l z ! 6NL60KI0 VIL Komischen Kabst, und 6Lö»VNL)0. Gewesenen Churfürsten und Ertz-Bischoffell zu Lölln, der sich in die schone Mannsfelderin Verliebet, und sie gcheyrathet, auch sich zu der kroieàmischm Religion bekannt/ darüber aber um den Besitz seiner Lande gekommen, Worinnen beyder, in der Historie sehr bmWigten, Männer Leben, Thaten und àu, wie auch sonderbare vilLurle von dem Verbotder Priester - Ehe enthalten. Samt dem Kern derer neueste» Merckwürdigkeikm, und dar- über gemachtencurieEn kàxàen. Ler'pziz, bey denen Cömesischen Erben auf dem Neuen Neu-Marekt, MM N dem Reiche derer Todren sitzet ein gewisser ^âuanus, dem es hiurerbrachrwird, so offre sich eine Frau von einem andern, als ihrem Manne, berühren und schwängern lässet ; da dann die, aus einer solchen ehebrecherischen Beywohnung, herkommende Zunder, mir ihrem Name n, sehr genau iheciücirer und eingeschrieben werden ; ob man sie gleich auf der Welt vor diejenigen halten muß, wovor sie von ihren Müttern ausgegeben'worden, nemlich vor Binder, die aus einem gang reinen und keuschen Ehe-Berte erzeuget wären, wernun wissen will, oberem wahrhafter Sohn dessen, der aufderwelrseinVaterheissen müssen,seye?geher zu erwehnren AäiZrio» und lässet in denen Registern nachschlagen, wobey es sich vielmals füget, daß manches armes Bind Hörer, welcher- masse» der, den es ksga genenner, gar nicht sein Varer, son^ dern solches ein gany anderer und vornehmerMan sey« Hingegen gehet auch mancher, der auf der Welt mit seiner hohen Geburt nicht genug zu prangen ge wust, gang-beschämt, und Mir niedergeschlagenen Augen von bannen. Warum^ Ex hat vondem Lâuàiio vernommen, daß zwar der Ehemann fei- nerMurrer ein grosser Herr, aber kein esweges sein Varer gewesen; sondern daß rhn seine Mutter empfangen hätte, als sie sich mir diesem oder jenem schlechten Zerl er'nstsnmls einge- îassim O o o o L Es SE ( <5ro ) W Es giettgz.E. unlängst ein vermeinter gebohrner Engli- stherbo-cr, aus Lurío6lê,zu diesem /ìâllsrio» und fragte, ob Zorä auch wahrhaftig sein Vater wäre? Der empsteng, nach aufgeschlagenen Register, zur Antwort: Nein. Sondern es ist euer Vater ein Rutscher gewesen, mit dem sich eu- re Murrer eingelassen,als sie sich einstmals mit ihm alleine auf einem Land-Haus befunden. Eben so curieux war ein Franyösischer PriNtz, und muste aus dem Register hören, daß ein Tanger aus der O^ers zu s>a- ris, sein wahrhafter Vater sey, den seine Mutter, die Stelle eines Mannes, in ihrem Bette, gar vielmals vertreten lajstn. Dergleichenwiederfuhr auch einem Italiänischen u ^uis. welcher aus diesem Register vernahm, daß sein wahrer Vater ein Fechr-Meister gewesen. Item einem 6rsrài' LlpZZrie vonder ersten LIrL,welcher zu feinem grösten Erstaunen hören müsse, es habe ihn seine Mutter mit einem Taschen-Spieler gezeuger, der zugleich allerhand Sprünge und polîwren gemacher: indem feine Mutter Hppecir bekomnren, feines Beyschlafs zu gemessen, da sie die Drehungen und Wendungen seiner Schencket angesehen, und allzugenaue lìàxìones darüber gemacher. Von unterschiedenen dererHerrenRömisch-Latholischen Geistlichen aber Hörer man am allermeisten, daß sie denen Männern rmRinder-Zeugcn,bey ihren Weibern,getreulich helfen;, welches jedoch denen guten Herren nicht so gar sehr zu verdenckenist, weil ihnen durch die Banck die Ehe verboten; viele hingegen, wo nicht die meisten, die Lrimulos Ornis- ebenso starck , wie andere Menschen empfinden, folglich sich gleichsam gezwungen sehen, etwas vor die Linderung ihrer Beinzusuchen.Es stammet demnach manches Rind aus geistlichen Geblüts her,und bildet sich solches nimmermehr ein,wie aus folgenden: besser erhellet r Einer aus Rom gebürtig, der nie anders gewust, als ob ftye fein Vater ein Mahler gewesen, fragte unlängst bey dem mekrbesagten^àsrio nach derSachen Gewißheit,erfuhr aber, daß er von dem Geblüt eines vornehmen Cardinals herrühre. Ein «§ ( 62! ) W Ein vermeinter kcrruqemMachers Sohn Hörers, daß sein wahrer Varer ein Erg-Bischofs gewesen. Zwey vermeinte Beurlers Töchter vernahmen, daßchre Mutter sie mit einem Bischofsgezeuget hatte. Drey vermeinte Verwalters Binder musien hören, es seye der Abreiner vornehmen Abtey ihr Vater gewesen, und so fort. Die Herren Pfarrer aber, welche ausserhalb denen Blö- stern leben, halten sich in ihren Birchspielen sonderlich wohl. Denn ein vermeinter Schusters, Sohn wolre wissen, wer sein wahrer Vater wäre? und einpsteng zur Antwort ; der k3le5, der dich geraufset hak. Ein vermeinter Barbirers - Sohn fragte gleichfalls, wer sein wahrer Varer sey? dem ward geantwortet: Dey kscer, so dich geraufset hat. Ein ganges Dugenr vermeinte Beckers^-Binder erkundigten sich nach der Gewißheit ihres Vaters wegen, und em- pfiengenzurAntwort: Der ksrer, welcher euch geraufset, hat sich auch die Mühe genommen euch alle zu verfertigen. Nun ist zwar der geistliche Stand etwas gar vener 2 b!e§,nie- mand aber will, dem ungeachtet, auf diese weise gerne eines Geistlichen Sohn seyn, wannenhero es gar viele Klslcmuenlen in dem Reiche derer Todten gieber. Solche,sann denen Bindern, welche die Herren kscres heimlich mit ihren Böchinnen und Haushälterinnen gezeuget, tratenvor wenig Zeit zusammen in ein eoMxîok» wider denienigen pabst, welcher denen Priestern am ersten die Eheverboten,und segrensichvor,denselben auszusuchen, solchen aber hernach, im Fall sie ihn finden möchten, aufrausenderley rMmerundwege.zuaànriren. Sie fragten, wie dieser pabst hiesse? und erhielten zum Bescheid, es seye LreZorius Vlk. Dershalben machte sich der gange Hanf dieser Binder auf, und schwärmete weit und brerr in dem Reiche derer Todren herum, immer nach 6regorio v u. fragende. Als die Priester , so zu der Zeit Lle^orü VII. geleber, die Ursache eines so grossen Aufruhrs erfuhren, gefetteten sie sich auch zu demBchwarm. Denn besagter pabst hatte ihnen durch das Verbot der Ehe kein geringes^Heryeleid zugefüget, und manchem ehrlichen Manne ward damals sein Wei b und Ooo o z Bind m ( 6rL ) W Bind, mit grossir Gewalr, aus denen Armen und von dem Schooß hinweg gerissen worden/ welches bey nahe eben so viel gewesen / als wann man ihnen das Herye aus dem Leibe gerissen härte, weshalb sse nunmebro von der Gelegenheit prorirrren, und sich an6reZorio Vil rächenwolten. Endlich fand sic!) jemand dem Der Aufenthalt des pabsts, nach welchem der zusammen gelauffene Haufe fragte, bekannt war, und er verrieth es denen, so ihn suchten; da dann dieselben sich dahin lenckren. 6rcZorius VII. harre unterdessen XVinü von dem bekommen, was pMrcte, und reür! virte daher» zu fliehen. Er machete sich demnach auf seine Beine, und flöhe über Berg und Thal, über Felder und durch Wälder, ward aber zuletzt dennoch durch seine Verfolger eingeholet und umringet. Allein da sie eben anfangen wolten, den gany ängstr- glich um Gnade und Barmherzigkeit bittenden pabsi häßlich zu kraÄiren, liefBefeh! ein, daß sich niemand an ihm Vergreifen, sondern der schwärmende Haufen auseinander gehen solre. Sie musrerr sich demnach dieRacl-e vergeh-:», und solche dem Himmel befohlen seyn laßes. Bevor sie aber auseinander giengen, fragten die unächren Binder gleichwohl den pabsi ob er nicht Ursache daran sey, daß sie Huren - Binder wären? und wie er das denen Priestern gethane Ehe-Verbot/bey GGrrzu verantworten gedächte ? Hierauf antwortete Qrsgo- rius Vli. also: Liebsten Kinder I Was die Frage betrifft, wie ich deremstens, aw Tage des Gerichts, mir es zu verantworten gttraueke, daß ich denen Priestern untersaget, ehelich zu werden ? davor Lastet mich sorgen. Euch aber, die ihr durch unkeusche Priester erzeuget worden, ins besondere betreffende, weiß ich nicht, warum ihr euch darüber erzürnen oder betrüben wellet. Genug, daß ihr aafder Weit gewesen, und alldsrken niemand, von denen Umständen, welche sich bey eurer Zeugung ereignet,etwas gewust, ausser der Geistliche, der die Zeugung verrichtet, und die Mutter, so sich von ihm umarmen und küssen Lassen. Sind aber ja einige unter euch verbanden, von denen man öffentlich weiß. daß sie aus der Liebe eines Geistlichen entsprossen, der kan sich damssttösten, daß gar viele grosse und berühmte Leute in der Welt Huren Söhne gewesen, wie ihr, daher auch, das Sprichwort entstanden: Je grösser Huren-Bmd , desto grös ser Glück. ^ Da «8 ( 62Z ) W Dadie aus dem Geblüt Römisch - Latholrscher Geistli cher Herstammenden Rinder dieses höreren, baten sie pabst OrsZorium Vll. er möchte ihnen doch zu ihrem Trost, einige berühmte Huren - Rinder nennen; worauf der pabst aîso redete: leplàk , ein Gileaditer, war ein streitbarer Held, aber ein Hu- ren-Kind. Dem ungeachtet kam es mit ihm dahin, daß ihn seine Lands- Leute genugsam bitten musten, damit er sich belieben ließ, ihr Haupt und Regent zu werden. Der Käyser UelioZabàs, dessen Mutter eine allgemeine Loncubine gewesen, stammele äb mcerro karre, von einem ungewissen Vater her, deswegen er auch vsà, ob vaà Zsmrorss, ge- nennet worden. Abimelech, der König zu Gerar, inaleichen Amaleck, von welchem die Amalekiter hergekommen , waren Huren - Kinder» Der grosse Alexander ist verdächtig, daß er von einem andern, als kbi- hergekommen, ^rcaxsrxez und Variu8, Könige derer Perser, ärnoläus König in Britannien , cioäov-LL8 der erste König in Frankreich , und noch andere Könige mehr allda; ferner Lnà , König in Sardinien, kerâinrnâus, König zu àpoli3, ttenricur, König in Hispanic» , disnrà und Hcretu8, Sicilianische Könige, sacobus, König in Cypern, Kàiru8 König in Arragonien, und 8ig>8bsrtu8, König in der àmaaclis , find lauter unächte Kinder gewesen. Ja unter denen Päbsten selbst befinden sich verschiedene, die sich keiner bessern Geburt, alswiediremigeist, rühmen können. vemäene8, ein Licht des gan- tzen Griechenlands, Lsiäus ein hochberühmter Rechts-Gelehrter, der berussene Redner t.orige!îûs^rari3nu8, ?omponiu8l.cLlu8, wie auch Lrasi MU8 lì6reroaaMU8, waren Huren-Söhne. Nichtweniger befinden sich heilig-gesprochene Männer in deren Zahl, wie z. E. Minm der Märtyrer. Unzehlig viel andere, hohe /berühmte, tapfere und gelehrte Männer, würden in dem c-tai-Zo derer Huren-Kinder stehen, woferne ein vollkommenes Werch dessalls verfertiget werden solle; welche Mühe ich aber keinesweges auf mich zu nehmen verlange. Diesen Olicurs hörete der ganye Hausse derer Hurey-Rin- der, welche aus geistlichen Geblüre hergestammet, mit großer Aufmercksamkeit an, schloßen ihn auch, als einen sonderbaren Trösten ihr Herye, und begaben sich damit, ein jedes wieder an seinen Drr. Xl»I. Lnrr. Ppp p 6rbkar- _— m ( 624 ) M _ Le'olisàs, der gewesene Churfürst und Ettz-Btschoff von Löllu, kam von ungefähr darzu, als der in Bewegung gerathene Haufe den pabst QreZorium Vll. suchete. weil nun das Verbor der Ehe ebenfalls / auf der Welt/ gar viel Verdruß gemacher, gieng er comp-gnie mir, denjenigen pabst zu sehen, welcher der priesterschastt ein solches Gejeye aufgebürdet. Als sich nun der rumulruirende Haufe wieder zerstoben hatte, blieb 6ebk^r6u8 zurücke, näherte sich dem pabst, da er ihn alleine fahe, und sprach zu ihm: Auch ich bin eine Person, der Ursache hat zu wünschen, daß denen Priestern die Ehe nimmermehr möchte verboten seyn. 6KL60RIU8. Wie heisset ihr/mein Freund! und wer seyd ihr auf der Welt ge- gewesen? Jch heisse Qàrâus, undwarErh-BischoffzuCvlln, mit welchem eminsmen Posten die Churfürftliche Würde, seit dem Jahr CHristi sss. dadasChurfürstliche eoiiegiulu àbìNret worden, verknüpffei ist. OirL60iriu8. C>a, ha, mein Sohn! seyd ihr derselbe verliebte Qàràis, dessen Augen immer nach schönen Frauenzimmer gesehen? Ja, ja, einersolchm verliebten Seele, wie in eurem Leibe gewöhnet, muß das Verbot der Priester-Ehe freylich ein Stachel in denen Augen gewesen seyn. Allein ihr hättet euch fein zu rechter Zeit prüfen, auch den geistlichen Stand verlast sen sollen, da i hr gemercket, daß es euch unmöglich, das Voium der Keusch- .heim hatten. Eine solche Prüfung, wie ihr pränckret, daß ich hätte anstellen sollen, ist etwas schwehres, weil sich vielmals, auch erst indemdreyßigsten oder viertzigstenJahre, bey dem Menschen die Stärcke derer ââen gantz anders zeiget, als sie sich zuvor verspühren lassen. OKL60LIU8. ê Indessen ist euch doch/ mein Sohn! wann man die Sache beym Lichte W (62s) M Lichte betrachtet, das Verbot der Ehe derer Geistlichen gar nicht schädlich, Lucorikrsire, sehrlâvokâbie gewesen. Denn, woferne kein solches Verbot Mm Vorschein gekommen wäre, würdet ihr nimmermehr zu einer Ertz»Bischöfflichen,unb zugleich geistlich,Churfürstlichen OiZnität ge- langet, sondern solche, längst vor euch, erblich gemachet worden seyn. Wäre ich nicht dayu gelanget, wäre ich auch, sonder Zweiffel, glückseliger und vergnügter gestorben, als es geschehen, da ich nemlich, in denen letzter« Jahren meines Lebens von anders nichts als Mmosen, meine Sub- 6lt?n2 gehabt. OkL60KN78l Wer das Ehe »Verbot, welches denen Geistlichen geschehen, als em koünLus recht betrachtet, wird finden, daß es einem jeden Staat über alle Massen zuträglich sey. Denn, hilff Himmel! wann sich ein jeder Geistlicher verheyrachendörffce, was vor überfiüßkge Kinder, die einem Staat zur Last gereicheten, würden nicht verhanden seyn, indem man ih- ' nen allen, um ihrer Eltern willen, entweder ansehnliche cksrgen, oder gute kenliones geben müste. Es ist keine Lonleguenr, daß ein jedes geistliches Kind entweder eine ansehnliche eksrge.oder gute kenlion erhalten müste;sondern sie möchten , als es bey denen kroràmen geschiehet, zu sehen, wie dieselben ihr eigen Brod verdienen könnten. OkL60KM§. Es scheinet als hättet ihr recht mein Sohn! da es doch nicht ist. Denn bedencket nur, wie viele tausend und tausend k-rmiilen mehr würden verhandelt seyn, im Fall sich die ganhe Römische Clerisey verheyra- then dörffte. Ja manche vornehme Emilie würde nicht wissen, was sie mit ihren Kindern, insonderheit wann sich von diesen auch ein jedes wiederum muicîpiicîren solle, anfienge; dahingegen deromaln mancher edelgebohrner Sohn zu einer geistlichen cksr^s gelanget, wsrinnen die Fortpflantzung seines Geschlechts, welche ohne diß seinem Hause und Freundschafft zur grossen Last gereichen müste, verlöschet. Doch ich setze Ppp P r diese _ M(6r6)M diese pà'schen Gedancken vom Ehestand derer Geistlichen bey Seite, und frage/ ob euch, mein Sohn! nicht dewust,daß Paulus selbst dieje° gen rühmet, welche vermögen keusch tu leben, und sich nicht gezwungen sehen, in ein eheliches Leben -u treten. 6L6tt^irOU8. Die Meinung, so Paulus desfalls geheget, ist mir gar nicht unbekannt. Allein, weil er saget, daß Freyen besser sey, als Brunst leiden, hätte man die Ehe nicht verbieten, sondern nur das unverheyrathete Leben einem jeden recommevàîren, denjenigen aber, der eine solche kccom- melàion nicht statt finden lasten wollen oder können, nicht schmählig wären sollen. ORIQ8. Man hat mich vor denselben Pabst ausgeschrien, der die Ehe denen Geistlichen am ersten verboten habe, und bin es doch nicht; wiewohl nicht zu läugnrn, daß ich weit schärffer als meine Vorfahren darauf gedrungen , danüt die Priester unverheyrathet leben möchten. Pabst S^ricius insonderheit verböte die Priester-Ehe schon in dem4.8eculo, und als» 720. Jahre zuvor, ehe ich gewesen; verschiedene andere, gleichfalls vor mir gewesene Päbste, aber, haben einen Fluch auf diejenigen Priester geleget, welche im Ehestände leben würden. Auf daß ich auch die WorteLyricu feststen anführe, lauten solche also : Alle diejenigen aus dem Priester Orden, welche bißhero indem Ehestandgeleber, und vermeinen soldes mit dem Exempel derer Priester des Alten Testaments zu entschuldigen, sollen nun wissen , daß ste hinführo, durch den Apostolischen Stuhl, und dessen hohes Ansehen, aller Ehren, deren ste hißhero unwürdig in der Rirche genossen, beraubet ft'sN. Indessen istes seltsam genug zu hören, daß dieser Pabst sich unterstehen mögen, in seinem vecrer wegen der Priester-Ehe, sich auf den Apostolischen Stuhl zu beruffen, da er doch hätte wissen sollen, daß auch der Apostel Paulus mit zudem Apostolischen Stuhl gehöret, hiernechst ihm nicht unbekannt seynkönnen, mitwasvor einem erschrecklichen Namen, m c 6-7 ) Z» men, weiland derselbe / indem vierten Capitel der ersten Epistel an den lilnorkerä, dasjenige Gesetze bezeichnet/ durch welches verboten wird/ ehelich zu werden, und davon die Worte also lauten r Der Geist aber saget deutlich < daß in denen letzter» Zeiten etliche werden von dem Glauben abtreten, und anhangen dem verführerischen Geist, und Lehren derer Teufel, durch die so inGteißnerey Lügen-Redner feynd^ und Brandmahle in ihrem Gewissen haben. Und verbieten ehelich Zu werden, und zu meiden die Speise,die, Gtk)tt geschaffen har, zunehmen mir Dancksagung, denen Gläubigen, und denen, welche die Wahrheit erkennen. Es ist mir gar wohl bewust, daß Pabst Inclus dem von GOtt selbst, noch im Stande der Unschuld, dem menschlichen Geschlechte zum Besten', gestiffteten heiligen Ehe,Stand, noch weitem Abbruch gethan, indem er befohlen, daß diejenigen , welche wegen gegebener Aergerniß öffentliche Kirchen-Busse thun müssen, des Ehestands ebenfalls beraubet leben sollen. Hier nun, bey diesem Verbot, scheinet der Ehestand etwas heiliges zu seyn, das, durch unheilige Leure, nicht verunreiniget werden solle. In dem Verbot der Priesier-Ehe hingegen wird er als etwas unheitiges angesehen, das cspà die Heiligkeit eines Priesters zu schänden und zu verunehren. Ja /-wie reimet es sich, wann es in demRömisch-Cathollschen^recläo heißet,dreEhe seye einSacrament, undkönnedoch einen Priester., derdarinnen leben wolle, entheiligen. (FkLLOLIllS. Ihr wmm-t , mein Sohn l mit ziemlich peàmîschen S^oZirmls aufgezogen, und wollet, es müsse eines sbMimà aus dem andern folgen. Z. E. es seye die Ehe etwas heiliges: ergo könne sie keinen Priester entheiligen. Allem euer K3i5oMcmenristfalsch, und alle Dinge find nicht' allen Menschen gemein , folglich das, was heilig, nicht einem jeden heilig, auch das, was unheilrg , nicht allen durch die Banck unheilig , nur gewisse Dinge ausgenommen, welche allen und jeden, entweder heiliK oderunheilr'gseyà Inzwischen hates mit der Ehe ftinegute Richtigkeit, Haff sie etwas HMLeS/, und niemanden , der sich darein begiebet, vemnreinigen oder.- Ppp p' L 8L l 6-8 ) M entheiligen mag. Denn wo dieses wäre, würde doch zum wenigsten nur eine Spur göttlichen Verbots deswegen in der Heil. Schrifft enthalten seyn; allein es findet sich nicht nur nichts, sondern auch das Oncràm. Fast alle heilige Männer der Schriffc waren verheyra- thet, ingleichen die Apostel meiftenrheils. Hat ihnen aber Christus, als er sie in alle Welt gesendet, das Evangelium zu predigen, befohlen, Weib und Kind zuverlassen, ist es darum geschehen, damit sie desto wenigerem^? und Beschwerung auf ihrer Reise haben, auch mit soviel grösserer Freude in den Todt gehen möchten.. Ein anders aber ist es mit denen Priestern und Lehrern, welche beständig zu Hause, bey ihrer Gemeinde bleiben. Diesen gereichet Weib und Kind gar nicht zur Last, wie einem reisenden Apostel, sondern vielmehr zur Freude und Trost. Wie unbillig es denen Priestern die Ehe zu verbieten, und daß dadurch nurderHurerey und aller Unrcmigkeit Thür und Thor aufgetban werde, haben gar viele erkannt; wie dann auch, eben darum, verschiedene LoncUia, insonderheit dasjenige Lonàminripolàische, welches man das sechste allgemeine Loncüwm zu nennen pfleget, dem Willen derer Päbfte hesstig wider-und die Ehe denen Priestern zugesprochen. Die Bischöffe thaten noch ins besondere starcke Vorstellungen darge- gen, und den Brief, welchen der Bischoff ullàlcu zuAugspurg einstmals deswegen nach Rom geschrieben, wird gewißlich kein Pabst an das Fenster gestecket haben. "Die Priester selbst weiten durchaus nicht darein willigen,wannenhero es geschehen, daß so viele vergangen, ehe die Päbste völlig durchdrängen können, càms n. der ein gantzes Leculum nach euch den Päpstlichen Stuhl besessen, hat endlich vollends durchgerungen, und der Priester-Ehe den Garaus gespickt. Nichts destoweniger sind seit dem, unter denen Herren Römischen Catholischen selbst, nicht wenig neue OiHuwn darüber entstanden, weil von einer Zeit zur andern die unverheyratheten Geistlichen zeigen, haß sie Fleisch und Blut häen, folglich ihren Gemeinden keine geringe Aergerniß geben. Will jemand daran zweisseln, dem stelle ich die gantze ehrbare Römisch - Cacholische Welt vor, mit Ersuchen sie zu fragen, ob es nicht wahr, yaß eine sogenannte Pfaffen-Köchin oder Haushälterin, in aller Augen, eine sckr verächtliche Creatur ? Warum? Weil ein jeder in seinem Her- tzen gläubet, daß sie die Stelle einer Frauen bey ihrem Herrn vertritt. Aller Aergerniß nun abzuhelffen that krancilcu? l. König in Franck- xeich, bey dem Pabst eio i v. gantz inständiges Ansuchen, daß er denen Prie- W ( 6rs ) M Priestern die Ehe aufs neue erlauben möchte. Vom Käyser llleräiEllo r. ist gleichfalls bewust, daß er viele nachdrückliche kemontimrioncs am Päbstlichen Hofe gethan, um solchen zu bewegen, das Verbot wegen der Priester-Ehe aufzuheben, welches ingleichen auf dem conciüo zu Trient, abermals, von verschiedenen Römisch-Catholischen Fürsten des Römischen Reichs geschehen, unter denen vornehmlich derHertzog in Bayern, das unkeusche Leben derer Priester gar beweglich vorgestellet. Ja, was das meiste, so ist in dem weltbekannten interim, das der Käyser carolus v. durch Römisch-Catholische Bischöffe verfertigen lassen, denen Priestern die Ehe, und denen Layen der Kelch, ausdrücklich zugestanden worden. Saget mir aber doch, mein Pabst ! was die wahren Ursachen gewesen seyn, um welcher willen ihr eigentlich so scharffdarauf gedrungen, daß Die Priester ein unehliches Leben führen sollen? Ox.L 60 k!d/ 8 . Ich, als Pabst, antworte auf diese Frage anders nicht, ausser daß es darum geschehen, damit die Priester desto reiner und heiliger seyn, mitdesto keuschem und unsträfflichern Händen die Lac^mer-m üclmmittr^ ren, auch von aller weltlichen Sorge, welche Weib und Kind gemeiniglich cauüret, befteyet, ihrem GOtt desto ungehinderter dienen möchten. (-LKNäkOVL. Die Worte lauten schön, ist aber nur zu beklagen, daß sie em Cchaafs-Kleid, worunter ein greulicher Wolff stecket. Euch, mein Pabst! stack die Aufrichtung einer kàsrcbîe. oder allgemeinen geistlichen Monarchie, über Käyser, Könige und Fürsten indem Kopff, und wollet sie, als eure väien und Unterthanen locken. Nun wüstet ihr gar wohl, daß es ohne Widerstreben nicht abgehen, uachhero aber nöthig seyn würde mit dem Bann gegen diejenigen zu verfahren,so sich wi- dersetzeten. Wer solle aber dieiBann-Briefe wider Käyser,Könige und Fürsten,publiciren und zur Execution bringen ? Niemand anders, als die Geistlichkeit und Priesterfchafft. Allein diese würde, ihrer?->milien,Wei- der uyd K inder wegen, in allzugrosser Furcht und Sorge gestanden ftyn,vonihrenAemtern verjaget und in das Elend verwiesenzu werden. Dannenhero war es nöthig auf ein Lxpeàns zu gedencken, welches «sxä seyn möchte ihnen diesen Scrupel zu benehmen, und zu machen, Laß M ( 6zo ) W daß sie weder vor ihren natürlichen Lands»Herrn, noch vor ihr Vaterland, keinen so grossen tt§-,rä Liebe oder Furcht hätten. Gleichwie nun ein Ehe - Weib » und Kind» loses Leben das beste Mittel ist, wann man haben will/daß einer weder seinen Landes-Herrn noch das Vaterland allzueyfrig lieben solle: also drunget ihr darauf, daß die Priester unver- heyrathel leben, auch die, welche bereits in einem ehlichen Stande stunden, Weib und Kind von sich schaffen sotten. Okttooklvs. Ihr redet, mein Sohn ! wie die Feinde des Römischen Stuhls insgemein zu reden pflegen, da mau doch billig bedencken solte, welchermas- sen, als schon gedacht, bereits 720. Jahre vor mir, der Ehe - und Priester- Stand, vor etwas mcomp3r>bie8, oder das nicht wohl beysammen stehen kan, angesehen worden; ja, daß die Päbste, und viele Eischöffe, sich gleich in denen ersten Zeiten des Christenthums, beflissen unverheyrathet zu leben. Wer ist auch ein so schlechter kolicicu-, der nicht siehet, daß diejenige Zeit, in welcher ich grossen Streit und Verdruß mit dem Käy- ser zu vermuthen hatte, gar nicht bequem war, denen Priestern die Ehe zu verbieten,weil ich mir dadurch ihrer viel tausend zu Feinden machen muste? Gleichwohl verfuhr ich mit dem Ehe- Verbot, das folglich einen ganh andern Zweck gehabt haben muß, als den, welcher von denen Feinden des Römischen Stuhls, so in den Tag hinein vorgegeben wird. Wer solche Zeiten erlebet, wie ich erlebet habe, und so viel Verdruß mit dem Käyser hat,wie ich gehabt, solte viel eher denenPriestem erlauben zwey Weiber zu nehmen, als befehlen, daß sie gar keine haben sotten, wann ersich anders ihres Beystandes, ihres ààmenls, und ihrer Ergebenheit dadurch hätte versichern wollen. 6k6»äkvV8. . Einem Priester zwey Weiber zu erlauben, wäre dem Volck ein wenig allzusündlich in dieAugen gefallen,und einen scheinbaren^«^ deswegen auszufinden, würde allzuschwehr gewesen seyn. OkL60klU8. . Ha ! was den k'âxt betrifft, hätte es damit seine gute Richtigkeit gehabt. Ey lieber! Lasset mich doch solchen wissen. áros. m ( 6z i )^W Olì^ 60 lìNa 8 . Der solte ungefähr also gelautet haben , daß weil in der Welt die meisten Menschen böß, gottloß und verkehrt wären, es nöthig seye dahin zu trachten, damit der frömmste Theil derer Menschen, den grösten l^rr an der Fortpflanhung des menschlichen Geschlechts hätten,aufdaß mehrere wohlgeartete Kinder als biß dahergeschehen,gebohren werden möchten. Angesehen nun aber die Heiligkeit und Frömmigkeit bey keiner Art derer Menschen mehr gesuchet werden könnte, als in denen Priestern: so solte führohin einem jeden Geistlichen erlaubet seyn, zwey Weiber ju nehmen, damit die Welt von ihrer guten Art recht prä-ren, und umso viel mehr fromme Kinder bekommen möchte, indem, dem gemeinen Sprichwort zu Folge, Art von Art nicht lässet, und der Apffel nicht weit von dem Stamm zu fallen pfleget. Was düncket euch, mein Sohn Gebhard ! von diesem kr-ersxr, im Fall ich vor gut befunden hätte denen Geistlichen zu erlauben, daß ein jeder zwey Weiber nehmen könnte ? Es scheinet, mein Pabst! als ob ihr sehr terril und fruchtbar in Erfindung sche nbarer prs-rexre gewesen seyn mäßet, und noch. Jedoch erlaubet mir zu sagen, daß das Vorgeben, als ob ihr nicht als ein kluger t-o- iiricu; gehandelt hättet, woferne ihr weltliche Absichten in dem Verbot der Priester Ehe hegen, und jur Zeit der Zwistigkeit mit dem Kävser so viele mglL2nre?.te Priester machen wollen, gleichwohl falsch seyn kau, weil die Päbste so geartet sind, daß sie nicht nuraufdas Gegenwärtige, sondern auch gerne aufdas Zukünftige sehen, in welchen, nemlich denen zu- künfftigen Zeiten,ihr dann vermeinet,daß die unverheyrakherenGeistlichen dem PäbstlichenStuhl erst den rechten Dienst würdenleisten können.folg-. lich den Verdruß nicht geachtet habet, den ihr euch unter eurer Regierung durch das Verbot der Priester - Ehe zugezogen. Aber, noch eines, mein Pabst ! Durch eben dieses Verbot hat man gesuchet die geistlichen Gather, wovon der Päbstliche Stuhl kein geringes ziehet, desto leichker zu conlerviren. Das seye dahin gestellet. Indessen glaubet sicherlich, mein Sohn ! daß man, ein und anderer bey dem Verbot der Priester-Ehe, gehegten Xll.Lncr. Qqq q Welt' m ( 6Z2 ) W weltlichen Absicht ungeachtet , auch zugleich getrachtet, die Priester zu vermögen/ daß fie desto keuscher, reiniger und beilWr, wandeln, und eia- hergehen sollen. Allein, mein Pabst! ihr selbst könnet euch, allen Nachrichten zu Folge, doch nicht rühmen, ein solcher Freund der Keuschheit gewesen zu seyn. Denn was machte die àkilà immerfort bey euch in eurem Gemach , und an eurer Seite, dergestalt, daß ihr ohne sie, und sie ohne euch, auch schon zu der Seit wann ein oder der andere von ihren Gemahlen noch gelebet, nicht leben können ? 6LL60RN75. Hai meinSshn! Ich, und die àciMiLcr-ârten Staacs-a^n. ren mit einander, wann wir beysammen waren. Sie befaß den gantzen obern Theil von Italien, und ich hatte als» ihrer Freundschafft wider den Käyserhächstvonnöthen. Ja, was noch mehr, st trachtete ich durch die freundlichen Liessen, welche ich der kàMlà bewiese, alle ihre Lände? zu erschnappen, und an den Römischen Stuhl zu bringen; wie sie dann auch er, kavrur dessen ein Testament gemachet, und darin» nen den Römischen Stuhl zum Erben aller ihrer Lande einge- sthet hat; ob ich gleich damals schon längst gestorben gewesen bin, und zwar alles um derer grossen (äffen willen, welche sie von mir genos sen. Die Zeiten haben freylich wiederum ein (àZ-inêm in Betrachtung dieser Erbschafft gemachet. Allein der Päbstliche Stuhl ist doch nicht leer ausgegangen, und dessen krLcenllvn aufdas Parmesamsche und andere Lande mehr, rühren wircklich von dem Testament dieser reichen Marggräfin her. Wann man ein Frauenzimmer bewegen will, daß es einem so schöne Lande vermachen solle, muß man wircklich etwas grosses und wichtiges ' an sich haben. Euer Umgang mit der kàkílà aber, mem Pabst! war so beschaffen, daß der Cardinal làà selbst bekennen müssen, es stecke etwas verdächtiges darinnen. â OlìL 60 IìlU§. d Wäre der Marggräfin kàbilà Noth nach einem 6àn gewesen, hätte sie sich wohl einen jungen schönen Lavier darzu aussuchen können, und E ( 6;z ) M und ihr Vergnügen nicht bey einem, an Jahren schon ziemlich hoch ge- stiegenen, auch mit einem rauhen Bart bewachsenen, Padst suchen dörffen. Ey ! Warum solle der rauhe Bart ein Liebes,Verständniß mit der MlKiiäiL verhindert haben ? Die grossen Barche waren ja zur selbigen Zeit granâà. Wer weiß, was ihr sonst noch grosses, wichtiges und annehmliches besessen, das Vermögend auch das jüngste und schönste Frauenzimmer zu cbsrimren. Vielleicht ist auch ààlìiàs smbmsux Ze- wesen, und hat von niemand anders, als von einem Pabst, welcher durste und vornehmste Person in der ganhen Weit zu seyn zEevä-ret, bedienet , csretilret, und geliebet seyn wollen. OkLQOKlvS. Mir möchten ein wem'g zu weit in die Schrifft hinein kommen, darum wollen wir diesenDàrs endigen. Zuvor aber, mein Sohn ! will ich nochganh aufrichtig dieses sagen, daß ein wirckliches Ehe-Verbot vor die Priester freylich etwas hartes ich und schwehrlich jemals ergangen seyn würde , woferne sich nicht ein und andere weltliche Absicht darein meii- ret hätte. Indessen ist doch ein Priester , der ausser Ehe, und dabey keusch und heilig lebet, vor einem verehlichten, zweyfacher Ehren werth. Ermangelt einem das Oonum Oomînenà.so muß er GOtt recht inbrünnstig darum anruffen, und wider den Trieb der Unkeuschheir kämpffm. Sieger er nicht in diesem Kampff, sondern erleidet eine schändliche Niederlage, wehe ihm! und er mag dem Gerichte GOttes überlassen seyn, aber auch zugleich seiner unendlichen Barmhertzigkett, die er schon vielen armen Sündern hat angedeyhen lassen. Vermuthlich wird das allsehende, und in die verborgensten Winckel dringende, Auge GOttes, täglich weit mehr Ursache haben, sich wegen des unkeuschen Lebens vieler Priester zu erzürnen, als sich an ihrem un- stcäfflichen Wesen zu ergötzen. Ja, wie wird nicht einer, der das vo- num Oommènà nicht har, zur Sünde und bösen Lust aufgereihet werden, wann ein Beicht - Kind kommet, und die seltsamsten Streiche der Unzucht zu seinen Ohren bringet. Viertausend anderer Exempel zugcschweigcn, jo lieferst vor etlichen Wochen die Zeitung aus Paris styn., welchermas- Qqqqr sen W ( 6Z4 ) M fen man einen Priester vvm Lande gesanglich daselbst eingebracht habe, der in feinem vollen priesterlichen Schmuck, in der Sacrifie» , einen Vio- mene zuvor, ehe er Messe lesen sollen, mit einem jungen Mädgenunkeu- sche Dinge vorgenommen, und darüber von dem Küster erwischet worden. 6 kL 60 KIV 8 . Ey! Da ist kein Zweiffel dran, daß sich nicht unter der Priester- schafft und Geistlichkeit ein und anderer Bößwicht finden solle, der das gethane Volum ver Keuschheit aus denen Augen setzet; allein er hat seinen Lohn dahin. 6e8»ärrOii8. Das Vowm der Keuschheit, und das Vomm pLupsrr3k,'5,oder der Armm h, sind über einen Leisten geschlagen. Die armen cspuc-nel- und rrgvci8csner, barmbertzige Bruder in denen Hospitälern, und andere Bettel - Orden, müssen wohl, das eine sowohl als das andere , nolens vo- ienZ beobachten. Allein wie es klinget, wann reiche Prälaten, Aebte, Priester w. täglich in dem großen Ubermaaß an öcUcaren Speisen und Grträncke, auch in vielen Umgang mit Frauenzimmer leben, die doch odli- xiret, das Vorum der Keuschheit sowohl, als der Armuth zu haken ? überlasse ich eines jeden Urtheil; wir aber wollen nunmehro zu der Erzehlung unserer Historie schreiten. Ich höre sehr gerne, daß ihr mich mit vilcurlen von dem Verbot LerPriester-Ehe nicht weiter Koràrâiren wollet, uyd will derohalben mit meiner Historie den Anfang machen. Meine Geburths-Stadt ist 8ienz. Viele haben mich zu einem Zimmermanns, Sohn gemacher, auch vorgegeben, ob hätte ich in mei, ner Kindheit mit denen Hoitz - Spänen gespiele;, und solche dermaßen artig geleget, daß man gar deutlich die Worte heraus bringen können : vo- mmabirur g tvigri 36 welches alsobald vor ein gutes Anzeichen genommen worden sey. Allein mein Vater war kemesweges em Zimmerman«, ob ich mir gleich grmuiiren würde, woferne ich eines Zimmermanns-Sohn gewesen wäre, und zwar darum, weilder ewige Sohn GOttes in denen Augen der Welt ebenfalls vor einen Zimmermanns Sohns xaKren müssen. Lonicius, M(6zs)M Lonicius, GrafzuPestilien hingegen war der, so mich mit seiner Gemahlin 8oan3 gezeuget hat. Man bestimmen mich schon in der Wiege zu einem geistlichen Leben,und ich ward endlich ein Lenscl.àer Mönch, gelan- gete auch zu dem Posten eines Priors zu Liuià, und hernach zu der Stelle eines Abte zu St. Paul m Rom. Aus allen Dingen, die ich that oder redete, leuchtete eine wundersame Klugheit Hervor,welches machte, daß mich der Römische Hof mit sehr gönnstigen Augen ansähe, und mich zu mancherley intriAUänren Verrichtungen,undl^uncigiuren,in Temschland sowohl, alsin Franckreich und Italien, employée. Gleichwie nun solche Dinge, wie man mir comnàirw, den Cardinals- Hut fast unfehlbar nach sich zu ziehen pflegen: also wiederfuhr auch mir die Ehre, daß ich ein Kiembrum deöCardmals-^äßii wurde, und damals hieß ich DHäebranö. Dem Titel nach war ich Cardinalà- cki Diaconus zu 8. Claris; in Dominica, UNd coktinuirte nach wie vvr, Meine Hände in alle schlimme, in alle schwehre, und in alle verwirrte Händel zu tauchen, daher esdannauchgekommen,daßman einen Argwohn auf mich geworffen, ob wärenzweyPäbste,nervlich ViLwrtl. ein Teutscher, mnd dann bilicàsîi. ein Savoyer, aufmeinAnstifften,mik Gisst vergeben worden. Ja, wieder andere geriethen, gewisser Dinge wegen, auf die Gedancken, ich mäste gar ein Zauberer seyn. ^Unter meinem àrecsllors »Pabst àxrnà n nahm ich mich aller Händelweitmehralserselbstan, wodurch ich mich in gantz ungemeine ^ucoritätund Ansehen setzew. Als nun derselbe knno 107z. mit Todt abgieng, wüste ich die Sache dergestalt einzufädeln, daß man mich statt feiner, sehr schleunig, auch wieder derer meisten Cardinäle Willen erwehrte , und auf den Päbstlichen Thron erhub, also, daß diejenigen eben nicht so gar unrecht haben, welche sagen, ich habe mich eigenmächtiger Weise zum Pabst aufgeworffen. Die Käystr prLrenältten zur selbigen Zeit, es solte kein Pabst ohne ihr Wissen und Genehmhalrung erwehlet werden; wie dann auch be, kannt, daß Käyser plenàs m. ào 1046. nach Italien gegangen, und drey, zur grästen Verwirrung der Christenheit gegeneinander erwehlt gewesene Päbste ab, t^lememem ii. aber statt ihrer eingesetzet, hiemechstvon denen Römern einen Eyd genommen, daß sie, ohne eines Teutschen Käy- Hrs Vorwiffen, führohin keinen Pabst erwehlen wollen. Qgq q z Dew- W ( 6z6 ) M Dcrohalben war «--iricusVi. sehr ubelaufmich zu sprechen, als er vernahm, daß ich schon aufdem Päpstlichen Stuhl saß, noch ehe er einmal gefragetwolden, ob er mir mir zufrieden seye oder nicht? Aufdiese Weise kunnte ich mich nichts gutes zu dem Käyser zu versehen haben,injonderheit,weil ich bereits,als Cardinal, seinem Vater,dem schon erwehntenUenàM. mancherley Verdruß, und Eingriff in seine Käyserliche Hoheit verursachet hatte. Dannenhero entschlösse ich mich einen Versuch zu thun, ob ich die Sache aufdas äusserte treiben, und den Päpstlichen Stuhl oon.ailem Gehorsam gegen den Käyser bcfreyen könnte? welches ich auch dergestalt ausgeführet, daß man meine Regierung eine OiÄalurum,odcr allgemeine SouvergiiiciL über die ganhe Welt, zu nennen pfleget; und man würde vollkommen recht haben, sie so zu heissen, wann das Ende so, wie der Anfang und das Mittel gewesen, und ich nicht zuletzt im kixilio gestorben wäre. Werckwürdig ist dieses, daß ich schon vor der Beerdigung meines ^Nkecelloi-is auf dem Päbstlichen Stuhl saß, welches doch schnur-stracks wider die Kirchen-Satzungen lief. Als nun ein gewisser Cardinal, gleich nach meiner Erwehlung, oder vielmehr Aufwerffung , zum Pabst, in Rom anlangete, sprach ich zu ihm: Lieber Bruder l Ihr habt euch garzu lange verweilet., und kommet zu späte eure Stimme zu geben; worauf dieser versetzete : Und ihr , Hr'ldebrand, habt allzusehr geeilek, daß ihr den päbstli'cben Stuhl, noch vsk'der Beerdigung eures Herrn, des Pabsts ., denen Geseycn entgegen, eingenommen'. Ich befand , nach meinem weitsehcnden, und durchdringenden Verstand, daß mir einige Dinge, zur Behauptung der in meinem Kopf- se steckenden geistlichen àuârâie, insonderheit seyn müsten; und zwar i.) ein zwischen dem Käyser und denen Sachsen entstandener Streit. Denn Ouo, Herhog in Sachsen, mit seinen übrigen Aliverwandten, trauere dem Käyser nichts gutes zu, weiter einstmals in seiner Jugend gesaget hatte, das Sachsen-Land seye ein schönes Land, aber die Einwohner wären schlimme Gäste; ingleichen, daß der Käyser in Thüringen allzuviele Schlösser aufführen ließ, weswegen es endlich, zwischen ihnen und dem Käyser, gar zum Kriege kam, Zum andern regierten damals in der Kirche zwey gantz greuliche Laster, mmlich die Barbarey, daß fast niemand weder von GOttes Wm m ( 6?7 ) M Wort noch sonst etwas verstünde; und dann die Simonie, daß, sonder* tich in Teutschland / niemand zu einem geistlichen Amte gelangen kannte, welcher nicht zuvor denen Käyserl'lchcn kàílìrîs die Hände versilbert. Die Barbarei) nun diente darzu, daß man damals zu Rom eine Lpitto- lsm Oecrerglem nach der andern 6n§iren, und dabey vorgeben kunnte, als wann sie von denen besten Päbsten in denen ersten SecuHs, kurtz nach des Apostels berri Zeiten, wären geschrieben worden, aus welchen Oe- Ei5und Lznonibusnachhero freylich, und aus nichts anders, mandas Lsnonicum geschmiedet hat. Die Simonis aber betreffende, war sie mir darum lavoi-à, daß ich dadurch einen br^iexr bekam, die Vergebung derer geistlichen Aemter und Pfründe, samt der wväur derer Geistlichen an mich zu ziehen. Die Nsrmänner hatten sich zu meiner Zeit indem hintersten Theil von Italien eingenistelt, die ich ungemein liebkoscre, um, im ball der Noth, einen guten Rückenhalt an ihnen zu haben. Mit der mächtigen Marggräsin von iuicis, àkilais, welche, als schon in unserm viseurs vorgekommen, fast den gantzen Obern, Theil Italiens besaß, errichtete ich gleichfalls eine sehr genaue Freundschafft. Sie war zu dreyen unter, schiedenen malen verheyrathet, nemiich an Gottfrieden, Hertzog zu Lotbringen, an àonem , Marggrafen zu ^rello, und letzlich an Hertzog Wel- yhen in Bayern. Allein Rom, und der Umgang mit mir, ist ihr weit angenehmer, als die Geseüschafft eines oder des andern von ihren Gemahlen gewesen, wannenhero sie selten von mir entfernet kebete; wie sie dann auch Theil an allen meinen Anschlägen genommen. Ihre Mutter war eineTochterKaysers Lonrsrji 8ài,urrd?àkilâi8, folglich mitKäyscr^ten. rico I V, leiblichGeschwister-Kind.Nichts destoweniger erwiese sich diesel" be, aus Liebe zu mir, als eine abgesagte Feindin des Käysers, worgegen ich ihr die Erlaubnißgab,daßsie sich nicht nur, ohne Anmelden, so offce es ihr beliebete, in meinem càsr emfinden, sondern auch denen Lvocilüs und Versammlungen derer Brschöffe, oder anderer Geistlichen, beywohnen durffle. Der Nutzen des vertraglichen Umgangs, mit dieser, so viele Lande und Fürstenthümer eigenthümlich besitzenden Frauen, bestünde, wie schon berühret,darinnen,daß ich an ihr eine mächngeVormauer gegen den Käyser gehabt, in derselben convenHon viele vergnügte Stunden genossen; und dann endlich der Ehre thci'lhafftig worden, daß ich, vermittelst eines ihr irstürirkenTestamentö , das lìimoàm berri stattlich M^6z8 ) Z» _ vermehret. Denn àlniàis starb ohne Kinder, und die Kirche sahe sich zum Erben aller ihrer Lande eingesetzet. Nachdem ich alles wohl überleget, und mich in eine gute ?otnur §e- sehet hatte, fieng ich an noch besser zu zeigen, was mir im Kopffe stack,und machte zwey Haupt - vecrs«. In dem ersten ward ààiret , welcher- Massen der Pabstzu Rom das allgemeine Haupt der Christenheit sei-, und nach seinem Gefallen Käyser, Könige und Fürsten, ab und einsetzen könnte. Der Inhalt des andern bestünde darinnen, das ein Pabst von allen geistlichen Aemrern in der gantzen Christenheit,einhig und allein zu llihoni- ren, und sie zu vergeben hätte. Das dritte Haupt- Decrer, wegen der Priester-Ehe, kam auch zum Vorschein; welches jedoch, in Betrachtung selbiger Zeiten, nichts sonderliches poimsthes, su commir, etwas unbesonnenes gewesen ist, das mir und dem Römischen - Stuhl zum grösten Schaden hatte auöschlagen können, weildieWuth derer Priester, welche sie über den Verlust der Freyheit sich zu verehlichen, dann die Raserey dererjenigen, so sich von ihren Weibern und Kindern scheiden musten, mit keiner Feder beschrieben werden mag. Die kub icsriori solcher Oscrsrorumschmertzete dem Käystr Semico I V. in seiner Seele ; und ich meines Orts bestrebete mich Tag und Nacht der Sache einen noch bessern Nachdruck zu geben; worzu mancherley Räncke und Griffe erfordert wurden. Diesemnach beschuldigte ich viele Bischöffe,Prälaten und Geistlicheder Simonis, und cmrte sie nach Rom. Erscheinen sie, wurden sie von mir x^äoniret, und wieder in ihre Würde eingesetzet ; die aber nicht erschienen, belegte ich mit dem Bann. Daraufkam die Reyhe selbst an den Käyser- Denn ich verstärckete die Sachsen, und insonderheit denSächsifchenHertzogOrronem.in dem Mißvernehmen,worinnen sie mit denKäyser stunden,und verhetzte dieselben,daß sie solchen bey mir verklagten. Ich meines Orts nahm die Klage mit aller Hertzens - Freude an, und forderte ào ,076. den Käyser vor mich nach Rom, seines Lebens, Thuns und Wandels.wegen, daselbst Rechenfchafft zu geben. Wie dieses der Käyser empfunden haben müsse, kan ein jeder leicht erachten. Gleichwohl fertigte er eine Gesandschafft nach Rom ab, mich wegen derer Sachsen Klage eines bessern zu unterrichten. Allein ich hatte mir vorgesetzet imràble zu seyn, wannenhero ich die Gesandten ins Gefängniß werffen, mit Blässe, Kälte, Hunger, Durst und Schlägen übel rrräiren, sie auch endlich mit höchster Beschimpffung, zum Schau, öffentlich durch die Stadt führen ließ. m ( 6Z9 ) HZ Der Käyser seiner Seits vermeinete demnach, es seye hohe Zeit, länger nicht an sich zu halten, sondern, das Rauche ebenfalls wider mich herauszukehren. Er schrieb dannenhero, in der Absichte mich abzusetzen, emenäynoäum nach Worms aus, allwo sich auch, noch in diesem 1075. Jahre, die Bischöffe aus Teutschland, Franckreich und Italien, in ziemlicher Menge einfanden. Der Kävser brachte seine Klage wider mich bey ihnen vor, und beschuldigte mich derer abscheuligsten Laster von der Welt; woraufein Schluß abgefasset ward, der also lautete: Hildebrand, so steh 6rcZàmVil. nennet, ist der Erste gewesen, der ohne unsereEinwilligung, wider des Römischen, von GOtt geordneten Räysers Willen, wider die alte Gewohnheit, widerdreGeseye und Verordnungen, den päbst- lichen Stuhl, wsrnach er vormals schon lange gestrebet, an sich gerissen. Er ist ein entlauffener Mönch, verfälschet die heiligeweißheir mit neuenLehren, zwinget die Heil. Schriffr nach seinem Vortheil, trennet die Einigkeit, verwirret alles, Geist-- und weltliches, Gött - und Menschliches, untereinander , und besudelt beydes. Er giebt denen teufelischen, das ist, derer ärgsten Feinde leichtfertigen und verfluchten Lästerungen Gehör, und glaubet sie. Er ist selbst Zeuge, Richter, Rläger und Feind. Er trennet die Männer von ihren Weibern, und ziehet die Huren züchtigen Ehe-Lemen, Hurerey, Blut - Schande und Ehebruch dem keuschen Ehe-Leben vor. Er erreget den gemeinen Mann wider die Geistlichen, wie anch gegen die Bischöffe. Er giebt vor, es seye keiner recht- mäßrggerveyhet, der nicht von ihm das priesterthum erbet* telt, und von seinen Gold-Igeln erkaufst, bemühet steh auch, dem gemeinen Mann zu gefallen, und dessen Gunst zu erhalten, betreugt, himergehtund verführet ihn aber mit verstellter Heiligkeit. Erhandelten und mitweiber-Rath vonde- nen heiligsten Religions - Geheimnissen, Heber das Geseye des grossen Gottes, daran er gebunden, auf, und bedient steh sowohl des Räyser - als pabstuhms, wie die Tyrannen und Götzen-Diener vormals zu thun pflegten. Er widerstrebet der görrlichenMajestät,wider setzt steh dem allerchristlichstenRäy- fer, der von GOtt geordnet und gekröhnet worden, listig, bewirbt steh unter dem Titel Christi, und dem Schaaf-Pely, Xbl.Lllrr. Rrr V um - m (640 ) W__ run das ganye Welt-Regiment. T refer Ursachen wegen ha- b.n, der go< seligste Räystr, die Bisch äffe, der Rath und das L'wrstiiche T>o!ck davor gehalten, Hilde brand müste abgesetzet werden, weil er ihnen nicht gefallet, und man die Schafe keinem LVolfs anvertrauen dörffe. Solchen Schluß bekrafftigten theils Bischöffe mit einem Eyde, theils aber unterschrieben ihn unbeschwohren, und ààirten insgesamt. Laß sie mir von Stund an allen Gehorsam aufgekündiget haben , auch mich nimmermehr einen rechten Pabst nennen, noch davor halten wollen. Mitlerweite, da dieses pâte , hielte ich einen andern S^noäum zu Rsm, welchem nc>. Bischöffe beywohneten, so ich allerseits, entweder durch Geschenckeoder Liebkosungen, gewonnen undauf meine Seirege- bracht hatte. Indem wir nun noch cläbsritten, fand sich eine Gesandt- D schafft von dem äynoäo des Käysers zu Worms ein, die mich, in dergan- tzen Versammlung, mit diesen Worten anredete: Unser Herr, der Räyser,bestehlet euch, daß ihr den Apostolischen Stuhl sollet sichren lasten, und an dieser heiligen Stelle andere nicht länger hindern. Über ein dergleichen Compkimem geriethe ich in den grösten Zorn und Wuth,und ließ vors erste diese kühncGesandtschaffl abermals,wie die vorige, auf das schmählichste ritten. Hernach beschuldigte ich den Käyser allerhand Laster, that denselben in den Bann, und àlvírte zugleich alle seine Unterthanen und Stände, von Eyd und Pflicht, womit sie ihrem Herrn verwand waren, Die Worte des Bannes aber lauteren also: » Heiliger k-me! du Oberster derer Apostel! Wir bitten dich, net- ,,gedeineOhren zu uns, und erhöre deinenDiener, den du von Jugend ,,auf ernehret , und biß auf diesen Tag von der Hand derer Boßhafftigen »errettet hast, die mich, um meiner Treue willen gegen dich, angefeindet '»haben und noch anfeinden. Du bist mein Zeuge, und meine heilige '»Frau, die Mutter GOttes, wie auch dem.Brudsr, der heilige Pau- ',lus, unter allen Heiligen, daß deine heilige Römische Kirche mich wieder meinen Willen, zu ihrem Regenten hervor gezogen, und ich habe >,cs nicht vor einen Raub gehalten, daß ich auf deinem Stuhl gestiegen '»bin, habe auch lieber mit Reisen mein Leben endigen, als mich an dei- '»ye Stelle, durch weltliche Ehre und Hochmuth,eindringen wollen. Und darum M ( 64k ) M daruni glaudr ich, daß es dir nach deiner Gnade, nicht nach meinen,, Wercken, gefallen, und noch gefalle, daß die, dir insonderheit anbe»» fohlene Christliche Gemeinde mir gchorsame, und miran deiner Slel-,, le absonderlich anvertrauet, und nach deiner Gnade von GOtt Ge-„ malt ertheilet worden, zu binden und zu lösen, im Himmel und auf Er-,, den. Auf diese Zuversicht verlasse ich mich nun, und demnach, zur,, Ehre und Schuh der Kirche, anstatt des allmächtigen GOttes des Va-» ters,Sohnes undHeiligenGeistes,durch deineMacht undAnsehen,wider-» spreche ich König Heinrichen, dem Sohne Käyser Heinrichs, aller seiner» Regierung im Teutschen und Italiänischen Reiche, weil er sich durch um,, erhörten Stoltz wider die Kirche aufgelehnet, und zchle alle Christen von» der Pflicht, womit sie ihm zugethan sind, und noch zugethan werden, le-» Lig und loß, und verbiete, daß ihm niemand, als einem König, dienen» solle. Denn es ist billig, daß wer deiner Kirchen Ehre zu schwächen sich» befleißiget, selber die Ehre verliehre, welche er zu haben scheinet. Und» weiler als ein Christ zu gehorsamen unterlassen, auch sich nicht wieder» zum HErrn gewendet hat, den er verlassen,indem er mit vielen Verbann-» ton Gemeinschafft gepflogen, und viel Unrecht begangen, meine Ver-,, mahnungen, die ich, zu seiner Wohlfarch, an ihn Lassen abgehen,besten» du selbst Zeuge bist, in Wind geschlagen, und sich also von der Kirche » die er zu trennen gesuchct,abgesondert. Also belege ich denselben, an bei-» ner statt, müdem Banne des Fluches, und verbanne ihn, in dem Ver-„ trauen aufdich, damit alle Vöicker erfahren und erkennen müssen, daß du,, seyest berrus, und daß der lebendige GOttes - Sohn auf diesen Festen sei-,, ne Kirche gebauet habe, welche auch der Höllen-Pforten nicht überwältigen sollen. Ich erstaune recht über euer Verfahren gegen den Kavser, und insonderheit, daß ihr euch dabey so gar gleißnerischer und heuchlerischer Worte bedienet, da ihr nemIich Petrum, die Heil. Jungfrau Maria und Pentium, zu Zeugen «muffen mögen, als hättet ihr den Päbstlichen Stuhl wider euren Willen betreten müssen, und doch aller Welt das Wider- spiel bekannt gewesen. ^Das heisst ja recht mit heiligen Worten gespie- let, und das Gewissen gäntziich aus die Seite gesctztt. (ildLQOkIOä. Ha! mein Sohn! Ein Pabst, der alles, was er thut, redet und Rrrrr unter- W ( 64: ) M unternimmst, nichtmitdem MantelderHeiligkeit zu bedecken weiß, der fange ja nichts schwehres und mtriZuäeL an- Aufeben demsclbigen 5 ^ noào zu Rom, da ich mit dem Bann gegen den Käyser blitzete, promulgir- te ich mehr als dreyßig Obstes, die insgesamt auf die Festsetzung der Päpstlichen allgemeinen kàngràie , Hoheit, Ehre und Gewalt zieleten ; worunter auch der Artickel enthalten gewesen, daß alle gekröhnte Häupter und Printzen schuldig wären, einem Pabst die Füsse zu küssen, inglei- chen,daß den Auöspruch eines Pabsts niemand, ein Pabst hingegen den Ausspruch aller Welt widerruffen könnte. Der Käyser vernahm mit grosser Bitterkeit, daß er von mir in den Bann gethan worden war ; lächelte doch aber auch zugleich darüber,und vermeinete es würde nicht viel zu bedeuten haben, und er mich gar leichte zu paaren treiben können. Wiewohl es zeigete sich gantzanders. Denn alleWelt, nur die ausgenommen, welche mich ins bejondere kenneten, hielten mich vor einen heiligen, und hingegen den Käyser vor einen gottlosen Mann. Weil hiernechst ein jeder, von seiner Jugend an, gehöret hatte, daß ich den Himmel auf und zuschließen könme, glaubte der einfältige Haufe, daß ich auch gar wohlKäyser und Könige verbannen und absetzen könnte. Bey so-gestalten Sachen kamen, kurtz nach der publìc-à des Bannes, die Teutschen Stände zusammen, und gaben »em-ico i v. ausdrücklich zu verstehen, daß er sich entweder von dem Päpstlichen Banne loß machen, oder der Käyserlichen Crone entschlagen ssUe. Ja es äusserte sich gleich nach dieser Ecklährung derer Reichs-Stände, fast ein jeder des Käysers, und scheuere sich mit ihm umzugehen. Hierüber entsehete sich der Käyser grausam. Allein da war nichts zu thun, als daß er sich in die Zeit schicken, und zum Creutze kriechen.muste, wie sauer eschm auch ankommen mochte, wolle er anders die Käyserliche Crone behalten. Demnach machte sich ^snnLus t V. auf, nach Italien zu gehen, die Loßzehlung von dem Banne zu erhalten. Er erwehite den nechsten Weg durch das Schweitzer - Gebürge, fand aber alle ?sLZen besetzet, und wurde aller Orten als ein Verbannter zurücke gewiesen. Endlich nahm derselbe einen Umschweiff, und suchete durch Burgundien einen Weg nach Italien, allwo er endlich ännv 1077. anlangete eben als ich mich auf dem Schlosse Länuiw befand, und die àbiià, samt,noch andern Frauenzimmer mehr, bey mir hatte. Er erschien etliche Tage nacheinander, in sehr schlechter Kleidung und einem erbärmlichen Zustande, zur rauhen Win- ters- m ( 64z ) ZS ters-Zeit, ver dem Schloß-Thore, und bat inständigst um àànr, mag auch wohl etliche Nächte unter dem freyen Himmel geschlaffen haben, weil ihn, als einen mit dem Fluch belegten, niemand beherbergen wollen. So offte er nun vor dem Schloß-Thore erschien, trat ich samt der àkilcjis an ein Fenster, von wannen wir ihn sehen kunnten; und wer die Süßigkeitgeschmccket hat, welche eine gewaltige Rache dem Menschen zu geben vermag, wird leicht erachten, was wirvor ein Gespottet über ihn werden getrieben, auch was Freude und Vergnügen unser Hertze müsse empfunden haben, unsern grösten Feind also gedemmhiget zu sehen ? Endlich licß^ ich den, von dem Glanh seiner Hoheit gantziich herab gefallenen, Kayser vor mich kommen, und ertheilte ihm die Absolution von dem Banne, mit diesem Bedinge, daß er mich vor seinen Ober-Herrn erkennen, den Streit mit denen Sachsen mir übergeben, und dem Pabstlichen Stuhl Treue und Gehorsam schwchren muste. Jedoch ich wüste gar wohl, daß einem solchem versöhnten Feind, wie ich an dem Käyser làrico l v. harte, gar nicht viel zu trauen stye , wannen-- hero ich auch nicht aufrichtig mit ihm handelte, sondern trachtete^ währen- deseiner Anwesenheit in Italien, in Teutschkand solche iroublcn zu erregen , die npà seyn möchten, ihm entweder viele Jahre zu schaffen zu machen , oder denselben aänhlich um die Käyseriiche Crone zu bringen. In der Absicht wiegelte ich kuclosskum, Hertzogen in Schwaben wider kà- ricum ì V. auf, und karthete die Sache dergestalt, daß besagter tìuâolpbus sich des Käystrl. Titels anmaßen, und suchen muste den Thronzu behaup- ten.SolcheS alles warttennco iv. eine geraume Zeit verborgen, weil ich alle Pässe nach Italien, durch meine Leute, dermassen genau besetzen ließ, daß er keine Zeitung ausTeutfchland erhalten kunte.Endlich bekam er doch Wind von dem,was sich in Teutschland gegen ihn anspönne, und da eilete er über Hals und Kopffaus Italien zurücke,den Lauffderer oZrecken seines Feindes zu hemmen. Bey seiner Wieder Ankunfft in Teutschland theilte sich das Reich gleichsam in zwey Theile. Die Sachsen betreffende, hielten sie es mit lìuâo'pko ; dieSchwabeu hingegen mit ttenà 1V. Ich verriethe mich gar bald, und zeigte, daß ich es mit dem unrechtmäßigen Käyser lìuàc-l- pko hielt ,indem ich -hm auch so gar eine Crone zuschickete, auf welcher der Vers gestochen gewesen: pc'ra kiellit ketro; ?errus Disclema sinclopbo. Allein eben dieses Verfahren öffnete denen Teutschen Ständen die Augen, daß sie sahen und erkannten, es müsse mein Haß gegen den Rrr r r Kachr HE ( 644 ) N 8 . __ —- t- - . - . . . . .« Käoseretwas mehrmals einen blossen Religions -Eyferr'n sich haben, wan, nenherodiealte^stc-stionzu Enrico sich bey vielen wieder erneuerte. Gleichwohl muste bienncus 1V. mit dem, so sich zu seinem Widersacher , und einem Gegen- Käyser, aufgeworssen hatte- bey nahe vier Jahre lang einen scharffen Krieg führen, binnen welcher Zeit etliche blutige Schlachten geliefert worden sind ; wobey bald diese bald jene Parthey den Platz behalten, àio 1080. fiel abermals eine blusige Schlacht zwischen ^enricoiv. und seinem Widersacher Kuäo-chbo, bey Voihheim in Oster-Lande vorchüwo von beyden Theilen mit unglaublicherssurie gefochten worden. Als aber die Sachsen den Sieg fast schon in Händen hatten, erblickete ein Schwäbischer L^vsiier, kn^i-icuZ von Staussenchen Gegen - Käyser kuäossbum in Person,drang aufihn loß, gab ihm einen tödlichen Swß in dem Wanst und hieb ihm die rechte Hand ab ; worauf die Sachsen in die Flucht Miethen, und Käystr lààs i v. behielt den völligen Sieg. DenblellirtenGegen-KäyserRuäolpbnmbrachte man nach Mer- seburg, allwo er am drittenTag gestorben. Vor seinem Ende erkannte er noch Gottes sonderbare Gerichte, daß ihm eben dieselbe Hand war abgehauen worden, damit er »enrico !V. zuvor den Eyd der Treue geleistet hatte. Sein Cörperwurde zu Merseburg begraben; und obgleich nach, gehends ein Keller aus seinem Begräbniß ist gedauet worden ; fo ist die abgehauene Hand doch noch jetzo in der Dom - Kirche allda zu sehen. Wer diese kebelüon gegen den Käysir, und den Lerm, welchen mein Verbot wegen der Priester-Ehe mTeulfch'and cz».;rte, zusammen hält, wird finden, daß zu selbiger Zeit ein recht verwirrter / jämmerlicher und kläglicher Zustand, allda gewesen seyn muss'. Wie bereits in dem Anfang dieser unserer Unterredung errechnet worden, halte PabstLyrià 7OQ. Jahre ehe, als ich gewesen, denenPricitem die Ehe untersaget, und etliche andere Päbfte vor mir hatten einen Fluch auf diejenigen Priester geleget, welche sich verheyrathen würden. Nichts destowemger schiene mein Verbot diesen Leuten, sonderlich in Teutschland, etwas gantz neues und unerhörtes zu seyn. Sie jetzeten sich demnach mir Händen und Füssen dargegen/lästcrten heffcig aufmich, und schrien mich vor einen greulichen Ketzer aus, der mit Hintansetzung der Lehre Christi, und des Apostels Paust, die Menschen mit Gewalt nöthigen wolte ein ehelofts Leben zuführen, und den gewöhnlichen Lauffder Natur zu hintertreiben suchte,weshalb sie, wann ich hartnackicht darinnen fortfahren würde, bereit wären, lieber den Priester M ( 64s ) Z« Priester alö-Ehestand aufzugeben. Hiernechst legten sie eine feyerliche ^roràtion wider mein Ehe-Verbot ein, an welches alles ich mich doch nicht kehrete, sondern dabey verharrte, daß die Priester nicht heyrakhm, und die wirklich verheyratheren ihre Weiber und Kinder von sich lassen sotten. DerErh-BischoffzuMaynhberuffete etliche tausend Priester nach Erfurt zusammen, welchen er meinen Befehl, in ?uià ihres Ehestandes, allda publicité. Aber,hilffHimmel! was vor ein Klagen, Brummen, Murren, Schelten und Schmähen erhübe sich nicht darüber ? Ja sie stetigen an mit Prügeln auf den Ertz-Bischoffloß zuschlagen, und vergüte Mann muste, sein Leben zu retten, eiligst sehen, wo der Zimmermann das Loch offen gelassen hatte.. Disse erbitterten Priester wünschten auch tausendmal daß ich gegenwärtig seyn möchte , damit sie mich in Stücken zerreißen könnten ; und ich schätze mich glücklich, daß ich damals weit von ihnen gewesen bin. Mermassen ich nun sahe, daß es mir schwehr fiel die Priester- schafft vondem ehelichen Leben abzubringen, und die Gewalt eine gantz vergebliche Sache zu seyn schiene: sowar ich auf List bedacht, um damit durchzudringen. Solche bestünde darinnen, daß ich einegrosse Anzahl heimliche lVlillionarien employrte, die den Pöbelüberreden musten, à Priester, so in der Ehe ledere, wäre kein rechter Priester, und die äLcrrimcma, welche er söllMrirte, hätten keine Wirckung. Darauf erhübe sich das Volck gegen die Priester und verfolgte sie. Ja es kamen solche dermaßen in Verachtung, daß sich fast ein jeder weigerte die von ihnen anzunehmen. Der ihnen gewidmete Zehnte wurde verbrannt, auch viele Bischöffe und Geistliche, so die Weiber nicht verlassen wolten, vertrieben. Indessen wolte der ohne Erschösse und Priester lebendePöbel nicht ganh und gar ohne dem Gebrauch derer Sacramemen leben, wannenhcro ^ selbst tauffete, und sich das Abendmal reichte; wobey es aber vielmals dermaßen verkehrt zugegangen , daß man sich auch des Ohren - Schmalhes, an statt des Heil. Cry-»' famé zuweilen bedienet, auch öffcers bloß in dem Namen unserer lieben Frauen, oder eines andern Heiligen, nicht aber im Namen der Hochge- lobten Drevfaltigkeit, getauffet haben solle. Endlich musten doch viele ' widrig-gesimme Bischöffe, samt einem grossem Haufen derer Priester sich bequemen, meinem Willen ein Genügen zu thun, um sich dadurch von der Verfolgung des Vvlcks zu befreyen. Viele hingegen verharrten in ihrer UZ c 646 ) W ihrer Hartnackichtkeit zu gehorsamen, und es hat,wie ihr selbst schon angeführet, die Priester-Ehe, nicht gäntzlich unterdrücket werden können, biß Pabst cn ixrus II. zur Regierung gekommen. Wundersam ist dieses , daß sich hierinnen die Teutsche, Niederländische und Englische, Priesterschafft am allermeisten wiedersehet,die Fran- tzssen, Jtalianer und Spanier aber den besten Gehorsam geleistet, da doch diese àloass weit hitziger als jene auf das Frauenzimmer zu seyn pflegen ; und zwar hat sich die Französische, Spanische und Italiänische Priesterschafft, grösten Theils, schon vor meinem Verbot befliessen ohne Weiber zu leben, worinnen sie aufdas Verbot Pabst 8 ^ncü, und anderer meiner Vorfahren mehr, gesehen. In allen andern Europäischen Landen, die nicht mehr in dem Hey- denthum stacken, welches noch an verschiedenen Orten dieses Welt- Theils herrschete, gab ich die Päbstliche Hoheit, Ansehen, und von mir prsttsnäirte absolute Gewalt, bald auf diese bald aufjene Weise .ebenfalls sehr nachdrücklich zu erkennen, und forderte von denen Völckern mancherley Lontribukionss, oder sogenannte Kirchen-Zinnße ein ; muste aber auch zufrieden seyn, wannn zuweilen meine Abgeordneten, mit rauhen Worten, oder wohl gar Schlägen, abgewiesen wurden. Nachdem der Käyser kilenricus i v. seinen Feind in Teutschland, kuäolpbum Zedämpffet hatte, nahm er sich vor, eine schwehre Rache an mir auszuüben, worzu er alle Anstalten vorkehrete. Zu Mayntz steilere er eine Versammlung an /die aus 7 9. Bischöffen bestünde, woselbst man häßliche Dinge ,wider mich auf das brachte, und vor gut befand, auch derer Italiänischen geistlichen Stände Meinung darüber zuverneh- men. Solche versammleten sich hierauf zu Brixen in Tyrol , in ziemlicher Menge, und da ward,allhie sowohl als zu Mayntz, einhelliglich geschlossen , der pabst könne den Aayser nicht verbannen, sondern die Apostel hätten befohlen dem Aäyser zu gehorchen. Sodann verfuhr man noch weiter, und relolvlrte, daß ich gäntzlich abgesetzet seyn solle. Die Worte des Schlusses, des L^nocli zu Brixen, aber lauteten also: «Dieweil offenbar ist, daß Hildebrand nicht von GOtt erwehlet, «sondern sich selbst, durch Betrug und Geld, unverschämt auf den Päpstlichen Thron gedrungen hat, der die Kirchen-Ordnung und den geistlicher! Stand umkehret, das Christliche Reich zerrüttet, dem Christlichen M ( §47 ) Z» chen König, der ein rechtgläubiger und friedfertiger Herr ist, nach Leib,, und Seele stehet, den meineydigen König vertheidiget, unter die Ein-., trächtigen Zwietracht ausstreuet, zwischen Friedfertigen Hader und,. Zanck, zwischen Brudern Aergerniß, zwischen Ehe-Gatten Ehe-Schei-„ dung, anrichtet, und der, was unter denen gottselig-Lebenden ruhig zu«, bestehen schien , zerstoßen hat. Dahero, solcher Ursachen wegen,., wir,durch göttliche Ordnung uns versammlet, und mit denen Bothschaff-., ten und Zuschreiben derer neunzehn Bischöffe, die zu Mayntz beysam-.. men gewesen, uns eben wider diesen ungestümmen Hildebrand,, vereiniget haben, der nur lauter Kirchen-Raub und Feuer prediget,,, Unrecht und Mord vertheidiget, den wahren Apostolischen Glauben,., in vielen Stücken, in Zweiffelziehet, des Ketzers LerenZ-n-n alter Lehr-,, ling, ein Wahrsager und Traum-Deuter, ein offcnbahrer Hexenmei-,, ster und Teufels-Banner ist, der einen Teuffels-Geist hat, dahero,. vorn wahren Glauben abschreitet. Diesen halten wir dafür, daß er., nach denen Satzungen solle abgesetzet und ausgesaget, auch daferne er., selber, wann er dieses vernommen, nicht vom Päbstlichen Stuhl ab-., stehen wird, ewiglich verdammet werden. Dieser Schluß lautete hart vor mich, und war ein Donnerschlag in meinen Ohren; zumal weil sich viele Italiänische Bischöffe und Prälaten damit vermenget hatten, und der Käyser sichln t-äursehete, ihn mit Gewalt gegen mich zur Execution zu bringen. Mein gethanes Verbot der Priester-Ehe wargantz gewiß zürn Theil Ursache daran, daß die Bischöffe eine solche Verbitterung wider mich blicken liessen, und dürff- tensie, vielleicht , dem Käyser lange nicht so sehr wcher mich -àmet haben , wann ich nicht an solches Verbot gedacht hätte. Ich wiegelte die Sachsen aufs neue gegen den Käyser auf, und durch mein Betrieb geschahe es, daß sie Hermäum von Lützelburg, welcher zu Eißleben restarts, zum Käyser erwehlten; allein das Glücke war ermüdet, mich weiter gegen den rechten Käyser zu lscunäiren. Nsnricus IV. kehrete sich an den neuen Gegen-Käyser, welche» man einen Knoblochs König zu nennen pfiegete, weil damals in der Gegend bey Eißleben überaus viel Knoblauch wuchs, gar nicht, sondern svâîrte mit seiner ârmês gegen mich, wannenhero ich vor Angst nicht wenig geschwihet. Er machete auch, seiner Sache gegen mich einen desto bessern Nachdruck zu geben, den^rtz-Bischoffenvon k3vennL,ss s krrcul«, m ( 6^8 ) W , ì>erlum,zumPabst, und der ist es, welû)Lreismemiil.gcheissen. Endlich erschien der Käyser in einer ganh andern Gestatt, als wie ehemals vordem Schloß, Thor zu e-muiio. vor denen Mauren zu Rom, welche Stadt er belagerte. Ob er nun gleich mit der Belagerung zwey gantzex Jahre zubrachte, fiel die Stadt lehlich dennoch, den 2. jumi io8z in feine Hände.Jch meines Orts flöhe in die Engelsburg, und, nach einigem gemachten Aufenthatt.darinnen, vollends hinter zu denen Normännern m das Neapolitanische. l^enricusIV. ließ sich daraufàno lo84.zuRom,vondemdurchihn gesetztenPabst kröhnen.Währenden seiner Anwesenheit allda ließ ich ihm vielmals nach seinem Leben stellen, welches aber allemal vergeblich gewe, sen.Unter andern hatte ich eincnMeuchel-Mörder erkauffetcher dcmKäyftr einstmals, als er sich in der Kirche befand, einen grossen Stein, von dem Kirchen-Gewölbe herab, auf den Kopff weltzen solle. Allein der Kerl wüste mit der ^sckine nichdrecht umzugehen, und kam also mit dem Stein zugleich herunter. Nimmermehr hätte ich mir eingebildet, daß dieser, ào 1277. vox dem Schloß-Thore zu e-nulìo, ganh elend und emkräfftetgestandene Käyser, wieder so mächtig werden sötte, daß er mich von dem Päbstlichen Stuhl herunter stürtzen könnte, à conu-à, ich sahe ihn vor gänhlich ver- lehren an, absonderlich da ich ihm einen so mächtigen Gegen-Käyscr,nem, lich kuäoipkum, erwecket, und fast alle Welt wegen des Bannes, womit ich denselben beleget, einen so grossen Abscheu wider ihn geheget hatte. Jedoch da ich mich nunmehro in meiner Meinung betrogen sahe, bereuete ich, in meinem Unglück, meine Einfalt viel tausendmal, daß ich ihn nicht, zur Zeit seiner Erniedrigung, durch einen Meuchel - Mörder, vollends aus der Welt schaffen lassen, welches mir damals gar wohl möglich gewesen wäre. OeRUäkOU?. Das ist noch eine. Frage, ob euch die Hinrichtung des Käy- fers möglich gewesen wäre? Denn obgleich der Himmel verharr, get, daß er, von aller Welt verlassen, vor euch, als seinem grasten Feind, in der demüthigften Gestatt erscheinen müssen , kan dennoch eine himmlische Hand einen starcken Schild über khwgehatten, und euch heimlich verhindert haben, à Meuchel-Mord an dem Gesalbten des HErrn —_ 'M ( 649 ) M HErrn zu begehen ; worzu euch /anderergesiaü/euer böses und erbittertet Gemüthe, gantz gewiß angerathen haben würde. (l!îL6L)K!UT. Ich plagte die Normänner so lange, biß sie sich aufmachten, und einen Zug herauf nach Rom thaten. Wiewohl ich sahe mich in meiner -Hoffnung wiederum betrogen, die ich mir gemacher hatte, von ihnen wieder auf den Päbstlichen Stuhl gesetzet zu werden. Denn Rom ward zwar von ihnen erobert, aber auch, auf das feindseligste von der Welt, durch sie selbst geplündert ; und mich führten sie, als einen Gefangenen, wieder mir zurücke in das Neapolitanische, allwo ich, zu 8s!srno, àns log s.den r/p tvizy, gestorben bin, und meine Gebeine siegen noch setzo m der St. Matthäi.Kirche allda begraben. OLLttäkOUS. Wo mir recht ist, habe ich von euch gelesen, ob wäret ihr, bor eurem Ende'annoch zur Erkänntniß gekommen, indem ihr einen, euch sehr lieb gewesenen Cardinal zu euch xuffen lassen, vordem ihrGOtt, dem Heil. kerro. und der ganhen Kirche gebeichtet, daß ihr in eurem anbefohlenen Hirten -Amte sehr gefehlet,und durch Eingebung des Satans, wider das menschliche Geschlecht, Haß und Zorn geheget hättet,auch darauf, solchen omen Beicht-Vater, an den Käyser und die gantze Kirche abgeschicket, sie wegen des kälen.um Verzeihung zu bitten. Hiervon ist mir nichts bewust. à contraire, ich sprach vielmehr, annoch kurtz vor meinem Ende: Ich habe Gerechtigkeit gäbet, rrnd gottloses Wesen gehastet, darum sterbe ich im Elende. 6LL»Liri)U5. Desto schlimmer ist es vor euch, wann ihr, kn der Boßheit und der Heuchelev gantz ersoffen, dahin gestorben seyd. Wie ist es dann endlich mit dem GegewKäyser ttsrmanno, oder dem sogenannten Rnoblochs- König, abgelauffen? OKL6 08IU8. Ich war schon todt als sich diese Händel endigten. Jedoch st viel l^s s s 2: Mir m t 650 ) W mir bewust, Hat hiermgniE letzlich nachgeben , und sich um des Käysers ttenrici I V. karöon bewerben müssen, den er auch àlio 1087. erhalten. Nach diesem hat er aufseinem Schlosse Lindberggelebet, und ist endlich erbärmlich um das Leben gekommen ; wiewohl die Art und Weise,wie es damit zugegangen? ungewiß ist, indem die Erzehlungen davon jederzeit sehr unterschieden gelautet haben. Einige sagen, er seye von seinen eigenen Soldaten erschlagen worden. Andere wollen behaupten, es wäre ihm ein Thor aufden Hals gefallen. Und dann giebst es wiederum Leute,die da sagen, es habe ihm eine Frau ein Stücke Stein auf den Kovffgeworf- fen, und ihn dergestalt getroffen, daß er davon gestorben. KäyserUenricusiv. bekam immer neue Feinde in dem Römischen Reiche, und es legten sich auch so gar seine Kinder wider ihn auf, wovon der jüngste Sohn Uenricus der schlimmste gewesen, der auch endlich, mit Hülffe des Pabst und der Geistlichkeit, über den Vater triumpkiret, und ihn des Käyserlichen OriE und Throns beraubet, dergestalt, das er letz- lich zu Lüttich, in grosser Bekümmerniß gestorben ist. Den Cörper ließ der Bischofszu Lüttich begraben; sein eigener Sohn aber, Käyser ttsnri- cus V. gab Befehl, daß man ihn, weil er nieder in den Bann gefallen und darinnen gestorben war, wieder aus der Erde reisten muste. Dar- aufist besagter Cörper, zuSpeyer,gantzerfünffJahreunbearaben gele- gen, und erst àno 1 n 1. aufs neue unter die Erde,zu seinem Ruhe-Bett- lein gebracht worden. OL6NLRON8. Das ist kläglich genug von einem so grossen Käyser zu hören, der in seinem Leben, der Historie zu Folge, mehr als 6 o. Feld - Schlachten,meistens mit gutem Vortheil, geliefert hat. Saget mir doch, wie die Norr- männer, zu denen ihr eure Zuflucht genommen, in den hintersten Theil von Italien gekommen sind ? 6kL60KW8. Diese Völcker kamen um das Jahr 879. aus dem Norden, und fielen in Teutschland, wie auch in Franckrcich ein, in welchem letztem Königreich sie ein eigenes Herhogthum angeleget haben, welches noch biß aufdiefe Stunde die d^ormanöle genennek wird. àno ioz s. gelangest ein unächter Norrmännifcher Printz, ^lübelmus, zur Regierung. Gleich- m ( 6sl ) W — Gleichwie nun vielen Norrmännern nicht anstünde, daß sie einen Bastarr vor ihren Herrn erkennen sotten, als beschlossen sie die àmàie zu verlassen, und ihr Glücke an einem andern Orte in der Welt zu suchen. Die Griechen und Saracenen zanckten sich damals accnrar um das unterste Theil Italiens, welches denen Norrmännern Wasser auf ihre Mühle gewesen. Derohalben machte sich eine starcke colonie auf, und brach 1041. in Italien ein. Ihr Anführer hieß ^gncreäuz, welcher nicht nur selbst tapfer war, sondern auch zwölffstreitbare Söhne bey sich hatte,welche insgesamt als Obristen unter ihm commanàten. Erstlich nahmen sie Apulien ein. Hernach aber griffen sie weiter ; und brachten endlich alles unter sich, was heut zu Tage unter dem Namen von Sicilien und Nea- po-lis begriffen wird ; und dieses ist auch der Grund, zu dem Neapolitanischen Königreich sowohl, als zu dem Sicilianischen, gewesen. Schreitet nunmehro zu eurer Historie, mein Sohn Gebhard ! Denn ich verhoffe Dinge darinnen zu hören, die da mei mren, daß man sie wisse. Ich bin aus dem Schwäbischen Geschlechte derer Truchsesse von Waldburg entsprossen, und mein Vater war > Freyherr zu Waldburg. Vielleicht wäre ich glücklich gewesen, woferne man mich dem Kriegs-oder einem andern weltlichen Leben gewidmet hätte. Allein ich muste mich bequemen ein Geistlicher zu werden, und das ist dir Ursache, warum ich im Elende gestorben bin ; angesehen mir kein rechtes geistliches Fleisch gewachsen war. Hierzu gab mein Vetter, Ocw, Bischofs zu Augspurg/und der zugleich mit dem Cardinals -Purpur gcpranget, Anlaß,welcher mit allerGewaltgewolt,daß ich in seinen geistlichen Fußstapf- fen wandeln solle, auch mir mehr als einmal gesaget, es seye kein commo- 6er, niedlichers und besseres Leben, als wann man zum Besitz einer reichen Abtey, Biß-oder Ertz-Bistums, oder auch anderer fetten l'rànàen, gelangete. Wasnun die Erlangung fetter ?ràr>6en betrifft, fiel mir hierinnen gar nichts schwehr, und ich halte ein solches leutseliges, höfliches und gelindes Wesen an mir, daß mich ein jeder, mit dem ich nur redete und um- gieng, liebeteund LiHmir-ne. 8àn-.inu8 , Churfürst und Ertz - Bischofs zu Cölln, wie auch Bischofs zu Paderborm ein gebohmer Grafzu Jsenburg gab, aus freyen Stücken, alle seine geistliche vignnälen auf, und vermählte sich mit àà, einer Sss s z Gräfin «ß ( 6sr ) W Gräfin von Arenberg, damit das Geschlechte von. Jsenburg, wovon ausser ihm nichts mehr männliches übrig gewesen, nicht ausgehen möchte, und er in denen Armen einer Gemahlin, die schon mancher höher, als Ertz- Stiffter und Stiffter Tstimiret, schlaffen könnte. Mir meines Orts war, ^nno ls77.be» einerneuen Erh-Bischöffli- chen Wahl zu Cölln, das Glücke dermaßen hold, daß es mir die meisten Stimmen zuwande,verstatt,daß ich einem sehr starckencomperenren,nem- lich Lraetto.Herhogen von Bayern, der damals schon Bischoff zu Frey- singen und Hildesheim gewesen,vorgehen ward. Ich sahe mich demnach, in einem etlich und dreyßig jährigen Alter/ zu einem Mit-Glied des vortrefflichsten coiiegu in der Welt, welches sonderZweiffel das Churfürstliche ist,ungeachtet die Cardinäle hierzu nein zu sprechen,und sich selbst den Rang zu zueignen pflegen, wie auch zur Besitzung eines mächtigen und reichen Ertz - Bistuhms, erhoben, welches vor einen andern als mich, allerdings ein extmoààs Glück gewesen wäre. Ich hingegen empfand die Freude und Vergnügen, welches eine dergleichen Erhebung zugeben pfleget, eine sehr kurtze Zeit, indem sich hernach alles in lauter Gall und Bitterkeit verwandelte. Mein erstes, was ich that, war, daß ich öffentliche Gebete in meiner OicLceL anordnete, um von GOtt einen Frieden in denen Niederlanden zu erbittest,allwo zur selbigen Zeit,durch die Spanischen und Holländischen Waffen, häuffiges Menschen-Blut vergossen worden. In der Stadt Acken hatten sich schwehre Streitigkeiten, zwischen denen Römischen Ca- tholischen und denen kroreàmen , angesponnen, zu deren Beylegung mir, und dem Churfürsten von Trier, von dem Käyser, commission aufgetragen ward. Wir sendeten derohalben einige von unsern Mmüris dahin, welche aber wenig ausgerichtet. Der Streit hingegen hat gedauret biß àno 1614. da die Stadt m die Reichs-Acht erklähret, und die Protests», rische Religion daselbst gäntzlich unterdrücket worden, dergestalt, daß denen Herren Römisch - Catholischen, durch solche Reichs - Achts, Ernährung , kein Schade zugewachsen. Eine überaus starcke inclmsîà Hegers ich zu dem Frauenzimmer, und meine Augen blieben aufeinem jeden schönen Gesichte, gleichsam an- geheffret, klebem Ja ich bildete mir,kurtz nach meiner Erhebung zu der Geistlich - Churfürst - und Ertz - Bischöfflichen Würde ein, der Leib eines jeden schonen Frauenzimmers, samt dem was darz» gehörig, stye mehr werth. _ m ( 65z ) M werth, und könne weit grösseres Vergnügen geben, als das beste Ertz- Bistum in der Welt. Zu meinem grossen Unglück zog damals ein bt- rühmter kisZu«, 8cor genannt, an denen Europäischen Höfen herum, der sich auch bey mir einfand. Gleichwie ich nun sehr begierig war in dem Aukünfftigen zu forschen- also mochte ich ihn sehr gerne um mich erleiden, und gieng auf das Vertraulichste mit demselben um. Er rühmte sich dee Besitzung eines Crystalls, worinnen er allerhand Dinge, welche man zu sehen begehme, zeigen könnte. Derohalben verlangte ich von ihm ? ee solte mir die schönste Frauens, Person vorstellen, die deromalu in der Nähe sey. 8cor willfahrete mir, und zeigte mir in seinem Crystal! ein Gesichte, wovon ich augenblicklich, als wie von einem Blitz gerühret ward, dergestalt, daß ich nichts anders wünschte, als mit eben diesem Gesichte, die gantze Zeit meines Lebens hinzubringen. OKL 60 KIU 8 . Dergleichen Dinge, wie ihr, mein Sohn! mit 8coren vorgenommen , sind einem Ertz - Bischofs sehr unanständige Sachen. Es geziemet zwar allen Ertz-und Bischöffen ein heiliges und gottseliges Leben zu führen ; denen Cöllmschen aber vor vielen andern. Denn sie sind Nachfolger des Heil. l-àernà, des Sohns der Wittwen zu Nain, der im 19. Jahre seines Alters gestorben, und ào zr. von Christo von dem Todten auferwecket worden. Ey lieber! Weil ihr des Sohns der Wittwen zu^m Erwehnung thut, so lasset doch weiter hören, was euch von ihm bekannt ist ? 6KL6ORW8. Zu folge der Kirchen-Historie, zog er àno so. mitLucKäriound Valerio aus, das Evangelium in Teutschland^u predigen, starb aber im Elsaß. Nachdem er nun 40. Tage im Grabe gelegen hatte, fb ward er von dem Heil. Luckäno, mit dem Stäbe des Apostels àtri, wiederum von denen Todten auferwecket. Hierauf hat dieser àernm ganher z 8. Jahre das Evangelium an dem untern Rheinstrohm geprediget,allwo damals die vbn und die DmZi-î gewöhnet haben. Endlich, nachdem seine Reise-Gefehrten, Luclr-ri^ und Vâlcàs, gestorben waren, so hat er ihnen in der Bischöfflichcn Würde gefolget, und ist zugleich in Trier der dritte , in Eölln aber der erste Bischofs worden. Gleich- m ( 654 ) M Gleichwie er nun 40. Tage im Grabe gelegen hatte : also. ist er auch 4o.gantze§,Jahreem Bischofs gewesen, und bat zusammen , is. Jahre gelebei; worüber sich niemand wundern wird, der da glaubet, daß er zweymal von denen Todren auferstand', n. Lctzlich starb er ^no i28. und zwar am áSonntagnachiriàris, eben als er das Evangelium von dem Sohne der Wittwen zu Nà abgelesen halte. DaßCHristusderHErrden Sohn einer Wittwen zu von dem Todt auferwecket, daran ist gar kein Zweiffel, weil uns dieHeil. Schrifft dessen versichert. Ob sich aber eben dieser auferweckte Jung, ling unter der Zahl derer Cöllnischen und Trierischen Bischsffe jemals befunden ? desfalls dörffte von manchem ein stärkerer Beweiß, als eine dergleichen blosse Erzehlung, gefordert werden. Jedoch ich wende mich wiederum zu meiner Historie. Man pflegt in dem gemeinem Sprichwort zu sagen : wer dem Teufel glaubt, wird von ihm geäsfer und betrogen. Solches trafbey mir wohl redlich ein. Denn der Himmel mag wissen, was das vor ein Bildnißgewesen, welches ich in dem teuffelischen Crystallen des Lcocen gesehen? oder er mag wohl gar ein von Menschen Händen gemachtes ?orrrà einer schönen Frauens - Person hinein gestecket gehabt haben. Gleichwohl ward ich davon, wie schon gedacht, gantz àm>rt , bezaubert und eingenommen, wünschte folglich anders nichts, als die Person selbst, in lebendiger Gestalt, ansichtig zu werden, und sie zu besitzen. Waren nun meine Augen zuvor begierig gewesen nach schönen Frauenzimmer zu sehen : so wurden sie es nunmehro desto mehr, und trachteten unaufhörlich das OnZmLi auszuspähen, dessen conuel-,ir jch in 8eorem mehrerwehnten Oystall gesehen hatte. Da erblickete ich einstmals ^Znecem. des Grafen Johann Georgens von Mannsfeld Tochter, bey einer gewissen Gelegenheit, und bildete mir gäntzlich/in, sie seye diejenige Person, die sich mir in dem Crystal prsckemiret hätte. Ja es kamen mir von Stund an alle andere Gesichter schöner Weibs-Bilder häßlich vor, und kgnes war die einige, die mich, durch Gewährung ihrpr Gegen - Gunst, meiner närrischen eiìgàsts nach, auf derErden glücklich machen kunme. Allein meine Geliebte wüste ihre Persrn aus dermaßen wohl zu spielen, HZ c 6s>- )ZH ken, und stelkete sich Felsen, hart gegen mich an; zumal weil sie schon in dem Kloster Gerrisheim geistlich verlobt gewesen. Derohalben siel ich zu ihren Füssen und versprach mit theuren Worten sie zu ehelichen ; da ich doch nicht sahe, wie eine Gemahlin, und der Besitz eines solchen Römisch, CacholsschenErtz-Bistum wie das Cöllmsche, beysammen stehen könnte? Ich fiel demnach aufdie Gedanà mich zu der prokànrsschen Religion zu wenden, und zwar zu der andern Linie solcher Religion, welche man die lìàm-tte zu heißen pfleget, in der Hoffnung dadurch eine starcke Stütze an denen krocànren insgesamt, besonders aber an denen kelor- mikten Printzen und ?uàcen zu erlangen, wannenhers ich auch, unter der Hand, und ehe noch mein v-üem sich offenbahrete, trachtete, das Aufnehmen derer ?rotänten, in dem Ertz-Slifft Cölln, aufalle Weise zu be, fördern. Mein Vorhaben war allerdings etwas gefährliches und schweh- res ; allein ich wolte ein vor allemal meiner schönen HZnes sowohhals derer krevcnuL'n des Ertz-Stifftes, gemessen. OkL 60 klv 8 . îy , ey mein Sohn ! was vor ein thörichter Einfall ist dieses gewesen. Man findet ja die Ertz - Stiffter nicht alle Tage auf der Gassen, daß man sie, bloß eine einige Frauens-Person an seine Seite zu bekommen , aufdas Spiel setzen könne. Ihr hättet euch, nach denen, in meinem Leben gehegten ttàipûs, oderals ein Welt-Kluger zu reden, bloß an àrrân hatten, keineswegs aber an eine Heyrath gedencken sollen. Denn es fehler ja keinem, der ein Ertz-Stifft besitzet, an Mitteln, eine oder mehr d/l-àà zu gewinnen, und sie reichlich zu versorgen; wobey auch die Sache dermaßen heimlich gehalten werden kan, daß sehr wenig Menschen etwas davon erfahren, nur die Oonlillenren ausgenommen, deren Mäuler man mit guten Kuppel-Peitzen ausfüttern und siopffen muß. ' Aber, liebster Himmel! meine ^Znes wolte durchaus keine werden, noch von einer Buhlcrey ausser der Ehe reden hören. Was solle ich dann thun? Ihr hättet sie sollen zum Hencker gehen hcissen, und euch nach einer Xttl. Lncr. Ttt t andern W ( 6s6 ) W andern Person umsehen , die ebenfalls schöri/ und doch willig gewesen wäre in den ^làell'en-Stand zu treten. 6LSNäkOdl8. O Himmel ! ^5ns8 war die schönste unter allen, und es war mir damals , als sich mein Hertze im Leibe gegen sie entzündete, unmöglich sie zu lassen/ soltees mich auch ein gantzes Königreich gekostet haben. OkL 60 kId- 8 . Ebendarum, weil ihr so blöde am Verstand gewesen, daß ihr eure /jZnss vor die Schönste unter allen, auch eine Werbs-Person höher als ein Erh-Bistum, oder gar als ein Königreich gehalten, seyd ihr unter die grossen Gecken der Welt zu rechnen. Jedoch, wie gieng es weiter. OL6»àROV8. Ich war nicht gesonnen die Catholische Religion in dem Ertz-StM Zäntzlich zu unterdrücken, sondern nur vor die Nroànken das freye Lxsr- ettium iveiigioNis einzuführen, und nach meinem Todt solte das Capital freye Macht haben, nach seinem Willen, eine L eäion oder kokulsrion anzustellen: denn Anfangs kam es mir nicht in den Sinn, daß ich mich rn dem Eeh - Snfft erblich machen wolte. , Als ich nun mit solchen meinen Anschlägen schwanger gieng, entstünde in der Stadt Cölln ein gantz entsetzlich Lerm. Es waren nemlich darinnen bereits sehr viele Bürger und Einwohner der lì-formìrcen Religion zugethan. Diese hielten aufmein heimliches Anstifften, ingleichen auf Raih des Grafens von Solms, und des Grassens von àemsr, durch eine suppiîcàn bey dem Rath dieser freyen Reichs-Stadt an, ihnen die freye Übung ihres Glaubens zu gestatten, mit Bezeugung und Erbie, ten, Laß sie dabey der Obrigkeit allen unterchäm'gen Gehorsam leisten wollen, Allein der àgiàr ließ die Burger , so die 8 upp!icgrivn unterschrieben hatten, in den Thurm werssen. Weil aberglcichwohl die kìelormir- ten Burger und Einwohner noch nicht nachlassen wollen, sondern des Sentags nach Mechtern, einem dem Grafen von ^lsvemzr zuständigen Dsrff, zur Predigt sich verfügten, vorgebend, es hätte ja gemeldter Graf Macht und Recht, an gedachtem Ort einen Prediger zu bestellen, fleug der Rath an denen Bürgern das Hinausgehen mit Gewalt zu verwehren. Zu dem Ende Mden an einem Sonntag die Thore zugehalten, die Bäume m ( 6s7 ) W,_ me à, welche um Meckern her stunden, abgehauen, und hernach mit Stucken ausselbigen Ort geschossen, damit die Leute furchtsam gemacher werden möchten dahin zu gehen; worüber dann alles in àrm geriech. Ja, es fehlere nicht viel, so wären die Römisch-Cathoüschen und die pro- rànren zu Cöün gar an einander gerathen, welches aber der Himmel noch verbuchet, weil, anderergestalt, die procàmen, als das aller- schwächste Häuflein, in eknerso gewaltig grossen Ertz-Calholischen Stadt, sehr übel ju rechte gekommen seyn würden. Der Rath in der Stadt Cökln, samt dem Capitul, befanden vor gut an denHerhog vonJülich,wie auch an den vonParma,welcher sich damals ais Spanischer Oeneral-Qouvsrneur in denen Niederlanden aufhielt, zu senden, und beyde zu ersuchen, ihnen lm Fall der Noch mit ihrer Hülste beyzustehen. Als sich nun diese Printzen darzu erboten, pubü- citte der Cöllnische lcksgàrein à6sr, worinnen befohlen ward, daH alle und jede, welche eine andere Religion und Glaubens,Bekannte, als die Römisch-Catholische Kirche hätten, innerhalb einem Monat die Stadt räumen sotten, ungeachtet und mit Hintansetzung aller inrsrcM- vns-Schriffteri, so der Augspurgischen eonk-tlìon verwände Fürsten an dieStadc, dieser Sache wegen, abgehen lasten, wodurch sieden Rath ersuchet, daß doch denen Einwohnern und Bürgern, nach Inhalt des r?.Jahre zuvor, indem Römischen Reiche aufgerichtete - Religions Friedens, die freye Übung der prorellsmischen Religion gestattet werden möchte. Es gimgen dannenhero die «.elornàten Cöllner nicht mehr an den Rath, sondern an mich, weil es bereits ein wenig auögebrochen war, daß ich ihnen nicht aüzuabhold seye. Sie überreichten auch mir zugleich imerceMons - Schreiben von vielen ?roreànr>schen Fürsten, und wann das We'rck bloß von meinem Willen 6epsnàíret hätte, würde denen guten Leuten gar bald geholffen worden seyn. Allein, weil drr Cöllnische Rath, samt dem Capital, ihre Klagen wider den Gottesdienst zu Mechtern ebenfalls an mich gelangen liessen , muste ich, mehrern Argwohn, als man bereits geschöpffet hatte, zu vermeiden, dem Grafen von Nevem-r befehlen, das Predigen in Mcchtem einzustellen. Vorn Käyser kuclolxko ll. war àno is8r. ein Reichs-TaH nach Augspurg ausgeschrieben, wohin er mich, nebst allen andern Ständen des Römischen Reichs, hatte invir-ren lassen. Ich versprach zu kommen , blieb à Mchwohl aussen , und gieng unterdessen nach Westpha- Tkt t r len, m ( 6s8 ) M len, woselbst ich starcke Anstalten zu Anwerbrmg vieler l'roupen machte, weil ich gar wohl sahe, daß ich endlich würde suchen müssen meinen Zweck mit Gewalt, und dem Degen in der Faust, zu erreichen. Mei, ne Stelle auf dem Reichs Tag ließ ich durch ein paar Abgeordnete vertreten , denen ich hernach noch zwey andere nachschickete, welche mein Auffenbleiben entschuldigen musten. Diese beyden letztem waren Adolph, Graf von Solms, dann voä. Schwartz, ein vortrefflicher Mann. Sie hatten lràuÂion von mir einen Antrag zu thun, daß man in der Cöllnifchen Oloec-s die Religionv-Freyssit, wie auch die Gewalt sich zu verheyrathen vor den Ertz-Bffchoff, mit Beibehaltung der Ertz- Brschöfflichen Würde, verstatten solle. Allein man verwarff solchen Antragund kropotltion meiner Gesandten mit grosser Verbitterung. Solches bildete ich mir schon zuvor ein , und schritte demnach mit meiner schönen ügnere zur Vermählung und Vollziehung des Beylagers. Denn die Zeit, den Ausgang wegen des Ertz - Bistums abzuwarten , wolle mir zu lange werden, und ich glaube, daß ich inzwischen in der Sehnsucht nach ihren Umarmungen gestorben, oder doch in cme schwehre Kranckheir gefallen wäre, wannen- hero ich eilen muste,Hinderung vor meinePein zu erlangen, kan auch sagen, daß ich zwischen ihren zarten Armen, und auf ihrem Rosen-Munde, solch klgiür und Vergnügen gefunden, das ich weder in dem ersten noch in dem andern Jahre, vor aller Welt Schätze und Hoheit, nicht verkauftet hätte. In dem dritten Jahr hacke ich es fteylich schon etwas wohlfeiler gegeben ; und was ich in denen folgenden Jahren, absonderlich aber gegen dabEnde meines Lebens, vor Gedancken von meiner Liebe zu der schönen ^gne; von Mannsftld geheget, werdet ihr, mein Pabst! hernach erfahren. Die Lopulsnon, welche ein kroràntischer Geistlicher verrichtete, geschahe zu Bonn, in Beyseyn des Vaters und Bruders von meiner geliebten ^Zners,ward aber, samt dem vollzogenen Beyla- ger, noch immer so heimlich gehalten, als es nur möglich seyn wollen. Nachdem ich meine in Westphalen angeworbene Völcker in einem guten Stande gesetzet hatte, begab ich mich zu ihnen, ließ sie aufbrechen, und mrrcbirte mit solchen gegen Bonn. MememL^rà Hauptmann sendete ich voraus, welcher der Stadt meine Ankunfft vermelden, auch Dem Stadrhalter nebst dem Rath anzeigen muste, daß man mich nicht allein gebührlich empfangen, sondern auch, weil.ich etliche Tagebey ih- W ( 6sY ) W nen zu verbleiben gedächte, mit bequemen t-oZemenrern versehen solre. Die zu Bonn wüsten anfänglich nicht, daß ich rpit gewaffneter Hand- kommen würde, derowegen dieselben, als sie die i'rouxen angezogen kommen sahen, die Thore verschlossen; sie aber doch auch bald wieder eröffneten und mich einziehen liessen. Ich ließ mich , bey dem Rath, wegen meiner Kriegs-Rüstung, unverzüglich entschuldigen undvorwen- den, daß mir sehr gefährlich nachgestellet würde; ingleichenwie es nö' thig sey die Gräntzen des Ertz-Bistums, wegen des fortwährenden (spanischen und Holländischen Kriegs, etwas sicherer zu stellen. Derohal- ben verlangte ich eine Zeitlang in Bonn zu verbleiben, wolte auch, daß meine mitgebrachten Soldaten, nahe bey mir herum, indie Quartiere verleget werden möchten. Hierauf ließ mir der Rath zu Bonn , meiner AuLunffc wegen grZrffiren, anbey aber bitten, daß ich ihnen nicht zumu- then möchte meine Soldateninder Stadt einzuquartieren, die ich gantz füglich aufdie nech sten Dörffer, wie auch in die ausserhalb der Stadt gelegenen Klöster, vertheilen könnte. Allein ich beharrete aufmeiner^For- dcrungund begehrete nicht allein Quartier vor die Soldaten in derSradk, sondern auch die Schlüssel zu denen Thoren. Als sich nun der Rath des- falls lange weigern wolte, und vorgab > es könnte solches ohne Vorwissem und Bewilligung der gantzen Bürgerschafft nicht geschehen, auch alldereit ein grosser Aufiauff, Brummen und Murren unter der Bürgerschafft entstünde , Mete ich mich sehr entrüstet an, klagte über den Ungehorsam dec Stadt, nahm mir auch vor Ernst zu zeigen und Gewalt zu gebrauchen.. Da der Rath samt der Bürgerschafft solches vermerckre, kröche man zum, Creuh, und die Schlüssel wurden mir durch eine OepmZtwn, welche aus einem Bürgermeister und 12. andern ansehnlichen Männern der Stadt bestanden, überbracht Hierauf besetzete ich alle nöthige Posten in dec Stadt mir meinen Kriegs-Volà, und verbot denen Bürgern fernerhim aufdie Wucht zuziehen.. Ferner befahl ich, daß sich niemand gelüsten-, lassen solle etwas aus der Stadt zu flüchten ; denen krLnciLcZrier - Mönchen hingegen ward in meinem Namen bedeutet, daß sie ihr Kloster räumen sollen und sich mit allen ihrenSachen aus derSradt zu packen hätten, weil ich ein grosses Mißtrauen und Argwohn gegen sie geschöpfter hatten Den Erh-Bischöfflichen Schah, welcher auf dem Schlosse Brüel im Verwahrung lag, allwo sich die Churfürsten von Cölln damals größtem Theils aufzuhalten pflegten, ließ ich nach Bonn bringen, und empto^tt ihm meint Soldaten damit zu bezahlen. Ich ermangelt auch nicht am Ttt-tz. dA m (660) W dk Zünffte der Stadt Colin zu schreiben , meine Kriegs - Rüstung bey ih, nen zu excusiren, und über den Rath daselbst heffcig zu klagen, daß der- selbige aus Antrieb etlicher Mißgünstigen, wie ich redete, sich unterstünde mich mit Gewalt zu verfolgen , und meine hochwürdige Person anzutasten, dadurch aber eine ganhe Bürgerschafft mit grossen unnörhi, gen Unkosten bcschwehrete. DieDörffer, Schlösser und Klöster, des Cöllnischen hohen Stiffcs, beschere ich mit meinen Vöickern ebenfalls, wie die Stadt Bonn, und der Schrecken, samt der Verwirrung, so ich dadurch in dem gantzenErh-Bistum angerichtet, mag mit keiner Feder beschrieben werden. Ich hatte zwar wohl unter denen Capitularen, oder Dom,-Herren des hohen Stiffts zu Cölln, ein und andere oder ^clbrerenreu, die eben so sehr, als ich selbst wünschten, daß sie mochten Freyheit haben sich zu verheyrathen ; die meisten hingegen waren doch meine Feinde. Besag, te Capitularen liessen demnach, ihre Klage wider mein Beginnen ungesäumt, an den Pabst O:egorium XlH. gelangen, der sich über eine so un, verhoffte Zeitung heffcig entrüstete. Gleichwohl gieng er zu erst sachte gegen mich, und schrieb mir einen Brief, in welchem er mich an mein ho, hes Geschlechte und Herkommen, wie auch an die Hoheit meines Vet, ters, des Cardinals und BWoffs zu Augspurg, erinnerte, hiernechst mich, wie er redete,treulich vermahnet haben write, daß ich meine Ehre und guten Namen, mein Heil und Wohlfarth, in Acht nehmen, und wo ich etwa allberet, zur Ungebühr etwas angefangen hätte, unverzüglich wie« der umkehren und rcifflich erwrgen möchte was ich dem Römischen Stuhl, meinem Vaterland Teutscher Marion, der gcmtzen Christenheit und mir selbst, zu thun schuldig und verpflichtet seye. Ja, wohl zusehen sötte, daß ich nicht meinem gantzeu Geschlechte, und dem gesamten geist, lichen Stande, einen ewigen unauslöschlichen Schand-Fleck anhienge. DerKáyser kuêoijàs ii. schickere einen xliräe an mich, der mir bey nahe eben dergleichen Vorstellungen thun muste. Und ihr mein Sohn! wäret gleichwohl so hart, daß ihr solche zwar nachdrückliche, aber doch gütliche. Vorstellungen eures Pabstund eures Käysers nicht statt finden liesset? OLLttäkOUS. Ha ! Wann ich nur an meine schöne ^Zner, und an den angeneh, men m ( 66i - M men Umgang mit ihr gedachte , mochte weiter kein kemonlìnren, Ermähnen oder Vorstellen, bey mir etwas fruchten. Zu dem war es schon allzuweit mit mir gekommen, und es muste nunmehro, wie man insge« mein zu reden pfleget, vollends biegen oder brechen. Ich fände vertraute Leute an alle kroreNsnnsche Höfe, deren Hülf- fe und Beystand zu impionren, corressonclirte auch starck mit dem damaligen Bischvffvon Bremen, «enrico iv. einem gcbohrnen Herhog vonSachsen-Lauenburg. Dier harte sich ebenfalls zu der protein»», schen Religion bekannt, besaß doch, nebst dem Ertz,Bistum Bremen noch zwey andereBißthümer, nemlichOßnabrück und Paderborn,,wobey er sich auch biß an sein Ende mamremret. Man sahe demnach täglich verschiedene couriers und elìâkrcn bey mir anlangen. Die kroränti- schen Höfe nahmen sich auch meiner an, wiewohl weit mehr durch die Feder als mit dem Degen, welches letztere doch am allernölhigsten gewe- ' sen wäre. Unter denen die sich meiner recht nachdrücklich annahmen, befanden sich der Pfaltz- Graf Johann Casimir, ein Bruder Churfürstens cuäovici Vi.Churfürstens zu der Pfaltz, einige Heßische Häuser,dann die Grafen von Solms,Nassau, Geroldsdeck, Obernftein, Mied, Cri- chingen, Mrnenburg und^s v-msr. Allein es ist zu beklagen, daß eben diese die mächtigsten proceàmen nicht gewesen, und die mächtigsten. nem- lich Engeland, Holland, Sachsen, Brandenburg, sich meine àiren sehr schlecht zu Herhen gehen liessen. Der Pfaltz - Graf Johann Casimir war der, so sich am allereyfrigsten vor mein Interesse erwiese. Es bekannte sich derselbe zur kelormircen Religion, sein Bruder hingegen , der Churfürst ssuilovicus vi. zu der Lutherischen. Als nun besagter Churfürst à, o is8z. starb,undeinen 9. jährigenErb-Printzen hinterließ , führete Johann Casimir, der sonst, bey seines Bruders Lebzeiten, ordentlich zu Neustadt reiìàte, die Vormundschafft und karlhete die Sache dergestalt, daß der9. jährige Churfürst in der kessn-mitten Religion erzogen, auch sonst diese Religion in der gantzen Pfaltz sehr starck fortgepflantzet und ausgebreitet ward. Der Pfaltz GrafJohann Casimir führte mir etliche tausend Mann auserlesene Houpen zu, kam auch inPerssn zu mir nach Bonn. Solchem gestattete ich, daß er öffentlich in seinem Quartier predigen lassen durffte, und ich fand mich selbst bey dem kàmirten Gottesdienst ein, dadurch anzu- _ m c 6 6r ) M ^ ^ -nuzuzeigen, daß ich mich weiter nicht zu der Römischen Kirchen bekenntte. Die bißhero verbürgen gehaltene Vermählung mit meiner schönen re,vollzogichnunmehrozuBonn öffentlich, und mit grossen Solenn-täten. Allein an eben dem Tag, da dieses geschahe,überrumpelte der Chor- Bischsff, ein Hertzog von Sachsen, Lauenbmg, im Namen des Cöllni- schen Capitals , die Stadt Käyserswerth, worüber ich mich nicht wenig betrübet?. Johann Casimir erhub sich von Bonn nach Cölln, der Religions- Freyheit wegen allda zu ri-ären. H^ernechstbemühew er sich starckchas Capitul zu bewegen,daß ich,der gethanenHcyrath angleichen der veränderten Region ungeachtet, bey der Erh-Bischössttchen Würde verbleiben möchte. Jedoch es waren alle seine Bemühungen , gütlich etwas zu erhalten, umsonst. àconr--à, das Capitlllrmd die Römisch-Cacho- lischen Stände des Ertz-Bistuhms,verschwuhrcn sich recht zusammen, wider mich bey einander zu stehen, und mich aus dem Sattel zu heben, Den ich noch ferner zu besitzen prseceullitte, w, nnenhero ich alle meine Hoffnung auf meinen und meiner äitten Degen bauen muste. Sobalder Pfaltz, Graf Johann Casimir unverrichter Sache aus Cölln zurücke nach Bonn kam, ließ ich die Religions, Freyheit vor die kroceàmen in meiner ganhen Oàes pudlicireN/ also, daß sie neben denen Römisch,Catholischen Unterthanen in aller Frey, und Sicherheit leben sotten. Gleichwie aber zu Rom mitlerweile meine OeZl-ûcîàn vorgegangen/und ich zugleich excommumL-reb worden, solches auch, vom Pabst und allen Cardinälen unterschrieben, in der Stadt Cölln angelanget war: als rävirte sich das Capirul zu Cölln, zu der Wahl eines neuen Ertz-Bischoffs zu schreiten, und es wurde der r des 168 z. Jahres darzu anberaumet. Die Erfüllung dieses mir höchst - nachtheil'gen Schlusses zu hintertreiben, machte ich, daß verschiedene, voller Pedro- hungen steckende, Schreiben, an die Dom, Herren abgiengen. Allein sie fuhren dem ungeachtet mit der Wahl eines neuen Ertz-BischoffZ fort, Nnd erwehlcten darzu meinen ehemaligen comperemen, Herhog Ernste« von Bayern, Bischoffen zu Hildesheim, Freysingen und Lüttich, wodurch mir ein ziemlicher mächtiger Feind, der sich von vielen Orten her Hülffe zu versehen hatte, vor die Stirne gesehet ward. Ich karthete es zwar so, daß eben demselben Morgen, da die Wahl eines neuen Ertz-Bischoffs, statt meiner, vor sich gehen sotte , nran eine von mir ausgegangene ?roceLà M der Dom -Kirche zu Cölln angeschlagen fand. Gleichwohl kehrete man W c 66Z ) Wê man sich an nichts, sondern verfuhr , wie gedacht, mit der Wahl, ungeachtet sich auch der Ertz, Bischoff von Bremen, ingleichen der Bischoff von Straßburg, welche Stimmen als Capitularen dabey gehabt, samt andern Dom, Herren mehr, abwesend befanden. Die Zeitung von der wircklich erfolgten neuen Wahl, war ein grausamer Donnerschlag in meinen Ohren, und würde mir unfehlbar schon da malsvielefchwehrmüthige Stunden verursachet habe«, wann nicht die angenehmen Küsse und Blicke meiner schönen HZnes, noch starck genug gewesen waren, alle Gallen - Träncks zu versässen, die mir mein feindseliges Verhängniß bereits ziemlich starck einzuschencken begunnte. Ich befand mich zu der Zeit wiederum in Westphalen, und der neu-erwehlte Ertz - Bischoff, Hertzog Lrnäs von Bayern, ließ die Stadt Bonn durch einen Trompeter auffordern, dem darinnen liegenden Kriegs, Volck zu entbietende, daß es sich gutwillig an ihn ergeben solte. Allein well ich meinen Bruder, Carl Truchses, zum Lommeàmen allda bestellet hatte, ward der Trompeter mit einer abschlägigen und harten Antwort zurücke gesendet. In der DomKirche zu Cölln oblsi-viret man ein altes Herkommen, - daß nemlich jedes Jahr der Churfürstlichen Regierung ein neuer Stecken aufgehangen wird, damit andeutende, wie viele Jahre ein jeder Churfürst chem Ertz - Stifft vorgestanden. Stirbet ein Churfürst, und dessen Sltz ist ledig, nimmet man solche Stecken hinweg. Ehe und bevor man nun zu der Wahl meines Gegners Lrnestj geschritten, sind die meiner Regierung wegen aufgesteckt gewesenen Stecken, nebst meinem Wappen, eben als ob ich todt ware , abgenommen, und zur Kirche hinaus gemorsten worden- Der Käyser schriebe scharffan Johann Casimirn von der Pfaltz, und alle diejenigen vollen des Reich's, welche mir Hülffe sendeten oder zuführten, undbedroheresiemitAchts-Erklährung, woran sich aber selbige gar nicht kehreten, sondern mich noch eine Zeitlang lècuâten. Es kam demnach zwischen meinen l'roupen, und denen, welche mir meine . ^Hürren zusendeten einer,dann denenVölckcrn des neu erwehlten Ertz-Bi- schoffs Lrnelìi - des Capituls und der Stadt Cölln / anderer Seits, zu vielfältigen Scharmützeln, in denen bald diese bald jene Parthey die Ober- Hand behielt. Bon dem Pfaltz - Grafen Johann Casimirn kamen immer mehrere Iroupen bey mir a», wannenhero er derSradt Cölln zu wissen that, wel- chermassen er kommen, und mich aufOàs des Churfürstlichen LäZii xO-Lnir. kluu u wie- _ « c --4 ) W wieder einsehen, auch wegen des ?äten Red und Antwort fordern würde. Ob nun gleich die Stadt Cölln höflich genug auf dieses Schreiben JohanCasimirs antwortete, lachete sie doch samt dem Capiluk, in ihrem Herhen, über das Vorgeben Johann Casimirs, daß er nemiich eine solche Oàre von dem Churfürstlichen colieZio haben solle, wohlwissende, daß die Römisch - Catholischen Churfürsten nimmermehr darju gestim- met haben würden. Es kam eine Päpstliche Negation angezogen, welche meine vegrs- àlíon auch zu Cölln ioiennüer verrichten , und mich allda eben so cxcom- mumciren folte, wie bereits zu Rom geschehen war. Der vornehmste Noncius war der Cardinal ^là25 aus dem Hause Oesterreich , welchem der Pabst den Jtaiiänischen Bischoff von Vei-ceiii zugesellet hatte. Sobald nundiefer.eZ3à den Pfältzischen Grund und Boden betrat, ward sie angehalten, und ihr bedeutet, daß sie nicht weiter p»illren folte- Der Cardinal gieng derohalben wieder zurücke; der Bischofs aber nahm einen Umweg durch Lothringen, und srnvii-te endlich zu Cölln. Kurtz hernach, als er angelanget war, wurde die Wahl kâlìi, zum Erh-Bi- schoff von Cölln, nochmals vorgenommen und bestätiget ; ich hingegen, samt vier ^rorelìankischen , mir 3tld«rirenden L3NOMLÎ8, excommunici- ret und cäKlret; worauf die Jungens mein und dieser ehrlichen Lerne Bildniß, in dem Koch durch die Stadt schleppeten, und zuletzt in den Rhein hinein schmissen. Da ich des Beystandes des Pfalh-Grafens, Johann Casimirs, am meisten benöthiget war, starb sein Bruder Churfürst l^uclovicu; i v. zur Pfa-ltz, wannenhero sich Johann Casimir gezwungen sahe nach der Pfaltz zu gehen, und, als Vormund, des von seinem Bruder hinterlassenen minderjährigen Prmhens áLixcn vorzustehen, wodurch aber die Meinigen keinen geringen Stoß bekamen; angesehen er die meisten mir zugeführten iroupen mit sich zurücke nahm. Die übrigen kroràmsschen Fürsten in Teutschland bemüheten sich zwar noch, durch die Feder es dahin zu bringen, daß die entstandenen Zwistigkeiten zwischen mir und dem Capful zu Cölln, oder vielmehr dem gantzen Cöllnischen Ertz-Stifft, in der Güthe "möchten beygeleget werden,, und es wurden auch deswegen gar viele Zusammenkünffte bald da, bald dorten, angestellet. Allein ein jeder kroràmischer Fürst hätte gar leicht zuvor wissen mögen, 'daß bey einer solchen Gestatstderer Sachen, weder mit Federn noch mit Zungen etwas ausgerichtet werden könnte, sondern Degen, Pulver und < OZ ( 6§5 ) M Bley empöret werden müste, daferne man etwas heilsames vor mich auswircken, und dadurch der kroceàmìschen Religion ein desto grosse' res Gewichte geben wollen. Weil nun der Spanische Oeneral-Oouvorneur in denen Niederlanden meinen Gegner Lrnetto 8uccurs zuschickete, LrneKus auch sonst aus Bayern und Francken Hülffs-Völcker erhielte, gewann es das Ansehen , als wann es in kurher Zeit um mich gethan seyn^ würde. Gleichwie aber das Glücke zuweilen Belieben träget, einen, dem es ehemals hold gewesen,aufeinmal nicht gäntzlich zu verlassen :>also wolle es auch mir, bevor es mich völlig stürtzeke, noch einige gönnftige Blicke geben, weshalb mir dasselbe einen împorkâen Sieg in die Hände spielete, der sich folgendergestait ereignete: ^cholpdus, Graf von dlsvsnsr, der als 6s- neralissimub meine iroapen commLnäirte, hatte das Städlein Hülst, akl- wo sich ein Schloß und etliche Klöster befinden, befestigen lassen, in der tmemion die Stadt Campen von daraus anzufallen. Es lag dannen- hero eine starcke Besatzung darinnen, von der das umher liegende Land, durch unaufhörliche Streiffereyen, über alle Massen beunruhiget ward. Solchem zu steuren fanden sich die Hülffs-Wälcker meines Gegners Lr- netti davor ein, den Platz zu belagern. Die Belagerung dauerte auch wircklich zwantzig Tage, und das Proviant in der Stadt war schier a^ les aufgezehret. Gleichwohl liessen die Meinigen den Muth nicht sin- ! cken, sondern warffen, in denen letzten Tagen der Belagerung, dem Feind zum Trutz, noch die Bilder aus denen Römisch,Catholischen Kirchen, über den Wall heraus in seine Lauff-Graben. Ich meines Orts befand vor höchst-nöthig diesen Ort zu luccurn- ren. Zu dem Ende zog ich die auserlesenste Mannschafft aus denen nächst, angelegenen Besatzungen zusammen, und machte mich auf, die Belagerer des befestigten Hulsts anzugreiffen. Hievon erlangete mein Gegner Lrnelluz Kundschafft, und Mete ungesäumte Oà, daß die Seinigen vor Hülst verstärckei werden solle«. Mein ich kam dieser Verstärckung zuvor, griffe die Feinde vor Hülst männlich an, und schlug sie dergestalt, daß ihrer bey nahe zwey tausend, meistentheils Spanier, auf dem Platze liegen bleiben. Hiernechst machete ich eine consàâbls Beute, worunter sich ein grosser Äorrath au àmumà befand, wie auch zoo. mit Proviant wohl beladene Wagen. Ich ermangelte nicht ein sehr grosses Frohlocken über diesen Sieg und erfochtenen Vortheil an- Uuuus m. m ( 666 ) UZ zustellen, sondern sunge dasieOeum l^uàius, ließ das Geschütze lösen, und trieb viele andere Freudens-Bezeugungen mehr. Damals geschahe es, daß mich ein Bauer, in meinem vollem Harnisch,einher geritten kommen sahe.Er blieb stille stehen,betrachtete mich mit . starren Augen,fieng auch endlich an recht hertzlich zu lachen.Jch fragte nach dessen Ursache,und empfieng zur Antwort, es geschähe darum,weil er einen Erh-Bischoffin einem so seltsamen Aufzug vor sich sahe. Ais ich nun erwiederte, ich müste jetzo so gekleidet seyn, weil ich, gleich einem Oeneral, im Begriff wäre, meinen Feind aufzusuchen, und daß ich gantz anders aufzöge, wann ich Ertz-Bischöffliche kunä.on^ in der Kirche zu vorrichten hätte, versetzte hierauf der Bauer: Aber gnädiger Herr! wo- ferne der Teufel den OeEal holere, wo würde sodann der Ery- Bischoff bleibend welches grob und boßhafft genug gesprochen gewesen. Der Käyser ließ mir eme?en6on osscriren, die mir aus denen §rh- Bischöffiichen Kevenuà bezahlet werden solle. Jedoch ich hielte dergleichen OLnen vor etwas mir höchst schimpffnches, und schlug sie platterdings aus; nahm mir hingegen vor eine schwehreRacheandemmir entgegen gesetzten Ertz-Bifchoff Lmetio, an denen Dom--Herrendes Ertz- Stiffkö,an der Stadt Cölln, und an allen mir widrigen Ständen des Ertz-Bistums, auszuüben, auch mich erblich darinnen zu machen. Allein, die Wahrheit zu bekennen,so hieß es mir mir : Vä-, lme virlbux ira. Denn es ermangelte mir der dls^vu-rcrum ^ere^-rrum, weshalb meine Soldaten anfiengen starckzucletèrriren, und die, welche blieben, murrc- ten insgesammt, und wurden hschst-ungeduldig, daß es immer so lange anstünde, bißeinmalihr Solderfolgete. Ich merckettchaß kirn-ikng mit aller Macht trachten würde,die Stadt Bonn in seine Hände zu bekommen, wannenhero ich das àtnv von dünnen hinweg, und in anderweite Sicherheit bringen ließ. Kurtz hernach eroberten meine Feinde, das unweit Bonn aufeinem hohen und steilen Berg gelegene Schloß Godesberg, welches ich Durch meine Groupe» beseht gehalten hatte, und vermehrten ihre Anstalten von einem Tag zum andern, die Stadt Bonn zu skraquiren. Ich schrieb indessen noch einen Brief an die Bürgermeisters, den Rath , die Bürger und Zünffte der Stadt Cölln. Darinnen sprach ich, es seye der Pabst ein Greuel der Stadt E ( 667 ) W Stadt Rom, und nicht GOttes sondern des Teufels Sradthalker , ja ein Mörder und Tyrann derer Gewissen. Ich warnete tziernechst diese grosse , in meinem Erh-Bijchöfflichen Staat gelegene Reichs - Stadt , dasssie ja gegen die Spanier und ihre Kundschaffter, unter welchem Namen ich die Jesuiten verstünde, auf ihrer Huth seyn solte. Wiewohl es war all mein Reden, Schreiben und Vorstellen umsonst, dieweil der Pabst, samt seinem Anhang, in dem Gemüthe derer Cöllner gantzlich ti-àpkirle; und es ist diese Staat seit derselben Zeit dem Päbstlichen Willen und m- keretse dermaßen ergeben geblieben,daß man ihr,in besagtem Stücke,nicht unsäglich den Rang vor der Stadt Rom selbst geben könnte. An dem Käyftr hatte ich bey naheeinen so grossen Feind, als an dem Pabst sechsten,weshalb die Reichs,Achts-Erklähru.ig wider mich erfolgte,wodurch die in memenDiensten stehende oKàs, welchedieSache verstunden , und nachsonnen, von was vor eonlè^usnr es seyn könnte, wann sie nunmehro noch länger in meinen Diensten verharmen, überaus kleinlaut gemachet wurden. Bonn wurde je langer, je mehr und genauer eingeschlossen , auch endlich hefftig beschossen. Hatte ich einen andern Lom- m^ckäntLn als meinen Bruder darinnen gehabt, würde die Stadt gleich in denen ersten Tagen in die Hände meines Gegners Lrnä gekommen seyn. Mein Bruder hingegen that als ein redlicher Mann, ob er gleich inwendig sowohl als auswendig , mit lauter Feinden umgeben gewesen» Er hatte seine Wohnung in dem Zoll-Haufe genommen, welches am Ufer des Rheins gelegen und herrlich ausgebauet war. Solches wüsten die Feinde, und spieleten derohalben unaufhörlich aus ihrem Geschütze auf dieses Zoll -Haus. Mit einer einigen Stück - Kugel wurden einstmals drey Schlaff, Cammern durchschossen, also , daßsolche Kugel in meines Bruders Gemach gedrungen, und sein Schwerdt, welches an dem Bette gehangen, in drey Stücke zerschlagen , deren eines so weit in die Wand hineingefahren, daß maneskaum wieder heraus bringen können. Jo§ eben diese Kugel Hot auch meines Bruders Regiments-Srab, welcher nicht weit von dem Gewehr gehangen, in kleine Bißgen zerschmettert. Lrnà befand sich selbst in dem Lager vor Bonn,, und battes, qu3.1ronen auserlesene Burgundifche Reuther, vier Italiänische und fünff Niederländische bey sich ; fein Fuß-Volck aber, das aus gar Vielecken 'àivnen , Niederländern, Bayern und Franckenw. bestanden^ mochte sich ungefähr auf sechs tausend Mann belauffen. Ob er sich mm Uuu, u s Zkich W t 6§8 ) AM gleich auf diese Weise um ein gutes stärckerals ich mich rechnen kunnte, setzete ich mir dennoch vor einen Versuch zu thun, und zusehen, ob die Stadt entsetzet werden könnte ? In der Absicht fertigte ich den Grafen VVN^svenrrr, und ttenricum, des Htttzogs von Braunschweig UNehtF lichen Sohn , mit looo. Reuthern und Z02O. Fußäechten ab, das Merck auszuführen. Allein es war schon alles vor der Zeit verrathen, vnd diePasse samt allen Zugängen gegen die Stadt Bo^n, von denen Feinden, dermaßen besetzet worden, daß die Meimgen nirgendswo durch, zubringen vermochten, à courrà-e , sie wurden von denen Feinden häßlich empfangen / und erlitten eine gewaltige Niederlage, büßeten auch alles Proviant und Lmmuninsn ein, so sie zur Versorgung der belagerten Stadt bey sich fähreten. Die Zeitung davon erhielt ich in Westphalen, in derjenigen Provintz, so zudem Erh-Skifft Cöün gehörig ist , und insgemein das Herhogthum Westphalen genennet wird, allwo ich mich zu der Zeit aufhielte, und die Stände mehr als einmal plag- te/daßsie mich bald mit Geld, bald mit andern Nothwendigkeiten, ts- cunäireri muften. Diese Niederlage machte meineironM in Bonn sehrkleinmüthig. Hierzu kam noch dieses, daß sie schon langeauf ihren Sold vergeblich gewartet, ingleichen einen Verdacht auf meinen Bruder geworffen hatten, als ob er gesonnen wäre sich durch eine heimliche Flucht davon zu machen, wannenhero sie so fleißig und genau Acht aufihn gaben, daß er einem Gefangenen nicht unfüglich verglichen werden mögen. Ja es war endlich die Sorge in derStadt,wegen innerlicher Aufruhr dererSoldaten, vieler OKciers, und desgrösten Theils der Bürgerschafft, grösser, als die Furcht vor der äußerlichen Macht und Gewalt des Feindetz. Solches erfuhren die Feinde, und bestrebeten sich dannenhero desto mehr, durch ihr heimliches Verständniß mit denen Mißvergnügten in der Stadt, einen Aufruhr, kevà und Tumult zu erwecken. Weil auch unter der Soiàesgue sowohl, als unter der Bürgerschafft, von einem Aufruhr immer viel geschwahet wurde, sahe sich mein Bruder gezwungen viele Soldaten und Bürger in ^rreL nehmen zu lassen. Nichts desto, weniger erfolgte endlich der Tumult wircktich, weil, aller krsecaurion ungeachtet , die <äe 5 ponäentz derer Mißvergnügten in der Stadt, mit dem ausser denen Mauren stehenden Feind, nicht verwehret werden kannte. Sobald sich der Auffund Zusammeniaufanhub, eilete mein Bruder Carl m ( 669 ) M Carlaufden Marckt, und that sein möglichstes durch Bitten, Vorstellen und Ermähnen,die kevoice zu hintertreiben, weswegen er alle seine Beredsamkeit empöret, und sich sehr beweglicher, auch überaus nachdrücklicher , Worte bedienet hat. Denen Soldaten insonderheit gab er zu erwögen, daß ob es gleich bißhero unmöglich gewesen, ihnen den Sold richtig zureichen, so hätten sie doch ihre korlàsanWein und Fleisch richtig empfangen, woran biß ào noch kein Mangel, su ccêà Proviant überflüßig verbanden sey. Er rsmoäirte ihnen auch den Unterschied, welcher sich zwischen ihnen und denen vor derMauer stehenden Feinden befände, als die zur rauhen und unbequemen Jahres, Zeit, ( denn dieses geschahe im jgnuMv des 1584. Jahres) im Koch und Dreck herum welhcn wüsten, wann sie in der Stadt, in denen Bürger-Häusern, aufguckn Betten schliefen. Angleichen bat er sie wohl zu betrachten, daß der Feind noch lange nicht im Stande, oder so weit Lvâîret sey, daß die Stadt von ihm mit Gewalt eingenommen werden könnte,versicherte auch lehlich, daß ich mit einem neuen starcken Succurs anlangen würde, sobald Weg und Wetter wieder gut geworden wäre. Indem aber mein Bruder Carl noch zu denen Tumultuirenden redete, fielen sie ìbm in die Rede, beschwehretensich, daßman suche sie gantz vergebener Weise vor einen, der doch, von dem Käyser sowohl als dem Pabst, in die Acht crklähret worden, der auch sich auf keines Menschen Beystand weiter Rechnung machen, folglich sie nicht bezahlen könnte, auf die Schlacht- Banck liefern wolte. Mein Bruder antwortete so gut er kannte, und.versuchtenochmals sein äusserstes die Soldaten standhasst zu erhalten, bat auch endlich, sie möchten nur noch 14.Tage mit Gedult in Ruhe stehen. Mein dieses hieß anders nichts als nur denen Tauben und Stummen geprediget. Dargegen griffein jeder ungesäumt zum Gewehr, trieben die Oàiern, welche nicht mit einstimme!.'!-., von dem Marckt hinweg, trugen die Fähnlein und andere Krieges - Zeichen aufdas Rath- Haus, entrissen meinem Bruder die Stadt-Schlüssel mit grosser Gewalt, sehten ihn auch selbst, nebst etlichen seiner Vertrauten, aufdas Rath-Hauß gefangen. Nachdem der Grund zu dieser ksvolte geleget war, trafen die Tu- mulkirenden mit meinem Gegner LrneKo Stillstand, und fiengen an mit ihm zu Li-ären ; da dann zwischen denen Lo-,rrLîànden abgeredet und beschlossen worden, daß die Stadt Bonn als deren und des gan- tzenErtz'StifftsHerrn, mit aller Kriegs- ràmo» urch ohne allen m ( 672 ) M_—_ Älen Betrug undarge List, gegen Bezahlung^des denen Soldaten, und vor Lrnelìo gut gesonnenen ORciers, rückständigen Soldes übergeben, auch mein Bruder, der (-ommenànr, gegen ein Trinck-Geld, in ttrnetti Hände geliefert werden solle. Solches Trinck- Geld, vor die Auslieferung meines gefangenen Bruders, bestünde in fünfftausend Gulden, und der Soldat zog im übrigen mit Sack und Pack, Weid und Kind, frey aus Bonn fort ; wiewohl noch mit der conàion , in keines neuen Herrn Dienste zu treten, da er, vor Verlaufs einer Zeit von drey viertel Jahren, gezwungen seyn möchte wider krnsstum die Waffen zu führen. Mirlerweile hielt ich in Westphalcn wiederum einen Land- Tag,um neue Gelder von denen Ständen zu erlangen, indem sich meine Lä fast von einem Tag zum andern ausgeleeret und erschöpfftt befand. Hier- nechst that ich auch die Verfügung, daß führohin die Handlungen und Lcl-emomen bey der Taufe, beydem Ehestand und dem heiligen Abendmal, in Teutscher Sprache verrichtet, der Lxoi-cismm bey der Taufe hingegen, die Befchmierung mit dem H. Oel, das Anhauchen, die letzte Oelung, derer Kind-Betterinnen Reinigung, und andere Päbstliche Kirchen - Gebräuche, aus der Kirchen sotten ausgemustert, im übrigen aber der Carechißmus Lucheri darinnen gelehret werden. Mancher döcffre sich wundern, warum ich befohlen den Cathechißmum Luthe- ri zu lehren, da ich mich doch selbst zur kàmirren Kirche gehalten? Allein es dienet zu wissen, daß ich erstlich den Unterschied zwischen denen Lutheranern und keiormirten vor etwas geringes gehalten, hernach aber getrachtet mirdadurch die Lutherischen Häupter und Fürsten desto gewogener zu machen. Das Heil. Abendmal sotte man, nach geendeter Predigt , und vorhergegangenen kurtzen Gesang halten, und dabey die Worte der Einsetzung verlesen, auch das Vater Unser sprechen; endlich aber, nach denen LolKÄen und dem Segen, das Volck nach Hause gelassen werden. Bey Anhörung der Zeitung, daß sich die StadtBsnn in der Gewalt meines Feindes befand, die Qzrnilon abenreuloß an mir worden war, weinete mir vor Wehmuth das Hertz im Leibe, und meine ägn-8 fand genug an mir zu trösten. Es längeren immer frische Völcker aus Bayern, zur VerstärckunZ meines Feindes Lrcä an, welche, mit denen übrigen â uxiiiar - iVoupen, allen Fleiß vorkehreten, diesen meinen Feindin dem Ertz-Bistum recht feste zu setzen, mich hingegen gäntzlich daraus zu vertreiben. Es pochete mir dannenhero mein Hertze vor Angst, W ( 671 ) M Augir uichc wenig, weil gar keine gute Borhschafft vor mich mehr einlief, sondern lauter böse Zeitung, daß nemlich bald jener, von mir annech besetzt gehaltner, Paß oder Ort, vsm Feind erobert war, und die Meinigen hin und wieder geschlagen worden. Ja der Feind kam mir endlich so nahe, daßichaufdem Ertz-SnfflWen ^errlrorw keine sichere Städte vor mich sahe, sondern mich, mit ungefähr iooc>. Pferden, aufmachen, und bald da bald dorthin märclmen muste. Ich gieng in das Hertzog- thum Eleve, nach Wesel, und ließ das nicht weit von bannen gelegene Ccmhäuser- Kloster durch die Meinigen plündern, weil sie in langer Zeit kein Geld von mir bekommen hatten, und also sehr begierig nach einiger Beute waren. Weil mich der Hertzog von Bayern kerâàà. meines Gegners Lrnettl Bruder, mit vielen bey sich habenden Völckern, hefflig verfolgte, relirirte ich mich in eine Holländische Insel zwischen dem Leck und der Wahl, aüwo ich mich, samt denen Meinigen, verschanzte. Dahin nun kunnte mein Verfolger so leichte nicht kommen, weshalb er sich rückwärts wände, und in das Gebiet Recklingshaussen ruckete, die Stadt Recklingshausen zuj belagern beschlösse, auch den?, ^pnl l s84.damirden Anfang machte. Obsich nun gleichder Feind, in Ansehung seiner Macht, keine sonderliche Hoffnung machen kunnte, diesen, zur selben Zeit, in einem sehr guten Oánlwns - Stande gestandenen, Ort zu erobern, fuhr er dennoch fort davor stehen zu bleiben , in Hoffnung, daß die Burger endlich den Muth sincken lassen würden; weiches auch geschahe. Denn als solche sahen , daß sie sich auf einigen Luccurs und Hülffe weiter keine Rechnung zu machen hatten, ergaben sie sich den s. àji an ?eràinznclum. Darauf entfiel meinen Besatzungen, in denen beyden Schlössern Hornburg und Westerhold, das Hertze ebenfalls, dergestalt, daß sie sich theils mit der Flucht Livirten, theils aber keräinanäo auf Gnad und Ungnade ergaben. Es fanden sich ein und andere Freunde bey mir auf der Alssel ein, mit denen ich den schlechten Zustand meiner äiren überlegte, und zu Rathe gieng, auf was Weise solcher verbessert werden könnte? Allein da war guter Rath theuer. Der Beste tief dahinaus, daß ich neue Völcker anwerben, und mich vermittelst ihrer wiederum in den Besitz meines verlohrnen Ertz-Bistums setzen solte. Jedoch dazu gehöreten wichtige Summen Geldes, zu deren Vorschuß sich kein Menfth verstehen wolle,und derHimmel beliebete auch nicht meinet-oder meiner schönen Xl.1. Lmr. KZ (6?r)M _ wegen ein ^iracu! zu thun , weil er, anderergestalt, auf dieser Insel, gar leichte hätte einen güldenen Regen fallen lassen, und mich dadm ch aus aller meiner Noth erretten können«- Mein Zustand wurde demnach von einem Tag zum andern schlimmer, und fast ein jeder, der sich bey mir auf der Znft! befand, suchte mich zu verlassen , sein Glücke hingegen anderwärts zu suchen. Es geschahe daher, daß ich endlich sehr wenig Leute und Soldaten mehr um mich sahe, wannenhero ich mich nicht länger allda aufzuhalten -getrauete, sondern aus dem Staube machete, und nebstmeiner sZEsnach dem Haag gierig, woselbst mir der Prmtz von Oranien Herberg vergönnet^ Er that auch wohl sonst noch etwas hinzu ; mochte ihm aber nicht zugemuthet werden, daß er allzuviel thun folte, weil zur Behauptung der Freyheit gegen Spanien täglich ein grosses erfordert wurde, und in Der neuen Lspuküe noch hin und wieder alles schlecht bestellet war. Allein kurh nach meiner Ankunfft ereignete sich gar Die grausame Ermordung meines Wohlthäters, Printzens^illllelmi von Oranien / wodurch sich meine Lavàîà, abermals verschlimmerte, indem in Holland fast niemand wüste,wer Koch oder Keller seyn solle ? Ich meines Orts erschrack auch sonst übet diese Begebenheit dermaßen sehr, dass ich vrcleWschsn gantz betäubet,ja rechtaussermir selbst, herum gierig.. îvtn-âíus , ein Sohn des ermordeten Printzen ^lideimh war noch zu jungem; so wichtige Stelle, die durch den Todt seines Vaters vsc?-m geworden, zu bekleiden. Derohalben ergab sich die neue Repub ic desn Schuh der Kömgin M5àlnn Engeland auf eine Zeitlang ; ja es schiene, alsob die Holländer gar gesonnen wären, besagte LuLbech vor ihre souveraine Königin anzunehmen-; welchesjcdoch, weiß nichlaußwas vor einew geheimen Schicksal)! , nicht erfolget, indem die Königin selbst nicht einmal Lust darzu gehabt. Indessen sendete sie den Grafen von läsüsx als interim? . Stadthaltern nach Holland. Sis hatte sich meiner niemals sonderlich angenommen; suconn-à meine Umernehmmp gen zederzeitmitsolchenAugen angesehen , die da gleichsam mercken liessen, als ob sie sagten, ich thäte unrecht, und hätte alles sollen bleiben lassen ; wie sie dann auch sonst dasallyemeine lmsrelle derer sioleNm- ren gar sehr negliZirte, ungeachtet sich dieselbe in Engeland öfflers überaus scharff gegen die Römisch-Eatholischen erwiesen , woraus zu schlief- fen, daß sie bloß und allein aufihren eigenen Nutzen und Sicherheit gesehen ; im übrigen abersich wenig darum bekümmert, ob ein Fremder,oder ein auswärtiges Land, krotellänlisch oder Römisch-Cathonsch ftv. Ich machte in dem Haagmoch immer kwstäs, wir ich wieder zw Weimx W ( 67Z ) M meiner vorigen Hoheit gelangen könnte^ allein es pr-esentirte r sich mir lauter unüberwindliche Obàulg. Diejenigen m dem Erß-Stifft/ ss noch einige ââw-, vor mich blicken liessen, wurden hart verfolget und verjag^, auch einigen, darunter sich ein Bürgermeister in Bonn befand, die Köpffe gar vor die Füsse gelcget. Ja ein àeiìâsscher Priester, Namens )oKànn-8dlorckulrus, der meinenFeinden zu besagten Bonn in die Hände fiel^sard mit gebundenen Händen und Füßen in den, Rhein- strohm gestMei ; wiewohl er, zu aller Menschen Verwunderung, an das rändere Ufer schwamm, und also glücklich davon kam. Gleichwie ich nicht viel baares Geld mit mir nach Holland brachte: -Also stände ich, in sehr wenig Zeit, mit leeren Händen daselbst, und sahe mich gezwungen den Schmuck meiner ^Anss. verschon gröstentheils gewandert war , vollends anzugreiffen und zu versetzen. Da sonsten das Gelöste , welches meine vielen Köche, Bratenmeister und Küchcn-Knech« te, mit ihren Hack-Messern oder anderm Geräthe, in der Küche gema- chet, durch viele Gassen gehöret werden können, fieng es nunmehro an gantzstille, in meiner Küche herzugehen. Ja auf dem Heerde befand sich des Tags über kaum so viel Feuer, daß ein PaarHünergebraten werden kunnten ; da doch ehemals, in meiner Ertz-Bifthöfflichen Herrlichkeit,von ftüheanbiß in die Macht, eine solche Flamme verhandelt gewesen, daß man einen gantzen Ochsen hatte braten können. In Summa alle meine Herrlichkeit war dahin, und SchmaKHans machte sich, bey mir, sowohl zum Küchen-als zum Keller-Meister, wannenhers ich sehr gerne sahe, wann mich jemand nebst meiner ^gnsre zu Gaste bat. Allein die Gaste- reyen waren zu derselben Zeit gar nicht sonderlich Aà in Holland, an contraire alles sehr sparsam eingerichtet. Jedoch der Englische Graf von n cetter hielt täglich offene Tafel, die gemeiniglich mit lauter niedlichen Biß- gen besetzet gewesen : weswegen ich mich gar vielmals, auch ungebeten, dabey eingefunden. Ich schriebe sehr fleißig an verschiedene?rore6Elsche Höfe, denen ich meine Noth mit sehr beweglichen Worten klagte, auch zu verstehen gab, daß ich wünjchce von ihnen einigen Beystand zu meiner gublìckenr zu erhalten ; welche Briefe folglich anders nichts als Bettel - Briefe gewesen , und ich kan nicht läugnen, seit dem Verlust meines Erß-Bistums,von etwas anders als von Allmosen, mit meiner ^Zncre gelebet zu haben ; wie dann die Post- Tage, an denen ich Hoffnung hatte etwas zu erhalten, von mir allezeit sehnlichst,jamitäussecsterUngcdult,erwartttworden. Lxx x 2 Das «8 ( 674 ) M Das Herhe der Königin Liil-àl, von Engeland trachtete ich noch immer ru erweichen und tu machen, daß sie entweder etwas rechtes con- rribuiren solle, mich wieder in das verlshme Ektz-Bjstum einzusetzen/ oder doch wenigstens erlauben, daß ich nach Engeland kommen, und eche jährliche starcke kcnllon allda bekommen möchte.Wiewohl sir verharren in ihrer Härtigkeit gegen mich. Einstmals zwar ließ sie mir, in demHaag,zwey tausend Thaler zustellen, welche Summa schon vermögenddätte seyn können meinen Kummer aufeine Zeitlang zu stillen. Allein sie Mrmischete die Süßigkeit des Geschenckes mit einem Gallen-Tranck, indem sie ein Schreiben hinzufügen, welches also lautete : Freundlich geliebter Oheim ! Eure kcs'lulion. welche ihrgefasset hattet, zu machen und euch zu „bestreben, daß die kelorm-uion in eurem Churfürstemhum eingeführet „werdeli mächte, war mir recht lieb zu vernehmen. Allein so groß men ,,ne Freude desfalls gewesen ; so sehr habe ich mich auch betrübet, da ich „erfahren, was sich vor Umstände mtt eurer kisn^e ereignet, wodurch „ihr ganh klar gezeiget, daß das Fleisch und dessen Kützel weil mehr „Theil an eurem Vornehmen gehabt, als der Geist und der Eyftr vor „die wahre Religion. Verständige Leute haben das Unglück gar wohl „zuvor gesehen, worein ihr euch ftürtzen würdet, in dem es unmöglich „daß ein Unternehmen, welches anders nichts als eine blinde k-àa , zum Grunde hat, einen glücklichen Ausgang gewinnen mag. Ihr , habt demnach gar nicht Ursache euch zu beklagen, als ob man euch ver- , lassen habe. Beklaget euch vielmehr über euch selbst, und über eure „schlimme Aufführung, welche veranlasset, daß ihr von euren Freunden „ààonníret worden. Alles, was ihr nur gethan habet, ist denen , Römisch-Cacholischen zur gröften Aergerniß gereichet, und die k--ors- „ttsmen haben sich dadurch keinesweges erbauen können. Was vor „Hülffe oder àsteâíon mochtet ihr also wohl, von einem oder dem an- „dern Theil erwarten. Indessen.gehet mir gleichwohl euer Unstern um «so vielmehr zu Herhen, weil ich kein Mittel vor mir sehe euch ferner zu „helffen, und ihr müsset, in dem traurigen Zustand, worein ihr euchge- „setzet, nur Trost bey euch selbst suchen. Ja eure Gedult muß nunmehro „so groß seyn, als zu wünschen, daß eure Klugheit hätte gewesen seyn „mögen, woferne ihr das Unglück vermeiden wollen, in welches ihr gefallen. s» c 67 s ) s» fallen. Was im übrigen euer Ansuchen betrifft, daß ich euch gestat-,, ten möchte euren Aufenthalt inmeinem Königreich zu nehmen, so wisset,,, daß die jetzigen conjuàren mir nicht gestatten e6 zuzugeben, und-, ich habe auch meinem àbâàr jn dem Haag Orà gegeben, euch,» ein und andere Ursache desfalls zu entdecken. Schtüßlichen, freund-,» lich geliebter Oheim! bitte ich GOtt, daß er mit seiner Obhut allezeit,» über euch walten wolle.» Bey Lesung dieses schnöden Briefes erblasste ich in meinem Angesicht, verschloss mich auch in ein Zimmer, meinem Jammer den Zügel recht schiessen zu lassen; da ich dann einen gantzen Thränen-See vergösse. Gleichwohl kunnte ich mich noch nicht entschlossn diese Frau, und grosse Feindin des Ehestandes, führohm nicht mehr um Hülffe und Beystand anzusprechen, -4.u conri-àe iMPlolvitte so gar meine nachLondenzu senden, damit sie sich zu demn Füssen der Königin werf- fen, und durch ihre Thränen erhalten möchte, was ich durch die beweglichsten Schafften nicht erlangen kunnte. Die Liebe zu meiner ä gnes war dermaßen starck, daß ich ,,wie bereits erwehnet, mehr als ein Leben vor sie im Anfange gegeben hätte, ja alle Echäheder Welt gegen sie vor nichts hielte. Allein die Noth ist weit stärcker als die gröste Liebe, und vermögend solcher einen tödlichen Stoß beyzubringen. Denn, wann ich in denen zweyen ersten Jahren meine ü g- ncs hätte h!>2sr6iren, und eine Gelegenheit wissen sollen, vermittelst weicherem anderer nur einen einigen Kuß von ihren schönen Lippen erlangen mögen ê»rde ich gesuchet haben solches, auch mit Verlust meines Lebens , zu verhindern. Jeho hingegen gab ich selbst Anlaß darzu, daß man mir in das Gehege bey ihr kommen kunnte. Warum ? Ich schickere sie nach Engeland vor mich zu tollicmren. Nun hatte ich zwar wohl nicht zu befürchten, daß mir die Königin Lliàrb Hörner aufsetzen würde; ihre àilìri und l^onten aber kunnten solches gar wohl thun, und es ist bekannt , daß schon manchem ehrlichen Mann dergleichen Possen gespickt worden, wanner seine schöne Frau einem grossen kàikre oder iLvoriten in das Haus geschicket, und durch sie um etwas anhalten lassen. Alles dieses wüste ich wohl; und dennoch muste die Reise meiner ^gne8 nach Engeland vor sich gehen, würde auch zufrieden gewesen seyn, wann sie mirgleich eine Crone von viel tausend Hörnern mit zurücke gebracht, darnebst aber nur, entweder einen mächtigen Beystand gegen meine Typ x A Feinde, . m ( 67Ä ) M Feinde , oder doch rum wenigsten eine jährliche ?en.iìon von 12 . biß i sOOO. Thlr. erlanget hatte. Also gehet es in der Welt her, also verändert sich der Mensch, und also rnumHim die Noth über Liebe. (lkLLOKM. Daß ihr von einer so mächtigen Liebe, nach Verlauffung einer Zeit von drey oder vier Jahren, herab auf eine so grosse Leichtsinnigkeit gefallen, und eure geliebte aZnerein Opffer geiler Böcke werden lassen wollen, solches ist seltsam genug zu hören. Ha !?ààu ! Ihr hättet viel eher lauter Wasser und.Brod mit ihr essen, als eine àlleàte Pflege des Bauches auf eine solche Weise suchen sollen. Ey, mein lieber Welt hates schon langeais eine unumstößliche Wahrheit erkannt, daß , wo LZeckus und Leres äecampl- ren, Venus ihnen gar bald nachfolget, und da nicht länger bleibet, all- wo sie jener Lomprgme entbehren solle. Schon mancher, der Anfangs, wann das Horn des Überflusses in feinen Händen gewesen , vielleicht das Leben eher gelassen , als freywillig gestattet hätte, daß man ihm den geringsten Eintrag in seinem Ehe-Bette thun dörffen, würde nachhero, wann sich Mangel, Noth und Kummer eingestellet, gerne das Licht darzu gehalten haben, woferne sich nur seiner Frau eine gute Gelegenheit pr-àciren wollen, daß sie was rechtes verdienen können, welches vermögend gewesen wäre, ihn aus der Noth heraus zu wissen. Denn Mangel und Noth ist ein vor allemal etwas scheußliches und memäg- ziches. Bey so-gestalten Sachen, mein Sohn 6elàr6! und weil die Noth vermögend gewesen einen gedultigen Hahnrey aus euch zu machen, seyd ihr zu beklagen, daß damals kein König, sondern eine Königin, aus dem Englischen Thron gesessen. Wäre aber ein König verbanden gewesen, und insonderheit so ein wollüstiger Printz, wie ttsm-à vul. vderLsroius n. oder auch srcobus ll. war,der zugleichkrofeMon von der?ro- reüamischen Religion.gewachst hätte, würde die Reise eurer nach Engeland sonder Zweiffel einen sehr guten Luccsll' gehabt haben. Aber - wie m ( 477 ) W , wie ckf sie nurimehro ab, da sich eins Kömgin auf dem Englischen Throw beftmd? Sehr schlecht. Denn erstlich gm'erh sie auf der See, in einem sich erhobenen Sturm, in die gröste Leib» und Lebens-Gefahr, daß sie bey nahe Don denen Wellen verschlungen worden wäre» 6lìLQOIîkU8. Vielleicht Hai sich der heydnische GOtt des Meeres, Aepcunur, rn dieselbe verliebet gehabt, und sie ;u sich in sein nasses Bette, das er in der unergründlichen Tiefe des Meeres aufgeschlagen, stehen wollen. Aber, wer weiß, wann sie dahin gekommen wäre , ob sie nicht eben solche Händel angerichtet hatte, wie auf der Welt? und ob die àgnaren oder QrZncks in der Tiefe des Meeres, ihrentwegen, nicht einander in die Haare gerathen wären? Ja, was würden nicht die Meer Göttinnen, nemlich àxiàiàis , Ideris, Ooris, samt denen-Schaaren de- rerWaffer-diympben und ^creiclen gefaget und vor einen Lerm gemacher haben, wann sich eine so schöne Frau bey ihnen emqefunden hätte, und ihre Schönheit durch derselben Anwesenheit wäre verdunckelt wordem 6LLHäiri)U5. Ihr beklebet zu scherhen, und mir ist es gar nicht fcherhhafft um das Herh-e, wann ich an die Umstände ftlbigerZeiten gedencke. Haben sich die Götter des Meeres, folglich weder dkpcunv5» noch L-à oder koi- lux, nicht in meine verliebet, fo fiel doch ihre Schönheit ein und andern in Engeland sehr ungemein in die Augen, richtete auch keinen kleinen Lerm und Eyfersucht au, wie ihr gleich hören sollet. Sobald meine Lgnes zu Lsnden anlangete, scillreKrtesie sich an den Grafen von Lssex , und bat denselben, er möchte sich doch bey der Königin vor sie empören, und machen, daß sie in ihrem Gesuch reuLle. Das versprach er zu thun. Allein ein wiedriges Berhängniß mssirirte ihm zugleich die Gedancken, daß er meine Gemahlin in sein Haus aufnahm,und ihr darinnen einige Zimmer einräumere, womit aber der gantze Brey auf einmal verschüttet wurde. Denn es ist bekannt, daß dieser grosse kilmlkre UrL kävorü der KöniMWLbeck, von aller Welt, davor gehalten worden, W ( 678 ) M _ àM ob er von seiner Herrin, zu ihrem Bett-Verwalter, erwehset und aeshet sey. Als sich nun meine ägnes zwey Tage bey ihm in seinem àusi befand, ohne der Königin aufzuwarten, ( welche sich damals eben ru ttümproncourr, etliche Stunden von Londen befand)und jolche Zeit emp ovrte von ihrer mühsamen Reise auszuruhen, mglerchensich zu kleiden. damit sie vor der Königin gebührlich erscheinen konnte, erfuhr indes- à Liilàinhre Ankunfft,unddaßsie der Graf von l à zu uch in fein !tzaus genommen hatte. Darüber geriech die Komgm rn die groste <àk und Eyfersuchr von der Welt, sendete auch unverzüglich einen 8^rsàm,!-là genannt, zu dem Grafen von Là, der ihm andeuten mufte, welchermassen es ihr Befehl und Wille sey. daß er meine àKn« augmblicklich aus fernem Hause schaffen Mte; worgegen der àf mckt das geringste reden à einwenden durffre. Memer Gemah- ^ aab eben dieser Smick. im Namen der Königin zu vernehmen, daß sie, Lllsàànemlich,ganh erstauner seyzu hören, daß meine Gemahlin sich unteràben mögen, ohne Erlaubniß und Anfrage, in ihr Königreich zu kommen , wannenhero seine Königin wünschte, meme Gemahlin mochte sich aufdas geschwindeste wieder von dannen packen. Wre sehr meme nrme àner über dieses Oomplimenr, einer in dem höchsten Grad eyfer fuchsigen Königin, erschrocken seyn muß, ist le chr zu erachten, und sie sahe sich aetwungen zu gehorsamen, auch zu àl.riren , daß sie bereu seye gleich andern Tag zrirücke zu reisen. Darauf befahl die Komgm mehrer- weknten8-creM>o 8mlck, meine àgneL allenthalben zu begleiten, biß sie sick würde wieder zu Schiffe gefchet haben; wobey es gleichwohl gescha- daß er ihr, im Namen seiner Königin, ein àr von taulend äpeM« Thälern zustellete, und sie damit absegeln ließ. Was den Grafen von Là dieser áre wegen, noch weiter betrifft, solle er dre Freyherr, vor der KöniginAugen zu 'erscheinen, nicht eher wieder erlanget haben, biß meine à« von Londen abgereiset gewesen, da ihm dann, bey dem ersten Vorstand, vielleicht ein und anders nach dem Kopffe geflogen, auch die c^raae an denselben gerhan worden seyn mag/warunfferden Hof der Mnià mit solchen Blut-Igeln beschwehren wolle ? anderer Dinge zugeschweigen die zwischen der Komgm und ihm, memer ägnes wegen, vorgefallen seyn werden. 6 KL 60 KIVS. Woftrne es dem Grafen von Là ein Ernst gewesen euch und^um 8L ( 67 ! ) W äßner zu dienen, hat er als ein schlechter LoHricus gehandelt, daß er sie zu sich in ftin Haus genommen, auch /lg«csgar nicht klug gethan, daß sie dergleichen Offerten accepkjxet; weil ein jedes sich gar leichte einbilden können, daß die Königin in die gröste Eyfersucht darüber gerathen, folglich nichts heilsames ausgerichtet werden wurde. Allem auf Seiten des Grafen von Là ist die Liebe, und bey eurer Gemahlin die Angst und Noth, Ursache daran gewesen, daß nicht alles reiflich genug erwogen und überleget worden. Ihr urtheilet ganh recht, mein Pabst ! Aber ich armer Mann kam am allerschlimmsten dabey zu rechte. Ich suchet«, nach der Zurückkunsst meiner ägn«<,us Enyeland, Hülffe bey dem König von blavzrra. der hernach den Frantzösischen Thron bestiegen, undtteoà iv. geheißen. Allein der gute Herr war zur selbigen Zeit selbst genug geplaget und angefochten, hatte auch an Gold und Silber wenig übrig, welches er andern hätte mittheilen können. ÓKL60KW5. Das ist wahrhafftig ein Unglück vor euch gewesen. Denn wann ttenài I V. damals schon auf dem Frantzösischen Thron gesessen hätte, und nicht erst ào i s89.darzu gelanget wäre, hättet ihr nur eure schöne ägva5 an ihn senden dörffen ; die dann, bey diesem grossen Liebhaber des Frauenzimmers, gantz gewiß etwas sonderbares vor euch ausgewircker haben würde. Aber saget mir, warum ihr es nichtgethan, da sich tten. à aufdem Frantzösischen Thron befunden ? OLLttäkOUS.' Es unterblieb die Absendung meiner an chn, da er König vo« Frankreich worden, darum, weil er erstlich immer auf dem Sprung stunde, sonder kesormirten zu der Catholischen Religion überzutreten. Vors andere, weil er bereits an Kiàeffen hienge, die vielleicht meine ö§ves noch weit ärger, als die Königin LUlsberb ihres Grafen von Lffex wegen, hätten rräen mögen; und dann drittens, weil meine ä§n«« damals zwar noch nicht sonderlich alt war, jedoch ihre Schönheit über alle Massen abgeleget hatte, woran die Sorgen und der Kummer Ursache gewesen. XLI.Lnrr, Vy? y Ick _ m c 6/r ) W Ich sahe demnach gar wohl, daß ich, als ein von Land und Leuten Verjagter, würde sterben, und biß an mein Ende von vem Mmosen solcher Personen, denen ich ehemals gleich gewesen, leben müssen. De, rohalben vermehren sich meine Schwehrmuth von einem Tag zuwandern, je mehr und mehr, die da machte, daß ich vielmals wünschte, weder in Garens Cryftall, noch das schöne Angesicht meiner LZn», jemals gesehen zu haben. Hierzu kam noch dieses, daß ich erfuhr, es seye meiner äZnesschon in ihrer Kindheit prophezeiet worden, daß derjenige, so sie heyrachete, um Land und Leute kommen würde, weshalb sie auch ein geistliches Leben erwehlet, auf daß durch sie niemand auf der Welt unglücklich gemachet werden möchte; welche Nachricht meinen ckâgà nicht wenig vermehrte. Mancher vergaffet sich in ein häßliches Gesicht, und wann seine Augen von der Stärcke der Liebe geblendetsind,bildet er sich ein, es seye schön, in welcher Einbildung er verharret,biß die Liebe und der äLä die Stärcke verlohren; da sich dann der blaue Dunst, der ihm vor denen Augen gc- schwebet, ebenfalls vermehret. Hätte ich mich nun gleichergestalt in ein häßliches Gesichte vergaffet gehabt, würde ich gantz gewiß, da deráâ, Lurch die Noth und den Mangel, um seine Stärcke gekommen, in die gröste Verzweiflung gefallen seyn. Allein ich muste auch damals, als ich meine ägnsZ mir sehr kalrsinnigen Augen ansähe, bekennen, daß ich um keines häßlichen, sondern wahrhafftig schönen Gesichtes willen, um memErh-Bistum und dieChurfürstlicheWürde gekommen ; welches mich allezeit wiederum ein wenig in meinem Unmuth tröstete. Gleichwohl verfiel ich letzlich in eine solche lvlànâà, die einen sehr starcken Aberwitz in sich sichrere, und starb àno r 6or. in dem Briel in Holland, zwar nicht sonderlich veraltet; jedoch gantz müde und Lebens-satt, wäre auch gar wohlzu frieden gewesen,wann ich gleich ein Dutzen-: Jahre ehe gestorben ftyn möchte. Kinder habe ich mit meiner ^Zvscs nie gezeuget,woran vielleicht Anfangs die allzuhitzige Liebe, nachhero aber der grosse Kummer und die Sorgen Ursache gewesen. 6 Lx 60 K!v 8 . Ich beklage, mein Sohn ! daß ihr in der Welt aufder 1-iKê II- lulìres àìksureux stehen müsset; finde aber, daß dieses daran Ursache, weil ihrallzujung/daihr nemlich nicht mehr als etlich und dreyßig Jahre M ( 67Z ) W Jahre alt gewesen, zu der Würde eines Ertz-Bischoffs gelanget. Das Leben eines Manneswird eigentlich in zehn Alter abgetheilet. Das erste prsànrec man durch einen Knaben von i o. Jahren , welcher im Schildern Kalb führet, weil ein Knab, in Betrachtung seines Muth- willens solchem sehr ähnlich ist. Das andere Alter ist ein Jüngling von rs. Jahren mit einem Bock, dadurch die Geilheit und Streitbarkeit eines sol- chen jungen Menschen anzudeuten. Das Dritte ist ein Mann von dreyßig Jahren mit einem Stier,wegen der Standthafftigkeit und Arbeitsamkeit, mgleichen wegen der Munterkeit und Hitze.Das vierte Alter ist ein Mann V0N40. Jahren mit einem Löwen, wegen seiner Stärcke und Tapferkeit. DasFünffte ein Mann von so. Jahren, der einen Fuchs im Schilde führet, sonder Zweiffel wegen der Arglistigkeit und Klugheit. Das stchste Alter ist ein Mann von 6o. Jahren, mit dem Bilde eines Wolf- fes, dadurch der Geih, der öffters dey so. jährigen Leuten ansänget, abgeschildert wird. Das Siebende ein Mann von 70. Jahren, mit einem Hunde, dieses Alters treue und standhaffte Freundschafft anzudeuten. Das Achte ein Mann von 80. Jahren, mit einer Katze, weil er gemeiniglich schlau, und seine Meinung verbergen kan. Das Neunte ein Mann von 92. Jahren, mit dem Bilde eines Esels, wegen der Verdrossenheit, und weil die alten Greisse, welches aber wider alles Recht und Billigkeit ist, vffters sehr verachtet werden. Endlich ist das Zehnte männliche Alter ein SteimAlter Greiß, mit dem Bilde des Todtes. Weil ihr nun gleichsam als ein Stier, gantz munter und hitzig, voller Feuer und Leben, zu dem Ertz- Bistum gelanget, habt ihr freylich gar leichte fehlen und straucheln können. Es istwahr,mein Pabst! daß ich ein wenig jung gewesen, als ich Erh-Bischofs worden, und würde, wann ich als ein Fuchs , nemlich wie ein Mann von so. Jahren, darzu gelanget wäre, mich weit besser dabey befunden, auch wohl schwerlich an das Weiber-nehmen gedacht haben. 6 kL 60 iriU 8 . Wie alt war eure ägnes, mein Sohn Gebhach! als ihr sie zum erstenmal gesehen? Pyy y r - m l 674 ) M Ungefähr zwantzig Jahr. 6kL60IìlU5. Das Lebendes weiblichen Geschlechts wird auch in zehn Alter ge- theilet. Das Erste stellet vor ein Mägdlein von ro. Jahren, mit einer Wachtel, die Hurtigkeit und Annehmlichkeit, wie auch die Schwatz- haffligkeit und Unbeständigkeit vorzustellen. Das Andere ist eine Jungfrau von Zwantzig Jahren mit einer Taube, so die Liebe bedeutet, welche diesem Alter folget. Das dritte ist ein Weib von z o. Jahren, mit einer Elster, um der Waschhafftigkeit willen, die so vielen anhanget, Dergestalt, daß sie die gantze Welt beurtheilen und richten. Das Vierte ist eine àrone von 42. Jahren, mit einem Pfau, wegen der Hof- farth, Das Fünffte eine Frau von 52. Jahren mit einer Henne, wegen der fleißigen Vorsorge vor ihre Kinder und Haus-Gesiade. Das Sechste ein Weib von 6o. Jahren mit einer Gannß, wegen der Wachsamkeit und Nutzbarkeit im Haus, Wesen, wie auch zum theil ihrer Schnatterhafftigkeit halben. Das Siebende ein Weib von 70. Jahren, mit einem Gever, wegen des schärften und fleißigen Aufsehens im Haus-Wesen. Das Achte eine alte Frau von 82. Jahren, mit dem Bilde einer Nacht Eule, wegen der Wachsamkeit. Das Neunte eine alte Frau von 92. Jahren, mit dem Bilde einer Fleder-Mauß weil sie Leute-scheu und von der Welt verachtet ist. Das Zehnte ein steinaltes Mütterlein von eoo. Jahren, mit dem Bilde des Todtes. Eure äZ«« nun, mein Sohn Gebhard! ist in dem 22. Jahr ihres Lebens mit euch m Bekanntschafft gerathen, welchem Alter die Liebe folget, wannenhew sie eure ohne diß sehr verliebte Augen, mit einer so grossen Stärcke an sich gezogen. Hättet ihr sie erstgesehen , da dieselbe so.Jabrealtgewe- fen, würde ihr Angesichà eurem Hertzen bey weitem keine so gewaltige Wirckung geth-n haben. Jedoch es seye genug von euch und eurer ügneke geredet. Saget mir ein wenig eure Meinung, was ihr an der Geistlichkeit, von welcher Religion sie auch immer seyn möge, das gröste Laster haltet? Das ist sonder Zweiffel der Ehr - und Geld, Geih, von dem sich ei« Nosser Theil der Geistlichkeit beherrschen lässet. 6kLS0- , _ m c 675) W . 6RL60lìlI/8. Ein Römisch- Catholischer Geistlicher sokte, vermöge seiner Gelübde, und auch weil er denen Layen zum Exempel dienet, wornach sie sich richten und ihr Leben anstellen sollen, nichte als lauter Demuth, wie auch gar keine Liebe zum Gelde, Gold oder Silber, von sich blicken lassen, und ich habe auch wenig an ihnenLeswegen auszusehen. Allein über den Ehr - Geih der Römisch - Catholischen Geistlichen laustet gleichwohl noch immer starcke Klage ein, und er wird sich auch, allem Ansehen nach, beständig in ihrem Herhen wainteniren. Was hingegen den Geld, Geih betrifft, dem sind die ?rorânûschen Geistlichen, zum Theil, weit mehr alsdie Römisch, Catholitchen ergeben, indem diese vor keine ksmiiie, jene hingegen vorftoltze Weiber, und auch zuweilen vor gar viele Kinder, zu sorgen haben; wie dann eben dieses eine derer Ursachen mit gewesen ist, warum denen Priestern die Ehe verboten worden, auf daß die Sorge vor ihre Weiber und Kinder, sie nicht zum Geld- Geih verleiten möchte. Ist ein Theil derer ?rorànrischen Geistlichen um ihrer Weiber und Kinder willen geitzig, so scheinet es doch, als wann sie eine rechtmäßige Ursache darzu hätten ; wiewohl dem Geih freylich ganh und gar keine Enl^ ffhuldigungvor GOtrzu statten kommet. Viele Römisch - Catholische Geistliche aber smd ebenfalls so geitzig wie ein Theil derer käminen und Lutherischen Geistlichen zu seyn pfleget, und mögen deswegen keine scheinbare.Ursache aufbringen ; es seye dann, daß sie gestehen wollen,daß ihrer ktsirrsssen und heimlichen Kinder Erhaltung und Versorgung viel Geld erfordere, wannenhcro sie, das Geldzu erspahren, mit dem Her- tigthum öffters dermaßen leichtsinnig spielen, daß die Leute mit Händen zu greiften vermeinen, ob würde solches von ihnen selbst vor weniger als vichts gehalten» Saget mir doch ein solches Exempel, mein Sohn Gebharö !.' 6eLNäkOU.8. Es ist bekannt,daß einige Päbste selbst,um ihres kr<à und Wuchers willen, ihreUmmhauenm theuren.Zeiten, dermassengrossc Noth leiden Dyy Y r lassen,. M t 676 )ZH lassen, daßdasVolckzuRom, wann es den Pabst geschen und den See- gen von ihm empfangen, schon mehr als einmal geschrien : Heiligstee Varer ! Gieb uns grösser Brod, und behalte davor demen See gen. Jedoch ich will noch ein anders Exempel erzehlen, das vermögend die Dache ein wenig klarer ju reizen, weil man etwa einwenden möchte der Pabst habe anderwärts so viele Arme ju versorgen gehabt, daß er dem Vslck zu Rom das Brod nicht vsrgrössem lassen können. In einer gewissen Oàes befand sich ein Römisch - Cathslischer Bischofs, der einen gantz unersättlichen Geitz von sich blicken Ließ.Derohalben nahm sich einkurtzweiligerKopffvor, ihm einen Possen zu spielen, gieng am Neuen Jahrs Tag/ zu demselben,und wünschte ihm ein Neues Jahr, verlangte auch unverzüglich dreyßig Species Thaler zu einem Neuen Jahrs,Geschencke. wie ? schrie der Bsschoff, ich glaube der îHlensch bildet sich eitt, rchsef eben ein fo grosser îTsarr alser, und werde eine dergleichen grosse Summa Geldes vor einen treuen Jahrs - Wunsch geben. Ja er wände sich zu dem, den er vor sich hatte, und sprach noch weiter zu ihm: Bistu dann der Opinion , daß deine Worte so vielen Geldes wertb seyen? wohlan! antwortete Ler kurtzweilende, gnädiger HErr! Wann sie das vor eine allzu- grosse Summa halten, so bezahlen mir nur Dieselben meinen schönen Wunsch mit einem Gieben-Lreuyer ; reiches nicht völlig zwey gutcGroschen betraget. Aber auch dieses wurde ihm platterdings abgeschlagen. Darauf bat der Neu-Jahrö-Wünscher den Bischoffnur um einen Creutzer, welchen ihm dieser ebenfalls verweigerte. Endlich sprach der Kmtzweilendc: So ersuch ich dann Erv. Gnaden um Dero SLneäiüi^n. Hiensst war der Bisch off gleich six und fertig, und sagte: Ha ! Was meine kenscliä ou anbelanget, diese solst du haben. Bmie nur vor mir nieder, auf daß du sie gebührend empfangen mögest, liiern, das thue ich nicht, versetzte hierauf der Kurtzwellende. DieReyhe ist jeyo an mir, etwas abzuschlagen. Denn wann Ew. Gnaden davor hielten, daß Dero 6ene- ciîâior! mehr als einen Lreuyer gälte, würden mirDieselben solche gang gewiß nicht so freygebig gewähret haben; um welcher Reinigkeit willen ich also nicht gesonnen bin nieder zu knien. m ( 677 ) M OkL 60 klV 8 . Es wäre zwar nichts ganh unmögliches/ daß sich eine solche Begebenheit solle mit einem geitzigen Manne ereignet haben, und ich meines ì Orts weiß selbst zu sagen, daß es viel leichter sey den Seegen als Geld zugeben. Dem ungeachtet halte ich davor, es seye dieses Histörgen zur Lust ersonnen, will dannenhero solchem gleich ein anders, eben der Natur, von einem Bischofs in Jrrland, so der krarâmischen , oder besser zusagender Englischen Kirche, zugethan gewesen, entgegen sehen. Der Pfarrer eines gewissen Irrländischen Fleckens hatte einen Hund, den er über die Massen sehr liebere. Es ereignete sich aber, daß dieses arme Thier kranck wurde und starb. Da entschlösse sich sein Herr, ihn, bey nahe wie Christen zu geschehen pfleget, beerdigen und auf dem ordentlichen Gottes-Acker begraben zu lassen, welches er auch wircklich in das Werck richtete. Solches ge- langete zu denen Ohrendes Bischoffs, unter welchem der Pfarrer stunde. Der ließ den Pfarrer unverzüglich vor sich fordern, gab ihm einen derben Filh,, daß er den ehrwürdigen Stand eines Priesters so schrecklich vermehret hätte, drohete ihm auch letzlich gar mit der Absetzung. Euer Lâàicbip (Herrlichkeit) Verzeihen mir, versetzte alsdann der Pfarrer. Ich wolle wünschen , daß Ihnen nur der sonderbare Verstand dieses armen Hundes, den er auch so Zar in der Stunde seines Todtes blicken lasten, ingleichen sein gutthäri- ges Ende, bekannt seyn möchte : so würden Sie ihm gewiß keinen Play auf dem Rirch-Hof, unter meinen andern pfarr Rindern, verweigert haben. Über diese Worte schiene der Bischofs gautz erstaunt zu seyn,, und fragte, worinnen dann der sonderbare Verstand, samt der Gutthätigkeit des Hundes bestanden habe? Euer Herrlichkeit geruhen zu wissen, antwortete der Pfarrer weiter, daß mein Hund, als er die Herbeynahung seines Endes vermerck- te, einen biorgrium zu stich rüsten ließ und sein Testament machete. Da sprach der Arme krancke Hund unter andern : Es ist billig, daß ich Ihrs Herrlichkeit, unsern Herrn Bischofs bedencke, wannenhero ich ihm hundert Pfund Sterling verflache. Hernach trug er mir die Sorge vor die execution seines letzten willens auf,,die ich auch über mich genommen. m ( 67T ) M Ja , zu zergett, daß ich keine Unwahrheit rede, hade ich die io^>. pf. Sterling vor Eure Herrlichkeit zu mir aesiecket, solche gleich i'eyo auszuzahlen; womit er sie in einem Beutel wirklich überreichte. Als der Bischoff diesis sahe, änderte er seine Grdancken alssbald, sprach dm Pfarrer von aller fernern Untersuchung frey, und Migre das Testament samt der Beerdigung des Hundes, Was saget ihr, mein Sohn Gebhard zu dieser Begebenheit? Ich halte sie, eben wie ihr meine vorige Erzehlung, vor ein zur Lust ersonnenes Histörgen, das aber von euch angeführet wird, zu erweisen, daß unter denen vornehmen kroreKsnuschen Geistlichen sehr gei- hige Leute anzutreffen. Meines ist solches gar nicht nöthig, weil ich es jaglaube, ohne desfalls Exempel und Beweiß zu fordern. Hingegen könnte euer erzehlres Histörgen einem sehr wohl zu statten kommen, der sich vorgesetzet hätte die Krafft des Goldes zu beweisen, als welches vermögend aus schwach weiß, und aus weiß schwach zu machen. Welches die Menschen beweget, daß sie heute billigen und loben, was sie gestern gescholten und verfluchet haben; oder, noch besser zu sagen, welches machet, daß die Menschen vergessen, daß sie eine Seele haben, und ein GOtt im Himmel sey. Wohlan! mein Pabst! Lasset uns mm- mehro hören, was aus der Welt vor Neuigkeiten emgelauffen, wobey wir auch voruns nochein wenig öilcuriren können. OkLQOKltllL. Das laste ich mir sihr wohl gefallen. Jedoch höret, mein Sohn ! Es ist ja das, was jetzo wegen der Religions-Vereinigung, zwischen denen Lutheranern und uármirten , auf dein iHer lieget, eine derer grösten Neuigkeiten mit. Lasset uns derohalöcn, ehe wir zu dem Lecrs- isrio gehen, davon ein wenig reden. Sind euch die desfalls gemachten krojeäö bekannt? Man hat schon mehr als einmal Hand an dieses Merck geschlagen; aber allezeit vergebens. Was die jetzigen neuen brojsäs betrifft, zielen sie, so viel als mir bewust, nicht einmal auf eine gänhliche Vereinigung beyder Religionen, sondern nur dabin, daß ste in der Gemein- sch-O m c 679 ) Z« schafft der Christlichen Kirche , dann in Freund-und Eràrsàfft, desto näher zusammen treten möchten. OMLOKioS. Aber was haltet ihr von denen Schafften, welche von einigen Dreologis darüber zum Vorschein gekommen? ingleichenvon denen I)i5- curlen, welche dem Verlaut nach, da und dorten, auf der Canhel, davon gehalten worden? 6LLNäiri)U8. Einjeder Geistlicher, er seyeLutherisch oder ktekol-mirr, muß wissen, was er sich zu verantworten getrauet? und dann, worzu ihn sein Gewiss stn obligiret? Hauet er über die Schnur und handelt wider Gebühr, mag er zusehen, was darauf erfolget. Wäre ich meines Orts ein Lutherischer oder kärmirter Prediger auf der Welt, würde ich mich gar sehr hüten, auf der CanHel wider das Vereinigungs-Merck, und wann es auch eine vollkommene Vereinigung beträfe, zu schmehlen und ru schelten. Wolce ich aber ja etwas davon gedencken, solte es ungefähr als» lauten : Ihr meine Geliebten ! man redet aufs neue von einer Vereinigung der Lutherischen mir der ktetormirten Rirche. weil nun dieses ein mit gar vielen Schwierigkeiten verknüpfte», wo nicht gar unmögliches werckzu seyn fcheinet: als laste steh solches ein jeder seiner Anvachr bestens empfohlen seyn, und seuffze inbrünstig zu GOtt, daß er seine allmächtige Hand selbst mit daran schlagen, und das werck zu seiner Richtigkeit, gedeyhen lasten wolle, woferne es zur wirklichen Aufklährung und Festsetzung derwahrheit, ohne Abgang derselben zur Verherrlichung seines Namens und Ausbreitung seiner Ehre,gereichet- OKL 60 KIV 8 . Ey! mem Sohn! Ihr scheinet nunmehro sehr friedfertig zu seyn. Ich hingegen bin noch immer so, wie ich vor vielen 8ecà gewesen, und erfreue mich allemal recht herhlich, wann ich höre, daß zwischen denen Lutheranern und keiormirten anzügliche Schriffcen gewechselt werden,wünsche auch, daß zum Besten derRömisch-Catholischen Kirche, aus beyder Religionen Vereinigung/ nimmermehr etwas werden möge! xlchhmr. Zzj z L M s 682 - M OxLN^KOU8. O dieser Wunsch ist euch gar nicht zu verargen, wann man bedrucket, daß ihr als ein Pabstredet. Ich meines Orts aber wünsche, daß die Vereinigung zum Stande kommen möge,wann sie anders, lW. wahr- hafflig und ohne Abgang der Himmlischen Wahrheit zur Verherrlichung des Namens GOttes, zum Wachsthum seiner Kirche, und Beförderung seiner Ehre gereichet. Lllour , spprenäre guelgaes surrn nouvelles wl'ett. An dem letzten Tag des verwichenen r6rl. Jahres , als am Heil. Abend des Neuen Jahres, oder der Beschneidung CHristi sind, zur Vesper - Zeit alihie, gar viele Andachten gepflogen, und unter andern in der Kirche des Käyserlichen kàt-. Hauses derer Jesuiter am Hof, in Gegenwart Jhro Majestät der verwittidten Käysm'n àsûa, umcr Trompeten - und Paucken - Schall, der àbrolì«nische Lob-Gesang angestimmet worden, GOrt vor ein glücklich zurücke gelegtes Jahr zu dancken, welche Andacht allda die lehtoerstsrbene glorwürdigste Käy- serin tèl-ono-a viele Jahre hindurch gepflogen, eine hochadeliche vsms aber nunmehro auf ewig gcstifftct. Am Neuen - Jahrs, Tage dieses 1722. Jahres wurden die gewöhnlichen Glückwünschungen bey Hofs abgeleget, und in dem abgewichenen 1721. Jahre sind sowohl in dieser Stadt, als in denen herumliegenden Vorstädten, 6492. Personen gestorben, 4104. Kinder aber dargegen getauffet worden, dergestalt, daß 2286. Personen mehr aus der Welt hieselbst gegangen, als darein gekommen sind. 0 ne 60 kw§. Die Weynacht-und Neu-Jahrs-Zeit, ist in dergantzen Christenheit etwas gar KngcMhmcs und erfti uliches, theils weil man sich der Ge- burtbundBcschneidung JEsuCHristi, samt der davon cle, ereilenden Erlösung des menschlichen Geschlechts, auf eine ganh besondere und solel!lic Weise erinnert, theils weil man si ch untereinander zu rcg-bren und zu bcschcncken pfleget, theils aber dcrcr vielen gewöhnlichen Glück- wünschungen wegen, welcher^-pro cè von dcnen Leuten abgestattet werben, wobey sich ein zeder hertzlich erfreuet, daß wiederum ein Jahr zurücke geleget, und ein neues angetreten wird. Der, so das alte Zahr - gluck- m ( 681 ) W glücklich vollendet, ist vergnügt, und tritt mit voller .Hoffnung / fernerhin eben so glückselig oder noch glückseliger zu seyn, in das Neue. Wer hingegen in dem Alten Jahr, von Jammer, Noth, Schaden, Unglück, Creutz und Elend betroffen worden , ist froh, daß der Unstern vorbey, und tröstet sich, daß nunmehro indem neuen Jahre, nach so vielen Unfällen , die Freuden-und Glückes-Sonne wieder scheinen werde. Be» Höfen und in Uslläentz-Städten insonderheit,fället zu solchen Zeiten alles ungemein prächtig in die Augen, wann die Oi-arMn , die kUlMn, die LolleZiâ und sofort, nacheinander angezogen kommen ihre Lâlâàes und Glückwünschungen abzustatten. OLLttäklDVS. Indessen scheinet es gleichwohl, als wann indem Glückwünschen und Oraruiiren eine gar grosse, Eitelkeit stecke, indem sich der Wille des Himmels, die karr, Lc!es Lrprices 6 u Oellin, keinesweges daran kehren; ru contraire recht das Widerspiel, vielmals, zu verhängen pflegen, an statt, daß sie einem gewähren solten, was ihm ist gewünschet worden. Doch erfordert es nichts destoweniger die Schuldigkeit eines jeden, daß er seinen Vorgesetzten, und seinen Neben-Christen, alles Heyl, ülle Wohlfarth und alles gute gönne und wünsche, die Erfüllung des Wunsches aber dem gütigen Himmel anheim stelle, und ihn durch ein inbrüuustiges Gebet darum ersuche. Wundersam ist im übrigem dieses , daß in grossen Städten allemal des Jahrs über eine ziemliche Anzahl Merischen mehr sterben als gebohren werden. Jedoch wo dencke ich hin? Die Menge derer Fremden ist daran Ursache, als welche auch den Abgang, den eine Stadt erleidet, wann die Anzahl derer Gestorbenen die Gebohrnen übertrifft, jederzeit reichlich ersetzet. Berlin. In denen allhiesigen UcliärM und Vorstädten, sind in dem Verlauffenen 1721. Jahre 2249. Kinder getauffet worden , und dar- gegen 2Zzz. gestorben, dergestalt, daß die Zahl derer Gebohrnen, von der Zahl derer Gestorbenen, mit 84- Personen übertreffen wird. Unter denen Kindern sind i87- uneheliche begriffen. 6kL60k!U8. Aus der Zahl derer Gebohrnen undGestorbenen lässet sich zuweilen sehr wohl von demUnterschied einesOns urtheilen,und es erhellet folglich,daß in Men bey nahe dreymal so viel Menschen alöin Berlin seyn ZU r » müs- _ m ( 682 ) W _ müssen , derZulauff derer Fremden auchMhie lange nicht so groß als dorten seye. 6kLNäirOU8. Hundert und sieben und achtzig Huren, Kinder in einem Jahre zu Berlin, und was unter dem Namen Berlin begriffen wird, mag vielleicht denen Leuten, so an kleinen Orten wohnen , wodes Jahrsüberkaum ein oder jwey Kinder von dieser Gattung gebohren werden, als etwas entsetzliches in die Augen leuchten. Ich meines Orts aber wundere mich,daß deren nicht noch weit mehr sind,wann ich betrachte,wie dieMensche nunter einander tu leben pflegen, und die grosse Neigung erwege,welche das weib- liche zudem männlichen Geschlechte, und das männliche zu dem weiblichen heget. Weil auch in Berlin gemeiniglich fünffthalb biß fünff tausend Söhne anwesend sind, nemlich die 6ìens à' ^rme5, die von der à- li'ikrie, und denen übrigen Regimentern Insgnrerie, wovon die meisten zwar unverehlicht leben, und doch fast ein iedex sich etwas Liebes zu gele- get hat, muß man sich eine Anzahl Huren, Kinder von 187. M nicht befremden lassen. Ein anders von Berlin. In denen Städten und Dörffern der allen Mittel-und Ucker-Marck sind, inciàc derer hiesigen kìclìàn- hien , im abgewichenen Jahre, getauffet sechtehn tausend und sechs und achtzig, worunter fünffhundert sechs und neunhig Uneh- liche; getrauet viertausend sechshundert und neunzehn Paar; gestorben dreizehn tausend fünff hundert und eylffe, und also funffzehn hundert fünff und siebentzig mehr gebohren als gestorben. Unter denen gestorbenen sind r g. gewesen, die 90. Jahre und drüber alr worden, nemlich zwey von 92.zwey von Ui.eines von 92. zwey von 9 z. eines von 94. zwey von 9s. drey von 96. zwey vow97.zwey von§8. drey von roo. eines von ioi. eines von i or. eines von ioz. zwey von 104.zwey von 107. und eines von n 2, Jahren. 6 l^L 60 iriv 8 . Die alte Mittel - und Ucker-Marck, sollen eben sonst mit Volck nicht allzusehr überhäuffet, sondern nur mittelmäßig bewohnet seyn. Was die «nebeligen Kinder anbelanget, sterben davon die meisten wieder, weil ihre Mütter gemeiniglich, bey der Geburth und in denen Windeln, ja schon in Mutter-Leibe, sehr rauh und unbarmherhig, mit ihnen umzugehen pflegen. Die aber übrig bleiben und ihr Geschlechte fortpfiantzen, kon- m ( 68z ) M können versichert seyn, daß in ioo. oder mehr Jahren , kein Mensch mehr von ihrer unehelichen Ankunfft reden wird. Indessen sind sie, Zeit ihres Lebens, garvieierley Spottund Verachtung unterworffen, obgleich die elenden Creaturen nicht das geringste zu ihrer Zeugung comribuiret, oder dabey verschuldet haben. Was die Anmerckung von denen über 90. Jahre alt gewordenen rz. Personen betrifft , dienet solche darzu, daß die Menschen «wegen, wie wenig zu einem solchem Alter gelangen, sondern daß die meisten weit jünger, ja in der Blüte ihres Lebens , dahin gerissen werden, wannenhers ein jeder fleißig beten mag: Herr lehre uns bedencken, daß wir, und zwar sehr zeitig, sierberiMüsierr, aufdaß wir klug werden. OkL60KIV5. Das Anmercken einiger wenigen hohen Alter aber gereichet auch darzu, daß diejenigen, welche nicht gerne sterben, sondern recht lange leben wollen, einen vortrefflichen Trvst daraus ziehen, und sich mit der Hoffnung àriren können, ebenfalls ein solches Alter zu erreichen. 8e.ckL'i'äkiU8. Louden. Zu Folge des gedruckten Leichen - Zettuls ist zu ersehen, daß in dem letzt'vergangenen 17". Jahre, in dieser Stadt, achtzehn tausend dreyhundert und siebzig Kinder, nenmch neun tausend vierhundert und dreyßig Söhne, dann acht lausend neun hundert und vierhig Töchter, gebohren worden. Hingegen sind gestorben sechs und zwantzig tausend unter welchen 8 r. begriffen , so sich selbst entleibet. 6kL60k!U8. Diese Stadt ist demnach nicht unsäglich eine kleine Welt zu nennen, weil darinnen mehr Menschen gebohren werden und sterben, als sonst bißweilen in'zwey oder drey Provintzien zusammen nicht geschiehet. Die Zahl Lerer gebohrnen Söhne übersteigt den ttumerum derer gebohr- nen Töchter fast gemeiniglich, wie es aus denen Jahrs-Zetteln klar zu ersehen. OL 6 NLKVV 8 . Es ist gut, daß ihr das Wort fast nicht vergessen, und ich kan euch versichern, mein Pabst l daß sich das Widerspiel nicht selten ereignet, da nemlich weit mehr Mädgen als Knaben gebohren werde«, welche Letztere Lrr r 3 doch m ( 6 84 ) W _ doch viel nöthiger als jene sind; zumal wann, zur Krieges-Zeit, scharfe Schlachten und harte Belagerungen vorfallen, die in einer Stunde, an einem Tag ,in einer Woche, in einem Monath, oder aufs höchste in einer OZmpzZne, so viele Menschen männlichen Geschlechts dahin reisten, als zuweilen in einem ganhen Königreich, des Jahrs über Töchter sterben, wobey das männliche Geschlechte dennoch auch, wie das Weibliche, denen andern natürlichen Todtes'Fällen unterworfn bleibet; das Würgen, Morden und Niedermetzeln aber, folglich,über sich gantz alleine ergehen lassen muß. 6 KL 60 KIV 8 . Entsetzlich ist zu hören, daß sich in Londen alle Jahre so viele Menschen selbst entleiben, wie dann deren Anzahl, vernommener-massen, sich indem vergangenen 1721. Jahre auf 82. Personen belaufet. Ich weiß mich zu entsinnen, daß der Numerus derer, so sich selbst entleibet, zu Londen weit stârà als in dem verwichenen Jahr gewesen. Wie starck die Anzahl derer Huren-Kinder seye? ist im übrigen eine Sache,welche ich wissen möchte, zweiffele aber im übrigen nicht,daß nicht in einem Jahr zu Londen deren 12. biß 1520. gebohren werdeysolten. 8LLKL1'^k.tU8. Amsterdam. Allhie siehet man, nach Akt anderer Städte,, eine lulls dererjenigen, weN-e innerhalb sieben Jahren in dieser Stadt gestorben, und bestehet die Anzahl dererselben m folgenden. ^nu» 1715. sind gestorben 76ZZ. Personen. 1716. - - 7078. - 1717. - - - 74 A« - - 1718. - - - 8644. - - 1719. - - - 9726. - - 1722. - - - 7822. - s 1721. - - -- 76 Z 2 . - - Welche Jahre also zusammen, dem unersättlichen Menschen-Fress ser, funff und funffhig tausend, neun hundert vier und sechtzig Menschen, zuseiner Speise allhie geliefert haben. 6 KL 60 KU 78 . Eine solche Anzahl Menschen fället sehr Karck in die Augen und Ohren; allein sie,begreiffet eine siebenjährige Zeit in sich. Währenden m ( 68s ) ZO den letztem Krieg in denen Niederlanden à r sind bey nahe, auf beyden Theilen, alle Jahre so viel, wo nicht bisweilen noch mehr, daraufgegangen. Sonsten wäre aus dieser Nachricht zu urtheilen, daß zu Louden mehr dann dreymal soviel Menschen als zu Amsterdam seyn mästen, weil zu Londen, deren in einem Jahre ein gutes Theil mehr als zu Amsterdam in dreyen Jahren sterben. 6L8ttäkvU8. Das 1719. Jahr hat zu Amsterdam ein ziemliche Anzahl Menschen .mehr, als die andernJahre, einjedesins besondere conlìà-irct, weggerissen. Jedoch hat es nicht nur zu Amsterdam dergleichen Bewandmß, sondern es sind auch fast an allen andern Orten, in erwehntem Jahre, weit mehr Menschen als sonst gewöhnlich , aus der Zeit in die Ewigkeit gegangen, weil der Sommer über alle Masten hitzig gewesen, die excessive Hitze aber'grosse Krankheiten, als die Ruhr und hitzige Fieberte, nach sich zogen. j)at'lL. In der kzrocbie von 8r, lìiâclàs hieselbst ist ^lsöekNvi- selîe äe öu^ue mit Tod! abgegangen. Ob sich nun wohl dieselbe bereits vor vielen Jahren, als ein armes Mensch, beydem Allmosen-Amt von selbigem Kirchspiel angegeben, auch das Mmvsen wirklich genossen; so hat man dennoch, nach deren Todt, bey ihr sechs und ftmfftzig tausend livres an Gold, etwas Silber-Geschirr, auch sehr viele Kleider und Wäsche gefunden. Wer dieses thut, muß in seinem Christenthum sehr schlecht NnN- ret seyn , weil man anderergestalt unfehlbar die Himmelschreyende Sünde btherhigen würde, welche dadurch begangen wird. Denn, hilff GOtt l ein wirkliches Allmoftn zu nehmen, und einen solchen Reichthum besitzen , das kan nimmermehr verantworte! werden. Mmvsen, Allmoftn, ach Allmoftn! solle man denen wahrhafftig Armen lass«, und keinesweges sein Gewissen damit besudeln. 6 t-.gblwkO 08 . Hat das Allmoftn Amt, in dem Kirchspiel von 8r. Làclà zu Paris, das Vermögen dieser Person nicht gewust, sondern sie vor ein wahrhafftig armes Mensche gehalten , ist dasselbe entschuldiget, und die Verantwortung ruhet auf der Person, so das Allmoftn genommen, santz allein. Vielmals aber geschiehet, daß die zur msscÄivn übcr das Ailmv' m ( 685 ) M Allmosen gesetzten Obrigkeitlichen Personen gar wohl wissen, wie eine Person des Mmosenö gar nicht benöthiget, und accoi-ànihr doch solches aus ganh fremden Ursachen, wann sie darum Ansuchung thut. Danncnhero gesihiehet, in denen Städten hin und wieder, daß man Frauen-Volck siehet, welches gcschwäntzet einher gehet, sich fleißig bey Bällen, Schlnauftreyen und Hochzeiten einfindet, auch sonst ein sehr üppiges Leben führet, und dennoch das Allmosen, so nur Nothlei- dende und Demüthige bekommen sotten, empfähet. Ja man sehe nur zu,wie es mitbripenclüs und Lsnettcien herzugehen pfleget ? Denn da werden insgemein vermögender Leute Kinder, die doch nicht etwaeiner besondern Stifftung wegen ein ausdrückliches Recht darzu haben, da es nemlich heißet, nur diese bniien sollen zum Genuß der Stifftung gelangen , denen wahrhafftig Annen vorgezogen. In Summa, es wird das Gewißen vielmals garschlecht, auf Geltenderer, welche das All- mvsen verlangen sowohl, als auf Seitenderer, welche davon äisponiren, bedacht; sondern es folget säst ein jeder entweder dem Trieb des Geitzes, odersonst siiner ?ailioa. Jedoch die Welt ist verkehrt, und wir würden die darinnen Qr-Mäoä- seyenden Mißbrauche nicht relorwiren können, wann wir gleich von dem Todte auferstünden, und ihr der beste Pabst wäret, ich aber der heiligste Bischofs von der Welt seyn wolte. Gehabet euch hiemit wohl! Nachdem seitderZeit,da gegenwärtige Gespräche in klor gekommen, gar vielerlei) Dinge, worinnen man getrachtet solchen zu immren, verfertiget, und auch noch ganß kürtzlich Spitzbuben und Räuber aufgeführet worden, wobey man sich nicht nur des Titels: Gespräche in demRerche derer Todten; sondern auch des Worts enrrevuè' bedienet: als hat der àror vor gut befunden, hiemit zur Nachricht zu geben, daß er keinen Theil an allen andern Gesprächen habe, die nicht zur Ordnung dieser kâevà , wovon gegenwärtiges Stücke die 41. ist, oder zu der Ankunfft des Königs von Schweden in dem Reiche derer Todten, welche ausserhalb Landes gedrücket worden, gehöret. Solche Erklärung aber geschiehet darum,weil er erstlich einem jeden dieEhregerne gönnet, die er mit seiner Arbeit verdienet, undnichtwill, daß mansie ihme beylegen solle; und dann, weitaus allen Umständen erhellet, daß bey denen meisten solcher Neben-Gespräche die Leà-Ge- dnhren erfpahret werden, ,