. V'///. MM --dH KeW Allgemeine Sammlung Historischer Memoires vom zwölften Jahrhundert bis auf die neuesten Zeiten durch mehrere Verfasser übersetzt, mit den nöthigen Anmerkungen versehen, und jedesmal mit einer universalhistorischcn Uebersicht begleitet, herausgegeben von Friedrich Schiller Hofrath und Professor der Philosophie in Jena. Zweyte Abt. Heilung. . Vierzehnter Band. Mit einem Kupfer. .-» > -. Jena, bey Johann Michael Mauke. 1797. , Nachlese ' voü Bemerkungen zu den letzten Negietungsjahten Heinrichs des IV. Nebst Anzeige der Quellen, aus welchen der Inhalt dieses Bandes geschöpft ist» gegenwärtige Band ist zu einem Nach- trag für die Memoiren von Heinrich dem Großen bestimmt. Wir begannen diese Reihe mit den Denkwürdigkeiten Süll'/s, um gleich anfangs das Ganze wahr und genau zu umfassen. Die kleineren Gemälde von Bouillon und D'AubiguL, nebst dem biographischen Pane- gyricus auf Lesdiguieres geben Stoff genug, die große Tafel -encs Zeitalters in Nebenparthieen auszufüllen. Brantome, für den, welcher ein Ganzes der Darstellung und durchweg eine gleiche Haltung wünscht, ein unerträglicher Improvisator, thut für das Einzelne vortrefliche Dienste. In dem Ge- dachtniß dieses Mannes vom Hofe hangen immer alle Personen, so wie sie nebeneinander den großen Hof von Frankreich ausmachten, oder in auswärtigen Beziehungen auf denselben dem Hosting bekannt worden waren, zusammen. Er sicht sie/ heute, a 3 da da er schreibt, wie vor zehn und zwanzig Jahren in steiflustigen, sich neckenden oder anstaunenden, verdrängenden oder vergötternden Gruppen vor sich. Allzumal luftig vorübergehende Erscheinungen, an wenige Wesen von Gehaltzu leidlicher Fortdauer des Ganzen angeknüpft. Für Brantome waren sie das, was sie jeden Tag ihres Glanzes — bey den meisten nicht viel mehr als der Glan; einer Ephemere! — in den drehenden Sphären der Hofweltgewesen waren. Er entspinnt, wie wenn er noch da stünde und die Langeweile des Vorzimmers mit seinen Erzählungen zu Boden zu sprechen hätte, von irgend einer der glänzenderen Personen stinen Diseurs, wohl sicher, daß eine Anekdote die andere herbey- führen werde, wie in den glücklichem Hoftagen, welche der Alternde nicht vergessen kann, immereineandere Tagsgeschichte demLaufderStunden fvrt- gehoifen hatte. Eben dadurch aber erhalt fast jede sonst in Heinrichs Zeitalter bekannt gewordene Seitenperson durch einige charakteristische Pinselstriche Licht oder Schatten. Seine Hauptpersonen erscheinen nicht wie Wesen, die sich selbst überlebt haben, im Leichenprnnk der Geschichte, sondern unter dem Weyhrauch und Ambraduft der lebenden Mitwelt. Brantome aber bleibt Schwätzer »her boshaft genug, haß dem, der ihu zu lesen versteht, auch das ganze sittliche Negligee seiner Personen, wahrend er sie stanhesmäßig berauchen, zur Voller^ düng eines Tafelgemäldes vom Zeitalter Heinrichs leicht in die Augen fallt» > So glaubten wir denn hinreichend für Materialien zu einem psychologischen Ueberblick desselben gesorgt zu haben. Hätte sich noch ein Sülly vor- nemlich mit den eigentlichen Regierungsiahren des großen Königs beschäftigt, wie gerne hätten wir die Tage, in denen Er seinen hohen Ruf zum Thron durch friedliche, desto wohlthätigere Konigs- thctten rechtfertigte, noch einmal unter unfern Seh, punkt gebracht. Aber stillere Zeiten und Handlungen reizen nicht zum tagtäglichen Sammlen und Aufbewahren. Man glaubt, was so ruhig vor den Augen vorübergieng, immer festhalten zu können. Die der Menschheit wichtigeren Zeitpunkte der Ruhe und des sanften Fvrtwürkens mangeln gewöhnlich der Memoiren, so ungerne man gerade alsdann diese treue Begleiterinnen jedes Schrittes der Entwickelung ausbleibcn sieht. Wir haben für das beste gehalten, über einige Sonderbarkeiten in den letzten Jahren Heinrichs, über Punkte, welche am gewöhnlichsten zur Sprache zu kommen pflegen, einige gleichzeitige glaubwürdige Fragmente als Nachlese folgen zu lassen. VlU . I. Barriere's und Chatels meuchelmörderische Anfälle auf Heinrich den IV. erhalten die gnädige Strafe „der Vergessenheit nicht so leicht, weit die Frage: wieviele» Antheil damalige Grundsätze einiger Eiferer aus der Gesellschaft Jesu an diesen fanatischen Wagestücken gehabt haben mögen? noch nicht abgestorben ist. Unsere Actenstücke und gleichzeitige Relationen darüber haben wir aus dem sechsten Bande der Mcmor'res ZeOonZo, genant ä'eelalrcitliment et 6e preuve8 poun 1'lülkoirs Zs ülr.Ze Ikon (a la lilaz^s 174z in 4.) ausgehoben. Dieser Band ist ein erst bcy dieser neusten Ausgabe hinzugekommenes Supplement. Sein Inhalt aber ist ausgewält und den Begebenheiten gleichzeitig. Ihr Herausgeber nahm die kurze Nachricht von Chatels Proccß S» 44. ff. aus einer Handschrift der (einst) königlichen Bibliothek, das übrige aus Flugschriften der Zeit, welche die Nachwelt in solchen Fällen Autographa zu nennen pflegt. Für die hier hart beschuldigten und schnell exilierten Jesuiten erfolgte die Erlaubnis, ins Reich zurückzukehren, eben so schnell schon am Ende des Jahres 1623. Das historische Problem ist: ob das, was Manchen von ihnen als Reizung zum Kvnigsmord zur Last fiel, blvs als böse Inspiration des liguistischen Rortengcistes, welcher so viele Afterglaubige aus allen Standen und Gesellschaften damals mit seiner schwärmerischen Wut an- IX allgesteckt hatte, oder — ob cs als Werk des ekge- nen Genius ihrer Gesellschaft anzusehen sey? Wir iir sind aus mehreren Gründen geneigt, das erstere für das Wahrscheinlichere zu halten. Und hat man -r- gleich in den neusten Zeiten gegen den Teufel selbst 'w! nicht so sehr, wie gegen die Jesuiten jenen Aus- Ä spruch vergessen: daß man auch dem Teufel nicht ^ zuviel aufrmden müsse! so wird ihn doch der prag- m mansche Eeschichtforscher bey alteren Begebenheiten n ungestörter beobachten dürfen. Auch spätere ähnliche W Brandflecke, durch welche einige Mitglieder die ^ Gesellschaft als königsmdrderisch verhaßt gemacht haben, scheinen uns mehr Ausbrüche der überall mog- liehen Tollwut von Religionsschwärmerey bey Em- in- zclnen, als eigenthümliches Produkt dieser Ordens- l st gescllschaft zu seyn. Sey ihr Verbrechen, wenn i-iü ^ wir sie als Ordcnsganzes betrachten, die feinste Berechnung und Verkettung aller Mittel zum gro- i-Ä ßen Zweck des Allherrschens; — welch ein ersehn- kes Verbrechen für viele andere! — und könnte ^ gleich unter diesen Mitteln auch das schnelle Jenseits- . A senden der hinderlichsten Personen eines der cntschei, ^ dendsten seyn, so folgt doch hieraus nicht, daß, V,- . einzelne Personen ausgenommen, je die Gesellschaft I, selbst in der Consequenz, sich, alles zu erlauben, bis st . -zur wirklichen Aufnahme auch dieses äußersten Mit- sst tels unter ihre Maximen mit deutlichem Bewußtst. fern fortgeschritten sey. Wäre es je wirklicher st, , a z Grund- Grundsatz des Ordensganzen oder seiner wahren Gebieter gewesen, so würde uns die Seltenheit seiner Anwendung, da es doch in tausend Fällen das kürzeste und unenrdeckbarste wäre, das größte Rächsei seyn. Und wäre cs je wahr gewesen, daß eine Gesellschaft diesen Grundsatz hege, was würde Verbannung und Aufhebung gegen sie würken? Es ist der klare Ausspruch des Menschenverstandes hie-üx-r, wenn Heinrich selbst unter der ihm vorgehaltenen Voraussetzung, daß die Jesuiten heimlichen Mord um der Kirche willen erlaubten, (unten S. 6r. ausrief: Wer bürgt mir dann in aller Welt für mein Leben, auch wenn ich die Gesellschaft verbannt lasse ? Man erinnere sich an den unter den Aben- theurern der Kreuzzüge so fürchterlich beschriebenen Alten vom Berge. Eintritte dieser so vielköpfig, wäre er, metamorphosirt in eine Gesellschaft, würk- lich unsterblich, wer möchte ihm entgehn ? — Nein! Dir Menschennatur kann fürchterlich ausarten. Herrschsucht und Fanatismus gerade sind gränzenlos. Aber nur Individuen, von verbrannter Einbildungskraft, taumeln bis an den gähen Abgrund hin, zu welchem freylich der gemeinschaftliche Weg hinleitet. In den kälter» und umschauendern Lenkern des Ganzen widerspricht, zwar nicht immer das Menschengefühl, aber die rege Einsicht, daß, wer sich alles erlaube, sich auch allen preis gebe. Wodurch würde sich ein Ganzes, welches alles Ein- XI Einzelne aufzuopfem zugäbe, gegen sich selbst schürzen? Das Laster erschrickt vor seiner eigenen Gestalt/ wenn sie in ihrer ungeheuren Vollendung sich erblicken läßt. Jnconsequent bleibt es auf halbem Wege stehen. II. In dem Regierungsplan Heinrichs des Großen stund unverrückt: Zähmung von Spaniens Ucbermacht! oben an. Der lange Kampf der Ligue was ward er in seinen letzten Jahren als ein blutiger Versuch: wie weit Eine Parthie in Frankreich unfrauzösisch genug gemacht werden könne, um sich zum Organ verbrauchen zu lassen, durch welches ihr Vaterland in ein Anhängsel des hochgebietenden Spaniens verwandelt werden sollte. Das Experiment mislana. Zu keiner Zeit hat es den Franzosen erträglich geschienen, einen auswärtigen Schiedsrichter ihrer Unruhen anzuerkennen. Nach tausend vergeblichen Anstrengungen mußte sich der in seinen Gedanken einst unüberwindliche Philipp nicht btos aus Frankreich völlig zu- rückzichen. Mitten in Paris, wahrend Heinrich seine Königsstadt wieder in Besiz bekam, gieng für den spanischen Weltmonarchen auch Belgien verloren. Er mußte dies nicht zu bemerken scheinen. Mit großer spanischer Kaltblütigkeit wurde-mach dem leztenzvergeblichen Unternehmen, der Ucbermmplrmg von Amiens, der Friede zu Vervins so abgeschlossen, XII !' n sen, wie wenn von jeher nichts als dieser Friede das Ziel des Haders gewesen wäre. Spanien giebt jeden Fußtritt in Frankreich auf. In französischen Schiffen werden seine letzten dortigen Besatzungen nach Hause gefördert. Die lVIemoirss 6s Lsllisvrs st äs LiHsr^ colwenaiw nn lournrä eonssrnant Irr nsAociA- tion äs la priix ti-ulkös 2 Vsr-vins 1 'r,n 1598- ( 1 - U. psrüs Lla käsz^s. 1096. 8. 5L§. S«) enthalten durch den ganzen Briefwechsel dieser beyden französischen Friedcnsbottschaster eine breite Darstellung von dem feycrlich abgemessenen Ruckzug der spanischen Grandezza. Er wich von dem Nationalcha- rakter dieser Franzosen so sehr ab, daß sie über all der kaltblütigen Ernsthaftigkeit, womit sich die Spanier in ihr Schicksal fanden, gar lange sich selbst nicht überreden konnten, daß es jenen wirklich und in Wahrheit so ganz bitterer Ernst sey. Wir haben nur das unentbehrlichste ausgelesen; außer den Friedcnsartikeln selbst, ein auf der Stelle verfertigtes Tagebuch der Verhandlungen, welches der Sccrekair des pabsilichen Legaten bey der Negotiation, des Lardinals von Florenz, hielt und das nach einer Uebcrsezung aus dem Ztaliäni- schen sich unter den Sammlungen des königlichen Historiographen Godcfroy fand. In den jetzt genannten XI!! ten Memoiren macht es S. 534-- 586. sehr schicklich den Schluß, da es der ganzen vorherigen Cor- respondenz zu einer kurzen Rekapitulation dient. Für wen schon diese, wie wir fürchten, ihre Längen hat, wie viel mehr würde derselbe bey Durchlcsung des ganzen Briefwechsels mit uns einstimmig scyn, daß die wichtigsten Dinge in der Welt—denn was könnte wichtiger seyn, als zwey große Nationen gegenseitig endlich einsehen zu lassen, daß sie sich einander lange Jahre hindurch uni nichts und wieder nichts die Halse gebrochen haben? — auf die langweiligste Weise abgethan werden. So sehr ist alles in gewissen höheren Sphären Sache der Repräsentation. Und wohl der Puppe, wenn ihr nur, während sie immer aufs neue gewickelt wird, nicht jedesmal einige Gelenke mehr höchst bedächtlich aus- gcrenkt werden! Was von spanischer Seite bey diesem Friedensschluß nicht zu bemerken ist, das kam von Savoyen her dazu — ein mitten in die Friedenspflanzung eingesenkter neuer Keim zu Zwietracht. Was die beyden großen Mächte sich nicht gegen einander Herausnahmen, bas wurde jener damals nock- weniger als mittelmasigen Macht gleichsam zum Trost der Unbedeutenheit nachgesehen, daßnehmlich ihr Streit nicht nach dem mit Blut entschiedenen Rechte des Stärker» geradezu abgethan, sondern auf auf schiedsrichterliche Milde in die Arme des heiligen Vaters gelegt wurde. Tausende, welche späterhin wegen dieses zurückgebliebenen Zankapfels bluteten, rufen uns aus der Geschichte zu: daß die so schöne persönliche Tugend der Groömuth da, wo die große Frage von öffentlichem Sckuz und Heil, von Sicherheit der Staaten gegen Staaten durch Schwerdt und Klugheit bis zur Entscheidung ge bracht ist, keine Stimme haben sollte. M. Es ist, man kann cs dreist behaupten, unmöglich, den Lebensplan eines Menschen, der beydes, Leben und Plan, wirklich gehabt hat, auch nach der besten Uebersicht, welche das Auge des Geschichtsforschers von seinem Tode aus bis zum Anfang seiner Wirksamkeit rückwärts aufzusammlett vermag, irgend so zu entwerfen, daß man über seinem Gemälde ausrufen könnte: so stund einst in dem Geiste des Handelnden das volle Urbild gegenwärtig ! so entflammte ihn die Helle Vorhersehung der Erfolge zur Ausführung und beherrschte von da an den geordnetsten Zusammenhang all seiner Unternehmungen ! Die Möglichkeit eines so auegemeffe- Nen Lebenskreises vorau'ssezt, könnte von einem Menschlichen Wesen üder das andere nichts schauerlicheres ausgesprochen werden, als das, was der Grosmqmsnor über Posa sagt: dieses Menschen Leben liegt im Archiv der Santa Lasa angcsangen und und — geschlossen. Aber auch dem seltensten Manue zeigt sich der Genius seines Lebens me rn dieser unverhüllten Klarheit, weiche das Zuküusüge in die Gegenwart verwandeln würde, wenn erM.riel und Ausgang mit gleich Heller Fackel wie Vorftz und Beginnen zu beleuchten vermöchte. Dem Unternehmenden leuchtet ein Ziel entgegen, das Ideal, was er leisten und wofür er gelten wolle. Aber selbst dieses Bild am Ziele steht ihm Nicht so fest, daß es sich nicht bald mit einiger Verkleinerung näher rücken, bald in eine vergrößernde Entfernung hinaus erheben könnte, je nacydem sich Nebel oder Erhellung, ein dusteres oder heiteres Farbenspiel in den Zwischenraum hereinwirft. Und die Wege dahin ? Nie sind sie in der Wirklichkeit so gerade, wie sie die reine Regel des Meßkünsilers fordert, wenn sie die große Empfehlung der Kürze haben sollten. Wer kann voraussetzen, welche Krümmung ihn erwartet, wenn er die nächste Feljenjcblucht umgangen hat? Was man trift, seinem Ganzen so einzupüs-, sen, als ob man es vorher dazu ersehen hätte, d-es ist die hohe Kunst der LebenSkiugheit. Aber je unwiderstehlicher die grösten Menschengeister jeden neuen Stoff in ihre Form zu fügen wissen, gerade desto auffallender wird die Unmöglichkeit, in die gewaltige Seele irgend einen Lebensplan hinein zu denken, weicher in einem bestimmten Moment wirklich die Bestandtheile alle in sich gefaßt habe, die jezk ihr ihr Leben selbst, nach dem endlichen Resultat betrachtet, in der Einheit des regelmäsigen Kunstwerks darstcllt, gleich als ob die regellosen Myriaden von Zufälligkeiten zum voraus von der Allgewalt der Klugheit festgehalten und dominiert worden wären. Diese aus der Ansicht von tausend denkwürdigen Lebcnsgeschichten leicht bestätigte psychologische Bemerkung scheint, wenn man von dem berüchtigten, letzten, großen Projekte Heinrichs des IV. so ganz cnlgegengesezce*) Urlheile fallt, allzu wenig erwogen zu feyn. Er soll Europa in ein Gemeinwesen von so und so vielen Staaten umzuschaffen, all den Brennstoff von Krieg künftig durch ein höchstes Tribunal der vereinten Machte abzuscheiden und den Universalfrieden durch die weise Stimme der Gerechtigkeit auf die Erde für immer herabzumfen beschlossen gehabt haben. Der Zug, von welchem ihn der Meuchelmord wegriß, wäre der lezte Feldzug vor dem ewigen Frieden gewesen. Verruchte Hand, welche so sehnfuchtswcrthe Hoffnungen ins Nichts verstieß. And doch, waren sie, einen Augenblick kalt- blü- *) Die allgemeine christliche Republik in Europa, nach den Entwürfen Heinrichs des IV., des Abts von St. Pierre u. a. vorgcstellt, nebst einigen Betrachtungen, worin ihr re Möglichkeit untersucht wird (von E. Toze) Gvltingen, » 7 ) 2 - 8 > blutiger betrachtet, nicht an sich so Malisch gewesen, daß die Klugheit sie auf jeden Fall für nichts achten müßte; so grotesk, daß man denken müßte, der Mordstahl habe nicht viel mehr als die Krcuz- und O.uerzüge eines auf Abentheuer ausreitenden Glücksritters so bald anfangs unterbrochen, als man es um der übrigen Ehre des bis dahin großen Königs willen beynahe hatte wünschen müssen? Die Ausmalungen des Projekts, liest man sie gleich bcy Sälly selbst, sind zum theii sonderbar. Aber gerade bis dahin pflegen solche Plane nicht zum voraus bestimmt zu werden. Ein phantasiereicher Mann, wie Heinrich, versezt sich ins Reich der Möglichkeit; sein Scharfsinn, um aus allen ersinnlichen Kombinationen die passendste auszuwahlem läßt sich erst durch die schöpferische Einbildungskraft manchfachen Stoff spielend hcrbey- schaffen. Er spricht darüber; er treibt heute diesen, morgen jenen — Einfall in redsecliger Vertraulichkeit so ernst und bis aufs äußerste, daß er in diesen Augenblicken Plan heißen kann. So weit mußte ihm auch sein Recht geschehen) um seine glänzendste Seite zu sehen. Allmählich sondert sich aus mehrfachen solchen Planen der haltbarste,, für die Ausführung. Und doch ists, wenn die Stunde der Entscheidung schlagt, nur der Total- eindruck der Zeitumsiande, welcher aus dem mög- b liehen XVIII lichen Vielerlei) das, was werdensolk, zur bestimmten Wirklichkeit ruft. Dannoch halten wir Heinrichs Projekt, da er im Frühjahr 1610. schon zum Lüften des Vorhangs das lezte Zeichen geben wollte, im Wesentlichen bey weitem nicht für so unvollkommen und schwankend, als man uns nach diesen, doch wohl aus dem eigentlichen Gang des menschlichen Thuns und Treibens aufgefaßten Beobachtungen vielleicht Zutrauen mochte. Das Wesentliche davon liegt nur nicht in der vorherbestimmten Staateneintheilung, nicht in dem, so Gott will! höchstweisen, aber oh. ne Verewigung des Kriegs gewiß ewig executions- losen Areopagus des europäischen Staatenvereins, kurz nicht in diesem oderjenem Scheinbild der Phantasie, an dessen Ausschmückung Heinrich ein und das anderemal das thunlichste versucht haben mochte. Zähmung der Ucbermacht Spaniens, dies war das wesentliche, worauf Heinrichs Blick offenbar in seinem ganzen Leben gerichtet blieb. An ihn selbst, wußte er wohl, wagte sich nur noch die im Dunkel schleichende Jntrigue. Der Macht hatte er sich zu furchtbar gezeigt, lind im Nvthfall sich noch furchtbarer beweisen zu können, war eine Hauptsor- ge seiner friedlicheren Tage. Dieses war bekannt. Aber auf den Fall seines Todes war — nach der langen Gewohnheit, unter öffentlichen Unruhen allen XIX len Privatleidenschaften den Zügel zu lassen und bey der meist nur durch seine persönliche Ueberlegenheit gebändigten Eifersucht Einer herrschenden und Einer nach Herrschaft strebenden zahlreichen Kirchenpar- thie im Reiche — der nächste Ausbruch der noch überall unter den Großen nistelnden Jntrigue so lange mit Gewißheit vorherzusehen, als der Löse Nachbar dem inner» Zunder neue Funken zusprühen konnte. Ruhig durste Heinrich von dem Schauplaz nicht abtreten, wenn er nicht andere Staaken von Spanien so weit abgezogen und politisch, unabhängig gemacht zu haben überzeugt war, baß ihnen die Ruhe von Frankreich um ihrer selbst willen das wichtigste seyn mußte. So konnte er Spanien außer Spanien beste, gen, besonders wenn es durchzusezen war, daß gegen die in Deutschland und Italien mächtige Linie jenes Hauses die Menge kleinerer Staaten, welche eini- gemal sich kaum des politischen Jähtodes hatten erwehren können, sich wenigstens bis zu einem staken Gleichgewicht durch gewisse Vereinungen cm, porhob. Ihnen diesen Schwung zu geben, mußte ein drohender Stoß geschehen. Alles war be- reit, um Schlag auf Schlag folgen zu lassen, wenn die furchtbare Stellung allein das keulsche Spanien nicht vermögen sollte, bey der Manumission der kleinern Machte, die es an seine Winke zu binden gewohnt war, ruhiger Zuschauer zu bleiben. b 2 Jeder XX Jeder Vorwand der Bewafnung war zum Anfang eines Unternehmens hinreichend/ das auf al!e Falle bey der nächste» Gelegenheit angcfangen worden wäre. Die jülichische Sache gewährte den Vor, theil, sogleich einige, der bedeutenderen von denen, deren Entfeßlung Heinrichs Absicht seyn mußte, (Brandenburg und Pfalz) gegen Frankreich in un- aus üstiche Verbindlichkeit zu sezen. Was sie hier !mch dessen Hälfe erhielten, konnte ihnen bios, wenn Frankreich innerlich ruhig und also für Wirkung nach Außen mächtig blieb, sicherer BesizseyN' So einmal erst angefangen, sollte sich dann wolst die Entwiklung dieses ariadneischen Fadens, der Umfang eines bewafneien Friedenschstems, aus- dehnen, so weit und wie es gierige. Gegen einen allgemeinen elastischen Aufschwung so vieler zerstreu, ten Kräfte mußten die spanischen bald in ein leidliches Ebenmaas herabsinken. Jene, einmal zum Selbstgefühl gebracht, konnten nur durch Frankreich festere Haltung hoOn. Frankreichs Wohlstand wurde des größten Theils von Europa Bedürfniß Wie hätte Heinrichs heißester Wunsch, friedliches Glück seines Vaterlands, eine schönere Gewährleistung erhalten können, als in der Unentbehrlichkeit dieses Glücks für das nehmliche Wvhl all der andern Staaten, weiche, an sich oder durch Verein, groß genug, um selbstständig zu werden, aber welche glücklicher LX7 - sicher weise;u klein waren, um durch fekbsterwecktr Kriege dem Ehrgeiz ihrer Regenten jene blutige Nahrung des Kriegsruhms zu versprechen. Diese menschenfreundlich kühnen, aber nicht unausführbar chimärischen Aussichten Entfaltung war, bis zum lczterr Signale vorbereitet. Eine mächtige Umschaffung des politischen Staamrgedäu-eStrar schon m die Pforrey der Wirklichkeit. Nur der Einzige, welcher sie cinführen konnte, schloß boom Anbruch dieser Morgenröche für alle irdische Aussicht ten plötzlich die Augen. Aufmerksam gemacht *) auf eine Seltenheit der herzoglich weimarischen Bibliothek, wodurch dieser staunenswürdige Wechsel der Dinge i.r einem hie und da gezierten, aber erwünscht umstand- tichen Detail Dargesteüt ist, untersuchten wir die kleine Schrift und fanden 'sie einer Aufnahme unter die gleichzeitigen Schriften der Augenzeugen wehrt. Riccio ist nicht ihr Verfasser. Dieser war nachdem ganzen Inhalt auf dem Schauplatz, worauf innerhalb weniger Tage alle Erwartungen so hoch gespannt und so durchschneidend abgespannt wurden, b z se- *) - Lurch Meusel im XXXIX Bande derAllg. W-lthists, rie — Geschichte von Frankreich S. 104- wo dieser Lite« raior das kleine Werkcheri ausdrücklich aiS Seltenheit der Weimarischen Bibliothek anSzeichnek. gegenwärtig. Er sah selbst den gemordeten König und seinen Mörder, wie die vvrhergegangenen Prachtaufzüge. Jede Tagsgeschlchte, jede Sage hat er aufgesammelt, vornehmlich jedes Wort aus Den lezten Tagen des großen Tobten. An seinem Todestage verfolgt er seine Schritte. Seine laute Verehrung der Königin» macht ihn in allem, was nicht das persönliche Verhaltniß derselben gegen ihren Gemahl bctrift, nicht minder glaubwürdig. Partheyisch haben wir ihn nirgends gefunden. Er beweist sich im ganzen Umfang seiner Erzählung so unterrichtet, daß man ihm einige Tiraden von Gelehrsamkeit und Andacht wohl übersehen kann. Weil auch diese zu seiner Charakteristik dienen und sein Schriftchen schon wegen seiner Seltenheit Ilebersetzung verdiente, verboten wir uns, gegen diese Auswüchst das Messer zu gebrauchen. Das Original der italianischen Übersetzung ist auf 176 Seiten in klein Octav abgedruckt. Ei» ne devote Dedication des Verlegers Giacomo Vio- lati (öi Venetia. AM 8 Oetobrio 1614.) weyht es dem auch auf dem Titel genannten Gw. Tadeo Biauchi, Conte di Piano. Aber, leyder! ohne einen Wink über Ursprung und Geschichte des Büchelgens — das wir also nicht anders zu nehmen und zu geben wissen, als es.sich selbst giebt. IV. Was Ravaillac betrifft, ist aus vernehmlichen Sammlung, welche über Barriere und Cha- tel uns urkundenmasig unterrichtet, dem Supplement der Memoires de Conde. Wer folgenreiche Würkungen nicht ohne eine ungeheure Verkettung von Uriachen, wer Begebenheiten, welche so ganz Den Moment der wichtigsten Entscheidungen treffen und des XIV Bandes der Memoiren. Einleitung. Nachlese von Bemerkungen zu de» letzten Regierungsjahren Heinrichs des IV. nebst Anzeige der Quellen, aus welchen der Inhalt dieses Bandes geschöpft ist. Seite r I. Auswahl gleichzeitiger Denkschriften über das Mordattentat des Pierre Barriere S. Z3— 4s und des Iran Chatel S. 3 — 32. 4z — 62 II. Tagebuch über die Friedensunterhandlungen zu Vervins (in der Pikardie) vom 6. Febr. bis letzten May 159z. 66 Artikel des Friedens. Separatartikel Seite 136 160 Z!I. Leber die letzten Kriegsrüstungen und den Tod Heinrichs des IV. (Eine aus dem Itälianischen hier das erstemal übersetzte seltene, gleichzeitige Flugschrift.) 167 IV. Gerichtliches Verfahren gegen den Königsmörder Franz Ravaillac. Worbenchtliche Notizen auö dem Supplement der Nernoires äs Oaoäe »§§ Die AnquisttionSurkundcn selbst. 342 Voltaire's Urthsil über den vielfach verbreiteten falschen Argwohn von höheren planvollen Mitschuldige». 34 - xxm und durchfchneiden, nicht ohne mirakulöse Vorrichtungen glaublich findet und dem, was der Vernünftige, weil es zutrift, Zufall nennt, fein Recht nicht lassen will, wie sehr findet sich dieser durch die so ganz isolierte Thal des bigoten Elenden widerlegt! Nichts als die Verrücktheit dieses einzelnen Hlm- metverdieners bedurfte cs, um in dem Augenblick, wo man sagen konnte: jetzt oder später nicht mehr! einen die Erdenhalfte durchkreuzenden Plan mit zwey Fauststößen zu zernichten. Welch ein Erdengefchlecht wir sind, dessen Verwandlungen — ob sie Jahrhunderte früher oder später erfolgen sollen, mit der Gewissensangst und den Visionen eines Selbstpeinigers unzertrennlich Zusammenhängen. Doch, weg von dieser über die Geschichte hinauseilenden Frage! Zur Ehre derMenschheit erhelltlaus den genauesten Forschungen über Ravaillacs Greuelthat, daß wenigstens die Bosheit, daß am allerwenigsten vatermörderische, landesverrätherische, meuchelnde Bosheit an dem blutigen Hinwegraffen des gleich guten und großen Königs keinen Antheil hatte. Soviel seinem großen Gegner, dem furchtbar bedrohten, so weit ausgebreireten Herrscherhause von Spanien, gerade in dem damaligen Momente an der Frage: ob Heinrich noch Jahre oder Minuten zu leben iM den solle? liegen mußte; dennoch findet der un- partheyische keine Spur, daß irgend ein Glied des erbitterten Stamms jene Frage willkührlich sich selbst zu beantworten gestrebt habe. — Wer gewinnt nicht Zutrauen zu den Menschen, wenn er sieht, daß sie, auch wo der höchste Eigennuz und das Leben eines Einzelnen gegeneinander auf der Wag- d 4 schale XAV schale liegen, millionenmal gegen Einen entgegen- geftztcn Fall durch den leise warnenden Laut des Gewissens den Res; zum höchnuzbaren, oft so leicht zu verheimlichenden Frevel erstickt und das letzte Verbrechen wenigstens durch das rege Gefühl von seiner Niederträchtigkeit besiegt haben. So oft von Dem Athsmzug E"'.es Menschen Wohl und Wehe vieler abhängt und dannoch der Mann feinen Gang, Von Msuchclust ungestört, sortsezr, so sagt sein Dar seyu laut aus: seyen d-e Menschen noch so sehr von ihrer Wurde gesunken; doch ist Eigermu; nickt ihr einziger, nicht einmal ihr höchster Gebieter! Mo er am mächtigsten seyn müßte, beugt sich diefer große Despot des Menschenherzens einer geheimen, noch Höheren Rücksicht; einer Rücksicht, welche sogar bey den meisten nur durch ein ahnungsvolles Helldunkel würkt. W>e erst, wenn sic überall in der hehren Klarheit ihrer Grunds strahlen und warnend, durch Michtbegeisterung, die Herzen schmelzen könnte! Ruhe sanft, Sclbstschöpfer deines Throns! Vielversuchter, für das Wv'st deines gedrückten Volks im großen Thatiger! Auch an deinem Grabe muß die Menschheit nicht über eine Schaube errd- then. Ein undurchschauliches Verhangniß; aber nur eines Einzelnen Irrtum war Dein Tod! Inhalt gleichzeitigen Druckschriften über die Mvrdt!) ar des Pierre Barriere, und des Jean C h a t e l, auch über Die Verbannung und Wiederherstellung Der Jesuiten unter Heinrich IV. N. Denkwärvigk. XlV.B. A I. Kopie eines Schreibens von König Heinrich dem Vierten*) an die Bürgermeister, Rathsherm, Einwohner und Bcvsassen der Stadt Lyon; über den gegen seine Person beabsichtigten Mord. (Gcdnikt im Jahr iss;)- An Unsere Sehr Werthe und Vielgeliebte, die Bürgermeister, Rathsherrn, Einwohner und Dcysastcn Unsrer Stadl Lyon. Sehr Werthe und Vielgeliebte/ ^ehr werdet hier die Nachricht von dem Unglücks- o) fall vernehmen, welcher Uns bcynahe betroffen hakte, und wie Uns Gott nach seiner Barmherzigkeit auf eine wunderbare Weise vor demselben bewahrte» ' A 2 Wir *) Dies Schreiben ließ der König unmittelbar nach seiner Verwundung ergehen, um seine Unlerlhanen wieder zu - beruhigen, welche diesfalls, wir leicht zu erachten, in Angst 4 . — ' Wir waren nur erst vor ein paar Stunden auf Unsrer Rückreise aus der Picardie in dieser St dl angekom- men, hatten Uns noch nicht einmal umg kleidet, und wollten eben iin Beyseyn Unsrer Vettern, deS Prinzen von Conky, Grafen Soissons und Grafen von Saint Paul, wie auch einiger dreyßig bis vierzig der vor. nehmsten Herrn und Cavaliere Unscis Hofs, die Herrn von Ragny und von Mvntigny empfangen, welche UrS noch nicht bewillkommt hatten. Da kam ein junger Bursche, Namens Peter*) Chastel, kleiner Statur, ungefähr achtzehn bis neunzehn Jahre alt, eines in hiesiger Stadt wohnenden Tuchbändlrrs Sohn, welcher sich mit der übrigen Gesellschaft ins Zimmer ge. schlichen hatte, so Zusagen ganz unbemerkt auf Uns los, und wollte Uns, mit einem Messer in der Hand, einen Stich in den Leib versetzen; statt Vesten aber (da wir. eben im Begriff waren, den vorerwähnten Herrn von Mvntigny und von Ragny, welche Uns ihr Com- pliment machen, wiederaufzuhelfen, und UnS folglich gebückt hatten) traf der Stoß ins Gesicht, und zwar rechter Hand auf die Oberlippe, wo er Uns einen Zahn beschädigte, welcher abbrach. Der Böftwicht wurde sogleich verhaftet, wollte zwar die That anfangs laug- ncn, gestand sie aber gleich nachher von freyen Stücken. Bis jetzt hat man noch nichts weiter von ihm herauS- bcüigcn können, als daß er drei) Jahre lang im Collc- güiM der Jesuiten erzogen wurde; man vermulhct aber, Angst und Schrecken gerochen waren. ES ist zu vcrimu thm, daß es in allen Hanprstadren von Frankreich cirr ciilirke. Sem Inhalt zeugt von ocm unbefangenen surchtsreyen Charakter dieies Königs, der sich durch nichts aus der Fassung bringen ließ; zugleich aber auch von seiner Religiosität. *) Sein Name war eigentlich Johann, wie aus de» Acten erhellet; der Baker aber hieß Peter. 5 l>chi l, »»>> 'k-ftül che ilit >^kg-k ms,,> , ml- er gn i li'«S sKh >a sss > hm >i ^l»> ! W l>k j«l c >«!! izilly Ai-ts ,! «d!l, .,v"' AM aber, daß er dort dergleichen schöne Instructionen erhalten habe. Vor der Hand harten wir nichts dnn- qcndcrs zu thun, als Unfern Gott für die besondere Gnade, wodurch er Uns vor dieser Mordthat beschütte, Unfern Dank abzustaitcn. Zu dem Ende ließen W.r sogleich in allen Kirchen hiesiger Stadt das Te Deum singen, und die Einwohner gaben ihre Theilnahme auf allen Straßen durch Freudenfcuer zu erkennen. Wir befinden Uns, Gort sty Dank! so wohl, daß Wir Uns dieses Vorfalls wegen nicht einen Augenblick früher als sonst zu Bett legen werden. Auch hoffen Wir die löbliche Absicht nicht zu verfehlen, welche zu Unsrer Rückreise Veranlassung gab; ncmlich dem Stiftungsfeste des HeiligengcistordcnS und den damit verbundenen Feierlichkeiten bcywohncn zu können. Wir wollten nicht umcilassen. Euch diese Nachricht unverweilt Mltzuthei- len, damit Uns nicht etwa jemand zuvorkvmme und Euch oder andern von Unfern treue» Dienern vergeblichen Kummer verursache. Hauptsächlich aber geschieht sS darum, damitIhr Gott Euer feyerlichrs Dankopfer darbringen, und ihn anrufen wollet, daß er Uns je und allezeit vor dergleichen mörderischen Anfällen in fernen heiligen Schntz nehme. Durch die oftmalige Wiederholung derselben, legen Unsre Feinde ihre boshaften Absichten mehr als zu deutlich an den Tag; denn da sie einsehn, daß ihnen Gott seinen Veystand entzogen hat, so verfallen sie auf die allerabscheulichstcn Entwürfe, die aber hvffnitlich zu ihrem Verderben auSschlagen werden. Gegeben zu Paris, am sieben und zwanzigsten Tagetes Deceinbers r;^. Unterzeichnet: Heinrich. Und weiter unten: Forgek. A z 2. Recht 6 Rechtliches Verfahren des Pariser Parlements, gegen den Jesiiiterfchüler Johann Cd aste l, wegen der von ihm beabsichtigten Ermordung des Werchristlichsten Königs und Herrn, Heinrichs des Vierten, Königs von Frankreich und Navarra. Nebst einigen Veylagen, enthaltend die Vermtheilung des Komgsmorders, die Parle» mentsschlüsse gegen die Jesuiten , und die entsetzliche Geschichte der verruchten Mordchat, weiche Peter Barriere auf Anstiften der Jesuiten gegen den besagten König beabsichtigte. (Nach der gedrukten Kopie von iss;.) sieben und zwanzigsten Deccmbcr, ein tausend fünf hundert vier und neunzig, Abends zwischen sechs und sieben Uhr, wo der Ailerchristlichste König, Heinrich der Vierte, König von Frankreich und Navarra, wieder zu Paris anlangte, kam Johann Chastcl, welcher von Paris gebürtig, im Collegium der Jesuiten verköstigt und erzogen worden, und neunzehn Jahre alt war, in das Louvre, näherte sich dem Könige, und versetzte ihm, als Seine Majestät sich eben bückten, und einem in Dero Diensten stehenden Cavalier, der Denen« selben seine Ehrfurcht bezeugt hatte, umarmen wollten, einen Messerstich gegen den Mund, welcher die Oberlippe pe durchschnitt, und noch tiefer elngedrunml!schaft ft in es Vaters Peter Ehastel, seiner Mutter Dionysia Hazard, seiner mit ewcm gewissen le Ermke vcrhcyrakheten älter» Schwer ster, 9 M«, >!' >h» bt-li? mV W- Kkl, slj »r lli» i laH ,, «°l M j» »tl HH« t, H-» W«s sr^ !>If ltz i«, ^S!" ,,iÄ B»Ä ji-r, ster, Namens Catharina, und mit seiner jüngern Schwester, Magdalena Chasie!, zu Mittag gespeist. 'Außer diesen Personen wären noch im Hause gewesen Peter Roiistei, Simone Thuns und Luise Camus. Nach dem Mtttagscsstn hätten ihn sein Vater und seine Mutter ermahnt, einen guten Lebenswandel zu führen, welches er ihnen auch versprochen habe. Hernach sey er in die Bcüper, und von da wieder in seines VaterS HauS gegangen. Dieser habe ihn sodann mit in die Stadt genommen, um jemanden zu besuchen, der als Rath beym Chastelet eingestellt sey. Ais sie denselben n'.cht an ge troffen hätten, seyen sie mit einander in dt« Kirche Sainc Jean gegangen. Nach erfolgter Zurüek- kunft in seines Vaters Haus, sey er abermals aus- gegangen, nachdem er vorher das Messer, welches ec schon in der Kirche Saint Jean bey sich gehabt, in seinem Wamsermel versteckt habe. Als er befragt wurde, was er an diesem Tage sonst noch gethan, und mit wem er gesprochen habe; gab er zur Antwort, ec sey Morgens acht Uhr aufgcstanden, und vor die Stadt gegangen, und habe zu Saryt Laurer,6 Messe gehört. Als man ihn fragte, wes Standes er sey, und wo ec studiert habe; sagte er, Vas Meiste habe er den Jesuiten zu danken, denn bey diesen habe er drei) Jahre zu- gebracht, und zwar das letztem«! unter der Aussicht des Pater Johann Gueret JesuitcrordcnS. Diesen nemli- chen Pater Gueret habe er noch den Freytag oder Sonn- abend vorher gesprochen, ehe er die That begangen habe. Sein Vater, Peter Chastel, hätte ihn zu denselben geführt, um ihn wegen einer Gemisscnssache zu Rath zu ziehen, die darin bestanden habe, daß er (In- guisic) seiner vielen und großen Sünden wegen, anGok- trS Barmherzigkeit verzweifeln wollen. Er sey nemlich oft Willens gewesen, die allcrabscheulichsten Sünden wider die Natur zu begehen, habe sie auch mehr- A ; malö Ol) !0 mals gebeichtet, aber immer geglaubt, daß er sie auf keine andere Art abbüßcn könne, als wenn er eine recht ausgezeichnete That vollbringe. Zum ösccrn sey er daher auf den Einfall gekommen, den König zu tötcen, habe auch seinem Vater den Gedanken und Vorsatz cröfnet, daß er dicS thun wolle; sein Vater habe ihm aber ge« antwortet, dies scy eine böse That. Da er ein Agnus Dei, ein Skapulicr, und einen Rosenkranz um den Hals trug, so frug man ihn, von wem ec diese Dinge bekommen habe; ob man ihn vielleicht überreden wollen, daß erdadnrch unverwundbar gemacht werde und folglich den König leichter umbringen könne; auch begehrte man zu wissen, wen» er das letztem«! gebeichtet habe. Er antwortete: das Agnus Dei und das Skapulter sei) ihm von seiner Mutter verehrt worden, den Rosenkranz habe er selbst angereiht; gebeichtet habe er noch am letztocrfiossene» Allerheiligenfcste, und zwar bey Ehren Claudius l'Allemant, Pfarrherrn zu Saint Pie« re- des-Assis; außerdem aber auch bey Ehren Jacob Benard, einem Wcltgeistlichen, und bey Ehren Lucas Morin, der bey der vorbesagten Kirche als Meßpriester angestcllt sey. Hierauf zeigte man ihm das Messer vor, womit er den König verwundet hatte. Er agnoscirte dasselbe, so wie er auch drey Zettel agnoscirte, worauf folgendes Anagramm des königlichen Namens stand: Ickeni'^ cls Bourbon, Onnitls, IZouvien, Vze- i'uii, 6l'un6»n In kUnnc:« (Heinrich von Bourbon, Fettwanst, Blutsauger, Tnran, Strohfackel Frankreichs); so auch neun kleine Papierblättchen, die er eigenhändig auf bcyden Seiten beschrieben hatte, und worauf das Bekenntnis; seiner Sünden enthalten war. Diese Papiere waren in seines Vaters Hauskeller versteckt. Er hatte auf diesen neun Blättchen seine Sünden in eben der Ordnung notirt, wie die zehn Gebote auf einander folgen; als, er habe am Daseynr Gottes ge- n gezwcifelt; er könne seinen Nächsten nicht leiten, und besitze überhaupt keine Menschenliebe; er sey undankbar gegen Vater und Mutter gewesen ; als er von einem seiner Lehrer befragt worden sey, ob er nicht eine gewisse widernatürliche Sünde (die aber nicht nahmhaft gemacht wird) treibe, habe er es fälschlich und mit der größten Unverschämtheit gcläugnct, und deswegen befürchte er, das; er nicht würdig zur Beichte gegangen sey. Auch habe er noch mehr dergleichen Schandthatcn und Abscheulichkeiten getrieben, und unter andern seine Schwester nothzüchtigen wollen. Dies sey die Ursache, warum er glaubte, daß er sich jederzeit einer Todsünde schuldig gemacht habe, wenn er zur Beichte und zum heiligen Abendma! gegangen sey. Seit dieser Zeit habe er sich auch immer mit den Gedanken beschäftigt, eine oder die andere Mordchat zu begehn, und namentlich den König ums Leben zu dringen. Wahrend dieses ersten Verhörs verbreitete sich die Nachricht in der Stadt, daß der König nur leicht verwundet worden, und daß das Messer nicht vergiftet gewesen sey. Es ward daher gleich ein öffentliches Dankfcst veranstaltet, und in der Liebstauenkircke das Te Deum laudamus gesungen. Tags darauf schickte man das Prvtocoll dem Parlementsho fe zu, und brachte den Arrestanten in die Eonciergeric, wo er von einigen der vornehmsten Parlementöherrn verhört wurde. Hier wiederholte er das Nemliche, was er bereits vor dem königlichen Hofrichrcr ausgcsagk hatte. Man legte ihm die Frage vor, worin denn eigentlich die ausgezeichnete That bestehe, deren Vollbringung er sich zur Buße für die auf seinem Gewissen hastenden schweren Sünden auferlegt habe? Er antwortete: darin, daß er den König ermorden wollen, dem er aber nur cine leich- te Wunde an der Lippe brygebracht habe, weil das Mef- I« -- , — ^ ser gerade vor einen Zahn gekommen sey, wiewohl er, Ivguistc, gar keinen Widerstand gespürt habe. Seine Absicht sey eigentlich gewesen, dem Könige das Messer in die Gurgel zu stoßen, indem er befürchten müssen, daß es an einem andern Theile des Körpers, der vielen Kleidungsstücke wegen, nicht ein'ringen möge. In der Uebcrzeugung, daß er von Gott verlassen, und gleich dem Antichrist zurVerdamm- rnß bestimmt sey, habe er von zween Uebein das kleinste wählen wollen, indem es doch immer erträglicher sey, d'.e Höllenguaal nur ub lflmtmol' und niest ud «oto, zu erdulden. Man srug ihn, wie er denn in diesem verzweistungsvollen GemükhSzustande nun eigentlich dran sey ; ob er denn noch immer fürchte verdammt zu werden, oder ob er glaube, daß seine Seele durch jene verruchte That die Seligkeit erlangen würde? Er antwortete: er hoffe allerdings, daß die Vollziehung dieser That dazu dienen werde, seine Leiden zu vermindern ; denn es sey ganz gewiß daß er weit härtere Strafen zu fürchten gehabt hätte, wenn er mit Tode abgegangen wäre, ohne wenigstens einen Versuch gemacht zu haben, den König umS Leben zu bringen, und daß er nun bey weitem nicht so hart bestrafet werden würde , nachdem er ihn habe ermorden wollen. In so fern halte er allerdings dafür, daß die geringere Bestrafung eine Art von Seligkeit gewähre, wenn man sie mit der größcrn vergleiche. Als man von ihm zu wissen begehrte, wie er denn zu dieser ganz neuen Art von Theologie gekommen sey, ecwiedertc er: vermittelst der Philosophie. Als man ihn fragte, ob er vielleicht im Jesmtcn- collegium Philosophie studiert habe, antwortete er: Ja, und zwar unter Anleitung des Pater Gueret, bey welchem er dritthalb Jahr zugebracht habe. Man erkundigte sich ferner, ob er auch in dem Meditations- zimmer gewesen sey, wo die Jesuiten diejenigen ein- zu- zusperrcn pflegten, welche schwere Sünden auf ihren, Gewissen hatten. Sie bekämen dort allerley Teirttls- gcstalten zu sehn, welche dem Vergeben nach dazu dienen sollten, sie zu einem bessern Lebenswandel auzutreb den, ihre Gemächer zu erschüttern, hauptsächlich oder sie durch dergleichen Lectioncn zu Vvllbrin» ung einer oder der andern ausgezeichneten That zu reizen. Er antwortete: in diesem Medikarwnszimmer sey er gar oft gewesen. Man begehrte zu wissen, wer in Venn eigentlich beredet habe, den König zu ermorden. Seine Antwort war: er habe an Mehrern Orten vernommen, man könne den Grundsaz ohne alles Bedenken annehmen, daß es erlaubt sey den König zu tödten. Die Leute von welchen er dies gehört habe, hätten den Kö« mg einen Tyrannen genannt. Man fragte ihn hierauf, ob cs nicht etwas sehr Gewöhnliches sey, daß die Jesuiten den Köm'gsmord für erlaubt hielten. Er erwie- dcrte: allerdings habe er gehört, daß sie diesen Sah bejahet und gesagt hätten, cs sey erlaubt den König zu ermorden, er gehöre nicht zur Kirche , man habe nicht nöthig ihm zu gehorsamen, oder ihn für einen Körig zu halten, bis ihn der Pabst in dieser Eigenschaft anerkannt habe. Als hernach der Inguisic vor der Graud- chambre, im Beyssyn der dazu gehörigen Herrn Präsidenten und Rache, wie auch der sammtlichen Mitglieder der Tourm lle, nochmals verhört wurde, gab er die ncmlichen Antworten, wiederholte und behauptete auch ausdrücklich den Grundsatz, daß es erlaubt sey Könige zu morden, ja sogar den regierenden Kö< iq; weil, sagte er, derselbe nicht zur Kirche gehöre, indem ihn der Pabsi noch nicht anerkannt habe. Endlich fällte daS Parlemenk ein Urthcil, dessen Inhalt svigendcrgestalt lautet. Exkratt r4 Extract aus den Prowcvllen des Parlements. Nachdem sich der Parlementshof nebst der Grand- chambre und Tourneilc versammelt, den vom königlichen Hofrichter angefangenen, nachher aber auf Ersuchen des, die Stelle des Imploranten und Anklägers ver« leerenden, königlichen Kencralprocucators, vor dem ncmlichen Parlement vollends instruirten Criminalpro- eeß, gegen Johann Chastel, einen von Paris gebürtigen, noch unlängst im Clcrmontischen Collegium stürmenden Schüler, dermalen aber, wegen einer, gegen die Person deö Königs beabsichtigten, ganz abscheulichen und fluchwürdigen Mordthat, in den Gefängnissen Ver Concicrgerie sitzenden Arrestanten, in Erwägung gezogen , und die dem besagten Johann Chastel vorgelegten Fragartikel mit dessen Aussagen verglichen hat; nachdem hicrnachst der besagte Johann Chastel wegen der besagten Mordthat vor dem besagten Parle- mcnt verhört, ingleichcn auch Johann Gueret, ein zu der so genannten Congrcgation und Gesellschaft vom Namen Jesu gehöriger, in dem besagten Collegium wohnender Priester und ehemaliger lehrer des Johann Chastel, nebst Peter Chastel und Dionysia Hazard, des besagten Johann Vater und Mutter, ebenfalls vor besagtem Parlement vernommen, sodann auch das Gutachten des Gcneralpcocurators in Uebcrlegung genommen, und alles wohl und gehörig untersucht worden ist; So ergehet hierauf das rechtliche Eckcnntniß, welches also lautet: Das besagte Parlement hat ncmlich erklärt, und erklärt hiermit, daß besagter Johann Chastel überzeugt und überführt worden ist, sich des Verbrechens der beleidigten Majestät gegen Gott und Menschen im allerhöchsten Grade schuldig gemacht zu haben, weil er einen eben so verruchten als abscheulichen Mord an der ' r; Person des Königs verüben wollen. Zur Strafe für dies Verbrechen, hat es den besagten Johann Chastel verurtheilt, und verurtheilr es ihn hiermit, vor der Hauptlhür der Pariser Kathedralkirche in bloßem Hemde, eine zweypfündige brennende Wachskerze in der Hand haltend, öffentliche Kirchenbuße zu thun, daselbst mederzuknieen, und vor jedermann zu bekennen, daß er jene unmenschliche und gräßliche That auf eine eben so boshafte als meuchelmörderische Art wirklich unternommen, den König mir einem Messer im Angestcht verwundet, auch während des ProcesseS, zu Folge der ihm bcygebrachtcn grundfalschen und verdammlichen Lehrsätze, geauffcrt habe, daß der Königsmord erlaubt, und daß der jehtrcgiercndc König, Heinrich der Vierte, nicht eher als ein Mitglied der katholischen Kirche zu betrachten scy, bis ihn der Pabst dafür anerkannt habe; welches alles er nunmehr bereue, und Gott, dem Könige und der Obrigkeit abbitte. Wenn dies geschehen ist, soll man ihn auf einem Karren nach dem Greveplatz führen, dort seine Arme und Schenkel mit glühenden Zangen zwicken', ihm das Messer, womit erden besagten Königsmord vollziehen wollte, inseinerechte Hand geben, und ße abhaucn, dann seinen Körper von vier Pferden zerreißen lassen, denselben nebst den übrigen Glüdmascn ins Feuer werfen, zu Asche verbrennen, und die Asche in die Lust streuen. Ferner hat daö Parlement erklärt, und erklärt es hiermit, daß alles und jedes, was dem besagten Johann Chastel eigenthümlich zugehört, in B>.jchlag genommen und dem königlichen FiscuS anheim- gefallen sey. Auch soll er, che man ihn zum Richtplatz führt, mit dem ersten und zwcyten Grade der Tortur belegt werden, damit er sowohl seine Mitschuldigen entdecke,, als auch über verschiedene aus dem besagten Proceß entspringende Resultate , gehörige Aus- kunjt gebe» Hiernächst hat das Parlemcnk allen und jeden, »6 jeden, wes Standes und Charakters sie immer seon mögen, verboten, und verbietet es ihnen hiermit, sich, wofern sie nicht als Vervrecher der beleidigten Majestät bestraft ftyn wollen, weder an einem öffentlichen, noch an irgend einem andern Orte, der obbesagtcn Reden und Ausdrücke zu bedienen, welche das besagte Paclement für solche erklärt hat, und hiermit erklärt, weiche lästerlich, aufrührifch, den» Worte Gottes zuwider laufend, und vermöge der heiligen Satzungen als ketzerisch verdammt worden sind. Auch verordnet cs, daß die im Clermon- tischen Collegium bcsindlickcn, so wie überhaupt alle zu der besagten sogenannten Gesellschaft gehörigen Priester und Schüler, als Verführer der Jugend, als Störer der öffentlichen Ruhe, wie auch als Feinde des Königs und deS Staats, sich aus Paris, wie überhaupt aus allen Städten und Ortschaften, wo sie ihre Cvllegien haben, binnen drcy, aus dem ganzen Königreich aber binnen vierzehn Tagen, nach Bekanntmachung des ge« genwärtigen Parlementsschluffcs, entfernen sollen, und zwar unter der Bedrohung, daß man sie, wofern sie sich nach Verlauf dieser Frist noch daselbst betreten lassen, als Miffethäter und als solche bestrafen werde, die sich des Verbrechens der beleidigten Majestät schuldig gemacht haben. Alle ihnen zugehörige Güter, sowohl bewegliche als unbewegliche, sollen zu milden Werken verwendet werden, und über die Berthnlung derselben wird das Parlcment das weitere verfügen. Schlüß- lich ergeht an alle königliche Umerchanen das ausdrückliche Verbot, junge Studierende außer iandeö zu schicken, und sie in den Cvllegien der besagten Gesellschaft unterrichten zu lasten, und zwar unter der ncm- lichen Bedrohung, daß man sic widrigenfalls als Verbrecher der beleidigten Majestät bestrafen werde. Aus Befehl des Parlcments, wird man gegenwärtigen Beschluß allen Aemtcrn und Landvogtepen, deren Gerichts- richtsbarkeit hierbcy mit ins Spiel kömmt, im Aus. zuge zuschicken , damit sie dessen Vorschrift und Inhalt befolgen. Den Amtleuten und Landvögten, wie auch deren allgemeinen und besonder«: Stellvertretern, wird hiermit zugleich auf rb gk, nach Verlaufder oben oestinrm. tcn Frist ihren Befehl stiacklich zu vollzieh«:, woben ih. neu die Substituten des GencralproeuratvrS hülfreiche Hand leisten sollen, sodann aber binnen Monats» frist dem besagten Parleinente sowohl die Namen der Contravenientcn anzugeigen, als auch von ihren weitern Vorkehrungen Bericht zu erstatten, widrigenfalls aber zur wohloeidienken Strafe den Verlust ihrer Stel» len zu gewärtigen. Unterzeichnet, Du Dllet JchiqeS Unheil ist über den besagten Johann Cha» stel wirklich gesprochen und an ihm vollstceckt worden, Doimevstage , den neun und zwanzigsten December ein tausend fünf hundert vier und neunzig. Wahrend der gerichtlichen ProeedureN/ worauf obiger Rechtssprvch erfolgt, schickte das Parlemcnt einige Deputirle in das Clermontische Collegium, welches die Jesuit e'n bewohnten, und ließ ihnen eine Menge Papiere wegnehmcn. Man fand unter andern einige Manuskripte von der eignen Hand des zur sogenannten Gesellschaft Jesu gehörigen Priesters, Johann Guignard, welche pasguillcwtischen Inhalts waren. Er hakte sie seit jenen: Zeitpunkt verfaßt und aufbewahrt, wo der König Heinnch IV chas gnädigste Edict ergehen ließ, kraft dessen er seinen ausrührischen Unterthanen zu Paris alles zu verzeyhen und zu vergessen versprach, als sie Gott wieder in seine Hände gab. Guignard hakte siel; darin nicht nur sehr rhrenrühiger Ausdrücke gegen den vorigen und den N.Denkwürdigk.XIV.B. B jetzt. i8 --------- getztregidrendsn König bedien', sondern er snchts zugleich durch allecicy sophistische aufrührerische Grund, sähe zu beweisen, daß es allerdings erlaubt gewesen scy den vorigen König zu ermorden; gab auch zugleich An- lcitung, seinen Nachfolger, den dermaligen König, ebenfalls umrGeben zu bringen. Er sagte unter andern ; 1) Wenn man am Bartholvmäustage im Jahr 1572 die Königöavcr gcösnet hätte, so würden wir nicht, wie es dermalen der Fall ist, statt des Fiebers die hitzige Krankheit davon getragen haben. Leck c;uic- ^uick ckeiinund I>es;e8 — Da man des Bluts schon, te, so verheerten sic Frankreich mit Feuer und Schwert; ed in Lnpudreeickerunt: mecku. 2) Der Nero (Wüchrich) ist durch einen Clement (Sanftmüthigen) ums Leben gebracht worden. Ein wahrer Mönch hat den verstellten Mönch in die andere Welt geschickt. g) Einen Nero wollen wir nennen den französischen Sardanapal, einen Bearnischen Fuchs, einen porcu- gicfischen Löwen, eine cNgländische Hündin, einen schwedischen Greif, und ein sächsisches Schwein. 4) Ihr könnt leicht denken, daß cs ein schöner Anblick war, drey solche Königs zu sehen, wenn sie an» dcrs den Namen Könige verdienen ; ncmlich den vorigen Tyrannen, den Bearner, und den anmaßlichen Monarchen von Portugal! Don Antonio. 5) Das schönste Anagram, welches man je auS dem Namen des abgeschiedenen Tyrannen verfertigte, war dies, wodurch man die Worte herausbrachte: 0 1s viimn ckkeroclL? 6) Die 6) Die Heldsnlha't des Jacob Clement, welche unsere Gottesgelehrten eine Gabe des heiligen Geistes Nennen, ward von dem verstorbenen Prior der Jacvbi- tcn, Namens Boürgoing, einem wahren Bekenner Mid Märtyrer, auS mehrern Gründen mix Recht ge» yriestn ; nicht nur zu Paris, wo ich cS, als er das Buch Judith'erklärte, selbst mit anhörte, sondern auch vor dem schönen Parlcmcnt zu Tours. Ja, was noch mehr ich, der besagte Bvrgomg Hat drescn Glauben sogar mit seinem Blut besiegelt, und durch seinen Tod geheiligt. Man verlasse sich demnach ja nicht auf daS Vergeben der Feinds , welche behaupten wollen, daß ec jene That in den letzten Augenblicken seines Lebens ges mißbilligt, und mit Abscheu davon gesprochen Habs. 7) Die französische Krone kann und muß dem Hause Bourbon genommen und auf ein anderes trauck- ferrrt werden. 8) Da der Beadner nunmehr zur katholischen Religion übergegangen ist, so würde er, wenn mau ihm die Mönchskrone aussetzke, weit billiger -behandelt wer» den, als er es verdient. ?Aau sollte ihn daher in cm 'gut discrplinirkes Kloster stecken, um daselbst Buße zu -lhun, daß er Frankreich so -viel klnheil zugesügt hat, -und Gott zu danken, daß er ihm die Gnade erzeigt und ihm noch vor feinem Ende zur Crkenntmß geholfen Habe» y) Kann 'man ihn nicht absetzen , ohne daß Krieg 'Entsteht, so sty dann Krieg. Kanu man ihn nicht bekriegen, anklagcn arid -hinrichtcn, so schlage mau ihn kodk> Aus diesen Sätzen erhellt mehr als zu deutlich» daß das dlrtheii welches das Parlcmcnt über den Ko» «rigsmörder Johann Chastel fällte, und in dessen Gc- Mäsheik die Jesuiten aus Frankreich verbannt wurden» V 'I W 20 ein sehr gerechtes Urtheil war, und daß eS in der That ein göttlicher Ausspruch genannt zu werden verdient; denn die Schriften der Jesuiten Guignard zeigen sattsam , wie höchst gefährlich und ruchlos die Lehre dieser Menschen ist, und worauf sie eigentlich abzweckt. Als das Parlement diese Schriften durchgesehn hatte, ließ es ihren Verfasser, Guignard, citircn, leg. te ihm dieselben vor , und stellte ihn darüber zur Rede. Er erkannte sie an, gestand auch, daß er sie verfaßt und mit eigener Hand geschrieben habe. Demzufolge faßte daS Parlement nachstehenden Beschluß. Extract aus den Protokollen des ParlementS. „Nachdem sich das Parlement nebst der Grand» chambre und Tournelle versammelt, den von einem seiner Räthe, auf Ersuchen des Generalprvcurarors, erhobenen Criminalproceß, gegen Johann Guignard, ehemaligen Priester und Rector deS in hiesiger Stadt Paris befindlichen Clermontischen Collegiums, dermalen aber, wegen einiger von ihm verfaßten, von seiner > Hand geschriebenen, die an dem hochseligen Könige ! verübte Mordthat billigenden, und zur Ermordung de- ! jetzt regierenden Kön-gs aufmuncernden Schriften, in den Gefängnissen der Conciergerie sitzenden Arrestanten in Erwägung gezogen, und die dem besagten Guignard vorgclegken Fragartikel mit dessen Aussagen verglichen hat; nachdem hiernächst die besagten ihm vorgezcigren Schriften als seine eigene Arbeit und Handschrift von ihm anerkannt, das Gutachten des königlichen Gene- ralprocurators darüber cingeholt, auch besagter Guignard vor dem besagten Parlemente über die in besag, ten Büchern enthaltene, ihm zur Last fallende Dinge vernommen und verhört, mithin alles wohl und ge- hörig 2 ! hörig untersucht worden ist; So ward hierauf Folgen» des zu Recht erkannt: Das besagte Parlement hat nemlich erklärt, und erklärt hiermit, daß besagter Guignard des Verbrechens der beleidigten Majestät wirklich schuidig und überwiesen sey, weil er die besagten Bücher, voll aufrühri- scher und gefährlicher Irrlehren, verfaßt und geschrieben, auch vermittelst derselben behauptet habe, daßder besagte Königsmord rechtmäßig sey, und daß man sogar den jetztregicrendcn König, Heinrich den Vierten, umbringen dürfe. Zur Strafe für dies Verbrechen, hat es den besagten Guignard verurtheilt, und verur» theilt es ihn hiermit, vor der Haupkthür der Pariser Kathedralkirche, in bloßem Hemde, mit einem Strick um den Hals, und eine zweypfündige brennende Wachskerze in der Hand haltend, öffentliche Kirchenbuße zu thun, daselbst nieverzuknien, und vor jedermann zu bekennen und zu erklären, daß er fälschlicher boshafter und wahrhcitswidriger Weise geschrieben habe, der hochselige König sey auf eine rechtmäßige Art von Jacob Clement ermordet worden, und wenn der jehtregieren» de König nicht im Kriege ums Leben käme, müsse man eS ihm ebenfalls mit Gewalt nehmen; welches alles er nunmehr bereue, und Gott, dem Könige und der Obrigkeit abbitte. Wenn dies geschehen ist, soll man ihn nach dem Greveplatz führen, an einen daselbst zu errichtenden Galgen hängen und erdrosseln, nachher seinen Leichnam am Fuße deS Galgens verbrennen und in Asche verwandeln. Ferner hat das Parlement erklärt, und erklärt hiermit, daß alles und jedes, was dem besagten Guignard eigenthümlich zugehört, in Beschlag genommen, und dem königlichen Fiscus anheim gefallen sey. ObigeS Urtheil ist über den besagten Guignard wirklich gesprochen und an ihm vollstreckt worden, den B z sieben- L2 -——- siebenten Januar, ein tausend fünf^ hundert- und fünf und neunzig. Am nemlichen Tage ward auch dem Lehrer- des KönigSmörders, Namens Johann Gurret, ingleichcn se inem Bater, Peter Cha- stet, wie auch seimr Mutter und seinen Schwestern, ihr Unheil angekündigt.. Eine der ktztern- hatte sich Ley der Nachricht daß man ihren Bruder in Verhaft genommen habe und ins Gcfängniß führe, verlauten Lassen: die Iesuiten.hattcn ihrem besagten Bruder gewiß einen bösen Umh gegeben. Nachdem man diese Leute, Bcnüich den Gnerek, Peter Chastel, dessen Frau und Töchter, ihre Bedienten und Mägde, wie auch den Pfarrer zu Saint Pierre-des-Assis, nochmals verhört Hatte, wach ihnen, folgender Palementsschluß bekamst gemacht.. Erstatt aus den Protokollen des Parlaments.. ,,Nachdem sich das Parlament nebst der Mrand- chambrermd Tournelle verfammeft, und den vom könig» Lcherr Hofrichrec angefangenen , nachher auf Ersuchen des, die Stelle des Imploranten und Anklägers vertretenden, königlichen Gencralprorgrators, vor diesem nemlichen Parlament vollends inffruiiten Eriminastro- ceß gegen Johann Gurret, einen zur sogenannten Con« gregakiyn und Gesellschaft vom Rainen Jesu gehörigen, zeither im Cl.rmontischen Collegium wohnenden Priester , und ehemaligen Lehrer des unlängst auf Befehl des PavkamenrS zum Tode verurtheikcen Johann Chasses, zugleich awch gegen den zu Poris stöhnenden Bürger und Tuchhändler Peter Chasses, und dessen Eheweib Dfoypsta Hszard, als he,s hefagrrn ^vhMn Ehasteks 2Z Vater und Mutter, ferner gegen Johann le Cowrte, dessen Eheweib Katharina Chasse! und ihre Schwester Magdalena Ehastel, als der besagten Eheleute, Peter Chastel und Dionysia Hazard Töchter, wie auch gegen deren Bedienten und Mägde Namens Anton de Villirrs, Peccr Roussel, Simone Thurie und Luise Camus, in- gleichen gegen die drei) bey der Kirche Saint Pierre? des-Assis angcstesste Priester Ehren Claudius Allcmant, Ehren Jacob Bensrd, und Ehren Lucas Mvrie, welche vorbenamttc Personen samt und sonders dermalen in den Gefängnissen der Conciergerie als Arrestanten verhaftet sind, in gehörige Erwägung gezogen; nachdem hicrnächst die Fragartlkc!, Gestäudnisse und Ausflüchte der besagten Arrestanten, vor diesem ncmlrchen Parlamente verlesen, dir besagte Johann Chastel mit seinem Vater dem besagten Peccr Chastel confrontirk, der besagte Peter Chastel in besondere Untersuchung genommen und mit den hierüber abgkhörten Zeugen confron- tirt, der, über den besagten Johann Chastel, wegen des gegen die Person des Königs beabsichtigten Mords, verhängte Proccß nochmals durchgegangen, das Pcoko- coll des am verwichencn neun und zwanzigsten Dceem- berS über ihn gcfällkcuTodeLurtheilabgelcsen, das Gutachten dcö königliclM Generalprocurakvrs eingereicht, ferner auch in Bckref deS Guerct, Peter Chastel und der Hazard, wegen der in den Acten vorkommendeu Beschuldigungen anderweitige Verhöre veranstaltet, die denselben aus Bcschl des mchcbcsagten Paelements vors gelegten Fragen, nebst den darauf erfolgten Geständnissen und Ausflüchten in Usborlegung gezogen, und folglich alles reiflich und wohl untersucht worden; So ward hierauf Folgendes für Recht erkannt: In Betracht der in besagtem Protest vockomwenden Umstände, verbannte das besagte Parlemcnt und verbannt cs hiermit den Guerct und Pce-w Chastel aus B 4 Frank- 24 - — - Frankreich , und zwar den besagten Gurret auf immer, besagten Chastel über auf neun Jahre, letzter« jedoch ebenfalls auf immer aus der Stadt Paris und den dazu gehörigen Vorstädten, also und dergestalt, daß ih- neu zugleich auferlegt wird, sich auf das genaueste nach dieser Vorschrift zu richten, oder widrigenfalls zu ge» wartigen, daß man sie ohne weircre Nachfrage und Umstande aushangen werde. Ferner erklärte das be» sagte Parlemcnt und erklärt es hiermit, daß das summt» liehe dem besagten Gucret zugehörige Elgenthum dem königlichen Fiscus heimgefalicn sey, den besagten Perer Chastel aber veruriheiike es und wrli es hiermit nochmals verurchciicn, dem Könige eine Geldbuße von zwey tausend Thalern zu entrichten, welche zur Verköstigung und Verpflegung der in der Cvnciergcrie besind» lichen Arrestanten verwendet werben soll, weS Endes ec nicht eher auS dem Kerker zu lassen, auch die Zeit seiner Landesverweisung nicht eher zu berechnen wäre, als von dem Augenblick an, wo er die besagte Geldstrafe baar erlegen wird. Dem zunächst gebietet das besagte Parkemenc, daß man das Wohnhaus des besagten Peter Chastel zusammenreißen, zertrümmern und der Erde gleich machen, den auf diese Art erledigten öffentlichen Platz nie wieder bebauen, hingegen aber aufdiesem nem« lichen Platze zum immerwährenden Andenken der vcrab» schemingswürdigen gegen die Person des Königs beab- sicht gten Mordthak, eine hohe Denkfaule errichten, verschiedene Platten daran befestigen, und diese mit einigen Inschriften versehen soll, worin die Ursachen an- gezew.t werden, warum man jenes Haus niedergeriffen und diese Denkjäule errichtet habe, welches alles von dem Versauf der Baumaterialien des besagten niedcrge« rissene-, Am,si6 zu bestreiken wäre. Was endlich die übrigen Arrestanten, als: die besagte Hazard, den le Comtt, drc Katharina und Magdalena Chastel, den de Villierö, 25 de Villiers, Roussel, die Thurie und Camus, den l'Alle« mant, Veuard und Morin anbelangt, so verordnet daS besagte Parlement, sie wieder auf srcyen Fuß zu setzen. Obiges Unheil ist der Hazard, dem le Comte, der Katharina und Magdalena Chostel, dem de VillierS und Roussel, der Thurie und Camus, wie auch dem l'Allemant, Benard und Morin, am siebenten Tage deö Januars, dem Guerek und Peter Chastel ober am zehnten Tage des besagten Monats im Jahr ein tausend fünf hundert fünf und neunzig angekünbigt worden. Aus vorstehenden Aktenstücken erhellt, daß daS Parlement sowohl bcy der Instrnirung dieses ProcesseS, als auch bcy der Urtheilsverfastung alles Mögliche beobachtete , was man nur irgend von einer guten, zweckmäßigen, unpartheyischen Iustizpflege erwarten kann, und daß hiebey nicht die allcrgeringfügigste Formalität vernachlässigt wurde, so daß dergleichen Parle- meutSschlüssc gar keiner Rechtfertigung bedürfen. WaS das Parlement gegen die Jesuiten verfügte, war im Grunde das Nemliche, was es schon vorher in Rücksicht des Vorfalls verordnet hatte, welcher sich am letzten August 159Z zu Melun ereignete, und eS that jetzt eigentlich weiter nichts, als daß es bey der Verurteilung des Peter Chastel jenes frühere Verfahren zur Richtschnur nahm, in dessen Gemäsheit es den Cri- minqlproeeß gegen Peter Barriere betrieben hakte. Dieser Mensch hatte zu Lyon verschiedene Priester um Rath gefragt, und ihnen unter andern Sünden gebeichtet, daß er Willens sey den König zu ermorden. Man nahm ihn daher beym Kopf, und zwar auf die Anzeige eines sehr frommen und bey allen gutdenkendcn Franzosen ungemein beliebten Ordensgeist- B 5 lichen. sichen, Namens Frater B. F. und der, welcher ihn enk deckte hieß de B.F. — Barriere gestand auch wirklich, daß er ausdrücklich in der Absicht nach Hof gekommen scy, den König ums Leben zu bringen, und daß ihn ein gewisser Jesuit NamcnS Varade, welcher sich täglich die abscheulichsten Schmähredcu gegen den König erlaubte, dazu angerneben habe. Auf Zureden dieses Jesuiten hatte sich Barriere das Messer gekauft, womit er die Thal vollbringen wollte. Die Bekanntschaft mit diesem Manne veranlaßt? der Pfarrer zu Saint Andre» dcs-Arts, welchem er sem Vorhaben entdeckt hatte. Dieser rrcth ihm nemluch, sich diesfalls an den besagten Dacgde, Zzector des Jcsmrcn-ollegiumü, zu wenden, welcher ihn auf alle mögliche Art in dem Entschluß den König ermorden zu wollen bestärkte. Varade vcrstcher» te ihn unter andern, daß er ganz unfehlbar die Märtyrerkrone im Himmel davon tragen wurde, wenn er auch allenfalls über jener That ertappt werden und sein Leben einbüßcn sollte Als er bey diesem nemlichen Warade beichtete, beschwor ihn derselbe bey dein Sacra« ment der Beichte und des heiligen Abendmahls, daß er doch jene Thak ja vollbringen und Frankreich von der Herrschaft des Königs von Navarra befrcyeu möchte, welchen er einen Tyrannen schalt. Außer dieser Beschultigung fielen aber den Jesuiten auch noch ganz andere Dinge zur Last. Das Par- !ement brachte nemlich in Erfahrung, daß zwecn Schweißer auf ihrer Reift durch Besan on, wenige Ta, ge vorder vom Ehastel beabsichtigten Mordchm, mit zwecn Männern gesprochen hatten, die als Jesuiten gekleidet waren, und Vorgaben daß sie nach Rom wollten. Diese Männer hatten sich unter andern verlauten lassen, dt? Kvn-ig vv» Navarra werde iu der Kürze, entwe, der der aetödtet-oder doch wenigstens verwundet werden, und dieser Streich bleibe gewiß nicht aus, da er so zu.sagew vom Himmel komme. Man erinnerte sich hiernächst, daß man dieFein- de des Königs, bey Geleg nheit des Jubiläums welches unlängst zu Rom ausgeschrieben wurde, hatte sagen hyren, dies sey eine gute Ermahnung, daß man den Marner darnieder schmettern solle-; nicht anders, als wäre dies eine verdienstliche Thak. Wirklich hatten die Spanier hierauf gerechnet, welche nur erst ganz neuerlich nach Bretagne gekommen waren, in der Absicht den dortigen Rebellen Bestand zu leisten. Auch hasten die Jesuiten darauf, und sogar die welche zu Paris wohnten. Es ward in der Folge gerichtlich erwiesen, daß einige dieser lehtern, zacher Zett-als ihre Sssle- gien gleich nach der Verwundung des Königs von Sol»; daken umringt wurden, einander durch die Zimmerthü« ren zugcruftn hatteni Lurgo liuttLu, uZiduu cks Keli» ione! Ferner fand man such im Collegium der besagten Jesuiten mehrere gegen den König gerichtete Anagrammen, wie auch verschiedene Themata, welche die Sprachlehrer ihren Schülern dretirt hatten, und deren Inhalt darauf hinaus gleng, daß man Len Tod standhaft erdulden, und sich dadurch nicht «bhalten lassen müsse, die Tyrannen zu stürzen. Überdies hat man Be« weise, daß die Lehrer im Clermontischen Collegium, von der Zeit an, wo der König die Einwohner von Paris wider zum Gehorsam brachte, ihren Schülern aus-, drücksich verboten für Seine Majestät zu beten-, und dass sie denen mir dem Bann drohten-welche der Messe bey- y-ohnten, die für Srme Majestät gelesen würde, Hiernachst brachte man in sichere Erfahrung, dass der Jeiujt Akxnuder Haiu-s, ein gebohrns-r Schottläy- tzc.r,, öfteyruch gelehrt hahc, man müsse sich verstellen. vnd dem Könige zum Schein eine Zcitlang gehorchen, wobey er sich zum öfter« des Ausdrucks bediente: luits elk OIUIÜ8 kiomo. Auch legte man diesem Jesuiten zur Last, er habe mehrmals geäußert, daß er, wenn der König bey dem Collegium der Jesuiten vor» überfahre, sich gern zum Fenster Hinabstürzen wollte, wofern er versichert wäre, daß er ihm durch diesen Fall das Genick brechen würde. Als man ihm den Proceß machte, fand sich jedoch, daß ihm dergleichen Ausdrücke noch vor jenem Zeitpunkt entfallen waren, wo Paris wieder unter königliche Botmäßigkeit kam. Deswegen ward er auch glimpflicher als Guignard behandelt, wie auS nachstehendem Parlcmentsschiuß erhellet. Extract aus den Pw.ocollen des Parlements. „Nachdem sich das Parlcment nebst der Grand« chambre und Tvurnclle versammelt, den, auf Ersuchen des die S elle des Anklägers vertretenden königlichen Gencralprocurarors, vor diesem nemlichen Parlement angcfangenen und instcuirten Criminalproceß, gegen Alexander Harns, einen zur sogenannten Congregation und Gesellschaft vom Namen Jesu gehöriger Priester, welcher dermale» in den Gefängnissen der Conciergerie als Arrestant sitzt, in Ueberlegung genommen, diesfalls Erkundlgungen eingezogen, Fragartikel und Zeugenverhöre veranstaltet, auch dem königlichen General« procurator fern Gutachten abgefodert hat; nachdem hiernächst der besagte Hains vor dem besagten Parlement« wegen der ihm zur Last liegenden und in den Acten des besagten Criminalproccsscs umständlich enthaltenen Beschuldigungen verhört und vernommen, folglich alleS reiflich und wohl untersucht worden; So ward hierauf Folgendes für Recht erkannt: Daß --- 2 - Daß das besagte Parlcment, wegen der in besagtem Proceß enthaltenen Umstände, den besagten Hains auf immer und ewig aus dem Königreich Frankreich verbannte, und hiermit wirklich verbannt, wobey ihm zugleich bedeutet wird, diesen gegen ihn erlassenen Verbannungsbefchl nie zu überschreiten, oder widrigenfalls zu gewärtigen, daß man ihn ohne alle Umstände an den Galgen hängen und erdrosseln werde» Obiges Urtheil ist dem besagten Hains vor dem Gitterfenster seines in der Conciergerie befindlichen Gefängnisses wirklich angckündigt worden, am zehnten Tage des Januars, ein tausend fünf hundert fünf und neunzig. Aus anderweitigen Nachrichten ergab sich, daß einige Jesuiten, welche man darüber zur Rede siellte, warum sie denn gleichwohl in Frankreich blieben, da sie sonst niemanden als nur dem Pabst Treue und Gehorsam gelobt hätten, die Antwort crtheilten: ihr Gelübde werde durch ihren Aufenthalt in diesem Reiche ganz und gar nicht verletzt, denn Seine päbstliche Heiligkeit hätten sie diesfalls vermittelst eines Breve dispenstrk, und ihnen erlaubt, sich nach den Zeicumständen zu richten. Zu allem Ueberfluß lief auch noch unterm siebenten ^ Januar die Nachricht von Bourges ein, daß ein gewisser Jesuitenschülcr daselbst, Namens Franz Jacob, sich habe verlauten lassen, er sey der Mann, «vel» cher den König ums Leben bringen würde, wenn er nicht schon todt wäre; er halte aber gänzlich dafür, daß ihn schon ein anderer ermordet habe. Ferner brachte man zu Paris in Erfahrung, daß in dem dortigen Jesuitencollegium allerley ehrenrühri« ge Aufsätze, Anagrammen und Gedichte gegen den K önig Zs ' «ig verfertigt Worden scyen, die driren nicht unähnlich wären, welche man bei) dem Köni'gömvrder Johann Chastel gefunden habe, und dergleichen die Handschriften des Jesuiten Guignard enthielten. Außerdem wurde bewiesen, daß verschiedene Jesuiten junge Leute verfährt, an sich gelockt, und ohne Vorwichen ihrer Eltern hinwcgpracticirt hatten, nm sie in ferne Länder zu schicken. Ja man machte sogar einem gewichen Johann le Bel, welcher noch kurz vorher das Clermontische Collegium frequentirte, deswegen den Prsceß, weil er einen jungen Menschen, der zu Poitiers studierte/ und Franz Veron hieß, gegen den Willen'seines Vaters, d"S Herrn Parckcments'procura- tors Pregent Veron/ mit aller Gewalt hatte überreden wollen, den Jesuiten/ gegen das ausdrückliche Verbot des Parlements, außerhalb Landes zu folgen. Dieser nemliche le Bel kam hisrnächst auch deswegen in Inquisition-/ weil man vrrsckstcdenc von den Jesuiten dicrirtt Abhandlungen und Aufsätze bcy ihm fand/ die er in ihrem Collegium mit eigener Hand nachgeschrie- den und heilig aufbewahrt hatte, weil sie die vcrdamm- lichsten Anweisungen zu Verbrechen gegen die Regenten enthielten-/ und weil darin die abscheuliche Ermordung des hochseligen Königs als eine sehr löbliche That gepriesen wurde, wie auS nachstehendem Parlenmus- schluß sattsam erhclit. Es'tract aus den Protocollen des Parlements. Nachdem das Parlcmcnt den von einem feiner -Räthe, auf Ersuchen des, die Stelle des Imploranten vertretenden, königlichen GeneralprocnrätorS, erhobenen und instruirten Eriminalproceß, gegen Johann lle Bel, einen noch unlängst in dem allhicr besindliche» Ciermontischen Collegium stürmenden Schüler./ derma- len aber in den Gefängnissen der Conciergene verhafteten Arrestanten, in Erwägung gezogen; nachdem hierauf die, ihm - in Bccref eines gewissen Sendschreibens und anderer von ihm recoguoScreten Schriften, vvrgc- legtcn Fragartikel verlesen, de.S Gutachten des königlichen Generalprocurators darüber cingeholt, hiernächst auch der best gte le Bel vor dem besagten Pmlcment weeen der ihm zur Last liegenden Beschuldigungen verhört und vernommen, folglich alles reichch und wohl überlegt worden ist; So ward hieraus für Recht erkannt: Daß das besagte Parlemcnt wegen der in deni besagten Proceß vorkommenden Umstände, den besagten le Bel verurtheilt hat und hiermit wirklich ver r- theilt, in Ver Grandchambredss Pariements, Und zwar bey voller Versammlung, in bloßem Hemde, barfuß und mit entblößtem Haupte, in der Hand eine zwey- pfündigc brennende Wachskerze haltend, öffentliche Abbitte zu thnn, daselbst nicderzuknien, und vor jedermann zu bekennen, daß er auf eine eben so verwegene als unkluge Art, den auf der blniverstcat zu Polders studirendcn Schüler Franz Veron verführen und verleiten wollen, den ehedem sogenannten Priestern und Schülern des Clermonrischen Collegiums, und den zu ihrer Grsellschaft gehörigen Mitgiredcrn, gegen das ausdrückliche Verbot des besagten Parlemencs außerhalb Landes nachziehen zu wollen. Jngleichen, daß ev die von einigen Mitgliedern der besagten Gesellschaft in die Feder diccirten, und von ihm eigenhändig m dem besagten Clermonrischen Collegium NachgeschriebeneN Exercilien und Aufsätze höchst unbcsonnenccwelse aufbewahrt und bey sich behalten habe, worin nicht nur die verdammlichsten Anleitungen zu Verbrechen gegen die Regenten enthalten seyen, sondern auch die vecruchts und Z2 ^ --- und abscheuliche Ermordung König Heinrichs des Drlk- len, glorreichen Andenkens, gelobt und gepriesen werde; welches alles er nunmehr bereue, und Gott, dem Könige und der Obrigkeit abbitte. Wenn dies geschehen ist, soll er auf Befehl des ParlemencS immer und ewig aus Frankreich verbannt seyn, wie es ihn denn hiermit wirklich verbannt, und zwar mit dem ausdrücklichen Bedeuten, daß er dies Verbannungsdecret nie übertreten, oder widrigenfalls gewärtigen solle, ohne weitere Umstände und Formalitäten an den Galgen gehangen und erdrosselt zu werden. In Bettes seines Vermögens hat das Parlcment erklärt, und erklärt cs hiermit, daß solches in Beschlag genommen und dem königlichen Fiscuö heim gefallen sey, weswegen auch sogleich hundert baare Goldguldcn vorläufig davon genommen und zu verschiedenen nokhwendigen Reparaturen in der Cvncicrgerie verwendet werden solle». So geschehen im Parlcmente den ein und zwanzigsten März; dem besagten le Bel aber publicirt, und in der Grandchambre des besagten Parlements vollzogen, den zehnten April ein tausend fünf hundert fünf und Neunzig. Hieraus kann man ersehen, wie gerecht das Ur- kheil war, welch S das Parlement über den Königs- niörder Johann Chastel und die Jesuiten ergehen ließ, um dadurch den König vor Unglück zu bewahren, die königliche Würde aufrecht zu erhalten, die Scaatsver- fassunq zu schützen und die Wohlfahrt des ganzen französischen Volks zu befördern I. Ent- -Z. ^ Entsetzliche Geschichte 'cm«i der verruchten Mvrdthat, welche gegen den Aller- ch christlichsten König, Heinrich, den Merten dieses stchz» Namens, König von Frankreich und Navarra, 'ismj auf Anstifren der Jesuiten von Pe- Änj ler Barriere beabsichtigt wurde. »t t,s> _ " cch ^ "" .^ch will Ihnen diese Geschichte von Barriere treulich erzählen, und Sie können mir diesfalls glauben, auf H Gefahr meines Vermögens, meines Leibes und Lebens, und meiner Ehre. Denn ich habe dieselbe von einem ,n liegend, bis zum letzten Augenblick seines Lebens be» W hauptctc, hatte das Meffer, wovon ich hernach reden' werde, selbst in der Hand, und mußte späterhin auf ausdrücklichen Befehl des Königs einen Extract auS den Acten verfertigen, der einem Manifest, welches j im ganzen Königreiche verbreitet wurde, zur Grund- läge diente. Diesen Extract hat er mir mitgctheilt, und ich habe ihn jetzt vor mir liegen. Als sich der König mit versöhnt, und einen Waffenstillstand mit denen geschloffen hakte, die damals seine Feinde waren, brach er von Saint Denis auf, M L7. Denkwürdigk. XIV. B. C und Z4 und wollt» sich knach Fontaineblau begeben. Da er noch Meiun kam, erhielt er von Ludwig Brancaleon, einem ihm ganz unbekannten ikalianischcn Edelmann, die Nachricht, baß sich ein gewisser Soldat ausdrücklich von Lyon in der Absicht auf den Weg gemacht ha- be, ihn ums Leben zu bringen. Er solle dies glauben; denn er (Brancaleon) habe diesen Menschen nicht nur mit eigenen Augen geschn, sondern sogar im Ja- kobitcnkioster mit ihm getrunken. Es scy ein großer handfester Kerl, von starkem Gliedcrbau, habe einen nußbraunen Bark, und trage ein Wamms von Korduan- leder, nebst pomcranzcngelben Gammaschen. Da der König nicht leicht aus der Fassung kömmt, aber gleichwohl immer sehr vorsichtig zu handeln psiegt, so ließ er sich weiter nichts merken, sondern schickte sogleich ,mch dem Lugsli, der damals bcy dem Hofcichkeramte als Dberpvlizeyintendanl angcstellt war. Diesem reöfnece er alles was man ihm geschrieben hatte, und trug ihm zugleich auf, unter der Hand in der Stadt nachspnren zu lassen, ob man vielleicht einen Menschen wahrnähme, der oben beschriebcncrmaßen auösähe. Noch des ncm- lichen Tags kam ein Denuneiant, und erzählte, er habe zwar seinen Mann in der Wohnung des Königs erblickt , da aber noch mehrere Leute um ihn gewesen wären, sey er ihm ganz unvecmukhct wieder aus den Augen entwischt. Gott hatte es so beschlossen, daß er erst des ander» Tags ertappt werden sollte. Der Böse» wicht hatte sich ncmlich in eurem Dorfe einquartirt, das auS den Ueberbleibseln der ehemaligen Vorstadt Saint Liens bestand. Da er nun durch das Thor Saint Jean in die Stadt gehen wollte, warf man, nach Maaßga- be der vbbeschriebencn Kennzeichen, Verdacht auf ihn, und nahm ihn in Verhaft. Dies gcsclrah den sieben und zwanz-gstcn August i zyg. Lugoli ließ ihn sogleich ins Gefäugmß sehen, wo er verhört wurde, und da ec sich — 35 ßch ln seinen Aussagen nicht gleich blieb, diese Sache aber gleichwohl von der äußersten Wichtigkeit war, so belegte man ihn an Hände» und Füßen mit Ketten» Als sich Lugoli hinwegbegeben hatte, fragte die Frau des Kerkermeisters, welche Anne Rvüste hieß, den Gefangenen, was er zu esten begehre. Seine Antwort War: er wolle weder esten noch trinken, man solle ihm liebet Gift bringen. Diese Antwort siel allen, welche sie mit anhörtcn, sehr auf, und hatte die Folge-, daß man genauer auf ihn Acht gab. Im nemlichen Ge- fangniß saß unter andern ein Priester, welcher sich Me st sire Pierre l'Herniite nannte, und nach bet verdorbenen Lebensweise der Priester damaliger Zeit, als ein eifriger Anhänger der Ligue unter den Truppen derselben mit zu Feld gezogen war. Barriere hatte kaum von ihm vernvmmen, daß sie beydcrseus der ncwiichen Partheß gedient Härten , als er sich näher mit ihm bekannt machte. Nachdem sie eine Zettlang mit einander gesprochen hatten, fragte ihn der Priester , ob er nicht etwa ein Mefferbey sich habe. Der andere glaubte, dies sey Wasser ans seine Mühle, und antwortete: Jal Im.ncm» lichen Nu zog er ein Messer ans feinen Beinkleidern hervor. Ungefähr zween Zoll lang vom Heft, war die Klinge sowohl ausvek Schärfe als auf dem Rücken nicht im geringsten von einem andern Messer unterschieden , in dett Nächsten fünf Zollen war es zwcyschncidig wie ein Schwert, und die Spitze war hohl geschlissen, nach Art eines Dolchs; kurz, cs war ein wahres Mordmesser, das seine Bestimmung gewiß nicht verfehlt haben würde. Der Priester betrachtete eS lächelnd, und sagte, dies Messer sey wohl gut zum Rägelabschmiden, wenn man cs aber bcy ihm wahrnähme, würde es ihm unfehlbar das Leben kosten. Barriere bat ihn, es irgendwo zu verbergen. Dies versprach ihm dcd Priester, und nahm eS zu sich; gleich darauf aber ließ er den Lugoli rufen, er- C s zählte 36 ------- zählte ihm diesen Vorfall, und übergab ihm das Messer. Lugoli verhörte die Frau des Kerkermeisters in Betreff des Gifts, den Priester wegen des Messers, und den italiänischcn Edelmann in Rücksicht dessen, was sich zu Lion ereignet hatte. Am acht und zwanzigsten August ward der Gefangene dreyma! verhört, und auS diesen Verhören thcile ich Ihnen folgendes mit: Sein Name war Pierre Barriere, genannt la Barre, sein Geburtsort Orleans. Anfänglich trieb er die Beschäftigung eines Lastträgers, dann ließ er sich von einem Ca- pitän Namens la Tour zu allerlei) Schandthaten gebrauchen, bis er endlich bey einer gewissen vernehmen Dame in Dienst trat. Bcy dieser blieb er ein Jahr. Nachher gieng er als Gendarme unter die Compagnie des Herrn von Albigni, und zog ein Jahr lang für die Ligue zu Feld, bis ihn Herr de la Gucsle, Gouverneur von Iffoirc, wo er sich einige Tage aufge- halten hatte, zu sich nahm. Schon zu jener Zeit, wo ec sich dey der vorerwähnten vornehmen Dame aufhielk, war er aus den Einfall gekommen, den König, entweder mit einem Messer oder mir einer Pistole, nuttcu unter seiner Leibwache zu ermorden. Seiner Einsicht nach glaubte er eine sehr verdienstliche und Gott gefällige That zu vollbringen, wenn er einen König ums Leben brächte, der einer andern Religion zugelhan sty, als er. Als ihn Herr de la Gucsle wieder fortschickte, begab er sich nach Lyon, und erkundigte sich daselbst, bey einigen Ordcnsg. istlichen, ob er nun noch, da der König zu unsrer Religion tckergelreken scy, ihn rechtmäßiger Weise ums Leben bringen dürfe. Man antwortete ihm: Nein! Hier sah er sich genöthigt, seinen Mantel und ein Paar seidene Strümpfe zu verkaufen, weil er kein Geld mehr hatte. Von Lyon, sagte er, sey er durch Burgund noch Paris gegangen, und als er nach Melun gekommen wäre, habe er die Nacht in einer ° Atzj »i tllj,, Ä L gkirw m Di- Wie !>z siie ^>M, ztiht» cssA , küM , ms ,!«!- S«^ Z7 vcr Scheune, nicht weit von dcr Kirche Saint Licne, zugebracht. Einige Tage zuvor habe er zu Brie - com- te-Robert seine Ostern gehalten, und zwar an einem Werktage. Am Hofe de6 Königs habe er sich bloß in der Absicht eingefunden, einen Herrn zu suchen Wenn man ihm hinrichte, würden die, welche zu seiner Parthey gehörten, scineiKTod rachen. Das Messer koste ihm fünfzehn Sous; er habe es zu Paris und in keiner andern Absicht gekauft, als sich dessen Key Tisch zu bedienen. Das nächstfolgenden Tags ward er zum vintrn-- mal verhört, um über verschiedene Puncte Rede und Antwort zu geben. Bey dieser Gelegenheit sagte er aus: während seines Aufenthalts zu Lyon Härte er die jieutenankstelle bei) dem Marquis von Saint Svrlin bekommen können, oder doch wenigstens eine Compagnie leichter Reiter unter seinem Commando; er habe aber keines von beyden gewollt. Lugoli nahm ihn beymWvrt, und fragte, wie es denn komme, daß er die Ligue verlassen und einen Herrn am Hofe des Königs gesucht habe, da man ihm doch bey der Ligue eine so amchnl-che Stelle angctragcn hätte. Bey dieser Frage verstummte er; endlich erholteer sich aber, und erwiederce, er habe die Sache so erzählt, wie sie sich verhalle. Dis j, HL sind vier Zeugen gegen ihn abgchört worden, nemlich: Brancalcon/ der zuerst anzeigte, daß Barriere zu Lyon den Vorsah geäußert habe, den König zu ermorden, und dersihm dies unter die Augen sagte; die Frau des Kerkermeisters, wegen des Gifts; Meffire Pierre l'Her- Mite, wegen des Messers, und Messtre Thomas Boucher, Priester zu Brie-comte-Robert, den man von dorther vor Gericht geladen hatte, und welcher aussag- te, Barriere habe erst vor acht Tagen bey ihm gebeichtet und des andern Morgens communicirt, auch < egen ihn geäußert, daß er vier Tage vorher zu Saint L enis ebenfalls zur Beichte gegangen scy, übrigens aber kein C Z Wort M l. - 38 ----------- Wort davon erwähnt, daß er dem Könige nach dem Leben trachte. Gegen alle diese Zeugen, welche ihm yntex die Augen gestellt, und deren Aussagen in sei- mm Beyseyn verlesen wurden , hatte er nicht nur nichts rinzmvcnden , sondern er gestand auch, daß ihr Zeug- niß der Wahrheit gemäS sey, bis auf den einzigen Um» stand,, daß er dem Bramaleon das Vorhaben, wel. ches er gegen den König im Schilde führte, entdeckt haben solle; doch laugneke er nicht, daß er zweymal- bcy den Jacobite n mir ihm gegessen und getrunken habe. Nachdem nun jugoli die peinliche Klage auf diese Act gehörig eingeicittt hatte, deputirte der König, durch eigene diesfalls auSgcfirtigte Befehle, sechs Mitglieder seines StaatSrakhs, und unter diesen zween Präsidenten der obersten Iustizstellen, welche daö Verbrechendes Barriere voilenyS untersuchen und über ihn nach Urthcil und Recht erkennen sollten. Daß nicht hinlängliche ja mehr als zu viele Beweise vorhanden waren, kraft deren er für schuldig erklärt und seines Verbre» chenS überführt werden kann, ist nicht dem geringsten Zweifel unterworfen ; er, welcher daS Bekenntniß ab« hegte, daß er Willens gewesen sey. den König vor seiner Bekehrung zu ermorden, und noch nach dessen Ve» kchrung vier Hcdensgeistliche zu Lyon um Rathfragte, ob er ihn yechtmäßigerweise ermorden könne; er, dem ein angesehener Zeuge unter die Augen sagte, daß er zu eben der Zeit mit ihm getrunken habe, wo er eben im Begrif gewesen sey, sich in der vorerwähnten Absicht HM königlichen Hofe einzufinden, und vonj welchem er dem Könige nach allen Merkmalen, woran man ihn erkannte, beschrieben worden war; er, den sein Gewissen dergestalt quäste, daß er gleich bcy seinem Eintritt ins Gcfinigriiß statt der Nahrungsmittel bloß Gift begehrte; bey dem man ciy Messe? voy obbeschriebenem Ealibre fand; ?r, sage ich, der seinem Vergeben zu 39 Fslqe, eine ansehnliche Stelle bey der Ligne bekleidete, sie freywillig ni> Verlegte, und gleichwohl nach Hoft kam, um wieder Dienste zu suchen. Wirklich ergieng auch am ein »nd dreißigsten August das TodeSurtheil über ihn: Man solle ihn auf einem Karrn durch die Straßen fahren, und mit glühenden Zangen zwicken, dann nach dem großen Marktplatz bringen, ihm das Mordmesscr in die rechte Ha ad geben, und sic verbrennen ; hernach solle man ihn auf ein Schaff»! le« gen, und ihm vom Henker die Arme, Schenkel und Beine cnrzwey schlagen lassen; nach seinem Tode solle man seinen Leichnam in Asche verwandeln, und diese ins Wasser werfen, seine Wohnung niederrcißen, und seine sammtliche Habe im Namen des confiöciren,' auch solle er, che man ihn zum Richtplatz führe, den ersten und zweyten Grad der Tortur bekommen, damit man auS seinem eigenen Munde vernehme, wer diejenigen scyen, die ihn zu diesem abscheulichen Unter, nehmen verleitet Härten. Vis setzt nehmen Sie noch nichts an diesem Ar- restanten wahr, das den zu Paris befindlichen Jesuiten zur Last fallen könnte, und eben so wenig werden Sie bemerken, daß er verrückt gewesen sep, wie Montagne verbürgen wollte. Er zeigt sich vielmehr als einen listigen Kerl, der sich auf alle mögliche Art zu vertheidi- gen sucht, und von dem seine Richter nur erst nach viermaligem Verhör herausbringen konnten, was sie von der wahren Beschaffenheit der Sache wissen. Allein an eben dem Tage, wo man ihm sein Urtheil bekannt macht, deputirt man ztvren seiner Richter nebst dem Lugoli, welche ihm die Tortur geben lassen, und seine Aussagen zu Protocvl! nehmen sollen. Als der Bösewicht sieht, daß es Ernst wird, bittet er inständig, man solle ihn doch.ja nicht foltern, er wolle gern alles L 4 aus- Ho ----------- ausführlich gestehn. Dem zufolge bekräftigte er alles was sich zu Lyon ereignet hakte, auf eben die Art, wie cs dem Könige vom Brancaleon vorgetragcn worden war. Er bekannte ucmlich, daß er während seines Aufenthalts in jener Stadt mit vier Ordcusgeistüchen, einem Carmeliter, Iacobitcn, Capuziner und Jesuiten, gesprochen, mit ihnen den Plan zu Ermordung des Königs gemeinschaftlich verabredet, und Tags darauf, als an Mariählmnicifahrt, in dieser Absicht sich auf den Weg gemacht habe. Bn) seiner Ankunft zu Paris, habe er sich in der Straße de !a Hin ette ein« quarrirt, und sich erkundigt, wer wohl unter der dortigen Eechlichkeir am eifrigsten der Ligne zugethan fty. Als man ihm den Pfarrer zu Saint Andre-des-Akts genannt habe, sey er sogleich zu ihm gegangen, und habe ihm sein Vorhaben entdeckt. Der Pfarrer hätte cs sehr gebilligt,, ihm zu trinken vorgesetzt u -d gesagt, er werde sich aus diese. Art mcbr nur sehr berühmt machen, sondern aucl> das ParadiS erwerben ; ehe er aber fr in Vorhaben ins Werk setze, soll? er erst mit dem Rector der Iesuit-m darüber spreche!!, welcher ihm sagen werde, wie er sich hierbey zu verhalten habc. Er sey demnach zu ihm gegangen und habe von ihm vernommen, daß er erst vor drey Wochen zum Rector ernannt worden wäre. Nach vielen Höflichkeitsbezeugungen, hätte ec zu ihm gesagt, er habe einen sehr frommen und gottseligen Entschluß gefaßt; er solle nur gutes Muths seyn, fest Vabey beharren, zur Beichte gehen, und seine Ostern halten. Dann habe cr ihn mit aus sei» Zimmer genommen, und cingesegnct. Des folgenden Tags habc ec einem Jesuiten gebeichtet, aber.nichts von seinem Vorhaben gesagt, und gleich darauf im Jesuitcncollegium das tstok-pu8 IDmium empfangen. Hiernachst habe cr auch noch mit einem andern Jesuiten gesprochen, welcher zu Paris als Prediger angestelic sey, und bisweilen len stark auf der Kanzel gegen den König losziche» Auch dieser habe seinen Vorsatz für sehr verdienstlich und heilig erklärt. Hierauf habe er denn das Messer gekauft, welches der Obrigkeit überliefert worden scy, und die Spitze dran schleifen lassen, welche man noch jetzt an demselben wahrnähme. Nachher habe er Paris verlassen und sich nach Saint Denis, den damaligen Aufenthaltsorte des Königs, begeben, fest entschlossen ihm in der Küche das sebcn zu rauben. Ais! er aber gesehen habe, daß der König die Messe so gar andächtig mit anhöre, habe er seinen Vorsatz unmöglich aussührcn können; denn cs ich ihm nicht anders »zu Mukhe gewesen, als ob ihm die Arme und alle Gliedmaßen gelähmt wären. Dann scy er ihm nach Fort de Gourvay, und von da nach Brie-comte-Robert gefolgt, wo er gebeichtet und daS heilige Abendmal empfangen habe. Dort würde er den König, der ganz nahe an ihm vorbeyzegangen scy, unfehlbar ermordet haben, wenn er ihm nicht im nemlichen Augenblick entwischt wäre, wo er das Messer aus den Beinkleidern hervor« holen wollen. Nun scy er denn endlich nach Mclun gekommen, wo man ihn in Verhaft genommen habe. Seine Richter stellten ihm vor, es sey ja doch eine ganz erschreckliche Sünde, daßcrzweymai das Sakrament des Altars empfangen habe, während er mit diesen ruchlosen Gedanken beschäftigt gewesen ftp; ob er denn nicht bedachr habe, daß er stch dadurch der ewi- gen Vcrdammniß schuldig mache? Hierauferhob er die Stimme und sagte: sonach sey er freylich ein sehr unglücklicher Mensch; er danke Gott, daß er ihn verhindert habe diese böse That zu vollbringen. Nun las man ihm seine Aussagen vor, die er nochmals bekräftigte; Aussagen, müssen Sie wissen, die er ganz ftcy und ungezwungen ablcgte, ohne daß man nöthig hatte, sich nur ein einziges mal der Fitschel zu bedienen. Oh- C 5 ne 42 ------------ ne Weiteres wurde er nunmehr zum Richtpkaß geführt. Als er das Schaffet bestiegen hatte, federte ihn Lugvli nochmals auf, die Wahrheit zu bekennen, sich aber da- bei) wohl zu hüten, daß er niemanden fälschl'ch beschuldige. Er antwortete: alles was er in der Martcrkam- mer gesagt Habs, V) wahr, und er bitte cs Gott, dem Könige und der Hörigkeit ab. Hierauf brannte man ihm die rechte Hand ao jeölug ibm die Arme, Schenkel und Füße entjwev, und legte ihn aufs Nad. Die Richter hatten hierbei) die Absicht, ihn seine Ouaal so lange dulden zu laßen, bis er seine Mitschuldigen an- zeigen würde. Als man ihn endlich nachm als befragte, ob er denn gar nichts mehr zu sagen habe, das ihn auf dem Genüßen drücke, gad er zur Antwort, alles was er bekennt habe scy Wahrheit, un^ er wisse nichts mehr hinzuzusctzen als nur drcs, daß zwe» Priester, welche schwarze Kleider trügen, in der peinlichen Absicht von jyon abgcreißt wären, er habe ihnen aber zuvorkommen und die Ehre allein davon tragen wollen; zugleich bitte er seine Richter demülhigst, sie möchten doch nicht gestatten, daß seine Seele durch die Leiben seines Körpers zur Verzweiflung getrieben würde. Auf dieses Wort traf Lugoli die Verfügung, daß lhn die andern Richter erdrosseln ließen. DeS folgenden TagS ward sein Körper verbrannt, und die Asche in den Fluß geworfen. Nach dieser Execution, tvelche Dienstags den ein und dreyßigsten. August vollzogen wur» de, brachten einige Bürger von Melun (denn wegen deS Waffenstillstands gestatteten bcyde Parthcyen, daß man ungehindert hin und her reisen durfte) die Nachricht mit, sie hätten am vorhergehenden Sonntage den Jesuiten Cvmmolet zu Paris predigen hören, der am Schluß seines Sermons die Zuhörer ermahnt habe, UM noch eme ganz kurze Zeit in Geduld zu stehen: henn ihr werdet sehen ssprach er) daß Gott binnen K'-' t !'^ - chh i ^ ! ^ Mt As ,is< ^ lÄ ! ^ ! j!» 8 Ä k>§ HM; I.'ki.t,, "Ml «r 6t» L kM»«, dtfmp, - istnq lkS Mi IjUhk :sck « >mik» ; ^l-E ------------ 4z binnen wenig Tagen ein ganz besonderes Wunder wirken wird; ihr werdet cs sehen; I« ihr könnt sogar für bekannt annehm e n , d a ß e S sich schon wirklich ereignet habe! Diese Worte, welche mit lauter und vernehmlicher Stimme vor einer grossen Menge Leute ge« sprechen wurden, die cs bezeugen konnten, ließen den Richtern keinen Zweifel mehr übrig, daß alles was Barriere ausgesagc hatte die reine Wahrheit sey. Obiger Aufsah ist seinem ganzen Inhalt nach aus einer Schrift genommen, die den Titel führt; trnict eis ln I^rumiele, imprimä ü i?aii8 pur kenn le Llero, ruö 8. ^eun-cle-I^utrun, ü 1a Aalamandrs 16 ol Aveo k'rivilLAs 6u R.o^. 1°f ^ t<» ^ S" >gt>I »lk B S"l Kurzgefaßte Geschichte des Criminalprocesses gegen Johann Chastel, nebst dem über ihn und über die Jesuiten ergangenem EndWheil; worin man zugleich eine ausführliche Nachricht von der Pyramide findet, welche zu Paris vor dem Hauptt.hsr des Parlements errichtet und wieder zerstört worden- Eptrahirt aus Ua, §oZ3 der auf der königlichen Bibliothek befindlichen Bethunescher! Handschriften. kl! ienstags, den sieben und zwanzigsten Dezember, M Jahr nn tau find fimf hundert vier und neunzig, am GKe 44 — Feste Sanct Johannis des Evangelisten, Abends zwischen fünf und sechs Uhr, als der König im Gardisten- ftal seines Schlosses, welches das Louvre genannt wird, auf und ab spazierte, näherte sich ihm Herr von ... der ihm seine Ehrfurcht bezeugen wollte, sich zu dem Ende auf das Knie nicderließ, und, in der Absicht einen seiner Stiefel zu umfaßen, eine tiefe Verbeugung machte. Da sich nun der König ebenfalls verbeugte, ihn umarmen und von der Erde aufheben wollte, geschah eS, daß der unselige Christel (welcher sich unvermerkt :n das Schloß geschlichen hatte, und sogar in den vorerwähnten Gardisicnsaal gekommen war) seine Zeit ersah, sich unter die Prinzen und Herrn mischte, weiche sich um den König her drängten, und ihm mit einem Meß'cr einen Stich ins Gesicht versetzte, der Seine Majestät an der Lippe verwundete und einen Zahn zerbrach ; woraus er das Messer fallen ließ und die Flucht rrgrif. Sobald der König den Stich spürte, sagte er zu dem Herrn, welcher ihm seine Ehrfurcht bezeugt hatte: Ha! Veceer, du hast mich verwundet! Als der besagte Herr diese Worte vernahm, warf er sich dem König zu Füßen, und sprach: Das wolle Gott nicht, Sire, daß ich Euer Majestät nur an rühren, geschweige verwunden sollte! Ich habe weiter keineWaffen bcymir, als diesen Deg'en, den ich da an der Seite trage. Dieser Vorfall ward sogleich überall ruchtbar, und erregte nicht nur im Louvre, sondern in der ganzen Stadt Paris einen erschrecklichen Lerm. In der Geschwindigkeit wurden olle Thore und Ausgänge des Louvre verschlossen und mit doppelten Wachten besetzt; mittlerweile fand man das Messer, womit der König verwundet worden war, und da der Bösewicht, welcher die That begangen hatte, weder aus noch ein wußte, ward er ebenfalls erwischt. Als man ihn in Verhaft genommen 8 crdH "k s»g«l vor) sä lüMIttt ürGiü! chch«! t, s-z!n HINll>! I, N>! IS ml! st!!>!«' bcyU klagten, wie auch dessen Mitschuldige, Anhänger und Helfershelfer auf daS siräcklichste beschleunigen und zu Ende bringen könne. Gleich darauf ward de-r Beklagte nebst seinem Vater Peter Chast l, seiner Mutter Dionysia Hazard und Messtre Jean Guerct, einem Jesuitenpriester, in die Conciergerie geführt, nachdem der Oberhofrichtcr bereits die gerichtliche Hasstgeaen .alle diese Personen er« könnt hatte, und zwar nach Maaßgabe der ihnen zue Last liegenden Beschuldigungen, der am vorhergehenden Tage angestellten Untersuchungen, und des mit dem Johann Chastel vorgenommcnen Verhörs; welcher lehre- re nun über die aus den Anklagen, Beschuldigungen und 46 ---------- und Untersuchungen entspringenden Umstande vor dem besagten Parlemeut nochmals vernommen wurde» Verhörartikel. Wurde gefragt, nach seinem Tüufnamen, Zuna- men, Alter, Stande, und Wohnort. Sagte: er nenne sich Johann Chastel, als Sohn des Peccr Chastel, eines Tuchhandlers, welcher vor der großen Thvrfahrc des Pariemenrshauses wohne, und der Dionysia Hazard, dessen Ehefrau; fty ein Schüler der auf der Universität zu Paris studiere; gehe in das neunzehnte Jahr; besitze weder Rang noch Charakter. Wurde gefragt, wo er studiert habe, und wer seine Lehrer gewesen waren. Sagte: er habe den ganzen wissenschaftlichen Cur- süs bey den Jesuften gehört, und zwar im Clermonri- schen Collegium, in der Straße Saint Jacques, sein Lehrer und Regens sey Pater Gueret gewesen, welcher ihn unterrichtet habe. Wurde gefragt, wo er am vorhergehenden Tage, am sieben und zwanzigsten December Abends fünf Uhr gewesen sey. Sagte r er sey im Louvre gewesen. Wurde gefragt, was er in besagtem Louvre Zur besagten Stunde zu thun gehabt habe. Sagte: er habe darauf gewartet, daß der König zurückkommen solle. Wurde gefragt, in welcher Absicht er auf den König gewartet, und was er bep Seiner Majestät gewollt habe» Sagte r 47 Sagte: er hake ihn deswegen erwartet: weil ee ihn ermorden wollen; habe ihn aber nur verwundet» Wurde gefragt, was ihn denn zu diesem ruchlosen und abscheuUchcn Entschluß bewogen habe. Sagte: dies, daß der König nicht eher in den Schoos der Kirche gehöre, bis ihn der Pabst anerkannt habe, und weil cs nach der Lehre des Pater Mariana, welche aus der Herligen Schrift gezogen fty, erlaubt wäre Könige zu tödtcn. Wurde gefragt, wie er denn zu dieser ganz ab, scheulichen und grundfalschen Lehre gekommen fty. Sagte: dies habe ec schon beantwortet, auch mit seinen eigenen Augen gefthen und bemerkt, wie er bereits gesagt habe. Wurde gefragt, ob er sein boshaftes Vorhaben seinem Vater, seiner Mutter und seinem Lehrer, dem besagten Gurret, crösnet habe. Sagte: er habe weder mit seinem Vater noch mit seiner Mutter, noch mit dem besagten Gurret davon ge» sprochen, und diese Lehre fty ja allgemein bekannt. Hierauf zeigte man ihm das Messer nebst der Scheide, welche man ihm bey seiner Verhaftung abge» nvmmen Ham. Er erkannte daS Messer für das ftinige, und sag» te, es fty daS nemlrche womit er den König im Gestcht verwundet habe. Wurde gefragt, wo er dies Messer bekommen habe. Sagte: er habe es auf frcyer Straße von einem Krämer gekauft, und vier Sous dafür bezahlt» Wurde 48 Wurde gefragt, ob er denn diesen Kramer, von dem er das Messer gekauft habe, nicht kenne, und ob er ihm gesagt habe, was er damit machen wolle. Sagte: er kenne den besagten Kramer nicht, weil er ihm nur ein einziges mal zu Gesicht gekommen sey, als er das Messer von ihm gekauft habe; er habe ihm auch nicht gesagt, was er damit machen wolle. Da man seinen Vater und seine Mutter, alsdann auch den besagten Guerct, nach der Reihe mit ihm confcontirte, und sie in Betrcf der obcrwahnten That- sache verhörte, agnoscicte Johann Chastel sie alle drey, und sagte, ec habe weder seinen Eitern noch dem besagten Guerct sein Vorhaben entdeckt. Der besagte Peter Chastel und dessen Eheweib Dionysia HazarS, erkannten ebenfalls den Johann Chastel für ihren Sohn, und sagten gleichfalls aus, cn habe ihnen weder sein unseliges Vorhaben entdeckt,' »och je etwas gesagt, woraus sich dasselbe vcr- muthen lassen. So gestand auch der besagte Guerct ein, dieser nemliche Johann Chastel habe bcy den Jesuiten im Clermontischen Collegium studier, und er sc» dessen Lehrer gemes u; aber niemals habe er ihm eine so abscheuliche Lehre vorgelegt oder ihn darin unterrichtet, auch überhaupt ihm keine bösen Grundsätze beygkbrache; und von seinem ruchlosen Vorhaben habe Johann Chastel nie bas mindeste gegen ihn geäußert. Dem zufolge mußten die Zeugen ihre Aussage nochmals wiederholen, bcy welcher sie auch beharrtcn; und als man sie mit dem Beklagten confrontirte, fand er nichts an ihnen auszusetzen, weil er sie nicht kannte, und weil sie die reine Wahrheit gesagt hatten, welches auch der Beklagte selbst eingestand, wie aus den Antworten erhellt, 49 h erhellt, welche er in allen seinen Verhören auf die vor» g^gten Fragen crcheilte. Urff-cilsvvllstreckung. Des nemlichen Tags, an welchem dem besagten Johann Chastel sein Urthcil angekündigt worden war, führte man ihn Nachmittags um zwey Uhr in die Maklerkammer, wo er im Beyscyn d r Commissarien und l- Äv Deputirten den ersten und zweyten Grad der Tortur be- ^ ^ kam. Er blieb bcy den nemlichen Antworten, Aussa» und Verneinungen, welche man während des Pro» ellt dn; eeffcs von ihm vernommen hatte, nur fügte er noch hin- zu, er habe die Jesuiten oft sagen hören, es sey nicht erlaubt, daß man tyrannische Regenten am Leben taffe; auch sagte er ferner, er glaube bey Gott Gnade und NM>! Barmherzigkeit wegen seiner Sünden zu erlangen, und !> H»' bitte jhn, nur um Geduld, damit er die schweren Lei- M « de» und Qualen, die ihm zur Verherrlichung seines al» ''Ä lerheiligsten NamcnS auferlegt wurden, ertragen könne. Kü! Als man ihn von der Folter befreyt hatte, und ihn ei« Es ne Zcirlang ausruhen ließ, damit er sich wieder erholen sollte, verlangte er seinen Beichtvater zu sprechen. Zu , mtki« diesem sagte er sehr wehmüthig, er müsse leider gestehn, daß ihn seine Markern sehr ungeduldig machten; er bit» ,MliN te Gott, daß er ihm und seinen Verfolgern verzeihen wolle. Man führte ihn in die Kapelle, wo er ung« Hs fahr eine Stunde zubrachte. Nach deren Verlauf ward 1 er aus dem Kerker geholt, auf einen Karen gesetzt, und vor die große Thür der Liebfrauenkirche gefahren, wo er öffentliche Kirchenbuße that. Von da führte man ihn auf den Greveplatz, und nachdem er das zu dieser Absicht errichtete Schaffet bestiegen hatte, mußte er niederknien, und zwar so, daß er das Crucisix sehen könnte. Sodann band ihm der Scharfrichter das Mes» N.Denkwürdigk.XlV.B. D ser, ser, womit er den König verwunde; hatte, in die rech. tcHand, legte den Arm auf einen Kloß, der zudem En. de in Bereitschaft stand, und hieb ihm die Hand mit einem Beile auf einen Streich dicht am Gelenk ab. Hierauf steckte er den Arm, damit das B'ut nicht umher lausen sollte, in ein Säckchen, das mit Asche und Kleyen angefüllt war. Dem zunächst brachte man ihn auf ein anderes nicht gar zu hohes Schaffet, legte ihn hier zwischen zwecu in die Erde gerammclttn Pfählen auf den Rücken, und band ihm vier Riemen, die an den Halsen von vier Pferden befestigt waren, um die Arme und Füße. In dieser sage ward er an den Ar- j! men, Schenkeln lind Füßen, achtmal mit glühenden l Zangen gezwickt. Als dies vorbcy war, hieben einige ihn mehrmals hin und her, standen aber hernach wieder still. Endlich ward sein Körper zernffen, und in vier Viertel zerstückelt. Diese vier Viertel nebst dem Kopf und den übrigen Thriicn des Leichnams, wurden ans eineu neben dcm Schaffot errichteten Scheiterhaufen gelegt, und zu Asche verbrannt. Nachher nahm der Scharfrichter eine Schaufel und warf die Asche in die Lust, daß sie der Wind zerstreute. Auf diese erbärmliche Art mußte der besagte Johann Chaste! sein leben beschließen. Sein Vater und seine Mutter wurden noch ! des nemlichen Tags vor das Thor Saint IaequeS geführt, und auö der Stadt verwiesen, mit dem ausdrücklichen Bedeuten, sich ohne den geringsten Verzug aus dem Königreiche zu entfernen, oder zu gewärtigen, Vas; man sie widrigenfalls mit dem Tode bestrafen werde. Des nachstfolgneden Tags, am dreyßigsten De- ccmbcr des oberwähnten IahrS, wurde den Priestern und Schülern der sogenannten Gesellschaft Jesu, der Kerls mit Peitschen gewaltig auf die Pferde los, an welchen seine Gliedmasen befestigt waren. Sie zogen gegen gcgen sie ergangene ParlcmcntöschluZ ebenfalls insinnirt und in Abschrift zugcstellt. Zu dem End- begab sich der oberste Huissier des Parlcments, welcher, damit sie nicht etwa vörwendcn möchten, cs sey ihnen nichts zu wissen gtthan worden, noch zween andere Huissiers des ncmlichcn Parlsmenks als Zeugen bey sich hatte, in das Clcrmontische Collegium, und deutete ihnen an, den Inhalt jenes Beschlusses unverzüglich zu befolgen, oder die darin gedrohte Strafe zu gewärtigen. Die besagten Priester wollten sich das Ansehen gehorsamer Unter- thancn geben, und machten sich gleich des andern Tags auf den Weg. Es ward ihnen erlaubt, ihre Kleidungs- siücke mitzunehmcn, von dem Kirchengerärhe aber nur so viel, als sie zum Meßleftn nöchig hatten. AllcS übrige mußten sie zurücklasscn, damit darüber nach Maaßgabe des Parlcmentc-schluffes disponier würde. 2lls das Ucthcil vollstreckt werden war, und dis Jesuiten Paris verlassen hatten, setzte man sogleich die Maurer und andere Handwcrksleute in Arbeit, welche daö vor der großen Thorftchrt des ParlemcntShauseü stehende Haus *) des mehr erwähnten Chastel zerstören und einreißen mußten. Eö ward völlig der Erde gleich gemacht, so daß nichts mehr übrig blieb als der Platz wo es gestanden hatte, und dieser ward aus eben die Art gepflastert wie eine Straße. Da nun diese Begebenheit auf immerwährende Zeiten merkwürdig blieb, und da man die ungeheure That, wozu der besagte Chaste! durch die Irrlehren und gottlosen Grundsätze der Jesuiten verleitet worden war, auch den Nachkommen bekannt zu machen wünschte; so errichtete man auf dem ncmlichcn D 2 Platze *) Dieses Haus stand auf der Stelle, welche jetzt der Ban nabitcnplatz genannt wird, und a» die Straße äs la Vi- sills vrspperis stößt; gerade der großen Thorfahrt des ParleuiklUshauses gegenüber. 5 - Platze, wo das besagke Haus gestanden hatte, eine hohe Pyramide. Diese war sehr künstlich gearbeitet, mit vortrefflichen Statuen geziert, und auf jeder Seite mit einer Platte von schwarzem Marmor belegt, wo» auf folgende Inschriften mit vergoldeten Buchstaben an» gebracht waren; nemlich: Auf der Seite gegen Mittag. 3 0. 54 Auf der Seite gegen Mitternacht. v. 0. N. ?ro sslütc Ilcnrici IV, clemsntistlmi sc lortistimi ReZis, einem riskauäus psrricilla, perniciostlstmae fackio- nis ksereil pellilers imbutus, ynao nuper sbommanllig lceleribus pistaris nomen obrenäens, unctos lgomini, vi- vslcjus Najestatis iplius imaaines occiciere xopulsriter Zocuic, Zum confoclere tentat, coelelli numine scels- üsm msnum inbibente, culrro in lsbrum stuperivs clels- tc>. et clentinm occurlu keiicicer retulo, violsrs aubus eK. Or-Io smpüllimns nt vel coristus tsm nelarii poe- nss tsrror, limul et prsesenritlimi in Optimum ?rlnci- pem sc IlsAnum, cujus lalus in ejus lalute polita eil, Zjvini lavoris spuä polleros memoria extsret, monllro ülo, sämillis eczuis membratim clilcerpto, er llamwisul- tricibus conlumpto, seäss etism nnäe proäierac, deic st- ^ss, funclitus everri, et in earum locum, lalutis omui- um sc §Iorias st^num eri§i clecrevit. III!. Xon. Isn. llnn. Lol. N. O. XLVI. „Dem Allgütigen Allerhöchsten Gott. Für die Erhaltung des Allergnadigstcn und Groß- mächtigsten Königs Heinrich des Vierten , weiche» ein vermaledeit,r Mörder, der in den scclcnvcrderblichen ketzerischen Grundsätzen jener höchsiaefahrlichcn Rotte, weiche unlängst unter dem Schein der Frömmigkeit die abscheulichsten V rbrcehen begieng, und öffentlich lehrte, daß man die Gesalbten des Herrn, die eidlichen Ebenbilder seiner Majestät, ermorden dür c, unt.rrichtctwar, zu verwunden wagte, dessen verruchter Hand aber der Allerhöchste Eiahair thar, so daß das ) csser nur die H berlippe berührte, und, weil cs doc Zähne traf, zum größten Glück ab- prallte. Zur abschreckenden Warnung für ähnliche Verbrecher, kOPllllj uriiie stz perii« jx lalsre ittsni p« M's eli > Miiiäa mr Leii. ÄW« M clk. n cit kc M I>>d' l?il t--' ----------- - 55 brecher, zugleich aber auch zu einem immerwahrenden Denkmal der besondern En de, weiche Gott dem besten Fürste« und dem ganzen Reich , dcssn Wohlfahrt mit der seinit gen unzertrennbar verbanden ist, erzeigte, ließ das g'arr lemenk, nachdem vorher jenes Ungeheuer von sssekdenzer, rissen, und von rächenden Flammen ver^ hre worden war, das Haus worin es einst das Licht der W.!r erblickte, von grundaus zerstören, und an der Stätte, wo es gestaut denchatkc, das Zeichen unsere Heils und unserer glorreis chen Erlösung, errichten. Den zweyten Januar 1596» ZnglS-he!?. Lx 8 . c. Reic äomus immsrii ejiioncism kuit dnss,ia monitro, Orux ubl nunc ccl'um t„Nir in cgruit. Lanciit in inisero» poenaw ksnc üicer Ol Uv j?enul8Zj, ReZibus ut tcires ssnclius e6's nidii. Auf Besch! des Senats. Hier stand vor Zeiten das Haus des köniqsmördrifchen Unchters, Hier wo nunmehr dies Kreuz hoch in tue Lust sich erhebt; Einer Penaten Schicksal ist traurig, »nd diene zur Warnung! Denn die Gesalbten des Herrn greift man nicht unbestraft an. Auf der Sekte gegen Morgen» 0. O. iri. ()uum kilenricus Otiriülunillimua I^rancvrum et vsrrsrum kex, bono keixudlicse nstus, inter cseiers D 4 vicro- 56 ------------ victvrigrum exemplg, czuibus tsm äs Nvrgnntäe Oisyz. niss, guaw äs esus fgcrione, priscsm Kusus rerzni Ns- jellarem suliis ulcus est srmis, etism ksnc urbem Mrs- licjiigs re§ni Kusus xene omnes recepissei, ac äenigue kelicicate esus intvstmorum lUsncige nominis kvliium 5u- rorem provocgnte, Ivannes Oetri iiiius Lkgltelius, sd illis sukmilsus, sgcrum lieZis cgpur j cultro xetere sutuz elsec, proesentiororemeiitste, qugm feliciore sc eleris suc- csllu: Ob esmremex gmplistiMi Orcliuis Lonsulro, vio- tZissro perciuellioue, ciiruta Oetri Lkgstelli ilvm», in izus Icisnues, esus küus, inexpiabiie nesss cleli^ngcum, pg- tri cvmmunicgvergk, in grea sequsts koc perenne monu- mentum ereckum est, ju memoriam esus ciiei, in c^uo ssculi selicilss inter vots et merus Orbis, kbersrnrew rs°ni, sunägtoremc^ue puklicae c^uietis, s lemergtor/z inksnäo incepio, re-;ni gutem Kusus opes sttriiss sb ex- tremn interim vinäi'cgvit, puiso prseteres mm (-uliis dominum Lenere, novse sc mslekirge iuperstitiones, guj kempuklicsm turb.ndsnt, quorum instinctu piaculsriz säoielcens ilirum sgcinus inüiluerst. Dcm Allgütigcn Allerhöchsten Gott. Als Heinrich der Allerchrisilichste König von Franst reich und Nuvarra, der gebvrne Beförderer des allgemeinen Wohls, unter andern herrlichen Siegslhate», wodurch er diesem Reiche, während des gerechten Kampfs gegen die Tyrannei) der Spanier und ihres Anhangs, wieder zu seinem vormaligen Gl nz und Ansehn vcrhalf, sich die Hauptstadt, sowie fast alle zu seinem Reiche gehörigen 'Städte wieder unterwürfig gemacht hatte, ergrimmten die hie und da im Lande befindliche Feinde des französischen Namens dergestalt über sein Waffenglück, daß sie den Sohn des Peter Chasiel, Namens Johann, aufhetz- ten, ten, ihm das Leben zu Nehmen, und dieser wagte es auch wirklich nach der geheiligten Person deö Königs mit einem Messer zu siechen, wodurch er aber nicht sowohl seine ruchlose Absicht erreichte, als vielmehr einen Beweis seiner gränzenloftn Verwegenheit gab: deswegen fand sich das hochanschnliche Parlewent, nachdem es vorher die Verfügung getroffen hatte, daß das Verbrechen der beleidigten Majestät gehörig bestraft, und das H .us des Peter tzhasiel, worin ihm sein Sohn Johann sein unverzeihliches Vorhaben bekannt machte, von grundaus zerstört wurde, bewogen, hier dieses Denkmal zur immerwährenden Erinnerung jenes merkwürdigen Tags errichten zu lassen, an welchem Frankreichs Schutzengel, zu eben derzeit, wo die Einwohner dieser Stadt zwischen Furcht und Hofnung schwebten, den Tesreycr des Reichs, den Wiederherstellcr der öffentlichen Ruhe, gegen die Frevclthat des Mörders schützte, und den ohnehin schon sehr verminderten Wohlstand des Landes vordem gänzlichen Verfall bewahrte; wobei) zugleich erinnert zu werden verdient, daß man jene Gattung von Menschen aus ganz Frankreich vertrieb, die eine ganz neue Art von boshaften Aberglauben eingcführt, das Gemeinwesen zerrüttet, und jenen unglücklichen Jüngling zu der verruchten That verleitet hatten, worüber er zum Schlachtvpfer ward. Auf der nemll'chen Seite. 8. ?. cz. ?. Lxtinctori pestikerse kscrionis Dispsnicse, lncolu- rnitste ejus, etvinäictäpsrriciäülseti, lVlsjestaticzue ezus «levockstimris. Duplex potesta8 ist» kstsrum kuit, Osllis lsluti guvü köret, Oallis üare: Lervsre LsNir, ^uoä steüistsot vvtimum. 58 Der Senat und das Volk zu Paris. Dem Vertilger der gefährlichen Rotte/ widmeten ^ dies, aus Freude über Dessen Erhaltung uird über den bee I straften ökLnigsmvrd, Sr. Majestät Unrerchänrgste. Des Schicksals Macht bewirkt' ein doppelt Resultat; er gab dem Gallier was er zum Wohl bedarf, erhielt ihm auch das Beste was es ihm verlieh. Diese Pyramide blieb bis zum Jahr ein tausend sechs hundert und vier ganz unversehrt auf dem nemli- chen Platz stehn, wo man sie errichtet hatte. Um diese Zeit aber wußten es die Jesuiten durch alle nur erdenkliche Kunstgriffe so einzuleiten, daß ihnen König Heinrich der Vierte die schriftliche Erlaubnis erthcilte, sich w edec in Frankreich mcberzulaffcn. Sie machten sich anheischig, hinführo bloß als Weltgeistliche zu leben, sich nie wieder mit dem öffentlichen oder Privatunterricht zu befassen, auch von ihren akademischen Rechten weder mittelbar noch unmittelbar den geringsten Gebrauch zu macken, wie und auf was für Art solches immer geschehen könne. Im Gegentheil versprachen sie vielmehr, sich der Pariser Universität zu unterwerfen, mit welcher sie ehedem unaufhörliche Händel hatten, weil cs nach den französischen Gesetzen so eingcführt ist, daß die Ordensgeistlichen sich einzig und allein nach den Vorschriften ihrer Obern und Vorgesetzten richten, die zu dem »cmlichcn Orden gehören, und denen sie vermöge ihrer Gelübde zu gehorchen verbunden sind. Hieraus pflegen die Jesuiten noch weit strenger; als alle andern Ordensleuke zu halten, denn sie wollen schlechterdings sonst niemanden für ihre Obrigkeit erkennen, als ihren General. Es 5Y Es ist bekannt, baß die Jesuiten auf Anrachen und Empfehlung Pabst Pauls deS Vierten, der auS dem Hause Caraffa stammte, nach Frankreich kamen. Demungeachtet wollte sie die gal!iranische Kirche nie für ihre Mitglieder erkennen, nach in ihren Schooß cufneh- men, wie sie denn solches auch noch heutiges Tages nicht khut. Alle Geistlichen im ganzen Königreiche setzten sich emmüthig darwidcr. Im Jahr 1561 wendeten sie sich an die Versammlung, welche unter der Regierung Karls dcS Neunten zu Poi'ssy gehalten wurde. Vorher erbettelten sie die Protection der bepden, ungemein viel vermögenden, Kardinale von Lorraine und von Tournon, wie sie denn überhaupt die Geschicklichkeit besitzen, sich bey großen und mächtigen Personen aufeine listige 'Art einzuschmci- cheln. Da sic nun eine ganz andere Gestalt annahmcn, sich von der wahren Absicht ihrer Ordensregel gar nichts merken ließen, sondern bloß begehrten als arme Studierende in Paris ausgenommen zu werden; so gelang es ihnen diesfalls auf der vorerwähnten Versammlung einen Bcwillignasbnef zu erschleichen, welcher nochmals von dem ParlemenkShose bestätigt wurde; und dies ist der einzige RcchtStitel, kraft dessen sie sich wegen ihres Aufenthalts in Frankreich, und vorncmlich zu Paris, lcgitimiren können. Man sah sich betrogen, ob man gleich der Meinung war, alles recht wohl gemacht, und jeder nach« lheiligcn Folge dieser Neuerung dadurch vorgebcugt zu haben, daß man den Jesuiten auferlegte, ihren Namen und Titel zu ändern, sich auf eben die Art wie alle ans dern Geistlichen der Gerichtsbarkeit und Aufsicht des Bischofs zu unterwerfen, und vor allen Dingen auf die in ihren Bullen bewilligten Privilegien ausdrücklich Verzicht zu khun, und zwar bey Strafe, widrigenfalls der bewilligten Gnade verlustig zu werden. Dies alles diente 6o ^- - diente weiter nichts, als sie in ihrem Entschluß zu bestärken, und Machte nur desto größere Hofnungenin^ ihnen rege. Ohne sich etwas anfechten zu lassen, ohne das allergeringste Recht zu haben , drängten sie sich in " die Universität, z»w größten Nachtheil der Gegenparthey, welche sich höchlich darüber beschwerte, und sogar deswegen einen Proceß anfieng, der aber bis auf den heutigen Tag noch nicht entschieden ist. Sie erhielten sich darin bis zum Jahr 1595, wo der oberwähnte Par- lcmentsschkiß gegen sie ergieng, wodurch sie aus dem Lande gejagt und verbannt wurden. Diele nemlichen Jesuiten, welche mit Schimpf und Schande aus Frankreich entweichen mußten, wandten sich dann an vornehme Personen, welche viel Einfluß hatten, und bey dem König in großen Gnaden standen. Durch diese ließen sie flehcndlich bitten, Seine Majestät möchten doch gestatten, daß sic wieder nach Frankreich kommen dürften. Sie wünschten bloß als arme Studierende wieder ausgenommen zu werden, und verlangten weiter gar nichts, als daß mau ihnen erlaube, nach ihrer Ordensregel zu leben, und die Priester- lichen Verrichtungen zu besorgen. Zugleich ließen sie durch ihre Fürsprecher heilig und hehr versichern, sie würden sich in Zukunst nicht das allergeringste zu Schulden kommen lassen, was nur den kleinsten Verdacht gegen sie erregen, oder der Universität Anlaß geben könn« te, sich über sie zu beschweren. Der König war ein sehr guter und gnädiger Herr, welcher sich ein Vergnügen daraus machte, vergangene Fehler zu verzeih». Er gab daher den Vorstellungen und Bitten derer, welche sich für die Jesuiten verwendeten, Gehör und ließ sich von ihnen überreden» Die Herrn von Bouillon, von Sully, Maupeou, und andere seiner Räthe gaben sich zwar alle erdenkliche Mü- lch»,» '"süß r Tiz», ->k tchii >k M!« he, ihm andere Gedanken bcyzubringen, und erinnere ten ihn unter andern an daS, was ihm nur erst vor wenig Jahren in eigener Person wiederfahcen sty; es war aber alles umsonst. Ventrs snind Anis, wollt Ihr denn für meine Person verantwortlich seyn, wenn ich nicht in die Zurückberufung der Jesuiten willige? Diese Worte brachten die« jenigen zum Stillschweigen, welche Sr. Majestät den Rath ertheilt hatten, die Jesuiccn nicht wieder nach Frankreich zurückkommen zu lassen. ! Wir m,« > »ici H MdUk !!»W ijllmc dl k«i. !>» b-r«, ßk Dies hatte die Folge, daß ihnen der König durch offene Briefe, welche zu Anfang des Jahrs 1604 vom Parlement bestätigt wurden, die Erlaubniß bewilligte, sich wieder in Frankreich einfinden zu dürfen. Es hieß darin unter andern, sie sollten nicht berechtigt seyn, in irgend einer andern Stadt oder Gegend Des besagten Königreichs Collcgien oder Residenzen anzulegen, als nur in solchen, wo sie bereits Hey Empfang dieser offenen Briefe seßhaft waren, und ohne vorher diesfalls um ausdrückliche Erlaubniß bey dem Könige und vor« nemlich beychem Parlcmcntc nachgesucht zu haben, wo« von jedoch in Rücksicht der beyden Städte Lyon und la Fleche eine Ausnahme statt finden solle. Da sie es nun nicht räkhlich erachteten, diesen Befehl so gar frühzeitig zu übertreten, und mit der Pariser Universität die, wie sie wohl wußten, sich des besondern Schußes des Parlements zu erfreuen hatte, neue Händel anzufangen ; so hielten sie sich eine Zeitlang ruhig. Sobald sie wieder nach Frankreich und besonders nach Paris zurückqekommen waren, gaben sie sich nicht eher zufrieden, bis sie die Erlaubniß erhielten, die Pyramide niederreißen und wegschaffen zu lassen, welche mau auf dem Plaße, wo ehedem dasChasieksche Hausstand, errichtet hakte» Anstatt derselben ward ein öffentlicher Brun- 62 Brunnen daselbst eingelegt, welcher noch dermalen auf diesem nemlichcn Platz vorhanden ist *). Hierbei) ließen es die Jesuiten aber noch nicht bewenden; denn da sie durch die Bcyhülfe des Pater Cotton, welcher vom Könige zu dessen Hofprcdiger und Beichtvater ernannt worden war, einen entschiedenen Einfluß auf die Denkart dc6 Königs erlangt h cten, wirkten sie so- gar einen offenen Brief aus, kraft dessen siedie Erlaub- ,üß erhielten, zu Paris wieder öffentliche Vorlesungen zu halten und junge Leute zu unterrichten. 'Als derselbe vom Parlement bestätigt werden sollte, legte die Pariser Universität eine Protestatio» dagegen ein. Als hierauf beyde Theile vor der Grandchambre Audienz gehabt hatten, erfolgte ein Verbot, nebst den Rechtsgrün- drn und Einwendung der Pariser Universität vom i?ttn und lyken Decembcr 1611.- P Die oben erwähnte Pyramide ward im Jahr 1604 folg! lieh bald nach der Zurückkunst der Jesuiten niedergrris« scn. In der Folge verschwand der Brunnen ebenfalls. Mezerai sagt: alles Wasser das aus ihm hervvrquoll, würde ohnehin nicht zugereicht haben , die oben erwähn« te Blutschuld wieder abzuwaschcn. II. T a- / / , Ülüßiii l irkkcü ß , lkgl!! «>.l MD' >hr itrst ,»r»!lir >!1t» I tzM» üäsük v II. Tagebuch über die Friedens-Unterhandlungen Zu Vervins vom 6 . Februar bis zum letzten May l-98. nebst den dadurch festgesetzten Friedensartikeln. die FriedenSunterhandlungen zu Vervlns.' ?Ilm sechsten Februar, rsyz verließen wir Sar'nk Quentin, und vereinigten uns den Tag darauf mit den französischen Deputieren» Diejenigen, weiche der Cardinal von Oesterreich, als Bevollmächtigter des Königs von Spanien, abgeschickt hatte, kamen am nemlichen Tage daselbst an. Sie hatten den Gene» ral des Franziskaner Ordens bey sich, welcher ihnen, vermöge eines Schreibens vom Cardinal von Florenz, der damals in Frankreich päbstlicher Legat war, den Tag bestimmt hatte, an welchem sie dort einkrcffen soll« ten. Gleich nach ihrer Ankunft wurden sie im Namen des Legaten von besten Kämmerer bewtllkommt Es waren dreyr der Präsident Richardst; Taxis, Ritter von Gant Jag»; und dann ein gcwister Oydoe (^tullsneier') aus den Niederlanden. Als sie dem Le» gaten ihren Besuch machten, bezeugte er sich sehr darüber erfreut, und ließ sie unter den größten Höflichkcitsbe» zeugungen in sein Zimmer kommen, wo er sich sehr leb» Haft und liebreich mit ihnen besprach. Zuvörderst ermahnte er sie, die Uvki'khandlungen so sehr zu erlich« lern, als es, nach Maavgabe ihrer Aufk'äge nur ,m» mer geschehen könne, alle, eintrctende Schwierigkeiten N. Denkrsürdigk. XlV. B. E Nach 66 nach Möglichkeit zu beseitigen, und hiebey sowohl auf ihre Pflichten neuen Gott, als auf die Ehre und Zu. friede,iheit desPabstes Rücksicht zu nehmen, der sich so twß'-cordenrliche Muhe gegeben habe, diese Zusammen- kunfc zu veranstalt, n, um dadurch das Glück und die Wohlfahrt der Völkerschaften zu befördern, welche den Heyden Kronen, Frankreich und Spanien, unterworfen seyen, in deren Namen man jetzt den Frieden wieder hcrzustellen suche. Hierauf erbot er sich, zu Voll, „düng dieses löbl'chen Werks, als Staaksmini- ster des Pabstes, und keineswegs als Machthaber oder Schiedsrichter, behülstich zu seyn. Der Präsident Ricbardot beantwortete diesen Vortrag in ihrer aller Namen mit der größten Ehrerbietung, versicherte ihn, daß sie allerseits das größte Zutrauen zu ihm hegten, und gab ihm ausdrücklich zu erkennen, der König von Spa- n ien habe den Cardinal von Oesterreich bloß des- wegen zu seinem Bevollmächtigten ernannt, um hierdurch dem Pabste eine Gefälligkeit zu erzeigen. In dieser nemlichen Absicht fugte er hinzu, hätten Ihr» Hoheit auch sie zu Ihren D- putirten erwählt, und ihnen geboten alles, waS ihnen der Legat befehlen würde, zu thun, sich gänzlich aus ihn zu verlassen, und ihn nicht nur als Mittelsperson, sondern auch als Schiedsrichter und Machthaber anzuerkenncn. W «M! » « W f«,« Der Legat bezeigte ihnen seinen Dank, ließ sich aber aufdie großen Auerbiemugen, welche man ihm gemacht hatte, ganz und gar nicht ein, sondern wieder« holte nochmals, daß er bloß die Rolle eines Vermittlers spielen werde. Nun rühmte er ihnen das offene und edle Benehmen des Königs von Frankreich, und schilderte ihnen die vorcrcftichcn Eigenschaften der Herren von Bellievre und von Sillcri, als Seiner Maskat Deputaten, damit sie während der Unter Aip 67 terhandlungen ihre Maaöregeln darnach nehmen könn- >^ 1 ,^ ten. Jene Deputaten entfernten sicl> hierauf, und gleich nach ihnen langten die französischen an. Dielet^ se sagten dem Legaten, sie seyen erbötig, alles auf das , genaueste zu vollziehen, was er ihnen zu befehlen für »>>» , gut finden werde, denn der König habe ih .en ausdrück« lich geboren, sich nur auf seinen Wink zu versammeln, und überhaupt nicht das geringste vorzunehmen, als nur unter päbstticher Autorität. 'Prsßr .teilt h »il >!, »tljl jiiz». ! hi«») tzll, s chl" '.Fl«! Nun kamen sie zunächst auf die Rangordnung zu sprechen, und dies befremdete den Legaten um so weniger, dq er selbst von Paris her sich bereits mit dem Franziskaner-Genera! hierüber unterhalten hatte, und da dieser Punkt noch überdies zu Saint Quentin von neuem in Ueberlegung genommen worden war. Beyde befanden sich deshalb in der äußersten Verlegenheit , und waren noch so unentschieden, daß sie die beste Auskunft lediglich von der Zukunft erwarteten; doch Höften sie, ihren Endzweck vermittelst eines oder des andern Mittelwegs zu erreichen, woran es dem Legalen um so weniger gebrach , da er lange Zeit Gesandter gewesen war. Die Einwendungen und die feste Entschlossenheit des Herrn von Belli ev re, setzte» ihn daher in das größte Erstaunen; denn dieser sagte ihm ftey heraus, er werde in Ansehung deS Rangs keineswegs einen Vergleich eingehen, wie man ihn auf dem Conci- lium zu Trtenc bewilligt hätte. Damals habe der Cardinal von Lothringen Frankreichs Interesse schändlich hintangesetzt. Er und sein College sey fest entschlossen, viel lieber unverrichteter Dinge zurück zu reisen, als sich in Ansehung dieses Punkts das geringste zu vergeben, und man solle nur gar nicht daran denken, deswegen Aussiüchce zu machen. Ec erinnerte hiernächst den Legaten an die Erkiärung, welche einst Pabst Pius E 2 der der Vierte m Rom zu Gunsten Frankreichs ergehen !« ß, und kauft deren er dieser Macht das Reche drS Vorrangs ,uusprochcn hatte. Zugleich erklärte er, cs sei, seine Pflicht, was der Pabst gethan habe, z» vcrrheidigen und aufrecht zu erhalten. Der Legat gab hieraus gute Worte, versicherte sie, er habe, keineswegs die Absicht, ihnen das geringste zu entziehen, undmeyn- te. die andern würden vielleicht nachgeben, da sie bloß De.uti'.re des Cardinals von Oesterreich wären» Heer von Bellievre erwiederte: sie seyen der Meinung, d«ß sie es mit den Deputirten des Königs non Spa stell und nicht mit je« nen des Cardinals von Oesterreich zu thun hätten. Der Legat antwortete, da der Cardinal Be« vollmachtigker des katholischen Königs scy, so könne er statt seiner solche Deputirten ernennen, mit welchen man eben nicht geradezu im Namen des katholischen Königs, sondern nur als mit solchen Personen zu unterhandeln brauche, die von dem Cardinal subdelegirt wären. Dies stellte den Herrn von Bellievre keineswegs zufrieden; er sagte vielmehr, che man noch von etwas and» > m rede, müffejmau vor allen Dingen die Vollmachten untersuchen, und hierauf begab er sich ohne welkeres nebst dem Herrn von Sil leri weg. Nun schloß sich der s'gat mit dem Fcanziskanerg neral ein, um diesen schwierigen Umstand mit ihm zu überlegen, welcher ihm. wie es auch wirklich der Fall war, von der äußersten Wichtigkeit schien. Der Kardinal äußerte gegen ihn, die Flamander würden zuverlässig nicht riachgebcn, und in dieser Besvrgniß kamen sie aus den Eu-fall die Sache durch folgenden Vorschlag zu vermitteln: der Bischof von Mantua sollte als Nuntius seiner päpstlichen Heiligkeit den Zusammenkünften mit bey- wohnen; und wenn der Legat seinen Plah an dem einen Ende der Tafel nähme, so solle er sich dergestalt sehen, -i» ^ M xD AB jck L tz! l> W i« sskch Uch 8 «,! «Iihi W G ^^l>i daß er den Nuntius zu seiner Rechten habe; diesem ge» ^ t ^ genüber, zur Linken des Legalen, wolle man den F an- zostn die ersten Plätze anweisrn; die Flamändec adec sollten sich zunächst unter den Nu- kmo s-tzen , und zwar "^>1 alle dr.y, weil der Dydor (^ucliennien) ln den olk- tirich Machten ebenfalls namentlich arg-führt war. Was , "»lik den General der Franzlskancr bet? ist, so solle er seine l daßi Stelle am untersten Ende der Tafel bekommen, so daß uh Ts er dem Legaten gerade gegenüber säß-'. Letzterer sandte stft»! ihn mit diesem Vorschläge an die Parteien ab, unv die- kp»liü se ließen sich denselben ohne Anstand gefalle», well stde hl ml dabey ihre Rechnung saud. l" rß rlw/i Des folgenden Tags, als am neunten, lurlt der »ÜM Legat die erste Sitzung. Man ließ darin m e.'ölurtf M ml! vb t ic Flamändcr Deputirte von Spani e n d- s tatho» Wi» lischen Königs, oder des Cardinals von Qestrrr e ch «;«lt styen; doch pflegten die Franzosen , so oft sie ' o.a lhr.cn Mizr» sprachen, sie jebirzcit Gesandte des katholischen Königs zu nennen. Die Franzosen führt-» zuerst V.-.K Wort, und verlangten zunächst von dem Legaten, ec Ml»! solle gleich in dieser ersten Sitzung bestimmt sagen, an welchen Platz sich jeder von ihnen setzen so!. ' ! ! lc. Dies that der Legat, nachdem er sich vorher mit ' den Parteien darüber gehörig unterrcdet häkle; denn er gwg in allem mit der größten Vorsicht zu Werke. AiS " sie nun allerseits um zwey Uhr des Nachmittags beyftm- waren, hielt der Legate eine dem Gegenstand ange- ^stcne Rede, worin er ihnen vorstellte, es >ey eu, sehr MM heilsames und wichtiges Werk, weswegen sie der Pabst zusammenberufen und ersucht habe dle>e Bersakumlung zu halten; sie werde zu besten größter Beruhigung ge» reiche»; u> d man könne sich vo» derselben keinen andtrn als den glücklichsten Ausgang veriprechen, da sie aller» stlts sich mit der schleunigsten Bereltwllllgkcir hleher ' L 3 vcr» 7 » verfügt hätten, und das größte Vertrauen zu einander, hegten. Hierauf erbot er sich, beydrn Parteien mit gleicher Geneigtheit zu dienen, und schloß endlich mit der Versich erung: da der Pa bst ihr,'gemeinschaftlicher Vater scyn wolle, und auch wirklich sey, so werde sich auch dessen Legat nieder^ mehr noch weniger auf die eine oder die andere Partey »eigen ; denn er habe hicbey keine andere Absicht, keinen andern Zweck, als Gott und der gesa-ninten Christenheit einen Dienst zu leisten. Hierauf antworteten die Deputaten: eS sey ihr ernstlicher Vorsatz und Wille, den Frieden wieder herzustillcn, und sie Höften nicht nur denselben zwischen den beyden Kronen, sondern auch mit ihren Verbündeten, nemlich mirEngland und de» Niederlanden zu Stande zu bringen. Nun folgte eine langwierige Unterredung, in welcher die Parteien einander viel Vertrauen und Höflichkeit erzeigten. Endlich machten sie unter einander aus, daß sie des andern Tags wieder Zusammenkommen, sich wechselscicig ihre Vollmachten vorzeigen, und wenn diese zureichend befunden würden, in ihren Beschäftigungen fortfahren wollten. Nach dieser Verabredung gicngen sie mit Einbruch der Nacht auseinander. Des andern Tags war wieder Versammlung; der Legat prvponirte, was mau vornehmen sollte, und die Dcputirtcn zeigten einander ihre Vollmachten. Diese waren von folgender Art. Die von Seifen Frankreichs, war sehr weitläuftig und frcymülhig; eben so verhielt es sich mit der von Spanien, die auf den Cardinal von Des! erreich gestellt war: Sie war in ss Mischer Sprache abgcfaßt, diejenige hingegen, weiche der besagte Cardinal seinen Deputaten gegeben hatte, war französisch. Die Vollmacht des Königs von Spanien erwähnte der Verbündeten nicht; aber jene des besagten Cardinals übertrug den Deputieren das Recht, lit§ it!- laiÄ ÜM' jiytt! «< »ln ckk I>ch' P» -'ich ^ ^i»i ^!I« ""Ei!, Mit den Verbündeten Friede zu schließen. Herr von ^ R PeIlicvre faßte dies auf, und fand sich dadurch ver« enlaßc, jenen Deputaten auf eine sehr gründliche Art ^t> tarzuthun, daß er ihre Vollmacht in Ansehung des Punkts/ welcher die Verbündeten betreffe, weder für hinlänglich erkennen, noch dieselbe eher annehmen kön- bis erden König und dessen Deputirte hiervon de- tAK nachrichtigt habe. Die Flamander erwiederten, da ^ die Königin von England zu jener Zeit, als diese ttHch Vollmacht ausgcferkigt worden sey, mit dem Könige von Will«, Spanien in Krieg verwickelt gewesen, und Vieler ! iW „jcht gewußt habe, daß der König von Frankreich sie «bj ebenfalls mit in dem Fricdensrraktate begriffen wissen wolle, so habe er ihnen auch in Ansehung dieses Punkts G >« keme Vollmacht ertheilen können. Allein der Cardinal von «KU Oesterreich mache sich anheischig, den König von «M Spanien zu dessen Genehmigung zu bewegen, und imim sey erdörig, wofern es nöthig seyn solle, einen Eilbo- iz!«,»! ien nach Spanien zu senden, der in wenig Tagen hm U von da wieder zurückkommen werde. Dieser Vorschlag l'W» wollte dem Legaten gar nicht gefallen. Er suchte die Ab« smdung eines Eilboten auf eine gute Art zu verhindern, und sagte zu dem Ende, man könne sich auch ohnedies mitFrankreich und Spanien in Unterhandlun- M, >'> gen einlasscn und dies oder jenes darüber ausmitteln. Hierauf bat Taxi 6 den Richard ot, weil dieser den u Hliii Rang vor ihm hatte, um Erlaubniß zu sprechen, und D sagte (vielleicht nur allzuoffenherzig sie, als Deputirte ^ ^jk des erwähnten Cardinals, wollten jetzt einen großen Be« A«l weis ihrer Frcymüchigkeit geben, und geradezu erklären, !^e den Auftrag hakten, dem Könige von Frank« nicht nur die fünf Plätze, Dourlans, leCat- M Eelet, la Capelle, ArdreS und Calais, son- ^rn auch sogar Blavel zu überlassen, und zwar mit dem einzigen Vorbehalte, daß man hierbei) auf die nem« ' E 4 liehe liche Art zu Werke gehen solle, wie bey dem Friedens« schluffe zu Chareau en LambrefiS. Herr von Bcltlevre beantwortete diesen Vorschlag, wiederholte denselben Punkt für Punkt, nahm ihn, da er ohne die geringste Einschränkung gethan wurde, unbedingt an, und bediente sich hicbey zu wiederholtenmalen der nemlichen Ausdrücke, worin er abgefußt war. Der Präsident Richacdvt sah wohl ein, daß Taxis ein wenig zu weit gegangen sey, erlaubte sich aber nicht den geringsten Widerspruch, sondern begnügte sich bloß bannt, daß er mehrmals den Ausdruck wiederholte, die Zurückgabe müsse nach Muasgabe des Friedens zu Ehaceuu en Cambresis geschehen, wogegen denn auch die Franzosen ganz und gar nichts einwenbe- ten. Die ipanstchen Dcpuklrten trugen nun auf zweyer- ley an Fürö erste verlangten sie einen Paß für den Gesandten von Savoyen, vermöge dessen ihm vergönnt würde, mit vierzig Pferden nach Flandern zu kommen, und den Friedensunterhandlungen bcyzu- wohne», damit er hier unter dem Schuhe des Königs vor- Spanien seine Angelegenheiten mit Frankreich in Ordnung bringen könne. Zweytens schlugen sie vor, daß jemand von Seiten des Duc de Mer« coeur unter sichern! Geleite zu dieser Versammlung gesandt werden dürfe, um für ihn ebenfalls zu negvcicrcn, weswegen sie an ihn zu schreiben, und ihn hiervon zu benachrichtigen wünschten. Nachdem Herr von Belli er» re den Herrn von Silier« hierüber zu Rathe gezogen harte, beantwortete er den erstcrn von obigen Anträgen folgendermaßen : waschen savoischen Gesand« leu betreffe so hätten sie zwar den verlangten Paß bey sich, er erstrecke sich aber nicht auf eine so große Anzahl von Pferden Sie wollten denselben vvrzeigen, und hatten ihn bis jetzt blos um deswillen zurückbehalten, weil die Angelegenheit des Herzogs von Sav o yen nach der Willens« '"'tH lensMkynung des Königs, ihres Gebieters und Herrn, "l don Ml sowohl in dieser Versammlung, als vielmehr be- sonders vorgenommcn werden solle. Was hiecnächst « hi den D »i c de Mercoeur betreffe, so könnten sic dem- selben schlechterdings weder einen Reisepaß noch sicheres »chch. Geleite zugcsiehen; denn als Vasall sey er dieser >r. D« Ehre nicht würdig; doch könne diese Sache zwischen Seiner Majestät und dem besagten Herzoge ausgemacht Mi» werden, ohne daß jemand nöthig habe sich ins Mittel dltzd zu schlagen. Diese Antwort schien die Fiamänder zwar ilc, b, sehr zu befremden, inzwischen merkte man es ihnen doch ms z, an, daß sie das Interesse des Duc de Mercoe ur »M nicht sonderlich zu Herzen nahmen, sondern sich nur das Me- Ansehen geben wollten, ihm einen Dienst zu erweisen. Als man nunmehr den Legaten fragte, was des folgen« Mit« den Tags vorgenommcn werden solle, gab er zur Ant« wort, man müsse zur nemlichen Stunde wieder zusam» Ulm menkvmmen, den Friedenstractat von Chateau en «kW. Cambresis mitbringen, und jeden Artikel desselben Wjs einzeln von'csen, damit man sodann die Mittel in Ucber« legung ziehen könne, welche die Zurückgabe der oben er« wähncen Öerter erheische. Dies ward genehmigt, die Deputirten entfernten sich und der Legat hofkr von fci« ven Bemühungen den glücklichsten Erfolg. Des nächstfolgenden Tags kam man zur verabre« beten Stunde wieder zusammen. Der Legat machte Ak> brn Antrag, den oben erwähnten FnedenStrakeat zu ver« ^ M ^ftn. Herr von Bellievre nahm ober das Work, Dii und sagte, er habe ihre Vollmachten von neuem durch« gesehen, und sey noch immer der Meynung, daß jene ^ Cardinals von Öesterreich in Ansehung dessen, Ä b»as die Verbündeten betreffe, keineswegs zureichend sey. Mit Ehren könne der König sein Herr, sich oh« ne die Genehmigung seiner Verbündeten auf weiter ^ E § nichts 74 ' nicltts einlaffen. Es fty daher unumgänglich nöthig, daß er vorher an Jhro Majestät schreibe, »m zu erfahren, wie Höchstdiesclben nebst Ihren Verbündeten diesen 'Antrag aufnähmen. Die Niederländer befänden sich jetzt ohnehch bey Jhro Majestät, und man erwarte daselbst mit jedem Tage einen Sekretair aus England, der vielleicht schon dort eingetroffen scy. Zugleich machte er die Bemerkung, daß cö dem Könige seinem Herrn zu keinem geringen Nachtheil gereichen würde, wofern die Depulirten in Ansehung der Verbündeten nicht mit hinlänglicher Vollmacht versehen wären. Ec habe vorausgesetzt, daß sie dergleichen hätten; wiedrigenfalls würde er rümmermehr zugegeben haben, daß der Legat Liese Zusammenkunft veranstalte; denn wenn ste von derselben ausgeschlossen würden, so bedürften sie weiter keines Beweggrunds, sich von nun an nicht mehr für sein Interesse zu verwenden. Hierbcy trieb er seine Gegner mit vieler Geschicklichkeit in die Enge, sprach mit Würde, dunkel und sogar etwas zweydeukig; wie denn überhaupt dieser Alte sehr pfiffig ist. Richardot, der ihn nicht recht verstanden hatte, antwortete heftig: cS komme ihm vor, daß ihnen groß Unrecht wiederfahre. Man habe ste da in eine Versammlung geführt/ um eine Sache in Richtigkeit zu bringen, die schon feit Mehrern Monaten abgehandelt sey. Während dieser Zeit hätten Seine Allerchristlichste Maj-stät wohl erfahren können, ob Ihre Verbündeten mit in dem Friedenstraktate begriffen seyn wollten, oder nicht. Dcmnngeachrct seien sie von dem Vorhaben derselben noch bis diese Stunde nicht unterrichtet worden. Inzwischen wären fic wil- litz und bereit, sich mit ihnen in Unterhandlungen ein- zulaste», indem ihres Erachtens die Ehre des Königs von Spanien hiebey gar nicht ins Spiel komme, und da sie ausdrücklich in der Absicht sich eingefunden hätten, um hierüber die Gesinnungen des Allerchcistlichsten Ko- nigs 75 „igs und seiner Verbündeten zu vernehmen. Nun be» ftsH. schwerte er sich, daß sie mit ihren Anträgen weder zu Gunsten des Herzogs vonSavoyen, nach des Duc »tz deMercoeur etwas ausrichten könnten, und äu» ßerte zuletzt, daß ihn dieses, seiner Meinung nach sehr zli«!!, sonderbare Benehmen, nicht wenig befremde. Als der lnch Legat sah, daß man ziemlich laut zu sprechen anfieng, ch,7i, und daß man den Herrn von Bellievre nicht recht >«„ , verstanden habe, der vielleicht mit allem Fleiß nicht ch.'« besser verstanden seyn wollte, so schlug er sich ins Mit» tel, jagte, der ganze Streit beruhe bloß auf einem Mißverständniß, und fieng nun an, die Rede der Herrn jM von Vellievre wörtlich zu wiederholen. Im We» sentlichcn sagte er, sey dieselbe des Inhalts: die Voll» h,. machten der Deputaten seyen zwar in Rücksicht dessen, M was die Verbündeten betreffe, auf der einen Seite ganz Mt zureichend ; da er aber befürchte, das worauf man an- M. getragen habe, daß nemlich der Cardinal von Oester» reich sich hatte anheischig machen sollen den König von I, dir. Spanien zur Ratification zu bewegen, möge vielleicht noch nicht hinlänglich seyn; so sey er auf den Gedanken ^ , gekommen, seinem Könige hiervon Nachricht zu geben. Es sey gar nicht zu läugnen, daß die Sache hierdurch eine ganz andere Wendung bekommen habe; denn der König von Frankreich habe von jeher darauf bcstan- M ben, daß gar keine Zusammenkunft veranstaltet werden ' ""^fcrn die Deputieren nicht mit hinlänglicher Voll» ^ wacht, selbst in Ansehung der Verbündeten, versehen wären. Nachdem der Legat dies gesagt hatte, kehrte er ^ z ^ Men General der Franziskaner, und fodcrke ,5 ber Versammlung zu eröffnen, was ihm der 's«> i von Frankreich über diesen Umstand inSbeson» ,«> habe. Der General bekräftigte alles, was ^ ^ut zu erkennen gegeben hatte, und wiederholte umständlich, waö den Chef der Verbündeten in dieser -5 Rück- 76 '' — ^ Rücksicht betraf. Hierdurch wurden die spanischen De« putirte» wieder beruhigt, und sagten: waS die Hvllän- der angehe (kenn so pflegen sie die Staaten gewöhnlich zu nennen so hätten sic allerdings etwas in Händen, das zu deren Genugthuung zureichend seyn werde. In Ansehung Englands waren sie aber der Meinung, daß es bey dem wozu sie sich verstanden hätten, bleiben müsse, indem ihnen Seine katholische Majestät zu Abschließung dcS Friedens mit England aus dem Grunde keine Vollmacht hätten crtheiien können, weil der König von Spanien, zur nemlichen Zeit, wo er die Vollmacht zuAbschließungdesFriedenstrakcatsmit Frankreich ausgestellt habe, von der Königin von England Mit einer Armee angegriffen worden scy, und folglich cS die Würde Seiner katholischen Majestät nicht gestatte, eine Vollmacht zu Fricdcnöunterhandlungen mit einer Person auszustellen, die nicht nur von niedrigerm Rang sey, sondern ihn noch überdies bekriegt, und jenes Verlangen nicht einmal geäußert habe. Die Franzosen ließen cs sich zwar nicht merken, ob sie mit diesen Ausflüchten zufrieden seyen oder nicht; doch sprachen sie nunmehr aus einem gemäßigter« Tone. Uebrigens schien dem Legaten gar nicht daran gelegen zu seyn, daß der Punkt, wcl- eher die Absendung eines Eilboten nach Spa nien betraf, von neuem berührt werden solle. Deswegen suchte er die Sache so zu vermitteln, daß die spanischen De- putirten nichts dagegen einzuwenden hatten, als erden Vorschlag that, deswegen an den König von Frankreich zu schreiben. Sie Höften nemlich, daß dies, wie es sich bisweilen in mehrern Fällen ereignet, bloß um mehrerer Sicherheit willen, und keineswegs in der durchdachten Absicht geschehe, die Sache auf diese Art durchsetzen zu wollen. Als er nun merkte, daß die Ge- müther wieder ein wenig ruhiger geworden waren, traf er die Veranstaltung, daß der Friedenstraktat von Cam- ----- - - 77 Eambrcsis vom Dydor abgelescn wurde. Ec war in französischer Sprache geschrieben, und ward auch in dieser nemlichen Sprache verlesen; der Legat aber hatte ihn vorher ins italiä, ische übersetzt, so daß er ihn eben» falls durchaus verstand. Es brauchte eben nicht viel Kopsbrcchens, um nach Verlesung dieses Traktats die Art und Weile zu beurtheilen, wie man bey der mehrerwähnten Zurückgabe verfahren muffe. Mir Bewilligung beyder Parteien (obgleich der Herr von Bellie- vre in Ansehung der Zeikfnst nicht ganz mit einstim« men wollte) ward demnach festgesetzt, daß, sobald der König von Frankreich die Ratifir..kwn von sich stellen würde, jwey Monate nachher die Plätze Calais und Ardce 6 wieder znrückgegeben werden sollt, n. Dieser T>rmm sollte an eben dem Tage seinen Anfang nehmen , an welch m Seine Allerchristlichste Majestät den Friedenötraktat beschwören würden. Die drey andern Plätze, nemlich Dourlens, le Cattelet und la Capelle, wollte man ihm nach Verlauf von ungefähr drey Monaten ebenfalls überliefern : Loch ward diese ^eit«; frist nicht pünktlich bestimmt. Gedachte fünf Qerter sollten dem Könige von Frankreich mit allen darin vorgenommenen Verbesserungen übergeben werden; zu« vor aber sollte der König von Spanien die Sache der Soldaten, welche darin in Menrercy waren, ausmachen; auch sollten die Spanier ihre sämMtllche Artillerie zurücklassen, welche sie dasebst hätten. Ferner inachten sie sich anheischig, die Festung Bl avet zu schleifen. La dies jedoch so geschwind nicht geschehen könnte, so verlangten sie, man solle nicht zu sehr darauf drängen, son« dern ihnen Zeit lassen, dießfalls die schriftliche Ratification aus Spanien einzuholcn, indem sonst der Comman- dank dieses Platzes weder den Abmarsch der Besatzung, noch die Demolirung der Festungswerke g statten könne. Die Franzosen bezeigten ihr Vergnügen über die- ft 78 se Bedingungen, machten über das Versprechen der Spanier nicht die geringste Bemerkung, sondern trugen bloß darauf an , daß bis nach erfolgter Zurückgabe besagter fünf Platze, und Demoiirung der Festung Bla- vct, von Seiner christlichsten Majestät Geißeln gegeben werden möchten, deren Wahl übrigens Deneaseiben gänzlich freygestellt bleibe. Dies ward nach einigen unerheblichen Einwendungen versprochen. Nun schien endlich Herr von Bellievre wieder völlig zufrieden, wiewohl der Punkt, welcher die Artillerie berraf noch nicht gänzlich berichtigt war. Weit wichtiger war jedoch dies, daß die Franzosen nun zutraulich wurden, und für bekannt annahmcn, daß man aufrichtig mit ihnen zu Werke gehe. Zu guter Letzt ward noch beschlos- sen, baß Tags darauf keine Ditzung ftyn solle; denn sie bedurften Zeit an ihren König zu schreiben, und einen Eilboten an ihn zu senden. Die Spanier begaben sich zuerst weg, und als der Legat merkte, daß sie noch einigen Anstand nahmen , sagte er zu ihnen, sie könnten ja des andern Tags eine Privatunterredung mit ihm haben, welches sie auch gleist) zufrieden waren. Er unterhielt sich dann noch eine Zeirlang mit den Herrn von B e k- lievre und von Silleri, die unter andern zu ihm sagten, er könne gewiß versichert jeyn, daß ihnen die Königin von England keinen Strich durch die Rechnung machen werde, nur möge er es ihnen nicht verübeln, daß sie vorher die Antwort deS Königs erwarteten. Sie sprachen überhaupt sehr freymüthig von dieser Königin, und wiederholten von neuem, was st bereits in der Versammlung gesagt hatten; daß nemlich der König von Frankreich ganz und gar nicht von der Königin von England abhange, und daß die Angelegenheiten gewiß nicht nach ihrem Gutdünken gehen würden. Hierauf ^arcn sie den Legaten, er möchte doch die Verfügung treffen, daß diese Ncgocracion geheim gehst- b! iiiÄ kl! All AS! halten werde. Zu dem Ende solle er selbst auf solche Personen achten, die nicht mit in der Versammlung zu- Agen wären; denn sie wußten mehr als zu Wohl, daß ,nan oft nach Paris schreibe, und aüerley wahre und falsche Dinge durch einander Vahin berichte, die den Unterhandlungen zum größten Nachtheil gereichten. Der Legal, welcher überzeugt war, daß dieser Rath eben so nützlich als nvrhwendig sey, nahm gleich nach Entfernung der Franzose»Gelegenheit, hierübermitdcn Prälaten zu sprechen, die sich in seinem Gefolge befanden, und ihm als äußerst neugierige Leute bekannt waren. Er gab ihnen daher zu verstehen, sie würden sehr wohl lhnn, wen» sie sich des alizuhaufigcn SchreibenSenchiclten, m,y zwar aus mehrern Gründen; hauptsächlich, weil üe oft scldst nicht wüßten, w--S sie schreiben, mithin Wahres mW Fabchcs durch einander mengten und eben dadurch dem Gange Der Geschäfte die größten Hindernisse in den Weg legten. Er wisse mehr als zu gut, was für Unheil sie wäyrcnd ihres Aufenthaltes zu S ai n t - u en- tin durch ihre Klätschereyen und Schvribereyen gestiftet Härten; dies sollten sie blc'ben lass?», denn es üp mehr als jemals von der äußersten Wichtigkeit. Es werde ihm gar nicht schwer falbn, diejenige welche seinem Befehl zuwider handelten, zu entdecken, da er hier- bey nur seine ehemaligen Erfahrungen zum Grunde legen dürfe, und er versichere sie hoch und theuer, daß er jeden, der sich hierin nur daS geringste zu Schulden kommen ließe, sehr schlecht bei) dem Pabste empfehlen würde, dessen Dienst ihm so wichtig sey, daß kr ohne die geringste Schonung zu Werke gehen werde. Kein einziger von allen diesen Leuten getraute sich nur ein Wort zu crwiedcrn ; aber jeder glaubte nur sein Gewissen zum Zeugen zu haben, und suchte daher zu errathen, wm denn der Legat wohl eigentlich meyncn möge; denn er hatte ganz im Allgemeinen gesprochen, und ohne sich 80 ^ SN jemand ins besondere zu wenden. Sie nahmen es al. so sehr übel, und führten die bittersten Klagen darüber. Des folgenden Tags begaben sich die Spanier wieder zum Legaten, und zwar in der größten Verlegen, heit; denn sie glaubten nicht anders, als die Franzose» wollten keinen Frieden. Am nemlichen Morgen hat« ke» sie sich gegen den Franziskanergeneral bitterlich hierüber beschwert, und es folglich nicht blos bey dem bewenden lassen, was sie bereits in der Versammlung zu erkennen gaben. Der Genera! hatte den Legaten von dem ganzen Vorgänge benachrichtigt. Dieser suchte sie daher, alS'sie zu ihm kamen, auf das bündigste zu überzeugen, daß di. Franzosen den Frieden aufrichtig wünschten, und daß dieselben, wie sie selbst bemerkt haben würden, mit den vorgeschlagenen Bedingungen vollkommen zufrieden wären. Er fügte hinzu , daß es den Franzosen zu weit größerm Nachtheil als den Spaniern gereichen würde wenn sie die Friedensvorschläge nicht annehmen wollten; denn die Zusammenkunft, welche sie veranstaltet hatten, habe bereits bey allen ihren Verbündeten Argwohn erregt. Nach seinem Dafürhalten habe der Herr von Bellievre blos deswegen gegen ihre Vollmacht in Betref Englands einige Einwendungen ge> macht, damit die Ehre seines Herrn nicht auf das Spiel gesetzt werde. Dies lasse sich aus allen den Aeußerun- gen schließen, die er sowohl in offener Versammlung, als gegen ihn ins besond ere von sich gegeben habe. Daß die Franzosen verabredekermaßen Willens seyen nach Hofe zu schreiben, müsse sie ganz und gar nicht befremden, indem die Angelegenheiten eine ganz unerwartete Wendung genommen hätten; denn ihre Vollmachten wären ja von der Art, daß si dadurch gar nich-s zum Behuf ihrer Verbündeten bewirken könnten, worauf sie doch an- gttragcn hätten, und welches der König von Frank- xrich ausdrücklich begehre. Sie könnten ja leicht cr- ^ achten, daß man blaß deswegen auf allerlei) Mittel sinne, damit man nicht nöthrg habe, Depeschen nachSpa- ^lch, nien zu senden ; denn die Franzosen selbst harten ihn R>A, Harum ersucht, und juckten nur hierdurch den Termin wegen Zurückgabe der Platze zu verkürzen. Durch die» rgüch se Vorstellungen des Ugalen, wurden die spanischen lichsl«, Deputirten wieder völlig beruhigt. Sie fragten nun» dkin s,, mehr, was er denn eigentlich von den Verhandlungen i,'mg ji mit Savoyen halte. Der Legat versetzte, die Frau» lm « zosen würden zwar zugeben , daß dieselben in Vortrag ichts, kamen, doch wollten sie den ehemaligen Traktat schlech» »Ärst kerkings nicht zum Grunde gelegt wissrn. Ganz un« Msch verholen hatten sie ihm gesagt, sie verlangten das Mar» - «VA- qmsat Saluzzo zurück und würden keineswegs gcstat» m« ken, daß man das Interesse der beydcn Kronen mit jenem MD keö Herzogs von Savoyen zu gleicher Zeit in Erwä- zM gung ziehe. Die Deputirten statteten hierauf dein Le, Md«> Men ihren Dank ab, und gierigen von ihm, sehr zu- ««sli siieden, wie man in der Folge vom General der Frau» i^kaner vernahm. schk« ihttÄ W«"s ksSZsl 'S Am dreyzehnten war keine Versammlung, weil Herr vonBel! icvre Arzney genommen Harke. Des andern Morgens ward wieder Versammlung gehalten, mehr damit das Aussehen derselben kein Auf» sehen erregen solle, als wegen einer andern Ursache. In der That konnte man noch keinen bestimmten Entschluß fassen, weil man auf Antwort vom Könige war» t"c, der unlängst nach Fontainebleau gereist war. Inzwischen brachte man doch in Vorschlag, daß in dem Frieden, welchen die bcyden Kronen mit einander schlichen würden, auch diejenigen mit begriffen seyn sollten, welche sich auf Antrieb der Könige den Unwillen dieser »der jener Partcy zuaezogen harren; so auch der Cardi- N.Denkwürdigk.XIV. B. F nal 82 nal von Oesterreich, wofern ihm der katholische König etwa Flandern überlassen werde. Der Legat machte diesen Antrag auf Ersuchen der Spanier, und er ward von den Franzosen ohne Anstand genehmigt. Die Deputaten des besagten Cardinais gierigen zuerst fort, die Franzosen aber blieben bis zuletzt da. Jetzt suchteder Legat von ihnen zu erfahren, was sie wohl von der Antwort des AllerchristlichstenjKönigs erwarteten. Ihre Antwort war: sie Höften daß sie gut ausfallen lwcrde. Der Legat erwicderte: anders kann es auch nicht seyn ; denn ihr habt ja nun alles, was ihr begehrt. Sie versetzten: dies sey wohl wahr, doch wünschten sie noch, daß der Termin wegen der Zurückgabe verkürzt werden möge. Der Legat antwortete: ihr begehrt, man soll ihn verkürzen, und dennoch wacht ihr die Versammlung unschlüssig, weil ihr daraus besteht, daß man in Ansehung dessen, waS England bctrift, keinen Eilboten nach Spar nien sende.. Darauf sagten sie: dies könne doch, ihrem Ermessen nach, weder die Unterhandlungen noch die Beschlüsse der Versammlung verzögern ; doch wollten sie dies keineswegs mit Gewißheit behaupten, weil alles aut die Antwort Seiner Majestät ankomme, von welcher sie inmiltcist das Beste Hüsten. Der Legat gab ihnen zur Antwort: sie mochten doch ja nicht länger befürchten daß man in dieser Sache nicht aufrichtig mit ihnen verfahre. Sie entgegnetcn: davon waren sie vollkommen überzeugt, und ebendeswegen bäten sic den Legaten , er möge es doch so emleiten, daß der Termin der Zurückgabe verkürzt würde; denn ihr König sey etwas argwöhnisch, und es werde nicht wohl gcrhan sepn, denselben in seinem Mißtrauen zu bestärken. Sie entfernten sich endlich, ohne daß man vorher ausgemacht hatte, ob des andern Tags Versammlung seyn solle, oder nicht. Da nun der Franziskaner General dem Legaten am folgenden Morgen weiter nichts gesagt hatte, als 8Z als daß er es '5m zu wisien thun werde, wann wieder' Versammlung gehalten werden solle, und da der Legat noä> übcidies eine» Anfall von Steinschmerzen bekam, so begab er siel' zu Deck. Kaum batte er sich hingeleqt, als die französischen D'putirtcii »»kamen. Der Legat glaubte, sie iroütcn sich blaß nach seinem Bisinden er« kundigen, und ließ sie vor sich. Bald daraur trat der "Äs Franziskaner-General herein, und meldete ihm, die DttlP Spanier wären cheniallsda, um Versammlung zu hal- ten. Jetzt bckla teeS der Legat, daß man ihm dies nicht tK.' l«i zu wissen gethan habe, und wollte sich sogleich ankleiden, weil die gewöhnliche Rangordnung schlechterdinaö nicht Äk beobachtet werden konnte, wenn er, nn Bett- liegend, kitW Audienz gab. Dir Franzosen aber ließen ih. durchaus W- nicht aulstehen, denn sie freute» sich heimlich, daß keine Versammlung war. Der General erhielt dcm- hTf» nach den Auftrag, die andern nicht ins Zimmer zu las« Mlch sm, welches er auch ohne Veühe bewerkstelligte. Der >ig!»i«L Legat unterhielt sieb sehr lange mit den Franzosen, und ch«M Tags darauf, als am fünfzehnten d-icseS MonatS, er« Mililil theilce er den Spaniern eine ähnliche Audienz. Er- war nun völlig überzeugt die ganze Schwierigkeit, wckche den Schluß der Iriedensunkerhandlungen verzögere, bce giliziiil siche bloß darin, daß die Franzosen den Herzog von MS- Savoyen nicht Mit im Traktate begriffen wissen Moll« ken, die Spanier aber darauf bestünden; ferner, daß d>e Fra»zv>e» das Ma-quifw Saiuzzo verlangten, "''d daß solches der Herzog von S a v v v e n nicht her« üusgeb>',i wolle; endlich daß die Franzosen auf der Ab« P, lt kürzung des Termins wegen d- r Zurückgabe der erwähn« tcn Plätze beharrten, in,d daß die Spanier dagegen ein« Endeten, dies stehe nicht in ihrer Gewalt. So war - die Lage der Sachen in jenem Zejtpm kte, wo man die Antwort des sia>!zösi''che-, Hofs crwnrr.te die nun last dicht länger auSbleiben konnte. Der Legat hatte von ^ ^ F 2 Dom 84 -------------- Dom Pietro Ursino vernommen, der Herzog von Savoyen habe gegen ihn geäußert, er werde zwar keineswegs daS Marguisat Saluzzv abercte», um dadurch den Frieden zu befördern; doch wolle er auf andere Mittel denken, um sich mit Frankreich zu vergleichen; übrigens wisse er mehr als zu gut, daß dir Legat für die Abtretung des besagten Marquisateö ge. stimmt habe. Dies war aber weiter nichts als eine bliche Einbildung, die sich der Herzog in den Kopsgesetzt hatte; denn bis dahin, und wahrend des ganzen Kriegs, harte der Legat noch kein Wort davon erwähnt, wieerdenn überhaupt gar nicht sagte, der Herzog müsse das Mar- guisac herausgebcn, sondern nur du Franzosen verlangten dasselbe zurück ; und selbst damals als er dies sagte, konnte es der Herzog nicht einmal wissen. Dcmungeach. ltt fuhr diese Sage dem Legaten sehr vor den Kopf; doch unterließ er deswegen nicht, alles Mögliche anzuwcn- den, um den Herzog ebenfalls zu einem v ergleich >.n bewegen. Mittlerweile ward Herr von Bellievrc krank, und da der Eilbote bis zum zwanzigsten auöblieb, so wurde bis dahin gar keine Versammlung gehalten. Der Legat beschäftigte sich inzwischen damit, den Spa. uiern ihren Verdacht und Argwohn zu benehmen. Ec bediente sich hierzu des Franziskaner Generals, der, ob cs ihm gleich vorkam, als wenn die Franzosen nicht recht Wik der Sprache heraus wollten, (welches ihm verdächtig war) doch diese Bemühung aus Zureden des Legaten übernahm. Wäre der Legat bcy diesem Geschäft hitziger zu Werke gegangen, hätte er die Geduld verloren; so würde sich dasselbe nachaller Wahrscheinlichkeit gänzlich zerschlagen haben. Denn, entweder hätte er den Schein der Parteilichkeit gegen sich erregt, öderer hatte sich gefallen lassen müssen, daß die dabey interessieren Parteien alles durch ihr wechselseitiges Mißtrauen unter sich selbst verdarben, weil sie immer in dem Wahn standen, 8 Z standen, die eine suche die andere zu betrügen. Der Legat suchte ihnen aber diesen Argwohn immer wieder 'A»,«!, zu benehmen, weil er für seine eigene Person überzeugt me, daß man aufrichtig verfahre, und wirklich die "sich z, Absicht habe, den Frieden wieder herznstellen. Dcswe- gen gab er auch nie den Rathlchlagen derer Gehör, die, Hl!!,- ohne dazu berufen zu seyn, ihm zumutheten, er solle 'MkilH sich stellen, als ob er mit dem Verfahrendes Allerchnst- lichstcn Königs gar nicht zufrieden sey, und was der« ikljS, gleichen mehr war. Er hielt nenstist) immer, und zwar E» mir Recht, dafür, daß diesS große Werk nur durch ns M, Geduld und Parteilosigkeit zu einem glücklichen Ende ge« O/suz, bracht werden könne. >«zrM- nzlich? ; »kV Um den fernem Inhalt dieser Geschichte verständlich zu mach « , muß hier die Bemerkung eingerückt werden, daß sich die französischen Deputieren dcö nem- lichen Tags, an welchem der Eilbote zurück kam, in aller Frühe zum Legaten verfügten, und demselben zu er« kennen gaben, ihrKönig sei) zwar noch immer zum Friede» geneigt, und nehme zu dem Ende die vorgeschlage- ncn Bedingungen ohne alle Einschränkung an, doch si'Y er zugleich der Meinung, daß man nicht wohl umhin könne, einen Eilboten nach Spanien zu senden, damit der ka.holische König eine hinlängliche Vollmacht verfertigen laste, um auch mit England Friede zu schließen. Dies sey eine Sache, welche Jhro Majestät gleich von Anfänge für unumgänglich nothwcndig gehest- len hakten, west das Versprechen des Cardmalö von Dcstcrreich, den Frieden vom Könige von Spanien rarisiciren zu lasten, keineswegs hinreiche. In» dessen wolle der König, wie bereits gesagt, die Fne- deneuntn Handlungen, wcäche mittlerweile zwischen den begden Kronen fortgesetzt werden möchten, keineswegs Unterbrechen; cS könnten vielmehr die Artikel; wel- F 3 che 86 —— —r che dieselben angiengen, einzeln in Ordnung gebracht, je nachreai hie Parteien mit einander übereinkamen, unterzeichnet, und sodann, bis nach erfolgter Antwort aus Spanien, in die Hände deö Legaten veponirt werden, damit sie von demselben sorgfältig aufbewahtt und geheim gehaltm würden. Hierauf ertheilken sie dem Pabste sehr große Lvbsprüche, und dankten dem Legaten im Namen des Königs für seine Mähe und Geduld, mit dem Bepfügeu, sie wollten nun auch in Rücksicht der Staaten nicht das geringste mehr verlangen, und zwar um so mehr, da, was man ihnen deswegen im Traktat zugestandcn habe, schon hinlänglich sey; übrigens mäste jener Eilbote auf jeden Fall schlechterdings abg fände werden, weil er zugleich die schriftliche Ratification dessen mitbringen solle, was die Zurückgabe von Blavct betreffe, um sodann den Beschlich', welcher diesfalls gefaßt worden sey, vollstrccken zu können. Auch gaben ste ihm zu erkennen, daß ste eS sehr grrn iahen, wenn die spanischen Deputirten von diesem all- m gehörig unterrichtet würden, bevor man wieder zusammen käme, damit sie der Absendung des Eilboten um so weniger einige Hiuderniffe in den Weg legen möchten, welches sich jedoch gar nicht vermachen lassh da sie bereits in voller Versammlung erklärt hätten, daß er abreiscn und in wenig Tagen wieder zurückkommen solle. Dieß alles ließ der Legat den spanischen Depu» kirten durch den Gen-wal der Franziskaner hinterbrin- gsn; auch traf er zugleich die Verfügung, daß sie des andern Tags sich samt und sonders in der Versammlung emfiadcü sollten. Wie sic sich eben dahin begeben wollten, ereignete sich ein Umstand, der die gewöhnliche Ordnung unterbrach. Die Franzosen wollten ncmlich nicht in das Zimmer, damit der Legat vor ihrem Eintrittcrsii Zeit hätte, mit den andern zu sprechen; denn sie wußten noch nicht, daß er denselben bereits alles Obige zu wissen 87 )k lisch !in V kq«! ich ft; M, 7 - »z» l» ft' >-!!; I»>m §!z >R ^,s hik!!^ tS^ „'1 »«5 »? wißen gethau hatte. Die Spanier hingegeri warteten darauf, daß sich die Franzosen zuerst hinein begeben feilten. Als der Legat dies gewahr wurde, ließ er sie Men hinein zu kommen, welches sie auch thaten. Die Staatsgrnblec schloffen hieraus, es muffe sich ein Rang, sireit erhoben haben , und machten dies auch öffentlich bekannt; cs war aber gleichwohl nicht wahr. Nach- dem nun die ganze Gesellschaft beysammen war, mach, te Herr von Bellievre, und zwar in einem viel sans- tern als seinem gewöhnlichen Tone, die Antwort des Allerchrisilichsten Königs auf eben die Art bekannt, wie er sic bereits dem Legaten vorgelragcn hatte. Die Fla. mändcr hörten ihm sehr aufmerksam zu, besprachen sich sodann mit einander, dankten sehr höflich, und nahmen die Antwort, welche man ihnen so eben bekannt gemacht hatte, an. Nur verlangten sie einen Tag Aufschub, um die Angelegenheit wegen des Eilboten in Ueberlegung zu nehmen. , Auch erwähnten sie des Duc de Mer- coeur, versuchten in seinem Namen zu negos ziren, und erboten sich, ihm hiervon Nachricht zu ge. den. Die Franzosen lehnten dies geradezu ab, so daß nicht weiter von der Sache gesprochen wurde. Nun kam auch die Rede auf den Herzog von Savoyen. Und jetzt zeigten sich die Franzosen gar nicht mehr abge- neigt, mit ihm in Unterhandlungen zu treten, so sehr sie ehedem sich dessen geweigert hatten. Die Ursache war; der Legat hatte sie hiezu bewogen, und sie waren so ziemlich von dessen Beweggründen überzeugt. Die Versammlung gieng hieraufauseinander, doch mit dem Vorbehalt, sich des andern Tags wieder einzustellen. An diesem Tage nahmen die Flamander, welche sich Bedenkzeit ausgebeten hatten, die Antwort des Allerchrist- lichsten Königs ohne alle Einschränkung an, und ga« öcn nicht nur ihre Einwilligung zur Abfassung und Unter schrift der Artikel, sondern auch zu Niederlegung dersel- 8 4 ben 88 -------------- ben in die Hände des Legaten. Sic hätten, sagten sie, Briefe vom Cardinal von Oesterreich in Händen, wollten demzufolge den Eilboten nach Spanien ab. fertigen, und er scy auch wirklich zur Abreise bereit; da man jedoch vermittelst jener Depesche die schriftliche Ratification aus Spanien herbcpschaffcn solle, welche auf die Demoliruug von Bl avet Bezug habe, so müsse man vorerst noch anderweitige Briese von dem bc. sagten Cardinal begehren, welches so geschwind als möglich geschehen solle, und dann würden sie den Eilboten ohne den geringsten Verzug abgchen lassen, um sowohl jene Angelegenheit zu berichtigen, als auch die bcnöthig. re Vollmache in Betreff Englands beyzubringcn. Dies waren die Franzosen zufrieden, und der Legat machte sich anheischig, die FriedenSartikcl in seine Verwahrung und Obsicht zu nehmen, sobald dieselben von den Parteien genehmigt und unterzeichnet ieyn würden. Die Franzosen brachten nun die Zulassung dcssavoyi- schen Gesandten in Vorschlag, »ach welcher sie bis dahin kein Verlangen gezeigt hatten. Noch ward beschlossen, die Friedensartikel aufzufihen, weswegen TagS darauf, am 2gtcn, keine Versammlung seyn sollte, damit man die Zwischenzeit dazu anwenden könne, dieselben zu Papier zu bringen. Jeht ficngen die Franzosen ans einmal an viel nachgiebiger zu werden, als sie bis dahin gewesen waren. Hieraus läßt sich schließen, daß sic mi klerw.ilc weit unbcschrärrktcre Aufträge erhalten haben mußten. Waiden Duc de Mercocur bekehr, so machten oie Spanier einen abermaligen Versuch, sich für ihn zu verwenden« Es ward aber beschlossen, daß die Unterhandlungen mit ihm noch eine Zcitlang ausgeseht bleiben sollten, weil man allgemein glaubte, daß er sich dem Allcrchristlichsten Könige unterwerfen werde, wofern er es nicht schon gcthan habe. AlS 8Y !V>H/ si> ' Eliki wpnj! iM^'> liw-L r «rA- k»» stkttf rviüfi^ >>.>, !.ft ft« Ä ,.j4- jÄ'« isikqi«? V-ds Als der Aufschubötag vorüber war, versammelte Man sich abermals am 24. deä ncmlichen Monats. In dieser Zusammenkunft rceapitulirten die Franzosen alles, was bereits verhandelt worden war. Man solle nein- lich, sagten sie, die Artikel so abfassen, daß man sich vermöge derselben einen erwünschten und dauerhaften Frieden versprechen könne; solle denselben so viel möglich verbürgen; vor allen Dingen aber dafür sorgen, daß einer so wichtigen Negoziation keinen Hindernisse in den Weg gelegt würden. Sie verlangten, daß man den Termin wegen Zurückgabe der Platze wenigstens um einen Monat abkürze; sagten, derAllerchristlichsic König wünsche, daß man ihm, wo nicht die ganze Artillerie, doch wenigstens die Hälfte derselben überlassen möchte, und daß man die Friedcnsartikcl so geschwind als möglich unterzeichne, um sie alsdann, der Abrede gemäS, dem Legaten zu treuen Händen zu überliefern» Richa r- dot antwortete, man könne den Termin der Zurückgabe aus dem Grunde nichtabkürzcn , weil, seines Erachtens, die hierzu erforderlichen Befehle nicht früher ertheilt werden könnten; denn es befänden sich anftührische Soldaten in jenen Plätzen, und es scy nicht mehr denn billig, daß dieselben, um die Achtung ihres Königs zu erhalten , auf sine oder die andere Art bestraft würden. Die spanischen Deputieren verlangten diesen Aufschub in keiner andern Rücksicht, als um allen und jeden Erfordernissen völlige Genüge zu leisten; denn da sie jene Plätze doch einmal zm ückgebcn mußten, so erheische cs ihr selbst- eigener Vortheil, dies je eher je lieber zu thrw, theils um die Unterhaltungskosten los zu werden, rhc'.ls auch in mancher andern Rücksicht, die man sich leicht denken könne, indem das Interesse des Cardinals von Dcsierreich deutlich genug vor Augen liege. Die Franzosen waren hiermit gar nicht zufrieden, sondern machten vielmehr die Einwendung, vermöge des Frie« Z Z denS K0 —.. 2 dens von Cambrai hatten dergleichen Zurückgaben binnen Monatsfrist erfolgen muffen, und endlich vcr- langkn sie, man solle jenen Termin doch wenigstens um vierzehn Tage verkürzen. Die Spanier blieben unerbittlich ; als aber der Legat und der General der Franziskaner sich ins Mittel schlugen, gelang es diesen, die Sache dahin zu vermitteln, daß, da vorher die Rede davon war, jene fünf Qerter auf zweymal, nemlich Calais und Ardrcs binnen zwey Monaten, die drey andern aber einen Monat später zurückzugeben, nun- mehro festgesetzt wurde, daß alle fünf in den nächsten zwey Monaten abgetreten werden sollten , wodurch denn dem ganzen Hader ein Ende gemacht wurde. Was Blavet betrift, so thaten sich auch hierin Ansehung der Frist allerlei- Schwierigkeiten hervor, binnen welcher die Besatzung hcrausgezogen, und die Festungswerke geschleift werden sollten. Die Franzosen dünkte der Termin von drey Monaten zu lang, und die andern wollten durchaus nichts davon Nachlassen. Als der Legat wahrnahm, daß die Deputirten hierüber nicht einig werden konnten, sprach er mit einem nachdem andern, und suchte den Franzosen durch die bündigsten und wirksamsten Vorstellungen begreiflich zu machen daß sie in Rücksicht dessen, was Blavet betreffe, ganz ruhig seyn könnten; denn da man ihnen die erwähnten fünf Plätze in der Absicht abgetreten habe, um hierdurch die Wiederherstellung des Friedens zu bewirken, so scy eS wider alle Wahrscheinlichkeit, daß man hintennach noch Schwierigkeiten machen werde, tzie Festungswerke von Blavet niedcrzureißen, indem ja die Spanier nicht den geringsten Vorthcil davon hätten, wenn ste nach der Uebergabe jener Städte nur Blavet zurückbehalten wollten, ohne daß der Friede zn Stande käme. Samt- ^ Ll, "Miij lch t« eii/ im> »>iG« § tm zieel» ^l>» L Ü>Ü iduniidl^ mibdi! jure«! ---------- y. Sämtliche Deputirte waren mit dieser Vorstellung zufrieden; übrigens blieb es dabey, daß Blavet jn Zeit von drcy Monaten geschleift werden solle; doch fügte man die Versicherung hinzu, diesen Termin nach Beschaffenheit der Umstände vielleicht zu verkürzen, womit denn auch die Franzosen sich begnügten. Zugleich ward beschlossen, daß der zweymonallichc Termin von dem Tage an gerechnet werden solle, wo die Fricdcnsar- tikel unterzeichnet würden. In dieser Zwischenzeit wollte man die Sache dergestalt einleiken, daß der zwischen bcyden Kronen geschlossene Friede, sowohl von dem Könige von Frankreich, als auch vom Cardinal von Oesterreich feyerlich beschworen, und sodann die Ratification des Königs von Spanien ebenfalls beyge- bracht würde. Bey dieser Gelegenheit war abermals vom Herzoge von Savoyen die Rede, und die Franzosen trugen von neuem darauf an , den Gesandten des- selben kommen zu lasten. Der Legat bestimmte hierauf den Tag zur nächsten Versammlung; was aber den streitigen Punkt wegen der Artillerie betraf, so konnten es die Franzosen noch immer nicht dahin bringen, daß man ihnen, wenigstens aus Höflichkeit, einen Theil derselben überließ. Dies alles ward ein für allemal protokollirt, ausgenommen die Friedcnsartikel. Der 2; sie Februar gieng vorüber, ohne daß Versammlung gehalten wurde, wiewohl er dazu bestimmt war. A» diesem Tage kam nemlich der Eilbote von Brüssel mit den erwarteten Briefschaften und Unterschriften an. Die Spanier wollten dieselben den Fran- zojen gern vvrzeigen, und verfügten sich daher zu ihnen; so daß der ganze Tag über dieser Beschäftigung verstrich. Man besorgte die erforderlichen Ausfertigungen, und des Y2 ^. des andern Morgens ward der Eilbote nach Spanien abgesandt. Der Umschlag seiner Depesche war mit dem Petschaft des Legaten versiegelt, und die Adresse an den xäbstlichen Nuntius gestellt, der sich am Hofe des Königs von Spanien aufhielt; denn die Franzosen wollten nicht zugeben, daß sie unter dem Namen des Königs von Spanien durch Frankreich passiccn sollte, wiewohl übrigens das ganze Paket nicht daS geringste von dem Legaten enthielt, als nur den Umschlag. Den 26 war wieder Versammlung, und in derselben verlangten die Franzosen, Cambrai solle wieder für neutral erklärt werden, wie ehedem, als es die Franzosen noch nicht in den Händen halten. Man stritt sich lange hierüber, ohne zu einem bestimmten Entschluß zu kommen, wiewohl cs übrigens klar genug war, daß Karl der Fünfte diese Festung vor Zeiten besaß , und ob man gleich mit ziemlicher Gewißheit behauptete , die Bewachung der Thore habe lediglich von seiner Willkühr abgehangcn. Unter andern war auch die Rede von denen Franzosen, welche sich feindselig gegen den König betragen hatten. Man lhat den Vor» schlag, daß sie Vergebung erhalten, und wieder in ihre Güter eingesehet werden sollten. Gegen diesen Antrag harte Herr von Bellievre allerlei)) einzuwenden. Ec sagte ncmlich: da sie Vasallen des Königs von Fran k- reich wären, so müßten sie ihre Begnadigung ganz allein von diesem, und keineswegs von der Vermittlung des Königs von Spa.nien erwarten, dein sic ohnehin nicht den geringsten Dienst geleistet hakten, indem sic weiter nichts als Ueberläuser scpcn. Dcmun- geachtet schien er nicht hartnäckig aufdiescm Widerspruch zu beharren, weil die Anzahl dieser Leute nicht gar groß, und Herr von Au male (dessen Güter man nicht ein- mal «ick !>g ke> S li ? !n> L kl! 'l! Ä-i/« 'l« //?» ' kS s,t M« Ep Wi ÜN>^ ?«Sllli! j Mp !I»W. «illtz- kkb«^, «Ali»! z»»z ^ Li^is >. r-«' ' L-k Ul^ ' ---^ 93 ml eingezogen hatte) der einzige vornehme Mann unter ihnen war. Der Legat war der Meinung, daß man von nun sn die Zusammenkünfte so lang einsiellen solle, bis der savvyische Gesandte ankäme, weil Venn doch die Angelegenheiten der beyden Kronen nun einmal in Richtigkeit wären, und zu befürchten sey, daß sich abermalige Schwierigkeiten hcrvorthun möchten, wenn man diese Gegenstände ivon neuem berühre. Man fand daher am Ende dieser Sitzung für gut, die ferner,, Zusammenkünfte bis zur Ankunft des erwähnten Gesandten aus, zusetzen. Dieser langte Tags darauf an, und ward von den Spaniern mit großen Ehrenbezeugungen empfangen. Richard vt und Taxis ritten ihm entgegen , und nahmen ihn m ihre Mitte. Dies machte den Gesandten mehr als zu dreust; denn als des andern Tags Versammlung scyn sollte, wollte er dem Oydor den Rang streitig machen und sich über ihn setzen. Der General der Franziskaner meldete diesen Vorfall dem Legaten, der sich aber nicht darein mischen wollte, sondern zur Antwort gab, sie möchten die Sache unter sich selbst auSmachen, denn sie wären ja alle von einer Par- thic. Es gelang aber dem General, durch Beyhülfe eines seiner Mönche, den er mir nach Vervins gebracht hatte, und der ausdrücklich deswegen abgcschi'ckt worden war, dem Herzoge von Savoyen seine Dienste zu widmen, diese Streitigkeit dergestalt zu vermitteln, daß dessen Gesandter sich endlich dazu verstand, seinen Platz am untersten Ende der Tafel einzunehmen, so daß er dem Legaten gerade gegenüber, und dem General der Franziskaner zur Linken saß. Des andern Morgens vor der gewöhnlichen Versammlungsstunde machte er dem Legaten seinen Besuch, 94 " ' such, bckomplkmentirte denselben km Namen seines Herrn, des Herzogs, und äußerte viel Zutrauen gegen ihn. Am Ende seiner Rede, sagte er, der Herzog von Savoyen sehne sich nach dem Frieden, er gleich noch zur Zeit in offener Fehde begriffen sey. Der König habe ihn mit Brief und Siegel versehen, und er hoffe, Seine Majestät würden ihm, der getroffenen Uebcrcinkunft zu folge gestatten, daß er sich bey allen vorkommenden Streitigkeiten auf die Entscheidung des Papstes berufen dürfe. Der Legat aber wollte nicht recht mit der Sprache heraus, weil er es bey dieser ersten Conferenz nicht für rathsam hielt. Er erinnerte sich nemlich, von den Franzosen vernommen zu haben, daß diese gar nickt gesonnen wären, sich an dasjenige zu binden, was inan dem Herzoge von Savoyen in dem vorhergehenden Fnedenstraktate zugestanden hat- te. Deswegen ersuchte er den Gesandten, er möge dm Gang der Unterhandlungen so viel möglich erleichtern, und ja nicht zu sehr auf seinen Anträgen bestehen, damit das Frredenögeschöst nicht etwan ganz abgebrochen würde. Des nemlichen Tags war eine Zusammenkunft, in welcher es dem Legaten viel Mühe kostete, den sa» voyischen Gesandten dahin zu vermögen, daß er seinen Antrag machte, und solchergestalt den Franzosen entgegen kam, wozu er sich aber doch endlich bereden ließ. Sein Antrag war genau in der nemlichen Form abgc« faßt, die der Legat >hm vorgeschrieben harte. Herr von Bellievrs beantwortete denselben, und fieng seine Rede damit an, daß er alle die Verbindlichkeiten nach der Reihe herzählte, die das HauS Savoyen der Krone Frankreich von jeher und besonders seit Len Zeiten Königs Franz des Ersten schuldigsten. Hiernächst führte er alle die Wohlkhaten,und ehrenvol- ------------ 95 len Verbindungen an, welche dies Haus den Allcrchrist- lichsten Königen zu danken gehabt habe. Dann sprach er von ihrem Recht auf dasMarquisat Saluzzo, von dessen Besitz, und von der Art, wie es an den Herzog von Savoyen gekommen lcy. Hierauf erwähnte er der mehrmaligen Einffkung der Feindseligkeiten, und der wiederholten Friedensvorschlage, bewies, daß der Herzog von Savoyen dieselben nicht ba e annehmcn wollen, und behauptete, sein König sey nun nicht mehr verbunden dasjenige zu erfüllen, wvrüver man damals einverstanden gewesen sey. Dies letztere sagte er jedoch nicht frey heraus, sondern gab es nur zu verstehn. Endlich wandte er sich diesfalls an Heren von Silleri, und foderte denselben auf, von jener Uebereinkunst Bericht zu erstatten, da solche von ihm insbesondere ncgoeirt worden sey. Herr von Silleri versicherte, der Allerchnsilichste König habe darauf angerragen, daß der Pabst die nach dem ersten Friedenstraktate in Betreff des Marquisates Salti zzv noch obwaltenden Streitigkeiten entscheiden solle; auch habe er die Rückgabe von Cental und Chautcau Dauphin, nebst den andern neuerdings hinweggenommencn Ortschaften verlangt, worauf von beyden Parteien Ansprüche gemacht wurden. Er sagte ferner, der Herzog von Savoyen, oder vielmehr dessen Gesandte, Namens Jacob, habe diesen Vorschlag nicht eingehen wollen; zwccn Briefe hier nicht einmal zu erwähnen, wovon den einen der Herzog von Savoyen, den andern aber der König von Frankreich geschrieben hätte, und die alle beyde von großer Wichtigkeit waren. Vermöge des erstem giebt der Herzog seine Einwilligung von sich, dem Pabste die Entscheidung aller Streitigkeiten zu überlassen, und im Myten äußert der König, er sey dies ebenfalls zufrK- den» Beyde wurden zu einer Zeit geschrieben, wo man """ — öffentlich mit einander in Krieg verwickelt war. Der savoyische Gesandte mochte wohl von diesen Briefen ge. hört haben, aber entweder war cr nicht gehörig davon unterrichtet, oder er konnte sich ihrer nickt recht mehr erinnern; genug er übcrgieng dieselben als er dem Herrn von Gilleri antwortet?/ mit Stillschweigen, und bekräftigte hingegen, daß alles, was die Herrn von Bellievre und von Silleri gesagt hätten, wirklich wahr se». Die ganze Versammlung stimmte'dariki überein, er hübe seinen Antrag sehr schlecht unterstützt, weil er bey dem Inhalte des vorhergehenden Friedens» lraktates stehen geblieben sey. Der savoyische Gesand» ke entfernte sich zuerst, wie er denn überhaupt die Ge- wohnhcit hatte, nie in Gesellschaft seiner Anhänger sich cinzustellen oder hmwegzugehcn; denn er craueke nicht recht. Da die Flamander nach seiner Entfernung nichts mehr vorzubringen hatten, giengen sie ebenfalls ihres WegeS, so daß die Franzosen mit dein Legaten allein blieben. Letztere freuten sich nicht wenig darüber, daß sie, ihrer Meinung nach, den savoyischcn Gesandten in Verlegenheit ges-tzk harren. Am nemlichen Abend und des andern Morgens in aller Frühe verfügten sich die Spanier nebst den savoyi- schen Gesandten zu demFranzivkanermönck, besten wir bereits weiter oben gedachten. Ec nannte sich Bruder Francois Martstncngue, war ausdrücklich von Seitechves Herzogs von Savoyen nach VervinS geschickt worden, und lag jetzt daselbst krank. Dieser, welcher weit bester als die Depnnrttn unterrichtet war, übergab ihnen nicht nur Die vberwähnten Briese, sondern auch eine ziemlich lange Rrde, woraus man ersah, daß die Herzoge von Savoyen, weiche nicht nur dw Müls, sondern auch noch -lauge nachher, nicht Herzoge, sondern nur Grafen von Savoyen genannt ^ jy zt Kitz "Gß AP«t< ),?K. k «ich/ Li tzii „annt wurden, seit dem eilften Jahrhundert bis auf die Zeiten Franz des Ersten, von dem Marquis von Saluzzo jederzeit für ihre Oberherrn anerkannt worden waren und die Huldigung eingenommen hatten, und baß die Könige von Frankreich jenes Marquiiat erst seit dem Zeitalter Franz des Ersten besaßen» Sie packten diese Urkunden zusammen, und der savoyi- sche Gesandte, welcher sich auf diese Entdeckung nicht wenig zu gut that, trug sie sogleich zum Legaten» Dieser sah dieselbe durch, fand zwar keine Veranlass sung dem Gesandten Muth einzusprechen, doch wollte er ihn auch nicht Niederschlagen, weil er besorgte ihck mißtrauisch zu machen. Er rieth ihm daher, des an» dernjTogs in der Versammlung davon zu sprechen. Der Gesandte machte aber allerley Einwendungen, und ver» langte, die Franzosen sollten ihre Federungen zuerst be» könnt machen. Diese hingegen waren fest entschlossen- hierin schlechterdings nicht nachzugeben. " Nachdem sich der savoyische Gesandte entfernt hat» Min« te, wußte es der Legat durch Vermittelung des Iran» ^ ziskaner-Generals einzuleiten, daß er sich wieder ein i wenig besänftigen ließ. Die Spanier kamen nebst deni savoyischen Gesandten zuerst in die Versammlung, und t>« «k Richardvt «mpfirng die erwähnten Papiere aus ih» ren Händen. Man kam überein, daß der Legat diö '«t W Sitzung eröffnen, und sich hierzu der Worte bedienen W!" mußte; der savoyische Gesandte habe Noch allerley anzu- bringen. Hieraus nahm dieser, das Wort, und trug f U vor, was in den besagten Papieren enthalten war. Die Franzosen wachten nicht die geringste Einwendung ge» ! M die Briefe; Herr von Silleri, welcher eine Ab» .kM schrift davon in Händen hatte, erklärte dieselbe füd Zcht, unv sagte, er selbst habe das Schreiben des Kö» Dk vigs versaßt; der Inhalt desselben scy aber nur beding» dl. Denkwürdigk. XfV, Br G üngs» 98 -— - ungsweift zu verstehn. Als sich hierauf einige Schmie- tigkeicen äußerten, bat der savoyische Gesandte um Cr- laubniß, sich in französischer Sprache ausdrücken zudüc- fen, um hierdurch seinen Bortrag verständlicher zu mg. chcn. Nun fiengen sie samt und sonders an französisch zg reden, und einer nach dem andern untersuchte das Schreiben Seiner Allerchristlichsten Majestät von Wort zu Work. Herr von Belli cvre sagte, der König halte dafür, daß er weder an irgend einen Traktat, noch au den Inhalt sciries Schreibens gebunden fty, weil im» dasselbe nicht zu gehöriger Zeit benutzt habe, und alle Un> kerhandlungen Lurch den darauf erfolgten Krieg unkerbro. chen worden waren. R ichardot versetzte hierauf, eben dieser Bruch, und zwar durch Waffengewalt, ftp cm deutlicher Beweis von einer schlechten Prozedur. Hierüber ward Herr von Bellievre höchlich entrüstet, und sagte, Frankreich habe noch nie etwas unternommen, ohne seine Sachen sehr gut zu machen. Da alle diese Reden in französischer Sprache vorgetragen wurden, so verstand der Legat nichts davon, und sagte kein Wort dazu. Eben so machten cs die Ludern Parteien, welche geraume Zeit ein tiefes Stillschweigen beobachteten. Da nun der Franziskaner« General sah, daß ihnen die Galle stieg, und da er befürchtete, man möchte sich vielleicht noch derberer Ausdrücke bedienen, so sagte er zum Legaten, man könne cs vor heute dabcy bewenden lassen. Der Legat dachte dem, was ihm der General gesagt hakte, ein wenig nach, und ob er gleich aus dem ganzen Vorgänge nicht recht klug werden konnte, so sagte er doch, dergleichen Zän» kereyen pflegten gemeiniglich mit mehr Erbitterung als Billigkeit verbunden zu ftyn, stand sodann auf und brach die Unterhandlungen ab. Herr von Bellievre hatte kaum noch so viel Zeit, dem savoyischen Gesandten zu sagen; 99 ! IlA Z!« its, du>^ sitil r>P sogen ^ er solle sich des folgenden Tages deutlicher über taS erkläre», was er eigentlich für seinen Herrn, den Herzog, verlange, damit man es dem Könige berichten könne. Nachdem er dies in einem sehr leidenschaftlichen Tone gesagt halte, begab er sich nebst dem Herrn von Sille ri hinweg; die Spanier aber und der saveyische Gesandte blieben noch. Der Legat ließ sich nun alles, waS vvrgesaüen war, deutlich erklären, und verwies dem Richardvt sein Betragen. Dieser ließ sich den Verweis gefallen, und gestand, cs komme ihm selbst so vor, als wenn ec gefehlt habe. Der Legat gab ihnen darauf zu erkennen, sic hätten sehr unrecht - wenn sie behaupten wollten, der König von Frankreich scy vermöge seiner Ehre und nach den Vorschriften der Gerechtigkeit verpflichtet, ihnen etwas zu bewilligen. Da sich hieraus der savoyische Gesandte entfernte, die Flaman- Ler aber noch da blieben, so ward nunmehr die Sache genauer erwogen. Der Schluß fiel dahin aus: der König möge eine Verpflichtung auf sich haben, oder nicht, so müsse man sich doch dieses Ausdrucks gar nicht bedienen, und cS solle in der Folge nie wieder die Rede davon seyn. Die Flamändcr wollten nun den Legaten überreden die Bedingungen porzukragcn, er lehnte eS aber ab, indem er ihnen zu verstehen gab, daß er unmöglich Bedingungen Vorschlägen könne, für die er selbst keine Gewißheit Habs, und daß er auch nicht gern daS Ansehen haben wolle, als ob er Parte!) nähme. Seine Beweggründe kamen ihnen sehr einleuchtend vor; sie entfernten sich daher, nachdem vorher noch beschlossen worden war, daß man sich nie wieder deS 'Ausdrucks Verbindlichkeit bedienen wolle. Dec Franziskaner'General war äußerst verlegen; denn er befürchtete, jener Wortwechsel werde vielleicht Anlaß geben, die Friedensuntcrhandlungcn ganz abzubrechcm Er beklagte sich daher bitterlich über Richarvot, daß G 3 di«. -i - rocr dieser sich so fehr übereilt habe. Der Legat suchte ihn wieder zu beruhigen, und erkheilte ihm den Auftrag, des folgenden Tags zu den Franzosen zu gehen, und sie wegen jener Mißhclligkeit so gut als möglich wieder zu be- sanftigcn. Cr verfügte sich demnach zu ihnen. QS sie nun gleich über das, was sich ereignet haw, sehr aufgebracht waren, so bezeigten sie doch keine Lust gegen ihn, die Unterhandlungen abzubrcchen, sondern beschlossen vielmehr, daß von diesem ganzen Vorfall nie wieder gesprochen werden solle. Herr von Silleri gab ihm sogar, als er ihn ohne Beyseyn des Herrn von Bellievre sprach, einiges Licht, daß man nicht abgeneigt sey, die Sache auf eine gütliche Art beyzule- gen. Der General verschafte daher dem Legaten bey seiner Zurückkunst eine sehr große Erleichterung, denn die Erinnerung dessen, was begegnet war, hatte ihm eine schlaflose Nacht gemacht. Ueberhaupt brachte er die meisten Nachte während der Friedensunterhand, lungen nicht viel besser zu; denn über die geringste Schwierigkeit gericth er in Angst, und auf der Stelle gab er sich alle nur erdenkliche Mühe dieselbe zu b« seitigcn. Am dritten Marz des Morgens, kamen die Sxa> nier und der savoyrsche Gesandte mit einander überein, bey dem Könige von Frankreich, und zwar vermittelst einer Unterredung mit dessen Deputaten, darauf anzukragen, daß er aus Gunst und Geneigtheit gegen den König von Spanien, sich gefallen lassen möge, die Entscheidung der Mißhelligkeitcn, welche vielleicht zwischen Seiner Majestät und dem Herzoge von Savoyen entstehen möchten, Seiner päbstlichen Heilig« keit anheimzustellen; und nachdem dieser Beschluß gefaßt war, ward wieder Versammlung gehalten. Die Franzosen waren jedoch von diesem allem unterrichtet. Jetzt lill, M »iii sch Veri !»in Lch Li Ärf-!, Ailly »«ff ^P«'> M it- s, d» ,> tzll! ! l!!mt dkk R ik!«dj wlii- MM ^«!«.< 14« K« <, Ft Jetzt sagte der Legat ganz kurz, die französischen De- Wirten hätten die letzcern Briefe mitgebracht, um wc- zen derscibigen Rede und 2lnkwort zu geben. Man hätte mit allem Bedacht einen ganzen Tag vorüber geben lassen, um diejenigen Gegenstände, welche sich zwischen Frankreich und Savoyen Hervorthun möchten , desto reiflicher zu überlegen. Er verlange demnach von den Franzosen zu wissen, was sie denn eigentlich von diesen Briefen hielten. Herr von Bellievrs bewies nunmehr aus sehr starken Gründen, daß Seine Mcrchnstlichfre Majestät weder nach der Strenge, noch nach der Billigkeit, noch vermöge Ihres Ehrenwortes verbunden wären zu erfüllen, was Ihr letztes Schreiben enthalte. Unter andern sagte er, es waren volle zehn Monate verstrichen, ohne daß der Herzog von Savoyen darauf geantwortet habe. Vor einigen Monaten habe er zwar seinen Gesandten an den Cardinal von Scsierreich geschickt, von rechtswegen hätte er aber denselben deshalb nicht nach Flande rn, sondern geradezu an den König senden sollen; denn ob man gleich miteinander in Krieg verwickelt gewesen sey, so würde er dennoch einen Reisepaß erhalten haben, um sicher und ohne Gefahr zu Seiner Majestät zu gelangen. Auch hätte er gar wohl feine Einwilligung schriftlich von sich geben, und solche Verfügungen treffen können, daß man vermittelst der erforderlichen öffentlichen Instrumenteim Stande gewesen wären dieser Sache wegen den Anfang zu einer gütlichen Übereinkunft zu machen. Der savoyische Gesandte antwortete, ersähezwar sehr wohl ein, daß der König keineswegs weder auS Vernuystgründen, noch vermöge seines Ehrenworts zu irgend etwas verbunden sey; er bitte aber gleichwohl Seine Allerchrisilichsie Majestät, im Namen seines Herrn, des Herzogs, um die Gnade, daß Sie geruhen möchten, die Bedingungen welche in Dero letzcerm G z Schrei- Schreiben enthalten wären, zu genehmigen. Es Le« stünden dieselben darin, daß man die ganze Streitsache, besonders aber dir Frage, ob der vorhergehende, vom Herrn von Silleri Unterzeichnete Tractat zu befolgen scy, oder nicht, dem Unheils des PabsteS zur Entscheidung vvrlegen solle. Die Franzo'en xrvtestirtey, und machten die Einwendung, die Sache fty nicht gehörig vorgctragen, denn ans dem Schreiben des Königs sey dieser Umstand nicht zu ersehen, indem solches gar nichts bestimmtes enthalte. Sie sähen sich folglich ge- «öthigt, wegen dieser allgemeinen Fodcrung, sich ncmlich dem Urthcile des PabsteS zu unterwerfen, nochmals an Len König zu schreiben, indem sie hierüber ohne eine neue Vollmacht unmöglich etwas beschließen könnten, da dieses eins ganz neue Foderung sey. Sie glaubten indessen, Seinel Majestät würden diese ganz besondere Foderung, so bald sie Dcnenselben hinierbracht würde, unfehlhar verwerfen, so wie sie hingegen Höften, daß Seine Majestät den Antrag, die gestimmten Streitigkeiten durch eine gütliche Ucbereinkunst abzuthun, ge- KP" uehmigcn würden. Nach einigen Einwendungen begaben steh die spanischen Deputirtcn nebst dem savoyischen Gesandten bey Seite, und dispukirten eine Weile mit einander. Als der Franziskancr-Genera! wahrnahm, daß ste nicht Übereinkommen konnten, gicng er auf sie zu, und gab ihnen seirun Unwillen darüber zu erkennen, daß ste von dem abwichen, was ste mit ihm verabredet hätten. Als sie insgesamt wieder zurVersammlung zurückgekommcn waren, sagte der savoyischc Gesandte, er fty es zufrieden, daß man bey dcm Könige auf einen allgemeinen gütlichen Vergleich ankrüge. Zugleich dankte er dem Legaten für seine Vermittelung , und bat ihn, dieselbe so lange fortzuschcn, bis man bis Einwilligung Seiner Allerchristlichsten Majestät erhalten habe. Die Franzosen machten sich hieraus anheischig, an ihren König bjis ttii W, tülB, , kllk? 'zlB ni'g zu schreiben, und dessen Antwort abzuwarten. Dies WM-e so gedeutet, daß man für bekannt annahm, als Mren sie bereits überzeugt, daß diese Sache gar keine Schwierigkeit haben werde. Da der Legat sah, daß die ÜnkerhanLlungen so gut von statten gierigen, redete er die Versammlung folgendermaßen an: m M' Milt« Killt t»d> A, Ks j Witz; fm, gi-s blzaint „Hochzuehrende Herrn? Es hat Gott- gefallen, dies heilige und ihm wohlgefällige Werk dergestalt zu fördern, daß man nun mit Wahrheit sagen kann; der Frlc- de sey geschlossen, da dre beyden Kronen nebst dem Herzoge von Savoyen mit einander einverstanden sind, und alle« in Wege liegende Hindernisse glü überwunden haben. nun im Wer? ist, daß die Versammlung sich über die Beendigung und Abthuung aller Streitigkeiten berath sch lagen soll, so bitte ich Sie inständig, meine Herrn, die Gefahren in Erwägung zu ziehen, welche nothwendig daraus entspringen würden/ wenn man der gesummten Christenheit ein so unentbehrliches Gut noch langer vorenthalten wollte. Ich muß Ihnen demnach sagen, daß es sehr viele Personen giebt, die bcy diesem Friedenstraktate mit interessirt sind, und bey deren Lebzeiten derselbe zu Stande gebracht werden muß, wenn erden gehörigen Grad von Vollkommenheit erreichen soll. Es sind dieses Prinzen, die zum Th eil schon ein ziemlich hohes Alter erreicht haben, wie auch andere, die täglich mit den Gefahren des Krieges kämpfen. Ucberdieü giebr cs Aufrührer, Bö- G 4 se- ie>4 sewichte, Keher, und Leute, die ihres Nächsten Gut an sich gerissen haben, de« ren ganzes Dichten und Trachte »daraus gerichtet ist, daß dieses gottge sä llige Werk nicht zu Stande komme. Glauben Sie Mir nur, meine Herren, daß der Teufel überall umher fliegt, und Unkraut unter den Waizen säet, weil VieS der ärgste Streich ist, der ihm gespielt werden kann. Er versucht seine Anhänger, mit Feuer und Schwert, mit Gift und.allen Werkzeugen der Grausamkeit, um diesen Fric- densfchluß zu hi n tcrtreibe n, und statt desselben wieder Krieg zuerregen. Ich kann schlechterdings nicht umhin, diesenGegen- stand zu berühre n, wiewohl es mir leid,'st, daß ich mich nicht umständlicher darüber e'r- klären kann. Ich will such Ihnen weiter Nichts rcith e n > als n u r d i es, daß diejenigen, welche die Feder führen, sich so bestimmt und deutlich aus drücken als es nur /nöglich ist, damit man keiner weitläufti« gen Erklärung bedürfe; und daß die andern, welche mit an diesem löblichen Werke arbeiten, es mit Muth und Entschlossenheit khlln, damit dadurch allen Jntriken vorgebeugt, und nicht der geringste Zweifel mehr übrig gelassen werde» Seyn Sie demnach darauf bedacht, Zeit und Ort zu Mi, ,,D' i,-W Sn, L «M !k «, lii bestimmen! Ueberlegen Sie die Art und Weise wie der neue Vergleich ab ge faßt werden soll, und schreiben Sie diesfalls an den König, wie unserer seits bereits vorgefchlagen worden! Mein Eifer treibt mich an, zu reden; das Böse,welches ich b e, iUm i'ch § »ich su«! roz "'K Ärk > «!j^ !»Ütz 8 -»» Wch isri^ tt Ssi, lkttH kge«> ftü;> UIl!I Siijttst sü dff iSlNI!, littst» ri!«> liWüll ! ü>>! Aki>'' ,dz-!i -'-"t j»l befürchte, nöthigt mich, zu bitten; und Vas Gute, das ich hoffe, bewegt mich, Ihnen als Minister und Staatsdicner zu rathen» flebrigens lege ich Ihnen diese Sache nochmals nach meinem besten Vermögen, und mit aller Ihnen sch nldige »Zuneigung an das Herz." Die Franzosen antworteten zuerst; er könne versichert stylst, daß man in der Zwischenzeit, während welcher die Antwort des Königs erwartet wurde, gewiß nicht müffig bleiben werde. Mau fty schon damit beschäftigt, die Friedensartikel zwischen Frankreich und Spanien zu Papier zu bringen, und sie würden dieselben bis auf die Unterschrift fertig mar chen. Sie verlangten sodann insgesammt, der Legat solle ihnen doch seine Meinung sagen, binnen welcher Zeit wohl die gütliche Entscheidung erfolgen werde, und ob vielleicht mittlerweile der Friede, oder wenigstens ein Waffenstillstand zwischen Frankreich und Savoyen zu Stande gebracht werden könne. Anfänglich machte er einige Schwierigkeit seine Gedanken hierüber zu eröffnen , als man aber nochmals mit wiederholten Bitten in ihn drang, sprach er: man müsse den Pabst Hey dieser gütlichen Entscheidung so unbe- schränkt schalten und walten lassen, als es nur immer geschehen könne. Vorläufig habe man hierzu e inen Termin von einem halben Jahre bestimmt, der aber vielleicht vom Pabste auf ein ganzes ausgedehnt werden dürfte. Wäre es möglich, so solle man auf der Stelle lieber gleich Frieden machen, als einen Waffenstill- stand schließen. Immittelst sollten die Sachen, während des zur gütlichen Ent« scheid»ng anberaumten Termins in eben dem Zustande bleiben wie zeither. Es G z solle Io6 solle nemlich ein jeder, das'was er besitze vorläufig bc Hallen, sich aber zugleich verpflichten, dem Ausspruche desPabstes die sträcklichste Folge zu leisten, und dcnsel- Len auf das alllergenaueste zu vollzieh n. Dies alles ward mic dem größten Vergnügen und oh. ne den geringsten Widerspruch angenommen. Nun ward in Anregung gebracht, ob man nicht die Kriegs- leute sogleich verabschieden solle, und was man denn eigentlich in Ansehung der zuräckbehaltenen Platze zu beobachten habe. Die Franzosen erwicdcrtcn, waS die Kriegsleute betreffe, so müsse man dieselben nicht ins. gestimmt gleich anfänglich entlassen, und der Legat sagte, die erwähnten Plätze sollten sei srbitmum boni viri zurückbchalkcn werden. Hiermit gieng die Versammlung auseinander und alle Parteien waren mit dem Legaten und dem Franziskaner-General vollkommen zufrieden. Bald hernach thaken sich große Hindernisse hervor, die Angelegenheiten des Herzogs von Savoyen durch Beyhülfc seines Gesandten zu berichtigen. Obgleich derselbe die Belegung aller Streitigkeiten durch des Pabsts gütliche Entscheidung nicht nur bewilligt, sondern sogar begehrt hatte; so wußte er doch allerley dagegen cinzuwenden, daß die Sachen in ihrem zcitheri- gen Zustande verbleiben sollten, ja er verlangte sogar, Laß man während der Untersuchung seinem Herrn, dem Herzoge, Saint Jean de M o riennc wieder zurückgeben möge. Dis Franzosen ließen sich aber auf diesen Vorschlag nicht ei», sondern zeigten vielmehr aus sehr vielen Gründen, daß dies unmöglich geschehen könne ; um den Gesandten auf bessere Gedanken zu bringen, setzte man fest, daß den vierten Marz keine Versammlung seyn solle. Endlich gab er wieder nach, und 127 stellte alles ohne den geringsten Vorbehalt der Entscheidung des Pahstes anheim. Tags darauf sandte man einen Eilboten an den König, und wartete sodann mehrere Tage lang auf Antwort, ohne daß mittlerweile Versammlung gehalten, oder die Friedensactikel in Vorschlag gebracht wurden. In dieser Zwischenzeit kam ein Sekrctair aus Flandern an, welcher den spanischen Deputaten Depeschen überbrachre. Vermittelst derselben warb ihnen zu wissen gechan , der König von Frankrei ch suche ste bloß mit leeren Worten hmzuhalttn, um dadurch Z it zu gewinnen und seine KriegSrüstungen zu verstärken. Der Legat ließ es sich äußerst angelegen seyn, ihnen diesen Wahn zu benehmen, und endlich gelang eS ihm auch, dieselben durch wiederholte Vorstellungen vom Gcgenthnl zu überzeugen. Auf der andern Seite ßengen die Franzosen ebenfalls zu argwohnen an, man gehe mit ihnen krüglich und arglistig um. Da str nun vollends erfuhren, daß nach Calais 4500 Spanier übcrgeschiffk wä^cn, welche achtmal hundert tausend Ducaten bei) sich hatten; so begaben sie sich zum Legaten, um von demselben zu erforschen, vb er wohl glaube, daß die Spanier aufs neue Händel anfangen wollten, oder wenigstens zu entdecken, was sie hicrbcy für Absichten hätten. Der Legat suchte ihnen allen Argwohn zu benehmen , und sagte, jene Landung sty eine Folge von den Befehlen , die bereits vor meh« rcrn Monaten erthcilt worden wären, so daß man dieselbe keineswegs als eine Verletzung der Fciedcnsrrakta- tenbetrachten könne; denn zu der Zeit, als diese Truppen aus Spanien abgesegelt wären, scy daselbst die Nachricht, daß die Deputaten bereits die Unterhandlungen eröffnet halten, zuverlässig noch gar nicht bekannt gewesen. Ueberhaupt fty er der Meinung, daß man wohl schwer- i»8 . schwerlich etwas Feindseliges zu fürchten habe, weil die Leitung dieses ganzen Geschäfts der Hand des Cardi. nals von Oesterreich übergeben worden sey. Denn diesem liege ungemein viel daran den Frieden zu Scan- Le zu bringen, weil er widrigenfalls Flandern ge- wiß nicht zur Mitgift erhalten, auch gar nicht daran denken dürfte, daß die Nachkommen welche er mit sei. ner Gemalin zeugen werde, vermittelst seiner Frau zur Erbfolge in so vielen Königreichen und Staaten ge. langen würden. Demungeachtec müsse freylich jeder, mann auf seiner Hut scyn, weil noch zur Zeit weder Friede noch Waffenstillstand existire; mithin könne jede Partey diejenigen Veranstaltungen treffen, die ihr am zuträglichsten dünkte». Auf diese Vorstellungen des Legaten gaben sich die Franzosen wieder zufrieden. Einige Tage nachher ka. men Briefe vom Hofs, der sich damals zu Angers aufhielt. Da ersahen sie denn aus einem Schreiben des Herrn von Villeroi, der Due be Mercoeur habe seine Grmalru abgeschickt uni sich zu dem Könige zu begeben, und mit demselben einen Vergleich zu schlie. ßen. Man glaube, Jhro Merchristlichste Majestät würden zu Nantes Ihre Ostern halten. Diese Nachricht ward von Paris aus durch mehrere Perso- nen bekräftigt. Sie hatte die Folge, daß sich der Le- gat nun nicht mehr so gar sehr über dys Außenbleiben des Eilboten verwunderte, der schon so lange Zeit fort war, daß er mittlerweile ganz bequem harte zurückkom- men können. Gleichwohl war er noch nicht ganz beru- higt, weil' man von Paris meldete, «6 sey dort aus England ein Gesandter mit einem stattlichen Gefolge eingetroffen. Deswegen war er ziemlich much- los, ob ihn gleich die Franzosen versicherte!!, dies wer- de nicht die geringste Veränderung in den Fricornsun. .te» terhandlungen bewirken, wenn auch die Nachricht, welche sie jedoch für unwahr hielten, gegründet seyn soll» te, baß die Königin von England sehr große Anerbietungen gemacht habe. Denn ihr Gesandter habe schlechterdings mit niemanden negvziircn! wollen, ob ihm gleich der König zu erkennen gegeben habe, er solle zu Paris bleiben, und mit dem Connetable sowohl als mit noch einigen andern Personen in Unterhandlung treten. Die Absicht des Königes sey hiebey bloß sdieft, daß der Gesandte nicht nach Bretagne reisen, und clwan den französischen Ketzern zu nahe kommen möge; weil man in diesem Fall einen Aufruhr befürchte. Unter diesen Umständen, und da sich der König mit einer Armee in Bretagne befand, war dem Legaten , der langwierigen Verzögerung wegen, gar nicht wohl zu Muthe; und ob er sich gleich, gegen den Willen einiger Personen, entschlossen hatte, geduldig auszuhar- ren, so konnte er gleichwohl seine Besorgnis; nicht bergen. Zur nemlichen Zeit bekam er wieder einen Anfall von seinen Steinschmerzcn» Noch mehr schlug ihn ein Schreiben auS Flandern darnieder, welches vom fünften datirk war, und die Nachricht enthielt, der Cardinal Aldobrandini sey plötzlich vvn Ferrara nach Rom gerecht, und dieses führe auf die Vermuthung, der Pabsi möge vielleicht von einer schweren Krankheit befallen worden seyn: Nuil war sreylich dieser Brief, welchen der in Flandern residirende Nuntius von dort abgeschickt hatte, vom fünften März datirt; der Legat hatte aber auch noch einen andern, unterm zwanzigsten Februar, vom Cardinal Aldobrandini selbst erhalten, aus welchem sich ergab , daß ec damals sich vorgenvmmen hatte, erst nach dem Feste von dort abzureisen; indessen ließ sich hieraus gleichwohl nicht folgern, daß er seinen Vorsatz nicht üb- ZL- no geändert haben könne; wenigstens ivar ihm gerade noch so viel Zeit übrig, dieß zu bewerkstelligen, so daß obige Nachricht, ob sie gleich mit derjenigen, welche er selbst von sich gestellt hatte, ganz und gar nicht übereinstlmm« te, allerdings gegründet seyn konnte. Fist Mittlerweile war dem Legaten sehr bang, daß der Friedenstraktat nicht zu Stande kommen werde, denn er sah wohl, baß bas Mißtrauen von Tag zu Tag immer mehr überhand nahm. Seine Hofnung gründete sich nur noch darauf, daß wahrscheinlich die Antwort Des Königs bloß deswegen so lange außenblcibe, weil der Vergleich mit dem Duc de Mercoeur noch nicht in Richtigkeit scy. Gerade in dem Augenblick, wo man die Antwort Seiner Majestät am sehnlichsten erwartete, ward diese/, be von mehr erwähntem Eilboten am ryten des Abends, überbrachk. Des nächstfolgenden Morgens erfuhr der Legat noch nichts spezielles, weil es eben Charfceykag war, und sowohl er selbst, als auch die Franzosen, sich mit Verrichtung ihrer Andacht beschäftigten; nachher aber ließen sie sich zur Audienz melden, die er ihnen auch nach dem Mittagsessen erthcilre. Ais sie dort arika- men, rcfcrirten sie alles das in den schmeichelhaftesten Ausdrücken, was im Namen des Königs verhandelt worden war, dankten dem Legaten für die außerordentliche Mühe, vermittelst deren er sich bestrebt habe den Frieden wieder herzustellen, und überreichten ihm zugleich daS von Seiner Majestät erhaltene Beglaubigungsschreiben, kraft besten ihnen von Seiten des Königs zu wissen gethan wurde, er habe dem Pabste in seiner Antwort für die ungemeine Thcilnahmc und Beharrlichkeit, womit die FriedensunterhandlUNgen betrieben worden wären, seinen Dank abstarten lassen. Hieraus gierigen sic ins Detail, und bestätigten die ganze, durch jil IliS , M- icfti» düft , «IM jmiftl Mich Mil, W »ftiy KM AM dilft - »ch "Mi Älg, !«r !!« 'ik'lii ^ m Ät«! !t, k>!i!! ttüeä dü!> rsttftz stD «Hr >!«»ch hP>> HK, Ä! jüs >,ihss S-^ M S< k»i ^ darch Vermittelung dcs Cardinals von Oesterreich, zwischen Frankreichund Spanien gepflogene Ne» goziation. Indessen beschwerten sie sich aber doch, daß ihnen die Artillerie in den Plätzen, welche ihnen zurück- gegeben werden sollten, verweigert würde; ingieichem darüber, daß man Anstand nähme dis Stadt Cam- brai für neutral zu erklären. Hiernächst sprachen sie in einem sehr heftigen 4one von dem Betragen dcS Herzogs von Savoyen, und brachten nicht nur alle Beleidigungen wieder in Erinnerung, welche der Krone Frankreich von Seiner Durchlaucht wiederfahren waren, sondern auch die niedrige» Kunstgriffe, deren er sich damals bediente, als er durch seinen Gesandten Jakob den Frieden negoziirts, und die der Aras von Auvergne dem Könige nach erfolgter Aussöhnung samt und sonders entdeckt hatte. Da er es, sagten sie, mtt einem sehr mächtigen Könige zri lhun habe, dem alle seine Staaten den schuldigen Ge» horsam leisteten, so müsse er bey den Unterhandlungen aufseinen niedrigem Rang Rücksicht nehmen, und zwar um so mehr, da der Vergleich mit dem Duc de Mer- eoeur bereits zu Stande gekommen sey. Die Gema- lin dieses letzten; habe bereits die Friedcnsartikcl unterzeichnet, und diese bestanden darin, daß er die Stadthal- terschast von Bretagne niedcrlegc, daß ihm der König drcymal hundert tausend Thaier, und einen jährlichen Gehalt von fünfzig tausend Livres bewillige, und - daß er seine einzige, nur erst sieben Jahr alte, Tochter dem Duc Cäsar de Vendvmc zur Ehe gäbe, welchem der König die Stadthaltcrschast von Bretagne übertragen werde. Alle diese Artikel habe der König bereits genehmigt, mithin bedsirfe mau nur noch der Unterschrift des Duc de Mercoeur, die mit jedem Tage zu Angers erwartet werde, wo dermalen der König sich aushalte. Nach nr ^^ Nach dieser Digrejston lenkten sie die Unterredung wieder auf den vorhergehenden Gegenstand , und sagten endlich , der König sei) nicht gesonnen auf den gütlichen Ausspruch sich cinzulaffen, und zwar nicht etwa deswe» gen, weil er kein Zutrauen zu Clemens dem Ach» ten habe, sondern vielmehr weil er dafür halte, es ge. reiche seiner Ehre zum Nachkhcil, wenn er, nach einem so ehrenvollen Vergleich mit den Spaniern, sich von Savoyen die schmählige Bedingung verschreiben las. ss, Daß man ihm dasjenige worauf er das gegründetste Recht habe, durch gütlichen Ausspruch zueignen solle. Hiernächst wisse man ja nicht, wie lange der Pabst noch lebe, und wenn derselbe noch vor der Bekanntmachung seiner Entscheidung etwa» aus der Welt gehen solle, so könne er vielleicht einen Nachfolger bekommen, zu wcl. chem der König kein Zutrauen habe, und gegen dessen Ausspruch er gleichwohl nichts einwenden möge, umihu nicht vor den Kopf zu stoßen, und sich denselben gleich zu Anfänge seines Pontifikats zum Feinde zu machen» Sie sagten auch sonst noch allcrley, bey dessen Wieder, holung wir uns aber darum nicht aufhalten wollen, weil es nicht wesentlich zur Sache gehört. Endlich baten sie den Legaten sehr demüthig, er solle deswegen gleich, wohl seine Hand von dem vorliegenden Geschäfte nicht abziehen, sondern sich vielmehr noch ferner zr Gunsten des Königs verwenden. Wenn er nur die Hofnung nicht schwinden lasse, daß die Angelegenheiten einen glücklichen Ausgang gewinnen würden, so werde er zw verläßig auch Mittel ausfündig machen, einen Vergleich zu Stande zu bringen, zumal da es ihm nicht an Au« torität fehle, die Parteien zu allem zu bewegen, was er für gut finden werde. Diese Antwort wollte dem Car» dinal gar nicht gefallen, besonders in Ansehung desscn, rvaS Savoyen betraft Ec beklagte sich darüber, und erwiederte, er wisse nun selbst nicht mehr, was, er so .,e- KM ' ltzch"' jiltk ill H !>! Hm« «-Mi! ft»»!, "SÄ »tit ft Sch Mg, IMq >mKi ichli§ l4,,l, jllMi- <» M och». K M>l , 8E' i W 'ii«i «!> Ml» K-«! ,iP« "3 wohl den Spaniern als dem Savoyarden für Vorschläge lhun solle. Letzterer scy durch die Art und Weise, me ihn der Gesandte des G-oßhcrzogs empfangen habe, ganz abgcschreckt worden. Er, d> r Legat, werde nun (wenn solches nicht bereits geschehen s, y,) den Verdacht gegen sich erregen, als wenn erlich allzu parteiisch füe Frankreich verwende. Da die Sache eine solche Wendung nähme, so hatte man ihn mir dem Aufträge, nach Hof zu schreiben, lieber verschonen, als ihm mit der Hvsnung schmeicheln sollen, daß der König die Unterhandlung genehmigen würde. Die Lage der Angelegenheiten ni) nun ganz verändert, denn da der König noch immer vierzehn tausend Mann Fußvolk auf den Beinen habe, so wären die Spanier äußerst mißtrauisch, und argwohnten, er gehe blos darauf aus, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, seine Kriegsrü- slungen zu verstärken, und sie indessen mit leeren Vertröstungen zu hinkergehen. Auch der Herzog von S a- voycn befinde sich dermalen in einer ganz andern Verfassung; denn sein G-sandter habe Nachricht, daß der- selbe l a Vallee de Mo rienne, wi; auch dn Stadt Saint Jean, zum größten Nachtheil der Truppen des Herrn von Lrsdigu irres wieder erobert, sich eines von ihm in der dortigen Gegend errichteten Fort bemächtigt, und desten Schwiegerwhn, den Herrn von Crequi, m l-st noch fünf andern Offizieren zu G fan- genen gemacht habe. Die Franzosen versetzten , sie hätten noch nirgends etwas von dieser Nachricht vernommen, als nur zu Ver"i ns; gesetzt aber auch fie wäre gegründet, so ließen sich doch la Vallee de Morienne und Saint Jean gar nicht vertheidigen, sondern stünden vielmehr jedem offen, der Meister im Felde bliebe. Mithin werde dies alles keineswegs die Folgen haben, welche man sich davon verspreche; Herr von Leödiguieres werde vielmehr alles wieder erobern, N. Denkwürdigk, X1V.B. H und - -- - - .- und den Herzog von Savoyen in eine weit schlimmere als seine vormalige Lage versetzen. Dem Legalen wollt n diese Gründe nicht emleuchten; als ihm demnach die Franzosen zumuthcten, er solle einen Vergleich Vorschlägen, fand er es gar nicht räthlich sich darauf ciri- zulassen, sondern verlangte vielmehr, sie selbst sollten eine oder die andere Eröfnung machen. Als der Legat diesfalls in sie drang, sagten sie endlich, man könne das Marq isat einstweilen irgend einem Fürsten, und m mentl ch dem Papste, zu treuen Händen übergeben, und z'iole'ch den gütlichen Ausspruch seinem Ermessen anhemistellen. Dieser Vorschlag mißfiel dem Lcgatem in vieurley Rücksicht; er verwarf ihn zwar nicht, gab abee auch seine Einwilligung nicht dazu. Nach einigem Wortwechsel ließ man den General der Franziskaner kommen. Als dieser den Entschluß Seiner Majestät in Betreff Savoyens vernahm, wollte ihm dieser ganze Vorgang gar nicht gefallen. Die Franzosen gaben die beste» Worte und sagten zuletzt, man müsse die Sache schlechterdings beschleunigen; wofern man binnen zwey Tage» nicht zu einem fisten Entschluß komme, so sey alles vorbey, und es lasse sich dann gar nicht weiter darüber sprechen. Der General antwortete, man w ff, ja nicht einmal, worüber man in Unterhandlung treten solle, weil sie nicht bestimmt argäben, wozu und in wiekern Seine Majestät Ihre Einwilligung erkheilen würden. Die Französin encgegneken, man werde wohl thun, dies zu beschlafcn; des andern Morgens wolle man sich von neuem darüber unterreden, und da würde sich vielleicht eine Uebereinkunft treffen lassen. Als der Franziskaner-General mit dem Legaten wieder allein war, trafen bcyde die Abrede, ersterer solle sich zu den einen wir zu den andern verfügen, die Spanier zue Nachgiebigkeit zu bereden, und von den Franzosen noch Fd V' HG? ketii lüch M«, ^ ^ «och etwas mehr zu erhalten suchen. Letztere hatten sich ,»nach ihr" Entfernung von dem Legaten geradeswegs zu . tzen Spaniern begeben, und sich auf eine so höfliche Art giit ihnen unterhalten , daß diese aus ihrem Gespräch gar nicht crrathen konnten, worauf eigentlich die Sache hjnauslaufe. Der Franziskaner« General stattete ihnen allerseits seinen Besuch ab. Die Franzosen eröfneten . ^ ihm, man mäste vor allen Dingen den König wieder ^ zu besänftigen suchen , denn dieser sey höchlich gegen den ^7! Herzog von Savoyen entrüstet Das einzige Mit« , k'! kcl zur Versöhnung bestehe darin, daß man ihm etwas zurückgäbe, das dem Herzoge zugehöre; alles übrige ^ ^Ue sodann der Entscheidung des Pabstes änheimgestellk MM b/xjhon. Der General fragte sie, ob sie bevollmäch« tigz wären , die Sache in Richtigkeit zu bringen; ohne Wt diesfalls von neuem nach Hof zu schreiben , wenn er al« ^ Unfalls den savvyischen Gesandten dazu bewegen könne PIU?- noch rkwas mehr zu bewilligen. Sie antworteten, aus «W; Fall müßten sie ihre Depeschen wieder dahin senr »ilim«! den, denn sie wüßten ja nicht, ob der König annehmcn m,>k> werde, was man etwa vorschlagen möchte. Der Ge« ch ncral hintcrbrachte dies alles dem Legaten, welcher sehr Üii,All> ungehalten darüber war» Er glaubte, es stecke eine List dahinter, man suche die Sache nur in die Länge zu ziehen, ist«, » damit sie nicht zu Stande kommen solle, Und der König »W gehe blos damit um, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, damit er hernach, wenn er sie lange genug bey W ^ der Nase herumgezogen habe, nach Gutbcfinden die Un« ,Ml kirhandlungen wieder abbrechkn könne z und wirklich fehl» Htst' ke es ihm nicht an allerlcy Spuren, welche diese Vek« Mukhung wahrscheinlich machten« Zur nemüchen Stun» de wo er sich mit Viesen ängstlichen Vorstellungen quälte, M ließen sich die Spanier zur Audienz bey ihm Melden, die " ihnen auch auf der Stelle ertheilte. Als sie zu ihm k kamen, beklagten sie sich sehr, unv sagten, es scheine H » fast, fast, als ob man sie zum Besten habe; sie wüßten fast nicht mehr, was sie dem Cardinal von Oesterreich schreiben, oder wie sie sich in Ansehung Savoyens verhalten sollten, weil sie in keiner einzigen Sache mit Sicherheit zu Werke gehen könnten. Sie hatten sich zwar in der Absicht cingefunden, den Frieden wieder her« zustellen, aber nimmermehr hätten sie geglaubt, aufc!« ne solche Art behandelt zu werden. Sie fänden sich bloß in der Absicht bcy ihm ein, um eine Urkunde darüber auszufertigen, daß weder sic noch ihr Gebieter, sondern einzig und allein die Franzosen daran Schuld wären, wenn sich die Unterhandlungen zerschlügen, damit er sodann diese Versicherung Hey dem Pabste bewahrheiten könne. Der bega' anrwortete ihnen auf eine Art, die von vieler Klugheit zeugte. Da sie davon sprachen, die Unterhandlung abbrcchen zu wollen, so suchte er daS Gespräch auf etwas anderes zu lenken. Zu dem Ende wiederholte er alles, was sich während dieser Friedens« traktaten ereignet hatte» Besonders suchteer sie zu über« zeugen, baß man auf allen Seiten ganz aufrichtig und ohne Trug zu Werke gegangen sey. Freylich, sagte er, hatten die Sachen mitunter eine andere Wendung genommen, demungcachrec habe man aber nie die Absicht gehabt, einander betrügen zu wollen. Erkenne diejenige sehr genau, mit welchen man in Unterhandlungen getreten si.y. Insbesondere sey er sehr gut von der Denk« «rt des KöniqS von Frankreich unterrichtet, ver« möge deren Seine Maystät nicht nur aukIhren Nutzen, sondern noch weit mehr auf Ihre Ehre Rücksicht näh« men. Wie sehr der König dieselbe vor jedem Nachtheil zu bewahren suche, erhelle unter andern daraus, daß er alles genehmige, was mit dem Könige von Spa« nien und dem Cardinal von Oesterreich verhandelt worden sey; hingegen könne er freylich nicht zugeben, daß Jemand von m'edrigerm Rang ihm sein Eigenthum II? -Mi lch ti, D, kie nU KM k>i M M M Mi ^ !,II W I>M B»b xorenthalten, und mit Seiner Majestät auf eine so ei- zenmächtigte Art ncgociiren wolle. Er, der Legat, wisse zwar nicht, was die Franzosen eigentlich thun könnten, oder wollten; wenn es jedoch darauf ankomme, einen Eilboten abzusenden . so könne man ja bald wieder Antwort haben; wollten sie hingegen die Zeit unbenutzt lassen, so sähe er nicht ein, worauf sie noch warteten, denn jeder könne ja in diesem Fall behalten was er habe. Hierauf gab er ihnen zu erkennen, auf Flügeln könne der König von Frankreich doch keine Armee nach Flandern und gegen den König von Spanien senden; die Truppen, welche dermalen in Bretagne standen, wären keineswegs dazu bestimmt, in die Picardie einzudringen; und überhaupt unterhielten Ihre Majestät den größten Theil Ihrer Armee mehr deswegen, um sich den Duc de Mercoeur vom Halse zu schaffen, als aus irgend einem andern Beweggründe. Die Flamänber hatten zwar gegen alle diese Vorstellungen nichts einzuwenden, drangen aber doch in ihn , er solle seine Autoritär anwendcn. Ucberhaupt begegneten sie ihm mit der größten Achtung, äußerten ungemein viel Zutrauen gegen ihn, und beurlaubten sich sodann. Der Legat ließ hierauf die Franzosen rufen, und lag ihnen stärker als jemals an, sie sollten ihm doch sagen, was sie minmehr thun könnten. Sie antworteten, der König habe ihnen nicht die geringste Vollmacht ertheilt, in irgend einer Angelegenheit des Herzogs von Savoyen einen Beschluß zu fasten, wofern er nicht vor allen Dingen das Marquisat zurück gäbe. Indessen vernähmen ste jedoch von einigen ihrer Freunde, die das Vertrauen des Königs besaßen, ste hoffen mit der größten Zuversicht, daß sich derselbe zu einem Vergleich verstchcn werde, wenn ihn der Herzog durch jrgend eine Art von Zurückgabe zu besänftigen suche. Der Legat fragte, ob ste wohl hoffen, daß diese Bedin- H 3 gung gung eher zum Zweck führen werde, als die andere» Ibr Antwort war: Ja. Der Legat versicherte sie hoch und rheuer, wofern die Sache eine andere Wendung nehme, so werde er öffentlich bekannt machen, man ha» bc ihm nicht Wort gehalten. Nun ließen sie sich in eine sehr umständliche Erörterung ein, um ihn durch die stärksten Beweggründe zu überzeugen, daß sie jederzeit aufrichtig zu Werke gegangen ftycn, immer gewünscht hätten den Frieden zu Stande zu bringen, und solches noch wünscht n. Hierauf nahmen sie Abschied von dem Legaten , der nun in einer weit bessern Laune war, als vorher. Von dieser Zeit an sprach man wenig mehr mit den Flamandern, welche sich bitterlich darüber beklagten, daß die Fra-zosen , gegen ihre ausdrückliche Versicherung, die FriedenStraktatcn angefen- gcn hatten, ohne mit hinlänglicher Vollmacht versehen zu seyn. Demungeachtet brachte es endlich der Franziskaner > General dahin, daß sowohl sic als der savoyische Gesandte die Zurückgabe von Berre und die Schleifung eines gewissen Fort bewilligten, welches der Herzog von S a v o y e n in der Gegend von Grenoblebesaß. Ferner sollte derselbe seinen Schutz einem gcwijscn l a Fortune entziehen, welcher sich eines Orts in der Provence bemächtigt hatte. Dann wollte man einen Waffenstillstand schließen, die Entscheidung aller Streitigkeiten, besage des Traktates, dem Pabst überlassen, und so den Frieden schließen. Dies alles sollte in der größten Geschwindigkeit bewerkstelligt, und zu dem Ende so bald als cs nur immcr geschehen könne, ein Eilbote abgeschickt werden. Des Wohlstandes wegen statteten hiecausdie Franzosen bey den Spaniern ihren Besuch ab, und unterhielten sich sehr lange mit ihnen über die Abfassung der Friedensarkckel. Mittler» weile machte sich der Legat allerley traurige Vorstellungen, denn ck hatte allcrley Leute um sich, die ihn mißtrauisch «Di I»2 ! M W OM t«, ich lllü «h! Mn W, iE« i «iki! tlbrH !'sch. tram'scb machten. Der König, sagten sie, habe sich rie nach dem Frieden gesehnt, und ftp auch d rmalen noch nicht willens ihn zu schließen. Er werde sich viel mehr sowohl mit der Königen von England als mit dm Staren von Holland vergleichen, und dann den Legaten auölachcn, daß er ihn fünf ganze Monate larg, auf eine für ihn und den Pabst so entehrende Art von Paris tntfernt hake. Es scy d mnack die höchste Zeit, daß er die Augen aufthue, diesen ganzen Vorgang aus dem rechten Gesichtspunkte betrachte, und sich nicht iä>gn-mit leeren Worten abspeisen lasse. Diese Reden fuhren - em Legaten als eben so viele Dolchstiche durchs Herz. Sie schmerzten ihn um so m hr, da er sich nicht wohl befand, und nicht nur von N erenschmerzen, sondern auch noch von einer Magenschwäche geplagt wurde. Er haue niemanden, gegen den er sein Herz auSschütten konnte, als nur den General der Franziskaner; auch war er für seine Person des ewigen Zauderns, und des unaufhörlichen Mißtrauens herzlich müde. Dessen allen ungeachtet, nahm der Legat sich fest vor, den Ausgang in Geduld abzuwartcn. Er glaubte nemkich, daß dieses dem Pabste um so weniger zu einigem Nachrhei! gereichen werde, da eö ihm nicht allein so gicng, sondern da die beydcn andern hierbey interessirten Parteien, sich in der Nothwendigkett befanden daS Nervliche zu thun. Da er überdies die Denkart des Königs jkannte, so konnte er sich gar nicht vorstellen, daß man ihn zu betrügen suche. Was endlich den Pabst anbelangt, so setzte er dessen Interesse gar nicht aufs Spiel, denn er war sehr überzeugt, daß ihn der König nicht nur bey andern Gelegenheiten sehr nörhig habe, sondern ihm auch wirklich mit Achtung und Liebe zugethan sey, so daß er, nach aller Wahrscheinlichkeit, ganz und gar nicht daraus aus« gehe denselben beleid gen zu wollen. Er nahm für bekannt an, der König müsse doch wohl nicht wtllenS siy« H 4 sich 12 » I / . < / ! ^ ^ ^ , '', r-'!<,>>-' 777rE ^ /-/ sich den Friedensunterhandlungen zu entziehen, weil er gleich von Anfang an sein Marquisat wieder zurück vcr- langt, und nicht die geringste Hofnung gemacht habe, sich unter irgend einer andern Bedingung zu fügen. Der Legat faßte daher den unabänderlich'n Entschluß die Un- tcrhandlungen nicht abzubrcchen, sondern vielmehr sich zu gedulden, seine Gegcnerinnerungen zu machen, zu bitten, zu ermahnen und auszuharren, und sich auf alle die Protestationen nicht einzulastcn , deren er sich auf Anrarhen einiger Leute bedienen sollte. Er befand sich in einer sehr kritischen Lage; doch setzte er sei e Hofnung auf Gott, auf das Gebet des Pabstes, auf die Redlichkeit desKonigs, aufdas allgemeine Be- dürfniß des Friedens, und aufdas Vertrauen welches beyde Parteien um deswillen in ihn setzten, weil sie seine Unparteilichkeit kannten, und vollkommen überzeugt waren, daß er ganz neutral scy, und weder aus Eigennutz noch Leidenschaft handle. Nachdem sich die Deputaten verschicdenemal mit einander besprochen, alles Vorhergehende rccapitulirk, und mit dem savoyischen Gesandten eine neue Ueberein» kunft getroffen hatten, ward am 2;stcn in Gegenwart dcS Legaten wieder Versammlung gehalten Herr von Beilievre erstattete bcy dieser Gelegenheit von allem Bericht, was in der Angelegenheit des Herzogs von Savoyen vocgcfallcn war, und bezog sich zugleich auf den ersten Vorschlag, welchen man dem Könige von Frankreich gemeldet hatte; doch fügte er hinzu, da Seine Majestät denselben verworfen hatten, und man keineswegs gesonnen sey, die Unterhandlungen deswegen abzubrechen, so scy man von neuem dahin überein« gekommen, nochmals einen Eilbote» mit anderweitigen Depeschen an den König zu senden. Der Inhalt derselben beziehe sich darauf, daß der Herzog von Sa« vo« F X? st,fit" W> r» N MU im! Ms, N m »itsl! Nil»! «Ä! § ^ > »ins 121 voyen Seiner Majestät zwey Monate nach Unterzeich. nung der Friedensartikel den Ort Berre wieder abtreten, das Fort bey Grenoble der Erde gleich machen, dem Capitain laFortune, welcher sich eines der Krone Frankreich zugehörigen Orts bey Grenoble bemächtigt habe, seinen Schutz entziehen, und alles übrige vermöge der vorhergehenden Ucbercinkunft, der Entscheidung dcSPabsteö anhnmstellcn wolle. Als Herr von Bellievre seinen Vortrag geendigt hatte, fragte der Legat alle Anwesenden, ob sie damit einverstanden wären. Sie antworteten: Ja; und der savoyische Gesandte bat ihn so dringend als möglich, diesen Antrag durch seine gütige Verwendung zu unterstützen. Als dieS geschehen war, entfernte sich der besagte Gesandte, die andern aber blieben noch zusammen , um verschiedene Punkte aufs sorgfältigste mit einander zu überlegen, an deren Berichtigung den bcyden Kronen ungemein viel gelegen war. Die Franzosen veranlagten den Beschluß, die FciebenSartikcl, sobald sie von allen Parteien unterzeichnet sepn würden, dem Legaten zu behändigen; der Friede selbst aber sollte geheim gehalten werden, und kei» ner von ihnen allen sollte sich eher von Vervins entfernen, als bis derselbe ganz abgeschlossen sey. Hiernächst verlangten sie von den Spaniern, die Festung Blavet solle gleich nach Unterzeichnung der Friedens« artikcl von der spanischen Besatzung geräumt werden, bis auf die Mannschaft, welche zu Bewachung derselben unumgänglich nöthig sey. Dies ward von den Spaniern bewilligt, doch unter der Bedingung, daß die Franzosen vorher die Schiffe und andere Erfordernisse herbey schaffen sollten, deren man hierzu bedürfe. Die Franzosen erwiederten, dies wären sie nicht schuldig. Jene versetzten, so möchten sie es wenigstens aus Gefälligkeit thun, und in diesem Fall erboten sie sich für die Zurücksendung der Schiffe Bürgschaft zu leisten. Die Hz Fran, !22 .- F anzosen verf raßen ihre thatigste Verwendung, um dies n Punkt zu berichtigen, doch konnte man leicht aus ihr-un Benehmen schließen , die^Sache werde keine sonderliche Schwierigkeit haben. Sammtliche Depukirke ensschuloigten sich nunmehr bey dem Legaten, daß sie ihm so viel Zeltverlust verursachten, und ihn in die Nolh. Wendigkeit setzten, während seines hiesigen Aufenthalts so mannichfaltiges Ungemach zu ertragen. Er ankwor« tcke, es sey freylich nicht zu läugnen, dafi cS ihm sehr übel gehe, doch lewe er mehr am G ist, als am Körper, und dies muss man weiter nicht achten. Da es nun einmal darauf ankomme, dies gottgefällige Werk zu einem glücklichen Ende zu bringen , so könnten sie sich fest darauf «blassen, daß er diesen Ort nicht von freyen Stücken verlassen werde, und wen» solches noch zehn Jahre lang dauere. Hierauf dankte er ihnen allerseits, sowohl im Namen des Pcckstes, als in seinem eigenen, weil er wohl einsähe, daß sie insgesamt einträchtig und ohne Rückhalt zu Werke giengcn, damit diese Sache ihre Endschaft erreiche. Vey diesen Worten ward er so sehr gerührt, daß ihm die Hellen Thronen auS den Augen raunen. Er drang sodann auf die Abfertigung des Eilboten, und schrieb einen sehr rührenden Brief an den 'gönig, worin er ihm alle möglichen Beweggründe an das Herz legte, und ihn bat die vorgeschlagenen Bedingungen zu genehmigen. Er zeigte diesen Brief den Franzosen, welche damit s hr zufrieden waren. Er sprach mit jedem derselben unter vier Augen. Bcyve machten ihm die beste Hofnungen, und sagten, die Ursache warum der Friede geh im gehalten werden solle, sey blos diese, damit die Verbündeten dadurch Zeit ge« wö mcn, demselben ebenfalls beyzutreten. Diese Ge« nugthuung sey man ihnen schuldig; doch habe der König keineswegs die Absicht, sich selbst um ihrencwillen zum Nachthcil zu handeln. Kurz, alle ihre Reden und Hand- ILA ! 'rM! z«l»z >H» ^ M «- B»lm Äj< im !»Aitzill s A»! Handlungen führten auf die Vermuthung, daß sie die Vollmacht zu Abschließung des Friedens bereits in Händen hatten Demungeachtct wollten sie dies nicht Wort haben, und ließen sich auch nie darauf ein , we« der öffentlich noch in geheim das geringste zu versprechen. Des andern Morgens, am 26sten Marz,gieng der Eilbote mit den Depeschen an den König ab. Nach seiner Abreise erhielten die Franzosen Briefe vom Staats« sekretair, Herrn von Villeroi, worin er ihnen unter andern die Versicherung gab, der König sey fest entschlossen den Frieden wieder hcrzustellcn, ob es gleich nicht an Leuten fehle, die dies sehr ungern sähen Nach« her kamen noch andere Briefe, wc,Ä j" l? tk»« V. Äi »E ' örti ,» !!ft >i,M! Mil!« M : W jitziii» ihk»^ tz«?'E die Berichtigung seiner Angelegenheiten zu sorgen. Auf der andern Seite versicherte er die Franzosen , der Cardinal Albert werde gewiß nichts unternehmen, was dem Friedcnsschluß zum Nachthell gereiche, indem dieser darauf abzwecke, ihm selbst die größten Vortheile zu verschaffen; denn eben dadurch solle er ja zum Besitz von Flandern gelangen, und die Infantin zur Ge- malin bekommen. Diese nemliche Vermahlung bahne ihm den Weg zum Thron von Spanien, und man sähe gar nicht, was ihn verhindern solle, denselben dereinst zu besteigen. Uebcrhaupt gab sich der Legat in jener Zeitfrist, die mehrere'Tage lang dauerte, ganz unbeschrcibr liche Mühe. Endlich kam der Eilbote wieder aus Spanien zurück, und überbrachte nicht nur die Vollmachten deren man bedurfte, um mit England in Unterhandlungen zu treten, und einen' Vergleich zu schliefen , sondern auch die Ratification des Friedenspunktes, welcher die Schleifung der Festungswerke von Bla- vet betraf. Der König erfuhr es, und drang nicht nur darauf, daß man die Sachen zu Vervi ns geheim halten solle, so. dcrn beklagte sich zugleich in seinem Schreiben, d ß der Eilbote auf seiner Reise durch Frankreich allerlei) Dinge auf eine sehr unschickliche Art bekannt gemacht habe, als zum Exempel: der Friede sey geschlossen; und wenn sich derHerzog von Savoven nicht mit dem Kö- nige von Frankreich vergleichen wolle, so werde ihn der König von Spanien seinem Schicksal überlassen. Alle diese unangenehmen Nachrichten wurden dem Legate» hinterbracht. Zu seinem noch größern Mißvergnügen veenahm er, daß in seiner Behausung allerley schlimme Nachrichten von Paris verbreitet wurden, vermöge deren man aussprengte , der König such? den Pabst und den Legaten bloß bey der Nase herumzuführen. Dies machteahn sehr be« bekümmert, doch blieb er noch immer sehr standhaft, und bestrebte sich, bald dieser bald jener Partey Much einzusprechen. In der That verließen sie ihn nie, ohne sehr beruhigt und zufrieden zu seyn. Uebrigens hielt - er alles was vorgenommen wurde, außerordentlich ge. heim, und ließ sich gegen niemand von seinen Leuten dar geringste davon merken. Dieß diente jedoch nur zu Ver« Mehrung seines Verdrusses; denn unaufhörlich belästig« ken sie ihn mit Klagen, die sie ihm entweder selbst vorr trugen, oder durch andere hinterbrmgen ließen» ES war wirklich zum Verwundern, daß er während der unaufhörlichen Angst und Unruhe, die ihm diese wichtige Sache von allen Seiten zuzog, nicht in eine Krankheit verfiel» Gerade zur Zeit, wo ihn diese Leiden am härtesten > drückten, kam in der Nacht vom I4ten April der Eil- bvte zurück. Der Franziskaner « General erfuhr eS eher als der Legat, und gab ihm des andern Morgens in aller Frühe davon Nachricht, ohne jedoch zu wis« sei, was er für eine Antwort überbringe. Er fühlte zwar diesfalls dem Herrn von Silleri auf den Zahn, konnte aber schlechterdings nichts von ihm herauSkriegen. Dies verursacht« dem Legaten sehr viel Kummer, denn I er befürchtete, der König werde wohl unabänderlich auf der Zurückgabe des Marquisatcs beharren. SeineBe» forgnisse gründeten sich hauptsächlich darauf, daß bk Franzosen so lange zauderten, ihm Nachricht zu geben, und daß sic dem General der Franziskaner gak nichts ! hatten entdecken wollen» Einige Zeit nachher machten die Franzosen dem Legaten ihren Besuch, und nun et» Üfnete ihm Herr von BelNevte, nach einer sehr weitschweifigen Einleitung, der König wolle Frieden, hübe nicht das geringste in seinen Entschlüssen geändert, r»nd sky gar nicht gesonnen, in deM( Mas jeithee »erhandelt worden Ware, auch nur die mindeste Neuerung vorzunehmen. Er genehmige daher die Bedingungen welche man ihm in Bettes des Herzogs von Sa- voyen vorgcschlagen habe, daß ihm „rmlich derselbe hcn Drt Bcrre wieder Zurückgabe, und daß er hingegen die Berichtigung seiner Ansprüche auf das D,^r» qMt Sa luzzo verabredeter»,aßen dem N th-ii deS Pabstes überlaste. Hiernächst aber verlange er sch- ch« tcrdings, der Cardinal Älberr solle rrut England und nuk den Staaten von Holland einen viermo,'etlichen Waffenstillstand schließen, damit diese ltstnrch Zeit gewönnen, mit dem besagten Cardinal wegen deS Friedens übereinzukommen. Er hvste, daß man denselben zu Stande bringen werde, obgleich die Holländer sehr große Anstalten zu Fortsetzung des Kriegs machten. UebngenS sey er es sehr wohl zufrieden, daß Man, sobald dieser Cardinal den erwähnten Waffenstillstand angenommen habe, den Frieden zwischen Frankreich, Spanien und Savoyen vollends abschließe, die zu diesem Behuf verfaßt N Artikel unterzeichne, und ße dem Legaten zu treuen Händen überliefere, daMiksie nicht eher öffentlich bekannt gemacht würden, als bis man allenfalls sähe, was sich noch weiter ereignen möchte. Diese Antwort war dem Legaten sehr angenehm. Sie ward zugleich durch ein Schreiben des Al-- lerchnstlichsten Königs l «kräftigt, welches in sehr höflichen und ehrerbietigen Ausdrücken abgelaßk war, die nicht nur den Pabst, sondern auch den Legaten in eigener Person betrafen. Ehe sich die Franzosen enks rn,» len. ließ ep den General der Frolizstkaner rufen und ttjuckike Herrn von Bellte vre, nochmals zu wiederholen, was er ihm so eben bekannt gemacht habe. Der General übernahm Nun den Auftrag, solches dkn Deputieren des vesugten Euidinais zu hiiucr- -dkm- »28 bringen, und that es auch wirklich. Eine Weile nach, her verfügten sie sich zu den Franzosen, und kamen env- lich nach vielem DiSputiren mir ihnen dahin überein, der Präsident Richardot solle sich aus den Weg ma, lhen, dem Cardinal Albert von derAntwort des Königs Bericht erstatten, und dessen Entschließung in Betccf des vorgeschlagcnen Waffenstillstandes von dort mit zurückbringen. Demzufolge reifere der Präsident am i;ten April vor Tagesanbruch mit Extrapost ab. Von diesem allen ward dem savopischcn Gesandten nicht das geringste zu wissen gechan, weil man besorgte, daß er es ausplaudern möchte. Dieser beschwerte sich höchlich darüber, der Legat aber suchte ihn wieder zu besänftigen, und benahm sich hierbep auf eine so meisterhafte Art, daß sie alle mit dem zu frieden waren, was er ihnen verstellte. Niemand widersprach, Venn sie allerseits liebten und ehrten ihn unbeschreiblich. D e Zurückkunft des Präsidenten, erfolgte den r tzken April Nachmittags. Unmittelbar darauf begab sich der General zu ihm, um zu vernehmen, waS er für Neuigkeiten mitgebracht habe. Der Präsident eröfnete ihm, der Cardinal habe den Waffenüillstand mit den Holländern durchaus nicht eingehen wichen, im dem seine eigene sowohl als auch des Königs von Spanien Ehre darauf beruhe, keinen Vertrag mit reb.lli- schen Vasallen zu schießen, welche sich überall rühmten, sie würden weder Friede noch Waffenstillstand mit dem alten Könige von Spanien machen. Der Präsident entschuldigte sich sodann, daß er den Cardinal zu nichts weiter habe vermögen können, ersuchte ihn, dies dem Legaten zu melden, mir den Franzosen aber sobald noch nicht davon zu sprechen. Aeußcrst unzufrieden gierig nun der General zum Legaten, I2Y ^ !W, bis 7/!t-t> mKk> WM, kh!k d!I ItÄs i!> ,»,W§ M» , «>! ttd^ »> wklchcm er alles haarklein erzählte. Dieser betrüge D' sehr, und fragte den General, wie man es nun weh! ansteiicn muffe, damit die FriedenSunterhand'un- gui deswegen nicht etwa ganz abgebrochen werden möchten. Nachdem sie d-e Sache lange genug überlegt hatten, wurden sie endlich darü er ci-iig, sie wollten die Franzosen kommen lassen, damit ihnen der Legat jene Antwort ganz in geheim hinterbringe, und sich ihren Rach in Betreff dessen erbitte, wie man sich nun zu Vermeidung des FricdensbrucheS zu verhalten habe. Anfänglich bezeigten sich die Herrn von Bcllievre und von Silleri über diese Neuigkeit äußerst betroffen. Sic waren, sagten sie, nicht nur feil st betrogen worben, sondern hätten auch ihren König betrogen; denn auf die Aeußerungen der Deputaten des Cardinais, hätten sie dem Könige geschrieben, sie machten sich die ge- gründelsic Hofnung daß man den Maffenstilisirnd ein- gehen werde. Jetzt könnten sic nun nichts mehr Vorschlägen, nichts rachen, sondern wären vielmehr entschlossen , die Unterhandlungen sogleich selbst abzubrc- chen, solches dem Könige zu melden, und abzureisen. Vom Frieden solle man nur gar nicht mehr mit ihnen reden, denn diese Sache ssy ihnen äußerst verhaßt; waS sie in dieser Rücksicht gelhan hätten werde sie in das größte Unglück stürzen; denn sie hätten ihren König betrogen, wiewohl sic hieran ganz unschuldig und selbst zuerst betrogen worden wären. Der Legat luß sich durch die Ausbrüche ihres Zorns nicht irre machen, sondern suchte sie vielmehr mit der größten Sanft« muth wieder zu begütigen. Zu dem Ende sagte er, wenn ße die Unterhandlungen abbrcchcn wollten, so könne er dies frcylich nicht hindern, aber seines Erachtens müsse man es zu vermeiden suchen. Hiernächsi machte er ihnen verschiedene Eröfnungcn, um sie von etwas anderm iu unterhalten, und ihnen Zeit zur Besinnung zu lassen. N. Senkwürdigk. XIV. B. I M ltt- rzo . . Mittlerweile schickte er nach dem General, welcher auch -sogleich kam, und alles rcferirte. was er von R i chac. dot vernommen, und dem Legaten erzählt harre. Auch «r sagte zu den Franzosen, eg siehe ihnen allerdings frey, die Friedenstraktaten abzubrechen, «der damit habe es ja noch Zeit, und er scy der Meinung, sie müß. tcn dies nicht eher thun, als bis sie jene Antwort aus RiÄardocS eigenen Munde vernommen hätten. Herr von Bellievre ward wieder etwas ruhiger, und sagte: nicht ihnen, sondern dem Könige komme eS zu daS Frievensgeschäft adzubrechen. Es werde ihnen folglich sehr angenehm ieyn, wenn sie sogleich eine bestimm« 1e Antwort erhielten, um sonder Verzug einen Eilboten an Seins Majestät absendcn zu können, indem dieselben Ihren Bundesgenossen versprochen hätten, daß sie aus jeden Fall sich mit ihnen vergleichen würden, wenn «uch der Waffenstillstand nicht zu Staude kommen soll, te» lleberhaupt wären sie gar nicht gesonnen, sich noch länger Key der Nase hcrumführcn zu lassen, um bcydcm Könige in Ungnade zu fallen, als wohin cS die Spanier nach aller Wahrscheinlichkeit zu bringen suchten. Sie verlangten demnach ein für allemal Antwort, und da sie hiermit darauf antrügen, so crsodere cs die Höflichkeit, daß ihnen jene mir der Antwort entgegenkämen. Der Franziskaner-General erwicderte, dies bringe freylich die Höflichkeit mit sich, aber Richardot scy ein alter Mann , und noch überdies sehr ermüdet von seiner Reise. Et glaube daher, man könne die Sache bis auf den folgenden Tag verschieben, zumal da eS jetzt bereits Nacht sey. Die Franzosen aber wollten dies durchaus nicht gestatten, sondern behaupteten vielmehr, man müsse sogleich einen Eilboten fortschickcn. Als der Legat sah, daß sie hierauf bestanden, und da eS ihm auf der andern Seite doch schien, als wenn Herr von Bel' jievre wieder ein wenig besänftigt scy; so that er den Vor- s-'-° M' ikk ^ Ws lB> Hill I-iz- ift z , lass ' kk^ j! s^° hijj , ------ -- rzr Vorschlag, der Franziskaner-General solle sich zu den Flamänder» verfüge» , denselben erzählen was bcy dem Legaten vorgefallen scy, und ihnen sagen, sie möchten doch Antwort ertheilcn, weil sich die Franzosen durchaus nicht langer gedulden wollten. Der General gieng demnach zn ihnen , versprach aber gleich wieder zu kommen , und von dem, was er bey ihnen auögerich- tet habe, Bericht zu erstatten; welches er auch that. Mittlerweile bestrebte sich der Legat, die Franzosen vollends zu begütigen, und sagte zu ihnen: der König habe keine Veranlassung sich zu beklagen; es scy hier nicht etwan um eine geringfü- gige Sache zu thun; man müsse demnach die Abbrechung der Friedenstraktaten so lange als möglich verschieben. Es komme ihm ganz undenkbar vor, daß sich nicht ein oder das andere Mittel finden solle, um das Hinderniß welches jetzt ein getreten sey, aus dem Wege zu raumen. Letzteres sey eben von keiner gar großen Bedeutung, wenn man nur die eigentliche Beschaffenheit und Wichtigkeit der Sache gehörig erwäge. Er wisse ganz zuverlässig, daß die Flamänder über diesen Vorfall sehr mißvergnügt seyen, und er halte diese ihre Aeußerungum so mehr für unverstellt, da sie ihrer Seits ebenfalls überzeugt seyn müßten, daß er jederzeit auf- richtig mit ih nen umgegangen sey; denn erhübe ja dieser Sache wegen seit einem halben Jahre so viel erduldet, als ob er am Kreuze hienge. Wenn ja die Unterhandlungen ganz abgebrochen werden sollten, so erfodere es seiner Meinung "ach, di« Billigkeit, die Sache so ein- 2 » zu- zu leiten, daß der Pabst keine Ursache ha. be sich über sie insgesamt, sondern nur über diejenigen zu beschweren, die daran Schuld wären. Man streite sich jetzt bloß übrreinen ziemlich unerheblichen Ehre n. punkt, und werde sich wahrscheinlich noch in d e r G ü te deswe ge n ver g lc i che n. Wenn dieses aber auch nicht geschähe, so sey cr doch jederzeit bey diesem Geschäfte so gerade und ehrlich zu Werke gegangen,-daß alle diejenigen, welche solches sehr gut bezeugen könnten, die Verbindlichkeit auf sich hätten, die Welt, welche die Be« geben Heiken nur immer nach ihren Folgen zu bcurtheilen pflege, von der Wahr- heit zu überführen, indem cr dem Könige und dem Königreiche mit dem reinsten Eifer gedient habe. Herr von Bellievre vcr- setzte, der Legat habe Recht, und man werde nicht ermangeln , sein Verlangen zu erfüllen. Uckrigcns sey rs ihm sehr leid, daß er sich umsonst und um nichts so viele Mühe gegeben habe. Jetzt trat der General herein , und schien außerordentlich zufnedns zu seyn. Er bat sie, die Depeschen nicht eher als des andern Morgens abgehen zu laßen, weil Richardot wirklich krank sey, und weil man ihnen noch überdies vielleicht solche Gründe vortragen möchte, worüber sic eben keine Ursache haben würden, sich von neuem zu erzürnen. Nun gaben sich die Franzosen zwar zufrieden, aber dennoch machten sie sich nicht anheischig, den Eilboten nicht abzuscndcn. DeS andern Morgens machten die Spanier dem Legaten ihren Besuch, und bare» ihn, er möge doch seinr Einwilligung dazu kubelle», daß der Zranziskamr- Gene- 'll-d st«« tt,°z» k", kij --r zu Weil' l'/k Tc>! « §-/- l Veft, - ^«>z! > jmLl- , lsiir«' nchlk^ >f.« k!> «Mj» rm?«' ßrbl"^ k -^'1 7.,^' General nach Brüssel reisen dürfe, um das, was der Allirchrlstlichste König begehre, ncmiich einen drei) monatlichen Waffenstillstand, zu Stande zu bringen. Dies erlaubte der Legat; auch schrieb er zugleich an den Cardinal Albert, und bar ihn, die Friedensunterhandlungen erleichtern und beendigen zu helfen, ohne hierbei) auf Nebendinge Rücksicht zu nehmen, die weder von großer Erheblichkeit wären, noch gebilligt zu werden verdienten. Der Franziskaner-General machte sich demnach auf die Reise, und beschleunigte sie dergestalt, daß er schon am 2 zkcn inBrü sse l anlangte. Während dieser Zeit schrieb er einen Bri f an den Legaten, worin er ihm aus eine höfliche Art zu wißen that, die Sache gehe gut. Als er zurück kam, berichtete er, besagter Cardinal habe für gut befunden, den Waffenstillstand nur auf zwty Monate und nicht länger zu bewilligen. Dies veranlaßte viel Laufens hin und her, und allerlei) Weitläuftigkeiten zwischen den Franzosen und Flamän- dein. Endlich kamen die Franzosen und alle übrigen miteinander überein, die Frievenöarttkel ans eben die Art zu unterschreiben, wie man cs bereits verabredet hatte, ohne jedoch bey dieser Gelegenheit der Verbündeten zu erwähnen. Hierauf ließen sie sich sehr angelegen ftyn, ihre Papiere in Ordnung zu bringen, und als sie über alle Hauptpunkte einig waren, gaben sie einander bas Wort, einen Waffenstillstand mir den Ver« bündele» zu bewirken, der sich aber nur auf zwey Mo- nate erstrecken, und von dem Tage anfangcn sollte, an welchem die beyden Kronen nebst Saovyen den Traktat ratificircn würden. Kaum war dies beschlossen, da säete der Teufel schon wieder Unkraut unter den Walzen. Als nemiich die Artikel zwischen den beyden Kronen ausgesührt wer- I 3 en den sollten, thaten sich neue Hindernisse hervor, die bcynahe einen völligen Bruch nach sich gezogen hätten; denn die Franzosen wollten, in Betreff des Königreiches Navarra, ausdrücklich die Worte eingerütkt wissen, daß die Prascription dem Aller christlich, sicn Könige nicht zum Nachtheil gereichen solle. Dies wollten die andern nicht zugebcn, weil cs ihnen vorkam, daß hierdurch die dercinstigc Anwartschaft des Königs von Spanien gekränkt und geschmälert würde. Nun lief man abermals so lange hin und her, bis endlich die Franzosen für gut fanden, es solle ganz und gar nicht mehr von dieser Sache gesprochen werden. Sie erweiterten hierauf die Artikel, und beschlossen, gegen den Rath und Willen dcö Legaten, einen Eilboten deswegen an den Cardinal Albert zu senden, indem sie Vorgaben, da er ein so naher Nachbar scy, so werde cs einen hohen Grad von Ünhöflichkeit verrathcn, wenn man ihm diese Nachricht nicht mittheilte. Man entließ sie demnach und erweitert tc indeß die Artikel, welche den Herzog von Savoyen betrafen, und worüber cs abermals zu Streitigkeiten kam. Der Legat hoffte noch immer das Veste, zumal da er von allen Parteien die Versicherung erhalten Hatte, daß nun keine ferner» Hmdcrniffe mehr eintrcte» würden. Demungcachtct hatte er noch allerlcy Bedenklichkeiten, und war sogar Willens, in aller Stille nach Rom zu schreiben, wie ihm die Franzosen gerathen hat» ten. Dies alles ereignete sich zwischen dem 27sicn und letzten des Aprilmonacs. An letzterwähntem Tage gegen Mittag, kam der Eilbote, welchen man nach Brüssel gesandt Halle, mit Depeschen vom Cardinal Albert zurück, die an dessen Dcxutirte gerichtet waren. Vermittelst derselben billigte er alles was man ncgociirt hatte, ohne die geringste Veränderung, bis auf einige uns -V'b !l HK j» At«zks> «kc«, ,1 KÄ> il» bs !Ml V Tni », LÄ -Mit« j ^ aseptt s ^iizk->W ^ ;« >Ili!i»s' ,«Kd'! Ai»!^ —-- IZ 5 beträchtliche Kleinigkeiten. Mithin hatte man nunmehr nichts dringcnderS zu thun, als die Schriften in Ordnung zu bringen, und die Angelegenheiten wegen Sa« voycn zu berichtigen. Hier zeigte sich abermals ein neues Hindcrniß, wegen 'Auslieferung der Kriegsgefangenen; denn der savoyische Gesandte behauptete, da, sein Herzog ihrer ungleich mehr hätte, als die Franzo« sen, so verstehe sich von selbst, daß sie ranzionirt werden müßten. Die Franzosen aber behaupteten das Gegen- theil, und sagten , da man mit den Spaniern die Ueber- emkunst getroffen habe, daß man alle, nur diejenigen ausgenommen, welche sich noch nicht dazu verstanden hätten Ranzion zu bezahlen, wieder auf fr« yen Fuß ft- zen wolle, ohne auf ihre größere oder geringere Anzahl Rücksicht zu nehmen; so muffe Savoyen das Ncmliche zugestehn. Da man hierüber nicht einig wer« den konnte, so ward diese Sache bis auf den folgenden Tag, den ersten May, verschoben. Sie fand zwar viel Widerspruch, doch wurden endlich alle Hindcrniffc, aus Achtung für denK'gaten, beseitigt, der hierbey vollauf zu thun hatte. Endlich, als man sich wieder in sei« nem Beyseyn versammelte, wurden die Fricdcnöartikel zu Papier gebracht, und ihm zu treuen Händen übergeben, damit sie, wofern sich solches bewerkstelligen ließe, den laufenden Monat über geheim gehalten, und sodann den Parteien zugcstcllt werden sollten; doch mit dem Vorbehalt, daß er so geneigt scyn, und ihnen dieselben mch früher ausliefern möchte, wofern sie mit einander Übereinkommen sollten, sie zurückzusodcrn. Nun sandte man einen Eilboten ab, mn die bcy- den Könige hiervon zu benachrichtigen. Dies geschah des Nachmittags um vier Uhr, französischen Zeigers, weil man mit Ausfertigung der Depeschen am vorher« gkhenden Abend nicht fertig geworden war. Gott fty I4 'für IZ6 ------ für diesen glücklichen Ausgang gepriesen; denn er fügte eS durch seine unendliche Macht, und durch seine große Barmherzigkeit, daß dieses wichtige Geschäft zum Wohl der ganzen Christenheit ein so gesegnetes Ende nahm. Artikel des am zweyten May 1598 zu Vecvins geschlossenen Friedens. Namen Gottes des Vaters. Allen und jeden, welchen jetzt oder künftig daran gelegen, fty hiermit kund und zu wissen: Nachdem daS Königreich Frankreich und die Provinzen der Niederlande, durch die, mehrere Jahre lang gedauerten, inncrn und auswärtigen Kriege, großen Verlust, Schaden und Nachtheil erlitten haben, hierdurch auch die Königreiche Spanien und England, bcnebst dem Lande Savoyen, sehr beeinträchtigt worden sind, und da zumal der gemeinsame Feind des christlichen Namens, wahrend unserer Unchüeksfällc seinen Vorkheil ersehen, und unsere Uneinigkeit dazu benutzt bat, in den Ländern der Christenheit eben so große als höchst gefährliche Fortschritte zu machen, und einen Theil derselben gewaltsam an sich zu reißen; In dessen Erwägung hat unser heiligster Vater, Pabst Clemens, dieses Namens der Achte, voll Verlangen jenem Un- weftn zn steuern und solches von grundauS zu heben, den Hocbgebohkncn und Hochwürdiqsten Cardinal von Florenz, Alexander von MediciS, Seinen und des heiligen apostolischen Stuhls Legaten, nach Frankreich dklezirt, und ihn zu dem Erhabenen, Durchlauchtigen und 137 Großmächten Fürsten, Heinrich den IV, von Gottes Gnaden Allerchristlirbsicm Könige von' Frankreich und Na. varra, in der Absicht gesandt/ um denselben dahin zu vermögen und zu bereden, daß zwischen ihm und dem Erhabenen Durchlauchtigen und Großmächkigen Fürsten, Philipp dem II, von Gottes Gnaden katholischem Könige, von Ca- stilien, Leon, Arragon, bcyden Sicilien, Jerusalem, Portugal!, Navarra, Indien u. s. w. als an welchen deshalb sowohl von Seiner Heiligkeit selbst, auch durch Dero Nuntius, die nemlichen Ermahnungen und Vorstellungen ergangen seyen, «in guter dauerhafter Friede, wie auch Freundschaft und Eintracht, wieder hcrgestellt würde. Und da hiernächst der besagte heilige Vater in Erfahrung gebracht harte, daß der besagte katholische König und Herr, das besagte Friedcnsge- schafk seinem Neffen, dem Erhabenen und Großmachtigc» Fürsten, Albert, Cardinal - Erzherzoge von Oe stcrr e i ch, sowohl wegen des in ihn gesetzten Vertrauens, als auch wegen seiner von jeher zum Frieden geneigten Gesinnungen, übertragen, und denselben hierzu bevollmächtigt haben, so wären Seine Heiligkeit hierdurch bewogen worden, den Hochwürdi- gew Pater, Bruder Bonaventura Calatogirone, General vom Orden des heiligen Franziskus, an dcnscl- den zu senden, damit er ihm Dero in dieser Rücksicht geäußertes Verlangen, und zugleich auch das zu erkennen geben möge, was ihm von den Gesinnungen des besagten Katholischen Königs und Herrn, in Betreff des besagten Friedens bekannt worden scy. Nachdem nun dem besagten Allcrchrisi- lichsicn Könige und Herrn, von dem besagten Pater General, vermöge des von Seiner Heiligkeit crtheilcen Auftrages, alles gchörig eröffnet und vorgesiellr worden, so haben diese Könige und Herren, sowohl aus wahrem Frömmigkcitseiftr, als auch vermöge des Mitleids und der innigen Pcrrübniß, welche sie i„ ihren Herzen über die langwierigen und schweren Bedrückungen, die ihre Königreiche, Länder und Unlerkhanen, während der besagten Kriege erduldet hatten und noch derma- Äs lea -38 len erduldeten, sich bewogen gefunden, nicht das geringste von dem zu unterlassen, was ihnen als guten, gottes- fürchtigcn, und ihre Unterthanen liebenden Fürsten obliege, um der gesamten Christenheit, besonders aber denen Landern, deren Regierung ihnen von Gott anvcrtraut scy, wieder eine dauerhafte Ruhe und Sicherheit zu verschaffen. Da sic nun, wie Venn solches ohnehin ihre Schuldigkeit mit sich bringe, den weisen und väterlichen Ermahnungen unscrS heiligen Vaters gehörige Folge zu leisten pflegten, so haben sie in Gcmasheit derselben, alle ihre Freunde und Bundesgenosse» ermahnt, mit ihnen gemeinschaftliche Sache zu machen, und sich zu einem guten dauerhaften Frieden, wie auch zu Wie. derhcrstellung der Eintracht und des guten Vernehmens zu verstehen, damit dadurch die Ehre Gottes, die Verherrlichung seines allerchristlichsten Namens, die Ruhe und Sicherheit aller christlichen Staaten, und das Heil und Wohl aller ihrer Völkerschaften und Unterthanen, befördert werden möge. Um demnach zu diesem Endzweck zu gelangen, und in der Absicht jenen Friedens- uud FreundschastSeraktat zu verabreden, zu beschließen und festzufttzcn, habe man hierzu folgende Personen deputirr und bevollmächtigt, nemlich: von Seiten dcS besagten Allerchristlichsten Königs und Herrn, den Herrn Ritter Pompenius von Bcllicvre, Herrn zu Grigno », königlichen Scaaksrakh; und den Herrn Ritter NiklaS Vrulart Herrn von Sillery, ebenfalls königlichen StaatSrath und Präsidenten des ParlemcntshofcS von Pari S; und von Seiten des besagten Herrn Cardinal-Erzherzogs, im Namen des besagten Königs und Herrn, und vermöge der demselben von besagtem Könige und Herrn crtheil- ten Vollmacht: den Herrn Ritter Johann von Richards t, Chef und Präsidenten des königlichen gehcimdcn Raths Collegiums, wie auch königlichen Sraateralh; den Herrn Ritter J ohann Baptist von Taxis, Commandeur de Los Santos des militärischen Ordens von Sanct A a go, wie auch Staats - und Kriegsrath; und den Herrn Ritter MtterLudwig Verreiken, Oydor (^uäiencier), Obcr- stsatssecretar und Arckivbcwahrer des besagten Staatsrathcs; sie samt und sonders mit hinlänglichen Vollmachten versehen Ivaren, welche der gegenwärtigen Urkunde angchängt werden sollen, und vermöge deren sie, im Beyscyn des besagtes Herrn Cardinal - Legaten , welcher lang und unverdrossen an der Beförderung dieses Friedens und Aussöhnungs-Geschäfts arbeitete, nachfolgende Artikel beschlossen, bewilligten und zrr, Stande brachten. Nemlich:. I. Erstens verabredete und bewilligte man, daß der Feie« Seirötraktat zwischen den besagten Königen und Herrn, Heinrich dem lV und Philipp dem II, in Gemäöheit und mit völliger Genehmigung derjenigen 'Artikel geschlossen und zir Stande gebracht werden solle, die in dem FriebcnStrakrate enthalten waren, welcher zu Chateau en Cambrcsis im Jahr 1559, zwischen dem weiland Durchlauchtigen Heinrich von Frankreich, glorwürdigsten Andenkens, und dem besagten katholischen Könige und Herrn, geschlossen wurde. Und dieser nemlichc Traktat, ward von dem besagten und obbenanntcn Deputaten, in allen seinen Punkten also und dergestalt genehmigt und bekräftigt, als ob er Gegenwärtigem von Mort zu Wort cinvcrlcibt wäre, so daß weder in jenem »och in irgend einem der vorhergehenden die geringste Neues rang vorgenommcn wurde, sondern sie vielmehr samt und ftr-derS in ihrer vollen Kraft blieben, bis auf das, was klwan in gegenwärtigem Traktate ausdrücklich abgeäudert werden möchte. tt. Demzufolge soll hinführo, von dem Tage und Datum dieses gegenwärtigen Traktates an, zwischen den besagten Königen und Herrn, ihren bereits gebornen oder noch geboren werdenden Kindern, Nachkommen, Erbe» und Erbnehmer«, «in 140 ' ^ - - rin guter, sicherer, fester und dauerhafter Friede, und im- mcrwährenvcr ConfsdcrarionS- Allianz-- und Frenndscl>aftg- bund, geschloffen werden; sic wollen sich als prüder lieben, alle ihre Kräfte anwcnden, einander bey ihrer Habe, Ehre und Reputation zu schützen/ alles das treu und redlich ver. meiden, was einem oder dem andern zum Schaden gerri- chcn könnte, auch niemanden, wer es immer scyn möge, Schutz oder Hülse gewähren, der etwas zum Nachtheil des andern unternehmen möchte; auch wollen sie von nun an alle Feindseligkeiten einstellen, alle vorhergehende Mißhelligkeitcn, wie die immer Namen haben mögen, gänzlich vergessen und abge- than wissen, auch niemals deswegen die geringste Rache ausüben ; weswegen sie vermittelst dieses gegenwärtigen Traktates allen Praktiken, Verbindungen und Einverständnissen, welche auf die Beeinträchtigung eines oder des andern abzivek- kcn mochten, ein für allemal gänzlich entsagen, undzwarun« ter dem ausdrücklichen Versprechen, niemals nach etwas z» trachten, das einem oder dem andern zum Nachtheil gereiche» könne, auch sorgfältig zu verhindern, baß solches von ihre» Vasallen und Untcrthanen weder mittelbarer noch unmittelbarer Weise geschähe. Und sollte jemand von ihnen , wes Stan- deö und Würden ec auch immer scyn möge, dieser Ucbcrcin- kunft in der Folge zuwider handeln, und sich, cS scy nun zu Wasser oder zu Lande, oder aus irgend eine Art, dazu gebrauchen lassen, etwas zu unternehme» oder zu begünstigen, was einem der vorbcsagten Könige zum Nachtheil gereichen könne, so soll der andere gehalten und verbunden scyn, sich demselben zu widcrsetzcn, sein Vorhaben zu verhindern, und ihn nicht nur als einen stlcbertrcter des gegenwärtigen Traktates, sondern auch als einen offenbaren Friedensstörer zu bestrafen. III. Vermittelst dieses vorbcsagten Friedens und Freund- schaftötraktateS, sollen die beyderscikigcn Untcrthanen, wer sie «uch immer scyn mögen, wrnn sie sonst nur den Gesetzen und Lan- 14 ! l! ?-W,« avSchs llch es" m Eick i.ÄMjH nchiA ^ SP?.«> ^ ch «ft'i »m ihn MÄi» Uirw I,Wli» ! , Wjlw jiiHinlj kandeSgebrauchen gehörige Folge leisten, die Erlaubniß haben, m des einen wie in des andern Herrn Linde ab und zu reisen, wohnen, sich aufhaltcn, Umgang zu pflegen, und wieder zurückkchrcn zu dürfen, je nachdem sic cs für aut befinden werden, und zwar in Handel und Wandel, zu Wasser und zu Lande, auf Strömen und Flüssen, so, daß sie mit einander allerlei) Geschäfte und Handchierung treiben können, in welchem Fall die Unkerthanen des einen und des andern Landes auf eben die Art und Weise wie eigene Unlerthaneir geschützt und verkhcidigt werden sollen, wenn sie nur, der Billigkeit gcmäs, an gehörigem Orte, die Gebühren und Abgaben entrichten, welche von Ihren Majestäten und verm Nachfolgern verordnet und cingcführt find. IV. Auch werden hiermit alle Kaper- und Repressalien-Drie- fe wieder aufgehoben, unter was für einem Vorwände dicsel» bcn immer gegeben scyn mögen; cs sollen auch dergleichen hin- führo von besagten Prinzen nicht mehr zum Nachthcil ihrer wechselseitigen Unrerthancn crthcilt werden, ausgenommen nur gegen die vornehmsten Verbrecher, deren Güter und Helfers- Helfer; und auch dies nur erst alsdann, wenn eine offenbare Justizverweigerung eintritt, als von welcher, wie auch von den gerichtlichen Citarionen und Vorladungen, diejenige, welche dergleichen Kaper- und Repressalien-Briefe begehren, die gehörige Form und Weise vor allen Dingen auf eine rcchtSbe- hmdige Art anzuzeigm hätten. V. Die Städte, Unterchanen, Handwerker und Einwoh- »er in den beyden Grafschaften Flandern und Artois ' und andern niederländischen Provinzen, wie auch im Kö- uigrciche Spanien, sollen alle die Privilegien , Rech- te und Frcyheitcn zu genießen haben, die ihnen von den Kö- "'Zen von Frankreich, als Vorfahren des besagten Aller- ^ christ- christlichsten Königs und Herrn, bewilligt wurden. Und auf gleiche Weise sollen die Städte, Handwerker, Einwohner und Uneerthaucn im Königreiche Frankreich, ebenfalls die Privilegien, Rechte und Freyheit in den besagten Niederlanden und im Königreiche Spanien genießen, welche jeder von ihnen ehedem daselbst zu genießen hatte, und zwar gerade auf die ucmliche Art, wie sic dieselben vermöge des Traktats vom Jahr 1559, und anderer vorhergehende» Traktate, genießen sollen. VI. Auch ward beschlossen und festgesetzt, daß, im Fall der besagte katholische König und Herr, entweder vermöge einer Testaments, einer Schenkung, Resignation, oder wie un- untcr welchem Titel dies immer geschehen möge, seiner älteste» Tochter, der Durchlauchtigsten Infantin, Madame Isabelle, oder sonst jemanden, die sämmtlichcn Provinze» der Niederlande, nebst den Grafschaften Vurgundun- Charr 0 l 0 iS, übergeben und überlassen sollte, alle diese besagten Provinzen und Grafschaften, in gegenwärtigem Trat- rare auf eben die Art und Weise begriffen seyn sollen, wie sie in jenem vom Jahr 1559 begriffen waren. Auch solle zugleich die besagte Dame Infantin, oder derjenige, zu dessen Gunsten der besagte König und Herr, jene Verfügung treffe» würde, ebenfalls mit darin begriffen seyn, ohne daß man nö- ihig habe, dieser Sache wegen einen neuen Traktat zu schließe». VII. Auch sollen die Unterthanen und Diener des einen wie des andern Theils, sowohl geistlichen als weltlichen Standes, wenn sie auch gleich der Gegenpartei) gedient harren, wieder in ihre Bedienungen und Bencsizien auf eben die Art eingesetzt werden, wie sie dieselben vor Ausgang des Monats Dc- ccmbcr 1 ; 3 8 besaßen, nur allein die Pfarrcyen ausgenommen, welche vielleicht auf eine dem kanonischen Rechte gemäße Art Art, an andere vergeben seyn möchten; auch soll ihnen samt und sonders zugleich der Genuß ihrer beweglichen und unbe- geglichen Gürrr, so wie ihrer immerwährenden, lebenslang» licken, oder wiedcrkäuflichen Einkünfte, die ihnen bey Gelegenheit des zu Ende des Jahres , 5 58 auSgcbrochcnen Krieges, entrissen und cingezogcn Waren, wieder so gestattet seyn, daß sie dieselben von dem Tage an, wo der FriedmSschliiß öffentlich bekannt gemacht werden wird, wieder frey und ungestört genießen können; das Ziemliche soll auch von denen gelten, die ihnen seitdem durch Erbfolge oder auf andere Art zugefallcn und zu Theil geworden sind; doch sollen sic diesfalls keineswegs prozessiren, oder diejenigen Früchte zurückfodcrn, welche bis auf den Tag der öffentlichen Bekanntmachung des gegenwärtigen Traktates von jenen unbeweglichen Gütern erhoben worden sind; auch sollen sie nicht berechtigt seyn , die Schulden einzukreiben, welche vor dem besagten Tage confiszirt wurden, sondern es soll vielmehr die Lercheiiung, die entweder der Fürst, dessen Stadt- Hairer, oder Bevollmächtigter, bis zu dessen Jurisdiction sich die Kraft des besagten Beschlusses rückwärts erstrecken soll, damit vorg-nommen har, oder noch vornehmen möchte, für gut und go.ttg erkannt werden; auch sollen die, welche dergleichen Schulüpostcn ausgcliehcn haben, oder deren Stellver» > kreier, deshalb weder eine gerichtliche Klage, noch irgend eine Acnsn, wie dieselbe immer Namen haben möge, gegen solche Personen anstelicn können, welche dergleichen vorbcsagte Geschenke erhalten, oder in Kraft solcher Schenkungen und Eon« Marionen, dergleichen Schulden bezahlt haben, sie mögen übrigens unter noch so gültigem Vorwände gemacht seyn; und wem, auch die besagten Gläubiger wirkliche Obligationen und Schuldbriefe darüber in Händen Härten, so sollen dieselbe^, krasc der bcsagren Confiscation und vermöge dieses Traktates, für null und nichtig erklärt, und auf immer cassirt seyn und bleiben. ,44 VIll. Auch sollen die besagten Uuterlhancn und Diener, des einen wie deS andern ThcilS, in ihre unbeweglichen Güter und obcrwähnkcn Einkünfte also und dergestalt wieder eingesetzt werden, daß hicrbcy weder Schenkung, Bewilligung, Vcr- zichrlcistung, Lchnvcrsall, oder SonfiScacion, noch irgendein Rechtsspruch, der wegen boshaften AnßcnbleibcnS, oder in Zlbwescnhcit der Parteien, oder ohne deren vorgangigeö Verhör, Key Gelegenheit des besag!-',, Kriegs erlassen worden, ganz und gar nicht in Betrachtung komme, es solle» vielmehr dergleichen Sentenzen und Ucrhcilsprüche, wie sie auch immer beschaffen seyn mögen, sowohl in civil als crimi- nal Fällen, sür null und nichtig, kraftlos und ungeschehen, geachtet werden, so daß jene Unterthanen in dieser Rücksicht wieder völlig in intsArnin restiruirt werden, und alle RcchtShindkt- niffe und Widerspruche, die ihuen zu Anfang des besagten Kr,egs entgegen standen, gänzlich aufhören sollen, und folglich nie. manv befugt scy, einen oder den andern von ihnen, wegen eines während des besagten Krieges besorgten Auftrags oder öffentlichen Geschäfts, cs betreffe nun Lebensmittel, Geldangelegenheiten , oder etwas anderes, wenn er seinen Vorgesetzten bereits Rede und Antwort gegeben hat, zur Verantwortung zu ziehen, wofern nur den besagten Unterthanen und Dienern kein anderes Vergehen oder Verbrechen zur Last fällt, als daß sic der Gegcnpartcy dienten. IX. Auch sollen sic, diesem unbeschadet, in die Staaten, Lander uns Herrschaften der besagten Könige wieder zurückkehren dürfen, ohne vorher deswegen um Erlaubniß zu bitten, und ohne die gewöhnlichen, mir dem großen Jnsicgcl Ihrer Majestäten besiegelten Frcnbriefe nöthig zu haben, weswegen sic hiermit von vcr Obliegenheit loSgcsprochcn werben, dieselben von den Beamten ihrer Majestäten gerichtlich bestätigen zu lassen. X. Die- !4Z -h« vä «r, iS s>I»s Diesenigen, welche von besagtest Königen und Herrst- ,der ändern weltlichen Personen- geistliche Aemcer usth Prä- Lkiiden- oder doch wenigstens das Präsentations-Recht und anderweitige Anwartschaft darauf eryälten haben, sie mögen nun ju diesem oder jenem Theiie gehören, sollen im Besitzung Genuß der besagten geistlichen Aeimer und Präbenden bleiven- Lts Leute, die damit alif eiste vollgültige und kechcssestänvigä Ärt vetsehest worden; tck«, p ÄM' »Ätz l !I>, rip i Nst ktl! i hO-I ,I I MW» i !«I>^ bk rni> !l»l t !lk § XI. Zum Äehuf und in Erwägung dieses Friedens- W- Such aus der Absicht, daß die besagten Könige und Hebest einander vollkommen zufrieden stellen wollen, hat man Sie Übereinkunft Und Abrede getroffen, daß einer dein aNVern alles das wirklich- treu und ohne Gefährde wieder abtrere untz jurückgrbe, waS Nach Gesinden der Sache- in des einen Wik in des andern Lande- entweder von ihnen selbst- oder doch ist ihrem Namen und durch die, welche hierzu den Auftrag dvn ihnen erhalten hatten, erobert, hmweggenömimn, oder Suf andere Art in fremde Hände gekommen ist. Kck Akerchtistlichste König und Herr Überläßt Nkmlich deist Raihviischen Könige Und Herrn- den Genuß und Besitz der Grafschaft Charöläis, nebst allem was dazu gehör! und dabo» abhängig ist- välnit sowohl er als seine ÄNchsolge»! im vollständigen und ungestörten Besitze derselben - unter dee ÖbWrrschast des Königs Lon Frankreich, verbleiben tnö» geck Und sollte es sich ergeben - daß außerdem noch anders Platze fest dem besagten Frieden vom Iahk i? z 9 V0n Seist AÜerchristljchsten Könige und Herrn- oder dessen Leuten ist Besitz genommen wären, sö solltest dieselben ebenfalls wieM jmilckgcgebm Werdest - lind vieS alles in Zeit üon zwei) Äss baten, dir Von dem Tage üstv Daiststi des gegenwärtigen FrtSs densrraktatS änfangen sollest; DenkwürVigkr DV; O- O Utü 146 -— XH. Züif gleiche Weise wird auch der Katholische König und Herr dem Allcrcbristlichsten Könige und Herrn diejenigen Plätze wieder zurückgebcn und abtrctcn, welche nach Befinden der Sache entweder von ihm selbst, oder von denen die den Auftrag hierzu von ihm erhalten hakten, oder doch wenigstens in seinem Namen, seit dem besagten FriedenStraktate von Chateau cn CambresiS, erobert, hinweggenommcn, oder auf andere Art in fremde Hände gcrathcn sind. - XIII. Ncmlich Calais, Ardrcs, Mont h ulin,Dour- lans, la Capelle, und le Castclet in der Picardie, Vlavct in Bretagne, nebst allen andern Plätzen, welche der besagte Katholische König und Herr, entweder dort, oder sonstwo in dem Königreiche Frankreich, seit dem besagten Traktate besetzt hat, und die entweder von ihm oder doch von seinen Leuten bisher zurückbchaltcn wurden. XIV. Was Calais, ArdrcS, Monthnlin, Dour- lans, la Capelle nudle Casteler anbclangt, so sollen diese Plätze von dem besagten Katholischen Könige und Herrn, oder dessen Ministern, wirklich und wahrhaft, ohne Verzug und Anstand, auf was Art derselbe immer gemacht werden könne, an den oder diejenigen znrückgcge- bcn und wieder abgetreten werden, welchen oder welche der besagte Allcrchristlichste König und Herr hierzu deputircn wird, und zwar genau binnen zwey Monaten, von dem Tage und Datum des gegenwärtigen Traktats an zu rechnen, in dem ncmlichen Zustande, worin sie sich dermalen bcstndcn, ohne das geringste darin niedcrzurcißen, zu beschädigen, oder zu schwachen, und ohne daß mau dcu mindesten Ersatz der auf die Festungswerke der besagten Plätze verwendeten Kosten, oder zu Bezahlung dessen, was man den darin besindlichm Soldaten kA! ^ I»!« kq l» Ui« Wil j! i i lt« j ssii« jj i° l-l hs-i >»Kl -47 E'>> chS»l > ^st«e ÄttU, hu» üitzr» , !>M !! issss I j«Ds , !lil»' itzllbss Ml» iK' im und Kricgsleuten etwa schuldig ftyn Mochte, verfangen oder tkgehrm könne. Und diese Zurückgabe soll so geschehen, kaß vorerst die Platze Calais und ArdreS, und hernach auch die andern abgetreten werden, daß also die völlige Zurückgabe der besagten Plätze, in der besagten Zeikfrist von zwey Monaten zu Stande komme. , X^. Was Blavek betrift, so soll die Zurückgabe desselben ebenfalls wirklich und treulich, ohne die geringste Verzöge- rung und Schwierigkeit, unter welchem Vorwand oder aus welche Veranlassung sie gemacht werden möchte, an den oder die erfolgen, welchen oder welche der Allerchristlichste König und Herr hierzu bevollmächtigen wird, und zwar in Zeit von drey Monaten, von dem Tage und Datum des gegenwärtigen iTraklals an gerechnet; auch soll eö dem Katholischen Könige und Herrn fccy stehen, die von ihm oder den Scinigen angelegten Festungswerke nieder reißen zu lassen, sowohl zu besagtem Blavet, als auch an andern von ihm zurückbchaltcnen Orcen in Bretagne, wenn es anders dergleichen daselbst geben sollte. XVI. Bcy der Zurückgabe der bcsagtcn Platze, soll es dM Katholischen Könige und Herrn unbenommen bleiben, die fämmtliche Artillerie, Pulver und Blei, Waffen, Lebcusmti- lkl und andere Kricgsbedürfnisse, welche sick zur Zeit der lieber- gäbe in den besagten Plätzen vorfinden möchten, hinwcgschaffen »u lassen. Auch soll cs den Soldaten , Kricgsleuten und andern, welche die besagten Plätze räumen werden, vergönnt ich», alle ihnen zugehörigen beweglichen Güter mikzuiiehmcn, doch soll ihnen keineswegs gestattet werden, von den Bewohnern der besagten Plätze und des platten Landes, das geringste zu erpressen, noch weniger ihre Wohnungen zu beschädigen, K s «der 148 —" ^ " oder irgend etwas mit fortzuschlcppen, was jenen Eiuwvh. nern gehört. XVH. Damit jene Kriegsleute, die sich in besagtem Bl», vet befinden, desto geschwinder wieder nach Spanien z«, rückkommen können- so wird ihnen der Allerchristlichste König und Herr, zu mehrerer Bequemlichkeit, Schiffe und Schifflcucc zukommeu lassen, damit stein diesen Schissen ihre Artillerie, Lebensmittel, KriegSmunition und Gepäck, sowohl aus Bl ave t, als auch aus andern in Bretagne befind, lichen Orlen, welche wieder zurückgegeken werden sollen, fort- schassen können; doch sollen sie vorher Gewahr dafür leisten, daß sie, in einer gewissen annoch zu bestimmenden Zeirfrist, die Schiffe wieder herauögebcn und die Schifficuke zurückschicke» wollen. XVIII. Ueberdies versprechen die besagten Deputieren, zur Gewährleistung für die Zurückgabe der besagten Platze, gleich nach der von Seiten des besagten Allerchristlichsten Königs er- folgten und gehörig beygcbrachtcn Ratification des gegenwärtigen Traktats, vier Griffeln zu stellen und auszuliefcni, welche sie zwar selbst wählen können, die aber ilnterrhaneit des Katholischen Königs und Herrn seyn müssen, und sö gut und ehrlich gehalten werden sollen, als es ihrem Stande und Charakter gemäs ist. Sobald jedoch jene Zurückgabe wirklich crsolgk und geschehen seyn wird, sollen die besagten Griffeln, treulich und ohne den geringsten Verzug, wieder auf sreyen Fuß gestillt werden - und zwar so, daß man unmittelbar nach erfolgter Zurückgabe der besagten Plätze in der Pikardie, zwcen von diesen Griffeln in Frcyheit setze, die andern beyven aber bis nach der Abtretung von Blavet zurückvehalce. XIX. XIX. WaS jene in dem besagten Fncdenstraktat vom Jahr i;;y enthaltenen Gegenstände betrisk, die zu Folge der gegenwärtigen Artikel noch nicht vollstreckt worden sind, so ft st deren Vollstreckung nunmehr vorgenommen, und das Rückständige wirklich vollstreckt werden, und zwar in Betreff der Lebnverbindlichkeit Ser Grafschaft Saint P a u!, der Gränz- berichligung beyder Reiche, der Jntcrimsbcsitzung von Ländereien , der Defreyung von Zollen und auswärtigen Abgaben, worauf die Grafschaft Burgund, bas DiSthum T e- rouenne, die Abtey Saint Jean au Mont, und das Herzogthum B o u i l l o n, Anspruch machen. Auch wird man die Zurückgabe einiger Ortschaften, worauf beyde Theile gleiches Recht zu haben vermeinen, vermöge des besagten Traktats bewerkstelligen, und überhaupt alle noch obwaltenden Streitigkeiten, der Ucbercinkunft gemäs, abthun und schlichten. Zu dem Ende wird man, wie solches in dem besagten Traktate festgesetzt worden, von beydcn Thcilen Deputiere und Bevollmächtigt« ernennen, welche sich binnen hier und einem halben Jahre an den hierzu bestimmten Orken versammeln sollen, wofern anders die Parteien solches zufrieden stad, und Nicht etwa» einen andern Versammlungsort anbcraumcn. XX. Und da bey Gelegenheit der in den Diözesen von A r- raS, Amienü, Saint-Omer und Boulogne, vsr- genommenen Vertheilung der Ländereien, den Bisthümcrn ArraS und Saint-Omer verschiedene französische Dorfschulen zugceignet worden, sich auch die BiSthümcr Amiens und Boulogne im Besitz einiger solche» Dorsschasren befinden, die in der Provinz A r to iS und in Flandren liegen, woraus denn zum öfter» allerlei) Handel und Irrungen entstehe»; so hat man deswegen die Ueberciskunft getroffen, nach vvrgängigcr Erlaubniß und Bewilligung unscrs heiligen Vaters des Pabstcs, von beydeu Theilcn bevollmächtigte Dcpu- K z kirte tirte zu ernennen , welche sich binnen hier und einem halbe» Jahre an einem zu bestimmenden Orte versammeln sollen, um miteinander zu bcrarhschlagen, wie und aus was Art die besagten Derfschaften zum Behuf des einen wie des andern Thcilr etwa vertauscht werden könnten, XXI. Alke Kriegsgefangene, welche sich noch in der Gewalt des einen und des andern ThcilS befinden, sollen wieder in Frcyheit gesetzt werden, wenn sie zuvor die verursachten Kosten ersetzen, und das bezahlen, was man rcchimaßigcr Weise an sie zu fodcrn haben möchte; doch sollen sic nicht gehalten scyn, sich auf irgend eine Art zu ranzioniren, wofern sie dies nicht ausdrücklich bewilligt haben, und hatten sie sich zu beklagen , daß sie hierin übernommen würden, so soll deswegen von dem Fürsten, in dessen Lande sie sich als Kriegsgefangene befinden, gehörige Verfügung getroffen werden. XXII. Alle andern Gefangenen, welche als Untcrthancn unter der Botmäßigkeit der beydcn Könige und Herrn stehe», und vielleicht während des Krieges das Unglück gehabt haben möchten, aus die Gallcrm Ihrer Majestäten geschickt zu werden, sollen sogleich wieder auf frcyen Fuß gesetzt und auSgelieferk werden, und dies ohne den gcriugsicn Verzug, unterwclchcm Vorwand derselbe je gemacht werden könnte, auch ohne das geringste unter dem Namen einer Nanzion oder für verursachte Kosten von ihnen zu begehre». XXIIl. Auch solle» dem Allcrchristlichsten Könige von Frankreich und Navarra, wie auch dessen Nachkommen und Stellvertretern, alle Rechte, Rcchtstitel und Ansprüche, welche er auf die besagten Königreiche, Länder und Herrschaften, oder auf irgend etwas anderes, aus irgendeinem r;i nem Grunde zu haben vermeint, und wofern entweder er oder seine Nachkommen nicht ausdrücklich darauf Verzicht gcthan haben, so Vorbehalten bleiben, daß er dieselbe jederzeit durch giicli- ll,cn Vergleich, oder im Wege Rechtens, doch keineswegs durch Gewalt der Waffen, wieder geltend machen könne. XXIV. Auf gleiche Weise sollen auch dem Katholischen Könige von Spanien und der Durchlauchtigsten Infantin, seiner ältesten Tochter, so wie ihren Nachfolgern und Stellvertretern, alle Rechte, RcchtStite! und Ansprüche, welche sic aus die besagten Königreiche, Länder und Herrschaften, oder auf irgend etwas anderes, aus irgend cincm Grunde zu haben vermeinen, wofern entweder sie oder ihre Nachkommen nicht ausdrücklich Verzicht darauf gerhan haben, so Vorbehalten bleiben, daß sie dieselben jederzeit durch gütliche» Vergleich, oder im Wege Rechtens, doch keineswegs durch Gewalt der Waffen, wieder geltend machen könucn. Und da hicrnächst von den Deputieren des Katholischen Königs und Herrn vorgcsieilt worden, welcher- gestalt es, um zu cincm guten dauerhaftem Frieden zu gelangen, höchst uöthig seyn würde, Laß der Erlauchte Fürst und Herr, der Herzog von Savoyen, mit in diesen Traktat cmgcschlossen werde, indem besagtem Katholischen Könige und Herrn die Erhaltung und Wohlfahrt des Herrn Herrn Herzogs eben so sehr wir seine eigene am Herzen liege, da er mit demselben durch die D«»de der Verwandschaft und Elutsfrcundschaft verbunden scy; und da sie erklärten, daß ihnen von Seiten des erwähnten Herrn Cardinal - Erzherzogs ausdrücklich ausgerragen worden sey, dies in Vorschlag zu bringen; da auch Aftssire Caspar von Genevc Marquis von Lullin, des erwähnten Herrn Herzogs Eraais- rach, Kämmerer und Garde-Kbrisi, wie auch Statthafter K 4 und «Ny Göuveneuk des Herzogkhyms Aüsta und der Stadt Pvree, welcher sich vermöge der weiter unten eingeschalteten Vollmacht und Procuratiou, als Deputirkcr und Bevollmächtigter legitimirt hatte, zugleich erklärte, daß dieser Herzog, sein Gebieter, die Ehre habe, vom Bruder der Aelkcrmuk« tcr des Äüerchristlichsten Königs und Herrn, und von der leiblichen Tante der Königin, seiner Mutter, obzustam- nicn; und daß er hierbei) die Absicht habe, den besagten KL. mg und Herrn als dessen unterthäniger Anverwandter vollkommen zufrieden zu stellen , ihm auch mit allen mögl chen Ehren , Diensten und Frcunvschafrserwcisungen zugelhan zu bleiben, damit er hinführo Veranlassung haben möge, mit ihm und seinem Betragen vergnügter zu scyn, als er die zcitheri- gcn Zeikumstande und Ereignisse gestaltet hätten; und da er sich hingegen von Yem besagten Könige und Herrn verspreche, tS werde derselbe ftme g»tc Absicht und Zuneigung erkennen, und ihm die ncmliche Güte »nd Freundschaftsbezeigung wie. derfahren lassen, welche die vier letztem Könige, als dessen Vorfahren, weiland seinem Herrn Vater, dem verstorbenen Herzoge, rühmlichen Andenkens, erzeigt hätten; so ward hierauf beschlossen und festgesetzt, daß besagter Herr Herzogin gegenwärtigem Frievcnstraktate ebenfalls mit cingeschlosscn und begriffen scyn solle. Zum Beweis, daß er wirklich die Absicht habe, den Allerchristlichsteii König und Herrn zufrieden zu stellen, wird er ihm die Stadt und das Schloß Derre binnen hier und zwei) Monaten wieder abtreten und zurückgebcn, welche Zcilfrist von dem Tage und Datum des, gegenwärtig«!!: Traktats gewiß und wahrhaft anfangcn soll, ohne daß hierin die geringste Verzögerung »nd Schwierigkeit, «nlcr welchem Vorwände dieselbe gemacht werden könnte, statt finden solle. Auch soll dieser Platz von besagtem Herrn Herzoge an den oder die, welchen oder welche der besagte König und Herr zu dem Ende dcouciren wird, genau binnen per besagten Zeikfrist, »nd zwar in dem nemtichcn Zustande Weder übergeben werden, worin er sich dermalen befindet, ohne jlSSiU ptM: V lw. 'ü»r §r Lti! --!d tzhne darin das geringste niederzurcißen, zu schwache» oder §uf andere Art zu beschädigen, und ohne das allermindeste weder zum Ersatz für die in der besagten Stadt und dem dazu gehörigen Schlosse angelegten Festungswerke, noch zuv Pergütung dessen, was man den darin liegenden KriegSleuten ^twa schuldig seyn möchte, weder zu verlangen noch zu begeh« ren z auch soll man die sammtliche Artillerie, welche sich bcy der Eroberung dieses Platzes darin vorfand, nebst den dazu gehörigen Kugeln von gleichem Kaliber, daselbst zurücklassen, diejenigen aber, welche man vielleicht nach dieser Zeit hinein« gebrachr haben möchte, kann wieder herausgeschaft und mitgenommen werden, wofern es anders dergleichen darin giebt. Auch ward beschlossen und festgesetzt, daß besagter Herr Herzog, dem Capitaine la Fortune, welcher sich dermalen in der Stadt Seurre, in der Provinz Burgund, befindet, wirklich und wahrhaft seinen Schutz entziehen, und denselben seinem Schicksal überlassen solle, ohne weder ihm noch jemand andcrm, welcher besagte Stadt unrechtmäßiger Weise, und gegen den Willen des Allerchristlichsteu Königs und Herrn, besitzen möchte, weder mittelbarer noch unmittelbarer Weise die geringste Dcyhülsr, Unterstützung oder Gunst zu gewähren, Was übrigens die andern, zwischen dem Allerckirist- sichffen Könige und Herrn, und dem besagten Herrn Herzoge, annoch obwaltenden Streitigkeiten anbetrift, so genehmigen und bewilligen die obbenanntcn Deputieren, des lieben Friedens wegen, daß dieselben der Enkschcidung- uuserS heiligen Vaters, Clcmcnö des Achten, an- heimgestcllc werden sollen, um sie binnen hier und Jahresfrist zu schlichten und abzurhun, welcher Termin von dem Tage und Darum dcö gegenwärtigen FriedenStraktats anfangcn soll, wie es der von besagtem Könige und Herrn unterm vierten Junius ertheilken, und weiter unten Ungeschälteren Ant- K 5 wort kort gcmaS ist. Das, was sodann von Seiner Heiligkeit verfügt werden mochte, sott von einem wie von dem Andern Theilc treulich und ohne alle Gefährde vollzogen und vott- sireckt werden, ohne dicöfatts die geringste Verzögerung und Schwierigkeit zu wachen, weswegen und unter welcherlei) Vorwand solches auch immer geschehen könne. Mittlerweile, und bis zur anderweitigen Entscheidung unftrs vorbesagteu heiligen Vaters des Pabstcs, sotten die Sachen in eben demselben Zustande verbleiben, worin sie sich dermalen befinden, ohne hierin die geringste Aendcrung oder Neuerung vorzuneh- mm, sondern völlig so, wie es der jetzige Besitzstand des einen wie dcS andern ThciiS mit sich bringt, ohne denselben krweitcrn, oder außerhalb des Territorium derjenigen Platze, welche der eine oder andere Theil dermalen inne hat, neue Contribucioncn zu veranstalten und elnrreiben zu dürfen. Demzufolge ist beschlossen und festgesetzt worden, daß von nun an zwischen den besagten Herren, nemlich dem Könige und Herzoge, ihren bereits gcbornen und noch geboren werdenden Kindern, Nachkommen, Erben und Erbnchmern, ihren König- rcichen, Ländern und Untcxthanen, dauerhafter Friede, unverbrüchliche Freundschaft, und gute Nachbarschaft scyn sötte, Damit keiner von beyden Theilen das geringste gegen die Lander und Unterthancn des andern unternähme, unter welchem Vorwand und be» welcher Gelegenheit solches geschehen könne. Auch sotten die Unterthancn und Diener des einen wie des andern TheilS, sowohl geistlichen als weltlichen Standes, wenn sie auch gleich der Gegenpartei) gedient hatten, samt und sonders wieder in den vollen Genuß ihrer Bedienungen und geistlichen Acmkcr eingesetzt werden, und zwar gerade auf eben die Art und Weise, wie solches bereits weiter oben, in Ansehung der Unkerthancn und Diener bcnder Könige, festgesetzt worden, und ohne sich diesfalls bey ihren Gouvernements zu ^neiden. Was vür''' Me ft---'' .«ec- ,W litte- Ä »O ÄW - iÄÄtl L:, eei eiSiif -> idü l> Was die Kriegsgefangenen anbelangt, fs soll in Rück« ficht derselben das Reinliche beobachtet werden, MS über die» srir Punkt zwischen beyycn Königen verabredet, und weiter eben bestimmt worden ist. Auch hat man die Traktaten, welche ehedem zwischen weiland den Allcrchristlichstcn Königen Heinrich dem Zwcyten im Jahr 1559 zu Chateau cn Cambresis, Karin dem Neunte» und Heinrich dem Awcyten, und dem verstorbenen Herrn Herzoge von Savoyen geschlossen wurden, in allen Punkten und Artikeln von neuem bestätigt, nur das ausgenommen, was vermittelst des gegenwärtigen oder eines anderweitigen Traktats aufgehoben und abgcschaft worden. Demzufolge verhält sich hinflchro der Herr Herzog von Savoyen «iS ei» guter neutraler Fürst, und gemeinschaftlicher Freund der besagten beyden Könige und Herren; und von dem Tage an, wo gegenwärtiger Traktat publicirt werden wird, soll wieder freyer und ungehinderter Handel und Wandel zwischen ihren Ländern und Unierthanen statt finden, die in vorbesagten Traktaten mit cingcschlssscn sind; auch wird man vermöge derselben, wie solches bereits geschehen ist, alle darin enthaltene Vorschriften sogar in Rücksicht derjenigen Offiziere beobachten, welch: den besagten Königen und Herren gedient haben; es müßte denn seyn, daß dergleichen Verfügungen durch anderweitige Traktaten aufgehoben worden wären. In diesen Friedens - 'Allianz- und Freundschafts-Traktat, sollen zugleich, wenn fie anders mit tingeschlossen seyn wollen, unter gemeinschaftlicher Ucbereinkunft und Bewilligung beyder Könige und Herren, mit eingeschloffen seyn, erstlich, von Seiten des Allcrchristlichstcn Königs und Herrn: unser heiliger Vater der Pabst, und der heilige apostolische Stuhl, der Kaiser, die geistlichen und weltlichen Herrn Kurfürsten, die Städte, Gemeinheiten und Staaten des heiligen römischen Reichs, besonders aber nachbenannte Herrn, als, der Pfalzgraf Key Rhein, der Kurfürst und Markgraf von Brandenburg, der Herzog von Würtemberg / der Land. graf graf von Hessen, der Markgraf von Anspach, die Grafen von Ostfriesland, die Seestädte nach ihren alten Allianztraktatcn, das Königreich Schottland und dessen König nach den alten Traktaten Allianzen und Verbindungen, die zwischen den Königen von Krankreich und Schottland bestehen, die Könige von Polen, Dannemark und Schweden, der Doge und hie Regierung zu Venedig, die dreyzchn verbündeten Schweitzer- cantons, die zu dem drepfachen Bunde gehörigen Herrn Grau- büntucr, der Bischof und die Herrn vom Wadtlande, der Abt von Sanck Gasten, nebst der Stadt gleiches Namens, Ts>.kccmburfi, Mühlhausen, die Grafschaft Neufchatel, nebst andern Alliirten und Bundesgenossen der besagten verbündeten Herrn, der Herr Herzog von Lothringen, der Herr Greß- hcrzog von Toscana, der Herzog von Mantua, die Republik Lucca, die Bischöfe und Kapitel von Metz, Toul und Verdun, der Abt von Gör;, die Negierung von Sedan, und der Graf von Miranda; wobey jedoch wohl zu bemerken, da die Einwilligung , welche der Katholische König und Herr zur Einverleibung der Grafen von Ostfriesland crthcilk, ohne Präjudiz derjenigen Rechte, weiche Seine Katho- lische^ Majestät auf die Länder derselben zu haben vermeinen, so wie hingegen den besagten Grasen ihre Derwah- rungsmittel, Rechte und Ausflüchte ebenfalls unbenommen l'leihen, und alles dies unter der ausdrücklichen Erklärung, daß der besagte König und Herr, niemanden von denen, welche weiter oben von Seiten des besagten Asterchristlichstcn Königs und Herrn mit eingrschlosscn worden, weder mittel- noch unmittelbarer Weise, weder selbst noch durch andere, im geringsten beeinträchtigen könne. Und hätte der Katholische König und Herr vielleicht eines und das andere an ihnen zu fovern, was diesem zuwider seyn möchte, so soll er sie blos im Wege Rechtens und vor kompetenten Richtern belangen, aber keineswegs die geringste Gcwaltthätigkcik gegen sie verölen. Von Seiten des Katholischen Königs und Herrn abcx sollen, penn sie anders mit cingcschlossen seyn wollen, in Hchtz st-ist .'Hilst >. - ZI« t.'il, «ö rM» msas-l s-M ^ NUN Ä . O -hm > aistll, Lch i hi m> j ««» AH ^ MiSi ilt, >'!' ril ^ ,»« >>! b"' M ? iil» ,j «>!' ', F- ------ - 5 - in gegenwärtigem Traktate mit eingeschlossen seyn- erstlich, unser heiliger Varer der Padjr, der heilige apostolische Stuhl, „er römische Kayscr, die Herrn Erzherzoge, derkn Lruocc und Vettern, nebst ihren Ländern und Reichen, die Kurfürsten, Fürsten, Städte und Staaten des heiligen römischen Reichs, die unter dessen Botmäßigkeit stehen, der Herzog von Bayern, der Herzog von Eleve, der Bischof zu Lüruch, nebst dem Lande gleiches Namens, die Seestädte, und die Gräfin von Ostfriesland. Und entsagen die erwähnten Fürsten allen Praktiken, mit 0cm Versprechen, sich derselben hinführo weder innerhalb noch außerhalb der Christenheit- oder sonst auf irgend eine Weise zu bedienen, die dem besagten Herrn Kayser, oder den besagte-! Mitgliedern und Ständen des besagten heilige» Reiches zum Nachrheil gereichen könne. So wie sie im Gegenteil sich bestreben werden, die Wohlfahrt und Ruhe desselben aus allen ihren Kräften zu befördern- vorauöges tzk, daß der besagte Herr Kayftr und die besagten Reichöstäuve hinwiederum gegen die Heyden Könige und Herrn, ncmlich den Al- lcrchristlichstcn und Katholischen- sich ebenfalls freundschaftlich betragen und nichts zum Nachthcil derselben unternehmen» Auf gleiche Weise sollen auch hier mit ciugeschlosscn seyn, die zu den verbündeten CantonS in Obcrdcutschland gehörige» Hcrrn- nebst den Graubündtern, und ihren Murren, der König voll Polen und Schweden, der König von Schottland, der Köniz von Dänncmark, der Doge und die Regierung von Dcnet big, der Herzog von Lothringen- der Großherzog von Toscana , die Republiken Genua und Lucca, der Herzog von P°ma und Piacenza, der Cardinal Farnese- ftin Vruder- dcr Herzog von Mantua, der Herzog von hlrbino, die Oberhäupter der Häuser Colonna und Ursitto - der Herzog von Eennoiiete, der Herr von Monaco, der Marchese von Finalr- dcr Marchese von Mossa, beb Herr Von Piombino, der Hertz von Sala, und der Graf von Colorno, um ebenfalls dir aus gegenwärtigem Fricdenötraktate entspringende» Vorrheile Kit genießen, und zwar unter der anödrücklichen Erklärung- Saß hW der Allerchnstlichstc König und Herr, niemand von ihnen, weder mittel - noch unmittelbarer Weise, weder selbst, noch durch andere, im geringsten beeinträchtigen könne. Und l-acre derselbe vielleicht eines und das andere an sie zu so« dcrn, was diesem zuwider seyn möchte, so soll er sie bloß im Wege Rechtens und vor kompetenten Richtern belangen, aber keineswegs die geringste Gcwaltthätigkcit gegen sie verüben. Auch sollen im gegenwärtigen Friedenstraktate alle die. jeniqcn miteingeschlossen seyn, deren Namen mit gemeinschaftlicher Bewilligung der besagten bcydcn Könige und Herrn noch angeführt werden mögen, vorausgesetzt, daß sie binnen einem halben Jahre nach erfolgter Publikation des gegenwärtigen Traktates, ihre Erklärungen und Verpflichtungen schriftlich von sich stellen, wie solches in dergleichen Fällen von beyden Seiten crfoderlich ist. Und damit dieser Fciedcnstraktat, nebst allen darin enthaltenen Punkten und Artikeln, eine noch größere Gültigkeit erlangen möge, so soll Vieser Traktat dem ParlemcntShofc zu Paris , wie auch allen übrigen im Königreiche Frankreich befindlichen Parlcmcntern, und besonders der Obcrrcchnungs- kammcr zu Paris öffentlich bekannt gemacht, auch daselbst rollarionirt und registrirt werden. Wie er denn auch auf gleiche Weise dem großen Rathe wie auch den übrigen Rakhscollcgicn und Rcchnungskammern in den Niederlanden des besagten Katholischen Königs und Herrn, öffentlich bekannt gemacht, auch daselbst collationirt und registrirt werden soll, und zwar dies allrü auf eben die Art und in der nemlichm Form, wie solches ln dem Traktate vom Jahr 1559 enthalten ist, als worüber die crfoderlichcn Ausfertigungen sowohl von dem einen als andcrm Thrile binnen einem Vierteljahre nach erfolgter PubsicatldN dkö gcgcn- Wärkigm Trsttarö zu besorgen sind» Solchergestalt sinv demnach alle obbemeldettn Punkte «nd ?krtikel, sowohl überhaupt, als auck nach eines jeden Inhalt insbesondere, von besagten Dcputirten, deren Namen weiter oben vorgezcichnet sichen, verhandelt, bewilligt/ beglaubigt und festgesetzt worden. Welche Deputirkm in Kraft ihrer Vollmachten und unter Verbürgung aller und jeden , sowohl gegenwärtigen als zukünftigen Güter ihrer besagten Herren, versprochen haben, und hiermit nochmals versprechen: Daß dieselben dies alles unverbrüchlich erfüllen und br- vbachten würden, auch dafür zu sorgen, daß sie solches raki- ficicen, und einander authentische, unterzeichne!,-, und besiegelte Briefe zufcrtigcn und einhändigen sollen , in welchen dieser gegenwärtige Traktat von Wort zu Wort ringernckt wäre, und solle dies von Seiten mchrbcsagtcr Herren, ncmlich, des Allerchristlichsten Königs, des CardinalerzkeezogS, und dcS Herzogs von Savoyen, binnen hier und einem Monare geschehen, von dem Tage und Datum des gegenwärtigen Traktats a» zu rcchnrn; wobcy sich zugleich der besagte Here Cardinal anheischig machte, vrcy Monate nachher eben solche Ratificationsbriefe, von dem Katholischen Könige und Herrn bcyzubringen. Ferner haben die besagten Deputaten, deren Namen weiter oben verzeichnet sichen, versprochen, und versprechen dieselben hiermit nochmals, daß die besagten Herren, nemlich, der Aücrchristlichsic König, vcr Cardinal- Erzherzog und der Herzog voll Savoyen, vermittelst eines feierlichen, auf das Crüzifix, das heilige Evangelium, den Meßcanon, und auf ihre Ehre, abgelegnen Eides, besagte RacisicationS- schreibcn, im Bcyseyn selbstzu wählender Dcputirten beschworen, und sich verpflichten wollen, den Inhalt der besagten Artikel vollkommen, treulich und sonder aller Gefährde zu befol gen und zu erfüllen, worauf sodann der Katholische Köniz und Herr, drcy Monate nachher, wann und zu welcher Zeit man solches sonst von ihm verlangen würde, einen ahn- rÜQ " ähnlichen Eiv äblegen werde. Zu Ürlund dessen, haben die benannten Drpuurken gegenwärtigen Friedensrrakrat mit ihren eigenen Namen unccrzeichnett So geschehen zu VervinS, ^ den zweyten May 1598» . Mi!«» - -————^ ^ Geparatartikel des M Myten May iZyz zu VerviUs geschlossenes ^ z,»d-n«. ^ ^ »W ^ geschlossen worden, vermöge dessen Mcssire PomponiuS von Deüievre, Herr zu Grignon, Mitglied des StaatSrathS Sei- ^ l«! Kcr besagten Mrrchristlichstcn Atajesiak, und Niklas Brulart, ^ u; Herr von Sillcry, Mitglied des besagten Eeaaesrathes, auch Präsident des Pariser ParlementS; ingleichen Mcssire Johanii '<>« h, Richardok, Ritter, Sberprasidcnt des geheimen Raths Seiner ^ besagten Katholischen Majestät, wie auch Dero StaatSkathr ferner, Johann Baptist von Taxis, Ritter und Comman» /'fn -cuv de Los SankoS ScS Militärischen Ordens von Sank Ja« ^k» gs ^ i6r go de la Spada, Mitglied des besagten StaatSraths, auch Kriegsrath Seiner besagten Katholischen Majestät; und Ludwig Verreiben, ebenfalls Ritter, auch Oydor (AuclisuLier), öbersekrctär und Archivbcwahrcr des besagten StaatSratheS; «ls Bevollmächtigte und Depucirte, kcaft ihrer Vollmachten, außer demjenigen was bereits in dem besagten FriedeuStrakta- te enthalten ist, noch über folgende Artikel mit einander einig geworden sind, deren jeder von besagten Königen und Herrn, wie auch ihren Nachfolgern und Stellvertretern unverbrüchlich gehalten und beobachtet werden soll, und zwar in der ncmlichcn Kraft, Wirkung und Pcaroganre, als wenn dieselben dem besagten Friedenötrattate ausdrücklich einver- leibt wären. Erstens soll demnach der Wittwe und den Kindern des verstorbenen Mcssire Peter von Mrlun, in Betreff ihrer vermeintlichen Rechte und Ansprüche auf die weiland dem verstorbenen Herrn Fürsten von Espinoi zugehörigen, und in den Staaken des besagten Katholischen Königs und Herrn liegenden Güter, kurz und gut Recht und Gerechtigkeit wieder« fahren. Auf gleiche Weise soll auch der Herzogin von Arscok, in Rücksicht ihrer Foverungcn und Ansprüche kurz und gut Recht und Gerechtigkeit wiedcrfahren. Das Nemliche soll auch der Wittwe des verstorbenen Prinzen von Oranicn ange- deien, da sich dieselbe nach Frankreich begeben hat; undzwae sowohl in Bctceffder Ansprüche, welche sie ihres WittwenthumS lvegrn auf die Güter des verstorbenen Prinzen von Oranien wacht, als auch in Ansehung des Genusses, welcher ihr vcr» wöge des Traktats von Coligni zugestchert worden; in sofern kleinlich die Güter, worauf es hier ankömmt, in den Staaten des Katholischen Königs und Herrn liegen. Der Prinz von Oranien, soll wieder in Besitz der Herrschaft und des Fürstenlyums Oranien, wie auch aller andern N, Drnkrvürvigk» XIV. S, tz LäOff ,62 Läudeccyen gesetzt werden, die er und die srinigen in, Königreiche Frankreich vor dem Kriege besaßen, und die ihnen während desselben entrissen wurde». Auch soll er wieder zum Besitz aller derjenigen Rechte, Gerechtigkeiten, An. sprüche und Federungen gelangen, deren er sich vor dem Kriege zu erfreuen hatte, und weswegen ihm siracklichc Justiz an- gedeien soll. Der Herzog von Acscok soll wieder in Besitz und Genuß alles dessen gcsetzet werden, was sowohl er selbst, als der verstorbene Herzog, sein Vater, vor dem besagten Kric. ge im Königreiche Frankreich besaß, weswegen man ihm alles und jedes gewähren wird, was in den vorhergehenden Traktaten zu Gunsten seines verstorbenen Vaters, des Herzogs, und seiner Vorfahren, festgesetzt worden ist, so daß er dicsfallsige straekiichc Justiz zu fodern und zu gewärtigen haben soll. Und gesetzt auch, cS wäre vielleicht irgend eine Sentenz oder sonstiger Rcchesspruch ergangen, der den vorhergehenden Traktaten zuwider liefe, so soll dies dcmun- geachcet dem Rechte des besagten Herrn Herzogs nicht im geringsten zum Nachthcil gereichen. Ferner wird der Allcrchristlichste König und Herr baldmöglichst dem Grasen von Champlice und den übrigen Erben des Hauses von Vcrgi, Recht und Gerechtigkeit in Ansehung dessen angcdcieu lassen, was ihre vermeintlichen Ansprüche aus Saint-Disicr, Vitri cn PartoiS, die Herrschaft Vcrgi und andere Güter und Gerechtsame bekrift, die ihnen, ihrem Vorgeben nach, zugehörig find, und deren in einigen vorhergehenden Traktaten gedacht wird. ,K' L- . tä«* zBk -hV* still 2 Hklüh «ßt'> Mich ilchivb r- », > rÄH «dt Ein Gleiches soll auch dem Herrn von Glajon in Rück- sicht der Rechte wicscrsahren, die er in Frankreich, von wegen der Fodcrmig des Grafen von Solre, von Seiten sei- ^ ner Frau Gemalin, aus einen Strich Landes an der Seeküste irr- zu haben vermeint, und der, seinem Vorgebcn nach, zu den Brüchen von Andrum und , Bredenarde gehört, weS- * « -- i6z Weswegen uhm ebenfalls Recht Und Gerechtigkeit wi'ederfahrcii soll. DaS Ncmliche soll auch in Betreff der Ansprüche ge« schehen- welche die Frau Mariä von Renti, die Gematin dks Dom Gaston Spinola auf vis Freyhirrschäfk Andres zll habeit vermeint Auch soll deck Grafen von Hontbebeaux stracklicht In» sii; >N Ansehung der Güter wiederfahrcn, die ihm- wie er vor« giebt> durch Absterben seiner Großmutter- weiland Gräfin bon Pontdevcaup und von Ccrni, zugefallcN scyn sollen - Wik auch wegen Auslieferung derjenigen Möbeln, welche et, seinem VorgebcN zü Folge, zu Rheicks auf Befehl der Obrigkeit de- ponirt haben Will- so wie überhaupt wegen alles dessen, was ihm von irgend jemanden vorenthalten wird - es scy übrigens wer es wolle, Und da er wegen seiner Verhaftung und RaNzionirung eint Klagt angcstellt, auch diesfalls dem Aüerchristlrchsten Könige und Herrn eine' Bittschrift übergeben Hatz so soll hierin eine solche Verfügung gelrosftn werden, baß er allerdings Ursache haben wird, mit der Gerechtigkeit welche mati ihm wie- derfahreN laßt- zufrieden zu scyn. Auch soll dem Herrn von Beaürcpaire - welcher vor- giebt, daß ihm das Gut Aip in BoulonneiSjugehörc- strack- lichc Justiz angevcicn. Der Abbü Dammartin soll hinführo die Güter- welche' demselben iM Königreiche Frankreich zugehörcti - aus eben die Ärt und°Wcise wieder zu genießen haben- wie er Und feint Vorfahren dieselben vor dem Könige genossen- Und damit auch die Streitigkeiten, weicht Mischen den' Äbtcycn VaucellcS Und FtSmi odwältcu - ein für allcinal geschlichtet undabgtthan werden, so wird Mün hierzu bevollmächtigte Dcputirte ernennen- welche binnen hier und einem halben Jahre an einem noch zu bestimmenden Orte jusaMmenköM« Men sollen- ß 2 Und r64 Unv überhaupt sollen die sämmtlichen Unterthanen, des einen wie des andern TheilS, in inteZrnin restituirt, und nickt nur in alle ihre Güter, sondern auch in ihre immerwährenden, lebenslänglichen oder wicderkäuflichen Einkünfte, wieder eingesetzt werden, die ihnen wahrend der besagten Kriege entzogen wurden; und zwar soll dieses selbst dann geschehen, wenn ste auch gleich der Gegenpartcy gedient hätten, so wie solches in dem unter heutigem Datum zwischen den besagten Königen und Herrn geschloffenen FriedenSlraktale ausdrücklich enthalten ist. Und wofern etwa noch eines und das andere, vermöge des vorhergehenden und zu Chateau en Cambresis im Jahr 1 5 5 9 geschlossenen Traktates, in Betreff einiger Privatpersonen zu vollstrecken scyn möchte; so soll dasselbe von dem einem wie von dem andern Thcile, vollkommen, treulich und sonder alle Gefährde vollstreckk und vollzogen werden. Sind demnach obige Punkte und Artikel, nebst allem was dieselben enthalten, von den besagten Deputaten der besagten Könige und Herrn, vermöge ihrer Vollmachten, solchergestalt verabredet, beschlossen und festgesetzt worden, mit dem Versprechen, daß dieselben oberwähntermaßcn ratisizirt, auch treulick und sonder Gefährde befolgt werden sollten. Zn Urkund dessen haben ste Gegenwärtiges unterzeichnet, zu LervinS, an eben dem Tage und in dem nemlichcn Jahre, wie oben. Unterzeichnet: Pomponius von Vellievre; NiklaS Vrulart; Johann Richar- dot; Aohann Baptist von Taxis; Ludwig Verreiben. III. Uebce ILk. Ueber die letzten Kriegsrüstungen und Yen Tod des Mrchristlichsten und unüberwindlichsten Königs Heinrichs des Vierten Königs von Frankreich und Navarra. Vier Bücher von Peter Hieronymus Gentile Riccio, einem Edelmann aus Savona treugehorsamst dargebracht meinem Hochwohlgeborncn Herrn und Gönner Herrn Johann Thaddaus Bianchi, Grafen von Piano. Vicenza, bey Iaromo Violati 1614. Ucker die letzten Kv'egsmstungen und den Tod Heinrichs des Vierte n. >! E rst cs Vuch. .! .! !?V^cnn der Friede die Staaten wirklich beglückt, so i kannF ranke c ich, welches sichdcffen bereits seit E zwölf Jahren, im Schatten der Palmen, und unter den g iorbeernsemes Königs zu erfreuen hat, mit Wahrheit sa« ! gen, daß ihm der Himmel zu seiner vollkommenen Glück« ^ seligkeit nichts mehr vorenthalten habe, als nur noch t die Befriedigung des Wunsches, daß dieselbe bcy den decmaligen Welthandel« von fester und ununterbroche- si ncr Dauer scyn möge. Der Same zur Zwietracht ist ^ ausgerotket; die Gemüther werden nicht mehr durch Mißtrauen in Gahrung gesetzt; es findet keine Verwir- / rung, keine Verwechselung der Dinge mehr statt; und -! das Mißgeschick einzelner Privatpersonen verliert sich I beyder Betrachtung des allgemeinen Wohls ganz auS k bem Auge. Nie wußte sich ein Fürst mehr Gehorsam I und klebe in seinem Reiche, nie mehr Bewunderung ^ und Furcht im Auslande zu verschaffen. Alle christ- r bchc Potentaten wünschen seine Freundschaft, und be« ; werben sich eifrigst darum. Er lenkt die Willens« k weinung der Großen und der Kleinen, wie es ihm ! beliebt. Alle seine Angelegenheiten gehen glück- ) L 4 lich 2 lich von statten, ohne je in Verwirrung zu gera- thcn, oder aus Noth eine Abänderung zu leisen. Ec sah die Verschwörung gegen seinen Staat in eben dem Nu wieder vernichtet, wo er davon benachrichtigt ward. Jene fu chtbaren Ströme, welche das Land zu verheeren drohten, verkrochen sich schnell wieder unter die Er» de. Er erlangt alles waö er begehrt; drnn keiner von seinen Nach'an- g-traut sich, ihm etwas zu verweigern. Wen sollte er fürchten ? Und nur fürchret sich im Gegen« theil nicht vor ihm? Mitten im Genuß dieser Glückseligkeit , grht er m>c dem Vorhaben um, eine furchtbare Armee ms Fels zu stellen; eine Armee, die gleich vom ersten Tag an Sieg verspricht , und Stoff zu Triumph- grsängcn erwarten laßt. Jedermann wünscht zu erfahren , wohin sie ihren Marsch richten werde. Die Gutgesinnten sind voll Erwartung, und die Feinde voll Furcht. Man steht zwar das entblößte Schwert, im Begriff, stch Genugthuung von denen zu verschaffen, welche dieselbe versagen; noch weiß man aber nicht, wem es eigentlich droht. Macht und Muth sind zwar zum Dreinschlagen bereit, aber noch zur Zeit nimmt man keinen Feind wahr, hört man von «keinem Fnedensbruche, von keiner Kriegserklärung. Die Rückgabe von Jülich, die Freyhcic deS deutschen Reichs, die neue Allianz mit dem Herzoge von Savoyen, konnten zwar allenfalls ^zu einem scheinbaren Vorwände dieser Zurüstungcn dienen; nur wenige Personen waren aber im Stande, die wahre Absicht derselben zu durchschauen. Wenn stch jedoch die Wichtigkeit eines Vorhabens nach der Größe der Anstalten beurthcilcn laßt, so war Frankreich allerdings berechtigt, den glorreichsten und merkwürdigsten Ereignissen entgegen zu sehen ; denn seit langer Zeit hatte man sich nicht mit einer so außerordentlichen Thätig- kcit und Anstrengung aus den Krieg vorbereitet. Wäh» rend eines Zeitraums von vice und zwanzig Jahren, sah ^ - 169 sah man zwar in dem Zcughause zu Paris vier große Kriegsrüstungen veranstalten; aber diese letztere war weit furchtbarer und starker als alle vorhergehende»«. Der Düc de Sülly sagte ganz unverholen, daß die ersten Wggen bereits zu Chalvns eintreffen würden, wenn die letzten noch nicht zum Thvre der Vorstadt Saint - Markin hinauSgefahren wären. Von allen Orten eilten die tapfersten Männer hieher, wie nach einer Academie, wo Helden gebildet, und in der Kunst unterrichtet wer en, sich durch ihre Thaten einen unvergänglichen Ruhm zu erwerbe». Der Prinz von Walli s wünschte seine kriegerische Laufbahn unter einem so erhabenen Feldhcrrn zu eröffnen. Die Fürsten Deutschlands setzten ihr Vertrauen auf uns, und zeigten sich bereitwillig, uns mit ihren Schwertern be- hülflich zu scyn. Graf Moritz, welcher bis dahin immer die Rolle des Befehlshabers gespielt hakte, erbot sich jetzt bey uns zu dienen. Alle Welt stimmte darin überein, daß dem Könige, welcher sich bereits den erlauchten Titel dcS Wiederherstcllers von Frankreich erworben halte, nun auch noch jener als Ruhstiftcr in den christlichen Staaten, und als Reichsschirdsrichtee gebühre. Die Armee versammelte sich in Champagne. An ihrer Spitze stand der Düc de Revers, welcher in dieser Provinz Statthalter war, und zugleich bey der französischen leichten Rcutcrcy die Stelle als Obrist bekleidete. Sie ward von sechs tausend gut diseiplüiir- ken und wohl bewaffneten Schweizer »mter dem Com- Mando ihres Obristen, des Düc ^»vhan, verstärkt. So bald der König ankommen würde, sollten noch vier tausend Gensdarmes und seine Gardercgimen- ter dazu stoßen. Schon verbreitete sic eine solche Furcht und Bestürzung, daß man in Cäln öffentlich sagte, es L z würde I7v würde wahre Verwegenheit seyn, sich einem Monarchen lvidersetzen zu wollen, welchem der Bcynahme des Mach, tigen, Tapfern und Glücklichen, gebühre Man äußer, te die Vesorgniß, er werde die Ruhe der Christenheit stören, und war der Meinung, es fty der katholischen Religion zuwider, daß er einem protestantischen Fürsten Beystaxd leiste. Deswegen sagte der König zum päbst- Uchcn Nuntius, er solle sich nur erkundigen, ob dieje. nigen, welche ihn um Beystand ersuchten, wahre Freunde von ihm waren, und gerechte Sache hätten, oder nicht; Venn was die Religion anbelange, so werde dieselbe hierdurch ganz und gar nicht beeinträchtigt werden. Die Zeitfolge und der Vergleich wegen Jülich haben die Wahrheit dieser Versicherung sattsam bestätigt. Es war bloß unzeitiger und übertriebener Religionseifcr, der den Kenten dergleichen trübsinnige Besorgnisse in den Kopf setzte. Der König beklagte sich gegen eine gewisse Person über die boshaften Ränke, wodurch seine Feinde die Lauterkeit seiner religiösen Gesinnungen ab- zuschwärze!,, und die Unterthanen von seinem Dienst abzuhallen suchten. Die Ausdrücke, deren er sich bey dieser Gelegenheit bediente, würden seine Geschichte wie eben so viele Perlen schmücken, wenn er nicht ausdrücklich verboten hätte, sie öffentlich bekannt zu machen. Er schloß endlich die Unterredung mit fol- genden Worten: „das erste und wesentlichste Stück, worauf ich vor allen andern Bedacht nahm, war die Sicherstellung der katholischen Religion imHerzogkhum Cleve. Ich werde nie gestatten, daß dieselbe Vcr« anlassung habe, sich über meine Kriegsvölker oder meide Absichten zu beklagen." Tags darauf sagte er zum Herrn de Sully: „wenn gleich alle deutsche Fürsten die Uebereinkunst mit einander getroffen hätten, einen Protestanten zum Kaiser zu wählen, so würde ich es dennoch zu verhindern suchen." Es verlangte ihn sehr, M Ol ÜMj» iTjW Ä, d . !f zm ÄM . Kt: ^ >? -ff-!, ^>i 'Mltz- ly te!v l«d« -ch > smr lub üiresl iß l A> M« d,!»n> Mli^! All' l,172 . schiedenen Schöngeistern den Auftrag, die Inschriften zu verfertigen, weiche man auf die Statuen und Mar. monnulen zu setzen gedachte. Ware dieser Prachtvuf« zug wirklich zu Stande gekommen, so würde er alles übertroffen haben, was Europa bis dahin von der Art gesehen hatte. Damit man nur von einem kleinen Theilchen auf das Ganze schließe, dürfen wir hier nur anführen, daß blos der Gold- und Silber-Stoff, welcher bei- dieser Gelegenheit verbraucht wurde, über hundert und fünfzig tausend Scudi betrug. ES war nicht anders, als ob hier alle Perlen Indiens und alle Kostbarkeiten aus ganz Asien zur Schau gestellt würden. Albin es gicng auch bcy dieser Gelegenheit, wie cs immer zu gehen pflegt, wenn sich verschiedene Entwürfe in der Seele durchkreuzen, und heftige einander ganz entgegengesetzte Leidenschaften dieselbe bestürmen. Der König, welcher sich zu seiner Armee wünsch, te, und dennoch auch gern bey der Krönung der Königin zugegen seyn wollte, wußte am Ende selbst nicht recht, wo- zu er sich entschließen sollte. Man trug darauf an, diese Feyerlichkeit bis gegen Ausgang dcS Monats September zu verschieben. Allein der Parlernentsrach und Prevot der Kaufleutc, Sanguin, machte die Bemerkung , daß während dieses Aufschubs alles was bereits unter freycm Himmel veranstaltet worden, und der Witterung ausgcsctzt sep, zu Grunde gehen, und folglich der gemachte Aufwand vergebens seyn würde. Der König sagte hierauf zum Düc de Guise, es sey ihm leid, für und wider Nichts so viel Zeit zu verlieren. Man könne doch nie so schleunig bedient werden, als man es wünsche. Der Düc de Guise, welcher sich das Ansehen geben wollte, als ob er nicht gern der letzte btyrn Lanze seyn möchte, versetzte: „cs schmerzte ihn sehr, daß er sich nicht zur Armee begeben könne. Dorthin schicke er sich besser, als auf die Krönung der Königin- Unter den kB tich" »,.Ä IINK Hm MIP M: «jl« I Imj ^ l!» "si-z 'iÜrk n' - r?A Feldherrn des Königs sey er zwar der geringste, aber unrer dessen Soldaten der beste." Montags darauf belustigte sich der König zu Saint Ger ma in mit derIagd, und machte sodann seine Einrichtung in Rücksicht der Zeit, welche er zu Paris zuzubringen gedachte. Des andern Tags sprach er: Mittwochs NachtS schlafe ich zu Saint Deniö; auf den Donnerstag komme ich von dort zurück; auf den Frcycag bringe ich meine Angelegenheiten in Ordr mmg; auf den Sonnabend ruhe ich auv: den Sonntag nachher hält meine Gemakin ihren Einzug; den Montag werd meine Tochter mit V e n D ome vermählt; den Dienstag ist dir Krönung.- und den nächstfolgenden Mittwochen setze ich mich zu Pferd. Da ihn so, wohl seine Vernunft als sein Gewissen überzeugte, daß die vergangene Zeit auf immer für ihn verloren, und die gegenwärtige nur auf einen Augenblick in seiner Gewalt sey, so richtete er seine Gedanken blos auf die Zukunft, und sagte, er gehe mit dem Vorhaben um, Materialien zu seiner bereinstigen Geschichte zu liefern. Als ce am Dienstage in der Messe war, und ihm der Dauphin den geweihten Schild zum Kuß darreichke, bediente er sich gegen den Marschall de Ferva cheS, und den Gouverneur von Bourbon noiö, Namens Saint Geran, folgender Ausdrücke: ,,Jetzt trägt Mein Sohn nur den Schild, ich hoffe aber, binnen hier und sechs Jahren soll er auch den Degen tragen können." Er gab sich sehr viel Mühe, die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, welche während der Krönung in Rücksicht des Vorrangs und anderer Ehrender, Zeugungen entstehen möchten. Der Carcmonienmei- sier Rodeö legte ihm wiederholt das Ritual vor, wel- t?4 ------------ welches Man Key Krönung der Königin Eteonora, Gemahlin Franz des Etsten, der Katharina- Gemahlin Heinrichs des Zrveyken, und der Elifo, bcth, Gemahlin KürlS de6 Neunten- beobacht tet hatte. Allein man mußte sich in allem und jedem nach seinen selbstbciiebigen Vorschriften richten. Uebec die Verzierung der Mäntel gab es allcrley Händel« Sie betrafen, wie gewöhnlich, die Familienwappen, wodurch sich die Prinzen von Geblüt in Rücksicht der Primogenitur von den Appanagirten zu unterscheiden pflegen , wenn sie bei) feyeclichen Vermählungen und Begräbnissen in vollem Ornat erscheinen. Der Mantel der Königin war mit einer unbestimmten Anzahl Lilien besäet, weil er blvßaufdie königliche Würde Beziehung harte, und niemanden nichts angieng, als nur allein Sr. königliche Majestät. M adamc und die Königin Margaretha, hatten jede vier gleichförmige Lliictt am äußersten Ende ihrer Mantel. Die Prinzessinnen von Geblüt- verlangten deren dreh, zum Unterschei- dungszcichcn ihrer Familienwappen, und damit man nicht nur einen Unterschied zwischen dem Mantel der Madame und dem ihrigen, sondern auch zwischen dem ihrigen und jenem der andern Prinzessinnen wahrneh- m n möchte. Der Graf von S oi sfo n S sagte- dir Lilien wären das Wappen ihres Hauscö; man habe sich derselben bei) ihren Vermählungen und Leichenbegängnissen zu Zierrathen bedient; die Prinzessinnen von Geblüt hätten dieselben jederzeit alsein besonderes Unter scheidungS- z. ichen getragen, wodurch ihre Verwandtschaft und Äb- ku.n't bezeichnet würde; dies ftp unter andern von dct Prinzessin von Condck bey dein Einzüge der Königin Elisabeth geschehen, von lVlustriML eis Ooumriä- t'e, der Mutter des Prinzen von Condä, bey ihrer Vermählung, ingleichen von seiner Frau Mutter, und dem Düe de Monkpensier; auch habe man ihnen dies Ehren- üs« ^ W'°- - Uo - !O «'ft Ä!ij> s r.'; -km,' 'ch Ehrenzeichen bcy ihten Beerdigungen als ein besonderes Vorzugsrecht zuzestanden, das mir ihrer Geburt unzcr» trennbar verbunden sey, und ohne welches zwischen de« Prinzessinnen von Geblüt, und den andern Prinzessinnen, nicht der gelinste Unterschied statt finden würde- Als er sah , daß diese Bemerkung dem König vor den Kopf fuhr, begab ec sich auf sein Schloß Montigny, und Vre Gräfin von Svissons fand sich nicht bcy dev Krönung eia. Die Abreise des Grafen wak dem Königs sehr unangenehm ; dies sah man ihm Mittwochs, den eilften May, an jeder Miene an, »i dmcrrre cs an allem was er mit seinen vornehmsten Dienern sprach. Als er eben bcy Tafel saß, erhielt er die Nachricht, daß einige Reu- tcrhaufen bcy der Armee auf Discrction zehrten, und dem Befehl des Düc de Revers nicht mehr gehorchen wollten. Da entrüstete er sich sehr gegen die Befehlshaber, und sagte, sie sollten sich aus ihre Posten begeben. Hierauf richtete er feine Rede an den Conne- kable nebst noch einigen andern vornehmen Herren, und sprach r „Wer soll mich denn ernähren, wenn Man wer« ,,nem Volke das Brod nimmt? Die Leute, welche in Melonen Dienste« stehn, müssen mit dem zufrieden seyn, „waS ich ihnen gebe. Ich habe die Verfügung getroffen, daß man mir das an der Steuer wieder abziehen „soll, was mein Volk den Kricgslcuten giebt, und daß „Man dieser! hingegen als Löhnung cmrechnc, was sie „von dem Volke bekommen. Wenn man diese Gleichheit gehörig beobachtet, so wird die KriegödiSciplin, ,,mic welcher so große Schwierigkeiten verbunden seyn , sollen, selbst von den widerspenstigsten und ausschwei« „fendsten Soldaten beobachtet werden. Wenn die Be« ,,fehlshaber bey der Armee wären, so würde jenem Utt- „west», bald Einhalt geschehen z aber stakt dessen wollen 176 .— - - „sie erst die Krönung und die Feyerlichkeikeu unsers Ein« „zugs mit anfthen. Allein der Neugierde wegen muß „niemand seine Pflichten vernachlässigen. Einer „Schlacht wegen wollte ich gern hundert Meilen weit „reisen, aber mit Wahrheit kann ich euch versichern, „daß ich dieser Lustbarkeit wegen, keinen Fuß von der „Stelle setzen würbe; und müßte ich nicht unumgäng. ,stich zugegen seyn, so sollte mich gewiß kein Mensch „dabey sehen." Die Krönungsceremonien veranlaßten so große Unannehmlichkeiten und Zänkereyen, daß sich die Kö u sin auf die ganze Sache nicht eingelassen haben würde, wäre sie nicht schon zu weit gediehen gewesru. Als endlich alles in Ordnung war, verfügten Sich Ihre Majestäten des Mittwochs nach Saint Denis, wo sie am zwölften May gegen Abend ankamen» Jetzt erinnerte sich der König, daß er seit seinem Ueberganqe zur katholischen Religion nicht wieder in die dortige Abtey gekommen sey, und dieser Umstand bewog ihn, folgendes zu sagen: „Als ich daS Letztem«! hier war, hatte ich noch keinen „Erben, und glaubte auch nicht, daß ich einen bekommen würde; jetzt aber danke ich Gott, daß er mein „Gebet erhört, und mir einen verliehen hat." Die Königin war einzig und allein mit dem Gedanken beschäftigt, sich auf den Empfang des Gnadengeschenks vorzubereiken, welches ihc des andern Tags zu Thcil werden sollte. Als der König sah, daß sie gern ihre Andacht verrichten und zur Beichte gehen wolle, entfernte er sich, küßte sie und sprach: ,,Meine Freundin, beichten Sie nicht nur für sich, sondern zugleich auch für mich!" Herr von Vitri, welcher in diesem Bezirk sein Amt als Commandank der Leibgarde verwaltete, hatte 177 vn der Kirche zuSaint Denis alle Thüren zumau- rrn lassen, bis auf Eine, durch welche man nur bekannte Personen einließ, die noch überdies ein Bcklct aufzci- gensmußten, das von ihm eigenhändig unterschrieben war. Sie wurde schon gegen Mitternacht geöffnet, damit sich jedermann einen schicklichen Ort aussuchen kann- ke, um sowohl selbst alles zu sehen, als auch gesehen zu werden; denn die Balcons waren so bequem eingerich» ttt, daß die vordersten Zuschauer den hintersten gar nicht im Wege waren, ob sich gleich ihre Anzahl auf sieben bis acht tausend belief. Ganz ungehindert konnte man alles bemerken, was die Personen Vornahmen, welche die Hauptverrichtungcn bcy dieser Fcyerlichkcit zu besorgen hatten. Der Betstuhl des Königs, weicher seit» wa'rts vom Altar, und zwar dem Grabmal Dagoberts, des Stifters dieser Kirche, gerade gegenüber angebracht war, hatte zwo Oeffnungen, eine nach dem Altar zu, die andere gegen das Schaugerüste der Königin , so daß er alles übersehen konnte, was innerhalb und außerhalb des Chors vorgieng. Er stellte sich gleich nach aufgehobener Tafel ein, schien für diesen Tag seiner Majestät sich ganz entäußert, unddie Königinhaupt- sächlich deswegen verlassen zu haben, damit ihm weiter nichts ais ein Rest von den für sie bestimmten Ehrenbezeugungen zu Theil werden möchte. Da er eine Zeitlang aufSie warten mußte, bis man sie völlig angekleir dct hatte, so spazierte er mittlerweile ein wenig in der Kirche herum, und ertheilte überall, wo es nöthig war, die erforderlichen Befehle. Seiner Weisheit war es unter andern zuzuschreiben, daß die Rangstreitigkeitcrl zwischen den beyden Befehlshabern der hundert Gens- darmes glücklich bcygclcgt wurden. Er riech ihnen, sie sollten sich hübsch ordentlich aufführen; denn er habe noch immer bemerkt, daß einerden andern bcy dergleichen Feycrlichkeiten zu verdrängen suche. Alles was N. Kenkwürdigk, XIV. ZK. M zum »78 . . zum Pomp und zur Pracht dieser feyerlichen Handlung gehörte, zog vor der Königin her. Sie wurde gegen zwey Uhr in die Kirche geführt, und verfügte sich so. gleich auf das große Prunkgerüste , welches für sie be. stimmt war. Bcr Dauphin, der Herzog von Anjou (wegen Unpäßlichkeit dcö Herzogs von Orleans) und ihre Oberhofmeister, die Herren von Sourai und von Bet hu nes, als deren substuirte Stellvertreter, trugen die Schleppe ihres Mantels. Die Cardinäle Gonby und Sourdis nahmen sie in die Mitte. Prinz Conti trug die Krone, der Duc de V e ritz o m e das Scepter, und der Hvfcavalicr de Ven« dome den GerechtigkcitSstab. Madame und die Kömgin Margaretha gierigen hinter der Königin her. Die Prinzessin von Conde, die Prinzessin von Conti und die Düchcffevon Montpensier, trugen den Schweif des königlichen Mantels, der Hofcavaliec Chateauvieux war ihnen, auf Sr. Majestät ausdrücklichen Befehl, zum Gchülfen zugcordnrt. Dieser prachtvolle Aufzug ward allgemein bewundert. Vorzüglich verherrlichte ihn die Gegenwart der Königin Margaretha, deren Mutter einst in diesem ncmlichen Tempel gekrönt worden war. Die französischen Mur^uritus, oder Perlen, passen sehr gut zu den fiorentinischen Lilien. Margaretha von V a» lviS bediente einst die Katharina von MediciS bey einer ähnlichen Gelegenheit. Andere Königinnen zogen sich in die Einsamkeit zurück, um dort den Schmerz und Kummer zu verbergen, welchen sie über die Veränderung ihres Zustands empfanden. Diese hingegen begab sich nach Hof, um daselbst öffentlich ihr Vergnügen darüber zu bezeugen, daß man ihren V iiten, ihren Wünschen zuvorkömmt, und überall folgt ihr die Ruhe. Sie begegnet dieser Königin mit der größ- iii'p Mi MV M> Mich Mm IziiW «ichs« >r,>Ich .^Eii ^ Still, A,! Ri,, ^i, '«ll, M,d Ciitii ^- L'l> l Bki d>! M «N ^ liqm! j«O iw«' «M p«ß» >lS«l!^ ««^ !L ^ zK ' """""'^ 179 größten Achtung und Ehrfurcht; denn sie nimmt so nicke Verdienste, so große Vollkommenheiten an ihr wahr, daß sie sehr überzeugt ist, eine Krone sey für alle diese Tugenden eine viel zu schwache Belohnung. Man muß gestehn, daß man noch nie etwas sah, und schwerlich auch etwas sehen wird, was mir der Ordnung, der Schönheit und der Majestät dieser Fever» stchkeir in Vergleichung kömmt. Bewundernswürdig war die feyerliche Stille, welche unter einer so zahlreichen Volksmenge herrschte; die vorzügliche Ehrfurcht, welche man gegen die heilige» Gebrauche beobachtete, da doch Leute von allerley Religionen zugegen waren, daS anständige Betragen und die Geduld, unter einer Gattung von Menschen, welche dieselbe sonst sehr leicht zu verlieren pflegen, nie lange bey dergleichen CeremonicU ausdanern können, und gleichwohl bereits seit dem vorhergehenden Abend in der Kirche waren, oder sich wenigstens mit dem ersten Mvrgenroth darin eingefun« den hatten. Als der König dir Königin ansichtig wurde, sagte er, sie sey ihm noch nie so schön vorgckommen. Er habe geglaubt, das frühzeitige Aufsiehn und das beschwerliche Ceremoniel eines so lästigen TageS, werde ihr zum Nachtheil gereichen; statt dessen aber habe er noch nie eine so schöne, frische und lebhafte Gcstchtöfart be an ihr wahrgenommen. Alle diese Reden des Königs wurden eben so sorgfältig bemerkt, wie die Ge- wandheit und Lebhaftigkeit seines Geistes, welcher noch weit behender als seine Augen war, und Dinge durchschaute, die mancher andere wohl schwerlich errathen haben würde. Im nemlichcn Nu, wo er die eine Person ansah , beurtheilte er zugleich die Handlungen einer andern, welche sich weit von ihm befand. Dies bemerk- M 2 te te man unter andern, als der Düc d'Espernon zu ihm sagte: Sire! Sehen Sie einmal den Herrn Nuntius dort! Wie er über die Grimasse» seines Nach, bars lacht ? Mit Nichten ! versetzte der König, er lächelt vielmehr darüber, daß Monsieur de la Force und Pater Cotton mit einander sprechen. Und so war cs auch wirklich. Er besaß die Gabe, jemands Gedanken und Reden aus seinen Gebenden und Blicken zu erralhen. In einem und eben demselben Nu faßte er hier eine Dame, dort einen Herrn, ins Auge, wäh. rcnd er denen, welche am weitesten von ihm entfernt waren, zu verstehen gab, daß er sie kenne. Jede sei-- ner Bewegungen war voll Ausdruck und jebcn» Ec unterhielt sich mit den Herrn, welche ihm zunächst wa. ren, nemlich: mit dem Erzbischof von Rheims , den Ducs D'Espernon, Monrpazon, und Recz, mit seinem Öberstallmeistcr von Bellegarve, und den Herren von Praslin, de la Force, von Ballai und von Vic. Dem Marquis von Ver« neuil machte er den Auftrag, daß er Nachsehen solle, was hier und da vorfalle; auch sprach er mit andern, welche weiter unken waren. Er bedauerte den Cardi, nal von Joyeuse, daß er so lange fasten müsse, und die Königin Margaretha, daß sie zu früh aufge« standen scy. Alle Streitigkeiten, welche des Rangs wegen vorfielen , wußte er in der größten Geschwindigkeit zu entscheiden. Sein Geist war allenthalben, und doch immer sich selbst gegenwärtig. Es stand zwar ein Sessel für ihn in Bereitschaft, allein vor Freuden bediente er sich dessen nicht, sondern legte seinen Mantel und Hut ab, veränderte jeden Augenblick seinen Platz, und sprach bald mit diesem, bald mit jenem, entweder von etwas, das er gern haben wollte, oder von dem, was wirklich geschah. Es lag ihm sehr viel daran, daß sich die Zuschauer ehrerbietig und ruhig verhalten sollten, da« > izi damit der Königin nichts Unangenehmes wiederfahren möchte. Deswegen war cs ihm sehr ärgerlich, als der Duc de Montbazon, um desto besser sich umschen zu können, die Fenster in seinem Betstuhl enkzwcy schlug, und die Glasscherben den Prälaten, welche unterhalb desselben nach dem Altar zu saßen, auf die Köpfe sielen. Ich führe diesen Umstand deswegen hier an, damit allen denen der Mund gestopft werde, welche behaupten wollen, er habe solches aufausdrücklichen Befehl des Königs gekham Als die Krönung vor sich gehen sollte, führte man die Königin vor den Altar. Ehrenhalber ist es nun einmal so cingesührt, daß der Niedere vom Höhern gekrönt werden muß. So wand August dem HcrodeS, Tiberius dem Könige von Armenien Tigranes, Nero dem Tiridates, Domitian dem Dece- baluö, und Trajan dem Partama das Diadem um das Haupt. Fürsten, welche keinen Höhern über sich erkennen, empfangen ihre Krone aus der Hand Gottes, und lassen sich dieselbe von ihren Dienern auf- sehen; Königinnen aber, welche keinen andern Glanz von sich strahlen, als den, welchen sie von ihren Königen erhalten, müssen auch ganz allein von Königen gekrönt werden. E st her ward vom Ahasveru 6 gekrönt, und PtolomäuS vollzog diese Handlung an seiner Schwester, mit welcher er sich vermahlte, vor der Frenke seiner Armee. Mitridates krönte dis M i- lesia, HerakliuS die Eudoxia, Constanrin der j ü tigere die Th e o dora, Phokas die Leon- tia, und noch in unfern Tagen ward Ehristina von Lothringen von Ferdinand dem Großhcr- zöge Tos ca na's gekrönt. Da eS jedoch dem gottseligen Hause Frankreich darum zu thun ist, die Wahrheit öffentlich zu bestätigen, daß die Könige und M z Koni- izs Königinnen, welche von demselben abstammen, keine andere Majestät besitzen als die, weiche sie Gott zu ver- danken haben, so lassen sie sich die Krone von dessen Dienern, und zwar vor dem Altar, aufsetzen, um da» durch zu erkennen zu geben, daß diese höchste Ehrenbezeugung lediglich von dessen Gnade abhängc. Gewöhn« sich fanden sich die Könige bcy den Krönungen der Königinnen ein. wie zum Beyspiel Ludwig der jünge- r e bey jener der Isabe l l a von Hcnnegau, und Philipp August bcy jener der Alix von Blois. DieS geschah nicht sowohl in der Absicht kiese Handlung zu sanctioniren, als vielmehr ihre Feyerlichkeitzu erhöhen; denn eS ist schon genug, daß dieselbe in Gegenwart GotteS, und von dessen Dienern vollbracht wird. Die Kronen sind einander völlig gleich, und es findet hierin nicht der geringste Unterschied statt. Jupiter hat keinen einzigen Strahl mehr aufzuzcigen, als seine Juno. Die Krone welche der Königin aufgesetzt wird, ist dic nemliche, deren man sich bey der Krönung deS Königs bedient. Da beyder Herzen zusammen nur ein einziges ausmachen, da ihre Schicksale so innig mit einander verwebt sind, daß ihnen die Dorne» und Rosen, womit ihre Lebensbahn bestreut ist, in gleichem Maaße zu Thei! werden, so würde es sehr unschicklich sinn, wenn man sich bey dergleichen Krönungen, wie bey jenen der griechischen Kaiserinnen zu Constantinopel, verschiedener Kronen bedienen, oder von dem Ceremonicl Gebrauch machen wollte, vermöge dessen der Kaiser die Krone aus den Händen des Patriarchen empfängt, und sie sodann seiner Gemahlin aufs Haupt setzt. Da nun die Königin mit gefalteten Händen und gesenktem Haupte vor dem Altar ckniete, betete man i zu Gott, er wolle sich die feyerliche Handlung, welche seine Diener in aller Demuth vollziehen würden, gnädig gefallen lassen, und sein Gedeihen dazu geben. Der Bischcf von z'.v IB« » W' UlM Ädijai H,-! ckri i '83 von Paris reichte das heilige Del dar, womit die Königin auf Kopf und Brust gesalbt wurde. Der Bischof vonBezierö, Großalmosenpflegec der Königin, welcher die Stelle dcö unpäßlichen Cardinals von Perron, Großalmosenpflegers von Frankreich, vertrat, pra- sentirte die Krone, und der Cardinal von Jvyeuse setzte sie der Königin auf. Die Prälaten überreichten ihr die Insignien, das Scepter, den Gercchtigkeitsstab, und den Ring. Anstatt des Kusses, wovon die Damen dispensier sind, machte das Homaginm den Beschluß dieser gottesdienstlichen Handlung, und die außerordentliche Stille, welche man während derselben beobachtete, trug nicht wenig dazu bey, das Majestätische und Feyerliche derselben zu erhöhen. Als die Königin vom Altar zurück kam, und sich wieder auf ihren Thron begeben wollte, wäre ihr bcynahe die kleine diamantene Krone, deren sie sich statt der großen bediente, vom Haupte lgefallen; allein sic selbst fuhr eiligst mit der Hand hinzu, und setzte sie wieder fest. Fürwahr eine sehr günstige Vorbedeutung von jener Glückseligkeit, weiche sie dereinst zur Zeit der Noth durch ihre Weisheit und kluge Regierung über ihre Staaten verbreiten würde! Man merkte es ihr an, daß alle Freuden, alle Ehrenbezeugungen, welche ihr an diesem festlichen Tage zu Theil wurden, ihrem Herzen keine wahre Zufriedenheit gewährten; denn sie sah so nachdenklich und kummervoll aus, als ob ihr ein unglücklicher Zufall ahne. In dieser Betrübniß entsiclen ihr folgende Worte: ,,Ich bedenke, daß mir in dieser Kirche nur zwo Ehrenbezeugungen zu Theil werden können. Dies ist die eine; die andere wird mir, so Gott will, nach meinem Tode wiederfahren." Diese große Königin machte. cS wie die Kaiser zu Constanrinopel, welche sich an ihrem KrönungSlügc ren Marmor und Porphyr zu ihren Grab- mälern ausersahn; zu einem Beweis, daß sie sich von M 4 den »84 den nemlichen Gesinnungen durchdrungen fühlten, tvel. che jenes große Llcht der morgenländischen Kirche beleb« ten, das seinen Vertrauten die Lehre an das Herz legte, sich in ihren größten Vergnügungen des Todes zu erinnern. Sie gedachte an die, deren Namen sie führt, die bey dem Tode ihres eingebohrnen Sohnes die Freude, welche sie über dessen Geburt empfunden hatte, sehr theuer bezahlte, und deren Wonne, als sie in ihrer Glorie über alle himmlische Heerscharen erhöht wurde, gewiß nichts» groß war, als der Schmerz und die Todesangst, von welcher damals ihr Herz zerrissen ward, als sie ihn zwischen den beydcn Uebelrhätern am Stamme des Kreuzes hängen sah. Der König wendete seine ganze Aufmerksamkeit auf jene Csremonien, und sagte nachher r die Vortrefflichkcit der katholischen Kirche leuchte einem doch auf eine sehr deutliche und überzeugende Art in die Augen, wenn, man so, wie bc» dieser Gelegenheit wahrnähme, daß sie ihre ganz eigenen Gebräuche und Ritualien habe, welche recht eigentlich darauf abzweekten, der königlichen Majestät ihre gebührende Ehre zu erweisen. Alle ankere Religionen hätten nichts Aehnliches aufzuzeigen, sowohl was die Salbung der Könige, als die zu einer solchen Handlung verordncten Diener betreffe. Hierauf erwiederte jemand: unter der Hülle dieser Ceremo- mm lägen sehr wichtige Geheimnisse verborgen; selbst der geringfügigste und unbedeutendste Umstand, habe seine sehr guten Ursachen. Sogar der Dampf, welcher aus dem Rauchsüß cmporsteige, habe seine eigene Bedeutung, denn er stelle das Gebet und die frommen Wünsche vor, welche die Gläubigen gen Himmel schickten. Dies erinnerte ihn an die vortreffliche Rede, welche der Cardinal von Perron über diesen Gegenstand gehalten harte, und worin er jene Gebräuche auf eben die E hrl» Ü ei, , 5 , U! w!er !Ä!« e -V, M», N» er Ä, 185 die Art erklärt, wie sich dieselben der ganze Orient „ach Maaßgabe der Schriften des Gregor von Nazianz erklärte, deren Autorität von solchem Gewicht ist, daß es bis auf den heutigen Tag noch niemand wagte, sie tadeln oder widerlegen zu wollen. Auch gereichte ihm das Gespräch zu großer Beruhigung, welches der P a t c r Cottonmit dem Marquis de la Force über die Erklärung der Meßgebräuche undKrö- nungsceremonien geführt hatte. Als dies vorbcy war, hörte er den übrigen Theil der Messe sehr aufmerksam an, und nachdem er sich wieder gesetzt hatte, gab er wiederholt sein Befremden darüber zu erkennen, daß der spanische Botschafter seinen Hut nicht abgenomm-'i habe. Hierauf erzählte ihm Cicogne, der vorige König von Spanien habe den Hut allemal nur während der Emporhebung der Hostie gezogen, und sich gleich wieder bedeckt, gerade als ob er jemanden ein Compli- ment mache, der ungefähr fünf hundert Livres Einkünfte habe. Der König erwicdcrte: „Dächten wir alle in Ansehung der Religion, wie wir denken sollten; so würden wir für jene Geheimnisse weit mehr Ehrfurcht bezeugen, als cs wirklich geschieht. Denn wir müssen ja glauben, daß Iesus Christus, von den EinsctzungS- worten an, bis zur Communion jederzeit auf dem Altar wirklich zugegen scy." Dies sind die eigenen Worte des Königs, die aber fteylich von einer Anmuth, von einem Eifer belebt waren, welchen wir denselben nicht mittheilen können. Sie wurden von einem aufmerksamen Zuhörer aufbewahrt, welcher die Absicht hatte, seine Geschichte damit zu schmücken, und feiner Frömmig- / keit ein ehrenvolles Denkmal zu setzen. In Rücksicht der Religion, ist Demuth eben sowohl eine Pflicht der Fürsten, als ihrer Untcrlhanen. Frömmigkeit kann der Majestät eines Regenten nie zum Nachthcil gereichen. Manches was dem Wohlstände entgegen zu styn M 5 scheint, »86 scheint, vertragt sich sehr gut mit der Religion. D a- v i d tanzt eben so wie die andern vor der Bundeslade einhcr, und hält es nicht unter seiner Würde, vor den Augen ftmcr sammtlichcn Unterthanen die Oberherrschaft dessen anzuerkenncn, welcher ihn über sie alle erhoben hatte. Demuth ist die alkerheilsamstc und nützlichste Lcction für die Könige. Ihre Geburt und ihr Rang flößen ihnen ohnehin nichts anderes ein, als nur Hoffart und Stolz. Demuth ist daS wahre Kennzeichen , daß sie bcy Gott in Gnaden stehn. An großen Fürsten ist zwar febe Tugend zu loben, die Demuth aber ist ihnen weit unentbehrlicher als die andern alle zusammen. Dieser Demuth zu Folge, nahm die Königin das Evangelienbuch, küßte dasselbe, erkannte es für die Vorschrift des Heils, für den Compaß ihres Glaubens, für die Lehre der ewigen Weisheit, durchweiche die Könige herrschen. WaS dasselbe lehrt, ist untrügliche Wahrheit; waS es befiehlt, ist unverfängliche Güte; was es verspricht, ist gränzenlosc Glückseligkeit. Als sich die Königin von ihrem Thron erhob, und dem Altar sich näherte, um dort ihr Opfer darzubringen, da schien die Demuth vollends ihr ganzes Herz zum Wohnsitz erkohren zu haben, und aus ihren Bücken strahlte nichts alsSanftmuth und Milde. Ueber ihr ganzes Wesen war eine solche Majestätyecbreitrt, daß sie im Hinzutreten Mehr einer Göttin als einer Königin ähnlich schien. Der König ward hierdurch zu sagen veranlaßt, „dies sey dis wahre Haltung einer Königin!" Alles übrige stimmte damit vollkommen überein. Der Zug gierig in eben der Ordnung vorüber, wie er sie zur Krönung begleitet hatte. Die Opfer wurden aufkostbarcn Kissen getragen, worüber mqn Decken von weißem Damast gebreitet hatte, welche mit goldenen Tressen besetzt waren. Die Königin empfieng sie aus den Händen der Prinzessinnen von Conti, von Monlpensier und von Guise, und legt« tir srn. > Mm kiM L«> -iW Wjlli ÄttL LL WI 'Kitz -87 legte sie sodann mit eigener Hand auf den Altar. Nämlich den Wein, welcher in zwei) kleinen silbernen und vergoldeten Fäßchen enthalten war, das goldene Brvd, das silberne Brod, und den Beutel mit dceyzchn Gold» stücken, deren jedes dreyzehn Scudi an Werth hatte» Als der Cardinal de Ioyeuse, welcher das Hoch» amt hielt, die Präfativn sang, stimmte der König mit ein; Venn es ist ein uralter gottseliger Gebrauch, daß die Könige vonFrankreich ihr Gebet und ihren Ge» sang zugleich mit jenem der Diener Gottes ertönen last scn. Karl der Große, Robert, Ludwig der Heilige, ließen ihre Stimmen ebenfalls im Tempel erschallen, und Karl der Neunte sang die Psalmen buchstäblich nach. Der König gab so aufmerksam und ehrerbietig auf den Gottesdienst Acht, daß man ihm die Andacht in den Augen laS. Alsderpäbst» liche Nuntius diese Inbrunst, diese lautere und ungekünstelten Herzenscrgießungen mit ansah, äußerte er gegen die Prälaten sein Vergnügen darüber, und sagte L- der Pabst werde sich darüber ausnehmend freuen. Da dieser merkwürdige Tag so viele und große Ehrenbezeugungen mit einander vereinte, als die Welt nur immer zu gewähren vermag, so war es nicht mehr denn billig, baß denselben auch noch die größte aller Gnaden welche nur der Himmel crthcilcn kann, die Hauptsum- me aller Wvhlthaten, der Inbegriff aller Wunder, und das ewige Unterpfand der Liebe Gottes, bcygesugt wurde. Demzufolge ward die Königin zum drittenmal vor den Altar geführt, wo ihr der Duc D'Elböeuf ein Kiffen präsentirte, auf welches sie nicderknicts und daS heilige Abendmahl empsieng, nachdem sie vorher, zum Zeichen ihrer Ehrerbietung, die Krone vom Haupte gethan hatte. Ein deutlicher Beweis, daß unsere Fürsten ihre Kroge gegen die Dornenkrone nnffrs Hei- »88 Heilands für nichts achten, und ihre Gewalt einzig und allein seiner Allmacht verdanken. Ihre Größe hat nur in sofern Glanz, als sie denselben von seinem Licht entlehnt , und gleicht dem Farbenschmelz am Halse der Tauben, welchen man nicht eher wahrnimmt, bis die Sonne drauf scheint. E' Gegen vier Uhr, da die Feyerlichkeit zu Ende war, warfen die Herolde eine große Menge Gold- und Silber-Münzen unter das Volk, und die ganze Kirche ertönte von Freudengeschccy und immer wiederholten Glückwünschen. Ich habe bey weitem nicht alles so genau und umständlich beschrieben, als man eS vielleicht wünschen möchte. Ich gebe eine Geschichte, und kein Ritualbuch. Sollten vielleicht einige Herren, welche bey dieser Feyerlichkeit ebenfalls eine oder die andere Function besorgten, sich für beleidigt halten, daß man ihrer in dieser Abhandlung nicht erwähnt hat, so müssen sie bedenken, daß ihre Namen anderSwo ausgezeichnet sind, und daß der Schauplatz der Ehre nicht sowohl bey dergleichen Festivitäten, als vielmehr auf dem Schlachtfeld zu suchen sey. ßlÜjK bin »ln. » t. Äl dl» Der Duc deGuife, und sein Bruder der Hof- Ek cavalier de Guise, begleiteten die Königin wieder auf ^lilkii ihre Zimmer. In der Antischambre empfteng sie der König, welcher das Herz so voll hatte, daß ihm die 'A>!Ä Hellen Thränen aus den Augen stoffen. Er war so ge- Wi« rührt, daß cs nicht anders schien, als umarme er die Dj« Königin zum letztenmal. Sie solle Gott danken, sprach ^ er, daß alles so gut abgelausen sey, denn noch nie ha> ÜwU be man bey dergleichen Gelegenheiten so viel Anstand und Ordnung bemerkt. Da er wahrnahm, daß sie nicht sowohl Lust hatte zu speisen, als vielmehr auszuruhen, gab er Befehl, daß sich jedermann aus ihrem Zimmer entfernen mußte. Der königliche Mantel, welchen die j,-/. Kä- - - i8y Königin abgelegt hatte, gefiel ihm so außerordentlich wohl, daß er dem Qberfilberkämmcrer und Gardcrob- bcmeistcr der Königin, NamcnS Sanserre, auf der Stelle cröffncte, er solle ihm einen Reutrock von dieser nemlichen Arbeit, und außerdem noch drcy andere von verschiedener Farbe bestellen, worauf einige verschlungene Namenszüge gestickt werden sollten, damit er sodann diese Kleider über seine Rüstung anlegen könne. Da seine Abreise zu nahe war, als daß er sie roch vor derselben bekommen konnte, so befahl er dem Sauser re, daß er so bald sie fertig ftyn würden, Pvsipferde nehmen, und sie ihm nachbringcn solle; zugleich trug er auch der Königin auf, ihn daran zn erinnern. Er soupirte zu Sai'nt Denis. Als er bey Tafel saß, ward ihm die Nachricht hinterbracht, der spanische und venetianische Botschafter hätten Händel mit einander. Der König hatte dies vorhergesthen, denn erwußtewohl, daß sie wegen einer Titulatur, welche der eine dem andern nicht zugestehn wollte, sehr aufgebracht waren. Da er nun leicht erachten konnte, daß der Beleidigte bey der nächsten Gelegenheit Genugthuung nehmen würde, so suchte er sic wieder auszusöhncn, und bewirkte dies auf eine so geschickte Art, daß die Feyer- lichkeit nicht im geringsten dadurch gestört wurde. Der venetianische Bothschafter wollte jene Ehrertitel einigo malcrzwingen. Alleinderspanische, welcher sein Wort gegeben hatte, daß er ihn nicht beleidigen wolle, wenn ec nicht dazu genöthigc würde, und gleichwohl vorhcrsah, daß der Lcrm wieder von neuem angehen werde, wenn er ihm den Titel VoleiZmoriu statt gäbe, be« harrte standhaft bey seinem Stillschweigen, doch konnte man ihm leicht seinen innern Kampf und Verdruß an den Mienen ansehen. Ais die Krönung vorbcy war, gaben sie dem Nuntius das Geleite, und warteten sehnlich !Y0 -------------- lich darauf, daß er sich in seinen Wagen sehen, und nach Paris zurückfahren solle. Kaum war er fort, da fiengen sie an sich zu zanken, und von Worten kam es endlich zu Schlagen. Der König ließ ihren Haus, wirth ruckst seiner Frau rufen, und erkundigte sich auf das genaueste noch den nähern Umständen dieser Balgerey. Nach dem Abendessen schickte er den Herrn von Chateauvieux zur Königin und ließ ihr sagen: wenn ihr gefällig sey nach Paris zu fahren, so erwarte er sie. Ihre Antwort war, sie sey zur Abreise bereit. Sie setzten sich also zusammen in ihren Wagen, und der König erzählte ihr jene Schlägcrey auf eine ganz possierliche Art und mit allerlei) übertriebenen Zusätzen; denn er war Meister darin, eine Erzählung nach seiner ganz eigenen Manier einzukleiden. Da er ungemein aufge« räumt war, so hörte es sich ihm jetzt besonders gut zu. Zween Hofnarren, welche vor dem Wagen her ritten, und ihn gern bey dieser guten Laune erhalten wollten, siengen hierauf an, sich zu zanken und zu balgen. Als der Fahnenträger von der Leibgarde gewahr wurde, daß diese Leute mit entblößten Degen auf einander losgien- gcn, und mit ihren Pferden dem Wagen zu nahe kamen, wollte er sie fortjagcn ; der König aber rief ihm zu, er solle sie nicht stören, denn dies mache ihm Spaß. Den ganzen Abend sprach er von nichts andern,, als von dem, was er den Tag übcr gesehn und bemerkt hatte, und konnte gar nicht damit fettig werden, daS majestätische, anmukhsvolle und wahrhaft königliche Verhalten der Königin zu rühmen. In diesem Punkte — La Brosse, ein geschickter Arzt und Mathematiker , hatte dem Duc de Vendome während einer weitläuftigen Unterredung unter andern gesagt, wenn der König einem Zufall, von welchem er bedroht werde, glücklich entgehe, so könne er wohl noch dreyßig lttl,,,- -Bl» k«,I, "ji ittl », Md »jA m/ dm j« ck»s I »«Ms Hk i^, dsK ^ - lkiz» ^ !»>! clkiji»!^ h« Ä'dj Wi ^ «jz»k eL-^ i§r Jahre leben. Unangenehme Dinge pflegt man den Ko« nigcn nicht gern ins Gesicht jU sagen. Der Duc de Den dome glaubte daher, cs sey am besten baß der Mathematiker dasjenige Sr. Majestät selbst hinterbrin« ge, was er ihm zu eröffnen habe, und bat also den König, ihm eine Audienz zu ertheilen. Der König frag, tc, was er denn eigentlich wolle. Hier schwieg der Duc. Sein Stillschweigen machte die Neugier nurnoch mchr rege. Der König fieng an ernstlicher in ihn zu dringen. Jener entschuldigte sich. Endlich gicng er denn auf ausdrücklichen Befehl Sr. Majestät frey mit der Sprache heraus, und erzählte, was er vom La D r o sse vernommen hatte. Sind Sie närrisch geworden, sagte der König, daß Sie solch Zeug glauven? Sire, erwiederte Vendome, wenn man auch derglei- chen Dinge nicht glauben darf, -so erschrickt man doch wenigstens davor. Die Wohlfahrt Ew. Majestät seht jedermann, besonders aber mich, in die Nvthwcndig. keit, solche Sachen nicht auf die leichte Achsel zu nch- men. Ich bitte daher unterthänigst, meinen Vorschlag zu genehmigen. D-- König wollte aber durchaus nicht dran, sondern gebot ihm vielmehr» nie wieder davon zu reden. Ich kann wenigstens nicht umhin, antwortete der Duc, die Königin davon zu benachrichtigen. Hier- auf sagte der König, wenn er nur Wort gegen sie erwähne, werde er ihm nimmermehr wieder gut werden. Dich Drohung wiederholte er zweymal. La Brosse fand also kein Gehör. Dies alles hat mir der Duc de Vendome selbst von Wort zu Wort wieder er- zählt. Zur ncmlichcn Zeit kam der Königin eine andere Prophcz.-ihung sehr lächerlich vor, zu Folge welcher ihr angekündigt wurde, che noch diese Freudentage und der feyerliche Einzug beendigt wären, werde sie in große Be- IY2 ' »7» Bcttübniß versetzt werden. Nach ihrer Zurückkunft von Saint-Denis bekam sie den, welcher dies zu ihr gesagt hatte, wieder zu Gesicht, und äußerte gegen ihn, da alles bey ihrer Krönung so glücklich von statten gegangen sey, so habe man weit mehr Ursache das Beste zu hoffen, als etwas Böses zu fürchten. Madame, antwortcrc jener, noch ist der Einzug nicht vorüber l Werde ich zum Lügner, so will ich alle meine Bücher ins Feuer werfen." Wirklich hatte man sie schon lange vorher vor einem großen Unglück gewarnt, welches ihr im Maymonak 1619 wiederfahrcn würde; allein unter allen Prinzessinnen in ganz Europa war wohl schwer» lieh eine zu finden, welche auf dergleichen Wahrsagungen weniger hielt, und dieselben tiefer verachtete, wie sie. Die vorerwähnte beunruhigte sie eben so wenig, wie das schreckliche Prognosticon , welches ihr einst die Astrologen gestellt hatten, daß sie über der Geburt ih» rer zweytcn Tochter, Christina, den Geist aufgc» ben würde. Ueberhaupt aber sprach man jetzt aller Orten davon, daß sich ilssder Kürze eine sehr wichtige Begebenheit ereignen werde. Man erinnerte sich an die Deutung der Cometen, der Sonnenfinsternisse und Consteliationen. Leonice hatte alle Regenten, welche im Zeichen des Widders und der Wage geboren waren, auf das dringendste ermahnt, ihre Planctenhäuser nicht aus der Acht zu lassen. Der Stern, welchen man im vorhergehenden Jahre am Hellen Mittage wahrgenommen hatte, wurde von den Mathematikern als der Vorbote eines großen Unglücks betrachtet. Die Loire war übcrgctrctcn, und hatte die Gefilde wieder auf die ziemliche Art verwüstet, wie zu jener Zeit, wo Heinrich der Zweyte und Heinrich der Dritte eines gewaltsamen Todes starben. Die Jahreszeiten, welche sich ganz verändert zu haben schienen, die grim- ustgc Kälte, die entsetzliche Hitze, und die Ungeheuern - ^ ^ !!?? !i»k NX . Mit ttt, M msi iie chch-' «LiLlüi >g! Iy j Li tie > A,M' MM' -«»k ilS^ Ä'l!h »,-i^ k!l^ _^- - --—- rsZ Haufen von Eisschollen an der Loire und Saone trugen auch dazud-y, dieGcmükher mit bangerErwar- tung zu erfüllen. Uederdiesrirculirkenzu Parisgewisfe Verse von der sogenannten Samaritanerin am Pvntneuf, welche auf eben die Art wie die Centukieu dcS Nostrad'amuS eingerichtet waren, Und den Tod des Königs ganz bestimmt und deutlich ankündigken. Es ist freylich eine große Verwegenheit etwas Mit Gewißheit Vorhersagen zu wollen, was sonst nie« wanden als nur allein Gott bekannt ist. Die Kennt« wß zukünftiger Dmgc ist mil dicken Finsternissen um« hüllt, welche der Verstand des Mensch--», unmöglich durchschauen kann. Könnte man die Zukunft vermittelst der Sterne erforschen, so würden jene Propheten gewiß nicht »>, so großen» Ansehen stehen, welche schon in den fernsten Zeitaltern, vor so vielen Jahrhunderten, die Erlösung des Menschengeschlechts, die Schicksale der Kirche, und das Ende der Welt verkündigten. Was Mich anbclangk, so bin ich der Meinung, daß es von Privatleuten wenigstens, sehr thörichk gehandelt sey, ihr künftiges Geschick auS der Influenz der Gestirne er« klären zu wollen, gesetzt auch, daß dadurch einiges Licht über die großen und merkwürdigen Unglücksfalle ver« breitet würde, welche diesem oder jenem Fürsten Wider« fahren. Daß der König alle dergleichen Wahrsagereyett verachtete, verdient um so mehr an ihm gerühmt zu werden, Va die Gemüther der Großen sich nur allzu leicht verleiten lassen, dergleichen z» glauben, wenn hie und da einmal etwas davon in Erfüllung gihts denn wer immer nach der Scheibe schießt, muß freylich mitunter das Ziel irrstem Am Hose , wo der Müstig« gang, welcher gewöhnlich daselbst herrscht, die Men» scheu weichlich macht, und die Eitelkeit sie zur Neugierde reizt, sind die Astrologen recht eigentlich tu L7» DenssMÜrvigk, AiV. K, A? thrcM ihrem Elemente. Dort werden sie angebetet, wenn ih« rp Prophet ihung eintrifl, und entschuldigt, wenn sie fehl schlägt; eie Wahrheit merkt man sich, und die Lü« gen w rden vergessen. Auch gestattet Gott bisweilen, daß das Unglück dem, der es fürchtet, wirklich wieder« fährt; nicht etwan in der Absicht, den Betrug zu be« günstigen, sondern den Leichtsinnigen wegen seines Vor« Witzes zu bestrafen. Schon zu jener Zeit, wo der König die Regierung ankrat, wollte man ihm weiß machen, er werde in den ersten acht oder zehn Tagen »ach dem Absterben Heinrichs des Dritten, dessen Leich- nam zuCompiegne beygesetzk wurde, begraben werden; es werde im sieben und fünfzigsten Jahre seines Alters ums Leben kommen; dies Unglück werde ihm während einer großen Feyerlichkeit begegnen, und was vergleichen Schreckbilder mehr waren. Der König aber pflegte nur darüber zu spotten, und bediente sich gewöhnlich des Ausdrucks „Gott allein habe die Tage der Menschen gezählt ^ Da man ihm die merkwürdigsten Ereignisse seines Lebens, und besonders die Umstände, unter welchen er auf den Thron gelangen würde, genau vorhergesagt hatte, so hätte er allerdings in Versuchung gerathcn können, dergleichen Dinge zu glauben; dem« ungeachtck fuhr er fort, dieselben mit fester Beharrlichkeit zu verachten. In Deutschland hatte man ihm die Nativitäc gestellt, und diese lief darauf hinaus, daß er in seinem sieben und fünfzigsten Jahre gewaltsamer Weise umS Leben kommen werde. Der berühmte Mathematiker Bombastus hafte öffentlich auf CavalierS Parole versichert, dieser Fürst sey auf dem geraden Wege, sich triumphirenv an die Spitze der europäischen Republik zu stellen, wofern ihn nicht ein schreckliches Ereigmß, von welchem ec bedrohet wer« de, an der Ausführung seiner erhabenen und glorrei« chen Entwürfe verhindere. Der, welcher dem Düe msü ?«, Ä rtzzw! «Ui - »sz» kö,, ^ ich be Guise sein Glück in den Ländern an der B l ie ß, und dem Däc de Guemene den Verlust der Schlacht bey Ivri prophczeihte, hatte ebenfalls behauptet, daß der König noch in diesem Jahre eines gewaltsamen Todes sterben würde. Ein gewisser berühmter Prediger sagte zum Düc deGuise und seiner Mutter, diese Freudensbezeugungen würden durch große Betrüb« niß unterbrochen werden. Aufcinem Altäre zu M o n- targis fand man eine Weissagung, welche auf diesen unglücklichen Tag Bezug hatte. Zu Bologna vergossen, wunderthatiges Bild Thränen — darüber.' Auch hörte man noch außerdem von allerley andern Dingen, welche aber mehr die Neugier rege machten, als von Wichtigkeit waren. So vernahm man unter andern, die Gemahlin deS Morschalls von Netz habe erzählt: Catharina von Mebicis sei) einst sehr begierig gewesen, zu erfahren, welches Schicksal ihren Söhnen bevorstehc, oder was dieselben für Nachfolger haben würden. Da habe sich denn jemand gefunden, welcher erbötig gewesen sey, ihre Wißbegier zu befriedigen» Zu dem Ende sey ihr ein Spiegel vorgehalten worden, worin sie einen Saal erblickt habe. Jeder ihrer Nachkommen sey eben so vielmal um denselben herumgegangen, als die Anzahl seiner Regierungsjahre betrage. Nachdem Heinrich der Dritte mit seinen Touren fertig gewesen sey, habe sie den Düc de Guise wie einen Blitz vorüber fahren sehen. Dann sey der Prinz von Navarra zum Vorschein gekommen, zwey und zwanzig mal um den Saal herumgegangen, und dann plötzlich verschwunden. — Während der Zeit, wo man Anstalt zur Krönung machte , kam eine Prophezei« hung auS Spanien, deS Inhalts, daß ein gewisser großer König, welcher in seinen jüngern Jahren einmal in Verhaft gesessen habe, im bevorstehenden Maymonal mit Tod adgehen werde. Der König sagte, N 2 die- »I - ' . /-v - t ^- -c'^ " - .' j- ^ v L»H^ch- t^b -- dies wärm bloß Kunstgriffe der Spanier, wodurch sie .die Krönung zu hinterkreiben suchten, und man müsse ihnen von rcchtswrgen luy einer andern Gelegen' heit Gleiches mit Gleichem vergelten. Es schien jedoch, als ftp er sein eigener b'mglückSprvphet, denn er sagte zum Dücde Sülly, es scy ihm so wunderlich umS H.rz, daß er sich über nichts mehr freuen könne, und Unglück fürchte. Auch hörte man ihn oft sagen, er werbe es nun wohl nicht lange mehr machen, und recht- scharfem Leute würden davon zu erzählen wissen. Mau meldete ihm, da cs den Frühling hindurch stark geregnet habe, so fty in Paris das Pflaster sehr kcthig, und wenn dem jandvolkc nicht anbefohlcu würde, die Straße» zu reinigen, che die Königin ihren Einzug hal- te, so würden die Her?» Deputieren, welche neben ihrer Sänfte h--rgel.cn sollten, sehr viel auszustchen haben. Hierauf antwortete er: „Dies geht mich nichts an; ich bekomme doch nichts davon zu sehen." Der Baum, welchen man am ersten May im Borhofe des Louvre gepflanzt hatte, siel von selbst wieder um, ohne daß j mand Hand an ihn legte, und lehnte sich wider alles Bennu- the>! mit den Wipfel an die kleine Treppe. Herr von B a s- som picrre bc sprach sich hierüber mit dem Düc de G uise, welcher nebst ihm an dem kleinen eisernen Geländer vordem Bemach der Königin lehnte, und fügte hinzu: inDeurfcl) landundIkalicn werde man diesen Za!! für eine sihr unglückliche Vorbedeutung halten, und füechccn, daß , un auch der Baum gefällt werden möge , in dessen Scharten sich die ganze Welt erguicke. Mittlerweile halte sich ihnen der König, welcher glaubte daß sie sich von etwas anderen unterhielten, uiwe» merkt genähert, Und ihr ganzes Gespräch mit angehört. Er sagte hierauf: „nun sind cs bereits über zwanzig Jahre, daß mir dergleichen Prophezeihungen in die Ohren gellen; meinetwegen schicke cs Gott mit mir, wie eS --' ' IY7 ee ihm gefallt!" Des Sonnabends, den achten May, stattete er der Königin seinen Besuch ab, als sie eben bey Tafel saß, und fragte sie, ob die Krönung noch auf den nächsten Mittwoch vor sich gehen werde. Da ihm die Königin keine Antwort ertheilen konnte, die seinen Wünschen entsprach, schwieg sie still. Sie sa- gen nichts? fuhr der König fort. ,,Jch wünschte, ver- setzte die Königin, sie könne morgendes Tags vor sich gchcn, aber Sanserre hat mir eist unlängst gesagt, vor Donnerstags sey es unmöglich." Der König ließ den Sanserre rufen, war über diesen Aufschub sehr entrüstet und schmälte, jedoch mehr darüber, daß mau die Zeit so ungenützt verstreichen laste, als über den Verlust von zweymal hundert tausend Scudi, welcher ihm durch diese Saumseligkeit zugefügt wurde. Endlich sprach er zur Königin: „Meine Freundin, ich wünschte, die Krönung gienge künftigen Donnerstag vor sich; denn ich versichere Sie, wenn der Freytag vorbei) ist, bekommen Sie mich nicht mehr zu Gesichte." Die Königin erwiedcrke lächelnd: „Sie werden noch Muße genug haben, den Einzug mit anzusehen. ,,Nein, war die Antwort des Königs, aus den Freytag nehme ich Abschied von Ihnen. Der Mensch denkt'6 und Gott lenkt's!^ Mittwochs nachher gicng er im Spielzimmer aus und ab, und sagte bey dieser Gelegenheit zu Herrn de Monr- Aru und Herrn de Cicogne, ,.er wünsche, daß er lokt wäre. / Diese entgegneten: er habe ja gar keine Veranlassung sich nach dem Tode zu sehnen; da er ein vollkommen glückliches und zufriedenes Leben führe. Er antwortete aber r^ „Ihr seyd viel glücklicher, als ich!" Dieser ncmlichen Worte bediente er sich auch zum öfter» gegen andere Personen. Seine Diener betrübten sich sehr, daß er ohne alle Ursache in diesen sichtbare» Gram versank; denn alle seine Angelegenheiten gienge» so glücklich und rühmlich , daß alles was seinem Wil- N z le« lyz ^ len sich widersetzte, bloß dazu diente, die Gerüchte wel. che sich von seiner Macht verbreitet hatten, nur noch mehr zu verherrlichen. Ec genoß so viel häusliche Glückseligkeit - daß er, wie j ner weise König Egyp. tens, die Königin seine Gnnahliri, und die Prinzen seine Söhne , als die köstlichsten Schatze, als die größten Gnadengeschenke vorzeigen konnte, welche ihm der Him- mel verliehen habe. I r den schwersten Leiden und Un« glücküfällcn, hakte ihn Gott mit einer solchen-Seclcnüär« ke, mit einem so fisten und unerschütterlichen Muthe ausgerüstet, daß alle seine Diener eben so sehr darüber erstaunten, als seine Feinde sich davor entsetzten. Wenn diese letztem glaubten, ihn auf immer darnieder geworfen zu haben, erlangte er, gleich dem AnteuS, wieder neue Kräfte, so bald er die Erde berührte. Nur hie Streitigkeiten in seiner Familie machten ihn nicht selten sehr unruhig und besorgt, und so oft sich dergleichen hervvrthatcn, wünschte er seinen Stand verändern zu können. Er war ein großer Liebhaber der Einsamkeit, und nur in dieser fand er wahre Gcmüthsruhe. Hier mangelt cs dem Menschen an nichts; für ihn fällt hier Manna vom Himmel, und die Raben sogar bringen ihm Brod. Trist man gleich bitter Wasser darin an, so findet man doch auch Holz, welches die Eigenschaft hat dasselbe zu versüßen. Werden daselbst Amalek und Ebom geschlagen, so triümphiren hingegen Moses und Iosua. Aber Fürsten geziemt diese Lebensart nicht, denn diese leben nicht sowohl für sich selbst, als vielmehr zum Wohl der Völker und Staaten, über welche sic gesetzt sind. Sie haben auf diesem, Meere keinen andern Hafen zu hoffen, als das Grab, und selbst der Tod muß sie noch in voller Thäligkeit finden. Wenn seine vornehmsten Diener, welche sich weder aufs Lügen verstanden, noch die Wahrheit verheel. ten, !!^ ,Dll! kgnch iikl j ülli! Hg«!, Müll >>Rb N-. ten, ihm verstellten, daß hie und da einige Unordnung im Gangc'.der Geschäfte eingerrffcn scy; wenn sie, ver» möge der Autorität, welche ihnen anvcrtraut war, ihm mit aller Unbefangenheit und Freymüthigkeit eröffne«», Laß dies oder jenes keinen Beviali finde; dann versprach er ihnen, er wolle sich Zeit nehmen dre Sache zu über» legen, führte Gründe an, machte Einwürfe, zog Folgerungen, und beschloß sodann seinen Vortrag gewöhnlich damit, daß er, weit entfernt sich wie andere Fürsten über den Widerspruch zu erzürnen, ganz kaltblütig sagte: „Wenn ich nicht mehr seyn werde, wird man erst sehen, waS man an mir verloren har." Da eS ihm sehr darum zu thun war, daß die Königin so viel möglich von der Einrichtung und Verwaltung der Staatsangelegenheiten unten ichtet seyn möchte , so gab er ihr mitunter manche gute Lehre, und ließ es sich sehr angelegen seyn, ihr, so oft sich die Gelegenheit dazu darbot, die Leute bekannt zu machen, in die er das meiste Vertrauen setzte, mit dem Beyfügen: ,,Sie könne dieselben vielleicht dereinst nöthig haben." Ward er gewahr, daß sie diesem wichtigen Gegenstände ihre Aufmerksamkeit entzog; so setzte er hinzu: „nach der gewöhnlichen Einrichtung der Natur werde er früher auS der Welt gehen muffen, als sie; er hinterlaffe ihr aber Frankreich in einer solchen Verfassung, und alles was auf dessen Wohlfahrt Beziehung habe, sey so gut und dauerhaft eingerichtet, daß es ihr bey weitem nicht so viel Mühe wie andern Königinnen kosten werde, dies Reich zu regieren. Wenig Tage vor der Krönung, gien en sie einmal mit einander ans dem Wohnzimmer der Königin nach ihrem Cabinek. An der Thür stand der König still, um mit jemand zu sprechen. Die Königin wartete, bis die Unterredung zu Ende seyn würde. Als der König dies sah, sagt« er lächelnd: N 4 „Ge- 2tzeS ist gewöhnlich das letzte Wort, welches aus dem Munde der Könige geht. Ihr Regie« rungsneid macht, daß sie eö bis auf den letzten Augen« blick »ersparen. Bey dieser Gelegenheit fällt mir bey, daß einst ein gewisser Herr zum Könige sagte; er wün- fche, dem Dauphin «in Dutzend von seinen Jahren. Jener versetzte r Ich für meine Person wünschte nicht, k-M daß er auch nur ein einziges davon hätte. Und am Ta- ge der Krönung war es nicht anders, als ob es Gott ausdrücklich so fügte, daß er seine letzte WillcnSmeinung, « h in Betreff seines Reichs, vor einer so zahlreichen Versammlung oblegen solle; denn er sagte zu seinen Gar« N den: „Hier seht ihr euren Königs l7l, i» zählte er dem Prinzen von Conds und den B a- ii-M ron von Saint Chamont, cs scy ihm prophezeiht kW worden, daß er einst in einem Wagen gewaltsamer Wcp Weise ums Leben kommen werde. Als er das Letztem«! iW, zu Monceans war, begab er sich von dort aus nach ss, A Saint Maur de Fofsäz, in der Absicht, dn Dauphin zu besuchen. Von hier reifete er gegen Abend wieder ab, um in PariS zu übernachten. Als man ^ ^ ihm sagte, er werde wohl am besten thun wenn er ^'7 sich zu Pferd setze, we,l das Fahren bey Nachtzeit ge« ^ fährltch scy, gab er zur Antwort: hat irgend jemand Ursache, sich vor dem Fahren zu fürchten, so bin ichs; denn es ist mir prophezeiht worden, daß ich einst im Wa« gen mein.Leben einbüßen werde. Wirklich hatte er be« . ' rcics ' > ror ttits »m Wagen zu viele und mancherley Gefahren aus» gestanden, als daß er sich nicht vor der Erfüllung dieses Prognosticon fürchten sollte Nie wird sich Frankreich des Umstandes, daßeinstder Wagen des Königs sammt allem was darin war, im Hafen von Neuvil» l e in die Seine stürzte, erinnern ohne zugleich Gott dafür zu danken, daß er nicht nur den König erhielt, sondern auch die Königin gleichsam aus dem Rachen des Todes riß, damit Frankreich zur Zeit der größten Gefahr, durch ihre Veyhülfe aus dem Schiffbruch gerettet werden möchte. Wir haben bereits anderswo gesagt, und werden es in der Folge dieser Geschichte noch öfter sagen, daß keine Fluthen vermögend waren, in ihrem Herzen das Feuer der Liebe auszulöschen, welche sie für ihren Gemahl hegte; denn sobald sie wieder zu sich selbst kam, waren ihre ersten Worte: Wo ist der König? Während der Belagerung von La Fe re kündigte ihm ein Mathematiker an, er solle sich an einem gewissen Tage ja wohl in Acht nehmen, denn sein Leben werde in Gefahr gerochen. Dieser Schimäre zum Trotz zeigte er sich vor den Mauern, und stellte sich dem feindlichen Kanonenfeuer bloß. Als er dcS Abends zu Travecy speiste, dankte er Gort, daß er diesen, dem Vergeben nach, so gefährlichen Tag glücklich überlebt habe. Er begleitete die Düchesse de Bcfort bcy Fa- kch'chcin nach M vv y, ihrem Wohnorte. Als sie unter- WG an eine gefährliche Stelle kamen, stolperten die Pferde, und stürzten mit samt dem Wagen in einen Abgrund. Der Wagen brach kurz und klein, alle darin befindlichen Personen waren in Lebensgefahr, und die Pferde hakten sich theils todt kheils zu Schande gefallen. Diese Begebenheit, welche sich in so kurzer Zeit nach jener Warnung ereignete, hätte ihn wohl veranlassen können, sich von nun an vor dem Gebrauch der K-ttschkn N ; zu zu hüten; assein er lachte nur darüber, und wollte nie zugcben daß sie eine Folge von der P'vphezeihungdeS Astrol gen sey. Indcß blieb es auögemacht wahr, büß sich ein Fürst, we»n er im Publikum enchcink, keines gefährlicher« Vehikels bedienen kann, als eines Wagen. Der Kaiser von China pflegt zwar auch darin auSzu- fahr n, hat aber außer seiner Leibgarde jederzeit noch fünf bis sechs andere Personen bcy sich, welche auf die nemliche Art gekleidet sind wie er, damit man ihn nicht so leicht erkennen, und von den übrigen unterscheiden kann. Als man dem Grafen von Fuentcö an- rieth, die Ruhe Frankreichs zu unterbrechen, und darin einen aberma igen Bürgerkrieg zu erregen, gab er zur Antwort . „damit wrrde man schwerlich zum Zweck kommen, so lange der König lebe; diesen müsse man vor allen Dingen auö dem Wege zu räumen suchen." Der Mensch welcher dies Geschäft betrieb, stellte ihm vor, ein Unternehmen dieser Art sey mit den größten Schwierigkeiten verbunden Der Graf aber erwieder» te: „es werde sich gar leicht bewerkstelligen lassen, weil der König oft auöfahre." Traume verdienen zwar nicht allemal Glauben, sind aber auch nicht immer zu verachten. Wenn sich die Träume großer Potentaten auf große Staatsverande« rungen beziehen, treffen sie meistens ein, und hieraus erhellt, daß — ihnen dieselben von Gott eingegeben wurden. Nur selten begegnete der Königin etwas von Wichtigkeit, daß sie nicht ein gewisses Borgefühl davon gehabt hatte. So träumte ihr einst, Pabst je» derEilfte fey mit Tode abgegangen, und der Cardinal Aidobran- di ni suche sie mit der Versicherung zu trösten, daß dessen Nachfolger ihrem Hause nicht minder zugethan seyn werde. So kam ihr der Tod ihres Oheims, des GroßherzogS Ferdinand, im Traum vor, und zwar so lebhaft, -n- .- roz daß siedeS andern Tags seinen Agenten rufen ließ, und und ihn fragte, was er für Nachrichten von ihm erhalte habe. Als er zur Antwort gab; sie waren ganz gut, «rwiedertc sie, die nächsten würben wohl nicht von der ncmiichen Beschaffenheit seyn. Wenig Tage vor der Ermordung des Königs hatte sie zween Träume, welche als wahre Vorbedeutungen zu betrachten waren. Es träumte ihr nemlich, und zwar gerade zur Zeit, wo die Iuwclierer damit beschäftigt waren ihre Krone zu verfertigen, daß alle die großen Diamanten und ander» Kleinodien, womit dieselbe verziert werden sollte, sich in Perlen verwandelt hätten, welche, nach Auslegung der Traumdeucer, Thränen vvrstcllen. Der andere Traum war so fürchterlich, daß sie vor Schrecken erwachte. Der König verwunderte sich darüber, und befragte sie um die Ursache. Anfänglich wollte sie nicht mit der Sprache heraus, sondern sagte bloß , Traume wären Schäume, und sie glaube nicht dran. Ich auch nicht, erwiederte der König. Sagen Sie mir also, waS hat Ihnen geträumt? Als ec mit wiederholten Bitten in sie drang, sprach sie endlich: Es kam mir vor, als ob Ihnen jemand auf der kleinen Treppe einen Messerstich versetze. „Lassen Sie uns Gott danken, sagte der König, daß dieses nur im Traum geschah!" Sie wollte ihre Oberkammerfrau, NamensRenou kliere, rufen, der König gab es aber nicht zu , sondern legte sich auf die andere Seite, und schlief gleich wieder ein; denn dieser Fürst war überhaupt von fo gesunder Leibescon« Mution, daß es nur auf ihn ankam, ob und wenn er schlafen oder wachen wollte. Zu Saint Denis wurde viel und mancherkey bemerkt, das gar nichts Gutes zu bedeuten hatte. Der König und die Königin erzählten, ihr Schlaf fey durch das klägliche Gefchrep einrS jungen Fischaar unterbro« chm r<-4 -. . chei, worden , welcher die ganze Nacht hindurch vor ihren Zimmerfenstern gekrächzt habe. Man bemerkte eine Oefnung in dem Mauerwerk oberhalb der königlichen Gruft. Neugierige Leute, welche gewöhnlich auf alles Acht geben, hielten es für ein Zeichen von schlimmer Vorbedeutung, daß die Kerze, welche die Königin bey ihrer Krönung trug, von selbst erlosch, und daß ihr zwcymal bcynahe die Krone vom Haupte gefallen wäre, wenn ste nicht noch zur rechten Zeit darnach gegriffen hätte. Ich weiß selbst nicht, was ich davon denken soll, daß der König an diesem ncmlichcn Tage, als er die herrlichen, mit so vielen Menschen besetzten Schauge- rüste betrachtete, stch des jüngsten Tags erinnerte, und den Gedanken äußerte» man würde sich gewiß sehr entsetzen, wenn jetzt der Weltrichtcr erschiene. Drey Jahre vor seiner Ermordung fanden sich zween Edelleure, der eine aus Bearn, der andere aus Condomois, beyde^von verschiedenen Religionen, und in königlichen Diensten, bey ihm ein, und stellten ihm vor, daß sie zwo Erscheinungen gehabt hätten, welche sich auf sein Lebensende bezögen. Dem letzter» war alles, was er gesehen hakte, nur im Traum vorgekom- men. Dem erster» aber erschien, als er völlig munter und wach war, ein langer Mann, welcher das Portrait des Königs auf der Brust trug, und sprach: Geh hin nachlFontainebleau, woderKönigzu eben der Zeit eintreffen wird, wann du dort ankömmst, undsage ihm dies und dies von mir! Er gehorchte, der König hörte ihn an, und da ihm noch in frischem Andenken schwebte, daß stch bereits mancher Scharlatan eines ähnlichen Vvrgebcns bedient habe, seine Betrügereyen zu bemänteln, und Geld zu schneiden, so wunderte ec st !, um so mehr, als dieser Edelmann die drey hundert Scudi, welche ihm der König zu Vergütung der Reift- ' — - . . 2OZ kosten anweisen ließ, mit den Worten ausfchlug, er ha, te bey diesem allen keine andere Absicht gehabt, als Gott za gehorsamen , und Sr. Majestät einen Dienst zu erweisen; deswegen schlug auch der König diese Nachricht gar nicht in den Wind, sondern hatte vielmehr eine gute Meinung davon. Nun, da das Unglück geschehen ist, wird man, cher vorgeben, daß er es vorhergesagt habe. Jeder wird den Wahrsager spielen, und überall wird man wahr- nchmen, daß Cassandra die Wahrheit verkündigte, aber leider bey niemand Glauben fand. Wir wollen dermalen nicht weiter fortfahrrN, sondern die Beweise, daß jene Prophezeihungen nur allzugegründet waren, auf morgen verspüren. Der König stattete der Königin, welche in ihrem Cabinct soupirte, und sich von ihren Hoffräulein bedienen ließ , seinen Besuch ab, sprach Mit ihr, trank auch ein paarmal, doch auf eine Art, als wenn es ihm nicht sowohl darum zu rhun fty, den Durst zu stillen, als vielmehr daS was er im Becher ließ zu versuchen, und gieng schnell wieder fort, um sich zur Ruhe zu begeben. Da seine Gedanken unablässig mit seiner Armee beschäftigt waren, so nahm er, als er sich wieder in seinem großen Cabinct befand, kurz vor Schlaftngehn, den Dur de Präslin beym Arm, lehnte sich traulich aufihn, und sagte: „Meine bevorstehende Reiftwill vielen gar nicht gefallen; da ich aber gerechte Sache habe, und das Unrecht auf ihrer Seite ist, so wollen wie unket Gottes Veystand das Beste hoffen." Die Königin war noch in ihrem kleinen Eabinek, als er stch zu Bett begab, und unterhielt sich noch eine Zeit lang mit allerlei) Dingen, welche kheils geschehen waren, khcilsnochge- . schehen sollten. Ihre guten und getreuen Dienet, waren zwsr zwar ohnehin in mancherley Rücksicht sverpflichtet sich Dieses merkwürdigen Tages zu erinnern/ cs war aber ihr ausdrücklicher Wille, daß das Andenken an ihre Krönung zugleich mit dem Andenken an ihr Wohlwollen verbunden seyn sollte. Deswegen verordnte sie, ein,- ge goldene und silberne Medaillen/ zur Erinnerung ihrer zu Saint Denis öffentlich bewiesenen Freyge« bigkeit unter dieselben zu vertheilen, und gebot ihrem Schatzmeister Dargorgue, daß er jedem ihrer Haus, beamten dergleichen verehren solle. Diese Münzen wa. ren auf der einen Seite mit ihrem Bilvniß geziert, wcl> chcs eine bewundernswürdige Aehnlichkeit hatte; auf der andern sah man eine große Krone, aus welcher ein Lorbeerzweig, ein Palmenzwcig und ein Olivenzweig Hervorgiengen; oben drüber stand folgende vom Kanzler erfundene, und nach antiker Art verfertigte Inschrift: LLOuli k^lieitus. WM »W Am nemlichen Abend ertheilte die Königin noch aller, ley Befehle, welche die Prachtanstaltcn zu ihrem bevorstehenden Einzuge betrafen, deren Beschreibung mir jetzt um so weniger mit Stillschweigen übergehen dürfen, da wir morgen um diese Zeit wohl schwerlich im Stande seyn möchten derselben zu erwähnen. Man sah dem» nach eine Menge Ehrenpforten, Schaugerüste, Pyramiden und Statuen, welche man zur Verherrlichung dieses Einzugs errichtet hatte, und die junge Mannschaft zu Pa r i S paradierte in der schönsten Ordnung theils zu Pferd thcils zu Fuß. Alles übrige »vaö man bcy dieser Gelegenheit zu sehen bekam, war von solcher Beschaffenheit, daß man den Zuschauern mit allem Recht bre nemlichen Worte zuruftn konnte, welche ehedem bey den secularischen Spielen üblich waren: Kommt und seht, was man noch nie sah, und was kein hrl »k,, kein Sterblicher je wieder sehen wird! Um ter allen Heycrlichkeiten, welche von Enken des Hanfes Frankreich veranstaltet werden, sind diejenigen die schönsten und prächtigsten , welche man Key den Krönungen und Einzügen der Königinnen beobachtet. Der Schmuck und die Zlnrakhen, die langen Gewänder, und daS schöne Geschlecht, erhöh n die P> acht des Aufzugs, thellen demselben eine ganz besondere Anmuch und Schönheit mit, und stellen nicht > ur Ve» Augen, sondern auch d»m Kopfe u-d Herzen, e nen hehren bewundernswürdigen Anblick dar. Man würde den Königin in einer Sanfte erblickt haben, welche aus eben die Art wie ein Triumphwagen eingerichtet, und sowohl von innen als außen mir Goldstoff überzogen war, die man mit Silber besetzt hatte. Der Sitz, die Stangen, der Fußboden und Baldachin, waren mit dem nemlichen Stoff überzogen. Hinter der Königin hätte man den Dauphin zu Pferd wahrgenvmmen, Madame und die Königin Margaretha in ihren Sänften, und sodann zehn Prinzeffinnen oder Herzoginnen, in ihrem Staatscostüm, mit der Krone auf dem Haupte, und auf weißen Zeltern sitzend, deren Sättel und Decken aus Goldstoff bestanden. Den Schweif ihrer Mantel hätten ihre Stallmeister getragen. Dann wäre die Oberkammerfrau gekommen, ingleichen die Qbcrhof- meisterin, und hinter dieser die vornehmsten Hofdamen, samt und sonders in Gold- in Silber-Stoff gekleidet, und mit herabhangendcr Schlevpe aus weißen Zeltern sitzend. Dann würden zwölf in Silberstoff gekleidete Hvffräulein der Königin erschienen ßpn, welche aufdrey Mit Gold- und Silber-Zeug bedeckten Wogen saßen» Hierauf folgten die Ordensritter; die Hofcavaliere; der Oberkammerherr; der Oberstallmeister; vier Unterst«!!» Meister; vier Kamm junker; der M'iuelt'äqer; zehn Pagen; vierzehn Fußknechtc; fünf Parabepferde; daS Pferd Pferd mit dem Schmuckkasten; der Zelter der Köm- gin; das Pferd mit dem Köcher; und außerdem noch em zahlreiches Gefolge von allecley Leuten, die samt und sonders so reich und köstlich gekleidet waren, als es die« ser feyerliche Aufzug erheischte. Die Königin hatte die Befehlshaber der vier Gardecompagnien und der hundert Schweizer, den Großprevot, die Hakschier. Huis. siers, Wappenherolde, Trompeter, Haurbvisten, Trom- merschläger, Pfeifer und andere Spielleute, mit ihrer Livercy beehrt. Auf dem Plahe Saint tazare war eine Bühne errichtet, wo die Königin die Cvmpliinen- ke, Glückwünsche, Lobreden und andere Ehrenbezeugungen angenommen haben würbe, weiche ihr die Gemeinde , die sämmtlichen Körperschaften, die Dicastenen, und alle Faculräccn der Universität Paris darbringen wollten. Zu dem Ende würde der Kanzler von Gr. Majestät in seinem Dunkelrothen mit carmoisinfarben Seidenzeuqe gefütterten Sammctwams, seinem rothen Atlaßmancel, und seinem Sammethuce erschienen seyn. Gerne Vorgänger pflegten sich bey sülchen Gelegenheiten in Gold und Silber z» kleiden, er aber wollte sich in einem bescheidener» Anzuge zeigen. Alles war auf den nächsten Sonntag in Bereitschaft. Kein Aufschub, kein Hinderniß fand mehr stakt. Die Königin war ungemein darüber vergnügt, daß der König nun keine Ursache mehr hatte, flch über die Verzögerung seiner Abreise zu beschweren» Der bevorstehende Freudengenuß konnte durch nichts mehr gestört werden, als nur durch etwas, das man nun und Nimmermehr erwartet hatte. Aber die Gedanken der Menschen gehen leider vorüber wie der Hauch; ihre Entschlüsse sind Schimären, ihre Vergnügungen Tand. Fürsten Werden nur allzuoft durch Erdichtungen hintekgangen; wenn sie am wachsamsten sind, schläfert man sie durch Mär» ------. 209 Märchen ein. Während der Zeit, daß sie schlafen, will ich hier eines dergleichen erzählen , um mittlerweile denjenigen unter ihren Dienern die Langeweile zu vertreiben, welche in steter Besorgniß sind, daß jene großen Fre rdensbezeugungen sich mit großen Leidwesen endigen werden. Jupiter gebot dem Vergnügen, sich wieder in den Hunmc! zurück zu begeben, weil er sah, daß die Menschen demselben so sehr nachjagten, daß sie die Erde gar nicht verlassen wollten. Damit das Vergnügen desto reiner zu seinem Ursprünge zurück- kehren möchte, warf es sein Gewand ab. Dies fand der Schmerz, welcher wahrend der ganzen Zeit seines Aufenthalts auf Erden von jedermann verjagt und verstoßen worden war. Er zog es an, und täuschte von uun an dieser in Verkleidung die Welt bis aufden heutigen Tag. Statt der Freude wird ihr nichts als Traurigkeit zu Theil; denn die angenehmsten Empfindungen sind nichts als Schmer;, welcher sich in das Gewand eines schnell wieder vorübergehenden Vergnügens hüllte. * Zweykes Buch. ist er vorhanden, der vierzehnte May; ehedem in den Annalen Frankreichs als ein Tag des Heils und der Freude bezeichnet, weil an demselben Ludwig der Eilfte im Jahr 1529 den glorreichen Sieg bcy Chiera d'Adda erfocht; jetzt aber ein Tag deS Trauerns und Wehklagens für alle gutgesinnte Franzosen, deren Herzen er eine so tiefe Wunde schlug, daß N, Drnkwürvigk, XIV. B, A dir- 2i.V dieselbe nach vielen Jahrhunderten noch bluten wird. Der König stand bald früh auf, um die Geschäfte des Tages bcy guter Zeit abzukhun, und begab sich in sein klein Cabinet, wo er sich ankkidcte. Ich wer. de, soviel möglich, keine seiner Handlungen unbemerkt, keine seiner Reden unangcführt lassen; theils, weil dies der letzte Tribut ist, welchen ihm die Geschichte zu ent- richten bat, theilS, weil sie zusammengenommen ein Ge. maidc darstellen, wvrnach man seinen Charakter deur> theilen kann. st izi«M Als er sich in sein Cabinet verfügt hatte, ließ er den Rambo uro rufen, welcher erst Abends vorher ongekcmmen war, und den er dazu bestimmt Harte, dem Düe de Vendome in Besorgung der Geschäfte bey der Arjuce behülfl-ch zu seyn. Dann sprach er mit Herrn de Maroutt von den Händeln, welche der spanische und vcnckianische Botschafter mit einander hatten. Gegen sechs Uhr legte er sich aufs Bett, um fein Herz desto ungestörter vor Gott auszuschütten, und seine Andachtsübungen zu verrichten, worin er sich nie durch irgend eine Sorge unterbrechen ließ. Als er hörte, daß kcule vor der Thür waren, sprach er: „das ist gewiß HerrdeVilleroil^ Er hatte denselben durch Herrn de Barre nne zu sich bestellen lassen. Nachdem er sich ziemlich lange von allerlei) Geschäften mit ihm unterhalten hatte, sparte er das übrige bis er in das Spielzimmer kommen würde, befahl ihm die Bettvorhänge zuzuziehen, setzte sein Gebet fort, und wartete, bis man ihm seine Kleider bringen würbe. Bald darauf gab er einigen Herren Audienz, welche nicht zu Sainc Denis gewesen waren, und ihm nunmehr zu dem Vergnügen gratulirlen, das er daselbst g- jN, D-iG Mich »M! ch »n !«rd>! h E '»iizir, W, As Kklll 2H genossen hatte; einem Vergnügen, welches so groß war, als es nur immer einem siegreichen Könige, einem glücklichen Gatten, und einem zufriedenen Baker zu Theil werden konnte, der bas was ihm auf der Welt am liebsten war, nemlich seine Gemahlin, auf dem Säum- platze der Ehre krönen, bewundern, und von ihren Kindern begleiten sah. Diese angenehme Beschäftigung hielt ihn jedoch k.incn Augenblick ab, die ScaatSange- Ikgenheiten zu besorgen; denn nocl> am nsmlichen Morgen ließ er die Depeschen ausferkigen und besiege!!', welche sich auf die mit dem Herzoge von Savoyen getroffene Nebercinkunft bezogen. Bey dieser Gelegenheit äußerte er, eö gereiche ihm zur größten Beruhigung, daß endlich der Traetal von Brüssel glücklich zu Stande gekommen scy woHerrvon Dillieres diesem Prinzen seine Aufwartung gemacht hatte, um sowohl seine wahren Absichten zu erforschen, als auch die Art und Weise mit ihm zu verabreden, wodurch ^selben wirklich ins Werk gesetzt werden könnten. Der EtaatSrakh Herr von Bullion welcher dieser Negotiation wegen dreyyral nach Piemont gerecht war, hakte endlich die Artikel des Schutz und Trutz Bündnis, ses überbrachk, worüber man sich bey jener Unterredung vereinigt hatte. Der König brachte diesen ganzen Morgen sehr vergnügt im Spielzimmer zu, wo ihm der Dauphin seinen Besuch machte. Er sprach auch mit dem Cardinal von Jvyeuse und mehrern andern Herrn, welchen er die Pracht und Herrlichkeit der Krönung beschrieb, und gegen die er unter andern den Gedanken äußerte, die Streitigkeiten zwischen dem spanischen und venetianischen Botschafter beylcgc» zu wollen. Dies seltene Genie, welches in Kriegszeitea sich um alles bekümmerte, und im Frieden jede Verrichtung selbst besorgen wollte, die eigenliich seinen Unkerrhauen zu- kam, übernahm jetzt sogar das verdrießliche Geschäft, O s sich 212 V sich bey dm Marschallen', welche die Quartiere zu be. sorgen hatten, zu erkundigen, was für Anstalten sie in der Gegend von Saint Denis getroffen hätten, wie groß die Anzahl derer fty, welche daselbst logiren wollten , was für Hindernisse man ihnen von Seilen der Hauseigenkhümer in den Weg lege, und wo er denn sein eigenes Absteigequartier nehmen solle; welches letztere man ihm in der Gegend des Jakobspitals angewie- sen hatte. Hierauf begab er sich zu den Fcuillantinern, wo er der Messe vpn A fang dis zu Ende sehr andäch« tig beywohnte. In Ansehung des Gottesdienstes herrscht am französischen Hofe seit uralten Zeiten der Gebrauch, daß niemand wahrend der Messe mit dem Könige von weltlichen Angelegenheiten reden darf. Alles was man an dieser Stätte mit ihm spricht, muß geistlichen Inhalts seyu. Meistens ließ er sich das Evangelium und die Gebete vvrlesen, welche darauf Beziehung hatten. Wenn Sr. Majestät bisweilen erst nach zwölf Uhr in die Messe kamen, hielten Sie es nicht unter Ihrer Würde, sich diesfalls bey den Prälaten zu entschuldigen, und zu sagen: ,,Unsere Geschäfte haben unS einmal wieder an der Andacht verhindert, Freylich beten wir eben auch, wenn wir für das Wohl der Welt arbeiten, und dies ist die Ursache, weswegen wir mitunter an Arbeitstagen um die Messe kommen. ,,Das heißt wohl recht, den Gottesdienst um Gotteswillcn versäumen." Ehe ec zur Tafel gieng, ließ er stch in seinem Ca» binet vom Herrn D'Teures, welcher eine Recognvs- cirunq am Flusse Gemois vorgcnommen hakte, von dem Erfolg seiner Reise Bericht erstatten. Aus seiner Erzählung erhellte, daß stch der Uebergang über jenen Fluß, dessen Möglichkeit von andern bezweifelt worden war, auf eine ganz leichte, sichere und b qucme Artvcr- anstultcn lasse, wenn er in der Gegend von Chateau Renault, einem der Prinzessin Conty zugehörigen- Or- >!l/^ dillÄi! «Ms ch» K liß l 0 Ä«. ^ Ki. Orte, und zwar an der Fuhrt zu Failloyer, oberhalb simcha m p 6, unternommen würde. Der König >rar über diese Nachricht ungemein vergnügt; denn man hatte ihm gesagt, derMarchcse Splno! a habe jene Gegend besetzt, um den Uebergang zu verhindern. Noch weit mehr ergötzte er sich an dem. was chm. von dem Zustande und der vortreflichen D'.öpvsinon seiner Armee, von der Ankunft der Schweizer, von den Anstalten bey dem Ärtiileriewesen, von der Mannsz acht des Düc de Revers, von der Zufriedenheit, weiche die fremden Truppen über seine Verfügungen bezeugt-«, und von dem allgemeinen Erstaunen der Einwohner im ch-xen- burgischcn, und andern niederländischen Provinzen, erzählt wurde, welche diesen Fürsten für unüberwmdnch hielten, und schon im voraus überzeugt waren, daß er nächster Tage seinen entschlossensten Feinden die Waffen aus den Händen winden, und ihnen allen Murh benehmen werde. Die Begierde seine Armee in Augenschein zu nehmen, vergrößerte sich hierdurch um so mehr, da alles seinen Wünschen zu entsprechen, alles seinen Absichten zuvorzukommen schien, und er nichts anders vermachen konnte, als daß das Glück eine Menge Städte und Provinzen gleichsam in seinem Netze verstrickt habe, dvmit sie ihm nicht entwischen sollten. Er hatte so treue senke in seinen Diensten, daß es ihm gelungen war, verschiedene sehr wichtige Festungen auökundschasten m lassen, ohne daß die darin befindlichen Cvmman^antcn daS Mngsie davon bemerkt harten, und'cr war sehr überzeugt, daß er nicht sowohl nörhig Hube diese Derter zu belagern, als vielmehr dieselben nur in Empfang zu nehmen. Alle Beamten der Krone, alle G'oßen dcS Reichs, alle edeln und tapsern Männer, welche in den Provinzen lebten, harten sich zu der Armee begeben. Sic wußten zwar nicht, wohin sie der W nd führ, n würde, beruhigten sich aber mit der Uebcrzeugung, daß sie O Z cm 214 rin Schiff besteigen sollten, dessen Befehlshaber nicht Nur die Kunst das Steuerruder zu führen von grurid« aus verstand, sondern auch Neptuns Liebling war. Er habe, sagte er, vier tausend Edelleute zu seinen Dien« ffen; von diesen wolle er zwey tausend auslcsen, welche ein eigenes Korps formiren sollten Ferner sey er gesonnen aus seiner gesammcen Infanterie ebenfalls tausend Mann auszuwahlen, und sie mit Lanzen und Musketen bewaffnen zu lassen. Sowohl diese wie jene wall« tc er, unter Anführung eines tüchtigen Befehlshabers der Tete des feindlichen Heers cntgegcnstellcn, welche sie a»greifen und schlagen sollten. Dann fügte ec, um dem französischen Ade! ein Complimenc zu machen, dessen Tapferkeit, Muth und Beharrlichkeit er bereits hinlänglich erprobt hatte, hinzu: „Was in aller Welt sollte wohl zwey tausend französische Edelleute, welche unter de» Augen ihres Königs fechten, verhindern können , sich durch die feindlichen Heerscharen einen Weg zu bahnen? Gewiß sie würden Berge versehen." Hierauf zeigte er zwölf für eben so viel Fußgänger bestimmte Büchsen vor, die, wie er sagte, dazu bestimmt wäre»! , in einer Entfernung von fünf hundert Schrick jene Schäker wegzubiascn, welche etwa mit Karabinern nach ihm schießen möchten, so daß er nötigenfalls bcym Rk« coguoSciren einen Pistolenschuß ersparen könne. Er war Millens, die königliche Gewalt während seiner Abwesenheit der Königin zu übertragen, und ihr den Conne- table nebst dem Kanzler als Gehülfcn bcvzuordnen; den Präsidenten Icannin aber wollte er mit zu Feld nehmen. Die Denkart und Rechtschaffenheit dieses leh- tern rühmte er mit folgenden Worten: „Ich habe zwar immer gut von ihm gesprochen, ihm aber noch nichts Gutes erwiesen; er ist ein alter braver Mann , der mir jed,' zeit redlich gedient hat." Er war sehr darüber vergnügt, daß ihm der Marschall von Bouillon bc« iilld«!' Will» «llM »M !«w >^s,i 2rz berichtet hatte, an der Gränze scy alles in der besten Verfassung; der March ese Sp i n o la scy zwar Willens gewesen, ihm auf die Halste des Weges entgegen zu gehen, und seinem Marsch durch das Lütttcher- land sich wldersetzen zu wollen; allein Vas Volk habe überall geschrien: hoch lebe Frankreich! Im Vor« übergehen rief er den Nercstange zu sich, und be- zeugte ihm seine Zufriedenheit, daß sein Regiment, sowohl was das Excreircn als die Bewaffnung betreffe, sich vor andern sehr vortheilhaft auszcichnc, und daß er es so schnell znsammenberufen habe. Da eS aus weit wehr Leuten bestand als der König besoldete, soversichcr- te er ihn bey dieser Gelegenheit, erwerbe den Befehlss habern ihre Auslagen vergüten. Nerestange gab ihm zur Antwort: da sie die Ehre genössen, daß sich der König ihrer vor allen andern zur Vollstreckung seiner Befehle bediene, so müßten sie nicht sowohl an Belohnung als vielmehr auf Gelegenheit denken ihm nützlich zu werden, zumal da sie überzeugt wären, daß eS ihnen unter einem so beglückten und mächtigen Könige nie übel gehen könne. „Wohl gesprochen! crwievertd der König, so wünsche ich bedicnt zu werden! Unteccha- nen muffen die Erfüllung ihrer Pflichten für nichts achten, aber der König muß sich ihrer erinnern. Meine Diener muffen Zutrauen in mich setzen, und glauben, daß ich an sie denke. Manche, denen ich weit mehr Gutes erzeugt habe, als Ihnen, sind bey weitem nickt so «kenntlich gegen mich, wie Sie. A"er Undank ist ja der Welt Lohn." Jetzt sah er, daß sich ihm M ada- me und die Königin Christi na nahten. Er küßte sie, und fragte, ob sie gefrühsiückt hätten. IhreDber- hofmeistcrin, die Frau von Monglas, crwiederte: Sic habe das Frühstück bereits vor ihrer Abrei e von Saint Denis besorgt, und sie hatten die dortigen Reliquien wie auch den Schatz in Augenschein genom- Ä 4 men. LlS i- men. Das Frankem de Vendvme erzählte ihm, der Herzog von Anjou habe ein Grab mit vieler Aufmerksamkeit betrachtet, und geweint und geschrieen, als chm jemand weis machen wollen sein Papa luge drin. „DaS macht, versetzte der König, daß er mich lieb hat; gestern schrie er während der Fcyerlichkeit in » nemfvrt: Papa! ^ Ec unterhielt sich hieraus mit einem Requettcn« Meister seines Hofs, lenkte nunmehr das Gespräch von Kriegsfachen auf Religionsangclegenheiten, bey welcher Gelegenheit er daS Vorhaben äußerte, bey seiner Zurückku-'st durch so gerechte und zweckmäßige Mittel an der Religionsvereinigung seiner Unterthanen arbeiten zu w Ken, daß dieselben nur bey solchen Menschen ihre Wirkung verfehlen würden, welchen Jrthum lieber als Wahrheit sey. Dies sind überhaupt die heißesten Wünsche und die eifrigsten Bemühungen aller Gut- denkenden, welchen ihr kebcn zur Zeit der Rcligionsspal- tungen wahrhaft zur Qual wird. Der König ließ sich hierüber sehr umständlich aus; besonders auch über die Mitte!, wodurch er die Bekehrung eines seiner treusten Diener zu bewirken hoffte, welcher als Gouverneur in einer Provinz angestellt war. Dieser konnte sich nicht genug darüber wundern, daß sich der König, zu einer Zeit wo er so viel mit Kriegsangelegen- heicen und andern wichtigen Gegenständen zu thun hatte, mit dergleichen Gedanken beschäftigte, und versicherte zweymal mit vieler Wärme, daß er zu jener Religionsocränderung eben so geneigt als bereitwillig sey. Er überreichte dem Könige das Buch, I/Amsnl: viotorisux, welches dieser sehr huldreich annahm. Wem es darum zu thun ist dessen Verfasser kennen zu lernen, und sein Genie zu bewundern, der lese den Lol- stad sbl 31 ^ 018 . W»°I jihiH ',!»/ ö M'll, KM KÄ jGk! Hßr s> iiCinci U lln ^!>II! ^>I„ Nach . -r? Nach aufgehobener Tafel unterhielt er sich mit dem Präsidenten Ieannin und dem Fjnanzmeistcr Ar« naud. Dicsingab erzu erkennen, er sey fest entschlossen in allen Theilen der Staatsverwaltung eine Reform vor- zunchmcn, den Druck und das Elend seiner Untertha« nen zu mindern, die Verkäuflichkeit der Aemtcr, wodurch die ehrwürdigsten Dinge entweiht würden, in der Folge ganz abzuschassen, und nicht länger zu gestatten, daß Gold in semem Reiche mehr als Tugend und Verdienst vermöge. Zu dem Ende, fuhr er fort, werde er alle feine treuen Diener auffodern, ihm zu Ausführung dieser Entwürfe durch ihren Muth und Diensteifer behülflich zu seyn. Hierauf begab er sich in daS Wohnzimmer der Königin, wohin ihn niemand begleitete, als der Marquis de la Force. Man hat zwar behaupten wollen, er sey damals sehr aufgeräumt gewesen, allein ich bin von guter Hand versichert worden, daß man in seinen Mienen das Gegentheil bemerkte, und daß seine Gedanken gar nicht mit seinen Worten übercinstimmten. Er gieng zu der Königin in ihr Cabinec, welche noch immer damit beschäftigt war, allcrley Dinge in Ordnung zu bringen, welche die Feierlichkeit und Pracht ihres Einzugs betrafen. Sie hatte so eben erst ihrem Großalmosenpfleger, dem Bischöfe von B c zie rs, den Auftrag crkheilt, sich nach der Conciergerie zu begeben, und mit Zuziehung von zwey oder drey Rcquettenmeistcrn die Loslaffung einer gewissen Anzahl von Gefangenen zu veranstalten Als der König vernahm, daß die Duchesse de Guise nach der Stadt fahren wolle, sprach er: „Entfernen Sie sich doch ja nicht von hier, liebe Cousine; wir wollen uns lustig machen." Sie entschuldigte sich aber damit, daß sie eine Zusammenkunft mit einigen Parlcmentsad« vocaken verabredet habe. Er ließ sich zwar verlauten, daß er einen Besuch bey der Prinze ssin von Cvn» O 5 ti t i abstatten wolle, welche das Zimmer hükeke, konnte aber zu keinem Entschluß kommen, noch weniger seine Gcmüthsunruhe verbergen. Er war dergestalt außer Fassung, daß er zur Königin sagte: er wisse selbst nicht, was er thun solle; gern möchte er zwar nach dem Arse- val geh.», aber er befürchte, daß er sich ärgern und in Zorn g rächen werde. Die Königin gab ihm zur Antwort: ,,Gehen Sie doch ja nicht Monseigneur! Schi- ken Sie lieber jemand hin! Sie sind jetzt bcy guter Lau- «e; wie leicht könnte man Sie mrßmächig machen!" Als er aus dem Cabinet der Königin zurückkam, schloß er sich ein, und sieng an zu schreiben: da er aber eine solche Starke des Geistes besaß, daß er gewöhnlich Mehrere Geschälte zugleich besorgen konnte, brach er schon bey der fünften Zeile wieder ab, und ließ dsn Herrn de Calv airs zu sich entbieten, welchen er zum venctianischtn Botschafter geschickt hatte, um zu erfahren, ob derselbe wohl geneigt sey, die mehrmals erwähnte Streitigkeit auf eine gütliche Art beyzulegen. Nachdem er sein Schreiben geendigt, und cs dem, welcher darauf wartete, übergeben hatte, trat er ans Fenster, rieb sich die Stirn, und sagte: Mein Gott, da drin steckt etwas, das mich außerordentlich ängstigt!" Die Aufbewahrung dieser Worte dankt man dem Herrn de Chastaignault, dem der König in einer langen und sehr vertraulichen Unter- rcdung eröffncte, er habe in den vorhergehenden drey Tagen dreymal eine ganz ungewöhnliche Bangigkeit empfunden. In den höher» Regionen pflegt es immer zu stürmen; und Menschen die auf Thronen sitzen, werden aus eben die Art von Kummer und Sorgen umhergetriebcn/ wie andere, welche sich aus Schiffen befinden, von Wind und Weilen. Das Gcmülh dieses Fürste» wurde von allerlei) Gedanken beunruhigt, besonders auch deswegen. ^-- LlY gen, weil ein Gefangener gewisse Dinge ausgesagt hatte, welche einigen seiner Diener zur Last fielen, gegen die er fich aber gleichwohl bis nach seiner Zurückkunft verstellen mußte, welches ihm äußerst verhaßt war. Da er seine Leute sehr genau kannte, und mehr als zu gut wußte, in wie fern es seinem Interesse gemäß sty, diesen oder jenen zu erheben, so konnte er sich nicht entschließen , die Stelle eines Feldmarschalls bey seiner Armee nach dem Wunsche derer zu besehen, welche darnach strebten. Es machte ihn sehr unruhig, daß seine Armee gar keine Beschäftigung hakte, und daß man weder mit denen zu Cöln, noch mit denen zu Lüttich wegen der Proviant und Fourage-Lieferungen überein gekommen war. Da er in allem sehr vorsichtig zu Werke gieng, so war er fest entschlossen, sich nicht eher auf den Weg zu machen, als bis er alle die Sicher- heitsanstalken für seine Person getroffen haben würde, welche man sich von seinen Erfahrungen und Einsichten versprechen konnte. Deswegen hatte er sich drry Quartiere bestellt; eines am Semois, worin er fich nur so lang aufzuhalten gedachte, bis seine Armee über Liesen Fluß gegangen wäre; die beyden andern auf neutralem Boden. Alle drey sollten erst hinlänglich mit Ca« Valerie und Infanterie besetzt, wie auch mit allen Arten von Beerheidigungsmitteln versehen ftyn, ehe er dahin aufbräche. Vor allen Dingen aber setzte er sein Vertrauen auf den, welcher die Entwürfe der Großen ver- tiieln, und dre mächtigsten Heere zernichten kann. Als er wieder aus seinem Cabinet kam, begab er sich in das Wohnzimmer der Königin, wo er mit dem Kanzler sehr wichtige Angelegenheiten in Ordnung brachte, welche mehr auf das Künftige, als aufdasGegen- wärtige Bezug hatten; denn es schien, als wollte Gott nicht zngeben, daß er aus der Welt gehen solle, ohne vorher feine letzte Wiliensmeinung dem ersten Beamten sei- 222 seiner Gerechti'gkeitspflege eröffnet zu haben, welcher zugleich der letzte war, mit dem er von Geschäften sprach. Nach geendigter Unterredung merkte der Kanzler, daß der König durch ihn abgehalren würde, sich nach der Stadt zu verfügen; deswegen sprach er: Sire, ich beurlaube mich , in der Absicht, Ihr Conseil zusammen- zuberufen j „Gehen Sie, erwicdcrte der König, indem ec ihn umarmte, ich will auch gehen, und Abschied von meiner Gemahlin nehmen ft.s Draus unterhielt er sich riuc einigen Herren, welche ihm eben in den Wurf kamen, und sagte: „Sie werden wohl wiffen, daß die Königin Margaretha behauptet, meine Gemahlin habe dey ihrer Krönung Wunder gewirkt." Dies zielte auf einige Damen, welche sich ungeachtet ihreS hohen Alcers und ihrer Schwächlichkeit bep jener Cere- monie cingefunden hatten. Dann erzählte er einen Spatz, welcher sich zu Saint Denis ereignete, und worüber jedermann lachte. Als er dies bemerkte, sprach er: Aus den Frepkag werden wir nicht so viel lachen, als wir auf den Sonntag weinen, werden." Hiermit spottete er jenes Aberglaubens, welcher unter dem Wolke herrschte; denn er für seine Person war sehr überzeugt, daß sich an gedachtem Tage jedermann freuen würde. Nun gieng er zur Königin in ihr Cabinet. Hier sah man, wie viel die Gegenwart dieser Prinzessin dazu beytrug seinen Kummer zu lindern, und seinen Un- muth zu zerstreu« ; denn er sah ganz andersaus, sprach ganz anders, und betrug sich wie einer der vollkommen beruhigt ist. Gegen seine Söhne den Herzog von Orleans und den Herzog von Anjou, spielte er die Rolle des Vaters. Aber bey dem allem merkte man ihm etwas an, woraus sich schließen ließ, daß er gern, fort wollte, und doch nicht fort konnte. Er selbst sagte zur Königin: „Ich weiß nicht was mir ist; ich kann gar nicht von hier weg." Sie bat ihn inständigst; er Im! W Wb« kiimz W MM >!s«b »lgm. O,, M,! 'kük» 22k er solle choch da bleiben. Hierauf befahl er dem von Frontenac, sich nach dem Palais zu begeben und da« selbst Anstalt zu dem königlichen Festin zu machen. Ec wolle, sagte er, des andern Tages gegen sechs Uhr sich ebenfalls daselbst einftndcn, und die getroffenen Anstalten in Augenschein nehmen. Bald nachher ließ er auch den Herrn de Bi tri rufen, und sagte: er solle doch ja dafür sorgen, daß er Ursache habe, mit dieser Feyerlich« keitcben so zufrie den zu ftyn, wie m-t jener zu Saint Denis; er werde auch die Herren de Frontenat und d e la Force dort antrcffen. Sire, erwiede» teVitri, Sie würden eher jeden andern dort wahr« nehmen , als mich» Da mir aber Ihr» Majestät aus« drücklich befehlen, daß ich Mich dahin begehen soll, so belieben Sie zu bedenken, daß ich unmöglich an zwey Orten zugleich ftyn kann» Wenn ich sehe , daß Erv» Majestät auf die Jagd oder sonst wohin gehen, unv nur wenig Leute zur Bedeckung bev sich haben, wird Mir allemal angst und bange. Gleichwohl ist an jedem andern Orcc weit weniger für Dero Person zu besorgen, als in dieser Stadt, wo sich eine unbcftbr tbliche Menge fremder und unbekannter Menschen aufhalten. „Geht, antwortete der Köyig, Ihr ftyd e'N Geck. Ihr wollt nur gern hier bleiben, um Euer Wesen mit diesen Damen zu treiben. Thur was ich Euch befahl. Es sind bereits fünfzig Jahre, und darüber, daß ich mich selbst bewache, ohne vom Capitän meiner Leibwache bewacht zu werden. Ich werde mich auch ferner ganz allein zu bewachen wissen." Bitri antwortetet Sie haben gae nicht nächig, Sire, Ihr eigener Leibwächter zu seyn» Die Leibwache ist bey der Hand, und wartet nur dar« auf, daß Ew. Majestät ausfahren. Allein alle Liebkosungen, Schmeicheleycn und andere Kunstgriffe der Be» redsamkettden würden König nicht dazu vermocht haben, sich mitten im Frieden einer Bedeckung zu bedienen, wovon 222 von er nicht einmal in Kriegszeiten Gebrauch machte. Da «r sich bereits in so mancherley Gefahren und mitten durch seine Feinde gewagt halte, so fürchtete er sich »in so weniger in der Mitte seiner Unterthanen. So rechnete es sich Alexander der Große zur Schande, daß er nicht über denGranieus gehen sollte, da er glück- lich über den Hellespont gekommen war. In allen Perioden seines Daseyns mangelte es jenem edeln Palmbaum nie an Früchten, und seine Geschichte stellt uns eine Menge musterhafter Thaten vor Augen, die fast unglaublich scheinen. So wie die Sterne in ihrem Lau- fe eine ganz andere Richtung nehmen als unser Weltkörper , so nahmen auch leine Handlungen einen ganz eigenen Gang, wonon sich gemeine und niedrig denkende Seelen gar keinen Begriff machen können. Sie blenden jeden, der die Vermessenheit hat ihren Schwung erreichen und ihm nachfliegen zu wollen. Von dem T gs an wo er in den Krieg zog, ließ er seine erhabene Geburt, seine häusliche Angelegenheiten, seine Farm« lienverhältmsse, kurz alles aus der Acht, um sein Privatglück dem allgemeinen Wohl aufzuvpfern. Kein Reuterhauptmann konnte sich so brav, so tapfer und beherzt in Gefahren betragen, wie er. Gefahren »n der Stadt; Gefahren zu Felde; Gefahren zu Wasser, und Gefahren auf dem Lande, in einzelnen Gefechten, in Treffen, Schlachten und Rückzügen. Ueberal! drohte ihm derTod, und überall gieng er denselben getrost und muthig entgegen. Von tausend BeyspieleN dieser Art, welche iti seiner Lebensgeschichte Vorkommen, will ich nur einige zur Bestätigung dieser Wahrheit anführen, damit mansche, daß niejein Fürst, was die Verachtung des Todes betrift, gerechtere Ansprüche aus den Bcynamcn des Tapfcrn zu machen hatte, und keiner den des Glücklichen in Rücksicht seiner K ug- heit mit größerm Rechte verdiente» Er wagte es einst, sich 22z sich mit Beyhülfe von sieben bis acht Mann der Stade Eau se zu bemächtigen. Da hielt ihm einer von der, Ausrührern eine Muskete vor den selb, mit den Worten, er verstehe sich draufdas Weiße zu treffen; denn der König war unter seiner Truppe dcr einzige, welcher ein wciß.s Wamms trug. Nachdem man sich deS Ortes bcmächtmt hatte, ward jener Kerl ohne w itere Umstande an ein Fünfter gehangen, und als der Strick zerriß , stieß ihm einer von den Leuten des Königs einen Dolch ins Herz. Als dies der König erfuhr, jagte ec diesen Menschen fort, und er durfte ihm nie wieder vor die Augen kommen; denn es sey schlecht, sprach er, sich an einem zu vergreisen, der dem Strang entronnen ftp. — Bey der Eroberung von Caours ritt er über eine Drücke, wo eine, von ftinen Offizieren dicht neben ihm von einer Musketenkugel getädtet ward. Der Angriff dauerte drepßig Stunden in einem fort, so daß selbst die tapfersten Männer den Muth verloren, und die Hoffnung aufgegeben haben würden, diese Stadt zu erobern, wenn er sie nicht durch sein Beyspiel angefcucrt, und allen Gefahren Troß geboten hätte. Allein aufeben die Art wie der Wind das Feuer anbläßt, fachte seine Gegenwart immer den Math wieder an, — Als ev sich mit neun bis zehn Pferden aus Nerac wagte, um die Armee dcS Marschalls von Matignvn in Augenschein zu nehmen, verleitete ihn sein Muth so weit vorwärts zu reuten, daß ec von denen, welche er recvgnos- c>nn wollte, erka»' t und mit einem fürchterlichen Feuer begrüßt wurde. Gleichwohl kam er hierdurch so wenig aus der Fassung, daß er seinem Pferde nicht einmal die Sporen gab, sondern nur im gewöhnlichen Trabe zurück Utk. dem Weinberge welcher seinen Rückweg deckte, fand man nachher mehr als fünf hundert Kugeln, öle sich kheils eingewühlt hatten, thcils zersprungen waren. Wollte man einwcnden, er habe damals nur über 224 - einen Theil von Navarra geherrscht, und an der Spitze einer Parkhey gestanden , um derentwillen er sein Leben aufs Spiel setzen müssen, so kann die Wunde, welche er bey Umala davon trug, zum Beweis dienen, daß er seine Haut eben so wenig schonte, als er wirk- lich König von Frankreich war. Die letzte seiner Kriegslhatcn giebt unS einen Maasstab, wornach sich alle vorhergehenden bsurkheilcn lassen. Als er Mit seinem Heer in der Provinz Tarantaise stand, machte er Miene eine Brücke zu aktaquiren, um bey dieser Gelegenheit die Stellung des Feindes auszuspahn und ihn zum Treffen zu nöchigen. Auf seinen Befehl mußte der G «ras von Soissons diesen Angriff unternehmen, da er aber sah, daß seine Soldaten zu hitzig wurden, daß ste wahrend des Gefechts weiter vordrangen als es ihm räkhlich schien, und daß ihnen der Spaß zu lang dauern möchte; da faßte er den Vorsatz , sich in in elgener Person auf den Kampfplatz z« begeben. Seine treusten Diener riechen ihm ab, und stellten ihm vor, daß er sich in die augenscheinlichste Gefahr stürze, und nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben aller derer aufs Spiel setze, deren Erhaltung von der ftinigem abhange; daß die erste Pflicht eines Heerführers darin bestehe, für das Wohl dessen zu sorgen , auf welchem das Wohl aller übrigen beruhe. In der Thal macht sich rin Fürst, welcher nicht für sein eigenes Bestes besorgt ist, eines Vergehens gegen das allgemeine Beste schuldig. Bey den Griechen waren Hie muthigsten und tapfersten Männer immer am besten bewaffnet, denn sie nahmen für bekannt an, daß die, welche sich schlecht bewaffneten , keine Lust hacken zu fechten. Nach ihren Gesetzen wurde zwar der Verlust deS Schilds , aber nicht der Verlust deS Schwerts bestraft» Wahrscheinlich lag der Grund hievon darin, daß man erst auf seine eigene Verkheidigung bedacht seyn müsse, DF' .iM M' M' i»Km ÄÄ.'l iaiz! -i kcm ''»ÄÄ »M «r«», '«Hc ^»1 - — 22 § ste man seinen Feind mit glücklichem Erfolg angrci- fcn könne. Dies laßt sich beionders auch aufdiejenigen Zwenken, welche über eine Armee, oder wohl gar übet kin ganzes Reich zu gebieten haben. Der König aber wollte nun ein für allemal zeigen , daß der Mut!) nicht wit den Jahren altere; daß ein Kromnträger keme Gefahr scheuen müsse : daß ihn sein Lor eerkranz Nicht ab» halten dürft, den Kriegsgewiltern zu trotzen; und daß er schlechterdings :«6>t gesonnen s.y an dem glücklichen Ausgang eines Gefechts Thcil zu nehmen, wenn er sich nicht auch den dam-tt verbundenen Gefahren ausger setzt habe. Demzufolge schwang er sich auf ein Pferd, welches ihm der Herr de Dighieres geschenkt hat« re, sprengte geradeöwegS auf die Soldaten los, die sich zu weit vorwärts gewagt hakten, und bestrebte sich, sie us der Gcft.hr zu rct en, welche sie sich durch ihren all? zu lebhaften Much zuzogen. Als ihn die Feinde mit dem Commandostaoe m de. Hand, mit dem weißen ehrwürdigen Barte, mit dem seuerrocheu von Kampfbegier entbrannten Antlitz erblickten, und sahen, wie er sich über alle Bedenklichkeiten und Gefahren hinwegsetzte, waren sie ««stimmig der Meinung, er habe sich unmöglich auf eine würdigere, gesetztere, überdacht.re, und beherztere Art betragen können. Wahrend dieses Gefechts spielte er nicht viir die Rolle eines großen Feldherrn, i> dein er, ohne nur imGeringstenaus der Fassimgzu konime», aufderStel- kr die zweckmäßigsten Besitz ft ercheilte, sondern auch dünnes unerschrockenen Soldaten , weil er überall zu- öftm mar, wo man am stärksten aus Büchsen und Musketen feuerte. Mag man doch immer dies Be) tragen eine glückliche Verwegenheit nennen. Mag man jenen Heerführer tadeln, der, als man ihm seinen Tod vorhersagte, zur Amwort gab, Sparta's Wohl han- lü Nicht von dem ft den eines einzelnen Mannes ab. Mag man die Meinung derer noch so preißwürbig sin- ftft DeiErvftrdigk. X1V.L, P den, 226 den, welche behaupten wollen, ein Feldherr muffe wo vicht vor Alter, doch wenigstens als Greis sterben. Mag man das Leben für das köstlichste Geschenk des Himmels halten, wogegen alles Gold, das je die Sons ne sah oder künftig noch sehen wird, für nichts zu achten sep. Genug, dieser Prinz war der Meinung, eS sey nichts so groß und hehr, als die Verachtung des Le- bcns, und weder die Cä sa r n noch die Alexander würben sich eine so große Menge Lorbeern erworben ha- Len, wenn sie sich nicht immer in das dichteste Kamps, gewühl gewagt hätten. So wenig er die Gefahren ach. tete welche ihm wirklich vor Augen schwebten, eben so wenig bekümmerteer sich um die, welche ihm in der Zukunft drohten. Die Königin Elisabeth von England ließ ihm zu wissen thun, an seinem Hoflager halte sich ein fremder Edelmann auf, der gegen ihn gar nichts Gutes im Schilde führe. Von rechtswegen hätte er ihn beym Kopf nehmen, oder wenigstens fvrtjagen können. Statt dessen machte er ihm nicht einmal eine böse Miene, sondern ließ ihn vielmehr auf seine Kosten verpflegen, gab ihm ein Pferd aus seinem Marstals, und beehrte ihn mit seinen Aufträgen, bis endlich jener Mensch, der in seinem Gewissen überzeugt war, daß er der Wvhlthaten des Königs ganz unwürdig sey, dieselben nicht länger ertragen konnte, und sich von selbstwie- Ler fort machte. Diese edle Seele konnte nie jemand andcrm etwaszutrauen, dessen sie sich selbst unfähig hielt, deswegen ward ihre Ruhe me durch Mißtrauen oder Argwohn gestört. Vod etwa vier Jahren legte la Co- kogne, boshafter Weise einem Edelmann aus Bretagne eine so verhaßte, so ganz abscheuliche Beschuldigung in Betreff der Verrätherey und Treulosigkeit zue Last, daß sich selbst die Unschuld dafür entsetze haben, und vor Schrecken erblaßt scyn würde. Der König erfuhr es, und um der Welk zu zeigen, daß es ihm nicht mög- chip M Mz D«r, Mil 'iß, -k Ä,» -chr. ch,! Hin —'. 227 möglich sey jemanden sein Zutrauen zu entziehen, dev sich dessen durch seine treuen Dienste einmal würdig ge. macht habe. ließ er jenen Edelmann zu sich rufen, mach, tc ihm die A»k>age bekannt, setzte «berauch zugleich hinzu, er könne sich darauf verlassen, daß sie ganz und gar keinen widrigen Eindruck auf ihn gemacht habe. Dans rieth er ihm, mit einem seiner vornehmsten Diener dar- über zu sprechen, und dieser war vor Erstaunen ganz außer sich, daß der König so fceymüchig und gnädig in dieser Sache zu Werke gieng. Sie war von solcher Wich- ligkcit, daß sich der Mensch hierin mcht lcichr zweymal irrt, daß sonst dis Strenge in Rücksicht derselben.sehr rühmlich, das Mißtrauen gerecht, die Verschwiegenheit sehr nöthig zu seyn pflegt, und der bloße Verdacht die Stelle der Anklage vertritt. Nachdem er ihm den ganzen Vorgang mit allen Umständen erzählt hakte, gestand er, daß er sich keines Beispiels zu erinnern wisse, welches sich mit der Großmuch des Königs vergleiche» lasse, ausgenommen jene schöne Thar Alexanders des Großen, derftincm scibarzte Phi lippus mit der einen Hand den Trank abnahm, welchen er für ihn zubrreitet hatte, und ihm mit der andern den Brief überreichte, worin man ihn beschuldigte, er sey vom Da» rius mit unermeßlichen Geschenken bestochen worden, seinen Herrn zu vergiften. Um diese nemliche Zeit gieng dem Könige von Mehrern Seiten die Nachricht zu, es seyen boshafte ArB schlage gegen seine Person im Werke, und er konnte leicht erachten, daß der ungeheure Zusammenfluß von Menschen die Ausführung eines solchen Vorhabens erleichtern würde. Wie sollte er aber dergleichen Anschläge in Friedenszeiten fürchten, da er den Tod so oft in Kriegszciten vor Augen gehabt und ihn immer verachtet hatte? Im Monat Octobcr war ihm bereits gemeldet worden, daß ein gewisser Mensch aus einem gewissen P 2 Lanvr 1 228 Lande in jener abscheulichen und fluchwürdigen Absicht sich auf den Weg gemacht habe. Als man aber dem Könige dcffen Aufzug beschrieb, als er vernahm, daß der Kerl ein Maal im Gesicht, einen Bart von der und iq!k" der Farbe, und auf wallonische Art gekleidet sey, sagte er; diese Nachricht sey ungegründct, denn ein solcher Mensch würde sich durch sein Aeußcres von selbst vcrra» thcn. Demungeachtet gaben sich seine treuen Diener AsI alle erdenkliche Mühe, denselben ausfündig zu machen. Ferner ward ihm hinterbracht, daß auch noch ein ande- rer, wiewohl aus einer ganz andern Gegend, mit dem peinlichen Vorhaben abgercisct sey, und im November zu Paris eintrcffen werde. Er stellte aber alles dem Willen Gottes anheim, in der festen Ucbcrzeugung, ^7- daß man dessen Fügungen nicht ausweichen kö>mc, und daß auf der Welt nichts den Menschen abhaltcn müsse sich seinem alierchristlichstcn Willen mit Freudigkeit zu unterwerfen. Oft hörte man ihn sqgen: „Wer den „Tod fürchtet, wird sich gewiß nicht an mir vergreifen. „Wer sein Leben verachtet, wird mir das meinige auf eine „solche Art zu entreißen suchen», daß ich ihn nicht daran ,,hindern kann. Ihr mäßet also eure Schuldigkeit thun, ^ „und auf der Hur seyn. Ein Leben voll Todesfurcht, ^ ^ „ist arger als der Tod selbst. Lege ich Mich schlafen, so „empfehle ich meine Seele Gott; siehe ich auf, so bit- ,, ^ „te ich ihn um seinen Schutz; alles übrige ruht in sei- ^ ^ ,,ner Hand; waS er beschützt, ist gut beschützt; vor den „Narren wird er mich bewahren, und geschndc Leute ^ „werden mir nichts zu leid thun. Uebrigens ist mein ^ ^ „Wandel von solcher Beschaffenheit, daß ich gar nicht „nöthig habe mich vor jemand zu fürchten " Nur Ty» rannen leben in immerwährender Beforgniß und Angst. Der muthvvlle Hirt schlaft ruhig, da sich hingegen ecr ^ > feichhcrzige vor seinem eigenen Schalte» furchtet. Du- "r - scr gottselige Numa konnte es nicht über sein Herz brn,-- gen, ^>ks, gen, Verdacht aeqen Menschen zu hegen, welche ihr Vertrauen auf ihn setzten. Großmükhig wie Casar, erbobener an Sanstmuth und Milde wie dieser, stürzte er ;.ch dadurch gleich ihrn ins Verderben, daß ec sich mehr auf seine harmlose unbegrenzte Herzensgute verließ, als die ungeheure Wuth und Ruchlosigkeit anderer in Betrachtung zog. Seine Lebensart, die Zeitumstände , die Lage seiner Angelegenheiten, die gewissenhafte Befolgung der Friedenstractaten und Edikte, dicS alles machte ihn so sicher, daß er nicht die entfernteste Ahndung von den boshaften Anschlägen hatte, welche man gegen ihn im Schilde führte. Die Gähnm- gen in den Köpfen waren gestillt, die bittersten Ge- müchcr beruhigt, die Beschwerden gehoben, die Unzufriedenheit beseitigt, und die Feinde hatten ihre Denkart dergestalt geändert, daß sie jedes Unternehmen gegen die Lebcnstage eines Fürste» verabscheuten, an dessen Erhaltung der ganzen Christenheit zu ihrem Heil und zu ihrer Wohlfahrt gelegen war. Ein verwegener Kerl, aus Negre pe l i ssc gebürtig, gieng in der 'Absicht nach Spanien, sich zu Vollbringung jener verruchten That anzubietcn. Ec entdeckte sein Vorhaben einem Stallmeister des Königs, welcher nach seinem Geburtsorte Valdcmoro genannt wurde. Der französische Gesandte, Herr de B arault, brkam Wmd von der Sache, und beklagte sich gegen den pabsilichen Nuntius ükrr die Bosheit derer, die solchen Ungeheuern Gehör Mn. Der Herzog von Lerma versicherte ihn hierauf, es hätten zwar bereits ihrer viele von diesem Schlage bey dem Könige Audienz begehrt, sie wären über immer unverrichteter Sache wieder fortgcschickt worden. Dergleichen abscheuliche, gottlose, und eines königlichen Herzens ganz unwürdige Gedanken, wären seinem Herrn noch nie in den Sinn gekommen. Er er- staune, daß eine Nation, deren Treue und AnhangUch- P z keik LZo keit für ihre Könige man von jeher bewundert habe, jetzt dergestalt ausgeartet sey, daß man solche Bvscwich- tcr und Unmenschen unter ihr stade. Dann ließ erden Valdemoro rufen, und gebot ihm, dem französischen Gesandten den ganzen Handel zu eröffnen. Valdemoro stellte sich auch wirklich bey ihn ein, und gestand, daß jener Böserv'.ll't zu rhm gekommen sey, und sich gerühmt habe, den König ermorden zu wollen. Wir wollen uns hierüber nicht deutlicher erklären, damit wir es nicht machen wie die, welche gegen die Magie und andere abergläubische Gebräuche schreiben, und dennoch die Zaubermitkel und Vorschriften anführen, deren man sich dabey bedient. Anfänglich, sagte er, sey erzwar nicht abgeneigt gewesen, aufdiefen Vorschlag sich einzulassen, bald darauf aber sey sein Gewissen erwacht, und habe ihm die Abscheulichkeit seines Verbrechens so lebhaft vor Augen gestellt, daß er sich nicht enthalten können , mit einem Jesuiten (!) darüber zu sprechen. Dieser habe ihm sein gottloses Vorhaben auf alle mögliche Art auszureden gesucht, und ihn ermahnt, den Gesandten davon zu benachrichtigen, damit derselbe hierdurch in Stand gesetzt werde, für die persönliche Sicherheit Sr. Majestät zu sorgen. Von diesem allem erstattete Herr de B arault dem König Bericht, welcher oft davon sprach, und sowohl die Klugheit seines Gesandten, als auch die gute Denkart des Herzogs von Lerma, und das gewissenhafte Verfahren des Jesuiten öffentlich rühmte. Die Spanier würden jedoch die« se Lobsprüche mit ungleich größcrm Rechte verdient und vor den Augen der Welt weit mehr Ehre eingelegt haben, wenn sie jenen Verräther zur gebührenden Verantwortung gezogen hätten. Eigentlich sollte er nicht ungestraft aus Spanien entwischen. Die Könige sind sämmtlich als Brüder zu betrachten, und folglich sind Key dergleichen Verschwörungen alle Reiche der Welt in- te- !>s' i'-'" - , ,kc MM! flWl Kl, c! «iAnsch »M !>» !»»» Will, Äk K°T,I ..— 2zr teressirt. Allein jene Vollziehung der Iustizpflege war dem Gouverneur von Languedoc, Herrn de Verdaye Vorbehalten, welcher bereits manches war« nende Beyspiel in dieser Provinz statuiren ließ. Der Elende, welcher dem König nach dem Leben getrachtet hat« te, ward, als er durch Toulouse reifete, auf vorgän« gige Nachricht vom französischen Gesandten in Verhaft genommen. Aus dem Kerker führte man ihn nach dem Richtsatz, und sein College kam auf die Galeere. Wir kehren nun wieder zur Schilderung seiner edclmüthigen Todesverachtung zurück, und da können wir mit Wahrheit behaupten, daß erstens das unbegränz« re Vertrauen welches er auf Gottes Schutz sitzte, und zweytens sein schuldloses Bewußtseyn, vermöge dessen er nicht die geringste Veranlassung Halle seine Feinde zu scheuen, oder gegen seine Untcrthanen mißtrauisch zu scyn, den Ausbruch des Ungewitters beschleunigte, das, wie wir nun bald sehen werden, mit ganzer Gewaltauf ihn los stürmte. Hätte er in Frankreich seiner Strenge und Gerechtigkeit eben so viele Denkmäler errichtet, als er Beweise seiner Milde und Menschenliebe gab, so würden sich dergleichen ungeheure Entwürfe «nd Anschläge gewiß nicht in den Gcmülhern unbewn« neuer Menschen eingenistet haben. Die Löwen in Lydien wagen sich nicht bis an die Städte, auf deren Mauern man die Felle von ihres gleichen aufhangt. Die Wölfe fliehen vor dem Schall der Trommeln, welche mit Wolfsfellen bespannt sind. Vor einiger Zeit hielt der König eine sehr ausfähr« liche Rede über die mancherley Gefahren, welchen er durch Gottes besondere Gnade entgangen sey. Bey dieser Gelegenheit äußerte er den Wunsch, daß die Geschichte dereinst das Andenken derselben aufcben die Art ausbewahren möge, wie cs ihm auf seine ganze Lebens- P 4 zeit 2ZL zeit in fein dankerfükltts Her; geschrieben sey. Zugleich gab er feuien Unwillen darüber zu erkennen, daß sein P-riemcnt zu T o urs einen Menschen hknrichten ließ, weicher den Feinden. um stch aus ihren Händen zu be- sreyen, versprochen hatte, den Köiug zu ermorden, yh, ne daß jedoch sein Herz mir feinem Munde überein, siiimntt. Es Harke jemand znm Könige gesagt, seine Iustizbeamten könnten mehr streng genug zu Werk gehen , seine Person vor Gefahren zu schützen; denn ven seinem Kopfe hi engen sovi-lc aneerr Köpfe ab, und mit seinem Leben sey das Leben so vieler anderer Menschen verbunden, daß man nichc nur das Borhaben und dre wirkliche Absicht den König zu ermorden, sondern sogar Traume dieser Art bestrafen müsse, und auch wirklich bestraft. Ferner sagte der König, wenn er den Narre»;, welcher ihn auf dem Pont ne uf ansiel, und von ihm verlangte, daß er ihm, weil er von dem ersten Könige Frankreichs abstamme, seine Krone obereren solle, dem Pgrlement übergeben hatte, so würde er wohl ebenfalls von demselben zum Tode verurtheilt worden seyn. Hierdurch würde es ihm aber einen schlechten Dienst erzeugt haben, weil dies eben so viel gewesen wäre, als ein vcrnunstlofts Bich bestrafen, das auf die erste Frage, welche ihm der Präsident I c a« nin in Betreff seiner Geburt verlegte, zur Antwort gab, er stamme vorn König PHaram und ob. Dieser Keil, fuhr der Kömg fort, war so roll und rhörichk, daß er mir einst, als ich zur Schlacht ritt, schon von weitem zuries: Gieb mir mein Königreich wieder! Man antwortete dem König; Narrheit könne fol- chen Verbrechen keineswegs zur Entschuldigung dienen; Cabouc, weicher gegen Heinrich den Zwcvken den Degen gezogen habe, sey zwar auch ein Narr ge, Wesen, !t U, ml slhmiiiz rp M kisNüi AiiZii ! li, !kjlis -I, ^',»1 -------------- LzZ wesen, aber dennoch mit dem Tode bestraft worden. Die nervliche Strafe habe man einem andern Wahnsinnigen zuerkannt, welcher den König Ferdinand von Arroganten im Jahr ein tausend vier hundert zwey und neunzig angefalicn, und ihm einen Hieb unterhalb de6 OhrS versetzt habe, den er ihm eiaenclich am Halse anbringen wollen. Dieser Menich sey in seinem Gcfangniß auf alle nur erdenkliche Art tolgmrt und gemartert worden, man habe aber weiter nichts auS ihm bringen können, als daß ihm der Teufel dies befohlen habe, mit dem Versprechen , er wolle ihm zuFerdinands Krone verhelfen. Ungeachtet seiner Nan heit scy erabek dennoch hingerichtet worden. Man habe ihm Hände lind Füße abgchanen, tue Augen ausgcstochen ihn mit glühenden Zangen gezwickt, bei) gelindem Feuer « ei,raten, und ihm so nach und nach die Seele anouepnßk. Man sage zwar, wüthende Menschen würden ohnehin schon arg genug von ihrer Wuch gequält, ohne daß man nöthrghabe, ihre Leiden noch auf andere Art zu vermehren; allein die Erfahrung lehre, daß es kein bewährteres Mittel gäbe sie wieder zur iVernunst zu bringen/, als die Furcht vor der wohlverdienten Strafe. Der König unterbrach das Gespräch durch folgende wahrhaft königliche und ihm cig«r,thümlich zugehörige Acußerung: ,,Die Milde verzeiht selbst denen, die es nicht werkh sind. Je gerechter der Zorn, desto preißwürdiger die Verzeih ungs" Dieser gütige Fürst suchte bey jeder Gelegenheit die Harre m d Strenge der Gesetze zu wilder«. Gleich dem N u m a hätte er den Z e v s lie« der mit Vögelköpseu versöhnt, anstatt ihm Menschen- ^öpje zu opfern. Gleich 'wm A l epa n d e r winde er seiii unverbrüchliches Gelübde lieber am Estl vollzogen haben, als am Eselstreiber. Dieser uridesaugene ed«l. P Z knmh-ge 234 müthige Mann, welcher gar keinen Begriff von Furcht und Menschenscheue hatte, der alle gegen ihn gerichtete Attentate eben so sehr verachtete, als die Mittel welche aufseine persönliche Sicherheit abzweckten, wollte diej Schreckbilder, welche man ihm wirklich vorhielt, nicht noch durch Besorgniß vor entferntem vergrößern, sondern glaubte, es sey genug daß jeder Tag seine eigene Plage habe, ohne sich die Zukunft durch Prophezei- Hungen verbittern zu lassen. Deswegen sagte er zur Königin , er sey nun entschlossen sich in die Stadt zu begeben. Dann trat er auf den Altan vor dem Wohnzimmer der Königin, und rief hinab, man solle seinen Wagen in Bereitschaft halten. Der, welcher sich vorge- uommcn hatte, ihm den Todesstoß beyzubringen, vernahm diese Worte, und sprach bey sich selbst: „N u n habe ich dich! du bist verloren!" Ehe der König abreisete, gieng er drcymal zur Königin und küß- ft sie, als suche sein Herz den Schmerz und Kummer auszudrücken, den ihm die Trennung von dem ihrigen verursachte. Die Gemahlin des Marschalls von EtreeS, welche diese Liebkosungen mit ansah, sagte zum Könige: er werde ja täglich verliebter in die Königin; alle seine treuen Diener freuten sich darüber, und hofften noch größere Freude zu erleben; er solle sich aber wohl in Acht nehmen, daß er sie nicht tausche. Als er zum Zimmer heraus kam, begegnete ihm die Duchesse von Mercoeur; dies war die letzte Prinzessin mit welcher er sprach. Als er die kleine Treppe hinabgieng, befahl er dem Marschall de Boisdauphin, er solle sich zur Abreise fertig machen. Im Hofe sprach er mit dem Herzoge von Anjou, zeigte ihm den Bassom- pierre, und fragte, ob er ihn kenne. Drey Viertel auf vier Uhr stieg er in seinen Wagen, und setzte sich an den obersten Platz. Nachdem er den D üc D' Es- pernon gefragt hatte, ob er etwas in der Stadt zu ich MR. ich lll lisch i lim Kl > >ÜÜch ln »g Pk! 2Z5 zu thun habe, ließ kr ihn rechter Hand neben sich sitzen. Auf der nemlichen Seite, und zwar am Schlage, saßen die Marschälle, de Laverdin und de Roque« laure; auf der andern, der Düc de Monkbazon und der Marg ui de la Force. Vor dem Wagen ritt sein Oberstallmeister Liancourt nebst dem Marquis de Mira bcau. Der Kuci'cher ließ durch den diensthabenden Stallmeister anfragen, wo er hinfahren solle? Der König erwiederte: „Macht nur, daß ihr mich von hier weg bringt!" Unter dem Schwibbogen des äußersten Thors, ließ er den Wagen auf allen Seiten öffnen. Als er vor das sts I^cmAusville kam, schickte er sein Gefolge zurück. Hier fragte man ihn nochmals, wo der Wagen hinfahren solle? Er antwortete: Nach dem Ooix cie 1°i- rouer-e. Als er dort ankam sagte er: ^Fahren wir nach dem SimetiLre clus Innouends! Dort begab er sich in das Zeughaus, um dem Düc de Sully seine Freude über die Reise des Herrn D'Escures zu bezeugen , und ihm zu sagen, daß alle Hindernisse, welche er befürchtet habe, aus dem Wege geräumt waren. Nun nahen wir uns dem Augenblick, wo ich meine Kurzsichtigkeit bekennen und meine Augen in aller Demuth vor den blendenden Strahlen jener unbeschränkten Macht Niederschlagen muß, welche die Mttnlur- sachen nach ihrer Willkühr lenkt- Meine Gedanken verlieren sich in den unergründlichen Rathoschlüffen Gottes, nach welchen der Untergang des König- bestimmt war, und worüber er selbst bisweilen sehr merkwürdige Betrachtungen angestcllt hatte. Vor etwa drey Jahren bat ihn ein Cavalier, welcher zu seinem Iagdgefol« ge gehörte, und dessen vierteljährige Dienstzeit zu Ende war, um Urlaub, und wollte noch des nemlichen Tags 2Z6 - uv------,.- Tags verreisen. Sr. Majestät bewilligten ihm denselben; als aber der Cavalier vernahm, daß der König gleich darauf eine Parforcejagd anstelle« werde, blieb er da und sagte, er muffe erst noch den Hirsch sehen. Wirklich bekam er ihn auch zu sehen, und zwar in sol. chec Nähe, daß ihm derselbe einen tödlichen Stoß in den Magen versetzte, woran er auf der Stelle starb. „Da sieht man, sagte der König als er von der Jagd zurückkam/ was der Einfluß der Sterne vermag. Dieser Mensch bat mich um Erlaubniß verreisen zu dürfen; ich er- theiltc sie ihm; und nun, da er hier gar nichts mehr zu thun hatte, suchte er den Tod auf der Jagd. Seine Stunde war gekommen." Hierauf steng der König über diesen Vorfall sehr umständlich zu moralistren an. Wenn ich aber bedenke, daß der König s'ldst alles Mögliche dazu bey. trug sein Lebensende zu beschleunigen; daß er gegen die ausdrückliche, Warnung seines Herzens abreisete, welches uns in Geheim sowohl die glücklichen als unglücklichen Ereigniste unsers Lebens als ein untrügliches Orakel anzuzeigen pflegt; daß ihm die Königin die Reise nach der Stadt auf eben die Art auszureden suchte, wie einstj Calpurnia sich bestrebte den Cäfardavon abzuhalten, daß er nicht in den Senat gc.^n sollte; daß er die Zeit kaum erwarten konnte, bis er inö Louvre käme; daß er seiner Leibgarde nicht gestatten wollte ihm das Geleite zu geben; daß er den Capicä» dieser Leibgarde zurück schickt; daß der Lieutenant krank «nd der Fähndrich bey dem Präsidenten d e Harlay zum Be-'uch ist; daß er seinen Wagen auf allen Seiten öffnen läßt; daß er sogar seinen Mantel ablegt, um seine Seite nur desto mehr zu entblößen; daß die Einspänniger einen ganz andern Weg nehmen, als der Wagen; daß die Straße von einem Karrn versperrt wird; dann Ft silD /ck/e ch« Ü Us» !l!«M Ä, ^ «IM Äl»! -'ÄU Äiun ' Ä, ------- 2Z7 dann muß ich gestehn, daß Gottes Vorsehung alle Umstände dergestalt mit einander vereinbart und auf dincN einzigen Punct lenkt, der schlechterdings nicht ver- mieden werden kann, wenn wir uns nicht des von ihm verliehenen frepen Willens bedienen, demselben auf eine kluge Art cuszuweichen, so daß es mir scheint, jener vermaledeite Streich habe gelingen müssen, Gotk habe denen, welche er züchtigen wollte, die Augen verblendet, und sich gleichsam der List des Pittacu ö bedient, welcher den Phrino, mit dem er sich in Zwey- kampf schlug, in die Netze, welche er hinter seinem Schildeverborgen hatte, dergestalt verstrickte, daß es ihm sodann wenig oder gar keine Mühe kostete, demselben das Leben zu rauben. Menschcnkräftc waren zu ohnmächtig und zu schwach, sich an dem Leben dieses Fürsten zu vergreifen; die Holle selbst spie das Ungeheuer auö, welches sich dieses Verbrechens unterzog. Dieser Böse- wicht besaß wenig Verstand, und «alte die ihn kannten, hielten ihn für einen verruchten nichkswürdigen Kerl. Er führte einen langwierigen Erbschaftsproceß, und als er denselben verlor, gecicthen seine Eitern an den Bettelstab» Statt der gezwungenen Armuch wählte er die fteywillige, eilte über Hals und Kopsins Kloster zu den Feuillantincrn, mußte es aber wegen seiner Verstandesschwäche wieder verlassen. Die, weiche ihn aufnahmen, erzählten mir nachher, so oster das Wort Hu ge not Uhört habe, ftp er allemal ganz außer sich gerarhen, und seine Narrheit habe sich in völlige Wuth verwandelt. Sein Geist war und blieb immer scheu, ängstlich, unruhig, für alle mögliche Phantastcreyen empfänglich, und äußert seine Zerrüttung immer mehr und Mehr. Wee ßch einmal als ein Narr auf den Weg macht, kömmt selten als ein vernünftiger Mensch wieder nach Hause. Ae deutlicher seine Narrheit ins Auge fiel, desto mehr ward er in dem Glauben bestärkt, sie sey aller Welk verbot- borgen. Je dümmer er war, desto klüger kam er sich vor; und da er sich gar nicht für krank hielt, so war er auch nicht im geringsten für seine Genesung besorgt» Nach Verlauf einiger Zeit gieng er wieder in sein Vaterland zurück, wo er, eines MordK wegen, ein ganzes Jahr in Verhaft laß. Vor Gericht harte er keine Ehre eingelegt; noch weniger Ruhm nahm er mir aus dem Kloster; und im Gefangniß betrug er sich als ein TollhäuSler, der allerlei) Gesichte und Erscheinungen hatte. Sein böser Geist, der ihm die gerechtesten und untadelhastesten Handlungen des Königs in einem gehässigen Licht zeigte, vielleicht auch aüerlcy ungegrüw dete Gerüchte, weläreer begierig für ausgemachte Wahrheit annahm; dies alles brachte ihn zu dem gräßlichen unmenschlichen Entschluß, den König zu ermorden Es fehlte ihm jedoch an Much, denselben eben so schnell auszuführen, als er ihn gefaßt hatte. Drey Jahre lang nährte er die Gistnattcr, welche er im Busen trug. In der Folge gestand er, anfänglich habe er sich so sehr vor diesen Morvgedanken entsetzt, daß ihm nicht nur jedes Haar auf seinem Haupte zu Berge gestiegen, sondern auch der Angstschweiß über die Stirn gestoßen sey, und sein ganzer Körper gezittert und gebebt habe. Er nannte sich Franz Ravaillac, und war von An- gouleme. In seiner Wuth reihte er einigem«!, und zwar noch am verwichen«« Osterfeste, von Angv«lerne nach Par i s, immer in der Absicht, jenen Streich auszusühren; er habe jedoch, sagte er, erst die Krö- uung abwarten wollen, damit die Königin einer sogerech' ten und wohlverdienten Ehre Nicht beraubt werden möchte. Vielleicht Härte er die Ausführung ftineö schrecklichen Vorhabens noch weiter hinauügesctzt, aber die Noch zwang ihn, dasselbe zu beschleunigen, denn er hatte nur noch Vrey Quark von einem Seuvi in seinem Vermögen. Da er nun fest entschlossen war keinen Augenblick —. 2ZK genblick länger zu säumen, so krank er mehr als ge« wohnlich, gierig sodann nach dem Louvre, und setzte sich auf einen von den Marmorsieinen vor dem Thor, wo die Bedienten gewöhnlich ihre Herrn erwarten. Hiev hielt er sich ziemlich lang auf, denn er war Willens, dem Könige den Todesstoß in eben dem Augenblick zu versetzen, wenn er sich zwischen beyden Thoren befinden würde, wozu ihm die Beschaffenheit des OrtS sehr günstig schien. Als er aber vernahm, daß der Düe D'Espernon nicht an dem Orte zugegen sep, wo er glaubte daß der König absteigen würde, suchte er ihm den Weg abzuschnciden, und stellte sich an eine von den kleinen Buden nach der Gegend sie« Innocenvs zu, in der Straße k^rronnel-is, wo er ihn erwartete. In dieser Straße find viele Kramläden und Buden, welche an die Mauer des Kirchhofs ckes Innocsnvs stoßen» Als König Heinrich der Zweyte im Jahr ein tausend fünf hundert vier und fünfzig, den vierzehnten May, also gerade am Geburks und Sterbetage dieses großen Fürsten, zu Compiegne war, und in Erwägung zog, daß diese Straße die Stabt Paris quece durchschncide, daß die Könige gewöhnlich durch dieselbe ihren Weg nehmen muffen, wenn sie vom Louvre nach der Tournclle fahren wollen, und daß sie, der vielen Buden wegen, sehr eng, schmutzig und unbequem sey, befählet, dieselben nicderzurcißen und bey Seite zu schaffen. Dies Edict wurde zwar vom Parlemcnte bestätigt, blieb aber zum größten Unglück unausgeführt. An diesen ncmlichen Buden, lief der Böseivi'cht, ganz erhitzt und von Schweiß triefend, auf und ab. Der König kam, ward, als er die Straße hineinfahren wollte, den Herrn von Montigny gewahr, und rief ihm nach seiner gewöhnlichen Leutseligkeit mit lauter Stimme zu: „Ihr Diener, MvlitigM)! Ihr Die- nerk" Beyrn Einfahren in die Straße, stieß der Wa- 244 ." Wagen rechter Hand auf zween Karen, wovon der eine mit Wein, der andere mit Heu beladen war» Deswegen mußte der König links einlenken und jeden Augenblick st,!l halten. Mittlerweile waren dir Ein» spannigcr über den Kirchhof cles lunownts geritten; dir Edelleute konnten gar nicht an den Wagen kommen; zwuchen demselben und den Buden drängten sich «ine Menge Leute hindurch. Jener Unmensch kam des nem- lichen Wegs, angechan mit einem Mantel, weicher ihm über die linke Schulter hieng, das Messer in der Hand, und oben darüber den Hut haltend damit man es nicht wahrnehmen sollte. Die Stellung des Königs machte ihm Much. Hätte sich derselbe nicht mit dem Gesicht nach der Seite gedreht, so glaube ich doch, Daß ihn die Majestät und Würde, welche die Hand Gottes den Königen auf die Stirn prägt, vielleicht von seinem Vorhaben abgeschreckt hatte. Der König saß rechter Hand, dicht neben dem Dur D'Es per- », on , welchem er einen Brief zu lesen gegeben hatte. Zu seiner Linken saß der Duc de Mvntbazvn, welcher den Kopf seirswärts drehte , damit cö nicht das Ansehen haben möchte, als ob er das, was der König ganz leise sprach, belauschen wollte, denn dieser hatte sich vorwärts gebogen, und sagte zum Duc D'Es- pernonund dem Marschall de Laverdin folgende Worte: „Auf dem Rückwege aus dem Arsenal will „ich Euch den Plan zeigen , wodurch Her r D'Escu- „rö s den Uebergang meiner Armee zu bewerkstelligen „hofk. Ihr werdet Euch darüber freuen, und ich selbst „bin ungemein damit zufrieden." Als nun die Furie sah, daß ihm der König während dieses Gesprächs die Seite Preis gab, und daß der einzige Einspänniger welcher noch zugegen war, und die Ausführung seines Vorhabens hätte verhindern können, sich eben damit beschäftigte, sein Knieband zu befestigen., versetzte er dem Kö- . n:ge 2 !^- - - -^ -:» 2^1 nige über das Rad hinweg zween Stiche mit dem Messer. Er wollte ihm deren noch mehrere beybringen, aber Lee Düc de Montbazon fieng den dritten mit seinem Wammsermcl auf. Der erste Stich gicng zwischen der zworen und dritten Rippe durch, war ungefähr queer Fingers breit, und lief unter dem Herzmuskel hin, ohne jedoch die Brust zu verletzen. Der zweyte, welcher etwas tiefer traf, gierig mitten auf der Seite zwischen der vierten und sechste» Rippe durch, war zween Finger breit, durchbohrte den einen Lungenflügel, und er- sircckle sich von da bis an die große Schlagader, die er oberhalb des linken Herzvhcs zerschnitt. Als der König den ersten Stich bekam, fuhr ee mit dem Arm in die Höhe, und gab dadurch seinem Mörder nur noch mehr Blöße, den zweyten anzubriugen. Auch fand sich nachher, daß das äußerste Ende seines WammecrmclS auf der Ausseiiscite, »ach der Ha ch zu, an zwey, und das Hemde, wei! es in Falten gelegen hatte, an drey Arten durchlöchert war. Dieser Umstand bestätigte, was der Mörder gegen mehrere Personen wiederholte, nemiich: er habe dem König zwar drey Stiche versetzt, aber nur durch einen sey das bewirkt worden, was er gewünscht hätte. B« y dem ersten Stiche sagte der König: Ich bin verwundet! aber der zweyte folgte so schnell, daß er kaum noch die Worte heraus bringen konnte: Es thut nichts! denn das Blut schoß ihm stromweise zum Munde heraus. Der Düc D'Espernon sprang gleich auf, hielt ihn, damit er nicht umstnken möchte, und bar ihn, an Gott zu denken. Der König faltete die Hände, und richtete die Augen gen Himmel. Seine Seele, welche über und über mit dem Blute des unschuldigen Lammes besprengt war, welches von Anbeginn der Welk her für uns ge» opfert ward, schied sanft aus seinem Körper, welcher N. Denkwürdig?, XIV. N. Q von 24 » von dem Blute trof, das aus seinen ganz unschuldiger Weise empfangenen Wunden quoll. Der Wagen hielt still, der Weg war versperrt, die Straße mit einer Menge bestürzter Menschen angefüllt, und der Kutscher, welcher ganz außer sich war, wußte nicht, ob er vorwärts oder rückwärts fahren sollte. Herr de Saint Michel, einer von den Edelleuten, welche den König gewöhnlich begleiteten, griff nach dem Degen, und wollte den Mörder darnieder hauen. Allein verDüc D'Espernon rief ihm zu : wenn ihm sein Kopf lieb sey, solle er ihn unangetastet lasten ; denn der König befinde sich wohl. Zugleich riß er dem Kerl das Messer aus der Hand. Der Graf de Cursor, gab ihm einen Stoß mit seinem Degengefäß vor die Gurgel. Herr de la Pierre, einer von den Hauptleutcn der Leibwache, versicherte sich seiner Person, und übergab ihn den Einspännigern, die ihn dem Herrn de Montigny überantworteten. Herr de Bia nco urk sprang eilig aus dem Wagen, und begab sich auf das Rachhaus, um daselbst die Verfügungen zn treffen , welche er von AmtSwegen zu besorgen hatte. Andere liefen zum Dauphin, in der Absicht, für dessen Sicherheit zu sorgen. Herr von Courtemer hat mir vermittelst einer handschriftlichen Nachricht die Wahrheit verbürgt: der Marquis de la Forte habe ihn im ncmlichen Nu, undindernem- lichen Straße gebeten, er möge sich doch nach dem Arsenal begeben, und den Düc de Süily von diesem Unglücköfall benachrichtigen. Auf dem Wege dahin, wären ihm acht bis zehn Männer zu Fuß, und zween zu Pferde begegnet, welche unter vielen Flüchen und Schwüren gesagt hakten : Der Kerl muß sterben! Dann waren sie auf jenen Tygec lcögegangen, und hätten ihn umbringen wollen. Er habe sich, aber mit blo- Mll V fch'« Lp« ich, r «fkn, L lfm «NH i Ich« üi!i! rbti ittte 'fttSl, H, -4Z bloßem Degen ins Mittel gelegt, ihre Hiebe und Stoffe ausparict und zu ihnen gesagt: der Könige befinde sich wohl, und habe ausdrücklich befohlen, daß ihm kein Leid geschehen solle. Der Oberpcäsident, welcher von diesem Lorsall benachrichtigt worden sey, habe sich bey ihm erkundigen lassen, waS dies für Leute gewesen wä- ren? Daraus habe er crwiedert, sie hätten sich wieder im Gedränge verloren, und man müsse bey Leibe nichts aus gcrathewohl unternehmen. Dieser schreckliche, meuchelmörderische Streich ward mit einer solchen Behendigkeit ausgeführt, daß fast niemand etwas davon gewahr wurde. Die Brstür- zung war so groß, daß man wohl schwerlich den unmenschlichen Thätcr entdeckt haben würde, wenn er sein Messer auf die Erde geworfen hätte; weder an seiner Furcht, denn diese war allgemein, noch an seinerblassen Gesichtsfarbe, denn er betheuerke, daß er so gleichgültig auf de» König losgebohrt habe, als ob er einen mit Heu aue-gestopften Stiefel vor sich gehabt hätte. So halte ihm der Teufel aller Scheu, alles Respekts, al« leS Nachdenkens beraubt. Als der Wagen mit dem Könige im Louvre an- kam, schrien die Leute am Eingang des LorhofS: Wein! Wundärzte herbey! Man hatte aber wederdeneinen noch die andern nöthig. Die Nachricht von seiner Ermordung hatte sich bereits im Pallast verbreitet, aber man glaubte noch nicht, daß er wirklich tobt sey, biö endlich der Wagen anlangte, der entseclce Leichnam herausgenommen, und in dem kleinen Cabinet aufs Bett gelegt wurde. Diese Verrichtung besorgten derDücve Montbazon, derDücde Vitri, der Marquis de Nermou stier, der Marquis de Sülly, einer von den Stallmeistern, und noch Q 2 kini- 244 einig- anders Personen, deren Namen mir nicht öe- ^i> kannt worden sind. Petit, sein Qberlribarzt, verst. cherte mich > er sey nicht eher als auf dem Bett vecschic» den. Als er ihm zugeruftn; Sire, denken Sie an Gott, und sagen Sie in ihrem Herzen: Jesu, du Sohn David erbarme Dich mein!. habe der König dreymal die Augen wieder aufgc schlagen. Noch ein anderer Herr hat mir daö Ncmliche erzählt, W . Man zweifelt aber sehr, daß ihm die Beschaffenheit der kl ^ Wunde diese LebcnSfrist habe gestalten können, sondern glaubt vielmehr, er habe in seinem B lute ersticken müssen. ^ Ein gewisser Staatsrath fand sich, nachdem er das Con- lzÄd seil in Gesellschaft des Kanzlers und der übrigen Herrn verlassen hatte, bcy dem Leichnam ein, und bileb die ganze Nacht da. Dieser letzte Liebesdienst, welchen siiziili er dem König erzeigte, war ein deutlicher Beweis von «Ml dem Elfer, womit er seine früher» Pflichten erfüllt hat- !«t»H te. Der Erzbi sch of von A mbrun fand sich auch KM daftibst ein, verrichtete sein Gebet, und trug Gott die il« Fürbitte der Kirche für das Heil seiner armen Seele ch A vor. «'! Man erzählt, ein gewisser Herzog von Bur- «Da gUnd sey vor Schrecken gestorben, als ihm ein Schwarz- künsiler neun Kriegshelden gezeigt habe , welche im Be- rtm, griff standen, den König zu morden. Dann hatten die vor Herzleid sterben müssen, welche wie man eine Hand ^ umdrcht, diesen König aller Kriegshelden entseelt da liegen sahn. Nun erblickte ich zwar sein blutiges Hemd, seine von angehäuftem Blut emporgcschwelte Brust, sei- ^ ne mit Todesbiässe bedeckte Stirn, seine geschlossenen Au- ^ gen, den offenen'Mund, und überdies noch sein Or- ^ denskreuz; dcmungeachtet schien mir dies alles ein .D Traunw konnte meinen Augen nicht trauen, konn- ^ re mir cs nicht als möglich vorstcllrn, daß ich den wirft .. i kick 245 kich todt vor mir sähe, der nur erst vor eitler Stunde von nichts andern: als Schlachten, Siegen und Tri, umphen, sprach. Dies ist kenn alss, sagte ich gleich andern, der siegreiche Fürst, den alle Welk den Großen, den Unüberwindlichen nannte; der, wenn er sich nur in Bewegung setzte, zugleich die ganze Welt bewegte: des« sen Entwürfe jedermann beruhigten, dessen seiden aller Herzen betrübten, dessen Drohungen die Feinde schreck- ten, kessen Verordnungen seinen Unterthanen Schutz und Sicherheit gewahrten. Dieß der Fürst, der die- Christenheit in ihren: hinfälligen Zustande ausrecht erhielt/ im Unglück sie tröstete, in bangen Besorgnissen ihr Much einsprach. Dies der Fürst, der durch die Starke seines Geistes, seinen durchdringenden Verstand, sei» glückliches Getächtniß, seine bewährte Erfahrung, und durch die drey Augen des Verstandes, »emlich Er- kcnntniß, Scharfblick und Besinnung, die Kunst über Menschen zu herrschen, unter allen übrigen Künsten die schwerste , auf eine so vortrefliche Art trieb, daß er in dieser Rücksicht die berühmtesten Männer des Altcr- thunrs üb er traf. Dies der Fürst, der in Geschäften so, thätig, in ruhigen Stunden so wachsam, in zweifelhaften Fällen so vorsichtig, in glücklichen so mäßig , in un- tzlücklichen so weise war; der sich in Schlachten vor nichts fürchtete, in Gefahren nie die Fassung verlor, und immer dem Schicksal die Stirne bot; der so genau wußte, was man fürchtenund verachten» oder wünschen und begehren müsse. Dies der Fürst, der alle» Gerechtigkeit wieder« fahren ließ, sie gegen jeden vollstrcckt wissen wollte; dcv so geneigt war das Böse zu hindern, und das Gute zu befördern; der alle Arten von Zufriedenheit, Glück und Ehre genoß; der immer sich mit großen Entwürfen beschäftigte, um dadurch die Verherrlichung Gottes ur^d Frankreichs Ruhm zu befördern; der stets darauf antrug, das Mangelhafte zu verbessern und jene großen QZ Mei. 246 .. . -- Meisterwerke zu vollenden, welche den Wundern der Welt an die Seite gesetzt zu werden verdienen; der fest entschlossen war, die Künste und Wissenschaften auf der Universität zu Paris und die Religion in der ganzen Welt wieder in Flor zu bringen. Dieser große Hein» rich, dem der Hemmet, so wir seine Tugenden und Verdienste, die Oberherrschaft der Welt hoffen ließen, stirbt in eben dem Augenblick, wo diese Hoffnung erfüllt werden sollte, ^lle Prinzen, Eardiiiäle, Prälaten, und Hvfleute eilen in der Absicht herzu, ihn in sei- nem Cabinet auf dem Bett liegen zu sehn. Dieser küßt ihm die Stirn, jener die Hand; mehrere werfen sich ihm zu Füßen; alle zerfließen in Thränen. Auch der Co», netable erschien in eigener Person, und vermehrte das Traurige dieses Anblicks durch sein Jammern und Klagen ; denn der Mann that ganz erbärmlich, daß Gott ihn so lang auf der Welt lasse, und hingegen einen Fürsten hinwcggenvmmen habe, an dessen Erhaltung der ganzen Christenheit soviel gelegen gewesen scy. Der Schmerz griff ihn dergestalt an, daß ihm die Sprache vergieng, und daß er fast nicht mehr auf den Füßen stehn konnte. Jedermann hätte sich das Herz aus dem Leibe, die Augen aus dem Kopf weinen mögen, daß je« »e Augen sich auf ewig geschloffen hatten, welche die Freude und Wonne des ganzen Hofs waren, um deren Blicke man sich sv eifrig, so ängstlich bewarb, daß man« cherdenTag für verloren schätzte, an welch, m ihm nicht wenigstens einer derselben zu Theil wurde. Kein Maler würde die Trauer eines Vaters bey dem Tode seiner einzigen Tochter aus eine rührendere Art darzustellen vermögen. Kein Redner würde den Schmerz schildern können , welchen die Königin über den Verlust ihres Ge- Ni'hls, des Königs, empfand. Wenn dieser nicht gerechte Thränen veranlaßt hatte, sv wüßte es fürwahr in der ganzen Natur gar keine solche Veranlassung geben; der 247 der Schmerz müßte dergleichen nirgends wahrnchmen, die Vernunft sie nie statt finden lasten. Nachdem aber die Königin ihrer Betrübniß diesen gerechten Tribut entrichtet, nachdem sie neun Nächte lang nicht geschlafen, und dieselben theils mit weinen, theils damit zugebracht hatte, allerlcy Anstalten zu Verhütung noch großen, Unglücks zu treffen; da überzeugte sie die Welt, daß es ihr von Gott Vorbehalten sey, unser schreckliches Elend zu lindern. Hier finden wir Stoff, die Geschichte ihrer Regentschaft und der Regierung ihres S chnei zu beginnen, worin wir erzählen werden, wie sich Ihre Majestäten Key diesem Uglücksfall betrugen, mit welcher Herzensgröße, Treue und Liebe Sie von den Prinzen, den Keonbeamren, den Staatsräthen, den Gouverneuren der Provinzen, zu Paris und in allen andern Städten, bedient wurden , wo Dinge sich ereigneten, welche von solcher Beschaffenheit waren, daß Frankreich selbst seine bewundernswürdigen Thaten bewundern mußte. Dies alles crfodcrk ein eigenes Werk, denn außerdem scheinen dergleichen Abhandlungen weiter nichtS als unzusammenhängende Fragmente zu seyn. Die Geschichte Heinrichs des Vierten erstreckt sich nicht viel weiter als bis anisein Lebensende, und da wo sie sich schließt, beginnt sine Ludwigs des Dreizehnten, des höchstbe- glückten Sohns eineS'VaterS, welcher die Zierde aller vergangenen Jahrhunderte war, und die Bewunderung hller künftigen seyn wird. Drittes Buch. Es würde in der That unverzeihbar seyn, die Beschreibung der Ehrenbezeugungen, welche man des Königs er- habenen Andenken erwies, des Gcprängs, welches bey Q 4 seiner 248 seiner Beerdigung beobachtet wurde, und der Art und Mcisc wie man seinen Tod rächte, bis zu einer andern Zeit zu »ersparen. Seine Geschichte hat an seiner Wie. ge begonnen; sie darf sich nicht eher endigen, als an ^ ^ seinem Grabe. ' ri!-^ Der Leichnam des König war in ein Gewand von schwarzem geblümten AtlaS, ohne Borten, gekleidet. ^ Dies zog man ihm des Freykags gegen Mitternacht aus, 8^ , legte ihm statt dessen ein Wamms von wciffem Atlas an, und trug ihn sodann in sein Wohnzimmer aufs Bett, ^ r wo er von ganz Paris in Augenschein genommen, de« in o trachtet, beklagt und beweint wurde. Die heiße Jahrs» ^ zeit, und das viele Blut, welches sich im Unterleibs angehäuft hatte, gestatteten nicht, die Deinung des Leich- riamS länger zu verschieben. Sie ward des Sonnar bends, gegen vier Uhr, im Beyseyn von vierzehn königli« chm Leibärzten vorgenvmmen. Sie fanden ihn so gut HE beschaffen, und alle innern Theile so ganz unversehrt, laH daß der König ein hohes und gesegnetes Alter hatte er« Äfft < reichen können, wenn ihn nicht dieses Unglück betroffen «sat hatte» Ihrer Meinung nach hätte ihn der Mörder an »H!a i keiner gefährlicher« Stelle verwunden, und auf keine !WLc schnellere A^t umö Leben bringen können, wenn gleich i> W der ganze Körper durchsichtig gewesen wäre Das Ein- gewcide ward von einem Gcfreyrcn der Garde und sechs «ml» Soldaten, nach Saint - Denis gebracht, wo man es ohne alle Ceremonien beerdigte. Das Herz des i. Königs that man in eine silberne Kapsel, welche eben« falls wie ein Herz gestaltet war. Herr von Varens ^ nes, Gouverneur von Angers und Dberpostmeisier ^ von Frankrei ch, erinnerte die Königin, an die Wil« ^ lenSmeinung weiche der König mehrmals geäußert hatte, ^ daß dasselbe in seinem Geburtsorte La Fleche ruhen, und den dortigen Jesuiten in Verwahrung gegeben wer« ^ ' 249 den sollte. Als die Königin dieses Herzens erwähnen hörte, ward ihr eigenes von neuem verwundet; denn er ist ja nicht anders möglich als daß eine Frau den lebhaftesten Schmerz darüber empfinden muß, wenn man ihr das Herz ihres Gatten abfodert. Sie antwortete : da der Wille Gottes nun einmal geschehen sey, so solle der Wille des Königs ebenfalls vollzogen werden. Demzufolge befahl sie, dieses Herz den Jesuiten zu La Fleche einzuhändigen, und ertheilte dem Düc de Monrbazon den Auftrag, cs dahin zu transpsrkircn. Der Prinz von Conti überreichte dasielbe dem Pater Iacquinot, welcher dem Profcßhauftzum heiligen Ludwig als Rector Vorstand. Der Pater Cottvn stattete im Namen der ganzen Gesellschaft die Danksagung ab. Herr de Vitri hatte die Veranstaltung getroffendaß es bcy dem Schein von zwölf Wandlichtcrn und unter Bedeckung von vier und zwanzig Hatschieren, welche vor dem Wagen hergiengen, nach der Iesuitcnkirche gebracht wurde, wo dieses köstliche Depot eine Zolllang ausbewahrt blieb. Bon hieraus transportirte man cS unter einer zahlreichen Begleitung nach La Fleche, wo es von Herrn de Baren»e, besten Sohne, dem Baron de S. Susanne, und der gesummten Geistlichkeit des Ortes, mit großem Pomp und Gepränge in Empfang genommen, und unter vielen Cecemvnicn, Leichenreden und Tramraesän» gen in der Kirche des IcfuitencoliegmmS bepgeftht wurde. Den Leichnam des Königs balfamirte man ein, legte ihn in einen bleiernen Sarg, stellte diesen in em hölzernes Gehäuse, deckte cm großes Stück Gokdstoff darüber, ernchteke oberhalb desselben einen Thronhimmel, und auf jeder Seite einen Altar, woran achtzehn Tage lang alle Morgen Messe gelesen, und zu alle» Stunden , sowohl oey Tag als bey Nacht, ohne Unterlaß gebetet wurde. Nachher wurden in allen Kirchen Q Z Lurch 2ZS durch ganz Frankreich für den König Betstunden gehalten. Die, welche der Meinung sind daß dies den Todten nichts helfe, nahmen gleichwohl auch Antheil an der allgemeinen Trauer, welche dieser Unglücksfall veranlaßt«; Venn sie betrachteten ihn als ein Strafgericht, bas Gott über Fra n kr eich verhängt habe, und ordneten daher in allen Provinzen, worin sie Kirchen besitzen, einen allgemeinen Bußtag an. Nach ihren Gesetzen ist niemand hievon ausgenommen, und er wird so streng gehalten, daß sie ihrem Körner den ganzen Tag über nicht die mindeste Nahrung reichen, da mittlerweile ihre Seele entweder zu Gott betet, oder wenigstens Gottes Wort anhört. Aus dem Zimmer schaffte mam den Leichnam des Königs in den Saal, wo man seinem Bildniß sowohl des Mittags als Abends, wenn es Essenszeit war, auf eben die Art Cour machte, wie bey seinen Lebzeiten dem Original. Man hatte einst der Königin gerathcn, auf diese nemliche Weise Heinrich den Dritten, König von Frankreich und Polen, beerdigen und an ihm die Pflichten zeigen zu lassen, welche die Lebendigen gegen die Todten beobachten müssen, und die ihm aus mancherlcy wichtigen Ursachen vorenrhalten worden waren. Der Düc D'Espernon und der Ober- stallmeister Bellegarde hatten den Auftrag erhalten, sich nach Compiegne zu begeben, und den Sarg von dort nach Saint Denis bringen zu lassen. Die Beschreibung seiner Excquien findet man am Ende seiner Lebensbeschreibung. Wir können uns nicht dabey oufhalten, sondern merken nur noch an, daß Frankreich zwecn seiner Könige um eben die Iahrszeit auf eine eben so ruchkose als meuchelmörderische Weise mit Messerstichen ums Leben bringen, und acht Tage nachher bc- erdigen sah. Was 25 l Was die Leichenbegängnisse der Könige vonFra nk- reich bctrift, so beobachtete man in Rücksicht derselben, seit den Zeiten Kar ls des Achten, immer die nem- liche Form. Wenn man eines derselben gesehen hat, so ist es eben so gut, als hatte man die andern alle ge. sehen. Man hat nichts weiter nöthig, als nur noch die Namen der Personen hinzuzufügen, und Zeit und Ort zu bestimmen. Findet ja einiger Unterschied dabey statt, so ist cs bloß in Ansehung des größer« oder mindern Aufwands. Da jedoch dieser große Fürst seine Vorgänger in so mancher andern Rücksicht übertraf, so war der ausdrückliche Wille der Königin, daß auch sein Leichenbegangniß, an Pracht und Aufwand alle andern weit hinter sich lassen solle. Als das Bildniß zehn bis zwölf Teige lang im Saale zur Schau gestanden hatte, nahm man es, der Enquette gcmäs, wieder hinweg, stellte den Leichnam auf die Bahre, und kleidete den Saal in Trauer. Nun kam der König, mit seinem Purpurmantel angethan, in Begleitung seiner Herrn Brüder, der Prinzen vom Geblüt, und der vornehmsten Herrn von Hof, in der Absicht, den Leichnahm mit Weihwasser zu besprengen. Einige Tage nachher verrichteten die vornehmsten Dica- ßerien dieselbe Ceremonie. Der Kanzler ließ mit Genehmigung des Conseil den Befehl ergehen, daß man den verstorbenen König in der öffentlichen Todesanzeige Heinrich den Großen nennen solle, weil er an Großmuth und Milde nicht leicht seines Gleichen habe. In der That war er dieses Titels nicht nur in Ansehung seiner Glücksvorzüge, sondern auch wegen seiner pecsön« lichen Eigenschaften und Tugenden vollkommen würdig. Das große und prächtige Leichengefokge, welches sich vom Thore zu Paris bis nach Saint Denis rrstrcckle, 1u«n man sich eben so leicht vorstellcn, als k§ 2Z2 xr-7 . -r . n es sich beschreiben laßt. Man denke sich nur eine ringe« ^^ heure Menge brennender Windlichter, .fünf hundert Hausarme, eine große Menge Invaliden in schwarzer Kleidung, und hinter diejcn die sammtliche Geistlichkeit von Paris: denn alle Congregationen, sie morl)ten aus !>^ Ordensgeistlichen oder Wcltleutcn bestehn, begleiteten die seiche; ausgenommen die Karthäuser und Cöiestiner. Selbst die Jesuiten erboten sich mit zu gehen. Alle Di« cast-ricn, die sämmtlichen Instizbeamten zu Paris, Italic Faeultaten der dortigen hohen Schule, die ganze Dienerschaft, das Militär, und die königliche Stall» HN»' xarthey; dies alles machte die Leichenbegleitung aus. Hinterdrein kam »un erst der eigentliche Prachtaufzug. M'/ Zuerst der sechsspännige mit Wappen behangeve Trauer« M,«- wagen; mitten darauf der seichnam des Königs. Dann ««! N sein Bildniß-, umgeben von den Parlcmentsherrn, in lr§W rochen Kleidern. Das Küssen, worauf es lag, trug der lalüch Prcvot der Kauflence. Diecauf folgten die Sä)öffen sstldii Ler Stadt Paris, welche den GerechtigkeitSstab, daS Scepker und die Krone trugen. Hernach brachte man ^'tll die Rüstung des Königs, mmlich: sein Schwert nebst «M dem Wehrgehänge, den Helm mit dem Fcder'ousch, den Mantel, den Waffenrock, den Schild , die Pan« E, zerhandschuhc, und die Sporen. Ferner, die Pan nie« re, Fahnen und Standarten der Compagnien, alle schwarz überzogen, das Prachtpftrd , und noch zwölfan- ^ ^ Lere Pferde, welche von eben so viel Pagen geführt wur» den. Endlich folgten die Beschösse , Erzbischöffe, Gesandten, und Cacdinäle. Nun kam der eigentliche ^ Traucrzug, wobey sich der Prinz von Conti, der ' Graf von Soissons, die Herrn de Guise, j.ss" Ioinville, und d'E lboeuf, die Dücs D'Es- per non und Montbazon, die Ordensritter und ^ «och viele andere Herrn befanden. Ehedem gierigen die ^ ^ Söhne der Könige mit. Die vier Söhne des Clo- b!/' tae --7-.^-.—^ 2ZZ kür begleiteten den Leichnam ihres Vaters von Com- piegne bis nach S o i sso n s. Diese Ehre erwies Ludwig der Dicke seinem Bruder, Philipp, Ludwig der Achte dem Philipp August, Philipp der Dritte Ludwigen dem Neunten, Kar! Der Fünfte dem Johann, auch wohnten Karl, Herzog von Orleans, und Heinrich, Herzog von Anjou, der feycrlichen Beerdigung ihres Vaters, Heinrich des Zweyten, ebenso bey. Allein daö Ccremonicl, welches bey dergleichen Gelegenheiten von rechtSwegcn bestimmt scyn sollte, hat sich nach und nach geändert, so daß man das, was man das ei- mmal beobachtet, ein andermal wegiäßt; undebendeS» wegen sagte Herr de Tilet, man habe hierüber ganz und gar keine Gewißheit. Sonst pflegte man auch das Bildniß deS Königs auf den Sarg zu legen , um dadurch dem Volke desto mehr Respect gegen den darin befindlichen Körper einzuflößen; und damit cS zugleich überzeugt werden möchte, daß der König nie sterbe, und baß die Verwaltung der Justiz, die vornehmste und wesentlichste unter allen Beschäftigungen des Königs, ununterbrochen fortdaure, gehen jederzeit die Parle- mentsherrn neben demselben her. Bey der Beerdigung Franz des Ersten, wurde es zum erstenmal vom Sarge genommen, und seitdem streitet man sich darüber, welche Stelle dem Bischof von Paris bey dergleichen Feierlichkeiten eigentlich anzuwersen sey» Den Dienstag, am neun und zwanzigsten Junius, brachte man den Leichnam des Königs, nach der Kirche sts lXsütr'6 Oums, und stellte ihn daselbst unter die bc» leuchtete Kuppel. Die Prinzen vom Geblüt, und die andern Leidtragenden Herrn, nahmen ihren Platz im Chor rechter Hand; die Parlementöherrn aber setzten sich ihnen gegenüber» Mittwochs gieng der Zug, nachdem 254 - - '. dem das Hochamt geendigt war, der Bischof von Aix die Leichcnpreoigt gehalten, und die Gesellschaft abge- speiset hatte, in der nemlichen Ordnung nach Saint DeniS. Als er aber über die Vorstädte hinaus kam, trennte ec sich; Leute, welche bis dahin zu Fuß gegangen waren, setzten sich nunmehr entweder zu Pferd oder in ihre Kutschen, und dieser so schön geordnete feyerlichc >Pomp verschwand. Die Hauptleute von der Garde, Mont e- span, Vitri und PraSlin, verließen den Wagen nicht einen Augenblick: denn sie hatten sich schon vorher verlauten lassen, ihre Pflicht gebiete ihnen zwar den Leichnam zu bedienen, aber nicht daS Dildniß. Die Geistlichkeit von Saint Denis gieng ihnen bis an den Kreuzweg entgegen, denselben in Empfang zu nehmen. Man hatte einigen Verdacht, der Sarg sey leer, und der Leichnam des Königs bereits beerdigt, weil es der außerordentlichen Hitze wegen nicht möglich gewesen sey, ihn noch länger in seinem Wohnzimmer aufzubewahren, indem man ihn sehr schlecht einbalsamirt habe. Vitri versicherte, dies sey wirklich des Königs Körper, und setzte hinzu, wenn sie nur ein klein wenig näher zum Sarge treten wollten, so würden sie überzeugt werden, daß er die Wahrheit sage, und daß der größte Monarch aus keinem andern Stoff bestehe, als der geringste Erdenbewohner» Man bedurfte bey dieser Feyerlichkeit keiner gedungenen Klagweibcr, und keiner erkauften Thränen; denn sie flössen ohnehin reichlich genug, und wer sie hätte zurückhalten können, der müßte kein menschliches und für Mitleid empfängliches Herz gehabt haben. Das Wehklagen nahm zu und verwandelte sich in lautes Schluchzen, da man den Leichnam unter den gewöhnlichen Ehrenbezeugungen ins Grab senkte. Als der Graf de Saint Paul, welcher bcy dieser Gelegenheit die Stel- —-- 255 le des Oberhofmeisters vertrat, zu ihnen sagte, daß der König lobt scy; als gleich nachher die Herolde brcymal auf dem Grabe ausriefcnr der König ist todt! da wünschte sich mancher ihm Nachfolgen zu können. War auch einer oder der andere standhaft genug, seinen Thrä» nen Einhalt zu thun, so verbitterte LieS seinen Schmerz nur desto mehr. Wollte ich das Leidwesen der Einwohner von Pa» ris beschreiben, so würde cs jedem, der es nicht mit ansah, unglaublich scheinen. Ueberall sah man nichts als Weinen, hörte man nichts als Heulen und Schreyen; eö war, als wenn das Volk in Stücken gehauen würde; denn das Uebermaß seines Schmerzes hatte es ganz aus der Fassung gebracht. Fragt man, warum es so außerordentlich jammerte, so läßt sich diese Frage sehr leicht beantworten. Es geschah aus Liebe. Woher aber diese Liebe? Als wenn Er nicht der Stabt Pa» ris die größten Beweise seines Wohlwollens gegeben; alle ihre Vergehungen und Fehler ganz in Vergessenheit gestellt hatte! Er eroberte sie, schenkte ihr die Frey« heit, behandelt« die als Vater, welche ihn bey seinem Einzuge für einen Tyrannen gehalten hatten. Von dieser Zeit an war er unablässig darauf bedacht, ihr wieder aus ihrem Elende emporzuhclfen, und sie desselben so gänzlich vergessen zu machen, daß sie mitWahrheik sa- Lm könne, sie sey bloß deswegen in jenen unglücklichen Zustand gerathen, um desto beglückter und mächtiger wieder aus demselben hervvrzugehen. Nie befand sich Paris in einem blühendem Zustande als während seiner Regierung; denn er hatte in dieser Stadt, so zu sagen, noch mehrere andere Stadteerbaut, wodurch ihre Schönheit und ihr Wohlstand vermehrt wurde. Wüßte ich gewiß, sagte der König, daß ich lange genug lebte, um zwo so große Unternehmungen ausführenzu 2 ; 6 können, so würde ich das Louvre vollends ausbauen, und die Vorstädte von Paris mit Mauern cmfassen lasten. Dann könnte ich mich rühmen, das schönste Schloß und die größte Stadt in der Welt zu besitzen. Alle andere Städte kamen ihm gegen Paris nur wie elende Nester vor, denn alles was man von Quin- sai, Grvßcairo, Cambalu und Cassagale erzählt, schienen ihm Fabeln zu seyn. Er war stolz darauf, Fremden die Herrlichkeit dieser kleinen Welk zu zeigen, und sie sowohl von dem öffentlichen als Privat-Wohlstände zu überführen, welcher darin herrsch, te. Sie mit neuen Auflagen zu belasten, kam ihm nicht in den Sinn. Schön und wahrhaft königlich war die Antwort, die er einst dem Prevot der Kauft-uke und den Schöffen von Paris erchciltc. Sie baten ihn um Erlaubniß, eine kleine Abgabe auf die Wasserleitungen der Stadt legen zu dürfen, damit er dadurch in den Stand gesetzt würde, die Feierlichkeiten und Geschenke zu bestreiken, welche man den vierzig Schwci- zerdeputirren und ihren Cammtttenten machen müßte. Er hörte den Entwurf zu dieser neuen Erfindung sehr aufmerksam an, und versetzte sodann: Denkt auf ein anderes Mittel! Nur Jesu Christo kömmt es zu, Wasser in Wein zu verwände l n I Wenn man ihn an die Widerspenstigkeit und Frechheit erinnerte, welche diese Stadt zur Zeit des Aufruhrs geäußert hatte, schob er die Schuld lieber auf die Rädelsführer , anstatt ihre Einwohner für ungehorsame Untcrthancn zu erklären. ,/Das Pariser Volk, sagteer, ist gut» Es geht den Weg, welchen man cs führt. Alles Unglück kö.mmc von ;eucn her, die vorangehen, und nicht von der Einfalt derer, die ihnen Nachfolgen, und durch böses Beyspiel an» gesteckt werden»ff Jene V -W-! i«,« »P Ä!«zr Mchl sbilkk E h>! «H-I !kh lüg !«„ n ^Ilt . 257 Jene Thranenströme ergoisen sich aber nicht in»-in -er Stadt, sondert hauptsächlich auch auf dem Lande. Es war ein kläglicher Anblick, in allen Provinzen von Frankreich ganze Haufen von Bauern an den Hecrr straßcn stehen zu sehen, welche nütin einander gcschlage« neu Armen darauf marteren, bis rin Fremder vorüber« reisen würde, bey welchem sic sich nach der wahren Beschaffenheit dieser traurigen Nachricht erkundigen könn, ten. Sagte man ihnen, daß sie nur allzu gewiß s y, so liefen sie aus einander, wie eine Heerde die keinen Hirten hat, weinten und irrten unter lautem Icm- mergeschrey auf den Feldern umher. Sie dct-üb- ttn sich hauptsächlich deswegen so sehr, weil dieser Fürst sich immer bestrebt harte, Eintracht und Ruhe unter ihnen zu befördern. Die Plack, reyen, die lang- »irrigen und kostspieligen Processi-, welche seine klarer» khüncn drückten, waren ihm äußerst verhaßt, lieber» Haupt jammerte ihn das Elend siines Volks, denn Er trug dessen Last nicht etwa nur äußerlich auf seinen Schultern, wie der Hohepriester in Israel; sondern eö thak seinem Herzen außerordentlich weh, daß ihm seine dringende Lage nicht gestaltete, dieselbe, so wie er cs wünsch, te, erleichtern zu können. Als er eines Tages erwog, daß die Steuern in mehrcrn Gegenden seines Reichs sehr drückend seycn, sprach er: „Man läßt mein Volk die Steuer zwiefach bezahlen. Die eine Hälfte bekomme ich, die andere meine Beamten. Die zwote macht, daß die erste sehr drückend ist; denn die Kosten welche die Beamten verursachen, betragen «ine weit größere Summe als die Steuer selbst. Daß man mich nicht bestehle, ist schwer zu verhindern, aber mein Volk vor dergleichen Räubereyen zu sch ü Yen, dieses ist vollends unmöglich.^ Wenn er durch seine L7. Denkwürvigk» XIV. B. R Skaa» L5S Staaten reifete, hielt er oft still, sprach mit den Leu. > re-,, fragte woher sie kamen, wohin sie wollten, waS sie zu verkaufen hätten, wie viel sic für dies und jenes bekämen, und waS dergleichen Fragen mehr waren. Als er erfuhr, eS gäbe Leute, welche behaupteten, daß diese Popularität seiner Würde zuwider sey, gab er zur Antwort: „Meine Vorfahren rechneten es sich zur Schande, zu wissen wie viel ein Mjft" Tcstaii (ungefähr ein Gulden) gelte, aber ich für meine Person möchte gern wissen, wie yDi viel ein Quattrin (Kreuzer) werth sey, da. mit ich darnach beurtheilen könnte, wie M sauer es diesen armen Leuten wird, ihn zu verdienen, und damit ich ihnen nichkmehr M?«, aufbürden lasse, als sie tragen können.^ !l« K Die vielen Leichenreden und Trauergedichte, welche der Todesfall vecanlaßte, dienen zu eben so viel Beweisen , wie sehr dieser Fürst bey seinen Lebzeiten ge« liebt, und nach seinem Hinfcheiden beklagt wurde« Die Universität zu Paris zeigte bey dieser Gelegenheit, daß sie die Pflegaminc der Genien, und unter allen eu« ropäischen Musensitzen die Königin seyn. Auch gelehrte Männer in fremden Ländern schwiegen bry dieser all- gemeinen Trauer nicht stille. Gleichwie die Handlungen dieses großen Königs mehr bewundert als nachgeahmt, und dennoch mehr nachgeahmt als erreicht wur- den; so kamen auch bey dieser Gelegenheit Abhandlungen zum Vorschein, welche eben so unnachahmlich als unerreichbar waren« Wenn die Partheysuchr nicht gegen alles waS an gewissen Orten und von ge misten Personen geschrieben wird, leidenschaftlich eingenommen wäre, so würde sie bekennen müssen, daß auch die historischen Schriften, welche diesen Gegenstand betrafen, nicht minder unter die vorzüglicher» Werke zichir «Is»! Mmi L D «G Ä!, t: M ÄijS di!«,»» »lilkii ?»>ik 259 ke des Genies gehörten. Doch sein Triumph be- darf unsrer Lorbeer» nicht; viel zu gering sind unsere Marmorsäulen, sein Andenken zu erhalten; seine Ver- bicnsie übertreffen alle unsere Lobreden ; in seinem glück« seligen Zustande lächelt er über unsere Klagen, und seine Gedanken gehen weit über unsere Begriffe. Die Nachricht von diesem Todesfall verbreitete sich wie der Blitz durch die ganze Welt , und war bereits an mehrere, Dr« ken ruchtbar, ehe sie daselbst angezeigt wurde. So maclfte man des nemlichen Tags, an welchem sich dieses Unglück ereignete, in Piemont die Bemerkung, daß die Sonne gegen Abend ihren Schein verlor, und sich nicht etwa nach und nach, sondern ganz plötzlich, vor dem Anblick der Menschen verbarg. Auf der Stelle sagte daher ein großer Philosoph, dies zeige den Tod des Königs Heinrich an. Es ist ja das e.stemal Nicht, daß man Vorbedeutungen wahrnahm, ehe dergleichen schreckliche Fälle sich wirklich ereigneten. — Biele christliche Potentaten wurden durch diese Botschaft in die größte Bctrübniß versetzt; alle erschrocken darüber, weil sie mehr als zu viel Ursach hatten, VaS traurige LooS derer zu beklagen, welche die Welt für so glücklich hält. Der König von England war einer der ersten, welcher sie erfuhr, und .war geradezu einer Zeit, wo er sich auf der Jagd befand Sie rührte ihn dergestalt, Vast er eine allgemeine Landtrauer durch seine drey Reiche veranstaltete. Er ließ sogleich sein Par» lement zu London auseinander gehen, und da er sei» mn Unmuth nicht stark genug in seiner Muttersprache auödrücken zu können glaubte, sagte er aus lateinisch: oberflächlicher Schmerz äußere sich zwar laut, aber tiefempfundener sey stumm. Ec ließ die Edicte' gegen die Katholiken von neuem bestäs kigen und damit die Feycrlichkeit, kraft welcher der Prinz von Wallis zum Thronfolger erklärt wer- As den '"'i ».-7 .,!i M ^ -«'s. -7->* den solle , nicht etwa durch einen traurige» Zufall gestört wurde, befahl er, sie wenigstens zehn Meilen weit von dem Versammlungsorte zu entfernen, und ihre Priester aus dem lande zu schaffen. Kurz vorher hatte er dem Könige von Frankreich durch Herrn de Vitri zu erkennen geben lassen, er wünsche sehr, einen feyer- lich beschwornen Vertrag mit ihm zu schließrn, vermö« ge dessen sie einander wechselseitig versprächen, daß derjenige weicher den andern überleben würde, die Kinder und Staaten dessen, der zuerst aus der Welt gienge, gegen jeden Angriff vertheibigen wolle. Jetzt erinnerte er sich dieses Versprechens, und schwur von neuem, daß er sein Work halten- und alles Mögliche anwenden werde, den Tod eines so geliebten VruderS und großen Königs zu rächen. Aber alles was andere Fürsten bey diesem Vorfall empfanden, war nichts, in Vergleichung mit dem Schmerz und Leidwesen des Herzogs von Savoyen. Seine Gemükhsruhe war ganz dahin; er hatte weder Schlaf noch Eßlust mehr. Mit gerechtem Unwillen ward er erfüllt, als der spanische Gesandte den Gedanken äußerte, Gott habe dem Hause Savoyen durch jenen Todesfall eine große Gnade erzeigt, denn widrigenfalls hätte der Herzog zu Grunde gehen müssen. Als der Pabst diese Traurrpostvernahm, blieb er die ganze Nacht wach, um für die Seele dieses großen Königs zu beten, und sagte, die Kirche sowohl als die, gesammle Christenheit hätte durch seinen Tod einen unersetzlichen Verlust erlitten. Er verurtheilre einige junge Leute zur Galeeren strafe, weitste, in dem Wahn, daß ihr Landesherr und ihr Vaterland durch Vas Absterben dieses Fürsten von einem furchtbaren Feinde befreyc werde, seinen Mörder ihren Retter genannt und aufdes- sen -- r6l sen Wohlseyn getrunken hatten, lieber den Schmerz der Königin und überdas unverdiente Geschick, welches ihrem Gemahl widerfuhr, legte er die lebhafteste Theil- „ahme zu Tage. Den vornehmsten Kronbcamten schick» te er Briefe durch Eilboten zu, worin er sie ermahnte, die nemliche Liebe und Treue welche sie gegen den verstorbenen König bezeugt hätten, auch noch gegen dessen Thronerben beyznbchaltcn. Wiewohl sich die Päbste nur seiten bey den Exequien einzufinden pflegen, wollte er dennoch durchaus bey diesen zugegen ftyn, und die Leichenpredigt mit anhören, welche Jakob Seguier, ein eben so gelehrter als beredter Man», hielt. Dieser legte jenem großen Fürsten alle Lobsprüche bey, welche ihm wegen seiner Tugenden und Verdienste gebührten. Er nannte ihn den Beschützer der öffentlichen Ruhe, die Zierde der christkacholischen Kirche, den Friedensstifter unter den Potentaten der Christenheit, und die Wonne der Welt. Dennoch schienen alle diese Lobenserhe« bungen dem gerührten Pabste so wenig erschöpfend, daß er ihm eröffnen ließ, er habe bey weitem noch nicht genug gesagt. Der König von Spanien kam vor Zorn ganz außer sich, als er diese Nachricht vernahm. Ec merkte nicht gleich wovon man eigentlich sprach, und fragte daher, ob ihm vielleicht der König den Krieg erklärt Habe. Er wird nie wieder Krieg führen, erwicderte der Marchese de Velada; den» er ist todt! Der König, welcher nun eben so schnell von der Wahrheit überzeugt, als vom tiefsten Schmer; durchdrungen war, sagte hierauf, durch sein Abstecher, habe die Welt den größten unter allen Feldherrn verloren. Dann konnte er eine Zeitlang nicht wieder zum Work kommen, und der Königin flüchten die Thräncn aus den Augen. Als man ihm sagte, der K^rl welcher den R Z König 266 König ermordet habe, sitze in Verhaft, dankte er Gott dafür, weil auf diese Art die Wahrheit an den Tag kommen, die, welche ihn angestifter hätten, bekannt werden, und unschuldige Personen vor Verläumdung gesichert ftyn würden. Der Erzherzog, welcher ohnehin entschlossen war, ihm in allem zu Willen zu seyn, seitdem er sich überzeugt hatte, daß das Ungewitter nicht überfeine Staaten loS- brechen werde, wenn er ihn nicht z-im Unwillen reize, nahm ebenfalls Anthejl an dem allgemeinen Verlust. Seine Gemahlin, die Infantin, eine sehr edeldenkende Dame, und noch überdies von einer französischen Lilie entsprossen, gab ihre teilnehmende Gesinnungen noch deutlicher zu erkennen, indem sie sagte, die Christenheit habe den glorreichsten und herrlichsten unter allen Könie gen verloren. Die Könige von Polen, Schweden und Dännemark, beweinen seinen Tod, haben jedem feiner Züge auf immerwährende Zeiten ein liebevolles An« denken gewidmet, und empfehlen seine heroischen Tha« ten ihren Kindern zur Bewunderung und Nachfolge. .iziiil Der Kaiser hatte zwar selbst mit häuslichen Leiden zu kämpfen, konnte aber dennoch nicht hindern, daß jene traurige Nachricht bis in feinen einsamen Aufenthalt zu ihm gedrungen wäre, und ihn an das Ende aller irdischen Größe erinnert hätte. Schlüpfrig und steil ist der Pfad, welcher zu ihr hinan führt; ihr Gipfel schwankt: unterhalb ders> Iben sind grauftnvolle Tiefen. Nur mit vieler Mühe klimmt man zu derselben empor; auf ihren Höhen findet man nirgends einen sichern Standort; und stürzt man herab, so wird man auf im« mcr von Abgründen verschlungen. üiieM tem sich »chi Deutsch- >'4 L6z 'S-i «»et Yl! jiit « il>z«Ü ln«- W j§» Deutschlands Fürsten sagten, mit dem Tode »icses Königs scy aller Glanz der königlichen Würde erloschen. Die Schweizer und Niederländer trauerten und klagten, wie Kinder über den Vertust ihres leiblichen Vaters. Mit Thronen in den Augen sagten die Herrn Vene tiarier: unser guter König ist todt! Unbeschreiblich war die Angst und Bangigkeit der kleinern Regenten, die unter der glorreichen und beglückten Regierung dieses großen Fürsten in ungestörter Ruh und Sicherheit lebten, und sich auf eben die Art in seinen Schutz begeben hakten, wie pch die Küchlein vor den Nachstellungen des GcicrS unter den Fiktigen ihrer Mutter bergen. Die türkischen Kaiser pflegen zwar alle christliche Regenten zu verachten, und glauben, cs fey unter ihrer Würde, sie für ihres Gleichen zu halten. Deswegen konnte man sich nicht genugsam verwundern, als Mohorn e v gestattete, daß man zwischen ihm und dem Matthias Corvinus eine Vergleichung anstellen durfte» Allein so wie Amu rat und Mahomed die großen und schönen Thaten jenes Fürsten bewunderten, sa äußerte ihr Nachfolger, Achmed, als ihm die Nachricht von Heinrichs Tode hinterbracht wurde, das Reich der Christen habe seine stärkste Stütze verloren. Ich sägte bereits weiter oben, man habe diesen Todesfall an Mehrern Orten mit Gewißheit vorher gewußt. So versicherte mich der Gesandte der vereinigten Staate», Herr D'Arcens, er scy erbötig, dev Königin mehr als hundert Personen vorzustcllen, welche die Wahrheit bestätigen würden, daß man inFia n« der» schon vor Ankunft der Eilboten davon benachrichtigt gewesen fey. Ich selbst hörte die Königin e» R 4 zählen, -'S" ! l"'S >!>'! H-M st'^7' - -64 zahlen, ihr Hoftuwelier habe zur «emlichen Zeit Brssfe von dorther erhalten, worin man sich bey ihm erkundigte, ob es denn wirklich wahr sei), daß man den König er- Niordet habe. Man hat mehrere Beyspiele, daß sich Gerüchte von dergleichen wichtigen Ereignissen unter den Leuten verbreiteten, ohne daß man erfahren konnte wo sh. eigentlich herrührlen, und wenn man ihnen auf die Spur zu kommen suchte, verloren sie sich auf ebendie Weise unter der Volksmenge, wie kleine Bäche und Gewässer im Weltmeer. Boss Geister und Zauberer verbreiten solche Nachrichten oft weit in die Ferne. Der verstorbene König hat mehr als einmal erzählt, daß ein Bedienter des Grafen de Fois, Vereinen Dämon i» seiner Gewalt harte, seinem Herrn, so oft er dcn Ausgang irgend eines Geschäfts, einer Belagerung oder Schlacht, vorher wissen wollte, den ganzen Vorgang mit allen Umständen zeigte, so daß dieser, auf seinem Schloß za Cvureze wo dieser Geist noch dermalen herum spukt, alles was sich in ganz Europa ereignete erfahren konnte, ohne daß er nörhig Harke den Fuß vor die Thür zu setzen. So sah ernst Ap 0 ll 0 niuS von Thyane zu Ephesus, wie man den Domitian in Rom ermordete. So sah Cornelius Gallus, ohne sich aus Padua zu entfernen, die pharsaüsche Schlacht Mit an. Dies alles ist dem Glauben an die Wahrheit der Träume und Gesichte, welche Gott seinen Auserwähltcn offenbart, im geringsten nicht zuwider, vertragt sich auch sehr gut mit der Lehre, daß er die Bcschützung der Menschen, uno die Beschirmung der Staaten seinen heiligen Engeln cmvcrtraut habe, welche den Völkern der Erde dergleichen große und wichtige Begebenheiten zu wissen khun. Die Kreuffahcer erhielten dre Nachricht von dem Succure- welchen ihnen die chrisilichen Mäibte bewi^iot hatten, an eben dem Tage rm gclootcn Lande, als dieser Dsschluß aus dem Conci- lw M M ^ lB> ßlilli kiiP tzn! t//, jH'it «< H 5V INliij im», Ins»! i >Kl-l «nF ^,ü.l!->,.L 265 li'o zuClerm 0 nt gefaßt wurde. Sehr merkwürdig ist folgendes: Ein Welrgeistiichcr zu Douai, derer- neu so frommen und gottseligen Wandel geführt hatte, daß er im Rufe der Heiligkeit starb, hatte kurz vor seinem Tode drey Ecstuscn. Nach den zwo erster« erzählte er Dinge, die ganz unbegreiflich waren, und eben darum von niemand angcmerkt wurden. Nach der drit- I ten erwachte er wie auö einem tiefen Traum, und schrie, ! jetzt werde der größte Monarch ermordet, de» es auf Er- ! den gäbe. Man fand nachher, daß er diese Worte in ! eben dem Augenblick aussprach, als der König den To- ^ dssstreich empfieng. Des nemlichen Tags, am vier- zehnten May, welcher von jeher für Frankreich ganz besonders unglücklich war, bekam die Schwester des Gouverneur von D i ep p e, Herrn de Villicrs- soutan, welche sich im Kloster Saink Paul, in der Picardie, als Nonne befand, einen Besuch von ihrer Aeblissin, einer Schw ster d-sCardinals dcS 0 ur- d i s. Nachdem sie eine ^ntlmg von allcrley Angelegenheiten mit einander gesprochen hatten, sagte die Nonne, ohne jedoch das geringste von den Gemnthsbcwc- gungen gewöhnlicher Enthusiasten zu äußern: Madame lassenSic unogeschwindfürdenKönig beten, denn sie bringen ihn uml Und gleich darauf sagte sic mrt verstärkter Stimme: O weh, er ist l 0 dk! Bcy genauerer Untersuchung zeigte sich es in der Folge, daß der König wirklich im nemlichen Nu ermordet worden war. Da man übrigens diese Nonne als eine sehr fromme und gottesfürchtige Person kannte, so konnte sie cs auf keine andere Art, als nur durch Gottes Vermittelung erfahren haben, welcher denen, die a» ihn glaube», zukünftige Dinge als gegenwärtig vor Augen stellt. Dieser eben so plötzliche als ganz unerwartete Todesfall erschütterte jedermann. Wer Gewissen hatte, R 5 schlug 266 schlug in sich; selbst viele Herrn von Hof veränderten, alc- sie die Trauer aniegten, nicht nur di« Kleider, sondern auch die Gesinnungen, lernten die Nichtigkeit des Weltlebens einseyen, und sagten eine Zeiklang mit je« nrm berühmten Kirchenlehrer: „Dieben, du hast schon so manchen getauscht, verführt und verblendet, und bist dennoch deinem Wesen nach ein bloßes Nichts, in deinem größten Glanze ein bloßer Schatten, in deinem höchsten Schwung ein bloßer Rauch! Dem Thoren schmckst du zwar süß, desto bitterer hingegen dem Weisen. Wer dich lieb hat, kennt dich nicht, und wer dich kennt muß dich verachten!" Die Großen und Vornehmen, deren ganze Beschäftigung gewöhnlich bloß darin besteht, daß sie den Thorhciten und Grillender Welt nachjagen, deren Gedanken und Hoffnungen nur immer an der Erde kleben; diese sahen bey Gelegenheit dieses TodeöcreigniffeS die Eitelkeit der Welt und ihres Stolzes gleichsam im Gilde vor sich; sahen, daß diese vergänglichen und hinfälligen Dinge, ungeachtet sie wie Diamanten glänzen, eben so nichtswcrth und zerbrechlich wie Glas sind. Ihre durch diesen Todesfall erschreckten Gemächer, mußten mehr als jemals von der entschiedenen und unumstößlichen Wahrheit überzeugt werden , daß unter dem Himmel nichts als Eitelkeit ist, und daß die Welt mit allen ihren Herrlichkeiten vergeht. Das Gerücht von diesem Unglück mußte sie gleich einer warnenden Stimme daran erinnern, daß wir hienicden keine bleibende Stätte, sondern nur einen kurzen Aufenthalt haben, um zu «incr beglückten Wohnung überzu- gehen; und daß sie die Freuden, Ergötzlichkeiten und Vergnügungen, welche ihnen in diesem Wcltgebäude zy Theii werden, auf eine solche Art genießen müssen, damit sie^dereinst auch in jenem ein gutes Quartier bekommen; denn es ist sehr betrübt, ein schönes Haus verlassen 267 lasten zu müssen, und dagegen in eine elende Hütte ver- setzt zu werden. Viertes Buch. ^etzt ist uns nun nichts mehr übrig, als nur noch zu sehn, wie die öffentliche Gerechtigkeit das gräßliche und verabscheuungswürdige Verbrechen an dem Mörder be- strafte, dessen sich derselbe gegen sie schuldig gemacht hatte. Gleich nach der Mordthat sandte die Königin den Präsidenten Ieannin, den Staatsfecrccär ve tomenie und den Staaksrctth de Bouillon, nach dem liotel eie Kais, welche ihn verhören mußten, um zu erfahren, was ihn denn eigentlich zu diesen abscheulichen Unternehmen verlcittt habe. Was er damals aussagte, war im Grunde das Nemlicbe, was er auch in der Folge behauptete, und jene Herrn stimmten mit allen gescheidcn Leuten darin überein, der Kerl scy verrückt» Anfänglich gaben sie vor, der König scv weder todt noch tödtlich verwundet; denn auf diese Art hofften sie am leichtesten herauszubringen was ihn zu diesem Verbrechen antrieb, indem er um so weniger Anstand nehmen würde die Wahrheit zu gestehn, je kleiner das Uedel scy; er gab ihnen aber zur Antwort, er wiss' mehr als zu wohl wie es mit dem Könige stehe. Kurz zuvor hatte er gesagt, das Messer sey so lief eingedrungen, daß er daS Wamms des Königs mit dem Gelenk seiner Hand be« rührt habe. Man fand verschiedene Schriften bey ihm ; unter andern auch Reime welche sich auf das Ende einer zum Tode vrrurchcilten Person bezogen. Dies Gedicht, sagte er, habe einen seiner vertrauten Freunde in seinem Geburtsort, Angouleme, zum Verfasser, der es jhiN s6z ihm in der Absicht mitgetheilt habe, damit er ihm, weil auch er Dichrer sey, seine Meinung darüber sagen solle. Ich habe es gesehn , und mir schien es, als vb er dasselbe sehr sorgfältig und mit ganz besonderm Fleiß ab» geschrieben habe, um für seine eigene Person Gebrauch davon zu machen; denn die Stellen, welche auf die letz, ten Gedanken, womit sich ein Mensch in einem solchen Zustande beschäftigt, Bezug hatten, waren mit ganz andern Schriftzügen und Buchstaben geschrieben als das Uebrige, so daß es einem austallen mußte. Als er sich verlauten ließ, er habe dem Könige immer vorsteüen wollen, daß er die Hugenotten bekriegen solle, fragte man ihn, wer ihm dies gerathen habe? Hierauf g ib er zur Antwort: Dies brauche er nicht zu sagen; seinem Beichtvater wolle eres aber entdecken. Ich fand diesen Umstand in den Origmalactcn seines Protestes, welche ich bald nachher im jstodel ä« zur Einsicht erhielt; und La er mir bereits eröffnet hatte, daß er Fcuillaotiner gewesen , hernach aber wegen verschiedener Aufsätze, welche er über gewiste Erscheinungen, und besonders über die Strafgerichte Gottes verfaßt habe, wieder aus dem Orden gestoßen worden sey, merkte ich mehr als zu deutlich , daß es mit seinem Verstände nicht richtig sey, daß er den Vorspiegelungen des Teufels Gehör gegeben habe , und daß die Tortur nicht sowohl dazu dwncn werde ihn zum Geständniß zu bringen, als ihn vielmehr in ftrnec Halsstarrigkeit nur noch mehr zu bestärken. In seinem verrückten Gehirn hatte sich eine ganz verkehrte Vorstellung von der Gottseligkeit und GerechtigkcitS- li> bc des Königs entsponnen. Er war schon ehedem eines Mords wegen angeklagt worden, und der Parle- mentsralh Gauguin hakte in diesem Proceß als Referent gedient. In Beziehung auf diesen Umstand sagte ein anderer Rath zu ihm, es würde nicht nur für ihn, son- Ksiü «jikz IM MM lim! Hm, «,»»! ^ ll Gig! Hlitl 26z, sondern für ganz Frankreich sehr gut gewesen seyn, wenn er gleich damals bestraft worden wäre, weil er sodann keine Gelegenheit gehabt haben würde, Den Gesalbten des Herrn, den Ailerchristüchsten König, umö Leben zu bringen. Er versetzte: es ist eine große Frage, ob er wirklich der 'Aller christlich sie König war! Da er sich einmal diesen vermaledeiten Entschluß in den Kopf gesetzt hatte, so verwandelte er, gleich einer Natter, alles Gute was er von diesem Fürsten vernahm, in Gift. Leute, die seine Handlungen und fein Betragen sehr genau untersuchten, waren der Meinung , die öfter» Gesichte, welche er sowohl wachend als schlafend hatte, die Eingebungen, wovon er bcy Tag und bey Nacht in seinem Innern beunruhigt wurde, und so viele andere Kennzeichen zu betrachten, daß er vom Teufel besessen sey. Ein gewisser Mensch, weicher oft bey ihm geschlafen hatte, sagte aus, er sey bisweilen des Nachts von einem Geiste geweckt und gequält worden. Als er ihn einstj gefragt habe, wer denn dieS sey, habe er ihm geantwortet: „es ist mein Oheim; er verlangt, daß ich seine Qusaal lindern so l l." Außerdem hatte er noch viele andere große Fehler an sich, besaß einen rasenden Eigendünkel, glaub- te, er sey weit über andere Menschen erhaben, bildete sich ein, die Rathschlüffe GotteS durchschauen zu können, und zum Vollstrecker seines Willens erkohren zu seyn. UeberdieS schimpfte er ganz entsetzlich auf alle regierende Herrn, und sagte, sie müßten schlechterdings gezüchtigt werden. Von dem verabscheuungswürdigen Satze, daß eS erlaubt sey einem Tyrannen das Leben zu nehmen, gieng er zu der grundfalschen Hypothese über, der König sey unter allen Tyrannen der ärgste, und zum Beweise seiner Tyranney führte er an, daß derselbe die Hugenotten durchaus nicht bekriegen wolle. Es brauche nicht viel Zuredens, sagte er, so wolle er ihn 27S ihn umbringen , damit er zur Erkenntniß komme, und sein Reich mit Feuer verheeren, damit rö gereinigt wür- de. Ungeachtet dieses Schimpfens und Schmähens, gestattete ihm dennoch weder die Wahrheit noch sein Gewissen, den König geradezu einen Tyrannen zu neu- rien. Alles was er gegen das Leben dieses Fürsten sagte, ward ihm in seinem Gemülhe von eben dem Rathgeber eingehaucht, welcher seinen Tod zu bewirken such, te. Der Reinliche, der die erste Mordthat begieng, brachte auch die erste Lüge vor. Schwer hielt es indeß, das Volk zu überzeugen, daß die Verbrechen sonst niemand als nur der Teufel zum Urheber habe. Um hinter die Wahrheit zu kommen, wünschte eS mit der groß» ten Ungeduld , daß dies Scheusal den Händen des Par- lemencs überliefert würde, daß man sich in einem so oußcrordentlichen Fall nicht an die gewöhnlichen Formen binden, sondern sogleich dessen sammtliche Verwandten, so wie alle die, mit welchen er in Verbindung gestanden Hatte, beym Kopf nehmen, und auf die Tortur bringen möchte, um die wahre Beschaffenheit der Sache zu erfahren. Aber in jenen Hähern Sphären pflegt man sich mehr nach den Wünschen der niedern zu richten. Sonnabends, den fünfzehnten May, gegen Abend, ward er in die Conciergerie gebracht. Der Dberpräsi« denk de Hariay, der Präsident D'Espremrnil, wie auch die Herrn Bouin und Courtin, ließen eS ffch sehr angelegen seyn, ihm so geschwind als es nur vhne Nachtheil der Gerechtigkeit geschehen konnte, den Prvceß zu macken. Die Königin schickte zu wieder- holtenmalen den Marquis D'Ancre zu diesen Herren, welcher mit geheimen Jnstruccionen versehen War» und ihnen allerhand Vorschläge thun müßte, wodurch sie die Wahrheit herauszuvringcu hoffte. Unket qndern ließ sie ihnen sagen , es habe flch ein Metzger erhören, DF siB Wo Mi K>cki W jiboij Eni soll ch II ii/ als ^l>«b ft» >1 i»A liiidis. - - - 27l boten, diesen Bösewicht lebendig zu schinden, und zwar dergestalt, daß er die langwierige Quaal nicht nur überleben, sondern auch noch sv viel Kräfte behalten solle, daß man die Hinrichtung an «hm vollziehen könne. Die Richter hielten diesen übertriebenen Eifer einer Prinzessin zu gut, welcher es darum zu thun war, der ganzen Welt einen Beweis ihrer Gercchtigkutöliebe zu geben, und dieselbe zu überzeugen, daß sie nichts verabsäumthabe, ihr wegen dieses öffentlichen Verbrechens Gcnugthuung zu verschaffen, und die Urheber desselben zu entdecken. Sie fanden es löblich, daß sie als eine vom tiefsten Schmer; durchdrungene Wirkwe den Tod ihres Gemahls zu rächen suche, und als eine liebevolle Mutter für das Wohl ihres Sohns, des Königs, sorge, indem sie befürchte, daß eben dergleichen Anschläge, wodurch der Vater sein Leben verlor, auch gegen dessen Kinder geschmiedet werden könnten. Ihre königliche Majestät waren der Meinung, wenn man den Mörder bewegen könne sein Verbrechen zu bereuen, werde er sich vielleicht desto bereitwilliger finden die Veranlassung zu demselben zu gestehn. Deswegen mußten ihn mehrere Gottesgelehrte und Ordcnögeistliche besuchen, und ihm solche Vorstellungen ans Herz legen, daß er weit mehr Ursach hatte sich vor den ewigen Strafen zu fürchten, als vor den zeitlichen. Es sprachen auch in der Coiiciergene viele Privatpersonen mit ihm, gegen die er aber immer auf einerlei) Rede blieb, und einmal wie das andere behauptete, daß ihn niemand zu dem begangenen Verbrechen verleitet oder angereizt habe. Wollte man hier alle seine Reden anführen, und die Ausbrüche seiner Wuth schildern, so würde man ein ganzes Buch mit lauter unnöthigen Dingen anfüllen können. Wir halten uns jedoch nur an das, was er seinen Richtern antwortete, und diese waren einstimmig der- Meinung , daß er sich in allem , bis aus einige Ausfälle gegen > 272 - > - gen regierende Fürsten, als einen erzdummen und unwissenden Menschen zeigte. Es kostete ihnen nicht so» wohl Mühe, herauszubringen wer den Mord begangen, als vielmehr wer ihn angestiftet habe, und auf wessen Rath er vollbracht worden sey. Die königlichen Av?o- raren Servin und le Bret, wie auch der erste Stellvertreter des Gcncralprocurators, thaten in dieser Rücksicht alles Mögliche, was man nur immer von ihrer Klugheit, ihrer Einsicht und Weisheit, erwarten konnte. Sie ließen alle die vorladen, welche mit dem Dcliquenten gesprochen hatten. Sie verhörten zween Dominicaner, entließen sie aber wieder, werk sie sehr würdige und unschuldige Männer waren. Eben so glimpflich behandelten sie einen jungen Franziskanermönch, dem der Delinquent die Frage vorgelegt hatte r ob es wohl ein Beichtvater der Obrigkeit anzeigen müsse, wenn ihm jemand dasBe- kenntniß ablege, daß ec in Versuchung gerathen sey, einen König zu ermorden? Dieser junge Ordcnsgcisiliche wollte nicht mit der Spra- che heraus, entweder weil er sich fürchtete, oder auS andern Ursachen nicht antworten konnte. Man übergab ihn daher sclnen Obern, mit dem Bedeuten, sie sollten einen Versuch machen, ob sie ihn vielleicht vermittelst der Disciplin zum Geständniß bringen könnten. Und da die Dominicaner aussagten, daß sie ihn mit der nem» lichen Frage an den Paker D' Aubigny, einen Jesuiten gewiesen hatten, weil dieser eine besondere Geschicklichkeit in Auflösung solcher Gewissenssirupel besitze, so ließ man diesen ebenfalls rufen, und drang sehr scharf mit Fragen in ihn. Er vcrkheidigle sich aber hauptsächlich damit, das ihm Gott, seitdem er auf Befehl seiner Obern das Predigtaml nicderlegen, und sich dem Beichtstuhl widmen müssen, die besondere Gnade verliehen Ui >b» m>j M ssj- iji M ru rii ^!' !»; M >Ä B lT» eiö habe, daß er alles, was ihm unter dem Siegel Lee Beichte anvertraut werde, sogleich wieder vergesse. Der Delinquent beantwortete alle Fragen der Tom« missaricn auf eine solche Art, daß sie schlechterdings nicht auf die Spur kommen konnten, ob ihn jemand zu Verübung jener Greulthat verleitet habe, oder nicht. Im, wer versicherte er hoch und theuer, es habe ihm nie. man» dazu gerathcu oder Veranlassung gegeben, er habe auch sein Vorhaben nie gebeichtet, aus Furcht daß er verrathcn und sodann seiner Absicht wegen hingcrich- ttt werden möchte, ehe cs zur That komme. Er sey, sagte er, zu diesem Entschluß, welchen er eine Versuchung nannte, eines Theils durch gewisse Betrachtungen und Erscheinungen bewogen worden, welche er zu einer Zeit gehabt habe, wo er völlig munter und wach gewesen sey; andern Theils durch die Vermulhung, daß die Armee des Königs dazu bestimmt wäre, den Pabst zu bekriegen. Erhübe von einem gewissen Menschen aus Angouleme vernommen, daß der König sich verlauten lassen, seine Vorfahren hätten den Päbsien emporgeholfen, jetzt siehe es beyihm, sie wieder zu stürzen. Ein Soldat, mit welchem er über die Absichten des Königs gesprochen habe, hätte gegen ihn geäußert, er wür- de wohl noch gegen den Pabst mit zu Feld ziehn, denn die Ursach und Absicht des Kriegs gicnge ihn nichts an. Diese Worte hätten ihn hauptsächlich zu jener Mordthat bewogen, denn seiner Meinung nach sey es eben so viel als ob man Gott selbst den Krieg ankündige, wenn man den Pabst bekriege. Am letztverflossenen Weihnachtsfeste hätten sich die Hugenotten zusammen verschworen, daß sie alle Katholiken umbringen wollten, und gleichwohl habe sie der König nicht deswegen bestraft. Ec habe zwar einigemal mit dem Könige.hierüber sprechen Wollen, allein mehrere Personen hätten von seinen Re- N.Lwnkwürdigk.XlV.B, S den den auf seinen Gemüthszustand geschloffen, und ihm M rathen, sich wieder nach Hause zu begeben. Zu An« fang des Jahrs fty er, in der Absicht mit dem König / zu reden, ins Louvre gegangen, die Schildwachen hatten ihn aber nicht vorgelassen. Mit dem Jesuiten D'Aubigny habe er nur ein kinzigmal von seinen Erscheinungen und Meditationen gesprochen, ihm bey dieser Gelegenheit ein zerbrochenes Messer gezeigt, wor- " auf ein Herz und ein Kreuz gravirt gewesen fty, und zu. i»"^. gleich gesagt, er fty der Meinung, daß der König die Hugenotten zum katholischen Glauben bekehren müsse. .sich"! Der Pater D'Aubigny habe ihn hieraufermahnt, isch> ein Vertrauen auf Gott zu sehen, und einige Großen zu Ä-ch ersuchen, daß sie hierüber mit dem Könige sprechen möch» ffW ten; auch habe er ihm gcrathen Arzney zu gebrauchen> », «il damit sein Gehirn wieder in Ordnung komme. Als Ml D'Aubigny deswe-gen vernommen, und dem De« iiM linquenten unter die Augen gestellt wurde, erklärte er «Ui! tzS alles für erdichtet und unwahre Wr Jedermann war äußerst begierig den eigentlichen W Urheber dieser Mordthat zu erfahren, und wünschte ei« M, ne oder die andere Marker ausfindig zu Machen, wo« durch man diesen Böftwicht zum Gestandniß der Wahr« heit bringen kvnnm Jedermann war der Meinung- wenn man ihn schonend behandelte, Mache man sich ei- M ner Grausamkeit gegen das Publikum schuldig. Bal« bain, welcher die neuen Wasserleitungen erfunden hat« ^ ^ te, verfertigte eine ganz eigene Maschine, den Delin« gncnten damit zu quälen, und zeigte sie dem Rath S e r« ^ v i n. Sie hatte die Ge Mt einer verkehrten Spitzsäu- le, und wenn man einen Missekhäter hineinftnkte- drückte er sie nach untenzu durch seine eigene Schwere zusammen, und krümmte sie dergestalt, daß sie ihm nach und nach die Ferse« aus den Rücken drehte. Un- M geach» ^ -------------- 275 Pachtet der unerträglichen Schmerzen, welche ihm die» sc Operation verursachen mußte, schwächte sie ihn dennoch so wenig, daß cr vielimhd nach Verlauf von vier Stunden wieder völlig hergcstellt, und von neuem int Stande war , dusi- nemliche Qual nochmals ausdauern zu können-. Die heftigsten Martern sind nicht immer die graüÄmsten , denn die Unglücklichen welchen sie zü- gefügt werden, können dieselben nicht lang aushalccn, sondern werden von den allzuheskigen Schmerzen VeS Bewußiscyns beraubt. Je langsamer und anhaltender sie hingegen sind, desto empfindlicher und aNgreifendeö istihre Wirkung. DasParlemeut befand für gut, sich in vorliegendem Fall keiner andern, als der gewöhnlichen zu bedienen. Hiernächst traten einige Bedenklichkeiten ein, ob man den Delinquenten, ehe noch das ToLdöür» theil über ihn gesprochen würde, auf die Folter lcgcN dürfe, öder nichts Nach dem gewöhnlichen Verfahren war dies nur in zwey Fallen erlaubt; einmal , in der Absicht das Verbrechen vor Gericht zu erhärten ; und zwchtens- wenn es darauf ankam- die Helfershelfer und Anstifter destelben ausfindig zu macken. Daß der Delinquent den König wirklich ermordet hatte, bevürstc keines Beweises, er selbst gestand cs, und war auf der That ertappt worden. Nun fand man aber ein kraft dessen einer welcher Ludwigen den Eilften wit Gift hatte ums Leben bringen wollen, einige Tagst vor seiner Hinrichtung mit der Fitschel gefoltert worden war. Demzufolge verordnte das Parlemeut, daß sie der Delinquent ebenfalls vrey'Tage nach einander bekommen sollte. Da er sie aber mit der größten Standhäftigkeik oushiclt, da ec imnier die nemlichcn Aritworierr gab, ohne nur ein Wort darän zu verändern . Und da man 'btt fürchtete, daß er die Art ftiner Hinrichtung nicht üüs« halten könne, wenn seine Kräfte zü sehr geschwächt würden; so führ Man Nicht länger damit fort» kleöerdies S ^ sah 2?6 sah man mehr als zu wohl ein, daß alle Martern, die cr bereits erduldet hatte, und noch zu erdulden befurch, len mußte, gewiß nicht vermögend seyn wurden, ihn aus andere Gedanken zu bringen. Da jedoch dies alles zu nichts weiter diente, als die Gemüther nur noch mehr zu erbittern; so beschlossen die Richter, mit der Tortur sortzufahren, wenn er auch gleich darüber sterben, und solchergestalt sein schweres Verbrechen nur einigermaßen abbüßen sollte. Als cr demnach vierzehn Tage lang im Gefängmß gesessen harte, ward cr am sieben und zwanzigsten May wieder herausgeholt, und von neuem auf die Foltcr gebracht, welche er aber, so sehr sie ihn auch angriff, als ein verstockter Bösewicht aushielt, oh. ne nur das allergeringste von dem zu entdecken, was man von ihm herauspreffcn wollte. Leute, die cs mit ansahn, erzählten, er habe über seine Richter gescherzt und ge- spottet, und sich sein verruchtes Verbrechen zum großen Verdienst angerechnet. Als dies die Commiffaricn wahrnahmen, schien cs ihnen nicht räthiich, ein Ungeheuer noch langer am Leben zu lassen, das nicht nur den Men- schcn, sondern der ganzen Natur zum Abscheu gereich, te. Sie verdammten ihn daher noch des nemlichen Tags, nach neun Uhr, von Rechtswegen zum Tode. Die Henker säumten keinen Augenblick, dies Urtheil zu voll- sireckcn, holten ihn aus dem Kerker, setzten ihn in bloßem Hemd auf einen Karrn, urst» führten ihn vor die Kirche 6s lXoimo Onme, damit er daselbst Gott sei« ne Sünde bekennen, und sowohl den König als die Obrigkeit des verübten Mords wegen um Verzeihung bitten sollte. Allein der Erfolg siel ganz anders aus, als es jedermann von ihm erwartete; denn da seine Seele voll Verzweiflung, und sein Mund voll LasternS war, sieng er an, den Tag, die Stunde, und den Augen- blick, worin er geboren worden war, auf dir ruchlose- sie Art von der Welt zu verfluchen, ja sogar den Vater der M-, §cx»l D» «Ää HM sEm »kiMll h« vllr ßilui siGzi rini,> «n ^ — 277 der ihn gezeugt, und die Mutter welche ihn zur Welt ge» bracht hatte. Von dort führte man ihn weiter über die Brücke c!s Uotms Ouyie nach dem Grcvcxlatz, wo ihn die Urthciisvollstrccker auf ein Gerüst schleppten, bas eben nicht gar hoch war, ihn rücklings niedcrlegten, und fest an einige Pfähle banden. Dann brannten sie ihm den köuigsmvrderischcn Arm bis an den Elbogen mit Feuer ab, und verwandelten denselben gänzlich in Asche. Um desto geschwinder damit fertig zu werden, goffcu sie von Zeit zu Zeit geschmolzen Blcy in die Flamme, welches sie zu dem Ende in Bereitschaft hielten. Dann zwickten sie seine Schenkel und Beine Mit glühenden Zangen, und tröpfelten ihm Campftr und Btey in die Wunden. Als die Henker dem verstockten scheußlichen Kerl etwa neun bis zehn Löcher auf diese Manier in das Fleisch gekneipt hatten, rissen sie ihm mit glühenden Zangen die Brustwarzen aus, und gossen sodann de« nemlichen Balsam hinein. Es verstehe sich von selbst, daß inan bey dieser Urtheilsvollstreckung so langsam als möglich zu Werke gieng, damit er durch den Aufschub Zeit gewinnen möchte die Wahrheit zu bekennen, und seine Sünden zu bereuen, worüber er aber nicht die mindeste Zerknirschung blicken ließ. Er hatte noch seine ganze Lebenskraft beysammen, als man ihm vier Pferden an die Schweife band, und diese Pferde mit aller Gewalt antcieb, nach vier verschiedenen Gegenden zu laufen, damit sie ihn in eben so viele Stücke zerreißen sollten. Wahrend dieser entsetzlichen Leiden, welche wenigstens eine halbe Stunde lang dauerten, ehe seine verfluchte Seele den zerfetzten Körper verließ, und in den Abgrund des ewigen Todes hinab fuhr, offenbarte er nicht das allergeringste von dem, worauf jedermann erwartungsvoll harrte. Endlich preßte ihm der unextragliche Schmerz, welcher mit einer Hinrichtung dieser Art ganz natürlicherweise, verbunden ftyn S 3 muß« l 278 , -------------- wußte, den letzten Leben shauch auS. Sein Leichnam, yielchex nach Vrrhältniß ftmcs ungeheuorn Verbrechens, noch, viel zngelind behandelt worden war, würdevoll den Henkersknechten in Stücken gehauen, und jedes Pferd schleppte das Viertel, welches an feinem Schweif bxse- ftigt war, mit fort. Der Pöbel aber, welcher glaub, te, der Tod des ermordeten Monarchen sy noch nicht gcuugsam gerächt, fiel über die abgerissenen Glieder her, bekam einige, davon in seine Gewalt, schleifte sie auf Yen Straßen der Stützt i«y Koch herum, und schrie: So müsse jeder Verrather umrom- Men, der etwas Böses gegen unfern Kä, nig im Sinn hat! Es dauerte lang ehe die Henker diese zerfleischten Stücke wieder zusammcnbringen und das Urkheil vollstrecken konnten, zu Folge dessen sie zu Asche gebrannt wurden. Seit Menschcngedenken machte das Volk zu P. a ri s keinen solchen Lerm wie jetzt, da jedermann den Kvuigsmörder mit Flüchen und Verwünschungen überhäufte. Zuverlässig würde es darauf gedrungcnchabcn, dses wahrhaft höllische Ungeheuer auf eine noch schrecklichere Art hinrichtcn zu lassen , wenn eS. diesen Wunsch nicht aus Gehorsam gegen hie Krone unterdrückt hätte. So war bas Endo dessen, derFrankreich vermittelst eines einzigen Messerstichs auf einmal des Ruhms beraubte, welchen es fick) unter den siegreichen Fahnen seines Beherrschers zu erwerben, hoffte! Und so wird es allen gehn, welche sich durch boshafte Absichten za ähnlichen Thatcn verleiten lassen I Denn cs ist leider nur allzu möglich, daß es Menschen giebt, welche vomTeufel und von den Feinden ihrer Regenten dergestalt gerblendet werden, daß sie, ohne por dieser schmählichen Hinrichtung zu erschrecken, zu ihrer immerwährenden Schande ttudl ewigen Verdaminniß, dennoch an ihren Mrsien r« Heträchern werden, und sich dadurch die al- ,r^ „«Dl K!k" Mich" Sch« W ijicr D,is Bisj ^>»>! W ^ 279 lerentsehlichsie zeitliche und ewige Strafe zuziehen. Wer einen schlechten Lebenswandel führt, läßt sich auch leicht vom Teufel übel überwältigen und geräth dadurch in das allergräßlichste Verderben; nicht zu gedenken, daß ihm die Ruhe gewiß nicht im Tode zu Theil wird, wel-> che er in seinem ganzen Leben nicht finden konnte. Dieser schreckliche Fall kann unS auf fremde Kosten sehr gut belehren, wie wir uns in den Gefahren, von welchen wir stets umrungen sind, betragen müssen, und demjenigen widerstehen sollen, welcher uns allcrlcy Scheingüter vorhäit um uns dadurch so geschwind als möglich ins tiefste Unglück zu stürzen. Große Fürsten und Herrn können in dieser Geschichte gleichsam wie in einem Spiegel wahrnehmcn, daß sie die dringendste Veranlassung haben, für ihre persönliche Sicherheit zu sorgen, und daß nichts gefährlicher sey, als in allzugroßem Selbstvertrauen auf dem rauhen Pfade dieses irdischen Lebens einherzuwallen , wo man solchen Unglücksfallen unterworfen ist, dergleichen wir so eben beschrieben haben. Es ist gar nicht wohlgethan, wenn sie sich Menschen an- vertrauen, denen nur Gott allein in das Herz steht, und noch schlimmer ist es, wenn sie sich ihnen mitten im Genuß der größten Glückseligkeit preis geben. Ehe sie sich dessen versehen, können sie von dergleichen Unglücksfällen übereilt werden, und dies kann sogar denen begegnen , welche diese Erzählung mit anhören» Ich sage dies keineswegs aus übertriebener Besorgniß, und meine Hand ist nicht daran gewöhnt, Dinge niederzuschrciben, welche, so unwahrscheinlich sie auch scheinen mögen, sich nicht wenigstens ereignen könnten. Der Hof, an welchem ich von jeher als ein treuer Diener meines Königs lebte, und noch dermalen lebe, nehme dies auf wie er immer wolle, so werde ich mich dennoch auf jeden Fall mit dem Bewußtsenn beruhigen, daß ich hur die Empfindungen meines redlichen und dem Dienst der Kco- "'l S4 ' ne- L8« -—^ ueFrankreich eifriger als je gewidmeten Herzens, in wenigen Zügen andeutete. In Fällen, wo eö die Noch erheischt, mag Verstellung wohl Klugheit ftyn, aber sie wird zu einem sehr großen Fehler, wcnw esdarauf ankömmt die Gesinnungen sprechen zu lassen, wovon' sich daö Herz durchdrungen fühlt. Während der Zeit daß jenes Urtheil an dem Königs« Mörder vollstceckt wurde, harten sich alle Prinzen und Herrn in dem Pallast auf dem Grevcplatz versammelt, dies schreckliche Schauspiel mit anzusehn. Allein der Tod dieses Unmenschen konnte weder die Erinnerung an ihren unvergeßlichen Heinrich schwächen, noch jdie Thränenströme trocknen, welche ihnen lange Zeicjjaus den Augen stürzten. Ewiger, der du mit einem einzigen Wort alles Erschaffene aus dem Nichts hervorriefst, und mit deinem Wink das Weltall regierst, wie bewundenswürdig, wie unbegreiflich sind die Wege deiner Vorsehung! Du hast die Seele meines großen Königs und Herrn nach deiner unendlichen Barmherzigkeit in deinen Schooß ausgenommen. Laß deine Hand nunmehr ruhn; züchtige uns nicht mehr mit der eisernen Ruthe des Zorns, sondern habe Schonung mit unfern Leiden I Beschirme unsere neu ausgehende Sonne, unfern Ludwig, vor den boshaften Anschlägen seiner Feinde! Walte mit deiner Gnade über der Königin Mutter, wahrend sie der Regier», g d-eses Reichs, ihres gehorsamen Kindes, vorsteht ! Vc-leih ihren Rathgebern deinen Geist, damit sie in Allein deinen heiligen Willen vollbringen; damit ihre Handlungen auf nichts anders abzweckcn, als aufdie Ehre und Verherrlichung Deines allerchristlichsten Namens! Immer und ewig diene uns derselbe zum Schilde gegen die Nachstellungen und Bosheit der Welt! IV. Gr, Gerichtliches Verfahren gegen Franz Ravaillac. Mit verschiedenen Beurteilungen. c«) i. V o r b e r i ch t Ms Vlemoires, äe Vorne VI. P. XIX> XXVIII. ^hochstehende Actenstückc sind bereits einzeln heraus*. gegeben , nachher auch im ersten Bande des ML 0 - eurs Vnnn^oi8 abgedruckt worden; hier werden sie nach einer auf der königlichen Bibliothek befindlichen Handschrift, weit vollständiger geliefert. Unter andern wird man hier auch die fünf Verhöre finden, welche vier, ser Vösewicht aushalren mußte. Da sich noch immer nicht mit Gewißheit behaupten läßt, daß man die wahren Triebfedern und Absichten dieser Mordthat crrathcn habe, so wollen wir wenigstens untersuchen, was hierbcy ^.Wahrscheinlichste ist. Zu dem Ende scyen hier die Berichte unserer <^eschichtschrei° her eingcrückr. Mezcrai erzählt die Sache in seiyem ^ fvkgendermasen: ,,-Das verabscheuungswürdige Unge». „Heuer, weiches den Namen Franz Ravaillac führt, „gierig schon lange vorher mit dem Vorhaben um, dey -..König zu ermorden. Er war! von Angvuleme gee „bärtig, ungefähr zwey und dreyßig Jahre alt, Wtz „der Sohn eines Sachwalters, der damals noch lehre, ,/ AnZ -84 -------------- „Anfänglich trieb er das Metier seines Vaters, nachher gierig er in ein Feuillantinerklostcr, wo er auch „wirklich als Novi; angenommen, bald darauf aber, „seiner albernen Phancastercyen wegen, wieder forkge- „jagt wurde '). Einige Zeit nachher ward er wegen „einer Mvrdthak verhaftet, deren er aber nicht überführt ,,werden konnte ^). Als er wieder auf freycn Fuß kam, „sieng er von neuem an Processe zu betreiben, verlor aber „einen, der ihn selbst angieng, und eine Erbschaft be- „traf. Hierdurch sah er sich genöthigt, den Kindern „geringer Leute zu Angoulöme Lehrstunden zu geben ^). „Die strenge Kiostcrzucht, die Einsamkeit im Gefäng- „niß, der Verlust seines Processes, und der drückende „Mangel welchen er litt, dies alles zerrüttete ihm den „Verstand, und brachte ihn, der ohnehin gallsüchtig war, „immer mehr und mehr auf. Von Kindheit an hatten „ihm bereits die Erbitterung der Ligue, die unaufhörlichen Pasquille, und die Predigten seiner Seelsorger , eine ganz außerordentliche Abneigung gegen den „König cingcflößt. Hierzu kam nun noch der Glaube, „daß man jeden, der die katholische Religion beeinträchtige, oder sich gegen den Pabst auflehne, aus dem Wege „räumen müsse. Diese Dinge machten ihm den Kopf „so verwirrt, daß er allemal in Wuth gerieth, wenn er „nur das Wort Hugcnot hörte. „Die welche sich mit dem Gedanken beschäftigten, „den König bey Seite zu schaffen H, sahen wohl ein, „daß sie nicht leicht ein schicklicheres Werkzeug zu Ausführung ihres Vorhabens finden würden, und suchten „ihn daher auf alle mögliche Art in seinen Gesinnungen zu bestärken. Sie besoldeten Leute, die ihn, oh« „ne daß er es merkte, unaufhörlich umgaben, ihm durch „Pfaffen, die mit im Bunde standen, allerley vor- „fchwatzen ließen, und ihm durch vorgebliche Erschei- „nun- 255 „nungen und andere dergleichen Kunstgriffe den Ve» „stand benebelten. Von Zeit zu Zeit versahen sic ihn „auch mit Geld, ohne daß er wußte wo cs herkam „es war aber immer nur wenig, weil man besorgte, er „möchte seinen gefährlichen Vorsah wieder aufgcben, „wenn er in bessere Umstande käme. Es sind Beweise „vorhanden, daß man ihn sogar nach Neapel lockte ^), „und daß er dort einer Versammlung beywohnte, die „in dem Hause des Vicekönigs gehalten wurde ?), und „aus Leuten bestand , die samt und sonders gleiche Ab- „sichten hegten. Man ließ ihn auch zwey oder drcymal „von Angouleme nach Paris kommen; kurz, die ober« „wähnten Leute wußten ihn dergestalt zu lenken, daß „endlich seine verruchte Hand das vollbrachte, waS „sie schon längst in ihrem Herzen gewünscht hatten. „Den Tag vor dem bereits veranstalteten Einzuge „der Königin, welches eben ein Freytag war, Nachmittags kurz vor vier Uhr, fuhr der König, und zwar „ohne Begleitung seiner Leibgarde, nach dem Arsenal, „wo er mit dem Düc de Sully sprechen wollte, und „las unterwegs in einem Briefe ^). In der Stra- „ße de la Feronnerie, die damals sehr eng war, versperrten einige Wagen den Weg, so daß der Kutscher „still halten mußte. Die Beyläufcr giengen durch dis „Fleischbänke bey Saint Jnnocent. Da trat dieser Bö- „sewicht auf eines der Hinterräder, bog sich über die „Kutsche, uad gab ihm mit einem Messer zwey Stiche „auf die Brust. Der erste glitschte zwischen den beydcn „obersten Rippen ab, und drang nicht in den Körper; „der zwcyte aber durchschnitt die Herzader oberhalb des „linken Hcrzohrs, so daß das mit der größten Gewalt „herausströmende Geblüt den König erstickte, ehe er „nur einen Laut von! sich geben konnte. „Schre- ,ii'G 2Z6 ' „Schrecken und Bestürzung hatten sich derer- „welche bey diesem traurigen Vorfall zugegen waren, „so sehr bemächtigt, daß Navaillac gewiß Nnentdeckt gei. „blieben wäre- wenn er das Messer weggeworscn hätte ; „Va er es aber in der Hand behielt- ward er sogleich „in Verhaft genommen, er gestand auch sein Verbre» ^,chcn , uud zwar mit einer solchen Fceymüthigkeii »als hätte er eine Heldenthat vollbracht ^)» Wir kön« „nen hierbey ein paar Umstände nicht mit Stillschwei» „gen übergehen, wollen aber den Leser selbst daraus folgern lassen, was ihm behebt. Erstens, daß man gleich „nach seiner Verhaftung sieben oder acht Menschen über „die Straße gehen sah, weiche bloße Degen in der Hand »hatten- und mit iaurer Stimme sagten, man müsse „ihn ümbringen ^°), sich aber gleich nachher unter Vas »Volk verkrochen. Zweitens , daß man ihn nicht ge- »radeSwegs ins Gefängn-ß führte- sondern dem Mvn- »kigni gab, und sodann zwey Tage lang im Hotel de „Rets bewachte - aber mit so weniger Sorgfalt, daß »ihn jedermann sprechen konnte Hier fand sich uw »tec andern ein gewisser Ördensgeistlichcr ein, welcher »dem König sehr viel Dank schuldig war Dieser »redete ihn an, nannte ihn mein Freund, und sag- „te> er solle sich ja in Acht nehmen, daß ex „nicht etwa rechtliche Leute angäbe." Sh weit geht der Bericht des Mezerai. Er sah Wohl, wie aus den beygcfügten Noten erhellt, in Betreff verschiedener Umstände, welche bey dieser Mordchat vorkom« Wien, deutlich genug auf den Grund; man merkt aber vuch , daß er sich nicht getraute alles zü sagen-» Pater Daniel sagt, wie gewöhnlich - nichts bc« sönderes ; sondern erzählt die Ermordung Heinrichs des Vierten auf eine sehr trockne Art. Indes; führt er doch Werl merkwürdigen Umstand «n- welcher den Duc Dd - '"''i. 287 D'Espernon bctrift. Er besteht darin, daß dieser nem- liche Duc dem bey der Garde du Corps angestellten Herrn von Saint Michel, welcher den Degen gegen Ravaillac zog, zugerufen habe; Um alles in der Welt, Saint Michel, Hüften Sie sich, daß Sie ihn nicht tvdft siechen! Es gilt Ihrem Leben! In den Versammlungen, die bey Herrn Hueft, ehemaligen Bischöfe von Ävranches gehalten wurden, kam einst auf diesen Umstand die Rede, und ich muß offenherzig bekennen, daß uns derselbe versicherte, dies komme zufolge einer sehr treuen Copie der Ravaillac'- schen Proccßacten, die er in Händen habe, und welche von allen gedruckten abweiche-, ganz und gar nicht mit der Wahrheit überein. Da ich indcstcn keineswegs gesonnen bin den Jesuiten das Wort zu reden , so darf ich auch nicht verschweigen, daß sch dies ncmliche Factum in dem ersten Schreiben des Nicolaus Pasquier angeführt fand. Es wurde wenig Tage nach Ermordung des Königs verfaßt, und er sagt darin: der Duc D'Espernon (welcher sich erinnerte, daß der Mönch welcher König Heinrich dem Dritten das Leben raubte, auf der Stelle getödtet wurde) rief dem Säint Michel zu: Tödken Sie ihn nicht; es gilt Ihren Kopf! Diesen nemlichen Umstand erzählt er nochmals im sechsten Briefe deS fünften Buchs, und sucht dadurch, so wie nach ihm der Pater Daniel, zu beweisen, daß der Verdacht, weicher wegen der Ermordung Heinrichs IV. gegen die Unschuld dieses Herrn verbreitet wurde-, ganz ungcgründel sey« Dieser war nemlich der Mci> nung, man würde die Namen dcr Mitverschwornen auS Ravaillacs eigenem Munde vernehmen, und würde sich gewiß nickt für seine Erhaltung interessirt haben, wenn ec nicht unschuldig gewesen wäre. Aufjeden Fall würden bit Jesuiten bep Veranstaltung einer netten Ausgabe von der kckr. 1 285 lüiboin? äs k'runce des Pater Daniel wohlthun, wenn sie das, was ihnen Herr Huet in seiner schönen k?,. d Bibliothek hinterlaffen hat, zur Berichtigung der Ra- vaillacschen Proceßacten benutzten, wofern etwa der Zwei« ^ ^ scl, welchen dieser gelehrte Bischof gegen die histori- sche Glaubwürdigkeit des Pater Daniel äußerte, gegrün- det scyn sollte. Ersteres würden sie mir wohl, schwer, lich mitthcllen, aber letzteres dürfen sie mir auf keinen Fall abschlagen, denn Pater Daniel — mit aller Ach- tung für ihn, sey es gesagt'. — hätte dies wichtige Er- eigniß schlechterdings umständlicher auseinander setzen sollen, da es eine weit strengere Untersuchung verdient, - als er darüber angestellt hat» /.ss Die letzte Stelle, worin die Ermordung Heinrichs des Vierten berührt wird, steht im 29 Kapitel des zwey, ten Theils der Medlrocks pour educliev IHilkoive, AM Seite 2 8c> ff. der ersten Ausgabe. „Bey der Ermordung MM „Heinrichs des Vierten, sagt der Verfasser, lag eine In- „trigue zum Grunde, die man geflissentlich unenthüllt Mts „ließ. Man glaubte diese That sey niemanden zuzuschrci« FtkM „ben, als einem wahnsinnigen rasenden Menschen. Man tiziboil „irrte. Sie war das Werk einer Faction. Im Jahr t Ws „1628 ward sie zu Neapel ausgedrütet, und im j!,tsß „Jahr 16 lo in Frankreich leider vollzogen. Ein Uebcr- !», 0 „bleibsel der Li'gue stack mit unter der Decke; eigentlich „aber machten die ausgewandertcn Franzosen, nebst „dem Pater Alagona, einem Jesuiten und Onkel des „Herzogs von Lerma, den ersten Entwurf dazu, und „theilten ihn auch dem Kapitän La Garde, welcher sich „im Jahr i6oz zu Neapel befand, wirklich mit. Dort „lernte dieser auch den Ravaillac kennen, der nachmals „wieder in der Absicht nach Frankreich gieng, diesen „höllischen Plan ins Werk zu setzen. Letzterer hatte ehe- „dem unter der Compagnie des Duc D'Espernön ge- Lik, 28 - „dient und betrug sich gegen Heinrich den Vierten, „seinen Gebieter, auf eine sehr trotzige unv übermüthl- „ge Art, die er sich wahrend der Negierung Heinrichs „des Dritten zu eigen gemache hakte, dessen Gü-st- „ling er war. Ravaillac stellte sich, nach seiner von E „Neapel erfolgten Zurückkunft, zum vftern bey mm 1 „ein "); und er betrieb damals die Angelegenheiten der I „Madame de Vcrneuil, einer verabschiedeten Malusse ! „Heinrichs des Vierten. Diese hatte bereuö in B r« „bindung mit ihrem Bruder, dem Grafen von Auvergne, und ihrem Vater, dem Marquis D'Antcagues „allerlei) böse Handel gegen diesen Monarchen angestif« ' „tet. D'Espernon und Madame Verneuil hielten öftere Zusammenkünfte, um die Ausführung ihres abscheulichen Vorhabens mit einander zu verabreden, und „bey einer Zusammenkunft, die zu Saint Iean-en- „Greve gehalten wurde, vernahm man sogar aus ih« ^ „rem eigenen Munde, wie sie hierbey zu verfahren gemachten. Der König ward hievon benachrichtigt ; entweder war er aber verblendet, oder seine Herzcns- „gütc gestattete ihm nicht, von Leuten die er nie belci« „digt hatte etwas Böses zu fürchten ; genug, erschlug „alle Warnungen in den Wind. Dies hatte die Fol- „ge, daß er auf eben die erbärmliche Art ums Leben ! „kam, wie man ihm gedroht hatte. Der Düc D'Es- „pernon, welcher deswegen gerichtlich belangt wurde „rechtfertigte sich zwar im Wege Rechtens aberal- „le die, welche seine Denk - und Handlungsart kannten, ! „glaubten nie, daß er unschuldig sey -"). Das Reich „kam unter Vormundschaft; es entstanden neue U»ru- „hen ; und seine Insolenz, die ihm unter jeden andern „Verhältnissen den Kopf gekostet Härte, rettete ihm un» ,,tcr einer schwachen Regierung daS Leben. Diesen Aufschluß wird-man in den Werken unsrer berühmtesten „Geschichtschreiber vergebens suchen; entweder weil sie N, Dentwuroigt. XIV. T sich 292 sich nicht gekrauten diesen Punkt zu berühren, oderweil sie nicht aiie Hülls,nittel in Händen hatten, sich g^. nau zu unkerriälten. „Ueber diese Begebenheit muß man zu allererst „dasjenige Nachlesen, was unsere allgemeinen Reichs- „geichichten enthalten. Hierauf muß man, des histo. „riülreu Zusammenhangs wegen, die Memoire de§ „H rrn de l'Etoile studiren, worinn eine Menge ein- Thatsachen Vorkommen, die unsere größten // S-rrifcstelier unberührt gelassen haben. Das Marz nisest und das Factum, welches Pierre Du Fardin // NN :er dem Namen eines Lmpitmine is Ourclo her- ,k52' K- „ausgegeben hat, verbreitet viel Licht über die Entste- ,^ui,g dieser abscheulichen Jnkrigue. Das Verhör „mw die Aussage der Demoiselle Decoman geben viel „Ausschluß über die Art und Weise, wie diese Sache zu „Paris betrieben ward. Diese Person hatte aber den- „rwch das Unglück, ungeachtet ihre Absichten rein, und „die Thatsachen welche sie entdeckte, allerdings gegründet waren, ihr Leben im Kerker zu beschließen, *°) „weil sie ihre Aussage nicht gerichtlich beweisen konnte. „Sie hatte es mit einer mächtigen Parthey zu thun; „die Richter sahen zwar ein, daß ber» ihren Aussagen „allerdings Wahrheit zum Grund liege; indeß mußte „die Unschuld unterliegen, und D'Espernvn triumphirke „zur Schande seiner Richter, ungeachtet sie ihn in der „Specialinquisition für strafbar erkannten c" . Mit „diesen Piecen müßte man noch die Ravaillacschen „Proceßacten vergleichen; aber nicht die, welche im limn<;o!5 abgedruckt sind, Venn diese sol» „len verfälscht seyn, sondern jene, welche man noch „hin und wieder auf Bibliotheken in Handschriften „findet. „In beygesügtcm Verzeichniß haben wir noch „mehrere Pie;e» angezeigr, deren man sich bedienen „muß IM j Hiil!Ü> fliss!»» ji mnin Äzi», Ä »sch ^r»r ^zi»'. 2§l „muß, wenn man dieser merkwürdigen Begebenheit bis „aus den Grund nachspüren will, die in der neuern Ge- „schichte eine der anfferordenklichsten ist, und von „rechtswegen allen Regenten und Ministern zur War- „mmg dienen sollte, damit sie nie einen guten Rath in „den Wind schlagen, der darauf Beziehung hak, die „geheiligte Person des Landesherr« vor Gefahren ru „sichern. „Die folgende Regierung fieng unter der allge- „meinen Bestürzung an, in welche das Reich durch „die Ermordung Heinrichs des Vierten versetzt.war. „Gleich nachher brach Mißvergnügen aus, und es „entstanden allerlei) tumultuarische Auftritte. Die „Günstlinge, eine Gattung von Lenken, die den Re. „qcnten immer zum Rachcheil handeln, indem sie den „Ruhm derselben entweder ihren Leidenschaften, oder „ihrem Privatinteresse aufopfern, entehrten die ersten „zehn Regiermigöjahre Ludwins des Dreyzehnten. „Dann folgte die tyrannische Ministerialverwaltung „des Connetable de Luines. Nach diesem kam Lar- „dinal Richelieu empor, welcher die Vermessenheit „hatte, daß er, wie die Tradition sagt, m seinen „Privatunterredungen Ludwig den Dreyzehnten ge. „wöhnlich nur den vornehmsten seiner Untertanen „zu nennen pflegte." Ich muß jedoch den wißbegierigen Leser benachrichtigen, daß er diese Stelle nicht wörtlich so wie hier in dcrtVstotno^ü poun ätucüsr-!' kjiikoir-6 amressen wird. Sie steht auf einem Carton, welchen man die Güte gehabt hak, diesem Werke beyzufügen. Wa» rum dies geschah, ist mir unbekannt. Sollte es viel- leicht nach Verlaus von anderthalb Jahrhunderten noch nicht er-aubt seyn, den Schleier von einer so äusserst wichtigen Begebenheit hinwegzuzietzen? Auf jeden Fall E 2 Habs 2YZ . -r habe ich einige historische 2lnmcrkungen eingeschaltet, die zum Beweis dienen, Laß der Vortrag des Verfassers seinen girren Grund hat. AKtL'! Ich habe hier nicht einmal etwas von den Nach, richten gesagt, worin dem Könige zu wissen gethan ^ wurde, was gegen seine Person im Werk ft». Hie. her gehört besonders das Billet, welches man ge- gehK raume Zeit vor seiner Ermordung auf dem Altar der ichtB Scadtkirche zu MontargrS fand, und des Inhalts war, Pr, daß ein aus Angoulöme gebürtiger Rothkopf (und dies s« tK war Ravaillac) Willens sey, Len König mit cineni Messer M! zu durchbohren; ein Biller, worüber ein eigenes Pro- Mt rvcoll verfaßt, und dem Kanzler zugeschickt wurde. Ms Auch geben die Umstande, welche Herr de l' Etoile in hm! seinen Memoiren bey dem Jahr 1612 anführk, deut- Kme lich genug zu erkennen , daß es.ein reiflich überdach. Mmr res, und von einer Fackion angestelltes Unternehmen war, weil man dem, von welchem diese Warnung kam, M«, nach dem Leben trachtete. Wer anders durste sich erne Drohung dieser Art entfallen lassen, als solche Per so- nen, die im Stande waren sich furchtbar zu machen.? WaS laßt sich nicht aus dem einzigen Uurstande folgern, HM welchen nicht nur Herr de l' Etoile, sondern auch Ni- colcms PaSguicr in seinem ersten Schreiben anführt, daß nemlich der Stadtrichter zu Pluvicr, ,'m ncnill'. ^ chen Nu wo der König ums Leben kam, in Gegenwart ^ ' mehrerer Personen, die sich nebst ihm mit dem Kugel- spiel belustigten, dis Worte sagte: Jetzt wird der König ermordet? Man bedenke, daß der Ort, wo dies geschah, acht und zwanzig Stunden von Pa- ris'cntfert ist. Dieser Mensch, welcher überhaupt - ' einen schlechten Charakter besaß, war ein eifriger An- Hanger der Marquise de Vermeuil, und ihres Vaters des Herrn von Antragues. Damit er aber nicht aus der Schu. «h ------------ 2y3 Schule schtraßen möchte, erdrosselte er sich kn der Co», ciergcrie, oder ward er vielmehr erdrosselt, und den neunzehnten IuniuS i6is auf einer Schleife durch dis Stadt gefahren. Wenn man alles dies mit Aufmerksamkeit ließt, so hält es schwer , den Duc D' C'spernon von einem gehässigen Verdacht ganz freyzusprechen ; doch möchte ich deswegen nicht wie andere behaupten, daß dieser Herr, als er den Ravaillac wahcnahm und sah das dieser dem König einen Stich bcygebracht hatte, ihm selbst den zweyten gab, welcher dessen Tod eigentlich nach sich zog. Indeß wird dieser Umstand in einer gewissen Piece angeführt, welche dem vierten Thsil des stounnnl ckv Ickenri IV angehängt,', und betittclt ist Isixtrued cl'un Mnnrildnid cks Vl. ck'/^runslL. Wenn man sich jedoch die Mühe nicht verdrießen läßt, diese Picee ganz durchzulesen, so wird man gewahr werden, daß sie einen von jenen leidenschaftlichen Men- schen zum Verfasser hat, die gegen den Duc D' Esper- non den bittersten Groll hegten, welcher sich so weit erstreckt, daß man in dieser Schrift sogar die abgeschmackte Fabel einiger wüthigen Mitglieder der Ligue wieder anfgewarmk findet, die dem Pöbel mir aller Gewalt weiß machen wollten, der Duc D' Espernon s?y entweder ein Teufel in Menschengestalt, oder doch wenigstens ein Hexenmeister ("'). Dergleichen Albernheiten würde ein Mann von solchem Stande, und solcher Welt-und Menschenkenntniß, wie Herr DAumale, gewiß nicht fürwahr gehalten, noch weniger nachcrzählt haben. So etwas würde ich höchstens dem niedrigsten Pöbel der sigue verzeihen , welchen inan durch dergleichen alberne Erdichtungen in Harnisch zu jagen suchte. Was man von einer Schrift dieser 'Art zu halten habe, erhellt schon aus dem einzigen Umstande, T L Daß 2Y4 daß man sogar den Duc de Montbazon mit in dies abscheuliche Verbrechen zu verwickeln sucht, welcher doch nie den geringsten Verdacht gegen sich erregte, sondern vielmehr den Ravaillac beim: Arm ergriff „nd zurückhielt; als er dem Könige noch den dritten Stich versetz-n wollte. UeberdieS konnte der Duc D'Aumale dies Factum gar nicht bezeugen; weil er damals aus dem Königreiche verbannt und nach Brüssel geflohen war, wo er auch im Jahr i6iy starb. Noch weniger möchte ich behaupten, daß auch der Jesuit Pater Cotton an diesem KönigSmord Theil gehabt hohe. Die Roile welche man ihn in der Ln- disv-rs cts M O'bklpsmionek cks-AkiVuülue st /^n^or-lsnie spielen läßt, ist wider alle Wahrscheinlichkeit. In dieser Schrift gieb! man vor, er habe sich in besagter Stadt mir drey Mördern unterredet, welche den Vorsatz gefaßt hätten, den König umsieden zu bringen. Diesen habe ersogar versprochen, daß er «ne heiliqe ^esse zu jihrer Intention lesen wolle, damit ihnen Gocr Much und Kraft zu Vollbringung ihrer Thar verlest he; das heißt: damit der Allerhöchste Segen undGedeien zu einem der allerentsetzlichsten Verbrechen gäbe. Ich be- greife nicht, wie man so frech seyn kann, dergleichen Tollheiten zu verbreiten, und ich glaube gänzlich, daß selbst der erbitterungsvvllste I * * * sich schämen wü» de, diesem Jesuiten, welchen Heinrich der Vierte so ausserordentlich lieb hatte, und welcher fast allein die Zurückberusung seiner Ordensbrüder bewirkte, so etwas zur Last zu legen. Ich kann mich hier nicht weiter darauf cinlaffen, den Ungrund eines solchen Vorgebens zu zeigen, welches nicht die allergeringste Aufmerksamkeit verdient, und kann mich nicht genug darüber wundern , daß man auf den Einfall gekommen ist, diese Scharteke im vierten Bande des ssourna! sie bien- mR «s, ßM nd« «< b« p Fmni WL Mn l« T-i> ^N>z § - - 295 ri IV. wieder abdrucken zu lassen. Wer neue Ausga. ben von Schriften veranstalten will, sollte von rechrs- wegen elne bessere Auswahl treffen, und mit mehr Ueberlegung zu Werke gehen; es scheint mir aber, der Herausgeber habe nicht sowohl auf die historische Glaubwürdigkeit, als vielmehr auf die Seltenheit je- ner Pie^e Rücksicht genommen. Ich will hier nichts davon erwähnen, daß noch vor der Ermordung des Königs aus einigen fre :«n Landern die Nachricht einlief, der König sey bereits wirklich ermordet. Indeß möchte man sich wohl nicht irren, wenn man hieraus die Vermuthung zöge, daß dies Unternehmen nach einem bestimmten Plan verab- redet, und wahrscheinlich von einem der Theilnchmer im Auslande ansgeschwazt worden sey. Man kann hierüber nachschlagen die Memoiren des Baffompierre, die große Geschichte von Mezerai, die Memoiren des Herrn de l'Eroile bey dem Jahre 1610, und das erste Schreiben des Nicolaus Pasquicr. 2. Lpeciez k'acu. lenser großer König Heinrich hatte die Verfügung getroffen, die Königin« Maria von Medicis, seine rechtmäßige Gemahlin, den dreyzehnten May 16:0 zu Saint Denis salben und krönen zu lassen Zwey bis drey Tage nachher wollten Sc Majestät in Begleitung des Abels abreifen, und sich zu Ihrer auf der Gränze stehenden Armee hegeben ^). Als der König von diesem Vorhaben sprach, berichtete man, T 4 Spins- Spinola habe sich auf eine großsprecherische Art verlauten lassen, er werde ihm mit dreyßigtausend Mann entgegen marschwen, und eine Schlacht liefern"). Als oieö der König vernahm, ließ er sich sogleich sei- neu Wafftnrock brm M, und probirts ihn an. Er war von grünlichblauein Sammet, und mit kleinen goldenen Lilien gejuckt. Lächelnd sagte hierauf der König, welchen! eü eom so leicht ward Schlachten zu gewinnen, als Schlachten zu liefern: nun wollen wir doch sehen, ob Spinola Wort hält. Sire, erwie- Ligte einer seiner Hofcavaliere, er ist ein Genueser ^). Freylich wohl, sprach der König, er ist aber auch Soldat. Deyde Majestäten hatten die Abrede genommen, daß am Tage der Krönung und des Einzugs alle Gefangene in Freyheit gesetzt werden sollten; sowohl die in den Stadtgefangn ssen, als auch jene in der Baistille. In Betreff der erstem hakten die Requettenmei- ster bereits ihre Weisung vom König erhalten; wegen der letztem aber wollte er selbst die erforderlichen Vorkehrungen machen, und deswegen begab er sich nach dem Arsenal. Ausserdem hatte er auch noch einen an- dern Beweggrund, warum er sich in das Arsenal ver- fügte; er wollte nehmlich gern sehen, wie weit man dort mit den Krönungsanstalten gekommen wäre, denn es war sein ausdrücklicher Wille, daß eS bey dieser Fey- erlichkeit an nichts fehlen sollte, so kurz auch die Zeit war. Nachmittags zwischen drey und vier Uhr stieg der König, da wo man Ln den Hof des Louvre geht, in seine» Wagen und setzte sich ganz hinken hin. Die Ducs D'ESpenwn, Monrbazon und Roquelaure, riebst noch drey andern Herrn, mußten sich ebenfalls einfttzen. Er wollte durchaus nicht zugeben, daß ihn I -------- , 9 ? seine Garde begleitete. Welch ein Unglück! Denn ein verruchter Kerl, Franz Navaillac genannt (der nach- rnals in seinem Verhör aussagte, daß er schon lange vorher mit dem Vorhaben umgegangen fey den König zu morden) hatte ihn kaum einstcigen sehen, als er ihm bis in die Straffe de la Ferroncrie nachfolgte. Als er nun gewahr wurd^, daß die Kutsche wegen einiger in Wege stehenden Wagen still halten mußte, und daß der König, welcher im Hintergründe saß, das Gesicht seitwärts nach dem Duc D'Espernon kehrte, trug dies vom Teufel besessene Ungeheuer nicht das geringste Bedenken, Se Majestät merrchelmörderifcher- weise zu überfallen, ohne zu erwägen daß eS stch an einem Gesalbten des Herrn, an einem Stellvertreter Gottes vergreife. Zu dem Ende bog der Mörder seinen Arm über das eine Rad, rennte dem Könige zwey- mal das Messer in den leib, und streckte diesen großen Monarchen mitten unter seinen tapfersten und treuesten Feldherrn todt darnieder'?). Jene beyden Stiche folg-, tcn so schnell auf einander, daß die That schon vollbracht war, ehe man so zu sagen bemerkt hakte, wie es damit zugieng. Der erste Stich, welcher zwischen der fünften und sechsten Rippe eingedrungen war, durchbohrte die Herzader, in der Gegenv des Herzohrs, und traf sodann die Hvlader, welche er mitten entzwey schnitt, so daß der große König auf der Stelle Spreu che und leben verlor. Was den zweyten Stich anbelangt , so hatte derselbe nur ein klein wenig die Haut aufgerizt. Niemand hatte bemerkt, daß der König erstochen wurde, und hätte der Mörder das Messer gleich weg- gewvrfen, so würde man schwerlich crrakhen haben, daß er es gewesen se»; es war ihn! aber gar nicht möglich, das Messer aus der Hand zu thun. Die T z sechs sechs Herren, welche Key dem König in Wagen saßen sprangen den Augenblick heraus. Einige bemächtigten sich des Mörders, andere machten sich mit dem König zu khun. Als aber einer von ihnen bemerkte, daß letz, lerer keinen Laut mehr von sich gab, und daß ihm vaS Blut aus dem Halse schoß, schrie er: der König ist tvdk! Diese Worte verursachten einen erschrecklichen Leun. Die Leute welche sich eben in der Straße befanden drängten sich in die Buden, stürzten über ein- ander her, und waren so voll Angst uud Schrecken, als wäre der Feind m der Stadt. In der Geschwindig. keic aber kam einer von oberwähnten Herrn auf den Etnfall, dev Leuten weiß zu machen, der König sey nur v.l mundet, und von einer Ohnmacht befallen wor- den. Alan begehrte Wein, und während die Leute um , diesen, welchen herbevzuschaffen, machte man die Kutschthüren zu, versicherte das Volk nochmals der König sey bloß verwundet, und man müsse eilen ihn nach dem Louvre zu bringen, damit er verbunden werde. Dte Königinn befand sich eben in ihrem Kabinet, als sic die traurige Botschaft vernahm; kam aber in voller Angst und Bestürzung heraus, um denjenigen noch einmal nach seinem tödtlichen Hintrikr zu sehen, den sie bey seinen Lebzeiten über alles verehrt hatte. Im Heraustreten aber kam ihr der Kanzler, welcher diese Nachricht bereits im Stäatsrathe erfahren hatte, entgegen und hielt sie zurück. Sobald sie ihn erblickte rief sie ihm zu: Ach! der Königist todt! Er aber blieb sich gleich, und versetzte: Ihro Majestät Hallen zu Gnaden; die Könige von Frankreich st e r b e n nie. Hierauf bat er sie, sich wieder in ihr Kabinet zu begeben, und fuhr fort: Man muß bedenken, daß unsere Thränen unsereLage nur verschlimmern. Wir müssen sie bis zu einer andern Gelegenheit «ersparen. Es giebt ss! i jiM hin jick Dill! hl! iigi km «!> bms Ar,, KkNI kr dich - -- ' 29 - giebt Menschen genug, welche Sie und sich selbst beweinen. Ihre Majestät haben Pflichten für diese undfür sich selbst zu erfüllen. Wir bedürfen Hülfe, nicht Thrä- nen. Den sechzehnten des nemlichen Monats ward Ra- vaillac in die Conciergerie gebracht denn er hatte zwcy Tage im Hotel de Raitz gesessen, wo ihn jedermann sehen und sprechen durste, ob er gleich von den Gerichtsdienern bewacht wurde. Anfangs wollte man ihm weiß machen, er habe den König mir verwundet; er antwortete aber, da er wohl wisse wohin er gezielt, und auch das Vlut am Messer gesehen habe, so könne er gar nicht daran zweifeln, daß er todt sey. Indeß sterbe er nun gern, da er seinen Endzweck erreicht habe. Denen die ihn fragten, waS ihn denn zu dieser Mord- that bewogen hätte, gab er zur Antwort: Die Pre- d i g t e n , w e lche i ch m i t a n hör t e ; d e nn d a- durch lernte ich dieBew eg gründe kennen, weswegen man einen König um bringen muß. Als man ihm nachher während des VerhörS die Frage vorlegre, ob es erlaubt sey einen Tyrannen zu ködten, wußte er alles auf dem Nagel herzusagen was sich für und wider diesen Sah anführen läßt, so daß man deutlich genug merkte, er sey in dieser Lehre mit ganz besonderer Sorgfalt unterrichtet worden; Denn sobald die Rede von andern theologischen Dingen war, zeigte er sich als einen sehr unwissenden Menschen, der mit sich selbst im Widerspruch stand, und im nach- sten Augenblick wieder verneinte, was er kurz vorher bejaht hatte. Erstes ZOO Erstes Verhör/ welches unter dem Vorsitz des Präsidenten Jeanin und des Herrn Bullion, gleich nach der Ermordung des Kenias mit Franz Ravaillac vvrge- nommen wurde. ^reytags den vierzehnten May, ein tausend sechs hun- dert und zehen, zu Paris, in der Behausung, welche das H«tel de Raiz genannt wird, neben den: Louvre. In Gegenwart der Herrn Präsidenten Jeanin und Bullion ^ königlicher wirklicher StaatSrathe. Nachdem man ihn den Eid hatte oblegen lasten, sagte sr aus: er neune sich Franz Ravaillac, sey zwey und dreyßig Jahre alt, und wohne zu Angouleme. Was seine Beschäftigung sey? Sagte aus: er unterweise die Kinder, wie sie Gott nach den Vorschriften der römisch apostolisch katholischen Religion verehren sollten. Seit wann er in dieser Stadt sey? Sagte aus: seit vierzehn Tagen oder krey Wochen, und logire in der Vorstadt Saint Jacques im Gasthofe zu den fünf Kreuzen'H, wo cr sich wahrend seines Hierseyns immer ausgehalten habe, aüster in den ersten zwey Tagen nach seiner Ankunft in. besagtem Gasthofe; denn damals habe er ein paar Tage in der Vorstadt Saint - Honorä zugebracht, und zwar im Hause zu den drky Tauben , der Kirche Saint - Roch gegenüber. Wurde gefragt: ob er während seines Aufenthalts in besagtem Logis nicht mit einigen Personen Umgang gehabt habe? Und wer dieselben seyen? Sagte aus: er habe mit niemanden Umgang gehabt. Wur- - - -.. - I ZO! Wurde gefragt: weswegen er in diese Stadt gekommen sey? Sagte aus: er sey deswegen hiehcr gekommen, um bey dein Parlement einen Prozeß gegen die fort- zusetzen, welchen man die Nachlasscnschaft des Gottfried Phyar gerichtlich zuerkannc habe. Es sey schon vor geraumer Zeit auf die Berichtserstartung des Parle- mentsraths Herrn Sanguin, ein Urrheil in dieser Pro- zeflache ergaugen; und dies habe er hier in Paris aus- lösen wollen. Wurde gefragt: oö er oder einer seiner Anverwandten je von dem Könige beleidigt worden wäre? Und wer ihn zu der ruchlosen That bewogen habe, den König ermorden zu wollen? Sagte aus: weder er, noch jemand der seinigen sey auf irgend eine Art von seiner Majestät beleidigt wordenEs habe ihn auch niemand bewogen oder überredet dies Verbrechen zu begehn. Eine böse vom Teufel erregte Versuchung habe ihn dazu verleitet. Ec sey nicht bloß deswegen hieher gekommen die besagten Gerichtsgebühren zu erlegen, sondern habe zugleich auch die Absicht gehabt, dem König nach dem Leben zu trachten. Da diese Versuchung von so langer Dauer gewesen wäre, so sey es höchst unwahrscheinlich, daß ihn Gott nicht von dergleichen bösen Gedanken befreyt haben sollte, wenn er seine Zuflucht zu ihm genommen hätte. Mithin habe eü den Anschein, daß er diese That auf jemandö Zureden und Ansnften begangen habe. Er sagte aus: Nein; er habe zwar dieser Versuchung nicht stets nachgehangen, sich ihrer aber auch nicht gänzlich ratschlagen können. Zu welcher Stunde er heute ausgegangen, wo er gewesen sey, und mit wem er gesprochen habe? Sag- 302 Sagte aus: er sey heute zwischen sechs und sieben Uhr auögegongen, und ganz allein gewesen; habe sich aus seinem Logic geradeswegS in die Kirche Saint- Benait begeben, undMesse gehört, weder unterwegsnvch an besagtem Orte habe er jemand gesprochen; nach der Messe sey er wieder nach Hause gegangen, und habe zu Mittag gespeist, wobey niemand zugegen gewesen wa e, als der Wirkh, und ein junger Mensch aus hie- siger Stadt, welcher sich Colleret nenne, und, ein Kaufmann sey. Wurde gefragt: ob er mit dem besagten Colleret bekannt sey? Sagte aus: er habe mit dem besagten Colleret weiter keine Bekanntschaft, als daß er in dem nenr- licben Hause logire , und das Colleret während deS Aufenthalts deS Inquisiten zwey oder drey Tage dort gewohnt habe. Wurde gefragt: wo er schreiben und lesen gelernt habe? Und wer die Lehrmeister gewesen waren, die ihn in Stand gesetzt hätte» , sein Brod dadurch zu verdie- nen - daß er die Jugend im Lesen , Schreiben, und in den AnfangSgründen der Religion unterrichte? Sagte aus: es wären nun schon über zwanzig Jahre, daß er sich keines Lehrmeisters mehr bediene. Vor dieser Zeit hätten ihn ein paar Priester im Lesen und Schreiben Unterricht gegeben. Wurde gefragt: ob er vecheyrathet sey? Sagte aus: er habe sich nie verheyrakhet. Man ermahnte ihn zu wiederholten Malen, er solle doch bedenken, was baS für eine abscheuliche That sey, die er zu vollbringen im Begriff gewesen wäre; derKömg lebe noch, und werde vielleicht Gnade für Recht ergehen lassen; wenn er «berauch rchchl ungestraft davon von komme, so solle er doch wenigstens für das Heil seiner Seele sorgen, und die Wahrheit gestehn. Sagte aus: er wisse weiter nichts, als was er schon bekannt habe; er sey von niemand verleitet worden, das zu thun, was er gerhan habe; doch gestand er, daß er eS sey, derben König mit einem Messer verwundet hatte; dies Messer habe er vor etwa zehen bis zwölf Tage aus einem Gasthause nicht weit von den ()um2e-vinFt8 entwendet; *er ha^e dorr einkeh.en wollen, da er ober nicht ausgenommen worden sey, habe er das besagte Messer entwendet, in der Absicht, den König damit zu ermorden. Ob er schon vorher im Louvre oder an einem andern Orte sich eingefunden habe. dem Könige auf» zupassen, und die besagte That zu begehen? Sagte aus: er sey zwe> mal dort gewesen, nem- lich am verwichenen Psmgstfeste und am vsrwicheuen Weyhnachtsftste: aber nicht in der Ab'icht, diese böse That zu vollbringen, sondern um den König zu sprechen, und ihm zu rachen, daß er denen von der so genannte» reformirken Reliston den Krieg ankündigen solle. Da man unter seinen Habseligkeiten einige Pa» pi'ere gefunden hatte, worauf unter andern verschiedene Stanzen in französischer Sprache standen, die sich für einen Missethäter schickten, der zur Richkstatte geführt wird; so wurde er gefragt, wer ihm die besagten Stanzen gegeben, oder ob er sie vielleicht aus seine eigene Umstände verfaßt habe? Sagte aus: er habe sie nicht gemacht, sondern sie jenen ihm vor etwa einem halben Jahre in der Stadt, Augouleme, von einem gewissen Pic-rre Der« theau, einem Einwohner der besagten Stadt, in der Absicht gegeben worden , damit er sie durchsehen, und seine Meynung darüber sagen solle, weil er, Irr* qulstk, 304 ' guisit, sich ebenfalls auf die Poesie verstehe. Der be- sagre Berchcau habe gegen ihn geäuffert, daß er sich hiebey in die Lage eines Menschen gedacht habe, der zum Tode geführt wird. Er, Jnquisit, habe sie hierauf zu sich genommen, und eingesteckt. Wurde gefragt: wer ihn denn dazu bewogen habe , daß er mit dem Könige sprechen, und ihm rathen solle, denen von der sogenannten reformirten Religion den Krieg anzukündigen? Sagte aus: darum hätten wir uns nicht zu bekümmern ^ ), einem Priester wolle er zwar die Wahrheit im Beichtstühle bekennen, aber sonst nirgends; und gleichwohl hatte er doch einen Eidschwur darauf abgelegt, daß auch er uns Richtern die Wahrheit bekennen, und alles eidlich aussagen wolle. Nachdem man ihm diese Aussagen vorgelesen Hatte, bekräftigte und unterschrieb er dieselben mit e«ge- rierHand. Unterzeichnet: Ravailkac, nebst Handzeichen. Zwevtes Verhör: veranstaltet von uns, Achilles de Harlay, Nttter und Oberpräsident, Nicvlaus Pouer, Präsident, Johann Courtin und Prosper Baum, Räche des Königs uriftrs Herrn, bey dessen Parlementshofe, als Commissarien, die aufErfuchen des königlichen Generalpwcuratvrs dazu verordnet waren, die gegen den wegen Ermordung des hochseligcn Königs inhaftirten Gefangenen angebrachte Beschuldigungen und Anklagen zu untersuchen, welchen wir auch nach Abforderung des Eides verhört und vernommen haben, wie folget: §^en siebzehnten May, eintausend sechshundert und zehen, Nachmittags. Wur- Wurde gefragt: nach seinem Namen, Alter, Stande, und Aufenthalt. Sagte aus: er heisse Franz Ravaillac, sey von Angouleme gebürtig, wohne daselbst, und sey ein bis ' zwey und dreyßig Jahre alt. Ob er verheyrathet sey? Sagte: Nein. Ob er auch nie verheyrathet gewesen? - Sagte: Nein. Was er in seinen jüngern Jahren erlernet habe, und womit er sich beschäftige? Sagte aus : er habe sich damit beschäftigt, Pro« reffe vor Gericht zu betreiben. Ob er zu Paris und Angouleme wirklich praeti- cirt habe? Sagte aus: er habe vierzehn Jahre lang wirklich advocirk, und anfänglich am dem grünen Pfeiler gegenüber, in der Straffe ln kirn-pe gewohnt, und späterhin bey einem Schuhflicker, zu den drey Rosenkränzen, in der Straffe OuUmiflre. Wie lange er seit seiner Zurückkunst wieder in hiesiger Stadt sey? Sagte aus: ungefähr seit drey Wochen. Ob er wirklich auf der Rückreise gewesen sey? Sagte: Ja. Wie weit er gekommen sey? Bis oberhalb Estampes, an die Stelle, wo das ' Crucifix stehe. Was ihn bewogen habe wieder umzukehren? Sagte aus: der Umstand, daß er Willens ge- wesen sey den König zu ermorden. N. -Venk»vürdiZk. XIV. U AuS Aus was Ursche? Sagte aus: unter andern deswegen, weil er die von der sogenannten reformirten Religio» nicht habe zwingen wollen, sich wieder mit der römisch aposirli- schon Kirche zu vereinigen, welches er doch gekonnt hätte. Was e^ sonst noch für Ursachen gehabt habe? Sagte ans: er sey in hiesige Stadt gekommen, um mit dem Könige zu sprechen, und ihm zu rathen, daß er die von der sogenannten reformirten Religion wieder mit der katholischen Religion vereinigen, und daß er sich verschiedsncma! in das Louvre begeben habe, um den König dort aufzusuchen; auch sey er bep Madame D'Angoulcme gewesen, um jemand dort zu sinder, , der ihn Seiner Majestät vor stellen solle; so auch Ley dem Herrn Cardinal dn Perron, der ihn aber nicht vor sich gelassen , sondern an seine Almo- fenierer gewiesen habe, die er zwar nicht zu nennen wisse, aber gleich wieder erkennen würde, wenn man ihm dieselben vor stelle; ferner habe er auf seiner letzten, kurz vor Weyhnachten angestcllten Reise, mit dem Jesuiten Pater D'Aubigny gesprochen, nachher auch mit dem Pfarrer zu Saint Severin, ingleichen mit dem Pater Sainte Marie Magdelaine, einem Feurliantiner. Wo er den Pater D'Aubigny gesprochen habe? Sagte aus: er habe ihn in der Kirche der Strasse Saint Antoine gesprochen, als die Messe zu Ende gewesen sey. Zn welcher Zeit er hierüber mit ihm gesprochen habe? Sagte aus: dreyzehn Tage vor Weyhnachten sey er von Haus abgereiset, vierzehn Tage habe er auf der Nci- 307 Reise nach hiesiger Stadt zugebracht, und drey oder vier Tage nach seiner Ankunft fty er in die Wohnung der Jesuiten bey dem Thor Saint Antoine gegangen, wo der besagte D'Äubigm) eben Messe gelesen habe. Nach deren Vollendung habe er einen Klosterbruder ersucht, er solle ihm doch Gelegenheit verschaffen, den besagten D'Äubigm) zu sprechen, welches auch geschehen sey. Hierauf habe er ihm allerlei) Erscheinungen beschrieben, die ihm während der Medikationen vvrge- kommen waren, welche er mit Bewilligung seines Feuillüntincrproriucials des Pater dom Francois-Marie- Magdelame, angesiellr hätte. Warum er ihn seinen Provinzial nenne? Sagte aus : dies geschähe deswegen, weil er ihn als Bruder in das Kloster der Feuillantiucr ausgenommen habe. Wurde gefragt: Wie lange er die Feuillankiner- kleidung getragen, und warum er sie wieder abgelegt habe? Sagte aus: er habe sie ungefähr sechs Wochen getragen, und deswegen wieder ablege» müssen, weil ihm in seinen Meditationen allerlei) Erscheinungen vorgekommen wären. Wurde befragt .... Sagte aus: er habe zwar darum angesucht wieder ausgenommen zu werden, cs sei) ihm aber wegen der besagten Erscheinungen abgeschlagen worden. Hierauf sieng er an zu weinen, und sagte, Gott habe ihm diese Kleidung entzogen, und er bedaure nichts mehr, als baß, er sic iuchc wieder hätte anlegen dürfen. Wurde gefragt: ob er den Subprisr kenne, und wie derselbe heisse? U 2 Sag- 308 Sagte aus: er kenne ihn zwar, wisse aber nicht, wie er sich nenne. Den Ordenshabit habe er deswegen nicht wieder anzulegen begehrt ^'), weil es unser Herr Gott so hätte haben wollen, daß er in der Welt bleiben solle, die er doch so gen, verlassen hatte. Er sey sogar erbötig gewesen, alssayenbrudcr zu dienen. Hieraus Hub er abermals bitterlich an zu weinen, und sagte, cs sey ihm gar zu leid, daß er nicht bey den Feuil- lantmerii habe bleiben dürfen, um sich ganz dem Dienste GvNeS zu widmen. Wurde gefragt: von was für Erscheinungen er mit dem Pater D'Aubigny gesprochen habe? Sagte aus: er habe ihm erzählt, als er einst zu Angouleme wegen Schulden im Gefängniß gesessen, habe er eine Erscheinung gehabt, worin ihm nicht an- ders zu Mut he gewesen sey, als ob seine Sinne den Eindruck von Feuer, Schwefel und Weyhrauch empfänden. Als man ihn wieder aus dem Gefängniß entlassen, und er am Sonnabend nach Weyhnachten LeS Nachts mir gefallenen Händen und kreuzweiS über einander geschlagenen Beinen im Bette gelegen, und seine Meditationen angesiellt habe, sey ihm plötzlich das Gesicht und der Mund zugehalten worden, ohne daß er bemerken können woher dies komme, weil es muten in der Nacht gewesen wäre. Da er nun den Psalm Davids, welcher sich mit den Worten anfangt, der Herr sprach u. s. w. nebst dem Miserere und eio ^ioistncli.8 der sänge nach abgcsungen habe, sey ihm nicht anders gewest!!, als Habs er eine Trompete rm Munde, die eben den Schall von sich gäbe wie eine Kricgscrcmpere. DeS andern Morgens sey er in aller Früh aufgrsiM-deu, hebe seine Meditationen auf den Knien lugend, und ganz in Gott vertieft, wie gewöhnlich fortgesetzt. Hierauf habe er ein klein Stuhl- 30Y chen herben geholt, sich vor den Ofen gesetzt, und sein Haar burchgekämmt. Da es nun noch nicht völlig Tag gewesen wäre und eben ein glimmend Stück Holz im Ofen gelegen hatte, so habe er sich in der Geschwindigkeit angekleidet, und ein Stückchen Weinrebe ge- nommcn, welches er anbrennen wollen. Als er sich nun auf beyde Knie niedergelassen und stark ins Feuer geblasen hatte, sey er auf einmal zu beyden Seiten seines Gesichts mehrere Hostien gewahr worden, die je, nen völlig ähnlich gewesen waren, deren man sich in den katholischen Kirchen bey der Cvmmunion bedien«. Unterhalb seines Gesichts, und zwar rechter Hand in der Gegend des Mundes, habe er seitwärts eine Rolle von eben der Größe erblickt, wie die, wovon der Priester bey der Elevation während des heiligen Meßopfers Gebrauch mache. Dies sey es, was er dem besagten D'Aubigny entdeckt hätte. Dieser habe ihm zur Antwort gegeben, er solle sich dergleichen Dinge ganz auS dem Sinne schlagen; er fürchte, es sey nicht ganz richtig in seinem Gehirn; deswegen wolle er ihm wohlmeynend rachen, seinen Rosenkranz sein fleißig zur Hand zu nehmen, zu beten, und sich hier- nächst an jemand zu wenden, der ihm Gelegenheit verschaffe den König zu sprechen. Ob er denn nicht auf den Einfall gekommen wäre, den besagten D'Aubigny zu befragen, ob eS nicht nö- khig sey, daß er nach so außerordentlichen Erscheinun» gen, welche so gar auf den Kvnigsmord abgezweckt hätten, zur Beichte gehe? Sagte aus: Nein; er habe nichts weiter mit ihm gesprochen, als was er vor uns Richtern bekenne; bis auf den eiiizigen.Umstand, daß er (zumKönige) sagen wolle, er solle die von der sogenannten reformirten Religion U Z ent- entweder aus dem Lande jagen, oder zum römisch apo- stolisch katholischen Glauben bekehren. Wurde gefragt: was der besagte D'Aubigny hierauf geantwortet hätte? Sagte aus: er habe ihm gerathen sich alles dessen zu encschlagcn, Gvcc aiizumsen, und seinen Rosenkranz zu beten. Ob er sonst nichts mit ihm gesprochen? Sagte aus: er habe nur diese einzige Unterredung mit ihm gehabt. Wurde gefragt: warum er sich gerade an diesen D'Aubigny und nicht an jemand anders gewendet hätte? König kornmen Können, so sey er abermals zu den A- KN «n ss< Sagte aus: dies sey deswegen geschehen, weil er nach seiner Entfernung aus dem Feuillantinerkloster Willens gewesen sey, entwederIesnic zu werden, oder ihn zu bitten, daß er mit seinem Provinzial sprechen, und denselben bewegen möchte, ihn wieder in den Orden der Feuillantincr auszunehmen. Da er ihn aber das erstemal nicht zu Hause angetroffen, so habe er sich mit einem Klosterbruder ins Gespräch eingelasten, und von desem erfahren, daß niemand in ihr Collegium ausgenommen würde, der in einem andern Orden gewesen sey. Ferner sagte er aus: Da er nicht vor den snilen gegangen, und habe, wie er uns zu erkennen geben, mit dem D' Aubigny die vorerwähnte Unterredung gehabt. Auch habe er ihm Key dieser Gelegenheit ein kleines Messer gezeigt, worauf ein Herz und ein Kreuz gravirk gewesen sey, mit dem Beysügen, das Herz des Königs müsse schlechterdings bewogen werden, die Hugenotten zu bekriegen. HP § Mk f--»V M lltss ßlk c ir Wur- - Zir Wurde gefragt: wer ihn denn verhindert habe Mit dem Könige zu sprechen? Sagte aus: der Oberhofrichter; der nemliche, welcher ihm >vchrend seines Arrests im Hotel de Reks die Frage vvrgclegk habe, wie es denn um den Hahn an seiner Musquete siche. Wurde gefragt: an wen er sich denn gewendet habe, als er den König sprechen wollen? Sagte aus: an die Hatschierer; diese Hätten ihn aber nicht vorgelagert, sondern zum Oberhofrichter geschickt, welcher ihm gesagt habe, der König sey unpaß. Wurde gefragt: zu welcher Zeit er im Louvre ge« wesen sei)? Sagte aus: gleich nach Weyhnachten; und als der König ei» paar Tage nachher den Samt Iimocent vorüber gefahren sey, hakte er ihn ebenfalls sprechen wollen und deswegen ihn: zugerufen: Sire, ich bitte Sie um unserS Herrn Icsu Christi, und der heiligen Jungfrau Maria willen, lassen Sie mit sich reden! Allem man hätte ihn mit einem Ladesiock zurück gestoßen, und nicht fortreden lassen. Jnquisit Harke daher sogleich beschlossen, wieder in seine Vaterstadt zuräckzu- reisen, welchen Entschluß er auch ausgeführc habe. Als er nun wieder in Angouleme angekommen wäre, hatte er den Bruder Gilles Osere, welcher noch kurz vorher zu Paris Guardian der Franciscancr gewesen sey, besucht, mit demselben von seinen Erscheinungen und Meditationen gesprochen, zugleich auch gegen ihn geäußert, er sähe deutlich, daß unser Herr Gott die von der vorgeblich reformirten Religion wieder mit der römisch apostolisch katholischen Religion vereinigen werde; worauf der Guardian geantwortet habe: daran sey ganz und gar nicht zu zweifeln. Einige Tage nachher, U 4 als Z!2 als am ersten Sonntage in der Fasten/ habe Beklag, ter im nemlichen Franciscanerklvster ju Angouleme Messe gehört, sich mit Gott versöhnt, und einem Geist- licken des nemlichen Ordens, dessen Name ihm aber entfallen sey, diese freywillige Mordthat gebeichtet. Wurde gefragt: was er unter dem Ausdruck frey. willige Mordchat verstehe? Sagte aus: dies, daß er ausdrücklich in der Ab- sickt hieher gekommen sey, den König ums Leben zu bringen, welches er aber seinem Beichtvater nicht ent- deckt habe, und dieser hatte sich auch nicht nach der Bedeutung jener Ausdrücke bey ihm erkundigt. Wurde gefragt: .... Sagte aus: damals habe er seinen Vorsaß aufgegeben ; als er aber von dort abgereist und am ver- wichcnen Osterfest in hiesiger Stadt angekommen sey, habe er diesen Vorsaß von neuem gefaßt. Wurde gefragt: wann er in hiesiger Stadt angekommen sey? , Sagte aus: er sey acht Tage nach seiner Abreise zu Fuß allhier angekommen. Wurde gefragt: was er während seines Aufenthalts in hiesiger Stadl gethan habe? Sagte aus: erhübe anfänglich im Wirthshause zu den fünf halben Monden in der Vorstadt Saint - Jacques logirt. Um jedoch näher bey dem Louvre zu seyn, habe er sich zu den drey Tauben in der Straße Saint-Honorä cinquartirt. Auf dem Wege dahin sey er erst in ein Wirthshaus, nicht weit von denOuin- zevingt gegangen, wo er ein Logis gesucht, aber der vielen Gäste wegen keine Unterkunft gefunden habe. Da eben ein Messer auf dem Tische gelegen, welches ihm 3'3 ihm zu seinem Vorhaben, nemlich den König zu ermorden, sehr brauchbar geschienen, so habe er es zu sich gesteckt; nicht etwa deswegen, weil er in diesem WirrhhauS nichr ausgenommen worden sei), sondern weil ihm das Messer, wie gesagt, zu Ausführung seines Vorhabens sehr brauchbar geschienen habe. DreS nemliche Messer habe er zwei) bis drei) Wochen in der Tasche bey sich getragen. Ferner sagte er auS: als er sein Vorhaben aufgegeben gehabt, und wieder auf der Rückreise begriffen gewesen sei) habe er unweit Etampes dieSpitze dieses Messers ungefähr in der sänge eines Zolls an einem Karrnabgebrochen, und zwar vor dem Garten des Chanrelou. In der Vorstadt von Etampes, und zwar auf der Stelle wo das Crucifix stehe, sei) der Entschluß den König zu ermorden von neuem in ihm erwacht, und jetzt habe er dieser Versuchung nicht mehr, wie vorher, widerstehen können. Er sco daher wieder umgekehrt, und mit jenem festen Entschluß in hiesige Stadt gekommen, weil der König die von der vorgeblich reformirten Religion nicht bekehrt habe, hiernächst auch die Rede gegangen sey, daß er dem Pabste den Krieg ankünbigen, und den heiligen Stuhl nach Paris verlegen wolle. Wurde gefragt: wo und aus was für Ursache er in hiesiger Stadt logirt habe? Sagte aus: er habe Gelegenheit gesucht, dem Könige aufzulauren; deswegen habe er auch wieder eine Spitze an daö Messer geschliffen, und nur noch auf den Zeitpunkt gewartet, wo die Königin gekrönt und ihren Einzug in hiesige Stadt gehalten haben würde, weil er der Meinung gewesen sey, daß es nicht so viel Verwirrung m Frankreich anrichten werde, wenn er den König nach der Krönung ermorde, als zu einer Zeit, wo die Königin noch nicht gekrönt sey. U z Man Z 54 > e.- -.,ö '.'ll Ä>i!! ssss Man fragte ihn, wie er sich nur habe vorstellen können, baß die Vollbringung dieser Thal nach der Krönung weniger Zwiespalt nach sich ziehen würde, da doch leicht voraus zu sehen gewesen sei), daß die Krönung den Unruhen kein Ende machen würde, wci» che der Tod des Königs nolhwendigerwcise verursachen müßte? Sagte auS: hieß habe er dem Willen Gottes anheim gestcilr- Wurde gefragt: wo er den Königaufg-suchkhabc? Sagte aus: er habe ihn einigemal im Louvre ausgesucht, in der Absicht, ihn dort zu ermorden. Am verwichcneu Freytage sey er ebenfalls dahin gegangen, und gerade zwischen den bcyden Thorfahrten gewesen, «IS er gesehen habe, daß der König auSsahre. Da sey er ihm denn gleich nachgelattsen, und zwar bis in die Gegend des Innvcents, fast an das um liehe Fleck, wo ihm der König schon ehedem begegnet sey, und er sich vergebens bestrebt habe mit ihm zu sprechen. Als er nun wahrgenommen, daß die Kutsche, wegen einiger im Wege stehenden Karren, still halten müssen, und daß sich Seine Majestät, welche ganz hinten gesessen, mit dem Gesicht hcrumgedrcht und nach der Seite des Duc D'Espernon gewendet hatten, habe er den Arm über das Kutschrad gebogen, und De- mnselben ein paar Stiche mit seinem Messer verseht. Wurde gefragt: was er denn glaube durch diese That ausgerichtet zu haben? Sagte aus: er glaube, sich dadurch eines großen Vergehens schuldig gemacht zu haben, weswegen er auch Gott, die Königin, den Herrn Dauphin, das Pailement, und überhaupt alle diejenigen um Vergebung bitte, welche er dadurch beleidigt habe. Jetzt E- KN ivchs kchl'! i! iS ML !Ä!! !A,'ü ai>M l sslik lstm ü U,!> § blich - ja gks > .. -L ZI5 Jetzt legten wir ihm das uns überlieferte Messer vor, weiches eine zweyschneikige Spitze und einen hörnernen Griff hatte. Er erkannte es für das nemliche, wovon er uns bereits gesagt und womit er den König ermordet harre; auch fttzre er hinzu, cs sey ihm gleich nach der Tbak von eineur Herrn zu Pferd abgenommen worden. Man stellte ihm vor, da er nicht die geringste Veranlassung gehabt habe, tiefe ruchlose und meu« chelmörderische Thar zu begehen, so finde man es sehr wahrscheinlich, Laß er von jemand dazu verleitet worden sey. Er sagte aus: es habe ihn niemand, wer cs auch immer seyn möge, dazu verleitet. Er habe von einigen Soldaten vernommen gehabt, daß unter dem Militär sehr stark davon gesprochen werde, der König, welcher seine wahren Gesinnungen nicht leicht jemanden zu eröffnen pflege, sey Willens dem Pabste den Krieg anzukündigeu, und ste waren fest entschlossen, ihm hierin mit Aufopferung ihres Lebens bcyzustehen. Dies sey die Ursache, warum er sich von der Versuchung habe liinreiffen lassen, den König ums Leben zu bringen; denn wer den Pabst bekriege, der bekriege ja de» lieben Gott, indem der Pabst Gort, und Gott Pabst sey. Wurde gefragt: um welche Zeit er dergleichen Reden von den Soldaten vernommen habe? Sagte aus: seit der Zeit, wo er sich im Wirths- Hause zu den fünf Kreuzen aufgchalken hätte. Man stellte ihm vor, er bediene sich hier einer erdichteten und unwahren Ausflucht; denn er habe uns ja gesagt, daß er seinen bösen Vorsatz ganz ansgegeben, gehabt, auch bereits auf dem Rückwege begriffen ge- wesen wesen sei), aber in der Nähe von Etampes seinen bö- sen Entschluß erneuert habe; mithin sey er ja nicht durch die Reden der Soldaten zu diesem Encschuß bewogen worden. Sagte aus: er habe schon vorher mit den Sol- daten gesprochen gehabt, und gleichwohl sein Vorhaben aufgegeben; als er aber nach Etampes gekommen sey, wäre ihm daS, waö er von den Soldaten vernommen hätte, wieder ber,'gefallen, und jener Entschluß von neuem in ihm rege geworden. Hierauf verlangte er ein Blatt Papier von uns, welches er bey sich gehabt hakte, als er in Verhaft genommen wurde. Es war das französische Wappen darauf gemalt, und zu beyken Seiten standen ein paar Löwen, wovon der eine einen Schlüssel und der andere ein Schwert hielt. Wir legten es ihm vor; Und er sagte aus: er habe dies Blatt mit von Angoulcme gebracht, als er bereits entschlossen gewesen wäre,, den König zu tödten. Man habe nemlich in der Behausung eines gewissen Velliart erzählt, der pabstliche Gesandte Habs dem Könige im Namen seines Herrn zu erkennen gegeben: wenn er den Pabst bekriege, werde ihn derselbe in den Bann thun; worauf Seine Majestät geantwortet hätten: Ihre Vorfahren hakt n den Pabst auf den Thron erhoben, wenn er aber Dieselben i» den Bann thäre, würden Sie ihn wieder Herabstürzen. Als Inguistt dies vernommen, habe er sich sogleich fest entschlossen den König zu er» morden und zu dem Ende mit eigener Hand Folgendes über jene beydcn Löwen geschrieben: dl« loullre pss, gn'on lonllre en tg prelence An noni cls Oien aucune irreverence . Zi? Wurde gefragt: ob an dem Messer schon damals als er cs im Wirthshaus mitgenommen habe, der nem- liche Grif befindlich gewesen sey, welchen man jeht daran wahriiähme? Sagte aus: Nein; es habe ehedem einen Griss von Fischbem gehabt; als dieser entzwei) gegangen, habe er von dem Bruder seines Wirrhs, welcher sich Jean Barbier nenne, ein Drechsler sei), und in der Vorstadt Saint-Jacques wohne, den hörnernen Griff verfertigen lassen, welcher noch jcht dran sey. Er habe ihm aber keineswegs gesagt, was er damit machen wolle, auch nicht ausdrücklich besohlen ob er Horn oder etwas anderes dazu nehmen solle. Wurde gefragt: ob dieser Belliart etwa der sogenannten reformirten Religion zugekhan sey? Sagte aus: Nein; er sey ein Katholik, habe aber gleichwohl die Worte gesagt, welche ihn zu Ausführung seines Entschlusses bewogen hätten. , Man stellte ihm vor, auf die Rede eines einzigen Mannes, die er sonst von niemand vernommen, hätte er dock» keinen so festen und abscheulichen Entschluß fassen sollen. Sagte aus: er sey dadurch bewogen worden den König zu ermorden, weil er dergleichen Rede» nicht nur von jenem Manne, sondern auch von mchrern Militärpersonen vernommen habe. So hätte unter andern Herr von Saint - George gesagt: wenn der König dem heiligen Vater den Krieg ankündige; müsse er gehorchen, weil er hiezu verpflichtet sey; thue der König nicht recht hieran, so möge es derselbe verantworten. Wirzeigken ihm hieranfein Herz von baumwollenen Zeuge welches er für das nemliche erkannte, welches man ihm abgcnommen habe, und Er Ec sagte auS: er Habs es von Herrn Guillebaut, einem Canonicus zu Angouleme, bekommen, als In« quisic am Fieber gelegen habe. Der besagte Canoni- cus habe ihnivcrsichsre, essen ein Stückchen Holz vom wahren Kreuz darin, und dies besitze, nebst dem Na- men Jesu, die Kraft das Fieber zu vertreiben, wenn die Kapuziner den Segen darüber sprachen. Deswegen habe Jnquisit sogleich seine Wirrhin, Maria Moizean, damit zu den Kapuzinern geschickt, und eS seitdem beständig am Halse getragen. Wir liesscn dies Herz ,'n seinem Bsyseyn aufma- chen, es war aber kein Stückchen Holz darin, und Er sagte aus: nicht er sey damit betrogen worden, sondern der, von welchem er eö bekommen habe. Wir legten ihm ein Papier vor, worauf der Name Jesu an drey verschiedenen Orten geschrieben stand. Er erkannte eS für das nemliche, welches man bey ihm gefunden habe. Wir legten ihm einen Rosenkranz vor. Ec sagte aus: diesen Rosenkranz Habs er vor sie- ben oder acht Tagen in der Straße Saint-Jacques gekauft, sich dessen zum Gebet bedient, und ihn immer bey sich geführt. Wurde gefragt: mit wem er Umgang gehabt habe, seitdem er willens gewesen sey, sein Vorhaben wirklich zu vollziehen? Sagte aus: er habe mit niemand Umgang gehabt, als nur mit einigen Geistlichen in seiner Vaterstadt, und diese wohnten im Jaevbiten - Kloster, wo er gewöhnlich der Messe und der Bescher- beygewohnt habe. Wurde gefragt: wovon ei mit ihnen gesprochen, und ob er ihnen nichts von seinen Erscheinungen er- i i > l i ! i Sagte aus: Ja; er habe ihnen Las Ziemliche erzählt, was er auch andern erzählt habe. Wurde gefragt: wegen seiner Bekanntschaft mit einem gewissen Cvileret, und wegen der Unterredungen welche sie Mit einander gehabt hätten. Sagte aus: er kenne ihn nur in so fern, als sie bey einander gewohnt und beysammen geschlafen hätten; von fernem Vorhaben habe er ihm nichts gesagt. Wurde gefragt: ob er nicht mit andern, besonders Ordensgeistlichen, umgegangen sey? Sagte aus: Nein; auf feiner letztem Reise nicht. Ob er nicht mit einem Franciseaner Verkehr gehübt habe, der von Angvulcme sey? Sagte aus: Ja; und er habe ihm nichts, weder von seinem Vorhaben noch von seinen Erscheinungen gesagt. Man stellte ihm vor, er vschele die Wahrheit, er habe mit ihm von seinen Erscheinungen gesprochen, und ihn unter andern gefragt, ob der, welcher dergleichen habe, cs seinem Beichtvater entdecken müsse. Er sagte aus: hievon habe er nicht mit dem gesprochen, weicher aus seiner Vaterstadt sei), wohl aber mit einem andern, dem er bey Boury. la - Reine begegnet sey. Diesen Habs er begleitet, weil er in dieser Scadt gar nicht bekannt gewesen sey; habe ihn auch mit in seine Wohnung gc-nommen, seine Briefe im Kloster abgegeben, damit er dort ausgenommen würbe, auch unterwegs sein Bündel getragen. Der Name dieses Geistlichen sey le Fsvre. Man stellte ihm vor, da er wahrend dieses Verhörs, als er der Messerstiche erwähnt, habe Gott um Verzeihung gebeten, so solle er bedenken, daß er dieselbe auf keine andere Art erhalten könne, als wenn er die Wahrheit gestehe; er bediene sich so kahler Aus- flüchte, daß man nicht anders vermukhen könne, als er sei) von jemand verleitet worden die gottlose Thal begehen, deren Folgen wir sämmrlich empfänden. Er sagte aus: wahrend seiner Gefangenschaft fey ihm von gar vielen Leuten zugeredet worden, Daß er dies Bekenntniß ablegcn solle; namentlich auch vom Erzbischof von Ach, und mehrern andern Personen; es habe ihn aber niemand zu dieser That angetrieben, als nur sein eigener Wille; und wenn er gleich die arg« sie« Martern erdulden müßte, könne er weiter nichts sagen; wenn ihn Martern zum Geständnisse bringen könnten, so wäre es allenfalls schon daran genug, daß ihn ein Hiigcnot, während seiner Gefangenschaft im Hotel de Raiz, eigenmächtig gepeinigt, und ihm den Daumen zerbrochen habe. Man sagte ihm ins Gesicht, er sey ausdrücklich zu Verübung dieser Thar auscrsehen worden, weil er sich als Werkzeug zu allem Bösen gebrauchen lasse; denn es sey bekannt, daß er seine Eltern jederzeit auf das schändlichste behandelt, und endlich an den Bettelstab gebracht habe. Sagte aus; dies befinde sich gar nicht so; sein Vater und seine Mutter wären beyve noch am Leben, und würden das Gegenrheil aussagen; so auch alle die ihn kennten; falsche Zungen könnten ihm zwar dies zur Last gelegt haben, er sey aber unschuldig. Wurde gefragt: wann er zu Brüssel gewesen sey? Sagte auS: er sey nicht auS dem Königreich gekommen, und wisse nicht einmal wo Brüssel liege. Nach' '-- Z2I Nachdem man ihm dies Verhör nochmals vvrge- lesen hatte, bcharrte er bey seinen Aussagen, und un- tcrzcichnct sie: Ravaillac. Drittes Verhör. Des andern Morgens im Parlementshause, und zwar wegen Unpäßlichkeit des besagten Herrn Oberpräsidenten, von uns andern hierzu verordneten Commissarien. Nachdem man den besagten Ravaillac wieder vorge- führt hatte, wurde derselbe nochmals ins Verhör genommen , und aus seinen Eid bcsragt: Wes Standes er scy, und wer seine Eltern wären ? Sagte aus: er scy ein Patricier, und unterricht dermalen die Jugend ; sein Vater sey ein Sachwalter, und seine Mutter habe sich vom Vater separirt. Wir ließen ihm nochmals die Fragartikel nebst seinen darauf erkheilten Antworten verlesen, und Ec blieb dabey, ohne das geringste hinzufügen oder zurückuchmen zu wollen , bis auf den einzigen Umstand, daß er auszusagen vergessen Habs: er sey dadurch um so mehr zu Ausführung seines Entschlusses bewogen Worden, weil der König nicht gestatten wollen, daß man die Hugenotten, welche doch beschlossen gehabt hätten, am lctzwerwichcnen Weyhnachkstage alle Katholiken zu ermorden ") znc gebührenden Verantwortung ziehe. Es waren zwar verschiedene derselben gefänglich in hiesige Stadt gebracht worden, man habe sie aber, wie P 7 . Denkwürdig^. UV. B. 3s ihm Z22 ------------ ihm von mehrcrn Personen versichert worden sey, nicht im geringsten bestraft. Wir stellten ihm vor, was er da sage sey ganz un- gegründet, und gesetzt auch, er habe es wirklich gehört, so hätte er cs doch nicht glauben, noch weniger sich dadurch verleiten lassen sollen, eine so ruchlose und abscheuliche That zu verüben. Sagte aus: dies sey einer von den Umständen, welche mit zur Versuchung beygckcagen hättW. Wir stellten ihm vor, er Habs die That vielmehr auf Anrathen und Anstiften anderer begangen. Er sagte aus: es habe niemand darum gewußt, als nur er allein. Wurde gefragt: ob er sich bcy seinen Eltern auf. gehalten habe? Sagte aus: er habe sich bcy seiner Mutter auf. gehalten, aber nicht bsy seinem Vater, der seiner Mut- tcr und ihm nicht gut siy. Wurde gefragt: womit er sich ernährt habe? Sagte aus: er habe achtzig Scholaren gehabt, von welchen er Geld verdient habe; von seinen Ersparnissen sey er bisweilen nach hiesiger Stadt gereist. Ob seine Eltern ein wachsames Auge auf sein Be- tragen gehabt hätten? Sagte aus: sein Vater habe sich bereits vor sechs -Jahren völlig von seiner Mutter separirt; ec sey ihm (Inquisiken) gar nicht gut, weswegen er sich auch bloß zu seiner Mutter gehalten habe, welcher, seine Schwestern davon gelaufen waren. Wurde wegen seiner Erwerbsmittel und Vermö. genöumstände befragt. ' 1 ' -- Z2Z Sagte aus: seine Eltern lebten meistens von Almosen, und er, Jnquistt, von dem, was ihm seine Scholaren zahlten, und was er nebenher von guten Freunden bekomme. Wer diese guten Freunde waren? Sagte aus: die Eltern seiner Scholaren, welche ihm von Zeit zu Zeit Speck, Fleisch, Getraide, Wem und dergleichen, zum Geschenk machten. Wurde gefragt: warum er nicht bey dieser Lebensart, die ihm doch sein nothdürftiges Auskommen gewährt habe, geblieben wäre? Sagte aus: er habe geglaubt, man müsse vor allen Dingen auf die Ehre Gottes Rücksicht nehmen 'H Man führte ihm zu Gemüth,, wer seinen König ermorde, habe die Ehre Gottes gewiß nicht vor Augen, denn dies sey ja eine ganz teuflische Thak. Er sagte aus: dies sey frcylich eine Versuchung zum Bösen, welche nicht von Gott komme, sondern aus dem sündlichen Zustande des Menschen entspringe. Ob er denn diese greuliche Thar, welche ganz Frankreich zum größten Nachtheil gereiche, nicht verabscheue? Sagte aus: es sey ihm allerdings leid, daß er sie vollbracht habe; da dies aber um Gotteswillen geschehen sey, so werde ihm auch Gott die Gnade erzeigen, daß.er bis an seinen Tod in Glaube, Liebe und Hoffnung ausharren könne; er getroste sich auch, daß die Barmherzigkeit Gottes und sein bitteres Leiden, weit größer als seine Misscthat sey, und ihn von der ewigen Verdammnis; erretten werde. T 2 Man 324 Man stellte ihm vor, daß er nach Verübung einer so boshaften That unmöglich bey Gott in Gnade stehn könne. Er sagte aus: erhoffe, der allmächtige Gott werde es so sägen, daß sie Leine Übeln Folgen nach sich ziehe. Man führte ihm zu Gcmüthe, er solle sich ja keine Rechnung auf Gottes Barmherzigkeit machen, wenn er nicht die reine Wahrheit sage, und diejenigen nam- Haft mache, die ihn dazu beredet und verleitet hätten, diesen Mord zu begehen. Er sagte aus: in den vorhergehenden Verhören habe er bereits erklärt, was ihm hierzu Veranlassung gegeben habe, und weiter wisse er von nichts. Sagte ferner aus: erhübe seinen Vorsatz niemand eröfnet» Man machte ihm den Einwurf: er sey von viel zu niedriger Herkunft und Geburt, als daß er von selbst aus diesen Einfall gekommen seyn könnte; cs müsse ihm also jemand denselben an die Hand gegeben und ihn in seinem Vorhaben bestärkt haben. Sagte aus: er wisse von niemand» Man stellte ihm vor, daß er um so eher Mitleid verdiene , wenn er von jemand verführt worden sey, und diese That auf anderer Zureden begangen habe, wobcy man ihn zugleich ermahnte, solches zu gestehn. Er antwortete: die Ursache, warum er feine gefährlichen Absichten keinem Priester und Seelsorger eilt« deckt habe, liege darin, daß er sehr überzeugt gewesen sey, daß cs ihre Pflicht mit sich bringe, sich seiner Person zu versichern und ihn den Händen der Justiz zu überliefern , sobald er ihnen sein Vorhaben eröffne, den König ermorden zu wollen, und zwar um so mehr, da die —— 325 Priester die Verbindlichkeit auf sich hatten, nichts von dem zu verschweigen, was dem'allgemeinen Wohl zum Nachcheil gereiche und ihnen in geheim anocrkraut wür- de; er habe dgher lieber geschwiegen, weil er befürchten müssen, man werde ihn schon deswegen hinrichten, weil er das vollbringen wolle, was er nun wirklich vollbracht habe, und weswegen er Gott um Verzeihung bitte» Man führte ihm zu Gcmüth, die Kirche habe doch aber geboren, man solle keinen bösen Gedanken verholen, sondern beichten, und wer dies nicht chue, mache sich einer Todsünde schuldig. Sagte: dies wisse er wohl. Also werde er doch von seinem Vorhaben gesprochen haben? Sagte: Nein. Ob er nicht mit einem Franziscanev davon gesprochen habe? Sagte: Nein» Man stellte ihm vor, er habe sich allerdings einem Franziscaner entdeckt, und sey folglich ein Lügner; man wisse zuverlässig, daß er ihn gefragt habe, ob man es denn beichten müsse, wenn man allerlcy Erscheinungen habe, und unter andern auf den Einsall käme, einen König ums Leben zu bringen. Sagte aus: es fey wohl wahr, das er sich dieser Sache wegen Raths erholt hatte, erhübe aber mchtge« sagt, daß er sie wirklich in Ausführung bringen wolle. Wurde gefragt r bey wem er sich deswegen Naths erholt habe? Sagte aus: bey dem jungen le Febvre, einem Franziscaner; diesen habe er gefragt, ob es denn ein T z Beicht- Beichtvater entdecken müsse, wenn ihm jemand bekenne, daß er allerhand Versuchungen und unter andern auch diese habe, einen König zu ermorden. Der besagte !e Febvre habe ihm aber, so viel er sich erinnere, keine Antwort hierauf gegeben , weil eben andere Franziskaner dazu gekommen waren, und das Gespräch unterbrochen hätten, Man stellte ihm vor, er rede gegen die Wahrheit; der besagte FranziSraner habe ihm allerdings geantwortet, und Las werde er ihm doch wohl glauben. Sagte aus: er wolle es ihm glauben; doch könne er sich nichts anders vorstellen, als daß er, wofern er ihm ja geantwortet hätte, gesagt haben würde, der (Geistliche müsse eS entdecken ; sie wären aber, wie gesagt, unterbrochen worden, und er habe gar keine Antwort bekommen ; auch habe er ihm nicht gesagt, daß er, Inquisit, wirklich mit diesem Vorhaben umgehe, sondern nur im Allgemeinen davon gesprochen , als wenn es diesem oder jenem cinfallen könnte. Man siellte ihm vor, dies sei) der Wahrheit zuwider ; er habe ihm seinen Vorsatz wirklich eröfne. Sagte aus: dies sey wider alle Wahrscheinlichkeit; übrigens habe er sich fccylich an geisthche und weltliche Personen, ja sogar an einen Stallmeister der Königin Margaretha, Namens de Ferrare, gewendet und ihnen seine Erscheinungen erzählt, mit der Bitte, sie möchten ihm Gelegenheit verschaffen den König zu sprechen. Der Stallmeister habe gesagt, er wolle sehen, wie er es möglich mache, denn nach allem was er von ihm vernehme, halte er ihn für einen frommen und recht« schaffeiren Mann. Jnqmsit habe hierauf geantwortet, eben weil er ein rechtschaffener Mann sey, wünsche er den König zu spreche«. Vielleicht, setzte er hinzu, wä- ^ - " 327 re er der Versuchung entgangen, wenn erden König gesprochen hätte. Nachher, fuhr er fort, habe er sich an den Srkretaire der Madame D'Angouleme gewendet, welcher ihn aber versichert hatte, sie scy krank. Auch habe er deswegen mit dem Herrn Cardinal du Perron gesprochen. Alle hätten ihm gesagt, er solle das bleiben lassen, und lieber wieder nach Hause reisen. Man stellte ihm vor, dies scy ein wohlmeinender Rath gewesen, den er hätte befolgen sollen. Sagte aus: dies sey freylich wahr, er sey aber so schwach gewesen und dergestalt von der Sünde verblendet worden, daß es der Teufel dahin gebracht habe, ihn in diese Versuchung zu stürzen. Man warf ihm ein: der Teufel habe ihn doch nur durch andere Werkzeuge in Versuchung geführt. Sagte aus: kein Mensch auf der Welt habe je deswegen mit ihm gesprochen. Man führte ihm zu Gcmüth, daß er sich keiner Gnade von Gott zu getrosten habe, wenn er etwas auf seinem Gewissen behalte. Er sagte aus: er fürchte sich vor Gott, hoffe aber auch seiner Gnade rheilhaftig zu werden. Man stellte ihm vor, diese habe er nur in dem Fall zu hoffen, wenn er die Wahrheit bekenne. Sagte aus: wenn er von jemand, gleichviel ob in Frankreich oder im Auslande, verleitet worden wäre und Gott ließe ihn dergestalt fallen, daß er solches nicht vor seinem Tode bekenne, so würde er fürchten, stch hierdurch der Seligkeit und des Paradieses verlustig zu machen; denn er habe von unsers Herrgotts Priestern vernommen, daß man aus einer Sünde in die andre falls und immer tiefer hinabsinke; er würde um so mehr befürchten, sein Verbrechen zu erschweren, da insonterhcit der König, die Königin, das ganze königliche Haus, die Prinzen, der Hof, der Adel, und das ganze Volk, durch ihn Veranlassung bekämen sich ge. gen Gott zu versündigen, indem ihre Gemü- kher dadurch beunruhigt und bewogen würden, bald auf diesen bald auf jenen ihrer Unkerkhanen einen ungerechten Verdacht zu werfen, Lessen Treue gegen seine Fürsten sie ausserdem gewiß nie bezweifelt haben würden. Man stellte ihm vor, wenn er dies wirklich glaube, so solle er je eher je lieber aussagen, wer ihn zu der Mordthar verleitet habe. Sagte aus: cs habe ihn nie weder ein AuSlän- der», noch ein Franzos, noch sonst jemand dazu verleitet, überredet, oder deswegen mit ihm gesprochen, so wie Inquisit seiner Sechs eben auch nie mit jemanden darüber gesprochen Habs; er würde doch nicht so nie- derträchtig gewesen seyn, das was er uns gestanden habe um eines andern willen zu thun; es habe ihn bloß der Umstand dazu gereizt, daß der König dem Passte den Krieg ankündigcn wollen. Man warnte ihn, er solle sich keines ungegründeten Vorwauds bedienen. Sagte aus: dies fey ihm leid; er bitte alle, die etwas über Frankreich zu sage» hatten, sie mögtcn doch für bekannt annchmen und glauben, daß er allein an allem Schuld fey, und sie sollten doch gegen niemand Argwohn hegen, als wenn er etwas Böses im Schilde führe. Wurde gefragt; ob er nicht Key dem verstorbenen Ryzr'erS , ehemaligen Rache zu Angouleme, in Diensten Z29 5 . : . steil gestanden, und sich bey einigen ebenfalls verstorbenen Procuratoren aufgehaltsn habe? . Ingleichen: ob er etwa ehedem Page, Bedienter oder Kammerdiener, bey einer vornehmen Stan- deöperson oder sonst jemanden gewesen sey? Sagte aus: Kein; außer daß er bey dem Rath Roziers als Schreiber gedient und zugleich auch die Stelle des Kammerdieners vertreten habe. Ob er am verwichenen Donnerstage zu Saint De- »is die Krönung mit angesehen habe, und vielleicht dem Könige nachgeschlichen sey? Sagte aus: Nein. Ob er auch nicht auf dem Wege nach Saint- Denis gewesen sey? Sagte aus: auf seiner jetzigen Reise fty er gar nicht dahin gekommen; wohl aber sey er an verwiche- nen Weihnachten dort gewesen/ und habe verschiedene Personen um Almosen angesprochen. Ob er in voriger Woche dort gewesen scy? Sagte aus: er sey nicht weiter als nach Samt Jean - eii- Grave, ja nicht einmal über die Brücke No- tre Dame gekommen. Ob er Charaktere bey sich krage, und wer ihm dieselben gegeben habe? Sagte aus: dadurch würde er sich sehr zu versündigen fürchten. Nachdem man ihm Gegenwärtiges vorgclescn hakte, beharrte er bey seinen Aussagen, und unkerzeich- nete; Ravaillac. k)ue toostours sn mon eosun ßsl'us toid 1s vuwMsur. X z Wurde 332 Wurde vorMaden Frater Jacques D Aubigny, Priester. Jacques D'Aubigny, Mitglied deö Collegiums der Jesuiten, ward unter heutigem Dato in Gegen, wart des besagten Ravaillac von uns vernommen. Dieser Ravaillac, welchen man vorher nochmals schwören liest, erkannte ihn für den nemlichen, den er nach Lein letzt verflossenen Weyhnachrsfeste in ihrem Kloster, namentlich in derKirche Sk.Antoine, Messe lesen sah, als er sich in der Absicht dort eingefunden hatte, mit ihm zu sprechen. Es war ihm nemlich gesagt worden, daß er ein Freund des Feuillankiners Frater Marie- Mag- delaine scy, deswegen wollte er ihn bitten, er solle ihm dazu verhelfen, baß er wieder in das Feuillantiner. kloster ausgenommen würde. Als er aus der Messe kam, verschafte ihm ein Klosterbruder Gelegenheit mit ihm zu reden, und da erzählte er ihm, er habe ganz ausser- ordentliche Erscheinungen und Gesichte gehabt, wodurch ihm geoffenbark worden sey,daß derKöm'g die von der vorgeblich reformirten Religion zu paaren treiben müsse. Auch habe er dem besagten D' Aubigny ein Stück von einem Messer gezeigt, worauf ein Kreuz und ein Herz befindlich gewesen sey, mit dem Beysügen, er glaube gänzlich, der König müsse die von der vorgeblich reformirten Religion wieder mit der römisch katholischen vereinigen. Besagter D' Aubigny sagte: Dies alles sey falsch, und er habe seines Wissens den besagten Ravaillac nie mit Augen gesehen. Besagter Ravaillac sagte: erkennen Sie mich da- ran, daß Sie mir einen Sou gaben, den Sie sich selbst erst - - 33 r erst von einem andern geben ließen; worauf D' Aubi- gny sagte: Dies sey unwahr; sie gaben nie Geld, und pflegten auch keins bey sich zu tragen. Besagter D'Aubigny sagte: Inquisit sey ein boshafter Kerl, und nach einer so verruchten Thst gar nicht berechtigt, jemanden etwas Schuld zu geben; er solle sich nur um seine Sünden bekümmern, und nicht noch hundert tausend andere veranlassen. Man ermahnte den Inquisiken, wenn er etwas dagegen einzuwenden hätte, solle er es jetzt gleich khun. Er sagte: nein; denn er halte ihn für einen recht- schaffencn Mann, für einen wackern Geistlichen und wolle ihm glauben. Man erinnerte hiernächst den besagten D'Aubi- gny, wenn er noch etwas beyzubringen habe, so müsse er es, der Vorschrift zu Folge, jetzt gleich thun, weil man es nachher nicht amiehmen würde. Er sagte: er wolle dem Inquisiten weiter keinen Vorwurf machen, als daß er ein Bösewicht und ein unverschämter Lügner sey. Nachdem man die Aussagen nebst den Antworten des D'Aubigny im Veyseyn des Rsvailiac verlesen hatte, erklärte der besagte D' Aubigny, daß sie der Wahrheit gemäß seyen. Ravaillac hingegen behauptete, er habe allerdings mit dem besagte» d'Aubigny eine Unterredung gehabt. Als er aus! dem Louvre gekommen wäre, sey er gerades- wegS zu ihm gegangen, und habe ihn von folgenden Versuchungen benachrichtigt: daß ihm nemlich, als er im Gefängniß gesessen, und auf vorgängige Erlaub- niß des. Frater Marie Magdelaine wie gewöhnlich seine Z32 - - - -- ne Meditationen angestellt, auf einmal zu Mi-the gewesen sty, als ob er einen starken Schwefelgeruch spü- xe, und auf Feuer stünde, zu einem deutlichen Beweis, Laß eS ein Fegfeuer gäbe, ob es gleich die Ketzer nicht glaubten. Ferner, daß er zu beyden Seiten seines Angesichts mehrere heilige Hostien wahrgenommen, nachdem er vorher die Psalmen Davids gesungen, wie ec dies, nebst mehrern andern Umstanden, in feinem gestrigen Verhör vor uns ausgesagt hatte. Pater d'Aubigny habe ihm hierauf zur Antwort gegeben, er Ravaillac habe sich deswegen an eine vornehme Person wenden sollen, um den König hiervon benachrichtigen zu lassen; da solches jedoch nicht geschehen sei), so wisse er ihm Ravaillac nicht besser zu rathen, als daß er fleißig beten solle, denn er halte dafür, daß dergleichen Dinge nicht sowohl Erscheinungen, als vielmehr Ein- bildungen wären, die von einem kranken Gehirn her- rührten, und dies sähe man'ihm auch im Gesicht an; er solle daher gut zubereitete Speisen gemessen, wieder nach Hause reisen, seinen Rosenkranz zur Hand neh- ftien, und Gott um seinen Beystand anrufen. Hierauf sagte D'Aubigny: Dies wären lauter Erdichtungen und Unwahr- heiten. Wir Hessen also dem Ravaillac die Fragartikel Nebst seinen Antworten nvchmalsvorlcsen. Er bekräftigte seine Antworten nochmals, und versicherte, was er ausgesagk habe, sey wahr. Hingegen sagte D'Aubigny: Alles was Ravaillac gegen ihn ausgesagt hätte, sey falsch und ungegründet, wie er uns bereits zu erkennen gegeben habe. Als man den besagten Ravaillae hierüber befragte , sagte er aus: er habe den D'Aubigny jetzt in seinem ganzen Leben zum erstenmal gesehen. Nun Nun wurde beyden Theilen Gegenwärtiges nochmals vorgelefen, auch von ihnen nochmals bekräftigt und unterschrieben. Viertes Verhör. Am Neunzehnten besagten Monats, des Morgens, im Parlements-- Hause, von uns verordncten Commissarien. Nachdem der besagte Ravaillac nochmals erschienen war und den Eid abgelegt hatte; ermahnte man ihn, er solle gestehen, wer ihn j» dieser verruchten That verleitet und verführt habe. Sagte aus: alles was er noch zu eröffnen habe bestehe darin, daß es sein ernster Vorsah und Wille sey, sich vor einer erschrecklichen Sünde zn verwahren. Er wisse nemlich, daß allerley Urtheile über ihn gefällt würden, und daß jedermann in dem Wahn stehe, als habe er sich entweder durch Geld verleiten lassen den König zu ermorden, oder als sey er von einigen Franzosen, vielleicht auch von auswärtigen Königen und Fürsten dazu bewogen worben, indem die meisten Potentaten sich immer zu vergrößern und einander ihre Länder zu cntreiffen suchten, ohne zu bedenken, daß dieses sehr ungerecht, und jeder diesfalls erregte Krieg dem Wille» Gottes schnurstracks zuwider sey. Jnquisic wolle demnach, zu Steuer der Wahrheit erklären, daß ihn niemand auf der Welt verführt oder überredet habe , und wenn es widrigenfalls dennoch gegründet seyn sollte, daß er sich auf eine so abscheuliche Art vergangen, und sich durch Geld, oder zu Gunsten der Ausländer 334 — länder hätte bewegen lassen, eine solche That zu vollbringen , so würde er solches gleich im ersten Augenblick vor Gottes Richterstuhl gestanden haben, vor wel- chcm er jeltt die Wahrheit bekenne. Hierauf sagte er zweytens: er bitte das Parlement, die Königin«, und überhaupt jedermann inständigst, man möge ihm doch die Sünde nicht aufbürden, deren man sich fast allgemein dadurch schuldig mache, daß man als aus. gemacht annehme, er müsse von jemand zu der Mord, rhat, die er nie abgeleugnet habe, verführt worden se»n. Er wiederhole daher die flehentliche Bitte, man solle doch den Gedanken ganz aufgeben, als ob ausser ihm noch jemand anders an dieser Mordthat Theil habe; widrigenfalls ruhe ja die Sünde auf ihm, als ob er die Leute hierüber in Ungewißheit gelassen habe; denn ausser ihm könne doch niemand mit Gewißheit hierüber entscheiden. Und dies war alles, was er aus- sagte. Man machte ihm die Einwendung: da er sich an der geheiligten Person des Königs, der, wie ihm nicht unbekannt seyn könne, der Gesalbte des Herrn scy, vergriffen habe, ohne daß ihm derselbe je an sei- ner Person oder seinem Vermögen weder mittelbarer noch unmittelbarer Weise, das geringste Leid zugcfügt hatte, so wäre cS allerdings wahrscheinlich, daß ihm jemand mit Rath und That hierzu behülflich gewesen seyn müsse; zumal da er sich in so elenden und dürftigen Umstanden befinde, und von Eltern gebühren sey, die vom Almosen lebten. Sagte aus: das Parlement habe, vermöge der ihm vorgelegten Fragstücke und seiner darauf erthcilren Antworten, sarsame Beweise in Händen, woraus sich ergäbe, daß auch nicht die allergeringste Wahrscheinlich- keir vorhanden scy, als wenn er mit Gelb bestochen, KB' Mg W' t»>z» «- Wl N« Mi hi l chm. Iir, t D, »viik kchm iltni DU s!i»U N>!i! k, "ichj 6 e§i!, >izi y ^ — 335 oder von Leuten, welche die Krone Frankreich mit neidischen Augen betrachteten, verhetzt worden wäre. Wenn eg sich anders verhielte, wenn man ihn wirklich durch Geld oder auf andere Art zu dieser Mvrdthat bewogen hätte, so würde er nicht dreymal von Angou- leme nach Paris gereisct seyn, und einen Weg von hundert Stunden dreymal in der 'Absicht zurückgelegt haben, dem Könige den wohlmeinenden Rath zu er, kheilen, daß er die von der vorgeblich reformirten Religion, welche dem Willen Gottes und der Kirche ganz entgegen handelten, her römisch apostolisch katholischen Kirche wieder unterwürfig mache. Wer seinen Nebcn- mcnschen für Geld umbringe, oder sich aus niedrigem Eigennutz dafür bezahlen lasse seinem Fürsten das Leben zu nehmen, der lasse sich gewiß nicht darauf ein, ihn zu warnen, wie er solches zu drey verschiedenen Malen habe thun wollen. Der Capital» bey der Leibgarde, Herr de la Foree, habe ihm nach vollbrachter MordthatdaöZeugni'ß gegeben, daßJnquisit imLouvr» gewesen sey, und ihn inständig gebeten habe, er solle ihm doch Gelegenheit verschaffen, den König zu sprechen. Dieser habe ihm geantwortet, er sey ein Päbst- ler, ein Katholik von achtem Schrot und Korn; auch habe er ihn gefragt: ob er den Herrn D'Esper- von kenn e?,Inquistt habe dies mit Ja beantwortet, und gesagt, er sey allerdings ein Katholik von achtem Schrot und Korn; und dies rühre daher, daß man ihm, als er im Kloster Saint Vernarb den OrdenShabit angenommen , den Frater Francois De Saint-Pere zu seinem geistlichen Vorgesetzten gegeben habe; und eben weil er ein römisch apostolisch katholischer Christ sey, wolle er auch als ein solcher leben und sterben. Er habe hierauf den besagten de la Force um so dringender gebeten, daß er ihm zu einer Unterredung mir dem Könige verhelfen möchte, da er es nicht hätte wagen dür-' fen noch können, der Versuchung zu erwähnen, welche ihn schon seit geraumer Zeit angekrieben habe, den König zu ermorden, und er daher Willens gewesen wäre, solches dem Könige selbst zu gestehen, damit er nur ein für allemal von diesem bösen Willen befreyt würde. Wurde gefragt: ob er denn schon damals, als er in der Absicht hin und her gereiset wäre, den König zu bitten, baß er die von der vorgeblich reformieren Religion zu paaren treiben möchte, den Pfarrer versichert habe, daß er^die nunmehr vollzogene Mordkhat voll- ziehen wolle ,sofern ihm der König seine, desInqui- siten, Bitte versage? Sagte aus: Nein; und wenn er auch diese Absicht wirklich gehabt hätte, so würde er sie dennoch wieder aufgegeben haben, weil es ihm auf jeden Fall räch- licher geschienen hätte, dem Könige die Sache nach- drücklich vvrzustellen, als ihn umS Leben zu bringen. Man machte ihm den Einwurf, er muffe doch gleichwohl seine böse Absicht nicht aufgegeben haben, weil er, als er am verwichencn Osiertage bas letztem«! von Angouleme hieher gereiset sey, gar keine Gelegenheit gesucht hätte, mir dem Könige zu reden; woraus also deutlich erhelle, daß er mit dem festen Entschluß von dort abgereiset sey, bas zu khun, was er nun wirklich gethan habe. Sagte aus: Dies sey allerdings wahr. Wurde gefragt: ob er am Osiertage, als am Tage feiner Abreise, zum heiligen Abendmahl gegangen sey? Sagte aus: Nein; er habe aber am ersten Sonntage in der Fasten communicirk. Inbeß habe er wenigstens in der Kirche Saint Paul, wo er zu An- gouleme cingepfarrt gewesen sey, das heilige Meßop- - fer halten lassen. Dem Allerheiligsten und Allererha- bensten ' — 3Z7 bensten Sacramenk des Mars, welches voll hoher Geheimnisse und uiibeqrkiflicher Kraft sey, habe er sich als ein unwürdiger Mensch k esw- gen nicht zu nähern getraut, weil er noch immer die Versuchung zum Kö- nigsnwrd in sich gespürt, und in diesem Zustande eS nicht Härte wagen wollen, sich dem köstlichen Lethe seines GotteS zu nai,e„. Man machte ihm den Einwurf, da er sich, zir Folge seiner eigenen Aussage, dieses unbegreiflichen GeheimntsseS unwürdig gchalcen habe, so frage sich, mit welcher Andacht er dem heiligen Opfer, welches von dem Meßpriester dargebracht werde, habe beywvh- nen können , an welchem alle katholische Christen Theil nähmen, nur mir dem Unterschiede , daß sie dasjenige geistlicher Weise empfingen, was der, welcher es cvn- secrirt, wirklich empfängt d Hierüber dachte er eine Zeitlang nach; und als er sich besonnen hatte, sagte er, es sev ihm schwer, diesen Einwurf zu beantworten. Eine Weile nachher sagte er: seine große Liebe zu dem Allerheiligsien Sakrament des AlrarS, sey daran Ursache gewesen, daß er sich dahey eingefunden habe ^). Er habe nemlich geglaubt, weil seine Mutter, während der Messe, welche er lesen lassen, ihren Herrgott empfange, so ha- beer eben dadurch auch Amheil au der Communion; denn seit er auf der Welt sey, habe er immer bemerkt, daß sie weit mehr religiöse Ehrfurcht für ihren Herr Gott habe, als er, Inquisit; deswegen habe er mit- lerweile zu Gott gebetet. Indem er bieS sagte, stürz» ten ihm häufige Thränen aus den Augen. Man führte ihm zu Gemüth, er habe weder Ehrfurcht für das heilige Abendmal und Meßopfer gehegt, noch sein Vertrauen darauf gesetzt, weil er schon N. Denkwürvigk. XlV. L. A ftit Z38 seit langer Zeit ein Kind des Teufels sey, und bereits vor vier Jahren, während seines Aufenthalts in hiesi. ger Stadt, böse Geister cilirt habe. Sagte aus: dies sey nicht wahr. Wurde gefragt: ob er nicht mit einem gewissen Dubois, von UmogeS, bekannt gewes.n sey; und ob er nicht mit demselben in hiesiger Stadt in einem und eben demselben Zimmer gewohnt und geschlafen habe? Sagte aus: Ja; und zwar in der Straffe la Harpe, dem grünen Pfeiler gegen über, in dem Hause, welches uux genannt wurde. Ob er dessen geständig seyn wolle, was besagter Dubois aussage? Sagte: Ja. Ober nicht zu jener Zeit, wo er bei- dem Du- lois geschlafen, eine Geisterbeschwörung vorgenommen habe, und auf was für Art? Sagte aus: der Umstand, weswegen er befragt würde, sey so wenig gegründet, Daß er nicht einmahl in ei, >m und ebendemselben Zimmer mit dem besagten Du- bois geschlafen habe, sondern vielmehr oben darüber in einer Spcicherkammer. Da habe ihn denn der besagte Dubois einst in der Mitternachtstunde sehr dringend gebeten, herab in sein Zimmer zu kommen, indem er dreymal geschrieen: Lnees» in Oeum! Freund Ravaillac, komm geschwind herunter! Gott im Himmel, erbarme dich mein! Jn- guisit habe auch wirklich herunter gehen, und sich nach der Ursache dieses ängstliche» Geschreys erkundigen wollen: die andern Personen aber, welche mit in dem »emltchen Zimmer gelegen, und voll Angst und Schre- elen gewesen, Härten eS durchaus nicht zugelassen. Er sey also nicht hinunter gegangen, habe auch den be- sagten '-- 839 sagten Dubois erst lang? na-chher gesprochen. Da habe ihm dieser erzählt, es sey ein abscheulich großer und fürchterlicher schwarzer Hund in sein Zimmer gekommen , und habe die L-woerpfore» auf das Belt gelegt, worin er, Dubais, ganz allein gelegen habe, lieber diese Erscheinung sey er dergestalt erschrocken , daß er, wie gemeldet, geschrie», und Inquisitett gebeten habe, damit er herabkommen, und ihn von seiner Furcht bestellen mochte. Des andern Morgens habe Jnguisic dem besagten Dubais den Rach gegeben, er solle, um flch hinführo vor dergleichen gräßlichen Erscheinungen stck)er zu stellen, seme Zuflucht zum heiligen Abendmahl nehmen, oder eine heilige Messe lesen lassen, welches auch geschehe» sey. Sie seyen nemlich des andern Morgens mit einander in das Franzioca- nerkloster gegangen, und haben dort eine heilige Messe lesen lassen, um den Beystand Gottes zu erflehe», und ihn zu bitten, daß er dem Satan, als dem Feinde aller Menschen, nicht gestatten wolle, fle durch seine Erscheinungen zu beunruhigen. Man wendete hingegen ein, eS sey wider alle Wahrscheinlichkeit, daß er den Dubais dort oben Habs verstehen können, wie überhaupt, daß dessen Stimme bis in seine Speicherkammer gedrungen sey. Er sagte auS: es sey ja eine ganz bekannte Sachs, daß die Stimme die Eigenschaft habe, in die Höhe zu steigen. Wenn wir etwa Bedenken trügen seiner Aussage zu glauben, so koimren die, weiche mtt ihm in dem nemlichen Zimmer geschlafen, und nicht zugelas- sen hatten, daß er hinunter gehen und tmt dem Dubois reden solle, die Wahrheit bezeug n. Diese Personen wären, die Frau vom Hause Marie Moineau, und eine seiner Nichten Namens Heanne le V vnd. Bey- de halten mir Inquistten im nemiichen Z-mmer gebgen, und ihn gebeten, er solle ja nicht hmab ge^en, weil N 2 sie Z4V sie schon mehrmals einen erschrecklichen Lerne dort unten gehört hätten, welches auch die Ursache sey, warum sie nicht mehr in jenem Zimmer schliefen, wo er ehedem bei) dem besagten Dubois geschlafen habe. Man stellte ihm vor, es müsse ihm doch kein Ernst gewesen seyn, sein verruchtes Vorhaben aufzugc» ben und am Ostertage das heilige Abendmahl zu gemessen, weil dies das Mittel gewesen seyn würde, sich dessen zu entschlagen. Da er sich nun dieses Mittels nicht bedient habe, sondern vielmehr vom heiligen Abendmahl weggeblieben sey , so sey er eben hierdurch bey seinem bösen Vorhaben verharrt. Sagte auS: was ihn an der Commum'on verhinderthabe, sey der Umstand, daß er gerade am Oster» tage zu dem festen Entschluß gekommen wäre, den König zu ermorden; deswegen habe er es eigentlich nicht gewagt, den köstlichen Leib unsers Herrn und Heilandes zu empfangen, sondern nur noch vor seiner Abreise eine heilige Messe hören wollen, indem er der Meynung gewesen sey, daß die wirkliche Communion, welche seine Mutter an diesem Tage verrichte, sowohl für sie als für ihn hinreichend seyn werde. Auch habe er Gott damals gebeten, und bitte er ihn noch jetzt, daß er ihn bis an seinen Tod aller heiligen Comnnmionen theil» hastig machen wolle, welche von den Religiösen, Nonnen, Schwestern, Weltgeistlichen, und andern zur römisch apostolisch katholischen Kirche gehörigen Personen verrichtet werden, und daß ihm Gott den Genuß des köstlichen Leibes unsers Herrn und SebgmacherS, welchen sie im wahren Glauben an unsere heilige Mutter Kirche empfangen, zurechnen möge, weil auch er mit ihnen ein gemeinschaftliches Glied in und mit Jesu Christo auSmache. Man stellte ihm vor, dadurch daß er sich immer mit dem Vorsatz beschäftigt, diese ruchlose Thar zu voll-! vollbringen, habe er sich ja der Verdammniß schuldig gemacht, und folglich kernen Antheil weder an der Gnade Gottes, noch an der Communioii rechtgläubiger Christen nehmen können, so lange er diesen bösen Trieb in sich gespürt habe; er Härte sich also dessen ent. schlagen sollen, um als ein guter und ächter Katholik in der Gnade Gottes zu bleiben. Sagte aus: er wolle nicht in Abrede stellen, daß er sich von einem ganz besonder« und eigenen Triebe gegen den Willen Gottes habe hinreissen lassen, welcher Urheber der Wahrheit und alles Gute», und dem Teufel, als Vater der Lügen, in ollem zuwider se». Ickt aber müsse er auf die von uns gechehiie Vorstellung bekennen, dag er dieser Versuchung entweder nicht habe widerstehn können, oder nicht wider« stehen wollen, weil c6 über die Kräfte des Menschen gehe, sich des Bösen zu enthalten, und daß er hiermit die Wahrheit völlig entdeckt habe, ohne das geringste zu verschweigen oder zu verheelcn. Er hoffe, der all- gütige allbarmherzige Gort werde ihm seine Sünden verzeihen und vergeben, indem er nach seiner Allmacht weit größere Sünden durch die priesterliche Beichte und Absolution tilgen könne, als die Menschen im Stande waren gegen ihn zu begehn. Demzufolge rufe er die heilige Jungfrau, den heiligen Petrus, den heiligen Paulus, den heiligen FranziScus bei) dessen Erwähnung er weinte) den heiligen Bcrnhardus, und alle lieben Heiligen im Paradiese au, seine Fürsprecher und Patrone vor Gottes heiliger Majestät zu ftyn, damit der Welkheiland ihn um seines blutigen Kreuzes willen vor der ewigen Verdammniß bewahren wolle. Durch diese Fürbitte hoffe er, deS von unfern, Herrn Jesu Christo durch sein Leiden und Sterben erworbenen Verdienstes theilhaftig zu werden, welchen er hiermit anflche, ihm die ganze Fülle jener Gnadcnschähe zu- N 3 stre- fiicßen ;u lassen, die br in die apostolische Vollmacht gcieg< habe: T'u «8 l'6c>-u8 er.-. Zeachdem nian ihm Gegenwärtiges nochmals vor- gelesen hatte, bckräs.igre er seine Aussagen mit seines Namsnsimcerschrifr. Registratur über die Fol'er des Franz Äcavaillac, wie auch über das, was vor und »ach seiner Hinrichtung aus dem Greveplatz geschah. Den sieben und zwanziMei» Map, eia Tausend sechs Hundert und zehen. Nachdem sich das Parlement in die Buvctte erhoben hatte« ^ n Gegenwart sämmklicher Herrn Präsidenten und mehrerer H rrn Räthe, wurde Franz RavaÜlac vorgeführt, welchen man beschuldigt und überwiesen hatte, den hochseligen König ermordet zu hoben. Er mußte riicderkmcn, und der Gerichlsschreiber laS ihm sein hlrtheil vor, daß er nämlich vom scben zum Tode gebracht, vorher aber mir der Tortur ln legt werden solle, damit er entdecke, wer seine Mitschuldigen waren. Nachdem man ihm den Eid abgenommen hatte, ward er ermahnt, es nicht bis zur Tortur kommen zu lassen, sondern sie vielmehr von sich abznwenden, und der Wahrheit gemäß zu bekennen, wer ihn zu dieser gottlosen That veranlaßt, überredet, und darin bestärkt, in- gleiche»! wen er darüber gesprochen'und zu Rath gezogen habe? Sagte aus: er bekheurebey seiner Seelen Seligkeit, daß niemand, weder MannS-noch Weibsperson, noch irgend jemand darum gewußt habe, als nur er allein. " ^ Als 343 Als man ihm die spanischen Stiefeln anlegte, und den ersten Richtbeil einschlng; schrie er, Gott solle sich seiner Seele erbarmen, and ihm sein Verbrechen vergeben; er habe eS niemand crösnct. Diese Verheurung wiederhole er mehrmals, und immer mit den nemlichen Worten wie in seinem Verhör. Als man den zweytcn Richtkeil emschlug; sagte er unter großem Jammern und Wehklagen: ich bin ein Sünder, weiter weiß ich nichts; so wahr ich meinen vor Gott und dem Parlcment abgelegten Eid auf dem Gewissen habe. Ich habe werter nich :6 davon gesagt, als nur das, was ich dem kleinen Franziskaner erzählte; weder im Beichtstuhl, noch anderwärts. Er habe auch nicht, fuhr er fort, mit dem Guardian zu Angouleme darüber gesprochen; sey auch in hiesiger Stadt nicht zur Beichte gegangen ^ ); das Parlement solle ihn doch nicht zur Verzweiflung treiben. Als man fortfuhr auf den zweyten Richtbeil zu schlagen: rief er aus: mein Gott, laß mich hierdurch die schweren Sünden abbüssen, die ich in dieser Welt begangen habe! Mein Gott, laß diese O.uaal das Sühn- vpfer für meine Vergehungen seyn I So wahr ich an Gott glaube, so gewiß weiß ich sonst nichts! Treibt mich doch nicht zur Verzweiflung! Ais man ihm den dritten Keil unten an die Füs. se legte, fieng er am ganzen Körper zu schwitzen an, und ward wie ohnmächtig. Man wollte ihm Wein in den Mund geben, er nahm ober nichts an. Da er nicht mehr reden konnte, so ließ man ihn loS, besprühte ihn mit Wasser, und gab ihm Wein zu trinken. Als er wieder reden konnte, brachte man ihn auf eine Matratze, und ließ ihn bis gegen Mittag darauf F) 4 lie- 344 -- - - ----- liegen. Nackdem er sich wieder erholt hatte, führte ihn der Herker in die Kapelle, wo er ihn anband, während man die D 'ccvren , Filesac und GamacheS, herbeyruf n liest. Vorher aber, und ehe die Unterredung mit diesen Donoren begann, bekam er sein Mit- tagsmai. In dieser Zwischenzeit ermahnte ihn der Ge- richrsschreiber, das Heil seiner Seele zu bedenken, und e»n aufrichtiges Geständmß abzulegen, wer ihn denn gereizt, angccriebcn, und in dem Vorsah bestärkt habe, Das zu vollbringen, was er nicht nur vollbracht, so: dern auch vorher schon lange im Schilde geführt hätte Es sey ja wider alle Wahrscheinlichkeit, daß er Plan und Ausführung bloß aus eigenem Antriebe unternommen, und niemand dabey zu Rathe gezogen habe. Er sagte: so boshaft sey er nicht, daß er es verschweigen sollte, wenn er außerdem was er bereits vor dem Parlament ausgesagr habe, neck etwas wüßte. Cs sey ihm nur allzu wohl bekannt, daß er bcy Gott nicht zu Gnaden gelangen könne, wenn er die Wahrheit vcrhcele. Er würde sich den ausgestandencn Martern gewiß nicht preis gegeben haben, wenn er mehr wüßte, als er ausgesogc hätte. Er habe freylich ein schweres Verbrechen begangen, und sey durch des Teufels Versuche dazu verleitet worden. Deswegen bitte er den König, die Königin, das Parlemcnt und die ganze Wrlr um Verzeihung. Man sollte sich bcy Gott für ihn verwenden, damit er nur am Leibe, und nicht an der Seele dafür büße. Da alle Ermahnungen nichts fruchteten, und er nur immer wiederhohlte, was er schon gesagt hatte, ließ man ihn mit den beyden Doctoren allein, damit dieselben thun konnten, was ihres Amts ist. Nach Verlauf von beynahe zwey Stunden, ließen die Doktoren den Gcrichtsfchrciber rufen, und eröffne- tcn ^ - Z45 ten ihm: der Verurteilte habe ihnen aufgetragen, mit ihm zu reden, und ihm zu hinterbringe», er verlange, daß seine Beichte öffentlich bekannt gemacht, und sogar gedruckt werde, damit sie zu jedermanns Wissenschaft gelange. Diese Beichte bestand, nach der Versicherung der Doctvren darin, daß nur er allein, und sonst niemand, an der That Schuld ftp; daß ihn niemand darum gebeten, ersucht, oder dazu verleitet, er auch sein Vorhaben keinem Menschen bekannt gemacht habe; wobei) er zugleich die bereits vor dem Parlcment geschehene Aussage wiederholte: sein Verbrechen sey zwar groß, aber Gottes Gnade noch größer, und er wolle keinen Theil daran haben, wofern er die Wahrheit verschweige. Der Gerichtslchrcilftr befragte hierauf den Verurteilten wegen dieser 'Aussage und Beichte, die seinem Verlangen gemäß, öffentlich bekannt gemacht werden sollte, und ermahnte ihn nochmals um des Heils seiner Seele willen die Wahrheit zu gestehn. Jener bekheu- erte aber mit einem Eide, er habe schon alles gesagt; sey vdn niemand auf der Welt verleitet worden ; habe auch mit niemand davon gesprochen, als nur mit den in seinem Verhör angezeigten Personen. Mit Lein Glockcnschlag drey Uhr ward er aus der Kapelle geholt, und zur Conciergene hinausgeführt. Jetzt liefen die Gefangenen zusammen, und machten einen entsetzlichen ferm. Sie überhäuften ihn mit Cchimpfworten, nannten ihn einen Schurken, einen Böscwicht, und was dergleichen wehr war; würden sich auch zuverläßig an ihn: vergriffen haben, wenn sich nicht die Iusnzbeamien nebst Len GenchlSdienern ins Mittel gelegt, und der bewaffneten Macht befohlen hätten, ihnen Einhalt zu chun. ^ Als er aus der Conciergene kam, und den Karrn bestieg,, sirömte das Volk von allen Setten herbey, I 5 und 346 ' -- und zwar in solcher Menge, daß es den Justl'zbeamten und GerichtSdiencrn viel Mühe kostete, sich durch Bey- hülse der bewaffneten Ästacht Platz zu verschaffe,,. Alles lärmte und schrie; dieser nannte ihn einen ver- ruckten Kerl, jener einen Mörder, Banditen, Hoch- verrälher; kurz das Schimpfen und Schmähen wollte kein Ende nehmen. Einige waren sogar im Begriff ihn zu mißhandeln, und konnten nur durch die bewaff, neke Macht daran verhindert werden. Als dasUrthest verlesen wurde, und die Worte verkamen, „den K ö nig mit zwey Messersticheu er m ordet „ ward der Lärm noch ärger, und die Verwünschungen ertönten lauter als zuvor. Dies gieng so fort, bis vor die Pariser Kachedralkirche, wo sich abermals ein fürchterliches Geschrey hören ließ, da das Urtheil verlesen wurde, kraft dessen der Delinquent Kirchsnbuffe lhun mußte. Als man ihn von hier nach dem Greve- plak führte, folgten ihm die nemlichen Schmähungen und Schimpfreden nach, und es fehlte nicht an Leuten, welche sich unterwegs an ihm vergreifen wollten. Als sich der kenn auf dem Greveplatz etwas gelegt hatte, ermahnte man ihn nochmals, ehe er vom Karm stieg und das Schaffet betrat, die Wahrheit zu gestehen. Er wiederholte aber seine gewöhnlichen Aussagen, bat den König, dis Königin, und die ganze Nation seines schweren Verbrechens wegen um Vergebung, und sagte: man solle bei) Gott für ihn bitten. Das Volk aber verwünschte und verfluchte ihn in einem fort. Nun bestieg er das Schaffst, wo ihm die Geist' lichen Trost zusprachen und ihn zum Tode vorbereiteten. Als sie ihre Schuldigkeit gekhan hatten, trat der Ge- nchisschreiber zu ihm, und ermahnte ihn nochmals: da nun sein Lebensende herannahe, so solle er für das Hc:l seiner Seele sorgen, und die reine Wahrheit be- -- 347 kennen. Man brachte aber weiter nichts von ihn» heraus, als waS er schon zum öftern gesagt hatte. . Als ihm die Hand verbrannt wurde, worin er das Messer hielt, schrie er zu Gott, und ließ einmal über LaS andere die Worte Jesu S Maria hören. Diesen newlichen Hülfsruf stieß er zu wiederhol- tenmalen aus, als man ihn mit glühenden Zangen zwickte. Auch jetzt noch ward er ermahnt die Wahrheit zu gesteh»; er blieb aber immer bey der erwähnten Aussage. Das Volk lärmte und schrie nun immer mehr, und verlangte unter den gräßlichsten Verwünschungen , man solle ihn eines langsamen quaalvol- len Todes sterben lassen. Als man ihm von Zeit zu Zeit geschmolzen Blei) und siedend Del in die Wunden goß , wo er gezwickt worden war, fieng er an, entschlich zu brüllen. Jetzt sprachen ihm die Geistlichen wieder Trost zu, und als sie der Gerichrsschrciber darum ersuchte, wollten sie auch die gewöhnlichen Gebete sür den armen Sünder verrichten. Zu dem Ende stetigen ste an, ihre Oberkleider abzulegen, und hatten auch wirklich schon ihre Stimmen erhoben, als sich das Volk dazwischen legte, und ein so entsetzliches Getöse inachte, daß sie nicht fortfahren konnten. Alles schrie: es sey nicht erlaubt, für einen so verruchten und verdammten Kerl zn beten, und was dergleichen Worte mehr waren. Kurz die Geistlichen mußten aufhören. Nun stellte der Gerichtsschreiber dem Delinquenten vor: er sähe wohl, wie sehr das Volk gegen ihn aufgebracht sey, und was es von ihm urtheile; er solle sich doch hierdurch um so mehr bewegen lassen, die Wahrheit zu gestehn. Der Delinquent antwortete aber: ich allein habe eS gethan! Ungefähr eine halbe Stunde zogen vier Pferde an seinen Guedmastn, doch so, daß man ihn mitunter aus- 348 — ausruhen ließ. In der Zwischenzeit redete man ihm immer wieder zu, und ermahnte ihn, die Wahrheit zu gestehn; er läugnece aber nach wie vor. Das Volk fehle inzwischen in der Nähe und Ferne feine Verwün- schlingen, aus gerechter Rache über die Ermordung des Königs, immerfort, und einige giengen in ihrem Eifer gar so weit, daß ste die Stricke mit anzichen halfen. Dies bewog einen von Adel, der eben nahe bavey war, sein eigen Pferd hcrzuaebe», und es statt eines andern, dem die Leute zu helfen suchten, Vorspannen zu lassen. Nachdem der Delinquent, wahrend einer starken Stunde hin und her gezogen worden war, gab er endlich den Geist auf. Als er nun geviertheilk wurde, fielen Leute von allen Classen und Ständen, mit Degen , Messern , Stöcken, und allerlei) andern Waffen über den Leichnam her, zerhieben und zerfetzten seine Glieder, rissen ste dem Henker unter den Han- den weg, und schleiften sie, mit einer Wut, der niemand zu widerstehn vermochte, auf den Strassen umher. Die Ueberbleibsel wurden nachher in der Stabt an verschiedenen Orten verbrannt. 4 - Voltaire's Urtheil über diese Begebenheiten und ihre Ursache*). ie schrecklichste Begebenheit, die sich je in Europa zugetragen hat, brachte auch die gehässigste Muchmaßungen hervor. Fast alle Memoiren aus der Zeit Heinrichs desIV. werfen gleichen Verdacht auf die Feinde, Hofleute Iesutten, Maitressen, so gar auf die Gemahlin dieses guten Königs. Die Beschuldigungen dauren noch fort, und man spricht nie davon, ohne ein verwegenes Urtheil *) s. die Abhandl. bey der Hemrade. Oeuvre, 1.XII. - -— 349 theil zu fällen. Ich habe mich immer über die unglückselige Leichtigkeit gewundert, mit welcher Männer, die einer schlechten Handlung am wenigsten fähig wären, Staatsmänner und andere, welche in einem Amt stehen, der abscheulichsten Verbrechen gerne beschuldigen. Man will sich durch Beschuldigungen an ihrer Größe rachen, und durch auffallende Amcdoten sich geltend machen. Es ist mit der Unterhaltung, wie mit einem Schauspiel oder Trauerspiel welches man durch große Leidenschaften und große Laster anziehend machen muff» Verzier wird auf der Straße von Räubern ermordet, und ganz Paris beschuldigt einen großen Prinzen dieser Mordthar. Wenn vornehme Personen an den Masern sterben, so müssen sie vergiftet seyn. Weder die Abgeschmacktheit der Beschuldigung, noch der Mangel an Beweisen dafür, hält zurück; die Verläumdung geht von einem Munde zum andern, und bald von einem Buch ins andere. Der leicht, gläubigen Nachkommenschaft wird sie eine wichtige Wahrheit. Ich kann nicht aufhören, seit ich mich mit der Geschichte beschäftige, mich über solche unerweisliche Beschuldigungen zu ärgern, mit denen die Geschichtschreiber ihre Werke bestecken. Die Mueter Heinrichs lV. starb an einer Lungenentzündung ; und wie viele Schriftsteller liessen sie durch einen Handschuhandler vergiftet seyn, der ihr parfümirle Handschuhe verkaufte , und , wie man sagt, p, ivrlegirter Giftmischer der Catharina von Me- dic,S war. Man untersteht sich kaum zu zweifeln, daß der Pabst Alexander VI an dem Gift gestorben sey, das er sür den Cardinal Corne.o und einige andere Cardmäle bereiter habe, von denen er, sagt man, 350 Erbe zu sepn wünschte. Gukccardknk, ein geschäü- ter Schriftsteller dieser Zeit, sagt: daß man den Tod deS Pabsts diesem Verbrechen , oder der Strafe dafür zujchreibe; daß der Pabst habe vergiften wollen, sagt er nicht, er giebt es nur zu verstehen, und Europa hat ihn nur zu gut verstanden. Und ich sage zu Guiccardini: Europa ist durch Sie betrogen, und Sie stiid es durch ihre Leidenschaft. Sie waren ein Feind des Pabsts, und haben ihrem Haß, und seinen Handlungen zu sehr geglaubt. Es ist wahr, daß er sich auf eine grausame und treulose Art an Feinden gerächt hat, die eben so treulos und grausam waren. als er. Daraus schliessen Sie, daß ein Pabst von 72. Jahren keines natürlichen Todes gestorben sei). Sie behaupten, nach schwankenden Aussagen, daß ein Fürst, dessen Coffers damalen mit mehr als einer Millionen Ducaten gefüllt waren, einigeCardinale habe vergiften wollen, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen. War denn dieß Vermögen so beträchtlich ? Ihr Nachlaß wurde fast immer von ihrenCammerdiener» genommen ehe ihn der Pabst sich zueignen konnte. Wie können sie glauben, baß ein Mann von Verstand für einen so kleinen Gewinn, eine so ehrlose Handlung habe wagen wollen; eine Handlung , zu der er Mitschuldige brauchte, und welche bald oder spät entdeckt worden wäre. Soll man nicht eher den Krankheicsberichren des Pabsts, nach welchen er an einem dreytagen Fieber gestorben ist, als einem Volksgcncht glauben? Man hat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für diese Beschuldigung. Sein Sohn Borgia wurde zu derselbe» Zeit krank, als der Vater starb; darauf gründet sich tue ganze Geschichte der Vergiftung. Sie waren beyde große Politiker und gewissenlose Fürsten, - .. 35i deswegen mußten sie das Gift bekommen, welches sie 12. Cardinälen zugedacht hatten. So urkheilt die Erbitterung, und so schließt ein Volk, das seinen Herrn haßr; aber der Geschichtschreiber darf nicht so schließen. Er wirft sich zum Richter auf, und gründet das Urtherl der Nachkommenschaft; Er darf ohne unläugbare Beweise niemand für schuldig erklären. Was ich von Guiccardini sage, gilt eben so von den Memoire» von Sülch über den Tod Heinrichs des IV Seine Memoiren waren von den Secre- tairen des Herzogs, welcher damaien durch Maria von Medicis in Ungnade fiel, zusammengekrsgen. Es wird darin einiger Verdacht auf diese Prinzessin geworfen , welche durch den Tod Heinrichs deS IV. die Re- genrin wurde, eben so auf den Herzog von Epernon, welcher sich Mühe gab, sie zur Regenten erklären zu lassen. Mezeray welcher mehr Kekheit als Beur- theilungskrasc hatte, unkerstüht seinen Verdacht, und in dem 6 ten Theil der Memoiren von Conbä, hat man alles angewandt, „m dem elenden Ravaillac die ver- ehrungSwürbigsten Mitschuldigen zu geben. Giebt cs denn nicht Laster geuug in der Welt? Muß man sie auch da suchen, wo es keine giebc? Man klagt zu gleicher Zeit den Jesuiten, Vater Ala« gona, den Oheim des HekgogS von Lerma, den ganzen spanischen Hof, die Königin Maria von Medicis, die Maitresse Heinrichs des IV. , Frau von Verneuil und den Herzog von Epernon an. Wählet nun! Wenn die Maitresse schuldig ist, so ist es sehr unwahrschein, lich, daß eS die Gemahlin sey; wenn der spanische Rath dem Ravaillac in Neapel bas Messer in die Hand gegeben hat, so ist es also nicht der Herzog von Epernon, der ihn in Paris verführte, und den Ravaillac immer den Calholiken im höchsten Grad nannte, wie man es in den den Acten findet. Cr welcher nie anders als groß, mürhig gehandelt hat, und welcher noch überdieß ver- hinderte, daß Ravaillac nickt in dem Augenblick wo inan ihn als Mörder mit blutigem Messer in der Hand erkannte, getödret wurde, vielmehr verlangte daß man ihn für die Untersuchung und Bestrafung aufbehalten sollte. Man hat Beweise, sagt Mözeray, daß Priester den Ravaillac nach Neapel begleitet haben. Und ich behaupte daß man nicht einen Beweis dafür hak. Man darf nur den Criminal-Proceß dieses Ungeheuers durchgehen; so wird man das Gegentheii fin- den. Ich weiß daß die unbestimmten Aussagen eines Iardin und einer Descomans nicht RavaillacS Geständnissen auf der Fvlrer entgegen gefetzt werden kön- nen. Alle seine Antworten waren einfach, offen, unbefangen, unveränderlich, und folglich, wahr. Welchen Vortheil konnte er haben, die Nahmen derer zu verschweigen, die ihn gemisbraucht hatten? Ich begreife wohl daß ein Verbrecher anfangs seine Mitschuldigen verschweigt. Die Räuber machen daraus eine Ehren» Sache, denn es giebt auch bey dem Laster etwas waS man Ehre nennt; aber am Ende gestehen sie doch alles» Wie sollte also ein junger Mann den man verführt hätte, ein Religionsschwärmer, dem man Schutz versprochen, nicht seine Verführer angeben Md bey dem Schrtt cken der Folter nicht die Betrüger anklagen, die ihn so unglücklich gemacht haben. Ist l»eß nicht dem menschlichen Herzen natürlich? Ravaillac giebt in seinen gerichtlichen Untersuchungen immer dasselbe an: Ich hielt eö für recht einen König zu ermorden, welcher dem Pabst den Krieg ankündigen wollte; Ich habe Erscheinungen und Osten- bah- bahrungen gehabt, ich glaubte Gott einen Dienst zu thun: ich erkenne daß ich mich betrogen, daß ich mich eines schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht habe, zu dem niemand mich verleitet hat. Dieß ist daS wesentliche aller seiner Antworten. Er giebt an, daß er an dem Tage, da er den Mord begicng, andächtig in der Messe war, daß er einigemal hatte mit dem König reden wollen, um ihn von dem Kriege zum Vvrtheil der ketzerischen Prinzen noch abzubringen. Ec gesteht, daß er zweymal schon die Absicht gehabt Habs den König zu ermorden, daß er Paris verlassen hatte, um sich dieses Verbrechen unmöglich zu machen und daß er durch seinen Religionseifer überzeugt zurück gekommen sey. Eines von seinen gerichtlichen Schriften unterschrieb err trsu^ois ksvAillsc, ^ue toujours clsus rnon cosur, Fetus loit le vsiuczueur. Wer erkennt nicht aus diesen zweiLinien, mit denen er seine Unterschrift begleitete, einen religiösen Unglücklichen , dessen Hirn mit dem Gift der Ligue ange« steckt war. Seine Mitschuldigen waren der Aberglaube, und die Wut, welche Jean Chätel, Pierre Barriere, und Jacques Clement beseelt hat, der Geist Poltrots, der den Herzog von Guise ermordete, und die Grundsätze Balthasar Gerards, welcher Mörder des großen Prinzen von Dramen ward. Ravaillac war Barfüßer- Mönch gewesen; ein Mönch konnte wohl glauben, daß es ein verdienstliches Werk sey einen Prinzen zu ermorden, welcher seine Religion hasse. Man wundert sich daß man mehrmalen dem besten König Heinrich IV. nach dem Leben trachtete, tt.Denkwürvigk,XIV.B. Z aber aber man sollte sich eher wundern, dag nicht mehrere mörderische Anschläge gegen ihn gemacht wurden. Je. der Abergläubische hatte beständig solche Bilder vor Au- gen. Wie Ehud den König der Philister ermordet, Ju- dich den Holofernes zur Unzucht verleitet um ihn in ihren Armen schlafend zu erwürgen, wie Samuel einen kriegsgefangenen König, gegen welchen Saul das Recht der Nation nicht verletzen wollte, in Stücken haut. Niemand war damals unterrichtet, daß diese besondere Falle?luönahmen waren, Eingebungen, und ausdrückliche Befehle, aus denen man keine Folgen ziehen durf. te. Man hielt sie für allgemeine Gesetze. Alles verleitete zum heiligen Aberwitz; alles heiligte den Mord. Der herrschende Geist des Aberglaubens, der Wnth und Unwissenheit, die Kenntnis des menschli- chen Herzens, und Ravaillocs gerichtliche Untersuchung überzeugen mich, daß er keinen Mitschuldigen hatte. SeineBckenntniffe, wie erste vor seinem Tod den Richtern ablegte, geben am meisten Aufschluß darüber, und beweisen ausdrücklich, daß Jean Chatel einen Königsmord begierig, um weniger verdammt, und Ravaillac um selig zu werden. Man muß gestehen diese Ungeheuer waren in ih. rem Glauben sehr eifrig. Ravaillac cmpsielt sich mit Thronen seinem Schutz - Patron St. FranciScuS und allen Heiligen, und beichtet, ehe er zur Folter geht. Er trägt seinen bepöcn Doceorcu auf, .den Sccretair zu versichern,'daß er sein Vorhaben der. König zu er- morden nie jemand entdeckt habe. Nur mit dem Jesuiten Pater d "Aubigni habe er von einigen Erscheinungen, die er gehabt harre, gesprochen. Und Aubigni ist kilig genug um sich nicht mehr daran zu erinnern. 355 Der Angeklagte schwört endlich bis an seinen lebten Augenblick, bey seiner ewigen Verdammmß, mit Reue, daß er allein schuldig sen. Sind diese Gründe und Beweise nicht hinlänglich? Indessen bestehe der Verfasser des 6. Bandes der Memoiren von Condü noch immer darauf. Er qiebk eine Stelle aus de» Memoiren von l'Etoilee an, in welcher Ravaillac auf dem Richtplatz gesagt haben soll: Man hat mich sehr betrogen, daß man mich überreden wollte, das Volk würde meine That billigen, da es doch selbst die Pferde Herschaft die mich zerreißen sollen. Erstlich steht davon nichts in dem Prvwcol! seiner Hinrichtung, zweytens, ist eS vielleicht wahr daß Ravaillac sagen wollte: Man hat mich betrogen, wenn man mir sagte, der Aöuig werde gehaßt, man würbe sich über seinen Tod freuen. Ec sah im Gegenthsil daß das Volk darüber klagte, daß er ein Gegenstand des allgemeinen Abscheus war, und konnte also wohl sagen: Man hak mick> betrogen. Wenn Ravaillac das Verbrechen Jean Chatels nie häkle rechtfertigen hören, wenn er nicht so oft die schwärmerischen Grundsätze der Ligue gehört hatte, so hatte er gewiß nie diesen Mord begangen. Dieß ist der ganze Sinn seiner Worte. Aber hat er sie auch wirklich gesagt? wer sagte cs dem Herrn von l'C'wile? Kann ein Stadtgeschwätz, das er anführt, mehr gelten als ein Prokocoll? Sol! ich diesem l'Etoile glauben, der alle VvlkS-Stadtmährchen, die ec den Tag über gehört hatte, beS Abends auffchrieb? Diesen Journalen darf man nicht glauben, sie sind Sammlungen aller ausgestreuten TagSgeschichten. Ich las vor einigen Jahren iz Bände in Folio von den Memoiren des verstorbenen Marquis von Dangcau und fand darin diese eigenen Worte: „Ma- Z 2 rie 3)6 rie Luise von Orleans, Königin von Spanien, ist durch den Marquis von Mannsfclv vergiftet worden. DaS Gift war in einer Aal-Torte; die Gräfin von Pernits, welche den Abtreg von dem Tische der Königin aß, ist auch davon gestorben, und brey Cammerftauen wurden krank. Der König sagte es denselben Abend, da er allein speiste " Wer wollte ein so umständlich beschriebenes Facrmn nicht glauben, das noch durch das Zeugniß Ludwigs des XtV. unterstützt, und durch einen Hofinann dieses Monarchen, einen Mann von Ehre, welcher sorg» fällig alle Anecdotcn sammelte, verbreitet wurde. Daß die Gräfin von Pernits bamalen gestorben sei, ist eben so falsch, als baß drei) Cammerfrauen krank geworden seien, und daß Ludwig XIV. diese unvorsichtigen Worte ausgesprochen habe. Diese unglücklichen Memoiren waren nicht von Herrn von Dangeau, sondern von einem alten einfältigen Cammerdiener, welcher auf eine unbebachtsame Art, alle mögliche dumme Neuigkeiten, die er in der Anlichambre hörte, aufschrieb. Wenn diese Memoiren, wie ich voraussetze, in ivo. Jahren irgend einem Compilacor in die Han» de fallen; — wie viele Verläumdungen werden dann unter die Presse kommen! und wie viele Lügen in allen Journalen wiederholt werden! Man muß alles mit Mistrauen lesen. Aristoteles hatte sehr recht, wenn er sagte: der Zweifel ist der Anfang der Weisheit. Anmerkungen des Herausgebers der Vlemoü'es ös Oonös V. VI. i. as Mezerai hier erzählt, ist aus Ravaillac's Verhören zci nommen, welche weiter unten Vorkommen. 2. Zu seinen Verhören wird zwar dieser Verhaftung gedacht, man findet aber nichts ausführliches darüber. Es heißt blos, daß rin Zeuge wahrheitswidrig gegen ihn ausgesagt habe. Z. Von No. i. an bis hieher ist alles aus den Verhören gezogen. 4 - Navaillac blieb in seinen Verhören immer Key der Aus« sage, es habe ihn niemand zu der Mordthat verleitet. Bisweilen begehrte er Almosen; zu anderer Zeit kleidete er sich wie ein gemeiner Handwerksmann. Dies erhellt aus Z z dem drin ersten Schreiben des NicolauS Pasquier, auch aus den Memoiren des de l'Etoile. 6 . Dies wird umständlich in der Schrift IUctum äu Lapi- tsine 1a üsräe erzählt, und es ist zum Erstaunen, das; die Richter auf diesen Umstand in den Verhören gar keine Rück» ficht nahmen. 7 - Nicht Key dem Vicekönig, sondern bey dem aus Frankreich entflvhne» und verbannten Herrn de la Bruyere, und einigen andern Privatpersonen, wurden dergleichen Zusammenkünfte gehalten. 8 . Es war der Duc D'Espernvn, und nicht der König, welcher in einem Memoire las, das ihm der König zur Durchsicht gab. Dies Memoire war vom Grafen von Soisssns, welcher dem König« darin seine Beschwerden und Federungen vortrug. Man sehe das erste Schreiben des Nicolaus Pasquier. 9 - Herr De l'Etoile merkt in seinen Msmoirn bey dem Jahr Isis an : dieser Dösewicht habe, ob er gleich in Verhaft sag, mit jedermann frep gesprochen, ja sogar gescherzt »nd unter andern einigen Neugierigen, die ihn fragten, ttver ihn denn zu dieser That verleitet hätte, geantwortet: Nehmt auch in Acht, damit ich nicht auf euch bekenne'. io. Dies ist aus dem Werke des Pater Matthieu, kMoire äa !a wart äe tleor^ le Lrunü, genommen. n. Dieses Betragen ist allerdings sehr auffallend. Es scheint aber , man habe befürchtet, üoer diese traurige Begebenheit zu v»el Aufschluß zu bekommen. ir. 359 Hier 'zielt Mczerai auf de» Pater Cotton. Man kan» Hierüber Nachlesen, was de l'Ttsüe in seine» Memoiren beider« Jahr l6io von dieser Unterredung erzählt. IZ- Dies ist aus der Schrift factum cku Laxitaine ?>'errs la 6are!« entlehnt; einer sehr merkwürdigen Pieqe, weiche man mehr als einmal lesen muß. Mit nicht geringer Verwundrung wird man sodann wahrnrhmen, daß in dem gan« zen Prozeß des Ravaillac, dieser Reise nach Neapel mit kei- ner Salbe gedacht wird, und daß man statt dessen dem De« iinquenten bloß die Frage vorlegte seit wann er von Brüssel zurückgckonimcn scy? wo er Loch niemals war. 14 . Dies ist ungegründet; denn Ravaillac war nie Soldat- Das Faktum des Kapitän la Garde beweiset nur, daß er auf seiner Reise nach Neapel mit Briefen vom Duc D' Esperno» versehen war, die er dem damaligen Viceköniq von Neapel, Grafen von Bencvcnko, übergeben sollte; und daß sich Rar vaillac bei, dieser Gelegenheit gegen den besagten la Garde rühmte, er werde Sen König Heinrich den Vierten ermorden. Diese Stelle, und was darauf folgt, ist aus den Memoiren der Demoiselle Decoman gezogen, welche Key der Marquise de Verneint in Diensten stand, vom ganzen Com« plot unterrichtet war, und ganz bestimmt sagt, daß es nicht nur im Jahr 1606 gleich nach ocr Sedanschen Reise angelegt, sondern auch im Jahr i6>O wirklich soausgesührl worden sey. Eie entdeckte dies Co-nplott dem Pater Procnrator der Je« suitcn in dcr Straffe Samt Änroine, mit der Bitte, er möchte den Pater Cotton davon benachrichtigen, welchen sie mehrmals ausgesucht, aber nie zn sprechen bekommen habe. Man nahm jedoch nicht die geringste Rücksicht hierauf, wie cs leider oft b-y den wichtigsten Angelegenheiten zu geschehe» pflegt. Jndeß kann niemanden unbekannt seyn, daß man in Sachen, die den Staat, und besonders das Verbrecht!» der bclei. beleidigten Majestät betreffen, auch nicht den allcrkleinsten Umstand ausser Acht lassen sollte. UeberdirS verbreitet das, waS die Demoisclle Dccoman mit der größten Naivnät von ihren Unterredungen mit Navaillac erzählt, ungemein viel Licht über den Charakter dieses DLsewichls; denn man be, merkt in allem was er sagt, eine auffallende Heuchelei), und eben so viel Schwankendes und Unbestimmtes, wie in seinen Verhören. Es ist in der Thal zum Erstaunen, daß inan nicht einmal auf den Gedanken kam, die Demoisclle Deco« man, welche zur nemlichen Zeit, wo Navaillac arretirt wurr de, im Gesängniß saß, diesem Missethäter unter die Augen zu stellen. Ein so fehlerhaftes Verfahren könnte wohl den Argwohn erregen, daß man in dieser wichtigen Sache nicht ganz unpartheyisch zu Werke gegangen seyn. i6. Dies ist aus dem Memoire des Lapimlns la 6ar6e gee zogen, welcher den König schon zwey Jahre vorher von diesem Unglück benachrichtigt«, ehe es sich ereignete; entweder durch Zamet, dessen Bruder des Königs Liebling war, und sich da« mals in Neapel befand, oder durch Herrn De Breves, französischen Gesandten zu Rom, oder in eigener Person. Denn als La Garde von seiner Reise zurückkam, machte er dem König Heinrich dem Vierten seine Aufwartung, und brachte ihm sogar ein Schreiben vom Herrn de la Bruyere mit, welchen man als Mitglied der Ligue aus Frankreich verbannt hatte. Dies Schreiben befindet sich nebst mehrern andern Piecen bey den Proccßaclen, die hierüber im Jahr 1613 und 1619 geführt wurden. 17- DasNemiiche wiederfuhr auch dcrMarquise de Vernenil; aber dem einen wie der andern geschah weiter nichts, als daß sie verhört wurden, ob cs gleich ein Majestätsverbrechen betraf. Herr De l' Etoile macht in seinen Memoiren bey dem Jahr I6n die Bemerkung: D'Esprrnon „begab sich zu dem Ober« „Präsidenten (de Harley) um etwas Neues von der Dccoman „zu erfahren, die er bis auf den Tod verfolgte. Allein der „Oberpräsident ließ ihn hart an, und sagte; ich bin nicht /,Ähr Referent, sondern Ihr Richter! Als D'Es« „prrnon ' - Z6r „pernon sagte: er wolle ihn nur als Freund um Rath fragen, „antwortete er ihm: WasFreund, WasFreund! Ich „werde mitZhnen verfahren, wie essich gebührt, „und damit gu t." Was auf diese Unterredung folgt, ist nicht, minder wichtig, und verdient nachgelese» zu werde«. 18 . -Weil die Decoman nicht 'im Stande war, was sie dem Duc D' Espernon und der Marquise de Berneuil zur Last legte, gcrichtlichzu beweisen. Dies war nun freylich nicht ihve Schuld; denn sie rieth, die Briefe auffangen zu lassen, welche diese Personen nach Spanien schrieben; aber die, welche doch am meisten bey ver Sache intcresstrl waren, thalen es nicht. So pflegt es bisweilen bep den wichtigsten Angelegenheiten zu gehen! Nicht selten vernachlässigt man einen guten Rath bloß deswegen, weil ihn eine Person niedrigen Standes gab; «inen Rath, der weit zweckmäßiger ist, als alles was dir vornehmsten Personen an die Hand geben. Zch weis leider mehr hierüber, als ich sagen darf. » 9 - Man lese hierüber das Manifest des Lsxitalnels 6aräs nach. Dieser sagt sogar im Verhör vor dem Parlemenk aus, daß D'ESpernon mit Ravaillac in Verbindung gestanden habe, sondern bekräftigt« auch das, was gleich hierauf vom Präsidenten de Harlay erzählt wird. 20 . Aus den Memoirrn des De l'Etoile ersieht man, daß sie zu lebenslänglicher Gefängnißstrase verurtheilt wurde, welches gewiß eine sehr unzulängliche Strafe gewesen wäre, wenn ihre Aussage keinen Grund gehabt hätte. Zn diesem Fall trat das Vergeltungsrecht «in, und mau hätte die Todesstrafe über sie erkennen müssen, worauf auch D' Espernon antrug. Die Richter aber sahen mehr als zu gut ein, daß die Decoman das Factum nebst allen damit verwebten Umständen ge. wiß nicht erdichtet habe. Mithin mußten sie es wohl dabey bewenden lassen, sie zu immerwährendem Arrest zu verurtheilen. Nicolaus Pasquier giebt sich im sechsten Briefe des fünften Buchs viel Mühe, den Duc D' Espernon gegen die Beschul- N,Denklpkrvigk.X1V,B» A a digung digung ber Dccoman zu rechtserrigen. Wir wollen jedoch Bloß bey dom Vergeltuugsrechr stehen bleiben; und ds erhellt aus unserer Geschichte, daß dies mehr als einmal starr aefun« den habe. JacgueS Coeur ward fälschlich von einem Trauen- Zimmer «ngeklagr, daß er dir Agnes Sorel habe ermorden wollen, und dis Richter verurrheilten die Klägerin zum Tode. Der Duc D'Elböeuf ward fälschlich angekiagt, daß er Heinrich dem Dritten »ach dem Leben getrachtet habe , und sein Ankläger mußte sterben. Wan sehe hierüber das fonrnal äs Üenri HI. bey dem Jahr i;3;- Die Decomau blieb leben, obgleich der damals so zu sagen allmächtige Duc D' Espsruon auf ihrer Hinrichtung bestand. Sie mußte sich folglich keiner ganz falschen, sondern einer solchen .Klage unterzogen haben, die viel Wahrscheinlichkeit hatte, ob sie sich gleich nicht völlig erweisen ließ; deswegen konnte man ihr nicht aus Leben kommen. Was die Beweise der Dccoman anbelangt, so läßt sich nichts rührenders denken, als das, was nach dem Bericht des Herrn de l'Etoilr, der Präsident de Hariay der KLnigink Vormünderin zur Antwort gab, als sich dieselbe bey ihm erkundigen ließ, was er denn vom Prozeß der Dccoman halte. Sagen Sie der Königin», sprach diese weise Magistratsperson, daß mich Gott in diesem Zeitalter Dinge erleben läßt, die ich mir nun und nimmermehr als möglich gedacht hätte. Und d« ein Freund dieses grossen Mannes gegen ihn äußerte: viele Leute wären der Meynung, dies Frauenzimmer habe die vornehmsten Personen in Frankreich bloß auf Gerakhewohl und ohne alle Beweise angekiagt, schlug der rechtschaffene Mann die Hände zusammen, und sagt, mit gen Himmel gerichtetem Blick: Es giebt leider gar viele, nurall- zuvieleB cw eise. Allein dem Lspitains la 6ar6e gien- es nicht besser als der Dccoman. Er erhielt zwar anfänglich im Jahr 16:;, wegen des Dienstes, den er dem Könige geleistet hatte, die Generalconkroleuerstelle zu Bierre; als ee aber um die Ausfertigung seines Bestailungsbriess ansuchte, ward er in Verhaft genommen, und in die Bastille gesetzt, vermuthlich weil er sehr wichtige Geheimnisse entdeckt und bewiesen hatte. Von dort brachte man ihn in die Conciergerie, wo ihm das Parlement den Prozeß machte, der sich aber damit endigte, baß er Kraft eines unterm raten August iür6 erlassenen und am Ende des vierten Bandes des lournal 6s üe»r^ Henr^ IV abgedruckten ParlementSschlusses für unschuldig er, klärt wurde. Was bekam er aber für Genugthnung? Wahr» scheinlich gar keine; denn aus seinem iüiy gedruckten Factum ^rhcllt, daß er noch damals in der Conciergerie saß. Un« streitig hatte man sich ein gewaltthätiges Verfahren gegen ihn erlaubt, damit Vis wichtigen Geheimnisse, um die er wußte, nicht an den Tag kommen sollten. ri. Hier ist der Beweis: r) hatte der Dur D'Espernen zwey Zeugen gegen sich, nemlich den Pierre la Karde, und die Demoisells Decoman; r) gab das Betragen welches der Oberprssivent de Harlay in Ansehung des D'Espernon beobacht tete, deutlich genug zu erkennen, was dieser grosse Mann von diesem Günstling hielt; und deswegen haben wir es auch angemerkt. Wenn aber der Duc D'Esp?rnon strafbar war, möchte man vielleicht mit dem Nicols« Pasguier und dem Pater Daniel sagen, würde er wohl den Saint Michel ven hindert Huben, den Ravaillac zu tödteu, da er befürchten mußte, von diesem letzlern verrathen zu werden?— Und warum nicht? Der Duc D'Lspernon würde sich von der Anklage des Ravaillac noch weit eher ioSgswacht haben, als von jenrr LeS Pierre la Garde und der Demsiselle Decoman, weil dies« Personen weit mehr Glauben verdienten, als jener Döz sewicht. -r. Der vollständige Titel dieser Flugschrift lautst als» r I-er (stroles dorribles contsnues en uns I^ettre, envo^se ü Heu? ri äs Vslois, par urr eokant äs pari», le 28 äs stan- visr 1^89 > luivant la Lopie q ui ea s esse trouvüe ea ceüe Ville äs Paris, prss I' Iloroloxe äu Palais. in 8 * xour Iac» ,'. > ^, 1 . .> t, >.<