Neues Z e i t u n g s- und LvnverslllwnS - Lexikon ^ - Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung verkommenden Gegenstände, mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der ältern bis auf kie neuesten Zeiten. Mit Lupfer« und K«r Fünfter Band. Wien, gedruckt und verlegt in der Schrämblischen B uchdruckereZ , r L l 2. R. i s ! r o , (Jtal.) beißt die größte Brücke in Venedig, die da, wo der Canal am schmälsten ist, über dcnselbei, geht, und aus einem einzigen Pfeiler besteht. Sie ist prächtig gebaut, Z7 Schritte breit und mit 2 Rechen Krämerduden besetzt, welche Z Gasten bilden. liieambio, (Jtal.) ein Rückwechscl, ein Wechsel, der mit Protest zurückkommt, und welchen der Inhaber auf den Zieher oder Trassenten zieht, und dabei die Protestkostcn nebst vcn ketourspeserr und den Zinsen berechnet, welche das Capital bis zu der hierdurch verlängerten Zahlungszeit trägt. Ricardos Carillo (Don Antonio Graf von) Spanischer General, erhielt 1793 daS Commando der Armee von Katalonien. Seine Thätigkei:, verbunden mit dem Zutrauen, welches zu ihm die vereinigten Truppen batte», ließ ihm große Fortschritte in diesem Feldzuge machen. Im April trug er einige Vortheile über den Feind davon, und bemächtigte sich den 21. der Stadt Ceret. Im Mai be- f.uid er sich schon auf Französischen Gebiet, und erließ eine Procla- mativn an die Einwohner des Landes, welche mit aller Klugheit ab- zefaßt war, und eine beträchtliche Anzahl von Rouffillonern veranlaß- !e, sich mit ihm zu verbinden. Den 6. Juni nahm er nach einer Blockade von 43 Tagen Und 7 auf einander folgenden Aufforderungen die Festes les BainS, und den 24 kapitulkrte nach einem 3, tägigem Bombardement die Feste Dellegarde. Den 3. Juli schrieb er n Betreff des Aufgebots in Masse einen Brief an die Französischen Generale, der vieles Aufsehen machte, vornähmlich wegen seiner Ad» »resse, die also lautete: „An den, der die Französische Armee kom- nandirl." Im August rückte er von Thuie nach Trouillas vor, griff üillcfranche und Montlouis an, und bcmeisterte sich derselben. Er »ähcrte sich hierauf Perpignan in der Absicht, das verschanzte Lager, oelchcs die Franzosen unter den Mauern dieser Stadl errichtet haken, anzugretfen, und den ». September nahm er den Posten von ioriielia mit Sturm, wo die Französische Armee viele Mannschaft 4 Ric , und Kanone» verlor. Er brachte damahls mehrere Parteien auf seine Seile, weiche weit vorwärts i» Roussillon eindrangen; als er sich ! aber den 17. gegen Perpignan wandte, scheiterte sein Unternehmen vor dem Lager bei Salces, und nach einem äußerst lebhaften Angriffe sah er sich zum Rückzüge gcnöthigt, der anfangs in ziemlicher Ordnung von statten ging, sich aber bald in eine gänzliche Flucht ver. wandelte, als die Spanier gewahr wui-den, daß eine Brücke, über die sie gehen sollten, abgebrochen war. Dieser Lag kostete dem Gene- ! ral Rica'dos zooo Mann an Tobten und Gefangenen. Doch nahm er seine Stellung bet Tromllas wieder ein, und als ihn daselbst die V Franzosen Z Tage nachher angriffen, schlug er sie» nahm ihnen 19 Kanonen, und brachte ihnen einen Verlust von 4000 Mann an Tod- i ten und Gefangenen bei. Dieser Sieg, den er durch seinen persönli- ! chen Angriff an der Spitze der Karabiniers entschied, fetzte ihn wi«? der auf festen Fuß, ohne daß er jedoch wagte, sich wieder nach Per' pignan zu wenden. Die Frucht dieses Feldzuges war, außer einer großen Anzahl von Gefangenen, und den schon genannten Städten, die Eebeutung von -09 Kanonen größerer Gattung, einer beirachlli- chen Anzahl kleinerer Gattung, mehrere Proviant? und Mvnturungs- Magazine u s. w. Der König rrthcilte ihm im Januar »794 den Orden Karls III; kurze Zeit darauf aber starb dieser General zum unersetzlichen Verlust für Spanien. kicavio, (Jtal.) der aus verkauften Waren gelöste reine Ertrag Richard I., wegen seiner Tapferkeit Löwen Herz genannt, folgte seinem Vat r Heinrich ll. 1189 als König von England in * der Regierung. Er nahm, ergriffen von der damahligen allgemeinen Wuth, Kreuzzüge zu lhun, bald darauf das Kreuz an und zog mit Philipp, König von Frankreich, in l as gelobte Land. Freilich mußten, da er zu diesem Zuge sehr viele Summen brauchte, manche Zölle, Acinter, Privilegien rc. verkauft werde», und so «rat er endlich den Zug mit Zz,oso Mann an. Unterwegs zwang er Lancred, König von Sicilien, seine Schwester der Gefangenschaft zu entlassen, nabm , dem Griechischen Prinzen Jsaac die Insel Cppern weg, und half nun, vor Acre oder Ptolemais l» Syrien angelongt, den Christen diesen Ort eiiiiiehmrn. Durch seinen Heldenmuth und feine Tapferkeit zeich- ^ nete er sich unter allen christlichen Potentaten, welche au dem heil. Kriege Theil nahmen, besonders aus: er jagte den Saracenen und Türke» das meiste Schrecken ein, und hatte den Ruhm, den furchtba- ! ren Saiadin zu entwaffnen. Da er sich mit Philipp nicht vertragen konnte, so verließ er das gelobte Land, und ging 119- zurück. Durch Sturm an die Küste von Dalmatien verschlagen, machte er die " übrige Reise verkleidet z» Lande, wurde aber in Oesterreich verrathen, / und zu Kaiser Heinrich VI. geschickt, der ihn so lange gefangen hi-lt, dis er sich mit 100,000 Mark auslösete. Thcils hatte er diese Be- handlunq durch seinen Stolz, bei der Eroberung von PkolemaiS (wo er die Oesterrcichischen Fahnen Herabriß, und die Englischen dafür aufstcckte), kheils auch durch Unle'balruiig der Unruhen in Sicilten gegen den Kaiser sich zugezogcri. Lei her Zurückkuust fand rr ftiiic» Bruder Johann ans dem Throne, dem er aber verzieh, und sich- nun gegen Frankreich, welches dir Normandie angefalle,, hatte, rüstete. Er schlug bei Gisors die Franzosen, ward aber in der Folge, als er das Schloß Chalus in Limvsin belagerte, durch einen Pfeil tödtlich verwundet, und starb am 6. April »199. Sein r Verordnung gemäß wurden „seine Eingeweide, als der schlechteste Theil von seinem Körper, zu Charoune begraben, weil hier die rebellische» Unterthancn nichts besseres verdienten; sein Herz kam nach Rouen, weg n der immerwährenden Treue dieses Orts; sein Körper mußte nach Fontevraut geschafft, und zu seines Vater Füßen gelegt werden, vor dem er sich dadurch, wegen sein s vorigen Ungehorsams, d mülhigeu wollte." Samuel Richardson, ein Romanendichker, der in diesem Fache alle Schriftsteller seiner Nation, der Engländer, verdunkelte, und auch im Auslände als eines der ersten Muster geschätzt wurde, war ,489 ju Derbyshire geboren, erlernte, da ein ganz geringes Vermögen ihm seinen Lieblingswunsch, zu stndiren, unmöglich gemacht hakte, i» London die Buchdruckerkunst, um wenigstens einiger Maßen seine Neigung zur Lecküre zu befriedigen, errichtete auch daselbst, als er einige Jahre Corrector gewesen war, eine eigne sehr beträchtliche Buchdruckern, wandte sein ansehnliches Vermögen, das er sich vermittelst derselben und der Schriftstellerei erworben hatte, großen Theils zu Unterstützung der Armen an, und starb in dem Ruf exemplarischer Rechtschaffenheit 1761 am Schlagstuffe. Drei Romane, Pamela, Clarissa und Grandison, haben seinen Rahmen auch auf die Nachwelt gebracht. In diesen Werken, die vielleicht bloß der Vorwurf der Weitschweifigkeit trifft, lehrt er mit dichterischer Schönheit und Menschenkenntnis die reinste Moral, schildert die Leidenschaften aufs trefflichste (der Wahnsinn C l e m e » t i n e n s z. B. im Grandison ist ein Meisterstück), und verdient ganz die ehrenvollen Beinahmen des Shakespears der Romanendichter, oder dcS Rousseau's der Engländer. Sein vorzüglichstes Werk, das Rousseau selbst für den schönsten aller Romane, die je geschrieben worden, erklärt hat, ist die Cla risse. Seine Grundsätze, die er überall zeigt, find so erhaben, daß selbst Prediger auf den Kanzeln seine Schriften allgemein empfahlen. Wir haben ältere Deutsche Ueberse- tzungen von Richardsons Werk«», z. D. von der Clarisse eine vom Ritter Michaelis, auch eine treffliche Nachahmung von M u sä u s unter dem Titel Graneison der Zweite; aber erst neuerlich hat dieser Engländer einen ganz würdigen Uebersetzer an Herrn Kosegarlcn gefunden, der die Ciarisse, Leipzig 1790 —93. in mehren, Bänden geliefert hat. Richelieu, (Armand du PlessiS, Cardinal und nachher Herzog von Richelieu) einer der größten Staatsmänner von Frankreich, war iZ 85 d. 5. September zu Paris geboren, erhielt nach geendigten Studien schon im 2s. Jabre das Bisthum Lucon, und «ward sich bald nachher die Gunst der Wittwe Königs Heinrichs kV., Marie von Medici, die daniahls wegen der Unmündigkeit ihres Sohnes, dcS Königs Ludwig XlH. ReichSregenti» war, in so ausgezeichnetem Grabe, daß sie ihn zum Grvßakmosenier und 6 Ric Skaatssecretair machte, und auf alle Weise erhob. Frankreichs da- mahlige Lage war ungeachtet der trefflichen Regierung des i6°o) ermordeten Heinrichs IV. dennoch sehr traurig. Die Herrschsucht und Ranke Mariens, zugleich aoer auch ihre Schwäche und die schlechte Reichsverwaltung durch ihre alles geltenden Günstlinge, den Marschall von Ancre und dessen Gemahlin, Eleonore Galt gai, hatten alles in die sichtbarste Unordnung und Verwirrung gebracht. Die Großen erhoben sich aufS neue, der königlichen Macht zum Troß: Heinrichs beste Minister entfernte man; und dessen Hauptplan, Oesterreich und Spanien, die furchtbarsten Nebenbuhler Frankreichs , zu schwächen, wurde in daS ganz entgegengesetzte System verwandelt. Die Königin Mutter war ganz Oesterreichisch gesinnt, und zog den Spanischen Hof 1612 durch eine Wcchselheirakh i» ihr genauestes Interesse. Die dadurch gekränkten Hugenotten singen daher ihre gewohnten Unruhen wieder an, und eröffneten dadurch den herrschsüchtigen Großen ein weites Feld, zugleich mir ihnen dem Könige entgegen zu arbeiten. Der Marschall von Ancre und seine Gemahlin wurden zwar ,617 gestürzt und hingerichtet; aber ein noch weit schändlicherer Günstling, der bei dem nunmehr volljährigen Ludwig Xlll. alles vermochte, Luines, trat an ihre Stelle, und richtete das Reich noch mehr zu Grunde. Auch wurde Marie nach Blois, und Richelieu, der damahlS schon viel Eiustuß hatte, nach Avignon verwiesen.' Der König haßte den Letzter», fühlte aber doch seine Größe, und ließ sich daher durch LuineS, der durch ihn vieles auS- richlen wollte, wieder für ihn gewinnen. Eine scheinbare Aussöhnung, die Richelieu zwischen Marien und dem Könige stiftete, setzte ihn in Besitz des vorigen Ansedns, und da Luines 162» gestorben war, erhielt er ein Jahr darauf den Cardinalshuth, und wurde endlich durch die unabläßlichen Bitten der Königin Mutter, wiewohl ungern, von Ludwig Xlll. in den Staatsrakh als Minister ausgenommen (1624). Er erlangte nun nach und nach die Würde eines Premierministers, die Direktion des ganzen See- und Handlmigswe- seiis und mehrere sehr hohe Stellen, so daß er unumschränkt zu herrschen anfing, und selbst dem Könige, der bei allem Haß gegen ihn Loch fühlte, daß er ihm ganz unentbehrlich sei, beständig furchtbar bleiben, und ihn zu ollem leiten konnte. Seine weitaussehenden Plane zweckten besonders darauf ab, die Gewalt des Königs durch Befestigung des R gierungssystems ganz unbegrenzt zu machen, und also nicht allein die Großen, so wie auch die Hugenotten, die sich zu Erhaltung ihrer Rechte oft zu Empörungen gegen die Krone genöthigt sahen, zu bekämpfen, sondern auch die auswärtige Macht des Reichs, ganz den Planen Heinrichs IV. gemäß, durch Dcmü'higung deS Spanischen und Oesterreichischen Hauses zu erweitern. Alle zahlreiche Verschwörungen der Häupter des Adels wurden durch seine Wachsamkeit entdeckt; Armeen, Hinrichtungen und geschärfte Strafen schlüge» ihre Wuih nieder; jeder, der nur im geringsten dem herrschsüchtigen C irdinal entgegenstrebte, wurde seiner grenzenlosen Rachsucht, die alle Mittel, auch die niederträchtigsten, zu ihrer Befriedigung wählte, aufgeopfert, und Unschuldige so gut alS Schuldige durch seine Caba- Rte 7 sen auf das Blutgerüst gebracht. Die Hugenotte« Mrden von ihm ungeachtet sie durch Englische Flotten Unterstützung genossen, in ihrem Hanptplatze, Röchelte, gegen den er selbst als Feldherr mit großem Rubine commandirte, zu Lande durch Truppen, und von der Seite des Hafens durch einen Damm, der ein wahres Meisterstück der Kriegskunst war, eingeschlossen und ausgehungert, mußten stch »629 ergeben, und mit einer wehrlosen Duldung zufrieden seyn. Die Geistlichkeit und das Parlament wurden ebenfalls von ihm unterdrückt, und kein Mittel zur Erhebung der königlichen Macht blieb unversucht. Den größten Theil lciner Regierung nahmen aber die durch Marien van Medici veranlaßtcn Unruhen ein, die dem Cardinal die beste Gelegenheit gaben, den König zum Alleinherrscher zu erheben. Theils war ihre Vorliebe für Oesterreich und Spanien, tbeilS ihr starker Anhang unter den vornehmsten Ständen des Reichs und ihr großes Ansebn bei Hofe dem Cardinal, der keinen Mächtigen neben stch dulden konnte, zuwider; vorzüglich aber oeranlaßten ihn die von ihr empfundenen Beleidigungen, und die Klagen, die fle wider ihn gegen Ludwig Xlll. geführt batte, sie zu stürzen: und seine Rachsucht konnte selbst durch de« Gedanken, daß er bloß durch sie so hoch gestiegen sei, nicht zurückgehalten werden. Sie wurde durch seine Cabale nach Moulins entfernt, floh von da r6,gi außer Landes, Nach Brüssel, wurde aufs empfindlichste gemißhandelk, und endlich, da ste mit den innern Feinden deS Königs, die vorzüglich den Cardinal stürzen wollten, Verbindungen einging, die bis an ihren Tod forkdau.rlen, »nd durch Richelieu'- Cabale dem König weit furchtbarer geschildert wurden, als sie waren, als Feindin des Vaterlands aller Unterstützung beraubt. Der Herzog Gasto von Orleans, Bruder des Königs, ihr eifrigster Anhänger und Richelieu's heftigster Gegner, ergriff, unterstützt von dem allgemein geliebten Herzog von Montmorency, die Waffen, wurde aber geschlagen, und zu einem schimpflichen Vergleiche gezwungen, Mon »morency aber, für dessen Leben die meisten Groß n des Reichs, die königliche Familie und selbst das Volk unablässig baten, bloß auf Anstifter, Riäielieu's, der hierbei alle Künste der Verstellung anwandte, ,6zs zu Toulouse enthauptet. Die Herzoge von Lothringen, von Guise und von Bouillon, der Graf von S 0 issons und viele andere seiner furchtbarsten Feinde unterlagen ebenfalls nach blutigen Kriegen der Gewalt der Waffen; der König selbst nahm bisweilen geheimen An- th il an den Verschwörungen gegen ihn, konnte aber nie etwas aus- richten: und noch wenige Monakhe vor seinem Tode zerstörte er die furchtbarste Verschwörung des Herrn von Cinqmars, eines Lieblings des Königs, der dafür auf dem Schaffst büßen mußte (>642). Aber er nutzte seine wlllkührliche Herrschaft, unter der freilich das Reich einen außerordentlichen Glanz und einen hohen Grad vo» Festigkeit erreichte, nicht bloß zur Herstellung der innern'Ru- h e, sondern auch zur Ausbreitung der äußern Macht. Der Krieg mit Spanien, der auf seinem Betrieb rü.^z angefangen wurde, und stch erst lange nach seinem Lode, r6zy, endigte, fetzte die Französtschen Waffen in de» Besitz von Catalonien und Rous- 8 Nie sillon, und bewirkte die Loßreißung Portugals vom Spani^hen Joche (1640). Auch Oesterreich wurde von ihm ans gleiche Art geschwächt, da er 162? dem Herzoge Carl von Revers das Her- zogkhum Mantua verschaffte, und dadurch die Gewalt der Oesterreicher in Italic» sehr verminderte. Er unterstützte im dreißigjährigen Kriege von rt>Zi an die Schweden, die unter Gustav Adolph und nachher gegen Oesterreich die wichtigsten Siege erfochten, durch Heere, nahm an dem Kriege den lebhaftesten Antheil, und setzte Frankreich in den Besitz des größten TheilS von Elsaß und Brei sgau. Auch hatte er die Freude, zu sehen, daß die Königin Mutter zu Cölln ,642, d. Z. Juli im äußersten Elende starb. Aber kurz darauf, am 4 - December des nähmlichen Jahres, machte eine langwierige Krankheit seinem eignen Leben ein Ende. Cardinal Mazarini, sein Günstling, den er selbst zum Nachfolger bestimmt hatte, trat an seine Stelle; ein Mann von großen Verdiensten, der aber doch nicht Ri- chelieu'S Geist hatte (s. d. Art. Mazarini): und Ludwig Xlll. folgte ihm schon 1643 d. 14. Mai im Tode nach. Richelieu's moralischer Charakter war schlecht, sein politischer aber b e- wundernswürdig. Grausamkeit, Ehrgeitz, Herrschsucht, Jähzorn, Rachsucht. Verstellung, Cabale, Mißtrauen ohne alle Gren. zen, bezeichnen jeden seiner Schritte, die von Willkühr und Despotismus geleitet wurden. Nur der, welcher sich mit kriechender Schmeichelei vor ihm beugte, wurde von ihm geduldet; jeder Nebenbuhler seiner Macht mußte als Opfer fallen, und seine ununterbrochen behauptete Größe war eben so sehr das Werk der schändlichsten Ränke, als der Uebermacht seines Geistes. Dessen ungeachtet aber hat er als Staatsmann die glänzendsten Verdienste, die schon oben angegeben worden find. Die Wissenschaften fingen durch seinen Schutz sehr an zu blühen; selbst als Feldherr erwarb er sich mehrere Mahle großen Ruhm, und bloß in der Verwaltung der Finanzen zeigte er viele Schwächen. Die neuere Zeitgeschichte zeigt uns in der That kein Beispiel, daß ein Minister bloß aus eigner Kraft dem allgemeinen Unwillen der Großen so kühn und nachdrücklich und so lange T-otz geboren habe, als er. Don beständigen Stürmen und Verschwörungen umgeben, von allen verfolgt, von seinem Könige selbst und dem ganzen Hofe gehaßt, erhielt er sich nicht nur ganz allein ohne Schutz mit beständiger Gleichmuth unerschütterlich fest; sondern besiegte ebenfalls allein alle seine Gegner, und benutzte jede Niederlage derselben nur zu noch größerer Erhebung seiner Macht. Alles, was der König that, that er bloß als Organ Richelieu's. Der Cardinal batte zwar nur den Titel eines Ministers, aber Ludwig Xlll. auch nichts als den Titel eines Königs. Aber wenn er sich auch von diesem ganz unabhängig machte; so machte er ihm dafür seine Unterthane» desto abhängiger, und sein Reich allen Nachbarn furchtbar. Ueberzengt, daß von der Erhaltung seiner Person das Glück des ganzen StaatS abhange, fühlte er sich berechtigt, derselben alleS Andere aufzuopfcrn; und dieses ist hinreichend, viele seiner willkühr, lichcn Unternchmnngcn zu entschuldigen, vielleicht sogar zu rechtfertigen. Rich 9 Der Marschall von Richelieu, wurde 1696 geboren, und be- kleidete mehrere Stellen, sowohl im Militair als auch im diplomatischen Corps. Be» dem hohe» Alker, das er erreichte — er starb 1731 — darf man sich nicht wundern, daß ihn kein Hosting an Geschmeidigkeit und an Galanterie gegen die Damen übertraf. Ein Mann, der den Hof unter Ludwig XIV. in vollem Glanz gesehen, unter der Regierung des Herzogs Regenten an allen Ausschweifungen Lheil genommen, und unter Ludwig XV. mehrere öffentliche Geschäfte verwaltet hatte, konnte sich unter Ludwig Xvl. mit allem Recht für den Patriarchen der Höflinge halte». Seine große Zuneigung zu dem andern Geschlechte, wobei cs ihm oft mehr um die Befriedigung des Ehrgeizes als der Sinnlichkeit zu thun war, hat reichlichen Stoff zur Abfassung seines Privatlebens gegeben, das erst 179» erschien, und, ungeachtet mancher Uebertreibungen und Unwahrscheiu- lichkeiten, doch viel Licht über die geheime Geschichte seines Zeitalters verbreitet. Richelieu, (Herzog) Enkel des Marschalls Richelieu, verließ sehr jung Frankreich, und begab stch nach Petersburg, wo ibm sein Nähme die Aufnahme bei der Kaiserin Sacharin« II. verschaffte. Er trat in ihre Dienste, und wurde in kurzer Zeit General- Lieutenant ; er hatte von dem mißtrauischen Charakter Pauls I. vieles zu dulden, wurde aber von dessen Nachfolger Alexander mit Gunstbezeugungen überhäuft. Im Jahre -8oi kam er nach Paris, um von der Emigrantenliste ausgestrichen zu werden, da aber die Französische Regierung zur Bedingung machte, daß er die Russischen Dienste verlassen sollte, kehrte er „ach Petersburg zurück. Bei seiner Wiederan- kunfl in der Hauptstadt wurde er zum Gouverneur von Odessa und den umliegenden Küsten ernannt. Die Provinzen unter seinem Gouvernement sind schon in einem blühenden Zustande, und werden eines Tages eine Quelle des Reichthums und Wohlstandes für das Russische Reich abgeben. Richelieu hat in feiner Gouvernementsverwattung glückliche Eigenschaften, und eine beispiellose Thatigkeit an Tag gelegt, und ist von feinen Unterthanen und seinem Souverain geliebt. Seitdem er Gouverneur von Odessa ist, versichert mau, er habe die Ausstrcichung seines Rahmens von der Cmigrantenliste erhalten. kicliemonci, (Franz. Rischmong) die Hauptstadt in Dir- ginien (im Nordamerikanische» Freistaate), zählt 200c, Einwohner Der Richtpfennig, ist ein G. wicht, das vorzüglich beim Münzwesen »nd Prodircn der Metalle gebraucht wird. Er wird aus kapellirtem Silber in viereckige Stücke gegossen, die man alsdann so lange feilt, bis sie auf einer sehr genauen Probierwage richtig befunden werden. — Die M>rk» welche 8 Unzen, oder 16 Loth, oder 64 Oueutchen ausmachr, und zum Anhalten genommen wird, enthält 6e?Z6 Richtpfennigthcile, oder Pfennige, oder 884« Gran. Richtsteig, so nennt sich eine der ältesten Anweisungen zum Prozeß, welche im iz. Jahrhunderte verfertiget worden; und zwar gibt es deren zwei, nähmlich den Richtsteig LandrechtS, und. den Richtsteig Lehn rechtS: die Benennung dürfte wohl (nach HommelS Ableitung) von richten (weisen, ordnen) Herkommen, ao Me Nie und also gleichsam einen Wegweiser bezeichnen. AlS Verfasser wird bald Ge rken , bald ein gewisser Hermann von OeS- feld anggben; wahrscheinlich hak l tztcrer de» Richtsteig Lehnrechls gesammelt; so wie es denn überhaupt nur eigentlich Sammlungen von den ältesten Deutschen Gewohnheiten, und von Gesetzen Carls des Großen» oder auch Kaiser Friedrichs über diele Gegenstände sind. UebrigenS hat sich der Richtstciq Lehnst echts länger im Gebrauche erhalten. als der des LandrechiS. Ricin usöl, ein geldgrünes Oel von dem Saamen des k i cin » 8 oder Wunderbaums. Es wird in der Arzneikunst gegen Würmer und Kolik gebraucht. Ricke, wird von den Jägern das Weibchen des Rehes genannt. kioorso, (Jtak.) ist gleichbedeutend mit kecours. S. dieses. k io o V erc». (Zkal.) heißt bei den Kauflcuten Regreß oder Schadloshaltung. Ridegast,s. Radegast. k ick i euls, (Franz, ridikühl) lächerlich ; z. B. sich rickicul« machen. Das kick io ul«, ist die Lächerlichkeit, etwaS, wodurch man sich lächerlich macht. Ein kick io ul«, in der Sprache der Mode, ist ein aus vielerlei bunten Flecken zusammengesetzter Arbcits- beutel. kickioxcost, (Engl. Reidingkoht) s. ksckiuxxote. kickotlu, (Jtak) heißt in Venedig rin Ort, wo in ro bis 12 Zimmern zur Zeit des Carnevals von den Vornehmsten Faro und Baffek gespielt wird. Sie stehen nur Masken offen, und nur die Nobili (Hochadelichen) sind befugt, Bank zu halten. Ried, in der höhcru Schreibart: Schilfrohr, im Ocsterreichi- schen» ein Stück Laub. Rienzi, von dem gemeinen Haufen Cola de Nienzi genannt,— eigentlich hieß er Nicola» s Gabrini -- ein berühmter Volksempörer »nd Märtyrer der Freiheit im Kirchenstaate, verdient besonders in unfern Tagen bemerkt zu werden, weil er bissen Staat auf kurze Zeit in eine gewisser Maßen nach Altrömischer Art eingerichtete Democratie verwandelte. Zu Anfänge des 14. Jahrhunderts geboren, genoß er, obschon sein Vater ein gemei- »>er Gistwirth in Rom. und seine Mutter eine Wäscherin war, dennoch eine ganz gute Erziehung in den Wissenschaften, wobei ihm freilich die außerordentliche Stärke seines Geistes sehr z» Hülfe kam. Das Studium der in Rom bcstndlichen Alterkkümcr, besonders aber sein Hang zum Sonderba-en, und seine Ruhmsucht, erweckten in ihi» bald den Plan, seinem durch den schrecklichsten AdelsdeSpotiSmus unterdrückten und ganz zerrütteten Vaterlande die alte Democratie- rvicderzugebkn. Er erhielt ein Notaeiatamt, und wurde bald von dem Volke, das ihn wegen seiner Einsicht, Tugend, Uneigennützig- keit, und ausgezeichneten Beredsamkeit enthusiastisch verehrte, an neu Papst Clemens Vl. nach Avignon, der damahligen päpstlichen Re- Nie i» stdenz, geschickt, um ibn dringend zu bitten, daß er feinen Wohnort „ach Rom verändern, und dem durch ferne Abwesenheit immer zunedmenden allgemeinen Elend ein Ende machen möchte Clem »S bewunderte seine Talente und Beredsamkeit, ward sein Freund, machte Besprechungen, kam aber nicht. Das Volk wurde immer unruhiger; Rienzi hetzte es durch gemahlke Sinnbilder und mistische Reden noch mehr gegen den Adel auf, suchte aber bloß den Adel einzuschla- fern, damit er ihn als einen höchst sonderbaren und närrischen Men- scheu nicht fürchten möchte Plötzlich versammelte er ,z46 das ganze Volk, vertrieb und verbannte alle Adelichen, besonders die Colo»- n a's, die Häupter derselben, ließ stch zum Volkstribun aus- rufen, übte gegen den Adel die strengste Gerechtigkeit ans, und stiftete eine der alten Römischen ähnliche Republik. Seine Gesetze waren weise, seine Verwaltung vortrefflich, und sein Aiisehn so groß, daß er in wenig Monathen, ohne nach dem Papste zu fragen, mehre wichtige Händel Europäischer Rezenten entschied. Da aber der neue Bolkstribun manche lächerliche Träumereien beging, und sich bisweilen vom Stolze verblenden ließ, auch der vom Adel unternommenen Gegenrevolution nicht zeitig genug vorb.uq.'e, so wurde er in Rom selbst geschlagen, von den Anhängern des Papsts, die er zu sehr vernachläßiqt hatte, verfolgt, und zur Flucht genölhigt. Erder immer tollkühnen Entwürfen folgte, floh zu seinem persönlichen Feinde, dem Kaiser Carl IV. nach Deutschland, und bekam wirklich von diesem großmüthlgen Monarchen einen sichern Zufluchtsort an dessen Hofe, mit dem Versprechen, ihn mit dem Papste wieder auszusöhnen. Allein fein Stolz und die ungemeine Verehrung / die er hier bald erhielt, machten den Kaiser argwöhnisch; und dieser ließ ihn daher unter dem Vorwände, ihn unter sichern, Geleit zum Papste zu bringen. demselben z» Avignon als Gefangnen übergeben. Ver- mnth'ich hätte er hier im strengsten Arrest seine Tage beschlossen müssen » wenn nicht unterdessen der Adel tn Rom aufs neue alle Gewalt au stch gerissen hätte, so daß Jnnocenz VI. des Clemens Nachfolger, es für daS einzige Rcttiuigsmittel hielt, den R i e n z i frei zu lassen, und zur Wiederbesttüung der päpstliches, Herrschaft und zum Sturze deS Adels nach Rom zu schicken. Rienzi besiegte wirklich den Adel aufs neue, gab dem Papste seine ganze Herrschaft wieder, wurde Römischer Senator, bekam aber, da er alles dem päpstlichen Stuhl wieder untertdanig machte, nicht so starken Anhang als vormahls, weil ein großer Theil des Volks gegen den Papst eingenommen war. Er ergab stch der Trägheit pnd dem Wohlleben, wurde wegen zu strenger Gercchtigkeitspflege verhaßt, und machte eS dadurch der Aristocratcnpartci leicht, einen Tumult zu errege«, und ihn dadurch zu stürzen. Der empörte Pöbel verfolgte ihn als Feind deS Vaterlandes, verbrannte sein Haus, und drohte ihn zu ermorden. Er floh durch die Flammen in Betticrskleidern, wurde aber erkannt, und wandte noch einmahl seine ganze Beredsamkeit an, um den wülheiiden Haufen zu besänftigen. Eine ganze Stunde lang stand der Pöbel »m ihn herum, und wußte im größten Erstaunen nicht, ob 12 Ri- Rig kr ihn um Verzeihung bitten oder niederstoßen sollte, bis endlich ein niederträchtiger Bedienter des Hauses Colonna ihn nicderstach (,Z5§). Sein Leichnahin wurde mit tausend Stichen zerfleischt, an den Galgen gehänkt, und dann verbrannt. Das Riese nbe tte: so nennt man die Grabhügel der ebe- mahligen heidnischen Bewohner von Deutschland, sie heißen auch Hü- ncnbette, Hünengräber. Aus ihrem sehr großen Umfange hat man geschloffen, daß Riesen darunter begraben scyn müßten, und hak io- nen jenen Nahmen gegeben. Eben so nennt man auch die Aschenkrk- ge, die man in jenen Betten aussindet, Riesen köpfe. Das Riesengebirge, zwischen Schlesien und Böhmen, gehört zu den höchsten Gebirgen in Europa. Es fängt eigentlich an der Ovrrlausitzischen Grenze bei Friedburg an der Queis an, geht durch die Fürstenthümer Zauer (der Theil, welcher im Fürstenthum Zauer liegt, wird ganz eigentlich das Riesenge birg e genannt), Schweidnitz, die Grafschaft Glaz (bis hieher wird es daS Böhmische Gebirge genannt), dann durch die Fürstenthümer Neiß, Jägerndorf, Troppau, Tcschcn, bis an die Jablunka; dieser Strich heißt das Mährische Gebirge, und hier ist der sogenannte Kessel, der T eufe ls grund, die Teu fel S w i c se, und der Johannisbrunnen, wohin am St. Johannistage viele Menschen wallfahrten und trinken.— Eine Menge, zum Theil sehr großer Dörfer, die theils am Fuße, theilS auf dem höchsten Gebirge liegen, und daS anffallenb schöne Grün der hiesigen Gewächse geben dem ganzen einen Anstrich von Leben, der unbeschreiblich ist. Der höchste Berg ist die Schncekuppe, die -5768 Rkein. Fuß über die Mceresfläche erhaben, und durch das Mährchen vom Rübezahl bekannt ist. Rieß, eine Zählweise bei dem Papiere. Ein Rieß enthält 2» Buch, d- t. azo Bogen Schreibpapier oder 500 Druckpapier. Zehn Rieß machen einen Basten und i§ ein Pack. Riff, eine lange Sand-ober Felseubank in der See. Das Ri ff, (Seefahrt) heißt eine lange Bank, auS Sand oder Felsen bestehend, welche sich von den Seeküflen hinaus erstreckt, und oft Klippen und Untiefen hat. Riffeln, heißt dieSaamenknospen von dem getrockneten Flachse vermittelst der Raufe oder Riffel abraufe,1. Riga, die Hauptstadt des sonstigen Herzogthums Tiefland, und die Gouvernementsstadt der Rigaischen Statthalterschaft, liegt in einer niedrigen, und auf der Landseite mit viele» Sandhügcln um- gebnen Gegend. Den Nahmen hak sie von dem kleine» FluffeRige (einem Arme der Düna, der aber nach und nach verschl.mmt, und endlich ganz verschüttet worden ist), an welchem sie erbaut wurde. Seit igiL de» Ordensmeistcrn unterwürfig, kam sie 1581 unter Pohlnische Hoheit, wurde dann 1621 vom König von Schweden , Gustav Adolph erobert» und endlich 1710 von den Russen eingenommen, unter deren Scepter sie geblieben ist. Trotz ihrer niedrigen, von der See auf 2 Meile» weit e,>lfernte», und auch sonst unbequemen Lage, und trotz dem , daß sie sich am äußersten Ende des Landes befindet. Rig gewinnt dennoch die Stadt durch den Handel Reichthum und Leben; sie ist der Stapelplatz aller HandlungSprodukte von Liefland, einrS großen Theils von Litthauen, Weißrußland, Curland und Poblen, welche theils zu Wasser auf dem Dünastrom, theils zu Lande auf der Achse herbeigeschafft werden. (Als eines der vorzüglichsten Ausfuhr, artikcl verdient der Rigaer Leinsame Erwähnung) Auch die hier befindlichen Landcscollcgien und Tribunale (z. B. das Generalgouvernement, das Hofgericht, Oberconststorium rc.) geben der Stadt noch mehr ein Ansehn. Die Zahl der Einwohner wird über Zoooo angegeben. Das Rigaudon, (Rrgodon) ist ein kleines znm Tanzen eingerichtetes Tonstück in ganzem Takt, von lebhafter, fröhlicher Bewegung , besteht aus zwei Theilen, jeder aus acht Takten (die Einschnitte aus vier Takten) und fängt allezeit mit dem lebten Viertel (im Aufschlag) an. In Ballets wird dieser Tanz, der übrigens ander Provence herrühren, und von einem Tanzmeister, Rigaud, erfunden worden seyn soll, zum ernsthaften sowohl als zum scherzhaften und niedrigen Charakter gebraucht. Uebrigens gibt es bekannter Maßen auch in den Französischen Evntrctänzen ein Pas de Rigaudon. Vincenzo Righini, vormahliger Kapellmeister deS Chur- sürsten von Maioz, seit 179Z aber königlicher Preußischer Kapellmeister z» Berlin, hat sich seit ungefähr 178a den Ruf eines der beliebtesten Italienischen Opern - Componisten erworben. Seine Oper: Lnea e l'uinc», welche beim Carneval zu Berlin 179z den ausgezeichnetsten Beifall erhielt, erwarb ihm sogleich die obige Stelle mit choou Rthlr. Gehalt. Auch hat er bei dem Regierungs-Antritt deS jetzigen Königs, wo alle ähnliche Stellen im Gehalte vermindert wurden, seinen Posten unter gleicher Einschränkung/ jedoch auf eine für ihn sehr schmeichelhafte, ehrenvolle Art und mit seiner eignen Eiu- willigüng beibchalte». Auch seine Gattin (chcmahlige Dem. Kneisel — geb. zu Stettin 1767, und seit 1794 nsit ihm verheirathct) — königl. Preußische Kammersängerin, har den Ruhm einer braven, trefflichen Sängerin sich zu erwerben gewußt. Righkboys, s. Whiteboys. Der Rigiberg, einer der höchsten und schönsten Berge der Schweiz, zwischen dem Zuger-und Lucerncr See, auf dessen Spitze man mehr als auf jedem andern, die ausgebreitctste Aussicht genießt. Von Osten bis nach Südwesten die frappantesten Aussichten in den Kreis der höchsten Schneeberge, von Südwesten bis nach Nordosten in das flache Land, bis weit in Schwaben hinaus, gewähren für alle, die ihn besuchen, den herrlichsten Genuß. Eine sehr schöne Beschreibung des Rigibergs ist von I. H. Meyer mit trefflichen Zeichnungen von Füßli und Keller. Zürich «807. Rigid, (Lat.) steif, starr. Unctgentlich: streng, scharf; z. B. eine rigide Beurtheilung. Rigidität, die Steifheit; die Strenge. kixeur, (Franz. Rigöhr) die Strenge, klgors juris, (Lat.) nach dem strengen Rechte. Rigorös, streng, scharf. .4 Rig Rio Rigoristen, Strenglinge, d. l. solche Sittenlehrer, welche auf eine strenge Beobachtung der moralischen Grundsätze und Handlungen dringen, und daber auch keine Mitteldinge oder gleichgültigen Handlungen gellen lassen. Die Rigoristen werden entgegengesetzt den L a- ti t u din ari e rn. S, diese. R i g 0 l e n, s. R e 0 l e n. Ri ko sch ettschuß, (ein Bogenschuß, da die Kugel nach dem erste» Anprollcn wieder in die Höhe und weiter springt) kommt besonders bei der Artillerie vor. Das Rikoschettiren geschieht nach den allgemeinen Gesetzen der Mechanik: wenn nähmlich ein vollkommen ela. stisch-r Körper auf eine harte Fläche trifft, so wird er unter demselben Winkel, und mit derselben Geschwindigkeit, mit welcher er einfällt, zuruckgeworfen, wenn man seine Schwere und den Widerstand der Luft nicht in Anschlag bringt. Das Vorzüglichste des Rik 0 schet- tiren besteht nun darin: daß man dem abzuschießenden Körper gerade die Kraft mittheilt, die zu Erreichung ein-s gewissen Ziels erforderlich ist, von welchem auS er vcrschiedne Anschläge thun muß, wo er außerdem nicht unmittelbar hinireffen würde. Je geringer die Erhöhung des Winkels ist, um desto mehr wird der Körper Kraft behalten, und Wirkung thun, ind:m er in den weichen Boden nicht so lief eindringen, und einen horten desto leichter und öfterer wird überspringen können. Die Ladung ist geringer als bei den gewöhnlichen Schüssen. tiimini, eine Stadt im Französischen Italien auf der rechten Seite des Po im Departement des Rubicon, merkwürdig wegen ihrer Alkertbümer. kiokorrsnäo.rillkorrsto, (Jtal.) in der Tonkunst: verstärkt, stärker, kint 0 rr 0 , die Verstärkung. krinfranco, geben, (Jtal.) heißt bei den Kausteuten: aus- gelegie Gelder wieder erstatten. Ringclgedicht, hieß sonst das kleine Gedicht, das man jetzt gewöhnlicher kl 0 niSeau nennt. S. dieses. — Ringelrennen, ein nach Abschaffung der Turniere eingeführtes Ritterspiel, wobei man zu Pferde mit einer Lanze oder einem Wurfspieße nach einem Ringe rennt oder sticht. Rl ntel n, eine ziemlich befestigte Stadt, in dem Königreiche Westphalen an der Weser. Sie ist lutherischer und reformirter Religion , und hauptsächlich durch die vom Fürsten Ernst II. vorher zu Stadthagen gestiftete, aber bald (»62 >) nach Rinteln verlegte Univer- ßlät bekannt, die aber im Jahre -zio wieder aufgehoben wurde. Die Schifffahrt auf der Weser verschafft den Einwohnern mancherlei Vortheile. Jetzt ist Rinteln eine Distriktsstadl im Departement der Weser im Königreiche Westphalen. kio, heißtim Spanischen ein Fluß; daher viele Flüsse, wie auch Flußländereien, gewöhnlich mit einem Zusätze, diese,, Nahmen führen; z. B. kdiv clela ttscke, (Hasch) in 6ranalia in Südamerika; desgleichen kio 7 ao ei ro, eine an Zucker, Kaffee, Ta» Rio RiS »z bak, Indigo rc. reiche Provinz im Portugiesischen Südamerika; desgleichen kio Einwohner. Sie ist gegenwärtig oie Residenz der Königin und des Regenten von Portugal, und der Sitz eines Bischofs. In dieser Grabt find viel« Springbrunen, die durch eine seh-nswürdlge Wasserleitung versorgt werden, verschiedene Mönchs -und Nonnenklöster, eine Sternwarte , ein Botanischer Garten u. s. w. Unt«r den Einwohnern gibt eS viele Künstler, besonders Juweliere und Stein- schleifcr, Baumwollespinner, Segrltuchweber, Verfertiger tönerner nnd steinerner Gefäße u f. w. UebrigenS ist Rio Janeiro der Mittelpunkt der Portugiesischen Handlung, hat 123 Großhändler und einen guten Hafen. Riole, heißt im Niederdeutschen ein Bücher - oder Warenbrctt, wie kepositorium. Ri 0 t, s. O stin dien. Ripen, rin Stift, mir der Hauptstadt gleiche- Nahmeus in Jütland. kipieoo, (Jtal.) ausfüllend, mit vollem Chore. Dieß Wort wird in den Tvnstücken zu den Stellen gesetzt, wo die das concenk» rende Instrument begleitenden, welche eine Zeltlang geschwiegen haben, wieder einfallen sollen. Daher heißen alle übrigen Stimmen, welche die Haupkstimme begleiten, Ripienstimmen, und diejenigen, welche sie vortragen, Ripienisten. kl i p r e 8 s, (Jtal.) die Wiederholung eine- Haupttheils von einem Ton stücke, wie keprise. S. dieses. Risalit (Resalita) heißt in der Baukunst der Theil an einem Gebäude, welcher durch alle Stage« hinauf, vor den übrigen etwas heraustrikt, und meistentheilS mit einem Fronton oder niedrigen Italienischen Dache bedeckt wird. Sie werden ,» der Mitte des Hauses, oder auch wohl au den Ecken angebracht; und treten sie bei den letzkern sehr weil hervor, so nennt man sie Flügel, den übrigen Theil des Gebäudes aber Corps de Logis (s. CorpS). kisico, (Jtal.) di« Gefahr, WagUiß; z. B. es ist bei diesem Unternehmen ein großes ki«ico d. b. man wagt dabei, viel zu ver, lieren. Risquiren, (riSkiren) Gefahr laufen, in Gefahr sepn, z. B. er risquirt, das G, sicht zu verlieren. Desgleichen wagen, z. B. man muß etwas risquiren. Riskant, gewagt, gefährlich, z. B. rin riskantes Unternehmen. Ein riskanter Kaufmann ist rin solcher, der etwa- wagt. kigposts, kiipo8te, (Jtal.) daS Ausichlag-n des Pferdes, wenn es gespornt wird. Desgleichen beim Fechten ein behender Ge« i6 RiS Rit genstoß, den man anbringt, wenn man des Gegners Stoß ausge- deugk hat. Uneigentlich: eine schnelle treffende Antwort. Ris- postiren, ripostiren, einen Gegenstoß anbringen, schnell antworten. kistorno, kitoroo, (Jtal) die Rückkehr. Desgleichen bei den Kaufleuten: die Ab-und Zuschreibung eines Postens «m Hauptbuche. ki streit c>, (Jtal^) ein kurzer Auszug aus Nachrichten oder Rechnungen. Staats-Kistretto, ein kurzer Bericht von den Staatsbegebenheiten , daher z. B. das Frankfurter Staats Uistretto. kisum tenestis smici! (Lat.) enthaltet euch des Lachens, Freunde. Diese Stelle ans dem Horaz wird oft gebraucht, wenn man etwas Belachenswerthes anzcigen will, kisus 8nr- tloaius, sardonisches Lachen, wird eine kramphafte Zusammenziehung der Lachmuskeln genannt, wobei der Patient wider Willen immer lachen muß, von dem Lachkraute 8ar6oniu, das eine solche Zusam» menziehung bervorbringen soll, so genannt. Das R ito rne l, (Jtal. rüoraello , Franz, ritaurnelle, — vom Jtal. ritoennre, wiederkommen) bezeichnet ursprünglich in der Musik einige Perioden, die von allen begleitenden Instrumenten gespielt, und, während die Hauptflimme paufirt, wiederhvhlt werde». Gegenwärtig versteht man darunter denjenigen Theil einer Arie, eines Con» certS rc. womit das Stück insgemein mit allen Instrumenten anhebt, und die Hauptgedanken kurz vorträgt, worauf denn die Sing - oder concerlirende Stimme eintritt. Am Ende, wenn diese ihre Partie geendet hat, wird daS Ritornel wiederhohlk. — Es gab eine Zeit, wo es , besonders in Opern, beinahe Regel war, jeder Arie eine kleine Sinfonie, oder ein Concertino vorauszuschicken, so daß öfters zwischen dem Recitariv und der darauf folgende» Arie (die gemeiniglich mu jenem in Ansehung des Inhalts in der genauesten Verbindung steht) eine höchst gewaltsame und unnatürliche Trennung eintrat Von diesem, obgleich nicht ganz und allemahl zu verwerfenden, Gebrauche der Ritornelle ist man jedoch heut zu Tage sehr abgekommen. Das Für und Wider findet man in Forkels Uebersetzung von Arteaga's Gesch. der Jtal. Oper , 2 Th. S. 2ZZ. folg. kitorno, s. ki Storno. kistrntla, (Jtal.) ein Rückwechsel. Rittberg, eine Grafschaft im Wcstphälischen Kreise, deren Einwohner es in der Garnspinnerei außerordentlich weit gebracht haben. Sie gehört dem Fürsten von Kaunitz. Ritter, heißen ursprünglich in Deuschland diejenigen Freige- bornen, welche ihren Obern die schuldigen Kriegsdienste auf eigne Kosten zu Pferde zu leisten im Stande waren. Zwar mußte vor und nach Carls des Großen Zeiten schon ein jeder, der etwa ein Lehn oder eine andre Besitzung hatte, mit ins Feld, mußte sich auf ein halbes Jahr aus seinen Mitteln mit Waffen und Kleidung, und auf drei Monathe sogar mit Lebensmitteln versorgen und seinem Obern im Kriege dienen; doch brauchte dieß nicht schlechterdings zu Pferde zu Rit 17 geschehen; denn die Deutschen Heere hatten in diesem Zeiträume noch wenig Reiterei. Als aber die Deutschen in der Folge mit den Avalen, die an der Donau lang hin (in dem heutigen Ungarn) wohnten , durch Kriege bekannt geworden waren, so war auch nun in Deutschland eine andre Bildung, eine andre Disriplin, kurz, eine andre Kriegskunst nöthig. Diese Av aren hatten leichte Pferde, waren leicht bewaffnet, ließen sich nicht leich in ein Treffen ein, sondern suchten vielmehr ihren Feinden durch schnelle Wendungen zu schaden, indem sie solche zu überfallen oder zu umringen trachteten, um hernach ein desto größeres und schauderhafteres Blutbad mit ihren Pfeilen unter denselben anrichten zu können. Dieß ward ihnen bei den Deutschen um so leichter, da diese so schwer geharnischt waren, schwere Pferde hatten, auch schwere Lanzen und große, unbehülfliche Schwerter führten, nicht zu verschweigen, daß die Deutschen Heere meist auS Infanterie bestanden, welche, bei der damahligen Art Krieg zu führen, gegen eine leichte Reiterei an sich wenig oder gar nichts auszu- richten im Stande war. Unter solchen Umständen nun, und daß die Deutschen Heere es mit jenen fremden Völkern, den Avaren, aufnehmen konnten, mußte man auf eine bessere und zweckmäßigere Reiterei bedacht seyn. Dieß geschah, und die reichern Besitzer ließen sich dazu gebrauchen. Nicht lange blieben ihre Heldcnthaten unbekannt, sondern die Heerführer ehrten sie bald auf eine solche ausgezeichnete Art, daß dabei die Verdienste, die ehedem andre Freigeborne bei jener alten Art Krieg zu führen sich erworben hatten, ganz verdunkelt wurden. Sie nannten sich nun ausschließungswcise m>Iirer, und singen an sich für besser zu halten, alS für bloße Freigeborne; aber endlich waren sie auch immer mehr und mehr auf die Vergrößerung ihrer Güter und Besitzungen bedacht, und brachten es dahin, daß sie dieselben erblich erhielten, unter dem Beding jedoch, daß sie ihren Obern in Kriegen aut eigne Kosten zu Pferde beizustehen verbindlich wären, welche Verbindlichkeit sie eidlich ihren Obern zusagen mußten. Ihr Dienst dauerte aber jetzt nicht auf so lange Zeit, sondern nur auf 6 Wochen. Von hier an fangen sich die eigentlichen Rittterzei trn und das so genannte Ritterwesen in der Geschichte an; von hier an empfängt aber auch zugleich der in und außerhalb Deutschland gewöhnlich gewordne Lehnsnexus seine wahre, feste Ausbildung und Beständigkeit: aber auch die Entstehung des niedern Adels ist hier zu suchen. Unter diesen Rittern standen die Banncrherren in ganz vorzüglichem Ansehen, so wohl bei den Obern, als unter den Rittern selber. Es wurden aber nur diejenigen Ritter mit dem ehrenvollen Beinahmen, Bannerherren, belegt, denen ihr Herzog eine Fahneoder Bannier erthcill hatte, daß die von ihnen abhängigen Mitstreiter sich an sie anschließen sollten. Um aber diese Bannerherren- würde behaupten zu können, gehörte Vermögen dazu: denn es mußte rin solcher Mann die von ihm abhängigen Ritter, wenn sie kein Vermögen hatten, auS seinen Mitteln ausrüsten und unterhalten. Seitdem Eonv. Lex. Fünfter Band. B .z Rit nun in den Kriegen aus die Reiterei (Cavallerie, Ritter» schaft, gleichbedeutende Morte in diesem Zeiträume) so sehr viel ankam, so konnte es freilich nicht fehlen, daß so ein Ritter nicht hätte Anlaß haben sollen, auf andre Freiaeborne mit Stolz und Verachtung herabzublicken, besonders da sein Öderer selbst ihm mit so vieler Auszeichnung begegnete; ja, es konnte wohl nicht fehlen, daß man in diesen Rilterzeiten die Ritterwürde nicht für die höchste Ehrenstufe hätte halten sollen, zumahl da so ein Ritter, wären auch seine Besitzungen von nicht zu großem Umfange gewesen, schon in der Ritterwürde Gelegenheit hatte, vermöge der Ritterspiele, an denen er Theil nehmen durfte, an die Obersten im Staate sich anzuschlicßcn und auch wohl seine Besitzungen zu vermehren. Nicht zu verschweigen, daß selbst die Obern die Ritterwürde suchten und zu solcher sich einweihen ließen. Zwar sind jene Ritterzeiten, da nun stehende Armeen errichtet worden, schon längst oc-bei; zwar bewirkt seit vielen Jahren der Briefadel, was ehedem bloß der Ritter durch seine Dienste im Kriege sich zu verschaffen im Stande war: indessen haben sich noch aus jenem Zeiträume her jene der Ritterschaft sonst verliehenen oder von derselben angemaßten Rechte bis auf die gegenwärtigen Zeiten großen TheilS erhalten; freilich in dem einen Staate mehr als in dem andern, je nachdem unserm nieder» Adel es mehr oder weniger gelungen ist, gegen den Regenten sowohl, als gegen die übrigen Mitunterthanen, die Bürger, sich Einfluß zu verschaffen und sich mehr oder minder wichtig zu machen. Es lassen sich aber diese dem niedern Adel oder der Ritterschaft (jetzt gleichbedeutende Wort; denn im niedern Adel wird, genau genommen» die Ritterschaft des Mittelalters gegenwärtig fortgc- pflanzt) noch übrigen Rechte füglich in persönliche und dingliche Rechte abtheilen. I e n e kommen dem Adel als Adel vorzugsweise in einem Staate zu; diese aber schränken sich auf gewisse Besitzungen ein. Zu der erster» Classe gehören folgende: i) daß jeder Adliche seinem Gcschlechtsnahmcn die Partikel »on, von dem, von der, zu, cie vorzusetzen berechtigt ist; da hingegen alle diejenigen, die bürgerlichen Standes sind, ihren bloßen Geschlechtsnahmen Hinset- zen ; 2) daß Adliche in mehrern Staaten auf OfficierSstelle,, in der Armee vorzüglichen Anspruch zu machen berechtigt sind; 3) daß zu gewissen Hosstellen bloß Adliche befördert werden, z. B. zu Kammerherren und dergleichen, wobei man meist auf ritkerartigen Adel sieht; 4) daß zu gewissen Präbendcn und Stellen ausschließungsweise der alte Adel nur gelassen wird, z. B. in den hohen geistlichen Stiftern ; 5) daß ferner bloß alter Adel in gewisse Orden ausgenommen, und der davon abhangenden Präbendcn theilhastig werden kann, z. B. in den Leu t- schen Orden, in den M altheser-oder Job a n n i t er 0 rdcn; 6) daß bloß Adliche in der Regel Lehn-und Rittergüter eigenthümlich an sich zu bringen berechtigt sind, wenn nicht dieses Recht -auch Bür, gerlichen vermittelst Privilegiums, oder vermöge rechtsverjährker Db« servanz zuständig ist; 7) daß ein Adlichrr schon wegen seiner Persoa einen privilegirten Gerichtsstand hat, wäre er auch ohne Besitzung; 8) daß Adliche in gewissen hohen Sollegien sich von ihren Soll,gen bür« gerlichen Standes absondern können, nnd ein eignes Latus ausmachen dürfen; y) daß überhaupt ein jeder Adliche über jeden unbcrangten Bürgerlichen den Vorrang genießt; ie>) daß der Adliche ein adliches Wa- pcn führen darf, das heißt, ein Wapcn mit Helm und Schild. Die dinglichen Rechte unsrer heutigen Ritterschaft oder des niedern Adels machen die zweite Classe aus. Sie hasten auf ihren Besitzungen und dauern fort. Dahin gehören folgende: r) die Landtagsfähigkeit. In mehrern Deutschen Provinzen ist zum Bestendes Landes den Ständen ein gewisser Einfluß »erstattet; um nun diesen zeigen zu können, werden die Stande versammelt. Gemeiniglich theilen sich dieselben in zwei Hauptplaffen ab, nähmlich inRik- terschaft unp Stände. Letztere erscheinen bei diesen Versammlungen vermittelst gegebnen Auftrags durch Deputirte; die von der Ritterschaft aber ein jeder in Person, und zwar vermöge seiner Besitzung. Dieses Recht nun, auf dem Landtage erscheinen zu dürfen, bleibt dem Gute eigen, sollte auch dasselbe in die Hände eines Bürgerlichen kommen. Daher muß auch der Ruf zum Landtage an reden Ritterguts, besitz er, ohne Unterschied des Standes und der Geburt, geschehen. Freilich muß man in manchen Landen Deutschlands, wie z. B. in Sachsen, das Recht, auf Landtagen erscheinen zu dürfen, sehr genau von der Landtagsfähigkeit eines GuteS unterscheiden. Diese, die Landtagsfähigkeit bei Lehn-und RitterHÜtern, ist dinglich, das beißt, sie haftet aus dem Gute, und verpflanzt sich auf jeden Besitzer; die Ausübung der Landtagsfähigkeit aber ist gewisser Maßen auch zugleich persönlich, oder vielmehr gemischt. Denn s) daß einer vermöge Besitzung landtagssähig werden könne, dazu gehört ein Gut, dem diese Qualität, die LandtagSfähigkeit, ankleben muß; und Ii) daß die Landtagsfähigkcit des GurS in Ausübung gesetzt werden könne, dazu wird ein adlicher Besitzer, und zwar, wie in Sachsen, ein Landtagsfähiger vom Adel erfordert. Ein andres dingliches Recht der Ritterschaft ist 2) die Steuerfreiheit. Der Grund zu dieser Befreiung ist in den ehemahligen Ritterdiensten zu suchen» wozu der Adel oder die Ritterschaft vcr- bindlich war. Ehedem, das heißt, so lange der Adel die Ritterdienste that, war es sehr billig, daß er um derselben willen für seine Besitzungen diese Befreiung genoß. Dieß geschah, und es brauchte der Adliche von wegen seines Guts auch nicht das mindeste zu den Steuern zu contribuiren. Nachdem aber die Ritterdienste aus der Mode gekommen sind, so würde es sehr unbillig seyn, wenn von den Besitzern adlicher Güter oder der Rittergüter nichts zu den Bedürfnissen eines Landes beigetragen werden sollte. Und hierzu sind auch heut zu Tage in jedem Lande diese Gükerbesitzer pflichtig, obwohl solche Prästakionen nicht überall Steuern heißen, auch dieselben gemeiniglich weit leidlicher zu sehn pflegen, als die Steuern, die ein andrer Unterrhan zum Besten des Landes zu entrichten hat. — In Sachsen sind manche Rittergüter steuerfrei geblieben — und das sind meist die altkanitleischriftsäßigen B « ro R i t Güter; — dagegen müssen von andern Steuern entrichtet werden, nahm- lich von den neuschriftsäßigen Gütern. Diese letzkern heißen daher, eben um des Umsiands willen, daß Steuern davon zu entrichten sind, beschickte Güter, jene aber, wo keine Steuern zu entrichten sind, und eschockte Güter. Die Besitzer der unbcschockten Güter bewilligen auf jedem Landtage wegen dieser Befreiung ein gewisses Aequiva- lent, welches pro r»>« von ihnen beigctrieben wird. So genießt. g) die Ritterschaft für ihre Rittergüter auch die Befreiung vsn Einquatirung alsein dingliches Recht; eine Befreiung, die ebenfalls auS den alten Ritterzeiten sich herschreibt. Diese Befreiung jedoch schränkt sich heut zu Tage bloß auf Friedenszeiten, und auch bloß auf den wirklichen Rittersitz ein. Zn Sachsen genießen alle Rittergutsbesitzer diese Befreiung für den eigentlichen Rittersitz in Friedens- zeiten, z. B. bei Durchmärschen und Cantonirungen, und kommt jen.r Unterschied unter amts-und schriftsäßigen, und, bei den letztem, un- ter alt-und neuschriftsäßigen Rittergütern nicht in Anschlag. Hätte jedoch der Rittergutsbesitzer in seinem Dorfe auch zugleich ein Bauerngut, wie es sehr oft der Fall ist, so wird auf solches, gleich andern Bauergütcrn, auch Einquatierung hingelegt. Gn anderweitiges dingliches Rechts was der Rittergutsbesitzer wegen seines Gutes ausüben darf, ist 4) das Recht, Bier zu brau, en. Dieses Recht ist freilich bald von größer»,, bald von geringerm Umfange. Co viel Bier brauen, als zum Hauswesen gebraucht wird, darf in der Rege! jeder Gutsbesitzer. Man nennt Ließ: zum Tischtrunk btauen. Allein so zu brauen, daß mit dem gebraute» Biere rin Gewerbe getrieben werden rönne, entweder daß. dasselbe an die OrtS^ kinwvhner verkauft, oder wohl gar in fremde Orte zum Verkauf geschafft werden könne, dich Recht steht Nicht jedem Rittergute zu, besonders Nicht demjenigen, welches noch nicht eine Meile von der nächsten Stadt entfernt liegt, weil widrigenfalls jenes Bierzwangs- rechtr das den Städten als ein Zweig der bürgerlichen Nahrung verliehen ist, dabei zu sehr geschmälert und beeinträchtigt würde. Die sogenannte Patrimonialgerichtsbarkeit, welche so sehr vielen, ja wohl den mehrsien Rittergütern zusteht, unter die dinglichen Rechte der Rittergüter ganz unbedingt aufmhmen zu wolle», ist nicht, wenigstens nicht dergestalt richtig, daß dem Ritter- gute bloß um des Umstandes willen, weil es die Rechte eines solchen Gutes hat, auch die Gerichtsbarkeit zustehen müsse. Zwar leiten manche Rechrsgelehrte die Enstehung dieser Patrimonialgerichte aus jenen Zeiten her, wo die Rittergutsbesitzer ihre Unterthanen als Leibeigne behandelten; allein, wenn man auch zugeben muß, daß manches Rik, tergut den Rechtsgrund zu der ihm anklebendcn Gerichtsbarkeit auS jenen Zeiten, wo Leibeigenschaft galt, herleiten könne, so gilt daß nicht im Allgemeinen. Zudem sind ja rrst in Neuern Zeiten, und nachdem schon lange vorher die Leibeigenschaft verschwunden war, hin und wieder viele Rittergüter entstanden, auf welchen ebenfalls diese Patrimonialgerichtsbarkeit haftet. — Nein, die Patrimonialgerichtsbarkeit ist, so wie überhaupt jede Art der Jurisdiction» ein Ausfluß aus dcr Lan« Rit ,, deShoheit, rin Regalk. Gleichwie aber jedes niedre Regale entweder durch Verträge mit dem Landesherr» , oder durch Verjährung undenk- sicher Zeit erworben werden kann, so kann dieß ebenfalls auch mit der Patrimonialgerichtsbarkeit der Fall werden. Den Beweis, daß diese Patrimonialgerichtsbarkeit nicht bloß als ein den Lehn - und Rittergütern zustehendes dingliches Recht angesehen werden müsse, mögen diejenigen einzelnen Häuser und kleine unbedeutende Plätze hier ab, geben, die, ohne ritterschaftliche Eigenschaft in sich zu pereini. gen, diese Patrimonialgerichtsbarkeit haben; so wie im Gegentheil sich hin und wieder wirkliche Lehn - und Rittergüter finden , auf denen die Patrimonialgerichtsbarkeit nie gehaftet hat. So viel ist inzwischen richtig, daß, wenn einem Rittergute die Patrimonialgerichte zustehn, solche nun auch als ein demselben anklebendes, als ein dingliches Rechi zu betrachten seyn» und als solche auf jeden Besitzer übergehn. R itterdienste s. Ritter. Rittergüter f. Ritter, Ritterpserde, waren eigentlich diejenigen Reiter, welche von hem adlichen Lehn-und Rittergutsbesitzer seinem Dbrrn im Kriege gestellt, mithin die schuldigen Ritterdienste wirklich geleistet wersen mußten. (iN. s- den Art. Ritter.) Allein, seitdem sich die Art Krieg zu führen geändert hat, versteht man unter Ritterpferde ganz etwas anders , nähmlich diej rügen Geldprastationrn, welche Landes und Lehnsherren von ihren Vasallen und Rittergutsbesitzern als ein für die sonst gewöhnlichen und nun ubtzekommeuen Ritterdienste festgesetzte- Aequi valent, zu verlange» berechtiget sind. Ritterschaft, Unter diesem Ausdrucke, im weiten Sinn genommen , befaßt man heut zu Tage den niedern Adel durch ganz Deutschland, ohne Unterschied, ob demselben rittermäßige Guter zustehn oder nicht. Im engern Smn aber versteht man unter der Ritterschaft nur diejenigen unter dem niedern Adel, welche wirklich ritter, mäßige Besitzungen haben. --- In dieser letztem und engern Bedeutung war sie in Bezug auf Kaiser und Reich entweder unmittelbare oder mjtelbare Ritterschaft. Die unmittelbare Ritterschaft war wegen ihrer Besitzungen keinem Reichssürsten lehnspflichtig, sondern hatte dieselben directe vom Kaiser und Reich zu Lehn erhalten (es nennte sich daher auch dieft Ritterschaft, um dadurch ihre Befreiung von der reichsständischen Landeshoheit recht bestimmt bezeichnen zu können, unmittelbare Reichsritterschaft). Dennoch aber, ob sie zwar gleich von niemanden als vom Kaiser und Reich abhän gig war, bloß von daher Befehle oder Verbote empfing, und, gleich den Rcichsständen, sowohl füir die Personen, als von wegen ihrer Besitzungen, einzig und allein vor den höchsten Reichsgerichten, entweder vor dem Reichshostathe zu Wien, oder vor dem Reichs - Kammee- geriHt zu Wetzlar, Recht'litt, konnte sie auf keinen Fall unter die Stande des Deutschen Reichs gerechnet werden: denn i) erklärteste kein Reichsgesetz für ireichsständisch, obwohl in sehr vielen dergleichen Reichsgesetzen derselben gedacht ward; und 2) hatte sie auf dem Reichstage in keinem Reichs - Collegium Sitz und Stimme, wel« s» Ri t ches doch zum Begriffe der R e i ch sst and sch a ft schlechterdings gehörte. Die Entstehung der unmittelbaren Reichsritterschaft ist folgende: nachdem die Reichern unter dem Deutschen Adel es endlich nach und nach dahin gebracht hatten/ ihre hohen Reichswürden erblich zu machen und für ihre Reichslehne die Landeshoheit zu verschaffen, so gelang es ihnen auch sehr bald, andre ihres gleichen, die jedoch an Besitzungen ärmer waren, von ihrer Landeshoheit abhängig zu machen, und sich über sie zu erheben. Sogleich ergab sich nun in einer und eben derselben Nenschenclasse eine gewisse Veredlung— die man in der Folge der Zeit den hohen Adel nannte; ein Prädicat, das man bisher» ganz und gar nicht gewußt hatte, indem man bloß eine einzige Men» schenclasse unter dem Nahmen Adel kannte. Manche unter den weniger begüterten Adlichen hatten Muth und Herz genug, ihre Besitzungen von der Landeshoheit und Botmäßigkeit jener zu weit greifenden Reichsva. fallen frei zu erhalten, und waren denn auch so glücklich, in der alten unmittelbaren Verbindung mit Kaiser und Reich zu verbleiben , ohne jedoch die Landeshoheit für ihre zu kleinen Besitzungen suchen, und an jenen Reichs-Versammlungen des Adels unter Autorität des Kaisers ferner Theil nehmen zu können. Um nun aber bei dieser unmittelbaren Reichssreiheit sich zu erhalten, hielten sie's jetzt für dienlich, sich in Kreise und Santone zu verbinden. Dieß geschah vorzüglich im Fränkischen, Sch w ab ischen und Rh ei n i scheu Kreise, daher die unmittelbare Reichsritterschaft des Fränkischen, des Schwäbischen und Rheinischen KreiseS. Die mittelbare Ritterschaft machte den landsäßigen Adel in jeder einzelnen Deutschen Provinz aus, und mußte die Landeshoheit desjenigen Reichsstandes anerkennen, in dessen Lande ihre Besitzungen, Ritter-und Lehngüter lagen. Die Rechte und Verbindlichkeiten dieser landsäßigen Ritterschaft oder des landsäßigen Adels s. unterm Artikel Ritter. Der Ritterschlag ist diejenige feierliche Handlung, wodurch einer, vermittelst eines Schlages mit dem flachen Schwerdt auf den Rücken, zum Ritter geschlagen wird. Wahrscheinlich schreibt sich diese alte Sitte von der Einkleidung der alten Deutschen her, wo der junge Mensch vor öffentlicher Gemeine entweder von einem der Fürsten, oder vom Vater, oder einem Verwandten mit Schild und Spieß ange- than, und so von der Gemeine für wehrhaft anerkannt wurde. In der Folge vermehrten sich die Feierlichkeiten und Erfordernisse zu der ritterlichen Würde, » B. die rittermäßige Geburt, das Alter von 21 Jahren, gewisse Zuge gegen den Feind, auch der Besitz gewisser Güter rc., wie denn auch die Candidaten zu Carls deS Großen Zeiten» nebst angelegtem Wehrgehänge, einen Schlag mit dem Degen auf die Schultern erhielten. Diese Ertheilung der ritterlichen Würde nun geschah von Kaisern, Königen und berühmten Fürsten; und zwar geschah es gemeiniglich bei Krönungen, bei Vermählungen oder hohen Festtagen rc., auch konnte kein Fürst sich vermählen oder zur Succes- sion gelangen, wenn er nicht erst auf jene Art zum Ritter gemacht worden war. Rit 2 Z Ritterfpiele, oder Turniere, (aus dem Französischen Worte: tourn?r. sich wenden, sich hcrumdrehen) sind vielleicht so alt, als selbst der Gebrauch der Waffen. Es waren aber diese Ritterspiele ursprünglich nicht das, was sie in der Folge der Zeit geworden sind. Bei Entstellung derselben hakte man keine andre Absicht, als diejenigen junge Leute, welche etwa für den Krieg bestimmt waren, zu üben, und onach zu ihrem künftigen Dienste sie zu bilden» ohne dabei auf die äußern Verhältnisse ihrer Geburt sehr zu sehen, ob nähmlich solche jungen Streiter aus einer ältern oder minder alten Familie abstammten, und ob mehrere oder wenigere von ihren Vorältern schon als Krieger ausgetreten waren; nur sreigeboren, mußten sie seyn. Endlich aber erhielten im 12. Jahrhundert jene alten Rittcrspiele, Turniere, in Deutschland eine ganz andre Gestalt; sie mußten ordentlich gesetzlich, ja gewisser Maßen zunftmäßig gehalten werden. Diese neue Einrichtung der Rittcrspiele rührt wahrscheinlich aus Frankreich her. Nach dieser neuen und gewisser Maßen strengen Einrichtung aber waren sie nicht bloß mehr Uebungen der künftigen jungen Krieger, sondern auch zugleich ein unterhaltendes Schauspiel der Vornehmern, ja sogar das Schauspiel des Kaisers. Gs wurden Gesetze entworfen und festgesetzt, welche bei diesen Spielen genau beobachtet werden mußten, und wor- nach die bei denselben vorgegangnen Fehler gerügt und streng bestraft wurden. So schränkte sich aber auch VaS Recht, an dergleichen Rittcr- spielen Theil zu nehmen, nun bloß auf das Alker der Familien, oder auf die Geburt ein; denn ein jeder § der hier alS Ritter erscheinen und mit andern Rittern turnieren wollte, mußte durch die Ahnen probe beweisen, daß er von turn seemäßigem Adel sey: kurz, das Recht, an Turnieren Theil zu nehmen,, wurde seit dieser Zeit ein persönliches Vorrecht des alten Adels. Gleichwie aber in Deutschland noch bis auf den heutigen Tag der Adliche, wenn er in gewissen Fällen und zu gewissen Behusen, z. B. wenn er in ein Hochstift, oder zu einer Hoft stelle aus-und angenommen werden will, die Echtheit und Reinheit seines Adels zu beweisen nöthig hat, die Ahnenprobe von väterlicher und mütterlicher Seite machen muß: so mußten auch die Ritter jener Zeiten schon, bloß um der Turniere willen, in unserm Deutschland ihre Ahnenprobe von beiden Seiten ablegen; mithin mußte ein jeder Adliche, wenn er sich in eine Turnierqesellschaft aufnrhmen lassen wollte, beweisen, daß der Adel beider Nestern gut sey, da im Gegcntheil jeder Flecken der Geburt, auf des Vaters oder auf der Mutter Seite, ihn von den Turnieren ausgeschlossen haben würde. In Frankreich war man beider abzulegenden Ahnenprobe . gleich anfangs minder streng; und es war von jeher eine einseite Ahnenprobe hinlänglich , nähmlich man sah bloß auf die Echtheit des Adels aus des Vaters Seite. Diese einseitige Ahnenprobe ist auch in bcr Folge der Zelt, und so sänge, in Frankreich bei gewissen üblichen Ehrenstellen man ausschließend auf'den alten Adel gesehn hat, hinlänglich geblieben, das heißt, bis zur jetzigen gänzlichen Umwälzung des Französischen Staats. Und da jene Ritterspiele ordentlich zunftmäßig behandelt wurden» so gab es auch hierbei, so wie bei Zünften, gewisse Stufen, nähmlich 24 Rit es mußte -er junge vom Adel» wenn er in eine Turniergesellschaft ausgenommen worden war, erstlich Lehrling werden, dann Knappendienste verrichten, und endlich konnte er als wirklicher Riltcr bei den Spielen erst erscheinen, nachdem er zuvor dafür erklärt worden war, welches bei dem feierlichen Ritterschläge geschah. Daß endlich diese Ritterspiele nach und nach abgekommen, haben folgende Ursachen bewirkt: i) die vcrschiedncn Verbote, die der Papst wegen solcher zu erlassen für nöthig befand , indem diese Spiele zeithcro meist nur Anlaß zu Fehden und Gewaltthätigkeiten gegeben hatten, 2) der unter dem Kaiser Carl IV. aufgekommene Briefadel; denn man konnte durch diesen die Rechte eines Ritters z>> Schild und Helm erhalten, so gut, als durch jene zunftmäßigen Ritterdienste, und z) die veränderte Art Krieg zu führen, seit Ma/rmilian l., wo nun stehende Armeen auszukommen anfangen. Der Rittersprung, eigentlich Vorritt. Keine Deutsche Provinz, ja kein Reich in Europa ist uns bekannt, wo der Vorritt, oder schlechtweg der Rittersprung einem üblichen Rittergutsbesitzer heutiges Tages noch ein eignes Recht bewirkte; ja wir wissen uns nicht zu erinnern, daß dieser Vorritt gegenwärtig noch irgendwo gehalten würde. Nur in der Ober-Lausitz kommt er noch vor, wo er in den Jahren 1777 und 78 zu Budissin (Bautzen), der Hauptstadt dieser dem Churhause Sachsen gehörigen Provinz, auf die feierlichste Weise zweimahl nach einander gehalten und vollzogen worden ist. Dieser Dor- ritt, oder der sogenannte Rittersprung, gründet sich auf ein Privilegium, welches der Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1544 der Ritterschaft der Ober-Lausitz ertheilte. Vermöge dieses Privilegiums nun soll ein jeder Vasall berechtigt fcpn, sein schon auf dem Fall stehendes Lehn- und Rittergut ohne Genehmigung des Lehnsherrn unter den Lebendigen, z. B. durch Verkauf, veräußern" zu dürfen, unter dieser Einschränkung jedoch, daß es noch zu einer Zeitgeschehen muß, wo er, der Vasall und Ritter, noch so viel Lebenskräfte hat, um ein hengstmäßiges Pserd in seiner vollen Rüstung besteigen und vor dem Landooigte auf solchem reiten zu können *). Sobald denn nun einmahl dieser Vorritt oder Rittersprung gehalten werden sollte, so gingen große Vorbereitungen der Feierlichkeit selbst voraus. Es ward nähmlich eine ganz neue vollständige Ritterrüstung dazu gefertigt, welche» zusammt dem Pferde des Ritters, vor allen Dingen den churfürstlichen Commissarien einige Tage vor der Handlung vorgezeigt werden mußte, um zu sehn, ob alles vorschriftsmäßig sey; das Pferd ward gemessen, der Küraß ward angeschosse» und die ganze Rüstung gewogen. An dem zur Feierlichkeit bestimmten Tage mußte der Vasall in seiner vollen Rüstung auf dem Schloßhofe erscheinen, so ausgerüstet das Pferd besteigen, und *) Der Ausdruck: DaS Lehn steht aufdem Fall, wird dann gebraucht, wenn der jetzige noch lebende Vasall keinen lehnrfähigen Erben weder in absteigender, noch in der Seitenlinie bat, auch kein Mitbelehnker vorhanden ist, und dereinst mit feinem Tode dar Lehn w,eder an den Lehnsherrn zurückfällt. Rit Rob 2L vor den auf einer daselbst befindlichen Tribüne versammelten churfürst- lichen Commissarien, und in Gegenwart ritterschaftlicher und städti« scher Deputieren, unter Vorausreitung 4 Trompeter, zweimahl um einen Kreis herumreiten. Mehreres hierüber findet man in Bernvul- li's Sammlung kurzer Reisebeschreibungen, Th. ,. No. 6. Ritterwesen, Ritterzeiten s. Ritker. Ritzebüttel, ein Amt und Flecken an der Elbe, >4 Meilen unter Hamburg, wo die Elbe in die Nordsee fällt. Der geräumige Ritzebüttelsche Hafen, Euxhafen, dient allen Schiffen zu einer si- chern Zuflucht. Das Rituale ist die Römische Kirchen-Agende, worin alle die Zeremonien, welche bei Pflegung des Kirchendicnstes zu beobachten find, ausgezeichnet stehen. Es gibt einige Orden, nahmentlich die Prä- monstratenser, welche ihr eignes Rituale haben. kival, (Franz. Riwahl) der Nebenbuhler. Ueberhaupt auch: der Mitkämpfer, Mitbewerber, Welteiferer. Rivalisiren, mit- buhlen, wetteifern. Sie rioalifiren miteinander, d> h. sie suchen einander auSzustechen, zu übertreffen oder zu verdrängen. Rivalität» die Nebenbuhlerei, dek Wetteifer » die Milbewerbung. Dasselbe bedeutet Rivalschaft. kixs, (Lat) ein Rechtsstreit, Rcchtshandel. s^uotor rixne, der Urheber des Streits. Rizzio s. Maria Stuart. kok, heißt in den Apotheken ein dickeingesottener Saft oder rin Muß, z. B. kobZsmbuci: Hollundermuß. Kobs, ein Spanisches Maaß und Gewicht von 2Z Pfund. Robbe s. Seehund. Robber, (im Whistspiel) zwei hinter einander gewonnene Par- thieen von z gespielten. Kobe, (Franz.) die, eine an einigen fürstlichen Höfen und auch da nur bei Festlichkeiten noch gebräuchliches Damenkleid mit einem Schnürleibe und sehr langer Schleppe. — Kobe ckeckom bre, (—Schangber) ein Schlafrock, koberoncle, (—- rongde) ein aus der Mode gekommenes vorn offenes und unten abgerundetes Frauenzimmerkleid mit Falten und Zügen. V. William Rob ertson, geb.i72i, einer der ausgezeichnetsten Englischen Geschichtschreiber, dessen Genie und historische Talente eben so groß, als sein Charakter vortrefflich war. Gerechtigkeit gegen andre Nationen — keiner der großen Englischen Schriftsteller hatte so viel Achtung wie Er gegen die Deutschen» die er immer ^Vko- lessls clealers lesrninz (Großhändler in der Gelehrsamkeit) nannte — war eine Tugend, die ihn vorzüglich von andern Englischen Schriftstellern unterscheidet. — Unter mehrern historischen Werken hat ihm auch seine Geschichte Carls V., seine Geschichte von Ameri- k a und hauptsächlich seine Geschichte von Schottland einen ausgezeichneten Rang in der Gelehrten - Republik angewiesen. Er starb am i i. Juni i7yz im 72 Jahre, nahe bei Ed in bürg, wo er seit 52 Jahren Principal von der Universität (eine Würde, die -6 Rob ungefähr das, waS bei uns die Kanzler-Stelle sagen will) ge« . wesen war. Maz-imilian Robespierre. Die Begebenheiten aus der frü< Hern Lebensgeschichte dieses Mannes, der in seiner glänzendsten Periode der Gegenstand deS allgemeinen Schreckens war, und »ach seinem Fall von allen Parteien verwünscht wurde, sind größten Theils unbekannt. Die Stadt Arras, in der chemahligen Grafschaft Artois, war seine Vaterstadt, wo er um das Jahr 1757 oder 1758 geboren wurde. Sein Vater, Advokat daselbst, verließ aus einer nicht bekannten Ursache Frankreich, und versetzte dadurch die zurückgelaßne Familie in dürftig« Umstände. Zu allem Glück nahm sich der Bischof von Arras ihrer au, und sorgte vorzüglich mit großmüthiger Uneigennützigkeit für die Erziehung des jungen Robespierre. Es fehlt nicht an solchen, welche die Freigebigkeit dieses Prälaten aus einem geheimen Verständnisse ableiten, daß er mit der Mutter des Rybespierre gehabt haben soll. Allein dieß kann eben so wenig bewiesen werden, als daß Robespierre ein Verwandter des Königsmörders Damien gewesen sch, und von diesem den Haß gegen das Königthum gleichsam ererbt habe. Bis in das zwölfte Jahr blieb Robespierre auf der Schule in Arras» dann wurde er in das Ludwigs-Collegium nach Paris geschickt, um da die weitere Ausbildung zu erhalten. Man kennt die Fortschritte nicht, die er daselbst in den Wissenschaften machte; indessen gehörte er, wo nicht zu den besten, doch auch nicht zu den schlechtesten Schülern. Hätte man aber auch alle Ursache gehabt, seinen Fleiß zu bewundern, so würde man sich doch schwerlich mit seinen heimtückischen Charakter haben aussöhnen können, wovon er schon damahlS manche unwürdige Probe ablegte. Nachdem er das Collegium verlassen hatte, wählte er anstatt des geistlichen Standes, wozu ihn sein Gönner bestimmte, das Fach der Rechtsgelehrsamkeit, und ward Advokat. Er ging, da er in Paris kein Glück machen konnte, nach Arras zurück. Ob der erste Prozeß, den er daselbst führte, gegen den Bischof» seinen Wohlthäter, gerichtet war» ist eben so zweifelhaft, als die Sage, daß er damahls eine erbärmliche Abhandlung über die neue Erfindung der Blitzableiter geschrieben habe, um damit Aufsehen zu machen. Man verliert ihn in seiner damahligen Laufbahn ganz aus dem Gesicht, und findet ihn erst unter den Deputirten zur ersten Nation-Versammlung wieder, unter welchen er als Abgeordneter des Bürgersiands von Arras erschien Da man aber im Jahre ,-8y noch nicht ganz von dem Vorurthelle einer adlichen Geburt zurückgekommen war» oder wenigstens persönliche Verdienste ehrte, Robespierre aber weder auf diese, noch auf jene Ansprüche machen konnte, so blieb er ziemlich unbemerkt in der National Versammlung, und wurde, wenn er ja einmahl die Rednerbühne betrat, immer der Gegenstand des allgemeinen Spottes, weil sein Vortrag elend, seine Ideen verwirrt und seicht» und seine Sprache durch barbarische Wörter entstellt war; man verlor ihn unter der Menge der übrigen unbedeutenden Deputirten. Um sich doch etwas brmerklichcr zu machen, sing er an ein politisches Tagblatt herauszugeben. Allein auch damit glückte es ihm nicht, weil die Schrift außer unrichtig erzählten Thal, Sto b 27 sachcn und einem frostigen Raisonnement nichts enthielt, was aufiiterk- same Leser hätte fesseln können Erst um die Zeit, da der König nach DarenneS geflüchtet war, gelangte Robespierre zu einiger politischen Wichtigkeit. Die Jakobiner, welche damahls mächtig zu werden anfingen, gewannen ein großes Zutrauen zu ihm; und durch sie wurde er auch bei dem Volke beliebt. Da er einmahl sichern Fuß gefaßt hatte, ging er weiter, und erhob sich durch die gewöhnlichen Kunstgriffe der Demagogen bis zu jener fürchterlichen Höhe, von der ihn sie vereinte Kraft deS Eonvenks am 9. Thermidor kaum herabschleudern konnte. Er ward» nachdem die erste National-Versammlung aus einander gegangen war, öffentlicher Ankläger bei dem Crimi- nalgericht des Pariser Departements, und verwaltete diese Stelle zur Verwunderung aller guten Bürger mit vieler Unparteilichkeit und Ge- richkigkeitsliebe. Wahrscheinlich wollte er sich dadurch bej allen Parteien cinschmeicheln; denn es ist kaum zu beWeifeln, daß er auch den Aristscratcn würde gedient haben» wenn er dabei auf Ehre und Ruhm hätte rechnen können. Da er aber merkte, daß er unter dielen wegen der Eingeschränktheit seiner Kenntnisse und Plumpheit seiner Sitten keine große Rolle würde spielen können, so blieb er bei der Partei, welche die Herrschaft der Ohn eh osen begünstigte. Man sagt, daß ihm der Hof nach der Annahme der Constitution von >79» eine Ministerstclle habe übertragen wollen; allein es geschah nicht» und Robespierre entwickelte seitdem immer mehr seinen Haß gegen das Kö. nigthum, den er schon ehemahlS bei Abfassung seiner Vollmacht zur National-Versammlung nicht undeutlich zu erkennen gegeben hakte. Wenn er mehr persönlichen Muth besessen hätte, so würde er sich wahrscheinlich viel früher emporgeschwungcn haben; aber er war furchtsam, und verschwand daher vom Schauplätze» so lange es zweifelhaft war» auf welche Partei sich der Eieg neigen würde. Erst nachdem seinen Freunden, einem Danton, Panis und andern die Ausführung der Mordthaten im September geglückt war, bekomm er mehr Muth und Selbstvertrauen. Daher schrieb sich auch die unverschämte Frechheit, mit welcher er sich am 5. Nov. 1791 im Convente, wo ihm das Departement von Paris als Deputieren gewählt hatte, gegen L 0 u 0 et ver- theidigte» als dieser mit einer beredten.Anklage gegen ihn auftrat, und ihm vorwarf, daß er unter irgend einem Titel nach der höchsten Gewalt strebe. Der Sieg, den er an diesem Tage davon trug, war überhaupt für ihn und seine Freunde von der größten Bedeutung; denn von nun an war das Uebergewichk der Bergparthei über die Girondisten entschieden. Ran müßte die ganze Geschichte der Revolu ion im Jahre 179z und 1794 wiederhohlen, wenn man vollständig zeigen wollte, wie die Macht des Robespierre täglich zunahm , wie er die Partei der Gironde (am zi. Mai 1793) stürzen, die Hebertisten (am 24. März 1794) vernichten und endlich sogar einen Danton (am 4. April >794) aufs Schaffst bringen konnte. Dessen ungeachtet aber würde man schwerlich bestimmen können, was Robespierre während der langen Zeit, da er die Volksgunst im höchsten Grade genoß, eigentlich für einen Zweck gehabt habe» und ob er aus eignem Antriebe, oder als Werkzeug unbekannter Obern gehandelt habe. Dieses letztere vrr- 28 stob diettl, ungeachtet rin ungenannter Schriftsteller darzuthun bemüht gewesen ist, daß RobeSpierre von Jugend an in die Tiefen eines geheimen königsmörderischen Bundes eingeweihk worden sey, eben so wenig Glauben, als daß er den Dauphin auf den Thron setzen und sich vielleicht gar mit dessen Schwester habe vermahlen »vollem Wiederherstellung der Monarchie im eigentlichen Verstände konnte schwerlich seine Absicht seyn; denn sonst würde er unstreitig die Freunde dieser Art von Verfassung nicht so muthwillig chingeop.sert haben. Wahrscheinlich wollte er bloß dem Wohlfahrtsausschuß alle Macht in die Hände spielen, und zu dem Ende den Convent vernichten oder och zum schweigenden Organ des erster» herabwürdiaen. WvS alsdann geschehen seyn würde, wenn ihm dieses Projett gelungen wäre, wußte er damahls, als er es ausbrütetr, vielleicht selbst noch nicht. Auf jeden Fall konnte dieses nicht sogleich bewirkt werden; und hatte er nur erst alle Macht in den Händen, so stand es ja hernach ohnedieß in seinem Willen, ob er der Republik als Tribun oder Diktator verstehen» oder sie in eine Monarchie umformen, und dann nach dem Beispiele eines Sulla gänzlich vom Schauplatze der Begebenheiten abtretcn wollte. Ohne j Yt weiter seine Absichten zu verfolgen, wollen wir, da eS ohnedieß nicht möglich ist, durch den Schleier zu sehen, welcher die« damahligen Begebenheiten jetzt noch deckt, nur noch die Umstände, die seinen Fall herbeiführten, kürzlich aufführen. Die große Vorliebe, welche die niedere Dolksclasse gegen ihn hegte, und welche bisweilen in eine schwärmerische Verehrung seiner Perlon ausarreke» erweckte ihm unter den übrigen Demagogen zahlreiche Neider. Der größte Theil der Bergpartei hatte nach und nach einsehen lernen, daß er nur als Werkzeug gebraucht werde, und daß außer Robespierre höchstens einige Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses die eigentliche Gewalt in Händen hätten. Natürlich entstand daher ein gegenseitiges Beobachten und eine geheime Eifersucht im Convent und im Wohlfahrtsausschuß. Barrere, Billaud de DarenneS und Collot d'Herbois auf der einen, Robespierre, Eouthon und St. Just aus der andern Seite, bildeten zwei fürchterliche Triumvirate, die einander zu stürzen drohten. Robespierre hatte den Gemeinderath und die gewaffnete Macht auf seiner Seite; der Sieg würde ftch daher unbezwesfett für ihn erklärt haben» wenn nicht einige andre Umstände dazu gekommen wären, welche die öffentliche Meinung gegen ihn stimmten. Man wußte, daß Robespierre, Couthon und St. Just im Wohlfahrtsausschuß das Departement der allgemeinen Polizei besorgten; daher hielt mau sie für die alleinigen Urheber der zahllosen gesetzlichen Hinrichtungen, welche in den Frühlings - und Sommermvnathen des Jahres 179 , auf einen schauderhaften Grad vermehrt wurden. Zwar lähmte das Schrecken die Thätigkeit der Bürger; und sie durften nicht wagen, ihren Unwillen darüber zu äußern. Robespierre's Gegner im Convent konnten jedoch bei einer gewissen Versammlung. wo beinahe alle Einwohner von Paris gegenwärtig waren, den allgemeinen Unwillen sehr deutlich auf dem Gesichte eines jeden lesen. Diese Versammlung war an dem Tage, wo Robespierre das Fest des höchsten Wesens feiern ließ. Er hakte sich (am 4 - Juni 1974) zum Präsidenten des Convents ernen- Rob »N «cn lassen, und eriffnete als solcher die Feierlichkeit mit einer schwülstigen und schwärmerischen Rede, worin er sich rühmte, der Wieder» Hersteller des Glaubens an Gott und sittlichen Gefühls zu seyn. Es mußte die Herzen aller Anwesenden empören, einen solchen Mann über Moralität und Lugend deciamiren zu hören, die er selbst muthwillig unter die Füße trat. Sei» Ansehen fing seitdem allgemein an zu sinken, und er konnte sich nur noch durch das Schrecken der Proser ip- tionsli ste halten. Als aber mehrere Dcputirke im Convent und einige Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses erfuhren, daß ihre Nahmen gleichfalls darauf stünden, so wagten sie am 27. Juli 1794, da St. Just eine Rede von neuen Verschwörungen gegen die Republik hielt, einen Angriff auf ihn. Robespierre schwang sich auf die Rednerbühne und fing an, in einer Rede von der Eigebenheit des Wohlfahrtsausschusses gegen den Convent zu sprechen; allein Tallien ließ ihn nicht ausreden, drängte ihn von der Rednerbühne herunter, und forderte den Convent mit einem Feuer, das an Verzweiflung grenzte, auf, das Joch der Tyrannei nicht länger zu ertragen. Der Convent, der gewohnt war sich vor Robespierre» zu demüthigen, wankte anfänglich. Da aber mehrere Deputaten ihre Stimmen erhoben, so wurde endlich rin allgemeines Anklagedecrrt gegen die Verschwörer beschlossen. Ro- bespierre war indessen mit St. Just und Couthon nach dem Gemeindehause geflüchtet, wo die übrigen Verschwornen, Henriot, Lava- lclte7 Lebas und andre, ihrer warteten. Henriot bemühte sich als Genccalcommandant der gewaffneten Macht die Soldaten gegen den Convent aufzubringen. Allein sein« Reden waren ohne Wirkung; man hielt ihn fest, und die Gensd'armes drangen in den Saal des Gemeindehauses, um sich der übrigen Verschwornen zu versichern. Robespierre versuchte es, sich durch einen Pistolenschußzu tödten; er zerschmetterte sich aber bloß die Kinnlade damit. Bei den empfindlichen Schmerzen , welche ihm diese Wunde verursachte, und bei den fürchterlichen Verwünschungen, welche die Anwesenden gegen ihn ausstießen , blieb er ganz unempfindlich, und zeigte weder Reue noch Verzweiflung. Am folgenden Tage wurde er unter allgemeinem Freudengeschrei guillotinirt; . und seitdem gehört der 28. Juli (oder der 9. Thermidor) zu den merkwürdigsten Tagen in der Französisch Revolution. Alle Augenzeugen versichern, das Robespierre in seinem Aeußern schon etwas Widerliches und Furchtbares gehabt habe, welches er nicht durch die Sorgfalt verbergen konnte, mit der er sich zu kräuseln und zu putzen pflegte. Sein Gesicht hatte etwas Katzenähnliches, sein Blick war schwärmerisch, und alle seine Bewegungen kündigten einen argwöhnischen und grausamen Charakter an. Die häufigen Hinrichtungen, die er veranstalten ließ» sollten fast allemahl die Strafe der Verschwörer gegen die Republik sepn: nur einmabl ließ er eine Menge Menschen hinrichten, weil sie einen Anschlag gegen sein eigen Leben gefaßt haben sollten; dieses geschah am 17. Juni 1794. Die angeblichen Hanplverschworne» waren: ein ge? wisser Cardinal, de» Vorsteher einer Schrstanstalk, und Crrilie Regna u d, ein zwanzigjähriges Mädchen, welche Robespierren besucht und einige Messer bei sich gehabt hatte. Sie hatte wissen wollen . Z0 Rob wie rin Tyrann aussche; und wegen dieses freimüthigen Bekenntnisses ließ sie der Tyrann hinrichten. Robespierre der jüngere, war der Bruder des vorigen, und gleichfalls auf Kosten des Bischofs von ArraS erzogen worden. Sr suchte den Ruhm seines Bruders auf alle Art auszubreiten, und war ihm von ganzem Herzen ergeben. Das Pariser Departement wählte ihn gleichfalls zum Conventsdeputirten; er war aber selten länge im Convent, sondern bekam immer Aufträge bei den Armeen auszurichten. Auf diesen Sendungen erlaubte er sich viele Gewaltthätigkeiten und Bedrückungen; er stand daher nicht in dem allgemeinen Rufe der Unbc- stechlichkeit, worin sich sein älterer Bruder zu erhalten wußte. Gegen seine leibliche Schwester handelte er treulos, und ermunterte seinen Bruder, sie aus dem Wege schaffen zu lassen, nachdem sie es gewagt hatte, diesem über 'ein Betragen Vorwürfe zu machen. Ueberhaupt zeigt sein ganzes Betragen, daß sein Charakter nicht besser war, als der Charakter seines BruderS. Man arretirte ihn daher zugleich mit diesem; er entfloh aber nach dem Gemeindehause, und wagte, da ihm kein Mittel zur Rettung mehr übrig blieb, einen Sprung durch ein Fenster. Er stürzte herab und zerschmetterte sich ein Drin. Dis auf den letzten Augenblick seines Lebens bekheuerte er die Unschuld seines Bruders und seine eigne, und frohlockte, daß es ihm vergönnt sep, als freier Mensch zu sterben. Er erklärte öffentlich einige Mitverschworne für feige Verräther» welche zu den Gegnern seines Bruders übergegangcn wären und ihnen alle Geheimnisse mitgetheilt hätten; es fehlt aber bis auf den heutigen Tag an vollkommnen Aufklärungen dieser Geheimnisse. Zwar setzte der Convent eine eigne Commission nieder, welche die nachgelaßnen Papiere der Nerschwor- nen untersuchen mußte, und der Repräsentant Courtois stattete im Nahmen dieser Commission darüber am 5. Januar 1795 einen weitlaufligen Bericht ab, der gedruckt, und auch bei uns durch eine gute Ucbersetzung bekannt worden ist; aber die Hauptsache bleibt immer Dunkel: die mcistes Dokumente beziehen sich bloß auf das Schreckenssystrm überhaupt, welches doch bekanntlich nicht von Robespierre allein begünstigt oder gesetzlich eingeführt wurde. Die eigentliche Relation des Couriois ist in einem sehr deklamatorischen Styl abgefaßt, der beinahe absichtlich scheint gewählt worden zu seyn, weil bei einer nackten Darstellung der Thatsachcn mancher noch lebende Beförderer deS Schreckensystems hätte compromittirt werden können. Wahre Aufklärung über den Gang der Jntrigue in den damahligen Ausschüssen kann nur von dem Laufe der Zeit erwartet werden. RobinsonCrusoeistder erdichtete Nabmen eines SchottländerS Alexander Selkirk, welcher sich auf der unbewohnten Insel Juan Fernande; , westlich von der südamerikanischen Provinz Chili etliche Jahre aufhielt, nachdem er von seinem Schiffskapitän im Jahre 170z daselbst war gelassen worden. Die Capitans Rogers und Courtney die »708 als Freibeuter, von Bristol aus nach dem SüdMeer gingen , fanden ihn allda. Aus seinen Papieren hat nachgehends Daniel Desoe, dem sie zur Herausgabe anvertrauct worden, seinen Robinson Crusoe gebildet, der den Anlaß zu den Robinsonaden gab, die lange der Modestoff romantischer Dichtungen waren. Der natürliche Trieb des Menschen Rob Roch Z, nach Vereinfachung der Bedürfnisse und nach einer genügsamen Unabhängigkeit belebte das Interesse für den Roman. Sein Held ist ein Mensch, der aus dem Stande cultivirter Gesellschaften auf einmahl in die Einsamkeit und in den Naturstand zurückgeschleudert wird, zwar mit Werkzeugen der Kunst und andern Hülfsmitteln der Kultur versehen, aber doch aller der Hülse beraubt, welche die Vereinigung lebendiger Kräfte darbietct. Diesen interessanten Gesichtspunkt faßte Rousseau auf, und empfahl den Robinson Crusoe als Lesebuch der Jugend. Campe sah weiter. Um der Jugend die Vortheile der Gesellschaft noch fühlbarer zu machen, theilte er das Leben seines Robinsons in z Perioden. Die erste ist die einer gänzlichen Verlassenheit, wo er von aller Gesellschaft abgeschnitten, von allen Werkzeugen entblößt, selbst des Feuers, des Hauptvermittlers unsrer Bedürfnisse, beraubt, bloß auf den Gebrauch seiner Hände und eines Hebels eingeschränkt war ; die 2te die der aufkeimenden Gesellschaft, wo er einen Gefährten findet, der seine Kraft verdoppelt, und ihm den Gebrauch des Feuers schenkt; die Zte die der höhern Cutter, wo ein Wrack ihn in Besitz der meisten lange entbehrten Bequemlichkeiten des Lebens, aller nothwendigen Werkzeuge und Vorräthe setzt, die für den civilisir- ten Menschen Bedürfniß sind. — Diese allmähligcn Fortschritte zu den verschiedenen Stufen der Cultur belehren die Jugend über den Gang der menschlichen Bildung, und sind geschickt, sie vor romantischen Ideen zu bewahren, ohne das Vertrauen auf «ine Kraft ganz zu er- tödten. tto i, oran tia , (Lat.) stärkende Arzneimittel, und überhaupt Stärkmittel, Roboriren, stärken. Robust, stark, stämmig, handfest. Ein robuster Mensch: der etwas aushalten kann. klocsille, (Franz. Rokallje) eine Art kleiner Glasperle» oder Korallen von mancherlei Farbe; desgleichen runde Stückchen Glas von allerlei Farbe; insbesondere: aus Steinen, Glasstücken, Muscheln u dgl. zusammengesetztes künstliches Grottenwerk in Gärten und bei Wasserkünsten. — kkocsillsur, (Rokalljöhr) ein Grottenkünstler, der sich auf Grottenwerk versteht. liocambole, (Fra»;,) eine Art Zwiebel mit platten Blättern, milder als der Knoblauch. Im k-'kombre Spiel : eine Art von Pot, zu welchem von jedem gewonnenen Spiele eine Marke abgefetzt wird, um dann eine bestimmte Anzahl, gewöhnlich ro solcher Marken auf ein Spiel zu nehmen. Man pflegt im Voraus nach der Zahl der kio- carnhole die Dauer des Spiel» ftstzuftzen. o cca, (Jtal.) ein Bergschloß, daher viele italienische Oertee diesen Nahmen neben einem andern führen. koc tiefort, (Franz. Roschsohr) eine schöne Stadt in Frankreich beim Ausfluß der Ltiarenle (Scharangte) in die See, wo man rin vortreffliches Geearsenal findet. Desgleichen der Hauptort einer Grafschaft gleiches Nahmens in den Niederlanden gegen die lüttich- schen Grenzen, koch e kort sn rckenaes (bei den Ardennen) genannt. Francois Herzog von Rochefoucauld, wurde 169z geboren, und widmete sich dem Kriegsdienst. Er war ein heftiger Gegner des Z2 Roch Cardinal Mazarin, und einer von den Häuptern der Fronde. Nachdem die Unruhen im Reiche geendigt waren» widmete er sich bis an seinen Tod (1780) ganz den Wissenschaften, und öffnete sem Haus den Gelehrten und Künstlern. Er selbst schrieb einige historische Werke, welche die Geschichte seiner Zeit betreffen und zu den besten in ihrer Art gehören. Am schätzbarsten ist j. doch seine Sammlung moralischer Grundsätze , welche Schuld neuerlich wieder herausgegrben hat. Er zeigt darin eine treffende Welt- und Mcnschenkenntniß, welche hauptsächlich aus den höhern Standen abstrahirt ist, und die menschliche Natur nicht allemahl von der vortheilhaftesten Seite beleuchtet. Rochefoucauld hatte in den Zeiten , da er schrieb, so häufige Gelegenheit, den Hang der Großen zu Jntriauen und Niederträchtigkeiten zu beobachten, daß man sich nicht wundern darf, wenn er Eigennutz und Selbstsucht zur Triebfeder der menschlichen Handlungen macht, und von der ursprüng, lichen Güte des menschlichen Heizens sehr kleine Begriffe hat. Er selbst war ein ganz rechtschaffner Mann, und sein vortrefflicher Charakter ging auf seine Nachkommen über , und beseelte dir beiden Brüder gleiches Rahmens, welche sich in der Französischen Revolution auszeichne- ken. Der eine von ihnen, der Herzog von Rochefoucauld, war ein vorzügliches Mitglied der constituirenden National Versammlung,- und einer der ersten unter dem Adel, die sich zum Besten der Nation zu großmüthigcn Aufopferungen entschlossen. Als am 4. August 1789 alle Frohnen und Feudalrechke abgeschafft wurden , machte er auf das Schicksal der unglücklichen Ncgersclaven aufmerksam, und ricth zur Linderung desselben; und auch in der Folge wurde nie eine wahrhaft patriotische Motion gemacht, welche er nicht unterstützt hätte. Bei die^ sem Bestreben, das Elend der untern Volksclassen zu erleichtern, war doch der Herzog von Rochefoucauld weit entfernt, die Plane der Un ruhstifter und Volksverführer zu begünstigten. Als am 20. Juni 1792 der Pöbrlaufstand gegen das königliche Schloß ausbrach, gab er sich als dermahliger Präsident des Pariser Departements alle Mühe, die Anstifter jenes Aufruhrs zu entdecken und zur Strafe zu ziehen. Er Unterzeichnete den Befehl des Departements, wodurch der Maire Person und der Municipalbcamte Manuel von ihren Aemtern suspendirt wurden, und zog sich dadurch den Haß der Dolkspartei zu. Er blieb immer gemäßigter Royalist, und wurde als solcher von gedungnen Meuchelmördern im Sept. ,792 auf seinem Landgute zu Chisoes in den Armen seiner Gemahlin ermordet. Sein Bruder, der Cardinal von Rochefoucauld, hatte einen eben so vortrefflichen Charakter. Er war Erzbischof von Rouen, und verlor durch die Revolution einen beträchtlichen Theil seiner Einkünfte. Da er sich dadurch genöthigt sah, die meisten seiner Bedienten abzuschaffen, so vertheilte er sein kostbares Hausgeräthe unter sie, damit es ihnen in der Folge nicht am nö- thigen Lebensunterhalte fehlen möchte. Röchelte, vor der Revolution die Hauptstadt und Sitz des Gouverneurs von Annis» jetzt District iM Departement der Untcrn-Charen- te; ein berühmter Handelsplatz mit einem guten und sichern, wenn gleich etwas engen Hasen am Ocean, welcher schon im I. 1200 sehr stark befahren wurde. Von jeher wurde dieser Hafen durch Zoll- und andre Roch ZZ Handelsfreiheiten sehr begünstigt, und erlangte dadurch den Rang einer der beträchtlichsten Handelsstädte Frankreichs. Nicht bloß durch starke Ausfuhr der vielen hieher geschaffen Waren, sondern auch durch beträchtlichen Antheil an den Ausrüstungen und dem Handel nach den Ostindischcn Inseln, ferner durch die lebhafte Küsienfahrt, welche eS nach allen westlichen Hafen Frankreichs unterhält, auch durch seinen beträchtlichen Schiffbau hat eS jenen Rang immerfort zu behaupten gesucht. Die Zahl der Einwohner soll sich jetzt nur gegen ijj.ooo belaufen. Rochen, rin Knorpelfisch mit einem breiten platten Körper. Fm Schachspiele - der Thurm oder Elephant bcym Schachspiele, welcher in die R.ihc der Offiziere auf die beiden letzten Seikenfeldcr gesetzt wird, und nur gerade entweder vorwärts oder der Queere gezogen werden kann. Rochiren, den Rochen ziehen. koctiester, (Engl. Roschester) eine wohlgebaute englische Handelsstadt in der Provinz Kent, mit einem uralten Schlosse. Rochetta, (Ruchetta, F-anj. kloquette) ist eine Gattung von Pottasche oder Soda, die von Acre und Lripoli in Syrien kommt, und zum Glasmachen gebraucht wird. Letztere ist nicht so gut als er- stcre. Rochlitz, eine kleine sächsische Stadt im Leipziger Kreise mit >700 Einwohnern, welch« Tücher, Zeuae und Leinwand verfertigen; auch ernähren die benachbarten Stcinbruche, deren rothe Steine weit verführt werden, viele Menschen. Friedrich Eberhard von Rochow, Erbberr aus Rekahn, Gct- tin (bei Brandenburg» rc. und Domcapitular zu Halberstadl, ein, um die Oeconomie, besonders aber um die Verbesserung der Landschulen unsterblich verdienter Mann, zu Berlin am 11. Oktober 1734 geboren. Nachdem er seit dem rz. Jahre die Rilterakademie zu Brandenburg besucht hatte, trat er im 15. in preußische Kriegsdienste und erhielt bald unter der Garde Friedrichs des Einzigen eine Stelle. Nach Ausbruch des siebenjährigen Kriegs kam er, mit einem, durch einen Schuß gelähmten, Arme in die Winterquartiere nach Leipzig und lernte hier 1757 Geliert kennen, der ihn, weil Rochow die Wissenschaften liebte und sehr viel las, in gelehrte Gesellschaften einführte und unter die Zahl seiner Freunde aufnahm. Der nächste Feldzug raubte ihn zwar wieder auf einige Zeit den Wissenschaften, allein da ihm in diesem Feldzüge die rechte Hand völlig gelähmt wurde, mußte er die Kriegsdienste Verlässen. Er begab sich nun auf seine Güter >und widmete sich theils dem Landleben, theils den Wissenschaften. Jenes leitete ihn zur Oeconomie, aber zugleich richtete er sein Augenmerk auf den Schulunterricht der Landlcute. Da er die großen Mängel von diesem kennen kernte, so entwarf er selbst ein Werk zur Verbesserung desselben. Sein Versuch eines Schulbuchs für Kinder der Landleute, oder Unterricht für Lehrer in niedern und Landschulen, Berlin 1772..8.« wurde mit Beifall ausgenommen und mehrere Mahle mit vielen, von ihm gemachten Verbesserungen, aufgelegt und nachgedruckt. Nach Erscheinung desselben, und besonders seit »77z, suchte Rochow seine Eon». Lex. Fünfter Band. E ... N od Vorschläge auch praktisch auszusühren und die Schulen auf seinen Gü, tern eisrigst zu verbessern. Er lieferte nun ein Muster für die allmäh- lig ausgevreitete Reform der Landschulen und wurde zugleich Schrift, steiler für die Jugend, besonders durch seinen Kinderfreun d (Berlin 1776. 8.). Als Gatte lebte er mit der Schwester eines Herrn von Bose, mit welchem Geliert ebenfalls in freundschaftlichem Briefwechsel stand, glücklich. — Aber auch für dieOeconomic und andere Theile der Wissenschaften war er thätig. So wurde, vorzüglich durch ihn, die märkische öconowische Gesellschaft in Potsdam gegründet. Noch einige Jahre vor seinem Ende» ließ er, als einen Beweis seines Patriotismus, auf der Dorswark Hakend erg ein Monument auf die Schlacht bei Fehrbellin') errichten, und er war glücklich genug, den Zeitpunkt nicht zu erleben — sein Tod erfolgte am 16. Mai 1805 — Wo dieses Monument mehmüthige Empfindungen in ihm hatte erregen müssen. Dauernder, als dieses Monument, werden sein Andenken und seine Verdienste für die Nachwelt bleiben. Bernhard Rode, Direktor der königlichen Akademie der bildenden Künste zu Berlin, einer der bedeutendsten Historienmahler neuerer Zeit, geb. 1725 zu Berlin. Nach genessenen ersten Einleitungen bei Müller, ging er 1750 nach Paris, genoß hier den Unterricht des berühmten Carl Vunloo, machte, einige Jahre nach seiner Züruckkehr , eine Reise nach Italien, und kam bereichert mit vielseitigen Kenntnissen, und be- aleitet von sehr ansehnlichen Gemälden, die er besonders in Venedig nach den berühmtesten Meistern gemacht hatte , nach Berlin zurück. Er erwarb sich hier durch seine Arbeiten, eben sowohl» als durch sei» Betragen, die Achtung und Liebe aller, so daß er auch 1788» nach le SueurS Abstrichen, von allen Mitgliedern der Akademie dem Könige zum Direktor vvrgeschlagen und ernannt wurde. Sein Tod erfolgte im Jahr 1797. Seine Gemahlde» worunter: Alexander, wie er dm ermordeten Darius mit dem Purpurmantel bedeckt; Spelles und der Schuster; ferner ein Familienstück, seine Aeltern, GroSmutker und Bruder, ihn selbst vor der Staffelet darstellend; mehr re Gemahlde, Epochen aus der brandcnburgischen Geschichte angebend, endlich sehr viele Kirchenstücke:c. seinen Freunden außerordentlich schätzbar bleiben, waren in so großer Anzahl vorhanden , daß man nicht begreifen konnte, wo er die Zeit dazu hergenommen. Die meisten davon radirte er üb-rdieS in Kupfgr, und die Anzahl dieser Blätter beläuft sich auf 250. Am liebsten''fertigte er biblische und geistliche Gemäblde, und seine Auferweckung von den Tobten durch den Messias, erkheilt ihm einen vorzüglichen Rang unter den Geschichtsmalern. — Eine außerordentliche Kenntniß der Geschichte, Belesenheit in älteren und neueren Dichtern zeichnete diesen verdienstvollen Mann eben so sehr unter den Künstlern auö, als er überhaupt durch Güte des Herzens, durch Gerechtigkeitöliebe und durch Beschei, dcnheit die Achtung eines jeden sich erwarb. *) Bei diesem kleinen, in der Mikielmark gelegenen, Stäbchen scklug der große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg am >8 Zuni die Schweden, die einen Einfall in seine Staaten wagten- Rod 35 Rode-Land, ausgcrodetes oder ausgereutetes und mithin urbar gemachtes Land. Rodewisch, ein wegen seiner Messingfabrik berühmtes Dorf im Ehursächstschen Voigtlande. George Brydges R o d n e p, einer der größten und glücklichsten englischen Admirale, dessen Nähme im amerikanischen Freiheitskriege eben so in jedermann Munde war, als am Ende des >8- und Anfänge des 19. Jahrhunderts der Nähme Nelson. Er war 171g geboren , und widmete sich, da sein Vater Seeofficier war, schon in jungen Jah- ^ ren dem Seedienst. Er gab bald Beweise seines Heldenmuths; besonders wurde er 1759 durch das Bombardement von Havre de Gra- c e, welches er im Angesichte der Französischen Flotte unternahm, die eine Landung in England wagen wollte, und 1762 durch die Eroberung der Insel Martinique, vorthcilhaft bekannt. Allein nach Abschluß deS Friedens von Versailles (den 20. Febr. >763) wurden seine Verdienste nicht genug belohnt, denn er erhielt bloß die Gouverneurstelle bei dem Hospitale zu Greenwich. Da er leidenschaftlich und sehr unglücklich spielte, verlor er sein, weniges Vermögen, machte Schulden und, außer Stand , seine Gläubiger zu bezahlen, sah er sich gcnöthiget, nach Frankreich zu flüchten. Diese unglückliche Lage wurde jedoch die Grundlage zu seinem Glücke. Man erkannte in Frankreich seine Verdienste und der Marschall von Biron machte ihm einst an der Tafel große Anerbietungen , wenn er in Französische Dienste treten wollte. Allein R 0 d- ney schlug sie aus Vaterlandsliebe aus, und der Marschall war groß, niülhig genug» ihm nun eine bedeutende Summe zu Bezahlung seiner ! Schulden vorzuschießen. Rodney kehrte nach England zurück, bezahlte seine dringendsten Gläubiger und jetzt erst wurde er durch seinen Pathen, den Herzog von Chad 0 is, dem König empfohlen, der ihn zum Befehlshaber der Westindien-Flotte ernannte, die zugleich das damahlS (1779) belagerte Gibraltar entsetzen sollte. Rodney lief am 23. De- cember 1779 mit einer Division der Flotte aus, und schon am 8. Januar 1780 eroberte er 17 Spanische Transportschiffe mit ihrer Bedek- kung von 5 Kriegsschiffen und zwei Corvetten. Neun Tage darauf, am 17. Januar, griff er die Spanische Flotte unterDon Langara, welche den Weg nach Gibraltar versperrte, an, und schlug sie gänzlich. Ein Spanisches Linienschiff wurde in die Luft gesprengt und 6 erobert, Langara selbst gefangen. Dieser Sieg war für England von großer Wichtigkeit; denn Gibraltar wurde nun auf ein ganzes Jahr mit allen ^ Bedürfnissen reichlich versehen, und die Spanische Flotte war zu allen fer- « neren Operationen untüchtig. Rodney erhöhte seinen Ruhm als Sie- , ger durch sein edelmüthiges Betragen gegen die gefangenen Spanier, ' von welchem selbst Langara ganz hingerissen wurde ; und nun fing man auch von Seiten der Spanier an, die Englischen Gefangenen weit besser als vorher zu behandeln. Von Gibraltar eilte Rodney nach Westindirn» um dort die Französische Flotte unter dem Grafen von Guichcn aufzusuchen. Er fand sie, und die beiden Flotte» hatten am 17. April und 17. und 19. Mai 1780 drei Gefechte mit einander, die beiden zur Ehre gereichten, aber nicht entscheidend waren. Nachdem sich eine, 2 6 . Dccember eine Landung zu St. Vincent, konnte aber diese stark besetzte Insel nicht erobern. Jetzt erhielt er.vom König Befehl, die Insel S t. E u stach anzugreifen. Schon am z. Febr. ,781 hatte er nicht bloß diese Insel , sondern auch St. Martin und Saba, und dabei 159 Kauffahrteischiffe, eine Convoi von zo Schiffen und mehrere Kriegsschiffe erobert. Gleich darauf unterwarfen sich ihm auch die drei Holländischen Colonieen Berbice, Essequebo und Demerarp. Diesen Eroberungen folgte am 16. März die Eroberung der Französischen JnselSt. Barth elr m y. Allein seine wichtigste Heidenthat war der entscheidende Sieg, den er am 12. April 1782 zwischen den sogenannten heiligen Inseln (l,es K-ttnte») und der Insel Dominique über die Französische Flotte unter dem Grafen von Grosse erfocht: dieser verlor 5 Linienschiffe der ersten Größe mit dem Admiralschiffe Viile cle karir; Grasfe selbst wurde gefangen. (Es bleibt merkwürdig» daß die Stadt Paris das erste Kriegsschiff vom ersten Range ist, welches jemahls von einem Admiral genommen und in den Hafen des Siegers gebracht worden.) Wegen dieses Siegs, durch welchen unstreitig Jamaika für die Engländer gerettet wurde, ernannte ihn sein König zum Pair und Baron von G osdrittanien, unter dem Nahmen Baron Rodney von Rodney-Stokkein Sommerset, und das Parlament gestand ihm 2000 Pfund Sterling jährliche Pension auf Lebenszeit zu. Rodney lebte, da nach dem schon am 20. Januar 178z zu Versailles erfolgten Frieden keine weitere Gelegenheit, neue Lorbeeren zu erkämpfen, vorhanden war, in Ruhe und starb vor Ausbruch des neuen Krieges zwischen England und Frankreich im Jahre >792. Rodomvntade (a. d. Span.): Aufschneiderei, Pralerei —- Ungefähr» was bei den Franzosen Gasconade ist. Rodrigos. Ciudad Rodrigo. Lrißotin Röder er, war Mitglied bei der consiituirenden Na- tivnal-Versammlung, und erhielt nachher eine Stelle in der Pariser Departements Administration. Unter der Conventsherrschaft beobachtete er ein tiefes Stillschweigen, wenigstens über politische Gegenstände; aber nach Robespierre's Fall ließ er seiner Feder wieder freien Lauf. Er ist Mitherausgeber des Journal de Paris, und besorgt über- Ließ noch die Herausgabe eines andern Journals. Beide gehören in Rücksicht deS innern Gehalts der Aufsätze und der Freimüthiakeit, womit Rödercr politische Gegenstände behandelt, zu den vorzüglichsten Zeitschriften des neuern Frankreichs. Röderer war eigentlich noch sehr für die Constitution von 1791 eingenommen; daher vertheidigte er auch einzelne ihrer ehemahligen Anhänger mit vieler Wärme; wah scheinlich war er auch aus dieser Ursache bei dem Streite der Pariser Seckionen und des Convents (iw Ocl. 1795) auf der Seite der erster». Dessen ungeachtet schrieb er nicht zu Gunsten der Cvnstikutionellen, sond rn vertheidigte die Regierung, so lange sie ihm nicht Fehler zu begehen schien. Die Jacobiner und reinen Royalisten haßten ihn gleich stark. Ril R § M .1? »- weil beide Parteien die Wahrheiten nicht hören mochten, die er ihnen verhielt. In seiner ehemahligen politische» Rolle machte man ihm Haupt- sachlich zum Vorwurf, daß er den König am io. Aug. 1792 überredet habe, sich mit seiner Familie aus dem Pallast der Tuilerien nach der National-Versammlungzu begeben; aber dieser Schritt war zur dermahligen Erhaltung des Lebens dieser unglücklichen Familie durchaus notwendig. Röllig, s. d. Art. H armon ika und Orphika. Der Römer, so heißt daS in der ehemahligen kaiserlichen freien Reichsstadt Frankfurt am Main befindliche Rathhaus. Es war dasselbe, laut der darüber noch vorhandnen Urkunden, bis zum Jahre ,405 das Eigenthum einer Familie, jedoch auch damabls schon unter dem Nahmen der Römer bekannt, die aber in demselben Jahre dieses große und Meitläuftige Haus an den Stadkrakh verkaufte» welcher solches in der Folge der Zeit zum Rathhause einrichten ließ. Hier nun versammelt sich nicht nur der Skadtrath, um seine Berath- schlagungen zu halten, sondern es find auch viele andre Expeditionen dorthin verlegt, z. B. die Stadlkanzlei, die Rechenei (Renterei), daS Bau und mehrere andre Aemter mit ihren Archiven. Auf diesem soae- nannten Römer wurden auch seit langen Zeiten schon die Römischen Kaiser-und Königswahlen vorbereitet, das heißt, die denselben vorausgehenden feierlichen Eonserenzen hier gehalten, und zwar in einem im »ordern Tdeile desselben dazu geeigneten schönen , großen und geräumigen, mit 4 Thüre» versehenen Zimmer, welches den Nahmen Eonfrrenzkammer deßhalb erhalten hat*). Auch das Oberrheinische Kreisconferenzzimmer, und das Zimmer zur Oberrheinischen Kreiö- Dickatur war hier. Noch verdient der aus dem Frankfurter Rathhause, oder dem sogenannten Römer befindliche Saal besondrer Erwähnung. Dieser ist nicht nur bloß wegen seines außerordentlich großen Umfangs, sondern auch in historischer Rücksicht merkwürdig, indem jeder Kaiser oder Römische König nach seiner in der Barthvlomäuskirche vollzognen Krönung Hieselbst von dem Rathe und von den Beamten der Stadt Frankfurt die feierliche Huldigung annahm, auch hier das gewöhnliche Krönungsmahl hielt. Eine ausführlichere Abh mdkung über diesen Römer findet man in D. Fabers 1788 und 1780 in 2 Bänden daselbst herausgegebnen topographisch- politisch- historischen Beschreibung der Reichsstadt Frankfurt am Main. B- >. S. 6g ff. Römrrmonathe, hießen im Deutschen Staatsrechke gewisse Geldabgaben, die der Kaiser bei außerordentlichen Vorfällen zu Bestreitung der damit verbundenen Kosten von den Standen des Deutschen Reichs zu verlangen berechtigt war. Die Entstehung dieser Benennung ist in den ehedem gewöhnlichen Römerzügen zu suchen. Es reisten »ahmlich die Deutschen Kaiser bald nach ihrer Wahl und Krönung, in Begleitung ihrer Rcichsvasallen nach Italien, und nah- mentlich nach Rom. um daselbst auch von dem Papste, als Souoe- *) Die eigentlich« Kaiser-und König-wahl geschah an dem ausdrücklich dazu bestimmten Wahltage in derBartholomänskirche, in der so genannten Wahlkaprllr. z8 R Sm rain von Italien, sich krönen zu lassen. Weil nnn diese Begleit«», gen immer sehr zahlreich waren, so erhielte» sie den Nahmen Züge, und in Bezug auf die Stadt Rom Römerzsige, Lat. expecliiio. ues romanae. Selten wurde» diese Reisen des Kaisers, oder die so genannten Römerzüge, »or Verlaufeines Monaths beendigt. Diese Römerzüge nun sind seit Carls des Großen Zeiten bis auf Maximilian I von den meisten Kaisern richtig gehalten worden. Allein diesem schien der sonst gewöhnliche Röm rzug und die ehedem dabei beabsichtigte Krönung des Papstes als etwas überflüssiges, und zur Vollständigkeit feiner Majestät und Würde nicht gehörend. Er erklärte sich daher gleich nach der an ihm Im Deutschen Reiche vollzognen Kaiserwahl und Krönung auch als Römischen Kaiser, und die Stände, welche dadurch von einer großen Last befreit wurden, erkannten ihn auch als solchen. Sein Enkel und Nachfolger, der bisherige König von Spanien, Carl I. und nachherige Deutsche Kaiser, Carl V. hielt den Römerzug wieder, und ließ sich nach der in Deutschland vollzog- nen Krönung auch vom Papst, Clemens VII. obgleich erst späterhin, -u Bononien (Bologna) krönen — er ist der letzte Kaiser, welcher der Krönung wegen nach Italien reiste, —- nahm jedoch anstatt der Reichsvasallen sein eignes Milikair zu seiner Begleitung mit, und forderte nach seiner Zurückkebr aus Italien von den Deutsche» Reichsständen für 20,000 Mann Infanterie, und für 4000 Mann Cavallcrie Vergütung an barem Gelde auf einen Monath; wo denn für jeden In- fanteristen 4, für jeden Caoalleristen aber 12 Gülden, und in allem die Summe von 128,000 Gülden ihm von den Ständen bewilligt wurden. Diese 4 und 12 Gülden wurden zwar nachher noch, und so oft der Kaiser sich in dem Fall befand, Römermonathe verlangen zu können, in Bestimmung derselben als Maaßstab angesehen: weil jedoch dieser Ansatz vielen Reichsständen gleich anfangs zu hoch und zu lä- stig war, und von Zeit zu Zeit bei Reichs - und Kreisversammlungen viele Beschwerden geführt wurden, so läßt sich freilich die Summe eines Römermonaths nach diesem Maaßstade nicht genau genug ange- den, sondern man muß, wie die StaatsrechtSlehrer dafür halten, jeden Römermonath einzeln auf eine runde Summe bringen, und solche hernach auf die Kreise vertheilen. — Zu Betreibung dieser Römermo- nathe wurden in mehrcrn Städten gewisse Personen in Pflicht genommen, welche Cassirer oder Pfennigmeister hießen, und wegen ihrer Einnahme den auf dem Reichstage versammelten Ständen verantwortlich waren. Die Städte selber, in welchen solche Pfennigmei- ster niedergcsetzt waren, und wo die Einnahme der Römermonathe geschah, bekamen den Nahmen Legstädte. Folgende Städte: Nürnberg, Augsburg, RegcnSburg, Speyer , Frankfurt am Main, und Leipzig find aus den vorigen Zeiten als dergleichen Legstädte bekannt. Die Römer zinszahl, s. Jndiction. Römerzug» (expeclüio romsnq) 1«. s. den Artikelr Römermonathe. Römischer König. Das Römisch-Deutsche Reich hatte entweder einen Kaiser allein, oder aber einen Kaiser und Römischen Kö- Roe Rog Z9 „kg zugleich. Jener, als das Oberhaupt des Reichs, regierte dasselbe, in so weir nach Reichsgrundgesetzen und laut der von ihm bc- schwornen Wahlcavitulation ihm von den Standen das Recht dazu üdenaffen wsedeu war; dieser aber, obwohl bei seiner Wahl ihm alle R gie: ungsrechte eines Deutschen K -isers von den Ständen übertragen worden, durfte, so lange der Kaiser lebte, oder so lange derselbe noch als Kaiser regierte, von keinem seiner Regierungsrechte Gebrauch machen. Es war sonach der R ö m i sch e K ön i g im Deutschen Rei- . che zwar eine sehr erhabne Perion, die gleich unmittelbar auf den regierenden Kaiser im Range folgte, aber ohne Regierung; ja, unter der B dinguna, daß er von den ihm übertragnen kaiserlichen Regierungsrechten erst noch Abgang des Kaisers Gebrauch machen solle und dürfe, geschah seine Wahl. Man wird sonach gewiß nicht wider die Theorie des Deutschen Staatsrechts verstoßen, wenn man sich in der Person eines Römischen Königs einen eventuellen Deutschen Kaiser denkt. —. Und di.tz war er auch in der That; denn sobald der bisher regierende Kaiser starb oder restgnirte, so trat nunmehr der bisherige Römische König als Deutscher Kaiser auf, und das ihm übertragne Recht zu regieren, das s it seiner Wahl gleichsam ruhte (im- perium quiescens), ward augenblicklich in ihm, als nunmehrigen Kaiser, epistent. Dieß war der Fast nach dem Tode Kaiser Franz des ersten, welcher bci seinen Lebzeiten seinen Prinzen und nach- herigen Kaiser» Joseph den zweiten, zum Römischen Könige hakte wählen und kröne» lassen; andrer Beispiele aus entferntern Zeiten nicht zu gedenken. » Das Roer Departement, s. Frankreich. Röschen, heißen bei den Buchdruckern kleine Zierrathen und Einfussungen. Der Rösselsprung, ein schweres und mühsames Kunststück auf dem Schachbrete, welches, so unbedeutend es auch an sich za sein scheint, dennoch deßwege» bemerkt zu werden verdient, weil neuerlich verschiedene große Mathematiker, vorzüglich aber Euler, sich damit als mit einem schweren Problem in ihre» Schriften beschäftigten , und viel Zeit darauf verwendeten. Es besteht darin. daß man den Springer oder denjenigen Stein des Schachspiels, welcher mit Ueberspringung eines Feldes schräg von Weiß auf Schwarz, und von Schwarz auf Weiß geht, mit 64 Sprüngen dergestalt durch die 64 Felder des BrekeS bringt, daß jedes nur rinmahl berührt wird, und der Stein zuletzt dabin kommt, wo er ausgegangen war. Die schwersten Aufgaben und Auflösungen über dieses kopfbrechende mathe- - mansche Spielwerk sind im Reichsanzeiger von 1797 und - 793 (in diesem besonders Ar 27.) in großer Menge gcliesirt worden. Rösten» de» Flachs, heißt: ihm nach Abraufung der Samenknospen in fließendes Wasser legen» (wo er mit Steinen beschwert wird) oder auf obgemähte» Wiesen und Feldern ausbreiten, damit die H*lse verfault. kio-gate, (Lat. betet) heißt der fünfte Sonntag nach Ostern von der darauf folgenden Bckwoche in der katholischen Kirche. — kogslorialvs, Bittschreiben. 4« Rog Rol Roggen, Rokke». ist gleichbedeutend mit Korn. Rohan, s. de la Motte. Rvhlllas, s. Ostindien. Angelique Fran^oise Roland, die Gattin des Ministers, hat in der Französischen Revolution beinahe noch größeres Aufsehen erregt, als ihr Gemahl. Ihr Vater hieß Philipon, uno war Ku- pf racher zu Paris. Er gab seiner Tochter eine gute Erziehung, und ließ sie in verschiednen Wissenschaften und Künsten unterrichten. Sie fand selbst so viel Geschmack a» Lektüre und wissenschaftlichen Beschäftigungen, daß sie den jugendlichen Vergnügungen ganz entsagte, sich in die Einsamkeit zurückzog, und unaufhörlich mit Büchern beschäftigt war. Sie studirte Geschichte, Theologie und Philosophie, las Dichter und löste mathematische Aufgaben. Ihre Aeltern wünschten sie bald verheiralhet zu sehen; allein ste verwarf, ungeachtet ihre schöne Bildung eine Menge Bewerber herbeiführke, alle Anträge, weil sie ihren hohen Erwartungen nicht entsprachen. Die Lectüre einiger Werke über Griechenland und Rom hatte ihr ein großes Interesse für die republikanische Verfassung eingeflößt, und sie beseufzte daher schon lange vor der Revolution die despotische Verfassung ihres Vaterlandes. Nachdem sie sich endlich zu der Verbindung mit dem schon bejahrten Roland, dessen düster» Miene» keinen gemeinen Mann ««kündigten» entschlossen hatte, verließ sie Paris auf einige Zeit, und I,bke mit ihrem Manne auf einem Dorfe unweit Lyon ganz eingezogen. Die häuslichen Geschäfte, die fle mit aller Pünktlichkeit verwaltete, ss,ßen ihr doch noch Zeit, um die gelehrten Beschäftigungen nicht ganz zu vernachläßigen. Sie schrieb Briefe, historische Aussätze, G dichte und sogar eine Predigt. Ohne Zweifel wünschte sic sich eine Gelegenheit, wo ihre Verdienste in einem Hellern Licht glänzen könnt n; und diese fand sich, als ihr Mann Minister ward. Sie half ihm mit unermüdendein Eifer in den Geschäften feines Departements, schrieb die öffentlichen Anschläge, fertigte Adressen aus, hatte ein wachsames Auge aufseine Untergebnen, und beobachtete die Schritte der übrigen Minister. Mit dem Hofe scheint sie nie in näherer Veibindung gew-ftn zu seyn. Der Patriotismus des Königs war ihr immer sehr verdächtig; und mit der Eitelkeit der Königin konnte sich ihre eigne nicht vertragen. Wöchentlich ein Mahl war in Rolands Hotel eine Zusammenkunft von Gelehrten, Eovenlsmit- glied.rn und Ministern, wobei Madame Roland den Vorsitz führte, und ihre Ideen über Staatssachen bekannt machte. Ihr Gemahl verlangte, daß ihr alles mitgetheilt werden möchte, was im StaalS- rath vorfiel; aller,, Dümouriez, dem man doch gewiß die Artigkeit gegen Damen nicht abfprechen kann, fand diese Anmaßung so übertri-ben, daß er deßwegen mit Roland uneins wurde. Madame Roland ließ sich dadurch nicht abschrecken, sondern verschaffte sich vielmehr in der Zeit, da ihr Mann zum zweiten Mahle Minister war, einen noch größer» Einfluß auf die Staatsgcschäfte; der »ämische Brief, den sie im Nahmen des Französischen StaatsrathS an den Papst schrieb, ist ein Beweis davon. Sie war eigentlich anstatt ih- ! Rol 4r reS Mannes Mister, und fühlte diese politische Wichtigkeit so sehr, daß sie sich in ihren Schriften mit vielem Ve'gnügen an die Heit erinnert, wo sie (wie sie selbst sagt) im Ministerium saß. Der Fall ihres Mannes zog den ihrigen nach sich. Sie wurde verhaftet, und endlich von dem Reoolutionsgericht zur Guillotine verurtheilk. Sie starb am s- Dec. 179g im neun und dreißigsten Jahre ihres Alters mit der größten Standhaftigkeit. Noch im Kerker schrieb sie ihr eignes Leben auf, und verfaßte mehrere Aufsätze über die Revolution. Im erster» erzählt sie mit scharfem Beobachtungsgeist, aber auch mit ungemeiner Selbstgefälligkeit, die Geschichte ihrer Bildung und die Entwicklung ihres Geistes; in den letzter» liefert sie treue Charakterschilderungen der damahls besonders merkwürdigen Personen. Unger« «e übergeht sie eine Gelegenheit, wobei sie die Verdienste ihres Mannes bemerkbar machen kann, mit Stillschweigen; aber dieses geschieht nur deßwegen, damit ihre eignen desto mehr glanzen sollen, weil ihr Mann kein wichtiges Unternehmen ausfnhrte, ohne eS ihr vorher mitgetheilt, und sie um Rath gefragt zu habe». Ein gewisser gelehrter Stolz, und die Eitelkeit» welche aus dem Bewußtsein ihrer körperlichen Schönheit entsprang, erzeugten ein sonderbares Grmisch in ihrem Charakter, und verdunkelten ihre übrigen unläugvaren Vorzüge. Jean Baptiste Roland, wurde zu Villefranche unweit Lyon geboren, und verließ im 19. Jahre das väterliche Haus, um sich dem geistlichen Stande zu entziehen, wozu ihn seine Aeltern bestimmt hatten. Er ging nach Nantes in der Absicht, die Handlung daselbst z» erlernen, und nachher nach Indien zu gehen. Seine schwächliche Gesundheit hinderte ihn jedoch 0» der Ausführung dieses Entschlusses; er begab sich nach Rouen, wurde bei den dastgen Manufakturen an- gestellk, machte nachher verschiedne Reisen nach Italien, England und der Schweiz, und kam zuletzt als Aufseher der Handlung und Manufakturen nach Lyon. Diese Stadt wählte ihn in der Folge zu ihrem Deputaten bei der constituirenden National- Versammlung; und diesem Umstande verdankte er die wichtige, wiewohl für ihn endlich unglückliche Rolle, die er bei der Revolution spielte. Da Ludwig XVI. im Frühjahr 1792 das Ministerium mit Männern besetzte, welche bei dem Volke beliebt waren, so erhielt Roland die Stelle des Ministers der innern Angelegenheiten. Er erschien in einer ganz einfachen Kleidung, ohne allen Prunk am Hofe. „Es ist alleS verloren, sagte dabci der königliche Ccremonienmeister; der neue Minister trägt Schuhe ohne Schnallen." Dümouriez, dem er diese schreckende Neuigkeit mittbeilte, gab ihm lächelnd Recht. — Roland besorgte die Geschäfte seines Departements mit vieler Pünktlichkeit und Treue, gab sich aber dabei wenig Mühe, seine persönliche Abneigung g?gcn den König zu verbergen. Er schrieb ihm einst einen Brief voll von Wahrheiten und Bitterkeiten, und war eitel genug, diesen Brief in Gegenwart des Königs und der übrigen Minister vorzulesen. Dieser Zug wirft ein nachthciligeS Licht auf Rolands Charakter, und beweist seinen kleinlichen Ehrgeitz. Auf keinen Fall konnte durch die Ablesung dieses Briefs etwas Gutes bewirkt werden, und bei seinen College» brauchte Roland seine Grundsätze nicht erst zu rechtfertigen. 42 Rol De» König, welcher der Neckereien feines MiWeriums müde war, entfernte Roland mit zwei seiner Collegen am iZ. Juni; allein nach der Entthronung des Königs wurde er abermaols als Minister ange- stellt. Er machte bald nachher wichtige Papiere bekannt, die er iu einem eisernen Wandschränke der Lullerten aufgefunden haben wollte, und zog dadurch den Haß vieler Familien auf sich, die durch die Bekanntmachung dieser Papiere verdächtig wurden. Die Beförderer der Anarchie vergrößerten hie Anzahl seiner Feinde, weil sie es ihm nicht v rgedcn konnten , daß er Ruhe und Ordnung in Paris wieder hcrzu- stellen versuchte, und den unruhigen Pöbel der Herrschaft der Gesetze unterwerfen wollte. Am Tage nach der Hinrichtung des Königs (22. Jan. 179z) l-gte er seine Stelle freiwillig nieder, gleichsam als hätte er durch den Tod Ludwigs XVI. das Ziel aller feiner Bemühungen erreicht. Nachher wurde er zugleich mit den Girondisten geachtet (m. Vergl. dies. Art.). Zwar rettete er sich durch die Flucht nach Bretagne; man fand aber bald seinen Körper auf einer Landstraße, wo er sich wahrscheinlich selbst entleibt hatte. Ließ war das Ende eine- Mannes, der bei allen seinen Kenntnissen nicht das bestf Herz batte, und, »»geachtet er aus dem reinsten Patriotismus zu handeln vorqab, und auch überall die strengen Grundsätze einer beinahe stoischen Sik- tenlehre verbreitete, doch den Eingebungen der Eitelkeit und Rachsucht folgte, und sich ganz besonders geschmeichelt fand, für einen Cato der neuern Zeit gehalten zu werd n. Roland (Rukland), ein berühmter Feldherr und Schwestersohn Carls des Großen, ans dem achten Jahrhunderte nach Cbr. Geb. der bei dem Rückzüge des Kaisers aus Spanien auf dem Pyrenäischen G.birge von den Basken erschlagen wurde. Unter vielen fabelhaften Erzählungen will man auch Die Rolandssäulen, auch Rolande und Rulandsdil- de genannt, vpn ihm herleiten, welche noch in den neuesten Zeiten in verschiednen Orten des nördlichen Deutschlands, z. B. im Holsteinische», zu Halle, Magdeburg und vielen andern Städten angetrof- fen werden, und gewöhnlich auf dem Markte stehen; sie bestehen aus großen steinernen Statuen oder hölzernen Bildern , zum Theil in co- loffalsscher Form, die einen Mann in völliger Rüstung, mit einer Krone auf dem Haupte und dem Schwerte in der rechten, dem Reichsapfel oder Reichsadler aber in der linken Hand, vorstellen. Diese Säulen nun sollen zum Andenken des großen Roland und seiner Tapferkeit von den Sachsen nach deren Bezwingung durch Carl den Großen errichtet worden seyn. Allein dieser Held stand mit de» Sachsen nicht eiumahl in der entferntesten Verbindung; die Figur der Statuen läßt sich nicht auf ihn beziehen, und der Ursprung derselben fällt wenigstens zwei Jahrhunderte später. Die richtige Meinung ist aber, daß diese Statuen mit den Weichbildern völlig einerlei sind. Ein Weichbild (von Weich, Wik, d. h. Stadt, Ort, und Bild) ist nähmlich ein «n den Städten aufgerichtetes Zeichen des Gerichts, und bedeutet, daß die Stadt ihre eigne Gerichte und Statuten unter kaiserlichem Schutze ausüben dürfe; daher auch dieie Säulen die Reichsinsignien an sich führen. Der Nähme RulaudS- Rol -tZ oder Rolandssäulen kommt aber vom Worte Rügen, d. h. Gericht hegen, besonders aber anklagen und verdammen, und Land oder Bezirk her; es sind also Säulen, die ein Rügeland, d. h. einen besonder« Gerichtsbezirk bezeichnen. Johann Heinrich Rolle. Dieser mit Recht so geschätzte Kir- chencomponisi war zu Quedlinburg 171z geboren, und legte nachher zu Magdeburg, wohin sein Vater, Christian Friedrich Rolle, »72 r als Musikdirektor berufen wurde, unter dessen Anführung den Grund zur Musik. Sein Talent entwickelte sich frühzeitig: und schon in seinem dreizehnte» Jahre verfertigte er ein vollständiges Kirchenstück, welches auch sein Vater aufführte; im vierzehnten Jahre ward er schon zum Organisten an der Peterskirche erwählt, welche Stelle er bis in sein achtzehntes Jahr verwaltete, und dann (1756) noch Leipzig ging, um die Rechte zu studirrn. Zu Berlin (1740) entschied sich seine Neigung ganz für die Musik; er trat alS KammermustcuS in königliche Dienste, ward 1746 „ach Magdeburg als Organist z» St. Johann, und :7LS »ach seines Vaters Tode an dessen Stelle als Musikdirector berufen. In diesem seinen Amte nun schrieb er außer mehrern Passionen und Kirchenstücken besonders die vortrefflichen Oratorien für daS Magdeburger Loneert. Wer kennt nicht den TodAbels, Abraham aufMoria, Lazarus re. wo sanfte, edle Melodien, natürliche Modulation und eine durchaus reine Harmonie, vorzüglich aber auch seine musterhaften Chöre jeden Zuhörer zu den religiösesten Empfindungen hinreißen. Rolle starb, von einem Schlagfluffc getroffen, am 29 Dcc. ,78z zu Magdeburg. Charles Roll in, ein berühmter und beliebter Geschichtschrei, der der Franzosen, und zugleich ein Mann, der wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften, uner»iüdeten Thätigkcit und Wahrheitsliebe Bewunderung verdient, war zu Paris i 65 t den zo. Januar geboren. Als Sohn eines Messerschmids war er zu eben diesem Handwerke bestimmt; allein ein rechtschaffner Benedictinermönch sorgte dafür, daß er frei studiren konnte, und wurde bald durch die herrlichen Fortschritte deS jungen Rollin's belohnt, der nach geendigten Studien die Stelle eines Professors der Beredsamkeit am königlichen Collegium, und »694 daS Rektorat der Universität zu Paris erhielt. Bald darauf wurde er zum Coadjutor des Collegiums zu Beauvais, einer Lehranstalt, gewählt, und verwaltete dieft Stelle mit dem rühmlichsten Eiter, und im Besitze der ungemessensten Liebe seiner Schüler bis >712, da ihn seine Anhänglichkeit an die religiösen Lehrsätze der Jansenisten (s. dies. Art.) den Jesuiten, den Feinden derselben, verdächtig machte. Er verlor daher in diesem Jahre feine Stelle (wiewohl seine Freunde sagten, daß er sie freiwillig nicdergclegt habe), lebte von dieser Zeit bis an seinen Tod, der ,741 den 14. Sept. er, folgte, zu Paris als Privatmann, und genoß noch in seinen letzten Tagen der Ehre eines vertrauten Briefwechsels mit Friedrich dem Einzigen, der größten Theils in die Zeiten fällt, wo jener Mo- narch noch Kronprinz war, und von Docior Froriep zugleich mit seinem Leben zu Gotha 178:. 8- hcrausgegeben worden ist. Er ist berühmt theils durch seine musterhafte Anweisung zum Studium 44 Rom der schönen Wissenschaften (kn vker Bänden), theils durch eine eben so vortreffliche alte Geschichte (kn dreizehn Octavbän- den) und eine Römische Geschichte, welche er nur bis zum achten Bande fortfttzen konnte. Sein würdiger Schüler, Crevier, ein eben so berühmter Geschichtschreiber, fügte daher noch 8 Bande bis auf die Regierung des Augustus, und 12 bis auf Consta ntin den Großen hinzu. Le Beau fttz e aber auch dieses Werk durch die Bearbeitung der Geschichte des Griechischrömifchen Reichs fort, so das wir nun eine vollständige, sehr brauchbare und weitiäuftige Geschichte der Römer durch den Fleiß der Franzosen besitzen. Auch erschien noch eine ebenfalls sehr gute Forisetzung Rollin's unter dem Titel: Neuere Geschichte, in zz Octaobänden, welche alle Völ- ker der Erde, jedoch mit Ausschluß der meisten Europäischen, sehr vollständig abhandclt. Alle jetzt genannte Werke sind auch ins Deutsche übersetzt. — Rollin bleibt, ungeachtet er nicht kritisch schrieb und zu viel moralische Digreffionen machte, dennoch ein vorzüglicher Schriftsteller im Fiche der Geschichte, kheils wegen seiner Eleganz, außerordentlichen Annehmlichkeit und Philosophie des Vortrags, tyeilS wegen seines genauen Studiums der besten Quellen, und gehört mit Recht unter die Claffiker der Französischen Literatur. Rom. Mit Recht müssen wir hier das alte Rom von dem neuern scheiden. Zuförderst also: Das alteRömifche Reich. Unter allen Staaten der vorigen Zeit hat vieles für uns daS größte Interesse, und verdient daher eine nähere Betrachtung. Deutsche und Römer kamen frühzeitig durch Kriege mit einander »n Verbindung, und erstere wurden endlich die Ueberwinder der letzten. Sitten, Gesetze und Gewohnheiten ginge» zum Theil auf die Sieger über; und die Aufnahme des Römischen Gesetzbuchs in Deutschland (>4^,;) vollendete endlich die Vermischung der Deutschen und Römischen Verfassung, und erhöhte zugleich die Nothwendigkeit, letztere gründlich zu studircn. Die Sprache der alten Römer erhielt durch die Universitäten im Mittelalter eine Allgemeinheit , welche ihr in neuern Zeiten nur die Französische streitig machen konnte, und bekam durch die Wiedcraustebung der Wissenschaften einen neuen Glanz, der ste auf immer vordem Untergang sichern wird. Es ist bekannt, wie schwach der neue Staat war, den Ro mulus (S7A Jahr vor Ehr. Geb ) gründete; (s. den Art. Romulus), wie er aber bald durch die weisen Gesetze seiner Regenten und durch die Tapferkeit seiner Bewohner allen Nachbarn furchtbar wurde, und zu einer beträchtlichen Größe anwuchs. Der Umsturz des KönigthumS unter T arg ui n (Loy vor Chr. Geb.), wodurch das Reich in eine Republik, aber in keine demokratische, sondern höchst aristokratische verwandelt wurde, änderte im Ganzen nichts. Die Römische Tapferkeit nahm zu, und Frugalität, Religiosität und Patriotismus knüpften die Bürger immer fester au den Staat. Die Streitigkeiten zwischen Aristokraten und Demokraten (Pat riciern und Plebejern) dauerten fort, ohne eine gänzliche Auflösung einer von beiden Parteien zu bewirken; ein Theil um de» ändern gab nach; und so war Rom 4§ die Ruhe wieder auf einige Zeit gesichert. Dieser glückliche Zustand dauerte ungefähr bis zum Ende des zwrplen Punischen Kriegs <217 Jahr vor Chr. Geb.); nachher bewirkten die Makedonischen Kriege gegen die Könige Philipp und Perse us, und die Einnahme von Carthago und Corin lh (-4^ Jahr vor Ehr. Geb.) eine große Veränderung im Römischen Nationalcharakter. Die Heere waren in den andern Weitchcilen in Weichlichkeit versunken; ihre zurückgebrachte große Beute entwöhnte die Römischen Bürger von der ehemahligen Mäßigkeit; die Größe der Eroberungen vermehrte ihre Habsucht, und gab ihnen den unglücklichen Gedanken ein, daß alle Völker der Erde von ihnen Befehle annehmen müßten; Bestechlichkeit, Lnzms, Völle« rei, Ueppigkeit und Unterdrückung der Bundesgenossen singen an überhand zu nehmen; dazu kamen gefährliche Unruhen im Innern, wo die Eifersucht der Feldherren jede gemeinnützige Absicht verhinderte. Bald gerieth die Oberherrschaft in die Hände von einzelnen glücklichen Anführern der Legionen; und nun traten die blutigen Verfolgungen eines Marius und Sulla (ZZ—77 Jahr vor Ehr. Geb.) ein , wodurch nicht nur Rom, sondern ganz Italien auf das fürchterlichste verwüstet, seiner besten Bürger durch blutige Proscriptionslisten beraubt, und größten Theils in eine jammervolle Einöde verwandelt wurde. Aller Patriotismus und Eifer fürs Gute schwand immer mehr auS den Herzen der Römer; sie sanken im Tanzen zu Nichtswürdigen herab, die gemeinere Seelen hatten, als ihre Sclaven. Zwar gab es noch einige Männer von Alcrömischer Deukungsart, die mit glühendem Eifer für die Republik beseelt waren; aber was half z. B. einem Brutus die Ermordung E ä sa rs? (4Z I. vor Chr. Geb.) was einem Cato und C i cero alle Bemühungen, die Republik zu retten? konnten sie wohl verhindern, daß das Bedürfniß nach einem Alleinherscher über die unrcpublikanischen Bürger nicht täglich dringen» der worden wäre? Octavian, ein Verwandter Cäsars, gelangte (im Jahr 26. vor Chr. Geb.) unter den Nahmen Augustus zu dieser Würde, und verwaltete sie unter der ehemahligen republikanischen Form immer noch mit vieler Mäßigkeit. DaS übergroße Römische Reich begriff damahls alle Küstenländer des Mittelmeeres bis an den Rhein, die Donau, den Kaukasus, den Euphrat, die Arabischen und Lpbischen Wüsten» und bald nachher auch einen Theil von Großbri- tanien. Der Flächeninhalt dieses Ungeheuern Staatskörpers betrug an looooo gtographischeOuadrallNeiien, und übertraf also neunMahl an Größe das ehemahlige Frankreich oder Deutschland. Allein in Rom wohnten wenigstens iLooooo Menschen; und diese Anzahl v.rmehrte sich oft noch um ein beträchtliches. Augusts Nachfolger, unter denen eine Menge unwürdige Regenten eine wahre Geißel für die Menschheit wurde», behielten zwar auch die republikanischen Formen bei; aber eigentlich ging denn doch alles nach ihrem Willen: und die wahre Rkgierungsoerfaffung war monarchisch und militairisch. Die glücklichen Regierungen eines Vespasian, Trajan und Hadrian konnten den wankenden Staals^örper noch retten, und das friedliche Zeitalter der Antonine (iZL—-So «ach Chr. Geb.) ihm sogar eu 46^ Rom nennet»», Glanz geben; oberes warnur eine vorübergehende Erscheinung, ein täuschender Schimmer, de- unter der Regierung der nachherigen Kaiser, unter denen sich wenige rechtschaffne Männer befanden, von den fürchterlichen Gährungen. welche das Reich erschütterten, auf ein- mahl vernichtet wurde. Es bedurfte kräftiger Gegenmittel, wenn nicht das Reich eine Beute seiner äußern Feinde werden, oder sich in sich selbst auflöfen sollte. Eine solche Totalreform bewirkte Constantin der Große (gr; nach Ehr. Geb.) theils dadurch, daß er die christliche Religion zur allgemeinen Skaatsreligion erhob, thcils aber auch, daß er eine neue Eintheilung des Reichs und ein neues Verwaltungs- ' systcm einführte. Wären seine Nachfolger nicht schwache Regenten gewesen, hätte nicht die Verliguug der R-gierniig von Rom nach Consta ntin opel eine nachkheiliqe Wirkung auf den Orcidenl gehabt; so hätte der Untergang des Reichs vielleicht noch anfgeschoben werden können. Die Theilung deS Reichs, die Theodosins (im 3 ahr ZyL) unternahm, vollendete das Verderben. Seine Söhne, ArcadiuS und HonoriuS, wurden ein Spiel ehrsüchtiger und herrschbegieriger Ralhgeber. Der Ocrident erhielt nach dem Hono- rius nur noch Schattcnregenten; und es wurde daher dem Odoa- cer, den Anführer der Heruler Und andrer Deutschen , die kn Römischen Kriegsdiensten standen, leicht, im Jahre 47V den letzten dieser Schwächlinge, den Rvmulus Augustulus, seiner Würde zu entsetzen, und sich zum Herrn des Römischen Reichs zu erheben. Dieß war das Ende eines Staats, der 1229 Jahr bestanden, und durch seine ungeheure Größe die übrige Welt gleichsam erdrückt hatte. Aus seiner Asche erhob sich in Rom nach und nach ein neues fürchterliches Regiment, daß die gesamMte Christenheit Jahrhundert« lang in neue Fesseln warf, und sich mit eisernem Sc.pter unbedingten Gehorsam ertrotzte. Rom schien dazu bestimmt, der übrigen Welt als Republik, als Kaiserstadt, und als Residenz der Päpste Gesetze vorzuschreibcn. — Noch müssen wir «was über den Zustand der Culkur und der Wissenschaften unter den alten Römern bemerken. Es dauerte lange, ehe die Künste der Griechischen Musen bei ihnen Eingang fanden; man hielt Griechische Wissenschaft und Griechische Sprache für zu weichlich und eher für geschickt, die Sitten zu verderben, und die Größe des Charakters zu schwächen, als Aufklärung und eine edle Geistcsausbildung zu befördern. Mußte sich doch ein Cicero noch entschuldigen, daß er die Philosophie der Grieche» im vaterländischen Gewand darstellte , und überhaupt rin Freund der Wissenschaften war. Aber mit ihm begann auch die Epoche der auflebenden Römischen Literatur. Zwar blieben die Römer in den meisten Zweigen der fchönen Wissenschaften nur Nachahmer der Griechen; dessen ungeachtet sind aber diese Nachahmungen nichts weniger als sclavisch, sondern akhmen eigne Schöpferkraft und eignes Dichtergefühl. Die Werke eines Virgil, Horaz, Terenz, Catull und Tibull werden stets mit Vergnügen gelesen werden, und die Schriften des C i- rero wegen ihres belehrenden Inhalts und der schönen Sprache nie in Vergessenheit komme». Sallust, Cäsar und Livius sind Rom 4? Muster klassischer Geschichtschreiber. Aste diese Männer bildeten das sogenannte goi d n e Z eitalter der Römischen Literatur. Mit dem Wachslhume des Despotismus unter den Kaisern verstummte D nk - und Schreidcfrriheil; und eS bedurfte eines Fürsten wie Trojan, um der Literatur wieder aufzuhelfen, und Schriftstellern die Babn zu öffnen, wie Tac,ituS, Luincrilian und der jün. gere Plinius waren. Im Verlaufe der folgenden Regierungen sanken Künste und Wissenschaften zugleich mit der Sprache immer tiefer, und nur selten erhob sich ein Schriftsteller ein wenig über das Zeitalter, das mit Recht den Rahmendes kupfernen und ei fernen trägt. Die Ursachen, die Ueberhaupt den Fall dcS Reichs de» schleunigten, beförderten auch den Untergang der Literatur. — Zur nähern Kenntniß des Römischen Reichs und seiner Einwohner dienen, außer den größernGeschichtswerkm von Ferguson und Gibbon, die Schriften von Meierotto, Meiners und Krause (in dem ersten Bande seiner Gcsch. d. wicht. Begeb.-d. heut. Europa). Als Handbuch sind die Römischen Alterthüincr von Nil sch zu empfehlen. Das neue Rom: Seit dritthalb tausend Jahren der Mittelpunkt menschlicher Größe, scheint diese einzige, diese merkwürdige Stadt der Erde selbst bestimmt, auch der Zeit und dem Verhängnisse zu gebieten, und mit unsterblicher Kraft sich den Umwandlungen der einen, und den Verwüstungen der andern zu entfchwingen. Nachdem sie über zehn Jahrhunderte den schönsten Theil der Welt durch Waffcn- glück beherrscht hatte, regierte sie ihn bis auf unsre Tage durch Allge, wall der Meinung, durch den Zauber der Kunst, durch den Gcepter des PriestenhumS. — Unzählige große Staaten, einst RomS Nebenbuhlerinnen , sind — einmohl zerstört — nie ans der Asche hervorgegangen, in der selbst ihre Rahme» verloschen. Rom allein stieg, dem Phönix der Fabel gleich, nach jeder Verwüstung in verjüngter Schönheit aus seinen Trümmern hervor, und erhob sein majestätisches Haupt über Schutt und Ruinen, und trotzte den Verheerungen der Natur und der Barbarei, weil es in jeder Zerstöhrunq den Keim und die Losung zur herrlichen Wiedergeburt fand. — Feuersdrünste und Der- tilgungswuth barbarischer Eroberer, der Gallier, der Westgelder,, der Vandalen, konnten nicht die Spuren ihrer G-öße vertilgen; umgestürzte, aber aus dem Andenken der Jahrhunderte unoerkilgbare Denkmabler machten bald neuen Monum.nken Platz: eine Periode der Größe, der Herrschaft und deS Verfalls übergab immer diesen unsterblichen Schauplatz einer andern merkwürdigem Periode, die der Geschichte der Menschheit neue Ruhepunkte anwieS. Die großen und mannigfaltigen Begebenheiten, welche in den neuest.n Zeiten die Verfassung von Europa veränderten, hakten auch auf Rom einen wichtigen Einfluß, und es wurde endlich nach mancherlei Schicksalen dem Französischen Reiche einvcrlcibt. (S. Kirchenstaat). Rom ist gegenwärtig eine kaiserliche Freistadt, und nach Paris die zweite Start des Französischen Reiches. Sie ligt an beiden Seiten des Tiber auf ip Hügeln »der unbedeutenden Erhöhungen, 48 Rom Sie ist in neun Frledensbezirke getheilt, hat 2 ,/r deutsche Meile im Umfange; Z5900 Häuser, ,9 Thore, 82 Pfarkirchen ohne die sehr vielen Klöster und Klosterkirchen, deren man >86 rechnet. In der Bevölkerung ist es sehr gesunken, denn im Jahre 1799 enthielt Rom 166000, und jetzt nicht mehr als iZLooo Einwohner. Rom ist eine der schönsten Städte der Welk, hat gerade schöne Strassen, ungemein viele Palläste und Meisterstücke der Baukunst, herrliche Plätze, uralte Denkmahler; erfrischende Springbrunnen. Aus der großen Menge von Merkwürdigkeiten wollen wir folgendes aus. heben. Zu den neuern Hauptgebäuden gehören: 1) die Peterskirche, der prächtigste Tempel der Christenheit,, inwendig und auswendig von Marmor; ein Bau, der alle Künste in Wetteifer, fast übermenschliche Kräfte in Lhätigkeit setzte, vom Jahre ,Lo 6 bis ,614 fortgesetzt wurde, und über 82 Millionen Thalcr kostete. Sie ist 666 Schnh lang, -84 breit, und 14s hoch. Ihre Kuppel, dieses größte Wunderwerk der Baukunst, ruht auf vier Pfeilern» wovon jeder 60 Sckuh im Durchmesser hak. (S. Michael Angela). Der prächtige, von Co- lonnadcn eingeschlvssene, und mit einem merkwürdigen Obelisk versehene Vorhof, dir im Innern befindlichen Altäre, Grabmählcr, Mo, falsche Arbeiten uisd andere Kunstwerke, die unterirdischen Grüften, selbst das gleich einer kleinen Stadt bewohnte, und mit einer Manu, faktur für Mosaik versehene Dach, alles ist höchst sehenswürdig. 2) Die Kirche des heiligen Johann von Lateran, mit der heiligen Treppe von 28 Stuffen , wo die Päpste gekrönt wurden, war die eigentliche Pfarkirche der Papste, und wurde als die Hauptkirche der katholischen Christenheit angesehen. Ihre Schutzpatrone (Schirmoogte) waren der Römische Kaiser und der König von Frankreich. Vor. dieser Kirche steht der große Obelisk des Ramessis, den SixtuS V. aufrichken ließ, von 1 AZ Fuß Höhe, z) Die St. Sebastianskirche mit Cata- comben, und viele andere merkwürdige Kirchen. 4) Der Vatikanische Pallast rozc» Schuh lang und 720 breit mir 22 Höfen und mehr als 11000 Zimmern. Hier ist die berühmte vatikanische Bibliothek, welche von Sixtus V. angelegt, und durch die Heidelberger Bibliothek die der König«,, Christina 00» Schweden, des Cardinal Quirini, und des Herzogs von Urbino bereichert wurde, und in 8 Sälen nebst einer großen Menge von gedruckten Büchern über 40000 Manuskripte enthielt, wovon aber, wie aus der Sammlung von Münzen, Sta- tu,n und dergleichen das edelste nach Paris geführt wurde, z) Das Luirinal auf dem Monte Cavallo, oder die eigentliche Residenz des Papstes, prächtig gebaut, mit schönen Gärten, und einer herrlichen Aussicht. 6) D>e Engelsburg, eine starke Citadelle, hat ihren Nahmen von einem Engel, den Gregor der Große während einer Pest auf dem Giebel des Gebäudes wollte gesehen haben, welcher im Begriff war, ein blutiges Schwerdt in die Scheide zu stecken. Dieses Schloß , merkwürdig durch seine ehernen Thore, enthielt den päpstli- , chen Schatz, daS Archiv, die Kleinodien der Kirche, das Zeughaus, die dreifache Krone u. s. w. 7) DaS LsmpicloZlio, auf dem Grunde des alten Capitols von Michael Angclo erbaut, wort» daS von Rom 49 Clemens XII. gestiftete Capitolinische Museum zu sehen ist. Außer, dem besitzt Rom noch eine Menge merkwürdiger Palläste, z. B. den Borghesischen, Farnefischen, und Barberinischen mit kostbaren Sammlungen , unschätzbarer Kunstwerke. Bonden antiken Gebäuden find vorzüglich zu bemerken: i) DaS Pantheon, völligerhalten, und nach 200a Jahren noch völlig fest; iLO Schuh hoch und fast eben so viel im Durchmesser, ohne alle Pfeiler und Fenster, oben zugewölbt bis auf eine Kreisöffnuug von 2L Schuh im Durchmesser. Das Portal ruht auf 16 Säulen von Granit, jede L Schuh im Durchmesser. Dieses Römische Pantbeon iss jetzt in die Kirche Maria Rotunda verwandelt, in welcher Raphael von Urbino, Mengs und Hannibal Carraccio begraben liegen. 2) Trajans Säule, izg Schuh hoch, und auS 54 Marmorblöcken zusammengesetzt,, die innerlich zu einer Wendeltreppe von >84 Stuffen durchgearbeilef sind. Aeußerlich find Trajans Thaten in halberhabner Arbeit angebracht, z) Das Collosseum (Goliseum) oder das Amphithea- ter des Bespasians als Ruine von großem Umfange. ES konnte an 85000 Zuschauer fassen. 4) Die beiden herrlichen Triumphbögen des Sept. Severus und Constantinus von Marmor. Seitdem der Papst seinen Sitz nach Savona verlegt hat, ist nur noch ein Erzbischof in Rom. Die 186 Mönchsorden sind feit i8>o bis auf 4 Nonnenklöster aufgehoben worden. Von andern öffentlichere Anstalten sind noch zu bemerken: 1) Die kaiserliche Universität und verschiedene Collcgieu, zum Tbeil mit eigenen Bibliotheken und Sammlungen , als das Kircherischc Museum u. s. w. versehen, und mit der berühmten Buchdruckerei ckolla k'ropLAauäL, wo in zo verschiedenen Sprachen gedruckt wird. 2) Akademien und gelehrte Gesellschaften, vornehmlich die Akademie deS heiligen Lucas, wo Mahler, Architekten , Bildhauer, Kupferstecher aus alle» Nationen ihre Talente ausbilden, und ohne Unterschied der Nation und Religion sich um den Preis bewerben können; die Akademie der Römischen Geschichte; die der Kirchengeschichte; der Geographie; der Kupferstecher; die Arkadische Akademie der Dichtkunst; die Akademie der AltcrthumSforscher. Z) Gallerien und Musen, worunter sich das Clementinische auszeich- uet. Man besucht fie unter der Leitung der sogenannten Ciceroni, welche auch die Fremden zu deli übrigen Merkwürdigkeiten führen, und mit mechanischer Beredsamkeit ihre Schönheiten entwickeln. 4) Die Theater; das Hauptmoment des Carnevals. Zwei sind für die grosse, ernste Oper, und 6 kleinere für die Opera Buffa bestimmt, z) Der Corso, eine prächtige breite Straffe, in welcher besonders zur Carne- valSzcit Spazierfahrten, Wettrennen und dergleichen angestellt werden. 6) Die Hospitäler, deren dreißig sind, unter denen das zum heiligen Geist, der Dreieinigkeit, und des heiligen Jakob die merkwürdigste» sind. Rom besitzt viele In - und Ausländische Künstler, Mahler, Bildhauer, Baukünstler u. s. w. Die Manufakturen liefern Seidenzeug, Tuch, Pomaden, Essenzen, Kunstblumen u. s. w. Von den Umge- Cnnv. Lex. Fünfter Band. D Rom düngen Roms sind die viele» Dillen zu bemerken, worunter die Borg- hesische die größte und schönste ist. Roman. Mit dieser Benennung wird eine Gattung der zahl« reichsten Geistesprodukte des neuern Europa bezeichnet, die sich aller Klassen der mdnschlichcn Gesellschaft in den cultivirte« Landern dieses Welttheils bemächtigt hat, und einen großen Zweig der schriflstelleri« schen, so wie der merkautilischcii Industrie des Buchhandels ausmacht. Sein Gegenstand ist der Mensch, unter allen Formen und Gestalten, in Verhältnisse und Schicksale verflochten, wie ihn sich nur die schöpferischste Phantasie zu danken und darzustellen v^mag. Vorzüglich sind das Mensch, licke Herz uud menschliche Charaktere nach ihrer mannigfaltigsten Mischung, ihren verschiedensten und sonderbarsten Trieben, Neigungen, Leidenschaften, Launen, Gesinnungen sein unerschöpflicher und unter den Händen großer, mit Bevdachkungsgeist auSgestatkeler Schriftsteller, in diesem Fach, stets neuer Gegenstand. Eden so uneingeschränkt, als in der Wahl seiner Gegenstände, ist der Roman in seiner Form: Erzählung (fortlaufend, oder in Abschnitte — Kapitel — gecheckt), Brief, Dialog; fast jede Darstellungsweise eignet er sich zu, und oft alle zugleich. Jedem Roman liegt eine Fabel zum Grunde, d. i. eine Reihe zusammenhängender Begebenheiten, die das Schicksal und die Verhältnisse der darin aufgeführten Personen von einem Zeitpunkt zum andern dergestalt verändert zeigen, daß sie die Bosorgniß des LeserS für solche erregen, der SllleS sich immer mehr verwickeln und verschlingen sieht, bis sie sich am Ende aus eine nicht immer unerwartete, ober doch immer befriedigende Art entwickeln. Ohne Fabel gibt es keinen wahren Roman (Jean Paul Friedrich Richters Romane sind darin sehr vernachläßigt, fast nur abstrakte Wesen von Personen, abgerißnen Situationen, und einer Ueberfülle von Raisonne- nienls); und je vollkommner die Fabel ist, je mehr Personen, Situationen und Begebenheiten aus und durch einander entspringen, einander binden und bestimmen, jem-hr demnach Alles in Leben und Wirklichkeit ist, durch Verwickelung und Entwickelung die Erwartung spannt und befriedigt, desto vollkommner ist der Roman. Man sieht daraus von selbst, was für eine Art von Geisteswerkcn der Roman ist: nähmlich eine Art, oder, wenn n lieber will, eine Abart von Poesie, die sich aber zu ihren Darstellungen der Prosa bedient, und den freiesten Spielraum eilaubt. Durch seine Fabel, seine (nur nicht gerade durch Handlung) charakterisirlen Personen, seine Verwicklung und Entwicklung spielt er in die epische und dramatische Poesie, von denen er sich aber durch weniger raschen Fortgang, als im Drama, und durch weniger Handlung, als selbst im Epos, so wie durch seinen letzten Zweck, und seine Form unterscheidet. Der Roman will gefallen, (nicht bloß belehren) wie die Epopee und das Schauspiel, und dieß macht ihn zu einem freien, obwohl an die Wirklichkeit sich am meisten haltenden Produkt der Einbildungskraft; aber er bezweckt weder bloß das Wunderbare der Epopee (ob er gleich von dem Wunderbaren — wie dieß in Schillers Geisterseher auf eine meisterhafte Art geschieht — sehr zweckmäßig Gebrauch Rom 6» machen kann), noch bloß den Eindruck des Schauspiels, Lustspiels oder Trauerspiels innerhalb eines eben so beschränkten und abgemeßnen Raums. Es gibt Romane der komischen (z. B. Jüngers Fritz), der sakprischen (z B. die Romane von Swift), der tragischen (z. B. die Leiden deS jungen Werter) Art; die größte Anzahl hat mit dem Eindruck deS Schauspiels Aehnlichkeit (fast alle L afo n- tain ische Romane gehören in diese Classe von gemischten Empfindung n , die weder einen komischen, noch tragischen Ausgang Hut). Selbst eine Gattung des Naiven hat sich der Roman, oder hat vielmehr Anton Wall dem Deutschen Romane angeschaffen, in der er einzig, auch von seinen glücklichsten Nachahmern, z. B. Friedrich Laun, unerreicht dastcht, so wie er sich in Absicht seines ganzen schriftstellerischen Werths durch feine wahren Kunstwerke noch über Lafontaine erhebt. In Absicht auf seinen Umfang ist der R» »an völlig unumschränkt: wenn er nur, in der längsten Reihe von Bänden, wie z. B. die Clarissa, das Interesse zu erhalten weiß. Auch unterscheidet sich der Roman von den eigentlich poetischen Gattungen des Epos und Drama dadurch, daß er auf eine andre, oerweilendere und allseitigere, mehr raisonnirende als anschauliche Art Belehrung mit Unterhaltung verbindet. Romane werden stets Bedürfniß auch des gebildetsten Publikums seyn. Langeweile und Bedürfniß nach Unterhaltung, die Alltäglichkeit der Wirklichkeit und Gegenwart, daS Interesse der Neugier und gespannten Erwartung, der Hang zum Wunderbaren, daS Wohlgefallen an Abenteuern und kühnen Thaten, die Spiele des Zufalls »ud des Schicksals, Mangel an Ausbildung und Unfähigkeit, sich mit einem andern belehrenden oder wissenschaftlichen Gegenstände zu beschäftigen, und wie viele andre Triebfedern deS menschlichen Geiste- und Herzens, ziehen den größten Theil der Menscheu in die Welt der Romane hinein. Bei sehr Vielen wird die Romaneiilectüre eine Sucht, und bei solchen, die weiter nichts als Romane lesen, ein Geist und Hcrztötendes Gift. Ja, es gibt nicht Wenige, welche durch unge- meßne Romaneiilectüre ihren Verstand verloren, durch Anfüllung deS Kopfs mit phantastischen Vorstellungen, und durch Verwirrung aller Begriffe sich eine wirkliche Geistesverwirrung und Zerrüttung des Ge«, stcs zuzogen. DaS ist auch sehr natürlich, da die mehr sinnliche als intcllec- luclle (die Sphäre der eigentlichen höher» Bildung von Geist und Herz) Gattung des RomanS wohl zur Unterhaltung. Erhohlung, Belebung und Erquickung des Geistes, aber nicht zur Nahrung desselben taugt. Auch der Roman muß, wenn er mehr als ein bloßes, unnützes Spielwert seyn soll, sich an Wahrheit und Wirklichkeit, und zwar mehr als ein andres Produkt der Phantasie, halten (hierin liegt auch der Grund seiner prosaischen Form), und es macht i» dieser, so wie in mchrern andern Hinsichten dem Deutschen Publikum, vorzüglich der diesem Schriftsteller so sehr ergebnen, schöne» Welt Ehre, in La son- taine dessen Licbliug zu sehn. Aber was soll man zu der Liebe eiiie- gcwissen Publikums für den ungeheuer» Raubcrhauplmann Rinaü 6 r Rom do Rinaldini, für die Ausflüsse des Cramerfchen Genie's und und für die Produkte ähnlichen Gelichters sage»? — Es gibt auch Romane für die denkende Welt; sonst würde dieser Theil des Publikums, der unmöglich andre Romane als die eines denkenden Kopfs zu seiner UnteiLaltuiig und Belehrung lesen kann, und doch das Bedürfniß der UnttHaltung und Phantasie, außer dem Kreise der Wissenschaften in Stunden der Erhohlung und zur Belebung deS Geistes mit dem größern Publicum theilt, hier ganz leer ausgehn. Für diese Classe des Publicums ist Jacobi's Woldewar, sind vorzüg- / lich Wielands Romane; rin Agathon, Agathodämon, Ari- stip.Peregrinus Proteus. Auch der denkende Geschäftsmann, so wie jeder, wenn auch nicht wissenschaftlich gebildete Mensch findet in dieser Hinsicht durch die historischen Romane von Voß, aus der Englischen^ Geschichte, die Unterhaltung mit Belehrung auf das schönste vereinigt, ohne der Geschichte Abbruch zu thun, so wie in Knigge's, Müllers in Itzehoe, Romanen für sich gesorgt. Jean Paul Friedrich Richter'ö Romane, denen es oft an Tiefe des Geistes nicht fehlt (häufiger ist er wie Poung nur scheinbar tief), gewähren nur bei weitem nicht genug das freie Vergnügen des Romans und deS un- beleidigren Geschmacks. Als wirkliches Kunstprodukt in Absicht auf Haltung, Rundung, Glätte, Harmonie und Ebenmaaß des Ganzen und einzelner Thcile, des Inhalts und Vortrags hat unter Jean Paul's Schriften das auch durch seinen tief gefühlrcn Gegenstand vorzügliche Campanerthal (nur nicht der Anhang dazu) noch den meisten Werth. > Unter den vorzüglichsten Romanen, welche die Probe der Zeit geholt n haben und bestehen, glänzen als Sterne der ersten Größe: der Donquiifote von Cervantes, Sterne's (Tristram Shandy mit dessen Uoriks empfindsame Reisen), Kicld- lings (vorzüglich dessen Tom Jones), Richardsvns (Claris s a und Grandison) Romane, in der Französischen Literatur R o usseau's n eu e H elo j sc; unter den Deutschen Göthe's Leiden des jungen Werther und Wilhelm Meisters Lehrjahre, Schillers Geisterseher, LhümmelsRei- sen und E n g els Herr L orenz St a rk. (Wielands Romane sind schon genannt). Alle andre lasse» sich in dieser Classe nicht nenne»; und die Zahl der Meisterwerke im Fach deS RomanS ist, der Klulh vv» Romanen zum Trotz, sehr klein. Viel älter, als der Nähme Roman — der an die barbarischen Zeiten der verdorbnen Römersprache im Mittelalter erinnert — ist di« Sache selbst. Der Sache nach hatten ihn schon die Alten, ober'nur » in einem und dem andern Produkte. Lenophon's Cpropädie, dessen Ga stm a h l, mehrere Stücke von Plato und Luc« an, Petron's Satyricon tragen an sich den Charakter eines Romans. Roma na (MarquiS de la) ist ein Neffe deS General Don Ventura Caro, und zeichnete sich in den Jahren 1795 und 1-94 durch seine Bravour nnd militärischen Kenntnisse in Navarra und Rom üz Eatalonken aus. Er ist ein sehr gelehrter Mann, versteht alte Sprachen und hat sich durch seine Humanität sehr beliebt gemacht. Als kühn und tapfer wird er allgemein gerühmt. Er war Kommandant des Spanischen Korps, das von dem vorigen Könige, Carl IV an Frankreich überlassen, bei dem Prinzen Pontecorvo im Dänischen stand, und von diesen im August 1808 heimlich entweichend, auf Englischen Schiffen wieder nach St. Andre in Spanien transportirt wurde. Hier hatte Romana mit den Franzosen manchen Kampf und ungeachtet er mehrmahl geschlagen wurde, brachte er doch nach bedeutendem Verluste immer wieder neue Truppen zusammen. In der Folge wurde er bei der Junta in Cadix Präsident. Die Romanesque s. Gaillarde. Romantisch. Da die meisten Romane die Menschen und Begebenheiten nicht so schildern, wie sie in der Natur und in der wirklichen Welt erscheinen, sondern so, wie sie nach einem ästhetischen oder moralischen Ideale seyn sollten, oder wie sie die oft überspannte Phantasie des Dichters sich erträumt; so nennt man romantisch, im guten und schlimmen Sinne, alles, was entweder durch idealische Vollkommenheit, oder durch abenteuerliche Seltsamkeit und Verschrobenheit von dem Gewöhnlichen abweicht. So heißt ein Gesicht romantisch, wenn cs bei dem sanften Ausdrucke von Unschuld, Zärtlichkeit, Offenheit ein reitzbareS Gefühl für Freundschaft, Liebe, Menschlichkeit verräth — eine Gegend, eine Lage, wenn ihre erhabnen oder rührenden Schönheiten nicht durch blinde Naturkraft zusammengestellt, sondern nach einem künstlichen Plane zu Erweckung sanfter oder erhabner Empfindungen absichtlich angelegt scheinen — ein Charakter, indem Neigung zum Ungewöhnlichen, Freundschaft, Liebe, Patriotismus, hoher Glaube an die Tugend oder Erwartung eines seltsamglücklichen Ausgangs wohlgemeinter Unternehmungen u. s. w. oder auch schlichte Sitteneinfalt, Vernachlässigung des Herkommens, der Mode, der Formalitäten, der Hafsitte in den Handlungen des gemeinen Lebens, vornehmlich aber in der Wahl des Standes, des Gatten, der Freunde hervorstechend sind. Allerdings kann sowohl der Hang zu idealisi- ren, als die treue Anhänglichkeit an die Natur auf Abwege verleiten, jener kann unter das gewöhnliche Gute hcrabsinken lassen, welches er zu überfliegen, diese von der Natur entfernen, welcher er anjunähern strebt; allein die Grundlage des Romantischen ist edel und schön. In der wirklichen Welt, d. h. in der Welt der gemeinen Menschen, dir durch Eigennutz, Gewohnheit — Vorurthc-! regirt wird, verstößt freilich ein romantischer Sinn mit jedem Schritte. Flache seelenlose Welt- leute, Schlendriansmännrr, die da in der Meinung stehen, alles müsse so seyn» wie es bisher war und noch ist, glauben daher, einen uneigennützigen Charakter, ein edles Streben, sich und die Menschheit zu vervollkommnen, nicht leichter herabwürdigen zu können, als durch den Vorwurf des Romanischen. Romanze, ist jetzt in unsrer Sprache gleichbedeutend mit Ballade, so wie sie es ursprünglich mit Roman war. Alle westliche Europäischen Sprachen, die aus einer Vermischung des Lateins mit den Sprachen der von den Römern unterjochten, oder später von Osten her 64 Rom eingewanderten Völker entstanden waren, wurden im Mittelalter R o- mansche genannt; insbesondre aber bezeichnte man mit diesem Nah« men das Drovenzalische Idiom — ein verdorbnes und verstümmeltes Latein, in welchem die ersten dichterischen Versuche der neuern Zeit gemacht wurden, so wie noch jetzt ein in gewissen Gegenden Grau- bündens übliches Afterlatein die Romanische Mundart benannt wird — Man legte nachher den Nahmen der Sprache gewissen kürzer» Gedichten bei, dergleichen schon früher in Spanien , England u. s. w. vorhanden waren. Es sind dieses erzählende Lieder aus der frühesten Epoche der sich entwickelnden, und kaum der Barbarei entwachs- nen Culkur: daher ist Einfalt, Natur, gutmüthiger Aberglauben ohne Fanatismus, Unbckanntschafl mit gelehrten Begriffen, Reinheit, aber Rohigkeit der Sitten, treuherziger Biedersinn der Geist, welcher darin alhinen muß. Die Romanze kann daher scherzhaft und rührend , aber satprisch und ironisch darf sie nicht seyn, wenn sie nicht ihren Geist verläugnen wist. Das Metrum ist simpel und singend. Der Effect der Romanze ist langsame, imm-'r zunehmende Rührung. Nach Rousseau'S Unheil ist er am stärksten, wenn die Ballade bloß gesungen, er verliert sich, wenn sic mit Instrumenten begleitet wird. Liebe und Heldenthaken waren ihr frühster Stoff. In Frankreich wurde sie zuerst vom Roman, so wie dieser von der No. velle genau unterschieden. In Italien nannte man Romanzen auch größere Gedichte, zu welchen das Ritterwesen den Stoff hergab. Die Spanier haben die meisten und mannigfaltigsten Romanzen ge- sungen,- selbst traurige und religiöse Gegenstände kleideten sie in diese Form. Die best n sind von Alonso oe Fuentes. Ohne Grund schreibt man die Einführung dieser Dichtart zugleich mit dem Reime den Arabern zu, die so vi)e Jahrhunderte in Spanien hausten. Die Natur führt den Menschen , der auf einer niedrigen Bildungsstufe steht, von selbst auf diesen Ausdruck der Empfindung, drr sich so gern an Melodie anschließt. Inzwischen mag die Vermischung mit dem hochherzigen, tapfer» und verliebten Volke der Araber der Spanischen Mule manchen Stoff geliefert haben. — Die ältern Franzosen kannten die Romanze unter diesem Nahmen nicht. Doilure brachte sie in Aufnahme. Die bessern sind von Moncrif, Fabred'Eglan« tine, Florian, Berquin; doch sind die Französischen Romanzen, wovon jetzt die Musenalmanache wimmeln, selbst jene bessern nicht ausgenommen, zu galant und zu sehr mit dem Gepränge der modischen Verfeinerung und Verbildung gestempelt. — Die ältesten Englischen Romanzen sind aus der Regierung der Köm Elisabeth. Die spätern trafen den wahren To» nicht, oder durften ihn nicht anschla- gcn, wenn sie mildem üppigen, verderbten, überrolizirten Zeitalter Earls I. und noch mehr Carls II. nicht im Mißklangc stehn wollten. Nachher sank die Romanze zum platten Volksliede herab. Die beste,. Engl, sind von Prior, Goldsmith, Neil, und Peray. — Deutschland hat Gedichte dieser Art gehabt, lange ehe der Nähme Romanze gehört wurde. Das älteste bekannte ist ein Volkslied auf Landgr. Ludwig von Thüringen, vom Jahr H2z. Ihm folgten unzählige im Hoch-und Plattdeutschen Dialcctr. Zuerst wurden sie von Rom Gleim unter dem Nahmen R o m a n z e aufgeführt. Diesem nebst Bürger, Za chariae, den Grafen zu Skolberg, Pfeffel, Claudius, Mahler Müller, Langbein haben wir die besten Deutschen Balladen zu verdanken; über alle ragt Burger -ervor. Die Romanze, in so fern es die Musik oder den Gefwng derselben betrifft, muß, so wie das Gedicht selbst, einen einfach ruh. »enden Charaktkr haben weder Zieratben »och Manieren, bloß eine gefällige, natü licke, leichte, Melodie, welche durch sich selbst ohne die Kunst des Vortrags Wirkung thun muß. Man pflegt auch gewisse Tonstü» cke, welche bloß für Instrumental-Musick gesetzt stad, Romanze zu überschreiben, wodurch der Charakter angegeben wird, in welchem selbige vorqekragen werden müssen, und welcher mit dem, waS so eben vom Gesänge der Romanze angeführt worden, ganz übereinstimmt. Die Taktart ist gewöhnlich V ier B ierkel. Romanzow (Graf Nicolaus von) Russischer Senator, Mitglied des StaatSrathS, Ministerder auswärtigen Angelegenheiten und des Commerzes, Generaldirektor der Wasserverbindunqen und des Strassenbaues, Ritter der Russischen Orden u. s. w. Dieser thätige Mann, der schon einige Jahre das Commerzministerium führte, und hierauf zum StaatSminister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt wurde, begleitete den Kaiser Alexander auf seiner Reise nach Erfurt, ging dann nach Paris, um einen Friede» mit England zu unterhandeln; da dieser aber nicht zu Stande kam, kehrte er nach Petersburg zurück, wo er bedeutenden Einfluß auf alle Staatsangelegenheiten hat. Romanzow Sadunoiskoi, ein berühmter Russischer Ge- neralfeldmarichall, der besonders in dem Kriege gegen die Türken von 1763 bis 1774 einen unsterblichen Ruhm erlangte. Uebcrall, wo er kommandirte, waren Kraft und Mukb und Feldherrnkunst vereinigt. Er siegte den 13 Jul. 1770 am Kargaflusse und gewann am ersten August dieses JahrS ein entscheidend großes Treffen am Kagul. Die Kaisern»» Katharina suchte das Andenken an diesen Sieg, der ihr Bender und viele andere wichtige Plätze verschaffe durch einen marmornen Obelisk zu erhalten. Die Türken sehnten sich auf die wiederholte Niederlagen nach dem Frieden, allein da sich die Verhandlungen zerschlüge«, setzte Romanzow seine Unternehmungen glücklich fort und seiner letzten Campagne an der Donau verdankte Rußland den ruhmvollen Frieden von Kontschak Kainardge. Affof blieb kraft desselben bei Rußland; in der Krimm erhielten die Russen die Festungen Jcnikale und Kiertsch, auch bekamen sie Kinburn am Duevr, Ocza- kow gegenüber nebst den Wüsteneien zwischen dem Dnepr und Bog. Der wichtigste Gewinn aber war die freie Russische Schiffahrt auf allen Türkischen Meeren. Außer mehrern andern Geschenken bekam der Sieger, der mit seinen Verdiensten B- scheidenh.it verband, ei» Land mit 5000 Bauern und begab sich hierauf in fein Gouvernement in der Ukraine. Als der Krieg gegen die Türken >737 von neuem ausbrach, und Rommanzvw das Kommaudo mit dem Fürsten Potemkin theilcn 66 Rom sollte, entschuldigte er sich mit seinem hohen Alter und starb einige Zeit nachher mit dem Ruhme eines der größten Feldherrn seines Jahrhunderts. Romelien, Rumilien, (von den Osmanen kum — Ili genannt) das ehemahlige Thracien, ist eine ansehnliche Türkische Statthalterschaft, welcher ein Beglerberg, der zu Sophia rcsidirt, vorgsetzt ist. Vom Gebürge Hämus (gegen Norden), von dem schwarzen Meere und dem Hellespont (gegen Osten), dem Archipelagus (gegen Süden), endlich von Makedonien (gegen Westen) begrenzt, sind die Gegenden in den Gebirgen zwar kalt und unfruchtbar, aber desto angenehmer und fruchtbarer in den nach dem Meere gelegnen Gegenden. Zwei Sandschaken regieren Rumilien, in dessen Einem Departement Constantinopel, Adria uopel, Galata, Pera rc. liegen —Galata und Adrianopel sind für den Handel die wichtigsten Plätze in Rumilien. Romulus, der Stifter deS kleinen Römischen Staats, welcher nachher die Weltherrschaft erlangte, lebte in der Mitte des achten Jahrhunderts vor christlicher Zeitrechnung in Alba Longa, einem kleinen Königreiche in Latium, oder der südwestlichen Küste deS heutigen Kirchenstaat-. Seine Mutter eine Vestalischc Priestcrin, Rahmens Rhea. Sylvia, verletzte daS Gelübde der Keuschheit, und die Folge davon war, daß RomuluS und Remus, zwei Zwillingsbrüder, geboren wurden. Die Fabel, die überhaupt in der Geschichte des Ro mulus sehr oft a» die Stelle der Wahrheit tritt, gibt den Gott Mars (s. dies. Art.) als ihren Vater an, und sagt zugleich, daß beide, nachdem sie in der Wüste am Ufer der Tiber ausgesetzt worden, von einer Wöl fin gesaugt und so erhalten worden wären. Sie wurden aber wahrscheinlich heimlich von einem Landmann oder Hirten, Faustulus, erzogen. Beide waren aus könig* lichem Gcblüte; denn ihr Großvater, Numitor, war König deS kleinen Alba Longa, hatte aber durch seinen niederträchtigen jünger« Bruder, Amulius, der auch nachher die Aussetzung der beiden Bastarden befahl, sein Reich verloren. Kricgsthalen und Räubereien waren die jugendliche Beschäftigung beider Prinzen; und als einst bei einer solchen Gelegenheit Remus gefangen genommen wurde, offenbarte sich daS Geheimniß von ihrer Geburt. Eomulus sammelte sogleich ein* kleines Heer, entthronte und ermordete den Amulius, gab seinem Großvater seine Länder wieder, und beschloß «un, mit seinem Bruder selbst eine Stade am Ufer der Tiber zu bauen , oder, wie Andre sagen, zu erweitern (7LZ vor christlicher Zeitrechnung, nach andern Chronologien, die aber nicht so allgemein angenommen worden sind, 7L4 oder >§2). Diese Stadl war Las in der Folge so berühmte Rom, welches auf sieben Hügeln errichtet wurde. Doch schon bei Legung des Grundes befleckte sich Romulus mit Bruderblut; denn er ermordete in einem Streite seinen Bruder Remus. Er berief, um seine neue Stadt zu bevölkern, Flüchtlinge ans allen Staaten Italiens zu sich und sie strömten ihm in solcher Menge zu, daß er bald die benachbarten kleinen Königreiche unterjochen konnte. Auch vereinigte er den benachbarten, schon etwas be- Rom 6 / trächtlichen Staat der Sabiner nutzem seknigen, wozu die Veranlassung sonderbar genug und folgende war: Es fehlte dem neuen ans lauter waffenfähigen Flüchtlingen bestehenden Staate fast gänzlich an Weibern. Er stellte daher öffentliche Spiele an, bei denen sich die neugierigen Sabiner mit ihren Weibern und Töchtern häufig einfan- den. Auf ein gegebne- Zeichen fielen die Römer unter fie, raubten so viele Frauenzimmer, als sie nur bekommen konnten, und nöthig len fie mit Gewalt zur Ehr. Ein heftiger Krieg, der sich darüber ent span», endigte sich auf die dringendsten Bittender Weiber mit der Vereinigung beider Staaten. Die ungemeine Tapferkeit des Romu luS machte ihn zum Schrecken aller seiner Nachbarn , und das Glück begünstigte jede seiner Unternehmungen; aber beide- trug dazu bei, ihn zu einem übermülhigen Despoten zu machen: und wahrscheinlich fiel er auch selbst als Opfer dieses Despotismus. Denn er war einst, im Z7- Jahre nach Roms Erbauung, nach einem heftigen Ungewitter auf cinmahl verschwunden. Man gab zwar vor, daß er als unstcrb- licher Sohn des Mars vor den Augen der Senatoren lebendig in den Himmel gehöhlt worden sey; aber man vermulhet mit vielem Gruo- de, daß eben diese Senatoren ihn heimlich aus dem Wege räumten. — Er ist »och als Gesetzgeber merkwürdig, da er viele sehr weise und ganz dem rohen Zustande seiner Bürger angemeßne Gesetze über Reli. gion, Mord, Ehen, väterliche Gewalt, Erziehung», s. w. gab, die z»m Thcil in die zwölf Tafeln ausgenommen wurden, und sich sehr lange erhielten. wichtiger ist aber die Constitution, die er dem neuen Staate gab. Monarchie war die Grundlage; und fie wurde durch Aristokratie, mehr aber durch Demokratie beschränkt. Der König selbst hatte das Commando im Kriege, da- Recht, Volksschlüsse zu bestätigen, die oollstreckende Gewalt, und größten Theils auch die richterliche und aufsehende; der S e n a t oder Rath stand ihm als Rathgeber zur Seite, konnte aber nur in Sachen, die ihm vom Könige freiwillig vorgetragen wurden, entscheiden, und bestand aus 100 der weisesten und angesehnsten Römer (patres), denen nach der Vereinigung mit den Sabinern noch eben so viele S a« b in er hinzugefügt wurden (consoripti: Neuangenommene). Unter Julius Cäsar stieg dessen Zahl auf Zoo, und blieb seit dem Au, gustus 6 oc>. Sie machten einen Erbadel ans , und wurden nachher mächtiger; auch wurden damahls die höchsten Staatsbeamten (Magistratspersonen) auS ihnen gewählt. Da- Bolk war endlich in drei Haupttheile oder TribuS, und diese drei zusam, men in Zo Curien oder Sectionen grtheilt, und hatte daS Recht, eigne Volksversammlungen oder Comitien zu halten, in welche» nach Curien vvtirt wurde, und alles nach Stimmenmehrheit ging. Auf diesen Versammlungeu übten sie folgende Rrchte aus: daß sie die Magistrat-Personen wählten, Krieg und Frieden schloffen, und Gesetze und Schlüsse, die aber ohne königliche Bestätigung nicht galten, adfaßten. Doch waren diese drei Gewalten bei weitem noch nicht genau bestimmt; und Tarquinius Superbus, der siebente und letzte König RomS, veranlaßte dadurch, daß er die monarchische Gewalt auf Unkosten der beiden übrigen er- 6g Ro » hob, den Umsturz der königlich^, Macht. Es entstand nun eine mehr aristokratische als demokratische und weit genauer bestimmte Verfassung ; aber bald darauf siegte wieder die Demokratie, da das Volk durch muthvolle Forderung seiner Rechte einen Grundpfeiler der Adelsherrschaft nach dem andern über den Haufen warf. (Die übrigen Schicksale dieses von Romulus gestifteten Reichs s. in. in d. Art. Rom.) Id oii6e, (Franz. Rongde) in der Kricgssprache: die Runde, d. i. eine Wache, die bei der Rächt herumgebt und die Posten besichtigt. Der kso st (Rong) im Tanze ist die Figur, ipo die Tanzenden sich die Hand geben und einen Kreis bilden. Rondel, (in der Baukunst) ein Rundwerk, z. B ein runder Thurm, ein runder Platz, von Bäumen oder Gebäuden eingeschloffen. Das Rondeau, (Poesie, Musik) ein kleines Gedicht oder Lied von mchrern Strophe», wovon alleniahl die ersten nach Beendigung einer jeden folgenden Strophe wicdcrhohlt werden. Natürlich muß in diesen folgenden Strophen etwas enthalten seyn, worauf die zu wiedrrhohlende erste Strophe jedes Mahl paßt. Eben dieß muß auch in Ansehung der Musik von dem Tonsetzer beobachtet werden, welcher nach Anleitung deS Testes eine Hauptmelodie dazu setzt, und dann für die folgenden Strophen die Modulation so einrichtct, daß der Schluß jedes Mahl auf den Anfang der erstern paßt. Man hat nachher auch öfters Tonstücke für bloße Instrumentalmusik, und zwar besonders auch in Conecrten, Solo s rc. als Ron de au's bearbeitet (sie werden, wenn nicht ein besouderes Tempo angegeben ist, gewöhnlich in einer lebhaften Bewegung vorgetragen), so daß allemahl, nachdem ein einzelner Satz unter allerhand Abwechslungen der Modulation in oerschiednen mit dem Haupttone verwandten Tonarten durchge- sührt worden, das Hauptthema widerhvhlt wird. Ronneburg, eine Stadt mit einem Gesundbrunnen im Für. stenthum Altenburg. Die Einwohner verfertigen wollene Zeuge und Töpferwaren. Peter Ronsard, oder eigentlich Noussard, gcb. zu Poisso- nieie rz 24 , der erste neuere Odendichter der Franzosen von Erheb- lichkeit, der seine Werke in der damahls ganz vernachläßigten Landessprache herausqab und zu deren Ausbildung den Grund legte, schrieb eine Menge von Gedichten, unter denen si tz besonders die Oden, Hymnen und Schäfergedichke auszeichneten. Es f hlt ihm nicht an Schönheit, Erhabenheit und Schwung; allein er ist zu gelehrt und schwülstig, bisweilen pedantisch und geschmacklos — ein Fehler des Zeitalters — zu sehr Freund von fremden Wörtern, und bindet sich zu wenig an Sprachregeln. Dieser zu seiner Zeit von ganz Frankreich ungemein geehrte, jetzt aber zu sehr vergeßne Dichter starb r ;8L. Man denkt immer nur seiner Fehler, und vergißt dabei, in was für Zeiten er lebte, was er für seine Sprache that. In der Geschichte der Französischen Dichtkunst macht er wirklich eine neue Epoche, indem er in derselben, sowie Rabelais und nach ihm Malherbe in der Pivse, die Bahn zur Vcrscheuchung der Barbarei brach. Ron Ros 69 Ronsdorf, ein wichtiger und volkreicher Manufakttlro-°t im Herzogthum Berg, wo in zzo Häusern auf 4000 Einwohner leben. Roose (Bettp) Tochter des berühmten k. k. Hofschauspielcrs Eckardt, genannt Koch, wurde am sc». Oktober 1778 zu Hamburg geboren und erhielt dort ihre erste Erziehung. Im 10. Jahre trat fie zu Riga das erstemahl auf; 1794 spielte fie zu Mannheim, später in Hannover. Endlich ,798 kan, sie mit ihrem Vater nach Wien, und wurde bald der Liebling des Publikums Sie glänzte in heroischen und naiven Rollen; als Oktaoia, Jphigenia, Pvlypvna, Nina, Ada u. s. w. wird fie ewig unvergeßlich bleiben. Die Natur hatte fie mit vielen Reihen beschenkt, und die Kunst schmiegte fich freundlich an ihre Seite. Die volltönende harmonische Stimme, der echtrömische Kopf, der edel majestätische Gang trug nicht wenig zur Vollkommenheit ihrer Darstellungen bei. Sie starb zu Wscn, in der Blüthc ihrer Jahre am 24 Octobcr rgoZ an den Folgen einer unglücklichen Entbindung. Gaston Jean Baptiste Herzog von Roquclaure, Pair von Frankreich, Ritter der königlichen Orden und Gouverneur von Guienne, stammte aus einer alten Französischen Familie. Da sein Vater Marschall von Frankreich w >r, trat er ebenfalls in Kriegsdienste. Nachdem er 164t in der Schlacht bei Sedan verwundet und gefangen worden, gab ihm der König eine Hofcharge; allein er nahm bald wieder Kriegsdienste, hielt fich sehr tapfer, so daß er bis zum General-Lieutenant stieg und endlich 1652 zn,n Herzog und Pair von Frankreich ernannt wurde. Im Jahr »076 wurde er Statthalter von Guienne und starb zu Paris ,68Z. Ungeachtet er wirklich als tapferer Soldat fich ausgezeichnet hatte, so war er doch mehr als der vorzüglichste Lustigmacher am Hofe Ludwig XlV. berühmt. Auch fehlte es ihm eben so wenig an Witz als an Freiini'ilhigkeit. Man hat seine witzigen Einfälle in einer besonder» Schrift: b.s Uomus francois, ou te§ LVLNtures clu 6uc 6s kostuslsure, die mehrere Mahle gedruckt worden, gesammelt. Allein fie enthält viele niedrig«! und gemeine Anekdoten, bei denen man, indem man fle von ihm erzählt, seinen Nahmen gemißdrauchl hat. Rorate, heißt in der katholischen Kirche derjenige Gottesdienst, welcher während der Adventszeit gegen Tagesanbruch gehalten, und wobei das Karate cosli 6ssuper rc. aus dem Jesaias angestimmt wird. Hier und da sind diese Andachten auch beim Lutherischen Gottesdienste unter dem Nahmen Rorate-Andacht beibchalten worden. kosa. (Lat.) rosenrotb. 8 ul, rosa, (unter der Rose) im Vertrauen oder insgeheim. Die Benennung kommt daher, weil öfters an der Decke der Speisesäle in den Klöstern eine Rose von Gyps als Verzierung angebracht ist. — Rose heißt eine sich weit umher erstreckende Hautentzündung, von gelblichrother und glänzender Farbe. Sic entsteht zunächst von Stockungen des Geblüts und gehemmter Ausdünstung. — Desgleichen: eine Krankheit der Thierc, besonders der Schafe, eine Art Brand, welcher Fleisch und Haare verzehrt und Ko Ros gemeiniglich vom Kopfe anfängt, auch Roth lauf genannt. — Rose von Jericho heißt im Bergbau eine Stufe von weißem Spath, zwischen deren einer Rose ähnlichen Blätter Glaserz liegt. — Rosen fest, ein an einigen Orten i» Frankreich und Deutschland eiuge- führtcs ländliches Fest, wobei das tugendhafteste Mädchen von der Herrschaft beschenkt und mit einem Rosenkränze gekrönt wird. R o- senobrl, eine alte Englische Goldmünze, ungefähr 4 Thlr. von der darauf geprägten Rose so genannt. — Rosen zinn, ist solches Zinn, welchen zu ZF Pfund ein Pfund Blcy beigemischt, und das nach der Verarbeitung mit einer Rose bezeichnet wird. Salvator Rosa, ein berühmter Landschaftsmahler, Dichter und Tonkünstler (geb. zu Reneffa, unweit Neapel, 1615), hatte als er- sterer eine solche Fertigkeit erlangt, daß er oft rin Gemählde an einem und demselben Tage anfing und vollendete Seine Gedichte waren voller Witz, aber äußerst beißend, oft auch anstößig, und konnten daher größten Theils nicht gedruckt werden. Aufgebracht über WälschlandsVerfall schrieb er Sakyrcn (unter dem Druckorte Amsterdam, wahrscheinlich 1664, nachher 17,9 und 1770 wieder herausgekommen). Als praktischer Tonkünstler war er nicht minder berühmt. Snst spielte er aus einem sehr schlechten Claviere. „Ah, sagte er, ich will es bald um 1000 Thalcr mehr werth machen." Er mahlte auf den Deckel desselben rin so schönes Stück, daß das Clavicr, halb schon zerbrochen, wirklich um die gedachte Summe verkauft wurde. — Rosa starb zu Rom 167z. Rosali e (Musik) heißt bei den Franzosen diejenige Geistesar- rnuth eines Eomponisten, wenn er einen gewissen musikalischen Satz, aus Mangel an Erfindung, unmittelbar um einen Ton hoher oder tiefer immer wieder bringt. Im Deutschen bezeichnet man dies durch einen nicht ganz unpassenden Ausdruck, nähmlich: Vetter Micheln, weil man in dem bekannten Volkslieder Gestern Abend war rc. einen starken Vorrath solcher Rosalien findet. Roschild, eine Dänische Stadt in Seeland, an einem nördlichen Meerbusen, wegen ihres Alters und ihrer Domkirche merkwürdig. Letztere enthalt die Begräbnisse und Denkmähler der Könige. Quintius Roscius, von Geburt ein Gallier, war einer der größten Schauspieler des alten Roms , die es jemahls hatte und ikt ihm und Aesopus bewunderte. Beide Künstler blühten schon in der Mitte des Jahrhunderts, welches vor dem Augusteischen unmiktel- ber vorherging; aber sie erreichten beide ein hohes Alter, und ließen sich, um den Großen und dem Volke mehr Ehre zu erweisen, auch in ihrem Alter noch zuweilen erbitten, bei außerordentlichen Gelegenheiten den Schauplatz zu betreten. Aesopus war bloß tragischer Schauspieler; Roscius war in beiden Gattungen vortrefflich. Cicero, «in großer Freund von beiden, lebte vorzüglich mit Roscius in einer Verbindung, die dem letzter« viel Ehre machte. In seiner Kunst hatte er nach dem allgemeinen Urthril seiner Zeitgenossen eine so große Vollkommenheit erreicht, daß es zum Sprichworte ward, von einem jeden, der in irgend einer Art von Wissenschaft oder Geschicklichkeit fich auszeichnete, um ihm das größte Compliment zu machen» zu sa- Ros Hr gen: Er sei ein Roscius in seinem Fache. Es gehört unter die besonder» Verdienste dieses Künstlers um das Römische Theater, daß sein Haus eine Art von Akademie war, worin sich unter feiner Anführung gute Schauspieler bildeten. — Er starb um das Jahr 6» vor Christi Geburt.' Die rothc und weiße Rose. So nennt man in der Engli« schen Geschichte die wegen ihrer blutigen und 52 Jahre daucrden Thron- folgekriege berüchtigten Häuser Lancaster und York, deren ersteres eine rot he, letzteres eine weiße Rose im Wapen führte. Beide stammten von Eduard HI. (starb >377) her, ersteres aus der dritten, letzteres aber erst aus der vierten Linie der Nachkommenschaft desselben. Das Haus Lancaster war also im Besitz der Königswürde; das jüngere Haus, York, behauptete aber, ein näheres Recht durch die Absetzung Richards II. (1399), aus dem Hause Lancaster, erlangt zu haben, weil es in diezweite noch ältere Linie geheirathet hatte. Der Krieg wurde--vom Herzog Richard von Port >453 eröffnet, und seine Siege halfen seinem Sohne und Enkel, Eduard IV. und v. nachdem Heinrich VI. aus dem Hause Lancaster, enkthrontwor- den war, zum Besitz der königlichen Macht, die sie von 1461—148!; behaupteten. Richard III. Herzog von Glocester, aus dem Hause Pork, Bruder Eduards I V. verschaffte sich die Krone 1483 durch Entthronung Eduards V. blieb aber 1485 im Tressen, und nun endlich machte die Thronbesteigung Heinrichs VII. aus dem Hause Tudvr, einem Zweige der rothen Rose, den Blutscenen ein Ende. Dieser Krieg ist sehr merkwürdig in der Reihe der Englischen Revolutionen, theils wegen der Grausamkeit, mit der er geführt wurde, und der häufigen Meuchelmordthaten, theils wegen seiner Folgen ; und wir können ihn nicht besser als mit den Worten Spittlers in der Euro päischen Staakengeschichte charakterisiren. „Er nahm mehr als 60 Personen der königlichen Familie, und mehr als die Hälfte des Englichen AdelS hinweg. Der Verlust der schönsten Provinzen auf de« festen Lande — nahmentlich in Frankreich — war das geringste Ucbel. Alle weitere Entwickelung der Constitution wurde aufgehalten, aller Patriotismus verwandelte sich in Parteigeist, und die Sitten des höheren « edlern Theils der Nation arteten in kriegerische Wildheit aus. Allein die Bauern gewannen dabei: die Leibeigenschaft nahm ab; denn die Falle kamen gar zu häufig, daß der Adel seine Landleute und Hörigen (d. h. Leibeigne) bewaffnen mußte." Der Rosenkranz, ist eine Schnur, an der sehr viele Korallen oder andere Kügelchen von verschiedner Größe angereiht sind» und an deren Ende ein Kreuz hängt. Die Katholiken beten darnach bekannt» lich ihr -Vvs lVIsri« und kater noster; ersteres jedes Mahl bei den kleinern, letzteres bei den größer» Kügelchen, die sie der Reihe nach ab- zählen. (Es sind nähmlich 15 Mahl 10 d/Iaris, und jedes Zehend mit einem knler unsrer unterschieden.) Der Rosenkranz entstand aus dem ziemlich eben so eingerichteten Paternoster» welches zu Ende des 11. Jahrhunderts erfunden, und zu Anfang des iz. von Dominicus de Gusman, Stifter der Dominicaner (s. dies. Art ), erweitert und mit mehr Kügelchen zum Behuf des Gebets ver, Ss R ds sehn wurde, auch durch ihn diesen Nahmen erhielt. Papst Gregor Xlll. stiftete 157Z das Rosen? ranz fest zum Andenken des >571 bei Lcpanto gegen die Türken erhaltenen Sieges, den man der Kraft deS Rosenkranzes zuschrieb. — Mein wir treffen den Rosenkranz nicht bloß unter Christen, sondern auch bei den Nichtchristen, besonders in Asien, wo er gleichfalls die Anzahl der zu haltenden Gebete bestimmt, auch fast eben diese Gestalt hat, nur mit Ausnahme des Kreuzes. So dienen z. B. die Rosenkränze den Verehrern der Lamai» scheu Religion in Tibet und unter den Kalmücken, so wie ihren Priestern zur Norm ihrer Gebete und Gesänge; und auch die Türken halten dieselben sehr heilig. Bei den letzter» werden sie aus heiliger Erde von M ecca und Medina gemacht, und bestehn aus 99 kleinen Kugeln, die alle zusammen drei besondere kurze Gebete anzeigen» deren jedes drei und dreißig Mahl wiederhohlt werden muß. Die Roscnkrcuzer. Vor dem Jahre »610 war dieser Nähme in Deutschland unbekannt; aber um dicse'Zeit erschienen gewiffe Schriften, welche damit bezeichnet waren, und wodurch das Publicum von dem Dasein einer geheimen Ges Üschaft benachrichtigt wurde» deren Zweck auf eine allgemeine Verbeff rung der christlichen Kirche, auf die Begründung einer dauerhaften Wohlfahrt der Staaten, und auf einen vollkommnen Lebensgenuß beabsichtigt scy. Man erzählte, daß ein gewisser Christian Rosenkreuz, der auf einer weiten Reise im Orient alle geheime Miss nschaften erlernt, und sich im B - sitz des Steines der W ifen befunden haben sollte, schon im Jahre 1388 der Stifter dieser GesÜ chaft geworden sey: aber man irrte; denn der eigentliche Schöpfer dieses schönen Plans war ein Gelehrter zu Wirtemberg, Valentin An dreck. Ob er wirklich dabei die Absicht hatte, einen solchen Orden zu stiften, od r ob er das Un- wesen, welches man zu seinen Zeiten mit der Alchymie und den geheimen Wissenschaften trieb, dadurch lächerlich mache» , oder endlich den geheimen Bund, welchen Agrippa von Nettesheim ehemahls gestiftet hatte, wieder erneuern wollte, bleibt zweifelhaft. Die Sache hörte nach und nach auf öffentliches Aufsehen zu machen, und die Seele der Roscnkrcuzer kam in Vergessenheit, und ezüstirte höchstens noch in den Köpfen der Goldköche und Adepten Im vorigen Jahrzehend sing man jedoch,an, abermabls davon zu sprechen. Rosette oder Raschid, eine ansehnliche und volkreiche Han* delsstadt in Unter-Egypten am westlichen Nilarme, in einer sehr schö. neu und fruchtbaren Gegend. Rosette, Rosenstein, wird ein Diamant genannt, der auf der obern Seite mit Fassetten spitzig wie ein Rofenknopf zulckuft, in, neu aber platt geschliffen ist. Diese Gattung ist schlechter als die Brillanten, aber kostbarer als die Tafelsteine. Außerdem werden auch versteinerte Korallen, die Figuren wie Rosen haben, Rosetten genannt; man pflegt sie ebenfalls, nachdem sie wie achatarkige Stei» ne geschliffen worden, in die Ringe zu fassen — endlich nennt man auch jede in Gestalt einer Rose«« Gold - oder Silberblcch ausgelrieb- ne Verzierung Rosette. Ros 6z Antonio Rosetti, Kammercomposikevr des Herzogs von Mek- lenburg Schwerin, gcb. zu Leuimeritz in Böhmen >750, kam im siebenten Jahre nach Prag in das Seminarium, widmete sich dem geistlichen Stande, und erhielt auch wirklich im neunzehnten Jahre auf Zureden seiner Verwandten als Weltgeistlicher die Tonsur. Die große Abneigung aber gegen diesen Stand bewog endlich doch seine Freunde, daß cr durch ihre Vermittelung zu Rom Dispensation erhielt; worauf cr sich ganz der Musik widmete, einige Jahre auf Reisen ging, und bann in sürsil. Wallerstciiiische Dienste als Kapellmeister trat. Nach Schwerin kam er 1782 an Westenholz Stelle, wo er denn auch eine der vorzüglichsten Kapellen Deutschlands anzuführen hatte, leider aber schon 1792 daselbst verstarb. Die angenehmen, schmeichelnden Melodien, die seinen Werken eigen find, haben ihm bei den Liebhabern ungemeinen Beifall verschafft. Haydn ahm» er, besonders in seinen Sinphonien, oft auch mit Glück nach, und zeigt öfters viel Feinheit der Empfindung, Delikatesse und Anmuth. Auch als Kirchcncompositcur hat er sich durch sein treffliches Oratorium: dee sterbe, de Jesus Liebhabern sowohl als Kennern sehr schätzbar gemacht. — Ein gewisser Böhme, Rahmens Rösler, der sich auch bisweilen den Nahmen Rosetti beigelegt hak, ist oft mit jenem verwechselt worden; und vielleicht rührte auch daher bei der Nachricht von Rosetti's Tode der ungegründete Zusatz, als ob er sich seines Deutschen NahmenS geschämt, und einen Italienischen daraus geformt hätte. Rosin ante, hieß der Reitklepper des irrenden Ritters Onn tzuixot; daher scherzhaft jedes schlechte Reitpferd mit diesem Nahm«» belegt wird. Roskolniken heißen eine gewisse Religionssecte in Rußland. Eigentlich will ihr Nähme so viel, als Schismatiker sagen, ob man gleich über ihre» Ursprung nichts gewisses weiß. Sie selbst nenne» sich Starowerzi, Altgläubige, indem sie nähmlich die von dem Patriarch Nikon vorgenommencu Veränderungen verabscheuen, alles, was die herrschende Kirche lhut, als unheilig verwerfen, den öffentlichen Gottesdienst verachten, nicht das Abendmahl von den durch die Regierung angestclltcn Geistlichen nehmen, nech auch ihre Kinder von diesen taufen lassen; dagegen sich der wahren Bischöfe und Priester rühmen rc. In der Mitte des 17. Jahrhunderts mach, ten sie Aussehen; sie kheilken sich in zwei Hauptparlheien, und jede wieder in fünf Seelen. Man hat sic vorher, besonders unter Peter I., mit großer Strenge verfolgt und auszuroklen gesucht, aber ver» gebcns. Hatte man sie in ein Haus zusammen getrieben, so steckten sie, ehe sie sich ergaben, lieber das Gebäude an und verbrannten mit. Daher hat man in der Folge die Strenge gegen sie, nahmentlich seit Catharma ll. Regierung, gemildert, indessen haben sich aber auch viele von ihnen wieder mit der Griechischruffischen Kirche vereinigt: der größte Theil von ihnen ist in Sibirien, und alle Donischen und Südlich-Astatischen Kosaken gehören zu der Secte. Rossoli, (rosoglio) ist eigentlich ein von dem so genannte» Svnmnihau (ro, solis) abgezogner Branntwein; besonders aber 64 Roß wird darunter ein gewisser von Zimmt, Zitronen, Pomeranzen, Pfir- sichkerneu rc. abgezogner, mit Zucker und Ambra angemachker Liqueur verstanden, welcher in kleinen mit Schilf umflochtenen Flaschen auS Italien zu uns gebracht, nnd zu den Leckereien der feinen Welt gerechnet wird. Der von Turin ist der beste, ungeachtet auch Neapel, Bologna, Triest — und letzteres allein schon mehrere rooo Eimer nach Rußland, Pohlen, Deutschland — abschicken Auch in Deutschland, besonders in Danzig, werden sehr gute RossoliS abgezogen. Roßbach, an der Geißel, ein Dorf im Thüringischen, zwi- schen Merseburg und Wcißenfels, berühmt durch die Schlacht, welche hier Friedrich H. von Preußen über die combinirte Reichsund Französische Armee (d. z. Rov. 17^7) gewann (s. siebenjähriger Krieg). R 0 ßkamm, ein Pferdehändler. Roßtäuscher, der Pferde gegen Pferde tauscht, eben so viel als Pferdehändler. — Roßpartei, bezeichnet im Kriegswesen die Pferde und dazu gehörigen Knechte , welche bei dem Proviantwesen, wie auch bet Kortschassung des Geschützes gebraucht werden. Roßia, ein Rcfidenzort der Grafen von Stollberg-Roßla/ in her Grafschaft Stvllberg. Der Roßschweif, auf Türkisch Tugg, ist ein Kriegszeichen der Türken und Tataren, welches vor dem Sultan, Großvczier, den Paschas, oder Bassen, und den Beys hergetragen oder im Lager vor ihrem Zelte aufgcstcckt wird. Je größer der Rang des Feldherrn ist, desto mehrere Roßschweife hat er r z. B. der Großvczier hat im Lager L» außerdem z; der Pascha bekommt 2 bis Z, der Bey nur einen, der Sultan selbst, wenn er im Felde ist, hat 7. Der Roßschweif wird an einer langen, oben mit einem goldnen Knopf versehenen, Stauge befestigt, und besteht in einer Menge langer Pferdehaare, die, von andern bunt gefärbten Pferdehärnen Zierathen durchflochten, ungefähr in Gestalt eines pferdeschweifs hcrabhängen. Der Ursprung der Roßschweife ist folgender: Als die Türken in einem ihrer früher» Kriege alle Jahnen verloren hatten, band einer ihrer Generale auf der Flucht den odgeschnittnen Schweif seines RoffcS an eine Stange, sammelte durch dieses Signal di^ Fliehenden, drang wieder in die Feinde ein, und erkämpfte einen vvllkommncn Sieg. — Wenn übrigens die Türken einem auswärtigen Potentaten den Krieg ankündi, gen, so geschieht dieß unter Trompeten und Paukeuschall mit Musst c ck u n g eines Roßschwcifs. Roßtrappe, ein merkwürdiger Felsen im Unterharz, nicht weit vom Dorfe Thal in der Grafschaft Rheinstcin — zwei auf einander gethürmte Felsen von großer Höhe, auf deren äußerster Spitze eine Vertiefung in eine nackte Felsenplatte, einem Roßlrapp oder Huf. eisen gleich, sich befindet, die ihm diesen Nahmen gegeben hat. Eine nähere Beschreibung dieser, wohl der schönsten, Partie der ganzen Harzgebirge findet man inMüllersStreifereien in denHarz und einige umliegende Gegenden, r. Bändchen (Weimar, Rss 6L Johann Christoph Rost, geb. zu Leipzig 1717, war der Sohn des Küsters a» der Thomaskirche daselbst, und studirte eigentlich die Rechtswissenschaft, beschäftigte sich aber bei seinen glücklichen Talenten und .bei der Lebhaftigkeit seines Geistes auch noch mit den schönen Wissenschaften und vorzüglich der Dichtkunst. Die Liebe zu der letz, lern brachte ihn Gottscheden — dem damahligen Orakel in Sa- chen des Geschmacks — »aber; aber er lernte such bald das Wäßrige in den Porsten seines Lehrers einschen, und verfolgte nun seinen ei. genen Weg. Ein damahlS noch unbebautes Feld, Schäfer Poesie, war es hauptsächlich, worin er sich mit vielem Glück versuchte: in Berlin, wohin er 1742 ging, kamen zuerst seine Schäfererzäh, lungen, und bald nachher wieder zu Leipzig sei« Schäferdrama: die gelernt, Liebe» heraus. Run aber ging er zur Satire über, und die erste Gelegenheit, sich darin zu zeigen, gab ihm — sein eigner Lehrer Go-ttschev. Dieser hatte damahl- (seit 1759) die bekannten Zwistigkeiten mit der Th 5 alerprinclpalin Nevberin, mit welcher er vorher so gemeinschaftlich zur Reformation der deutschen Bühne hinge- arbeitet hatte, jetzt aber, wegen beleidigter Eitelkeit seiner schriftstellerischen Gattin, jene auf alle Art herabzusetzen suchte. Die Neuberin that nun ein Gleiche-, um Gottsched vom Theater herab lächerlich zu machen: besonders that fie dies in einem Borspiel, wo Gottsched sogar in Person, wenn auch nicht nahmentlich, aufgeführk, und das Stück, zumahl da Gottsched es, wiewohl vergebens, zu unterdrücken gesucht hatte, mit großem Beifall wledcrhohlt, zugleich aber auch aller Einfluß Gottscheds auf daS Theater dadurch auf einmahl vernichtet wurde. Auf diesen Borfall nun schrieb Rost eine witzige Satire: das Bor spiel in 5 Gesängen, wodurch Gottsched ganz dem Gelächter und dem Spott preis gegeben wurde. Rost ging nun adermahls nach B rlin, und schrieb die hiesige politische Zeitung, kehrte aber doch nach einem Jahre wieder zurück, und ward dann beim Grafen 00» Brühl im Jahre 1744 Secretair und Bibliothekar. Noch hatten seine Geißelungen über Gottsched kein Ende, da dieser als Kritiker über die damabls von der Kochischeu Gesellschaft in Leipzig aufgeführte Weißi, sche Operette: der Teufel ist los, seinen ganzen Eifer in einem schlecht geschriebenen Französischen Briefe an den däuitre cle klaisirs aus. goß, und Rost nun (»7FZ) ein Schreiben des Teufels an Herrn G., Kunstrichter der Leipziger Bühne» in Knittelverse» drucken ließ, das denn nun Gottsched aufs höchste mitnahm, und worunter Verse wie folgende: Zweierlei wird er hier auf Erden Gelehrt und klug wohl niemahls werden. — noch zu den gelindesten mit gehörten. Rost erhielt zuletzt im Jahre 176», das Amt alS Obersteuerftcretair zu Dresden, erwarb sich durch Elsflcht, Treue und Ordnung die Hochachtung Aller, «nd starb 176^ 48 - Jahre. — Seine Schäfermuse wird der Geßnerschen an Unschuld und sanfter Empfindung nachgesetzt: in seinen Erzählungen find Witz, naiver Scherz, schalkhafte Einfälle, fließende Versification rc. besondere Vorzüge. Don seinen nicht zahlreichen schriftstellerischen Ar- Eon». Lex. Fünfter Band. E 66 Rost Rot beiten find noch außer den schon ermähnte» Schäfercrzählu eigen, dem Nor spiel, der Epistel des Teufels, vorzüglich die schöne Äachl (Berl. 176Z), freilich zu frei und muthwillig, dann Briefe (1766 herausgekommen), so wie mehrere Lieder und Gedichte bekannt. Der Rost, ist in der Baukunst ein wichtiger Theil des Grundes, wo ein lockerer, sumpfiger Boden durch mit einander wohl verbundene Schwellen und dazwischcn'eingerammelte Pfähle geschickt gemacht wird, eine große Last von Mauern zu tragen. Rost-beef (a. d. Engl. spr. Rostbihf): ein Lieblingsessen der Engländer, welches aus nicht ganz gar gebratenem Rindfleisch (nachdem cs erst etwas gehackt oder geklopft worden) besteht. Figürlich beehrt man mir dieser Benennung auch einen einfältigen Tropf — eine» Schaskopf. Rostock, eine bedeutende Handelsstadt im Herzogtum Mek- lenburg, ungefähr eine gute Meile von der Ostsee. Fast von ihrem erste» Entstehen an war sie in dem Hanseatischen Bunde mit begriffen, wo sie in großem Ansehen stand, und den dritten Platz behauptete. — Jbr Handel besteht in beträchtlicher Ausfuhr der Lan- deSproductk nacp Dänemark, Norwegen, Schweden, Holland rc. aber auch die Einfuhr von Spanischen, Ekrglischen, Französischen Fabrikaten und Produkten ist wichtig. Rosiock hat s-08 Häuser, iZ.700 Einwohner, ansehnliche Gerbereien, Branntweinbrennereien, Webereien , Schiffsbau und die dazu gehörige Fabriken. Der Hafen der Stadt heißt Warnemünde. Auch einer Universität erfreut sie sich, welche im Jahr« 1419 von den Herzogen Johann und Al. brecht und dem Senate gestiftet, und ihr auch neuerlich die im Jahre 1760 zu Bützow errichtete Universität beigefügk wurde, so daß die Professoren chests von dem Herzoge von Meklenburg Schwerin, »Heils von dem Ralhe der Stadt ausgenommen, und unterhalten werden. Rostow, eine der ältesten Russischen Städte in der Landschaft Jaroslaw an der Wolga, vormahls eine Handelsstadt. Rostra: so hieß zu Rom die Rednerbühne, welche auf einem erhabenen Platze aufm Markte sich befand, und von welcher herab die öffentlichen Vorträge an das Römische Volk gehalten wurde». Der Nähme rührt von den Schiffsschnäbeln her, womit die Römer nach dem ersten gegen die Antialen erhaltenen Siege zur See die Bühne, welche vorher SuZizestus hieß, ausschmückten. Jeder, wer von diesen RostriS zum Volke sprach, mußte mit dem Gesicht sich gegen das Kapitol zu richten. Roswitha, s. Schauspiel. liotsoi-, KottinA, Rohr; schmale Rohrstreifen, die von Indien nach Europa kommen, und z. B. zu Stuhlgestellen verarbeitet werden. Die Rota Roman« oder Ruota Romana, war zeilher, das höchste Appel l ati 0n sgeri ch t des Papste- über die ganze katholische Christenheit, so weit sie nähmlich noch in strengerer U»» terthänigkcil gegen den Römischen Stuhl lebte, und entschied nicht Rot 67 nur kn geistlichen Streitsachen, sondern auch in allem, was geistliche Pfründen betraf, und über 500 Scudi betrug, ja sogar in weltlich, n Händeln. Dieses Gericht ha te wegen des Orundsotzes der päpstlichen Kirche, ddß dir Entscheidungen des Sralthalters Gottes untrüglich wären, ein außerordentliches Ansehen. Sein Sitz war in Rom! es bestand aus 12 Prälaten (Auditores der Rota genannt), unter welchen drei Römer, neun aber Italiener und Ausländer waren, und ausserordentlich große Einkünfte zogen. Chikane, Kost- i spieligkeit und Langwierigkeit der Prozesse machten das Gericht zu einem der berüchtigsten Tribunale. Der Nähme Rota (ein Rad) kommt davon her, weil der Boden des Gerichtssaals mit marmornen Taseln in Gestalt von Rädern auögelcgt ist. Man darf mit dieser Rota nicht v>rrvechseln: r) das Consistorium oder oberste Staatscollegium des Papstes in weltlichen und geistlichen Dingen, in welchem die Cardinäle fitzen, 2) die Co n g reg a tion e n oder niedern Cvllegien, z. B. der Inquisition, die des Jndez- (über ver- dome Bücher), die der r,t> (über Kirchengrbräuche) u. s. w. in welchen alle Cardinälc den Vorsitz haben — und endlich Z) die Datarie oder Kanzlei. Rotation, (Lat.) der Umschwung, radförwige Umlauf. RotenburganderTanbex, ein Ländchen im Großherzogthum Würzburg, nebst der auf einer Anhöhe liegenden und durch ihre vielen Thürme vortrefflich in die Augen fallenden Hauptstadt gleiches Rahmens, die in 1200 Häusern, gooo Einwohner enthält- Die Einwohncr nähren stch hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht. — Davon ist zu n». terscheiden: R 0 lenbu rg in der Landgrafschaft Hessen, welche Stadt einer Linie des Hessenkasselschen Hauses den Nahmen gibt. — Auch sind in Schwaben, Niederschlesten und der Obcrlausitz klein« Städte dieses Rahmens. Rörheln nennt man eine den Masern ähnliche Hauskrankhcit, die aber einen noch leichtern und geschwinden. Verlaus bat, und bei l welcher sich die Flecke nicht abschuppen. In einigen Gegenden gibt man den Masern selbst diesen Nahmen. Das rvthe Meer, (der Arabisch, Meerbusen, von den Türken das Meer von Mecca genannt) ein Meerbusen zwischen Asien und Afrika, der in feiner Länge Zoo, in der höchsten Brei'e 60 Deutsche Meilen hat. Gegen 'Mitternacht bat eS die Landenge von Suez, welche rS vom Mittelländischen Meere absondert, zur Grenze, gegen Morgen Arabien, gegen Mittag die Meerenge von Babelmandel, wodurch es zugleich vom Ocean getrennt wird, endlich gegen Abend Abyffinien und Egypien. Es ist dieses Meer wegen seiner häufigen Klippen für die Schiffe äußerst gefährlich, wird aber jetzt, da man den Weg nach Ostindien und Afrika herum gefunden hak, auch wenig befahren. Rothes Buch, hieß daS Verzeichniß der geheimen Ausgaben und Pensionen der Französische» Könige, mclchcs nach der ersten Re» volutioa im Jahre 1790 roth gedruckt und rolh eingebunden ward. E 2 tz Rot Rou Rothgießer, nennt wan diejenigen Gelbgießer, welche auch Kupfer verarbeiten. Roth sch mied, ein Kupferschmied. Das Rothwälsch nennt man eine aus gemeinem Deutsch. Jüdisch-Deutsch oder Hebräisch gemischte Sprache, welche «ur die Zigeu, „kr und Spitzbuben unter sich zu reden pflegen, damit Andre sie nicht verstehen sollen. R ot beißt in dieser Sprache — Bettler; Rorbos — eine Betllerherberge; sonach heißt jene Sprache ganz eigentlich eine Bettlcrsprache. Ein ganzes Register dieser Sprache ist in driw allgemein geschätzten Anzeiger der Deutschen neuerlich Mehrmahls f nufgkstcllk worden. Rotkweil, eine ehemahlige freie Reichsstadt in Schwaben, jetzt eine Stadt des Königreichs Wirkemberg in der Landvogtey am obern Nekar. Sie hat Loci Häuser und gegen 4000 Einwohner. Vorher war sie bekannt durch daS Rothweilische kaiserliche Hyfgericht, welches hier vom Conrad lll. angelegt worden seyn soll, besten Jurisdiction auf die Stände des Schwäbischen, Fränkischen, und Oder» rheinischen Kreises, in sofern diese nicht durch Privilegien, Verjährung oder Vergleiche davon befreit waren. sich erstreckte. Rolle, hieß ehemahls eine Mannschaft von 6 bis 10 Mann unter einem Rottmeister, d. i. Korporal. Rotterdam, am Zusammenfluß der Rotter und Maas — in Holland die größte Handelsstadt nuch Amsterdam. Sie hat mehrere sehr bequeme Häfen, und in den daflgen Kanäle,, gehen mittelmäßige Schiffe bis an die Häuser der Kaufleute. Durch die Nähe der See begünstigt, treiben die Einwohner, deren Anzahl überhaupt auf ycr bis roo.voo , angegeben wird, mit Frankreich, und in Kriedenszeiten mit England, ' Schottland und Irland den ansehnlichsten Handel, der übrigens meisten Theils dem Amsterdamer Handel ähnlich ist , nur daß vermöge der guten Lüge zu Rotterdam ein noch weit größerer Schleich.sowohl als offner Handel mit Großbritannien und Irland getrieben wird. Die hiesige Börse wird unter die schönsten Gebäude gerechnet. Rvtulieren, (Lat.) heißt in der Kanzleisprache: Akten nach > ihrer Folge verzeichnen und zu einem Stoß oder Bündel ordnen, von ' rvtulu«, ein Aktenstoß, Bündel von Akten, kotulus testium: rin Zeuacnverhör; die gesammelten Aussagen der Zeugen. Die Rotunda, (Baukunst) nennt man ein Gebäude, dessen Form von Außen und innen rund ist. Es wird düse Bauart meisteu- Theils bey Tempeln angebracht, so z. B. das Pantheon zu Rom, oder der Aller Götter Tempel, den Bonifaz IV. der Jungfrau Maria und allen Märtyrern geweiht hat. Hörurier, (Franz. Rotürieh) ein Mensch von geringem Her- kdmmen. k 0 ucou, (Franz. Ruku) ein gelber, nach Veilchen riechender Teig, der aus Indien kommt und zur Farbe gebraucht wird. . kc> ue, (Franz. Ruch) ein Geräderter. Uneigentlich: ein Gal« genschwengel, ein liederlicher und schlechter Mensch. Der Nähme hat in dieser Bedeutung seinen Ursprung von dem Französischen Regenten Orleans, der die Genossen seiner schändlichen Ausschweifungen Uou«s Ron 69 nannte, und es gab damahls sogar aimables k^ouLs: liebenswürdige Galgenschwengel. ^ Rouen, an dem Seineflüsse, die Hauptstadt deS ehemahligen Gouvernements von Normandie, jetzt des Deparkement's der Untern Seine; eine große volkreiche Stadt — sie zahlt über 6y,ooo Einwohner — und einer der wichtigsten Seehandelsplatze von Frankreich. Ansehnliche Seeschiffe können mit der Fluth bis an die Stadt kommen, und zwischen hier und Paris (28 Seemeilen davon entlegen) geht beständig eine große Menge kleiner Fahrzeuge. Die Stadt hat wichtige Manufakturen in wvllnen und seidnen Waren, in Zitzen, Leinwand, Tapeten rc. daher außerordentliche Gewerbe und der beträchtlichste Handel, auch in fremde Länder, z. B. Spanien, Portugal, England, Holland rc. hier im Gange sind. Die geflüsterte Schiffbrücke über die Seine, von 27N Schritt in der Länge» ferner die K a- thrdralkirche und mehrere Gebäude, auch die Statue der berühmten Jungfrau, Johanna von Orleans, welche i 4 z> von den Engländern hier verbrannt wurde (s. den Art. Mädchen von Orleans), auf dem Marktplatz sux Vsux , gehören mit zu den Merkwürdigkeiten dieser Stadt. kouxe, (Franz. Ruhsch) rothe Schminke; z. B. sie hat rouxe aufgelegt. — UouZ« er uoir, (Rusch e Noahr) schwarz und roth, ein Französisches Hazardspiel, dem Pharao ähnlich Joseph Rougct de Liste, Dichter und Compositeur der so berühmten Kriegöhymne, der Marseiller Marsch (b,'oikenr,(lo ü I» liberte) genannt, war zu Anfänge der Französischen Revolution Ingenieur Officier zu Strasburg. Aufgefordert, eine Kriegshymne zu dich, ten , schloß er sich in einer Stunde der Begeisterung ein , und in einer Nacht war die Hymne sowohl als die Musik dazu vollendet, der man solch eine außerordentliche Wirkung zugeschrieben hat, daß die Französischen Soldaten , mit diesem Gesänge begeistert, ins Feuer gegangen wä;en, um den Tod zu geben oder zu finden. Selbst Klopstock be- willkommte in Hamburg den Verfasser 1794 mir dem Complimentr: „Sie sind ein schrecklicher Mann ; denn fünfzig tausend brave Deutsche haben Sie erschlagen." Der Ruhm dieses Märseiller Liedes — besten Benennung unstreitig daher kommt, weil es durch die Marseiller Föderirten in Paris zuerst bekannt wurde — mag sich wohl meisten Lheils aust Zufall, und dann auch mehr auf die Musik gründen, welche eine ruhige Zuversicht, ein gewisser und fester Muth charakteri- strt. Nach Robespierre's Fall wurde ein ander Lied: Is rsveil ctu psupl« (das Erwachen des Volks) von Gavauz: Mode, indem die leichtsinnigen Pariser jenes als terroristisch verwarfen, daS nur dann erst wieder in seine Rechte eintrat, als die Regierung es vor dem Anfänge der Schauspiele zu spielen ausdrücklich befahl. Rouget befand sich , nachdem er einmahl als Terrorist ins Tefangniß geworfen, qber alsdann wieder loSg-sprochen worden war, unter den Republikanern auf Quiberon, und wurde dort in einem Gefechte gegen die Emigran- ten verwundet. Uebrigens darf man ihn nicht mit Roucher, dem Verfasser des trefflichen Gedichts; die Mona- the verwechseln. Dieser liebenswürdige Dichter mußte unter Robes- Rvu 7» pierre auf der Guillotine sterben , besaß aber in seinen letzten Stunden noch so viel Muth und Scelcrigröße, daß er in dem Augenblicke, da er zu dem Richtplatz abgeführt werden sollte, ein rührendes Sinngedicht unter sein Portrait schrieb, welches der Mahler Süvan, sein Mitgefangner, so eben ausgenommen hatte. Rouladen, s. Passagen — Außer den dort angeführten Bedeutungen ist cs auch ein Kunstausdruck der Pauker, welche ihre östern künstlichen Schläge mit den Klöppeln Rouladen zu nennen pflegen. - koulesu , (Franz. Ruloh) ein an einer Rolle befestigter Fenstervorhang zum Aufrollen —Rouliren, insgemein rolliren, umlaufen, in Umlauf seyn; z. B. es roulirt jetzt viel Geld. Die Roupie. Rupie, ist eine Münze in Ostindien, die sowohl in Golde als in Silber exisiirt. Sie hat ein rundes auf beiden Seiten flaches Gepräge, worauf insgemein der Nähme des Nabobs, sein Titel , der Nähme der Provinz und das Jahr in Persischer Sprache befindlich sind. Die goldnen Rupien, deren es jedoch mehrere von verschiedenem Gehalt gibt, werden ungefähr >6 Gulden oder 9 Rthlr. gerechnet; die silbernen, die ebenfalls im Gehalt und Cours verschieden sind, gelten, wenigstens die Gangbarsten, nach unfern Gelde ungefähr >8 Groschen. Uedrigens machen 100,000 Rupien einen Lack oder eine Lackrupie, und roo Lackrupien eine Crore oder Cou- rou; und gemeiniglich werden in Ostindien die großen Contribulionen nach Lackrupien und Croren festgesetzt. Jean Jacques Rousseau, wurde zu Gens am 28. Juni 1712 geboren. Sein Daker war ein Uhrmacher, der aber außer seiner Kunst l auch noch sich und seinen jungen Sohn mit Lectüre beschäftigte, wozu eine nicht unbeträchtliche Bibliothek im Hause reichlichen Stoff darbok. Rousseau, der von der frühesten Jugend an ein feuriges Temperament verrielh, »,,d mehrere Proben von Unbiegsamkeit des Charakters ablegte, bezeigte keinen großen Wohlgefallen an dem Gewerbe seines Vaters, sondern verließ, um den Folgen eines gemachten Jugendsehlers zu ent- , gehen, heimlich das väterliche Haus , da er 16 Jahr alt war, und ging nach Savoyen. Unecfahrenheit und Mangel an Lebensbedürfnissen brachten ihn in die brückcnste Verlegenheit. Er vertauschte die refvrmirte Religion mit der katholischen , wollte in Turin sein Glück versuchen, brachte es aber nicht höher als bis auf eine Bedienkenstelle, und kehrte deßwe- gen zu einer großmüthigen Gönnerin, zu der Frau von Ware ns, die sich seiner aus Empfehlung eines Geistlichen angenommen hatte, zurück. Bei dieser blieb er, nachdem er sie auf einer Reise nach Paris begleitet und mehrere Städte Frankreichs besucht hatte, bis 1741 in bhambery ; nachher ging er wieder nach Paris, und 174z nahm er eine Stelle bei dem französischen Gesandten in Venedig an. Er blieb jedoch auch dort nicht lange, ging nach Paris zurück, nährte sich dürftig von der Musik, und nahm nachher (1754) in Genf öffentlich wieder die refvrmirte Religion an. Unterdessen hatte sich seine schriftstellerische Laufbahn eröffnet; und mit ihr begann zugleich ein Gewebe von Mühseligkeiten und Verfolgungen, woraus sich der unglückliche Rousseau kaum einige Monathe vor seinem Tode retten konnte. Die Ron 7? Cabalen unwissender aber mächtiger Pfaffen, die Eifersucht neidischer und ehrgeitziger Gelehrten, und die zaghafte Furchtsamkeit der Negierungen in Frankreich und der Schweiz erhielten ihn immer unstät und fluchtig: nirgends konnte er einen festen Wohnort finden.Selbst in England, wohin er 1766 ging, war sein Bleiben von keiner langen Dauer. Er veruneinigte flch mit dem Philosophen Hu me, und kehrte dehwegen im folgenden Jahre zurück nach Frankreich, wo er sehr dürftig lebte. Ersten dem letzten Jahre seines LebenS genoß er einige frohe Monathe auf einem Landgut? unweit Paris; aber der Tod unterbrach Lieft kurzen Freuden: Rousseau starb am 2 Juli 1778 bald nach Vo ft taire, mit dem er Derdrüßlichkeiten gehabt hatte, weil — wie er flch ausdrucktc - Voltajr's theatralische Stucke seine Republik verdürben. Die Sage, daß flch Rousseau selbst entleibt habe, ist nicht mit historischer Gewißheit gegründet. — Man wundert sich, warum ein Mann, auf den Frankreich und Genf stolz zu ftyn Ursache hatten, und dessen Schriften bei den gebildeten Ständen aller Nationen eifrige Bewunderer fanden, doch gleichwohl aus einem Ork in den andern verwiesen, als ein der Religion und den Staaten gefährlicher Mann verschrien, und von einigen sogar als aberwitziger Schwärmer bemitleidet werden konnte. Aber die Ursache dieses räkhftlhaften Widerspruchs liegt sowohl in dem persönlichen Charakter Rousseau's, als auch in dem Gehalte seiner Schriften. Rousseau, der als herumwandernder junger Mann ohne feste Bestimmung nie mit dem Glück in dem besten Vernehmen gestanden halte, durch glänzende Vorspiegelungeu gutmürhiger oder boshafter Menschen unzählige Mahl getäuscht worden war, immer das Gefühl seines innern Werths den eigensinnigen Launen ehrgeitziger Gönner oder falscher Freunde aufopsern mußte, und die Sittenverderbniß seines Zeitalters aus fürchterlichen Erfahrungen kennen gelernt hakte, war in gewissen Anfällen von trüben Launen finsterer Menschenfeind, dem nichts in der Welt an der rechten Stelle stand. Er wünschte die Menschen nach dem Naturstande zurückzuführcn, und bewies deßwegen die Unzulässigkeit vieler jetzt bestehenden Einrichtungen. Daher seine feindselige Schilderung des Menschen im gesellschaftlichen Zustande, seine Behauptung, daß Wissenschaften und Künste der Menschheit von jeher mehr geschadet als genutzt hätten, und die Vertheidigung einer Menge andrer eben so paradoxen Sätze in mehreren seiner Schriften ; daher endlich die Vorliebe für die Kräuterkunde, die in spätcrn Jahren bei ihm erwachte, weil ihn alle lebendige Wesen beinahe an- ekeltcn. Da Rousseau nicht bloß ein kalter phisosophischer Schriftsteller war» sondern allemahl aus inniger Ueberzeuguna sprach, und den Leser mit einer gutmüthigen Herzlichkeit für sein System zu gewinnen wußte; da seine Schreibart, durch das Feuer seiner Einbildungskraft belebt, immer edel und anxmthig war, und durch kein Haschen nach Witz oder betrüglichem Schimmer entstellt wurde: so fanden seine Schriften überall Beifall, und wurden selbst in Frankreich, ungeachtet der strengsten Verbote dagegen, häufig gelesen. Die neue Helvise, ein Roman» der bei einem höchst einfachen Plane meisterhaft ausgeführt ist, und denkende Leser vom Anfänge bis zum Ende in Theilnahme erhält, und der Emil, «in System der Erziehung, das zur Verbesse- 7» ' R o >» rung dieser wichtigen Angelegenheit der Menschheit in neuern Zeiten so viel beigetragen hat, intcressirtcn und interessircn noch — nebst den Geständnissen über sich selbst, worin Rousseau die Schicksale feines Lebens und seinen Charakter mit aller Freimüthigkeit schildert — die meisten Claffen von Leser». Durch einige Abhandlungen über die Musik brachte Rousseau, der ein enthusiastischer Verehrer dieser Kpnst war, und in den Zeiten der Dürftigkeit von Notenabschreiben lebte, die ganze Zunft der Französischen Musiker gegen sich auf, weil er den Franzosen die Kenntniß der wahren Musik absprach, und ihnen rieth, » den Italienischen Geschmack anzunehm-n- Keine seiner Schriften zogen ihm icdoch mehr Verdruß zu und wurden so oft bis auf den heutigen Tag gemißbraucht als die politischen, besonders die Abhandlungen über den bürgerlichen Vertrag und über die Ungleichheit unter den Menschen. Erstere wurde anfänglich der Katechismus der Französischen Revolution und als ein neues Evangelium gleichsam angebetet. Unter allen Rouffeau'schen Schriften war gewiß diese am seltensten vorher gelesen und noch seltner verstanden worden. Auf rinmahl glaubte man in ihr den sichersten Wegweiser durch das Laby, rinth der Revolution gefunden, und die Grundlage zu einem neuen, unwandelbaren Staatsqcbäudr entdeckt zu haben. Rousseau's Andenken wurde aus alle mögliche Art geehrt. Am 25. Sept. 1791 veranstaltete man zuMontmorency, wo sich Rousseau einst aufgehalten hatte, deßwegen rin glänzendes ländliches Fest. Seine hinterlaßne Witwe, Therese Levasseur, die ehedem sein Hauswesen besorgt hakte, die er aber, ungeachtet ihre Denkungsart von der seinigen ganz verschieden war, auS Dankbarkeit im Jahre 1769 heirathcte, erhielt t auf Barrere's Antrag am 21. Dez. 799 von der National-Ver- sammkung einen jährlichen Gnadenachalt von ieoo Livres. Am n.Oct. 1794 wurden seine Gebeine feierlich im Pantheon zu Paris bei- gesctzt. Auf jeden Fall ist es wahrscheinlich , daß , wenn Voltaire und Rousseau damahls noch lebten, letzterer gewiß zufriedner mit der Revolution seyn würde, als ersicrer: aber dessen ungeachtet könnte auch er daS Schicksal der Gemäßigten gehabt haben und verhaßt worden seyn, wenn sein fühlendes und wohlwollendes Herz Grausamkeiten ge- mißbilligt, Toleranz empfohlen und die Franzosen zur Ausübung häuslicher Lugenden, zur Nüchternheit und zu größerer Sorge für die bessere Erziehung ihrer Kinder ermuntert hätte. Rousseau (Jean Baptist-) ein berühmter lyrischer Dichter, geboren zu Paris den 6. April 1671, besuchte daselbst verschiedene Schulen, wurde 1633 Page bei dem Französischen Gesandten in Dänemark, ging dann mit dem Marschall Tatlard als Secretar nach England, arbeitete unter Rouills im Finanzfache und kultivirt« dabei mit brennendem Eifer sein dichterisches Talent. Unglücklicher Weise kam er um 1708 in Verdacht, Verfasser einiger scheußlichen Couplets zu seyn , die nach einem langwierigen Processe 1712 seine lebenslängliche Verbannung aus Frankreich zur Folge hatten, ob es gleich unter die historischen Probleme gehörte, ob er das angeschuldete Verbrechen begangen habe, das er selbst dem Joseph Saurin zur Last legte. Rousseau hielt sich seit dem in der Schweiz, in Wien bei dem Prinzen Eugen, am R o „ 7Z längsten aber in Brüssel aus, wo er den >7. März 174« starb. In der lyrischen Poeste behauptet er eine der ersten Stellen unter den Dichtern Frankreichs und besonders erwarb er sich, um seine Nation das Verdienst, die Ode zu einer von ihr noch nie erreichten Höhe, Fülle und Starke zu erheben. Am glücklichsten war er kn der philo^phi« scheu Ode. Auch die allegorische Poesie bearbeitete er zuerst, nicht zwar mit großem Aufwande von Einbildungskraft, aber doch in einer angenehmen leichten Manier. Aus seinen poetischen Episteln, die er größ- tentheils in der Verbannung schrieb, leichter fast durchaus Mißmut!) über sein Schicksal und Haß gegen seine Feinde hervor. Ungleich mehr Ehre machen ihm seine Kantaten, welche die vorzüglichsten sind, die die Französische Literatur aufzuwcisen hat, und als deren Schöpfer er gleichsam angesehen werden kann. Einige Lustspiele» die er schrieb» machten wenig Glück auf dem Theater und seine Epigramme beleidigen zum Thcil die Sitten. Seine sämmtlichen Merke sind zu Paris 174z in z Bänden in 4to und eine andere Auflage in 4 Bänden in 12. erschienen. Rouvroy (Theodor Freiherr von) ein berühmter kaiserlicher General, wurden 15. März 1728 zn Luxemburg geboren, diente von seinem achtzehnten Jahre an als Lieutenant bei der Sächsischen Artil, lerie und trat 17LZ als Artillerie Hauptmann in k. k. Oesterreichische Dienste. In dem siebenjährigen Kriege zeigten sich seine großen militärischen Kenntnisse in ihren vollen Glanze. Bei der Gefangennchmung des Fouqucttischen Korps den 28. Juny 1760 war er Obristlieutenant, und traf dabei so gute Anstalten, daß ihm London in den offiziellen Berichten das Zeugniß gab, daß ohne seine Hilfe wohl schwerlich ein so vollkommener Sieg erfochten worden wäre. Bei der Belagerung von Glatz 1760 im July war er bereits Oberster, und bewirkte es, daß der Feind zweimahl aus der Flesche zurückgetrirben und bis in den bedeckten Weg und den äußern Eingang der Hauptwerke so verfolgt wurde, daß man ihm und dem Major Bcchard die Eroberung dieses Platzes zum Theil zuschreiben konnte. Bei der Belagerung von Breslau >760 ließ London durch ihn diese Festung auffordern und nachdem sie der General Tauenzien nicht übergeben "wollte, ließ Rouveroy ein entsetzliches Bomben- und Haubitzenfeuer aus dieselbe machen, worauf er sie zum zweitenmahl auffoderte. Bei der Belagerung von Schweidnitz 1761 führte er abermahls das Kommando über die Artillerie und nach Uebersteiguna des bedeckten Wegs begab er sich sogleich hinein und ließ dort das feindliche Geschütz umkehren, und gegen die Stadt selbst wenden» wodurch die geschwinde Eroberung der Festung sehr befördert wurde. Er war der beständige Gefährte Londons in dem siebenjährigen Kriege, und dieser nannte ihn daher seine rechte Hand. Im Jahre 1772 erhielt er das neu errichtete zweite Artillerieregiment und wurde '775 Feldmarschalllieutenant. In dem Bayerischen Erbsolgekrieg 1778» wo er oie Artillerie komwandirte, wurden die von ihm erfundenen Ka- vallericstücke zum erstenmahle gebraucht. Im Türkenkriege 1788 führte er als Fcldzeugmeister der Artillerie die Belagerung von Sabacz, bekam beim Sturme dieser Festung mehrere Flintenschüsse, führte im folgenden Jahre mit geschwächter Gesundheit die Belagerung von Ber« 74 Rou Rub vier, zog nach Einnahme dieser Festung mit London gegen Belgrad, und starb am Tage des Sturms gegen die befestigten Vorstädte den ZO. Sept. 178Y in Semlin. Nicht nur wegen seiner großen Kenntnisse und Geschicklichkeit im Kriegswesen, sondern auch wegen seines wohl- thätigen und menschenfreundlichen Karakters wurde sein Tod allgemein beklagt. Knuts, (Franz. Rute) die Richtung, der Weg, die Straße; z. B. er hat seine kuute über Dresden, Leipzig, Braunschweig :c. genommen, kontier, (Rutieh) ein Aufseher der öffentlichen Fuhren. koutine, (Rutine) die Fertigkeit, Geläufigkeit; z. B. durch ttebung in einem Fache erhält man darin eine gewisse koutine. AuS der koutine kommen, d. i. aus der Ucbung. Rutiniren, sich Fertigkeit oder Geschäftsfertigkeit erwerbe». Cr ist sehr rutinirt darin, ringeübt. Rovereilh, eine Stadt in der Grafschaft Tyrol am Leno, hat 6000 Einwohner, welche viel Seide bearbeiten. Rovigo (Herzog von) s. Sa oary. Roxelane s Soliman Royal, (Franz.) königlich. Uneigentlick: groß, z. B. Royal- papicr: KönigSpapier, d. i. von sehr großem Formate. Royalzuk- ker, Königszucker: d. i. dir feinste und beste Sorte. Royalist, ein Königlichgesinnter, der cs mit dem König gegen seine Feinde hält. Royalismus, die Anhänglichkeit an die königliche Parthei. Roya- lisiren, königlich gesinnt seyn. Konsuls, (franz. Rojoteh) die königliche Würde, das Königthum. Pilatre de Rozier s. Aerostat. kuscks, (Franz. Rüade) das Ausschlagen eines Pferdes mit den Hinterfüßen. Der Rubel, eine Russische Silbermünze, welche ro Griwen oder 100 Kopeken gilt. Die ersten Rubel wurden >6;4 zu Moskwa geprägt. Nach Deutschem Gelbe beträgt er ungefähr Gr. oder , Rthlr. Hamburg Courant; auch hat man halbe und Viertel Rubel. Kupferrubel» ungefähr 16 Gr. an Werth, gibt es zwar auch; allein sehr selten sind die Rubel in Gold. Peter Paul Rubens. Dieses große Künstlergenie stammte ursprünglich aus einer angesehenen Familie in Antwerpen, wurde aber 1577 zu Cöln geboren , wohin sich sein Vater, Doctor der Rechte und Syndikus zu Antwerpen, wegen der Unruhen in den Niederlanden gewendet hatte. Schon in den ersten Kinderjahren zeigte er einen ausserordentlichen Hang zum Eopiren; um diese Neigung zu befriedigen, erhielt er den bekannten Mahler Adam van Dort, und nachher Otto »an Voen zu Lehrern» wo sein Genie mit dem glücklichsten Erfolge sich entwickelte. Im rz. Jahre kam er nach Italien, und bald in die Dienste des Herzogs von Mantua, wo er Gelegenheit hatte, die Werke desJuliusNomanus zu studiren. Während seines hiesigen sechsjährigen Aufenthalts mußte er auch unter andern eine Reise nach Spanien machen, die ihm die Meisterstücke eines Tizians und andrer großen Meister zu bewundern Gelegenheit verschaffte; auch Rom, Genua rc. besuchte er und vervollkommnet« sich immer noch mehr. Nach R»b 7L siebenjährigen Aufenthalt verließ er endlich Italien, um in Flandern seine kranke Mutter zu besuchen. Allein da diese bei seiner Ankunft schon todt war, so zog er sich in die Abtei von «st. Michel zurück, und studierte hier die Geschichte der alten Dichter, wobei ihm seine in Italien erlangten Studien trefflich zu statten kamen. Dom Erzherzog Albert an Hof berufen, wählte er nun für immer Antwerpen zu seinem Aufenthalt, wo er auch bald durch Liebe und Heirath noch mehr gefesselt wurde. Auch nach Frankreich , wohin sein Ruf schon gedrungen war, mußte er (1620) kommen, um für die Königin Maria von Medi c is dieG all e ri e ihres PallasteSzu mahlen — eines seiner wichtigsten Werke, aus 24 Gemählden (nahmlich 21 historischen und z Bildnissen) bestehend» die er aber zu Antwerpen fertigte, und dann 162g nach Paris überbrachte. — Aber nicht bloß als Künstler» auch als St aa ksmann sollte er seine Geschicklichkeit erproben: er mußte als Gesandter nach England gehen, um zwilchen dieser Krone Spanien den Frieden zu Stande zu bringen, das ihm denn auch i6zc> wirklich gelang. Mil außerordentlichen Geschenken von beiden Höfen überhäuft, wurde er überdieß auch noch vom Könige von Spanien, Philipp IV zum RikterundSecretairdesStaats, raths in Len Niederlanden ernannt. — Er starb 1640 im 6z. Jahre seines Alters, nachdem er sich zweimahl verheirathet hatte Rubens war unstreitig einer der ersten Künstler. Sein feuriges Genie, die Erhabenheit seiner Gedanken, der Reichrhum seiner Zusammensetzungen» das unvergleichliche Eolorit, die Einfachheit in den Stellungen, Lebhaftigkeit in den Zügen, Leichtigkeit in der Behandlung, die schönen Gewänder, sein frisches Fleisch, die herrlichen Gruppirungen — alles vereinigte sich, um ihm den hohen Ruf zu sichern , um ihm sogar den Nahmen des Flandrischen Raphael'szu verschaffen. Er folgte der Natur noch mehr als der Antike, und brachte daher, überzeugt, daß die Abwechslung der Natur ins Unendliche gehe, so wie diese dir unerschöpflichste Mannigfaltigkeit hervor. — Kenner vermissen bloß hier und da eine richtigere Zeichnung und einen bessern Geschmack in derselben. Allerdings mochte der Geschmack seines Vaterlandes ihm zu sehr anhängen; und trotz aller Mühe, die er sich gab, konnte er ibn doch nie ganz oblegen. Ohne die>e Fehler hätte er aber auch gewiß die Kunst auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit gebracht. — Daß er außer seiner Kunst auch noch ausgebreitete Kenntnisse besaß, haben wir schon bei Erwähnung seines Posten alS Gesandter in England gesehen; seine Gelehrsamkeit hatte er überdieß in einigen Abhandlungen von der Mahlerei , die in einem sehr guten Latein abgefaßt waren, gezeigt. Seine Kenntniß der Geschichte und der Poeten kam ihm trefflich zu statten; daher jener Uebcrfluß an Gedanken, jener Reichthum in Erfindungen, daher seine kunstmäßige und allegorische Einkleidung der Geschichte" — Rubens zeigte sich im übrigen eben sowohl durch sein offnes als durch sein höfliches und gefälliges Betragen auch als Mensch sehr liebens- würdig. Er war vermögend und besaß eine der schönsten Sammlungen von Kunstwerken, die er höchst ungern an den Herzog von Buckingham für die Summe von zo.ooo Rkhlr. überlassen mußte. In den Niederlanden gibt es wenig Kirchen und angesehene Puoalhäuser» dienicht 76 Ruö Rud etwa- von Rubens Hand aufzuweisen hätten; und wie fleißig er überhaupt trotz dem, daß er ein Staatsamt bekleidete, gearbeitet hat, läßt sich aus der großen Menge von Werken schließen, die man von ihm besitzt. Nach ihm gestochne Kupferstiche gibt es eine außerordentliche Menge; man zählt ihrer über 600 Stück- Der Rubin, ein Edelgestcin von rother Farbe, die bald in- karnat, bald rosenroth, kald blasser, bald dnnkler ausfällt. Er wird für den edelsten nach dem Diamant gehalten, und ist auch nächst diesen der härteste, so wie er denn die erste Gattung des Kiesclgeschlechts ausmachk. Noch wird er in achteckiger und runder Figur gefunden. Die schönsten und besten komme» aus dem Orient, von der Insel Ceylon. Die Böhmischen haben bei weitem den Werth nicht: doch wissen die Juwelirer durch nnterlegte Folien den Glanz sehr zu erhöhen; Kenner entdecken aber sogleich die Täuschung. Rubrik, (Lat.) eigentlich: die rothe Farbe, der Röthel. Dann eine nach alter Weife mit rother Tinte geschriebene Ueberschrift. Bei unS so vklalS Abschnitt oder Kapitel, z. B. es ist ein Vcrzeich- niß der Rubriken angehängt. Desgleichen Claffe, Gattung ; z. B. wenn in einer Bibliothek unter. Predigtbüchern zufällig ein Roman steht, so sagt Man: dieß Buch gehört nickt in diese Rubrik. — R u- b ri cir en, mit Ueberschristen versehen; desgleichen nach Kapiteln, Fächern, Classen ordnen. kubrum. s. bligrum. kLuctus, Ructation, (Lat.) das Ausstößen des Magens. kucke, (Kranz, rüde, insgemein rnhd) roh, ungeschliffen, ungesittet. kuckesse, (Rüdeß) die Rohheit, Ungefchliffenheik. Rüde, Rüdel, ein großer, starker, zottiger Schafhund. An der Jagdsprache überhaupt der Nähme des männlichen Geschlecht- bei den Hunden, Füchsen und Wilsen. RüdeSheim, ein Marktflecken in Nassau. Usingcü am Rhein, von 2500 Menschen bewohnt, zeugt den edelsten Wein im ganzen Rheingau. Andere», heißen Bruchstücke, Trümmer, Steinhaufen und andere Merkmahle, welche noch von alten zerstörten Städten, Gebäuden, Mauern rc. übrig geblieben. Unter einem andern Nahmen: Ruinen hat man aus den Ucbcrbleibseln alter Denkmäbler, nah- mrntlich, alter Burgen und Schlösser, einen bedeutenden Gegenstand wählerischer Darstellungen gemacht. Rudimente, (Lat.) die AnfangSgründe, z. B. einer Wissenschaft. Rudolph I. Graf von Habsburg, der Stammvater deS noch jetzt in Oesterreich, Ungarn und Böhmen regierenden O e. sterreichischen Hauses, war einer der ruhmvollsten und verdienstlichsten Fürsten des Mittelalters. Strenge Gerechtigkeitsliebe, Mäßigung, Großmuth gegen Ueberwundene, Tapferkeit, ausgezeichnete Feldherrntalente, Ciitschloffenheit, Klugheit, Gewandheit in Staarssachen, Redlichkeit und Treue im strengsten Sinne, so wie überhaupt die trefflichen Anstalten, die er zur Wiederherstellung der R ud 77 durch langwierige Throneserlcdigung ganz entflohenen Ruhe und Ord- „uug des Deutschen Reichs und zur Aufrechthaltung deS völlig gesunkene» Glanzes der Kaiserwürde traf, machen seinen Nahmen unsterblich ; und wenn man in ihm die größte Achtung für Menschenwürde, die herablassendste Sauftmuth und Güte, und die sorgfältig, ste Schonung des Lebens seiner Unterthanen nnd Feinde selbst in den glücklichsten Kriegen wahrnimmt: so vergißt man gern ».daß ihn bisweilen sein Jähzorn zu großer Heftigkeit verleitete, und daß er vor seiner Thronbesteigung sich nach der Silke des Zeitalters durch zahlreiche Befehdungen furchtbar machte. Gr stammte auS dem alten, obgleich seinem wahren Ursprung nach nicht ganz bekannten Geschlcch- te der Grafen von HabSburg, einem noch in seinen Ruinen vorhandenen Schlosse in der Schweiz, unweit deS Städtchens Brugg im Santo« Bern, wurde 1218 am 1. Mai daselbst geboren, und am Hofe Kaiser Friedrichs II. erzogen, und zeichnete sich vor den andern Deutschen Reichsfürsten (denn die Schweiz war damahlS noch ein Theil von Deutschland) durch Kriegsthateo und Befehdungen, die er während des langen ZwischenreichS von 1250 — 7Z auSübte , sehr vortheilhaft auS. Da er für seine Person Kraft und Energie genug besaß, um das Sccpter zu führen, aber doch den unruhigen Ständen wegen der nicht beträchtlichen und zerstreuten Erdlande, die er in der Schweiz, Schwaben und Elsaß hatte, nicht so furchtbar schien, daß er ihren Gewaltthatigkeiten und ungerechten Anmaßungen Einhalt lhun könnte; so wählten ihn die sämmrlichen Churfürsten 127z zu Frankfurt am Main zum ReichSobcrhaupte. Jedoch widersprach Ottokar, König von Böhmen, dieser Wahl, und zog mit einem zahlreichen Heer gegen ihn zu Felde, nachdem er in die ReichSacht erklärt worden war. Rudolph überwand diesen mächtigen Gegner, der unter allen Reichsfürsten der furchtbarste war, mit einem geringe» Heere, nöthigte ihn 1276 zur Abtretung des ganzen jetzigen Oesterreichischen KreiseS (mit Ausschluß von Tprol), gab 1282 die ihm entrißnen Lander seinen Söhne», Albrecht und Rudolph, deren »rster nachher die Deutsche Krone erhielt, zur Lehn, und wurde dadurch der Stifter des Oesterreichischen HauseS. Der unruhige Ottokar brach den Frieden aufS neue, wurde aber wieder geschlagen, und blieb auf der Flucht. Sehr leicht war cs nun dem edeln Rudolph, ganz Böhmen zu unterjochen; astein der Gedanke, daß dadurch neues Blutvergießen erregt würde, hielt ihn ab, diese vortheilhafte Gelegenheit zu ergreifen. Er suchte vielmehr die Macht seines Hauses durch Staats- heiralhen zu erweitern, verschaffte seiner Familie die nächste Anwartschaft auf die Böhmische Krone, führte noch einige glückliche Kriege, besonders gegen aufrührerische Rei'chsyasastm, und wandte die meiste Zeit seines Lebens dazu an, daß in Deutschland innere Ru» he und Sicherheit hergestellt würden. In der That befand sich diese- Reich in der schrecklichsten Zerrüttung und Anarchie, und war seinem Untergang nie näher, als damahls, da er den Thron bestieg. Unaufhörliche Befehdungen und Räubereien, Uneinigkeit Aster gegen Alle . Mangel eines allgemeinen ReichSobcrhauples, ewige Kämpfe der acistiichen und weltlichen Macht, Widersetzlichkeit gegen Befehle, Ge- 78 Rot Ruf setzlofigkcit und alle Greuel der Kreuzzüqe, und des Feudalsystems hatten rS zum Schauplätze des grenzenlosesten bürgerlichen Elends gemacht, und das Band, welches alle Staaken zu einem Ganzen vereinigte, völlig aufgelöst. Ader Rudolph that alles, was nur da» mahlS möglich war, »m den fernern Fortschritten des Unwesens Einhalt zu thun; denn ganz aufbcben konnten es kaum Jahrhunderte. Er machte schon 1274 auf dem Reichstage zu Nürnberg strenge Bi fehle gegen die Räuber bekannt, die er mit der größten Schärfe ousfüdr- te; und nachher mußten die Deutschen Stände in Franken, Schwaben, Bayern und den Rheingegenden mehrmahls einen Landfrieden (oder Abstellung aller Fehden, s Fehde) auf Z Jahre beschwören. Die Räubereien und Befehdungen wurden mit dem Tode oder andern sehr Harken Strafen geahndet, die Widerspenstigen durch Gewalt der Waffen überall bekämpft, eine ungeheure Anzahl der furchtbarsten Raubschlösscr zerstört und geschleift, und selbst die Geistlichkeit für ungerechte Anmaßungen zur Strafe gezogen. Die Ruhe fing wieder an zurüchzukehren: es wurde Rudolphs Nachfolgern nun leichter, auf dem von ihm gebahnten Wege fortzufahren ; hätten sie alle Rudolphs Geist und muthvvllen Nachdruck besessen, so würden gewiß diese Unordnungen nicht noch über zw.i Jahrhunderte fortgewürhet haben. Er starb in Grrmersheim >?y>, am iZ Juli nach zurückgel gtem 7Z. Le» bens>ahre. — Eine schöne Charakteristik desselben vom Hofrath G i r- kanner in Göktinge» steht in 2 Th. deS Pantheon der Deutschen (Chemnitz, iSyF. 8-); auch ist eine lesenSwürdige, und aus. den Quellen geschöpfte Biographie desselben von Leonard Meister, (Nürnberg, 178A. 8 ) erschienen. Rotation, (Lat.) der Umschwung, radförmige Umlauf. Ruffo-Scill a (Ludwig) Erzbischof von Neapel, ernannter Cardinal von PiuS Vl. ir«oi angcstellr nach einander in der Eigen, schüft eines apostolischen Nuntius zu Florenz, und sodann zu Wien, ward 1750 zu Neapel geboren, zu Rom in dem Hause seines Onkels, dcr auch Cardinal war, erzogen, und verdankte dessen Sorgfalt eine glänzende Erziehung, und sodann die Stelle des apostolischen Schatzmeisters; bald aber ließ sein wenig geistlicher Lebenswandel Pius VI. die Wahl, die er getroffen hatte, bereuen. Nach mehrern Warnungen sah der Papst kein anderes Mittel, als ihm durch die Ernennung zum Cardinal seinen Pl-tz zu nehmen. Ruffo mißvergnügt über den heiligen Vater, zog stch damahls nach Neapel zurück, und verlangte und erhielt sodann oie Jntendanlschafl von Cafirko. Ruffo suchte sich in Gunst bei der Königin zu setzen, und erhielt den heiligen Januarius- Orden. Als die Armee unter den Befehlen des General Mack geschlagen, und zeistreut, dieser General selbst gefangen, und ein großer Theil der Neapolitanischen Staaten im Jahre »7^8 von den F>a„zo- sen besitzt worden war, begleitete der Cardinal Ruffo den Hof nach Sizilien, da erhielt man die Nachricht von den glücklichen Bemühungen des Pfarrers Rinaidi. der zu Gunsten des Königthums einen Sammelplatz unter den Kaladrcsen zu erhalten suchte. Ruffo ergriff begierig diese Gelegenheit, sich wichtig z» machen, und ging daher mit einigen Officieren, allein ohne Soldaten und Geld ab, sammelte Rüg Rüb 79 einen zahlreichen Haufen, orgamsirte bald Aufgeboth und Insurrektionen durch ganz Kalabrien, und befehdete die Republikaner, so weit sie die Neapolitanischen Staaken beseht hielten, mit solcher Thätigkeit, daß sie unmöglich in die Provinz eindringen konnten, wo es ihm so glücklich gelungen war, dem Eifer der Einwohner in Flammen z» fetzen, und zu unterhalten. Sein Beispiel, das Gerücht seiner Fortschritte, und die Hoffnung auf seine Unterstützung diente» noch über- dieß, die Partheibewegungen aufzumuntern, durch welche die Franzosen auf allen Punkten unabläßlich beunruhigt wurden. Von ihrem Rückzüge selbst trug er verschiedene Vortheile davon, und vertrieb sie aus verschiedenen Stellungen, und zu dieser letzter» Zeit verfolgte er sic mit solcher Thätigkcit, daß fei»Einfluß sich, außer der Wiedereinnahme der Stadt und dem Königreiche Neapel, auch noch nachher auf die Wiedereroberung Roms und eines großen Thcils vom Kirchenstaate erstreckte. Der Kaiser von Rußland üdcrschickte ihm, ungefähr um dieselbe Zeit, in Begleitung eines schmeichelhaften Schreibens, den St. Andreas und St. Alexander NewSki Orden. Einige Europäische Mächte hatten gewünscht, den Cardinal Ruffo, nach Pius Vl. Tode aus den päpstlichen Stuhl erhoben zu sehen ; er war aber zu jung, um auf diese Würde Anspruch zu machen, und PiuS VIl. stellte ihn im Jahre 1806 von neuem bei dem Wiener Hofe an. Im Mai 1802 kam er nach Rom zurück. Zu Ende >8<>L, bei der Landung der Russischen und Englischen Truppen in Neapel war die Rede, daß er das Commando der Neapolitanischen Armee erhalten sollte, doch, wie es schien, schlug er den Antrag auS. Er wurde hierauf von seinem Hofe an den Papst gesandt, der ihn aber bloß als Cardinal anerkennen wollte; reiste von da ab, um sich in Staatsaufträgen nach Frankreich zu begeben, kam aber nicht weiter als bis Lyon, wo er vom Kaiser Napoleon Befehl erhielt, seine WillenSmeinung in Genf zu erwarten; er ging nach Bern, von da n'ach Lausanne und durchreiste die Schweiz im Marz 1306. Von da ging er nach Rom zurück, wo er auf einem Landgme, nahe bei der Stadt in tiefer Zurückgezogenheit wohnte, bis der Befehl, daß sich alle Car- dinäle von Rom entfernen sollten, auch ihn traf Er ging nach Neapel, und dort lebt er in Dunkelheit. Rugieoith, Rugewitt, war eine der alten nordischen Gottheiten , welche als Gott des Krieges, besonders auf der Insel Ru- gen uud bei Pommern, verehrt wurde. Sieben abscheuliche Men- schengesichter an einem Kopfe, sieben Degen in sieben Scheiden an einem Wehrgchänge, das achte in -er Rechten haltend, war es eine sehr große, aber überaus dürre und magre Figur. Der Rübezahl: der bekannte Nähme eines Berggeistes, welcher ehedem in Schlesien auf dem Riesengebirge gespukt, und den Reisenden viel Schabernak angelhan haben soll. Woher der Nähme eigentlich rühre, ist unbekannt; doch erzählen die Gespenster - Geschichten, daß er es nicht vertragen habe, wenn man ihn bei diesem Nahmen gerufen, daher Ihn auch alle die daselbst Reisenden lieber Herr Johannes genannt hatten. Er soll übrigens immer unter andrer Gestalt den Reisenden erschienen sepn, sie bald gefoppt, ihnen 80 Ruch einen falschen Weg gezeigt, bald aber auch ihnen Erfrischungen, Wurzeln, oder sonst Geschenke mitgetbeilt haben. Rüchel (E. F. W. PH. von) königlich Preußischer General - Lieutenant. Er wurse im Jahre 17^4 zu Zizenow inHinterpommern geboren, und betrat in einem Alter von rz Jahren s ine militärische Laufbahn bei dem Infanterie- Regiment von Slvjentin in Stendal. Ungemein lebhaft, und eben so pünktlich im Dienste erregte der junge Rüchcl so große Erwartungen von sich, daß man eS der Mühe rvertb hielt, seine Anlagen weiter auSzubjlden. Dieß geschah dadurch, daß man ihn mit Mehrern andern jungen Offizieren von der Sal- dernschcn Inspektion nach Magdeburg schickte, um sich das lbst unter der Leitung eines Stabsoffiziers vom Jngenieurcorps m't den höhern Wissenschaften bekannt ztz machen. Nach seiner Zurückkunft von Magdeburg stellte ibn sein General als Adjutant des Regiments an, und bald daraus ward er in dem Bayerfchen Kriege Adjutant des Generals von Knobelsdorf. Als solcher wohnte er den Affären bck Grnmbach und bei Gabel bei, von welchen die letztere nicht ganz unbed-ukend war. Nach dem Teichner Frieden beschäftigte er sich mit der Unterweisung einiger jungen Offiziere seines Regiments. Im Jahre >78» wurde er von Friedrich II. nach Potsdam berufen, und «ach einer kurzen Unterredung, welcher dieser König mit ihm gehabt halte, zum Kapitän und Quartiermeister-Lieutenant ernannt. Man hatte von RüchclS militärischen Einsichten eine so gute Meinung, daß Aach Friedrichs ll. Tode, Friedrich Wilhelm ll. ihm die Bearbeitung des allerzart« sten Zweiges der militärischen ^Organisation, die Verbesserung der sämmtlichen adelichen Milirärerziehungsanstalten übertrug. Sein Werk ist die Veränderung, welche seit dem Jahre 1782 mit demselben vorgenommen wurden. Rüchel war noch mit der neuen Organisation des Kadeten Corps beschäftigt, als er im Jahre 1790 den Befehl erhielt. den Ausbruch der Schlesischen Regimenter ja beschleunigen, die sich damahls unter den Generalen von Dallwig und Graf Anhalt bei Neiffc und Glaz zu zwei Corps versammelt hatten. Der Reichenbacher Congr.ß gab der Politik d.s Preußischen Kadineks eine ändvc Richtung; Rüchel aber hatte von der Mobilmachung der Schlesischen Regimenter den Vortheil nach der Zurückkunft des Königs 179» zum Flügeladjutanten ernannt zu werden. Als solcher begleitete er Friedrich Wilhelm ll. im folgenden Jahre zuerst „ach Anspach und bald darauf nach Mainz, zu einer Zusammenkunft mit dem Römischen Kaiser. Der Krieg gegen Frankreich wurde erklärt. Rüchcl wohnte in Begleitung des Königs noch der Belagerung von Longwy bei, wurde aber von hieraus als Militär-Gesandter zu dem Landgrafen von Hessenkaffel geschickt, in dessen Gefolge er sich bei der Aktion der Hessen bei Clermont und Verdun befand. Unterdessen bedrohte Cüstine von Mainz aus nicht bloß Cobceuz, sondern auch die Berg- festung Ebrenbreikstein. Beide Punkte zu retten bedurfte man eines rüstigen Anführers. Die Wahl Friedrich Wilhelms siel auf den Major Rüchel. Durch forcirke Märsche «-füllte Rüchel den ihm ertheil- ken Auflrag. Die Stellung, welche die Hessischen Trupp-1> damahlS zwischen dem Rhein un- der Mosel nahmen, lähmte Cüstinen in sei- Ruch 8 r neu Operationen, und Friedrich Wilhelm belohnte ave Thätigkeit seines Flügeladjutanten dadurch, daß er ihn zum Obristlieutenant machte, ohne des Anciennitäls Gesetzes zu achten. Der Landgraf von Hessen fügte den Hessischen Militär-Orden hinzu, tzüstine warf sich, in seinen Entwürfen gehemmt, nach Frankfurt den 22. Oktober ,79-, welches er ohne alle» Widerstand eiunahm. Da er von diesem Punkte Hanau und Gießen bedrohte, so mußten außerordentliche Anstalten gemacht werden; ihn hinter den Rhein zürückzuwerfen. Die Er. stürmung von Frankfurt wurde beschlossen, und durch die braven Hessen, unter dim Cominando des General von Biesenrodt den 2. Dec. 1792 glücklich ausgeführt. Rüch.l, welcher sowohl an dem Entwur. fe, als an der Ausführung wesentlichen Antheil hatte, wurde durcp die Vorrückung seines Patents bis nahe zum Obersten belohnt. Mit dem Anfänge des Jahrs 1793 wurde er zum Obersten avancirt, und wohnte nach mehreru Missionen an die Höfe Deutscher Fürsten den Aktionen bei Weiler^nd Alzheim b i. Nach der Eroberung von Mainz am 22. Juli 17YZ ernannte ihn Friedrich Wilhelm II. zum General- ma-or, indem er ihm vorläufig eine Brigade bis zur Einschließung von Landau, wo er den linken Flügel der Blokade zu befehligen hatte, anvertrauke. Wurmscrs Rückzug hakte die Aufhebung dieser Biokade zur Folge. Nüchel machte die Arricrgarde der Armee bis Fraiikeulhal. Der Angriff, den die Franzosen daselbst machten, wurde besonders durch seine persönliche Tapferkeit zurückg°fchlagcn; und diese ward so allgemein anerkannt, daß Friedrich Wilhelm ll. ihm mit Vergnügen den rochen Adlerorden ertheiltr. Die Affäre bei Kreuznach , in welcher dem General Nüchel die Zügel aus der Hand geschossen wurden, und er zuletzt Gefahr lief, in Gefangenschaft zu gerochen; die Schlacht bei Kaiserslautern , in welcher ihm der Angriff auf dem Mittelpunkte zufiel; vorzüglich aber die Aktion bei Martins, höhe, in welcher er zwei Schwadronen des Dragonerregimcnls Prinz Ludwig, mit dem Stocke anstatt deS Degens in der Hand, mit gro. ßcm Erfolge gegen die Franzosen anfühkte, vollendete seine Reputation. Während des Winkers >795 hielt der Generalmajor von Nüchel die Inseln bei Mainz besetzt, und im folgenden Frühjahre folgte er dem Marsche nach Westphalen. Nach dem Baseler Frieden führte er sein Regiment nach Anklam in die Garnison zurück, und kam im folgenden Jahre „ach Stettin. Zur Belohnung seiner im Feldzüge am Rhein bewiesenen Bravour schenkte ihm der König ziemlich bedeu. tende Güter in Südpreußen, die er verkaufte. Noch erheblicher waren die Vortheile, deren er durch die gute Meinung genoß, die man von seinen militärischen Talenten hatte; denn dieser Meinung ver. dankte er nicht allein eine sehr schnelle Beförderung zum Rang eines General-Lieutenants, sondern auch das anhaltende Vertrauen der Könige von Preußen. Friedrich Wilhelms II. Tod schadete ihm i« der Tbat so wenig. daß er in der Achtung des jungen Königs nur noch höher stieg. Beim Ausbruche des Kriegs im Jahre rAoü befand sich Nüchel an der Spitze eines Eorps, welches zur Unterstützung der Hohenloh. schon Armee bestimmt war, verspätete sich am Tage her Schlackt bei Conv. Lex. Fünfter Band. F 82 Rück Rüg Jena nm etliche Stunde» , und wollte unstreitig durch seine Bravour d-n Fehler wieder gut machen, sank aber von einer Flinten-oder Karrärschenkugel getroffen nur allzubald vom Pferde. Er gerieth in Französische Gefangenschaft. Wie er aus derselben entkommen, ist bisher unbekannt geblieben. In Königsberg beschäftigte er sich mit der Organisation neuer Regimenter, Lheils mir der Leitung der öffent» lichcn Meinung, indem er den ganzen Winter hindurch die Königsber- ger Zeitung redigirte. Im Moniteur erschien eine scharfe Rüge seines beleidigenden Betragens gegen Französische Kriegsgefangene, besonders aber gegen den General Victor. Nach dem Frieden von Tilsit ver- ' langte und erhielt der General von Nüchel seinen Abschied, welchem Friedrich Wilhelm eine bedeutende Pension hinzufügte. Jetzt lebt er auf seinen Gütern in Pommern. Es hat ihm nicht an Gelegenheit gefehlt, ein bedeutendes Vermögen zu erwerben; doch dergleichen hat er mit echtdeutschen Ginne verschmähet; und dießmöchtedenn wohl die glänzendste Partie in seinem Charakter feyn. Ruckblirgc, ein solcher Bürge, an welchen sich der Hauptbürge im Nothfalle schadlos halten kann. Rückfall, der Heinifall, j. B. eines LehnS an den Lehnsherrn. Rückwechsel, s. lli- cuwbio. — Rückläufig, von Planeten, s. Planeten. Rüge», sind in der Rechtssprache: angebrachte Jnjiirienklagcn >- desgleichen Frevel und Verbrechen von geringerer Art. Daher Rügamt, Rüge-Gericht, da- dergleichen Klagen untersucht oder solche Verbrechen bestraft. Rügengraf, Rügenmeister, der versitzende Richter i» einem Rügengericht. R üaen , die durch ihre reichen und reihenden Naturschönheiten so bekannte Insel, gehört zu Schwedisch-Pommern, und faßt auf »7 Quadrat. Meilen ungefähr azooo Einwohner, die im allgemeinen als gastfreie, biedre, maiinhafre, für ihr Vaterland ganz sich hinge- bende Menschen bekannt find, und an allen Produkten fürs Lebe» großen Ueberfluß haben. Die Strandbewohncr und Fischer nur weichen in Rücksicht ihrer Sitten, Kleider und Gebräuche und auch ihreS wilden und menschenscheuen Charakters von jenen ab. — Die Hauptstadt ist St. Bergen, in deren Nähe das Gebirge, der Rugard, mit wilden Bergen und Thälern durchmischt, einen der größten und lieb- lichstrn Standpunkte gewährt. Das merkwürdigste ist das in seiner Arrj einzige Kreidegebirge: die Stubbrnkammer. Dieses aus de» Fluchen der Ostsee sich erhebende Gebirge bildet, eine halbe Meile entlang,'ben Strand der Halbinsel JaSmund, bald steile, glatt ge- thürmte Felsen rc., bald allmählig sich zur See hinab windende buschige, quellcnrciche Klüfte, und alle Reifende kommen dahin überein, daß es den höchsten Genuß gewähre, von dem erreichbaren Standpunkte der jähesten und höchsten Klippe (des KönigstuhlS) auf daS Ganze hinzuschauen. Aber fast mit jedem Jahr ändert es auch seine Gestalt, indem von den Stürmen g^nze Felsenpfeiler ins Meer gestürzt werden. — Einer unsrer beliebtesten Dichter, Kose garten, begleitet eine von den vorzüglichsten Pfarrstcllen (zu Altenkirche» auf Wittow), welche überhaupt wegen ihrer ansehnlichen Ländereien und GerichtSherrschaft die beträchtlichste» in Deutschland find, und wovon Rüg Rnh 8z besonders vier (zu denen Attenkirchen auch gehört) wegen ihrer Vorzug« lichen Bedeukenheit im Scherz die Vierfürsten von Rügen genannt werden. Rüge», s. Rolandssäulen. Rügenwalde, eine Stadt in Hiutcrpommern mit 2260 Einwohnern , die zum Thcil den Schiffbau treiben. Der geheime Rath Rühl, war der Sohn eines Pfarrer- unweit Straßburg. Er erhielt das Rectorat in Türkhcim, wurde von dem Trafen von Leiningen-DachSburg sehr begünstigt, und von ihm bei dem Ausbruche der Revolution als Agent bei dem Französisch » Hofe angestellt. Er besaß gelehrte Kenntnisse, aber zugleich viel Eigendünkel und Ehrgeitz. Wenn man der Erzählung des berüchtigten Doktor Ba h r d t, der eine Zeit lang General-Superintendent bei dem Grafen von Leitungen-Dachsberg war, trauen darf, so war Rühl einer der verworfensten Menschen, der bei gänzlicher Unwissenheit in Regierungsgeschäften sich dessen ungeachtet dem Grafen unentbehrlich'zu machen gewußt hakte, und ein sonderbares Vergnügen darin fand, andre Menschen zu quälen und zu unterdrücken. Dieses Zeugniß ist durch Rühl's Betragen während der Revolution bestätigt worden. Er verließ die Leiningischen Dienste ohne alle Veranlassung, und beschloß, sich als Revolukionalr berühmt zu machen. Die Deutschen Ortschaften an der Französischen Grenze, welche Frankreich einverleibt zu. werden wünschten, die Grafschaft Saarwerden, die Herrschaften Diemeringen und Aßweiler wendekeu sich au Rühl als einen gemeinschaftlichen Agenten in Paris. Dieser betrieb die Nakionalistrung derselben bei der gesetzgebenden Versammlung, zu deren Mitglied er gewählt worden war, und wurde dcßwe- gen für einen eifrigen Patrioten gehalten. Während der Herrschaft des Convents, bei welchem ihn das Departement des nieder u Rheins zum Deputieren erwählt hatte, mußte er einige Mahl nach Elsaß und der umliegenden Gegend reisen, um die neue Verfassung zu befestigen. Immer war Rühl heftiger Jakobiner und tumultuari- fch cr FreiheitSapostel. Er hatte sich auf seinen Sendungen die Ge- wallthätigkeiten eines Carrier und Collot d'Herbois zu Schulde» kommen lassen, und mußte deßwegcn wünschen, daß fein Betragen nie untersucht würde. Nichts war ihm so unwillkommen, als da- Ende des Jakobinerregimeiits; er unterstützte daher aus allen Kräften die letzten Versuche der Jakobiner in Paris (am 20. Mai r/yz), die vorige Herrschaft wieder herzust.llen. Allein der Convent wendete den Schlag von stch ab; Rühl wurde nebst einigen andern Jakobinisch gesinnten Deputirten auf der Stelle verhaftet, unh er erstach sich am folgenden Tage selbst, um der Untersuchung zu entgehen. Man sieht aus dem Ende dieses Mannes, daß er eben nicht mit ruhigem Bewußtsein auf seinen vorigen Lebenswandel zurückgesehn haben mag. Ruhla, ein Flecken im Fürstenthum Gotha von ziz Häusern mit iz6c> Einwohnern, wo Eisenwaren, Tabakspfeifenkopfe u. f. w. vrrfertgt werden. F« «4 Rui Rum Ruin, (Lat.) der Einfall. Einsturz, z. B. eines Gebäudes. Uneigentlich: der Verfall, das Verderben, der Untergang, z. B. auf den Ruin kommen. Ruinen oder kuäsrs, Trümmer, Ueberbleiscl eingefallner oder zerstörter Gebäude. Ruiniren, verderben, verwüsten, zu Grunde richten. Ruinös, baufällig, den Einsturz drohend. Ruk, rin Afrikanischer Vogel, von dem man vorgibt, er sey so groß; daß er einen Stephanien tragen könne. Rum» Ram, Rumbillion, (Franz, kome) eine Art von Branntwein, welcher aus dem Saft des Zuckerrohrs, oder vielmehr von der übrig gebliebenen Unreinigkeit des ZuckcrS und Zuckerrohrs abgezogen und zubereitet wird. Er ist stärker als der gewöhnliche Branntwein, ohne jedoch dem Ara? gleich zu kommen. Aus den Europäische» Colonirn i» Amerika» besonders aber aus den Inseln Barbados und Jamaika — der letztere ist der beste — wird er von den Engländern in großer Menge nach Europa gebracht, wo man ihn, besonders zum PunIch häufig verbraucht. Rumelien,s. Romclien. Gras von Rumford, einer von denjenigen Wohlthätern der Menschheit, deren Nahmen sich durch ihre beglückenden Erfindungen im immerwährenden Andenken bei den Nachkommen erhalten. Sein eigentlicher Nähme war Benjamin Tomvson: erwürbe 1772 auf der kleinen Insel Rumford von Aeltern geboren, die. nur im mittelmär Kiqen Vermögensumständen sich befanden. Früh schon legte er den Grund zu seiner Selbstbildung, und früh schon gab er auch Andern Unterricht. Beim Ausbruche des Kriegs zwischen dem Mutterlande und den Colonien ging er zur Britischen Armee in Dienste» machte sich derselben durch seine LvkalkenNtnisse und seinen Scharfsinn bald sehr wichtig, kam bald nach London, wo er sich dem Lord G. Gcrmaine (nachher Sackoille) sehr empfahl, und von diesem auch nach Newyork zu Errichtung eines Dragonerregiments, bei welchem er Dberstlieutenant ward, abgesandt wurde. Bei seiner Rückkehr ernannte ihn der König zum Ritter. Nach hergestelltem Frieden erhielt unser T 0 mpson einen Ruf an dew Churpfalzbaierschen Hof und erwarb sich sowohl um die Baiersche Armee, als um das Armenwesin der Hauptstadt München große Verdienste. Als Liebling des Ehurfürstcn, von dem er bald zum geheimen Etatsminister Kammerherrn und zum Grafen von Rumford (von jeiner Geburtsinsel) erhoben wurde, griff er das Armen- und Bettlervolk zu München, dessen Uebermuth auf einen sehr hohen Grad gestiegen war, mit Macht und solchem Nachdruck an, daß diese auf einmahl insgesamt»! in öffentliche Arbeitshäustr gebracht, und aus solche Art beschäftigt wurden, daß der Staat eben sowohl als jene Versorgten cs ihm zum höchsten Dank wußten. Zu Anfänge des Revolu, tionskriegs kehrte der Graf nach England zurück, wo er seine Erfindungen zu Ersparung des Brennmaterials, die er schon in Baiern gemacht hatte, noch mehr vervollkommneke, und auch in öffentlichen Anstalten anwenden ließ. Seine Reisen nach Edinburg und Dublin beförderten die Einführung dieser so höchst nützlichen Einrichtungen auch in Irland. Noch wichtiger, und was bei dem unbemittelten Lheile Rum Rufi 8z ihm "'neu dankbaren Ruf bewirkt hat, ist die Erfindung der wohlfeilen Suppen, welche auch von ihm den Nahmen führe». Auch diese führte er schon in München ein; es gelang ihm bald auch in England, sie so allgemein zu machen, dass fast jece Stadt menschenfreundliche Gesellschaften aufzuweiscn hat, welche diese nahrhafte Kost den Armen unentgeldlich oder gegen ein geringes, verabreichen lassen. Dieser philosophische Versorger und Wohlthäter der Armen, dessen Schriften auch in Deutschland hinlänglich bekannt find, wurde um seiner so vielfachen Verdienste willen von sehr vielen Gesellschaften zum Mitglied ernannt AlS fleißiges Mitglied und zugleich alS Biceprä- sident der königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu London, schenkte er dieser sowohl als der philosophischen Gesellschaft in Philadelphia große Summen zu Vertbeilung von Preise» für die wichtigsten Erfindungen; und als Stifter einer in ihrem ersten Plan vortreflich angelegten Lehranstalt für Künstler, Oekonomen und Handwerker (gestiftet igoo unter dem Nahmen Ko/al Institut — königliches Institut), wo.diese alle Erfindungen thetls in Modellen anschauen, kheils auch Vorlesungen über Technologie, Physik rc. an- hörcn sollten, würde er auch das segenvollste Andenkc» sich erworben haben, wäre dasselbe nicht in der Folge m hr eine Anstalt zum Amu- ' sement für reiche Personen geworden, wodurch jene fast ganz zurückgescheucht worden sind. — Doch der trefliche Menschenfreund, der übrigens stch sehr früh verheirathete, aber schon in Amerika seine Gattin durch den Tod verlor, hat sich schon durch jene Verdienste die ehrenvollste Bürgerkrone erworben, und dankbar segnet ihn der ärmere Theil der Menschheit. Ruminiren, (Lat.) Wiederkäuen; uneigenklich: überlegen, hin und her bedenken. Rummel, der Handel im verächtlichen Sinne. Im Pikett- spiel: die Zahl der Augen, die man in einer Farbe hat. Rumor, (Lat.) der Lärm, das Getöse. Rumoren, lärmen, spuken, Unwesen treiben. Rumvrhaus, ehmahls ein öffentliches Haus in Wien, wohin die lärmenden Nachtstreicher gefänglich gebracht wuroen; die dazu bestellte Straßenwache hieß die Rumor- wache. Rumpiren, f. Rpptur. Runde, s. Kunde. Rundiren, runden,rund machen; uneigentlich: völlig ausmahlcn, vollenden. Runen. So nennt man theilS die Buchstabenschrift, womit gewisse Nordische Denkmähler bezeichnet sind, theils diese Denkmäh- ler selbst; richtiger heissen die letzter« Runsteine. Zwei Fragen haben die Geschichtforscher beschäftigt. Die erste betrifft das Alter, die zweite den Ursprung der Runen. Ohne Zweifel geht Vere- lius in seiner kuno^rsplliL, llpsal, >67^, zu weit, wenn er aus den Schichten von Gartenerde, womit die Runsteine überwachsen sind, auf ein Alter schließt, das kurz nach der Sündfluth fällt. Eben so übertrieben ist die Meinung des Ioh. Glöranffon, welcher (im Jahr 1750) ai7z in Holz geschnittne Runsteine bekannt machte, von denen er einige sooo Jahre vor Christi Geburt hinaussetzt. Die Kritik sin- §6 Run dct jetzt in den Runsteinen weder Sodom, noch Tyr, noch den Ma- gog; aber sie ist doch genöthigt, ibnen ein schr hohes Alterthum zuzu- gestihn. Es ist gewiß, daß die Runen lange vor der Einführung des Christenthums, im 9. Jahrhunderte schon, in Skandinavien, Schweden, Dänemark, Grönnland, bekannt waren; obwohl Saxo Gram- maticus in, seiner Dänischen Geschichte ums Jahr n 80 zuerst der Nordischen Nutten als alter Monumente, aus denen er geschöpft habe, Erwähnung thut. Man findet Runsteine auf Feldern und Wiesen , andere die zu Kirchmauern und Cenokaphien verbraucht find, woraus man auf ihre große Menge schließen kann. Auf den W »bischen i Götzenbildern findet man Inschriften mit Runen. Da g w>ß lange Zeit dazu gehörte, ehe man schreiben und die Schriftart verschönern lernte, so kann man fie wohl in das zte — 6te Jahrhundert setzen, um so mehr, da der Geist der Sprache, in welcher die Runschriftcn ab- p.faßt sind, mit der Sprache des 9teu Jahrhunderts verglichen ein sehr hohes Alterthum ankündigr. Aber sie waren keinesweges drm Norden cigenthümlich, indem sich in England und selbst in Spanien häufig Runsteine gefunden haben, wo die Menge der Steinschneider und die Liebe zur Dichtkunst dazu beitrugen, fie zu vervielfältigen. Dieß führt uns aufdie 2te Frage, überden Ursprung der Runen. Es scheint ausgemacht, daß sie nicht im Norden entstanden, sondern rin entstelltes Römisches Alphabet sind, besten sich zuerst Deutsche Völker bedienten. Obwohl Tacitus sagt, daß Othin (in dem Zeitalter Pompej's) die Sprache und Dichtkunst im Norden eingeführt hätte, so läßt sich doch daraus auf die Einführung der Schreibkunst, w lche ein viel höherer Schwung deS menschlichen Geistes ist, kein Schluß machen. Wären die Runen Nordischen Ursprungs, so müßten sic doch alle Töne der Sprache dieser Völker bezeichne», wozu sie keinesweges hinreicheu. Las Ostgothische Alphabet des Ulphi las, welches mit de» Runen nichts gemein hat, war zu jenem Zwecke weit geschickter. — Die Ostgvthen wiedersetzten sich noch der Amalasuenkha, alS fie den jungen König Atbalarich in der Schreibekunst wollte unterrichten lasten; und in der Folge e>st nahm diese Nation allgemein das Alphabet des Ulphilas an. — Wen» Benantius Fortunatus, ein Röm. Dichter aus dem Lien Jahrhundert, die Runen (Uuoa Larbara) erwähnt, so kann er wohl nicht die Schrift der Skandinavier oder der Gothen verstehen, die sich keiner Runen, sondern der Schrift des U'philas bedienten. Die Runenschrift hat großentheils eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Römischen Alphabete: aber sie ist sehr arm, besteht nur aus 16 Zeichen: sie kennt den Unterschied zwischen b und p» d und t, g und k, u und w nicht, welche der Sprache der Nordischen Völker wesentlich ist. Sie ist also ein entstelltes Römisches Alphabet, welches Deutsche Völker von ihren Nachbarn entlehnt hatten. Kein andres Volk der Welt als Deutsche konnten sich mit >6 Charakteren begnügen, da nur Deutsche Völker, wie noch jetzt die Obersachsen, b und p, d und t, g und k, i und ü in der Aussprache verwechseln. Auch waren nach Rhabanus Zeugniß Runen unter vielen Deutschen Völkern, z. B. den Marc 0 mannen, gemein. — Aber, fragt man, warum finden sich Runsteine in Schweden, Run Rur 57 Rorwegm, nicht in Deutschland? Hierauf antwortet Schlößer: s) die DcutjHen kannten überhaupt die Grabsteine nicht, b) die cul- livirten Deutschen Stämme, z. B. die Franken, bedienten sich zu Aufschriften des Römischen Alphabets, wie man auS Childerich's Ringe, der in dessen Grabe gefunden worden, ersteht; auch die Schweden vertauschten im i>. Jahrhundert die ungestalte Runenschrift gegen das Römische Alphabet, wie die spaten, Denkmähler beweisen. — klebrigen- ist die Runenschrift ganz eckig und mißfällig. Jede Rune hak eine Basis, Staf genannt; daher Runsiaba, ein Buchstabe. Die wichtigsten Schriften über die Runen find: O!. lVarmü l,in«rstura kumca. (Lopenk. i66g, 4.) Ilire cls Ilunnrum in 8uecin antiquitate. 1769 — llrre k. oriZioe et pa- trjs, llps. 1770. Lricb?nn t»ib>. klunicn, 1766. Gchlözer Einleitung in die Nordische Geschichte, S- ,572. Runischc Inschriften aus dem Norden find von Wogen und Masch, die in Spanien gefundnen Runsteine aber von BelaSquez gesammelt und herausgegeben worden. Runstabe, Signatstäbe, hießen b i den mitternächtlichen Völkern, noch im finstern Heidenthume, gewlffs.mit mancherlei Zauberworten beschriebene, Zauberstäbe, welche von ganz besonderem Holze, an gewissen Orten, zu gewissen Zeiten »nd unter gewissen geheimen Formel» zubereitet wurden, und mit welchen sie Wunder verrichten zu können glaubten. Man darf sic übrigens nicht verwechseln mit dem Runenstab, welches ein Stab ist, worin Runen (s. d. A?t.) eingeschnikten waren, und welcher den älter» Schweden zum Kalender diente. Er ist noch H ut zu Tage in einigen Provinzen unter dem gemeinen Mann üblich. Ruota Romana s. Rota Roman a. Rupertsordcn, ein weltlicher Ritterorden, den Johann Ernst, Erzbischofzu Salzburg, dem heil. Rupert, erstem Salzburgi- schcn Bischöfe, zu Ehren stiftete. Ruppie s. Roupie. Ruppin, Alt-und Neu-Ruppin. sind zwei Städte in der Milkeimark Brandenburg. wovon Neu - Ruppin die Hauptstadt ist 4000 Einwohner zahlt. Sie liegt an einem großen See; Alt- Ruppin, ein offenes Städtchen, liegt an ebendemselben ihr gegenüber. Neu-Ruppin ist ansehnlich und befindet sich durch Fabriken und Handel in einem blähenden Zustande. Ruptur, (Lat.) der Bruch. Uiieigentlich der Friedensbruch. Rumpiren, zerreißen, brechen, trennen. Da- Rural-Eapitel (Lat. 8)-noclus äiaecssnos) ist bei den Römisch-Katholischen eine Versammlung der Geistlichen und Dorfprediger, welche unter der Aufsicht eines Rural-Decans stehen. Der Rural-Diaconus beißt in England ein solcher Kirchen-Diener, welcher unter einem Aechi-Diaconus steht und zu den kirchlichen Angelegenheiten und Geschäften auf dem Lande gcbtauchk wird. «8 R »s Ruß kusms, ein hammerschlagähnliches Mineral, mit welchem die Türken sich die Haare wegbeizen. Es besteht aus Arsenzktheilen und Kalk. Russische Horn oder Jagd-Musik, s. Jagd-Musik. Russisches Glas, ei» in Rußland brechendes blättriges Mineral. welches sich in dünne Blatter spalten läßt, ist durchsichtig nud statt des Glases zu gebrauchen. Cs ist jedoch von so genanntem Franenglasc zu unterscheiden; dieses gehört zum Kalk-und jenes zum Lhongescklecht. Ersteres wird durchs Brennen zum GipS, letzteres verliert bloß die zufällige Farbe im Feuer. Die Russen nennen eS 8 Iiata. Die gewöhnliche Farbe des Russischen Glases ist blaß gelblich grau, die sich etwas ins Braune zieht. Rußland ist: wenn man dessen Ausdehnung betrachtet, das größte Reich des Erdbodens, nicht nur unter dem gegenwärtigen beliebenden sondern auch unter allen Reichen, die jemahls die Weltgeschichte aufzuweisen hatte: allein Bevölkerung und Eultur sind seiner ungeheuren Ausdehnung nicht angemessen. Das Russische Reich erstreckt sich über die drei Welttheile Europa, Asien und Amerika. -V. Das Europäische Rußland begreift mehr als die Hälfte unscrs Wclttheils in sich. Es hat mit Inbegriff der neuesten Erwerbungen einen Flächeninhalt von mehr als 80,000 Quadratmeilen, worauf g gcn zg Millionen Menschen leben. Unter den Flüssen sind die zwei größten Europäischen die Wolga und Donau, dann die Flüsse Düna, Niemen, Dwina, Tornea, Don, Dnieper, Bog, Dniester, Pruth und Aluta zu bemerken. Unter den Seen der Ladoga (der größte in Europa) der Onega, Peipus, die Saima-Seen und der Rosowa. Von Kanälen sind der Wolotschokische, der Ladogakanal und andere dergleichen Anstalten merkwürdig. Die größten Gebirge sind das Uralische und Werchoturische. Das Klima ist außerordentlich verschieden: von den nördlichsten Gegenden (wo in den y Monath langen Wintern die Kälte so heftig ist, daß das Quecksilber fest friert, und auch in den Sommermonathen unter dem Moose Eis vorhanden ist, kein Holz wächst und nur wenige Pflanzen gedeihen) gegen Süden herab finden sich alle mögliche Abstufungen der Luftemperatur und in den südlichsten Provinzen ist wahres Italienisches Klima, wo die herrlichsten Früchte wachsen. Rußlands Hauptpiodukte und zugleich die ersten Stappelwaren sind: Getreide aller Art, nördlicher mehr Roggen, Gerste, Hafer, südlicher mehr Weihen; Hanf und Flachs, so wie der Same und das Oehl von beiden; Holz in ungeheuren Waldungen, kommt als Masten Bretter, Planken p. s. w. zur Ausfuhr, so auch Pech, Theer, Pottasche; Tabak vorzüglich in den südlichern Gegenden: Rindvieh und Schafe, daher viel Häute, Talg und Wolle, jedoch fast durchaus nur g öberer Art; Schweine und Schweinsborsten; Pelzwcrk (Zobel, Hermeline, Bären, Marder, Füchse u. s. w.); Fische (Heringe, Störe, Hausen , Lachse, Hechte, Schellfische, Strömlinge, Stockfische u. - w.h Kaviar, Hausenblase, Thron; Honig und Wachs; Eisen und Kupfer. -- Außer diesen Hauptartikeln besitzt das Land noch eine große Mannigfaltigkeit von Erzeugnissen, von denen ebenfalls noch viele Nuß 8 2 zur Ausfuhr kommen. Aus dem Pflanzenreiche erhält man Hülsen- früchke aller Art, Hirse, Buchweizen, Mannaschwadeu, Obst, Win, Melonen in Menge in dem warmcrn Theile, selbst Feigen, Aprikosen u. s. w. Gemüse aller Art; Kappern in Süden; Waid und Krapp» Safran, Rhabarber, vielerlei Waldbeeren, Bast zu Matten und Schuhen, Rübsamen u. s. w. — Das Thierreich liefert Wallroße, Seehunde, Eideroögel in Norden. Sehr viel Wildpret, vorzüglich Hirsche, Rehe, Hasen, Elenkhiere; sehr viel zahmes und wildes Geflügel, Äu- rrhähne, Birkhühner u. s. w. Kameele und Antilopen in Süden, Pferde und Esel zum Theil wild; viel Ziegen ; Wölfe in sehr großer Menge. — Aus dem Mineralreiche erhält man außer den angezeigten zwei Hauptartikeln Eisen und Kupfer, auch Gold, Salz in Menge auS Quellen, Salzseen und als Steinsalz; Alaun, Schwefel, Salpeter, Steinkohlen: Marmor, Alabaster, Mühlsteine, Kalk, Tips, Walker- erde, Porzellanthon, Marienglas u. s. w. Das Europäische Rußland besteht aus Groß - Klein - und Weiß- Rußland , aus dem seit Peter I. bis auf unsere Zeiten von den Schweden eroberten Ländern, aus den Polnischen Provinzen, aus Neu-Ruß- land, oder den von den Türken eroberten Provinzen am schwarzen Meere und aus den Provinzen des ehcmahligen Chanats Kasan Dieses alles ist in 44 Statthalterschaften eingetheilt. Hiezu kommt noch daS Land der Donischen Kosaken, und die von den Türken gemachten neuern, aber noch im Streit begriffenen Eroberungen. Die alte Hauptstadt und die wichtigste Fabrikstadt des Reiches ist Moskau, eine der größten Städte Euröpens mit 400,000 Einwohnern, (s. diesen Art.) Die neue Hauptstadt, Residenzstadt, und größte Handelsstadt des Reichs ist St. Petersburg mit 270,000 Einwohnern. (S. Petersburg). k. Das Asiatische Rußland begreift ganz Nordasien ^ wovon der größte Theil Sibirien genannt wird und einen Theil von Mittelasien in sich. Es hat einen Flächeninhalt von 26^,000 Ouadratmei- len, worauf aber nicht mehr als 6 Millionen Einwohner leben. Die vorzüglichsten Flüße sind: Die Wolga, und die großen Flüsse Ob, Je- nisci und Lena. Die vorzüglichsten Seen sind der Kaspische, der Ana- dyr-Baikal-Aral-und-Alkin-See und viele Salzseen. Die vorzüglichsten Gebirge: der-Kaukasus, das Mische, und das Sajanische Gebirge mit ihren Nebenzweigen. Das kalte Sibirien ist reich an dem mannigfaltigsten Pelzwerke (darunter sich Zobel, schwarze Füchse und andere merkwürdige Arten befinden) und wichtigen Bergwerksprodukten, liefert auch fossiles Elfenbein, und Mamuthsknochen; in den östlichen Theilen fängt man die wegen ihres herrlichen Pelzwerks allgemein geschätzten Seeottern; in den wärmern südwestlichsten Theilen Sibiriens gedeihet auch Getreidebau und Kameelzucht. In den Astrakanischen, Kasanischcn und Georgischen Gebiethen hat man eine Fülle von Getreide, von Obst, auch Wein» Oliven, reiche Fischereien (Hausenfang mit geschätztem Kaviar und Hausenblasen) Seidenbau; Mineralquellen u. dgl. Das Asiatische Rußland wird in 12 Statthalterschaften eingetheilt, wozu noch die Kosaken am schwarzen Meere kommen. Im östlichen Meere die zwischen Asien und Amerika liegenden Kurilischen, Musischen, KV Ruß Negho-und Fuchsinseln und viele Inseln im Eismeere, welche alle nebst der Halbinsel Kamtschatka zu der Statthalterschaft. Ochotz? gehören. Endlich im Eismeer das ,808 von dem Physiker Heidenström entdeckte Neu-Sibirien, ohne Baume und ohne menschliche Einwohner, blos von Bären, Sommer-, und Wintergcflügrl und vielen fett-und thranreichen Thieren bewohnt. E. Das Amerikanische Rußland ist bis itzt noch ein Pri- vatetablissement einer Rußischen Handelskompagnie ander Nord-Westküste von Amerika, wozu die große Insel Unalaschka und die Insel Kad- jak, beide mit Rußischen Colonisten,' gehören. Das ganze Rußische Reich hat einen Flächeninhalt von 345,00c» Quadratmeilen, und macht also, wenn man das Meer abrechnet, den siebenten Theil der ganzen Ländermasse des Erdbodens aus. - Diese ungeheure Ausdehnung ist aber theils gar nicht, theils sehr ungleich be, wohnt. In dem Gouvernement von Moskau kommen auf eine Quadratmeile 2565 Menschen, in Kleinrußland ioyy, in den ehemahligcn Polnischen Provinzen 1069, in den Osiseeprsvinzen 608, in Reu-Ruß- land 256, im Gonvernemcnt Wologda yo, im Gouvernement Archan- gel 12. In Sibirien, das allein einen Flächeninhalt von 230,009 Quadratmeilen enthält, kommen gar nur 8 Menschen auf eine sH Meile. Die ganze Bevölkerung deS Rußischen Reichs beläuft sich gegen 4r Millionen Menschen. Diese Einwohner sind ungemein von einander unterschieden, in Gestalt, moralischen Charakter, Sitten, Lebens-und Ernährungsbe- dürfniffen , Religionsansichken , Schönheiks - und Anstandsbegriffen , Bekleidung, Putz-und Verschönerungsbestreben und in höchst abweichenden Vorstellungen von Reichthum und Armuth. Gegen 8Ö ver, schiedene Sprachen und Dialekte sind unter ihnen gebräuchlich. Dieses ungeheure Reich umfaßt in zerstreuten Absonderungen alle Arten von menschlichen Beschäftigungen, von der einfachsten, bis zur zusammengesetztesten Arbeit der kultivirtcsien Menschheit. Eine von den ursprünglichen Beschäftigungen der Menschen, die Jagd, die fast in allen Europäischen Ländern durch Cultur und Bevölkerung zu einem geringen Gegenstände geworden ist, ist in Rußland von großer Bedeutung. Sie ist begreiflicher Weise am ergiebigsten in den volkslosern Gegenden des Nordens, des Ostens und Südens, schon sehr wichtig, insofern sie auf eßbares Wildpret geht, aber weit wichtiger, in sofern sie sich aus Pelzrhiere, und durch das weite Sibirien bis ans östliche Ende des Reichs erstreckt. Man schätzt den Werth alles erjagten Pelzwerks im ganzen Rußischen Reiche jährlich auf 5 Millionen Rubel. Hiervon rührt freilich der größte Theil aus den Asiatischen Landen; aber auch in dem Europäischen Rußland ist der Ertrag sehr bedeutend. Die Jagd ist übrigens im ganzen Reiche frei und ungehägt;" jeder Bauer erlegt, was er kann. Die Fischerei liefert noch weit mehr a» Werth als die Jagd. Man berechnet ihn für das ganze Reich auf 15 Millionen Rubeln. Das weiße Meer liefert Heringe, Dorsche, Schell - und Stockfisch; die Ostsee vorzüglich den Strömling. Man sagt, daß ein einziger Zug einst 500,000 Stück lieferte. Ferner Hechte, Lachse, Neunaugen u. s. w. » N !! ß 91 Das Asowische-Meer gibt Stvir, Welse, Störlede, und eine Menge kleinere Fische, Man fing einst davon in einem Zuge 60,000 Stuck. Bis zur Bewunderung reich ist der Fang der Störe, Welse, Hausen, Sewrjugen, Lachsen, u. dgl- vorzüglich an der Wolgamündung; aber auch weit in den Fluß hinauf. D-e menschliche Kraft ist hier noch zur Zeit nicht im Stande, den natürlichen Reichthnm zu bändigen. Hierzu kommt dann noch die reichliche Fischerei in den großen Strömen und Seen, die bedeutende Fischerei und Scejagd bei Nova Sembla und Spitzbergen, die vorzüglich auf Wallfische, Seehunde, Wallroße geht und zugleich mit der Jagd der dortigen Pelzkhiere verbunden ist. Die Viehzucht findet durch das ganze weite Land allgemein Stakt. Sowohl für den nördlichen als den südlichen Nomadenist sie der Hauptnahrungs-Zweig. Lappen und Samojeden find zur Rennthicrzucht gezwungen. Die erster» treiben sie am stärksten. Mancher Lappe besitzt 600 bis 1000 Stück Rennthiere, die reichsten Samojeden nur 100 bis 150, weil Jagd und Fischerei ihnen sehr zu Hülfe kommen. In Taurien (Krimm) ist vorzüglich das Pferd, der Esel, dasKameel und das Schaf ein Gegenstand der Pflege. Man rechnet für diese Halbinsel die fast unglaubliche Summe von 7 Millionen Stück Schafen. Mancher einzelne Tatar besitzt bis zu 50,000 Stück pnd der gemeine Mann oft 1000. DaS Kameel wird um der Wolle, der Haut, der Milch und des Fleisches Willen und vorzüglich alS Lastkhier gehalten. Die Tatarn in den Steppengegenden, die der Halbinsel nördlich liegen treiben vorzüglich Pferde'und Schafzucht. Das Pferd ist hier von halbwilder Race. Es dient nicht blos als Lastthier, sondern der Tatar genießt sein Fleisch, seine Milch. Er bereitet aus der letzter» Käse, Brant- weip. — In den übrigen Gegenden des Landes besteht die 'Viehzucht neben dem Landbau und den übrigen Beschäftigungen. Die Rindvieh- zucht findet durchaus Statt, so weit es nach Norden hin das Klima gestattet; allein sie wird mit weniger Sorgfalt betrieben. Das schönste Vieh ist in den sonst Polnischen Provinzen,^in den fetten Weiden der ehemahligen Ukraine, oder dem sonstigen Podolicn, Volhynien und Kiew. Auch die innersten Gegenden in und um das Gouvernement Kursk haben reiche Rindviehhcerden. Rußland kann daher jährlich eine große Menge von Talg, Talglichtern und Leder, vorzüglich Juften, au daS Ausland überlassen. — Die Schafzucht ist sehr stark, aber sie wird gleichfalls noch ohne Sorgfalt betrieben, da auf Veredlung noch wenig gedacht ist. Die Wolle ist mehrenthcils sehr grob, besser in den Lstsee - Provinzen und noch besser in den sonst Polnischen Provinzen. — Die Anzucht der Schweine tst überall stark, wie sich schon aus der starken Ausfuhr der Borsten schließen läßt, die im Jahr 179z die Summe von 742,000 Rubeln betrug. — Die Pferdezucht ist nicht blos bei den Nomaden im Süden sehr beliebt , sondern durch das ganze Land sehr stark. Selbst der ärmste Bauer hat sein Pferd Die Race ist sehr dauerhaft, flink, aber nicht schön. Es werden daher noch viele fr.mde Pferde eingeführt. Die beßtcn Rußischen Pferde zieht der Tatar und Kosak. Auch die Bienenzucht ist hier von solcher Wichtigkeit, daß jährlich einige hundert tausend Pfund Honig und Wachs ans Ausland überlassen weiden können. Das ganze Geschäft der Viehzucht ist für Ruß- D2 Ruß land von solcher Wichtigkeit, daß im Jahr 179z die Ausfuhr der überflüssigen Viehzuchtsprodukte über 5 Millionen Rubeln betrug. Der Ackerbau übertrift jede der vorigen Beschäftigungen an Ausbeute bei weitem, ungeachtet von dem ganzen weiten Staatsgebiete nur 162,000 Quadrakmeilen des Anbauens fähig find und von diesen nur rin geringer Theil und zwar mit weniger Sorgfalt, kunstlos angebaut ist. Die Fruchtbarkeit des BodenS ist aber dagegen in vielen Gegenden ausgezeichnet, nahmcntlich in den Polnischen Provinzen, in den Gegenden der Mittlern Wolga, in Liefland u. s. w. Getreide, Hanf, Flachs, sind daher so wichtige Ausfuhrartikel, daß von ihnen nebst einigen andern Produkten der Ackerkultur im Jahre 179z für mehr als r6 Millionen ins Ausland gingen. Manche Produkte wachsen hier wild, die man anderwärts mit Sorgfalt anbaut, z. B. Spargel an der Wolga, Krapp an der Wolga, Okka und Samara, Waid an der Wolga; man braucht sie bloß zu sammeln. Die Erzeugnisse der großen Waldungen beschäftigen in Rußland ungemein viele Hände mit dem Fällen der Stämme, mit ihrer Verwandlung zu Brettern u. s. w mit Theer-und Pechbercisiing, Pott- aschensiedung, Gewinnung der Gerberlohe, mit dem Mattenflechten, dem Bastschubmachen u. s. w. Man befriedigt hier nicht bloß, das eigene Bedurfniß, sondern verkauft noch viel ans Ausland; im Jahr 179z betrug die Ausfuhr über dritthalb Millionen Rubel. Der Bergbau wird im Europäischen Rußland in mehrern Gegenden getrieben. Noch immer sind die Kupferbergwerke in dem Schwedisch russischen Gebirgszuge und zwar in dem Gouvernement Olonetz im Gange. Ebendaselbst, so wie auch in den Statthalterschaften Wo- logda, Nischnei Nowgorod, Kostcoma, Kursk, Tambow, Tula bofin- den sich die noch weit wichtigern Eisengruben. Sie beschäftigen sehr viele Hände und liefern selbst zur Ausfuhr. Weit wichtiger sind die Bergwerke im Asiatischen Theile. Sie gehen auf Gold bei Katharinenburg, und im Ural, auf Gold und Silber bei Nertschinsk, aus Kupfer im Uralischen Erzgebirge und im Alkäischen Gebirge, auf Eisen im Ural. Auch die Salzbereitung beschäftigt sehr viel Hände. Nach dem Inhalt eines über die Rußische Bergwerke erschienenen neuen Werkes rechnet man im Durchschnitt jährlich 4 ' Pud Gold (der Pud zu 40 Pfund) 1250 Pud Silber; 50000 Pud Blei; 202,657 P. Kupfer und 5,638,957 P. Eisen. Das reine Einkommen der Krone von sämmtlichen Bergwerken beläuft sich aus 6,463,555 Rubel. Auf den obigen Zweigen der hervorbringcnden Industrie beruht der eigentliche Reichthum des Reichs. Mangelhaft ist die dagegen die veredelnde Industrie, ungeachtet sich der Russe durch mechanisches Talent, und durch Geschicklichkeit der Hände darum vor andern Nationen auszeichnet, weil die Noth ihn insofern in die Lehre nahm, daß er den größten Theil der Kunstbedürfnisse selbst verfertigen mußte und noch verfertigt Daher gibt es im Lande Fabrikbeschäfrigungen, die schon seit alten Zeiten im Gange sind. Dahin gehören die starken Seifensiedereien» das Talgschmclzen und gießen der Talglichter: die stark verbreitete Leinenweberei, die zum Theil feine Ware liefert, die Juften - und Safiangerbereien. das Mattenwcben , die Bereitung der Ruß 9Z Hausenblase, das Ochlschlagen, das Theerschwelen, Bastschuhmachen u. s. w. alles Beschäftigungen der Landleute; denn im Jahre 1794 gab es nur 350,000 eigentliche Handwerker im Lande. Unter den übrigen Fabriken mögen die Branntweinbrennereien eben an stehn. Sie sind durch das ganze Land sehr zahlreich verbreitet, denn man verbraucht jährlich etwa 6 Millionen Eimer Brantwein. Sehr verbreitet sind die Manufakturen für Segeltuch und Thauwerk. Man setzt den Werth ihrer Waren auf 9 Millionen Rubel und dennoch bleibt sehr viel Hanf /^r Ausfuhr übrig. Der Schiffbau wird nicht blvs in den Seestädten, sondern auch sehr allgemein an den Strömen getrieben. Sehr wichtig sind die Eisenfabriken von der Gewinnung des Metalls an bis zum Verbrauche von Eisen-und Stahlwaren aller Art. Sie liefern vorzüglich Stangcneisen, gegossene Waren, Anker. Eine der größten Fabriken ist die Gcwehrfabrik zu Tula. Hier arbeiten über 5000 Menschen Ge- wehre und Waffen aller Art. Man hat ferner Kupfer - Messing-Drath- Hämmer; zu Petersburg und Petrowsk sind große Stückgießereien. Man verfertigt Glas, Spiegel, Töpferware, Porzellan, Fayence; es gibt Alaun-Salpeter - Pottaschen-Vitriol-und große Salzsiedereien. Die Zuckersiedereien vermehren sich und es sind kürzlich in Moskau in einem Zeiträume von sechs Monarhen 10 neue Zuckersiedereien entstanden. Man hat Tabaksfabriken» verfertigt Tressen und vielerlei andere Waren. Zu den merkwürdigsten neuern Fabriken» zu deren Vermehrung die Regierung noch immer fort die Hand biethct» gehören die Tuchmanufakturen. Es gab deren schon vor mehrern Jahren einige Zwanzig, welche von der Regierung Unterstützung erhielten, und die daher kontraktmäßig genöthigt waren, jährlich ein gewisses Quantum Luch an die Krone zu liefern und nach den neuesten Nachrichten sind sehr wichtige Tuchmanufakturen in den Gouvernements Tambav, Wo- ronesch und Penß entstanden, wo einige so eingerichtet sind, daß alle Arbeiten durch Maschinen verrichtet werden. Die bedeutendsten Sei- denmanufakturen sind zu Moskau, Petersburg, u. s. w. Auch sind Baumwollenmanufakturen im Gange, vorzüglich zu Schlüsselburg, Jaroslaw, und Moskau. Die Hutfabriken sind dem eigenen Bedürfnisse ganz gewachsen. Im allgemeinen reichen die Nußischen Fabriken für das eigene Bedürfniß nicht hin, aber an ihrer sortgehenden Vermehrung und Vergrößerung wird von Seiten der Regierung mit Sorgfalt und Aufopferung gearbeitet. Der Handel ist für Rußland ein sehr große» und vortheilhaftes Geschäft. Die Lage des Landes ist dazu überaus bequem. Für den großen Handel öfnen sich ihm drei Meere und ein großes Landmeer, nähmlich das Kaspische. Zu ihnen strömen aus dem Innern schiffbar e Ströme und erleichtern den Transport der Aus-und Einfuhr. Die oben genannten Kanäle kommen dabei zu Hülfe, und die festen Schlittenfahrten machen ihn die langen Winter hindurch ungemein lebhaft, schnell und leicht. Auch die Regierung erleichtert diesen Hand el im Innern durch Entfernung jeder Beschränkung; weder Zoll noch Accise noch Wegegeld findet Statt und selbst die Entrichtung auf den Kanälen ist gering. Die wichtigsten Handelsstädte für den innern Handel sind Moskau, Nischnep Nowogrod, Lrel, Kaluga; überall werden 94 Nuß Markte gehalten , von welchen der im Dorfe Makarjew, im Gouvernement Nischney Nowgorod an der Wolga ausgezeichnet lebhaft ist. Der Großhandel mit dem übrigen Europa ist am stärksten über die Ostsee, wo Petersburg und Riga die Hauptplatze sind; dann der Handel übers Eis-oder Nordmrer von Archangel aus in den drei Som- mermonakhcn und der Handel über das schwarze Meer. Es werden jährlich ungefähr für 48 Millionen zur Ausfuhr gebracht. Weit geringer ist Rußlands Handel zu Land mit dem benachbarten Preußen. Warschau und einigen andern Ländern. Mit Asien treibt es einen ununterbrochenen Handel, theils über das Kaspische Meer, theils mit den Karaoanen der Tatarei und selbst mit dem entfernten China und Japan. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Hanf, Flachs, Getreide, Eisen und Eisenwaren, mannigfaltige Waldartikel, Matten, Leder, Schweinsborsten, Hanf - und Flachssamen, Talg und Talglichter und Leinenzeug. Außer diesen noch sehr viel Hanf-und Leinöhl, Tauwerk, Hausenblase, Pelzwerk, Wachs, Seifen, Kaviar, Butter, Thran, Federn und Dunen, Pferdehaar, Wolle, Fleisch, Leim. Fische, Wallroßzähne u. s. w. Die Einfuhrartikel bestehen in Fabrikwaren aller Art, nahmentlich Zeuge aus Wolle, Seide, Baumwolle, Papier, Blech, Nadeln, Sensen, Sicheln, Steingut , südliche Früchte und Obst, Baumöhl, Wein, Kolonialwaren; Pferde; Heringe; Zinn, Blei, Zink u. s. w. In der geistigen Bildung steht die Masse von Rußlands Bewohnern noch ungemein zurück. Hier leben theils noch Nomaden und Halbnomaden in wildem Auswuchs? , theils erstangehende Ackerbauern , roh erwachsen, ohne Schulen und ohne Ahndung von Schulunterricht. Selbst die Bildung der eigentlichen Rußischcn Nationen , die höhern Stände ausgenommen, ist kaum begonnen » die Grundmasse lebt in Unwissenheit und Leibeigenschaft und es fehlt zur allgemeinern Verbreitung der g.lehrten und bürgerlichen, so wir der Volksbildung, noch zu sehr an dem nöthigen Personale, von dem die Bildung ausgehen kann» man muß es noch auswärts suchen. Daher sind Staatsämker und gelehrte Anstalten häufiger als irgendwo mit Fremden besetzt. Ader mit großer Anstrengung und Aufopferung großer Kosten arbeitet die Regierung, um die Nation für den Dienst der Wissenschaften zu gewinnen und die geistige Bildung zu verbreiten. Zu den höhern wissenschaftlichen Anstalten gehört die reich auSgestattete kaiserliche Akademie und die Rußischc Akademie zu Petersburg. Nach einem neuerlich entworfenen allgemeinen Schulplane, an dessen Spitze der Minister der Aufklärung steht, sollen im Lande seyn; 6 Universitäten, nähmlich zu Moskau, Wilna» Dorpat, Charkow, Petersburg und Kasan, von welchen die vier ersten bereits im Gange sind; 57 Gymnasien, von welchen 26 bereits errichtet; 512 Kreisschulen, von denen erst 80 zu Stande gebracht sind. — Außer diesen durch die ganze Masse durchgreifenden Anstalten besitzt Petersburg mehrere : eine Land-eine Scekadetten - eine Artillerie - eine Ingenieur-Schule; eine Bergwerks-eine-SchiffahrtS-eine Handlungs-Schule, eine Schule- der Chirurgie und Medizin n. s. w. Moskau hat einige ähnliche An- Ruß statten. Die Griechische Geistlichkeit hak ihre ältern Bildungsanstalken nähmlich 4 geistliche Akademien zu Kiew, Moskau, Peterburg und Kasan und eine Menge von Seminarien. Die herrschende Religion ist im Russischen Reiche die Griechische. Von den übrigen Religionspartheien sind die Katholiken die zahlreichsten. Die Lutherische Kirche ist in den Ostsee, Provinzen allgemein. Lre Takarn sind Mahomedaner. Sonst findet man noch Resormirte, Mennoniten, Armenier, Juden und Heiden. Der Russische Staat bildet eine in beiden Linien erbliche Monarchie. Der Kaiser herrscht unter dem Titel: Kaiser und Selbstherrscher von ganz Rußland, unumschränkt; doch ist er an die Untheilbarkeit dcS Staats, an die Griechische Kirche und an den Russischen Thron allein gebunden, so daß er nicht zugleich Regent eines andern Staates seyn kann Die kaiserlichen Kinder führen den Titel der Großfürsten und Großfürstinnen. Zur Leitung der auswärtigen Angelegenheiten dient dem Kaiser das geheime Staatsconseil; das oberste Reichscollegium für die inländischen Angelegenheiten ist der dirigirende Senat, in welchem der Kaiser selbst den Vorsitz hat. Dir einzelnen Zweige der Staatsverwaltung stehen unter der Leitung der StaatSmknister, nähmlich dem deS Aeußern, Innern, der Justjtz, des Kriegs, der Marine, der Finanzen, des Handels» des Unterrichts oder der Volksauf« klarung. Das ganze Reich zerfällt in Statthalterschaften, jede derselben wird durch einen Gouverneur verwaltet. Die Staatseinkünfte betragen nach einigen statistischen Angaben iio Millionen Gulden, nach andern rr.L Millionen Rubeln. Die Staatsschuld wird aus 200 Millionen Gulden geschätzt.' Die Kriegsmacht betrug im Jahre '805 zu Lande 558,000 Mann. Hiezu wurde »och im Jahre 1306 eine Landmilitz errichtet, welche 612,000 betrug. Die Seemacht schätzte man auf Z2 Linien-Schiffe, 13 Fregatten , Ly kleinere Fahrzeuge, zusammen zzz Segel. Der größt« Theil der Flotte liegt in der Ostsee, der kleinere im schwarzen Meere. ES würde nicht überflüssig seyn, dieser Skizze einen flüchtige» Abriß derRussischenGeschichte anzufügenh aber der enge Raum schränkt unS nur auf einige Grundzüge ein. Die Russische Nation ist ein Slavischer Stamm, der ursprünglich nördlich über der Donau wohnte, von Mehrern kleinen Fürsten beherrscht, die sich Gr oßfürsirn nannten, und in immerwährenden Kriegen gegen einander lebten; die Mongolen unterjochten sie. — I« ihrer Mitte blühte ein republikanischer Staat, die Stadt Novvgorod, eine Genossin der Hansa. Die Schwertbrüder entrissen den Russischen Staaken einige der besten Provinzen am Baltischen Meere. Der ei- grnliiche Stifter der Russischen Monarchie war in der Mitte deS »L. Jahrhunderts Iwan Wasiliewitsch, welcher das verhaßte Joch der Mongolen abschütkeltc. Sein Sohn. Iwan H. eroberte Kasan and Astrakan, s Tartarische Reiche. Fedor, JwanS Sohn, nahm 1587 das große Sibirien in Besitz. Mit ihm er- losch Iwans l. Stamm. Die Nuss. Großen erwählten 1597 feinen Schwager, Boris Godunow, zu ihrem Reg.nun, der sich r6az selbst vergiftete, und dessen Tod die Flamme der inycrn Kriege an- 96 . Ruß fachte. Im Jahr r6rz kam das Haus Romanow durch Wahl auf den Thron. Michael, Fedor's Sohn, war der erste Großfürst aus diesem Stamme. Sein Sohn Alexis bezwang und unterwarf sich r6§4 die Kosaken, und eroberte Smolensko, Czerni- chow und SewerSk, welche Provinzen erst >6z6 von Pohlen auf ewig abgetreten wurden. Fedor, Alexius Sohn regierte nur 6 Jahre, und hinterließ >632 das Reich feinen zwei Brüdern, Iwan und Peter. Iwan trat bald von der Bühne ab. Peter ward der wahre Bildner deS Ruffischen Staats, Reformator, Held, Gesetzgeber, eroberte von Schweden Licfland, Esthland, einen Theil Finnlands, legte Petersburg an, vermehrte sein Reich durch Persische Provinzen, und nahm 17^3 den Kaiser titel an. Ihm folgte 172L seine Gemahlin, Catharina I. die er aus dem Staube auf den Thron erhoben hatte. Sie ernannte 1727 Peter II. Peters I. Enkel, zum Thronerben, der aber jung starb. Anna, Iwans Tochter, Peters I. Nichte, wurde vom Russischen Senate zur Kaise. rin gekrönt. Sie erhob August HI. auf den P vhl ni sch e n Thron, führte einen glücklichen Krieg mit den Türken, verließ aber die Persischen Provinzen, deren ungesundes Clima die Russen aufrieb. A n- n a ernannte 1740 den minderjährigen Iwan III. einen Enkel ihrer Schwester, zum Thronfolger; er wurde aber 174, nebst seiner Mutter vom Throne herabgestürzt, und Elisabeth, Peters 1 . jüngste Tochter, bestieg ihn. Der Friede mit Schweden verschaffte ihr einen Theil Finnlands, die Festung Nyslot, und ihr Neffe, Adolph Friedrich von Holstein, bestieg den Thron von Schweden. Im siebenjährigen Kriege war sie Oesterreichs Verbündete gegen Preußen. —> Nach ihrem Tode, 17-2, ward ihr Schwestersohn, Peter HI. Herzog von Holstein-Goklorp, Ka ser von Rußland. Er schloß Frieden,, auch bald darauf ein Bündniß mit Preußen, und wollte seine Ansprüche auf Dänemark und Schleswig geltend mache», als ein tragische- Ende seine Plane zerriß. Peters III. Gemahlin, Catharina II. Prinzessin von Anhalt-Zerbst, bestieg »76Z den Thron, auf dem sie A3 Jahre glanzte. Diese mit gleicher Parteilichkeit vergötterte und ge, lästerte Frau baute auf dem Grunde fort, den Peter I. zur Vergrößerung und Cultivirnng des Russischen Staats gelegt hatte. Sie sorgte gewiß für die Wohlfahrt und den Flor dcss lben, aber mehr noch für ihren Ruhm Sie machte zuerst ihren Liebling, Poniatvwski zum König in Pohleu, schloß ein Bündniß mit Preußen, schützte die Pohlnilchen Dissidenten und Eonföderirten, und bewirkte ,772 die erste Theilyng Pohlens, wodurch ste einen Theil Litthauens mit Rußland vereinigte (m. s. den Art. Revolution von Pohlen). Der Türkenkrieg war die glänzende Periode ihrer Regierung. Ihre Flotten unter Spiritow und Orlow, ihre Landarmeen unter Roma uzow, Bauer, Tottleben rc. erfochten zahllose Siege, und verbreiteten Schrecken bis Cvnstantinopel. Der Friede verschaffte ihr die Festungen Kertsch und Jenikale, die freie Schifffahrt auf dem schwarzen und weißen Meere, er sicherte die Unabhängigkeit der freien Tartar». Catharina vermittelte r 779 de» Frieden in Deutschland, schloß rxL» mit Schweden und Dänemark len Bund Ruß 97 der bewaffneten Neutralität, dem Holland zuletzt beitrat, setzte r/82 den Chan der Krim wieder ein. Die neue RegicrungS- form, die sie >736 einführtc, ihre Instruction für den Gesetzgcbungs- ausschuß, ihr Elfer für den Flor der Wissenschaften und Künste, für Cultur und Bevölkerung machen ihr Andenken heiliger, als der Krieg mit Schweden, der sich 17V9 ohne Verlust, aber ohne Ehre endigte, der neue Menschen und Länder verheerende Türkenkrieg, dessen Preis (1791) einige Festungen waren, die zweite und dritte Lheilung Pohlens, 179g und 1795, wodurch sie fast ganz Litthamn, Curland, Podvlicn und Wolhyrsk au sich >iß. Sie starb 1796 den 17. November. Ihr Sohn und Nachfolger,'Pa ul I. ist durch seine Reformen, deren Tendenz dem Geiste der Zeit und dem Geiste scimr großen Vorgänger entgegengeietzt war, ewig merkwürdig. Er schaffte die Gouvernements-Regierung ab, erhöhte die Auflagen, verlegte das Militär in Städte, führte eine strenge Censur ein, die fast zur Gc- dankensperre ward, verbot die Ausfuhr aller Kricgsartikel, vorher eine Reichrhumsquelle für Rußland, erklärte sich zu gleicher Zeit zum Großmeister des Malthcscrvrdens und Bundesgenossen der Türkei, hielt mit Strenge auf die Ehre der Monarchie, und ließ zahlreiche Heere gegen Frankreich marschiren, um sie zu rächen. Der schlimme Erfolg dieser Expedition, der Bruch mit England und Pauls I. trauriger Tod (den 11. März, i8<") sind wcllkundig. — Eine fehlerhafte Erziehung und die fatalen Eindrücke der Französischen Revolution hatten diesen Charakter verschoben, dessen Grundzüge Biedersinn, strenge Gerechtigkeit, mit unbiegsamer Heftigkeit verbunden waren. Durch ein Grundgesetz, welches auf ewige Zeiten gelten soll, hat er 1797 die Frauen vom Russischen Throne ausgeschlossen. Sein Sohn, Alexander I. hat bisher die glücklichen Vorbedeutungen gerechtfertigt, unter welchen er den Thion bestieg. In den Kriegen, welche in der neuern Zeit zwischen dem Deutschen Reiche und Frankreich zum AuSbruch kamen, und wo Rußland schon im Jahr 130; bei der Deutschen Reichsversammlung wegen der Verletzung des Territorial-Rechts , bei Gelegenheit mehrerer unternommenen Verhaftungen, Eröffnung gethan, und jene auf die Nüchlheiligen Folgen aufmerksam gemacht; übrigens auch der Französischen Regierung eine Note darüber hakte zustellen lassen, die ab-r am Ende zu einer völligen Entfernung des Russischen und Französi. scheu Hofs führte; erklärte endlich Rußland (1305) sich ganz entschlossen, den Krieg mit der höchsten Anstrengung, bis zur Erzwin. gung eines aligeiukssene» Friedens-Vertrags, aufs beharrlichste fort- zusetzen; große Truppenbewegungen unt rstützten auch diese Erklärung, und ein Concert-Traclat mit Großbritk^nien bestätigte eine förmliche Ligue, die man gegen Frankreich zu Erhaltung der Unabhängigkeit, des Friedens und Wohlstandes von Europa einging. In der Milte Ock. >805 erschien denn auch die erst? Abtheilung der Russen; ja, ge- gen Ende Nov erschien der Kaiser selbst bei seinem Heere. Der Französische Kaiser schlug diesem eine pe sönliche Zusammenkunft vor, wel- Conv. Lex. Fünfter Band. V yz Rust Ru che aber abgelehnt wurde. Es kam zu der merkwürdigen Schlacht bei Austerlitz (am 2. Dec.); und dem darauf erfolgten Waffenstillstände trat zwar der Kaiser von Rußland nicht bei, nahm auch keinen Theil an dem' bald darauf abgeschlossenen Frieden zu Preßburg; zog aber seine Truppen zurück, und schien nun nicht mehr sehr geneigt, den Krieg fvrtzusetzcn. In dem folgenden Jahre näherte mL„ sich und ig»6 d. 20. Juli wurde zwar von dem Slaatsrarh von Oubrtl zu Paris ein Friede abgeschlossen, dem aber der Petersburger Hof die Ratification versagte. Bald brach auch der Preußisch-Französische Krieg aus, und Alexander machte nun (am 20. Nov. 1806) seinen Entschluß, dem König von Preußen mit aller Macht beizustehen, bekannt; es wure den die höchsten Zurüstungcn gemacht — den Erfolg davon haben wir kürzlich in dem Art. Preußen angeführt. Der Friede zu Tilsit erfolgte, und Rußland erkannte darin die Könige von Neapel, Holland, Westphalen, ferner den Rheinbund rc. an, und trat die Herrschaft Jever in OstfrieSland an den König von Holland ab. — Im Ock. 1807 kam es denn auch nach gemachten vielseitigen Bemühun. gen zur allgemeinen Ausgleichung mit England» und nach vielfachen gegenseitigen Unterhandlungen zu einer Erklärung Rußlands gegen England, worin dieses von jenem beschuldigt wurde, ihm während deS Kriegs mit Frankreich gar nicht bcigrstanden, vielmehr seinen Handel belästigt, Dänemark angegriffen zu haben rc. und wodurch Rußland zugleich olle freundschaftlichen Verhältnisse und Communicationen mit England aufhebt, nicht minder alle zeitherigen Verträge und Conventionen für nichtig erklärt, auch die Grundsätze der bewafneten Neutralität neuerdings prvclamirt rc. Die übrigen Ereignisse Rußlands in Betreff der andern Staaten s. m. r. d. einzelnen Art. alS: Pohle n, T ü r k e i rc. auch F i „ n l a „ d. Rustical, (Lat.) ländlich, nach Landsttte. Rusticalsteuer, die Laudsteuer. Kustique, (Franz, rüstihk) ländlich, bäuerlich, z. B. eine rüstike Kleidung. Desgleichen bäuerisch, d. i. grob, ungeschliffen. Rusticikäk, das bäuerische Wesen, die Ungeschliffenheit. Rustication, die, das Leben oder Wohnen auf dem Lande. Rusiiciren, auf dem Lande wohnen. Die Ruthe, das größte Maaß in der Geometrie, alle Arten der Größe darnach anSzumessen, ihren Inhalt zu bestimmen und in Zahlen auszusprechen. Es besteht ihre Eintheilung heut zu Tage meist, u LhcilS aus Decimaltheilen, w.ßhalb sie auch De ei mal- oder geometrische Ruthe genennt wird, zum Unterschied einer Land- rutbe nach eines jeden Orts angenommnen Maaß, das bald aus ^2, bald aus Z4 »nd -L besteht. Jeder Fuß von allen Landruthen hat 12 gleiche Theile, die man Zolle nennt. In Sachsen hatte man ehedem zweierlei Landruthen, die Leipziger und Dresdner Ruthe. Denn nach einem bei dem chursürstlichen Kammerarchiv in Dresden ausbewahrten schwarz gebcitzten lindenen Maaßstabe macht eine Länge von 7; Leipziger Elle und , Gemünd (--- 2 Zolle) eine Leipziger Ruthe auS. mit welcher die Felder, Wiesen, Holzungen und Teiche ausgemessen wurden, hingegen die Dresdner Ruthe eine Rnt Ruy 99 Länge von 8 Dresdner Ellen, womit man die AuSm.ssung der Gebäude und Meilen verrichtet halte. Die erwähnte Dresdner Elle ist wahrscheinlich zur Zeit des dreißigjährigen Krieges gebräuchlich gewesen . und 90 derselben haben 91 Leipziger Ellen ausgemacht. —- Bei den Feld- und Landmessern werden beide Ruthen von 10 zu io eingecheilt> so daß 1 Ruthe m-- 10 Fuß, 1 Fuß --- io Zoll, und 1 Zoll -- >0 Linien ist. Bei den Werkleuten hingegen ist die zwvlfkheilige Einthrilung gebräuchlich, so daß i Ruthe r-- ,2 Fuß, i Fuß — 12 Zoll, und 1 Zoll --- 12 Linien hat. Jene gibt das Dccim'ilmaaß, und diese das Duodecimalmaaß oder Werkmaaß. Das Gemünd scheint daher entstanden zu seyn: In den ältern Zeiten geschahen die LängcnMlssungcn gemeiniglich mit einem Stabe oder einer Latte von 74 Leipziger Elle Länge, so daß dieser Stab alle- mahl überschlagen wurde, wodurch denn zu den 74 Ellen noch die Dicke des Grabes (das Gemünd) sich addirte, welche man 2 Zoll stark annahm, und mithin auf diese Art die jetzige Ruthenlänge von 7 Leipziger Ellen und >4 Zoll, wie sie bei Feldmessungen festgesetzt »st, hervorbrachte.«— Uebrigens theilt man im Allgemeinen die Ruthen 1) in Längenruthen — nach Schuh oder Fuß — welche bei Ausmessung großer Längen gebraucht werden, 2) in Quadrak- ruthen (eine Ruthe breit, eine Ruthe lang), welche man bei Ausrechnung der Aeckcr, Wiesen rc. anwendet, Z) in Eubicruthen, wo man das Maaß eine Ruthe lang, eine Ruthe breit, und eine Ruthe hoch oder dick annimmt, und sich ihrer zur Berechnung und Ausmessung körperlicher Sachen, z. B. eines Stücks Erde, eines Stoßes aufgesetzter Steine rc bedient. Ruthe ngänger, Ruthe nschläger, nennt man diejenigen , welche mir der sogenannten Wünschelruthe in den Bergwerken die Erzgänge erforschen, auch damit noch vielerlei andern Unfug treiben, z. B. verborgene Schätze entdecken wollen. Uurlsncl, (Engl. Rolland) eine Grafschaft in England, auf der rechten Seite des Humber, die ungefähr 40 Englische Meilen im Umfange hat. Das Rulscherrecht wird in einigen Gegenden ein gewisses Recht genannt, das der Zins - oder Grundherr hat, eine ihm schuldige Abgabe, welche nicht zu dem bestimmten Tage, ja wohl gar zur bestimmten Stunde, entrichtet wird, alsdann immer verdoppelt zu fo- d.rn, bis sie abgetragen ist. Weil nun diese Zinsen, welche Rutscherzins (auch WerthzinS) heißen, allcmahl mit jedem Tage, oder auch, wenn cs festgesetzt ist, mir jeder Stunde, welche versäumt wird, anwachsen, und also gleichsam sortrukschen, so habe» sie jenen Nahmen erhalten, sind aber beul zu Tage wenig mehr üblich. Kutter, k Ureier, eine Holländische Goldmünze, 7; Rthlr. werth. Michael Adrian Ruyter, verdient unter den Seehelden der Neuern einen der ersten Plätze, und ist gewiß der größte, den die vereinigten Niederlande je gehabt haben, indem unter ihm ihre Seemacht G 2 i oa Ruy den Hörsten Gipset erreichte. Er war 1607 zu Vlissingen geboren, wurde zum Seilerhandwerk bestimmt, entlief aber schon in seinem nisten Jahre, >6,8, und nahm Secdienste. Die Natur hatte ihn ganz zu einem vortrefflichen Seemann gebildet; er war von der festesten Gesundheit, abgehärtet, unermüdek thakig, entschlossen, ungemein tapfer und mit allem zum Verdienste gehörigen WiMnschaften auf das genaueste bekannt. UebrigenS charakterisirt ihn sein Privatleben als den liebenswürdigsten und bescheidensten Mann und den aufrichtigsten Patrioten , der, ungeachtet seines eifrigsten Wunsches, den Rest seiner Tage in Ruhe zu verleben, und trotz der unaufhörlichen Bitten seiner Gattin, dennoch jedes Mahl dem Rufe des Vaterlands folgte und ihm neue Lortheilc erwarb. Schon in seiner Jugend unternahm er weile Seereisen in andere Welttheile, stand 1641 als Contreadmiral den Portugiesen im Nahmen seiner Nation gegen «Spanien bei, und that denn von Zeit zu Zeit mehrere glückliche Streifereien zu Bekämpfung der Corsarenstaaten im Mittelländischen Meere. Er schlug hierauf in dem 1652 mit England ausgebrochnen Kriege die Englische weit stärkere Flotte unter Askye in einem großen Treffen, und erfocht noch als Un- teradmiral mehrere Vvrtheilc gegen sle. Nach dem r 6 g 4 geschloßnen Frieden unternahm er wieder verschicdne kleine und glückliche Züge gegen Frankreich, die Eorsaren, Portugal und Schweden, erwarb sich aber noch größere Verdienste in dem 1664 mit den Engländern ausgebrochnen Kriege. Er schlug sic, nachdem er ihnen in den Gewässern Afrika's und Amerika s Abbruch gethan hatte, im Canal in drei großen Schlachten, die er als Hauptadmiral (welche Stelle er bis an seinen Tod behielt,) 1666 in dem kürzesten Zeiträume, nähm» lich vom i>. bis zum 14. Juni, lieferte, mußte sich aber bald nachher (4. August), da die Unteradmirale wider seine Befehle agirten» mit außerordentlichem Verlust zurückziehcn ; allein sein Rückzug ist dessen ungeachtet eines der größten Meisterstücke, die je im Seekriege aus« geführt worden sind. Tr landete sogar 1667 an den Ufern der Themse, und nöthigte dadurch das bestürzte England zu dem schleunigst geschloß- ncn Bredacr Frieden. Einen zweiten Krieg gegen England und Frankreich, von 1672—1674, fübrtr er mit eben so großem Ruhme; und bloß seine ausgezeichneten Verdienste waren die Ursache, daß man ihn bei der Ermordung seiner Freunde, der Brüder de Witt, jener bekannten Gegner des Hauses Ärmsten, verschonte. In diesem Kriege (zu dem die Engländer, ihres Bündnisses mit den Niederlanden un- eingedenk» die sonderbare Veranlassung ergriffen» weil Ruyters von einem Sturme ganz auf die Seite geworfnes und unbrauchbar geword- . nes Schiff den Kanonengruß nicht erwiedert hakte (schlug er mit fernem vortrefflichenUnteradmiralTromp 167z den 7. Juni und 21. August die vereinigten Englisch-Französischen Flotten, und behielt zur See die Oberhand, ungeachtet die Landtruppen seines Vaterlands gänzlich ge, schlagen worden waren. In beiden Kriegen führte er das Commando von Flotten, die gewöhnlich weit über mo Schiffe stark waren; auch wurde er von den Feinden so sehr gefürchtet, daß sie ihm, ungeachtet ihrer bisweilen noch größer» Schiff^zahl, dennoch fast nie ein Treffen 101 Ryp Rys anboten: und seine vortrefflichen Plane machten ih» eben so unsterblich, als die Tapferkeit und tvchnekigkeit, mit der er sie ausführke. — Endlich bestimmte ihn das Schicksal, seinen Tod außerhalb des Vaterlands zu finden. Er mußte 1675 mit einer kleinen Flotte, der die Französische an Zahl weit überlegen.war, den Spaniern nach Messina gegen Frankreich zu Hülfe kommen, und seine Lage war daselbst so mißlich, daß jeder andere Admiral gänzlich verloren gewesen wäre; er rettete aber dessen ungeachtet seine Flotte nebst der Spanischen, und verlor endlich, da er im Tressen bei Mongibello in Sicilien 1676 den L2. April den linken Fuß eingebüßt hatte, am Ly. April in der Bay von Syrakus das Leben im 69. Jahre seines Alters. Rype, das Schneehuhn auf den nördlichen Gebirgen, z. B. in Schweden; ist wegen seines Fleisches sehr geschätzt. Ryßel, (Franz balle) im Departement des Norden (Oeoart. cku Xorü); .die Hauptstadt im Französischen Flandrn, bekannt durch die starke Industrie, die die Einwohner— ungefähr 6o,»oo an der Zahl — hier belebt. Ihre Fabriken und Manufakturen, die Alle Arten von Tuch und ruchartigem Gewebe, Zeug, Leinwand, Spitzen — mit Verfertigung der Spitzen und Kanten sind allein gegen zouo Weibspersonen beschäftiget — die weit und breit bekannten Garn- und Zwirn- Fäbrikate rc. liefern, veranlassen den beträchtlichstes Handel, der hier eben so stark, a!S ob es eine Seestadt wäre, betrieben wird. Viele ihrer Kaufleate sind Schiffsrh.der (s. den Artikel Rheder) > und nehmen an den Ausrüstungen in den Häfen zu Dünkirchen, Calais und Ostende den thätigsten Antheil, so daß die Handlung von Ryßel nicht bloß nach allen Gegenden von Frankreich, Holland und den Niederlanden, sondern auch nach Deutschland, Italien, Portugal, England, Irland rc. sich erstreckt. Rings herum sind 200 Windmühlen, welche Schlagöhl von verschiedner Art verfertigen. Auch dient Ryßel — welches übrigens zugleich eine sehr bedeutende Festung ist, und ein Meisterstück von einer Eitadelle, von dem berühmten Ingenieur Vauban, besitzt, auch durch schöne Gebäude und Straßen «usS angenehmste sich auszeichnet, als ansehnlicher Wechsesplatz, den Städten Antwerpen, Brüssel und andern in den Niederlanden gelegnen Orten zum Vermittler, wenn diese auf Paris, Londoy und Amsterdam zu beziehen haben. Ryswick, ein Ort in der Provinz Holland, eine Stunde vom Haag, hak in staats- und völkerrechtlicher Hinsicht einen Nahmen erlangt durch den bekannten Ryswicker Frieden, welcher hier im Jahre 1697 durch Schwedens Vermittelung zu Stande kam, und für fämmtliche kriegführende Mächte nicht nur höchst nöthig , sondern in der Thak wohlthätig war. Durch diesen Frieden nähmlich wurde ein Krieg geendigt, welchen der König von Frankreich, Ludwig XIV. mit dem unverdienten Beinahmen i der Große, seit ,683 gegen den Deutschen Kaiser, Leopold I. und den Herzog von Savoyen in Italien^ gegen das Deutsche Reich aber im Schwäbischen, Ober-und Niederrhcini- scheu Kreise und in Bayern, gegen England und die vereinigten Niederländer in Burgund und den Niederlanden sowohl, als zur See, und I 02 S aa endlich gegen Spanien in Catalonien mit so großem Glücke, aber zum größten 'Nachtheile aller dieser Staaten geführt hatte, und wozu ihm wenig oder gar kein Anlaß war gegeben worden. Wundern muß man sich beim erstem Anblicke, über die überaus große Mäßigung des sieg» reichen Ludwigs, welcher, nachdem er fast überall so große Eroberungen gemacht Arte, dennoch sämmklichen kriegführenden Mächten durch Carl XI. König von Schweden, diesen Frieden anbietet, in solchem alle Eroberungen wieder hrrausqibt, und bloß das auf dem linken Rheinufer reunirte Elsaß nebst Straßburg behielt. Richtet man jedoch auch zugleich einen Blick aus Spaniens Thron, dessen baldige Erledigung der schlaue Ludwig voraussah, und welche z Jahre darauf, am r-Nov. 1700, mit dem Lode Carls des Zweiten erfolgte, so wird sich jene bewiesene Mäßigung gar leicht begreifen lassen; ja man wird darin einen neuen Zug seiner Politik, seiner Hab-und Herrschsucht finden» indem er in der Folg, der Zeit nichts weniger als die Krone Spaniens an sein Haus zu bringen sich bestrebte. — Uebrigens ist noch die Rys- wickischeClausul, im 4. Art. des gedachten Friedensschlusses, bemerkenswürdig , Kraft welcher die katholiche Religion in denjenigen Orten des Deutschen Reichs, wo sie nach dem Westphälischen Frieden von Frankreich eingeführt worden, in nnverändertem Zustand verbleiben sollte. Trotz der nachherigen häufigen Bemühungen der protestänlischen Stände, eine Abänderung hierin zu bewirken, ist es dennoch immerfort mit dieser Clausul im vorigen Stande geblieben. V^aal, Saalhof, hieß bei den alten Deutschen das Gebäude, in welchem sich das einem Gau Vorgesetzte Gericht unter dem Vorsitz eines Grafen versammelte; z. B. der Saälhof in Frankfurt. Saalbuch, ein unter obrigkeitlicher Autorität gefertigtes Verzeichniß aller zu einem Bezirk gehörigen liegenden Gründe, mit Bemerkung ihrerRaine, Mahlsteine , Nachbarn rc. auch aller darauf hastenden Abgaben und Verbindlichkeiten. S. auch L ag erb uch. — Saalmeister war sonst eben so viel als jetzt Hofmarschall. Die Saale (ölsl-r), ein ansehnlicher, sehr fischreicher Fluß in Deutschland, welcher am Fichtelberoe unweit des Flecken Zelle entspringt, das Voigtland, Thüringen, einen Theil des Meißnischen Kreises im Saa Sab inZ Churfürstenthum Sachsen , die Anhaltischeu Lande und das Herzogthum Magdeburg durck'strömt, und im letzkern bei Saalhorn in die Elbe fällt. Sie soll — einige Meilen weit von ihrem Ursprünge — Perlenmuscheln , ja auch Goldkörner, bei sich führen. Schiffbar wird sie erst bei Halle, wohin, vermittelst der von Friedrich I. (1694) angelegten Schleuß-», eine große Anzahl Schiffe mit Steinkohlen fahren, und von da , mit Salz beladen, nach der Elbe zurückgehen. Saal selb, eine dem Herzoge von Coburg gehörende Stadt an der Saale von 564 Häusern und zioo Einwohnern. Saalkrück s. Sarbrück. Saar-Departement s. Frankreich. Saaz, die Hauptstadt dcS Saazer Kreises in Böhmen, hat zoo» Einwohner in Häusern. Der Sabäismus oder Zabäismus, die Religion einiger Morgenländischen Völkerschaften , welche Sonne, Mond und Gestirne als Gottheiten verehren. Einige verstehen darunter die älteste Religion der Patriarchen, und glauben in den Ueberbleibseln derselben die höchste Weisheit zu finden. Das Religionssystem, daS noch jetzt von den Sa- baern, einem Völkerstamme in Arabien, angenommen wird, schreibt sich erst aus dem Zeitalter des Mahomed her, und enthält ein Gemisch von Lehrsätzen auS der jüdischen, christlichen und mahomedanischen Religion. Sie verheirathen sich übrigens bloß unter einander, nie mit fremden Personen. Zu den Verstorbenen werden zwei Gefäße ins Grab gesetzt, eins zur Rechten, von Glas, mit reinem Wasser für die guten Engel, das andre zur Linken , mit trüben Wasser für die bösen Engel, die sich etwa dem Leichnahm nähern möchten. Sabbath (Hebr.), ein feierlicher Ruhetag, bei den Juden der Sonnabend, bei den Türken der Freitag. — Sabbatharianer, eine Secte unter den Wiedertäufern, welche nicht den Sonntag, sondern mit den Juden den Sonnabend feyerte. — S a b b a thj a hr war bei den Juden jedes siebente Jahr, in welchem alle Aecker brach liegen mußte». — Sabbatherweg war bei den Juden eine Strecke WegeS von ungefähr einer halben Stunde, so weit sie nähmlich am Sabbath gehen durften. — SabbathinSache war beim Reichskammergericht ui Wetzlar eine Sache, welche Sonnabends vorgenommen ward, wohin z. B. wichtige Jnterlocutorien gehören. — 8abdarkine, einSonn- abendsschmäuschen. Sabeslianer s. Noeiianer. . Sabiner-Raub s. Romul us. Sabius s. Vespasian. Sabitha, ein Egyptischcs Maaß zu Flüssigkeiten, ohngefähr 151/2 Kanne. 8a dies 6' OIo 0 n «, (Sabel dolonne) eine Seestadt in Frankreich im Departement der Vsrnlss (Wangdeh). 8abon. (Franz. Sabong) eine Art der gröbsten Druckschrift, besonders zu Titeln und Plakaten. 8abot, (Franz. Saboh) ein Frauenzimmerschuh. — Sabot hieß auch ein Gott der alten Schlesier, der auf dem ihm gewidmejcn Zobkcnbcrgc verehrt ward. lo 4 Sab Sae .8 skrs fi e. (Franz.) eine Ermordung mit Säb»lhicben; eine Art schneller Execution, deren sich in der Schrcckenszeit der Französischen Revolution die Jacobiner bedienten. Sa care, ein kleines Gold- und Silbcrgewicht auf Madagascar, rviegt soviel als ein Skrupel. Antonio Maria Gasparo Sacchini, geboren zu Neapel 1735. Dieser große, merkwürdige Compositeur studirte im Conservätorium zu St. Onofrio in seiner Geburtsstadt unter D u r a n t e die Musik, und wählte vorzüglich die Violine zu seinem Hauptinstrumente. Als er das Eonservawrium verlassen hatte, wurde er bald durch mehrere Theaterkompositionen bekannt und bald auch zu Rom bet einem Operntheater angcstellt, wo er, wahrend seines achtjährigen Aufenthalts, schon da« mahls mit Piccini wetteiferte und vor diesem in der ernsthaften Oper den Vorzug behielt. Als Kapellmeister im Conservätorium Ospeda- letto za Venedig (176-)) arbeitete er auch mit großem Glück für die Kirchenmusik, und erwarb sich dabei den Ruhm, die trefflichsten Sängerinnen, eine G abri el i, Sa n t i u. a. m. gezogen zu haben. Schon erregten seine Werke im Auslände, nahmentlich in London , Aufsehen ; aber noch gab er den vortheilhafken Vorschlägen von daher kein Gehör, sondern machte erst in den Jahren 1770 und ferner eine Reise nach Deutschland, blieb einige Zeit an den Höfen zu Stuttgard und München, ging nach Holland und dann erst, auf die wiederhohl- tcn vortheilhaften Anträge, nach London (ungefähr 1774). Beinahe zehn Jahre war er hier der Gegenstand der allgemeinen Bewunderung; und dreizehn Opern, die er während dieser Zeit auf das dasige Thea» ter brachte, wurden aufs prächtigste in Kupfer gestochen. Dessen ungeachtet verließ er (um das I. 178z) London, theils wegen drückender Schulden, in die ihn fein Hang zum Vergnügen, trotz seines guten Einkommens, gestürtzt hakte, theils aber auch wegen seiner Gesundheitsumstände und der heftigsten Anfälle vom Podagra. So kam er nach' Paris, wo seine Olympiade schon der Gegenstand allgemeiner Bewunderung war, die man denn nun auch dem Künstler selbst zollte, -so, daß er nicht nur die größten Ehrenbezeugungen, selbst am Hofe der Königin, bei welcher er Cvmponist und Lehrer ward, sondern auch die einträglichsten Belohnungen erhielt. — Ein zurückgekretenes Podagra, das ihn eben, als er wieder Anstalten zu einer Reise nach London machte, aufs neue anfiel, machte seinem Leben am 7. October 1786 ein Ende. Jedermann nahm Antheil an feinem Schicksale; er selbst aber starb ohne die mindeste Beunruhigung; nur das Schicksalseiner Schwester und seines Bedienten , die er hülflos hinterlassen mußte — bei seinem erworbenen Ungeheuern Vermögen hatte ihm der Hang zu Vergnügen und Verschwendungen auch hier nichts übrig gelassen — betrübten ihn noch sehr. Das reichhaltige Genie dieses großen Tonkünstlers, der zugleich unter die vornehmsten Stützen der Neapolitanischen Schule gehört, zeigt sich in seinen Werken — unter denen man die Anzahl seiner Opern auf so setzt — eben so stark» als das Sanfte und Zärtliche seines Charakters überall hindurch blickt; besonders zeichnen sich die Chöre — z. B. Sae »vF das Chor der Priester in dcrOlympiade — an großer, erhabener Simplicität, an Kraftvollem und Harmonischem aus. „Wenn es aus der musikalischen Bühnesagt einer seiner Biographen, ein Mittelding zwischen der lustigen und heroischen Oper gäbe, welches rinsern ernsthaften Comödien und bürgerlichen Trauerspielen gliche ^ so würde Sacchini in diesem Fache kaum seines Gleichen gefunden bähen." — Er arbeitete mit einer außerordentlichen Leichtigkeit; Mühe und Zwang verabscheute er in seinen Arbeiten. Nach Art der Dichter erwartete er den glücklichen Moment des Enthusiast», und erreichte so in einem Schwünge, was das mühsamste Bestreben nicht hervorzubringen vermag. Er wurde unter andern — nach Forkels Erzählung in einem seiner mustcalischen Almanache — nach Mailand berufen, um die erste Oper zu sehen. Gleich bei seiner Ankunft zog hier die prim» Ilona» seine ganze Aufmerksamkeit so sehr auf sich, daß er bei ihr die Absicht seiner Reise gänzlich vergaß. Kurze Zeit vor Eröffnung des Theaters, als der Impregsario zu ihm kam, um die Proben mit ihm zu verabreden, gestand S. seine Nachläßigkcit, indem er noch keine Note an der Oper angefangen habe. Der darüber ganz außer sich gebrachte Unternehmer konnte nur durch jene Dame in etwas besänftiget werden, die sich eben bei Sacchini befand. Sie verlangte vor allen Dingen zwei Copisten, die nun beständig bei diesem bleiben mußten : er machte sich an die Arbeit, und ohne aus dem Bette aufzustehen schrieb er so eifrig, daß ihm jene Copisten kaum folgen konnten; und binnen 14 Tagen war die ganze Oper — eine seiner schönsten — nicht nur fertig, sondern auch schon auf die Bühne gebracht. — Mit einer seltnen Geschicklichkeit, jeder Nation ihren Geschmack abzugewinnen, wußte er das Brauchbarste aus diesem Nationalgeschmacke auSzuhcben und immer in seine Arbeiten zu verweben; und so mußten seine Werke überall, in welchem Lande er auch schrieb, Beifall finden. — Seine Büste aus Marmor ist in der Kapelle des Pantheons zu Rom an demselben Pfeiler ausgestellt, an welchem Raphaels von Urbino Monument befindlich ist- Sacco (Johanna) war 1754 zu Prag geboren. Mit dem Jahre 1761 betrat sie in ihrer Geburtsstadt, als Mamsel Richard das Theater und wurde da bei den Kinderballetten verwendet. Im 11. Jahre ihres Alters debutirte sic bei der Gesellschaft der Madame Kurzin , der Frau des Wienerischen Bernardon Kurz, und als diese auseinander ging kam sie zu der AkermannischenGesellschaft nach Hamburg. Inder Folge spielte sic in Leipzig, Kreiberg, Torgau , Karlsbad, Altenburg u. s. w. Im Jahre 1772 heurathetc sie einen Tänzer und nachherigen Ballekmeister Sacco, und ging 1774 nach Warschau, zu der Gesellschaft, welche Kurz als Prinzipal dirigirte. Von da kam sie nach Wien , wo sie den 10. Juni 1776 in einer Proberolle als Eugenie in dem Stücke gleiches Nahmens von Beaumarchais auftrat. Sie kündigte sich schr bescheiden an, aber desto größer waren die Wirkungen, welche ihre Er- scheidung hervorbrachte. Sie machte einen Eindruck auf die Zuschauer, den noch nie eine Schanspielerinn vorher zu Wien gemacht hatte. Am Ende des Stücks wurde sie hervorgerufen, eine Ehre die damahls we- io6 Sae gen ihrer Seltenheit weit mehr als jetzt zu sagen hakte. Man säumte nicht, sie sogleich zu engagiren und ertheilte ihr die Freiheit jede Rolle, welche sie wählen würde, zu spielen. Von dem Augenblicke an, da Sacco auf der Bühne erschien, drängte sich das Publikum eben so eifrig in das damahls noch im Emporkeimen begriffene regelmäßige Deutsche Schauspiel, als es vorher, dasselbe geflohen hatte. Selbst Personen von niederm Stande, denen man so hohes Gefühl theatralischer Kunst nicht hätte zutrauen sollen, brachten ihr Geschenke und huldigten ihr aus eine enthusiastische Art. Es widerfuhr ihr etwas ähnliches, was dem vortrefflichen Gellert widerfahren war. Eines Tages kam ein Bauer mit einer Fuhr Holz vor die Buchhandlung zu Leipzig gefahren» wo Gellcrts Werke verlegt wurden , und sagte zu dem Buchhändler, er bringe eine Fuhre Holz zum Geschenk für den Mann, der die schönen Fabeln geschrieben habe. Als Sacco das erstemahl in Wien austrat, war ein Wiener Fleischhacker so entzückt von ihrem Spiele, daß rr sich anheischig mach.e, ihr durch ein ganzes Jahr das Fleisch für ihre Haushaltung unentgeldlich zu liefern. — Sacco wurde der Abgott des Publikums, ihre Verehrung grenzte an den höchsten Enthusiasmus. Es war ein Verbrechen, nur das mindeste Anstößige an ihr bemerken zu wollen. Der -rste Rausch verflog zwar in der Folge, aber sie blieb immer der Liebling aller Theaterfreunde; und das verdiente sie auch zu sryn, denn in ihr hatten sich glückliche Naturgaben mit dem Studium ihrer Kunst vereinigt, um eine der größten Schauspielerinnen hervorzubringen. Sie hatte ein gefühlvolles Herz; eine tiefe Einsicht, sich auch den unbedeutendsten Zug ihrer Rolle nicht entwischen zu lassen ; die sel'ene Gabe mit dem Dichter, die noch seltenere für ihn zu arbeiten, Schönheiten in Stellen zu legen, in die er selbst keine zu legen wüste, und Fehler, wo er deren beging, wegzuschaffcn; eine glückliche Physiognomie, fähig alles, was ihr der Dichter vorschreiben kann, bis auf die feinsten Verflößungen auszudrückcn ; ein Auge voll schmachtenden Feuers; einen schönen Wuchs; ein reizendes Gebährdenspiel, nie zur Unzeit» nie mit Affektation; eine Stimme, so silbern, s»entzückend, mit ihrem -klagenden Zauberton, Der biegsam, schmelzend, süssester Anmuth voll. Harmonisch, gleich den Engelstimmcn, Seelen von Erz unaufhaltsam durchdringt. Sacco erhielt zwei ausgezeichnete Ehrenbezeugungen. Die eine war, daß Maria Theresia den i. September ihrentwegen das Schauspielhaus besuchte. Die Kaiserin that dieses nur zweimahl seit dem Tode ihres Gemahls und jedesmahl um die seltensten Theatergenien aufzumuntern. Im Jahre 1771 den l. Jäner wegen Lange als St. Albin im Hausvater und diesmahl wegen Madame Sacco als Minna von Barnhelm. Die andere geschah durch den großen Kenner und Schätzer wahrer Talente, dem Fürsten von Kaunitz, welcher ihr die Ehre des Zutritts in seinen Gesellschaften gestattete, die sonst nur Personen vom Sae Sach ro/ ersten Range offen standen. Johanna Sacco, starb den 2iken Dezember >802 in Wien; — wohin sie sich von ihrem Landsitze (Meidling nächst Schönbrunn) ihres Arztes wegen, begeben hatte, an einer schmerzhaften Brustkrankheit.—Zwei Töchter aus ihrer ersten Ehe» beweinten den Tod ihrer guten Mutter, so wie die Armen ihres Kirchspiels, welche sie sowohl in ihrem Leben, als auch in ihrem letzten Willen, wohlthätig bedachte. 8 » ccu 8 , (Lat. Sack) ein der Dalmatika ähnliches Kleid der Griechischen Priester Sachen», heißt bei den Nordamerikanischen Wilden das Oberhaupt und der Anführer eines Stammes. Sachfällig heißt in der Rechtssprache derjenige, der seine Sache oder seinen Droceß verloren hat. . Hans Sachse, der berühmte und beste aller Mcistersänger, (s. diesen Art.) geboren zu Nürnberg 1494, starb 1576. Er nahm die protestantische Religion an, und zeigte sich daher in allen seinen Gedichten als den wärmsten Vertheidiger derselben. Ohne große gelehrte Kenntnisse, und nur ein Schuhmacher, war er dennoch ein Mann von vielem Genie und nicht ohne treffliche Anlagen zur Poesie, in der er es in einem geschmackvoller»! Zeitalter sehr weit gebracht haben würde. Er ward in seiner Vaterstadt Meistersänger, brachte die dasige Zuntt dieser Sauger zu einem ungemeinen Flor, und ward der beliebteste Dichter seines Zeitalters. Seine Gedichte sind unzählbar, denn sie belaufen sich über 6000 und bestehen in biblischen und weltlichen Lust-und Trauerspielen, Fastnachtskomödicn , Gesprächen , Fabeln und Erzählungen, biblischen Geschichten, lustigen Einfällen und vermischten Gedichten. Zwar sind Sprache und Reim sehr ungebildet und unregelmäßig, Fehler wider Geschichte und Eostume sehr gewöhnlich; und schon der andächtige Inhalt macht viele seiner Stücke ungenießbar: dessen ungeachtet aber sind sie voll Feuer, Kraft und religiöser Gedanken, leicht, natürlich, reich an Menschenkenntniß und reinem Gefühl; und bloß das allzu viele Schreiben, verbunden mit wenig wissenschaftlicher Cul- tur und Mangel an Geschmack (ein Fehler des Zeitalters) hinderten ihn , einen bleibenden Ruhm zu erlangen. — Von seiner noch vorhan-, denen Wohnung s. d. Art. Nürnberg. Sachsen. Man würde nicht wenig gegen die Geschichte verstos- scn, wenn man das alte Herzogthum Sachsen, wovon heut zu Tage alle Sächsische Fürsten, vom erster» bis zum letzter,,, ja sogar alle apanagirten Prinzen der Chur- und herzoglichen Linie, ben Titel führen, in denjenigen Landen suchen wollte, welche dieselben gegenwärtig besitzen. Kcins von den Ländern, die jetzt das Christenkhum Sachsen und die fürstlich Sächsischen Besitzungen ausmachen, gehörte ehedem zu dem Herzogthum Sachsen, sondern sie waren die Besitzungen der Marggrafen von Meißen und der Könige (in der Folge der Zeit der Landgrafen) von Thüringen. Wir glauben, da Sachsen in vielen Rücksichten merkwürdig ist, und sogar dem Deutschen Kaiserlhrone einige der besten Regenten gegeben hat, manchem unserer Leser gefällig zu seyn, wenn wir vor allen Dingen geschichtlich zeigen» aus welchem iss Sach Landen eigentlich das alte Herzogthum Sachsen bestanden, wie deren Regenten ursprünglich geheißen, woher selbst die alten Sachsen stammen u. dgl. Nach der Meinung der meisten Geschichtschreiber waren die alten Sachsen ursprünglich eine Nordische Nation, welche im dritten Jahrhundert nach Christi Geburt in dem heutigen Herzogthum Holstein und der dastgen Gegend sich niederließ; und einige behaupten geradezu,'sie waren um diese Zeit aus Norwegen nach Deutschland herüber gekommen, und hätten sich zuerst in Holstein, Dithmarsen und Stormarn niedergelassen. Die Hauptbeschäftigung dieser alten Sachsen aber war nicht die edelste > denn anstatt das Land zu bauen, anstatt irgend eine Art von nützlicher Beschäftigung zu wählen, trieben sie bloß Seeräubereien. Sie breiteten sich gar bald dich-und jenseits der Albe, bis an den Rhein und die Schelde, aus, drangen in das alte Königreich Thüringen ein, und setzten sich in demjenigen Theile desselben fest, der ihnen am nähcsten lag, das heißt in Nordthüringen. Nach und nach theilten sie sich in Stämme, und erwählten sich ihre Vorsteher, welche Anführer (Duces) hießen, von welchem sie sich im Kriege kommandiren und zu Friedenszeiten beherrschen ließen. Natürlich wählten sie hierzu die Tapfersten und Verwegensten, ohne dabei an irgend eine Erblichkeit zu denken. Weil nun diese Sachsen auch im Auslande als ein sehr kriegerisches Volk gar bald bekannt geworden waren. so wurden schon in der Mitte des fünften Jahrhunderts mehrere ihrer Stämme von den Engländern, die bisher von ihren Nachbarn , den Pikten und Skoten (Schotten) , unaufhörlich beunruhigt worden waren, nach England gerufen, um diese besiegen zu helfen. Zwei Brüder, Hengist und Horsta, die in der Folge als verwegene Krieger bekannt geworden sind, stellten sich an die Spitze der Sachsen; und es ist gewiß, daß zu den Siegen der Engländer über ihre Feinde die Sachsen das Meiste beitrugen. Aber anstatt daß sie nach hergestellter Ruhe England vertragsmäßig wiederum hätten verlassen sollen, blieben sie vielmehr, zum größten Verdruß der Engländer, dort, vereinigten sich nach und nach in sieben Stämme, und stifteten in dem heutigen Britannien (Schottland und Irland abgerechnet) sieben kleine Königreiche, welche unter dem Nahmen der Angelsächsischen Heptarchie in der Geschichte bekannt sind- Zum Unterschiede von ihren in Deutschland zurückgebliebenen Brüdern wurden sie von dieser Zeit an Angelsachsen genannt. Jene alte Sächsische Nation nun, durch den Abgang ihrer Bruder nach England an der Zahl zwar sehr geschwächt, war doch immer noch stark genug, ihre Deutschen Nachbarn zu beunruhigen: ja, sie ersetzten was ihnen an der Anzahl abging durch ihre persönliche Tapferkeit und Kühnheit; kurz, sie überwanden, was ihnen widerstand» so, daß sie nicht nur alle und jede Länder, die gegenwärtig noch den Westphälischen Kreis diesseit des Rheins ausmachen, sich unterwarfen, sondern auch den größten Thcil des Niedersächsischen Kreises, ja sogar das nördliche Thüringen, mithin sogar etwas von dem heutigen Öbersächstschen Kreise, den Sorben - Wenden abnahmen. Sach ivA Jetzt aber nannten sich ihre Obern (vuces) nicht mehr bloße Anführer sondern Herzoge. Jeder Stumm halte seinen Herzog, welcher im Kriege commandirte und in Fricdenszeiten Regent und Richter war, koch so, daß das Volk sowohl an der Regierung als an der Justizpflege Antheil hatte. An Erblichkeit war auch jetzt noch nicht zu denken. Nachdem nun solchergestalt die Sachsen vom dritten bis zum Au. fange des achten Jahrhunderts in einem nicht unbedeutenden Theile Deutschlands sich ausgebreiker hatten, und den schon damahls allge, wattigen Franken auf ihren Züge» nach Italien behülfiich gewesen waren, so war bei diesen dir Eifersucht eine sehr natürliche Folge, so, daß sie sich um ihrer eigenen Ruhe und Sicherheit willen für hinlänglich berechtigt hielten, ihre Bundesgenossen, die Sachsen, in etwas einzuschranken. Zwar trat der Fränkische König, Pipin, einrrr Theil des von ihnen eroberten Königreichs Thüringen ai» sie ab, jedoch unter der Bedingung eines jährlichan ihn zu entrichtende» Tri« buts. Weil aber die Sachsen in der Folge diesen Tribut den Fran« kn, verweigerten, so blieb kein anderes Mittel übrig, als durch die Waffen sic dazu zu nöthigen, welches endlich unter dem Sohne Pipius, Carl Martell, geschah, indem dieser die Sachsen auS de» Fränkischen Staaten vertrieb, in welche sie bei diesem Kriege nach und nach eingedrungcn waren. Endlich nachdem Karl der Große, nach Abstcrben seines Bruders Karlomauus, das ganze Fränkische Reich vereinigt Halle, wurde im Jahr 772 sogar auf dem Reichstage zu Worms der Krieg wider diese Sachsen beschlossen, welcher zu ihrem Nachtheile ausfiel, so, daß sie sich den Franken unterwerft» mußten. Jndeß, auch jetzt war die Ruhe von keiner Dauer: den» da die damahligen Zeitumstände Karln nach Italien nöthigten, so fiele» auch die Sachsen, welche sich durch den von Pipin ihnen aufgelegten Tribut entehrt hielten, und überhaupt mit der Fränkischen Abhängigkeit unzufrieden waren, von neuem in die Fränkischen Staaten ei»; kurz, es verstrichen ZZ Jahre, während welcher die Sachsen zehn, mahl besiegt werden mußten, ehe Karl sie als eine völlig besiegte Nation ansehen konnte. Nicht zu verschweigen, daß nach dem letzter» Kriege, beim Friedensschlüsse 804, Karl ihnen sogar versprechen mußte, sie bei ihren Gewohnheitsrechten zu schützen, auch jenen Tribut ihnen zu erlassen und ihnen, seinen Franken gleich, die Reichstags- fähigkeit zu geben. Die Haupkanführer der Sachsen in diesem Zeiträume aber waren Wittekind und Albion, welche zuletzt die christliche Religion annahmen. Ob nun wohl von der Besiegung Wittekinds und Albions und von deren Uebergang zur christlichen Religio», hauptsächlich aber vo» der Einrichtung mehrerer Bislhümer in den von den Sachsen bewohn« ten Ländern, die Ruhe großen Theils abhing: so wagte Karl cS doch noch nicht, den verschiedenen Sächsische» Stämmen jetzt ordentliche Herzoge zu geben; denn eben diese waren es gewesen, vie ihn so p hr beschäftigt hatten, und um derer willen er so viele Menschen halte aufvpfeni müssen. Er gab ihnen uur Crafen, in der Meinung daß - 10 Sach diese weniger schaden würden, und daß, falls dieselben sich künftig widerspenstig bezeugten, er sie absetzen könnte. Inzwischen können diese Grafen doch schon unter Karin als Stande des Fränkischen Deut» scheu Reichs betrachtet werden, indem sie bei Reichsoersammlungcn oder-Reichstagen fckon zu erscheinen und an den Rcichsbeschlicßungen Theil zu nehmen befugt waren. Kaiser Ludwig, mit dem Beinahmen der Deutsche, setzte endlich wieder den ersten Herzog in Sachsen, Ludolph, jedoch unter Einschränkungen, ein: weit unumschränkter aber durfte in der Folge Otto der Erlauchte (der dritte Sächsische Herzog) unter der Regierung des erster« Salischen Kaisers, Konrads l. herrschen; denn dieser, da er, nach Erlöschung der Fränkischen Kaiser, die ihm angekragcne Kaiserkrone zu Gunsten Konrads ausgeschlagen hatte, erwarb sich nicht nur die Liebe deS Kaisers in einem sehr hohen Grade, sonder» es wurde ihm auch vergönnt, seine Besitzungen zu erweitern. Minder nachsichtig aber bezeigte sich eben derselbe Konrad gegen den Sohn Oiko's, Heinrich, dessen Größe, Macht und Klugheit er fürchtete: denn nicht nur der ganze Westphälische und Niedersächsische Kreis nebst Friesland, sondern auch ganz Thüringen — mithin ziemlich der dritte Theil des Obcrsächsischcn Kreises — war in seiner Gewalt; ja sogar von dem heutigen Franken gehörte ihm schon vieles. Um Heinrichen wenigstens Thüringen und Franken abzunebmen, fing Konrad Krieg an: aber — jener behauptete seine ganzen Länder; ja er flößte Konraden endlich so viel Ehrfurcht ein, daß dieser auf seinem Sterbebette Niemand andern alS seinen muthigcn Gegner, den Herzog Sachsens, Heinrichen, der Deutschen Nation als fernen Nachfolger in der Kaiserwahl empfahl, überzeugt, daß das Deutsche Reich, wegen der beständigen Unruhen und der Einfälle der Ungarn, jetzt mehr als jemahls eines würdigen Herrn bcnörhigt, solchen in der Person Heinrichs finden würde. Sobald Konrad gestorben war, wählten die Stände de» Herzog Heinrich einstimmig und ohne daß er sich selbst darum bewarb, unter dem Nahmen Heinrich der Erste, zu ihrem Kaiser, ober besser zum Dentschen Könige (denn Italien, worauf eig'ntlich die Kaiserkrone haftet, war jetzt seit Erlöschung des Fränkischen Stammes von Deutschland getrennt). Dieser Heinrich erwarb sich nun um das Deutsche Reich unendliche Verdienste; denn gleich noch Antritt seiner Regierung sicherte er dasselbe gegen die beständigen Einfälle, der Ungarn auf immer, indem er mit der größten Entschlossenheit und mit bewundernswürdigem Mukhc gegen sie stritt und nicht eher ruhte, bis er diese ungebetenen Gäste gänzlich und vollständig besiegt hatte. Aber auch Sachsen insbesondere hat ihm, sowohl in Rücksicht auf Cultur als auf gute Ordnung und häusliche Glückseligkeit, sehr viel zu danke» ; ,er beförderte die Wissenschaften so gut eS damabls möglich war, legte Städte an, setzte, als beständige Zweige der bürgerlichen Nahrung, gewisse Gewerbe ausschließend für sie fest, munterte aber auch den Fleiß des Landmanns zu Bestellung seiner Felder kräftig auf. Anstatt aber daß jetzt Heinrich, als Oberhaupt des Reichs, feine 11 r Sach Länder hätte abgeben sollen, behielt er solche vielmehr bei seinem Hause; ein Mittel, welches, obwohl eS wider die Reichsverfaffung war, ihn um so mehr in den Stand setzte, des Reichs sich anzunehmen und solches gegen seine Feinde zu venheidigrn. Gleich großen, wo nicht noch größere,, Dank verdient Heinrichs Sohn, der nachmahlige Deutsche König, Otto l. — Dieser so tapfer als gütig, bringt Italien durch Kriege an das Deutsche Reich, und verbindet die Kaiserwürde mit dem Deutschen Königreiche, bei welchem dieselbe von nun an beständig und unzertrennlich geblieben ist. Dagegen vergab er aber, weil ihn die Regierung des Reichs zu sehr beschäftigte, Haupt, sachlich aber weil es wider seine Würde war, Kaiser und Vasall in einer Person zu seyn, im Jahr 960 das Herzogthum Sachse» an einen vornehmen und mächtigen Dynasten, Hermann von Bill ungen oder Billingen, der schon bereits das heurige Lü- neburg besaß, und bei dessen Familie dasselbe auch bis zu ihrer Erlöschung 1014 geblieben ist. Nach Magnus, dcS letzten Herzogs auS diesem Stamme, Tode gab Kaiser Heinrich V. das Herzoglhum Sachsen Lotharn, Grafen von Gupplinburg und Querfurth, welcher nach Heinrichs Tode sogar noch Kaiser ward , und der wegen seiner hohen Würde sein Herzoglhum nun an seiner Tochter Mann, Heinrich -den Großmüthigen, Herzog vo„ Baicrn, vergibt. In diesem Zcilraume nun, als so lange Sachsen und Baiern vereinigt waren, ist eigentlich die Größe Sachsens zu suchen. Nur Schade, daß diese Größe nicht lange dauerte! Schon mit Heinrichs des Großmüthigen Sohne, Heinrich dem Löwen, hörte sie auf, indem Kaiser Friedrich I. im Jahr 1130 fast alle seine Länder nahm, und ihm bloß das heutige Herzogthum Braunschweig, welches damahls noch freies E genkhum (allostium) war, übrig ließ. Da aber der Kaiser diese eingezogenen Länder nicht selbst behalten konnte, so betheilke er sie folgender Gestalt: nähmlich Philipp, Erzbischof von Cöln, erhielt Engern und Westphalen, Bernhard, Graf von Askani- r n, aber das heutige Herzogthum Lauenburg , als das eigentliche Herzoglhum Sachsen, zusammt der Chur und allen darauf haftenden Rechten. Aus diesem ASka nischen Hause nun, welches an die 242 Jahre in Sachsen regierte, zahlt die Geschichte acht Churfürsten. — Nach dem Lode AlbrcchtS III. des letzter» Churfürstcn Askanischen Stammes, sollte nun »ach der Nähe des Geblüts der damahls regierende Herzog von Sachsen. Lauenburg, Erich V. in der Chur Sachsens succediren: weil jedoch nach Sächsischem Lehnrecht die Lehn, folge nicht durch- Geblüt allein sondern vielmehr durch die Mikbeleha. schüft (silnullnusL jllv«5Nlurs) erlangt wird , Erich aber an Erlangung und Erneuerung dieser Milbelehnschaft sich versäumet und dage- gen der Marggraf von Meißen, Friedrich der Streitbare, nicht lange vor Albrechts Tode, von dem Kaiser Sigismund auf dtc Chur Sachsen eine Efpectanz sich hatte geben lassen; so belehnte jetzt der Kaiser, eingedenk seines Versprechens sowohl alS der wichtigen Dienste Friedrichs gegen die Huffiten, diesen, den er auchals eine» 11L Sach so tapfer» Fürste» zum Freunde behalten wollte, milder Chur Sachsen und dem mit ihr verbundenen Lande, dem jetzigen Churkrcise, oder, wie man dazumahl sich aiiözudrücken gewohnt war, mit dein Lande W ilten b er g. Friedrich heißt nun unter den Churfürsten Sachsens, auS dem marggräflich Meißnischen Hause, Friedrich!. Wir führen hier noch, und hoffentlich mit der Zufriedenheit der Leser, diejenigen Lande auf. welche die Marggrasen von Meißen zu der Zeit besaßen, als die Chur Sachsens an sie kam: >) Die ganzen Meißnischen Lande, wie solche noch heuriges TageS der König von Sachsen besitzt, nebst dem Churkreise oder dem so genannten Wittenberger Lande, ingleichen dem heutigen Fürstenthume Qucrfurth und dem ganzem Saalkreise bis unter Magdeburg; 2) derjenige Theil des Osierlandes, der das heutige Fürstenlhum Altenburg ausmachl (das übrige Osterland war fchon mit in den Meißnischen Landen begriffen); z) die heutigen'Sächsischen Fürstenlhümer Coburg, Saatfeld und Hildburghousen, ingleichen dasjenige, was sämmtiiche Sächsische Hauser gegenwärtig im Fränkischen Kreise an der gefürsteten Graflchaft Henneberg besitzen, welche Friedrich der Strenge, Marg- graf zu Meißen und Landgraf in Thüringen, schon im Jahr 1Z47 sich erheirathel hakte, und seit dieser Zeit bei Sachsen beständig geblieben ist; 4) die ganze Landgrafschaft Thüringen, wie solche gegenwärtig von dem Könige und den herzoglichen Häusern besessen wird. Freilich waren diese sämmtlichen Lander zu Zeiten Friedrichs I. zwischen ihm, seinen zwei Brüdern und seinen beiden Oheimen geteilt; aber schon unter seinen beiden Enkel», Ernsten und Alberten, erfolgte eine Vereinigung. Diese beiden Prinzen besaßen und regierten die vorher genannten Sächsischen Lande den größten Theil ihres Lebens in Gemeinschaft, bloß mit dem Unterschiede, daß der ältere, Ernst, vermöge des in der goldenen Bulle eingeführten Primogenitur-Rechts, den Churkreis und die darauf hastende Churwürde voraus hatte und allein behauptete. Da jedoch während ihrer gemeinschaftlichen Regierung manche Mißhelligkeit unter ihnen vorgefallen war: so theilken sie im Jahr 1485 ihre gesammtcn Länder, wobei Ernst, als der ältere Prinz, vermöge des Primogenitur-Rechts den Churkreis und die Churwürde vorzugsweise erhielt; und so gern er die Thüringischen Lande genommen hätte, so wählte doch Albert vermöge jenes in Sachsen geltenden Kührrechtes (welches man mit folgenden Worten auszudrück gern wohnt ist,: der ältere theilt und der jüngere wählt oder kiest) die Meißnischen Lande, so, daß sein Bruder mit den Thüringischen sich begnügen mußte. Aber nicht bloß die Meißnischen Lande und die davon abhängenden Reoenüen erhielt Albert durch diese Theilung, sondern auch die darauf hastende Reichsstandschast und die vollkommenste Lanveshoheitl; kurz, beide Brüder wurden durch diese Theilung alleinige Regenten und Herren ihrer Lande. Mit diesen beiden Prinzen Sachsens, — welche schon in ihrer frühensten Jugend durch den an ihnen auf dem Schlöffe zu Altenburg (der damahligen Residcvz ihres Vaters, Friedrichs II. deS Sanftmü- Sach thigen) durch Kunz von Kauffungen und einige andere Mitver- schworne vollzogenen Prinzenraub die größte Aufmerksamkeit durch ganz Deutschland erregt hatten, — fängt sich in der Sächsischen Geschichte eine neue Periode an, die gegenwärtig noch in ihren Folgen fortdauert; es leiten sich nähmlich von diesen beiden Prinzen zwei Hauptlinien in dem Hause Sachsen, die Ernesi inische und Al berlinische, oder die Chur-und herzogliche Linie, ab. Jene zählt in allem vier Churfürsten, welche 62 Jahr regiert haben, und diese vier Herzoge. Denn nach der unglücklichen Schlacht bei Mühlberg an der Elbe 1547 nach Kaiser Karl V. dem Churfürste,1, Johann Friedrichen, und seiner Linie die Chur, und gab sie seinem Vetter, dem damahls regierenden Herzoge Sachsens, Moritz, und allen Agnaten der Ä l- berti nischen Linie. So kurz auch der Zeitraum von 1485 bis 1547 — von der Thei- lung Eenstens und Alberts an gerechnet — war, so thatcnreich erschienen in der Geschichte diese 62 Jahre. Schon unter den Stiftern der beiden Linien fielen Mißhelligkeiten jeder Art vor, noch mehrere aber unter ihren Nachkommen — Mißhelügkeiten, die auf die Unterthanen den größten Einfluß hatten. Außerdem fallt in diesen Zeitraum die Stiftung der Universität Wittenberg 1502 durch Churfürst Friedrich Hl. mit dem Beinahmen des Weisen, und deren schnelles Emporkommen durch die von ihrem Stifter selbst dahin gezogenen Lehrer — ferner die von Luthern auf der Universität Wittenberg 1517 zufällig veranlaßte Reformation, wozu der unverschämte Leipziger Dominikanermönch, Johann Tezel, mit seinem ärgerlichen und die gesunde Vernunft empörenden Ablaßkram die nächste Veranlassung gab —und endlich der nach Luthers Tode 1546 erfolgte Re- liaionskrieg, der zwar am Ende für die Menschheit die wohlthatigsten Wirkungen hervorbrachte, für das Churhaus Sachsen Ernesiinischer Linie aber äußerst nachtheilig war, indem dasselbe die Chur und die demselben gehörenden Länder verlor, und nur erst nach mchrern Jahren diejenigen Besitzungen wieder erhielt, die gegenwärtig die verschiedene» herzoglichen Häuser »och besitzen. Die große» Begebenheiten der neuesten Zeiten, welche dem größ. ten Theil von Europa eine ganz andere politische Gestalt verschaft haben, brachten auch in Sachsen mancherlei wichtige Veränderungen hervor. Bei dem zwischen Frankreich und Preußen im Jahr igo6 auSgebrochenen Kriege (s. d. Art. Preußen) wurde auch Sachsen mit in die Preußisch- Russische Verbindung gegen Frankreich gezogen. Es vereinigte seine Truppen milden Preußischen; die Franzosen drangen nach dem am 14. Oct. bei Jena erkämpften Siege in die Sächsischen Lande ein, und schon am 17. wurde eine Neutralitäts-Convention zwischen Frankreich und Chursachsen abgeschlossen, vermöge deren Sachsen seine Truppen von Preußen trennen und von jeder » feindseligen Behandlung befreit seyn sollte. Am >r. Dec. kam zu Posen der Fricdenstractat zwischen Sachsen und Frankreich zu Stande, wodurch der nun den König Stikel führende Churfürst dem Conv. Lex. Fünfter Band. H ii4 Sach Rheinbunde beitrat, und gegen die durch den Französischen Kaiser zu bewirkende Einlaiischung des Cotlbuffer Kreises von Preußen die Grafschaft Barby, die Gommernschen Aeniker, daS Sächsische Mans. seid (Ariern, Voigkstadt und Bornstedt ausgenommen) und Treffurt an den von dem Kaiser zu ernennenden Fürsten (nachher den König von Westohalen) abkrat, übrigens aber die ausdrückliche Bedingung noch eingmg, daß die Ausübung des katholischen Religionskultns im ganzen Königreiche Sachsen dem lutherischen gleichgestellt, und beide Religionsverwandte gleiche bürgerliche und politische Rechte genie» ßen sollten. Das endlich auch durch den Tilsiter Friedenstractat (am 9. Jul. 1307) der König von Sachen das Hcrzogthum War. schau mit EigenthumSrecht und Souvcrainitäl erhielt, ist bereits in dem Art. Pohlen weitläuftiger aufgefübrt worden. DaS Haus Sachsen besteht gegenwärtig aus folgenden Theilen: r) DaS Königreich Sachsen, 2) das Herzogthum Gotha, ,g) das Herzogthum Weimar, 4) das Herzogthum Coburg, 5) das Herzogthum Hild. burghausen und 6) daS Herzogthum Meiningen. Die Sachscnbußc Cmencku 8 rxonicL) heißt in der Gerichtssprache eine bestimmte Geldstrafe, die derjenige als Privatgenugthu- unq erhält, deffen Freiheit auf eine unrechtmäßige und unschuldige Weise gestört und unterbrochen wurde, oder der wohl gar widerrechtlich im Gefängnisse schmachten und während dieser Zeit an seiner äu- ßerlichen Ehre eine empfindliche Kränkung erleiden mußte. Diese Sachsenbuße wird nach der Dauer des unrechmäßig erlittenen Gefängnisses bestimmt, und cs werden für jeden Tag und Nacht (also für volle 24 Stunden) 40 Groschen oder 2 alte Schocke gerechnet. *) Zu dieser Privatgcnugthuung oder Strafe ist ein Jeder ohne Unterschied des Standes gehalten, welcher zur Beraubung der Freiheit des Andern oder zu dessen widerrechtlichen Gefangen,lehmung etwas beigrtra. gen hat; auch der Richter sogar, w:nn er zu vorschnell und zu eigen- mächtig handelte, kann darein durch Urthel und Recht oertheilet wer- d,n, welches, ungeachtet der großen Beschränktheit seiner Gewalt, heut zu Lage immer noch vorzufallen pflegt. Diese Sachsenbuße schreibt *) In Sachsen werben die Geldstrafen, wenn man durch richterliche Bescheide dazu verurlhcitl werden kann, entweder durch alte oder Neue Schocke oder gleich durch Thaier bestimmt. Hierbei wird folgender Maaßstab befolgt- s) Erreicht diese Straf« noch nicht 2 Rthlr. 12 Gr. so heißt es im Bescheide- „um ein oder zwei alte Schocke zu bestrafen" sdaS alte Schock zu 20 Gr.). l>) Kann jedoch der zu Bestrafende höher angesehen werden; so treten nun neue Schocke ein, z. B. „mit», r, z oder 4 neuen Schocken zu bestrafen" (das neue Schock zu 2 Rthlr. 12 Gr. oder So Gr.), c) Soll eine Strafe, welche höher als ,0 Rthlr. oder 4 neue Schocke ist, Jemand zuerkannt werden; so werde» nun gleich Thaler zur Strafe angefept. Die hier abgehandelte Sachsenbuße aber, jene Privatgenugthuuug, wird allemahl nach alten Schocken bestimmt. Sach uz sich aus den ältesten Zeiten her; und es läßt sich geschichtlich erwei, sin, daß sie im Mittelalter in und außerhalb Sachsen gegolten,habe. In Sachsen wurde sic, wie auS dem Sachsenspiegel bekannt ist, nach Schillingspfeiinigen gerechnet, und wurden für jeden Tag und Nacht ZO'dergleichen Schillingspfennige an den unschuldig gekränkten bezahlt, welche eben so viel als 40 Gr. oder r alte Schocke betragen; denn der Schillingspfennig macht nach unser»« heutigen Gelde 1 Gr. 4 Pf. Da nun diese Sachsenbuße in der Thal nichts anders ist, als wofür wir sie hier ausgegebcn haben, nahmlich eine Privakgenugthu- ung für die gekrankte Ehre eines unschuldig zum Verhaft gebrachten Unterrhaiun, so muß sowohl diesem der Schadenersatz für seine ver, säumten Geschäfte als dem Sta-te selbst daS Strafrecht gegen einen solchen Usurpateur — schonend ausgedrückt — übrig bleiben. Die Sachse nfrist, gewöhnlicher Sächsische Frist, ist ein Zeitraum von 4z Tagen oder 6 Wochen ui,d z Tagen. Auf diesen Zeitraum kommt in den Landen Sächsischer Hoheit, ja in allen andern Landen des Sächsischen Rechts, das heißt in denjenigen Deutschen Provinzen, in welchen der Churfüst von Sachsen bei erledigt m Kaiserthrone die Dicariatsrechte auSzuüben befugt war, sehr viel an, wenn nicht etwa durch specielle Gesetze hin und wieder etwas anders verordnet ist. Denn so muß z> B. im ordentlichen bürgerlichen Prozesse der Thcil, dem der Beweis seines RechtS oder seiner habenden Forderung durch Urthel aufgelegt worden war, denselben während dieser Zeilfrist beim Gericht cinreichen, auch der Gegner binnen eben dieser Frist seinen Gegenbeweis übergeben; auch muß die erstere Ladung im Prozesse in der Regel ebenfalls eine volle Sächsische Frist befassen: kurz, eS ist dieß ein Zeitraum, von dessen Uebertretung gewöhnlich ein Nachtheil abhängt, welcher bald groß bald minder groß ist und zuweilen wohl gar de» Verlust deS Rechts bewirkt. DaS Sachsenjahr ist nicht etwa der Zeitraum eineS ordentlichen Jahres von L2 Wochen sondern noch einiger Wochen mehr, nähmlich eines Jahres, sechs Wochen und dreier Tage. Dieser Zeitraum befaßt in den wirklichen Sächsischen Provinzen sowohl als in den Landen des Sächsischen RechtS (wenn nicht specielle Gesetze dieses oder jenen Landes eine längere oder kürzere Zeit festgesetzt haben) die ordentliche Verjährungszeit beweglicher Dinge und mehrerer andern Rechte, entweder daß man unter den übrigen Erfordernissen sich nach Abfluß dieses Zeitraums als Eigenthümer einer solchen Sache zu halten befugt ist, oder daß binnen diesem Zeiträume ein dergleichen Recht verloren geht. Daß bei Bestimmung dieses Zeitraums von i Jahr, 6 Wochen und z Tagen man sehr willkührlich zu Werke gegangen sey, braucht kaum bemerkt zu werden: daß man es jedoch bei dieser Art der Präscription (Verjährung) nicht bei einem simpeln Jahre bewenden ließ, davon ist der Grund darin zu suchen: man nahm nähmlich die unter den Deutschen schon bekannte einjährige VerjährungS» zeit der beweglichen Dinge an, und «hat zu dieser noch die in den Sächsischen Gerichten übliche Sächsische Frist von 6 Wochen und Z ilS Sach Tagen, wovon in dem vorhergehenden Artikel gehandelt wor- den ist. Der Sachsenspiegel ist eine Prioatsammlung der Rechte und rechtlichen Gewohnheiten, welche im Mittelalter in Deutschland, besonders aber in Sachsen und den Landen des Sächsischen RechtS, d. h. Friesland, Westphalen, Hessen, Niedersachsen, Brandenburg, Pommern, der Lausitz, Schlesien, Böhmen und Mähren, gesetzliche Kraft hatten; sie führt den Nahmen Spiegel, weil damahls jedes nützliche Buch, das rechtliche oder andere Vorschriften enthielt, so genannt wurde. Da nach dem Abgänge der Carolingischen Regenten Deutschlands die von denselben gegebenen Gesetze ihre Anwendung verloren und die Nachfolger aus dem Sächsischen und Schwäbischen Hause den Ständen die gesetzgebende Gewalt überließen ; da Lchnssysteme und Aufkommen der Landeshoheit eine ganz andere Verfassung eingeführt, Faustrecht und Unordnungen aller Art die Reste der Gesetzmäßigkeit verdrängt nnd die ziemlich weit verbreiteten Römischen und päpstlichen Rechte (f. die Art. Corpus Juris und Canonisches Recht) die Gültigkeit der vaterländischen Gesetze untergraben Hallen, überhaupt aber das, was Rechtens war, ganz den willkührlicheu Aussprüchen unwissender Schöppen (s. Schöppen) überlassen wurde: so war es eine große Wohlkhat für Deutschland, daß durch diese Sammlung dem Untergange der echt Deutschen Rechte oorgebeugr und dem Eindringen fremder, damahls ganz falsch verstandener Gesetze Einhalt gethan wurde. Der Verfasser, ein Sächsischer Edelmann, Eyke von Repgow (nach Andern Epko von Repkau) sammelte die Reste der Gesetze, die vorhandenen Urtheilsfprüche nnd Gewohnheiten und einige Sätze des Römischen und kanonischen Rechts, und gab darüber binnen 121L und >2ZA ein Werk in der alte» Sächsischen Mundart heraus, welches er Sachsenspiegel nannte, und in 2 Abschnitte, Landrecht d. h. bürgerliches und peinliches Recht (in d r ei Büchern) und Lehnrecht, thellte. (Späterhin fügte man noch den Richtstcig deS Landrechts und Lehn rechts, d. h. eine Proceßordnung, hinzu. S. d. Art. Nicht steig. Freilich vermissen wir hierin allen Plan: und die Beispiele von Aberglauben, Mangel an Philosophie und historischer Kenntniß sind sehr häufig: aber in rechtlicher Rücksicht ist seine Arbeit sehr zuvcrläßig; und sie wurde daher, ob sie gleich bloße Privatsammlung war und der Papst ihrer Ausbreitung, wegen mehrerer freimülhigcr Aeußerungen gegen den Römischen Stuhl, sehr große Hindernisse in den Weg legte, dennoch bald die allgemeine Norm der Entscheidungen, verbreitete sich in allen oben angegebenen Län- -dern, selbst in Pohlen, Dänemark und mehrcrn auswärtigen Staaten, erhob die Deutsche Gesetzgebung auf Unkosten der fremden, und ist noch jetzt der Grundstein deS Sächsischen Rechts. Die öffentliche Einführung des Römischen und kanonischen Rechts (1495), so wie die neuern und bessern Sächsischen Gesetze, brachten es aber dabin, daß jetzt nur wenige Stellen des Sachsenspiegels als praktische Vorschriften gelten. Auch machte man für das ganze Sach Sack 117 übrige oder südliche Deutschland, wahrscheinlich innerhalb derZah- re 1268 und 1282, eine ähnliche Privatsammlung unter dem Nahmen Schwabenspiegel, welche beinahe gleich großes Ansehn erhielt, deren ursprüngliche Form unS aber nicht mehr bekannt ist, weil das Wcrk an vielen Orten sehr abgeändcrt wurde, überhaupt aber in Oberdeutschland oder den Landen des Schwäbischen und Fränkischen Reichs die Rechte nie so übereinstimmend und beständig waren als in Nicdcrdeukschland. Auch von diesem Werke er- losch der praktische Gebrauch zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts und im sechzehnten Jabrhund. fast gänzlich. Sachsen-Teschen (Albert Casimir Herzog von) Onkel des Königs von Sachsen; k. k. Feldmarschall, Großkrenz des Stephans, nnd Lcopoldsordens n. s. w. geboren den n. Julw 17Z8, vermählte sich mit Maria Christine,, Erzherzogin» von Oesterreich und wurde in Vereinigung mit dieser zum Generalgonverneur der Oesterreichischen Niederlande ernannt. Die Brabanker Revolution nökhigte ihn 1789 Brüssel zu verlasse» und sich nach Wien zurück zu ziehen; als jedoch die ersten Unruhen gestillt und die kaiserliche Regierung in diesem Lande wieder hergestellt war, kehrte er dahin zurück und man sah ihn 17^2 an der Spitze der Truppen , welche Lille belagerten. In dem folgenden Feldzuge verließ er die Armee wieder und hat seitdem, seines hohen Alters wegen, kein Kommando weiter übernommen, sondern sich fortwährend am Wiemrhofe aufgebalken. Er besitzt ein ansehnliches Vermögen und macht den ruhmvollsten Gebrauch davon. Ihm und seiner verewigten Gemahlin verdankt Wien eine überaus kostbare und eben so wohlthätige Wasserleitung, wodurch diejenigen Vorständte Wiens, welche bisher an Wass r Mangel litten, nun hinlänglich damit versorgt werden. Er ist ein großer Kenner und Beschützer der schönen Künste. Er brachte durch anhaltenden Eifer und wahrhaft fürstlichen Aufwand eine Sammlung von Kupferstichen und Handzeichnungen zu Stande, die vielleicht ibr>s Gleichen nicht in der Welt hat. Auch eine der grösten artistische» Zierden der Stadt Wien, das herli» che Denkmahl der Erzherzoginn Christina von Canooa hat ihm sei» Dafcyn zu verdanken. Sächsische Universität wird in Siebenbürgen die Versammlung der Oberofficianten aus allen Städten und Stühlen der Sächsischen Nation genennt, die alle Nalionalsachrn schlichtet. — Sächsisches Blau, eine von dem Berqrathe Barth ,740 erfundene blaue Farbe, bestehend auS einer Auflösung von weißem Kobakd in Vitriolöhl, welcher man Indigo beimischt. Sack ist in Persien eine Summe Geldes, die in einem Sacke gewogen wird. Sodann ein Gelreidemaaß von verschiedner Größe , im Allgemeinen etwa z Malter oder 40 Metzen. Desgleichen: eine Zählweise bei den Rauchhändlern. — Bei den älkern Juden ein weites Trauerkleid von grobem Zeuge, daher die Redensart: im Sack und in der Asche. — Gackgans, eine KropfganS. — Sackgasse, eine Gasse, die keinen Ausgang hat. — Sackgeige, eine kleine Taschengeige, die keinen Resonanzboden hat, sondern wo die Seiten nur auf da- einfache Bret, woraus sie besteht, gezogen wert»?«. — Sack ,,z Sac Sad last ist kn einigen Gegenden ein Getreidemaaß. — Sackpfeife, eins der ältesten und einfachsten Instrumente, eine Pfeife an einem ledernen Schlauche, wie z. B. der Pohlnische Boek. der Dudeisack. — Sackzehnten, ein Zehnten von ausgedroschncm und eingcsacktcm Getreide. — Säcken, war eine sonst sehr gebräuchliche Ledensstrafe, wo der Verbrecher mit einem Hunde, einer Katze, einem Hahne und einer Schlange in einen ledernen Sack gesteckt, und in das Wasser geworfen ward. 8ncrs, (Lat.) heilige Dinge, Heiligkbümer; insbesondre das , Abendmahl, z. B. sä sacra admittiren (zum Abcndmahle hinzulas- sen), die sscra verachten u. dgl. m. 8scr-»administrircn heißt; Taufe und Abendmahl verrichten. — 8ncra coens, (Lat.) das heilige Abendmahl. — 8scrs scripturn, die heilige Schrift. — Sacrament, ein feierlicher Gebrauch; ursprünglich bei den Römern: der Eid, den die Soldaten leisten mußten. Im kirchlichen Sinne: eine heilige Gottgcweihte Handlung. Die Protestanten habe» nur zwei Sacramente; die Taufe und das Abendmahl; die Katholiken aber 7, weil sie die Firmelung, die Buße, die Priesterweihe, die Ehe und die letzte Oelung hinzurechnen. Die Katholiken nennen insbesondre die geweihte Hostie das Sacrament. Ungesittete Menschen gebrauchen das Wort auch als Fluch, daher sacramentiren, fluchen. — Sakramentalen, hießen bei den alten Deutschen diejenigen Zeugen, welche zur Bestärkung der Unschuld eines Beklagten mit diesem zugleich einen Eid ablegen mußten. — Sacra me nta- ilische Gestalten, sind bei dem heiligen Abendmahle Oblaten und Wein. —Sacramentirer nannte man sonst diejenigen, welche die wirkliche Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl nicht annahmen. — 8ncrnrium, das, heißt in der katholischen Kirche der Ort, wo das Hochwürdigste oder die geweihte Hostie aufbewahrt wird. 8acrikicium, (Lat.) 8serisice, (Franz.—sihs) das Opfer; z. B. seiner Pflicht ein 8scrikico bringen, d. h. etwas Angenehmes aufopfern. Sacrificiren, opfern, ausopfern. Sacri- ficirunß, die Aufopferung. 8 »crilegiuni, (Lat.) das, der Kirchenraub; überhaupt der Raub für heilig geachteter Dinge. — 8 acrile8us, ein Kirchenoder Heiligthumsräuber. Sacristan, ein niederer Geistlicher bei den Katholiken, welcher die Aufsicht über die Sacristep und das Kirchengeräthe hat. — Sacristey, das Kircheuziminer des Predigers, in welchem zugleich die Kirchengeräthe verwahrt werden. Im Nicdersächfischen heißt cs die Gärkammer, von Garme, die Kleidung. An andern Orten auch Tresse- oder Drefekammer von Iresor, der Schatz,Metl der Kirchenschatz daselbst verwahrt wird. Sadi (MuSladin), ein berühmter Persischer Dichter und Philosoph des dreizehnten Jahrhunderts. Er war zu Schiras geboren, mußte aber, da die Türken sein Vaterland verheerten, dasselbe verlassen, und auf 40 Jahre in der Fremde umherirren. Nach vielen harten Schicksalen wurde er endlich aus der Sklaverei zu Tripolis, Sad Säu 11y in die er gerochen war, von einem Marschakl von Aleppo loSgekauft, di-r ihm seine Tochter zur Ehe gab. Der gute Sadi wurde aber freilich durch die 100 Zechinen, die er zur Mitgift erhielt, wieder, wo er sich einmahl ausdrückte, verkauft; denn eS war ein Weib von sehr schlechtem Charakter. — Dieser Philosoph war übrigens eben so, wohl durch seine mancherlei Sittensprüche und witzigen Antworten al- durch drei hinterlasscne Werke berühmt, die zu Amsterdam (1651 und 1657) Persisch und Lateinisch, so wie auch nachher (16^4 und 1666) Deutsch übersetzt, herausgekommen sind. Er starb ungefähr zu Anfänge des vierzehnten Jahrhunderts in einem Alter von 116 Jahren. S a brach, (Hebr.) eigentlich: Teistcrfurst. Dann: ein Wü- therich, ein wüthender, boshafter Mensch. Die Saducäer, eine von den vier Hauptsecten der Inden, deren Stifter Sadoc, ein Jüdischer Rabbi, ungeführ 200 Jahre vor Christi Geburt lebte. Dieser wendete die Lehre des Antigönn s, seines Meisters, ,,daß man nähmlich die Tugend um ihrer selbst willen und ohne Rücksicht auf irgend eine Belohnung ausüben müsse," auf eine falsche Art an, und wollte nun weder Belohnung noch Strafe in einem andern Leben Statt finden lassen. Seine Anhänger läugncten daher die Auferstehung und die Unsterblichkeit der Seele, glauoten weder Engel noch Geister, waren aber in ihren Sitten sehr streng, so daß ihnen auch Christus, trotz des Vorwurfs, daß sie die Schrift nicht verständen, dennoch über ihre Sitten nichts verwirft. Sie wurden mehr durch Partheigeist als durch Ausschweifungen auf jene gefährlichen Meinungen gebracht, und gelangten auch zn den höchsten Würden, selbst zur Hohenpriesterschaft. Die Seele besieht jetzt noch in verschiedenen Gegenden. Saecularisation, s. Secularisqtivn. Saeculum, s. Secnlum. Die Säulenordnung bedeutet in der Baukunst Säulen, die nach gewissen festgesetzten Regeln mit verschiedenen Gliedern und Verzierungen auf einem Postament stehen, und über sich ein Hauptgcfim- se tragen. Ueber den Ursprung der Säulen find die Muihmaßungen sehr verschieden. Wahrscheinlich richteten die ersten Erbauer der Wohnungen gerade Bäume in die Höhe, legten das Dach darauf, und zogen in die Zwischwenfächer Wände ein. In der Folge suchte man die aufgerichteten Bäume oben und unten durch untergelegte und darauf gedeckte Platten vor dem Wetter und Wasser zu sichern, bis endlich eine Säulenordnung daraus entstand, die durch die Länge der Zeit immer besser ausgebildet wurde. Die älteste unter den vier Säu- fcnordnringen ist die Dorische, aber der Schönheit »ach die zweite. Nach dieser Ordnung wurden die ältesten Tempel Griechenlands, die Palläste und öffentlichen Gebäude aufgeführt; Dorus, welcher 1522 vor Christi Geburt über Achaja und Peloponnes als Kör mg herrschte, soll sie erfunden haben. Die Jonische Säulenord- nung ist der Erfindung »ach die zweite, dem Range nach die dritte, und hat ihren Nahmen von Jon, dem Stammvater der Ionier: fie ist eine Nachahmung der Dorischen, nur schlanker und höher als die» 120 Säu se, zeichnet sich hauptsächlich durch die Voluka, d. k. durch Schnecken und Schnörkel aus, deren sie an den Ecken des Knaufs acht hat, welche die Haarlocken oder die aufgebiindmen Zöpfe der Frauenzimmer anzeigea sollen, so wie die hohlen Streifen des Schaftes die Falten der Röcke ausdrucken. Das Fnßgesimse war wie zusammeygewun- dcne Stricke, welche eine Anspielung auf die Schuhe sein sollten; erst in den später« Zeiten wurde das Kapital mit einer Reibe Blätter verziert. Die Corinthische Säulenordnung soll der Erfindung nach die dritte seyn; der Kunst nach war sie be, den Griechen die vierte; jetzt ist sie die sechste und die zierlichste. Als den Erfinder nennt man den Bildhauer und Baumeister Calli waches von Corinth, der in der 61. Olymviade lebte. Diese Ordnung hat am Kapital r6 Schnörkel und Z Reihen Blätter von Wälschem Bärenklee, der Schaft firr Säule ist geribbt. Die Toscanische Säulenordnung wurde später erfunden, ist der Kunst nach die erste, weil sie die einfachste oder schlechteste ist. Sie soll von einem Griechischen Künstler im ToS- canischen Gebiete, oder vielmehr von den Toscanische« Völkern in Italien, welche die Dorische Ordnung ganz stark und schlecht nach- ahmten, herrühren; sie hat weniger Glieder als die Dorische, keine Verzierungen, nur einen einzigen Pfuhl am Säulenfuß, hat am Kapital kleine Glieder, nur Riemen und am Friese auch keine Trigly- phen. Die fünfte Ordnung, sowohl der Erfindung als der Kunst nach, ist die Römische oder Italienische; bei dieser ist der Schaft anch geribbt, jedoch hat das Kapital nur zwei Schnecken und zwei Reihen Blätter. Sie ist aus den vorhergehenden zusammengesetzt» das Kapital aus der Jonischen und Cori,irdischen; die zwei Reihen Blätter sind von der letzter» allein, und die acht Schnecken und die darüber befindlichen Glieder von der Jonischen. Endlich wurde auch die sechste Säulenordnung von Leonbard Christoph Sturm erfunden, welche den Nahmen der Deutschen führt; sie hat am Kapital eine Reihe Blätter nebst 16 Schnecken, ist zwar schlechter als die Römische und Corinthische, aber doch zierlicher alö die Ionische. Säuren. Diesen Nahmen führt eine eigne Hauptgattung der Salze, deren allgemeine Kennzeichen sind, daß sie einen sauren Geschmack haben, und die blaue Farbe des Vcilchenaufguffes, der Lack, mustinctiir, des Lackmus - und FernambuckpapierS, so wie mehrere blaue oder violette Pstanzenstoffe rolh färben , sich bestreben mit de» Erden, Laugensalzen und metallische» Halbfäuren zu verbinden, und das Vermögen besitzen, anzuzichcn, und stark angezogen zu werden. Die Säuren haben eine so große Verwandtschaft, Kraft der Vereinigung, mit dem Wasser, daß sie die in der Atmosphäre befindliche Feuchtigkeit begierig an sich ziehen, und durch die bloße Berührung mit der Lust zerstießen würden; fast immer erscheinen sie daher i» fli'ißiger Gestalt. Alle Säuren sind Zusammensetzungen des Sauer, stvffs mit verschiedenen andern Körpern: dieser Grundstoff ist daher auch die Ursache ihrer Ähnlichkeit und ihrer allgemeinen Eigenschaften ; und nur durch diese, welche bei jeder Säure verschieden find, kann man jede besonders unterscheiden. In dieser Hinsicht nennt man die Stoffe, welche in den Säuren verschieden sind, ihre Ba- i2r Saf Sag scn »der Saurefähigcn Grundlagen. Wenn man also die Sauren „ach den Körpern, woraus man sie erhält, einkheilt, so bat man i) mineralische, 2) vegetabilische und Z) animalische. Saffian, (Türk ) ein mit Sumack oder Galläpfellauge gar gemachtes Schaf-, Kalb», besonders aber Bock - oder Ziegenleder. Weil viel dergleichen in Marocco gemacht wird, heißt er auch bä s- roHuin (Marokeng). S. dieses. Safflor, eine einjährige Farbenpflanze (cartkamus tineto- rius, I-ioo.), deren Blüthe zweierlei Fardenstoffe, einen gelben und rochen, enthält; sie flammt aus Egypten her, und wird in Deutschland, besonders in Thüringen bei Erfurt und Langensalza, häufig gebaut. Ihre Blumen, sobald sie welk und dunkel geworden find, werden abgenommcn und im Schatten getrocknet. Der Türkische oder Orientalische Safflor, welcher aus der Levante über Livorno und Marseille in Ballen zu uns kommt, ist der beste, frisch und schön, hat weniger gelbe und dunklere Farbe als der Deutsche; dieser istihellrolh mit gelben Spitzen, und wird in Säcken versendet. Safran, kommt aus den wohlriechenden rothgelben Narben des SkaubwegeS eineS ursprünglich morgenländischen Zwiebelgewächses. Saft färben, nennt man alle aus Pflanzen und ihren Thei- len bereiteten Farben, welche von den Oehlen zerstört werden, daher sie nicht zur Oehlmahlerei taugen. Sagacität, (Lat.) die Spurkraft, Forschkraft, der scharfe, kindringende Verstand. Sag an, ein kleines, an Eisen, Holz und Obst reiches Für- stenthum, in Niederschlesien am Bober, welches die Erben des Herr- zogs vo! Kurland besitzen. Die Hauptstadt gleiches Rahmens hat tu 584 Häusern, 410c» Einwohner, die sich meist vom Tuchweben und Strumpfstricken ernähren. Le Sage, ein bekannter Französischer Romanen - und Lust- spieldichtcr, geb. ungefähr 1677 Zu Ruys in Bretagne. Frühzeitig bildete er sich zu Paris und lieferte besonders auch mehrere Werke in Spanischem Gtschmacke, z. B. le kackelier LLlamaaczue — Ollblas cle 8Lntillnne eie. Auch sein (llsble boiteux machte gro- ße Sensation; und einen eben so ausgebreiteten Ruf erwarb er sich durch seine Lustspiele, besonders aber durch seine komischen Operetten, womit er daS Französische Theater bereicherte. Tr starb >747 zu Sk. Ouentin, wohin er wegen seiner zunehmenden Taubheit zuletzt sich begeben Mußte. 8'il ne kut pas ami clo la Fortune, — so schließt die ihm gesetzte Grabschrift — il kut loujours smä sie la Vertu." Sagittarier, (Lat.) Bogenschützen; leichtes Fußvolk, welches bei den alten Römern zum ersten Angriff bestimmt war. Der Sagobaum (S ag 0 palme). Dieser auf den Ostin- dischen Inseln, nahmentlich den Molukken, einheimische Baum wächst auf Zo, 40 bis 50 Fuß hoch, wird so dick, daß ihn kaum ein Mann umfassen kann, und hat sehr lange und breite Blätter (mit denen man in Indien die Häuser bedeckt) aber gar keine Aeste. Unter seiner zwei Qurrfinger dicken Rinde ist ein sehr zarteS und weiche- Mark befindlich, welche-, zu einem körnigen Mehl zubereiket, den ,22 Sag Sai bekannten Sago (auch Sagu genannt) liefert. Auch den Indianern dient diese gesunde Speise zü einem guten Nahrungsmittel, indem sie Brote davon backen, die sih mehrere Jahre anfbewahren lassen. Wir Europäer erhalten den Sago in Körnern; und erst zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts — ungefähr ,729 — wurde dieses so gesunde, so reichlich und mit so weniger Muhe zu gewinnende Nahrungsmittel in England, späterhin in Frankreich, und seit 1744 auch in Deutschland bekannt. , Sagunt (ÜLAuntum): ehemahls eine der berühmtesten Spa- l irischen Städte, und zwar in der T-rraconenstschen Provinz. Vom Meere Zooo Schritte gelegen, war sie, wenigstens nach Lkoius Versicherung, die bei weitem reichste Stadt jenseits des Jberus. Sie erlangte auch im zweiten Punischen Kriege eine neue, aber unglückliche Celebrikät, indem sie nach einer langwierigen hartnäckigen Belagerung von Hannibal eingenommen wurde. In der Folge entrissen sie die Römer den Charthagern, und jene schickten nun eine Colonie hieher; -och kam sie nie wieder zu dem vorigen Glanz empor. Gegenwärtig heißt sie Murviedro, faßt zwischen 8 — 9000 Einwohner, und hat noch hie und da Denkmabler von der ehemahligen Pracht deS reichen Sagunt, z. B. das berühmte Theater, dessen Proscenium an au,000 Menschen fassen konnte. und wo man »och die hinter einander sich erhebenden Sitze von Backsteinen erblickt — ferner die Ruinen eines Circus, eines Bacchustempels rc. Sahara, Sara, Zara, die größte Sandwüste ans dem Erdboden, 60,000 geographische Quadratineilen groß, in Afrika. Sie , ist ein mit weißem und sehr feinem Flugsande bedecktes Meer, in welchem nur hier und da kleine Inseln schwimm n. Auf de» größer» befinden sich Maurische Eolonien, die kleinern dienen den Karawanen zu Ruhe - und Erfrifchungsplätzen. Die Hauptprodukte dieser Sandwüste find Steinsalz und Gummi, Honig, Wachs, Häute und Gold- staub, womit ein wichtiger Handel getrieben wird. Die Dichter nennen oft Sara's Wüste, wenn sie eine traurige Einöde schildern wollen. DaS Sahlbucb (Flurbuch. Lagerbuch, Erbrcgistcr, auch Cataster): ein öffentliches SchatzungS - oder Steuerregister, worin die liegenden Güter eines jeden Untecthanen (Haus, Aecker rc.) nebst den Grenzen, Rainen rc. nicht minder die darauf haftende» Steuern, Frshndienste rc. verzeichnet sind. Sahne heißt in manchen Gegenden der Milchrahm. Saida, das ehemahlige Sidon, in Syrien, ist ein weitläufiger Haufen von prächtigen Trümmern, wo indeß noch Handel gelrieben wird. Die Saigerhütte ist die Werkstatt, wodurch verschiedene Arbeiten daS im Kupfer befindliche Silber durch Blei, welches man beim Schmelzen zufeht, auSgezogen, und in das Blei gebracht wird. Die hiervon gegossenen Saigerstückcn werden darauf in einem Saigerofen, dessen Hitze zwar zur Schmelzung des Bleies hinlänglich, zur Schmelzung deS Kupfers aber zu schwach ist, ausgestellt, damit S a i r 2A das Blei mit dem dann befindlichen Silber schmelze und herauströpfle, das Kupfer aber als wie ausgesoge» in so genannten Kicnstöckcn zu- rücklaffe. Der Ausdruck saigern mag wohl von Durchseiben Herkommen, weil das Blei und Silber aus den im Kupfer entstehenden Löchern gleichsam wie durch einen Durchschlag herausquillk. Bei noch- mahliger Bearbeitung wird das Silber auch noch von dem Blei ge, schieden. Saike, ein Griechisches oder Lcvantisches Kaufmannsschiff. Ssillant, (Franz, salljana) hervorspringend; uneigentlich: treffend, steckend, z. B. faillanter Witz. 8a llie, (Salljih) ein wi, tzigcr Einfall, ein Witzwort. 8aint, (Franz, säng) heilig. 8Äior-Osnis, (Franz. Sengtdenih) eine Französische Stadt nicht weit von der 8ein«, ist wegen der ehemahligen Benedictinerab« tey, des gewöhnlichen Begrädnißortes der Könige von Frankreich, berühmt. SaintVincent (Sir John Jervis, Lord) Englischer Admiral, Sohn des Gir Swiesten Jervis, trat mit dem zehnten Jahre in Scedienste, und machte seinen ersten Feldzng unter dem berühmten Lord Hawke. Nach dem Frieden von l ?48 kam er nach Frankreich, um fick in der Französischen Sprache zu vervollkommnen. Im Jahre 176a wurdc er Schiffskapitän, und diente einige Zeit in Westindien. In dem merkwürdigen Treffen, welches den 27. und 28. Juli zwischen den Französischen und Englischen Geschwadern oorfiel, kommanbirte Sir JeroiS den Blitzschleudcrer, und theilte die Gefahr und den Ruhm dieses TageS, und ließ sodann dem Admiral Keppel, der dieses Tages wegen vor ein Kriegsgericht geführt wurde, die schuldige Gerech, tigkeit widerfahren. Im April >782 bemächtigte er sich deS Pegasus, der eine Französische Flottr, die nach Ostindien segelte, als Bedeckung begleitete, und diese That erwarb ihm das Halsband deS Bad- ordens. Im Jahre 1787 wurde er zum Contreadmiral erhoben; 1790 trat er im Parlamente der Opposikionsparthei bei; so wie aber der Krieg ausgebrochcn war, nahm er wieder Dienste, und bemeisterte sich den 16. März i/yi der Insel Martinique und anderer Französischen Kolonien. Im Jahre 1796 kreuzte er mit einer Flotte im Mittelländischen Meere, machte es sich zum Geschäfte, die Englische Flagge von den kleinen Mächten Italiens, welche die Franzosen bedrohten, re- spektiren zu lassen, und trug den 14. Februar 1797 einen vollständigen Sieg über die Spanische Flotte davon, die unter dem Admiral Cordooa in See gegangen war. Obgleich diese Flotte an Zahl der Schiffe den Engländern überlegen war, so wurde sie doch geschlagen, niid verlor 4 Linienschiffe. Die Stadt London beschenkte den Sieger mit einem Degen von 200 Guineen, und der König ertheilte ihm die Wurde eines Baron von Großbrittannien für sich, und seine männliche Nachkommenschaft, mit dem Titel eines Barons Jervis von Medfort, seinem Geburtsorte, und eines Grafen Lord von St. Vin- ttnk, weil das Vorgebirge dieses Nahmens der Schauplatz seines Steges gewesen war. Auch empfing er eine goldene Medaille und eine jährliche Pension von zooo Pfund Sterling. Hierauf blokirte rr de» Hafen von Kadix, beschoß im Juli die Stadt, in der Hoff- ,24 Sai Sal nung die Flotte zu zerstören, fand sich aber in seiner Erwartung betrogen , und begnügte sich, die Blokade fortzusetzen; und er war eS, der im Mai 1798 Nelson, mit einem Theile seiner Macht, detaschir- re, um die Flotte, welche die Armee deS General Bonaparte nach Egypten führte, zu verfolgen. St. Vincent behielt in den Jahren 1799 und ,80s daS Kommando im Mittelländischen Meere und im Lzean, und war nur durch seine Gesundheitsumstände genölhigt, dasselbe zeitweise an andere Admirale abzutrete». Bei dem Aufruhr, der auf der Flotte von Kadix ausdrach, schlug er mit Blitzes schrick« s le darcia, und dämpfte ihn glücklich; in einem Augenblicke waren die Aufruhrsänführer, ergriffen, verurtheilt und hingerichtek. Den 17. Februar 1301 wurde er erster Admiralikätslvrd; das Ministerium nölhigte ihn aber, im Mai ,304 seine Entlassung zu nehmen, und seine Stelle an seinen Vorgänger Dundas wieder abzutreten. Im Februar 1306 wurde er, an die Stelle des Admirals Kornwal- lis, zum Kommandanten der Flotte im Kanal ernannt. Laintso, (Franz. Sengte) die Hauptstadt des Französischen Departements der Nieder Liiarsnts (Scharangte), deren ivooo Einwohner Fabriken treiben. 8sisis, (Franz. Säsih) Arrest, der auf Waren oder Personen gelegt wird. Säsien, Arrestlegungen, Bcschlagnehmnngen. 8aison, (Franz. Säsong) die Jabrszeit. Insbesondre diejenige Zeit, in welcher man Bäder und Brunnen zu besuchen pffegk; die Bade - oder Brunnenzeit, lilors cke saison, (Franz. Hohr de Säsong) außer der Jahrszeit, der Jahrszcit zuwider, z. B. sich kleiden. : Saiten-Harm onica oder Acolsbarfe, s. Harfe. Sala, das tägliche Gebet der Türken, welches sie zu fünf festgesetzten Zeiten verrichten. 8a lackiere, (Franz. — are) eine flache Schale znm Salat. Saladin (Salaheddin), im zwölften Jahrhundert ein Sultan von Egypten und Syrien, wie ihm wohl keiner an Groß- muth, Gerechtigkeit und Menschenliebe gleich gekommen ist. Er, von ' Geburt ein Curde, zeichnete sich nebst seinem Bruder durch Tapferkeit so aus, daß Noradin, König von Syrien, bei der Armee, die er dem Adad zur Hülfe nach Egypten schickte, beide als Generale an die Spitze stellte. Saladin ließ sich bald zum Souverain von Egyv- len und nach Noradins Tode zum Vormund von dessen Sohn erklären, traf gute Einrichtungen, und eroberte Syrien, Arabien, Persien und Mesopotamien; bald marschirte er auch gegen Jerusalem, gewann auch ,187 eine Schlacht gegen die Christen, behandelte aber die Gefangenen, worunter auch der König von Jerusalem, Guido de Luzignan, sich befand, aufs menschenfreundlichste, und verfuhr auch gegen Jerusalem, da- er bald darauf eroberte, mit einem Edel- muthe, wovon in diesem Welttbeile noch kein Beispiel vorhanden war. Auf das Gerücht von seinen Siegen wurden alle Mächte von Europa vom Papst Clemens III. aufgebvlen, sich wider Saladin zu waffuen. Dreß geschah, es wurde auch die Stadt S. Johann von Acre eingenommen; allein da die Armee unter einander selbst un- rills ward, so schloß König Richard von England >192 einen Was- Sal feuMstand mit dem Sultan. Dieser überlebte jedoch den Tractat nicht lange; denn IIYZ starb er zu Damast» im 57. Jahre, nachdem er 24. Jahr in Egypten und 19. in Syrien regiert hatte, allgemein bewundert und verehrt. ^ Salamanca, eine Stadt in der Spanischen Provinz l^eoo, hat 25 Pfarrkirchen, Zi Klöster und eine hohe Schule. Die Einwohner belaufe» sich auf igooo. Der Salamander gehört zu den Amphibien, ist eine Eidechsen Gattung, und wird auch Molch genannt. Er ist eine Spanne lang, Daumens dick, schwarz und gelb gefleckt, lebt gewöhnlich an schattigen Orten auf dem Lande an Gebäuden, und meidet den Sonnenschein. Vorzüglich findet man ihn in südlichen Gegenden, doch auch hier und da in Deutschland. Giftig ist er nicht; doch hat er auf den Rücken zwei Reihen Warzen, die eine milchickte, üde! riechende Feuchtigkeit enthalten. Wenn man ihn auf ein schwaches Femr wirft, läßt er eine Feuchtigkeit aus dem Maule fließen, und dampft dadurch das Feuer aus, welche Erscheinung Anlaß zu der irrigen Vorstellung, daß der Salamander im Feuer nicht verbrenne, gegeben hat. In starkem Feuer muß er wie andere Thiere stirben. 8 s l ^mmonincum, s. Salmiak. kalarium, (Lat.) Salar, Salär, die Besoldung, der Jahrgehalk, Gehalt. Salariren, besolden. Salbader, ein langweiliger Schwäher. Das Wort soll Herkommen von einem Landprediger, der in seinen Predigten alle Augenblicke den Nahmen 8slvstor, (Heiland) gebrauchte, und dabei eine Menge Sprüche anführte, daher seine Zuhörer sagten: er hat heute wieder recht gesalvatcrk, salbadern, langweilig schwatzen. Salbaderei, langweiliges Geschwätz. Salb erg, eine ansehnliche Bergstadt in der Schwedischen Provinz Wcstmannland. Nicht weit davon ist die größte Silbergrube in ganz Schweden. Salbung heißt außer der bekannten Bedeutung soviel als Erbauung; z. B. eine Predigt hat viel Salbung. Jedoch wird daS Wort oft im verächtlichen Sinne gebraucht, wie man denn auch sagt: der Pfarrer hat heute recht gesalbt, was eben so viel ist, als gesalbadert. 8 nick 0, (Jtal.) abgeschlossen, abgemacht; z. B. die Rechnung ist 8sltlo; wir srnd mit einander aufs Reine. Der 8alcko ist der Rechnungsabschluß. Desgleichen der Rechnungsüberschuß, oder der Rest, welchen -er Eine dem Andern bei der Abrechnung noch schuldig ist; z. B. Sie haben bei mir noch einen ansehnliche» 8slel784) nach Paris reiste und hier die Over anfangs vor der königlichen Familie, (wo die Königin allezeit selbst milsang) nachher aber aus dem großen Theater mit dem höchsten Beifall aufführte. Noch immer hielt sic das Publicum für Glucks Arbeit, bis dann dieser nach der dreizehnten Aufführung in einem schriftlichen Aussätze an die Pariser den Salieri als den einzigen Verfasser erklärte. Mit den ansehnlichsten Geschenken und sehr bedeutenden Aufträgen zu neuen Cvmpositivnrn reiste Salieri nach Wien zurück, und sein Ruhm war nun fest gegründet. Gleiches Aufsehen machte die Oper: Harare von Beaumarchais, welche er 17L7 fürs Pariser Theater schrieb, und die nicht nur hier, sondern auch nachher, da er sie unter verschiedenen Abänderungen auch für die Italienischen Bühnen unter dem Titel ^xur — wie sie auch auf Deutschen Operntheatern berühmt geworden ist — bearbeitete, den außerordentlichsten Beifall erhielt. Zu Wien brachte ihm diese Oper, daS Licblingstück Kaiser Josephs II., nicht nur ansehnliche Geschenke, sonder» auch einen lebenslänglichen Gehalt von Zva Ducaten zuwege. Und so haben die meisten der übrigen Sulierifchen Opern (deren cc jetzt schon über zo geschrieben hat) z. B. In scuoln cke' ßelosi — il laiismavo — In Orott» üi Drokvnio — In Oikkrs — und ganz besonders t^lmirs, welche mit ^xue an Schönheit zu wetteifern scheint, überall ungetheilten Beifall erhallt». — Gewiß ist auch Salieri fast einzig in seiner Art zu nenn,,,, wenigstens gewiß der Erste unter den Italienern, der seinen eignen Weg gehl und über seine Kunst nachzuüenken im Stande ist. Er besitzt zugleich Keiinkniß des Theaters und dessen, was hier Wirkung Macht, und wird immer den Ruhm eines der ersien Theater-Komponisten behanpten. Felire Salimbeni (geboren zu Mailand ungefähr >712), einer der berühmtesten Italienischen Sänger und Kastraten, der als Schüler des Porpora in Rom (>?Zi) und in Wien (i?Zz), wo Metastasio in seinen Opern die meisten Rollen für ihn schrieb, eben s» große Bewunderung auf sich zog, als er nachher in Berlin (>743) >28 Sal und in Dresden (1750) der Gegenstand allgemeiner Bewunderung ward. Auf der Rückreise nach seinem Vaic-lande starb er unterwegs zu Lau- bach in Krain >751. Sein Verstand und sein guter Charakter hinter, ließen ihm bei seinen Freunden ein eben so bleibendes Denkmahl, als ihn seine Vortrefflichkeit als Sänger allen Zuhörern unvergeßlich gemacht hatte. Seine Stimme, die sich vom ungestrichenen a bis in das dreigestrichene c und <1 erstreckte, war rein, angenehm, durchdringend ohne Kreischen und voll. Im Adagio besaß er die größte Stärke: einige tausend seiner Zuhörer standen in Entzückung verloren, wenn Er im Adagio sang — ohne von dem Steifen und Unbeweglichen, das übrigens ' in seiner Action lag» irre geführt zu werden — und sehr oft preßte er ihnen die heißesten Thränen aus. Saline, Salzwerk: Hierunter versteht man alle diejenigen öffentlichen Anstalten, worin die Salzsoole (oder Wasser, das bald mehr bald weniger Kochsalz, in sich aufgelöst, enthält) auS den Brunnen geschöpft und in den Salzkotcn oder Hütten gesotten wird, überhaupt, wo alle die zur Zubereitung des Kochsalzes erforderlichen Vorrichtungen befindlich sind: dahin gehören die Maschinen, durchweiche die Soole aus dem Brunnen und auf die Gradirhauser gehoben wird ; diese letztem selbst, die zur Veredlung der Soole, das ist, zur Entfernung der in ihr befindlichen Waffertheile erforderlich sind; ferner die neuerlich in Sachsen zur Fertigung des Sonnen - Salzes getroffenen Vorrichtungen und andere Anstalten mehr. 8alisburv, (Engl. Sählsbury) eine Stadt in England am rechten Canal von Bristol, hat eine sehr groß Domkirche und vortreffliche Manufakturen. j Salisches Gesetz s. Salier. 8nliv«vtia, (Lat.) Arzneymiktel, durch welche die Sali- vati 0 n, d. h. Speichelfluß erregt wird. Die Salivations- oder Speichel-Kur, zu welcher man besonders Mercurius gebraucht, wird angewendet, um ein Krankheiksgift, vornähmlich venerisches, aus dem Körper zu treiben. Salivircn, speicheln, Speichel auswerfen ; desgleichen; die Speichelkur gebrauchen. Casus Salustius, ein Rönchcher Geschichtschreiber, der nicht lange vor Christi Geburt lebte. Er war Quästor und darauf Volkstribun , aber in seinen Sitten so verdorben, daß er sogar aus dem Senate gestoßen wurde. Julius Cäsar nabm ihn wieder auf, gab ihm auch nachher das Gouvernement von Numidien, wo er aber die schreiendsten Bedrückungen sich erlaubte und auch, von allen Rechtschaffenen verachtet, sein Leben beschloß. In Rücksicht seiner Werke kennen wir seine schöne historische Manier nur ganz aus zwei Aufsätzen, nähm- lich: über die Verschwörung des Catilina und über den Krieg der Römer mit dem Numidischen König Jugur- tha. Seine Geschickte der Republik, die in fünf Büchern einen Zeitraum von 12 Jahren — von Sylla's Diktatur bis zu Pom- pejus Zuge gegen Mithridates — umfaßt, ist zwar eigentlich vor ungefähr 8 bis y Jahrhunderten verloren gegangen; indessen erwarb sich ein Franzose, de Brosses (vormahls Parlamcnlsrath von Bour- gogne) vor etwa 40 Jahren dadurch ein sehr großes Verdienst um die- S a l 1L9 se Geschichte, daß er (so wie ehedem Freinsheim die verlornen Bücher des Livins) aus den später,. Lateinischen Schriftstellern, in- gleichen den alten Grammatikern und Gloffatoren die sämmtlichen Fragmente — aus 700 an der Zahl — sammelte und daraus ein zusammenhängendes Ganze bildete. Dieses Werk — die Frucht einer Anstrengung von einem halben Menschenleben — kam 1777 zu Dijon in 3 Quartbänden heraus und enthält auf eine Art, wie ste vielleicht so ziemlich dem ehcmahligen Original gleich zu schätzen ist, die wichtigsten Ereignisse der obgedachten Periode. — Was übrigens den Sallust selbst betrifft, so besitzt er alle Eigenschaften eines großen Geschichtschreibers; sein Styl ist voller Bestimmtheit, Kraft und Energie; sein Muster, den Thucydides, erreicht er vollkommen. Salm, ein Getreidemaaß. Desgl. der Fisch Lachs. Salm s. Lachs. Sal mannsweiler, eine Abtei, nicht weit vom Bodensee. Der Salmiak (A m m 0 n i a k sa l z) ist ein sehr weißeS, halb durchsichtiges Salz von einem stechenden und einigermaßen urinösen Geschmacke, und geschickt, sich in Gestalt von Federn oder als eine dichte Masse von gleichlaufenden Faden, worin man bisweilen würf- lichte Stücken findet, zu krystallisircn. Der gemeine Salmiak entsteht aus der Vereinigung des flüchtigen Alkali mit der Salzsäure. Im Wasser löst er sich sehr leicht und zwar mit starker Erkältung auf. Man findet ihn natürlich in der Nähe von Vulkanen, aber nur in ganz geringer Menge. Der künstliche kam sonst bloß aus Egypten, wo er aus verbranntem Mist der Kühe und Kameele, dem dortigen einzigen Feuerungsmittel , durch die Sublimation erhalten wird. In Deutschland ist diese fabrikmäßige Bereitung des Salmiaks im Großen zuerst von den Gebrüdern Grafenhorst in Braunschweig angefangen worden. Man gebraucht den Salmiak vorzüglich zur Verzinnung des Elsens und Kupfers, zur Schmelzung des Goldes, zum Löthen und in der Färbekunst zur Erhöhung der Farben; in der Arzneikunst dient er als auflösendes, reißendes, fäulnißwidriges und fieberstillendes Mittel. Der Salon (a. d. Franz.) heißt bekanntermaßen ein großer Saal in Palästen oder großen Gebäuden , welcher zur Gesellschaft, zum Ball rc. bestimmt ist. In Frankreich wurden ehedem Salons gewisse literarische und ästhetische Zirkel genannt, wo man sich zu feinen geistreichen Unterhaltungen versammelte, und wo öfters die mcrkwür digsten Erscheinungen in der Literatur sowohl als in der Politik aufS lebhafteste besprochen wurden. Meistenteils standen diese Salons unter der Leitung einer schönen geistreichen Frau, in deren Hause sich dann öfters die ausgezeichnetsten Personen aus allen Ständen versammelten. Salon ichi (Saloniki). Diese in der Europäischen Türkei in Griechenland an dem Grunde des von ihr benannten Meerbusens gelegene große und volkreiche Stadt, — sie hat auf 70,000 Einwohner — das im Alterthum so berühmte Thessalonich, liegt wegen ihres bequemen Hafens für den Handel äußerst vorteilhaft, indem Conv. Lex. Fünfter Band. I IZ0 Eäl aus Holland und von andern Nationen, vorzüglich aus Makseille, Genua und Livorno, beständig Schiffe, besonders bei einer in Italien oder Frankreich vorhandenen Thcuerung an Getreide, hierher gehen. Ihre Ausfuhr an Taback, Getreide, roher Baumwolle, Türkischem Garn, Saffian rc. wird auch besonders noch durch eine Gattung weis- scr, aber grober wollener Zeuge (ebcli Salochini genannt) sehr beträchtlich. Unter den fremden Nationen, von welchen Waren eingeführt werden, sind die Franzosen und Engländer die einzigen Europäischen, welche ihrem Handel eine vollkommene Einrichtung unter Aufsicht der hier befindlichen Cvnsuln gegeben haben. Der Meerbusen von Salonichi, welcher ostwärts durch die Küste von Makedonien, westlich aber durch die von Salonichi begrenzt wird, erstreckt sich gegen 20 Französische Meilen weit ins Land hinein, und hat den großen Vorrheil, daß die Schiffe an der Ostseite desselben überall bequeme und sichere Ankerplätzasfinden. 5I o x,, (Franz. Salopp) unreinlich, schinuzig. Eine Frau ist eine salope, d. i. deutsch heraus eben so viel als «ine S . ^ . Man hat jedoch diese Benennung auch einem bekannten Frauenzimmermantel gegeben. — Salvpcrie, das schmuziae» unreinliche Wesen. .Salpeter: Diesen Nahmen führen die Neutralsalze, die durch Sättigung der Salpetersäure mit den Laugensülzen entstanden sind. Der gemeine oder prismatische Salpeter, der aus der Vereinigung dieser Säure mit dem Gewächs Laugensalze entspringt, hat besonders diese Benennung erhalten. Dieser hat einen kühlend-salzigen, scharfen Geschmack und einen bitterlichen Nachgeschmack. Er schießt in schönen» großen Krpstallen von sechsseitiger, prismatischer Gestalt an, mit gestreiften Seitenflächen und sechsseitig-pyramidalischen , gemeiniglich schräg abgestumpften, Endspitzen. Sielösen sich zwar im Wasser leicht auf, verwittern aber an der Luft nicht und zerfließen auch nicht. Man findet natürlichen Salpeter in Indien, wo man ihn von den Steinen und Erden abkehrr und Kehrsalpeter nennt; durch Auflösung im Wasser, Durchseihen und Anschießen wird er gereinigt. In Spanien wird dergleichen auch gefunden. -In Sicilien soll man ganze Salpeterhöhlen gefunden haben In niedrigen und feuchten Behältnissen , z. B. Kellern, Küchen, Ställen, die vor^ Regengüssen gesichert sind, bereitet die Natur an den Mauern den unvollkommenen Kalksalpeter in größerer Menge. Aus Salpetersiedereien errichtet man in dieser Absicht Wände oder Haufen von Wasserschlamm, kalkhaltigem Lehm, Bauschutt, Gassenkehricht, ausgelaugkrr Asche rc. und begießt sie von Zeit zu Zeit, damit sie immer feucht erhalten werden, mit Urin, Mistjauche oder Wasser, auf welchen sich beim Zutritt der freien Luft nach völlig beendigter Fäulniß ein ähnlicher erdiger Salpeter erzeugt, der hernach von der Erde befreiet und in Vermischung mit Holzasche und Kalk durch Wasser ausgelaugt und einaesotte» wird, wobei sich die Säure mit dem zugesetzten Laugensalze verbindet und als gemeiner Salpeter krystallisirt. Durch wiederhohltes Auflösen, Einsieden, Abschäumen und Krystallisireii wird er geläutert und ist käufliches Produkt. Sal >Zl Am häufigsten wird der Salpeter zur Bereitung des Scheidewassers und des Schießpulvers angewendet. In der Arzncikunst wird er zur Reinigung der Luft und als ein harntreibendes, beruhigendes und kühlendes Mittel gebraucht. Salpeterstoff-Gas s. Atmosphärische Luft. Salsc, (Lat) salzige, scharfe oder saure Brühe. Salsamente, cingesalzene oder mit Salz eingemachte Sachen, z. B. eingesalzne Fische. Salta, eine von 9000 Menschen bewohnte Stadt im Spanischen Südamerika , im Vicekönigreich 6s in ? 1 atn , der Sitz des Gouverneurs. 8 slteri 0, ein Persisches und Türkisches Instrument/ mit Drath» saiten, das mit den Fingern, auch mit Stäbchen, "besonders von dem Frauenzimmer, gespielt wird. Der Salto mortale (der tödtliche Sprung) wird von den Seiltänzern derjenige ihrer Sprünge genannt »welcher die höchste Geschicklichkeit, aber auch die größte und gefährlichste Anstrengung erfordert, weiche sogar bisweilen mit Lebensgefahr verbunden ist. Salubrität, (vom Lat. salus, Heil» Wohlergehen) die Gesundheit, d. i. die gesunde oder heilsame Beschaffenheit, z. B. der Luft.— Salutiren, grüßen, begrüßen. Bei den Soldaten: den Ehrengruß machen, z. B. durch Niedersenkung der Fahne. Salutation, die Begrüßung. Im Sinne der katholischen Kirche ist die Salutation diejenige Ceremonie, wenn der Priester singt: Dominus vobiscum , und der Chor antwortet: et cum spiritu tuo. 8sIuL20, eine der vornehmsten Städte Italiens nicht weit' vom Po, im Departement deS Jura, unter Französischer Herrschaft. 8nlvs auctoritntejuckicinli, dem richterlichen Ansehen unbeschadet. 8 sIvn concientin, ohne Verletzung des Gewissens , mit gutem Gewissen. 8 nlvn venia, mit Erlaubnis. — 8 alv 0 errore cslculi, mit vorbehaltener Berichtigung der etwa eingcschlichnen Rechnunasfehler. 8aivotionore juckicis, dem richterlichen Ansehen unbeschadet. 8 2 1 v 0 jure cujusvis. Jedermanns Rechten unbeschadet. 8alvo jure quocunyue, mit Vorbehalt jegliches Rechts. 8 sIvo titulo, abgekürzt: 8. 1 ". mit Vorbehalt des Titels oder dem Titel unbeschadet, wie man zu setzen pflegt, wenn man den Titel nicht weiß , oder der Kürze wegen wegläßt. — 8sivis ex ceptionibus, mit Vorbehalt der dawider zu wachenden Einwendungen. 8»ivis omissis, mit Vorbehalt deS Vergessenen , z. B. der Zinsen Kosten rc. sa1vis u l te r i 0 ri l> u s» mit Vorbehalt des Weitern. (Die Wörter: snlvo, salv 0 , sal- vis bedeuten in allen Zusammensetzungen soviel als mit Vorbehalt, oder unbeschadet.) 8ntvnlor, (Lat.) der Retter, Heiland. — 8a!vLtorium, der Schutzbrief. Salvativnsschrift, die Vertheidigunqsschrift.— Salviren, retten, in Sicherheit bringen. Sich salviren, sich verwahren oder schützen; desgleichen sich verkheidigen oder reinigen, z B. wenn von einem Angeklagten gesagt wird, er habe sich salvirt. 3 - ,Z-r Sal Salvator Rosa s. Rosa. 8s lve, (Lat.) sey gegrüßt. In der Soldatensprache Heißt8slve geben oder schießen, durch gleichzeitige Abfeuerung mehrerer Gewehre oder Kanonen eine Ehren- oder Freudenbezeugung ausdrücken. Eine 8slve ist demnach ein Ehren oder Freudenschuß. General- 8slve ist das Feuern der gesammten Armee nach einer gewonnenen Schlacht. . , Die Salve-Garde heißt die Schutzwache, die ein General in Feindes Lande einem einzelnen Orte, Hause oder einer Person bewilligt , um vor Plünderung gesichert zu seyn. Die Verletzung einer solchen Salve-Garde wird mit dem Tode bestraft. — An manchen Orten wird auch eine gewisse Polizei-Miliz, welche besonders zu Wegschaffung der Straßenbettler bestellt ist, Salve-Garde genannt. Der Salvus conductus ist ein Sicherheirsbrief, wodurch flüchtigen Personen von der Obrigkeit hinlängliche Erlaubniß mitge- theilt wird, um sicher,und ungehindert, jedoch nur auf die darin vor- geschriebene Maße und Zeit, von einem Orte zum andern zu kommen oder auch sich an dem vorgeschriebenen Orte aufhaltcn zu dürfen. Besonders bezeichnet man damit dasjenige sichere Geleite, welches einem in Schulden gerathenen , dessen Vermögen zum Concurs gekommen, von der Obrigkeit oder dem Landesherrn ertheilt wird, um wenigstens auf die in demselben festbcstimmte Zeit vor einem Personal-Arrest sicher zu seyn. Das Salz: Diesen Nahmen hat man einer eignen Haupgattung der unorganischen oder mineralischen Körper gegeben, welche sich von den übrigen durch ihre Auflöslichkeit im Wasser und durch Erregung eines merklichen Geschmacks auf der Zunge unterscheidet. Wenige Salze finden sich in der Natur schon so gebildet, daß sie die beiden Haupk- eigcnschaften in vollem Maaße hatten und schon wie sie da sind gebraucht werden könnten; ihre Gewinnung berühr daher auf bergmännischen und ihre weitere Bearbeitung auf chemischen Handgriffen. Die meisten Salze sind entweder in vielem Wasser aufgelöst, als z. B. das Küchensalz, oder mit vielerlei fremden, erdhaften, metallischen und fetten Lhcilen verunreinigt, von welchen sie erst befreiet werden müssen. Wenn die Beimischung jener Substanzen nur obenhin, nicht innig ist, so ist das Wasser selbst das beste ScheidungSmittel; denn es löst die Salze vollkommen auf, die Erden, Metalle und Fette aber gar nicht; die Salze gehen in das Wasser über, die Erden und Metalle fallen zu Boden und die fetten, leichtern Thcile schwimmen nach der Oberfläche. Die Auflöslichkeit der Salze im Wasser ist sehr verschieden ; gemeiniglich löst kochendes Wasser mehr und schneller auf als kaltes. Viele Salze lassen sich nur flüssig darstellen und werden daher stets flüssige genannt: andere hingegen nehmen zwar eine trockne Gestalt an, ziehen aber die Feuchtigkeit aus der Luft dermaßen a», daß sie leicht wieder zerfließen; diese heißen zerfließbare Salze. — Man hat überhaupt die Salze in zwei Ordnungen, n) in ein- » fächere und b) in zusammengesetzte, eingetheilt. Die Gattungen der ersten Ordnung sind He Säuren und Alkalien. Beide lassen ' sich als entgegengesetzt oder als Antagonisten betrachten» indem das Tal ,Z>; Hinzukommen der einen die besondern Kennzeichen und Eigenschaften -er andern schwächt und beim Sättigungspunkt ganz aushebt. Die Gattung der andern Ordnung sind i) die Meutralsalze: diese entspringen als ein neuer zusammengesetzter Stoff aus vollkommener Sät, kigung der Säuren und Alkalien, deren besondere Eigenschaften ganz verloren gegangen sind, und nur die allgemeinen Kennzeichen der Salze noch behalten haben; 2) Mittel salze: bei diesen haben sich außrr den Laugensalzen noch Substanzen aus der Klasse der eigentlichen Er- s den, der metallischen Erden oder Metallkalke mit den Sauren verbunden ; und diese Salze zeigen entweder die sauren Eigenschaften gar nicht mehr oder doch nur in geringem Grade, z) Metallische Salze. 4) S ü ß e S a l z e oder Z u ck e r. Salzburg, ein ehemahliges souveraines Erzdißthum des Deutschen Reichs, nun ein Theil des Königreichs Bayern, welcher nebst 5 Landgerichten, dem Fürstenthum Berchtoldsgaden und einen Theil des ehcmahligen Oesterreich!scheu Inn-und Hausruckoiertels den Salzachkreis ausmacht. Salzburg liegt zwischen Tyrol, Kärnthcn und Baiern. Das ganze Land, dessen Flächeninhalt 240 Deutsche Ouadrat- meilen beträgt, ist voll hoher Gebirge, die als eine Fortsetzung der Alpen auS Tyrol herüberstreichen. Viehzucht und Bergbau sind daher für die Einwohner, deren Anzahl gegenwärtig nicht viel mehr als 200,000 Menschen berechnet wird , fast die einzigen Beschäftigungen, aber diese dann auch desto beträchtlicher und vortheilhafter; kaum wird ein Land im Deutschen Reiche die Viehzucht mit größerm Dorkheil treiben als dieses. Eben so beträchtlich sind auch die Schätze aus dem Mineralreiche, so daß alle fürstliche Berg- und Hüttenwerke — die Goldbergwerke (das wichtigste zu Gastein im Pongau) nehmen hierbei einen bedeutenden Rang ein — jährlich einen reinen Gewinn von 227,00g Gulden ab, werfen. Auf dem Dürnberg unweit Hallcin ist ein sehr berühmtes Salzbergwerk. Die daselbst gebrochenen Salzsteine werden in süßem Wasser zu Sohle aufgelöst, welche alsdann zu Hallein in so großer Menge gesotten wird, daß jährlich viele tausend Scheffel Salz ausgeführt werden können. Im Fahr 17Z2 erlitt dieses Land durch den blinden Religionsei, ser eines fanatischen Fürsten einen höchst beträchtlichen Verlust, indem 30,000 fleißige Einwohner bloß darum, weil sie Protestanten waren, von dem dqmahligen unduldsamen Erzbischöfe Firmian, trotz der nachdrücklichen Verwendungen deS Lorporis Lvangelicc-rum zu Re, gensburg und mehrerer Mächte, zur Auswanderung gezwungen wurden. Das Brandenburgische Preußen nahm damahls mehrere Tausend dieser Salzburger Emigrirten, so wie Holland, England und Schweden viele von ihnen, auf. — Das Vordringen der Franzosen in das Herz von Oesterreich im Jahr ,797 brachte auch dieses Land in große Gefahr, von der es jedoch durch die abgeschlossenen Friedens, Präliminarien befreiet wurde. Im Jahr -80z fiel Salzburg zur Entschädigung an den Erzherzog Ferdinand, Großherzog von Toscana» indem es säcularistrt und zur Würde ein^ Ehurfürstenthums erhoben wurde. Zu Folge des zwischen Frankreich und Oesterreich abgeschlossenen Friedens zu Preßburg ist es wieder an Oesterreich gefallen, und von IA4 Sal Sam diesem den 1Z. März >806 auch wirklich im Besitz genommen worden. Nach dem Wjener Frieden kam Salzburg an das Königreich Bayern. Salzburg, die ehemahlige Residenzstadt liegt, an der Salza, über welche eine 370 Schuh.lange Brücke gebaut ist. Diese Stadt ist schön gebaut, hat 685 Hauser und 16,000 Einwohner. Auf einem Berge liegt das feste Schloß. Zu bemerken sind die prachtvolle Dom- und ehrwürdige Dreifaltigkeitskirche nebst noch 24 Kirchen, das schöne ehe- mahlige Resihenzschloß, der Sommerpallast Mirabella, und verschie, dene andere Pallaste und Schlösser, das in einem Felsen gehauene Amphitheater u. s. w. Salzdalum, ein ergiebiges Salzwerk nahe bei Wolfenbüttel, mit einem schönen Lustschlosse, zwei Gemähldesammlunqen und einem Porzellankabinette. Salz flu ß, ein Hautausschlag, welcher eine salzige Feuchtigkeit von sich gibt, und beim Abtrocknen eine weiße salzähnliche Rinde bekommt — Salzgraf, der Oberste Vorgesetzte eines Salzwerks. — Salzherr, Salzjunker, ein Theilhaber an einem Salzwerke, auch Pfänner genannt. — Salzkothe, eine Salzhütte, in welcher das gemeine Kuchensalz aus der Sohle bereitet wird. Salzlecke, eine Salzmasse, welche man dem zahmen Vieh und dem Wildprete zu lecken gibt. — Salzsäure, K 0 chsalzsäure, eine eigne mineralische Säure, welche man aus dem gemeinen Küchensalze gewinnt, indem man Vitriolöhl darauf gießt. Die Salzspindel s. Aräometer. Salzungen, eine kleine Stadt an der Werra in der Grasschaft Henneberg, dem Herzog von Sachsen-Meiningen gehörig. Die Salzwage s. Aräometer. Salzwedel, eine Churbrandenburgische Stadt in der Altmark von 865 Häusern und 4500 Einwohnern. Salz werk s. Saline. Samajoren, heißen die Häupter der Indianer in Neu-Eng« land. Die Samariter, eine alte heidnische Nation, welche aus verschiedenen Gegenden kamen, um das Land Israel, dessen Einwohner durch Salmanassar hinweggeführt worden waren, wieder zu bevölkern. Obgleich in der jüdischen Religion unterrichtet, behielten sie ihre Abgötter immer noch bei; und dieß war ein Grund, daß nach der Rückkehr der Juden aus Babylonien die größten Feindseligkeiten zwischen diesen beiden Nationen entstanden, die selbst auch dann noch fortdauerten , als späterhin die Samariter der Abgötterei entsagt hatten. Sie unterschieden sich nunmehr bloß dadurch von den Juden, daß sie nur die fünf Bücher Mofls als Religionsbücher annahmen. übrigens aber alle Tradition oder mündliche Ueberlieferung in der Religion verwarfen , auch ihren Gottesdienst auf dem Berge Garizim verrichteten. Es gibt noch heut zu Tage einige Samariter in Palästina, Syrien und Egypten, die die Arabische Sprache reden. Samarkand, eine-große volkreiche Stadt in der Astatischen Tartarei, wo eine muhamedanische Universität ihren Sitz hat. Sam rZ>? Das Sambre-und Maas-Departement f. Frankreich. äambucL, (Lat.) war bei den alten Römern ein dreieckiges, mit Saiten von verschiedner Lange bezognes Tonwerkzeug. Desgleichen eine Kriegsmaschine, deren man sich zum Slurmlaufen bediente, eine Art Sturmleiter mit einer Vorrichtung, durch welche man gegen die feindlichen Geschosse möglichst geschätzt ward. Sameland s. Lappland. Samische Erde, eine Siegclerde oder eine Art Pfeifenthon von der Insel Samos, dir man -aber jetzt nicht genauer kennt. — Sä- misches Leder, heißt eine Art sehr weichen und geschmeidigen Leders, welches sich wie ein gewebter Zeug behandeln laßt, und auf der Narbenseite getragen wird. Man bereitet es von Ziegen- (Franz. Okamoig, Schamoa, daher samisch), aber auch von Schaf-, Gemsen und Kalbfellen durch Mehl, Alaun und Weinstein. Sämisch- gerber ist eben soviel als Weißgerber. Die Samnitter waren ein berühmtes tapferes Volk in Unteritalien in der Landschaft Samnium, welche von den Sabinern abstammten, und den Griechen, als sie sich in Unteritalien auszubreiten suchten, den heftigsten Widerstand leisteten. Erst nach einem blutigen , go Jahre hindurch dauernden Kriege (unter dem Nahmen: der Samni t.ische Krieg bekannt), woran nach und nach ganz Italien Theil genommen hatte, und welcher erst im I. R. 492 völlig endete, wurden sie von den Römern zur Unterwerfung gebracht, und da sie diesen in dem Bundesgenossenkriege immer wieder aufs neue und heftigste zu schaffen machten, zuletzt von Sulla gänzlich geschlagen und so unterdrückt, daß ihre Macht ganz herabsank und sie nachher bloß auf Dörfern noch wohnten. Die Samojeden, welche in dem Europäischen und Asiatischen Rußland, vom Jugrischen Gebirge bis an die Lena, wohnen, gehören zu den rohesten und unwissendsten Völkern des Erdbodens. Die Kalte des Clima's längs des Eismeeres hat ihren Körper dergestalt zusammengedrückt, daß sie kaum vier Fuß groß sind. Ihr Aufenthalt in den unreinlichsten Hütten, die selten eine Oeffnung für den Rauchzug haben , macht, daß sie ein äußerst schmutziges und ekelhaftes Ansehen haben. Sie erkennen ein höchstes gutes und ein ihm untergeordnetes böses Wesen, beten aber beide eben so wenig an als die Götzenbilder, die sie haben, glauben übrigens eine Art von Seelcnwandcrung. Sie führen ein nomadisches Leben ; und ihr einziger Reichthum ist das Ren n- thier, welches ihnen Nahrung, Kleidung und fast alle Bedürfnisse des Lebens gibt. (M. s. den Art. Ren nt hi er.) An Rußland entrichten sie seit beinahe M> Jahren einen jährlichen Tribut (Jj sa k), indem jede Mannsperson, die den Bogen führen kann, für 25 Kopeken (z/4 Rubel) Pelzwcrk liefern muß. Sa morin, der Nähme der ehemahligen Beherrscher von Kale- kut in Ostindien. Samos» diese schon vor Alters ibrer Fruchtbarkeit wegen berühmte Insel des Archipelagus, gegen 10^) Schritte vom festen Lande Kleinasiens, welche gegen 16 geographische Meilen im Umfange und nicht über >2000 Einwohner hall, ist an sich selbst ein fclsichtc» Hand, ,Z «5 San dessen Berge alle aus weißem Marmor bestehen und mit Waldungen stark bewachsen sind. An der Nordwestseite der Insel liegt der große vortreffliche Hafen, korro Vs,i genannt, in dessen Nähe man auch eine ziemlich große Stadt angelegt hatte, deren Einwohner aber, weil sie zu sehr von den Seeräubern beunruhigt wurden, dieselbe wieder verlassen und sich in die Gebirge begeben mußten. Die Insel, deren Bewohner sich zur Griechischen Kirche bekennen und in deren Gebiet sich nur drei Türkische Familien, die des Kadi, des Aga und des Unter- aga, befinden, gibt vortrefflichen Wein — der schöne Muskatellerwein ist eins der wichtigsten Producte — rohe Seide, viel Honig und Bauholz Der Hauptort heißt C o r a. Sanaa, die vornehmste Stadt des glücklichen Arabiens in dem sogenannten Jemen, die auf 4000 Italienisch gebaute Hauser haben soll. 8 anLe menti«, (Lat.) bei gesundem Verstände. 8 an Lenito, (J'al.) hieß sonst das mit Flammen und Teufeln bemahlte Hemd, welches in Spanien den verurtheilten Ketzern angezogen ward, wenn man sie zum Scheiterhaufen führte, wie auch die auf gleiche Art bemahlte Mütze, welche man ihnen aufsetzte. Sanct (a. d. Lat. — Franz, saint): heilig. Es ist dies ein Beiwort, welches den Nahmen der Heiligen eigentlich vorgesetzt wird; z. B. Sanct Paulus (und abgekürzt: Sk. Paulus. ES wird aber auch dieses Sanct — St. — vielen Dertern vorgefetzt, z. B. St. Annaberg, St. Domingo, St. Denis, St. Petersburg u. s. f. — Es müssen daher auch diese Artikel in unserm Lexikon unter ihrem eigentlichen Nahmen aufgesucht werden. Die Sanktion heißt eigentlich die Kraft und Gültigkeit eines Gesetzes; diese ist vorhanden, sobald das Gesetz von dem Gesetzgeber genehmiget und bekannt gemacht worden ist, sollte auch gleich die Befolgung desselben erst auf einige Zeit hinausgesetzt worden sepn. Im weiten und allgemeinen Sinne aber versteht man unter Sanktion jede Verordnung, in welcher der Gesetzgeber entweder etwas befiehlt oder verbietet — mithin jedes vorhandene Gesetz. 8snclio praßmaticÄ hieß bei den Römern unter der kaiserlichen Regierung ein solches Rescript, das der Kaiser auf ein von einer Gemeinheit (universitas) an ihn gerichtetes Gesuch erließ, in welchem er dasselbe entweder bewilligte oder abschlug. Der Grund, daß ein solches kaiserliches Rescript ausschließungsweise 8. prsgma- tica genannt wurde, war, weil die Kaiser, ehe sie auf einen solchen Antrag resolvir/en, vorher denselben ihren Ministern und Räthen vorlegren, damit sie als Leute von Kenntnissen und Erfahrungen, die gleichsam in die Regierungsgeschäfte eingeweiht waren, uyd welche in der Lateinischen Sprache praAinalici genannt werden, ihr Gutachten darüber gäben In Deutschland endlich muß man dem AuSdrucke Pragmatische Sanktion in historischer und staatsrechtlicher Hinficht einen von der Hauptbedeutung sebr abweichenden Begriff unterlegen. Kaiser Karl VI. nähmlich traf zu.^ Vortheil seiner weiblichen Descendenz im Jahre 1713 die Verfügung, daß, im Fall er ohne männliche Nach- Sau >37 kommen versterben würde, in seinen gesammten Oesterreichlschen Staaten (welche zwar schon Weiderichen waren, wo aber wegen der eigent. lichen Succeff>onsordnung noch nichts Verbindliches festgesetzt worden war) künftig auch unter seinen Prinzessinnen das Recht der Erstgeburt gelten, und daß nur erst nach gänzlichem Abgänge seiner Töchter und deren männlicher und weiblicher Descendenz die Succefstvn auf die beiden Töchter sein/s ältern verstorbenen Bruders, Kaiser Josephs I. und endlich auch nach deren Abgänge an die Descendenz der Lcovol- dischen Prinzessinnen,, zuletzt aber an die weiblichen Nachkommen Ferdinands I. kommen'sollte. Dieser Verfügung nun legte man umdeß- willen den vielbedeukenden Nahmen Pragmatische Saction bei, weil es ihrem Urheber nur erst mit vieler Mühe und Anstrengung, ja mit nicht ganz unbedeutende» Aufopferungen, gelang, sowohl den Beitritt der nächsten und wichtigsten Interessenten, des Churfürsten von Baiern, nachherigen Kaisers Karl Vll. so wie des Königs vo» Pohlen und Churfürsten von Sachsen, August 1 l. an welche die beiden Josephinischen Prinzeffinen vermählt waren, derselben zu verschaffens, alS auch die Garantie der größten Monarchen, z. B. des Kaisers von Rußland, der Könige von Preußen, Frankreich, Spanien und der gesammten Stände des Deutschen Reichs zu erhalten. So gut nun also auch Karl VI. durch diese Sanction und die darin einge- führte weibliche Primogenitur dem nach seinem Tode zu befürchtenden Regredient Rechte vorgebaut und für seine Prinzeffinen und deren Des- cendenz gesorgt zu haben glaubte; so wurde doch zwei Jahre nach seinem Hiiuritte diese Sanktion, von den beiden Josephinischen Schwiegersöhnen , dem Churfürsten von Baiern und dem König von Pohlen, (174?) angefochten. Maria Theresia, welche nach ihres BaterS Tode von seinen Staaten Besitz genommen hatte, sollte zum Abtritt eines oder mehrerer Länder gezwungen werden. Wie wenig indessen diese Absicht erreicht wurde, darüber sehe man wcilläuftiger den Art. Maria Theresia. Sanctori-Wage, eine von dem Arzte Santori oder Sanctorius, der im »7ten Jahrhunderte zu Padua und Vendig lebte, erfundene Wage, besteht in einem an einer Schnellwage hängenden Stuhle, vermittelst welcher der Mensch den Ab-und Zugang seiner Körperschwere täglich und stündlich ohne fremde Beihülfe, erforschen kann. ' Die Sandale war bei den Griechen, und zwar besonders bei den Damen, eine Art Pantoffel oder vielmehr Pantoffelsohle, die nur bloß in den Zimmern angelegt wurde. Es wnrde nach und nach ein außerordentlicher Luxus damit getrieben; »nd die vornehmen Damen hatten besondere Pantoffelträgerinnen, die sie ihnen nachtragen mußten. — Uebrigens heißt auch noch in der Schiffersprache S a n» dale eine Art Fahrzeug auf dem Mittelländischen Meere, welches dazu dient, die großen Schiffe zu entlasten. Sandbad. heißt die Einsenkung eines kranken Gliedes in warmen Sand. — Sandbank, eine lange Sandstrecke im Meere. — Gandbruch, Sandscheile, ein mit Flugsand überschwemmter Platz. — Sandgnt, die schlechteste Sorte des Tabaks; die unter- iz8 San stcn Blätter am Stocke, welche mit Gand beschmuzt lind und fahl werden. Sandmumie, ein in heißen Ländern unter dem Sande zur Mumie eingetrockneter menschlicher oder thierischer Leichnam. Das Sandelholz (Sa „talholz) ist ein hates, dichtes, schweres Holz von dem Stamme eines Ostindijchen Baumes (besonders auf der Insel Timor, der Koromandelküste, Koschinschina rc), welcher ungefähr in der Größe eines Eichbaums wächst. Es gibt weißes und gelbes Sandelholz, wovon das letztere, welches von alten Bäumen genommeu wird und einen starken aber angenehmen aromatischen Geruch hat, das vorzüglichste ist. Bei uns wird es vorzüglich von Apothekern und Kunsttischlern rc. verbraucht. — In Indien stößt man es zu Pulver und macht einen Brei davon; die Chinesen räuchern damit. Noch gibt es eine dritte Art von rothem Sandelholz, auch Kaliatur-Holz genannt, welches hauptsächlich zum Färben gebraucht wird, aber von einem ganz andern Baume herstammt. Der Sander (Zander), ein länglicher mit rauhen oder scharfen Schuppen bedeckter Fisch , auf dem Leibe mit schwarzen Flecken gesprengt und mit graublauen Floßfedern versehen, wird häufig in der Oder oder Spree, auch in den Niederlaufitzischen Teichen gefangen, hat sehr gutes, wohlschmeckendes und nahrhaftes Fleisch und wird auch, eingesalzen und geräuchert, sehr weit verschickt. Seine Länge «steckt sich bisweilen auf eine Elle. Das Sanderach, Sandrach, ist ein Helles, blaßgelbes Harz, welches in den warmen Ländern aus den großen Wachholder »der den Cederbäumen herausfließt, sobald man die Rinde derselben aufritzt. ES ist durchsichtig, trocken und von einem harzigen Geschmack, aber, wenn man eS verbrennt, von einem eindringenden, lieblichen Geruch. Man braucht dasselbe theils zum Räucherpulver, theils zum Firnis für Lakirer, theils zum Planiren der Bücher und Abreiben des Schreibpapiers rc. Im Bergbaue wird jedes gummöse Mineral Sandara ck genannt. Sand ix, ein rothes, ouS kalcknirtem Bleiweiß bereitetes Pulver, das an Farbe und Geruch der Mennige ähnlich ist und zur Mahlerei gebraucht wird. Franccsca Cu zzoni, verehrt. Sandoni (geb. zu Parma ungefähr 1700), die berühmte Rivalin der Faustina Hasse, genoß zuerst bei Lanzi den besten Unterricht, und nahm bei ihrem ersten Auftritt auf dem Theater aller Herzen so ein, daß man sie nachher nicht anders als die goldne Leier nannte. Seit 1722 fang sie in London vier Jahre lang mit dem ungetheiltesten Beifall, der sie aber endlich gegen Händel, welcher in seinen Compositionen immer Rücksicht auf ihre Stimme genommen hatte, eigensinnig und halsstarrig machte. Dieser faßte sie einst, als sie sich weigerte, eine Arie von ihm zu singen, mit den Worten: „Ich weiß , daß Sie ein Teufel sind, aber ich will Ihnen zeigen, daß ich Beelzebub sr»n kann," beim Leibe und schwur, sie augenblicklich zum Fenster hinaus zu werfen, wenn sie ihm nicht sogleich gehorchte. Diese Galanterie unterblieb nun zwar, weil sie sich endlich fügte: allein er trat nun von Stund an mit der San izy Faustina Haffe kn Unterhandlung; und die Sands»i hatte nun die gefährlichste Nebenbuhlerin , so daß auch endlich zur großen Be, unruhigung der Theater. Direktion zwei der ansehnlichsten und hitzigsten Parkbeien entstanden, wo aber endlich doch die Faiistina auf eine Zeit länger das Feld behielt. Sandoni ging endlich 1729 nach Wien, wo sie zwar sehr großen Beifall erntete, aber wegen der Ungeheuern Forderung von 21,000 Gulden jährlichem Gehalt nicht angenommen wurde. In Holland geriekh sie Schulden halber ins Gefäng- niß, und als sie nachher 1748 wieder auf dem Londner Theater erschien , fand sie nicht mehr die vorigen Bewunderer: sie starb endlich in der drückensten Armuth zu Bologna 1770. Sch-» war sie nicht» aber ihre von Natur angenehme und Helle Stimme wußte sie nach und nach in Verbindung mit einem leichten ungekünstelten Dortrage so zu verschönern, daß sie eben jene Bewunderung erregte und immer den Zuhörern Tbränen zu entlocken wußte. Der Sandschak oder Sandjeak heißt bei den Türken eine Fahne oder Standarte: sie ist grün und weit geringer als der Roßschweif. Der Inhaber dieser Fahne, der nicht allein im Kriege einen Trupp des Heeres anführt, sondern auch einen kleinen D-'strict Landes zu verwalten hat, heißt ebenfalls Sandschak, und sei» Distrikt so wie feine Würde Sandschakschaft. Er steht unter den Pascha's und Bcgs. Die Sandwichs-Jnseln sind eine Anzahl Inseln, welche in Australien liegen und vom Capitain Cook zuerst entdeckt wurden. Durch ihren lebhaften Handel mit den Amerikanern und nachher den Europäern haben die Bewohner derselben neuerlich einen Grad von Cullur erlangt» der sie beinahe nicht mehr unter die Wilden zählen läßt. Die Zahl der Inseln — welche ein vortreffliches Elima, vielen Uedersluß an Früchten» besonders Zuckerrohr, Brotfrucht-Baum undPisang, haben, überdieß Sandelholz, Perlenmutter, auch einige Perlen unter ihre bedeutenden Produkte zählen — beläuft sich auf siebzehn, unter denen Woahu die angenehmste und schönste, Owheihi aber die größte und am meisten bevölkert — sie wird ungefähr auf 150,000 Seelen geschätzt — und dadurch merkwürdig ist, daß hier Cook das Ziel seiner Entdeckungen fand und — erschlagen wurde (s. den Art. Cook); ein Unglück» das aber von den Einwohnern noch bis jetzt auf das tief, sie betrauert wird. — Die Bewohner dieser Inseln, die überhaupt im Verhältniß zu ihrer Größe und Fruchtbarkeit außerordentlich gut bevölkert sind, zeigen sich in jeder Rücksicht scharfsinniger und haben weit größere Kenntnisse als die Otaheitier. Tamahama, König von Owheihi, ist jetzt einer der mächtigsten und klügsten Beherrscher auf diesen Inseln, und sein Erobcrungsgeist droht mehrern derselben die Unterjochung. 8anc1)->look, (Engl. Sändyhuhk) eine Handelsstadt in Neu - Pork in Nordamerika, die aus ungefähr 2500 Häusern besteht» eine Meile lang, und eine halbe breit ist. Der Austersang ist hier ein wichtiger Erwerbzweig. Sanftgcdackt heißt ein gedecktes, sanft und lieblich klingendes Orgclregister. 1 4 " Sa« Sangerhaufen, eine Sächsische Stadt in der Nähe des Harzes , wo in 700 Häusern §000 Menschen leben. Sangrec, ein Getränk aus Portugiesischem Weine, mit Zimmt und Muskatenblumen vermischt. Sangurbar, ein östliches Küstenland von Südafrika, unge, sund, aber reich an allerlei Getreidrarten und Früchten, auch besonders an Elfenbein. Die Einwohner gehen fast ganz unbekleidet. Sanguinisch, (Lat.) blutreich, leichtblütig. Uneigentlich: lebhaft, schwärmerisch; bisweilen auch: leichtsinnig, zu Ausschweifungen geneigt. Ein Sanguiniker, ein Vollblütiger, ein Hitzkopf, Brauskopf. Sanguinisches Temperament, die vollblütige Körperstimmung; das leichte, lebhafte Wesen. Der Sanhedrin: dies syrische Wort (im Griech. 8)-ne« ärium) heißt eine Versammlung mehrerer Leute, die zu gewissen Beratschlagungen zusammenkommcn. Bei de» Juh^n war es der Gerichtshof, der, aus Priestern, Leviten und Aeltesten des Volks bestehend , sich in jeder Stadt befand, und in den Thoren gehalten wurde, um über entstandene Streitigkeiten zu entscheiden. Außer diese» Gerichten war nun aber zu Jerusalem der große Sanhedrin, oder das große Synrdrium — Luther übersetzt es: den hohen Rath — welcher über alle die Streitigkeiten, die von den kleineren Gerichtshöfen nicht geschlichtet werden konnten, entschied. Es bestand aus 7! Mitgliedern, wozu aber nur verständige weise Männer von guter Familie und gutem Ruf gewählt wurden. Der Präsident und der nächste nach ihm hatten das höchste Ansehen und die höchste Gewalt, so wie denn überhaupt die Gewalt dieses Collegiums sehr groß und die höchste Instanz war, und fast der königlichen Macht gleich kam. Dieses Gericht, dessen Untersuchungen nicht bloß über alle religiöse und Civilangelegenheiten, sondern auch über Krieg und Frieden und sonstige öffentliche Angelegenheiten sich erstreckten, hörte erst mit dem Untergänge der Stadt Jerusalem auf. Daß in der neuesten Zeitgeschichte ein von dem Französischen Kaiser veranstalteter großer Sanhedrin der Juden diesen Gegenstand wieder aufs neue ins Gedächtniß gebracht hat, haben unsere Leser bei dem Art. Juden gesehen. 8 an Ilcjekonso» eine Stadt in der Spanischen Provinz Alt- castilien, 2 Meilen von Segovia, ein königliches Lustschloß mit einem Orte, wo sehr schöne Spiegelgläser gegossen werden. Sanität» (Lat.) die Gesundheit. Sanitäts-Collegium, der Gesundheitsrath. 8a.»s, (Franz, sang) ohne. 8 so« compnraison, (sang Komparäsong) ohne Vergleich. Man gebraucht diesen Ausdruck, wenn man zwei Dinge mit einander vergleicht, ohne sie jedoch einander gleich stellen zu wollen; z. B. kleine Kinder sind sans oomparaisoo wie junge Thicre; d. h. sie sind diesen ähnlich, jedoch keinesweges gleich. — 8g»z compliment, (—kongplimang) ohne Compltment, ohne Umstände. — 8 ans clou-s, (—dutt) ohne Zweifel, allerdings. — 8 ans kscon, (—faffong) ohne Umstände; z. B. er ist ein dlov- kieur SANS k-itzan, (Mosje Sangfaffong) d. i. ein junger Herr, der sich mehr herausnimmt, als ihm gebührt, oder der sich nicht an den San 14t Wohlstand kehrt. — 8«V8 pure,!, (—parellj') sonder Gleichen.— 8no8 prenclre, (—prangd'r) ohne zu nehmen, d. h. im I-'tiom- bre: ohne seine Karten wegzuwerfen und andre dafür zu nehmen, oder: Solo spielen. — 8 an 8 rimo et saus raison. (—rihm e sang räsong) ohne Grund und Ursache, ins Blaue oder in den Tag hinein; z. B. so absprechen oder handeln. — 8sos-8ouci, (Sangsusi) Sorgenfrei. So nannte Friedrich der II. das von ihm erbaute vortreffliche Lustschloß bei Potsdam; daher denn auch mancher Andre sein Lustschloß oder Landhaus sein ^anssousi nennt. 8 an 8a Zrarn e 0 r 0, ein zum Vicekönig 6e In klats gehöriger Ort im Spanischen Südamerika; der Aufenthalt reicher Kauf- lcute. Sanscülotte, diese in der Französischen Revolution sehr oft zum Spottnahmcn , überhaupt aber im Laufe der Revolution sehr bekannt gewordene Benennung bezeichnet eigentlich einen Menschen, der keine Beinkleider hat — 8sv8 (lulotte. Mer eier schildert in seinem Tableau n8cuIone. 8an 8 eb 38 liau, eine Stadt in der Spanischen Provinz Bis« caja, hat gooo Einwohner, die sich vom Handel mit Eisen, Stahl, Wolle:c. ernähren. Die Sanskritsprache (Sanskritta oder Samskrit)ist die heilige und geheime Sprache der Braminen in Hindostan, in welcher die Bücher der Hindusreligion, Veda ms oder Bedas genannt, abgefaßt sind, und welche für so heilig gehalten werden, daß sie Niemand als ein Bramin lesen darf. Sie ist eine der ältesten und reichhaltigsten unter allen bekannten Sprachen, und dient den Braminen, um ihre Kenntnisse dem Volke zu verbergen und insgeheim ihre Macht auszubreiten; aber über ihren Ursprung ist man noch nicht einig. Jones (in s. Abhandl. über die Gesch. u. d. Alterth. Asiens, Bd. 1.) findet zwischen ihr und der Griechischen, Lateinischen , alten Celtischen und alten Persischen Sprache eine vielfache Aehnlichkeit, so, daß er vcrmuthet, daß alle diese Sprachen aus einer längst verloren gegangenen Ursprache entstanden wären: der Arabischen ist sie jedoch sehr unähnlich; und etwas Charakteristisches von ihr ist, daß sie viel zusammengesetzte Wörter von beinahne zwanzig Silben hat, die keines» Wegs ein Product des Scherzes sind. Sie zählt 50 Buchstaben, und ist auch von einigen gelehrten Europäern in Ostindien mit unglaublicher Mühe studirt worden; ja man hat selbst Druckereien angelegt, in 142 San Sap denen ihre Lettern, die der gemeine Hindu nicht lesen kann, befindlich find, z. B. zu Calcutta in Bengalen. Auch befand sich eine solche sehr kostbare Lettern - Sammlung zu Rom in der Druckerei der Propaganda, wo sie jedoch jetzt nicht mehr ist, seitdem in den neuesten Zeiten die Franzosen die das,gen äußerst seltenen Sammlungen von fremden Lettern mit nach Paris nahmen. 8nnta Ise, die Hauptstadt von Neu-Mexico im Spanischen Nordamerika. Der Bierbrauer Sank er re hat sich in der Französischen Revolution- bei mehrcrn Gelegenheiten in Paris ausgezeichnet. Er war ein begüterter Bürger in der Vorstadt St. Antoine, und leitete die Volksbewegungen , welche wahrend der Revolution immer ihren Ursprung von daher nahmen, weil eine Menge des niedrigsten Pöbels daselbst wohnte, der sich um einen guten Preis an die Aufwiegler und Unruhestifter verkaufte. Santerre wußte durch eine gewisse Würde in seinem Betragen den Pöbel ganz nach seinem Willen zu lenken; an seiner Spitze half er die Bastille mit erobern und drang am 20. Juni 17Y2 ins königliche Schloß. Immer war er auf der Seite der herrschenden Par- lhei. Er stieg bis zu der Würde eines Gcneralcommandanten der Pariser Bürgermiliz, und in der Folge erhielt er sogar ein Commando gegen die Vendeer. Nach dem Sturze des Schreckenregiments kehrte er zu seiner ehemahligen Beschäftigung, der Bierbrauerei, zurück. Uebri- gens ist Santerre nicht der erste Bierbrauer, der eine wichtige politische Rolle in der Geschichte gespielt hat; Jacob d'Artevelle spielte im vierzehnten Jahrhundert in Gent eine ähnliche, und erwarb sich ein Ansehen und eine Macht, welche vorher kaum die Grafen von Flandern besessen hatten. Er verjagte mit seinem Anhänge den Grafen Ludwig , nöthigte den Adel und die Begüterten, das Land zu verlassen, nachdem er sie zuvor ihres Vermögens beraubt hatte, und beging mehrere Handlungen der willkührlichstcn Tyrannei; d-ese Herrschaft übte er über 10 Jahr aus , worauf er endlich von seinen Gegnern in einem Volksauflauf erschlagen wurde. iiLnr-Otkicio, das heilige Amt, heißt in Spanien die Inquisition. Santon heißt bei den Muhamedancrn ein für einen Heiligen oder Propheten geachteter Mönch oder Einsidler. Sankorin, eine von den Inseln des Archipelagus, wo die Baumwollenbäume ohne Pflege gedeihen. Die Zahl der Einwohner beläuft sich auf 12000. Eigentlich ist diese Insel nichts als ein mit einer fruchtbaren Erdrinde bedeckter Bimsstein, der sich aus dem Meere erhoben hat, und dennoch gehört sie zu den reichsten Inseln des Archipels. * Saone-Departements. Frankreich. Sapaju's, eine Art sehr kleiner Affen oder Meerkatzen mitRoll- schwänzcn in Südamerika. Sapaten s. Zapaten. Saphat, in Palästina, ein meistens von Juden bewohnter Ort, die hier eine hohe Schule haben. Der Saphir (Sapphir), ein Fossile, das unter das Kiesesgeschlecht gehört. Die gewöhnliche Farbe ist derlincrblau» die in der Höhe sehr verschieden ist und vom Hohen bis ins Blasse, ja bis ins Weiße, sich verlauft; dunkel violettblau, ins Schwarze sich ziehend kommt er selten vor. Man findet ihn in Böhmen, Schlesien, auch in Chursachsen: den schönsten aber bekommt man aus Ostindien, vorzüglich aus Pegu und von der Insel Ceylon, theils in stumpfeckichten Stücken und runden Körnern , theils in sechsseitigen doppelten oderauch nur einfachen Pyramiden, auch vollkommen sechsseitigen Säulen kry- stallisirt; diese Krystalle sind auf der Oberfläche in die Quere gestreift. Uebrigens kommt er in Rücksicht der Harte gleich nach dem Rubin. Seine eigenthümliche Schwere ist 4,oyo, die des Orientalischen aber nur 5,562. Der Saphir läßt sich auch von verschiedener Farbe nachmachen; dieser künstliche Saphir ist aber an seiner geringen Härte leicht zu erkennen. 8apieoti sat, (Lat.) genug für den Verständigen. — 8s- prenLs, (Jtal.) Weisheit; so heißt die Universität in Rom. Saporogische Cosaken, s. Cosaken. Die Sappe (a. d. Franz.) hieß bei den Alten die Untergrabung einer Mauer durch Widder, Mauerbrecher u. dergl. Jetzt versteht mau darunter einen durch die Erde gegrabenen Weg, den man aus den Laufgräben unter dem Glacis und dem bedeckten Wege fort bis in den Graben der Festung — zieht. Daher der Sappeur (spr. Sappöhr): ein solcher, der zum Sap- piren (zum Unterminiren der Mauern) gebraucht wird. Sapphische Verse, sind eine Art Verse, die von der Griechischen Dichterin Sappho den Nahmen haben. Sie sind auch im Deutschen mit kleinen Abänderungen häufig nachgeahmt worden; z. B. in dem Liede von Haller: Freund, die Tugend ist kein leerer Nähme; Aus dem Herzen quillt des Edlen Same, Und ein Gott ist, der der Berge Spitzen Röthet mit Blitzen. Sappho, eine berühmte Griechische lyrische Dichterin, die Li» Jahre vor Christi Geburt zu Mikylene auf der Insel Lesbos geboren wurde. Ihr feuriges Temperament verursachte ihr einen Übeln Ruf, der selbst bis jetzt noch nicht ganz unterdrückt ist. Man weiß «der viel zu wenig von ihren Lcbensumständen, als daß man geradezu über sie absprechen könnte. Sie verließ, der vielen Krcknkun. gen und Neckereien müde, ihre Vaterstadt und begab sich nach Sicklien; aber auch hier brachte sie eine unglückliche Liebe aufs neue so sehr in Verzweiflung, daß sie sich endlich aus Gram von den Leuka» bischen Felsen ins Meer stürzte. Nur zwei Oden und einige Frag- mrnte find uns von ihr übrig, und diese machen uns den Verlust ihrer übrigen Werke um desto empfindlicher. Plato selbst nannte sie die zehnte Muse. i44 Sar Die Saraöande, ein kleine-, für den Tanz eigerichkel.S Tonstück von ungeradem (Z oder j) Takt, bestehend aus zwei Tbei- len, deren jeder gemeiniglich acht Takte hat, von langsamer, gravi- lätischer Bewegung. Er rührt aus Spanien her, wo er vormahls mit Castagnetken getanzt wurde, mit viel Würde und Majestät verbunden, aber heut zu Lage außer Gebrauch ist. Saracenen, ein aus Arabien stammendes Volk, welches Mu- hammeds Lehren zuerst annahm, und ihn auf seinen Kriegslagen begleitete. Man nannte daher die Muhamedaner anfänglich überhaupt Saracenen. In neuern Zeiten gebraucht man wohl auch diesen Ausdruck, um Völker zu bezeichnen, welche ihre Kricgszüge durch ungewöhnliche Verheerungen auszeichnen, Gelehrsamkeit und Kunst verachten, und darin den altern Saracenen gleichen, die mit den Schätzen der Bibliothek zu Alexandrien ihre Bader heitzten. Saragossa» Zaragoza die Hauptstadt des Spanischen Königreichs Aragonien liegt in einer fruchtbaren Gegend am Ebro. Sie ist groß und schön gebaut, hat 4700 Häuser und gegen 42,000 Einwohner. Sie hat einem Erzbischof, zwei prächtige Domkirchen, 14 Pfarrkirchen und enthielt vor der letzten Revolution in Spanien 40 Klöster. Die Kolllegialkirche unserer lieben Frauen zum Pfeiler, enthält ein berühmtes Marienbild und einen großen Kirchenplatz. Auf einer hohen Säule von feinem Jaspis sicht ein hölzernes Marienbild» das ganz mit Edelsteinen bedeckt ist und daher einen solchen Glanz von sich wirft, daß man es oft nicht ansehen kann. Die Wände der Kapelle sind mit Vergoldungen, goldenen Wandleuchtern und Edelsteinen überhäuft, die von einer großen Anzahl silberner Lampen und Wachskerzen erleuchtet werden. Wenigstens verhielt sich die Sache so vor besagter Revolution. In Saragossa ist ferners eine Universität, eine Akademie der Künste, eine patriotische Gesellschaft, eine Oekonomie-und Handlungsschule, mehrere preiswürdigc Industrie-Anstalten, Branntweinbrennereien Seiden-Wollen-und Huth Manufakturen. Als im Jahr 1808 ganz Arroganten im Znsurrektionszustand begriffen war, stellte dir Stadt Saragossa durch ihre unerwartete Vertheidigung ein Beispiel dar, welches in der ganzcu neuern Kriegsgeschichte nicht leicht seines Gleichen hat. Ohne auf den Titel einer Festung Anspruch machen zu können, bloß mit alten Mauern, Thürmcn und Gräben umgeben, verwandelte Saragossa seine Vorstädte in Außenwerke, seine Klöste: in Festungen, seine Häuser in Kastelle; aber das wichtigste Bollwerk war die eiserne Beharrlichkeit seiner Vertheidiger. In dieser Verfassung schlug cs in den Sommcrmonathen des Jahrs 1808 gegen 40 Angriffe ab und zwang einem mächtigen in allen Kriegskünsten geübten und sieggewohnten Feind zum Rückzuge. Späterhin stellte es ein zweites Numantia und Eagunt dar, indem cs eine beinahe dreimonathliche Belagerung aus- hielt, welche zuletzt von einer Armee von 60,000 Mann betrieben wurde. Die Stadt hielt eine unglaubliche Menge Kanenschüsse und Bombenwürfe aus; Minen zerstörten einen Thcil ihrer Gebäude; aber rin jeder Schritt, den die Belagerer vorwärts thaten , muste mit Blut erkauft werden. Erst als zwei Drittheile von Saragossa der überwir- Sar 145 genben Kunst des neuern Angriffssystems unterliegen muste, ergab sich der Ueberrest den 21. Februar »Loy. Sarakis heißen die Hof-und Stallknechte des Türkischen Kaisers. Sarannen hießen die Lehrlinge der Barden und Druiden. Saratow, eine Russische regelmäßig angebaute Manufakturstadt an der Wolga. Sarbrücken (Saarbrücken'), welches die Fürsten von Nas- sau-Saarbrück bis zum Lüneoitter Frieden als eine reichsunmittelbare Grafschaft besessen und regiert haben — ohne daß es jedoch Lehn, sondern beständiges Reichsallsdium gewesen; so daß bloß die Zollgerechtigkeit über dieses Land die regierenden Fürsten vom Reiche zu Lehn nahmen — liegt auf der linken Seite des Rheins, grenzt gegen Morgen an Zweibrücker» » an die ehemahlige Nassauische Herrschaft Ottweiler, gegen Mittag und Abend an Lothringen und gegen Mitternacht an Lcbach und Schauenburg, und gehörte nach der alten Ein- theilung Maximilians I. zum Oberrheinischen Kreise. Wegen dieser Gras schaft sowohl als wegen der übrigen Besitzungen waren ehedem die Fürsten von Sarbrück Reichsstände im Wetkerauischen Grafen Collegium, sonderten sich aber davon ab, weil die jüngere Linie, Nassau- Diez Oranien , zwei Virilstimmen im Fürstenrathe erhalten hatte. Sarbrücken hat treffliche Waldungen, auch werden Steinkohlen und Eisen - in Menge gewonnen; und was den Einwohnern der für Getreide wenig ergiebige Boden versagt hat, das ersetzt ihnen der ansehnliche Handel wieder. — Die Hauptstadt dieses Ländchens ist Sarbrück, von etwa 200 Häusern, mit einem schönen Residenzschlosse, an der Saar gelegen» worüber eine schöne steinerne Brücke gebaut ist. — Zn den sämmtlichcn Sarbrückischcn Landen ist die evangelischlulherische Religion die herrschende. Und da dieselben auf der linken Rheinseite liegen und an Frankreich, zu Folge des Lüneviller Friedens (1801), abgetreten werden mußten, so sind die Fürsten von Nassau-Sarbrück zugleich mit den Fürsten von Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg auf der rechten Seite des Rheins durch einige Mainzische, Triersche und Cöllnische Besitzungen entschädigt »vordem SarcaSmen. Ursprünglich heißt Sarcasm der hohnsprechende Jubel über den gefallenen Feind; im gewöhnlichen und allgemein angenommenen Sinne aber sind Sarcasmen beißende Spöttereien, Anzüglichkeiten von der bittern Art. Sarkastisch heißen Bitterkeiten der Art, die gleichsam durch Mark und Bein dringen; und eine Person oder auch ihren Witz nennt man sarkastisch, wenn es ihr habituell ist, wenn man es als einen Zug ihres Charakters ansehen muß, sich solche Bitterkeiten gegen Andre zu erlauben. Sarcasmen, welche einer Person alle Liebenswürdigkeit entziehen, kleiden keinen Menschen gut, nm wenigsten — das zweite Geschlecht. Sarkophag, (Triech. eigentlich Fleischfresser) ein leichter, schwammiger, zerreißbarer Stein, den die Alten zur Aufführung der Grabstätten gebrauchten , damit die tobten Körper verzehrt werden möchten , ehe die Fäulniß sie angriffe. Sarkophag heißt daher auch ein Conv. Lex. Fünfter Band. K ,46 Sar im Geschmack des Blterthums erbautes sargförmiges Grabmahl. — 8 a rc o p irsga (meätcaruent-t) ätzende und fleischverjehrende Arzneimittel. 8srcotics, fleischmachcnde Arzneimittel, d. i. eben so viel als heilende. Sardanapal, der letzte unter den Assyrischen Königen, war, nach dem Berichte des Justinus, der größte Weichling und Wollüstling, der, anstatt auf die Erhaltung seines von seinen Vorgängern, Ninus und SemiramiS, so sehr erweiterten Reichs bedacht zu seyn und dasselbe mit wohlthätigen Gesetzen zu beschenken und zu regieren, bloß für's zweite Geschlecht lebte und diesem gemäß als Weib sich benahm und als Weib handelte. Kein Wunder, wenn die Statthalter der Provinze» Medien und Babylonien, welche leider! seine Schwäche tannten, sich endlich wider ihn empörten und ihn bekriegten,, wenn es dem erstem, dem Arbaces, gelang, einen so weichlichen, weibischen König zu besiegen und das alte Assyrische Reich in ein neues, in das Medische, umzuschaffen» sich selbst aber auf den Königsthron zu schwingen. Sardanapal — dieser durch seine Ausschweifungen unglücklich gewordene König, nahm, da er sich von dem Arbaces überwunden und keine Rettung mehr für sich sah , endlich noch daS traurigste Ende, indem er sich in seinem Pallast zu Ninive einschloß und mit allen seinen königlichen Schätzen verbrannte. Sardellen sind kleine Heringe, die im Mittelmeere, besonders bei Sardinien gefangen werden. Sarder, (Lat. 8srcks) ist der alte Nähme des Carniols, von dem Griechischen Lande, wo er sonst am häufigsten gefunden ward, so genannt. Sar des, eine Stadt in Natolien oder Anadoly (in der Asiatischen Turkey) Sie war vor Alters die Hauptstadt des Königreichs Lydien und die Residenz des reichen Erösus. Sardinien, Insel und Königreich im Mittelländischen Meere, gegen Osten am Tyrrhenischen, gegen Süden am Afrikanischen und gegen Westen am Sardinischen Meer, auf der Nordseite aber von der Insel Corsika nur durch die Meerenge Sk. Bonifazio getrennt, hat ungefähr 700 Meilen im Umfange, und wird hauptsächlich in zwei Theile, den südlichen (Ospo 61 (utzliari, oder auch 61 8ottu —> den untern) und den nördlichen (Espo 61 Hasssri oder Lupo 61 8opra—- den ober») getheilt; die Volksmenge rechnet man über 400,000. Cagl iari, die Hauptstadt» welche am Meere und durch ihren schönen Hafen für den Handel vortheilhaft liegt, fast gegen 35,000 Einwohner. — Die Insel ist im Allgemeinen sehr fruchtbar, besonders cn Getreide und Mein, an Salz und sehr vielen edlen Früchten, hat zahlreiche Viehzucht, viel Wild und Geflügel, aber noch weit mehr Fische, worunter besonders der Thunfisch gehört. Seide, Wolle, Baumwolle, Flachs rc. gewinnt man ebenfalls hier. Doch würden alle diese Produkte weit mehr benutzt werden, wenn die Insel volkreicher — sie könnte ihrem Flächeninhalte nach füglich 3 Millionen Einwohner fassen — und überhaupr die Einwohner thätiger und betriebsamer wären. Die katholische Religion ist die ausschlicßend herrschende. Das Kir- chcmegimcnt ist in den Händcn der Bischöfe und einiger Acbte mit > Sar »47 bischöflicher Jurisdiction. Me Departements, alle Zweige der Verwaltung und Regierung nähern sich der Aristokratie mehr oder wem-! ger, und haben gewöhnlich einen Adelichen an der Spitze. Kn dem ersten Punischen Kriege war diese Insel nach Sicilien unter die Herrschaft der Carthaginienjer und nachher unter die der Römer gekommen. Wegen einer Empörung wurden die Sarden als Scla- ven nach Rom gebracht und gleich Viehheerden verkauft. Das dadurch nun verwüstete Land artete in Sümpfe aus: und unter den Kaisern wurden Menschen, die man gern los seyn wollte, besonders auch Juden, dorthin verwiesen. Diese fanden bald Mittel, sich zu nähren; noch und nach wurde ein Handel mit Afrika eröffnet; und bald bemächtigten sich die Saracenen ihrer. Im eilften Jahrhundert bemerkt man zuerst die kleinen christlichen Könige in einigen Theilen dieser Insel, welche von den Kaisern unterstützt'wurden, bis endlich, trotz des Einflusses und der Herrschaft, welche sich die Päpste über Sardinien anzumaßen suchten , Kaiser Friedrich U. sich 12M der Insel Sardinien bemächtigte, sie für ein Königreich crklärre und seinen Sohn Entius damit belehnte. Nachher kam cs jedoch wieder in die Hände der Genueser und Pisaner, dann an Spanien, 1708 an England, 171z an Oesterreich, bis endlich 1720 diese Insel von Spanien und Oesterreich an den Herzog von Savoyen, stakt des ihm von Spanien entrissenen Königreichs Sicilien, abgetreten wurde, welcher sie durch einen Vicekönig verwalten ließ. In den neuesten Zeiten wurde von den Franzosen auch dem Könige von Sardinien der Krieg angekündigt; er verlor gleich bei dem ersten Sturme Savoyen (f. Savoyen), wobei es auch in dem >796 abgeschlossenen Frieden blieb. Im Jahr 1-98 brachen die Franzosen, unter nichtigen Vorwänden und nachdem man sich alle niedrige Mittel der Aufhetzung erlaubt hatte, diesen Frieden, bemächtigten sich der Citadelle Turin und erklärten gegen Ende desselben Jahres dem König wieder förmlich den Krieg, worauf 1799 im Februar die Staaten des Königs von Sardinien republikanisirt wurden, und diesem nebst seiner Familie nichts als die J»sel Sardinien übrig gelassen wurde. Zwar zeigten sich im Verfolge bei den Siegen der Russen und Ocsterreichcr einige bessere Aussichten ; allein die Folge hat sie nicht begünstigt. 1802 legte endlich der König die Regierung nieder, und trat sie seinem Bruder, Herzog Aosta, ab. Sardinien, wo gegenwärtig die königl. Regierung durch die Rcichsversammlung beschränkt ist, die aus z Ständen: dem Rittersiande, der Geistlichkeit und den Depuiirten der Städte besteht, wird gegenwärtig in 4 Provinzen - Logodvri, Gallura, Arborea und Cagliari getheilr. Sardonisches Lachen, ein bittres, höhnisches Lachen. S. Kisus 8Lrclc>kiiu8. 8sr6onix, ein Edelstein, der aus Ehalccdon (Onyx) und Carniol (Sarder) besteht, und von den Alten häufig zu Camecn benutzt ward. Sardonyx s. Onyx. . Sarepta, eine Stadt im Russischen'Asien an der Sarpa, wo eine Brudergemeine ist. K r 148 S-ir 8arZs, fSarsche) s. Serge. Sarloui^, (Franz. Sarluih) eine Französische Skadt und Festung im Departement der Saar (in Lothringen). Die Sar maten, ein bei den Alten (bei den Griechen unter dem Nahmen : Sauromaken), sehr bekanntes Volk in Europa und Asien, dessen Ursprung jedoch verschieden angegeben wird. Nach Hero- dot hciratheten Anzazonen, welche sich »ach einer verlornen Schlacht ins Land der Scythen retteten, Scylhische Jünglinge, »änderten jenseits des Tanais, und bildeten hier ein eignes Reich. Die Richtigkeit dieser Erzählung zieht man in Zweifel; indessen weiß man so viel, daß die Alten einen großen Theil des nördlichen Europa und einen Theil Asiens jenseits des Kaukasischen Gebirqs Sarmatia nannten. Sie waren Nomaden und ungefähr 500 Jahr' vor Christus mit den Scythen verbunden. Als Mitridakes (116 vor Chr.) die Macht der Scythen schwächte, unterwarfen sie sich das ganze Land von Tanais bis an die Donau und Weichsel; und nachdem die Scythen gänzlich verdrängt waren, erschienen jene unter den Nahmen RoManen und Jazygen: so blieben sie das herrschende Volk im ganzen Norden des Pvntus Eu- zünus, bis sie im 2. und Z. Jahrhundert von den Gothen verdrängt wurden. Wahrscheinlich aber sind sie dasselbe Volk, welches in den folgenden Jahrhunderten unter den Nahmen Slaven(s.d. Art.) zum Vorschein kommt. Sarraß, ein Säbel, wie die schweren Reiter zu tragen pflegen. Der Sarter(Zerter) heißt beim Schiffbau das Model eines Schiffes, der schriftliche Entwurf dazu, die Bauart, das Verhältniß aller Theile gegen einander. Jede Nation hat ihre besonder» Sarter, und ein erfahrner Seemann muß jedes Schiff schon an seinem Sarter erkennen , wenn dieses auch gleich beliebige Flaggen führen sollte. Sarthe-Depar'tement s. Frankreich. Giuseppe Sarti (geb. zu Faenza 1728), einer der bekanntesten und zu seiner Zeit beliebtesten Tonsetzer, war 1756 in Kopenhagen als Lehrer der Prinzen, und ungefähr 1763 in England. Als Kapellmeister zu Venedig machte er durch seine Compositionen auf einmahl außerordentliches Aussehen, und wurde sogar 1782 vor vielen übrigen zum Kapellmeister am Dome zu Mailand gewählt. Die Russische Kaiserin beriet ihn endlich 17L4 nach Petersburg, wo denn das von ihm 1788 zur Feier der Einnahme von Oczakow aufgeführte 1 e Oeum mit Kanonen — vielleicht mir gerade hier— mit großer Bewunderung ausgenommen wurde. Zwar wurde er auf Veranlassung der Mad. To di, deren gefährlichsten Rival, Marchrsini, er nach Petersburg gezogen hatte, auf einige Zeit hintangesctzt und wirklich verabschiedet; sein Gönner aber, der mächtige Fürst Potemkin, nahm ihn unterdessen in Schutz, schenkte ihm ein Dorf in der Russischen Ukraine und gab ihm Veranlassung, hier eine große Singschule (nach Art der Italienischen Conservatorien) anzulegen» die er denn auch unter dem Titel eines Russisch- kaiserlichen Dberstlieutenants dirigirte. Im Jahr 179z kehrte er, da nun jene Kabalen vernichtet waren, nach Petersburg zurück und präsentirte sich der Kaiserin, die ihn sehr gnädig aufnahm und wieder als Hof-Kapellmeister mit 5000 Rubel Ge- Sas Sat halt und andern großen Vorteilen anstellte. Die außerordentlichen Belohnungen, die ihm an diesem Hofe zu Thcil geworden sind, lassen auf die große Zufriedenheit schließen, die man hier seinen Compositio- nen geschenkt hat. Zu dem Range, den er eine Zeit lang unter den Italienischen, besonders komischen, Operncomponisten behauptet, hat unter andern besonders die Oper: i clue litißsnii il lerro A» els — gewiß eine seiner besten — viel beigetragen; allein in den meisten seiner Arbeiten will man; wenn auch gleich leichte, gefällige, für den Sänger sehr gute Melodien, denzioch häufige Fehler wider die Harmonie und den reinen Satz finden. Auch durften wohl in ernsthaften Opern, besonders aber in der Kirchenmusik, seine Verdienste am wenigsten zu suchen seyn. — Im Juli igos, als er auf der Rückreise in sein Vaterland begriffen war, starb er unterwegs zu Berlin in einem Alter von 74 Jahren. Sassafraß, ein Amerikanischer Lorbeerbaum, dessen schwammiges und gcwürzhaftes Holz zu Arzneye» gebraucht wird. Sassaparille, Amerikanische Stechwinde mit einem dornigen, eckigen Stamme und mehliger, bitterer Wurzel, zu Arzneyen brauchbar. Säße heißt in der Jagdsprache der Sitz oder das Lager eines Hasen. Satan, (Hebr.) heißt eigentlich Ankläger oder Verläumder. Satar, Sater, ein Gott der alten nördlichen Deutschen und andrer Völker, von welchem der Sonnabend den Nahmen Satcrtag erhielt. Satelliten, diesen Nahmen haben die Astronomen denjenigen Weltkörpern unsers Sonnensystems gegeben, welche ihre Umläufe um einen Hauptplaneten , d. i. um einen solchen, verrichten, der selbst um die Sonne läuft. Sie heißen auch Monden, Trabanten, Nebenplaneten. — Vor Erfindung der Fernröhre war außer dem Monde weiter kein Nebenplanrt bekannt; jetzt kennen wir bereits r3 Nebenvlaneten. (S. Planet.) Satictät, (Lat.) der Zustand des Sattseyns, die Sattheit. 8 st in, (Franz. Satcng) Atlaszeug. S a ti nade, dünner atlasartig gewebter Seidenzeug , halbseidnrr Atlas. — Satiniren» Goldfäden auf etwas dergestalt sticken, daß man keine Seide sieht. Satinirt, atlasartig. Die Satire (Satyre) hat ihren Rahmen von den Satyrn der Alten enthalten (s. Satyr); und man versiebt darunter im weitläufigsten Sinne jeden witzigen Spott über fremde Fehler, in wie fern sie schädlich und selbst verschuldet sind. Daß dieser Spott sich gerade in Worten äußere, ist nicht erforderlich; eS kann daher auch ein Gemählde satirischen Inhalts seyn, wie z. B. die vortrefflichen Kunstwerke Hygarths (s. dies. Art.) und seines würdigen Nachahmers Gilreys in London, dessen satirische Kupfer politischen Inhalts jetzt in England Epoche machen (m. s. das Journal London und Paris). — Im engern Sinne bedeutet aber Satire diejenige Gattung der Poesie, welche schädliche und selbstverschuldete Fehler, in der Absicht sie zu verbessern, auf eine witzige Art verspottet. Unschäd- ILO S a t liche und unverschuldete Unvollkommenheiten sind demnach ganz von ihr ausgeschlossen, erstem» weil dabei der Zweck der Besserung wegsallt, letztere, weil sie nie Gegenstände des Witzes werden können. — Die Satire unterscheidet sich vom didaktischen oder Lehrgedicht nicht durch den Zweck (denn auch dieses sucht zu bessern und zu belehren) sondern durch die Behandlungsart: das Lehrgedicht stellt Tugend und Wahrheit selbst dem Leser dar; die Satire aber zeichnet die ihnen entgegenstehenden Laster und Thorheiten, macht sie zum Gegenstände des Spottes und Gelächters und empfiehlt gerade auf dem entgegengesetzten Wege Moralität und Vernunftmäßigkeit. — Da das Charakteristische der Satire im Witze, der Zweck derselben aber in der Besserung besteht; so ergeben sich hieraus ihre hauptsächlichsten Erfordernisse: sie darf uähmlich nur solche Fehler behandeln, die eine witzige Darstellung zulasten, zugleich mit der Verfertigung der Satire existiren und herrschend sind; auch darf nicht die Person, welche den Fehler an sich trägt, sondern bloß der Fehler an und für sich verspottet werden. Persöhnliche Angriffe berauben die Satire alles moralischen und eben deßwegen auch alles ästhetischen Wer- thes, und sind , wenn sie auch gleich als Meisterstücke des Witzes Bewunderung verdienen sollten, dennoch höchstens nur dann erlaubt, wenn alle andern Wcac zur Besserung oder Bestrafung verschlossen sind, oder der Stolz und die Dummheit gewisser Personen allem andern Tadel mit frecher Stirn Lrotz bietet; außerdem aber artet persöhnlicher Spott in Schmähschrift und niedrige Persifsiaae aus. *) — Der witzige Spott kann sich auf doppelte Art äußern, entweder auf komische Art oder durch Ernst und Bitterkeit; und es gibt also eine doppelte Gattung der Satire, die scherzhafte und ernsthafte. Ungeachtet sich beide nur durch die Art des Vortrags unterscheiden, so wählt man doch gewöhnlich zur erstem leichtere und wenig bedeutende Schwachen, da sich im Gcgenkheil die letztere mit den wichtigsten und schädlichsten Fehlern, mit Sittcnlosigkeit und Verbrechen, beschäftigt. — Da die äußere Form der Satire ganz der Willkühr des Schriftstellers überlassen ist; so hat man sie von jeher rheils in Prosa, theils in Versen vorpetragen und in das Gewand von Briefen, Gesprächen, Erzählungen, Fabeln, Epopöen (besonders komischen) , Lustspielen, Epigramme» und Parodien (s. dies. Art.) ein- ucrn eine besondere Art von Parodien, i r>ui-iniuP Ulk ^.ravcpirung bel'ekt . das man »El (Umkleiduna), erfunden, welche darin besteht , das man das Aauptthcma eines früher», ernsthaften Gedichts beibchält, es aber komisch und mit Bezug auf die Zeitgenossen behandelt, wie dieses besonders der Franzose Scarrvn in seinem travestir- ten Virgil und Blumauer in seiner travestirken Aeneis nut vielem Glück ausgeführt haben, — Die satirische Dichtungsart fand schon bei den Griechen sehr viel Beifall, die ihre Comödien zur Aufstellung des beißendsten persönlichen Spottes wählten» wie dieses besonders Aristo- *) Die Vorschriften de« verewigten Rabcners über diese« Gegenstand find vortrefflich. Man sehe dessen Abbandlunqc» über den Mißbrauch der Satire und über die Zulässigkeit der Satire, im ersten Theilr seiner Satiren. Tat iLl phanes that; und selbst die Comödicn der Alten waren ihrem ersten Ursprünge nach nichts anders als dramatistrte Satiren. Rom stellte im Horaz, Juvenal und Persius die drei trefflichsten Satiriker des AlkerihumS auf; und auch die Neuern lieferten Meisterstücke. Wir begnügen uns, unter den Franzosen bloß den Regnicr, Bvi- leau und Voltaire, und unter den Engländern den Tonne, Pope, Swift, Poung und die neuesten, ungeachtet, mancher Fehler dennoch sehr beliebten, Satiren des so genannten Peter Pin- dar (Dvctor Wolcokt) zu empfehlen, und müssen noch zum Schluffe als Lob der Deutschen ansühren, daß sich dieselben von den frühesten Zeiten ihrer Bildung an sehr rühmlich mit dieser Dichlungsart beschäftigt haben. Denn schon unter den Minnesängern blühte die Satire; zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts erschienen Reinecke der Fuchs (s. dies. Art.l, im scchszehnten Jahrhundert UlrichHuttens und Johann FischartS oder Mentzers satirische Werke, Brands Narrenschiff, Rollen Hag en s Froschmäußler und andere, im sieben- zehnten Jahrhundert die Satiren des berühmten Balde, Philanders von Sittewald und mehrere, die, ungeachtet mancher ästhetischen Verstoße und der Plumpheit des Witzes , dennoch für ihre Zeitgenossen vortrefflich sind. Allein das achtzehnte Jahrhundert brachte die Satire zu einer hohen Stufe der Vollendung : § ronegk, Friedrich von Hagedorn, Haller, Zachar'iä, Michaelis, besonders aberR ab e n er und Kästner , erwarben sich einen ausgezeichneten Ruhm; zu ihnen darf man neuerlich wohl auch Falk gesellen, ob er gleich vielleicht anfangs noch einen höhern Rang unter den Satirikern einnehmen zu wollen schien, alS er in der Folge behauptet hat. Satrapen (a. d. Persischen: Satrap«, oder Satrapes) waren bei den Persern Statthalter oder Gouverneurs einer gewissen Provinz. Ihre Anzahl war verschieden; bisweilen regierte auch ein Satrapa mehrere Provinzen.- Sattelhöfe nennt man gewisse Arten von Landgütern , welche zwar nicht die Vorrechte der Riltcrgü ter genießen , aber doch viAe Freiheiten und Vorzüge vor den gewöhnlichen Bauergükern haben. Sie kommen besonders inDber- und Nidersachlen vor, und find theilS solche, die ursprünglich die Rechte adelichcr Rittergüter besaßen, nachher aber an nichtadeliche Besitzer kamen und bloß einige jener Rechte beibehielten, theils solche, die zwar Steuern geben, aber doch von Frohnen und Zinsen befreit sind, theils kleinere adeliche Güter) die keine» Antheil an den Versammlungen der Landstände gewahren, oder bloß aus einzelnen Grundstücken ohne ein dazu gehöriges Dorf bestehen. Einige dieser Güter sind auch von Steuern frei, und viele können auch von Bauern besessen werden; jedoch gehen sie nie bei höher» Lehnhöfen sondern bei den Aemtern oder andern nieder» Gerichten zu Lehn. Man nennt sie auch sa tt e l fre i e Gü t er; und ihr Nähme kommk nach der wahrscheinlichsten Meinung von dem Lateinischen 8ecie« (Sitz oder Wohnsitz eines Adelichen) her, woraus Scdclhof, Sadelhof und zuletzt Sattelhof gemacht worden ist. Saturn, ein bekannter Planet unsers Sonnensystems , der na-) dem Uranus am weitesten von der Sonne entfernt ist (üher >92 IM- ,zr Sat lionen Deutsche Meilen). Er ist nach dem Jupiter der größte Planet, da er 17,160 D. Meilen im Durchmesser hat, und sein körperlicher- Inhalt Y95 mahl größer ist als der unserer Erde. Seine Umwälzung geschieht in 28 Jahren, 164 Tagen und 7 Stunden. Noch hat er einen Ring und sieben Trabanten bei sich. Saturn, (Myrhol.) der Gott der Zeit und Vater verschiedener > Götter, die er mit der Rhea (m. s. diesen Art.) zeugte, war ein Sohn des Uranus und der Gäa Er verdrängte die Titanen, seine altern Brüder, von der Nachfolge in dem Reiche ihres Vaters. Da ihm aber geweißagt wurde, daß er von seinen Söhnen entthront werden würde, so wollte er sie jedesmahl bei ihrer Geburt verschlingen; allein Rhea hinterging ihn, indem sie ihm statt der Kinder Steine reichte. Endlich stieß ihn sein Sohn Jupiter vom Thron; er floh aus dem Olymp nach Italien, wo er, vom JanuS zum Mitregenten ausgenommen, die Völker den Ackerbau und andere nützliche Beschäftigungen gelehrt und überhaupt so gut regiert haben soll, daß seine Regierung das goldne Zei kalter genannt wurde. Er wird als ein bärtiger alter Mann abgebildet, mit einer Sichel, einer Schlange, welche sich in den Schwanz beißt, oder auch mit einer Uhr und mit Flügeln, welches alles Sinnbilder der Zeit sind. Bei den Griechen heißt er KronoS. — (In den ältesten Zeiten soll wirklich unter den Aboriginen in Italien ein König dieses Rahmens regiert haben.) Ihm zu Ehren wurden die Saturnalicn, ein großes Volksfest zu Rom, im De- cember gefeiert. Seine jovialische Lustigkeit und Ausgelassenheit entdecken dessen rohen Ursprung auS den Zeiten der frühesten Cnltur. ES war daS berühmteste Fest im ganzen Jahre, wo alle Arbeiten ruhten, die Sclaven völlige Freiheit genossen, und während der ganzen Zeit in eine gewisse natürliche Gleichheit — zur Erinnerung an die Gleichheit der Stände, welche in dem goldnen Zeitalter Statt fand — mit ihren Herren eintraten, die-sie auch wegen der Freiheiten, die sie sich unterdessen Herausnahmen, nicht bestrafen lassen durften ; Sclaven spielten da selbst die Herren, sie bewirtheten ihre Her- . ren und behandelten sie als ihres Gleichen. Alle Stände überließe» sich in den Saturnalicn der Freude und Fröhlichkeit; Freunde schickten einander Geschenke u. s. f. Dieses Volksfest dauerte in den früher» Zeiten nur einen Tag, hernach aber drei, und auf Befehl deS Ealigula fünf Tage. ES kamen noch zwei Tage hinzu, 8iZillaria, von den kleinen Bildern (si^illis) so genannt, welche an denselben — besonders von Aeltern ihren Kindern — zu Geschenken gegeben wurden. Die SakyrS, (Mytbol.) Dämonen oder Halbgötter. welche Bacchus (nach Andern Mercnr) mit einer Nymphe erzeugt hatte, waren Götter des Feldes und der Wälder, und werden daher oft mit den Faunen (s. diesen Art.) verwechselt; auch ist ihre Abbildung so wie die der Faunen, nur haben sie Ziegenfüße. Die von den Dichtern ihnen beigelegte Neigung zu Wein und Liebe machte sie zu Begleitern deS Bacchus; und ihre muthwilligen Spöttereien gaben Anlaß, Spottgedichte mit dem Nahmen der Satyrcn zu belegen. (S. Satire.) Sal Sau i LA Satz-Weiden, Satz Erlen, sind weidene oder erlene Stabe , welche zur Fortpflanzung in die Erde gesetzt werden. Satz-Zeit heißt in der Jagdsprache die Zeit, wenn daS Wild setzt oder Junge wirst. Sau, Sawe, die, ein großer schiffbarer Strom, welcher im Herzogthum Krain zwischen sehr hohen Schneegebirge» entspringt, und sich in Ungarn bei Belgrad in die Donau ergießt. t>Luce, (Franz. Sohse) die Brühe oder Tunke; besonders eine künstliche oder zusammengesetzte Brühe, z. B. von Milch, Eyern, Zucker rc. — kauciöre, (Sosiäre) eine Brühschüffel, ein Tunk- näpschen. — 8-tuci8se, (Soßiß) heißt in der Kochkunst eine kleine Bratwurst in Hammeldarm. In der Kriegssprache: ein mit Pulver angcfülller Schlauch, womit die Minen angezündet werden, eine Zünd - oder Pulverwurst. Sauerbrunnen nennt man solche Quellen oder Brunnen, welche eine große Menge Luft - oder Kohlensäure enthalten , die ihnen einen geistigen und stechenden Geschmack gibt, aber durch Umschütteln oder Freistehcn an der Luft davon geht. Das Sauerklee-Salz, in welchem die ihm eigenthümliche Säure mit Gewächs-Alkali verbunden ist, wird aus dem frischen Safte des Sauerklees und des Sauerampfers verfertigt. Es schmeckt sauer, fließt bald im Munde und löst sich leicht im Wasser auf; nicht selten ist es mit Vitriolsänre und gereinigtem Weinstein v.r- tälscht, oder cs wird wohl gar übersaurcr oitriolischer Weinstein dafür verkauft. Im ersten und zweiten Faste macht es die Zähne sehr bald stumpf, im dritten Faste aber löst eS sich viel schwerer im Wasser auf. Da dieses Salz vermöge seiner vorstcchendcn Säure Eisen und seine Kalke auflöst; so wird es mit Erfolg gebraucht, um Din- le- und Rostflecke aus Zeugen zu bringen: auch gebraucht man es zum Limonadcpuloer, und versetzt zu dieser Absicht ein halbes Loth davon mit 4 Loth Zucker und 4 Tropfen Citronenöhl. Der Sauerstoff: mit diesem Nahmen bezeichnet das antiphlogistische System den Grundstoff der respirablen Lust, welcher hier zugleich als das allgemeine Princip aller Säuren betrachtet wird. Man nennt ihn auch Origen oder Säure erzeugenden Stoff, und setzt ihn dem Skahlischen Phlogiston entgegen. Für sich und von andern Körpern getrennt kann man diesen Stoff nicht darstesten, in der Atmosphäre aber ist er mit Warmestoff zu Sauerstoffgas, was sonst den Nahmen dephlogistisirte Luft, reine Luft, Lebenslust rc. führte (s. den Art. dephlogistisirte Luft), verbunden. DaS Saug werk heißt in der Wasserbaukunst eine solche Maschine, wo das Wasser in Röhre» durch Auf - und Niederdrücken oder Bewegung eines Kolben in einer Röhre oder Stiefel in die Höhe gehoben oder gesauget, und durch eine Ausgießröhre fortgeschaft wird. Von dieser Art sind aste Pumpen. Saum, ein Maaß, das g Ohm, desgleichen auch 22 Tnchstü- cke n Z2 Esten hält. Auch ein HandelSgewicht, so viel Last oder Ware, als man auf ei» gewisses Lastthier laden kann; im Oester- IL4 Sau Sav reichischeu r/Z Pfund. — Saumsattel. ein hölzelner Sattel für die Saumth irre, d. i. lasttragenden Thiere. 8aumur, (Somür) eine beträchtliche Handels - und Fabrik- siadt im FranzöfisMen Departement der Liaison« und l,oire. Saurau (Franz Graf von) oberster Erblandmarschall von Skcyermark, lange Zeit kaiserlicher Sesterreichlscher Finanzminister, sodann Bothschaster in Petersburg, einer der kenntnißoollstcn Staatsmänner der Monarchie, wurde im Januar 1806 zum beoollmächkig- len Hofkommissär in Steyermark ernannt. Er hatte in dem kurzen Verlaufe deS Kriegs von 1805 viel Einsicht und Anhänglichkeit an die Oesterreichische Regierung gezeigt, und den Mnth und Eifer der Einwohner für das HauS Oesterreich von neuem belebt. Spater half er neibst dem Erzherzag Johann die Landwehr in Jnnerösterreich orga- nisteen, und bei dem AuSbruche igery wurde er zum Generalintendan- len der Italienischen Armee ernannt. Nach dem Wiener Frieden ernannte ihn Kaiser Franz zum Statthalter von Oesterreich. Saurin (Jacques). Dieser berühmte Kanzelrcdner hatte Nimes in Languedoc zu seinem Geburtsorte (1677 war fein Geburtsjahr), wo sein Vater, protestantischer Religion, einer-der angesehensten Advocaten war. Seine Studien unterbrach er eine Zeit lang, in- drm er eine Fahne in Piemont erhielt; allein nach hergestelllem Frieden kehrte er nach Genf zurück, um das Studium der Philosophie for'ziisetzen, ging nachher (1700) nach Holland und England, kehrte aber von da, verheiraihet, nach Haag zurück, wo man seinetwegen eine ganz neue Predigerstelle errichtete, die er denn auch mit außerordentlichem Beifall bekleidete. Sein AcußereS, seine schöne sonore Stimme, daS Feuer, das in seinem Vortrage herrschte, trugen nur noch mehr dazu bei, die Schönheit, die Richtigkeit, die Stärke seiner Gedanken in seinen Predigten desto ekndringender zu mache»; und alle Zuhörer wurden jcdesmahl hingerissen und entzückt. Der berühmte Abba die brach , als er ihn zum ersten Mahle hörte, in die Worte aus: „Ist eS ein Engel oder ein Mensch, der hier redet?" Seine Toleranz, feine Menschenliebe, die Sanftheit seines Charakters machten ihn zugleich auch als Mensch liebenswürdig, wenn gleich feine Feinde und Verfolger auf alle Art seine Verdienste zu verdunkeln, und ihm das O'den zu verbittern suchten. Er starb, von jedem Rechtschaffenen bedauert, zu Ende des Jahres i/zo; und unter seinen Schriften sind z Bände seiner Reden (diermons) die vorzüglichsten. Sause »berg, eine Landgrafschaft im Großberzoglhum Baden mit dem Hauptorte Schopfheim, wo vieles Leinen - und Wollengarn verwebt wird. 8 nuvsgsr6s, (Franz. Sowegarde) s. SslveZaräe. Savan » ah, der vornehmste Hafen und Handelsort vo» Geor» girn im Nordamcrikanischen Freistaat, hat 600 kleine niedrige Häuser und 7oc»o Einwohner. Savary (Re»ö) Herzog von Rvvigo, Adjutant des Kaisers Napoleon, Kommandant der Ehrenlegion, jetziger Polizeiministcr, Sohn des M:jors vom Schlosse Sedan. Die Revolution beförderte ihn schnell zum Offizier, und er wurde nach einander Adjutant der Sav iLL Generale Ferino undDesaix, zeichnete sich mit diesem letzterm bei dem Rheiuübergange auS, folgte ihm nach Egypten, kam mit ihm nach Frankreich zurück, und begleitete ihn zur Armee in Italien; er befand sich an Desaip S ile, als er bei Marengo fiel, und ließ seinen Tod dem Generale Bonapartc melden; der ihn alsbald zu seinem Adjutanten ernannte. Im Marz Ijja 4 wurde er bei Entdeckung der Verschwörung von Georges und Pichegrü für die Leitung der Polizei, maßregeln an die Westküste gesandt. Den i. Februar rZoz ward er Divifionsgeneral, und bei dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich begleitete er den Kaiser zur großen Armee nach Deutschland. Vor der Schlacht von Austerlitz sandte ihn der Kaiser als Unterhändler an die feindliche Armee. Kurze Zeit nachher ward er Großoffizier der Ehrenlegion, und im März igo6 erhielt er das grosse Band des Badenschen Ordens. Im Herbst rückte er in das Han- nsveriiche ein, und belagerte die Festung Hameln, die am 20. November, und Nienburg, die am 23. desselben Monaths kapituliere. Nachher kam er zur große,, Armee in Pohlen, und zeichnete sich vor- nähmlich ln der Schlacht von Kriedland aus. Später übertrug ihm Napoleon eine Mission in Spanien, er wurde dann Kommandant von Madrid. Er begleitete hierauf den Kaiser Napoleon nach Oesterreich. Nach der Entlassung FoucheS ernannte ihn der Kaiser endlich zum Polizeiminister. 8avi, (Jkal. Sawi) die Weisen, so hießen in der vvrmahligen Republik Venedig die Rathsherre». 8 uvoir, (Franz, sawoahr) wissen. Es kommt in den Redensarten vor: savoir kaire, (—führ) daS Zumachcnwisscn, die Ge- schäftsklugheit. Geivandbcit; z. B. er hat das mißliche Geschäft durch sein 8avoir kaire glücklich beendigt. Desgleichen in 8avoir v vre, (—wiw'r) das Zulcbenwisscn, die gute Lebensart, das anständige Betragen. 8 aVc> na, (Jtal. Sawshna) eine Stadt in Italien (zuM Französischen Reich gehörig) mit einer starken Citadelle auf einem Felsen, großen Kirchen, weitläufkigen Hospitälern und über zo.ooo Einwohnern. Sie gehörte sonst zu Genua oder der sogenannten Ligurischen Republik. Hieronymus Savonarola, ein berühmter kirchlicher Reformator, aeb. zu Ferrara ,4^2. Seit 1475 Dominikaner, zeichnete er sich, besonders zu Florenz seit ,489, als Prediger vorzüglich aus. Am letzter» Orte trat er bei den vielfachen Partheien an die Spitze der Parkhei für Frankreich gegen die Medicis, erklärte die Offenbarung Johannis, und suchte darin die Ausrottung seiner Gegenparthei zu finde,,, eiferte gegen die Geistlichkeit und den Römischen Hof, worauf ihn Al pander Vl. in den Kirchenbann that. Dennoch fing er nach einiger Zeit von neuem zu predigen an, rühmte sich auch besonderer göttlicher Offenbarungen, und eS entstanden um seinetwillen Volksunruhen, wodurch sich der Magistrat bewogen sah, ihn als Betrüger zu v rsolgen. Der Papst überließ ihn, auf des Magistrats Ansuchen, den weltlichen Gerichten, und Savonarola wurde zum Ekrangc und Scheiterhaufen verurthcilt, auch das Urtheil Len 23. i^6 Sav Mai 1498 vollzog«,. Er starb standhaft in seinem 46. Lebensjahre, und aus seinem nachher bekannt gemachten Geständnisse ergab sich nichts, das ihm mit Recht einen so schmachvollen Tod zugezogen hätte. Auch wurden seine Anhänger, deren sich sehr viele fanden, um so mehr bestärkt, alles, waS sie nur von diesem wundcrthätigen Heiligen — dafür gaben sie ihn nun auS — erhalten konnten, aufzubewahren. Seine hinterlassenen Schriften kamen zu Leiden a6zZ—40 in 6 Bändchen heraus. 8avouneris, (Franz. Sawonnerih) eigentlich die Seifensiederei, worunter man aber eine Türkische Lapetenweberei in Paris versteht. Dergleichen Türkische Tapeten pflegt man auch selbst 8a- vonnerie zu nennen. Savoyen; dieses ehcmahlige Herzogthum in Italien, gegenwärtig unter dem Nahmen Mont blanc Frankreich einverleibt, grenzt gegen Abend an Frankreich, gegen Mittag an Frankreich und Piemont, gegen Morgen an Piemont, Mailand und die Schweiz, und gegen Mitternacht an den Genfer-See, welcher es von der Schweiz trennt. Es besteht dasselbe aus mehreren Landschaften, unter denen das eigen tlicheSavoycn einen fruchtbarern und weniger unebenen Boden hat als die übrigen. Shambery ist die Hauptstadt. Der vornehmste Fluß ist die Rhone, in welche daun die übrigen, die Arve, die Jsere rc. fallen. Hohe, felsige und unfruchtbare Gebirge machen einen großen Theil des Landes ans, unter denen les Olacisres und der IVIont Lenis (über welchen der Weg nach Piemont führt) d-ie höchsten und vornehmsten sind. In den zwischen diesen Bergen befindlichen Thälcrn gibt eS Getreide, Wiesewachs, Obst und Wein. Die Viehzucht ist gut, und auf den Gebirgen Hallen sich die sogenannten Murmelthiere auf. Goldsand findet man in der Arve, Bergkrystalle und köstlichen Marmor auf den Gebirgen. Ucbrigcns sind die Savoyarden durch ihre Ehrlichkeit und Treue bekannt: ihre Armuth nöthigt wohl ein Drit- theil, ihr Brot außer Lande- zu suchen; und eS ist bekannt, wie viele sich in Frankreich, besonders in Paris, durch niedrige Arbeiten , Schuhputzer,, Kaminfegen, Wasserträger, rc. ihren Unterhalt erwerben. Hauptsächlich muß der Berg Cenis feine Bewohner dadurch mit ernähren helfen, daß sie als Träger oder Mauleseltreiber die Reisenden in Lragsesseln mit einer bewundernswürdigen Geschwindigkeit und Geschicklichkeit fortbringen. Was die Geschichte Savoyens mit Piemont und Sardinien betrifft, so ist es in den allerältesten Zeiten derselben sehr dunkel. Daß die Gillier oder Gelten jene Länder besessen haben, ist wohl nicht zu bezweifeln. Die Herrschaft der Longobarden trat dann in Oberitalien ein. Durch Karls merkwürdigen und kühnen Alpen- Übergang ging die Krone Italiens zu den Franken über, und Piemont ward und blieb eine Zeit lang eine Provinz des Fränkischen Reichs; auch wird zur Zeit der letzten Fränkischen Könige keines Herzogs, sondern der Markgrafen von Piemont erwähnt. Ihre Besitzungen vermehrten sich sowohl hieSseitS als jenseits der Alpen immer mehr und mehr. Sav Sbo »27 Ueker Savoyens Abstammung hat man sehr viel Meinungen gehabt, unter denen die, daß ste von dem Stammvater der älter» Herzoge von Sachsen, Wiltekind, herrsch«, immer für die richtigere angenommen worden ist. GrafBerthold (ior6) erscheint zuerst als der älteste dieses HauscS in der Geschichte. Seine Nachkommen brachten immer mehrere Erbgüter an ihr Haus; ihre Besitzungen dies - und jenseilS der Alpen vermehrten sich immer mehr und mehr. So wurde auch durch Familienverdindungen Piemont mit Savoyen vereinigt; und ob zwar gleich zwei Linien »eben einander bestanden, so wurde doch nachher durch testamentliche Verordnungen und durch Grundgesetze die Unrhcilbarkeit der Lande festgesetzt, wiewohl die Lande dieS - und jenseilS der Alpen nie zu Einer Verfassung vereinigt worden sind. Savoyen hat seinen eignen höchsten Gerichtshof, und Piemont ebenfalls den seinigen behalten. Im Jahre 1416 wurde AmadeuS Vlll. vom Kaiser Sigismund zum Herzog erhoben; ja derselbe ward sogar auf eine kurze Zeit, unter dem Nahmen Felix V. Papst, nachdem er seinem Sohne Ludwig die Regierung überlassen hatte. Jedoch änderte sich seit dem Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts alles so sehr, daß der beste Theil der Länder durch Ver. anlaffung der Kriege zwischen Spanien und Frankreich verloren ging, die erst durch den Frieden von Chateau.Cambresis von Emanuel Philibert wieder erlangt wurden. Die glänzendste Regierung unter allen war unstreitig die von Victor Amadeus II. (von i6/Z bis 17Z0), einem sehr staatsklugen Regenten, dessen Grenzen selbst Ludwig XlV. respectirte, und der auch im Spanischen Successionskriege das ganze Montferrat, nebst vier schönen Mailändischen Landschaften, und endlich durch den Utrcchter Frieden auch Sicilien erhielt, das er aber nachher 1720 gegen Sardinien ver. tauschen mußte. (S. Sardinien.) Auch sein Nachfolger Karl Emanuel III. vermehrte sein Land um ein Beträchtliches, und war überhaupt darauf bedacht, durch kluge Skaaksökonomie das Wohl der Unterthanen wieder aufs beste herzustellen. — In den neuesten Zeiten scheinen dieselben weisen Maaßregeln nicht Statt gefunden zu haben; und bei der Kriegserklärung des Französischen National-Convent- zeigte sich eine solche Schwäche des Militair-Etats, und besonder- der Finanzen, -aß im ersten Anfall (1792) ganz Savoyen verloren ging» und als ein neues Departement unter dem Nahmen Mont- Blanc Frankreich einverleibt wurde, welches denn auch der 1796 geschlossene Friede bestätigte. Sa wo lax, eine Landschaft in Finnland, meistens Wälder, Seen, Flüsse und Moräste. Das Land ist sehr schlecht bewohnt. E- gibt viele Elend - und Rennthiere in demselben. Sb irren: mit diesem Nahmen bezeichnet man gewisse Justlz- oder Polizei-Diener in Italien, welche in gewisser Hinsicht auf eine Art von militairischem Fuß gesetzt sind, z. B. daß sie Uniform, Schießgewehr rc. führen. Ihr Anführer heißt Barigellv. 8 Korso, (Jtal.) in der Kaufmannssprache: der Vorschuß, die Auslage für einen Andern. Sborsiren, auslegen; z. B. das Briefporto sborsiren. >L8 Sca Scabi», (Lat. 8cal»in»s) der Beisitzer eines Gerichts; insgemein der Titel eines untern Rathsherrn, der jedoch mehr als Senator ist. Scabinat, der Schöppenstuhl. 8ca6en2L, (Jtal.) die Versallzeit einer Wechsel - oder andern Schuld. Scala, s. Tonleiter. Scala (Gradierter) heißt auch bei physikalischen oder mathematischen Werkzeugen jeder angebrachte Maaßstab, oder jede Thei- lung einer geraden Linie in gewisse gleiche oder ungleiche Theile, Grade, deren Größe und Beschaffenheit sich »ach der Natur und Absicht des Werkzeugs richten. Die Grenzen werden nicht mit Punkten, sondern mit Strichen bezeichnet. Seal belle, (Lar.) ein chirurgisches Werkzeug auS fünf Mes, fern von vcrschiedncr Größe und Stärke bestehend, zu verschiednem Gebrauche, besonders, um vor der Amputation daS Knochenhäutchen von den Knochen abzulösen. Scalders, s. Skalden. Das Scalptren (von dem Englischen 8cs!ch, welche- die Haut über dem Hirnschädel bedeutet) ist eine Operation, die häufig von den Wilden in Nordamerika an ihren gelödlelen ober schwer verwundeten Feinden vorgenommen wird. Sie wickeln nähinlich von diesen das Haar um die linke Hand, setzen ihnen einen Kuß auf den Hals, und schneiden mit einer Fertigkeit, die sie öfters in Einer Minute die ganze Operation vollbringen läßt, die sehr auSgespanme Haut mit einigen Schnitten durch, und ziehe» sie dann über den Kopf ab. Die abgezogenen Häute werden von ihnen als Zeichen ihrer Tapferkeit aufgehoben. Scandal, (Lat. 8cavcislum) das Aergerniß, der Anstoß, (ein Verstoß gegen die Ehrbarkeit) z. B. ein Scandal geben. Desgleichen eine ärgerliche Sache; z. B. cS ist ein rechtes Scandal, d. i. eine rechte Schande. In der Rechtssprache heißt: 8cuocialum sccep- ium: ein genommenes Aergerniß, ^anclalum cistum: ein gegebene-. 8cancialum lVlsAnatum, heißt in England da- Verbrechen, wenn ein Pair oder anderer Großer de- Reichs verläumdet und gelästert, und dadurch in Verdruß oder Schande gebracht wird. Scandal isiren, ärgern, anstoßen Sich scandalisiren, sich daran ärgern, Anstoß nehmen. ScandalöS, ärgerlich, anstößig, z. B. eine skandalöse Lebensart. Die scandalöse Chronik: die Lästcrgeschich- te, s. Ehronik. Scanderbeg (oder Zscander Beg — Al pander der Herr), einer der berühmtesten Türkischen Helden» welcher Albanien unter dem Nahmen Georg Eastriot beherrschte. 1404 geboren, kam er noch sehr jung nebst drei Brüdern als Geißel in die Hände des Sultan- Amurat II. Dieser, zwar Tyrann gegen die übrigen Brüder, die er heimlich durch Gift hinrichlen ließ, behielt doch diesen am Leben, erzog ihn, und vertraute ihm dann ein Evmmando seiner Truppen an. Unser Held, der seit dem Tode seine- Vaters (14.Z2) ernstlich darauf -achte, diese- muselmännische Joch abzuwerfen, und sein väterliches Erbtheil wieder in Besitz zu nehmen, wurde wider die Ungarn gefeit» 's»» Sca iLy det; und hier führte er feinen Plan aus. Er machte ln geheim mit dem Ungakische» Anführer Corolnus ein Bündniß; ließ die Türken (wohl auf Zo.ooo) schlagen, begab stch dann nach Croj«, der Hauptstadt von Albanien, bemächtigte stch dieses Platzes, und wurde, da er sich nun seinem Volke zu erkennen gab, >a 4 Z zum König auSgeru- fcn. Vergebens zog Amurar wider ihn zu Felde, oerg bens setzte der Nachfolger desselben, Muhamed II. eilf Jahre lang den Krieg fort, seine Truppen wurden mmer geschlagen, und er wurde endlich genö» thigk, mit unserm Albanischen Helden (1461) Frieden zu schließen. Auch für die Christenheit war Scandcrbeg eine mächtige Stutze; auf Bitten Papst Pius 1l. kam er nach Italien dem Ferdinand von Arragonic» zu Hülfe, der in Bari belagert wurde, half ihm auch einen wichtigen Sieg über den Grafen von Anjou erkämpfen. Scan- d-erbeg starb 1467 in seinem testen Jahre mit dem Rufe eine- der größten und — der glücklichsten Krieger. In zwei und zwanzig Schlachi ten, denen er beiwohnte, erhielt er auch nicht einmahl eine leichte Wunde: er befaß außerordentliche Stärke, und soll selbst auf 2000 Türken erlegt haben; sein Leben war übrigens exemplarisch, und grausam war er our da, wo er eS seyn mußte. Sern Tod hatte bald die traurigen Folgen für die Albaner, daß sie — zu schwach zum Widerstande — wieder unter das Türkische Joch gerielhen. Scansion — von Scandircn — ist eigentlich das Heriesen oder Sprechen der Verse nach dem Syibcnmaße. Ob man Verse scandiren, oder ob man nicht vielmehr beim mündlichen Vortrage derselben das Sylbenmaß ganz und gar verbannen solle — darüber hat man vielfach gestritten. Ohne hier eine Entscheidung zu wagen, scheint f wohl so viel gewiß zu sepn, daß, da der Dichter mit so vieler Mühe den Ausdruck seiner Empfindungen durch einen abgemessenen Sylben- dau zu verschönen, gesucht hat, eS wohl dem Deklamator nicht frei stehe, diese Bemühung fruchtlos zu vernichten, daß aber auf der andern Seite ein zu ängstliches Abmessen der Sylben beim Vorlcsen ebenfalls deu Eindruck des Ganzen stören, und eine widerliche Steifheit in dem Vorträge hervorbmigcn müsse. 8cnpii3m scnpkam nennen, (Lat.) eine sprüchwörtliche Redensart, welche heißt: Boot Boot nennen, d. i. das Kind beim rechten Nahmen nennen; z. B. dem Schurken sagen, daß er ein Schurke sey. — Scap Hand er, ein auS Kork verfertigtes Schwimmkleid, welches ln Liiapeüe 1776 vorschlug. Das Scapulicr ist ein zu der Kleidung eines Mönchs gehöriges Stück Tuch, weiches aus zwei langen Streifen besieht, der.» einer über die Brust, der andere über den Rücke» herabhängt. Bei Laienbrüdern geht dasselbe nur bis an die Knie, bei Religiösen aber bis auf die Füße. Sc aramutz (Jtal. Scaramuccia) war einer von den grotesken Charaktercn der Italienischen Bühne, welcher ungefähr un>S Jahr 1680 an dir Stelle des alten Spanischen CapirainS trat, ganz schwarz in Spanischer Tracht, wie sie in Neapel bei Hoflcuken und obrigkeitlichen Personen gebräuchlich war, ging, und den Aufschneider al'üab, der aber am Ende vom Harlekin durchgeprügelt wird. Ja 16s Sca Frankreich wurde «r auch „sch zu manchen andern Charakteren j gebraucht. i Scarificiren, (Lat.) schröpfen, insbesondere mit der Lanzette in das Zahnfleisch ciiischneiden (um das Blut abz-uleiten). Sca. rrfication, die Schröpsung. 8 o a r i k i c a t o r i u m , Las Schröpfeise». Messandro Scarlatti, geb. zu Neapel ungefähr Die. ser Stotz der Kunst, wie ihn die Italiener nennen, und, w»c Hasse selbst sagt, der größte Meister in der Harmonie von gan-z Italien, stp- dirte den Cvntrapunkt bei Ca rissimi in Rom, stand nachher (lüzo) . als Cvmpoiiist am Churbaierschen Hofe, und führte die erste Italic- i nische Dper zu München mit großem Beifall auf. — Mehr scheint die Geschichte von seinen Lrbcnsumstäiiden nicht aufbewahrt zu haben, als daß er wahrscheinlich nachher nach Wien, und endlich nach Rom sich gewendet hat, bis er endlich zum Ritter und ersten königlichen Kapellmeister zu Neapel gemacht wurde. So wenig wir nun auch von seinem Leben wissen, so sehr haben seine Verdienste, die er sich durch Miktbeilung seines Unterrichts an junge Künstler, die seine Kenntnisse und Erfahrungen zu benutzen suchten, erworben hat, ihn für die Nachkommen unsterblich gemacht. Er hat nicht nur die berühmtesten Schüler — Hasse und LeonardoLeo stehen unter diesen oben an — gezogen, sondern auch für den Gesang und nahmentlich für die Oper das besondere Verdienst, mehr Annehmlichkeit, Melodie und vollere glänzcude Begleitung in die Arien gebracht zu haben, so des der Gang derselben lebhafter und geistvoller erschien als vorher, und -er Unterschieb zwischen Recitakio und eigentlichem Gesang dadurch merklicher ward. Er stard 1728 im 70sien Jahre zu Neapel, wo er selbst »och in.seinen letzten Jahren seine Schüler unterrichtete, und- meisterhaft den Flügel spielte. Für die Kirche hat er sehr viel gesetzt, ' und man will allein zweihundert Missen von ihm zähle».— Sein Sohn, Dominico Scarlatti (geb. 163z), war als ein großer Clavierist seiner Zeit bekannt, so wie auch endlich der Enkel, Giuseppe Scarlatti (geb. ungefähr 1713 zu Wien, wo er auch 11776 gestorben), ebenfalls als Elavierfpreler und als Compositciir den berühmten Nahmen dieser Familie fortgepflanzt hat. 8curpe, (Franz.) die innere Böschung des Grabens an einer Festung. — Scarpiren, eine solche Böschung hervorbringcn, und sie mit Rasen bekleiden, welches man auch bei auf solche All bearbeiteten Wasserwerken braucht. Paul Scarrvn, ein berühmter Französischer Dichter und Satiriker (ged. zu Paris 1610), war außer Rabelais (s. diesen Art.) der vorzüglichste Französische Schriftsteller der so gciiauuten burlesken Schreibart, welche in seinem Zeitalter in Frankreich die herrschende war. Er hatte sich anfangs dem geistlichen Stande gewidmet, auch ein Caiivnicat an der Hauplkirche zu Maus erhalten; al>, lein gichtische Zufälle — wie man sagt, Folgen seiner Ausschweifungen — die ihn schon in seinem 27sten Jahre überfielen, und von denen er nie wieder frei ward, bewogen ihn, jene Stelle aufzuge- den. Er wählte seine Vaterstadt Paris zu seinem Aufenthalte; und Sca 16». durch seinen Miß und angenehme Laune ward sein HauS der Sam» melplatz der vornehmsten Personen und der besten Köpfe dieser Haupt» stadt. Denn mitten unter den größten körperlichen Schmerzen blieb er stetS froh und heiter, scherzte über sein Schicksal, und brachte auf diese Art das in Ausübung, was unter den alten Philosophen die Stoiker und in unser« Zeiten Kant über die Bekämpfung der körperlichen Leiden lehrten. Jndeß trug, außer dem Beifalle, den seine Schriften erhielten, unstreitig diese feine beständige Kränklichkeit viel dazu bei, daß er nicht allein vom Eardinal Richelieu, sondern auch von der Mutter Ludwigs XIV. eine jährliche Pension erhielt. Auf diese letztere und auf das Wohlwollen, daS ihm diese Fürstin schenk, ie, bezieht sich die gewöhnliche Unterschrift seiner Briefe: Scar- rvn, der Kranke der Königin. Auch der Ertrag seiner Schriften, die Toussaint Luinet druckte, konnte nicht unbedeutend seyn, indem er iho mit einem Marquisat verglich; denn als ihm 1652 Francisca d'Aubigne, die nachmabls als geheime Ge, mählin Ludwigs XIV. berühmte Maintenon, ihre Hand gab, erklärte er, sie würden, ungeachtet sie nicht reich wären, von dem Marquisat Quinet ganz bequem mit einander leben. Seine mehrmahls gedruckten und zum Theil übersetzten Schrift ten bestehen vorzüglich in mehreren Lustspiele», dem travestir, ten Virgil oder der Aeneide und dem komischen Roman. Weun auch die erster», weil in ihnen der Harkkin eine starke Rolle spielt, heut zu Tage nicht geschätzt werden, so enthalte« sie doch unstreitig viel Witz. Seine Aeneide, in der er Virgil selbst, z. B. in Ansehung der Weitläufigkeit seiner Erzählung, lächerlich macht, wird zwar jetzt über der Blumauer scheu vergessen, und war es wohl schon lange vor dieser; allein sie erhielt bei ihrem Erscheinen zwar nicht allgemeinen Beifall, indem sie besonders Virgils Verehrer sehr übel aufnahmen, wurde aber als ein witzige- Produkt anerkannt, und selbst von Männern wie Racine zur Erholung gelesen. Am meisten hat Scarron sein Andenken durch seinen komischen Roman erhalten, der nicht nur mehrere Mahle ins Deutsche, sondern auch neuer- lich (178?) «ns Schwedische übersetzt worden ist. — Er starb 1660 unter mehrern Scherzen, mit denen er hie umstehenden Trauernden zu trösten suchte. SesrtL kaccis, (Jtal. Skarta fattschia) heißt in der Kaufmannssprache: ein kurzes Verzeichniß aller vorhabenden Geschäfte auf der Messe, der Börse u. dgl. m. Scat legen heißt beim Tarock, die drei Karten, die man als Kartengeber mehr, als die beiden Mitspieler hat, oblegen. Scazontifche Verse, (hinkende) heißen solche, welche eine Art Jamben find, im sechsten oder letzten Gliede aber einen Spon- däuS oder Trochäus (s. diese) haben. Laemsncko, (Jtal. schemando) in der Tonkunst: abnehmend, schwindend. Scene, Szene, (Griech. Lat.) die Bühne, Schaubühne oder der Schauplatz. Desgl. der Auftritt, der kleinere Abschnitt eines Eon». Lex. Fünfter Band. 8 ,6a Sce Scha Schauspiels (wo bloß Personen auftreten oder abgehen) im G-g-nsotz des Akls oder Aufzugs. Uueigenllich ein Auftritt im gemeinen Litzen, eine Handlung oder Begebenheit, z. B. es hat sich in der gestrigen Gesellschaft eine sonderbare Scene ereignet. Bisweilen brückt das Wort Scene soviel aus als Bild oder Gemählde, z. B. eine erhabene Natursccne. — Sccnographie, der Riß oder Abriß eines Gebäudes oder einer Gegend, der perspektivische Riß. Stenograph, ein Zeichenilistrument, womit man alle Gegenstände leicht perspektivisch zeichnen kann. Scepler, Zepter, (Griech. Lat.) der Hcrrschcrstab. Gewöhnlich soviel als die Herrschaft oder Regierung; z. B. unter dem Scepter eines Monarchen glücklich seyn. *) Schabatte, ein Gestell in Kupferhämmern, worauf ein Amdos sieht. Die Schablone, oder das Schablon, nennen mehrere Künstler und Handwerker das ausgeschnittene Modell, wornach sie ihre größeren Arbeiten fertigen: sie sind entweder von Pappe oder auch aus Brelern geschnitzt, und werden von Tischlern, Stuhlma- eher» u. dergi. eben sowohl als von Steinmetzen — bei diesen letzter« müs stn sic ganz nach den Regeln der architektonischen Zeichenkünst gcfer- tigct werden — gebraucht. Sckabrakr-, (Franz.) eine zierliche Pferdedecke hinten am Reilsattel, welch« daS Kreuz des Pferdes bedeckt. Das Schachspiel. Dieses so bekannte als scharfsinnige Bret- spiel, über dessen Erfindung so vielerlei Meinungen herrschen, hat wohl ohne allen Zweifel den Morgenländern und am wahrscheinlichsten den Indianern seine Entstehung zu verdanken. Ein Indianischer König theilte es in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts dem Persischen König Eosroes mit; von den Persern kam es zu den Arabern und von diesen nach Spanien. Zur Zeit der Kreuzzüge, besonders im zwölften Jahrhundert, ward es durch die Araber erst noch bekannter i» Europa und besonders auch in Italien, wo eS verschiedene Abänderungen in Ansehung der Nahmen — z. B, daß der General (Ferz) in die Königin, der Elephant in einen Thurm, der Läufer in einen Narren verwandelt wurde — erlitt. In den Deutschen poetischen Ritlerromanen von der Tafelrunde wird denn auch zuerst deS Schachspiels erwähnt; und in einem Dorfe, Ströpke, zwischen Braunschweig und Halderstadt, haben die Bauern von jeher den Ruf geschickter Schachspieler gehabt. — Man hat aber hauptsächlich dreierlei Arten dieses Schachspiels, nähmlich .) das kleine oder alte, das mit r6 Steinen auf einer Tafel von 64 Feldern, 2) das neue oder große Schachspiel, auch das Courierspiel genannt wo auf einer Tafel von y6 Feldern mit 24 Steinen (worunter vier Couriers sich befinden) und endlich Z) das Welsche (das in Italien seine Gestalt erhalten hat), welches bei uns in allen feinen Gesellschaften gespielt wird. — Die Steine, bei dem Schachspiele find *) Was man unter Sch nicht findet, wolle man unter CH suchen- Schä Scha 16z bekannter Maßen gebildete Figuren, welche lauter KriegSpersonen der Morgenländischen Völker oorstellen, z. B: der Schach (Fürst oder Herr), bei uns der König; der Pharz oder Ferz fKeldherr), bei uns die Königin; Pil (der Läufer, bei den Franzosen der Narr); der Cavallcr oder Sp ringer; Roch (bei Sen Morgenländern ein Kameel oder Dromedar), bei uns ein L yurm oder Stephan t rc. Ueber den Röjselsprung im Schachspiels, diesen Art. — Von dein so berühmt gewordenen Schachspieler des Herrn von Kempelen s. den Art. Automat Schacher hieß ursprünglich soviel als Straßenränder. Drt Schacht ist im Bergbau eine O ffnung, welche von der Oberfläche des Erdbodens oder oben herunter durch das Gebirge oder Eeftein gegraben wird. Die Absich, kann verschieden seyn. Sollen aus einem Schacht Erze oder Berge (Gestein ohn metallischen Gehalt) gesördct werden, so heißt er ein Förderschacht, Ziehschacht; wird in einen Schacht eine Wasserbebungs - Maschine hineingebauet, so nennt man ihn einen Kunstschachr. Durch einen Fahrschacht fährt mau ein und aus, oder st-igt hinunter und herauf auf Fahrten (Leitern). Die Schächte werden, um sie vor dem Einsturz zu sichern, entweder mir Holz ausgezimmert oder auch ausgemauert. Schachtelhalm besteht aus laugen dünnen und rauhe» Röhrchen zur Glättung des Holzes. Schächten h:ißt bei den Juden: schlachte»; wie auch: schon geschlachtetes Vieh auf eine gewisse vorgeschriebene Weise behandeln, um es dadurch koscher oder genießbar zu machen. Schächter, ein jüdischer Viehschlachker. Die Schädel lehre s. Gals. Das Schäfergcdicht f. Ekloge. Schaff, ein G.lreidcmaaß, das ungefähr 8 Metzen hält. Schaffer, heißt in Nürnberg, der Schweiz und einigen andern Gegenden, der älteste D-akvnus an einer Kirche, der die mehr- ste» Pfrrrocrrichtungeri hat. Nahmentlich in Nürnberg führen diesen Titel die obersten Geistlichen a» den beiden Hauptkirchen zu St. Sebald und St. Lorenz» welche sie eigentlichen Pastoren sind. Schaffner, ein Haus-oder Wirtschaftsverwalter; (z. B. in Klöstern der Pater Schaffner .) insbesondre der Kellner oderAufwärtcr in Gast-und, Weinhäusern. Desgleichen: der Aufseher einer Post- oder Landkutsche. In Oberdcnkschland ist Schaffner rin Beamter und Vorgesetzter eines gewisse» Distrikts oder Kammeramtes, welches daher Schaffnerei heißt. Schaffst s. Lciiakauä. Schafhausen, welches zuvor io kleine Landvogteien begriff, gegenwärtig aber in z Distrikte eingetheilt wird, macht nunmehr einen von den iy Schweizerischen Canlons aus. Grenzt gegen Mitternacht an Schwaben, gegen Morgen an den Bodensee, gegen Mittig an die Waldstädte. Der Bezirk dieses Cantous, dessen Bewoh. ner der rcformirtcn Religion zugethan sind, ist zwar nicht groß (er faßte etwas über 20,000 Seelen), allein sein Boden ist ungemein ,64 Scha fruchtbar an Getreide, Kruchten, vortrefflichem Wein, auch an Viehweide. Die Hauptstadt, ebenfalls Schafbausen genannt, wird durch den Rhein, welcher ander mittäglichen Seite der Stadt vor- beifließt, und über welchen eine der schönsten Brücken geführt ist, vom Zürcher Gebiete getrennt, und ist wegen öffentlicher sowohl als Privatgebäude eine der schönsten Städte in der Schweiz. Die Handlung ist sehr beträchtlich und lebhaft, indem wegen des vorbeifließenden Rheins und des nicht weit davon beim Schlosse Laufen befindlichen Rheinfalls (s. den Art. Rheinfall) die Schiffe hier ihre Waren ausladen und auf der Achse durch die Stadt bis unter den Rheinfall führen müssen, um fle da wieder einzuschiffen. Die daher entstehende Durchfuhr sowohl alS der davon zu entrichtende Zoll gewährt der Stadt ungemeinen Vortheil, da überhieß auch h'cr gleichsam die Vorrathskammer der Schweiz gegen Deutschland ist. Ein starker Salz- und Wiilihandel, so wie mancherlei Manufakturen, tragen nicht minder zur starken Nahrung und Aufnahme der Stadt bei. Schagren, Schagrin, ist ein künstlich zubereitetes Leder, das man zum einbindeu der Bücher, zu Futteralen u. s. w. gebraucht. Es wird aus dem hintersten Rückenstück der Pferdehaut, welches man über dem Schwanz, fast in Gestalt eines halben Mondes, auSschnei- det, zubercitet. Auf der Haarseite, nachdem es einige Tage eingeweicht und beschabt worden ist, wird es mit dem Samen einer Art Gänsefuß bestreut, ein Filz darüber gedeckt und der Samen mit de» Füßen tief eingetreten. Das Leder, das nun dadurch allenthalben Grübchen bekommen hat, wird geglättet, dann beraSpelt und ins Wasser gelegt, wo denn die eingedrückten Grübchen wieder in die Höhe schwellen und das Korn des Schagrens bilden. Die Verfertigung desselben ist eine sehr alte Erfindung der Perser, und jetzt noch bekommen wir den echten Schagven aus der Türkei. Schakal, Jakal, Goldmolf, ein morgenländischer Wolfmit grauen und goldgelben Haaren, der Leichname auSscharrt und frißt, und schaareniveise herumzieht. Schaka», ein ehemahliger Polnischer Strritkolben. Die Schalmei) (bvinbyx, Franz, cksiumenu), Schäscr- pfeife, welche gemeiniglich aus Rohr (cslsmus) gemacht ist; es wird aber arzch ein kleines aus BuchSdaum gefertigtes Blasinstrument so genannt, welches 7 Löcher, 2 messingene Klappen und beider untern noch ein besvnbereS Loch hat, und von k bis zum zweigestrichenen a und b auch dreigkstrichcncii c geht. Seitdem die Hoboe einen bedeutenden Rang unter den Blasinstrumenten erhalten hat, ist jenes J»> stnimenk ziemlich ganz abgekommen. — Uebrigens pflegt man auch -er Pfeife an dem Dudelsack (s. Sackpfeife) den Nahmen der Schalmei) beizulegrn; auch gibt es bei den Orgeln ein gewisses Schnarrwerk unter diesem Nahmen. Schalotte», insgem. Scharloten, kleine eßbare Zwir beln, welche ursprünglich von der Stadt Askalon in Palästina dnrch die Kreuzzüge nach Europa kamen, woher sie ihren Nahmen führen. Schaltjahr, ein Jahr, in welchem ein Tag eingeschaltet wird, welches meisteiithcils alle 4 Jahre geschieht, um die Gleichheit zwi- Scha , schen dem bürgerlichen Jahre von 365 Tagen und dem astronomischen, welches beinahe 6 Stunden langer ist, zu bewirke«. Well aber letz, leres genau nicht mehr als Z6Z Tage, z Stunden, <8 Minuten, 45 1/2 Sekunden hat, so muß der Schalttag zuweilen weggelassen werden, welches z. B. im Jahre igoo geschehen ist. Die Schaluppe (§ha kuppe) ist eigentlich ein kleines hinten und vorn spitziges Fahrzeug zur See, mit Rudern und Seegeln versehen, welches zu einem größeren Schiffe gehört und am Tau mit fortgeschleppt wird. Mau bedient sich dessen zum Ankern, zum Landen , zum Wasserbolen rc. Uebrigens aber braucht man diese Benennung auch von andern Gattungen von Fahrzeugen, die bald größer, vald kleiner find. Die Schamanen: so nennt man in Sibirien, Kamtschatka und dem größten Tbeil der großen lartarei und Münqalei die Priester, die zugleich Aerzte, Zauberer und Geisterbeschwörer find, und das ohnehin sehr unciiltivieke Volk aus Eigennutz und Herrschsucht in dem finstersten Aberglauben erhalten. Alle Völker jener Länder, unter die auch die Kalmücken und Samojeden gehören, find, einige christliche und muhamedanische Nationen ausgenommen, durchgehend- Heiden und haben verschiedene Rcligivnen, die aber doch im Wesentlich!!» alle mit einander übereinstimmen und deßhalb zusammengenom- men die Schamanische Religion genannt werden. Diese ist nun voll von Aberglauben und sinnlichen Vorstellungen» tragt ganz das Gepräge der Rohheit nomadischer Völker an sich und hat ungefähr folgende Hauptlehrcn: Es gibt unzählig viele Götter, die theilS in unerschaffenen geistigen Wesen, theils in Himmelskörpern» lebendigen und leblosen Geschöpfen, theils in Gegenständen, die durch Menschenhände hervorgebracht sind» und willkürlich geformten Puppen und Bilderchen bestehen (fast so wie bei den Fetischdienern — s. Fetisch); auch existiren gute und böse Geister. Der Mensch dauert nach dem Tode fort, aber in einem elenden und verabscheuenswürdi- gen Zustande, den weder gute Handlungen verbessern noch böse verschlimmern können; denn die Götter leben in stetem Nichtst' n und geben nicht im geringsten auf die Moralität der Sterblichen htung» die daher weiter für nichts, als für Opfer Md Geschenke an gute und bö e Götter zu sorgen haben, damit ihnen erstere großes Glück ohne ihre eigene Arbeit gewahren und letztere sie nicht verfolgen und beängstigen. Ihr ganzer Gottesdienst besteht dcßwegen in nichts als Gebet, Gesängen, lächerlichen Ccremonien, Opfern und Geschenken: und ihre Priester, die Schamanen, welche gewöhnlich feine Betrüger sind, wissen sich durch Wahrsager-Orakel, vermeintliche Kämpfe mit den bösen Geistern, verstellte Verzuckungen und Epstasen beim gemeinen Hausen ein unumschränktes Ansehen zu geben; sie ordnenden Gottesdienst an, bedienen sich bei demselben gewöhnlich einer Menge von Zaubertrommelm und tragen.ein mit Schellen behangencS Gewand. Diese Religion hat, da sie ganz aus den Ideen des ungebildeten Naturmenschen fließt, sehr viele Achnlichkeit mit der Göttervereh- rung der unculvirten Bewohner vieler Gegenden von Afrika, Amerika und Südindien und man kann mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß ,65 Scha sie in Asten eine der ältesten und allgemein war, späterhin aber durch die Aufklärung des Zoroaster, Confuz, der Hindus und Muha- medaner im südlichen Asten verdrängt wurde und sich bloß in den nördlichen, für jede höhere Cultur beinahe unzugänglichen, Landern erhielt. Sie ist auch nebst der Religion des Fohi (s. China), mit der noch andere vermischt wurden, die Mutter einer etwas bessern, obgleich auch durch Aberglauben und Vielgötterei sehr verunstalteten, Religion, der Lamaischen oder Schigemunischen, die sich in China durch die Mandschu (s. diesen Art.) sehr verbreitet hat und selbst Hofreligion ist, außerdem aber in der großen Tartarei, der Mungalei, einem Thctle Ostindiens und der Astatischen Inseln, bei den Kalmücken, vorzüglich aber in Tibet (s. Tibet) herrscht. In letztcrm Lande ist ihr eiaentlicher Wohnsitz: und der oberste Lama (d. h. Oberpriester) hakte die oanze weltliche Herrschaft an sich gezogen, war auch in geistlichen Dingen unumschränkter Oberherr; allein seit 1792 ist den La- ma's die weltliche Oberherrschaft durch die Chinesen so gut als entrissen. Schames» sind bei den Juden Leute, welche in den Synagogen Küsterdienste verrichten, und bei welchen sich alle aus fremden Orten kommende Juden melden müssen. Schandau, eine kleine Sächsische Stadt an der Elbe gegen die Böhmischen Grenzen, mit einem Mineralbade. Schanker, (0. Franz, ckanore, Krebs,) ein um sich fressendes Geschwür» besonders von venerisch r Art. Schanfi, eine Landschaft in China zwischen dem Hoangho und der großen Mauer, die sich auf der Nordseite ausdehnt. Es gibt hier viele, größtentheils angebaute, auch metallreiche Berge. Die Zahl der Städte soll sich auf roo belaufen. Schantong, ein größtentheils gebirgiges Chinesisches Küstenland , das aber gut durchwässert und fruchtbar ist. Man zählt in demselben ,20 Städte. Hier befindet sich auch der große kaiserliche Canal. Schanze, ein Spiel oder Glücksspiel, daher der.Ausdruck: sein Gluck in die Schanzeschlagen d. i. aufs Spiel setzen; desgleichen: Mummenschanze, d. i. Mummensviel oder Maskerade. In der Kriegssprache: eine auf freiem Felde aufgeworfene Befestigung, welche mit einer Brustwehr ohne Wallgang umgeben wird. Sie hat die Gestalt eines Vier-, Fünf-oder Sechsecks. Besteht sie aus mehrern gleichseitigen Ecken, so heißt sie Sternschanze. — schanzen, Festungswerke aufwerfcn. Die Schanzgräber (Franz, pionniers) heißen in der Kriegs befestigungskunst die Arbeiter, welche bei der Armee und beim Festungs- baue zum Aufwerfen der Schanzen gebraucht werden. Das Schanzkleid ist bei Kriegsschiffen eine vermittelst aufgerichteter Hölzer um das Schiff gezogene grobe Leinwand, welche dazu dient, theils die kleinen Kugeln abzuhalten, kheils die Arbeiter dadurch zu decken, theils auch dem Feinde die Arbeiten zu verbergen. Bei einigen sind auch die Mastkörbe im Gefecht damit umzogen. Jede 'Nation hat für diese Schanzkleider ihre besondrc Farbe. Scha 167 Der Schanzkorb »st bei Artillerie «in ans Weiden geflochtener und mit Erde oder Sand gefüllter Korb, um damit die Soldaten und Arbeiter auf den Hauptwerken, Batterien, Hauptgraben rc. vor dem groben Geschütz des Feindes zu -ecken. Scharbock, Skorbut, eine Seekrankheit, die aus scharfen Säften entsteht, und sich durch scharfe, salzige Ausschläge äußert. Die scharfe Seeluft, der Genuß des gesalzenen Fleisches und der Mangel an Gemüse und frischem Fleische, trägt besonders zur Entstehung dieser Krankheit bei. Scharsschütz, ein Jäger oder Soldat, welcher nur mit gezognem Gewehr, und daher gewisser schießt. — Scharfgeladen heißt das Gewehr, wenn es, außer dem Pulver, auch mit Kugeln geladen ist, da im Gegentheil die Ladung mit bloßem Pulver, nur eine blinde Ladung genannt wird. Scharlachfieber, ein hitziges Fieber» wo sich zuerst im Gesicht eine starke Röthe zeigt, welche sich über den ganzen Körper ausbreitet, und, wo es bösartig ist, sehr schnell tödtet. Scharmüzel, ein Gefecht zwischen kleinen Haufen. In Oberdeutschland: eine papierne Gclddüte, wofür man auch Gcharnitzel sagt. Scharmuziren, scharmüzeln. Schärpe, eine Feldbinde, welche die Officiere um den Unterleib tragen, wenn sie im Dienste sind. Aehnlich« Binden, welche Frauenzimmer und Kinder zum Putz trage», hat man ebenfalls Schärpen genannt. S. Lcknrps. Scharra Mongolen, die gelbe Mongolen (in Asien), erstreckt sich bis an die Chinesische Mauer. Größtentheils Stcppenland» das zur Wüste Kobi gehört, und vom Hoangho durchflossen wird. Scharrir-Eisrn, ein meißelartiges Eisen mit geraden Schneiden, womit der Steinmetz alle auf der Fläche eines Steins stehen gebliebene Höker ebnet. Scharwache, ein Haufen Soldaten oder Polizeidiener, welche des Nachts herumgehen und für die öffentliche Ruhe und Sicherheit sorgen. —- Scharwerk, in Oberdeutschland: eine Frohnarbeit; desgleichen bei verschiednen Handwerkern eine Nebenarbeit, welche sie außer den gewöhnlichen Arbeiten verrichten. Schatoullen-Gekder nennt man diejenigen Einkünfte eines Landesherr», die zu seinen täglichen und kleinen Ausgaben für seine Person verwendet werden, so wie denn auch die Güter, welche der Landesherr in der Qualität eines Privatmanns besitzt, und sowohl dem Ei- genthum als den Nutzungen nach ihm privatim zugehören, Schatoul- len-Gü ter heißen, und ihren Rechten nach von den Besitzungen der Privatpersonen sich nicht weiter unterscheiden, als in so fern sie von dem Fürsten etwa mit besvndern Vorrechten aus landessürstlichev Macht Privileg!>t sind. Die Schattirung (Mabkerei) ist die Veränderung einer Farbe, die durch die verschiedene Beleuchtung in einer und der nebm- ltchen Farbe berv»rgebracht wird. Die Wirkung einer Beleuchtung »her deS Lichts hat nichts Wistkührliches; sobald eS ejnmahl gegeben ,68 Sach ist, so folgt die Art wie es erleuchtet, es mag nun gerade oder durch den Widerschein geschehen, nolhweudig auS der ersten Stellung. Daher must der erfindende Künstler, besonders wenn er Zeichnungen durch Fairen beleben will, sich eknen Borrath von Beobachtungen über alle Wirkungen des Licht-gesammelt haben, die ih» in den Stand setzen, die Natur zu copkren. SS ist nicht schwer zu sehen, ob ein Ge- mählde oder eine Stickerei Wirkung thut, aber sehr schwer, ob diese Wirkung wahr und nach Grundsätzen richtig ist. Biele wollen für Dchattkrung Nüance, Mittelfarben sagen; und rechnen-fle darunter alle Tinten, wodurch die eigenthümlkche Karbe eine- Gegenstände- von Hern höchsten Lichte allmähliq aduimmt, es sey, haß sie sich kn ganzen oder halben Schatten verliert oder nur in eine andere weniger Helle Karbe übergeht, so mögen fle Recht haben. Mgn steht Köpfe von van Dyk, an denen man keine Schatten wahrnimmt, ob sie sich gleich vollkommen runden. Hier entsteht die Wirkung von den so genannten Miktelfarben oder von der ähnlichen Wirkung durch Licht und Schatten. Schaube, heißt in Oberdeotfchland eine Art langer Mäntel oder Kleider, welche den ganzen Körper bedecken. Schau-Brode, waren bei den ältern Juden Brode von feinerem Mehl, welche in der Stiftshütte und im Tempel zur Schau liegen mußten, und nachher von den Priestern gegessen wurden. — Schau- Haus heißt ein Krankenhaus in Nürnberg, worin arme Kranke auf Kostendes Stadtalm osenamts verpflegt werden. — Schaustücken heißen Münzen , welche nicht zum AuSgeben im Handel und Wandel, sondern nur zur Schau oder zum Ansehen, als Denkmahl einer merkwürdigen Begebenheit geprägt worden sind. Schallbühne, Schauspielhaus, ist der Ort, wo Schauspiele vor den Augen der Zuschauer aufg-führt werden; und zwae ist die Bühne selbst erhöhet, damit die Zuschauer den Schauspieler vollkommen im Ange haben können. Die Schaubühnen der Römer und Griechen waren auf freien Plätzen: der Hintere Grund derselben bestand auS einer festen Wand, so daß die Länge oder Tiefe des Thea- ters nie erweitert oder verkürzt werden konnte; auf der Wand waren inSgemein Faßaden'von Gebäuden geiitahlt, wo die Schauspieler aus den Thüren derselben heroortraken; rechts und links beschränkten einige Bäume die Bühne. Die Zuschauer saßen oder standen auf halbrunden Plätzen vor dem Schauplatz (m. s. auch d. Art. Amphitheater). — Wie unvollkommen diese Bühnen waren, fleht man leicht ein; und unsere Zeitgenosse» würden de» Vorstellungen der Art keinen Geschmack adgewinnen können. Die Unbeständigkeit unser- Clima's machte es aber auch nothwendig , daß man bedeckte Plätze zu Vorstellungen von Schauspielen wählte, wozu anfangs große Säle hinreichend waren, bis endlich die Baukunst eigene Gebäude dazu lieferte, in denen die Mahler« und Maschinerie eine bewegliche Welt im Kleinen darstellten. Hier besteht denn nun die Schaubühne aus einem verhältnißmäßig breiten, hohen Platze, dessen Seiten durch bewegliche Wände (Coulissen), dessen Höhe durch bewegliche Deckenstü- Scha cken wenn sie ganz senkrecht übereinander stehen: weit vortheilhafter würde ^ eS daher scyn, wenn die ober» Reihen der Logen verhältnißmäßig gegen die unter» Reihen zurückgebaut wären; so würde ein breites Pro- l sccnium etwa z Ellen tief, gewölbt, so wie die Decke über die Zu- schauer, wenn auch nur von Holz gut in einander gefugt, ohne mit Leinwand überzogen zu werden, sehr vortheilhaft für den Schall scyn, besonder- wenn die obere Reihe der Logen nicht unmittelbar an die Decke stieß, sondern hier noch eine feste breite Wand über derselben an der Decke herum ging, worauf man nur gewählte Hohlkehlen (Simße) anbringen dürste. Je größer die Bühne ist , desto besser sind die zirkelförmig gebauten Logen um den Schauplatz. Die Bühne selbst muß ! nicht zu tief seyn, weil sonst der Schauspieler, wenn er mitten iu der Scene steht, nicht verstanden werden kann. Das nokhwendigste Erforderniß einer gute» Schaubühne ist, daß die Zuschauer allenthalben ^ gut hören und sehen können, daS ist, die Regeln der Akustik, Perspective und Mahler« müssen genau beim Bau beobachtet worden seyn, und das Ganze muß mit seine» Theilrn ein angenehmes und zierliches Verhältniß haben; daher auch ein Schauspielhaus, so viel sein Aeu- ßerrS betrifft, als Tempel einer Kunst, die so viele wieder i» sich vereinigt, in einem edel» und gefälligen Styl gebaut seyn muß. — Für die Bequemlichkeit der Treppen und der damit verbundenen Ausgänge muß besonders zur Sicherheit der Zuschauer gesorgt seyn. Das Schauspiel ist im Allgemeien die Darstellung einer oder mehrerer von einander abhängcnden Begebenheiten , die sowohl durch die dabei vorkoinmenden Ereignisse alS durch die Charaktere und Sitten de, handelnden Personen die Zuschauer auf eine belustigende oder lehrreiche Art unterhalten. Das Entstehen desselben leitet man wohl mit 17» Scha ziemlicher Gewißheit von den bei feierlichen Gelegenheiten oder Volks» festen üblichen Mummereien und Maskirungen her. So gaben in Griechenland die Bachanalien (m. s. diesen Art.) wahrscheinlich den ersten Anlgß zur Erfindung dramatischer Spiele, in Deuischland die Fastenzeit, iu welcher verkleidete und mit Masken versehene Personen ans einem Hause ins andere zogen, um ihren Freunden und sich eine Belustigung zu geben. Sie hielten, nachdem sie in derglei. chen Darstellungen, welchen man auch wohl den Ursprung der Pantomime zuschreiben kann, sch»n geübter waren, eine der Verkleidung gemäße Unterredung: der ihnen geschenkte Beifall munterte sie auf; ihre Gesellschaft ward zahlreicher, ihre Gespräche wurden länger ; und nach und nach wurden menschliche Handlungen von ihnen satirisch verspottet dargestellt, wobei freilich ihre Zunge die guten Sitten durch ihre schlüpfrigen Redensarten beeinträchtigte. Das Schauspiel der Deutschen, auf welche- wir u»S hier einzig und allein einschränkcn können, ist zwar unter allen Europäischen Völkern das älteste; oberes kam später zu einiger Vollkommenheit, weil die Sprache der Deutschen erst später verfeinert wurde. Gottsched in feinem Vorrath zur Geschichte der Deutschen dramatischen Dichtkunst glaubt in einem alten Chro- nikfchreiber, den er aber nicht mebr nennen kann, gelesen zn haben , daß schon an Karls deS Großen Hofe ein Schauspiel in Altfriefischer Mundart gegeben worden sey. Auch Pli»micke in seinem Entwurf einer Theatergeschichte von Berlin S. 6. versichert, in einer öffentlichen Biblkiothek zu Breslau drei Schlußsce- nen eines in altem Mönchslatein auf Pergament geschriebenen Kloster- schaufpicls hinten auf dem Umschläge etlicher alte» Handschriften mit der noch ziemlich leserlichen Jahrzahl VLOLVVV. (8>L- als eine unbemerkte Seltenheit des Mterthums gefunden zu haben: indessen scheint doch aus mehre.-». Gründen dieses Manuscript nicht Schlesischen Ursprungs sondern ein fremdes Product zu seyn. Schon »uker den Karolingern müssen in Deutschland Vorstellungen üblich gewesen seyn, welches man aus dem Verbote 6«pi». b,ik. V. c. 388. p- 1509. beim Hei,»ecciuS steht, „daß Niemand dabei Priester-'oder Mönchs- kleidnng anlegen solle." Wahrscheinlich »st es, daß diese Schausvie» ler Nachfolger der Mimen und Histrionen gewesen stnd, die ehemahls in Italic« so viel Beifall gehabt und ihre pantomimischen Künste besonders an den Höfen der Deutsche» Kaiser und Fürsten getrieben haben. Von Roswitha, auch Hroswitha genannt, einer Nonne in dem Stifte zu Gandersheim, — Andere legen ihr, wiewohl unrichtig , den Nahmen Helena v 0 n R 0 ß 0 w bei; sie lebte um das Jahr — erschienen im zehnten Jahrhundert die ersten sechs Lustspiele. die eine N ich ihmung des Terenz waren und die man, wie Gottsched sa. a. O. S. 9) beweist, eigentlich Trauerspiele nennen sollte. Die Handschrift dieser sechs Lateinischen Schauspiele befindet sich in dem Kloster St- Emeran zu Regensburg, »>zc,, wurden sie zuerst von Conrad Celtes ans der Handschrift eines Deutschen Bene- dictiuer. Klosters , das er aber nicht nennt, herausgegeben. Der In- Scha -7l halt ist in allen der nebmkiche; die trinmphirende Tugend einer Cbri. stin und die unterliegende einer Heidin, Bekehrung eines Heiden oder Märkyrcrkod, fromme Vorurtheile von der Heiligkeit eines ehelosen Lehens machen die Katastrophe dieser Stücke aus — Bei den Minnesingern , die im dreizehnten Jahrhundert in größtem Flor waren, findet man zwar Gespräche aber übrigens nicht die geringste Spur von einen^ Schauspiel; fle sangen nur einzeln um die Wekre, wer seinen Gönner am meisten loben konnte. Die Comödie war im Gefolge der übrigen schönen Künste in die Klöster geflüchtet, und wurde, wenigstens dem Nahmen nach, durch diejenigen erhalten, die sie späterhin am eifrigsten verfolgten. Noch jetzt sind die Kloster-Comödien übrig, nachdem die wahren Co- mödien wieder hcrgestellt worden; aus ihnen entstanden in den Jesui- terschulen die Schul-Sch au spiele, die wir gleich nach der Reformation auch noch in protestantischen Ländern häufiger als Privat- thealer finden. — Das erste Schauspiel in Deutscher Sprache soll (nach Frieslebens kleiner Nachlese zum Gottsched) zu Eisenach gehalten Und 15 Tage nach Ostern, auf der Predigermönche Ablaß, im Thiergarten Marggraf Friedrichs von Meißen, unter dem Titel die zehn Jungfrauen, gegeben worden seyn. Der Markgraf wurde aber bei der ersten Vorstellung so heftig gerührt, daß er von der Zeit an schwermürhig ward und starb. In diesem Schauspiele finden sich die ersten Spuren einer gewissen Regelmäßigkeit. Auch im fünfzehnten Jahrhunderte dauerten die Mysterien oder geistlichen Schauspielein Deutschland noch fort; denn im Jahre 14,2 spielte man zu Bautzen auf dem Markte eine Comödie von der heiligen Dorothea. Das Dach des Löbanischcn Hauses, auf dem viel Volk zum Zuschauen saß, stürzte ein; und izz Personen ver. unglückten, wodurch dergleichen Kurzweil sich endigte, das seitdem nicht mehr gespielt wurde. — Den z>. Januar 1417 ließen die Englischen Vater vor Kaiser Sigismund» nach der Zurückkunft von der Kirchenversammlung zu Cvstnitz, eine Comödie auffüyren. wovon der Inhalt die Geburt Christi, die Ankunft der Weisen aus Morgenland und der Bethlehemirische Kindermord war. l^'Loksni (blitoirv cku 6un- aeil 60 Lonsksnoss) will hieraus die Abkunft der Deutschen Schauspiele von den Engländern beweisen , irrt sich aber sehr, vie das vor her Angeführte hinlänglich beweist. — Ungeachtet die Fastnachtsspiele gewiß schon eher bekannt waren, so wurde doch das erste derselben erst >4tzo von Hanns Schnepper, genannt Rosenblüth, einem Nürnberger Meistersänger, gedruckt. Der blühende Wohlstand Nürnbergs durch seinen damahligen ausgebreiteten Handel, ehe Amsterdam und Hamburg sich hoben, erzeugte Ueppigkeit der Sitten und also auch schöne Künste, als ihre unzertrennbaren Gefährten. Die Schule der Mcistersänger, Mahlerkünste und der Kupserstecher- kanst nebst vielen andern Kunstarbeiten waren die Früchte von diesem vormahls so blühenden Wohlstände Nürnbergs. — Zwei Deutsche Ueber, setzungen der Lustspiele desTerenz (der Kunuchus von HannsNyd- hart übersetzt und 14^6 zn Ulm gedruckt, und der ganze Terenz von einem Ungenannten zu Strasburg >499 Deutsch herausgegeben) zeugen » 7 « Scha von dem Studium der Comödie der Men in diesen Zeiten. Auch Johann Reich lins dramatische Versuche, besonders seine 8cenic» kroß^mnasmars , die er selbst 1497 vor dem Bischof zu WormS» Johann Camerarius Dalburg (Dalberg), von jungen Stu- denten aufführen ließ, dürfen wir, da sie in gutem Latein geschrieben sind, nicht unerwähnt lassen. Noch zu Anfänge des sechzehnten Jahrhunderts suchte man be, sonders allen Wissenschaften einen Lateinischen Anstrich zu geben ; und um auch die Jugend desto mehr zum Studium der alten Sprachen zu ermuntern, schrieb man Lateinische Schauspiele und ließ sie von jungen Leuten darstellen, wie die Aufführung der Lateinischen Comödie, betitelt: Lucius Oisnse, von Conrad Ckltes, ersten gekrönten Deutschen Poeten, vor Kaiser Maximilian zu Linz von der gelehrten Donauer Gesellschaft im Jahre 150, beweist. So haben wir einige Lateinische Schauspiele von Iac 0 b L 0 cher aus Echingcn, von I 0- hann von Kitscher, Domprobst zu Colburg und Altenburg, und von Christoph Hagendorf aus Leipzig. — DaS erste tragische Originalstück ist vom Jahre 1430 von TheodoricuS Schereberck, einem Meßpfaffen, daS aber erst 1565 bei Andreas Petri zu Eisleben unter dem Titel ^potfisosis ^oaunis VHI. konti- - Lcis KomLni, herauskam. ! Unter die vorzüglichsten Dichter dieses Jahrhunderts gehört Hanns Sachs aus Nürnberg (m. s. d. Art ). Sein erstes Fastnachtsspiel, das ! Hofgesind Deneris, ließ er lZixdruckcn, um eben die Zeit als Luther den Grund zur Kirchenreinigung legte. Auch er war ein sehr fruchtbarer Dichter fürs Theater, denn 59 Trauerspiele» 76 Lustspiele und 6g Fastnachtsspiele sind aus seiner Feder geflossen. Der ganze ! Titel seiner Fastnachtsspiele, von denen er die meisten selbst mit auf- ! geführt hat, ist: Mancherlei kurzweilige Fastnachtspiele, ! gesammelt von kurzweiligen Schimpfspielen mancherlei Art, darinnen die Wahrheit mit guten Schwanken verdeckt und eingewickelt ist. Unter dergleichen sonderbaren Titeln erschienen von Paul Rebhun, Schulmeister zu Plauen »Martin Haineccius, Professorbei der Schule zu Grimma, Jacob Ayrcr, Notar, kudl. zu Nürnberg, uno auch von Herzog Ju» lius von Braun schweig, als den vorzüglichsten dramatischen Dichtern dieser Zeit, mehrere Schauspiele. In diese Zeit seht man auch die Entstehung des Singspiels, wie sich das erste in Jacob Ayrers Sammlung von Schauspielen findet, worin alles nach einer Melodie geht. Reicher an Denkwürdigkeiten in Ansehung des Deutschen Schauspiel-Wesens ist das siebzehnte Jahrhundert, wo sich vorzüglich drei Schlesische Dichter durch ihre dramatischen Arbeiten berühmt machten: 1) Martin Opitz von Boberfeld (s. dies. Art.); sein erster Versuch eiger Uebersctzung der Trojanerinnen des Seneca in sechsfüßigen Deutschen Jamben erschien 1625. Daphne, das erste wahre Deutsche Singspielss. den Art. Oper,) und zugleich das erste Beispiel, daß ein Schauspiel in Deutschland an die Stelle der bei feierlichen Gelegenheiten gewöhnlichen Turniere, Ringel- Scha »7Z rennen und Mummereien trat, gab er 16L7 heraus. Sein zweites Singspiel Judi th, erschien i6zz; und mit der Übersetzung der Anti gone des Sophokles beschloß er i6z6 seine Dramatischen Arbeiten. 2) Andreas Grpphius (geb. zu Großglogau ,616, gestvrb. 1664), ein geistreicher, gelehrter Mann, den man, obgleich seine Schreibart und sein Geschmack in Feinheit und Ausbildung der von Opitz nicht gleich kam, doch alS den Vater der Deutschen Schauspielkunst anse- hen kann, weil er zugleich tragischer und komischer Dichter war (s. Gottsched a. a. O. S. 207). z) Caspar von Lohenstein (geb. zu Nimtsch 1628, gest. in Breslau 1683); er schrieb nur Trauerspiele, und verfiel durch seinen Hang zu dem falschen und ausschweifenden Witze der neuern Jtalieiier» auch durch seine Nachahmung des Seneca und Gracians in Schwulst, obgleich seine schönen, wahrhaftig kernich- ten Ausdrücke und die erhabenen Rollen in seineg Arbeiten keineswegs zu verkennen sind. Der große Dichter von Haller dankt nebst Mehrern unserer Dichter ihm seine erste Ausbildung. Gegen die Mitte dieses Jahrhunderts nahm der Geschmack an Singspielen so zu, daß beinahe jeder Reichsfürst, ja sogar schon Hamburg, seinen eignen Overnsaal hatte; auch fingen nun ordentliche Schauspieler-Gesellschaften an sich zu bilden (s. den Art. Schauspielkunst). Der Geschmack an Schäferdramen entstand durch die Uebersetzung des Lusrini: so bildeten sich die so genannten Schäfereien, wie z. B. die Hercpnia von Opitz; man nannte sie auch Schäferspiele, Walocomödien oder Waldgedichte. Ums Jahr 1628 entstand sogar ein ganzer Orden von Pegnitz schä- fern (s. dies. Art.) , unter denen viele auch Schäfer-Schauspiele geschrieben haben. Ein Mitglied dieses Ordens war Johann Klaj, der außer seinen Comödien über die Auferstehung und Himmelsfahrr Christi, dem leidenden Christus, seinem Engel- und Drachenstreite u. m. besonders wegen seines Herodes der Kinder mirder, nach Art eines Trauerspiels abgebildet, und von einer deutschliebenden Gemeinde ve- gestellt, bemerkenswerth ist. — Das Theater der Franzosen fing auch an bekannt zu werden, denn im Jahr 1650 erhielten wir durch Georg Grefling er, kaiserlicher Notar in Regensburg, die erste Uebersetzung des Cid. — Man bemühte sich nun auch, die Deutsche Sprache von allen Auswüchsen ausländischer Wörter zu reinigen; stakt Drama sagte man Gesprächspiel, statt Somödie Freudenspiel, statt Tragikomödie (welche sonderbare Gattung auS Spanien zu uns herüber kam) F r e u» den-Trauerspiel und kürzer Mischspiel, statt Acte Hauptsätze oder Handlungen, statt Scenen Theile oder Aufsätze. Bis auf Gottscheds Reformation des Theaters im achtzehnten Jahrhundert war das Deutsche Schauspiel in kläglichen Zustande. Der Hanswurst mit andern lustigen und possenhaften Charakteren schienen der Hauptantrieb zu Besuchung des Schauspiels zu seyn. Als aber ein Wolf, ein M 0 ßheim, die Dichter Canitz, Haller, Hagedorn und Bvdmer dir Deutsche Sprache reinigten und sie einige Festig, keit zu gewinnen anfing; als ihre Fähigkeit zu jeder Art des poetischen Vortrags bewiesen wurde, um kühn mit ihren Nachbarn um den Vor- ,174 Scha trag zu streiten — da verfeinerte sich nun auch der Ton im Schauspiele. Unstreitig hat Gottsched, dem wir in der Verbesserung tnr Deutschen Sprache so vieles zu verdanken haben, die erste Veranlassung zur bessern Ausbildung unsers Theaters gegeben; aus seine, Veranstaltung wurde 17Z7 von der Neuberschen Gesellschaft der Harlekin öffentlich verbannt, wozu die Directrice selbst ein Vorspiel verfertigte, (lieber Gottscheds Verdienste und Fehler s. m. übrigens den Art. Gottsched selbst.) Bis hieher hatten nun zwar — da es nach und nach allgemein Sitte geworden war, bei allen feierlichen Gelegenheiten mit "Schauspielen zu glänzen — immer nur Französische Trauerspiele den Vorrang erhalten (ein Vorurtheil, das besonders durch Volta ire's Erscheinung am Französischen Tdeate.-Himmel starke Nahrung fand): allein nun singen denn doch auch Deutsche Dichter an, einigen Ruf zu erhalten; man fing an, den Ausländern Werke Deutschen Geistes entgegen zu stellen; und bald sah man die Französischen Schauspiele durch Einführung der Deutschen abgeschafft. Cs sey uns erlalrbt, hier einige schätzbare dramatische Dichter dieser Zeit kürzlich aufzuführen: Johann Elias Schlegel (geb. ,713 in Meißen, gest. als Professor der Ritter-Akademie in Soroe 1749) war einer der ersten, der sich nach dem Muster der Griechen bildete. Ueber die Comödie in Versen gerieth er mit Prof. Straube zu Breslau in Streit, welcher behauptete, daß eine gereimte Comödie nicht gut und daß es unnatürlich sey, die Personen in Versen sprechen zn lassen. Johann Christian Krüger (geb. 1722 zu Berlin, gest. 175a als Schauspieler zu Hamburg) legte in seinen Schauspielen einzelne komische Situationen gut an, stellte viele und wahre Charaktere mit natürlichen und wahren Zügen dar, und suchte überhaupt in Mvllier's Fußstapfen zu treten. Christian Fürchtegott Geliert (w. s. diesen Art.); ihm danken wir das erste rührende Lustspiel (im I. 1745). Gotthold Ephraim Lessing Christian Felix Weißefs. dies. Art.); seine Operetten nstt Hillers Musik brachten eine merkwürdige Epoche des Deutschen Schauspiels in den Jahren 1770 u. fg. hervor. Cornelius von Ayrenhoff (geb. 1754 zu Wien) gründete seinen Ruf im Komischen hauptsächlich durch sein Lustspiel, der Postzug. Christian Gottlob Slcphaktie (geb. zu Breslau *737) und Gottlieb Stephanie (geb. r 74 > ebendas.), welche aber ihren Talenten nach keine Brüder sind. Des Aeltern dramatische Versuche haben einzelne auffallende Charakte nnd gewisse unerwartete Localzüge, nur zu eilfertig entworfen; der Jüngere aber hat mehr Genie und guten Ton, seine Stücke sind voller Leben und Thätigkeit. Johann Chr istian Brandes (geb. 1735 in Stettin, gest. 1799), Schauspielerbei der Seylerschen Gesellschaft, schildert in seinen Schauspielen Charaktere nach dem Leben; seine Jntri- guen sind anziehend, überraschend, seine Sitten Deutsch und sein Dialog fließend. Johann Jacob Engel (geb. zu Parchim in Mecklenburg 1741, gest. 1802) gewiß nach Lessing der beste dramatische Dichter, der besonders die Dramaturgie durch seine Ideen zu einer Mimik sehr bereichert hat. Carl Gotthe!fLessing(in S ch 0 Camenz 17Z8 geboren) zeichnet sich besonders durch die Fertigkeit im komischen Dialog, Erfindsamkeit und hervorstechende Charaktere aus. Johann Carl Wetzel (gcb. 1747 zu Sondcrshausen) schildert in seinen Lustspielen die Sitten der feinen Welt in interessanten Planen mit launiger Sprache. Der veränderliche Geschmack der Deutschen im Schauspiel-Wesen wechselte mit jedem Jahrzehnd immer ab : bald entschied der Beifall des PublicumS nur für die Vorstellungen der übersetzten und nachgebilde» kcn Shakespearschen Stücke, bald für die der Ritter-Schauspiele mit allem Prunk der ehemahligen Zeiten des Faustrechks, bald für die der Pantomimen, Ballete, bald für die der Opern oder Zauber- Opern, bald für die der Familiengemählde, zu welchen letzter» wohl Großmann (durch seine Nicht wchr al S sechs Schüsseln) den Ton angab» und worin alsdann Jffland (m. s. dies. Art.) so eine merkwürdige Epoche machte; bis endlich der größte Deutsche und zu früh verstorbene, aber unsterbliche, Dichter Schiller nebst einem Göthe m. s. diese Art.) das Schauspiel auf eine höhere Stufe der Dichtkunst durch Einführung der alten Griechischen Lragedie mit dem Chore erhob, wo das große gigantische Schicksal sich uns darstellt, welches den Menschen erhebt, wenn eS den Menschen zermamlmt. Schon in CronekS Schriften finden wir einen Versuch, den Chor der Al. ten wieder einzuführen» Der Chor verbindet die Vorstellung, ohne daß wir Zwischenräume der Zeit (Auszüge) nöthig haben und die Vorstellung stille steht; er handelt entweder selbst mit, oder khcilt dem Zuschauer seine Bemerkungen mit Nach dieser nur fragmentarischen Geschichte des Schauspiels wollen wir nur noch mit wenigem die Eintheilung desselben hier andeuten. Man theilt es ein in I. Lustspiel, die Handlung auf dem Theater, wo die dabei interes« sirten Personen in lächerlichen Ansichten dargestellt werden. Ist es niedrig-komisch, d. h. stellt es nur die gemeinste Lebensart mit Bezeichnung der gewöhnlichsten Charaktere einzig in der Absicht, Lachen zu erregen, dar, so nennt man es Posse; ohne Gespräch durch bloße Ackion ist es eine Pantomime; und wenn diese mit Tanz verbunden ist, so nennt man es Ballet. Hierher gehört auch das Sin gspi el oder die Oper (f. die Art. Oper, Monodrama und Du 0 drama). kl. Schauspiel oder Drama im eigentlichen Sinn, welches die Darstellung ernsthafter Begebenheiten ist, deren Entwickelungen ei» ncn dem menschlischcn Herzen wohlthuenden Ausgang haben. HI. Trauerspiel, die Darstellung ernsthafter Begebenheiten, erregter Leidenschaften und mit ihnen verbundener Handlungen, die unser Herz heftig zum Mitleiden und Schrecken reißen. Die Schau- undTrauerspielesind bürgerliche, wennsir die Vorfälle gebildeter Menschen in bürgerlichen Verhältnissen» heroisch, wenn sie die Geschichte und Begebenheiten deS Heldenmuths, religiöse, wenn sie Religionshandlungen, mythische, wenn sie die in der Mythologie erzählten Begebenheiten, und historische, wenn sie die in der Geschichte sich findenden Ereignisse darsteiien. 176 Scha ^ Bei der Darstellung theilt man gewöhnlich alle Schauspiele in A c- tus oder Aufzüge, wenn ein Haupttheil der dramatischen Handlung vorüber und das Theater von Schauspielern leer ist; hier werden die Zuschauer mehrentheils durch Musik — die freilich eigentlich zu dem Ganzen passen sollte — unterhalten. Die Auszüge theilen sich nun wieder in Gcenen oder Auftritte ab, je nachdem die Personen auf dem Theater mit andern abwechseln, oder bleiben, oder wieder hinzukommen rc. Scene heißt aber in seiner eigenthümlichen Bedeutung der Ort, wo die Handlung des Schauspiels verfällt; und in diesem Sinne hat das Wort entweder eine allgemeinere oder weitere, besondere oder engere Bedeutung, da sie entweder das Land und den Ort oder ins besondere den Platz, wo die Handlung vor sich geht , entweder unter freiem Himmel oder in einem Zimmer, Saale rc. anzeigt. Die Schauspielkunst. In welchem traurigen Zustande dieselbe in den früheste» Zeiten in Deutschland sepn mußte, das die Mönche gleichsam in Finsterniß gefangen hielten, indem es unter der Regierung andachtelnder Fürsten, unter der Wuth der Religionskriege seufzte, ersieht man schon aus der kurzen fragmentarischen Geschichte unter d. Art. Schauspiel. —Die Histrionen und Joculatoren, von denen man die erste Entstehung einer Schau pielkunst ableiten muß, wurden — als das Spanische Hosreremvniel unter Carl V. nach Deutschland kam, sich bald an alle kleinere Deutsche Höfe verbreitete und dem Deutschen Ernst eme Spanische Grandezza mitthciltc — durch Dekrete für ehrlos und anrüchtig erklärt, so daß selbst ihre Erbschaft nach ihrem Tode der Obrigkeit zufiel^fs. Sachsenspiel i.B. Art. 37). Unter solchen Umständen wurde die Schauspielkunst nur von den rohesten, un- cultivirtsten Leuten ausgeübt, die nur darauf sahen, oft zum größten Nachtheil der Sitten, die Zuschauer zu belustigen. — Schon zu Anfänge des siebzehnten Jahrhunderts lesen wir von Schauspieler-Gesellschaften, nahmcntiich der Treu i sch ett, als der ersten, besonders auch noch darum merkwürdig, daß der berühmte Dänische Ober-Hos- prediger ZohannLaßeniüs einer der vorzügli chsten Acteurs bei derselben war. Einer Sage nach soll vor dieser Truppe schon die eines gekrönten Poeten, Rahmens vonSonnenhammer, und die eines Carl Pauli (eines Obrisilieutenants-Sohns), welcher letztere sich mit mehrern studirten und wohlerzogenen Leuten verband, existirt haben. Die Entstehung mehrerer anderer Schauspieler-Gesellschaften finden wir im Taschenbuch für die Schaubühne ausgezeichnet. Magister Veltheim, der sich mit einigen Leipziger und Jenaischen Studenten verbunden hatte, brachte zucrst die extemporirten Stücke in Gang. Der spät erst in Deutschland rmporkeimende Patriotismus war besonders der Schauspielkunst nicht zuträglich. Ehe wir Dichter unserer Nation kannten » bewunderten wir in Schau-und Trauerspielen die -er fremden Nationen, besonders der Französischen; natürlich stellten nun auch die Schauspieler auf der Bühne uns fremde Sitten und Gebräuche dar. Da nun auch besonders durch Volt aire's Erscheinung der Geschmack an Französischen Schauspielen aufs neue begünstigt wurde; so mußten natürlich auch die Deutschen Schauspieler, wenn es deren gleich so manche brave gab, und wenn sie gleich — wie I ff- Sche >77 land sagt — weit besser waren als die Schauspiele, worin sie auftre- ten mußten , dennoch unbemerkt bleiben Endlich als Deutsche Dichter denn doch'auftraten, die jenen Ausländern entgegen gestellt werden konnten; als selbst der Uebermuth Französischer Schauspieler zu sehr um sich griff; die Oeconomie an mehrerer Deutschen Höfen nicht mehr ungeheure Summen an jene Franzosen verschwenden wollte; als selbst auch Patriotismus sich der Deutschen mehr bemächtigte: da wirkte dieß alles gemeinschaftlich zu Abschaffung der Französischen und zu Einführung der Deutschen Schauspiele. Mit Eck ho ff (nach Engels Ur- theil dem größten Deutschen Schauspieler) und der Seilerin in den Zähren 1740 u. folg, entstand nun wirklich Deutsche Schauspielkunst; sie waren die ersten, die richtige Ansichten von der Kunst» ! Charaktere in verschiedenen Verhältnissen darzustellen, aufgefaßt hatten. Ihnen folgten nun mehrere große Künstler, ein Schröder, ein Brockmann, Reinicke, Fleck nebst ihren Gattinnen, eine Uuzclmann i (jetzt Be thmann), ein Christ und — einJfsland. Was dieses große theatralische Genie für das Schauspiel ist, das findet man in dem eignen Artikel Jsfland. Menschenkunde ist der Inbegriff menschcnbildender Darstellung, wobei es besonders zweier Haupterfordernisse bedarf, des mündlichen Vortrags und der Geberden -Sprache. Zum mündlichenVor- trage gehört für den Schauspieler 1) ein gutes sonores Organ , um l jedem Worte die gehörige Wirkung durch den Ton zu geben, 2) ein ! gutes Gedächtniß. Das Geb erden-Spiel drückt sich durch alle bemerkbare Theile des Körpers eines Schauspielers aus» ist aber» so wie der mündliche Dorrrag, der Natur jedes darzustellcnden Charakters unterworfen; beide müssen die Darstellung in beständiger Harmonie liefern. Die veredelte Natur stellt uns der denkende Künstler auf der Bühne dar. Engels Ideen zu einer Mimik, Lessin gs HamburgischeDramaturgie, Jfflands Fragmente über Mcnschen-Darstellung auf den Deutschen Bühnen,B 0 ttchers Entwickelung dev Jfflandischen Spiels — nicht minder auch die neuen im Jahr 1802 abgefaßten Gesetzeund Anordnungen für das königliche Theater zu Berlin — enthalten die wichtigsten und nützlichsten Winke und Belehrungen über ^ diese Kunst. ! Schauer, eine Decke, desgl. ein bedeckter Ort, z. B. ein Wa- > genschauer, s. Remise, j Schechs oder Schicks, s. Beduinen, j 8clleija,8clieciula, (Lat. Zettel) ein kurzer Aufsatz, der noch weiter ausgeführt werden soll; j. B. von einem Kontrakt oder Ver, trage. 8ciie6» reslnmenlsris, ein letzter Willenszettel, kr 0 sciiellula disputiren, heißt auf Universitäten , einige, auf ein , einzelnes Blatt gedruckte Satze vertheidigen, welche Art zu disputiren ! eine Schedelvisputation genannt wird. — Sv^ieckiasma, eine kurze, flüchtig aufgesetzte Schrift. Scheerenrso werden die Seeklippen auf den Küsten in Schweden und Finnland genannt, besonders aber die vor Stockhhkn, welche Conv. Lex. Fünfter Band. M -78 Sche sich auf »6 bis 17 Meile» i»S Meer hinein erstrecken, und für die Einfahrt in die Häfen sehr gefährlich sind. 8cliekki e l li, eine Stadl in England an der Nordsee, unter deren Zi.goo Einwohnern sich viele vortreffliche Stahl- und Elseiiar- bciter desinden. Schehrezur, in Kurdistan, in der Asiatischen Türkei, ehedem die Hauptstadt der Kurden, besteht eigentlich aus lauter Felsenhöhlen. Die Scheidekunst, s. Chemie. Scheidemünze, kleinere Wechselmünze, z. B. Pfennige, Kreuzer, Dreier bis zum Groschen. Scheidewasser: diesen Nahmen geben die Künstler der schwächer» Salpetersäure, welche auS dem Salpeter durch Destillation mit gebranntem Vitriol oder Thon ausgetricben, und vorzüglich zur Scheidung des Goldes vom Silber gebraucht wird. Das gemeine und verkäufliche Scheidewaffer enthält gewöhnlich noch einen Antheil von Salzsäure und Vitriolsäure aus den Materien, dir man zur Bereitung augewrndel hak, die sich aber durch eine Siiberauflöfung in Salpetersäure abscheiden lassen: man nennt eS dann gefälltes Scheide wasser. Scheik, (Arab. eigentlich: Alter, Aeltester) heißt ein Unter- befehlshabcr bei den Arabischen Horden oder Stämmen. Desgleichen der Vorsteher eines Muhamedanischen Klosters. — Scheik.von Mecea heißt der Kürst von Mecca, welcher sich für einen echten Nachkömmling Muhameds ausgidk, und von den Karavanen Geschenke fordert. Der Scheitelkreis, s. Verticalkreis. Scheitelpunkt, s Zcnith. 8at,elburn, (Engl. Schelborn) eine Seestadt in Neuschotl? land im Brikkischeu Nordamerika, besieht aus Zooo regelmäßigen Hausern , und es wohnen in und um die Stadt auf Zoooo Menschen. Die Schelde (Franz. Lucaul), ein ansehnlicher Fluß in den Niederlanden, entspringt eigentlich i» der Picardie, und lheilt sich dann an den Brabantifchen Grenzen in zwei Arme, nähmlich die Oster-Schelde (welche von Bergen op Zoom an zwilchen den Seelättdischkn Inseln fließt) und die Wester-Schelde oder s« Uonll, welche Zeeland und Flandern scheidet; beide fasten nachher in die Nordsee. Bis ins sechzehnte Jahrhundert war diese Schelde wegen der außerordentlich weit getriebenen Schifffahrt für die Handlung äußerst wichtig, und oft befanden sich einige tausend Kauffarcheilchche darauf; allein Hollands Eifersucht brachte es dahin» daß (bei dem Miuisterschen Frieden >643) dieser Fluß geschlossen wurde, und sonach Handel und Schifffahrt sich wegzoge» (m. s. d. Art. Antwerpen). Selbst Josephs II. preiswürdige Versuche wegen Wiedereröffnung der Schelde (>784) konnten nichts ausrichtcn; dis endlich »ach 144 Jahren die Franzosen, nach Antwerpens Eroberung, sie 279z wieder eröffneten, und die Schifffahrt hier unter lautem Jubel frei gaben: allein man muß wohl mit Recht zweifeln, ob sie jemahls wieder in jenem Grade aufleden, und den Handel wieder l» hlnziehen werbe. Schelde-Dcpartemenr, s. Frankreich. Sche 179 Schell-Hammer, ein unten spitziger Hammer, womit der Maurer große Steine zerschlägt, Schema, (Lat. Gkiech.) ein Vorbild, Entwurf, Muster, wor- nack etwas gemacht wird. — 8 allem 3 Zenenlo^icum, der Stammbaum. Schematisch, Vorschrift - oder mustermäßig, nach dem Muster. — Schein atisiren, einen Begriff verstniilichen, durch Achnlichteir mit etwas Sinnlichen faßlich machen. Schematismus, die Fähigkeit sich Schemen oder Vorbilder zu machen. In der Philosophie ist Schematismus des reinen Verstandes die sinnliche Bedingung, unter welcher reine Verstandesbegriffe allein gebraucht werden können. Wer z. B. einen Triangel denken will, muß erst eine Vorstellung oder ein Bild eines Triangels überhaupt haben, in welches, wie in einen Rahmen, alle Triangel paffen; wer einen Hund denken will, muß erst das Schema eines vlerfüßigen Thie- res überhaupt haben, in welches alle vierfüßige Lhiere, wie in einen Rahmen, paffen; oder er muß sich erst die Gestalt eines vlerfüßigen ThiereS allgemein vorzeichnen, ohne auf eine einzige befondre Gestalt eingeschränkt zu sepn. — Das deutsche Wort: der Schemen, heißt so viel als: leeres Bild, Schatten, Larve. Schemhamph orasch, (Hebr.) ist nach der jüdischen Tradition ein verborgener, unbekannter Nähme GotteS, von welchem die Juden glauben, daß, wer solchen wisse, Wunder und unglaubliche Dinge damit hervorbriligen könne. Schcmnitz, eine ziemlich große, von 6 bis 7000 Menschen bewohnte Stadt, in deren Nähe man die meiste,! und die größten Ungarischen Erzbergwerke anlrifft, in welchen über Lc»ac> Menschen arbeiten. In der Stadt ist auch eine Bergschule. I. C. Scheu au, Professor der bildenden Künste und Director der Academie zu Dresden, geb. 1740 zu Scheuau bei Zittau (woher » auch den Nahmen statt seines eigentlichen Rahmens, Zeisig, annahm), einer der rühmlich bekanntesten Kupferstecher. In Dresden und Paris, wohin er den damahligen Direktor, von Silvestre, begleitete, erhielt er seine Bildung, erlangte in Paris durch mehrere Gemählde einen Ruf, wurde 177-» als Mitglied der Academie nach Dresden, 1772 als Oberauffeher bei der Pvrcellain-Fabrik zu Meißen, 1774 zum Professor, und endlich 1777 zum alrernirenden Di« rector der Academie ernannt. Er starb zu Ende Augusts 1306 zu Dresden. Schensi, eine Provinz in China, an der großen Mauer, ganz gebirgig, aber dennoch mit allen Bedürfnissen» nur nicht mit ReiS versehen. Die Golddergwerke und Goldflüsse werden nicht benützt. Scheol, (H>br.) daS Todtenreich, die Unterwelt, insgemein Hölle genannt, eben soviel als Orcus. Scheppenstädt, eine kleine Stadt im Braunschweigischen, nicht weit von Wvlfciibüttel. Die Scheppenstadter sind tznf gleiche Art berühmt, wie die Schildaer. Scherben, ein zu ToSlar und auf dem Harze gebräuchliches Erzmoaß von z bis 4 Ccntnern. Al 2 ,8o Eche Schi Scherbengericht, f. Ostracismus. Vcherbet, Serbet. Sorbet, ein kühlendes Getränk der Türken anS Wasser, Zucker, Citronensaft, Rosenwasser und ein wenig Ambra, unsrer Limonade ähnlich. öckerburn, (Engl. Scherborn) eine Stadt auf der Insel Nenkucket in Massachusctsbay des Nordamerikanischen Freistaats, deren Einwohner, auf 5000 Quäker und Presbyterianer, sich vom Wallfischfange nähren. Scherding, eine ansehnliche Stadt in Oberbaier» am Jnnfluß. Scherge, das altdeutsche Wort für Gerichtsdiener, Stadlknecht. Scherif, (Arab. edel, heilig) bedeutet bei den Türken einen Mann von hoher Würde, und ist besonders ein Titel der Nachkommen MuhamedS von feiner Tochter Fakime und ihrem Gatten Ali, die auch Emirs genannt werden. — Desgleichen heißt so eine Türkische Goldmünze, 1 Rthlr. 16 gr. oder Z fl. werth. 8cber2Lnäo, (Jtal. skerzando) in der Musik: scherzhaft, tändelnd. Schottland (Shettland, Zettland, Hittland): mit diesem Nahmen werden gewisse an der nördlichsten Spitze von Schottland gelegene Inseln (46 an der Zahl) belegt. Sie gehörten ehedem zu Dänemark, und kamen erst in der Folge an Schottland. Hat die Natur gegen irgend ein Land sich stiefmütterlich bezeigt, so ist es wohl gegen dieses. ES mangelt hier fast an allen Gütern, die zur Erhaltung und Bequemlichkeit des menschlichen Lebens gehören ; keine Baume — daher der höchste Mangel an Holz — kein Getreide, keine Fcldfrüchte; sogar Gras und Viehweide sind für mehrere dieser Inseln selten. Ihr Vieh ist äußerst klein. Nur wilde Vögel, vorzüglich Falken (wovon auch die Einwohner eine große Anzahl an den Falkenierer des Königs von England abliefern müssen), und dann besondere Fische allerlei Art find der einzige Reichthum dieser Inseln: Häringe — welche die Holländer hier am ersten und besten fangen — Lachsforellen, Aale, Meerkälber oder Seehunde, Walisische rc. Die vornehmern Bewohner oder Edelleure und Besitzer der Herrschaften sind insgesammt Kaufleute. Bei den Gemeinen besteht, hauptsächlich im Sommer, die Arbeit im Fischfang, auf welchen sie für ihre Herrschaft auszugehen verbunden sind. Zur Winterszeit fertigen sie e.ne Gattung von wollenem Luche und grobe gestrickte Strümpfe, die dann zu Anfänge des Juni an die zum Häringsfang dorthin kommenden Holländer verhandelt werden. Schiatik, das Hüftweh, die Lendengkcht, wie Jschiatik. Las Schiboleth: darunter wird irgend ein Wort oder ein Ausdruck verstanden, wodurch man sich verrakh, daß man nicht zu einer gewisse» Parlhei gehöre. Es war dies nähmlich daS Wort, welches, zu Folge der biblischen Erzählung (B. d. Richter Xll. 6.), die lispelnden Ephraimiter, auf die Anfrage der Gilcaditer, nur Si beleih aussprechen konnten; dadurch verricthen sie sich, und wurden alsdann von diesen an dem Jordan sofort niedcrgemacht. Der so Erschlagene» waren damahlS an 42,000 Mann. Schi 181 Schicht, die Arbeitszeit der Berg- und Hütttnarbeitcr von vcrschicdner Länge; z. B. von 4 oder 6 Stunden. Schicht halten heißt: die Arbeiten zur festgesetzten Stunde anfangen und beendigen. Schicht machen: zu arbeiten aufhören. Schicht verfahren, die aufgegebne Arbeit verrichten. Schicht werden heißt bei einem Bergmanne: wegen Krankheit oder Unvermögen nicht mehr arbeiten können; bei einem Berggebäude: wegen cingetretner Hindernisse zur Bearbeitung untauglich werden. — Schichtmeister ist bei jedem Berggebäude ein Beamter, welcher die Zubußen einnimmt, die Rechnung bei der Zeche führt, für Anschaffung der nöthigen Baumaterialien . nutzbare Führung des Baue-, und überhaupt das Beste der Ge- werkschaft sorgt. Schiebungs-Herren heißen zu Haste in Schwaben gewisse Rathsherren, welche kleinere Händel und Vergeben entscheiden. — Schiebung nannte man sonst auch sowohl den Todestag Jesu, als Mariä HimmclfahrtStag; in welchem Gebrauche es so viel als Drr- scheidung oder Abschied bedeutet. Schiefer-Spath, ein aus sehr dünnen Blättern bestehender Spath, welches weich, gemeiniglich milchfarbig, uud beinahe halb durchsichtig ist. Schießpulver ist eine sehr genaue und innige Mischung von Salpeter, Kohlen und Schwefel, weiche mit äußerster Geschwindigkeit Feuer fangt, und dabei, wenn sie eingeschlossen ist, eine gewaltige Explosion veranlaßt. Der Gebrauch desselben in der Geschützkunsi, Feucrwerkerkunst und beim Bergbau ist astgemein bekannt. Nach der gemeinen Sage setzt man dessen Erfindung in daS vierzehnte Jahrhundert, und schreibt sie einem Deutschen Mönche, BartholdSchwarz, zu; nach Beckmann aber wurde eS schon im zwölften Jahrhundert im Rammelsbcrge bei GoSlar zu Sprengung deS GestcinS angewendet. Len Chinesen soll der Gebrauch des Schießpulvers noch eher als den Europäern bekannt gewesen seyn. Der Zufall, daß die Entzündung des Pulvers einen Stein, womit Schwarz die in dem Mörser befindlichen Desto,,dtheile des Pulvers rieb, in die Höhe warf, hat Gelegenheit gegeben, das längst bekannte Schießpulver zum groben Ge- schütz anzuivcnden, aus dem man anfänglich steinerne Kugeln schoß oder wart; daher ist auch die Benennung der Mörser entstanden. Man fertigt gemeiniglich dreierlei Schießpulver, als Kanonenpulver, Musketenpulver und Bursch - oder Jagdpulver; bei asten diesen ist daS Verhältniß der Theile verschieden. Diese Ingredienzen werden auf dem Pulvcrmühlen unter gelinder Anfeuchtung klar und zu Me bl Pulver gestampft, dieses mittelst deS Durchdruckens durch ein Sieb gekörnt, durch Umdrehung in einer Tonne geglättet, und in der Wärme getrocknet. In der hierdurch entstandenen körnichte» Masse ver, pufft der Salpeter mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit, so, daß die größte Menge dieses Pulvers durch Entzündung eines einzigen Körnchens in einem Augenblicke aufstiegt, und durch den plötzlichen Ueber- fiuß der dabei entwickelten elastischen Materien die schrecklichste» Wirkungen hervorbringt. Nach Fonkana Versuchen soll sich aus r Kud. Zoll Pulver 2276 Kub. Zoll Gas entwickeln. 182 Schi Schießscharten, nennt man in den Festungsmauern die größer» Oeffnungen, durch welche die Mündung der Kanonen hervorragt. Die kleinern» durch welche mit dem kleinen Gewehre geschossen wird, heißen Schießlöcher. Schiff heißt, außer der bekannten Bedeutung, der mittlere größere Thcil einer Kirche von der Halle bis an den Chor, wo der Altar steht. — Bei den Buchdruckern: ein langes viereckiges Bret, auf welches der Setzer die im Winkelhaken gesetzten Zeilen schiebt, und zu Col.nnnen bildet. — Schiffbrücke, eine aus mehren, zusammengesetzten Fahrzeugen bestehende B:ücke. — S ch i ff kl a r i r e r, ein Be- frachtimgSmäkler. — Schifflast hält 2 Tonnen oder 40 Ckr. Die Schifffahrt, oder das Befahren der Meere, Seen und Flüsse zu Schiffe, um Personen und Waren an bestimmte Orte zu bringen, ist für die menschliche Gesellschaft unstreitig einer der wich, rigsten Gegenstände. Sei eS nun in Hinsicht auf die nähere Znsam- nrenfübrung der Menschen zu einander, oder auf die weitumfassciide Ausdehnung der Menschen - und Völkerkunde, oder in Hinsicht auf die unermeßliche Ausbreitung des Handels, oder endlich auf die vielfältigen Entdeckungen und die Erweiterung menschlicher Kenntnisse — in jeder Hinsicht bleibt die Erfindung der Schifffahrt eine der wohlthätig- sten für das menschliche Geschlecht. Für die Urheber der Schifffahrt hält man die Phö n i ci e r, die wenigstens, so viel aus der alten Geschichte bekannt ist, das Mittelländische Meer bis nach Spanien befahren haben. Daß man mit den kleinsten Versuchen den Anfang machte, läßt sich nach dem Gange der meisten wichtigen Entdeckungen folgern. Wahrscheinlich sah man zuerst Stücken Holz auf dem Wasser schwimmen: und bei der Nothwendigkcit, über Flüsse und Seen zu setzen, versuchte man nun auch durch Znsammenfügung mehrerer Stücke Holz fortzukommen; so entstanden Fähren oder Flöße, auf die man trat, um über Flüsse zu setzen. (Auch die ersten Fahrzeuge der Deutschen waren hohle Bäume.) Anfänglich folgte man bloß den Ufern; wurde man vielleicht durch Stürme von denselben verschlagen, so mußten nun die Sonne und die Gestirne zu Hülfe genommen werden, um den Lauf wieder zu finden. Hatten Ungewitter oder andere Unfällejene verborgen; sohatte man Vögel in Vorrath, welche man fliegen ließ, um ihrem Fluge nachztlfolgen, weil man voraussetzte, daß sie aus einem natürlichen Hange der Gegend ihres Landes zufiicgen würben. Nachdem nun vollends die Magnetnadel und der C 0 mpaß (m. s. diese Art.) erfunden worden waren, so konnten die Seefahrer vermöge des Compasses die verschiedenen Himmelsgegenden, selbst bei Nacht und trüber Witterung, erkennen, und sich nun also auch außer dem Gesichte des Lande- auf das Hobe Meer wagen. Die Entdeckung beider Indien gab Veranlassung, die Schifffahrt mit immer grö- ßerm Eifer zu betreiben; und Spanier, Portugiesen, Engländer und Holländer kannten nun kein höheres Ziel, als sie zur höchsten Doll« kommenheit zu bringen: und wirklich bat man denn auch dieses Ziel beinahe erreicht. Die immer höh^r gestiegene Schiffbau - und Schifffahrts-Kunst — welche letztere, da sie vermittelst der Seekarten, der Magnetnadel oder des Compasses, deS Bleiwurfs, durch gute Beob- Schi 18 Z achtung der Winde, durch Führung der Segel und de- Steuerruders, endlich noch durch die Beobachtung der Sonne und der Sterne ausge» übt werden muß, allerdings von der größten Wichtigkeit ist — hat die Gefahr, welche ehedem mit der Schifffahrt verbunden war, sehr vermindert. Die wichtigsten Entdeckungen stad von den Europäern in den übrigen Welttheilen bloß durch die Schifffahrt gemacht wor- den. Ader das allerwichtigste — die Vervollkommnung des Handels — ist einzig das Werk der Schifffahrt; denn nur in einem Seestaate, der beträchtliche Hafen hat, und wo jene auf einen guten Fuß gesetzt ist, blüht die Handlung am stärksten; daher denn auch daS Bestreben der Beherrscher der Lander, die Schifffahrt auf alle Arten zu befördern; daher die Anlegung so mancher Canäle — ein bedeutendes Beförderungsmittel der Schifffahrt — um einen Fluß in den andern, ein Meer in daS andere zu leiten. Schon Carl der Gro- ß e machte Versuche, die Donau mit dem Rhein und Main zu vereinige»; Friedrich Wilhelm der Große von Brandenburg vereinte die Oder mit der Spree, und mit dieser die Elbe; in Frankreich wurde unter Ludwig XlV. der große Canal durch Guienne und Languedoc angelegt, um daS Mittelländische Meer mit dem Atlantischen zu vereinigen. —- Auch die Anlegung von Schulen, worin Seeofficiere gebildet werden (und welche zuerst Richelieu in Frankreich unter Ludwig XlV. errichtete) diente immer mehr zur Beförde» rung jener Zwecke; und die Scbiffskunst — welche eigentlich zuerst von ! den Franzosen.in wirkliche Regeln gebracht worden ist — steht jetzt gewiß auf dem höchsten Grade der Vollkommenheit. — Der Seege- fetze, wodurch das Recht zur See näher bestimmt wird, ist schon bei dem Art. RhoduS Erwähnung geschehen. ^ Schifffahrt-.Acte, s. NavigationS-Acte. Die Schiffmühlr ist eine solche Mühle, welche auf einem platte» Fahrzeuge erbaut wird, und auf den Strömen von einem Ort zum andern gefahren werden kann, damit ihr Wasserrad von dem daran schlagenden Strom gehörig umher getrieben werde. Eine sol- che Mühle hebt und senkt sich Nttt dem steigenden und fallende» Wasser, muß aber mit starken Seilen oder Ketten, entweder an das Land gehangen und befestigt, oder tüchtig verankert werden. Schiffnobel, s. Heinrichsnobel. — Schiffpart, der Antheil an einem Schiffe. — Sch iffp atro», der Schiffherr. Das Schiffpfund ist ein Gewicht, in ollen Handelsstädten an der Ost - und Nordsee gebräuchlich, nach welchem schwere Lasten gerechnet werden. Es ist zwar nach Verschiedenheit der Orte ebenfalls verschieden ; doch wird es gemeiniglich auf z Ccntner oder 20 Lispfund — jedes zu ig gemeinen Pfunden — mithin z» Z»o Pfund gerechnet. Die Schiffrose, s. Windrose. Schiffoniren, (Franz.) zerzausen, verwirren, z. B. Haare, Manschetten. Schiffwerft, ein Schiffsbauplatz, Schiffszimmervlatz. — Schiff ziehen, beladene Fahrzeuge den Strom aufwärfS ziehen. 184 Schi war eine vom Kaiser Joseph II. statt der Lebensstrafe eingeführkc Strafe, da s Züchtlinge mit eisernen Ringen um den Hals und Leib an eine Stanqc gefesselt, daS Schiff fortziehen mußten. Diese Arbeit war so beschwerlich, daß in Z Jahren der dritte Lheil starb. Schilda, eine kleine Stadt im Sächsischen Churkreisc zwischen Torgau und Oschatz. Die Einwohner derselben haben bekanntcrmaa- ßen einen auSgebreitcten Ruf erholten. Schild-ci'or, Schild-I-ouis.ll'or, eine Französische Goldmünze, 6 Rthlr. 4 Gr. oder r Carolin, von dem ausgeprägten Wappenschilde so genannt. — Schildlaus, ein kleines rundliches, beschildeteS Insekt. — Schild zapfen, die beiden metallnen Zapfen an der Kanone, mit welchen sie auf den Löffelten ruht. Schildknappe (Schildträger, Wapener, Junker) hieß im Mittelalter derjenige junge Mann, der unter den Befehlen rincS wirklichen Ritters stand, um sich unter seiner Leitung zum Krieasdienste sowohl als zu den Ritterspielen vorzubereiten. — Es ist geschichtlich zu erweisen, daß, nachdem in der letzter,, Hälfte deS eilften Jahrhunderts in Deutschland die Rikterspiele (Turniere, deren Ursprung jedoch in Frankreich zu suchen ist) aufgekommen, und bald allgemein beliebt geworden waren, dieselben als Vorbereitung zum wirklichen Kriegsdienste ordentlich zunfkmäßig getrieben und behandelt wurden (ocrgl. den Art. Rltterspiele), und daß ein Jeder, ohne Unterschied der Geburt, der einst Ritter seyn und heißen, und als solcher einmahl bei Ritterspielen erscheinen und kurniere» wollte, allen und jeden deshalb bestehenden ausdrücklichen und stillschweigenden Verfügungen der agirenden Glieder sich unterwerfen mußte. Diese Ritter theilken sich orbrntlich in Nationen, und jeder derselben stand rin angesehener und beliebter Ritter vor, welcher Ue-e torr-ea» msati, Turnierkönig, hieß, und welchem jeder andere Ritter, wenn auch von noch so hoher Geburt, untergeordnet war. Jeder Ritter (miles) aber hatte nun wieder dergleichen junge Männer um ter sich, die, weil sie noch nicht znnftgerechte Ritter heißen konnten, bloß Schildknappen genannt wurden, und als Lehrlinge zu vielen Obliegenheiten gegen den Ritter, als ihren Meister, gehalten waren, z. B. an den Turnicrtagcn zu Nachwägung der ritterlichen Waffen und zu Herbeischaffung deS ganzen Apparats, außer den Turnier- tagcn aber zur Aufwartung und Bedienung ihres Meisters auf seiner Burg oder in seinem Schlosse. Dieser Dienst war in den Augen der alten Deutschen so ehrenvoll, daß selbst junge Fürsten sich gern demselben unterzogen, wäre auch der Meister von minder hoher Geburt gewesen. So blieb der junge König von Pohlen, Boleslav» nachdem er schon die Regierung angetreten hatte, noch Schildknappe des Kaisers Heinrich ll. und nur erst nach einiger Zeit ward er, wie es sich gehörte, vermittelst feierlichen Ritterschlags Meister in seiner Zunft. Ja selbst Wilhelm Graf von Holland mußte, da er bei ssiner Wahl zum Römisch-Deutschen Kaiser »och sehr jung und vermöge feiner Jugend noch Schildknappe war, von dem damahlS regierenden König von Böhme», als Lurnierkönige, unter den Rittern Schi 18L seiner Nation sich zum Ritter schlagen lassen; älterer und neuner Beispiele nicht zu gedenken. Um nun Schildknappe und dereinst Ritter zu werden» war bis z» des Kaisers Friedrich ll. Zeiten, außer der freien Geburt und außer dem Ritterstande nöthigen Lebensunterhalte, nichts weiter erforderlich; allein dieser Kaiser verordnet?, daß künftig nur diejenige» za Lehrlingen der Ritterspiele und Ritterdienste angenommen werden könnten, welche entweder von Rittern geboren wären, oder die der , Kaiser wegen ausgezeichneter Verdienste mit diesem Rechte begünstigen würde. Und bei dieser Verordnung ist es auch geblieben, lo lange in Deutschland Turniere gehalten worden sind, näbmlich bis zu AuSgange des sechzehnten Jahrhunderts; mithin konnten seit die ses Kaisers Zeiten bloß Junge vom Adel Schildknappen wer- , den, und die eigentliche Rittercarriere machen. Von dem Meister des jungen Knappen hing eS dann ab, ihn zum Ritter zu machen, oder besser, ihn fetrrltch zum Rittefchlage zu lassen, und also ihm das ! Recht zu verstauen, daß er an den Ritterspielen aiS agircndes Glied ! Theil nehmen durfte; dieß geschah den» aber auch unweigerlich, sobald der Ritter an seinem Kn ippen das dem Rikkerstrnde nöthige Betragen verspürte. Bon dem Riterschlage s. den Art. Die Schildkröte (tsslu6c>) ist ein vierfüßiges, im Wasser und auch auf der Erde lebendes Tdier, dessen Leib mit zwei harten Schaaken wie mit Schilden bedeckt ist, zwischen denen der Kopf, der Schwanz und die vier Füße beroorstehen. Diese Schaaken oder hornrrkigen Blätter nun—> auch Pad den genannt — werde wegen ihrer schönen Farben und der vortrefflichen Politur, die sie anneh men, zu vielen Kunstsachen kn Menge verarbeitet. Die Schlippenschilde geben das schönste Schildpadd, haben einen halb durchsichtigen, hochgelben Grund, mit hell-und dunkelbraunen Flecken schattirt. Die mehresten bringen die Engländer und Holländer auS Ostindien, die Spanier, Franzosen und Dänen aber aus ihren Amerikanischen und Westindischen Besitzungen mit. Schon im Orient war es gewöhnlich, die Bettstellen der Großen damit auszulegen. Carbilius Pollio brachte zuerst den Gebrauch nach Rom, daß man die Schilder der Schildkröten in Scheiben schnitt und die Bettstellen damit zierte. Schill (Ferdinand von) königlich Preußischer Major, geboren ! 1773 zu Sotthof in Schlesien auf dem Gute seines VaterS. der ein geborner Ungar war. Im Jahr 1789 kam er zu einem Hufarenre- gimente und im folgenden zum Dragonerregimente der Kiniginn. Am 14. Oktober 1306 in der Schlacht bei Jena wurde er gefährlich verwundet und nach Kolberg gebracht. Von seinen Wunden genesen machte er mit 6 Husaren kleine Streifzüge und machte dabei mehrere Franzosen zu Gefangenen. Dieß erwarb ihm Ansehen, und bald l hatte er ein Freikorps beisammen, bas sich täglich durch Ranzionir- te vermehrte. Im Januar 1307 gab ihm endlich auch der König die Authonsation dazu. Er ging nach Schwedischpommern, um im Rü- ! cken der Franzosen zu agiren, als der Tilflter Friede erfolgte. Der ! König ernannte ihn zum Major und er kam nach Berlin. Beim Schi Ausbruche deS Kriegs mit Oesterreich zog er am 2Z. April 1809 Abends mit 600 Mann von Berlin aus, und zog nach Wittenberg Halle, und Magdeburg. Der König von Preußen äußerte sein Mißfallen , und der König von Westphalen setzte einen Preis von lo,no» Franken auf seinen Kopf. Aber bei Stralsund trafen ihn 8000 Holländer und er wurde am z,. Mai in dieser Stadt getödtet. Friedrich von Schiller (Herzogl. Sachs. Weimarischer Hof. rath), einer der ersten unserer Deutschen Dichter, hatte Wirtemberg zn seinem Vaterlande. Er (ein Sohn deS Comn,andante» auf der Solitüde im Wirtembergischen) wurde zu Marbach den 10. November 1759 geboren. Schon in seiner frühesten Jugend pflegte er sich düster in sich selbst zurückzuziehen, und jede Schranken der wirklichen Welt waren ihm peinlich und unausstehlich. Er wurde gcivis- sermaaß?» von den Seinigen dazu bestimmt, Chirurgie zu studiren; allein mit feinen Studien als Arzt wollte es nicht vorwärts, weil er — ganz heterogene Wissenschaften studirte. In einem militalrischen Institute, der Carls - Akademie zu Stuttgard, sollte er seine erste Bil- j düng erhalten; aber gerade hier mußte er die Fesseln, die seinen Geist einengen wollten, am stärksten fühlen. Seine Einbildungskraft, leine brennende Neigung für Poesie fanden unter diesem Drucke und durch diesen Zwang nur noch mehrNahrung: und Shakespear, mitdem er sich in sehr frühem Alter bekannt machte, beschäftigte seine ganze Seele; ihm widmete er seine ganze Verehrung, sein ganzes Stadium. Au dem nachher als Compouist berühmt gewordenen Zumsteeg batte er einen einzigen trruen Freund, in dessen Busen er seine glühenden Gefühle ausschütken konnte; — so entstand sein erstes merkwürdiges Product, die Räuber, von dem er selbst nachher gestand, daß, unbekannt mit Menschen und Menschenfchicksal, sein Pinsel nothwen- dig die mittlere Linie zwischen Engel und Teufel verfehlen — ein Ungeheuer hervorbringcn mußte. Er ward als Verfasser dieses Stücks bekannt und — aus jenem Institute verstoße»! Er floh nach Manheim. wo er anfangs sich als Regiments-ChirurguS anstellen ließ. Mit Schubart — de« gleicher Haß gegen Despotismus beseelte — stiftete er auch innige Freundschaft. DamahlS erschien seine Anthologie (1782); und nach einiger Zeit betrat er wider die dramatische Dichterbahn, wobei ihm eben dieser sein Aufenthalt in Manheim, wo er bald als Theaterdichter angestellt wurde, und sein Umgang mit Dalberg. Jffland rc. noch mehr Veranlassung ward, > diese Laufbahn zu verfolgen. Sein Fiesk 0 und bald auch Caba- ^ le und Liebe, das er in seinem 25. Jahre schrieb, wiesen ihmeinen Platz unter den ersten Dichtern Deutschlands an. — Daß seine eigne Individualität an den großen Wirkungen, die seine Tragödien auf Leser und Zuschauer hervorbrachten, den meisten Antbeil hatte, ist gar nicht zu läugnen. Seine nntcr dem finstersten Drucke dahin, i gebrachte Jugend, seine so früh schon gemachte,, traurigen Erfahr»»- l gen, die Resultate, die er sich selbst beim Lesen der Geschichte zog— > das alles hatte den fürchterlichsten Einfluß auf seine Dichtungen: hier- ! zu kam das Lesen feines Lieblingsdichters Shakespear, wodurch bei seinem ohedicß großen Hange zum Furch.'baren seine Phantasie noch Schi >87 ungleich mehr genährt wurde. Während er sich voll Ernst und Eifer der Philosophie widmete — die philosophischen Briefe von Julius und Raphael waren Erzeugnisse dieser seiner Liebe zur Philosophie — verlor er doch die tragische Bühne nicht aus dem Gesicht. Als Mitglied der Churfnrstl. Deutschen Gesellschaft zu Manheim hakte er Gelegenheit, über diesen Gegenstand tiefer nachzudenken; und es entstand nach und nach sein Don Karlos, den er zwar, als er Manheim verließ und auf einige Zeit nach Mainz, dann aber nach Sachsen ging, noch nicht zu Ende gebracht hatte, dessen Bruchstücke aber, wie er sie damahls in der Rheinischen Thalia gab, daS Meisterwerk ahnen ließen, daß er nachher bei seinem wechselseitigen Aufenthalte in Dresden und Leipzig vollendete. Seine eigentlich gelehrte Epoche fing im I. >789 an, wo, nachdem er einige Zeit zuvor seinen Aufenthalt in Leipzig (oder viel- mebr Goblis) mit dem in Weimar vertauscht hakte, durch Göthe's Vermittelung er als Professor der Philosophie nach Jena berufen wurde. (Schon zwei Jahre zuvor hakte ihm der Herzog von Weimar den Raths-Charakter ertheilt.) Hier, durch die angenehme Lage von Jena noch mehr begünstigt, war er mit literarischen Arbeiten unermüdet beschäftigt: und dem Zeiträume von wenig Jahren dankte man mehrere seiner historischen Werke, z. B. die wichtige Sammlung der Memoires—die unübertreffliche Geschichte deS d r eißig jährigen Krie ge S , die ihm, nach Wielands Ur- tbeil, einen Platz neben Hume, Robertson und Gibbon anweiset — seine, leider! unvollendet gebliebene Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande rc. Allein hier legten auch, leider! die ununterbrochenen Anstrengungen seines Geistes den Grund zu seinem körperlichen Hinstnken! Eine schwere Krankheit im Jahr 179» hakte ihn schon dem Grabe näher gebracht; und obgleich dieß- mahl noch gerettet, blieb doch seine Gesundheit von jetzt an immer schwankend. Indessen, kaum wieder hergestellt, widmete er sich dem Studium KantS, welcher damahls in seiner Kritik derUr- theistskraft für die Naturforschung und Aesthetik neue Bahnen brach; Schiller trug durch seine geistreichen Erörterungen, die er damahls über mehrere Gegenstände dieser Art schrieb, sehr viel zur Verbreitung der Kantischen Ideen über Aesthetik bei. In diesem Zeiträume war es auch, wo Schiller sich mit seiner würdigen Gattin, einer Fräul. von Wollzogen, vermählte, die er vorher bei ihrem Bruder, auf dessen Gütern im Meiningschen er sich einige Jahre aufhielt, hatte kennen lernen. — Sechzehn Jahre lang hatte nun, während er so vielen Antbeil an den von Jena ausgehenden Reformen der Philosophie nahm, und durch sein fortgesetztes Studium der Muster des AlterthumS sich dem Zeitpunkte vollendeter Reife näherte, seine Ausübung der tragischen Kunst geruht: ihr widmete er sich nun wieder; und es erschien sein Mallenstein, seine Maria Stuart, die Jungfrau von Orleans, die Braut von Messina, Wilhelm Tel! rc. Was auch die Kritik über die Stücke in Ansehung der Materie und Form zu tadeln sich berechtigt glauben mag» so ist doch die erhabene Sprache, die Fülle der Gedanken, die reiche 188 Schi blühende Phantasie darin der höchsten Bewunderung '«verth. Unter den letztem haben übrigens die Jungfrau von Orleans und die Braut von Messina das Auszeichnende, daß jene eine ro. mantisch- Tragödie und diese ein Versuch ist, den Chor der Grieche» wieder auf unserer Bühne einzuführen. Im Jahr izai verließ er wegen seiner schwächlichen Gesundheit, auf Anratyen der Aerzte, Jena, und lebte dann bloß für sich in Weimar; aber auch zurückgezogen wurden doch seine Verdienste anerkannt, und ihm im Jahr rZor das Adelsdiplom — wenn ander- diese äußere Ehre die Verdienste eines Schillers noch mehr hervor- ^ zuheben im Stande war — zugefendet. Leider! genoß er jene stille Zurückgezogenheit nicht lange; ein Nerven - und Brustfieber endete im Jahre > 80 L den y. Mai fein Leben! Die Nachricht von diesem Todesfälle war ein Schlag, der sich elektrisch von Ort zu Ort verbreitete — unstreitig das beredtste Denkmahl, das diesem großen Geiste aufgestellt werden konnte! Gewiß war Schiller eines der größten, eines der merkwür- , digsten Genien. An ihm ging die Prophezeihung Lessings (dessen Tod gerade in die Zeit der ersten Blüthe von Schiller fiel) in Erfüllung, daß Shakespear noch ganz andere Köpfe unter uns erwecken würde, als man von den Franzosen zu rühmen wisse, — Da- Drama hat unstreitig unendlich durch ihn gewonnen, durch ihn ist das ! Gebiet desselben merklich erweitert worden. Aber ihm widmete auch Schiller seine meisten Kräfte; davon machte auch in seiner letzten Le- benSperiode besonders das Weimarische Theater, dem er so viel thätige Sorgfalt und Theilnahme schenkte, die erfreulichste Erfahrung: auch bemerkt mit Recht einer feiner trefflichsten Charakterzeichner (in der schätzbaren Leipziger Literatur-Zeitung von izoz, Nr. 92), daß Sch. nur ganz für die tragische Kunst geboren war, und daß feine Trauerspiele der Kern aller seiner poetischen Werke seyen. — Bemerkt auch gleich der Verehrer Shakespear-, daß Sch. diesen sich zum Vorbilde genommen, so ist doch deS Eigenthümlichen bei ihm so viel, daß er weit entfernt von einer bloßen Nachahmung ers»'int. Reiche Phantasie, kühne Bilder, Diktion, lebendige Charakterzeichnung , Ueberraschung, die er oft berbeizuführen weiß —. alles gibt feinen Tragödien einen außerordentlichen Nachdruck, und bringt die höchste, die stärkste Wirkung hervor. — Aber auch in seinen Gedichten erscheint Schiller gleich bewundernswürdig: wer kennt nicht sein schönes, herzerhebendes Lied an die Freude? das herrliche Lied von der Glocke? wen erfüllen nicht die Kkndesmörde- rin — Freigeisterei der Leidenschaft — die Hymne an den Unendlichen — die Götter Griechenlands — Resignation und noch so viele andere edle, treffliche Poesien mit Bewunderung? wen fordern sie nicht zum innigsten Beifall auf? Aber in allem, was er schrieb, ist hauptsächlich sei» großes Streben nach höchster Veredlung, sein Feuereifer für Wahrheit überall sichtbar. „Kein Dichter der neuesten Zeit" — so sagt ein anderer einsichtsvoller Darsteller von Schillers Verdiensten im Intel!. Bl. Schi i 8 y zur Hall. Mg. Lit. Zrit. von igo« dessen Schilderung jum Theil wir auch hier zum Grunde dieses schwachen Abrisses gelegt haben) — „kein Dichter der neuesten Zeit hat mehr — wenige, sehr wenige nur so viel wie Er durch die Macht des hohen, reinen Gesanges, und so kräftig, so schön in die Bildung des Zeitalters eingegriffen." An Schillern als Mensch erlitte» auch seine Freunde — über alles aber seine Gattin — einen unersetzlichen Verlust. Einfache Größe, liebevolle Freundlichkeit, ein Herz voll Liebe und Güte, Offenheit und Biederkeit — dieß olles machte denen, die ihn näher umgaben, seinen Umgang beneidenswerkh. — Die vielfachen Versuche, sein Andenken nach seinem Tode zu ehren, geben den schönsten Beweis, was dieser große Mann für unsere Nation war. In wie fern der von dem würdigen Herausgeber der Nation al-Zeituna vorgeschlagene Plan, den Ertrag, welcher bei der diesem großen Entschlafenen zu Ehren gehaltenen Todtenfeier auf mehrern Bühnen Deutschlands eingekommen, zum Ankauf eines Landguts für seine Nachkommen (er hinterließ vier Kinder), unter dem Nahmen Schillers Ehre anznwendeii, zur Reife gedeihen werde, muß die Zukunft lehren, obgleich nach dem letzter» Bericht des gedachten Her- ausg. «och manches Hinderniß im Wege zu stehen scheint. Schilling ist eine Deutsche, »Heils wirkliche, theilS Rechnungs-Münze, welche man von de» ehemahligen Römischen Svli- diS herleitet (wovon auch die Französischen Sols oder Sous,in- glcichen die Italienischen Soldi re. herstammen). In Deutschland ist sie thcils in Golde als Gulden , theils in Silber als Schilling ausgeprägt worden. Ehemahls war ein alter Schilling von feinem Silber 20 bis 24 Groschen werth; daher denn auch diese Schillinge, so wie die nachher erfolgten Groschen, bis zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts die größten Gilbcrmünzen im Deutschen Reiche waren. Die gegenwärtigeu Schillinge sind nun hiervon sehr verschieden; wiewohl eS heut zu Tage schwerere und leichtere gibt, die an verschiede, nen Orten in verschiedener Währung stehen. Bon jenen, dev schweren , machen gemeiniglich sechs Stück einen Reichsthaler; von den leichten hingegen hält das Stück zwölf, wohl auch nur sechs Pfennige. In Ansehung der ausländischen Schillinge rechnet man den Brabanter Schilling ungefähr Z ,/s Groschen Sächsisch , den Englischen (12 Pence haltend etwa, 71^; bis ,?2 Groschen. Schimmel heißt bn den Buchdruckern ein Bogen, welcher aus Versehen nur auf Einer Seite bedruckt worden. Schiras, am Persischen Mlcrbusen, eine von de» größten und schönsten Städten in ganz Persien, wegen ihres Glases, ihres Wei, ms und ihrer Granatäpfel berühmt. Es ist hier auch eine hohe Schule. Schirm-Vogt, der Schutzbcrr eines Stiftes oder Ortes; auch ir einigen Gegenden Oberdemsä lands ein Vormund. Schirschr» eine ganz ansehnliche Stadt in Obrregppten/ nicht weit vom Nil. 9 » Schi Schl Das Schisma (Gesch.): man bezeichnet mit diesem Ausdrucke die Uneinigkeiten und Spaltungen in der Kirche, wodurch die oberste kirchliche Gewalt unrechtmäßiger Weise aufgehoben oder unter mehrere verlhcilt wird. Das größte Schisma entstand unter den Päp. sten im vierzehnten Jahrhundert» nachdem GregoriuS VI. den Sitz des päpstlichen Stuhls von Avignon nach Rom zurück verlegt halte. Die Spatrnngen dauerten vom Jahre 1379 bis zum Jahre 14.19, worin, sich Nicvlaus V. mitseinemGegncr Felix friedlich vergliech. Während dieser Zeit stritten sich immer zwei Päpste um die Krone, ein-- mahl sogar drei : keiner ließ eS an Bannbullen und Interdikten fehlen; uuv so mußten diese geistlichen Züchtigungsmittel an ihrer Wirksamkeit verlieren» weil die Völker nicht wußten, ob der Papst in Italien , oder der in Frankreich, oder in Spanien der rechtmäßige scy. Selbst die Kircheiiveriammlungen zu Pisa (1409) und zu Costnitz (14,5) konnten dem Unwesen nicht steuern, und man verdankte die endlich wieder hergestellke Ruhe vur der Mäßigung der beiden oben genannten letzten Gegenpapste. Schiyten s. Mohamedaner. Schlabber» Slabber, (Holl.) ein geräucherter Hering; desgl. ein kleines Heringsschiff. Die Schlacke heißt beim Bergbau das im Feuer geschmolzene Gestein und Überhaupt jede Unreinigkeit, welche bei Bearbeitung der Mineralien im Feuer sich absondert, und nach ihrer Erkaltung eine glasartige Gestalt bekommt. Sie schmilzt zwar im Feuer, löst sich aber «m Master nicht auf. Daher rührt auch daS Schlackenbad, welches ein nachgemachtes warmes Bad ist, indem heiße Schlacken von dem Roh-und Schwarzkupfcr in daS Wasser geworfen werden und dadurch dasselbe heiß gemacht wird. Man braucht es bei verschiedenen Krankheiten als sehr heilsames Mittel. Schlackenwald, ein Ort in Böhmen an der Eger, bei welchem ein Zinnbergwerk ist. Der Schläge sch atz wurde sonst theils der Pacht, welchen ein Münzmeister dem Landeshcrrn von dem Ertrage der Münze geben mußte, theilS die Abgabe genannt, welche an den Landeshcrrn für das Recht, münzen zu dürfen, entrichtet werden mußte; endlich hieß es auch eine Abgabe der Untcrlhancn an den Landesherr», die Unkosten der Münze zu bestreite», wogegen dieser sich verpflichten mußte, den Gehalt der Münzen nicht zu verringern. Und eben daher rührt noch in manchen Ländern ein gewisser Zoll von Waren, eine Abgabe vom Getränke rc., welche Schlage Schatz, oder Schlagel-Sch atz genannt wird. Schlag-Loth, eine aus Messing und Zink bestehende dünngeschlagne Masse, welche die Goldarbciter zum Lothe» gebrauchen. — Schlag-Wasser, ein stärkendes Wasser, wrlches mit Wein auS allerlei Blumen, Kräutern und Gewürzen gezogen wird und wider den Schlag helfen soll, auch ungarisches Wasser genannt, weil man eine Königin von Ungarn als die Erfinderin desselben angibt. Schl I9> Der Schlagschatten (Mahlerri) heißt derjenige Schatten, welcher aus der Stellung des Gegenstandes gegen der Sonne, oder gegen irgend einen andern leuchtenden Körper geworfen wird. ES ist dies nähmlich derjenige Schatten, welchen ein jeder bei einem erleuchteten Körper von dem Lichte abgekehrt bemerket. Schlakwurst, aus dem Schlak-oder Mastdarme bereitete Wurst, besonders in Braunschweig. Schlangenei) er, s. Echin'ten. — Schlange nköp scheu, Otlerköp scheu, kleine weiße Muscheln, die man irrig für Köpfe von Ottern oder Schlangen hält. — Schlangenspritze. eine Spritze mit einem langen ledernen Schlauche, wegen seiner Gestalt, die er beim Spritzen anniuunt, Schlange genannt. — Schlangenstein, ein kleiner schwarzer Stein mit schmuzig weißen Flecken, der sich im Kopf-er Schlange befinden und das Gift vertreiben soll, ist gewöhnlich ein Stückchen gebranntes Hirschhorn. Schlechtbchangen heißt ein Hund, dessen Nase und Ohren spitzig sind. S ch l ei z, eine gutgebaute Stadt im Voigtlände, wo ein Graf Reuß residirt. Sie hat gute Tuchmanufakturen. Schlesien, ein ansehnliches Herzogkhum, welches gegen Morgen an'Pohlen, gegen Mittag an Ungarn, gegen Abend an Mähren, Böhmen und die beiden Lausitzen, »nd endlich gegen Mitternacht an die Mark Brandenburg grenzt, und welches geographisch in O ber- und Niederschlesien abgetheilt wird, bestand ehedem aus 17 kleinen Fürstenlhümern und, außer der Grafschaft Glotz, aus 6 freien Herrschaften oder Dynastien, welche alle mehrern einzelnen Fürsten gehörte». Diese 17 Fürstenthümer aber sind folgende; r) Teschen, s) Lroppau, Z) Jägerdvrf, 4) Ratibor, 5) Oppeln, 6) Grolkau oder, wie es auch von Andern genannt wird, Neiße, 7) Münsterberg, 8) Breslau, 9) Schweidnitz, io) Jauer, i>) Liegnitz, 12) Brieg, rz) Oels, 14) Wohlau, iL) Glogau, 16) Sagan und 17) Crossen, davon noch gegenwärtig, geographisch und staatsrechtlich genommen, die erster» 7 zu Oberschlefien, die übrigen ,0 aber zu Niederschlesien gerechnet werden. Dir 6 freien Herrschaften endlich find: 1) Pieß, 2) Ober-Beuchen, Z) Warkenberg, 4) Milizsch, z) Trachenberg und 6) Nieder - Beuchen, davon die 2 erster« zu Ober- und die 4 letztern nebst der Grafschaft Glatz zu Niederschlesien gehören. Ob zwar gleich aus der Geschichte hinlänglich bekannt ist, daß in altern und mittler Zeiten je zuweilen Deutsche regierende Rcichs- fürsten eins oder das andere dieser Fürstenthümer erblich besessen und regiert haben, so waren dieselben doch in ihren Regierungs - und Ho- heilSrechtcn sehr eingeschränkt und bis zum Jahre 1Z27 von der Krone Pohlen abhängig; indem daS ganze H rzogthvm Schlesien unter den Königen von Pohlen stand. Aber in eben diesem Jabre 1527 risse» sich sämmtliche Schlesische Fürsten von Pohlen los und degabrn sich dagegen, jedoch mit Vorbehalt ihrer Landeshoheit, unter den Schutz des Königs von Böhmen, dessen Vasallen sie wurden. Dieser Lehnsnezms zwischen dem Könige von Böhmen und in der Folge per Zeit hem Erzherzoge von Oesterreich gegen seine Schlesischen ,<>2 Schl Vasallen! ist denn auch ohne alle besondere Rücksichten jederzeit geblieben: auch ist es nicht bekannt, daß unter allen diesen Fürstenrhümern, außer OelS und Sagau, im Jahre 1742 LaS eine oder das andere Jemand noch von Böhmen zu Lehne gehabt hätte; alle besaß vnd re« > gierte in diesem Jahre das crzherzogliche Haus Oesterreich unmittelbar. Mit diesem Jahre aber hebt sich in der Geschichte eine neue Epo, che für Schlesien an. Es hatte n-ihmlich das Churhaus Brandenburg schon von langen Z iten i auf einige Schlesische Fürstcnkhn- mer Ansprüche, nahmenttich aus das Fürstenthum Iägerndvr s in Oberschlesien (welches dem schon zu Anfänge deö dreißigjährigen Krieg geächteten Brandenburgischen Prinzen Johann Georgen, mit Hiotansktzurig des Chur-und marggräfliche» Hauses Brandenburg, als dessen Agnaten, genommen worden war) ingleiche» auf die drei Hürstenthünirr Liegnitz, Brieg und Wohlau in Niederschlesic», welche insgesommt nach und nach an Ein Haus gekommen waren, die jedoch 167,4 Kaiser Leopold 1 . nach Abgang des letztem Fürsten schon in Besitz genommen hatte, ohne die im Jahre 1437 zwischen Brandenburg und diesen Schlesisch - fürstliche» Häusern getroffene und bestehende Erbverbrnberung zu rcjpcctiren. Zwar hatte, nach d.m Tode des letztem Besitzers der vorbemeldetcu drei Fürstentümer, der Chursürst Friedrich Wilhelm sowohl dieserwegen als wegen Jä- gerndorf gegen das Haus Oesterreich Ansprüche erhoben, die aber Leo- > pold I. ie>l;6 durch einen mit dem damahligen Churprinzen und nach- ! mahligen Cburfürsten von Brandenburg, Friedrich (dem ersten ! Preußischen Könige), insgeheim geschloffenen Vertrag gütlich beizu- ! legen gewußt harte. Diesen Vergleich aber als gültig anzuerkcnne» hielt sich Friedrich II. König von Preußen und Ehurfürst von Bran- ' devburg, sobald er nach dem Lode seines Välers, Friedrich Wilhelms I. im Jahre 1740 zur Regierung gelangt war. Gestützt auf Ansprüche, trat jetzt nach dem Tode Kaiser Karls Vl. dieser König und Churfürst, sobald er die Regierung angelreten harte, wider die Tochter Carls, Marien Theresien, Königin von Böhmen und Ungarn, auch Erzherzogin von Oesterreich, öffentlich aus. So brach noch in demselben Jahre, mitten im Winter, zwischen Oesterreich und Preußen der Krieg aus, indem Friedrich ll. noch im Deccmber 1740 seine Armee in Schlesien einbrech n ließ und am 10. April des ! darauffolgenden Jahres den entscheidenden Sieg bei Molwitz erfocht. Nicht lange nach diesem Siege trat aber auch der Cburfürst von Baiern, Carl Albrechk, mit seinen Ansprüchen auf die Deutsche Kaiserkrone öffentlich hervor, welcher, von Frankreich, Spanien, Neapel, Preußen, Sachsen, Churcölln und Churpfalz unterstützt, noch im September 1741 mit einem großen Deutschen und Französt- , scheu Heere in Oesterreich und Böhmen eindrang, auch sogar am iy. ! December desselben JahreS zu Prag als König von Böhmen sich huldigen ließ, so daß Maria Theresia sogar seine am 24. Januar 2742 vollzogene Kaiserwahl nicht hindern konnte. So von allen Seiten gedrängt — denn auch der König von Preuße» war mit seinem Heere in Böhmen cingedrungen, hatte am 17. Mai 1742 daselbst die große Schlacht bei Czaslau oder Chotvsitz gewonnen und den Oester- Schl 19Z reichischen General, den Prinzen Carl von Lothringen, gänz. lich geschlagen — mußte Maria Theresia den Frieden anbiele», der denn auch unter Sächsischer Vermittelung den 2z. Jul. zu Berlin förmlich abgeschlossen wurde. In diesem Frieden nun erhielt Preußen mithin alle die darin gelegenen ehemahlige» Fürsientbümer und freien Herrschaften nebst der Grafschaft Glatz, auch beinahe ganz Oberschlesien zusamint den darin gelegenen Fürstenthümern und Herrschaften, in eben der Qualität, wie Oesterreich zeither sämmtli- che Schlesische Besitzungen gehabt hakte; nur Teschen und einige An» theile an Troppau und Jägerdorf blieben dem Erzhause Oesterreich ! noch übrig. Eine sehr bedeutende Acquisition für Preußen, sowohl > in geographischer als in staatsrechtlicher und staatswirchschafklicher Rücksicht bedeutend! — Von nun an hörte aber auch alte Verbindung des Brandenburg-Preußischen Schlesiens mit Böhmen und jedem andern Lande auf; denn Maria Theresia (damahlS noch nicht Deutsche Kaiserin) trat dasselbe dem Hause Brandenburg-Preußen als ! ein freies, von Böhmen und dem Deutschen Reiche unabhängiges, Herzogthum erb - und eigenthümlich und ganz unbedingt ab , so , daß ! dabei weder an einen LehnsneHiS noch sonst an irgend eine Einschränkung gedacht wurde: auch die Berufung (Appellation) nach Prag, welche vorher und so lauge die verschiedenen Schlesischen Fürstcnthü- ! mer in den Händen m hrerer Fürsten sich befände», Stakt gefunden hakte, fiel gänzlich weg. Kurz, das Brandenburgische Schle- ! sien war seil dieser Zeit ein eignes Land, welches in staaterechl» ! sicher Rücksicht weder unmittcl - noch mittelbar zum Deutschen Reiche gerechnet werden konnte. Diese Abtretung Schlesiens an Brandenburg ' wurde auch nachher, 174L als wieder der Krieg anfing, in dem noch in selbigem Jahre (2F. Decbr.) erfolgten Frieden zu Dresden nochmahlS ausdrücklich festgesetzt und endlich, „ach dem siebenjährigen Kriege, im Friedensschlüsse zu Hubertsburg am iL. Febr. 176z auf das feierlichste und kräftigste wiederholt. Seit dieser Zeit hat denn Brandenburg sich in dem ruhigen Besitzstände seines Schlesiens beständig behauptet. Breslau war von jeher die Hauptstadt des ganzen Herzog, thums, jetzt ist sie es bloß in dem Brandenburg Preußischen Anlhei- le. Ueberhaupt aber sind für diesen Braudenburgischen Antheil zu Besorgung des Civil-und Polizeiweftns drei Ober-Amtsregierurigen niedergcsetzt, nähmlich zu BreSlau, Glogau und Brieg, und zu Beitreibung der landesherrlichen Revenuen zwei Domaineu kümmern, die eine eb-nfallS zu Breslau und die andere zu Glogau. Unter die Ober-Amlsr cgierung von Breslau gehören die , Fürstenthümer Breslau, Schweidnitz, Zauer, Münsterberg, Oels und die Grafschaft Glatz; unter der von Glogau aber stehe» Glo» «au. Wohlan, Liegnig, Sagan nebst den freien Herrschaften Tra» chenberg, Milizsch und Nieder-Beuchen; und der zu Brieg sind «ntcrwülfig Brieg, Oppeln und Ratibor nebst den Preußischen Anteilen an Troppau und Jägerndorf, ingleicheu die freien Herrschaften Plesse und Ober - Beuchen. Conv. Lex. Fünfter Band. N ,p4 Schl Um des königlich Pohlnische» und Chursächsischen Prinzen Ab bertS willen, weicher im Jahre 1766 sich mit der kaiserlichen Prinzessin Maria Christi na verwählte, erhob Kaiser Joseph H. Vas Fürslenlhum Te scheu in Oberschlesien zu einem Herzogthum, gab solches, unter dem Nahmen Sachsen-Teschen, diesem Prinzen , seinem Schwager, unter der ausdrückliche» Bedingung jedoch, daß bloß die mit seiner Schwester erzeugte männliche Defcen- denz und kein anderer Prinz aus dem Hause Sachsen succediren dür. se und könne, in welcher Qualität dieser Prinz dasselbe gegenwärtig noch hat. Da aber derselbe mit seiner bereits schon verstorbenen Gemahlin gar kein Kind erzeugt hat, so muß auch einst nach dessen Tode dieses Herzogthum Sachsen-Teschen an Oesterreich wieder eröffnet zurückfallen. In dem ganzen Herzogthum Schlesien, Brandenburgischer und Oesterrcichischer Hoheit» waren gleich nach der Reformation LutherS zwei Religionen herrschend, die katholische und die evangelisch-lutherische. Die Anzahl der Einwohner von Ober - und Niederschlcfien — das übrigens auch schöne und bedeutende Flüsse hat, z. B. die Oder, Weichsel, Bober, Neiße, Queiß — kann gegenwärtig reichlich 1 1)2 Million ausmachen, davon, vermöge des Umfangs, der größte Theil sich in dem Brandeuburgischen Antheile befindet. Die Landes-und Gerichtssprache ist eigentlich die Deutsche: in demjenigen Lheile aber, der gegen Pohlen zu liegt, wird meistens Pohlnisch gesprochen , so wie gegentheilS in Oberschlesien an der Grenze von Ungarn auch viele Einwohner der Ungarischen Sprache sich bedienen. Für den evangelisch - lutherischen Religionstheil sind in Ober-und Niederschlesien verschiedene Consistorien errichtet, welche die geistliche Gerichtsbarkeit ausubeu. Die Katholiken hingegen stehen in geistlichen Dingen unter den Bischöfen zu Breslau und Ollmüh in Mähren; und zwar unter der Jurisdiction des erster» stehen die Preußischen katholische» Untertbancii, hingegen unter dem Bischof von Ollmütz die Oester- rcichischen Schlesier. Das Herzogthum Schlesien ist in jeder Rücksicht ein gutes und gesegnetes Land, dem cs eigentlich an gar nichts fehlt. Zwar wird in einigen gebirgigen Gegenden nicht jedes Jahr das hinlängliche Getreide, wenigstens nicht hinlängliches Wintergelrcide, erbaut; aber desto besser gedeihen andere Gewächse, die diele Gegenden entschädigen, z. B. Flachs. Um nun diesen etwas kalten Gegenden mit dem nölhi- gen Getreide aushelfen zu können, ist dagegen in den andern Bezir krn der Ueberfluß desto größer. Und selbst bei einem sich ereignenden totalen Mangel — obgleich seit langen Jahren man hier von keiner drückenden Thcuerung weiß — würden doch Pohlen, Mähren und Ungarn auf die bequemste und wohlfeilste Art Schlesien versorgen. Das Hauptprodurt dieses Landes ist der Flachjs; dieser wird in solcher Menge erbaut, daß dessen Zubereitung und Bearbeitung den größten Theil der Landbewohner hinlänglich beschäftigt und noibdürf- tig ernährt. Und so groß auch der Verbrauch der gesponnenen Garne Schl 195 bei den einheimischen Fabriken immer ist, so wirb doch jährlich so viel gesponnen , daß es schlechterdings nicht möglich ist, alles Garn zu verbrauchen; vielmehr muH jedeS Jahr eine große Quantität, gebleicht und ungebleicht, inS Ausland verfahren werden. Hierdurch gehen aber auch bedeutende Summen Geldes uach Echtesten , besonders ayS der Qberlaufitz. — Die in Schlesien verfertigten Leinwandwaren find im Auslande mit die beliebtesten; und jährlich gehen starke Transporte damit directe nach England, Frankreich und Spanien, ja sogar nach Amerika. Auch hiermit werden zum wenigsten einige hunderttausend Hände beschäftigt, besonders in gewissen Gegenden, z. B. bei Hirschderg, Bunzlau, Schmiedeberg, Greifenberg, LandShut, Waldenburg und bei Schweidnitz. — Nicht weniger bedeutend ist der Viehstand Schlesiens, besonders die Scha f- zucht: und gewiß ist Schlesien unter allen Preußischen Staaten dasjenige Land, das die meiste, feinste und beste Wolle liefert; daher s auch die Schlesischen Tuchfabriken fast eben so wichtig sind als jene -er Leinwandwaren, indem jährlich große Summen Geldes für die Schlesischen Tücher aus dem LuSlande eingeführt werden. — An Garte »fr ächten jeder Art herrscht in manchen Gegenden sogar lieber« floß, in den meisten aber wächst so viel, als man braucht. So fehlt es auch nirgends an Holz, vielmehr ist hin und wieder, besonders in den gebirgigen Gegenden, sehr großer Ueberfiuß; nicht zu verschweigen, daß im Nothsall auch der Torf, der in mehrere, Districten gestochen wird, ein gutes AuShülfsmittel seyn würde. Uebcrhaupt aber darf Schlesien sich im Nothfall einer gesegneten > Nachbarschaft an Pohlen erfreuen. So wird z B. jährlich eine ungeheure Menge Rindvieh aus Pohlen nach Schlesien, nahmentlich nach Breslau, gebracht; auch die benöthigten Pferde zieht Schlesien aus dem benachbarten Pohlen für eben so mäßige und billige Preise, wie jeden andern Artikel. Kurz, dieses Land würde wegen seiner vortheilhaften Lage schon glücklich seyn, wenn es auch selbst an eignen Producten weniger reich wäre. Schleßwig ist ein Herzogthum welches dem königlich Dänischem Hause gehört. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieses Herzogthum , so wie das ganze heutige Holstein, ehedem, daS heißt ehe die Sachsen von den Deutschen unter der Fränkischen Regierung überwuo- ! den waren, mit z» dem alten Herzogthum Sachsen gehört habe, frei- > lich nicht unter dem Nahmen eines eigenen HerzvgthumS, sondern ! als ein intcgrirenderThcil desselben; wenigstens wurde es vom dritten bis zum achten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung von den E Sachsen bewohnt. Daß jedoch dieses Herzogthum auS eben diesem Grunde eine Deutsche Provinz hatte seyn mnssen, oder je gewesen wä» ", folgt gar nicht, vielmehr muß man dieses Land als ein von dem ^ Deutschen Reiche unabhängiges Herzogthum ansehen. Dänemark ist schon gegen taufend Jahre in dem Besitz dieses Landes. Die Zeit aber wenn Schleswig zum Hrrzogrhume geworden ist, »der besser, wenn die Könige von Dänemaek sich Herzoge von SchleS kig zu nennen angefangen haben, weiß man zwar nicht genau genug N 2 ,y6 Schl anjugeben: indeß ist gleichwohl gewiß, daß es ziemlich zeitig geschehen scyn muß ; denn schon im Jahre rz86 erhielt Gerhard IV. (da- mahls noch Gras) von Holstein von dem Könige von Dänemark, Olaus V. das Schleswigschc Land als ein Heezogthum zu Lehne, nach dessen Tode sein Sohn, Adolph Vlll. dasselbe ebenfalls auch als ein Dänisches Lehn bekam, das jedoch mit seinem Absterden wieder eröffnet wurde und nun wieder an Dänemark zurückstel, wo es denn von dieser Zeit an beständig geblieben, entweder daß solches gleich unmittelbar vom Könige regiert oder einem Prinzen vom Hause gegeben worden ist. > Das Hcrzogthum Schleswig, welches den Nahmen von ^ seiner Hauptstadt Schleswig, dl« an dem äußersten westlichen En. ^ de der Schley liegt, entlehnt hat, beträgt in der Länge nicht mehr als höchstens >8 geographische Meilen, und in der Breite >Z, ja in manchen Gegenden gar nur 8 dergleichen Meilen: und gleichwohl ist cs ziemlich bevölkert; man zählt darin ,Z Städte, r» Flecken und gegen izos Dörfer. An Getreide und Gartenfrüchten jeder Art hat dasselbe einen solchen Ueberstuß, daß die jährliche Ausfuhr sehr bedeutend ist. Höchst wichtig aber ist, wegen der ganz vortrefflichen Weiden, die Viehzucht an Pferden, Rind, und anderm Vieh, so, daß je- ' des Jahr für Käse und Butter große Summen ins Land gebracht werden. Aber auch nicht weniger Geld kommt für die ins Ausland verkauften großen schönen Pferde, die man, ohne Unterschied ob sic ^ wirklich aus dem Holsteinschen oder aus dem SchleSwigschcn kommen, ^ bloß unter dem Nahmen der Holsteinschen Pferde kennt, nach Schles- ! wig. Der größte Ueberfinß, der hier herrscht, ist der an Fischen, vermöge der vielen Gewässer; aber desto drückender ist der Mangel an ! Bau - unk Brennholz, indem der Torf die Stelle des letzlern ganz er- ^ fetzen must. Die Könige von Dänemark lassen gegenwärtig die beiden Hcr- zogthümer Schleswig und Holstein durch einen gemeinschaftlichen Slot! Halter und nach gleichen Gesetzen regieren. auch die Streitigkeiten der Untcrthanen beider Länder nach einerlei Rechten beurlheiien; der Sitz dieses Statthalters nebst der RegierungSkanzlei, so wie das Eonsisto- rium für beide Hcrzoglhümer und für die übrigen Dänisch-Deutschen Besitzungen, ist zu Glückstadt. Diese enge Gemeinschaft der beiden Herzogrhümer sowohl als daß die Einwohner derselben großen Tdeiis Deutsche sind, und daß die Deutsche Sprache die Haupt- und Gerichtssprache ist, mag denn wohl bei Manchem, Anlaß gewesen seyn, das Herzogtum Schleswig für eine Deutsche Provinz zu halten. Uebrigens hat dieses Land so wie Holstein seine Landstände, welche aus Adel und Städten bestehen und der evangelisch-lutherischen Religion, alS der herrschenden, zugethan sind. Ihnen stehen in ihren Distritten über ehre Untergebenen und Einwokner die Untergerichte zu, und gegen ihre Aussprüche wird an die Landesregierung zu Glückstadt appellirt; Berichte aber, welche aus beiden Herzogthümern und den übrigen Deutschen Landen an die höchste Behörde ex vkk>cio zu erstatten sind, gelangen an die zu Kopenhagen errichtete Deutsche Kanzlei, durch welche aber auch hinwiederum reftribirt wird, auch alle Gnaden- Sckl i27 fachen für Sch leswig, Holstein und die übrigen Deutschen Staaten von hier aus betrieben werden. Die Aushebung der in dem Herzogthum Holstein und Schleswig bestandenen Leibeigenschaft wurde durch den Beschluß der Ritterschaft in beiden Provinzen zu Anfang des Jahrs 1796 eingeleitet, und nach geschehener Aufforderung an sämmtliche Gutsbesitzer wirklich beschlossen, dem Könige angezeigk und durch die erfolgte Resolution (zc>. Juni 1797) sanctionirt, so daß mit Ende des Jahrs 1304 auch wirklich die völlige Aufhebung erfolgte. Die Schleuse. Wenn zwei schiffbare Ströme, wovon der eine höher liegt als der andere, zur Beförderung der Schifffahrt durch einen Canal in Verbindung gebracht sind, und ein Theil des höher liegenden Stromwassers in den niedrigcrn geleitet worden; oder wenn die Schifffahrt auf einem Strome durch eingebaute Mühlwehre unterbrochen wird und letztere durch Canäle umgangen werden: so legt man darin Schleusen oder Wassergebäude an, mittelst deren man an einem Punkt das Wasser des nieder» Stromes dem höher» gleich erhöhen, und im umgekehrten Falle das Wasser des höhcrn Stromes dem niedern gleich erniedrigen kann. Dieses Gebäude nun besteht in einer a rf allen Seiten wohl verwahrten Kammer, die so weit ist, daß rin Schiff geraumlich durch kann, aber eine beträchtliche Lange hat, so daß zwei, höchstens drei Schiffe auf einmahl darin liegen können. Bei der Einfahrt sowohl als der Ausfahrt, oder oberhalb und unterhalb des Canals, ist die Kammer mit Pforten oder Thorflügeln — bei kleinen Schleusen nur mit Schützen — versehen. Will nun ein Schiff stromab oder aus dem höher» Strome auf den niedern fahren, so werden die ober» Thorflügel geöffnet und die untern zugelassen: das Wasser in der Kammer wird nun durch das zuströmende anwachsen und sich so weit erhöhen, bis es sich mit dem höhern Stromwasser Spiegel in einer Ebene befindet; und jetzt kann das Schiff bequem hinein- tahren. Werden nachher die obern Thorflügel geschlossen und die untern geöffnet, so fließt das Wasser aus der Schleuse ab und fallt endlich bis auf den unterhalb befindlichen Stromspiegel. Weil nun daS Schiff zugleich mit gesunken und hierdurch öfters auf den mehrere Ellen tiefer liegenden Strom gebracht worden ist, so kann solches dann ohne Hinderniß die weitere Fahrt fortsetzen. Will im Gegentheil ein Schiff stromauf fahren, so nimmt solches seinen Lauf in die Kammer der Schleuse: die untern Thorflügel werden geschlossen» die obern aber geöffnet; das zuströmende Wasser steigt dann in der Kammer so lange, bis es die Höhe des höher liegenden Wasserspiegels erreicht hat; das Schiff wird zugleich mit gehoben, und kann dann ebenfalls auf dem Canal weiter stromauf bis in den Hauprstrom fahren. Schleusingen, eine Stadt in der gefürsteten Grafschaft Henneberg, königlich Sächsischen Anthcils,hat in zvo Häusern über rooe> Einwohner» die Wollcnmanufakturen treiben, auch aus den dabei befindlichen Kupfer-und Eisenwerken, nebst dem Holzhandel guten Erwerb ziehen. Schlich, klar gepochtes und rein grwaschnes Erz. Schlichte, ein aus Mehl und Fett gekochter Brey, womit die Weber die Kette >98 Schl oder den Aufzug schlichten oder bestreichen, um den Fäden eine gelenke Steifheit zu geben. j Johann Conrad Schlick, zuvor Mitglied bei der Kapelle deS Bischofs von Münster, seit 1777 Kammermustcus zu Gotha, einer > der vorzüglichsten Virtuosen auf dem Violoncello. Seine Fertigkeit eben so wie seine Delikatesse und die Feinheit seines Tons erregen die Bewunderung der Kenner und Liebhaber. Auch seine Gattin, Cate- rina Strinasacchi (geb. zu Mantua 1764), hat sich als Vir- tuostn auf der Violine ausgezeichnet. Im Conservatorio della Pieta zu Venedig erzogen, brachte sie nachher einige Jahre zu Paris zu, bildete hier ihren Geschmack und erregte dann in den Jahren 1783 und 1734 in ihrem Vaterland«: sowohl als in Deutschland großes Aufsehen. Ihr Feuer, ihre Fertigkeit, ihr angcmehmer Vortrag erwarben ihr allgemeinen Beifall; und beide Gatten — sie wurde 1795 mit ihm verbunden — gewähren in ihren Doppelconcerten für Kenner und Liebhaber die vollkommenste Befriedigung. Schließer, heißt an einigen Orten der Gcfangenwärter oder Gtockmeistrr» woher ein Gefängniß die Schließerei genannt wird. —-Schlirßhaken, ein eiserner Haken an den Küsten und Laden, welcher in das Schloß eingreift. — Schließmuskel, der ringför- ! mige Muskel, welcher den Mastdarm verschließt. ; Schlot, Schlothe, Schlotte, der Rauchfang oder Schornstein. Desgl. überhaupt jeder Canal oder Graben, um Schlamm oder andre Unreinigkeiten abzuleiten. Schlung-Röhre, heißt an einer Pumpe oder einem Kunst- gezeuge die unterste Röhre» welche das Wasser in sich zieht. > Der Schlüssel (Clavis) heißt in der Musik dasjenige Zeichen, welches auf eine der fünf Linien des Notensystems gleich zu Anfänge gesetzt wird, um zu bestimmen, in welche Reihe der Töne — ob der tiefen oder der hohen — die Noten gehören. Diejenige Note, welche gerade auf die Linie zu stehen kommt, welche den Schlüssel durchschnei- det, deutet denselben Ton an, dessen Nahmen der Schlüssel führt. Die ehemahliae musikalische Pedanterei bediente sich, um ihren Arbeiten einen recht gelehrten Anstrich zu geben» sehr vielerlei Schlüssel: gegenwärtig sind deren hauptsächlich drei, die man wissen muß: i) der L'-oder Baß-Schlüssel, wo die Note auf derjenigen Linie, wel- l che dieser Schlüssel durchfchneidet — also die zweite von oben herab — den Ton Is andeutet; 2) der 6 - oder Discant-Schlüssel, wo das Zeichen auf den Ton L hindeutet (s. auch Discant) ; z) der 6 - oder Vi 0lin-S chlüssel, wo die den Punkt durchschneidende Linie — die zweite von unten hinauf den Ton 6 bezeichnet. Schlüsselburg, eine russische Festung am finnischen Meerbusen auf einer kleinen Insel, da, wo die Neva den ladogaischrn See verläßt. Das Schlüsselgeld heißt dasjenige willkürliche Geschenk, welches der Käufer eines HauseS der Ehegattin oder der Tochter deS Verkäufers, gleichsam für die Ucbergabe und Abtretung der Schlüssel des Hauses g,bk. >99 Schm Schmack, der gemeine Nähme des Sumach. S. dieses, l Die Schmacke (Holland. Smak - Shjp) ist ein kleines Fahr- ^ zeug, hinten und vorn breit, mit einem Gabelmast versehen, mit fla- ^ chem Kiele und hohem Verdecke. ES har ein breiteres und schwereres Steuerruder, als andere Schiffe, und wird in Holland meistens auf den Dinnenlandswäffern, in Deutschland auf der Elbe und We, ser, auch zum Lichten großer Schisse gebraucht. Schmalkalden, eine Stadt im Königreich Westphalen am südlichen Fuße deS Thüringerwaldes» die lauter Bergwerke umringen» und meistens Eilen - und Stahlfabrikanfeit bewohnen. Der Gchmalkaldische Bund wurde von den protestantischen Fürsten zuerst in Schmalkalden (einer Stadt im Henneber- gischen, dem damahligen Landgraf, von Hessen, Cassel zugehörig, die besonders durch ihren Handel mit Eisen und Stahlwaren, den sie nach allen Gegenden Europa s treibt, bedeutend ist) zu Stande ge» bracht, darauf 15z, aus sechs Jahre und 1536 sogar auf zehn Jahre erneuert. Bei dieser letzten Erneuerung schrieb Luther, die so genannten Schmalkadischen Artikel, die auf dem vom Papst Paul Hl. in Mantua angekündigten Concilio von Seiten der Protestanten übergeben werden sollten, und jetzt den symbolischen Büchern der lutherischen Kirche beigezählt werden. Die weitern Schicksale des Bundes waren nicht sehr erfreulich. Die ungleiche Denkungsart und die widrigen Schicksale der beiden Häupter desselben, des Chursürsten von ! Sachsen» Johann Friedrich, und des Landgrafen Philipp von ^ Heissen, die halbjährig mit einander in der Direction abwechseltcn, ver- ^ ursachten manche Unannehmlichkeiten und zogen, nachdem Johann Friedrich 1547 vom Kaiser gefangen genommen worden war, endlich gar die Trennung desselben nach sich. Philipp hatte ein ähnliches Schicksal; denn er wurde in dem nähmlichen Jahre zu Halle verhaftet, wohin er gekommen war, um sich C ar l V. zu unterwerfen. Die übrigen protestantischen Fürsten fürchteten aber zu sehr die Obermacht des Kaisers, als daß sie hätten ein neues Bündniß gegen ihn beschließen sollen; der einzige Churfürst Moritz wagte in dieser Rücksicht einen kühnen Schritt (vergl. die Art. Carl der Fünfte, Johann Friedrich und Moritz). Sch mal-Leder, dünnes Leder von jungen Rindern und Pferden.— Schmalthier» ein Hirsch-oder Rehkalb vom,Anfang des zweiten Jahres an bis zu der Zeit, wo eS zu brunsten oder zu setzen anfängt. Schmälte ist eine blaue Farbe, welche aus Kobalt bereitet wird. Durch Rösten werden erstlich die fremdartigen Bestandtheile, vorzüglich Wißmuth und Arsenik, abgeschieden. Die beste Sorte des Kobalts» aus diese Art behandelt» erhält den Nahmen Saffer oder Zafra, und dient vorzüglich dazu, dem Glase, dem Porzellan und dem Sapphirslusse eine blaue Farbe zu geben; auch wird er bei der Emailmahlere! gebraucht. Die geringern Kobalte werden ebenfalls erst von dem beigemengten Arsenik und andern fremdartigen Theilen durch die Calcination befreit und nachmahls in Verbindung der Potasche und Kieselerde, die man aus dem calcinirten Quarze erhält, in be- LOS Schm sonders hierzu vorgerichteten Glasöfen zu blauem Glase geschmolzen. Die verschiedenen Sorten sucht man durch die Verschiedenheit der Gemenge obiger Bestandtheile zu erhalten. Durch Pochen und nachmah- kigcs Mahlen auf den hierzu erbauten Mühlen und wiedcrhohltes Schlemmen wird dieses blaue Glas endlich in ein Pulver verwandelt, das unter d'em Nahmen Schmälte, Eschel rc. verkauft wird. Ein Glasmacher, Christoph Schürer von Platten (einem Orte in Böhmen), schmelzte das erste blaue Glas und fertigte Sch malte daraus. Diese Erfindung ist zwischen die Jahre iz 4 o und 1560 zu setzen. Der Schmaragd (Sm aragd) wird zum Kieselgeschlecht gerechnet. Seine Farbe ist grün, die aus dem Dunkeln bis ins Blasse übergeht. Die echten erhalten wir aus Peru und Egypten; die Brasilianischen Schmaragdc sind nur grüne Schörle. Auf der Oberfläche sind sie glatt und glänzend, inwendig auch» jedoch nur von gemeinem Glanze. Im Bruche ist dieser Stein dicht, muschlicht, das sich bisweilen dem Unebenen nähert; die Bruchstücke sind unbestimmt eckig. Man findet ihn durchsichtig, auch nur halb durchsichtig, bisweilen nur durchscheinend. In der Härte übcrtrifft er den Bergkrystall, er fühlt sich kalt an und ist nicht sonderlich schwer; die eigenthümliche Schwere ist z,oo. Durch einen Glasfluß wird auch ein schöner künstlicher Schmaragd hervorgebracht. Schmarotzerpflanze, nennt man eine solche, welche auS und an einer andern wächst, z. B. die Mistel, der Baumschwamm, das Baummoos u. dgl. Schmede», Schmetten, nennt man in Böhmen das Fette auf der Milch, sonst Rahm oder Sahne genannt. Demois. Schmeh ling s. Mara. Der Schmelz (Schmelzgla s).- so wird ein metalliges, durch die Schmelzung erhaltenes farbiges Glas genannt — das aus dem Kobalt bereitete blaue Glas heißt: Schmälte (s. d. Art.). — Gewöhnlicher aber werden die kleinen, korallenähnlichen, durchlöcherten und glänzenden Körner Schmelz genannt, welche man auf einen ge- glühten Drath aufreiht, sie zu allerhand Figuren bildet und damit Kleider, Quasten u. dergleichen ausschmückt. Schmelzmahlerei s. Mahlerei. Sch mergel, ein mit Kieselerde vermischter Eisenkalk, der zum Policen des Stahles, Eisens, Glases und einiger Edelsteine gebraucht wird. Michael Ignaz Schmidt, war Doctor der Theologie, kaiserlich königlicher Hofrath, erster Archivar, wie auch Beisitzer der Bücher- eensur-Commission zu Wien und — was seinen Nahmen unvergeßlich machen wird — Verfasser der Geschichte der Deutschen. Er war zu Arnstein im Bisthum Würzburg am 29. Jan. 1756 geboren, und erhielt seine erste Bildung von den Jesuiten auf dem Gymnasium und dem bischöflichen Scminarium zu Würzburg. Er wählte jedoch, anstatt in ihren Orden zu treten, den Stand eines Weltgeistlichen und ward, nach Erlangung der theologischen Licentiatenwürde, Caplan zu Haßsurt; bald daraus wurde er aber nach Bamberg als Erziehcr rines jungen Herrn von Roten Han berufen, dessen Vater bischöflich 20 I SchlN Bambergischer Großhofmeister war. Durch diesen Gelehrten und verdienstvollen Mann wurde Schm, zum Verbesserer des Erziehungswesens seines Vaterlandes und zum Geschichtschreiber gebildet, nachdem ^ er schon frühzeitig auf die Mängel des erstern aufmerksam und von einer großen Neigung zur Geschichte beseelt worden war. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte inRotenhan's Hause ries man ihm nach Würzburg zurück, um ihm in dem daflgen Seminarium die Stelle des abwesenden Vorstehers zu übertragen; und er trat nun 1769 mit seiner Lateinisch geschriebenen Methode zukatechisiren zum er- stenmahle als Schriftsteller auf. Diese Schrift legte den Grund zur nachherigen großen Verbesserung des Würzburgischen Gymnasiums und der dortigen Landschulen: man erkannte sie nicht allein von Seiten der Katholiken für die vorzüglichste ihrer Art, sondern nahm sie auch von Seiten der Protestanten mit Beifall auf; und sie wurde durch eine DeutscheUebersetzung, von der ,785 eine neue Auslage erschien» noch mehr verbreitet. Auch blieben Schmidts Verdienste, die er sich durch dieses Werk erwarb , von seinem Landesherrn nicht unbelohnt; er wurde im Jahr 1771 als dritter Bibliokhecar der Universität Würzburg angestellt, sodann zum Beisitzer der theologischen Facultät und zum Professor der Deutschen Reichsgcschichte ernannt, erhielt auch bald nachher eine Präbende und die Würde eines WürzburgBambergischen geistlichen Rathes mit Sitz und Stimme in der geistlichen Regierung, dem ersten Landes-Collegium. Hatte S ch m i d t durch sein erstes Merk, besonders in seinem Datcrlande» in Ansehung des Erziehungswesens eine " neue Epoche gegründet; so that er dieß nun in Ansehung der Geschichte für ganz Deutschland durch seine Geschichteder Deutschen, deren erster Theil zu Ulm 1778 erschien. Seine Hauptabsicht bei diesem Werke war, zu zeigen, wie Deutschland nach und nach seine Eultur, seine Gesetze, Künste und Wissenschaften, besonders seine Staats-und Kirchenverfassung, erhalten habe Der allgemeine Beifall dieses Werks, für den schon die wiederholten Auflagen und Nachdrücke sprechen , und der Ruhm, den sich der Verfasser durch dasselbe erwarb, der ihm auch 1780 die anfangs gedachten Stellen in Wien verschaffte, stiegen mit der Fortsetzung des Werkes immer mehr. Der bekannten Ausstellungen ungeachtet, welche Katholiken und Protestanten im Einzelnen gemacht haben, bleibt cs doch ein in seiner Art einziges, noch unübertroffenes Werk Deutschen Forschergeistes und Deutscher Kunst. Ein über Deutschlands Geschichte gleichsam obwaltendes eigenes Mißgeschick, das schon über den frühesten Arbeiten eines Hahn» Bünau und Mascov obwaltete und deren Vollkommenheit hinderte, ließ auch Schmidt sein unsterbliches Werk nicht vollenden, indem er schon am '.November 1794 starb, da er solches nur bis zum Jahre 1658 fortgeführt hatte. Der als historischer Schriftsteller längst geschätzte M is- viller übernahm nun die Fortsetzung desselben. Das ganze Werk besteht aus 22 Theilen Ulm 1785 bis 1808. 8. Don Schmidt selbst sind die ersten 6 Bände der ältcrn und die ersten 6 Bände der neuern Geschichte; das Uebrige ist von Milbiller fortgesetzt. Schmidt kaiserlich Oesterreichischer Feldmarschalllieutenant und Generalguarkiermeister, einer der ausgezeichnetesten Offiziere der Oester- rv2 Schm reichischen Armee. 8r entwarf den Plan zu der Schlacht bei Dürnstein, welche der Russische General Kutusow am >i. November 1305 dem Marschalle Moetier lieferte und wurde bei dieser Gelegenheit ge- tödtet. Im Fahr 1308 hat man ihm zu Wien in der Jngenieurakade- mie ein Denkmahl und ein anderes größeres zwischen Krems und Stein, unweit der Stelle wo er rühmlich fürs Vaterland starb, errichtet. Schmiedeberg, eine Berg-und Handelsstadt in Preußisch.- Schlesten am Fuße des RiesengebirgcS längs der Fser, eine Meile lang, mit 554 Häusern und zgoa Einwohnern, unter welchen viele Eisenar- arbeiter, Leineweber und Wachsbleicher leben. Schmölla, eine kleine Stadt im Fürstenthum Altenburg ander Saale. SchmolleS, heißt in der rohen Studentensprache so viel wie rein aus (soll nähmlich das Glas geleert werden.) Schmuggelei, schmuggeln, s. Schleichhändler. Schmusen, heißt in der Judcnsprache: Zureden, Unterhändler seyn. Schmutzer (Jakob) ein berühmter Kupferstecher, ward 1755 den z. April in Wien geboren. Sein Vater Andreas Schmutzer war selbst ein geschickter Kupferstecher, aber er verlor ihn schon in seinem siebenten Jahre. Der berühmte Skempelgraber, Matthäus Donner, nahm sich seiner an, und verschafte ihm Gelegenheit die Akademie von Schuppens Leitung zu besuchen, wo er sich nicht nur emsig im Fiau- renzeichnen übte, sondern auch auf Donners Veranlassung, gründlichen Unterricht in der Geometrie, der Civilbaukunst und in Boßieren erhielt. Donner wollte ihn zum Stempelgraben bilden, aber die Einschränkung auf so sehr kleine Formen, die dieses Kunstfach erfordert, nebst dem überaus mühsamen und langwierigen Mechanismus, den die Ausführung einer Schaumünze erheischet, waren seinem lebhaften Temperamente und seinem Hange zu großen und kühnen Formen ganz entgegen. Er entsagte bald allem Lernen im Stempelaraben und überließ sich ganz seinem Hange in der Akademie zu zeichnen und nebenbei Versuche im Figurenmahlen zu machen. Wahrscheinlich wäre Schmutzer in der Mahlerei ein ausgezeichneter Mann geworden, wenn er diese Kunst gehörig hätte ausbilden können, allein er fand nie die nöthige Unterstützung dazu. Gr ging hieraus nach Preßburg, wo er unter andern zwei Altarblätter mahlte, die in dortigen Kirchen aufgestellt wurden. Während dem lernte er bei einem Preßburgrr Kupferstecher, Zeller, die Behandlungsart beim Radiren und einige Handgriffe mit dem Trabeisen und half ihm Heiligenbilder und Landcharten verfertigen. Durch einen Mahler, Rahmens Tizian, der bei der Savoyischen Stiftung angestellt war, kam er wieder nach Wien, und verfertigte die Mustcr- zeichnungeu für die adeliche Jugend dieses Stiftes. Er machte noch «inen Versuch, Unterstützung zum Studium der Mahlerei zu finden, aber vergebens und seine Gönner drangen darauf, daß er sich ganz der Kupferstecherei widmen solle. Von dieser Zeit an leitete er sein ganzes Studium auf diesem Zweck hin und machte in kurzem solche Fortschritte» die die Aufmerksamkeit der Kenner und Liebhaberauf sich zogen und obschon er damahls genöthiget war, sein Talent auf wenig bedeutende und bloße Gelegenheitsarbeiten zu verwenden, so zeichnen Schm 2 t»Z sich doch alle seine Arbeiten jener Zeit durch eine gewisse Kühnheit, durch einen bestimmten Vortrag und durch eine verständige Anwendung der Schraffierungen vor allen andern aus, die damahls in Wien erschienen sind. Seine Vermählung im Jahre 1755 mit einer kunstlie- benden adelichcn Person aus Tyrol, die ihr Vermögen willig zur Emporbringung der Kunst verwendete, und die Unterstützung des Baron Ketkler erleichterten ihm das Kunststudium. Dieser Kavalier brachte ihn dahin, nicht mehr die Radiernadel und das Aetzwasser zu gebrauchen» sondern bloß mit dem Grabeisen zu arbeiten, wodurch er in kurzem zu einer ungemeinen Festigkeit und Leichtigkeit in dieser widerstrebenden Art zu arbeiten gelangte. Endlich schickte ihn Maria Theresia auf des Fürsten Kaunitz Vorschlag aus ihre Unkosten im Jahr 1762 nach Paris , um bei dem berühmten Wille die letzte Vollenduitg in seiner Kunst zu erlangen und sorgte während seiner Abwesenheit auch für seine Familie. Schmutzer hielt sich vier Jahre zu Paris auf, wurde während dieser Zeit von Wille als Chef seiner Prioatzeichenschule vor. gesetzt, erhielt von der königlichen Akademie bei der gewöhnlichen Preis- austheilung den ersten Preis im Zeichnen, und lieferte verschiedene treft liche Kupferstiche. Im Jahre 1766 ward er nach Wien zuruckberufen und zum Hofkupferstecher mit einer einstweiligen Besoldung ernannt. Bald hernach trug das k. k. Kommerzkollegium darauf an, die Kupfcr- stecherkunst in allen ihren Zweigen und überhaupt auch alle jene Theile der Zeichnungskunst» die einen bestimmten Einfluß auf die Fabrikate des Luxus und des Geschmacks haben, empor zu heben und gemeinnützig zu machen. Schmutzer entwarf hierauf einen Plan zu einer Kunstschule für Kupferstecherei und freie Handzeichnung, welche errichtet wurde und bald so gute Fortschritte machte, daß Maria Theresia sie im Jahr 1768 zu einer selbstständigen freien Akademie erhob, und Schmutzern zum Direktor darüber ernannte. Um diese Zeit waren auch die Normalschulen in dm Oesterreichischen Staaten eingeführt worden und es ward der Antrag gemacht der vierten Lehrklaffe die Elemente der Zeichenkunst beizusügen. Auch hiebei ward Schmutzer zu Rathc gezogen und endlich >77, zum Obcrdircktor der k. k. Normalzcichnungsschulcn in allen Deutschen und Ungarischen Erbländern ernannt. Er verfertigte nun mit rastlosem Fleiße eine Menge Musterzeichnungcn, belehrte mit unerschütterlicher Geduld theoretisch und praktisch eine Menge Professoren und untergeordnete Lehrer, die in den Provinzen angestellt wurden und brachte es durch seinen anhaltenden Eifer in kurzem dabin, daß diese neuen Zeichnungsschulen überall, und auch in den entlegensten Provinzen von Ungarn und Siebenbürgen, eifrig und mit augenscheinlichen Nutzen besucht wurden, indem man, selbst in jenen Ländern, wo bis dahin alle Fabrikate für Bequemlichkeit und Luxus äußerst geschmacklos und ohne G fühl für Symetrie und Zierlichkeit verfertigt wurden, inner einer Zeit von wenig Jahren eine augenscheinliche Verbesserung bemerken konnte; und die dermahligen schönen Produkte der inländischen Gold-Silber-und Schmuckarbeiter, und aller jener Künstler und Professionistcn, die zur innern Verzierung eines Hauses erforderlich sind, haben ihre stufenweise Verfeinerung größtcntheils von diesen gemeinnützigen, durch Schmutzer eingeleiketen Zeichnungsschulen er- 204 Schm Scho hatten. Im Jahre 1772 wurde die unter Schmutzers Direktion gestandene Kupferstecher-und Zeichnungsakadcmie mit der alten Mahler- Bildhauer- und Architekturakademie vereinigt, jedem Kunstfache ein Direktor vorgesetzk, aus dem Ganzen ein akademischer Körper gebildet und demselben der Nähme einer vereinigten Akademie der bildenden Künste aegeben. Schmutzer behielt auf sein Ansuchen von allen den weitläufigen Arbeiten, die ihn vorher beschäftigt hatten, nichts als das Direktorat über die Kupfcrstecherschule bei und widmete sich nun ganz der ununterbrochenen Ausübung seiner Lieblingöarbeit, nähmlich der Verfertigung historischer Gegenstände. Er wählte sich hiezu den großen Rubens zur Nachahmung, dessen stark auf das Auge wirkende Anordnungen , dessen Kühnheit in den Wendungen der Figuren und dessen kräftige Behandlung des Lichtes und Schattens seinem Kunstgefühl am meisten entsprechend war. Dieser glücklichen Wahl haben wir vier historische Vorstellungen nach diesem großen Mahler zu verdanken, die unter die besten Kupferstiche gezählt werden können, die in unfern Zei. ten nach klassischen Mahlern herausgekommen sind. Festigkeit in der Zeichnung, eine Kühnheit und Zuverlässigkeit in den Schraffirunaen, die der kühnen Rubensischen Behandlung des Pinsels ähnlich und meistens dem charakteristischen der verschiedenen Körper entsprechend ist; alles dieses, mit einer ungezwungenen Zierlichkeit des Stiches verbunden, wird seinen historischen Blattern zu allen Zeiten den ungetheilten Beifall der Kunstkenner versichern. Diese vier Blätter sind; Mutius Gcäoola, St. Ambrosius, der dem Kaiser Theodosius den Eingang in die Kirche verwehret, Neptun und Thetis von Meeraöltern umgeben und der betrunkene Silen. Zu den übrigen ausgezeichneteren Werken Schmutzers gehören noch: l-s xouter siamanci nach Terbvurg, eine Savoyardinn nachEreuze, ein Geschirr-Flicker nach Krauß , das Mädchen von Orleans nach Eorreschi, UlpsseS, der der Andromache ihren Sohn gewaltsam entführt, nach einer Zeichnung S. K. H. des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen nach dem Gemählde des Ealabrese, 2 Bildnisse des Fürsten Kaunitz, die Bildniße Marien Theresiens Franz l., des Mahlers Dietrici, des Bildhauers Donner, des >oz Jahr alten Generals Dewall, desHofrathes von Sonncnfels, ein Kupfer zu der Prachtausgabe von Wielands Werken u. dgl. In seinem hohen Alter verlor er durch eine Entzündungskrankhcit ein Auge. In diesem Zustande lieferte er noch zwei seiner grösten Meisterwerke, zwei Thierstücke nach Schneyers und Ruthard. Er starb am 2. Dezember i8i l im 82. Jahr seines Lebens. Schmuztitel, heißt der kürzere und weniger zierliche Titel eines Buchs, welcher dem Hanpttitel beigefügt wird. , Schnabelflöte, eine solche, bei welcher man sichaus Mangel an Ansatz eines Mundstücks bedient. Schnapphahn, ein Parteygänger» Freibeuter, Straßenräuber. Wird auch als Schimpsnahme der Gerichtsdiener gebraucht. Schnarr-Werk, ein mit Messingblech versehenes Orgelpfeisen- wer?, das einen schnarrenden Ton gibt. Schnecke, heißt unter andern die kegelartige, mit Reifen versehene Walze in den Taschenuhren, von welcher sich die Kette auf das Schn LOA ^ Federhaus wickelt. Das horizontallliegende Rad, worauf sie liegt» heißt I daher das Schneckenrad. Schneckenberg, ein Berg, um ! welchen sich ein Weg in der Richtung einer Schneckenlinie befindet. —- ! Schneckenlinie, eine Linie, welche sich wehrmahls um einen Punkt herumdreht, doch so, daß sie sich immer weiter von demselben entfernt. Schneeberg, in dem erzgebirgischen Kreise in der Markgrafschaft Meißen an der Schncebergischen Mulde gelegen, ist, nach Freiberg, der beträchtlichste Vergort in Chursachsen. Die Entdeckung der hiesigen Bergwerke setzt man gemeiniglich in das Jahr 1471; allein schon iZiö wird des Bergbaues bei Schncebcrg in einer Urkunde erwähnt. Sie ist von jeher eine der reichhaltigsten Silberstädte gewesen, so daß die hiesigen Silbcrbcrgwcrke an Reichthum uud Ausbeute beinahe alle übrigen Deutschlands übertroffen haben (von 1471 bis 1501 betrug ihre Ausbeute 51,990 Tonnen Goldes). Die Schneebergischen Ko, balte sind als die besten und edelsten berühmt, geben auch die schönste blaue Farbe; daher die umliegenden Blaufarben- Werke zu den ansehnlichstengehören, auch überdieß den besonder» Vvrtheil genießen, daß ihnen alle Kobalte im ganzen Lande gegen eine vom Schnceberger Bergamtr gemachte Tape geliefert werden müssen: auch ist die Ausfuhr des Kobalts aus dem Lande bei sehr großen Strafen verboten. Es brechen in dem hiesigen Bcrgamts-Revier die mannigfaltigsten reichsten Bergarten: und eine Stunde von Schneeberg, ju Kalkgrün, sind die schönsten Marmorbrüche; auch sehr viele der gangbarsten Eisenhämmer befinden sich aus jenem Reviere. Das churfürstliche Bergamt zu Schneeberg, wozu auch einige Deputirte vom Rathe, vermöge ei« ner vom Churfürst Ernst - 48 i demselben verliehenen Begünstigung, gezogen werden. ist eins der vornehmsten im Erzgebirge; auch ist die Stadt, kraft eines besondern Privilegiums, von der Gerichtsbarkeit des Ober-Hofgcrichts ausgenommen. Was übrigens der Stadt besondere Nahrung und ein bedeutendes Handelsgewerbe verschafft, sind die Sp i- tzenklöppelleien, welche hier im hohen Grade betrieben werden; man verfertigt nicht allein die feinsten zwirnenen, sondern auch feidene und fein gesponnene Spitzen von Gold und Silber, welche in großer Menge, besonders nach Siebenbürgen und in die Türkei, geführt werden. Schneeberg heißt der größte Berg in Niederösterreich, westlich acht Meilen von Wien gelegen , wo man ihn wegen seiner außerordentlichen Höhe, mit der er über alle andere Gebirge empor ragt, bei hei« term Wetter genau unterscheiden kann. Er ist beständig mit Schnee bedeckt und hat auch daher seinen Nahmen bekommen. Er macht die Grenze zwischen dem Viertel Ober- und Unter Wienerwald und zwischen Oesterreich und Stepermark. Diese majestätische Alpe ist ein Kalk« steinfclsen, der an jener Seile, die man von Wien aus sieht, ron oben bis hinunter ganz kahl und so steil ist, daß er eine einzioe ungeheure Felsenwand zu seyn scheint. Die übrigen Seiten sind nicht so steil, bestehen aus mehrern Absätzen, hängen mit andern Alpen und Vorgebirgen zusammen, und sind mit Ausnahme der obern Spitzen durchaus wohl bewachsen. Der Schneeberg ist in mehrern Rücksichten äußerst merkwürdig, erstens wegen seiner ungemeinen Höhe, welche 2v6 Schn über iioo Klafter beträgt, bann wegen der Aussicht auf dem Gipfel, wie man sie nur auf wenigen Punkten unsers Welttheils genießen kann, und endlich wegen der ungemein üppigen und manigfaltigen Vegetation. Daher wird auch der Schneeberg sehr häufig von Botanikern und Naturfreunden besucht und hat in den neuern Zeiten eine besondere Cele- ! brität erhalten. Vorzüglich trugen dazu bei die früher» botanischen , Wanderungen unseres großen Naturkundigen des Freiherr« von Ja- > quin und seiner Begleiter; die chemischen Untersuchungen des Schneeberger Wassers vom Jahr 1785, die Nachrichten des Herrn Trattinik in dem botansichen Taschenbuche von 1799, die trefflichen Ausflüge nach dem Schneeberg von I. Schuttes, Wien >8os; F. Em- bels Fußreise 16M und desselben Schilderungen der Gebirgsgegenden um den Schneeberg 1803 die Ausmessungen und physikalischen Beobachtungen der Mathematiker und Physiker , Lies- ganig, Zankt, von Kallon, Bürg, Gimbernat, und die Besuchungcn des Erzherzogs Johann und seiner Brüder. Die Schneekuppe, Riesen? uppe, ist der höchste Berg des Riesengebirges oder der Sudeten , wodurch Schlesien und Böhmen von einander geschieden werden. Die Schneekuppe hat eine Höhe von 494a Pariser Fuß, ist also 1370 Fuß höher als der Brocken, dessen Höhe nur 357N Fuß beträgt. Die geographische nördliche Breite der Riesenkuppe ist 50 Grad 45 Minuten und 30 Sekunden, und deren geographische Länge 33 Grad 33 Minuten und 15 Sekunden. Aus dem Gipfel steht eine kleine runde Kapelle, dem heiligen Laurentius geweihet, welche der kaiserliche Kammerpräsident» Christoph Leopold Graf «onSchafgotsch, im Jahre -66g erbauen ließ. Vom Jahre 1631 «n, wo sie eingeweihet worden, geschahen jährlich fünf Wallfahrten dahin; jetzt aber hat man uur noch drei so genannte Kuppentage, als Mariä Geburt, Heimsuchung und Himmelfahrt. Schneide, Schneiße, eben so viel als Sprenkel, Dohne, zum Vogelfang. (Johann Georg) Eulogius Schneider wurde zu Wipfeld, einem kleinen Dorfe unweit Würzburg, 1756 von sehr armen Aeltern geboren. Auf dem Gymnasium zu Würzburg erhielt er Unterricht von den Jesuiten, führte aber einen so unordentlichen Lebenswandel, daß er endlich aus Verlegenheit sich in seinem zwanzigsten Jahre entschloß, Frans- ciscaner-Mönch in Bamberg zu werden. Allein seine Denkart vertrug sich mit den Ordensregeln der Mönche eben so wenig als sich sein Körper an die Lebensart derselben gewöhnen konnte; er war daher froh , im Jahre 2786 bei dem Herzog von Wirtembcrg eine Hofprediger-Stelle zu bekommen. Aber auch hier fühlte er sich nicht ganz glücklich, weil er wegen seiner Unbesonnenheit im Reden und Handeln nie in voller Gunst beim Herzoge seyn konnte; um so willkommner war ihm daher der Ruf, den er 1789 als Professor der Griechischen Sprache an die Universität Bonn erhielt. Der Churfürst Maximilian, bekanntlich ein eifriger Beförderer der wahren Aufklärung, nahm sich seiner vorzüglich an und schützte ihn gegen die Ränke und heimlichen Kabalen der orthodoxen Pfaffen , für welche Schneider zu aufgeklärt lehrte und schrieb. Dieser, anstatt die ihm zugestandene Freiheit mit Vorsicht zu nützen , fuhr fort, Schn Scho 207 den Reformator zu spielen und da aufzuklären, wo er nicht verstanden wurde. Der Churfürst wurde endlich so aufgebracht gegen ihn, daß er ihn im Mai >791 entließ. Schneider, der seit dem Ausbruche der Französischen Revolution eifriger Democrat war, eilte unverzüglich nach Strasburg; hier erhielt er die Stelle des bischöflichen Vicars, und in der Folge wurde er zum öffentlichen Ankläger bei dem Criminalge- richl in dem Departement des Nieder Rheins gewählt. Anfänglich betrug er sich gut, und wurde wegen seiner Kenntnisse und seines Patriotismus allgemein geschäht; aber bald entwickelte sich sein unruhiger und verderbter Charakter auch hier; er ward anmaßend, erlaubte sich unzählige Bedrückungen gegen seine Mitbürger und kränkte jeden Rechtschaffenen durch sein trotziges, absprechendcs Betragen. Als angeblicher Mitschuldiger des Strasburger Maire Dietrich wurde er nach Paris gebracht und am 1. April 1794 guillotinirt. Mehrere haben ihn für einen Märtyrer der guten Sache gehalten, der er aber sicherlich nicht war. Mit einem Hellen Verstände verband er ein sehr verderbtes Herz; das Gute beförderte er weistenlheils nur aus Laune und wenn es ihm nicht viel Mühe kostete. Unter seinen Gedichten finden sich einige schätzbare Stücke; auch hat er einige andere Werke theologischen Inhalts bekannt gemacht, welche Lob verdienen. Aber seine Unwäßigkeit in sinnlichen Ausschweifungen erstickte tn ihm die Stimme dcr Dernunft; und die Undankbarkeit, deren er sich gegen seine Wohlthätcr schuldig machte, war kein undeutlicher Zug seines schlechten Herzens. Schnellgalgen, ein Galgen in Gestalt eines I*, um Ausreis- ser daran hinauf zu schnellen oder ihre Nahmen daran zu schlagen. — Schnell-Loth, eine schnell-vder leichflüssige Masse, zum Mctallö- then, besteht gemeiniglich aus Wismuth, Zinn und Blei. Schnepfendrcck, nennt man die Schnrpfengedärme nebst Leber und Magen, welche mit Eyern und Semmelmehl in Schmalz gebacken werden. Sch 11 igge, Schnick, ein kurzes rundes Fahrzeug prm Austerfang in der Nordsee. Schnörkel oder Schnecke, heißt in der Baukunst eine an einer Säule angebrachte Verzierung in Form einer Schneckenlinie oder auch in Gestalt eines 8. Schnur, heißt des Sohns Frau, die Schwiegertochter. Das Schock bezeichnet 1) bekannlermaaßen eine Anzahl von 6o Stück; 2) war es ehedem, ehe Gülden und Thalcr bekannt wurden, in einem Theile Deutschlands eine Münzsorre, auf welche man genau 60 Groschen rechnete. In Sachsen hakte man vorzüglichzwrierlei Arten von Groschen, nähmlich alte silberne» auch Wilhelminer genannt (unter Churf. Friedrich II. und Herzog Wilhelm aus, geprägt), wovon 160 eine feine Mark Silbers enthielten, deren 20 Stück so viel als 60 Löwengroschen ausmachten; und Löwengro, schen, wovon 60 Stück ein Schock ausmachken und so viel als 2» alte silberne Groschen galten. Daraus ist nun nachher der Unterschied zwischen alten und neuen Schocken — jenes zu 20, dieses zu 60 guten Groschen gerechnet — entstanden, welcher auch noch jetzt in ge, wissen Fällen (j. B. bei Geldstrafen ;c.) Statt findet, so, daß ein al« ^oZ Scho Schö rcs Schock 20 Er. ein neues Schock 2 Rkhlr. 12 Gr. gerechnet wird. Eben hiervon schreibt sich auch 5) die Benennung gewiffer Landessteuern in Sachsen her. Als man nähmlich im Jahr 1546 die von unbeweglichen Gütern zu erhebenden Steuern, welche vorher nur will- kührlich waren geschätzt worden, auf einen bessern und nach dem wirklichen Werthe der Grundstücke zu bestimmenden Steuerfuß bringen wollte, ließ man diese Grundstücke taxiren; und nach dem Werthe derselben, welcher eben nach solchen Schocken gerechnet wurde, regulirke man nun die Derlheilung der Abgaben» welches die Bcschockung genannt wurde. Wenn es also z. B. heißt: „auf diesem Grundstücke haften nach dem Steueranschlage von 1546 24 Schock", so will das so viel sagen: „dieses Grundstuck ist nach seinem damahligen Werthe auf 24 Schock (d. i. 480 Stück Wilhelminer oder 144c, St. Löwengroschen) geschätzt und diese Schätzung zur Grundlage der Besteuerung gemacht worden." In der Folge, da der Werth der Grundstücke sich sehr änderte, entstanden neue Eeschockungen, nahmentlich im Jahr 1628: allein da nachher wieder Veränderungen vorgegangen waren: so gab dieß zu den übrigen Einlheilungen der Schocke Anlaß, z. B. in gangbare, welche noch jetzt wirklich vergeben werden, in ermäßigte, wo die Ansätze zum Theil ermäßigt» in decremen te» wo manche Ansätze vor der Hand ganz erlassen wurden, incaduke» da viele Grundstücke ungebaut liegen blieben rc. Scholar, (Lat.) ein Schüler. Auch führten diesen Nahmen die ehemahligcn Pariser Studenten; desgl. diejenigen Soldaten, welche den griechischen Kaisern zur Leibwache dienten. — Scholarch, der Schulpfleger » Aufseher über eine Schule, wofür man auch Sch 0 la- ster sagt. Besonders führt den letzter» Nahmen der Lehrer an einer katholischen Domschule. Scholar chat, das Schulpflegeramt. — Schönbeck, eine brandenburgische Stadt an der Elbe über Magdeburg , wo in 4Z5 Häusern auf 4271 Menschen wohnen, hat ein berühmtes Salzwerk. Schönblind, d. h. scheinblind oder mondblind, wie ein Pferd heißt, welches den Mondschein nicht vertragen kann. Schöndru ^ heißt die erste bedruckte Seite eines schönen d. i. weißen Bogens. S. lk'rjwe. — Schönfärber, ein Kunstfärber, welcher die Zeuge mit hohen und Hellen Farben zu drucken versteht. — Schöne Künste, nennt man die Dichtkunst, Redekunst, Malerei, Bildhauerei, Baukunst» Tonkunst, Tanzkunst, und in den neuern Zeiten auch die schöne Garten- oder Naturverschönerungskunst. Schönbrunn ein prächtiges kaiserliches Lustschloß in der Nähe von Wien an dem Flusse gleiches Rahmens. Das Hauptgebäude ist in einem prächtigen Styl gebaut, und mit einem großen Vorhof versehen. An das Hauptgebäude schließen sich von beiden Seiten lange Nebenflügel: das Ganze hat eine Länge von 500 Klaftern. Das Innere enthält gegen 1000 Zimmer, maiestätische Säle, prächtige Treppen, eine niedliche Hofkirche, ein schönes Theater u. s. w. Besonders verdienen bemerkt zu werden: Der große Spiegelsaal, die Freskomah- lereicn von Euglielmi, Gran, und Rvthmaper ; die Gemählde von Joseph Rosa, Meykens, Maron, Pittoni, Philipp und Georg Ha- Schi 209 milton, Troger u. s. w. die vier Porzellänkabinette und andere niedliche Kabinette mit Zeichnungen, Miniaturstücken und Tambourinmbeit, von den kunstreichen Händen verschiedener Prinzen und Prinzeffinnen des kaiserlichen Hauses; die kostbaren Gobelins- Tapeten, die über eine Million Gulden kosteten, u. s. w. Hinter dem Schlosse befindet sich der Garten, der in mehrern Rücksichten höchst merkwürdig ist und nebst dem Schloße einen Umsang von 280y Klaftern hat. Er besteht zuerst in einem großen Ziergarten, der in altfranzösischem Geschmacke angelegt ist, aber sich zuletzt in ein angenehmes Wäldchen verliert. Die vorzüglichsten Zierden desselben sind: Dir Alleen, welche an Größe und Höhe wenig ihres Gleichen haben; das auf einem Hügel in wahrhaft edlem und schönem Style gebaute Gloriette; der Obelisk; die Ruine; die Fontainen; daS Heiligthum der Schönbrunnernymphe, das sogenannte Brünnel, und die vorzüglichsten Meisterwerke der Bildhauerkunst von Beyer, Hagenauer, Fischer und andern Künstlern. Weit merkwürdiger als der Ziergarten ist der sogenannte holländische oder botanische Garten, der eine solche Menge von seltenen und kostbaren Gewächsen enthält, daß man ihn eine wahre botanische Schatzkammer nennen kann, die nicht leicht ihres Gleichen aufzuweisen hat. Noch sind besonders zu bemerken: Die ioo Klafter lange, hochgewölbte Orangerie, eines der außerordentlichsten Werke der Gartenkunst; die Obstgärten mit 500 außerlesenen innländischen und vielen seltenen ausländischen Obstartcn, die zugleich als Pflanzschule zur Veredlung der Obstbaumzucht in Oesterreich dienen ; die botanischen Anstalten der Erzherzoge, der Fasangarten und endlich eine Menagerie voll seltener Thierc, die sich besonders durch ihre schöne und zweckmässigen Einrichtung auszeichnct, so daß ihr in dieser Rücksicht nicht leicht eine andere Menagerie Europens gleich kommen dürfte. Schönbrunn war im sicbenzehnten Jahrhundert nichts als ein mit einem Jagdgebäude versehener Thiergarten, der von der köstlichen Wasserquelle dem Nahmen erhielt. Kaiser Leopold der I. ließ 1696 durch den berühmten Fischer von Erlach einen Pallast für seinen Sohn den Römischen König Joseph I. dort Aufführen. Maria Theresia gewann den Ort besonders lieb. Sic ließ das Schloß vergrößern, und im Innern verherrlichen, die Seitenflügel ausbauen und gab dem Garten, der die herrlichen Bildhauerwerke und Architekturstücke erhielt, eine ganz andere Gestalt. Kaiser Franz I. legte den botanischen Garten und die Menagerie an, die unter den nachfolgenden Regierungen ihre weitere Vei vollkommnung erhielten. Schön bürg, eine Grafschaft am westlichen Theile des Sächsische» Erzgebirges. Die Herren derselben, die sich in zwei Haupt- linien, in die Waldenburgische und in die Pcniaische, und in mehrere Nebenlinien eintheilen, sind der Königlich-Sächsischen Landeshoheit unterworfen. Glauchau, Waldenburg, Lichtenstein, Hartenstein, stellen kleine Residenzstädte vor. Die Schöppen: so nennt man 1) die Beisitzer in den Gerichten, besonders aber in den Dorfgerichten; 2) vom Staate bestellte Justiz. Cvllegien, deren Pflicht cs ist, Urthel über die an Cnnv. Lex. Fünfter Band. O 2 »0 Sch - sie zur Entscheidung geschickte» Rechtssachen zu fällen, die aber keine eigentliche Gerichtsbarkeit haben. Ihr Nähme kommt von Schaffen, weil sie gleichsam das Urthel schufen, d. h. erkunden (daher man sie Lateinisch Scabiaos nennt), nach Andern von schöpfen, weil sie ihre Aussprüche auS den Rechten schöpften. Schon in den ältesten Zeiten Deutschlands nahmen die Richter, welche aus den Angesehensten deS Volks gewählt wurden, sich freigeborne Beisitzer zu Hülfe, welche nicht allein Rath gaben, sondern auch selbst Unheils« spräche machten; und voo diesen Beisitzern, die man im Mittelalnr Schöppen oder Scheffen nannte, und selbst in kleinen Orten und Dörfern als Gehülfen der Richter anstcllce, schreiben sich noch unsere DorfgerichiS-Schöppen her, welche freilich jetzt wegen des außerordentlichen Umfangs des juristischen WiffenS in rechtlichen Sachen nicht die geringste Gewalt haben, sondern bloß der Feierlich, kcit und Ordnung wegen bei den meisten Handlungen, die vor Ge. rieht geschehen, besonders bei peinlichen Sachen, gegenwärtig seya müssen. Man hat ihrer gewöhnlich zwei, die zugleich mit dem Dorfrichler und GerichtShalter das Personale des Gerichts ausmachen. — Im Mittelaltec stiftete man aber in vielen Städten ganze Callegien von rechtserfahrnen Männern, welche den eigentlichen obrigkeitlichen Personen die Urtheilssprüche verfertigten, und nannte sie Schöppenstühle. Die Schöppen dieser Art waren damahls beinahe die Einzigen, welche des Rechts einigerma- Den kundig waren; aber ihre Kennlniß erstreckte sich bloß auf das «i, gentliche Deutsche Recht, welche- sie daher auch sehr standhaft erhielten , und gegen das Eindringen der fremden Römischen und kanonischen Rechte schützten. Auch erwarben sie sich dadurch großes Verdienst, daß sie daS Deutsche Recht von seinem gänzlichen Untergänge retteten (s. Sachsenspiegel); und wo enkw der keine Gesetze vorhanden waren (die damahls fast gänzlich fehlten) oder ihre sehr eingeschränkte Rechtskenntniß sie verließ, entschieden sie nach Billigkeit, Herkommen und gesunder Vernunft, obgleich oft sehr falsch. Das Ansehen derselben stieg so hoch, daß man nicht nur das ganze damahls gebräuchliche vaterländische Recht nach ihren Ent- scheidungen bildete, sondern auch Ausländer, z. B. die Pohlen, ihre Rechtssachen freiwillig ihren Aussprüchen unterwarfen, welches besonders bei dem Magd ebur gischen Schöppenstuhle, dem de. rühmtesten unter allen, geschah. Da aber nachher tbeils daS Römische und canvnische Recht im Jahre als subsidiarische Entscheidungsquelle der im Deutschen Rechte nicht bestimmten Fälle, ausdrücklich ausgenommen wurde, lheils den Juristen facul täten ebenfalls das Recht, Urthel zu machen, beigelegt wurde, verloren sie das Monopol der rechtlichen Entscheidungen, und sanken sehr herab. Noch jetzt haben wir viele durch gründliche Kenntnisse sehr berühmte Schöppenstühle, z. B. zu Halle, Jena, Lnvzig, Wittenberg rc. Der Schörl (Schirl) heißt beim Bergbaue ein kristallisirlcs prismatisches Gestein, welches ollemahl auf dem Bruch glänzend und schlackig auSfällt, wie Glas. Der meiste ist wie schwarzes Glas, ob- 2 1 r Scho gleich er auch roth. grau und grünlich gefunden wird. Tine der schönsten Arten ist der Turmalin (s. d. Art.) Die Scholastiker (Gcsch. d. Wissensch.), eigentlich die Vorsteher oder Lehrer an Schulen. Im Mittelalter führten die berühmtesten Theologen und Philosophen diesen Nahmen ausschließcnd, i n) daher entstand eine eigne Seele der Scholastiker oder dr scholastischen Philosophie. Man theilt sie gewöhnlich in drei Hauptperioden, wovon die erste mit dem Roscelin und Abälard (liao) anfängt, und mit Albert dem Großen (1250) schließt, die zweite bis auf den Durandus (>ZZ°) und die dritte dis zur Wiederherstellung der Wissenschaften im sechzehnten Jahrhundert fork- grführl wird. Die Basis, worauf die Scholastiker das System ihrer Philosophie gründeten, waren die Schriften des Aristoteles, und vorzüglich seine Abhandlungen über Logik, Kategorien und Syllogismen. Man bediente sich aber dabei nicht des Griechischen Textes, sondern elender Lateinischer Uebersetzungen, die aus dem Arabischen gemacht waren, und zugleich die Auslegungen dcS Avicenna und Averroes enrhielten. Der höchste Zweck, warum man die bisherigen Lehrbücher gegen diese neuen vertauschte, war kein Anderer, als um dadurch Gelegenheit zu bekommen, im Disputiren zu glänzen. Bei diesen Disputationen ging es sehr hitzig zu; die Kämpfer geriethen oft mit Ohrfeigen und Faustschlägen a» einander, und verschafften dadurch den Zuhörern ein sehr angenehmes Schauspiel. Unbekümmert um die wahre Absicht, welche durch die Wissenschaften erreicht werden soll/ fehlen sie ihren einzigen Ruhm in das Zusammenhäufcn einer Menge unnützer und spitzfindiger Fragen, in die Erfindung paradoxer Sätze, unnützer Definitionen und Distinktionen, und in die Fertigkeit, auf. gegebene Zweifel mit wahren oder scheinbaren Gründen sogleich zu lösen, oder den Gegner durch künstliche Wortspiele in Verlegenheit zu setzen. In ihren Schriften herrschte dieselbe verwirrte Methode. An ! einen zusammenhängende» Vortrag war selten zu denken; man stellte den zu behauptende» Satz auf, entwickelte ihn in Mehrern Fragen, ließ dann die Gründe darwider folgen, und beschloß endlich mit den bejahenden Gründen. Weitläuftige Erörterungen hielt man für unverträglich mit der Dialektik, und bediente sich ihrer daher selten; »och weniger war man der Deutlichkeit beflissen, weil auch diese der Streitsucht ungünstig war. Aber diese Methode, die in der Philosophie on- gefangen hatte - war dem Geschmacke beS Zeitalter- so angemessen, daß man sie bald auf alle übrige Wissenschaften, vorzüglich aber auf die Theologie, anwendete; und daraus entstand denn das monströse Lehrgebäude, wodurch während deS Mittelalter- die christliche Religion auf daS schimpflichste entstellt, und ganz unkenntlich gemacht wurde. Man überging darin die wichtigsten und tröstendsten Lehren, uw. sich bei denen zu verweilen, welche den meisten Stoff zum Di- sputiren darboten, und wobei man die verwegensten und gotteslästerlichsten Fragen aufwerfen konnte; auf die Bibel wurde dabei gar keine Rücksicht genommen, manche» Doktoren war sie sogar gänzlich unbekannt. Auch in der Philosophie vergaß man über den lächer- O 2 « I s Sch» lichsten Albernheiten die Untersuchung wichtiger Dinge. Menschen, welche sich mit der Auflösung solcher Fragen, ob z. B. ein am Strick geführtes Thier vom Strick oder vom Führer gehalten werde, im Ernst beschäftigen können, verdienen höchstens Mitleid»»; aber um ihren Scharfsinn wird sie sicher Niemand beneiden. Man darf übri- gens nicht vergessen, daß die Lateinische Sprache unter den Händen der Scholastiker in ein barbarisches Gaftmatias ausartete, an dessen Enträthselung die Geduld des geübtesten Kritikers verzweifeln kan». Die Vernachlässigung aller Regeln einer guten Schreibart; das Zusammenhäufen von Partikeln, die man oft mit einem Zeichen verse- hen mußte, um nicht im Zählen irre zu werden; das Erschaffen von neuen, höchst unangenehm tönenden Worten, und die größte Verwirrung im Vorträge der Ideen — dieses sind die charakteristischen Kennzeichen , wodurch sich die Schriften der Scholastiker von allen andern unterscheiden. Zuweilen flößt der Leser auf ganz unverständliche Stellen ; und da kann man immer mit Gewißheit annehm-n, daß die Verfasser sich selbst nicht verstanden haben. Es gab unter den Scholastikern mehrere Sccten, worunter die der Realisten und Nomina l i st e n die berühmteste ist. Man stritt nähmlich darüber» ob die allgemeinen Begriffe auch außer dem Verstände Wirklichkeit besäßen, oder bloße Abstraktionen der Seele wären; der Streit wurde mehrere Jahrhunderte hindurch mit der größten Lebhaftigkeit geführt, und doch dabei nichts ausgemacht. Du ns — einer der berühmtesten Scholastiker — verschaffte den Realisten eine Zeit lang die Oberband; aber nach ihm trat Oe kam — der den Beinabmen ein s unüberwindlichen Doctvrs führte — auf, und kämpfte für die Nominaiisten. Um die Zeit der Reformation wurde die Methode, womit die Scholastiker die Wissenschaften behandelten, so ziemlich verdrängt, wenigstens in protestantischen Ländern: dessen ungeachtet findet man noch häufige Spure» derselben selbst in unser» Lagen auf den berühmtesten Universitäten. Der Schöllest, einer, derScholien, d. h. kürzere oder län> gere Erklärungen über einen andern Schriftsteller, schreibt. Bei dm Griechen widmeten sich die Grammatiker» die den praktischen Tbe>l dieser Wissenschaft lehrten, ausschließend diesem Geschäfte. Ein großer Theil der alten Scholien über die berühmtesten Griechischen Schriftsteller ist auf unsere Zeilen gekommen; sie haben aber eine» sihr ungleiche» Werth, und sind durch die Abschreiber häufig verstümmelt worden. Je gleichzeitiger ei» Scholiast dem Schriftsteller war, d ss n Werk« er auslegke, um desto brauchbarer find gewöhnlich seine Scholien. Auch über einige Römische Schriftsteller hat man solche Auslegungen, die von später» Lateinischen Grammatiker» herrühren. Schonen, eine große Halbinsel in Südergochland, welche unter dem Titel rineS Herzoatbums eine der angenehmsten und fruchl- barsten Landschaften von Schweden auSmacht. Gegen Morgen und Mittag an die Ostsee, gegen Abend an den Sund, die Ost- und Wesi- see, und gegen Mitternacht an Schmalaad und Holland grenzend, in der Länge 4 Meilen und i l in der Breite fassend, wird sie in zwi Laudshaupkmannschaften, in die Malmoifche gegen Abend, und in Scho siz di- von Christian stadt gegen Morgen und Mitternacht eingetheilt, und zählt Christi a nstadt, Malmoe und Landskron unter ihre vornehmsten Städte. Das Land ist eben und fruchtbar, reich an Ackerbau» Viehzucht, Jagd, Fischerei rc. und wird wohl mit Recht Schwedens Vvrrakhskammer genannt. — Dormahls gehörte es der Krone Dänemark; im Rothschildischen Frieden aber 1653 gab diese es nebst den Landschaften Bleckingen , Holland und Bahus an Schweden. Schonen fahrer, heißen in Hamburg diejenigen Handelsschiffe, die nach der Provinz Schonen in Schweden, und überhaupt nach Norden auf den HeringSiang fahren, oder dahin Handel treiben. Schooner, (Engl. Schmier) eine platte Schaluppe, besonders in England gebräuchlich, und zum Landen sehr bequem; trägt Zo bi- 100 Lasten. Schoppen, ; Kanne, ; Seidel oder Nößel. Schornstein, eben soviel als Rauchfang oder Feuermauer. Sch 0 rschan, ein fruchtbarer Landstrich in Ostperfie» am KaS» pischen Meere unter einem feuchten Clima. Schoß, eine Abgabe von Grundstücken, welche diesen Nahmen daher bekam, weil sie anfangs den Obrigkeiten, wenn die schon bestimmten Abgaben za den Bedürfnissen nicht zureichten, alS Zuschuß bewilligt ward. Schoßer, ein Schoß., Gefäll - oder Steuereinnehmer , auch an einigen Orlen so viel als GerichtSoerwalter oder Ge- nchtShalter. — Soßkelle, der hinten am Wagen befindliche Raum zu Koffern, Kisten und Packeten. Schostack, SchuStak, eine Münze in Pohlen, Preußen und Ungarn, ungefähr 6 Kreuzer oder 1 Gr. 7 Pf. Schotten, Schottländer, f. Skoten. Schottland oder besser Scotland (Lat. Laotin) war seit dem neunten Jahrhundert nach Christi Geburt beständig ein für sich bestehendes Königreich, welches durch feine eingebornen Könige und ohne fremden Einfluß regiert wurde. Vor diesem Zeiträume aber de- faßte der Flächeninhalt des heutigen Schottlands zwei kleine Königreiche , welche über zoo Jahre neben einander bestanden, und welche g!gen ihre Feinde, dir Römer, in Gemeinschaft wie rin einziges Reich sich vertbeidigten und behaupteten; da- eine hieß daS Reich der Pikten, und das andere das Reich der Skoten (f. d. Art. Skoten). Nach dem Abflerben des Königs HungiuS aber im neunten Jahrhundert, mit welchem zugleich der Piktische Mannsstamm erlosch, wußte der damahls regierende König der Skoten, Kenne th ll. welcher von der Schwester deS HungiuS abstammte, sich dieses kleinen Piktischen Königreichs zu bemächtigen, und beide Reiche in eins zu vereinigen. Von dieser Zeit an kennen wir beide Königreiche bloß unter dem Nahmen Schottland, welches aber auch von hier an beständig von seinen Königen besonders regiert morden ist, selbst von denjenigen, welche durch Successionsrecht auf den Englischen Thron gelangt waren. Denn obwohl Jacob Vl. sogleich, nachdem er im Jahre 160 z nach dem Tode der Königin Elisabeth unter dem Nahmen Jacob l. den Englischen Thron bestiegen hatte, nichts lieber als 214 Scho eine totale Vereinigung Schottlands mit England wünschte, beiden Königreichen auch den Nahmen Großbritannien, sich selbst aber den T-rel König von Großbritannien beilegte; so widersetzten sich doch seine Schotten länger alS 100 Jahre dieser gewünschten Der- ! einigung aus allen Kräften, so, daß sie von den Königen Englands ! als ein besonderes Volk und Königreich regiert werden mußten: kurz, > nur erst im Jahre 1707 gelang es der Königin Anna, der jüngsten > Tochter Jacobs II. diese totale Vereinigung Schottlands mit England durchzusetzen; aber auch nur erst von dieser Zeit an ist eigentlich der Nähme Großbritannien, so wie der Titel König von Großbritannien, diplomatisch richtig. DaS ans dieser durchge- fetzken Vereinigung entspringende Resultat aber war, daß Schottland, welches zcither an den Regierungsgeschäften Englands, so wie a» der Gesetzgebung, keinen Antheil genommen hatte, nunmehr, der Engli. scheu Nation gleich, Antheil erhält, aber auch dagegen, dem Englischen Volke gleich, von dem Könige von England als einem gemeinschaftlichen Regenten sich regieren lassen muß. Mithin ist Schottland ^ seit der Zeit seiner Vereinigung mit England ein Theil von Großbri- ! tanni-'n, und unter beiden, im staatsrechtlichen Sinne, kein großer ! Unterschied mehr übrig, außer daß die Anlagen und Bedürfnisse beider > Reiche verhältnißmäßtg vertheilt zn werden pflegen. ! WaS nun aber die vorher erwähnte Succession der Könige von ! Schottland in England betrifft, so war die Veranlassung dazu kürzlich ! folgende: Mit dem Tode der Königin Elisabeth, alS dem letzten ! Zweige des Hauses Tudor (welches seit 1435 bis i 6 oz in England regiert hatte), war daS ganze königliche HauS in der männlichen Des- cendenz auSgestorben. Elisabeths Vater, Heinrich Vlll. hatte zwei Schwestern, davon die ältere, Margaretha, an den König von Schottland, Jacob V. vermählt gewesen war. Die aus dieser Ehe erzeugte Prinzessin Maria, erst an den Dauphin Franz il. dann an Heinrich Darnley vermählt, dieselbe unglückliche Maria von Schottland, welche die Königin Elisabeth i ; 8 ? enthaupten ließ (s. den Art. Maria Stuart), hatte mit Darnley einen Prinzen gezeugt, welcher noch als ein Kind von einem Jahre und lange schon vor der Enthauptung seiner Mutter auf den Schottländischen Lhion, unter dem Nahmen Jacob VI. gelangt war. Weil nun nach d-m Tode der Elisabeth, als der einzigeu bisher übrig gebliebenen Defcendenttn in der männlichen Linie, dieser Jacob VI. König von Schottland, der nächste weibliche Descendent war; *) so gelangte er auch sstzt ohne die mindeste Schwierigkeit in England zur Succession, ja Elisabeth bestimmte sich denselben noch sogar in einer besonder» von dem Parlamente genehmigten Acte ausdrücklich zu ihrem Nachfolg-r. — Daß aber Schottland bei dieser gänzlichen D-reinigung mit England keinen Schaden, vielmehr den größten Nutzen gehabt habe, liegt am Tage; wie konnte England auf seinen 'j Er war der Großenkel Heinrich- VII. Königs von England, vnd stammt also im dritten Grade von seinem mütterlichen Stammvater ab. . Scho r, F Nutze» allein bedacht seyn, ohne nicht zugleich den Nutzen feines ^ Schivestcrlan-eS, Schottlands, auch mit zu berücksichtigen? — Eng- > land war von jeher ein handelnder Staat; und Schottland mußte ^ nach seiner Vereinigung »Heils wegen seiner naben Lage an England, theils wegen seiner vortrefflichen Häfen, hauptsächlich aber vermittelst der Ungeheuern Reichthümer Englands, nothwendig eben das werden, was eS gegenwärtig ist. Das Königreich Schottland, wenn wir dasselbe getrennt von England denken, «st geographisch genommen eine Halbinsel, deren Länge von Mi tag gegen Mitternacht zu ungefähr «o Deutsche geographische oder 2,z Schottische, die Breite aber von Morgen gegen Abend 52 Deutsche oder igo Schottische Meilen beträgt. ES grenzt gegen Mittag an das Irische (Irländische) Meer und an England, gegen Abend, Mitternacht und Morgen aber an das so genannte Schottische Meer, das heißt, an die Schottland großen TheilS einschließenden Gewässer. Man theilt in geographischer und staatsrechtlicher Hinsicht dieses Reich in drei Haupkabtheilungen ab, nähm- lich i) in Südschot kl and, 2) in Mittel- und .g) in Nordschottland. Das ganze Land aber besteht auS Z> Shi res oder Grafschaften. Der Hanplflnß de- ganzen Königreichs, welcher Süd- ind Mitkelschottland von Nordschortland trennt, ist der Tay; die Hauptstadt des Reichs Edinburg; die übrigen bedeutenden Städte baden m ist nkheilS gute und sichere Häfen. Die Einwohner Schott' lands «heilen sich in Hochländer und Niederländer: jene wol, len noch wahre Abkömmlinge von den alten Skote», mithin Ceiti- schen Ursprungs, seyn, und wohnen vorzüglich in den so genannten Schottisch n Gebirgen, mithin in Nordschottland, auch auf den Inseln; diese aber sind eine Mischung a»S vielen Nationen, als auS ursprünglichen Skoten und Pikten, aus Engländern, Portugiesen, Dänen, Deutschen und nabmentlich Sachsen, aus Franzosen, Ungarn und andern Völkern. Die Volkömaffe deS ganzen Königreichs aber ist, nach der Angabe der meisten Englischen Statistiker, ungefähr >; Million, mithin verhältnißmäßig lange nicht so volkreich als England. Die LanheSreligion Schottlands ist zwar die Protest«»tische»; indeß da die Einwohner selbst auS so vielen und verschiedenen Völkerschaften zusammengesetzt sind, und in den gesammten Großbritonni« schen Staaten der Dulbungsgeist seit langen Jahren Hanprwaxime war; so kann man sich leicht vorstellen, daß es in diesem Reiche Bekenner von allen Religionen geben müsse. Das ganze Reich hat übrigens die vortrefflichste Lage zum Handel, gute, zum Anlanden gelegene Küsten, und die schönsten Hafen: es hat mehrere Gebirge, welche reich an Blei, an Kupfer, an Eisen, Stahl, Quecksilber und An- timvnlum sind; auch mehrere Stein - und Marmorbrüche gibt es hier zu Lande. An den Grenzen Schottlands ist treffliche Maldung von langen, zum Schiffbau tauglichen Baumen, und in manchen Gegenden sogar Ueberfluß an Getreide, so, daß große Geldsummen dafür Eingehen. Die Viehzucht ist hier wegen der fetten nahrhaften Weiden besonders gut, hauptsächlich die silffrdezucht: und obwohl die Schottischen Pferde meist von kleinem Schlage sind, so werden sie doch we- s 16 Scho Schr gen ihrer Dauer im Auslande sehr geschätzt und theuer bezahlt. Die Schafe geben zwar nicht die gute Wolle wie die in England; indeß ist doch der Ertrag davon für Schottland sehr wichtig und ergiebig, indem man sie ganz eigends zu benutzen weiß. Kurz, Schottland zieht aus seinem Viehstande bedeutende Summen sowohl von England alS von andern Nationen. Eben so bedeutend ist aber auch für dieses Kö- nigreich der Ertrag au- den vielen Steinkohlen, welche ebenfalls ins Ausland verfahren werden. Der Schont dp Nacht ist bei der Schiffahrt der dritte Flagg- officier, welcher gleich nach dem Vice - Admiral folgt (f. d. Art. A o- miral): er commandirt bei der Kriegsflotte allemahl, sowohl im Gefecht, als auch außerdem, den Nachzug, und muß hauptsächlich dcS Nachts darauf Acht haben, schauen — daher auch der Nähme — daß die Schiffe beim Segeln ihre Ordnung behalten, und sich nicht an- vder üderfegeln. Schouwen, die größte Insel in Seeland, (einer Holländischen Provinz) enthält unter andern die Stadt Zirkzee, wo man igoo Häuser und 10,500 Einwohner zählt. Es gibt hier Bänke, auf welchen sich die Austern fortpflanzen. 8ciiou>ver, (Holl.) heißt in Holland eine Spanische Münze, welche ohngefähr 2 Pf. gilt, und in Spanien Octsvo heißt. Schraffiren, (Jtal. s^rskkinrs) heißt bei den Zeichnern und Kupferstechern entweder dichte, parallel laufende oder ins Kreuz gehende Linien machen, wodurch sie den Schatten ausdrücken; Schat. tenlinien ziehen oder eingrabrn. Dreß Verfahren wird die Schraffi- rung genannt. Eine Zeichnung mit der Feder wird schrafsirte Zeichnung genannt, weil man ebengenannteS Verfahren dabei befolgt. Schrägen, ein Holzmaaß, welches z Klaftern lang und r Klafter hoch ist. Desgleichen: ein bewegliches schräg - oder kreuzfü- ßiges Gestell, z. B. einer Bank, eines BctteS. Schranzen, Hofbediente, Hofleute, insgem in mit dem Nc- bcnbegriff der Schmeichelei und Kriecherei. Schrauben Mutter, der mit Schraubengängen versehene hohle Raum, welcher die eigentliche Schraube aufnimmt, auch Din- nen-Schraube genannt. Schrcckenberger, eine alte Sächsische Münze, zur Zeit Shur- fürst Friedrichs des Weisen geprägt, welche von dem bei An- naberg gelegenen Schreckenberge, woraus das Silber dazu ge- nommen wurde, den Nahmen führte; sie hießen auch Muthpfennige und Eugelgroschen, weil ein Engel mit dem Sächsischen Wappen sich darauf befindet. Es waren alte Meißnische Groschen, deren Werth eigentlich drei Groschen betrug, ja von Ehurfürst Johann noch auf z; Groschen erhöht wurde» so, daß 7 Stück auf einen harten Thalrr gingen. Späterhin münzte man 6 Stück auf einen Gulden ; und unter Johann Georg l. zur Kippzeit wurden leichte Schreckcnbcrger geschlagen, das Stück zu vier leichten Groschen, die bei der Reduktion nicht mehr alS 6 Pfennige galten. Sch» 217 Schreckenregierung, s. Lerrorimus. Schreck-Schanze, f. Ke 6 oute. Die Schreibekunst ist die Kunst, durch Buchstaben oder andere an deren Stelle tretende Zeichen, auf Papier oder einer andern Masse, seine Gedanken vorzustellen. Sie begreift als Haupttheile 1) die Schönschreibkunst oder Kalligraphie (s. diesen Art.), r) die Rechtschreidekunst oder Orthographie (s. d. Art.) — welche auch ei» Theil der Grammatik oder Sprachlehre (f. d. Art.) — ist. Roch gehören zu derselben als Nebentheile 3) die Geschwindschreibe, tunst oder Lachygraphie, 4) die Geheimschreibekunst (Kryptographie oder Steg anograp hie) und 5) die Schrei dmahle- rei (m. f. alle diese Art. unter ihren besonder« Rubriken). Die erste Grundlage der Schreibekunst waren Bilder, durch die man das Andenken merkwürdiger Gegenstände aufbewahrte, aus denen späterhin die Hieroglyphen (s. diesen Art.) entstanden. Als eigentliche Erfinder der Buchstabenschrift nennt man die Phönizier; von diesen kam sie zu den Griechen, welche sie den Lateinern und diese wiederum den Römern bekannt machten. Mit der Herrschaft der Römer wurde die Schreibekunst immer mehr verbreitet. In Deutschland (auf welches wir uns hier allein einschränken) war anfangs die Runenschrift (s. diesen Art.) bekannt; jedoch blieb hauptsächlich die Lateinische Schrift so wie die Lateinische Sprache bei dem Schreiben üblich, theilS weil Deutschlands Lehrer, die aus Irland und England kamen, in dieser Sprache schrieben, thrils weil die Deutsche Sprache noch zu rauh, und an Worten sehr arm war. Erst unter Carl dem Großen wurde sie durch Kero und Otfried gebildet; und man fing auch im neunten Jahrhundert an, sie zu schreiben, jedoch bloß mit Lateinischen Buchstaben. Ueberhaupt wurden öffentliche Schriften, z. B. Gesetze, Friedensschlüsse und Verträge, nicht bloß mit La. teinischer Schrift, sondern auch in Lateinischer Sprache abgefaßt, weil die Geistlichen, die allein der Lateinischen Sprache mächtig waren, sich durch den Gebrauch derselben in dem Monopol der wichtigsten Staatsämker zu erhalten suchten. Die Zeit, in der zuerst die Deutsche Schrift gewöhnlich geworden, setzt man gemeiniglich ins dreizehnte Jahrhundert, unter die Regierung Kaiser Friedrichs H. dagegen andere diese» Zeitpunkt später aunehmen. Die Ausbildung der Deutschen Schrift wurde wohl am meisten durch dir Buchdruckerkunst befördert. Deutschland hat, wie Breitkops bemerkt, nur zwei eigne Schriftarten, die Frack ur- und Current Schrift, indem die Can zl ei - Schrift bloß eine zum Geschwindschrciben eingerichtete Fractur ist, in der die Buchstaben mehr gebogen und mit einander verbunden find. Die Fractur-Schrift bildete sich aus der im eilsten Jahrhundert entstandenen so genannten Neuaothischen oder Mönchs, Schrift. Späterhin und erst am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts kam auch bei dem Drucke die Current - oder Cursio-Schrift in Gebrauch; man halte nähmlich bisher bloß mit gerade stehender Schrift gedruckt, allein der ältere Aldo Manucci in Venedig erfand auch die schief liegende oder Cursio-Schrift. Im sechzehnten Jahrhundert erhielt endlich die Deutsche Schrift ihre vorzüglichste Ausbildung durch »,8 Schr Albrecht Dürer (s. dies. Art.); dieser setzte Anfang- für die Frac- tur, nachher auch für die übrigen Schriften, die gehörige Proportion fest, worauf sie durch seine Schüler und die Schönschreiber die jetzige regelmäßiae Gestalt erhielten. Schre ibershau, ein großes Dorf in Preußisch - Schlesien am Fuße des Riesengebirges von i6uo Einwohnern mit einer Glashütte. Die Schreibmablerei (die Mahlerei mit der Feder); sie dankt ihren Ursprung den Schreibmeistern oder Schönschreibern. Zur Zeit der Ersindung der Buchdruckerkunst war besonders in Nürnberg eine Klaffe derselben, die man Modisten nannte; diese suchten nicht bloß schön zu schreiben, sondern auch ihre Schrift durch allerlei Verzierungen und Sonderbarkeiten zu heben. Zuerst erfanden sie die Klei n- schreiberei; sie schrieben nähmlich mit so kleinen Buchstaben , daß man solche kaum ohne Vergrößerungsglas lesen konnte. Der Gebrauch derselben erhielt sich im >7ken und zu Anfänge des >3ten Jahrhunderts; und man sindet noch in öffentlichen Bibliotheken und Bildercabinetten ganze Bildnisse mit Einfassungen, die aus ganz kleiner Schrift bestehen, welche die Geschichte der abgebildeten Person oder eine Lobschrift derselben enthält. Da diese Arbeit mit vieler Mühe verbunden war; so wählten sich dir Schönschreiber einen freier» Spielraum und fertigte n zu Auszierung ihrer Schriften, besonders zu Anfang und am Ende derselben, mit der Feder ganze Landschaften u. deral. Der bessere Geschmack hat jedoch sowohl die Kleinschreiberei als auch dir eigentliche Schreibmahlerei in Vergessenheit gebracht. Schreiner, heißen die Tischler von dem altdeutschen: Schrein oder Schrank. Die Schriftgießerei (Schriftgießerkunst) oder die Kunst, Buchdruckerlettern zu gießen, wurde von Peter Schoiffer, einem Geistlichen zu Gernsheim und Gehülfcn von Johann Faust, gegen das Jahr 14^2 zugleich mit der Buchdruckerkunst erfunden (s. auch den Art. Buchdruckerkunst). Das Verfahren bei der Schriftgießerei ist ungefähr folgendes: Der Buchstabe wird zuerst erhaben aus einen stählernen Stempel (rminxcm) geschnitten, und dieser dann so gehärtet» daß man ihn in Kupfer einschlagen kann; dieser Abschlag oder diese Form wird die Matrice genannt, in welche die Buchstaben hernach mittelst der Gießlade (maule) gegossen werden. Die gegossenen Buchstaben werden dann auf Sandstein abgeschliffen» auf den Winkelhaken zusammengesetzt und in dem Bestoßzeuge (coupcrir) durch Abhobeln und Abschaben der Rauhheiten, unnothigen Ecken und des Grades (rsborcj) fertig gemacht, im Schiff in Columnen aufgesetzt und aufgebunden. — Das Metall übrigens, aus welchem die Buchdruckerlettern gegossen «erden» ist eine Zusammensetzung aus Blei und martialischem Spiesglasköaig, welcher dem Blei die nöthige Härte gibt. Im Jahr 1467 brachten zu Rom zwei Deutsche, Arnold Pan- narz und Conrad Schweinheim, zuerst die Antiqua zu Stande. Der Italiener Aldus M anut ius, welcher >515 starb, hat die C ur si v - S chrift erfunden. Die rechten Schriftmaaße der zierlichen Deutschen Schrift bracht« Johann Neudorser 1538 zu Schr 219 Nürnberg hervor. Der Schriftgießer Schwabach erfand die söge? nannten Schwabacher Schriften. In den ersten 200 Fahren der Buchdruckerkunst hatte Leipzig eigne Schriftschneiderund eigentliche Schriftgießereien nicht; die erste» wovon man Nachricht hat, besaß der Buchdrucker Hahn im Jahre >656, die er aber an den Buchdrucker Janson verkaufte. Aus dieser entstand in jenem Jahrhunderte noch die berühmte Ebrhardische; allein die Abschläge zu den Schriften ließ sowohl diese als die zugleich entstandene Porsdorfische Gießerei von Nürnberg kommen, wo es immer geschickte Schriftschneider gab. Der Buchdrucker, der sich in Leipzig zuerst aufs Stempelschneiden legte, war Müller; die bei seinem frühen Absterben hinterlasse- nen Stempel und der Anfang einer kleinen Gießerei kamen durch Hei- rath seiner Wittwe 1719 an den älter» (Bernhard Christoph) Br eit köpf, dessen Sohn, Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf, sich durch große Erweiterung und Verbesserung seiner Schriftgießerei (welche noch jetzt die vollständigste in Europa ist) , durch Erfindung der musikalischen Typen, der Landkarten - Typen und der beweglichen Lettern zur Chinesischen Schrift, hauptsächlich aber als Historiograph seiner Kunst große Verdienste erworben hat. Das größte Verdienst bei der Schriftgießerei bestehr in der Kunst Stempel zu schneiden; und hierin haben sich früher Basker- ville, unter den Deutschen Zink und Schmidt, neuerlich, aber die Didote in Paris und Bodoni in Parma sehr ruhmvoll her- vorgethan. Die vorzüglichsten Schriftgießereien in Deutschland sind, außer der schon erwähnten Breitkopfschen (jetzt Breitkops- Härtelschen) in Leipzig, die Pri l lw itzsche in Jena, die U n- gersche und Fränkische in Berlin, die Mannsfeldische in Men rc. Schri fl fassen, s. den Art. Ritter, und zwar die Note daselbst. Schritt, ein Längemaaß, so weit ein Mann schreiten kann. Der gemeine Schritt hat 2 1/2 Schuh» der geometrische 5 Schuh. Johann Matthias Schröck, einer der berühmtesten Geschichts- Ichrer Deutschlands, geb. 17ZZ zu Wien» wo sein Vater Kaufmann war. Mit sehr großen und trefflichen Anlagen von Natur ausgerüstet, legte er zu Presburg auf dem lutherischen Gymnasium den ersten Grund zu seiner wissenschaftlichen Bildung. Sein Großvater, Bel, Senior des lutherischen Gymnasiums zu Presburg, weckte durch ein historisch- geographisches Werk über Ungarn zuerst seine Neigung für das Studium der Geschichte. Erging 1749 nach Klosterbergen, dann 1751 nach Göttingen und, im Jahr 1754 von seinem Oheim Bel, Prof, zu Leipzig, aufgefordert, begab er sich hierher, und betrat auch >7^6 hier die Bahn eines akademischen Lehrers, wo er über Kirchengeschichte, morgenländischc Sprachen, Geschichte der Theologie rc. las, und endlich Custos bei der Universitäts-Bibliothek, wie auch 1762 außerordentlicher Professor der Philosophie ward. Odglcich Anfangs gegen Schriftstellern sehr abgeneigt, nahm er doch endlich, durch ökonomische Umstände bewogen, Buchhändler-Anträge an, gab Wochenschriften und Ueberseyungen, und bald nun auch Lebensbeschreib ungeil Schr berühmter Gelehrten, nebst ihren Abbildungen (in z Bänden), in der Folge auch seine allgemeine Biographie (in 8 Theilen) > heraus. Im Jahr 1767 erhielt er den Ruf als Prof, der Dichtkunst nach Wittenberg, wo er 1775 dem berühmten Historiker Ritter als Professor der Geschichte folgte, da er schon als Director der Unioerft. ! tätsbibliothek Vorlesungen über Kirchenaeschichte gehalten hatte. Jetzt hielt er über Unioersal -, Literatur -, Reformations - Geschichte. über Diplomatik, über deutsche Reichs - und Sächsische Geschichte rc. seine Vorlesungen, die er ganz frei — er legte nur blos Compendien dabei zum Grunde — vortrüg, und auch diese mit bestimmter Ordnung und dem größten Fleiße fortsetzte bis ins Jahr 1806, wo der Ausbruch des Kriegs und nachher eine hartnäckige Krankheit ihm dieselben unmöglich machten. An seinem 75. Geburtstage (26. Jul. >808), als er mehre.' re Werke zu Bearbeitung des 9. Theils seiner Kirchengeschichte zusam. mentrug, hatte er das Unglück, von einer an das Reposttorium angelegten Leiter herunter zu stürzen; dieser Fall, der ihm einen Beinbruch und eine starke Erschütterung des Rückgrads zuwege brachte, veranlaßte auch seinen Tod: er starb am >. Aug., eben so allgemein betrauert, als verehrt und geachtet, als einer der thätigsten, fleißigsten Lehrer, als einer der wichtigsten Geschichtschreiber, der gewiß immerfort in seinen Schriften, jwie in seinen Zuhörern — Tausende von diesen wissen es, was sie ihm zu verdanken haben — sortlebt. Von jenen haben, airßer den schon genannten Lebensbeschreibungen berühmter Gelehrten der allgemeinen Biographie, der Weltgeschichte für Kinder (6 Bände), der neuern Bearbeitung des Hilmar Euras rc. unstreitig sein« Kirchengeschichte bis zur Reformation, in 55 Theilen, und dann die Fortsetzung derselben seit der Reform« t. (wovon 7 Theile erschienen sind, der 8 ganz vollendet, und der 9. eben von ihm angefangen war) ihn unsterblich gemacht. Zum Schlüsse stehen hier die Worte, die der würdige Superint. v. Nitsch am Grabe deS Vollendeten — der übrigens in sehr glücklicher Verbindung mit einer Gattin, die er leidenschaftlich geliebt hatte» lebte, aber keins seiner, mit ihr erzeugten, Kinder am Leben behielt — so wahr und so eindringend sprach: „Wie viel hat er als Schriftsteller gewirkt und genützt! Mit welchen Denk- mählern gelehrter Forschung, reifer Beurtheilung und feiner Darstellung hat er die Geschichte bereichert, dieses fruchtbare Feld des menschlichen Wissen-, für welches er lebte und webte, und das er selbst für die Kindheit und frühere Jugend urbar und nutzbar zu machen suchte" Friedrich Ludwig Schröder, geb. zu Hamburg >745, einer der ersten und berühmtesten Schauspieler. (Seine Mutter, Sophie Charlotte Schröder, geb. Biereichel, trennte sich von ibrem ^ Manne, dem Organist Schröder in Berlin, und betrat bei Schönemann zuerst das Theater, heirathete aber >749 in Moskau den als Schauspieler und Entrepreneur berühmten Conrad Ernst Ackermann. Seit >755, wo er zuerst Kinderrollen spielte, bei der Bühne, sprach er schon in den Jahren >764 u. folg, als er noch in rothen Strümpfen und beschnürtem Kleide (den damahligen Unterscheidungs- 2SL Schr zeichen der Dasets) Bedienten darstellte , mit einer Seichtigkeit, Ungezwungenheit und Laune, belebte die meisten seiner Rollen mit einer ko» mischen Trockenheit des Mienenspiels, welche ihn damahl schon unter die ersten komischen Schauspieler Deutschlands setzte. Bei der zweiten Ackermannschen Schauspiel Unternehmung in Hamburg machte er zugleich den Balletmeister, wo er mehr durch kühne Sprünge als seinen Tanz stch auszeichnete. Auch als Sänger wußte er die Operetten durch lein Spiel in komischen Singrollen genug zu heben, wir denn auch zwei von seinen Weiberrollen (Mutter Anne in Röschen und Kolas und in DancourtS Weinlese) noch von Mehrern Augenzeugen gerühmt werden. Bald übernahm er von Ackermann dir Direktion. Sein er« stes schriftstellerisches Product, der Arglistige, erschien ,77c auf der Hamburger Bühne, dem in der Folge mehrere, theils Original« Stücke, theils Bearbeitungen und Uebersetzungen fremder Pro- docte, nachfolgten. 177z verheirathete er sich mit Anne Christiane Harr, ged. zu Petersburg 17Z6, wo sie in der von der Russischen Kaiserin angelegten Tanzschule erzogen worden war, und mit mehrern Kindern aus diesem Institute 1764 zu der von Wäser in Reval errichteten Schauspieler-Gesellschaft und mit dieser >768 nach Deutschland kam. 177s in ihrem 17. Jahre wurde ste bei ihrem nach« mahltgen Gatten engagier, und war anfangs fast auSfchließend Tänzerin. Mißtrauen in ihre Kräfte und Schüchternheit hielten sie lange vom recitircnden Schauspiel zurück; selbst in Opern, obgleich sie nicht schlecht fang, spielte sic nur HülfSrollen: bis endlich öfters und dringendes Zureden ihres Mannes und ihrer Freunde sie bestimmten, bedeutendere Rollen zu versuchen; Susa ne Kant in Wissenschaft geht vor Schönheit war eine ihrer ersten Rollen. Nachsicht und aufmunternder Beifall des Hamburger Publikums halfen dem bescheidenen Talent dieser Künstlerin nach; und sie hat durch ihre bald darauffolgende» schönen Kunstdarstellungen einer Emilia, Rut- land, Ophelie in wenig Jahren hinter einander diese Aufmuntr- rungen hinlänglich belohnt. — Schröders Uebergang vom niedrig Komischen nicht bloß in das höhere Komische der Mantelrollen und Raisonneurs, sondern selbst in daS halb tragische Rollenfach, müssen wir in das Jahr 1773 setzen , wo er den 23. Novbr. zom ersten Mahle den Essighändl er von Mercier mit entgegengesetzter Wirkung bei einem Publicum darstellte, welches ihn nur für komische Rollen gebaut und organisirt glaubte. Doch ließ sich S. hierdurch nicht ab- schrecken; sein unermüpeter Eifer, seine Anstrengung, sein Menschenstudium gaben bald einleuchtende Beweise ihrer Kraft, we, n echtes Kunstgenie seltner Ehrgeitz den Künstler anspornen. Er spielte daher i ?78 den von ihm bearbeiteten Lear, bald auch den Hamlet (eine Rolle, in welcher schon Brvckmann 1776 glänzte, wo damahls S.den Geist darstellte), dann den Fallstosf in Heinrich lV. und 1779 zuerst dem Macbeth (mit Bürgers He^enscenen). Ueber seine Theater-Unternehmungen in Hamburg und Hannover und über seine theatralischen Reifen findet man in mehrern Theater-Schriften (von «Lchütz — den Ephemeriden d. L. u. d. Thcak. — der Theater-Zeit, rc.) Nachrichten, so wie auch fein Bildniß in mehrern Theater-Al- 2»r Schr manachen. — Den 18. März 1796 beschloß er seine theatralischen Vor» stellungen mit dem Od 0 ardo, und 1798 übertrug er dem Ausschuß der Fünfe die Direktion. DaS große Künstlerpaar lebt abwechselnd auf seinem Gute Möllingen und in Hamburg. Johann George Schröpfer, ein plumper Charlantan und Geisterbeschwörer der neuern Zeit, der das Aufsehen, das er machte, keineswegs verdiente. Es war in der That sonderbar, wie er, der in Leipzig Kaffecschcnke war, auf den Einfall kommen konnte, den Magier zu spielen: allein unverschämte Dreusiigkeit und eine unwiderstehliche Neigung, sich wichtig zu machen, führten ihn zu den abenteuerlichsten Unternehmungen; er nahm auf einmahl den Charakter eines Französischen Obersten und den Nahmen eines Baron von Steinbach an. Der Freimaurer-Orden hatte, seinem Vorgebcn nach, viel von seiner urspünglichen Reinheit verloren: er fühlte sich berufen, ihn wieder herzustellen; allein dieß glückte ihm nicht. Er erhielt für seine Unbesonnenheiten gerichtliche und außergerichtliche Züchtigungen, und mußte seine Reformationen der Freimaurerei aufgeben. Mehr Aufsehen machte er als Geisterbeschwörer, und doch zeigte er von dieser Seite gerade seine größte Blöße. W nn man bedenkt, daß er nur wenigen Auscrwählten den Zutritt zu seinen Beschwörungen »erstattete, ihnen vorher durch geistige Getränke die Köpfe erhitzte, die schauerlichsten Vorkehrungen zur Erscheinung traf, mit geweihten Knochen, Crucifizten und ein mattes Licht verbreitenden Kerzen umherlief rnd endlich daS Zimmer mit einem undurchdringlichen Nebel anfüllrn li ß; so ist es beinahe unglaublich, wie man die erschienenen Dunstgestalren habe für Erscheinungen von Verstorbenen Hallen und in den dumpfen Tönen, welche sie auf den Befehl des Beschwörers von sich gaben, ihre Stimme erkennen können. Die Operationen wurden wahrscheinlich durch optische Spiegel und durch die Eiectricitäk bewirkt; daher erhielt einst ein etwas beherzter Zuschauer, als er eine Erscheinung berührte, einen derben Schlag. — Daß Schröpfer das Werkzeug einer Par- thei gewesen und nachher von ihr verlassen worden sey; ist noch nicht bewiesen, aber wahrscheinlich, weil sonst seine Betrügereien weit früher würden entdeckt und nachdrücklicher geahndet worden seyn. Unter dem Vorwände, einigen Freunden etwas ganz Außerordentliches zu zeigen, ging er mit diesen am 8- Octbr. 1774 in daS Rofenthal bei Leipzig, entfernte sich seitwärts und jagte sich mit einem Pistolenschuß eine Kugel durch den Kopf. Aus seinen Papieren erhellte, daß er diesen Schritt mit aller Ueberlcgung gethan hatte; auS der Verdorbenheit seines Charakters und der Rohheit seiner Sitten ist es auch sehr leicht zu erklären , daß er sogleich zur Verzweiflung überging, da er entweder Geldmangel verspürte oder eine Harke Züchtigung für seine Betrügereien befürchtete. Christoph Gottlicd Schröter (geb. zu Hohenstein in Chursach- scn 1699) verdient als eigentlicher Erfinder des Fortepiano sowohl als auch wegen feiner großen Kenntnisse in der Musik eine größere Auszeichnung, als er vielleicht von seinen Zeitgenossen erhalten hat. — Anfangs studirte er, nachdem er als Kapellknobe und Kreuzschüler vorzügliche Liebe zur Musik gefaßt hatte, Theologie zu S ch r Schu 2rz Leipzig, ging bald wieder nach Dresden und von hier als Secretair mit einem Baron nach Holland und England, von wo er 1724 zurück nach Jena kam, auch hier theoretisch - prackische Vorlesungen über die Musik hielt; 1726 wurde er als Organist nach Minden und 1732 nach Nordhauscn berufen, wo er »7L2 starb. Seiner Erfindung des Fortepiano, wovon er schon 1717 zu Dresden ein doppeltes Modell verfertigte und auch bei Hofe vorzeigte, leider! aber davon nicht den mindesten Vortheil zog, ist unter dem Art. Fortepiano erwähnt worden. Eine andere Erfindung in Betreff der Orgel, wo man ohne Veränderung der Register schwach und stark spielen sollte, wollte ihm ein Mechanicus abkausen, um sich selbst alShann für den Erfinder auszuacben ; allein Schröters Ehrgeitz ließ diek nicht zu, und er unterdrückte nun die ganze Erfindung. — Als sehr braver Organist und alS muficalischer Schriftsteller— seine Anweisung zui» Generalbässe wird mit für die wichtigste gehalten — verdient er noch besonders genannt zu werden. Uebrigens ist der Nähme Schröter auch bei mehrern Personen in muficalischer Hinsicht ausgezeichnet: Eorona Elif. Will). Schröter (geb. zu Warschau 174s), Kammersängerin zu Weimar, war in den Jahren 1764 u. folg, eine vorzügliche Zierde des Leipziger Concerts, so wie sich auch ihr Bruder, Joh. Samuel Schröter (ged. zu Warschau r?Lv, gest. zu London »788), Cembalist am Hofe der Königin von England, nicht sowohl als Compositeur, als vielmehr als braver Elaoierspi.ler hervvrgerhan hat. Schrot heißt beim Münzwesen daS Gepräge oder die äußere Tüchtigkeit, das Gewicht, die äußere Form der Münze — im Gegensatz von Korn, welches drn inner» Gehalt, das gehörige gute > Metall, welches jede gute Mmizsorte haben muß, bezeichnet. — Au- > ßerdei» nennt man bekannter Maße» Schryk oder Hagel auch diejenigen kleinen auS flüssigem Blei gegossenen Kügelchen, welche gemeiniglich zum Schießen gebraucht werden. Christian Daniel Friedrich Schubart, Hof-und Theaterdichter zu Stuttgart, war am 26. März zu Obersunthcim in der Grafschaft Limpurg geboren. So wenig er anfangs irgend einige Anlagen i zeigte, indem er in seinem siebenten Jahre weder lesen noch schreiben konnte, so schnell entwickelten sich auf einmahl seine Talente und besonders ein großes muflcalisches Genie. Schon auf der Schule zu Nörd- llngen, die er seil »753 besuchte, componirte er für das Clavier und dichtete Volkslieder, wobei er jedoch außer den Griechen und Römern die beste» Deutschen Dichter las. Als Student aus der Universität Erlangen, wo er sich der Theologie widmeie, war er sehr unordentlich und machte so »vielen Aufwand, daß sein unbegürerter Vater, der Diaconus zu Aalen war, ihn nach Hause kommen lassen mußte. Seine musicalischen Kenntnisse, besonders sein gutes Orgelspiel »nd seine Gedichte, machten ihn in der dortigen Gegend sehr beliebt; auch seine Predigten — von denen er eine in Versen hielt — gefielen allgemein. Allein außerdem, daß ihm sein feuriger Geist nicht erlaubte. sich einem Fache ausschließlich und gründlich zu widme», lebte« aus- 224 Schn schweifend und neigte sich dessen ungeachtet nach und nach zum Pietismus hin. Er erhielt anfangs die Stelle eines Schullehrers und Organisten in Geislingen, die cr nach einigen Jahren (1768) mit der eines Organisten und Musikdirektors zu Ludwigsburg vertauschte. Jetzt trieb er die Musik als sei» Hauptgeschäft, gab aber dabei verschiedenen Officieren Unterricht in den Wissenschaften und hielt ihnen Vor» lesungen über Geschichte und Aestbcrik. Seine freien Urtheile über die Geistlichkeit, seine Ausschweifungen in dem Wein und in der Liebe — ungeachtet er seit 1764 mit einer Gattin verbunden war, die in ihm das einzige Glück ihres Lebens fand — und seine Spöttereien über die Religion machten ihn jedoch bald seinen Vorgesetzten verhaßt. Ein verdächtiger Umgang mit einem Mädchen brachte ihn erst eine Zeit lang ins Gefangniß; bald nachher zog ein satirisches Lied, das er auf einen Hofmann machte, ihm den völligen Verlust seiner Stelle und die Landesverweisung zu. Er ging jetzt nach Heikbronn, Manheim und Heidelberg, erwarb sich als Gelehrter und als trefflicher Clavterspieler den Beifall vieler Großen, und hatte Hoffnung» von dem Churfürsten von der Pfalz — vor dem er in Schwetzingen spielen mußte und dem sein Spiel gefiel — eine Anstellung zu erhalten; allein ein von ihm gefälltes unüberlegtes Urtheil über dir Akademie zu Manheim vereitelte alle Aussichten. Auf Anrathen des Churbaie- rischen Gesandten, Baron von Leiden» der ihn versicherte, daß, wenn er katholisch würde, er sein Glück in Baiern werde machen können , ging er nach München, wo der geheime Rath Lori väterlich für ihn sorgte; aber ehe er in Ansehung seiner Religionsänderung einen Entschüß gefaßt hatte, verlor er durch einen Brief, den ein vornehmer Mann in München aus Stuttgart erhielt, und in dem Schu- barl besonders als ein großer Religionsspöttcr geschildert wurde» in , München alles Zutrauen, daher er, von dem Churfürsien und einigen Gönnern beschenke, diese Stadt verließ, um nach Stockholm zu gehen. Er blieb jedoch in Augsburg und fing an ein Dolksblatt unter dem Titel Deutsche Chronik zu schreiben, das mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde: seine freien Urtheile über Personen, Einrichtungen, Staatsverfassungen und kirchliche Einrichtungen zogen ihm bald wieder Stubenarrest zu, der zwar gleich wieder aufgehoben wurde; jedoch mußte er Augsburg verlassen. Er ging nun, nachdem er seine Frau und Kinder zu sich genommen, die seit seiner Vertreibung aus Ludwigsburg bei seinem Schwiegervatter gelebt hatten, nach Ulm, wo er bis'1776 seine Chronik svrtsetzte, übcrdieß mehrere Aus- ^ sätze, Gedichte, auch einige Clavierstücke lieferte; aber auch hier sollte ^ er keiner langen Ruhe genießen. Er hatte den damahligen kaiserlichen Minister in Ulm, General Ried, gegen sich aufgebracht, weil er sich geweigert, ihr» auf einem schlecht beschaffenen Flügel vorzuspiclen. Ried, der ihn deshalb aus Rache der Kaiserin Maria Theresia als den frechsten Religionsspötter schilderte, erhielt von dieser den Befehl , ihn heimlich aufzuheben und nach Ungarn in ewige Gefangenschaft zu bringen: Ried theilte diesen Befehl dem Herzog von Wir- ^ lembrrg mit, der sogleich versprach, für Schubarts Gefangenschaft selbst Schu SSL zu sorgen. Man lockte den bedauernswürdigen Mann, weil er in Ulm zu viele Freunde hatte, am rz. Januar 1777 durch eine Einladung nach Blaubeuern, von da er sogleich nach der Festung Hohen-Aspcrg gebracht wurde, wo der Herzog bei seiner Ankunft selbst zugegen war und den Kerker bezeichnet!, in dein man ihn verwahren sollte. Inder Wand desselben war ei» eiserner Ring eingemauert, um ihn nach Befehl des Fürsten daran zu ketten, wenn er nur im Geringsten etwas versähe. Dagegen setzte der Herzog Schudarts Gattin einen Jahrgehalt von 200 Gulden aus und ließ dessen Kinder in die Akademie zu Stuttgart aufnehmen. Die schreckliche Langeweile, die Schubart in seinem Kerker plagte, wurde ihm durch den^Kommandanten Rieger erleichtert, der, so nie er überhaupt für Schubarts Bedürfnisse sorgte» ihm auch Bücher zukommen ließ, die aber geistlichen Inhalts und in dunklemund schwarmcrsschem Style geschrieben waren. Bei seiner Hypochondrie und feurigen Einbildungskraft fand Schubart an diesen Büchern Gefallen und bekam dadurch eine andachtelnde Stimmung, die bis an sein Ende blieb. Am z. Februar 1778 erhielt er auf Befehl des Herzogs, statt seines zeitherigen Kerkers, ein gutes Zimmer, und empfing nun auch Besuche von seinem Bruder, von La vater und besonders von dem damahligen Pfarrer zu Kornwestheim, Philipp Matthäus Hahn (h 1790), der zwar als ein guter Mechaniker aber auch als ein theologischer Schwärmer bekannt ist; auch machte er mit einem Herrn von Schcidlin, der in einem neben dem seinigen befindlichen Zimmer gefangen saß, Bekanntschaft, und dictirte diesem durch eine Oeffnung unter seinem Ofen seinen Lebenslauf. Erst im Jahre >787 ward er lo glücklich, nicht allein seine Freiheit wieder zu erhalten, sondern auch als Hof - und Theater-Dichter zu Stuttgard ange- stcllt zu werden, starb aber, da sein Schicksal nunmehr günstiger zu werden anfing, schon am 10. Oct- '790. Der Ruhm, den er sich zuerst durch seine Deutsche Chronik erwarb — die manche nützliche Kenntnisse unter den ungelehrten Ständen verbreiten half — ist durch seine Gedichte fester gegründet: und die gerechte Nachwelt wird zwar Schu- barten, sobald seine Aeußcrungen die Religion betreffen, für einen Schwärmer erklären; allein sie wird auch nicht anstehen, dem Verfasser der Fürstengruft, des Hymnus auf Friedrich den Großen und mehrerer meisterhaften Gedichte unter Deutschlands unvergeßlichen und kraftvollen Dichtern eine Stelle anzuwcisen. Schublehen (Schupflehen, Falllehen) heißen solche Lehen, welche die Inhaber nur auf eine gewisse Zeit besitzen, so daß der Grundherr sie wieder einziehen kann, wenn er will. Dieser Nähme wird von dem Worte: schieben hergeleikek, weil nähmlich die Erben solche Lehen nicht von ihrem Erblasser erhalten, sondern sie von dem Lehnsherrn gleichsgm weggeschobcn — weggeschupft werden. Schubschein: so nannte man sonst ein gewisses von der Obrigkeit ausgestelltes Zeugniß, worin den Vorzeigern bescheiniget wurde, daß, und auS welchen Ursachen sie des Landes verwiesen worden. Dergleichen Scheine waren besonders bei Gelegenheit der berüchtigten Salzburger Emigrationsgcschichkc (s. den Art. Salzb urg)imGange, und Cony. Lex. Fünfter Band. P ssü Schu ^ es wurde damahls über die Rechtmäsigkeit vder Billig-und Unbilligkeit derselben sehr viel gestritten. — Die Benennung rührt ebenfalls von dem Worte: Schieben her, weil solche Menschen gleichsam fortgeschoben wurden. Schudia, die Hauptstadt von Siam in Hinterindien, steht, der Ueberschmcmmungcn des MeereS wegen, auf Pfählen. Schuite, ein holländisches Fahrzeug zum Schieben und Ziehen bestimmt, daher Treck schuiie; ein Zug-oder Posischiff, welchesauf den Kanälen in Holland von Menschen oder Pferden gezogen, und , als Waverpost für Menschen und Güter gebraucht wird. t Schuld-Opfer, war, beiden altern Juden, dasjenige Opfer, welches wegen wissentlicher und vorsätzlicher Sünden gebraucht ward. Schule, heißt in den zeichnenden Künsten eine Folge oder Reihe von Künstlern, welche einen gemeinschaftlichen Ursprung und daher auch etwas Gemeinschaftliches und Auszeichnendes in ihren Kunstarbeitcn haben, j. B. die niederländische Schule, die florentinische Schule rc. — Sch ul-Pferd, rin aus der Reitbahn zugerittenes Pferd, welchem daselbst ein besonderer, von dem natürlichen verschiedener Gang ae- ' lehrt wird, der Schulschritt genannt. Schul sattel, ein Sattel für diejenigen, welche schul- oder kunsimäßig reiten lernen. — Schulwitz, durch Unterricht erlangte Kenntniß im Gegensatz von Mutterwitz. Schulpforte, eine der vorzüglichsten sächsischen Land- oder Fürstenschulen, unweit Naumburg. Johann Albrecht Peter Schulz (geb. zu Lüneburg >747). Dieser große scharfsinnige und echte Tonkünstler mußte mit Gewalt seiner t hohen Neigung zur Musik die Bahn brechen, da ihn sein Vater, ein Bäcker, schlechterdings dem geistlichen Stande zuführen wollte. Schon in seiner Vaterstadt machte er im Singen sowohl als auf der Violine ansehnliche Fortschritte; da aber sein Vater schlechterdings, selbst auch durch Ohrfeigen, ihn davon zurückbringen wollte, so ergriff er einst bei einer Reise, die seine Mutter mit ihm machte, das freie Feld, und wanderte fast ohne einen Pfennig in der Lasche und unter mancherlei Abenteuern nach Berlin (1762), gerade zu Kirnbrrgern, von dem Schulzens Lehrer schon ost mit großer Verehrung gesprochen hatte. Dieser nahm ihn auf, versprach ihm seine Verwendung; und Schulz höhlte nun und erhielt auch bald die Einwilligung der Aeltern zu seiner neuen Laufbahn Hier bei seinem so strengen und leidenschaftlichen Lehrer duldete er dennoch alles, um sich in seinem Studium zu vervollkommnen, bis endlich (1770) sich ihm eine glückliche Gelegenheit darboth, mit einer pvhlnischen Fürstin, Sapia, verschiedene Reiscn ^ nach Frankreich und Italien zu machen und so noch mehr seine Ausbildung zu befördern. Nach seiner Rückkehr nach Berlin (1774) ward er hier bald Musikdirektor am königl. Französischen Theater und» da sich dieses nachher auflöste, ,780 Kapellmeister des Prinzen Heinrich zu Rheinsberg. Hier drückten ihn mancherlei häusliche Leiden, und der Verlust seines innigst geliebten Weibes (1784) brachte auch ihn einer Auszehrung nahe; und ob er zwar gleich in der Ver- j bindung mit ihrer Schwester einigen Trost fand, so wirkte es doch in ' Tchu 2s/ Verbindung mit andern Umständen zu sehr auf seine Gesundheit. Er erhielt zwar 1787 den Ruf als königl. Schedischer Kapellmeister nach Stockholm: allein nicht lange konnte er diese Stelle bekleiden, sondern mußte wegen seiner so schwächlichen Gesundheit im Jahr 1795 um seine Entlassung «Inhalten, die er auch mit einer ansehnlichen Pension erhielt; worauf er dann auf Anraihrn der Aerzke eine große Seereise nach Portugal! unternahm. Allein auch dieser Versuch zu seiner Wiederherstellung mißlang, und er prioatisirte nun nach seiner Zurückkunfk theils in Rheinsberg , theils in Stettin; seine Kränk, lichkeit vergrößerte sich durch den Verlust seiner zweiten Gattin, und entriß ihn endlich der Welt am 16. Juni iMO zu Schwedt. In ihm verehrt die Tonkunst eben sowohl einen der gründlichsten Theoretiker als auch, besonders in Rücksicht des Gesanges, einen meisterhaften Compositeur: für jenes zeugt ein großer Theil der musikalischen Artikel in Sulzers Theorie der schönen Künste rc. und was in praktischer Hinsicht der Gesang an diesem Meister für Bereicherung erhalten hat, ist Kennern und Liebhabern bekannt. Das Meisterhafte seiner Deklamation, die Behandlungsart seiner Texte, das schöne und Eindringende seiner Melodien stellen ihn zum Muster für jeden neuern Tonietzer auf. Seine Lieder im Volkston (z Tbeilc), seine Chöreund Gesänge aus Racine'S Athalie und sehr viele andere Werke der Ärt sind hinlänglich bekannt. Noch ist seine Erfindung merkwürdig , Partitur, n großer Werke vermittelst Ziffern auf wenigen Bogen bekannt zu machen; sein treffliches Oratorium Johannes und Maria hat er auf diese Art in Druck gegeben. Schupf-Lehen, ist ein Gat, welches auf unbestimmte Zeit verliehen wird, aus dessen Besitze die Erben deS LehnmannS nach seinem Tode gleichsam geschuppt oder geschoben werden. Schüren, das Feuer, heißt: das brennende Holz zusammenrütteln, damit cs Heller auflodert. Die Köhler insbetvndre thun dieß mit einer Stange, welche der Schnürbaum genannt wird. Schürf, im Bergbau: ein senkrechtes Loch, welches in die Erde gemacht wird, um Erz zu entdecken. Schürfen, einen Berg anboh- ren, um zu sehen, ob er bauwürdig ist, Schußgerecht, heißt ein Pferd, wenn es so abgcrichtet ist» daß es sich vor dem Schießen nicht scheut. — Schußmäßig, lst ein Wild, wenn es so nahe kommt, daß man cs mit dem Gewehre erreichen kann. Joseph Schuster, churfürstlich Sächsischer Kapellmeister zu D> cs- den, ein besonders für das schöne Grschlecht sehr beliebter Componist wurde zu Dresden 1748 geboren. Schon frühzeitig für Musi? bestimmt, trat er in Gesellschaft des berühmten, nunmehr verstorbenen Naumanns 1765 eine Reise nach Italien an, studirt zu Neapel bei Pera den Contrapunkt, und erwarb sich schon damahls, unterstützt durch Naumanns Anweisungen, mit verschiedenen Opern Beifall aus den Italienischen Theatern. Nach seiner Zurückkunft machte er sich dem Chur- fürsten durch seine Compositionen bemerkbar, und ward (1772) Kirchen- und Kammer-Eomposikeur. Auf mehrern mit Bewilligung seines Füp- P 2 228 Sch» Schu sten wiedcrhohlten Reisen nach Italien erndtete er ansehnliche Beloh- nungen und den größten Beifall ein, und wurde endlich 1787 zum wirklichen Kapellmeister ernannt. — Durch seine gefällige, Munterkeit , Witz und Laune verrathenden Compositionen hat er sich besondere! auch in sehr vielen Italienischen und Deutschen Opern im komischen Fache, und durch sein Lob derMusik — allen Kennern und Freunden der Musik gewiß sattsam bekannt — im höher» Styl ausgezeichnet und den Ruf eines der beliebtesten Lonsetzer erlangt. Schute, Schuite, nennen die Holländer einen großen Kahn ohne Masten und Segel» welcher 2 bis 4 Lasten trägt; desgl. auch Schaluppen, welche bei den Segeln zugleich auch Ruder führen. Schutnikels, werden in Danzig die gemeinen Schiffsknechte genennt. Schüttgelb, eine gelbe Mahlerfarbe, die aus Birkenblättern mit Alaun und Wasser gekocht, und worein dann Kreide geschüttet wird. Schutz, in Schutz nehmen ist in der Kaufmannssprache so viel als honoriren. S. dieses. Schutzpockcn- oder Kuhpocken-Impfung ist eine der wich tigsten und gemeinnützigsten Erfindungen der neuern Zeiten. Durch sie wird den Kindsblattern, dieser seit einigen Jahrhunderten eingeris» senen, auf den grösten Theil des Erdbodens verbreiteten und höchst mörderischen Krankheit nicht nur ein sicheres Vorbauungsmittel entge gengesetzt» sondern es ist auch die gegründeteste Hoffnung da, daß durch den standhaft fortgesetzten allgemeinen Gebrauch der Schutzpockenimpfung diese fürchterliche Plage des Menschengeschlechts endlich gänzlich werde ausgcrottet werden. Dir Kuhpocken sind bloß eine epizootische Krankheit der Kühe, die gemeiniglich in den Meiereien einiger Grafschaften Englands, dann im Holsteinischen und wahrscheinlich noch an mehrern Orten, wo fette Weiden sind, zu Hause ist. Die Kühe bekommen nähmlich an ihren Eitern oder Zizen einen dem menschlichen Blattern sehr ähnlichen Ausschlag der sich nur darinn unterscheidet, daß die Blattern der Kühe größer und bläulich sind, und sich der Bleifarbe mehr nähern. Die Kühe werden dabei etwas krank und niedergeschlagen und die Absonderung der Milch und das natürliche Ansehen derselben vermindert sich merklich. Die in den Blattern enthaltene Materie hat die besondere Eigenschaft, daß, wenn sie auf eine geritzte oder andere wunde Stelle gebracht wird , sie eine ähnliche Blatter hervvrbringt, die sich nach und nach entzündet, eitert und nach 10 oder 12 Tagen abtrocknet. Dieses haben dir Hausgenossen oder Melker dieser Küche schon lange gewust, und an ihren von der Handarbeit hie und da ausgeritzten Händen oft erfahren, indem sie ähnliche Blattern erhielten, oder wenn sie diese örtlichen Pocken auch nicht erhielten, so geschah es dennoch öfters, daß die Materie eingesogen wurde, worauf bald mehr, bald weniger beträchtliche , nie aber gefährliche Fieberzufälle erfolgten. Sicher ist es, daß diele Krankheit der Kühe schon seit undenklichen Zeiten wenigstens »n einigen Provinzen Englands bekannt war, und diese Leute schon die glücklichen Erfahrungen machten, daß diejenigen, welche die Kuhpocken schon einmahl überstanden hatten, auf immer gegen die Menschenblat Schu 22p kern gesichert waren. Sie zählten die ältesten Menschen unter sich, welche nie die Menschcnblattern gehabt hatten, noch etwas davon wüsten, weil sie in ihrer Jugend schon die Kuhpocken gehabt hatten. Dieses pflanzte sich nun unter den Familien, wahrscheinlich als eine Sage von dem Vater auf den Sohn fort, auch mögen sie es vielen Wundärzten , vielleicht auch ihren Edelleuten entdeckt haben, welche aber diese Beobachtungen als Vorurtheile und Aberglauben betrachtet und übergangen haben mögen. So allgemein nun diese Erfahrung in einigen Orten bekannt war, so wenig wüste man in andern Gegenden davon und noch weniger wüste man Resultate daraus zu ziehen. Auch in Deutschland hatte man schon diese Beobachtung gemacht, und es findet sich in einer 1769 zu Göttingen herausgekommenen Schrift, allgemeine Unterhaltungen die merkwürdige Stelle, S. z<>5 bis Zi 2 welche von einer unter den Kühe» und Schafen herschenden Krankheit handelt, wobei ausdrücklich bemerkt wird, daß die Knechte und Mäqde, welche diese Kühe melken oft von den Kuhpoken angesteckt würden, und dann von den Menschenblattern frei blieben : allein man vernachläßigte damahls diese Bemerkung und daher gehört die eigentliche Ehre dieser Entdeckung denn dadurch unsterblich gewordenen Jenner. Doktor Eduard Jenner, ein Deutscher von Geburt und ausübender Arzt zu Berklev in der Englischen Grafschaft Glocester wurde zum Glück für die Menschheit aufmerksam auf diese Erfahrung und machte ruerst richtige Entdeckungen. Er bewieß durch seine zwanzigjährigen Arbeiten und rastlosen Versuche» daß die Kuhpocken die Menschen wirklich auf ihre ganze Lebenszeit für die Blattern sicher stellen , daß sie dem Menschen leicht eingeimpft und von dem Menschen wieder unverändert auf den Menschen mit der nähmlichen schützenden Kraft fortgepflanzt werden können, und endlich zeigte er, wie leicht die Kuhpo- kenmakerie versendet werden und jedes Land an seiner Entdeckung Theil nehmen könne, lieber alles dieses gab er im Fahr 1708 zu London ein Werk heraus» das sogleich die allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Mehrere Aerzte nahmen sich der Sache an und machten neue Versuche. Endlich wurde im Jahr 1799 zu London ein eigenes Kuhpockeu-Jmpfungs- Jnstituk errichtet. Don England verbreitete sich diese neue wichtige Entdeckung nach und nach auch über das ganze feste Land von Europa und endlich auch über mehrere Länder der andern Welttheile. Die Oesterreichischen Staaken gehören unter die ersten Länder, wo die Kuhpockenimpfung Wurzel faßte, sehr schnelle und wichtige Fortschritte machte und die auch mehrere benachbarte Länder mit Kuhpockenmaterie versahen. Der Doktor und Regierungsrath von Ferro war der erste, welcher mittelst eines von Doktor Jenner mit Kupockenmaterie getränkten Fadens, den er durch einen Brief erhielt» seine eigenen Kinder impfte, und durch diese auch auf andere verbreitete und durch verschiedene gedruckte Aussatze feine Erfahrungen weiter bekannt machte. Nach ihm zeichnete sich vorzüglich Herr Doktor De Carro aus, der eine eigene Abhandlung darüber herausgib und sich dem Kuhpocken Jmpfungs Geschäfte mit un- ermädeter Thatigkeit widmete. Auf eben diese Art machten sich die LZ0 Schw Herrn Doktoren Portenschlag, Eareno und andere um Oesterreich und um die Menschheit verdient. Die Regierung ließ hierauf durch den da- wahligen Direktor des allgemeinen Krankenhauses, dem berühmten Doktor Frank in Gegenwart mehrerer Aerzte und Regierungsmitglieder öffentliche Versuche anstellen und da alle Resultate sehr erwünscht ausfic- len, ein eigenes Kuhpockcnimpfungsinstitut in dem Findelhause in der Alsteroorstadt errichten. Hier besorgt Herr Doktor Herbich nicht allein die Impfungen unentgeldlich, sondern hält auch Vorlesungen über diesen Gegenstand und ertheilt denen, welche sich selbst diesem Geschäfte widmen wollen, theoretischen und praktischen Unterricht. Die wohlthätigen Folgen zeigten sich in Wien augenscheinlich. Vorher konnte man im Durchschnitt 6o<, Kinder rechnen, welche jährlich an den Blattern starben, seitdem Jahr > 3 oi , wo die Schuvvocken allgemein verbreitet wurden, starben in diesem Jahre nur 164 Kinder, im Jahr >302 nur 6i , im Jahr 1304 zwei Kinder an den natürlichen Blattern. Dieses Aufhören der Sterblichkeit unter den Kindern hätte die Aeltern nur noch mehr antreiben sollen, sich der unendlich wohlthätigen Jmpfungsanstalten zu bedienen , anstatt dessen wurden sie aber saumselig, vernachläßiqten die Impfung bei ihren Kindern und schon hing im Jahr 13,2 wieder die Sterblichkeit an zu zunehmen. Allein durch die Wachsamkeit der Regierung wurden sogleich kräftige Maaß. regeln ergriffen. Durch eine hierüber erlassene scharfe Verordnung, durch das Anschlägen eigener Warnungstafeln an einigen Häusern. wo natürliche Blattern ausgebrochen waren, durch die Hausuntersuchungen der Bezirksärzte und andere zweckmäßige Vorkehrungen wurde das Publikum wieder aus seinem Sicherheiksschlafe geweckt und in wenigen Wochen wurden inner den Linien Wiens allein mehrere tausend Kinder geimpft. Auch aus den Provinzen kommen sehr beruhigende Nachrichten von dem guten Fortgang der Impfungen und wenn, wie nicht zu zweifeln ist, die Leiter der öffentlichen Sicherhcitsanstaltcn mit eben der Wachsamkeit und eben dem Ernste forkfahren werden, sich dieser wichtigen Sache anzunehmen, so werden in kurzem die alten »och unter dem Volke herrschenden Vorurtheile durch den augenscheinlich guten Erfolg bestegt, und die wohlthätige Schutzpocken-Jmpfung allgemein eingeführt werden. Schwabach, eine zwar kleine (im Markgrafthum Anspach gelegene), aber in Rücksicht des Gewerbfleißes eine der ersten Städte im Fürstenthum Anspach. Die Stadt, durch welche der Fluß Schwabach fließt» hat an Künstlern und Handwerkern fast alle dieselben auch hier, welche sich in dem benachbarten Nürnberg befinden. Die Einwohner, welche aus Deutschen, Französischen Eolonisten (welche seit Widerrufung des Edicks von Nantes sich hierher gewendet) und Juden besteben, werden fast einzig vom Fabrikwesen beschäftigt; die Cattunsabrik- , Drath und Nadelsabri? (letztere beschäftigt auf 1200 Personen), Strumpsmanufacturen, Brillcnschleiferei rc. geben der Stadt ungemeine Nahrung und einen ansehnlichen Handel, um so mehr, da fl« in einer bequemen Lag«, nähmlich an der Hauptstraße nach Augsburg, Italien und der Schweiz, sich befindet. Eine besondere Gattung von Buchstaben wurde ehedem auch von den hiesigen Schriftgies- S ch w 2 zk fern gegossen, welche noch unter dem Nähmen der Schwabacher Schrift bekannt ist. Auch verdient der Ort noch als eine uralte Hauptmünzstadt und als eine der vier Münzstädledes Fränkischen Kreises bemerkt zu werden. Schwaben, eins der besten, fruchtbarsten und seaenreichssten Länder in Deutschland, gegen Osten an Baiern, gegen Süden an Ty- rol und die Schweiz, gegen Westen an Elsaß und gegen Norden an die llnterpfalz und Franken grenzend. Es ist fast kein Kreis in Deutschland, der so zerstückelt und so bevölkert wäre als dieser. Der Flächeninhalt mag ungefähr 720 Quadratmeilen enthalte». Im Durchschnitt ist daS Clima gemäßigt und eins der besten in Deutschland, das Land selbst aber sehr gebirgig; auch hängen die Alpen im Allgau, welche von Hirten bewohnt werden, deren Viehzucht sich auf 44,000 Stück beläuft, mit den Tyroler und Schweizer Alpen zusammen. Unter Schwabens Seen gibt es vorzüglich drei, »ähmlich den Bodensee, der an die Schweiz grenzt und vom Rhein und vielen andern Flüssen Zugang erhält, den Federsee, der einen Ausfluß in die Donau hat, und den Alpsee. Die größten Flüsse aber in Schwaben sind der Rhein «.welcher aus der Schweiz durch den Bodensee fließt, Schwaben begrenzt und dann in den Oberrheinischen Kreis fließt) und dieD 0 nau , welche i» Schwaben entspringt, nordwestlich fließt und bei Donauwörth in M aiern eintritt; beide Flüsse nehmen alle die übrigen in Schwaben, den Neckar, Lech, die Iller rc. entweder mittelbar oder geradezu auf. Uiter den Waldungen enthält besonders die westliche Gegend den Schwarzwald (s. dies. Art.); Würtemberg hat die Wälder auf de» Alpen; im Stifte Kempten ist der große gleichnahmige Wald, und ausserordentlich viel rohes und verarbeitetes Holz wird auf den Flüssen abgefahren. Der Ackerbau so wie die Viehzucht ist besonders im Würten- bergischen und Badenschen ganz vorzüglich, und sehr viel Korn wird auch außer Landes gefahren. Auch der Weinbau und der Handel damit ist für die Bewohner der nur gedachten Distrikte beträchtlich; Mineralien und Metalle sind häufig in Schwaben zu finden; der Manufakturen und Fabriken gibt es viele ansehnliche. Endlich gereicht die Herstellung guter Landstraßen — ein Gegenstand, welcher die Stände beinahe das ganze vorige Jahrhundert hindurch beschäftigt hat — welche nun ziemlich ihrer Vollendung nahe sind, diesem Lande zur besonder» Zierde. Schwaben wurde ehemahls in Gaue abgetkeilt, daher auch noch die Benennung so vieler Distrikte, als das Allgau, BreiSgau, Rbelngau rc. Nachher theilte sich der Schwäbische KreiS, dessen Volksmenge man wohl sicher auf 2,200,000 Seelen anschlagen kann, in vier Viertel, nähmlich in daS Wirtembergische, Baden' sche, Constanze» und Augsburgische, deren jedes seine Geschäfte von seinem Direktor besorgen ließ, so wie denn auch jedes seine besonder» Konferenzen Kielt. — Um noch mit wenigem die Geschichte dieses Landes zu berühren, so bewohnten die allen Sneven, von denen das Land den Nabmen hak, anfänglich Niederdentschland, zogen nachher zu Jul ins Casars Zeiten an den Neckar und bewohnten, in mehrere kleine Völker getheilt, den größten Theil von SZ2 Schw Deutschland. Der Nähme Schwaben, der sich seit 36c, durch die Einnahme der Alemannen verloren hatte, kam, da Alemannien von den Franken erobert worden war, wieder empor und erhielt sich bis jetzt. Herzoge wurden von den Fränkischen Königen eingesetzt und von Carl dem Großen wieder abgeschafft; jedoch wurde nachher von Conrad I. wieder ein Herzogthum errichtet und durch Fric. drich von Hohenstaufen 1094 erblich gemacht. Diese Schwäbischen Herzoge, zugleich auch Herzoge vo» Franken, gelangten bald zu großer Macht und Ansehen; sieben wurden zu Kaisern erwählt (unter denen Friedrich der Rothbart berühmt genug ist), bis endlich durch die Enthauptung des unglücklichen Conradins (s. dies. A,t.) 1269 die ganze große und angesehene Familie erlosch. So wurden die Besitzungen des eingegangenen Fürstenhauses während des darauf folgenden Zwischenreichs aufS traurigste zerstückelt; und die Existenz so mancher höchst unbedeutenden Schwäbischen Republik rührt aus jenen Zeiten der Anarchie her, und hat sich bis hieber forlge- pstanzt. — Was übrigens die in unfern Tagen entstandene Würde eines Königs von Schwaben betrifft, darüber s. m. den Art. WÜrtenberg. Schwabcnspiegel s. Sachsenspiegel. SchwäbischeDichter, nennt man die Minnesänger, (s. diese,) welche unter den schwäbischen oder hohenstauffischen Kaisern blühten und von ihnen aufgemuntert wurden — Schwäbischer Bund, ein Bündniß, welches die Reichsritter, besonders in Schwaben, im Jahr 1487 oder 88 schloffen, und welchem nachher mehrere Reichsstande, selbst Churfürsten und die Kaiser aus dem Oesterreichischen Hause beitraten. Der öffentlich angegebene Zweck desselben war Erhaltung des Landfriedens und Beschützung der Unterdrückten, zunächst aber ward er dem immer weiter um sich greifenden Schweitzerbunde entge- gengesetzt, wie auch Bayern, welches immer mächtiger zu werden drohte. Er zerschlug sich, als durch die eingetretene ReligionSvcrän- dernng die protestantischen Stände dem schmalkaldischen Bunde bei« traten. Schwaden, ein Dampf oder dicker Dunst; insbesondere nennt man so diejenigen mephitischen und erstickenden Dünste, welche auS Bergwerken, verschloßnen unterirdischen Gewölben und Gruben, so wie auch von gährendem Biere oder Weine aufsteigen. Schwadronr, s. Lscackron. Schwadroniren, gleichsam um stch hauen oder fuchteln, wie eine Schwadrone Husaren; gewaltig schwatzen, viel und prahlerisch reden. — In der Kriegssprache heißt schwadroniren, wenn Bataillons von verschiednen Regimentern zusammenstoßen und solchergestalt ein Regiment ausmachcn : z. B. das Grenadierbataillon Albert schwadronirt mit dem Grenadierbataillon Clemens. Schwalbenschwanz, beißt in der Baukunst diejenige Art einer Nukh oder Vertiefung, wenn der Einschnitt in ein Stück Holz an der innern Seite enger als an der äußern, und des darein passende Stück am äußern Ende breiter ist. Schw 2ZZ Schwan enboy, dicker und dabei so weicher Boy, wie Schwa- nenstaum. — Schwan engesellscha ft, ein im Jahr 1660 gestifteter Gelehrtenorden, wie der P a l m e n o r d e n. (S. diesen) — Schwanenhals, ein langer, wie ein 8 gekrümmter Hals; desgl. ein Pferd, dessen Hals lang und erhaben ist; auch an dem Gestell einer Kutsche e>n aufwärts gebogenes Eisen hinter den Vorderrädern, unter welchem sich diese durchdrehen können. Der Schw a neuge sang. Es ist eine allgemeine bekannte, sehr alte Tradition , daß der Schwan kur; vor seinem Tode einen sehr ! lieblichen Gesang höre» lasse. Indessen hat noch niemand die Wahrheit dieser Erzählung durch eigne Erfahrung bestätigen wollen. Der Ursprung dieser Erzählung soll darin liegen, daß die Dichter einen König der Gallier dieses Nahmens, der ein großer Musiker war, in > einen Schwan metamorphosirt haben. Der Schwan war dem l Apollo von den Alten aas zweierlei Ursachen geweiht: lheils, weil man ihmein B rmögen wahrzusagen zuschrieb, lheils wegen seines vorgeblichen Gesanges. Es ist also dieser sein Gesang schon eine sehr alle Sage, und nicht blos Dichter, sondern auch Geschichtschreiber und Philosophen rühme» die Süßigkeit desselben. Man nannte auch öfters einen vorzüglichen Dichter oder andern Schriftsteller den Schwan seines Zeitalters und Volkes. Schwärmen, heißt bei den Bienen sowohl, wenn die Alten die Jungen aus dem Stocke auslassen, als auch, wenn die Jungen mit ihrem eignen Weisel aus dem Stocke ziehen , um eine eigne Wohnung für sich zu suchen. —Schwärmer, eine angezündete Rakete, die nicht steigt, sondern nur hin und her fährt und zerplatzt. > Schwarz s. Schießpulver. Schwarzburg, eine zum obersächsischen Kreise gehörige Graf- > schaft, welche in Ober-und Unterschwarzburg eingetheilt wird. Jene liegt zwischen dem Thüringer Wald-undder Saale, diese aufder Nordseite der Unstrut. Die ganze Grafschaft hat zwei Regenten, den Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und den Fürsten von Schwarz- durg-Rudolstadt Schwarze Kunst, nennt man in der Kuvferstecherkunst die geschabte oder englische Manier, nach welcher die Zeichnung auf eine ganz rauhe und krause Kupserplatte gemacht, und diese nach Berhält- niß des Lichts nach und nach weggeschabt wird. Eine andre Bedeutung s. unter Nekromantie. Schwarze Münze, eine Münze, in welcher die Grundzinsen und gerichtlichen Strafen in Bayern entrichtet werden, und welche nach Beschaffenheit der Sache größer oder geringer ist. — Schwarzer Sonntag, heißt bei den Katholiken der Sonntag Judica, weil der Altar, welcher schon die ganze Fasten hindurch schwarz belegt ist , an diesem Tage noch mit einem Trauerornate behängen wird. Das s ch w a r z e M e e r (bei den Türken Kar» Oevxkis) bespült Taurien und einen Tbeil der Kaukasischen und Jckaterinvßlawischen Statthalterschaft. Uebcr den Nahmen dieses Meeres hat man vieler- lei Meinungen; theils leitet man ihn von den starken daselbst herrschenden Stürmen her (welche um so gefährlicher sind, da das Meer LZ 4 Schavan allen Seiten eingeschlossen ist und sich wenig girte Häfen an den Kirsten befinden), theils von der Farbe des Masters (welche eS aber mir andern gemein hat), theils auch von der schwarzen Farbe der Kim» merr'er, welche an diesem Meere gewohnt haben. Man unterscheidet das eigentliche sch a r z c M ee r (ssontus Luxinus) gegen 1000 Werste lang »nd Loo breit, »nd das AsowscheMeer (ssalus bleotiäes), welches 200 Werste in der Lange und auf 160 in der Breite hat. Seit 1446 waren die Türken bis zum Jabr 1774 die einzigen , welche das schwarze Meer beschifften; allein im Jahr 1734 gingen die ersten russischen Schiffe aus dem mittelländischen ins scharze Meer, und benutzten die Vortbeile des Commerzlractaks, welcher ,783 zwischen der Pforte und Rußland geschlossen worden. Auch Oesterreich begehrte nun und erhielt ein gleiches Recht. Die vorzüglichsten Häfen auf Ruffi, scher Seite find Taganrok, Kosolow, vorzüglich aber Cherson und Odefsa , aufTürkischer Seite Constantinopel und Sin 0- p e: allein die meisten Häfen und Rheden sind unsicher; so wie überhaupt wegen der wüthenden Fallwinde, wegen der durch den Ausfluß der Donau, des Duiestcrs, Don und anderer Flüsse erregten starken Ströme, endlich wegen der Ungeschicklichkeit der Schiffsleute, die die. ses Gewässer befahren, die Fahrt auf diesem Meere ziemlich gefährlich ist. Indessen hat doch durch den von Rußland angelegten, oben erwähnten ?neuen Hafen von Odessa, der für die Ausfuhr der Produkte der fruchtbaren südlichen Gegenden des Reichs ungemein wichtig ist, der Russische Handelsverkehr ungemein gewonnen (im I. ,303 belief sich die Anzahl aller Schiffe, welche die Russischen Häfen am schwarzen Meere besuchten, «„(315), »nd überhaupt auch der Umstand, daß die Pforte den Engländern sowohl als den Franzosen und Holländern die freie Fahrt nach dem schwarze» Meere verstauet hat, sehr zur Aufnahme des Verkehrs beiqetraqen. — Das Wasser desselben ist übrigens süßer als daS von andern Meeren , und friert im Winter ganz zu. Schwarzenberg, eine Grafschaft zwischen Anspach, Bamberg und Würzburg, sehr fruchtbar an Dinkel, Wein, Obst; auch mit guter Rindviehzucht versehen. Der Fürst wohnt auf dem Schlosse Schwarzenberg. Schwarzenberg, (Carl Fürst von) kaiserlicher Kämmerer, Feldmarschall, Großkreuz des Theresienordens, Ritter des goldenen Vließes u. s. w. geboren den > 5. April 177', diente in dem ersten Feldzuge gegen die Franzosen als Oberstlieutenank und Adjutant des Generals Clerfait und zeichnete sich vornähmlich in dem Gefecht von Ouiverain aus. Während ' des Feldzugs von 179.3 kommandirte er einen Tbeil der Avantgarde des Prinzen von Koburg und that sich von neuen im July bey ValencienneS hervor, im Oktober bei Oisy, Estreur und Landrecy und drana mit einem Thcil der Armee gegen Gusse und bis St. Ouintin vor und da er den 27. April! >794 bei der Affaire zwischen Bouchin und Cambray von neuem die größte persönliche Tapferkeit uud Einsicht an den Tag legte, erhielt er auf dem Schlachtfelde den Theresienorden. Weniger glücklich war er in der Nacht vom 24. Juny ,796 zu Kehl: er wurde überrumpelt, doch während des übrigen Theils dieses Feldzuges zeigte sr von neuen Murh und Geschicklichkeit und that sich auf eine ganz Sch Iv LZL besondere Weise den z. September in der Schlacht von Würzburg und den 16 in dem Angriffe auf Dietz hervor. Bei dem Wiederaasbruche ter Feindseligkeiten" 1805 ward er von neuem bei der Armee eingestellt, befand sich in Ulm und schlug sich bei dem Angriffe der Franzosen auf diese Stadt mit dem Erzherzog Ferdinand nach Böhmen durch. Im Jahre 1308 ward er zum Feldmarschallieutenant und zum Bothschafker am Petersburger Hose ernannt. Bei dem Ausbrache des Krieges igny verließ er diesen Posten und wurde nachher zum Bothschaster am Französischen Hose ernannt. Das Unglück, welches sein Hotel bei derDer- mählungsfeierlichkeit zu Ehren Napoleons und Louisens traf, ist bekannt. Seit dem Ausbruche des Französisch-Russischen Krieges (1812) erhielt er das Commando über das Oesterreichische Auxiliarcvrps. Sein Bruder, der regierende Fürst Joseph Johann, ist geboren ,-69, Ritter des goldenen Vließes und Präsident der k. k. Wohlthätigkeitshof- kommission. Schwärzer, s. Schleichhändler. Schwarzkünstler s. Magie. Der Schwarzwald, ein ansehnliches waldiges, an fruchtbar schönen Naturscenen reiches Gebirge in Schwaben , das sich im Breisgau anfängt und sich so von der Schweiz und der Grenze Schwabens durch das Oesterreichische. Fürstcnbcrgische, das Nothweiler Gebiet, durch das Würtembcrgische, Strasburgische, die Orkenau und die Markgrafschast Baden bis nach Pforzheim Hinsicht. Seine Länge beträgt gegen >4 Meilen; die Breite ist verschieden, vier, sechs bis acht Meilen. In dem Schwarzwalde entspringen die Flüsse Donau und Neckar, Wuttach» Schwarzbach, Elz, Enz und viele andere kleine Flusse. — Die Benennung des Gebirges rührt von der Menge des aus demselben-wachsenden Nadelholzes her, dessen düstere, dunkelgrüne Farbe in der Ferne ganz ins Schwarze fällt. Die Produkte desselben sind Vieh, Holz, Mineralien, Metalle, Sauerbrunnen rc. Die Ein wohner finden ihre Nahrung hauptsächlich in der Viehzucht, in dem Holz, Schiffbau-Holz und Kohlen sowohl als in den mancherlei Ge- räthschaften, die sie aus dem Holze verfertigen, und in dem Verfertigen der Uhren, welches sehr viele Menschen hier beschäftigt, und die sogar bis nach Amerika geführt werden. — Eigentlich znsammengebaute Dörfer gibt es im Schwarzwalde wenig, sondern mehrenkheils eizeln stehen e Häuser, die nur von Holz und mit Stroh gedeckt sind, einzelne Höfe und zerstreut liegende Dörfer. — Bei dem Zurückzuge der Moreauschen Armee im Jahr 1796 hat diese ganze Gegend ungemein viel gelitten. In der so genannten Hölle, einem Passe dieses Gebirges, und bei Freiburg fielen bei dieser Gelegenheit sehr hartnäckige Gefechte vor. Schwaz, am Jnnflnß, eine der größten und besten Städte in der Grafschaft Tyrol, wird von 8000 Menschen bewohnt, die von den benachbarte» Eisen -, Silber-und Kupfergruben viel Nahrung haben. Schweden, war der Geschichte zu Folge ehedem ein Theil von hcso(lin.»vj-, oder 8cnndia, welches beinahe alle nordische Reiche und Lande befaßte die Odinus oder Othinus, ein Scythe von Gebart, mit Beihülfe seiner tapfer» Landsleute, deren Anführer er war. 2Z6 Schm nach und nach sich unterwürsig gemacht hatte. Dieser Odinus theil- te noch bei Lebzeiten seine Reiche und Besitzungen unter leine Söhne und Anverwandten; von den erster» bekam unter andern Ski old Dänemark und Norwegen, und Pngu Schweden, Gothland und Finnland. Derselbe Odin wurde nach seinem Tode vergöttert und machte eine Hauptgottheit im Norden aus, welcher zu Ehren mehrere Tempel errichtet wurden, unter welchen der zu Upsal der vorzüglichste und berühmteste war. Pngu und seine Nachkommen, die Pnglinger, wie sie in der Schwedischen Geschichte heißen, haben wohl einigechun- dert Jahre, nicht unter dem Nahmen Könige, sondern unter dem Prädicat Drottars regiert; dieses Wort heißt so viel als oberster Regent und Richter, dem andere Regenten subordinirt sind. Die da- mahls im Norden lebenden Fylkiskönige oder Fylkisfürsten, welche sehr große Ländereien daselbst hatten, mußten die Drottars als ihre obern Regenten und Richter anerkennen und in Kriegen ihnen bei- stehen; mit einem Wort, sie waren gleichsam die Vasallen der Drottars, hatten jedoch ihre Besitzungen erblich, so, daß sie auf ihre männliche und weibliche Descendenz übergingen. Der Drottar Dygue war der erste, der sich König nannte, und zwar König von Upsala, als dem Hauptorte seines Königreichs. Diesen Titel behielten nun auch die Nachkommen» eben so als Upsala zur Hauptstadt, bei, weil gerade hier der Hauptkempel des ganzen Nordens und bei der Verehrung der Gottheit auch die königliche Würde am meisten bemerkbar war. — Trotz der Untergebenheit nun der Fylkisfürsten unter die Drottars Schwedens, gelang es doch zu Anfänge des achten Jahrhunderts einem solchen Fylkisprinzen aus Gothland, Nahmrns Jfwar Wid- famne, auf den Upsala-Königthron sich zu schwingen, und nicht nur alle die Schweden damahls ausmachenden Lande zu behaupten, sondern auch noch obendrein dasselbe mit Dänemark zu vermehren, welches Königreich bis zu Anfänge des neunten Jahrhunderts mit Schweden vereinigt geblieben und regiert worden, durch eine nachherige Ländcr- theilung aber wieder davon abgekommen ist. Schweden ist eins von denjenigen Ländern, in welchen die christliche Religion sehr spät angenommen wurde. AmsariuS (von Manchen auch Ansgarius geschrieben), Bischof zu Hamburg (vorher ein bloßer Mönch, der aber wegen seiner wahren aufrichtigen Her- zenssrömmigkeit dieses Bisthum erhalten hatte), ging im neunten Jahrhundert, in der Absicht die christliche Religion zu verbreiten, unter der Regierung EricksSegersäll, des letztern heidnischen Upsala - Kö- ! nigs, nach Schweden, und wurde, weil dieser König der christlichen , Religion selbst sehr geneigt war, in seinen Bekehrungsbemühungen von ihm zwar eifrigst unterstützt: indeß gelang es ihm gleichwohl nicht so, daß diese neue Lehre gleich öffentlich als Staatsreligion wäre festgesetzt worden; vielmehr wurde Trick, nachdem man seine Neugung zu derselben erfuhr, seines Königsthrons entsetzt. Nur erst im Jahre ii nahm Olaus Skötkonung (Olof Schooßkönig — dcßhalb so benannt, weil er zu der Zeit, als er König ward, noch sehr jung war und bei seiner Wahl aus dem Schooße seiner Mutter saß —) die christliche Religion öffentlich an, und führte sie nach und nach sowohl Schi» LZ/ in Schweden als in Norwegen, welches Land er kurz vorher durch Sieg au sich gebracht hatte, als Skaatsreligion ein. Don dieser Zeit an nennt er sich aber auch nicht mehr König von Upsala, sondern K ö- nig von Schweden, welche Benennung nun nach seinem Tode und unter seinen Nachfolgern förmlich diplomatisch ward. Wie hätten sich auch die Könige von Schweden noch fernerweit Könige von dem einzelnen Orten Upsala nennen sollen, da jener Tempel, dem zu Ehren sic sich so genannt hatten, bereits zerstört und diese Zerstörung selbst auf ErickS Geheiß geschehen war? Kein Königreich in Europa hat, unsers Wissens, in einem so kurzen Zeiträume aus so vielen und verschiedenen Häusern seine Könige erhalten, als Schweden seit 1059 bis >397, in welchem Jahre die Cal m arische Union zu Stande kam. Allein damahls war auch die Königswürde in Schweden noch nicht recht erblich; sondern man wählte nach dem Abgänge eines Königs jedeSmahl so, daß man zwar, wenn es sich thun ließ, bei der Familie — ohne Rücksicht auf Primogenitur — blieb, allein öfterer auch davon abging, oder aber aus einer andern Familie einer eingeschoben wurde: daher Könige aus bloßen Gottländischen und Schwedischen Familien. Noch bis auf den heutigen Tag lebt in Schweden eine der ältesten und angesehensten Familien, die dem Schwedischen Throne mehrere Könige gegeben hat, nehmlich die Familie der Bonde (Bauer, wenn man diesen Geschlechtsnahmen ins Deutsche überseht), welche theils gräflich, theils frcihcrrlich, theils bloß adelich ist und vor vielen andern Familien Schwedens durch Kenntnisse und Rechtschaffenheit sich auszeichnet, auch täglich um ihr Vaterland sich bestmöglichst verdient zu machen bestrebt. Dieses Bondische Haus kam in der letzten Hälfte des zwölfte» Jahrhunderts auf den Thron: und fast hundert Jahre lang sind abwechselnd aus demselben Könige gewählt worden; *) ja, noch i,n Jahre 1448, mithin -Li Jahre nach der Calmarischen Union, wurde nochmahls ein Bonde, welcher unter dem Nahmen Carl Knutson in der Schwedischen Geschichte bekannt ist und vorher Reichsvorsteher grwcsen war, zum König gewählt, der auch als solcher bis zum Jahre 1470 regiert hat (freilich nicht ununterbrochen; denn in seine Regicrungsjahre fallen die vielen und mannigfaltigen Beeinträchtigungen , die der Schwedische Thron von dem Könige von Dänemark, Christian I. welcher der Calmarischen Union zu Folge auch König von Schweden seyn wollte, erfahren mußte) > und auch wirklich als König in diesem Jahre verstorben ist. s Doch nicht bloß Gothländische und Schwedische Familien ge, wngten vor der Calmarischen Union auf den königlich Schwedischen Thron, sondern auch fremde Fürsten wurden dazu gerufen, oder suchten sich entweder durch List oder durch die Gewalt der Waffen desselben zu bemächtigen. Dicß thaten der Herzog von Mecklenburg, *) D«r erste König auS dem Hause Bonde war Erich der Keili. ge, deßwegen so genannt, weil durch seine Bemubmungen dergröß» ir Thcil Finnlands zum christlichen Glauben gebracht wirrdr. rzz Schw Albrccht, ingleicken die Königin von Dänemark und Norwegen, Margaretha, eine der entschlossensten, klügsten und schlauest.» Damen. Mit dieser Fürstin erlangte Schweden seine Größe und seinen Glanz. Die zu Calmar bewirkte Vereinigung, von welcher wir sogleich näher sprechen werden, muß uns schon für das große, weit umfassende Genie und die angebornen Rcgentengaben dieser Königin Margaretha Bewunderung einflößen, hätte auch sonst die Geschichte nichts anderes von ihr aufzuweisen — besonders da diese beiden Königreiche, Dänemark und Schweden, beinahe seit ihrer Entstehung unter einander beständige Nebenbuhler waren; da das eine die Größe des andern nicht leiden konnte, und jedes für sich allein bestehen, keins aber dem andern unterwürfig scyn, ja nicht rinmahl im Range nachstehen wollte. Und diese Dame weiß sich die ihrem Reiche gleichsam angestammten Feinde, die Schweden, durch ihre weise Regierung und durch ihr kluges Benehmen in so hohem Grade geneigt und ergeben zu machen, daß sie freiwillig ihr die Krone antragen und alles genehmigen, was sie verlangt; w-iß während der Minderjährigkeit Erichs, als so lange ihre Regentschaft dauerte, eS dahin zu bringen, daß die zum Regierungswechsel gewohnten Schweden unter ihrem Zepter im höchsten Grade sich glücklich fühlen, daß diese Schweden ihrer anged.reten Königin nicht nur in den RegierungSgcschästen alle mögliche Erleichterung verschaffen, sonderii auch noch darin sie eitrigst unterstützen, daß sie noch während ihrer Regentschaft im Jahr 1405 de» ehedem feierlichst gewählten König Al brecht, welcher noch damahls keinen unbedeutenden Anhang in Schweden halte, aus dem Königreiche vertreibe» und zur völligen Derzichtleistung auf die Schwedische Krone vermögen, Erichen aber» nach erlangter Volljährigkeit, alle drei Königreiche alS einen einzigen Slaarskörper zur Zufriedenheit aller ruhig übertragen kann. Eine solche außerordentliche Frau war es wcrth, drei Kronen aus ihrem Haupte zu tragen, und verdiente wohl, von manchen Geschichtschreibern die Nordische Semiramis genannt zn werden. *) *) Margaretha war ursprünglich eine Dänische Prinzessin, die Tochter Königs Waldemar II Zbr Vater vermahlte sie an Haq »in VIII. König von Norwegen, welches damahls eia für sich begebender Königreich war. Mit diesem batte sie einen Prinzen, Nahmen- Dlaf, nachherigtli König von Norwegen unler dem Nabmen 4^ las V. erzeugt. Diesen miilder>ädr>»eii König wählten auch die Dänen seiner Zeit zu ihrem König, und die Mutter regierte an feiner Statt die beiden Königreiche; da aber dieser junge König noch während seiner Minderjährigkeit verstarb und die Mutter zur Zufriedenheit allein Dänen und Norweger die Regiernnq geführt batte so ward dieselbe jeyr nach dem Tobe ihre- Sohnes Königin beider Reiche und, nachdem Ke sich der Schwebe» gegen ihren Könia A l- drecht unaufgefordert angenommen hatte, auch Königin in Schweden- Schm SZy Wir glauben, unser» Lesern einen nicht ganz unangenchmen Dienst zu erzeigen , wenn wir >b»en eins der wichtigsten älter» Staars- gesitze— jene zu Ealmar getroffene Vereinigung, welche in der Schn c- dijchen, Dänischen und Norwegischen Geschichte i»sgemein die E a l» manische Union heißt, und weiche, so merkwürdig sie auch immer war und noch gegenwärtig ist, gleichwohl nur von sehr wenigen Geschichtschreibern gehörig benutzt wird — dein Inhalte nach hier mit- theilen; er ist folgender: i) Aste drei Königreiche erkennen Margaretha als ihre rechtmäßige Königin. 2) Schlägt die Königin den Ständen dieser Reiche den Enkclsohn ihrer älter Schwestern den Herzog von Pommern, Erich, zu ihrem Nachfolger vor, und die Stände wählen und erkennen ihn als Unionskönig. Z) Beschließen die Stände aller drei Königreiche. daß sie ewig beisammen bleiben und nie von einander sich trennen wollen. 4) Sollen dieselben zwar auch künftighin so wie zuvor Wahlreiche bleiben: doch wollen die Stände derselben bei der Königswahl allemahl auf einen Prinzen des adge- gangenen Königs Rücksicht nehmen, und wenn kein Prinz im erstellt Grade mehr am Leben wäre, einen seiner Enkel wählen; wäre jedoch gar kein Prinz des Hauses da, so sollen die Stände nach ihrem Belieben sich einen König wählen dürfen. Z) Soll jcdeS von diesen drei Reichen nach seiner eignen Verfassung und nach seinen eignen Gesetzen regiert werden. 6) Soll der König in keinem dieser drei Reiche beständig resibiren, sondern abwechselnd in allen. 7) Soll zwar jedes Königreich seine Finanzen für sich allein haben, jedoch verbindlich seyn, daß, wenn der jedcsmahlige Unionskönig wegen des einen oder des andern angefvchlen und in Krieg verwickelt werden sollte, das eine dem andern thärigst beistehc. 8) Soll, wenn irgend ein Unterthan aus dem einen oder dem andern dieser drei Königreiche verwiesen werden würde, derselbe aus allen drei R ichen zugleich verwiesen seyn und in keinem ihm Aufenthalt verstaitct werden. So gut und weise aber auch Die Absicht Margarethen- bei dieser Vereinigung war und so wohlthätige Erfolge auch Jedermann sich davon versprechen mußte, so wenig wurde doch gleichwohl jene gute Absicht erreicht. Aeußerst unbesonnen und oft Rasenden gleich be» »ahmen sich Margarethens Nachfolger, die Uniorrskönige, gegen die Schweden sowohl als gegen die Unterthanerr der übrigen beiden Reiche. Die Schweden, lange »och nicht von ihrer Neigung zum öfter« Rcgentciiwcchsel hinlänglich geheilt und abgezogen, erhielten bald sehr vielen, sehr großen Anlaß zum Abfall, ja sie wurden dazu gereitzt. Erich selbst, der erste Unionskönig, oeranlaßte durch sein brutales und beinahe despotisches Benehmen, daß Schwede» sich i» kurzer Zeit empörte, und am Ende daS ganze Königreich, welches zeilhcr nur immer von Erichen als ein Nebcnrerch Dänemarks war betrachtet worden, von ihm förmlich abfiel und unter seinem Reichs» vorsieher, Carl Knntso» aus dem Hause Bonde, dessen bereits von uns nahmentlich gedacht wordcn ist, sich einige Zeit selbst regierte. Zwar kehrte dasselbe nach Erichs Tode wieder zu Dänemark zurück, siel aber immer wieder ab und wählte sich >inc Zeit lang seine Könige nach Gefallen; und obgleich auch die Nachfolger Erichs al« 240 Schw le, bis auf Christ ian II. als Unionskönige meist so glücklich waren, zum Schwedischen Königsthron zu gelangen, so wurden sie doch alle aus dem Reiche vertrieben und hernach ihrer königlichen Würde entsetzt. Sonach ward jenes große Werk, die Calmarische Union, für Dänemark und Schweden mehr ein Anlaß zu einer Reihe der hef- zigsten und blutigsten Kriege; auch war sie eigentlich nur von 1397 bis ,52z wirksam: binnen diesen 126 Jahren aber regierten, außer der Margaretha, folgende 5 Unionskönige: 1) Erich VII. Herzog von Pommer»; 2) Christoph III. Herzog von Baiern, Schwe stersohn Erichs, der bis an seinen Tod alle drei Reiche regierte; Z) Christian 1 . der erste König aus dem Hause Oldenburg, welches gegenwärtig noch auf dem Dänischen und Norwegischen Throne fitzt; 4) Johann, dessen Sohn, und 5) Christian II. mit dem Beinahmen der Böse, des vorigen Sohn. Während diesem Zeiträume aber, und wenn diese Unionskönige zu willkührlich oder gar unmenschlich verfuhren, gab eS in Schweden mehrere Interregna, in welchen Reichsvorsteher gewählt wurden, die statt der Könige regierten, als 1) der vorher gedachte Carl Knutson, nachheriger König, 2) Eri ck Axc l so n, Z) Sten Stu re der ältere, 4) S u- ante NielSson Sture, z) Sten Sture der jüngere und 6) Gustav Erickson Wasa. Dieser letztere Reichsvorsteher aber schwang sich endlich im Jahre i;2^ aus den königlich Schwedischen Thron, zu einer Zeit, alS Christian II. gegen die Schweden ans das fürchterlichste und unmenschlichste wüthete und auf die barbarisch sie und heimtückischste Weise in diesem Königreiche ganze Ströme Bluts vergieße« ließ. Dieser Gustav Wasa*), ein naher Verwandler desSturischen Hausesund Sohn des Reicksraths Er ick Wasa, den Christian II. bei der sogenannten Stockholmer Bluthoch- zeit ,52a unter den andern Großen deS Reichs mit hinrichten ließ, gehörte mit zu jenen unglücklichen sechs Schwedischen Geißeln, die dieser unmenschliche König im Jahre 1518 vorder nach Dänemark hatte schlcp pen lassen: er entkam durch die Flucht bis Lübeck, ging dann nach ei- Niger Zeit als gemeiner Soldat nach Schweden zurück, zwar nicht gleich „ach der Hauptstadt Stockholm, sondern nach Thailand oder Dalekar- tien **); und mit Hülse der Einwohner dieses Landes, der so gcnann- *) Ein eigner Artikel bandelt zwar von den Schicksalen und der Regen- tengröße dieses Befreiers seines Vaterlandes; allein der Verbindung wegen muß hier eine kleine Wiederholung Entschuldigung finden. **) Thailand oder Dalekarlien ist ein großes Stück Land an den Nordischen Grenzen, das viele und große Bergwerke dar, besonders Kupferwerke. Die Hauptstadt ist Fallnm (kslluna) bei welcher daS meiste und schönste Kupfer gewonnen wird. Dieses Land gehört mit zu dem eigentlichen Schweden. Die Einwohner, welche Daleker- len oder Dalekerls genannt werden, find unter den Einwohnern Schwedens die festesten, gute Soldaten und Bergleute, aber in ihren Sitten und in den Vorschritten der Cultrr noch immer sehr zurück- S ch lv 24» ten Dalekerls, trat er endlich öffentlich auf, drang gegen Stockholm vor, wo ihm alles zuströmre, wurde bald zum Reichsoorstehee und endlich im Jahre 152z zum König gewählt, dem vorigen Könige, Christian II. aber von den Schweden der Gehorsam aufgekündigt. Zwar erhielt aufangs Gustav bei seiner Königswahl das Reich nicht erblich — Christian II. sowohl als der nunmehrige neue König von Dänemark, Friedrich l. hatten vermöge der Calmarischen Vereinigung Anspruch darauf— allein Gustav erhielt sich, theils weil ihm sein kluges Genehmen die Liebe der Schweden verschaffte, theils und hauptsächlich weil ihn die äußern Umstände hinlänglich begünstigten (Christian II. war nach den Niederlanden geflohen und Friedrich l. war selbst vor feinem Vorgänger nicht sicher) nicht nur bis an seinen Tod als König, sondern brachte es auch gar bald dahin, daß die Stände ihm die Krone auch für seine männlichen Nachkommen versicherten und am Ende auch auf die weibliche Descendenz die Succeffionsfolge extendirten. Gustav Wasa — in der Schwedischen Geschichte Gustav I. — fand das Reich durch die fast immerwährenden Kriege, oft durch innere Unruhen, mehrere Jahrhunderte hindurch zerrüttet. Fast das einzige Verdienst seiner Nation war vor ihm und auch jetzt noch dieses, daß sie tapfere und geübte Soldaten waren: allein Berg-und Feldbau, Seewesen und Schifffahrt — diese zwei Hauptbedürfniffe eines so großen, von so vielen Gewässern umschlossenen Reichs — Aufmunterung des Handels mit dem Auslände — mit keinem von diesen so wichtigen Gegenständen hatten sich Gustav- Vorgänger ernstlich befaßt: und selbst jener großen Königin, Margarethens, Bemühungen gingen im Ganzen fast einzig und allein auf innere Landesruhe, aber nicht auf einzelne Volksklaffen, ja nicht cinmahl auf die Vermehrung der öffentliche» Einkünfte. Kurz, in dem erbärmlichsten nnd zerrüttetsten Zustande fand Gustav sein Reich; aber bald machte er es blühender. Er zog Fremde nach Schwe- dcu, besonders Handwerker und Manufacturisten, und unterstützte sie nach Kräften; er beförderte den Berg-und Ackerbau; er richtete das Seewesen vortrefflich ein, um die Schwedischen Produkte ins Ausland zu schaffen und dagegen fremdes Geld in sein Reich zu bringen: und weil er wohl wußte» daß die Armulh seiner Lander sowohl als die der Individuen großen Theils daher rühre, daß die Geistlichkeit die größten, meisten und ergiebigsten Besitzungen und überhaupt ungeheure Einkünfte hatte; so beförderte er die evangelisch-lutherische Religion, der er selbst schon aus Ueberzeugung geneigt und ergeben war, mit dem größten Eifer, befahl zu dem Ende den Gottesdienst in Schwe, bischer Sprache zu halten, ließ die Schwedische Uebersetznng deS Neuen Testaments, oie Lorenz Petrus mit der lutherischen gleichlautend veranstaltet halte, in Umlauf bringen, und endlich un Jahre 1544 die lutherische Religion auf dem Reichstage, zur Zufriedenheit des größten Theils feiner Unterlhanen, als Staatsreligion öffentlich erklären. Durch Einziehung der Klostergüker fielen ihm große Summen zu, die er zum Wohb des Landes sowohl als zu Be- Conv. Lex. Fünfter Band. Q »42 S Anzahlung der Schulden des Königreichs an die Stadt Lübeck willig aufspferte. Auch die Wissenschaft« hatten an diesem guten Könige eine» große» Beförderer; und nichts war ihm angelegener, als seine vier Prinzen zu den Wissenschaften anzuhalten und ihnen eine seinem Zeitalter angemessene gute Erziehung geben zu lassen. Kurz, Gu. stav war ein König, der um Schweden unendliche Verdienste hatte, worunter dasjenige freilich bei weitem das vorzüglichste ist, daß er, ohne seinem Königreiche gegen andere Machte etwas zu vergeben, demselben einen bleibenden Frieden schenkte und nicht auf Eroberungen dachte : so wie denn wirklich unter seiner Regierung nichts an Schweden gekommen, aber auch nichts davon abgerissen worden ist; mit einem Worte, eS halte Schweden zu Gustavs Zeiten nicht mehr und nicht weniger, als was ursprünglich Ingue von seinem Vater Odin erhalten halte. LaS Geschlecht dieses großen Gustavs hat sich an die 141 Jahre aufdem Schwedische» Throne erhalten, nchmlich bis 16^4, wo die Königin Christine, der letzte Zweig seines Hauses, die Regierung freiwillig niederlegke und auf ihre Krone Verzicht leistete. Nicht alle Nachkommen fernes Hauses aber glichen ihm; nur zwei darunter waren eigenilich d,r Krone werth, nähmlich Gustav II. Adolph sei« Enkel, und dessen Tochter, die eben gedachte Christine. Ersterer, beim Lode seines Vaters, Carls IX. noch nicht volljährig, fand beim Antritt seiner Regierung drei gegen seinen Vater mit der größten Erbitterung geführte Kriege, wobei dieser selbst ein Opfer geworden war, nähmlich den mit Dänemark, den mit Pohlen und den mit Rußland. Der erste, bei weitem der beschwerlichste und gefährlichste, wurde durch Großbritanniens Vermittelung zu Störod unter leichten Bedingungen beigelegt, indem Dänemark alles Eroberte, gegen Bezahlung einer Million Reichsthaler Kriegslasten, an ihn wieder abtrat. Mit Pohlen machte Gustav Adolph II. einstweilen nur Waffenstillstand, um dadurch Rußland zum Friede» zu Stolbowa zu nöthjgen, der für ihn äußerst vorthcilhaft war, indem der Czaar Kepholm und ganz Jngermsun- land, auch sein Recht auf Liefland ihm abtrat. Hierdurch nun wurde er in den Stand gesetzt, den Krieg gegen Pohlen wieder mit Nachdruck fertzusetzen , fast ganz Lief-und Kurland nebst Preußen zu erobern, sowohl Sigismunden, König von Pohlen, als dessen Alliirten, den Deutschen Kaiser Ferdinand II. zu einem sechsjährigen Waffenstillstände zu bringen, und während desselben Liesl-uid „ebst mehrern Städten Preußens in seiner Gewalt zu behalten: und da der seit 1618 in Deutschland wüthende dreißigjährige Religions- krreg zum Nachtheil der meisten Deutsche» Stände, war geführt worden, so wandte er nun seine Waffen in Deutschland gegen den Kaiser und dessen Alliirte. Zwar blieb dieser große König 16^2 in der Schlackt bei Lützen (das Weitere sehe man in dem Art. Dreißigjähriger Krieg), allein unter des großen SlaatsministerS Sperrst ierna Leitung setzte Schweden den Krieg fort; Gustavs Tochter, Christin», khak, nachdem sie die Regierung selbst übernommen hatte, ein Gleiches, und half ihn endlich im Jahre 164z durch den West» Schm »4z phalifchen Frieden beendigen. Dieser großen Königin (der ein besonderer Art. gewidmet ist) hat Deutschland fast allein den Wästphä- lisch en Frieden zu verdanken. Aber Schweden fand bei diesem Frieden seine Rechnung; denn außer baren fünf Millionen Rcichs- l-alcrn für Kriegkosten bekam dasselbe die zwei säcularisirten Länder Bremen und Vehrden als Herzvgthümer, ferner das ganze Herzogthum Vorpommern und eine» sehr bedeutenden Theil von Hinterpommern nebst der Insel Rügen, auch die Stadt W i S- mar mit ihrem Gebiet im Niedersachstschen Kreise, nebst der Reichs» standschaft und dem Stimmenrechkc auf dem Deutschen Reichstage wegen aller dieser Länder. Sehr wichtige Acquisitionen! wichtig o» Revenuen, aber auch nicht minder dadurch wichtig, daß Schweden, ein so weit entferntes Königreich, vermittelst derselben aufs Deutsche Reich den größten Einfluß erhielt und im Auslande dessen Ruhm bis zum höchsten Gipfel stieg! Und wirklich hat Schweden unter der Regierung Christinens seine größte Höhe, seinen vorzüglichsten Glanz erreicht; denn cs befand sich damahlS bei demselben, außer Lappland und Ingermannland, der größte Theil Finnlands, Li.stand, ein ziemlich großer Theil von dem heutigen Königreich Preußen , die Insel Rügen, ganz Vorpommern und der größte und beste Theil von Hinterpommern, Bremen und Vehrden, die Stadt Wis« mar mit ihrem Gebiet nebst der Insel und dem Amte Poel. Hätten uun ihre Nachfolger diesem großen Reiche, welches zor selbigen Zeit »erhältnlßmäßig ziemlich Menschen hatte (denn im dreißigjährigen Kriege bestand die Schwedische Armee großen TheilS auS Deutschen, welche entweder mit Zwang angeworden wurden, oder aber aus Liebe zn Schweden vielleicht auch aus warmen Eifer für die evangelisch-lu. iberische Religion, sich freiwillig anwerben ließen), eine lange Ruhe za verschaffen gewußt, und hätten sie, in Bezug auf LandcScultur, die Grundsätze, die Gustav Wasa ihnen vorgezeichnet hatte, besser befolgt: so würde Schweden gegenwärtig nicht nur auf seiner vorigen Höhe stehen, sondern vielleicht das erste Reich in Europa seyn; allein es erfolgte daS Gegentheil. Gleich Carl X. der erste König auS dein Hause Zweibrücken, welcher unmittelbar auf Christinen folgte suchte aus eitler Ehrbegierde Krieg, und fand ihn: sein Sohn, Carl Xl. kränkte seine Unterthanen außer dem, daß erste mit Gewalt unter die Waffen schleppen ließ, noch auf andere unzählige Arten an ihren Rechten ; ja sogar ihr Eigcnthum war vor ihm nicht sicher. Endlich Carl Xll. des vorigen Sohn, kannte vollends gar kein höheres Glück für einen König, als den Krieg (m. s. dies. Art.): zwar wurde er zu dem ersten dem Dänischen» der unter seine Regierung fiel — oder besser, d?n er von seinem Vater geerbt hatte — genöthigt; die übrigen aber fing er meistens aus eitler Ruhmbegierde an. Aber dafür entvölkerte er auch seine Länder, brachte Armuth dahin und erlebte noch das Unglück , viele seiner Besitzungen zu verlieren, z. B. ganz Ingermannland, ganz Liefland nebst einem Tbeil von Finnland an den Czaar von Rußland: ja, was dieser König nicht selbst einbüßte, das war nach dessen Tode seine Schwester, die Königin Ulrike Eleonore, genöthigt, 244 Vchw für den Frieden hinzugebcn, z. B. die Herzogthümer Bremen und Vehrden an das Ehurhaus Hannover, für eine Million Reichs, thaler, inglcichen Schwedens Theil von Hinterpommern, auch gerade den besten Theil von -Vorpommern an Thur - Brandenburg, für zwei Millionen Reichsthaler; gewiß scbr unbedeutende Summen, wenn man den Umfang, die Lage und den Ertrag dieser abgetretenen Länder be. rücksichtigt So brachten also Christinens Nachfolger aus dem Zweibrückischen Hause insgesammt ihr Königreich Schweden herunter. Seit dem Jahre 1755 erhielt Schweden Regenten aus dem Hollsteinischen Hause. Unter ihnen zeichneten sich die zwei letzten Gustave durch ihre traurigen Schicksale aus. Gustav Hl. wurde 1702 von An- karström (s. d. Art.) ermordet und gegen seinen Sohn Gustav Adolph erhob sich eine Revolution, die ihn dcS Throns beraubte. Unter diesem letztcrn erlitt Schweden den empfindlichsten Verlust, denn es verlor ganz Finnland, Kenn Lappmark und einen Theil von Wästerbvt- ten und Torneä Lappmark und dadurch einen Flächeninhalt von 490a Quadratmeilen. Das Königreich Schweden hat gegenwärtig noch einen Flächeninhalt von 8247 Quadratmeilen, worauf 2,347,000 Einwohner leben. Es ist im Innern voller Seen, Sümpfe, Waldungen und Gebirge, von denen einige Gipfel mit beständigen Eise und Schnee bedeckt sind. Das Gestade ist voll Busen, Inseln, und Scheeren (s. d. Art.) Unter den Seen ist besonders der Melarsee mit seinen 1Z00 Inseln, und schönen Umgebungen und unter den Flüssen die gothische Elbe (Götha Elf) merkwürdig. Letztere ist schiffbar und bildet bei dem Dorfe Trvl- hatta einen prächtigen"Wafferfall; hier ist der Trollhättakanal in einer Länge von 9000 Schuh durch den Fels gearbeitet und die Schiffe gehn durch 8 Schleusen um den Wasserfall herum und gelangen dann wieder in den Fluß. Die Lust ist in dem hiesigen langen Winter sehr kalt und trocken, im Sommer wegen den langen Tagen ziemlich heiß. Schwedens Stapelwaren fließen aus der Fischerei, aus den Waldungen und den Bergwerken. Sie sind: Außerordentlich viel Fische (vorzüglich Heringe, Heringsöhl, Dorsche, Strömlinge, Kabeljau, Schollen, Störe, Aale, Lachsen in sehr großer Menge, ferner Austern, Hummer ; sehr viel Seehunde; sehr viel Hol; nebst Pottasche, Theer, Pech, Kienruß. Südlich gibt es auch viel Eichen und Buchen durch das ganze Land Tannen, Fichten , Birken u. s. w. in großen Waldungen. Eisen in allen Gegenden; man gewinnt jährlich , 112 Million Centner Roheisen , das dann zu Stangeneisen, Rathschienen, Drath, Nageln u. s. w. verarbeitet wird. Die Ausfuhr dieser Artikel ist sehr groß. Die berühmtesten Eisenbergwerke sind bei Danncmora. Kupfer, und zwar jährlich gegen 32,000 Centner; die reichsten Bergwerke sind bei Falun. — Außer den obigen Hauptprodukten H it Scheden aus dem Mineralreiche: etwas Gold, Silber gegen 2000 Mark jährlich, Alaun, Schwefel, Vitriol, Salpeter, aber kein Quellsalz, sondern nur etwas SeesaU; Marmor, Achat, Tvpaie, Carniol; Kack, Bausteine, Mühb steine, Schiefer, Topsstein; mehrere Mineralquellen. — Aus d> m Pflanzenreiche: Getreide in Süden reichlich, im Ganzen lange nicht hinrei' Schw 24 z chmd. Auch Hanf, Flachs, Hopsen, Buchwesen, aber ebenfalls nicht hinreichend. Tabak in Schonen nicht viel; Obst in den südlichen Provinzen ziemlich viel; Weintrauben als Merkwürdigkeit bei Lund. — Das Thierreick gewährt für die Consumtion bedeutend viel. Rindvieh in Nordland bis zur Ausfuhr von Talg, Butter, Käse, Mast- ochscn in andere Provinzen. Schafe, thcils veredelt, mit nicht so viel Wolle, als man in den Manufakturen verbraucht. Pferde von kleinem dauerhaften Schlage und auch schöne Pferde aus Gestütten. Ziegen viel in Nordland; Schweine; allerlei Geflügel, vorzüglich Gän, se, Eidergänse u. s. w. .Sodann Wildpret (Hirsche, Rehe, Hasen, Elendthiere, Auer - Hasel-Birkhühner) Pelzkhiere (Wölfe, Bären, Luchse, Füchse, Fischottern, Hermeline). Das Rennthier ist bekanntlich ein Hauptthier des Nordens. Die wichtigsten Fabriken Schwedens sind die Mckallfabriken; vorzüglich die Eisen-und Stahlsabriken, die Werkstätte für Kupferarbeiten, z. B. für Kupferblech zum Beschlagen der Schiffe, zumDach- -ecken, für die Münze u. s. w. und die Meffingfabriken. Nicht minder wichtig sind die Holzarbeiter!; zu diesen gehören die große Menge von Schneidemühlen» das Kohlen-und Theerbrennen, die Bereitung des Kienruffes, des Pechs, der Faßdauben und Reifen, und vorzüglich der Schiffbau, der in mehrcrn Seeplätzen zum Verkauf Statt findet. Mannigfaltig genug sind auch die übrigen Fabriken und manche liefern zur Ausfuhr, z. B- die Segeltuchnianusokturen, die Thransie- dereien, die Lcinenwebereien, aber die meisten übrigen reichen für den eigenen Bedarf noch nicht hin. Schwedens Handel ist sehr ausgebrei- tet. Er geht nach den übrigen europäischen Landern, vorzüglich nach England, Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und allen Küstenländern der Ostsee und nach Westindien. Den Handel nach Ostindien und China führt die Ostindische Handlungsaesellschast zu Gothenburg ; auf dem mittelländischen Meere treiben die Schweden einen bedeutenden Fracht-oder Zwischenhandel und für diesem existirt eine besondere seit 1771 bestehende Lcvantische Kompagnie. Jetzt, da Schweden dem System des festen Landes gegen England beiaetreten ist, ruhet der Handel gröstentheils. — Für ernste und gründliche Wissenschaften haben die Schweden Sinn und Kraft und ihre Nation hat darin viele ausgezeichnete Männer aufzuweisen. Schweden hak zwei Universitäten zu Lund und Upsala, mehrere gelehrte Gesellschaften und in dcnqrö» ßern Städten Gelehrteschulen. Schweden besteht gegenwärtig aus folgenden Theilen: 1) Das eigentliche Schweden mit der Hauptstadt und Residenz Stockholm» mit mehrern königlichen Lustschl^ßern und den vorzüglichern Städten Upsala, Falun, Orebro, Nvköping u. s. w. 2) Gothland, vorzüg- liAe Städte: Fothenburg, die zweite Stadt des Reicks, Storköping» Iönköping, Ealmar, Earlscrona, Earlshamm, Ehristianstadt, Lund, Malmöe, Landocrona» Uddewalla u. s. w. z) Norrland Städte: Geste, Södcrham, Hörnesand u. s. w. 4) Lappland mit nomadischen Bewohnern, 5) Schwedisch Pommern Städte: Stralsund, Greifswald» Wolgast, Barth, Bergen. S46 Schw Die herrschende Religion ist die lutherische, es werden aber auch andere Glaubensgenossen geduldet. Das Königreich Schweden «st eine in männlicher Linie erbliche, eingeschränkte Monarchie, unter einem machthabenden» aber an die Gesetze gebundenen Könige, und unter gesetzgebenden Ständen, zu welchen Adeliche, Geistliche. Slädtedcpu- tirte und Bauern gehören. Schwedenborg, s. Swedenborg. Schwedische Jungfer, heißt eine gefährliche Klippe vor Stockholm, an welcher die Schiffe leicht scheitern. Schwedt, in der Uckermark an der Oder, eine schön gebaute Stadt von 26.2 Häusern und 2000 Einwohnern. (Gehört dem König von Preußen.) Schwefelleber, flüchtiger Schwefelgeist, mit Laugensalz und Kalk zu einer im Wasser auflösbaren Masse vereinigt , von der le berbrauncn Farbe so genannt. — Schwefelleberluft oder Schwefe l-GaS, s. hepatisches Gas. — Schwefelmilch, ein weißes zartes Pulver, welche- aus der in kochendem Wasser aufgelösten Schwcfelleber niedergeschlagen wird. ES wird z. B. zur Auflösung und Forkschaffung des im Körper befindlichen Gichtstoffs gebraucht. — Schwefelpaste, eine Münze, die in einer Masse von Schwefel abgedruckt ist. — Schwefelregen, ein Regen, mit welchem ein seines gelbes Mehl herabfällt, das von dem gemeinen Manne für Schwefel gehalten wird, aber weiter nichts ist, als der gelbe Staub, der in den Zäpfchen oder Kätzchen der Rothtannen entsteht, zu Ende des Mais oft in großer Menge auSfälll, und von dem Winde weit umhergelrieben wird. Schweidnitz, ein Fürstenthum in Preußisch - Schlesien. Die Hauptstadt gleiches NahmenS ist eine starke Festung, wo in 6 üi Häusern über yooo Einwohner leben. Schwei 11 fuhrt, eine Stadt im Herzogthum Würzburg, hat 8000 Einwohner, und ein Gymnasium. Häuser und Gassen sind zum Theil geräumig, hell und gut gebaut. Die Einwohner nähren sich hauptsächlich vom Ackerbau, Weinbau und der Viehzucht. Schweinitz, eine Stadt im Sächsischen Churkreise zwischen Mittenberg und Torgau, mit Zoo Häusern. Schweiß, heißt in der Jagdsprache das Blut des Wildes; schweißen, bluten. — Schweißfuchs, ein röthlicheS Pferd, dessen dunkles Haar mit weißem so schattirt ist, daß es mit Schweiß bedeckt zu scyn scheint. — Schweißhund, ein Jagdhund, der abgerichtet ist, das angeschossene Wild, vermittelst des verlornen Blutes aufzusuchrn. Die Schweiz. — Schwerlich darf sich ein anderes Land rüh» men, öfterer bereist und beschrieben worden zu seyn, als dieses romantisch schöne Gebirgsland. Die Schweiz führte in den ältesten Zei« ten den Nahmen Helvetien; und seine Bewohner, zuerst durch ihre Einfälle in Gallien bekannt, wurden ungefähr Lo Jahre vor Christi Geburt durch Julius Cäsar den Römern unterworfen, deren Herrschaft in diesem Lande, nach einem Zeiträume von beinahe 400 Jahren, zwei Deutsche Völker, die Burgunder und Aleman» Schw «47 neu, ein Ende machten, indem jene den südwestlichen, diese de» nordöstlichen Theil besetzten. Chlodwig, König der Franken, vereinigte als Ueberwinder der Alemannen am Ende des fünften Jahrhunderts ihren Antheil der Schweiz mit dem Fränkischen Reiche; seine Söhne vollführkcn dieß auch mit hem Burgundifchen Theile. Durch den Vertrag zu Derdnn 84 Z, durch welchen das Deutsche Reich gegründet wurde, kam die Schweiz zu diesem: es wurde jedoch der anfänglich Burgundische Theil derselben mit der Grafschaft Burgund oder Franche Comte (jetzt Departement der Ober-Saone) unter dem Nahmen des TranSjuranischen oder Klein-Burgunds vereinigt, und erhielt am Ende des neunten Jahrhunderts seinen eignen König; da hingegen der nördliche Tbeil dem Deutschen Kaiser unterworfen blieb. Da der letzte König von Klein-Burgund, Rudolph lll. ie>Z2 es ebenfalls dem Deutschen Kaiser überließ; so gehörte die ganze Schweiz wieder dem Deutschen Reiche: doch kam sie erst dann unter dessen unmittelbare Herrschaft zurück, als der letzte von de» Herzogen von Zä- ringen (die 1126 vom Kaiser zu Regenten von Klein-Burgund ernannt worden waren) im Jahr 121z siarb. Da aber nach und nach die Geistlichkeit und der Adel im Lande einen großen Theil desselben an sich gebracht hatten; so war die Herrschaft des Deutschen Reiches in der Schweiz sehr beschränkt, und nur gezwungen erkannte man die kaiserlichen Statthalter an. Dagegen wählten die Schweizer» die schon in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts die Bestätigung ihrer Freiheiten von den Deutschen Kaisern erhalten hatten, während dem so genannten großen Z wi sch e n r c ich e, oder den zwiespältigen Deutschen Kaiferwahlen, den Grafen Rudolph V. zu Habsburg 1257 zu ihrem Beschützer, der jedoch, als er selbst 127Z den Deutschen Kaiserkhron bestieg, sie zu unterdrücken suchte.' Dieser große, aber ländersüchtiqe, Kaiser hatte unstreitig schon den Plan, in der Schweiz ein b sondercS Hcrzoglhum zu errichten; aber erst sein Sohn, Albrecht 1 . der ihm auch nach einiger Zeit in der Kaiserwürde folgte, suchte diese» Plan wirklich auszuführen. Da die Schweizer schon längst das Privilegium erhalten halten, als Neichs- glieder bei Deutschland zu bleiben, und cinsahen, daß sie unter Oesterreichs Gewalt kommen sollten: so widersetzken sie sich; und drei Städte, Uri, Schweiz (welche schon im August >2y> zugleich mit der Stadt Stanz ein ewiges Schutzbündniß geschlossen halten) und Unterwalden, suchten von Albr echten die Bestätigung desselben und ihrer Freiheiten. Albrecht, der wohl nur auf ihre Empörung hoffte, um sie bekriegen und unterjochen zu können, verweigerte ihnen nicht nur dieses, sondern setzte auch Hermann Geß- l c r und Bilger von Landenberg als L->ndyögte über sie. Da besonders des erster» Verfahren immer drückender ward; so schloffen am 17. November ,307 drei persönlich beleidigte Schweizer, Werner von Stau fache n aus Schweiz, Walther Fürst aus Uri und Arnold von Melchthal ans Unterwalden, nebst einigen ihrer Landsleute einen Bund, um ihr Vaterland von der Tyrannei zu retten, und verabredeten, mir dem ersten Tage des Jahres izyz die festen Schlösser der Landvögke zu zerstören. Gleich darauf wurde 248 Schw Geßler von Wilbelm Tell *), Walther Fürsts Schwiegersöhne, erschossen. Am i. Januar izv8 brach, der Verabredung gemäß, ein allgemeiner Aufstand der drei Städte wider die Landvögte und deren Anhänger los; die Schlösser der erster« wurde» erobert und geschleift, und die Landvögte selbst verjagt. Alb recht eilte zwar, um sich zu rächen, nach der Schweiz, wurde aber auf dieser Reise von seines Bruders Sohn, Johann von Habsburg, dem er sei» Herzogthum Schwaben vorenthielt, und einigen Freunden desselben ermordet **); und Heinrich VII. Albrech ts Nachfolger auf dem Kaiscrchron, bestätigte auf dem Reichstage zu Speier Sie Freiheiten der Schweizer. Da ober nach dessen bald erfolgtem Tode Ludwig von Baiern und Friedrich von Oesterreich als Gegenkaiser aufttaten, und die Schweizer nicht allein des erster» Parthei hielten, sondern auch das unter Oesterreichs Schutz stehende Stift Ein siedeln wegen gewisser Ländereien in Anspruch, und sogar einige Mönche desselben gefangen nahmen: so erklärte sie Friedrich in die Acht, ließ sie auch durch de» Bischof von Constanz in den Bann thun; doch von ersterer sprach sie Ludwig, von diesem der Erzbischof von Mainz los. Und als Friedrichs Bruder,' Herzog Leopold von Oesterreich, gleich darauf mit einem Kriegsbeert auf sie losging, wurde er von ihnen am 6. December igiA bei Morgarten geschlagen. Zwei Tage nachher schloffen die Landschaften Uri, Schweiz undUnterwalden zu Brunnen den ersten ewigen Bund, und wurden nun unter dem Nahmen der Eidgenossen bekannt. Diesem Bunde traten izZ2 Lucern, »zzi die zeikherige Reichsstadt Zürich (die die erste Stelle unter allen eidgenössischen Orten erhielt) und Glarus, rzz» Zug und iz;Z Bern ebenfalls bei; und Oesterreich sah sich, nach einer dreimahligen vergeblichen Belagerung von Zürich, genötbigt, 1ZL8 mit den Eidgenossen Frieden zu schließen. Da aber die Oesterrcichischcn Landvögte sie immerfort auf alle Art, besonders durch Erschwerung ihres Handels, kränkten; so vereinigten sie sich mit den Schwäbischen Reichsstädten wider die ^Landvögle. Herzog Leopold III. von Oesterreich, der mit den Schwäbischen Reichsstädten in Streitigkeiten verwickelt war, und übcrdieß noch auf Zug und Glarus Ansprüche machte, ging dcß- hald auf die Eidgenossen los, verlor aber, besonders durch Arnold *) Man bat zuweilen gezweifelt, ob wirklich ein Wilhelm Tell gelebt habe: dieß scheint nun wohl außer Zweifel zu seyn (veraleiche Gottlieb Eman. von Hallers Wilhelm Tell, eine Vorle- snna- Bern >772 8 ); hingegen ist der Umstand, daß Telt seinem Sohne einen Apfel vom Kopfe schießen müssen, eben so, wie die Ebi-cnbezcngnnaen, dje Geßler für seinen Hut verlang» haben soll, nicht hinlänglich erwiese» svergl. eben dieses HallerS Bibliothek der Schweizergesch. Th. z. Bern 1787. gr- 8- S. 24. N. 75)- *') 2)>ejen Geaenstand hat bekanntlich Professor A. G. Meißner in seinem Schauspiel Jo bau» von Schwaben, jedoch mii vieler dichterischer Freiheit, behandelt. Schiv 249 von Winkelried *), der mit Aufopferung seines LebenS den Schweizern einen Weg in das Oesterreichische Heer bahnte, am y. Juli nz86 bei Sempach nebst dem Kern seines Adels Schlacht und Leben. Oesterreich schloß nun 1Z96 mit den Eidgenossen einen zwanzigjährigen Waffenstillstand, und ,4,4 eine» fünfzigjährigen Frieden, durch den diese von neuem die Bestätigung ihrer Freiheiten und Best» Hungen erhielten. Liestr Friede hinderte jedoch die Schweizer nicht, gleich darauf wider den vom Kaiser Sieg in und geächteten Herzog von Oesterreich, Friedrich IV. die ihnen in Ansehung seiner Besitzungen in der Schweiz vom Kaiser aufgetragene Acht zu vollstrecken, und dadurch ihre Besitzungen zu vergrößern. Dagegen drohten ihrem Bunde neue Gefahren. Zuerst entstanden >4,g6 zwischen Zürich und den übrigen CantonS über mehrere vom Kaiser Friedrich Hl. dem crstern ertheiltc Vorrechte so große Mißhelligkeiten, daß Zürich aus dem Bunde trat, und sich an Ö sterreich ergab. Allein da die übrigen Eidgenossen 1444 die Belagerung der Stadt Zürich unternahmen, und dem von den Zürichern zu Hülfe gerufenen großen Französischen Heere den tapfersten Widerstand entgegensetzten: so wurde 1446 zu Costnitz dieser Streit beigelcgt ; und Zürich trat darauf zu den Eidgenossen zurück, die in diesem Jahre 1446 zuerst von den Franzosen den Nähme» Schweizer erhielten, theils weil der Canton Schweiz der mächtigste unter den drei zu Anfänge verbündeten war, theils auch weil ihr erstes Bündniß (zu Brunnen) und die erste Schlacht gegen sie (zu Morgarten) in diesem Canton vorgefaüen war. Gefährlicher schien ein Krieg zu werden, der zwischen ihnen und dem Herzog von Burgund, Carl dem Kühnen, ousbrach, jedoch für diesen, der feine Macht vergrößern wollte, so unglücklich ansstel, daß er nicht allein durch zwei Schlichten bei Gransee »nd Murten (am 2. März und am 22. Juni 1476) seine Reichthümer und seine besten Truppen, sondern auch in einer dritten bei Nanci (am 12. Januar 1477) sein Leben verlor. Noch schneller als dieser endigte sich ein neuer Krieg mit Kaiser Maximilian l. der die Schweizer nötigen wollte, dem zu Erhaltung des Friedens und der Ruhe bereit- 1488 von den Städten und Ständen in Schwaben geschlossenen so genannten Schwäbischen Bunde beizutreten, und sich dem Reichskammergerichte zu unterwerfen.- denn die Schweizer, mit denen sich schon seit , 48 > Freiburg und Solothurn vereinigt hatten, nahmen jetzt auch die Graubündtner, zwischen denen und der Ocster- reichischen Regierung zu Jnsbruck Streitigkeiten entstanden waren, in ihren Bund auf; und Maximilian sah sich gcnöthigt, den erst > 4 yy cröffnetcn Krieg, der unter dem Nahmen Schwabcnkrieg bekannt ist, schon am 22. September desselben Jahres durch den Frieden zu Basel zu beendigen, in welchem den Schweizern ein Landgericht zu Thurgau zugestandcn, und die Entscheidung der *) Noch am y. Juli >786 wurde diesem Schweizerbeiden eine Gedächr» nißfeier zu Stanz gehalten. S Revolution-- Almanach v. > 793 - S. yI—ir>A. rH» Schw Streitigkeit«« zwischen dem Oesterreichi'fchen Gerichte zu Jnsbrnck, und den Graubündtnern dem Ausspruche von Schiedsrichtern über! lassen wurde. Dagegen geriethen die Schweizer mit Frankreich i» Krieg; denn da Ludwig Xll. König von Frankreich, den Herzog von Mailand, Ludwig, zu wiederholten Mahlen aus seinem Herzogtum verdrängte, der auch endlich izio in Französischer Gefangenschaft starb; so traten die Schweizer, die anfangs beiden Theilen Hülfsrruppen gegeben hatten, jedoch nachher dem Herzog wieder zu seinem Herzogthum behüiflich gewesen waren, wider Frankreich der heiligen Ligue*) bei, und setzten deü Herzogs Ludwig Sohn, Maximilian Sforza, wieder in sein väterliches Herzogtum ein. Zwar griff Ludwig Xll. Mailand von neuem an, verlor aber am 6. Juni iFiZ die Schlacht bei Novara gegen die Schwei, zer, die nun in Frankreich einrückten, und die Belagerung von Dijon eröffneten, jedoch durch die Hinterlist des Gouverneurs von Bretagne (der ihnen die von Ludwigen geforderten rückständigen Geldsummen und die verlangte Anerkennung des Herzogs von Mailand zusagte, dem König selbst aber anricth, diesen Vertrag nicht zn halten) zum Rückmarsch bewogen wurden. Erst unter Ludwigs Nachfolger, Franz I. gegen den die Schweizer am ,4. September ,515 das blutize Treffen bei Marignano verloren, wurde am 29. November rAi6 zu Frei bürg ein ewiger Friede abgeschlossen, durch den die Schweizer, denen indeß 1501 Basel und Schafhaufen, und 151z Appenzell beigetreten waren, nicht allein ihren Handel mit Frankreich erweiterten, und von Franzen eine Geldsumme erhielten, sondern auch die ihnen vorher vom Herzog von Mailand geschenkten Aemter Lugano, Lucarno, Vedrisi und Val Magi a, das eroberte Veltlin und die Landschaft Clären behielten. Der Anfang der Ki r ch en r efor ma ti 0 n in der Schweiz, bei der sich Ulrich Zwingli zu Zürich und Johann Occolampa- dius (eigentlich Haus schein) zu Basel auszeichneken, erregte große innerliche Unruhen, die aber durch zwei Landfrieden von 1529 und rZZk beigelegt wurden, jedoch eine dreifache Abrheilung der >3 Cantons in Hinsicht der Religion bewirkten, indem Zürich, Bern, Schafhauscn und Basel sich für die rcformirte, L »cern, Frei- durg, Solothurn, Uri, Schweiz und Unterwalden für die katholische Religion erklärten, hingegen Glarus und Appenzell beiden Religionen gleiche Rechte zugestanden. Auch gab die Reformation Gelegenheit, daß Genf (s. dies. Art.) igzi sich der Oberherrschaft seines zeithcrigen Bischofs entzog, und durch einen mit *) Ludwig Xll. König von Frankreich, schloß im Jahr -z-'S mit dem Papst Jul ins II. dem Kaiser Maximilian I. und dem König von Spanien, Ferdinand dem Katholischen, die Ligue 1» Cambray gegen die Venetianer; allein schon im Jahr iZ>e> »raten der Papst und Spanien in ein neues Bnndniß gegen Frankreich, welches die heilig« Ligue genannt wurde (s. den Art, Ligue). Schw sz, Lern und späterhin mit Zürich abgeschlossenen Vertrag als freie Republik mit den Schweizern i» Verbindung trat, die auch in demselben Jahre iZZi durch das Waadtland, welches der Canton Bern eroberte, ihr Land vergrößerten. Dagegen suchten seit dem Jahre rßiy die den Graubündtnern unterworfenen Landschaften Velt> tin und Worms (oder Bormio) sich denselben zu entziehen; bis endlich erstere 16,97 wieder in den ruhigen Besitz dieser Landschaften kamen, worauf auch bald die ganze Schweiz gleichsam zum zweiten Mahle gegründet wurde, indem man ihr in dem Westphämischen Frieden 16.18 völlige Freiheit und Unabhängigkeit von dem Deutschen Reiche zugestand. Seit Abschluß dieses wichtigen Friedens war die Schweiz zwar von allen auswärtigen Kriegen frei; dagegen entstanden zwischen den katholischen und rcformirten Cantonen viele ReligionSstreitigkciten, die sogar in Kriege auebrachen, bis sie endlich 1759 nach wiederholten Friedensschlüssen (zu Baden am 20. Febr. >6^6 und zu Aarau 1717) völlig beendigt wurden. Allein diese innerlichen Kriege, die Streitigkeiten über die Erbfolge in Neuf- schakel, an welchen der Canton Bern Antheil nahm, Lucerns Vertheidignng seiner Kirchenfreiheit gegen die Anmaßungen des Bischofs zu Constanz und dcS Papstes (in den Jahren >7-5 und 1769), so wie die altern Genfer Unruhen (s. den Art. Genf), müssen bet den engen Grenzen dieses Werks als minder wichtig übergangen werden. Die neueste und traurige Epoche der Schweiz begann durch Frankreichs Revolution. Noch am 2L. August «777 hatte Frankreich nicht nur mit den dreizehn Cantonen, sonder» auch mit den meisten Bundesgenossen der Schweiz zu Solothurn ein allgemeines und ewiges Bündniß abgeschlossen, in dem der Friede von i,?>6 zum Grunde gelegt worden war, und Frankreich ihnen wider alle Eüropäische Mächte Beistand versprochen halte. Dieses Bündniß blieb den Schweizern nach Ausbruch der Französischen Revolution so heilig, daß sie trotz der Ermordungen ihrer Landsleute zu Paris am ro. August »792, trotz der vielfältigen Aufforderungen zum Beitritt wider Frankreich, ihre gleich anfangs angenommene Neutralität standhaft behaupteten; diese konnte jedoch den Umsturz der Schweiz zwar verzögern aber nicht verhindern, da nicht bloß das Französische Direktorium, sondern Schweizer selbst an demselben arbeiteten. Die Landschaften Veltlin, Cläven und B 0 rmi 0 kündigten im Sommer 1797 den Graubündtnern wegen Bedrückungen von neuem de» Gehorsam auf, und verlangten Vereinigung mit der neu etablirten CiSalpinischen Republik, dem vorherigen Herzoglhum Mai, land; ja, die Veltlinsche Landesversammlung erklärte sich sogar am >8. Juni als eine souveraine Republik. Bonaparte, der damahls in Italien die Republiken organisirte, beschied darauf die Graubündt, nee und die drei unruhigen Landschaften, zu Beilegung ihrer Streitigkeiten Bevollmächtigte an ihn abzusende»; allein da die erster» auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, so ertbeilte er am »o. Del ober den letzter» die Freiheit, sich mit Cisalpinien zu vereinigen, welchen Ausspruch das Direktorium zu Mailand am ss. L>sto- LA» Sch» ber bestätigte. In dem Waadtlande entstanden ebenfalls Unruhen, und die Einwohner suchten in Frankreich Schutz gegen Bern und Frei bürg. Am 14. December besetzte auch der Französische General ^Sa int Cpr den Schweizerischen Antbeil des Bistbums Basel, dessen zum Deutschen Reiche gehöriger Antheil schon längst als Departement iVlout lerribis der Französischen Republik einoerleibt »vordeu war. Ungeachtet der Französischen Protcstationen wider eine falsche Auslegung dieses Unternehmens traf der Eanlon Bern sogleich kriegerische Anstalten gegen Frankreich, dagegen die Waadtläuder von Errichtung einer Lema nischen Republik (ein Nähme, der von der Lateinischen Benennung des an ihrer Landschaft liegenden Genfer SeeS hcrqenoinmen wurde) sprachen, und sich an den in ihrer Nähe postirten Französischen General Menard wendeten, der auch am s.z. Januar 1798 die Freiheit der Waadtländer, und» da er am r6. ins Waadtland einacrückt, dasselbe als Lcmanische Republik proclamirte. VergevenS hatten Tages zuvor die Gesandten der Schweizer Cantvne zu Aarau ihren Bundesschwur erneuert; vergebens traten die Berner mit dem Französischen Gesandten Mengand daselbst und dem General Brune, Menards Nachfolger, in Unterhandlungen: man verlangte Französischer Seits die Abdankung der bisherigen Berner Regierung, welches Bern, an das sich Freiburg und Solothurn anschloffen, verweigerte, und dagegen seine Truppe» unter -cm Oberkommando des Generals von Erlach zusammenzva. Jetzt rückten die Franzosen gegen die drei Eantone vor; nach einigen Gefechten besetzte Schauenburg den Eanton Solothurn, und schon am 2. März die Hauptstadt Solothurn selbst, so wie auch Brune mit einem andern Truppencorps an diesem Tage die Stadt Freiburg eroberte, und nun aus Bern losging. Während am z. März die Schweizer siegreich gegen ihn kämpften, vollendete Schauenburg, der von Solothurn aus ebenfalls auf Bern losging, nach fünf mörderischen Gefechten (besonders bei Fr a u e n b ru n n) die Eroberung der Stadt Bern, und entschied durch sie zugleich den Umsturz der zeitherigen Verfassung der Schweiz. Schon am 9. April wurde zu Aarau die neue Helvetische National-Versammlung eröffnet, und am 12. die eine und »nryeilbare Helvetische Republik daselbst procl-mirt, auch ein neuer Senat und ein Direktorium eingesetzt. Allein ungeachtet die größer» Eantone am ,0. August zu Aarau und Schafhausen der neuen Constitution schwuren, und am 14. zu Paris eine Ol- und Defensiv-Allianz zwischen der Französischen und Helvetischen Republik abgeschlossen wurde; so weigerten sich doch Schweiz, Uri, Unterwalden, Glarus und Appenzell nebst den Landschaften Toggenburg und St. Gallen die neue Constitution anzne» kennen, besonders da die Französischen Commis- faire, nahmentlich Rapinat (der am 8. Juni den Züricher Schatz wegschaffen ließ) und Roubier, daS Land durch Requisitionen und Plünderungen aller Art drückten. Schon vom LZ. April bis zum 1. Mai war cs zwischen den Franzosen und den kleinen Cankoncn, die ein Corps von Mehrern tausend Mann aufgestellt hatten, bei Luccrn, Rappers wpl und UH nach zu verschiedenen Treffen gekommen, in Schw »ZA Verfolg deren jene, nach der hartnäckigsten Gegenwehr der Schweizer, immer weiter vorgerückt waren: am heftigsten wurde aber am y. September bei Stanz gekochten; und nur erst als Schauenburg diesen Ort mit glühenden Kugeln hatte in Brand stecken lassen, verließen die Schweizer ihre Verschanzungen am Lucerner See. und jener konnte nun auch Schweiz und Zug ganz besetzen. Graubünd- len war jetzt noch allein von Französischen Truppen frei. Da für Oesterreich diese Vormauer Tirols äußerst wichtig war, so rückten, nach einer am 17. Oktober zwischen den Graubündknern und dem Oesterreichischcn General Bellegarde geschloffene» Convention, am ry. Oestcrreichische Truppen in Graubündten ein; da hingegen die Helvetische Republik am zo. Nvv. der Französischen ein Hülsscorps von rs,oc>o Man» versprach. Auf jenes Ocsterreichifche Corps ging General Massen», der nach Wiederausbruch des Krieges gegen Deutschland die Französische Armee in der Schweiz commandirte, am 6. und 7. März 1799 los, nahm eS größten Theils gefangen, und besetzte schon am ,Z. die Tiroler Grenzen. Allein nach den Niederlagen der Französischen Armeen am Rhein und in Italien wurde auch ihre Armee in der Schweiz, nach vielen Gefechten (vom zc>. April bis zum 14. Mai), nicht bloß zum Rückzuge aus Graubündten genöthigt, sonder» auch nach dem Treffen bei Winterthur (am 2F. — 2^. Mai) diese Stadt, und nach den Siegen der Oesterreicher bei Zu- rich (am r. und 4. Juni) die Stadt Zürich am 6. Juni von denselben besetzt; und schon war die Hälfte der Schweiz wieder in Oesterreichs Händen, als am 14. August ei» Theil der Russischen Armee unter Korsakow in Schafhausen eintraf, um die Eroberung der Schweiz zu vollenden. Aber ehe der auS Italien herbelei- lende Graf Suworow mit der zweiten Russischen Armee sich mit Korsakow vereinigen konnte, lieferten am sz. und 26. September Masse na und So ult den Russen und Oesterreichern die Schlacht an der Limmat bei Zürich und Uznach, durch welche der Rückzug der Korsakowschen Armee, so wie durch die Angriffe der Franzosen vom 4. bis zum 9. Oclober auch SuworowS Rückzüg, entschieden wurde, und nun die Franzosen wieder in Besitz der ganzen Schweiz kamen, nur mit Ausschluß GraubündtenS, Schafhausens und der Cisalpinischen Landschaften Veltlin, Cläven und Bormio. Doch auch diese verschafften ihnen Moreau'S Siege im Mai 1800 und die Schlacht bei Marengo am 14 Juni; nur GraubündtenS Eroberung wurde erst am 14. Juli vollendet, und die Helvetische Republik darauf am 9. Februar >80l durch den Frieden zu Lüneville nicht nur von Deutschland garantirt, sondern auch von diesem das Frickthul und die Besitzungen zwischen Zurzach und Basel an sie abgetreten. Da in dem 11. Artikel dieses Friedens, so wie den übrigen Republiken, auch der H lvelifchen zu, gestanden worden war, eine ihr believiqe Regierungaform anzuneb- me», so wurde (ungeachtet die am 12. April ,79g festgesetzte Constitution bereits am 7. Januar und am 7. August izoo Abänderungen erlitten hatte) am 29. Mai -Zoi ein neuer in Paris bestätigter Con- stikulionsplai, bekannt gemacht, wider den aber schon am Juni dip 2 L 4 Schw Stadl Bern protestirte. Dieß bewog die gesammten Stände der Schweiz, sich au 7. September zu Bern zu versammeln, und am 24. Oktober einen zweiten ConstitutionSplan festzusetzen: astein auch dieser fand vielen Widerspruch ; daher am 23. Februar 1802 ein dritter folgte, der auch nach einigen Veränderungen am 2. Juki als die neue, von der Mehrzahl der Bürger angenommene Helvetische Verfassung öffentlich bekannt gemacht, und zum Reichs-Grund, gesctz erhoben wurde. Doch auch bierdurch konnte den Unruhen noch nicht abgeholfcn werden, da die kleinen Cantone, Schweiz, Uri, Unterwalden, Glarus und Appenzell die alte Verfassung, die vor Ausbruch der Revolution gültig gewesen, wieder hergestellt verlangten. Schon im Mai waren im Waadtlande über die Zehnten und Bovenzinsen, deren ssch die Landleukc weigerten, Unruhen entstanden; allein jetzt brach in diesen Canloncn, an welche sich Zürich und Schafhausen anschloffen, die Empörung gegen die neue Verfassung im August ganz auS, und griff immer weiter um sich. Vergeblich bemühten sich die Helvetischen Truppen, sie zu dämpfe», und besonders Zürich, welches auch am ro. und iZ. September von ihnen beschossen wurde, den Insurgenten zu entreißen; denn Zürich nahm, ungeachtet eS am >z. September capitulirte, keine republikanischen Truppen ein. Dagegen rückten die Insurgenten am 13. September auch vor Bern, brachte» diese Stadt durch Capitulation in ibre Hände, und stellten, nachdem sie die hier befindliche Helvetische Regierung genölhigt, sich »ach Lausanne zu begeben, auch in Bern die alte Verfassung wieder her. Eben so besetzten sie, nachdem sie in verschiedenen Gefechten am Z. Z. und 6. Oktober die Helvetischen Truppen zurückgetrieben hatten, auch die Stadt Freiburg. Bo> naparte'sam zo. September an die Helvetische Republik erlassene Proklamation „daß die Helvetische Regierung nach Bern zurückkeh- ren, die Insurgenten. Armee aus einander gehen, und Depurirte nach Paris kommen sollten, um eine Vereinigung der Partheien zu Stande zu bringen", war ebenfalls fruchtlos, indem die zu Schweiz versammelten Deputirten der gesammten Cantone sich auf jenen Artikel des Lüneviller Friedens bezogen, und am >2. Oktober erklärten, „daß sie zwar beim Einrücken Französischer Truppen in die Schweiz der Uebermachk würden weichen müssen, ihr Wille aber doch unbezwun- gen bleibe, und sie sich daher das ihnen zugestandene Recht vorbehielten." Jetzt erfolgte der Einmarsch der Französischen Truppen; und zugleich berief Bo „aparte eine Deputation der Helvetischen Republik nach Paris, »m mit ihnen eine Veifaffung für die gesammten Cantone zu vermitteln. Die Verhandlungen zwischen den Helvetisch n Deputirten und vier Französischen Ministern, den Senatoren Bar- thelemy, Röderer, Fouchö und Demeunier, wurden darauf am >e>. December zu Paris eröffnet, und am 19. Februar »8vz die künftige Skaatsverfaffung der Schweiz, mittelst der Französische» Vermittelungs-Acte, festgesetzt. Diese neue Constitution wurde allgemein angenommen, und nach Auflösung der zeitherigen Helvetischen Regierung am L. und 10. März die neuen Magistratspersonen gewählt. Der Bermitkelungs-Acle folgten bald von Seitrn Frankreichs Schw rZZ zwei Anträge, r) zu Abschließung einer Defensiv-Allianz mit ber Helvetischen Republik, und 2) zu Ueberlaffung einer Anzahl Helvetischer Truppe» in Französische Kriegsdienste. Bei dem Allianz-Tractat, den man auf Jahre ringing, wurde der Friede von >F>6 wieder zum Grunde gelegt; durch die so genannte M i i i ta j r-C a p itul a, tion, die auf sz Jahre geschlossen wurde, machte sich die Helvetische Republik verbindlich, Frankreich i6,voo Mann gedorrte Schweizer «» seine Kriegsdienste zu geben. Beide Traktaten wurden am 27. September rgvZ unterzeichnet, und, nachdem sie Bo »aparte genehmigt, am Zo. November zu Freiburg allgemein ratificirt. Seit dieser Zeit zogen sich auch die in der Schweiz befindlichen Französischen Truppen nach und nach zurück; und dieses unglückliche Land, da- seit ,797 so viel erduldet halte, daS durch die Verbindung mit Frankreich im Jahr 1799 der Hauptschauplatz des Krieges geworden war, sing an die Ruhe zu genießen, welche auch durch die im März 1804 im Canton Zürich ausgebrochenen neuen Unruhen nur wenig unterbro-- chen wurde, da man sich der Urheber derselben bald bemächtigte, und sogar drei derselben (W illi, Schneveli und Häb e-r lin) mit dem Tode bestrafte. Der Wl.derausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Oesterreich hatte auf die Schweiz keinen wesentlichen Einfluß; jedoch wurde im 18. Artikel des am 26. December «805 zu Preßburg abgeschlossenen Friedens die Unabhängigkeit der, nach der Vermittelungs-Acte regierten. Helvetischen Republik von Frankreich und Oesterreich anerkannt. Die Schweiz oder Helvetien besteht gegenwärtig aus der Helvetischen Republik und aus dem Fürstenthum Neuenburg, Neufschatel (s. d. Art.) DaS ganze hat einen Flächeninhalt von 7ZA Ouadrak- meilen, worauf 1,685,»»0 Einwohner leben. Die Helvetische Republik besteht aus 19 Cantonen, nähmlich in Norden Basel, Solo, tdurn, Aargau, Zürich, Schafhausen, Thurgau, St. Gallen und Ap. penzell; im Westen Waadtland, Frciburg und Bern; im Innern Lu- ccr», Zug, Unterwalden, Uri, Schwyz und GlaruS; in Süd-Osten Tessin und Graubündten oder Rhätien. Jeder Canton bildet für sich einen kleinen Staat nach besonderer Verfassung; diese ist demokratisch in Appenzell, Graubündten, Glarus und den vier kleinen Cantonen; in den übrigen aristokratisch oder aristokratisch - demokratisch. Alle Cantöne sind zu einem Bundesstaate vereint, alle leisten sich Gewehr- schaft für die Erhaltung ihres Gebietes und ihrer Verfassung Die allgemeinen Staatsangelegenheiten werden durch die Repräsentanten der 19 Cantone, die zur Lagsahnng kommen, geleitet. Jeder Canton schicket einen Depulirten zur Tagsaß»ng. Die Mehrheit der Stimmen entscheidet. B.rn, Aargau, Zürich, St. Gallen, Graubündten und Waadt haben wegen ihrer gröpern Volksmenge jeder 2 Stimmen, die andern nur eine. Summa 25 Stimmen. Der Präsident dieser Bundsversammlung ist der Landamman der Schweiz. Sie wirb alljährlich vom ersten Montage des Zunius an vier Wochen lang abwechselnd in den Städten Basel, Zürich, Lucern, Solothurn, Bern und Freiburg d. i. in den 6 älter» größer» Cantonen gehalten, die daher die Ber neiu.ung her dirigirendcli Cantone führen. Der jcdesirrahl dirigirende sz6 Schw Canton stellt für das laufende Jahr in der Person feines ersten Beamten den Landamman. Die Tagsatzung entscheidet durch ,«/4 der Stimmen über Krieg, Frieden, Vertrüge, Bündnisse, und alle allgemeine Staatsangelegenheiten. Sie schlichtet die Slreiligkeiten zwischen den Canlonen, sendet Gesandte an fremde Höfe, und empfängt sie von diesen. Die Geldbcdürfnisse werden von jedem Canlone nach einem festen Satze zusammen gebracht: die ganze Summe ist auf 490,807 Franken gesetzt. Die Staatsschuld beträgt 3 1/2 Million Franken. Die Kriegsmacht von 15,200 Mann wird wiederum nach bestimmtem Satze von jedem Canto» gestellt. Uebrigens ist jeder Bürger mit dem 26 Jahre Soldat. Die Republik steht mit Frankreich im gegenseitigen Verkheidigungs-Bündnisse, und Kaiser Napoleon führt den Titel Vermittler des Helvetischen Bundes. Die Schweiz ist ein Land, welches seiner Naturschönheiten wegen nie aufhören wird, die Aufmerksamkeit der Reisenden auf sich zu ziehen. Diese Schönheiten hat es besonders seinen Bergen, Seen und Flüssen zu danken. Es ist das höchste oder wenigstens eins der höchsten Länder in Europa, »nd bestellt größten TheilS aus neben und auf einander stehenden Bergen, zwischen denen stch enge Thäler befinden. Die Berge find zum Thcil in langen Reihen mit einander verknüpft, und viele derselben von ungeheurer Höhe. Dergleichen finden stch besonders in den Cantvnen Bern, Uri, Unterwalden und Graubst n d t c n. Als die höchsten nennt man den St. G 0 t lha rd s b erg im Canton Uri (f. den Art. der Gotthard) und den Finster- aarhorn im Canton Bern, der 13,227 oder gar 13,432 Pariser Fuß höher sepn soll, als das Meer; dem letzter,, kommen die Jungfrau, der Mö 11 ch, das Schreckh 0 rn, der Eiger, die in eben demselben Canton liegen, an Höhe am nächsten. Die verschiedenen Gegenden der gewöhnlichen und fruchtbaren Berge find in Ansehung ihrer Beschaffenheit verschieden: die unterste Gegend an denselben bietet dicke Wälder und fette Wiesen dar; die mittlere Gegend besteht aus Alpen oder Alpengen, das heißt, solchen Bergen, die mit Grasbewachsen find, welches nicht abgehauen, sondern allein mit Vieh behütet wird; die dritte Gegend dieser Berge besteht aus spitzigen und fast uner- steiglichen Felsen, welche entweder ganz kahl, ohne Erde und Gras, oder beständig mit Schnee und Eis bedeckt sind- Die mittlere Gegend derselben, oder die Alpen, wird im Sommer von den Hirten, die man daher Aelpler nennt, und ihrem Diehe bewohnt, da ihre kurzen, trocknen und wohlriechenden Kiauker ein vortreffliches Futter liefern, und zugleich auf diesen Bergen vorzügliche und schöne Quellen, auch viele Bäche und zum Theil Flüsse entstehen. Die Wartung des Viehes auf diesen Bergen ist den Senne» uberlassen, welche die Milch, Bukker und den Käse sammeln, und den Eigentbumshcrren des Viehes entweder Rechnung davon oblegen, oder einen gewissen bestimmten Zins geben; sie wohnen in den S e n 11 - oder S e n n t hü kle n, in welchen auch die Butter und der be anders weit verführte Käse bereitet wird. Außer den fruchtbaren Bergen gibt eS auch Berge, die bloß aus Eis bestehe,,, und die man Gletscher (s. diesen Artikel) oder auch Firnen nennt. Diese Eisberge fangen ungefähr im Can- Schw LL7 ton Glarus an, ziehen sich nach Graubündten, von da in den Can- ton Uri, und endigte sich im Cantou Bern. Die Hauptanlage zu einem Eisberge gibt ein Thal, dessen Grund ein harter Fels und dessen Abhang nicht groß genug ist, dem Schnee und Schncewasser, das von oben herzu kommt, einen freien Abzug zu geben; eS entstehen auf diese Weise nach und nach große Schnee- und EiSklumpen, die das Thal füllen. Bei dieser mannigfaltigen Abwechslung der Berge und Thäler ler gibt es in dem größten Theil der Schweiz die merkwürdigsten Natur-Schauspiele: an mehrern Orten sieht man in einem kleinen Bezirke alle vier Jahreszeiten auf einmahl; und öfters kommt man dergestalt in die Mitte zwischen Sommer und Winter, daß man mit der einen Hand Schnee und mit der andern zu gleicher Zeit Blumen von der Erde aufhcben kann. Keiner von den hohen Bergen ist ohne Wasserfalle; und da man mit den Augen nicht allezeit ihren Anfang erreichen kann und die Berge sich in den Wolken verlieren, so scheint rS, als ob die Wasserfälle vom Himmel über die Felsen hcrabkämen. An den Bergen selbst sind d«e vortrefflichsten Quellen, auch heiße und kalte heilsame Bäder und Gesundbrunnen. AlleS dieß ist jedoch in dem kleinern Theile der Schweiz, zu dem Thurgau, ein Theil des Züricher, Schafhauser, Berner, Baseler, Solothurner und Freiburger Gebietes gehört, von anderer Beschaffenheit: denn ungeachtet noch hier Berge sind, so ist doch dieser Theil der Schweiz weit ebener: und man findet hier keine Alpen, keine großen Felsklippen, keine Wasserfälle, wenige Bäume und im Sommer weder Schnee noch Eis. Auch die in der Schweiz befindlichen großen Landseen und Flüsse, durch welche das Land zugleich in Ansehung des Fischfanges große Dortheile hat» bei denen aber es allerdings zu verwundern ist, daß nicht ein einziger sch i ffb arer Fluß gefunden wird, bilden zum Theil schöne Gegenden und bieten interessante Schauspiele dar. Zu den erstern gehören besonders der Züricher See (der einer der größten in der Schweiz und zehn Stunden lang und eine Stunde breit ist) und der vier Waldstädter See; ehemahls gehörte noch zu denselben der Genfer See (s. d. Art. Genf.) Von den Flüssen, unter denen der Rhein, die Reuß oder Rüß, die Rhone und der Tessino (der dem jetzt so genannten Canton den Nahmen gegeben hat) die vorzüglichsten sind, sind besonders die erstern beiden merkwürdig, der Rhein durch seinen dreimahligen Fall, besonders bei Lauffen und Schafhausen (s. den Art. Rheinfall), die Reuß durch die im Canton Uri, zwei Stunden von Gest inen, über diesen Fluß führende Brücke, die man die Teuselsbrücke nennt. Unter dieser zwischen zwei Bergen befindlichen Brücke läuft hier die Reuß, in einer Tiefe von ungefähr 70 Schuh, mit dem größten Geräusch hindurch. Ucbrigens sind die Berge unten mit Weinbergen, Aeckern, Wiese» und Bäumen besetzt; auch die Felsen, wenn gleich mit Steinen bedeckt, sind dennoch fruchtbar. Die beträchtlichen Mineralien Helvetiens find Kalk und thonartige Erden, Schieferstein, schwarzer, grauer und braunrother Marmor, Porphyr, Alabaster (besonders im Walliserland) , ferner Spath, Quarze, Krpstalle — bisweilen von 7 bis 8 Cent» Conv. Lex. Fünfter Band. R I l> ' s -!> . s§8 Schm nern — Torferde, Steinkohlen re. Silber, Kupfer und Eisenerze sind auch vorhanden; selbst Goldkörncr findet man in manchen Flüssen. Auch an Gewachsen ist Helvetica reich; der Weinbau ist sehr bedeutend, und der Handel damit nach Frankreich, Holland, England, Schwaben rc. sehr groß. Baumfrüchte gibt es vielerlei: das Getreide aber, für welches die außerordentliche Menge des Milchviehes ein großes Hin, derniß ist, reicht nicht ganz zu. — "Das vorzüglichste Nahrungsmittel ist denn nun die Viehzucht, wozu freilich die herrliche Weide in den Thälern und auf den Alpen das Meiste beiträgt. Die Milch und vorzüglich der Schweizerkäse sind ja hinlänglich bekannt und berühmt, und der Handel damit nach Deutschland, Frankreich und Italien höchst beträchtlich. — Von wilden Thieren sind bemerkenswerlh die Gemsen (wovon ein Theil, etwas klein, auf den höchsten unzugänglichsten Bergen sich aushält, und Gratthiere heißt; der andere aber, etwas größer, mehr in Gebüschen und Wäldern wohnt), das Murmelthier und der Lämmergeier. Endlich sind, um der Fabriken und Manufakturen mit einigen Worten zu erwähnen, die Schweizer- Leinwand, Garne und baumwollenen Gewebe — weßhalb ganz vorzüglich St. Gallen berühmt ist — und die Seidenband-Fabriken in Basel (die vordem jährlich auf z Millionen Gulden eintrugen) bemer- kcnswerth. ' Doch wir müssen diesen Artikel schließen, der nach dem Plane dieses Werks vielleicht zu weitläuftig geworden ist, ungeachtet Manches nur kurz angedeutet, manches ganz übergangen werden mußte. Wer übrigens die ungeheure Anzahl der über die Schweiz vorhandenen und bis zu Anfang des vorletzten Jahrzehns des achtzehnten Jahrhunderts erschienenen Schriften kennen lernen will, vergleiche Göttlich EManuel von Hallers Bibliothek der Schweizerge schichte >.—6. Lhcii nebst dazu gehörigen Hauptregister, Bern >785—1788. gr. g. in welchem vortrefflichen Werke über jeden Theil und jeden Umstand der Schweizergeschichte die dahin einschlagenden Schriften vollständig und mit beigesügter kurzer Beurtheilung angegeben sind. Anton Schweizer herzoglicher Kapellmeister zu Gotha (geb. zu Coburg >757), hatte zuerst in seiner Vaterstadt einen guten Grund gelegt, ward nachher Musikdirektor in Hildburgshausen und wurde aus Veranlassung des dasigen Herzogs einige Zeit nach Italien geschickt. >772 kam er als Musikdirektor nach Weimar, und wurde endlich in Gotha zum Kapellmeister ernannt; hier endete er im 5>. Jadre seines Alters (>787) sein Leben. Außer vielen sehr guten theatralischen Werken (z. B. Elysium, die Dorfgala u. s. w.) hat ihm vorzüglich die Com- position der Wielandschen Oper Alceste zu seiner Zeit, so viel auch die Kritiker daran getadelt haben, einen anhaltenden Ruhm und Beifall erworben. Schwelm» eine kleine Stadt in der Preußischen Grafschaft Mark, wo sehr wichtige Manufakturen und besonders Eisenfabriken blühen. Schwe nk selb ian er, heißen die Anhänger C a spar Schwenkfelds, eines schlesischen Edclmannes, welcher zu Anfänge der Reformation lebte und zu Liegnitz Canonicus war. Ob er gleich ebenfalls für die Verbesserung der Religion thätig war, so waren doch seine Schn» »Lp Meinungen von den Lehren der Reformatoren so verschieden, daß diese dieselben verwarfen, und Schwenkfeld der Stifter einer eignen kleinen Seele ward. Das Schwerdt: so heißt beim Schiffbau das Zubehör des davon auch benannten Schiffs, das an jeder Seite desselben (gleichsam wie ein Degen, den man an der Seite trägt) hängt, und auS verschiedenen starken mit Eisen verbundenen Planken, beinahe wie eine Schuhsohle, zusammengesetzt ist. Es wird dasselbe, wenn man dicht an den Wind seegelt, an der unter dem Winde liegenden Seite senkrecht inS Wasser gelassen, um das Abtreiben des Schiffs zu verhüten, oder doch zu vermindern. Dies Werkzeug ist besonders bei den Holländern sehr gebräuchlich. Der Schwerdlsisch (kftistis) : eine besondere, durch unverschlossene Ohren athmende Gattung von Fischen, mit einem aalsörmi- gen Körper » schwarzer Haut, gespaltenen Maule, und an der Schnauze einem in einen schwcrdtförmigen (von 24 und mehr Zähnen besetzten) Schnabel auslaufenden Oberkiefer und kurzem dreieckigen spitzigen Unterkiefer. Für den Handel ist dieser Fisch, über dessen Naturgeschichte noch vi.l Unbestimmtheit herrscht, von Bedeutung, und der Fang desselben wird an der Küste von Calabrien (vom April bis Juni) und in Sicilien (von da an bis Ende August) sehr lebhaft und durch Harpunen betrieben. Schwerdtmagen heißen in den alten Deutschen Rechten und besonders im alten Sachsenrechte alle diejenigen Personen, die von einem gemeinschaftlichen Vater abstammen und durch alle Generationen dessen Geschlechtsnahmen fortführen. Seitdem aber das Römische Recht in Deutschland als ein allgemein geltendes Recht vorzugsweise ange- wendet wird, ist der Ausdruck Schwerdtmagen in der Gesetz-und Gerichtssprache gar nicht mehr gewöhnlich, sondern eine bloße Anti» quikät; vielmehr braucht man statt dessen die im Römischen Recht hx, kindliche und eben dasselbe bezeichnende Benennung Agnat. -- Was nun aber die Benennung dieses Worts selbst betrifft, so hat es dam it folgende Bewandtniß: Magen heißt in der alten Deutschen Sprache so viel als eine Gesellschaft» oft auch Theilhaber einer Gesellschaft; daher noch heutiges Tags der hin und wieder gewöhnliche Ausdruck M as- ropei, eine Gesellschaft, Magenschaft. Eben daher hieß denn auch bei den alten Deutschen die Verwandtschaft, in welcher eine Familie zusammen sich befand, zuweilen Magenschafl; und die Individuen» die Glieder derselben hießen Magen» und zwar diejenigen, welche von väterlicher Seite her sich verwandt waren, Schwerdtmagen (von dem vorzüglichsten Waffenstück der alten Deutschen und Sachsen, dem Schwerste, so benannt), hingegen die von weiblicher Seite Spill lnagen (von der Spindel oder Spille, weil die Haupkbe- schäft gung deS weiblichen Geschlechts ehedem im Flachsspinnen bestand). iDiese Schwerdtmagen — welchen Ausdruck ursprünglich nur der vorn ehmere Theil, nachher aber auch die geringere Dolksklasse annahm hatten aber auch schon im Mittelalter, gegen die andern Verwandten (Spillmagen) gehalten, große Vorzüge in Hinsicht auf Succcssion, R 2 260 S ch iv im Lehn sowohl als im Allodium, indem sie allein, mit Ausschluß der Spillmagen (Eognaten), dazu gelangten. Auch heut zu Lage sind noch in den Sächsischen und den Landen, wo das alte Sachsenrecht gilt, verschiedene Ueberbleibsel vorhanden, z B. bei der Folge ins Heer- arräthe, welches allcmcchl nur wirkliche Agnaten (Schwerdtmagen) bekommen können, falls der Verstorbene nicht noch bei seinen Lebzeiten darüber verfügt hat; und noch bedeutender sind diese Vorrechte bei Lehn- und Rittergütern rc> Der Grund hierzu läßt sich wohl in der Erhaltung der Geschlechter finden r denn es lag den alten Deutschen viel daran , daß ihr Geschlechksnahme in einem gewissen Glanze erhalten würde; ^ und dieß konnte am füglichsten geschehen, wenn sie ihren männlichen > Nachkommen vorzugsweise ihr Vermögen hinlerließcn. Schwere (specifische, eigenthümliche); mit diesem Nahmen bezeichnet man das Verhaltniß des Gewichts der Körper gegen den Raum, den sie einnehmen. Richtiger sagt man ei ge nthüm l iches Gewicht, weil nicht von der Schwere jedes einzelnen Theiles, sondern vom Gewicht einer ganzen Summe von Theilen die Rede sey» kann. Man sagt daher, ein Körper sey specifisch schwerer, oder er habe ein größeres eigenthümlichcs Gewicht als ein anderer, wenn er unter eben demselben Raume mehr wiegt — und so im entgegengesetzten Falle, er habe ein kleineres eigenthümlichcs Gewicht, oder sey speci fisch leichter als ein anderer, der mit ihm einen gleichen Raum einnimmk, wenn er weniger wiegt. Der Begriff ist immer relativ : man kann das eigenthümliche Gewicht eines Körpers jederzeit nur in Vergleichung mit einem andern festsetzen. Weil nun die Erfahrung gelehrt, daß Regenwasser, oder auch destillirtes reines Wasser, - bei gleichem Wärmegrad immer gleich viel wiegt: so hat man diesen immer gleichblcibenden Stoff zur Einheit angenommen, und dessen ei- aenthümliches Gewicht -- , gesetzt; unter welcher Voraussetzung sich denn die eigenthümlichen Gewichte aller andern Körper in Zahlen aus- drücken lassen. Nunmehr konnte man bestimmt angcben, daß das eigenthümliche Gewicht deS Quecksilbers sich zum eigenthümlichen Gewicht deö Wassers verhalte wie ,4 zu 1 , weil 1 Kubikzoll Quecksilber 14 mahl so schwer ist als r Kubikzoll Wasser. Aus den hierauf gebauten Sätzen und Schlüssen lassen sich, wenn Gewichte und Räume bekannt sind, alle Verhältnisse finden, lieber die eigenthümlichen Gewichte mehrerer Körper, die man durch Versuche gesunden, hat man Tafeln. Schwer-Erde, ist eine von den übrigen wesentlich verschiedene Erde, welche unter allen Einfachen die schwerste ist. Sie ähnelt im reinen Zustande dem Kalk, dessen Geschmack sie auch hat, verbindet sich mit den Säuern, und bildet mit der Salpeter-und Koch- salzsäure Salze, welche nicht zerfließen. Mit Vitriolsäure verbunden gibt sie den Schwerspa th. — Schweres Geld, nennt man diejenige wirklichen oder eingebildeten Münzen, welche an einigen Orten in den Banken oder bei den Wcchselgeschäslen üblich und einige Prozente mehr werth sind, als das leichte Geld oder die im gemeinen Leben gangbare Münze. Schw s6i Carl Christoph von Schwerin (geh. ,684 in Schwedisch-Pom- niern), studirte zwar anfangs, ging aber nach seines Vaters Tode (1700) in Holländische Kriegsdienste, und wurde hei einer Compagnie seines ältesten Bruders als Fähndrich angestellt; und so streng ihn auch dieser hielt, so hatte er doch, da er besonders unter Eugens und Marlboroughs Augen focht, hierbei Gelegenheit, sich zu jenem grossen Fcldherrn nachher auszubilden, für den man ihn allgemein anerkannt hat. Nach einiger Zeit ging er zum Herzog von Mecklenburg- Schwerin, wurde von diesem als Oberster (1711) an Carl XIl. von S chweden geschickt (bei welchem er während seines einjährigen Aufenthalts bei Tender sehr viel in der Kriegskunst erlernte), und konnte nun bald im Jahr 1718 seine milikairischen Talente zeigen, indem er, bei Gelegenheit eines Zwistes seines Herzogs mit den Ständen, einer vom Kaiser obgeschickten Commissions-Armee von >z,ooo Mann alS Generalmajor mit >2,000 Mann entgegen ging und sie aufs Haupt schlug. Da der Herzog seine Armee abdankte, so trat Schwerin bei FriedrichWilhelm von Preußen in Dienste, der ihn als Gesandten nach Warschau schickte. Nach einiger Zeit erhielt er ein JnfantericRegimcnt, rückte 173z als Preußischer Generalllieutenant ins Mecklenburgische, wo die Streitigkeiten noch immer fortdauerten, nökhigke hier die Hannöverschen Truppen zum Abzüge, und wurde endlich 1740 von Friedrich II. in den Grafenstand erhoben, zugleich auch zum Feldmarschall der Armeen ernannt. In den darauf folgenden Kriegen half er den Sieg bei Mollwitz mit erfechten, und krönte endlich seine Heldenthaten im siebenjährigen Kriege, wo er als -/sjähriger Greis den Tod fürs Vaterland starb. In der mörderischen Schlacht bei Prag (6. Mai 1757), als er sein Regiment beim Pas- stren eines hohlen Weges, durch das feindliche Kartätschenfcuer zurückgeschreckt, zaudern sah, riß er einem Fahnjunkcr die Fahne hinweg, rief seinen Soldaten zu : „Heran, meine Kinder! heranund führte sie so gegen die Oesterrcicher: aber wenig Schritte vorwärts — und er sank, von vier Kartätschcnkugeln getroffen, todt zur Erde nieder. Der König beweinte innigst gerührt seinen Verlust , und ließ ihm nachher (1771) zu Berlin auf dem Wilhelmsplatze eine marmorne Bildsäule errichten. So groß Schwerin als Held war — obgleich von Statur nur klein — so angenehm war er als Gesellschafter; er verstand und schrieb mehrere Sprachen, und war vorzüglich, wo ihn nicht daS Kriegsgetümmel beschäftigte, eben ein so guter Landwirth als er dort großer Feldherr war. Schwerin s. Mecklenburg. Schwerkraft s. Schwere und Gravitation. Schwetzingen, ein Badenscher Marktflecken, eine Meile von Heidelberg an der Leimbach, ist wegen seines außerordentlich großen und schönen Gartens merkwürdig. , Schwibus , eine Stadt in Preußisch-Schlesten, mit guten Tuch- Manufakturen, auch Weinbergen. Schwists Swift Schwimmende Batterien s. Elliot. -6s Schw Sei Schwimmer, heißt im Oesterreichischen eine in Stahlfedern gleichsam schwimmende, d. h. Hangende Kutsche. — Schwimmgürtel, ein lederner Gürtel, mit 2 an den Seiten befestiaten Beuteln von Hundsleder, um vermittelst derselben sich über dem Wasser zu erhalten. Man hat auch Schwimmhosen, Schwimmkamisole, Schwimmkleidcr u. dgl. m. Schwindgrube, eine ausgemauerte Grube, worin alle Unreinigkeiten in einem Gebäude zusammenfließen, um darin zu schwinden, d. i. zu versiegen. Schwingung s. Vibration. Schwulität, ein scherzhaftes Wort statt Schwüle, Angst, Beklemmung. Schwungrad, ein mit Gewichten 'versehenes oder mit Bley ausgegoßnes Rad in einem Räderwerke, welches keine Kämme oder Zähne hat, und nichts treibt, sondern nur eine gleiche Bewegung bewirkt. Schwytz, ein Canton der Helvetischen Republik, enthält lauter Flecken, Dörfer und zerstreute Häuser. Der Hauptflccken gleiches Rahmens zählt 5000 Einwohner. Sciagraphie, Skiagraphie, (Griech.) der Umriß, Abriß, z. B. die Skiagraphie einer Predigt oder Rede, im Gegensatz der völlig ausgearbeiteten. — Insbesondre auch: der Durchschnitt oder Aufriß eines Gebäudes. Sciather, Skiater, (Griech.) ein Zeiger, welcher durch seine Schatten eine gewisse Linie, z B. die Mittagslinie, anzeigt. Licibile, (Lat.) das Wißbare, was man wissen kann, z. B. l in omni scibile versirt seyn, d h. in allen nur möglichen Wissenschasi ten bewandert seyn. Scienz, (Lat.) die Wissenschaft. Sei enti fisch, wissenschaftlich, nach der Ordnung der Wissenschaften eingerichtet, z. B. einem eine scientifische Uebersicht geben. 8c 1 1 icer, ein Wörtchen, das man spöttisch gebraucht, wie unser deutsches: Ep, Ey! oder: man.denke! z. B. der "*sche Kaiser hat seine Armee in **' einrücken lassen, um scilicet das Land in Schutz zu nehmen. Scintillation, (Lat.) das Funkensprühen, z. B. die Scin- tillationen des WitzeS. Scio (CH io oder Chios), eine der vornehmsten Inseln des Archipelagus, welche über ,20 Italienische Meilen umfaßt. Die Hauptstadt ist groß und von einer lachenden Ansicht; das Schloß, eine alle 6nadelte, bestreicht die Stadt und den Hafen, und ist so weitläufig, daß sie 2000 Mann fassen kann. Der Hafen, an sich selbst schlecht und nicht ganz sicher, ist der Sammelplatz für alle Schiffe, die von und nach Constantinopcl gehen. Der Weinbau dieser Insel war schon vor Alkerö sehr berühmt, und die Weinberge von M esta liefern d-n so hoch gerühmten Nectar. Der wichtigste Ausfuhr-Artikel ist die Seide, wovon man hier jährlich mehr als zo,ooo Pfund gewinnt. Getrocknete Feigen , Mastix und Baumwolle machen ebensal's ansehn- sichc Handelsartikel aus. Ob gleich die Insel de» Türken gehört, s» Sci 2 6z find doch die Einwohner fast alle der Griechischen oder katholischen Religion zugethan — man zählt ihrer gegen 19,000 Türken, zono Franken und über 100,000 Griechen — und es ist auch hier ein Griechischer Erzbischof und Catholischer Bischof. Die hiesigen Frauenzimmer — überhaupt artiger und schöner als die Griechinnen der übrigen Inseln des Archipelagus — kragen, wider die Gewohnheit der dortigen Länder , das Gesicht frei und unoerschleiert. Kciolu», (Lat.) einer, der Alles wissen will, ein Naseweis. Scipio. Unter mehrern berühmten Römern von diesem Nahmen haben sich ganz vorzüglich zwei ausgezeichnet. i)Publi.is Cornelius S c i p i 0 , mit dem Zunahmen der Afrikaner, und zwar der ältere. Dieser außerordentliche Mann, der Ueberwinder Hannibals im zweiten Punischen Kriege, verband mit den hervorstechendsten Feldherrn Talenten einen durch Wissenschaften gebildeten Geist. Wenn er sich durch Tapferkeit und List seinen Feinden furchtbar machte, so wußte er sich auf der andern Seite durch seine Mäßigung die Liebe der Ueberwundenen zu erwerben. Er verstand die große Kunst, die verschiedenartigsten Menschen und Völker zu seinen Zwecken zu gebrauchen, und sich durch Gelindigkeit und weise Strenge des Gehorsams seiner Untergebenen zu versichern. Schon in seinem 24. Jahre erhielt er die Oberbefehlshaber-Stelle in Spanien, da es, bei den Waffenalück der Carthager, Niemand wagte, dieselbe zu übernehmen. Durch sein Genie gelang es ihm, die Carthager zu schlagen und Spanien in weniger denn vier Jahren den Römern wieder zu unterwerfen. Als Consul ging er darauf nach Sicilien, und von da nach Afrika, wo er seine Feinde durch verstellte Friedensunkerhandlungen täuschte und überwand. Da Hannibal unterdessen von dem Carthagischen Volke aus Italien zurückberusen worden war, und wider seinen Willen zu einer Schlacht geuökhigt wurde, so schlug ihn Scipio bei Zama auf das Haupt, und wurde dadurch in den Stand gesetzt, den Frieden nach Belieben zu dictiren. Diese Thaken erwarben ihm den Beinahmen des Afrikaners. Neue Lorbeern erntete er auch nachher in dem Kriege mit dem Syrischen König Antiochus, den er im Jahre 1X9 vor Christi Geburt völlig schlug, ein, und beschloß, nachdem er über die elenden Beschuldigungen kriumphirt hakte, die man selbst diesem großen Manne bei seiner Zunickkunft nach Rom aus Neid machte, seine letzten Tage in philosophischer Ruhe (im I. i»o vor Chr- Geb.), s) Publius Cornelius Scipio, der jüngere Afrikaner. Dieser seiner großen Vorfahren würdige Römer war ein Sohn des Aemilius Paulus und ein adoptirker Enkel des ältern Afrikaners. Er war ein Mann von erhabenem Geiste und dem edelsten Herzen, gleich groß als Feldherr und als Mensch. Sein liebenswürdiger Charakter und seine sanften Sitten erwarben ihm die allgemeine Liede seiner Mitbürger. In seiner miiikairischen Laufbahn erlangte er eine» größernNuhm als einer von seinen Vorfahre». Noch vor dem gehörigen Alter zum Consul erwählt, endigte er durch die Zerstörung Carkhago's den dritten Punischen Krieg; aber er selbst beweinte den Fall dieser Stadt, indem er das Schicksal seines jVaker- landes voraussah, das, von seinem größten Nebenbuhler befreit» sich s6ch Sei Sck bald seinem Verderben nähern würde. Einige Jahre darauf, erhielt er — zum zweiten Mahle Eonsul — das Eommando in dem Kriegs gegen Numanz, eine Stadt in Spanien; und nachdem er die verfallene Kriegszucht unter den Truppen wieder hergestellt hatte, endigte er auch diesen Krieg durch die Eroberung von Numanz. Auf diese Weise hat er Rom von seinen beiden damahls gefährlichsten Feinden befreit. Er starb schon in seinem 56 Jahre auf eine schändliche Art — man fand ihn in seinem Bette erwürgt. Aus Furcht» dem rechten Thäter, wofür man den Cajus Gracchus hielt, auf die Spur zu kommen , unterdrückte man die Untersuchung. — Sein Tod wurde von allen echten Römern tief betrauert. Sck r 0 n (Scyr 0 n): ein bei den Alten berüchtigter Straßenränder, dessen Erlegung mit zu den Heldenthaten des Theseus gerechnet wird. Man findet ihn unter mehreren Nahmen bei den alten Schriftstellern aufgeführt; bald heißt er Sinis, bald Pro ernstes, Polypemonrc. Man gab ihm unter andern auch den Nahmen Fichtenbeuger, weil er nähmlich die Fichten, welche an dem Felsenwege am Isthmus standen, krumm bog und nun die Vorbeireiscn- den aufforderre, ein gleiches zu thun; konnten ste das nicht, so henkte er die Unglücklichen an jene Fichten auf. Noch weit schrecklichere Behandlungen schreiben die Fabeln diesem Räuber zu, unter andern auch: daß er zwei Bettstellen — eine kurz, die andere lang — hatte, in welche er seine Gäste sich zu legen zwang: lange Personen mußte» sich in daS kurze Bette legen, und er stümmelte so viel von ihnen ab, als zureichte, daß sic hineinpaßke»; hingegen kurze Personen, die er in das lange Belte brachte, dehnte und regte er so lang, bis sie das Bette ausfüllten rc.; eben daher erhielt er den Nahmen Pro- crustes. Denn es ist sehr wahrscheinlich, daß man diese Räuber unter mehreren Nahmen auffübrte, ohne daß man für jeden Nahmen wieder eine besondre Person sich zu denken brauchte. Theseus erlegte endlich, zu Folge der Mythen der Athener, jenes räuberische Ungeheuer, und vollzog an ihm dieselbe Marter, die dasselbe den Fremden angethan halte. Scirrbus. (Griech. Lat.) eine verhärtete, schmerzlose Geschwulst, oder Knotrnbeule, welche besonders in den Drüsen entsteht und eine Stockung der Säfte zur Ursache hat. Eine Geschwulst oder Verhärtung der Art nennt man scirrh ös oder skirrhös. Scission, (Lat.) die Spaltung, Trennung. In Polen nennte Man sonst diejenigen, welche sich von der Partei des Königs abson- derrrn, Scissi 0 niste n. Scissur, eine Schlitzung oder Zerschli- tzung. Sklavenhandels» Negerhandcl. Sclavenküste, ein Küstenland in Guinea, (in Nordafrika) zum Theil fruchtbar, gut angebaut und volkreich,-ist unter 8 Könige vertheilt, unter welchen Dahome die meiste Macht besitzt. S cIa v 0 n i e n (S l a v 0 n i ei») und S yrm i e n, ein dem Hause Oesterreich unter dem Titel eincS Königreichs zugehöriges Land, gegen Westen an Croalien grenzend, an den drei übrigen Seiten aber durch die Flüsse Dkavk, Savr und Donau von Ungarn, Servien uud BoS» Sco r 6 z nien getrennt. Eine Kette hoher Berge, die sich aus Croatien hierher erstreckt, durchschneidet das Land der Länge nach. Die Waldungen find beträchtlich ; aber die vielen Sümpfe, Moräste »nd Seen im Lande verderben die Luft außerordentlich. Das Land erfreut sich sehr guler rother und weißer Weine, wovon der meiste und beste in Syr- mien — diesen Nahmen führt der östliche Theil des Landes — wächst. Ungeachtet man das Ackerland nicht düngt und überhaupt auch schlecht bestellt, so wird doch viel Getreide hier erzeugt; und l das Land zieht dafür gegen eine halbe Million aus Italien. Auch der Tabaksbatt wird hier stark betrieben. Die Hauptbeschäftigung der Illyrier — so nennt man die alten Einwohner des Landes — ist Viehzucht. Mit Wolfs-, Bärenhäuten und Fuchsbälgen wird ein starker Handel getrieben; Federwild ist in Menge vorhanden. Der bergige Theil des Landes hat einen Ucberfluß an warmen Bädern und Gesundbrunnen. Die Wohnsitze find übrigens äußerst schlecht, da die ebcmahligen häufigen Einfälle und Verwüstungen der Osmanncn und Tatarn die adelichen Besitzungen der Herrschaften von jedem schönen Anbau zurückgcschreckt haben; daher sich diese auch meistens außer Landes befinden. Dörfer sind erst in der Mitte des achtzehnte» Jahrhunderts angelegt worden. Sc lall onien, dessen Benennung von den Slaven herrührt, die sich im siebenten Jahrhundert hier festsetzten, kam in der Folge zu Anfang« des 12. Jahrhunderts an Ungarn, nachher im , 6 . Jahrhundert unter die Gewalt der Türken, bis es durch den Earlowitzer Frieden i 6 yy dem Hause Oesterreich unterwürfig ward. Slavonien hat einen Flächeninhalt von 284 Ouadrakmeilen, worauf47o.ooo Einwohner leben. Es wird eingethcilt in das B a n a t oder den P r o v i n z i a l b ezir k mit der Hauptstadt und Festung Essek, und dasÄeneralat oder das Militärgrcnzland mit den Festungen Peterwardcin, Semlin, Brod, Alt Gradiska und der Stadt Carlowitz.s Scolien s. Skolien. Sconto s. Rabatt. Scvntriren oder Rescontriren (aus dem Jtal. scontra- re, risconkrsre; im Deutschen » Ausgleichen) ist eine bei der Kaufleuten sehr häufig vorkommende Art der Zahlung, da nähmlich der Gläubiger die Schuld seines Schuldners abschrcibt, je nachdem dieser mit jenem entweder zu compensiren hat oder — und dieß kommt am gewöhnlichsten vor — ihm bei Andern mit dessen Einwilligung Zahlung anweisct. Die Abrechnung selbst nun oder die Anweisung, die durch dieses Scvntriren geschieht, heißt Scontro, Riscontr»; wiewohl dieses Wort auch noch die Zeit, wo jene Zahlung durch Scon- triren geschehen soll, oder auch dir Versammlung der Handelsleute auf der Börse zu diesem Behuf bezeichnet. Scopas » ein berühmter Griechischer Bildhauer, nach der 104. Olympiade» der meist in Marmor arbeitete. Er war auch einer mit von den Künstlern, welche an dem Mausoleum (s. d. Art.) und an dem neue» Tempel der Diana zuEphesus arbeiteten. Eine sterbende Niobe mit ihren Kindern, eine Gruppe von Seegöttern, eine nackte Venus sind Meisterwerke, welche den Scopas als einen, der ersten Künstler auch der Nachwelt verkündrt haben. 266 Sc» Ser Scoptisch, skoptisch, (vom Griech. Skomma, Spott- rede) spöttisch, stichelnd. Skoptisiren, spötteln, sticheln. Scorbut, (Lat.) s. Scharbock. Scorbutisch, scharbockartig. Ein scorbutischer Körper, der viele Schärfen hat; ein scorbutischer Ausschlag: der von Schärfen herrührt. In der Arznei- kunde sind 8corbutica Mittel gegen den Scharbock oder die Schärfen. Der Scorpion ist ein kleines, in den warmen Ländern, nah- mentlich in Italien und den südlichen Provinzen Frankreichs, Spanien re. gewöhnliches Gewürm, ungefähr von der Dicke einer Raupe und der Gestalteines kleinen Krebses, von weißer, gelblicher oder schwärz- sicher Farbe, und mit einem langen knotigen Schwänze versehen, an dessen Ende ein krummer, spitziger und hohler Stachel sitzt, woraus er, sobald er sticht, ein Tröpfchen weißen giftigen Wassers' spritzt; daher denn auch sein Stich für gefährlich —wiewohl heut zu Tage nicht für rödtiich — gehalten wird. Man hat auch von diesem Thierc ein Ochl Scorpionöhl, das man von bitterm Mandelöhl, worin der Scorpion ersäuft wird, zu bereitet. — Uebrigens ist auch bekannter Maßen in der Astronomie der Scorpion eins von den 12 himmlischen Zeichen, und zwar das achte deS Thierkreises, welches z6 Sterne enthalt und zu eben der Zeit aufgeht, wenn der Orion untergeht. — Endlich wurde auch noch bei den Alten eine Kriegsmaschine, mit welcher die Pfeile unter die Feinde abgeschossen wurden, mit dem Nahmen Scorpion belegt, weil jene Pfeile hohl waren und, so wie sie trafen einen giftigen Saft in die Wunde ausspritzten. 8c orso, (Jtal.) in der Kaufmannssprache: der verflossene, verwichene Monat. 8cortum, (Lat.) eine liederlicfe Weibsperson, Straßenh — Scorzoner, Skorzoner» (Jtal. scorrs ners: schwarze Rinde) eine Gartenwurzel, mit einer schwarzen Rinde oder Haut überzogen , insgemein Spanische Haferwurzel. Scossion, (Jtal.) der Empfang. Wechsel zur Scoffion senden, d. i. zum Eincassiren. Scvten s. Skoten. Scotisten, die ehemahligen Anhänger des Johann Dunß Scot (des Schötens), welcher im i4ten Jahrhunderte lehrte, daß die Jungfrau Maria ohne Sünden empfangen und geboren worden wäre. 8cribax, (Lat.) ein Schreibseliger, ein Vielschreiber. — Scri- bent, ein Schreiber; deSgl. ein Schriftsteller» z. B. die Kirchenscri- benten. — Scribler, einer, der viel und schlecht schreibt, ein Büchermacher.— 8crip torss xraeci «r lutiui, die Griechischen und Lateinischen Schriftsteller. Lcrjptores i, i 8 t 0 rias sugustse, die Verfassung der Römischen Kaisergeschichte. 8cri- ptores rei rusticae, die Schriftsteller von der Landwirthschaft. — 8criptura sacr«, die heilige Schrift. Scripturen, Schriften, Schreibereien, Papiere. — Scripturisten, nannte man ehemahls eine Klasse Wiedertäufer, die keine anderen Religionslehren «nnahmen, als solche, welche mit ausdrücklichen Worten in der Schrift Scr 267 stehen. — Scritturiren, (Jtal.) in die Rechnungsbücher ein- rragen. Scropheln, Scrofeln, Skrofeln, (Lat. eigentlich Schweinsknoten) nennt man Verhärtungen oder Knoren in den Drüsen. Die Scropheln sind von dem Scirrhus dadurch unterschieden, daß sie weit beweglicher, auch gemeiniglich weicher sind. Die Geschwülste, welche daraus entstehen, pflegen oft schnell zu verschwinden, wogegen dann an andern Orken plötzlich wieder andre entstehen. Eine solche Scrophelkrankheit ist z. B. der Kropf am Halse. — Scrophu- lös, drüsengeschwülstig, mit Verhärtung in den Drüsen behaftet. 8 crorum, (Lat.) das, der Hodensack. Scrupel, Skrupel, (Lat.) eigentlich ein kleines, scharfes, spitziges Steinchen; dann: ein Drittelquentchen oder der 24ste Theil einer Unze, als Apothekergewicht. Uneigenrlich: ein Zweifel, eine Bedenklichkeit, z. B. ich habe ihm seine Skrupel benommen. Skrupu- liren, Bedenklichkeiten haben oder sich machen. Skrupulös, bedenklich, ängstlich. Skrupulosität, die Bedenklichkeit, das ängstliche Wesen. Das Scrutinium (von scruiari, ausforschcn» gründliche Untersuchungen anstellen) hat im Kirchenrechtc zwei sehr verschiedene Bedeutungen. I) heißt es die bei der llebertragung des geistlichen Amts (Ordination) vorausgehendc Untersuchung, welche mit dem zum Amt Berufenen vorgenommen werden muß, um zu erfahren, ob der Mann zu Annahme des Amtes fähig sey oder nicht. Dieses Scrutinium veranlaßt in der katholischen Kirche der Bischof entweder in Person oder durch seinen Vicar (den Weihbischof oder einen andern ordinirten Geistlichen). Hierbei nun wird die Untersuchung aus mancherlei gerichtet» z. B. bei manchen geistlichen Aemtcrn auf die Geburt des Candidalen, auf sein Alter, auf seinen zeither geführten Lebenswandel, besonders aber auf seine für sein Amt erforderlichen Kenntnisse, um welcher willen ein ordentliches Examen nöthig ist. Nach der Vorschrift des Tri- dentinischen Eonciliums 8ess. 2z. soll eigentlich diese angestellte Untersuchung zweimahl wiederhohlt werden; allein die erzkatholischen Staaten, z. B. Spanien, Portugal und den Kirchenstaat ausgenommen» fällt in der Deutschkathoüschen Kirche diese zweimahligc Wiederhohlung gänzlich weg. In der protestantischen Kirche verlangen die Consistori- en von den Candidalen» 1) daß sie den Ort ihrer Geburt durch hinlänglich beglaubte Taufzeugnisse beibringen, 2) durch Zeugnisse beweisen , daß sie drei Jahre aut einer Universität theologischen, geschichtlichen und philosophischen Vorlesungen fleißig beigewohnt haben, z) daß sie sich wegen ihres zeither wohlgeführten Lebenswandels mit Zeugnissen von der Obrigkeit des OrtS» wo sie sich bisher aufhielten, le, gikimiren, und endlich 4) sowohl ihre Gelehrsamkeit bei der Prüfung als die Geschicklichkeit im Predigen durch eine zu haltende Predigt zeigen; sodann erfolgt die Ordination, mit welcher dem Kandidaten das Amt selbst übertragen wird. Il) Zeigt Scrutinium in der katholischen Kirche eine ganz besondere Art, die Bischofs wähl zu halten, an. Es werden nähmlich, wenn alle und jede stimmenfähige Domherren (Capitularen) berufen und auf den angesetzten Tag im Ca- s6Z Seu Scy pitel erschienen sind, drei Glieder (welche 8 crutstores heißen) unter ihnen erwählt» die Stimmen der übrigen erschienenen Glieder zu sammeln, und alsdann dem ganzen Capitcl denjenigen» auf welchen die Mehrheit der Stimmen gefallen ist, bekannt zu machen; und dieser wird Bischof. Die Bischofswahl selbst aber muß wenigstens binnen 3 Monathen nach Erledigung des bischöflichen Stuhls und Beerdigung des vorigen Bischofs geschehen; sonst übt der Papst das Wahlrecht aus, welches eine krovisio extrsorcliosris pLsinüs ex jure ctevo- luiioois heißt. Eben deßhalb sucht ein Eapitel die Wahl seines Prälaten so viel als möglich zu beschleunigen. Außer dieser Bischofswahl vermittelst des Scrutiniums gibt es noch zwei andere, davon ganz verschiedene, jedoch weit weniger gewöhnliche Wahlarten, nähmlich i) eine durch Q uasi-Zn spiratio n (wobei die Stimmen aller und jeder Glieder auf einen einzigen Mann, gleichsam als auf einen Punkt, sich vereinigen) und 2) die Wahl vermittelst Compromisses (wo eine oder mehrere Personen einmüthig ernannt werden, um die Wahl im Nahmen des ganzen Capitels zu vollziehen). — Von jeder Wahl hängt für den erwählten Prälaten das Recht ab, binnen Monatsfrist sich zu erklären, ob er das ihm übertragene Amt annebmen wolle oder nicht; entschließt er sich dazu, so muß er binnen drei Monathen die Bestätigung des unmittelbaren Obern suchen. Von dieser erlangten Bestätigung nun hängt das Recht zur Administration der Kirchenregierrng für ihn ab, aber auch sein Recht auf die mit der Prälatur verbundenen Nutzungen. 8 cullc>, (Jtal. eigenst. Schild, Wappenschild) eine Italienische Münze von verschiedenem Wcrthe. Es gibt 8 custi's zu 22 Gr. 4 ps-, 1 Rthlr. L Gr. 11. s. w. bis zu 2 Rthlr. 1 Gr. io pf. 8 cu 1 sit, (Lat.) abgekürzt: «c., er hats gestochen, sieht insgemein bei dem Nahmen des Kupferstechers aus dem Rlatte, z. B. äur^r «c. — Sculptur, Skulptur, die Bildhauerkunst, Bildhauerei und im Allgemeinen: die Bildnerei. Desgleichen: ein Bildwerk, Schnitzwerk. Scurril, Skurril, Skurrilisch, (von dem Lat. 8 cur- rs, einer Art Hofnarren der alten Römer) possenhaft. Skurriln tät» das possenhafte Betragen, die Poffenrcißerei. Scüs, (Franz ex aus«, Enklise, Entschuldigung) heißt im Tarok ein Kartenmann, der sich gleichsam nicht an die Regeln des Spiels binden darf und zu allerlei dient. Daher scherzhaft: Sich sküsiren, d. i sich davon, aus dem Staube machen. Scutari, eine weitläuftige und befestigte Handelsstadt in Albanien (in der Europäischen Türkei). Desgleichen: eine Stadt in der Asiatischen Türkei, Constantinopel gerade gegen über, einer der vornehmsten Versammlungsorte der Armenischen und Persischen Kaufleute. Scylla (jetzt 8 oiplio genannt). Dieses berüchtigte felsige Vorgebirge an der Meerenge von Sicilicn hat nebst der eben so übel berufenen Charybdis (jetzt Enlokstro und Kerns), welche in eben der Gegend und zwar gleich außen vor dem Hafen von Messina, liegt, ehedem das Schrecken der Seefahrer ausgemacht, wird aber heut zu Ta- Scy s6y ge von jedem nur etwas Erfahrnen für ziemlich unbedeutend gehalten. Es ist nähmlich in der oben gedachten Meerenge, vornähmlich am Eingänge derselben, Ebbe und Fluth sehr stark und unordentlich, und der Strom des Meeres so ungestüm, daß kein Schiff die Meerenge in gerader Linie durchschneiden und aus Calabrien nach Sicilien kommen kann. Ehe man nun die eigentliche Art dieser Bewegung kannte, und die Gefahr, sich dem natürlichen Zuge des Stroms zu überlassen, bemerkte, wurden die Schiffe an gedachtes Vorgebirge mit Gewalt geworfen und ohne Rettung zertrümmert. Der Meerwirbcl, die Charybdis, stand in gleich bösem Rufe: man glaubte nähmlich , es scy da auf dem Boden des Meeres rin Schlund, wo das Wasser Hinabstürze; und es war ein allbekanntes Sprichwort: inci^il in Sic^tlam, gui vult vitaro Etisr^bciin (wer auch der Charybdis zu entgehen sucht, stürzt doch in die Scylla). Allein höchst wahrscheinlich ist es» das die Gefährlichkeit bloß von den Seeströmen herrühre, welche in dieser engen Gegend wider einander laufen und den gefährlichen Wirbel verursachen. Die Schiffsleute haben nun den Gang derselben genauer bemerkt, und es wird daher heut zu Tage selten ein Unglück hier vorfallen. — Was übrigens die Fabel von diesen Schreckensörtern erzählt hat, ist ungefähr Folgendes: Scylla, die Tochter des Phorcus oder Phorcyn, wurde von Glaucus, einen Seegotte, sehr heftig geliebt, ohne seine Liebe zu erwie- dern. Voller Verdruß eilte dieser zur Circe, und bat sie, durch ihre Zauber-mittel jene Hartherzige zur Liebe gegen ihn zu bewegen. Allein Circe, selbst in den Seegott verliebt, begab sich, da er ihre Liebe zurückwies und ihr jene vorzog, erzürnt an die Küste von Rhegium, und bezauberte aus Rache hier den Quell, wo sich Scylla zu baden pflegte. So wie diese hineintrat, wurde sie in ein Ungeheuer verwandelt, das zwar an dem obern Theile wie eine Jungfrau, an dem untern aber wie ein Fisch, mit dem Schwänze eines Delphins, gestaltet und mit einem Wolfskopfe versehen war. Homer gibt ihr sogar 6 Köpfe und 12 Füße, und scyt hinzu, daß sie wie ein Hund belle. Aus Rache gegen die Circe fiel sic nun den Ulysses, den Liebling der Circe, als er da vorbeifuhr, an, und verschlang sechs seiner Gefährten. Um ihr aber für die Zukunft einen ähnlichen Appetit za benehmen, wurde sie in einen Felsen verwandelt — denselben, den die Schiffer ehedem so fürchterlich fanden. Auch die Charybdis soll wegen ihrer fürchterlichen Gefräßigkeit, mit der sie öfters dem Hercules seine schönsten Ochsen wegfraß, in ein ähnliches Seeungeheuer verwandelt worden seyn. — In der That mag die Figur jenes Felsens , und dann das dem Hundeheulen ähnliche Anschlägen der Wellen mit zur Erdichtung dieser Fabel Anlaß gegeben haben. — Welches Un- theil übrigens die Sirenen eben auch in dieser Meerenge angestiftet haben sollen, das lese man in dem Art. Sirenen. Scythen. Die Bewohner beider Scythien, des Europäischen und Astatischen, ein altes, rohes, kriegerisches Volk, werden ursprünglich für ein Deutsches Volk gehalten. Ueber ihren Nahmen hat man vielerlei Meinungen, indem man ihn bald aus dem Griechischen, bald von em Deutschen Schütz (Scpth) hevleitet, weil sie als Viehhiri s/o Scy ttn besonders auch Pfeil und Bogen gut zu führe» wußten. Die Griechen legten den Nahmen Scpthen allen den Völkern bei, di« an der Donau und über dieselbe in den Nordischen Landern wohnten; oft aber mußten auch unter diesem Nahmen alle die Völker passiren, welche die Griechen weiter nicht kannten, und von denen sie nicht wuß- ten, wo sie sie eigentlich hinbringen sollten. Sie wurden in unzählige kleinere Nationen eingetheilt, und zogen in den frühesten Zeiten von eineiy Orte zum andern, indem sie Weib und Kind mit sich führten , ond ihr Vieh vor sich her trieben. Ihre Kleider waren die Haute der wilden Thiere. Von Gesetzen wußten sie nichts; aber sie lebten unter einander sehr friedlich, und ihrer Treue und Freundschaft wegen sind sie berühmt gewesen. Wild und grausam gegen ihre Feinde, pflegten sic das Blut aus den Hirnschalen der Erschlagenen zu trinken; doch hat man sie fälschlich als Menschenfresser ausgeschriecn. Unter den Göttern verehrten sie vorzüglich den Jupiter (von ihnen Paväus genannt), den Mars und die Diana. Sie hatten ihre Könige, die sehr streng regierten; und wenn ein König starb, so wurden seine sammtlichen Hofbedienten beim Grabe sirangulirt — damit er auch in der andern Welt sogleich seine Bedienung hätte. — Als eine sehr tapfere Nation machten sie den Römern sehr viel zu schaffen; unter ihrem König Aldathyrso unterwarfen sie sich den größten Theil Asiens, den Cvrus schlugen sie mit seinem ganzen Heere» Alexander wurde selbst von ihnen verwundet und der Persische König Darius gänzlich geschla- l gen. Uebrigens hatten sie sich in der Folge der Zeit sehr mit magischen Künsten abgegeben; und als merkwürdig wurde von ihnen erzählt, daß sie wohl auf 12 Tage Hunger und Durst aushalten könnten. Im fünften Jahrhundert nach Christi Geburt wurde ein Theil der Scpthen z»m christlichen Glauben bekehrt. Scythien, ihr Land, welches sich eigentlich von der Donau an, ! am schwarzen Meere, dem Caucssus, dem Caspischen Meere hin bis j an das östliche Meer, in einer Länge von mehr als 1000 und einer ^ Breite von mehr als 500 Deutschen Meilen erstreckte, wurde in das Europäische und Asiatische eingetheilt. Dieses, das Asiatische, was jetzt die große Tartarei ausmacht, kheilte sich wieder in 2 Thcile, , diesseits und jenseits des Jmaus; und unter den vielen Völkern, die es besaßen, waren die vornehmsten die Sacer und Massageten. Zu jenem, dem Europäischen Scythen, wurden in den ältesten Zeiten alle mitternächtliche Völker in Europa, soviel deren von der Donau an ' bis anS mitternächtliche Meer wohnten, gerechnet, und unter ihnen ^ die Sarmaten (alle zwischen der Weichsel und Tanais wohnende ^ Völker) und Hyperboräer (die weiter ab, gegen Abend in Deutschland und Britannien, oder gegen Norden in Finnland und Scandi- navien gelegen) als die vorzüglichsten, besonders aber die letzter«, die Hyperboräer, alS die ältesten und edelsten angesehen. Diese rühmten sich auch, daß die Götter der Griechen bei ihnen geboren und daß Uranus ihr König gewesen wäre. Auch waren die bekannten H Y- perboräischen Inseln nichts anders alS Britannien und Skandinavien. — Die Scythische Sprache wird übrigens von vielen Sea Seb 271 für die älteste und für die Mutter aller, wenigstens doch der Europäischen Sprachen gehalten. Auch sind mehrere Scythcn unter den Griechen wegen ihrer Weisheit bekannt und berühmt gewesen, z. B. Ana- charsis (s. dies. Art.) Abarib, Zam 0 lxis, T 0 xaris rc. 8 esoce, (Franz. Seangs) die Sitzung, Lagsitzung, wie Session. S. dieses. Die Seapoys, (sprich Sipays) sind Tingeborne von Ostindien , die den Europäern in ihren dasigen Colonien für Geld als In, fantcrie dienen. Oie Franzosen sahen zuerst ein, daß die Transportirung Europäischer Truppen in jene Pflanzungen zu kostbar sey, und daß die meisten zur See oder in Ostindien selbst ein Opfer des veränderten Clima's würden; sie nahmen also Hindus in Sold: die Engländer ahmten dieß bald nach, und Lord Elive erhielt in Bengalen allein 32 Regimenter. Sie bekommen monathlich ungefähr 5 Thaler Sold, im Kriege aber die Hälfte mehr, bestehen aus Grenadier.-und Füseliercompagnien, und haben auch Feldstücke, bei denen jedoch Europäische Artilleristen sind. Ihre Kleidung ist sehr leicht und bequem» denn sie besteht bloß in einer rothen Tuchjacke (deren Aufschläge bei jedem Regiment anders find), einem Leibchen von weißem Cattun unter derselben» Beinkleidern, die nur die halben Lenden bedecken, und ein paar Bambuschcn oder Pantoffeln mit vorn gekrümmten Spitzen; Strümpfe haben sie nie, und den Kopf deckt'eine Art von leichtem Turban. Ihre Waffen bestehen in einer Flinte und einem Degen, den sie an einem über die Achsel gehängten Riemen tragen. Sie sind zwar nicht so tapfer und geschickt als die Europäische Miliz; aber sie werden eben deswegen auch nicht geschont, und zur Avantgarde, zum kleinen Kriege, und überhaupt zu den gefährlichsten Unternehmungen genommen, wobei sie sehr gute Dienste leisten. Auch sind sie duldsam und unermüdet; und das Gesetz der Hindus, welches verbietet, Fleisch und alles was von Thieren herrührt zu essen, macht sie sehr mäßig und genügsam. Sebastians (Horaz) geborner Eorse, Graf und Großoffizier der Ehrenlegion» Vetter des Französischen Kaisers. Nachdem er sich im Verlaufe der Revolution dem Militärdienste gewidmet hatte, ward er Oberst, des y. Dragonerregiments und machte sich vornehmlich durch die Sendung bekannt, welche er von dem ersten Konsul 1302 in die Levante erhielt, eine Sendung, die die Englische Regierung für äußerst wichtig angesehen hat, und die eine der Hauptbeschwerden derselben gegen Frankreich bei dem Bruche im Jahre ,8vz abgab. Der Oberste schiffeke sich den 16. September in Toulon ein, und kam den zo. in Tripoli an, wo er zuerst als Vermittler zur Beilegung der Mißverständnisse auftrat, welche sich zwischen dem Schwedischen Hofe und der Regierung erhoben hatten. Als er dem Pascha vorgestellt wurde, bewog er ihn, die Italienische Republik anzuerkennen, deren Flagge alsvbald ausgepstanzt und begrüßt wurde. Den 16. October kam Sebastians in Alexandrien an, suchte sogleich den Englischen kommandi- r.nden General der Land - und Seemacht, Stuart, zu sprechen, und vkrlangte von ihm im Nahmen Frankreichs und in Folge des Ver- s/2 Seb Sec trags von Amiens, die Räumung von Alexandrien. Der Englische General gab ihm zur Antwort, daß er dazu von seinem Hofe noch keinen Befehl erhalten habe. Von da begab sich Sebastian! nach Kairo, hatte daselbst mehrere Unterredungen mit dem Pascha und bot ihm, den Jstruktionen des ersten Konsuls gemäß, seine Vermittelung zu einer Ausgleichung mit den BeyS an, die aber nicht angenommen wurde. Nachdem er die um die Stadt liegenden Forts besucht hatte, reiste er nach Damiette und St. Jean d'Acre ab. Bei seiner Ankunft in dieser letzter» Stadt, ließ.er dem Djezar-Pascha melden, daß er von dem ersten Konsul beauftragt sey, sich mit ihm über die Mittel zur > Wiederherstellung der ehemahligen Handelsverhältnisse zu besprechen, ! erhielt bei ihm eine Audienz, und fand ihn in der friedliebendsten Skim- ^ mung. Nachdem er auf diese Weise den ganzen Zweck seiner Sendung erfüllt hatte, verließ er den 21. November Jean d'Acre wieder, und kehrte nach Frankreich zurück. Im Oktober 1803 wurde ihm die Aufsicht über die Küsten von der Mündung der Vilaine bis Brest übertragen. Im Jahre 1804 durchreisteerin neuen diplomatischen Aufträgen I einen Theil von Deutschland, und bei dem WiederauSbruche der Feindseligkeiten mit Oesterreich ward er bei der großen Armee angestellt. Er trug zu dem Erfolge des Gefechts von Günzbura bei, daS in den ersten Tagen des Oktobers 1805 Statt hatte, setzte hierauf mit seiner Dragonerbrigade dem Feinde nach, wurde kurz darauf gegen Wien detaschirt, und drang von da in Mähren ein, wo er bei der Affaire den 19. November 2000 Russische Gefangene machte. Auch zeichnete er sich durch seine persönliche Tapferkeit in der Schlacht von Austerlitz aus und erhielt darinn eine Wunde. Gleich garauf wurde er zum Diviflonsgenerale befördert. Nach dem Frieden von Preßburg sandle ihn sein Monarch, der in ihm den scharfsinnigen Mann, der auf seinen Reisen den Geist der Türkischen Regierung studiert hatte, erkannte, als Französischer Bothschafter nach Konstantinopel und mit seinem Erscheinen schien die Kälte des Türkischen Hofes gegen die Französische Regierung in warme Freundschaft überzugehen. Er brachte die noch übrigen Freunde des Englischen Systems zum Verstummen und g-- wann bald das ganze Zutrauen des Kaisers Selim. Was dieß Zu« trauen noch befestigte waren die wesentlichen Dienste, die der General Sebastian! nebst den ihn begleitenden Französischen Offizieren dem Kaisersitze und der Hauptstadt der OSmanen leistete, als die Englische Flotte drohend vor derselben erschien. Im Anfänge deS Iah res r8c>8 starb ihm seine Gemahlin und später ging er nach Paris zurück, worauf er in Spanien bei der Armee angesiellt ward, und ^ ein eigenes Korps kommandirte. Er hat sich hier schon bei mehrer» Gelegenheiten oortheilhaft ausgezeichnet. Sebastopol, eine Russische Kreisstadt in der Taurischen Statthalterschaft oder Crimm. Sebnitz, ein Sächsisches Städtchen im Meißnischen Kreise an der Böhmischen Grenze, mit 2100 Einwohnern, die viel bunteLcin- wand und Zwillich verfertigen. biecsns, Sekante, (Lat.) jede gerade Linie, welche eilt« krumme diirchschncidet. Sec 27z 8ecckio, (Jtal. Sckkio) ein Venezianisches Welnmaaß, das 8 Maaß oder Kannen hält. Secer 11 ire», (Lat.) sondern, absondern, trennen. Sech eilen, (Franz. Seschellen) heißen mehrere Inseln, die auf der östlichen Seite von Südafrika liegen. Sie bringen Gewürznelken , Muscatnüffe, Datteln rc. hervor, und sind zum Theil von Portugiesen und Franzosen besetzt. Sechs-Städte, heißen in der Oberlausitz die sechs vorzüglicher» Städte: Bauzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kanrepz, Löbau. Seciren, Seziren, (Lat.) einen Leichnam aufschneiden, zergliedern. — Section, die Oeffuung und Zergliederung eines Leichnams. — 8 ect 0 r , (in der Mathematik) der Ausschnitt eines Zirkels, der nur einen Theil des ZirkelbogenS auSmacht, z. B. der Quadrant, oder 4te Theil des Zirkels. Seckel, war bei den Juden ein Gewicht, ungefähr so viel als nufer Lokh. Desgl. eine Münze, wovon der gemeine Seckel ungefähr 8 Gr., der königliche 12 Gr. und der Seckel des HeiligkhumS >6 Gr. werkh war. In Oberdeutschland ist Seckel so viel alS Casse oder Schatz; daher Seckelamt, Seckelmeister, d. i. Schatzmeister, Cassirer. Secludiren, (Lat. auSschließen, z. B. von einer Erbschaft oder Thronfolge. Seclusion, die Ausschließung. ScclufionS- actk, eine AiiöschließiingSurkunde. 8ecou<1, (Franz. Sekong, vom Lat. 8ecuo6us) der Zweite. Sec 0 nd-Fla n ke, eine Nebenflanke. Second-Lieutenant, ein Ulikerlieutenant, der ake Lieutnant einer Kompagnie. Second-- Mrster, ein Unterschiffs - Chirurgus. — Secundärschulen, Französische Schulen vom zweiten Range. S. Primärschulen. 8ecours, (Franz. Sekuhr) f. Succurs. Secret, (Lat.) das (Landesherrliche) Geheimsiegel, z. B. Urkundlich mit unserm Secret besiegelt. Desgl. das geheime Gemach. — Secret-Buch, ein kaufmännisches Buch, worin alle Baarschaf« ten, Schulden , Waren, Zinsen, Güter u. s. w. verzeichnet stehen. — Secretair, Sekretär, ein Geheimschreiber. (Geheimer Sekretär wäre also geheimer Gehcimschreibcr !) Desgl. ein Schreibpult, eine Schreibkommode. Auch heißt so ein ausländischer langbeiniger Vogel von den langen Federn, die ihm hinten am Kopfe herunter hängen, wie einem Schreiber seine hinter das Ohr gesteckte Feder. Sekretariat, das Geheimschreiberamt. Sekretiren, geheim halten. — Secretion, die Absonderung, z. B. des Nahrungs- sioffes bei der Verdauung. Seel; diesen Nahmen führen gewisse starke Spanische Weine, besonders der um Sevilla gebaute weiße köstliche LereSwein, theils süß (unter dem Nahmen Paxaret bekannt), theilS etwas bitter und magenstärkend. Es ist für viele Städte, und besonders für Cadiz, Malaga, Amsterdam und Hamburg, ein ansehnlicher Gegenstand des Handels, welcher in das Ausland getrieben wird. Eon». Lex. Fünfter Band. S -74 Sec Die Sekte (von dem Lat. uecars, abschneiden) bezeichnet überhaupt eine Gesellschaft solcher Leute, welche Eines Mannes Lehren und Grundsätzen folgen, und von de» Meinungen Anderer sich gänzlich absondcrii (adschneidcn). So gab es unter den alten Philosophen die Platonische, Stoische, Aristotelische, Eynische Seele: so heißen auch im theologischen Sinne ganze Gemeinden, welche einer gewissen und besondern Religion zugelhan sind, besonders wenn sie von der herrschenden und für echt gehaltenen Religion des Landes sich schei. den: Sekten. Die Sektion: dies Wort bezeichnet eigentlich einen Schnitt, Abschnitt; dann eine Abtheilung; so auch die Abthcilung einer Stadl oder Commune. In Paris kamen vorzüglich zu den Zeiten der Revolution die S ec l i v II e n vor: cs waren deren 48, welche zusammen die Commune ansmachten und das Departement von Paris dil- beten. Jedes Viertel (oder Sektion), welches auch «llemahl seinen Friedensrichter und seinen Pslizcicommiffär hak, hielt seine Urver- sammlungen, und wenn eine Versammlung Statt finden sollte, mußten auch alle Sectioncn zur nähmlichen Zeit zusammendcrusen werden. Derselbe Fall war bei den übrigen Städten oder Communen Frankreichs. Die Secularisation nennt man die Handlung, wodurch eine geistliche Besitzung der Kirchengcwalt entzogen und der weltliche» untergeordnet wird. Man setzt in diesem Sinne der Seciilarisalivn die Amortisation entgegen, durch welche eine bisher weltliche Sache der Kirche anbeim fällt. In dem Westphältschen Frieden wurden in Deutschland viele Secularisationen bestätigt, welche dadurch ent standen waren, daß die Erzbischöfe und Bischöfe jener Länder die evangelische Religion angenommen hakten. Einige wurden unbedingt der weltlichen Obrigkeit unterworfen (wie z. B. die Bislhümer B rc. men und Verden); bei andern blieb die geistliche Verfassung, nur, daß sie jetzt von Protestanten versehen wurde (z. B. die Abteien Quedlinburg und Gandersheim): das Hochstifr Osnabrück erhi-lt endlich wcchselsweise einen katholischen und evangelische» Bischof. — In den Begebenheiten her neuesten Z it scheint übrigens die Aufhebung der geistlichen Staaken mit zu den Ereignissen zu gehören, welche unser Jahrhundert so sehr auszeichnen. DaS Seculum oder Säculum, ein Wort von ganz verschüd- ner Bedeutung, je nachdem cs in der Sprache des kanonischen Rechts (s. d. Art.) oder ;n der Sprache des bürgerlichen Lebens gebraucht wird. Im erster« Falle wird es dcr Kirche und den geistlichen Sachen entgegen gesetzt, und man versteht darunter die Welt oder das bürgerliche Leben. So wenig das Wort selbst, in diesem Sinne, in der Deutschen Sprache das Bürgerrecht erhallen hat, so verdient diese Bedeutung desselben doch hier bemerkt zu werden, da sie zu Erklärung des davon ab- stummenden Wortes Secularisation (s. d. Art.) dient. In dem zweiten und gewöhnlichen Sinne heißt Seculum ein Zeitraum von hundert Jahren, ein Jahrhundert. — Man behauptet gewöhnlich, daß bei den altern Nationen theils eine geringere, kheils eine größere Sec Anzahl von Jahren zu einem Jahrhundert gerechnet worden, und, z B. bei den alten Deutschen, ein Seculum ein Zeitraum von ZO, hingegen bei den Römern ein Zeitraum von ns Jahren gewesen ftp. So wenig man sich nun hier auf eine genaue Untersuchung dieser Frage einlaffen kann; so scheint doch so viel richtig zu ftyn, daß die Be. Häuptling in Ansehung des dreißigjährigen Seculinns der Deutschen sich auf eine falsch versiandne Stelle eines Römischen Schriftstellers gründet, das angebliche hundert und zehnjährige Seculum ber Römer hingegen ebenfalls auS der unrichtigen Meinung sich herschreibe, als wenn dir Römer allezeit grade mit Ablauf eines Jahrhunderts ihre Secularfpiele gefeiert hätten, und solches allezeit nach no Jahren geschehen ftp. Allein diese Secularfpiele, die man zwar allezeit nach Ablauf eines neuen Jahrhunderts, von Erbauung der Stadt Rom an gerechnet, hielt, wurden gar nicht zu gewissen, bestimmten Jahren gefeiert; mithin lassen sich auch aus denselben die Anzahl der Jahre, die die Römer zu einem Seculum gerechnet, gar nicht beweisen. Dagegen ergibt sich aus mehreren Stellen einiger ältern Römischen Schriftsteller, daß die Römer nur hundert Jahre z„ einem Jahrhundert gerechnet. So wenig nun jetzt die zu einem Jahrhundert erforderliche Anzahl der Jahre selbst einem Zweifel unterworfen ist; so hat doch hingegen die Bestimmung des Anfanges und des Endes eines Se- culums, nach der christlichen Zeitrechnung, am Ende des i?len und >8len Jahrhunderks viele Streitigkeiten verursacht, indem sich bei Beantwortung der Frage, ob der Schluß eines Jahrhunderts mit dem Jahre 99 oder erst mit dem folgenden Jahre (mithin der Schluß des izten Jahrhunderts mit dem Jahre 1799 oder erst mit dem Jahre «800) zu machen ftp, zwei Parteien bildeten. So gern man zugeste. hr» kann, daß diese Frage, ihrem Wert he nach, zu den Kleinigkeiten gehört, in so fern nicht die genaue Bestimmung des Schluß, jahres des abgclaufnen und deS Anfangsjahres des neue» Jahrhunderts bisweilen für den oder jenen ein besonderes reelles Interesse hat (wovon sich wohl Beispiele auffinden ließen); so kann sie doch hier füglich nicht übergangen werden. — Es kommt bei Entscheidung dieser Frage hauptsächlich auf die Bestimmung der jedesmahligen Jahr- zahl an. Man versteht nahmlich unter der Jahrzahl entweder das wievielste Jahr nach Christi Geburt bereits verflossen, oder das wievielste nach derselben eben im Laufe fey. Ist jenes, so ist das Jahr 99 allerdings jedesmahl das letzte des Jahrhunderts; indem nach Ablaufe dieses Jahres jedesmahl wieder ein Jahrhundert, von Christi Ge burt an gerechnet, verflossen ist: nimmt man hingegen an, daß die Jahrzahl das Jahr anzeige, welches eben im Gange ist; so ist das Jahr, dessen Zahl das volle Hundert enthält, auch das letzte des Jahrhunderts (z. D. das 1900 das das letzte des isstcn Jahrhunderts, mithin 1901 das erste des 2nsten Jahrhunderts), weil wir erst nach Ablauf desselben volle 1900 Jahre zurückgelegt haben. Unge« achtet diese letztere Meinung die gewöhnliche ist, und wenigstens die vekannt gewordnen Secularfeirrn des Jahres igoi einstimmig für sich L?6 Sec hat; so ist es doch, nach allem Vorstehenden, sehr sonderbar, wenn man durch das gewöhnliche, vom Gelde hergenommene, Beispeil die Lächerlichkeit der erstem Meinung dadurch beweisen will, daß, so wie niemand hundert Thaler voll zählen könne, wenn er deren erst 99 habe, eben so auch nicht ein neues Jahrhundert angefanaen werden könne, als bis das looste Jahr des vorherigen (also z. B bei dem igkcn Jahrhundert das Jahr r8vc») abgelaufen sei). Denn die Anhänger der erstem Meinung läugnen gar nicht, daß z. B. »800 Jahre zum igten Jahrhundert rc. gehören, sondern behaupten bloß, daß, als man 1700, 18OV rc. zu schreiben angefangm, schon völlige 1700, 1800 rc. Jahre nach Christi Geburt zurückgclegt worden, mithin das Jahr ,6yy, 1799 rc. schon wirklich das ^oöste, rgooste rc. gewesen scyn muffe. Ob aber dem wirklich so scy, laßt sich nicht entscheiden und wird sich nie mit Gewißheit entscheiden lassen, so wie überhaupt die Richtigkeit unsrer christlichen Zeitrechnung gar nicht außer Zweifel ist, da sie erst im ölen Jahrhunderte nach Christi Geburt durch einen Geistlichen in Rom, Dponysius den Kleinen (ein Beinahme, den er seiner i kleinen Statur wegen führte) in Gebrauch kam, und, theils von seiner Seite, theils von Seiten seiner Vorgänger , in der Zeitrechnung leicht ein Versehen vvrgefallen seyn kann. — Wer übrigens die bei Gelegenheit des Streites überden Schluß des 17km und den Anfang des >8ten Jahrh. häufig geprägten Medaillen kennen lernen will, findet solchem den histor. Gedächtniß - Münzen des aegenw. 8eculi (Nürnb. 1700 Fol.) und in Lochn ers Samml. merkwürd. Medaillen, istes Jahr (Nürnb. 1799. 4 -) Die Streitfrage selbst aber ist (überhaupt) in den im Bünauschen Catalog B. II. S. ,56 angegebenen Schriften und in I. C. Rüde manns kurzen Gedanken von dem Ende des gegenwärtigen und vom Anfänge des zukünftigen 8-culi. Coppenhag. 1699. 8- (insbesondere in Ansehung des 18. Jahrh.) im allg. lit. Anzeiger 1798 S. 99. 439. 46z. iiz6, — im genealogischhistorisch-statist. Taschenbuche f. d. I. 1800 (Hof 1800. 8>) und in (Prof. Carl Friedr. Hindenburgs) Beantwortung der Frage, ob das iche Jahrhundert mit dem isten Januar 1800 anfange (Leipzig , 1800. 8) wcitläuftiger abgehandelt. 8ecuncis, (Lat. nähmlich: clsnsis) die zweite Klaffe, zweite Ordnung der Schüler. Secundaner^ ein Schüler der zweiten Klasse. Secunda-Wechsel, s. Prima-Wechsel. — Secun- dant, wird derjenige genannt, welcher einem Andern im Kampfe l oder Duelle beisteht, ein Kampfgehülfe. — Secundar-Schule,!- i 8eco n6 - Schule und Primair-Schule. tiecuncisri- u z, heißt in einem Kloster der nächste nach dem Abte oder der Probst; in evangelischen Städten» z. B. in Bauzen, der zweite Geistliche, oder der nächste nach dem Primarius. — Secundiren, helfen, unterstützen, Beistand leisten. Lscuncto, zum Zweiten, zweitens. 8ecunstum vol^ata (jurs), nach den bekannten Rechten. Die S ecund e bedeutet 1) den 6osten Theil einer Minute. 0) In der Musik wird dadurch jeder höhere Ton des zunächst unter ihm liegenden bezeichnet; sie ist entweder klein, »der groß, oder über, mäßig. 5) Beim Fechten heißt Secunde die zweite und nächste Be- See Sed 277 wegung, nachdem man !.n Degen gezogen hat; sie ist eine der Haupt- bcwcgungcn, und wird sowohl unter als über dem Arm, auch wohl bisweilen inwendig gestoßen. Securitäk, (Lat.) die Sicherheit. Securiren» sicher stellen, gewiß machen, versichern. Michel-Jean Seda ine, ein berühmter Schauspiel - Dichter der Franzosen, der 40 Jahre lang für die Bühne seiner Nation mit ausgezeichneten Beifall arbeitete, war 1719 zu Paris geboren, und starb erst im 73stcn Lebensjahre den ic-ten Mäi des Jahres 1797 als Mitglied des Lyceums der Künste. Er gehört, obschon seine Sprache bisweilen etwas unrein und die Versisicakion nicht immer schön ist, dennoch unter die vorzüglichsten Französischen Theaterdichter: denn er verbindet Anmuth und Grazie mit Mannichfalttgkeit, Nachdruck, Kraft und Ueberraschung, hat trefflich gewählte Situationen; und sein äu- sterst lebhaftes Gefühl, das von dem unbescholtensten und trefflichsten Charakter herrührte, macht seine Stücke zu den rührendsten und hinreißendsten , auch empfehlen sie sich durch echt moralische Zwecke und tiefe Menschenkcnntniß. Die schönsten sind ln OaZeurs rnprö- vue (ein Nachspiel) und le l^I, il080s>ks sans le 84 voir (der Weise in der Thal, wie es Gottter in seiner musterhaften Ucbcrsetzung betitelt); vorzüglich verdient das letztere die nächste Stelle nach Diderots Hausvater. Auch seine komischen Opern, j. B. der Deserteur, Röschen und Colas, Thcmire und andere haben ihm vielen Ruhm erworben. Sedativ, (Lat.) schmerzstillend. Sedativ falz, stillendes Salz, nennt man besonders die Borax-Saure, die eine schmerzstillende und einschläfernde Kraft haben soll. Sedentarisch, (Lat.) sitzend; z. B. eine sedentarische Lebensart. 8e6entsrjur, einer, der viel sitzt. — 8 e cl e 8 , der Sitz, Wohnsitz; z. B. 8eckss apostolica, der päpstliche Stuhl, die päpstliche Regierung. 8s6«8 fix«, ein fester Wohnsitz. — 8 ec) e 8, heißt auch der Stuhlgang oder die Leibesöffnung. Sedez, (Lat.) die Sechzehntelform eines Bogens, nach welcher der Bogen in 16 Blatter geiheilt ist. S. Duodez. Sediment, (Lat.) der Bodensatz, die zu Boden sinkenden gröber» Theile einer Flüssigkeit. Die Sedisvacänz (canon. Recht) bedeutet 1) die Erledigung einer solchen hohen geistlichen Würde, mit welcher an und für sich geistliche Gerichtsbarkeit verknüpft ist, 2) den Zeitraum selbst, während dessen eine solche Stelle unbesetzt ist. Man nennt dergleichen Würden im eigentlichen und echten Sinne des kanonischen Rechts Prälaturen» und die, welche solche Würden bekleiden, desgleichen die Bischöfe, die wirklich Bisthümer Huben und die Siebte in den Klöstern sind, Prälaten. Im u n e ig en t l i chen und w e i- tern Sinne des Worts nennt man auch die obersten Mitglieder oder das oberste Mitglied eines geistlichen Stiftes oder EapitelS (s. d. A. Stift) Prälaten, weil sie ein größeres Ansehen haben, als die übrigen Mitglieder: dagegen das canvnische Recht ihre Würde nicht 278 Sed See Prälatur sondern Personal nennt, Sedisvacanz tritt da? her im echten Sinne des kanonischen Rechtes nur bei Erledigung wirklicher Prälaturen ein» und die wichtigste ist die des päpstlichen Stuhles selbst. Im weitern und uneigenklichen Sinne fällt jedoch, nach obigen, auch in Stiftern eine Sedisvacanz vor, wenn die oberste, oder eine der obersten Domherrenstellen eröffnet wird. Gedition, (Lat.) der Aufstand, Aufruhr, die Meuterei. Se- ditiöS, aufrührerisch. Sed i tiosität, die EmpörungSsucht. SedliH und SeidschüH, sind zwei wegen ihres Bitterwassers sehr b-kannte Dörfer des Saazer KreiseS in Böhmen. Sedschestan, ein Sleppcnland in Ostpersten, wo es aber gute Pferde geben soll. Seduction, (Lat.) die Verführung, Verleitung. Sedsci- ren, verführen, verleiten. Sedulität, (Lat.) die Emsigkeit, Betriebsamkeit. Seealpen, s. Alpen. See bäum, ein großer Schlagbaum, die Einfahrt in einen Hafen zu versperren. Seebrief, ein Paß, den sich der Schiffer am Orte der Abfahrt von der Obrigkeit muß ausstcllcn lassen. — Seefedern, federähnliche Polypen, die auf dem Meere herumschwim- men. —Seekrankheit, eine mit Schwindel, Erbrechen, Durchfall, Mangel an Eßlust verbundene Krankheit, von welcher meistens diejenigen befallen werden, welche zum erstenmahle die See befahren, und noch nicht an die Seeluft und das Schwanken gewöhnt sind. — Seelöwe» ein nördliches uud südliches Seethier mit einer Löwenmähne. — Seemeile, ein Wegmaaß zur See von 21/2 Stunde, deren 20 auf einen Grad gehen. — Secpotenzen, Seemächte. — Secspinne, ein krebsähnlichcs Secthier, das wenig Ähnlichkeit > mit einer Spinne Hot. — Seestern, ein sternähnliches Seegeschipf. ! — Seestücke, sind Gemählde, welche das Meer, Häfen, Klippen, Schiffe u. dgl. vorstcllen. — Seetrift, alles, was die See treibt oder auswirft; daher seekriftiges Gut: waS von gescheiterten Schiffen durch die See ausgeworfen wird. — Seeuhr, eine Uhr, welcher man sich auf Schiffen bedient, um die Länge der Orte oder Entfernung nach Graden zu finden. Sie zeigt immer die Zeit deS Ortes an, an welchem sie gestellt worden ist; wenn man nun mit dieser die Zeit an demjenigen Orte, wo man sich befindet, vergleicht, so läßt sich leicht berechnen, um wieviel Krade von dem gegebenen Orte man sich östlich ober westlich befinde. Alle- kommt darauf an, daß eine solche Uhr möglichst genau gehe. — Seewvlf, ein sehr grimmiger und gefräßiger Raubfisch. Seegesetze, s Rhodus. Der Seehund (Hay, Seewolf, auch Requiem genannt) ist ei» großer, in den unterm heißen Welkgürtel gelegenen Meeren sehr häufig anzutreffendcr Seefisch mit plattem Kopf, weiter, runder Schnauze und ungeheuer weitem Rachen, in welchem gegen 150 dreieckige, wie eine Säge ausgezackte, oft einen Zoll lange Zähne in etlichen Reihen hinter einander auf beiden Seiten stehen. Dieser höchst gefräßige Fisch, dessen Größe sehr verschieden ist, folgt oft lange Zeit See 279 den Schiffen, nm sich von dem zu nähren, was etwa herausgewor« sen^wird; besonders ist er auf das Fleisch der Menschen sehr begierig, indem die größer» oft ganze Menschen verschlingen, oder sie in der Mitte zerreißen. Seine Hank, unler dem Nahmen Fischhaut bekannt, wird sehr stark zu Futteralen u. d. g. gebraucht. Noch gibt man auch den Nahmen Seehund einem andern Thiere, nähm» lich dem Seekalbe (Meerkalb, Robbe, auch Seehund genannt), einem Säugthicre, das häufig in der Ostsee, am meisten aber in den Meeren gegen Norden um Grönland, Spitzbergen re. on- getroffen wird, und das sowohl im Wasser alS auf dem Lande lebt. Es hat die Größe eines Kalbes, und einen Kopf, wie den eines Hundes, dem die Ohren abgeschnitten find, große und Helle Augen, an der Schnauze einen Bark, und so scharfe Zähne, daß cs einen Arms dicken Stock durchbeißen kann. Seine Haut, mit kurzen Haaren bewachsen, ist bunt, bald schwarz und weiß, bald gelbgrau, roth rc. Schwanz, Schenkel und Beine sind kurz; und ob gleich dieses Thier auf dem Lande mehr kriecht als geht, so läuft es doch geschwinder noch alS ein Mensch. Das Fett desselben gibt einen sehr guten Thran; und seine Haut dient besonders auch bekanntermaßen zu Ueberziehnng der Coffres, weil kein Wasser durchdringcn kann. Seeland oder Zeeland, eine von den sieben Provinzen der ehemahliqen vereinigten Niederlande, gegen Mitternacht an Holland, gegen Morgen an Brabant, gegen Mittag an Flandern, und gegen Abend an das Deutsche Meer grenzend, besteht aus 15 bis 16 Inseln ; unter ihren 9 Städten find Middelburg und Vließingen die merkwürdigsten. Die vornehmste Nahrung der Einwohner, welche überhaupt gute Seeleute stob, besteht in der Fischerei ln den Ca- ! „alen, in dem Handel mit Ausländern, und zu Kriegszriten in der ! Kaperei. In Seeland war übrigens eine von den sechs Ka m m er n, in welche dieOstind 1 sche § 0 mpagniein Holland vertheilt ward» welche sich zu Middelburg versammlete, so wie auch eine von den fünf Kammern der Westindischen Compagnie. Seit der Vereinigung Hollands mit Frankreich macht Seeland daS Departe- > ment der Scheldewündungen aus. Seelenverkäufer: mit dieser berüchtigten, in Holland und besonders in Amsterdam ihr Wesen treibenden Claffe Menschenmäk- ler hat es folgende Bewandniß. Diese Seelen - oder, wie sie auch beißen, Aettelverkäufer nehmen dürftige Leute, die als Matrosen oder Soldaten nach Ostindien gehen wollen, auf, und unterhalten sie so lange, bis die Ostindische Compagnie dergleichen verlangt: dann stellen sie ihr dieselben vor; und wenn die Compagnie sie an- nimmt, so bekomm jener Wirth oder Zettekverkäufer einen Transport- zeltel oder Schuldbrief auf 150 Gulden, welche, wenn jener Verkaufte am Leben bleibt, diesem von seinem Lohne abgezogen, und nach einiger Zeit erst an den Inhaber des Zettels bezahlt werden. Meisten- theils aber verkaufen diese Wirthe die empfangenen Transportscheine an reichere Leute, die nun davon wieder ihren besonder» Gewinn zielt n. Eigentlich also ist diese Einrichtung für jene armen Leute, die sich zu dem Entschlüsse, nach Ostindien zu gehen , genöchigt sehen. 280 See eben so wohl als für dir Gesellschaft sehr nützlich; auch ist das An- drängen der Rekruten immer sehr stark: allein öfters wird auch mit se» neu Zetteln, besonders den so genannten Monathszeiteln (wo nähmlich ein Angeworbener seinen Hinterlassenen in Europa verspricht, sich jährlich ein paar Monathe am Solde abziehen, und das Geld jenen auszahle» zu lassen), der schändlichste Betrug gespielt, dem zu steuern die Gesellschaft eben nicht sehr geneigt zu seyn scheint. Die Seelenwanderung, oder der Glaube, daß die Seele theils vor ihrer Verbindung mit dem menschlichen Körper in menschlichen oder thierischen Kö'pern gewesen scy, theils nach dem Tode des Menschen in ähnliche Körper kommen werde, hat von jeher außerordentlich viel Anhänger gefunden. Denn die eben angeführte Idee ist dem rohen Menschen sowohl als dem schon etwas gebildeten sehr natürlich, indem er sich auf der einen Seite überzeugt glaubt, daß ein geistiges Wesen seinen Körper belebe, auf der andern aber nicht begreifen kann, wie die menschliche Seele so viele und mannichsalrige Fähigkeiten bloß in der kurzen Zeit, als sie den gegenwärtigen Körper bewohnt, erlangt, und zur Vollkommenheit gebracht haben könne. Zugleich dringt sich im aber der Wunsch, ewig fortzudauern, und mithin auch der Glaube an Unsterblichkeit des Geistes fast unwillkührlich auf: er wagt es, den Zustand desselben nach dem Tode zu erklären; und waS ist nun wohl natürlicher, als daß er die Seele wieder in mancherlei Geschöpfe wandern läßt, zumahl da er nicht zu enträthseln vermag, wie die Seele nach dem Tode des unvollkommenen Körpers sogleich zu ihrer seligen Bestimmung gelangen könne. Eben dieses ist auch der Grund, warum die meisten Völker die Idee von künftigen Belohnungen und Strafen gleich an den Glauben einer Seelrnwanderung an- knüpften, und die Seelen guter Menschen in gute Menschen oder Thic» re, die Seelen schlechter in verworfene und bösartige Geschöpfe wandern ließen. Einige glaubten bloß an eine Wanderung in menschliche Seelen, z. B. viele Negern, die alten Selten, u. A. Andere gaben der vom Körper getrennte» Seele auch Wohnungen in Thieren, z. B- die allen Egppter, bei denen man überhaupt die Seelenwanderung am frühesten antrifft. Denn Letztere lehrten, daß die Seele nach dem Absterben des Körpers drei tausend Jahre durch Geschöpfe aller Art her- nmwandcre, um sich zu vervollkommnen, und dann, mit dem menschlichen Körper aufs neue verbunden, in den Wohnungen der Seligen ewig forthaiiere. Sie balsamirten daher den Körper ei» , damit die Seele ihn wieder finden möchte. Pythagoras (s. dies. Art.), ein Zögling aus den Egyptischen Mysterien, brachte diesen Glauben als einen vorzüglichen Lehrsatz in seine Schule, und fand viele Anhänger. Die nähmliche Lehre finden wir auch in der Religion der Hindus; und diese sowohl als die Egppter uud Pythagoras verboten daher das Essen des Thierfleisches, aus Furcht, ein Geschöpf zu tödten, in dem vielleicht eine menschliche Seele wohne. Auch die Talapoincn (in der Halbinsel jenseits des Ganges), die Kalmücke», Kamtschadalen, Tibetaner und viele Nationen in Asien, Afrika und Amerika glauben an diese Wanderung der Seelen. See Seg sgi Seel-Messe, heißt hei den Katholiken eine Messe, welche zur Erlösung der S elen aus dem Fegefeuer gelesen wird. Eine feierliche Seelmeffe, welche gesungen wird, heißt ein Seel-Amt.— Seelenfrau, heißt in einigen Gegenden die Tobten - oder Leichenfrau. — SeelenhauS, ein Versorgungshaus für alte unvermögende Leute, wie Hospital. — Seelen lehre, s. Psychologie. — See- lenschlaf, beruht auf der Meinung, daß die Seele nach der Trennung vom Körper bis zur Wiedervereinigung mit demselben sich in einer Art von Schlaf befinde. Seeräuber — Corsaren, Freibeuter, Piraten. — Diese berüchtigten Nahmen erhalten alle diejenigen, welche mit einem zum Kriege ausgerüsteten Schiffe in See gehen, und alles, worauf sie stoßen, ohne Unterschied berauben und wcgnehmen, ohne dazu Auftrag von irgend einer Macht zu haben. In Rücksicht dieses letzter» Punkts unterscheiden sie sich von den Kapern (Armateurs); dieß sind diejenigen, welche von ihrem Landesherrn Auftrag und Erlaub- niß haben, feindliche Schiffe anzugreifen und wegzunehiucn. — Zu jener Claffe gehören nun entweder Privatpersonen (diese werden geradehin wie jede andere Räuber angesehen und behandelt), oder ganze Völker, die eigentlich so genannten Corsaren, d. h. diejenigen Seeräuber, welche aus der Barberei kommen, »nd sich häufig in den Italienischen Gewässern aufzuhaltcn pflegen; dieß sind die Bewohner von Algier, Tunis und Tripoli. Wenn ein solcher auf den Raub ausgehen will, so pflegt er, nachdem er bei seinem Oberhaupt« die Erlaubniß dazu erhalten hat, durch eine Kanone das Signal zu geben, worauf sich alle, die an dem Raube Theil nehmen wollen, an Bord begeben. Sobald die Prise gemacht ist, erhält zuförderst der Dey oder Bcy seinen Anrheil (den achten von der Ladung), und das übrige wird nun in zwei Theile gckheilt, wovon einer dem Schiffsei- genlhümer, der andre dem Schiffsvvlke und den übrigen Theilnehmern zufällt. Ueber die Begünstigung dieser Seeräuber« von Seiten der Türkischen Pforte, s. m. den Art. Algier. Segel, Segeltücher, find grobe leinene Tücher, die an den Mastbaum eines Fahrzeugs befestigt werden, damit es der Wind vermittelst desselben forktreibt. Eine Flotte von 2«, Segeln heißt eben so viel als von 20 Schiffen. — Segel in cistcr heißt der Aufseher des Segelwerks. Die Segel streichen, d. i. sie zur Ehrenbezeugung herunterlassen. Wenn aber von einem Seegefecht die Rede ist. und gesagt wird: ein Schiff habe die Segel gestrichen, so heißt das: cs habe sich dem feindlichen Schiffe ergeben. DaS Segment (Abschnitt) nennt man in der Geometrie besonders eine gerade Linie, welche durch einen Zirkel geht, ohne dessen Mittelpunkt zu berühre» — einen Abschnitt von einer Kugel. Seg», eine wenig bekannte Stadt in Nigritien (in Afrika). Seg 0 via, eins Spanische Stadt in Altcastilien, hat 27 Pfarrkirchen, 24 Klöster, und nur 80oc» Einwohner. Ihre vornehmste Merkwürdigkeit besteht in einer Römischen Wasserleitung. In der umliegenden Gegend gibt es vortreffliche Wolle; auch webt man zu Sc- gooia das beste Spanische Tuch. szs Geh Sei Sehnen, sind die weißen länglichrunden und sehr Men Bän- der, welche die Glieder des menschlichen und thierischen Körpers verbinden, und die MuSkeln in Bewegung setzen. In der Jagdsprache nennt man so die Leinen oder starken Stricke am Jagdzeuge. In der Geometrie: jede Linie, welche außer dem Mittelpunkte des Zirkel- von einem Punkte der Peripherie nach einem andern gezogen wird. Seid, heißt im Arabischen so viel als Herr, und ist ei» Titel, der besonders den Abkömmlingen Mnhameds gegeben wird. Seidel, ist in Oberdeutschland soviel als Nößel, halbe Kanne, halbes Maaß; auch in manchen Gegenden etwas darüber. Der Seidenbau wurde, einstimmigen und glaubwürdigen Nachrichten zu Folge, zuerst durch die Chinesen betrieben, in deren Lande der Eeidenwurm einheimisch ist, und «och jetzt in seinem Na- turstande oder in der Wildniß lebt, ohne von Menschen-Händen gepflegt zu werden. Die Serer, ein ScykhischeS Volk am äußersten Ende von Asten, in dem nördlichen Theile des jetzigen China» sollen von Solingchi, der vornehmsten Gemahlin des Kaisers Aoanqti, 2600 Jahre vor Christi Geburt im Seidenbau unterrichtet worden senn, und sich hernach darin besonders hervorgethan haben, daher man auch die Seide nach ihnen im Lateinischen llericum, und im Griechischen genannt habe. Von den Chincsern und Serern kam der Seidenbau zu den Persern. Durch zwei Mönche wurden unter dem Kaiser Justinian l. die ersten Cocvns nach Constantinopel gebracht; und im Jahre szs ließ man die erhaltnen Eier von dem Nach vogel des Seidenwurms im Frühjahre im Miste ausbrüten, und die jungen Raupen oder Seidenwürmer mit Blättern von Maulbeerbäumen füttern. So kam der Seidenbau nach Europa, doch blieb Griechenland noch lange Zeit im Besitze des Geheimnisses einer guten Zucht von Seidenwürmern. Im Jahre iiZy erbeutete Rodench, König von Stellten, in einem Kriege mit dem Morgenländischen Kaiser bei -er Eroberung von Athen, Theben und Corinth viele Seide, nahm viele Seidenfabrikanten mit zurück, und legte in Palermo und Cala» drien die ersten ordentlichen Seiden - Manufakturen an. Ans Italien kam der Seidenbau nach Spanien, und endlich auch gegen Ende des 15. Jahrhunderts nach Frankreich. Auch in Deutschland, z. B. in Oesterreich und Tirol, in den Brandenburgischcn Landen, selbst in Chursachsen, hak man im vorigen Jahrhundert angefangen, auf die Seidenzucht sich zu legen. Die Seide selbst ist ein zarter Faden von dem Seidenwurme, einer Raupe, die von trocknen, frischen Maulbeerbaum.Blättern lebt, und bei ihrer Verpuppung ein Gehäuse um sich spinnt, das der Balg oder Cocon genannt wird. Die rohe Seide bestehet also aus den länglich runden Cocons, die einem Taubenei gleichen, gelb, weiß oder grünlich aussehe», und tu deren Innern die Pupp" des Seidenwurms liegt. Um diese Puppen, aus denen sonst ein. Nachtschm^tterling entstehen würde , und wovon auch ein Lheil zur Zucht ansfliegen darf, zu tödten, hak man verschiedene Mittel: die Cocons werden zwischen Papier gelegt, bas durch Terpen- linöhl gezogen worden; oder Campher wird in Weinessig aufgelöst, und diese Flüssigkeit im Zimmer, wo die Cocons befindlich find» ver- Sri r»z dampft. Das Abwickeln der Seide von den CoeonS erfolgt durch den Seidenhaspel oder auf so genannten Geidenmühlen, wo durch ein Wasserrad mehrere tausend Haspeln und Spulen zugleich umgetriebe» werben, und wobei die Seide nicht nur abgewickelt und gespult, sondern auch zugleich gezwirnt wird. Schon im Jahre »72z haben Thomas und Johann Lombe zu Derby in England zur Verarbeitung der Italienischen Seide eine Maschine erfunden, die aus 26,586 Rädern und aus 97,746 Bewegungen bestand, die 72,713 Kaden Seide, so oft sich das Wasserrad umdrehte (welches in einer Minute dreimahl geschah), und in Tag und Nacht ZiZ Millionen 504,960 Faden abardeitcn konnte. Jedes kleine Rad konnte in seiner Bewegung ohne die andern aufgehalten werden, eine einzige Fcuerröhre brachte warme Luft der Maschine in allen ihren Thcilen zu, eine einzige Person dtrigirte das ganze Werk, und ein Mädchen von zehn Jahren konnte so viel arbeiten als sonst zzz Menschen. Sei den Hasen, sind die bekannten scidenhaarigen Rupfhasen, welche ursprünglich aus Angora in Vorderastcn kamen. — Seidenpapier, eine Art sehr feines weiches Papier, welches aus den än- ße n Häuten der Cocons bereitet wird; desgleichen auch aus seid» n Lumpen ; auch gewöhnliche- , aber sehr dünnes und welches Papier zurZwischenlage in Seidenzeug und Kupferstichen. —S eidenpflanze, eine ursprünglich Syrische Pflanze, deren Samenkapsel» mit langen, weißen, glänzenden, seidenartige» Haaren versehen sind, die man theilS als Seide verarbeitet, theils zu Belt - und Polsterfüllung gebraucht.— Seide nrheden oder Seiden müble, nennt man eine Maschine, vermittelst welcher die Seide von mehrern Spnhlen auf einmahl abgehaspelt und zugleich gezwirnt wird. — Seiden-Watte, Seidenwad, heißt eine ans den Uederbleibseln der Seide oder der Flo- retseide zusammengcfilzte Bereitung. Seid schütz, s. Sedlitz. Seifen-Erde, eine feine Thonerde, welche sich so glatt wie Seife anfüblt, und in Wollfadriken gebraucht wird, die Fettigkeit der Wolle wegzunehmrn. daher sie auch Walker.Erde und Wasch- Thon genannt wird. — Seifen-Spiritus, in Weingeist aufgelöste Venezianische Seife. — S e i fe n - S t ei n , ein thonartiger Stein, welcher sich wie Seife anfühlt, und leicht schaben und bearbeiten ^äßt. Seiger, wird an den Wasserwagen sowohl das Senkblei, als die senkrechte Linie genannt; daher sei gern: mit der Bleiwage untersuchen, oder nach der Schnur gerade herunter messen. Seigern, s. Saigerhüttc. 8eignetle-Salz, (Franz. Sennjettsalj) besteht aus Spanischer Soda, mit Weinsteinsäure gesättigt, von einem Französischen Apotheker in kockelle (Roschell) im »7. Jahrhunderte erfunden. Es hat die Eigenschaft, daß es die Säure dämpft und gelind abführt. 8viZllvurie, (Franz. Seniijörih) eine Herrschaft. Der Be. sitzcr einer solchen heißt 8 eignem-, (Sennjöhr) was so viel ist, als bei uns: Gnädiger Herr. -84 Sri Die Seiks oder Siks sind eine in neuern Zeiten sehr merkwürdige und furchtbar gewordene Nation vom Stamme der Hindus (mit welchen sie auch in Rücksicht der Sitten und der Easteneiiithci- lung viel Aehnlichkeit habe»), in dem westlichen und nördlichen Thei- le des eigentlichen Hindostan (f. Ostindien). Anfänglich machten sie bloß eine religiöse Secte aus. Ein frommer Einsiedler, Nanck oder Nanec, der 1LZ9 gestorben seyn soll, und ein Hindus war, stiftete nähmlich in der Provinz Lahor und dem Punjab, d. h. der Gegend zwischen dem Hindus und Delhi, wo die fünf großen Ströme fließen, die in den JnduS fasten, eine neue Religion, die viel von den Hindus entlehnte, oder eine einzige Gottheit annahm, und aste heiligen Bücher, Mythologie und viele Ceremonien der H i n- dus lehre (s. Ostindien) verwarf. Er nahm mit der größten Bereitwilligkeit Prosilyten von allen Religionen an, so daß sich seine Anhänger, die sich Seiks oder Siks, d. h. Schüler, nannten, bald außerordentlich vermehrten; auch blieb das Hohcpriestcramt bei seiner Familie. Bisher machten die Seiks bloß eine religiöse Secte aus; aber gegen das Ende des vorletzten und zu Anfänge des letzten Jahrhunderts fingen sie, unter einem einzigen politischen Oberhaupke vereinigt, an, durch Räubereien und Eroberungen sich furchtbar zn machen, bezwangen bald viele nahe Districte, schlugen aste Anfälle des Großmoguls, der Könige von Candahar oder Ostpcrsien (die bloß durch sie bis jetzt an der Eroberung Hindostans verhindert wurden), der Afghanen und anderer Feinde zurück, und wurden, da sie in Bergen und Wäldern einen unzugänglichen Zufluchtsort fanden, nach jeder Niederlage nur noch furchtbarer. Neuerlich haben sic dem zcr- i trümmerten Reiche des Großmoguls aste westliche und einige nördliche Provinzen des eigentlichen Hindostan, nahmcntlich Lahor, Mul, ^ tan. Sin di u. a. auf beiden Seiten des Indus bis nahe an Del- ^ hi, entrissen, streifen nicht selten ungehindert bis an den Ganges, breiten sich immer mehr aus, haben ihre vorzügliche Stärke nicht nur in ihrer Tapferkeit, sondern auch in ihrer wohlgeübten mit Fcuerge- ^ wehr bewaffneten Reuterei, die beinahe ihre einzige Kriegsmacht ausmacht, und gegen Zoo,ooo Mann stark seyn sott; und sie trugen fast eben so viel als die Marotten, denen sie die Spitze bieten können, zum Sturz deS Mongolischen Throns bei. Sie haben nicht mehr, wie sonst, ein Oberhaupt, sondern viele unabhängige Heerführer — Fürsten kann man sie wegen des Freiheitsgcfühls dieses Volks und ^ ihrer wenigen Rechte nicht nennen —; außer diesen herrschen jetzt zwölf (so genannte) Fürsten über die Seiks, die von zwölf bis zu 70,000 I Mann stellen können, wenn gleich die meisten nur 12 bis 24,0»» auf den Beinen haben. Ihr Hauptaugenmerk sind freilich immer nur kleine Eroberungen und Räubereien; ihre Lebensart ist sehr einfach, ihr Charakter wild, roh und grausam; ihr Haupterwerb Ackerbau und Krieg: Handel und Gewerbe wird wenig betrieben. Die Zahl derselben nimmt bei der Zerrüttung Persiens und Ostindiens durch zahlrei- ! che Prosesyten noch ausnehmend zu. Nach den neuesten Nachrichten ! wurden sie 1797 von Zeman Schach in einer großen Schlacht geschlagen. Die besten und vollständigsten Nachrichten über sie gibt Ge- Sei Sel sgF org Förster, ein kurz darauf in Ostindien verstorbener Beamter der Ostiiidischen Compagnie der Engländer, in seiner Reise aus Bengalen nach England, im uten Briefe — Deutsch übersetzt Zürich 1796. 8- Die Seine, einer von den fünf Hauptflüssen Frankreichs, ent» springt in einem Thal bei Chancean, 6 Meilen von D.jon,passirt dann hauptsächlich die Städte Troyes, Paris, Rouen und Havre de Grace (bei Nogent fängt sie an schiffbar zu werden), und stürzt sich, nachdem fic einen Lauf von >06 Meilen gemacht hat, in den Canal bei Havre de Grace. Von der See an bis auf Zo Französische Meilen > bat dieser Fluß Ebbe und Fluth, trägt auch bis nach Rouen große ! Lastschiffe. ! Dqs Departement der untern Seine, s. Frankreich. > Das Seine- und Marne-Dcpartement, s Frankreich. Das Seine-und Oise-Departement, s. Frankreich. Gernsheim, eine zur Grafschaft Schwarzenberg gehörig« Herrschaft. S. Schwarzenberg. 8 ejc> ur, (Franz. Seschuhr) der Aufenthalt, Wohnplaß. S k- journircn, (seschurniren) sich wo aufhalten. Sei-Puo, ein Russisches Gewicht von ro Pud. S. Pud. Sejungiren, (Lat.) adsondern, trennen, scheiden. Sejunkt, abgesondert, geschieden. Sekkircn, (Ital.) belästigen, plgean, necken, zum Besten haben. Sckkatur, die Neckerei. Sel ah, (Hebe.) ein uns unbekanntes Zeichen in der allen Hebräischen Musik; vielleicht so viel als Os Capa. ! Selad 0 n, (Franz, eigentlich: Meergrün) ein Schäfernahme, dessen man sich auch bedient, um einen schmachtenden Liebhaber zu bezeichnen. Selbstdenken, heißt die Gründe der Wahrheit in seiner eignen Vernunft aufsuchen. — Selbstgefühl, ist das Gefühl des Menschen von seinem eignen Werthe, welches an sich erlaubt ist, aber leicht in Stolz und eitle Einbildung ausarten kann. — Selbstgenügsam, wird derjenige genannt, der den Grund seines WohlftynS i» nichts außer sich, sondern bloß in sich selbst findet. — Selbst- Halter, Selbstherrscher, d. i. Alleinherrscher, Monarch, wie der Russische Kaiser gcnannnt wird. — Selbstlauter oder Bo- kale heißen die Buchstaben: a, e, i, 0, u, y. — Selbstsucht, ! ist übermäßige Selbstliebe, Eigenliebe und Eigendünkel. — Selbst- ! stand ig, für sich selbst bestehend, nicht von Andern abhängig, durch eigne Kraft bestehend, z. B. ein freies, selbstständiges Volk. Select, (Lat.) auserlesen, auserwählt. Daher heißt in einigen Schulen die vornehmste Classe 8elects, weil sie aus den ausgezeichnetsten Schülern der ersten Classe besteht. — Ein Select z. B. von Gemahlden ist eine Auswahl, ein Ausbund. Der Sclenit: der Monddewohner (s. Mond); — dann hei. ßen auch in der Mineralogie Seleniten: gewisse durchsichtige Steine (auch Gypsspat, Marienglas genannt), welche einen gewissen gräulichen Perlmutkerglanz, und solch blättriges Gefüge haben. 286 Sek daß sie sich mit dem Messer in ganz dünne Blättchen oder Scheiben zertheilen lassen. DieSelenographie beißt die Mondbeschreibung. Durch die in den neuern Zeiten bewirkte Vervollkommnung der Teleskope und durch die uncrmüdeten Beobachtungen eines Herschels und Schröders (Oberamlmanns zu Lilienthol) hat man von der Oberfläche der Mondscheibe eine so anschauende Kcnnkniß erhalten, daß man dadurch in den Stand gesetzt worden ist, von derselben eben sowohl eine Kar, te zu verfertigen, wie wir sie von der Oberfläche unserer Erdkugel haben; die erste Idee zu einem Mondglobus gab schon der berühmte Astronom Hevcike. Man unterscheidet auf derselben Berge und Thäler, festes Land und Inseln, Meere und Seen rc. und bezeichnet sie mit eignen Nahmen; so findet man auf der Mondkarte die Berge Sinai und Horeb, daS Thal Josaphat, das Caepische Meer u. s. f. Man hat sogar feuerspeiende Berge auf dem Monde entdeckt; und Hr. Seyfcrt glaubte, einen solchen sogar zur Zeit einer Eruption beobachtet zu haben. Seleucus (von seinen vielen Siegen Nicanor genannt), rin Sohn deS Antiochus, war einer der tapfersten Heerführer Alexanders des Großen, nach dessen Tode er sich zum König von Syrien machte, welches denn auch nach seinem Nahmen das Reich der Selenei den genannt, nicht minder auch von dieser Zeit an (ir Jahre nach Alexanders Tode) eine eigne Zeitrechnung (- 4 «rs Leleuci- cisrum) geführt wurde. Nach Mehrern glücklichen Kriegen gegen Ali- tigonus, Demetrius und Lysimachus wurde er in seinem 78. Jahre, da er eben gegen Thracien und Makedonien zu Felde ziehen wollte, von einem seiner Höflinge, Ptolemäus Ceraunius, ermordet. Tapferkeit und Erfahrung, Weisheit und Menschenliebe hatl-n diesen berühmten König zu einem würdigen Regenten gemacht. Er ehrte und liebte die Wissenschaften, und schickte unter andern den Griechen die Bücher und kostbaren Denkmähler, nahmentlich auch die Statuen des Hermodius und Aristvgiton, die ihnen Lerxes genommen hatte, zurück; aus Dankbarkeit setzten die Griechen seine Sratüe am Eingänge des Porticus ihrer Akademie auf. — In Asien ließ er Z4 Städte erbauen , die er mit Griechischen Eolonien bevölkerte. Er war Vater und Wohlthäter seiner Unterlhanen. Seligenstadt, eine dem Fürsten Primas gehörige Stadt aür Mayn, mit einem berühmten Bcnedictincrkloster. Seliktar-Aga, der Schwerdträger und Dorsche,eidcr des Türkischen Kaisers. Selim I. ein Türkischer Kaiser, berühmt durch Tapferkeit, aber eben so bekannt auch durch Grausamkeiten, wodurch er das Schrecken seiner Untcrthanen ward. Wider seinen eignen Vater Bajazeth II. ergriff er die Waffen, und ließ, ob dieser gleich ihm nachher die Krone abtrat, ihn dennoch durch Gift auf die Seite schaffen. Er trat nun 1L12 die Regierung an, die er aber bald durch daS Blut seiner Brüder und mehrerer seiner nächsten Verwandten, ja selbst auch vieler seiner treuen und tapfcrn Dassen befleckte. Amurat, der Sohn seines ältesten von ihm gemordeten Bruders, suchte Schutz in Persien; Gel Sem aS? Gel im zog sogleich wider Sophi Jsmael zu Felde, und gewann bei Zalder»,ie ZLig eine Schlacht, die ihm aber gegen LO,voo Man» kostete. Bald bekriegte er auch de» CampsonGauri, Sultan von Egypten, schlug ihn 1516 bei Aleppo in Syrien, und nahm Aleppo, DamaseuS re. Gegen die Mamlucken, welche den Tomumbey zu ihrem Sultan gewählt holten, war er nicht minder glücklich; er schlug sie ('Li?), ließ den unglücklichen Sultan kreuzigen, und bemächtigte fich nun ganz Egyptens, daS er zu einer Provinz, und dadurch der Herrschaft der Mamlucken in Egypten (welche über 260 Jahre gedauert Halle) ein Ende machte. Doch auch seine Stunde schlug; denn als er, von einer Pestbeule auf dem Rückgradc befallen, sich nach Adrianopel, wo er dielLuftfür zuträglicher hielt, tragen ließ, starb er (ez2o) unterwegs zu Cluri in Lhracien, gerade an dem Orte, wo er seinen Vater hatte vergiften lassen, im -festen Jahre seines Lebens, und dem gten seiner Regierung. — Er war übrigens ein Fürst von Muth, Tapferkeit, Mäßigkeit und Freigebigkeit: er liebte die Wissenschaften, besonders d.'e Geschichte, und ließ auch die Lhate» des Ale» xander und des Julius Cäsar in die Türkische Sprache übersehen; ja er war selbst auch Poet, und dennoch — grausam und blutdürstig. Seine Maxime war: „Es ist kein schöneres Leben, als wenn man die Nächsten am Throne umbringt, und so die Regierung von ak ler Furcht befreit!!" Selim III. s. Türkei. 8 «lla , (Lat.) ein Sessel oder Stuhl; z. B. relIa curujlis. un elfenbeinerner oder mit Elfenbein verzierter Stuhl, worauf die alt- lörnischcn Obrigkeiten bei Amtsverrichkungen saßen. Scllrein Sat- lelkissen. Sellenzeug, das Lederzeug eines Pferdes. Sellmann oder Gesellmann heißt bei den Jägern ein Leit- Hand. S e lt ers (Niederselters) » ein Dorf im Fürsienthum Nassau« Weilburg, berühmt wegen des in der Nahe hervorquillcnden Sauerbrunnens, der unter dem Nahmen S elter - oder S e ltzer-Wasser, und zwar jährlich wohl in 2 Millionen Krügen, ausgeführt wird. 8 emt> Isnt , (Franz. Sangblang) Schein, blauer Dunst. 8 emeinier, (Franz. Semänikh) der Wöchner. So heißt bei den französischen Theatern derjenige, welcher eine lang die Angelegenbetten des Theaters besorgt. 8em«l pro semper, (Lat.) einmal für allemahl. Semele, (Mpthol.) Tochter des Phöniciers Kadmus und Mutter des Bacchus. Sie wurde von Zevs geliebt; Here, darüber eifersüchtig, überredete diese ihre Nebenbuhlerin, sich's vom Jupiter auszubitten, daß er ihr in seiner wahren Gestalt, wie er sich gewöhnlich den Göttern im Olymp nahe, erscheinen möchte. Dicß geschah: allein das sterbliche Auge der Semele ertrug das himmlische Licht nicht; sie sank betäubt zur Erde und wurde von der ätherischen Klamme verzrhrt. Ihr Kind aber rettete Zevs noch, indem er es in seine Hüfte verschloß; nach zwei Monakhen kam dieses zum zweiten mahle ans Licht, und ward den Nisäischen Npmphen zur Erziehung 288 Sem übergehen. Daher rührt denn auch der Nähme Dithyrambus (zwei- maht Geborner), welcher dem Bacchus beigelegt wird. 8 e m e n, (Lat.) der Saamen. 8emestre, (Lat.) Semester» das» ein halbes Jahr; z. B. Sommersemester, das Sommerhalbjahr. 8emi, (Lat.) welches in vielen Zusammensetzungen vorkommt, heißt halb. Simicolon, das halbe Colon, d. i. der Strichpunkts;). — Gcmidiameter, der halbe Durchmesser, oder der gerade Strich vom Mittelpunkte eines Zirkels bis an seinen Umkreis. — Semid 'or, Semilor, Similor, Halbgold, d. i. eine Mischung von Kupfer und Zink, auch Mannheimer Gold genannt, weil es in Mannheim dem Golde am ähnlichsten gemacht wird. — 8ewisusn, ein Sech- zehntel in der Tonkunst. 8 emi minima, eine Viertelnote. — Seal i ton» ein halber Ton, d. i. ein solcher, welcher zwischen zwei ganzen Tönen liegt. — Semivocal, ein Halblauter, halber Grundlau- ler, z. B. F. H. L. R. S. 8smi1lanr, (Fr.) munter und unruhig, oder, im guten Sinne, ein Wildfang. Das Seminarium — eigentlich eine Pflanz-oder Baumschule — nennt man die Schule oder das Collegium, wo nur eine gewisse Anzahl Stipendiaten oder auf Universitäten gewesener Studenten unterhalten und besonders zum geistlichen Stande vorbereitet wird, damit man sich derselben zu Besetzung der Kirchen- und Schulämter bedienen könne. In der Römischen Kirche sind sie sehr häufig und in Klöstern fast allemahl anzutreffen. Die Semiographic (Zeichenlehre) heißt die musikalische Schreibekunst, auch Nolirungskunst, vermöge welcher durch Hülfe der dazu erforderlichen Zeichen angegeben wird, wie der Lonsetzer den Dortrag der ausgezeichneten Noten'ausgeführt wissen will. Die Semiotik, oder richtiger, die Semiologie, ist derjenige Thcil in der ArzneiwissenschaslS Lehre, welcher von den Zeichen der Krankheit oder Gesundheit handelt, und nicht nur die Krankheiten zu erkennen und zu unterscheiden, sondern auch ihren Ausgang richtig zu beurtheilen lehrt. Die Königin Scmiramis war das erste Weib , das über Völker herrschte. Sie lebte ungefähr yoo Jahr vor Chr. Geb. und regierte nach dem Tode ihres Gemahls, des Ninus, über das große Assyrisch-Babylonische Reich, daß jener eigentlich gestiftet hatte, und welches sie noch durch neue Eroberungen in Libyen und Aethiopien ver größerte. Man erzählt so viel von ihrer Schönheit, von der Stärke ihres Geistes, von ihrer Thäligkeit in Beförderung von Kunstwerken, kostbaren Gebäuden und andern Werken der Pracht, vorzüglich in der Hauptstadt Babylon, daß man nicht umhin kann, das Meiste davon für Fabeln zu halten. Auch die Erbauung der bekannten hängenden Gärten, welche man zu den sieben Wunderwerken gerechnet hat (s. Babylon), wird ihr zugeschrieben. Gewisser scheint cS zu seyn, daß sie eine» Zug nach Indien unternahm, der aber unglücklich ablief. Sie soll im Ganzen zwei und vierzig Jahre regiert haben, Sem Sen 289 und nachher aus Befehl ihres Sohnes, des Ninyas, ermordet worden seyn. Semlin eine wichtige Festung in Slavonien, am Ausflusse der Save. Die Stadt besteht aus 12,3 Hausern und enthält gegen -1,000 Einwohner. Sie ist der Mittelpunkt des Handels zwischen Oesterreich und der Türkei, daher viel Kaufleute und Warenmagazine dort angetroffen werden. Ein täglicher Markt wird, unter genauer Vorsicht gegen Pestanstecknng, außer der Stadt gehalten. Die Stadt hak ein Quarantaine- oder Eontumazhaus und einen besondern Gesund- I hcitsrath. Semperfreie, Semperlcute, hießen eigentlich bei den alten Deutschen wackere, redliche Leute, wider deren Leben und Mandel gar nichts auszusehen, und deren Zeugniß auch ganz unver- werflich war. Das Wort Semperfrei stammt von dem Deutschen 1 cndbar — was sich zur Send (s. dies. Art.) stellen muß — und frei her, bedeutet asto einen, der von der Send oder dem Send-Ge- richt ausgenommen ist ; und nach Schillers Deduktion sollte daS Wort eigentlich Sendbarfrei heißen (welchen Titel schon zu Zei- > tcnCarls des Großen diejenigen vom Adel führten, welche Sitz und Stimme aus dem Reichstage hatten), mithin einen uralten, dem Äaiser unmittelbar unterworfenen hohen Adelsiand anzcigen. Heut zu Tage bezeichnet das Wort Semperfrei gewisse edle Herren im Reiche» welche von langen undenklichen Jahren her Freiherren, Barons, gewesen. Die Herren von Limpurg und die Herren und Grafen von Schafgotsch (in Schlesien) haben diesen Titel vorzüglich geführt. Sempronius und Casus, hießen zwei berühmte Römische Rechtsgclehrten, deren Nahmen insgemein die Rechtsgelehrten gebrauchen, wenn sie einen Rechtsfall zwischen zwei Personen bloß erdichten oder die wahren Nahmen nicht nennen wollen. Senat, (Lat.) der Rath (in einer Stadt). Bisweilen der hohe Rath, oder der Staatsrath, z. B. der Russische Senat. Senator, ei„ Rathsherr; desgleichen ein Mitglied deS hohen Staatsrathes. — Senatorie, das Amt und die Wohnung eines Senators. — 8e- narus ncsclemicus, das aus dem Rektor und den Professoren bestehende Gericht auf einer Universität. 8 eni 0 r , der altere (z. B. von zwei Brüdern); desgleichen der Aclteste, z. B. der Senior einer gelehrten Gesellschaft. Seniorat, die Aeltcstenwürde, das Aeltesten- recht. Das Senatusconsultum (Rathsschluß) war bei den Römern ein von dem Senate bei voller Versammlung, nach vorhergegangener Berathschlagung, abgcfaßter Schluß, der völlig als ein ordentliches Gesetz galt. Zu den Zeiten der freien Republik mußten diese Schlüsse jederzeit in einer an einem feierlichen Orte (gemeiniglich in einem Tempel) gehaltenen Rathsversammlung abgefaßt werden. Der regierende l Consul (Bürgermeister), oder in dessen Abwesenheit der Prätor (ungefähr das, was unser Stadtrichtcr, nur in weit größern Umfange), , oder wer sonst die Regierung zu versehen hatte, machte allezeit den Conv. Lep. Fünfter Band. T X Lgo Leu Bortrag, worüber die sämmtlichcn Rathsherfen ihre Meinung abga- den, so daß am Ende die Mehrheit der Stimmen entschied. Nun kam der Rathschluß, nachdem er förmlich abgefaßt und niederqeschrieben worden war, zuvörderst an die Tribunen (-Lolkspfleger, Zunftmeister) — welche anfangs nicht mit im vollen Rache sondern außen saßen, um den an sie zu bringenden Beschluß abzuwarken, nachher aber doch auch die RathSherren-Würde und das Recht, ihre Meinung zu sagen, erhielten — , deren Genehmigung schlechterdings nöthig war. Falls sie nun dem Schluffe beistimmten, so setzten sie den Buchstaben l' hinzu: war er ihnen aber nicht anständig» so bedurfte cs nur des Worts Ve- to, um den Schluß außer der gesetzlichen Wirkung zu bringen; und in diesem Falle konnte das Senatusconsulium nicht als förmlicher Rathr- schluß , sondern nur als Raths Gutachten (^uaiorilas Hen-Nus) gelten. Die Rathsschlüsse, welche genehmigt wurden , enthielten nun Gesetzeskraft, und wurden gemeiniglich nach den Consuln benennt, unter welchen sie ausgedracht worden waren (daher z. B. das Trebellia- nische, das Vellejanische Sena t use o n s u l tu m rc. Unter den Kaisern blieb nachher die Form beinahe dieselbe, nur daß gewöhnlich der Kaiser durch eine vorhergehende Rede, die er hielt, oder durch einen Daastor halten ließ , schon seine Willensmeinung deutlich zu erkennen gab, der man dann in Unterlhänigkeit beistimmte, und bloß nur zum Schein bei Seite ging, als ob man gleichsam darüber abstimmm wollte. Die Send, heilige Send, das Send-Gericht (Lat. 5 v- noclu 5 ), war bei den alten Deutschen eine Art geistlicher Gerichte oder Kirchen-Visilationen, welche die Archidiaconen in den zu ihren Sprengel« gehörigen Städten und Dörfern jährlich hielten » oder durch die von ihnen verordnetcn Send-Richter, Sen d-Schöppen» halten ließen, um alles, was etwa strafbares, besonders wider die Sadbalhsfeier oder die zehn Gebote, war verübt worden, und was der Richter ausgezeichnet hatte zu untersuchen und zu bestrafen. Alle in den Bezirk gehörige Personen mußten vor diesem geistlichen Rügen- Gericht ohne Ausnahme erscheinen, wenn sie nicht etwa ganz besonders davon befreit waren, > welche Personen eben daher sendbarfrei oder semperfrei (m. s. dies. ! Art.) genannt wurden. Der gar zu große Mißbrauch, welcher nachher bei diesen so genannten Send-Gerichten einriß, war Ursache, daß sie dir Fürsten und Herren nach unb nach abschafften, besonders da nach der Reformation die protestantischen Fürsten sich selbst das Rcchl, in geistlichen Dingen zu richten, zueignelen. Uebrigens dürfen diese Send-Gerichte nicht mit den Zent-Gerichten verwechselt wer- s den. M- s. darüber den besondern Artikel. Sendomir, eine vvrmahlige Hauptstadt in Westgallizien, die jetzt nicht mehr als etwa 2000 Einwohner hat. Lucius Annäas Seneca, der Sohn eines Rhetors aus Corduba in Spanien, ged. im 2. Jahre nach Christi Geburt, wurde in Rom erzogen. Er blühte unter der Regierung des Nero, und genoß die gefährlichste Ehre, der Lehrer dieses unwürdigen Kaisers zu seyn. Nero wurde seines längern Umgangs mletzt überdrüßig, und gab ihm den Befehl, sich eine Lvdesart zu wählen. Dir Ursache dieses schändlichen ^ Sen syL Teboths mußte eine angebliche Verschwörung abgeben, woran Sene- ca Theil haben sollte. Scneca ließ sich (im Jahre 66 nach Chr. Geb.) die Adern öffnen, weil er diese Todesart für die leichteste hielt. Durch die verschiedenen Staatsämter, die er ehemahls bekleihH , und durch die Freigebigkeit des Kaisers im Anfänge seiner Bekanntschaft mit ihm hatte er sich ein ansehnliches Vermögen und einen Ueberfluß an Kostbarkeiten erworben; seine Frinde nahmen daher Gelegenheit, ihn zu verläumden, wenn er als Philosoph über die Dortheile der Ar- muth, über die Verachtung irdischer Güter und über die Enthaltsamkeit des Weisen sprach und Grundsätze der strengsten Moral vortrug. Wir besitzen noch einen ansehnlichen Theil seiner Schriften über verschiedene Gegenstände der Philosophie und Moral. Man bewundert darin eine Menge neuer und überraschender Gedanken und das Bestreben des Schriftstellers, seinen Lesern überall Gefühl für Moral und Sittlichkeit beizubringen; aber die zu gekünstelte Schreibart, die ermüdenden Antithesen und das ängstliche Bestreben, immer etwas Neues und Glänzendes zu sagen, schwächen den ersten Eindruck bei einer wie- derhohlten Lectüre ungemein. Man hat auch eine Anzahl Römischer Trauerspiele — den einzigen Ueberrest von der Lateinischen tragischen Schaubühne — die Seneca's Nahmen führen: es sind ihrer zehn; allein nur wenige davon sind echt; und diese haben dieselben Schönheiten und Fehler, die man in den übrigen Schriften dieses Weltweisen antrifit (ob man gleich noch nicht einmahl einig ist, ob sie ihm allein oder auch seinem Later zuzuschreiben sind). Im Ganzen aber läßt sich von diesen Trauerspielen eben nicht auf das vortheilhaf- Ikste über die tragische Kunst der Römer urtheilen: sie sind den Griechischen Tragödien nachgearbcitet, aber in keiner Hinsicht ihnen an die Seite zu stellen; Geschmack, wahre poetische Begeisterung — kurz, wahres dramatisches Genie muß man ihnen absprechcn. Vielleicht hatte sie auch ihr Verfasser gar nicht fürs Theater, sondern mehr zu rhetorischen Uebungen , wozu er die dramatische Form wählte, bestimmt. eienec: rs , war bei den Römern die Göttin dcS Alters, welcher § man opferte, um ein ruhiges und gesundes Alter von ihr zu erbitten. ! Sen eg al, ein großer Fluß in Nigrikien in Afrika, der sich inS Atlantische Meer ergießt. Es haben sich an demselben Holländische Eo< lonien niedergelassen, deren sich aber späterhin die Engländer bemächtigt haben. Senegambien, ein Land in Nordafrika, hat seinen Nahmen von den beiden Flüssen Senegal und Gambia, die es von Osten nach I Westen durchströmen. In der Mitte und in den östlichen Theilen ist es gebirgig, an den Küsten eben. Grüne Auen wechseln mit sandigen Wüsten ab. Vom Julius bis zum October dauert die Regenzeit, wo die Luft so feucht ist» daß alles sehr bald verfault. Das Land bringt Reis, Mais, Ananas, Bananas, Cocos-Eitronen-, Palmbäu- n», Honig und Wachs, Tabak, Baumwolle, Indigo, Gold, Kupfer, Marmor und noch viele andre Produkte hervor. Auch gibt es hier «ameele, Büffel, Elephantrn, Löwen, Krokodile, Schlangen rc. Die «inwohner sind Mohren und Neger, die sich von einander durch Haare, Sen 292 Gesichtsbildung, Farbe und Sitten unterscheiden. Unter den lehtern, welche die eigentlichen Ureinwohner und größtenteils Fetisch-Anbeter sind, befinden sich die schwärzesten Menschen. Die Mohren bekennen sich fast alle zur muhamedanifchen Religion. An den Küsten haben sich Europäer, besonders Franzosen, Engländer und Portugiesen, nie- dergelasseu. Uebrigens hat daS Land mehrere eigne Beherrscher » von welchen einer sich Kaiser nennt. Senesblätter, sind in Apotheken bekannten Blätter der Kassie. Der Seneschall (Lat. 8ens8cir->IIu8) bedeutet theils einen Sent-Richrer, Zent-Amtmann, theils auch den Marschall eines Potentaten. Ueber den Ursprung dieser Benennung hat man sehr vieleMei- nungen, wovon die wahrscheinlichste diese ist, daß sie von Sone, Senie (eine Heerde Vieh) und Schalk (überhaupt ein Knecht) herkomme , mithin eigentlich einen Vieh-Aufseher bezeichne; da nun aber der, welcher die Lasel des Königs besorgte, auch daS dazu benöthigte Vieh unter seiner Aufsicht hatte, so erhielt er jenen Nahmen. Ihm i war die Besorgung des ganzen Hofstaats übertragen; in der Folge saß ! auch ein solcher, wenn der König Gericht hielt, selbst mit im Rath, unterschrieb auch zuweilen die königliche Urkunde, und hakte überhaupt vielerlei Aemter. In später» Zeiten hießcn'die vornehmsten Richter oder Amtleute in den Provinzen auch Zenssokalli, welche vom Könige dahin geschickt wurden, um in seinem Nahmen Recht und Gerechtigkeit auszuüben. — In Frankreich war denn auch in den älkern Zeiten der Seneschall ein Kronbeamker, welcher unter den Merovingern die Aufsicht über das königliche Haus und die Ausgaben hakte: in den neuern Zeiten hieß Seneschall die vornehmste Gerichtsperson, der Landooigt oder der Präsident einer Landschaft, wo unter seinem Nahmen die Urtheile abgefaht wurden; er berief auch bei eintretenden Fallen den Adel zusammen, und führte den Arricre-Bann des Adels in seiner Landschaft an» 8 e 0 i 0 r, u. s. w. s. Senat. Scnioral s. Majorat. Senkbley, Senkloth, ist gleichbedeutend mit Bleyloth. s Sennar oder Fungi, ein König in Nubien (S. dieses) von einem großen Umfange. Die große, aber schlechtgcbaute Hauptstadt gleiches Rahmens, zwischen 4 Armen des Nils, wird von >00.000 Menschen bewohnt, und treibt einen ausqebreiteten Karawanenhandel. ^ Die Sennen sind Schweizerische Kuhmelker, oder auch solche, welche die Aufsicht über eine Heerde Vieh haben, sie zur Weide führen, ^ Butter, Käse und Zieger sammeln rc. Es sind dieß insgemein sehr ehr- > liche Leute und das Muster aller Schweizerischer Einfall in Leben und Wandel. Gewöhnlich tragen sie einen rauhen Kittel und Holzschuhe, die sie mit einem Rie.nen über dem bloßen Kuß binden, damit siedest» . besser auf den steinigen Alpen, die sie fast täglich besuchen müssen, fort- ^ kommen. Ihre Hücle, die Sennhütte oder Sen t e genannt, ist ein schlechtes Häuschen, welches aus über einander gelegten Hölzern oder ^ Balken besieht, und mir Tannen-Rinden bekleidet ist; das übrige aber, Schloß, Riegel, Geschirr, ist alles von Holz; die Betten bestehen aus Sen syz Heu. Die Hütte selbst hat zwei Abtheilungen, wovon die eine die Küsehütte, die andere den Milchkellcr ausmacht. S e nsal, eben so viel alS Eensal. (S. dieses.) Sensalie, Sensarie, der Maklerlohn oder die Mäklergebühr, wie Lour- laxe. (S. dieses ) Sensen-Baum, der Stiel einer Sense, welcher an andern OrtenSensen- Wurs heißt. — Sensenha in mer , ein Eisenhammer, auf welchem Sensen, Schneidcklingen, Sägen und ähnliche Werkzeuge geschmiedet werden. 8 snsus, (Lat.) der Sinn, Verstand, die Bedeutung. Daher «en8U8 communis der gemeine, d. i. der schlichte, natürliche Menschenverstand. Bisweilen auch der Gemeinsinn. Gemeingeist. 8sn- 5 u bons, im guten Sinne; 8 eosu mal», im schlimmen Sinne. 8eo8u latiorr — lstissimo, km weitern —. weitesten Sinne; 8SN8U8 stricriori — 8trjcli88irno, im engrrn — engsten Sinne. — Sensation, die sinnliche Empfindung, oder das Gefühl. Desgleichen der Eindruck , das Aufsehen» z. B. wenn von einer Schrift gesagt wird : sie habe viel Sensation gemacht. 8 ensible, (Franz, sangsibel) empfindlich; reizbar; leicht empfindlich für körperlichen Schmer;, leicht zum Unwillen zu reizen. — Sensibilität, die Empfindlichkeit , Reizbarkeit (di;r Nerven). Sensifiziren, versinnlichen , z. B. Begriffe» d. i. sie auf einen sinnlichen Ursprung zurucksüh- ren, den Ursprung eines Begriffs in den Sinnen suchen oder finden. Desgleichen sinnlich darstellen. — Sensitiv, sinnlich, empfindlich, d. i. was in die Sinne fällt, oder sich empfinden läßt. — 8 e a 8 o- rium, ein Werkzeug der Sinne; z. B. das Auge, das Ohr rc. Insbesondre: derjenige Empfindungspunkt im Gehirne, wo sich die Ner- vcnfädeu der Sinnenwerkzeuge endigen. — Sensu al, Sensuell, sinnlich, zu sinnlichen Genüssen geneigt; auch: wollüstig. Sensua- lität, die Sinnlichkeit, d. i. die Neigung zu sinnlichen Genüssen. In der Philosophie: das sinnliche An chauungsvermögcn. Sensu al- philosophen, sind solche Vernunftweise, welche epikuräisch behaupten, in den Gegenständen der Sinnlichkeit sey allein Wirklichkeit, Alles übrige nur Einbildung. Sentenz, (Lat.) überhaupt der Ausspruch. Insbesondre: ein merkwürdiger Ausspruch, ein kurzgefaßtcr wichtiger Gedanke, ein Sinnspruch , z. B. in Schillers Schauspielen kommen herrliche Sentenzen vor. Desgleichen ein Rechtsspruch, ein Bescheid oder Urtbel. Daher sentsniia sb8oIutor>s: ein Lobsprcchungsurthel; 8. cooliemoatoria: ein Verdammungsurthel; 8. confirmatorin: ein Bestätigungsurtheil; s. eleclarstoria : ein Erklärungsurthel; 8. Loalia vder clesinitiv«: ein Endurthel; 8. inteelocutoris: ein Neben-oder Zwischenbescheid.— Sentenzial oder sentcnzional, den bloßen Sinn ausdrückend, l- B. eine Sentenzialübersetzung, welche sich nicht genau an die Worte bindet, sondern nur den Sinn auödrückt. — Sententioniren, ein Urthel abfaffeii..cburtheln. — 8 enteotiansnclc-, beim Urthels- sprechen. Gententionant, ein Urthelsoerfasser. —> Senken- <>ös, sentenziös, sinnreich,, spruchmäßig, j. B. eine sentenziöft Schreibart. 294 Sen Sep Sentiment, (Franz. Sangtimang) der Eindruck oder das Em- pfindniß, wie Sensation. Desgleichen die sittliche Empfindung, das Gefühl fürs Gute und Böse. Insgemein: die Gesinnung, z. B. er hak schöne Sentiments; ihre beiderseitigen Sentiments (Gesinnungen und Gefühle) sind verschieden. Man findet bei einem Schriftsteller herrliche Sentiments, d. h. eingestreute Aeußerungen sittlicher Empfindungen und Grundsätze. — Sentimental, empfindsam, und im verächtlichen Sinne: empfindelnd. Im erstcrn Sinne sind Voriks Reisen sentimental, im zweiten viele Schriften, die in der Siegwartischen Periode erschienen. Sentimental isircn, nach Empfindungen Haschen, sie erheucheln und erkünsteln, oder empfindeln. Ein sentimentaler Schriftsteller ist daher von einem sentimentalisirenden unterschieden, wie ein empfindsamer von einem empfindelnden. — Sentiren, fühlen; desgleichen: urtbcilen, eine Meinung haben oder äußern. ser, tine11e, (Franz. Sangtinelle) eine stehende Schildwache, oder Fnßschildwache. Separabel, (Lat.) trennbar, abtrennlich oder ablösbar. S. Jnseparabel. Separabilien, Dinge, welche sich leicht von einander trennen lasten- — Separat, abgesondert, besonder-; j. 2 . das find separate Dinge, d. i. die nicht zusammengehören. Sega- ratim, besonders, getrennt. — Separation, die Trennung, Sonderung, Absonderung. Separatio czuoaft ltrorum et meossm: die Scheidung von Tisch und Bette. — Separiriren, trennen, scheiden, absondern. Separatisten, ein Wort von verschiedener Bedeutung, je nachdem es entweder von Theologe» oder Juristen gebraucht wird, da» , her man Separatisten in geistlichen und weltlichen Sachen, oder im theo logischen und juristischen Sinne, wohl unterscheiden muß. — >) Im theologischen Sinne nennt man S e- paratisten diejenigen Personen, welche an dem öffentlichen Gottesdienste und Religionshandlungen der großen Rcligionsparkeien (insbesondre der christlichen) au- Grundsätzen keinen Anthcil nehmen. Sie find jedoch von verschiedener Art. Einige derselben bilde» sich ! zu bcsondern Gemeinden (deren es vorzüglich in England viele gibt), > und folaenden Vorschriften gewisser von ihnen anerkannte» Lehrer ! oder Obern , gemeiniglich der Stifter der Gemeinde, z. B. die Quä- ! ker (s di s. Art.); Andere stehen zwar ebenfalls in gesellschaftlicher Verbindung, ohne jedoch den Grundsätzen eines gewissen und bestimmten Lehrers zu folgen; Andere gehen ihren ganz eigne» Weg. Die Separatisten, die sich als Gesellschaften und Gemeinden gebildet, werden an manchen Orten nicht bloß öffentlich als Geineiiideii anerkannt, sondern haben auch ihre eignen Freiheiten. So erhielten z. B. in Altona die dortigen Separatisten im Jahr 1747 das Privilegium, sich ohne priesterlichc Eapitnlation zu verehelichen und ihre Kinder nicht ^ laufen zu lassen, sobald sie solches nur bei der Obrigkeit schriftlich j anzeigten. Uebcrhaupt gibt cs in Altona veischiedene Elasten der Se- ^ paratisten, und unter denselben einige, die Singularisten, im Gegensatz der eigentlichen Separatisten, genannt feyn wollen, > weil sie zu keiner separatistischen Gemeinde sich halten, sondern ihren ^ Skp 2 9L eignen Religion- - Grundsätzen folgen. 2) Im juristischen, und zwar a) im eigentlichen Sinne nennt man Separatisten alle diejenige» Gläubiger, die bet dein Ausbruche eines Schuldcnwe- senS ihr »och wirklich vorhandenes Gigenthum zurückfordern , und solches von dem übrigen Vermögen deS Schuldners sc- parirt oder abgesondert wissen wollen; b) bisweilen nennt man auch Separatisten diejenigen Gläubiger, dienicht ihr EIge» thum zurückfordern, sondern bloß verlangen, daß e i n e i hn en zust ä n- dige Forderung aus einem gewissen Theile des Vermögens deS Schuldner-bezahlt, und deßhalb dieser Theil von dem übrigen Vermögen des Schuldners abgesondert werde. Seponiren, (Lat ) bei Seite legen. 8epo5ita, bei Seite gelegte Dinge. Sepran-Fieber, (Lat.) ein Fieber, welches sich immer mit dem 7ken Tage äußert. September, diesen Nahmen bekam der yke Monath in unserm Kalender deßhalb, weil er bei den Römern, deren Jahr im März anfing, der 7» war. Die September-Tage. Unter die schrecklichen Epochen der Französischen Revolution, in denen Einzelne oder auch ganze Rotten von Ungeheuern Tausende von Unschuldigen, unter entsetzlichen körperlichen und Seelcnmartern, eines langsamen Todes sterben ließen, und Schandkhaten begingen, vor denen die Menschheit zurückschaudert — unter diesen Epochen, die man leider nur zu oft der Französischen Nation zur Last legt, behaupten die Tage des 2. bi- >0. und deS 14. >6. und 17. Septembers im Jahre 1792 eine vorzügliche Stelle. Diese kannibalischen Scene» begannen am 2. September in der Wiege aller NevolutionSgreuel, in Paris, wo sie Vis zum 7. September fortgesetzt, da»» aber zu Versailles, Me- aup, Gisors, Lyon und Orleans zwar zum Theil mit noch größerer Grausamkeit wiederhohlt wurden, jedoch bei w item weniger blutig waren, als in der Hauptstadt. — Da selbst Französische Schriftsteller, die Augenzeugen dieser Vorfälle waren, sogar die Anzahl der Schlachtopfer dieser Tage ganz auffallend verschieden angeben; da die eigentlichen Stifter dieser Blukscenen größten Theils in der Stille wirkten, und bei den vom Ende de- Jahres 179s an ausbrechriidcn Kämpfen der verschiedenen Parteien der Nativiialcon- vention bald diese bald jene Mitglieder diese Ermordungen sich gegenseitig zur Last legten ; da die Vollzieher dieser Gräuellhaten größten Theils aus der Hefe des Pöbels bestanden, und das rächende Schicksal die in die Veranlassung und Geheimnisse dieser Tage wirklich Eingeweihten wohl größten Theils vertilgt hat: so bleibt über dieselben noch manches Dunkel übrig. Das jedoch Marat, Danton (kamahls Jnstizminister), RobeSpierre, Panis und Billaud Varennes (welcher Letztere sogar bei diesen Gräiielsce- ne» selbst erschien, und diese so genannte Volksjusiiz billigte) unter den Anstifter» dieser Tage den vorzüglichsten Antheil hatten, ist außer Zweifel, und zum Theil durch Urkunden erwiesen. Auch fallen diese Dlutsccnen in gewisser Hinsicht der gesetzgebenden oder zwecken sy6 Sex Nationalversammlung zur Last, indem sie, sobald ste solche erfuhr, ih< neu Einhalt tbun konnte: allein die Kühnheit und daS Ansehen eines Marat, Danton und Anderer, die mit den Mörder,, einverstanden waren, erhielt unstreitig die vom Anfänge bis zum Ende ihrer Regierung kraftlose Versammlung in Unthatigkcit: und jene Mit- verschwornen verm hrken, wie man mrmutben muß, die Furchtsamkeit der Versammlung, indem sie die Anzahl der Mörder, die sich in der Thal nur auf einige hundert belaufen haben soll, überaus vergrößerten. Nur Rolland, dem Minister des Innern (f. diesen Art.), gebührt das Lob, sich laut wider diese Gräuel erklärt zu haben. — Nach diesen wohl nicht ganz überflüssige» Voreriiineriinge» zur Geschichte der September-Tage selbst. Die Festung Lv „ gwyhalte sich am 2.^. August »792 dem Herzoge von Braunschwng ergeben. Thivnville wurde seit dem 2-1. vom Prinzen von Hohenlohe, Verdiin seit dem Zo. vvm Herzoge von Braunschweig belagert. Bereits am 28. August hatte Danton die Pariser Bürger aiifgcfordert, sich gegen den Feind zu bewaffne»; jetzt trafen am 2. September die obigen Nachrichten von dessen Fortschritten in Paris ein : Nachmittags um 2 Uhr wurden deß- halb die Sturmglocken gelautet, die Larmkanonen abgefeuert; und die Bürger eilten, sich in die Listen der Soldaten eintrage» zu lassen: ganz Paris gerierb in Aufruhr, zumahl da dieser Tag gerade auf einen Sonntag fiel. Unter der allenthalben herbeiströmenden Volksmenge befanden sich, nach den glaubwürdigsten Nachrichten, eine Anzahl Vö- sewichter, die zu Ermordung der gefangenen Priester und anderer aus erwählten Schlachtopfer gedungen waren, und welche unter de» Bürgern die Furcht verbreiteten, daß in Pa. iS selbst die gefährlichsten Feinde der Stadt sich befänden, die sich mit den auswärtigen Feinden vereinigen würden, nähmlich die in den Gefängnissen befindlichen Staatsgefangenen und ungeschwornen Priester; diese würde» von ihren Anhängern befreit, und durch sie die gutgesinnten Bürger und die Ihrigen ermordet werden : das Volk müsse daher, weil der Rechtsgang in Ansehung dieser Gefangenen zu langsam wäre, sich selbst Recht sprechen. und solche nicht länger am Leben lassen. Diese und ähnliche Aeußcrungci, verbreiteten sich augenblicklich auf allen Straßen; ja man hakte sogar ausgespreiigk, daß zwölflausend Mann sich in den Gefängnissen bewaffnet hätten. Eben waren vier Wagen mit sechzehn Gefangenen nach der Abtei mit Bedeckung unterwegs. Es entsteht unter dem Volke eine Bewegung; einer der Gefangenen schlägt mit seinem Stocke auS dem Wagen einen von der Zscorte auf den Kopf, der ihm dcßhalb den Säbel in die Brust stößt. Dicß wird daS Signal zur Bluiscene; nur drei Personen vor, diesen sechzehn komme» lebendig in die Abtei, und werde» gerettet. Die Mörder rotten sich zusammen, und eilen auf MaillarLs *) Vorschlag »ach der Carme- ) Dieses Ungeheuer, eigentlich ein Hü iss« er ober Gerichtsdiener zu Paris, zeichnete sich zuerst bei Sn'irmung der Bastille aus, indem er die von den Belagerten ansgesteckie schriftliche Capiiulation den «'»'.wenden herbei bohlte. Kurz darauf war er der Anführer des parifer weidlichen Pödets, der in der Nacht vom z. ans den De- Sep 297 litcrkirche, in der eine Anzahl ungeschworner Priest;? bis zur Deports, tion verwahrt wurde, die aöe ermordet werden. Sie gehen hierauf zur Abtei zurück, wo die vom Gemetzel des in. Augusts übrig gebliebenen Schweizer und Andere, wegen Verrätherei gegen die Nation an diesem Lage in Verhaft genommene, sich befanden, sprengen das Thor, lassen sich das Verzeichniß der Gefangenen geben; und Maillard bildet mit ungefähr eilf Personen sogleich einen Ausschuß, um über die .Gefangenen zu richten, zu dessen Präsidenten er ernannt wird. Es wird beschlossen, die Gefangenen kurz zu verhören, und, um allen ge- waltsaine» Auftritten in den Gefängnissen vorzubeugen, in Gegenwart der zum Tode vernrtheilte» nicht das Wort Tod auszusprechen, sondern bloß: »ach la Force. Man nimmt den Schlachtopfern zuerst ihre Portescuillen, Uhren, Dosen, Diamanteu und Assignaten ab, die man ihnen in dem vorgegebenen Gefangniß wieder zu geben verspricht, und führt sie dann vor die Thüre des Gefängnisses, wo sie unter deu Säbelhieben der sie erwartenden Mörder umer desto größcrn Marter» fallen, je mehr sie sich den gegen sie gerichteten Piken und Säbeln zu eukziehe» suchen. Eben so verfahren die Mörder in den übrigen Pariser Gefängnissen» nur daß die Todrssormel nach dem Gefängnisse ab- geändert wird, z. B. den im Gefängniß lä Force Verurthcilten rief man zu: nach der Abtei. Die Freigesprochenen werden unter dem Auf: eS lebe die Nation, zwischen den Mördern von ihren Errettern, und sogar in Begleitung und unter dem Schutze einiger von jenen, zu Hause gebracht. Prüdhomme *), der die Ermordeten bis auf einige wenige nahmentlich anführk, fetzt die Totalsumme der vom u. bis 7. September in Paris Ermordeten auf iggz. — So wenig übrigens geläugnet werden kann, daß unter diesen Schlacht- opfern sich mehrere wirkliche Verbrecher befanden, so stehen sie doch — der gänzlichen Jncompctenz ihrer Richter nicht zu erwähnen — mit den unschuldig Ermordeten in gar keinem Verhällniß; und mehrere von jenen verloren vielleicht ihr Leben, um dadurch bei dem Volke die Meinung von der Gerechtigkeit dieses Vluttribunals und die Ver- »nithling der Strafbarkeit der unschuldig Ermordeten zu erregen. Eben so erhielten mehrere wirkliche Verbrecher durch die Freunde, die sic unter den Mördern hatten, Leben und Freiheit; da hingegen nur wenige Unschuldige, und unter ihnen Männer von anerkanntem Verdienst, wie Cazotte (s. diesen Art.), Sombrcuil, beide durch das tober 1789 nach Versailles zog, und mit Anbruch des Tages den König mit seiner Familie nöibiate, sich nach Paris zu begeben. AIS Präsident bei diesen September - Tagen zog er sich durch sein heftiges Schreien eine bleibende Heiserkeit zn, di« ihn überall kenntlich machte, und erhielt seitdem den Nahmen l'-pps-stur. *) Bon dessen Werke mir folgende Deutsche Uebersetzung von Aschrn- drcg haben: Allgemeine und unvarleiische Geschichte der Jrrthü- mer, Fehler und Vrrbrechen, welche im Laufe der Französischen Revolution sind begangen worden. Düsseldorf, igo», 2 Thle. gr. 5 - bei welcher aber die zwei ersten Tdeilc des Originals, die ein alphabetisches Verzeichniß aller vom Anfänge der Revolution an dis zu Robespurre'S Sturz Hingerichteten Personen enthalten, fehlen- -98 Stp unermüdete Flehen ihrer heldcnmi'uhigen Töchter *), und, leider! „ur aus kurze Zell, Sicard (f. dies. Art.) und einige Andere durch den Muth ihrer Freunde, oder ihre eigne Standhaftigkeit, wie Jour- gniac St. Meard **), ihr Leben retteten. Sevtembrisationen. Da die im vorigen Artikel gedach. ten Ermordungen im September geschahen, erfand man für sie diese Benennung; die Mörder selbst nannte man Septembeise» rs. Anacharsis Cloots (s. diesen Art.) soll der Erfinder dieser Be Nennungen gewesen seyn. 8 sptemvirr, (Lat.) Siebenmänner, d. i. sieben vereinigte Gewalthaber. Sepkemvirat, eine Siebcnherrfchaft, d. i. eine Staatsverfassung, bei welcher die höchste Gewalt von sieben verbundenen Herrschern zugleich ausgeübk wird. — Septem viral-Ta- fel, heißt daS höchste Reichsgericht in Ungarn, weil es sonst anS 7 Mitgliedern bestand, deren Zahl aber nachher vermehrt worden ist. ES entscheidet in Sachen, welche von der königlichen Tafel oder Gerichtsbank an dasselbe gelangen. 8eptennium, (Lat.) eine Zeit von 7 Jahren. Septentrional, (Lat.) mitternächtlich, nördlich, von segten tri a, Siebengestirn oder der große Bär, welcher daS nördlichste Gestirn ist. Das Septett (Musik) ist ein Tonstück, welches aus sieben Stimmen» entweder Instrumenten oder Singstimmen, besteht. Für letztere gibt eS deren besonders in großen Opern bedeutende Meisterstücke ; und der Compositeur hat hier Gelegenheit, sein Talent sehr zu zeigen. 8sptiäi, (Franz.) der --te Tag einer Decade im Französischen Revolutionskalender. 8epti6uum, das, (Lat.) eine 7 tägige Frist. 8 ep tick uum ckuplicatum, eine verdoppelte 7 tägige, d. i. rch tägige Frist. 8 eptima, ist in der Tonkunst der 7te Ton einer Octave, welcher dieser zunächst vvrhergeht. Daher Septimenaecord, wo *) Ich kann mich nicht enthalten, die Leser, die mehrere Edle dieser Art kennen zn lernen wünschen, auf folgenden inrereffantcn Aussatz: Züge von weiblichem Heldenmut!», weiblicher Seclengröße und Edelsinn, als Mütter, Gattinnen, Geliebte, Geschwister, Freundinnen in de» Stürmen der Revolution, im Kriegs - und Friedens-Almanach von 1^04 (Böttingen, bei Dietrich), S. 4—z>»zu verweisen, dessen Rubrik schon sagt, was er enthält. Es ist höchst unwadrscheinlich, daß dieser Aussatz, schon seiner genauern Angaben nach, nur bloße Erdichtungen enthalten sollte. **) Man sehe: Meine acht und drcißigstündige Todesangst, von Jour« gniac St. Meard (in den Friedenspräliminarien B. 1 ^- S- 35»—z>»2) und mit einigen angehängten Anekdoten unter dem Tuet- ll-ichiiger Beitrag zur Geschichte des zweiten und folgenden Septembers. Franks, und Leipz. 177; 8 . (eine Schrift, durch di« man das Verfahren des Bluttribunals der September-Mörder writ- läusiiger kennen lernt.) Sep Seq Lpy der ?te und zte Ton oder Grundton zusammen gehört wird. S. auch Quarte. — 8 epr - ie - Vs, s. Paroli. Septisch, faulmachend, Faulniß bewirkend. LeprusAesims, se, heißt der dritte Sonntag vor den Fasten, weil er 70 Tage vor Ostern fällt. keptusziola, (siebzig) wird die Griechische Ueberseßung des alten Testaments genannt, weil man sie 7» Dollmetschern (gelehrten Juden in Alexandria) zuschreibt, welche sie etwa 200 Jahre vor Christi Geburt auf Verlangen des Egyptischen Königs PiolvmckuS Phila- deiphus zugleich verfertigten. öepulcrum, (Lat.) ein Grabmahl, eine Gruft. Seplll- tur, das Begräbniß, die Beerdigung. Oie Sequenze (Sequenrs) ist eine Art von Hymne, welche in der Römisch-katholischen Kirche nach dem Graduale (d. h. dem kurzen Zwischengesange gleich nach der Epistel) vor dem Evangelio. bisweilen auch in der Vesper vor dem lVIagnillcat gesungen wird, die aber jetzt nicht mehr so häufig im Gebrauch ist. Mau hatte deren sonst vorzüglich drei, welche auch die drei Sequenzen im Jahre genannt werden, nähmlich zur Oster-, Pfingst und Frohn- leichnamS-Ockave, außer diesen aber auch noch eine für die Verstorbenen, welche sich anfängt: Dies irae, clies ilia etc. — Sie werden entweder musikalisch, d. h. mit voller Jnstrumentirung, aufge- führk, oder auch nur mit Begleitung der Orgel abgesungen. Sequester nennt man diejenigen, denen die Aufsicht oder Ver» waltnng über einen zwischen gewissen Parteien streitigen Gegenstand bis zur Beendigung der Streitigkeit übertragen wird. Entweder übertragen die Parteien dem Sequester diese Verwaltung freiwillig; oder es geschieht — und dies zwar gewöhnlich — von der Obrigkeit, wenn eine hinlängliche Ursache der Sequestration oder Bestellung eines Sequesters eiutrttt, z. B, die Vermuthung, daß die streitige Sache vor AuStrag der Sache veräußert werde rc. oder wenn überhaupt der streitige Gegenstand eine besondere Aufsicht und Verwaltung erfordert. So werden bei Schuldenwesen von Privatpersonen zu Verwaltung der Häuser, Landgüter, Kaufmanns-Laden rc. die dem Schuldner gehören, Sequester ernannt, welche diese Güter verwalten, die Einkünfte aus denselben in Empfang nehmen, und an die Obrigkeit berechnen müssen, klebrigen- können nicht bloß zu Grundstücken und Vermögen, sondern über ganze Länder oder auch über einzelne Personen Sequester ernannt werden. Sequestration ganzer Länder oder Ortschaften trat in Deutschland ein, s) bisweilen, wen» der Besitz eines Landes rc. zwisch-n ein paar Reichsständcn streitig war, in welchem Falle der Kaiser einem dritten Rcichsstande die Sequestration deS Landes rc. bis zur Beilegung des Streites übertrug; b) vorzüglich bei der gänzlichen Vermögenszerrüttung eines kleinern Reichsstandes, dem in diesem Falle gewisse Einkünfte, oder auch ein Stuck seines Landes, zu seinem Unterhalte angewiesen, die Verwaltung des übrigen Landes und der Einkünfte desselben aber auf kaiserlichen Befehl einem andern Reichsstande übertragen wurde. Es können endlich sogar Fälle rintrrten, in denen ein Sequester gewisser Prrso- Zoo Ser rien ernannt, und dem Sequester vermöge dieses Auftrags die Auf. ficht über diese Personen übertragen wird, z. B. bei Ehescheidungen, wenn beide Ehegatten die mit einander erzeugten Kinder behalten wollen, oder auch wenn zwei Frauenspersonen zugleich sich für die Mutter eines Kindes ausgebcn. Auch findet — wenigstens nach dem kanonischen Rechte — die Sequestration eines Frauenzimmers Statt, die sich z» gleicher Zeit doppelt verlobt hat, wen» nicht sogleich erörtert werden kann, ob die eine und welche Verlobung ungültig ist, in welchem Fake einem anständigen Frauenzimmer von gesetzten Jahren die Aufficht über diese doppelt Verlobte bis zu Auskrag der Sache überlassen wird. j DaS Serail (eigentlich Serai oder Sarai, d. h. ein Pal- ! last, oder vielmehr ein großes Gebäude) bedeutet das Schloß, wo der ! Türkische Sultan residirt. An dem einen Ende von Constantinopcl, ^ in einer vortrefflichen Gegeud, auf einer in das Meer hervorragenden ! Landspitze gelegen, enthält es vermöge seiner ungeheuer» Größe meh. rere Tausende von Einwohnern, und hat ein prächtiges, obgleich nicht geschmackvolles Aeußere. Es besteht aus sehr vielen Gebäuden, Thürmen und Balkons, begreift verschiedene Gärten in sich, und hak drei Höfe. Auf dem ersten stehen, außer den Häusern vieler Hofbedienten, die Hauptmoschee und die Münze; auf dem zweiten, wo ebenfalls Hofbediente und die vornehmsten Staatsbeamten wohnen, erhebt sich der Divan, ein sehr hohes und weitläuftiges Gebäude; der dritte Hof aber ist den Augen des Volks ganz entzogen, und zur Wohnung des Sultans und seiner Favoritinnen bestimmt. Diese Letztem leben in einem Pallast, Harem, gewöhnlich aber schlechthin Serail genannt, welchen sie, so wie die daran stoßenden und mit hohe» Mauern umgebenen Gärten, nie verlassen dürfen. Sie find in eine höhere und niedere Classe abgethcilt: zu der erster» werden bloß diejenigen gerechnet, die der Sultan eines vertrautern und mehrmahligen Umgangs gewürdigt hat; sie führen den Nahmen Sultaninnen oder Assaki, erhalten die ansehnlichsten Jakrgelder und Geschenke, werden von den übrigen Mädchen abgesondert, und bekommen einen besonder« Hofstaat. Den höchsten Rang unter ihnen erhält diejenige, die so glücklich war, dem Sultan den ersten Prinzen zu gebären; und ihr Einfluß wird außerordentlich bedeutend, wenn dsescr Prinz zur Thronfolge gelangt ist. Sie führt dann den Nahmen Valide Sultane, d. i. Königin Mutter, verlangt vor, ihrem Sohne Nachricht von allen Staatssachen, kann bei Besetzung der Aemter und allen öffentlichen Angelegenheiten sehr viel auörichten; und ihr Sohn darf sogar ohne ihre Beistimmung keine neue Geliebte annehmen. Die Bewohnerinnen des Harems find, die äußerliche Pracht und Hoheit abgerechnet, nicht besser als Sklavinnen, werden aufs strengste bewacht, dürfen, den Leibarzt und ihre nächsten Anverwandten ausgenommen, keine Mannsperson sehen, »nd stehen unter der despotischen Aufsicht alter Hosmeisterinnen und häßlicher weißer oder schwarzer Verschnittener, die ihnen unaufhörlich Nachfolgen; sie müssen die schimpflichste Behandlung und selbst Peitschenhiebe ansstehen, und werden bei der geringsten Ausschweifung in Säcken ins Meer Ser Zv» gestürzt. Dessen ungeachtet aber begehen sie häufig Untreue; und überhaupt treiben sie, um die Gunst ihres GebielerS zu erbuhlen, die schändlichsten Cadalen. Nur dann, wenn ein Pascha sie heira- thet, werden sie ans dem glänzenden Kerker befreit. Die Prinzen und Prinzessinnen werden hier unter der Aufsicht ihrer Mütter erzogen : Erstere bekommen im sechsten Jahre Verschnittene zu Lehrern; Letztere, die man gleichfalls Sultanin neu nennt, müssen lebenslang «m Serail schmachten, wenn nicht ein Pascha ihnen seine Hand bietet. Nach dem Tode des Sultans werden die Sultaninnen in ein altes Serail transportier, um daselbst seinen Tod lebenslang zu beweinen. Seraph, (Hebe, eigentlich Flamme) Seraphim, (Flam-' men) Engel der ersten Ordnung. — Seraphischer Orden wird der Franciskaner-Orden genannt von seinem Stifter, welcher den Bcinahmen 8ernphicus erhielt. Der Seraphinen - Ord en , ein im Königreiche Schweden vom König Friedrich 1748 wieder hergestclltcr Orden, welcher an Männer vom Civil - und Militair - Etat (beim letzter« jedoch wenigstens vom GenerallieukenantS-Rang) ertheilt wird. Ihn sollen nur 24 Einheimische und 8 Auswärtige erhalten. Der Orden hat seine CvmmandeurS; und Gustav III. gab ihm Großkreuze, welche den Cvmmandeurs noch vorgehen. Es gibt Schwedische Geschichtschreiber, welche diesen Orden schon aus dem 14. Jahrhundert herleiten: daß er in vorigen Zeiten vorhanden gewesen, ist gewiß; allein vor 1748 konnte man kein Statut von demselben ausfinden, bis er dann von gedachtem König nun förmlich wieder eingerichtet wurde. Scrapis (Mythol.) war eine Egyptische Gottheit. —> Der Nähme selbst, über dessen Ableitung sehr viele Meinungen herrschen, bedeutet wohl so viel als einen Ochsen. — Er wurde vor allen Götter« besonders heilig gehalten, und hakte daher nicht bloß in Egypten zu Alexandria einen Tempel von außerordentlicher Größe (PtolomäuS PhiladelphuS halte ihn erbauen lassen), sondern auch zu Mem- phi einen der allerältcsten. DaS Besondere bei allen den Tempeln ist, daß sie nicht in, sondern außer der Stadt gebaut wurden, und daS Opfer nicht in Thiercn, sondern in Kräutern, Kränzen und Gebackenem bestand. Die Abbildung desselben ist eine sehr ansehnliche Mannsperson mit krummen Widderhörnern und etlichen Strahlen um den Kopf; in der Hand führt er eine» Stab mit drei Zacken, um welchen sich eine Schlange gewunden. — Uebrigens wollen ihn auch Viele mit dem Osiris für Eine Person halten (s. den Art. Isis). Der Seraskicr heißt bei den Lurken der ovcrstr General einer ganzen Armee; eben so viel als General - Fcldmarschall. Er hat weit freiere Gewalt als die übrigen Generale, ist daher nicht ganz pünktlich an die Befehle des Hofs gebunden, steht jedoch unter dem Großvezier, und wird aus den Paschen von zwei bis drei Roßschwei« sei, gewählt. — Bisweilen werden auch niedrigere Generale mit diesem Nahmen belegt. Gerbet, s. Scherbet. 202 Ser Die Serenade (Poesie und Musik) isi rin Lied, besonders in Spanien und Italien gewöhnlich, und dazu bestimmt, einer Person zu Ehren, und zwar unter ihre» Fenstern, abgesungen zu werden, mithin allemahl verliebten oder doch wenigstens galanten Inhalts. Man legt aber auch diesen Nahmen einer bloßen Instrumental. Musik bei, die gewissen Personen zu Ehren, oder als Glückwunsch bei irgend einer wichtigen Veranlassung, des Abends vor ihrer Wohnung aufge- führt wird (in Deutschland kennt mau sie auch unter dem Nahmen Ständchen), und die bei der Stille der Nacht, bei Heilerin Himmel rc. einen um so angenehmern Eindruck hcrvorbringt. Der Charakter eines solchen Tonstücks ist ein einfacher, fließender Gesang, wobei zugleich solche, besonders Blasinstrumente gewählt werden müssen, die in freier Luft die beste Wirkung machen. Unterschieden hiervon ist die Serenata, womit man in Italien eine besondere Gattung von Musik bezeichnet, und zwar eine solche Cantate, wo ein dramatisches Sujet zum Grunde gelegt wird — und also gewisser Maaßen das, was in Rückflchl der geistlichen Musik das Oratorium ist. Serenissimus, (Lat.) der Durchlauchtigste; die Benennung des regierenden Fürste». Kerze. (Franz. Scrsch) leichter, geköperter Wollenuzeug. kerzeanl, (Franz. Serschaul) der vornehmste nlerossicier bei einer Compagnie Fußvolk, unter welchem die übrigen Corporale stehen. Er hat das Geschäft, die Soldaten in Zucht und Ordnung zn Halten, die Aufsicht über das E^erciren zu führe», und über die Sol« baten und deren Ouartiere genaue Liste» zu führen. Sein eigentliches Gewehr ist eine Hcllebarte, welche von dem Kurzgewehre der übrigen Corporale verschieden ist. Er heißt auch Feldwebel. Sergean t- Major, ist der oberste Wachtmeister in einer Festung, welcher die Pforten auf- und zuschließr, die Runde um die Festung macht, und die Schildwacheu visttirt. kerzssnt «ls kutaiile, (Serschang de Bacaillj) ist bei den Franzosen ein Oberoffwier, der die Armee nach dem Befehle des Generals in Schlachtordnung stellt. Serhaedkuly, s. Spahis. kvriss, (Lat.) die Reihe, ln uns serie, in ununterbroch- ner Reihe. Seringapatam, die Hauptstadt deS Reichs Mysore in Ostindien, zur Englischen Präsidentschaft Bombay gehörig. Seriös, (Lat.—Franz. Serie ux—öh) ernsthaft. Serien- semenk, (—öscmang) im Ernst, olles Ernstes. Serizi oder Serisi (Richer), einlin den Jahren 1795 — ,797 berühmter politischer Schriftsteller zu Paris, der durch seinen ö f- fentlichen Ank l äg er (^ccus-rteur public), den die Royalisten und Emigranten mit großem Beifall anfnahmen, viel Sensation machte. Der Verfasser selbst spielte bei dem Pariser Aufruhr gegen den Nationalconvenk, am z. Ocl. 1795, als Secretair von einigen Ab- theiluagen der Pariser Bürger keine unOebeulenbe Rolle, ergriss aber, da bekanntlich dieser Aufruhr durch Barras und Bonaparte bald gedämpft wurde, die Flucht. Er wurde darauf abwesend angeklagt, setzte jedoch, nachdem er zwei Mahl angeklagt und zwei Mahl losgr- Ser soz sprachen worden war, seine obgrdnchte Schrift fort, bis am 4 > September 1796 das Direktorium zu Paris einen Derhaftsbefehl gegen ihn erließ; kraft dessen er in Basel arretirt und nach Rochefort gebracht wurde, um nach Cayenne deportirt zu werden. Er rettete sich jedoch durch Bestechung, und entfloh von Rochefort in das mittägliche Frankreich, und ließ hier im Jahr ,799 wieder eine Nummer von seinem Ankläger drucken, begab sich dann 1301 nach Spanien; allein auf Verlange» der damahligeu Französischen Regierung mußte er Madrid bald wieder verlassen: er ging nun nach England, wo er auch 1L0A starb. Verhcirathet war zwar Richer zu Paris, allein seit seiner Flucht von Rochefort ließ sich seine Frau förmlich scheiden. Ein natürlicher Sohn von ihm soll bei den vereinigten Staaten von Nordamerika in Diensten stehen. — Außer seinem Ankläger (von dem sich in Archenholz Minerva vom Jahr 1796 u -d im Journal Frankreich 179z (VIII,) und >796 (lll.) Auszüge, auch eben daselbst ,795 (lX.) eine Beurtheilung desselben befinden) hat man von ihm einen Brief gegen RHutieres Geschichte der Russischen Revolution vom Jahre -762. Dieser Brief (der P. F. Heney's Französischer Ueberfttzung von Swinton'S Reise durch Norwegen, Dännemark und Rußland in den Jahren ,788—>79,, Paris -797, 8- beigefügt, und abgekürzt im Götting. Rev. Alm. 0. ,799 befindlich ist) laßt ver- mulhen , daß sich Serizi einige Zeit in Rußland aufgehalten habe. Es ist ausfallend genug, daß er in einer Stelle dieses Briefes (Revol. Alm. ,799, S. ,16) sich zu schwach zu CatharincnS ll. Lobe fühlt, vo» der er in einem Stücke seines Anklägers (vergl. Frankreich ,795, IX. S. 59.) sagt: ,,Catharina, die sich auf einem Gebiete von eilf mahl hundert tausend Luadratmeilen zu sehr beengt findet, und für Mangel an Raum ersticken möchte» erfüllt endlich, nachdem sie Pohlen verstümmelt und den Freund ihres Herzens entthront hat, ihre schon längst wider uns (wider Frankreich) gemachten betrügerischen Versprechungen u. s. w." rin Beweis, daß er wohl nicht nach festen Grundsätzen schrieb. Ueberhaupt war wohl der Zweck seines Anklägers kein anderes, als der, eine neue allgemeine Revolution Frankreichs herbei zu führen, die nur durch neues Blutvergießen bewirkt werden konnte; und schon deßhalb verdiente er statt Lob gesetzliche Ahndung, und seine Schrift das Schicksal, daS sie jetzt trifft — Vergessenheit. Sermoci nation, (Lat.) eine rednerische Figur, nach welcher eine andre Person redend eingcführt wird. — Sermon, eine Rede oder Predigt. Ein Lrausermon: eine Lraurcdc. Insgemein macht mau zwischen Sermon und Predigt den Unterschied, daß jene eine Rede anzeigt, welche am Altäre gehalten wird. 8vro5spiuot Irriges, (Lat.) ein Sprichwort, welches httßt: die Phrygirr werden spät klug; weil sie bei der alten Welt in dem Rufe standen, in welchem die Schwaben, vbschon mit Unrecht, stehen. Der Serpent (Jtal. 8erpentooo, Franz. Zerperu), oder das Schl an ge nr ohr, ist rin in Form einer gekrümmten Schlange un- S^asr füuf bis sechs Schuh langes Blasinsiruirent von Metall vier Zo4 Ser schwarzen Holze, mit Leder überzogen; es hat sechs Löcher, und wird fast so wie der Fagott geblasen. Aus Frankreich — wo es zu Auzerre von Edm. Guillaume ,790 erfunden worden und sehr gebräuchlich war — kam eS nach Deutschland, wo man sich desselben hauptsächlich auch bei militärischer Musik bedient, und dasselbe dieStelle, welche der Contreviolon bei den Saiteninstrumenten hat, vertritt. Serpentinische Verse, Schlangenoerse, nennt man solche, die sich mit demselben Worte, womit sie anfangen, endigen. Der Servenlinstein (Lat. Opkites) ist ein bunt-grünlicher, , mit mancherlei Flecken eingesprengrer Stein, der eben von dem der Schlangenhaut ähnlichen Ansehen den Nahmen hat. Er spielt zum Theilinit Hochrothen Flecken (dieser ist aber rar); zum Theil hat er dunkelgrünen Grund mit schwarzen und brauen Flecken; der, welcher ins Aschgraue ' fällt, wird für den geringsten gehalten. Ueber sein Geschlecht — ob er unter den Marmor, oder die Speck - oder Torssteine, oder auch unter die glasartigen Steine gehöre — ist man noch nicht einig. Es gibt mehrere Gattungen desselben, die man nach ihren Harken und Farben unterscheidet: die vorzüglichsten und härtesten wachsen in den Marmor- brüchcn Italiens und Egyptens; die andern, von sehr weicher Art, werden in den Brüchen bei Meißen, bei Zöblitz (welches auch in dcnäl- tern Zeiten der einzige Ort dafür war), auch bei Hohenstein und Hartmannsdorf bei Chemnitz, ferner in Schlesien, Ungarn und Böhmen gebrochen, und, weil er sich vermöge seiner Weichheit gut schneiden und drechseln läßt, zu Gefäßen, Flaschen, Mörsern, Schreibzeugen, Wärm- steinen rc. verbraucht, welche in großer Menge beinahe in die ganze Welt ausgeführt werden. Serradschiy, Serrigias, eine Türkische Reiterey, welche in Kriegszeiten von sämmtlichen Paschen und zwar von Jedem nach Veehältniß seiner Einkünfte, gestellt wird. Quintus Sertorius, ein großer Römischer Feldherr, den der berühmte Marius gebildet hatte, und der alle gute Eigenschaften seines Lehrers in sich vereinigte, ohne d-essen Fehler angenommen zu haben. Die Siege des Sulla über die Partei dcS Marius nöthigtcn ihn zur Flucht. Er ging nach längern Umherirren endlich nach Spanien, wo sich mehrere Mißvergnügte zu ihm gesellten, und wo er von den Einwohnern sehr gut ausgenommen wurde. Es glückte ihm, eine ansehnliche Armee zu organisiren und damit die Feldherren der Gegenpartei in Spanien zu schlagen. Er versammelte einen Senat von zoo Personen um sich , gab weise Gesetze, und erhielt sich acht Jahre lang gegen die von Zeit zu Zeit abgeschickten Römischen Legionen. Endlich bekam im Jahre 677 nach R. Erb. der berühmte Pom pejus das Comman- do gegen ihn; aber Sertorius hielt ihm tapfere Gegenwehr, und würde vielleicht sein ganzes Heer aufgcrieben haben, wenn nicht Cabalen sich gegen ihn erhoben und die Eifersucht der Unter-Befehlshaber seine Absichten vernichtet hätten. Sertorius war seit einiger Zeit gegen die Römer, die ihn umgaben, mißtrauisch geworden, und vertraust sich ganz den Eingebvrnen des Landes an. Dieses gab unter den Sei- nigen Anlaß zu einer Verschwörung, die ein gewisser Pcrpenna, Ser Zoz «in Unter-Feldherr des Scrtorius, in der Hoffnung leitete, das Oberkommando zu bekommen. Dieser NichtSrvürdige lud den tapfer» Ser- torius zu sich zur Mahlzeit ein, und ermordet? ihn bei dieser Gelegenheit meuchelmörderisch. Darauf übernahm er das Commando, konnte sich aber nicht lange gegen den Pompejus halten, sondern wurde von ihm geschlagen und gefangen genommen. Um sich das Leben zu retten, erbot er sich, alle Papiere des Sertorius an den Pompejus auSzulie- ftrn, um diesen dadurch in Stand zu setzen, alle Rebellen und die Verbindungen , die sie selbst in Rom hatten, auf das genaueste kennen zu > lernen; aber Pompejus verwarf diese neue Verräkherei des Perpenna mit Edelmuth, ließ alle Papiere verbrennen und ihn selbst hinrichten. > Spanien fiel darauf unter die Röfiiische Botmäßigkeit zurück. 8 erum. (Lat., das) eine wässerige Feuchtigkeit im menschlichen Körper. Bei dem Aderlässen fließt sie mit dem Blute aus, trennt sich aber, wenn das Blut eine Weile steht, bald von demselben. Joseph Servan stammt aus einer adelichen Familie aus dem ehemahligen Dauphine her, und war eine Zeit lang Unterhofmeister der königlichen Pagen; dann ward er Obristlieutenant bei einem Infanterieregiment, und erwarb sich durch ein brauchbares Werk unter dem Titelder Soldat ein Bürger, einen großen Ruf, wurde auch an Degravcs Stelle, am 9. Mai 1792, zum Kriegsminister ernannt» obgleich der König ungern in diese Wahl willigte. Servan, der der Girondepartei von ganzem Herzen ergeben war, und sich besonders an Roland, bei dessen Frau er gewisser Maßen den Liebhaber spielte, genau anschloß, unterstützte aus allen Kräften die Projecte der dermahligen Machthaber. Er schlug dem zu Folge vor, in der Nähe von Paris ein Lager von 20,000 Mann zu errichten, angeblich um dadurch die Ruhe am bevorstehenden Bundesfeste zu sichern, eigentlich aber um der Girondeparkhei eine ansehnliche gewaffnete Macht unter- thanig zu machen. Der König, welcher wohl voraussah, wie nachtheilig dieser Vorschlag für den Hof ablaufen würde, verweigerte dem darüber von der Nationalversammlung ausgefcrtigten Decrete die Sanktion; und Servan erhielt am ,2. Juni 1792 seinen Abschied. Dessen ungeachtet wurde der König auf eine andere Art bald darauf gezwungen, das Decret zu sanctioniren, und Servan am 10. August als Minister wieder angestellk. Seine schwächliche Gesundheit und sein melancholisch-furchtsamer Charakter erlaubten ihm nicht, diesen Posten lange zu behaupten: er nahm am 14. Oct. seinen Abschied; und weil er merkte, daß sich die Girondeparkhei langsam ihrem Untergänge zu nähern anfing, so hielt er es für das Rakhsamste, sich aus Paris zu entfernen. Man befürchtete einen Krieg mit Spanien; und Servan wurde deßhalb schon vorläufig zum General der Armee gegen Spanien ernannt, ehe noch die Armee organisirt war. Endlich ging er nach den Pyrenäen ab, halte anfänglich einige kleine Vortheile über den Feind, wurde aber der daraus erfolgen Niederlagen wegen bald abgesetzt und in Paris verhaftet. Indessen war er doch so glücklich, unter Robespierre der Guillotine zu entgehen, und rechtfertigte sein Betragen '795 vor einem Kriegsgericht, worauf er wieder völlige Freiheit erhielt, ohne jedoch wieder > Conv. Lex. Fünfter Band. U oa6 Ser zu öffentlichen Geschäften gezogen zu werden, weil die Regierung, wahrscheinlich nicht ohne Grund, Mißtrauen in seinen Charakter zu setzen schien. riervnllte, (Franz. — wangte) eine Dienerin oder Magd. Im besondcrn Sinne ein Tischchen, welches, mit Flaschen und Gläsern besetzt, neben den Eßtisch gestellt wird, und solchergestalt die Stelle einer Aufwärkerin vertritt. S. 8 ervireur. Servetianer, die Anhänder Michael Sero etu s, welcher im ifiken Jahrhunderte in Spanien lebte, und in Betreff der Religion verschiedne, von den gewöhnlichen abgehende Meinungen hegte, unter andern sich nicht überzeugen konnte, daß in der Gottheit mehr als Eine Person sey. 8srvice, (Franz. SerwihS, eigentl. Dienst, Bedienung) nennt man das für eine gewisse Anzahl von Gasten erforderliche Geschür, z. B. Teller, Messer, Löffel rc. Unter einem Tafelservice versteht man besonders Tischtuch nebst der dazu nöthigen Anzahl Servietten.— Desgl. führt diesen Nahmen diejenige Steuer» welche Bürger entrichten, um von dem Einlangcr und der Verpflegung der Soldaten frei zu sepn, in welcher Bedeutung man auch Servis schreibt. Servien, eine große schöne Provinz in der Europäischen Türkei, welche nebst Bosnien das Türkische Jllyrien ausmacht, und durch die Donau und Sau von Siebenbürgen und der Wallachei getrennt wird. Es hat einen sehr fruchtbaren Boden , auch schöne Gold - und Silber-Bergwerke, und wird in vier Sangiacaten oder Gouvernements abgetheilt. Die merkwürdigste Festung dieses Landes ist Belgrad (s. dies. Art.). — Den Nahmen soll Servien (bei den Römern p>1oesia supsrior) von den Serviert!, einem Scythischen Volke, erhalten haben, das sich 887 in dieser Gegend niederließ. Mehrere Jahrhunderte hindurch wurde cs von Königen beherrscht, bis iZZZ Stephan Duscianus den Titel eines Kaisers von Servien und Rume- lien annahm. Nach häufigen Kriegen mit den Türken nahmen diese endlich das Land, und blieben auch im Besitz desselben bis zu dem Pas. sarowitzer Frieden (1718), wo sie es an den Römischen Kaiser als König von Ungarn abtreten mußten; allein 1742 kam es wieder, krast des abgeschlossenen Friedens, unter Türkische Botmäßigkeit. In den neuern Zeiten erregt dieses Land wegen seiner anhaltenden Unruhen viel Aufmerksamkeit. Durch die starken höchst willkührlichen Bedrückungen der Deys waren die Bewohner Serviens nach und nach bis zur höchsten Verzweiflung gebracht worden, deren natürlicher Erfolg-" Aufstand war. So sehr man sich auch bemühte, Anstalten gegen die Jnsurrcction zu treffen, auch hier und da Unterhandlungen anknüpfte, so waren jene wie diese doch nicht vermögend, den Aufstand zu dämpfen oder die Gcmüthcr zu' beruhigen. Die Macht der Insurgenten wurde unter ihrem Anführer Czerni Georg immer größer und furchtbarer, besonders da im I. »805 die Bosnier und am Ende auch die Man« tenegriner gemeinschaftliche Sache mit ihnen machten: und ob man gleich ein Türkisches Herr von 150,000 Mann gegen sie auf die Beine gebracht hat, so ziehen doch die Türken meisten Theils den Kürzer» > Ser Ses §07 und es steht sehr zu befürchten, daß Sero ien für die Pforte ganz verloren gehen mochte. Servienten: fo werden bei den Maltheserrittern die Layen- trüber genannt, welche ihren Adel nicht erweisen können. 8 nrViette, (Kranz. — wiette) das Tcllcrtitch. Servil, servil« sch, (Lat.) sklavisch» knechtisch, kriechend, z. B. seroilische Gesinnungen. — Serviren, dienen, aufwarten. Den Tisch serviren, d. i. decken und anrichten. Servilen, ein Bettelorde», welcher 12^2 gestiftet ward, und der Regel Augustins folgt. Man hat von diesem Orden Mönche und Nonnen, welche sich beide schwarz kleide». eiervitsur, (Franz. — witöhr) ein Diener, Aufwckrter; desgl. ein Beilischchen, wie 8srvan»e. S. dieses. 8erviria, (Lat.) Dienste, Frohnen, 8erviliÄ cleterminata; ge neffnie Krohnen; 8. iustt-ter.-niaaca: ungcmcssene Kwhnen; 8. ma- ouarla: Handdienste; 8. Vasall tloa: Lehns-oder Ritterdienste; 8. veoatoria: Jagdfrohnen. Die Servitut (a. d. Lat. 8ervitus) heißt dasjenige Recht, vermöge dessen Jemaud auf seiner Sache zum Vortheil eines andern etwas dulden, oder unterlassen muß, wozu er außerdem nicht verbunden seyn würde. Man thcilt diese Servituten hauptsächlich in Real-Servituten (Grundgerechtigkciten), wenn näbmlich auf einem Grundstücke das Recht haftet, daß zu dessen Bortheil ein andres Grundstück etwas dulden oder unterlassen muß; und in Per- sonal-Serv., wo jemand nur für seine Person zum nutzbaren Gebrauche einer fremden Sache berechtiget ist. Sesam, eine morgenländische Pflanze, aus deren Samenkör- nern das süße und Helle Scfamöhl gepreßt wird. Sesostriö, einer der berühmtesten Könige von Egyvten, wird »ach dein OsiriS für den größten gehalten. Seine Regierung trat kr im I. iLZ? vor Chr. Ged. an, führte gegen die Ä thiopier, Araber, Meder, Scythen re. die glücklichsten Kriege, und hiuterließ allenthalben herrliche Denkmäyler von feinen Siegen. Von der vielen erhaltenen Beute ließ er auf hundert prächtige Tempel erbauen und ausschmücken; er richtete auch zn^j marmorne Obelisken auf, deren jeder 126 Ellen in der Höhe hakte. Durch ganz Egypten ließ er große Dämme aufführen, worauf die Menschen bei Uederschwemmungen des Nils wohnen und sicher dafür seyn konnten, ließ zur Beförderung des Handels rine große Menge Canäle graben, »nd befestigte Egypten von der Morgensi-ite auf sieben Meilen weit gegen die E >«» lalle der Syrer und Araber. — Nach des Diodors von Sicilien Versicherung soll er zuletzt blind geworden und sein Tod im ZZ. Jahre sriner Regierung erfolgt seyn. Scsseltragen, war im Mittelalter eine Strafe des Berkachs gegen den Lehnsherrn, eben so wie das Sattel- und Hunde, tragen. Die Straffälligen mußten damit eine Strecke Weges machen. Session, (Lat.) die Sitzung oder Zusammenkunft einer Gesellschaft oder eines Collegiums, die vorliegenden Geschäfte zu verrichten, vessionstag, der Sitzungsrag. S. Seance. U 2 Ao8 Test S e v Sester, (eigentlich: der 6te Thcil) ist in der Schweiz und im Elsaß ein Maaß sowohl zu trocknen als fleißigen Dingen. In der Schwei; hält es 8 Kannen, in Straßburg 11 Kannen. Sestercie, eine kleine Münze der alten Römer, ungefähr i leichter Groschen. Setschuen, eine an Metallen, Seide, Rhabarber und guten Pferden reiche Prooiu; des Chinesischen Reichs, die 98 Städte zahlt. Sctuwal, ein fester Klecken in der Portug-fischen Provinz Estremadura, an einem kleine» Meerbusen, der auf »iooo Einwohner enthält, die vorzüglich mit Salz handeln. Setzen, heißt bei den R hen und Hasen: Junge werfen. Daher Setzhase eben so viel ist, als eine Häsin. Setzmaschine s. Note »setz Maschine. Die Sevenner (Bewohner der Lanesch ftSeven n es in dem ehcmahligen Languedoc) sind durch die häufigen Verfolgungen bekannt, welche sie im vorletzten und letzten Jahrhundert um ihrer Religion willen — fie bekannten sich zur reformirten — erdulden mußten. Sehr oft wurden sie von den Franzosen überfallen. gefangen, gemo-det; und dennoch blieben sie standhaft Märtyrer ihres Glaubens. Zn Anfänge des vorigen Jahrhunderts mußten sie endlich, da fie de Ueber- machk ihrer Verfolger nicht mehr widerstehen konnten, ihre Wohnsitze verlassen: fie wendeten sich nach England, und machten hi r in London durch ihre Schwärmereien unter dem Volke —sie erhielten auch den Nahmen Scven ner Propheten —großes Aufsehen, erhielten auch durch ihre Anführer, den Ritter Lacy und den gelehrten Misson, einen starke» Anhang, so daß man es zuletzt auch hi» bedenklich fand, sie im Lande zu lassen : sie mußten fort, und wandten sich nun nach Deutschland, wo sie durch Ankündigung des tausendjährigen Reichs » durch vorgegebene Entzückungen , in welchen fie Offenbarungen erhalten wollten, ebenfalls die Aufmerksamkeit de- VolkS einige Zeit lang auf sich zogen. Sie kommen übrigens auch unter dem Nahmen Cami sa rds ln Frankreich vor. Sever, (Lat.) ernst, strenge. — Severität, der Ernst, die Strenge. Seoerambien, ein erdichtetes Land mit einer möglichst voll- fommnen Staatsverfaffung, welches zu Anfänge deS vorigen Jahrhunderts beschrieben worden ist. Man bedient sich zuweilen des Rahmens Seoerambien eben so wie Utopien oder Platonische Republik. Sevilla, die Hauptstadt ves Königreichs gleiches Rahmens — welches auch We st-oder Nieder-And a lu >1 en heißt, und gegen Norden an Evrdova und Estremadura, westlich an daS Portugiesische Alentejo, südlich an das Weldmeer und die Straße von Gibraltar, und gegen Osten an Granada und Murcia gränzt; dessen Größe auf 940 Ouadratmeilen geschätzt und für den fruchtbarsten Theil, für die Kornkammer des Königreich- Spanien, besonders an Weitzen, Oehl und Weioen, gehalten wird — und die größte Stadt in ganz S»a- nien. Ihren Umfang rechnet man auf 41/2 Spanische Meile», aber - die Volksmenge nicht mehr alS zu 50,000 Seelen; der Boden ist sun>- z pfig (daher auch die Häuser größten LheilS auf Pfählen ruhen); die Seo Sex A09 Straßen sind eng, unregelmäßig, ohne bedeutende Gebäude, wenn man etwa de» königlichen Pallast, das Münzhans, die Srückgieße« rei und Kaufwanns-Börsc ausniwmt: eins der größten Gothischcn <8 bavde machtdieDv m kirche ans; übrigens aber gehört der größte Tbeil derGtbaude —der Geistlichkeit- Außerhalb der Stadt, welche seit 1.504 auch eine Universität hat, ist die berühmte Maurische Wasserleitung. Merkwürdig ist die hier von Ferdinand VI. 1757 mit großen Kosten angelegte T a b a k s sa b r i k, die einzige in ganz Spanien und die größte in ganz Europa. Im I. 1776 arbeiteten über 1000 Menschen und 180 Maulthiere hier. Der Tabac de Sevilla ist bei ollen Tabaksschnupsern hoch berühmt; die bekannten Cigarre s (oder der dünne Rvllladak), welche ohne Pfeife geraucht werden, beschäftigen hi r ebenfalls gegen 150 Personen. Außer der ansehnlichen Salpilerfiederei und der Seidenmanufactur (welche jedoch jetzt um die Hälfte — sonst nährte sie an 16,000 Menschen — gefallen ist) sind auch die vielen Galonen und Borden von Bedeutung, welche hier verarbeitet werden und nach Peru gehen. Ueberbaupt aber hat sich der H. ndcl Sevillas durch die Verlegung deS Gerichtshofes nach Cadix sehr verringert. 8 evre 8, (Franz. Sawer) eine Französische Stadt an der .keine, im D Parlament der keine und Oise, (Säne und Oase) mit einer berühmten Porzcllanfabrik. Sevrcs Departement (.Frankreich. kexsZesima, (Lat.) heißt der 2te Sonntag vor der Fasten, weil von denselben bis zur Mittwoche in der Osterwoche 60 Tage sind. — S exa ge si mal R ech n nun g , Sexagen al-Rech nun g ist eine Rechnungsart, welche die 60 theiligen Brüche berechnen lehrt. Sexenvium, (Lat.) das, eine Zeit von 6 Jahren. Der Sextant ist ein astronomisches Instrument, das aus dem sechsten Theile des Cirki ls besteht, und gebraucht wird, um die Weite der Sterne damit zu messen. kextarius. rin Maaß der alten Römer zu Flüßigkeiten von so Unzen oder (/z Kanne. — kexticli, der 6te Wochentag im Französischen Revolurwiiskalendcr. — 8 extu In, der 6te Lheil einer Unze oder 4 Sciüpet. Sexre, (Lat.) dte sechste Claffe. In der Musik- s. Quarte. Sextaner, ein Schüler der 6ten Classe. DaS Sextet (Musik) ist ein Tonstück für sechs Stimmen; dieß mögen nun Instrumente oder Singstimmen seyn. Die Instrumental-Sextetten sind besonders für Blasinstrumente sehr häufig, und werden öfters unter dem Titel Serenaten gehört (s. dies. Art.) Mozart udRighini haben Meisterstücke in dieser Art geliefert. Für Singstimmen kommen die Sextetten häufig in Opern vor, und sind meisten Thcils von großer, schöner Wirkung: daher denn auch die Tonsetzer auf diese Art von Composition die höchste Mühe verwenden. Sextus Empiri c us, ein Arzt und einer der berühmtesten Skeptiker und Vertheidiger der Pyrrhonischen Philosophie zu Ende des zweiten Jahrhunderts. Er ist nicht nur als historischer Schrift- Zlo Sey ? steller für die ältere griechische Literatur, sondern auch als Skeptiker ' höchst schätzbar , indem er die älteren philosophischen Systeme als For. sch.r und Kenn r treu und richtig darstcllt, und überhaupt einen hohen ! Geab von Gelehrsamkeit, Scharfsinn, Witz und Laune zeigt. Don sei- i nen übrigen Lcbensumständcn ist nichts weiter bekannt. ^ Friedrich Wilhelm von, Freiherr von Sey blitz, einer von ! Preußens rubniwürdigen Helden (geb. den Z. Febr. 1722 in Wesipha- len), zeigte schon im zwölften Jahre den unerschrockenen und geschickten Reiter, mdeni er zu seiner Uebung zwischen den schnell herumtrel- benden Flügeln einer Windmühle mit dem Pferde bindurchjagte. Im l sechzehnten Jahre trat er als Cornet bei dem Curaffir.-Regiwenke ! des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt in Preußische Kriegsdien- ^ sie, und schon hier zeigte er bei einer Affaire im 1 .1740 so viel Bravour , daß der König ihn, ob er gleich in Gefangenschaft gerochen war, doch bei seiner Zurückkunst zum Hußaren-Rittmeister des Naßmerschen Regiments ernannte. Bald stieg er zum Major, 17L2 zum Obrist- ! lientenunt, und ward endlich Commanbeur deS Rochowschen Cüras- ! str-Regiments, das er 17-57 eigenchümlich erhielt. Der siebenjährige Krieg in welchem so mancher Held seine Lorbeern erntete, half sie auch Sey blitzen in hohem Grade erwerben. In der Schlacht bei Col- lin, wo die Preußen zum ersten Mahle weichen mußten, deckte er den Rückzug; und zur Belohnung ernannte ihn der König zum Generalmajor. In Zittau führte er daS mit ihm cingeschloffene Dragoner-Regiment bei Einbruch der Nacht auf einem unbesetzten Wege fort, und stieß glücklich zur Armee des Königs. In Gotha verdarb er den Franzosen, die sich, an 8000 Mann stark, unter Soubise hteher geworfen halten, und wovon die Generalität eben ein prächtig s Mittagsmahl bei Hofe einnchmen wollte, den Appetit so sehr, daß das ganze Corps von 8000 Mann vor Sey blitz, der mit iLvo Reitern vor drn Thoren erschien, über Hals und Kopf flüchtete, und dos ganze Gefolge von Köchen, Friseurs rc. nebst ganzen Kisten voll wohlriechender Wasser und Pomaden rc. im Stick e ließen. Ernst- Hafter und von hoher Bedeutung war der Antheil, den Sey blitz an dem Siege bei Roßbach (Z. Nov. >7.57) nahm. Der König Friedrich batte die Franzosen durch eine täuschende Bewegung aus ihrer voribesthafteu Stellung gelockt. -Diese, durch die darauf folgende owschsti ende Ruye des Preußischen Lagers sicher gemacht, wollten ihm in den Rücken kommen. Auf einmahl brach Seydlitz — welchem, wenn gleich dem jüngsten Generalmajor bei der Armee, der Könlg dennoch das Cvmmando der gesammten Cavallerie übertragen hakte — mit der Preußischen Reiterei hinter einem Hügel hervor, stürzte wie ein Donnerwetter auf den Feind; die leichte Reiterei — ein unerhörter Fall! — griff die schwere Cavallerie an, und warf sie über den Hausen; auch sogar die Französische Geusd'armerie wurde eben to wie das Reserve-Corps zurückgeworfen; die Infanterie rückte nun auch plötzlich in Schlachtordnung an, alles wurde gesprengt, und dem Feinde blieb nichts als eine allgemeine Flucht übrig: in kurzer Zeit war der Sieg über Soubisc entsckieden. E e y d» litzen, damahls erst Z8 Jahr alt, erhob der König zum General- Sey Sha ZU lieutenant und zum Ritter des schwarzen Adlerordens. Bei Zorjn- d orf zeigte er gleiche Bravour, und altakirte mit der bloßen Caval- lerie, den Degen in der Faust, eine Russische Batterie, und eroberte sie. llebcrall sah man ihn bei dieser Schlacht mit seiner Reiterei, und überall siegend. Eben so rühmlicher Erwähnung aber verdient seine Großmuth, mit welcher er, als ihm der König für den Sieg dieses Tages dankte, diesen auf einen würdigen, ober verkannten Dfficier, den Rittmeister von Wacknjtz, aufmerksam machte, und mit Ernst und Festigkeit auf dessen Belohnung bestand. Bei Cunnersdorf endlich, wo er durch eine vo>theilbaflc Position den London ganz zurnckhielt, behauptete er, trotz dem Befehl des Königs, eine Batterie wegzunchmcn, lange Zeit standhaft seinen Posten; und als der König seine ofkmabls wicderhohlte Ordre ibm nockmahls mit den Worten geben ließ: Er solle ins T.... Nahmen die Bakterie ak- takiren, so gehorchte S. zwar, sprengte mit Wuth auf das Kartät- schcn-Feuer los, wobei ihm drei Finger zerquetscht wurden ; allein, obgleich die Batterie wcggenvmmen wurde, so drang doch nun London, so wie es S. vorbergcsagt hatte, durch die dadurch entstandene Lücke ein, und — die Schlacht ging verloren. Nach dem siebenjährigen Kriege machte der König Sey blitzen zum Geucralinspcetor der Cavallcrie in Ober-und Nicdcrschlesieu, und hier leistete er dem Preußischen Kriegswesen durch Ausbildung der Cavallerie eben die wichtigen Dienste, als zuvor durch seine Hel- dknlhalen. Auch wurde er von seinem Könige ausgezeichnet geehrt; denn dieser selbst besuchte ihn auf seinem Sterbebette, und als nun sei» Tod (177Z) wirklich erfolgte, so mußten alle OfficierS der Cavallerie einen Flor um den Arm tragen: eine Auszeichnung, die nie einem Preußischen General widerfahren ist. Auch ließ ihm der König auf dem Wilhclmsplatze zu Berlin eine Bildsäule von weißem Cararischen Marmor, durch Tassard gearbeitet, errichten. 8korrancio, (Jtal) in der Tonkunst: verstärkt, stärker. 8Arsfkito, (Jtal.) gekratzt- So nennt man eine gewisse Mahlerei auf Mauern, die mit schwarzem Kalk überzogen u„d dann geweißt sind. Der weiße Kalk wird hierauf mit einem Stifte abgekratzt, so daß die Zeichnung wie ein Kupferstich erscheint. Anton Nsthley Cooper, Graf von Shaftesbury, ein Enkel des in Englands Geschichte genug bekannten Ministers (der aber mit jenem sehr oft verwechselt wird) , wurde zu London 1771 geboren, und genoß einer seiner Geburt würdige Erziehung. Schon früh erlernte er die Griechische nnd Römische Sprache, und erhielt so auch den Geschmack an den Alten: an einem Fenophv» , Plato, Epictek, Ho- raz und Lucian. Er besuchte früh schon die cultivirtesten Länder Eu- rvpas, gewann in Italien mehrere Jahre hindurch eine reifere Bildung, und kam denn endlich nach England zurück, wo er bald feine Stärke in der Beredsamkeit im Parlament zeigte; bei dem berühmten Locke nahm er noch Unterricht. 1698 begab er sich nach Holland, wo er einen Bayle, einen le Clerc und mehrere Philosophen aufsuchte. Nachdem er das Staatssecrelariat, welches ihm der König Wil-Helm antrug, ausgeschlagen hotte, starb er endlich 171z zu Neapel, wohin Z > 2 Sha ^ er sich schon einige Jahre vorher, seiner Gesundheit wegen, begeben hatte. — Mit Recht nahm er den Ruf eines Weisen — in jedem ' Sinne des Worts — mit sich; bloß seinen Freunden und seinen Büchern , die er beide sehr gut zu wählen wußte, lebte er, gleich edel am Herzen, als aufgeklärt am Geiste. Schon im 20. Jahre schrieb er r, eine Untersuchung über die Tugend (die nacher 1700 wider 7 seinen Willen erschien), worin er das Schöne einer sittlichen Gemüthssassung der Tugend zum Grundgesetz machte — Lehren trug er hier vor, deren Anwendung die feinste Schule des Lebens ist. . Seme erste Schrift, die er selbst herausgab, war über den Enthu- ! siasmus, wo er alS Schüler Locke's das große Wort Duldung predigte. Auch seine übrigen Schriften: über die Freiheit des Witzes und Frohsinns: seine Moralisten rc. sind voll Witz und guter Laune. „Seine Miscellaneen" — so lautet das Urtheil des verehrungswürdi- ^ gen Herder in seiner Adrastea — „sind Spiegel der Seele, ernste Prüfungen des Verstandes und Geschmacks, ja der Grundsätze des Lebens selbst, mit fiinen Vorschriften für Wissenschaft und Kunst begleitet , dazu in der Methode des Frohsinns verfaßt, die seine eigpe ernste Gedankcnform, seine Muse und Grazie war." — Spat erst sind seine Schriften in Deutschland bekannt geworden. Spalding übertrug ^ seine Untersuchung über die Tugend und dir Sittenlehrer (174Z), und V 0 ß die übrigen philosophischen Werke erst zo Jahre später (1777) in > unsere Sprache. William Shakespeare wurde den 2z. Apr. 1564 zu Slrat- fort in Warwitshire geboren ; sein Baker, ein wohlhabender Wollhänd- e ler, führte, kraft einer förmlichen Urkunde, wegen der Verdienste ei- > uiger seiner Ahnen und wegen seiner Heirath in eine angesehene Familie, ein adcliches Wapen. In der Schule des Wohnorts seines Vaters, dessen Gewerbe er vcrmuthlich trieb, konnte unser Shakespeare wenig lernen. Im 17. Jahre schon verheirathet, floh er ungefähr 1584 nach London, weil er» wie man erzählt, mit einer berüchtigten Gesellschaft junger Leute den Thiergarten eines benachbarten Edelmanns r ^ bestohlen hatte: welches aber eben so wenig, als daß er, um etwas zu verdienen , denen, die ins Schauspiel ritten und keine Bedienten hatte», die Pferde bis nach Endigung des Schauspiels gehalten , erwiesen ist. Auch unbewiesen ist die Sage, daß er zuerst beim Theater rin Aufwärter des Einhclfers g worden; wahr ist es aber, daß er als Schauspieler ganz unbedeutende Rollen, in seinen eignen Stücken zum Beispiel den Adam in: Wie cs euch gefällt, den Dunkanim Macbeth :c. erhalten hat. Heinrich IV. und VI. und der G e i st in H a mle k waren seine besten Rollen. Mangel an Schauspielertalent und Abneigung gegen die damahlige pomphafte, eintönige Drclamation mögen wohl an den geringen Fortschritten Shakespeares in der darstellenden Schauspiel-Kunst Schuld gewesen seyn. Durch seinen Landsmann Thomas Green, einen bamahls sehr berühmten Schauspieler, wahrscheinlich zum Theater gebracht» ward Shakesp. 1591 dramatischer Schriftsteller. Königen Elisabeth und Jacob I. begünstigten ihn sehr, und von Letzterm erhielt er auch die Freiheit, eine Bühne zu errichten. Er Eha Ziz starb an seinem Geburtstage 16,6 zu Skratfort, wohin er sich drei Jahre vor seinem Tode, nachdem er die Laufbahn als Dichter und Schauspieler verlassen» begeben hatte, und wo er im Chor der Hauptkirchs, begraben liegt; hinterließ auch, außer einem ansehnlichen Vermögen in liegenden Grundstücken , den Ruhm eines edlen, moralischen Menschen. Erst im Jahr 1741 wurde ihm in der Westmünster-Abtei zu London ein ihm würdiges Denkmahl durch Subscripkion errichtet: in alter Tracht als bejahrter Mann steht er» erhabenen melancholischen Ernst auf dem Gesichte, an einem Altar gelehnt, und zwingt den Beobachter, bei diesem Kenner des menschlichen Herzens mit Ehrfurcht zu verweilen. Garrick stellte >769 ihm zu Ehren eine Jubelfeier an, die in ihrer Art einzig zur Verhrrrlichung Shakesp. berechnet war, und deren nähere Umstande man in Archenhol; England, 2. Th. S. 487, und im Taschenbuch für die Schaubühne 1779 genau ausgezeichnet findet. Ohne gelehrt zu scyn — den Shakesp. konnte wenig Latein und Griechisch, so wenig wie die neuern damahls cultivirten Sprachen, die Italienische und Spanische — war er belesen, und mit der Mythologie sowohl, als mit den Eilten und Gebräuchen, sehr bekannt. Er besaß viel Urtheilskraft, welches die Haltung seiner Charactere und die Oecvnomie der Empfindungen, die er erregte, beweist; und wo er dieß minder zeigte, da gab er dem rohen Geschmacke seiner Zeit nach: wie er sich auf ver einen Seite zu dem herrschenden Geschmacke seiner Zeit hcrabließ, so zog er ihn auf der andern zu sich in die Höhe und veredelte ihn. Mit vollem Recht nennt man ihn daher den Schöpfer der Englischen Schaubühne, die vor ihm ganz elend war; in seinen Schauspielen bildet er eine eigne Welt, ein zusammengehörcndes für sich bestehendes Ganze, das bis aus alle kleinere Thcile ausgezeichnet ist, aber wo alle diese noch so sonderbar, noch so heterogen scheinende Tbeile nur ein einziges Stück ausmachcn. Eine einzelne Haupt, empfindung beherrscht bei ihm jedes Stück, und durchströmt es , wie eine Weltseele. Alles wird immer aufgeboten, aber nur zu ein cm Ganzen: im Lear zu einem Vater-und Kinder-, Königs-und Narren-, Bettler- und Elend-Ganzen (vermuthlich hat Shakesp. hierzu den Stoff aus einer allen Chronik und aus alten Balladen genommen, worin dieses Königs und seiner Töchter Geschichte enthalten ist, die sich i. I. d. W. 3105 zu- gctragen haben soll); im Othello nur eine Leidenschaft, aber lebendige Geschichte der Entstehung» des Fortgangs, Ausbruchs und traurigen Endes der Leidenschaften dieses Unglücklichen: im Macbeth ein unnennbares Ganze, eine Schicksals-, Königemords-und Zauber- Welt. — Daher sind Shakessp. Schauspiele im strengsten Verstände weder Trauerspiele» noch Lustspiele, sondern Werke ganz eigner Art. In dem Schauspiel-Hause tk« 6 obe , welches ein sechseckiges Gebäude um einen Hof herum war, das ungefähr 1200 Personen faßte, wurde Shakesp. Stücke gegeben Der Hof stellte das Parterre vor, und man spielte damahls bei Tage gewöhnlich von i bis z Uhr; auf dem Dache war während der Vorstellung eine Fahne ausgesteckt; die Kritiker und Schöngeister ließ man aufs Theater, sic saßen mit dam- l AI4 Sha pfenden Tabakspfeifen auf Stühlen, oder auf der Erde"). Aus dem Prolog zum vierten Auszug Heinrichs V., wo der Dichter die Zuschauer bittet, mit dem unwürdigen Theaterprunk vorlieb zu nehmen, und das Fehlende durch die Phantasie zu ersehen, läßt sich auf den schlechten Zustand der Maschinerie und der Garderobe des damadligen > Theaters schließen. -Die Zimmer im Hintergründe auf der Bühne ! kheilte man nur durch Vorhänge ab, und wenn der Ort verändert werden sollte, wurde nur anderes Geräthe herbei gebracht. Man findet in alten Englischen Schriftstellern auch Spuren, daß die Ausführung eines Trauerspiels nur durch schwarze Umhänge der ! Bühne, und die Veränderung der Oerter allein durch Ueberschrift ihrer Nahmen angedeutet wurden. Die Musik vor den Schauspielen und zwischen den Auszügen bestand aus fünf oder sechs blasenden Instrumenten. Zu Shakesp. Zeiten betrat noch kein Frauenzimmer die Englische Bühne, sondern alle weibliche Rollen wurden von Mannspersonen vorgestellt. Si,r William D'Ave na nt war der Erste, der Schauspielerinnen auftretcn ließ. Gewöhnlich leitete ein Pankomimen- spiel, welches die zu erwartende Begebenheit vorstellte, jeden Act in den altern Englischen Schauspielen ein. Wir bemerken hier die muthmaßliche Zcitfolge der Shake spea- ^ reschen Schauspiele, wie sie von Malvne bestimmt und in die i Johnson Steeoensche Ausgabe von >778 eingerückt worden sind. Die mit * bezeichneten können nicht mit Gewißheit Shakesp. zugeschrieben werden, wenn sie gleich unter seinem Nahmen herumgehen. 1) »Titus Slndronicus, >589; 2) der Liebe Müh' ist umsonst, und z) Kaiser Hein- ! rich Vl. 1. Th. 1591 ; 4 ) dessen 2. Lheil, und L) dessen z. Lheil, , 6) "Perikles, 1592; 7)*Lokrin, und 8) die beiden Veroneser, iLyz; 9) das Wintermährchcn, > 594 ; >o) ein Sommernachts-Traum, und >1) Romeo und Julie, 1595; >2) die Irrungen, 15) Hamlet, und >4) K. Johann, 1596; >5) K. Richard II., >6) K. Richard Ul., und 17) K. Heinrich IV. 1. Th. >597? >8) der Kaufmann von Venedig, 19) Ende gut, alles gut, 2c>*Sir John Oldcastle, und 2i)Heinrich IV. § 2 Th. >598; 22) K. Heinrich V. >599; 2z) * die Puritanerin , 24) Viel ! Lärm um Nichts, und 25) Wie es euch gefällt, >600; 26) die lustigen j Weiber von Windsor, und 27) K. Heinrich VIII., i6o> ; 28) *Leben und Tod Lord Eromwells, und 29) Troilus und Kressida, >6or; Av) Gleiches mit Gleichem, >6oz; 51) Eymbelin, >604; 52) »der Londonschc Verschwender, und zz) König Lear, >699; 54) Macbeth, und zg) die Zähmung einer Widcrbellerin» 1606; z6) Julius Eäsar, >607; 57) "ein Trauerspiel in Porkshire, und 58) Antonius und Kleo- palra,>6o8; 39) Coriolan, >609; 40) Timon von Athen, >6>o; 4 >) Othello, >611 ; 42) der Sturm, >612; 4z) der heilige Dreikönigs- Abend, oder: Was ihr wollt, 1614. Rechnet man die 7 zweifelhaften Stücke ab, so bleiben doch noch z6 echte. — Unter einer Menge von Ausgaben der Shakespeareschen Schauspiele, die einzeln schon bei seinen ») Aus letzterm Umstande läßt er sich erklären, wie Hamlet auf der Erde sitzend ein Schauspiel ansehen kann. Sha SHr Ziz Lebzeiten, wahrscheinlich nach erschlichenen Evpien und also sehr fehlerhaft, nach seinem Tode aber in ganzen Sammlungen alter seiner dramatischen Produkte herauskamen, wollen wir nur der zwei besten, nähm- lich -) der von Johnson und Steevenszu London 177z in w Bänden g. und 2) der im 1 .179z zugleich mit den Noten von Johnson und Steevens herausgekommenen gedenken. Auch können wir die von Aldi er mann und Joseph Boydell herausgcgebene Sammlung großer und meisterhafter Kupfer nach neuen Gemählden von den auffallendsten Scenen aus Shakesp. Stücken hier nicht unerwähnt lassen. Eine nähere Beschreibung liefert tas 10. Heft der Annalen des Theaters, S 4r u. f. — Deutscher Bearbeitungen und Uebersetzungen der Sbakespea- reschen Schauspiele gibt es auch mehrere, wir führen hier nur die neuesten vollständigen Sammlungen an, und übergehen die Bearbeitung von Wieland, so wie einzelner Schauspiele von Bock, Schröder, Tieck und Schiller. ,797 bis i8«4 erschien von August Wilhelm Schlegel bei Unger in Berlin in 8 Octaobänden , und feit 1798 von Joh. Joachim Eschen bürg , nachdem 20 Jahre seit feiner ersten Herausgabe der Shakesp. Werke verstrichen waren, in denen er sich dem Studium dieses Dichters ganz überlassen hatte, bei Orell, Geßner u. C. in Zürich eine ganz umgearbeiteke Ausgabe dieses Dichters in ,2 Octav- dänden. Bor letzterer steht Shakesp B'ldniß, und das Titelblatt jedes Bandes zieren treffliche ron Lips gestochene Vignetten. Herrn Hosr. und Prof. Eschenburg haben wir übrigens mehrere lesenswerthe Abhandlungen , als: einen Versuch über Sbakespears Genie und Schriften, in Vergleichung mit den dramatischen Dichtern der Griechen und Franzosen (Leipz. >771); Ueber W. Shakespeare (Zürich '787); und: Ueber den vorgeblichen Fund Shakesmarricher Handschriften (Leipz. 1797), zu verdanken; auch enthalten die fliegenden Blätter von Deutscher Art und Kunst (Hamb 177?!) mehrere empfehlungswerkhe Aussätze. 8lisvol, (Engl, ostind. Schahl) ein langes schmales Tuch zur weiblichen Kleidung, das aus Ostindien über England zu unS kam, und nicht bloß Hals und Busen, sondern auch, statt des Mantels, den Leib umschlingt. 8herburo, s. 8ckerburn. Richard Bri»sl>y Sheridan (geb. zu Dublin,^,), als trefflicher Redner eben so wie als Künstler und Schriftsteller berühmt, ist der dritte Sohn des berühmten Schauspielersund Schriftstellers Thomas Sheridan (dessen Werk über die Deklamation hinlänglich seinen Ruf begründet). In seiner Jugend schien er eben nicht große Anlagen z» verrathen, und seine Mutter selbst — die sich ebenfalls durch mehrere Schauspiele und Erzählungen einen Ruf erworben hat — übergab ihn im siebenten Jahre dem Vorsteher einer Schule als einen ganz vernagelten Kopf; allein bald wurde sein Ehrgefühl auf der Schule z» Harrow rege, und im dreizehnten Jahre ward er schon durch seinen Witz und Scharfsinn der Gegenstand aller Bewunderung. Sein Vater bracht; ihn nu» i» den Tempel nach London — dieser bekannten Lehranstalt für Juristen. — Schon im zwanzigsten Jahre sing er hier an, einige kleine Lustspiele zu schreiben. die aber ourchficlen. Bald machte seine Liebe für eine der ersten Schaupiele- ZiS She rinnen, Linley, ihn auch zum Kämpfer und eben beßhalb bekannt, indem er sich mit einem Andern, der sie beschimpft hatte, heftig schlug, dann mit seiner Geliebten übers Meer floh, und endlich doch die Einwilligung seiner Aeltern zu ihrer Heirath erhielt. Sheridan war jedoch zu stolz, als daß er die außerordentlichsten Anerbietungen, welche seiner Gattin gemacht wurden, und die er in feiner drückenden La- ! ge recht gut gebrauchen konnte, hätte annehmen sollen. Sich selbst wollte er sein Glück verdanken, und er fing daher aufs neue an — da ohnehin schon mehrere seiner Gedichte ausgezeichneten Beifall erlangt hatten — fürs Theater zu schreiben; seine Stücke erhielten nach und > nach vielen Beifall ; ja endlich kaufte er selbst 1776 mit seinem Schwiegervater und einem Dritte» den Antheil an dem Theater von Drury Laue von dem berühmten Garrick für ZO,ooo Pfund Sterl., und von j tzt an wurde sein Haus der Versammlungsort der feinen Welt und der vorzüglichsten Köpfe, so daß er nun auch in genauere Verbindung mit Fox kam, und so seine politische Laufbahn anfing. Immer noch arbeitete er fürs Thearer, und seine Lästerschule, die er >777 darauf brachte, erwarb ihm nun bald den Ruf eines der ersten Dichter in England. Auch wurde sein Witz zugleich bei dieser Gelegenheit in einem Bonmot sehr bewundert, das er über seinen »Nebenbuhler, Eumbcrland, machte. Als ihm nähmlich ein Freund hinterbrachte , daß dieser bei seinem Stücke ganz ernsthaft geblieben wäre, und auch nicht eine Muskel zum Lachen verzogen habe, erwiedcr- te Eher.: „Ei, ei, das war verteufelt undankbar; denn als sein neues Trauerspiel in voriger Woche zum ersten Mahl gegeben wurde, habe ich alle Acte hindurch gleich herzlich gelacht." — Im Jahre 1780 wußte er sich nun auch im Unterhause eine» Sitz zu verschaffe», und hier hielt eres gleich, als eifriger Anhänger von Fox, mit d,r Opposition; nach und nach ward er der Liebling des Volks und die Geißel Pi t l's, der ihm, als einem Theater-Unternehmer, irymer mit Verachtung begegnete, aber dafür von Sh. mit schneidendem Witz und dem heißendsten Spott gezüchtigt und lächerlich gemacht wurde. Auch als Parlamentsredner machte Sheridan sich beson- ^ ders in dem berühmten Prozeß gegen Hastings (m. s. dies. Art.) ehrwürdig, und seine Reden, die er dazumahl hielt, sind die höchsten Meisterstücke dieser Art. — Neuerlich fing er, nachdem er seit 20 Jahren nichts für die Bühne geschrieben hatte, an, die Schauspiele von Kotz ebne für sein Theater, und zwar —jedoch zur Mißbilligung > sehr vieler Engländer selbst — nach seiner Art, zu bearbeiten» d. h- > indem er sie dem Geschicke deS Pöbels auf alle Art anpaßte; Piz an r o (nach Kvtzebue's Rolla geformt) machte in dieser Zeit viel Lärmen und Aufsehen, „lieber seine politische und über seine dramatische Treue" — sagt ein sehr achtungswerther neuerer Reisebeschreibcr von England, Göde — „sind die Meinungen getheilt; doch scheint er jene Rolle wahrer und redlicher zu spielen, als die deS Schauspiel« DirectorS und Schauspiel-Dichters. Seine vielseitigen Kenntnisse und seine glänzenden Rednertalente stellen ihn den großen Staatsmännern seines Vaterlandes an die Seite; jedoch fehlt es ihm an Wurde und Arischen, um jcmahls an die Spitze einer Partei sich zu stelle»." She S.ia Z>7 — Bei der Veränderung deS Ministeriums, welche durch den Tod Pitts veranlaßt wurde, ward er den z. F bruar 1806 zum Schatzmeister der Marine ernannt und mit dem Entschlüsse, sich ganz d»n Staaksgeschäfnn zu widmen, trat er die Dircclion des Theaters von Drury-Lane, die er bei zo Jahren geführt hatte, seinem Sohne ab. Man macht Sheridan zum Vorwurf, daß er sich bisweilen einer zu großen Heftigkeit überläßt. Er hat eine starke Helle Stimme; doch ist sein Auftritt zu hastig und hat nichts angenehmes. Niemand weiß mit so vieler Kunst wie er sich des Sarkasm und der Ironie zu bedienen, nur artet, seine Sucht nach Epigrammen bisweilen in Lächerlichkeit aus. Der Sherif heißt 1) bei den Türken so viel als Emir (s. Emir); 2) bei den Engländern der Landrichter oder Richter einer ganzen Grafschaft (Shire). Es gibt deren so viele als Grafschaften in England ; nur die Grafschaft Middlesx hat zwei, indem einer bloß für die Stadt London bestimmt ist. Unter dem Sh e- rif(vder Sheriff) stehen noch ein Untersherif und die G r- schwornen (s. Jury) welche, nachdem der Sherif die Untersuchung vollendet hat, die Entscheidung aussprechen , und von ihm selbst gewählt, so wie zu de» Sitzungen und Verhören zusammenberufen werden. DaS Amt des Sheriss hat viel Gewalt und Ansehen, und besteht» außer der Sorge für die Polizei und der Eintreibung der königlichen Taxen, Straf - und Eonfiscationsgeldcr, vorzüglich in zwei Stücken: daß er nähmlich 1) die königlichen Strafurtheile zur Voll' streckung bringe, und 2) in bürgerlichen Sachen Recht spreche. Er hält zweierlei Arten von Gerichten, ein monatliches, wo er über bürgerliche Rechtssachen entscheidet, deren Gegenstand nicht über 40 Schillinge betragt, und ein halbjährliches, über wichtigere Dinge und Criminalfälle wider das gewöhnliche Recht, mit Ausnahme besonderer vom Parlament bestimmter Fälle. Der Ober sherif (ttigli- 8kerik) wird alle Jahre vom Könige ernannt; der Untersherif behält aber seine Stelle lebenslänglich. 8kire, (Engl. Scheir) d. i. Grafschaft. So heißen die Provinzen» in welche England gelheilt ist, z. B. l-iucolusiure, Oe- vonsilire etc. Skrubber^, (Engl.) eine Pflanzung von allerlep ausländk- schen Holzarten in Englischem Geschmacke. Siam, ein merkwürdiges Königreich und einS der mächtigste» auf der Halbinsel von Ostindien, jesettS des Ganges, grenzt gegen Mitternacht an Laos, gegen Morgen an Tnnkin, Eochinchina und Camdoya, gegen Mittag an Malacca (in welchem Lande ihm auch einige Könige zinsbar sind) und den Meerbusen von Bengalen, gegen Abend an die Königreiche Ava und Pegu (s. dies. Art.). Es unter« halt mit den Europäern, besonders mit den Holländern, starken Handel , der jedoch ganz i» den Händen der äußerst despotisch regierenden Könige ist; das ganze Volk leidet unter ihrem Drucke ungemein, und ist in äußerste Dürftigkeit versunken, da es doch die vortreffli- sie« Landeserzeugnisse an Gewächsen sowohl, als au» Bergwerken rc. hat. Die Einwohner theilrn sich in Sklaven und Freie; doch Zl8 Sia Gib auch letztere leben nicht viel besser als in der Sclaverek, indem sie dem Könige sechs Monathe hindurch die beschwerlichsten Frohnen thun müssen: allein ihre dewundcrswürdige Gelassenheit, oder vielmehr Gefühllosigkeit, macht, daß sie alles Ungemach erdulden. Sie sind faul und betrügerisch, übrigens aber sehr mäßig und sparsam, und in vielen Stücken den Hindus ähnlich (s Ostindien). Die herrschende Lehre ist die Ta lap o» n i sch e (s. Talapo inen); doch findet man auch katholische Missionen daselbst. klamoise, (Franz. Siamase) Siamischer Zeug, aus Seide und Baumwolle gewebt. Sibirien, das nördlichste Land in Asien, gegen 240,000 Deutsche Onadratmeilen groß, gegen Westen von Rußland, gegen Norden vom Eismeer, gegen Osten von dem östlichen Morr, und gegen Süden von der Chinesischen Tartarei und Mongolei begrenzt. Das Elima dieses Landes ist so kalt und rauh, daß das Quecksilber ge- frirt, und in den nördlichen Gegenoen der Erdboden selbst im Sommer kaum einige Fuß tief aufthaut. Der Winker dauert in den meisten Gegenden 9. Monathe, hat sehr kurze Tage, viel Schnee und Nordlichter; der Sommer hingegen ist sehr kurz, und im Süden ziemlich heiß. Fruchtbare Gegenden wechseln mit großen unfruchtbaren Steppen, Wälder von den schönsten Holzarten, mit holzlosen, nur mit dürrem Moos bewachsene» Sumpfen ab. Vorzüglich im südlichen und westlichen Thcile gibt eS mehrere hohe Gebirge, z. B. den Altai, Ural; nach Norden und Osten zu senkt sich das Land immer tiefer und tiefer, so daß es gänzlich den kalten Winden und so auch der Ungeheuern Kalte auSgesepl ist. Dennoch besitzt dieses von der Natur so vernachlaßigte Land einen Reichthum an mancherlei schätzbaren Produkten: in den Gebirgen findet man Gold, Silber, sehr viel Kupfer, Eisen, Blei, edle Steine, Salz rc.; in den Wäldern die schönsten Hölzer, Eedern, Tannen, Birftn, Ulm », Lerchenbäume, alle Arten von Wildprek, Rennthiere; und wer kennt nicht die vortrefflichen Pelzthiere »Sibiriens, als Zobel, Hermeline, Füchse, wovon besonders die schwarzen im höchsten Werthe stehen, Bären, Biber, Luchse rc.? — Die Flüsse, Landseen und angrenzenden Meere enthalten Fische, Seehunde, Wallfische: in inn südlichen Gegenden werden auch Feld - und Garlenfrüchte erbaut. Die Einwohner, deren Anzahl nach der Größe des Landes äußerst gering ist, bestehen, außer den eigentlichen Russen, aus Samojeden, Korjäken, Ostjaken, Tatarn,Tun- gusen, die theils Nomaden, theils seßhaft sind, sich mit Viehzucht, Zagd, Fischerei und einigem Flldbau beschäftigen, und ihren Tribut an die Russische Regierung größten Theils in Pelzthieren entrichten. Nächst diesen findet man noch eine große Menge von Verbannten hier, welche durch das ganze Land zerstreut sind. Die irrige Meinung, die man sich gewöhnlich von dem Zustande dieser Verwiesenen macht, alS ob sie zum Zobelfange rc bestimmt würden, verdient Berichtigung: es gibt ihrer mehrere Gattungen» nähmlich 1) wirklich überwiesene schwere Verbrecher, deren gesetzliche Veruriheilung vom Senat zu Petersburg bestätigt worden; diese werden zu den Arbeiten in den Bergwerken von Nertschinsk u. dgl. verdammt, und müssen Sib zr- die Reise zu Fuß in Ketten machen, nachdem sie gewöhnlich vorher die Knute bekommen und ihnen beide Nasenlöcher aufgeschlitzt worden: 2) minder große Verbrecher, die aber auch durch Urtheil und Recht verbannt find; diese werden als Bauern eingeschrieben und müssen das ^ Feld bearbeiten, sie können aber durch eigne Arbeit flch etwas erwerben ! und ihr Schicksal erleichtern: z) solche, die bloß zur Verbannung ohne einen entehrenden Nebenumfiand — vielleicht auch bloß aus Will- führ und auf Befehl des Monarchen — verurtheilt sind; diese leben an dem Orte ihrer Bestimmung ohne allen Zwang, können auch sich j Geld von Hause kommen lassen, oder werden, wenn sie arm sind; von der Krone erhalten. Der Fall, daß hier und da manche von die- sen auf eine Festung gebracht und in Ketten geworfen worden, wird unter der jetzigen milden Regierung nicht mehr eintreten. — Bemerkenswerth ist der Vertrag, der neuerlich (1802) zwischen Preußen und Rußland getroffen worden, nahmlich: daß Ersteres die ganz unverbesserlichen Verbrecher zur Verweisung nach Sibirien abliefert; an Trans, portkosten werden bis zur Grenze 50 Rthlr. für jeden Kops gezahlt. Die erste Lieferung der Art geschah am Z. Mai 1802, wo wirklich z4 Mann nach Sibirien sortgeschaft wurden. Uebrigens machte Sibirien bis zu Ca tharinen II. nur ein Gouvernement aus, und bestand aus drei ansehnlichen Provinzen, nähmlich der TobolSkischen, Jeniseiskischen und Jrkutskischen: allein seit ,76z ist es in zwei Gouvernements getheilt, das Tobolski- sche (eigentliche Sibirische) und daS I en isei skisch e, worunter auch Irkutsk steht. Die Sibyllinischen Bücher standen bei den Römern in großem Ansehen, und wurden von ihnen nur in äußersten Fällen der Noth zu Rathe gezogen. Man glaubte, daß wcißagende Jungfrauen, Sibyllen, im höchsten Alterthume diese Orakel aufgesetzt hätten. Die Zahl dieser Sybillen wird sehr verschieden angegeben, und man hat sie bis auf zehn erhöht. Die Cu manische brachte dem Römischen Könige larguinius superbus neun Bücher, für welche sie eine sehr hohe " Summe forderte. Der König verlachte sie über diese Forderung, und sie — verbrannte drei davon Jetzt fragte sie ihn, ob er die sechs übrigen für denselben Preis kaufen wollte, und da er dieß eben so lächer» sich fand, verbrannte sie abermahlS drei davon, und forderte für die letzten drei wieder denselben Preis. Jetzt ward der König doch be. denklich, zahlte ihr das Geld» und ließ nun jene drei Bücher — eben die Eingangs erwähnten — heilig aufheben, bestellte auch Zween., ja nachher die Zehen Männer, welche sie verwahren mußten, und nur bei den bedenklichsten Fällen wurden sie befragt. Als zu Sylla's Zeiten bei Einäscherung des Capitols auch diese Bücher verloren gingen, so schickte man Abgesandte nach Griechenland und Asien, um die Orakel dieser Prophetinnen wieder zusammen zu lesen: sie brachten auch auf ,oov solcher Verse zusammen, welche in das neue Capitol gelegt, und die Fünfzehn - Männer zur Aufsicht darüber bestellt wurden. A1^ man unter Augusts Regierung eine große Menge solcher prophetischer Verse verbrannte, behielt man doch einen Theil jener Sibyllinischen bci, schloß ihn in zwei gvldue Büchsen, und verwahrte ihn im Z«o Sie pel des Apollo. — Man hat noch jetzt Sibyllinifche Aussprüche in Griechischen Versen, die im zweiten und dritten Jahrhundert nach Ehr. Geb. gesammelt worden find, und von der Entstehung der Welk, vom Fall Adams, vom jüngsten Gericht und vom Antichrist handeln. Dieses Machwerk ist aus heidnischen Schriftstellern und der Bibel zusam- mengetragen; wahrscheinlich wollte man damit die Heiden für das Christentyum gewinnen: es herrscht darin ein prophetischer To», welcher in einigen Stetten glücklich angebracht ist, in andern aber feine Wirkung ganz verfehlt. Späterhin sind noch mehrere Zusätze hinzu gekommen; so daß man jetzt nicht wissen kann, was älterer oder neu. erer Erfindung sey. Sicard (Rochus Ambrosius), der noch jetzt lebende erste Leh. rer des Taubstummen-Instituts zu Paris , war 1742 zu Foufferetgeboren, trat in den geistlichen Stand, und wurde Anfangs Lehrer der Taubstummen in Bordeaux, welche Stelle er, nach Absterben des Abts l'Epöe *), mit der in Paris vertauschte. Bei den, nach Ausbruch der Französischen Revolution, und besonders nachdem >0. Aug. >792, entstandenen großen Verfolgungen der Geistlichen, welche der Constitution zu schwören sich weigerten, kam Sicard, der sich unter dieser Anzahl befand, in große Gefahr. Er wurde arretirt, und am 2. Scplbr. mit andern Personen in 4 Wagen nach der Abtei geschickt, um dort in vorläufige Verwahrung genommen zu werden. Schon waren >Z Personen von diesen Unglücklichen thcilS unterwegs, theils *) Dieser edle Mann, der im Jahr 1740 in einem hohen Alter starb, war Anfangs Geistlicher, mußte aber, da man ihm Irrlehren Schuld gab, sich bald aller geistlichen Verrichtungen entbaltra. Er wrndeie nun seine Aufmersamkcit auf die Taubstummen, verbesserte deren Un« «erricht, und machte seine Lehrarl im I. >776 in einer eignen Schrift bekannt. Er war nicht bloß Lehrer seiner Zöglinge, sonder» seine Liebe für sie war so groß, daß er von seinen Einkünften nur einen kleinen Theil zu seinen eignen Bedürfnissen, das Uebrige aber zum Besten seines Instituts verwendete. Diese Einrichtung war bei ihm so fest, daß er im Winter 1788, ob er gleich krank war, stch einige Zeit das Einheitzen versagte, um nur vor der Summe, die er seinen Zöglingen bestimmt hatte, nichts wegzunehmen. Seine Haushältl» rin, die dieses endlich gewahr wurde, eilte nun in Begleitung seiner 4» Zöglinge (die in Thränen zerflossen, und ihm durch Zeichen zu »erstehen gaben, daß er stch ihnen erhalten solle), zu ihm «aS Zimmer, und »öthigte ihn, zoo Livres für stch zu verwenden- Er mach« te stch dirß aber nachher stets zum Vorwurfe, und äußerte oft gegen seine Zöglinge: daß er ihnen um zoo Livre- Schaden gethan habe. Eine andere interessante Scene seine- Leben- hat bekanntlich von stotzebue in seinem Taubstumme» bearbeitet» wozu »hm das Französische Stück: t.'»i>!>» 1'Lpce, iostituteur «ie» «ouräs otmuels, dir Veranlassung gab. Der Titel dieses Stücks veranlaßte einen merkwürdigen Uedrrsetzer > Unsinn, indem im Juli >800 zu Mainz, wo es aufgeführt wurde, auf dem Anschlagszrttel folgender Deutsch» Titel beigefügt war- Der Degen«Abt, Stifter der Tauben und Stummen!! Sic Z2L i„ der Abtei selbst, durch die Semptembermörder ermordet (s. S e fite mb ertage); schon schwangen die Mörder ebenfalls ihre Säbel über Sicard, als der Uhrmacher Monnot sich ihnen entgegen stürzte und rief: „Ehe ihr einen dem Vaterlande nützlichen Mann ködtet, müsset ihr zuvor mich durchbohren." Während die Mörder über diese mit Feuer und Nachdruck ausgesprochnen Worte Monnot's einen Augenblick stutzten, wurde Sicard mit seinen zwei übrigen Begleitern (dem zweiten Taubstumme»-Lehrer und einem Advocaten aus Metz) in eines der hintern Zimmer der Abtei gebracht, in denen ein > Ausschuß von Bürgern versammelt war, und alle drei nahmen an dem Tische des Ausschusses, gleichsam als Mitglieder desselben, Platz. Nur einen Augenblick darauf traten die wüthcnden Mörder in dieses Zimmer, und verlangten mit fürchterlichem Geschrei Sicard's Kopf; gingen aber, da sie ihn nicht kannten, und ihn für ein Mitglied des Bürger-Ausschusses hielten, bei ihm vorbei, und verließen daS Zimmer, in der Meinung, daß er sich bereits unter den Ermordeten bc- > fände. Nach dem völligen Sturz des Königthums wurde Sicard ! zwar Professor der philosophischen Sprachlehre an dem republikanischen Lyceum zu Paris und Mitglied des National - Instituts der Künste und Wissenschaften, für die Klaffe der Sprachlehre; allein als j ungeschwornem Geistlichen drohte ihm neue Gefahr, da besonders Druthe im I. »796 im Rath der Alten auf Landesverweisung und Tod der una, chwornen Geistlichen antrvg. Sicard hatte jedoch Muth genug/ zwei Schriften , in einer an den Rath der Alten und in einer zweien', die er an beide Räthe, das Direktorium und das Volk richtete /wegen Verfolgung der Geistlichen Vorstellungen zu ^ lbun, unkerzeck ncke auch dieselben kenntlich genug mit dem Nahmen Dracis. Als daher am 26. Aug. dieses Jahres der Rath der Alken das Decret des Raths der Fünfhundert, in welchem die Deportation der ungeschwornen Geistlichen gebilligt worden war, verwarf, gerieth ! Sicard, der bei dieser Entscheidung sich unter den Zuhörern befand, in so große Freude, das er seinen Beifall durch Händeklatschen zu erkennen gab. Dieses zog ihm zwar einen augenblicklichen Arrest zu, aus dem er jedoch, nach einem mir ihm eingestellten Verhör, wieder entlassen wurde. Allein seine Freude war von keiner langen Dauer» indem am 5. Scplbr 1797 daS Gesetz, welches die Rückkehr der de- porrirten Geistlichen erlaubt hatte, wieder aufgehoben wurde, und man ihn kraft dieses neuen Gesetzes zur Deportation verurlheilte und j seiner Stelle im National-Institut verlustig erklärte. Um jener zu entgehen, verließ er ft-ine Zöglinge und verbarg sieb aufs strengste, > gab jedoch während dieser Zeit einen Leitfaden für den Unterricht eines gebornen Taubstummen (Oours ck'instrucliok, cl'un vourll must 6s naisssnce) heraus. Mil der Rückkehr der bessern und ruhigem Zeiten der Französischen Regierung konnte Si- card endlich wieder aus seiner Verborgenheit liervortreten, und seine Lehrstelle bei demTaubstummen-Znstitut wieder übernehmen; auch wurde er Ehrenmitglied des Athenäums zu Lyon, und nach des durch sei. ne Grammatik bekannten Waillp Absterben (im April röoo) an des« Conv. Lex. Fünfter Band. K Z22 Sic scn Steve wiederum ordentliches Mitglied des National-Instituts zu Paris, im I. 1804 auch zugleich an Eamüs *) Stelle Mitglied der Verwaltungs-Commission für die Civilhofspikälcr in Paris.- Außer mchrern den Unterricht der Taubstummen betreffenden Schriften und Aussätzen (von welchen letztcrn zwei von dem verdienten Lehrer des Taubstummen-Instituts zn Leipzig, Aug. Friedr. Petschkc, in der Deutschen Monatschrist, Lcipz. 1797, im Monat August und December, übersetzt find) hat Sicard auch eine Pasiaraphie, oder erste Grundsätze ei ner allgemeinen Sprache, her- ausgegcben, von der er zwar nicht selbst Verfasser ist, die er jedoch mit dem Verfasser (de Memieu) gemeinschaftlich bearbeitet hat. Er winde» als er im I. 1804 dem Kaiser Alexander ein Exemplar dieses Werks übersendete, dafür mit einem Brillant-Ringe beschenkt. Ob übrigens Professor Eschke, Direktor dcS Taubstummen - Instituts zu Berlin, so glücklich gewesen ist, von Sicard (dessen Verdienste alS Lehrer der Taubstummen und dessen Kenntnisse in Ansehung deS Unterrichts dieser Unglücklichen wohl außer Zweifel sind) die Lobsprüche zu erhalten, die ihm in einem unter Sicard's Nahmen gedrucktenBrie- ') Da dieses, in der Französischen Revolution dcnkwürdiaen Mannes Nahair in dies. Lex. bloß erwähnt ist; so werden einige Nachricht«» von ihm hier nicht überflüssig seyn. Armand Gc-k-on Camus war zu Paris am 2. Apr.l .740 geboren, wurde A,a„a-> Paria. mentS.Advocat daselbst, königlicher Censor, auch Sa"-" Salon 3 m I. >78, wählte man .hn zum M .gtied d« » ! stiluirenden National - Versammlung für de» Bürarrstand ln der er sich besonders am - 8 . März .77° durch st.»«» Berich, über das rothe Buch (dem Verzeichnisse der von dem Fraacösischen Ä-ke ertheilten geheimen Pensionen und Gnadenaebalte ^ die sich auf 2,7.98.000 Livres besiefea) und die dadurch erfolgte Bekanntmachuna deff-lben ausze.chnete, daher man ihn auch .792 als Devu ir,end« National. Convention und zu.n Aufseher des National . ^^ 7 »» Mitglied der National. J..fl.,utS für die Class der Al.er.kü ,« wählte. Al- im, I. .793 Dum 0 uri - z' s Treue der Na o»^ Convention verdächtig wurde, schickte sie die D-putirten Camiis, Bancal, Qu,nette, Lamarque und Beurnonville an ihn, um ihn zu arretiren; allem Dumouriez ließ diel- Deoatir. ten selbst verhakten, lieferte sie an die Sesterreicher ab deren G fangene sie nebst Drouet (s. dies. Art), Semouville und Maret dreißig M-nath, lang blieben, bis sie endlich am 2ü.Decbr "95 zu Basel gegen V,e königlich Französische Pria.eflin Marie Lh - r ° s- ausgewechselt wurden. ' Camü/„hi"lt nach kein» Rück, kunft nach Parks die Stelle eines Mitglieds des geseyAbenden Cvevs wurde w.eder Mitglied des Nativ..«,. Just.tu.s, Metz^auch Archivar des gesesgedrnden (>orps, und starb am 2. April .804. Al« Schrift« Sic Z2Z fe (in Rambach's Kronos, Berlin igo>. H.) beigelegt werden, kann wohl, so wie die Echtheit oder Unechtheit des Briefe- selbst, nachdem, was darüber im Mg. littcr. Anzeiger izoi, S. 477 — 478, gesagt und belegt worden, kaum mehr einem Zweifel unterworfen seyn. Liccsrius, (Lat.) ein Meuchelmörder. 8 iccsrc>s,s. LiZarros. 8 icoLutia, (msöicarneota, Lat.) trocknende Arzneimittel. Sicht, Wechselsicht, heißt die Zeit, in welcher ein Wechsel oder eine Anweisung bezahlt werden muß. S. Vista, s Vista. Siciliana (Musik) wird ein Schäfertanz genannt, der in Sicilicn sehr häufig vvrkommt, und in einer langsamen Bewegung geht. DaS Tonstück, das davon den Nahmen hat, und mit dem Ausdruck: slla 8 iciIjauL, bezeichnet wird, trägt man denn auch in einer langsamen, jenem Tanze angemessenen Bewegung vor: die Tactart ist gemeiniglich 6/tz. Die Sicilianische Vesper: so nennt man die berüchtigte Ermordung der Franzosen auf der Insel Sicilien, die im I. 1252 oor- fiel. Carl von Anjou, ein Bruder Ludwigs IX., Königs von Frankreich, hatte sich, nach der ungerechten Hinrichtung des Schwäbischen Prinzen Conradin, der Königreiche Neapel und Sicilien bemächtigt. Durch feine harte Regierung und durch das übermüthige Betragen der Franzosen, die sich die schreiendsten Ungerechtigkeiten, die ungeheuersten Bedrückungen gegen diese unglücklichen Insulaner erlaubten, wurden die Sicilianer in kurzem dergestalt aufgebracht, daß sie mit Peter Hl., König von Arragonien, in Verbindung traten, und sich verschworen, dieses Französische Joch abzuwersen. Ein gewisser Procida stand an der Spitze der Verschwörung, die am Osterfeste des I. 1282 zum Ausbruche kam, indem das Läuten zur Vesper als Signal verabredet worden war — über 8000 Franzosen wurden an diesem Lage ermordet. Bald darauf nahm Peter Besitz von Sicili» en, und Carl konnte ihn nicht wieder daraus vertreiben, ungeachtet ec von Philipp III., König von Frankreich, und dem Papst M a r- tin, der Petern in den Bann that, unterstützt wurde. Sicilien, diese schon in den ältesten Zeiten wegen ihrer Verbindung mit Rom und Carthago so wichtige Insel, hatte ihren Nahmen von einem Italischen Volke, Si culer, welche 1134 vor Chr. sich hier festsetzten. In der Folge eroberten dit Carkhager fast ganz Sicilien, wurden aber von den Römern 241 vor Chr. gezwungen die, se Eroberungen aufzugebeu, und diese machten sich nun (200) zu Herren von ganz Sicilien. Bei der großen Völkerwanderung bemächtigten sich jm 4zy. Jahre nach Chr. die Vandalen dieser Insel, 669 eroberten sie dir Saracenen: und diesen entrissen sie nachher zum Theil die Griechen, bis endlich (ungef. W4>) beide von den Normännern vertrieben wurden. Roger I. nahm, nachdem er noch mehrere Länder an sich gebracht hatte, 1127 den Titel eines Königs von Sicilien an, und 1,9, brachte Kaiser Heinrich VI., da er schon Herr von Neapel war, auch noch durch seine Heirath mit Constantien, der Erbin Sich Z 24 Sic liens, dieses selbst an sich. Carl von Anjou, seit 126z König beider Sicilien, verlor »282 durch die berüchtigte S icil ianische V e sper (s. d. A.) Sicilien: Peter Ht. von Arragvnien machte nun seine Ansprüche gellend und ward König von Sicilien. König Alphons V. von Arragornen und Sicilien eroberte das Königreich Neapel (zeither von dem Hause Anjou beherrscht) und so blieb nun Sicilien seit dieser Zeit bei Arragvnien, und die Könige von Spanien als Arragonische Könige blieben bis zum Utrrchter Frienden (>7>Z> Herren von Sicilien: hier wurde diese Insel dem Herzoge von Savoyen mit dem Titel eines Königs von Sicilien überlasten; da dieser sie aber 1720 an Oesterreich abkrat, so blieb dies-s bis >756 in besten Besitz, wo Don Carlos sich zum König von Sicilien und Neapel machte, und nachher bei seiner Thronbesteigung von Spanien 1759 beide Reiche seinem dritten Sohne Ferdinand tV. abtrat. Dieser war es, welcher in der neuesten Staatenumwälzung und bei den wiederholt ausgebrochenen Feindseligkeiten mit Frankreich (s. d. Art Neapel) am 2z. Jan. 1806 Neapel mit dem Rücken ansehen und sich nach Sicilien flüchten mußte, auf welche Insel er denn auch bloß allein sich jetzt eingeschränkt sieht» und bei welcher noch dieselbe Eintheilung Statt findet, welche bei dem Art. Neapel ausgrführt ist. — Die Bewohnerzahl rechnet man jetzt auf i,4zo,»oo. Die Geistlichen (deren Anzahl, mit Einfluß aller zur Klerisei gehörigen Personen» an 80,000 angegeben wird) haben äußerst wichtige Einkünfte, und der König Handel! als höchstes Oberhaupt der Kirche; der Erzbischof oder Primas von Palermo ist die zweite Person im Staate. Indessen sind durch ein Dekret vom ,z. Febr. 1307 die geistlichen Orden ». d. R. des heil. Bernhardt und Benedict aufgehoben und das Eigenthum der Orden zu den Krondomainen geschlagen. — Die Staatseinkünfte schätzt man auf , Million Thaler. 8ic euot knta tiominum, (Lat.) so gehen die Schicksale der Menschen ; oder: so geht es in der Welt. — 8ic lranait gloris muocii, so vergeht die Herrlichkeit der Welt. — 8ic volcr, sic jubeo, st st pro rat io ne voluntss, Ich will und verlange es nun einmahl so; statt aller Gründe soll mein Wille gellen. Franz von Sickingen: eia berühmter Deutscher Ritter, der ,431 geboren wurde. Da er nicht nur Tapferkeit und persönlichen Muth besaß, sondern auch für seine Zeiten sehr aufgeklärt dachte, so wurde er bald der Bewunderer des gelehrten Reuchlin und der vertraute Freund des scharfsinnigen Ulrichs 0 0 n H »tten. Er ver. band sich mit diesem letzter» zur Züchtigung der Geistlichkeit und aller Feinde der wahren Gelehrsamkeit. Die Proben dieser Tapferkeit, die er ehedem in Fehden adgclegt hatte, und der Glanz seines Hauses ließen vermuthen, daß die Partei siegen würde, die er anführte. Aber Kaiser Carl V. suchte ihn so viel alS möglich von dem Interesse der Reformatoren abzuzlehen und auf seine Seite zu bringen. In dieser Rücksicht machte er ihn zum General der Truppen, die er gegen Frank» reich schickte, und nahm auch ein Dariehn von 2000 Gulden von ihm an: eine für damahlige Zelten sehr beträchtliche Summe, welche beweist, daß Franz von Sickin gen de» mächtigsten Deutschen Sie Sid zrz Fürsten an Ansehen und Reichkhnm nichts nachgegeben hgbe. Sk- ckingen verließ ungeachtet er niedrere Beweise der kaiserlichen Huld empfangen hatte, dennoch nicht seine alten Freunde, dir Verbreiter einer bessern Aufklärung, und nohmentlich Ulrich von Hutten. Langst schon hatte dieser gewünscht, daß man endlich den Widersachern der Freiheit, den Papisten und Vcrihcidigrrn der alten Finstsrniß, die Gewalt der Waffen entgegen setzen möchte; aber immer halte Franz von Sickingen geglaubt, daß der rechte Zeitpunkt dazu noch nicht gekommen sey. Endlich aber stellte er doch, im I. 1^22, »n Verbindung mit mehrern vom Adel, ein mächtiges Kriegsherr auf die Beine, um damit die Deutschen Bischöfe zu demülhigen. Zuerst wagte er einen Einfall in die Lande dcS Churfürstcn von Trier, richtete aber wenig ans, verfiel in die Reichsacht, und sah im Frühling dcS darauf folgenden JahreS seine eignen Festen und Besitzungen von Trierschen, Pfälzischen nnd Hessischen Kriegsvölkern belagert. Er selbst befand sich in der Burg Landstein, wo er einen unglücklichen Fall that, und am 7. Mai seinen Geist aufgab. Man kann zwar nicht läugnen, daß seine Abfichten lobenswcrth waren, aber von Ueber- rilungen und grausamen Handlungen kann man ihn auch nicht ganz frcisprechen. Sicyon, eine der älteste» Stäbe im Peloponnes (dem heutigen Morea), in einer sehr fruchtbaren Gegend gelegen, die ehedem sehr ansehnlich und wegen der vielen Künstler, besonders in der Mahlern und allen Arten der Mekallardeik, sehr blühend war; auch halte sie daS Direktorium der Jsihmischen Spiele. An Reichthum und prächtigen Gebäuden behauptete sie vor den übrigen Griechischen Städten den Vorzug, so wie denn auch ein Tempel der VenuS (welche auch 8ic)-oma hieß) den Ort berühmt machte. Ihr Alterthum wird außer, ordentlich hoch angegeben, welche Angabe aber auf sehr ungewissen Gründen beruht: indessen hat das Sicyonische Reich lange vor der Zerstörung Troja's geblüht; sie wußte sich aber endlich, wie die übrigen Städte deS Achäischen Bundes, unter das Römische Joch bequemen. Siderisches Jahr, das Sternjadr, d. i. die Zeit des scheinbaren Umlaufs der Sonne von einem Fixstern an gerechnet, bis sie wieder zu demselben Fixsterne kommt. Siderischer Monat, der Sternmonat, d. i. die Umlanfszeit des Mondes von einem gewissen Fixsterne bis wieder zu demselben. 8i Oiis plscet, (Lat.) Wenns den Göttern gefällt. Wird eben so gebraucht, wie «ei licet. S. dieses. Sidney, eine Stadt in Australien an der Jacksonsbay (Tschäck- senSbay). Sie ist neu angelegt nnd zählt jetzt bis auf L«oo Einwohner. Sidney Smith s. Shmith. Sid 0 n, eine Seestadt und die Hauptstadt von Phönizier,. war in den alten Z.iten, und ehe sich TyruS über sie'erhob, eine derbe, deutcndsten. Ihre Einwohner waren wegen ihres Scharfsinns bekannt' von ihnen kam die Rechenkunst und Sternkunde an die Griechen; sie waren auch in mechanischen Künsten sehr erfahren, so wie denn auch Z26 Sie die Kunst, Purpur zu färben, die Glaskunst, die Wissenschaft, reine Leinwand zu bereiten rc. sich von ihnen hcrschreibt (s. auch den Art. Phönizier). — Heut zu Tage ist diese Seestadt unter dem Nahmen Sa yd oder Seid» welche zugleich, als Residenz des Osmannischen Statthalters, nebst dem umliegenden Distrikt das dritte Paschalik in Syrien ausmachte, das jedoch in den neuesten Zeiten den Nahmen von Acre, wohin der Pascha seinen Sitz verlegt, bekommen hat) zwar an sich selbst, wie fast alle Türkische Städte, von schlechtem, unreinlichem Ansehen, allein sie treibt dennoch, da sie die vornehmste Niederlage von Damast und dem innern Lande ist, einen ziemlichen Handel, besonders mit Seide, mit roher und gesponnener Baumwolle. Die Einwohner, deren Anzahl sich aufLvoo belaufen mag, beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Spinnen der Baumwolle. Siebend ürgen *) (Ungar Lrilel)-, Lat. Iranzz^Ivania, weil es jenseits dcr daS Karpatische Gebirge umgebenden Wälder liegt), ein Theil von dem alten Dacien, ehemahls mit Ungarn vereinigt, aber seit 176^ zu einem Großfürstenthum erhoben, hat gegen Norden die Ungarischen, Galizischen und Moldauischen Grenzen, gegen Osten die Bukowina und Moldau, gegen Süden die Wallach« und den Temcschwarcr Bannat, und gegen Abend wieder Ungarn zur Grenze. Siebenbürgen gehörte unter den Gothen zu dem Dacische» Königreiche, wurde aber nachher, als dieses unter die Römer kam, durch Präf cte regirt. In der Folge, als es die Ungarn erhielten, wurde cs durch Ungarische Wvywoden, und da eS 1527 durch Johann von Zapolia von Ungarn abgerissen wurde, nun durch sei- ne eignen Fürsten regiert, bis endlich 1687 der Fürst Michael sich dem Könige von Ungarn als Alliirtcr und Vasall unterwarf, und da auch dessen Sohn der Regierung unfähig geachtet wurde, so übertrug man ,6y6 die ganze Landesregierung dem Kaiser Leopold, und st verblieb auch, zu Folge des Carlowitzer Friedens r6yy, Siebenbürgen in Verbindung mit Ungarn. 176L endlich wurde es von der Kaiserin Maria Theresia als ein von andern Kronen ganz unabhängiger Staat zum Großfürstenthum erhoben. — Die Stände haben übrigens in Vereinigung mit dem Landesherrn die Macht, Gesetze zu geben upd Steuern zu «Hebens alle übrigen Hvheitsrechle aber übt der Landesherr allein aus. Die Landtage werden zu Herma » stadt gehalten. Siebenbürgen hat einen Flächeninhalt von lioyQuadratmci- len und enthält über i,6yzOoo Einwohner. Es ist ganz von Gebirgen eingeschlossen und nur durch ,4 Engpässe zugänglich. Die Lan desprodttkte sind: Gold aus Bergen und Flüßen, Silber, Kupfer, Blei, Eisen, sehr viel Stein-und Oiwllsalz, Alaun, Vitriol; Steinkohlen, Quecksilber, Marmor, Alabaster edle Steine (Achate, Qpa- *) lieber den Nahmen selbst und dessen Ursprung ist man noch nicht einig - Manche haben ihn von den Sieben Burgen der Sächsischen Nation, oder der Johanniter in Burzelland, ableiten vollen; Andere glauben, daß dieses Wort erst nach der Ankunft der Sachsen in dem Lande bekannt geworden ae. Sie Z27 le, Amethyste u. s. w.) Farbenerdc, Walkcrerde, ungemein diele mi- neralilche Quelle». — Holz in den sehr großen Waldungen; Getreide, Mais, Qdst, Wein, Tabak, Flachs, Krapp, Safran. — Rindvieh Büffel, Pferde, Schweine, Schüfe, Wilbprct, Gemsen, Bären, Wölfe. Honig, Wachs und etwas Seide. Tie Einwohner bestehen aus Ungarn, Szeklern, und Sachsen, die schon vor den, zwölften Jahrhundert ins Land gekommen sind; als Fremde werden betrachtet die Wlachen, Armenier, Griechen, Juden, Zigeuner n. dgl. Die Religion der Einheimischen ist katholisch, lutherisch und Rcformirt. Siebenbürgen wird eingetheilt, r) in das Land der Ungarn, mit der Festung Klausenburg, 2) daS Land der Szckter mit der königlichen Frci- stadt Maros Vasarhely, g) das königliche Land der Sachsen mit der Hauptstadt Siebenbürgens, Hermanstadt und kön. Freistadt Kronstadt. 4) Die Fiskalgüter mit der k. Freistadt und Festung KarlS- burg; und das Militär-Grenzland. Der siebenjährige Krieg gehört mit unter die großen Begebenheiten des in so vieler Hinsicht merkwürdigen achtzehnten Jahrhunderts. Die Ruhe nach dem Aachncr Frieden dauerte nicht lange. Es entstanden neue Verbindungen unter den Europäischen Mächten die der politischen Lage unscrs Wcltlheils eine ganz andere Gestalt gaben. Im Jahre 1755 waren die Feindseligkeiten zwischen Frankreich und England in Amerika ausgebrochen und die Flamme des Kriegs verbreitete sich bald über Europa. Fürst Kaunitz brachte zum ersten- mahl seit Jahrhunderten eine Allianz zwischen Oesterreich und Frankreich zu wege und stiftete ähnliche Verbindungen für Oesterreich mit Rußland, Schweden und Sachsen. Der König von Preußen aber verband sich mit England. Im August 1756 rückte plötzlich Friedrich ll. ohne vorher gegangene Kriegserklärung mit drei Kolonnen in Sachsen ein, das aus diesen Einfall nicht vorbereitet und nur leicht vertheidigt war. Dresden fiel. Der König bemächtigte sich des Zeughauses und der Archive. Die Sächsische Armee, welche sich, 18^000 Manu stark» bei dem Einmarsch des Königs in das feste Lager bei Pirna gezogen hatte, wurde eingeschloßcn. Der österreichische Feldmarschakl Graf Browne wollte die Sachsen entsetzen, wodurch es bei Lowositz, einem Böhmischen Städtchen, am 2. Oktober 1756 zu einem blutigen, achtstündigen aber unentschcidrnden Treffen kam. Den Preußen blieb das Schlachtfeld. Meisterhaft war Brownes zweiter Plan die Sachsen zu retten, am 11. Oktober, aber der Mangel an Schiffsbrücken über die Elbe verspätete seinen Marsch, und die Operation mißlang. Der Sächsische Feldma-schall Rulowski mußte sich hierauf am 10. Oct. mit seinem ganzen Corps ergeben. So endigte sich der erste Feldzug zu Gunsten Friedrichs. Die Preußen bezogen die Winterquartiere in Sächsin, saugten das Land aus und rrkrutirten darinn. Dieses gewaltsame Einfallen der Preußen in ein im Friedenszustand begriffenes Land, nannte Friedrich, Sachsc» in Verwahrung nehmen, aber das Deutsche Reich betrachtete es als einen Bruch des Westphälischen Friedens und auf dem Reichstage zu Rtgensburg wurde der Reichskrie gegen Preußen beschloßen, Rußland, Frankreich und in der Folge .uch Schweden, nahmen als Garanten des Mcstpchäft- Z 2 3 Sic sehen Krieges ebenfalls Theil an dem Kriege. Auf diese Weise hatte Friedrich II., der nur an England einen einzigen Alliirten hatte, auf den er sich aber in Rücksicht des Landkrieges wenig verlassen durfte, die gtößten Mächte von Europa gegen sich. Niemand glaubte, daß er, sich allein überlassen, den ungeheuren Kampf bestehen würde: allein sein Genie eröffnete ihm Hülfsqucllen, auf welche seine Feinde nicht gerechnet hatten. Schon im Aprill rückte der König in Böhmen ein und nachdem er sich mit dem Heere des Feldmarschalls Schwerin vereinigt hatte, kam es den 6. Mai bey Prag zu einer mörderischen Schlacht, in welcher die Preußen zwar siegten , aber ihren Sieg mit dem Leben des ! großen Schwerin und mit einem Verluste von rü.ovo Mann an Tod, l ten und Verwundeten erkaufen mußten. Prag wurde gleich, nach dieser Schlacht belagert. Jndeß hatte der Feldmarschall Daun eine beträchtliche Armee an der Mährischen Grenze zusammen gezogen, mit , weicher er diese Festung zu entsetzen drohte. Um dieses zu verhindern, ging der König der Daunschen Armee entgegen und griff sie den ,8. Junius in ihren Vcrschanznngen auf den Anhöhen bei Kollin an. Al- i lein hier kehrte ihm das Kriegsglück zum Erstenmahl den Rücken zu. Trotz aller Anstrengungen wurde er mit einem Verluste von ly.ooo Mann zurückqeschlagen, da mancherlei Fehler vorfielen, von welchen er vielleicht selbst nicht ganz frei zu sprechen war. Eine Folge von dieser Schlacht war die Aufhebung der Belagerung von Prag und der Rück- zag der Preußen nach Sachsen und der Lausitz und Maria Theresia stiftete zum Andenken dieser merkwürdigen Schlacht den militärischen ^ Thcresicn Orden. Während dieser Vorfälle in Böhmen waren auch die Franzosen in Deutschland eingefallen, und hatten die Westphälischen, Hessischen und Hannöverlschcn Staaten überschwemmt; und da die Alliirten, die aus Hannoveranern, Hessen, Preußen, und Braunschwet- gern bestanden, und von dem Herzog von Eumbcrland befehligt wurden, nach dem unglücklichen Tressen bei Hastende? bis Stade zurück- gedrängt und durch die schimpfliche Convention von Kloster Seven in Unthätigkeit versetzt worden waren; so bedrohte ein Französisches Heer > ^unter dem Prinzen Soubisc, der sich mit der Reichsarmee verband, Sachsen und die Erbstaaten des Königs. Dieser wurde dadurch bewogen, nach Zurücklassung des Herzogs von Bevern in Schlesien, nach ! Thüringen aufzubrechen. Mit leichter Mühe vertrieb er die Franzosen aus Erfurt. Jndeß eilte er auf die Nachricht, daß ein Oestcrreichi- fches Korps unter Haddik in die Mark vorgedrungen scy, bis Torgau zurück: allein der schnelle Rückzug dieser Truppen, die 2000 Mann stark am 16. Oktober in Berlin eingerückt waren und eine Brandschatzung erhoben hatten, und das neue Vorrücken der Franzosen veranlaßten ihn Letztcrn wieder entgegen zu gehen, bei welcher Gelegenheit am 5. November die berüchtigte Schlacht bei Roßbach vorfiel, in welcher die Franzosen und Reichsarmeen so geschlagen wurden, daß sie nur in der schnellsten Flucht ihre Rettung zu finden glaubten. Nach diesem Siege eilte der König mit unglaublicher Geschwindigkeit nach Schlesien, wo seine Gegenwart sehr nöthig war, da die Oestcrreicher, nach der Cr- cberung von Schweidnitz und Breslau und nach dem Siege über den Herzog von Bevern , dieses Land schon für völlig erobert ansahen. Al- Sie Z2y lein Friedrich wüste den Sachen bald eine andere Gestalt zu geben. Am z. Decembcr schlug er die feindliche Armee unter Daun bei Leuthcn und eroberte wieder Schlesien bis auf die Festung Schweidnitz. — Die Russen hatten diesen Feldzug mit einer Armee von iM,ooo Mann eröfnet, die im Monach Junv in Preußen einrückte, aber sich, ohngeachtet des Sieges über den Feldmarschall Lehwald bei Großjägcrndorf, nach Ablauf des Sommers gegen die Pohlnische Grenze zurückzog. Eben so hatten auch die Schweden einiges Glück in Pommern gehabt, da ihnen nur wenige Truppen entgegen gestellt werden konnten. Jedoch wur- ! den ihnen bei Annäherung der Lehwaldischen Armee die erlangten Vor- I theile bald wieder entrissen; und dies ist in Kurzem die ganze Geschichte der Schwedischen Thaten im siebenjährigen Kriege. Auf diese Weise war die Lage des Königes am Ende des Jahres >757 günstiger, als , die mancherlei erlittenen Unfälle erwarten ließen. ' Im folgenden Jahre 17.58 trat der Prinz Ferdinand von Braunschweig auf; unter ihm befehligte der Erbprinz, nachher regierender Herzog von Braunschweig, welcher in diesen und in den folgenden Feldzügen sein militärisches Genie mit so vielem Ruhm entwickelte. Kaum hakte Ferdinand den durch die Unglücksfälle des vorigen Jahres gesunkenen Muth der Alliirten aufs neue belebt, als er noch im Februar die Franzosen aus Niedersachsen und Westphalen bis über den Rhein zurück trieb. Nach einer kurzen Erhohlung , die er seinen Truppen von diesem Winterseldzug gestatten muste, ging er im Juny selbst über die- ^ scn Fluß und schlug die Franzosen unter Clermont bei Erefcld. Da sich aber indeß eine andere Französische Armee unter Soubilc in Hessen versammelt hakte, so sah er sich gcnökhigt, über den Rhein zurückzugehen , wohin ihm auch die Franzosen folgten. Durch ,r,e>oc> Engländer verstärkt, wurde er jedoch in den Stand gesetzt, beide feindliche Armeen soweit zurückzudrängcn , daß sie jenseits des Rheins und Mains ihre Winterquartiere nehmen muhten. Auch der König war seiner SeitS im Winter 1758 nicht müßig geblieben. Nachdem er die Oesterreicher ^ aus Schlesien vertrieben und Schweidnitz wieder erobert hatte, rückte ^ er in Mähren ein und fing im Mai die Belagerung von Ollmütz an, die er aber im Julius bei der Annäherung des Feldmarschalls Daun und nach dem Verlust eines beträchtlichen Transports von Kriegs- und Mundbedürfnissen den ihm Loudon und Siskowitz weggenommen hatten, wieder aufheben muste. Unterdessen waren die Russen, nach Zurück- drängung der wenigen Preußischen Truppen , die ihnen entgegen gestellt werden konnten, bis in dieNcumark vorgedrungen. Dadurch wurde der König bewogen, mit einem Theile der Hauptarmee, die er noch durch das Corps des Generals Dohna verstärkte,. zur Rettung seiner Erb- staaten herbeizucilen. In der Gegend von Küstrin traf er das Russische Heer, und da es ihm glückte, dasselbe zu trennen, griff er es den 26. August bei Zorndorf an. Diese blutige Schlacht »öthigke die Russen zum Rückzug nach Pohlen , und gab dem König die Freiheit, sich nach Sachsen zu wenden, wo sein Bruder, der Prinz Heinrich, den Ocsterrei- chern nicht mehr gewachsen war. Nachdem er hier den Feldmarschall Kcirh aus Schlesien an sich gezogen und bereits einige Vortheile über die Oesterreicher erhalten !chrtte, lagerte er sich bei Hochkirch, einen ZZo Sie Dorfe in der Oberlausitz, wo er in der Nacht auf den 14. Oct. von Daun überfallen wurde. In dieser unglücklichen Schlacht verlor er 9000 Mann, 140 Kanonen, zo Fahnen, das ganze Gepäck und nebst mehrrrn Generalen den berühmten Keith. Ungeachtet dieser Niederlage wüste Friedrich doch bald wieder seinen Feinden neue Furcht einzuja- gen. In Schlesien zwang er die Oesterreicher, die Belagerung von Ncisse auszuheben , und da er hierauf nach Sachsen eilte, trieb er noch den Feldw.arschall Daun, welcher Dresden belagerte, nach Böhmen zurück. So sah Friedrich am Ende dieses Feldzugs fast alle seine Staaten, Preußen ausgenommen, von Feinden befreit; denn auch die Schweden, welche anfänglich einige Fortschritte gemacht hatten, waren wieder vertrieben worden. Zu Anfang des Feldzugs von 1759 konnten die Verbündeten wenig gegen die Franzosen auörichten, bis endlich Prinz Ferdinand im Monath August den wichtigen Sieg bei Minden über Contadcs und Broglio erfocht, und der Erbprinz an demselben Tage auch bei Koo- feld siegte. Dadurch wurde das Kricgsglück den Alliirten wieder zugewendet und die Franzosen auf der einen Seite über die Lahn, aus der andern bis an den Rhein zurückgedrängt. Nicht so glücklich war der König; denn obgleich Prinz Heinrich einen glücklichen Zug nach Böhmen ausgeführt, und die Reichsarmee aus Sachsen vertrieben harte , so konnte doch das Vordringen der Russen nicht verhindert werden , da General Wedel, der sich diesem Vordringen widersetzen wollte , bei Zillichau von Soltikvw geschlagen worden war. Bei dieser drohenden Gefahr sammelte der König so viele Truppen , als möglich , und rückte in den schnellsten Märschen zur Verthcidigung der Ehurlande heran. Am 12. August griff er bei Kunnersdorf, unweit Frankfurt, die Russen an? schon hatte er sie geschlagen und auch sogar Couriers mit den Siegesnachrichten nach Berlin und Schlesien abgeschickt, als sich plötzlich das Kriegsglück änderte, und Loudon, der mit 12,000 Oesterreichern zu jenen geflossen war, ihm den Sieg aus den Händen wand, wobei der berühmte Kleist den Heldentod fand. Man halte den König nach dieser Schlacht vernichten können, aber der Russische Feldherr Soltikvw erklärte» dazu keine Ordre zu haben. Der König schrieb voll Verzweiflung über seine Lage an dem Minister Finkenstein: »Alles ist verloren, ich bereite mich zum Tode!" Friedrich zog sich mit einem Verluste von 16,000 Mann nach Tretkin zurück, fast kein Offizier war ohne Wunden, der König verlor zwei Pferde unter dem Leibe, durch seinen Rock selbst flogen Kugeln. Er war von Schlesien und Sachsen, wo die Reichstruppen bereits standen, abgeschnitten. Dauns Armee in der Lausitz stand die Vereinigung mit den Russen offen, Friedrichs Untergang war unvermeidlich, aber das bedächklichc Zaudern der Russen rettete ihn ; letztere verirrten sich mit Haddik, aber Friedrich deckte inzwischen Berlin und hinderte Daun an der Vereinigung mit den Russischen Truppen, indem er Sachsen und Böhmen bedrohte. Vier Heere standen in der Lausitz. Soltikvw zog trotz Laudons Bitten, Mangels weaen nach Pohlen, letztere nach Öberschlesien. Der König marschirte mit seiner Hauptmacht nach Sachsen. Hier widerfuhr ihm durch dem General Fink ein neues Unglück, indem sich i Sie ZZl dieser im November mit einem ansehnlichen KorpS gefangen nehmen ließ. Mein ungeachtet aller dieser Unglückssälle waren die Feinde am Ende des Feldzugs fast überall zurück gedrängt. Nur Daun blieb mit seiner ?irmee in Sachsen stehen , da er Dresden im Besitz hatte. Die Schweden waren auch in diesem Jahre nur alsdann erst mit einigen Glück vorgerückt, als nach der Schlacht bei Kunnersdorf fast alle Truppen aus Pommern zurückgezogen werden musten, sie wurden aber auch noch am Ende des Jahrs wieder zurück getrieben. Das Jahr 1760 schien den König seinem Untergange näher zu bringen. Seine Feinde hatten eine weit überlegenere Macht auf den Beinen und wollten damit vereinigt zu Werke gehen ; da hingegen seine Truppen durch die vorjährigen Niederlagen und durch einen der schrecklichsten Winter sehr geschmolzen waren. Wirklich wurde er auch anfangs durch verschiedene Unglücksfälle beunruhigt. Den 2-z. Juui nahm Loudon den General Fouquet bei Lanbshut mit 6000 Mann gefangen. Diesem Siege zufolge eroberten die Oesterreicher am 26. July Glaß. Die Rußen bedrohten anfangs Pommern und die Neumark, wandten sich aber schnell gegen Schlesien und stießen bei Breslau zu LoudonS Korps. Letzterer suchte diese Stadt vergebens zu überraschen, Prinz Heinrich drängte den Oesterreichischen General nach Schweidnitz zurück. Daun hatte Friedrichen genölhigt die Belagerung von Dresden aufzu- heben. Schnell zog letzterer gegen Bunzlau. Dauns Strategie erschwerte stctts seinen Marsch. Solkikows Aeußerungen nöthigken die Oesterreicher zu dem Treffen am Katzhache unweit Liegnitz. Der wohlangclegte Plan Loudons, der um Mitternacht überden Katzbach ging, um die erste Dämmerung zum Angriffe zu benützen, ward Friedrichen verra- then, doch das Genie des erstern wandte die Gefahr von sich ab. Obwohl er den König mit seinem ganzen Heere bereits in Schlachtordnung vor sich fand, trieb er dennoch den ungestümmen Angriff der Preußen stetts zurück und zog sich zwar mit einem Verluste von 9000 Mann, aber doch ehrenvoll und glücklich den 15. August zur Hauptarm« zurück. Während dieses in Schlesien vorfiel, war ein EorpS Russen und Oesterreich« in die Mark vorgedrunaen und hatte Berlin gebrandschatzt. Um diese abzuschneiden, brach der König eben dahin auf. Da sie sich aber vor seiner Ankunft bereits entfernt hatten, so wendete er sich nach Sachsen, wo die Oesterrcicher und Reichsarmee den Meister spielten, und da sich auch Daun und Lascy hier vereinigt hatten, so griff er, von der Unvermeidlichkeit einer Schlacht überzeugt, die Feinde den z. November bei Torgau an. Durch diese mördrische Schlacht, die nur durch die Unterstützung des tapfer» Ziethen gewonnen wurde, sah er sich nun in den Stand gesetzt, seine Winterquartiere in Sachsen zu nehmen. Uederhaupt hatte sich die Lage des Königs von Preußen gegen das Ende des Feldzugs merklich gebessert, indem Loudon auch in Schlesien bis in die Grafschaft Glatz zurückgedrängt worden war, und die Ruffn, welche nach Pohlen zurückgingen, noch die Belagerung von Colberg aufheben musten. Der Feldzug gegen die Schweden war auch in diesem Jahr ganz unbedeutend. Die Alliirten aber siegten zwar unter dem Erbprinz von Braunschweig bei Kirchhcim und Marburg an der Dicmcl über die Franzosen, konnten aber doch nicht verhindern, Zzs Sir daß die letzter» mehrere Vorthe-ile erfochten und sich im Hessischen fest- setzten. In dem Feldzuge vom Jahre 1761 übernahm der Köuig die Ver- theidigung von Schlesien , wo er jedoch die Vereinigung der Oesterrei- cher und Rußen, die endlich im August bei Striegau erfolgte, nicht verhindern konnte. Nichts desto weniger wüste er sich gegen diese ungleich stärkere Macht in seinem Lager bei Schweidnitz so lange zu halten, bis Mangel an Lebensmitteln den größten Thcil der Russen nach Pohlen zu gehen nöthigte. Gleichwohl aber konnte er London nicht verhindern, Schweidnitz durch Ueberrumpelung wegzunehmen. In Sachsen war Prinz Heinrich geblieben, um der Daunschen Armee die Spitze zu bieten und ungeachtet er von derselben sehr in die Enge getrieben wurde, so gelang es ihm doch durch seine Klugheit, sich in diesem Lande zu behaupten. In Pommern waren die Preußen gegen die Russen unglücklich; sie wurden in einzelnen Corps geschlagen und verloren noch im December die Festung Colberg. Die Schweden hingegen wurden, durch die List des Herrn von Belting oft besiegt, am Ende bis nach Stralsund zurückgelriebcn. Glücklicher als im vorigen Jahre war Prinz Heinrich mit den Alliirten. Denn obgleich die Franzosen durch ihre größere Anzahl Anfangs mehrere Vortheile erfochten, so wurden ihnen doch durch die klugen Anstalten Ferdinands und durch den Sieg bei Billingshausen die erlangten Vortheile wieder aus den Händen gewunden. So war die Lage der Sachen, als gleich im Anfänge des Jahrs ,762 ein Courier die Nachricht von dem Tode der Russischen Kaiserin» Elisabeth brachte. Ein großes Glück für den König von Preußen, der bei der Ueberlegenheit der Feinde, mit welchen er nun schon so viele Jahre gekämpft hatte, am Ende doch würde haben unterliegen mäßen! Der neue Rußische Kaiser Peter III., ein persöhnlicher Freund und Bewunderer Friedrichs H., schloß schon de» 16. März einen Waffenstillstand mit demselben. worauf den 5. Mai der Friede zu Petersburg zu Stande kam. Schweden folgte bald nachher dem Beispiel Rußlands. Bald daraus verband sich sogar Peter III. mit dem Könige und ließ ein Korps Russen zu den Preußen stossen. Der frühe Tod dieses Kaisers trennte zwar das Bündniß mit Preußen, doch nahm Katharina ll., seine Nachfolgen»» , keinen Antheil weiter an dem Kriege. Friedrich ll. der, aus diese Weise von einem so furchtbaren Feinde befreit, ein großes Uebcrgewich t über die andern erlangt hatte, eroberte nun Schweid- niz wieder. Prinz Ferdinand schlug die Franzosen bei Wilhelmsthal und Prinz Heinrich erfocht bei Freiburg über die Reichsarmee die letzten s Lorbeern in diesem Kriege. Alle Mächte fühlten bereits das entsetzliche Elend dieses mörderischen, verheerenden und langwierigen Kriegs. Frankreich war trotz deS Bundes mit Spanien, den es seit ,76» zu Stande gebracht hatte, zur See äußerst unglücklich, beide verlohren dic beträchtlichsten Kolonien und die Französische Marine ward in den schrecklichen Treffen bei dem Andalusischen Cap Lagos, wo Boscancn den Admiral Laclue schlug, am »g. August 1759 bei Beleisle, am 20. November 17Z9 zwischen Hawkes und Conflans und bei Carlingfort, wo Elliot am 2g. Februar »769 den Französischen Thürot besiegte, beinahe ver< Sie ZZZ nichtet. Da nun auch Enalands Finanzen nach und nach erschöpft wurden, so zeigten sich ave Theile dem Frieden geneigt, der am ro. Februar 176z zwischen Frankreich und Spanien, und England und Portugal abgeschloßen wurde und den Engländern fast ganz Bengalen in Ostindien zusicherte. Schon gegen Ende November 1762 schloßen Oesterreich und Preußen einen Waffenstillstand und am 15 Februar 176z ward der Friede zwischen diesen beiden Mächten auf dem Ehursäch- sischen Jagdschlöße HubertSburg unterzeichnet. AlleS sollte auf den Fuß des Drcsnerfriedens (am 25. Dezember 1745) gesetzt werden, Sachsen hielt Fürstenberg und dessen Landmark diesseits der Oder, das Dorf Schidlo blieb preußisch so wie alle bisherigen Besitzungen jenseits der Oder, der König versprach dem Erzherzog Joseph bei der Römischen Königswahl seine Stimme zu geben und der Antwartschaft eines Oester» reichischen Prinzen aus Modena nicht zu widersprechen. Die Sieben-Inseln. Republik verdankte, wie so viele andre Republiken am Schlüsse des achtzehnten Jahrhunderts, ihre Entstehung dem Französischen Revolutionskriege, in dessen Lauf sie aus einem Theile des Venetianischrn Staates erwuchs. Gerade eilf Jahrhun, derte hindurch (seit 697) hatte daS einst so mächtige Venedig unter der Regierung der Dogen sich behauptet, als es im Jahr 1797 den Französischen Waffen unterlag und durch den Frieden von Camp» Formido (am i7ten Oktober >797) aus der Reihe der Staaten verschwand. (S. den Art. Venedig.) Sein Gebiet wurde, zufolge dieses Friedens, in drei Theile getheilet, von denen e^ner an Oesterreich, ein zweiter an dieCisalpinische, ein dritter an die Französische Republik siel. Der letztere Antheil wurde in dem gten Artikel des gedachten Friedens bestimmt. Durch denselben erhielt die Französische Republik die Venetianischrn Inseln in der Levante, nahmlich: Corfu, Zante, Cefalonia, Santa Maura, Cerigo und die übrigen von diesen abhängigen Inseln, so wie Butrinto, Larta, Voi- nizza und überhaupt alle ehemahls Denetianische Niederlassungen in Albanien, die unter dem Meerbusen von Lodrino lagen, mit voller Landeshoheit. Diese Erwerbung war für Frankreich wichtig, indem es dadurch selbst im Türkischen Gebiete festen Fuß hatte, des Handels nach der Levante sich bemeistern, in dem Adrialischen Meere die bedeutendste Rolle spielen, Neapel und Sicilien in beständiger Furcht erhalten und sein gesunkenes Seewesen durch dir Griechischen Matrosen und die großen Eichenwälder in Albanien auf eine bedeutende Höhe bringen konnte. Frankreich ließ daher diese Inseln und Küstenländer, unter Leitung des Generals Gentili, auf Französische Art einrichten und sic wurden unter den Nahmen: Corcyre, Jthaque und de la Mer Egee, als drei neue Departements, der großen Französischen Republik einverleibt. Allein sehr bald ging diese wichtige Eroberung wieder verloren, da die Psorte, durch die Französische Unternehmung auf Egypten zur Rache gerecht, sich mitRußland verband und Frankreich , dessen Seemacht durch die Schlacht beiAbukir (i.Aug. ,798) de,. letzten Stoß erlitten hatte, auch in Ansehung seiner Landmacht avneilig in Verfall gericth. Schon im August 1798 gingen zwölf Russische Linienschiffe unter dem Viee-Admiral Utschakow, in Vereint- S 34 Sic gung mit dem Türkischen Geschwader, durch den Archipelagus, um Frankreich die ihm zugefallenen Venetianischen Inseln wegzunehmen. Cerigo wurde augenblicklich besetzt» und in kurzem auch die Eroberung von Cefalonia, Santa Maura, Zante, so wie der übrigen kleinen Inseln vollendet; nur Corfu wurde erst zu Anfänge des Märzes 1799 den Franzosen ganz entrissen. Wahrend dieser Zeit unter- ! warfen sich auch die Türkischen Truppen die übrigen, an Frankreich gefallenen» Venetianischen Besitzungen auf dem festen Lande von Al- banien. Alle diese Inseln und Landerelen blieben von jetzt an von den Türkischen und Russischen Truppen besetzt, ohne daß jedoch die Verfassung desselben genau bestimmt wurde, indem das Jahr 1799 die Russen in der Schweiß und Italien, und die Pforte in Egpplen zu sehr beschäftigte. Erst am aisten Marz igoo wurde über dieselben zu Constantinopel ein Vertrag abgeschlossen. In Gemäßheit desselben sollten die vbgedachten Inseln, unter denen Corfu, Zante, Cefa- ^ lonia, Cerigo, Santa Maura, Jthaka und Paxo die sieben vorzüglichsten sind, deshalb den Nahmen: Republik der sieben vereinigtenJnseln führen, und unter dem Schutz der Pforte eine Republik ausmachen. Die Regierung derselben erhielt ein, aus den Vornehmsten des Landes bestehender Senat, der jedoch von der Pforte abhängen sollte, Auch sollte die neue Republik an letztere alle Z Jahre 7^000 Piaster zahlen, hingegen von allen andren Abgabe» frei seyn. Die Exoenetianischen Besitzungen in Albanien: L arla, B u t r i n t 0, P re ve sa und Vo i n izza , wurden der Pforte ei- genthümlich überlassen, jedoch dabei festgesetzt: daß zwar die christlichen Einwohner dieser Orte, so wie in der Wallachei und Moldau, einem Türkischen Befehlshaber unterworfen, den Türken selbst aber nicht erlaubt seyn sollte, sich hier Eigenthum anzukausen. Rußland, daS überhaupt die Erhaltung der neuen Republick zusicherke, versprach zugleich seine Sorge dafür zu verwenden: daß bei dem allgemeinen Frieden von den alliirten und den übrigen Machten alles garantirt würde, was sich auf die politische Existenz derselben beziehe. Bei den zu L 0 n- d o n zwischen England und Frankreich (am iten Lct. igoi) und zu Paris zwischen Frankreich und der Pforte (am csten Oct. 1801) abgeschlossenen Friedenspräliminarien (welche denn durch den zu Amiens und Constantinopel erfolgten Definitio-Frieden 1802 Bestätigung erhielten) wurde auch die gedachte Constitution der neuen Republik anerkannt und von der Pforte zu diesem Zwecke Frankreichs und Ruß- > lands Garantie angenommen. Jndeß genoß die neue Republik noch keiner festen innern Ruhe. Der durch die obgedachte Constitution ange- ! stellte Senat bestand größtentheils aus Edelleuten und Gutsbesitzern. Kaum hatte sich aber die Russische Flotre aus dm Gewässern von Corfu entfernt; so bildeten sich Parteien, welche die Constitution als aristokra- sisch verwarfen, und eine neue demokratische einsührten. In Corfu lief hierbei alles ohne Blutvergießen ab, da hingegen es aufden andern Inseln, besonders aufZan t e und C ef a l 0 nia, zu blutigen Händeln kam. Diese ohne Vorwissen der Pforte und Rußlands geschehene Abänderung der Constitution wurde von jener durch einen Firma» gemißbilligt, dir neuen Sie SZL Gesetzgeber der sieben Inseln für Aufwiegler erklärt, auch die vorige Re« gierungssorm und der Senat, unter Mitwirkung des Englischen Geschwaders, das am 28. Februar i802 diesen Firman überbrachte, wieder hrrgestellte. Da indeß die inncrn Unruhen noch fordauerten, so wurde im September desselben Jahres ein anderes Russisches Corps aus Neapel abgesendct, welches sich der in der Republik befindlichen Echwindelköpfe bemächtigte. und alles in vorigen Stand setzte. Auch wurde durch Rußlands Vermittelung das von der Republik an die Pforte zu zahlende Schutzgeld von 75,000 Piastern auf die Hälfte , herabgesetzt. Um die Constitution der Republik noch fester zu gründen, machten am zo. December 1802 der Russische Bevollmächtigte, Gras Mocenigv, und der Präsident der Republik, GrafSpiridion- Leo kocht, zu Corfu durch zwei Proclamationen bekannt: daß eine ! neue Nationalversammlung zusammenberufen werden solle, um an der Organisirung der Republik zu arbeiten. Jede Insel solle durch ihre obrigkeitlichen und gerichtlichen Personen dieselbe Anzahl der Repräsentanten wählen, die sie vorher bei dem Senat gehabt, und diese Nationalversammlung , in vier Commissionen getheilt, als provisorische Behörde die Regierungs- und Derwaltungsgeschäste übernehmen. Es wurde hierauf nach Abgang des alten ein neuer Senat gewählt, der an ein besonderes gesetzgebendes Corps über die Lage der Republik berichtete, und zur neuen Einrichtung der Staatsoerfassuna in ihren verschiedenen Theilen Plane vorlegte. Im October igoz eroffnete das gesetzgebende Corps seine Sitzungen, und am 6 . December desselbe Jahres wurde die neue Constitution von ihm angenommen, öffentle n bekannt gemacht, auch durch eine Deputation die Acte derselben d ch Russischen Minister überschickt. Diese Constitution bestimmte besem ders: 1) das Gebiet, 2) die RegierungSform, z) don- Adel, und 4 ) die Religion der Republik. In Ansehung e n erstenPunkts werden zwar die vbgedachten sieben Inseln als HadeS inseln bestätigt, jedoch alle übrige Exvenetianische bewohnte und uupt- wohnte Inseln längs der Küste von Albanien und Morea ebennbe- als Theile der Republik erklärt» nur sollen diese letztem, nach falls Lage, einer oder der andern von den sieben Hauptinseln unterwihrcr seyn. 2) Die Regierungsform ist aristokratisch, und diorfen girrung gehört dem konstitutionelle» Adel. Z) Dieser Adel, odee Re- Recht, regierungsfähig zu seyn, findet bloß in den sieben Haup r das Statt, und wird durch Eintragung in ein besonderes Buch ekinseln Jeder, dessen Nähme in dem Buche befindlich ist, ist adelich. rlangU ^ so kann Jeder, der aus den sieben Inseln gebürtig ist, sich zu Eben stenthum bekennt, von einem christlichen Vater absiammt undm Chri, geboren oder legitimirt ist, in dieses Buch eingetragen und u ehelich Adel ausgenommen werden» wenn er sich nur keines Verbrechenter den big gemacht, keine Kunst und Handwerk treibt, und keinenns schul- Laden , aber bestimmte Einkünfte hak. Doch kann auch jedes offenen einer berühmten Acadcmir in Europa, das von den Früch Mitglied Talente, als Schriftsteller oder Freikünstler lebt, ebenfalls dien seiner erlangen. 4) Die herrschend« Religion der Repiesen Adel die Griechische; die Römisch-katholische genießtublik ist Schutz, z,6 Sie alle übrige Religionen werden bloß geduldet. — Die sieben-Jn, sel ii-Republik, oder Jon ien , ist nun, nachdem im August 1807 der Russische Minister in Corsu dem Senat angezeigt hatte, daß Alexander den Schutz der Republik dem Französischen Kaiser Napoleon übertragen habe, zu Folge der hierauf unterm i. Sept. bekannt gemachten Verfassung, vom Französischen Reiche abhängig, die Einwohner sind Unterthanen des Französischen Kaisers, und Wappen und Flaggen deS Reichs gemeinschaftlich ; die Regierung wird vorläufig beibehaltcn. Der Senat muß vom Gouverneur im Nahmen deS Kaisers die Dccrete bestätigen und seine Berathschlagungen genehmigen lassen. Die Truppen der Republik werden aus demselben Fuß beibehalten; der Generalgouverneur ist zugleich Commandant ea Ltiek aller bewafneten Truppen, die auch dem Französischen Kaiser den Eid der Treue schwören u. s. s. Die Größe und Volksmenge der sieben Hauptinselnist folgende: 1) C 0 rfuhat auf ungefähr 30 Deutschen Meilen 59—60,000 Einwohner; 2) Zante 13—14 d. M. und 35-000 Einw. - Ceti ao iZ—14 d. M. und 7100 E-; 4 ) Santa M aura iz—14 d.M. 15,000 E-;z) Cefalonia Z5 d. M. 69—70,000 E. ; 6) Jthaka 6—7 d. M. 7,500 E. ; endlich 7) Paxo aus 4 d. M. gegen goooEin- wohner. Außer diesen Hauptinseln sind,als Nebeninseln, besonders Cer igotto, zu Cerjgv gehörig, nur seit ungefähr zwanzig Jahren von etwa lyo, sämmtlich Griechischen, Familien bewohnt, und Skrivali (oder die Strop haben), aus zwei kleinen Inseln bestehend , die südöstlich von Zanta liegen, von denen die kleinste gar nicht bewohnt ist, zu bemerken. Die Einwohner der sieben Inseln sind größtentheils Griechen , daher auch die Sprache Neugriechisch ist; ausserdem giedt es auch viele Venekianer. Das Clima derselben ist sehr heiß, und man kennt dort keinen Herbst; auch fallt nie Schnee, sondern bloß die zu Ende des Oktobers bis Ende Dccembers cinfallende Regenzeit macht den Winter. Erdbeben sind, besonders auf Zante und Cefalonia, sehr häufig. Man hatte auf der ersten Insel im Juni 1804 seit einem Zeiträume von fünf Vierteljahren über hundert verspürt, unter denen aber nur vier oder fünf heftig waren. Die vorzüglichsten Landesproducte sind Obst, Wein, Oehl, Corinthen und Baumwolle, von denen die vier letztem auch die vorzüglichsten Handelsartikel sind. Getreide wächst nicht hinreichend» und die Viehzucht ist bei der Dürre des Bodens nicht beträchtlich; nur die Strop haben haben gute Weideplätze. Auch herrscht an manchen Orten Mangel an Master. So hat z. B. die Hauptstadt Corfu, nebst der Insel gleiches Äahmens , keinen einzigen Brunnen, sondern bloß Cisternen, die rin ungesufides und nicht einmahl hinreichendes Wasser liefern: daher das nöthige Wasser^auS einem Flusse in die Stadt gebracht und verkauft wird Die Jnse^ Cesglonia hak gar keine Flüsse. Unstreitig kann jedoch die gegenwärtige Beschsss-nheit dieser Inseln, besonders in Ansehung des Ackerbaues und der Viehzucht» durch größer» Fleiß und Arbeitsamkeit der Einwohner sehr verbessert werden. Allein bisher zogen, besonders die Einwohner von Zante und Cefalonia, ihr Getreide , Vieh und andere Bedürfnisse aus M 0 rea, deren Einwohnern sie in der Ernte beistehen , und nach deren Beendigung mit ihren Sie ZZ7 dort angeschafften Vorrathen zurückkehren. Viele Einwohner von Ee< falonia leben sogar 20, zo Jahre an fremden Orten, sammeln sich einiges Vermögen, und verzehren es sodann in ihrem Vaterlande in Un» thatigkeit. (M. s. die Republik der sieben Inseln in Archenholz Minerva non 1805 u. 1306.) Der Siebenschläfer: so werden in der christlichen Alter- thumslegende sieben Brüder aus Ephesus genannt» welche zur Zeit der Christen" Verfolgung unter Decius im Jahr zzi in eine Hohle fluchte- teten, hier einschliefen, und erst nach 155 Jahren unter dem Kaiser Thcodosius wieder erwachten. Sieben Weisen Griechenlands, f. Weisen. Siedelhöfe, s. Sattelhöfe. Sied elHof, ein Grundstück, welches von Frohndiensten frei ist, auch zum Thcil noch andre Vorrechte, z. B. eigne Gerichtsbarkeit, hat. Siegelbewahrer, der das Kanzleiflegel in Verwahrung hat, wie besonders der Groß-Siegel-Bewahrer in England, der zugleich Groß-Kanzler ist. Siegelerde, s. Terra sigillata. Siegwartisiren, empfindeln, den Mond beäugeln und ihm seine Leiden klagen, wie der Held des Romans Siegwart (von Müller), der jedoch bei weitem nicht so empfindelt, wie seine schwärmen, scheu Verehrer in jener Periode, wo der Siegwart allgemeines Aufsehen machte. Siel, heißt im Niederdeutschen eine Schleuse unter einem Deiche oder Wasserdamme, um das innerhalb desselben befindliche Waffer, durch Oeffnung der daran befindlichen Thüren nnd Klappen, abzulas» sen; daher Siel-Acht, Siel-Land, ein gewisses Stück Land, welches durch ein Siel abgewässert wird. Sieldeich, ein Deich, in welchem sich ein Siel befindet. Sielgeschworner, ein beeidigter Unteraufseher über ein Siel. Siele, heißt in einigen Gegenden ein Kummet; desgl. die Stränge an einem Pferdegeschirre; auch die Tragbander der Karren» laufer beim Wasserbaue. Siena (Lat. 8eoa, 8ena äulia, Franz. 8ieaae), eine der bedeutendsten Städte in Toskana, mit >g bis 16.000 Einwohnern, auf dem Abhänge eines Hügels gelegen, mit guten Wollenmanufac» kuren, Ledergerdereien, Seidenfabriken rc. Das Gebiet von Siena (idgro 8aness), welches sich in Ansehung feiner Gerichtsbarkeit auf ! 7° Jtal. Meilen erstreckt, und darunter 8 Städte, über sua Dörfer j und Flecken rc. begreift, ist reich an vielfachen Mineralien, an Getreide (ein guter Thcil davon wird an das Florenkinische abgelasscn), an Bergwerken, Skrinbrüchen (der feine, sehr schönfardige Marmor, der hier bricht, wird häufig gesucht), auch an ergiebigen Salinen. Auch ist unter der Negierung der letzten Großherzoge durch Austrocknung der Moräste dle Luft gesünder gemacht worden. Ein Naviaa- tionskanol, der längs dem See von Castiglione angelegt ist, und bis ins Meer geht, erleichtert das Aussühren des Getreides ungemein. Unter den Gebäuden zu Siena — das übrigens eine schöqe gesunde Eonv. Lex. Fünfter Band. sy ZZ8 Sit Lage, auch sehr schön gepflasterte, saubere Straßen hat, die fast alle j nach dem Mittelpunkte der Stadt zu führen — verdient noch die > erzbischöfliche Kalhrdralkirche von weißem, aschgrauem und schwarzem i Marmor, der Marktplatz und der Springbrunnen darauf, das Opern- I Haus rc. Erwähnung. — Das so berühmte Geschlecht der Piccolo- ! < mi ni stammt aus dieser Stadt. t Sierra Leone: so nennt man den nordöstlichen Theil der ^ Pfefferküste in Oberguinea in Afrika. Außer den Negervölkern, den il ursprünglichen Bewohnern deS Landes, haben sich verschiedene Euro- 2 päer, deS unseligen Selavenhandcls wegen, hier niedergelassen; vor. f züglich aber errichteten die Engländer, von denen sich eine Gesll- n schaf: unter dem Nahmen (-sorge-ka)- Company zn diesem Tnd- d zweck formirt hatte, in den neuern Zeiten ein berühmtes Etabliff ment , § auf dieser Küste; die von ihnen erbaute Stadt wurde Freetown— 2 Freistadt — zum Denkmahl freigcwordener Sklaven — genannt, und ti hakte gegen 400 Häuser. Bon den Franzosen wurde es uun zwar in k dem Kriege 1794 größten Theils zerstört, allein die Britten ließen es n dennoch nicht. Auch schien diese neue Stiftung im Jabre 179g wie- S der aufs neue ihrem Untergänge entgegen zu gehen, indem ein Thkil si der Co'lonisten — fast alle freie Neger, die man größten Tl-eils «ns d Neu-Schottland , zum Besten deS neuen Pflanzorks , nach Afrika n transpsrtirt harte — unter dem Dorgeben von Bedrückung starke Un- ö ruhen anstttgeu, dem Gouverneur und Conseil allen Gehorsam aufkinn d digten, und eine neue Constitution errichten wollten. Allein glückst- v, eher Weise wurden die Compagnie-Beamten, deren Macht zur Ver- d, theidigung eben nicht groß war. durch ein angekommenes Englisches di Schiff ansehnlich verstärkt, die Empörer bcstegt, einige davon zum E Tode oerurthcilt, mehrere transportirt, und so die Rnbe glücklich wie- der hergcstellt. Einen großen Verlust erlitt noch die Compagnie durch ^ den Tod des Aldermanns von Freetown, Thomas Coop er, von sv Afrikanischer Herkunft, den die Schwarzen als ihren Vater betrachte- ni ten, und jetzt immer noch betrauern. — Die vornehmsten Produkte dieser Colsnie bestehe» in Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Pfeffer, ki Ingwer und Kaffee; an Hausthieren gibt es Rinder. Schafe (jedoch »i nicht mit Wolle, sondern mit einem sträubiqen Haar versehen), " Schweine, Enten, Hühner; an wilden Thieren: Löwen, Leoparden, " Hyänen; Fische find sehr häufig, darunter Haystsche, Delphine, Aale, " auch sehr viel Austern rc. Sierra Morena, s. Olaoides. ü Siesta, heißt die in Spanien und Italien gewöhnliche Mit- A tagsrube währrnd der stärksten Sonnenhitze. ^ Der Abbe Emanuel Joseph Sicyes, am g. Mai 1748 zu Fre« gl jus in der ehemahligen Provence (dem jetzigen Var-Departement) ge- 2 borcn, wo sein Vater Landeiqenthümcr war, zeigte zwar in sein r Jugend große Neigung zum Militairstand. allein sein Vater, der »> ihn lieber in den Geistlichen eintreten zu sehen wünschte, schickte ilm, w da er 14 Jahre alt war, auf ein Seminarium der Jesuiten nach Pa« « ris, wo er >o Jabre lang blieb, und daselbst den Grund zu der» d« Charakter legte, dm er nachher beständig behauptete. Durch die Ad» Sie ZZ- geschledenheit von der Welk, wozu ihn die Gegenwart auf dem Se. minarium nötdigte, erzeugte sich i» ihm eine Neigung für die Ein» samkeit; und die schlechte Beschaffenheit des Unterrichts machte den lehrbegierigen Jüngling mißmurhig und düster. Da er von Jugend an gewohnt war, selbst zu denken, so fand er bald Geschmack an den philosophische» Schriften eines Locke, Condillac und Bannet. Zwar vernachlässigte er auch andere Wissenschaften nicht; immer war ihm aber doch die Meditation über die wichtigsten Gegenstände der Menschheit die liebste Beschäftigung. Die Annehmlichkeiten der Mu» sik, die er vorzüglich schätzte, waren dazu bestimmt, die Stunden seiner Erhohlung zu versüßen, und erhielten ihm das sanfte Gefühl, das er sonst durch die Einsamkeit vielleicht verloren haben würde. Nachdem er das Seminarium verlassen hatte, wurde er Doctor der Theologie, und 177L Domherr und Canzler der Kirche von Chartres. Sein beständiger Wohnort war Paris, wo er bei der Dber- kammcr der Geistlichkeit die Kirche von ChartreS repräsentirte. Seine geistlichen Verrichtungen bestanden also bloß in Administrations- geschäften, und er hat nicmahlS weder gepredigt, noch Beichte gesessen. Uebrigens lebte er auch in Paris eingezogen, und die rauschenden Freuden dieser üppigen Hauplstadt unterbrachen keineswegs seine metaphysischen Speculationen. Im Jahre 1788 erklärte er stch zuerst öffentlich gegen die herrschenden Unordnungen in der Regierung: bald darauf gab er auch die Schrift heraus, der er zuerst seinen Ruhm verdankte, nähmlich die Abhandlung über die Rechte deS Bürgerstandes s^u'est cs que ls tiern sink?). Die Lrtändevcrsammlung wurde eröffnet, und Sicpes befand stch unter den Abgeordneten des Standes, für welchen er stch so lebhaft intcressirt hatte. Während der Sitzungen der zweiten Nationalversammlung war er auf einige Zeit Mitglied des Pariser Departementsdirectoriums. Nachher hielt er sich auf dem Lande auf, und hier war es, wo er in einer Entfernung von 60 Meilen von Paris (1792) die Nachricht erfuhr, daß ihn drei Departements zu ihrem Deputirtcn bei dem neu eröffnet«» Nationaleonvent erwählt hätten. Er folgte dem Rufe; erhielt sich unter allen den Stürmen, welche die Conoentsherrschaft ausgezeich, net haben, und wurde nach der Einführung der neuesten Constitution von 179z Mitglied im Rathe der 500, nachdem er eine Stelle im Di- rectorium von sich abgclehnt hatte. Ein »euer Wirkungskreis »öffnete sich für ihn als Gesandter der Republik am Preußischen Hofe; und in der Folge hatte er in Verbindung mit Bonaparte den wichtig- ßen Antheil an dem >8. Brumaire. Er und Duclos regierten neben Bon aparte als Consul. In der Folge überließ er sich, als Mitglied deS Erhaltung--Senats, einer philosophischen Ruhe auf dem Laudaule. das ihm von der Nation geschenkt worden. Ueber den politischen sowohl als moralischen Charakter dieses Merkwürdigen ManneS ein entscheidendes Urtheil zu fällen, möchte wohl schwer seyn. Es gibt eine gewisse Parthei, welche ihn an die Spitze der so genannten Propaganda stellt, und die ganze Maschinerie der Revolution diriairen läßt. Unter dem Ministerium des Brienne P s Z4o S i e soll er schon gewirkt, nachher dem Herzoge von Orleans sich ver, kauft, und endlich den König aufs Schaffst gebracht baden. Alle Partheien, die nach und nach auftraten, soll et anfänglich unterstützt und endlich gestürzt haben, wenn er sie nicht mehr brauchte. Kodes? ierre wird alS sein letztes Opfer angegeben, dessen er sich mit echt jesailischen Kunstgriffen gerade noch zur reckten Z it entledigt Härte. SieyeS galt für einen Anhänger von Orleans; weil dieser einen Aufsatz von ihm den Instructionen seiner Depulirten zur Nationalversammlung beifügte. Niemahls hat aber SieyeS zu Gunsten Orleans etwas unternommen. In der Naeionalversammlung sprach er so selten, daß Mirabeau laut fein Bedauern da über äußerte. Gewöhnlich arbeitete er in den Ausschüssen. Am iy. Juni 1791 klagten ihn die Jacobiner an , daß er ein Freund des Adels setz; untz gerade dieser Stand war es, gegen den er a-n nie sten eingenamm n war. Die ganze Anklage war eine Cabals der ränkevollen Parthei der Lamelhs, welche es ihm nicht verzieh, daß er-so genau >h>e Schrine beobachtete, und überhaupt gegen die Min0'i«at de- AdelS --- die zum Bürgcrstande übcrgetreken war — ein größeres Mißtraue« hegte, als gegen die erklärtesten Aristokraten. Hätte SieyeS mit einer Parthei gemeinschaftliche Sache gemacht, so würde gewiß Kodes pierre oder ein anderes Partheihaupt ihn entlarvt haben. Am meisten näherte er sich vielleicht noch deu Girondisten, aber dessen ungeachtet durfte eS die Bcrgparthei nicht wagen, ihn mit diesen verdammen. Zwar wurd« seiner einige Mahl nicht im B sten bei dieser Gelegenheit gedacht; dabei blieb ,S aber auch. SieyeS sprach im Convente, noch weit seltner, alS in der erste» Nationalversammlung. und daS auS dem sshr begreiflichen Grunde, weil hier Menschen handelten , denen der wahrhaft philosophische Geist ein Gräuel war. Nach dem 9. Thermidor gewann die noch übrige Minorität deS ehc- mahligen Adels — die so genannte gute Gesellschaft — wieder viel Einfluß, und daS war denn abermahls kein Wirkungskreis für SieyeS. Er zog sich in die Einsamkeit zurück, erschien selten im R che der 500, und sprach noch seltner darin. Man mochte eS ihm zum Borwurfe, daß er nicht habe Mitglied deS Direktoriums werden wollen. Aber warum hätte er den Heuchler machen, und eine Constitution mit vollzi-hen helfen sollen, an der er Verschiedenes auSzufttzen fand, j» der er auch einen ganz andern Plan vorgekegt batte, der aber nicht genehmigt worden war? Warum sollte er ein College Reu beiS wer- den, gegen den er — gewissen Nachrichten zu Folge — eine persönliche Abneigung empfand? Oder er fand sich endlich vielleicht wirklich > zu so einer Stelle zu schwach, und dann war die scherzhafte Antwort, d«r er einem Freunde hierüber gab, — daß er zwar ein gutes Cabrio- ierpferd, aber niaat geschickt, an einem Wagen zu ziehen, ley, — daaufrichtigste Geständniß seines Bewußtseins. Warum mußte man immer geheime Pläne bei ihm suchen, warum ihn z»n> Anstifter aller Verschwörungen gegen den Thron und aller Schandrdaten der Revolution machen?w,eMalletdüPan und M 0 unier so gerne der Welk einredc» möchten. Wie sollte ein etnz lner Mann, der v»r der Revolution unbekannt war, auf cinmahl zu so einem Ansehen gekom- Sif Sig A4» men fky», daß ihn die Anführer der unähnlichsten Tartheien, von Orleans an bis zu Nobespierre, und vielleicht noch weiter herunter, als ihren Führer verehr«, und die Edre, von ihm als handelnde Perioneu auf dem Schauplätze aufgcführt zu werden, endlich sogar mit ihrem Blute bezahlt halten? — Step es ist ein scharfsinniger Denker, der daS Wohl seines Vaterlandes durch kluge Vorschläge gern recht dauerhaft gründen wollte: wenn das Spiel der Privat- tridenschaften die Stimme der Weisheit überschrie, so schwieg er, und beklagte es im Stillen, „daß schlechte Menschen sich in die schöne Sache der Revolution gemischt hätten." So urlheilt ein glaubwürdiger Augenzeuge — der Domherr Meyer in Hamburg — über ihn, und dieses Zeugniß bedarf keiner neuen unterstützenden Beweise. Eben dieser Gelehrte, der b»i seinem Aufenthalt in Paris SieyeS besuchte, widerlegt auch die Gerüchte, die man von einer Verbindung zwischen ihm und Kant ausgebreitethatte. SieyeS versteht kein Deutsch, und gestand, daß er nach Deutschland gar keine Correspondenz hätte. — Seine Schriften, welche aste in einzelnen philosophischen Abhand- kngrn »nd kn Vorschlägen, die er von Zeit zu Zeit in den Versammlungen gethan hat, bestehen, sind (1796) auch in das Deutsche Übersetzt, und mit einer kritischen Einleitung über seine politische Laufbahn versehen. Am >>. April »797 wurde er i» seiner Wohnung von einem Priester, NahmenS Po ule, meuchelmörderischer Weise überfallen, und in den Arm verwundet; er genaß jedoch bald wieder. 8ilflst, heißt in den Orgeln ein Flötenregister von » >/2 bis 2 F ,ß Ton. 8ißillum, (Lat.) Sigill» daS Siegel, besonders ein großes Siegel. 8nk, vigiller, s. s u b. — Slgilkiren, siegeln, besiegeln, unterstegeln. 8igiilatim, besonders, inSdtsvudre. Sigmaringen» eine »nans hnliche Stadt an der Donau mit 800 Einwohnern, dem fürstlichen Hause Hohenzoller» gehörig. Signal, (Lat.) das Zeichen, die Loung, um in der Entfernung etwas anziideuten oder zu befehlen. So werden z. B. im Kriege Signale geg-ben durch Kanonenschüsse, Raketen u. dgl.; auf der See durch Veränderungen der Flaggen, weshalb jedes Schiff Flaggen von mchrern Farben am Bord bat. — 8 i ^ r> s I e m e 0 t, (Kranz. Signalemang) die Bezeichnung, Beschreibung z. B. eines Flüchtigen. — Signaliren, das Zeichen oder die Losung geben; etwas durch Zeichen melden oder andeuten; z. D. eine Flotte wird von der andern fignalirt, d. h. ihre Nahe wird von derselben bezeichnet. Man sagt jedoch auch dafür: signalisiren, welches eigentlich heißt: auszeichncn. Sich signalisiren, sich auszeichnen, bervorthun. — 8ixn3turn, unterzeichnet, gesiegelt (wie am Schluß landesherrlicher Refcripte steht). Signatur, die Zeichnung oder Bezeichnung. Insbesondre: die Unterzeichnung, Unterschrift und Besiegelung, z. B. die Signatur eines DocumentS ist verfälscht. Desgleichen bei den Kaufleuten: rin gewisses, jedem Handelshause eignest Zeichen, womit sie jedes Packet bei der Uebergabe an den Schiffer oder Fuhrmann versehen, um Verwechselung zu verhüten. Bei den Buchdruckern; dir Buchstaben oder Zahlen, weiche sie unter jeden Z 42 Sig Sil Bogen setzen, damit man sogleich sehen kann, der wie vielste es sey. — In der Musik: die Bezeichnung der Noten durch Ziffern, wie auch die Verzeichnung, und das Zeichen des Schlüssels. Bei den Apothekern: die Aufschriften oder Gebrauchszettelchen an den Gläser», Schachteln u. s. w. — Signet, ein kleineres Siegel oder Petschaft zum Unterschiede von Sigili; z. B. ein Notariatssiegel, ein Han- j delsstegcl re. — Signification, die Bedeutung z. B. eines Wortes. — Significaut, signifikativ, bedeutsam, bedeutungsvoll. — Signiren, zeichne», bezeichnen, unterzeichnen (in den verjchiedne» unter Signatur angegebenen Bedeutungen). — 8 ix- vum, das Zeichen. 8 ixnum exclamsncki, ein Ausrufungszeichen (!); 8iZnum interrox-sncii, ein Fragzeichen (?); 8 iß- oum repetitioois, ein Wiedcrhohlungszeichen 8igoor, 8iZn<,rs, (Jtal. Sinnjor, Sinnjvra) heißt in der feiner« Umgangssprache der Italiener so viel als bei unS: Herr und Madam. 8ißnoria, die Herrlichkeit, Herrschaft. Vostra 8ixnc>ris: Ew. Herrlichkeit. Die Signoria: so hieß vorzugsweise der höchste Rath zu Ve- nedig, welcher aus dem Doge und den sechs vornehmsten Rathshcr- ren bestand; eben so wurde zu Genua dem hohen Staatscollegium (dem ^ Dege und denen acht Governatori), und zu Lucca denen neun Anzia- ^ ni, deren Oberhaupt der Gonfaloniere ist, dieser Nakme beigelegt. Silberberg, in Niederschlesien unter Preußischer Herrschaft, ist wegen einer nahgelegnen in Felsen gehauene» Hauptfestung merk, würdig Silber-Blende, eine taube Bergart von der Farbe des Silbererzes. — Silberdruck, nennt man s.liene Drucke mit silbern:» Buchstaben, von welchen Man sonst glaubte, daß sie auch mir silbernen Typen gedruckt würden, welches aber nicht möglich ist. — Sil- derg tanz, hiißt der Bieiglanz, wenn er silberhaltig ist. Silber- glätt e, die weiße Bleiglatte. — Silbergro scheu, hieß im iLken Jahrhunderte eine Sächsische Silbermünze, wovon aus der Mark 6» Stück geschlagen wurden. — Silberkalk, verkalktes Silber. — Silberkammer, heißt an Höfen daS gesammte Personal, welches die Aufbewahrung und Reinigung des Silbers über sich hat. D r Oberste desselben ist der Silber kämme rer, welchem zunächst -er Silberschreiber folgt. — Silberkönig, reines, von allen fremden Thcilen geschiedenes Silber. — Silberling, war bei , den Juden eben so viel als Seckel. S. dieses. — Silber-Page, ein adelichcr Hvfbebienter, welcher die regierende Herrschaft bei l der Tasil bedient. — Silderservice, (—serwihs) das zusammengehörige silberne Tafelgeschirr.— Silberwagen, heißt an fürstlichen Höfen ein Packwagen » auf welchem bei Reisen das Silbergeschirr und andre Sachen von Werth transporlirt werden. Insbesondre heißt so ein Wagen, der alle 14 Tage von Freiberg das zu Gute gemachte Silber nach Dresden in.die Münze liefert. — Silberzai- ne, in Zaine oder lange viereckige Stäbe gegossenes Silber, auch Stangensilber genannt. Sil z4z Die Silberflotte heißt die Flotte von Kauffartheischiffen, welche jährlich aus Spanien, und zwar gegen Anfang oder Milte -es Augusts, von Cadiz' auS noch Deracruz: in Neu-Spanien oder „ach Mexiko absegelkr. Sir Halle diesen Nahmen darum, weil der vornehmste Tbeil ihrer Ladung in Silber bestand. Da sie aber bei - der Hinreise sowohl als bei der Herreise sie brachte gemeiniglich iy ^ bis 20 Monalhc zu — sehr schwer beladen nar, so war auch die Schwierigkeit desto größer, sie zu verrheidigen. Zwar sollten die Gal- lionen (welches eigenrlich königliche Kriegsschiffe und ohne Ladung sind) zum Geleit derselben dienen; allein der GeiH der Befehlshaber befrachtete sie gewöhnlich so stark, daß sie jener nur wenig oder gar nicht zur Dcrkhcidigung gereichten. Im Fahre 1751 sind die Silber- ffoklen abgeschafft worden. (S. auch d. Art. Me/iko.) Gottfried Silb ermann — ein Nähme, gewiß jedem Clavicr» und Orgel - Spieler gleich vrrehrungswerlh — war zu Frauenstei,, i,n Meißnischen geboren. Bei seinen sehr großen Kenntnissen in der Mechanik und bei einem bedeutenden Vermögen, wodurch er immer den > ausgesuchtesten Vvrrath von gutem auSgetrocknetcn Holze hatte, konnte er auch seinen Instrumenten die so bewunderte Vollkommenheit geben. Der bekannte Hamburger Bach besaß beinahe 5a Jahre lang ! ein Claoier von diesem Meister, das weder an seinem schönen Tone, l noch an der Festigkeit daS Mindeste verlor. Auch die beliebten P i 0- noforte's hat Silber mann, wenn gleich nicht erfunden — diese Ehre macht ihm Schröter (s. dies. Art.) streitig — aber doch in hohem Grade vervollkommnet. Der alte berühmte Seb. Bach halte eines dieser Pianosorte'S, welche übrigens in Flügelform gebaut waren, bespielt, und manches daran getadelt: dieß verdroß Silbermann, der keinen Tadel vertragen konnte, so sehr, daß er keines dieser Fnstrumente weiter ausgab, Jahre lang über den gerügten Fehler nachdachte, und endlich auch wirklich dem Instrumente die Vollkommenheit, besonders in Rücksicht des leichtern Tractanients, gab, die nun Bach selbst ciiigestchen mußte. — Außer der Erfindung des Eembal d'Amour, gebührt ihm noch der größte Ruhm als Orgelbauer: die Sauberkeit, Gute und Dauer seiner Werke, die große Einfachheit bei der innern Anlage, die volle und prächtige Intonation, so wie die leichte und bequeme Elaviatur, geben leinen Werken einen außerordentlichen Werth. Die schönen Orgeln in Freiberg, in Dresden (in der katholischen Schloßkirche sowohl als in der Fraucn- ilnd Sophienkirche) und an mehrern Orken werden immer die redend- sten Denkmählcr dieses großen Künstlers bleiben. — Er starb umS Jahr >756. Sein Bruder zu StraSburg, bei dem er zuerst die Orgelbau-Kunst erlernt hatte, hinterließ drei Söhne, von denen der äl, teste, Johann Andreas, als Orgelmacher, und der jüngste, Joh. Heinrich, als Fortepiano-Bauer in Strasburg, und überhaupt in Frankreich, den Ruf dieses Rahmens sorkgepflanzt haben. Silen (Mythol.) wird in der Fabellehre als der beständig- Gefährte des Bacchus aufgeführt (daher er auch sonst mit diesem seinen Tempel gemein hatte): er war der Erzieher desselben,'und führte den Chor d.r Satpren an. Man steht ihn meisten TheilS als ei» A 44 Sil nen kleinen ältlichen Mann vorgestellt, mit kahlem Kopfe, großen Ohren, Barte und dickem Bauche, auf einem Esel reitend, oder vielmehr, weil er fast immer betrunken war, von demselben herabhän- gmd. — Uebrigens hatte sein Esel ftch bei den Göttern — erzählt die Fabel — in ganz besondere Gunst gesetzt, weil er in dem Kriege g gen die Giganten beim Anblick dieser Ungeheuer ein so fürchterliches > Geschrei erhob, daß die Riesen, wegen dieser ganz unerhörten Töne selbst von der Furcht befallen, die fie vorher dem nuten Thiere mach ten eingejagt haben, die Flucht ergriffen. Aus Dankbarkeit wurde di.scr — Esel nachher unter die Sterne versetzt. 8 ileutium, (Lat.) das Stilllchweigen. 8ilontium im- poniren, Stillschweigen auflegen oder gebieten. ^ ltum silsn- iiaw, ein tiefes Stillschweigen. Silentiarier, sind eine Art Mönche, welche ein ewiges Stillschweigen gelobt haben, und zu denen die Trappisten gehören. In den Mittlern Zeiten führten diesen ^ Nahmen Römisch kaiserl. Geheimekäthe, die nur in wichtigen Sachen, l welche nicht bekannt werden dursten, zu Rathe gezogen wurden. j 8 Nilonette, (Franz. Siliiette) der Schattenriß, heißt so von einem Französischen General-Controllcur dieses Rahmens, der diese Zeichnungen zwar nicht erfand, aber doch beliebter und allgemeiner machte. ' , Silistria, eine Stadt an der Donau in Bulgarien, (f. dieses) die von 6o,oc»o Menschen bewohnt seyn soll. SiliuS Italiens, ein Lateinischer Dichter im ersten Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung. Er bekleidete das Consulat, wo er den Cicero als Muster in der Beredtlamkeit wählte; mehrere gerichtliche Händel soll er glücklich durchgcführt, auch als Procon- sul in Asien mit Ruhm diese Provinz verwaltet haben. Späterhin wählte er die Poesie zu feinem Lieblingsstudium-, und hier ist er denn nun durch ein Gedicht auf den zweiten Punischen Krieg bekannt geworden (das sich bloß durch eine ziemliche Reinheit und einige interessante Details, übrigens aber durch nichts Besondere- aus- zcichnel), in welchem die Vorfälle sehr genau und nach der Ordnung aufgezählt find. Man erkennt in ihm den völligen Nachahmer Virgils, de» er so außerordentlich verehrte, daß er nicht nur sich daS Haus kaufte, worin Virgil's Grab war, sondern auch jährlich dessen Geburtstag auf die feierlichste Weife beging. Wegen eines unheilbaren Schaden- soll er sich in s incm 75. Jahre z» Tode gehungert haben— DaS oben erwähnte Gedicht wurde erst in einem Thur- . me des Klosters St. Gallen, während des Costnitzer ConciliumS, von > Poggio gefunden, worauf 1741 die erste Ausgabe davon zu Rom erfolgte. Sillen, find kleine Riemchen» welche den Lockvögeln um den Leib geschlungen werden, um sie damit anzusillen oder auf dem Bo- gckheerde zu befestigen. Desgleichen (vom Lat. 8iIIi) eine Art Spottgedichte , wo die Verse berühmter Dichter in einem lächerlichen Sinne auf fremde Gegenstände angewendet werden. Ein Verfertiger solcher Spottgedichte beißt Sillogravh. Marquis deSillery s GräfinvonGenliS. Sil Sim z4z Silvan, (Lat.) der Gott der Wälder, Hirten, Felder und Grenzen. Er wird, wie ein Satyr, in einer ziegenähnlichen Gestalt abgcbildet, und war den Weibern, besonders den schwängern, gefähr. lich. Simbaol, die Residenz öl) Monarchen von Manomoto- , pa, (s. dieses) soll ziemlich prächtig seyn. Simile, (Lat.) das Gleichniß. 8 imile simili Zsuclet, Gleich und Gleich gesellt sich gern. Omne 8 imile clauckicat, jedes Gleichniß hinkt, d. h. paßt nicht ganz. Similor, s. Semilor. SimilsrZent, (Similarfchang) ein silberäbnliches zusammengesetztes Metall, wovon man allerlei Geschirre verfertigt. Simmcr, Simra, Simri, ein Maaß zu trocknen Dingen von verschiednem Gehalt; in Haber, Gerste und Dinkel i 6 Metzen, i in Korn und Weizen ie Metzen. Es ist in Coburg, Nürnberg, in ! der Pfalz und andern Gegenden gebräuchlich, j Die Simonie ist eigentlich das Verbrechen, wenn man etwas Geistliches (Spirituale) — als wohin die Sacramcnre und die Gaben des heil. Geist s gerechnet werden — oder was mit demselben ver- i blinden ist (als das Pfarr-Recht, die geistlichen Beneficie», die Kir- , chcn-Einkünfte, Z hendcn rc.), gegen eine zeitliche Sache (1>mpo- rate) zu erlangen sucht — kauft. Den Nahnrrn hat man diesem g ist- lichcn Verbrechen von dem Zauberer Simon, wiewohl unpassend, bcigelegt, welcher den Aposteln Geld anbot, damit sie ihm die Macht ertheilen möchte», daß die, welchen er die Hände auflegte, auch den heiligen Geist empfingen. Ob nun zwar gleich die böse Gewohnheit, die Kir. chenämter zu verkaufen, schon im 4 . Jahrhunderte einriß — in den ersten Z Jahrhundert » weiß man gar nichts davon — so wurde doch der Nähme dieses Verbrechens selbst erst im 6 . Jahrhunderte gebraucht; allein man war über den Begriff desselben und über das , was man eigentlich alles dazu rechnen sollte, sehr uneinig -, auch wußte man so viel Limitationen dabei zu erdenken, daß eS sehr leicht hielt, hindurch zu schlüpfen, und der Strafe sich zn entziehen, welche eigentlich für den Candidaten den Verlust des geistlichen Amtes, und für den, der ihm dazu beförderlich gewesen, den Verlust des erhaltenen Geldes, als auch seines eignen Amtes, zur Folge bat. — Bei den Protestanten wird hauptsächlich unter Simonie daS Vergeben verstanden, wenn Einer durch Geld oder andere Nebenwege z» einem geistlichen Amte gelangt; und es ist daher auch in gewissen Ländern (z. B. im Preu» > ßische») der Eid mit eingeführt, wo der Candidat beschwören muß, daß er nicht auf solche Art zu dem Amte gelangt ssy. Simpel, (Lat.) einfach, schlicht, ungekünstelt, z. B. ein ganz simpler Anzug. D sgleicken einfältig, z. B. er ist etwas simpel. — Simplement, (Franz, sengvelmang) einfach, schlechtweg. — Simplex, einfach, in der Mehrzahl simplicis, z. B. simplicia (me- eiicamevta): einfache (nicht künstlich zusammengesetzte) Arzneimittel, z. B. Wurzeln, Kräuter, Samen rc. Ein Simplex ist ein Ein. faltspinsel. —Simplicität, die Einfachheit, das Einfache, Schlichte, Ungekünstelte. Desgleichen die Einfalt, Dummheit, z. B. Z 46 Gi« o sancta simplicitss, o heilige Einfalt. — Simpl ifieiren, vereinfachen, einfacher machen. So wird z. V. eine Kirche simplificirt, wenn sie von geschmacklosen Malereien, Schnitzwerken u. dgl. gereinigtwird. — 8implum, daS Einfache, die einfache Abgabe, der einfache Beitrag, z. B. in den vormahligen Reichskriegcn daS eins«, che Kontingent oo» 40000 Mann. Simphonie, s. Symphonie. Simplon, s. Alpen Siniuliren» (Lat.) sich verstellen, hinterm Berge halten; auch etwas zum Scheine thun, z. B. ein simulirter Vertrag, d. i. ein zum ^ Scheine geschloffener. Fälschlich gebraucht man im gemeinen Leben 1 simuliren, für: nachsinnen. Simulation, die Verstellu ng. i Das Simultaneum heißt die Aufnahme einer von den in ! Deutschland herrschenden Religionen in einem Deutschen Rcichslande, ! neben derjenigen Religion, welche in demselben schon im I. 1624 Herr- , schend oder geduldet war. ES wurde nähmlich imWestphälischen - Frieden 1648 ausgemacht, daß diejenige der drei öffentlich ausge- ^ nommenen Religionen, die im I. »624 (welches man daher das Nor- maljahr naiinte, (s. Normaljahr) in einem Lande herrschend ! oder geduldet war, es auch in Zukunft bleiben sollte. ES entstand aber gleich nach dem Frieden die Frage: ob ein Landesherr, besonders wenn er selbst einer andern der drei öffentlich rccipirten Religionen zugekhan war, außer der vermöge des NormaljahreS ringeführten Lehre noch eine der übrigen inDeutschland herrschenden Religionen aufnehmcn könne? z.B. ob in einem protestantischen Lan» de den Katholiken freie Religionsübung gestattet werden dürfe? und umgekehrt; — oder mit andern Worten: ob der Landesherr ein S i- wultaneum (simultaneum rslisioniz exsrcitium) daselbst einzuführen befugt sey? — Da aber nach dem Westfälischen Frieden die Unterthancn im ruhigen Besitze ihrer durch das Normaljahr hergebrachten Religionsübung geschützt werden sollen, und überhaupt die Gewalt eines Fürsten in Religionssachen sich nie so weit erstrecken darf, daß er die Rechte der Landesreligion schmälern kann, so entscheiden die besten Staatsrechtslehrrr die Frage so, daß dem Fürsten das Recht, einesoh che Religion außer der schon herrschenden oder geduldeten noch überdieß aufzunehmen, nur dann zukomme, wenn entweder im Normaljahre die Ausübung derselben schon Statt fand, oder die Landstände und Unter- thanen in deren Aufnahme einwilligen. Dieses S i mu lta n eum hat beständige Gelegenheit zu Streitigkeiten unter den Reichsständen gegeben» und der härteste Zwist war mit den Franzosen. Als nähmlich Frank- ! reich durch den Westfälischen Frieden sowohl» als nachher, einige ! Deutsche Lande jenseits des Rheins erhielt, so wurde daselbst, wo die protestantische Religion herrschend war, die Römisch - katholische mit Gewalt und trotz aller Protestationen eingcführt. Frankreich schob sogar 1647 in den vierten Artikel des Ryswicker Friedens l durch List, und ohne daß es die Deutschen Friedensgesandten bemerkten, die Clausel ein: daß die katholische Religion in diesen Landen so. wie sie durch die Franzosen eingeführt worden war, bleiben sollte; und S i a 24 ? alle nachherige Widersprüche gegen die berüchtigte Clau sei des Ryswicker Friedens blieben .fruchtlos. S. SDSwicher Frieden.) Sina s. China. 8inspismus, (Lat.) ein Senfpflaster. Sin-Bojaren, sind in Rußland die Söhne der Bojaren, d. i. der Edelleute, welche sonst ein eignes Corps Reiterei ausmachten, bei welchem sich jene in Kriegszeiten mit einem oder mehrern Knechten ein- sinden mußten Jetzt ist dieß nur noch bei einigen, Rußland unterworfenen , Tatarischen Völkern üblich. Sinceritäk, (Lat.) die Lauterkeit, Aufrichtigkeit. Since- ri ren, betheuern, versichern. Sinceration, die Betheucrung, Versichern»»,». Sindy, am Nusflusse des Indus (in Vorderindien), ein heiß- fcuchteS und ungesundes Land, das viele wilde Stämme bewohnen. Es hat einen Fürsten, der den Afgani chen König von Kandahar für seinen Oberherrn anerkennt. 8 ine euerer« et kscclrokritzet Venu«, (ein Lat. Sprichwort) ohne Ceres und Bacchus erfriert die Venus, d. i. ohne Wein und Brod ist die Liebe todt. — 8ine cli« et Lon8ule, ohne Tag - und Jahrszahl, weil die Römer ihre Jahre durch die Nahmen der jedesmahligcn regierenden Konsuln bezeichnet«»!. — 8 > r> s loco st anno, ohne Ort und Jahr, ohne Angabe des Druckorts und der Johrzahl. — 8 ine rnora, ohne Verzug, ungesäumt. Sinfonie s. Symphonie. Singanfu, eine sehr große volkreiche Stadt in Sehens», (s. dieses) die einen großen Handel mit Maulthieren treibt. Singen s. Gesang. Singspiel s. Oper. Singular, (Lat., der) in der Sprachlehre: die einfache Zahl, z. B. der Tisch, das Buch, im Gegensatz der Mehr; »hl oder deS Plurals. — Singulär, sonderbar, seltsam , eigen, z. B. ein singulärer Mensch, d. i. ein Sonderling. — Singularität, die Sonderbarkeit, Seltsamkeit, das eigne Wesen. Sinister, (Lat. eigenst, link) unglückweifsagend, nnglückschwan- grr (weil die alten Wahrsager es für eine schlimme Vorbedeutung hielten , wenn die Vögel von der linken Seite geflogen kamen). Etwas sinister auslegen, d. i. ungünstig, nachtheikig. Sinkingfound heißt in England der Ueberschuß, welcher bei der Verminderung der Interessen der Nationalschuld übrig bleibt. Zu Abtragung d-eser Interessen, welche Anfangs 6 bis 3 pro Cent aus- trugrn, waren gewisse Fonds angewiesen: sic wurden nach und nach bis auf z pro Cent herabgesetzt. Dadurch blieb nun aber von dem, was eigentlich zur Abtragung der 6 bis 8 pro Cent angewiesen war, rin ansehnlicher Ueberschuß, und daraus wurde der sinkende Fond zu Tilgung der Nationalschuld errichtet, der nach und nach zu einem jährlichen Ertrag von ü Mill. Pf Sterling anwuchs. So sind von »717 bis »774 in den Friedensjahren 25 Millionen abgezahtt worden. 848 Sin Sir Sinn für etwas haben, heißt: dazu geneigt seyn, Wohlgefallen daran finden, sich gern damit beschäftigen, z. B. Sinn für die Natur haben. — Sinnlichkeit ist diejenige Beschaffenheit des Menschen , nach welcher er von äußern Dingen angezogen und gereizt wird, oft so viel als der Hang zu sinnlichem Genuß und Vergnügen, oder die sinnlichen Begierden — Sinnenwesen, ist jeder Gegenstand der Sinne oder jedes Ding, daS in die Sinne fallt. Alle diese Dinge zusammen nennt man die Sinnenwelt. Sinngedicht s. Epigramm. Sinnpfanzen, nennt man gewisse ausländische Pflanzen, welche Sinn oder Empfindlichkeit gegen die Eindrücke der Lust, der Wärme, des Lichts rc. äußern, und bei der leichtesten Berührung ihre Blätter zusammenziehen. Sinop, eine Stadt am schwarzen Meere in der Asiatischen Türkei, enthält noch viele Ueberbleibsel ihrer ehemahligen Pracht, und wird nur noch von 50a Menschen, meistens Griechen, bewohnt. Sinopel, ein braunrother, eisenhaltiger Hornstein» der zuweilen auch etwas Gold enthält, besonders bei Schemnitz. Der Sinter ist ein kalkartiger Stein, dasselbe was man unter Tropfstein — Stalactit (s. d. Art.) versteht. 8ious, (Lat.) der Busen, insbesondre: der Meerbusen, d. i. weit in das Land sich hineinkrümmendes Meer. — In der Trigonometrie oder Dreieckslehre ist 8inus die Stütze eires Winkels oder Bogens. Wenn nähmlich vom Scheitel eines Winkels ein Kreisbogen zwischen den beiden Schenkeln gezeichnet wird, und wenn von einem Ende des Kreisbogens auf den entgegengesetzten Schenkel eine senkrechte Linie ge- fället wird, so heißt diese die Stütze (8inur) des Winkels oder Bogens. Sinzendorf s. Herrnhuther. Siphanto, eine sehr gesunde, vorzüglich am Baumwolle reiche InÄ des Archipclagus, von 5000 Menschen bewohnt. Sipahis s. Spahis. Sippschaft, die Verwandtschaft, vom alten sipprn, stammen, herstammen. Sippschafts-Baum, ein Stammbaum. Sivp- thei I, der einem als Verwandten gebührende Antheil an einer Erbschaft- 8>r, (Engl. Sör) Herr, ist in England die Anrede an jeden rechtlichen Mann. 81 rs, (Franz. Sihr) ist in Frankreich die Anrede an Kaiser und Könige. Die Sirenen (Mythol) waren Jungfrauen , die sich auf einem mit Klippen umgebenen Felsen der Meerenge zwischen Sicilienund Italien aufhielteu, und die Vorbeisegelnden durch ihren lieblichen Gesang dergestalt bezauberten, daß , wenn diese sich hinreißcn ließen, die Insel zu betreten, sie dieselbe nicht wieder verlassen konnten» und von den Sirenen nachher zerrissen und gefressen wurden. Nach der neuern Kabel gab es deren drei; die ältere kennt nur zwei. Sie werden für Töchter des Arche lous ausgegeben, und als geflügelte Jungfrauen mit Adlerklauen und einem Vogelschwanz abgebildet. Als Nymphen, Sir Gis Z 49 von dem Gefolge der Prinzessin Persephone, wollten sie, da diese entführt wurde, sie übers Meer hin suchen, und erhielten auf ihren Wunsch Flügel; allein, müde des vergebenen Euchens, ließen sie sich auf jenem Felsen nieder. Da Ulysses sich von ihrem zauberischen Gesänge nicht verführen ließ — gewarnt von der Circe, verstopfteer die Ohren feiner Gefährten, und sich selbst ließ er an den Mastbaum binden — so sollen sie vor Schmerz gestorben sepn. — Bildlich nennt man denn nun eine Sirene das, was den Sinnen schmeichelt, aber, im Ucbermaaß genossen, zum Verderben gereicht. Maddalrne Lombardini Girmen, eine berühmte Sängerin und Virtuosin auf der Violine, welche, Anfangs im Sonservatorio bei Mendicanti zu Venedig zur Sängerin gebildet, bald darauf als Schülerin des berühmten Tartini auf der Violine es so weit brachte, daß man sie dem Nardini, Tartini's bestem Schüler, an die Seite setzte. Auf ihren Reisen erregte sie nicht minder großes Aussehen: 1782 befand sie sich als Sängerin am Dresdner Hofe. Sie hat übrigens für ihr Instrument auch selbst viel componirt. Eirmien s. Sclavnirn. Der Sirius (Hundsstern) ist ein Stern der ersten Größe im großen Hunb. Die Fabel hat ihn bald zudem Hunde des Orions, bald der Erigone, dann zum Begleiterder Zsis, endlich auch des CephaluS gemacht. Der Sirocco: so wird von den Italienern der Süd-Ostwind genannt; Lateinisch heißt er Luroncnus, oder kuro -Muster Sirlen, sind Klippen» Stein-und Sandcrhöhungen in der See. Sister, ein Getreidemaaß in den Niederlanden, ungefähr 7 Metzen. Sisiiren, (Lat.) stillen, zum Stehen bringen, hemmen, einhal- ten; z. B. der eingetrekene Krieg hat den angcfangenen Straßenbau sistirt. Sich sistiren, sich stellen, insbes. vor Gericht. Das Sistrum (aus dem Griech.) war bei den Eaypticrn ein Instrument von helltönendem Erz, das besonders bei dem Dienste der Isis von den Frauenzimmern mit der einen Hand gehalten und zum Tanzen gebraucht wurde. Es hatte eine länglichrunde Form, war mit einer Handhabe» übrigens aber mit mehrern messingenen Stäbchen versehen, welche durch das Anschlägen und Hin-und Herschütteln ein starkes Klimpern verursachten. Man hat cs daher auch eine Egypti- sche Rassel genannt. Sifyphus (Gesch. u. Fabel), ein König zu Corinth und Sohn des Aeolus, lebte um das J. 1400 vor Chr. Geb. Er soll sich durch große Weisheit ausgezeichnet und zur Vergrößerung Corinths sehr Hiel beigetragen haben. Die Fabel erzählt, daß er den Tod, der einst zu ihm geschickt worden, gefangen genommen und sehr lange in Verwahrung erhalten habe, bis endlich MarS zu ihm gekommen sey, und denselben mit Gewalt befreit habe. In der Unterwelt mußte er unaufhörlich einen großen Stein auf einen Berg wälzen, welcher seinen Händen immer wieder entschlüpfte, wenn er bald den Gipfel des LergeH ZLo Sit Six erreicht hatte; figürlich nennt man daher auch eine schwere und doch vergebliche Arbeit bje Arbeit desSisyphus. Sitten, die Hauptstadt des Französischen Departements Simplen, nicht weit von dem Rhone» hat 6 Kirchen und einige Klöster. Sitterah, eine Hauptfestung des Maraktenstaates. S. diesen. Sitlig, ist altdeutsch, so viel als sittsam. — Sittiggrün, papagevgrün, von ksitiscus, der Papagey. Sittlichkeit, Sittengesetz, s. Moralität» Moral- S-setz. Situation, (Lat.) die Stellung, Lage. Situirt, gelegen. Wenn von einem Menschen gesagt wird, er sey gut oder nicht gut situirt, so heißt das: er befinde sich in einer günstigen oder ungünstigen Lage. Siva, Siwa, eine Göttin der alten nördlichen Deutschen, welchen von Einigen für den Mond, von Andern für die Venus der Römer gehalten wird. Man bildete sie nackend als eine junge, schöne, weibliche Gestalt, mit langen, bis über die Hüften hinabwallenden Haaren, in der einen Hand mit einer Rose oder einer Weintraube. 8 iX Is vs,s. k'aroli. 8 ix pence, (Engl. Sispenß) eine Englische Münze von 6 Pence oder z i/2 Groschen. Der Papst Sixtus der fünfte gehörte;» den außerordentlichsten Männern seines Jahrhunderts, und als Regent unter die würdigsten Oberhäupter der Kirche, die jcmahls den päpstlichen Stuhl eingenommen haben. Seine geringe Herkunft — er war der Sohn eines Tagelöhners aus Montalto, wo er 1521 geboren wurde, und sein eigentlicher Nähme Felix Peretti — verhieß ihm keine glänzende Rolle in der Welt; er mußte in seiner Jugend die Schweine hüten, und jede Aussicht, seinen Geist auszubilden, schien ihm verschlossen. Zu seinem Glück machte er aber bald die Bekanntschaft eines mitleidigen Franziskaners, der ihn mit sich in das Kloster nach Asioli nahm. Sein Eifer für die Bereicherung seiner Kenntnisse war so groß, daß er darüber die harte Behandlung vergaß, die ihm nachher im Kloster widerfuhr. Am meisten übte er sich im Predige», weil er damit vor dem Volke Aufsehen zu machen hoffte. Sein Ehrgeitz ließ ihn schon damahls ahnen, daß er vielleicht dereinst Papst werden könnte. In Rom hatte er einige mächtige Gönner, die ihm das Amt eines Generalinquisitors in Venedig v^chafften, nachdem er 1545 wirklicher Priester geworden war, und den Nahmen Montalto angenommen hatte. Sein hitziges Temperament und der oft übertriebene Eifer in der Verwaltung seines Amts zogen ihm viele Feinde zu; allein seine mächtigen Gönner, die Päpste Pius V. und Gregorius Xlll.» schützten ihn. Erste- rer ernannte ihn zum Ordensaeneral der Franziskaner, und verlieh ihm 1570 die Cardinaiswürde. Von diesem Zeitpunkte an dachte Mon- talto ernstlich darauf, selbst Papst zu werden. Er fing damit an, allen Verbindungen zu entsagen und «in einsiedlerisches Leben zu führen. Niemand konnte sich diese plötzliche Veränderung erklären; man glaubte, Montalko verbinde eine geheime Absicht damit. Da er aber viele Ska ZL» Jahre in dieser Lebensweise fortfuhr, so glaubte man endlich in der Thak, daß er sich nur dadurch zum Himmel vorbereiten wolle. Schon betrachtete man ihn gleichsam für lebendig todt, als der Tod Gregors Xlll. eine neue Papstwahl nöthig machte. Montalto kroch gleich einem Lungenbrüchigen und Schwindsüchtigen in das Conclave, und erwartete mit der fürchterlichsten innern Unruhe den Ausgang der Wohl. Die Hoffnung einiger Cardinäle, unter der Regierung dieses abgelebten Mannes selbst zu regieren, und die Uneinigkeit, die in dem Conclave herrschte, machten, daß sie zu seinem Vortheil ausschlug. Er wurde am 24. April 158.5 zum Papst erwählt- und von diesem Augenblicke an zeigte er sich wieder als kraftvollen Mann. Die bestürzten Cardinäle glaubten ein Wunder zu sehen, und Roms Einwohner fingen an» bei dem Nahmen Sixtus V. zu zittern. Er bestrafte mit unerbittlicher Strenge jede Ungerechtigkeit, betrieb alle Regierungsgeschäfte selbst, und war ununterbrochen mit der Verbesserung des Lande- und mit der Ausbreitung der Ehre der Kirche beschäftigt. Auch in dem Ketzer ehrte er, den tugendhaften und rechtschaffenen Mann. Rom wurde wahrend seiner Regierung ungemein verschönert, und die noch übrigen Denkmähler des Alkerthums den Trümmern entrissen. Die Anlegung der Bibliothek im Vatican, die Beförderung des Bibellesens unter den Layc» durch Handausgaben und Uebersetzungen der Bibel, die Bestimmung der Anzahl der Cardinäle auf 70, und noch mehrere treffliche Einrichtungen rühren alle von ihm her. Er starb leider nur zu früh für seine Staaten am 2z. Aug. 1590 nicht ohne Muth- maßunq empfangenen Gifts, das ihm aufAnredung deS schändlichen Königs Philipp ll. in Spanien beigebracht worden war. *) Skag errak, ein Morast beim Vorgebirge Skagen, welches die äußerste Spitze von Jütland ist, und eine gefährliche Sandbank hat, wie Kattegat. Die Skalden oder ScalderS waren bei den Skandinaviern, d. i. bei den Bewohnern von Schweden und Norwegen, die zudem Völkerstamme der Gothen gehörten, beinahe eben das, was beiden Deutschen, Galliern, Engländern und Schotten die Barden (f. dies. Art.) waren. Sie sangen vermischte Gesänge, besonders aber kriegerische Tharen ihrer Fürsten und Helden, meistens unter Begleitung von Musik, und hielten sich besonders bei den Regenten selbst auf, die sie ungemein schätzten, um an ihnen Augenzeugen ihrer Held» nthaten zu haben. Daher begleiteten sie dieselben überall, wo sie hinzogen, besonders in die Schlacht, und brachten, was sie sahen, sogleich in Gesänge. Sie waren demnach die Geschichtschreiber der Nation; ihre Gesänge, deren man »och viele hat, klären die ältere Nordische Geschichte sehr auf, und sind, ob sie gleich wegen der häufigen Anspielungen auf Mythologie und der sonderbaren Bilder schwer zu verstehen sind» dennoch nicht selteu voll von Kraft und Erhabenheit. Man findet die ältesten dieser Ska ld en lie d er, die man auch Was man unter Sk nicht findet, w»lle man «ntrr Sc suche». ZAS Ska Ski Sagen nennt, schon im achten Jahrhunderte; sie wc.rrn anfänglich otne Reim, wurden aber späterhin gereimt, und dauere n, ungeachtet die christliche Religion eingesührt wurde, dennoch bis in die Mitte d.s dreizehnten Jahrhunderts fort, zu welcher Zeit der Geschmack an den abcntheuerlichcn Deutschen Ritterbüchern und Helden, romanen sie verdrängte. Am berühmtesten und bekanntesten sind die Skalden von Island, einer Insel, die von Norwegen aus an- gebaut wurde, und in den Wissenschaften durch die beständigen Reisen ihrer Einwohner ungemeine Fortschritte machte. Skanderbeg s. Scan derbeg. Skandinavien (Lat. Hcnnciioavia, auch kcanllia) begriff in den ältesten Zeiten fast die meisten Nordischen Reiche und Lande Europens, welche gegenwärtig unter dem Schwedischen und Dänischen , auch zum Lbcil unter dem Russischen Zepter sieden: nahmem- lich Finnland, Gothland, Nordland, kurz, das ganze große Könsi- r ich Schweden: ferner Dänemark, nebst der Halbinsel Jütland und Norwegen; ingleichen Jngermannland, Lief-und Curland. Daß alle diese Länder vor des Sdinus Zeiten, daS heißt, kurz vo-Christi Geburt, von mehrern Fürsten, den so genannten Fylkiskönigen, beherrscht worden sind, ist im Art. Schweden, gezeigt word n; jetzt wollen wir über diese das alte Skandinavien ausmachenden Länder nur noch so viel bemerken, daß deren Einwohner eine einzige Nation ausgemacht haben, und daß nach dem Tode des Odinus, ihres Ueberwiiiders, der Nähme Skandinavien ganz außer Uebung gekommen s,y, indem d-ssen Söhne, Skiold und Pngue, sich nun Drottars von Dänemark und Upsala nannten; auch daß in der Folge der Zeit weder ein Schwedischer, noch Dänischer, noch Russischer Regent sich Herr von Scandinavien genannt habe. Skara, eine Stadt in der Schwedischen Provinz Westgoth- land, ist vorzüglich wegen ihres Alters merkwürdig. Die Skeptiker waren eine philosophische Secte, von P yrr- h o gestiftet, welcher lehrte: daß wir nichts mit G wißbrit wisse», und daß alles, was wir wissen, nur so zu seyn scheine. Ts ersch ine uns aber eine Sache bald so, bald anders, nach Beschaffenheit unserer Sinne, welche uns einen Gegenstand darstellen: unsere Sinne aber seyen kein sicherer Spiegel, und wir dürfe» nicht glauben, daß die äußern Gegenstände eben so seyn, wie sie unfern Sinnen Vorkommen. Wir würden z. B.. eine Sache ganz anders sehen, wenn das Pupill in unfern Augen statt rund länglich wäre, wie in den Augen-er Pferde. Hieraus folgerte er nun weiter, daß wir an Allem, ja sogar an unserer eigenen Existenz, zu zweifeln Ursache hätten. — WaS wir von der Lehre des P yrrh o wissen, hat uns Diogenes Laertius aufbebalten. In der Folge hat Sextus Empirikus den so genannten Pyrrho nismuS oder Skcpticismus (Zweifelsucht) sogar in Gestalt eines Systems aufgestellt, und Kant hat Vieles davon iu seiner Philosophie ausgenommen. Die Skiagravbie' der Entwurf, Grundriß — dasselbe, «va§ Skizze. Ska Sko SkarL, eine Stadt in der Schwedischen Provinz Westgvkhland, ist vorzüglich wegen ihres Alters merkwürdig. Skie-Läufer, heißen besondre Soldaten in Norwegen, welche auf Schrittschuhen unglaublich geschwind über Eis und Schnee kam sen, und ohngefähr 600 Mann stark sind. Skisiren, sich, s. ScüS. Die Skizze, eine in der Ausübung bildender Künste übliche Benennung, womit wanden Entwurf, oder eine flüchtig hing-worsine Vorstellung eines bildlichen Gedankens bezeichnet, welche dazu dient, dem Künstler denselben im Angedenken zu erhalten, um ihn zu einer andern Zeit gehörig weiter nusführen zu können. Aus den Werkstätten der Künstler ist dieses Wort auch in die Stuben der Schriftsteller üdergegangen, welche dadurch die vorzüglichsten Punkte einer ausführlich abzuhandelnden Materie bezeichnen. Skvlien waren bei den alten Griechen gewisse Gesänge, die bei Tische, unter Begleitung der Lyra, gesungen wurden, jedoch so, daß nur Einer auf einmahl sang. Weil nun aber dieses nicht nach der Reihe, wie sie nähmlich bei Tische saßen , sondern ganz außer der Ordnung geschah, je nachdem einer, der Musik verstand, den Gesang fvrllehte, so hießen sie Sk olien (in krummer oder schiefer Richtung). Der Gegenstand dieser Gesänge war aber nicht bloß Liebe, Wein (dahin kann man die Oden deSAnakreon rechnen) oder ähnlichen fröhlichen Inhalts, sondern sie bezogen sich auch auf Geschichte, Krieg, selbst Moral. So war der Gesang des Aristoteles auf seine» Freund Hermias ganz ernsten Inhalts. Als den Erfinder der Sko» § Iien nennt man den Terpander. Sk 0 ten hießen in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung die Einwohner Schottlands, und wahrscheinlich hat dieses kleine Königreich ihnen diesen Nahmen zu verdanken. Diese Skoten waren Celtischen Ursprungs, und, wie die Geschichte zeugt, den Römern sehr bekannt, doch nicht unter diesem Nahmen, sondern unter dem Nah. men der Caled 0 nier. Sie waren ein sehr kühneS und verwegenes Volk: dieß erfuhren die Römer, und in der Folge der Zeit die Britten, beide zu ihrem Schaden. Jene glaubten , daß, nachdem sie gegen die meisten Abendländer , nahmentlich gegen die Gallier, Spanier und Britten , so glücklich im Kriege gefochtcn hatten, ihnen auch der Sieg ! über diese Skoten, als über ein minder großes Volk, nicht entgehen § könnte. Allein die Skoten, oder, wie sie von den Römern genannt wurden, die ealeckonii, vertheidigtcn sich tapferund behaupteten sich ! Eig gegen ihre Feinde, die Römer, als eine freie und nicht leicht i» besiegende Nation: vielleicht, daß der Mangel an Unterstützung, welchem die Römischen Armeen, wegen der allzugroßcn Entfernung von ihrem Mutterland«, oft ausgefttzt waren ; vielleicht auch, daß die ! den Römern ungünstige Lage in den Schottischen Gebirgen nicht we- ^ »ig dazu beitrug. Kurz, die Skoten blieben unüberwindlich und frei, ! und das Resultat war, daß sie von nun an den Flächeninhalt, der ! das heutige Schottland ausmacht, in zwei kleine Königreiche um- schufcn, nähmlich in das der Pikten und der Skoten (vergl. den Con». Lv, Fünfter Band. Z ZL4 Sla Artikel Schottland), obgleich, der Theilung ungeachtet, die König' beider Reiche in der engsten Verbindung blieben, und gegen das Ausland , vorzüglich gegen die Dänen und Britten, beständige Kriege mit dem besten Erfolg in Gemeinschaft führten. Aus der Geschichte von Sachsen sowohl, als aus der von England ist bekannt genug (vergl. den Art. Sachsen), daß die Britten hauptsächlich von diesen beiden kleinen Völkerschaften, den Pchten und Skotcn, »ach den ! fruchtlosen Kriegen der Römer, sosehr beunruhigt und gedrückt wm« l den, daß ste am Ende (das heißt, in der Mitte dcS fünften Jahrhunderts) sogar die Sachsen nach England zur Unterstützung herbeikom- men lassen mußten. Diese nun waren so glücklich, die Pikten und Skote» zu besiegen, und Britannien gegen ihre Einfälle gänzlich zu sichern. Von dieser Zeit an waren zwar diese beiden kleinen Völkerschaften gegen fremde Nationen ruhig, aber dagegen beunruhigten su sich nun selber untereinander, so, daß es sogar zu medrcrn blutigen Kriegen gegeneinander kam; indcß gleichwohl kein Volk das andere gänzlich unterdrücken oder unterjochen konnte, bis denn endlich nach dem Tode des Hungins im Jahrhunderte der König der Skalen, Kenneth ll., beide Königreiche in Eines vereinigte: von dieser Zeit an werden bcidc Völkerschaften wieder unter dem gemeinschaftlichen Nahmen Skoten begriffen, aber auch beide Königreiche erhalten von dieser Zeit an den gemeinschaftlichen Nahmen Sc o tland, oder, wie wir es heut zu Tage zu schreiben gewohnt sind, Schottland (m. s. in diesem Art. das Weitere). Slabber, s. Schlabber. Siaboda, s. Sloboda. 8lum, (Engl. Släm) heißt im Wist: alle Stiche. Skämmen (insgemein schlemmen) , alle Stiche machen. Slavcn (Scavcr, Sclaven), ist der Nähme einer einst sehe mächtigen Nation, die sich durch Ungarn, Pohlen, Rußland, Preiis- sen, Pommern, Böhmen, Schlesien rc, ausbreitcte. Sie kamen ungefähr »in c>. oder 7. Jahrhunderte aus dem innen, Scythien, brachen mit ungeheuer» Kriegsherren in Europa ein, und zwar der eine Theil unter dem Anführer Lech, der andere unter dessen Bruder Zech: bezwangen Thrakien, Mysien, Makedonien, einen Theil von Ungarn rc., gingen über die Weichsel, und brachten alle Länder bis an die Elbe und das baltische Meer in ihre Gewalt. Sie soll-n sich auch von diesen ibre» so glücklichen Unternehmungen eben den Nahmen Slaven, die Glorreichen (weil Slava Lob und Ruhm bedeutet), beigelezt Kaden.— Man kheilk sie übrigens am ft'igltchsten in die östlichen Slaven (welche Anfangs unter den Griechischen Kaisern lebten, nachher selbst ein Königreich, daü Moravische, aufrichteten, weichet auch bis auf Carl» den Große» fortgefuhrt, endlich aber von Heinrich I., weil sie z» viel Unruhen anstiftelen, ganz vertilgt wurde), und in die mitternächtlichen Slave», zu d neu die Wenden, Sorben rc. aebörten. Sie waren übrigens Götzendiener (ihr vornehmster Gott hieß Boq, und seinr Göttin Sima; nächstdem hatten sie eiben guten, E z er» eb otz, »nd eines bösen, Belbog), bit sie unter Carl» dem Großen, oder, nach Andern, unter Kaiser I Sla Smi ZFA ° Lothar dem Frommen, sich zur christlichen Religion bekehrten. Sie sind übrigens unter ollen Europäischen Völkern die ersten, bei , welchen die heilige Schrift in ihre Muttersprache übersetzt wurde. — ' Heut zu Tage erstreikt stch dieses Volk von den Grenzen Italiens, ^ oder des Venetianischen und Tyroler Gebiets in Westen, an dem lin- ° ken oder östlichen Ufer des Adriatischen MeercS abwärts neben Alba, ^ nie», und rückwärts nach Norden an das Eismeer, dann über Kamt» ^ schotka fort bis nach Nordamerika; hauptsächlich aber findet man diese Slaoische Nation in Ungarn, besonders in Dalmatien, Jllyricn und Sciaoonien (s. Sclavonten). Es ist eine beherzte, wohl auch " etwas grausame, übrigens aber sehr lustige und muntere Nation, gast? frei, den Trunk liebend : sie reden noch ihre eigne Sprache, haben ^ ihre eignen Sitten und Gebräuche, sind sehr fleißig und treiben mei- ' stentheiis Ackerbau, oder auch ein Theil von ihnen (z. B. die ^ Jstrier rc.) Weinbau; auch übertreffen fie die Ungarn bei weitem an Geschicklichkeit und Vcrstandeskräften. ' Slavoniens. Slavonien. ' Sloboda, (Nuss, eigentl. Freiheit) heißr in Rußland eine zur Wohnung der Fremden bestimmte Vorstadt, in Sibirien aber ec» ' befestigter Flecken. Smaland, ei» Tbcil von Ost-Gotbland, zwar bergig, aber doch fruchtbar und zur Viehzucht geschickt, reich an Seen und Flüßen. ' Smalkadischer Bund s- Schmalkadischer Bund. Smaltc, die aus dem verglasten Kobald bereitete blaue Farbe. S. Smalle. > Smaragd s. Schmaragd. ^ ! Wilhelm Sidnei Smithsgeb. zu London 1764), einer von de» merkwürdigen Britkischcn Seehelden der neuern Zeit, wurde un- ! ter dem bekannten /). Knor erzogen, kam schon sehr früh auf rin Kriegsschiff, da er sich vorzüglich den Scedieust erwählte, und ward ' schon im 16. Jahre der fünfte Lieutenant auf dem Linienschiffe Aleide. ! Zm 19. Jahre war er schon Postcapitain , nahm aber, da nun Friede , wurde, 1788 in dem Kriege Schwedens mit Rußland, ein Commando ' auf der Schwedischen Flotte: für seine ausgezeichneten Dienste machte ' ihn der König von Schweden zum Ritter. Auch dieser Krieg ging zu Ende, und Sir S. S m i th trat nun eine Reise in die vornehmsten " Länder Europa'- an. Eben befand er sich i» Italien, als bei dem - Ausbruche der Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich Lord Ho »d den Hafen von Toulon in Besitz nahm: unser Held begab ^ ach sogleich als Volnnkair zur Britkischen Flotte, und führte hier ' bald bei der Räumung jenes Hafens den gefährlichen Auftrag, die feindlichen Schiffe, Docken und daS Arsenal in Brand zu fetzen , mit ' den, glücklichsten Erfolge aus. Sr kehrte nach England zurück, be- ' 'am hier alS Eommandore mehrere kleine Fahrzeuge unter seine Auf» ' btt, griff mit diesen die Französische Couooy bei Herqui an, lau- dcte und zerstörte dir Werk« dieses OrtS. Ja, er wagte sich sogar ! M seiner Fregatte in den Hafen von Brest, recognoscirle die Lage ^ . bes Zeindes (wobei ihm freilich seine Kcnntniß der Feanzöstlchon Sprache, L - zz6 Smi die er ganz geläufig spricht, sehr zu Statten kam), und kam auch glücklich wieder heraus. Ein sehr glücklicher Streich, der England van einem großen Verluste rettete.' Denn eben dadurch erfuhr er, daß die Französische Flotte ausgelaufen war, um die aus Jamaika , Ca- dix rc. zvri'ickkehrenden Kauffahrthei-Schiffe aufzufangen. Endlich im I. i?y 6 (im April), als er dicht vor dem Hasen von Havre de Grace ein feindliches Fahrzeug zu sehr verfolgte, wurde er auf ein- mahl umringt, und, trotz der hartnäckigsten Gegenwehr, gefangen. Ein Schlag, der die Franzosen in außerordentliche Freude versetzte. Er wurde nach Paris geführt, in dem Temple sehr streng bewacht, j und ungeachtet der ansehnlichsten Versuche von Seiten der Englischen ' R-gierüng, ihn auszulöscn, dennoch nicht losgegeben. Nach zweijähriger Gefangenschaft erfolgte auf einmahl seine Befreiung, auf eine Art, die immer noch nicht ganz aufgeklärt ist. Wahrscheinlich ist die Erzählung, daß besonders rin Freund von ihm gewisse Blanquets ander Expedition des Poüzeiministers sich zu verschaffen wußte, wodurch die Aufseher im Temple hintergangen wurden. Bier Personen, wik Nationalgardisten gekleidet, empfingen ihn, schafften ihn in einen Micthwagcn, und so entkam er (den 24. April 1793) Abends mit seinen Begleitern bis nach der See: hier begaben sie sich auf ein Boot, und wurden endlich nach vielen Gefahren von einer Brittischen Fregatte ausgenommen, die ihn nach England zurückbrachke. Die Freude war hier außerordentlich, der Pöbel spannte die Pferde aus, und zog ihn im Triumph einher. — Noch im Herbste desselben Jahres erhielt er das Commando über den Tiger, ging damit nach dem Mittelländischen Meere, rettete dann St. Jean d'Acre (nachdem dieses61 Tagt > war belagert worden), und erwarb sich dadurch den Ruhm, di« Slb. sichten des vorher für unwiderstehlich gehaltenen Bonaparte aus Syrien zu vereiteln. Ausgezeichnet waren daher die Belohnungen» welche ihm von Seiten seines Vaterlandes sowohl, als auch deS Türkischen Kaisers zu Theil wurden; und eben so ausgezeichnet auch die Freuden- und Ehrenbezeugungen des Volkes sowohl, als der Großen» als er nach dem (den 21. März izor) von Abercrombi e den Franzosen gelieferten Treffen, wo er sich ebenfalls sehr tapfer hielt, in Person in sein Vaterland zurückkehrte, wobei ihm die Stadt London daS Bürgerrecht und einen prächtigen Säbel zum Geschenk verehrte. Durch seine Einsichten leitete er auch, nach dem Frieden von AmienS, als Mitglied des Unterhauses die Beschlüsse des Parlaments in Betreff des Kriegswesens, und machte auch in dem wieder ausgebrochenen Kriege den Franzosen und Niederländern viel zu schaffen. Er kommandir» ! verschiedene Kreuzfahrten an den Französischen Küsten nnd suchte m-h- rere Mahl die Flotillen, hauptsächlich die zu Boulogne in Brand z» stecken. Im November > 8 oL wurde er zum Kontreadmiral ernannt und im Februar 1806 begab er sich von neuem in daS mittelländische Meer, um die von den Franzosen bedrohten Küste» Siziliens zn »er- theidigen. Im Jahre 1307 war er bei der Unternehmung Duckivorth- , gegen die Dardanellen. Dann begleitete er den Portugiesischen Hol ^ nach Brasilien. Gegenwärtig soll er sich bei der E/peditioa ge-en ' Spanien im mittelländischen Meere befinden. > Smo Soa ZZ7 Gm ölen Sk, eine Russische Stadt am Äncper, ziemlich groß und wohlbcfcstigt, hier fiel zwischen den Franzosen und Russen (>8>s) eine bedeutende Schlacht vor, in Folge dessen die Ersten sich der Stadt bemächtigten. Tobias Smollet, rin merkwürdiger Schriftsteller der Englän- der, 1720 in Schottland geboren, war Doctor der Arzncikunde, betrieb aber in seinen Nebenstundc» verschiedene Zweige der Schriftstellern mit allgemeinen Beifall. Er schrieb z. B. eine in sehr schönen Styl abgefaßte Geschichte von England, die nebst der Fortsetzung 12 Ociaobände begreift, und auch in Rücksicht der Sache» brauchbar, obgleich nicht ohne Mängel und Partheilichkeit ist, und war Zvz; der Urheber einer noch jetzt berühmten gelehrten Zeitschrift, deS Lriiiesl klevierv (kritische Uebersichl), durch die er aber vermöge seiner Hypochondrie und Neigung zu Juverkioen sich oft in nachtheilige litiera- rische Fehden verwickelte, und selbst eiomahl wegen grober Anzüglichkeiten auf den Admiral Knowles mit dreimonarhlichcm Gesänguiß in der Kingsbench belegt wurde. Ucberhaupt verspotteten ihn mehrere Schriftsteller, und Sterne persisiirte ihn in Aoriks cmpßndsamen Reisen unter dem Nahmen SmrlfunguSalS einen höchst sonderbaren Mann. Am berühmtesten ist Smollet durch seine Romane geworden , unter denen sich besonders RoderichRandom, sein erstes schriftstellerisches Product, Peregrine Pickle, welche beide von Mylins in Berlin vortrefflich übersetzt worden find, und die Reise des Humphrey Klinker auszrichnen. Letzterer Roman, von dem wir durch Bode (jedoch ohne sich zu nennen) eine musterhafte Uebersetzung erhalte» baden, ist nicht so bekannt, als die vorigen, ! ungeachtet er sie an Schönheiten noch übertrifft. Ueberhanpt zeichne» ^ sich seine Werke durch eine sehr geistreiche, angenehme, launige und mitunter satirische Schreibart aus , und seine Digressienen sind gewöhnlich sehr schön: eben dieses Urtyeil paßt auch auf die Beschreibung seiner R e i st durch Frankreich undItalien, die er 1 76Z der Gesundheit wegen unternommen hatte. — Er starb 1771 in Italien, wohin er seiner aufS neue zerrütteten Gesundheit wegen gereist war. , 8morranLo»ooo Seelen, leidet aber durch Pest, Feuersbrünste »nd Erdbe- ! den — wie z. B. daS im I. >688 war — sehr viel. An Gebäuden hat diese große Stadt fast nichts Auszeichnendes, als etwa die Markt- ! Plätze und daun die Kane, welches große Herbergen oder Gastböfe sind, worin Reisende, besonders di« mit Karavanen kommen, unentgeldlich §L8 Sob ausgenommen werden. Alle Europäischen Nationen haben hier ihre Consuln. 8os ve, (Jtal. in der Musik) lieblich, angenehm. Johann Sobieski, aus einer der ältesten und angesehensten adelichen Familien Pohlens, dessen Vorfahren die ausgezeichnetsten und wichtigsten Chargen von Zeit zu Zeit bekleidet hatten , diente von der frühesten Jugend an in der Armee, und war schon unter der Regierung Königs Iohannll C asimirs , eines der schwächsten Regenten Pohlens, kommandirender Officier. Ms dieser König im J. i6üz seine Regierung niederlegte, und, nach stebenmonathlichen Debatten ^ über die neue KönigSwahl, endlich Mich ael Thomas Koribukh ^ Wiesniowietzki widerseinen Willen zum Könige in Pohlen ge- > wählt wurde, verhielt sich So dies ki. der inzwischen bis zur Würde eines Kron-Großfeldherrn und Krön,Marschalls gestiegen war, ganz > ruhig, obwohl, vermittelst Vieser hohen Charge. damahlS schon sein Einfluß auf die Republik Pohlen sehr bedeutend war. Ja, er nahm sich der öffentlichen Angelegenheiten seines Vaterlandes von dieser Zeit gegen daS Ausland desto eifriger an, und demüthigle die Übermut!«- gen und in den bisherigen Pohlnische» Kriegen immer siegreich gedlie denen Tatar» und Türken durch den bei Chozim über sie gewonnenen H-niptsieg, der nicht durch Sobieski'S kluge Dispositionen und glücklichen Operationspläne, sondern auch durch seine ausharrende persönliche Tapferkeit bewirkt, zugleich aber auch der Grund seines großen Ruhms und Emporsteigens, ja endlich auch die Hauptveran- laffnng zu seiner Erhebung auf den königlichen Thron wurde, welcher während dieses gefährlichen und für die Pohl,tische Nation höchst schmerzhaften Krieges durch den Tod Michael Thomas im I. 167z wieder war eröffnet worden. Zwar bewarben sich jetzt, nach Michaels Tode, nicht weniger Candidaten um die Pohlnische Krone, als >66? nach der Resignation Johann ll. Casimirs; auch hatten jene drei Parteien, die Pfalz-Ncuburgische, die Lothringische und die Con- däische, welche insgesammt den Pohlen einen fremden König anfdrin- . gen wollte», während der sieben Monathe, als so lange man sich mit der KönigSwahl unaufhörlich schon beschäftigt hakte, theils durch D r- -sprcchungen, theils durch Bestechungen, unter den Wählenden einen großen Anhang nach und nach sich zu verschaffen gewußt, so, daß man damahls schwerlich darauf falle» konnte, daß ein Vierter auch noch Anhang erhalten und bei dieser Königswahl seine Person als Kronprätendent mit ins Spiel bringen sollte. Und doch war dnß mit dem Kron-Großfeldherrn und Kron-Marschall Sobieski der Fall. Dieser wußte nicht nur die Uneinigkeit der wählenden Reichsstände äus- serst klug zu seinem Vorkheile zu leiten, sondern auch den größten Theil derselben so fein und künstlich für sich zu gewinnen, daß sie ! ihn als einen solchen zum Könige wählten, der, dem äußern Scheine nach, die königliche Krone gar nicht suche, noch viel weniger ver- ^ lange : kurz , er wurde, als nun auch der Ruf von der bei Chozim gelieferten Schlacht nach Pohlen kam, iu kurzer Zeit zu Warschau zum Könige ansqerusen, ohne daß er selbst für seine Person zugegen ^ war. Als man ihm diese seine Wahl bekannt machte, blieb er, statt - Sob ALy seine Krönung und drn Antritt seiner Rrgikrung, gleich feinen Vorgängern, zu beschleunigen, auf die erhaltene Nachricht vielmehr bei seiner Armee, und gab de» an ihn gclchickten Gesandten die in den erhabensten Beibeucrungcn enthaltene Al lwoet an seine Pohlen mit, nicht eher nach Warschau zurückznkehrcn und die Königskröunng an sich vollziehen zulaffen, als bis er die Feinde seines Reichs, die Türken (welche zeilhcr seiner Nation zwei ganz entehrende Friedensschlüsse, unter Johann II. Casimir, »nd — bei weitem drn fcchmsflich- ste» — unter seinem unmittelbaren Vorgänger, Michael Lhrmas, abgcnölhigt hatten), aus den Pohlnischen und den benachbarte»! Staa- leii gänzlich vertrieben, und ihre Armeen grvßentheils ansgerieben haben würde. Eine solche kraftvolle Rede, aus dem Munde eines alten, erfahrnen und tapsern Kriegers vernommen, von feurigen und mit Enthusiasmus beseelten Männern, dergleichen die an ihn geschickten Gesandten waren, der alles erwartenden Nation treulich oorgcrragen, mußte nothwendig den größten Eindruck wachen, und nicht nur das ganze Volk in Erstaunen setzen, sondern auch dessen Liebe gegen seinen neuen König bis zur höchsten Verehrung bringen. Und wirklich hielt dieser auch pünktlich Wort : denn in nicht sehr langer Zeit vertrieb er die Türken aus allen Gegenden Pohlens dis in die Moldau, und erlangte durch seine beständigen Siege endlich für sich und sein Reich den ehrenvollsten Frieden» anstatt daß sein Vorgänger, noch nicht volle zwei Jahre vorher, beim Friedensschlüsse eden diesen Türken ganz Podesten und Kaminick, nebst der Hoheit über die Ukraine, hatte abtre» ten, auch einen jährliche»! Tribut an sie zu entrichten versprechen müssen. Thaten dieser Art, von einem jüngern königlichen Helden glücklich vollzogen, würden vielleicht weniger Erstaunen erregt haben, als die des So bi eski, welcher zu der Zeit, als er sie verrichtete und als er die Krone erhielt, schon ziemlich bei Jahren war. — Daß dieser König, nach so vielen ausgestandenen Harken Kricgsstrapazen, und nach einem für seine Nation so ehrenvollen Frieden, bei seiner Rückkehr mit dem größten Eulhustasmus ausgenommen , und seine bald darauf erfolgte Krönung mit allen möglichen Feierlichkeiten vollzogen worden sei,, kann man wohl leicht ermessen; wenn wir gleich nicht zu behaupten wagen, daß jeder bedeutende Pohle, das heißt, jeder wahlfähige Reichsstand , über diese Wahl sich aufrichtig hätte freuen sollen. —- Dieser Sob iesk i heißt in der Reihe der Pohlnischen Könige Johann ltl. Höchst wahrscheinlich würde jener bei Chozim erfochtene große Sieg und der hierauf erfolgte Frieden auf die Türken lange Zeit gewirkt und der Republik Pohlen die so lehr benöthigte Ruhe gewädrt haben, wenn dieser König I oh a n n III. weniger anhänglich an Oesterreich, und weniger persönlich Freund gegen den damahligcn Kaiser Leopold I. gewesen wäre; und für die Pohlnische Nation — welche in einem Zeiträume von länger als zweihundert Jahren, besonders «der seitdem Abgänge des Jagellonischen'Hauses, und seitdem Pohlen >.572 nach dem Tode Sigismund II. Augusts, des letztem Ja> 8 llonischen KönigÜ, in ein Wablreich völlig war verwandelt worden, fast ununtkrbr.chen die blutigsten und verheerendste» Kriege hatte süh- z6o Sob ren müssen — wäre gewiß die längere Dauer dieses Friedens die größte Wohlthat gewesen: allein der König wollte nicht leiden» daß die Türken» welche in die Oesterreichischen Staaten eingefallen und schon bis Wien oorgedrungen waren, auch diese kaiserliche Residenz schon wirklich belagerten, länger glücklich und der Schreck fast aller christlichen i Reiche Guropens seyn sollten. Auch war die Absicht des Königs» sei- > nem eignen Reiche gegen diese gefährlichen und unruhigen Nachbarn die benöthigte Sicherheit und eine beständig fortdauernde Ruhe zu verschaffen , unverkennbar, und von i h m gerade um so eher zu erreichen, da er sich in den vorherigen Kriegen ihnen so furchtbar gemacht hatte. Kurz, er schickte dem Kaiser, der wohl noch nie mehr vor den Türken im Gedränge gewesen war , als jetzt, im I. i6«z eine ansehnliche große und tapfere Armee zu Hülfe, ging, nebst seinem ältesten Prinzen, Jacob, selbst mit zu Felde, und übernahm einen Theil des Haupi- commando's in Person. Und gewiß hatte Leopold I. in diesem Feldzuge den Pohlen eben so viel, wo nicht noch mehr, als seinen eignen und den Alliirten Bayerischen und Sächsischen Truppen, zu verdanken : denn in nicht gar langer Zeit wurde, durch die Hülfe der Pohlen , nach mehrern wichtigen Schlachten und Siegm» die sich bei der damahligen Uebermacht der Türken leicht denken lassen, Wien nicht nur entsetzt, sondern auch die ganzen Oesterreichischen Staaten von den Feinden völlig geräumt. Auch ließ König Johann fast zu eben derselben Zeit durch eine zweite Pohlnische Armee die Tatarn auS seinem Podolien vertreiben, welche inzwischen, um den Türken Luft zu machen, dahin eingedrungen waren. — Von d-r Persönlichen Tapferkeit des Königs wird man sich leicht überzeugen, wenn man hört, daß er in der Schlacht bei Bar kan in Ungarn, die er, ohne den Anzug der Infanterie zu erwarten, mit seiner Reiterei allein eröffnrte, nebst seinem Prinzen I a c v b, in der größten Lebensgefahr sich befand, auS welcher der Herzog Carl V. von Lothringen, der mit der combinirten Oestcrreich-Baierisch-Sächsischen Armee und der Pohlnischen Infanterie ihn inzwischen erreicht hatte, nur mit der größten Anstrengung ihn zu retten im Stande war. Jedoch nahm er bei der Schlacht und dem Siege bei Barkan keinen persönlichen Antheil mehr an dem einige Jahre noch fortgesetzten Kriege, sondern übertrug das Commando einem Generale: aber leider vermißte nur allzu bald die vereinigte Armee die Gegenwart des Königs; leider wurde der Krieg nur schläfrig fortgcsührt, und leider waren die Bemühungen der sämmtlichen alliirten Mächte bloß das Spiel eines unbeständigen, wandelbaren Kriegsglücks. Da Jahann III. in den zwei und zwanzigjährigen Zeiträume seiner königlichen Regierung die meiste Zeit in Kriege verwickelt war, und den größten Theil über selbst persönlich bei der Armee sich mit befand, so kann man ihn kaum in die Reihe der verdienten und gutrn Re- genten Pohlens setzen. Denn weder durch wohlthäkige Gesetze, noch durch andere merkwürdige Handlungen, hat er sein Pohlen während seiner Regierung beglückt; welches ihm um so viel leichter gelungen seyn würde, je unbezweifelter er bei Besteigung deS königlichen Throns , dir Liebe deS Volks für sich hatte, und Jedermann mit Abschaffung ! Sob Soe z6» mancher Mißbrauche, wenigstens der auffallendsten, zufrieden gewesen seyn würde. Da jedoch seine allzu große Anhänglichkeit an Oesterreich, und die großen Theils davon herrührende Neigung zu den fast unaufhörlichen Türkenkriegen, der Nation äußerst mißfällig war, und er da- > gegen für das innere Wohl des Reichs in der That zu wenig that, so ^ wurde er in den letzter» Jahren seines Lebens von seinem Volke nicht ! allein wenig geliebt, sondern vielmehr gehaßt. Dieser Haß aber wurde dadurch bei der ganzen Nation gegen ihn um ein Großes erhöht, daß er auf eine ganz excentrische Art geitzig war, und, um seinem Hause recht viele und große Reichthümer zuzuwenden, oft die unerlaubtesten, ungerechtesten und zuweilen gar die niedrigsten Mittel einschlug. Freilich verband er mit dieser Neigung zum Gelde eine andere politische Absicht, nähmlich seinem ältern Prinzen, Jacob, zur Königskrone zu verhelfen: um nun diese Absicht desto eher und besser durchzusetzen» glaubte er gerade im Gelde und Reichthuine das beste und wirksamste Mittel zu finden. Allein er täuschte sich; denn der Haß gegen den Vater pflanzte sich auf den Sohn fort, und nach dessen Tode wurde bei der Königswahl unter den mehrern Kronprätendenten auf den Prinzen Jacob weit weniger Rücksicht genommen, als auf dir übrigen: kurz, August II., Churfürst von Sachsen, wurde zum König von Pohlen gewählt und gekrönt. Johann UI. starb 1696, höchst wahrscheinlich durch Vergiftung. Geheime Nachrichten legten damahls seinem Leibarzte, einem Juden, dielen widernatürlichen Tod zur Last. Er hintrrließ wirklich königliche Reichthümer. Ihm überlebte seine Gemahlin, Maria Casimirs de laGranqe; dieTochterdeS Marquisd'Arquien» welche einen sehr großen Einfluß auf ihn hatte, aber auch zu vielen Handlungen ihn verleitete, die er ohne ihre Eingebung wohl schwerlich unternommen haben würde. Auch sein Gcncralpächter, gleichfalls ein Jude, hakte einen großen, mächtigen Einfluß auf ihn, weil er seine Kaffen mit vermehren half, welche endlich seine drei Prinzen , Jacob, Alexander und Constantin , nachdem des ältern Hoffnung» zum Königsthrone zu gelangen, gescheitert war, unter sich thcilten. Ucberhaupt hatten unter diejem Könige die Juden ihr goidnes Zeitalter in Pohlen. Manche Geschichtschreiber vergleichen den König Johann HI. mit dem Kaiser Vespasian. Und in der That findet man einige Achnlichkeit unter Beiden, wenigstens darin, daß Beide schon in einem ziemlich hohen Alter sich befanden, als sie auf den Thron gelangten; auch Beide viele persöhnliche Tapferkeit in sich vereinigten; aber auch Beide das Geld gleich stark liebten und geitzig waren. 8 obre, (Franz, sober) nüchtern, mäßig. Sobrietäck, (Lat.) die Nüchternheit. 8obriquot, (Franz. — kett) ein Zunahme, rin stichelnder Brinahme. Soccus war bei den Griechen eine Gattung leichter, niedriger ! Schuhe. Bei den Römern trugen sie bloß die Frauenzimmer; die Männer hielten es für unanständig, sich darin sehen zu lassen. Gewöhnlich trugen sie die Schauspieler im Theater: daher wird auch wohl der Soc- z6s Soc cus figürlich statt der Comödie genommen, so wie der Kothurn für die Tragödie. Sociabcl, (Lat.) gesellig) . umgänglich. Sociab i l i tät, die Geselligkeit, Umgänglichkeit. Social, gesellschaftlich, d. i. die bürgerliche Gesellschaft betreffend. Social-^ontract, ein Gesell- , schaftsoertrag (wie ein von liousne»,, (Ruffo) geschriebnes Werk über j die bürgerlichen und geselligen Verhältnisse betitelt ist). Socialrecht, > das Gesellschaftsrecht. Sociation, die Vereinigung zweier oder mehrere Personen zu Einer Gesellschaft. Societät, die Gesellschaft; bisweilen eine geschlossene. Sociekätshandel, der Gcsellschaftshan- drl. Societät der Wissenschaften, eine gelehrte Gesellschaft oder Genossenschaft. Societär, das Mitglied einer Gesellschaft. 80- cjotas 7 e»u, die Gesellschaft Jesu; nannten sich die Jesuiten.— 8ociu», ein Gesellschafter, Gesehrte, Genoß. Die Societäts-oder gesellschaftlichen Inseln sind eine Anzahl Inseln in Australien, oder Südindicn, welche zusammen aus 11 Haupt-Inseln bestehen, unter denen Otahei ti (s. d. Art.) die größte und vorzüglichste ist. Eine hohe Lage, angenehmes Klima, gute Bewässerung und Korallenklippen sind ihnen eigen; an Producten haben sie vorzüglich die Brotfruchtbäume, Zucker- und Bambusrohr, Pisana, Tacaonüsse und viele andere; aus dem Thicrrciche: Hunde, Schweine, wilde Enten, Hüner, Papageien, Eisvögel, Reiher, Wallfische, Hai fische, Delphine, Austern, Krappen rc.; aus dem Mineralreiche: Thon erde, schwarzen Basalt, Schwefel, Lava rc. Die Einwohner sind ein gutmüthiges gastfreies Volk, zum Theil von weißer , etwas bräunlicher Farbe, und wie die andern Südseeinsulaner punctict (s. d. Art. Tato wiren). Es werden bei ihnen allerhand Zeuge von Baumrinde, Matten, Eanvts , selbst musikalische Instrumente, Fischergerathe, Waffen u. dcrgl. gefertigt. Ihre größten Kenntnisse sind in der Medici» und Chirurgie. Uebrigens hat jede Insel fast ihren eigenen Schuygeist mit Priestern» Opfern und gewissen Ceremonien. Ihre Könige verehren sie fast wie heilige Wesen. Die Socianer waren eine Religionssecte, welche in der kehlen > Hälfte des > 6. Jahrhunderts von Lälius Socinus (Sozzino) , au» Siena (gcb. daselbst 152L, gest. 1562), und hauptsächlich von dessen Reffen, Faustus Socinus (gcb. , -;zy, gest. ,6ng) gestiftet wurde. Ihre Haaptlehre (welche jedoch schon in den ältern Zeiten von Paul ^ Gamosarenus, Photinu s u. A. angenommen worden war) ging dahin aus, daß inG 0 ttes Wesen nur Eine — keincswegcs mehrere— Person sev (sie führen daher auch den Nahmen Un i t a r i c r); daß Christus zwar vom heiligen Geiste empfangen worben, auch k-.inen andern Later als Gott gehabt, daß er aber keine göttliche Natur hake , allein man müsse ihn für Gott, d. h. als einen solchen Herru, welcher göttliche Macht und Gewalt von Gott enips.-ngen habe, erkennen ; daß er keineswegs durch seinen Tod uns die ewige Seligkeit verdient, sondern bloß die Wahrheit gel-hrt, große Beispiele der Tugend gegeben , und seine Lehr? mit seinem Tode besiegelt habe; ferner, vaß der heilige Ge ist nicht Gott, sondern eine Kraft Gottes sev rc. Diese Lehre nilir breitete sich besonders in Pohlen — wohin sowohl Soc z6z Lälius Socinus(l 553) , als auch nachher sein Neffe, welcher auch unweit Cracau starb, sich geflüchtet halten —aus, bis auf dem Reichstage im I. ,658 die Socianer als Ketzer verdammt, und o.enökhigt wurden, binnen zwei Jabrcn das Reich zu verlassen. Ein großer Theil , wendete sich hierauf nach Ungarn und Siebenbürgen, ein anderer nach Holland, England, wo sic öfters Anhang, aber auch noch öftere Ver< i solgungen fanden; nicht minder auch nach Deutschland, nahmentlich nach Preußen :c. Ihre Lehre hat unterdessen immer» auch selbst unter den Protestanten, sehr viel Anhänger, öffentlich und im Stillen, gefunden. Socratcs — einer der berühmtesten Philosophen Griechenlands — war der Sohn eines Bildhauers und einer Hebamme zu Athen, gcb. im I. 469. vor Chr. Geb. Anfangs für die Kunst seines Vaters bestimmt, nahm ihn Criko aus dessen Werkstatt heraus , um ihn der Philosophie zu widmen. Dieser, Anaxagoras und Arche laus waren seine Lehrer. Früh schon unter den Waffen — wie alle Athe- nienser — hatte er sich an ein nüchternes, hartes Leben gewöhnt, und er blieb auch immer arm, wenn gleich so viele angebotene Geschenke, besonders auch vom Ar che laus, König von Makedonien, der ihn gern an seinen Hof haben wollte, ihn in weit bessere Umstände hätten versetzen können. Seine innere Ruhe war eben so bewundernswürdig, als seine große Enthaltsamkeit. — „Ich würde dich schlagen — sagte er ! einst zu einem Sclaoen, der ihn gereiht hatte — wenn ich nicht im Zorne wäre" Als man ihm hinterbrachte, daß ein gewisser Mensch schlecht von ihm spräche, sagte er bloß darauf: „Wahrscheinlich hat er nicht gelernt, gut zu reden." Sehr viel ähnliche Antworten von ihm sind bekannt, die von seiner außerordentlichen Mäßigung und Selbstbeherrschung zeugen. Besonders hatte er in seinem eignen Hause unzählige Gelegenheit, jene Tugenden auszuübcn. Seine Hausehre, Lan- tippe, ist schon hinlänglich als Probirsiein jeder ehemännlichen Geduld bekannt. Aber auch die fürchterlichsten Launen dieses Weibes brachten ihn nicht aus seiner Fassung. Als sie einst nach dem unbändigsten , Lästern ihm endlich einen Topf voll Wasser an den Kopf warf, so lachte er darüber mit den Worten: „Ich dachte cs gleich, daß auf rin so heftiges Donnerwetter nun auch ein Regen felgen würde." — So erstes hielt keine öffentliche Schule oder bestimmte Vorlesungen, wie die übrigen Philosophen, sondern er ergriffjede Gelegenheit , um seine moralischen Lehren zu g-.ben , die aber weder finster noch rauh waren. Freilich war er in diesen seinen Lehr-n nicht allemahl, behutsam genug: er sprach ziemlich frei über die Religion und über die Regierung seines Vaterlandes. Dieß zog ihm die Persiflage des Ark. stophanes (m. s. dies. Art), aber auch größere Feinde zu. Bald trat rin verworfner Mensch, ein gewisser Melitus, auf, der ihn öffentlich des Atheismus beschuldigte, weil er über die Vielheit der Götter getvötttelt batte. Einfach uud edel war seine Apologie, die deutlich genug seine Unschuld zeigte : allein seine Widersacher wußten die Menge zu gewinnen, und die Richter sprachen das Urtbeil auS, daß der Philosoph schuldig wäre; überließen ibm aber, sich selbst eine Strafe zu erwählen. „Nunsprach er, „so verurtheile ich mich, Z64 Sod Sof da ich die Athenienser beständig unterrichtet habe, daß ich Zeitlebens auf Kosten der Republik im Prytaneum (die höchste Ehre in Griechenland) — ernährt werde." Diese Antwort brachte den Areopagus so auf, daß ste nun seinen Tod, und zwar den Tod durch Schierlings' fast, beschlossen. Mit der bewundernswürdigsten Festigkeit ging er ins Gefängniß, und als ihn einer seiner Schüler, Apollodor us, beklagte, daß er so unschuldig sterben müsse, erwiederte er ihm: ,,Wolltest Du lieber, daß ich schuldig sterben sollte?" Ungeachtet seine Freunde ihn aus dem Gefängnisse retten wollten, so verweigerte er dieß dennoch: er trank den Giftbecher im 70. Jahre seines Alters (400 I. vor Ehr. Geb.). Sein Tod wurde aber sogleich gerächt, denn bald sahen es hie Athenkenser ein, daß ste einen Unschuldigen gemordet hatten : ste verdammten den Melit zum Tode und die übrige» Ankläger zum EM; ja, man errichtete nunmehr dem Socrates eine Statue, welche der berühmte Lyfipp gefertigt hatte. Noch wird eS hier nicht am Unrechten Orte seyn, etwas über den Genius, oder Dämon, zu erwähnen, welchen SocrateS, wie er selbst sehr oft seine Schüler versicherte, um Rath fragte. Man hat viel darüber gestritten, was wohl dieß eigentlich gewesen sey? Aller Wahrscheinlichkeit zu Folge war wohl dieser Schutzgcist, ober diese göttliche Stimme, nichts anders, als seine eigne richtige Urteilskraft, die, durch lange Erfahrung unterstützt, ihm im Voraus sagte, wie der Erfolg dieser und jener Angelegenheit, worüber man ihn fragte, ausfallen würde. Um seinen mit Klugheit und richtiger Ansicht der Dinge minder begabten Schülern und Freunden vielleicht eine gewisse Ehrfurcht für seine Urtheile dadurch beizubringen , gab er bloß je- desmahl vor, daß er erst seinen Genius fragen wollte. — Unter seinen vielen Schülern, die er hinterließ, war einer der berühmteste» Plato (f. dies. Art). Sod, Sodbrennen, eine brennende Empfindung, welche sich von dem Magemnunde bis in den Schlund erstreckt und von einer verdorbenen Magensäure herrührt. 5 0 cka, (Span.) Sode ein feuerbeständiges mineralisches Lau- gensalz, eine Art Pottasche, welche aus gewissen am Ufer deS Meeres, besonders in Spanien wachsenden Pflanzen erhalten wird. S. auch Alkali. S 0 dal»tät, (Lat.) eine Gesellschaft, Brüderschaft, besonders eine geistliche (von soll-tlis, Genoß, Mitgenoß.) Soder,s. Klan. Södermannland, einer der fruchtbarsten, anmuthigsten und angebautesten Landstriche Schwedens ; sowohl an Flüssen, als an See» reich. Sod 0 mi terey, heißt jede widernatürliche Befriedigung des Geschlechtstriebcs, von der Stadt Sodom, wo besonders dieses Laster geherrscht haben soll. Sofa, (Arab.) ein Polsterbette oder Ruhebette ohne Lehne. S. Laoape. Sofala, ist die Hauptstadt eines besondern von den Portugiesen abhängigen Reichs in Manomotopa. (S. dieses.) « 1 Sof Gol 2 6z Di- SoMte fa. d. Jtal. Soikitto) heißt in der Baukunst die D,cke^nes Gemachs, die besonders auch mit Getäfel, vertieften Ab. Mm äÄ,») » D-d-' d-'i-,- daukuntt die Soffiten: die oben queer herüberhangenden The,le der ^n - scy es nun zu einem Zimmer, Saal. re. oder auch freie Luft, Molken Bimmel bei offenen Plätzen, freien Gegenden «. deral. ^ Sofias eine Art Geistlich» bei den Türken unfern Stifts. Herren ähnlich, die aus Stiftungen bestimmte reichlich-Einkünfte z,e- ben und dafür verbunden sind, bet den Gräb»n der Türkischen Kaiser und andrer Stifter für die abgcschiednen Seelen zu beten. ^ Sohle, heißt im Bergbau überhaupt: der Grund oder Bo. dt,, , B eines Stollen, einer Strecke. eineS Herdes u. d. m. In den Salzw'erken: das natürliche Salzwasser, so wie es auS der Srde quillt. Sohlspindel, Sohl wa ge, -ine Salzwage, um den Saltaebalt der Sohle zu bestimmen. So hl stuck, heißt >„ der Bau. kunst die Schwelle oder dasjenige Stück, welches den untersten Lheil auSmacht.^^^^^ (Franz. soenjSsemang) sorgfältig, sorg. 8«, i -- -- ons. (Franz. Soässong) eine anfthuliche Stadt in Frank, reich , im Departement der Seine und Oise, von7000 fleißigen Men- schen ^"At'orah, Insel deS glücklichen Arabiens, auf welcher ^S^ist' rin ^einahme des Apollo (s. dies. Art.). Solanum, (Lat.) Nachtschatten, ern Pslanzengefchlecht von n-.kckledner Gattung. Solanum tuberosum, heißt inSbesvn. dre ein der Sonnenrose ähnliches Gewächs, das eine Art Erdäpfel Solar, (Lat.) die Sonne betreffend. Svlarjahr, einSon- nenjahr. (S. dieses.) S 0 larmier 0 sc 0 p, ein SoanenvergrößerungS- ^'So^ar^um. (Lat.) das, der Grundzins, BodenzinS. (Mit Salar nicht zu verwechseln.) .... Sola-Wechsel, Allein-Wcchsel, heißt ern solcher, welcher über eine Summe nicht mehr alS einmahl ausgestellt wird , zum Unterschiede von einem Prima-Wechsel, Secunda-Wechsel u. s. w. La Wechsel, die einer auf sich selbst ausstellt, jedcrjeit Solawechsel sind, so hat dieses Wort auch jenen Nebenbegriff erhalten. Solckatesque, (Franz.) Soldateske, die, KriegSvolk, KriegSmannschaft. . „ . ^ Sölde, heißt in manchen Gegenden rin kleines Häuschen, entweder mit geringem Ackerfelde, oder mit Salzsiederrecht. Ein Be. sitzer des einen wie deS andern heißt Sölder oder Söldner. Sold in, eine Stadt in der Neumark Brandenburg, deren Einwohner von Tuchmanufakturrn und Hopftnhandel sich nähren. So 16 o, (Jtal.) eine kleine Italienische Scheidemünze, wie der Franzi fische Sou, vhngesähr »Pf. Z66 Sol 8oleckack, eil. Spanischer Hafen bei den Falklands-Jnseln in Südamerika. Soleniten sind versteinerte Muscheln, welche wie zusammengesetzte Röhren anSfchen, und auf beiden Seiten offen sind. Solenn, (Lat.) fcyerlich, festlich. 8ol sn niter, auf eine feyerlichc Weise. Solennität, die Feyerlichkeit. Solennisi- ren oder so lein nisire», feyerlich begehen, s pärlich machen, durch gesetzliche Feyerlichkeit bestätigen, z B. den letzt n Willen. Solfatara, ein 1200 Schub langes und Zoo Schuh breites Thal (in der ferra cki 5,avoro in Neapel), unter dem oas Erdreich fast überall hohl ist. Seine Oberfläche sieht gelblich und weißlich aus, und es steigt an vielen Orten Ranch auf. Ohne Zweifel steht eS mit dem 2 Meilen davon entfernten Vesuv in unterirdischer Verbindung. Solseggiren (sprich: soi fedsch iren) (Musik) heißt eigentlich so viel, alS: eine Melodie vermittelst der sechs aretinischen Silben (ut, re, mi, 5a, rol, Ia, — s. G u i d o A r e t i n u S) singen; dann bezeichnet es aber auch überhaupt jedes Notenlesen oder Singen , wobei man den Noten gewisse Nahmen gibt — eine für angehende Sänger sehr heilsame Uebung, um nach Noten singen (treffen) zu lernen. In Deutschland bedient man sich dazu gewöhnlich derjenigen Silben und Buchstaben, womit auch die Töne benannt werden, also nach der Tonleiter von c, ck, e, 5, g, a, k, und den Kortschreitungcn cis, ckis, rc.; doch gibt eS auch Provinzen, wo noch nach den sechs aretinischen Silben solfeggirt wird. Die Franzosen, welche diesen sechs Silben, um die Oclaoe anszufüflen, noch eine siebente, si. zugegeben haben, preisen diese Methode als die leichreste zum Solseggiren an; allein sie verdient, als höchst unvoll- i kommen und für den Schüler äußerst schwer, i» Deutschland schlechterdings keine Nachahmung. — Uebrigens heißen solche Stücke, welche I zum Solseggiren ohne Worte, und bloß zur Uebung der Stimme und des Treffens gemacht find, 8oltk-xzi. Auch kommt oft bei Claviek- ^ Sachen daS Wort 8olkeM529, lief mehrere Mahle Sturm, mußte aber mit empfindlichem Verluste abziehen. Er behauptete dessen un» geachtet den größten Theil von Ungarn, und unterstützte durch seine Waffen den Fürsten von Siebenbürgen, Johann von Zapolia, und nachher dessen Sohn gleiches Rahmens, die von vielen Ständen zu Königen auSgerufcn worden waren, lange Zeit gegen den Gegenkönig Ferdinand I. Ueberhanpt war er einer der furchtbarsten Feinde des Hauses Oesterreich. Gegen Persien wandte er seine Waf- , fcn gleichfalls mit glücklichem Erfolg, eroberte Bagdad, Mosul und - viele Landesstriche dieses Staates, bezwang ein Stück von Arabien, ^ Rahmens Jemen, und erlangte sogar im Mittelländischen Meere, trotz i des schlechten Zustandes seiner Flotte, die erst von ihm und seinem > Vorgänger etwas verbessert, und noch gar nicht regelmäßig einge- ! richtet war, durch die furchtbaren Raubzüge deS berühmten Barbarossa, dem er zuerst die Würde eines Kaputan Pascha gab, und durch den Seeräuber Dragut ein entscheidendes Uebergcwicht. Barbarossa eroberte Tunis und Algier (ersteres ging bald wieder ver» loren), und beunruhigte die ganze Küste deS Mittelländischen Meeres. — Allein dem Soliman war in den später» Regierungsjahren das Glück nicht so günstig: er wurde von den Persern geschlagen, belagerte Mallha vergebens, und erlebte auch nicht das Ende des letzten Krieges gegen Ungarn; denn er starb während der langwierigen Belagerung von Sigeth, -§66, im 74sten Lebensjahre. Er war ein edcl- > denkender, tapferer und geistvoller Fürst, der auch im Frieden viele vortreffliche Anstalten machte, und seinem Volke ein Gesetzbuch gab. Bloß die Liebe zu der Sultanin Ropolane, einer Sclavin, verleitete ihn zu Grausamkeiten ; denn auf ihren Antrieb ließ er seinen vortrefflichen Großvezier, Ibrahim, hinrichten, und ermordete, um ihrem Sohne, Selim II., die Thronfolge zu sichern, alle Kinder, d>e ihm eine ander« Sultanin geboren hatte. -68 Sol Solingen, eine alte Stadt im Großherzoglhum Berg, ist wegen ihrer wichtigen Eisenfabriken merkwürdig. Solinger Messer und Klingen sind allgemein bekannt. Lolipsirmus, (Lat.) die Alleinsucht, oder Selbstsucht, wir Egoismus. S. dieses. Solipsist, ein Selbstsüchtler, wie Egoist. Solitair, (Franz. — tähr) einsam, von der Welt abgeson. -ert, z. B. er führt ein solitaires Leben. Er ist ein Solitair, d. i. ein einsam lebender Mensch. Insbesondre heißt Solitair ein Edel, stein von vorzüglicher Große und Schönheit, der allein, d. i. mit keinen kleinern eingefaßt ist. — 8 olitucle, (Franz. — tühd) die Einsamkeit, Einöde. Insbesondre der Nähme verschiedner einfach liegender Schlösser oder Lustörter, z. B. des Wirtembergischen schönen Soiunu rschlosscs, welches in einem Tannenwulbe auf der Spitze eines hohen Berges steht. Soll, (in Handlungsbüchern) s. Debet. Söller, der obere Hausboden. Insbesondre das stäche mvr- genländische Dach. Sollicitiren, (Lat.) anhalten, ansuchen, um RechtSkülfe bitten. Solicitant, einer, der um etwas ansucht, seine Sache bei einem Gerichte betreibt. Beim vormahligeu Reichsgerichte zu WeH- ar nannte man besonders diejenigen, welche dahin kamen, um ihre eignen oder die Angelegenheiten Andrer, von denen sie beauftragt waren, persönlich zu betreiben, Sollicitanten und Svlicitaro- ren. Sollicitation, das Anhalten, daS Rechtsgesuch. Die Solmisation: dieses Wort bezeichnet eigentlich in der Musik das Singen nach den sechs aretinischen Splben, welches sich noch in Frankreich, Italien und einigen Provinzen Deutschlands erhalten hat. (Man s. Mchrercs darüber in dem Art. Solfeggi- r e n.) Solms, eine Grafschaft in der Wetterau, deren Boden besonders sehr reich an Eisensteinen ist; gehört einem Fürsten und z Grafen, die unter Hessen-Darmstädtischer Hoheit stehen. DaS Solo: i) in der Musik bezeichnet dieses Italienische Wort ein Stück, oder den Tbeil eines Stücks, wo ein Hauptinstru- ment, mit oder ohne Begleitung, allein sich hören läßt. Ist rin ganzes Stück für ein einzelnes Instrument, so heißt es auch gewöhnlich eine Sonare (s. diesen Art.), z. B. ein Clavier-, Dio- lin-, Flöten-Solo, — und hier ist cs gemeiniglich auf große Schwierigkeiten , unerwartete Forlschreitungen, Passagen rc. abgesehen. I» Concerten wird derjenige Theil Solo genannt, welchen das Haupl- instrumcnt vorträgt, und wo die übrigen schweigen (pausiren), oder rS nur begleiten (accompagniren). Bei vielstimmigen, besonders auch Singe - Stücken, wo jede Stimme mehrere Mahle besetzt ist, wird da, wo 8olo steht, die Parthie nur von Einer Stimme gespielt oder gesungen, und die übrigen treten nur dann erst wieder ein, wo l'utti (Alle) darüber steht. 2 ) Was Solo im Tanzen heiße, darüber sehe man d. Art. Tanz. -) Gibt eS auch bekannter Maaßen eia S ol Z69 Kartenspiel zivischen Vier Personen, das den Nahmen Solo davon führt, weil daS Haupkspiel, das darin vorkommt, von Einem allein gegen die Drei übrigen geführt werden, und wo er allein wenigstens fünf Stiche machen muß. Der Soloecismus (aus d» Griech.) heißt ein Fehler, ein Schnitzer, den man gegen die Etymologie, Rechtschreibung und Wortfügung macht. Dir Bciieiinnng leitet man von der Stadt Soli oder Solos in Cilicien (von Solon erbaut) her, deren Einwohner ihre Mundart nach und nach so sehr verdarben, daß man von Jedem, der schlecht Griechisch sprach, sagte: er spricht So lisch. In der Folge haben alsdann vorzüglich die Sprachlehrer diese Benennung deibchalten, wenn stc eine schlecht zusammengesetzte Rede bezeichnen wollten. Solon, einer der berühmtesten Gesetzgeber, und zugleich Einer der Sieben Weise,, Griechenlands, ward zu Athen, oder vielmehr zu Salamin , ungefähr 6^9 vor Christi Geb. geboren. Anfangs hatte er sch der Kaufmannschaft gewidmet, erwarb sich aber bei den Athenien- sern hauptsächlich dadurch ein großes Ansehen , daß er die Insel S a- lamin auf ganz besondere Art wieder unter ihre Botmäßigkeit brachte. Da nähmlich die Athenienser, wegen der vielen so oft übel ausgefallenen Versuche, die Todesstrafe darauf gesetzt hatten, wen» je- mahls Einer wieder zur Wiedereroberung jener Insel rathen würde» so stellte sich Solon wahnfinnig, und gab in diesem anscheinenden Wahnsinne die Rathschläge, durch welche sie nachher wirklich die Insel wieder erlangten. — Als er von einer großen Reise, die er durch ganz Griechenland gemacht hatte, zurückkam, wählte seine Vaterstadt, die unterdessen in bürgerliche Kriege verwickelt worden war, da ein Theil die Oligarchie, ein anderer die Demokratie eingeführt wissen wollte, ihn einstimmig znm Archonten — die königliche Würde, die man ihm mehrere Mahle antrug, schlug er aus. — Er hob vor allem die blutigen Gesetze des Draco (s. dies. Art.), mit Ausnahme derer gegen lue Mörder, auf; er theilte das Volk in vier Zünfte, ver- mehrte das Ansehen und die Freiheit des AreopaguS, erweiterte daS Prptaneum, und verließ, nachdem er seine Gesetze — ein Denkmahl der weisesten Einrichtungen — bekannt gemacht hatte, Athen, indem er sich versprechen ließ, daß man seine Gesetze wenigstens hundert Jahre lang beobachten wollte. Er gab sich nun auf Reisen, und unter andern auch an den Hof des Crösus, dem er beim Anblick der Ungeheuern Pracht die große Wahrheit zurief: daß Niemand vor seinem Tode glücklich gepriesen werden könne (f. den Art. Crösus); aber als er „ach zehn Jahren zurück kam, fand er, leider! feine Vaterstadt wieder in den vorigen Zerrüttungen: PisistratuS Harke sich der Oberherrschaft bemächtigt. Er ging, traucrd über die Treulosigkeit des Tyrannen und die Feigheit der Athenienser, nach Cppern, wo er L 59 vor Chr. Geb. starb. Solothurn (Franz. Soleure), einer von den 19 Cantonen der Schweiz, zwischen den Cantonen Bern und Basel gelegen, wird >N F Distrikte eingctheilt, und hat sehr fruchtbaren Boden. Die Haupt- Cvnv. Lex. Fünfter Band. A a 27» Sol Som stadk Solothurn ist groß, schön, liegt sehr angenehm, und dient für diejenigen Ware», welche über Schafhausen und Basel in die Schweiz eingehen, zur Niederlage. Die Volksmenge deS ganzen Landes de. trägt 4.5 — Lo,ooo Seelen. DaS Svlstitium (der Sonnen-Wendepunkt): darunter versteht man denjenigen Punkt, auf welchem die Sonne bei ihrer größten Entfernung vom Aequator steht; und weil fie sich, wenn sie diesen Punkt erreicht hat, gleichsam zurückwendet, so nennt man ihn Sonnen-Wendepunkt. Das Sommer-Solstitiiim, welches den 2,. Juni Statt findet, und uns den längsten Tag bringt, ist sonach die weiteste Entfernung der Sonne vom Aequator nach dem Nord zu; bei dem Winter. Svlstitium, den 2i. Decdr., als dem kürzesten Tage bei uns, ist die Sonne nach dem Südpol hin am weitesten vom Aequator entfernt. Sol,wedel, s. Salzwedel. Solution, (Lat.) die Auflösung, z. B. trockner Arzneimittel durch eine Flüßigkeik. Desgl. das Aufgelöste, z. B. eine Solution von Salmiak in Weinessig. Auch: die Trennung verdundner Thule, z. B. die Solution des Deutschen Staatskörpers. — Solva bcl, zahlungsfähig, der noch zahlen kann. Daffelbe bedeutet ain- 80 l V eucl o und solvent, z. B. er hat aufgehört, solvent zuseyn. S. insolvent. — Solviren, auflösen; desgl. bezahlen. Die Solwage (Solspindel), s. Aräometer. Somatologie, (Griech.) die Lehre von den Körpern. Der Graf von Sombreuil war ein alter, ehrwürdiger General und Gouverneur der Invaliden in Paris. Nach dem io. August wurde er verhaftet, und kam in die größte Gefahr, bei der allgemei- nen Niedcrmetzelunq der Gefangenen im September mit ermordet zu werden. Nur die Thränen seiner edel» Tochter konnten die Mörder endlich bewegen, daß fie seiner schonten. Aber zwei Jahre nachher(am 17. Juni 1794) mußte er doch die Guillotine besteigen, weil er an einer Verschwörung sollte Antheil gehabt haben, welche sich g-gcn Col- lot d'Herbois angesponnen halte. Sein Sohn war ein Anführer der Emigranten auf Quiberon, und opferte sich mit dem größten Heldenmuthe für feine Waffenbrüder, die durch die Verrckthereien des Grafen Puisaye in die verzweisilndste Lage versetzt worden waren, auf. Uebcr die Sorge für das Wohl Anderer vergaß er sein eignes, und gerieth daher in die Gefangenschaft der Republikaner. DaS Kriegsgericht, welches zu Dannes niedergefetzt war, um über die gefangenen Emigranten zu richten, sprach das Todesurtheil gegen ihn aus, und er wurde als Verräther deS Vaterlandes erschossen. Er starb mit der größten Kaltblütigkeit im 27. Lebensjahre, und wurde wegen feiner Rechtschaffenheit allgemein bedauert. Der Preußische Hofhatte , sich für seine Loslossung verwendet, aber die unverantwortliche Be- ! schleunigung des Unheils machte, daß die Verwendung zu spät kam. Somme-Departements. Frankreich. Sommergewächs, ist ein solches, welches nur einmahl aus seiner Wurzel hervorwächst, und dünn abstirbt, im Gegensatz der Som So» 27» peren niren den. S. dieses. — Sommerlatten, nennt »na» dasjenige junge Laubholz, welches in einem abgeholzten Gebüsch auS dem Stämmen und Wurzeln ausscklägl und einen Sommer durch gewachsen ist. — S o mm merpun kt, ist derjenige Punkt der Ekliptik, in welchem die Sonne des Mittags dem Scheitelpunkte am nächsten steht. In demselben erreicht sie die größte Höhe und verursacht den längsten Tag und Sommers Anfang. — Sommerwende, heißt die Sonnenwende (S. diese) im Sommer. Sommcrsel, eine Englische Provinz am rechten Canal von Bristol, reich an Bley, Kupfer, Krystall, Waid; Tuch-, Sarsche-, Drogetmanufakturen, Chedderkäfe. Bath (es dieses) liegt in genannter Provinz. .somnambule, (Franz. Somnambühl) ein Nachtwandler, Mondsüchtiger, d. i. eine Person, dir lm Schlafe herumgeht. Desgl. ein durch den Magnetismus in Ekstase versetzter, der im Schlafe nicht bloß auf die ihm voegel-'gken Fragen treffend antworten, sondern auch wahrsagen soll. S. Magnetismus. Somnambulismus, -aS Nachtwandeln. Desgleichen die magnetische Schlafrednerey, Schlafwahrsagercp. — 8 o moilag u us, einer, der im Schlafe spricht. Somnus — Hypnos — (Mythos.) der Gott des Schlafs, ein Sohn der Nacht und Zwillingsbrudcr des Todes, wird gewöhn» lich als liegender oder sitzender Jüngling ahgebildet, welcher Mohnköpfe in der Hand hat: neben ihm liegt öfters auch eine Eidechse, weil dieses Thier einen großen Theil des Jahres unter der Erde mit Schlafen zudringt. Auch auf einem Throne sitzend, mit Mohn gekrönt und in der Hand einen bleiernen Zepter hallend, sieht man ihn bisweilen abgebildet. Die Sonate (Musik) ist ein für ein oder mehrere Instrumente -'schriebe,,es Tonstück, welches aus 2, Z, 4 auf einander folgenden Lheilen von verschiedenem Charakter besteht. Dergleichen Sonaten werden lheils für ein Instrument allein geschrieben, wie denn z. B. die Clavier-Sonaten am häufigsten Vorkommen; theils auch für tii, Instrument mit Begleitung mehrerer, jedoch so, daß jenes immer die Hauptstimme führt. So gibt eS Elavier- Sonaten mir Begleitung riner Violine, oder einer Flöte, öfters auch noch mit einem Violvn- c.ll rc. — oder auch Violin, Sonaten mit Begleitung eines B >ffeS rc. Die Sonate dient hauptsächlich dazu, Empfindungen ohne Worte i« schildern; sie nimmt alle Charakter an: fic drückt in Tönen der Traurigkeit, des Schmcrzens, der Zärtlichkeit, des Veranügens einen Monolog aus, sie schildert heftige, stürmende, sanfte Gemüthsbewe- gungen rc.; überhaupt aber ist sie für Instrumental - Spieler eine der l> wöhnlichsten und besten Ucbungm, und die Sonaten haben in der Künimermufik, nach den Singstücken, den ersten Rang. -- Elavier, Sonaten gibt es in unzähliger Menge; aber sie sind oi-sieichl ehedem besser geschrieben worden, als j tzk, weil eS sonst gewifferMaßen Sille war, daß jeder Musiker gewöhnlich mit Solo-Sonaten fürS Claoier in die Laufbahn trat, die den» vor allem rein im Satze sep» wußten, wen» er damit bestehen und Ehre einlegen wollte. Aar Z/2 SvII Die Sonatine heißt ein kleines kürzeres Musikstück derselben Art, nur daß sie aus einigen wenigen, nicht so weit ausgeführten Sätzen besteht. Die Sonde heißt, i) in der Schiffahrt: daS Senkblei (Bleiwurf, Bleilolb) oder das an einer Schnüre befindliche Blei, um damit die Tiefe des Wassers zu erforschen ; 2) in der Chirurgie ein Werkzeug, womit der Wundarz die Wunde untersucht. Daher heißt, sonLiren: messen, die Liefe ergründen; und figürlich: etwasausforschen, jemand ausholen rc. Gondershausen, eine Stadt in der Grafschaft Unter- Schwarzburg von 480 Häusern, mit einem Rcfidenzschloffe deS Fürsten von Schwarzburg- Gondershausen. 80 niea, ein SpielanSdruck im Faro, wenn das Blatt, mb chcs man besetzt hat, glrichzuerst verliert. Die Sonne. Ke!» Wunder, wen» dieser erhabene, schöne, wohlihätige und alleS belebende Himmelskörper von den ältesten Völkern für das höchste Wese» gehalten und daher mit göttlicher Verehrung betrachtet wurde! Eden so wenig ist es zu verwundern, daß man die Sonne unter so mancherlei (Sinnbildern dargcstellt erblickt, z. B. rin Auge in einem Nimbus (Strahlenkränze) — die ausgehende Sonne durch den Phöbus (Apoll) auf seinem Wagen, welcher, von Glanz und Licht ganz umgeben, aus dem Meer emporsteigt; oder die untergehciide Sonne — wie sie sich mit einbrechender Nacht in Las Meer finkt rc. Es ist eine ganz und auch den Alten schon bekannte Sache, daß die Sonne den Wechsel des Tages und der Nacht, den Wechsel der Jahreszeiten, die ab-und zunehmende» Tageslängen, die verschiedenen Temperaturen in den vcrschiedendsten Erdstrichen rc heroorbrinze. Auch stützten die Alten ihre Zeitrechnung mit auf den scheinbaren Umlauf dieses Himmelskörpers. Allein die neuere Astronomie hat nun hierin weit größere und richtigere Entdeckungen gemacht. Denen zu Folge erleuchtet die Sonne nicht bloß die Erde, sondern auch die übrigen Planeten und deren Monden; alle diese Körper bilden mit einander ein einziges System, in welchem die Sonne den vorzüglichsten Platz einnimml, und um welche die übrigen Hauptkörper, als untergeordnet, in bestimmten Laufbahnen umhergetriebcn werden: sie ist zugleich für alle übrigen die Quelle des Lichts und, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch der Wärme und Fruchtbarkeit. Die Sonne scheint nicht nur mit den übrigen Gestirnen der täglichen Bewegung zu folgen, s°n- dern sie verändert auch unter den Fixsternen ihren Ort unaufhörlich, zeigt mithin eine eigne Bewegung, nach welcher ihr Mittelpunkt langsam von Abend gegen Morgen fvrtzurücken und binnen einem Zähre einen völligen Umlauf um den Himmel zurückzulegen scheint: diesen Lauf nennt man die Ekliptik (Sonnenbahn). Die Sonne sieht von unstrer Erde viel weiter ab, als der Mond: die Größe dieser Entfernung aber ist eine der subtilsten in der Astronomie, worüber man nun erst seit etwa 40 Jahren zu einiger Gewißheit gelangt ist und ">» man ausgerechnet hat, daß die Sonne 20,6-8,000 geographische Meilen von uns entfernt, sonach 400 Mal weiter von uns entfernt ist- r Son Z7Z als der Mond; und daß eine Kanonenkugel sz Jahre und ,o Mo» nach würde zu fliegen haben, eheste dahin käme. Im Durch messer hat dieser crstouncnswürdige Körper >YZ,886 geograph. Meilen, und es würde» I,1 Erdkugeln in gerader Linie ans demselben Platz haben. — Uebrigens weiß man nur von der Oberfläche der Sonne, daß sie leuchtet; von dem Innern derselben weiß man freilich nichts bestimmtes zu sagen. Zu vermuthen ist es, daß ste innerlich ein dunkler Körper Und bloß mit jenem leuchtenden Ucberzug versehen sey. Sonnenfels (Joseph von) Ritter des Stepbansordens, Beisitzer der Gcsttzgebungskommission, Hofraih und beständiger Sekretär der Akademie der bildenden Künste, ist als einer der thängsten Beförderer der Kulturin Oesterreich bekannt. Ermord 17Z.? zu Nik.(sburg in Mähren geboren , studirte dort Humaniora und hierauf zu Wien Philoiophie. Im ,6. Jahre seines Alkers zwangen ibn häusliche Um- stände, Soldat zu werden und er brachte es in fünf Jahren bis zum Unttrosslzicr. Während seinem Coldakenfland erwarb er sich mancherlei Sprachkenntnisse. Durch die Vermittlung der Fürsten von Traulsohn und des Grafen Dietrichstein erhielt er seine Entlassung wieder. Er studirte nun zu Wien die Reckte, und bildete sich besonders nach Martinis Vortrag. Von ungefähr kamen ihm die Briefe über die neueste Litteratnrzu Gesichte» und er laß dieRecenston einerSckrift von Engelschall, welche beiläufig also lautete: „Da seit zwanzig Jahren alle Provinzen Deutschlands sich bemühten, etwas zur Verbesserung der Sprache beizurragen, so hätte Oesterreich auch nicht einen nur erträglichen Schriftsteller anfzuweisen." Diese Nationalbeschim- pkung kränkle ihn und er faste den stolzen Vorsatz, dieser National- schrifksteller und noch mehr zu werden. Er ließ von Stunde an Alles li gen und warf sich ganz auf die Deutsche Literatur. Er erhielt eine Rechnungsführerstclle bei der rhemahlige» Arriren- Garde, und wurde späterhin Professor der politischen Wissenschaften in Wien. Erwirkte nun unabläßlich, theils als Lehrer auf seine Zuhörer, theils durch seine Schriften auf die Nation. Die Reinigkeit des Geschmacks die Verbesserung der Sprache, die Beförderung und Verbreitung der Lektüre, eine gesittete und regelmäßige Schaubühne di s waren die Gegenstände die er sich vorzüglich zum Augenmerk machte. Es ist unbeschreiblich, mit welchen Kabalen, Verläumdnu- ge„ und Verfolgungen er deswegen zu kämpfen batte. Er wurde alS ein Neuerer, als ei» Freigeist und Religionsspötter selbst am Throne angeschwärzt. Man suchte jeden Anlaß hervor, ihn zu necken, zu quälen, und zu drücken. Mit einer Standhaftigkeit ohne Beispiel siegte er über alle diese zahllosen Widerwärtigkeiten. Schon in Jahre 176z erschien der Mann ohneVorurtheil, eine Wochenschrift, wodurch die Lektüre in Wien zuerst allgemein verbreitet wurde. Der Sonnabend, an dem in jeder Woche rin Bogen erschien, war immer mit heißer Sehnsucht erwartet. Man las , bei jeder Lesung n-ard gelärmt und doch konnte man kaum die Ausgabe eines neuen BogenS wieder abwarten. Diese Wochenschrift, die, einige Stücke ausgenommen, immerzu den besten Wochenschriften in Z 74 Son Deutschland gehörte, brachte den Österreichischen Staaten einen zweifachen Vortheil. Der erste bestand in einer allgemeinen Verbreitung -er Lektüre: und der zweite in Abschaffung des ExtemporirenS auf dem Theater. Er suchte durch diese Wochenschrift einige Gemüther zu gewinnen, da die Hannswurste, Bernardone, Äurline, und wie alle die hießen, deren Bestimmung mar, Zotten und Unfinn aufdcr Büh ne auszuspeien, bald ins Lächerliche gebracht wurden, und bald die Sache ernsthaft behandelt ward. Indessen muste sich Sonnenfels gefallen lassen/ für seine patriotischen Handlungen, auf der Bühne dem Gespotte des adelichen und gemeinen Pöbels Preis gegeben zu werdm, und im Jahre >767 ward er zum erstcnmabl gespielt. Der damahlige Haunswurst, Prehauser» stellte Sonnenfclsen vor; Kleidung, Gang und Gebährde, kurz die ganze Sonnenfelsische Person war nachge- ahmr. Die Komödie hieß: Der auf den Parnaß versetzte grüne Huth. Auch die italienischen Operisten spielten Sonnen- felsen zweimahl in einer Operette. Alle diese Beschimpfungen konnten ihm in seinem patriotische» Vorhaben keine Störung machen, er ging mulhig aufdcr Bahne vor und brachte es endlich 1768 dahin, daß rin eigenes allerhöchstes Gesetz gegeben wurde, wodurch das Ezckcm- poriren auf den Wiener Theatern auf immer untersagt ward lind er wurde zum Tbcatralcensor ernannt. In diesem Jahre schrieb er die vortrefflichen Briefe über die Wienerische Schaubühne, in vier Theilen. Sie sind voll von Reformationseifer, von aufklärender Kritik für die Autoren, von nützlichen Bemerkungen für beide uud dabei in einer aufgeweckten , blühenden Schreibart abgefaßt. Als endlich der Theaterunternehmcr Affligio, der die Possenspiele wiederemporzubringensuchte, mit nichts geringerm umging, als das bestehende Deutsche Schauspiel gänzlich aufzulösen, die Schauspieler zu entlassen und wandernde Truppen auf die Wiener Bühne kommen zu lassen; da überreichte Sonnenfcls eine sehr bündige Vorstellung dagegen dem Kaiser Joseph, welche die glückliche Folge hatte, daß allen fremden Truppen auf den kaiserlichen Theatern z» spielen die ^Erlaubniß verweigert, das EZtemporiren aufs neue untersagt, und das Verbot auch auf die übrigen erbländischen Theater ausgedehnt wurde. Wien verdankt ihm außer den angeführten glücklichen Bemühungen für Geisteskultur auch die nächtliche Beleuchtung seiner Vorstädte und die Menschheit die Abschaffung der Folter in den k. k. Staaten. Sein in dieser Sache nach Hof erstattetes Votum sepnratum, (welches 177L zu Zürich in der Schweiz gedruckt wurde) ist eine Meistcrarbeit, und ein denkwürdiges Aktenstück für die Nachwelt. Seine vielen und manigfaltigcn Schriften, die den Nationalruhm beförderten und erhöhten, sind eben so viele Zeugnisse seiner ausgezeichneten Verdienste, und stellen ihn als Redner, Dichter, Patriot und Lehrer dar. Eben so thätig und glücklich wirkte er als Professor der politischen Wissenschaften, als Sekretär bei der Akademie der bildenden Künste und nachher als Hofratl) in Staatsgeschäften und bei der Gesetzgebung. Er kann daher mit Recht unter die merkwürdigsten und vortrefflichsten Männer Oesterreichs gezählt werden. So» Z7L Sonnenferne, Helium, ist derjenige Punkt, in welchem ein Planet oder bomet von der Sonne am weitesten steht, so wie Sonnennähe, keriheIium, der Punkt, in welchem er derselben am nächsten steht. — Sonnenmicroscop, ist ein Glas, durch welches man vergrößerte Bilder kleiner von der Sonne stark cr- leichleter Gegenstände in einem verfinsterten Zimmer auf einer Wand oder Tafel sieht. — Sonnenmonath, ist diejenige Zeit, in welcher die Sonne eines der 12 Zeichen des Thierkreises scheinbar durchläuft. Sie beträgt genau: zo Tage, ,0 Stunden» 29 Minuten, 5 Sekunden.— Sonnenquadrant, ein Quadrant, (S. dieses) »m die Sonnenhöhe zu messen. — Sonnensalz, heißt dasjenige Salz, welches durch die Wärme der Sonne gewonnen wird, und, weil dabei die Brennmateralien erspart werden , wohlfeiler , übcrdieß auch vorzüglicher und besonders bei feuchter Witterung von größerer Dauer ist. — Sonnenstich, eine Krankheit in heißen Gegenden, am gewöhnlichsten in Ostindien. Man fühlt gewöhnlich oben auf dem Scheitel gleichsam ein Kochen des Gehirns, worauf Verzuckungen und ein schneller Tod folgen. — Sonensystem, (siebe d. Art.) Sonnentafeln, nennt man solche Tafeln » in welchen die scheinbare Bewegung der Sonne und ihr Stand genau berechnet und dargestcllt wird, und deren man sich zur Bestimmung des Mitkagskreises bedient. Die S 0 n n e n fl e ck e n. Don Zeit zu Zeit bemerkt man an diesem bewundernswürdigen Körper schwarze, am Rande mit bräunlichem oder weißgrauem Nebel umgebene Flecken von ungleicher Gestalt, bisweilen einzeln, bisweilen in größerer Anzahl und äußerst veränderlich, so daß fie oft wicderzukommen scheinen; jedoch hat keiner über 70 Tage lang gedauert. Ucber die Natur dieser Erscheinung haben die Astronomen sehr vielerlei Meinungen gehegt, indem sie einige für eigne um die Sonne lausende Planeten, andere (wie Galilei) für eine Art Rauch und Wolken oder auch Schaum von feiner flüssiger Sonncnma- terie; wieder andere für Ausdünstungen der Planeten, welche sich in die Sonne stürzten; endlich noch andere für Hervorragungcn einer dichten, dunkeln Masse gehalten haben, welche in der flüssigen, lcichkenden Materie der Sonne schwimme. Nach der Meinung Bode's, eines der angesehensten Astronomen , hat die Sonne, eben so wie unsre Erde» Berge und Thäler aus ihrer Oberfläche. Die Lichkmaterie ist auf diesem Körper zusammengebracht, welche um denselben, so wie die Luft um unfern Erdball, strömet. Dieser Lichtstrom, Photosphäre, zieht sich zuweilen auf der Sonne hie und da zurück» und läßt dann durch die entstehenden Oefnungen einen Theil der dunkeln Oberfläche von der Sonne selbst sehen. Je nachdem diese entblösten Stellen wenig Licht (z. B. wie ein Meer, ein Thal rc.) oder mehr Licht (wie etwa ein sandiges Erdreich) zurückwcrfen, je nachdem erblicken wir einen mehr schwärzlichen oder weißlichen Fleck , oder eine Sonncnfackl. — Eine Meinung , welche auch die Zustimmung der neueren Naturforscher auf ihrer Seite hat. Z76 Son Die Sonnenfinsterniß (ffclipsis solis, siekectus soliz) ist eine Naturbegebenheit, wo zuweilen zur Zeit des Neumonds die Sonne ihren Schein verliert uud es uns vorkommt, als ob eine schwarze Scheibe vom Abend gegen Morgen in sie rückt, welche bisweilen einen kleinern, bisweilen einen größern Theil, ja, manchmahl auch die ganze Sonne bedeckt. Daß der Mond, der ein dunkler, undurchsichtiger Kör. per ist, durch sein Vortreten vor die Sonne diese Sonnenfinsterniß veranlasse , indem das Licht der Sonne dadurch den Erdbewohnern entzogen wird (mithin die Sonne nicht ihr Licht verliert), ist außer Zweifel, und es wäre sonach eine solche Himmelsbegebenheit vielmehr eine Erdfinsternißzu nennen. Die ältesten Völker und Schriftsteller haben die Ssnnensinsternisse als sehr merkwürdige Begebenheiten angesehen und wirklich hat auch der Anblick einer großen, besonders einer Total-Sonnensinsterniß etwas sehr auffallendes in der Natur, indem sich alle Wirkungen der Nacht dabei zeigen: die Vögel fallen nieder, Sterne erscheinen, cs tritt auffallende Dunkelheit ein :c. Eine der größten war im Jahr 1796 den is. Mai, welche an den meisten Orten Deutschlands total bemerkt wurde. Sonnensystem. Man versteht hierunter jene Anordnung im Welträume, nach welcher mehrere Planeten oder Wandersterne um eine Sonne oder Fixsterne in regelmäßigen Bahnen rollen. Unter allen Sonnensystemen ist das, wozu unsere E> de gehört, uns am meisten bekannt. Es gehören dazu außer der Sonne 11 Planeten mit ihren Monden und eine Anzahl Kometen. Alle diese Körper erscheinen am Himmel als Sterne von verschiedenen Größen. — Die Analogie berechtigt uns, anzunehmen, daß jeder Fixstern eine Sonne sey, um welche Planeten kreisen, die Licht und Wärme von ihr empfangen. Demnach besteht nach unscrn jetzigen Begriffen das Weltall aus einer unermeßlichen Anzahl von Sonnensystemen. Auf diesen Standpunkt hat uns die neuere Astronomie erhoben » und dadurch zu Begriffen von der Erhabenheit des Welturhebers geleitet, zu denen sich die Vorwelt nie hinan zu schwingen vermochte. (Siehe das hinten beiliegende Kupfer.) Sonnenwende s. Solstitium. Das Sonnet ist ein kleines lyrisches Reim- — oder wie es andre nicht übel nennen — Kling-Gcdicht. (Die Benennung kömmt eigentlich , als Diminutiv, von d-oaher, welches bei den Provenzalen ein Gedicht, zum Singen gemacht, bezeichnet.) Das Eigenthümliche» wodurch es sich von andern Gedichten unterscheidet, ist die äußere Form: nähmlich es besteht gemeiniglich aus vier Strophen, davon die ersten zwei vier, die andern beiden drei Reihen haben, so daß das Ganze aus vierzehn Reihen (man hatte deren ehedem auch sechzehn) besteht. Der Gegenstand desselben ist sehr verschieden: verliebten, heroischen, moralischen, saririschen Inhalts rc. — Die Italiener hauptsächlich haben an dieser Art von Gedichten sehr vielen Geschmack gesunden , und der berühmte Petrarcha (m. s. dies. Art.) hat sie seinen Landsleuren so schätzbar gemacht — er schrieb deren ng. — Bei uns fanden sie indem 17. Jahrhunderte durch Weckherlin, Opitz, Flemming und Lohenstein Eingang; obgleich in dem Anfänge und in der Mitte des vorigen Jahrhunderts man dieses Kunstwerk für den zu phi- »'-»LS- So» Sov Z77 losophischen Geist unserer besten Köpfe zu spielerisch und tändelnd fand, als daß man viel Zeit darauf hätte verwenden sollen. Doch scheint ge, gen Ende des gedachten Jahrhunderts diese Art von Gedichten durch Schmitt, Bürger, und dann auch durch A. W. Schlegeln. A. wieder Aufmerksamkeit erregt, und den Deutschen mehrern Geschmack daran beigcbracht zu haben. Sonnitcn s. Muhamedaner. Sonntags-Schule, eine Lehranstalt, welche zuerst in London um das Zahr 1781 eingeführt ward, um Kindern armer Leute, welche in der Woche arbeiten müssen, auch erwachsenen Personen aus den niedrigcrn Ständen, denen es noch an den nothdürftjgsten Kenntnissen fehlt, Sonntags freien Unterricht zu ertheileu. Diese Anstalt ist nachher in Berlin und andern großen Orten nachaeahmt worden. Sonor, auch wohl: sonorisch, (Lat.) tonend, vollklingend, hellklingend, z. B. eine sonore Stimme, d. i. die einen schönen vollen Klang hat. Sonor heißt eigentlich Alles, was einen Ton von sich gibt. Vorzugsweise aber nennt man das, was einen markigen, Hellen, wohlklingenden, lauten Ton hat, sonor. Sopha, s. Sofa. Sophi, (Türk.) heißt eigentlich einer, der ein feines wollenes Kleid trägt. Insbesondre aber ein Gesetz, welches den türkischen Geistlichen verbietet, andre als mollne Kleider zu tragen, und ihnen überhaupt Enthaltsamkeit vorschreibt; desql. ein Geistlicher, der sich genau nach diesem Gesetze richtet. Bei den Persern ist cs ei» Titel, welchen die Beherrscherderselben im 16. Jahrhundert annahmen. Auch die Persischen Soldaten , welche zur Unterscheidung von den Türken, mit welchen sie fast immer Kriege führten , rotbe wollene Mützen von beson- derer Form trugen, erhielten diesen Nahmen. Sophia, die Haupkstädt von Bulgarien, eine offne, eng und unregelmäßig gebaute Handelsstadt, die auf 70,000 Einwohner haben soll. Sophisten, Sophistisch, SophismuS: diese Worte kommen von dem Griechischen a-sp-'x her, welches einen Weisen bezeichnet; und die ersten Menschen, welche über philosophische Gegenstände nachgedacht hatten, wurden o-o-,-, — Weise genannt; daher schreibt sich auch die Benennung der Sieben Weisen Griechenlands. Ursprünglich war denn nun also die Benennung von einer ehrenvollen Bedeutung; allein in der Folge verstand man unter einem Sophisten einen solchen Menschen, welcher durch Scheingründe, Trugschlüsse rc. (Sophismen) Wahrheit zur Lüge, Reckt zu Unrecht, und so umgekeht, zu machen und andere z« hinkergehen wußte, und in diesem nachtheiligen Verstände braucht man auch noch heut zu Tage dieses Wort. Sophistication, ist künstliche Wiederherstellung verdorbener oder verlorner Theile (Z. B. verlorner Zähne durch Elfenbeinerne). Sophokles, einer der ersten Griechischen Trauerspiel-Dichter, besten Geburt (zu Athen) man ungefähr in das 2. Jahr der 70. Olympiade setzt. Ob er als Staatsmann gleich groß wie als Dichter war, ist wohl zu bezweifeln, ob er gleich, zur Würde eines Archonten er- Z7« Sop Hobe», demPerikles als Amtsgenosse wider die Samker zur Seite stand. Als Trauerspiel-Dichter ist er gewiß einer der vollkommensten unter den Griechen (auch wurde er, seiner schönen Verse wegen, von Diele» die Attische Biene genannt). Daß er dicß ward, dazu trug unstreitig auch die Zeit, in welcher er lebte, sehr viel bei. ES war die Periode, wo Achen die Früchte glücklich beendigter Kriege genoß- Nach den Siegen eines Miltiades, Tbemistokles und C i m o n erfreuten fie sich des Ruhms, das erste Volk Griechenlands das hieß damahls, das erste Volk der Welt, zu seyn. Vermöge deS Leichtsinns dieses Volks traten nun Vergnügungen aller Art, welche die Demagogen dem Volke von allen Seiten zu gewähren sich bemühten , ein; auch die Sitten des Volks wurde» dadurch verfeinert — kurz, Athen ward der Sitz gesellschaftlicher Freuden und gesellschaftlicher Tugenden: und gerade in diesem vielleicht nur kurzem Zeiträume der höchsten Blüthe dichtete Sophokles seine Trauerspiele. Die Anzahl derselben soll sich auf 124 belaufe» haben ; allein nur sieben sind auf unS gekommen, nähmlich: 1) Der wüthende Ajaz:; 2) Electra; Z) Antigone: 4) Oedip der König; 5) Oedip auf Kolon; 6) Die Trachinerinnen, und 7) Philoctet. Vier und zwanzig Mahl — so wird erzählt — trug er den Sieg davon, und seine Antigone schaffte ihm, wie man sagt, die Präfektur von Samos. Seine Kinder, denen er zu lange lebte, gaben ihn als einen kindischen Mann an, der sein Vermögen nicht mehr selbst verwalten könne. Statt aller Antwort zeigte er den Richtern seinen Oedip auf Kolon, den er eben erst vollendet hatte, und er wurde sogleich von jener Anklage freige- sproche». Zuletzt, sagt man, wäre er in einem Alter von 95 Jahren vor Freuden über einen unverhofften Sieg, den er in den Olym pischen Spielen durch eine Tragedie erhalten, gestorben. — Von den uoch übrigen Stücken des Sophokles könnte man fast jedes als ein Ideal einer vollkommenen Tragedie aufstellen. Plan und Anordnung find schön; seine Personen, so wie die Handlungen, höchst interessant; das Sittliche ist überall mit den Leidenschaftlichen sehr gut verbunden, und mit Recht stellt man ihn wohl in die Mitte zwischen AeschyluS (welcher 17 Jahre älter war) und Euripides(i 6 Jahre jünger). Jener hat vielleicht noch zu viel Rohes und Heftiges, dieser ist höchst zärtlich und rührend: zwischen Beiden gehl der große, der erhabene Sophokles hervor; und mit guten Gründen gibt daher der größere Theil auch ihm den ersten Platz unter den trag! scheu Dichtern. Sophonisbe s. Masinissa. Sophron, (Griech.) rin weiser und tugendhafter Mann. So- phrosync, Weisheit und Tugend. Sopiren, (Lat) einschläfer»; desgleichen stillen; beruhigen. Soporativ,sopori fisch, schlafmachend, einschläfernd, beruhigend, z. B. dergleichen Arzneimittel. Auch: langweilig, z. B. eine foporative oder soporifische Predigt. 8opra-?rot«sto, (Jtal.) Snpfr-oder Ucber-Protest ae- repliren oder zahle»,, heißt: wenn ein protestirrcr Wechsel vop einem Sop Sor A79 Dritten zu Ehren des Ziehers oder aus Freundschaft für ihn bezahlt wird. Sopran s. Discant. Sorau, eine Stadt in der Sächsischen Niederlausitz, nicht weit vom Flusse Bober. Die Zzoa Einwohner in 6;o Häusern nähren sich von Tuchmachcn, auch Garn und Leinwandbandel. Die Sorben waren, gleich den übrigen Wendischen Völkerschaften, Slavischen Ursprungs, drangen im z. Jahrhundert nach Christi Geburt auS dem hintersten Sarmatien bis in die Mitte des nördlichen Deutschlands vor, und fehlen sich auf der linken Seite der Ober-Elbe fest, nachdem sie vorher die bisherigen Einwohner zum Theil vertrieben , zum Theil erschlagen hatten. Das ganze Markgrafthum Meissen, nebst dem Ostcrlande. oder dem heutigen Fürstenkhume Altenburg, ingleichen einen nicht unbedeutenden Strich des Niedersächflschen Kreises , hatten sie inne, und wußten diese ihre Eroberungen gegen ihre Nachbarn, die Thüringer, welche Deutschen Abkommens waren und auf der linken Seite der Saale und Unstrut lebten , mehrere Jahrhunderte hindurch muthig zu behaupten. Kamen sie ja zuweilen aegen die Sachsen, oder Thüringer, oder Franken ins Gedränge, so halten sie von den Lusizen in der Lausitz. von den Lechen in Pohlen, von den Czechen in Böhmen, von den Hevellern und Ukern in Brandenburg» ihren ursprünglichen Landsleuten, de» thätigsten Beistand zu erwarten. Diese Sorben nun — oder, wie fle von den besten Geschichtschreibern genannt werden, Sorben- W en den — hakten gleich An- fangs ihre Fürsten, von denen sie zu Friedenszeiten regiert, und in Kriegen gegen ihre Feinde angeführt wurden. Zwar waren diese Fürsten nicht erblich; aber oft pflegte die Nation dem muthigsten seiner Söhne das Land zu übertragen. — Dieses Volk nun hat sich eigentlich bis zu den Sächsischen Kaisern als eine eigne, ganz unabhängige Nation zu erhalten gewußt; von da aber wird ihr Land zu einer Deutschen Provinz, von Grafen, und in der Folge von Markgrafen regiert, das Land selbst aber zu einem Markgrafthum erhoben, welche Eigenschaft es auch bis zum 20. December 1806 beständig behauptet hat. Uebrigens ist es ganz unrichtig und wider die Geschichte, wenn man jetzt zuweilen einen Theil der Einwohner in den beiden Lausitzen Sorb en nennen hört, oder wohl gar in Schriften unter diesem Nahmen aufgeführt findet. Wenden kann man sie nennen, weil sie noch ihre eigne Sprache sprechen, oder, wenn man bestimmter sich ausdrük- kcn will, Lutizer-Wcnden, aber nicht Sorben. Aelkere Schriftsteller haben diese Unterschiede sehr wohl bemerkt: denn so hießen die Wenden der Lausitz l»ulic:^, oder l,utitic)-; hingegen die in den Meißnischen Landen wohnten, Sorben, auch lAilsic^ oder ö/lisic/. Sorbet (Lscherbet): ein bei den Türken sehr gewöhnliches Getränk aus Fruchten und Zucker, aus Limonensaft, Rosenwasser und Ambra zubereitet. Der gemeine Türke erzeugt sich diesen Trank nur aus einem abgesüßten Wasser, welches er über gestoßene Rosinen gießt. Die Sorbonne: so nannte man ehemahls die theologische Fakultät der berühmten Pariser Universität. Sie war von den übrigen Z8o Sor Facultäken durch große Vorrechte und Einkünfte unterschieden. Robert von Sorbonne — ged. 1206 zu Sorbon, einem Dorfe in der ehemghligen Champagne der, wenn gleich von armen Aeltern, dennoch Doctor der Theologie zu Paris, und in kurzem Canonicus und Ludwig des Heiligen Beichtvater ward, gründet dieses Collegium im I. I2Z2. Der Cardinal Richelieu ließ die dazu gehörigen Gebäude mit großen Kosten verschönern, und seitdem behielt die Sorbonne unverändert ihre Gestalt. Ihr Hauptgeschäft war, über die Reinheit der katholischen Religion zu wachen. Sie hatte das ganze Mittelalter hindurch, und selbst noch in neuern Zeiten, ein unbegrenztes Ansehen unter den Katholiken in und außer Frankreich. Sie wagte es sogar, sich den Päpsten zu widerseßen. Johann XXII. mußte im I. izzz auf ihr Ansuchen eine Meinung widerrufen, die er in einer Predigt geäußert hatte. Nichts kann mit der Barbarei und Pedanke- rei verglichen werden, die in den Köpfen der Doctoren der Sorbonne herrschte. Sie hielten hartnäckig an einem blinden Glauben und an der Aufrechthaltunq alter Gebrauche. Ihre größte Kunst bestand in spitzfindigen Disputationen» wozu sie aus den bestäubten Rüstkammern der Scholastiker ihre Waffen höhlten. Am sauersten wurde eS den Can- didaten der theologischen Dockorwürde gemacht. Wer sie erlangen wollte mußte von früh sechs Uhr bis Abends sechs Uhr einen streitigen Satz gegen Jeden vertheidigen, der ihn angriff. Dabei war er sich ganz allein überlassen, durfte weder etwas essen noch trinken, und unter keiner Bedingung seinen Platz verlassen. Diese Klopffechtern dauerte bis in die neuesten Zeiten. Die Revolution machte der Sorbonne ein Ende, und man muß gestehen, daß weder die Kirche, noch der Staat, dabei etwas verloren haben. Die Sordine (Jtal. 8c»r6ino, Franz, koiii-cline) — der Dämpfer— ist bei Saiteninstrumenten ein kleines Werkzeug von Holz, Messing , Stahl oder Elfenbein , welches auf den Steg gesetzt wird, um den Ton zu dämpfen oder schwächer 'zu machen. (Daher findet man öfters bei Tonstucken die Worte: con nnrckino, wenn man den Dämpfer aufsetzrn, und: üenra sor-liio , oder: «j lsvano soretino , wenn man ihn wieder herunternrhmen soll. Bei den neuern Compositionen fürs Fortepiano bedient man sich auch der Worte: con sor-livo und sen8z sorclinc», wo denn das letztere andeutct, daß man den unten angebrachten Drücker mit dem Knie andrücken soll.) Da durch dieses kleine Werkzeug die Vibrationen der Saiten etwas gehemmt werden, so gibt dieß einen ganz besonders weichen und zärtlichen Ton , der immer eine sehr angenehme Wirkung hervorbringt. Bei Trompeten und Hörnern ist es ein kleines ausgehohltes Holz mit einem Loche, in Form eines Trichters, welches in das Schalkoch gesteckt, und wodurch bei den Hörnern das so beliebte Echo hervorgebracht wird. Die Pauken werden mit einem übergebreiteten Flore oder Tuche gedämpft. 8orites, (Griech. Lat.) ein Kettenschluß. S. dieses. Soröe, eine Stadt auf der Dänischen Insel Seeland, von z Seen umgeben , der Sitz einer Ritterakademie. Sororisiren, (Lat.) schwesterlich mit einander umgehen. S. fratrrnisiren. Sor So» S8l Sorte. (Franz.) Art, Gattung, Dinge Einer Art. 8orti- ment, (—mang) ein Warenlager, ein Dörnach von verschiednen, aber doch zu einerlei Sorte oder Art gehörigen Waren, z.B. rin schönes Sortiment von Tüchern. Bei den Buchhändlern ist 8 ortim ent der Vorrath von Büchern , welche nicht von ihnen selbst verlegt, son- dern von ordern Buchhändlern eingekauft oder eingetauscht worden sind, um einzeln verkauft zu werden. Der Sortimentshandel ist demnach der Handel mit den Büchern fremder Verleger und wird dem Verlagshandel entgegengesetzt. — Sortiren, in gewisse Sorten bringen, sondern, aussondern. die Waren ,cder Art besonders legen Ein wohl sortirtesWarenlager ist ein vollständiges, auserlesenes. Söst, eine Stadt in der Grafschaft Mark, ziemlich groß, aber schlecht gebaut, wo in 1206 Häusern auf 5020 Menschen wohnen. Sie gehört zu den ältesten Städten des Landes. ^ostsnr», (Jtal.) ist in der alten Kaufmannssprache soviel als Wohlhabenheit oder Credit. «ortenuto. (in der Tonkunst) anhaltend, gehalten. Sotadi sche Verse, sind unsittliche, schmutzige Verse, nach einem altgriechischen Zvtendichtcr, Sotades, so benannt. Soter, (Griech.) Erhalter, Erretter; ein Beinahme, welcher mehrern Göttern, z. B. dem Jupiter, Bacchus rc. gegeben ward. Sorerische Münzen, (Heilandsmünzen) nennt man die älter» Münzen , welche die Griechischen Kaiser mit dem Kreuze oder Bilde des Heilands prägen ließen. Sott, (Franz.) ein Narr, ein alberner Mensch. Sottise, eine Thorheit, Albernheit, ein dummer Streich, z. B. er hat eine große Sottise begangen. Desgleichen eine Ungebührlichkeit, Beleidi, gung, z. B. einem eine Sottise sagen. — 8 0 ttie « , nannte man eine Art komischsatirischcr Schausviele, welche in mittler» Zeiten in Frankreich, und besonders in Paris, üblich waren. Sie behandelten in der Stadt vorgefallene Abentheuer , und züchtigten Ausschweifungen und Thorheiten. Die Schauspieler bestanden aus jungen Leuten der besten Häuser, und Stadt und Hof fanden an ihren Spielen viel Vergnügen. 8ott,Ie. (Jtal.) bedeutet, wenn es Italienischen Gewichten bei- gesetzt ist, leichtes Gewicht. 8otto voce, (Jtal. — wohlsche) in der Musik: mjt leisen Tönen. 80 u, (Franz. Sich) eine Französische Kupfermünze, ungefähr z 1/2 Pf. wie 8ol. S. dieses. Der Prinz von Soubise, Marschall von Frankreich, dem es Vorbehalten war, den Nahmen Roßbach in der Geschichte zu verewigen , war bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges einer der reichsten, wohl gar der reichste des Französischen hohen Adels. Ohne die Talent? eines Feldherrn zu haben, war er doch nach einem Commandostabe begierig, und als Günstling der Korquisin von Pompadour wurde es ihm leicht, seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Er erhielt das Som- mande eines besondern Corps, das jedoch vcn der Französischen Haupt, «rmce unter dem Marschal! Ekrees abhängig sipn sollte«ine Bk Z82 Sou dingung, gegen die sichSoubise's Ehrgeitz sträubte. Als er daher im Sommer 1757, jetzt noch als Gcnerallicutenant, sein Corps in Westphalcn übernahm, trennte er es sogleich von der Hauptarm«, vereinigte sich mit den Truppen des Deutschen Reichs, und wollte nun Sachsen ganz von den Preußen befreien. Er hatte Gotha erreicht, und befand sich in der Mitte des Septembers mit seiner Generalität und 800» Mann in dieser Stadt, um sich von den Beschwerlichkeiten des Marsches zu erholen; eben hatte man an einem Mittage aus dem herzoglicheil Schlöffe Zubereitungen zu einem großen Festin für ihn und seine Generalität gemacht, als "der Preußische General Sei blitz mit 1500 Manu vor den Thoren von Gotha erschien. Bestürzung ergriff Soubise'nund seine Begleiter; ereilte mit seinen Truppen aus der Stadt, wo nun Seydlitz mit seinen Offizieren die für die Französische Generalität bestimmte Mahlzeit an der herzoglichen Tafel cinnahm. Schon dieser Vorfall diente nicht dazu» glänzende Siege von dem Prinzen zu erwarten. Allein, im Vertrauen auf seine zweimahl stä kere Armee, als die ihm unter Friedrichs eigner Anfuhrung gegenüber flehende, war er des Sieges gewiß, und fürchtete nur» daß Friedrich, der bei dem Dorfe Roßbach sein Lager aufgrschlagen hatte, ihm entfliehen würde. Am 4. November fing er an, des Königs Lager einzuschließcn, und setzte sich am folaenden Tage in Marsch, um ihm in Rücken- zu kommen. Allein plötzlich, ehe noch die Französische Armee Zeit hatte, sich völlig in Schlachtordnung zu stellen, fiel ihr General Seydlitz mit der Preußischen Caoallerie in die Flanken, und die Niederlage der erstern war augenblicklich entschieden. Ohne eigentlich geschlagen zu scyn, wurde sie gänzlich zersprengt, und ihr Rückzug — noch schimpflicher für sie. als der Verlust der Schlacht selbst — war kein Rückzug, sondern wilde Flucht. Der Verlust dieser Schlacht war nicht bloß für Frankreich, sondern für Friedrichs Feinde überhaupt , von größter Wichtigkeit; indem sie vorzüglich bewirkte, daß England die Convention von Kloster Seeven für aufgehoben erklärte, und daß überhaupt seine Alliirten wieder zu ihm zurückkehrten. Alles dieses, und selbst der in Frankreich allgemeine Spott, der Soubise'n wegen dieser Schlacht traf, hinderte jedoch nicht, daß er im folgenden Jahre von neuem ein Commando übernahm; indeß erhielt er den Herzog von Brvglio zum Beistände. Der Eifersucht ungeachtet, die gleich Anfangs zwischen ihnen beiden herrschte, und sie hinderte, gemeinschaftlich zu handeln , wurde dieser Feldzug (1758) doch mit Glück gegen die Hessen geführt. Auch erhielt Sou b i se, als Sieger dci Lutternberg (am io. October >758), den Marschallstab; ungeachtet dieses Treffen, das Frankreich ohnehin keinen besondern Vortheil schaffte, eigentlich aufBroglio's Rechnung kam, oder vielmehr durch die mit de» Franzosen vereinigten Sachsen gewonnen wurde. Man ging endlich in Frankreich nach und nach so weit, Broglio'n dem Prinzen unterzuordnen und endlick ganz von der Armee zu entferne». Dieser Umstand zog der Französischen Armee viele Unfälle zu, denen nur der Friede im I. 176z ein Ende machte. Soubise, der wiedcrbohite Beweise seiner-Untüchtigkeit zum Feldherrn gegeben hatte, kehrte nun mit Spottgedichten überhäuft — sou denen eine ganze Sou . ZSZ Sammlung unter dein Titel: Soubisiade, erschien — in sein Da» terland zurück, und starb, ohne den Ausbruch des Rcvolutionskrieges zu erleben, der ihm ohnehin kein Commando verschafft haben würde. Soubrette, (Franz. Subrette) ein Kammermädchen. Die Soubretten-Rollen in Schauspielen sind die muntern verschwitz, ttn Mädchenrollen. Sou kklsur, (Franz. Sufflöhr) der Einbläser, Einhelfer, besonders in Schauspielen derjenige, der den Schauspielern ihre Rollen leise vorsagt. Souffliren, einblasen, einhelfm, oorsagen. Soutkre-ckouleur, (Franz. Suffer Dulöhr) heißt, von Kleidern und Geräthe gebraucht, dasjenige, was am meisten leiden muß; von Menschen oder Thieren gebraucht, daS, waS man im Deutschen Marterholz oder Plagesel nennt. SoulaZement, (Franz. Sulahschemang) die Unterstützung, Erleichterung, Beruhigung. Soulagiren, unterstützen, erleichtern, beruhigen. So ult. Französischer Reichsmarschall, Herzog von Dalmatien, diente unter der vorigen Regierung als unterer Offizier in einem In. fanterieregimente. Da er sich zu Anfänge der Revolution in einem Bataillon Freiwilliger deS Oberrheins hatte anwcrben lassen» ward er Regimentsadjutant dabei und kam nachher zu dem Teueralstabe der Moselarmee. Nachdem er zum Gcncraladjutanten ernannt worden war, machte er, als Chef des Generalstabes von der Division deS General Lefcrre die Feldzüge 1794 und ,79z bei der Mosel-und Sam» bre-und Maas-Armee, wurd 1796 Brigadegeneral, ging sodann nach Italien und machte daselbst mit Auszeichnung den Feldzug von 1799, wo er sich mit dem General Massen« in Genua eingcschlossen befand. Durch die Proben von Talent und Mnth, die er bei verschiedenen Gelegenheiten gab, zog er die Aufmerksamkeit und Tunst der Regierung auf eine ganz besondere Weise auf sich. Er wurde nachher einer von den Generale» , die die Infanterie der Konsulargarde kommandirten, ward zum Kommandanten des Lagers von St. Omer und bei Napoleons Thronbesteigung zum Marschall von Frankreich ernannt. Im September 1304 erhielt er die vierte Cohorte der Ehrenlegion, den 1. Fcbr. 1305 das rokhe Band und im Mai desselben Jahrs den Bayrischen Hubertus-Orden. Er war es , der von Boulogne aus, wo er zu Anfänge rzoz kommandirte, der Regierung meldete, daß die Engländer verpestete Baumwollenballcn an die Küste warfen, um diese Plage über Frankreich zu bringen. Bei der, WicderauSb-uche der Feindseligkeiten mit Oesterreich im Sipkcmber kommandirte er eine Division der großen Armee, ging den 26. Oktober dei Speyer über den Rhein, wendete sich nach Hcilbronn, drang sodann in Schwaben ein und nahm Memmingen. Im November ließ er den rechten feindlichen Flügel im Rücken angreifen und trug durch seine Manöuvre zu dem Erfolge des Gefechts von Juntersdorf bei. Im Herbst 1806 bildete sein Korps die Avantgarde der großen Armee, am 8. Oktober fielen zwischen dem. selben und dem Korps des Preußischen General Laucnzien die ersten Gefechte dieses Krieges bei Hof vor, n o sch die Preußen noch Gera i'irulr ziehe» mußten. Bei dcr Schlacht von Jena locht dasselbe unter 284 Sou Napoleon auf dem rechten Flügel der Französischen Armee. Den 6. No. vember erfocht er den Sieg bei Lübek. Zuletzt half dieser Marschall den Sieg bei Fricdland erfechten und war den i6. Juni izo? der erste, der Königsberg besetzte. Er wurde hierauf Herzog von Dalmatien, blieb dann in den Preußischen Staaten bis zur Unterredung Napoleons mit Alexander >8v8, worauf er nach Paris abging. Jetzt kvm- mandirt er in Spanien und ist Major-General der Armee. Loupcon, (Franz. Supsong) der Argwohn, Verdacht. 8oup- conneux, insgemein. Supsonnös, argwöhnisch. Sup sonnt ren, argwöhnen, argwöhnisch vermulhen. 8ouper, (Franz. Supeh) die Abendmahlzeit. Soupircn, zu Abend esse», die Abendmahlzeit einnehmen. 8oussle, (Franz, supcl) geschmeidig. 8ouplen5e, (Sn> pleß) die Geschmeidigkeit. 8ourae, (Franz. Surß) die Quelle, besonders eine Handlungs- quellr, wo man eine Ware aus der ersten Hand bezieht. 8ourtlrne, (Franz. Surdine) eben so viel als 8orelioo. S. dieses. 8ou-ilieuteusut, (Franz. Suhliötenang) ein Untcrlieut- na nt. Das So uterai n, (a. d. Franz.) heißt eigentlich unterirdisch; dann benennt man damit auch das Erd- oder Kellergeschoß in großen Gebäuden, Pallästen rc. welches halb in-und halb außer der Erde sich befindet, und worin gcmeiiiigüch die Küchen, die Zimmer der Bedienten rc. angebracht sind; ferner auch in der Kriegsdaukunst einen gewölbten Qrt oder unterirdischen Gong, wo Truppen oder Munition vor den Bomben sicher find. Figürlich benennt man auch bisweilen mit dem Worte Souterrain heimliche Streiche, Ränke, Kuiist- Lliffc. 8onrieu, (Franz. Sulbieng) die Unterstützung. Soutcni- ren, sutrniren) unterstützen. Desgleichen behaupten, z. B. einen gewissen Posten im Kriege. 8outksrnpton, (Englisch Sutthämplen) eine große Stadt in England mit einem Hafen, deren Einwohner mit Wein handeln. Soutscheu, eine Stadt in China in der Provinz Kiangnan, das Chinesische Venedig, und von den Eingebornen das irdische Paradies genannt. 8outtivvsr!c, (Engl. Sutwärk) in England, die Hauptstadt der Provinz Surret), eine Vorstadt von London , die auf 2 r/4 Meile lang ist. ES gibt in derselben viele große Gebäude, besonders das LamdethshouS, das wegen seines großen Umfangs und seiner vortrefflichen Bibliothek merkwürdig ist. 8auvenir, (.Franz. Suwenthr) die Erinnerung, das Andenken; d. i. ein Geschenk zur Erinnerung a» den Geber. Insbesondrer-ne Schreibtafel, ein Gedächtnißbüchelchen. 8ouverslll, (Franz. Suwerung) ein unumschränkter Herr oder Fürst. Souverarnität, (Franz. 8ouversinite, —lch) die unumschränkte Staatsgewalt. Wenn es in den jetzigen Zeiten heißt: ein deutscher Rcichsstaud habe die 8ouveraio«e erhalten oder Soy Spa Z8L angenommen , so ist darunter zu verstehen : er habe sich von den Stän- dcn seines Landes unabhängig gemacht, habe freye, unbeschränkte Herrschaft über sein Land erhalten. 8ouvernin ci' o r, (Suwerän- dor) eine Goldmünze von Z Dukaten oder 8 Rthlr. 12 Gr. Sop, gekämmter Wollenzeug, die beste Art Rasch. Spa odcr Spaa eine kleine, hübsch gebaute Stadt ln dem ehe- mahligen Bißthume Lüttich, jetzt im Französischen Departement der Ourthe. Sie ist berühmt durch die Sauerbrunnen, die sowohl dort von den Badegästen getrunken, als auch besonders weit und breit aus- gcsührt werden. 8 pills , (Franz. Spadillje) der höchste Trumpf im Lomber und Quadrillespiel, welcher das Pik As ist (vom spanischen 8paclo, Spaten, weil es einem Spaten vorstellt). 8 pack o, (Lat.) ein von Natur zur Zeugung unfähiger. Desgl. ein Verschnittener. Spagat, Spacht, Spachte, sagt man in Oberdeutschland für Bindfaden. Die Spahis, eigentlich Sipahy , werden die Reiter der Tür. kischen Miliz genannt. Die Reiterei der Pforte besieht entweder auS -en eigentlichen Spahis, oder aus andern Truppen, zu denen vor» züglich die Toprakli oder Provinzialsoldaten, und die Serhäd» kul y oder Grenzsoldaten, eine sehr brauchbare, aus Infanterie oder Lavallerie bestehende Miliz, gehören. Die eigentlichen Spahis, welche von Amurathl. im 14. Jahrhundert gestiftet wurden, der ihnen statt deS Soldes die eroberten Landgüter in den christlichen Ländern zur Lehn gab, machen ein CorpS von 12,000 (nach andern 15 bis 20,000) Mann auS, stehen unter dem Spabilar-Aga, d. h. oberster General der Spahis, bekommen täglich is Asper Sold (welcher aber oft wegen außerordentlicher Verdienste bis auf 100 Asper steigen kann), und bestehen aus einer vornehmer» und geringern Claffe; erster? heißt Spahi-Oglan, letztere Silahdari: erstere führen eine rothe, letztere eine g'lbe Fahne oder Standarte. Die Waffen der Spahis sind gewöhnlich ein Sabel, eine Lanze und ein kleiner Wurfspieß, mit dem sie sehr geschickt umzugehcn wissen: andere haben Bogen und Pfeile, noch andere bedienen sich der Carabiner und Pistolen. Ihr Angriff ist schnell und wüthend, aber ohne Ordnung: ihr Muth entweicht ganz nach erlittenem Verlust, und auf der Flucht plündern sie nicht selten ihr eignes Land. Ueberhauvt ist ihre Dis- ciplin sehr schlecht, und gegen Europäische Heere können sie wenig ausrichten. AuS diesen Spahis wählt sich der Sultan eine Leibgcrde, die etwa Looo Mann stark ist, seine Person nie verlaßt, und Mute feri ca genannt wird. 8j,Llatro. eine große Stadt in Dalmatien, die auf einer kleinen Halbinsel liegt, und nach der Landseike befestigt ist. Spalier, (Franz.) ein Geländer von Pfählen und Latten, woran die niedrigstämmigen Bäume gezogen werden. — Spaliermachen heißt: Soldaten in zwei Reihen einander gegenüber stellen, theils um Ordnung zu halten, theils einem Aufzuge, z B. hem Ein- Corw. Lex. Fünfter Band. B b 286 - Spa zuge eines Fürsten ein feierliches Ansehen zu geben. Spaliren, (eine Wand oder Mauer) mit einem Baumgelander bekleiden; in manchen Gegenden auch so viel als tapeziren; daher Spalicrnägel, kleine Nägel zum Gebrauche beim Lapeciren. Span-Brief, heißt in Oderdeutschland ein Obrigkeitlicher Befehl zur Einsetzung des Gläubigers in die Grundstücke seines Schuldners; von der ehcmahligrii Sitte, bei solcher Gelegenheit einen Span auS dem Grundstücke zu hauen, und ihn dem Gläubiger zum Zeichen des rechtmäßigen Besitzers zu geben. — Span-Ferkel, ein junges Schwein, welches noch saugt (vou Span, Zize, Muttermilch). Spandau, eine berühmte Preußische Festung in der Mittel- I mark, beim Einstuß der Spree in die Havel. Die Stadt "zählt 490 Häuser und auf L7ZV Menschen, das Militair mitgerechnet. Es ist hier eine Gewehrsadrik, die mit der Potsdamischen in Verbiudunz steht. Spange, eine Schnall'; desgl. das ehemahlS gewöhnliche Arm-oder Ohrevgeschmeide. Spangenmacher, heißt daher noch ta einigen Gegenden der Gürtler, und Spängler der Klempner. Spanien — ein Reich, dessen Geschichte fast eben ssrveithin- auf reicht, als die von Rom, da Griechen und Römer, als die culli- virtesten Nationen voriger Zeiten, mit dessen Einwohnern bekannt waren, und ihre Geschichtschreiber, ein Lioius, Julius Cäsar, Florus u. rn. Mt den Sitten, Gebräuchen, Tdaten und überhaupt mit den wichtigsten Beschäftigungen derselben die Nachwelt bekannt gemacht haben — war i00 Jahre vor Christi Geburt mit den noch gegenwärtig berühmten Selten besetzt. Indessen war der Umfang und die Größe des damahligen Spaniens ungleich größer, denn es gehörte in den älter» Zeiten unter andern das ganze heutige Königreich Portugal und rin großer Thcil Frankreichs dazu; und in diesem Umfange muß man auch dieß Reich sich denken , wenn die Römischen Schriftsteller von Spanien überhaupt sprechen, ohne eine Provinz desselben bestimmt anzugebcn. Mit diesen ältesten Einwohnern Spaniens — de» Celten — suchten wohl 800 Jahre vor Ehr. Geburt die Phönizier Bekanntschaft zu machen, um ihre» Handel bei ihnen zu verbreiten; ja sie ließen sich sogar an den südlichen und westlichen Küsten Spaniens nieder, und bauten Häuser, um für ihren mehrjährigen Aufenthalt Wohnung zu haben und ihren Handel mit jenen Einwohnern desto besser und bequemer treiben zu können: hatten sie sich nun genug bereichert , so machten sie wieder andern ihrer Landsleute Platz. Auf diese Art waren lange Jahre hindurch die Spanischen Gold-und Silberbergwerke eine sehr ergiebige Quelle für die Phönizier, und vermehrten ihre an sich schon großen Reichthümer zum Erstaunen. Späterhin kamen auch die Karthaginienser, durch dieß Beispiel gerecht, nach Spanien, um auS den ergiebigen Goldgruben ihre Reichthümer zu hänfen; allein, minder mäßig, setzten sie gleich in der Mitte des Reichs sich fest, in der Absicht, nie wieder wegzugehen und, wo möglich, die vorigen Einwohner, die Celten, zu vertreiben. Und in der Chat be- Haudellen sie bald jene Schätze wie herrenlose Dinge, maßten sich die- Spa 287 selben zum größten Nachtheil der vorigen Besitzer an, ja, sie unterwar« ftn sogar einen großen Theil des Reichs ihrer Herrschaft aus die ringe« rechtest- Weise und behaupteten ihn mehrere Jahrhunderte hindurch. Und da nun zuletzt auch die Phönizier von gleicher Begierde nach Spaniens Schätzen sich hinreißcn ließen; so suchten zwar die ältern Einwohner, die Celten, endlich alle diese ungebetenen Gaste, Phönizier und Karthaginienser, wieder los zu werden, aber zu spät. Leider waren diese Fremdlinge.ihnen schon zu weit überlegen ; ja, es war ihr Anhang unter den Celten selbst schon zu groß, als daß sie ohne Beihülfe einer fremden Nation aus Spanien hätten vertrieben werden können: und der übrige Theil der Celten mußte sie als seine Mitbürger oder vielmehr als seine Beherrscher anerkennen. Nur die Römer waren so glücklich, diese zwei Völkerschaften, unter denen die der Karthaginien- ser bei weitem die stärkste ausmachte, iu Respect zu halten, indem sie solche in dem ersten bekannten Panischen Kriege gänzlich schlugen, auch einen guten Theil derselben aus Spanien zu wandern nöthigten, nachher aber, da die Karthaginienser sich wieder erholt hatten und von neuem in Spanien einjudringen suchten , dieselben in dem zweiten Puui- schen Kriege unter Anführuug des Cornelius Scipio, des Afri, kaners, völlig besiegten, so daß jene gänzlich aus Spanien vertrieben und ihnen alle Hoffnungen, je wieder dahin zu kommen, benommen ! wurden. Dessen ungeachtet konnten die Römer sich noch nicht alSvoll, ! kommene Beherrscher Spaniens betrachten; denn auch die Celten, wel- j che bei den Siegen der Römer und bei den Züchtigungen ihrer Feinde > ruhig geblieben waren, widersetzten sich lange Jahre den Römern, die nun gleich gefährliche Absichten hatten, bis diese nach vielen und langen Kriegen endlich unter Augusts Regierung dennoch durch den Marcus Agrippa die Oberhand behielten und sie unterjochten. Länger als 400 Jahre genoß Spanien unter der Hoheit der Römischen Kaiser die vollkommenste Ruhe gegen das Ausland, indem keine Nation eS wagte, so lange das Römische Reich blühte, einen Einfall dahin zu thun. Auch wurden die Einwohner Spaniens mehr als irgend eines der occupirten Länder mild »nd großmüthig behandelt: ja, Spanien gab sogar in dem damahligen Zeiträume dem Römischen Throne Kaiser; denn so waren Trajan und Hadrian ge- borne Spanier, ohne derjenigen, welche zu andern große» Ehreustel- len in dem Römisch n Staate gelangten, zu gedenken. Aber auch Spanien bewies wieder gegenseitig unter allen Römisch gewordenen Länder» die meiste Anhänglichkeit an Rom und dessen Regenten: so studieren sie z. B. dem Willen der Kaiser zu Folge die Lateinische Sprache , deren Erlernung und Verbreitung überhaupt Staaksmozeime der Röm. Kaiser ward; und Spanien konnte gewiß mehrere wirklich bedeutende Gelehrte, die den gebvrncn Römern nicht nachstande» , a»f- zeigen, z. B. die beiden Seneca ' s, Q ui n c ri l i a n m. Doch nicht allein in Ansehung der Geistesbildung suchte Spanien den Römern es gleich zu thun, sondern auch zu Annchwung der christlichen Religion fand sich dasselbe ga. bald geneigt, die noch vor Ablauf des »sie» Jahrhunderts fast allg mein daselbst bekannt wurde. Falsch ist 288 Spa aber die noch vor zo Jahren für unumstößlich gehaltene Meinung, -aß der Apostel Jacob selbst, welcher noch bis auf den heutigen Tag für den Schutzpatron Spaniens gehalten wird, die christliche Religion daselbst persönlich auSgebreitet und gelehrt habe. Endlich mit Anfang des fünften Jahrhunderts nach Christi Geburt, wo bei der Schwäche der Römischen Regenten das Occidentali- sche Kaiserthum zu finken anfing, und der Thron von andern fremden Völkern in Anspruch genommen wurde, hatte auch Spanien mit Rom gleiches Schicksal. Es zogen fich näbmlich viele Völkerschaften, die zeither mehrere östliche und nördliche Gegenden Europa's bewohnt ! hatten, durch Italien hierher, nahmentlich die Alanen in die Provinz Lusttanien (das heutige Portugal), die Vandalen in die jetzigen Provinzen Galizien, Asturien und Aragonien, endlich die Kurven in das übrige Spanien. Diese letztem aber, als die stärkste und zahlreichste Völkerschaft, wußten bald die beiden andern zu vertreiben, ja selbst gegen die Römer sich furchtbar zu machen, bis fie endlich von den Westgothen, welche schon im Jahre 409 unter ihrem König Alarich Rom erobert und von da nach Spanien stch gewendet hatten , nach vielen Kriegen im Jahre L 84 völlig überwunden und die Hoheit der Westgothen anzuerkeniiea genöthiqt wurden. Kurz, den Westgothen gehörte von nun an ganz Spanien, und mit ihnen entstand daselbst eine ganz neue Nation: die vorigen Einwohner mußten als Besiegte dieser neuen Nation stch unterwerfen und ihre Könige auch für ihre rechtmäßigen Regenten anerkennen, deren Regierung indessen nicht unumschräokt war; vielmehr mußten ste die Vorzüglicher» in der Nation an der Regierung Theil nehmen lassen. Die Residenz war Toledo in Neu - Castilicn, am Flusse Tagus, unweit der heutigen Residenz Madrid; daher werden auch in den damahllgen Zeiten die Könige Spaniens oft nur Könige von Toledo, so wie das Königreich Spanien selbst bei den Geschichtschreibern auch oft das Kö nigreich Toledo genannt. Die Westgothischen Könige waren bis auf Recared l. sämmtlich Arianer (s. den Art- Arianer); dieser aber rottete vermittelst des Loncitü loletaui die ganze Secte der Arianer in Spanien aus, und stellte die vorigen Grundsätze der christlichen Religion wieder her, weßhald die Spanische Geistlichkeit ihm in der Folge den Beinahmen eatkoli- cus, beilegte, indem er auch wirklich um die Beförderung der christlichen Religion in Spanien sehr große Verdienste hatte. ES wurde» von nun an Bksthümcr gestiftet, Synoden und National-Concilien gehalten rc. Doch auch die Regierung dxrWestgothischen Könige in Spanien war nicht von zu langer Dauer: denn schon 711 brachen die Maure» oder Karaten en, welche eigentlich nur von den beiden durch Ro- drich vom Throne auSgeschloßnen und darüber mißvergnügten Prinzen, Eoan und Sifibuth, zum Beistand herbei gerufen worden waren, aus Afrika mit Gewalt ein, wurden durch die berübmte Schlacht bei Le- rez de la Frontera, wo Rvdrich blieb und durch seinen Tod die West- gothische Monarchie aufhörte, Meister, sahen gleich den Theil, den fie bei ihrem Einbrüche weggenommen hatten, als erobertes Land a«; ja, nach Verlauf zweier Jahre hatten fie fast ganz Spanien, auch Spa 2 89 den Lheil pon Gallien, der damahls zu Spanien gehörte, in ihrer Gewalt, so, daß ein jeder, der nicht auswanderte, auch ihre Hoheit anerkennen mußte. — Unter der Regierung der Saracenen *) nun, welche damahls der Caiiph Walid XII. beherrschte, wurden die Spanier nicht nur bei ihrer Religion gelassen und geschützt, sondern auch nach ihrer bestehenden positiven und Gewohnheitsrechten gerichtet: ja, eS blieb selbst jene von Alarich II. im 6 . Jabrehuud. veranstaltete Sammlung kaiserlicher Constitutionen, Lrevisrvm ^Isrivisvurn genannt, noch ferncrweit gültig; und sogar ein jeder Spanier durfte nach diesen Gesetzen Recht leiden. Dennoch besaßen die Caliphen den Thron nicht lange in Ruhe, indem theilS dir in das Spanische, Gothische oder Fränkische Gallien geflüchteten, theils die in den nord-östlichen Gebirgen Spaniens verschont gebliebenen Einwohner, theils auch die ganz unbegrenzte Begierde der Saracenen, durch ganz Gallien vorzudringen und solches zu unterjochen, beständige Veranlassung zu Kriegen gaben. Gleich in den erster» 21 Jahren nach ihrem Einbrecher: in Spanien verloren sie gegen den Fränkisch-Gallischen Feldherrn, Carl Marlcl bei Tour am Flusse Loir, mitten in Frankreich, ein entscheidendes Treffen ; noch mehr aber züchtigte sie Pipin, der Sohn Carl Martels: und in kurzem mußten ste alle über den Pyrenäischen Gebirgen gemachte Eroberungen fahren lassen. Bald suchten nun auch die in den nordöstlichen Gebirgen Spaniens wohnenden Christen, und endlich alle alten Einwohner des ganzen Reichs, welche sämmtlich Christen geblieben waren und an deren Spitze sich der unzufriedene Adel stellte, von ihrer Herrschaft sich los zu reißen und frei zu machen. Zwar gelang ihnen dieß nur nach und nach, und erst nach 400 Jahren ganz; auch trug die Sorglosigkeit und Unachtsamkeit der Caliphen gegen diese Untebneh- *) Diese Saracenen, unter welchen Mahomed im I. 622 nach Chr. Geb. eine neue Religion und ein neues Reich in Arabien stiftete, und besten Regenten sich Caliphen naniiten, wohnten anfangs in Arabieu - als aber ihre Religion großen Beifall fand, so suchten sie sich zu erweitern und eroberten einen großen Theil von Asien und Afrika; ja, nachdem sie auch in Spanien eingedrungen waren, fetzten sie sogar ihre Eroberungen bis nach Italien fort, indem sie den ganzen südlichen Tbril desselben, auch Sardinien und Sicilien Wegnahmen und ihrer Gewalt unterwarfen. In der Folge sind ihnen alle Europäische Besitzungen wieder durch andere Völker entrissen worden; und der Nähme Saracenen ist gänzlich aus der Geschichte verschwunden, statt dessen aber der Nähme Mahome- baner oder Türke diplomatisch geworden, obwohl ursprüngli ch Saracenen und Türken zwei ganz verschiedene DLlierschasten, jene Arabischer und diese Scylhischer Abkunft, waren, jene ihre eigene nach Mabomeds Grundsätze» geformte, und diese eine denselben widersprechende Religion halten. Endlich aber vereinigtet', sie sich derbe sowohl in religiöser als politischer Hinsicht, setzten aber auch ihre gemeinschaftliche Absicht j» Rücksicht auf Eroberungen und Ausbreitung der Mahomedanischen Religion fort. zyo Spa mungen der Christen viel dazu bei: daher bildeten sich auch, mitten unter der Regierung der Saracenen, nach und nach mehrere Reiche in Spanien, deren jedes seinen eignen Regenten Halle, und welche alle zur Unterdrückung der Mahomedanischen Regierung und zur endlichen Der, treibung der Saracenen aus Spanien mehr oder minder» mittel-öder unmittelbar wirkten. Kurz, die Saracenen mußten schon in der ersten Hälfte des >z. Jahrhunderts ganz Spanien räumen, nachdem sie vorher schon ein Reich nach dem andern verloren hatten. Das schöne und von Natur so sehr gesegnete Spanien, welches wahrend des 500jähri- gen, aber immer unruhigen Besitzes der Saracenen sehr verwüstet worden , ward auch jetzt nicht sogleich wieder ruhig denn nun führten die Fürsten selbst aus Eroberungs-und Vergrößerungssucht gegen einander fast unaufhörlich Krieg; vnd die Franken» ihre Nachbarn, welche schon mit den Deutschen in beständige Kriege verwickelt waren, konnten sich nicht einmischen. Es hatten sich nun überhaupt, theils während der Herrschaft der Saracenen» theils kurz nach deren Vertreibung, auf dem Flächeninhal' te deS heutigen Königreichs Spanien in allen ,4 Landschaften gebildet, nähmlich zehn kleine Königreiche, nahmentlich: Neu- Castilien, Alt-Kastilien, Leon, Andalusien, Granada, Murcia, Va- lenzia, Galicia, Navarra und Aragonien, und vier Fürstenthü- mer: Estremadura, Asturien, Biscaya und Katalonien, wozu denn i auch noch im Mittelländischen Meere die Balearischen und Pityusilchen Inseln gehörten. Jedoch blieben diese Besitzungen nicht zu lange für sich bestehend, sondern wurden theils durch Erbgangrecht, theils durch Eroberungssucht endlich in einander geschmolzen, so, daß zuerst die sämmrlichen Spanischen Besitzungen vier Königreiche und ein Fürstenthum bildeten, nähmlich 1) das Königreich Leon, 2) daS Königreich Castilicn r z) das Königreich Aragonien» 4 das Königreich Navarra und das Fürstenthum Katalonien. Unter diesen Vier Königreichen war Leon bei weitem das größte und wichtigste, indem ganz Portugal und das große Fürstenthum Estremadura dazu gehörten. Allein es kam, nachdem schon lange vorher Portugal an die ältere Linie des Herzoglich- Burguudischen HauseS vergeben worden war, im Jahr 1217 durch Heirah an Kastilien. Aber auch Aragonien, Navarra nebst Catalonien waren schon vorher nach und nach durch Heirath und Erbfolge vereinigt worden, so, daß zu Zeiten König Ferdinands und seiner Gemahlin Isabelle aus jenen Königreichen und Fürstenthümern zwei Königreiche, nähmlich Kastilien und Aragonien, vorhanden waren *). Diese beiden Spanischen Reiche, Castilien und Aragonien, nun bestanden in der letzter» Hälfte deS 15. Jahrhunderts aus folgenden Landern! i. Kastilien aus Neu - und Alt-Kastilien, Leon, Galicien, Andalusien, Cokbua , Murcia, Jaen, Asturien, einem Theil von Estre- *) Navarra, welche- von 1234 bi- »572 bö.ufia mit seinen Klüsen wechselte, und endlich >589 mit Heinrich dem Vierten größten Tbeils ans immer an Frankreich kam, erhält von nun an in drl Geschichte von Äpanien keine besondere Erwähi'nl'g. I Spa Z91 madura, Gnipuzcoa, Alawa und Biscaya; II. Aragknien aber aus Aragvnien selbst, Valencia, Catalonirn, Majorca ncbst den Balkarischen und Pityuflschen Inseln, und Navarra» wenn nähmlich dasselbe entweder keine eignen Regenten hatte oder nicht mit Frankreich ver- «inigt war. Einen Theil von Navarra, und zwar denjenigen, der an den Pyrcnälfchen Gebirgen zunächst an Spanien grenzt, riß ebendieser Ferdinand endlich ganz widerrechtlich an sein Aragvnien. Aber auch diese einzelnen Länder schmolzen 147/! in ein einziges zusammen , welches von nun an (nachdem alle jene kleinen Königreiche verschwunden waren) nach seinem ursprünglichen vidl befassenden Nahmen das Königreich Spanien heißt. Die Vereinigung Castilüns und Aragoniens geschah beim Tode Heinrichs IV. Königs von Eastilien und Leon. Dessen Prinzessin Z 0- hanna war schon bei seinen Lebzeiten von den Ständen als unecht angcfochtkn, und der König genötbigk worden, seinen izjäbrigen Bruder, Alphons, und da dieser starb, seine Schwester als Nachfolger zu erklären. Diese fehlere, Infantin Isabelle vermählte stch im Jabr -468 mit dem damahligen Kronprinzen von Aragvnien , Ferdinand, ganz insgeheim, damit dieser mächtige Fürst gegen alle Prätendenten ihrer dereinst zu erwarten habenden königlichen Krone sie vrrtheidige» möchte. So gern nun auch der König, ihr Bruder, dieß alles hiiitertritben hätte, so hakte doch Isabelle die Stände auf ihrer Seite, und wurde nach des Königs Tode 1474, (mir Ausschließung der Prinzessin Johanna, welche sich in einem Kloster als Nonne einkleiden ließ) nebst ihrem Gemahl Ferdinand als Königin und König von Castilien und Leon ausgerufen. Unter diesem Ferdinand nun, welcher schon seit 1467 König von Sicilien undMlregcnt von Aragonjen und Catal.onien mir seinem Barer, Johann H. gewesen war, und 1479 allein zur Regierung gelangte, kam denn nun ganz Spanien zusammen, und ward zu einer vollständigen alleinigen Monarchie, was es auch von nun an beständig geblieben und noch gegenwärtig ist. Indessen nahm er an Castiliens Regierung, als welche Isabelle allein führte, keinen Theil, sondern beherrschte nur Aragonien und Sirilicn nebst dem Fürstrnihum Catalonien. F- Siiiands Eigennuh und Ungerechtigkeit strebte nun auch nach den Reichthümern de- Aragonischen und Casiilianischen Adels; er wollte auch Granada, daS einzige den Saracenen in Spanien noch übrige Königreich, nehmen. Er bekriegte die Saracenen, und zwang ihren König, Akvabdeli» sein Königreich zu zäumen. Das den daselbst wohnenden Saracenen und Inden gegebene Versprechen, ihnen die vollkommenste Religionsfreiheit zu lassen, hielt er nicht, sondern beredete seine bigotte Gemahlin, ein geistliches Tribunal unter dem Titel der heiligen Inquisition in Sevilla und an andern Orte» niederzusetzen; in srjneii Reichen that er ein gleiches (M. s. hierüber näher den Art. Inquisition). Zwar fielen dadurch den Staatskassen ungeheure Summen zu: aber dem Staate wurde ein großer Th il seiner fleißigsten Einwohner entzogen ; und die übrigen, welche z m Schein bie christliche Religion aunahmen , wurde» Heuchler (M. s. den oben ang. Art.). Jndcffen bewog dieses abscheu» Spa würdigt Verfahrt» den Papst Alexander VI. dem Ferdinand und ollen Nachfolgern auf dem Spanischen Throne i. I. 1495 den Titel des katholischen König-, welchen vorher Recard l. und Alphons Vl nur für ihre Person aber nicht erblich erhalten halten, zu er« thcilen. Die Eroberung Neapels (s. d. Art.F er d inand V.) gehört rdcnfaliS zu den ungerechten Anmaßungen, die Ferdinands Regierung auszeichn-ten, so wie auf der andern Seite die Entdeckung Amerika's (1492) durch Christoph Columbo (s. d. Art. Ameri, ka, und Columbo) seine Regierung merkwürdig machte. D'ii Zuwachs, den Spanien durch diese Entdeckung erhalten, und die Schüße, die dasselbe von dieser Zeit an von dort her gezogen, sind nicht zu berechnen. Zu wünsche» wäre es jedoch, daß die Spanier eine gleiche Mäßigung, wie anfangs Columbo, befolgt hätten; gewiß, viele Millionen Menschen weniger würden damahls nnigekoin- mcn sryn. Man erstaunt und die Menschheit empört sich, wenn man in de» glaubwürdigsten Nachrichten damahliger Zeit findet, wie über, dacht boshaft die Spanier jene unschuldigen Amerikaner hinopferten, um ihre Reichlhümer und Besitzungen zu erhalten, noch mehr, wie sie dic^e ihre Habsucht mit Gründen der sanften Ckristuslehre vertheidig- te»! — Die Ungeheuern, auch durch Gold. und Silbergruben so höchst ^ rrgiebigcn Besitzungen, welche Spanien in diesem neu entdeckten Welt- thcile nach und nach an sich gebracht und gegenwärtig noch hat, sind: 1) im südlichen Amerika: das sogenannte feste Land, Tucu- man, Peru, Paraguay, das Magellanische Land und Chili; H) im nördlichen Amerika: Mexico, Neu-Mexico, Calisornien und rin Theil von Florida, nebst den Inseln Cuba, Porto Ricco, ein Theil von Hißpaniola, nebst den Caraibischen und Lucayischen Inseln. Doch auch in Afrika und Asien wollte Ferdinand durch Eroberungen sich bereichern. In Afrika wurden i;oy Ceuka, Oran und Mar» salqnivir erobert, ja, die Könige von Älgir, Tripolis und Tunis ihm zinsbar gemacht. Auch in Asi en gelang eS ihm und seinem Enkel und Urenkel, Carl I. und Philipp II. die Latronischen und Philippinischen Insel» nebst der Insel St. Lazarus zu erobern — alles Eroberungen, die Spanien auch gegenwärtig noch behauptet. Ferdinand würde unter die vorzüglichsten Könige Spaniens gehören, wenn er minder treulos und mehr gerecht gewesen wär. Er verstand eben sowohl zu regieren, als Krieg zu führen, ,-var bei allen Vorfällen sehr entschlossen , und mit den Geschäften durchaus vertrank. Seine Gemahlin, Isabelle, deren Charakter im Art. F e r- dinad näher geschildert worden, hatte von ihrem Gemahl mehrere Kinder, von denen aber nur noch die jüngste Prinzessin, Johan- n a , am Leben war, als Isabellen- Tod (>Lc> 4 ) erfolgte. Allein jene Johanna, welche nun das nächste Recht aus die Castllianischc Krone hatte, und an Philipp den Schönen von Oesterreich vermählt war, trug, da sie wahnsinnig ward, viel zur Beschleunigung jenes TodfalleS bei. Isabelle übertrug, eben wegen dieses Wahnsinns, durch letzte» Willen ihrem Gemahl die Regentschaft so lange, bis der ältere Enkel, Carl, volljährig wurde. Allein Philipp, Spa 29Z der Vater dieses Carls, verwarf das Testament, und übernahm, u», tcrstüpt von den Ständen des Reichs gegen Ferdinand, die Regierung in Castilien statt seiner Gemahlin -- rin Glück, das er aber nicht lange genoß, denn er starb schon »§o 6 . Da nun bei dessen Tode so» wohl die Geisteskrankheit seiner Gemahlin als die Minderjährigkeit seines ältrrn Prinzen Carls noch fortdauerte, so erhielt dock nochFer« dinand, dem Testament seiner Gemahlin gemäß, die Regentschaft «der Castilien, und bihielt ste bis an seinen Tod 1516. — Aus Haß gegen seine Enkel vermählte er sich auch wieder mit rincr Franzöfi- schen Prinzessin, der Schwester Ludwigs Xll. mit welcher er Kinder zu zeugen hoffte, und zunächst Carln die Aussicht auf Aragonien zu benebme» gedachte. Allein diese Ehe blieb unfruchtbar, und Carl bekam nach Ferdinands Tode die ganze Spanische Monarchie. Dieser nun, der als König den Nahmen Carl I. führte, und von dem (in dem Art. Carl V.) mehrere- gesagt worden, war gn- sireitig einer der mächtigsten Regentkn in Europa; denn außer dem ganzen heutigen Königreich Spanien, Neapel und Sicilien, nebst den bereits zu Spanien gekommenen Afrikanischen, Astatischen und Amerikanischen Besitzungen, erhielt er auch nach dem Tode seines väterlichen Großvaters, Maximilian l. 1513 die gesammten großen und weitiäufligen Oesterreichischen Erblande, die er jedoch freiwillig an seinen Bruder, den nachberigcn König von Böhmen, Ferdinand I. abtrat, und sich in Deutschland bloß mit den Niederlanden begnügte» indem er als Römisch-Deutscher Kaiser im Deutfchen Reiche an- säßig seyn mußte. Er war, als sein Großvater Ferdinand starb, mit seiner Mutter in den Niederlanden an dem Hofe seines väterlichen Großvaters, Maximilian l. Nach der Verfügung Ferdinands sollte er erst nach dem Tode seiner wahnwitzigen Mutter in den beiden Königreichen Castilien und Aragonien und in den sämmtlichen Spanischen Staaten zur Regierung gelangen, und bis dahin FimeneS de Cisneros die Regentschaft führen. Dieser Limenes, in der Spanischen Geschichte allerdings ein sehr wichtiger Mann, woraus sehr guter adlicher Familie, in seiner Jugend Franeiscanermönch, und ein eben so gelehrter alS rechtschaffner Mann, so, daß er fich auch bis zum Cardinal empor schwang und endlich das Erzbisthum Toledo (das größte und einträglichste in Spanien) erhielt. Als Erzbischof wandte er seine Ungeheuern Einkünfte ebensowohl zum besten des Staats an, als er, als ein sehr feiner und kluger Staatsmann, der an dem Hofe Ferdinands alles galt, seine Dienste, ohne auf irgend einen Dank von Seiten des Königs zu rechnen, ganz dem Besten des Reichs widmete. Er lebte übrigens beiden großen Einkünften seines Erzbisthums überaus mäßig, und war auch noch in seinem hohen Alter eben so streng gegen sich, akS er »S in seinen erster» Mönchsjahren hatte seyn müssen, hing auch beständig und bis an seinen Tod an seinem Franciscanerorden. Jetzt, nach Ferdinands Tode, führte Li menes mit außerordentlicher Klugheit und Standhaftigkeit die Regentschaft, obgleich der schon lange unzufriedene Abel wider ihn war. Carl, welcher selbst gern noch bei Lebzeiten seiner Mutter regieren wollte, forderte ih» ZY 4 Spa schon von Gent auS zu Niederlegung der Regierung aus; und Lime. n?s, wiewohl er anfangs kein Gehör dafür hatte, gab, da es der Wille der Castilianilchen Stände war, nach, !und übertrug das Königreich Castilien Carlo in dem besten Flor. In Aragonten hörten die Stände auf den König aar nicht, wenn er von seinem Regierungsantritt sprach, sondern er erhielt solche erst nach dem Tode seiner unglücklichen Mutter. Gleich nach der Ankunft des jungen Königs in Spanien starb LimeneS, vrrmuthlich durch Gift. Daß Carl unter dem Nahmen Carl V. auch die Deutsche i Kaiserwürde, und dadurch an Franz I. von Frankreich einen heftigen Rival erhielt, ist bereit- in dem angezogenen Art. erwähnt worden. — In Spanien war er in den ersten Jahren seiner Regierung wenig beliebt, indem er oft zu willkührlich verfuhr und ganz ungewöhnliche Auflagen einführke, hauptsächlich aber, well er bloß geborne Niederländer zu den Spanischen Landes-und Hofstellen beförderte: denn so erhob er nach des LimeneS Lode einen Niederländer zu dem ErzdiSlhum Toledo; einem andern , NahmenS Adrian, übertrug er während seiner Abwesenheit die Reichsverwesung rc. Ein solches Benehmen mußte freilich die Nation beleidigen, die überdieß nicht cin- mahl wünschte, da- ihr König die Kaiserkrone suchte, indem ste voraus sahen, daß er nur die wenigste Zeit bei ihnen seyn und das Reich > in unendliche Kriege mit Frankreich verwickeln würde. ES entstand ^ sogar eine Art Empörung gegen ihn, welche jedoch der Adel nicht ganz ! allgemein werden ließ. Doch ward in der Folge Carl viel nachgiebiger, auch mäßiger gegen feine Spanier; und dieß söhnte ihn völlig mit ihnen aus. ^ Carl, der, zwar selbst ein guter Feldherr, doch auch gute Ge. > nerale in seiner Armee hatte, verstand die große Kunst , Kriege auf ^ fremdes Gebier zu spielen. daher er auch die meisten seiner Kriege in Europa entweder iu Italien oder Frankreich, oder in Deutschen ihm nicht gehörenden Ländern zu führen wußte. Eben so verlor er bei seinen häufigen Kri'gen nichts von seinen weitläuftigen Staaten, brachte aber vieles dazu, z. B. in Afrika und Aflen, auch in Italien daS ' Serzogthum Mailand, das er an seinen Prinzen Philipp als Lehn ubertrug. — Als König von Sicilicn gab er dem Johanniters e- den i;zo die Insel Maltba als ein Benetianischrs Lehn (S. den Art. Joh an nit err kt ter,). Lhrils durch Strapazen, theil- durch Geschäfte ermattet und geschwächt, legte er, nachdem er schon mehrere Jahre zuvor es dahin gebracht batte, daß sein Bruder, König Ferdinand, von den Deutschen Reichsständen zum Römischen König war gewählt worden, noch bei seinen Lebzeiten die Regierung, sowohl als Deutscher Kaiser a!S auch als König, nieder, trat ferne Erbreiche an seinen einzigen Prinzen, den Seitherigen Herzog von Mailand, ab» legte nicht lange daraus auch die kaiserliche Regierung nieder, und ging nach Spanien, wo er zwar noch einige Zeit regierte, aber im folgenden Jahre, 1556, alle seine übrigen Reiche und Lande an Philipp abtrat, fick selbst aber iu daS prächtige Hieronymitenkloster Sk. Just in der Provinz Estremadura begab, in welchem er nach zwei Jahren, r§z8, starb. — Wohl möz- Spa Zyz sich ist es , daß Carl», wie man sagt, die Abtretung feiner Erbstaaten wieder gereuet habe, zumahl da sein Sohn, König Philipp, die mäßige Pension von zwanziglausend Spanischen Ducateu nicht richtig an ihn auszahlen ließ. Gewiß aber ist es, daß cS ihn reuere, nicht seinen Sohn Philipp, sondern seinen Bruder Ferdinand zum Römischen Könige befördert zu baden, d.n er auch vor s inem Abgänge aus den Niederlanden zue Verzichtleistung auf die Kaiserkrone zu vermögen suchte, wiewohl vergebens; denn Ferdinand kam nun zur kaiserlichen Regierung. Noch nie war Spanien so groß gewesen, als zu der Zeit, wo Carl dasselbe an seinen Sohn Philipp abrrat. Man nannte daher auch in den damahligen Zeiten Spanien bloß wegen seiner Ungeheuern Besitzungen in Europa Imp-Itum Lnrop.,0, ja, man hätte es Imperium wunsti nennen können. Jede Eurovätsche Macht fürchtete Spanien: denn es hatte überall die Uederleaenheik; und s-in mächtiger Nachbar, Frankreich, welches der Größe Spaniens zcither immer sich zu widerfetzen strebte, mußte am Ende bloß auf seine Selbsterhalkuug gegen Spanien bedacht seyn. Hätte nun Philipp — unter den Königen Spaniens insgemein Philipp II. — *) mit eben solchen Maximen regiert wie sein Vater, so würde, da er die großen Bergwerke in Mexico und Peru, außer denen in Spanien, in seiner Gewalt hatte, Europa haben zittern müssen. Sein Varer übergab ihm aste Besitzungen in einem blühenden, auch ziemlich ruhigen Zustande, und Harke nicht lange vor deren Abtretung noch die Verheiealhung mit Marien, regierenden Königin von England, vermittelt, welche ihm, wenn auch nicht Aussicht auf diese Krone, doch zum wenigsten Hoffnung einer künftigen Allianz oder doch eines friedlichen Verhältnisses gewährte. Allein sein unbändiger Stolz, seine Härte, Rachsucht und ReligtonSwuth ließen gleich bcim Antritt seiner Regic^ng den künftigen Verfall der Spanischen Monarchie vorausfehcn; >M wirklich war er es, der den ersten Grund zu dem Herabfinken legte. Vergl. Art. Philipp II. Philipp II. nachdem er in den ersten Fahren seiner Regierung von den Niederlanden auS seine Staaten beherrscht hatte, ging nach dem Tode seiner Gemahlin, Marie, nach Spanien, und richtete Madrid statt dcS zeitherigen Toledo zur Residenz ein. Seine Härte und Bedrückungen gegen die Niederländer, so wie den Erfolg davon zeigt der angezogene Art. ingl. der Art. Niederlande. — Mit welchem Rechte die Spanischen Geschichtschreiber Philipp den Beinahmen krull ens beilegen, ist nicht einznsehen, da sein eben an dem angezogenen Orte gtschilderler Charakter vielmehr jeden andern Härle und Grausamkeit bezeichnenden Beinahmen verdiente. — Daß er bei seiner großen Strenge, bei seiner Härte und Grausamkeit den Haß seiner *) Wiewohl er ricbliger Philipp der Erste beißen sollte, indem sein Großvater, Philipp der Schone, Erzherzog von Oesterreichs nie König, sonder» dloß Argem oder Verweser des KLnigeeichS Cssti« liri, war. 3-6 Spa Unterthanen auf sich laden mußte, war natürlich, und dieß um so mehr, wenn sie sicher, ihrer Religion gekränkt sahen, wie eS besonders der Fall mit den Niederländern war, die er durch den Herzog Alba, bisherigen Bicek-nig von Neapel, auf das tyrannischste verfolgen ließ, so sehr sich auch seineSchwester, Margarethe, welche schon einige Zeitlang als Gouvernante bei den Niederländern gestanden hatte, bemühete, ihm, dem Könige, gelindere Gesinnungen beizubringen, auf welche er aber nicht achtete. Eben so schreiend war seine Grausamkeit gegen die Moris kos (S. d. Art.) die er durchseinen natürlichen Bruder, Don Juan (der zuletzt noch in völliger Raserei starb ,) bekämpfen ließ. Daß er aber nicht bloß seine Unterthanen, sondern auch seine eignen nächsten Verwandten mit gleich großer Härte und Grausamkeit behandelte, dieß erfuhr sein eigner Kronprinz, Don Carlos, und seine dritte Gemahlin, I sab ell e. (S. D o n Carlos.) Indessen wurde dennoch sein Stolz gebeugt, theils durch die Zerstörung seiner unüberwindlichen Flotte, theils durch die völlige Empörung, welche gegen den Wüthrich, Alba, ausbrach, s» daß endlich unter seinem Enkel Philipp IV. die Niederlande als völlig freie, unabhängige Staaten mußten erklärt werden. Philipp II. starb im I. 1694, indem er seinem Sohne, Philipp III. zwei sehr lästige und kostspielige Kriege, den wider England und den mit seinen Niederländern, hinterließ. Jener wurde indessen bald durch den Frieden, den beide Könige, Philipp III. und Jacob l. abschlossen, geendet; und dieser zwar einige Zeit fortgesetzt, allein Philipp III. sah sich doch nachher genöthigt, mit seinen Niederländern einen zwölfjährigen Waffenstillstand zu machen, und sie inzwischen in der Ausübung ihrer Religion ungekränkt zu lassen. — Philipp III. nun, zwar weniger hart und stolz wie sein Vater, aber auch weniger talent^, war bloß ein Spiel seines allgewaltigen, herrschsüch- tigen und geitzWn Staatsministers, des Cardinals Lerma , und seiner hohen Geistlichkeit, und schadete mithin bei den mindern Grade von Härte seinen Staaten weit mehr, als jener. Die unschuldigen Sara c r n e n wurden von der Geistlichkeit als böse und für den Staat gefährliche, den Umsturz des königlichen Throns beabsichtigende Unterthanen verschrieen, und der König ließ sie, so sehr es ihm auch einige Minister widcrriethen» insgesammt aus seinen Staaten bringen, ihre Kinder aber, die man noch sür umoerdorben hielt, mit Gewalt wegnchmen und in Christen umwandeln. Auf diese Art entzog er seinen Ländern auf eine Million der besten und arbeitsamsten Unterthanen.— War Philipp lll. auch nicht kriegsüchtig, so konnte man ihn doch leicht zur Theilnahme an einem Kriege vermögen: dieß beweist die Allianz mit Lester re ich, die in der Folge mehrern Staaten , besonders aber den protestantischen Ständen in Deutschland , sehr verderblich ward. Er starb 1621 mit der Reue» daß er (wenn er auch gleich während seiner sechzehnjährigen Regierung nichts von seinen Besitzungen eingebüßt hak- re) doch durchseinen blinden Religionselfer dieselben sehr entvölkert habe. Sein Sohn und Nachfolger, Philipp IV. von weit mehrern Fähigkeiten alSsein Vater, überließ sich, voller Abneigung gegen Rcgie- rungsgeschäfte, vielmehr Ausschweifungen jeder Art. Lies mißbrauchte ' Spa Z97 der Gref Ol ivarez , sein erster Staatsminister und Liebling zugleich. Dieser Mann» nicht ohne natürliche Talente und Kenntnisse, führte eigentlich die Regierung, war aber dabei so streng und übermüthig, daß am Ende alle übrige Minister ihre Stellen aufgaben. Philipp IV. mußte gleich nach seiner Thronbesteigung den Krieg mit seinen Niederländern anfangcn. Der oben erwähnte Z 2jährige Waffenstillstand ging zu Ende; auch hatte seine Großtante, Isabel, l e , vermählt an den Erzherzog Albert von Oesterreich, an welche jene treu gebliebenen Provinzen unter der Bedingung waren überlassen worden , daß, wenn sie kinderlos stürben, sie wieder an Spanien zurück- fallen müßten— mit ihrem Gemahl kein Kind erzeugt. Da nun nach Absterben dieser Oesterreichischen Nebenlinie diegesammten Niederlande vertragsmäßig wieder an sein Haus zurücksallen sollten; so mußte jetzt, da eine gütliche Vereinigung jener Provinzen nicht zu erwarten war, nach Ablauf des Waffenstillstandes, der Erzherzog Albert, durch Spanische Truppen unterstützt, den Krieg wieder gegen ste erneuern. Allein die Niederländer, aus Frankreichs Unterstützung rechnend, konnten bei der Schwäche Philipps, der auch noch in andre Kriege sich verwickeln ließ, wohl berechnen, daß man nichts wider sie ausrichten würde: kurz, es kam beim Westphälischcn Frieden so weit, daß er sie als freie und unabhängige Staaten anerkennen mußte; aber leider! verlor an ihnen auch zugleich das Deutsche Reich einen bedeutenden ansehnlichen Stand.— Gleiches Unglück hatten Philipps Waffen in dem Kriege in Italien» in dem Kriege gegen Frankreich und in dem gegen England. Verlust und Beschimpfung war allenthalben sein LooS. So kam es, daß endlich selbst seine eigenen Unterthanen, theils durch seine Bedrückungen und schweren Auflagen, theilS durch das Beispiel der Niederländer gereizt, sich wider ihn empörten, zum Theil aber auch von ihm gänzlich losrissen. Das letztere war der F^ll mit Port» gal, welches an den Herzog von Braganza, den nachherigcn König Johann IV. fiel, bei dessen Stamm es noch gegenwärtig ist. Das Königreich Neapel, Catalonien und Andalusien wurden mit Mühe wieder besänftigt. Dicß war die unglückliche drei und vierzigjährige RegierungPhi« lipps IV. unter welcher das große, und, seit Ferdinand dem Katholischen , allgewaltige Spanien auf eine ganz unerwartete Weise gesunken, und so sehr geschwächt war, daß es nicht einmal das kleine Por tugal durch eigne Kräfte besiegen konnte, zugleich aber auch sein ganzes Ansehen unter den Europäischen Machten verlor. Für seinen einzigen Prinzen, Carl, erst 5 Jahr alt, mußte die Mutter, Maria Anna , Kaiser Ferdinand III. Tochter, die Regentschaft übernehmen; allein der Einfluß, den der von ihr aus Deutschland mitgebrachte Jesuit, Neidhardt , auf sie hatte, erregte, zumahl da auch verschiedene Plätze in den noch übrigen Spanischen Niederlanden an Frankreich verloren gingen, gegen die Königin Mutter bei der Nation ein so großes Mißvergnügen» daß der junge erst ,7jährige Prinz die Re, gierung als König unter dem Namen Carl II. wider Willen seiner Mutter annehmen mußte. Allein auch dieser Wechsel konnte die blü» hente Monarchie nicht wieder Herstellen: Menschenleer, wie eS war, in duckender Strmuth der Kleinste wie derTrößte, ein eben vichttaleal' 2y8 Spa voller Fürst— unter solchen Umständen konnte ein zerrüttetes Reich unmöglich wieder emporkommen. Ja, beim Tode Carls II. im I. ,7M war der, Mangel des baaren Geldes so groß, daß zu seinem De- ! grabniste— ein Fall, unter den Europäischen Regenten einzig in sei, ! ncr Art! — Darlchne ausgenommen werden mußten. Nach Carls ll-Tode — erstarb, obgleich zweymahl verheiralhet, ohne männliche Descendenten — traten zwei Kronprätendenten auf einmahl auf» nämlich Philipp , Herzog von Anjou, zweiter Enkel König Ludwigs XIV. in Frankreich, u.Erzhei zog Carlvon Oesterreich, zwcy- ter Prinz Kaiser Leopolds I. Beide brachten es dahin, daß sie von der Spanischen Nation als Könige ausgerufen wurden, ersterer unter dem Nahmen Phi lipp V. und letzterer als C a rl III. Diestr hatte auf jelnn Fall ein besseres Recht, als jener; allein die Waffen des Großvaters ersetzten» waS dem Enkel an seinem Rechte abging. Hieraus entstand denn der bekannte Spanische Erbfolgekrieg (dem wir einen besonder» Art. widmen») und welcher endlich 171Z widerVermukhen zu Philipps Vorlheil ausstel. Philipp V, würde das so tief gesunkene Spanien gewiß wieder cmporgebracht haben , wenn er der Regierungs- geschäfte sich thätiger angenommen, und weniger seinem Projektsüchli- gcn Minister» Alberoni , einem gedornen Italiener, Gehör gegeben hätte. Dieser spiegelte dem Könige die Wiedererlangung der sonst ! bei Spanien gewesenen Italienischen Staaten, Mailand, Neapel, Sicilien und Sardinien, die dieser nicht vergessen konnte, sehr leicht vor, und überredete den König, daß er ganz in der Stille eine Ex- ! bedition anordnete, seinem Admiral, dem Ma quis de Lele, 1717, zum Einschlffen Befehl, und die jchriftliche Ordre, die dieser erst auf derHöhe der See öffnen durste, ertheilke» vor allen Sardinien, dann Neapel und endlich Sicilien zu erobern. Allein, obgleich de Lele die Hauptstadt Cagliari, da der Urberfall so unvermuthct kam, eroberte, so nahm sich doch sogleich England Sardiniens an, und schlug durch den Admiral Pink die Spanier, eben so brach Oesterreich durch Italien ein — kurz, Philipp zog den Kürzern, und mußte nun auf jene im Untrechtischen Frieden verlornen Länder förmlich Verzicht leisten; indessen mußte dagegen auch K.-iser Carl VI. dem Don Carl, Philipps älterm Sohne, die Herzogthümer Parma und Toskana» als Reichs-Mannlehne verspr.chen, und — was bisher noch nicht geschehen war— selbst auf die Spanisch« Monarchie renunciren. Jedoch erhielt Carl erst 1729 die Eoentuolbelehnung, und 1731 den Besitz. Tanz unvermuthet trat Philipp V. 1724 die Regierung an seinen ältern Prinzen erster Ehe, Ludwig, ab; eine» vortrefflichen Fürsten von Talenten und Geschicklichkeit, der sich die Liebe jeoes Spaniers zu erwerben wußte, leider! aber zu früh starb. Jetzt pahm Philipp V. wiewohl ungern die Regierung wieder an. Seine zwepke Gemahlin, Elisabeth, die ihn am meisten dazu bewog, ward die Veranlassung , daß Philipp 1732 durch seinen Feldherrn, den Herzog von Monkemar, die Algierer, auch das Jahr darauf den Kaiser Carl VI. nochmahls bekriegte; wiewohl diese zwei Kriege das Ansehen Spaniens wieder in etwas erhöheten, indem in dem ersten die schon ,704 verlornen zwei Spanischen Festungen in Afrika, Oran und Ma- Spa Z99, sarquivir, wieder erobert wurden, der letztere aber dem Don Carl, gegen Abtretung der beiden Herzogthümer Parma an Oesterreich, und . Toskana an Lothringen, diebeiben Königreiche Neapel und Sie ! eilien verschaffte, die er als ein einziges zusammen vereinigtes Königreich unter dem Titel beider Sicilien erhielt. Auf Elisabeths Antrieb nahm auch ihr Gemahl 1740 an dem sogenannten Oesterrei» chischen Erbfolgekrieg Theil, wodurch er denn für den jüngsten Pein» zcn, Don Philipp, die Herzogthümer Parma, Piazenza und Guastalla erhielt, welche Maria Theresia an ihn abzutreten genothiget wurde. Philipp dem V. (er starb 1746) folgte sei» zweiter Prinz erster Ehe, Ferdinand Vl. ein sehr braver Fürst und guter Regent, der auch seiner Stiefmutter Elisabeth nicht den mindesten Einfluß in die Geschäfte erlaubte, vielmehr mit England und Oesterreich 1748 zu Aachen auf eine vortheilhafte Weise Frieden wachte» alsdann unter beständigem Frieden regierte, und sein Reich, daß er leider nur iz Jahre beherrschte, bei seinem Tode in einem blühenden Zustande hinterließ. Sein Tod erfolgte aus Gram, der am Ende in Raserei übergieng, über den Verlust seiner trefflichen Gemahlin, Maria Barbara, einer Portugiesischen Prinzessin, im I. »739. Sein Stiefbruder, Carl, der bisherige König beider Sicilien» folgte sowohl nach SucccffivnSrecht, als auch nach Ferdinands Testamente, unter dem Namen Carl III. Um nun die beiden Königreiche, Neapel und Sicilien, welche schlechterdings mit Spanien nicht vereint werden durften. bei seiner Descendenz zu erhalten» da sie eigentlich vermöge des Präliminarvergleichs zu Wien 1735 , und des Friedens 1/48 nunmehr an seinen Bruder, Don Philipp, bisherigen Herzog von Parma, kommen sollten» erklärte er, eh' und bevor er nach Spanien ging, seinen zweiten Prinzen Carl zum Prinzen von Asturien, das heißt, zum Kronprinzen und künftigen König von Spanien, und seinen dritten und jüngsten, erst 2 Jahr alten, Ferdinand zumKönige beider Sicilien; dem ältesten, Philipp, der wegen seiner Geistesschwäche zur Regierung unfähig war, gab er eine standesmäßige Pension. Carl Hl. (dessen Gemahlin Maria Amalia, des Königs von Pohlen und Churfürstens von Sachsen, Friedrich Augusts Hl. Prinzessin war, aber schon 1760 starb) wurde» nachdem er schon 1775 einen nicht vorkheilhasten Krieg gegen Algier erregt hatte, 1779 in den Amerika irischen Revolution-. Krieg gegen England mit verwickelt, in welchem er, in Verbindung mit Frankreich, die Amerikaner sehr unterstützte. Uebrigens veranlaßten Er, sein Sohn Ferdinand IV. König beider Sicilien, und Ludwig XV. König von Frankreich den Pabst Clemens XlV. (Ganganelli,) daß er den Jesu iteror den aufhob, wodurch nachher durch Einziehung der Güter ! dieses Ordens seine Einkünfte sehr vermehrt wurden; er selbst aber schränkte in seinem Reiche die Inquisition, die bisher zur Schande der gesunden Vernunft, so sehr gcwüthet hatte, in etwas ein. Sein Tod erfolgte erst 1788 nach einer beinahe 55jährigen Regierung, unter welcher der Wohtziand Spaniens nicht wenig erhöhet wo.den war. Sein Sohn Karl lV. liebte eigentlich nicht den Krieg und er würde gewiß unter günstigeren Umständen zur Beförderung des Glücks 4<>o Spa seines Reiches nicht wenig beigetragen haben. Im Jahre 179^ brach der Krieg mit Frankreich aus^ den 179A der Basler Frieden schloß, worauf eine Allianz folgte, die den Krieg mit England herbciführke, den der Frieden zu Annens -792 mit der Abtretung der Insel Trinidad endigte. Im Jahre 1804 brach der Krieg wieder aus und die Pest hatte in Malaga und andern Orten eine Milion Menschen weg» gerast. Statt deS einen Jnfanten verschasten Thrones von Etrurien mußte Louisiane an Frankreich abgetreten werden. Doch eine der merkwürdigsten Umänderungen stand noch in diesem von den außerordentlichsten Ereignissen begleiteten ersten Zehend unsers Jahrhunderts dem Spanischen Reiche bevor. Es war am ^0. Oct. 1807, als der Köuig Carl IV. auf einmal allen seinen Col- legieu einen Anschlag, welcher von Seiten seines Sohnes und Thronfolgers, des Prinzen Ferdinand von Asturien, auf seine P rson und seine Krone gemacht worden, mittheilte, und ihnen zugleich eröfnete, daß die Mitschuldigen verhaftet, sein Sohn arretirt sey. Bald daraus, den 5. November, machte zwar der König bekannt» daß er seinem Sohne, da dieser die Anstifter des Eomplotts angegeben und innige Reue bezeigt, verziehen habe; auch wurden mehrere Granden und Staatsbedienten verhaftet und verwiesen, und die Sache schien in Stillschweigen begraben, als dennoch auf einmal im März irE eine neue, weit fürchterlichere Empörung ausbrach, bereit eigentliche nähere Veranlassung zwar diS jetzt in einem gewissen Dunkel geblieben ist, deren Resultate aber darin bestanden: Am ,6. März, wo sich der König zu Aranjuez befand » brach auf einmal der furchtbarste Tumult, der hauptsächlich gegen den sogenannten Frirdenfürst*) gerichtet zu seyn schien, aus. Der Pallast desselben wurde erstürme, alles zerschlagen; der Fürst selbst, der sich Anfangs versteckt hatte, aufs schrecklichste ge- mishandelt, und, mit Wunden bedeckt, mit Mühe und Noch in Sicherheit gebracht; worauf am >8. der König von dem nahen Durch- *) Dieser Günstling de- Königs und der Königin, mit seinem eigcat» liche» Familien » Namen G 0 d 0 i. mar Anfangs bloßer Leibgardist: er hatte das Glück, der damaligen Prinzesiin von Asturien theils wegen seiner schönen, kräftigen Figur «Heils wegen seines musikaii» scheu Talents zu gefallen, stieg bald und besonders nach dem Tode des Königs, Carls lll., von einer Stufe der Ehre und des Glanzes zur andern, ja zur höchsten, nämlich der eines Spanischen Granden (er war bis z»m Herzog v. Aleuida gelangt) und wurde dabei mit Reichthümern überhäuft — eine Höhe, die er kaum binnen zwei Jahren »stiegen hatte. Go erlangte er zugleich, obscho» im Civil ohne öffentlichen ministerielle» Charakter den bedeutendste» Einfluß, selbst in Staat-fachen - er beherrschte die Königin den König und so ging alles durch ihn, und keine Stimme durfte es wage» , gegen ihn laut zu werden; das Vertrauen de- Königs wie «den so unerschütterlich, als die Gunst der Königin. Im Jahr ,74z wurde er zum Prinz de la Paz (Friedensfürst) erhoben, und im Jahr 1747 mit einer Prinzessin des königlichldn Oheims vermahlt. Wie sehr nun aber dieser Günstling des Glücks in jedem Fall den Neid und Haß oller Granden von Spanien, und aller Höflinge auf stch ziehe» mußte, bedarf kein» weiter» Auseinandersetzung — Spa 40» Marsche Französischer Gruppen durch Madrid und Cadr^ benachrichtiget, eine Proclamation erließ, »vorin er die gute Aufnahme dieser Truppen anbesahl, und durch eine andre zugleich erklärte, daß der Prinz de la Pa; seiner Aemter entlasten sey, und der König den Oberbefehl seiner Truppen selbst übernehmen wolle. Allein schon am folgenden iy. März, da der Aufruhr immer mehr zunahm, erließ der König eine Bekanntmachung, worin er, wegen anhaltender Schwächlichkeit , der Krone zu Gunsten seines Sohnes, des Prinzen von Asturien , entsagte, und diesen nun als König und Herrn von ganz Spanien erkannt wissen will l und sofort trat denn nun auch dieser birhe- rigePrinz unter dem Namen Ferdinand VII. die Regierungan.— Schon am 24. März rückte der Grosherzog von Berg, der zrither inBur- gos sich aufgehalten hatte, mit einer Französischen Armee in Madrid ein, die nun auch hier blieb, denn kaum 2 Tage nach jenem Ausstande (den 21. März) sendete der vorige König Carl IV. ein Schreiben an den Franz. Kaiser Napoleon, »vorin er erklärte, daß er, nur durch Gewalt gezwungen, und um seiner und der Königin Ermordung vorzu - beugen, der Krone entsagt habe, daß er feierlich dagegen prolcstire, sich in des Kaisers Arme werfe und diesem die Entscheidung über sein Schicksal übergebe. Napoleon empfing dieses Schreiben zu Bayonne, wo er den 15. April angekommen war, und bald erschienen hier, vielleicht zum Theil auf dcS Kaisers Veranlassung, nicht nur der anmas» liche König Ferdinand VIl., sondern auch der alte König Carl IV. mit seiner Gemahlin und der Prinz de la Paz. Jener, der Prinz von Asturien—denn als solcher wurde er auch nur hier anerkannt —konnte wohl gar bald aus seiner ganzen Aufnahme sein Schicksal ahnden, obgleich auch schon vorher ein Schreiben des Kaisers ihm die Misbil- liguna seiner Empörung deutlich genug zu erkennen gegeben batte. Als nun noch hinzukam, daß wahrend des Aufenthalts aller dieser Personen zu Dayonne, am 2. Mai ein furchtbarer Aufstand zu Madrid gegen die Franzosen ausbrach, welcher zwar schnell, aber doch unter vielem Blutvergießen noch an demselben Tage von dem Grosherzog von Berg getilgt wurde, so legte sogleich am 6. Mar, wo diese Nachricht in Boyonne ankam, der Prinz eine Krone nieder, die er kaum 6 Wochen besessen hatte, und die wohl selten kümmerlicher und schimpflicher getragen wurde, als von ihm. Der König, an welchen er sie durch ein Schreiben wieder zurückgab, ernannte sofort den Großherzog von Berg zum General Lieutenant des Königreichs und erließ auch dern gemäß, an die Regierungsjunta, den Rath von Castilien und den Kriegsrath offene Briefe; allein auch diese wieder angenommene Regierung des alten Königs dauerte nicht länger als — zwei Tage; denn schon am 8. Mai zeigte er in einer Bekanntmachung an die obersten Behörden an: „daß er alle seine Rechte auf dieSpanifchen Reiche an seinen Bundesgenossen und Freund, den Kaiser von Frankreich , abgetreten habe." Auch die Prinzen des Königs traten in einer unterm 12. Mai erlassenen Proclamation dem Bertrage -er völ- liqcn Verzichtleistung der Rechte und Ansprüche der Bourbons auf den Spanischen Thron, welche von ihrem Vater bereits in ihrem Namen mit zugestanden und beurkundiget war, bei. Zu Folge des Entsagungs- Eon». Lex. Fünfter Band. C c l 4os Spa Vertrags (unterzeichnet schon am 5- Mai 1803») macht sich der Kaiser anheischig, dm König, der Königin, seiner Familie, dem Krie- densfursien rc. Zuflucht in seinen Staaten zu gewähren, und garan- tirt denselben zugleich eine Civilliste von zci Mill. Realen aus dem Schatz der Krone; 2 Mill. sollen nach des Königs Tode das Wit- thum der Königin ausmachen; de» Jnfantcn von Spanien und ih» ren Erden wird eine jährliche Rente von 4M,000 Franken ausgefftzt (in dem Abtretungsvertrag mit dem Prinzen v. Asturien wurde diesem noch besonders eine Rente von 6o0,0M Franken zum lebenSlängli- > chen Genuß, wovon die Hälfte auf seine ihn etwa überlebende Gemahlin gehen soll, gestattet; übrigens dem König das Schloß Chain- bord mir allem Zubehör zur freien Disposition gegeben. So endete denn die R eg ierung der B ou rb on s in Spanien, das so lange mit Frankreich rioalistrte, durch Resignation des ^ letzten Besitzers von diesem Stamme. Napoleon erließ nun unterm LF. Mai ein Decret, wodurch die Zusammensetzung einer Junta - einer allgemeimn Versammlung der Depulirten auS den Provinz«! und Städten, um die Wünsche, Forderungen und Beschwerden dir Nation zu hören, angcordnet und eine neue Constitution verheißen wurde. Bald darauf erfolgte auch unterm 6. Juni eine Proclamati- on, worin er seinen Bruder Joseph Napoleon (bisherig n König von Neapel) zum König von Spanien und Indien erklärte, wobei er ihm zugleich die Unabhängigkeit und Jntegrilät aller seiner Staaten sowohl in Europa, als in Afrika, Asten und Amerika ga< rantirte. Am 25. Juni versammelte sich denn nun die Junta zu Bapvnne, deren Hauptgegenstand zugleich die Prüfung des Entwurfs , einer neuen Constitution ausmachte, die denn auch am 7. Jul. in der feierlichen 12. und letzten Sitzung vorgelesen, einstimmig angenommen und von beiden Seilen feierlich beschworen wurde. Der neue König Joseph Napoleon hielt nun nachdem er am y. Juli aus Bay- vnne abgereist war, seinen Einzug nach Spanien, und am 2z. in Madrid. Allein es hatte unterdessen schon beinahe sechs Wochen lang der Krieg in dem Innern des Reichs, namentlich in den südlichen und östlichen Provinzen Spaniens: Andalusien, Castilien, Murcia, Valencia, Katalonien rc. gewükhet, und ein großer Lheil der Spanier, in der höchsten Jnsurreclion begriffen, Greuelscenen aller Art aufge- stellt. Der größte Lheil der Insurgenten nähmlick, oder d:r Häupter und Anführer derselben ging von dem Grundsätze aus: die erste Rc- sigvation Carls lV., zu Gunsten fernes Sohnes, sey wirklich freiwillig und rechtmäßig, allein die zweifle, zu Gunsten Napoleons, stV erzwungen gewesen. Man erkannte und erklärte also den Prinz von Asturien durch eine zu Castilien versammelte Junta für den rechtmäßigen König, als welcher auch derselbe d. 24. Aug. ausgerusen wurde, und ergriff die Muffen, uw ihn und.die Nation in ihren Rechten zu behaupten. Die Chefs behandelten diesen Krieg theils als einen für die Rechte des Königs und der Nation, theils als einen für Religion und Kirche zu führenden Krieg. — Der König, kaum erst in Madrid ungezogen, ,ah sich schon am 1. Aug. g-nöthiget, dasselbe wifler zu vertanen und stq, nach Burgos unter dem Schutz der Französischen Ar- Spa 40 z mee zu begeben, indessen die ganze Armee Srfrischungsquartiere bezog. Zwar führten die Französischen Generaleund hauptsächlich der Marschall Beffieres in den nördlichen Provinzen: Navarra, Biscaya, Alt- Castilicn und Leon, den Krieg mit vielem Glück, und mehrere Pro- vinzen wurden unterworfen und entwafnet; allcin in Andalusien ging es weniger glücklich : hier erhoben sich dieJusurg nlen, durch Englische Hülfe verstärkt, aufs neue, schnitten die Communicakion mit Madrid ab, und schlugen den General Duponl, der sich zur Capitulation genöthigt sah u. s. s — Alle diese Umstände bewogen den Kaiser Na» poleon zu dem Entschlüsse, diesem Kriege eine wirksamere Wendung zu j geben, und Spaniens Schicksal definitiv zu entscheiden. Es wurden ! zu diesem Behufs und auf eine unterm L. Sept. erlassene Bothschaft ! des Kaisers, eine neue Aushebung von 160,000 Mann durch die Mi» ! nister der auswärtigen Angelegenheiten und des Kriegs decretirt, und es eilten nunmehr sehr starke Truppencorps, und selbst (im Dct.) die kaiserlich Französische Garde nach Spanien zu. Mehrere wichtige Schlachten bei Burgos, beiEsivinosa (10. Noo.,) bei Tudela (2z. Noo.) vernichteten einen großen Theil der Insurgenten - Armeen, und am 4. Dec. zogen wieder Französische Truppen in Madrid ein. Durch mehrere Decrete wurden die Anführer der Jnsnrreclion für Feinde Frankreichs und Spaniens erklärt; die Mitglied':' des Raths von Castillen ihrer Aemter entsetzt; ein EassationShöf errichtet; der Inquisition in Spanien ein Ende gemacht; die Zahl der Klöster aus den dritten Theil eingeschränkt; alle Feudalrechte in Spanien aufgehoben rc. Eine Deputation bat den Kaiser, ihnen die Gegenwart des Königs Jos. wieder zu schenken: eine Bitte, die ihnen auch gewährt wurde, indem d.m 22. Jan. 1809 der König Joseph wieder in Madrid einzog. Die neue Constitution nun, um 'ihrer noch kürzlich zu gedenken, bestimmt die katholische Religion in Spanien als die herrschende und einzige. Die Krone ist in der Person des Prinzen Joseph Napoleon erblich; in Ermangelung männlicher Nachkommen (die Weiber sind für immer ausgeschlossen) fällt die Krone an Napoleons männliche Erben, außer denen an des Prinzen Ludwigs— Hieronymus—rc. männliche Nachkommen; auch soll die Spanische Krone nie mit einer andern auf Einem Haupte vereinigt werden. Der König ist bis mit dem >8. Jahre minderjährig. Die Einkünfte des Königs sollen sich jährlich auf r Mill. Piaster belaufen. Es sind 6 GrvßoffizicrS des königl. Hauses, y Ministers; der Senat besteht aus dem Infamen und auS 24 vom König ernannten Individuen ; der Staatsrath, unter dem Präsidium des Königs, besteht aus ZO bis 60 Mitgliedern. Die Cortes , oder Nationalversammlung, bestehen auS 172 Mitgliedern und sind in Z Bänke. vertheilt, bieder Geistlichkeit, des Adels, des Volks; sie versammeln sich wenigstens einmal alle drei Jahre, und zwar auf eine Verordnung des Königs ; jedoch sind ihre Sitzungen nicht öffentlich. — Die Spanischen Königreiche in Amerika und Asien haben dasselbe Recht als daS Haupr- land. Spanier und Indier werden nach Einem Civil - Codex gerichtet. Die Richter worden von König ernannt: es ^ibt Friedensrichter Tri» Ho 4 Sp» bunale der ersten Instanz, Appellationsgerichte, ein Cassatidnsgerichk fürS ganze Königreich und ein hohes königl. Gericht. — Die Auflagen sind gleich im ganzen Königreich, alle Privilegien werden unterdrückt.— Universitäten, derenSpanicn bis 1807 an 22 hatte, sind auf n bestimmt.— Der Abschaffung der Klöster bis auf ein Drittheil, in« gleichen des JnquisitionStribunals unddes LehnwesenS ist schon zuvor gedacht worden. Ob nun wohl seit Philipp IV. vieles von der Spanischen Monarchie nach und nach abgerissen worden ist, so gehört dennoch dieses Reich noch heutiges Tage- mit unter die größten Königreiche. Der Flächeninhalt desselben beträgt bloß kn Europa beinahe an die i 9000 geographische Quadratmeilen, und bildet eine ordentliche Halbinsel. Gegen Morgen grenzt eS an Frankreich, von welchem es durch die Pyrenäischen Gebirge getrennt wird; gegen Norden an das Atlantische oder Biscaysche Meer; gegen Abend theils an den Ocean, . thells an Portugal; und gegen Mittag an das Miltländischr Meer, welches mit dem Ocean durch eine Meerenge zusammenhängt. Trotz desgroßen Flächeninhalts ist Spani ew doch beiweitemnicht hinlänglich genug bevölkert; und sicher könnte dasselbe» mit der Größe und der Volksmenge des benachbarten Frankreichs verglichen, beinahe noch zweimabl mehr Menschen fassen, als es gegenwärtig hat. DieVolks- zahl Spaniens, welche von den meistens der heutigen Statistiker gegen 8 Millionen geschätzt wird, ist zuverlässig zu niedrig, da mau bei der allgemeinen Volkszählung 1757, 1 Million 937,800 Familien heraus brachte, und, jede von diesen zu fünf Personen angenommen, schon beinahe io Millionen herauskomme,,. Uebcrdieß geschah damohS die Zählung, als bloße Finanzspeculation, nicht mit zu großer Ge- nauigkeit; ja , cs blieb auch die ganze Geistlichkeit — deren Anzahl in Spanien Legion heißt — von der Zahlung ausgeschlossen; mithin kann man die jetzige Volksmenge ohne Uebertreibung auf 10 Millionen ansetzen; — Die Ursachen der Minder großen Bevölkerung Spaniens liegen theils in den bei den hitzigen Klima stark erfolgenden Ausschweifungen der jungen Leute theils in der unter Ferdinand dem Katholische» ! erfolgten Vertreibung der Saracenen und Juden, und nachher der Moriskos und Marauen; auch die Inquisition, deren Verfolgung so viele Fremde, insbesondere Protestanten, sich hier zu domicilirm zurückschreckte , hat ihren Antheil eben so wie der zu zahlreiche ehrlose > geistliche Stand daran: daß endlich die Regierung Manufakturen und I Fabriken zu wenig unterstütze, gibt eben sowohl als die großen Ab- I gaben, die in jeder Art ungeheuer sind, Grund genug zu der geringen Bevölkerung ab, besonders da in Ansehung der letztem die Si- genthümer weltlicher Besitzungen dem durchaus freien Elerus üb.rtra- gen , und Fabrikanten die verfertigten Maaren bei der Ausfuhr ins Ausland ganz übermäßig verzollen mußten. Die Spanier, welche — dieß ist ihr eigeuthümlichcr Charakter - sehr auf äüßerlichen Glanz sehen, und höchst ceremoniös find, auch nicht selten mit Stolz und Verachtung auf andere Nationen herabsehen, find tapfer, und lieben auch sehr die Zweikämpfe; eben so finden sie an den Sticrgefcchttn viel Vergnügen, welches eigentlich nicht Spa 405 die beste Idee von der Sanfimuth ihres Charakter- gibt; und doch sind sie äußerst galant gegen das schöne Geschlecht, aber auch zugleich so eiferstchtig, daß nur selten der Gatte seine Gattin, wenigstens »nicht ohne Begleitung, ausgrhen läßt. Spanien liegt unter einem sehr heißen Himmelsstriche; daher weih man auch wenig vom Winter, ja es ist euchls seltenes, die Felder in manchen Gegenden, z. D. inCastilien, Valencia und Murcia, mitten in den Wintermonathen grünen zu sehen. Jndeß so unerträglich im Sommer die Hitze am Tage ist, so kalt sind dagegen die Nächte. " Es gehört aber zu den gesegnetsten Ländern in Europa; das zeigt schon die Schilderung des Römischen Dichters Claudia» : Oives equis, krugum saciUs, pretioss meit 2 lli 5 . Fast in allem, was die Natur den Menschen geben kann, hat dasselbe Ueberfluß. Baumfrüchte jeder Art, Zitronen, Pomeranzen, Corinthen, Oliven, Mandeln, Kastanien u. s. m. bringen jährlich großeSnmmen in das Land. Auch der Grtre idebau würde in den meisten Gegenden Spaniens gut fortkommen, wenn er besser betrieben wurde; allein der Spanier ist in Bearbeitung seiner Felder zu nachlässig und zu bequem, und er erbaut nicht mehr, als seine Bedürfnisse erheischen. An Gehölzen überreich, zieht es von den hohen Gebirgen sein Schiffsbauholz; das ibrige nächst allenthalben in hinlänglicher Menge. Der Seidenbau ist bei deuGedejhcn derMaulbeerbäume sehr bedeutend, besonders inEostili- en, Andalusien, Granada, Murcia undValencia ; und es wird jedes Jahr eine große Quantität roher Seide auswärtig verfahren» da die Spanischen Seidcnfavriken selbst unbedeutend sind. In eben diesen Gegenden gibt rS auch das vortrefflichste Obst in unsäglicher Menge. Die Viehzucht zeichnet sich bloß in Hinsicht der Pferde und Echaafe aus. Andalusien und Asturien geben vortreffliche und dauerhafte Pferde, welche ins Ausland, besonders nach Frankreich und England, für schweres Geld verkauft werden. Die Schsafzncht aber ist hier mehr, als in irgend einen Europäischen Reiche im Flor. Fast der größte Theil des Vermögens des Adels und andrer bedeutenden Privatleute besieht in Schaafheerden; und nicht selten hält mancher Ade, liche auf seinen großen Gütern 40 und mehrere tausend Schaafe: so wie man überhaupt die Anzahl der Schaafe in Spanien über 5 Millionen schätzt. Diese Schaasheerden , welche ehedem bloß die Krone hielt, sind das ganze Jahr hindurch in freier Luft, welches der Wolle sehr zuträglich ist. Und ob zwar gleich alle Wolle von den Spanischen Schaafe» gut ausfällt; so ist doch die, welche in der Mitte des Reichs, z. B. in Castilien und Andalusien, gewonnen wird, die feinste, beste und im Ausland geschätzteste. Durch die Ausfuhr der Wolle nun nach England, Frankreich, Deutschland und der Schweiz kommen jährlich über 8 Millionen Thcler nach Spanien, wovon zwei Millionen an die Krone fallen; und noch einträglicher würde dieses Product seyn, wenn es in Spanien selbst verarbeitet würde; welches bei der geringen Anzahl der Manufakturen und Fabriken nicht der Fall ^ ^ ^lcht ^ auch wäre, diesen aufzuhclsen, wenn die Regierung ! sich entschließen wollte, Unternehmungen der Art z» unterstützen, und ! vksonders fremde Fabrikanten unter günstigen Bedingungen ins Reich 4v6 Spa zu ziehen. — Bei dem so warmen Himmelsstriche Spaniens gedeihen auch hier die meisten und b.stcii Weine, besonders in Castilien, Valencia, Aragonien und Navarra. Doch sind die meisten Spanischen Weine süß, obgleich in einigen Gegenden, welche ehedem Kaiser Carl V. mit Reben ans den Deutschen Rbeinlanden versorgte, auch Weine von säuerlichem Geschmacke erbaut werden. Die höchst bedeutende Weinausflchre in die meisten fremden Länder und Reiche geschieht, so lange er über Spanisches Gebiet geschafft wird, durch Schläuche, welche, so oft es nötdiq ist. in die Flüsse gelassen werden, um ihn dadurch frisch zu erhalten. Auch das tu Menge aosgefübrte Seesalz macht einen bedeutenden Artikel für Spanien aus. — Sehr wichtig ! aber sind seine Bergwerke, die vor allen Europäischen Reichen hier am reichsten und ergiebigsten sind. Wie viel Gold und Silber ehedem aus Spanien geschleppt wurde, ist bereits erwähnt worden. Ja, es ist gewiß, daß bis zur Entdeckung Amerika's dieses Reich fast ganz Europa mit dem benörvigten Gold und Silber versorgte. Allein seitdem haben die Spanier mit Schonung ihrer Bergwerke, alles Gold «nd Silber aus Chili, Mexico und Peru geholt (man rechnet auf Mill. Piaster, welche Spanien bis. 1740 von dort gezogen hat; ja noch j-tzt soll der Ertrag von den dortigen Bergwerken jähr- ^ lich über 5 Mill, betragen): mithin könnte Spanien einen etwaigen Verlust seiner Amerikanischen Besitzungen wohl dereinst verschmerzen. Eisen aber bricht man beut zu Tage in Spanien beständig und viel. Spanien wird gewöhnlich in 14 Königreiche und diese in zo Provin- j zen eingethcilt. 1) Neu-Castilien mit der Haupt-und Residenzstadt Madrid, der Stadt Loledo, niehrcrn königlichen Lustschlössern u. s. w. 2) Alk»Castilien mit den Städten Bnrgos, Segovia, Avila, dem königlichen Lustschluße St. Jldefonso und dem berühmten Escorial. Z) Leon mit den Stätten Leon, Valadolid, Salamanka. 4) Asturien, Stadr Oviedo, 5) Galicien, Städte St. Jago die Com- postella, Cormina, Ferrol. 6) Estremadura, Städte: Badajoz, Oli- vcnza. 7) Nieder - Andalusien, Städte: Cordvva , Sevilla, Cadff, , Puerld- Real, die den Engländern zugehörige Festung Gibraltar, jj) ^ Granada oder Ober-Andalusien, Städte: Granada, Malaga, y) ^ Murcia, L>tadte: Murcia, Carthagena. 10) Valencia, Städte Valencia, Alicante. 1 t) Catalonicn, Städte: Barcellona, Barcellonet« ta. 12) Aragonien, Stadt Saragossa, ,z. Navarra, Stadt Pampel- lona. 14) Biscaja, Städte: Bilbao, Sk. Sebastian. Hierzu gehören noch die Stadt Antequera mit ihrem Gebicthe, die Balkarischen Insel Majorka mit de.- Stadt Palma und Minorka mit Port Mahon und die Pikhyusischen Jnseln.Jviza und Formenlera. Ein Theil von diesen Provinzen ist gegenwärtig noch im Jnsurrcklionsz'usiand befindlich. Die Svanische Monarchie besaß bisher unermeßliche Colonie- ' länder, deren weiteres Schicksal für jetzt noch nicht bestimmt ist. Zur allgemeinen Uebersicht mögen folgende Angaben Hassels hier Platz haben. In Afrika besaß Spanien die Städte Ceuta, Mcbilla Pen- . non de Nelez, die Kanarischen Inseln, und .g Guinea-Inseln Anno- ! bvn, die Prinzen . Insel Fernando, welche zusammen ,g 6 z Quadrat- ! Spa 407 «eilen Flächeninhalt und 44,000 Menschen halten. I» Asten die Phi» lippinen, Marianen, Karolinen Magindanao, die Bascbee-Inseln, 5^0 O. M. 1,500,000 Einwohner. In Nordamerika Alt und Neu Mexiko samt Californien und Florida, 143,100 Q. M. 6,000,00c» Einwohner. In Westindier» Cuba. Poriorico, einige Jungfern Inseln, L4y8 Q. M. 108,ovo Einwohner. In Südamerika die Vizekönig- reiche Nengranada, Peru und Rio de la Plata mit den Maluinen, 143,942 Q. M. 4,558,000 Einwohner. Zusammen Z>o,7LZ O. M. und 12,606,000 Einwohner. Spaniol, Spanischer röthlichgelber Schnupftabak, wächst ei- gentl. echt auf der Amerikanischen Insel Cuba, und wird in der großen Tabakfabrik zu Sevilla in Spanien verarbeitet. Spanische Fliegen oder Canthariden, sind kleine längliche Käfer, von grüngelbiicher auch röthlicher Farbe und einem gold- ähnlichen Glanze, welche sich auf dem Hollunder» den Pappeln und Rainweiden aufhalten, sich im Junius oder JuliuS zeigen und des Morgens vor Sonnenaufgang von den Bäumen geschüttelt, durch den Dampf von heißem Essig actödkct und an der Sonne oder im Ofen getrocknet werden. Das Blasenpflaster wird aus denselben bereitet. — Spanischer Mantel» eine glockenförmige Maschine von Hslj, deren eng,-er Theil unsanft auf den Schultern ruht, und worin sich r Löcher befinden, die Arme durchzusiecken. Den Spanischen Mantel tragen, war sonst eine Strafe vornähmlich für Hofbediente. — Spanischer Reiter, ein Dalken, der mit 4 bis 5 Fuß langen zuge- spitzten Stäben kreuzweise durchzogen ist, und in der Befcstigüngskunst bei Gräben und andern Stellen als Abwährungsmittel gebraucht wird. Der Spanische Successions- .(Erbfolge-) Krieg. Nach Carls II. von Spanien Tode, den 1. Nov. 1700 (s. d. Art. Spanien), fanden sich folgende Krön - Prätendenten: der König von Frankreich, Ludwig XIV., der Deutsche Kaiser Leopold I. und verjünge. Churprinz von Bayern : dieser letztere hatte zwar die rechtmäßigsten Ansprüche, da er »och dazu durch ein Testament Carls II. zum Nachfolger in allen Spanischen Landern ernannt worden war; sein frühzeitiger Tod aber überließ nun diesen Zankapfel jenen beiden Potentaten, und diezwischen Frankreich und den beiden Seemächten, England und Holland geschloffenen Theilungsverträge verwickelten die Spanische Erbfolge in unabsehbare Schwierigkutcn. Durch Französische Jn- triguen war der schwache Carl II. kurz vor seinem Tode zu einem neuen Testamente überredet worden, in welchem er den Herzog Philipp von Anjou, einen Cnkel Ludwigs XI V., zum Nachfolger in allen seinen Staaten eiftärl hatte. Dieser wurde nun auch nach Carls Tode wirklich in Spanien unter dem Nahmen Philipp V. gekrönt. Unzufrieden damit verbanden sich die Seemächte mildem Deutschen Kaiser, wozu in der Folge noch das Deutsche Reich, der König von Portugal und Herzog von Savoyen kamen, gegen Frankreich, welches an Spanien einen nur schwachen, einen wichkigern Bundesgenossen aber an dem Churfürste,e von Baiern fand. Die Alliirten hatten zwei große Feldherren an dem Prinz Eugen und Herzog von Marlborough, 4°8 Spa welchen Frankreich den nicht Minder berühmten Villars und Vendo me cntgrgenstellte. Der Krieg selbst wurde 170, in Italien eröf. nrt und daselbst mehrere Jahre mit abwechselndem Glücke geführt, bis endlich, die Franzosen 1706 gänzlich aus diesem Lande verdrängt wurden. In Deutschland und in dett Niederlanden zeichnete« sich die ersten Jahre des Krieges durch nichts erhebliches aus; aber 1704 erfolgte die große Niederlage der Franzosen und Daicrn bei Hochstädt. Eben so unglücklich waren die Französischen Waffen 1706 bei Ramillies und I 1708 bei Oudenarde. Durch diese Unfälle und durch den überaushar- - len Winter von 170g bis 1709, dem eine drückende Hungersnot!) folg- , te, wurde Frankreich in seinem Innern erschüttert, und der stolze Ludwig XlV. genöthigr, um Frieden zu bitten, welchen aber die hohen ! Forderungen der Alliirten hinkertrieben. Zu seinem Glücke wurden in England die Whigs durch die TorieS (s. d. Art.) von dem Staatsruder verdrängt, und nach Josephs l. Tode der Erzherzog Earl, Leopolds zweiter Sohn, zum Römischen Kaiser erwählt. Diesir war schon 1704 nach Spanien gegangen, und hatte verschiedene Vortheile über Philipp V. erlangt, die ihm jedoch nachher wieder entrissen wurden. Da er nun die Ocstcrreichischen Staaten geerbt hatte, so wäre es un- ' klug gewesen» ihn auch auf den Spanischen Thron zu sehen. Daher ^ wurden zu Utrecht in den vereinigten Niederlanden Friedensuntcr- handlungen eröffnet, die sich 1715 mit einem förmlichen Frieden endigten, woriy Philipp V., unter Entsagung jeder Vereinigung der Kronen Frankreich und Spanien, als rechtmäßiger König von Spanien anerkannt wurde, und das Haus Oesterreich durch einige Spanische ^ Nebenländer entschädigt werden sollte. Der nunmehrige Kaiser Earl Vl., welcher diesem Frieden nicht bcitrcten wollte, mußte noch allein > den Krieg mit Frankreich sortfetzen; doch schon 1740 schloß er den Rast a d t Badenschen Frieden, worin der Ulrechtcr in den Hauptpunkten zum Grunde gelegt wurde. > Spanisch. Schwarz, eine Mahlerfarbe, welche aus der Kohle des Korks bereitet wird. — Spanische Stiefeln, ein inwendig , mit Kerben und kleinen Zacken versehenes Marterwerkzeug, um die Schienbeine einzuschraubcn; der zweite Grad der (vormahligen) Tortur. — Spanische Wand» eine bewegliche Wand» die aus einem bloß mit Leinwand oder Pspier überzognen Rahmen besteht. — Spanisch Weiß, ein glanzend weißes Schminkpulvcr, besteht aus Wismuth in Schcidewasser" ausgelöst» verdirbt aber die Haut. Spann-Ader, ist eben so viel als Sehne. S. dieses.— Spanndienst, ein Frohndienst mit einem Gespann Pferde. — Spänner, heißen in den Salzwerken mehrere gemeinschaftliche Besitzer einer einzigen Salzkothe, im Gegensatz von Pfänner, d. i. alleiniger Besitzer einer Salzkothe. — Spannkctte heißt die Kette, ^ womit die Leitern eines beladnen Wagens zusammengespannt werden; § desgl. so viel als Hcmmkette. ! 8psrgemenl, (Franz. Lat.) insgem. Sparq em a Ilg, ein ' ausgesprengtes, ausgestreutes Gerücht, ein Gerede. Spargiren, aussprengen, ausstreuen, z. B. ein Gerücht. ' Spa 4oy Spar-Kalk, nennt man aus Gips gebrannten Kalk. — Sparseide, nennen die Schneider seinen Zwirn zur Ersparung der Seide. Sparren, heißen die schrägstehenden, oben in eine Spitze zu? lausenden Bauhölzer, welche das Dach eines Gebäudes bilden. Sparta s. Lacedämon. Der Gladiator Spart acus war aus Thracicn gebürtig, und wurde nach Capua, einer Stadt in Campanien im südlichen Italien, zu einem gewissen Lentulus, der mit Wettkämpfern einen betrach- lichen Handel trieb, als Sclave gebracht. Capua war überhaupt wegen der Fechtschulen berühmt, und lieferte ganze Schaaren solcher Unglücklichen nach Rom, um den dasigen Pöbel durch das barbarische und blutige Schauspiel der Wettkämpfe zu ergötzen. Die Gladiatoren in Capua, die der Tyrannei ihrer Herren überdrüßig waren, machten eine Verschwörung, wodurch sie sich ihrer schändlichen Bestimmung zu entziehen und in Freiheit zu setzen hofften; aber sie wurden verra- thcn, und nur Spartacus nebst acht und siebzig andern , größten Theils Thracrern und Galliern, kamen glücklich davon. Einige Wagen mit Rüstungen, die ihnen in die Hände fielen, verschafften ihnen Waffen, und ihr Wille war nun, unter der Anführuna des Spartacus Italiens Grenzen zu verlassen. Allein sie wurden verfolgt- und entgingen nur durch die größte Tapferkeit der Gefahr, gefangen genommen oder niedergestoßen zu werden. Ihr Sz.g vermehrte ihre Kühnheit und erwarb ihnen einen großen Ruf. Eine Menne unruhiger Einwohner in Campanien gesellte sich zu ihnen, und ihre Anzahl vermehrte sich in kurzen bis auf 70,000 Mann. Man sing an, in Rom Besorgnisse zu fühlen» und traf ernsthafte Gegenansialten; aber Spartacus schlug die Legionen von drei Römischen Feldherren, und machte sich itnmer furchtbarer. Schon hatte der Krieg einige Fahre gedauert, als endlich, im I. 635 nach R. Erb., 72 I. vor Ehr. Geb.» Marcus Crassus das Commandoübernahm, und, nach einigen erlittenen Niederlagen, doch endlich das Heer des Spartakus besiegte. Mann kann aus dem hartnäckigen Wicdcrstande, den dieser Anführer den Römern leistete, sehr leicht schließen, daß keine gemeine Sclaoensecle in ihm wohnte. Vielleicht hätte er den Römern noch mehr zu schaffen gemacht, wenn nicht die Cabalen der Untcrfeld- herren und die Barbarei seines Hcerhauftns seine Pläne vereitelt hätten. Er war edel und großmüthig, ein menschlicher Sieger und ein Feind aller Plünderungen und militairischen Exceffe. Als er sah, daß keine Rettung mehr für ihn übrig war, stürzte er sich unter die Feinde, und kam nach vielen beigebrachten Wunden ums Leben. Spartegras, (Lat. spurium) ist ein auf sandigen Hügeln wachsendes Gras, dessen fadenförmige Blätter in Spanien wie Hans gesponnen und benützt werden. Sparti s. Cadmus. Spasmus, Krampf; spaßmatisch, krampfhaft, auch wider den Krampf dienlich. Spatel, ein eisernes Werkzeug, ei'iiem Grabscheite im Kleinen ähnlich, dessen man sich zum Pflasterstreichen bedient. Desgl. ein ößn Spa Spe liches von Hol;, das Mahler und Buchdrucker bei Vermischung und Bearbeitung ihrer Farbe gebrauchen. — Spaten, Spaden, ein Grabscheit. Spatenrecht, ist in den Marschländern das Deichrecht, die Gerichtsbarkeit,'iber einen oder mehrere Deiche, d. i. Damme. Spaten-Gut, dir zur Unterhaltung der Deiche bestimmte Erde. Der Spath (Mineralogie) heißt eine Gattung von solchen Steinen und metallischen Kalken» welche nicht nur ein blätteriges Gefüge, sondern auch eine dem zwei oder mehrfachen Durchgang ihrer Blätter entsprechende, meist rautenförmige Gestalt der Bruchstücke haben. Vorzüglich nennt man die ungefärbten , gemeiniglich weißen Spatharten ' — Spath, die gefärbten, undurchstchtt'gen hingegen heißen Flüsse. Spatium, (Lat.) daS, der Raum, Zwischenraum. Insbesondre werden die zwischen den 5 Tonlinicn befindlichen Räume Spstis genennt. — In den Buchdruckereien heißen auch die Stiftchcn» mit welchen der Setzer Buchstaben, die nicht unmittelbar auf einander folgen sollen, von einander rückt, Spazien. Spatiös, geräumig, weit. Spätj ahr, "der Herbst. S p a trege n, .heißt im Morgenlan- de derjenige Regen, der kurz vor der Erndte im April zu fallen pflegt, im Gegeniatz des-Früh regens, der zur Saatzeit im October und November fällt. Spscies, (Lat.) die Art im Gegensatz von- 6e„us, (Geschlecht oder Gattung. In der Arzneikunst ist Species die Zuchat oder der Bestandtheil; z. B. trockne Kräuter, Wurzeln, Moose. In der Arithmetik nennt man-so die 4 Hauptrechnungsartcn: .Addition, Subtraction, Multiplication, Diviflvn. Im Münzwescn versteht man unter So sc iss, ein wirklich ausoepragtcs Stück, eine ganze und grobe Münzsorte im Gegensatz vock Scheidemünze und Papiergeld. Daher Speci est Haler, Sp e c i esd u ka ten, d. i. ein wirklich ausgeprägter Thaier oder Dukaten. Erster? pflegt man auch harte Thaler zu nennen, deren Werth 2 fl. oder 1 Rthlr. 8 Gr. ist. — Speci es kscri. (in der Rechrssprache) ist-er Thalbericht, die Darstellung oder Darlegung des Geschehenen. — Specerey, Spczerey. ist Gewürze und gcwürzliche Erzeugnisse des Pflanzenreichs. — Special,' sp c- ciell» besonders, B. auf specielle Verordnung , d. i. auf besondre. Ein Special, ein besonders guter Freund oder Bekannter. — Spe- cialbefehl, ein besondrer, wegen einer Sache eigentlich ertheilter Befehl. — Specialkarte, eine Landkarte , die einen einzelnen Strich Landes ausführlich darstestt, im Gegensatz der Generalkar- t e, die ein ganzes Land im Allgemeinen vorstellt. Specialschulen, heiße» in Frankreich höhere Lehranstalten, unfern Akademieeil ähnlich. Specialverbrechen, nennt man alle diejenigen Vergehungen, die keinen eigenthümlichen Nahmen haben. — Specialin, besondere Umstände. S p e c i a I i 8 8 > m n , die kleinsten , geringsten Umstande; z. B. er hat mir diese Geschichte mitallcu Specinii88imi8 (auch den kleinsten Umstanden oder aufs allergenauesie) erzählt. Specialis» i- in «, ganz besonders. SpsciaIit - r oder in 8 p « cie, besonders, insonderheit, nahmenklich. Speciös, scheinbar, z. B. ein spcciöser Einwurf. — Spccikic?, nahmentlich, stückweise, Stück für Stück. Spe 4»i Spezifisch, eiqenthümlich. Unter der specifischen Schwere versteht man das «erhältniß des Gewichts der Körper gegen den Raum, den sie einnchmen. Ein Körper ist specifisch schwerer, als ein anderer, wenn er unter eben demselben Raume mehr wiegt; j. B Blei ist specifisch schwerer als Zinn, d. h. ein Stück Blei ist schwerer als ein eben so großes Stück Zinn. 8pecikicum, oder ein specifisch es Mittel ist in der Arzneikunde, ein ganz eignes von der Natur für gewisse Krankheiten recht eigentlich angewiesenes Mittel ; z. B. die Chinarinde ist ein fipsciticum oder Französisch: 8peci5iciue (inS- gcm. spezifik) gegen das Fieber. — Speci firire n, einzeln oder nahmentlich angeben oder berechnen. Specisication, die nahment- iiche Angabe, das stückweise Verzeichniß. 8psdmeo, (Lat ) ein Probestück. Bei den Gelehrten: eine Probcschrifk, welche einer nach einer oorgelegten Angabe ausarbeiken muß, um seine Tauglichkeit zu einem gewissen Geschäft zu b. weisen. Speciös, s. unt r 8pecies. Speck-Deich, Speck-Damm, ein erhöhter Fußsteig in einer morastigen Gegend. Speckhaken, ist beim Wallfischfange ein großer Haken an einer Stange, die Stücken Speck des Walisisches damit foetzuschleppcn. Mit einem großen Messer wird der Speck von bcsondern Speckschneidern losgeschuitten, und von txm jüngsten Matrosen, den man Spe ckkönig neu nt, eingepackt. Der Speckstein, auch Spanische Kreide genannt, ist eine Steinart (meistens von weißlicher Farbe, öfters mit dentritischm Zeichnungen), welche sich wie Kreide schoben und schneiden läßt,aber fester und zusammenhängender als diese, und daher durch die Behandlung einen mallen Glanz anzunchmen fähig ist. Der Nähme Speckstein rührt von seiner E-genfchaft her, da er sich wie Speck anfühlt. Schreibt man mir ihm auf Glas oder einen Spiegel, so ist dir Schrift unsichtbar! erscheint aber, so oft man daran haucht. Der vorzüglichste Brflandtheil desselben ist Diktererde; sein Gebrauch sehr eingeschränkt. Die Schneider bedienen sich seiner statt der Kreide,um Linien auf dem Tuche damit zu ziehen. Man verfertigt ferner von ihm die weißen Bleistifte; ist er schön weiß, so bedient man sich sei. ncr zur weißen, und mit Carmi» vermischt zur rochen Schminke, in welchen beisen Fällen er doch unschädlicher ist, als das aus Wismuth verfertigte so genannte Spanische Weiß. Er findet sich hin und wieder in den Gebirge»; doch nicht so häpfig, wie andere Kalk-, Lhon- vder kieselartige Steine. dipectacls, (Franz. Spektakel) das Schauspiel. Desgs. der Lärm, der Auflauf. Spektakel machen. Spetaculiren, lärmen. Spectaculös, schändlich, abscheulich. Speculant, (Lat.) eigeutl. einer, der etwas betrachtet, oder über etwas grübelt. Insbesondere einer, der etwas unternimmt, um dadurch zu gewinnen, wovon aber der AuSgang ungewiß ist, n»d eben sowohl Verlust als Gewinn zur Folge haben kann. Eine solche gewagte, auf muthmaßlichen Gewinn berechnete Unternehmung, dergleichen besonders die Kaufleuke zu machen pflegen , beißt eine Spekulation. — In der Philosophie ist die Sprculation das adgezoge- Li» Spe „k (abstrarke) Denken oder das Streben nach Begriffen von Gegen- ständen, zu welchen man durch keine sinnliche Erfahrung gelange» kann. So liegt z. B. der Zustand des Menschen nach dem Tode im Gebiete der Spekulation, die bisweilen, wenn sie ins Kleinliche fällt, eben soviel ist, als Grüdeley oder Bernünfteley. Spekulativ, außersinnlich. was nicht auf sinnliche Erfahrung gegründet ist, z. B. außerstnnliche Erkenntniß; desgl. denkend oder grübelnd, z. B. ein spekulativer Kopf. — Spekulative Sähe oder Unters» chu», grn werden immer als solche, die keinen Einfluß aufs menschliche Leben haben, den praktischen Wahrheiten entgegengesetzt. — In kauf, männische Bedeutung ist spekulativ unternehmend, wagend. Ein ! spekulativer Handel, rin Handel auf Gewinn und Verlust. ! Speculiren beißt eben sowohl: außersinnlichen Betrachtungen nach. hängen oder grübeln; als auch: Handelsentwürfe machen, kaufmännische Unternehmungen wagen. Spediren, (Jtal.) befördern, versenden; insbesondre: Kauf- mannswaren auf Rechnung andrer empfangen und weiter senden. Der Speditiv ns Han del ist bei den Kaufleuten dasjenige Geschäft, wenn sie Güter, die von einem andern Orte nach einem dritten geben, aber den ihrigen paffiren muffen, in Empfang nehmen, und sowohl für die richtige Ueberlieftrung als Weiterbeförderung und Bezahlung der Fracht, der Zölle und andrer Abgaben sorgen, und für ihre Rühe dem Empfänger etwa» tn Rechnung bringen. So werden z. B. Englische Waren, die ein Leipziger Kaufmann bestellt hat, von Hamburg nach Magdeburg und von da nach Leipzig spedirt. Ein Handelshaus beschäftigt sich mit Speditionen, d. h. mit Güterversrndun- gen für ein andres Handelshaus an ein dritte-. Ein Kaufmann oder Handelshrrr dieser Art heißt ein 8pestit«ur, (Speditöhr). Speer, ist back altdeutsche Wort für Spieß oder Lanze. Speise, f. Glockenspeise. Speis-Opfer, warbst den Juden ein Opfer, welches nicht aus geschlachtetem Vieh, sondern aus Früchten des Gewächsrcichs bestand. Spelt, Spelz, eine Art Weizen, von dem gewöhnlichen dadurch unterschieden, daß allzeit auf einer Sekte d.-e Aehren zwei Körner neben einander stehen; auch Kern oder Dinkel genannt. Spelunke, (Lat.) eine Höhle, z. B. in Bergen un!> Felsen; ein Raubnest. Spencer, Spenzer, (Engl.) ein kurzes Ilebcrziehwamms, oder.Ueberzichjacke, eine Art Ueberrock ohne Schößen, welche Len Nabmen daher hat, weil zuerst der Lord 8p«ocer in England ei» solches Ueberziehwamms auf der Jagd getragen hat. Spende, eine Gabe, insbesondre eine öffentliche Allmosen- austheilung, daher: spendabel, freygebig. (Franz, insgem. Spendahsche) eine Spende oder Schenkung. — Spendi- ren, spenden, austheilen; insbesondre: ein Geschenk machen, um dadurch etwas zu erlangen, oder eben so viel als: bestehen. Edmund Spenser, ein Allvater der Englischen Dichtkunst im »6. Jahrhunderte. Sein eigentliches Geburtsjahr, so wie der Stand feiner Aelteru und fein erster Eintritt in die Welt sind ungewiß. So Spe 4»Z »iel weiß man, daß seine Umstände und Ansichten im Anfänge nicht die besten waren , daß er sich daher auch genothigt sah , die Universität ju Cambridge zu verlassen, und bei einem Freunde in Jorkshire eine lange Zeik zuzubringen. Hier bearbeitete er seinen nachher sehr bekannt gewordenen Schäfercalender. Auf Zureden seiner Freunde ging er endlich nach London, und bemühte sich um eine Dersor. gung. Die Art, wie er hier den Sidnep bekanut wurde, wird s» erzählt: Spenser ließ sich beim Gidnep anmelden, und ihm zugleich einen Gesang aus seinem Gedicht: Die Feenkönigin, das er damahls bearbeitete, überreichen. Einige Stanzen davon setzten den Sidney so in Entzücken, daß er seinem Haushofmeister befahl, dem Überbringer der Verse LO Pfund auszuzahlen; kaum hatte er die folgende Stanze gelesen , als er befahl, die Summe zu verdoppeln. Der darüber in Erstaunen gesetzte und immer noch zögernde Haushofmeister erhielt bald, als Sidney unterdessen noch eine Stanze gelesen hatte, den Befehl, das Geschenk aus 200 Pfund zu erhöhen, jedoch die Summe sogleich zu zahlen, weil er sonst, wenn er weiter läse, in Versuchung gerathen möchte, sein ganzes Vermögen hinzugeben. Und so ward bald Spensers Ruf gegründet: er wur, de bei Hofe bekannt, und von der Königin Elisabeth zum gekrönten Poeten ernannt; doch brachte ihm Anfangs der Lorbeer keine Belohnung: er mußte ohne Pension leben. Der Land-Schatzmeister Burgleigh, der ihm keineswegs geneigt war, wußte ihm immer die Gnadrnbezcugungen der Königin zu entziehe», bis endlich Spenser der Königin einige witzige Zeilen in Form einer Supplik selbst zu überreichen wagte, und dadurch zur wirklichen Perceptio» des ihm schon lange verheißenen Geldes gelangte. Seit der Zeit genoß er auch die Achtung der angesehensten und größten Männer bei Hofe. Bald brauchte man ihn zu auswärtigen Angelegenheiten, und im I. 1580 ward er bei dem Landesdeputirte» von Irland, Lord Gray, Se- cretair. Seine Verdienste, die er sich um dieses Amt erwarb, wurden von der Königin mit Zooo Morgen Landes in der Grafschaft York belohnt. Bei der im I. iLya in Irland ausgebrochencn Revolution wurde er seines ganzen Vermögens durch die Spanier beraubt, und er scheint den letzten Theil seines Lebens in Mangel und Kummer j,in- gebracht zu haben, daS sich 1596 oder izß8 endete. Außer dem oben erwähnten Schäfercalender hat ihm unstreitig sein Gedicht: die Feenkönigin, von dem aber seider nur noch 6 Bücher übrig sind (die andern 6 gingen auf der Flucht bei der vorerwähnten Revolution verloren), den höchsten Ruhm gebracht. Jenes, der Schäfercalender, ist eine Reihe von 12 Cklogen, die gleichsam einen Jahrgang ausma» chm, und wo er sich, nach Pope's Urkheil, dem Theokrit nähert. Man kann sie übrigens als die ersten Idyllen in Englischer Sprache ansehen. Doch sein Genie läßt sich am meisten aus der großen romantischen Epopee: die Fcenkönigin, bcurthcilcn. Reiche Er» ßndung und Mannigfaltigkeit, interessante Charaktere, zauberische Fantasie — alles das hat sehr viel Anziehendes, wenn man gleich auf der andern Seite nicht längen kann, daß hie Sprache nicht die 4 l 4 Spe beste und die allegorische Einkleidung ofk der Schönheit des Gedichts nachtheilig ist. — Sein Leichnahm wurde in der Westmünstcr-Abtei neben Chaucer beigcsetzk. 8 p«rsnr-», (Jtal.) Hoffnung. Sperber, eine Art kleiner Falken, die nur auf kleine Vögel stoßen. Desgl. eine kleine Kanone, die 1/4 bis 1/2 Pfd. Eisen schießt. Spergel, Spark, der Knöke ich, ein treffliches Fultcrkraut in Frankreich und verschiednen Gegenden Deutschlands. 8perm», (Griech Lat.) Same. Daher 8 per ms Oeti, Wallfischsame, d. i. Wallrath, den man irrig für den Samen d-s Wallfisches hält, und der vielmehr eine milchweiße Fettigkeit ist, welche das Gehirn des Pottstschcs umgibt, an der Luft zu einem halb- durchsichtigen Talge verhärtet und zu Arzneyen und Lichtern gebraucht wird. — Spermato logie, die Lehre von dem Samen. 8 p e s succestensti, fLat.) die Hoffnung der Amtssitze. S. cum sp« s. Spesen, (Jkal.) sind beiden Kaufleuten: die Handlungskosten; insbesondre.- die Versenbungskosten oder alle Auslagen bei Wa- renversi-ndungen. Der Spessart ist eine waldige, wenig bevölkerte Gegend an der Grenze des Churrheinischen und Fränkischen Kreises, auf dem linken Ufer des Mains. Hier war es, wo die Landieute im I. «796 zuerst die Waffen ergriffen , um sich gegen die Ausschweifungen des unter Jourdan zurüä'flrehenden Französischen Heeres zu lchüH-n. Auf den »achhcrigen Aufruf des Churfürsten von Mainz zur Rettung des bedrohten Vaterlandes kamen im I. »799 in zwei Tagen diesämml- lichen Einwohner des Sp.ssarts aus 90 Ortschaften zusammen , »nb unter Aldini' s Anführung lhat dirser Landsturm allerdings dem Feinde mächtigen Einhalt. Speyer, ein Bischofthum im Oberrheinischen Kreise, zwischen Pfalz, Baden - Durlach, Nicderelsaß und der Grafschaft Lcinliigrn gelegen, dessen Bischof ehedem unter dem Bischof von Mainz stand. Die Hauptstadt Speyer (Lat. 8pirs, oder auch Augusts Aeme- tum), welche jedoch dem Bischof keineswegs unterworfen, sondern eine freie Reichsstadt war, liegt auf der westlichen Seite des Rheins am Speyerbache, in einer äußerst fruchtbare» Gegend: der Rath und der größte Tbeil der Bürger ist lutherisch. In ältern Zeiten hielten die Kaiser hier viele Reichstage, und auch das kaiserliche Kammerge- richt war bis >639 daselbst. Uebrigens batten die Bürger die Freu heit, daß sie ihre Güter, welche zu Schiffe gingen, an den kaiserlichen Zöllen nicht verzollen, auch keine Accise davon entrichten durften; zugleich genoß die Stadt das Stapelrecht. — Außer Speyer war noch Bruchsal, die Residenz des Bischofs, Rheinzabern und Philippsburg bedeutende Orte des Bischofthums, welches ungefähr 54 Quadratmeilen umfaßte. Speyer ging bei der neuesten Länder-Vertauschung und Veränderung, welche bei Deutschland überhaupt eintrat, zum Theil durch Abtretung des Linken Rheinuftrs verloren» Sph Spk 4'Z und den Ueberrest erhielt Baden. Die ehemahlige Reichsstadt Speyer kam mit dem linken Rheinufer an Frankreich, wo cs nun zum Depart. Donnersberg gehört. Die Sphäre: dies Wort bezeichnet in der Griechischen Sprache überhaupt eine Kugel. In der Astronomie bezeichnet man damit theils das blaue Gewölbe, das uns überhaupt zu umgeben scheint, und welches sich uns als eine Kugel darfiellt, in deren Mittelpunkte daS Auge steht, deren untere Hälfte durch den Horizont» oder vielmehr durch die Erdflache verdeckt wird, und die sich mit allen daran befind- lichrn Gestirnen in 24 Stunden um eine feststehende A-e dreht; theils auch die Nachbildung dieses WeltgcbäudeS im Kleinen, oder das aus lauter Zirkel zusammengesetzte Instrument, woran man stch das Welt- gedäunde vorstellen kann. — Besonders bedient man stch des Nahmen- Sphäre, wenn die verschiedenen Stellungen der Himmelskugel und ihrer Kreise- gegen verschiedene Orte der Erde betrachtet werden. — Figürlich nennt man dann auch Sphäre den Kreis, innerhalb welchem einer bleiben soll: den Wirkungskreis, den Gesichtskreis. So sagt man z. B. in seiner Sphäre bleiben, d. h. in dem seinen Fähigkeiten angemessenen Wirkungskreise bleiben — oder: das ist über meine Sphäre, d. h. über meine Fassungskraft, über meine Fähigkeiten. Die Sphragistik (a. d. Griech): die Kcnntniß von den Siegeln alter Urkunden. Die Sphynx: dieses fabelhafte Ungeheuer aus der Mythologie (die Erzählung davon s. m. in dem Art. Oedipus) wurde von Mah- , lern und Bildhauern bald unter männlicher, bald unter weiblicher Figur am Kopfe und an der Brust, und mit einem Löwenkörper, als ^ Zierrath aus Altären, an den Thüren vor Tempeln und bei Gräbern ^ angebracht. Eine Abbildung davon befindet stch unter den berühmten ^ Denkmählcrn der Egyplier, die noch in der Nähe der bekannten Pyra» ^ miden-Gruppe unweit Kahiro zu sehen, und aus einem einzigen Felsenstück gehauen, >43 Fuß lang und von vorn 62 hoch ist; sie ragt aber > jetzt nur noch 27 Fuß über den Sand hervor. — Heut zu Tage pflegt man fle theils auf Treppen , theils auch an den Pforten großer Gebäude aufzustellen. ! Spiauter, Spialter, eben so viel als Zink S. dieses. ! Lpiccslo, (Jtal. derb und deutlich) heißt in der Tonkunst, wenn man jeden Ton deutlich und bemerkbar aussprechen läßt. 8 pjci>egium,(Lat)das, die Achrenlrse. Uneigenklich die Nachlese, die Nachsammlung gewisser zu irgend einen gelehrten Fache gehöriger Schriften. Spiegelbecken, ein Becken mit ebner Grundfläche. — Unter Spieglfrchterey versteht man Handlungen, die nur zum Scheine geschehen. — Spiegelgarn, Spiegelnetz, s. Pankhere.— Spiegelharz, nennt man das Colofonium, weil es auf dem Bruche eine Spiegelfläche hak. — Spiegelkarpfen, ein Karpfen mit großen glänzenden Schuppen. — Spi e g c l sch i ff, ist der allgemeine Nähme der großen Schiffe mit einem Spiegel, d. i. platten Hinter, tpene. — Spiegelschtmmel, ein Pferd, dessen abwechselnd« duw 4»6 Spi klere und hellere Haare runde Flächen oder Scheiben bilden. — Spier gelspath, Spiegelste in, s. Fraueneis, Selenit. Spiegelteleskop s. Teleskop. Spiegelzimmer, ein Zimmer, dessen Wände mit Spiegeln^ bekleidet sind. Spiel» heißt bei den Soldaten die Trommel, daher die Redensart: mit klingendem Spiele, d i. mit Trommelschlag. Spicl- graf, heißt in einigen Ländern der Vorgesetzte über die Spielleule, Schauspieler u. s, w. So ist z. B. im Oesterreichischen ein Erb Spiel- Graf. — Spielen, von Edelsteinen gebraucht, heißt so vi.-l als: Strahlen von mancherlei Farbe um sich werfen. Spiel-Jacht, ein leichtes'Schiff, welches nur zu Spatzierfahrien gebraucht wird — Spielraum, ist der leere Raum, worin sich etwas bewegen kann; z. 2. beim schweren Geschütz der leere Raum zwischen der Kugel und dem Innern desselben. Speilkarten s. Kartenspiel. Spieße, heißen bei den Jägern die Geweihe des Rehbocks; wie auch der jungen Hirsche, deren Geweihe noch keine Ende haben, daher rin solcher Hirsch Spießer oder Spießhirsch genannt wird. — Epießdaum, ist gleichbedeutend mit Sparren. — Spießbürger, waren ehemahls mit Spießen bewaffnete Bürger; jetzt versteht man darunter geringe, armselige Bürger. — Spießgesell» ein Mit- gehülse besonders zu einer bösen Thal. Das Spießglas, Spießglanz (^otjmdoium) ist ein schwarz schimmerndes» schmutzendes, schweres, aber zartes Mineral ohne Geruch und ohne Geschmack, das unter der Erde als eigentliches Erz, jedoch mit andern Metallen und Vergärten vermischt, gründen wird. Den Nahmen führt es, weil es meisten TheilS nadrlförmige Spitzen, wie Spieße oder Schwcrdter, hat, zugleich aber so spröde ist» daß man cs pülvern kann» im Glühen schmilzt, und sich im Feuer zu einem braunen oder gelben Glase verwandelt. Es wird in verschiedenen Landern, in Böhmen» Sachsen, Siebenbürgen, Ungarn, Frankreich re. angelroffen. Uebcr seine Natur und innern Eigenschaften, so wie über seine Kraft und Wirkung, sind die Meinungen sehr verschieden und widersprechend: Manche haben es ganz herabgewürdigt, Andere — und nahmenklich die Alchymlsten, welche es unter dem Nahmen deS rokhcn oder orientalischen L öwen, des grauen Wolfs rc. verehren — wieder außerordentlich erhoben; indessen wohl auch hier die Mittel- siraße immer der sicherste Weg bleibt, da bei chemischen Operationen und in der Medicin dasselbe auf vielfache Art benutzt werden kann. Mit mchrcrn Metallen verbindet sich das SpießplaS, und macht sie spröde und bleich: Blei und Zinn werden dadurch härter» und jenes liefert eben durch diese Versetzung zu den Buchdruckerschriften eine sehr gute Masse: das Zinn wird einerslarkern Politur fähig. Das Spieß recht war bei den alten Deutschen eine ganz besondere Art von Kriegsgericht, welches im Felde, bei außerordentlichen Fällen, über «inen schweren Verbrecher von dem KriegSoolke gehalten, das Urthel von Geschwornen gefällt und auch sogleich vollzogen wurde: « . Spi 4l/ nähmlich so, daß der Deliquent, zwischen einer Gasse von Kriegsknech. ten hindurch mußte, die ihren langen Spieß dann in ihn stießen, bis er vom Leben zum Tode gebracht war. Heut zu Tage ist natürlich dieses Spießrecht ganz außer gebrauch gekommen; aber wahrscheinlich rührt doch die Art, das Skandrecht zu halten, davvn her (s. den Art' S l a n d r e ch t). j Die Sp i llg e lde r (von dem Worte Spill, so viel als Spindel, der Hauptbeschäftigung der Weiber bei unsern alten Vorfahren) hießen in unserm Deutschen Rechte diejenigen Gelder, über welche die ^ Eheweiber ganz allein und ohne Zuthun ihres ManneS, auch selbst ohne Geschlechts - Vormund , unumschränkt disponiren können. Die No- ! wer wußten nichts davon, und auch bei uns werden sie nicht vorausgesetzt, sondern sie müssen ausdrücklich bedungen werden — das P a- ! lhcngeld der Frau ausgenommen, welches für Spillgeld gerechnet wird. Spillmagen f Schwerdtmagen. Spind, Spinde, heißt in manchen Gegenden so viel alS Schrank. Spinell, ist der Italienische Rahme des violetten Rubins. ! DaS Spinet (Jtal. 8pinetto» Franz, Lüpinette) ist ein Sai- > teninsirumcnt mit metallenen Saiten, welche von der Rechten zur Lin- , ken, folglich dem Griffbxete parallel laufen, und zwar ein-oder zwri- ^ fach: daS ttebrige ist wie bei einem Flügel. Man hat zwei-, vier- ! und achtfüßige Spincts: sie kommen aber überhaupt jetzt nicht mehr häufig vor. 'S pinn-Maschine, ist eine Erfindung der Engländer, mehrere Fäden wollenen oder baumwollenen Garnes zugleich und mit Ei- ! nem Male zu spinnen. Kleinere Maschinen dieser Art, welche von Ei- ! ner Person behandelt werden können» spinnen ungefähr 40 bis 50 Fäden; größere, welche zuweilen durch Wasser getrieben werden, spinnen mehrere hundert. Benedict (eigentlich Baruch) von Spinoza oder Spin osa, > einer der berühmtesten, aber auch berüchtigsten Philosophen des 17. Jahr- ! Hunderts, war zu Amsterdam am 24. November >6g2 geboren » wo sein Vater, ein Portugiesischer Jude, als Handelsmann lebte. Dieser hielt es, bei seinen eingeschränkten Vermögcnsumstanden, für besser, seinen Sohn der Synagoge als der Kaufmannschaft zu widmen, und ließ j ihn daher in der Hebrä'scheu Literatur unterrichte». Schon in seinem fünfzehnten Jahre machte der junge Spinoza seinen Lehrern Ein- würse, die sie, wie er merkte, ihm nicht beantworten konnten, ungeachtet er sich bei ihren Antworten befriedigt stellte. Da es ihm aber letzt, so wie sein ganzes Leben hindurch, darum zu thun war, bei allen seine» Untersuchungen Wahrheit zu finden, die, nach seinem Uctheile, nicht gelehrt, sondern selb st aufgcsuch t werden müßte; so entschloß er sich, dieses ohne Führer zu thun. Er studirte zuerst die Bibel und den Talmud, fand aber in ihnen keine Befriedigung; jedoch hielt er es für gut, seine Gedanken über beide erst reifen zu lassen und Niemanden mitzutheilcn. Er hatte sich durch seinen Fleiß und Conv. Lex. Fünfter Band. D d 4>8 8pi Bescheidenheit die Liebe Morteira's, eines der gelehrtesten Rabbi- neu» erworben, und man sah in ihm schon ein künftiges Mitglied die. ser Klasse, als plötzlich sein Schicksal eine unvermuthcte Wendung nahm. Er hatte einst eine Unterredung mit zweien seiner Glaubensgenossen, die seine Grundsätze auszuforschen suchten, und äußerte sich dabei etwas frcimükhig über die Religion. Zwar brach er bald das Gespräch ab, und da er den schlechten Charakter jener Personen kennen lernte, hob er allen Umgang mit ihnen auf. Allein aus Rache fingen diese nun an, ihn alS einen Gotteslästerer zu verschreien, und klagten ihn endlich gar bei der Synagoge an. Man forderte Spinoza'n vor dieselbe, und da er zu keinem reuigen Bekenntnisse zu bewegen war, so sprach Mor teira selbst, als Obersterder Synagoge , über ihn das Uriheil der Verbannung und Ausstossung aus der jüdischen Gemeine. Spinoza verließ nun das Judenthum ganz, änderte auch deshalb seinen jüdischen Nahmen Baruch in Benedict. Er fand glücklicher Weise eine Freistatt bei, einem Bekannten, einem Arzte zu Amsterdam, van der Enden, der mit vielem Beifalle in der Lateinischen und Griechischen Sprache Unterricht gab, wobei ihn, wenn er abwesend war, seine Tochter unterstützte. Spinoza, der noch in beiden Sprachen ganz Fremdling war, und sich doch den Wissenschaften widmen wollte» erhielt von Enden und seiner Tochter, und zwar seiner Armuth wegen, unentgcldlicheu Unterricht. (Letztere flößte ihm Liebe ein; allein ein anderer junger Mann, , der ebenfalls Enden'S Sprachunterricht genoß, kam ihm zuvor, und erhielt ihre Hand.) Noch verfolgte Spinoza'n die Rache der Rabbinen, die endlich bei dem Magistrat in Amsterdam seine Verbannung aus der Stadt, jedoch nur aufeinigc Monalhe, bewirkten. Spinoza begab sich jetzt nach Ryns- burg (unweit Leyden), um sich ganz dem Studium der Philosophie zu widmen. Da ihm alle frühere philosophische Systeme unzureichend schienen, so fing er an, nach und nach ein eignes auszuarbeiten. So sehr er in Einsamkeit zu leben wünschte, so suchten ihn doch seine Freunde auf, und bewogen ihn, eine Erklärung des damahls berühmten philo- sophischenSystems des Descartcs (s. d. Art.) hcrauszugeben, welche isiÜZ erschien. Ungeachtet dieses Werk, welches die Mängel in Des- cartes Lehrsätzen sichtbar machte, ihm unter dessen Anhängern viele Feinde machte, so breitete sich doch durch dasselbe zugleich sein Ruhm aus, und man gab sich sogar Mühe, ihn für die katholische Kirche zu gewinnen. Ein junger Niederländer, Albert Burgh, der nur erst zu derselben übergetrcten war, suchte ihn hierzu zu bewegen ; allein Spinoza schlug dieses Anerbieten sehr nachdrücklich aus *). Um noch *) Man sehe Spinoza'!- Antwort ans B u rg h' s Brief in K. H.Hey« de »reich's Natnr »nd Gort nach Spinoza, «. B. (Leipz. >8g'-. L-) S. XUV—t-IX. in der Note. — Nach den Grundsätzen, die er in diesem Briese äußert, und besonders nach dem Schluffe desselben, laßt es sich mit Grund vermachen, daß Spinoza auch der Verfasser einer seltenen Schrift; Von dem Rechte geistlich e r P e r so n e n , sey , welche unter dem Nahmen Lucius Au» tistius Consta ns 8- in Lateinischer Sprache erschien, und die ihm mehrere seiner Biographen beilegen. Spl verborgner zu leben, begab er sich nach Voornöurg bei Haag, wählte aber endlich, auf Anrachen seiner Freunde, den letzter«, Ort zu seinem beständige» Aufenthalte. Ungeachtet der häufigen Besuche fremder Gelehrten und selbst mehrerer Großen, ungeachtet seines ausgebrei- telen Briefwechsels und seiner übrigen schriftstellerischen Arbeiten, blieb ihm noch immer Muffe übrig, täglich einige Stunden auf die Verfertigung von Mikroskopen und Teleskopen zu verwenden, in der er sich eine große Fertigkeit erwarb, und man hatte Grund, von ihm auch Entdeckungen für die Optik zu erwarten. Vergebens trug man ihm mehrere Stellen, belonders eine Professur der Philosophie zu Heidelberg an; er schlug sie aus, weil er fürchtete, daß seinen mündlichen B v rt räg en bald Hindernisse in den Weg gelegt werden möchten, und fetzte seine wahrhaft philosophische Lebensweise ungehindert fort. Doch die Schwäche seiner Constitution , seine häufigen Arbeite» und Nachtwachen, zogen ihm bald ein schleichendes Fieber zu, an dem er am 21. Febr. »677 im 45. Lebensjahre starb. <— Man rühmt ihm als Mensch allgemein, und erzählt mehrere Züge seiner Uneigen» nübigkeit, Großmuth und Menschenliebe; man nennt ihn als Philosophen einen tiefsinnigen Kopf; allein man erklärt ihn meisten TheilS für einen GotteSläugner. Gegen diesen Vorwurf hat jedoch Heiden reich in der angeführten Schrift seine Verkheidigung hinlänglich geführt, und überhaupt Spin 0 za ' s System wohl am lichtvollsten und reinsten dargestellt. Nur ist zu bedauern , daß der 2. Band derselben, der eine Widerlegung dieses Systems enthalten sollte, nicht erschienen ist; zumahl da Heyden reich die Lücken, die wegen Spinoza's frühen Abstcrbens in dessen Systems geblieben waren, ergänzt und so die Widerlegung desselben erschwert hat. (Man s. übrigens den Art. Realismus. Spint, ein Getreidemaaß, welches ungefähr r Metze hält. Spinlisiren, grübeln, klauben. Spi on, (Franz, es pi 0 », ESpiong) ein Kundschafter, heimlicher Ausspäher. Spionircn, heimlich spähen oder kundschaften. Spionerey, die Ausspähcrey. Spirabel, (Lat.) verhauchbar, verflicgbar. Spirab ili tä t, die Verfliegbackcil eines Körpers. Spiral-Feder, eine schneckenförmig gewundene Feder, wie z. B. die unter der Unruhe einer Taschenuhr befindliche Feder ist. Die Spirallinie (sonst auch bltzlix genannt) ist eine krumme Linie, die aus einem Punkte in verschiedenen Zügen um sich selbst herumläuft, so daß sie sich imincr mehr und mehr von ihrem Mittelpunkte entfernt. Archimedes hat diese Art Linien zuerst entdeckt, um den Circul dadurch zu quadnren. Spjrsto, (Jtäl.) vorigen Monaths oder Jahres. Spirit c»8o, (Jtal.) in der Musik: mit Geist, Geistreich. Spirit >, 8, (Lat.) der Geist. Desgleichen der Hochmukh , hoch- üiegende Geist, z. B. er hat einen Spiritus Auch: der Geist einer Flüssigkeit, z. B. der Spiritu8. — Spiritus kumilisris, ein ein vertrauter Geist, d. i. ein Schutzgeist oder dienstbarer Geist, de» Dd » 420 Spi Spo einige Schwärmer oder Betrüger (z. B. der Graf Cagliosteo) zu besitzen sich rühmten, und durch dessen Hülfe sie verborgne Dinge zu erfahren, auch wichtige Sachen aussühren zu können Vorgaben. —8 pi- ritus rector, daS Geruchswesen der Pflanzen, der Riechstoff.— 8pirikus viai, Weingeist , d. i. mehrmahls abgezogner und von seinen wäßrigen Thcilen befreiter Branntwein. — 8 p j r 1 t u a l i s, geistliche oder geistige Sachen, Glaubenssachen. — 8 p i r ir u a li rer. geistig, geistigerweise. — Spirituell, spirituös, gesstig, wie auch: geistreich. — Eoncert s pi r itue 11, (Kongflihr spirituell) ist ein geistliches Concert, worin geistliche Musikstücke aufgeführt werden. — Spiritualisiren, vergeistigen, z, B. trockne oder feste Körper zu einer geistigen Flüssigkeit auflösen. Uneigentlich: verständig oder klug machen. — 8piritoso, (Jtal.) in der Tonkunst: geistige feurig, belebt. Spital, eben soviel als Hospital. S. dieses. Spitt, so viel Thonerde, als ein Arbeiter mit dem Spaten auf einmahl absticht. Spitz-Flöten, sind eine Art Flöten in den Orgeln, welche oben offen, jedoch mehr als gewöhnlich zugespitzt sind, und einen sanft ten, aber schneidenden Ton haben. — Spitz-Groschen, sind ehe- mahlige Sächsische Groschen, von dem ausgeprägten Judenkopfe mit sehr spitzigen Hute so genannt. — Spitzsäule, s. Pyramide. Spitzyarse s. Harfe. Die Splanchnologie (a. d. Griech.): die Lehre von den Eingeweide» rhierischcr Körper. 8p Isen, (Engl. Splihn) die Milz. Gewöhnlich: die Milz- suchl, üble Laune, Mißlaune, der Griesgram. 8 p I s o e t ie a, Mil> kel wider die Milzkrankheiten. Sp lene tisch, milzfüchtig. 8pleu6eur, (Franz. Splangdöhr) der Glanz, die Pracht. Splendid, glänzend, prächtig, prachtvoll. Splint, der hellere und weichere Theil des Holzes zwischen der Rinde und dem Kerne. Spolicn, (Lat.) erbeutete Dinge, Beute oder Raub. Desgs. die ritterlichen Insignien oder Ehrenzeichen, als: Schild, Helm, Degen, Handschuhe und Sporen, bei einem Bcerdigungs-odcr andern» Gepränge. — Sp o li en kl a ge, eine gerichtliche Klage über gewaltsame Beraubung, oder eigenmächtige Vertreibung aus dem Besitze riner Sache. Der Beklagte heißt Spoliant, Spolirer, 8poliator; der Kläger: Spoliat. — Spoliren, berauben. Spoliation, Spolirung, die Beraubung, widerrechtliche Verdrängung aus dem Besitze. Der Spon,däns (Dichtkunst) ist ein Sylbenfuß von zwei langen Silben, und dient dazu, dem Verse Mannigfaltigkeit zu geben; daher man nie ein ganzes Silbenmaß von lauter Spvndäen zusammengesetzt findet. Spondiren, (Lat.) gelobe» angcloben. Spongiös, (Lar.) schwammicht. Sponsalie», (Lat. 8pons»lin) das Verlöbniß, die Verlobung , der Ehevertrag. 8pon?«lia clanässünu: heimliche Ehevec Spo Spr 421 sprechungen; sp. pudlics: öffentliche Ekeversprcchuugen. — Spon- sion, dieGelobung, Angelobung. Spons, der Bräutigam. Spvn. se, die Braut.— Sponsoren ist scherzhaft so viel als liebeln. Spontan, (Lar. von spo nie, freiwillig, von freien Siük- ken) freiwillig, wikkührlich. 8poiNaneo co'nles-.io : ein freiwilliges Bekcnntniß. — Spomancirät, diejenige Eigenschaft eineS hon- deliidcn Wesens, vermöge welcher eS den Grund seiner Handlungen i» sich selbst hak, oder fick selbst dazu bestimmt; d. i. die Willkühr oder Selbstbestimmung. Von Handlungen gebraucht ist es dre Eigenschaft derselben , vermöge welcher ste Folgen der freie» Selbstbestimmung des handelnden Wesens sind, d. i. die Willkührlichkeit. kpontoo, (Franz. Epvnglong) eine Art Kurzgewehr der Un- tervfficicre bei dem Fußvolke, in der Form einer halben Pike. Sporadisch, (Lat. griech.) zerstreut; z. B. sporadisch gebaute Dörfer, daS sind solche, wo die Häuser aste einzeln und weit von einander getrennt stehe». Sporadische Volker, sind zerstreute, hernmzichende, heimathlose Hirtenvölker, wie es unter den Arabern und Tatar» gibt. S. Nomaden. Sporco: wenn eine Waren abgewogen wird, so nennt man das Gewicht von derselben entweder allein , oder mit der Emballage, oder mit dem Gefäße» in welchem sie enthalten, zusammen. In diesem Falle heißt daS gefundene Gewicht diporco oder krutio. Wenn es alio heißt: dieses Faß Zucker wiegt diporco rooo Pfund, so will das so viel sagen, alS: cs wiegt mit dem Fasse rooo Pfund. Hat man aber die Ware von der Emballage abgesondert gewogen , so beißt das gefundene Gewicht der Emballage die 1'ar-r, und die Ware an sich allein — das Nettv-Gervrcht. Spurtuln, Sportel», (Lat.) gerichtliche Gebühren, Ge- richtSkosten. Die Sprache: dieses Wort bedenket ,) die Fähigkeit, darch vernähmlicht Töne Andern seine Gedanken mikzutheilen; 2) die ganze Anzahl vernehmlicher Töne oder Laute, durch welche von Menschen, die zu einem Volke gehören. diese Miltheiluiig geschieht. Man lheilt die Sprache» ein: r) in lebende und kodte. To dt heißt eine Sprache, die durch Abgang der Nation, der sie eigenthumlich war, aufgehört hat, Svrache einer ganzen Nation zu seyn, wenn sie auch noch unter gewissen Klassen von Menschen, selbst bei mehrrrn Nationen , im Gebrauche ist; dahin gehören z. B. die Lateinische, die Altgrichische rc. 2) Haupt - *) und Nebc n - S prachen; jene, ') Die Untersuchung. welche die a!t>ste Hanptsprache, mitbin einst die allgemeine und Mutier aller übrigen gewesen sev? hat die gelehrte» beinahe eben so sehr beschäftigt, als die Auffindung einer »euen allgemeinen Sprache, um zwischen allen Völkern des Erdbodens eine allgemeine Mittbeilung zu bewirke». Allein, so wie den historischen Aesulkaien über jene stet-die völlige Gewißheit schien wird, so dürsten der Vollendung dreser beinahe unüberwindliche Schwierigkeiten im Wege stehen. Einer der neueste» Versuche einer solche» allgemeinen Sprache hat e>» Künstler r» Görliy in folgender Schrift geliefert: Versuch einer ganz neue» Eistiidung von Pasixraphre» 422 Spr i die ihre eigne, diese, die ihre Entstehung einer andern Sprache zn danken haben, wie z. B. die Italienische der Lateinischen, die Holländische der Deutschen Sprache, daher man sie auch abgeleitete , Sprachen nennt. Alle Hauplsvrachen nennt man in Europa s) die Altgriechifche, b) Lateinische, c) Alldeutsche und ci) Slavi- schr. — So wie die Sprachen überhaupt sehr verschieden sind, so ist auch jede einzelne Sprache, sowohl i» den verschiedenen Bezirken deS L arides, in dem sie im Gebrauche ist, als auch unter den verschiedene« Ständen der Einwohner, verschie- j den. Es gibt daher mehrere Mn n da rten , d. i. Veränderungen und Abweichungen von der allgemeinen Sprache einer Nation , in den verschiedenen ihr zugehörigen Provinzen. So theilk sich z. B. die Deutsche Sprache in die Hochdeutsche und Plattdeutsche Mundart. Oesters har jede einzelne Provinz, ja wohl ein einzelner Ort, l Aanz eigenthnmliche Worte, oder legt gewiss n in der Landsprachc ge- ! wöhnlichen Wörtern eine» ganz ungewöhnlichen Sin» bei, welche Sprachekgenheiten eines einzelnen Landesbezirkcs oder einzelnen LrteS Provincialausdrücke, Provincialismen, oder auch Idiotismen genannt werden. (So ist z. B, Leipzig und dessen Gegend das Wort: Kothr, statt Schrank, der Meißner Gegend das Wort: werden, statt reisen, provinciell.) Auch eine und dieselbe Sprache wird unter den verschiedenenSkändcn der Nation verschieden behandelt, und es entstehen daher besondere Spracharten. Ihr Unterschied wirb z. B. in der Deutschen Sprache bei dem Gebrauche der Doppellaute an und ei sehr merkbar, indem beide von den ungeb i ld ctcrn Ständen häufig in o und e verwandelt werden. Wenn z. B. der gebildete Mann sagt: eine Kleinigkeit kaufen, so sagt hingegen der ungebildete: ennc Kleenig- kert kosen re. Es ist übrigens das Gebiet einer Sprache nie geschlossen, sondern sie erhält durch Erweiterung der Künste und Wissenschaften, auch selbst durch wichtige politische Epochen*)» stets neuen Zuwachs. Lesters nimmt man auch aus andern Sprachen einzelne .Worte in die Landessprache auf; rin Verfahren, das allerdings Beifall verdient, wenn die letztere dadurch wirklich bereichert wird, und das ausaenominene ei nzel ne Wort in drr Landrssprache rrst durch eine ganze Anzahl von Worten ersetzt werden kann. Bisweilen ist man so glücklich, erst in der Folge ein dem aufgenommenen fremden Worte völlig gleichbedeutendes in der Landessprache tiufzufinden , oder zu bilden, und dann verdient dieses allerdings für jenen den Vorzug. Allein sehr oft täuscht man sich auch, imd das in der Landessprache anfgesundcne oder gebildete ist unverständlich oder doppelsinnig. Man nennt das übertriebene Bestreben oder die Kunst , so zn schreiben n»d zn drucken , dag es r>on allen Nationen in der ganzen Welt in allen Sprachen eben so leicht gelesen werden kan», als die Zahlcharaktere >, z, — verfaß» von Job. Zack. Nälher. Görliy 1805. 8. svergl. Leipz. Litt, Zeit. >806. St. 5z.) *) Dian vergleiche mehrere Artikel dieses Lexierns, z. sB. Cabale, Matador oc. Spr 4 SZ die Landessprache von allen fremden Worten zu reinigen, Purismus, und die Anhänger diese? SistemS — Puristen. Die Sprachlehre (Sprachsünde, Sprachkunst, Grammatik) ist der Inbegriff der Regeln , nach welchen eine Sprache mündlich und schriftlich behandelt wird. — Sie begreift pier Haupttheile: >) die Etymologie (dieWerkabteilung), d. h. die Lehre von Entstehung und Bildung der Worte und ihrer Abstammung vo» einander; 2) den Syntax (Wortfügung), d. h. die Lehre von Verbindung der Worte zu einer zusammenhängenden und verständlichen Rede; z) die Prosodie (Tonkundc), d. h. die Lehre von der richtigen Aussprache der Worte und deren Abmessung zu Bildung des Reimes, oder die Lehre von dem Versedou; 4) die Orthographie (Rechtschreibung) (s. dies. Art.). — So große Verdienste sich die Deutschen Gekehrten, besonders Ad elun g, um die Deutsche Sprachlehre erworben hoben; so ist dieselbe doch noch immer in vielen Stücken unvollkommen und mangelhaft, wozu die im Ganzen noch immer zu sehr vernachlässigte regelmässige Behandlung der Deutschen Sprache, die verschiedenen Meinungen der bessern Deutschen Schriftsteller bei Entscheidung grammatikalischer Streitigkeiten, und selbst die Nachlässigkeiten, de- ren sich klassische Deutsche Schriftsteller in Ansehung der Sprache bisweilen schuldig machen, nicht wenig beitragen. , Daö Sprachrohr (rub» »ien'ores, «curtica) ist ein trichterförmiges Werkzug, das den Schall der menschlichen Stimme, wenn in die kleine Oeffnung gesprochen wird, v.rstärkt, und mit Deutlichkeit die articulirren Töne aus größer? Entfernungen fortführk. Die Erfindung des wirklichen und noch gewöhnlichen Sprachrohrs wird allgemein dem Ritter Samuel Moria nd zugcschriebcn, der dasselbe 1670 in Gestalt einer weiten Trompete zuerst ans Glas, dann auS Kupfer fertigte, und damit i» Gegenwart Königs Earl ll. viele Versuche anstellte. Jetzt noch hat das Sprachrohr die von Mörla ne angegebene trichterförmige Gestalt, an welcher man ohne sonderlichen Erfolg viel hat verbessern wollen. Man hat zwar Verstärkung bervvrgcdracht, aber an Deutlichkeit der arkiculirten Töne, worin die Güte dieses Werkzeugs doch besteht, und die von der Gestalt und Menge der in ihm erlangten Reflexionen mehr als von der Materie abhängt, verloren. Man macht solche »0» Pappe und auch von Blech; und sind sie gleich geformt, so gewähren sie auch gleiche Wirkung. Sprach-Saal, Sprach-Zimmer, ist ein Zimmer in Klöstern , welches zur Unterhaltung fremder Personen mit den Ksoster- leuten bestimmt ist. In den Sprachzimmern der Nonnenklöster finden sich gewöhnlich noch Sprach. Gi kt er, um die Sprechenden von den Klosterjungfrauen z» trennen. — Sprecher heißt in beide» Haufen des Englischen Parlaments derjenige, welcher im Nahmen der übrigen Mitglieder das Wort fuhrt. Jm'Obnhaust bekleidet diese Stelle der Lorl-kanzler oder Grvßstegclbewahrer; im Unterbaust wird der Sprecher von d.n Mitgliedern gewählt und vom Könige bestätigt. Die Sprch Maschine s. Automat. 424 Spr Sta Oke Spree ist ein fischreicher Fluß, welcher kn der Lausitz an der Böhmischen Grenze bei Gcrsdorf entspringt, dann die Ober-und Niedcrlausitz, ingleichen die Mittelmark und Brandenburg durchsirömt, und endlich Spandau gegenüber in die Havel fällt. Bautzen, Sprcm- detg, Lnbbcn und Berlin werden von ihr benetzt, und sie verdient allerdinaS, da sie durch den feit 1^62 angelegten Canal die beiden großen Flüsse, die Oder und Elbe, mit einander vereinigt, und dadurch den Handel zwischen Breslau und Hamburg befördert, einer von den vornehmsten Flüssen Deutschlands genannt zu werden. Sprengel, ein Bezirk, Gebiet,;. B Kirch-Sprengel; d. i. der einem Bischof oder Pfarrer untergebne Bezirk. Spring-Glas, s. Bologneser Flaschen. — Spring- Stöcke, sind kurze krumme Stöcke, welche Polizcidiener (z. B. die Leipziger Häscher) bei einem Auflaufe denjenigen, welche entspringen wollen, dergestalt zwischen die Beine zu werfen wissen , daß sie darüber fallen. — Springer heißtim Schachspiele ein Stein, der ins dritte Feld springt und die Farbe wechselt. Spritz-Kuchen heißen so , weil der Teig durch eine eigne Spritze in das heiße Schmalz getrieben wird. Sprosse n - B i e r, eine Art Bieres, welches aus den Sprossen der Svrossenfichtc gebraut wird, und dem Scharbock widersteht Sprot tau, eine Skadt im Fürstenthum Glogau in Schlesien, mit einer katholischen Kirche und Kloster, einer evangelischen Kirche und Schule und 2000 Einwohnern. Die Sprotte (Llupea iiprsttus, I-inn. km Deutschen auch B rei tli n g genannt) ist eine Art fetter, kleine Häringe, oder Sardellen, welche eigentlich in den nördliche» Meeren, aber auch im mit> tcllandischen sich aufhalten, und geräuchert aus England zu uns gebracht werden ; für viele Leckermäuler geben sie auf dem Roste gebraten , eine große Delikatesse. Spruch-Sprecher, sind in einigen Gegenden allezeit fertige Bersemacher, welche bei Hochzeiten und andern feierliche» Gelegenheiten durch ihre Reimereien zu unterhalten suche». Sprudel s. Prüde l. Sprung-Riemen, ist ein breiter Riemen , der an dem Bauchgurte eines Pferdes befestigt, zwischen den Vorderfchenkclii durchgezogen und an dem Zaume festgemacht wird, damit sie mit dem Kopfe nickt schnellen können. Spühl-Kelch, ist bei den Katholiken ein Kelch mit u»ko»- sccrirteii Weine, womit sich die Kommunikanten das Brod hinuitter- sp,'ihlen. — Spiel-Napf, ein tiefer Napf, um die Tassen darin abzuspi'ihlen. Spuk, Geräusch; desgl. Erscheinung, Gespenst. Spuke», umgeh n, sich als Gespenst hören oder sehen lassen. Spulwurm, ein runder, regenwurmahnlicher Wurm im Darm- kanale des menschlichen Körpers. 8purius, (Lat.) ein unehliches Kind, ei» Bastart. Staar, eine Verdunklung und Unbrauchbarkeit des Auges, bei welcher man den schwarzen und grauen Staar unterscheidet. Der S t a 42L schwarze Staar ist eine Blindheit, welche von einem Fehler der Netzhaut und der Gesichtsnerven abhängt, und bei welcher keine Verdunkelung, wohl aber öfters eine widernatürliche Erweiternng und Trägheit der Pupille z» bemerken ist. Der graue Staar ist e»ne Verdunkelung oder gänzliche Beraubung des GesichlS , welche von einem dunkeln, hinter dem Pupelle aus einer Vertrocknung oder Verhärtung der Feuchtigkeiten im Auge entstandenen Körper herrührt, den man die Staar Linse nennt; Diese Art der Blindheit ist heilbar, jene nicht. ^ Staat, ist eine größere Gesellschaft von Menschen und Bürgern , die durch gleiche Gesetze und Rechte und eine gemeinschaftliche RegierungSvcrfaffung verbunden sind. Staaten, hießen bei der »origen Verfassung von Holland die einzelnen Provinzen, so wie auch die Abgeordneten derselben. Staats» ^ bewind hieß der Holländische Dollzichungsrath. — Staats-Ma- ximen sind Grundsätze, nach welchen der Regent eines Landes und seine Minister bandeln. — Staatsrecht ist derjenige Thcil der , Rechtsgelehrsamkeit, der von der gehörigen Verfassung eines Staates ! und besonders von den gegenseitigen Rechten und Pflichten der Rcgcn- § len und Untcrthanen handelt. — Slaats-Kiatretlo, s. ki- stretro. Staatsbrabant, eine ehm. Provinz deS Königreichs Holland. Stab, ist bei seidncn Zeugen ein Maaßstab von ungefähr L i/ia Leipziger oder 1 H/s Berliner Elle». — Bei einem Regimente versteht man unter dem Stabe die höhcrn Dfficiere, als : der Oberste, Oberst- lientenant, Major, wie auch: der Regimenksquartiermeistcr, Feld- Prediger, Auditeur, RegimcntschirurguS, RegimentStambour rc. S. auch Generalstab. — Stab-Eisen ist der allgemeine Nähme ! alles in Stäbe geschmiedeten Eisens, wofür man auch Stangen- Eisen sagt. — Stab-Gericht war in ältern Zeiten ein mit dem Blutbannr versehenes Gericht; gegenwärtig in einigen Gegenden ein niederes Feld- oder Dorfgericht. Der Präsident oder Vorsitzende Rich- i ter in einem solchen Gerichte fährt den Nahmen Stabhakte r. — Stab Holz, heißt das zu Stäben oder Faßtaubcn bestimmte und schon aus dem Groben bearbeitete Holz. --- Staben, ein veraltetes Wort, welches bedeutet: einen Eid rorsagen oder vorlese». — > Einige neuere Sprachlehrer pflegen auch die Buchstaben Stabe» zu nenne». — Städler hieß ehemahls ein Richter, weil er zum j Zeichen seiner Würde einen Stab bekam. DeSgl. ein Tournicroogk, der mit einem Stabe Anfang und Ende gebot. In einigen Gegenden noch jetzt: ein Handwerksmeister. sisbst msi er, (Lat.) die Mutter stand bei dem Kreuze — ist der Nähme einer Art Passionsmusik, z. B. das 8lsbst msier von kergolesi. Stabil, (Lat.) fest, dauerhaft. Stabilität, die Festigkeit, der Bestand. Slabtliren , befestigen, festfetzen. Stablo, eine oormahls gefürstete Reichs-Abtei in Lüttich, dir >801 an Frankreich kam und zu dem jetzigen Belgien gehört. 8lsaasto, (Jkal. ln der Musik) gestoßen, kurz abgestoßen. G. auch 8piccslo. i 4 -§ Sta Stachel-Biene, nennt man die gemeine Arbeitsbiene, weil sie mit einem Stachel versehen ist. Stadel, heißt in einigen Gegenden so viel al- Schuppen,. Scheune, Vorrathsbaus. (Sradi on) s. am Ende d e s B and es. 8ts6ium, (Lat.) das, war bei den Alten ein Längenmaaß von i2z geometrischen Schritten oder 62Z Fuß, so daß 32 Stadien oder 4000 geometrische Schritte eine deutsche Meile auSmachen. Bei den Wettspielen der Griechen hieß Stsäium die Rennbahn, und daher auch die Laufbahn überhaupt. — Stadien des Lebens, sind Abschnitte oder Stufen deS Lebens. Stadt am Hof, eine Baicrttche Stadt in der Oberpfalz an der Donau mit 1770 Einwohnern. Sie hangt mit Regensburg durch eine steinerne Brücke zusammen. Stadt-Buch, ist ein Buch, in welches die Statuten und Privilegien einer Stadt, wie auch die gerichtlichen Verhandlungen unter öffentlicher Beglaubigung verzeichnet werden. Stadthaus , heißt in einigen Gegenden daS Ralhhaus. — Stadtmeister, der Präsident des Stadtraths. Stadthagen , eine Stadt kn der Grafschaft Schauenburg, dem Grafen von Schauenburg-Lippe gehörig. Stände — sind die Repräsentanten eines Volkes, eines Landes, auch eines OrkeS gegen den Obern. Denn so repräsentieren z. B- die regierenden Fürsten in Deutschland die in ihren Reichslanden lebenden Unterthanen gegen den Kaiser, so lange jener ReichSvcrband bestand, d. h^ bis zum I. 180S; und hießen eben wegen dieses ihnen -usteheridcn RcpräsciikattokiSri'chtes Reichsstände. In gleichem Verhältnisse repräsenkiren aber auch noch gegenwärtig in denjenigen Landen in und außer Deutschland, in welchen der Regent in seinen RcgierungSrechten eingeschränkt ist, Ortsobrigkeiten oder Ortsbesitzer ihre Unterkbanen gegen ibn, zwar nicht immer so, als ob er bloß in ihrem Nahmen bandeln könne; aber doch so, daß er allemahl für sie und zu ihrem Besten handeln müsse. Diese nun nennt man, weil ihr Repräsentationsrecht von minderen Umfange ist, bloß Landstände, z. B. die Sächsischen Landstände u. f. w. Jedes Reich und jedes Land aber, welches dergleichen Stände hat, seht eine Einschränkung in der Ausübung der Regkcrnngs- rcchte voraus. Diese Einschränkung aber kann größer oder minder groß seyn, je nachdem die Fundamcntolvcrträge zwischen dem Regenten und dem Volke sind. In allen Reichen EuropenS aber gibt es dergleichen Fnndamcntalgesetze, entweder ausdrückliche oder stillschweigende, freilich in dem einen mehrere, als in dem andern. Sehr oft aber enthalten diese Grundgesetze solche Einschränkungen für den Odern, wornach die Stände des Landes ihn zu einer sonst willkührltchen Handlung zu vermögen, oder von einer eben massigen Handlung abznziebe» berechtigt sind. Nur sehr wenig Reiche in Europg sind uns bekannt, wo der Obere absolut regieren dürste. So wissen wir aber auch, daß eben diejenigen Rriche und Staaten, in welchen die Stände auf die Ausübung der Regierungsrcchte eine» Sta 427 mäßigen Einfluß haben,-gerade die glücklichsten flnd ; denn auf diese Art werden die Unkerkhanen mit dem Regenten nicht nur auf daengste an einander gekettet, sondern auch das beiderseitige Wohl ganz unzertrennlich in einander vereinigt. Das beste, redendste Beispiel gibt England. Gewiß würde dieses Reich» ohne diesen wohlthä- tigen Einfluß der Stände, nicht zu der gegenwärtigen Höhe gelangt sep». , Stafe , die Hauptstadt von Neu-Grenada im Spanischen.Südamerika, mit 16,000 Einwohnern. Staffel, ein veraltetes und nur noch in der höhern Schreib, art gebräuchliches Wort für Stufe, z. B. eine Ehrenstaffel. Die Staffelei, (Mahlerkunst) ist eine Art Rahmwerk, bestehend aus zwei langen Hölzern vorn, und einem hinten, welches zur Stütze der oordern dient. Die beiden vordern haben mehrere mit einander gleich laufende Löcher, durch welche ein Flock gesteckt wird, um darauf die Tafel oder Leinwand, auf welche das Gcmählde auf» getragen werden soll, zu stellen. Der Makler setzt sich dann davor, indem er an den Daumen der linken Hand die Pall ette (f. dies. Art.), und zwischen dem Daumen und Zeigefinger die Pinsel, mit den übrigen Fingern ober den Mahlerstock hält, welchen er mit dem Ballen an das Gemahlde «nlegt, damit die rechte Hand desto Wer darauf ruhen kann. Skaffettc, (Jtal. eigentlich kleiner Steigbügel) ein außerordentlicher reitender Postbothe^ In Spanien heißt so die gewöhnliche Bricfpost. Staffiren, (Franz.) heißt by den Schneidern: das Frztter vorläufig an den Oberzeug näbm. Bei den Hukmachern: den Hut aufstäarmen, znstntzen, ihn z. D. mit Futter, Knopf, Band u. dgl. versehen. Ein Gemählde ist sta ffi r l, wenn alle zu einer Handlung erforderlichen Figuren gehörig ausgetheilt und angebracht sind. Staf- firmaler ist ein solcher, der Holzwerk anstreicht oder Zimmer auS- malt. 8tnfkort, eine Provinz in England , meist bergig, aber reich an Steinkohlen und Mineralien. Die Einwohner verfertigen besonders Hüte, Luch und irdene Geschirre. Stagniren, (Lat.) stillstehen, stocken. Stagnation, das Stillstehen, z. B. des Blutes; die Stockung der Säfte. Stagira, Stagyrit s. Aristoteles. Das Stahl. C lav i er ist ein Instrument, dessen neuere Erfindung fich zwar (seit 1792) von Träger in Dessau herschreidt, jedoch mit dem Gambe «werk oder Geigenclavccymbel (f. Gambe) sehr viel Ähnlichkeit hak. Es werden nähmlich die Stifte der bekannten Eiscnvioline vermittelst einer Tastatur gespielt, indem sich an jeder Tangente eine kleine Walze befindet, die ein schmales Band gegen den ihm zugehörigen Stift drücken hilft. Das Band wird Mil Geigenharz bestricken, über mehrere Rollen durch ein Fußwerk in Umlauf gebracht, und durch Hülfe eines kleine» Schwungrades in gleicher Bewegung erhalten. Der Umfang des Instruments 4»S Gta Mt z. Oktaven, wie ein k'-Clavicr, die Stimmung aber ist um ei„e Oktave höher. Stahlkugeln werden aus Eisenpfeile und Weinsteinrahmzu medieinifchen Gebrauche verfertigt. Stahlmittel, sind mit Eisen- »heilen versetzte Arzneimittel, deren Anwendung Stahl-Cur heißt. Stähr ist der Nähme dcS Widders oder Schafbocks. Das Stahlspiel (instromsntu 6'accisjo) ist ein Instrument, daS eben so wie daS Glockenspiel (s. den Art. Karillon) beschaffen ist, nur daß statt der Glocken, Stahlstangen angebracht find: man hat sie wohl in Orgeln, als auch besonders für sich als Klavier. Eben so hat man sie auch als Strohs!edel (s. d. Art.), so daß sie mit kleinen Schlägeln gespielt wird. Jacob Stainer, ein sehr berühmter Bogeninstrument-Macher Hu Absom, einem Dörfchen in Tyrol bei Jnspruck, war ein Schüler des berühmten Amati und lebte zu Ende deS >7. Jahrhunderts. Seine Violinen, die sich durch einen vollen und schönen Flötcnton ganz besonders auszeichnen, stehen in einem außerordentlichen Wertbe, um so mehr, da man eine echte und gut erhaltene Geige von seiner Arbeit selten zu sehen bekommt. Staken, heißen in einigen Gegenden die Holzstäbe, um welche bei Lehm-oder Wellerwä.iden das dazu nöthige' Gemisch geschlagen oder geklebt wird. Daber Stakwerk. d. i. ein Flechtwerk um Staken. — Stafetten sind zugespitztes Latten-oder Pfahlwerk, z. B. zu Gartenvcrzäunungen. S t a l a c ti d»Trvvfstein. Wenn Regen-oder anderes Wasser durch einen lockern, talkartigen Boden dringt, so löst es etwas weniges Kalkerde auf, und nimmt es mit sich fort. Wenn dann die Auslösung bis an eine Kluft in der Erde gelangt, so verdunstet das Wässerige, und die aufgelöste Kalkerde vertrocknet und bleibt hangen. Lurch die succeffve Anhäufung von dergleichen Tropfen und die Verdünstung des WafferS entsteht eine Art Stein, meistcntheils von der Gestalten eines umgekehrten Kegels, der bisweilen sonderbare Gestalt annimmt, und eine beträchtliche Größe erhält. Die BalilnaiinS- höhle auf dem Harz ist voll von Stalactide». Stallfütterung, ist die durch die neuere Landwirthschaft eiliges,,hrle beständige Fütterung drö VieheS im Stalle, wo es gar nicht auf die Weide getrieben, sondern nur auf den Hofraum gelassen wird, um Bewegung und frische Luft zu haben. Stambsl, Slambul. ist der Türkische Nähme von C 0 »- stantinopcl (s. dies. Art. an seinem Orte). Stamitz ist für die Freunde der Musik ein nicht unbedeutender Nähme. Der Vater, Johann Stamitz (geb. zu Lenkschdradt in Böhmen) , churfürsil. Pfälzischer Concertmeister zu Manheim (»ms I. 1756) , war originell, kühn und Kraftvoll, und brachte als Stifter der sc> genannten ManheiMer Schule seiner Capelle den Ruhm zuwege, den sie noch bis jetzt behauptet hat. Als Compositeur war er einer der ausgezeichnetesten der damahligen Zeit. Sein älterer Sohn, Carl Stamitz (geb. zu Manheim 1746), widmete sich Anfangs der Violin, wählte aber alsdann dir Bratsche und Viole d'Amour, Sta 4s A besonders seit 1770 kn Paris, zu seinen Lieblingsinstrumenten, und erlangte sowohl als Virtuos auf diesen, als auch besonders durch seine gefälligen Composttionen, die in großer Anzahl gestochen sind, einen entschiedenen Ruf. Er kehrte «78F in sei« Vaterland zurück, ward auch zum Capellmeister des Hohenloher-Schillings-Fürsten ernannt; allein seine Abneigung gegen alle feste Verbindungen ließ ihn stets nur Reisen machen, wo er denn auch in Berlin, Dresden, Leipzig 11. a. a. O. sich hören ließ; bis er denn endlich 1794 in Jena als Con» certmeister bei der Universität angestellt wurde» wo er 1302 starb. —. > Sein jüngerer Bruder, Anton Starnih, hat sich seit langer Zeit schon in Paris als Virtuos auf der Violine und als Compostteuc bekannt gemacht. ! Stamm gut, heißt insgemein ein von einem Geschlecht« er» ^ erbtes Gut, welches unveräußerlich bei demselben bleiben Muß; auch > übkkhaupl jedes von einem gemeinschaftlichen Stamme oder dem Stammvater herrührende Gut. — Stamm-Liste, eine genaue Liste über alle Sfficiere und Gemeine einer Compagnie, mit genauer Bezeichnung dessen, was jeden einzelnen von den übrigen uiiterscheidet. — Stamm-Vieh ist dasjenige, welches bei einem Grundstücke bleiben und mit demselben wieder übergeben werden muß. j 8tamps,8tnmpsts, (Jtal.) gedruckte Sachen.) Stämpel-Amt ist ein solches, wo Waren, Papier, Spielkarten u. dgl. gestämpelk werden. Stämpelschncider ist ein Kunst» ler, welcher das Gepräge zu Münzen und Medaillen in stählerne Stäm- pel schneidet. Starnmpille, (Neulat.) heißt ein Stämpcl, womit man die Nahmenszüge inner die Urkunden drückt, wie z. B. bei Lotterien und andern Expeditionen gebräuchlich ist. ! 8tnnckio, vormahls Cos, rkne von den kleinastatischen In» l sein im Archipel, reich an Orangen, Citronen und Weintrauben. Stand-Geld, heißt das Geld, waS aufMesse» für den Stand auf der Straße oder in Häusern gegeben werden muß; auch Stätte» Geld genannt. — S ta n d q uar t i e r ist der gewöhnliche oder doch längere Aufenthaltsort Ler Soldaten. Die Standarte ist die Fahne, welche die Reiterei führt, i und, wie die Natur der Sache eS lehrt, weit kürzer und schmäler > als die des Fußvolkes. Man leitet den Nahmen, vielleicht niche ganz mit Unrecht, von Stange her, weil an einer solchen das eigentliche Fähnchen (welches öfters von Seide, mit Silber und Gold gestickt, und mit Franzen reich beleht ist) befestigt wird, um von allen zn Pferde gesehen zu werden. — Uebrigens bedeutet bei den SchiffS- leuren daS Wort Standarte auch die Flagge einer Galeere. Das Slandrecht ist ein bei den Soldaten cingeführtes allst rordcnlllchS Kriegsgericht, das besonders im Kriege, auf Märschen rc. über ein auf frischer Lhat entdecktes Verbrechen, das den Geselle» zu Folge Lebensstrafe nach fich zieht, und wo die Sache schlechterdings keinen Verzug leidet, sondern schleunige Er cnlivn zum warnenden Beispiele fordert, sogleich, d. h. binnen 24 Stund,n, und mit Wegfall der gewöhnlichen Formalitäten gehalten wird. Der Ge- HZ« Sta neral, odsr auch der befehlsbabende Offieier, so wie die commandir» len Officiere des Regiments, versammeln sich vor dem Lager in einen Kreis, und eS wird gleichsam stehenden Fußes (daher auch der Nähme) Erkänntniß gehalten, Urtheil gesprochen, und auch sogleich vollzogen. Ist das Regiment auf dem Marsche begriffen, vnd der Körper deS Delinquenten kann vor Sonnenuntergang nicht begrüben werden, so wird ein Zettel, worauf das Verbrechen geschrie- > den steht, auf die Brust deS Gchängtcn geheftet. Die Standrede heißt eigentlich eine kurze Rede, welche nur stehend gehalten wird; meistetitheils versteht man aber diejenige Rede I darunter, welche bei Einfenkung einer Leiche am Grade gehalten wird. Stange, nennt man unter andern an einem Pferdegcbiß zwei gekrürümte Stücken Eisen, welche mit dem einen Ende an das Haupt- j gestell, mit dem andern an den Zügel festgemacht sind, und das Mmldstück, das Kettchen und die Kinnkette zwischen sich haben, da- ! her Stangen-Za um. Der Stangen-Zirkel ist ein Instrument, womit große Zir. kel, oder auch nur Stücke, von ihren Peripherien beschrieben werde». Er besteht aus einer eisernen oder messingenen viereckigen Stange, höchstens vier Fuß lang , an welcher zwei Hülsen, mir Spitzen versehen, befindlich find, wovon die eine sich an der Stange hin - und ^ herschieben, und durch eine Stellschraube befestigen laßt; die andere, meisten Theils am Ende der Stange befindliche Spitze kann durch eine ! in die Stange hincingehende Schraube, wie die Spitze eines Haarzirkels . von der andern nahe und weit gestellt werden. Stan is lail S L es z y n s kt, geb. am »8- April >677, stammte aus einer der ältesten und angesehensten gräflichen Familien Pohlens ab. Nach dem sehr frühzeitigen Lode seines Vaters succcdme er in die Woywodschaft Posen in Großpohlen, erbte auch die meisten seiner übrigen daselbst gelegenen Städte und Güter. Mit seiner Gemahlin, Catharine Gräfin von Opalinska, welche, nur erst 17 Jahre alt, und eine der reichsten und schönsten Damen Pohlens, sich mit ihm in seinem 21. Jahre (1698) vermählte, zeugte er I70Z Marien Cathariuen Sophien Felicitas, nachderige Königin von Frankreich, die Gemahlin Ludwigs XV. Natürlich konnte es einem so vornehmen und reichen Piasten, der eine der vorzüglichsten Woywvdschaften in Großpohlen besaß, und mit den bedeutendsten Häusern Pohlens verwandt war, nicht fehlen, unter den Reichsständen sowohl; als bei der ganzen Nation, sich den größte» Einfluß zu verschaffen, und zu den höchsten und vorzüglichstc» Chargen tn der Republik Pohlen zu gelangen. Sehr natürlich, daß Earl Xll., König von Schwelen, welchem August II. Liefland zu entreiße», und au die Krone Podien »u bringen gedachte, nach der ganz zum Nachthell der combinirtcn Pohlnischen und Sächsischen Armee ausgefallenen Schlacht bei Franenstadk, die Pohliirschcn, mit diesem Kriege höchst unzufriedenen Reichsstände gar bald dahin zu vermögen wußte, August, ihren Köutg, feierlichst abzusctzcn — es war dich ! sogar eine Bedingung, unter welcher ec der Pohinischc» Nation den Frieden zusagke — u„d bei der neuen Königswahl auf den jungen Ela 4 Z» Leszpnski, der ihm durch die bei ihm im größten Ansehen stehenden Häuser, Sapieja und PoniatowSkp, ganz besonders war empfohlen worden, Rücksicht zu nehmen: dieß geschah auch wirklich 1704, wo Stanislaus Leszynski zum Könige von Pohlen gewählt, und als solcher zu Warschau ausgerufen wurde. Zwar wäre Carl» Xll. der Prinz Jacob, ältester Sohn Sobieski's, der sich in dem Türkenkriegc so rühmlich ausgezeichnet hatte (s. Sobies- ki), lieber gewesen; allein weil diesen August, noch vor seiner Absetzung, nach Sachsen zu locken gewußt hatte, und die Reichsstcknde > wohl voraussehen konnten, daß, .falls sie ihn nach Pohlen zur Königswahl cinladen wollten, August ihn nicht aus den Augen lassen würde: so empfahl er, Carl, bei der vorhabenden Königswahl den jun- i gen Leszynski nicht allein den Standen, sondern unterstützte ihn auch hernach als rechtmäßigen König von Pohlen sowohl gegen Au» ! gust, als dessen Alliirte, Rußland und Oesterreich, auS allen Kräften. — Daß Stanislaus sein Reich in Ruhe und mit Zufrieden- ! heit der gesummten Nation regieren würde, ließ sich gleich bei seioer Theo besteiguug nicht erwarten: denn, abgerechnet, daß schon von der Zeit an, als Pohlen ein Wahlreich geworden war, und Könige aus verschiedenen Häusern den Pohlnischen Thron besessen hatten, es > zwischen dieser Nation und ihren Regenten beständige Spaltungen gegeben hatte; so war hauptsächlich hier keine glückliche Regierung vor- I auSzujehen, weil August, „och vor seiner Absetzung, zu Send 0- mir euie sehr mächtige Co,»föderativ» zu Stande zu bringen gewußt halte, welche weder ui seine Absetzung, noch in dir Wahl des neuen Königs willigte, vielmehr, nach überstandener Gefahr, alles und je- des, was durch die zu Warschau bestehende Gegcnconföderativ», deren eigentlicher Urheber Carl XU. war, und die Hauser Sapieja, Poniatowski, OpalinSki u. a. m. an der Seite hatte, uin- stieß und vernichtete. Uederdieß dauerte ja auch der zwischen Carl und August schon bestehende Krieg noch mehrere Jahre fort, an welchem er, Stanislaus, selbst Lheil nehmen mußte. Zwar gclang eS Carln gar bald, den bisher in mehrer» Gegenden Pohlens geführten Krieg »ach Sachsen zu spielen, und August im Jahre 1707 in dem Friedensschlüsse zu Alt-Ranstädt sowohl zur gänzliche» Verzicht- leistung auf die Krone Pohlens, alS zur Anerkennung des neuen Königs zu nöthigen, so, daß ihm damahls nichts mehr als der königliche Titel übrig blieb *). Allein, kaum war Carl mit seiner Armee aus Sachsen, so fing der Lhron des Stanislaus schon an zu wanken; August erklärte gleich den Alt-Ranstädter FriedenSschluß für null und nichtig, indem derselbe durch Gewalt ihm abgenökhigt, hauptsächlich aber von seinen beiden Ministern, In ge »Hof und Pfingsten, welche denselben abgeschlossen halten, ihre Vollmacht Sein ganzer Titel lautete, nach diesem Friedensschlüsse, so- A traust, von GoneS Gnaden, stönig — (aber kein Lund dabei) und Chursürst. Man bat auch noch Münzen, und sogar Groschen, ans diese Art geprägt, aus jenem Zeiträume. 4z 2 Sta überschritten worden wäre. Auch mußte fast zu gleicher Zeit, auf Augusts Betrieb, jene Sendominsche Conföderation wider Carl und Stanislaus stch rege», und alles und jedes, was jener für diesen gethan hatte, vernichten, ja selbst seine Königswahl für ungültig erkläre». Und weil von dieser Zeit an die Schwedischen und Pohlnischen Waffen weniger glücklich waren, und dagegen Rußlands Macht »n der Zwischenzeit, als so lange Carl in Sachsen gewesen war, sich wieder erholt halte: so konnte die in Warschau für den Stanislaus bestehende Gegenconföderalion nur wenig zu seinem ^ 27. Juni alle» Styls Bortheile thun. Endl.ch fiel am z. Juli neu"StylL 1709 die für die Schwedischen Waffen äußerst unglückliche Schlacht bei Pultawa vor, wo alles für Carl XII. verloren ging, aber auch zugleich das ganze Glück des StanistauS dahin sank. — Dieser König, allen möglichen Gefahren jetzt ausgesetzt, mußte endlich, nachdem August wieder in Pohlen cingedrnngen, und Carl XII. in die Türkei nach Bender geflüchtet war, seiner eignen Sicherheit wegen sein Reich verlassen, und zugcben, daß,August II. den Pohlnischcn Thron wieder besteigen, und solchen bis zu seinem im Jahre >/ZZ erfolgten Tode besitzen konnte. Aber nicht nur den königlichen Thron verlor nunmehr der gute Stanislaus durch seine Entfernung, sondern auch sein und seiner Gemahlin bedeutend großes Privakoermögen: denn August zog die fämmklichen LeSzynskischeu und Opa- linskischen Güter ein, und nur erst unter August lll. wurden sie wieder zurückgegeben. Die Flucht dieses unglücklich gewordenen Königs geschah Anfangs nach Zweybrückeu (welches Carln Xll. gehörte, und durch diesen von Schwede» aus regiert wurde), wo er mehrere Jahre mit seiner Familie zubrachte, und von dem Herzogs. Zwepbrücksichen Hause sehr viele ausgezeichnete Freundschaft und königliche Achtling genoß. Endlich aber wendete er sich nach Frankreich, wo Ludwig XV. seine Prinzessin Tochter kennen lernte, und im Jahre r/LL sich mit ihr vermählte. Da während der ganzen Negierung dieses Königs Pohlen in einem beständigen unaufhörlichen Kriege sich befand , so können wir ihn weder unter die guten, noch unter die schlecht.n Regenten dieses Königreichs zählen: denn weder zu guten, noch zu schlechten Handlungen ließen ihm die damahligen Zeitumstände die ihm gebührende Selbstständigkeit. So viel läßt sich übrigens aus seinem Privatleben mit ziemlicher Gewißheit vermuthen, daß, wenn er sein Reich in Ruhe und Frieden hätte regieren können, und nicht ein Spiel der Factionssucht hätte seyn müssen , er, bei seiner unverkennbaren Herzensgute, mehr guter als schlechter Regent gewesen seyn würde. Daß endlich im I. 17ZZ, nach dem Tode Augusts ll., dieser Stanislaus , — d.r während seiner mehrjährigen Entfernung aus Pohlen im Auslande den königlichen Titel fortgeführt, aber auch königliche Ehrenbezeugungen wieder erhalten Hütte, — sich wiederum um seine mit Recht erlangte und hernach entrissene Krone bewarb, war ihm sehr zn verzeihen, so wenig Vergnügen sie ihm auch gewährt hatte, besonders wenn man bedenkt, daß er, einst als einer der ersten Mm Sta 4ZZ gnaten Pohlens , mit den mächtigsten Häusern dieses Reichs verwandt und verschwägert, auf die Nation auch jetzt noch immer den größten Einfluß haben, und durch seinen uunmehrigcn Schwiegersohn, den mächtigen König von Frankreich, desto größer» Nachdruck erhalten mußte. Kurz, Stanislaus gieng, binnen einem halben Jahre nach dem Tode Augusts, nach Pohlen, und wurde, kaum daß er zu Warschau angekommen war, daselbst von dem größten Theile derReichs- siände abermahls zum Könige gewählt, und von dem damahligen Pri- ! mas des Reichs, Theodor Potocki, am 9. Sept. 173z als König ausgerufen. Aber auch jetzt erhielt er das Königreich Pohlen unter nicht minderer Unruhe, undcheine Krone ward ihm jetzt gewiß noch weit drückender, als vorher im I. 1704. Denn kaum war er auf den Thron gelangt, so brach die Gegenpartei öffentlich aus, welche bisher nur im Geheimen wirksam gewesen war. Der einzige Prinz Augusts lt. und damahlige Churfürst von Sachsen, August HI., der schon im I. 1712 wegen der Krone Pohlens zu Rom ins Geheim zur katholischen Religion übergekretcn war, bewarb sich nun öffentlich um den königlichen Thron seines Vaters, und suchte sich zu dem Ende, so gut er konnte, sowohl in Pohlen unter den Reichsständen, als bei den beiden Höfen Oesterreich und Rußland, Anhang zu verschalen. Wirklich glückte ihm dieses: denn nicht nur Kaiser Carl VI., sondern auch Elisabeth , Kaiserin von Rußland, nahmen sich des jungen Churfürsten guf das thätigste an. Jener ließ eine Armee an die Grenzen Pohlens rücken; diese aber ließ mit einer bedeutenden Macht ins Herz des Reichs eindringen, welche den Stanislaus gar bald aus Warschau vertrieb und zur Flucht nach Danzig nöthiate. Der Chursürst selbst aber brach mit einer Armee aus Sachsen bis Pohlen vor, und es ward ihm, unter dem Beistände zweier solcher, in Europa damahls der größten, Mächte, sehr leicht, sein Projekt auf die Pohlnische Krone durchzusetzen: schon am i. Octbr. 1733 — noch war kein voller Monath seit der Wahl des Stanislaus ab, gelaufen — wurde er als König von Pohlen, unter dem Namen August III., öffentlich ausgerufen, und den 17. Jan. 1734, nebst seiner Gemahlin Josepha, zu Cracau gekrönt. — Hätte Stanislaus bei dieser abrrmahligen Krisis «inen Freund, wie vormahls Car ln XII., gefunden, so würde sein Unglück wenigstens nicht in so kurzer Zeit entschieden worden sepn; allein so, fast sich allein über, lassen , blieb ihm nichts übrig, als auf seine persönliche Sicherheit zu denken, welche er in einer geheimen Flucht von Danzig nach Frankreich mit der größten Lebensgefahr zu Wasser suchen mußte. So war alles ihm entgegen. Frankreich schickte den versprochenen Succurs viel zu spät: auch war dieser gegen die beiden combinirten Mächte, Rußland und Sachsen, bei weitem nicht hinlänglich; vielmehr ward die Sache des unglücklichen Stanislaus dadurch schlimmer, und das Schicksal der Stadl Danzig , welche ihn als König erkannte und bei sich aufnahm auch den Französischen Truppen eine vollkommenen Waffenplatz »erstattete, unerträglicher, indem die beiden feindli, chrn Armeen diese Stadt nun feindlich behandelten sie völlig bela- Conv. Leze. Fünfter Band. E e 4Z4 Sla aerten und heftig bestürmten, und am Ende mit Capitulation, in welcher sie den Churfürsten von Sachsen als den alleinigen König von Pohlen anerkennen, und nicht allein an ihn eine große Summe Geldes, sondern auch Rußland eine Million Thaler zahlen mußte, ein nahmen. Dieß war das Schicksal des unglücklichen Königs Stanislaus« Lcszynski , welches, wenn Frankreich ibn gehörig und zu rechter Zeit unterstützt hätte, gewiß erträglicher gewesen seyn würde. Zwar suchte das Jahr darauf, 1735, Ludwig XV. ihn dadurch zu entschädigen, daß er Kaiser Carl VI. und mit ihm das Deutsche Reich in einen sehr harten Krieg verwickelte, woran zugleich Spanien und Sardinien zu Frankreichs Dortheil Theil nehmen mußten; den Grund zu diesem schweren, unglücklichen Kriege aber darin fand, daß Carl Vl. zum Nachtheil seines Schwiegervaters in dem vorherigen Kriege mitgewirkt hatte, und dem Churfürsten von Sachsen bei seinen Bemühungen um die Krone Pohlens beförderlich gewesen war. Und wirklich endigte sich dieser Krieg sowohl zu Frankreichs, als zu deS Stanislaus Vortheil; indem Carl VI. seinen künftigen Schwiegersohn, den Erzherzog Franz Stephan (in der Folge Kaiser Franz I.,) Herzog von Lothringen und Barr zur Abtretung dieser Länder an Frankreich vermögen, und dieser sich dagegen milder Anwartschaft aufdas Groß lhumToskana(welcheserauchi7Z7 erhielt) begnügen mußte. Jenesgeschahl7Z5durchdiesogenanntenWjener -Prä- limina »ien (heißen bloß in Bezug auf Pohlen so, weil der in der Folge zu Warschau geschloffene Pacistcations - Reichstagsschluß darauf gebaut ist, und jene sowohl als dieser das endliche Schicksal des abgesetzten Stanislaus enthalten und bestimmen,) so, daß jene beiden Herzog- thümer, Lothringen und Barr, welche von nun an von de», Deutschen Reich- ganz abhängig waren, an Frankreich, von diesem aber als Entschädigung für Pohlen an den König Stanislaus , mit allen Rechten und mit der vollkommensten Souoerainität, abgetreten werden mußten, und daß mithin diese beiden Länder nur erst nach «des Stanislaus Tode an Frankreich kommen sollten; ferner, das Stanislaus zwar lebenslang sich als einen König von Pohlen geriren könnte, und als solcher geehrt werden sollte, jedoch unter der Bedingung, daß er auf die Regierung Pohlens ewige Verzicht leisten, und den Ehurfursten von Sachsen, August Ikl., als wirklichen regierenden König von Pohlen anerkennen mußte. Alles dieses genehmigten nicht allein Ludwig und Stanislaus bestens, sondern letzterer wiedcrhohlte sogar sein gethanenes Versprechen in dem in der Folge zu Warschau gefaßten sogenannten Pacistcations - Reichstagsschluffe. Von nuu an lebte Stanislaus in der Ruhe eines Weltweisen auf seinem sehr schönen Schlosse zu Lüneville in Lothringen, lebte hier den Wissenschaften, denen er sich ganz widmete, wenn er gleich nicht Gelehrter von Profession seyn wollte. Seine Werke, welche unter dem Titel: Oeuvres clu ?bilc»sopke bieuktisanl (d. i. Stanislaus Leszynski) zu Paris ,763 in 4 B. herausgekommen, zeichnen sich zwar nicht durch großen Scharfsinn aus, wohl aber tra- Sta gen fle das Gepräge des richtigen Verstandes und eines redlichen guten Herzens. — Er erreichte ein sehr hohes Alter , und genoß das seltene Glück. nicht allein seine zwei Nebenbuhler auf den Pphlnischerr Throne, die beiden Auguste , sondern auch alle Verwandte seiner Familie, zu überleben. Aber desto schmerzhafter war endlich die Art seines Todes. Zufälliger Weise sprangen aus dem Kamin, an welchem er saß, einige Funken Feuer, und faßten, ohne das ers bemerkte, seine Kleider, welche anbrannten. Weil nun dieser hohe GrciS, theils vor Schrecken, theils vor Altersschwäche, sich nicht mehr zu helfen vermochte, und seine Dienerschaft nicht so bald zur Hülfe herbeigeeilt war: so mußte er, unter den größten und heftigsten Schmerzen bald darauf sein Leben enden, — Frankreich nahm jetzt vertragsmäßig von Lothringen und Darr sogleich Besitz. Stanislaus August (geb. am 17. Januar 1752,) der älteste Sohn des PohlnischenGrafcn'vo n Poniatowski, genoß nebst seinen zwei Brüdern die trefflichste, zweckmäßigste Erziehung, an welcher der Vater oft selbst sehr thätigen Antheil nahm. Stanislaus August, der, von allem Geräusche entfernt, den Wissenschaften ei, nen ganz besvndern Geschmack abgewonncn hatte, brachte es endlich in denselben so weit, daß er seine beiden Brüder nicht nur übertraf, sondern auch ei» Gelehrter heißen konnte. Und in der That verrathen seine Schriften einen Mann von großen Kenntnissen — einen Mann, der, da er keine Kriegs - und Heldcnthaten aufzuzeigen wußte, gewiß nicht dazu gelangt seyn würde, was er schon nach seinem zurückgelegten zwei und dreißigsten Jahre wurde. — Bis zu dem Vater des Sta- nislaus August hatte die Fa mNie Poniatowski —zwar alt, aber, bei ihren wenigen Besitzungen und geringen Vermögen, ohne großen Einfluß auf die Republik — ihre Subsistenz meist der fürstlichen Familie Sapicja zu verdanken , zog von dieser Pensionen und war bei ihr in Diensten. Endlich aber empfahl der Fürst Sapi, eja den Vater unsers Stanislaus dem Könige von Schweden, Carl XII., welcher diesen jungen Pohlen nach und nach zu einem seiner besten Generals emporhob, der unter ihm in dem Kriege wider August II. diente, und auch endlich nach der unglücklichen Schlacht bei Pultawa 1709 mit ihm in die Türkei ging, nicht nur die ganze Zeit mit ipm daselbst aushielt, und als Gesandten bei der Pforte sich brauchen ließ, sondern auch bis an seinen Tod (in der Schlacht bei Friedrichshall 1718) um ihn war, nachher aber mit seiner Familie sich nach Hamburg und Danzig wendete, wo er mehrere Jahre in der Stille und nur in seiner Familie zubrachte. Kein Wunder, daß nun auch August III. den in Carls XII. Diensten sich so empor geschwungen alten Poniatowski auf seine Seite zu bringen sich bemühte; welches ihm aber doch nicht sogleich gelang, indem dieser, zu gut Freund mit dem abgesetzten Stanislaus LeSzynski, erst nachdem das Haus Sapi eja «egen August III. nachgiebiger geworden, auf seine Seite neigte. Natürlich bekam von nun an das gräflich Poniatowskische Haus Einfluß und Gewicht, und in nicht gar langer Zeit erhielt der Vater die sehr wichtige Stell« eines Ees 4 z 8 Sta Krön» Schatzmeisters, die er bis an feinen Tod >762 zur Zu» friedenheit der ganzen Nation bekleidete. Aber auch sein ältester Sohn, Stanislaus August, als Mann von gutem Herzen, vonKopf und Kenntnissen der Nation schon längst bekannt, fand Gelegenheit, sein Vaterland aus mancherlei Krisen» in welche es mit Rußland da- mahls leider schon zu sehr verwickelt war, eben so glücklich als klug zu reißen, und so wurde nach dem Tode Königs August III. (am 5. Octdr. 17Hz) Stanislaus August— was man gewiß einig« Jahre zuvor nicht ahnden konnte — den 7. Scptbr. 1764 fast einstimmig zum Könige von Pohlen gewählt und gekrönt. Zwar würde seine Wahl entweder gar nicht, oder doch sehr schwer erfolgt seyn, wenn nicht inzwischen der Churfürst von Sachsen, Friedrich Christian, der Sohn Augusts Hl., welcher die Krone Pohlens suchte, gestorben , und dessen Churprinz bei seinem Tode nicht zu jung gewesen wäre: da aber jetzt kein fremder Prinz um die Krone Pohlens sich bewarb, und die Nation wieder einen Piasten auf den Thron wünschte, auch den jungen Stanislaus August fast durchgängig schätzte und liebte, dieser auch von Preußen, hauptsächlich aber von Rußland begünstigt wurde, so geschah denn auch die Wahl fast ohne den geringsten Widerspruch. Dieser Fürst nun — welcher in der Pohlnischen Geschichte Stanislaus ll. August heißt, und für seine Person der edelste, vortrefflichste Herr, gelehrt, arbeitsam, herablassend, gegen Jedermann, ohne Unterschied der Person , gerecht war — würde gewiß mehrere seiner würdigen Vorgänger übertroffen haben, hätte ihm die Nation nur mehr Selbstständigkeit gelassen. Zwar war er wenig Krieger; aber er wußte auch, daß Pohlen jetzt der Ruhe benö- thigt wäre, und daß seiner Nation, bei dem großen Einflusseben die benachbarten Mächten Oesterreich, Preußen und besonders Rußland, aus die Republik und die öffentlichen Geschäffce hatten und bei der allzu großen llederlegenhcit dieser Mächte, Kriege tödtlich werden könn, ten. Natürlich suchte er daher, so gut er konnte, alle Kriege zu vermeiden , und seine ganze Aufmerkscmkeit auf eine gut geordnete Regierung, auf weise und wohlthätige Gesetze und eine gerechte Gerichts- pflrge zu verwenden, um dadurch den mannigfaltigen Gebrechen ab, znhelfen und die Glückseligkeit des ganzen Reichsz» erhöhen. Wie innig betrübte er sich über die große Ungerechtigkeit und eiserne Härte des Adels gegen die D issidenten ! Wie sehr man diese schon seit S i« gismund Hl. von Seiten des katholischen Adels zu drücken versuchte , wie sie ihre Beschwerden auch jetzt wieder vorbrachten, und von auswärtigen Mächten dabei unterstützt wurden, findet man ausführlicher in dem Art. Dissidenten. Und beinahe wäre diese gute, gerechte und zum Theil Gewissenssache zum Vortheil der Dissidenten ausgefallen. Wider alles Vermuthen aber spannen die Bischöfe Soltykvon Cracau, undMasalSky von Wilna, unter dem katholischen Adel zu Bar in Padolieu eine Conföderation an, suchten bei dem Türkischen Kaiser Schutz und Hülfe, und bewogen diesen, Ca th arinen ll. den Krieg, der aber zum Nachcheil der Türken ausstel, anzukündigen. Leider aber ward das Resultat dieses Krieges für Pohlen im I. 1772 eine Teilung, bei welcher 3945 Quadratmeiien von Pohlen abgerissen wurden, Sta 4Z? wovon an Preußen 556, an Oesterreich ,389, und an Rußland 2000 Luadratmeilen ohne Schwerdtstreich kamen. — Durch diese verrruchte Barer Conföderakion hatte der König S tani slaus August bald sein Leben verloren. In der Haupt - und Nest, denjstadt Warschau wurde der Anschlag aus sein Leben gemacht. Eines Abends, als der König nach Hause fuhr, geschah ein Schuß in seinen Wagen Hienein, welcher ihn traf und verwundete, aber nicht tödtete. Weil der Plan der Barer Conföderation gänzlich auf den Untergang des Königs gerichtet war, und sie diesen in Warschau zu verfolgen für zu schwer hielt, so geschah noch in derselben Nacht seine heimliche Entführung aus der Stadt, urp ihn im Geheim nisr- dcn zu können. Allein Einer von den Mtiverschwornen , welchen noch zu rechter Zeit die Reue überfiel, entdeckte die Thar, und man war im Stande nachzusetzen, und den König , der sich schon in eine Mühle geflüchtet hakte, wieder einzuhoicn. Nun war zwar das Leben des Königs gefettet, allein wirklich schien er noch für weit mehr Kränkungen bestimmt zu seyn Durch die erste Theilung Pohlens wuchs nicht nur der Einfluß der benachbarten drei Mächte, sondern auch das Ansehen des Adels, den diese zu erhöhen, und hingegen die Macht des Königs zu schwächen, bemüht warei^ Kurz, der König verlor eigentlich seine Macht, und nur der königliche Titel blieb ihm übrig. Denn auf dem Reichstage 177-; mußten nun ganz nach Rußlands Belieben mit der Pohlnischen Constitution Veränderungen vor« genommen werden» so mußte sich z. B. der König gefallen lassen, daß «hm ein Conseil permanent an die Seite gesetzt wurde, welches von Reichstag« zu Reichstage dauern sollte, und in welchem der König ei, gentlich nichts mehr als Präsident war; ferner sollte künftighin nie wieder ein auswärtiger Prinz auf den Pohlnischen Thron kommen, ja nicht einmahl der Sohn oder Enkelsohn eines abgegangenen Königs mit um die Pohlnische Krone werben können (vielleicht ein Hauptgrund, warum Stanislaus August sich nicht vermählte:) auch wurde auf diesem Reichstage dem Könige das Recht entzogen, die Krön-und andern Aemter, wie bisher, allein und ohne Widerspruch der Stande zu besetzen; das Conseil permanent jollte allcmahl drei Cqndidaten Vorschlägen, und der König einen von diesen wählen; wurden Starosteien oder einzelne Krongüter offen, so mußte er sie von nun an gleich wieder an adeliche Familie» vergeben, damit der König ja nicht etwa einen etwas bedeutenden Privatschatz erhallen sollte. So wenig nun von dieser Zeit an der gute König, der sonach alle Selbstständigkeit verloren hatte, wirken konnte» so verlor er doch nicht ganz den Muth, seiner Nation zu nutzen und sie glücklich zu machen. Er kannte, als Gelehrter, als weiser Regent, den Mangel guter Gesetze, und, um diesem abzuhelfen, übertrug er im Z. 1776 dem damahligrn Krön - Großkanzler, Grafen Andreas Zamoyski, die Verfertigung eines neuen Gesetzbuches. Dieser gelehrte, brave Mann fertigte eines , was seinem Könige sowohl» als dem Auslande —, nur nicht dem allmächtigen Adel gefiel: dieser widersprach, weil darin seine Vorrechte gegen den Bürger - und Bauerstand nicht hinlänglich 438 Sla berücksichtigt worden waren, und diese zwei Stande überhaupt zu menschlich waren behandelt worden. Kurz, dieses vortreffliche Gesetzbuch wurde im 1 .1779 ans dem Reichstage feierlich verworfen. Aber auch dieß war noch nicht die letzte Kränkung für den guten König, noch eine weit größere war ihm bereitet. Beim Ausbruche des letzlern Türkenkrirges gegen Rußland und Lesterreich (1788) fürchtete König Friedrich Wilhelm H. von Preußen, der den unglücklichen Ausgang dieses Krieges für die Türken vvrauss.hen konnte, daß Rußland und Oesterreich ihre Macht dadurch zu sehr vergrößern würben : er suchte daher im I. 1790 Pohlens Allianz gegen diese zwei Mächte auf das angelegenste. Um aber an den Pohlen eine wahre hinlängliche Unterstützung zu finden, war es schlechterdings uölhig, oieseNation vorher anders und bester zu constitutioniren Dieß nun konnte bloß damit geschehen, daß Pohlen aus einem Wahlreichc in ein Erb re ich verwandelt, und ein etwas mächtiger und reicher Fürst gewählt wurde» wozu er in der Person des Churfürsten, jetzt Königs, von Sachsen, den würdigsten und beste» Candida'en zu finden glaubte, zumahl da er die Neigung der Pohlnischen Nation gegen diesen Herrn kannte. Kurz, Fr i edr > ch Wilhelm II. erklärte die Pohlnische Konstitution von. 1775 für null und nichtig, und versprach jede andere Constitution» welche die Nation sich machen würde, zu garantiren. Die Pohlen, jetzt vernünftig genug, und müde jener bei Königswahlen sonst gewöhnlichen Unruhen, vereinigten sich denn wirklich, so, daß am z. Mai 1791 die neue Constitution zu Stande kam, und dem König von Preußen vorgelcgt werden konnte, welche er nicht nur genehmigte, sondern sogar mit den Waffen zu vertheidigen versprach. Gleich darauf rüsten die Pohlen den Churfürsten von Sachsen zum erblichen Könige von Pohlen aus, mit dieser Ausdehnung, daß, im Aalt derselbe ohne männliche Descendenz versterben würbe, die Krone sogar an seine Prinzestin Tochter kommen sollte. Allein Rußland, damit ganz unzufrieden, ließ sich recht gern von Mehrern mißvergnügten Pohlnischen Reichsständcn, die , an ihrer Spitze Potockl, eine Geg nconföderation zu Targvwicz gemacht hatten, zu Hülse rufen. 8 6 verwarf 1792 jene Constisirtion, und ließ zugleich eine Armee von 70,000 Mann in Pohlen einrücken. Auch der König von Preußen hielt das der Pohlnischen Nation gegebene Wort nicht, sondern ließ sich vielmehr die Vorschläge, die Rußland demselben wegen einer ab er ma h l s vorzunehmenden Theilung mit Pohlen that, gefallen, und so mußten denn diese der Gewalt nachgeben. Aufdem Reichstage zu Grodno wurde diese Constitution vernichtet, und Rußland und Preußen schritten zur zweyten Theilung Pohlens. Es erfolgte jedoch eine neus Insurrektion unter Kosciusko , welche in dem Artikel Kosciusko näher erwähnt ist; aber auch diese lief unglücklich ab, und zog endlich die dritte und letzte Theilung Pohlens nach sich, so , daß nunmehr das ganze ehemalige Reich an Rußland, Oesterreich und Preußen kam, und gänzlich aufhörtc, ein Reich ju sepn. ' Was nach dieser letzten Theilung aus dem Könige Stanislaus II. August geworden, wollen wir nur noch mit wenige» Sla 4 Z 9 Worten berühren. Es hatte nchmlich Eatharina lll.» die einst im I. 1794 seine Thronbesteigung so sehr beförderte, jetzt im I. 1794 seine Entthronung beschlossen. Sie ließ ihn daher nach Grodno bringen, nöthigte ihn (am 25 Novbr. 1794) nicht nur den TheilungStractat zu unterschreiben, und in die gänzliche Vernichtung Pohlens zu willigen, sondern auch aller und jeder Rechee auf dieses Reich auf ewig zu entsagen , und die Krone niederzulcarn, auch sogleich als Gefangener nach Petersburg zu gehen, wo er denn endlich am 12. Febr. 1798 in einem Alter von 66 Jahren verstarb. Oeffentliche Nachrichten rühmten damahls das gute und menschenfreundliche Benehmen des Russisch n Hofes gegen diesen unglücklichen König; das mag seyn, gewiß aber würde es edler gewesen seyn, wenn man diesen Fürsten Regierung und Krone gelassen hätte, die er unter allen Königen Pohlens gm ersten verdiente. Ivb» Stanley (grd. zu London 17-2), ein berühmter«ndum so Merkwürdiger Orgelspieler, da er seit seinem dritte» Jahre stockblind war. Dessen ungeachtet erhielt er schon im vierzehnten Jahre die Organisten Stelle an der Andreaskirche zu London, und wurde auch nachher Direclor der königlichen Hvtwnstk, in welcher Qualität er nicht nur viel componirke (er dicrirte dem Nvtisten alle seine Compostlio- neii), sondern auch die Musiken dirigirle. So hat er viele Jahre kiiidurch den Hän d c l scheu Messias jedeSmahl mit einem gro. ßen Orchester und zur allgemeinen Zufriedenheit aufgeführt. Auch sein Gedächlniß war höchst bewunderswürdlg , indem er nicht nur alles, was Händel gemacht hatte, auswendig spielte, sondern auch sogar die Nummern und den Band anzugcben wußte, wo es befindlich war. — Er starb allgemein betrauert, zu London 1786. Stanniol (Zinnfolie) nennt man dünn geschlagene Blättchen aus Zinn -, welche zum Belege» unter die Spiegel gebraucht werden. Man färbt sie auch auf mehrere Arten: grün, roth, blau: und dann werden sie zu Verzierungen gebraucht. Aus der Art, wie diese Arbeit gefertigt wird, macht man ein Geheimniß; indessen ist so vief gewiß , daß man ganz feines Englisches Zinn dazu nimmt, weil jedes andere zu spröde seyn und das Ziehen und Strecken daS dabei nörhig ist, nicht aushalteu würde. Auch gibt es der Staniol- sch läger sehr wenige. 8 ravte pecie, (Lat.) stehendes Fußes, d. i. auf der Stelle. — 8«anti, (Jtal.) instehcnden, nähmlich TageS oder MonathS. — Slantirt heißt bei einem Gemählde: gezwungen oder ängstlich gemahlt. Die Stanze. Das Wort stanra (a. d. Jtal.) heißt eigentlich eine Wohnung, dann der Aufenthalt — der Stand. Vo» der letzter» Bedeutung rührt nun wahrscheinlich auch in der Poesie die Benennung lür, womit die Zusammenstellung mehrerer Reime, die immer wiederkehren, bezeichnet wird; und zwar braucht man den Ausdruck besonders bei Strophen, welche sehr musikalisch sind. Eine ganz vorzügliche Gattung davon ist 'die sogenannte Ottavarima, welche die Italiener zu ihren heroischen Gedichten brauchen, und wo alle- 44» Sta mahl drei weibliche Reime in eilssylbigen Versen abwechselnd wieder- kehren, und am Ende ebenfalls ein weibliches Distichon steht, wo der Sinn sich jedesmahl schließt. Stapel beißt der Platz an großen Flüssen und in großen Seehäfen, wo sowohl neue Schiffe gebaut, als auch die alten ausgedes- fert und kalfatert werden: daher heißt denn auch ein Schiff vom Stapel laufen lassen so viel, als: ein neugcbautcS (oderauch ausgebefferteS) Schiff aus der Werkstatt, wo daran gearbeitet worden — und zwar auf untergelegten Rollen oder Walzen — in das ! Wasser gehen lassen : gemeiniglich geschieht dieß bei neuerbanten Schiffen unter großen Ceremonien. Auch bezeichnet man mit dem Worte Stapel — Stapelstadt — einen Hafen, wo entweder vielerlei fremde Waren im Ueberfluß vorhanden sind, oder wo sich eine Niederlage für die daselbst abzuladenden und weiter zu verführenden Waren befindet. Eben daher schreibt fich auch das Stappel-Rechk — die Stapel-Gerechtigkeit, Stapel-Freiheit — welches das Recht bedeutet, das einem an einem schiffbaren Flusse oder an einer ordentlichen Landstraße liegenden Orte zu- steht, daß die zu Schiffe oder auf der Achse dahin gebrachten Waren nicht gerade durch oder vorbei geführt werden dürfen, sondern erst entweder daselbst abgelegt, oder eine Zeit lang zum öffentlichen Verkauf ausgeboten werden müssen, ehe man sie weiter führt. Unstreitig stand dieses Recht Anfangs bloß den Seestädten zu; allein es wurde nachher, zum Besten einzelner Provinzen und Städte, auch auf Städte des festen Landes ausgedehnt: es erstreckt sich auch nicht immer auf alle, sondern nur auf gewisse Güter und Waren — Stapelgüter, Stapelwaren — welche gewöhnlich in den Urkunden, die einer solchen Stadt ertheilt worden, benannt sind. Es ist nun ein solches Stapel- recht entweder ganz unumschränkt, wenn es sich auf alle Waren und alte Zeiten ohne Ausnahme erstreckt; oder ein eigentliches, das nicht bloß die Abladung, sondern auch wirkliche Feilbietung der Güter in , sich begreift; ferner ein unvollkommenes, uneigentliches oder beschränktes, wenn es sich nicht auf alle, sondern nur auf gewisse Güter, oder auch nur auf die Abwägung derselben, aber nicht auf ihre Niederlage und Feilbietung bezieht. — Die Zeit, wie lange stapelmäßige Waren liegen bleiben müssen, ist ebenfalls verschieden, und der Fuhrmann oder Schiffer muß sich genau nach des Ortes Stapelgerechtigkeit, und wie lange er Stapel halten muß, erkundigen. Daß übrigens eine solche Stapelstadt, welche nur durch Verjährung» , oder durch besondere Privilegien — wie z. B. Leipzig vom Kaiser Maximilian, Carl V. und Leopold erhalten hat, und sich in einem Umkreise von 15 Meilen erstreckt — oder durch besondere Ileber- einkunft ein dergleichen Recht sich anmaßen darf, auch für die zur Aufbewahrung oder Feilbietung erforderlichen Gebäude sorgen muß, ver- ^ steht sich schon von selbst. Dagegen dürfen auch die Kauf -, Schiff- j oder Fuhrleute bei nahmhafter Strafe keineswegs den Umkreis einer ! Stapelstadt umfahren, sondern müssen genau die nach derselben führen- - de Landstraße halten; auch die Waren innerhalb der Ringmauern ab- Sta 44 r laden, und sie binnen der gesetzten Zeit feilbieten, nach deren Der- fluß fie (unter Entrichtung eines gewissen Zolls) wieder abfahren können. Stargard, eine sehr ansehnliche Stadt in Hinterpommern, wo in 1028 Häusern 9500 Menschen wohnen, von welchen das Militair über rin Drittel ausmacht. Es ist daselbst ein Lottegium »Uurtre und eine Realschule. Star 0 sten heißen eigentlich Aeltestc. In Pohlen werde» die ! Vorsteher der Star 0 steien so genannt, d. b. gewisser Distrikte, Gr- biete oder kleiner Statthalterschaften, welche einen Tdeil der Güter ausmachen , die ehedem dem Könige von Pohlen gehörten: dieser überließ sie freiwillig den Edelleuten , um die Kosten ;u den Heereszügen zu erleichtern , und behielt sich bloß das Recht vor, die Starosteien zu er- 1 theilen, und eine Auflage — welches der vierte Theil der Einkünfte war — zu beziehen. Der Starost von Sam 0 gitien war der bedeutendste und vornehmste, indem er zugleich die Ehre hatte, Senator zu seyn. Er wurde von dem Adel gewählt, und vom Könige bestätigt; die Würde behielt er Zeitlebens. Starrsucht, ist eine Art Lähmung, wo eines oder mehrere Mieder starr und unbiegsam werden. St ater, (Griech.) der, eine ehemahliqe Römische und nachher auch Jüdische Silbermünze, soviel als Seckel oder Silberling. S. dieses. Statik ist die Lehre vom Gleichgewicht und der Schwere, besonders der festen Körper: sie handelt hauptsächlich von dem Mittelpunkt der Schwere, dem wagerechten Stande der schweren Körper, und den Bedingungen, unter welchen ein schwerer Körper in Ruhe bleibt. Den Grund zu dieser Wissenschaft hat Archimed gelegt (s. dies. Art.). Die Lehre vom Gleichgewicht der flüssigen tropfbaren Äörper gehört in die Hydrostati k, und die von den flüssigen elastischen in die Aer 0- ^ metrie oder Aerostatik (s, dies. Art.) Station, der Standort, wo z. B. die Pferde gewechselt werden. Weil bei öffentlichen Posten der Pferdewechsel alle 2 bis z Mellen geschieht, so pflegt man unter Station auch ein Wegmaaß von dieser Länge zu denken. Dann heißt auch Sation die Stelle, das Amt, die Bedienung, z. B. er hat eine gute Station. Die Stationen des Lebens, sind die Abschnitte desselben, als: Kindheit, Jugend , männliches Alter u. s. w. Bei den Katholiken sind Stati- ^ onen gewisse Betgänge in den Kirchen, wo man stillsteht und verweilt, um daselbst Gebete zu verrichten; desgl. Vorstellungen von der Leidensgeschichte Fesu, bei welchen man betet. — Stationär ist überhaupt derjenige, welcher angewiesen ist, sich an einem gewissen Orte und zu einem bestimmten Behufe auszuhalten. Bei den alten Römern führte insbesondere diesen Nahmen ein Beamter zur Aufsicht über die Handlungen andrer Personen. So hießen auch diejenigen ersten Christen , welche bei den Gräbern der Märtyrer» besonders Sonntags standen und beteten. Stationäre; welchen Nahmen man noch jetzt bei de» Katholiken denjenigen gibt, welche Stakionen machen oder stationi- 442 S t a ren, d. i. brr einem Bilde stillstehen und beten. Sonst heißt statio- niren überhaupt: seinen Stand oder Posten haben. In den ältrrn Zeiten nennte man gewisse Schwärmerund Andächtler, welche, um ihr Fleisch zu kreuzigen, im Freyen beständig auf einer Säule standen. Stationirer. Sie hießen auch Styliten oder Säulenhei- lige, zu welchen besonders der heilige Simon gehört, der rn.hrere Jahre in dieser unbequemen Lage zugcbracht haben soll. — Späterhin verstand man unter Statronrrern katholische Geistliche, welchem den Ländern herumzogen, Ablaß ertheiltcn und dagegen Beiträge zur i Erbauung neuer Kirchen »c. sammelten. — Statisten sind auf dem Theater diejenigen, welche eine stumme Rolle haben, z. B. Soldaten, Volk re. — Staruiren, festsitzen, annehmen, behaupten, z. !?. er statuirt die Seelrnwanderung. DeSgl. zugeben, erlauben, z. K. man kann solche Unordnungen durchaus nicht siatuiren. Auch: auf- ^ stellen, z. B. ein Exempel siatuiren, d. i. zur Warnung aufstellen. Die Statistik — Staatskunde — heißt die wissenschaftlich geordnete Darstellung von der poetischen, geistlichen, gelehrten und bürgerlichen Verfassung und Beschaffenheit der Staaten. DaS Stativ heißt kn der Feldmeßknnst dasjenige Gestell, worauf beim Feldmessc» die geometrischen Instrumente ruhen: eS besieht aus drei Theilen, wovon der untere meistens drei Stäbe oder Füße hat, welche unten an den Enden mit spitzigen eisernen Schüben beschlagen find, oben aber ein Loch haben, wodurch die Schraube gesteckt , und jeder Stab an den Mittlern Theil drS Stativs — welcher «in förmlich gedrehtes Holz, das an dem untern End» ein gleichseitiges dreieckiges Prisma bildet — befestigt werden kann. Der Nutzen dieser Stäbe ist sehr groß, indem man daS Instrument darauffesisiel- lcn und zugleich in hohen, tiefen, anch ungleichen Orten erhöhen und erniedrigen kann, indem man die Füße (welche, so lange sie noch nicht fest angeschraubt sind, sich um ihre Schrauben wenden und drehen lassen) enge ober weit aus einander stellt. Der dritte Theil (der ebedk« aus zwei verschiedenen Gewinden zur Bewegung des darauf gestellt!» Instrument- bestand) macht die Nuß mit ihrer doppelten Hülse aus, welche gleich an das Instrument befestigt wird, welches man beim Gebrauch mit der untern Hülse auf das Sta-.iv stecken, und mittelst der Stellschraube fest machen kann. Statthalter heißt diejenige höchste obrigkeitliche Person, der in einem gewissen Landesbezirk die Regierung und die Stelle des Landesherr» übertragen ist. Statthalter kommen gemeiniglich in denjenigen Landen vor, deren Größe oder geographische Lage dem Regenten die unmittelbare Regierung nicht erlaubt. So hielten die Römer in den eroberten Provinzen ihres großen Reichs ihre Statthalter. Auch Rußland ist durchgchends in Statthalterschaften oder Gouvernements abgclheilt, und jedes einzelne einem besondern Gouverneur oder Statthalter übrrtragen. Die Rechte eines Statthalters sind nicht überall von gleichem Umfange, und entweder durch Gesetze, oder durch den besondern Wille» deS Regenten bestimmt. Die wichtigste Statthalter- ^ schüft,war wohl unstreitig die über Holla n d, oder die vereinigten ! S t a 44z Niederlande, die im Jahr ,747 sogar erblich wurde. (S. den Art. vereinigte Niederlande). Statue nennt man eine in Erz gegossene, oder kn Marmor, Stein oder Holz gehauene Figur. Da das Wort vom Lateinischen stare herkömmt, so sollten nur gerade Figuren Statuen genannt werden, sitzende und liegende aber?>en Nahmen Figuren behalten , welchen Nahmen man nur d men Kunstwerken beilegt, welche in halb natürlicher Proportion in>d unter derselben sind. Figuren über die natürliche Proportion, ja die größten Colosse, heißen immer noch Statuen. — Der beste Gebrauch, den man von Statuen machen kann, ist wohl der zu öffentlichen Verehrung großer Verdienste: es ist alsdann nicht bloßes Denkmahl, sondern es bewirkt auch zugleich hohe Gedanken und Empfindungen; es muß daher eine solche Statüe an öffentlichen Orten — vor den Augen der Menschen — auf einem genugsam erhabenen Postament stehen» und eine verhältnißmäßige Größe haben. Was de» Charakter dcr Statüe anlangt, so muß sie Gestalt und Gcsichtsbildung der Person zwar vorstcllcn; aber hauptsächlich den Hauptzug ausdrücken, wodurch die zu ehrende Person die hohen Verdienste erworben hat. Es ist daher auch eine vollkommene Statue das höchste Wer? des Genies und der Kunst; und nur ein Phidias konnte darum bei den Griechen eine so Hobe und allgemeine Bewunderung verdienen. In unfern Zeiten trifft man, leider! selten etwas, das den guten Statuen der Alten könnte an die Seite gesetzt werden. Status, (Lati) der Stand, Zustand desgk. der Staat, z. B. rin status io statu, ein Staat im Staate, d. i. wenn ein Theil dcr Mitbürger desselben eine gewissermaßen für sich bestehende und unabhängige Gewalt bildet, dergl. die katholische Hierarchie sonst war und zum Theil noch ist. — Status activus und passivus, ist ein Zustand des Vermögens sowohl in Absicht der Activ-alS Pas- sivschttlden. S-dieses. Status causa», der Zustand oder die Beschaffenheit einer Sache. Status eontroversias, die Beschaffenheit einer Streitsache, die Streitfrage, der Streitpunkt. 8ta tus Uli possiäetis, heißt z. B. bei Friedensschlüssen der Stand, in welchem jeder behält, was er so eben besitzt. Status quo, der vorige Zustand, oder derjenige, welcher statt fand, ehe dcr Streit eintrat. S. in statu. Das Statut (a. d. L -t- heißt dasjenige Gesetz: welches ein Ort, oder eine bürgerliche Gesellschaft sich selbst zur Beobachtung vor- geschriebcn bat. Besonders gehören hierher die Standrcchte oder Statuten einer Stadt, auch Willkühr genannt. Dies Befugniß, sich selbst Stadtrechte zu machen, gehörte schon in den älteste» Zeiten zu den besonder» Gerechtigkeiten der Städte. — Das älteste deutsche Stadtrecht, welches man kennt, ist das Soestische, weiches schon zu Anfänge des 12. Jahrhunderts in lateinischer Sprache gemacht wurde. Dergleichen Statute bestimmen öfters gewisse einzelne Rechte, >» wie fern sie von dem gewöhnlichen abgehen (z. B. die Leipziger Sta- tnten in Ansehung der Ger a de —- s. d. Art) und sie verlieren, wenn sie vom Landesherr» bestätiget worden sind, auch keincsiveges ihre ver- 444 S l a bindliche Kraft durch? neuere enkgegenstehende Landesgesetzte, wen» nicht etwa diese ganz ausdrücklich da- Statut aufheben. Daher heißt auch Statutarisch dasjenige, waS zu Folge der Statuten eines Orts gefch-oder verordnung-mäßig ist, oder einem gebührt und zu. kommt, z. B. die statutarische Portion, d. h. ein gewisser durch Statuten bestimmter Trbtheil, den eine Wittwe von des Mannes Derlaffenschaft enthält. Staubbach, ist ein berühmter Wasserfall bei dem Dorfe Lau- j terbrunn im Schweizer -Canton Bern, wo der Rhein über einen 1100 Schuh kohen Felsen senkrecht herunterfällt, und wie Staub verfliegt. Staubweg, nennt man diejenigen Theile der weiblichen Blu- menblütbe, welche den Blumenstand empfangen und dadurch befruchtet werden. S. auch Pistill. j Stauden-Koru, Stauden-Gerste, eine Art Somnicr- korn oder Sommergerste, welche sich in schwerem und seichtem Boden seht bestaubet oder mehrere Halmen treibt. St. Augustin, die Hauptstadt in Florida. (S. diese-. Staupbesen, eine schimpfliche, in den mehrstcn Ländern abgeschaffte Strafe, wo der Verbrecher mit einer großen Ruthe von dem Henker zur Stadt hinaus gepeitscht ward. Stauropboren, (Griech.) heißen die Kreuzträger bei den Processtonen der Katholiken. Staurophylaz- hieß sonst der Patriarch an der Kirche zu Jerusalem, welcher die Stücken vom Kreuze Christi aufbewahrte. 8t. (Sancl) Barthelemi, eine schwedische Jnschel, sehr bergig und trocken, die nichts als Baumwolle hervorbringt und voiiAoo» Mensche», bewohnt wird. St. Bernhard, auch der große Bernhard genannt, ist ein Hobe- Gebirge, über welche- der Weg au- dem Walliferlandc nach Italien führt. Man muß z Tage klettern, ehe man den Gipfel dieses Berge- erreichen kann. Oben liegt die Abtei St. Bernhard, worin alle Reisende z Tage frei bewirthet werden. 8t. krieux, (Sengt Briöh) die Hauptstadt des Französischen Departements der Nvrdküflen, (vormahls Oberbretagne) treibt Seehand el. 8t, <üst Karins, eine Insel an der südlichen Küste de-Portugiesischen Südamerika, die ihrer außerordentlichen Fruchtbarkeit und ihre- ewigen Frühling- ungeachtet fast nur allein zum Cochcnilleba» , benützt wird. St. Christoph, eine den Engländern gehörige Insel unter den Antillen, s. diese) überaus reich an Produkten, besonders an Zucker. Es leben auf derselben zooo freie Einwohner und 27000 Sklaven. 81. Llou 6 , (Franz. Sengt Kluh) ein großer Pallast nebst einem Thiergarten unweit Versailles; der Wohnsitz des Französische» Kaisers. 8 r. 6 roix, (Sengt Kroa) St. Thomas und St. Jan find drei Dänische Inseln unter den kleinern Antillen. Sie liefern Baumwol' Sie -L4L tt, Zucker und Cacao. Die Einwohner bestehen in 2Loo Weißen und «ooo» Sklaven. 8t. Osvicks, ein beträchtlicher Ort am GeorgSkanal in Eng. land. 8t. venir, (Franz. Söngt Denih) eine Stadt 2 Stunden von Paris, war vor der Revolution sehr berühmt, weil in der grossen uni» schönen Kirche der dafigen Benedictinerabtei die zur königlichen Krönung gehörigen Kostbarkeiten aufdcwahrt wurden, auch daselbst die Begräbnisse vieler Französischen Könige und ihrer Familien waren. Im Jahre 179c» wurden alle diese Herrlichkeiten von der Freiheirswuthi zerstört. Steatit, (Griech.) der Speckstein. Steckenpferd, heißt oft uneigentlich der Lieblingsgegenstand, mit dem sich Jemand beschäftigt; z. B. die Botanik ist fein Stecken- Pferd. DieSteganographie oderKryptographie (a.d.Griech.), d. h. dieGrheimschreibekunst, ist die Kunst, so zu schreiben, daß die Züge oder der wahre Sinn einer Handschrift nur durch Anwendung gewisser, zwischen den Correspondrnten verabredeten, Hülfs- mittel sichtbar oder verständlich werden. — Der Gebrauch derselben ist sehr alt, und entweder mit Erfindung der Schreibekunst gleichzei. tig, oder wenigstens nicht viel jünger. Die ältesten Beispiele liefern die Hieroglyphen (s. dies. Art.) und der Sanskrit (s. d. Art. Sanskritlsprache). Die Arten der geheimen Schrift find verschiede» ; dcch lassen sie sich auf folgende vier Hauptarten jurückbrin- gen. Es kann nähmlich überhaupt und im weitläufkigen Sinne eine Handschrift gcheimseyn l) in Ansehung der Art der Ueberscndung, wenn entweder der Ueberbringer selbst nicht entdeckt werden kann, oder die handschriftliche Nachricht sich bei ihm in so genauer Verwahrung befindet, daß sie selbst das sorgfältigste Nachsuchen vergeblich macht. Schon die Griechen und Römer waren in dieser Art der geheimen Eorrespondenz sehr erfinderisch. Man ließ z. B. die geheimen Briete durch abgcrichtete Taube» , Hunde rc. überdüngen , buck sie in Brod, steckte sie in Acpfcl, Birnen, auch wohl in ein Stück Fleisch, das man einem Hunde zu verschlucken gab, den sodann der , der die Nachricht erhalten sollte, tödtete; man höhlte eine Haselnuß aus, steckte die geheime Nachricht in die ausgehöhlte Schale hinein, deren Oeffnung man mit Wachs zvmachte und die Nuß selbst von dem Ueberbringer verschlucken ließ u. s. w. II) Geheime Schrift in Ansehung der Schreibematerialien ist diejenige: 1) welche erst nach gewissen mit dem Papiere vorgenommenen Veränderungen sichtbar wiro; 2) bei der die Farbe des Papiers ihre be- sondere Bedeutung hat; 5) bei der anstatt des Papiers ein anderes ungewöhnliches Material gebraucht wird. Zur geheimen Schrift der ersten Art bedient man sich besonders der sympathetischen Diäten , deren Gebrauch und Verfertigung die natürliche Magie lehrt; auch gehört zu derselben die so genannte N 0 l en C hiffrc *). Ein ') Lie wird auf folgende Art verfertigt- Man legt ein Papier, nach Äk« eine- Panzer-, ins» »lclfache Falten, al-dir Schrift ekwüLri- 446 Ste Beiftucl der zweiten Art lieferte deS Grafe» von Berge,irres geheime Polizeischrtft (s. unter IV.); Beispiele der dritten find sehr gewöhnlich, und schon die Griechen waren in derselben bis zur Grausamkeit erfinderisch. So schor z. B., nach der Erzählung einiger al. ten Schriftsteller, ein Feldherr, der einem andern eine geheime Nachricht geben wollte, seinem treuesten Sclaven die Haare ab, brannte ihm die Nachricht mit sechs Worten auf den Kopf, und sandte ihn, als ihm die Haare wieder gewachsen waren, an den andern Feldherr» ab, der ihm von neuem die Haare abschceren mußte, und nun die unter denselben verborgene Schrift las. — Am gewöhnlichsten ist Hl) diejenige Art der geheimen Schrift, deren Geheimniß in den Schriftzügen selbst liegt, und die man im e i ge n tli ch sten und genauesten Sinne geheime Schrift nennt. Sie geschieht durch besondere, zwischen den Corrcspondenten festgesetzte, Zeichen oder Chiffren (Schiffern) : daher man eine mit solchen Zeichrn gefertigte Schrift eine Chiffre. Schrift oder eine Chiffre, und die Kunst, stezn enträthseln, Dechisfrirkunst(s. d.Art.) nennt. Diese Chiffren find zwar sehr verschieden, jedoch vorzüglich folgende: i) ganz ungewöhnliche, von den Corresponbenlen besonders erfundene Buchstaben; — eines der wichtigsten Beispiele einer Chiffre Schrift dieser Art lieferte im I. 1794 die Telegraphie (s. d. Art.)— 2) gewöhnliche Buchstaben, die man jedoch nach einer Ueber- einkunft der Corresponbenlen verwechselt- Die Stellung der Worte, oder der Periodenbau , bleibt hierbei unverändert. Es dient bei dies» Art von Chiffre-Schrift rin Buchstabe, eine Silbe oder ein Wort als Schlüssel der ganzen Schrift. Schon Julius Cäsar wählte bei seiner geheimen Cvrrespondenz, statt deS jedes Mahl z» gebrauchenden Buchstabens» den dritten im Alphabet daraus folgende» ; Kaiser August aberden nächstfolgenden. Jener brauchte also z. B. stark a ein d, dieser statt a ein b. Wählt man eine gewisse Silöe, oder ein ganzes Wort, als Schlüssel der Schrift, so muß nach demselben daS Alphabet der Correspondenten eingerichtet werden. Anweisung hierzu, nebst vielen Beispielen, stndct man in G. L. (Le Mang) Kunst der Gcheimschreiberei, oder deutliche Anweisung zu einer geheimen Cvrrespondenz. Leipz. 1797. 4. Daß jedoch diese und noch mehr die ersiere Art der Chiffre-Schrift dcr Dechiffrir- ken einuehmen kann; auf diese Falten schreibt mau so, daß jeder Buchstabe halb auf das obere in eine Falte gelegte Papier und bald auf das untere Papier kommt, und fährt sofort, bis die Schriftler- tig ist. Zieht man uun das Papier aus einander, so erscheinen stall der Schrift bloß Stricke und Häkchen. Wo diese fich endigen. zieht man mit dem Norenzieher Linien, ans welche man ein musikalisches Stück, und zwar die Noten in einer solchen Entfernung schreidl, daß der Schwanz einer jeden Note stch unten an einen Strich oder Hakrn der Schrift a»schl«eßt. Dar Ganze erscheint nun als ein mu> fikatischeS Stück, und man findet keine Spor von einem Briese daran! lege man aber das Papier wieder i» Falten, so kommen die zmi Schein geschriebenen Noten gerade unter die Fallen, und werde» ganz »erdest, die Schrift aber erscheint wieder wie vorher. > 1 St- 447 ktinst leicht unterliegen muß, ist schon nach dem, was darüber kn dem Art. Dechiffrirkunst gesagt worden, leicht zu erachten. Weit Vorzug, licher und wirklich unauflöslich find hingegen g) diejenige» Chiffren, die, ohne eine Verwechselung der Buchstaben, bloß au feinerbesondern Stell» n g derselben, oder auch einzelner Silben, nach einer oon den Correspondenten festgesetzten Ordnung, beruhen. Diese Art der geheimen Schrift geschieht am leichtesten durch ein Gitter, d. h. ein auS Pappe oder Pergament verfertigtes Viereck, welches man , wie ein Damenbret, in eine beliebige Anzahl kleiner Vierecke oder Fächer abtheilt, in einige dieser Fächer runde Ocffnungea ausschneidet, die übrigen aber ganz läßt, und sodann durch jene Orffnuiigen auf das unter das Gitter gelegte Papier schreibt. Es muß jedoch daS Ausschneiden der Ocffnungen so geschehen, daß dieselben, so oft man die Lage der Pappe ändern kann, jederzeit auf ganz andere Stellen des Papiers treffen, als vorher. Hat man dieß beobachtet, so kann man dieses Gitter nun für. immer brau nen. Man legt, wenn man sich dessen bedienen will, solches auf das zum Schreiben bestimmte Papier, und schreibt nun auf diejenigen Theile desselben, welche durch die Pappenöffnungen hindurch scheinen, einzelne Buchstaben oder Silben in willkührlicher (jedoch mit dem Correspondenterr verabredeter) Ordnung, bis man in alle Oeffnungcn geschrieben hat. Man dreht sodann eine andere Seite der Pappe wieder nach oben hin, da denn die Oeffnungcn wieder auf leere Stellen des Papiers fallen, iM durch sic aufs neue geschrieben wird. DaS Umdrehen der Pappe kann vier Mahl geschehen, bis alle vier Seiten derselben oben hin gelegt worden sind, und cs werden auf diese Art, wenn die Papve gehörig ausgeschnitten ist , nach und nach alle Stellen des Papiers beschrieben. Bei diesem Verfahren kommen Buchstaben und Silben zusammen, die nach der gewöhnlichen Ordnung gelesen, gar keinen Sinn haben, und die nur der Empfänger der Schrift, der mit feinem Correspondenten eine ganz gleiche Pappe oder Gitter haben muß, mittelst demselben wieder zusammen finden kann, welches hingegen einem jeden Andern durchaus unmöglich ist. Denn ein Fremder kann nicht wissen, wie viele Fächer das bei der Schrift gebrauchte Gitter hat, wie und wo die Oeffuungen desselben sind, in welcher Ordnung die Schrift geschrieben wurde, z. B. von unten nach oben, von der linken zur rechten Hand rc. Man vergleiche über diese so genannte Gitter sch ri ft C. K. H in deudurgs Archiv der rein. u. angewandt. Mathematik, 3- u. Heft/ und von Prasse Program 6 s reticulis crz-ptogr». pbici» Leipz. > 7 ^p. 4-, wo sich auch Zeichnungen solcher Gitter befinde». 4 ) Kann eine mit gewöhnlichen Buchstaben oder Worten geschriebene Schrift dadurch Chiffre-Schrift seyn, daß in derselben die zumeigentlichenSinne der Schrift nöthigsn Buchst», bei, oder Worte unter andere, entweder ganz überflüssige, oder doch zum eigentlichen Sinne nicht ge« hörige Buchstaben oder Worte zerstreut sind. Ist der Korrespondent im Stande, die Schrift so einzunchtcn, daß sic für jeden Lese reinen vollkommenen Sinn hat, uud dochzugleich eine, „ur seinem Vertrauten verständliche, geheime Kach- >1 Ä 448 Ste richt enthält; so verdient unstreitig diese Art der Chiffre-Schrift unter allen die erste Stelle, da nicht einmahl die Form fie verdächtig macht, mithin, wenn sie auch in Unrechte Hände fällt, schon deßhalb eher an ihrem eigentlichen Empfänger befördert wird, als eine Schrift, dje sogleich durch unleserliche Chiffren Verdacht erregt. Allein, da die Vereinigung jener beiden Erfordernisse allerdings schwer ist; sy ist auch diese Art von Chiffre-Schrift immer die seltenste. Jndeß war sie zu Anfänge des Französischen Revolunonskrieges wirklich im Gebrauche. Man bediente sich bei derselben eines, nach der Abrede derCorrcspondenten, an gewissen Stellen durchschnittene^ Pap irres, das, auf einen solchen Chiffre-Brief gelegt, dem Eni. l pfänger sogleich die Hauptwerke oder den eigentlichen Sinn des an sich unbedeutend scheinenden Briefes sichtbar machte. (Man s. dm Skevolutions-Alnianach v. I79L, S. 293, wo ein solcher Brief*), nrbst dem dabei als Schlüssel gebrauchten durchschnittenen Papiere, befindlich ist.) 5) Gebraucht man zur Chiffre-Schrift Zah l en , oder auch " Zahlen und Buchstaben zugleich; 6) besondere willkübr- liche Zeichen. Ueder eine geheime und ohne Schlüssel unentdeckbare Chiffre-Schrift dieser letzter» Art versprach der als Pädagog berühmte Hvfrath CH. H. Wolke schon vor i i Jabren, jedem auf sein Verlangen nähere Auskunft zu ertheilen. Zu Bestimmung aller Worte und Gedanken, in jeder Sprache, sollten in seiner Chiffre-Sprache bloß die fünf Zeichen ff " » — . gebraucht werden. — Die letzte Haieplart der geheimen Schrift überhaupt ist IV) diejenige, die sowohl in Ansehung der Schreibe Materialien, als auch inAm sehung der Schriftzüge geheim ist. Sie ist ebenfalls sehr verschieden. So können z. B. Correspondenten mit sympathetischer Dinte ! und in Chiffre-Schrift, aber auch bloß und allein durch gedruckte Bücher ^ einander geheime Nachrichten mittheilen, wen» sie, nach einer Verabredung , einzelne Buchstaben, Silben oder Worte des Buchs bezeichnen. Ein sehr merkwürdiges Beispiel dieser Art der Kryptographie war die von dem Grafen von Vergennes in de» letzten Rcgierungsjahreu König Ludwigs XV. erfundene gebeime Polizei- schrrft, die jedem Französischen Minister und Gesandten als ei» Staats- geh'eimniß anoerlraut wurde. Mao gebrauchte sie bei den Enipfeh' *) Um auch Lesern, die diesen Almanach nicht bei der Hand baden,«» Beispiel vieler Art von Chiffre-Schrist zu geben, setze ich den dori befindlichen Brief her. Er wurde wahrscheinlich vvn einem Deutschen am i«. Octobr. »7<-z geschrieben, um dem Empfänger den av folgenden Morgen bevorstehenden (und bekanntlich vom Genera Wurmser glücklich ausgefübrren) Sturm der Weigen turge) Linien bekannt zu machen. Die Worte oder Silbe«, die durch da Deffnungen des durchschnireenrn Papiers durchschaute» und das «' gentlichr Geheimniß -es Briess enthalten, find hier mit Lateim- schea Buchstaben demerklich gemacht. ,,Lieber Bruder! blorx«» krük reise ich aus 8 Monarde sort, ungeachtet der so tiürmanbe» i Winde. Gott wird uns 7YZ. 8. —Wenn übrigens, sobald die Frage von dem Ruhen der Steganographie ist, allerdings zugestanden werden kann: daß solcher nur in so weit allg emein scy, in so weit sic die Stenographie (s. dies. Art.) befördert; so bedarf es doch, schon nach einigen angeführten Beispielen , keines Beweises, daß sie nicht bloß zum Gebrauche oder zur Unterhaltung einzelner , Personen dienen, sondern daß sie in mehrern Fällen für den Staat selbst von großer Wichtigkeit seyn könne, i David Steibelt, Clavicrspieler und Componist, gegenwärtig zu Paris, der als solcher zwar großes Aufsehen macht, über den aber der größte Thcil seiner Landsleute, d. h. Deutscher — denn er ist zu i BcrUn ,7^6 geboren, wo er eigentlich als Soldat diente, aber wegen seines musikalischen Talents vom Könige freigegeben wurde — dahin ^ übereinkommt, daß er freilich durch sehr große Fertigkeit und durch allerhand Manoeuvres, deren er sich auf dem Instrumente mit de» Zügen, auch durch ein fast immerwährendes Iremolnncio rc. bedient, den Beifall der Menge zu erhalten, aber keineswegs für'S Herz zu spielen weiß. Bei seinen Reisen durch Deutschland — durch Dresden, Prag, Berlin rc. — gemacht, bat er sich diese Beurtheilung durchgängig zugezogen; auch zugleich die Meinung von sich erregt, daß er ! seine Muttersprache — meisterhaft vergesse», und dafür stümperhaft Französisch sprechen gelernt hat. Steige-Rad, ist in dem Gewerke der Uhren ein Sperr-Rad, das von dem Bodenrade umgetrieben wird, und in dessen Zähne der Englische Haken greift. Es dient dazu die Uhr in einem gleichförmige» Tange zu erhalten. Steigriemen, ist der Riemen am Sattel, welcher den Steigbügel trägt. C»nv. Lex. Fünfter Band. F f 4zo Ste Stein, ein Gewicht, gewöhnlich der zke Theil eines CentnerS, oder 22 Pfd., doch zuweilen auch mehr oder weniger. Desgl. eine Krankheit, wo sich in einem Theile des menschlichen Körpers und besonders in den Uringefäßen Steine erzeugen.— Stein der Weisen, oder philosophischer Stein, heißt bei den Alchymisten eine Masse, welche alle Metalle in Gold verwandeln, und zugleich ei» Milktl wider alle Krankheiten und zur Verlängerung des Lebens sein soll, dis jetzt aber noch nicht erfunden worden ist. — Stein« fiachs, eben so viel als Amiant oder Asbest. S.dieses.— Skeingalle, beißt eine verhärtete Beule in dem Hufe des Pferdes. — Steingut eine zwischen Porzellan und Töpfergeschirr stehende Ware, die aus fein geschlämmtem und gesiebtem Pfeife,»tone besteht, welcher mit zu Staub gemahlnen und durch Scidenflor gesiebten Feuersteinen vermischt wird, daher der Nähme. — Steinobst, ist soh ches Obst, dessen Kern mit einer steinhartcn Rinde umgeben ist, z.B. Pflaumen, Pfirsichen rc. — S te i n - S a l z, oder Berg , Salz, ist solches, welches unter der Erde in Kristallen «„schießt, und durch Grubenarbeit zu Tage gefördert wird. — Steinschneider, ein Künstler, welcher Edelsteine poliren und zuschneiden , oder aus Harken Steinen Gefäße machen kann. — Steinschrift pflegt man zuwci. len die Stere oripen zu nennen. S.dieses. — Steinst» ck, eine große Kanone, aus welcher man steinerne Kugeln schießt. Johann Andreas Stein, Organist an der evangelischen Barfüßer - Kirche zu Augsburg, geb. zu Hildesheim 1728', gestorben 1702. — Welcher gebildete Claoierspieler kennt nicht den Nahmen dieses verdienstvollen Instrumentmachers? Als Orgelbauer hat er sich durch das trcsfilichr Werk an seiner Kirche in den Jahren 1755 hjs 1757 ein bleibendes Äenkmahl gesetzt; aber als Verfertiger jener For tep i ano's, welche sich durch Gleichheit, Reinheit und Anmuth der Töne so sehr aus- zeichncrr, wird er immerfort bei Allen, die diese Instrumente spielen, mit Verehrung genannt werden. Nicht zu gedenken, daß er auch als Erfinder anderer Instrumente (eines Polpkoni-Claoicordium, eines sogenannten Doppelflügels, mit welchem er 1777 nach Wien reiste, mit einer 1770 erfundenen Melodica) vielen Ruhm erlangt hat. Seine Tochter, Nannette Stein, verehl. Streicher, zu Wien, verdient hierbei zugleich als brave Clavierspielerin, vorzüglich aber als die Künstlerin eine ehrenvolle Erwähnung, welche von ihrem Vater, der keine fremden Augen in seiner Kunst dulden wollte, von Jugend auf die Vortheile seiner Kunst erlernte, und sie nun »ach des DaterS Lode durch Fortsetzung jener Arbeiten ausübt, so daß man die Instrumente von ihr eben so schön, wie von diesem, erhält. Anfangs bearbeitete sie dieselben mit ihrem Bruder gemeinschaftlich; allein seit ungefähr '0 Jahren haben sie sich getrennt und der Bruder Andreas Stein arbeitet für sich und liefert Fortepiano's, die zu den vollkommensten Werken in dieser Art gerechnet werden können. Der Steinbock ist eine Art wilder Ziegen (mit denen er auch die Gestalt und die Geschlechtskennzeichen gemein hat, aber weit größer und stärker — oftl.wohl 2 Eentner schwer ist), pp„ kurzem fahlen Sie 4 -lt Haar, mit einem langen schwarzen Barte, und breiten , hinterwärts gestreckten , mondförmigen und Z bis 4 Fuß langen Hörnern versehen, die ihm hauptsächlich zu seinem bessern Fortkommen auf den jähesten Felsen dienen, indem er, wenn er von einer Höhe herabstürzt, mit denselben so geschickt einzuseßen weiß, daß er nie durch seinen Sturz beschädigt wird. Man findet ihn auf den höchsten Schweizer Gebirgen» auf unzugänglichen Klippen und Felscnspitzen, auf den Pyrenäen', in Sibirien und Kamtschatka, auch häufig auf der Insel Candia: seine Nahrung sind die auf den Gebirgen wachsenden aromatischen Krauter. ! Die Jagd auf denselben — eine der gefährlichsten, indem der Jäger öfters sich entweder so versteigt, daß kein Rückweg möglich ist, oder auch unversehens in einen Abgrund hinabstürzc und zerschmettert, oder wehl auch von dem geängstigtcn Thiere, das über ihn hinwegseßt, mit hinabgerissen wird — ist von sehr großem Nutzen, denn nicht bloß sein l Fleisch ist sehr schmackhaft und gesund, sondern auch seine Haut dient sowohl zu einem Leder, als zum Pelz; sein Blut wird als ein sehr gutes Stein zermalmendes Mittel gerühmt, undenklich sind seine Hörner zu Trinkgeschirren sehr gesucht. In der Astronomie nimmt der Stein bock (Eapricorous) auch einen bedeutenden Platz ein: er ist das zehnte Gestirn im Thierkrei- se, und der zehnte Thcil der Ekliptik hat davon seinen Nahmen: man zählt 86 Sterne dazu. Steinfurth, eine dem Trafen von Bentheim gehörige Grafschaft in Westphalen, ganz vom Oberstift Münster umgeben. Die Steinkohlen sind eine mit Erdharz und Schwefel durch- i drungene Steinart von kohlenschwarzer Farbe, welche unter der Erde hier und da in mächtigen Lagern vorkommt, bergmännisch gewonnen und in holzarmen Gegenden statt des Holzes zum Brennen gebraucht wird. Um die Stuben damit zu hcitzen, müssen die Oefen besonders dazu eingerichtet scyn: diese haben die Gestalteines Mörsers, oben offen, und 1 mit einer Stürze versehen. Man legt erst ein Stück glühenden Torfs in den Ofen, und um denselben herum einige große Stücken Steinkoh- ^ len: wenn diese anfangen zu glühen, so wirft man kleinere darauf, die man mit einer Schaufel aus einem Gefäße, wo sie mit Wasser angenetzt worden sind, herausnimmt. Die Gluth scheint hiervon Anfangs zu verlöschen, bald aber schießen blaue Flammen empor, worauf man den Ofen zudeckt, da denn bald die Gluth der Steinkohlen sich dem Ofen mittheilt. Die Hitze derselben ist sehr ergiebig, und man bedient sich derselben unter andern zu Halle in Sachsen zum Sieden des Salzes. Die Englischen Steinkohlen sind die besten, und von einer solchen Consistenz, daß davon Knopfe auf Kleider und Stöcken verfertigt werden können. Man ist mit dem Ausgraben derselben schon so weit gekommen, daß sic unter dem Boden deö Meeres fortgehe», indem auch ganze Ortschaften in denfclben angelegt sind, d. rcn .Einwohner niemahls > das Tageslicht gesehen haben. — Bei Osweiler im Saarbrückischen ' ist ein Steinkohlen-Gebirge, welches durch die Unvorsichtigkeit eines l Hüten sich entzündet hat, und schon länger als hundert Jahre brennt. Der Boden ist davon so heißt, daß im Winter das Wildpret sich hier ! Ff- 4Z- Sie ! versammrlt, um sich zu warmen. Obgleich der Schaden durch diesen > fortdauernden Erdbrand unermeßlich ist» so hat man doch den Vortheil davon, daß man aus der Asche der Steinkohlen Alaun und andere vi- triolische Salze in Menge gewinnt. — Was übrigens das Eigenthumsrecht an den Steinkohlen bstrifft, so wird es in den neuern Zeiten nach dem Bergrechte beurtheilt.und zu den Regalien dcS Fürsten ge- Das Steinöhl (Berg öhl) ist ein, zu dem Erdharzgeschlecht gehöriger, brennbarer, flüssiger Körper, bald völlig tropfbar (als Naphtha), bald sehr zähe, wie verdickter Theer (als der Berg, s theer), welcher, wie Oel, von verschiedener Farbe (gelb oder auch ^ schwarzbraun) und durchsichtig aus den Felsen hervorquillt, stark, wie Terpentin, riecht, und leicht Feuer fangt. Der Steinplatten-Druck, (Lithographie) eine der neuern Erfindungen zu.Ende des letzten Jahrhunderts, ist die Kunst, Noten, auf Stein ! geatzt, abzudrücken. Die ersten und alleinigen Erfinder dieser Kunst waren Gleißner und Srunfelder zu München, welche bei dem Anblick der Leichensteine, deren Inschriften geätzt wurden, zuerst auf die Idee kamen, dieses auf Notenabdrucke anzuwenden. Sie machten 1796 die ersten Versuche, welche freilich wegen des mit großen Schwie- ^ rigkeiten verbundenen Abdrucks, Anfangs nicht sogleich gelangen; ad lein der unermüdete Eifer jener Männer ließ sie doch endlich die Hindernisse besiegen. Sie erhielten in demselben Jahre ein Privilegium, und stellten auch in München eine solche Druckerei her. Hierauf »eisten sie nach Wien, und erhielten dort im Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts ein ausschließendes Privilegium. Durch die Verbindung mit Herrn Siegmund Steiner, welcher die nöthigen Fonds zur Er. richtung einer Steinplattendruckerei in Wien Herbeischafte, und di- Sache durch seine Einsicht und Thätigkeit unterstützte, gewann erst diese Kunst stine höhere Vollkommenheit. Er übernahm in der »Folge die ganze Unternehmung; brachte noch die ehemahlige Hofmeisterische Kunst- ! Handlung an sich und vereinigte sie damit, die beiden Erfinder aber , kehrte» wieder nach München zurück Diese merkwürdige Anstalt führt nun die Firma: Kunst-und Musikalien-Handlung der k.k. prioil egirten chemischen Druckerei und des Sigmund Anton Stetner. Die chemische Druckerei in Wie» hat sich nicht bloß auf den Abdruck von Musikalien beschränkt, sondern auch Zeichnungen, Landkarten und dergleichen Gegenstände mit glücklichen Er- , folge durch den Steinplattendruck vervielfältigt. Diese wichtige Kunst > hat überhaupt den Vortheil, daß der Künstler unmittelbar selbst seine ^ Zeichnung auf den Stein bringen kann, ohne daß erst ein anderer Künstler, wie bei der Kupferstecherkunst, dieselbe nachzubilden und zu übertragen nöthkg hat. Unterdessen ist doch der Notendruck das wichtiafle, wegen seiner Schönheit und der Leichtigkeit in der Herstellung. Mit welcher Thätigkeit die chemische Druckerei in Wien die Vorthcile die ihm dieje neue Erfindung darbot, zu benutzen wüste, erhellet daraus, daß sie in wenig Jahren über 19z« eigene Verlagsartikel und darunter zum Lheil große und bedeutende Werke hergestellt habe Ste 4L., Der Stein-Regen — rinPhönomen» swo meist unter Blitzen, donnerartigem Getöse und Brausen, ja oft nach einem Zerplatzen von Feuerkugeln, mehrere Steine oder ihnen ähnliche Massen, aus die Erde herabfallen — ist in den neuesten Zeiten unter so kielen andern merkwürdigen Ereignissen auch wieder sehr zur Sprache gekommen. Schon bei alten Römischen Geschichtschreibern werden Steine, welche aus der Luft gefallen, erwähnt. So erzählt Livius, daß es unter Tullus drei Mahl Steine geregnet habe; und bei mchrern sonst glaubwürdigen . Schriftstellern findet man dergleichen Erzählungen. In Pohlen soll es ! sogar Böhmische Diamanten oder Crystalle geregnet haben; derStein- ! regen , welcher sich 17ZZ bei Tabor in Böhmen ereignet hat, ist bekannt — allein immer hat man die ganze Sache für ein Mährchcn gehalten. Jedoch in den neuern Zeiten, da man so viele Thatsachen über derglei- > chen Ereignisse beiaebracht hat, ist man zu Anstellung näherer Unter- ' suchungen, theils über die Massen selbst, theils über ihren Ursprung und über die Möglichkeit solcher in der Atmosphäre unserer Erde sich bildenden, oder durch Zufall vom Monde oder einem andern Planeten herabgescheuderten Massen, bewogen worden, ohne jedoch zu einem bestimmten Resultate zu gelangen. Die Massen selbst bestehen (nach Klaproths Untersuchungen) entweder bloß in derben Eisenmassen» oder in steinartigen Gemengen mit «ingesprengten Eisenkörnern; das Eisen ist übrigens dehnbar und zähe. —Was nun aberden Ursprung derselben, betrifft, so hält man es allerdings nicht für unmöglich, daß gewisse Stoffe sich in der Atmosphäre zusammenzichen, sich erhärten, und so als ein Ganzes herabfallen; aber nur die Bildung solcher ganz heterogenen Massen ist schwer darzuthun. Soll man aber annehmen, daß es Producte fremder Körper, mithin entweder vom Monde, oder einem der nächsten Planeten, seyen, so wäre es vielleicht nur möglich, daß es von jenem, dem Monde — nach der Meinung des berühmten La Place — hcrrührc, der. zu Folge der angestellten ! häufigen Beobachtungen , an sich sehr vulkanisch ist; folglich schwere i Körper, mit hinreichender Kraft ausgewoesen, wohl von ihm umso eher hinwegfliegen könnten, al»die anziehende Kraft der Erde sich auf den Mond sehr mächtig erstreckt. Die Meinungen der Gelehrten theilen sich nun hierüber sehr, und ein Olbers, Wurm, Chhadni, ein Lampadius, Lalande, La Place u. M. haben hierüber sehr wichtige Untersuchungen angestellt. Wer Mehreres über diese freilich noch sehr ungewisse Materie lesen will, wird in der Schrift des Freiberrn ! von Ende (über Massen und Steine,die aus dem Monde aufdieErde ge fallensind. Brounschw. 1804.) viel Unterrichtendes finden. Ucber dies, durch noch mehrere Beispiele der neuesten Zeit bestätigte Phänomen — z. B zu Lissa in Böhmen, wo im Jahr >808 bei umzogenem Himmel unter starkem Knall ein Steinfall sich ereignete, wovon ein Bruchstück von 5 Pfd. 19 Loth an die k. k. Hos- kanzlei einges ndt wurde — hat Herr Guidotti zu Parma bei Untersuchung der ebeisslls im Jahr 1808 im Taro-Departement niedergefol- lenen Mereorst ne eine noch wahrscheinlichere Meinung zu erkennen gegeben : nähmlich daß sie in der Lust erzeugt würden. in welcher Erd-und Me- 4Z4 St- talltheile »mherschwämmen, die sich durch zufällige Verbindungen mit ^ andern Stoffen entzündeten und Steine bildeten. ^ Steinstück, s. Feuerkatze und unter Stein. — Stein- ^ wein» hat seinen Nahmen daher, weil er auf dem sogenannten Stei- > ne bei Mürzburg wächst. ! 8 teIls ^ e, (deutschsrz. — lahsche) das Gestell, Gerüst.' 8 re11stim gehen, heißt scherzhaft: aus das Sterngucken; — uneigentlech: auf nächtliche Liebeshändel ausgehen. Stellionat — ein Wort, das sich auS den Römischen Ge- > setzen herschreibt — ist r) im weitlauftigern Sinne - jeder Betrug I ober Verfälschung, die in den Gesetzen keinen eignen und besonderu ! Nahmen hat; 2) im en g ern Sinne: ein Betrug, der bei Verträgen > oder, nach der gewöhnlichen Sprache, im Handel und Wandel begangen wird. Da bei den Römern von jeher die Erbschleichern gleichsam . berschend war, so waren auch Betrügereien in Ansehung der Testamente ! besonders gewöhnlich, daher auch sie zuerst durch ein besonders Gesetz verboten wurden. Man nannte sie mit einem eignen Worte: Verfälschungen (kalsa), zum Unterschied von mehrern andern Betrügereien. für die man keine besonder» Nahmen hatte, und die man unter der Denennug Stellionat begriff. Allein da man nach und nach die Verordnung jenes Gesetzes über die Testamentsverfälschungen auch bei Bestrafung des Stellionats zum Grunde legte; so wurden dir Benennungen Verfälschung und Stellionat ganz gleichbedeutend. Nur erst in den Pandekten (s. den Art. Corpus Juris) wurde der letztere auf die oben annegcbene engere Bedeutung eingeschränkt. Jndeß wird in unsern Zeiten unter beiden Ver- l brechen kein Unterschied gemacht, »nd bloß die Beschaffenheit des Be- ^ trugs und des dadurch entstandenen Schadens dient als Maaßstab der Strafe. Stell-Rad, ist in den Taschenuhren ein Rad» vermittelst dessen die Spiralfeder schärfer oder schwächer gespannt werden kann, da- ^ mit die Uhr langsamer oder geschwinder gehe. 1 Die Stemmatographie ist^>ie Geschlechtskunde — Genealogie — von 8temm», welches den Stammbaum, das Geschlechts- Register bezeichnet: eine Benennung, die besonders von Rom sichher- schreibt, wo die Bilder der Vorfahren in den Vorsälen aufgestellt waren. Stendal, die Hauptstadt in der Altmark der Mark Brandenburg, hat 948 Häuter und 45 Einwohner, unter welchen sich viele Nachkommen reformirter Franzosen befinden. Die Stenographie: so wird neuerlich die Kunst genannt, auf einen kleinen Raum durch Zeichen und Abkürzungen sehr viel für iben zu können — also die Engschreibekunst. Wer hierüber zuerst viel Aussehen erregt hat, ist Professor Wolke (damahls in Petersburg), welcher 1790 bekannt machte, daß er eine wortlose Schnst- sprache ersundcn habe, die unmittelbar zu den Ideen der Dinge führe, die nur den fünften Theil des Raums einer Wortsprache einnähme, und wovon die ganze Grammatik auf einem Bogen vorgerragen werden könne. Mehrere auch die Engländer und Franzosen, haben uach- 1 S ke her ebenfalls eine Stenographie erfunden; jedoch ist von dem Fortgange und Erfolge dieser Kunst nicht viel weiter bekannt geworden. (S. auch d. Art. Lachygraphie.) Stentor, ein berühmter Trompeterbeider Griechischen Armee, welche Troja belagerte, von welchem Homer versichert, daß er so stark habe schreien und auf der Trompete blasen können, als fünfzig andere Männer zugleich. Von ihm rührt die Benennung: eine Stentor-Stimme, hat, wenn man eine außerordentlich starke Stimme oder ein ungeheueres Geschrei bezeichnen will. Stephan Bathori. Mit dem Tode Sigismunds H. Augusts 1572 erlosch der Jagellonische Mannsstamw *), welcher an die ,36 Jahre den Pohlnischcn Thron erblich besessen hatte; und von nun an wurde Pohlen in ein ordentliches Wahl re ich verwandelt: bei welcher Verfassung es denn auch bis zu seiner gänzlichen Auflösung (1794) geblieben ist. so, daß die Nation bei Besetzung des ThroneS, ohne auf das Geblüt seiner Regenten oder die Verwandten deS vorigen Königs zu sehen» jederzeit gewählt hat. — Gleich der erste König, der unmittelbar auf Sigismund II. folgte, war ein Französischer Prinz, Heinrich, Herzog von Anjo» , aus dem Hause Valois, der Bruder Königs Carl lX. An Harke seinem Bruder ziemlich gleich, an Leichtsinn noch weit über ihn, wurde dieser Heinrich, auf Vorspruche des Papstes, und auf die thätigste Verwendung seines Bruders, Carl, — der aus Eifersuch- auf jenen seinen Bruder, welcher lieber selbst König in Frankreich sei?» wollte, jetzt, um nicht seine Gegenwart fürchten zu dürfen, für ihn die Mehrheit der Stimmen durch Geld und die größten Versprechungen zu erhalten suchte, — als König in Pohlen am r6. Mai 1,57?» wiewohl abwesend, ausgerufen. Man überschickke ihm sogar, sobald er die kscta Convents (Wahlcapitulation) an die Gesandten unterschrieben ausgehändigt hatte, das Wahl - Decret nach Frankreich. Jene Versprechungen des Französischen Königs nun (unter andern auch, daß eine Armee und Flotte zu ihrem Besten gehalten — ja, daß die Pohlen selbst in seinem Reiche den Franzosen gleich gehalten werden sollten rc.) mußten nothwendig auf die Wahl Heinrichs wirken, und den wählenden Theil für diesen Prinzen bestimmen, hätte auch ein anderer Kroncandidat noch mehrere Stimmen für sich gehabt. Wirklich war dieß der Fall mit dem Erzherzog Ernst von Oesterreich, dem Sohne Kaiser Maximilians il., der wegen seiner edeln Grundsätze und Gesinnungen gegen die Protestanten — deren Anzahl damahls mit der der Katholiken in Pohlen wetteiferte — allgemein beliebt war, und welchen die Pohlnische Nation,gewiß gewählt haben würde, hätten nicht ') Da« Jagellsniscbe Hau« kam 1 zg6 ans den Pohlnischen Thron. Der ecsterc Jagello, Uladislan«, Herzog von Litthauen, hci- rathete, achdem er zur christlichen Religion übergegange« war, die Königin Hedwig, die jüngere Enkelin der Schwester Casimir de« Gr ßcn, de« letzten Piastcn, »nd vereinigte dadurch sein erbliche« He zogthnm Littbauen mit der Krone Pohlen- von hier fangen die Litthauer erst an,. Christen zu werden. 8 > 4z6 Ste der König von Frankreich und der heilige Vater (letzterer wohl darum damit die Protestanten nicht zu sehr sich vermehren sollten) kurz vor j dem Wahltage das Uebergewicht zu erhalten gewußt. Kurz, Hrin- rich ward unter dem Nahmen Heinrich I. (wenn es gleich in Poh« ! len keinen Heinrich weiter gegeben hat) König von Pohlen. Allein, ohne sich zu übereilen, ließ er erst am 21. Febr. des folgendes Jahres, ' 574 , sich krönen. — Daß die Pohlen mit diesem Könige, der für das sinnliche Vergnügen mehr, als für die Geschäfte des Landes und das Wohl der Nation, geschaffen zu seyn schien, äußerst unzufrieden und s in kurzem seiner überdrüssig waren, ist sehr natürlich; und auch ihm kam daher, nach Verlauf von vier Monakhen, die Nachricht von dem Tode seines Bruders, des Königs von Frankreich, so willkommen, daß er, ohne etwas zu hinterlasscn, ohne die geringste Verfügung wegen der einstweiligen Regierung getroffen zu haben, eiligst nach Frankreich zu rückkehrte, und daselbst unter dem Nahmen Heinreich lll. sich zum König krönen ließ. Dieses Benehmen war nun wohl nicht geeignet, die Pohlen, die wohl eine bessere Begegnung verdient hätten, sich wie- , der geneigt zu machen» uud seine Erklärung, die er in einigen zurück- gelassenen Briefen an wenige Magnaten gegeben hatte, dieses Königreich von Frankreich aus zu regieren, konnte den Pohlen, welche von Pohlen aus regiert seyn wollten, nicht anders als zuwider seyn. Die Reichsstände wendeten sich zu dem Ende schriftlich an ihn, luden ihn ein, wiedrrzukommen, oder, dafern er dieß nicht wollte, auf die Krone Verzicht zu leisten; als er aber nicht binnen der ihm bestimmten Zeit erschien» schritten sic zu einer andern Köttigswahl, welche aus Stephan Bathori fiel. Die Leser möchten vielleicht diese kleine Ausschweifung in einem Theil der Geschichte Pohlens an Unrechten Orte finden; allein, wenn man annimmt, daß mit dem Abgänge des Jagellonischen Hauses in der Geschichte Pohlens eine Hauptepoche beginnt, in welcher ^ Stephan Bathori einer der ersten, aber auch der besten Könige gewesen ist, welcher, der vielen StaatSgcbrechen ungeachtet, immer noch Energie genug in sich fand, die Macht und das Ansehen der Pohlnischen Nation gegen das Auslandzu schützen, und dem eS gewiß nicht zur Last gelegt werden kann» daß die Nachkommen jetzt, nach Verlauf von mehr als 200 Jahren, für die Sündpn ihrer Vorfahren büßen und ihr Vaterland beweinen; so wird jene/Ausschweifung Verzeihung erhalten. Jetzt wieder zu Stephan Bathori. Als , wie zuvor gedacht, König Heinrich außen blieb, so erklärten die Rcichsstände (am 26 Mai 1575) den Thron für erledigt, und dachten nürt darauf, denselben wieder zu besetzen. Allein dießmahl wurde die Wahl erst nach ly Monalhen und unter den heftigsten Debatten zu Stande gebracht, indem Kaiser M aximilian II. sich unter den Kroncandidäten befand, und als ein kluger , aufgeklärter . wohlwollender Fürst von der Pohlnischen Nation und auch einem großen Thcile des Adels zum König gewünscht wurde. Und wirklich hatte Maximilian die Mehrheit für sich; aber gerade der vornehmere und reichere Theil des Adels war wider ihn und sein crzherzoglich kaiserliches Haus, vermuthlich weil man glaubte, die Gt« 4 L 7 Protestanten (nachherigen Dissidenten) würden auf den Reichstagen und in der Republik ein zu großes Gewicht und bei Hofe einen zu mächti, gen 'Einfluß bekommen. Der Graf Zamoyski, ein aroßer Gelehrter und Staatsmann, aber auch ein eben so kluger und glücklicher Feldherr, überdies das Orakel der ganzen Nation, begünstigte an der Spitze des Adels den Siebenbürgischen Fürsten Stephan Bathorn in seinem Gesuche. Dieser, geb. 1532, stammte aus dem sehr alten und reichen gräflichen Hause Bathori in Ober-Ungarn. Durch Rechtschaffenheit, i Edelmuts», Geschicklichkeit und Klugheit war es Stephan gelungen» sich bei erledigtem Throne zum Fürsten von Siebenbürgen zu machen, > und dieses sehr bedeutende Fürstenthum an sich und seine männliche Descendenz zu bringen. Auch jetzt wußte er sich bei Erledigung des Pohlnischen Throns klug gegen die Pohlen zu benehmen: er hielt l sich an de» Alles vermögenden Grasen Zamoyski, der ihn der Nation bestens einpfahl und alsdann thätigst unterstützte. Hierzu kam noch ein ganz besonderer Umstand, der ihnen die Sache sehr erleichterte. Es lebte nähmlich noch eine königlich Pohlnische Prinzessin, Anna, die jüngste Tochter Sigismunds I. und Schwester Sigismunds H. Augusts, der letzte Zweig aus dem Jagellonischen Hause. Dieß bcnntzte jetzt Bathori- erließ es sich gegen Zamopski mer- ! ken, daß er zu einer Heirath mit der Prinzessin Anna — obgleich ' diese schon ein Alter von 54 Jahren hatte — entschlossen siy. Da nun auch Zamoyski der Prinzessin sehr ergeben war, und diese besonders unter dem vornehmern Adel noch großen Anhang hatte, so ward ihm seine Vorsprache und Verwendung bei den Reichsstanden desto leichter. Am Wahltage selbst, den 14 Decbr. 1576, wurde zwar der 1 Kaiser Maximilian H. von dem Primas Regnr zum Könige in Pohlen ausgerufen, aber Zamoyski rüste den Path 0 ri aus , und der vornehmere Adel, so wie die hohe Geistlichkeit, stimmten für ihn. ^ Jetzt waren in Pohlen auf einmabl zwei Könige, und beide beschworen die ihnen überschickten Eon venia. Auch die Prinzessin Anna wurde von Zamoyski mit Stephan zugleich als Königin ausge- rufen. Unter solchen Umstanden nun kam es darauf an, welcher von den beiden Königen sich würde zu behaupten wissen. Gewiß würde es Maximilian vor Stephan gekonnt haben, wenn er khätiger gewesen wäre und ernsthaftere Maaßregeln ergriffen, daß heißt, eine ! Armee von Oesterreich oder Ungarn her in Pohlen hätte einrücke» > lassen. Aber das tbat er nicht, sondern ließ es bloß bei Drohungen damit bewenden. Hingegen Stephan kam gleich „ach seiner Wahl »ach Pohlen, sammelte eine Armee, so gut er konnte, und was ihm an Mannschaft abging, daS ersetzte sein Murh und seine oiisgezeich- ntte Entschlossenheit. AlleS ging so, wie er cS vermnthet und gewünscht hatte, nähmlich der ganze Adel trat nun für ihn auf, und auch der übrige Lhcil der Nation schlug sich gar bald auf seine Seite. Nur die Stadt Danzig hing an dem Kaiser, und wollte den König Stephan nicht anerkennen; als aber gegen diese Ernst gebraucht wurde, und Stephan sie völlig belagerte und einschloß, so mußte sie sich endlich auch ergeben. Ein neuer Glücksfall für Stephan <58 Sie war^endlich dieser, daß Maximilian H., noch ehe er feine Trum pen^in Pohle» einrücken ließ, plötzlich starb. Nun war alles aus dem Wege geräumt, was ihm seine Krone hätte streitig machen kön- ne», und binnen Jahresfrist war alles ruhig. Stephan gehört denn nun unter den Königen Pohlens mit unter die besten und vorzüglichsten. Hinlänglich für sein Zeitalter gelehrt, edel und klug, wußte er das Reich mit vieler Würde zu regieren; wußte, so große Einschränkungen er sich übrigens auch gefallen lasse» mußte, sein königliches Ansehen gegen die Reichsstände zu behaupten, und gegen das Ausland Thron und Reich zu vertheidigen. Gleich nach Besteigung des Throns kündigte er de» Russen, welche rtuige Jahre hindurch, seit dem Tode Sigismunds !l. Augusts, Lirfland unaufhörlich beunruhigt, und mehrere Einfälle dabin gewagt hatten, den Krieg an, in welchem er persönlich mit dem größten Glück commandirte, und dieselben in drei auf einander folgenden Feldzügen ein-nahl über das andere schlug, und endlich im I. rz82 zu dem Za- polischcn zehnjährigen Waffenstillstände nöthigte, in welchem der Zar Iwan ll. alle Eroberungen in Tiefland an die Krone Pohlen abtre- rcn mußte. — Auch die Kosaken unterwarf er seinem Reiche, und »ö- thigte sie zur Annahme Pohlnischcr Gesetze. — Wären seine Nachfolger eben so entschlossen und tapfer gewesen; hätten sie eben so viel Selbstständigkeit auf dem Throne gezeigt, als er: so würde daS Kö. niareich Pohlen gegenwärtig noch in Riesengestalt da stehen, und daS Ausland dasselbe fürchten müssen. Aber nicht nur der Tapferkeit dieses Herrn hat die Pohlnische Nation sehr viel zu verdanken, sondern auch seinen zahlreichen guten und weisen Einrichtungen. So stiftete er vrei hohe Reichsgerichte: das eine zu Wilna für Litthaucn, das zweite zu Petrikau für Großpohlen, und daS dritte zu Lublin für Kleinpohlen. Auch für eine bessere Rechtspflege sorgte König Stephan; er selbst aber gab für seine Person das beste Beispiel, indem er äußerst gerecht war. Merkwürdig ist in dieser Hinsicht auch seine Antwort, die er gab , so oft man ihn zur Ausrottung der Ketzer überreden wollte: Drei Dinge habe sich Gott Vorbehalten, die ein Mensch sich nicht aiittiaßen dürfe: i) aus Nichts — Etwas zu machen; 3) künftige Dinge vorher zu wissen; Z) über die Gewissen zu herrschen. Nur Schade, daß dieser gute König nicht länger regierte; denn schon 10 Jahre nach seiner Thronbesteigung, den 12. Dccbr. 1586, starb er schnell, vermuthlich durch Gift, das man ihm heimlich beigebracht hatte. Er ward nicht alter, als 54 Jahre, und starb ohne Kinder. Zum Nachfolger hatte er den Kronprinz von Schwe, den, Sigismund, der, von Stephans hinterlassener Gemahlin empfohlen und vom Grafen Zamoyski gleichfalls unterstützt, unter dem Nahmen Sigismund llkden Pohlnischen Thron bestieg. Steppen werden öde, wüste Gegenden, hochliegende, unfruchtbare, unbewohnte Stücken Landes von ansehnlichem Umfange in der Ukraine, i» Rußland rc. genannt. Sterbe lehn heißt in den Rechten eine Summe Geldes, welche, nach dem Lode eines Erbzinsbauern oder ErbzinSmannes, des Ste 4L9 stn Erben an die Grundherrschaft oder an den Rittergutsbesitzer z» entrichten verbunden sind. — Diese Geldsumme richtet sich allemahl nach dem Werkhe des Erbzinsgutes oder ErbzinShauses, es sey nun, -aß derselbe entweder noch von dem Erblasser selbst bei seinen Lebzeiten durch letzten Misten, oder auf eine andere Art bestimmt worden war, oder daß man etwa auf den letztcrn Kaufschilling sieht, oder aber daß derselbe jetzt durch die Taxation des Grundstücks aus- gemittelt wi d — Diese Sterbelehn ist Deutschen Herkommens, aber höchst wahrscheinlich durch die in dem Römischen Rechte enthaltene Lehnware (iaiiclemium) veranlaßt worden. ES soll nähmlich (nach I. Z. 0 . cks ju:e empb.) der Obercigenkhümer von dem neuen Erb» zinsmanne 2 pro C nt zu fordern berechtigt scyn, aus dem Grunde, daß er es sich gefasten ließ, daß das Erbzinsgnt auf ihn überging. Der Erbe des Erbzinsmanncs aber kann nicht gesetzlich rin neuer Erbzinsmann genannt werden; mithin sind in der Regel die Erben zu Entrichtung der Lehnware auch nicht gehalten. Will nun aber die Gutshcrrschaft gleichwohl von den Erben des Erbzinsmannes eine dergleichen Prästalion haben, so muß sie dag ihr deßbalb zustehende Recht beweisen, und die Prästalion selbst erhält den Nahmen Sterbe lehn. — Die Summe derselben ist übrigens sehr verschieden, nahm- lich 2,3, auch 4 pro Cent, je nachdem die GutsberrsLaft sich solche ausdrücklich ausgemacht, oder durch verjährte Observanzen erworben hat. Uebrigens kan» va, wo Stcrbclehn gilt, doch auch die ordentliche Lehnware bei Veraußeruiigsfälle» der Erbzinsgüter gefordert werden. Stereographie, (Griech. von stsrso s, dicht, fest) die Darstellung eines Gegenstandes auf einer gegen den Horizont oder Gesichtskreis senkrechten Fläche, oder die Kunst, die Figuren der Körper auf einer Fläche vorzustclleii; im Gegensatz von Ichnographie. S. dieses. Die Stereometrie (Geometrie) ist der Theil der ausübenden Feldmeßkunst, welcher lehrt., wie man die Körper nicht nur ausrechnen oder ihren Inhalt finden, sondern auch, wie man sie nach Verlangen zerschneiden kann. Euclid und Archimed (s. d. Art.) habe» den ersten Grund zu dies.r Wissenschaft, welche für Ingenieurs, Bauleute rc. unentbehrlich ist, und auch bisweilen die Visir-Kunst genannt wird, gelegt. Die Stereotypie ist die Kunst, erhabene Schriftplatten zum Druck durch die Buchdruckerpresse zu verfertigen. Diese merkwürdige Erfindung wurde eigentlich von einem gewissen Hofmann bei Beaumarchais in K hl gemacht, »nd D > dot, dem man sie auch zuschrcibt, wandte sie zuerst im Großen an. Das Verfahren dabei ist verschieden. Erste Art: Hier werden die Schriftcolumnen aus gewöbnlichen Buchdruckcrletteri,, nachdem sic, wie gewöhnlich jeden Werk, gesetzt und die Probcbogen corrigirt worden sind, auf der untern Seite so verschmolzen, daß sie ein festes Ganze machen. Mit dieser wurden die Begaischen Logarithmen von Didot gedruckt. Zweite Art: Die aufgesetzten Schriftcolumnen werden in feinem Saude abgedruckt, u„d auS dieser vertieften Form eine erhöhte 46 t» Ste metallene Schriftcolumne abgegossen. Dieses Verfahren, welches unter dem Nahmen kal^r/psge bekannt ist, hat eigentlich der vorher erwähnte Hofmann erfunden; er gab auch ein Journal: pe, auf diese Weise gedruckt, heraus. Dritte Versah rungsart: Es werden dte gesetzten Schrifkcolumnen mittelst einer der Guillotine ähnlichen Maschine (Ramm) tn Metall oder andere Masse eingeschlagen, und die dadurch gewonnene vertiefte Form auf fließendes Schriftmetall abgeklatschk, um eine erhöhte Schrif,platte zu erhalten. Vierte Art: Hier werden, statt erhabener Buchstaben, in Form derselben vertiefte Matrizen gegossen und Columnrnweise abge fetzt; mit diesen vertieften Columnen dann auS fließendem Schriftmetall eine 'erhabene Schrkftplatte abgeklatschk. Die fünfte D e r- fahrungsart gleicht der obigen, nur mit dem Unterschiede, daß die Matrizen aus Kupfer bestehen, in welches die Buchstaben durch Stempel ringeschlagen werden. Dieses von Herhahn in Paris angewandte Verfahren ist das vollkommenste. — Auch die Engländer haben ihr bisher gegen diese Erfindung gehegtes Vorurkheil abgelegt, und Adam Wilson in London fängt nun ebenfalls an, Autoren auf diese Art zu drucken. Steril, (Lat.) unfruchtbar. Die sterile Classe heißt diese, nlge Classe der Staatsbürger, welche keine Naturprodukte zieht. — Sterilität, die Unfiuchtbarkeit. Abbb Sterkel, geboren zu Würzburg .7^4, hat als Clavier. componist einen sehr bedeutenden Rang — besonders bei den Damen — erlangt. Im Jahre 178- ging er auf Kosten seines Herrn, des Churfürsten von Mainz, nach Italien, und erwarb sich, besonders zu Rom und Neapel, »Hecks durch fein Spick, kheils aber auch durch sein Benehmen, den ansehnlichsten Beifal, den er auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland durch seine fortgesetzten Arbeiten, besonders für s Clavier, beizubehalten scheint. Sterkel ist gegenwärtig Kapellmeister deS Fürsten PrimaS. ^ * Sterlet, (Russ.) ein Knorpelfisch, besonders im Kaspischen Meere, der auch, wie der Hansen, Kaviar liefert. Sterling ist eine Englische Münzwährung, nach welcher die Rechenmünzen bestimmt werden. Der Nähme rührt her von Ca sterling, welches so viel heißt, als einer, der in England gegen Osten wohnt: d»eß waren nähmt,ch dre Niederländer, von denen einige vom König Johann nach England zur Einrichtung des Münzwesens be- rufen wurden, und von denen nachher die Münzen den Nahmen erhielten, woraus durch Abkürzung Sterling geworden ist Ein Pfund Sterling nnn (welches wieder 20 Schillinge Sterling oder 4 Englische Kronen hat) galt ehemahls nur „ach »nserm Gelde 4 Rcichsihaler; allein nach dem jetzige» WechsclcourS steht es wohl ge. gen 6 1/2 Reichsthaler. Ein Schilling Sterling macht unge- rühr 7 4/; Groschen. Srern, wird unter andern der mittelste schwarze Flecken im Augapfel; desgleichen cm rundlicher Flecken auf der Stirn eines Thie- rcs genannt. — Srern-Kreuz-Ordkns-Damen, heißen die Sie 46» weiblichen Mitglieder eines Ordens, welchen die Gemahlin Kaiser Leo« polds I. 1668 stiftete, zum Scdächtniß eines bei der Abbrennung der neuen Burg unversehrt gebliebenen Stückchens aus dem Kreuze Christi. Zu Mitgliedern werden nur Domen aus dem höher» Adel ausgenommen. — Sternschanze, eine sternförmig angelegte Schanze. Sternbilder nennt man eine gewisse Anzahl nahe beisammen befindlicher Sterne, die ihrem Stande am Himmel nach eine gewisse Figur oder ein Bild darstellen. Bei der unzähligen Menge der Sterne, welche am Firmamente glänzen, war eS nöthig, eine solche Abthcilung oder Abzeichnung zu machen, damit man die einzelnen gehörig unterscheiden könne; auch ist dieses Hülfsmittel der Sternkunde uralt, und wahrscheinlich von den Chaldäern erfunden. Die himmlischen Zeichen, so wie ste noch bei uns gebräuchlich, sind von den Griechen auf die Römer, und von diesen auf unS gekommen: eö find deren i) zwölf im Thierkreise (Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Scorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische); 2) ein und zwanzig in der nördlichen Halbkugel (großer und kleiner Bär, Drache, Crphcus, Cassiopeia, Andromeda, Perseus, Pegasus, kleines Pferd, nördlicher Triangel, Fuhrmann, DooteS, nördliche Krone, Ophiuchus, Schlange, Herkules, Adler, Pfeil, Leier, Schwan, Delphin); 2) fünfzehn ,n der südlichen Halbkugel (Orion, Wallfisch, Eridanus, Hase, klei» ner und großer Hund, Hydra, Becher, Rabe, Centaur, Wolf, Al- rar, südlicher Fisch, Schiff Args, südliche Krone). In der Folge find denn nun freilich bedeutende Veränderungen mit diesen Bildern vor- gcfallen, auch wohl neue hinzugekommen (z. B. das Haar der Berenice, daS Bild des Antinous re.): auch die kleinern Sterne, welche von den Alken »»beachtet blieben, wurden von den neuern Astronomen in Bilder zusammengesetzt; die Seefahrer, besonders die Portugiesen, lernten neue Sterne auf ihren Reisen auf der südlichen Halbkugel kennen, und bestimmten auch neue Bilder; und eben so hak man i» den neuesten Zeiten immer »och Raum für neue, zum Theii von berühmten Männern und Gelehrten (z. B. von Friedrich dem Großen, Herschel re.) hergenommrne Benennungen gesunden. Uebrigens werden die Fixsterne der Sternbilder, um ste'zu unlerschri. den, mit Griechischen Buchstaben bezeichnet, und sonach die Sterne erster Größe mit «, die der zweiten mit der dritten mit ^ rc. ange- deulet. — Noch verdient der heilige Eifer eines Augsburger Patn-- cirrs, Schiller, bemerkt zu werden, welcher die heidnische Benennung der Sternbilder anstößig fand, und an deren Statt lieber biblische Benennungen einsühren, und so den Thierkreis mit den zwölf Aposteln, und He beiden Halbkugeln mit Bildern aus dem alten und neuen Testamente besetzen wollte; allein da dieß zu großen Verwirrungen An laß gegeben hätte, blieben sie ohne Aufmerksamkeit und Nachahmung. Slerndeuterei, s. Astrologie. Lorenz Sterne — einer der originellsten, aufgewecktesten und witzigsten köpfe, die je in der Literatur der Britten Epoche gemach! habe»; vorzüglich aber der launigste aller Englischen Schriftsteller, wie Garve mit Recht rvn ihm urrhcilr — war 17-2 zuClpW» Ste well im südliche«» Jeland (nach Andern in Dublin) geboren. Sein Charakter war edel und menschenfreundlich; mit der Gabe eines herrlichen Gesellschafters und ungemein witzigen und scherzhaften Genies verband er eine große Offenherzigkeit und Wahrheitsliebe; sein ungebundenes und freies Betragen bildete ihn zum freimüthigsten Satyri- ker; allein wo er auf der einen Seite durch Bitterkeit beleidigte, oder durch komische Kleidertrocht und viele Eigenheiten auffiel, da gewann er auf der ander» wieder durch gründliche Kenntnisse und durch ein feines und uuverdorbenes, von der feurigsten Phantasie geleitetes Gefühl. Sein Baker, ein Lieutenant, ließ ihn zu Cambridge Theologie ! studiren; aber er verwendet? seine meiste Zeit auf schöne Wissenschaften oder sonderbare Geniestreiche, und verließ jene hohe Schule mit ^ dem Rufe eines'unschädlichen Sonderlings. Bald nachher aber ent- ! wickelte sich siin Talent, uird er wurde, nachdem er eine Präbende zu Jork und zwei Pfarrstellen erhalten bme, bald allgemein berühmt, i Er ließ das Pfarramt meistens durch Bicare verwalten, reiste seiner ! Gesundheit wegen 1762 bis 1764 nach Frankreich, und «76z nach ^ Jtalieu, und starb endlich bald »ach seiner Rückkehr «768, ohne das Geringste von jener Heiterkeit verloren zu haben. die ihn in allen Vorfällen des Lebens begleitete. Wenige Schriftsteller haben auf den herrschenden Geschmack so viel Einfluß gehabt, und ein io zahlreiches Publicum erhalten, als er, und auch Deutschland wählte ihn lange Zeit zum Liebiingsschristst!l:r. Sein erstes Werk, ei» Roman: Le- ^ den 11 od Meinung?» deSTristramShandy.6 Bände in 8. (Deutsch überseht von Bove), ist ein sonderbares, dem ersten Anschein nach planloses und unoerfiändliches Buck,; allein der Ken- > „er findet darin tue treffendste Satyre auf die Englische Verfassung ! mid die Sitten der bürgerlichen Gesellschaft, unvergleichliche Cbarak- j rerzeichnungen, feine naive Empfindungen, lind einen unerschöpflichen Schatz von echtkomischer Laune. Er schildert sich hier unter andern selbst, unter dem angenommenen Nahmen Jorick, mit liebenswürdiger Aufrichtigkeit, und behielt diese» ihm sehr wohlgefallenden Nahmen in seinen folgenden Schriften bei. Bald erschienen Joricks ! Predigten, herausgegeben von Sterne, ein ebenfalls originelles Werk, worin er, mit Hintansetzung alles Kanzeltons, die reinste Moral lehrt, aber auch hier seine eigenkhümliche Denkungsart nicht verbergen kann, und in dem letzten Thcile derselben, die auch unter dem besonder« Titel: Joricks Reden an Esel, erschienen find, die Englische Geistlichkeit und Verfassung empfindlich verspot- 1 ret. Allein berühmter noch ist Joricks empfindsame Reise ! durch Frankreich und Italien, in 2 Octavbäntzen, worin er mit der geheimsten Kenntniß des menschlichen Herzens, mit echter Naivetät und komischer Darstellung, so wie mit dem zärtlichsten Gefühl und der lebhafteste,, (freilich bisweilen etwas zu zügellosen) Einbildungskraft seine und seines trefflich charakterisirten Bedienten, La Fleur, nach Frankreich unternommene Reise und die dabei sorge- falleuer, Licbesabentheuer b-sthfxjbt. Nirgends herrscht Ueberkreibung; überall ist der Styl hinreißend und voll von verborgenen Feinheiten, die sich selbst dem Auge des geübten Lesers nicht sogleich entdecken- S t e 46^ Wir müssen daher, ungeachtet unS Bode, der auch diese- Werk meisterhaft übersetzt hat, eine schöne Fortsetzung desselben lieferte, den, noch bedauern, daß der Tod den Dcrsaffer vor der Vollendung über- eilkc, da er noch nicht einmahl die Reise nach Frankreich ganz beschrieben halte: diese- Buch, damahlS einzig in seiner Art, machteeinen außerordentlichen und allgemeinen Eindruck: und das Heer der Nachahmer verfertigte, um den veränderten Geschmack de- Publikums zu benutzen, wetteifernd zahllose empfindsame Reisen, aber die meisten waren elend und Yorick blieb unnachahmlich; auch ist der Geschmack i an dergleichen Reise» zur Ehre unserer Literatur jetzt fast ganz per» ! schwunden. Noch verdient ein Werk von Sterne bemerkt zu werden , das erst nach sein ein Lode erschien, aähmlich die Briefe z w i- > scheu N»rick und Elisen (ebenfalls von Bode ins Deutsche übersetzt). Diese Elise war ein Ostindisches verheirathetes Frauen- . ziminer, die der Verfasser, während sie sich ihrer Gesundheit wegen eine Zeit lang in England aufhielt, liebgewonnen hatte: und mi, ver ! er Briefe wechselte, die die reinste platonische Liebe athmen, und in ! der schönsten Schreibart abgefaßt find. Die Briefe von Sterne an seine Freunde, die er bei verschiedenen Gelegenheiten schrieb, sind auch erst nach seinem Tode herausgegeben, und gleichfalls von Bode, der sich um Sterne überhaupt sehr verdient gemacht hat, übersetzt worden. Sternkegel heißen gewisse von Pappe verfertigte gleichseitige Leget, worauf die bohle Kugelfläche des gestirnten Himmels vorge- stellt wird. Jede Halbkugel des Himmel- füllt die innere Fläche eines solchen Kegels aus, so daß der Pol in die Spitze, der Aequa- > tor aber in den Umkreis der Grundfläche fallt. Funk in Leipzig hat diese Sternkegel, besonders durch die neue Ausgabe (Leipz. -777) ! vervollkommnet. Sternkunde, s. Astronomie. Die Skernschnuppe ist eine Lufterscheinung, über deren Entsetzung und wahre Natur die Physiker, trotz der Nachforschungen, > noch nicht einig sind. Bekanntlich sicht man des Abends, im Sommer eben sowohl, als im Herbste und Winter, einige Stunden nach Sonnenuntergang und spater in die Nacht hinein, bei hellgefiirntem Himmel aus den ober» Regionen der Atmosphäre häufig eine leuchtende, flammende, stcrnähnliche Substanz, dem Anschein nach, auf , die Erde herabfallen. Da sie gleichsam von einem Sterne auszug'- he», und, wie die Schnuppe von einem Lichte, abzufaüen scheint, ! so hat man ihr jenen Nahmen gegeben, und auch wirklich in den vo. ^ rigen Zeilen es als Schnuppen von den Sternen angesehen, ja selbst eine gewisse gallertartige, gelbbräunliche Substanz, die man etwa zufälliger Weise in der Gegend, wo jene Erscheinung bingefallcn, gefunden hat, als Rückstand derselben ausgegeben. Uebcr die Entstehung und Natur dieses Meteors ist man nicht einig, indem es Man- che für elektrische Erscheinungen, die Mrhresten sür öhllichke Dünste, die sich in der Atmosphäre entzünden, oder wenigstens leuchten, noch Andere für chemische Operationen ansehen, die in der Atmosphäre durch tie V.Windung und gegenseitige Wirkung der verschiedenen Gasatten 464 Ste erfolgen. Man sieht dem Resultate von den unermüdeten Untersuchungen der Physiker und Meteorologen über diese so häufigen und rälhsel. haften Erscheinungen mit um so gegründeterer Erwartung entgegen, da man schon die Geschwindigkeit, die Entfernungen und Bahnen der Sternschnuppen zu ineffen versucht hat. Die Sternwarte ist ein Gebäude, in Gestalt eines runden Thurms, um hier die Sterne und die Bewegung derselben zu drohten (s. auch den Art. Observator«» m). Sterz, Sterze, heißt jedes lange hinten hervorragende Ding, z. B. Pflugsterze, d. t. ein hinten am Pfluge hervorragendes Holz, womit er regiert wird. Kuhsterze, d. Kuhschwanz. — Sterz- ! wurm, eine Krankheit des Rindviehs, wo der Sterz oder Schwanz > ganz verwelkt, woran taS Vieh in kurzer Zeit stirbt. i 8r. Ltienue, (Franz. Sengt Etienne) eine Französische Stadt im Departement der L-oire, hat 16000 Einwohner, welche Messer, Gewehre, Band rc. verfertigen. Stetig, nennt man »n der Mathematik eine Größe, wsnn alle ihre Theile ohne Unterbrechung an einander liegen, so daß sich ntchlS ! zwischen denselben befindet, was nicht zu der Größe selbst gehört. Stettin, die Hauptstadt des glelchbcnannlen Herzogthums in Vorpommern, an der linken Seite der Oder (welche sich in einer Entfernung von -8 Meilen durch das Haff und die kleine Meerenge in die Ostsee ergießt), war ehedem mit in dem berühmten Hansebunde begriffen, und ist jeßk noch die vornehmste und beträchtlichste Han- j delsstadt in Pommern. Außer den mancherlei Fabriken und Manufakturen (z. B. der Rasch - und Zeugweberei, Zuckerraffmeric, Tabaks - und Segeltuch Fabrik rc.) ist hauptsächlich die Schifffahrt und § der Handel, vorzüglich der Holz- und Weinhanbel, der beträchtlichste Nayrungszweig der Einwohner, wozu der Odcrsirom freilich das Meiste beitragt, indem Stettin selbst große Lastschiffe auf der Sce hat, und auch mehrere Nationen, besonders Schweden, Dänen und Holländer, nicht minder auch Engländer, Franzosen und Spanier sie besuchen, so daß diese Stadt der Stapelort für die beträchtliche Ein-unL Ausfuhr der umliegenden Länder bleibt. Auch ist der Schiff- ^ bau durch seine beträchtliche Zunahme in den neueste» Zeiten ein wichtiger Handelszweig geworden. Sie genirßt auch nebst der Stapelge- rechtigkeit noch mehrere Handelsprivilegien, und umfaßt ungefähr iA,oo» Einwohner. Ein königl. akademisches Gymnasium, mehrere bedeutende Schulen, die königl. Regierung über Vor - und Hinker- pommern, so wie noch andere Collegia, mache» die Stadt ebenfalls > lebhaft. — Sie gehörte übrigens seit dem Westphälischen Frieden ! Schwede», wurde aber 171z von den Nordischen Alliitte» ein - und von Preußen in Sigucstratiou genommen, bis sie denn endlich i/ro der Krone Preußen ganz abgetreten wurde. Steiler oder Steuerruder, nennt man dasjenige Ruder, durch welches der Lauf eines Schiffs bestimmt oder gerichtet wird, »vo gegen alle übrige Ruder nur das Fortkommen desselben überhaupt bewirken. -—Steuerbord, ist derjenige Theil eines Schiffs, wel- chcr rechter Hand liegt, wenn man vom Hintertheile nach dem M Sie 46L ßen^Maste siebt» — Steuermann ist derjenige Schiffer, welcher das Steuerruder führ!, von dem folglich der ganze Lauf und die Sicherheit dcS Schiffs abhängt. Er ist, seinem Range nach, Öfficier. Steuern heißen in der Geseßessprache der Deutschen solche Geldabgaben, welche Unlerkhanen entweder wegen ihrer liegenden Gründe (Land- oder Grundsteuern), oder wegen gewisser Sachen (Fleisch-, Bier-, Weinsteucr rc), oder aber bloß wegen ihrer Personen (Personen-, Kopfsteuer), entweder jährlich oder, in einzelnen ein- tretenden Fällen, zu Bestreitung der öffentlichen Bedürfnisse unmittel- > dar an den Landesherrn zu entrichten haben. Nur die erstere Gattung > von Steuern macht in der Gesetzes - und Gerichtssprache eine Real- ^ last aus, die letzter» beiden aber sind bloß persönlich, mithin auch ! bloß auf Personen oder* auf gewisse Gewerbe eingeschränkt. — Ohne uns auf eine vollständige Abhandlung über das in Deutschland gelten- j de Steuerwesen einzulassen, geben wir unfern Lesern nur einen kleinen Uederdlick über die Entstehung der Steuern und deren allmahliges Ein- ! psrsteigcn bis zu den gegenwärtigen Zeiten. Man würde sich sehr irren, wenn man die den Deutschen Unker- thane» heut zu Tage obliegende Steuerverbindlichkeit aus zu entfern- len Zeiten Meilen wollte; Zuverlässig wußte man vor dem sechzehnten Jahrhundert in keiner Deutschen Provinz etwas von dergleichen Steuern, weder von Real-, noch von Personen - und Gewerbsteu^rn. Nicht rinmahl bei Reichskriegen, in welchen die Deutschen Fürsten, dem Lehnssysteme gemäß, dem Kaiser nebst ihren Lehnmännern beizu- stehen verbindlich waren, durften dieselben von ihren Unterthancn zu Ausrüstung ihres Contingcnks eine Bcihülfe an Geld oder sonst etwas ^ fordern, sondern mußten allen hierbei erforderlichen Aufwand aus ih- ^ ren Kammergütern, eben so wie die Besoldungen für ihee Beamten und StaatSbedicnten, ingleichen die Erfordernisse für ihren Hofstaat, bestreiten. Zwar war eS vor diesem Zeiträume schon zuweilen der Fall, daß die Revenuen aus den Kammergütern nicht immer, besonders bei zu häufigen oder zu langen'Kriegen, bei zu zahlreichen Familien (wo ! für die Prinzen ein Hofstaat, für die Prinzessinnen eine Ausstattung erforderlich war), oder auch bei eigner Verschwendung, ausrcichen wollten; in solchen Fällen nun waren sie nicht selten genöthigk, etwas von ihren Ländern, um baares Geld zu bekommen, an Andere verpfänden zu müssen *). Doch waren die Länderverpfändungcn vor *) Daher die vielen Pfandschaftea, besonder- in denjenigen Deutschen Kreisen, die a»S weltlichen und geistlichen Gliedern b-stcbcn; so hat z. B. da« von jeher so reiche Erzstist Mainz mehrere dergleichen Pfandschaften an sich gebracht» auch sich sogar oom Kaises damit belehnen lasten, welche am Ende entweder gar nicht wieder ein- gelöst worden sind, oder die es nicht wieder herausaab, wenn auch in der Folge die wahren Eigenchi'imer oder deren Descendenten solche einzulbse» bereit waren. Die Geschichte de« Deutschen Reichs kann sehr viele dergleichen Pfandsch-sten an geistliche Sliftunqe» aufweisen, weil bei dir en immer genug baares Geld vorräldiq war, und nie gegen Geldzinsen au-gebotgt wutde- Auch g„ bloße Pri» Eon». Lex. Fünfter Band. G g 46S Sie Ken, sechzehnten Jahrhundert nicht das einzige Mittel, wodurch die ! Deutschen Fürsten zu Bestreitung ihrer — nöthigen und unnölhigen ! Ausgaben sich baarcs Geld zu verschaffen wußten; gewiß noch häufiger schlugen sie folgenden Weg ein, daß sie nahmlich die Vorzüglichsten im Volke, daS heißt, die Rittergutsbesitzer und die Repräsentanten der Städte zusammenberiefen» denselben ihre Noth und Anliegen votru- gcn, sie baten, ihre Schulden zu bezahlen, oder ihr Bebürfniß ^ zu befriedigen *). Dieß geschah, der Adei^ ging so eine Bewilligung rin, doch so, daß er für seine Rittergüter davon ausgenommen wurde, indem er zu Kriegszeitrn seinem Fürsten , als Lehnsherrn, entweder persönlich beistehen, oder ein Aequioalent an Gelbe (R i k tcr- pferdsgeld) geben mußte; dagegen aber wurde diese Bewilligung von seinen Unkcrthanen, nach Verhaltniß ihrer Besitzungen, beigetrie- b n. Auch die ansäßigcn Bürger in den Städten wurden zu Entrichtung einer solchen Bewilligung durch ihre Magisträte verbindlich gemacht. Doch waren dergleichen Bewilligungen nicht fortdauernd, nicht festgesetzte, jährlich zu leistende Abgaben, sondern bloß zu dem angegebenen Behufs zu entrichten, mithin temporär, und nur so lange dauernd, bis dem Bedürfnisse des Fürsten abgeholfen war. Und um dessen gehörig versichert zu seyn, mußten die Fürsten auch sogar versprechen und sich rrversiren» daß sie diese Abgaben als bloße Derwilligun- gen ansehen, und nicht als Reallasten für die Zukunft von den Untcr- thanen fordern wollten. Mit Recht nannte man daher solche Abgaben in dem damahligen Zeiträume nur Beden oder Beten (Bitten), prekäre Leistungen (grscarla), da sie ganz in der Willkühr der Unrerthanen beruhten. So sahen vor dem sechzehnten Jahrhundert die Abgaben der Deutschen Unterthanen an ihre Landesfürsten aus. Wollt« man dieselben Steuern nennen, so kann man es zwar thun, doch muß man sie mit unfern jetzt gewöhnlichen Steuern, ohne wider die Geschichte offenbar zu verstoßen, ja nicht vergleichen.—Ganz anders aber im sechzehnte» Jahrhundert. Im Reichsabschiede von 154z wurde den Rcichs- ständen verstattet, ihre Unterthanen zu besteuern, weil sie nicht mehr im Stande waren, die Reichsprästationen an Römermonarhen und Kammerzielern aus ihren Kammergütern entrichten zu können. Zn der Folge der Zeit wurde dieß bei mehrern Gelegenheiten wieder- hohlt, und nach und nach reichsoerfassungsmäßig; ja, es wurde von vatleute, z. B. au ihre Vasallen, verpfändeten sie bei vorhandenem Geldmangel nicht selten einzelne Güter. *) Bo» bier fangen die in Deutschen Landen bis auf heutigen Tag gewöhnlichen Landtage oder Landesversa m mlu»gen an; aber auch das Aufkommen der Landstäade ist schon hier zu suchen. *) Mas die Römermon athe bis zum Z. i»o6. wo sich die Deutsche Aeich-o«lsass»ag gänzlich auflöft«, gewxsep sind, ersieht man aus diesem Art. seldii, und die Kammerzieler — in d. Art. Reichs» Cammergecicht. Diese machten die ordentlichen Reichssteueca aus; jene aber waren nur außerordentliche. Ste l »un an die Besteuerung der Unterthaven sogar immer mehr und mehr nöthig, nachdem die Reichsstände, besonders die größer» , dem Beispiele des Kaisers zu Folge, in ihren Landen auch ste« hende Armeen zu halten für nöthig befanden, auch zu der Kreisoerfassung öftere Anlagen erforderlich waren; hauptsächlich aber, nachdem die Anzahl der Beamten an den Höfen, an Räthen, Ministern und Gesandten so sehr hatte vermehrt werden müssen. Dieses von d m Kaiser den Rcichsstanden »erstattete Befugniß, ihre Unterthanen besteuern zu können, hieß, in Beziehung auf Kaiser und Reich, bloß sur »ukcollectaocki (Unt er b esteu eru n gsrech t , besser Afterbeste u er un g s re cht). indem dasselbe eigentlich nur erst durch die fürs Reich erforderlichen Anlagen in Gang gekommen, und durch diese veranlaßt worden war. Diese Steuern nun, so wie ste gegenwärtig fast in allen Landen und Reichen zu entrichten find, werden, wie gleich Anfangs erwähnt worden, entweder von liegenden Gründen entrichtet, oder die Unterthanen müssen wegen ihres Gewerbes , oder bloß für ihre Personen, jährlich eine gewisse Summe geben. I) Bei jenen Steuern von liegenden Gründen ist die Größe oder die Kleinheit der Grundstücke derMaaß» stab, »ach welchem mehr oder weniger Steuern entrichtet werden. Diese Realsteuern nun, welche jährlich in gewissen Terminen abgetragen werden » sind bleibend, jedoch nicht immer gleich groß, sondern richten sich nach den Bedürfnissen eines Landes. Sind diese groß, so stehen auch die Steuern mit ihnen in gleichem Verhältnisse, Gemeiniglich werden ste nach Kreisen oder nach Distrikten in einem Lande vertheilt, und die Abtragung derselben aus eine Anzahl Jahre in gewissen Partikeln bewilligt, deren Benennungen in jedem L nde verschieden sind , z. B. in Sachsen Quatember. Was !l) die Säuern betrifft, welche von gewissen Gewerben zu entrichten sind, so haben sie in dem Gewerbe selbst ihren Maaßstab, welchen der Fürst aus der mehrern oder mindern Entbehrlichkeit gewisser Waren und Sachen abzuleiten pflegt; je größer die Consumtion der Waren, desto mehrere Steuern. — Von dieser Gattung der Steuern unterscheidet sich eine andere Art landesherrlicher Abgaben , nähmlich die Accise. In den Reichsgesetzen kommt dieser Name über dessen Ursprung man den Art. Accise , Nachsehen kann, gar nicht vor, läßt sich jedoch reichsgesetzlich vertheidizen , indem dieselben den Reichsstän, den erlauben, mit den in ihren Landen einmahl festgesetzten Steuern ^ nöthige Erhöhungen ohne Einwilligung des Kaisers, vornehmen zu dürfen. Diese Accise nun — welche gemeiniglich nur in solchen Ländern eingeführt ist, deren Fürst viele und große Bedürfnisse hat, z. B. nach der Lage seiner Besitzungen ein zahlreiches Militair Hallen, oder wegen der Erhabenheit seines Ranges an seinem Hose einen gewissen Glanz verbreiten muß (daher denn auch in den Landen kleiner Fürsten die Accise gemeiniglich unter die unbekannten Dinge gehört)— schränkt sich einzig und allein auf den Handel ein; es sey nun, daß einer entweder mit erkauften Waren handelt, — und diese sind schlechterdings auch sogar bei jeder wiederhohlten Veräußerung bis sie G g s 468 St- gänzlich confumirt und verbrauch« worden, der Accise unter- ^ Ä/ — oder aber. daß er seine eignen Producte an einen fremden ^'rt »um Verkauf schaffen läßt. Natürlich muß bei Regulirung > Accjft der Landesfürst mehrere Dinge berücksichtigen, um den ge. ^./ickuiaen Maaßstab für sie zu finden, z. B. die mehrere oder ^ E/- -r.i^bebrlickkeit fremder Waren für seinen Staat selbst die seiner Lande, den Fleiß und die Geschicklichkeit seiner Einwohner deren Vermögensumflände, und haupisachlich die Landeserzeug- ^.7e Sind dah„ solche fremde Waren in seinen «Staaten gänzlich ^ntbAn. s-we^ -den so, wie die bloßen Luxuswaren , ^ i^-r Aeeise bock: hingegen, wenn sie weniger oder gar Nicht M ! entbehren sind - auch niedriger angeseyt werden können. ^ Endlich Hl) ! ern welche bloß von den Personen als Personen ent- > richttt werden, betreffend , so schränken sich solche bloß auf das Leben den individuellen Stand und Rang irgend eines Unterlhanen ein, K Lu -uch " "d-ms->b-- m glnch.»^ D.ch-ttmff-X »id„ » l d-, R»n,. d-st- »X S--U» Su w-rd,n udng-»r A-Xch entrichte-, etwa in jwey oder mehrern Terminen, und bleiben sich be- tUndig gleich, so. daß sie weder erhöht, noch vermindert werden, «luch baden sie das Eigne, daß wenig oder gar keine Befreiungen da. ^ n.i «Lkomwen sondern Jedermann im Staate, vom Größten bis zum Kleinsten, ohne Unterschied des Geschlechts. denselben unkerwür- '^St Eustachius, eine kleine pon 5000 Freyen und lsooy Negern bewohnte Insel der Holländer unter den Antillen, erzeugt Zu- e v^'n^.' sind an einem Schiffe zwey starke aufrecht stehende ! Bauhölzer an den bcydrn Enden deS Kiels, wovon der Vorder - Steven dem >8 ordert heile und der Hinter - Steven dem Hinter- tbeile seine Gestalt und Festigkeit gibt. ^ 8tsvvLrci, (engl. Sluärd) heißt in England der Oberlichter, welcher einer der höchsten Reichsbeamten ist, und seht nur dann, , wenn es nöthig ist, z- B. bey Krönungen, oder wenn einem Pair des Sochverratks wegen der Prsccß gemacht werden soll, gewählt wird Eben diesen Namen führt aucy der königliche Großhaushof- mcister, unter welchem alle Bediente stehen, die Eapell - und Stallleut. ' Sreyermark (Oucaruz Sr/rias,) ein Herzogthum ,m Oester- reichischen Kreise, gegen Morgen an Ungarn, gegen Mittag an Krain, aeacn Abend an Salzburg und Kärnthen, und gegen Mitternacht an das Erzherzoathum Oesterreich grenzend, wird eingetheilk 1) in Oberste y er mar? (gegen Salzburg hin,) das zwar sehr gebirgig ist, aber schöne Thäl-r und herrliche Viehweide, auch eine weit gesündere Luft hat, als 2) inNieder Steyermark, gegen Ungarn und Croatien zu gelegen; z) in die Grafschaft Silly , gegen Krain und Sroatien. Die nördliche Halste hat große und steile Gebirge; Unter- Steyermar? dagegen ist flach. Die Oberfläche von ganz Steyermark wir» L 40 geographische Q ladratmeilen angegeben, und es ist, >m Ganzen Genommen, «in sehr gesegnetes Land, indem öS alle natürli« > Eli 46- che Rekchthümer der Erde und die Bedürfnisse des Lebens im Überflüsse besitzt. Die Volksmasse beträgt ungefähr zwischen 8 — 900,000 Seelen. Acker - und Weinbau, so wie die Viehzucht, find sehr ansehnlich ; besondern Reichthum aber gewähren dem Lande die Mineralien, als Kalksteine, Marmor, Gips, Bergkristalle, Vitriol, Salpeter :c. An Eisen hat es beynahe vor ganz Deutschland den Vorzug, und durch die Eisenwerke wird daS Fadriksach auf einen hohen Grad gebracht, so , daß man den Werth ihrer Hervorbringungen aus einige Millionen Gulden jährlich anschlagt. (Die Senscnschmiede allein lie, fern gegen i Milk. ZOO,ovo Stück Ware.) An wilden Thieren hat es Hirsche, Luchse, Bären, Wölfe, Füchse rc,— Die Hauptstadt vom ganzen Hrrzogthum ist Grätz; und der größte Flnß im Lande, der cs auch ganz durchströmt, ist die Muhr. Sthenie — Asthenie: diese Worte (aus dem Griechischen, wo jenes Kraft, Stärke, dieses Schwäche kedcudet,) welche in der Arzneikunde durch das Brownsche System zuerst Eingang gefunden, haben mit diesem zugleich sehr bedeutende Aufmerksamkeit erregt. Es mag hier genug sehn, ohne gerade Lie Brownsche Theorie naher zu berühren» eine bloße Andeutung zu geben : weir- läuftige Entwickelung ist hier ohnehin nicht zu erwarten. — Das Leben des Lhiereö ist ein erzwungener Zustand. Der Organismus ist begabt mit einer gewissen Summe von Erregbarkeit: diese aber ist verschieden nach der Verschiedenheit der Gebilde (Organe) des ganzen Organismus. Wenn diese Erregbarkeit durch innere oder äußere Reitze in Thätigkeit versetzt wird, so entsteht das Product, was wir Leben nennen. Zum gesunden Leben gehört, baß die Summe der Erregbarkeit den Reitze» angemessen sey. Ist der Grad des Reitzes zu jchwach, um eine gehörige Regung zu bewirken, so entsteht Asthenie, und im entgegengesetzten Falle S the n ie (oder, wie man wohl richtiger sagen möchte, Hyp erst h r n i e.) Die Asthenie nun ist zweierlei: ist der Reitz der Erregbarkeit zu schwach, entsteht nicht Erregung genug , so ist es direkte Asthenie; ist hingegen die Reihung für die Summe der Erregbarkeit zu stark, so entsteht Hipersthenie: es wird zu viel Erregbarkeit consumirt, und dadurch entsteht indirekte Asthenie, 8 1. L'e , die Hauptstadt von llio 6e In ?Isks in Paraguay. St. Gallen, eine der ansehnlichsten Städte der Schweitzen- schen Eydgenossenschaft, enthält in i^zo Häusern und ihrem kleinen Gebiete auf 9500 rrformtrte Einwohner. Die Abtey gleiches Namens wird durch eine sehr hohe Mauer von der Stade abgesondert. Die hiesige Bibliothek besitzt viele seltene Handschriften. St. Georgen am Hof , eine Bayrcukhische Stadl an der Sächsischen Saale, artig gebaut, mit 600 Häusern, einem ansehnlichen Schlosse, und einem wegen seiner Marmorarbeit berühmten Zuchthause. 8t. 6erma,'n , (franz. Sengt Schermeng) eine Stadt unweit Paris, w Iche durch 2 königliche Lustschlösser zur Zeit Ludwigs des XIV. sehr in Ausnahme kam, und wo jährlich eine große Messe gehalten wird. 47 * Sli St. Goar, eine gebrechliche Stadt am Rhein (unter Französischer Herrschaft) im Departement des Rheins und der Mosel. 8t. 6obin, (französische Stadt in der ehmaligen Picardie, jetzt ii» Departement der Somme, durch eine vortreffliche Spiegelfabrik berühmt. St. Gotthard, ist der berühmteste Berg unter den Schweizerischen Alpen. Er nimmt im Cankvn Uri seinen Anfang und erstreckt sich durch das Walliserland und Graubündten bis nach Savoyen. 8». Helena , eine von den westlichen Inseln Afrika's, ähnlich einem in der Höhlung eines Felsens gebildeten Gartens mit schonen Früchten und wohlgebildeten Einwohnern. Slheno.s. Gorgonen. 8t. lsgo, eine von den sogenannten kapverdischen, d. i. am grünen Vorgebirge (Lspo verclo) auf der westlichen Küste von Afrika gelegenen Inseln, der Sitz deS Portugiesischen Statthalters. 8t. cks la VeZs, eine Stadl auf Jamaica, (S- dieses) der Sitz der Englischen Regierung. 8t. ckarne 5 , (Sengt Tschähms) s. ckame «. > 8t. Jan , eine von den kleinern Antillen, den Dänen gehö- z rig. Die Insel liefert Zucker, Baumwolle, Kaffee, Cacao. > Die Stichomantie (a. d. Griech. -) so nannte man eine Art von Wahrsagung aus Versen. Man schrieb nähmlich gewisse Verse, und zwar gewöhnlich sybillinische, auf Zettclchen, warf diese in ein Gefäß, „nd zog dann einen davon heraus, um sein künftiges Schick- I fal darauf zu lesen. - Stich-Rechnung, ist im Handel so viel als Tausch - Rech- - nung. Stich - Tag, der Dersteigerungs - oder Auctionstag. Stiefeletten , sind eine Art tuchner Stiefeln, die keine Schuhe haben, sondern über die Schuhe und Strümpfe gezogen und geknöpft werden. Das Stiergesecht , dieses für die Spanier so höchst interessante Fest, hat fast in jeder nur mittelmäßigen Stadt Spaniens das Bürgerrecht erlangt, so, daß die größten Kosten darauf gewendet, und z. B. die, welche es bloß dem Könige bei dem Stiergesechte zu Madrid kostet, auf 40,000 Tthl. jedes Mahl angeschlagen werden. Diese an sich selbst grausame Solennität besteht ungefähr in Folgendem: Einige Tage zuvor wird das Fest vom Könige angesagt, und dicß ist nun das Signal zu sehr großen Freudenbezeugungen, wo Musik und alle Lustbarkeiten ihren Anfang nehmen. Vor allem werden in den Andalusischen Gebirgen die wilden Ochsen eingesangen, welche dann in einen großen Stall (Toril) gebracht werden, welcher in der Mitte des Platzes, wo das Gefecht vor sich gehen soll, befindlich >st- Um diesen Platz herum sind denn nun in den 5 Geschoß hohen Häu- ssrn die schönsten und aufs prächtigste tapezirten Erker und Logen angebracht, des Königs Loge in der Mitte. Alles schöne und präckti« ge ist hier zu sehen: die Damen (sonst immer verschleiert) sind hier ganz frei und ohne Flor; die Cavalieri paradiren auf den herrlich- Sli 47» sie» Pferden; die Gesandten und andere Ttandespersonen fahren mit ihren Equipagen erst aus dem Platze umher, ehe sie in ihre Logen gehen. Sobald der König durch ein Schnupftuch das Zeichen g(bt, so rrird das Volk von dem Platze weggeschafft, und dieser mit Wasser begossen. Die königliche Garde muß, dicht zusammengeschlossrn, gleichsam die Schranken machen, durch welche sie auch keinen Skier durchlassen , sondern durch Vorhaltung der Hellebarden alle abwchren müssen. Die TorreadoreS , oder Eavaliers, welche mit den Stieren kämpfen, erscheinen in sehr zahlreichen Gefolge ihrer Diener, begrüßen unter Trompeten und Paukenschall den König und die ganze Assembler, und bitten ersiern um die Erlaubniß, mit den Stieren fechten zu dürfen (wobei jedoch nur der Edelmann zu Pferde fechten, ei» Bürgerlicher aber bloß zu Fuße streiken darf.) Dann bezeigen ste ihrer Dame ihre Ehrfurcht; und nun gibt der König seinen vornehmsten Bedienten den Schlüssel zu dem Toril, welcher geöffnet und daS Thier losgelassen wird. Der Stier durch Schreycn und Pfeifen der Leute, auch durch abgeworfene kleine Pfeile, welche im in die Haut fahren, noch grimmiger gemacht, geht nun aus einen Cavalier los, der allemahl sein Ankommcn erwarten muß, wo denn im An, fange die Lanze nachher aber der Degen oder Säbel gebraucht wird. Fällt endlich das Thier durch einen tödlichen Stich nieder, so schreit alles: Victor, Victor! und der Sieger trägt den höchsten Rubm davon : das Volk stürzt herzu, und haut den Skier, welcher sogleich außer den Schranken gebracht wird, in viele Stücken. Co werden wohl an jedem Tage — das Fest selbst dauert auch 4 Tage — auf 15 bis 20 Stiere gehetzt. Widersetzt sich ein Stier gar zu lange, so hetzt man endlich Englische Hunde auf ihn. Das Ganze ist aa sich selbst ein barbarisches Fest, das nie ohne Blutvergießen oder ohne einige Leichen abläufk; allein eben dieß, meinen die Spanier, sev der echte Charakter des Festes. Eben diese Lebensgefahr, und das Barbarische, das damit verbunden ist, hat öfters die Päpste bewogen, auf Abschaffung dieses grausame» Vergnügens zu dringen; allein die Spanier, die von dieser blutigen Fehde ganz bezaubert sind, haben sich dem Verbote jedes Mahl aufs heftigste widcrsetzt, und man bat es durch erkauften Ablaß für die Seelen derer, welche in solchen Gefechten bleiben, wieder gut zu machen gesucht. Stifte heißen solche Gemeinheiten (Corporationen) in einem Staate deren Glieder nicht allein Hu einem gemeinschaftlichen Leben, sondern auch zugleich zu Erreichung irgend eines bestimmten Zweckes, welcher entweder Religion, oder sonst et. was, zum Gegenstände hab«n kann, sich vereinigten. Sie sind denn nun, nach der Absicht ihrer Glieder, entweder we ltliche oder geistliche Stifte. Der Zweck der erstern kann mannigfaltig fern, z. B. Unterricht und Unterhalt bis zu bestimmten Jahren; meist aber besteht er darin, daß die Glieder eine ihrem Stande angemessene und anständige Versorgung in solchen erhallen. (In dieser Absicht sind das Magdalcnensiift in der Stadt Altenburg, ingleichen das Stift Joachimstein zu Radmcritz in der Oberlausitz, zwischen Zittau und Görlitz, für adeliche Fräuleins vorhanden, und diese in beiden sehr gut und standesmäßig versorgt, und so lange ste sich nicht rerheira- 4?r S'ti then. —1 Mehrere dieser weltlichen Stift e , bei welchen man weder Spuren des Klostcrlcbens, noch irgend einer geistlichen Gemeinheit entdecken wird, sind ohne Zweifel unter den Protestanten aus ehmaligen Klöstern entstanden, oder doch zum wenigsten aus den Gütern eingezogener Klöster großen Theils präbendirt worden, ob sie gleich auch noch aus andern Quellen, entweder von Landesfürsten, j oder von bloßen Privatleuten , ihre Fonds erhalten hab-n (wie z. B. ! daA oben genannte Stift Joachimstein einzig und allein der adelichen E Familie von Ziegler und Klipphausen seine Existenz zu verdanken hat.) Indessen ist hier, da die Anzahl der weltlichen Stifte bei weiten geringer , auch ihr Zweck nicht so weit umfassend ist, als der der geistlichen, hauptsächlich die Rede von den letzter», über welche wir etwas Näheres angeben wollen. Der Zweck aller geistlichen Stifte ist Religion , sey > es, daß die Handlung der,Glieder entweder bloß dem-Handelnden ! nutzt, oder daß auch zugleich Andere, die nicht zu der das Stift ausmachenden Gesellschaft gehören, Nutzen aus der Handlung schöpfen. ! Sie lassen sich, ihrem Range sowohl, als ihrer Bestimmung nach, abtheilen: i) in bloße Stifte, 2) in Hoch stifte, 3) in Erz stifte. Zu der erster» und niedrigsten Classe gehören die Klö- st er. Von diesen muß man nusgehen, wenn man von den Stiften sowohl, als den übrigen Klassen, eine deutliche und richtige Vorstel, luug haben will. — Die K l 0 st e r g e se ll sch a f t e n sind solche Gemeinheiten von Personen männlichen oder weiblichen Geschlechts, welche sowohl gemeinschaftlich bei einander leben, als auch zu bestimmten Stunden des Tages in ihren bei den Klöstern befindlichen Kirchen einstimmige Andachtsnbungen durch Beten und Singen, nach einer gewissen Regel oder Vorschrift, öffentlich halten müssen. Diese Klo, stergliedcr nun, Mönche und Nonnen genannt, sind als solche, im strengen Sinne genommen, nicht Geistliche, und haben daher auch nichts mit der Verwaltung der Sacramente zu thun, können nicht einmahl beim Gottesdienst den Segen sprechen u. s- w., gehören jedoch mit zu den kirchlichen Personen, weil ihr Beruf Religionsübungen bezweckt.- Doch ist es in der katholischen Kirche der gewöhnliche Fall, daß Mönche sich auch ordiniren lassen, und alsdann wie Geistliche auch alle jene Verrichtungen ausüben können. — Daß das christliche Klosterwesen als ein sehr altes Institut schon 305 von dem heiliaen An l 0 n i us gebildet; daß nachher von Pachomius für ^ abgesonderte Hauser gesorgt worden; daß endlich der heilige Bene- ^ dirt 51Y auf Monte Easflno im Neapolitanischen den nach ihm be- I nannten Benedictincrorden nach einer gewissen festgesetzten und unab- ^ änderlichen Regel, nach welcher in der Folge der Zeit fast die meisten Klost^rorden eingerichtet worden, gestiftet habe, das erfleht man näher ! aus dem Artikel Mönchswesen. In Deutschland begünstigte im ach- l ten Jahrhundert der Erzbischof zu Mainz, Bonifacius, das Klosterwesen außerordentlich, so, daß durch seine Bemühungen die , Anzahl und das Ansehen der Mönchs - und Nonnenklöster ganz außerordentlich, und mehr als in irgend einem christlichen Staate, anwuchs; ! denn wohl nirgends, als in Deutschland ist es den Klöstern gelungen, S t k 47Z über ihre Äsosterbcfitzungen eine vollkommene Landeshoheit sich zu verschaffen. In Hinsicht auf Deutschland nun lassen sich sowohl die MönchS- a!s Nonnenklöster in unmittelbare und i« mittelbare abthei-- len. Jene genossen bis zum Lüneviller Frieden über ihre Besitzungen eine vollkommene Landeshoheit: die Fürsten regierten, den andern Deutschen Fürsten gleich, ihre Unterlhanen unmittelbar, hatte» auf dem Reichstage im Fürstenralhe unter den Prälaten Sitz und Stimme, und waren mit einem Worte Landesherren; sic hielten Hof und Hofstaat, besonders diejenigen, deren Besitzungen groß waren, z. B. der Abt zu Fulda*) im Oberrheinischen, der zu Kempten im Schwäbischen, und der zu Corvey im Westpbalischen Kreise, ingleichen der Abt zu St. Emmeran in der Stadt Regensburg, die Acdtissinncn zu Nieder- und Ober-Münster, ebenfalls in der Stadt Regensburg; ja manche hielten sogar ihr eignes Militair und eine Art Leibgarde, z. B. Fulda und Corvey, und ließen, wenn sie mit dem Münzregal belehnt waren, unter eigner Autorität Geld schlagen, z. B. Fulda. Alle diese unmittelbaren Klöster aber sind durch den Lüneviller Frieden aufgehoben , ihre Lander und Besitzungen secularisirt und den weltlichen Fürsten theils für den Verlust ihrer jenseits des Rheins gelegenen Länder zur Entschädigung, oder zu ihrer Vergrößerung gegeben worden; diejenigen hingegen. welche auf der linken Seite des Rheins liegen , hat der Kaiser von Frankreich als occupirtes Land feinem Äaiserlhume ein« verleibt. Ein gleiches Schicksal hat auch die schon im 16 . Jahrhundert reformirt-lutherischen unmittelbaren Stifte betroffen, deren Ur, sprung klösterlich gewesen war, z. B. die Abtei Hervorden. — Die .mittelbaren Klöster hingegen haben nie, auch in keinem Staate und in keinem Reiche, ihre Besitzungen landeshoheitlich regieren dürfen, sondern sind wegen solcher als Landsassen, jedoch andern Vasallen gleich,, meist als Landstände, betrachtet worden, so daß sie, diesen gleich, an den Landesverhandlungen Theil zu nehmen und bei den drßhalb zu haltenden Landcsvcrsammlungen durch Deputirte zu erscheinen berechtigt gewesen sind. Solcher mittelbaren Klöster aber gibt es denn auch heutiges Tages, so viele ihrer auch Iosephll. und andere Regenten in ihren Landen aufgehoben haben, noch immer in Menge, in uud außer Deutschland. Daß aber durch die Klosterverfaffung ehedem die päpstliche Macht gewaltig erhöht worden ist, beweist die Kirchenqeschichte sowohl, alö die des canouischen RechkS. Nimmermehr würden Erz- und Bischöfe *) Es erklärte zwar im I. 1752 der Papst Benedict XIV. den Abt zu Fulda für einen exemten Bischof, doch so, daß er für seine Person die klösterliche Qualität behielt, und keiner bischöfliche» Rechte sich aninaßen, z. B keinen Geistlichen in feinem Lande zum Amte oediniren, auch weder gegen Geistliche« noch Kirchkinder, dir geistliche Gerichtsbarkeit auSüben durfte; ingleichcn, daß seine Con« venkualen in ihrem vorigen klösterlichen Stande verblieben. Diese neue StandeSerhöhung machte in dem Deutschen Reiche bamahls nicht die mindeste Aenderung, sonder» der Abt brhirlt auf dem Reichstage seinen vorigen Platz. 4/4 Sti jene geistliche Tirannei zugegeben baden.- oft wrdersetzten stch diese den Päpsten in vernünftigen und die Kirchendisciplin befördernden Dingen ; aber oft hielten sich auch die Päpste mit ihren despotischsten Grundsätzen an die Ordensgckstliche», von denen sie auf das kräftigste unterstützt wurden; ja man weiß , daß sogar der größte Hheil des ca. nonischen Rechts — jenes mächtigen päpstlichen Palladiums — von bloßen Mönchen erdichtet worden ist, dessen Werth jedoch die Päpste anerkannten, nnd, bei der wenigen Aufklärung der Laien, durchsetzten. Kein Wunder daher, daß manche Klöster sogar der geistliche,, Gerichtsbarkeit ihres Erz-oder Bischofs gänzlich entzogen wurden, welche nun gleich unmittelbar der Papst ausübte. Und dieß war gern iniglich der Fall mit denjenigen Klöstern, in welchen Vorsteher, Aebte, oder sonst ein Glied, sich auf irgend eine Art, etwa durch Einführung einer harten und den weit richtiger» Grundsätzen der Bischöfe widersprechenden Meinung, um den päpstlichen Stuhl verdient gemacht Harken. In so fern nun Klöster entweder bloß der geistlichen Gerichtsbarkeit des Papstes unterwürfig sind, oder die Gerichtsbarkeit eines Bischofs anerkennen müssen , zerfallen die Klöster inexemte (befreite), und in nicht exemte (nicht befreite). In diesen kann der Bischof, als Diöcrsan, Visitationen halten, und hat überhaupt eine Art Inspektion über sie; jene sollte zwar der Papst visitiren lassen, allein das geschieht nicht, und sie sind sich sonach selbst überlassen. Die Klöster insgesammt haben eine halbmilitairische Verfassung: sie haben Generale, Gcneral-Dikarien, Provinzialen und andere Klo- sierObern. Die D rdensgen erale, unter deren jedem ein ganzer Orden, sep er auch noch so ausgebreitet, durch die ganze katholische j Christenheit sieht, leben insgesammt in Rom : sie ziehen ihren Unter- > halt aus den Klöstern ihres Ordens durch alle Länder und Provinzen , in welchen der Orden Klöster hat, obgleich auch d.r Papst zu ihrem Unterhalte nicht wenig zulegt. Durch sie nun hat der heilige Vater von je her das Meiste ausrichten können: daher wählt er denn ^ auch seine geheimen Räche, die Cardinäle, großen Theils aus den Ordensgeneralen, und die Cardinäle hingegen wählen, bei eröffnetem päpstlichem Stuhle, wiederum in der Regel einen solchen Cardinal zum Papste, welcher einst der General eines Ordens gewesen war. Der Ordensgeneral macht mit den Provinzialen seines Ordens ein ordentliches Capitel aus, versammelt sie, so oft er über Dinge, die den ganzen Orden betreffen , sich zu berachschlagcn hat, nach Rom. Er für feine Person soll seine Provinzialcn, ja die einzelnen Klöster selbst, visitiren ; dieß geschieht aber selten , sondern er überträgt es einem Provinziale», der nun eben deßhalb General-Vikar heißt. — DerOr- dcns-Provinzial ist derjenige Obere» unter dem alle Klöster seines Ordens in einem Lande, oder in einem gewissen Umfange, stehen (z. B. unter dem Provinzial des Augustincrordciis stehen alle Augu- siinerkiöstcr im Königreiche Böhmen u. s. w ) Auch er wacht mit den Obern der einzelnen Klöster seines Ordens in seiner Provinz ein ordentliches Capitel : er selbst ist der Chef desselben, und die Obern der Klöster-Aebte und wie sie heißen, sind seine Oapikulares oder tiusirs- L»oei (Stimmen habende Glieder), Zn Ordensangelegenheilen seiner Sli 47A Provinz läßt er sie convociren, oder die Klosterobern selbst tragen beim Provinzial auf ein Eapitel in der Provinz an, worauf er das Anliegen der Provinz, oder den in derselben gefaßten Beschluß, an den Or- tensgeneral nach Rom berichtet, oder wohl persönlich dahin zu reisen genöthiqt ist. Uebrigens muß er, da er in Ordensfachen dem General verantwortlich ist, auch die in seiner Provinz gelegenen Klöster visitiren: auch sind diese Visitationen der Provinzialen sehr im Gange. — Auch die Obern einzelner Klöster machen mit ihren Gliedern, den Mönchen, eia ordentliches Eapitel, und dirigiren das- silbe. Jedes Glied, Conventual, hat darin Sitz und Stimme, und der Obere ist Chef desselben. Diese Obern einzelner Klöster aber haben verschiedene Benennungen» je nachdem sie in einem Orden angenommen und päpstlich bestätigt worden sind, z. B. Rectoren , Guardianen, Superioren, Prioren» Aebke, Pröbste (brseposin), auch Prälaten. Diesem Obern, so wie auch den Höhern, vom Provinzial bis zu dem Papst, muß jedes Glied Hochachtung und Gehorsam beweisen, wozu ihn schon sein Gelübde verbindet. Alle diese Klosteeobern, vom Ordcnsgcneral bis zum Prior herunter, sind im Sinn des kanonischen Rechts Prälaten, und genießen als solche in der Kirche sowohl, als im Staate, vorzügliche Ehre. Bis zu dem Lüncvillr Frieden waren die Aebke und Pröbste der unmittelbaren Klöster in Deutschland auch sogar Prälaten im staatsrechtlichen Sinn, weil sic Besitzungen mit Landeshoheit hatten und Glieder deS Reichstags waren. Das ganze Klosterwesen nun erhielt durch die Reformation L u- thcrs einen empfindlichen Stoß in den nördlichen Deutschland sowohl» als in den gesammten Nordischen Staaten und Reichen. Viele Klöster besonders die »»mittelbaren , wurden gänzlich aufgehoben» die Einkünfte eingezogen und zu milden Stiftungen für Universitäten und Schulen verwendet, die Klostergebäude zu Hörsälen u. dgl. eingerichtet, und mit einem Theile ihrer Güter präpendirt. Eine solche Entstehung ha- ! den die in Sachsen so vortrefflich angelegten drei Fürsten- oder Landschulen » Pforta bei Naumburg, die in Meißen und in Grimma, ingleichen die Klosterschulen Roßleben und Donndorf in Thüring-n; eben lo die vortreffliche Schule in dem Kloster Bergen bei Magdeburg, ihren Lehrer noch bis auf den heutigen Tag klösterliche Nahmen, z. B. Abt und Conoentualen, führen. Aus vielen andern, besonders Franen- klöstern, gingen ähnliche gute Anstalten hervor, z. B. zur Versorgung und Unterhaltung armer Frauenzimmer, Stifte für a> nie adeliche Fräuleins u. s. w. Unter den unmittelbaren Klöstern aber wurden sehr viele reformirt (z. B. Hervorden, Quedlinburg), und durch rvangellsche Aebtissiniien regiert, auch beim Reichstage auf der geistlichen Bank in ihrem Nahmen vertrete» ; wenigere hingegen secularisirk, und im West- phälischen Frieden 1648 als Fnrstenthümer an weltliche Fürsten vergeben, z. B. Hcrsfeld an Hessen ; diese wurden wie weltliche Länder von ihren Fürsten beherrscht, und bei Reichsversammluiigen unter die weltlichen Rcichslandc versetzt. Wir kommen nun zu den zwei höhern Elasten, den Hoch- und Erz stiften. Diese machen eigentlich, im cngern Sinn genommen, heutiges Tages die wahren geistlichen Stifte aus» weil sie in ihren 47^ Gti Gliedern ganz besondere Eigenschaften erheischen , ohne welche Niemand ausgenommen werden kann, von denen aber bei der Aufnahme in ein Kloster gar nicht dir Rede ist. — Schon die innere Einrichtung jedes Hoch« oder Erzstifts, noch mehr aber die Geschichte, zeigt hinlänglich , daß alle und jede geistlichen Stifte ursprünglich durch das Klo- strrwesrn veranlaßt worden sind. Im fünften Jahrhundert schon vereinigte jener Afrikanische Bischof und Kirchenlehrer, Augustin, ein wirklich frommrr Mann, dem es um die Ausbreitung der christlichen Lehre, aber auch um gute Beispiele bei den Religionslehrern zu thun war, die Geistlichen seiner Kirche zu einem gemeinschaftlichen Leben, und verband flc, den Mönchen gleich, zu dem dreifachen Gelübde, des Gehorsams, der Keuschheit und der Armuth. Seine Absicht, den geist, lichen Stand von allem Irdischen abzuziehen, und zu einem heiligen, Gott wohlgefälligen Leben zu leiten, glaubte er bloß dadurch zu erreichen, wenn er die Glieder dieses Standes in eine gewisse beständige Gemeinheit zusammenfaßte, und von dem Umgänge mit den Laien entfernte. Wie wenig Beifall aber diese Maaßregel gefunden habe, beweist die Geistlichkeit des Occidents. Diese lebte ganz nach ihren Lüsten, bis in die zweite Hälfte des achten Jahrhunderts, wo , unter Pipins Regierung, der damahlige Bischof zu Metz in Frankreich, Chrodo- gang, einen ähnlichen Gedanken, wie Augustin, faßte, nähmlich die an seiner Cathrdralkirche angestellten Geistlichen zu einem gemein, schastlichen Leben zu vereinigen, so. daß sie beständig bei seiner Kirche in einem Gebäude beisammen bleiben, doch nicht, den Mönchen gleich, jenes dreifache Gelübde — welches bei wlchen zur Ausschweifung geneigten Leuten wohl sehr guten Grund hatte — ablegen sollten. In. dessen mußten sie dvch bei ihrem gemeinschaftlichen Leben auch ihr geistliches Amt nach einer gewissen, sich immer gleich bleibenden Regel verrichten, welche vorzüglich darin bestand, daß sie zu festgesetzten Stunden des Tage- in der bischöpflichcn Kirche geistl. Gesänge in Gemeinschaft anstimmen und öffentliche Gebete halten mußten. Jede in der Orientalischen Kirche verbindliche Vorschrift aber hieß Eanon, Regel. Weil nun Fhrodogang auch seine den Geistlichen gemachte Vorschrift nicht Gesetz, sondern bloß Regel oder Canon benennte, so hießen auch von nun an die bei allen bischöflichen Kirchen angestellten Geistlichen Eanonici. Diese von C h r o d o g a n g mit feiner Geistlichkeit vorgenommene Einrichtung gefiel allgemein, so, daß dieselbe nicht nur von andern Bischöfen bei ihren Kirchen eingeführk, sondern sogar vor dem Kaiser Ludwig dem Frommen bei einer 8r6 zu Aachen, gehaltenen Kkrchenversammlung als ein für olle bischöfliche Kirchen geltendes Gesetz bestätigt wurde. Um aber auch den Bischöfen und Geistlichen hinlänglichen Unterhalt, und ihrer Gemein, heit desto festcrn Bestand zu verschaffen, gab man ihnen auch Güter, so, daß in nicht langer Zeit die bischöflichen Kirchen deren mebr be. saßen , als zu Bestreitung ihrer Bedürfnisse nöthig war, und die Geistlichkeit bei dieser wohlihätigen Freigebigkeit einen Ueverfluß erlangte, der in der Folge der Zeit Anlaß zu Unordnungen gab^ ja sogar die Ursache zur Trennung jener beabsichtigten Gemeinschaft, und beinahe gar Gelegenheit zur gänzliche» Auflösung des zwischen den Bischöfen Sri 4?7 und dcn Geistlichen bisher bestandenen Vereins ward. Bielen unter diesen Geistlichen mißfiel das gemeinschaftliche Leben unter ihres Gleichen ; viele wollten den Segen ihrer kirchlichen Aemter auch außerhalb der Kirche genießen ond ihres Lebens sich freuen: kurz, viele traten, ohne ihre kirchliche Anstellung gänzlich aufzugebrn, und ohne avfju- horen, kirchliche und geistliche Personen zu seyn, im zehnten und eilf. ten Jahrhundert ans dieser engen Kirchengcmeinschaft heraus, lebten nack ihrem Gefallen, wie zuvor. unter Laien, und kamen nur beim Gottesdienst, wenn der Bischof ihrer bevöthigt war, in die Kirche, um ihm beizustehen. Weil nun diese auS der Gemeinschaft getretenen Geistlichen gerade die vorzüglichsten und angesehensten in der Kirche, auch in Rücksicht auf Geburt die vornehmsten waren: so wagten es auch die Bischöfe nicht einmahl, fie mit dem Verlust ihrer geistliche» Aemter und der davon abhängenden Präbenden (Einkünfte) zu bedrohen, oder ihnen ihren Austritt auf irgend eine Art zu erschweren, Nicht zu verschweigen, daß das Ansehen der an ocn Cathedralkirchen stehenden Geistlichen damahls in der That schon zu groß war, als daß die Bischöfe diesem Vorgänge sich mit gutem Erfolg hätten widersr- tzen können: denn thcils hatten die Adelichen, damahls die Vornehmsten im Volke, dem g-istiichen Stande sich zu widmen angefange«, deren Väter und Familien gewiß nicht ruhig mit angesehen hätten, daß ihre Verwandten jener Präbenden verlustig woeden wären; theilS nürde aber auch sogar der Papst, der Feind der Bischöfe und Unterdrücker ihnr Dlöcesanrechte, diesen aus der Gemeinschaft tretenden K-rchengliedern auf das kräftigst? beigestaudeii haben, wenn die Bl- ichbfe ihnen ihre Rcreuüen hätten entziehen wolle». Kurz, fie mußten bei diesen harren Ereignisse sich ruhig verhalten, und vielmehr rvn nun an weit größere Anmaßungeu von diesen nur halbgeistlichen Menschen sich gefallen lassen. Jndcß, während jene Geistlichen im zehnten und eilfte» Jahrhundert die eingeführte Gemeinschaft brachen, verbanden sich andere, denen die bisherige Gemeinschaft >n der Kirche gefiel, noch enger, so, daß sie nicht nur ferner beisammen blieben , und den Gottesdienst nach der vorgcschrirbenen Regel verrichteten, sondern auch, den Mönchen gleich, zu dem dreifachen Gelübte sich anheischig machten. Und von nun an gibt cs bei einer jeden Cathedralkirche zwei Arten von caoo- nieis, nähmlich Lsuvoiros reguläres (R e g u l a r - C h v r h e r r e n, oder Reg ular-Do m h erren) und Lsoonicos seculsres (weltliche Domherren): jene blieben in der Gemeinschaft, verrichteten, wie Mönche, zu gewissen Stunden des Tages ihre Andachte. Übungen mit Beten und Singen; diese aber unterziehen sich denselben nur zu gewissen Zeiten im Jahre, wenn fie sin der Spiache des kanonischen Rechts) Residenz haben. Ob nun zwar gleich die Rigular« öhorherrcn, da sie, der Stiftung und der von Ehrodogang sisgkskHlkn Regel noch, nie die Kirche verlassen, eigenilich die ree^- ttn und wahren Beistände deS Bischofs seyn sollten, so find dock vielmehr jene, die sogenannt« n lssvunici xeculsres, , stein die Beistände und Beisitzer des Bischofs, wenn er bapirel hält; sie allein nennen sich Copilularrn, oder D.iusch Domherren, weil ihnen auf die 473 Sir Güter der bischöflichen Kirche mit dem Bischof gleiche Rechte zusichen; da hingegen die Laoouici reguläres bloß Laoonici he-ßcn, uni» als solche nie zum Capilel gezogen werden, auch weder Sitz noch Stimme darin haben. Da nun aber die Verrichtungen der Secular-Domher» ren weder zur Beförderung des Gottesdienstes, noch zum Wohl der Kirche beitragen; so fragt es sich: ob die Sccular-Domherren kirchliche Personen sind und zum geistlichen Stande gerechnet werden können, oder nicht? Die katholische Kirche rechnet sie nicht nur unter di? kirchlichen Personen, sondern auch zum geistlichen Stande, weil ihre er. stere und Hauptbeschäftigung, das Beten und Absingen geistlicher Gesänge in der Kirche, welcher sie sich, doch zum wenigsten zu gewissen Zeiten im Jahre, persönlich unterziehen müssen, kirchlich ist, und sie zu deren Verrichtung nach einer bestimmten Regel gehalten sind, von der sie nicht abweichen können; auch überdieß an ein zweifaches Ge- küdde, nähmlich deö Gehorsams (gegen alle Obern) und der Keusch, heit (zum chelosen Stande) gebunden sind. Diese Eigenschaften sind nach den Grundsätzen des kanonischen Rechts hinreichend, die Secu- lae-Domherreu zu dem Range kirchlicher Personen zu erheben. — In den geistlichen Stand aber werde» sie versetzt durch die Tonsur und die Weihe (s. den Art. Tonsur); und da sich jeder Secular-Dom- herr bei seiner wirklichen Aufnahme inS Capitel derselben unterwerfen muß, so rechnet man sie auch deßwegen schon mit zum geistlichen Stande, und ihre Aemter mit unter die geistlichen Acmter: da hingegen Regular-Domherren bloß zum Mönchsstande gehören, welche zwar kirchliche, aber nicht geistliche Personen find, indem sie als solche weder Tonsur noch Weihe haben. — Alle Secular-Domherren müssen, wen» sie endlich bis zum Subdiaconat gelangen, sich weihen lassen, indem sie nun bei der Verwaltung der Sacramenkc gebraucht wcrd n, und von nun an ein bestimmtes geistliches Amt, das auch zum Wohl aller Kirchkinder abzwcckt, bekleiden. Man muß übrigens , wen» bei Hoch-und Erzstiften von Domherren die Rede ist, einen höchst nüthigcn Unterschied unter d.nen, welche Lanonici majores, und denen, welche minoreg heißen, machen. Wer Lanooicus minor werden will, muß zum wenigsten 14 Jahre alt und ehelicher Geburt seyn, muß als lVlinor die Kenntnisse, die für einen dlanonicus major erforderlich sind, sich zu erwerben suchen, das heißt, singen und lesen lerne». In vorigen Zeiten waren zu diesem Behufs sogar bei den Stiftskirchen besondere Schulen, wo einer von den Laoonicis majoribus als Lehrer im Lesen (8ckol«stiLU8), und ein anderer als Lehrer im Singen (Laa- lor) angestellt war: da hingegen heut zu Tage jene auf Schulen und Universitäten gehen, die Stiftsschulen aber, wo nicht Domherren, sondern meist vollendete Gelehrte angestellk werden, zum Unterricht für alle und jede, die sich zur Universität bilden wollen, dienen. Doch führen noch bis jetzt in jedem Stifte zwei der älter» Secular-Dom- herren den Titel Dom-Scholasticus und Dom-Cantor fort. — Außer diesen Eigenschaften nun, welche ein Aufzunehmender bei dem Scrutiniui» (m. s. dies. Art.) beizubringe« hat, muß er auch noch seinen stistsmäßjgen Adel darthun, dir Ahnenprobe machen, da schlech- Stk 47» ferdi'ngs nur einer von allem Adel als Capitular ausgenommen werden kann"). Wer nun als Lsoonicu; miaor ausgenommen ist, hat auch schon viele von den Verbinblichkeiken der Lsnoo msjorum auf sich genommen; auf keinem Fall aber solche, die das geistliche Amt von den wirklichen Domherren erheischt (z. D. mit den Ucbrigen im Chor die lloras zu singen): aber dafür genießt er auch als Llinor in dem Capikel keine Emolumente; bloß den Titel von dem Stifte darf erführen, den er, zum Unterschiede eines wirklichen Domherrn , durch Dvmicellar ausdrückt. Er hat also, mit einem Wort, eine E^pek- tanz auf das Capitel, welches durch den Abgang eines wirklichen Domherr» für ihn eristent wird. Tritt nun im Capitel Vakanz ein, und trifft den Domicellar die Reihe zum Einrücken, so wird er gerufen, muß jedoch, ehe er Sitz »nd Stimme im Capitel und die Einkünfte von seiner Stelle bekommt, das Probejahr halten, da er denn ein ganzes Jahr lang nicht auS der Kirche wegbleiben, sondern die ttoras selbst singen und allen gemeinschaftlichen Andachts, Übungen in der Kirche persöhnlich beiwohnen muß (das heißt im cano- nischcn Recht: strenge Residenz halten; wiewohl diese selbst in den Stifte» verschieden ist). Versieht er etwas im Probejahre, so wird er um Geld gestraft. Nach vollendetem Probejahre geschieht die feierliche Aufnahme, wo der Candidat. nachdem er die Statuten des Capitels beschworen hat, die Domherrn-KaMe nebst Manul, zugleich aber Sih im Chore und Stimme im Capitel unter den übrigen wirklichen Doniherrrn erhellt, und von nun an, als Lnoooiaus mnjor, zum Genuß seiner Präbendc gelangt; aber auch, seinem Amte gemäß, jährlich zu gewissen Zeilen beim Gottesdienste in der Kirche seines Stifts zugegen scpn, und denselben nach der ihm vorgeschriebenerr Regel mithalten muß**). *) Weder bas canonische Recht, noch irgend ein Reichsgcsetz, gibt dem alten Adel «i» solches Vorzug-recht, sondern ein Jeder, der die andern bemerkten Eigenschaften besitzt, kann darauf Anspruch wachen- daher nahm man auch in vorigen Zeilen sehr häufig Gelehrte bürgerlichen Stande-, besonders Ooctore« LKcolvAise oder surj«, ohne Widerspruch in die Hvchstiste, wenigstens in die mittelbare», auf. Dieses dem Bütgerstände zustehrnde Recht wurde sogar im Westphäli- scken Friedenitchlusse 1648, Art. V, §. 17, wiederhohlt und neu bestätigt. Weil jedoch die Prädenden in den Hoch» und Erzstisten zw erklecklich, und gleichwohl die Kenntnisse z» Bekleidung einer Dvm- herrii'Stelle sehr unbedeutend waren: so suchte» die Capitel, zu Gunsten des zahlreiche» alte» Abels, durch Statute den bürgerliche» Stand sowohl, als den jungen Adel, davon auszuschließen, und erforderten bei jedem Candidalen zum wenigsten sechzehn, ja noch mehr Abnen; obwohl diese Neuerung der ausdrüchlichen Disposition des Westphälischen Friedens ichnurstrackS entgegen ist. Zn den beide» Sächsischen Hochstisien M eiß e » und Merseburg habe» die zwrj ältesten Doctoren »nd 4 .rosrssore» der theologischen und Juristen'Fa» cnltäl der Universität Leipzig sich jenes Recht zv erhalte» gewußt. '*) Eigentlich sollen die Srcular-Triuheeren täglich in drr Kirche ibres Siifi- ihre geistlichen Gesänge halten, und gewisse Erbrte aus dem Lreviario vor dem Altäre adlest»,; weil jedoch der Ausevthall außer 4So Sti Hochstift also, subjectiv genommen, bezeichnet eine Gesellschaft, deren Glieder zu einem gemeinschaftlichen Leben und zu Verrichtung gewisser gottesdienstlichen Handlungen, unter der Aufsicht und Leitung ihre- Obern, deS Bischofs, verpflichtet sind. (Objectio ausgedrückt, deutet es den Umfang seiner Besitzungen an,) Die Hofstifte nennt man aber auch Bisthümer, weil sie von Bischöfen abhangen und von diesen regiert werden. Jedes Bisthum oder Hochstift aber ist mit einer Kirche verbunden, oder haftet gleichsam auf einer Kirche, an welcher ein Bischof mit seinen Regular - und Secular - Domherren steht, und welche daher Cathedra! - , oder Dom . , oder Hochstifts,, oder bischöfliche Kirche heißt. Unter dieser und deren Bischöfe stehen in der Regel alle übrigen Kirch>n, Stifte und Klöster in einem gewissen Umfange, ferner alle geistliche und kirchliche Personen, welche sowohl in Amts - als in persönlichen Angelegenheiten hier Recht leiden müssen; ja sogar di« Laien in geistlichen Dingen z. B. in Ehesachen rc. Von den Hochstiften sind die bloßen Stifte, oder Nebenstifte , auch Nieder - oder Untcrstifte genannt, dadurch unterschieden, daß ihre Obern nicht Bischöfe sind, und diese in der Regel (wenn sie nicht der Papst für exemt erklärt und bloß seinem Stuhle unterwürfig gemacht hat) unter einem Hochstifte und dessen Obern, dem Bischose, stehen. So sind z. B. die Stifftr Wurzen und Budiffin') in der Oberlausitz Unterstifte von dem Hochstifte Meißen; Zeitz ist ein Unterstift von Naumburg. Auch diese Nebensiiste haften auf gewissen Kirchen» welche, wenn sic mit einem Hochstifte in Verbindung stehen, zum Unterschied der Cathedralkirche, nur Collegiat« kirchen heißen, aber doch auch im gemeinen Leben Stifts - und Domkirchen genannt werden. Der Obere einer solchen Kirche heißt entweder Probst , oder Dechant. Auch dieser hat an seiner Kir, che sowohl Regular - gls Secular - Domherren, mit welchen er ebenfalls als Chef ein ordentliches Capitel ausmacht, und alles, was in so ein Stift gehört, steht unter demselben. Das Deutsche Reich zählte bis zum Lüneviller Friedenschluß in mehrern Kreisen sehr viele dergleichen unmittelbare bloße Stifte. der Kirche ihnen «erstattet ist, so halte» ste sich für die jeden Tag gewöhnlichen Andacht-Übungen beständige Vicarien, die ste aber aus ihren Einkünften unterhalten müssen. Diese Leute heißen Dom- Vicarien. *) Das Stift St. Petri zn Budifstn blieb zur Zeit bee Reformation bis jetzt katholisch, weil in den Lausttzen die katholische Religion, nebst der ivangelisch. lutherischen, herrschend ist, und wurde, weil es von seinem Hochstiste Meißen nicht mehr, wie vor der Reformation, abhängig sevn konnte, für frei erklärt; doch blieb noch etwas von seiner Verbindung mit dem Hochstiste Meißen übrig, nähmlick- daß allemahl ein Dommberr des HochstistS Meißen zugleich Probst des DommcapitelS St. Petri zn Budifstn ist, obne jedoch den Sitzungen dieses Capitel« beiwohnen zu dürfen« welche einzig und allem dessen Dechant leitet. Stl 48 » In jedem Hoch - und Nebenstifte find gewisse Würden, welche die ste bekleidenden Glieder zu Prälaten im Sinn des canonischen Rechts erheben, von denen aber auch bestimmte Verrichtungen abhanden , als der Bischof, dessen Coadjutor, der Probst, Dechant, Dice- dom» Scholasticus, Cantor und Custos. Der ganze Umfang und Bezirk des Stifts heißt Diöces , der Inbegriff der sämmtlichen Rechte das Diöcesanrecht , und der Bischof oft Diöcesan , oderauch Ordinarius. Obwohl der Bischof und seine Domherrn zusammen das geistliche Regiment ausmachen : so hat doch der Bischof viele Vorrechte, die er vermöge bischöflicher Gewalt all e i n ausübt, z. B. die Ordination der Geistlichen, das Recht der Weihe rc. Indessen überträgt er wohl auch die Ausübung derselben Einem außer der Ordnung, und dieser heißt dann Vicariu» in 8pirituslibus. Manche Bischöfe halten sich ihre Weihbischöfe , die sie sich selbst aus Regular - Domherren oder andern ordinirten Geistliche« wählen: diese sind beständige Vicarii in äpiritualibu». Auch mehrere Ehren- oorzüge genießt der Bischof vor den Domherren, z. B. den Vorrang und Titel, die Pontifikalkleidung,. nebst Ring, Stab und Insul. Niemand aber kann vor dem fünf und zwanzigsten Jahre «ach dem canonischen Recht Bischof werden; so wie Niemand vor dem zwei und »ranzigsten Jahre in ein Capitel alS Lanomcus msjvr mit SiH und Stimme ausgenommen werden darf — wenn nicht etwa päpstliche Dispensation Statt findet. Jeden Bischöfe wird aus dem Hochstifte dessen Glied er war, und auch nur von den Gliedern desselben gewählt: durch diese Wahl erlangt er das Rechtauf sein Disthum, kann jedoch nicht eher dovon Gebrauch machen, als bis er vom Papste consecrirt, oder zum wenigsten confirmirt ist; welche Handlung derselbe meist durch einen Legaten vollziehen läßt. Man theilt übrigens in der katholischen Kirche die Hoch stifte oder Bisthüme r in rxemte und nicht exe m te ab. Jene stehen unter keinem Erzbischof, sondern unmittelbar unter dem Papste: dergleichen sind gegenwärtig noch die Bischöfe von Breslau u. Ol- mütz, und vor dem Lüncoilier Frieden waren eS auch die von Bamberg, Paffau und Regcnsburg. Nicht ex ernte Bisthümer oder ^ Hochstifte hingegen sind solche, die unter einem Erzbischöfe stehen, und deren Bischöfe in der Provinz eines Erzbischofs Sih und Stimme haben, z. B. die Hochstiste Königgrätz und Leitmeritz in Böhmen, deren Bischöfe nur Suffragan - Bischöffe des Erzbischofs von Prag sind; der Bischof von Neustadt in Oesterreich, ein Suffragan des Erzbischofs von Wien. Was endlich die dritte Classe von Stiften anlangt , so hat ein Erzstift denselben Begriff wie ein Hochstift, und steht unter einem Erzbischöfe. Ein Erzbischof (.^.rcki - Lpiscopus) oderM e- tropolitan ist gewisser Maßen und im Sinne des canonischen Rechts ein zweifacher Prälat: ,) in Bezug auf den Sprengel (Diöces ) worin ergänz wie jeder andere Bischof» von welchem vorher die Rede gewesen, zu betrachten ist; 2 ) aber in Rücksicht seiner Rechte und Vorzüge, die ihm vor andern Bischöfen zustehcn, ist er ein weit vornehmerer und weit erhabenerer Prälat, als jene. Unter ihm stehen die Conv. Le/. Fünfter Band. H h 482 Ski andern Bischöfe, welche er in ein Capitel zu versammeln das Recht hat, und wo jeden von ihnen eine Stimme zustcht: die unter ihm vereinigten Dibccsen führen den vieldedeutenden Namen Provinz ^mithin machten vor dem Lüneviller Frievcnschlusse die zehn Suffrg- gan > Bisthümer des Erzbischofs von Main; die Mainzer Provinz aus ) Die Vorrechte aber eines Erzbischofs sind folgende: i) Csncilien in seiner Provinz anzustellen, und solche als Chef zu leiten; 2) alle in seiner Provinz gelegene BiSkhümer, Kirche» und Klöster zu visitiren: von beiden Rechten aber haben die Erzbischöfe in neuern Zeiten nur selten Gebrauch gemacht; 5) das Recht, über die Verbrechen seiner Suffragan - Bischöfe zu cognoSciren: aber der Ausübung dieses Rechts widerspricht der Papst gar sehr; 4) die Suffragan- Bischöfe vor dem Erzbischof-in persönlichen Sachen zu belangen, und x) wider die Aussprüche der Suffraganen an den Erzbischof zu appel- liren. Außer diesen Vorrechten har der Erzbischof noch folgende Eh- renvorzügc: >) den Rang über alle und jede Bischöfe; 2) das Recht, bei Prozessionen in - und außerhalb der Kirche sich das Kreuz vvrtragen zu lassen, und z) ein Pallium ;u kragen (s Pallium.) In Bezug auf Äeul schlaud lasten sich die Erz - und Hochstiste in unmittelbare , mit welchen Landeshoheit verbunden hl, und in'mittelbare abtheilen, welche den weltlichen Fürsten, in besten Landen ihre Besitzungen liegen, als Landcsherrn anerkennen, in weltlichen Dingen von ihm Befehle annnehmen und ganz alsLand- stände zu betrachten sind. Mittelbare Erzbischöfe aber gibt cS in Deutschland nur vier, zu Prag, Wien, Laybach und Olmütz, im Herzogthum Krain; aber desto mehrere mittelbare Bischöfe, z. B. in Breslau, Königgratz rc. Unmittelbare Erzstifte und Erzbischöfe zahlte Deutschland bis zum Lüneveller Frieden fünf: Mainz, Trier, Cölln, Salzburg und Bisanz oder Besan^on , davon die erstern drei als Chuc- fürsien im Churcollegium, die zwei letztem aber im Fürstcnrathe auf der geistlichen Bank saßen. Die unmittelbaren Hochstifte oder LiS- lhümer aber waren bis zu eben diesem Lüneviller Friedcnschlusse zwanzig : Bamberg, Würzburg, Worms, Eichstädt, Speyer, Costanz, Augsburg, Hildesheim, Paderborn, Frcisingen, RegenSburg, Pas- sau, Trient, Brixen, Basel, Münster, Osnabrück, Lüttich, Lübeck und Chur. Alle diese Bischöfe hatten insgesammt Sitz und Stimme auf dem Reichstage im Fürstenrath, regierten, den weltlich-n Fürsten gleich, ihre Länder, und übten alle Regalien im vollen Sinne deS Wortsaus; allein seit dem Lüneviller Frieden sind alle diese geistlichen Lande secularisirt, und zum Theil an weltliche Fürsten zur Entschädigung abgetreten worden; diejenigen Erz - und Hochstifte aber, welche fenseits des Rheis liegen, hat Frankreich bei diesem Fricdenschluffe ' als occupirte Lande erhalten. Noch ist einer Abtheilung der Erz - und Hochstiste in Deutschland zu erwähnen, nähmlich in katholische uud evangelisch- lutherische. Durch Luthers Reformation harte Deutschland eine sehr veränderte Gestalt erhalten: viele Lande sowohl geistliche als weltliche, reformicten sich ganz, manche nur zum Theil. Zm Weft- phälischen Frieden -6.,8 endlich fehlte es an Ausgleichungsmilteln, um diejenigen weltlichen Fürsten zu entschädigen, die während des Stk 48z dreißigjährigen Kriegs viel gelitten, auch wohl eknen Thcil ihrer Länder verloren, oder doch als Entschädigung an die Krone Schweden hatten abgetreten werden müssen. Diejenigen unmittelbaren geistlichen Lande nun, welche sich durchaus reformirt hatten, wurden bei diesem Friedensschlüsse gänzlich secularistrt und an weltliche Fürsten abgetreten ; wobei die Erzbisthümer in Herzogthümcr, die unmittelbaren Bisthümer und Abteien aber in Fürstenthümer erhoben, und als solche vergeben, auch beim Reichstage im Fürstencollegium von der geist- ^ lichen auf die weltliche Bank v rsetzt wurden. Indessen betraf die da- > durch bewirkte Veränderung eigentlich bloß die Länder und deren Regierungsform; die daselbst bisher bestandenen Capitel aber ließen sich bloß reformiren, entweder ganz oder zum Tbeil. Was endlich die mittelbaren Stifte und Hoch stifte betrifft, so konnten viele von denselben im Westphälischen Friedensschlüsse bloß reformirt werden, z. B. die drei in Sachsen gelegenen Hochstifte Meißen, Merseburg und Raumburg, ingleichen die Untcr- stiste Warzen und Zeitz; mehrere noch in den Brandenburgischen Staaten. Zwar wünschten bei diesem Friedensschlüsse alle und jede weltliche Fürsten, in deren Landen es dergleichen Stifte und Hochstifte gibt, daß sie sich gänzlich secularisiren lassen möchten, und sie ihre sehr bedeutenden Besitzungen cinziehen und zu einem bessern und nutzbarem Behufe verwenden könnten; allein Papst, Kaiser und der ganze katholische Religionstheil setzten sich gewaltig dagegen, indem sie glaubten , daß d>e reformirten Lande inSgesammt nicht lange das lu'herische Glaubensbekenntiß befolgen , sondern wieder mit dem katholischen LHer'- le sich vereinigen würden, wo alsdann diejenigen Erzbischöfe, deren Provinzialrechten mehrere unmittech - ,und mittelbare Bischöfe sich entzogen hatten, dieselben wieder zu erhalten hofften. Auch sogar zwei unmittelbare Hochstifte ließen sich beim Westphälischen Friedensschlüsse bloß reformiren, obwohl einige benachbarte Fürsten dieselben gern als secularistrte Lande gehabt hätten , nähmlich daS Bisthum Lübeck durchaus, und Osnabrück auf die Halbscheid oder zur Hälfte. slebrigens geschah die Wahl bei den evangelisch - lutherischen Stiften und Hochstiften, unmittel - und mittelbaren, bisher eben so, wie bei den katholischen, ja sie geschieht noch bis auf den heutigen Tag nach canonischcr Weise; mithin muß ein jedes Glied bei seiner Ausnahme einer Art von Scrutininm sich unterwerfen, muß bei Hochstiften die gehörige Anzahl seiner Ahnen beibringen , bei jedem Stifte aber das gehörige Alter haben, auch seine Kenntnisse mit Zeugnissen von Universitätslehrern belegen, und versprechen, nicht willkührsich aus seinem Capitel sich zu entfernen , vielmehr zu gewissen Zeiten Residenz zu halten. Hierin besteht ihr ganzes Gelübte, wenn man es so nennen will. Die Ehelosigkeit kann man auS d m Grunde von ihnen nicht verlangen, weil sie den protestantischen Religionsgrundsätzen widerspricht. Man kann also in der evangelisch - lutherischen Kirche alle und jede Stiftsstcllen als wahre Pensionen anschen. Stigma war ein Zeichen, welches die Alten den Sclavcn, welche sich vergangen hatten, auf die Schulter oder auch auf die Slir, H h 2 484 Sli ne zu brennen pflegten, damit sie sogleich kenntlich wären. Der mit einem solchen »Brand - oder Schandmahl Bezeichnet«! hieß Stia- makicuS. b- Stil, s. Styl. Das Sti le t t (v. d. Jtal. Stiletto:) ein kurzes Gewehr zum Stechen; dessen sich besonders die Banditen in Italien und Spanien sehr zu bedienen pflegen. Stilicho : ein geborner Vandale, und seit MZ der wichtigste Mann am Hofe des Kaisers Honorius, der, unfähig selbst zu regieren, rechtsroh war, in ihm einen geschickten Minister zu b.csiyen dem er die Leitung der Staatsgeschäfte ganz sicher übertragen könnt/ Schon Theodos hatte den Stilicho so geschätzt, daß er ihm die Tochter seines Bruders zur Gemahlin gab. Diese Auszeichnung am Kaiserhofe verdankte Stilicho seiner Tapferkeit im Kriege, und einer geübten Klugheit in Behandlung der Skaatsgeschästc. Sogar das Volk liebte ihn, weil er eine gewisse Popularität besaß, welche damahlS an den Gewalthabern selten anzutreffen war. Stilicho war wirklich ein guter Minister, und doch wurde seine Verwaltung in einer Rücksicht dem Reiche schädlich. Er wollte nähmlich, aus unbegrenztem Ehrgeitz, das Orientalische Kaiserthum, wo ein gewisser Rufinus, ein geborner Gascogner, den schwachen Kaiser Arca- dius beherrschte, und in seinem Namen regierte, auch unter seine Verwaltung bringen. Man vermuthet sogar, daß er seinen Sohn Eu, charius habe zum Kaiser des Orients machen wollen. Der gegenseitige Haß des Rufinus und Stilicho schadete der Verbindung, die zwischen dem Orient uud Occident immer hätte herrschen sollen um beide Reiche aufrecht zu erhalten. Zwar wurde Rufinus bald ermord«; aber Stilicho erreichte doch auch die Absicht nicht, sich Einfluß in jenem Reiche zu verschaffen. Er fing sogar an, dein Honorius selbst verdächtig zu werden, und ob er gleich in einem Feldzüge gegen den Alarich glücklich war, so ließ ihn doch der Kaiser, auf Anrathen eines gewissen Olpmpius . am 2z. August 403 zu Bvlogne heimlich ermorden. Stimmgabel ist ein kleines stählernes Instrument in Gestalt erner Gabel, dessen man sich bet Stimmung eines Elaoiers oder Fortepiano's bedient, um dieselben nach einem gewissen Tone rinzurichten. Man schlägt mit der einen Spitze dieier Gabel an irgend einen festen Körper. meistens an den Kasten des Instruments selbst, hält dann den Griff sogleich an die angeschlaoene Stelle und mmmt nun den Ton, den es von sich gibt, zum Maaßstab an, um darnach das ganze Instrument zu stimmen. Man hat doppelte Arten solcher Stimmgabeln, wovon die Eine den Ton L, die andere den Ton ^ angibt. Der Stimmflock (auch die Stimme) ist her Saiteninstrumenten eine kleine hölzerne Stütze zwischen der Decke und dem Boden, welche dazu dient, daß die Decke nicht niedergedrückt werde und sich auch durch Berührung der Saiten gehörig bewege. Dieses kleine Stäbchen Holz ist kein unbedeutender Gegenstand bei dergleichen Instrumen« ten, und kommt viel darauf an, daß eö, in gehöriger Länge und Sto 4SZ Stärke» an dem rechten Orte Fehe, damit der Torr richtig gewirkt werde. 8r. KInlo, (Franz. Sengt Malo) eine Französische Stadt in der ehrmohligen kretußne, jetzt im Departement der lils und Vilnjo-?. Sie liegt auf einer kleinen, durch einen Damm mit dem festen Lande verbundenen Insel, und hat einen Hafen, welcher von sehr vielen Schiffen besucht wird. St. Martha, ein Landstrich in der "Terrae sirma des Spanischen Südamerika, reich an Bergen, sowohl Gold-als hohen Schneebergen. In den Thälern aedeihen schöne Südfrüchte. Der Megdale- nenfluß durchströmt dieses Land.? 8t. klart in, (Franz. Sengt Martcng) eine zu den kleinern Antillen (S. diese) gehörige Insel unter Französischer Herrschaft, bringt Zucker, Kaffee und Baumwolle hervor. 8t. kli^uel, eine von den sogenannten Az ore n, (Portugiesischen Inseln bei Nordamerika) welche die größte Fruchtbarkeit uud Volksmenge besitzt. Sie soll nahmlich auf 52000 Einwohner haben. 8r. Kicol 0 , eine von den kapverdischen Inseln, (S. 8t. ilago) reich an wilden Katzen. Stoa s. Stoiker. Stockfiedel, eine kleine, schmale, stock-ober stabförmige Geige. — Stocknarrrn, hießen vormahls die Hofnarren. —> Stock wache, die Wache bei den Gefangenen. — Stockzähne» nennt man die hintersten Backzähne auf jeder Seite. - Der Stockfisch: unter diesem Nahmen begreift man überhaupt alle Arten der Weichsische, die erst eingesalzen, und dann an der Sonne von der Luft getrocknet werden. Der Fisch, der übrigens im äußern Ansehen, dem Hecht ähnelt, und gewöhnlich anderthalb, höchstens drei Fuß lang ist, wird bei Newfoundland, an der Küste von Island, in Norwegen rc. in ungeheuerer Menge gefangen, und dann durch die Engländer, Franzosen, Dänen und Nvrdamerikaner zum Handel gebracht. Dieser Stockftschfang gibt nun der Insel Newfoundland oder Terreneuve das meiste Gewerbe, indem sich die Bewohner fast daS ganze Jahr hindurch mit der Bereitung und dem Trocknen derselben beschäftigen. Nächst dem Isländisch en Stockfisch ist der, welcher von den Bewohnern von Massachnsett in Nordamerika gefangen und bereitet wird, der beste und beliebteste im Handel. Die Wichtigkeit dieses Artikels läßt sich daraus abnchmen, daß er schon vor der Französischen Revolution 665 Fahrzeuge von 25,650 Tonnen, und 44oo Seeleute beschäftigte: im I. 1796 hatte sich die AusfuhrbiS auf 555,716 Eentner vermehrt. Für Norwegen macht der Stockfischfang einen der wichtigsten Erwerbczweige auS, und der Norwegische Stocknsch wird in Ansehung des Geschmacks dem von Terreneuve oorgezogen. Stockholm, die Haupt-und Residenz-Stadt Schwedens, eine von den größer», prächtigen und volkreichen Städten in Europa. Da sie thcils auf verschiedenen Halbinseln, (Heils auf verschiedenen kleinen -jnseln (Holmen) liegt — ihre Anzahl wird auf acht angegeben — 486 Slo -so hängen dir Theile der Stadt und der Vorstädte durch viele Brücken zusammen. Zum Handel in der Ostsee sowohl, als zum Verkehr innerhalb des Reichs, liegt sie vortrefflich, wozu besonders der tief ins Land hinein gehende Mälarsee viel beiträgt. Der Hasen ist sehr geräumig und sicher, aber der Eingang wegen .dec Reihe felsiger Inseln und Klippen (der Upländischen Schecren) sehr beschwerlich, und daher zum Besten der Schifffahrt ein königliches Lvolsen-Comptoir errichtet, damit j-'des Schiff durch einen mitzunehmendcn Lootsen bis nach Stockholm sicher gebracht werden kann. Unter den Stapelstädten von Schweden ist Stockholm die erste, und daher berechtigt, uneingeschränkt in und außer dem Lande zu handeln. Als Sitz deS Hofes, des hohen Adels un der vornehmsten Reichs - Collegien gewährt diese Stadt ein ansehnliches Gewerbe, wozu auch die Geschäfte mit den benachbarten kleinen Handelsstädten an der Ostsee noch kommen, so,d>ß der hiesige Handel 7 bis 800 größere Schiffe beschäftigt. Die Volksmenge betrüg beim Anfang dieses Jahrhunderts 75,517 Seelen. Das bekannte General - Discomo - Comptoir, rv.lches einen Fond von 400,000 Rthlr. Svec. hat, ist 1787 eröffnet worden; die 1759 gestiftete Akademie der Wissenschaften besteht aus hundert inländischen und vielen ausländischen Mitgliedern. Merkwürdig ist auch die kolossale pedestri- sche Statue Gustavs lll. in Bronze fvon Sergel gefertigt), welche die Bürger zu Stockholm dem Andenken der Siege zur See von Gustav lll. gewidmet haben: sie kostet auf 240,00-, Rthlr., war im Sommer 1804 bis aussPoliren fertig, und wurde endlich am 24 Jan. 7808 unter großen Feierlichkeiten aufgcd ckt und inaugurirt. Stocks heißen in England die Aclien und Staatsschulden,deren Werth sehr veränderlich ist, je nachdem der Credit der Regierung wegen sicherer Auszahlung der Zinsen steigt oder fällt. Das Eigenthum an diesen Stocks kann zwar an Andere übertragen werden, aber nicht anders, als durch Umschreibung in der Bank. Diese Umschreibungen geschehen viermahl im Jahre, nahmlich den 15. Februar, Mai, August und November. Unfundirte Stocks heißen solche aufgenommene Schulden der Englischen Regierung, welche durch unvorherge.ehcnc Bedürfnisse veranlaßt worden sind, und worüber das Unterhaus noch nichts siatuirt bat. Der Stör (sturio) ist eine Gattung großer Fische, welcher an jeder Seite ein Luftloch hat, oft 20 und mehr Fuß lang, und bisweilen gegen 1000 Pfund schwer wird. Er lebt in allen europäischen Meeren, auch im rassischen, so wie in der Wolga, im Nil, rc. und ist sowohl wegen des Fleisches, als auch besonders wegen des aus dem Rogen zubereitetcn Kaviars (s. d. Art.) für viele Nattonen ein bedeutender Handelsgegenstand. Stoff, "eine alte Art gewirkter Scidcnzeuges, der zuweilen auch mit Gold - und Silberfäden durchzogen ward. — Desgl. der Hauplbe- standtheil, woraus etwas bereitet oder verfertigt wird , z. B. der Stoff zu einem Gemählde oder Gedichte, d. i. der Gegenstand desselben. Der General Nicolas Stofflet, geb. 17L2 zu Lüneville imche- mahligen Lothringen , widmete sich frühzeitig dem Soldatcnstandc, und Sto 487 nachdem er lange Jahre gedient batte, wurde er der Jager eines Edel- mannes. Bei dem Ausbruche des bürgerlichen Krieges in der Vendee erhielt er eine der Befehlshaberstelten bei den Köiiigsfreunden. Er lallte treffliche Feldherrnlalenw, und machte mit seinem Hcerhausen, der eigentlich weit schlechter organisirt war, als die übrige» Armeen der Vendeer, und größten Tbeils aus lüderlichem Gesindel und Ucker- läufern bestand, den Republikanern viel zu schaffen. Mit Charette, dem Hauptanführer der Vendeer, stand er gewöhnlich nicht in dem besten Vernehmen; denn Charette war von Adel, und Stafflet nicht. Charette hatte mit den Republikanern am 17. Febr. 179.5 Friede gemacht, Stafflet setzte noch den Krieg bis in den Monakh Mai fort, und verstand sich erst dann zu Unterhandlungen, da ihn die übrigen Heerführer verlaßen hatten. Die Feindseligkeiten singen bekanntlich von beiden Seiten bald wieder an, und Stafflet behauptete sich mit »euer Kühnheit bis in bas folgende Jahr. Am 24. Febr. 1796 nahm ihn ein Adjutant aus der Armee der Republikaner in einem Meierhof gefangen. Er wurde nach Angnes obgeführr, vor ein Kriegsgericht gebracht, und als fricdensbrüchiger Rebell erschossen. Er starb mit der größten Unerschrockenheit. Die Stoiker, eine der berühmtesten philosophischen Seelen Griechenlands, empfingen ihre Benennung von der Stola oder dem korticu Uoecile (der vornehmsten öffentlichen Halle zu Athen, wo die merkwürdigsten Gemablde und Sratüen ausgestellt waren). Hier schlug Zeno, der erste Stifter je! er Secte, seine Schule auf, und seine Schüler und Nachfolger erhielten von diesem Orte vorzugsweise den Nahmen Stoiker. Zeno hing Anfangs mehrern Secten, besonders den Dialectikcrn, Cynikcrn und der eigentlichen Secte des Plato an; und als er nun sein eignes System errichtete, so nahm er auch die Fehler derselben mit an, so daß vielerlei Ueberkreibungen und Spitzfindigkeiten bei demselben Statt fanden. Ihre Hauptsätze gingen darauf hinaus: Die Philosophie theilken sie in drei Theile ein, wovon der eine sich mit dem Verstände befasse (Dialcclik oder Logik); der andere betrachte die Welt, und woraus sie besiehe (die P Hy sik>; die dritte aber habe hauptsächlich die Sitten zum Gegenstände (die Ethik). In Ansehung der Moral nun nahmen sie als letzten Endzweck des Menschen an, daß derselbe, als ein Theil der ganzen Welt, sich auch nach der Natur, Ordnung und Beschaffenheit dessen, wo, von er ein Theil sey , richten, d. h. mit andern Worten , sich nachdem Triebe seiner vernünftigen Seele richten und das thun müsse, was mit unserm und dem allgemeinen Verstände der Weltseele üdereinkommt; wer darnach handle, der lebe nach der Lugend. Jeder Mensch habe seinen Gott und seine höchste Glückseligkeit in sich selbst; äußerliche und zufällige Dinge können nichts zur Glückseligkeit beitragen, man müsse sie daher auch, als ganz gleichgültig, nicht achten; und ein Mann, der keiner Leidenschaften fähig, der ganz von ihnen los und frei sey, — daS sey ein wahrhaft weiser und tugendhafter Mann re. Um sich und seinen Lehrsätzen ein desto größeres Gewicht zu verschaffen, suchte denn auch Zeno in seinem Aeußern, in Reden, Um- 488 G»t> gang, Kleidung rr. seine Lehre ganz zu befolgen. Er und seine Anhänger gingen daher schlecht gekleidet, trugen große Bärte, nahmen ganz ernste, finstere Mienen an rc.; kurz, sie suchten mehr den Schein, und man berüchtigte sie, wohl nicht mit Unrecht, der Heuchelei. — Einige der berühmtesten Stoiker, welche wirklich die ernsten und strengen Lehren der Moral befolgten, waren Epictet, Antonin, Seneca, C ato rc., und aus den drei erster» muß man auch meistens das System der Stoischen Philosophie kennen lernen: die übrigen Nachrichten gründen sich bloß auf Zeugnisse anderer Scribenten, welche nicht zur Stoischen Secte gehörten. Die Stola war bei den Römern ein Oberkleid, das bloß die ehrbaren Frauen trugen. Es hakte weite Aermel, und ein Gcdräm von Purpur, Gold u. dgl., ging bis auf die Füße, und hatte unten herum noch einen besondern Streif (lnstits) wodurch sich die vorrreh- mern Damen von den geringer« unterschieden; auch pflegte man gewöhnlich noch einen Mantel darüber zu kragen. Es gehörte übrigens diese Tracht bloß für die Frauen, und eine Mannsperson, die dergleichen trug, zog sich den öffentlichen Spott zu. — Heut zu Tage bedeutet die Stola bei der Geistlichkeit der Römisch-katdolischen Kirche eine lange breite Binde, welche um den Hals über die Schultern und kreuzweise über den Leib bis auf die Knie geht, und bei Verrichtung eines Kirchenamts, besonders bei der Messe, üder daS so genann- te Chorhemde angelegt witd. Oesters pflegt man auch das Pfarr-und Kirchenamt selbst damit zu bezeichnen, und eben daher schreiben sich auch die so geuannten Stol-Gebühren, (jurs 5wls«), welches diejenigen Acci- dentien sind, die ein Pfarrerund Küster als eine Vergeltung für seine Amtsverrichtungen bei Trauungen, Kindtaufen und Begräbnissen erhält, und welche thnls aus Schuldigkeit und obrigkeitlichen Befehl, »Heils aus Gewohnheit gegeben werden. Die Grafen zu Stolberg (Christian und Friedrich Leopold), zwei Brüder, die unt r Deutschlands noch lebenden Dichten eine sehr vorzügliche Stelle behaupten; indem ihnen das doppelte Verdienst gehört, nicht allein sich selbst »ach den Meisterwerken der Griechischen Dichtkunst gebildet, sondern auch zu einer allgemeinen Verbreitung des Geschmacks an diesen Dichterwcrkcn scbr viel bei- -etrage» zu haben. Unstreitig ist auch ihre Liebe zu den Wissenschaf, ten die vorzüglichste Ursache, daß sie schon seit mehren, Jabren in einer, bei Personen ihres Ranges seltenen, Entfernung von öffentlichen Ehrenstellen leben. Denn Christian, der ältere Bruder (ged. zu Hamburg, am Ockdr 1748), königlich Dänischer Kamme'rjunker und Amtmann zu Trcmsbüttel in der Holsteinischen Landschaft Stor- marn, legte diese Stelle im I. 1800 freiwillig nieder, und lebt seitdem aus seinem Gute W ind ab y e im > Holsteinischen; eben so lebt Fr i c. rich Leopold (geb. zu Bramstedt im Holsteinischen, am 7. Novbr. 1750), der zuletzt Präsident der Regierung zu Eutin und Ritter des Russischen Alexander-Newsky-Ordens war, seit eben diesem Jahre als Privatmann in Münster. Daß er unmittelbar vorher mit seiner St» 48 - ganzen Familie — die älteste Tochter ausgenommen — zur katholischen Kirche überging, erregte allgemeine Bewunderung, und setzte mehrere Federn in Bewegung. Er war es, der unter beiden Brüdern zurrst als Schriftsteller auftrat, und eine Deutsche Uebersetzung von Homers Jliade lieferte, von der im I. 179z schon die dritte Auflage erschien; seine Jamben (Leipz. 1784 ) erwarben ihm bald nachher eine ehrenvolle Stelle unter den Deutschen Satirikern. Allein auch Chri- ! stian, der bereits seit dem I. 1779 sich als keinen unbedeutenden Dich- ^ ter gezeigt hatte» erlangte mit seinem Bruder gleichen Ruhm durch seine Deutsche Uebersetzung des Sophokles (Leipz. 1787). In eben diesem Jahre erschienen die von beiden Brüdern gemeinschaftlich bearbeiteten Schauspiele mit Chören (1. Band). Sie wurden zwar nur mit gerheiltem Beifall ausgenommen , und blieben auch bis jetzt ohne Fortsetzung; allein sie sind vielleicht für das Deutsche Theater von l Wichtigkeit, indem sie den ersten Versuch enthalten, die Griechi- i sche Tragedie für die Deutsche Bühne brauchbar zu machen, und be- ! sonders den Chor der Griechen auf ihr wieder einzuführen. Sollte daher Schillers Braut von Messina, die bekanntlich in gleicher Absicht bearbeitet ist, wirklich eine dauernde Epoche in der Deutschen Schauspielkunst machen» so muß man, ohne Schillers Ruhm zu nahe zu treten, eingestehen: daher nur mit mehrerm Erfolg eine Bahn betrat, welche die Gebrüder Stolberg zuerst brachen. ! Stollberg, eine Grafschaft am Harze, ein kleiner Landstrich l voll Berge und Wälder. Der Hauptort, Stollberg, ist eine offne, ! mit Wald umgebene Stadt mit einem Restdenzschlosse. ! St 0 lien, heißt beim Bergbau ein Gang oder Canal, welcher ! in horizontaler Richtung in ein Gebirge getrieben wird, thrils das " Innere desselben zu erforschen, theils Wasser abzuleiten oder frische Luft hinein zu bringen. 1 Stolpe, eine Stadt in Hinterpommern von 555 Häusern und , H78Ü Einwohnern ohne die Garnison, wegen des Bernsteinhandels und ! einer Cadettenschule merkwürdig. Stolpen, eine kleine kön. Sächsische Stadt, z Meilen von Dresden, mit einem Schlosse» welches auf einem Basaltfelsen liegt. Stolziren, stolz einhergehen; seinen Stolz durch äußeres Gepränge zeigen. 8tomaclisle, (vom Lat. 8tomsckus, der Magen) rinden Magen stärkendes oder verbesserndes Heilmittel» ein Magenmittel. Stomachal tropfen, Magentropfen. 8t. Omer, (Franz. Sengt Omer) eine Festung in den Französischen Niederlanden im Departement des Norden. Eine Art gröblichen Schnupftabaks, welcher hier bereitet wird, hat davon seinen Nahmen. Skooter, ein holländische Silbermünze von 2 i/ir Stüber oder 1 Gr. 7 Pf. Stop inen sind eine gewisse Art von Stricken aus Flachs oder Hanf, in Salpeter gesotten, deren sich die Feuerwerker zum Anzünden bedienen. 490 Sto Stephano Störare (geb. 1765), ein sehe verdienter Italienischer Operncomponist, Anfangs in Wien» dann zu Paris, und zuletzt in London; dessen frühzeitiger Verlust — er starb zu London leider schon >796 — um so mehr zu bedauern ist, da seine wenigen Opern z. B. 6li sposi malcontenij, ßli Lguivoci elc. so ganz das Gepräge des großen Genies tragen. Er war überdieß auch ein sehr guter Landschaftsmahler. Seine Schwester, Signora Storace, hat sich als sehr brave Sängerin — sie war Sacchini's Schülerin — zuerst <1780) in Florenz, dann (»784) in Wien, seit 1790 aber in London sehr vielen Beifall erworben. Das Storap (auch Styrazc) ist ein Gummi, das aus einem dem Ouittenbaum nicht unähnlichen Baume, der besonders im südlichen Europa — in Provence, Italien und Griechenland — besonders aber in Cypern, Ceylon und Westindien wächst, herausfließt, wenn die Rinde aufgerihk wird. Man bringt ihn theils in Tropfen oder Körnern (klein, weißlich und durchsichtig, in der Größe einer Erbse), theils in Stücken (aus braunen und weißen kleinern Stückchen zusammengeflossen, glänzend, zähe und von sehr angenehmen Geruch), theils aber auch in Kuchen oder Klumpen, beinahe wie Torf oder Lohkuchen aussehend, zum Handel: jedoch ist das erste die feinste und beste, aber auch die seltenste Art; das letztere ist das schlechteste, aber daS gewöhnliche, und großen Theils nicht einmahl cchc, sondern vielmehr vom Amberbäume. UebrigenS ist es ungemein wohlriechend, und wird hauptsächlich in Apotheken und zu Parfümerien gebraucht. Der Storchschnabel (Lat. k'anltio^rsptiurn oder baralle- loxrammum 6elinestl>rium) ist ein Instrument, dessen man sich in der Zeicheukunst, um einen Riß zu verjüngen, oder zu vergrößern, bedient. Es besteht aus vier, in der Milte sich in zwei Kreuzen vereinigenden Linealen, deren eine Spitze auf dem Zeicheubrete befestigt wird; die andern Enden sind theils mit einem Griffel versehen, mit welchem man über das Original hinwegfährt, theils mit einem Bleistift, welcher zugleich demselben Riß verjüngt. — Bei Zeichnungen von Landkartcn wird es auch öfters angewendet. Storger, ist in Oberdeutschland ein Pfuscher, Marktschreyer, Luacksaldcr. Storniren, heißt bei dem Buchhalten eine» unrichtig eilige« lragenen Posten berichtigen, (ohne ihn auszustreichen) ihn wieder auf eine andre Art in Rechnnng bringen, und nach Beschaffenheit; zu Gute oder zur Last schreiben, so daß der 8alcko richtig zutriffk, welches auch per Storno verbessern heißt. 8 l. kaulo, eine Provinz an der Südküste des Portugiesischen Südamerika, aus welcher nur Mehl, Baumwolle und gesalzene Eß- waren auSgeführt werden. Die Hauptstadt gleiches Rahmens liegt in einer sehr gesunden und fruchtbaren Gegend. 8c. ksuio cii L-oancko, der Hauptort der Portugiesen in der Provinz Angola in Nlcderguiiiea (in Südafrika) mit 18000 Einwohnern. Slr 4§>r 8t. kkilippo ^skenx»ela, der Hauptort der Portugiesen in LenAuela, in Niederguinea (i" Südafrika). Eine schlecht- gebaute, aber volkreiche Stadt. 8t. tzuentill, (Franz.) Sengt Kanteng) eine Französische Stadt im D partemenk der Somme (der ehemahligen Picardie), in welcher sich eine der schönsten Pfarrkirchen in ganz Frankreich befindet. Strabismus, Strabosität, (Lat.) daS Schielen, Schiel- sehen. Strabo, ein berühmter Philosoph, Geschichtschreiber und der vornehmste Geograph deS Altertdnms, aus Amasea in Cappadocicn gebürtig, lebte unter den Kaiser» August und Tiber. Anfangs hing er der Peripatetischen Philosophie an, wendete sich aber nachher zu den Stoikern. Als Gesthichllchreibcr trat er zuerst auf, ob wir gleich von seinen historischen Schriften , worin er die Lhat n des Alexander, Po in pejus :c., ja selbst auch eine Fortsetzung von Polybius gel efert hat, leider! nichts mehr übrig haben. Nur als Geograph ist er der gelehrten Welt näher bekannt geworden, welche noch 17 Bücher von seuier Geographie in Gri.chischer Sprache besitzt, die denn von seinem auß corSentlicken Fleiße und seiner hohen Gelehrsamkeit zeugen. Er silbst harte Egypten, Asien, Griechenland, Italien, Sardinien und viele andere Inseln durchreist, und konnte also um so gl ubwürdiq,re Nachrichten von der Lage und den Sitten jener Staote und Länder liefern; ob man ihm gleich über das, was rr von Deutschland sagt (er hakte dieses niem als gesehen) und über seine Beschreibung des Jüdischen Volks nickt so ganz Glauben beimessen wist. Dennoch bleibt er der wichtigste Geograph, und zugleich einer der scharfsinnigsten Schriftsteller unter den Alten. Die Zeit feines Todes ist ungewiß, ob man gleich weiß, daß er ein hohes Alter erreicht, und noch im I. 77c (seit Roms Erbauung) gelebt hat. Stralsund, die Hauptstadt von Schwedisch-Pommern, an dem Baltischen Meere, oder der Ostsee, der Insel Rügen gegenüber. Sie »st eine ansehnliche, von der Natur sowohl als durch die Kunst befestigte Handelsstadt mit einem großen und und sich rn Haf-n. Zur Zeit des Hansebundes, wovon sie Mitglied war, hatte sie viel Tuch- >md andere Wvllmanufacturen; allein jetzt, wo diese großen Theils verschwunden sind, beschäftigen sich die Einwohner daupkiächlich mit Malzmachen, einem Artikel, wovon jährlich 6—7000 Lasten verschifft werden. An Weizen, Gersie, Roggen und Pommerscher Wolle wird ebenfalls viel nach Holland, Frankreich, England, Spanien und der Levante exportier. — Unter den Gebäuden sind besonders die Hauptkirche zu St. N'coiai, daS Goiiv.rnemenkshaus, das Rakhhaus, auch die Rathsbibliothek, bemerk,iisiverkh. Rühmlich verdient hat sich auch noch 1800 der hiesige Magistrat durch Anlegung einer Arbeitsschule gemacht. In den neuern Zeiten ist zwar von Wismar das Tribunal oder höchste Gericht des Hcrzoglhums Pommern hierher verlegt worden; allein, da bei Gelegenheit einer vom Könige verfügten Ländwch, 49 » Str re in Pommern die Pommerschen Laadstände fich entgegensetzten, so wurde vom Könige unterm iz. Jun. 1306 die Auflösung dieser Gehör, den beschlossen und ausgeführt. Strand, das flache, mehrentheils sandige Ufer des McereS. Stranden, auf den Strand fahren und darauf sitzen bleiben. Oft aber ist auch stranden eben so viel als scheitern oder Schiffbruch leiden. — Strandlckufer, nennt man Vögel, welche sich gern am Strande aufhalten. — Strandreiter, sind berittene obrigkeitli. ^ che Diener, welche über den Strand und besonders über den am Strande ausgeworfnen Bernstein die Aufsicht haben. Das Strand recht bedeutet r) die Gerichtsbarkeit über alles, j was sich am Strande (d. h. an der Fläche dcS ans Meer stoßen- ^ den und von der Fluch überschwemmten festen Landes) und auf dem Ufer und Gestade befindet; oder daS Recht des Landcshcrrn, sich alles dasjenige zuzueignen, waS an den Ufern anwächst oder gefunden wird, z. B. in Persien die Perlen, an den Afrikanischen Küsten daS Gold , im Baltischen Meere der Agtstein, am Preußischen Gestade der Bernstein, an Mittelländischen Meere die Corallen rc.: 2) aber bedeutet Strandrccht auch das verabscheuungswürdige Recht, sich der sämmtlichen Güter und Sachen, welche durch Schiffbruch anS Land geworfen worden, ohne Rücksicht, ob der wahre Eigenthümer sich meldet und dabei ist, als Eigenthum zu bemächtigen. DicfcS barbarische Recht ist sehr alt, und ehedem in Deutschland sowohl, als in andern Ländern, sehr im Schwünge gewesen, ja man hat sogar hierund da in den Kirchengebeten Gott angcfleht, ,,daß er das Strandrecht segnen möge!!" Man hat jedoch dieses die Menschheit entehrende Denkmahl der Barbarei nach und nach großen Theils aufgehoben, obgleich in mache» Staaten noch — wenigstens war dieß der Fall noch vor wenig Jahren in Dänemark eine gewisse Art dieses Rechts auSgeübt wird, nähmlich z) daS so genannte Barg-oder Berge-Recht, wo denn ein Thcil der geretteten Güter denen» die sie retteten (den Bergern), ein Theil dem königlichen FiScus, und endlich erst der -ritte Theil (!) dem Eigenthümer wieder zufällt. Skranguliren, mit einem Strange erwürgen, erdrosseln In der Türkei ist das Skranguliren eine Strafe, welche vornehmen» Verbrechern , oft auch nur solchen zuerkannt wird, deren Reichthümer man sich gern zucignm will. Der Sultan schickt an solche durch ein Paar Janitscharen einen seidnen Strick, welchen der Empfänger sich selbst um den Hals legen muß und sich alsdann auf einem Kissen erwürgen läßt. Dem Erwürgten wird der Kopf abgeschnitten und zum Beweise des vollzognen Unheils dem Sultan gebracht. Strangurie, (Griech. Lat.) die Harnstrenae, der Harnzwang; eine Krankheit, bei welcher daS Harnen schwer und schmerzhaft von statte« geht. Strapaze, (Jtal.) eine ermüdende Arbeit; eine Beschwerlichkeit. Srrapazirtc Zeichnung, ist eine verdrehte, verzierte, »erkünstelte. Straß bürg (Lat. ^rxentorntuiri), in Unterelsaß an der Abcndseite des Rheins, am Zusammenflüsse der Jll (welche auch durch Skr 49z die Stadt läuft) und Breufche gelegen, ist die Hauptstadt im Elsaß, und nach der neuen Eimheilung Frankreichs der HauprdistrictSoet im Departement deS untern Rheins. Schon im z. und 4. Jahrhunderte stank» sie in grcß.m Ansehen, hatte auch in ihrer Nähe viel Silber- adern, wovon sie denn auch den damahligen Nahmen -trßeotoratum geführt haben soll, und wurde von den Alemannen mehrere Mahle eingenommen und geplündert, bis endlich Attila sie ganz und gar verwüstete. Lang lag sie wüste, bis man noch und nach anfing, sie wieder aufzubanen, und ihr nun auch den Nahmen Skraßburg gab, weil hier die vielen Straßen, die aus Panonien, Rhätlen, Italien vach Gallien und Germanien gingen, zusammentrafen. Mehrere Könige aus Astrasien hakten hier ihren Sitz» und oft war sie noch Zer- stSrungen auSgcsctzt'. sie erhielt sich aber, und blieb eine freie Reichs- stadt des Deutschen Reichs, die auch sehr viele Vorzüge genoß und in großem Ansehen stand; und obgleich Elsaß 1648 an Frankreich abgetreten wurde» so blieb doch Straßburg davon ausgenommen, bis sie endlich 168c, jedoch mit Beibehalt aller ihrer alten Rechte und Ge, rechtigkeiten, sich Französischer Hoheit unterwerfen mußte, unter welcher sie auch durch den Ryswicker Frieden 1697 blieb. Handel und Manufakturen sind hier in sehr guter Aufnahme; die Stadt selbst ist groß und schön, obgleich die meisten Straßen; nach aller Art, ziemlich unregelmäßig und enge sind. Sie hat sehr beträchtliche Festungswerke, und unter andern auch eine sehr feste Citadelle gegen den Rhein, über deren Thore die Ueberfchrift steht: 8vrvat er obrervat. Die Zahl der Häuser beläuft sich auf 4000 und die'Zahl der Einwohner auf 49,000. Dir vorzüglichsten Gebäude sind: Die Münster-oder Hauptkirche, eins der größten Meisterstücke gothischer Baukunst, überaus sehenswertst. Sie hat einen trefflichen 500 Schuh hohen Thurm, in dem eine Glocke von 204 Ccntnern befindlich ist; — Die Thomaskirche mit dem Grabmahl des Marschalls Moriz von Sachsen; das Gemeindehaus; das Präfekturhaus ; 2 Zeughäuser; 2 Schauspielhäuser. In Straßburg ist der Sitz eine protestantisch-theologischen Fakultät ; einer Gesellschaft der Wissenschaften und Künsie; hat ein Lyreum, eine Gemähldesammlung, «ine Münze, Fabriken für Tabak, Gewehre, Luch, leinene Zeuge, Putzwaren, Buchdruckerschriften, u. s. w. und beträchtlichen Handel. Eine Telcgraphenlinie geht nach Paris und Basel: der Straßburger Telegraph ist über dem Münster angebracht. Das Stratagem heißt eine Kriegslist, welch« gebraucht wird, durch Irreführung, verstellten Angriff rc. dem Feinde irgend einen Vortheil abzugewinnen. Die Strategetik ist die Kunst, Krieg zu führen, sowohl den Feind anzugrejsen, als sich gegen ihn zu vertheidigen. Slratification, (Lat.) die Schichtung, Aufschichtung. Strakificiren, aufschichken. schichtweise über einander legen. Strato nik, die Kriegskunst. — Stratokratie, eine kriegerische oder mililärischc Regierurigsform. 494 Slr Straub ingen, eine Stadt an der Donar» in Niederbayern, die F4zo Einwohner zählt. Sie ist der Sitz der Regierung und treibt ziemlichen Handel Strauß, das alte Wort für Kampf, Streit. Der Strauß ist oer größte unter allen Vögeln, welcher eine Höbe von 8 ja 9 1/2 Fuß erreicht: er ist in Afrika und besonders in den heißen Sandwüsten in Arabien zn Hause . g hört zu den Sumpfvögeln mit kurzem Schnabel, und hat nur zwei Zeh-n und kurze zum Flug ganz ungeschickte Flüael ohne Schwungftaern. Ob er zwar gleich durch diese seine kleinen Flügel an dem Fli gen gehindert wi'd, so ist doch die außerordentliche Schnelligkeit seines Laufs ein hinlänglicher Ersaß dafür. Seine Federn sind auch vorzüglich schätzbar; ein Strauß, cy wiear, wenn es voll ist, einige Pfund. UebriqenS kann sein Magen alles fasten, ohne sich zn schaden: «r frißt Glas, Eisen, Steine u. dergl. ohne im geringsten davon incomttivdirk zu werden. Die Strazza: mit diesem Nahmen belegt man in der Handlung sowohl, a!S in andern Geschäften, das Buch, in welches man alle Vorfallenheiten des Tag s ohne Ordnung, so wie sie Vorkommen, ein- trägt, und aus dems lden hernach die Rebnungsbücher fertigt, in welchen Ausgabe und Einnahme von einander abgesondert und jede vor sich berechnet wwd. Strebe-Pfeiler, ein schräg laufender gemauerter Pfeiler, eine Mauer zu stützen oder zu befestigen. Streck werk, ist in der Münze eine Maschine, auf welcher die Silberzaine vermittelst einer Waize, Skreck-Walze genannt, , gestreckt oder so dünne gepreßt werden, als es zu einer Münze erfvr- j derlich ist. Strehla, eine kleine könlgl. Sächsische Stadt an der Elbe, 2 Meilen von Meißen. I Madame Streicher f. Stein. ! Die Streit apt war bei oen Alten eine Waffe, welche an der einen Seite wie eine Ast oder ein Beil geformt war, und eine breite, nicht lange Schneide, auf der andern Seite aber einen langen zuge- spitzkcn Stachel, übrigens einen etwas langen Stiel hatte. Jetzt bat man dergleichen noch auf den Schiffen zum Entern. Von einer ähnlichen Art war der Streik Hammer, an dem einen Ende mit einem Hammer, an dem andern mit einer krummgebogencli Eisenfpitze versehen. In Ungarn führen die Heiducken dergleichen, wo sie Cza kan genannt werden. Auch der Streikkolbe ist eine ähnliche Art Waffen, nähmlich ei» kurzer Stab, oben mit einem eckigen Knöpft versehen. (In Ungarn, Pohlen und der Tarlarei fuhren sie die ober» Officiere als Zeichen ihrer Würde.) Wenn jener Knopf stachlicht ist, so wird diese Waffe auch Morgenstern genannt. Skrelitz, die ehemahlige Residenzstadt des zweiten Herzogs von Meklendurg, wo Zooo Menschen und unter ihnen 6on Juden leben. Die Strelitzen (Russisch Skrielzi oder Strelz»,d. h. Schützen) waren von Iwan Wasilie witsch an, der sie in der Str 49L letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtete, bis zu PeterS des Großen Regierung die Leibwache deS Russischen Zaars, machten zugleich die sämmliche stehende Infanterie des Reichs aus, und begriffen zuweilen auf 40,000 Mann, oft auch weit weniger. Ungeachtet sie die besten und tapfersten Russischen Truppeu waren, so war doch ihre Discipiin und Kriegskunst schlecht. und sie selbst wegen ihrer vielen Vorrechte und häufigen Empörungen der Regierung eoen so furchtbar, als in der Türkei die Janitscharen. Allein Peter der Große (s. d. Art.), der ihnen wegen seiner Reformen im Kriegswesen sehr verhaßt war, schaffte sie zum größten Vortheil für Rußland (1699) ab, und erschuf an ihrer Stelle eine bessere, zahlreichere und nach den Mustern anderer Europäischen Staaten organistre Landmacht. Die Veranlassung war folgende: Seine herrschsüchkige Halbschwester, Sophie Alexiewna, machte 16x2, der Verordnung des verstorbenen Zaars zuwider, ihren blödsinnigen Bruder, Jwanlll.. zu Peters Mtiregegten, und herrschte unumschränkt, da Peter noch sehr jung war. Als sie aber 1639 den Thron allein besteigen wollte, entdeckte Peter den schwarzen Plan, verwies sie in rin Kloster, wurde nach freiwilliger Abdankung JwanS Alleinherrscher, vereitelte >697 eine neue Verschwörung Sophiens und der Strelitzen, und unternahm dann seine bekannte Reise durch England, Holland und Deutschland. Während seiner Abwesenheit zog Sophie die Strelitzen aber» mahls auf ihre Seite, verbreitete die Nachricht, daß Peter gestorben scy, und war, unterstützt von vielen Großen und der angesehenste» Geistlichkeit, schon im Begriff, sich zur Zaarin ansrufen zu lassen : allein die Strelitzen wurden ,698 vom General Gordon in einem Treffen zurückgeschlagcn; Peter eilte nach seiner Residenz Moskau, hob ihr ganzes Eorps auf, ließ 2000 derselben nebst vielen Großen mit unerbittlicher Strenge enthaupten oder auf aridere Art hiu- richtcn, verwies die übriggebliedeueii in die Gegend von Astrachan, und vernichtete sic endlich ganz, da sie ,70g in Astrachan sich aufs neue empört hakten. Die Geschichte ihres Aufruhrs, bei dessen Tilgung Viele P ekern der Geaulanlkcit beschuldigen, hat Herrn B ab 0 zu einem interessanten Schauspiele, die Strelitzen, Stoff geben. Streng, strcngflüssig, nennt man solche Erze, welche schwer zu schmelzen sind. 8 tr«rto, (Jtal.) im Handel: selten. Drsgl. (als Sachworl) die Straße, der Kanal, die Meerenge. Strich, so viel als Linie oder der rote Theil eines Zolle-, Desgl. ein böhmisches Gelreidemaaß, ungefähr r 1/2 Scheffel. Strick-Reiter, sind in einigen Gegenden bewaffnete Soldaten , welche Straßenränder und andre verdächtige Personen aufsuchen, auch Stricke bei sich führen, um die Gefundnen zu binden. 8tricte, (Lat.) genau, pünktlich, streng. 8le,t:«o sensu, im engern Sinne. 8t riet0 j u r e. nach strengem Rechte. —S tr irt e Observanz, (bei den Klvstergelübden und Freimaurerorden) die strenge Ordensregel, im Gegensatz der laten Observanz, d. i. der minder strengen, «trictissirne, aufs genaueste. Dksgl.i« strengsten Sinne des Worts. 496 Sir Striegau, eine Stadt in Niederschlcsten von 206 Hausern nnd 2lvo Einwohnern. Stringent, stringiren.d, scharf, bündig; z. B. ein stringenter Beweis. Stringiren heißt bei dem Fechten: die Klinge des Gegners auffangen. Die Skrohfidel (Lat. X^Iorxsoum, Franz, l^laqueboi») ist ein musikalisches Instrument, das aus viereckigen Stäben von Ahorn -, Buchen-oder anderm Holze besteht, welche nachdem der Saft auSgetrocknet und fie klingend gemacht worden, in verschiedener Größe und in solchen Verhältnissen — ungefähr wie bei den Orgelpf ifen — geschnitten werden, daß jeder einen Ton hält. Sie werden alsdann auf zwei Fäden gezogen, mit kleinen Kugeln von Holz oder Kork von einander gesondert, und dann hohl aber zwei zusamm nqebundene Rollen von dürrem Stroh gelegt, und durch hölzerne Klöpvel» wie ein Hackbret» gespielt: die Zahl der Hölzer ist gemeiniglich 26, wel- ches 2 volle Octaoen beträgt. Die Erfindung rührt aus Flandern her, und man hat nachher dergleichen auch aus Glock.nspcis. Stabl und Glas verfertigt, welche denn natürlich einen weiten Hellern Klang von sich geben. Stroh-Lade, nennt man mit Stroh umwickelte und mit Leinwand überzogene Schienen, ein zerdrochnes Bein hinein zu legen.— Strohwein, heißt derjenige Rheinwein, welcher auS den zeitigsten und besten Trauben , die man vorher anfhängt und dann eine Zeit- lang auf dem Stroh liegen läßt, gekeltert wird. Strophe (Dichtkunst) ist ein Wort, das in der Griechischen Dichtkunst, der es seinen Ursprung dankt, von ganz anderer B-d.u- kung war, als jetzt. Die lyrischen Gedichte (f. die lyrische Poe- se) der Griechen, die von einem Chore gesungen wurden und mit einem Umzuge oder Marsche des Cbores verbunden waren, bestanden aus drei Haupttheilen oder Sätzen, deren jeder eine gewisse Anzahl Verse enthielt. Die beiden ersten Sätze waren einander in Ansehung der Anzahl der Verse, Versart und Silbcnmaaß ganz gleich; dagegen der dritte Satz hierin von den beiden erster» abwich. Der erste Satz, welcher so lange dauerte, als der Chor in einem Zuge fortging , hieß Strophe. Sobald fich der Chor wendete, so fing der zweite Satz oder Abschnitt des LicdeS an, welcher Antistro- phe hieß, und bei welchem der Chor eben so viele Schritte thun mußte , als bei der Strophe. Mit Endigung der Antistrophe blieb der Chor stehen » sang aber noch etliche Verse, als den dritten Satz des Liedes» welcher EpodoS genannt wurde. War mit diesen dr i Sätzen noch nicht das ganze Lied, sondern nur ein Theil oder Abschnitt desselben geendet, so mußten die folgenden Abschnitte genau nach dem Silbenmaaße und nach der Anzahl der Verse, welche die ersten drei Sätze gehabt harten, eingerichtet werden. Die Römer, ohne die Form deS Griechischen Gedichts in Ansehung der Strophe, Ankistrvpbe und Epodos beizubehalten, fanden doch leicht: daß die Abrheilung eines j lirischen Gedichts in gewisse, in Ans,düng des Silbenmaaßes, der Versart und Anzahl der Verse ganz gleiche Abschnitte zur Schönheit ! desselben beitrage, und behielten daher in dieser Hinsicht die Trie- 1 ! S 497 «bische Form bey. Auch blieben jene Griechische« Benennungen im Gebrauche; allein man legte ihnen eine andere Bedeutung unter. ^ Auch die Deutschen haben besonders daS Wort Strophe in der Dicht» ! knnst beibehalte»: man bezeichnet mit demselben einen aus mehrern I einzelnen Versen bestehenden Abschnitt eines Liedes, oder einer Öde, der in Ansehung des SilbenmaaßeS, der Versart und der Anzahl der Verse asten übrigen Abschnitten zur Regel dient. Besteht also—»welches am gewöhnlichsten ist — ein Abschnitt oder eine Strophe oeS LiedeS auS oder 8 einzelnen Versen; so muß j ed e Strophe ebenfalls auS 4 oder g Versen von eben dem Silbenmaaße und eben derselben VcrS- art bestehen. Daß durch diese gleiche Form poetischer Rhythmus (s. dies. Art.) befördert wird , leuchtet von selbst ein. Man theilt die Strophen in einfache und Doppel strophen: einfache — diese sind am gewöhnlichsten — heißen solche, die nur auS einer Periode bestehen, welche sich mit der Strophe endigt, oder doch am Ende derselben einen Hauptrohepunkt hat. Theilt sich hingegen eine Strophe durch den Rhythmus in zwei Hälften oder Hauptabschnitte, so nennt man sie eine Doppelstrophe. Wenn in einer Strophe Sil» benmaaß und VerSart durchgehendS gleich bleibt, so gehört rin feineres poetisches Gefühl dazu, um zu bemerken, daß die Strophe Dop- pclstrophe ist. Allein bisweilen weicht in derselben der zweite Abschnitt oder Periode, entweder in Ansehung der Versart» oder deS SilbenmaaßeS, oder auch beider zugleich, von der ersten Periode, oder dem Anfänge der Strophe, ganz abund sodann sind die beiden Abschnitte der Strophe sehr merklich. Structur, (Lat.) die, Bau, Bauart, Zusammensetzung, z. B. die Structur dieser Maschine ist sehr künstlich. Strudel, heißt ein gefährlicher Ört in der Donau (in Ober, -sterreich), wo das Wasser mit großem Geräusche sich durch viele Kel- stiistücke durchdrängt. Johann Friedrich, Graf von Struensee, ein Sohn des General-Superintendenten der Dänisch-Holstein- und Schleswigischen Lan de, geb. zu Rendsburg im Holsteinischen, genoß in seinem väterlichen Hause eine gute Erziehung, woran seine Mutter, eine sehr ehrwürdige, gebildete und fromme Frau, den größten Antheil hatte; auch vom Vater erhielt er und seine zwei Brüder in den frühern Jahren den fleißigsten Unterricht. Di« trefflichste natürliche Anlage zeichnete ihn vor seinen Brüdern, und dann aus der Schule vor seinen Mitschülern merklich aus: hierzu kam ein sehr gutes Herz und eine Geradheit des Charakters, die ihm beständig, auch auf dem Gipfel seines größten Glücks, eigen blieb. Dieses Zeugniß gibt ihm sowohl I D. Munter in der bekannten Bekehrungsgeschichte (Kopenh. 1773.)» l als auch seine eigne Mutter in einem dort eingerücklen Briefe, den sie an ihren Sohn in den letzten Stunden seines Lebens offenherzig I und ohne eigne Schonung schrieb. — Er studirte zu Halle die Arz« j neikukide, zu welcher er schon in seiner frühesten Jugend den größten Hang zeigte, mit vielrm Fleiße, und brachte es bald ziemlich weit darin. Seine vorzüglichste Neigung war für die mediciuische Praxis: Enno. Lex. Fünfter Band. I i i 498 Stt daher verließ er auch die Universität, sobald er sich für geschickt ge, „ug dazu suhlte, und ging nach Altona, wo er als practicircnder Arzt sein Glück am besten machen zu können glaubte; und d»cß nicht ohne Grund. denn in nicht zu langer Zeit ward er einer der gesuch. testen practischen Aerzke, so, daß er sehr anständig und sehr gut von seinem Verdienste leben konnte. Nach den Wünschen seines Vaters sollte er in Altona als vracticirender Arzt bleiben, und sich mehr an rin häusliches Leven gewöhnen, wo er fester in der Denkungsart ge» worden s.yn wü de. Allein dieß gdschab nicht, vielmehr suchte er, da er schon auf der Universität Hatte an Zerstreuungen, an Ausschweifungen und an tauschende Äergnü'.ungen sich gewöhnt hatte, jetzt solche noch mehr, und glaubte überhaupt an einem solchen Orte, wo er weniger bemerkt würde, viel freier und ungebundener zu leben. Bald zeigte sich hierzu auch die Gelegenheit. Es wollte nähmlich der junge König von Dänemark, Christian VH . gl ich nach dem Antritt seiner Regierung 1766 eine Reise durch Deutschland, die Schweiz, Italien, Frankreich und England mache», und in feiner Begleitung auch einen Arzt haben.' und hiezu wurde ihm Struenses, als ein talentvoller und geschickter Mann, empfohlen, so daß ihn der König bald in seine Residenz Kopenhagen rufen ließ. Jedem Arzte mußte rin Ruf von der Art willkommeu seyn; dem jungen Stru ensre ober war er es doppelt, weil er schon lange vorher von Altona sich weage- wönscht halte, und überhaupt viel Neigung fürs Hofleben und für di? große Welt fühlte. Gleich bei der ersten Audienz halte er das Glück, seinem hohen Gönner zu gefallen, und unter de» vorthrilbafkesten Bedingungen angenommen zu werden. Die Reise ging bald vor sich, und in nicht zu langer Zeit hatte Glruensee seines Königs Gnade, > Wohlwollen und Vertrauen im vollem Maaße. so daß er für den Kö- ! nig fast unentbehrlich zu sein schien. Ihr Aufenthalt dauerte weder in Deutschland, noch in der Schweiz lange, aber lusto lan-irr in Italien, und hauptsächlich in Frankreich; endlich gingen sie „ach England, und von da wieder zurück nach Dänemark. Leicht konnte jetzt, da ihm auf dieser Reise der König seine Gnade und Gunst bis zur Uebertreibiinq geschenkt hatte, in seinem Herzen der Wunsch entstehen, seine medi- ! ci,lische Lebensart mit dem Hoflrben zu vertauschen; er konnte aber auch die Gewährung desselben mit der größten Zuversicht erwarten. , Und wirklich geschah dieß recht bald; denn der König zog ihn gleich „ach zurückgelrgrer Reise an den Hof, machte ihn zu seinem Rathe, , vertraute ihm viele der öffentlichen Landesgeschäfte an, erhob ihn zu- > erst in den Adclstand. und in nicht gar langer Zeit machte er ihn sogar zum geheimen Cabmelsminister. — Nun war der Eitelkeit des > ArzkeS Struensee. geschmeichelt genug, und rS fehlte dem auf den höchsten Gipfel des Glücks gestiegenen Manne weiter nichts, als die groß" Kunst — sich darauf zu eroaltcn. An die Möglichkeit, daß er die Gnade und Gunst, seines Königs eben so schnell verlieren konnte, als erste erhalten d tte, dachte er gar nicht; daher wagte er a;ch auf diesem seinem hohen Posten alles, waS nur möglich war, und was kaum ein Prinz vom Hause, ja selbst der König, unter andern ! Umständen^ nicht gewagt haben würde. Alles drehte er am Dänische» Str 4 vS Hofe um, führte ein neues Ceremomel, aber auch mehr LuMS und Glanz, als unter der vorigen Regierung gewesen war, ein, brachte Viele vom Hofe weg, und andere a» ihre Stelle, z. B. seinen grossen UnqlückSgefährten, den jungen Enewald von Brandt re.; besonders aber mehrere Deutsche, unter andern seinen eignen Bruder und den Dichter Sturz. Auch in der Landes-und Regierungsver- faffung reforinirte er, was nur möglich war, ohne jedoch viel dadurch zu verbessern, und sehr oft auf die beleidigendste. härteste und strengste Weise. Daß Struensee auf diese Art den Adel aufs empfindlichste kränken, und dieser aus Rache die ganze Dänische, an Vorurtheilen ohnehin hängende Nation gegen ihn anfbrinoen würde, war wohl ganz natürlich. Ja , das Volk konnte schon, ohne gereiht zu werden, den Minister aus dem Grunde nicht leiden, w il er ein jo großer Feind der Dänischen Sprache war, und fhr gern gesehen hätte, daß alles in der Deutschen Sprache verabhandclt, und sogar der Gottesdienst durchgängig Deutsch gehalten worden wäre. Außerdem aber hatte er sich auch wegen seiner freien A.-üßerungrn g gen christliche Religio» und Offenbarung beim gemeinen Volke am meisten geschadet. Kurz, Struensee und sein Anhang wurde vom Adel und Volke von gan» zem Herzen gehaßt, und sein endlicher Sturz für eine der größte» Wvhlthaten durch ganz Dänemark und Norwegen betrachtet. Nicht- aber trug zu Struensee'S Falle mehr bei, als der Haß der damahlS noch lebende» verwittweten Königin, der Stiefmutter des Königs, Julianen Marien, aus dem Hause Brannfchweig-Woffenbüttkl. Diese schlaue Dame wußte die Stimmung des Adels und des Volks ganz besonders auf sich und ihren Sohn, Prinz Friedrich, den Halbbruder des Königs , zu leiten , so daß, wenn der König damahlS kinderlos und England ihr nicht entgegen gewesen wäre, vielleicht wenig gefehlt haben würde, diesen ihren Prinzen auf den Dänischen Thron zu bringen. Und auch dieser Prinz Friedrich war der unversöhnlichste Feind des Ministers und dessen Anhangs. Die regierende Königin, Marie Mathildis, war beinahe die einzige Person am Hofe, die den Struensee nicht haßte; aber auch eben um dcßwil- len den Haß von jenen allen auf sich lud, und am Ende auf daS empfindlichste fühlen mußte. Kurz, die verwittwete Königin, ihr Prinz und ein großer Thcil des Dänischen Adels beschlossen den Fall Str ne n- see's und seines Anhangs, und mit ihm das Unglück der regieren, de» Königin; am 17. Jan. 1772 wurde dieser Plan ausgeführt, nachdem man schon vorher den König auf einer Maskerade darauf vorbereitet, und die Erlaub,,iß zu Ausführung desselben zu erhalte» ge, mußt hakte. Fast Jedermann in Dänemark hielt, nach Munters Berichte, diesen >7. Januar für einen der erfreulichsten Tage seines LebcnS: so groß war der Haß des ganze» Volks ggn S tru en see, und gegen alle , deren Glück er gemacht hakte. — Der mit Recht geliebte König befand sich damahlS in einer Art Gemüths-und Geistes» krankheit; natürlich mußte unter solchen Umstände» der Fall Struensee'S von seinen Feinden sehr leicht auszuführen sehn, besonders I i 2 Hvo Sir da sie wußten, daß auch nicht ein einziger Minister in dem königlichen Conseil sich befand, von welchem zu erwarten gewesen wäre, daß er den König von einem über Struensee einmahl gefaßten Entschlüsse abhalten würde. Zwanzig Zähre später — ein Bernsdorf an dem Staatsruder und ein mit Recht geliebter Kronprinz bei den öffentlichen Staatsgeschäften — würbe so etwas nicht vorgefallen seyn. Wir geben gern zu, daß dem Minister Struensee sehr vieles zur Last gelegt werden konnte; aber alles, was er lhat, läuft, so weit wir urtheilen können, mehr auf Unwissenheit und Unkunde mit den Grundsätzen des Rechts und der Dänischen Staatsverfassung, als auf vorsätzliche Verbrechen hinaus. Gewiß würde das Unheil über seine Handlungen und Vergehungen nicht so hart ausgefallen seyn, wenn er mehrere Rechtskenntntffe in sich vereinigt hätte; und gewiß würde sein Vcrtheidiger unter Vergehungen aus Vorsatz und unter denen aus Unwissenheit zu unterscheiden gewußt haben, wenn man nicht wüßte, daß gerade die Hauptfeindc Struensee'S auch seine Richter waren. ! Aber unter solche« Umständen mußte auch die kräftigste und bündigste Dertheidigung fruchtlos bleiben. — Gewiß verdient Struensee un- j ser ganzes Mitleid, besonders da er in seinen Geständnissen gegen den ! 1). Munter so überaus offenherzig ist, und auch nicht ein einziges Mahl gegen die Härte seines Strafurthcils sich beschwert, vielmehr ! freimükhig genug gesteht, daß er ein härteres erwartet habe. Die Worte, welche Struenserausdxm Richtplatze, wenige Augenblicke vor Besteigung des Schaffots, gegen denk). Münter äußerte, sind zu merkwürdig, als daß wir sie hier nicht anführen sollten : „Ich will glauben, — spricht der unglückliche Mann, — daß diejenigen» die mein Unglück befördert habe», es aus Liebe zum Guten thaten."— Gewiß der stärkste Beweis, daß Struensee aus Unwissenheit sich für weit strafwürdiger hielt, als er es war, weil er auch nicht die mindeste Einschränkung hinzusügte; aber auch zugleich der stärkste Be- weis von der Geradheit seines Charakters ! Zu verwundern ist es übrigens, daß 0. Münter in der erwähnten und sonst sehr lesenswer- then Bekehrungsgeschichte, bei feinen Besuchen oft von der Größe der St ruenfe eschen Verbrechen spricht, ohne jedoch selbst, wie es uns scheint, gewußt zu haben, worin dieselben eigentlich bestanden. Wahrscheinlich aber sah er mehr auf die damahlige Stimmung der Nation, als auf die Größe des Verbrechens in dem gegenwärtigen Falle, und auf den Inhalt der Dänischen Gesetze. Freilich haßte die Nation den Minister von ganzem Herzen, wünschte seinen Fa» und, nachdem er gefallen war, das härteste Urtheil, aber, wie bekannt ist, größten TheiiS deßhalb, weil er ihre Religion, ihre Sitten und auch ihre Vor- ^ urtheile angegriffen hatte. Und aus alles dieses mögen auch die Richter bei Abfassung deS Stueenseeschen Urtheils mehr gesehen haben, alS auf einen vollständig begangenen Hochverrath, der an ibm gleichwohl bestraft wurde: und sonach ist jener Lateinische sechsfüßige VerS: AlalL mulkL struen» se peretiilit ipse, in welchen der Nähme des unglücklichen Struensee nebst dem ihm zu; Last gelegten Verbrechen ringefiochten ist, und welcher auf dem Avers seines bei der Bekeh- rungsgeschichte befiudlicheu Kupferstiches enthalten ist, nur halb wahr. Gtr Lo, Unsers Bedünkens konnte der« unglücklichen Struensee »ngefähr Folgendes zur Last gelegt werden: i) daß er während seiner Ministerschaft oft zu eigenmächtig verfuhr, und Dinge durchsetzte, welche wider die Dänische Staats-und Landesverfassung waren, ^mithin die Gnade seines Königs mißbrauchte; 2) daß er über die öffentlichen Gelder zu frei und nicht immer staatswirthschaftlich genug diS- ponlrte: daß er jedoch dieselben unterschlagen und sich aus Kosten des Staats dadurch zu bereichern gesucht hätte, davon ist, unsers Wissens, bei seiner Untersuchung gar nie die Frage gewesen; Z) daß der Posten eines geheimen Cabinetsministers für ihn zu wichtig und für die geringe Masse seiner staatsrechtlichen Kenntnisse und Einsichten viel zu schwer war. Aus allem diesem.nun ergibt so viel: daß er zwar von seinem Posten entfernt, auch allenfalls lebenslänglich seiner Freiheit beraubt und auf eine Festung gesetzt, oder mit einer ähnlichen Strafe belegt werden konnte; zum grössten Erstaunen aber wurde das am ! 2A. April 1772 ihm publicirte harte Urthcl, zu Folge dessen er, sich selbst zur wohlverdrenten Strafe und andern Gleich- l gesinnten zum Beispiel undAbscheu (diese Worte befinden sich nicht in dem Urthel des Grafen Brandt, obwohl sie beide sonst in dem übrigen Inhalt einander ganz gleich find), seiner gräflichen ! und aller ander» ihm verliehenen Würden entsetzt, ihm seine rechte Hand und fein Kopf abgehanen, sein Körper geviertheilt und aufs Rad gelegt, der Kopf mit der Hand aber auf einen Pfahl gesteckt werden sollte, leider am 23. desselben MonathS wirklich an ihm vollzogen, außer daß noch an dem Tage der Hinrichtung, gegen den Abend, auf Veranlassung des eben angelangten. Algierschen Gesandten, der seine Verwunderung darüber äußerte, der Körper, Kopf und Hand von Rad und Pfahl abgenommcn und in die Erde eingegrabcn wurde; welche Milde auch Brandten widerfuhr, von dem wir hier noch Einiges Nachträgen wollen. Es ist schon vorher bemerkt worden, daß zugleich mit Struen» se e auch Andere, die durch ihn ihr Glück gemacht hatten, jetzt (hr Unglück fanden. Außer seinem Bruder und dem Dichter Sturz, welche beide zum Gefängnisse verurtheilt wurden, und wovon der Letztere 1780 im Holsteinischen starb, gehört hieher besonders der Graf Ene- wald Brandt. Dieser, auS einer guten adelichen Familie Dänemarks abstammend, ward durch Struen see Graf, und machte unterdessen Protection die sogenannte Hofcarriere, in welcher er es bis zur höchsten Stufe, nähmlich bis zum Direcreur 6es 8pectsc!e5. brachte. Struensee liebte ihn außerordentlich, und verschaffte ihm > die Liebe und das Vertrauen des Königs. daS er am Ende eben so» wohl, wie Struensee, gemißbraucht haben mochte. In der Geschichtserz i Ii>ng wenigstens, welche seinem Todesurtel vorausgeschickt worden ist, haben seine Richter vorzüglich den Mißbrauch des könig- ! lichen Vertrauens ihm zur Last gelegt, doch noch weit mehr den Um- ! stand, daß er der Vertraute Struenfee's gewesen sey, urgirt, welch-r Umstand für ih» fast für den gravirlichsten und verwerflichsten qehalten wird, ohne jedoch gleichwohl die Ursache dieser Verwerflichk.it anzvgeben. Richtig ist es inzwischen, daß dieBrand Los Stk schen Thaken eine härtere Strafe als die Struense eschen verdienten: denn so wird in der schon angeführten Geschichtserzählung erwähnt, daß er, Brandt, als er einst den König wegen eines gewissen Vorfalls hätte coiiskittnrm wollen, er fim nicht nur mit Worten an ihm vergangen, sondern auch, da der König sich gegen ihn gewehrt, ihn an den einen Finger gebissen und am Halse verletzt habe. — Ohne uns eines Urtheiis weiter anzumaßen, fügen wir bloß noch bei, daß er auf eben die Art und mit Struensee zugleich an einem Tage, auf demselben Schofför Hingericht, t, und an ihm das barte TodeS- urtheil zuerst vollzogen wurde. Noch erwähnen wir mit einigen Worten des Schicksals der da- ! rnahls regierenden. Königin, Caroline Mathilde. Diese Prinzessin , schon nach ihrem zurückgclegtcn siebenten Jahre mit ihrem nach- herigen Gemahl. als damahUgcn Kronprinzen von Dänemark, verlobt , und nach vollendetem fünfzehnten Jahre schon wirklich verwählt, kam als eine der größten Schönheiten nach Dänemark. Zwar sehr feurig, war sie doch auch von dem besten Herzen »nd dem g-bildetstm Verstände. — Ihre musterbatten Briefe, die sie von Zelle aus in ihrer letzten Krankbeit an ihren Bruder, Georg III., König von England, in deutscher Sprache schrieb, und welche Pastor La Hz e zu Zelle nachher berausgab, sind redende Beweise davon. — Allein, leider! hotte diese treffliche Königin das Unglück. gleich in den ersten Tagen von der verwitweten Königin, Juliane Marie, der Stieftnuttcr ihres GemgblS , gehaßt zu werden: dieser Haß vermehrte sich , als die junge Königin ihrem Gemahl den noch lebenden Kronprinzen gebar, wahrscheinlich deßwegen, weil dadurch ihrem eignen Sohne, dem Prinz Friedrich, die Aussicht zum Throne entzogen wurde. Jetzt, bei dem Falle Struensee's, wurde auch Car o si „ eMa kh ilde, ein Opfer der Cabale und des Hasses der ganzen Dänischen Nation. Sie wurde arretirt, und auf das königliche Schloß Friedrichsburg als Gefangene gebracht, indem m m ihr geradezu einen unerlaubten Umgang mit Struensee und Brandt vorwarf-, auch daß sie überhaupt dem Strneensee zu Ausführung seiner Plane bebülflich gewesen wäre u. s. w. Die erster? Beschuldigung ist und bleibt, auch ohne auf jene ! Briefe Rücksicht zu nehmen, wo sic aufs heiligste ihre Unschuld bc- tbeuert, falsch und uncrwiesen. Alles, was man ihr als scheinbar I zur Last legen konnte, lief dahln aus, daß sie ihren Gemahl aus das- ,jenige. waS Struensee oft zu eigenmächtig lhat, und der König auc- tocisirte, nicht aufmerksam machte: indessen war sie daziikeines wegS verpflichtet: vielleicht aber ihat sie es auch darum nicht, weil Dänemark in den damaligen Zeiten „och in zu großen Dorurtheilen versunken war gegen welche manche Struense esche Verordnung gerichtet ftyn mochte. Sie ward zu einer immerwährenden Gefäugnrßstrafe auf der Fricdrichsburq verurtheilr; als aber ihr Bruder, der König von England, sich ihrer annahm, und zu ihrer Befreiung eine Flotte vor Kopenhagen zu schicken drohte, so änderten die königlichen Commis- sorien ihren Ausspruch, und ließen diese unschuldig Gefangene frei: der König bestimmte ihr eine angemessene Pension, und ihr Bruder ließ sie nach Zelle ins Hannoverische bringen, wo sie sehr anständig Stk Slu AVA leben konnte. — So viel Theilnahme und Liebe aber auch diese gute Königin in Zelle, als dem Geburtsorte ihrer väterlichen Vorfahren » genoß: .so hatten doch die traurigen Vorfälle in Dänemark auf ihre damahls blühende Gesundheit und auf ihre Gtisteskre-fte zu sehr gewirkt , als daß solche nicht zur Beschleunigung ihrer Lebenslage etwas hätten beitragen sollen. Sie starb in der schönsten Blüthe ihres Lebens am ry. Mai 177z. S trü ck, ist leicher, gerippter Wollcnzeug zu Sommerkleidungen. 8tru mn, (Lat.) ist die unter dem Nahmen Kropf bekanute ^ Drüsengeschwulst. Strusen, Strussen, sind platte Flußfahrzeuge in Preußen und Rußland, auf welchen man Holz, Steinkohlen und Stroh fährt. 8 t. 8 s I v n cl o r, die Hauptstadt der Portugiesen in Congo (iu Niederguinea in Südafrika), hat «oooo einzeln stehende, mit Stroh gedeckte Häuser, die ron 80000 Menschen bewohnt werden. — Eine Stadt gleiches Rahmens, ebenfalls den Portugiesen gehörig, liegt in Südamerika, in Brasilien, in der Provinz Bahia, und hat einen schönen und befestigten Hafen. St. Sebastian, die Hauptstadt der Portugiesischen Provinz kio Znneiro, in Brasilien, ist zugleich die Residenz des Vicekö- nigs von ganz Brasilien und der Mittelpunkt des Portugiesischen Han» dels nach Brasilien. Gt. Thomas » eine den Dänen gehörige Insel unter den kleinern Antillen, liefert Zucker, Baumwolle, Kaffee und Cacao. 8 t. Ilinmns cke 6 ui-»r>n, die Hauptstadt des Spanischen Guiana im Vicekönigreich Granada in Südamerika. Sic liegt am Orinoco. Stuart ist der Nähme eines der vornehmsten und ältesten ade- lichen Geschlechter Schottlands, aus dem mehrere Sprößlinge auf den Schottische» und sogar auf den Englischen Thron gelangt, und Könige von drei noch bestehenden blühenden Reichen geworden sind. Mit dem Jahre 1570 erhalt dieses Geschlecht, ob cs gleich bis ins ig. Jahrhundert hinauf sich führen läßt, auch für das Ausland ein Interesse , und nimmt von nun an mir Roder: Stuart in der Sraa- j tengeschichte einen Platz ein. Dieser, der Sohn Walther Stuarts, eines der angesehensten und reichsten Privatleute in Schottland, welcher sogar von dem Könige Robert 1. Bruce eine Prinzeffin, Ma- jvria, zur Gemahlin harte, war sonach ein Enkel Rob crts I. und beerbte nach dem Tode dieses iKönigs und dessen einzigen Prinzen. , Davids ll., welcher 1Z70 kinderlos verstarb, und also den männlichen Bruceschen Stamm *) beschloß, als nächster weiblicher De- . stendent m der Famile Bruce, nicht allein seinen mütterlichen I Hhcim, den König David ll., sondern folgte ihm sogar in der Re- *) Das rö > gliche Geschlecht Bruce stammte in bcr weibliche» Dessen« Venz v» > Äennetb II-, dem ersten eigentlichen Könige Schottlands, ab. G. den Ack. S choerla nd). §o4 Stu gicrungalS König von Schottland, unter dem Nahmen Robert II.; und ward sonach der Stammvater vieler Schottischen und Englische Regenten, welche, ihn mit eingerechnet, an 344 Jahre in der männlichen und weiblichen Descendenz erst den Schottische» allein, von ,370 bis t6c>§, und dann bis 1714, den Schottische» und Englischen Thron zugleich ununterbrochen besessen haben. So groß auch dieser Zeitraum ist, in welchem daS Hans Stuart seine glänzende Rolle in der Welt spielte, und so große Begebenheiten auch unter der Regierung der Stuarts vorgrfallen sind, so weiß gleichwohl die Geschichte keinen Einzigen i» diesem Hause aufzu» finden, den man einen wirtlich großen Regenten nennen könnte, und der durch seine Regierung Wohkthätcr für seine Reiche geworden wäre. Da die merkwürdigsten Abkömmlinge dieses Hauses, eine Maria Stuart, ein Jacob l., Carl l., eine Elisabeth, bereits an ihren Orten in unscrm Lexikon, auch in den Artikeln Revolution von England — Schottland — aufgesührt worden find, so begnügen wir uns, bloß die einzelnen merkwürdigen Epochen, mit Beziehung auf jene Artikel, auszuheben. Robert ll., der oberste Ahnenherr in dem königlichen Hause Stuart, gelangte ohne die mindeste Schwierigkeit auf de» Schottischen Thron, und beherrschte denselben volle 20 Jahre in Frieden: denn England, welches die Uneinigkeit zwischen den Baliol-und Bruceschcn Häusern vorher benutzt, und beiden Brucen denselben Anfangs wankend zu machen gewußt hatte, war jetzt ruhig, und er, Robert selbst, zu klein und zu schwach, als daß er es Harke wagen können, das von England seinen Vorgängern angethane Unrecht zu ahnden. Eben so regierten seine Nachfolger bis zu Jacob V.alle in der drößten Ruhe; und nur erst unter der Tochrer Jacobs V., der Königin Maria, inSgemein Maria Stuart (besser und aus- zeichnsndrr nennt man sie Maria von Schottland, weil die Tochter Jacobs ll., Königs von Großbritannien, die Gemahlin Wilhelms Hk., mit eben so vielem Recht Maria Stuart genannt werden kann), entspannen sich von innen und außen Unruhen, die sie jedoch großen Theils selbst veranlaßt hatte, und wofür sie endlich mit ihrem Kopfe auf dem Schaffst büßen mußte (vergl. de» Art. Maria Stuart,). Ihr Sohn und Nachfolger, Jacob VI-, der 160z die beiden Königreiche England «nd Schottland vereinigt (s. den Art. Schottland,) und nun als König von Großbritannien Jacob l. heißt, würde ein sehr glücklicher König gewesen seyn, wenn er sich bei seinen großen Kenntnissen besser zu benehmen, und auch zu rechter Zeit Krieg zu führen gewußt hätte (vergl. Revolution von England,) ater noch inconsequentcr handelte sein Sohn, Carl I-, welcher endlich als das traurigste Opfer seiner Unbesonnenheit am zo. Januar 1649 auf dem Schaffst enthauptet wurde (s. ebendas.) Zwar hätten die beiden Söhne Carls I., Carl II. und Jacob 11 ., welche nach dem schauderhaften Tode ihres unglücklichen Vaters, nach vielen gegen einander strebenden Innern Factionen in allen drei Reichen endlich doch noch hinter einander zum Throne gelangten » an dem Bei- Gla F»Z speise shres Vaters Weisheit zu erlernen Gelegenheit genug gehabt; allein, theils von dem Glanze ihrer Majestät, kheils und hauptsächlich durch Eingebung schiefer Staatsmaximen ihrer Lieblinge zu sehr verblendet, gingen sie vielmehr auf dem Pfade ihres Vaters fort, und so konnten sie denn auch am Ende nur unter den härtesten und entehrendsten Bedingungen zu dem ihnen angeerbten Throne gelangen, den ste jeden Augenblick wieder zu verlieren "gewärtig seyn mußten. Carl ll. machte, nachdem er mit Mühe in Schottland zum König ausgerufen, und endlich auch in England als solcher anerkannt war, wohl einen großen Fehler, daß er die Hinrichtung seines Vaters zu sehr ahndete; einen noch weil größern aber dadurch ^ daß er die Katholiken, um derer willen doch schon unter seinem Vater die größten Unruhen vorgefallen waren, gleich Anfangs so öffentlich begünstigte. Uebri- gens verdiente er als ein Mann , der, unbekümmert um Regierung und Geschäfte, bloß am Sinnlichen hing, Wollust und Verschwendung liebte, oielleich unter allen Stuarts am wenigsten die Kronen dreier Königreiche zu kragen. Er starb» unbetrauert, im F. 1635, wahrscheinlich durch Gift. Nach seinem Tode wollte zwar sein natürlicher «Lohn, der Herzog von Monmuth, mit der Lady B a r low erzeugt, ein erklärt eifriger Protestant, König werden, indem er aus den Beistand der Protestanten, und besonders auf die Unterstützung der Schotten» zu welchen er sich gleich Anfangs persönlich wendete, sehr viel rechnete; allein diese nabmen ihn gefangen, und, nach kurzem Prozesse, ließen sie ihm und seinem Freunde und Begleiter, dem Schottländischen Grafen Arayle, den Kopf abschlagen. Jetzt kam Carls II. Bruder, Jacob, als der einzige Stuart, sowenig er auch von der Nation geliebt wurde, ohne Widerspruch, unter dem Nahmen Jacob ll. auf den Thron Großbritanniens. Gewiß würde dieser unter allen Stuarts der größte und belieb, ste Regent geworden seyn, wenn er von den Talenten, womit ihn die Natur versehen hatte, einen bessern Gebrauch zu machen gewußt hätte. Eden so erfahrner Seehcld, als guter Staatsmann» betrieb er »oll Energie und Entschlossenheit die Regierunsgefchäste. Anstatt jedoch dir Fehler zu vermeiden, die sein Vater und Bruder durch zu große Begünstigung des Papstthums und überhaupt durch zu willkührliche Regierung gemacht hatten, setzte er solche nicht nur fort, sondern vervielfältigte ste sogar zum Trotz der ganzen Nation. Denn da er vorher bloß insgeheim Katholik gewesen, und auch seine crstere Gemahlin, Anna *), *) Anna war die Tochter eines Privatmannes, NabmenS Hyde, ei« „er eben so rechtschaffenen als großen RechtSgelehrtea , der bei Carl ll. wegen seiner vielen Verdienste in dem größten Ansehen stand. Als Cael ll. nebst feinem Bruder Jacob, damahlSHerzog voniNock, nach der Enthauptung seines Vaters flüchtig werden mußte, begleitete dieser Hy de mit seiner ganzen Familie den jungen König auf der Flucht. Hier lernte Jacob die Anna kennen, liebte ste, und wurde wieder geliebt. Anna wurde von dem Prinzen schwanger; und Carl, aus Schonung gegen drn alten Hyde. Zo6 Slu «ine eifrige Protestantin, verleitet hatte, wider den Willen ihres Vaters die katholische Religion anzunehmen, bekannte er sich jetzt» nachdem er den Thron bestiegen hatte, ganz öffentlich zur katholischen Religion , hatte auch bald nach dem Tode seiner erster» Gemahlin sich mit ein-r erzkatholischen Prinzessin aus dem Hause Modena wieder vermählt. Alles dieß, sowie die unzähligen Begünstigungen der Katholiken und Bedrückungen der Protestanten, ertrug die Nation lange, gestutzt auf die Hoffnung, daß seine beiden Prinzessinnen, Maria und Anna, als Protestantinnen an protestantische Fürsten vermählt, dereinst ihnen ihre Rechte und Freiheiten wieder geben würden. Allein, da seine zweite Gemahlin 1633, ziemlich spät, mit einem Prinzen niedergekommen, und zu vermuthen war» daß dieser katholisch erzogen werden möchte, so wurde die Geburt des Prinzen verdächtig gemacht, und dieser für untergeschoben ausgegeben. Vielleicht war dieses Kind eine legitime Geburt; aber nur darin hatte es der König versehen, daß seine Gemahlin nicht auf die bei Regentenhäusern übliche Art, das heißt, nicht feierlich genug, ins Kindbette gekommen war. Allein der Lärmen ward zu groß, als daß der Hof etwas dawider ausrichten und das Volk von der Echtheit der Geburt überzeugen und "besänftigen konnte; Alles stand wider den König auf: die Episkopalen, seitdem Anfänge der Reformation mit den Presbyterianern in stetem Zwist und Uneinigkeit, vereinigten sich jetzt auch gegen ihn, und die ganze Nation forderte den Prinz Wilhelm von Oranien, den damahligen Statthalter der vereinigten Niederlande und Schwiegersohn ihres Königs, auf, nach England herüber zu kommen und ihrer sich anzunehmen. Ja , selbst die vereiuigtcn Provinzen ersuchten ihren Statthalter, diese Zsitumstände Hu benutzen, und England, seit Carl ll. von Frankreich ganz abhängig, von demselben wieder zu trennen. Sie unterstützten ihn sowohl mit einer Flotte, als mit einer Landarmee, ja mit Allem, was er zu einer Landung nöthig hatte. Unvermuthet landete Wilhelm bei Torbay; Alles lief ihm zu, Adel und Volk, ja ganze Regimenter gingen von der Englischen Armee zu ihm über. Die Königin flüchtete eiligst nebst ihrem jungen Prinzen Jacob nach Frankreich; aber der König selbst dankte vorher seine Armee, aus Vorsorge, daß sie, wie bereits schon geschehen war, zu den Niederländern ! übergehen möchte, ab, wiewohl umsonst, denn das ganze abgedankte Englische Militair schloß sich an das der Niederländer an. Kurz, der König konnte sich nicht mehr in England halten, sondern mußte noch am Schlüsse dcS JahreS 1639 seiner Gemahlin nachflüchten. Dieß eben , wollte Wilhelm sowohl, als die Nation. Dem entwichenen Könige wurde deßhalb her Prozeß gemacht, und er endlich feierlich abge- willigkr in die Vermählung ein, und erkannte die Ebe seines Ar», ders für lerilim - er machte auch den Vater Hyde zu seinem ersten Sraatsmrnister und zum Grafen von Clarinqton. Mit dieser Anna zeugte Jacob acht Kinder, die aber, bis auf Marien und Annen, frühzeitig starben: auch Anna selbst starb, ehe ihr Gemahl König ward. Stu Stü Zc>7 setzt; dem Prinzen Wilhelm aber, und seiner Gemahlin Marie, Jacobs altern Tochter, die Krone angetragen, unter der Bedingung jedoch, daß Wilhelm allein regieren, und seine Gemahlin nur erst nach seinem Tode zur Regierung gelangen sollte. Dieß geschah »Wilhelm regierte von 1639 lnS an seinen Tod 1702 unter dem Nahmen Wilhelm lll. alle drei Reiche zur Zufriedenheit des ganzen Volks. Nach seinem Tooe folgte ihm, da seine Gemahlin schon vor ihm verstorben war, die zweite Tochter I a c 0 bs ll. A n n a , an den Prinzen Georg von Dänemark vermahlt, welche in ihrer Regierung ganz die Grundsätze Wilhelms befolgte. Nach ihrem Tode, welcher l sechs Jahre nach dem ihres Gemahls erfolgte, 7714, kam die Suc- ! ccssion an ihren nächsten Agnaten, den Churfürsten Georg von ! Hannover, dessen SuccessionSrecht sich von seiner Mutter, Sophie , herschricd, welche Friedrich V., Churfürst von der Pfalz, mit seiner Gemahlin Eli sab eth , der einzigen Tochter J g- cobs l., erzeugt hatte. Und so endigte sich mit dem Tode der Königin Anna jenes Stuartsche Geschlecht, welches höchst wahrscheinlich noch bestehen würde, wenn nicht Jacob ll., der letztere männliche Abkömmling, die unverzeihlich großen Fehler gegen sein Äoi? begangen, und dang» als er sich kaum mehr zu erhalten wußte, gerade zu dem Hauptfeinde seiner Nation, zn Frankreich, seine Zuflucht genommen hatte. Zwar erwicß ihm Ludwig XIV. alle königliche Achtung und Ehre, ließ für ihn einen königlichen Hofstaat zu St. Germa-n einrichten rc., erkannte ihn auch als den rechtmäßigen König von Großbritannien, und dagegen Wilhelm nicht eher als 7697 beim Friedensschluß zu Rvs- wick. Allein alles dieses brachte eben seine Nation nur noch mehr auf, so daß sie nicht mehr auszusöhnen war— Noch schmerzhafter als der Verlust seiner drei Reiche, war fürJ ac 0 b das Bewußtscyn, daß seine Bemühungen für das Papstthum nicht erwünscht genug ausgefallen wären. Er starb, nachdem er sich noch wenige Jahre zuvor in den Jesuiterorden aufnehmen lassen, 7701 zu St. Germain. Was sein untergeschoben seyn sollender Prinz, Jacob unter dem Namen eines Prätendenten noch für Schicksale gehabt, s. man in d. Art. ! Prätendent. Stubengesell , heißt bcy den Papiermachern ein Gcstll, der in der Stube arbeitet.— Stubenmeister, hieß ehemals der Zunftmeister in Zürich. Stübchen , heißt in einige» Gegenden (z. B. in Hamburg, Bremen, Danzig n. a. m.) ein Maaß zu Flüssigkeiten, gewöhnlich von 4 Maaß oder Kannen. > Stüber, eine Niedersächsische Silbermünze, etwa 2 Kreuzer, oder Z bis 8 Pfennige. ! Stückfaß , ein besonders bei den Rhein - und Frankcnwein ^ übliches Gefäß, welches 7 7/2 Ohm oder ,5 Eimer hält. — Stück- gießerey, eine Anstalt, in welcher schweres Geschütz gegossen ' wird, als : Kanonen, Haubitzen, Mörser u. d. gl. — Stück jun- ker , heißt der unterste Obcrofficier bey der Artillerie. — Stück- For St» Pforten, heißen 'die Oeffnungen an den Seiten des Schiffes, woraus die Kanonen abgefeuert werden. 8tuäj um , (lar.) das, der Lernfleiß, z. B. es wird dazu ein eignes 8ru6ium erfordert. Dann: die wissenschaftliche Erlernung, z. B. das 8tu6ium der Geschichte erfordert anhaltenden Fleiß. Desgl. das Fach, womit man sich beschäftigt; z. B. er treibt Melerley und vernachlaßigt darüber sein eigentliches 8tu6ium. In der Künstler- . spräche ist 81uck > u m ein Mustcrstück oder Uebungsstück, worin angehende Mahler sich durch Nachzcichnen üben.— Die Studien sind überhaupt Kenntnisse oder Wissenschaften , z. B. er hat sich den Studien gewidmet. Desgl. die gelehrte Laufbahn oder die Lernzeit, z. B. wenn non einem, der die Universität verlassen hat, gesagt wird: er habe seine Studien absoloirt oder geendigt. — studiren , sich den Wissenschaften widmen, z. B. der ältere Sohn soll Kaufmann werden; der jüngere soll studiren. Desgl. den Wissenschaften bereits ! obliegen oder sie treiben, z. B. er siudirt in Leipzig. Desgl. etwas untersuchen, sich genau und gründlich damit bekannt machen; darüber Nachdenken, z. B. er hat das Wer? nicht bloß gelesen, sondern auch studirt. — Er studirt die Rechte, d. h. er erlernt die Rechtswissenschaft. — Ein Kunstwerk studiren, d. h. die Schönheiten desselben zergliedern. Student ätuckiosus littersrum , ein der Wissenschaften Beflissener. Jnsbes. ein Schüler auf einer hohen Schule oder Universität. Auch die Schüler in den katholischen latei, nischen Schulen heißen Studenten. Stufe , heißt beym Bergbau ein adgehaucnes Stück Erz oder Stein, z, B. eine Erzstufe, Silberstufe.— Stufrnjahr, jedes 7te und yte Jahr des menschlichen Lebens. S. climacterisch. Stuhl , der Sitz oder Thron eineS Geistlichen von hohem Range, z. B. eines Bischofs, Erzbischofs rc. Der Stuhl zu Rom ist der päpstliche Hof. Desgl. das Gericht, die Gerichtsbarkeit. Bep den Salzwerken ist Stuhl eineEintheilung der Salzbrunnen.— Stuhl- fr e y , Gerichtsbarkeitfrey. — Stuhlherr, der Gerichtsherr. — Stuhlschreiber , der Gerichtsschrciber; oder auch derjenige, der über die Kirchenstühle die Aufsicht hat. Stuhlweißenburg, eine Stadt in Niedcrungarn, nicht weit vom Balatonsee, hat 19000 Einwohner. Die ungarischen Könige wurden vormals daselbst gekrönt und begraben. > Stühle : so werden die einzelnen kleinen Distrikte oder Lan- ! desbczirke in Siebenbürgen genannt, in welche eine Gespannschast 0- der Grafschaft eingetheilt ist. Die Stukkatur (von dem Jtal. 8tuccc». Mörtel) ist «ine figürliche Verzierung von erhabener Arbeit, die eben sowohl außerhalb i an einem Gebäude, als auch im Innern seiner Zimmer angebracht wird. Man bereitet sie aus durchsiebten weißen Marmor und Kalk, oder aus gestoßenem Typs, Kalk und Sand, welche Masse mit Wasser an- aefeuchtek, geformt, oder poussirt und aufgetragen wird. Diese Arbeit ist im Grunde nichts anders als eine Bildhauerarbeit, wo alles poussirt wird. Margarikhone (geb. zu Arezzo ,240, gest. 1317), rin Mahler, Bildhauer und Baumeister, soll der Erfinder hiervon sepn. Sru zo- Im 1 .169z ist sie erstlich in Deutschland, und zwar zu Augsburg, durch den Bildhauer Matthias Lotter bekannt gemacht worden. Stupefaction , (lat.) das Erstaunen, die Bestürzung.— Stupid , dummköpfig, stumpfsinnig. Stupidität, der Stumpfsinn, die Dummheit. Stupor, eben so viel alsStupefa ct,i on. 8 tuprum , (lat.) das, die Schändung, Schwächung (einer unverheuratheten Frauensperson). Stuprurn violeoeum, eine gewaltsame Schändung. Stuprum voluntariun,, die mit Einwilligung geschieht. Stuprum subspe mstriwonii, ^ unter Versprechung der Ehe. — Stupriren, schänden, entehren, schwängern. — 8 ruprata , die Geschändete, Geschwängerte. 8 r u- 1 prat 0 r , der Schänder, Schwängeren Sturm, heißt ein gewaltsamer Angriff auf eine Festung. Sie > ist durch Sturm ubergangen, d. h. durch Gewalt erobert worden. — ! Sturmfässer, nennt man die bcy FeuerSgefahr üblichen, aus ^ Kufen stehenden Fässer mit Wasser. — Sturm -Haube, ein Helm, oder eine eiserne Kopfbedeckung, weicher Stürmende sich sonst zu bedienen pflegten. Sturz , heißt bey einer Thüre oder andern Oeffnunq in einem Gebäude der obere, mit der Sohle parallellaufende jhcil, oder die obere Queerpsoste. Stuterep , eine Anstalt, wo junge Pferde erzogen und zuge- richtet werden. Stuttgard, die Haupt - und Residenzstadt des (jetzigen) Königreichs Wirtenberg» von ungefähr 22,000 Menschen bewohnt, liegt eine Stunde von Neckar in einem herrlichen lachenden Thake, in der angenehmsten Gegend, hat schöne, Helle, reine Straßen, auch mehrere ansehnlichere Gebäude, unter denen der neue herzogliche (jetzt königliche) Pallast rin majestätisches Ansehen gewinnt. Die Stadt hat ansehnliche Manufakturen (die besonders auch von ben Französischen Reformirten getrieben werden), vorzüglich die Zeug-und Strumpffabrik. Am blühendsten war dieser (übrigens in dem Rufe einer sehr luxuriösen Stadt stehende) Ort in der Periode des Herzogs Carl, welcher auch die dasige schöne öffentliche Bibliothek und das bekannte militai- rische Institut, die Carls- Akademie (welche 1775 von der Solitübe hieher verlegt, aber 179z gänzlich aufgehoben wurde), ihr Ent.- i stehen verdankten. Auch haben sehr bedeutende Gelehrte hier aelebt: außer Schiller, welcher seine Jugendjahre hier zubrachte (m. s. dies.Art.), lebten ein S ch ub ar t , einPosselt, Huber, Spittler und andere berühmte Männer hier. — Ludwigs bürg mit seinen neuerlich gemachten interessanten Anlagen und Verschönerungen liegt in der Nähe, und genießt jetzt den Vorzug, im Sommer von dem Hofe besucht zu werden, welchen vorher Hohenheim, ein Sitz der Pracht und des Geschmacks, und noch eher — dieS 0 litüde genoß. Stutzbart, ist der an der Oberlippe abgeschnittcnr Bart.— Stutzuhr, eine größere Uhr, die man in einem Gehäuse auf den Lisch setzt.— Stutzer , ein Herrchen, das sich gern putzt, ein Lierling, wie E l egan t. S., dieses. * * ? . Stüver.s. Stüber. St. Veit, eine Stadt im Herzogthum Kärnthen mit gooc» Einwohnern, ist der Sitz des Hauptmagazins für die hüttenderger Eie senwäarcn, die Meistens nach Italien gehen. In dieser Gegend gibt es viele Eiscnfadriken. S r. Veit am Pflaum, eine Stadt in Kroatien an einen Busen des adriatijchen Meeres, wo eine wichtige Zuckerstedebey ist. Aus dem hiesigen Hasen werden viele Güter und Maaren ausgeführt. St. Vincent , eine den Engländern gehörige Insel unter den kleinern Antillen (S. diese), vorzüglich reich an Zucker und Indigo» hat noch die meisten Caraihen zu Bewohnern. Sonst zählte man 4000 Ftepe und izooo Sklaven?" Der Styl. Eigentlich wa>- bei den Alten Stylus ein Instrument von Horn, Eisen oder einer andern harten Materie, dessen sie sich beim Schreiben. so wie wir der Feder bedienen. Da man nähm- lich bekannrer Matzen statt des Papiers hölzerne mit Wachs überzogene Täfelchen Hane, so brauchte man jenes Instrument, um mit dem einen Ende desselben, welches ' spitz g wu , die Buchstaben einzngrabcn oder zu knzeln, mit dem andern Ende aber, welches mehr breit und rund-^. vielleicht wie unser Radirmcffci> — war, die gemachte Schrift nieder auszutilgen und das Wachs wieder eben'zu machen. Weil man nun auf diese Art seine Gedanken auszn"rücken pflegte, so hat man denn di-.srs Wort auch für die Schreibart selbst genommen: in dieser Bedeutung wirb das Wort Styl in den schönen Künsten in mancherlei Sinne gebraucht: und zwar bezeichnet es r) in Werken des Geschmacks, besonders der redenden Künste, die Art, die Gedanken vorzu'raqen. Also das besondere Gepräge, das der Schriftsteller dem Werke beilegt, die Anordnung der Materien', die Art der Darstellung — entweder launig, scherzhaft, witzig , oder auch wieder ernsthaft» trocken rc. — die Einkleidung, die Ordnung und Verbindung der Gedanken gehören eben so gut zum Styl, als auf der andern Seite einzelne Worte und Redensarten — edle oder niedrige , platte oder seine anständige oder unanständige rc. — ferner der Bau der Periode — steif oder ungebunden, gezwungen oder leicht, hoipricht oder fließend — das Wesen desselben ausmachen. Daß der Styl bei einem solchen Werke ein wichtiger Gegenstand sey, steht man von selbst; und daß er in Werken des Geschmacks von größerer Wichtigkeit sey, alS bei spekulativen Materien, wo es bloß auf die Sache selbst und auf Belehrung ankommt, ist eben so leicht zu begreifen. Es läßt sich übrigens — wenn man eine Einthe>lung annehmen will — wohl der Styl am besten in den hohen (erhabenen), den mittleren (natürlichen) und den nicdern eintheilen: ihnen setzt man die hochtrabende, die holprichie und die gemeine oder niedeiege Schreibart entgegen. 2) In der Musik versieht man unter Styl einen gewissen unterscheidenden Charakter der Eomposition, welcher öfters auch «ine Verschiedenheit in der Ausführung nöthig macht. Land, Geschmack, Ort, Zeit, Materie — alles dieß hat Einfluß auf die Musik, und bringt die vcrschiedentlichcn Eintheilungen des Styls hervor. So hat man in Ansehung drr Länder und des'Geschmacks ihrer Bewohner vor- Stp Sua A, i- züglich den Französischen und Italienischen Styl ., welchen letzter« Rousseau dem erster» bei weitem verzieht. Und den Französischen fade, platt und monotonisch nennt; endlich auch den Deutschen , der denn wohl zwischen jenen beiden die Mittclstraße hält. Es gibt ferner einen gebundenen Styl welcher vorzüglich ^ in der Kirche herrscht, und alle Regeln der Harmonie genau bcobach- l tet, und eine fr e ie, ungebu ndene Schrei b art , wo man sich schon mehrere und größere Abweichungen von jenen Regeln erlaubt. Von den Ocrtern, wo die Musiken aufgeführt werden, rühren wieder' hauptsächlich dreierlei Einlheilungcn des Stpls her, nähmlich die in den Ki rchenstyl (s. K irchenmusi.k), Theatersiyl und Kammerstyl (s. Kammermusik). Deßsind die hauptsächlichsten Eiu- theilungen des Stpls in Betreff der Musik, außer welchen es noch sehr viele gibt, die aber, da sie meisten Theils auf den Charakter und den Ausdruck eines Stücks Beziehung haben, zum Theil sich von selbst erklären lasten. Richtiger wäre freilich wohl die Eintheilung in diehv- he oder pathr tische, in die mittlere oder gemäßigte, und in die popul aire oder komische Schreibart. Endlich nennt man auch z) bei einem Gern ählde den Styl nicht nur die besondere Art des Mahlers in der Zusammensetzung , in der Zeichnung und Farbengebung, sondern auch etwas von dem Materiellen selbst. Stplit, s. Stationäre Stylobat, ein Saulcnstuhl, Fußgestell. Der 8t)-Ius curise, heißt die Art und Weise, wie man in fürstliche» Canzeleien zu schreiben und auszu fertigen pflegt. Gewöhnlich pflegt man, aus leicht zu begreifenden Ursachen, eine steife, verwickelte Schreibart auch damit zu belegen. Ltg-Ius curia« Uomanae heißt die Form, oder Titulatur, in welcher die päpstliche Canzilei zu Rom ihre Lrevin re. aus- zufcrtiaen pflegt. S k pmp hal iden (Uythol.) waren furchtbare Vögel, die sich' in dem Flusse Stymphalus in Arkadien aushielten, und mit Schnäbeln, Klauen und Klügeln von Eisen zu verwunden und zu ködrcn vcr- > mochten; sogar eherne "Waffenrüstungen konnten sie durchbohren. Hcr- ^ kules war es endlich, der sie tödtete, oder, nach Anderer Erzählungen, ^ durch das Geräusch einer eisernen Klapper vertrieb. ' Styp tische Mittel, sind in der Arzneikunde stopfende' oder trocknende, besonders aber blutstillende Mittel. Styx (Mpthol.), ein Fluß in der Unterwelt, über welchen dir abgeschiedenen Seelen der Menschen mußten, ehe sie an ihren Stufcnt- i hailsort gelangen konnten. Charon (s. diesen Art.) setzte sie nur i dann erst über, wenn ihr Körper gehörig zur Erde bestärket worden ! war, und so lange'büß nicht geschah, mußten sic an dem Ufer des Styx umherwandeln : er wird auch öfters Acheron, C ocpt, Phix/?, ton genannt, wiewohl jeder von diesen Flüssen als für sich bestehend aufgeführt wird. Beim Styx pflegten die Götter zu schwören/und dieser Schwur wurde auch aufs feierlichste gehalten. Snada, Euadela — bei den Griechen Pitho — (Mythos) itarjdie. Göttin der Beredsamkeit und tteberredung. Zu Athen führte §12 Sub sie These ns zuerst ein: auch hatte sie zu Gicyon einen besonder» Tempel. Sie wird gewöhnlich rznter den Grazien als eine Gefährtin der Venus mit aufqcfuhrt.Im gemeinen Leben nennt man auch die Anmuth und Geläufigkeit im Reden Suada. Suassa: so wird ein gewisses vermischtes goldreiches Metall genannt» welches in Ostindien auf der Insel Timor an einem Berge . (Kupferberg) gefunden wird. Man theilt es in natürliches (daS eben beschriebene) und in künstliches, welches eine gewisse Metallver- § mischWg aus Kupfer, Stahl und Gold von s hr feuriger Farbe, hö- > her goch als dir des GoldeS, ist; daher werden Ringe, Becher u. dergl. sehr häufig davon.gefertigek.. 8 uv, (Lat.) unter; z. B. sub conciitione: unter der Bedingung. — 8ud ficke pastorali unter geistlicher Amtsverficherung. 8ub poona: bei Strafe. 8ub pasna praeolusi: bei Strafe der Ausschließung, oder nicht weiter gehört zu werden. — 8ub rosa: im Vertrauen, S. Rose. Subäraten, Münzen, welche nur mit Silberplatten belegt, inwendig aber von Erz sind. Subalte r n, sneu Lat.) untergeordnet. Subaltern-O ffi« e i er, ein Officier von niederm Range (vom Hauptmanne oder Rittmeister abwärts). Die Subalternen sind die Unterbeamten. Suhalrernitat, der untergeordnete Stand, die Unterordnung. Desgl. die Getammtheit der Unterbeamten. Sub-Baß, ein hölzernes gedicktes Orgelregister im Pedal, von r6, auch Z 2 Fuß Ton. 8ubttele^atus, (Lat.) ein Unterbevollmächkigter. Insbesondre hießen bei der deutschen Reichsverfiffung dre Bevollmächtigten derjenigen Reichsständr, welche von Kaiser und Reich einen Auftrag erhalten hatten, 8uk6e1«:Asli oder Subdclegirte. — Subde legation, die Erthe-lung einer Untervollmacht. Sub de legi' ren, zum Unterbevollmächtigten ernennen. ' 8ubckiscc»ous, (Lat.) ein Unterkaplan. S. Oiaoonus. Subdividiren, (Lat.) Unterabtheilungen machen, dasGethcilte noch einmahl theilen. Subdioision, eine Unterabtheilung, z. B. ! in einer Predigt. ! 8 ut, - er Obraptio, heißt in der Rechtssprache die Erschleichung (des Rechts durch Verschweigung der wahren oder durch Angabe falscher Umstände). 8 ub - er obrepticie, erschlichner ! Weise. ! Subhastation, (Lat.) die Versteigerung, der öffentliche Verkaufanden Meistbietenden.— Sub ha st i re n, oder sub basta verkaufen, unter dem Spieß? verkaufen, d. h. versteigern, weil ! bei den alten Römern der k'raecor oder Richter an der Gerichtsstatte j einen Spieß aufzustecken pflegte. Subjekt, im Gegensatz von Object, s. unter dem Art. Object. Subject , imGegensatz von Prädicat , bezeichnet allemahl in einem Saye den Haupt - oder Obcrtheil, von welchem etwas ge sagt wird; das Pradicat aber dasjenige, was gesagt wird, j. B > Sub in dem Satze: Gott ist ein unendlich Wesen— ist da-Subjekt G o t t, das Prädikat unendlich rc. 8ub juciics 1 i s -st, (lat.) die Sache ist noch unentschieden. Subjunctiv, (lat.) beygefügt, verbunden. In der Sprachlehre so viel als Eonjunctio. S. dieses. Subleviren, die Arbeit erleichtern. Sublevant, einer» der den andern unterstützt, ein Gehülfe. Sublevation die Unterstützung. Sublim, (lat.) erhaben. Sublimität. die Erhabenheit. Das Sublimat.— Sublimiren ist in der Ehymie ein sehr gebräuchlicher Ausdruck, und bedeutet so viel als: die festen Lheile eines Körpers durch Feuer in dir Höhe treiben (im Gegensatz von Destillircn, welches nur von den flüssigen Theilen gesagt wird). So heißt nun also Sublimat eben dasjenige, was auf solche Art in die Höhe getrieben worden. Vorzugsweise aber wird Sublimat (Nercurius sublimatus) dasjenige Gift genannt, welches aus dem im gemeinen Scheidewasser aufgelösten Quecksilber in die Höhe getrieben wird: es ist schneeweiß , glänzend, nicht schwer und besteht in Hellen Erystallen. Es wird dieses sublimirte Quecksilber, da es ein tödtliches Gift ist, nur äußerst behutsam von den Aerzten bei innerlichen Euren gebraucht; zu äußern Euren aber öfterer angewendet. Auch Goldschmidte Gürtler u. dergl. bedienen sich dessen bei ihren Arbeiten. 8ub L-irters, (lat.) unter dem Buchstaben; z. B. Siehe sulr Utters L. Sublocakion, (lat.) der Unterpacht. Sublociren, in Unterpacht geben, d. i. etwas Gepachtetes oder Gemiethetes ganz oder zum Theil wieder verpachten oder vermicthcn. Sublunarisch: was sie hier unter dem Monde befindet: irdisch. Subministriren, (lat.) etwas an die Hand geben, oder einem an die Hand gehen. Submiß , (lat.) untcrthänig, unterwürfig. Ein submisses Betragen ist ein demüthjges. Submission, die Demuth, Unter- thänigkcik. Sich Submitliren , sich unterwerfen zum Kreuze kriechen. 8ubr>umero, (lat.) unter der und der Nummer. Subofficial , (lat.) hieß sonst der Verweser der churfürstlk» chen Erzämter bei der Kaiserkrönung. Die Subordination (a. d- Lat.): die Unterwürfigkeit, oder vielmehr: daS untergeordnete Verbältniß eines Untergebenen gegen den Obern» Vorgesetzten. Hauptsächlich versiebt man beim Mili- tair darunter die strenge Beobachtung des Gehorsams und der Pflich» ten, welche der Unterofficier oder Gemeine gegen seinen Vorgesetzten und dessen Befehle hat; doch pflegt man eigentlich dieses untergeordnete Verhälkniß des Gemeinen gegen den Osficier vielmehr Disci- plin zu nennen; dagegen im engeren Sinne die Subordination > Lonv- Lex. Fünfter Band. K k A»4 Sub vorzüglich von den VerhältniffM und Pflichten des Oberofficiers gegen seine Vorgesetzten verstanden wird. DaS Verbrechen wider die Subordination, welches thcils durch Unterlassung der von den Vorgesetzten ertheilten Befehle, theils durch ungebührliches , widersetzliches Betragen gegen diese begangen wird, ist bekanntermaaßen sehr harter Strafe unterworfen. Suborniren, (lat.) anstiftcn, heimlich anstellen oder vorschieben. Subquocunque ritulo, (lat.) unter welchen Vorwände es auch sey. Subrector , (lat.) ein Unterrektor» weniger als Eonrektor. Subrepiren, (lat.) erschleichen. Subreption, die Erschleichung. Subreptitie , erschlichnerweise. 8 ub ross , s. Rose. Subscribiren , (lat.) unterschreiben, unterzeichnen, um sich in Voraus zu etwas verbindlich zu machen, z. B. auf ein angekündigtes Buch subscribiren, d. h. durch Namensunterschrift versprechen, daß man ein Exemplar kaufen wolle. Subscribent, ein Unterzeichner. S ubscr i bti on, die Unterzeichnung, die Unterschrift. Subsellien , (lat.) die Stühle der Zuhörer oder Zuschauer. Subsidien , Subsidiengelder sind der Beitrag an Gelbe, den Ein Potentat dem Andern, mit welchem er im Bündniß steht, als eine Beihülfe zur Unterhaltung für seine Krieascölker leistet.— Zn England werden auch diejenigen Summen, welche das Parlament dem Könige zu den Staatsbedürfnissen verwilligt, Subsidien genannt. 8ub sigillo, s. 8igi1lum. Subsigniren , (lat.) unterschreiben, unterzeichnen. Subsistenz , (lat.) die, das Bestehen, das fortdauernde Da- seyn (der Substanzen oder Wesen). JnSgemein der Lebensunterhalt; z. B. wie viel braucht der Mensch zu seiner Subsistenz. Subsisti- ren , bestehen, auskommen, leben; z. B. sein Gehalt ist nicht hinreichend , um subsistiren zu können. 8ub spe xsti, (lat.) unter der Hoffnung der Genehmigung, unter dem Vorbehalte, daß der Andere das in seinem Namen Unterschriebne genehmigen werde. Substantivum , Substantiv, (lat.) das, ist in der Sprachlehre ein Sachwort, das etwas für sich Bestehendes bezeichnet, z. B. der Mann, das Buch rc. Es ist dem Adjektiv (S. dieses) entgegengesetzt. Substanz, s. Accidens. Substituiren, an eines andern Steve setzen; z. B. einen Begriff, ein Wort den andern substituiren. Desgl. unterlegen; z. B. den Worten, die man gebraucht, gewisse Begriffe substituiren Sub- stitut, rin Stellvertreter, Beigesetzter, Amtsvertretcr, der einem älkern oder unvermögenden Beamten zur Hülfe gesetzt wird, und gewöhnlich nach dessen Tode seine Stelle erhält.— Substitution, die Amtsvertretung, Amlshülfe. Sub Suc 8ubstratum, (lat.) das, der gegebene oder gegenwärtige Fall. Subsumiren, (lat.) in der Philosophie: das Allgemeine aus etwas Besondres anwenden, zeigen, daß das Besondre unter dem Allgemeinen enthalten sey. Znsgem. annehmen, voraussetzen; eines auS dem andern schließen, muthmaßen. Subsumtion, die Anw.ndung des Allgemeinen auf etwas besonders; desgl. die Annahme, Voraussetzung; z. B. ich habe es unter der Subsumtion bewilligt, daß rc. Subsumtiv , angenommen» z. B. der subsumtive Fall. 8ubterkuZium, (lat.) das, die Ausflucht. Subtil, (lat.) zart, fein; z. B. ein subtiles Gewebe. Desgl. uneigentlich: fein, spitzfindig. Subtilität, die Feinheit, Spitzfindigkeit, z. B. im Phttossphiren. Subtilisiren, klügeln, grübeln. — Subtilisation in der Chemie, ist die Scheidung der feiner« Thrile von der gröber«. Subtrahiren, (lat.) abziehen, eine kleinere Summe von einer größer» abrechnen. Subtraktion, die Abziehung. — 8 u b- traotor , die Zahl, welche abziehen soll. 8ubtrslienckus, die Zahl, die abgezogen werden soll. 8 ub utraqueist ein Ausdruck, womit man diejenigen bezeichnet , welche das Abendmahl unter beiderlei Gestalt genießen (daher hießen auch die Hußiten U t ra q u i st e n), im Gegensatz von: sul, uns, wo nahmlich daö Abendmahl nach Borschrift deü Costnitzer und Tridcntinischen Conciliums, nur unter einerlei Gestalt, nähmlich bloß des BroteS, genossen, der Kelch aber der Geistlichkeit allein überlassen wird. Sub vasall , ein Untcrlehnsmann. Subveniren, (lat.) zu Hülfe kommen. Subvenzioa, § die Hülfe, Beybülfe. Subversion , (lat.) die Umkehrung , Umstürzung, der Umsturz. Subvertiren, umkehren, Umstürzen. Suc ca de, (franz.) eingemachte oder eingezuckerte Früchte (vom lat. 8uccus, der Zucker). Succediren, (lat.) folgen, (in einem Amte oder in der - Regierung) Nachfolgen. S u cceß , der glückliche E-folq oder Fort- I gang. Succession, die Folge, Erbfolge, Amtsfolge, Regie- rungsfolge. Successionspulver, nennt man ein Giftpulvcr, das gegeben wird, um eine Thron - oder Erbfolge zu bewirken. 8 u c- cessio ab iotestsro , die natürliche Erbfolge, zu welcher es keines letzten Willens bedarf. 8uccessio pacticis, die vertragsmäßige Erbfolge oder die Erbfolge durch Vertrag. 8 ucces- sor, der Nachfolger, Amtsfolger. 8uccessorkeucislis, der Lehnsfolger — Successiv » nach und nach, allmählig. Succinct , (lat.) kurzgefaßt, gedrängt. Succulent, (lat.) saftig, saftreich, von 8uccus , der Saft. Die Succumbenz - Gelder (v. dem lat. Worte: ruvcum- bere , unterliegen) heißen in der praktischen Jurisprudenz diejenigen Gelder, welche bei gewissen Gerichten (z. B. dem Handelsgerichte zu i Kk u §l6 Suc Leipzig, den Ober - und Bergämtern u. s. f. von einem, der wider rin Urtheil eine Apellation eingewendet hat, auf den Fall, wenn er mit dieser Appellation abgewiescn wird (in cssum succurnbeuuLe), erlegt werden. Succurriren , (lat.) zu Hülfe eilen. Succurs , die Hülse: besonders im Kriege: Hülfsmannschaft. Succus , (lat.) Saft; besonders ein aus Saft bestehendes Arz- neymittel. S. auch: in succum etc. Sucher (L. G.) Herzog von Albufera, Groß - Offizier deS Strichs, Marschall geboren zu Lyon, war ansangs Chef des vierten Bataillons von Ardeche und zeichnete sich an der Spitze dieses Korps ,79z bei der Belagerung von Toulon aus. Den 20. September machte er den Englischen Obcrgeneral O- Hara kriegs gefangen. In dem folgenden Jahre nahm sein Bataillon bei Loano den Qestcrreichern drei Fahnen. Nachdem er den 24. August 1796 gefährlich verwundt worden war, mußte er mehrere Monate hindurch das Bett hüten; nach diesem ging er wieder zur igHalb- brigade und machte mit derselben den glänzenden Feldzug, der den Vertrag von Campo Formio herbeiführte. Er wurde abermahl bei Tarvis verwundet, und zum drittenmahl bei Unzmark inSteyermark, woihm der General Bonaparte auf dem Schlachtfelde zum Brigadcchcf ernannte. Im Jahre 1798 diente er bei der Armee, welche das Direktorium unter dem Befehle des General Brüne in die Schweiz einrücken ließ und bekam den Auftrag, die dem Feinde genommenen Fahne«: der Regierung zu Überbringern Er wurde damals Briqadegeneral und ging ln dieser Eigenschaft zur Armee in Italien, deren Kommando dem Generale Brüne übergeben worden war. Dieser ernannte ihn zum Chef seines Generalstabes, eine Stelle, die er unter Jouberr beibehielt. Piemont ließ Unruhen im Rücken der Armee befürchten; Jou- bert entschloß sich dcßhalb es zu besetzen und der General Suchet führte diese Expedition. Einige Zeit darauf erhielt der General Suchet Befehl, sich zu der Armee in Helvetica zu begeben und wurde in das Graubündner Land detaschirt, wo er sich 6 ganzer Tage lang von der Armee getrennt befand; dessen ungeachtet vertheidigte er seine Stellungen von Daoos, Bergen und Spugen, zog sich längs der Rheinquel- ten über den St. Gotthard zurück und stieß wieder, ohne sich abschneiden zu lassen, zur Hauptarmee. AlS Jouberk, nach Scherers unglücklichen Feldzuge, daS Kommqndo der Armee in Italien übernahm, erhielt er für den General Suchet den Rang des Divisionsgeneralsund berief ihn zu sich, um ihm seinen Grncralstab anzuvertrauen. Nach Jvuberks Tode in der Schlacht von Novi behielt Suchet die Leitung des Generalstaabes unter Moreau und Championet, die sich im Kommando folgten, bei. Nach dem 18. Brümaire wurde Massen« nach Italien geschickt und Suchet von dem ersten Konsul zu dessen Gene- rallieutenanr ernannt. Er bekam das Kommando des Centrums und es war an der Spitze dieses schwachen Korps» daß er den Brückenkopf von Var gegen die Anstrengungen des Generals Melas verkhei- digte. Durch diese Vertheidigung rettete er daS südliche Frankreich von einem Einfälle und seine Diversion war für die Reserve - Armee > E ue von großem Nutzes, mit der der erste Konsul über die Alpen stieg. Im Jahre igoi eröfnete der General Brüue den Feldzug in Italien und der Generallieutenant Suchet kommandirte das Centrum. Er ging mit der Armee des Generals Dupont über den Mincio. Nach dem Frieden von Lüneoille wurde er zum Generalinspektor der Infanterie ernannt. Im Oktober 1804 gab ihm der Kaiser das Kommando einer Division im Lager von Bvulogne. Er wurde Großoffi- zicr der Ehrenlegion und kurz darauf zum Gouverneur des kaiserlichen Pallastes Lacken, bei Brüssel, ernannt. Gegen Ende 1805 komman- dirke er bei der großen Armee in Deutschland und seine Division zeich, ncte sich in den Tagen von Ulm, Hollabrun und vornehmlich bet Austerlitz aus, wo sie einen Theil des linken Flügels ausmachte, der den Feind abschnilt. Den 8- Februar itzoss erhielt er bas rolhe Band. Neue Lorbeer sammelte er sich in den Französischen Feldzuge 1806 in der Schlacht von Jena und vornehmlich in dem Gefecht von Pultusk am 26. Dezember gegen die Russen wo er mit seiner Division den Sieg des Marschalls Lanues entschied. Später wurde er nach Spanien gesandt , wo er ein eignes Korps kommandirte und sich bei den bedeutendsten Vorfällen auszeichnete. Die Sudeten sind hohe, weikläustige Gebirge, welche das Königreich Böhmen umgeben, und dasselbe gegen Morgen von Schlesien trennen, gegen Abend sich bis ins Voigtland, gegen Mittag bis nach Oesterreich, gegen Mitternacht bis anMeißen, wo sie die Grenze machen, erstrecken. Sues (Suez), eine berühmte wenn gleich nicht große Handelsund Seehafen - Stadt in Egypten, am Golfo di Suez (90 Meilen von Cairo). Fast alle Gebäude sind hier von gehauenen Steinen ausgefnhrt; der Hafen ist klein, und hat nicht viel Wasser. Da auf 20 Meilen umher nichts wächst, so müssen die Einwohner, meistens Türken, die Lebensmittel von Cairo beziehen. Die gleich bekannte Erdenge von Sues (zwischen dem Mittelländischen und rokhen Meere), welche Afrika an Asien bängt, hat von ihr den Namen. Suetonius Tranquillus (Casus), ein Römischer Ge, schichtschreiber zu Anfänge deS 2. Jahrhunderts, bekleidete unter dem Lrajan eine Zeitlang die Stelle eines Statthalters inBithynicn, ward darauf beim Kaiser Adrian , dessen Gunst er in hohen Grade besaß, Geheimschreiber; verlor aber seine Gnade, weil er, wie man erzählte, sich etwas zu frei gegen des Kaisers Gemahlin» Sabina, beklommen. Er zog sich zurück, und lebte, indem er zugleich in die innigste Freundschaft mit dem jüngern Plinius , der ihn auch alS einen Mann von großer Rechtschaffenheit und dem sanftesten Charakter rühmt, unterhielt, bloß den Wissenschaften. Was wir von ihm ganz besitzen, sind die Lebensbeschreibungen der zwölf Römischen Kaiser, von Julius Cäsar bis auf den Dv mi tian , wo er sich als ein unparteiischer, wahrhafter Geschichtschreiber zeigt, dessen Styl gedrängt, zierlich und deutlich ist. Er hat auch rin Werk über die berühmtesten Grammatiker, ingleichen eines über die vorzüglichsten Redner, ferner das Leben deS Terentius , Perstus, Luca- LI8 Sue Suf nus » Juvenals »c. geschrieben; allein Vieles ist davon verloren gegangen. Le Suenr, koiscrl. Kapellm ister zu Paris (geb. zu Abbeville, ungefähr 1760), ward schon früh zur Musik und andern W'sstnschaf- ten erzogen, und erhielt auch sehr jung schon die Kapellmeistrr-Stellen an verschiedenen Kirchen zu Paris, bis er auch, obgl.ich nicht Geistlicher, dieselbe an der Metropolirankirche bekam. Hier machte er sich bald durch mehrere Messen und Oratorien aufs rühmlichste bekannt; aber noch bekannter ward er, als er fürs Theater zu schreiben anfing, wozu er.schon vorher unter Sacchini, der auch zugleich fein herzlicher Freund wurde, den Grund gelegt hatte. Seine Opern; Telemach, In (!sv«-roe, k'sul et Virginia rc. bahnten ihm den Weg zum Ruhme. Wegen der erster» wurde er öffentlich in ein r Sitzung des Lpceums 1796 aufgerufen, und ob er fich gleich bcscheu en zurückziehrn wollte, dennoch hcrvorgeführt, um den Kranz der Erlennt- lichkeit dargereicht zu erhalten. Auch ward er nachher einer von den fünf Administratoren des Conservotoriums, und trotz der mancherlei großen Kabalen» die man wider ihn ausp-nn, um ihn zugleich von diesem Posten wegzudrängen, siegte er endlich dennoch, blieb an seiner Stelle, und ist nun auch 1804 an Paesiello's Stelle Kapellmeister des Kaisers Napoleon geworden. Seine Oper: Die Barden, hat ihm einen ausgezeichneten Beifall erworben. Die Sueven. Man würde sehr irren, wenn man diesen Nahmen einem gewiss-ii Völkerstamme, oder einem einzelnen Volke dei- gelegt glauben wollte. Sie machten sehr viele Völkerschaften aus, die den größten Thril von Germanien inne hatten; aber immer von einer Gegend zur andern zogen — herumschweiflen; daher man auch ihren Nahmen nicht unwahrscheinlich von schweifen, herumziehcn, hergeleitct hat. In den ältesten Zeiten hatten sie das ganze Land zwischen der Elbe, Weichsel und Donau inne. Späterhin war der Nähme Sueven ein allgemeiner Nähme für mehrere verbündete Völker des östlichen Deutschlands (daher auch der Suevenbund), deren wohl bisweilen auf 4L waren. Nach und nach nahmen sic auch die Länder über der Donau in Besitz, die nach ihnen Schwaben heißen. — Uebrigens ist ihr Rahme so alt, als man überhaupt etwas von der Deutschen Nation weiß. In Rhätie» rückten sie erst spät, und zwar nach dem Jahre 8L7 ein; und noch später wurden sie erst Ein Volk mit den Alemannen. Suffeten, hießen bei den alten Karthagern die zwei höchsten obrigkeitlichen Personen, die jährlich gewählt wurden, und täglich im Amte wechselten. Die Süffisance (Franz. — spr. Süffisangß): Eigendünkel; eine hohe Meinung von sich selbst, und von der Ueberlegenheit seiner (geistigen) Kräfte. Suffiten, s. Soffiten. Luffixum, (Lat.) das, eine Sylbe, die man hinten anhängt »^ eine Nachsylbe. S. I^rsakixum. Suffociren, (Lat ) ersticken, erdrosseln. Suffocation, das Ersticken. Suf Süd Fiy Suffolk, eine Provinz in England an der Nordsee, mit vorzüglichen Tuch- und Leinwandmanufakturen. Der Suffragan ist bei den Katholiken der einem Erzbischof untergeordnete Weihbischof, welcher bei dessen Abwesenheit oder Absterben seine Stelle vertritt. — Außerdem hak auch noch jeder Bischof in seinem Stifte einen Suffragan, der die 8piritualia an seiner Statt verwaltet (s. den Art. Stift) Das Suffragium, oder die Stimme, welche einer bei irgend einer vorzunehmenden Handlung zu geben das Recht hat, war besonders zu Rom ein Vorrecht, das jedem Römischen Bürger in den Co- mitiis, bei Einführung oder Abschaffung eines Gesetzes, bei Besetzung eines Amts, oder sonst in ähnlichen Angelegenheiten zustand. Sie versammelten sich bei einem solchen Falle auf dem Marsselde, und Jeder ging zu seiner Centurie, welche nun nach der Reihe sich in den dazu bestimmten Platz, Ovile genannt, verfügte: gleich beim Eingänge dazu befanden sich kleine Brücken, auf welchen gewisse Leute (h-ten und Fürsten Vorkommen. Ob nun zwar gleich dieses Werk Auszüge aus alten Scribenten enthält, und als Compilation »on keinem großen Werlhe zu feyn scheint, so ist dasselbe doch, da viel wichtige Dinge, wenn auch nur aus jenen entlehnt, darin Vorkommen, allerdings von Bedeutung. — Noch lebte zu den Z ien Augusts ei» berühmter Historiker, Suidas, von d m aber nichts auf uns gekommen ist. Südarolina, eine von den Provinzen der vereinigten Staaten 00» Nordamerika, von 200 Englische Meilen in der Länge, und 12; in der Breite, hat ein sehr verschiedenes Elima, je nachdem es längs der Se küste hingeht, wo eine heiße, oder auch feuchte und dicke, mithin höchst ungesunde Lust — oder mehr in den nördlichen Theilen, AÜO Süd wo„ eiMangenehmeS und gesundes Clima herrscht. Das Land hat abwechselnd Ebenen, oder auch Sandhügel und größere Gebirge: das Mineralreich zeigt sich hier nicht so ergiebig, als das Pflanzenreich, indem dieses sehr viel medicinische und andere Kräuter und Wurzeln darbietet: Reiß und Indigo wird in großer Menge gebaut, und die Indigo-Manufarturen sind sehr beträchtlich. Die Holzungen find sehr ansehnlich, und eS liefert daher eigentlich zum Schiffbau die trefflichsten Materialien. Der Verkehr mit Nordcarolina und Geo-gia, so wie mit den Englischen, Französischen, Spanischen und Holländischen Colonien, verschafft Südcarolina einen ansehnlichen Handel; der stärkste aber geht nach Großbritannien, nahm, ntlich nach London, Bristol, Liverpool, Glasgow rc., von wo aus denn wieder die reichsten La» düngen, besonders von Manufaktur und Metallwaarcn, zurückkommen. Die Zahl der Einwohner, welche übrigens größten ThrilS Englischer Abkunft sind — daher auch die Englische Sprache hier die herrschende ist — betrug im Jahre 1790, 249,073, worunter über 108,000 Neger sich befanden. Die beträchtlichste und größte Handelsstadt im Staate ist Charlestown. > Südermannland (Earl Herzog von) jetzt Earl XIII., Bruder des Königs von Schweden Gustavs III., erhielt in dem Kriege, welchen Gustav 1788 Eatharineu II. erklärte, das Kommando der Schwedischen Flotte, und lieferte dem Englische» Admiral Greig, weicher die Russen kommandirte, «in Seelreffe», dessen Ausgang, wie der von den meisten Gefechten zur See, ungewiß war, so daß sich beide Theile den Sieg zueigneten. Ein Kriegsschiff wurde von jeder Seite genommen; beide Flotten wurden beschädigt; die Russische blieb aber in See, und die Schwedische lief in die Häfen ein. Dieses Treffen machte dem Herzog von Südermannland einen Nah. men. Nachdem der König, sein Bruder, 1792 ermordet worden war, erhielt der Mörder die Strafe seines Verbrechens auf dem Schofför, und zwei seiner Milverschwornen wurden zum Tode verurtheilt. Allein der Herzog von Südermannland, der die Regentschaft übernommen hatte, änderte auS Milde oder ans Politik die Strafe in EM um, und warf selbst feine Ungnade auf mehrere ehemahlige Minister und Günstlinge seines Bruders. Er unterhielt die politischen Verbindungen mit Frankreich, selbst in den heftigsten Ausschweifungen der Revolution, blieb mitten in den Flammen von ganz Europa ruhig, ließ seine Nachbarn Pohlen unter sich tbeilen, ohne sich einzu- mischcn, und verminderte dadurch noch den Schwedischen Einfluß i« Europa. Endlich legte er daS Staarsruder in die Hände des mi'm- diggewordencn jungen Königs Gustav Adolph nieder. AlS aber dieser zur Niederlegung der Krone im Jahre -809 genölhigt wurde, ernannten ihn die Stände am 6. Juni dieses Jahrs zum König, mit dem Nahmen Carl Xlll. Da er keine Kinder hatte, so ließ er den Prinzr» Carl August von Holstein August-nburg, der vorher kom- mandirrnder General der Dänischen Armee in Norwegen war, zu seinem Nachfolger wählen, der aber schon im Jahre itzio eines sonderbaren-Todes starb. Hierauf wurde ein Ausschuß der Stände nieder- gesctzt, der gn des verstorbenen Prinzen Stelle den Französische« Für- Süd Sül zrr sten von Ponte Corvo (Johann Julius Berstadvtte) zum Kronprinz und Thronfolger erwählte. Dieser verfügte sich hierauf nach Schweden, und nahm die protestantische Religion an. Er hat einen einzigen Erben, nckhmlich den Prinz Joseph Franz Oskar. Südersee, heißt in Holland rin großer Meerbusen des Deutschen Meeres, 15 Meilen lang und 10 Meilen breit. Südfrüchte, nennt man die feinern Obstarken aus wärmer» Gegenden, z. B. Citronen, Pomeranzen, Mandeln, Fergen, Rosinen rc. Südländer nennt man alle diejenigen Küsten, welche über de» drei südlichen Theilen des bekannten Erdbodens, Afrika, Asien und Amerika, hinaus, und dem Vorgebirge der guten Hoffnung, den Molukkischen Inseln, der Magellanischcn Meerenge gegen über liegen. Die Südfee oder das Südmeer (bisweilen auch das stille Meer genannt) heißt derjenige große Theil des Weltmeers, welcher zwischen der östlichen Küste von Asien und der westlichen Küste von Amerika, von den Magellanischen und Brvverschen Meerengen bis an die nördlichste Spitze von Californien, bis nach Japan und bis an die unbekannten Südländer sich erstreckt. Kraft einer päpstlichen Schcnkungsbulle maßt sich zwar Spanien den ausschlicßen- den Besitz aller in der Südsee gelegenen Inseln und Länder an, so daß keine Europäische Macht sich da festsetzen soll; allein Holland, Frankreich und England haben bereits mehrere Versuche deshalb unternommen, und England hat sich wirklich (1771) auf den Falk- lands-Jnseln behauptet, und auch in der Südsee Befitzmigen eröffnet. Sujet, (Franz. Süschäh) der Gegenstand, Stoff, z. B. einer Rede oder eines Gedichts. Sur juris feyn, (Lat.) sein eigner Herr sepn; oft so viel als mündig s.yn. H rzog von Sülly (Maximilian), des großen Königs von Frankreich, Heinrichs IV. (s dies. Art.), großer Minister, war zu Rosni »L-y geboren, und hieß, bis zu seiner Erhebung als Herzog, Herr vonBethune. Da diese Familie eine der ältesten und berühmtesten in Frankreich war, so erhielt er mit Heinrich, da- ^ wohligen Erbprinzen von Navarra, eine gemeinschaftliche Erziehung, und wurde so von Jugend ans dessen Freund. Er eröffnete daher auch seine Laufbahn unter Heinrichs Fahnen gegen die Katholiken (s. d. Art. Pariser Bluthochzcit, und Ligue); da er aber - sich bald nicht allein als einen tapfern Krieger, sondern auch als einen Mann von großer Einsicht und Politik zeigte, so brauch e ihn Heinrich, so wie in der Folge, auch schon jetzt zu mebrern Gesandtschaften , nach deren Beendigung er wieder aufs Schlachtfeld eilte. Er hakte an den wichtigen Siegen, die Heinrich 1587 bei Eou- traS und 1591 bei Jvri erfocht, großen Antheil. Jndeß konnte auch diese letzte Schlacht Heinrich noch keine Ruhr verschaffen, und er mußte, da ihm bereits 1LS9 die Französische Krone zugefallen war, gegen seine eigne» katholischen Unterthanen fechten, die Philipp H., König von Spanien, unterstützte', um Heinrich die Krone zu ent- LS2 SÜl reißen, die er feiner Tochter zu verschaffen suchte. Sülly riech daher Heinrich, zur Beruhigung seiner katholischen Unterthancn zur katholiichen Kirche überzutreten; Heinrich that es, und wurde darauf iL 94 als König von Frankreich gekrönt. Der Friede zu Ver- vins, zu dem sich 1.598 der stolze und ränkevolle Philipp bequemen mußte, und das Edikt von Nantes verschaffte nun Frankreich Ruhe, deren es fast ein halbes Jahrhundert hindurch hatte entbehren muffen. Jetzt war Sülly, der seit 1594 nach und nach Staatsftcretair, Mit- l glied des FinanzconseilS, und endlich 1597 Kinanzininister geworden war, darauf bedacht, die äußerst zerrütteten Finanzen des Landes in Ordnung zu bringen, die Nation von drückenden Abgaben zu befreien, i und besonders den Ackerbau zu befördern, der ihm für den Staat wichtiger schien, als die Künste des Luxus. Unermüdet in seinem Eifer, und unerschütterlich streng gegen Vorschläge habsüchtiger und ver- 's schwenderischer Höflinge, war er im Stande, in einem Zeiträume von > 10 Jahren nicht allein 200 Millionen Livres Staatsschulden zu bezah- ! len, sondern auch sogar eine bedeutende Summe bares Geld auf den Nvlhfall für den Staat zurückzulegen. Da bei dieser guten Oekono- mie der innere Wohlstand deS Reichs außerordentlich wuchs. so stieg Sülly immer Höver in der Gnade seines Herrn, der ihn 1694 zum Gouverneur von Poitou ernannte, ihm die Oberaufsicht über die Seehäfen von Frankreich übertrug, und sein Gut Sülly an der Loire zum Herzogthume erhob. Allein alle Gnadenbezeugungen konnten den rechtschaffenin Minister nicht zum Schmeichler seines Königs machen, vie.'mchr sprach er auch gegen ihn sehr freimüthig, besonders we»n Heinrich sich durch seine Maitr ffcn zu unüberlegten Schritten verleiten lassen wollte. Er wagte es sogar einmahl, die Ehepacten, die Heinrich mit einer derselben bereits schriftlich abfassen lassen, zu zerreißen, und verhinderte durch diesen Umstand diese Verbindung. Zu Frankreichs Unglück machte Heinrichs Ermordung Sülly'S großer und wohlthätiger Staatsoerfassung zu früh ein Ende. Denn jetzt begab er sich auf seine Güter zurück, wo er seine schätzbaren Nach- ^ richten über Heinrichs Reg erung ausarbeitete. Er hinlerließ bei , seinem Abtritt vom Ministerium nicht nur die Manufakturen, Schiff- j fahrt und Kriegsmacht Frankreichs im blühendsten Zustande, sondern auch im Schatze die Summe von 40 Millionen Livres an barem Gelde. Allein unter der unruhigen Regentschaft von Heinrichs Wiktwe, Maria von Medicis, die sie für ihren unmündigen Sohn, Ludwig XIH. übernahm, sank Frankreichs Wohlstand von neuem, und es wurde wieder ein Schauplatz bürgerlicher Unruhen. Ludwig rief daher in der Folge Sülly wieder an den Hof; al- > lein da die Höflinge über den altmodischen Greis spöttelten,' so sagte ! er zum König: Sire, wenn Ihr Vater mir die Ehre erzeiate, mich um Rath zu fragen, so sprachen wir nicht -her von Geschäften, als bis er die Gecken und Narre» hatte in daS Vorzimmer gehen lassen," — und bald ging er wieder auf seine Güter zurück, wo er 1641 starb. Unstreitig war er der größte Staatsminister, den Frankreich jemahls hatte, und übertraf selbst den so berühmten Cvlbert (s. dies. Art). Denn außerdem, daß er zuerst das Muster einer gu- Slll L-A ten Slaatswirtbichaft aufsteklte, das Colbert nttk befolgen durfte, so verliert auch-Cvlbert deßhalb in Vergleichung mit Sülly, weil er, ganz gegen die Grundsätze von diesem, über der Beförderung des Handels den Ackerbau vernachlässigte, und, zum größten Nachtheil des Staats, den Gelreidehandcl sperrte. Man lernt übrigens den biedern Staatsmann am besten aus seinem oben erwäbnten Werke kennen, welches ein interessantes Temädlde von Heinrichs Regierung enthält, ob es sich gleich nicht durch strenge O-dnung und Schreibart empfiehlt. Beides wollte der Abt cle j' Lcluses cles Rotzes verbessern; allein da die schmucklose Schrift bei dieser Moderniflrung, ; welche zu Paris 174z erschien, mehr verlor n als gewonnen hatte, so / fand ste k-inen allgemeinen Beifall. Im Gegcntheil erschien von dem Originalwerke nur wenige Jahre vor dem Ausbruche der Französischen '! Revolution zu Paris eine neue Ausgabe, die auch ins Deutsche über- ! setzt wurde. Möchee doch gerade damahls, wo es noch Zeit war, Ludwig XVl. (der Sülly auch 1777 eine Statue errichten ließ) diese Memoiren über die Regierung des ersten Königs aus dem Haufe Bourbon studirt, und möchte ihm doch ein zweiter Sülly beigestanden haben, um Heinrich'S und Sülly'S Staatsverwaltung wieder herzustellen! Cornelius Sulla: ein merkwürdiger Nähme in der Römischen Geschichte. — Sulla wurde 146 Jahre vor Christi Geburt aus einem ehemabls vo-nehmen, jetzt aber in Dunkelheit zurückgesunkenen, Geschlecht in Rom geboren. Liebe zum Kriegsdienst bewog ihn, dem Heercszugc beizuwohnen, den Marius (m. vergl. d. Art.) als Oberbefehlshaber gegen den Jugurtha unternahm. Er zeichnete sich bald vortheilhaft aus, hatte großen Antheil an der Eroberung Numidiens, und noch größcrn an der Auslieferung deS Jugurtha, den sein Schwiegervater, König Bocchus, auf Sulla's Anregung, treulos verließ. Marius wurde schon damahls auf Sulla eisersüch- . tig, und wer weiß, ob nicht beide Feldherren viel früher in eine Feh- I de mit einander geralhen wären, w nn nicht Sulla für rathsamer ! g funden hätte, sich fürs erste um bürgerliche Würden zu bewerben, um dadurch in den festen Besitz der Volksgunst zu kommen. Er erhielt zuerst die Prätur, gab dem Volke prächtige Schauspiele, und stieg im Jahre 666 nach R. Erd. bis zum Conlulat. Der Krieg gegen die Bundesgei.-vssen, der Rom den Untergang drohte, verschaffte seiner Thätigkeit ein neues Feld. Er beendigte ihn zum Vortheile beider Partheien, und bewarb sich nun um die Oberbefehlshaber. Stelle zum Feldzüge der Römer gegen den Mithridateö, König in Pon, > kus. Kaum war er zur Armee abgegangen, als Marius, der diesen Zug selbst gern angeführt hätte, in Rom eine mächt-ge Cabale gegen ihn anspann. Alle Gesetze, die er wahrend seines Konsulats gegeben hatte, wurden umgestvßen, und er selbst für einen Verräther erklärt. Sulla erhielt von diesen Begebenheiten zeitig genug Nachricht, kehrte mit seinem Heere um, und ging gerade auf Rom los. Die Parthei des Marius, die i» Rom sehr zahlreich war, empfing ihn mit vieler Hitze. Man warf Steine aus den Fenstern auf die Soldaten, und Snlla gewann vielleicht bloß dadurch endlich die F -4 Sul Oberhand, daß er ewige Häuser anzünden ließ, wodurch die Bürg« ! inuthlos gemacht wurden. Dprjetzt unterdrückte er noch feine Rache, , stellte in der Stadt die Ruhe wieder her, und zog darauf mit feinen ! Legionen sogleich gegen den MithridateS. Ungeachtet der ansehn- ! lichen und tapfern Heere dieses Fürsten, gewann ihm doch Sulla beträchtliche Dortheile ab, und würde ihn endlich ganz besiegt haben, wenn nicht d«e Begierde, sich an der Parthci des Marius in Rom I zu rächen, ihn bewogen hätte, einen Vergleich einzugehen. Im Iah- ^ re 671 ging Sälla nach Rom zurück: ehe er es aber erreichte, i mußte er mit einigen Feldherren von der Parthei feines Gegners — der zwar schon vorher gestorben war, jedoch einen Sohn, »m den > sich die Mißvergnügten versammelten, Hintersassen hatte — in Jta- i lien einige harte Kämpfe bestehen. Tr überwand einen nach dem an- « dern, und die Soldaten gingen in Menge zu ihm über. So anschn- - lich verstärkt zog er ohne allen Widerstand in Rom ein, fest enl- ! schloffen, dem Staate eine dauerhafte Form zu geben, und ihn gegen die Meutereien der Factionisten zu sichern. In dieser Absicht ließ er sich mit der höchsten Gewalt bekleiden, und zum Diktator ernennen (m. s. d. Art.). Kaum sah er sich in dem Besitze dieser Wurde, als er seiner Blutgier und tiegerartigen Grausamkeit freien Lauf ließ, und unter dem Vorwände, den Staat von Bösewichter» und Nichtswürdigen zu reinigen, Rom seiner edelsten Bürger beraubte. Er machte Proscriptionslisten bekannt, wodurch der Tod mehrerer Tausende gesetzlich anbefoblen wurde. Der Besitz von Reich.hümern, Ländereien, Kunstwerken und andern Kostbarkeiten war hinlänglich, Verdacht zu erregen. Bei Todesstrafe war es untersagt, einen Geächteten zu verbergen, und große Belohnungen standen darauf, einen dem Diktator lebendig oder todt zu überliefern. Sulla war grausam gwug, 6000 Krieger, denen er selbst Schutz zugesagt halte, und worunter sich die Reste der unruhigen Samniter befanden, auf einmahl niedermetzeln zu lassen, als eben der Senat im Tempel der Bel- , lona versammelt war. Das Geschrei der Unglücklichen, die vor der Thüre niedergestoßen wurden, erschreckte die Senatoren. Sulla, I der eben eine Rede hielt, versicherte ihnen, daß nichts Bedeutendes ! vorfalle, er lasse bloß einige Unruhestifter abstrafen — und hiermit fuhr er ganz ruhig in seiner Rede fort. Nicht bloß Rom, sondern auch die meisten übrigen Städte Italiens, wurden verwüstet und mit Blut und Leichen erfüllt. WaS er nicht selbst that, das thaten in seinem Nahmen seine Gehülfen, unter denen besonders der verrufene Ca tili na eine große Rolle spielte. Zwölftausend Einwohner aus Präneste, denen er doch feine Gnade hatte versichern lassen, ließ er § ganz kaltblütig hinrichten. Mit den Gütern der Geächteten wurde der ! unverzeihlichste Mißbrauch getrieben: sie geriethen in die Hände von Buhlerinnen, Schwelggenossen des Diktators und nichtswürdiger Freigelassenen. Schon waren 90 Senatoren und 2600 Römische Ritter u,»gekommen, als endlich einige Freunde Sulla's ihn erinnerten, daß er doch dem Morden Einhalt thun möchte, damit wenigstens einige übrig blieben, über die er herrschen könnte. Der Tyrann befolgte diesen Wink, fing an neue Gesetze zu entwerfen, affectirke eine» . Sui Sul großen Eifer für die Religion, und schien das Uebek wieder gut mache» zu wollen, womit er den Römischen Staat heimgesucht hakte. Im Jahre 675 legte er auf einmahl alle seine Aemter nieder, und kehrte in den Privatstand zurück. Er war erbötig, über seine Administration öffentlich Rechnung abzulegen; aber Niemand forderte ste ihm ab. Vielleicht verleiteten ihn Gewissensbisse, oder Eitelkeit, oder das Ge- fühl körperlicher Schwäche — sein Körper war durch die abscheulichsten Ausschweifungen zerrüttet, an denen er auch das Jahr darauf ^ starb — zu diesem sonderbaren Schritte. In jeder Rücksicht war er einer der abscheulichsten Menschen, die je gelebt haben. Aber seine große Gewandtheit in der Verstellungskunst und gewisse Aufwallungen von ! Edelmuth und Seelengröße machten, daß man ihn zuweilen für einen ^ großen Mann hielt: auch liebte er die Wissenschaften und Gelehrten, oo Menschen bewohnt, hat einen Sultan, der alle in dieser Gegend liegenden kleinen Inseln beherrscht. Sulzbach, eine Bairische Statt >m Fürstcuthum Neuburg, am Rosenbach, hat Zo Einwohner, unter weichen es viele Juden gibt. Sülze, Sülze, eigentlich Salzbrühe. Dann jede geronnene, durchsichtige, zitternde Flüßigkcit, oder eben so viel als Gallert. Johann George Sulzer, einer der bedeutendsten Philosophen des verflossenen Jahrhunders, war zu Winterthur im Canton Zürch d. 16. Oct. 1720 geboren, und stammte — daS s; Kind, das seinem Vater geboren wurde — aus einer der ältesten Familien in Win- terthur her. Auf der Stadtschule zu Winterthur, wo er seinen ersten Unterricht empfing, waren ihm, bei den pedantischen Lehrern, die er hatte, geographische und kosmographische Studien weit lieber, und so kam er im »6. Jahr auf das akademische Gymnasium zu Zürch, wo er den theologischen Cursus vollendete; doch waren Mathematik, Physik und Philosophie seine Hauptbeschäftigungen, ja auS N.igung zu mechanischen Arbeiten erlernte und üble er das Buchbindcrhand- werk aus allen Kräften. Im Jahr 17Z9 zum Prediger ordinirt» versah er bald als Vicar die Geschäfte des Pfarrers zu Maschwanden, und hier von den Schönheiten der Natur hingerissen , schrieb er in 0- ralische Betrachtungen, über dir Werke der Nalur, ^ machte dabei öfters naturhistorische Alpenreisen, legte aber in der Fol. ge, wegen Kränklichkeit, jenes Vicariat nieder, nnd ging «745 al- Hauslehrer zu einem Kaufmann nach Magdeburg. Hier mit mehreren bedeutenden Männern in Bekanntschaft gesetzt, ward er nun ein eifri. ger Verehrer der schönen Wissenschaften, kam ,747 als Professor der Mathematik an das Joachimsihalische Gymnasium zu Berlin , wurde > daselbst ,750 in die königliche Academie der Wissenschaften aufgenom- i men und schrieb hier mehrere wichtige scharfsinnige Abhandlungen. Der Tod seiner innigst geliebte» Gattin im Jahre 1700, mit der er sich >7zo verbunden yatte, nöthigke ihn, Berlin auf einige Zeit zu verlassen, und er machte 1762 eine Reise in sein Vaterland, nahm aber bei seiner Rückkehr 176Z seinen Abschied von dem Joachimstha- ^ lischen Lehramte und wurde, damit er Berlin nicht verlassen sollte, -7 vom König zum Professor bei der neu errichteten Ritteracademie ernannt. Zugleich übertrug ihm der König nicht nur eine Stelle bei der zu Regulierung der ökonomischen Angelegenheiten der Academie ernannten Commission, sondern auch die Visitation des Joachimsthali- schen Gymnasiums. Und so wurde er noch zu mehrere» Schulverbesserungen der Preußischen Staaten gezogen, wodurch er auch um jene sich ein bleibendes Verdienst erwarb. Indessen wurden seine Gesund- hcilSumstände seit 1772 immer mißlicher, zu deren Verbesserung er zwar 177^ eine Reise in die Schweitz und die mittägigen Gegenden Frankreichs unternahm, während welcher er sogar zum Direktor der philosophischen Classe der Berl. Acad. d. Wisscnsch. vom König ernannt wurde; allein bei seiner Rückkehr stellten sich seine Beschwerden doch heftiger wieder ein, und sein Tod erfolgte endlich 1779 d. 25. Febr. im Ly. Jahre. — Als tiefer Denker, als emsiger Naturforscher, Kenner der Alte», Beförderer des guten Geschmacks und der Künste er hält dieser liebenswürdige Weise immer sein Andenken; und seine Schriften sind ein bleibendes Denkmabl von den Fruchten seines Nachdenkens und Beobachtens. Das vorzüglichste seiner Werke bleibt die Allgemein eThcorie der schönen Künste in 4 Thcilcn , welche schon mehrere Auflagen erlebte, und wozu er durch Is Lombe vic- tionnLirs cles beaux «rts veranlaßt, den Plan lange mit sich hcnim- »rug, und welches, wenn es auch nicht auf Vollständigkeit Anspruch »uachrn kann und manche Artikel Berichtigungen und Erweiterungen bedürfen, dennoch das unverkennbare Verdienst, den ersten Schritt z» einer allgemeinen Ueberschrift der Künste und zur nähern Bestimmung ihrer einzelnen Theile geihan zu haben, Sulzern auf immer sicherte. Auch der verdienstvolle Hauptmann v. Blankenburg hat bei einer der folgenden Ausgaben dieses Werkes durch seine literarischen Zusätze gleiche Ansprüche auf den Dank aller Freunde der schönen Künste sich erworben, so wie er dadurch auch den Weg zu den nachher von Dyk und Schatz hcrausgegebenen sehr verdienstlichen Nachträgen unter dem Titel: Charaktere der vornehmsten Dichter aller Nationen re. gebahnt hat. — Sulzers übrige Schriften z. D. seine vermischten philosophischen Schriften ; sein Versuch einiger vernünftigen Gedanken von Auferziehung und Unterweisung der Kinder; seine Vorübungen zur Erweckung der Aufmerk- LS8. Gum samkeit und des Nachdenkens (drei Theile) u. a. m. kragen insgcsammt das Gepräge des denkenden, auf Vervollkommnung des Menschengeschlechts »nd Erhöhung der Glückseligkeit desselben hinarbeitenden wahren Philosophen. ! Sumatra s. Sundische Inseln. ! Summe (Lat.) eine Zahl, welche durch Zusammenzählen mehr ! rerer kleiner Zahlen gefunden wird. Desgleichen: der Inhalt; z. B. > die Summe des Gesetzes- 8 umma 8ummarum, die Hauptsum- i me, der ganze Betrag. — 8ummarium, (Lat.) das, eine kurze ^ Anzeige des Hauptinhalts; daher bisweilen die Ueberschriften über den i Kapiteln nnd Abschnitten der Bücher Sum Marien heißen. — Summarisch, kurzgefaßt; dem Hauptinhalte nach. Der summarische Proceßist derjenige, welcher mit weniger Weitläufigkeiten und Umständlichkeiten als der ordentliche geführt wird. Summarische- ? Verhör, das kurze, bloß über die Hauptsachen angest.Üke Verhör, > welchem das Verhör nach Artikeln entgegengesetzt ist. — Gummi. - ren, zusammenrechnen, in eine Summe bringen. — 8ummum jus, summa injuria, das größte Recht wird oft das größte Unrrcht. Sumtion, (Lat.) heißt bei der katholischen Messe der Genuß des geweihten BrodeS von dem P icster. 8 umlus, (Lat.) die Kosten. Sumk» ös, kostspielig. Sun» eine Pommerische Münze, ungefähr 4 Pf. Der Sund oder Öresund, die vornehmste von den drei Meerengen » durch welche das Deutsche und Baltische Meer, oder die Nord- und Ostsee, an einander gehängt werden, zwischen der Insel Seeland und der Schwedischen Provinz Schonen. Am Anfänge derselben, nach der Nordsee zu, liegen auf der Insel Seeland (aus Dänischer Seite, die Stadt Hölstngör und die Festung Kronenburg, und in Schonen (auf Schwedischer Seite) Helstnborg. Alle Schiffe , welche durch den Sund wollen, müssen demnach zwischen diesen beiden Städten hindurch segeln, und ste haben an den König von Dänema k einen beträchtlichen Zoll zu entrichten. Jährlich gehen deren gegen ro bis r i.oac» durch den Sund. Die Suudischen Inseln in den Ostindlschen Meere» sind ein zahlreicher Archipelogns, der aufbeiden Seiten der Linie von Ma. lacca an bis an die Molukkischen Inseln sich erstreckt; vier von ihnen find besonders außerordentlich groß und merkwürdig, nähmlich Suma» tra, Java, Borneo und Celebes, welche letztere von Einigen zu den Molukkischen Inseln (s. dies. Art.) gerechnet wird- Alle ! zusammen baben die trefflichsten Produkte, und treiben mit den Europäern, hauptsächlich den Engländern und Holländern , welche beide hier sehr ansehnliche Besitzungen haben, beträchtlichen Handel. Ihre Einwohner sind entweder Einqeboene, die größten Theils schwarz oder schwarzgelb find, oder Malayen, die später angekommen find, nnd eine geldliche oder braune Farbe haben: erstere sind meist Heiden, letztere Muhamedaner. — Die westlichste der vier genannten Inseln, Sumatra, liegt gleich unter Malacca, wie 00m Aequator zu zwei gleichen Theiieil zerschnitte», hat aber -essen ungeachtet ei» sehr mildes Sun AS- Klima, ist reich au Gold, an Gewürzen, hauptsächlich au Pfeffer, be, greift über 8000 Luadratmeilen, und besteht theilS aus unabhängl» gen Provinzen, wohin besonders die inner», Bezirke gehören, deren Einwohner ganz w'ld und fast ohne alle bürgerliche Verfassung leben, theils aus Ländern der Engländer und Holländer. Die Englän» der besitzen hier die Präsidentschaft Bencoleu, deren Regierung zu Fort Marlborougb ist, und viele Kactorcien, auch die nicht weit davon liegende Prinz Wallis-Insel oder Puls Penang (seit » 784 ): den Holländern gehört die Festung Padang, ihr , Hanptktz daselbst, die Oberherrschaft über das Königreich Palem» bang und andere Plätze. — Von Java s. die At Java und Ba« ^ tavia. — Borneo «st die größte unter allen Ostindischen Inseln, Und unter allen bekannten auf der Erde; denn sie begreift über 14,000 ^ Qnadratmeilen (also weit mehr als das jetzige Frankreich). Sie liegt , ostwärts von Sumatra und nordwärts von Java, gerade unter der > Linie. Sie hat schwarzgelbe und schwarze G.nwohner, die »Heils Hei» den, theils Muhamedaner oder Malayen sind, und eine rohe und mö» derische Lebensart führen. Das Innere ist gebirgig und wenig bekannt. Es gibt hier viele Gewürze, Reis von vorzüglicher Güte, und einen großen Ueberfluß an Diamanten. DaS Land selbst hat mehrere Kö» uige und Rajabs, und Holland, England und China haben hier viele Faclvreien, treiben auch sehr starken Handel. England hat ein Stück von der Nordostküste, Holland die Provinzen Sukadana und Lan« dak und mehrere Länder; ein Stück der Nordostseite gehört dem Sul, tan der Suluhinseln (s. Ostindien), und das Uebrige gehört dea Eingebornen. — UebrigenS liegt zwischen Sumatra und Borneo die berufene Sundische Meerenge, durch welche man nach den östlichen Theilen von Asien kommt. — Ostwärts davon, und größtro- theils jenseits des Aequators nach Süden zu, liegt die ebenfalls sehr große Insel Erleb es oder Macassar, mit der Hauptstadt Ma- cassar. (Eigentlich heißt die Westküste Macassar, die LstküsteCe- ledes.) Sie begreift über 4000 Quadratmeilen, ist sehr bevölkert, und ihre Einwohner sind schwärzlich, außerordentlich wild und kriege» risch, und zum Theil Muhamedaner. Die Holländer besitzen hier die Hauptstadt Macassar, nebst vielen andern Plätzen und einigen zinsbaren Provinzen; das übrige Land ist in lauter kleine Staaten abge» theilt, und man findet hier viel Gold, Reis, Baumwolle, Sandel« hol^c. — Die übrigen beinahe unzähligen Sundischen Inseln sind klein und unbedeutend. Sunna war bei den alten nordischen Völkern die Göttin der Sonne: ihr Bruder hieß Man i, der Gott des Mondes. Jene wurde von den Göttern, die darüber entrüstet waren, daß ihr Vater ihr einen so stolzen Nahmen gegeben hatte, an den Himmel versetzt, um hier die Pferde der Sonne zu lenken. Ihr zu Ehren wurde daS ganze Jahr hindurch ein Eber gemästet, und beim Eintritt des neue» Jahrs (zu Anfänge Februars) geschlachtet und geopfert. Acht Tage vor dem Jänner wurde der Eber zum Fürsten deS Landes gebracht, auf sei, mm Rücken mußten die Großen mit gefaltenen Händen dem Fürsten Conv. Lex. Fünfter Baud. L l AZN Sun Sup Hulkgen und den Eid der Treue schwören rc. — Das Bildniß dek Sunna war ein balbnaktes, auf einem Säulenfuß stehendes Frauen« -immer mit Strahlen um das Hauvt; vor der Brust hielt sie mit «usgebreiteten Armen ein strahlendes Rad. ? Sunnirhen s. Muhamedaner. Snvvetaurilias. Lustrum. 8uper, (Lat.) über, z. B. superfein, überfein; super» klug, überklug; supergelehr k, üdergelehrt;superorthodvL, > überorrbodoI, wie Hyperort hoboz:. S. dieses. Superabundanz, (Lat.) der Ueberfluß, Ueberschwang. Superh, (Lat.) 8uperbe, (Fr. süperb) eigentlich stolz. Insgemein: prächtig, vortrefflich, überaus schön. . 8up-rcargo, (Jtal.) ist der Aufseher und Verwalter der auf einem nach entfernten Weltgegenden bestimmten Kauffahrteischiffe geladenen Waren, der für den ganzen Verkauf stehen und davon Rechnung ablegeu muß. 8uperciierie, (Franz. Süperscherih) die Ueberlistung. SupererogationSwerke, (Lat.) sind bei den Katholiken solche Werke, welche fle über die göttlichen Vorschriften zu verr ch- ten, und wodurch sie also mehr zu thun glauben, als sie zu lhuu > schuldig sind, damit sie ihnen zum Verdienst angerechnet werden. Man könnte solche Werke, wenn es wirklich deren gäbe, überpflichtige Werke nennen. — Supererogiren, überpflichtig handeln, mehr thun, als man schuldig ist. Superfiziell, (Lat.) «oberflächlich, seicht, nicht gründlich, z. B. ein superficieller Kopf. Superficialikät, die Oberflächlich, keil , das seichte Wesen, der Mangel an Gründlichkeit (besonders in de» Wissenschaften). 8upsrsiciellement, (Franz, süpcrfihßjel» lemang) oberflächlich, sticht. dupertluum, (Lat.) das Ucberflüßige. Lupertlua non oo- ! cent: etwas Ucberflüßiges schadet nicht. Superfölation, (Lat.) die Ueberschwängerung, oder noch, mahlige Schwängerung nach einer schon erfolgten, deren Möglichkeit von den Mehrsten bezweifelt wird. 8uperieur, (Kranz, superjöhr) überlegen, ausgezeichnet, hervorragend; z. B. ein süperiörer Kopf. 8upsrieurelnenl, (—mang) ganz vorzüglich, ungemein, in hohem Grade. — 84,9s- ilor, (Lat.) der Vorgesetzte oder Oberer. In den Klösternist der 8u- xrior ein Vorgesetzter, welcher der nächste nach dem Prior ist. Superioren, die Obern oder Vorgesetzten. — Superiorität, der Vorzug. Vorrang; desgl. die Ueberlegenheit; z. B. er fühlt des Andern seine Superiorität. Supe rinducr, (Lat.) eine außerordentliche Steuer, welche aufgelegt wird, wenn die gewöhnlichen nicht hinreichen Superintendent, (Lat.) ein Aufseher über dle Geistlichkeit; ei» Vorsteher eines Kirchsprengels. Superintendent»!-, da- Amt oder die Wohnung eines Superintendenten; deSgl. der Sprengel , dem rin Superintendent vorgrsetzt ist. Gup Sur LI, Superlativ, (Lat.) ist kn der Sprachlehre die höchste Steigerungsstufe, z. B. der weiseste. Io Superlativs, im höchsten Krade. Er spricht Alles im Superlativ, d. h. er übertreibt Alles. (S. Positiv und Comparativ.) Supernaturialist, (Lat.) einer, der an Uebernatürlichkek- ten, Offenbarungen und Wunder glaubt, im Gegensatz deS Nativ, nalistrn. (S. dieses.) — Supernaturalismus, der Urber, nalürlichkeitsglaube, Offenbarungsglaube. Superorthodo^, eben so viel als hyperorth vd ox. S. dies-S. Superporten, (vom Lat. super: über, rind port»- die Thü- ' re,) Tdürstücke, Gemählde oder Verzierungen über einer Thüre. ^ Superstition, (Lat.) der Aberglaube; eigentlich Überglaube, ^ weil man dabei mehr glaubt, als vor der Vernunft gerechtfertigt werden kann. SuperstitiöS, abergläubig. Supplement, (Lat.) das, eine Ergänzung, ein Nachtrag. Supplementdand, ein Ergänzungsband. — Supplik, (Lat.) die Bittschrift (die an einen Höher» gerichtet ist). Supplicsutlo einkommen: mit einer Bittschrift ein- kommen. Supponiren, (Lat.) unterschieben; desgl. annrhmen, voraus» setzen. Sura, ein geistiges Getränk, welches aus dem Safte der Co» cosnüsse bereitet wird. Suralte, eine Handelsstadt an der Küste der Präsidentschaft Bombay in Ostindien, deren Hafen die Engländer besitzen. Surinam, vormahls eine Hauptniederlassung der Holländer auf Guiana im südlichen Amerika, ungefähr unter dem 5 und 6 Gr. ! nirdl. Breite, mit sehr vielen Plantagen von Zucker, Kaffee, Tabak, ! Reis, Indigo, Baumwolle rc. Das feuchte warme Clima» verbunden mit dem niedrigen sumpfigen Boden, ist der Gesundheit der Einwoh» wohner weniger, als dem Gedeihen der Gewächse» zuträglich. Der Kunstfleiß der Holländer hat auch hier fich sehr thätig bewiesen, und auf bewundernswürdige Art diese ursprünglichen Moräste nach und nach binnen hundert Jahren in die bewohnbarste Colonie umgewan- delr. Im I. 1775 war die Zahl der Pflanzungen auf 4zo gestiegen, und in demselben Jahre halte man über 24 Millionen Pfund rohen Zuckers, über 15 Millionen Pf. Kaffee rc. nach Holland ausgeführt. Es gibt hier, außer mehrern andern ReligionSsekten» vorzüglich viel evangeliche Brüder: im I. 1775 zählte man 2324 Weiße aus verschiedenen Ländern und verschiedenen Religionspartheien. — Die Haupt- > stadt heißt Paramaribo, hat eine angenehme Lage, einen guten ! Hasen und beträchtlichen Handel. Diese Colonie hat mancherlei Herren gehabt. Im I. 16^4 lies- scn sich zuerst hier etliche 60 Engländer nieder, blieben aber eben so wenig lange da, als die 6 Jahre darauf hier angekommenen Franz», sen. i6gy legten die Spanier eine kleine Colonie mit ungefähr 40 bis SO Zuckerplantagen daselbst an; allein 1667 wurden sie von den Hol, L l L §ZL Gar Suw rändern angegriffen, die sich der ganzen Colonie bemächtigten, und durch den Traktat von Breda in dem Besitz derselben bestätigt wurden. Jedoch hatten ste an den unabhängigen Negern gefährliche Nachbarn, so daß die Republick der vereinigten Provinzen in den 1 .1749, 1772 und 1774 einige ihrer besten Bataillons der Colonie zu Hülfe schicken mußten, die aber nicht viel ausrichteten, so daß man doch die Unabhängigkeit mehrerer zahlreichen Horden anerkennen mußte. Im I. 1799 wurde diese Colonie im August durch ein Englisch, s Geschwader unter Lord Srpmour zur Uebergabe aufgefordert, welche denn auch binnen 48 Stunden ohne Schuß und Schwrrdtstreich erfolgte.— Die drei Colonien, Berbice, Demerarp und Essequ eb 0, welche ebenfalls noch den Holländern gehörten, hatten sich schon im vorhergehenden Jahre unter Brittischen Schutz begeben. — Einen weit leb, Haftern Widerstand aber fanden die Engländer bei der zweiten Einnahme im Mai >804 (denn durch den Friesen zu Amiens war jene Colonie wieder an die Holländer zurückgekommen), wo sie ein Fort Lurprenaat, (Franz, sürprenang) überraschend; erstaunlich. Sürpreniren, überraschen, in Erstaunen setzen Das Surrogat heißt eine Ware, welche dre Stelle einer andern, di- theurer oder schwerer zu erlangen ist, vertreten soll. So hat man viererlei Surrogate für den Chinesischen Thee; und Eicheln , Mohren, Cichorien, Erdmandeln rc. als Surrogate für den Kaffee aufgestellt. Das, was die Stelle einer andern Sache vertreten soll , ist allezeit von geringerer Qualität, als die Sache selbst. Der Zucker ist also kein Surrogat des Honigs, noch der Kaffee rin Surrogat der Cichorie. Su speck, (Lat.) verdächtig. Suspicion, die, der Argwohn. Susprciös, argwöhnisch. Suspendiren, (Lat.) ausschieben, aussitzen, z. D. rin Geschäft oder sein Uetheil suspendiren. Sussex, eine Englische Grafschaft am Canal von England, ziemlich fruchtbar und reich an guten Lisengruben. Susrentation, (Lat.) der, Unterhalt, die Verpflegung. Sus- tenkiren, unterhalten, verpflegen. 8 uury cuique, (Lat.) Jedem das Seinige. Peter Alex. Wasiolvwiksch Graf vvnSuwarow-Rimnitzkoi, Russisch kaiserl., auch kaiserl. königl. Feldmarschall, und Generallis- simu« der Russischen Heere, einer von den berühmtesten Russischen Feldherren des vorigen Jahrhunderts, war 1730 in einem kleinen Dorfe »n der Ukraine, Suskoy, geboren, und wurde schon im eilsten Jahre von seinem Vater, auch einem Officier, zur Cadettenschule nach Petersburg geschickt. Hier schon oft das Muster seiner Sameraden, trat er im siebzehnten Jahre in die Dienste seines Vaterlandes, kam indem Kriege mit Schweden 1742 nach Finnland, und erwarb sich schon da Ehre und den Posten eines Lieutenants. Noch mehr zeigte er feinen Muth und seine Tapferkeit.in der bekannten Schlacht bei Zorndors, wo er, trotz der empfangenen Wunden, dennoch nicht von seiner Mannschaft wich, und diese zuletzt, obgleich sehr ruinirt, aus dem Treffen tührtr. An der Schlacht bei Cunnersdorf und dem Sturme auf Schweid» D- k ! i SII W FZZ nitz nahm er ebenfalls sehr lbätigen Theil, und wurde nach -er Eroberung von Colberg als Platzmajor in Königsberg angestellt. In der Folge cvmmandirte er, in dem wegen der Thronbesteigung Stanislaus mit Pohlen 1764 ausgebrochenen Kriege, 1763 den Sturmaus Krakau, welches eingenommen wurde; übernahm das Commando gegen die Jaikzischen Rebellen, und besetzte nachher in dem Kriege mit der Pforte die Krimm, wo er denn auch 1772 von der Kaiserin Ca- tharina zum Commandirenden en Chef auf dieser Halbinsel ernannt wurde. Im Treffen bei Kind,irn >787 ließ er als Oberbefehlshaber die Infanterie ihre Patrontaschcn ablegen und mit gefälltem Bajonet auf den verschanzten Feind losgcben: die Angriffe wurden zurückgeschlagen, Suwarow selbst in den Leib geschossen, und dennoch setzte er sich wieder zu Pferde, jagte seinen fliehenden Kosaken nach» warf sich mitten unter sie vom Pferde ab, und schrie: „Lauft nur, lauft, und gebt euern General den Türken Preis!" — die Kosaken kamen wieder zu sich, machten Halt, und ließen sich nun von ihrem General gegen die Türken anführen. die auch alle niedergemacht wurden. Bei der Belagerung von Ocjako«, zu welcher ihn der Fürst Potemkin cvmmandirte, ließ er sich von seinem Muth zu weit verleiten ; und beinahe wäre er mit seinen 600 Mann verloren gewesen, hätte ihm nicht Repnin noch zu rechter Zeit Hülfe geleistet. In Verbindung mit dem Prinzen Coburg schlug er 1789 (1. Aug.) den Seraskier M eherned Pascha; aber noch rühmlicher war der ebenfalls in jener Verbindung errungene Sieg über das 100,000 Mann starke Heer des Großvezier HassanPaschaam Fluss. Rymnik. Kaiser Jose sepH 1 l. machte ihn jetzt mit Genrhmigani der Monarchin Ca tharina, zum Reichsgrafen, und diese erhob Ihn, unter Begleitung sehr ansehnlich-w Geschenke, in den Russischen Grafenstand, mit dem eben von jener Schlacht hergenommenen Beinahmen RpinniHkoi, machte ihn auch zum Ritter -es militairischen St. Georgen Ordens, 1. Classe. Das schauderhafteste Ereigniß, das in seiner Biographie eine St, lle einnimmt, ist wohl unstreitig dir Eroberung von Ismael, einem Orte nicht weit vom Ausflusse der Donau in Besar'bien. Suwarow ward den n. Decbr. »789 vom Fürsten Potemkin dahin berufen, und den 22. nahm er den Ort mit Sturm unter dem schrecklichsten Blutvergießen ein: der hartnäckigste Widerstand der Türken rechte ihn zu dem Befehle, keinen Pardon zu geben, und nur erst als die Besatzung, die sich auf die steinerne Bastion , als den letzten Zufluchtsort, gerettet hatte, um Schonung ihres Lebens bat, hielt das Blutoergieß n an: n,ooo Mann wurden zu Gefangenen gemacht, 24,000 hatte das Schwerdt der Sieger get-dket. Schrecklich und für das letzte Jahrhundert beispiellos war daS Blutbad gewesen, da von beiden Seiten mit der schrecklichsten Wuth sieben Stunden lang war gekämpft und gemordet worden. Acht Tage Zeit waren nöthig, um die 29,000 von beiden Seiten Gefallenen zu begraben! — Als der Krieg mit den Linken geendigt war, ernannte die Kaiserin den Suwarow wegen seiner 50jährigen Dienste, die er dem Vaterlande durch ausgezeichnete Kriegstalenle erwiesen halte, zum Chef der Gouvernements Katharinoölaw, der Krimm rc. Bei den Un- FZ 4 Sun» ruhen, welche »794 aufs neue in Pohlen unter K0seinsko'^Leitung ausbrachen, wo die Russen (am grünen Donnerstage) in Warschau gemordet wurden» rief die Kaiserin Suwarvw dorthin, und dieser mochte dem blutigen Kriege ein Ende; aber auch hier mußte wieder ein s-hr blutiger Sturm Suwarow's Lorbeeren erhöhen. Den 4. November erfolgte die schreckliche Einnahme von Praga (bei Warschau) , das nach einem vierstündigen Kampfe endlich mit Sturm genommen wurde: 15,000 Pohlen fielen hier, wie man sagt, durch das Rachcschwcrdt der Russen, und bei dem schrecklichen Drängen der Flüchtlinge über die Schiffbrücke nach Warschau stürzten allein auf so»« in das Wasser. Den 9. Novembr. hielt Suwarvw seinen feierlichen Einzug in Warschau, und ward darauf zum Generalfeldmarschall ernannt, wobei er zugleich einen goldnen Eommandostab nebst einem Eichenkranz , woran bloß die Diamanten auf 60,000 Rubel geschätzt wurden , zum Geschenk erhielt. Auch von dem Deutschen Kaiser wurde er 1799 zum kaiserl. königl. Fcldmarschall und zum Oberbefehlshaber der Oesterreichischen und Russischen Armee in Italien ernannt, wo er denn auch mehrere glänzende Siege — bei Piacenza, bei Novi (in einer der mörderischsten Schlachten) u. m. erfocht. Sein Zug , den er dann über den St. Gotthardsberg durch die Schweiz, trotz aller Hindernisse der Natur, die ihm über die schrecklichen Grbirge und durch die engen Pässe entgegen standen, und trotz des zahlreichen Feindes, machte, wird ebeniavs, und gewiß mit Recht, zu seinen glänzenden Thaten gerechnet, obgleich er nachher mit seiner Armee sich zum Rückzüge bequemen mußte. Sein Tod erfolgte, nachdem er kaum zurückge- kehrt war, den »8. Mai 1800 zu Petersburg (oder nahe dabe auf einem Gute), und sein Begräbniß ward sehr feierlich, unter Begleitung von -5,000 Mann Truppen, begangen. Wie hoch ihn Pauli., trotz dem, daßSuwarow eine Zeit lang bei ihm in Ungnade gefallen war, schätzte, läßt sich daraus schließen, daß er ihm auf dem Marsfelde zu Petersburg iZor eine kolossale Statue errichten ließ. — Artig, höflich und zuvorkommend, zeigte dieser Held auch noch im grauen Alter ausserordentliche Thätigkeit*), und jede Anstrengung theilte er mit seinm Truppen redlich, ohne sich die mindeste Bequemlichkeit zu erlauben. Kaltblütig und unerschrocken wußte er immer die zweckmäßigsten Maaß- regeln zu nehmen: Auf Mannszucht hielt er sehr scharf. »"Wenn Sie — schrieb er an einen Russischen General — den Unordnungen nicht Einhalt thun, so werde ich Sie arquebustrenlassen." Seine ganze Taktik — erklärte er mehrere Mahle — bestehe nur in zwei Worten.- Vorwärts und schlage (Stupai i be); dessen ungeachtet hatte er taktische Kenntnisse» nur das Kleinliche darin konnte er nicht leiden. Bei Pauls Umformung der Soldaten, welche Zöpfe, Locken re. erhielten» sagte er: „Locken sind keine Kanonen, Zöpfe keine Piken." Diese und *) Von seiner großen Lebhaftigkeit und Munterkeit gab er noch irenig Monalbe vor seinem Tode, als er durch Krakau ging, Beweise. Hier tanz»« er bei dem ihm zu Ehren gegebenen Bolle noch Masurisch, und schlug, trotz dein jüngsten Tänzer, wmer dabei mit den Füßen in der Luft zusammen. ^Swa Swe ähnliche Aeußerungen zogen ihm des Kaisers Ungnade zu, und er mnßte eine Zeit lang aus einem seiner Güter im Exil leben. Paul gab endlich den Bitten seiner Familie und des Oesterreichischen Hofes, und den Wünschender Truppen nach, und rufte ihn zurück: Sn waren» ging ohne Murren gegen den Kaiser , der ihn empfindlich gekränkt hatte, wieder zur Armee, Bekannt ist es übrigens, daß seine Adjutanten den Auftrag hatten, ihm, wenn er fich bisweilen vergaß, etwas i m Nahmen des Feldmarschalls Suwarow zu befehlen. AlS er einst einen Soldaten wegen eines Dienstfehlers prügelte, kam ein Adjutant zu ihm, und sagte: Der Keldmarschall hat befohlen, man soll sich von seinem Zorne nicht beherrschen lassen. — „Wenn er es befohlen hat, so muß man gehorchen," sagte er, und ließ ab vom Prügeln. — Uebrigens war er, wenigstens in Beobachtung des äußern Gottesdienstes, sehr religiös; aber auch ziemlich eitel: man wollte dieß zum mindesten aus den vielen Orden, mit denen er sich immer zu behänge» pflegte, abnehmen. Gegen den Vorwurf der Grausamkeit su- chen ihn seine Lobredner, nahmentlich Seume, aufs möglichste zu rechtfertigen, obgleich vielleicht alle Schuld in dieser Hinsicht nicht ganz von ihm zu wälzen seyn möchte. Ausgemacht ist es aber, daß er ein guter Chef, menschlich gegen seine Leute und ein edler Mann war. Swantowit war eine Gottheit der alten Deutschen, welche unter der Figur eines auf einer Säule stehenden Mannes init vier Köpfen, in der Hand ein langes krummes Horn tragend, abgebildet wurde. Besonders verehrten ihn die Sachsen und Pommern in dem Mittlern Zeitalttr, und die Forscher Deutscher Alterihümer haben darin ^eine Abbildung der Sonne oder des Apollo finden wollen. ^ Emanuel Swedenborg (oder eigentlich Schwedberg), dieser so berühmte Geisterseher des letzten Fahrhunderts, war der Sohn eines Bischofs von Westgokhland, den 29. Jan. 1689 zu Stockholm geb. Schon in seiner Kindheit sprach er viel vom Glauben und Liebe , welche denn auch in der Folge die Grundpfeiler seines Himmelreichs wurden. Im I. 1710 ging er auf Reisen nach England, Holland, Frankreich, Deutschland, brachte vier Jahre auf Universitäten zu, kam dann 1714 nach Schweden zurück, wo er sich in Upsala habilitirte, und dann von Carl Xll., der mit ihm mehrere Mahle sich unterhielt, zum Beisitzer im Bergwerks - Collegium ernannt wurde, wo er sich auch in mathematisch - mechanischen Erfindungen — z. B. durch die zu Erleichterung der Belagerung von Friedrichshall »718 erfundene, durch Rollen über Berg und Thal bewirkte Forschaf- fung von 2 Galeeren, 5 großen Böten und i Schaluppe — hervorthat, und bald nachher (1719) von der Königin, Ulrike Eleonore, unter dem Namen Swedenborg geadelt wurde. Seine philosophischen und mineralogischen Werke, die er dazumahl schrieb, zeigen ein tief durchdachtes Natursystem — alles verräkh viel Belesenheit, viel eigne Gedanken ; und allenthalben wurden sie sehr gut ausgenommen, auch er selbst von mehreren Akademien (der Petersburger, Stockholmer rc.) zum Mitglied ernannt. Sr machte selbst, zur Erweiterung seiner Kenntnisse, wieder Reisen nach den Oesterreichischen und Sächsischen Bergwerken, und >738 noch eine Reise nach Italien, wo rr sich in Venedig und Rom ZzS Gwi rin ganzes Jahr lang aufkielt. — So durchaus geehrt, von allen Verständigen seines Vaterlandes geachtet, legte er auf einmahl 1747 sein Amt nieder. Ihm war, wie er sagte, der Herr selbst erschienen, ihm habe er das Innere aufgethan, die Geisterwelt eröffnet, auch »erstattet, mit Engeln und Geistern ju sprechen. Und so lebte er auch bis an seinen Tod in dem Umgänge d.rselben, dem er sich einzig widmete. Ihm sey eS, betheuerte er heilig, vom Herrn gegeben worden, Himmel und Hölle zu sehen, , ganz erstaunenswürdige Dinge, die nie zu eines Menschen Kenntniß gekommen, zu hören und zu sehen. — Bei aller dieser Geisterseherei aber zeigte er weder Schwäche des Verstandes noch auch etwa Stolz; die Spötter wußte er in Achtung zu erhalten. Jedem, der ihn näher kannte, erschien er wirklich als Einer, der mit Engeln umgeht, als ein Muster »»geheuchelter Frömmigkeit, Güte und Wahrheit. Daß und wie Swedenborg, als der Sohn eines frommen Bischofs, durch die Religionscindrücke, die schon früh aufS tiefste auf ihn wirkten, sich selbst täuschte, dass jener Umgang mit Engeln und Geistern ein Gedankenspiel einer Seelen- und Gemukhsdichtung war, in der er sich, wie im Himmel, befand, hat der verewigte Herder in seiner Adrastea (z. B. 2. St.) trefflich aus einander gesetzt. Sein Zustand war von dreifacher Art? 1) wo er mit Geistern sprach, die vor und neben ihm erschienen *); 2) eine Entzückung , wo olle Sinne aufs lebhafteste wirkten; Z> wenn er, vom Geist fvrtgeriffen» in schneller Zeit unzählige Oerter und Gegenstände sah**) Er sah und glaubte alle seine Phantasien mit Ueberzeu- gung, und stellte sie als den Sinnen gegenwärtig dar. So lebte er zo Jahre lang im Umgänge mit Geistern, theilte daraus in 20 größern und kleinern Werken , die er auf eigne und sehr große Kosten prächtig drucken ließ, der Welt seine Erscheinungen mit, und starb ,77- im 84 - Jahre seines Lebens. — Von ihm führt eine Religionsseete in England und Amerika den Namen. Smieten sGerard von) kaiserlicher Rath und erster Leibarzt in Wien» geboren zu Leiden» den 7. Mai 1700, studirte zu Löwen, dann unter Boerhaave zu L.iden neben der Medicin vornehmlich Chemie und Pharmacie, übte daselbst die Arzneikunst, kam 1745 als er, *) Er versicherte, rin ganzes Jahr lang mit Paulus , dreimahl mit Johannes, einmahl mit MoseS, auf hundertmahl mit Luther, auch riamahl mit Maria , drr Mutter des Herrn, gesprochen zu haben. **) Go erzählt z. B. der Deutsche Uebrrsetzer seines Werks? Vom Himmel , der Gristrrivelt , der Hölle (-784) unter den heiligsten Bctheueruagen für die Wahrheit dieser Umstandes und mehrerer ähnlichen; daß Swedenborg 1759, er bei Gothen» durg ans Land gestiegen, mit großer Bestürzung gesagt habe, er sehe eben eine schreckliche Feuersbrunst in Stockholm, wobei rr auch alle Nebenumstände succefsto angegeben; worauf denn nach drei Tagen die Nachricht von dieser FeuerSdrunst unter Bestätigung aller jener Umstände, wirklich aus Stockholm angekowmen sey. Swi LZ7 ster kaiserlicher Leibarzt nach Wien, genoß die volle Gunst der Kaise- rinn Maria Theresia, wurde in der Folge Vorsteher deb kaiserlichen Bibliothek, beständiger Präsident der medicinischen Fakultät in Wien» Direktor aller medicinischen Dinge in den kailerlichen Staaten und deS Büibercensurwesins und starb den ig. Juny »722. Swieten war der würdigste Schüler des großen Boerhaave, und erlangte den ausge- breitetesten Ruhm durch seine vortrefliche ffommentarirn über dessen Aphorismen; Lommentsria in li koerkasve »pliorismos cke eo- xooscekiüi« et curanüig moedis, b-orgst. bstav. t/gA— 72. Vol. V. 4. welche oft und besonders zu Würzbürg, Dassano und in deutscher Sprache zu Wien aufgelegt wurden. Dieses klassische Werk verdiente den Beifall vollkommen» den es durch den größten Theil von Europa erhielt, vorzüglich in Rücksicht der treflichen praktischen Rathschläge, die es zur Kur aller Krankheiten enthält. Die Theore ist aus humoralen und mechanisch - dynamischen Grundsätzen zusammen gesetzt. DaS große Ansehen, in welchen Swieten, bei dcr Kaiserin» Maria Theresia stund, benutzte er auf eine preiswürdige A-k zum Beßren der Gelehrsamkeit und der Aufklärung und viele wohlthätigr Reformen im Studienwesen waren sein Werk. "Besonders gab er dcr medicinischen Facultät in Wien eine ganz neue Gestalt und stiftete die dösige berühmte praktische Schule Die kaiserliche Bibliothek erhielt durch ihn eine große Vermehrung an Büchern und e ne neue systematische Ein- theilung. Ueberhaupt war Swieten einer der größten Beförderer der Geistesbildung in den Oesterreichischen Staaten. I). Jonathan Swift, dieser berühmte so genannte Englische Rabelais , zu Dublin 1667 geb., wurde mehr bei seinem Onkel erzogen, und legte sich auf die schönen Wissenschaften, besonders auf Dichtkunst und Geschichte. Da man ihm auf der Universität zu Dublin viel Schwierigkeiten machte, weil er sich aus Haß gegen das System der Logik, auf gar keine Disputation ein lassen wollte; so ging er nach Oxford, wo er denn auch 1701 das Doctoral erlangte. Von dem König Wilhelm, mit dem er durch den Ritter Temple seinen zweiten Vater, oft sich zu unterhalten Gelegenheit hatte, wurde ihm eine Capitainstelle angetragen, die er verdat, weil er gern in den geistlichen Stand treten wollte. Er erhielt endlich eine Pfründe in Irland; allein da ihn diese zu sehr von England und seinen Lieblingsgesellschaften entfernte, so trat er sie wieder an einen Freund ab, und. kam zu seinem Beschützer, dem Ritter Temple , zurück. Hier lernte er die Tochter von dem Intendanten des Ritters kennen, welche in seinen Werken immer unter dem Namen Stella vnrkommt, und auch 1716 seine Gattin ward; allein aus Stolz wollte er sie nie öffentlich dafür bekannt werden lassen, und sie starb ,'727 in einer schwarzen Melancholie. Schon vor diesem traurigen Schicksall hatte Swift auch seinen Beschützer verloren, und, aller llnterstützung beraubt, ging er nach London, und suchte bei König Wilhelm um eine neue Prä- bende an; allein es glückte ihm nicht, und so entstanden die bittern Ausfälle gegen König und Hofleute, die man oft in seinen Schriften trifft. Nach einiger Zeit erhielt er aber doch mehrere Präbenden, unter andern auch das einträgliche Dekanat zu St. Palrik in Irland, FZ8 Syb Gyk und hier widmete er sich nun ganz den Wissenschaften. Auch die Lie- I>e des Volks wusste er sich in einem hohen Grade durch seine Briefe zur Verth ei digung der Manufakturen gegen Wood zu erwerben. Ein heftiges Fieber stürzte ihn 175z in einen Ticfsinn, der ihn nach und nach gar zum Wahnsinn brachte» worin er bis an sein Ende (1745)^— mit Ausnahme einiger Hellen Augenblicke vor seinem Tode, in denen er sein Testament und einen Theil seines Vermögens zur Stiftung eines Hospitals für Narren vermachte — blieb. Mit Unrecht nennt man Swift bloß als Satyrikrr. Ihm war es um genaue Untersuchung und Schilderung jeder Thorheiten und Laster zu thun, und mit treffendem Witz und scharfem Verstände wußte er auch seine Gegenstände zu umfassen. Allein, um ihn ganz richtig zu beurtheilen, ist schlechterdings Kenntniß der Englischen Verfassung ü- berhanpt, und dann insbesondere der Gegenstände nöthig, über welche Swift schrieb. So muß man, wenn er am Ende die menschliche Natur fade und oft abscheulich fand, dieß in seinen Verhältnissen suchen, da er sich von Großen getäuscht und verfolgt von seinen Freunden vergessen, um seine liebsten Freuden (z. B. um seine Stella, die mit verhaltenem Schmerz dahinwelkte) gebracht sah, wodurch ihm denn natürlich alle Erinnerungen an das Loos der Menschheit zuwider gemacht wurden. — In seinen blühenden Jahren war Sw. großmü- thig, menschenfreundlich, wohlthcktig. Er war z. B.das Haupt und die Seele der berühmte Gesellschaft von Sechzehen, die sich so sehr durch Wvhlkhun auszeichnete. Auch als er seine Dechanei hatte, wandte er den dritten Theil seiner Einnahme an Arme und Unglückliche. Die ungewöhnlich heitere, frohe Laune die er besaß, machte, daß Jedermann seine Gesellschaft suchte. Wegen seiner Klugheit und Rechtschaffenheit wurde er oft um Rath gefragt, und überhaupt hatte er bei seinen Landsleuten ein Ansehen ohne Gleichen. Unter dem Namen: der Dechant , war er allgemein als großer und kluger Mann im Lande bekannt, verehrt, ja von den untern Ständen fast angebctet. Die Stadt Dublin ließ ihm in der S. Patrikskirchc rin Ehrendenkmahl errichten. — Seine bekanntesten Schriften sind : Eadenus und Vanessa (worin er selbst einen Theil seines Verhältnisses mit einer gewissen Dame, die, wiewohl vergebens, für ihn brannte, zum Geaen- standmacht), Gullivers Reisen, das Rährchen von der Tonne rc. Sybariten waren die Bewohner einer ansehnlichen Stadt in Calabrien, Sybaris, die wegen ihrer Ucppigkeit und Weichlich» keit, in welche sie nach und nach versunken waren, so sehr alle Kraft u. Tha- tigkeit verloren, daß es den Crotoniaten leicht ward, sie zu besiegen und zu unterdrücken. — Man nannte denn nun daher jeden, der einem weichlichen, weibischen Leben ergeben war, einen Sybariten. Der Sykophant wurde bei deu Atheniensern derjenige ge, nannt, welcher einen andern wegen schlechter nichtswürdiger Handlungen angab, oder verklagte, oder auch diese nur auSspionirte. um sie zu verdrehen und eine Anklage darauf zu gründen. Man leitete den Namen von gewissen schlechten Menschen her, welche denjenigen beson- drrs aufpaßten und sie anklagtcn, dir einem atheniensischen Gesetze Syl SyM FZY zuwider, Feigen (Syka) aus der Stadt führten. — In der Folge aber belegte man jeden falschen Ankläger, Betrüaer oder sonstigen nichtswürdigen Menschen, berauch vor Gerichte und in andern Gi» schäften Andere zu hintergehen und ihnen zu schaden suchte mit diesem Namen. Das Sylbenmaaß: darunter versteht man bisweilen die Vers» art, oder auch die gauze metrische Einrichtung eines Gedichts; allein im eigentlichsten Sinne bedeutetes: die regelmäßige Anordnung des Versbaues in Ansehung der Länge und Kürze der Füße oder Vers- glieder. S y l l a s. S u l l a. Der Syllogismus heißt beiden Dialektikern ein in völliger Form hervorgebrach-er Folge-und Schluß-Satz Es muß dieser nähmlich aus zwei vorausgeschickten Sätzen (dem msjor und minor')und einem daraus hergeleiteten eigentlichen Schlüsse (cooclugio) bestehen. Der Erste Satz stellt allemahl eine gewisse allgemein angenommene Wahrheit auf; der Zweite gibt Pen einzelnen Fall an, und der Dritte gibt daS aus jenen beiden Sätzen gezogene Resultat. Z. B. Alle Menschen sind sterblich — (rnajor) — : Ich bin ein Mensch — (miaor- —: also bin ich sterblich — (concluLio). Sylphen werden von den Poeten als gewisse Lustgeisterchen auf- geführt, welche den Menschen zu Erfüllung ihrer Wünsche behülslich stnd: Vikars und Pope haben ste besonders wieder in ihren Dichtungen angebracht: ste sind den Gnomen, Nymphen, Salamandern (s. d. Art.) ädnlich. Das Symbol (aus dem Griech.): jedes äußere Kennzeichen einer Sache, wodurch man ste von einer andern unterscheidet. Daher versteht man unter symbolischen Büchern alle diejeutgen Schriften, welche das jeder Religionsparkhei eigenthümliche Glaubensbekennt- viß enthalten. Die Wissenschaft, die sich mit der Untersuchung und Erklärung der symbolischen Bücher beschäftigt nennt man die Symbolik. Die Symmetrie (aus dem Griech.) heißt eigentlich das geschickte Zusammenpaffen einzelner Theile; dann ist ste überhaupt in der Baukunst das gleiche, ebenmäßige Verhältniß, ot«r die völlige Ueber- einstimmung einzelner Theile sowohl gegen sich selbst, als gegen das Ganze: und ste macht allerdings einen sehr wichtigen Gegenstand für das Studium der Baukunst aus. Die Sympathie (a. d. Griech.) heißt eigentlich: das Mikfüb- len, dat Mitempfint'i-n, und wird in perschiedenen Beziehungen ge. braucht: i) in der Naturlehre ist es die verborgene Übereinstimmung zweier Körper, die Hinneigung des Einen zu dem Andern: ste ist außerordentlich vielfältig, und findet zwischen Planeten, Gewächsen, Metallen, Steinen, Thieren rc. statt. Hieher gehört auch unter anderu daS Wirklingen gewisser Körper oder Instrumente, wo z. B. das Eine in Einem und eben demselben Zimmer sich befindende mit ertönt, wenn das Andere gespielt wird rc.; 2) in der Arz ne» ku n st ist es das Milleiden eines Tbeils des Körpers bei dem Ungemach eitles andern; oder man verficht auch in derselbe» gewisse Heilmittel A4» Gym Spa darunter, denen man eine verborgene, unerklckrbare Kraft zuschreibk. Dies» sympathetischen Kuren, wie man sie nennt, haben den« freilich für den philosophischen Arzt viel Unzuläßlichkcit: Z) nennt man auch in moralischer Hinficht eine gewisse Uebercinstimmung, oder natürliche, auf dunkel« Begriffen beruhende Zuneigung zweier Gemüther gegen einander ebenfalls Sympathie — im G gensatz von Antipathie. Die Symphonie (Mufik) ist ein Tonstäck, das für die Ausführung vieler Instrumente zugleich gesetzt wird — ein vielstimmiges Instrumental Stück. Sir ist vorzüglich zu dem Ausdruck des Großen, Feierlichen und Erhabene» geschickt, und bat besonders zum Endzweck, den Zuhörer zu einer wichtigen Mufik vorzub,reiten: daher fie denn auch eigentlich dem Ganzen angemessen, und z. B. anders für die Kirche, anders anders für das Theater sepn muß; und in so fern fie nun als Ouvertüre (deren Stelle jetzt immer die Symphonie ersetzt) dienen soll, gehören auch hierher alle die Erfordernisse derOuoerrüre (m.f. dies. Art). Das Symptom (a. d. Griech.) heißt eigentlich ein Zufall: ln der Medici» aber bezeichnet es irgend einen Zufall, der mit einer Krankheit verbunden ist, und dieser schlechterdings folgt, wie einem Körper der Schatten: daher heißt auch die Lehre von den Zufällen in einz lnen Krankheiten: Symptomatologie. Die Synagoge heißt im Griechischen, wovon es herstawml, eine Versammlung; bei den Juden besonders der Ort, wo fie zusammen kommen, um die heil. Schrift zu lesen, und ihr Gebet zu verrichten: iw Deutschen nennt man fie Judenschule. Der Synchronismus (m d. Griech ) heißt die Zusammenstellung mehrerer Begebenheiten, welche zu einer Zeit grschchen sind. So kann man in gewisser Hinficht die Zeitungen synchronist sche Geschichte nennen. Daher find auch synchroni sti sche Tabellen solche, welche die Begebenheiten, die zu einer Zeit geschehen find, neben einander zur genauen und bestimmten Ueberficht aufstellen. 8 xncope, (Griech.) die Zusammenziebung eines Wortes durch Weglassung eines oder mehrerer Buchstaben in der Mitte. Der Synkretismus (a. d. Griech.) heißt das Bestreben, mehrere einander entgegen laufende Meinungen — oder überhaupt ver» schieden Denkende mit einander zu vereinigen. Der SyndicuS heißt ein von einer ganzen Gemeinheit (Universitas) bestellter Bevollmächtigter zu Besorgnng ihrer Angelegenheitin. Gs muß daher zu Bestellung eines solchen Syndikus die ganze Gemeinheit zusammen berufen werden, und von ihnen wenigstens zwei Drittel gegenwärtig seyn, auch hiervon der größere Tbeil einstimmen. Ein Syndikus aber kann nun entweder blos auf einzelne Fälle von der ganzen UniverfitaS gewählt» oder auch auf immer als Pro- curator für alle ih-e Angelegenheiten und als Vertreter ihrer Rechte bestellt werden, z. B. bei einer Univerfilät, bei einem Stadtrathr rt. und dann empfängt er eine General-Vollmacht, welches man ein Syndikat nennt. Synedrium.s. Sanhedrin. * Gyn Spr §4» Synergisten wurden im 16 . Jahrhundert einige Anhänger Melanchthons genannt, welche behaupteten, der Wille eines unwie« dergebornen Menschen könne aus natürlichen Kräften bei seiner Bekehrung zugleich mit dem heil. Geiste auch Mitwirken. Syngenesiren, (Griech.) heißen in der Pflanzenkunde alle Gewächse mir zusammengewachsenen Staubfäden. Die Synode ( ^no^us) wird eigentlich eine Versammlung der Bischöfe g.nannt, um über GtaubenSsachen oder ähnliche Dinge Untersuchungen anzustellen. Zuvor war es eine solche Versammlung, welche ein Bischof an seine Presbyters ausschrieb, um mit ihnen über geistliche Angelegenheiten sich zu besprechen, oder sie auch in denselben zu unterrichten. Synvnim (eigentlich richtiger Synonym) (a. d. Griech.) heißt ein Wort, das mit einem oder mehreren andern eine gleiche Bedeutung har. Alle Theile der Rede haben ihre Spnonimen und sie sind nicht bloß in der Sprache des gemeinen Lebens, sondern auch bei den Dichtern und Prosaisten gewöhnlich. Sie dienen, bei r i ch- tigem Gebrauche, nicht nur zur Deutlichkeit, Abwechselung und Wohlklang des Vortrags, sondern befördern auch den Nachdruck des, selben, wenn jedes folgende Synvnim das vorhergehende noch an Stärke übertrifft, mithin der Ausdruck in denselben immer mehr steigt. Die Synonymie (a. d. Griech.) heißt in der Redekunst eine solche Figur, wo man gleichbedeutende, sinnverwandte Wörter, und zwar von Gegenständen einer Art, deren Benennungen nur durch kleine Nebenbestimwungen verschieden find, braucht. 8 vnopsis , (Griech.) der Entwurf, der Abriß, di« kurze tteber- sicht. Synoptisch, kurzgefaßt. 8 )-ntsgms, (Griech. Lat.) eigenst. Anordnung. Insgemein eine Sammlung, ein Sammelbuch, worin allerlei zusammenge. tragen ist. Der Syntax (a. d. Griech.) oder di« Wortverbindung, Wortfügung, ist der Lheil der Sprachlehre, welcher zeigt, wie mehrere einzelne Worte zu einer zusammenhängenden und verständlichen Rede verbunden werden müssen. So wie dieser Theil in der Sprache der wichtigste, aber auch der schwerste ist, so ist er es auch in der deutschen. Synthesis, (Griech. Lat.)die Verbindung, Verknüpfung,Zusammensetzung. Insbesondre in der Philosophie: dir Verknüpfung mannigfaltiger Vorstellungen» Anschauungen und Begriffe in Ein« Erkenntnis, Einen Begriff, Ein Urtheil. 8 )-phjli», (Griech.) die venerische Krankheit oder Lustseuche. Syrakus: eine ehedem berühmte Stadt ans der Insel Sicstien. Ursprünglich verdankte sie einer Evlonie aus Corinth ihr Dasein, nachher verfiel sie unter die Herrschaft von Königen oder sogenannten Tyrannen» unter denen die beiden DionysiuS (4c>6 v. Chr.Geb.)merkwürdig sind. (S. d. Art.) Der jüngere Dionysius führte eine glänzende Hofhaltung und berief aus Eitelkeit Gelehrte zu sich. Selbst der berühmte Plato verschmähte nicht diese Einladung. DionysiuS war friedliebend, aber ausschweifend. Seine Unterthanen erregten ge, gt« ihn einen Aufstand, nachdem sie sich vorher von Corinth aus den S42 Syr Feldherr«, Timoleon zur neuen Einrichtung ihres Staats erdeten hatten. Dieser stellte zwar (346 I. v. Chr. Geb.) die republikanische Verfassung wieder her; aber nach seinem Tode standen neue Usurpatoren auf, und endlich fiel Syrakus, im zweiten punischen Kriege, unter die Herrschaft der Römer. Umsonst vertheidigte der geschickte Mathematiker Ar chimcd es die Stadt durch künstliche Maschinen (s. d. Art. Archiwed); der Feldherr Marcellus nahm sie (210 I. v. Chr. Geb.) ein, und ließ alle Kostbarkeiten und Kunstwerke, die sich darin befanden , nach Rom schaffen, wo man diese Dinge, als noch nie gesehene Werke Griechischer Kunst, anstaunte. — Heut zu Tage zeichnet sich noch diese gut befestigte Stadt, die ung-fähr ia,goo Seelen faßt, durch ihren sehr ansehnlichen Handel mit Weinen auS, wovon in ihrem fruchtbaren Gebiete io — »aerlei Sorten gcbauet werden. Sie hak einen zweifachen Hafen» wovon der größere ansehnlich und in gutem Zustande ist. Syrien ist eine große Türkische Landschaft in Asten, gegen Mittag an das steinige Arabien, gegen Morgen an das wüste Arabien, gegen Mitternacht an Natolien, und gegen Aoend an das Mittelländische Meer grenzend. Es ist dieses Land an Produkten, besonders aus dem Gewächsreich, sehr gesegnet. So ist Sesam, vd r Si- sam, woraus Ochl gepreßt wird, der MaiS, das Zuckerrohr, die Indigo-Pflanze, auch der Oehlbaum in den einzelnen Gegenden fhr häufig zu finden. Syrien hat nicht immer einerlei Umfang gehabt, sondern bald mehr, bald weniger Länder in sich begriffen. Ursprünglich erwuchs das Volk der Syrer aus Cananitern und mesopokami- schen Aramäern. Es gab in Syrien Anfangs mehrere kleine Staaten, unter denen der von. D amasc us und Hamath die mächtigsten waren. Anfangs unter eignen Königen lebend, kamen sie ioz6 vor Christus unter den König David; allein Reson machte sich 980 los, und herrschte unter dem Titel eines König von Damaskus über ganz Syrien. Unter Hasael harre Syrien sein goldnes Zeitalter; aber cs verfiel in der Folge, ward 740 vor Chr. eine assyrischen Provinz» wurde dann bei Zerstörung der assyrischen Monarchie zugleich von den Caldäern erobert, kam darauf an die Perser und Macedvnier und nach Alexanders Tode an Seleucus. Allein, von den Seleuciden zu sehr gedruckt, machten die Syrer (84 vor Chr.) den König von Armenien» Tigranes, zu ihrem König, bis dann darauf (6g) das Land durch den P 0 mpejus zu einer römischen Provinz gemacht wur? e. Bei der Theilung des Thevdostus erhielt sein ältester Sohn, Arcadius, im I. Chr. 59z Syrien, welches nun zum consiantinopolitaschen Kai- scrthum geschlagen wurde, bis es, durch eigne Schwäche in Verfall ge- rakhen, von den Arabern im 7. Jahrhundert erorbert wurde. Zwar erholte Syrien sich unter den Arabischen Chalisen, allein, diesen wieder durch die rebellischen Statthalter entrissen, dann durch turkoman- nische Miliz geraubt, ward es nun bei den entstandenen Kreuzzügen ein Schauplatz der Zerstörung. Von den Kreuzfahrern verlassen, kam es m>ter Saladins Scepter; allein die Einfälle der Tartarn unter Dschen- giskhan und Tamerlan brachten es ganz zu der elenden Verfassung herab, in welcher es, von den Türken 1517 genommen, noch bis jetzt , Spr Szi 54s seufzet. In der neuesten Zeitgeschichte hat besonders der Syrische Feldzug unter Bonaparte wieder die ganze Aufmerksamkeit auf dieses Land gezogen. Seitdem die Französische Armee (1798) in Egypten gelandet war, suchte Bonaparre den Engländern die größten Schläge beizubringen» und dagegen die Freundschaft mit der Pforte immer mehr zu erkalten. Da besonders auch der Pascha von Acre, Dgezar — dieses scheußliche Ungeheuer — die Grenzen EgpptenS durch feindselige Rüstungen bedroht«, so faßte Bonaparte den Entschluß, nach Syrien zu marschiren; und nachdem er zuvor Suez sich bemächtigt hatte» wurden vonCairo aus die Rüstungen unternommen, und endlich mit einer Armee von beinahe 15,000 Mann die Expedition begonnen. Trotz der häufigen Anfechtungen der Engländer erobern sie ^l Arisch, Gaza, Jaffa, und rückten nun vor Acre, wo jedoch nach einer 61 tägigen Belagerung durch die Tapferkeit des Sir Sidney Smith (s. diesen Art.), Bonapartr genöthigt wurde, wieder abzuziehen, nachdem er den Krieg drei Monathe lang im Herzen von Syrien geführt, und dem Feinde" beträchtlichen Schaden zugesügt hatte. Syrinx wird die Hirtenflöte genannt und führt den Nahmen von der Nymphe Syrinx, welche, vom Pan vorfolgt, in ein Schilfrohr verwandelt wurde. (S. d. Art. Pan pfeife). Syrien, Sirten^ (Griech. Lat.) Sandbänke, große Sand- streckcn im Meere. Das System (a. d. Griech.) bedeutet das Zusammenstellen, die Verbindung vieler Theile, welche unter einander zusammenhängen, und «in Ganzes ausmachen — ein Lehrgebäude; daher heißt syste- mematisch, was nach gehöriger Ordnung, nach gehörigen Klassen :c. unter einander verbunden ist. Syzygien (Astronomie) heißen die Stellungen zweier Planeten, in welchen sie mit der Erde fast in gerader Linie stehen: man nennt dies« auch die Eonjunctivnen oder Oppositionen, auch die Aspecten. Sztaray (Anton Graf von) Oesterreichischer General, Ritter des Maria Lheresien-Ordens u. s. w. Dieser Offizier zeichnete sich schon in dem Türkenkriegr bei Mehrern Gelegenheiten aus. In den Feldzügen in Brabant und Deutschland zeigte er viele persönliche Tapferkeit, wurde auch mehrmahl verwundet. Im Jahr 1792 zeigte er viele Einsicht, als er den Rückzug des Herzogs von Sachsen - Teschcn vor Dümouriez deckte, nahmentlich in den Vorfällen von Tirlrmvnt und Lüttich; in dem letztern wurde er verwundet. Den r i Mai 1794 legte er von neuen eine große Thätigkeit im Gefecht von Courtrap an Tag und wurde darinn von einer Haubitze so schwer verwundet, daß man eine kurze Zeit seinen Tod für gewiß ansah. Im Jahre 1796 diente er mit seinem gewöhnlichen Eifer unter dem Erzherzoge, war aber nicht glücklich. Denn n. August wurde sein Flügel ziemlich lebhaft zurückgeschlagen, während der übrige Theil der Armee einige Dortheile über den Feind erhielt; in den Gefechten von Forchheim, Bamberg, Würzburg und hauptsächlich in dem von Kronach zeichnete er sich aber von neuen auS und legte große Talente und viele Standhaftigkeit an Lag. Als die Franzosen am 20. April 1797 bei Kehl über den Rhein S44 Sta gingen, wurde er gleich beim Anfänge des Gefechts verwundet, was nicht wenig dazu beitrug, daß die Oesterreichische Armee geschlagen l wurde. Im Jahr 1799 und igoo blieb er in Deutschland unter dem ^ Erzherzoge Karl und Feldmarschattieutenant Krap angestellt. Er starb , im Jahre i 3 oS- Nachtrag. Stadion (Graf Philipp von) Ritter des goldenen DließeS, Großkreuz des StepbanSordens u. s. w- war früher außerordentli- ^ cher Gesandter des WienerhofeS in Berlin, verließ im Januar izoz , diese Residenz und begab sich in derselben Eigenschaft zum Russischen Kaiser. Er erhielt das Geschäft aller Unterhandlungen^ welche die dritte Koalition gegen Frankreich herbeiführten und Unterzeichnete den Beitrittsvertrag seines Hofes zur Allianz Englands und Ruß« ' landS. Nachdem er den Kaiser Alexander auf seiner Reise zur Ar» mee in Deutschland gefolgt war, wälhte ihn sein Hof zu einem der Bevollmächtigten, die mit FriedenSvorschlägen an den Kaiser Napo» leon obgeschickt wurden. Rach dem Preßburger Frieden ward er zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Wien ernannt, welche Stelle er dis zum Wiener Frieden behielt. Jetzt lebt er in Böhmen. — Sein Bruder, Graf Friedrich, Domherr u s. w. war früher beim Rastadter Congreß, später Oesterrerchtscher Gesandter am Münchner Hofe, beim Ausbruche des Kriegs i8o- Armeeioteudant und lebt nun in Böhmens Ende des fünften BandrS. 1 » ^ ^ ''H M.D: M ^.v " r- »-L, < 7^ i^a Kutd H7AK«<- '; s i. s^. x f V^ s>x>cr«v>>.>- ^ I .k!-7Ar>^>L,r,>v» G ?7Mr , ^-7^ . : ("r ^V>winc.v-' - ^ ...sZsSV^^ , Z' (^cv< kalten. I.ic'Sts>I!»i'S