbsenarbeiten. 276. Mit welchen anderen Beschäftigungen ließe sich diese verbinden? Mit dein Ausschneiden, Ausnützen, Ausstichen und Flechten, indem in gewissen Erbsenarbeiten Muster von jenen angebracht Das Modellircn. 93 werden. Recht natürlich nimmt sich z. B. der Spaten aus, wenn man ihn aus einem Stäbchen, zwei Erbsen und unten aus einer Schneide von Silberpapier fertigt. Zu einem Gestell eines Ofenschirms aus Stäbchen und Erbsen fügt man ein entsprechendes Flecht- oder Ausnähmuster rc. 277. Wozu können Sie Erbscnformen nützen? Zum (Schul-) Zeichenunterricht. Wenn sie genau und Winkelrecht gemacht werden, vertreten sie ganz bequem die Drahtmodelle der Dupuis'schen Zeichenmethode. Auch die Pappmodelle erweisen sich zu diesem Unterrichte als sehr dienstlich. 278. Was ist über diese Beschäftigung erschienen? „Arbeitsschule VI. Die Erbsenarbciten." Weimar, H. Böhlau. 4. Aufl. 1 Mrk. 20 Pf. Köhler, „Praxis". II. Theil. Mermidzwanzigger Abschnitt. Das Modelliren (zwanzigste Gabe). 279. An welchen Stoffen wird das Modellircn geübt? Vorzugsweise an Thon, wie man ihn vorn Töpfer bezieht, doch ist auch Wachs, Pech, Runkelrüben- und Rübenfleisch recht wohl verwendbar. Der Thonklumpen muß nach dem Gebrauch stets in nasse Tücher geschlagen und an einem kühlen Orte aufbewahrt werden. 280. Welche Werkzeuge sind nöthig? Ein kleiner hölzerner Spatel und das Messer. 281. Welcher methodische Gang läßt sich bei den Modellir- übungen verfolgen? Die stereometrischcn Grundformen der Krystalle bilden die Grundlage dieser Beschäftigung. Ausgangspunkt ist der Würfel, 94 Inneres Leben des Kindergartens. aus welchem durch Abschneiden der Kanten und Ecken nach und nach die Walze, die Kugel, der Kegel, die drei-, vierund sechsseitige Pyramide, das drei-, vier- und sechsseitige Prisma, der Acht-, Zwölf-, Zwanzigslächner u. s. w. entwickelt werden. 282. Welche Lebensformen schließen sich diesen Erkenntniß- formen an? Gleichzeitig mit den krystallinischen Körpern bilden die Kinder mit jenen in der Gestalt verwandte Gegenstände der Umgebung. Sie stellen dem Würfel länglich viereckige Backsteine, der Walze eine Wurst, der Kugel Kirschen und Aepfel, dem Kegel die Flasche, der Pyramide den Thurm und dergl. zur Seite. (F'g- 34.) Fig. S4. Thonformen. 283. Aus welche Weise lassen sich die Modelle dauerhaft zum Aufbewahren herstellen? Man trocknet sie an der Sonne, oder brennt sie in der Ofenröhre. 284. Läßt sich das Modclliren auch mit anderen Beschäftigungen verbinden? Recht gut, und es kommen die Kinder von selbst darauf. So stecken sie in die Rübe Stäbchen: gleich ist's ein Pferd, ein Hund, Ziegenbock. Sie formen aus Thon und Stäbchen einen Tisch, Stuhl, ein Sopha rc. Das Modelliren. — Die Beschäftigung im Garten. 95 285. Inwieweit gehört das Modelliren in den Kindergarten? Nur in seinen Anfängen und leichtesten Uebungen kann es mit untersechsjährigen Kindern behandelt werden. 28b. Welche Stellung nimmt das Modelliren unter den Fröbrl- schen Beschäftigungen und Spielen ein? Es bildet den Schlußstein. Von der ersten Spielgabe bis herab zum Ausstechen schritt das Kind theilend vom Körper zum Punkt; vom Ausnähen bis herauf zum Modelliren schritt es zusammensetzend vom Punkt wieder zum Körper. Siehe „Arbeitsschule VIII. Das Thonmodelliren". 2. Aufl. 1 Mrk. 20 Pf. Fnnsnndzwanzigster Mschnilt. Die Beschäftigung im Garten. 287. Welche Berechtigung hat dcr Garten im Kindergarten? Das Kind soll dadurch in sinnigen Verkehr mit der Natur treten. Hat es in den bisher besprochenen Spielen und Beschäftigungen nur die anorganische Körperwelt zu betrachten Gelegenheit gehabt, so erblickt es in den Pflanzen und Thieren des Gartens ein organisches Leben. Das Kind, wieder Mensch überhaupt, muß als Glied eines größer» Gesammtlebens nicht nur erkannt und behandelt werden, sondern auch sich selbst erkennen und bethätigen. Diese Wechsclthätigkeit zwischen Glied und Ganzem spricht sich aber nirgends schöner und bestimmter aus, als in gemeinsamer Abwartung eines Gartens, worin jedes Kind sein eignes Plätzchen zu seinem kleinen Gärtchen hat. — Bei dem Gestalten mit todten Stoffen, wie Würfel, Stäbchen, Papier, war das Kind alleiniger Schöpfer, das Gelingen seiner Formen und Bilder hing nur von ihm und seiner Kraft und Geschicklichkeit ab: die kindliche Thätigkeit im Garten ist kein Schaffen niehr, nur ein Bestellen, dessen Gelingen von einem höheren Segen abhängt. Es fühlt sein Abhängigkeitsverhältniß zu Gott. 96 Inneres Leben des Kindergartens. 288. Wic ist der Bcschäftigungsgartcu einzutheilen? 1. Der Gcsammtraum des Gartens für die Kinder hat am zweckmäßigsten die Form eines Rechtecks; doch sind andere einfache Formen. Kreise nnd Ovale eben nicht ausgeschlossen, jedoch scheinen sie dem Zwecke des Ganzen, besonders bei vielen Kindern, nicht so zu entsprechen, wic das Rechteck. 2. Dieser Gcsammtraum müßte nun in zwei Theile zerfallen, einmal den Theil für das Allgemeine und dann den Theil für das Besondere, jenen für das Ganze, diesen für die einzelnen Glieder (Kinder). Der Theil für das Allgemeine ist der umschließende, schützende, der Theil für die Kinder der umschlossene, geschützte. 4. 5. Die Kinder können und sollen keineswegs durch diesen Garten in die Gesammtheit der Gewächswclt eingeführt werden, sondern nur in den Theil, welcher den menschlichen Bedürfnissen am nächsten steht, also in die Feld- gewächse und in die des Gartens im engern Sinn; und so würde das Land des Allgemeinen sich in Garten- und Feldland zertheilen. Das Gartenland aber theilt sich wieder in denBlumen- und Gemüsegarten, das Ackerland in das Land sür das Getreide, die Hülfenfrüchte, Oel-, Knollen-, Rüben-, Krautgewächse und Futterkräutcr. Jenachdem man über Land zu verfügen hat, giebt man jedem Kinde ein Stück Gartenland allein, oder zweien ein Stück gemeinsam. Im ersten Falle müßte das Stück 1 m im Geviert, im letztem aber — als Längenrechtcck — an der kurzen Seite 1 in, an der langen 1 sse in messen. Jedes Beetchcn trägt ein Täfelchen auf einem Stäbchen mit dem Namen des kleinen Besitzers. Die Wege, welche das Ganze theilen und wieder verbinden, find Haupt- und Zwischenwcge, jene von s /2 m, diese von 25 ein Breite, so daß in ersteren zwei Kinder neben einander gehen können. (Fig. 35.) «krsD Aiz. 35. Der Beschärtizunzsgarten. Seidel. Kindergattnerei. 2 . Aufl. 7 98 Inneres Leben des Kindergartens. 289. Worin bestehen nnn die Beschäftigungen der Kinder in ihrem Garten? Die eigentliche Bodenbearbeitung (Graben und Düngen) kann man von Kindern dieses Alters nicht verlangen, sie wird von einem Erwachsenen besorgt. Aber die kleinen Gernarbciter werden sich das Graben wenigstens schwerlich nehmen lassen: nun, so dürfen sie mit ihren Grabscheitchen und Rechen ihre Beetchen nochmals bearbeiten. Dann säen, stecken und pflanzen sie, Jedes nach Lust und Geschmack. Sie gießen und jäten, behäufeln und setzen Stäbchen, wie es die Pflege der Pflänzchen mit sich bringt. Mit den Namen ihrer Gewächse werden sie natürlich bekannt gemacht, zum steten Beobachten des Wachsthums angeleitet. Im Sommer und Herbst wird der reife Same von Allen eigenhändig eingeerntet und in Pappkästchen für's nächste Jahr aufbewahrt. Für Reinerhaltung der Wege haben die anliegenden Besitzer eben so zu sorgen, wo nöthig, Sand in ihren Radebcrren von dem Vorrathshaufcn anzufahren. 290. Zn welchen Spielen giebt der Sand zugleich Veranlassung? Dem ureigcnthümlichen Dränge der Kinder, mit Sand zu spielen, steht nichts entgegen. Sie dürfen nach gethaner Arbeit in den Sandwegen zeichnen, die sie dann aber wieder glatt herzustellen haben, oder in dem großen Vorrathshaufcn wühlen, bauen, mahlen u. s. w. Die Knaben führen Wasserfälle, Höhlen und Burgen auf, die Mädchen sehen in den, Sande ihr Wafch- und Kochwasser, ihr Mehl und ihre Suppe. 29t. Welche Zugabe ist für den Kindergarten höchst wiinschens- wcrth? Die Zugabe von lebendigen Geschöpfen, wie Hausthieren. Ist der Garten (siehe Frage 13) mit Büschen und Bäumen bestanden, so werden die freundlichen Vögel wohl von selbst nicht ausbleiben. Siedelt sich gar ein Pärchen an, so wird das Nestchcn und die junge Brüt den Kindern höchst willkommen sein und darf auf ungestörte Ruhe rechnen. Wenn es indeß die Umstände irgend gestatten, so füge man diesen gern gesehenen Die Beschäftigung im Garten. — Wanderungen ins Freie. 99 Gästen der Thierwclt noch einen oder einige Vierfüßler bei, etwa eine Zicgenfamilic oder ein Kaninchenvölkchen, deren Fütterung die Kinder gewiß mit jubelnder Freude und zärtlicher Sorgfalt übernehmen. —' Die jeden Garten belebenden Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Wespen, Käfer, Raupen, Würmer und dergl. werden alle von den Kindern beachtet und je nach ihrem Nutzen oder Schaden gehegt oder entfernt. 292. Wodurch kann der Garten im Winter ersetzt werden? Durch Blumentöpfe. Diese werden sowohl im Kindergarten gepflegt, als fie auch den Kindern mit nach Hause gegeben werden zur Wartung und Pflege in der Familie. Siehe Köhler, „Praxis". II. Theil. Sechsundzwanzigller Abschnitt. Wanderungen ins Freie. 293. Zu welchem Zwecke soll der Kindergarten Wanderungen anstellen? Die Pfleglinge des Kindergartens, meist Stadtkinder, genießen selten das Glück, von den Eltern in die freie Natur geführt zu werden. Einmal fehlt es diesen an Zeit, ein ander Mal ist die Entfernung zu groß und die Kinder noch zu klein u. s. w. Da vergehen oft Jahre, bis das Kind eine wahre Anschauung von Feld und Wald, von Wiese und Rain, von Bach und Fluß, von Berg und Thal erlangt. Der Kindergarten sucht zwar die Anschauung durch den im vorigen Abschnitt beschriebenen Beschäftigungsgarten zu vermitteln, allein wie viel fehlt noch zu einem deutlichen Begriff von der Umgebung der Stadt! Der wird nur durch gemeinsame Wanderungen unter Leitung der Kindergärtnerinnen erreicht. 294. Wie oft sollen derlei Wanderungen geschehen? Im Sommer allwöchentlich einmal, im Winter hin und wieder, an freundlichen Tagen. 7 ' 100 Inneres Leben des Kindergartens. 295. Inwieweit sind die Kinder dazu heranzuziehen? Soll die Wanderung nur in die nächste Umgebung gethan werden, so nehmen alle Kinder daran theil,- geht es weiter — etwa bis auf 1 Stunde Entfernung —, so betrifft sie nur die größeren Kinder, während die kleineren unter der gewöhnlichen Beschäftigung im Kindergarten zurückbehalten werden, 296. Was ist beim Antritt einer solchen Wanderung zu beachten? Jedes Kind sei nnt einer entsprechenden Erfrischung versehen. Für den nöthigen Trank sorgt aber die Kindergärtnerin, da dies den Kindern zu überlassen sowohl gefährlich, als auch oft un- thunlich und störend ist. Der Zug findet in der Ordnung statt. Laß je zwei und zwei Kinder sich an den Händen fassen und in Reih' und Glied hinter einander her marschircn, die kleinsten voran. Die strenge Aufrechterhaltung dieser Ordnung ist in Fahrstraßen, im Wald und Felde rc. sehr wichtig. Darum möchten wir ein Lcitseil empfehlen, wie solches im Löbauer (Sachsen) Kindergarten bei Wanderungen angewendet wird. Dasselbe hat in entsprechenden Entfernungen von einander zu beiden Seiten Handhaben von Leder, welche die Kinder anfassen. Durch dieses äußerst praktische, leicht zu beschaffende Hilfsmittel ist eine Unordnung geradezu unmöglich gemacht. 297. Was wäre an diese Wanderungen zu knüpfen? Gesänge, Belehrungen und Spiele. Zum Ausdruck der kindlichen Freude über den gemeinsamen Gang in die schöne Natur, über die zwitschernden Vogel, die bunten Schmetterlinge, die summenden Bienen, die grünen Felder und Wiesen mit tausendfarbigen Blumen, den frischen Wald dienen einfache Lieder, wie wir sie von Hoffmann von Fallers- leben, Güll, Hcy, Anschütz, Enslin u. A. in reicher Auswahl besitzen. Zu sinnigen Belehrungen veranlassen die Kinder schon selbst durch mancherlei Fragen über neue Erscheinungen im Bereiche des Thier- und Pflanzenlebens. Zu Spielen (Betvegungs- spielen) ladest gar verführerisch die Rasenplätze der Trift und des Waldes ein. Wanderungen ins Freie. — Der Gesang. 101 298. Was ist im Allgemeinen noch zn bemerken? Man strenge die kleinen Wanderer nicht über das Maß ihrer schwachen Kräfte an, weder durch zu weite und beschwerliche Wege, noch durch große Sonnenhitze, noch durch zu lange Entbehrung von Speise und Trank, noch auch durch zu weit ausgeholte und zu häufige Belehrungen. Ein Weniger ist besser als ein Zuviel. Kleine Gaben wirken hier nachhaltiger als große. Sieöemmdzwlinzigger Abschnitt. Der Gesang. 299. Welche Stellung nimmt der Gesang den Beschäftigungen und Spielen gegenüber ein? Der Gesang ist ein steter, jedoch nicht pedantisch angeketteter Begleiter der Spiele und Beschäftigungen. Des Kindes Lust, oft und gern zu singen, offenbart sich auch ine Kindergarten. Da seien denn passende Lieder da, wo der Freude ein singbarcr Ausdruck verliehen werden muß, an geeigneter Stelle anzuschließen, wie wir dieses bereits an a. O. bemerkt haben. Alles zu besingen, auch das rein Prosaische, vielleicht gar die Resultate des Denkens, die Reflexionen, abzusingen, wäre ganz und gar unkindlich und verkehrt. 390. Was soll gesungen werden? Vor allem kindliche Lieder, mögen sie dem reichen Schatze der Volkslieder, oder neueren Dichtern der Jugend entstammen. In Verlegenheit um eine etwa genügende Anzahl konnte die Kindergärtnerin nie kommen. Man denke nur an Einen, an Hoffmann von Fallersleben! Aber wie viele treffliche Sänger stehen diesem Einen nicht noch zur Seite! Haltet Euch, verständige Mütter und Frauen, nur nicht zu ängstlich an die Texte, welche Ihr in Fröbells Schriften etwa findet! Friedrich Fröbel, obwohl poetischer Natur durch und durch, vermochte nicht in Versen und Liedern kindlich zu reden und zu singen. Seine Ge- 102 Inneres Leben des Kindergartens. dichte, wie schon in ihrer äußern Form schwer zum Gesang geeignet, stehen meist ihrem reflectirenden Inhalte nach über der Fassungskraft unserer Kleinen. Die Kritik hat sie meist fallen lassen, während sie die übrige Schöpfung Fröbel's nach Gebühr erhob. Fröbel in Allem unser Meister — in seinen Liedern nichts. 301. Welche Anforderungen sind an die Melodien zu stellen? Sie müssen leicht ins Gehör fallen und dürfen keinen zu großen Umfang der Stimme beanspruchen. Am geeignetsten sind Volksmelodien, obwohl unter neueren Compositionen von Kinderliedern manches Anwendbare. 302. Welche Kinder sollen singen? Alle; die Kleineren summen leise mit, bis sie es den Größeren gleich thun. Jedoch lasse man nicht lange anhaltend auf einmal fingen, wodurch die junge Kehle und Brust zu sehr angestrengt würde. 303. Worauf ist beim Gesang zu halten? Auf strengen Rhythmus und schöne, reine und deutliche Aussprache der Worte. 304. Welche Hilfsmittel wären zur Unterstützung des Gesanges erwünscht? Da die Kindergärtnerin ohnehin viel sprechen muß und auch beini Vorsingen immer angestrengt ist, so ist es räthlich, ein musikalisches Instrument — Geige oder Piano — zu Hilfe zu nehmen, wenigstens auf so lange, als ein neues Liedchen im Spielzimmer eingeübt wird. Beim Hinblick auf die in der Gegenwart so allgemein verbreitete musikalische Bildung der Frauen und darauf, daß im Kindergarten ja auch männliche Kräfte wirken sollen, verschwindet die Schwierigkeit der Ausführung dieses Vorschlags bis auf den kleinen Einwurf, den man uns machen könnte, daß durch Aufstellung eines Pianos im Spielzimmer etwas Raum weggenommen würde. Siehe Köhler, „Praxis". II. Theil. Der Gesang. — Die Erzählung. 103 305. Welche Licdersammlungen enthalten geeignete Gesänge für den Kindergarten? „Kindcrgärtlcin" v. Heinr. Weikert. Hanau, König. „Kinderlieber" von Hoffmann v. Fallerslcben. 4 Hefte. Berlin, Lippcrheide. „Lieder für Elternhaus und Kindergarten" von Fr. Seidel. Langmsalza, Schulbuchhandlung. „Deutsche Schulgesänge" von Fr. Seidel. Weimar, Voigt. Köhler, „Bewegungsspiele". Weimar, Böhlau. Uchlundzwanzlgfler Mschmll. Die Erzählung. 306. In welcher Beziehung steht die Erzählung zu den Spielen und Beschäftigungen? Die Erzählung ist eine nothwendige Ergänzung derselben. Das, was die Kinder beim Spielen und Beschäftigen darstellten und als für sie neu erfinden, möchten sie auch in Zusammenhang mit anderen Gegenständen bringen. Dies kann nur durch die Erzählung bewirkt werden. 307. Was soll erzählt werden? Märchen, Fabeln und Geschichten, — nicht die wässerigen, geistlosen sogenannten „moralischen Erzählungen" vom ungezogenen Häuschen und naschhaften Fränzchen, welche wir vor einem Jahrzehnt noch in manchen Kinder- und Jugend- schriften fanden und welche leider! heute wieder als „Herzblätt- chens — sein sollender — Zeitvertreib" aufgetischt werden. Die Begleichungen, welche das Kind z. B. im Märchen mit etwas Anderm, Fremdem und mit sich anstellt, sind viel wirksamer, als die mit Gegenständen, welche zu nahe liegen. Bei diesen merkt das Kind die Absicht — und ist verstimmt. Es bedarf auch 104 Inneres Leben des Kindergartens. weder der Hinzufügung einer Nutzanwendung, noch der Heravs- hebung einer Moral; das erzählte Leben rein an sich hat in seinen Ursachen und Wirkungen tiefern Eindruck gemacht, als eine Nutzanwendung und Moral je hervorbringen können. 308. Sollen auch biblische Geschichten erzählt werden? Sie können und sollen es, soweit ihr Inhalt und Sinn dem Kindesgeiste faßlich ist. Geschichten rein dogmatischen Inhalts sind natürlich auszuschließen. Aber wie schön und passend für dieses zarte Kindcsalter und wie gern gehört sind nicht die Erzählungen aus der Kindheit Jesu! Selbstverständlich sind alle biblischen Geschichten in ein kindliches Gewand zu kleiden, denn die gewiß in jeder andern Hinsicht unübertreffliche Bibelsprache redet zu den Kleinen nicht immer so verständlich wie zu Erwachsenen. Als Beweis, daß die biblischen Geschichten recht wohl in kindlicher Sprache zu erzählen sind, führen wir folgendes Schriftchcn an: Geschichten aus der heiligen Schrift für die Kinderstube und Elementarschule nacherzählt von W. L. Füßlein, Pfarrer. Hildburgbausen, Kcsselring. 8 Sgr. 309. Wie soll erzählt werben? Im kindlichen Ton und Styl, lebendig und treu. Die beiden ersten Forderungen sind an sich klar; die letztere meinen wir so, daß eine Erzählung bei der Wiederholung stets in der ursprünglichen Form, mit denselben Worten wiederholt werde. Nichts kann die jungen Hörer mebr stören und Nichts die Glaubhaftigkeit einer Geschichte ihnen mehr verdächtigen, als eine Abweichung der einmal gewählten Einkleidung. Sie berichtigen auch sofort jede vorkommende Variante in die Urform. — Unübertrefflich schön sind die Grimm'schen Märchen eingekleidet; sie nehme die Erzählerin als Muster. Anleitung und reichlichen Stoff zum Erzählen findet man in Köhler und Seidel, „Buch der Erzählungen für Mütter, Kindergärtnerinnen und Lehrer". Weimar, H. Böhlau. 1875. Siehe auch Köhler, „ Praris". II. Theil. Die Erzählung. — Das Lilderklaren. 105 310. Welches wäre ein Beispiel eines zn erzählenden Märchens ? Voni süßen Brei. Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein und sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald. Es begegnete ihm darin eine alte Frau, die wußte seinen Jammer schon und schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem es nur sollt' sagen: „Töpfchen koch", so kochte es guten, süßen Hirsenbrei, und wenn es sagte: „ Töpfchen steh", so hörte es wieder auf zu kochen. Das Mädchen brachte den Topf seiner Mutter heim und nun waren sie ihrer Armuth und ihres Hungers ledig und aßen süßen Brei, so oft sie wollten. — Auf eiue Zeit war das Mädchen ausgegangen. Da sprach die Mutter: „Töpfchen koch", da kocht es und sie ißt sich satt. Nun will sie, daß das Töpfchen aufhören soll, aber sie weiß das Wort nicht mehr. Also kochte es fort und der Brei steigt über den Rand heraus und kocht immer zu, die Küche und das ganze Haus voll, und das zweite Haus und dann die Straße, als wollt's die ganze Welt satt machen, und ist die größte Noth und kein Mensch weiß sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziger Weg übrig ist, da kommt das Kind heim und spricht nur: „ Töpfchen steh!" Da steht es und hört auf zu kochen, und wenn sie wieder in die Stadt wollten, haben sie sich durchesscn müssen! Gebrüder Grimm. Nenmmdzwmizigjler Abschnitt. Das Mderklären. , 311. Welchen'Zweck hat das Bilderklären? Die Bildcrklärung hat den dreifachen Zweck: 1. das Anschauungsvermögcn und die Phantasie stufenweise zu entwickeln — formale Bildung; 2. die objective Wcltkcnntniß zn vermitteln und sprachliche Mittheilung zu erzielen — materielle Bildung; 106 Inneres Leben des Kindergartens. 3. den Genuß der Darstellung zu gewähren und diese Genußfähigkeit auszubilden — ästhetische Bildung. 312. In welcher Beziehung steht das Bildcrklärcn zu den Spielen und Beschäftigungen? Ganz ähnlich dem Erzählen und Gesang hat sich das Anschauen und Erklären von Bildern den Spielen und Beschäftigungen innig anzuschließen, weil diese oft die Hilfe des Bildes als Ergänzung fordern. Es ist nicht der Zweck selbst, sondern nur Mittel zum Zweck. Daher gehören Bilder, die nicht in Beziehung zum Leben und Weben im Kindergarten stehen, wie z. B. Bilder für den schulmäßigcn Anschauungsunterricht und deren schul- mäßige Erklärung, nicht in den Kindergarten. 313. Ist es nicht besser, statt in Bildern die Gegenstände in Wirklichkeit zu betrachten? Das wäre allerdings das Beste; jedoch stellen sich Diesem mancherlei Schwierigkeiten entgegen: einmal sind die Dinge und Scenen nicht immer sofort und in unmittelbarer Nähe zu sehen, andere aber niemals sichtbar (wie die Geschichts- und Märchen- scenen) und dann auch, selbst wenn die Gegenstände wirklich zur Ansicht vor uns wären, würden dieselben in Folge ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit zum stillen Beschauen sich nicht immer gut eignen, und sind darum Abbildungen in vielen Fällen nothwendig geboten, oder bequemer und praktischer. 311. Welche Bilder sollen im Kindergarten zur Anwendung kommen? Märchen und Geschichtsbilder, naturgeschichtliche Bilder und Bilder menschlicher Thätigkeit. 315. Welche Anforderungen sind an die Bilder zu stellen? „Das Beste ist für die Kinder gut genug" — also seien sie Meisterwerke oder wenigstens getreue Copien und Nachahmungen derselben. Die Größe der Bildcrtafeln und der Zeichnungen sei eine möglichste, da dieselben von einer großem Kinderzahl zugleich und in ziemlicher Entfernung gesehen werden müssen. Auf einem und demselben Bogen dürfen auch nur gleichartige Gegenstände 107 Das Bilderklären. — Das religiöse Element. und Scenen stehen, welche einen innern Zusammenhang haben. Die Bilder selbst dürfen schwarz oder colorirt sein. 316. Welche Werke wären hierbei zu benutzen? In Bezug auf Märchenbilder haben wir verschiedene gut illustrirte Märchenbücher (Bechstein, Grimm rc.), in denen jedoch die Bilder ihrer Kleinheit wegen nur zur Einzelbeschauung sich eignen. Die Münchener Bilderbogen bringen hin und wieder ein Märchen zur Abbildung. — Für die Geschichtsbilder können in mehrfacher Hinsicht dieselben Bilderbogen dienen und für die biblischen Geschichtchcn sind wohl die Bilder der Schnorr'schcn Bibclausgabe die passendsten, auch eignen sich einzelne Bilder der Prachtbibel von Payne in Leipzig.— Zu den naturgeschichtlichcn Bildern giebt es eine große Auswabl von Kupferwerken und Atlanten. — Die Bilder menschlicher Thätigkeit sind in Lauckhard's Orbis pictus und auf den Münchener und den Deutschen (Stuttgarter) Bilderbogen reichlich vertreten. — Uebrigens läßt sich manches Wandbild der Wohnzimmer sehr gut auch im Kindergarten verwenden. Äreihigster Mschnill. Das religiöse Element. 317. Wie wird die Religiosität im Kindergarten gepflegt? Der Kindergarten, ein Erzichungsinstitut, welches aus rein sittliche Basis gegründet ist, erzieht die übcrgebenen Pfleglinge durch die That zu sittlich guten Kindern und Menschen. Das thut der Kindergarten mehr als jede andere Anstalt, indem in ihm das Th «kleben herrscht, während z. B. in der Schule der Unterricht, also das Wort, das Vorherrschende ist. — Die Kinder werden im Kindergarten stets bethätigt und zwar ihrem ganzen Wesen nach. Dadurch kommen sie zur Gewöhnung und zum Bedürfniß einer bildenden und nützlichen Thätigkeit. Das ist aber das erste Bedingn iß einer gesunden und kräftigen 108 Inneres Leben des Kindergartens. Sittlichkeit. Nun giebt der Kindergarten durch das gemeinsame Spiel und durch vereinte Beschäftigung Veranlassung und Gelegenheit zur Aneignung und Pflege aller nurwünschens- werthen Tugenden, als da find: Verträglichkeit, Gefälligkeit, Freundschaft, Freigebigkeit, Gehorsam, Pünktlichkeit, Ordnung rc. — Alles von selbst, ohne besondern Religionsunterricht, Aber noch mehr! Bei Betrachtung der Natur, bei besonderen freudigen und traurigen Ereignissen, bei kirchlichen Festen werden die Kinder, zumal sie durch Fragen selbst dazu veranlassen, in kurzen Gesprächen über den lieben Gott, da"s Christkindchen, die Englein, den Himmel belehrt. Das Christfest wird mit Wcihnachts- baum und Lichtern und Geschenken, mit Gesang und Erzählung im Kindergarten gefeiert, — Mit Einem Worte: die ganze Tendenz und Einrichtung des Kindergartens, die Spiele und Beschäftigungen, die Lieder und Erzählungen bergen einen sittlichreligiösen Kern. 318. Wird im Kindergarten gebetet? So lange im Elternhaus gebetet wird — und das wird geschehen, so lange die Erde steht —, spricht auch der Kindergarten sein Gebctchen, am Anfang und am Schluß. Meist ist dies ein Liebchen, welches gerade nicht immer die äußere Gebet- form trägt, in dem aber doch eine kindliche Bitte um Gottes väterliche Fürsorge und ein Wort des Dankes gegen den all- liebendcn Spender aller Freuden ausgesprochen liegt. 319. Welches sind einige Beispiele solcher Gebctlicdchen? Fal-tct die Hände und be-tet fein: Lieber Gott, kehr' bei uns ein; uns'-re Herzen wollst du len-ken, daß wir Gutes Das religiöse Element. 109 . - thun und den-km, und in unserm Kin - der - gar - ten, i'rten. Herr, auf dei - ne Lie - be war - ten! 2 . Fr. Leidet. Ich bin klein, mein Herz ist rein; soll Niemand drin woh - um als Gott al-lein!') 320. Was gehört nicht in den Kindergarten? Das Lernen und Behandeln des Katechismus, der Gesangbuchslieder und der Bibelsprüche. *) Eine Auswahl von Gebetchen, Wünschchen und Räthseln ist übrigens noch zu finden in Köbler und Seidel „Buch der Erzählungen rc.". Weimar, Böblau. «.'NN'I'M? l. IZ 110 Inneres Leben des Kindergartens. Einunddreipigster Abschnitt. Der Leschäftigungsplan. . 321. Wonach hat sich ein Bcschäftigungsplan siir den Kindergarten zu richte»? Nach den örtlichen Bedürfnissen, nach der Jahreszeit und nach der Kinderzahl. Die örtlichen Verhältnisse sind insofern für den Beschäftigungsplan maßgebend, als sie von gewissen Normalverhält- nissen abweichen. So senden z. B. Großstädte, wie Berlin und Hamburg, die Kinder der großen Entfernung und der ihnen eigenthümlichen Tageseintheilung wegen täglich nur einmal in den Kindergarten (in Berlin von 2 —1 Uhr), was natürlich ein Uebelstand ist, — während in kleineren Städten ein zweimaliger, Vor- und Nachmittagsbesuch stattfindet. Hinsichtlich der Jahreszeit ist offenbar ein Winter- und ein Sommerplan einzuhalten. Je nach der kleinern und größer» Kinderzahl bilden die Kinder entweder nur eine einzige Abtheilung, oder deren zwei. Die erste begreift dann Kinder von 3—5, die zweite Kinder von 5—7 Jahren, und ist der Beschäftigungsplan in diesem Falle ein doppelter. (S. Frage 22.) 322. Wie sind die Bcschiiftigungsmittel hinsichtlich ihres vorwiegenden Bildungscinflusses einzutheilen? I. Vorwaltend den Leib und die Gliköer bildende Bcschäftigungsmittel: 1. Beschäftigungen der freien Bewegung, vorwaltend denGesammtkörpcr und die unteren Glieder (Füße) entwickelnd: a) Bewegungsspiele. d) Beschäftigung im Garten und Wanderungen. e) Ball- und Kugelspiele. Der Deschaftigungsplan. 111 2. Sitzende Beschäftigungen, vorwaltend die oberen Glieder (Hände) bildend: a) Erbseziarbeiten. d) Schnüren, Verschränken, Falten und Pappen, v) Ausschneiden, Ausstcchen und Ausnähen. II. Vorwaltend die Sinne und den Geist bildende Beschäftigungsmittel. 1. Vornehmlich die Sinne (Auge und Ohr) bildend: n) Zeichnen, d) Modelliren. o) Gesang. 2. Vornehmlich den Geist (Verstand, Phantasie und Gemüth) bildend: a) Bauen. d) Täfelchen-, Stäbchen- und Ring-Legen, Fadenspiele, o) Der gegliederte Stab. ä) Erzählungen, Bilderklären, religiöse Besprechungen, Feste und Gcbetchen. 323. Wie sind die Beschäftigungsmittel hinsichtlich ihrer Schwierigkeit für die zwei Altersstufen des Kindergartens einzutheilen? Der untern Abtheilung (Kinder von 3—5 Jahren) kommen namentlich die Beschäftigungen zu, welche das Leichtere, Concretere und mehr Körperbildende an sich tragen, also: 1. Bauen, 1. und 2. Gabe. 2. Erzählungen, Besprechungen über Bilder rc. 3. Bewegungsspiele. 4. Zeichnen auf der Tafel. 5. Flechten nach den einfachen Gesetzen. 6. Ball, Kugel, Walze und Würfel. 7. Beschäftigung im Garten. 8. Falten. 9. Legespicle mit Dreiecken. 112 Inneres Leben des Kindergartens: Der Beschäftigungsplan. Die obere Abtheilung (5—7 Jahre) beschäftigt sich vorzugsweise mit den Mitteln, bei denen n) theils das Material schwieriger zu bewältigen ist, wie 1, bei dem Schnüren; 2, bei den Erbsenarbeiten; 3, bei dem Baue mit Gabe 5 und 6; d) theils Werkzeuge gebraucht werden: 1, Nadeln zum Ausstechen und Ausnähen; 2, Schceren zum Ausschneiden und Pappen; 3, Messer zum Abschneiden und Schnitzen der Festgestalten beim Modelliren; o) theils die Beschäftigungen abstrakter und geistiger werden und bereits in leisen Anklängen den Weg zu den Schulgegcnständcn bahnen: 1, das Stäbchcn-Legcn in feiner weiteren Entwickelung; 2, das Verschränken; 3, der gegliederte Stab in seiner Beziehung zur Formenlehre; 4, Fadcnspicle; 5, das Zeichnen ins Buch. 324. Welches ist ei» Bcschäftigungsplan mit Berücksichtigung beider Abtheilungen? (Siehe den Plan auf S. 113.) , 325. Welches ist ein Bcschäftignngsplan mit Berücksichtigung der beiden Hanptjahrcszcitcn? (Siehe den Plan auf S. 114.) Der nachstehende Plan ist von H. Pösche entworfen und von dem Berliner Comit« des Frauenvcreius zur Verbreitung der Kindergärten für die Vereins-Kindergärten angenommen worden.