Gespräche m Michedmr Tvdlm, Kcr >md vikchigste Lk-iîkevvL, Zwischen iveym Aechogen von Dachsen, Und zwar DemMrossen,vonKeymar,dessen Wuhm in dem dreyßigjahrigen Teutschen Krieg sehr hoch gestiegen, und Dem tapfern Mrmtzen, sOtt- von Gotha, welZer àno 1707. vor Toulon geblieben, Worinnen beyder hoher Prmtzen Leben undThate», samt vielen remar^uabken vtscurien enthalten. Samt dem Kern derer neuesten Merckwürdigkeiten, und darüber gemachten curieuHnkeüexionen. Leipzig, bey denen Cörnerischen Erben auf dem Neuen Neu-Marckt, 17-2. á^S Vet! HriNtz von Gotha , Jol^ran 'Willbekm, feinen Helden-Geist, Anno 1707. Vorlvàn «rrfZeZeben, und dessen erblastêter Leichnam, vondannen erstlich nach Italien, hernach aher nach Teutschland abgeführet worden, auch endlich zu Gotha angelanget, und biß zu ferneker Beyseyung in die Hochfürstl.Grufft in der St.Nlargarethen Rirche, auf eine SreibZs gestyet gewesen, hatten IhrsHochfürstl.Durchl. der regierende Heryog zu Go- cha/alsdesgebliebenenprintzensHerrBruder, es an nichts ermangeln lasten, was zu derBeehrung des Gedächrmstes eines so tapfern und liebwerrhesten Bruders, ungleichen zur iöezeugung Dero hohen Betrübniß, über den zwar helden- rnäßigen, iedochaber auch sehr schmerylichen Fall, erfordert werden mögen. Unter andern aber find von der HostLapelle, Hro Hochfürst!. Durch!, des Heryogs,etliche Stücke màírot rvsrden, nemlich über die Worte: r. Ooàà 5.V. i. Wir wissen aber, so unser irrdisches Haus dieser Hütten zerbrochen wird, daß wir einen Bau haben, von GOtt erbauet, emHaus/dasnichtmttHanden gemacht, das ewig ist im Hünmel- WM Hnntnel ist mein Haus ! WLaßdieft Hütte brechen, Laß Welt mir widersprechen, Vyyyy Und «L ( 846) M - - -«-— _ — Und sagen viel von ihrer Sache, Damit sie Menschen frölich mache. Hier sieht es wohl recht frölich aus. . Im Himmel ist mein Haus! 2. Im Himmel ist mein Haus ! Eshaben schöneHäuser, ^ ^ - Die Könige und Käyjer, Da man weiß künstlich zubereiten, Die Welt-geprießne» Lieblichkeiten. Hier sieht es wohl recht lieblich aus. Im Himmel ist mein Haus! z. Im Himmel ist meinHaus'. Ein Bau auf dieser Erden Muß endlich Asche werden. Was GOtt den Seinen selbst verehret, Bleibt ewig fest und unversehret. . Hier sieht es wohl recht herrlich aus. Im Himmel ist mein Haus! 4. Im Himmel ist meinHaus! Ach gönnt mir diese Freude, Da GOtt von allein Leide, Mich hat versetzt in seine Zimmer, Auf Erden wirds doch immer schlimme, Ich gehe von euch selig aus. Gedenckt ansHimmels-Haus! Dann über die Worte Oaniel 7. v. i z. Die Heilige« des Höchsten werden das Reich ein- nehmen, und Werdens immer und ewiglich besitzen. HZ ( 847 )M M>As lockt ihr mich, ihr Reiche öiesenWelt? IN Soll ich an euch mit meinen Sinnen kleben ? Mir ists nur Koch, was andern so gefällt, Ich mag nicht mehr nach falschem Golde streben. Deine Thronen, Deine Cronen Sind doch nur dem Schatten gleich, Ich eile und suche das himmlische Reich. 2 . Vernähet euch, ihr Helden dieser Zeit, Der Feinde Stoltz und Ubermuth zu beugen. Ich falle zwar, doch meine Tapferkeit, Sollchöher noch als eure Ehre steigen. Ich bekriege Und besiege Alles, alles in der Welt, Indem ich erlange das himmlische Zelt. 3 . Mein Fürften-Blut und das behertzte Hertz, Muß zwarvorietzt an einem Schuß erkalten. Doch weiß der Geist von keinem bangen Schmertz, Den IEsus Blut zum Leben will erhalten. Last mich sterben, Last mich erben, Das, was IEsus in dem Streit, Den Frommen erworben und ewig bereit. 4 . Zu Wer Nacht, du werthes Friedenstein ! (Das Schloß Du wirst mich zwar,ich weiß es,hoch beklagen, r« Eotha.) Doch stelle nur den ^chmertzens-Iarnmer ein, Und laß dir hiß zur frohen Nachricht sagen: Yyy yy z Daß m ( 84§ ) M Daß ich lebe, Daß ich schMbe Nach zmück gelegter Bein, Im Haufe des Friedens dort ewig zu feym 5. GOtt Lob ! mein Wunsch hat seinen Port erreicht. Der Sieges-Crantz wird mir nun aufgesetzet, Der Crantz, dem nichts auf eurer Erden gleicht, Dem GOttts Hand dißWort hat eingeatzetr Nünm zum Lohne, Diese Crone, Romm und sey den Engeln gleich. Erlang und besitze das ewige Reich. Diese àien waren durch dienst mit in das Reich dere§ Todten gebracht worden, und derpriny ^olisnnVVililieim harre nicht ermangelt Abschrifft davon zu nehmen, pflegte ste auch gar vielmals zu durchlesen. Als er ste nun unlängst, bey einer kromengcle, in öenen glückseligsten Wohnungen derer tu- gendhastten printzen, desReichs derer Todten, hervor zöge, läse er selbige gang laut her, und sprach nach deren Ablesung zu steh selbst ^ Allerdings ist es wahr, daß, wer an das rechte Ort hieher in das weitläufige Reich derer Todten kommet, weit mehr Ursache hat zu frieden zu seyn, als wann er auf dem Friedenstem zu Gotha, oder in andern schönen Häusern, derer Köntge, Käysere ünd grossen Fürsten wohnet» Nun wohlan! ich befinde mich an dem rechten Ort, und bin demnach vergnügt, ja höchstvergnügt mit meinem Schicksahk, ob ich gleich in meinem zc>. Jahr, folglich aber sehr jung, und in der schönsten Zeit meines Lebens, durch einen Schuß von der Welt gerissen worden. Denn was vor Vergnügen hätte ich, meines hohen Standes ungeachtet, wohl noch auf Erden haben können, das nicht in Eitelkeit bestanden wäre? Gewißlich keines. Dargegen würde ich, wofekne mich mein Verhäng- niß etwa noch zo. oder 40. Jahre leben lass» wollen, vielleicht noch viele beschwehrliche ààe , bald da bald dorthin in Europa, haben thun müßen; m ( 84) ) Z» müßen; da mir dann noch manches rauhes Lüffklein unter die Augen gegangen seyn dörffte. An sielen Schlaffiosen Nachten, die ich in denen ^rocken, oder sonst an unbequemen Orten, hätte päen müssen, solte es auch wohl nicht gefthlet haben, gleichwie ich deren in meinem kurtzen Leben bereits manche gehabt. Von der Gefahr, die mich, meine gethanen campten durch die Banck, fast beständig umgeben, und folglich noch ferner umgeben haben würde, will ich nichts gedencken, weil ich dieselbe nie gefcheuet. Der beständige Aufenthalt in herrlichenPallästen,dessen ich, meiner hohen Geburrh nach, gar wohl hätte gemessen können, wvferne ich darnach gestrebet, oder mich darum groß bekümmert hätte, scheinet demnach, als ob er es einig und alleine sey, der da machen könnte, daß ich meinen all, zuftühezeiligen Todt bereuete. Allein es stye ferne, daß sich desfalls eim, ges Bereuen in mir regen solte. Denn hier ist der rechte Feredenstem, das grosse-Haus des Friedens, der borrund Hafen aller Wünsche, und der Ort, wo man denen Engeln gleich ist. Hier pranget man mit Crän- henund Cronen, denen nichts aufErden gleich. Hier siehet es recht frö, lich,recht lieblich und recht herrlich aus,dergestalt, daß der Pracht und Glantz aller Käyserlichen, Königlichen und Fürstlichen Palläste zusam, men, gegen die Klarheit und Annehmlichkeit eines eintzigen Zimmers, dasdenen Seligen zubereitet ist, erbleichen und verdunkeln muß. Zu, dem, was genießet wohl der gröste Prinh vor klä und Vergnügen in seinem kostbaren Pallast? Ach gewißlich wenig. Sitzeter andern Steuerruder des Regiments, so drucket ihn die Last derer RegierungS, Sorgen ; wann er anders sein Gewissen bewahren will. Ist er aber ein von der Regierung befteyterPrintz, und lebet, von allen àLiren llê- brràet, an dem Hofe seines Vaters, seines Bruders, oder seines Ver, wandten, so sehe ich ebenfalls kein Vergnügen vor ihn, das nicht in lau, ter Eitelkeit bestehen solte. Alles solches Vergnügen kan anders nichts seyn, als etwa ein commolles Liegen auf einem weichen und köstlichen Bette, eine Open-,, eine Omoeäie» oder anderes Possenwerck, ein Kar- then-Schach-oder Bret-Spiel, ein L^roullel, Turnier oder seltsamer Auszug, Lsrnevzis-Lustbarkeiten und àqusrallen, Jagen, oder das An, Bauendes Kampsses wilder Thiere, und endlichen das Einhergehenin Purpur und köstlichen Leinwand; wie auch lehlich, daß man die Tafel, woran man sitzet, immer mit köstlichen Speisen besetzet, und den Be, cher allezeit voller niedlichen Weins eingefcheucket siehet. Wie herr- xuv.Locr. Zzz rr sich _ _ kich und angenehm nun alle diese Dinge, manchem Menschen, auch in die Augen leuchten ; so elend sind sie dennoch insgesammt. Denn der Printz in seinem weichen und köstlichen Berte, wird öffters durch erschreckliche Traume încommcèet , oder wirfst sich vielmals, gantz Schlaff-loß, bald aufdiese bald auf jene Seite. Opern und c«mce- ilien, samt andern Gauckeleyen, vergehen wie ein Nebel vor denen Augen- Karthen- Schach- Bret- und ander Spiel, das um des Gewinn- stes willen gespielct wird, cauliret gemeiniglich mehr Verdruß als kiä. insonderheit solchen Leuten, die ihre psLon« nicht zu zäumen wissen, sondern meinen es müsse alles nach ihrem Kopffe gehen, csroullslr und Turniere sind mühsam und gefährlich. Zweiffelt jemand daran, der schlage nur die Historie von Franckreichnach, so wird er finden,daß ìàricusH. meinem Turnier um ein Auge, und um das Leben, kommen, anderer vieler Exempel zugeschweigen. Seltsame Aufzüge sind eitel und vergänglich. Denn der, ein GOtt geheißen, und auf Wolcken ein- hergezogen, empfindet entweder schon binnen der Zeit, da er also heißet, oder doch bald nach deren Verfliessung, schon wieder, daß er ein Mensch, weil er sich entweder anstösset, oderfallet, oder sonfteinen menschlichien Zufall hat. csrnevuls Lustbarkeiten und àguer-i6en gefallen nur gewissen Leuten, und werden von andern, eben sowohl wie die seltsamen Auszüge, vor etwas thörichtes gehalten. Jagen ist eine sehr penible, auch höchstverdrießliche Sache,wann der,so aufdie Jagt gegangen,nichts sänget, fället oder schießet. Hiernechst sind die Jagenden vieler Gefahr umerworffen, weil sie mit Gewehr umgehen, und sich entweder selbst schaden, oder gar leichtlich von andern Schaden erleiden können. Insonderheit aber ist das kì force -Jagen eine über die Massen gefährliche und Hals-brechende Arbeit. Das Anschauen des Kampffes wilder Thiere ergötzet länger nicht, als rum höchsten wöchentlich s. biß 6. Stunden. Wolte man dergleichen Dingen alle Tage zuschauen, würde man einen Eckel davor bekommen. Das Emhergehen in Purpur, köstlicher Leinwand und herrlicher Kleidung, jssein klgisir, das sehr kurhe Zeit, auch zuweilen kaum etliche Stunden währet. Denn ehe man sich dessen versiehst, reißet man ein Loch in den herrlichen Habit, oder bekommet einen Flecken darein, und damit ist die Freude aus. Köstliche Speisen und niedlicher Wein stehen vielmals nur zum Schau auf der Tafel, und ein Prinh ist nicht ckfponiret ihrer zugemessen, indem er sich etwa nicht wohl aufbefindet. Zuweilen aber nimmer er / vielleicht , davon ein we- _ m ( 8s!) W _ m'g M viel ru sich. welches dann verursachet, daßererkrancket, oder auch wohl gar stirbst. In Summa das Leben eines Printzen ist in dem herrlichsten Palkast eben so, wie anderer Menschen ihres, eitel, elend, vergänglich, mühsam und verdrießlich. Derohalben chut ein Printz wohl, wann er der Ehre nachaget, und, durch den Krieg, berühmt zu werden ft- chel, ob er gleich sein Leben sehr frühzeitig dabey einbüsset und verkehret. Indem der heldeumüthige pritty von Gocha, Herydg lànn Wilbelm, also mit sich selbst redete, hatte sich ihm seines Groß,Vaters Bruder, Lekàrà. der in dem dreyßig-jähri- gen Rrieg sehr berühmt worden, demselben genähert, und den geführten Oilcurs, meisteutheils, mit angehöret, woraus, im gleichen aus dem korr oder Stellung seines Leibes, 6eàr6»r, ob er gleich denprinyen noch nicht von vorne ».indem Gesichte gesehen,urcheilete- es müsse eine hohe kerionsge in der V)etk gewesen seyn, weshalb er wünschte, sichern paar Stunden mit ihm zu eiurctemren. In eben dem Augenblick nun, da öeriilii-röur solches in seinem Hergen gedachte, kehrete sich der pritttz sànn v^iilbrlm um, und sahe, daß semand sehr nahe bey ihm stunde, dessen Gesicht ihm gang bekannt in die Augen siele. Endlich besonne er sich, daß es seines Geoß-Vaters, des frommen Lrnclli leiblicher Bruder sey, als dessen Bildniß ttinseinem Leben gar vielmals gefehen hatte, à «Leng demnach, gany begierig, vollendsaufihn zuund sprach: Achgrosser Vsrnksi-äl Was vor Freude empfindet mein Heche, daß ich euch einmal zu sehen bekomme: denn meine Augen haben sich, von meiner Ankunfft herin diesem Reiche, immer gar sehnlich nach euch umgesehen. LLKNNäkvUS. Wie ich höre so kennet ihr mich, und eure noble Wne^, wie auch die Worte, dieich jeho von euch gehöret, da ihr gemeinet ihr wäret ganh allem, samt dem vortrefflichen kou und Stellung eures Leibes, lässet mich garnicht zweiffeln, daß ich nicht einen vornehmen Printzen vor mir haben solle. Jedoch, wo ihr, Werthester! geruhen wollet, mir zu sagen, aus welchem Hause ihr entsprossen, werde ich euch davor verbunden seyn. Zzz zr » W ( 8s2 ) M Ich stamme aus dem Hause Sachsen her, und mein Vater ist ein Sohn eures Bruders Lwelìí, Herhogs von Gotha , gewesen. LkkNttäkvus. Wie? Euer Vater ein Sohn meines Bruders Lmelìr? Ha! Werthester Vetter.' erlaubet mir, daß ich euch embräe und küsse. Und ihr werdet mir, geliebtester Vetter! ein gleiches erlauben. Daraufschritten beyde tapffere pringen zusammen, umarme- ren und küsteten einander recht herylich. Nachdem fich nun Lcràrcîus nach demZufiande, des hohen Hauses von Gachfen- Gothaund weymar,erkundigethatte, und vernommen, daß es sich annoch in allem hohen gewünschten Wohlseyn befände, fiel er auf andere Dinge, und sprach zu Mgvn NM- kelmen. Was düncket euch, werthester Vetter! Welches solte wohl den grösten Theil an dem menschlichen Hertze haben, die Ehre oder die Schuldigkeit? Die Ehre und Schuldigkeit sollen, meines Bedünckens, eben so genau mit einander vereiniget seyn, wie Leib und Seele. Wer Ehre im Leibe hat, wird niemals ermangeln seiner Schuldigkeit einGenügen zu thun; und wer sich bestrebet seine Schuldigkeit recht genau in Anzunehmen, dem folget die Ehre aufdem Fusse nach. Jedoch will ich, gelobtester Vetter! euer Lenàenr hertzlich gerne deefalls anhören und vernehmen. Die Ehre hat, wie ich davor halte, den grösten Theil an allen Regungen und Bewegungen derer meisten Hertzen, und denen daher flies- senden Mionen; welches durch gar viele Exempel kan bewiesen werden. Mancher ziehet zu, Felde, und könnte zu Hause bleiben ;worzu ihn die Begierde nach der Ehre treibet, und keineswegs, daß er es vor eine Schuldigkeit halten solte. Viele Oeverà und andere oàiers, expont- ren » m ( 8sZ ) W ren sich bey gefährlichenOccslionen weit mehr,als sie zu thun schuldig sind, und zwar bloß darum, daß sie sich 6àZuiren und Ehre erlangen wollen. Bißweilen bekommet ein Frauenzimmer einen Mann, der mit Unvermö- > gen zu ehelichen-Wercken geschlagen ist. Einer solchen unglückseligen Frauen Schuldigkeit erfordert nun garnicht, daß sie mit ihm zufrieden sey. Hu conkrsire sie könnte des Mannes Unvermögen offenbar machen, und sick von ihm scheiden lassen. Allein weil Ehre in derselben wohnet, so schweiget sie, erdultet ihren Verdruß,Schmertz und Schmach- tung mit Gelassenheit, lässet sich desfalls mit keinem Wort heraus, sondern stellet sich, als ob sie mit ihrem Manne in höchsten Vergnügen lebe. l.uLi-eriz tödtete sich, nach dem ihre Ehre gewaltsamer Weise war verletzet worden. Erforderte solches ihre Schuldigkeit? Nein, keines weges. Sie that es aber darum, daß sie Ehre dadurch einlegen und machen wolte, daß die Welt, so lange als sie stehen würde, von ihr reden mäste. currius legete seinen Harnisch an, setzete sich zu Pferd und ritte auf den erschrecklichen Abgrund zu, der sich mitten in Rom eröffnet hatte, und durch einen höllischen Qualm die gantze Stadt vergifftete. Seine lnremion war sich hinein zu stürtzen und vor das Vaterland zu lgcrRciren, weil dem Übel anders nicht, als auf diese Weise, abgeholffen werden kunme. Hätte ihm nun jemand, da er sich mit dem Pferd an dem Rand des Abgrundes befunden, zugeruffen und gcsaget : Es ist deine Schuldigkeit, daß du dich in diesen Abgrund stüryest, kanst aber versichert se?n, daß die Nachwelt gar nicht von dem großen Hienst reden wird, den du deinem Vaterland dadurch erweisest, so glaube ich, er würde mit seinen! Pferde augenblicklich umgekehret, und wieder nach Hause gewandert seyn. Nachdem er sich aber einge, bildet, durch diese That seinen Namen unsterblich zu machen, sprengete er mir seinem Pferd behertzt zu; worauf sich der Abgrund wieder zugeschlossen, und die Stadt Rom von ihrer Plage erlediget worden. Indessen giebt es Leute in der Welt, die da sagen, die Begierde, sei, nen Namen unsterblich zu machen, seye etwas ungereimtes. Denn sie Klauben, es seye billig, daß die Namen auch stürben, weil die Menschen selbst, nach dem unveränderlichen vecrec der Natur, sterben müsten ; an- Zrr rr 3 dem E ( 854 ) W _ derer gestalt aber schiene-es, als ob die Namen einerchessern Lonäicion wären, als die Menschen selbsten. kLkttNäkvvZ. Das ist eine Meinung selhamer Köpffe, die nur betz gemeinen Seelen, und keinesweges in dem Herhen grosser Printzen statt finden mag, als die da wissen, welchermassen der Hauptzweck aller ihrer Thaten dieser seyn solle, zu suchen, ihren Namen unsterblich zu machen. Bleibet gleich der Name einer hohen ?erlongZs eine Zeitlang bey der Nachwelt in Andencken, so stirbet er endlich doch, und wider die Unmöglichkeit des Sterbens eines Namens, er mag auch gleich noch ss hoch und groß seyn, möchte ich nicht gerne Bürgschafft leisten. Was haltet ihr indessen, gelobtester Vetter.' vor das sicherste Mittel den Namen unsterblich zu machen? LLK.NNLKVI75. Die Erbauung einer Stadt ,und wann der, so sie stifftet, derselben seinen Namen beyleget, conrnbuiret ein grosses darzu. Z. E. so osste die Stadt Constantinopel genennet wird, erinnert sich ein jeder des Käysers eonNsnrim r^sZni, der ihr seinen Namen gegeben. Bey denen Türcken hingegen, welche doch cvvkrntmopel besitzen, ist dieserName längst erstorben, und die Stadt wird von ihnen Embout geheissen, wannenhero sich auch, vor einiger Zeit, allhie in dem Reiche derer Todten, eine sehr luftige Begebenheit ereignet. Denn derKäyser conlìgnrinus KIZANUS geriethe, mit einem Groß-8ulrsv, wegen der auf der Welt genossenen Hoheit und Herrlichkeit, desfalls ein jeder den Vorzug haben wolle, in einen Oilpur. coànàs sagte er seye Käyser zu coniìZminopel gewesen, und der Groß-Lultän rühmete sich, daß er, ebenfalls als Käyser, zu8»mdoui, relìàet hätte. DerErstere, eoo- üsmlE nemlich/that sein äusserstes sein Lonilsnunoxel heraus zu streichen, und gab deshalb vor, es seye an dreyen Meeren, nemlich an dem konr-Luxin, an dem öoLxkoro V0N Ibracien, UNd UN dem Mttk, das kro- «Z ( 8ss) W __ ^roponcis heisse, gelegen. Der andere antwortete, es commsrâe fern Stamboul gleicher gestalt drey Meere, als das schryartze Meer, die sogenannte Strasse oder tNeer-Errge bey Lrsmboui , und dann das tNarmor-kNeer, à 6i iVlormorg, Ein jeder verwunderte sich, daß seine kcliclenH mk des andern seiner so grosse Gleichheit haben solle, erstaunten aber endlich ganh und gar, als es heraus kam, daß conàtîno- pel und Srsmboul einerley, und die Aenderung des Namens bloß und allein daran Ursache sey, daß es die beyden Oissmirenäenvorhero nicht gewust hatten. Hiernechsthat manche Stadt das Unglück, daß nicht nur ihr Name, wie in der Türckey mit eonllanrinopsl geschehen, geändert, sondern die ganhe Stadt, von Grund aus, dergestalt zerstöhret wird, daß kein Stein aufdem andern bleibet. Ist aber die Stadt verschwunden, kan der Name ihres SWers gewißlich nicht bestehen, sondern muß endlich gar vergehen. LLirnnäkvus. Das ist die Folge nicht, daß wann eine Stadt zerstöhret wird, auch der Name ihres Stisscers ersterben müße. Ach nein ! Sondern dessen Namen kan so lange leben, als jemand weiß, daß eine Stadt auf der Stätte gestanden, die so, wie er geheißen. Die Stadt lyberiZs in dem Gelobten Land ist bereits vor vielen Secuüs ruiniret worden, und dennoch weiß ein jeder, der nur ihre VeKiZia gesehen, oder davongehöret hat, daß sie dem Käyser lyberio zu gefallen also genennet worden. Ja ich glaube auch, daß diese Nachricht nimmermehr verlöschen wird. Was saget ihraber, werthester Vetter! zu denen ehernen und marmorsteiner- nm Slsluen, wie auch von denen auf Erh oder Marmor eingeprägten lllkiiprioaen, ingleichen von denen kàâmiien? Sind diese nicht vermögend grosser Männer Namen auf Erden unsterblich t» machen ? Nein, geliebtester Vetter! sie sind es nicht, sondern der Vergäng- lHreit unterwvrffen. Wohlan ! So müssen es die Historischen Bücher thun,inftnderhelt iu der Zeit, da die edle Buchdrucker-Kunst so weit gestiegen. VVn.l.k-iei.k4. Auch die Historischen Bücher sind mancherley Zufällen umerworss- ftn. Bißweilen ist die DiürZQion eines ^ueoris, oder die Hand eines unachtsamen nachläßigen Schriffc-Sehers, samt der r^eàencedes correÄoris, oder aber, wann manchmal indem Abdruckende Schlifft ausspringet,Ursache, daß ein Name verstümmelt wird. Hernach kom- met ein anderer darüber, der etwa den zerstümmelten Namen nachschreibet, und damit ist er schon halb erstorben. Ha, wer weiß wie viele dergleichen zerstümmelte Namen sich ieho in der Historie befinden, und ob nicht Lnsas und àckils8 gantz anders geheissen, als sie deromaln heissen n,üs- sen. Ferner, geliebtester Vetter! kämen sich Zeiten und Lonjunàren ereignen, die da machten, daß alle Bücher verlohren giengen, und eine gan- tze^sà indie Barbarey und grobe Unwissenheit verfiele. Wie würdees alsdanndenen NamengrosserLeute, und ihm Unsterblichkeit gehen? WofernedannkeinerechteSicherheitvor die Unsterblichkeit derer Namen grosser Printzen auf Erden ist, so wäre es billig, daß sie sich des- fallszudem krrmäenr und denen Sternen wendeten, die ermangelnde Sicherheit allda zu suchen, weil diese weder verbrannt noch jerstöhret werden können. Die Franhosen haben nunmehro funffjehn l-uàovi- cos unter ihren Königen, also müsten sie,ihren Namen recht zu verewigen, auch so viele Sternen erwehlen,und den einen l.àvicum i. den andern i.uäovicum H. und so fort, heissen. Sie haben vier »soricos, welche wiederum vier besondere Sternen haben müsten, und so auch die andern Könige, deren Namen folglich, wann diese Ki-à eingeführet würde, unsterblich auf Erden bleiben müsten, weil sie an dem Himmel geschrieben ständen. Mitlerweile dienere der Stern-Himmelaberdoch zu nichts, als tu einem Namens-Register, derer Könige und Fürsten eines Landes. Die Thaten hingegen blieben hinweg, welche gleichwohl die schönste Zierde eines Namens seyn. M ( 857 ) M kLlrnu^irvus. Dieses himmlischen Denck-Buchs dererNamen grsfferHerren ungeachtet, müsteu die Bücher und Historische Beschreibungen ihrer Thaten nicht weggeworffen, sondern zugleich commàet werden. Ja man könnte auch/ aus guter Vorsorge gegen die Fälle künfftiger Zeilen, noch darju von dem Leben und Thaten eines jeden Königs und Fürsten einen kurhm Begriff machen, solchen denen Stern-Guckern vorlegen, und ihnen bey Vermeidung schwehrer Straffe anbefehlen, denselben ihren Lehrlingen und allen, so sich auf die Stern-Kunst und Stern-Guckerey legeten, ebenfalls beyzubringen, folglich aber in ihrer Schule beständig fortjupflantzen. Ereignete sich nun eine Zeit, daß alle Bücher, entweder durch Krieg oder andere unglückselige Begebenheiten, verlohren giengen, bliebe doch der Name, und ein kurtzer Bericht von denen Thaten grosser Herren, vermittelst seines Sterns an dem Himmel, in denen Gedächtnissen derer Menschen bekleben : denn dieser kurtze Begriff müstc nur in einem oder zwey Duzent Zeilen bestehen, und von einem jeden Stern-Verstäydigen auswendig gelernet, auch, wie gedacht, denen Lehrlingen in der Stern-Kunst oder Stern-Guckerey, zu weiterer 2ius- wendig-Lernung vorgeschrieben werden. Ereigneten sich solche Zeiten, daß die Bücher verlohren giengen,' würde die äronomie und HK.-vioAie, das ist die gantze Wissenschafft von denen Sternen, auch gewißlich m'chtlange bestehen. öeirdl»äirvu8. Dergleichen Zeiten aber sind nicht zu vermuthen, und wann sich auch dergleichen entsetzliche Kevoluuones ereigneten, so könnte es doch wohl seyn daß. ehe es geschähe, manches Land noch viele 8ecà, ja noch viele tausend Jahre, in allen Wissenschafften Könne, da es mitlerweile über- aus schön lassen würde, wann der Stern-Himmel, in eines jeden Land, mit denen Namen derer Herren, so darinnen regieret, ingleichen mit denen Namen ihrer Kinder und Verwandschaffren, prangete. Allein es kommet mir dieses als etwas unnützes vor, weil derer Stern-Verständigenund Stern-Gucker sehr wenig sind, und bißweilen in einem ganhen Königreich ihrer nicht hundert anzutreffen. Wissen xuv.Lmr. Aaa aaa aber W (8s8)M aber nur hundert das von einem, was dargesen vielen Millionen unbekannt, so kan dem, von welchem man etwas wissen solle, gewißlich nicht viel daran gelegen seyn. Zudem so sind die Stern-Kundige und Verständige eigensinnige Leute, die sich die Last, denen Sternen neue Namen zu geben, nicht gerne aufbürden lassen, sondern, aller Befehle ungeachtet , dennoch nach ihrer Caprice in der Sache verfahren würden. Thäten auch gleich einige eine Zeitlang, was grosse Herren desfalls von ihnen verlangten, würden doch andere, bald hernach, schon wieder eine Aenderung machen, und diesen oder jenen Namen in gantzliche Vergessenheit stellen. 6kirnttäiri)U8. Lereà, eine Tochter des kàxas, Königs von Lyrenen, der ein Bruder des NrolsmTl pbiiaclelpki und der /trllnos war, wurde an des ktoîemsci Sohn , kcolemXum Zvec§ctem, verheyrathet. Alsnunihk Gemahl, ungefähr um das Jahr sO8. nach Erbauung der Stadt Rom, mit denen Assyrern in Krieg verwickelt, und wider solche ausgezogen gewesen, that sie ein Gelübde ihre Haare, die sonder Zweiffel sehr schön müssen gewesen seyn, der Ven^ zu widmen, wann der Gemahl fein bald und siegreich wiederkommen würde. Solches geschahe, und Lcrenice sahe sich folglich verbunden ihre Haupt-Haare abzuschneiden, und in einem Tempel der Venus aufzuhängen. Gleich den andern Morgen fand sich solches nicht mehr, und ein àbemgucus versicherte, daß solches gen Himmel genommen und unter die Sternen versetzet sey. Da- hero wurde unverzüglich, eine gewisse Lonlìàrion. das Haupt-Haar der öerenice genennet, welche, noch biß aufdiesen Tag, ihren Platz an dem Himmel behalten hat. Man könnte also nicht unfüglich sagen, daß eine Handvoll Weiber- Haare weit glückseliger sey als der Name manches gr ossen Printzcn. Denn ein kliàmaucus zu Florenh entdeckte, in dem vorigen 8ccu!o, gewisse Planeten, die um dem j^icr herum liefen. Weil nun damals Losmus n. von Xleäicls, Groß-Herhog zu Florenh gewesen, neu- nett der làkcmàus, um sich dadurch bey dem Groß-Hcrtzog zu m6- nuiwn, solche Gestirne das Haus IàciíLis,lind so musten sie eine Zeitlang, bey allen Ulwjeden, heißen, denen die neue Entdeckung bekannt gemacher m ( 859 ) W machet worden war^ Mein jetzo sind dieselben, unter dem Namen des Hauses kiàis schon nicht mehr bekannt/ sondern werden batäss js- vis, oder des Jupiters Trabanten genennet. In Summa/ geliebtester Vetter! ich hatte nicht davor/daß die Namen grosser Herren recht unsterblich auf Erden gemachet werden könnten, wann man sie gleich denen Sternen beylegete. Wer wolte es auch aufsich nehmen, die Stern-Gucker und Stern-Verständige, desfalls, in allen Landen zu vereinigen. Die Frantzosen würden sonder Zweiffel die schönsten Sterne vor die Namen ihrer Könige und Printzen aussuchen, und hernach andern dààen aufdringen wollen, die Sterne so, wie sie von ihnen genennet worden, zu heis- sen. Die Teutschen, Spanier, Jtaliäner, Russen, Schweden und Dänen, mit einem Wort alle àiones, dörfften ein gleiches thun, und keine der andern nachgeben wollen, dergestalt, daß endlich gar ein Sternen- Krieg zu besorgen wäre. Fiele aber eine jede àion aufdie Gedancken, die Sterne, eurer eigentlichen Meinung, geliebtester Vetter! zu Folge, nach eigenem Belieben, vor ihre Printzen zu erwehlen,ohne sich an die fremden Välcker zukehren, was sie wieder vor Sterne vor ihre Printzen ciàlìren möchten, würde eine gantz greuliche confulwn entstehen, und Wch niemand auf Erden mehr wissen, wer unter den Sternen Koch oder Keller sey. Ich solle fast, werthester Vetter! aus euren Reden urtheilen, ob wäret ihr der Meinung, daß sich in der Welt noch grosse Begebenheiten^ Bewegungen und kevoluàes ereignen dörfften. ^ o n a tt X Allerdings bin ich dieser Meinung, geliebter Vetter ! So bald aber dörfften aufder Welt grosse Begebenheiten, Bewegungen und kevàionw, doch nicht zu besorgen seyn. . Dergleichen Dinge können sich in kurtzer Zeit, und vielleicht auch erst m etlichen Scculis, zutragen. Aaa aaa s W ( 860 ) M Lennox vv8. Allein es sind vorieho, meines Erachtens, keine sonderlichen ?.sse6en darzu verbanden, nemlich zu so gar grossen Begebenheiten, Bewegungen und ksvolulionen. Wie?geliebtester Vetter! Es wären darzu keine sonderlichen ^.sse- äen verbanden? Ach gewißlich mehr als zuviel. Über dieses brauchet es keiner sonderlichen ^sseäen, wann sich grosse Begebenheiten, grosse Bewegungen und grosse kevoluciones ereignen sollen; sondern sie brechen vielmals gantz plötzlich und unvermuthet aus. Auch aus Kleinigkeiten, die sonst etwas m^risadies und verächtliches in sich haben, kan eine grosse Begebenheit erfolgen, eben so, wie ein Funcken, den sonst ein einiges Tröpfflein Wasser auslöschen kan, vermag ein entsetzliches Feuer anzurichten, das eine gantze Stadt, oder gantzen Wald, c^gois zu verzehren. Desfalls sind gantz klare Exempel verbanden, und ich wilderen ein paar anzuführen, nur des 'Höhnischen Kriegs, ingleichen desjenigen, welcher zwischen àgàund ^rc-àrooiogefàhret worden, Erwehnungthun. Denn solches sind gewißlich die blutigsten Kriege gewesen, so man in der Historie aufgezeichnet findet, und haben doch beyde aus sehr liederlichen Ursachen hergerühret. Was nun den i'rohmschen Krieg betrifft, der ganher zehen Jahre gedauret, binnen welcher Zeit gantz Griechenland, und ein ziemlicher Theil von Asien siisrmiret gewesen, so verursachte solchen »eleng durch ihre Schönheit, karls, des irohmschen Königs krism! Sohn, verliebte sich in dieselbe, und entführte sie, sonder Zweiffet mit ihrem guten Missen und Willen. Gleichwie aber »elens eine verheyrarhete Osme, und an den Griechischen Fürsten ^lenclaum vermählt gewesen: also nahm sich dieser vor den, ihm durch Entführung seiner Gemahlin erwiesenen, áonr nachdrücklich zu rächen, auch sie von iroh, aus denen Armen des Tricks wieder zurücke zu holen. Alle andere Fürsten und Printzen in Griechenland nahmen Theil an diesem Handel, und äscherten sich, den beleidigten à veisum beyzustehen. Der Zug nach i'rojr gieng demnach vor sich, und der Rache, welche man sich vorgesetzet hatte, ward endlich, nach Vermessung vieler Jahre. durch jämmerliche ZerstöhrungderStadti'l-ojä. zwar ein Genügen gethan; alleine es kam besagte Rache dem gantzen Griechenland sehr theuerM stehen, weil nicht nur viele brave Griechische Fur-- m ( 86l ) M _ sien, sondern auch der Kern ber Mannschaft darüber amgcopffert worden. Viele von denen übrig gebliebenen Griechen, bekamen ebenfalls ihrVaterland nicht wieder zu sehen- indem sie auf der See^durch Sturm und Ungewitter, lange herum, und lehlich in unbekannte Länder und Inseln getrieben worden, allwo sie sich- wider ihren Willen, àblíren und niederlassen, ihre Weiber, Kinder und Verwandten aber mit dem Rücken ansehen müssen. Andere, so das Glücke hatten wieder in ihr Vaterland zu kommen, fanden, daß währender ihrer Abwesenheit, alles in Unordnung gerathen war. Die Weiber, denen das lange Aussenbleiben ihrer Männer unerträglich gefallen, säugeten Kinder an ihrer Brust, die sie keinesweges durch Träume oder starcke Einbildungen , sondern durch wircklichen, verbotenen fremden Beyschlaff zeigen können. î Die Töch- terwaren, wegen der, ihnen so lange Jahre, ermangelten väterlichen inhesion, zu Huren geworden; oder es hatte sich doch sonst, in der kâîlis und dem Hauß-Wesen, grosse Unordnung ereignet. Ihr haltet es demnach vor etwas gar geringes, werthester Vetter ! wann einem Fürsten seine Gemahlin entführet wird, wie dem lVìenào wiederfahren, und sehet solches als eine Sache an, die nicht menure, daß man desfalls auf eineschwehre Rache bedacht sey ? Ey der Eonr, welcher einem Fürsten durch Entführung seinerGe, mahlin erwiesen werden möchte, wäre an und vor sich richtig genug und wahrhaffug nichts geringes. Geschähe aber die Entführung einer solchen Gemahlin mit ihrem guten Wissen und Willen, verdiente die Sache gewißlich nicht, daß man noch darzu Land und Leute deswegen in einen schwehren Krieg verwickelte. Indessen rechne ich dergleichen Begebenheiten darum unter die liederlichen Dinge, welche gleichwohl vermögend einen blutigen Krieg und grosse kevàiones nach sich zuziehen, weil sie sich noch heutiges Tages, alle Stunden,ganh leichte ereignen können, ohne daß desfalls vorhero sonderbare Hsseäen erfordert werden. Anlangende denjenigen Krieg, welcher zwischen àZusis und àc- àronio geführet worden, hat derselbe einen noch weit tollern und liederlichern Ursprung, als der, den die schöne Selens erregte, ámorà war verliebt in eine domoeöianlm, Lilberiäe genannt, undneAliAirtedahero seiner Gemahlin diejenigen (Grellen tu erweisen, die sonst ein Mann seiner Aaa aaa z Frauen AH ( 8§r ) W Frauen in dem Ehe-Bette zu erweisen pfleget, ^uivia ( so hieß die Gemahlin àoriii) zog sich solches dermaßen zu Gemüthe, daß sie sich, endlich,durch den Verdruß,verleiten ließ aufMittel bedacht zu seyn,wie sie sich an ihrem Ehe-Gemahl rächen, und demselben eben den Possen spielen möchte, den er ihr,durch den Umgang mit erwehnter comoeàmm, spiele- te. Zu dem Ende suchete sie das Herhe àgulìi zu gewinnen. Allein weil dieser grosse Prinh sich jederzeit sehr äiiScil erwiese, wann es aufdie Wahl einer ^irresss ankam, fanden seine Augen, an der Person der kulà, weder genügsame Jugend noch sattsame Schönheit, woltesich folglich nicht entschlossen, eine Liebes-lmriAue mit derselben einzufädeln. Ja er ließ es hierbei) nicht einmal bewenden, sondern machte Verse auf sie, in welchen dieselbe überaus hönisch li-äret und durchhechelt worden. Hierüber erbitterte ?uivîa dêrgestalt, daß sie sich nunmehro vornahm Rache an ^uZuKo auszuüben. In der Absicht reitzete sie ihren Ehe-Gemahl àroràm, wider àZìàm an, und plagte ihn so lange, biß er sich entschlösse solchen zu bekriegen. Ja sie à-Z-rte den Krieg wider âuZcàm, in der Abwesenheit àonîi.als sich dieser in Egypten bey der schönen eiso- xà, mit der er gleichfalls buhlete, befand, selbst, und hat dem guten äu- ßullo manche unruhige Stunde verursachet. Ist dieses nicht eine liederliche Sache, die nichts destoweniger einen blutigen Krieg und grosse dévolution nach sich gezogen? und hat man nicht Ursache dergleichen Begebenheiten, ohne daß desfalls vorhero sonderbare ähsÄen erfordert werden, noch heutiges Tages zu besorgen. Ihr habt recht, werthester Vetter! und das lächerlichste bey diesem von der kui via angestiffteten Krieg ist dieses, daß k^rc - Lmonìus llum darum bekrieget, weil er seine Frau nicht bedienen, und ihm Hörner aufsi tzen wollen; wiewohl allerdings zu vermuthen, daß àoà von derBoßheit seiner kulvis, und der wahren Ursache, warum sie ihn zum Krieg wider àugàm verleitet, nichts gewust haben mag. àjonânn Willen Das sind also nur ein paar Exempel aus dem grossen Haufen,womit die Historie angefüllet, und welche alle bezeugen, daß sich geringe und liederliche Dinge ereignen, die doch vermögend grosse Kriege undkcvoà- tioncs nach sich zu ziehen. Was hingegen andere importance Händel betrifft, die htzMchey/W allemal, ehe sie in blutige Kriege und grosses- volvtionss _ rE ( 86z ) J» _à voiulíones ausbrechen, sich, eine geraume Zeit zuvor, gantz sonderbare Schecken desfalls zeigen, darff man nur die Augen aufdie, zwischen dem Käystrl-Hof zu Wien und dem Hof zu Madrit, annoch vbschwebende ^Iou6c, dann aufdie Bewegungen,in dem Orient sowohl als in dem Norden, und die daselbst aufdemi'apcr seyenden weitläufftigen Desseins, ?r-e- leniiones und Anmuthungeningleichen auf die Italiänischen Händel richten, so wird man gar bald überaus seltsame älficÄen erblicken; von denen Religions-Zwistigkeiten nichts zu gedencken. Ich meines Orts bin aber gleichwohl der Meinung, daß die Gefahr grösser und näher vorgemahlet werde, als sie in der That ist. Indessen seye es damit bewand wie es wolle, so wird es endlich dennoch Heistern sssnäem bong cauls rriumpbac. Das ist zwar allemal ein grosser Trost vor diejenigen,aufderen Seite sich gerechte Sache befindet; trisst aber dem ungeachtet vielmals nicht ein : denn das Glücke hat seine caprice. Die Zeit lehret und offenbahrek alles, welcher wir es auch anheim gestellet lassen wollen, was sie uns führo- hin vor Nachrichten, von denen Begebenheiten auf der Welt, bringen wird. Vorjeho hingegen, geliebtester Vetter! werdet ihr mich euch sehr oberen, woferne es euch beliebet mich, mit der Erzehlung eurer Historie zuregsliren. So höret dann zu, werthester Vetter ! Ich war der eilssre Sohn meines Vaters icànis.Hertzogs zu Sachsm-Weymar, und Dorcà« lvi»riX,die eine Tochter Joacbimi Lrnessi, Fürstens zu Anhalt gewesen. Der 6te ^.ugussj des i6O4ten Jahres ist mein Geburks,Tag, und ein jeder wird leicht ermessen, daß es mir an einer Fürstl. klàucànund Auferziehung nicht ermangelt haben werde; ungeachtet mein Vater gestorben, da ich noch nicht sünssViertel-Jahre alt war. Zu denen ritterlichen exsrcirüs wurde ich insonderheit angehalten und die Liebe, zur Führung des Degens und derer Waffen, leuchtete, von Kindes Beinen am aus mir hervor. Also trat ich sehr zeitig, und zwar schon indem iSten Jahre meines Alters, Kriegs-Dienste an, da ich mich unter dem Oorvo befand, welches der Graf Ernst zu Mannsfttd dem Churfürsten von der Pfaltz, knàioo v, als m c 864 ) W V. als derselbe die Böhmische Crone behaupten wolle, zuführete. ào i6r l. bekleidete ich bey dem Regiment meines Bruders, Herhogs ^ili- delmi, die Stelle eines Rittmeisters ; da ich dann unterschiedenen ' äio- nen in der Ober-und Unter Pfalh mit beygewohnet. Nachgehends befand ich mich unter der ^rmce des Marggrafen von Baaden, <-eo>-Aji kri- clerici, unter welchem mein Bruder gleichfalls ein Regiment hatte, und war ànno r 622. mit in der Schlacht bey in Schwaben unweit Heilbrunn, dergestalt, daß meine Ohren, noch ehe ich achtzehn Jahre alt gewesen, schon riemlich gewöhnet waren, das Donnern des Geschützes und derer Mußgueten anzuhören, die Augen aber den Blitz des Gelchosses ohne Furcht anzusehen ; und der Nase war der Dampff des Pulvers allemal ein angenehmerGeruch. Nachdem die àrmve des Marggrafen von Baaden, Oco-Zü knàî- ci, zertrennet worden, gieng ich nach Holland, undnahmdaselbstKriegs- Dienste an, that auch eine Reise nach Franckreich, und hielt mich 1624. eine Zeitlang zu Paris auf, allwo ich gantz sonderbarer §hren-Be- zeigungen genossen. Nach meiner Zurückkaufst aus Franckreich trat ich in Dänische Kriegs-Dienste, und ward Obrister über ein Regiment zu Pferde- 1627. wohnete ich in solcher Qualität dem Feld-Zug in Hollstein bey, da der mehrerwehnte Marggraf von Baaden, OcorZius kricicricus, von dem Käyserlichen Qenersi, Graf Schlicken, geschlagen worden. Ich verlohr damals alle meine Nsg-ge, die mir doch derO-versl v^sUenüein nachhero, gröstentheils, wiederum zurücke nach Weymar schickere, woselbst ich mich biß in das Jahr >6z i. aufhielt. änno r6c>6. in dem siebenden Monath nach meines Vaters Todt, brachte meine Mutter noch eine Printzeßin zur Welt, dergestalt, daß sie, inclusive zweyer Zwillinge, wircklich ein Duhcnt Kinder, nemlich eylff Söhne und eine Tochter, mit meinem Vater erzeuget. Jedoch diese ein, tzige erzielte Printzeßin gieng drey Jahre nach ihrer Geburth schon wieder den Weg alles Fleisches, und solches hatten auch, vor der -Herauskunfft des Königs von Schweden auf Teutschen Boden, bereits sieben Vrüder gethan, die theils in ihrer zarten Jugend von der Sichel des Todtes einge- erndet worden, theils aber ihr Leben rühmlichst geendiget, wann sie sich en Lsmpsgne befunden, und zwar entweder durch eine bey der àmèe Al-alll- rende Seuche, oder aber, wann sie den Degen gegen den Feind in der Faust gehabt. Dieses letztere wiederfuhr meinem Bruder k>>àico,à no 1622. in dem Treffen bey kieury, in denen Spanischen Niederlanden, m ( 86f ) M und ein anderer Bruder, solennes kriäericus genannt, ward, in dem Krieg mit denen 1 -iZiiìischen, von dem OeneraHiliy bey Minden gefangen, und «war nach Weymar geliefert, doch so, daß er daselbst àesi halten muste, in welchem Zustande er auch ^nno i6r z. gestorben. Die schönen hinterlassenen Lande meines Vaters gehöreten also uns vieren, bey der Ankunfft derer Schweden auf Teutschen Boden, annoch lebenden Brüdern; welche Schwedische Ankunfft ich, aus gewissen Ursachen, zu einer kxogue und Denck-Zeit, in dieser meiner Erzehlung,er- wehle. Dreye unterzogen sich wircklich der Regierung, nemlich vviilkel- mus, Albertus, und euer Groß-Vater Lrnssius, wiewohl >AMKelmu5, biß zu wircklich erfolgter Theilung, allemal am meisten zu sprechen gehabt. Ich meines Orts hingegen widmete mich denen Waffen, die ich vonJu- Zend an geliebet, noch fernerhin gänhlich, und suchete dadurch meinen Namen, biß zu denen Sternen,empor zu schwingen. Ganher zehen Jahre zwar, nemlich von der Stunde an, als ich den Degen das erstemal gegen den Feind entblößet, biß zu der Zeit, da der tapfere König von Schweden aufTeutfchen Grund und Boden erschiene, liefen die Sachen so, daß mir der ^ppenr hätte vergehen mögen, den Soldaten - Degen weiter zu führen. Denn die l-igiltischen siegeten allenthalben, und wir, die vereinigten kroresiamen nemlich,bekamen Schlage. Meine Bruder hatten zum Theil auf der Wahlstê ihren Geist aufgegeben, zum Theil aber waren sie verwundet, und in der Gefangenschafft herumgeschleppet worden. Nichtsdestoweniger war ich begierig vor die Ehre GOttes, wie auch die Sicherheit und das Aufnehmen der kroteltzmischen Religion,noch ferner zu fechten ; und hatte hiernechst die, dem Geist eines Prinhen sehr wohl anständige Hoffnung, dereinstens,wie es auch geschehen, den Ruhm eines derer tapfersten und grösseren c^i- ums, mit von der Welt in das Grab zu nehmen. Also reisete ich,in dem Jahr 16 z i. aufden Convene nach Leipzig, welchen Churfürst sànncsQcorgîusl. zu Sachsen, unter denen ^roceànken veranlassete, weil ihn der Käyftrliche Hof, nach vielen von ihm genossenen imporernren Diensten, älLgusiiret und vor den Kopffgestossen hatte. Maw «làrîrte demnach zu besagtem Leipzig wegen der allgemeinen Noth derer kwrànren, und die Frage lag auf dem was zu thun sey, weil- die Kaiserliche àmêc sowohl, als die Schwedische, in der Nähe stünde? Allein man kunme gleichwohl zu keinem richtigen Schlüsse gelangen, biß die Zeitung einlief, daß die Stadt'Magdeburg, von denen Käyserlichen, er- Xl.iv. Lnlr. B b b b b b obert m ( 866 ) M , ' obert und jämmerlich zerstähret, iMy aber im Anzug begriffen wäre, in das Meißner-Land einzufallen. Denn nunmehro gab es sich gleichsam von sich selber/ daß die krowttgnren des Königs von Schweden Parthey halten musten. Ein jeder begab sich derohalben nach Hause, alle nöthige Anstalten vorzukehren. Ich meines Orts bewarb mich in Schwedische Dienste zu kommen, und es fiel mir nicht schwehr, noch indem i6z neu Jahre, die Stelle eines Lenersi- Majors zu erlangen : denn 6tàvo ^cloipbo war daran gelegen, Teutsche Printzen, aus vornehmen Häusern, bey seiner Person und in seinen Diensten, auch mit seinem lmeresse aufdas genaueste verstrickt zusehen. Gleichwohl hatte ich das Vergnügen nicht, bey der, den 7 ten 8epccnà. ,6z i. zwischen dem König von Schweden und dem Churfürsten von Sachsen einer, dann dem Käyseriichen Lcneräl lilh anderer Seils, vorgefallenen Schlacht bey Leipzig zu seyn, weil ich von dem König in Schweden, in höchstwichtigen Angelegenheiten, zu dem Land Grafen von Hessen, verschickt gewesen. Als nun náchhero6uàvus H6olpKuI die Früchte seines erfochtenen stattlichen Sieges einerndtete, 6gnsliiirte ich mich bey gar vielen Gelegen, heilen, sonderlich bey der Eroberung des Schlosses zu Würhburg,und trug kein geringes zur Einnehmung des Francken Landes bey. Ja ich nahm, zwey Tage vor Endigung des i6z,ten Jahres, die Pfältzische Festung Mannheim, durch eine sonderbare Kriegs-List ein, daß ich keinen Mann davor einbüssete. Im folgenden i6zrten Jahre wohnete ich wiederum denen meisten Kriegs-Verrichrungen des Königs in Schweden bey, nahm Ehingen in Schwaben mit Gewalt weg, und mein Oe6ic wuchs bey 6ulìavo à(lol- xko dergestalt, daß er mich mit einer eigenen Hrme« in Schwaben ließ, de, nen Völckern des Erh-Herhogs von Oesterreich, deopoläi, Widerstand zu thun. Hierauf conjunZirte ich mich mit meinem Bruder, Herhog - Ks mi von Weymar,der,ingleichen mein Bruder Lrnà«, gleichfalls zu Felde gezogen gewesen, bey Winnsheim, und alsdann mir der Schwedi, schen Haupt,^rmLe zu Nürnberg; da ich dann, bey der, von dem König in Schweden unternommener, Bestürmung des feindlichen Lagers, unge- meine Tapferkeit bewieß, dergestalt, daß auch mein Pferd unter mirgetöd- tet wurde. Als nach diesem der König von Schweden aufs neue nach Bayern gieng, ließ er mich mit einer besondern àôe in Francken, allwo ich die ^r- m c 867 ) W wce des îLller^leioL vor der Stirne, und mit solcher verschiedene Kencon- « en gehabt. Im Monat Oâobr. r 6 zr. conjunZirte ich mich wiederum mit dem König von Schweden, und gieng mit demselben nach Meissen, wohin sich die Feinde gezogen hatten. Allda ereignete sich die weltbekannte Schlacht bey Lätzen, in weicher der tapfere 6ìàvu§ ääo'pbu8,und zwar noch vor dem wirklichen Anfang des Treffens,sein Leben eingebüs- sct. Der König hatte die Olssolìà also gemachet, daß ich, in Abwesenheit des Feld-Marschaü Horns, welcher mit einem Lorpg ä /ìrmês in den» Eisaß gelassen worden, den lincken Flügel commrmclirte. Als aber die ärmcsin voller Schlacht-Ordnung da stunde, und das Pferd des Königs zurücke gelausten kam, ohne seinen Herrn mitzubringen, fiel das volle Lom- msnäo auf mich. Gleichwie ich nun nicht vor rathsam befand den Todt des Königs allzuruchkbar werden zu lassen : also eilete ich den Feind anzu- greiffen, und erföchte diejenige complete und herrliche vàris, welche den Namen Ltàvi ââolpkj auch noch in dem Todt groß und unsterblich ge- rnachet hat. Der Schwedische Reichs-Cantzler, GrafOxenstim, dem von der jungen Königin Llirlttà, und dem Schwedischen Reichs - Rath, die Direction des gantzen Kriegs, nach des Königs Todt, aufgetragen wurde, coàuirte das gute Vertrauen , welches der König fein Herr zu mir getragen hatte, und gab mir folglich die Helfftc dSG^rmöc zu commÄllcliren, welche ich nach Francken-Land und Schwaben msrckirenließ. Mich verhinderte einige Unpäßlichkeit gleich mitzugehen. Da ich mich aber, nach wieder erlangter Gesundheit àno i6zz. bey derselben einfand, aZ-r- reich desto nachdrücklicher. Hochstädt eroberte ich mit stürmender Hand. Darauf gieng ich nach der Ober-Pfaltz. Unter weges occupjrte ich Eschenbach und Herleben, schlug den 24. làtû den Chur-Bayrischen Obristen âe V^erà, und conjunZirte mich bey Augspurg mit dem Schwedischen Feld-Marschall,Oullav Horn. Alsdann Parten wir zusammen den Lecssund fielen,nachdem wir uns einiger Pässe bemächtiget,in Bayern ein. Ich meines Orts nahm München, Landsberg und Neuburg, ohne sonderbare Gegenwehr hinweg, hatte auch einen Anschlag auf die starcke Festung Jngolstadt, die mir der several -lIsjor Craz, der zu der Schwedischen àà übergegangen war, in die Hände liefern wolte. Allein der àtLk derer Välcker verzögerte sich ein wenig, und sie langete» zu späte M der Festung an; da dann der gantze Anschlag Krebsgängig wurde. Nach diesem campirte ich eine Zeitlang bey Donawmh, und that endlich Bbb hbb 2 à m ( 86S 1 A» eine Reise zu dem Schwedischen Reichs-Canhler, Grafen von Oxenstim, nach Franckfurth am Mayn, und begab mich mit ihm sodann auf einen Lonvenr, den die Evangelischen Stände zu Heydelberg angestellet hatten. Allhie wurden meine grosse lernen in (^onllàrîon gezogen, und mir, solcherwegen, im Namen derCron Schweden, die Stiffter Bamberg undWürhburgeinaeräumet, ja bald hernach, zu Franckfurth, der Titel eines Herhogs von Francken, beygeleget. Weil aber die Würffel des damaligen Kriegs, geliebtester Vetter ! noch aufdem Tische gelegen, und das Spiel noch nicht geendiget gewesen, ist man, meines Bedünckens, ein wenig zu zeitig in der Sache verfahren, undder Grafvon Oxenstirn hat, in diesem Stücke, gar nicht als ein guter koiiricus gehandelt. Denn die Römisch - Catholischen Stande haben, über ein dergleichen Verfahren, allerdings in die gröste Verbitterung gerathen, und ihre äussersten Kläffte daran strecken müssen, den Verlust ihrer Stiffter zu hintertreiben; auf Seiten derer brocänren aber wird es ebenfalls nicht ohne ^loulle abgegangen seyn. à contrà. einige von ihnen werden euer Glücke ganh gewiß beneidet, und andere grosse Augen gemachet haben, daß sich Schweden unterfangen, so willkührlich, von denen Teutschen Provinhi«, woran es doch selbst kein Recht gehabt, wie auch von denen Titeln des Römischen Reichs zu àíssoniren. Lehlich aber, da man sich nicht msinremren können, wird die ganhe Sache, vielen kro- relìâruen sowohl,als denen Römisch-Cathvlischen,zum Spott und Gelächter haben dienen müssen. Ihr urtheilet nicht unrecht, werthester Vetter! Indessen erfreuten mich die mir zuerkannten neuen Länder, samt dem Titel eines Hertzogs von Francken, eine Zeitlang, eben so, als wann ich es wircklich gewesen wäre, und die Länder besessen hätte. Ich lcpär-'rte mich von dem Schwedischen Feld-Marschall Horn, und gieng mit einem corp- 6'àànach Francken ; da ich dann zu gleicher Zeit Neumarck in der Ober Pfalh,fünff Meilen von Nürnberg gelegen, wegnahm. Hiernechst theilte ich ?-ken- re,zuAnwerbung verschiedener neuer eigener Regimenter aus, und bestellte darüber solche OKàrs, die mir wohl gefielen,und zu denen ich ein gutes Vertrauen hatte. Nichts destoweniger befand ich vor unrachfam beständig m ( 869 ) W ständig in Francken zu verbleiben, sondern zog mich gar bald wiederum zurücke nach Donawerth. Warffen dann eure neuen Länder in Francken, schon so viel ab, ge- licbtester Vetter! daß ihr neue Regimenter davon aufrichten und unterhalten kunntet? Die damaligen Zeiten, werthester Vetter! waren so verwirrt, daß mn mit einer àmèe allenthalben, wo man hinkam, cnmp.rte und Quartiere bezog,zuHause, und,eine Zeitlang, gleichsam in seinem Eigenthum gewesen. Der Werbe-Plah zu diesen meinen eigenen Regimentern, zu Fuß und zu Pferde, die endlich biß aufeylffe angewachsen, waren demnach alle Provinzen des Reichs, worinnen ich zu stehen kam, und da muste ein jeder Ort, nach Proportion, zu deren Aufrichtung sowohl, als zu deren Unterhaltung, das Seinige conrribmren. Gleich von dem Todt des Königs von Schweden, 6ulUvl ^äoipbi an,war kein gutes Vernehmen zwischen mir und dem Schwedischen Feld- Marschall Horn. Denn dieser ist ein neidischer Mann gewesen, der mir nicht nur die Ehre mißgonnete, welche ich inder Schlacht bey Lühen erworben, sondern auch einen grossen Unwillen mercken ließ, daß er sich gezwungen sahe das CommAnào mit mir, nach des Königs Todt, zu theilen. Er hakte sich nach dem Boden-See gezogen, und die Stadt Costnitz vergeblich belagert. Als nun auch noch darzu der Spanische Hertzog von per», mit einem starcken Succurr vor die Käyserlichen, aus Italien anlangete, undHorn in ziemliche Gefahr geriethe, conjunZirte ich mich wieder mir ihm, und wir rückten auf die Kâyserliche àmêe an, gegen welcher über wir, bey Dutlingen,einen gantzen Tag stunden. Als aber die Käyserlichen sich nach Brysach wandten, diese bioguirt gewesene Stadt zu entsetzen, tepäe ich mich aufs neue von dem 6sr>crgl Horn, zog einige andere Välcker an mich, nahm Neuburg an der Donau, welches die Feinde re- cuperiret hatten, wieder weg, belagerte und eroberte auch,den8ten dio- vembr. die Stadt Regenspurg; worauf Straubingen, Cham und andere Orte in Bäyern und der Ober-Pfalh mehr, ebenfalls anmichüber- SMgen. Ich sehete mchtweniger über die Jser,wolte Passau angrciffen, und so gar in Oesterreich einbrechen, änderte aber meinen Schluß, und befand vor rathsamer, die bereits eroberten Oerter, wider den Anfall derer Bbb bbb z Käyser- - m ( 872 ) M Käyserlichen zu bedecken. Unterdessen hakte sich der Käyserliche 6-nH ^àttein.Herhogvon Friedland, der beydem Käyser in Ungnade gefallen war, mit mir in heimliche ^rsäaren eingelassen. Jedoch weil ich ihm nicht recht trauere, und dannenhero etwas anstünde seine Vorschläge ausführen zu hetffen, geschahe es mitlexweile, datzv^àiàm, den i sten keb5usrii l6z4.zu Eger, hingerichtet wurde, wodurch also alle mit ihmge^ pfiogene iràren zu Wasser worden sind. Mir meines Orts ward, durch des ^àrà'ms Todt, ein gantz greulicher Strich durch eine schöne Rechnung gemacher, und ich habe nachhero es mehr als einmal bedaurer, daß ich dessen kropäonibus nicht eher Gehör gegeben, und zur Ausführung seiner Anschläge geschritten bin. Mein gröstes Glück bey diesem Un « fall war, daß ich nicht denen Käyserlichen selbst in die Hände fiel, welches gar leichtlich hättegeschehen können. Denn ich wolte mich mit dem ^l- lenlisill mündlich besprechen, und hatte mich bereits aufgemachet, zu demselben, auf ein nahe bry Eger gelegenes Ort, oder gar nach Eger zu reisen, bekam aber unter Weges Nachricht von dem, was sich zugetragen, uud kunnte mich also, noch bey rechter Zeit, rsrlrlren, oder zurücke in Sicherheit begeben. Hieraufjog ich mich nachFrancken,wohnte melneSVetters,Hertzogs zu Sachsen, Johann Casimirs, Begräbniß zu Coburg mit bey, und belagert die Festung Cronach, welche in dem,mir von Schweden zugeeignet gewesenen, Grifft Bamberg gelegen. Jedoch ich stunde gar bald wieder von dieser Belagerung ab, weil der Ungarische König, kercknsriZus. nachmaliger dritter Käyser dieses Namens, mit einer àes kn dieOber-PfalH gieng, und Regenspurg belagerte. Derohalben zog ich mich ebenfalls an hie Donau, brachte denen Obristen Luchao und eine derbe Schlappe bey, stunde der feindlichen àmLe eine Zeitlang gantz harte gegen über, und wandte mich endlich, als ich sahe daß die Stadt Regenspurg nicht zu retten, aufs neue in das Grifft Bamberg, vor Forchheim. Bald hernach aber gieng ich, nebst dem Feld-Marschall Horn, nach Landshut in Bäyern, welche Stadt wir mit stürmender Hand eroberten. Von bannen msrcbirten wir gegen Nördlingen, in der Absicht diese Stadt, so die Feinde belagerten, zu entsetzen. Den 6enersl Craz hatte ich mit sooo. Mann vor Forchheim zurücke gelassen. Weil wir aber gesonnen waren der feindlichen ármèe eine Schlacht zu liefern, sendete ich dem Oenei-sl Crazen Oà zu, die Belagerung vor Forchheim aufzuheben, und zu dem Groß der Schwedischen àmès zu stossen, welches er that, und wir ruck- _ E ( 87 t ) M _ ten darauf, den 26ten àZulìi, vollends nachNördlingen, derKäyferlichen ' Armee unter die Augen. Biß hieher hatte das Glücke denen Schwedischen Waffen fast be- ständig gefolget, und nicht gestattet, daß sie einen sonderlichen Stoß erlitten. Aber nunmehro beliebte es demselben seine Wanckelmuth zu zeigen, und denen Schwedischen Fahnen, samt ihren ^nntten, den Rücken zu zukehren. Denn korruns bildet sich vielleicht ein, sie möchte als eine Scla- vin angesehen werden, wann sie beständig auf dieser oder jener Seite verhüttete. Ehe und bevor ich aber diese vorgefallene Schlacht und ihren hschst-unglückseligen Ausgang erzehle, kan ich mich nicht embrechen zu erwehrten, welchermassen, etliche Tage zuvor, eine grosse Menge fliegender Rabenüber dem Schwedischen Lager gesehen worden, welche ein gantz gräßliches Geschrey getrieben, woraus die, so aufOàs hielten, gleich mheileten, daß der Schwedischen ein grosses Unglück bevorstehen wüste. Der Feld-Marschall, Graf von Horn, wolle den Rhein-Grafen, Otto Ludwigen, der mit eilich tausend Mann zu uns stossen solle, abgewartet wissen, worzu ich me.nes Orts aber den Kopffschüttelte, und pi-Lrenäir- te den Feind ungesäumt anzugreiffen. Denn Nördlingen kunnte sich keine drey Tage mehr halten, und ich wolle den Ort nicht gerne in Käyserliche Hände kommen lassen. Hiernechst muß ich bekennen, daß ich damals allen guten Rath entweder vor eine Tücke des Feld-Marschall Horns hielte, oder ihn doch als Furch t und Zaghaftigkeit ansähe, auch in dem irrigen Wahn stunde, es könnte mir niemals mehr fehlen. Man mag demnach, gelobtester Vetter ! gar wohl sagen, daß ihr ei- nenrecht Schwedischen Sinn und Geist gehabt. Denn die Schweden, wann sie das Glück eine Zeitlang anlachet,sind gemeiniglich so geartet,daß sie alle Gefahr verachten,und sich einbilden,die Mauren müsten sich eröffnen, in dem Augenblick, da sie ihre Köpsse pr« 5 enrlren, um damit durch solche zu dringen. Allein da sie ihre Köpffe, in diesem irrigen Wahn, binnen einer Zeit von 80. biß 92. Jahren,so gar offte zerschmettert und zerflossen, stehet zu vermuthen, daß sic in das Künffrige klüger seyn, und bedrucken werden, was Massen sie Menschen, und folglich aller menschlichen ?e-e- »mionen, eben sowohl als andere Menschen nöthig, die Feinde aber keineswegs so geringschätzig zu wären haben. LLK8- ? ( 872 ) M Indem wir an dem schon besagten r6 ten Tag des Monats àZuiH. immer weiter gegen das feindliche Lager rückten, stieß unsere äE. 6à aufetliche feindliche Regimenter Luräer, wie auch auf einen Schwärm Hussaren, Croaten und Polacken welche insgesamt tapfer zurücke geschlagen wurden, und es entstünde darüber in dem feindlichen Lager ein ganh greulicher Lerm. Allein je näher wir dem feindlichen Lager kamen, desto gefährlicher vor uns befanden wir dasselbe. Der Feld-Marschall Horn und andere OLcie^, widerrierhen dannenhero nochmals, den Feind in seinem ungemeinen Vortheil, und da er auch an Mannschafft uns weit überlegen war, weiter anzugreiffen. Jedoch, weil ich nicht gesonnen gewesen, dem Kopffdes Feld-Marschall Horns zu folgen, beharrete ich auf meinem Sinn, und sprach, die Feinde wären sicher, und unsere Leute begierig zu schlagen, weswegen man, aller ObKacuiorum ungeachtet, eine Schlacht wagen müste, dergestalt, daß sich der Feld-Marfchall Horn gleichsam gezwungen sahe meinem Willen zu folgen. Ich wundere mich nicht wenig, gelobtester Vetter! zu hören, daß sich der Feld Marschall Horn,ein gebvhrner Schwed, in der Schlacht bey Nördlingen, so aufgeführet, wie sonst ein kluger Teutscher oder Franhösi* scher 6enersi zu thun pfleget; ihr hingegen, gelicbtester Vetter! euch eignem ungestümmen Schweden gantz und gar gleich erwiesen. keirnnä «OU8. Die Stunden sind einander nicht allemal gleich, werthester Vetter ! und der Mensch ist nicht jederzeit, denen Regeln der Weisheit und Vorsichtigkeit gemäß, chssomret. Ich wolte nun selbiges mal sblolumenr schlagen, und mein Wille muste den Meister über die Meinung des Feld- Marschall Horns spielen. Also ereigneten sich an diesem Tag noch mancherley blutige Scharmützel , die biß gegen die MitterNacht-Stund dauerten. Vier tausend Spanier stunden auf einem, nahe bey Nördlingen, gelegenen verschantz- ten Berge gäret,und diese hätten wir gerne von bannen àloZíret gehabt, weil,ohne Eroberung und Behauptung dieses Postens, der Sieg über die Feinde schwehrlich erfochten werden mochte. Allein es wolte uns, in unserer Absicht auf diesen Berg- nicht gelingen ; angesehen ein und andere Dinge I m ( 87Z ) W _ Dinge gantz anders angegriffen wurden/ als die Oàdesfalis gestellt gewesen. Daß ich den Rest der Nacht ziemlich Schlaff, loß zugebracht habe« werde, ist leicht zu erachten : denn es schlaffer sich nicht sonderlich gut,wann man den Feind vor der Nase stehen hat, und schon zum Theil mit ihm wircklich in einer Schlacht verwickelt ist. Als nun, am 27km àZuûi, des Morgens,die Sonnen-Strahlen nur ein wenig zum Vorschein kamen, betrachteten wir den Berg nochmals recht genau, und da war ich schon anders gesinnei, als ich den Tag zuvor, in der ersten Hitze gewesen. Ich befand nemlich, daß er eine gar hatte und blutige Nuß auszubeissen seyn würde. Derohalben stunden mir die Haare gen Berge, und ich wünschte, daß unsere kàe nicht so gar nahe an der feivdlichenstehen möchte. Allein weil wir uns nicht wohl zurücke ziehen türmten, ohne einer Schlappe sonderten Feindengewärtig zu seyn, auch Nördlingen anders nicht, als durch ein Treffen,, aus denen letzten Zügen gerettet werden kannte, blieb es dabey, den uns überlegenen Feind in seinem Vortheil aufs neue zu ae- trquiren. Es nahm demnach der blutige Tantz seinen Anfang wieder. Horn, welcher den rechten FlügelcommLnckrle, solle den mehrerwehnten Berg einnehmen, woselbst die Spanier drey halbe Monden vor sich hatten, die gleichsam ein Klee-Blat lormirten. Nichts destowenigc war man in dem Anfang der ^rcrqus noch ziemlich glücklich, und setzte dermaßen m die Feinde, daß sie sich rennren, und so gar die auf dem Berae gestandenen Feld-Stücken im Stiche lassen muffen. Da aber die Schweden über dss ketrenciiemenk sprungen, und sehr hart auseinander stressen, brachten sie sich selbst in Unordnung, welche sich ungemern vermehren, als in das von denen Feinden hinterlassene Pulver Feuer kam, weswegen die unsri- gen, ungesagt, den eroberten Posten wieder verliessen, mithin dem Feind Zeit und Gelegenheit einräumten, sich aufs neue darinnen, und zwar stärker als zuvor, zu setzen. Weil aber an diesem Berg allzuviel gelegen war, beorderte Horn frische LriZsäen, ihr äusserstes zu wagen, um denselben zu recuperixen. Indessen hatte das Treffen auch auf andern Seiten, und an ander« Orten, seinen Anfang genommen. Ausdem lincken Flügel, welchen ich commznäirte, Zieng es, gleich von dem ersten Augenblick der Schlacht die- ftsTages an, sehr unrichtig zu, worüber ich, vor Unmurh, hätte bersten mögen. Die àvârie insonderheit that nicht so brav/ wie sie doch sonst xuv.Lmr. Ccc ccc zu W ( 874 ) W ru thun gewöhnt gewesen, sondern gieng ohne Ordnung zurücke nach dem Arz-B erge. Als die llàlene auf dem rechten Flügel, so den mehrbe« sagten verschanhten Berg aufs neue 3ct3c,u>ren solle,dieses sahe, ließ sie den Muth sincken, und kannte denen Spaniern, die ohne diß,wie gesagt, ver- stärcket worden, also weiter nichts anhaben. Bey sobewandten Sachen wurde die Unordnung in der Schwedischen ärmce immergrösser, dergestalt, daß sie, nachdem wir acht Stunden gefochten hatten, endlich allgemein gewesen. Da nun sahe sich ein jeder, der nicht todt oder so diät wah daß er liegen bleiben müssen, nach der Flucht um. Ich meines Orts wütete und tobete gleich einem grimmigen Löwen, und peilte mich bald vor dieses bald vor jenes Regiment, es von der Flucht abzuhalten, muste aber jederzeit, ohne grosses Verweilen, weichen, wann ich nicht selbst von dem Schwärm überpurhelt, und von denen Pferden zertreten seyn wolte. In Summa, ich muste erfahren, daß es unmöglich eine, in eine wrà Unordnung gerathene, . 4 rmee wieder zu Stande und in Ordnung zu bringen, weil zu solchen Stunden keine Orà oder Lommznclo mehr relpeäiret wird. Gleichwie es auch, bey dem Anfang dieser Schlacht schon, sehr unordentlich aufdem lincken Flügel hergegangen war: also gienge es noch weit toller aufder Kcurà zu. Denn er übereilete sich dermaßen, daß er auf den rechten Flügel stieß, der sich noch in iiemlicher Ordnung zurücke zog/Und dadurch verursachete, daß er ebenfalls in die äusserste Loniutìon geriet!). In dieser unerhörten Unordnung bekamen die Feinde vollends gewonnen Spiel, und ihre Hände fiengen an ganh greulich unter denen un- srigen zu metzeln, ohne viel Quartier zugeben. Kein geringes Glück bey diesem Unstern war noch dieses, daß ein Theil der flüchtigen c-vgiierie das Rheingräfliche co- po, welches zu uns stoßen sollen, ungefähr fünff Stunden von der Wahlstadt amraff, und sich bey solchem sehete: denn dadurch wurden die Hussaren, Croaten, Pohlacken, und übrige feindliche leichte Reutherey, vom fernern Nachsetzen abgehalten. Gleichwohl beliefs sich unser Verlust an Todten, Gefangenen, Verlauffenen, und durch die klären gäntz und gar unbrauchbar gemachter Mannschafft, auf 14220. Mann. Unter denen vornehmen Todten befand sich der Marg- graf Friedrich von Anspach- Unter denen Gefangenen zehlete man viele brave oKciers, und darunter den Feldmarschaü Horn selbst, maleichen den, von denen Bayern übergangenen,6enora! Cratz, welcher vor seinen Übertritt mit dem Kopffe bezahlen müssen. Mich betreffende, wäre ich _UZ l __ ZanH gewiß etweder geblieben oder gefangen worden, woferne mir nicht ein Hauptmann von denen Taupadeiischen Dragonern ein ftistchesPferd gebracht hätte. Ferner eroberten die Feinde 80. Stücke Geschützes, wie auch Zoe>. Fahnen und Standarten. Nichtweniger fiel ihnen die gesamte , bey Bopfingen gestandene ö->g3§s. die in mehr als 4220. Wagen bestanden, in die Hände, und mir blieb von allem, was ich im Felde bey mir führte, nichts als das Hemde und Wammes übrig. Käyserlicher Seits blieben in dieser Schlacht nicht einmal 1520. Mann; jedoch verschiedene ansehnliche OKciers. und darunter der Bayrische Lener^i-L/au- cenLnc Pillehö, nebst denen Obristen Salm und wurmser. Obriste Achatz ward -wischen dem Römischen König, und dem Cardinal inkmeen, von einer Stück-Kugel, aus dem Satte! gehoben, derOuca ^läobrZnäiniaber nur zwey Schritte von demKömg m Ungarn erschossen. Nach der Zeit solle man, viele Jahre lang, des Nachts - in der Gegend von Nördiingeri, wo die Schlacht vorgefallen, allerhand Feld-Spiele von Paucken, Trommeln und knallenden Stücken, gehöret haben. Jedoch man habe etwas gehöret oder nicht, so ist gleichwohl so dick gewiß, daß die Eroberung der Stadt Nördlingen auf die vàrîâ folgte, und die Schwedische Macht schiene nunmehro, in Teutschland, ihre letzte Öelung empfangen zu Hasen. Ja die Sache sahe desto verzweiffelter und verwirrter aus, weil die vier obern Creyße mercken liessen, daß sie des Krieges müde waren, der Landgraf Willhelm von Hessen seine besondern Anschläge führete, Chur-Sachsen Fried-begierig, und aufChur- Brandenburg wenig zubauen gewesen, auch Engeland mehr Liebe vor Spanien als Schweden, und Holland grosse jaioulìe blicken lassen. Erst bey Franckfurth am Mayn reLoiliZirte ich die zerstreuete àee. und mir wurde das 6ener-à in denen vier Creyßen, als dem Ober - unB Nieder-Rheinischen, Schwäbischen undFränckischen, welches der gefangene Graf Horn biß anhero gehabt, aufgetragen, worauf ich zum Entsatz des Schlosses zu Heydelberg zog; da mir dann der Franhäsische Marschaü lle kkorce zu Hülffe kam, nebst welchem, und andern Frantzö- sischen 6enerrlen, ich auch zu Anfang des l 6z s.Jahres, mit dem Schwedischen Reichs-Cantzler Oxenstim, eine conlerenh hielt. Weil ich nicht nur ein Schwedischer Oenerrl, sondern auch eis tUliirttt derer Schwedischen Waffen genennet werden kunnte, vermerne- tt ich, es sche nunmehro, bey dem ziemlich wandelbar gewordenen Schwe- Lcececr, Hischm AL ( 876 ) M _ dischen Glücke Zeit, ein wenig, gleichwie es ^üürte gar öfters zumachen pflegen. auf mein besonderes Interesse bedacht zu seyn. In dieser Absicht gab ich Frantzösischen Liebkosungen Gehör, und diese Crone verband sich, mir zu einem ansehnlichen isuvcràen Staat in îcutschland zu vechelffen, ingleichen à Jahre eine conliäeral.is Summa Geldes, über Licj.nigen Subüäien, so die Cron Schweden bekam, ins besondere an mich zu bezahlen. DiessrgäFlendesfaüs hatten sich, schon im vergangenen i6z4ten Jahre, bald nach der so unglücklich vor Schweden ausgeschlagenen vs- rgille bey Nördlingen, angefangen. Weil nun die Festung Philipps- bürg, weiche die Schweden zu Anfang des 1654. Jahres erobert gehabt, eine Braut war, um die Franckreich überaus sehr freuete, wurde dieselbe, Denen Herren Frantzvsen, gegen Erlegung einer guten Summa Geldes eingeräumet. Nach der mit dem Schwedischen Reichs-Cantzler, Oxcnstim, und Denen Frantzösischen 6enersien gehaltenen confeienr, gieng ich dem Käyserlichen Lensi-ss. Graf Philippen von Mannsfetd, entgegen, und nachdem ich einige FranhöMe Völcker an mich gezogen, eroberte ich den n. die Stadt Speyer, von wannen ich, im Monath ^jo nach Franckfmth mZrLbirte. Als aber der Käysertiche Oensrsl 0->à Ansialt machie,mit einer über den Rhein zu gehen, zog ich mich zurücke nach denen Frantzösischen Gränhen, nachdem ich Mäyntz, Worms, Speyer und andere Oerter, stärckerdann zuvor besetzen lassen, welcher Vorsicht ungeachtet, ein und anderer von diesen und andern Plätzen wieder in die Hände derer Feinde gerierhe. Indessen ward ich durch ein Französischer Völeker , unterm Lommacà des Cardinals à lâ Vàc, ver- stärcket ; worauf ich wieder zurücke kam , unterschiedene Oerter recupe- rrrte, und die Stadt Mayntz, welche von denen Käyserlichen belagert war, glücklich entsetzte: denn es wollen die Feinde meine Ankunfft nicht erwarten, und verliessen die Stadt. Dergleichen Entsatz woite ich auch zu Saxenhaußen bey Franckfurch am Mayn verrichten. Mein ich hörete unter Weges, daß der Ort espiinürek hakte, wannenhero ich mich über den Rhein zog; jedoch mich gar bald wieder zurücke wandte, und nebst DemvorgedachlenCardinal äe iz vàtte nach derSaar gieng. Wiewohl die Käyserlichen beugten mir, auf diesem àck, dann und wann mit einigen Mietern vor, weswegen ich etliche mal, sonderlich bey So- hernheim, mir den Paß mit Gewalt eröffnen muste, wobey ich allezeit rme dermaßen grosse Klugheit und Tapferkeit erwiesen, daß auch die. Feinde m ( 877 ) M Feinde selbst solches bewundern müssen. Ich langete demnach mit meiner ârmêe, die damals meistens aus meinen eigenen Houpen bestünde- zwar zu Metz an, war aber wegen einer Meutherey und Rebellion in grossen Sorgen, weil kein Geld in der Lä gewesen, und der Soldat, über das Aussmbkiben seines Soldes, auch daß er aufdem Frantzösischcn lerritono Nicht nach Belieben Haussen durffte, hefftig murcece. Es fiel miralsofthrschwehr,den mißvergnügten Soldaten zu begütigen, und der Angst Schweiß brach mir mehr als einmal aus, biß es, von einer Zeit zur andern, geschehen kunnte. Über diesesplagete mich die Pest,und ent, risse mir, samt dem Hunger, viele Leute. Ich that derohalben mein möglichstes wieder auf solchen Grund und Boden zu kommen, wo ich Herr und Meister seyn, auch nach Belieben schalten und walten kunnte, welches geschahe, als ich, mit dem Ende des 16zs. Jahres, zurücke in das Elsaß gelangete. Weil diejenigen Gelder, welche mir Franckreich versprochen, nicht allzurichtig bezahlet wurden, woraus hernach allerhand Verwirrung und Unordnung erfolgte, that ich, binnen der Zeit, da meine Välcker in denen Quartieren guter Ruhe und Erquickung genossen, eine Reise nach Paris in Franckreich. Der Cardinal von Richelieu, und viele andere Grosse des Hofs, empfiengen mich sehr wohl, und caräken mich über alle Massen. Gleichwohl sahe ich, daß der Hertzog von karma, welcher zu eben selbiger Zeit nach Paris kam, noch etwas besser als ich lrâret wurde. Solches verdrösse Mich hefftig, UNd prsecenäirte kautemenr, eben so gut als der Hertzog von ksi-ma, gehalten zu werden. Als ich nun bey dem König i-uclovico xm. àckenr hatte, bedeckte ich mich, sobald ich sahe, daß es der König that, welches Beginnen aber bey dem König eine solche Alteration verursachete, daß er das Gespräch abbrach, und sich in sein Lsbinet retirirte. Ich meines Orts hingegen , da ich sahe, daß man, meiner zu erkennen gegebener Empfindlichkeit ungeachtet, fortfuhr dem Hertzog von karma besser als mich zurraäixen, ireisete mißvergnügt von Paris wieder hinweg, welches verursachet,daß die Frantzosen nach- hero allemal einiges Mißtrauen gegen mich geheget. Nichts destoweni- ser fruchtete diesis sb viel, daß mir nach der Zeit die versprochenen Gelder weit richtiger als zuvor bezahlet worden, um dadurch zu verhüten, daß ich mchtgantzundgar auf andere, vor Franckreich höchst,schädliche Gedanken gerathen mächte. Als ich vonPariö wieder in dem Elsaß angelanget war,versammlete Ccc ccc z ich m f 878 ) M_ ich meine Völcker , und nahm die Schantze oberhalb Zabern weg. Die Stadt aber ìlas. änno l6z7. fiel ich wiederum in die Grafschafft Burgund, und schlug den Herhog von Lothringen mit einigen Käyserlichen Völckern. Hierauf wandte ich mich wieder nach dem Rhein. Und weil daselbst kein ander feindliches Volck, als der Lenem! Johann 6e Werth mit ungefähr AOOO. Mann stunde, schlug ich bey Rheinau eine Brücke, gieng mit meinen Völckern hinüber, und verschanhte mich,ehe es der Johann Werth gewahr wurde. Dieser bemühere sich zwar mich wieder tu vertreiben, zog aber etliche mal den Kmtzern. Jedoch weil auch meine Völcker, wegen Kranckheit und Mangel des Futters, viel erleiden musten, ward ich endlich bewogen diesen Posten ru verlassen, zog mich nach Basel, und legte mich in das Dillberger-Thal, woselbst ich viele Pferde bekam,meine Reu- therey zu remomiren. Die Burgundische Beute, und das Geld aus Franckreich, kam auch darju, dergestalt, daß ich nicht nur die Reu- rherey, sondern auch das Fuß-Volck, in sehr guten Stand sehen kunnte. . ànn 16 z 8- gieng ich aufs neue über den Rhem, nahm Secki'ngen And andereOetter in Eil hinweg, kam auch in höchster Geschwindigkeit vor Lauffenburg, welcher Ort sich gleichfalls ergeben muste. Einen von Breysach hieher geschickten 8 uccurs aber schlug ich, und belagerte darauf Rhein- - seid. Weil nun denen Käyserlichen an Erhaltung dieses Orts viel gelegen war, kam der Herhog 82vs!ii und Johann äs Werth, mit einigen Völckem zu dessen Entsatz, mit welchen ich mich, den 18 ken kebru-irihin ein Treffen einließ, darinnen mein rechter Flügel den feindlichen lincken Flügel,und hingegen des Feindes rechter Flügel meinen lincken schlug, dergestalt, daß sich keine Parthey eines sonderbaren Vortheils zu rühmen hatte. Wiewohlich meines Orts recoiligirte mich, nach diesem Treffen, in höchster Geschwindigkeit, überfiel die Feinde, die nichts weniger als einen solchen Streich vermuthen waren, jenseit des Rheins, md befischte eine vollkom- m ( 879 ) M vollkommene ViÄorle über sie. Die Käyserlichen Qsneraîe , sübsnnLm- und Loronium äs Werth, ingkeichen den Hertzog vonSsveili, und die beyden 6eneräl- Wachtmeister Sperreutem and Enckefort, nebst vielen andern oLeicrs, bekam ich gefangen; wiewohl Lâvelli in dem Habit eines Mönchen wiederum davon gekommen. Hierauf ergab sich Rhàftld, und ich richtete meine Augen ausdie weltberühmte Festung Breysach, wel- chen Ort zu erhalten, die Käyserlichen allen Fleiß anwandten, und der Käyserliche 6eners! Götz,nachdem er eine grosse (Quantität Mehl in die Smdt gebracht hatte, zu dem Ende sich mit einer ^rmLe in selbiger Gegend aufhielt. Nichtsdestoweniger richtete ich meinen r-Mä nach Breysach, fieng auch an den Ort einzuschließen und zu belagern. Ob ich nun gleich mit der Belagerung gar schlecht 2v->ncîrke, so ereignete sich doch der Zufall, daßdas tVKZ-irill in der Festung im Feuer aufgieng ; worauf derPlatz an-' fieng sehr große Noth zu leide!». Der Käyserliche Lene^i Götz erhielt Occlrs Breysach zu entsetzen,, und wann auch seine gantze^àe darüber zu Grunde gehen solle. Die- semnach zog er zusammen was er auftreiben kunnte, und hielt bey Stollho- fen lleoäervous. Ich sendete Kundschasster aus, zu erfahren, wie starck «ungefähr seyn möchte? und einige von ihnen versicherten, daß sich seine Mlcker auf 80. tausend Mann beliefen. Wiewohl es äusserte sich, bey- bessercr Erläuterung der Sache, daß sich mehr als sechtzig tausend Köpffe purer Troß, nemtich Soldaten-Weiber und Kinder, ttlllciers Knechte und Marquekenner Cram, darunter befand, im übrigen aber keine zwanzig tausendzum Streiten tüchtige Männer verbanden waren. Denn W denen vorigen Zeiten regierte dieser Fehler gemeiniglich bey der Käyferli- chen ârmêe, daß rnehr Troß als combgrtänten das Lager ausmachten,wodurch, mehr als einmal, sehr groK Hungers-Noth und ander UnheiLver-' ursachet worden ist. Ich meines Orts, sb ich gleich wegen der Macht des Feindes eines bessern verständiget worden war, hielt dennoch vor rathsam, mich ein we-' nig zurücke zu ziehen; angesehen mein Lager nicht sonderlich verwahrt ge- rvesen. Also bekam Götze Gelegenheit, fünffbiß sechshundert Säcke Mehl, samt einigen andern Nothwendigkeiten, ungehindert in Breyfach- ,K> bringen. Daraufsuchelen wir einander Lurch viele dàcde und Lon- br -Asi-cbe abzumatten, und nahmen es fleißig in acht, wann einer emerri Mcheilüberdenanvem erlangen kunnw;. wobey ich aber weit Zlückli- m ( 88 a ) N, cher als Götze gewesen, indem dieser auf solche Weise etliche tausend Mann verehren. Binnen der Zeit liefKundschafftein, welchermassenderHerhog von S 3 vcl>i mir einigen taufenden herzu geeilct sey, und den Lener-l Götzen ver- stärcket hätte, wie auch, daß vieles Getreyde und andere Sachen, inglei- chen Ammunition, unter Weges sey, Breysach völlig zu verproànriren, und mit allenNothwendigkeüen zu versehen. Weil mich nun derFran- hösische 6cneräl lutenne mit ein paar tausend Mann zu Pferde und zu Fuß verftärckte, und es mir gar nicht gelegen war, daß die Festung Brey- ftch ft wohl versorget werden solte, »väncirte ich dermassen begierig gegen die Feinde, daß auch, Sonntags den 29.lulii16z8.der gewöhnliche Gottesdienst nicht einmal gehalten werden kunnte,an welchem Tage sich vielfältiges Scharmuhieren mit dem Feinde ereignete. Folgenden Montag frühe, den zoten )ulii. ließ ich den am vorigen Tag unterlassenen Gottesdienst verrichten, und hörte eine Predigt über dieThränen Christi an. Sodann brach ich mit meiner gantzen ^rmê« auf,und suchte den Feind, welchen ich auch, accurat um die Mittags-Stun- > de, bey dem Dorffe Wittenweyer an Breyßgau, gegen den Rhein- i Strohm, im freyen Feldes voller Schlacht-Ordnung antraff. Ich hin- ^ gegen muste durch einen Wald, wie auch über einen tiefen und verwachsenen Graben, ingleichen andere gefährliche ksllggen mehr, psüwen, dabey es denen Käyserlichen sehr leichte gewesen wäre, mich daran zu verhindern. Weil aber solches nicht geschahe, so kam ich, samt denen Stücken, hurtig durch, und stellte mich vor dem Wald dergestalt in Ordnung, daß ich mit gleicher krönt«. den Feind auf einmal angreiffen kunnte. Um i. Uhr Nachmittag, fiengen die Stücke an, aufbeyden Seiten zu donnern, und als diese, etwa eine halbe Stunde, ihrer tödtlichen Arbeit, rauchende, knallende und blitzende, vorgestanden hatten, geschahe ein allgemeiner Angriff, und ein dermassen entsetzliches Gefechte, daß auch die Mußquetierer, wann sie sich verschossen hatten, einander mit denen Mußqueten zu Boden schlugen. Ich hatte, gleich in dem Anfang dieser Schlacht, sehr guten 8ucceL. Jedoch fügte es sich bald hernach, daß mein rechter Flügel, von dem feindlichen lincken, der mit denen besten Regimentern gefüttert gewesen, geschlagen, und biß auf das andere Treffen zurücke getrieben wurde. Wiewohl ich halffaller daher entstandenen, gewaltigen Unordnung, geschwinde wieder ab, und führte alsdann den rechten Flügel aufs neue gegen m ( 881 ) W gen den Feind, der mit ganh unglaublicher savour und kurie föchte. End-' lick aber, nachdem wir fünff Stunden geschlagen hatten, und manches Wcymarisches Regiment drey biß viermal zum Treffen gekommen war, mustedieTapfferkeit derer Feinde mir und denen Meimgen weichen, und sich bequemen, mir den Sieg und die Wahlstadt, samt vielen Qopbsen eder Sieges-Zeichen, zu überlassen. Vierzehn tausend LoàcÊen mochte diese, Mter dem< 7 omm-,n 6 o des Leneml Götzen gestandene Käy- scrliche ärmee starck gewesen seyn, worgegen meine Arm.se kaum eylfftausend Mann ausgemachet. Dem ungeachtet wurden die Käyserlichen der-, gestalt geschlagen, daß ihrer, mehr dann zwey tausend, als Leichen zur Er, den geftrecket, auf der Wahlftadt lagen. Eine grosse Menge ersöffe in dem Rhein, und viele waren, durch die empfangenen àeilul-en, auf ewig rmtüchlig zu allen Diensten gemachet. Der Nest war gefangen, odes verlief sich aufder Flucht, und es haben sich, nach und nach, von dieser oe, schlagenen Armes mehr nicht, als ungefähr 2520. Mann wiederum bey dem Lsneral Götzen eingefunden. Dieser legte alle Schuld der verlohr, nen L^lle aussen Hertzog von 5 avägieng mit dem Uberbieibsil seiner Völcker über den sogenannten Knibus, und verhieb alle Wege hinter sich. Aufbeyden Seiten blieben verschiedene brave OKc-er« in diesem Treffen, und zwar von denen Kaiserlichen die Obristen Stephan Albert, Messet, Edelstet und Limbach ; der Oberste Seneschal, und viele andere Oàíci-s ober, befanden sich als Gefangene in meinen Händen. Unter andern OKcier5. die ich vcrlohre, beklagte ich insonderheit die beyden Essors. Wci- äersheim und Vitzthum. Der Lc^eml laup^sl fiel als ein Gesänge, ner in feindliche Hände, weil er denen Flüchtigen aüzubegim'g nachsctzete. Die Beute bestund in eylffStücken, zweyen Mörsern und aller verbände, nen ämmunirion, drey tausend Wagen aber, die mit LäAsZs und Pro, viant beladen gewesen/gab ich meinen Soldaten Preist. Hicrnechst wur, den mir 8 z. feindliche Fahnen und Standarten zu Theil, die ich dem König von Franckreich zumk-Lsevr übcrschickele. Im übrigen kam mir die, sn imporlsnre Sieg gar nicht theuer zu stehen, we?l ich,an Gemeinen,mehr nicht als 622. Todte, und etwa tausend k etllm, zehlete. Nunmehro war es Zeir, auch die Sieges- Früchte einjuerndten. Weil ich nun nicht ermangelte solches zuthun, nahm ich ungesäumt Ken- zig, samt dem Schloß Lichleneck hinweg, schloß auch die Festung Breysach sehr enge ein, in der lmencion, sie mit Hunger zu bezwingen. Unterdessen kam der Hertzog von Lothringen an, in Hoffnung Proviant hinein zu xuv.Lorr. Ddd ddd bringen/ m ( 882 ) W bringen, wurde aber repoulliret. Der 6enersl Gühe trachtete nochmals diesen Ort zu retten,und conjun§irte sich zu dem Ende mit dem Spanischen 6sncr3l l.ämboy, der frisch Volck und Pferde aus denen Niederlanden brachte. Allein, weil wegen der Verpflegung keine rechte Anstalten gemacht waren, fiele Roß und Mann dahin,dergestalt, daß sehr wenig ausgerichtet werden kunnte. Ich hingegen bekam einen neuen Succu» an Franhösischen1,-ouxen, unter dem Grafen von 6uebnsn, und verschantzte mich dermaßen in meinem Lager um die Stadt herum, daß es, dem Feind, vollends zur puren Unmöglichkeit gemachet wurde, durchzubrechen. Nichts destowenigerconjuiißirten sich der LeverZi Götze und der Hertzog von Lothring/n miteinander, zu versuchen, ob es möglich mich zu lorciren, und der bedrängten Festung zu helffen. Da sie aber nochmals mit ziemlichen Verlust zurücke getrieben wurden, sahe sich endlich Breysach, aus Hunger gezwungen, sich den Zten Oecembr. des i6z8ten Jahres zu ergeben. Nachdem ich in der eroberten Festung, wie auch in dem Elsaß, alle gute und wichtige Anstalten vorgekehret hatte, gieng ich mit denen irou. xen, so zu denen Besatzungen nicht nöthig gewesen, aufs neue in die denen Spaniern damals zugehörige Grafschasst Burgund, oder krancb- Comrê, Derer Winter-Quartiere daselbst zu gemessen. Ich nahm auch noch verschiedene feindliche Schlösser weg, die sich mir widersetzten. Wiewohl Sie Wimer-Quartrere, so gut sie auch gewesen,was den Quartiers-Stand an und vor sich betrifft, waren darum nicht allzuruhig, weil die Lothringischen Partheyen sehr starckstreiffeten, mit denen es folglich häuffige Scharmützel fttzere. Ich ließ eine Müntze, mit dem Weymarischen und Breysachischen Wappen schlagen, dadurch anzuzeigen, daß ich mir die Festung Breysach zueignete. Solches verdroß die Schweden sowohl als die Frantzosen, über alle Massen ; und zwar die Erstem darum, weil ich solches that, ohne Sesfalls zuvor bey ihnen anzufragen, die Frantzosen aber aus der Ursache, Daß sie die Festung gerne in ihrer Gewalt gehabt hätten. Ich war demnach bey der Eröffnung des Feld-Zugs in dem i6z9ten Jahre, zufördersi aufweine eigene Sicherheit bedacht, und besetzte alle von mir erobmePla- tze mit Teutschen Völckern, ohne zu gestatten, daß die Frantzosen Theil an DenenBesatzungen nehmen durffcen. Die Frantzosen versuchten es auf alle Art und Weise, mich aufan- -ere Gedancken zu bringen, Bald m vlr-rten sie mich zugrossen Lustbarkellen W c 8 8Z ) W _— kêitên nach Paris ; wovor ich mich doch meines Orts bedanckte, weitste mich sodann in ihrer Gewalt gehabt hätten. Bald aber kamen sie mit ei" n-rn-Heynthsàjsâ aufgezogen, zu Folge dessen ich die Herhogin von àillon heyrathen sotte, welche Parthey ich aber ausschlug, angesehen sie dem Sächsischen Gebtüt nicht gleich gewesen; worüber sich kicketieu. dem die Herhogin verwandt war, hefftigenrrüstete. Hingegen hatte ich grosse Lust zu der Wittwe des Hertzogs von kìozn. und dieses stunde dem Könia in Franckreich, samt dem kticbeli.su nicht an, weil besagte Herhog- licheWimve broL-iLon von der kekormirtenReligion machte,und man besorgte, die Hugenotten möchten daher Gelegenheit nehmen, sich wieder emporzuschwingen. Der Kayser, von dem Mißverstandniß zwischen denen Frsnhosen und Schweden einer, dann meiner Person anderer Gerts, verständiget ßyende, suchte davon zu pl-oäriren. In der Absicht ließ er mich ersuchen, das vireäorium derer Friedens- ?rären auf mich zu nehmen. Ich - merckete gar wohl,daß man nur sucheke das Mißverständmß dadurch desto grösser zu machen, wechselte aber gleichwohl einige Schrifften mit Käy- ftrlichen darüber. Weil solches nun die Frantzosen und Schweden erfuhren, setzeten sie ein grosses Mißtrauen in meine Freundschafft,und man warbedacht sich meiner zu ratschlagen. Ich erhielt Briefe aus Italien , worinnen man mich warnete,ich möchte mich vor ein Gifft.SLppgen fleißig hüten. Auch zu Freyburg im Breyßgau ward ein Meuchel-Mörder eingezogen, der auf der i'orru,- be- kandte,daß er sich, samt nochdreyzehn andern verbunden, mich, nebst noch verschiedenen OKeierschinzurichten. Ich nabm derohalben alle mögliche kr«caunon vonder Weltdargegen; war aber dennoch nicht c^à den Lüsten Streich auszupZriren- Amgten Fuiü des uSzsten Iahres^fubr ich mit dem Schwedischen Lànren,Mockeln,von Hünningen, auf dem Rhein nach Neuenburg, befand mich unter Weges sehrübel,und kunnte mich nicht embrechen mich, meines Udel-Aufseyns wegen, M beklagen. Sobald ich -nun in meinem Quartier angelanget war, ließ ich mich entkleiden, und legte mich zu Bette. Den andern Tag ließsichkeineBesserung spühren; -u eomà jch empfand greuliche Schmertzen im Leibe, die sich von einer Stunde zur andern vermchreten, wannenhero ich Befehl gab,niemand vorzulassen, noch weniger etwas anzumelden. Von meinen beyden lààîs begehrte ich zu wissen,was es vor eine Kranckheit sey, und ob sie auch gefährlich wäre? Dar- Ddd ddd r auf E ( 884 ) W auf antworteten sie,man könntesolches zur Zeit nicht wissen, söndernmü- ste noch etliche Tage warten. Nachdem sich aber das Übel dem Hertzen näherte, verspührete ich meines Orts gar wohl meines Lebens Ende. Den 8ten sulli, welches ein Montag gewesen, stunde es, vor Anbruch des Tages, sonderlich schlecht mit mir. Also sendete ich, gleich um vier Uhr des Morgens, nach meinem Beicht-Vater, that demselben eine Hertz« liehe Bekännmiß meiner Sünden, und empficng, nach geschehener lurion > das Hochheilige Abendmahl. Als aber der Hof-Prediger mit dem Zusprechen und Vorderen etwas verwettete, erinnerte ich ihn, er sötte zum Beschluß eilen, weil mein Ende nicht weit mehr wäre. Da solches geschehen war, machte ich ein kurtzes Testamensund ernennere, Krafft dessen, denOenergi-lvia'or Lriäck, den Grafen von Nassau, denObristen Rosen und Obristen Ohmen, zu Sommenàmen der /trmêc, nach meinem Todte, biß es einem von meinen Brudern belieben würde das Ober-Lom- mLnrio selbst auf sich zu nehmen. Besagte Lommeàmen wamete ich treulich vor dem Geitz und Uneinigkeit, und vermachte einem ieden unter ihnen, zugleich, eine ansehnliche Summa Geldes. Auch bekam der Hof- Prediger vier tausend Thaler, jedweder kààus tausend, und der SecrsrL- à vier hundert Thaler. Die übrigen Bedienten wurden nach ?roxor. à ihres Standes bedacht; worauf, und nachdem ich sonst noch viele Zeichen meiner Frömmigkeit erwiesen, auch nebstder Sprache den vollen Verftandchiß an mein Ende behalten hatte, ich gegen 9. Uhr Vormittags selig verschieden bin. Ich erreichte also nicht einmal völlig z 5. Jahre, und etliche Stunden vor meinem Todt, brachen allerhand schwache Flecken an meinem Là hervor, daher etliche mukhmasseten, meine Kranckheit stye ein hitziges Fleck-Fieber, daran binnen zwey Tagen übcr 420. Personen in dem Lager gestorben waren. Wiewohl ich meines Orchs glaubte festiglich,mcm härte mir Gifft beygebracht, und dieses äusserte sich bey meiner Eröffnung noch besser, da man Lung und Leber, von einem starcken Gisst, angegriffen befand, wannenhero der Hof-Prediger nachgehends in der Leichen-Pre- digt öffentlich davon geredet. Der Feldscher«,so meinen erblasten Leichnam bàlûmirte, verletzte sich die Hand ein wenig an der Hirnschale, welche gleich zu schwellen anfieng. Aus der Hand zog die Geßhwulst in den Arm, und es schlug endlich der Krebs darzu, der verursachte, daß der Feldscher« den n ten Tag starb, ohne daß man sonst das geringste Zeichen einer m ( 88s )W __ nerKranckheit an ihm spührew. Meinen Käl^mirten Cörper betreffende/ist er jehen Tage nach meinem Todt/nach Breysach geführet/ und allda in dem Münster beygesetzet worden. Anlangende mein gemachtes Testament/hat solches seinen Zweck nicht erreichet, indem die Franhssen meine hinterlassene gantze eìl-mêe durch Geld an sich gezogen, und das Testament aiss zernichtet. Ich solte jeho, werthester Vetter! meine Erzeh- lung endigen , kan mich aber nicht einbrechen noch ein paar Worte von meiner Vergifftung zureden. Dieserwegen will man nemlich, nach der Hand sichere Nachricht erlanget haben, daß ein Kteclicus von Genff, Namens Liänäini, das Gisst zubereitet habe. Ausserdem sind auch Briefe von weiten Orten nach Basel gekommen, darinnen gefraget worden, ob ich todt sey? da man doch, weil die Briefe nur ein paar Tage nach meinem tödtlichen Hintritt einge- lauffen, es an so weit entlegenen Orten, von wannen sie gekommen, damals noch nicht bekannt gewesen seyn kan, daß ich gestorben gewesen. Es war auch unter denen Käyscrlichen, ein paar Monate vor meinem Ende, immer die Rede gegangen, ich würde meine ViKorien nicht lange überleben. Dannenhero hat man Anlaß genommen zu argwohnen, es müste mir ein und anderer Oesterreichischer Lenerä l und ^ttnitìre.oder Spanien, oder die Franhosen, Las Gisst haben zubereiten und beybringen lassen. Hingegen ist auch kein Mangel an Leuten gewesen, welche gcglaubet, es wären die Schweden selbst Anstiffcer solcher Vergifftung, und das ist nichts unmögliches, weil sie zuletzt ganh gewiß davor gehalten, ich möchte, durch Beförderung meines eigenen lmerstL dem Ihrigen Schaden zufügen, und sehr scheele Augen gemachet, daß ich nicht mehr so, wie Anfangs, den ihrem WiSen und ihren Absichten ä-pencliren wollen. Etliche Schwedische Reichs-Räthe haben sich zwar verlauten lassen, es wäre ihnen, Zeit währenden Kriege, nach dem Todt ihres Königs, und dem Verlust der Mrdlinger Schlacht, kein grösserer Unfall, als mein so frühzeitiges Absterben. begegnet. Allein man weiß schon wie die Menschen geartet sind, und lx>ß schon mancher Thränen über den Todt einer Person vergossen,die er doch selbst heimlich hingerichtet. Dem allwissenden Richter aber ist die s: ache am besten bekannt, der sie, an dem Jüngsten Gerichte, allen Völckern,gantz klar vor Augen legen wird.Zum Beschluß,werthesterVet- termuß ich noch dieses sagen, daß, woferne ich biß zu dem Westphälischen Frieden gelebet hätte, die Welt jeho ganh gewiß in der Historie lesen wür- de,dast Herhog vsriàâ vonSachsen-Wenmar der Jüngste unter seinen Ddd ddd z eylff m ( 886 ) W eylff Brudern, sich, durch seinen Degen und Tapferkeit, einen eigenen souveränen Staat erworben. Es ist euch, in Ansehung eurer Tapferkeit, der Bey-Name Groß, mit allem Recht beygeleget worden, geliebtester Vetter ! und eure Historie würde vollends gantz unvergleichlich klingen, wann ihr in der kàlle bey Nördlingen nicht so viele Ungestümmigkeit hättet blicken kästen. LLkNttäirvu8. Ich kan nicht sagen, daß ihr unrecht redet, werthester Vetter! Ich muste auch schon damals, als die Schlacht bey Nördlingen so unglücklich abgelausten war, hören, daß man sprach,, der Feld-Marschall Horn seye ein weit klügerer Löncl-sl als ich, und hätte seine Klugheit, sowohl durch loliäe kzjsonncmenrs und Urtheile vor der Schlacht, als auch nachhero bey der 8ä36e sattsam gereiget. Allein, werthester Better! welcher Mensch ist ohne Fehler ? Und über dieses, wo hat wohl, den Rest des gantzen Kriegs hindurch, ein Schwedischer Feld-Marschall, so grosse Thaten, in öffentlichen Feld - Schlachten und «Scharmützeln gethan, als ich binnen denen wenig Jahren, die ich nach derNördlinger Schlacht annoch gelebet? Noch eines, geliebtester Vetter! werden viele, so sich rechte Teutsche ksrrioren nennen, sonder Zweiffel an eurer konàe zu tadeln haben. Und was solle wohl dieses seyn ? werthester Vetter r Daß ihr, geliebtester Vetter! so starcken Umgang mitFranàlch gepflogen, und euch dadurch einem Frantzhsischen kenlìonàe nicht urv ähnlich gemachet. Leirdr»^iri)U8. Ey, es erforderte mein ài-esse, daß ich Franckreich lkebkosete, und mich von demselben wiederum liebkosen ließ. Hiernechst that ich in meinem Umgang mit Franckreich anders nichts, als was viele andere Teutsche Printzen vor und nach mir gethan, auch vielleicht annych in denen zu- kunfftiM _ m f 887 ) W künffligen Zeiten thun werden. Einen Frantzösischen penlìomiàe wird michkeinVerständiger nennen 5 weit dergleichen Leute gemeiniglich nur dasGnaden-Brod essen. Ich hingegen zog 8ub6ä>en von Franckreich, als dessen ^Uürter, welcher eine eigene ansehnliche Lrmà auf denew Beinen gehabt, und ein gebohrnerHerhog von Sachsen, wie auch ein cleàrix- ter Hertzog von ^rancken gewesen. Erzehletmir nunmehroeureHistorie, werthester Better! Es erfordert meine Schuldigkeit, geliebtester Vetter! euch damit aufzuwarten. Das Licht der Welt erblickte ich auf dem keiìànr- Schloß, Friedensiein, zu Gorha, den 4. Oâàîs 1677. Abends um 6. Uhr. Mein Vater hichkêrà, regierender Herhog zu Sachsen- Gotha, und war ein Fürst, der wegen seiner ungemeinen Leibes - und Ge- müths.Gaben, in gantz Europa, in sonderbarer Hochachtung gestanden. Meine Mutter, Magdalena Sibylla, ist eine Tochter LuguM, pottulir- ten ^älniniKraroris des Ekh-Stiffts Magdeburg, und Herhogs zu Sachsen gewesen, dergestalt, daß ich, sowohl von dem Vater her, als aufSei- ten der Mutter, aus dem uhralten Chur-und Fürstlichen Sächsischen Ge- blülhe Herstamme. Weil aber die leibliche Geburth, wie vortrefflich auch dieselbe sey, dennoch an sich selbst kein solches Gurh, so vor der allerheiligsten Majestät GOttes, zu Erlangung seiner Gnade, gelte, bin ich, zwey Tage hernach, nemlich den 6. OÄobr. zum Sacrament der Heil. Tauffe befördert, und, mit dem Namen sodann dem Bunde GOttes, zu einem Erben der ewigen Seligkeit einverleibet worden. Die gewöhnliche Einsegnung erfolgte den 14 dlovembris, nachdem meine Mutter ihre Sechs- Wochen glücklich vollendet hatte; und es ist dabey eine Predigt, über dieWorte Davids,in dem ror.Psalm und lehtenVers,gehalten worden, welchealso lauten: Die Rinder deiner Rnechre werden bleiben, und ihr Saamen wird vor dir gedeyhen. Am s.isnusrü àno i68r. da ich kaum zwey Monathe über drey Jahr alt gewesen, entrisse mir der Todt schon meine Mutter, deren Stelle aber auch, noch in diesem Jahre, wieder ersehet worden, indem sich mein Vater mit ckrillmen.einer verwittibten Marggräfin von Brandenburg,Onolhbach, gebohrner Marggräfin von Banden Durlach,vermähle. Weil nun diese Printzeßin eben so ein Liebreiches Mutter-Auge, wie _ D (-888 _ wie meine leibliche verstorbene Mutter auf mich hatte, ward meine k»u- càn so, wie sie angefangen worden, conrmuiret; und ich folglich fer- -ner zum Grunde der Gottseligkeit, a!6 fleißigem Gebet. Eclernung Biblischer Kern-Sprüche,Psalmen, derer Haupt-Stücke Christlicher Lehre, Les- und Erfahrung der Heil. Bibel, nach und nach angeführet, um mir von Jugend auf wohl beyzubringen, daß die Gottesfurcht zu allen Din- gen nütze sey, und dieVerheissung habe dieses und des zukünffrigen Lebens , insonderheit aber bey einem Printzen, das Haupt-Stücke und tun- öament aller Gaben und anderer V'slirären darauf beruhe. Hiernechst that sich, schon in der zartesten Kindheit, eine sonderbare Vivotât und grosser Geist bey mir hervor, und der Verstand reiffete gleichsam vor denen Jahren. Biß in das siebende Jahr stunde ich unter der Aufsicht einer Hofmeistern, so die Frau von Cachedomergewefen. Alsdann aber ward ich, nebst meinem, um fünffvieml Jahre ältern Bruder, kàrico, demjetzt-regierenden Hertzog von Gotha, welchem GOtt noch langes Leben und beständige Gesundheit verleyhen wolle dem Geheimen Rath, Christian Ludwig von Schönberg, als Hofmeistern anvertrauet. Besagtem Geheimten Rath, ordnete mein Vater noch einen Hof-?Zv3liier zu, welches Ernst Christian von fanus gewesen, dem auch nachgehends, als der von Schönberg ^ono i68s. die als Hofmeister gehabte Ivspeàioo religniret, die Läucsrion, unter dem krseàicac eil nes Cammer-Junckers, überlassen worden. Zu meinem Informators hatte mein Vater keinen Icheoiogum, sondern Justin Kürsten, einen <7snâîr genannt. In eben diesem Jahre gieng der Gothaische Hof nach Altenburg, woselbst man mit weiterer infor-Eion. unter Aufsicht des damaligen 6 snera!- 5 uperinken 6 snten, l). 8ggittarii, fortgefahren. Damit aber auch einige Ergötzlichkeit des Gemüths dar- zwischen gesetzet werden möchte, muste ich und mein älterer Bruder, dem Vaterhaus Reisen vielfältig folgen; wie wirdcmn ^„no 1686. mit nach Wildungen, und ^»no, 687» nach Wolffenbüttel genommen worden. Als àno 1686. mit dem von ftnur, eine Aenderung vorgegangen, und dieser in andere Dienste sich begeben, ist mitlerwrile dem damaligen Cammer-Juncker, Wolff Christoph Zorn von Plobsheim, auf einige Monathe , die lnssào anvertrauet worden. Nach diesem hat George Hem- m ( 88- ) W , ge Heinrich von Boineburg, abermals unter dem kr«àc àes Cam- mer-Junckers, die Aufsicht bekommen. Nebstdenen Smckis hielte man mich fleißig zu denen mUà - und andern ritterlichen Lxercirüx an , worzu ich gantz ungemcine Lust und Geschicklichkeit vermercken lassen. Den Anfang luni Reithen machte ich m dem eylfften Jahre meines Alters, nach erhaltener Erlaubniß von meinem Vater, wobey der damalige Ober-Stallmeister zu Gotha, von Pestelpostel, als ein in dieser Kunst wshlerfahrner ^avälüer, mit merklichen Succeü treue Unterweisung gethan. ánno 1686. communicirte ich / und zwar den l 9. dlovcmbr. an einem solenner, Fast'Buß-und Bet-Tage, nebst meinem Vater und ältern Bruder, zum erstenmal, nachdem wir beyde Printzen, vorhero, in Gegenwart des Vaters und etlicher Geheimten Räthe, über die nöthigen Stücke und Wissenschafften unsers Christenthums, exârûret worden waren. Nichts destoweniger ward die ini'ormsrion in Ideologiciz noch ferner fsrtgefttzet, undvondemOber-Hsf-Prediger, und eonstllonâi-âtleSor, GotttfriedRosenthaln, verrichtet. Der ^iceinisc Sàncini rrsâirte die slillorizm univerlâlcm, LclncZm, koliricam, und Anwêiàng sck LoAnirio- nem ^irris Mît MW. In ^îsrdeû UNd àcNiceÂura militgri, Hat Paul Künhold/Hosiund Cammed Rat h, die ilàmLtion übernommen. Zu andern wohlanständigen Wissenschafften, insonderheit zur 6eo§rsjà, Teutschen Rede-Kunst, ingleichen zar Italiänischen Sprache, ist von dem iiàmLtors Kürsten Anführung geschehen, in welchen Dingen allen, bey so fähigen Verstände und guter àmarie, ein bewährtes kunöamenr gele- get worden. Nicht weniger zeigeke sich bey mir in denen Lxercitüs eine besondere gute Oiffslîà und Leibes-Stärcke, durch welche natürliche Beyhülffe ich,mit desto mehrerer ^ciütät,mich in allenStücken dergestalt guslillciret, daß ich an Fürstlichen Höfen und überall grosses Lob davon getragen, àno 1691. den 9 Zsnuarii, nahm mich mein Vater, samt meinem ältern Bruder, mit nach Hannover, allwo ich, zu besondern Vergnügen der anwesenden gesammten hohen compggà, ich à sehr angenehme Lonäuice blicken lassen. Insonderheit hat sich in mir, ein heroischer Geist, und starcke ln- cliimion zum Krieg und denen Waffen, zeitig hervor gethan. Als sich nun mein Vater, zum Besten des gemeinen Wesens, entschlossen einige Regimenter! aufzurichten, ersuchte ich ihn inständig mich dabsy z-u bedrucken, worinnen er mir auch willfahrete, und ein Dragoner Regiment XLlV.kkirr. Cee eee coals- m < 892 ) W coiàitte. Hierüber entstünde in meinem Herhen eine ungemeine Freude, und wohncte ich denen Musterungen und Kriegs-ex-rcirus zum off. tern bey, erkundigte mich auch auf das fleißigste und genaueste nach allen Dingen, so jur mûàischen Wissenfchafft gehören. Nachdem noch mehrere Regimenter errichtet wurden, übergab mir mein Vater auch ein Regiment zu Fuß, dessen OLcisrs mehreutheiiö aus àionsl-Schwe- den undLiefländern bestanden. Daß heist, werthester Vetter! auf einma-l einen gewaltigen Sprung in der Schule des kàris gethan. Jedoch mit vornehmen Prinhen gehet es gar wohl an ,mnd es lieget bißweilen einer noch gar in der Wiege, und ist doch schon zum Obristen über ein oder zwey Regimenter ernennet: denn sie haben ihre Suiàmen , welche mitlerweile die Dienste verrichten. Anderergestalt wäre es unerlaubt einen Professoren, auf der hohen Schule des klsrns, und zwar in zweyen prcuitäten, ärmlich bey der zu Pferde, und bey der zu Fuß, zu ZZiren,da man noch kaum c^sdie einen Schüler abzugeben. Ihr redet, geliebtester Vetter! als ein strenger Soldat, und habet noch darzu Recht übrig. Ich meines Orts begriffe auch solches, meiner jungen Jahre ungeachtet, gar wohl, und wünschte danncnhero sehn- richst, daß ich die Jahre samt dem Alter erreichet haben möchte, in eigener Person meine Regimenter comm3n3M, über Cassel durch Westphalen nach Utrecht gegangen. Nachmals begaben wir uns nach dem Haag, aliwo wir in6eoZr3pKici8,6so- menicis, k^ilìonL umverlgli, ^rks lier3l6ic3, wie auch M allen ritterlichen und Fürstlichen Txsrcitiis, uns vollends dergestalt keáâion-ret, daß uns deshalben jederman ^xxlàrion beygeleget. Diese kasssZs, werthester Vetter! daß man euch beyde unmündige Printzen, unter der Vormundschaffts Regierung, ausserhalb Landes, auf Reisen geschicket, höre ich mit einiger Verwunderung, weil es scheinet, als ob es wider die sonst gewöhnlichen Maximen laustet, den, welchen seine Geburth zur Regierung bestimmet hat, in minderjährigen Jahren fremder Lufft, die nicht allemal einem jeden wohl bekommet,anzuvertrauen. .1,0 blán n im; Li.ivl. Ha, geliebtester Vetter! Wann man einen nur nicht hinein in das ungesunde ^râîlà sendet, so sind im übrigen alle Reisen, fast durch ganhEuropa, nur die hihiae sommers, Zeit in der Gegend Rom anroch ausgenommen, in Ansehung der Lussr, von gar schlechter Gefahr, See eee r urld m < 8Zr ) W und mein älterer Bruder ha-tte, währender ftiner k^inoreomtät/die schönste Zeit zum Reisen. Von dem Haag aus, thaten wir verschiedene Reisen nach andern Orten derer vereinigten Niederlande, und bejahen das Merkwürdigste. Wir geriethen in grosse Connoilläe mit vornehmen Standes und andern Personen, bevorab bey damaligen Qeneral-ConZrels derer hohen Eirren in dem Haag. Bemeldter Congress ward auch durch einen Gothischen Gesandten, welches der Geheimre Rath Avemsnn gewesen, beschicket,der dann,nach gehabteDber-Vormundschaffklichen lnttruäion. uns beyden reisenden Printzen, in dem Haag, überall âllìlìenr und Ausi Wartung zu leisten sich sehr angelegen seyn ließ. Der König von Enge« land, ^-Meirnus fand sich im Monatb Hxrii. 169z. in dem Haag ein. Solchem machten wir öffters Lour, und wurden von ihm hinwiederum mercklich «MinZulret, auch mit vielen Zeichen sonderbaren M.mr angesehen. Die Villren, welche wir anzunehmen und wieder abzustatten hatten, waren demnach häuffig, und es vergangen wenig Stunden, daß wir uns nicht bey einem Englischen oder Holländischen Oeneni oder Grossen, oder bey einem Gesandten hätten befinden, oder aber dergleichen Leute bey uns haben sollen. Nicht weniger geriethen wir eben allhie m dem Haag, mit dem damaligen Cron-Prinhen und nunmehrigen König in Dännemarck, ?rläerico iv. mit dem Erb,Printzen von Hessen-Cassel, der jetzo den Schwedischen Thron besitzet, und vielen andern Fürstlichen Personen mehr in Bekanntschafft, dergestalt, daß der Haag em recht angenehmer und vergnügter 8eMr vor uns gewesen. Wir giengen nach Engeland und genossen allda ebenfalls gar vieler Ehre und Hochachtung. Insonderheit empfieng uns die Gemahlin des Königs ^Ulbelmi m. Königin der Printz Georg von Danne« marck, und seine Gemahlin, die damalige Prinheßin àa, ingleichen ihr einiger Sohn der Herhog von Oiocàr, überaus wohl. Unsere Reift aber an und vor sich selbst nach Engeland, war wegen eines entstandenen ssarcken Sturms,und dIe kerob wegen derer im LsnLi kreuhenden,und unserem Schiffe ziemlich nahe gekommenen Frantzösischen Capers, keiner geringen Gefahr uncerworffen. Wir ermangelten nicht vor unserer Abreise aus Engeland, und nachdem wir zu Oxford alles, was norà, besehen hatten,nach kortsmomk zugehen, weil daselbst die cvmìà'rle Englisch,und Holländische Kriegs-und Kauffarthey-Flotte,in mehr als Hos. Schiffen bestehende, sceursr zum Auslmffen xarsr lag. Auf dem EWj- _ M ( 8§; ) M Englischen Hàiraì Schiff, krirskmia, wurden wir von dem Hàirsl ^eu:8ckou-r und ls Vsi. mit grosser Ehre und Höflichkeit empfanget!, dergleichen uns auch von dem Holländischen Lämirsl áîsmonck, und dem Vics-âàirLiCaôenberg , auf dem Holländischen ^àiral-Schiff, wie» derfuhr. Ferner begrüsste man uns, bey unserer Absegelung von korcs- murk, von beyden Flotten, mit etlich und viertzig LLnonen-Schüssen, und wünschte uns mithin Glücke zu der Rück-Reise nach Holland, akwo wir, und zwar zukorceàm, den i-ssnii ào 169^ wiederum anlangeren. Darauf besahen wir den Überrest derer vereinigten Niederlande, und begaben uns, den 6 6iro, in die Spanischen Niederlande nach Antwerpem Mecheln und Löwen, woselbst wir uns einige Tage, bey der in selbiger Gegend gestandenen àliiii-ten Englisch-und Holländischen ârmêe, unter dem Känlg WiiLelmo, aufgehalten, und nahm ich damals Gelegenheit diesem König mein Verlangen, mich bey seinen unterhabenden áràs in denen Kriegs-Wissenschaffren zu li-bilLciren, sechsten vorzutragen, und mich zu recvmmenckr en. Als nun von jetzt« besagter Reise, die kemur über Brüssel,Antwerpen, Gent, darch die Prsvintz Seeland nach Amsterdam erfolgte, begleitete ich meinen Bruder nach Teutschland^ und wir begaben uns beyderseits' über Cölln undFcanckfurrh, zuderKÄserlichen und Reichs -Lrà, welche damals bey Heilbrunn in ihrem verschanzen Lager stunde. Hieselbst machten wir uns bey Versanken àmêe bekannt, insonderheit bey dem Churfürsten von Sachsen, Johann Georg dem Vierdten, bey dem jetzigen König von Pohlen und Churfürsten zu Sachsen, kärico áuZu- tìo, beydem Marggraf Ludwig von Baaden, Käyftrl. OünerÄ - kieuiL- mnr» bey dem Marggrafen von Brandenburg-Bayreuth,und beydem Land»Grafen von Hessn-Cassl, von denen wir, mgkeichen von denm übrigen Standes-Perssnen und LenerZien, ganh sonderbare Gewogenheit und freundliche Bezeigung genossen. Zu eben der Zeit wurde, meiner feurigen r-ncêà-on zu Folge, der Schluß gefasst, unter dem Printz I.0A8 von Baaden, und der Anführung des damaligen Fü- stl.Sächf. 6 ärg!-Feldmarst!)aü«!-'euteri 3 UkL, und fetzigen Könicch Preußischen > 6 ensrrl.Feldmarschal!s, Graftns von Wartensleben, meine erste (ä- psZne anzmreten. Daunen hero nahm ich , von meinem ältern Bruder, demregierenden Hertzog von Gotha , nachdem ich ihn, nebstvielen 6 ens- rckn und OKärs, biß nach Neckars-Ukm begleitet Hirte, Urlaub, unU es w-zxsolches, Zeit meines Lebens, das erstemal, daß ich mich vorr chm L- kartzet ham» Ee? er Z. Z Mm m ( 894 ) M Mein Bruder erhub sich also nach Gotha, die Regierung anzutreten , und ich verblieb bey der ^rmêe, mein Glücke und Ehre durch den Degen m suchen, mithin neue Lorbeer-Zweige, auf das weltberühmte Sächsische Haus Gotha zu bringen. Als gegen den Herbst die ^mL<- einige Zeit bey Hernberg stehen blieb, und die Lämpagn- bald zu Ende gehen îolte , beurlaubte ich mich bey dem 6enera!-l,iemenä, Printz i-ouis von Banden, und gieng durch die Schweitz, über Schafhaussen, und die Wald-Städte, nach Basel, den Marggrafen von BademDur- lach zu besuchen. Wiewohl ich brachte in Erfahrung, daß eine Fran, höfische Parthey auf mich_laume, weshalb ich mich, auf der andern Seite des Rheins, nach Tübingen wandte, und hatte, beider Rück- kunfft zur àmee, annoch Gelegenheit der, von der Oenerslität gemachten, Rêpàton derer Winter Quartiere, und Einrichtung der ?oü-rung, beyzuwohnen. Nachdem nun die campte völlig beschlossen, kehrte ich zurücke, besuchte auf einige Tage den Stutgardischen und Würhburgsschen Hof, aö- wo ich mit vielen Ehren Bezeugungen empfangen wurde, und kam endlich gesund und glücklich auf dem Friedenstem wiederum an. Jedoch das Stiüesihcn kunnte meinen rebhafften Geist gar nicht lange vergnügen, wannenhero ich, mit meines Bruders, des regierenden Hertzogs zu Gotha, Einwilligung und Gutbesinden, die lì-solurion nahm, den Winter über, und biß die Lamine in Brabant wieder angienge, eine Reise nacher Italien zu thun, die ich, ào 16 94. nach dem Fest derer drey Könige, antrat. Ich gieng über Nürnberg, Augspurg und Trient nach Venedig, allwo ich alles in vollen LsrnsvàLustbarkeiren begriffen, antrafst Hieselbst hielte sich auch aufder König àZàs von Pohlen, als damaliger Printz, den ich zum öfftern besuchte. Viele Höflichkeiten genösse ich von denen vornehmsten Noblen zu Venedig, und besähe alles, was an diesem weltberühmten Ort rares und curieuses verbanden. Es wurde gleichdamals der in Clorez verstorbene Hertzog und Opir->m-6e- neral klàollnj, begraben, und an dessen statt zum OoAs erwehlet, der ?ro- Lurgcore äi 8r. i^3tco>8igr.V3Üere> welche Lsremonien mit anzusthen, ich einige Zeit länger, als ich mir sonst vorgesetzet gehabt, zu Venedig bliebe. Alsdann aber setzte ich die Reise auf 8olo§»ri und ^lorenrr fort, allwa mir der Grvß-Hertzog und die Groß-Printzeßinalle ksveur und Ehre er- wiejen, auch gerne gesehen härtM/wann ich anders als iocoLmch bey ihnen W ( 895 ) W seyn wollen. Endlich Zrri virte ich zu Rom, und wurde gleich mit dem Käy- ftrlichen Gesandten, dem Fürsten von Lichtenstein, wie auch dem Teutschen Cardinal 6--e8 bekannt, und bekam dadurch Gelegenheit mit vielen andern Cardinälen, auch fremden und inländischen Mmtteir, in Oonnock- üncezu gerathen. Sonderlich war mir lieb, denberühmten câVLiilero krâncsfco ltvrri, der aufder Engelsburg gefangen gesessen, kennen zu lernen,'und mit selbigem von unterschiedenen ungemeinen Sachen zu äilcm-jren, worzu der Pabst sseàle Erlaubniß gegeben. Von Rom wurde die Reise weiter grolequiret biß auf^eüpoljz. Ich stieg mit aufden Berg Ves.ivium, und besähe in der Nahe dessen Mund, weil selbiger damals das Feuer und die Schwefel-Asche nicht gar zu häuffig auswarff. Darauffuhnch nach 6u7oio,6-,jo, und betrachtete die der Orchen befindliche àkiquitâten. Im Rückwege auf Rom, nahm ich auch das feste Schloß 6à und dessen Situation, nebst dem daselbst in der See befindlichen, dem Vorgeben nach, beym Leyden Christi zersprungenen Felsen, samt der auffolchem erbarmen Capelle in Augenschein. In Rom bliebe ich noch einige Zeit, biß ich alle Leremowen, der sogenannten Seklimsrm 8änca, oder heiligen Woche, oder Char-Woche, mit angesehen. Der Fürst von Lichtenstein mochte dem Pabst eine sehr Kvo- à Beschreibung von meiner Person und Gaben gemache: haben, wannenhero mir derselbe, durch besagten Fürsten von Lichtenstein, wissend machen ließ wekchermas- sen er mich gerne sehen und kennen möchte. Weil es aber, sonder Zweifle!,aufdasceremomel ankommen würde, so solre ich selbst erwehlen, wie ich wolre wäret seyn. Allein weil ich sonst schon Gelegenheit hatte den Pabst vielfältig zu sehen, befand ich vor gut, diese àànrr zu às- àiren. Indem nun die Zgiton sehkavunclrte, und die Zeit, auf die Ompggns zu gedencken, herbeo ruckte, wolte ich meine Reift beschleunigen. Also ei- lete ich über Florentz, l-ucca. l.i vorn», und andere an der See liegende Plätze aufQenus Unter Weges hätte ich, aufdem höchst n Gebürge, beynahe gross's Unglück gehabt indem das Maulthier, worauf kch ritte, auf einem sekrengen Fußpfade ausfthluge, und schon mit dem einem Fuß über den Pfad hinunter war; daichdann, von dem Fall über das gross! krecipüe nach menschlichen Ansehen, nickt zn erretten gewesen,wann mich nicht GOlws besondere Vorsorge behürer, und gleichsam bey der Hand Schaben härte. Jn LtzlUtt sahe ich den OoZs in seinem Rath, und einer tö snuen^s- * /Ion, ___ m ( 896 ) W àon, bekam auch, währender meiner Anwesenheit, einige Bekanntschafft von denen Grossen der Stadt. Vsn dar langte ich tu Turm gn. Der Herhog von Savoyen ordnete mir den â ^ zu, und ließ mir antragen, ob ich nicht belieben wolle, bey seinem Hofe mich coguic6 zu halten, und die gebührende Ehren-Bezeugung anzunehmen; welches ich Aber àcprecirte. Nachdem ich mich nun einige Zeit hier vergnügt befunden, gieng ich weiter aufMäyland, traffdaselbst die Marggraftn von Brandenburg an, welche ihre Reise nach Turin gerichtet hatten, und kam in Bekanntschafft Mildemalten6enerzii.ouviZrn, der mich in Besichtigung der Citadelle Lccompggmkte, auch sonst, zumemer völligen Lâriêàâion, viele Höstichkeit erwiese. Nach der Abreise von Mayland besähe ich die grosse berühmte Carthaus zu? 2 viL,und andere, selbiger Gegend befindliche Plätze und Festungen. Nachgehends kam ich zu Verona, und gegen die Teutschen Gräntzen wieder an. Die Reise wurde über Jnspruck auf München fortgesetzet, woselbst ich die kclìàrr und andere ksntäten besähe. Endlich kam ich über Regenspurg und Nürnberg zu Gotha an, und vollendete also, durch GOttes Beystand, diese meine Italiänische Reise mit allem Vergnügen. Hierauf war ich bedacht, mich zu der àmêe nach Brabant zu begeben. Meine LgmppaZe gleng voraus, und ich folgte über Franckfurth, woselbst ich den Landgrafen von Hessen-Cassel antraff; dieârmès aber zwischen kören und inlloigns. Ich begab mich, gleich nach meiner An- àrnfftM das Haupt-Quartier, machte dem König William die keverenc-, sàâreMkte mich an den Qenerz! von der Lävslleris , Grafen von àklone, trat auch darauf wirckiich in das Lommanclo , alsObrister bey meinem Regiment zu Pferde, und verrichtete bey solchem alle, einem Obristen zustehende, gewöhnliche Dienste, wie mich der Rang und lour betraff. Ob mich nun gleich jeht-bemelterLenerai, Graf von àlone, meines geringen Alters wegen, deösalls dann und wann llispsntìrenwolte; so àlínirteich doch solches, und wolle lieber meine Dienste, bey vorfallenden Lomm-päo und LÄionen, ohne Übersetzung verrichten. Als König William damals Gen Franhösischen Oeneral la Väiekte bey Ouclcnaräe lurprenixen und auf» heben wolte, so aber, wegen einfallenden bösen Wetters zum kLK nicht kommen kunnte, gab es sehr schwehre Um-^arcbs. Ich befand mich bey dem König, und hielte, nebst ihm, etliche Stunden das Lanon-ren aus,womit die Frsntzosen die vochey-marLbiMde allürte LlM«« begrüsseten. m ( 897 ) M_. ... D^LaôêrNëb bcyösvnle, über Gent/ biß zu Ende der stehen/ und ick bekam, als die ärmce auseinander gieng, das Winter - Quartier in Brüssel, allwo ich, in Abwesenheit Des Grafen von der Lippe, einige Mo- native als ànZaàisr commsnuirte. ' ^ LLK8NLKVI98. Ich halte euch, werthester Vetter: nunmehro noch einMalso hoch/ als zuvor, da ich höre, daß ihr in derThat, bey sehr jungen Jahren, so herr- tjchL manÄische (Dualitäten , Tapferkeit und Geschicklichkeit an euch ge« habt. Denn wann man einem, in seinem, ?ten Jahre erlaubet, wirck- Mein Regiment, im Felde, und da der Feind gegenwärtig, als Obrister zu commaäen, muß wahrhaffüg etwas gantz besonderes an ihm verführet werden. Indessen hakte ich freylich, noch immer, alle Stunden, des Raths und Unterweisung getreuer, ergebener, und erfahrner Manner dabey nöthig Bey dem Churfürsten von Bayern, Printzen von Vauâànr, Minhen äe N-rguc, und allen Grossen aber, so sich zu Brüssel aufhielten, fand ich beständigen kavorsdlm àest , und ungememen Mim. Der Winter wurde hingebracht, und ich gieng, gegen Las Früh-Jahr 169g. nach Gotha ; da ich dann, auf der Reife des Nachts, vor der Stadt Ful- da inWaffers-Gefahr gerieche, indem sich die Fulda, bey angefallenen starcken Tau-Wetter, plötzlich ergossen iMe. Jedoch durch GOttes Hülffe kam die Lbaise, durch das ausgelaufene Wasser, noch andre Brücke, und niemand wurde beschädiget. In abermalige Wassers-Noch bin ich, gleichfalls in diesem 1695. Jahre, kurtz nach Ostern gerathen. Denn als ich, mit meinem Bruder, dem regierenden Hcrhsg,über Rudelstadt nachAlcenburg gereiset, begab es sichln derDämmerung, daß, durch allmnahes Anfahren an die Saale, die Kutsche umschlug. Und nmnn wir nicht, nebst göttlichen Beystand,durch die gegenwärtig geweftnen Bedienten, wären schleunigst gerettet worden, wurde es,menschlichen Ansehen nach, um uns geschehen gewesen seyn. Nachdem die Zeit herangenaht war, gieng ich mit meinem ^regiment wieder zu Felde. Als nun, mitten in der LäpzZne, der Marschal! von Vilierov und Ouc âuMà die Stadt Brüssel bolàllirten, verfügte ich mich, mit Erlaubniß des Königs von Engeland, hinein indie Stadt. Daaber, besagter König, dessenungeachtet, die angefangene Belagerung Xk.tV.Lmr. Ffffff von «L ( 893 ) M von Ksmour coàuirte, ohne sich, wie die Franhostn meineten, durch das Soài-âelvem der Stadt Brüssel, davon abwendig machen zu lassen,und der Festung von Tag zu Tage mehr zusehete, fünde ich mich daselbst auch wieder ein. Die Osrmion fieng endlich an zu capàliren, und es gieng also, die important- Festung dlamour an die ^ilurten über. Darauf endigte sich die c-mpaZne, und ich wurde abermals in Brüssel zur 6armlon angewiesen. àno 1696. eilete ich aus Teutschland, wohin ich mich, dem Beylager meines Bruders mit beyzuwohnen, begeben hatte, wieder in Campagne yach Brabant. Solchen Feld-Zug über nun, that ich, bey dem König von Engekland, Dienste als 6ener->! - ächurgnr. und wüste mich so aufzuführen, daß man vollkommene Zufriedenheit mit mir gehabt. ào 1697. befand ich vor dienlich, mich einmal an dem Käyserlichen Hofe bekannt zu machen. Dannenhero gieng ich, durch Böhmen über Prag nach Wien, allda ich, verschiedene male, bey dem Käyser t-copoi-jo. und bey seiner Gemahlin, der Käyserin Llconom. m'chtweniger bey dem Römischen König joiepbo, ^kàrikr und émission gehabt; fand auch sonst, überall, bey denen Käyserlichen hohen klmà-r, und anwesenden ftemden Gesandtschaffren, vieles Vergnügen. Der damalige Bischoff von Raab, nunmehriger Cardinal, Hertzog von Sachsen «Zeih, bemühece sich, mich am Käyserl. Hofe zu àakiiren. Es wurden auch verschiedene Vorschläge hierzu ins Mittel gebracht, so aber nicht sofort zur Wircklich- keit gedeyhen können. Doch beehrten mich, Jhro Majestät der Käyser, inzwischen mit dem Li"r?äei-eines 6en«rgl - Wachtmeisters, in der Absicht, daß ich, unter dem LenerZl- l-icutenanr, Printz l-ouis von Banden, am Rhein, in dieser Qualität, Dienste thun solle. kkkdlttäkOOS. Hat man euch, werthester Vetter! zu Wien niemals pwpomret, daß ihr euch zu derRömisch-Catholischen Religion wenden, und hernach hoher Beförderung gewärtig seyn sottet. Denn dergleichen kropäio- v» werden denen reisenden krolànrìschen Prinhen, an denen Rö« misch - Catholischen Häfen hin und wieder, gar vielfältig gethan. Ein und andere, bey dem Käyserlichen Hofe in sonderbaren Ansehen und Lrä stehende, Personen gaben mir solches freylich zu verstehen. Gleichwie m ( 899 ) Z« Gleichwie es aber denen ?rokettznten nicht zu verdencken,wann sie trachten jemand zu ihrer Religion zu bringen : alsir kan man es auch denen Herrew Römisch-Catholischen nicht verargen, woferne dieselben suchen einen zu überreden, daß man sich zu ihrer Kirche wende. Indessen bleibet kropo- nireii/und die gethanen proposition» gcccpkiren, zweyerley, auch im übrigen der Wille eines Prinhen allemal frey und ungezwungen, solche kro- goticiüner anzunehmen oder nicht. Der Römische König, iolepkus. ließ mich öffters, durch den jungen Fürsten von Salm, zu ein und anderer Lustbarkeit nach Hofe beruffen,und bezeigte auch sonst gegen mich ganh sonderbare ?ropen 6 o„. Der Käystr und die Käyserin comellirten noch bey der Abschieds-^uöientr alle Käy- serliche Hulde. Die fromme und gottsfürchtige Käyserin,eievnors aber, versicherte mich ins besondere, daß sie nicht ermangeln wolte,mich in ihr tägliches Gebeth einzuschliessen, um dadurch göttlichen Schuh, zu einer glücklichen LsmpgZns, vor mich auszuwircken. Es wurde demnach, bey meiner Zurückkunfft nach Gotha , die Anstalt zur Anlretung der am Rhein gemacht. Als ich mich nun dahin begäbe, fand ich gleich Gelegenheit, unter dem Ommanäo des 6e- nci-ä von Thüngen, der Belagerung des Schlosses Ebsrnburg beyzuwohnen. Als ^>rrio 1698. vermöge der mit dem Käyser errichteten ^!lîê. Gothaische, nebst andern ^ü-itten, in 6200. Mann bestandenen, iroupen nach Ungarn abgesendet werden sollen, ließ ichmir,mitunabläßigenEy- fer, die comp!ek,rung derer Gokhaischen Regimenter angelegen seyn, und trat hernach, nebst denenselben, den durch Böhmen aufWien, und soweiternach Ungaman. Zugleich aber, und gleichsam enxàr. bedienet ich mich, auf Einrathen derer ^eclicorum, zum Behuffmeiner Gesundheit, des Carls-Bades aufeine wenige Zeit. Nachdem ich nun bey der^rmLc in Ungarn angelanget war, und in diesem Jahre die Friedens- isgàcen mitderOttomannischen Pforte vorgenommen wurden, zu welchem Ende die Käyserlichen sowohl,als die TürckischemGesandlen zu Car- lowitz ankamen,begab ich mich zuförderst zu dem Käyserlichen Bochschaff« ter, Grafen von Oettingen, Käyserlichen Geheimden Rath und Neichs- HofRaths,?r« 66 snten; sodann zu denen Engel!-und Holländischen raeà»ren, erlangte auch äää zu denen Türckischen Abgesandten. DerTÜrckische Ober-Dvllmetscher, ö4arco ^lLuro dorcl-ro, enrre- trmrtemich in Italiänischer Sprache, über unterschiedene àerien. Auch Fff fff r wurde m t 9OV ) M wurde ich zu Mittage, in einem à g^wn Zelte, nach Türckischer kàîer, auf der mit l>x>ecen bedeckten Erde, mit dem gewöhnlichen 'l'^àmenc dieser i^Ztion, als einer sogenannten biiiau, bàrbcc und Laà, regziiret ; worauf ich mich wieder in das Käyserliche Lager verfügte. Nach geschlossenen Frieden, zwischen dem Käyser und der Ottomannischen Pforte,endigte sich zugleich diese Alsdann kehrete ich zurücke nach Wien, und wartete daselbst denen Käystrtichm und Römischen Königlichen Majestäten zum öfftern auf, wohnereauch, als sich damals eben der Czaar von Moscau -ncoZnîrò daselbst, und nebst der gantzen Käystrlichm k-mille bey einer Abend-Mahlzeit, oder sogenannten Wirth- schafft befand, wobey ein iedes verkleidet gewesen, solcher assemblée mit bey, und wandte mich nachmals, durch Böhmen, über Dreßden und Altenburg/wieder nachGstha. Die bißhero ausgestandenen steten k'sriZuen hatten meine Gesundheit ziemlich angegriffen. Demnach wurde, mit derer kleâícorum Rath, vor gut befunden, das Carls-Bad noch einmal zu gebrauchen; welches auch also geschahe. Jmmittelst wurde her Friede zwischen dem Reich, denenhohen äliurten und Franckreich zu Ryßwick, folglich aber auch die Kriegs -ib-s^rrs, aller Orten geschlossen. Ich meinesDkts aber wolte mich dieser allgemeinen Ruhe nicht bedienen, sondern àl- vrrte, noch eine Reise nach denen Niederlanden uvd Engeland vorzunehmen, auchinFranckreich einei'oui- zuthun. Also gieng ich auf Leipzig, dem König von Polen, àguiìo, der gleich aus Polen zurücke gekommen gewesen, mich zu empfehlen. Alsdann nahm ich die Reise nach Holland , in der imenrion , solche weiter zum König 'Mübelm nach Engeland zu proieguiren, und bey demselben, zuBeybehaltung der vormals genossenen Königlichen kroperàn , mich zu recc-mmenöiren. Ich hatte, auf dieser Reist, zur See, den unglücklichen Zufall, daß die Jagt, worinnen ich mich, nebst andern befände, auf eine Sand-Banck getrieben wurde, und darauf mit grosser Gefahr so lange feste bleiben muste, biß GOtt, durch sonderbare Fügniß, uns errettete, indem ein hefftiger Sturm, der das Schiff in Scheitern zu schlagen schiene, selbiges wieder abhöbe und in die freye See brachte. Aus Engeland kam ich gesund in Franckreich an. Den König r.»- äovicum xiv. sahe ich zum erstenmal, en P3ÜE, durch Hâàsse der kiràâ- oder Herhogin von Orstsm, des jetzigen Regenten Mutter. Her- HZ ( 921 ) M _ danach besuchete ich täglich den Hof/ und wurde vom König / mit Be- zclgung sonderbarer Merckmahledes L.iìà§ sehr 6ickinguirek. Zu Ende des 1720. Jahres / kam ich aus Franckceich glücklich zu- rücke nach Gotha auf den FriedenfteiN/verbliebe aber nicht lange allda, sondttn begab mich, mit Gut-Befinden meines Bruders, den 27.ZU' im 1701. zu dem damals in Polen sich befundenen Königin Schweden, Oroio Xll. Die Reise richtete ich über Hannover und Zcll ein, von welchen Chur-und Fürstlichen Herschafften ich überaus wohl empfangen, und mit vieler ââionz-Bezeigung unterhalten worden. Von dannengieng ich nach Hamburg, woselbst ich den 12. Juin Zrnvírte. Aus Hamburg that ich eine kurtze Reife nach den Haag in Holland, nach deren Ablegung ich gen Hamburg wieder zurücke kehrete. Darauf sehete ich meine Rtise weiter fort, und langte, nach abgelegter Và bey dem Herhog von Mecklenburg Schwerin, zu Sttalsund an, gieng daselbst zu Schiffe, und srrivirte, den 2O. 8ex>renà glücklich zu Windau in Chmland. Von dar begab ich mich nacher Würgen, in das Königl. Schwedische Haupt-Quartier, und.illllrellirte mich zuförderst an dem Hertzog von Hollstcin-Gottorp, als 6cn;r3lîilìmum der Schwedischen àcs. Als ich mich in besagten Herhsgs Quartier befand, ritte der König vorbey, und ich bekam damals Gelegenheit, diesen Nordischen Potentaten, zum erstenmal zu sehen und zu sprechen. Gleichwie ich nun Schreiben von dem König in Engeland, an den König von Schweden, zur Bestellung übernommen hatte, ermangelte ich nicht solche zu überreichen. Der König von Schweden seiner Seits aber hielt mich in besonderer Lonsicie^non, sahe mich auch mit vieler pMiculicren ?.Keâíon an, osserirte mir die Königliche Tafel, auch sonst Oeàj'irung, und frey Quartier, vor mich und die Meim'gen. Die ganhe Schwedische 6cn-- «litât achtete mich gleichfalls sehr hoch, und bey der gcsammten àâs war ich überaus beliebt. Dieweil aber, biß zu angehenden Früh-Jahre, die Kriegs-Ops- ràss ruheten, wurde ich veranlasset, mit des Königs Erlaubniß, das Königreich Schweden und den Königlichen Hof zu Stockholm zu besehen. Ich beurlaubte mich demnach, und langte den 14. kàuZi-ii àio 1702. zu Riga an, besähe die berühmtesten Oetter in Licfland, und gieng nach Reval. An allen Orten wurde ich, mit dreymaliger Lösung derer Osaonen begrüßet, auch sonst mit sonderbarer Bedienung beehret. Den s.âxânahmichvondemQouverneurjU Reval, Grafen ciel-, LZrllie, Fsf fff z Ab- z» ( 9or ) M Abschied , begab mich zu Schiffe, und liess mit guten Wind in die See. All-in der Wind änderte sich, und es entstünde ein dermaffen erschreck,'- cher Sturm, der da machte, daß wir, unweit Sandham, wirckli- chen Schiff-Bruch erlitten. Ais die tobenden Wellen gantz entsetzlich einher gewallet kamen, und bald höhe Berge, bald aber einen tiefen Abgrund formten, und die Winde mit unserm Schiffe eben so spickten, wie man ssnft mit einem leichten Ballen zu spielen pfleget; ja, da Ru- der, Mast, Tau, Seegel und Ancker gebrochen, das Schiff auf eine Stein-Klippe gemorsten, zerflossen, und mit Wasser häuffig angefüllet worden, folglich ein jeder seinen Untergang, und einen erschrecklichen Todt vor Augen hatte, erwiese ich mich ohne Furcht und unerschrocken , und ergab mich im übrigen dem göttlichen Willen mir aller Gelassenheit. Wie groß nun auch damals die Gefahr gewesen, so erfolgte dennoch meine Errettung, die wahrhafftig wunderbar, und eine von GOtt verliehene augenscheinliche Rettung zu nennen ist. Nachdem die Gefahr überstanden war, ließ mich die verwimbte Königin von Schweden, auf erhaltene Nachricht von dem Unfall, mit einem Königlichen Schiff/ durch den Hof-Lavatler Uttershilm , vollends nach Stockholm holen, woselbst ich, bey meiner Ankunfft, von dem gantzen Königlichen Hofe, mit sonderbarer Freuden. Bezeugung empfangen, auch, nahe ander keiicknh, in ein Königliches Haus, einlogiret worden. Als ich mich bereits beurlaubet hatte wieder zurücke zu reisen, aber, wegen contrsiren Windes, noch einige Tage zu verweilen genöthigek war, verlangte die verwittibte Königin, nach hiervon erlangter Nachricht , mich noch einmal bey Hofe zu sehen. Zu dem Ende ließ sie mich durch einen cavalier abholen, auch mit allem, was zur Schiffs-krovi- lion nöthig war, reichlich versehen , und nach favorable gewordenen Wind, durch einen andern Königlichen cavalier, biß auf Carls-Crvn und Strahlsund begleiten, wohin mich, nach Besetzung derer Königlichen Kriegs,Schiffe zuermeldcemCarls-CroN/derViLs-^àira! Spar- re überführe-te. D-e See ist euch also, werthester Vetter! nicht allzuhold gewe- sen, sondern hat euch, etliche mal, ihre Tücke bewiesen, gleichwie auch die auf dem festen Lande fließende Flüsse gethan. Derohalben ist es gut, daß ihr nicht getrachtet ein ^ämira! zu werden, als welche der faveur des nassen Elements des Wassers gar sehr benöthiget sepnd. m ( 90Z ) M Von Strahlend richtete ich meine Reise auf Hamburg, besuchte unter Weges meine Schwester zuStrelitz, und ihren Gemahl, Herhog Adolph Fridrkchen von Mecklenburg. Zu Güstrau gab ich der verwit- übten Herhogin Và, und gieng ferner über Berlin nach Breßlau,ali- woich mildem Hoch.und Teutschmeister, auch Bischoffen vonBreßlau, jchigen Churfürsten zu Trier, wie auch seinem Bruder,dem nunmekriaen Churfürsten von der Pfalß, vertrauliche covnoàce gemacht. Nach diesem gieng ich zu dem Königlichen Polnischen Printzen fscob nacher Reglau, und kam durch äMilenr des Fcidmarschall Rheinschiids, ungeachtet der damaligen Unsicherheit, endlich in dem Königlichen C chwe- dischen Haupr-Quarri^ ^cobo-vir an. woselbst ich von dem König mit sehr gütiger Bezeugung empfangen, in ftinem Pakast mit cmîoZirer, such sonst allezeit vor mich ein l.o§emcnrim Haupt.Quarkierangewiesen worden. Ich befand mich demnach, bey allen Schwedischen, damals vorgegangenen, üäionen gegenwärtig, und legre allemal, von meiner guten t?onömre und Tapferkeit, rühmliche Proben ab. Bey Vrlaar- rung der Stadt Thoren, wurde ich von einer nahen Todte? - Gefahr, durch göttliche k>roreäion, abermal erhalten, indem eine Stück'Kugel zwischen dem König von Schweden und mir durchfioge, auch dem, hinter uns haltenden, Lenersl I.iven den Schenckel abschlug. Nach aeendigter esmpzAne übemahm ich, mit Erlaubniß drsKs- n'gs von Schweden eine Reise nach Teukschland. Solche richtete ich über Dantzig, BreßLau und Bernstadt, woselbst ich meine Anverwandt- tenbesuchere, nach Berlin. Bondar that ich cine lour nach den Fürstlichen Anhalt-Zerbstsschcn Hofe ^ und traf allda meinen Bruder, den regierenden Hertzogvon Gocha, zu meinem grösten Vergnügen an. Hierauf erhübe ich mich wieder nach Berlin, und genösse, von dem ver- firrbenen König in Preussen, ungemcine Huld und kiräon. ward auch, zu einem grossen Merckmahl dessen, von ihm, zu einem Sohn, mit vielen »vsn»zeuien Oikerien auf. und angenommen. Nach kurtz darauf geschehener Rück-Kehr, zu dem König inScbwe- den,gieng ich mir ihm und seiner ärm.'c gegen Dantzig. Als aber das ^cromoäemenr mit dieser Stadt erfolgte, richtete der König semen .^srcb àSenôomir und lâroîlau nacher Reusch- Lemberg, und endlich nach Fraurnstadl, binnen welcher Zeit ich allen vorgegangenen àoven, wie auch M ( 924 ) W —_ auch der nachherigen Lamp-ign«-des 1725 Jchrcs, zum Theil, beyge- ^^^Vielleicht aber wundert sich mancher, zu hören, daß sich cinPrinh aus dem Sächsischen Hause Gotha, zu einer Zeit bey der Königlich. Schwedischen àmàs befunden, da solche feindlich wider den Konig von Noblen, und Churfürsten von Sachsen, rààm auch,in denen, auf Königlich-Pohlnischer und Churfurstlicher Sächsischer Seite,damals hin und wieder unglücklich abgelauffenen Eonen, mehr als ein tausend Sachsen geblieben sind. Allein man muß wissen, daß zwar dasCkur-Haus Sachsen,mit dem von Gorha,in allem freundvctterlichen hernehmen und guter dîachtbarschasst lebet, beyde Häuser auch, im ^call der îstoth , einander murusllemem àlenNíren würden. Wem ungeachtet aber wird, an einem jeden Hof, ein gantz à psrres Stqats-Brod gebacken, und die Absichten beyder Höfe sind nicht allemal einander gleich, sondern werden nach eines jeden besondern lnrerä eingerichtet, indessen ereignete sich doch auch, bey allen grossen die ich bey derSchwedrschen ^rmce genosst, etwas, das ich, als ein aus Sächsischen Geblüte herstammender Prinh, nicht vertragen kunme. Denn ich sveisete einstmals mit dem damaligen ^6jm-mcen des Königs von Schweden , l.3Lsrcron. an einer gewissen Tafe l. Weil nun dieser, durch seinen seltzamen Kopffund übereilte Reden,sonst schon sehr bekanntgewordene Mann, gegen alle Sachsen überhaupt sehr unglimpffliche Reden aus, stieß, mochte ich mich nicht einbrechen ihm zu zeigen, wie ein vemsnffti- ger Sachse gar wohl vermögend sey einem unbedachlsamen Schweden das Maul zu siopffen. Dadurch ward das, was im Wercke gewesen, nemlich/daßichbey dem König von Schweden zu importärLmplo^ gelangen solte, rückgängig gemachet^indem ich rskokirte die Schwedische àmLs zu verlassen. Also beurlaubete ich mich, den Z.^uZutti 1727. vondem Kom'g in Schweden, und trat dieRück-Kehr wieder nachTemschlandan. Zhrs Majestät , der Römische Käystr solepkus, gaben mir, aus eigener Bewegung , den ^liarär als Qsnersl FeLdmarschall - I.!eurengnr. Die Königin von Engeiand aber, ingleichen die (-snerLi - Staaten, ernannten mich zu ihrem Qensi-grWieutenLnt, und trugen mir die wirckliche Bedienung desfalls auf, in welcher tzuälltät ich mich mit denen Gothischen, ln Königiichen-Englischen und derer Lenersl- Staaten Sold und klngggs- stehenden, vier Regimentern nacher Ztalien begeben, und daselbst, unter m ( -of ) 8» _— unter demPrinhen LuAenìo vonSavoyen,dasLommsnclo angetreten, auch, mittelst Führung desselben, bald nach meiner Anlangung bey der àmcs. unterschiedenen, an der ^àe, mit dem Feinde sich ereigneten Mio„en beygewohnet. Insonderheit aber befand ich mich bey dem merkwürdigen Entsatz der Stadt Turm, und erlangte, durch Erweifimg eines ungemeinen Vslors, und klüglich geführten eommanclo, einen grossen Ruhm und allgemeine äpprobsrioa. Denn ich halff den Feind Milk denen unter mir stehenden iroupen, in seinem starcken Rsrrenckemem» mit solcher VlAueur sttsquiren,daß er daraus weichen, und mit Zurück- lassung derer Stücke, Fahnen, auch vieler Todten und klsssrten, die Flucht ergreiffen müssen. Nach dieser Haupt-^âloo danckte mir der Printz Lußenius mündlich, vor meine dabey erwiesenen wichtigen Dienste. Solchesihat auch derKäyser selbst, in einem desfalls an mich abgelassenen Hand Schreiben, das mit sehr obüZsLkiten Expressionen angefüget gewesen. Nicht weniger ist, von denen Qensrrl. Staaten, ein überaus civiles Dancksagungs-Schreiben an meinen Bruder, den regierenden Herhogju Gotha ergangen, in welchem die, bey jehtbesagtee Lrpeäilion, von mir, und denen Gothaischen Iroupen, geleistete tapfere Dienste hoch gepriesen worden. Weil wir uns sehr geschässig erwiesen, von der Niederlage, so der Feind bey Turin erlitten, recht zu proüciren, wurde ich, den,26 8cprembr. 1726. mit 12. Làûor». nacher pgvU, zu dem Grafen von Thaun com- mrnäiret, der Belagerung dieses Orts zu ssskiren. Als nun ?svir mit /^ccorà übergieng, sehte ich den àrcl, , mit meinen unterhabenden Groupes, nach I'orrona und ,ìiexsnO. biß n. Uhr Mittags, das Hinlauten veranstaltet, und dam't vier Wochen conrinniret, ingleichen die läumen- ral-àlìc, ausser dem gewöhnlichen Gottesdienst, biß auf weitere Verordnung , einzustellen anbefohlen worden. Den I2.8epkeià. 17O-. ist ein Hauptmann, Herr von I.ir.iing genannt, mit behöriger intìruâion und Vollmacht, von Gotha abgegangen, meine Leiche, mir ihrem don-à und Bedienten, zu Vermeidung besorgender Umstände, in der Stille abzuholen und nach Gotha zu bringen. Indessen hat man, den erblastcn Cörpcr, zu Turin, nochmals bàmiret, und in einen zinnernen Sarg gebracht; worauf er von bannen abgeführet, zu cremr^a, mit denen Bedienten, vcn besagten Hauptmann angetroffen, und ffdann durch Tyrol, über Augspnrg und Nürnberg, nach denen Sächsisch - Gochaischen Landen abgeführet worden. Als den I z ten dlovcmbr. meiue Leiche bey denen Gräntzen derer Lande meines Bruders angekommen, wurde das bißher wieder eingestellte Läuten, bey Hofe und iv der Stadt, aufs neue veranstaltet. An denen Dorff- m ( 929 ) W Dorffschafften, wo der Aug durch, oder vorbey gegangen, hörete man die Stocken ebenfalls kläglich läuten und summen. Den lyten ejusäcm gierig derkiaà ferner biß Gotha fort, und es wurden, gegen Abend, der Leiche noch i2. Trabanten zu Fuß, wie auch 6. ksgen zu Pferd, mit weissen Wax-und 8. Knechte mit schwachen Pech-^ Fackeln, entgegen geschicket. Sobald nun die mit ihren bey sich habenden Fackeln von denen Thürnenkunnte erblicket werden, hat man angefangen mit allen Glocken )u läuten, und damit so lange commmret, biß die Leiche in die, überall iiiummwteSt.Margarethen-Kirche, auf die vor sie zubereitete 8rel!sZe gebracht gewesen.. Man hat mir unterschiedene Gedächtniß-Predigten gehalten; da dann zu der ersten, in der St. Margarethen Kirche, der Text aus Jesaia z8. ». i r. erwehlet worden, welcher also lautet : Meine Zeit ist dahin, und von mir aufgeräumet, wie eines Hirten Hütte, und reistet mein Leben ab, wie ein Weber. Er sauget mich dürre aus, du machsis mit mir ein Ende, den Tag vor Abend. Die wirckliche Besetzung der Leiche, auf dem Friedenstein, ist den rzten dlo vembr. des Abends, zwischen 8. und 9 . Uhr, unter dem Schein vieler Fackeln, vor sich gegangen, nachdem mit dreyfacher Läutung derer Glocken , wie auch mit 24. Warft geladenen cloven - Schüssen, vom Schlosse Friedenstein, der Anfang darzu gemachet worden. Die procession an und vor sich sechsten ist aus der St.Margarethen- Kirche vom Neuen Marckt, durch die Erfurkher Gasse über den Alten Marckt, auf das Schloß zu, gegangen. Zu beyden Seilen ist die mit untermengten Fackel-Trägern gestanden, und sind sowohl beyde Märckte,als auch die Strassen, mit Feuer-Pfannen und Pech-Fackeln überall Muminirt gewesen. Die Leiche hat man auf einem, mit sechs schwarh-bekleideten Pferden bespanneten, procession -Wagen» ganh gemächlich geführet, und aufdem Sarge ist ein entblößter, mit Diamanten kostbar besetzter, Degen, nebst der schwach-sammeten Scheide gelegen. Die sechs Pferde am Leichen - Wagen führeten 6. von Adel. Die vier Zipffel an denen, über den Sarg gebreiteten schwartz-sammeten, und weissen Leinen-Tüchern, hielten drey Obristen und ein Obrist-l-ieukenänt. Den schwach Sammeten, und mit silbernen dessen ausgeziemn kaià- cbin über dem Sarg haben acht 6-väiicrs getragen; und auf beyden Seiten der Leiche sind deren zwölfte gegangen. Meinem Bruder, dem regierenden Hertzog zu Gotha, ist zur lincken Ggg ggg z Hand, W c 910 ) W Hand, rückwärts,der Levsrsl. klajorvon Wefterhagen nachgefolgt der Hof-Rath und Cammer-Jancker, àn Bachoff von Echt aber, hat ihm die Schleppe getragen; und es ist im übrigen, die Person meines Bruders an und vor sich, von acht Trabanten mit umgekehrten Gewehr begleitet gewesen. Einige Lésinons hat man gleichfalls mit in der krocellìon msären sehen, und von dem Rest dieses meines lehtern Ehren - Geleits, kan ich, um der Kürtze der Zeit willen, nichts gedencken. Wie nun, nachdem die Fürstliche Schloß-Brücke psllìrt gewesen, man das grobe und scharffgeladene Geschütze zum andern mal abgefeuret: also ist inzwischen die Leiche über den, mit Lampen und Fackeln iliummir- ten, Schloß-Hof in der Hof-Kirche angelanget, und unter das daselbst aufgerichtete cäum volons, von denen von Adel, mit derer Merck Leute Beyhülffe, gebracht worden. Die ganhe Kirche hat man über und über, sowohl an beyden Seiten, als am Boden, mit schwachen Tuche bekleidet, und die Wappen des Hochfürstlichen Hauses von Sachsen -Gotha an denen Empor-Kirchen, am Fürsten-Stuhl aber mein Biidniß, unter einem Fürsten-Hut aufgehangen gehabt. Nachdem nun alles in Ordnung gestellet, und meine Leiche unter das c?->Krum Ooioris, zwischen vier aufgerichtete kyrsmiöen, deren jede mit 96. weisen Wax-Kechen, von unten biß oben hinaus Muminixet und zehen silberne Luenàs, mit so viel weisen Wax,Lichtern, auch auf beyden Seiten Hangenden silbernen Cron - Leuchtern, niedergesetzt gewesen, hat man angefangen zu singen. Folgendes Stücke aber ist muücjxet worden? r. Ach wie bist du Held gefallen! .sollami XViUNelm unsre Lust. Macht einUnglück-volles Knallen Daß du uns verlassen must ! Dieser Schlag Schlägt uns nieder Hertz und Glieder, Daß man kaum noch ftufftzen mag : Ach wie ist der Held gefallen ! Ach Ach wie ist der Held gefallen ! Dessen Bogen nie gefehlt, Dessen Thaten ferne schallen, Der liegt hier fo nah entseelt, Jedermann Muß mir Weinen Hier erscheinen. Alle Zungen stimmen an : Ach, wie ist der Held gefallen. Ach, wie ist der Held gefallen ! Sagets unfern Feinden nicht, Die mit ihren Feuer-Ballen Unsern Printzen Hingericht, Daß sie heut Sich nicht freuen, Und verneuen, Unsers Schmertzens Bitterkeit. Ach wie ist der Held gefallen ! 4. Ach wie ist der Held gefallen : Tritt gantz Sachsen Land herbey, Biß der lauten Seufftzer Schallen, Graufamlich zu hören sey, Führt hinfort Alle Tage Diese Klage, Und dasThränen-reiche Wort: Ach wie ist der Held gefallen. Nach Endlgung dieser à'-> ist der Geheimte Rath von Schwaden. W-Getreten, und hat eine kurße, doch wohlsefassere, O.-sràm ZyricsW M(9lr)Ak xyricam gehalten. Wie es im übrigen hergegangen seyn müsse, wird sich ein keder gar wohl einbilden können, der nur einmal die Beysetzung einer Fürstlichen Leiche gesehen. Ich meines Orts will zum Beschluß nur noch diefts sagen, daß sich, als man meine Leiche aufgehoben und vollends in das Begräbniß gebracht, das grobe Geschütze, zum drittenmal, scharst geladen, von denen Wällen hören lassen, auch drey Salven von der, ,uPferd und Fuß, vor dem Schlosse, «ngirten Klà, gegeben worden sind. Es ist, werthester Vetter ! mit eurem Begräbniß weit prächtiger als bey dem meinigen hergegangen, und die Glocken haben viel stärcker über euren Fall, als wegen meines Absterbens, summen müssen. Über diese nun, nemlich über die Glocken,habe ich schon manchmal meine ketlexiones gemacher, daß sie sowohl ein Zeichen der Freude, als grossen Leides, seyn müssen, auch in der That, durch ihren Klang, dem Menschen entweder grosse Freude oder Traurigkeit inHinren. Solches alles, geliebtester Vetter! âepeâet von der innerlichen viixoiilio» des Menschen. Ist nun das Hertze mit Freuden angefüllet, wie zur Zeit einer Hochzeit, einer hohen Geburth, oder bey Kohen Soienm- täten, wächset die Freude, sobald der deswegen erschallende Glocken- Klang in die Ohren fället. Wohnet aber Traurigkeit und Betrübniß, samt Schmerhen,in dem Herhen, vermehret sich dieses alles ebenfalls, wann die Glocken anfangen zu stimmen. Man gebe derohalben bey einem Begräbniß nur Achtung auf die, denen die verstorbene Person beliebt ist, so wird sich zeigen, daß die Thränen noch einmal so starck als zuvor flies- sen, sobald man ansänget die Glocken über den sich ereigneten Fall zu ziehen. Es ist demnach das Läuten, bey freudigen Begebenheiten, denen Ohren ein angenehmer und lieblicher Klang; in traurigen Fällen hingegen etwas Klägliches, welches das Hertze in desto grossem Jammer sehet. Hat es dock mit der bàLc eben die Bewandniß, daß sie nemlich die älk-Äen desto stärcker beweget, nachdem das Hertze ohne diß schon, entweder wegen einer guten Begebenheit, oder eines schlimmen Zufalls, zur Freude oder zur Betrübniß, âchonirel ist. Ler»- KL ( 9iz ) W Apropos, werthester Vetter! Nachdem ihr gedacht, daß ihr, dem König von Schweden, den Entsatz der Stadt Turin, und die Niederlage, welche die Frantzosen dabey erlitten, umständlich erzehlet, so möchte ich gerne wissen, ob er sich nichts ver- mercken lassen, daß ihm der Schade derer Frantzosen zu Hertzen gegangen? Denn ich wolte, in Betrachtung derer eonjunàren selbiger Zeiten, wetten, daß man Schwedischer Seits viel lieber gesehen hätte, wann der Käyser samt seinen /Mitten unglücklich gewesen wäre, als da sie vernehmen müssen, daß die Feinde des Hauses Oesterreichs den Kürtzern gezogen. Ich glaube gerne, geliebtester Vetter! daß das Hertze derer Schweden mit Mißgunst gegen die Viäotten des Käysers und seiner AllUrten angefüllet gewesen. Allein gegen mich hat man sich damals mir nichts desfalls heraus gelassen. LLkNUäirous Wohlan, werthester Vetter! Wir wollen nunmehro ein wenig hören, was neues aus der Welt eingelauffen. Vorhero aber muß ich euch noch sagen, welchermassen ich davor halte, daß in eurer Person, dann in denen Personen derer Prinhen von ^om- mercy und Vsuclemont, währenden Krieg wegen der Spanischen Succession, drey SubjeKä verlohren gegangen, die dereinstens unfehlbar grosse Feldmarschalle geworden wären, und dem Käyser und seinen /Mitten, gegen die Feinde, noch gar wichtige Dienste gethan haben würden, woferne sie länger geiebet hätten. äxckLUkMZ. Dreßden. Als vor einigen Wochen Jhro Majestät, unser allergnädigster König und Churfürst, den Orden des güldenen Vließes, vor sich, und Dero Königlichen Printzens Hoheit, von Wien geschickt bekommen, hat ein aufgeweckter Kopff bey dem XissV.tà. Hhh hhh kà m c 914 ) M kelìin, welches bey dieser Gelegenheit, und da der Orden ioienmk^- übergeben worden, veranstaltet gewesen, nachfolgenden poetischen Einfall gehabt: Fliest, fliest ihr Wünsche fliest, hin zu dem Ritter- Orden, Der hier in Dreßden ist heut xubiìcìret worden, Genannt von einem Vließ, genannt von edlem Gold, Der Käyser ist den beyden Rittern hold. Schiest, schiest Mußqveten lsß, und feuret mit Lrmonen. Des Pulvers und des Weins muß man atthier nicht schonen. Man pkLparire sich zur 6ala heut mit Fleiß, Damit das Guldne Vließ auch hier hab stinen Preiß. Giest,giest auch Gläftr ein auf gutes Wohlergehen, Des Ordens, welcher wird, so lang die Welt, bestehen, Es wünsche jederman: và das hohe Paar ! Von Rittern biß man schreibt ein anders Hunöert- Zahr. DatVîvl koO noVo /eüo aVrel VeI.I>erl8. Solche Einfälle pflegen bey dergleichen Gelegenheiten gar. wohl auf- und angenommen »u werden. Im übrigen ist der Wunsch gut, und wird sonder Zweiffel aus einem aufrichtigen Hertzen hergeflossenseyn, absonderlich insoweit er den König von Pohlen W ( 9ls) M Pohlen samt seinem Königlichen Printzen betrifft , wannenhew ein jeder rechtschaffener Sachse gar wohl Ursache hat,bey dem fro- henVivar mit einzustimmen. Dieser Orden des Güldenen Vließes, welchen deromaln dex Käyser sowohl als Spanien conlèrîret, ist ein berühmter Burgun- bischer Ritter-Orden. Der Stiffter desselben ist der reiche Hev- hog kbilisspur Konus von Burgund. Einige wollen er habe ihn darum gestifftet, weil sein grosses Einkommen in der Flandrischen Wolle bestanden. Andere sagen, es seye aus Liebe zu einer gewissen O^me geschehen. Jedoch beyde Partheyen haben unrecht, indem kbiuxpus den Orden zur Beförderung des Christlichen Glaubens, und Befreyung der von denen Türcken eroberten Lande, an seinem mit là!!- aus Portugal! gehaltenen Beylager, oder,wieanderewollen,àno i4Zo. gestifftet. Anfänglich zwar sind.derer Ordens-Ritter, mit demHertzog inclutrvä, mehr nicht als rs. gewesen; nachdem aber hat Herhog kblüppus selbst die Anzahl biß auf z i. vermehret. Käyser 6aroim v. hat deren z r. gestiffcet, biß nachmaln, und insonderheit neulichcr Zeit, die Zahl um ein ziemliches vergrößert worden. Das Ordens-Zeichen bestehet in einer Kette, dre,Wechsels-Weise, wie Feuer-Steine und Feuer,Eisen zusammen gesctzet, welche,wamrfie einander berühren , gleichsam Funcken aufschlagen; woran unten das Güldene Vließ, oder deutlicher zu sagen, ein Widder hanget. Oder aber, wie es sonst beschrieben wird, so bestehet solches a«< einem Hals- Bande, so von Golde zusammen gefügt, und zwey Feuer-gebenden Lorbeer-Stöcken,Creutz-Weise übereinander liegend, mit einem güldenen daran Hangenden Vließ. Der ?snon des Ordens ist s.-^rers. welchen die Burgundier vor ihren Schutz- Herrn halten; wiewohl auch selbiger der Heil. Jungfrauen Klr- r>L zugleich gewidmet ist. Die Ritter muffen alle Römisch-Ca- tholisch, und von guten Adel seyn; wie dann bißhero meistens Königliche, Chur-und Fürstliche Personen darein aufgenommen worden. Die Ordens-Regeln erfordern/daß die Ritter keinen an- drrn Orden annehmen sollen, gleichwie sie auch vormals die Or- Hhh h.hh r dens- _ m ( -'6 ) M dens -Kette keinen Tag ablegen durfften. Jedoch hat hernach Käyser Lgrolus v. dergestalt aifpentixet, daß solche nur etliche solenne Tage im Jahre getragen, das Güldene Vließ aber täglich, vermittelst eines Carmesin-rothen seidenen Bandes, angehangen werben solte. Die Kette ist nicht erblich, sondern muß, nach des Ritters,Todt, Mücke gegeben werden. Sonsten kamen die Ritter jährlich amS.^nàs-Tage in Brüssel zusammen, und hielten ihre Soiennität drey Tage lang, bey welchen sie sich auch,als Orsnüs von Spanien,bedecken können. Den ersten Tag erschienen dieselben, nebst ihrer Ordens-Rüstuna, in roth-scharlachenen Talaren, Mänteln und violetten Mützen, zum Zeichen, daß ihr Orden in Vergiessung des Blutes bestehe. Des andern Tages waren sie m schwacher Seide oder Sammet gekleidet, und bmaureten gleichsam ihre im Kriege gebliebene Ordens-Bruder. Des dritten Tages sind sie in weisser Seide oder silbernes Stücke, zu Ehren der Heil. Jungfrauen kià . gekleidet eknher gegangen. Im übrigen ist es viel wahrscheinlicher, daß der Name von dem Felle Gideons, als von dem Güldenen Vließ zu Colchis hergenommen, dadurch anzuzeigen, daß ein jeder Ritter dem Gideon an Tapferkeit gleich seyn solle. Weil demnach dieser weltberühmte Orden eigentlich nicht von Spanien herrühret, sondern mit Lsr-oio v. erst auf Spanien gekommen, auch heutiges Tages Spanien an der gantzen Burgundischen Erbschafft, und denen Niederlanden, weiter keinen Antheil hat : so hat das Haus Oesterreich allerdings viel mehr Recht darzu, als der jetzige auf dem Spanischen Thron sitzende Zweig des vourbovischen Hauses. Paris. Weil der targuis l-ccte, welcher durch das rühmlich geführte Lomm-nclo über die Spanische àmêe in Sicilien sowohl, als in ^sà, sehr bekannt geworden, gantz unvermuthekall- hier angekommen, auch binnen wenig Tagen etliche mal mit dem Cardinal äu Lois in coràentr. bey dem Herhog Regenten aberzur ààientr gewesen : als will nunmehro fast nicht mehr an einer nechst- bevor- m ( 917 ) W bevorstehenden höchstwichtigen neuen entreprise gezweiffelt werden. Jedoch stehen einige in der Meinung , daß die Reise des besagten Wrgms anders nichts zum Zwecke habe, als eine Heyrath, und dann einige Dinge mit seiner Verwandtschafft in denen Niederlanden zur Richtigkeit zu bringen. Die Braut des àqà betreffende, wollen einige,daß solches eine Tochter des Hertzogs von verdick seyn werde. LxirnnäkOu?. Ja, ja, wann nur nicht die grosse Zurüstungen derer Spanier zuWasser und zu Lande bekannt wären: so hätte man gar nicht Ursache, sich Gedancken über die Anwesenheit des àguis6e l.ec!e in Paris zu machen- Weilaber die Rüstungen derer Spanier anders nichts als einen neuen Krieg andeuten, der Friedens-OonZrcts zu Qmbr^ keinen Fortgang gewinnen will, und Franckrcich deromaln in ziemlichen Vernehmen mit Spanien stehet, werden die Anschläge sonder Zweiffel auf Italien gemüntzet seyn, dergestalt, daß das àiegs-Feuer daselbst ehestens ausbrechen dörffle. Die Person des Vlsrczms âe i.eà betreffende, solle solche nicht sonderlich groß oder allzuwohl gewachsen, diek^lionomieauchim übrigen so beschaffen seyn, daß man ihn eher vor einen Landsmann derer, welche bey dem Caspischen Meere herum wohnen, als vor einen Luropseer halten soite. Jedoch das àxrerieur machet eigentlich den Mann nicht, sondern der Verstand und andere hohe zutäten der Seele. Ein anders von Paris. Weil der krsekenöent zu Rom von dem Pabst Abschied genommen haben und abgereiset seyn solle, einen V rsuch zu thun, ob er einen neuen Aufstand in Engeland, Schott-und Inland erregen könne, auch viele Gemüther in jeht-be- sagten Königreichen darzu rlisponiret seyn sollen : als hat der Herhog Regent, zu erkennen zu geben, daß er keinen Theil an allen diesen Anschlägen habe, befohlen niemanden, ohne einen besonderen kstle- pon von dem Hof, durch Franckreich nach Engeland pâm zu lassen. Die Inländischen iroupen aber, welche bißhero der Franhö- Hhh hhh z fischen _ SE ( 9 -8 ) Z» Men Küste längöhin, gegen Engeland zu, in denen Q.uar/ieren vertheilet gelegen, haben Oià erhalten sich weittr m das Königreich zurücke zu ziehen. Leirnn^irOU8. Wann die an der Küste gelegene Jrrländer, welche in Aanhö- sischen Diensten stehen, gehöret hätten, daßssich in Groß-Britan- nien oder Jrrland eine Empörung, en ksveu»deskrserenöenlenereignete,würden sie sonder-ZweiffelHauffen-weise 6elevrirct,und dem krLlenàren zugelauffen seyn. Es ist demnach die krsecsukion des Herhogs-Regenten, die er sowohl dieserwegen, als gegen die Reise des k'rLtenäenren durch Franckreich genommen, etwas gar iävo- r-Mes vor den König Georgen in Engeland, daferne alles fein aufrichtig gemeiner ist, und hinter der ganhcv Sache keine falsche Verstellung verborgen lieget. Das ist eben der Knoten, den man zuvor aufgelöset sehen, und wissen muß, ob keine falsche Verstellung dahinter verborgen lieget. Denn auf alle Versicherungen, welche Franckreich und Spanien wegen des k>i--ekenàenren geben, daß sie nemtich keinen Theil an seinen Anschlägen auf Groß-Britannien und Jrrland nehmen wollen, ist nicht ein Haar zutrauen. Gölte es auch Franckreich so gar ernstlich und aufrichtig, zu dieser Zeit,nicht mit dem kr-cendenken meinen, würde es doch wenig darnach fragen, wann gleich Engeland durch innerliche doublen und Empörungen starck zerrüttet werden möchte. Moficau. Jhro Majestät, unser Käyftr, Czaar und Herr, haben von allen Dero Ständen und Unterthanen, des ganhen Russischen Reichs, einen Eod genommen, Krafft dessen sich ein jeder verbindlich machen müssen, denjenigen vor seinen Herrn zu erkennen , welchen Jhro Majestät zum 8uccello,-e des Rußischen ThwnS dsàiren würden. Hiernechst haben Jhro Majestät, unser Käyse^ Czaar und Herr, durch Dero gantzes Reich und Lande, das Zus ?ri- moAÊurK, oder das Recht der Erst- Geburt aufgehoben, und dar- Aegen einem jeden Vater die Macht gegeben, nach Gefallen einen Sohn, m ( 9l9 ) M Sohn, und auch sv gar den Jüngsten mit Vvrbeygehung dem Aek- teren, wann sie solchen darzu würdig erachten, W erwehlen, und ihm diejenigen Vortheile zuzuwenden, welche sonst an der Erst-Geburt gehangen. Die Eydes-kornwi aber, so desfalls vorgeschrieben worden, lautet also: E Ich Endes-genannter, gelobe und schwchrezuGOtt dem Allmächtigen, und seinem Heil. Evangelio, daß ich die von dem Allerdurchlauchtigsten, Großmächtigsten kerro, dem Grossen, Käyser und Selbsthalter von ganhRußland, unserm allergnädig- sten Herrn, den sten kebruani diesesjetzt-lauffenden 1722. Jahres, wegen der 8ucceàon,x>ubIjeirte Verordnung, vermöge welcher eöJhro Majestät frey stehen solle, wann Sie oder Ihre Nachfolger auf dem Rußischen Thron , nach Dero hohen Belieben, jemand zum 8ucceà>re ernennen, oder auch, falls Sie an dem ànominirten8uccellore einige Untüchtigkeit wahrnähmen, Ihre llelolucion wieder verändern, und einen andern Äiccellorem àominlren wollen, vor wahr und gerecht erkenne, und derselben zu Folge den zur 8uccel2on àeliommìrten in allem gehorsam seyn,, ihn nach Jhro Majestät Absterben vor den wahren 8uc- cärem und meinen Herrn erkennen, bey allen Gelegenheiten, mit Hindansetzung meines Lebens vor ihn stehen , und denenje- mgen, welche diesem zuwkeder handeln, feind seyn wolle. Solle ich à selbst dargegen zu handeln befunden werden , oder sonst etwas also auslegen, daß es dieser Verordnung zuwider lieft, so sötte ich vor einen Verräther gehalten werden, und nicht allem der Todtes-Straft, sondern auch dem Kirchen-Bann un- terworffen ftyn. Zur Bekräftigung dieses meines Eydes küsse ich die Worte und das Creutz meines Heilandes, und unterschreibe mich dl. Das ist wahrhafftig eine ganh sonderbare Zeitung, wird à vielen so vollkommen, als ob dem Recht der Erst-Geburch, M ( 9ro ) M das in der Natur selbst gegründet ist, dadurch grosser Nachtheil rugewachsen seye. Ich meines Orts halte diese Czaarische Verordnung, daß ein Vater Macht haben solle demjenigen Sohn, welchen er am würdigsten erkennet, die sonst von der Erst-Geburlh zu àepenàr- ren pflegende Vortheile zuzuwenden, vor etwas löbliches. Wann viele mit allen guten (^uslitäten und Verstand begabte Brüder verbanden sind, ist es zwar etwas gar billiges, daß der Erst-Ge- bohrne den besten Theil unter ihnen habe weil dadurch gar gross ser Streit und Zwietracht, so sich sonst ereignen würde, vermieden werden kan. Allein daferne, ein Jüngerer Bruder, fähiger und liualiäc'ikter ist als der Aeltere, sehe ich nicht, warum er ihm nicht vorgezogen werden möchte; insonderheit wann die Frage von der Succession auf dem Thron, und Regierung vieler Leute und Lande ist, wobey man allerdings kîàxiv,, auf einen -ungern Bruder machen, und das Wohlseyn einer so grossen Anzahl Unterthanen nicht von der Erst-Geburth àepeiâen lassen solle, im Fall sich ein Erst-gebohrner Printz mangelhaffc an denen, zur Regierung nöthigen , Gaben und tzuZiitäten befindet. Jedoch, geliebtester Vetter l die Zeit, welche sonst auf Unterredungen im Reiche derer Todten gewendet wird, ist schon ziemlich verflossen, wannenhero ich mich euch bestens empfehle. Und ich mich euch gleichfalls, werthester Vetter! Gehabet euch jederzeit fein wohl!_ -^VLlî1'I88LK4Lbî'I'. Wer Verlangen nach mehrern neuen Merckwürdigkeiten träget, der geruhe sich in dem reisenden cbmeler darnach umzusehen, allwo die Neuigkeiten allemal mehr Platz, als hier in denen Todten-Gesprächen haben. Insonderheit findet man , in dem eylfften und zwöiffrcn Stücke besagten reisenden eiiinetcrr, die Crönung eines Königs von Franckreich weitläufftigbeschrieben/ welches gewißlich etwas curieuses zu lesen ist. M )( o X M