ANLEITUNG, NÜTZLICHSTE UND GENUSSVOLLSTE ART Mit drey geätzten Blättern; -welche die ganze Alpenhette, toii dem Säntis im Kanton Appenzell an, bis hinter den. Montblanc darstellen; nebst einem Titelkupfer, einer Schweitzerkarte, einer Profilkarte, und einer Abbildung der befslen Art Fufseisen, auf Gletschern zu gehn. Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu München, der Naturforscheuden Gesellschaft zu Zürich, und der Wefc. terauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde* AUF DIE DIE SCHWEITZ ZU BEREISEN* V o s J. G. EBEL,' M. D DRITTER TIIEIL, / Dritte sehr vermehrte Auflage. ZÜRICH bf.y Obill, Füssu ukd Compaohib, J. G. EBEL, M. D. VOLLSTÄNDIGER UNTERRICHT ÜBER ALLE ’ Naturschönheiten, geographische, physische, botanische und historische Merkwürdigkeiten, so wie über die mineralogische und geo- gnostische Beschaffenheit des Alpengcbirges DER SCHWEITZ und der angrenzenden Theile von Savoyen, Piemont, der Lonibardie, von Deutschland und Frankreich. Nebst einer geognostiscben Karte über den Profil-Durchschnitt der Gebirge von Zug bis Am Stag im K. liri. Als Zweyter Theil von der Anleitung, die Schweitz zu bereisen. Zweiter Abschnitt. G — O. ZÜRICH iry Orell, Füssli und Compagnie. 1810. G. Gabrisberg in Appenzell Ausser-Rhoden. Von Gais führt ein Fufsweg über diesen Berg nach Trogen. Ist 4080 F. übers Meer. (S. Gais). Gais, grofses Dorf im K. Appenzell. Wirthshaus: Zum Ochsen. Molkenkur. Dieses hochgelegne Dorf ist durch die Zicgenmolken-Kur merkwürdig, welche hier viele Personen aus der Schweitz und Deutschland jährlich in den Monaten Juny und July brauchen. Die frischen Ziegenmolken werden alle Morgen, von dem Hochgebirge 3-4 St. entfernt, nach Gais getragen. Das Wirthshaus zum Ochsen ist sehr gut eingerichtet, kann aber alle Kurgäste bey weitem nicht fassen, die in den andern Häusern des Dorfs sich einmiethen. Jeder Kurgast mufs für die täglichen Ausgaben Ajs Guld. rechnen. Aussichten. Prächtige Aussichten in der Nähe von Gais sind: 1) Auf dem Gäbris 1 St. entfernt; geräumige und reinliche Sennhütten stehen auf seiner Höhe, (4°8o F. übers Meer) wo eine prächtige Aussicht über den ganzen Kanton Appenzell , die KK. St .Gallen und Thurgau , auf den Bodensee , auf Schrra- nu I 2 Gais. ben, auf das Rheinthal , auf die Felsen von Vorarleberg und Tyrol; in SW- erblickt man den Glärnisch , Rigi und Ruffiberg in den K. Claras und Schvrytz. o.) Auf dem Golder- Stock, wo man bis über Feldkirch an der III hinaussieht. 5) Am Slojs , 3 /^ St-, dessen geschichtliche Merkwürdigkeit weiter unten. 4) Auf dem Sommers-Berg , St., eine ausgedehntere Aussicht als auf dem Stofs. 5) Drey bis 5 St. entfernt sind sehenswertli: fVolJshalden , wo die Oesterreicher nach der Schlacht am Stofs einen Einfall wagten und mit Verlust zurückgeschlagen wurden; Walzenhausen oberhalb Rheinegg, Wo man bey der Kirche 92 Kirchtliürme, den obern Boden-See und den Rhein sicht; der Weinberg Krähenhalde oder Kayen in Rehetobel , wo man den ganzen Boden - See übersieht; das Dorf Haiden ; der Kantor 4 St. auf dem Wege neben Fähnern vorbey (S. Appenzell). w eg nach St. Gallen. Nach St. Gallen 3 St. entweder durch Trogen , Speicher und Vöglisegg , oder durch Biller und Teufen , wo man in kleinen Wägen fahren kann. Von Gais nach Altstätten St. — Nach Herisau 4 St. — Nach Trogen und Speicher 2 St. — Nach Vl r eisbad 1 tj„ St. Schlacht am Stofs. Graf Rudolph von Werdenberg. (Man sehe zuerst den Art. Kanton Appenzell ). Die Gegend von am Stofs ist durch die Schlacht der Appenzeller gegen die Truppen des Abts von St. Gallen und Oesterreichs merkwürdig, in welcher sic unter Anführung des berühmten Grafen Rudolph t Gais. 3 von JYerdenberg *) den Sieg davon trugen, und die Unabhängigkeit und Freyheit ihres Kantons gründeten. (Man sehe die merkwürdige Geschichte des Appenzeller-Volks in Ebels Schilderung der Gebirgsvölker. I. Th. S. 59. u. s. f.). Friedrich , Herzog von Oesterreich , zog 1405. im Brachmonat aus Tyrol über den Arleberg nach Arbon, wo der Sammelplatz seines Heeres war. Er selbst zog gegen St. Gallen , welches von Der Graf von tVerdenberg begab sich schon im J. 1404. nach yjpponzcll, erschien vor der Landsgemeinde und sprach: „Es ist euch wohl bekannt, biderbe Männer, „wer ich bin, geboren von Montfort , welcher Stamm „ an Adel und Alter keinem nachgiebt. Aber was ist „adlig, als in der Freyheit leben und sie zu behaupten „wissen! Das Unglück voriger Zeiten hat einen Unterschied unter die Menschen gebracht; eure streitbare Hand verbessert, was der Weltlauf böse gemacht. So „treten die Menschen in die natürlichen Rechte zurück, „und brave Männer sind Brüder, wie ihr und ich. Dort „ennert jenen Felsen ist Werdenbarg, das Erb meiner „Väter; dort iin Thal unter jegen Höhen, im Rhein— „thal , ihr wifst es, haben meine Altvordern geherrscht; „noch mein Vater und ich selbst. Alles ist mir und „meinem Bruder von dein österreichischen Herzog entrissen. — Biderbe Männer, es ist mir zu Ohren gekommen, dafs der Herzog in Tyrol sich aufgemacht, „ wieder Euch zu streiten. Bedrängte sollen beysammen „halten; das ist recht vor Gott und Menschen. Trauet „mir: Montfort hat nie die Treue gebrochen. Lasset „mich streiten und seyn, wie einer aus Euch, ein freyer ;,Landmann zu Mppenzell. Einige Keuntnifs von des Fcin- „des Manier, meiner Voreltern Muth, mein Schwerdt „und Blut, das ist euer; und eure Sache sey mein”. So sprach dieser edle M.:nti den 28 . September 1404. und verliefs Appenzell nicht mehr. neuem mit Appenzell einen Bund errichtet hatte, während der gröfsere Theil des Heeres von Seiten des Rheinthaies einfallen sollte. Als am 15 . Juny 1405. die Feinde 1600-2000 M. durch den engen Eingang der aufgebauten Grenzmauer, welche den Pafs nach Altstädten hinab schlofs, bis an die Anhöhe am Stofs vorgedrungen waren, wälzten die Appenzeller , 4-600 M. stark, Baumstämme und Steine herab. Wie die Reuterey dadurch in Unordnung gerieth, fielen sie wiithend in die gebrochnen Reihen des Feindes , der auf dem von vielem Regen schlüpfrigen Grasboden keinen festen Tritt thun konnte , während die unbeschulieten Appenzeller mit aller Kraft einhieben. Die Weiber der Appenzeller, in lange Hirtenhemde gehüllt, eilen ihren Vätern und Männern zu Hülfe, und der Feind ergriff bey Erscheinung dieses Hülfshaufens die Flucht. Jetzt begann erst das Gemetzel, und nach sechsstündigem Gefecht flohen die Oesterreicher nach Altstädten zurück; 450 derselben blieben auf der Wahlstadt, 476 auf der Flucht am engen Mauer-Durchgänge, unter denen sich eine Menge Ritter, 8 ° Bürger von Feldkirch, der Schultheifs Lorenz von Sal mit 95 Bürgern seiner Stadt Winterthur befanden. Die Appenzeller erbeuteten 150 Panzer und viele Fahnen, welche zu Appenzell noch aufbewahiet werdeH. Zum Andenken dieses Tages wurde hier eine Kapelle erbauet, zu welcher die Appenzeller eine jährliche Wallfahrt halten. Zu gleicher Zeit zog Herzog Friedrich von St. Gallen zurück , weil er ohne Angriffszeug war. Auf seinem Wege nach Arbon fielen 4 00 St. Gallcr von GaLAND A. 5 den Höhen nach der Landstrafse herab und erschlugen viele grofse Ritter; als den Graf von Thierstein, von Klingenberg, Johann von Hallwyl, Hermann von Landenberg , und eroberten das Panncr von Schafhausen. Hierauf liefs Herzog Friedrich noch einen Angriffsversuch über l'Volfshalden nach Appenzell machen; allein 400 Appenzeller empfiengen dessen Lanzenknechte. Bey der Kirche war der Streit am heftigsten. Die Oester- reicher verlohren 5 00 M. und flohen. Nun zog der Herzog unmuthig nach Tyrol znrück. — Im J. 1427 brach Graf Friedrich von Toggenburg von Altstädten her über den Stofs in Appenzell ein, während er selbst über Gofsau gegen Herisau anzog. Die Appenzeller schlugen die Toggenburger am Stofs zurück, und erschlugen 350 derselben. Gacanda oder Calanda , ein breiter Felsstock zwischen der Stadt Chur in Graubündten und dem Val— lir-Thal in der Landschaft Sarg ans , ohnweit des Pfef- fers- Bades. Seine Nordseite ist senkrecht abgerissen, und stellt sich dort in Profil als eine ausserordentliche 'Pyramide dar; die Südseite senkt sich gemach bis an den Rhein hinab, und ist reich an Alpen, Weiden und Maiensässen. Von Chur aus läfst er sich am bequemsten ersteigen (S. Chur). Seine Höhe beträgt 6598 F. übers Meer. Prächtige Alpenansicht von Graubündten. Dieser Berg ist merkwürdig wegen der prächtigen Aussicht auf den Kranz des hohen Alpenkamms, welcher Graubündten von W. nach O. durchschneidet, und in 6 Galanda. welchem man von W. Sn den Badus, den Lukmanier, das Moschei- Horn, den Bernhardin, Splügen, Septi- mer, Julier, Cimot, Albula, Scaletta, schwarze Horn, Fluela, die Kämme von Salvretta und Vareina, den ungeheuren Fermunt als Ilaupttheile dieses Felsenbogens sieht. Alle diese Felsen bestehen aus Urfels, — Gleich vortreflich stellen sich hier die zwey Gebirgsketten dar , welche Graubündten nordwärts ummauern, i) In Westen, rechts vom Baduz, hebt bey dem Cri- spalt die grofse Nehenkette an, welche zwischen den KK. Uri, Glarus und Sarg ans er - Land auf der Nordseite, und Graubündten auf der Südseite, gerade auf den Galanda zieht und zwischen Ragatz und der Tar- dis - Brücke sich endigt. Da der Galanda in dieser Kette steht, so sieht man sie im Profil grade aufwärts, und ihre vielfachen mächtigen Horner zeigen sich hintereinander in zusammengescliobnen Gebirgsmassen. Gegen Bündten erhebt sich diese Kette wie eine Mauer, und hat dort keine Aeste; daher strömt der Vorder- Rhein immer an ihrem Fufse fort. Auf der Nordseite hingegen gehen von dem Drejspitz oberhalb Disentis, von dem Flimser -Berg, und bey dem Kunkels - Berg nahe am Galanda , Felsenzweige aus , welche Uri, Glarus und Sargans bis an den FVallenstädter - See durchschneiden. 2 ) Im Osten zieht von dem Fermunt bey dem Gletscher des Selvretta eine andere hohe Ne— benkette, Rhaeticon genannt, grade nach Norden zwischen das Prättigau und Montafon , stuft von dem Falknis hinter Meienfeld in den Fläscker-Berg hinab Gal and a. 7 l)is dicht an die Ostwendung des Rheins , sehr nahe dem Scholl- Berg gegenüber. Die Rhätihon- Kette schickt westlich gar keine Zweige aus; nordwestlich desto mehrere, wovon der beträchtlichste von dem Falknis nord- ostwärts durch die Landschaft Vor- Arlberg nach dem Roden-See fortsetzt. Nirgends kann man diese wilde abgerifsne Felsen-Kette mit ihren fürchterlichen nackten sonderbar gestalteten Zingeln, als die vier Thürme der Furka, die zw'ey Hörner des Drusus- Thors, die Scaesa plauna und andere, so vortreflich sehen als hier auf dem Galanda. Die Gebirge der ersten Kette vom Krim spalt an bestehen ohngefahr bis zu einem Drittheil ihrer ganzen Länge aus Urfels, die beyden andern Drittlieile aus Thonschiefer und Flötzkalkstein ; die Rhätikon- Kette besteht vom Madrisen - und Gaviahorn (nicht weit nördlich vom Fermunt) an aus Thonschiefer und Flötzkalkstein (S. Ebel , über den Bau der Erde u.s. w. Zürich 1808O Diese zwey Ketten ummauern den nördlichen Theil Graubündtens , und bilden den hohen Rand des Kessels, innerhalb welchem alle Wasser dem Rhein zueilen. Zwischen Malans und dem Strilser- Berg tritt der Rhein bey der Tardis-TirilcVe aus Graubiindten heraus, nachdem er noch kurz vorher die wilde Landquart , aus dem Prettigau durch den Bergrifs die Klus eilend, aufgenommen hat. Die Gegend ist überaus merkwürdig, weil grade hier die beyden Ketten, auf der einen Seite der abstuffende Galanda , auf der andern der Falknis sich so sehr nähern, dafs nur eine Thalfläche von einer halben Stund Breite sie trennt. Wird diese einzige 8 Gaianda. Oeffnung nach Graubündten, die einst durch Gebirge verschlossen war, durch Bergfälle verschüttet, so mufs sich Graubündten in einen See verwandlen. — Der palknis hieng einst mit dem gegenüber stehenden Scholl- Berg oberhalb Saigans zusammen; ehe die jetzige Trennung statt fand, mufste der Rhein seinen Lauf grade durch den Wallenstadter- und Zürcher- Seen nehmen ( S. Ragatz). Weite Aussicht. Die Aussicht des Gaianda nach Nordost ersteckt sich bis zum .Soden-See; die Appenzeller- und Toggenburger- Gebirge vom Säntis bis zu den Sieben Kuhfirsten am Vf r allenstadter- See zeigen sich deutlich. Nach NW. fällt der Blick senkrecht in die Tiefe auf die Kunkels -, Vättis -, Kalfeuser- und Valsnzer-’Vh.'ileT, wo die grauen Hörner mit dem Sar- dona - Gletscher belastet (aus welchem im Kalfeuser - Thal die wilde Tamin entspringt), der Monte Luna und so viele andre schwarze , nackte und furchtbare Felsen sich erbeben. —- Man beobachte die starke Vertiefung des Kunkels - Berges (über welcken eine Strafse von Tamins in Graubündten nach Vättis und Valens führt) und die grade fortlaufende Richtung des Kunkels- Vättis— und Valenzer - Thaies. Wer diefs genau beobachtet, wird die geognostischen Erscheinungen, welche unter dem Artickel Pfeffers bemerkt werden , sehr leicht begreifen. Weg. Von dem Gaianda kann man in 6-7 Stunden nach dem Bade zu Pfeffers herabsteigen. Pflanzen und geognostische Beschaffen- 3 heit. Der Galanda ist reich an seltnen Alpenpflanzen. — Er besteht aus Kalkstein und Kalksteinschiefer, welcher viel Thon enthält und leicht verwittert; seine Schichten senken nach S. Auf der Saaser-Alp des Galanda findet sich Magneteisenstein , und zwischen Trim- mis und Feldsperg sind auf dem Galanda sogenannte Silbergruben. St. Gallen (Stadt). Wirthshäuser: TVeifs- Röjsli, Hecht und Ochs. Hat ihren Namen von der Abtey St. Gallen , welche in der Stadt lag. Geschichte der Abtey St. Gallen. Nachdem die Schottländer Gallus , Columbanus und Siegebert (S. Disentis) auf dem Kloster der Insel Jko Imhill *) von den Götzendienern zu Tuggen am Zürichersee und zu Bregenz vertrieben worden waren, trennten sie sich, und Gallus gieng nach Arbon, und als Greis von 85 Jahren zog er im J. 630. mit seinem Gefährten Mag- noald in den Wald an die Steinach, baute eine Zelle, pflanzte Kohlgärten, weidete eine kleine Ileerde und zähmte die Gegend, welche ihm Graf Talto, Kämmerer des königlichen Hofes geschenkt hatte. Gallus war am *) Auf dieser Insel, die nahe an der Insel Stajfa liegt, wo die berühmte und prächtige Basalthöhle, Fingalshöhle genannt, ist, gründete Columban, ein Irrländer, mit zwölf Freunden im J. 565. das Christenthum, und ein Kloster, nachdem die Druiden vertrieben worden waren. Hier blühte Gelehrsamkeit, während ganz Europa in Unwissenheit und Barbarey lag, und von hier giengen gelehrte Laien und Mönche aus, um in Europa’s entlegensten Ländern das Christenthum zu verbreiten. IO St. Gallen. ganzen Bodensee und in Rhätien hochverehrt. Er starb im J. 6 jo. an einem Fieber zu Arbon. Magnoald oder Mang folgte ihm in seiner Zelle, und nachdem auch dieser 690. gestorben war, so wurden beyde Einsiedler Heilige dieser Orte. Sehr bald nachher (zwischen 690. und 700,) wurde das Kloster St. Gallen unter dem Ansehn Pipins von Heerstal , Hausmeyers der Könige von Frankreich, und mit Vorschub TValdrams , Urenkels vom Graf Talto, gestiftet. Othmejer , der erste Abt, veranstaltete eine Schule, in welcher die von den Schotten hieher verpflanzten Kenntnisse und Gelehrsamkeit sehr lange unterhalten wurden. Noch im IX. Jahrhundert kamen gelehrte Schotten nach St. Gallen. Die von diesen Männern mitgebraehten Handschriften wurden in der Bibliothek des Klosters durch die Aufschrift, Scotice scripti , unterschieden; Johannes Müller sah sie noch in den r78oger Jahren. Hiedurch wurde diese Abtey im VIII. IX. und X. Jahrhundert die berühmteste Schule und Universität von Europa. Die Kenntnifs der griechischen und lateinisahen Sprachen verbreitete sich von hier über Deutschland, Frankreich u. s. f. Es wurden Künstler herbeygezogen, Gemälde aus Italien und dem Orient angekauft, Mathematik, Dichtkunst und Musik getrieben und geübt. Schon im IX. Jahrhundert wurde die Bibliothek gegründet, und unter den Aebten Vf r aldo , Gozbert und Hartmund sehr vermehrt, so dafs sie bald eine der gröfsten in Europa war. Aus derselben Ma- nuscripten-Schatze sind hervorgegangen : Quintilian ¥ ) *) P°SS'° meldet (er war bey der Kirchen-Versammlung > St. Gallen. n Petronius , Silius Italiens, Valerius PI accus , Ammian Marcellinus , Cicero (de legibus et finibus , und de Orators J Porphjrion über Hora* * , Asconius , die Kommentarien des Rhetors Victorinus , und die von Rüdger Manefs ( S. Zürich') veranstaltete Sammlung deutscher Gedichte vom X-XIII. Jahrhundert *). ln die Schule dieser Abtey sandten Kaiser und Könige ihre Söhne, und selbst unter dem schönen Geschlecht ward von hier aus der Geschmack für Wissenschaften angefacht (S. Jlohentfryl). Unter den gelehrten Mönchen, welche der Schule mit dem gröfsten Ruhme vorstanden , gab es mehrere Schriftsteller, die den Ruhm der Abtey noch mehr verbreiteten. Heran schrieb zwischen 730. und 760. in deutscher Sprache **), und war einer der Ersten, welche anfiengen, ihre Muttersprache zu bilden. Notker arbeitete deutsche Uebersetzungen von dem Organon des Aristoteles, von Davids Psalmen und andern alten Schriften aus, und dichtete Gebete und Lieder, welche in allen Kirchen Deutschlands bis ins XI. Jahrhundert gesungen wurden, /so, der gelehrteste zu Konstanz zwischen 1414* und 1418), dafs er in einem elenden Thurm des Klosters Quintilian, die ersten 3, und den Anfang des 4. Buchs des Valerius Flaccus, auch mehrere Reden Cicero’s gefunden habe. *) Diese Sammlung wurde von ßodrner herausgegeben in 2 Theilen. Zürich 1758. Die Original-Sammlung he findet sich in der National - Bibliothek zu Paris untet No. 7266. **) S. Kerons Aufsätze in Schillers Schatze deutscher Aller, thümer. Uhu 1726. I. Th. 5. Abth. °F~ ' 12 St. Gallen. Mann seiner Zeit, hinterliefs ein Werk de Viris illu- 1 stribus, und sein Schüler, Salomo, Abt von St. Gallen und Bischof von Konstanz, schrieb im J. 919. sein Dic- tionarium universale, welches den Umfang des ganzen damaligen Wissens enthielt. Dieser Salomo wurde auch i die Ursache, dafs im J. 916. der Graf Burkard zum ersten Herzog von Schvraben erhoben ward. Noch im Anfang des XI. Jahrhunderts giengen aus der gelehrten Schule der Abtey geschickte Lehrer für die Schulen Deutschlands und Frankreichs aus ; allein von dieser Zeit an, wo nur Freyherren und Ritter zur Abtenwürde zugelassen wurden, entfloh der Geist der Musen; und Lust an Fehde, Kampf und Eroberung trat an dessen Stelle. Im J. 1204. erhielte Kaiser Philipp dem Abte Ulrich (Freyherrn von Hohensax) die Würde eines Reichsfürsten, und besonders von dieser Zeit an zogen die Mönche bis ins XV. Jahrhundert bev jeder Gelegenheit das Schwerdt. Unter den kriegerischen Aebten zeichnet sich Ulrich von Eppenstein (Sohn Herzogs Marquard von Kärnthen) vom J. 1076. an, durch hohe männliche Kraft und grofse Eigenschaften aus. Er war von der Parthey des in Bann gelegten Kaisers Heinrich IV. widerstand dem Herzog von Schwaben, allen Mächtigen und Prälaten, die ihn umgaben; verlohr|, da er selbst in den Bann gethan und bis ins Kloster mit Feuer und Schwerdt verfolgt wurde, den Muth nicht, vetliefs den Kaiser nie, bat seine Feinde nie um Frieden, wurde im Glück der Waffen nie übermüthig, er- waib seinem Kloster keine fremde Herrschaften, und t St. Gallen. i5 herrschte zu St. Gallen bis 1117. Die Abtey erwarb durch Schenkungen, Eroberungen und Kauf ein sehr grofses Gebieth, welches aus der sogenannten alten Landschaft (vom Bodensee bis Unter-Toggenburg 9 St. lang und 4— 5 St. breit), aus dem Toggenburger- Lande , aus Besitzungen im Thurgau und Rheinthal bestand, und 100,000 Unterthanen enthielt. Ausserdem besafs die Abtey noch in Schwaben die Herrschaften Neu-Ravensburg, Ebringen und mehrere Dörfer in der Grafschaft Bregenz. Gegen die drückende Regierung der Aebte empörten sich alle ihre Unterthanen zu ver- schiednen Zeiten. S. Appenzell und Stadt St. (ballen. Zur Zeit der Reformation standen die Einwohner der Alten-Landschaft auf und verjagten die Mönche, wurden aber 1532. von neuem in das Joch der Leibeigenschaft gespannt. Der anmafsende Geist der zurückgekehrten Mönche und ihr Verfolgungseifer der Protestanten erregten bald hier, bald dort in ihren Herrschaften Unruhen, bis im Anfang des XVIII. Jahrhundert das Volk von Toggenburg in allgemeinen Aufstaud über die Übtische Tyranney gerieth, wodurch die ganze Eidgenossenschaft in Bürgerkrieg gestürzt, 18 Jahre lang in Verwirrung gesetzt und an den Rand des Verderbens geführt wurde. Der Fürst - Abt von St. Gallen war nämlich seit dem J. 1451. ein Glied in dem Verein der Eidgenossenschaft (nämlich durch seine Bündnisse mit Zürich , Luzern , Schvrytz und Glarus ) geworden und seit 1668. war es ihm gestattet, einen Gesandten zu der jährlichen Tagsatzung aller Kantons - Staatshäupter zu I >4 St. Galles. senden. Hiedurch geschah es, dafs alle Unruhen im Gebietli der Ahrey, alle Anmafsungen derselben unmittelbar auf die Eidgenossenschaft zurückwirkten, und diese seit dem XV. Jahrhundert in unzählige verdriefsliche und höchst gefahrvolle Verwirrung stürzte. Im J. i 795 ‘ brach in der Alten-Landschaft ein allgemeiner Aufstand aus, welcher unter dem gerechten Abt Beda die glücklichsten Folgen zur Erleichterung des Volkes hatte, C S. Gofsau und Ebels Schilderung der Gebirgsvölher , II. Th. S. 5r-66). Durch die Staatsumwälzung der Schweitz vom J. 1798. verlor die Abtey alle Iloheits- rechte über Land und Leute nicht blofs, sondern der Eigensinn des Abts Pancratius Försters , welcher den Zeitumständen auf keine Weise nachzugeben wufste, veranlafste die völlige Aufhebung derselben im J. 1805; Geschichte der Stadt St. Gallen. Dieselbe erwuchs nach und nach aus den wenigen Wohnungen derer, welche sich dicht um die Abtey angesiedelt hatten. Schon im J. 957 - umgab der Abt Anno die Häuser bey dem Kloster mit einer Mauer, wahrscheinlich aus Furcht vor den damals alle Länder verwüstenden Ungarn. Schon im X. Jahrhundert wurde in St. Gallen die Zunfteinrichtung eingeführt. Die Einwohner lösten sich von der Leibeigenschaft des Klosters, erhielten von den deutschen Kaisern mehrere Freyheiten, kämpften unaufhörlich gegen die Anmafsungen der Aebte, zogen für und gegen sie in den Krieg je nach den Umständen, kauften sich von der Reichssteuer lofs und rangen immer mehr nach Selbstständigkeit. Zwischen Stadt und Ab- St. Gallen. 15 *'• i* "««mit. Glicht '• «7JJ. r Auf. ^ die iatit, lker t der ils- r tey gab es unzählige Streitigkeiten, und obgleich 1567. eine hohe Mauer zwischen beyden aufgeführt ward, so wurden sie doch erst am Ende des XVII. Jahrhunderts durch einen letzten Vergleich politisch und bürgerlich gänzlich getrennt. Im J. 14 54 • schlofs die Stadt Bündt- nisse mit sechs Kantonen der Eidgenossenschaft und I ward ein Glied (zugewandter Ort) im helvetischen Staatsverein. Durch die Staatsumwälzung der Schweitz im J. 1798- wurde St. Gallen Hauptstadt eines groj'sen Kantons ( S. folgenden Artikel ). Merkwürdigkeiten. Die Stadt liegt an dem Bach die Steinach genannt, und zwischen zwey Bergen. Die ganze Bannmeile auf beyden Seiten derselben ist mit Bleichen bedeckt. Sie enthält 9000 Einwohner, welche Protestanten sind. Sie haben sich von jeher durch Gewerbsfleifs ausgezeichnet. Schon im XIII. Jahrhundert waren hier Leinwand - Fabriken im vollen Gange. Während der Kirchen - Versammlung zu Kon- stajiz (zwischen 1414-1418.) erhielt die Stadt St. Gallen durch die von dort wegziehenden Leinwandfabrikan-» ten einen so grofsen Zuwaclis , dafs sie sich erweiterte, die Stadteinkünfte sich vermehrten, und sie die wichtigsten Freyheiten und Landeigenthum verkaufen konnte. Ein allgemeiner Brand schlug sie nicht nieder; sie stieg steinern aus der Asche empor, und einer ihrer gröfsten Thürme wurde' 1415. angefangen. Der Geist des Erwerbes und Handels ist stets gestiegen , so dafs St. Gallen seit der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts zu den thätigsten b'abrikstüdlen Europa’s gehört (S. Meh- iS St. Gai/len. rercs über den Cang des hiefsigen Erwerbsfleifses in Ebels Schilderung der Gebirgsvölker , I. Th. K. 19. S. 2G8- 2 8°- und H. Th. S. 74 - 87 )- Moufselin- Kattun- und Leinwand - Fabriken werden ausschlies- send betrieben; daher hier alle diejenigen Anstalten , welche für diese grofsen Gewerbszweige dienen, sehens- t werth. St. Gallen ist der Brennpunkt grofser Thätig- keit und Erwerbes bis in die Gehirge von Bregenz und Schwaben , wo die Einwohner spinnen und sticken. Die Zahl der Stickerinnen, welche für den Handel St. Gatlens arbeiten, belief sich am Ende des XVIII. Jahrhunderts auf 50-40,000. Alle kostbaren Stickereyen werden in der Stadt selbst gemacht, und ein Stück solcher mit Gold und Silber gestickten Moufseline erhält den Verkaufspreifs von 60 Karolinen. Die zum Weifssticken bestimmten Moufseline werden ausserhalb, oft in den ärmsten Hütten der Gegend von Bregenz u. s. w. gearbeitet. Seit dem Ende des XVIII. Jahrhunderts haben die Kaufleute St. Gallens angefangen, die Spinnmaschinen der Engländer und Irrländer nachbauen zu lassen, und seit mehrcrn Jahren sind schon viele dieser Maschinen in vollster Thätigkeit, wodurch, unter Begünstigung der allgemeinen Handelssperrung des festen Landes von Europa mit England, die Fabriken und der Handel St. Gallens einen ausserordentlichen Schwung erhalten haben. Bey diesem Gange der Thätigkeit der Bürgergemeinde von St. Gallen waren bisher Gelehrsamkeit, Wissenschaften und Künste wenig gewürdigt, obgleich eine zahlreiche reformirte Geistlichkeit die Jugend hier bildete. Doch geniefst St, Gallen den Ruhm einige i *■** w ■*** ja 1®" alte, k Dich«. zeichnet' aus, sc ninkeit Kefci* fer.ii 55 >- kuki uni »A pel .»Mi. j «Sei Mel Cah der Sch. *71 «1 «i • St. Gallen. 17 "ßta,. tilies. ku t ens- itig- und den. :lSf. hkr- irer- 'Jie r den «ü- oh m i, s. *. eits h- e Sfi* ibiuet: «de t * y nur 1 • du" U rite*' iß & In ausgezeichnete Männer hervorgebrächt zu haben. Ulrich L'arnbühler , Hauptmann der St. Galler bey den Schlachten von Granson und Murten und im J. 1480. Bürgermeister seiner Stadt, leistete in jenen schwierigen Zeiten seinem Vaterlande grofse Dienste. Joachim Vadian (von Watt), Bürgermeister von St. Gallen, gehörte zu den ausserordentlichsten Köpfen. Sein Wissen umfafste alles. Er war Arzt, Natur- und Alterthumsforscher, Dichter, Geograph, Mathematiker, Philosoph, Redner, zeichnete sich in allen Theilen dieser Wissenschaften aus, schrieb sogar über Gegenstände der Rechtsgelelir- samkeit und Theologie, War ein eifriger Befördrer der Reformation und schenkte seine Bibliothek der Stadt *)• Dieser ruhmwürdige Bürger von St. Gallen starb im J. I55ii Johann Kefsler , Schüler von Luther und Melanchton , wurde ein thätiger Befördrer der Reformation seiner Vaterstadt, war ein sehr gelehrter Mann und Dichter; von ihm eine Lebensbeschreibung des grofsen Bürgermeisters Joachim von Watt , und eine ungedruchte Kronik seiner Stadt , die er Sabbatha. nannte, weil er nur Samstags daran arbeiten konnte; (man sehe aus derselben einige merkwürdige Bruchstücke Luthern betreffend in dem helvetischen Alma- nach filr das J. 1808. S. 121-140.) Die Stadt St. Gallen ist der Geburtsort Joh. Georg Zollikofers , eines der berühmtesten Kanzelredner Deutschlands und der Schwcitz, stand als Prediger zu Leipzig vom J. 1758 bis *) S. Uadians gedruckte Werke in Hallers Bibliothek der Schweit-Lergeschichte. Th. I, S. 201,243,; Th.III. S, 286. und Th. V. S. 384. 111 . a iygg. wo er starb. (S. seine Predigten. 1-15 Bände. Leipzig 1798-1804. — Predigten über die Würde des Menschen, II. B. 1795. Leipzig. — Betrachtungen über das Uebel in der Welt, dritte Auflage. 1789») In der Pfalz der ehmaligen Abtey ist der Sitz der Kantons - Regierung; In dem Klostergebäude wohnen die Pfarrer der katholischen Kirche, und die ehmalige Kloster- jetzt Kantons-Bibliothek ist liier aufgestellt; sie besitzt merkwürdige Handschriften über die Geschichte des Mittelalters. Die zu errichtende Kantons- schulc wird gleichfalls in das ehmalige Klostergebäude verlegt werden. — In dem 1598. errichteten Stadt - Gymnasium ist die Bürger - Bibliothek aufgestellt, welche die Büchersammlung Fadians enthält, zu welcher viele Handschriften gehören , wovon, ausser einer Kronik und 13 Foliobänden eigenhändiger Briefe der Reformatoren und andier Gelehrten der damaligen Zeit, das meiste gedruckt ist. Auf der Bibliothek auch eine Sammlung von Versteinerungen aus der Gegend. — Gemälde - und Kupferstich- Kabinet bey II. von Gon— zenbach am Berg, und Naturalien - Kabinet bey Hrn. Doct. Zollikofer . Spaziergänge. Vor dem einen Thore auf dem Brühl , und auf alle nahe gelegne Berge , wo überall herrliche Aussichten sind, besonders bey dem Kloster Notkersegg ; bey Vügliseck 1 St.; bey dem Landhause, die Platte , in der Nähe des Dorfes Thal , wohin in 2^. St. ein angenehmer Ful'sweg führt, und bey dem etwas höher gelegnen Schlots Vf'arteck ; an den zwey letzten Standpunkten übersieht man beynahe den gan- j. I,C S- *8 Sa» >aa fe ebilij. Äe Gf ianionj. 'gciauÄ Siidt- welcbc viele iöaik rma- i m id — Gon- . Hin- an j „EltßH )£&• ifoii * 11 \W* ■p. f St. Gallen. 19 zen Bodensee. Sehenswerth ist die Martinsbrücke ( ein Hängewerk wie die ehemaligen Brücken von Schafhausen , Wettingen und Reichenau) in einer wilden Felsenkluft über die Goldach 1 St. — Nach Rorschach am Bodensee, wo prächtige Aussichten sich vervielfachen, 3 St.— In der Nähe der Stadt St. Gallen mehrere Mühlen an der Steinach in einer Bergkluft. ¥ Versteinerungen. In der Sandsteingrube bey der Stadt versteinerte Meergehäuse , als Bucciniten, Chamiten, Buccarditen , Pektiniten, Muskuliten. Wege. Von St. Gallen nach Trogen, 2 St.; nach Gais 3 St.; nach Herisau 3 St.; nach allen diesen Orten im K. Appenzell kann man in kleinen Wägen fahren. (S. diese Artikel ). Oeffentliche Postkutschen gehen wöchentlich zweymal von St. Gallen durch Tog- geburg nach Glarus , und auf einer Strafse nach Zürich. St. Gallen, der Kanton, seit 1798- aus der sogenannten alten Landschaft, dem Toggenburg ( ehrna- liges Gebiet der Abtey St. Gallen), den ehmaligen Vogteyen Rheinthal, Sax , RVerdenberg, Gams, Sar- gans , Gaster , Utznach und der Stadt Rapperswyl zusammengesetzt, erstreckt sich von den Ufern des Bodensees bis an den Zürich-See, und bis fast an den Kunkelsberg auf der Grenze vom K. Graubündtcn, umfafst von allen Seiten den K. Appenzell, enthält 4 ° □ Meilen und zählte im J. 1803. 130,301 Einwohner, von denen die Mehrzahl katholisch ist. Der Kanton ist in folgende g Bezirke eingetheilt: St. Gallen, GuJ\au , Unter - Toggenburg, Ober - Toggenburg, 20 S r. GallCh. Rheinthal, Rorschach, Sargans und Utznach, und ^ enthält ausser der Hauptstadt St. Gallen g Städte und 15 Klöster, unter denen n Nonnenklöster sind. In den Bezirken Sargans, Utznach , Ober — Toggenburg und Rheinthal giebt es hohe Gebirge bis zu 7-8000 F. Höhe, und hier wird nur Alpenwirthschaft und Viehzucht , in den andern Bezirken voll Hügel , Schöner Berggelär.de und Thäler, wird Getraide, Wein - und Obstbau sehr stark getrieben, und nebenbey beschäftigen sich die Einwohner der meisten Bezirke mit Hanf - und Baumwollenspinnen, mit Weben, Sticken u. s. w. für den Grofshandel und die Fabriken der Städte St. Cal— 1 lens, Rheinecks, Altstädtens , der KK. Appenzell , Glarus und Zürich. — In dem K. St. Gallen liegen vom Boden- und Zürich - See ein kleiner Theil, der gröfste Theil des PVallenstadter - See’s und noch einige kleine Seen im Hochgebirge; und 1 r Flüsse, nämlich der Rhein, die Tamin , Saar, Seez , Linth, Thur, der Kecker , die Glatt, Sitter und Steinach durchströmen denselben. Man sehe über alle Merkwürdigkeiten dieses Kantons die Artikel: St. Gallen (Stadt^, Rheinthal , Rorschach, Rheineck, Altstädten , Kobelfries, Senn- wald, Sax , Werdenberg, Sargans, Ragatz , Ifef- fers , Wallenstadt, PVallenstadter - See , IVesen , Schännis , Utznach, Gaster , Rappersvyyl, Bildhaus , Toggenburg, PTOldhaus, Lichtensteig und Gojsau. Ceognost. Beschaffenheit. Die hohen Gebirge des Kantons bestehen aus Kalkstein,.Thonschiefer und Grauwake, und alle übrigen Theile desselben gehören 'füi,,' -So« f, MVü K4j»t o- OK Hanf- ui, V. Ci'- •/isell, iegea der “ge riick /,te noea dieses jitliii, , Seo«- (Tfn*. jd**' GoJ» ,G*? Gana-Thal. 21 ins Gebiet des Sandstein - und Nagelfluc - Gebildes. S, das Ausführliche in den so eben genannten Artikeln. Gabi-Thai (Val-Gana) zwischen dem Luga- ner - und Langen - See, nahe an der Grenze der Schweitz, im Königreich Italien. Merkwürdigkeiten. Durch dieses Thal geht fast alles Schweitzer - Rindvieh von Lugano über die Tresa - Brücke nach Italien.— Das Ganathal ist in der Mitte erhöhet, und sendet seine Wasser theils nach SO. in die Olona , theils nach NW- nach dein Gana- See, dessen Abflufs in den Girla-See geht, der gröfser 'ist als der vorige, und seine Wasser durch einen hohen Fall bey Ferrera in die Morgorabbia schickt, die sich in die Tresa ergiefst. Der Gana-See ist ausserordentlich fischreich. Gana war ein sehr altes Kloster. Westlich von Gana ein enges Seitentbal, welches ehedem See war, und jetzt ein Torffeld ist.— Der periodische Brunn Orca , welcher bey Regenwetter trocken bleibt, bey hellem Wetter stark fliefst. Bey Girla eine Quelle , die sehr feinen Quarzsand mit sich führt, und eben daselbst beyrn Ausgange des Thaies die natürliche Felsenbrücke Niva , welche dadurch entstand , dafs der Kalkfelsen, welcher das Thal verschlofs, vom Wasser durchbohrt wurde , wodurch der hier bisher gestandne See abflofs. Heu und Kastanien sind Haupterzeugnisse dieses Thals, welches an Wäldern einen grofsen Reichthum besitzt. Wege. Von Gana aufwärts nach Cugliate, Mar- cbirolo an der Tresa , über die Tresabrücke nach Lu- \ 22 GANA-THAt. gano , und von Gan» aufwärts, durch Anduno nach Varese ein übler aber fahrbarer Weg. Aus dem Berge bey Marchirolo geschah i'ii. ein Ausbruch von Wasser mit so vielem Steinschutt, dafs das Bett der Tresa ausgefüllt , und dadurch viele Gegenden des Luganersees unter Wasser gesetzt wurden. — Von Gana ostwärts führt ein Weg über den Kalksteingipfel Poncione nach Cavagna, Cuasso, einen kleinen See vOrbey durch Prog- nana abwärts nach dem Luganersee. — Von Gana durch das ehmalige Seethälchen nach Rancio, abwärts nach Cassano, durch Val Travaglia nach Germinaga und Luino am AusHufs der Tresa (S. Travaglia-Thal und Luino ).— Von Gana über Rancio, Cuvio , Brenta, nach Laveno am Langensee. (S. Laveno und Cuviotkal). Geognost. Thatsachen. Wie man von Varese aus ins Ganathal tritt, zeigen sich grofse Porphyrtrümmer auf dem Flötzkalkstein, welcher auf dem Porphyr auflagert und alle Berghöhen bildet. Auf der westlichen Seite des Thaies bricht Marmor von rother und Pfirsichbiüth-Farbe , bey Mondonico ein Lager Thon zwischen Granit, und ausserdem noch in diesen Gegenden andrer Thon, welcher der berühmten Puzzolana nnd dem Vicenzathon gleich kömmt. Oberhalb Rancio und zwischen Ghirla und Ferrera ein Steinhohlenßötz , welches fast senkrecht stehend von W. nach O. streicht, und in der Tiefe breiter wird. Bey der Quelle der Margorabbia entdeckte Ifr. Amoretti (Naturforscher und Bibliothekar zu Mailand) im J. igotj. einen Kiesgang , den man für goldhaltig ansieht, und seitdem hier auch schönen weifsen Quarz mit Schichten von hartem viol- blauem amethystartigem Quarz. Auch streicht hier eine Schicht schwefelgelben Sandsteins, der gerieben Schwefelgeruch giebt. Bev Ferrera bricht späliges Eisen , welches ehedem ausgebeutet wurde. Nahe bey dem Felsen Mericcio alte Schachte, die ehedem auf silberhaltiges Bleyerz angelegt wurden ; auch sind hier Goldkiese gefunden worden. Bleyerze und Schwefelkiese in dem Berge Montechio, welche ausgebeutet werden ; eine Menge alter Schachte sieht man in der Höhe des Montechio. Ganderisch, ein Felsen in der Kalksteinkette des Stockhorns im K. Bern ( S. den zweyten Alpen- Abrifs im I. Th.) Auf der Höhe dieses Felsens ist eine Schwefelquelle , und einige Stunden tiefer lehnt sich der Gurnigel - Berg an dessen Fufs, auf welchem das schwefelhaltige Gurnigelbad liegt. (S. Gurnigel'). G aster, Gaster- Land, eine Landschaft von 8-9 St Länge und 5 St. Breite längs dem TVallenstadter- See und dem rechten Linth-Uter, ehmalige Landvogrey der KK. Claris und Schwytz. Im J. 1798- wurde sie dem K. Linth, und im J. 1802. dem K. St. Gallen zugetheilt, und gehört zu dem Bezirk Utznach. T-Vesen und Schän- nis liegen in diesem Bezirke. Es hat viel Wiesenbau, gute Alpen, grofse Obstzucht, ist reich au Waldungen , und besitzt eine grofse Rindviehart. Alte Geschichte. Den Namen dieser Landschaft leiten einige von Castra Rhaetica. Sehr wahrscheinlich gehörte eszu Rhätien , wovon in den Namen am Wal- Gast ern-Thal, 24 lensee : Terzen, Quarten , Quinten (tertia , quarta , quinta statio), und nicht weit vom See, im Sargnnsischen , in Proemsch und Sigunds fprima und secunda statioJ merkwürdige Spuren übrig sind. Die Rhätier hatten liier am See ein immer wachendes Lager gegen ihre Feinde ; und daher der Name. Auch blieb diese Landschaft Eigenthum der rbiitischcn Grafen zu Chur bis ins IX. Jahrhundert. Das Land Gaster, schon den Römern durch seine Lage wichtig, uralter Handelsweg nach Italien, kam von den Grafen von Chur in der fränkischen Zeit an die Grafen von Lenzburg , dann an die Grafen von Kj'burg, und von diesen an Graf Rudolph von Habsburg. Es blieb österreichisch, bis es während der Reichsacht des Herzog Friedrichs von Oesterreich ( S. Konstanz ) von Graf Friedrich von Toggen— bürg erobert wurde. Nach dessen Tode im J. 1436. kam Gaster wieder an Oesterreich, welches dieses Länd- chen im J. 1438. an die KK. G laris und Schsrytz für 3000 Guld. verpfändete, seit welcher Zeit es eine Land- vogtey dieser Kantone bis 1798. blieb. Nach dem Tode des Grafen von Toggenburg wurde dieses Ländcheu ein Zankapfel zwischen den K. Zürich , Schrrytz und Claris , und gab eine Mitveranlassung zu dem ersten Bürgerkriege der Eidgenossen. (S. Toggenburg). Die Einwohner von Gaster hatten mit Eifer die Reformation ergriffen, wurden aber 153t. von Schwytz mit Gewalt gezwungen, den katholischen Glauben wieder anzu-i nehmen. Gaste»* - Thu. (S. Kanderstäg), Gf. mmi. 25 *liü iatto n ihre Land. hur |j QQ (jo delswe; in k km au icdolpli nii- ster- *en- 13«. ü fc Lanä- n Tode tat ein ®i Gl* - sui J« r ' ’{\ P efofl» 1 '* lit <** Itr & Gemmi, auf der Grenze zwischen dem LVallis und K. Bern, einer der wildesten Felsen, über welchen der merkwürdigste l’afs in der ganzen Schweitz führt. Der merkwürdigste Felsenpafs. Die Südseite ist fast senkrecht abgerissen ; und über diese steile Wand ist eine selbst für Pferde gangbare Strafse eingesprengt worden. Dieser l’afs einziger Art wurde in d. J. 1756.-41. von Tyrolern zu Stande gebracht. Die Strafse läuft im Zigzag aufwärts, so dafs man weder nach oben noch nach unten den Fortgang des Weg es sehen kann. Ist man hinabgekommen, und betrachtet man nun die hohe Wand, an welcher man so eben herabgestiegen ist, so kann man zu seinem gröbsten Erstaunen keine Spur von einer Strafse entdecken. Fürchterliche Abgründe gähnen längs der einen Seite des Weges, deren Grausen und Gefahr durch aufgerichtete Mauern von trocknen Steinen vermindert wird. Indessen ist doch Jedem, der dem Schwindel sehr unterworfen ist, zu rathen, diese Strafse wenigstens nicht von Kanderstäg nach Leuch abwärts zu reisen ; umgekehrt, nämlich von den Leucher -Bädern aufwärts, fallen die Abgründe nicht in die Augen, und da kann es Jeder wagen. Viele Kranke aus der nördlichen Schweitz, welche die Bäder zu Leuch besuchen, lassen sich über den Gemmi in Sesseln tragen . wozu acht Männer nothwendig sind, die sich immer ablösen. Gelangt man an den fürchterlichen Weg abwärts, so setzt sieb der Reisende mit dem Gesicht nach hinten gekehrt, läfst sich auch wohl die Augen verbinden, und dann 26 G E M M r. schreiten die kräftigen Träger festen Schrittes singend •weiter. Der Lohn für diese Träger und der Preifs der Pferde von Leuch nach Kanderstäg 6 St., und umgekehrt, ist von der Obrigkeit bestimmt. Von den Bädern zu Leuch bis oben an die Hütte des Gemmi, steigt man i 1 ji St. Man rechnet die Lange des Weges ro.tio F. und die senkrechte Höhe der Gemmt-Wand über die Bäder iGoo F. Ohngefähr auf der Hälfte des Weges geht die Strafse unter weit hervorragenden Fel- sen wie unter einem Gewölbe fort ; diese Gegend wird die groj'se Gallerte genannt. Oberhalb der Gallerie, 2 js des Weges, steht links einige Schritte vom Wege eine einzelne nicht starke Tanne am Rande eines schrecklichen Abgrundes. Ein If'alliser hatte die tolle Verwegenheit, um den getingen Gewinnst einer Wette auf diese Tanne zu steigen, und vom Gipfel einen Zweig zu holen. Jenseit des Abgrundes rechter Hand sieht man an der steilen Felswand eine viereckigte Oeffnung; dort lief vormals der gefährliche Fufsweg, welcher auf den Gemmi führte. Oben bey der Hütte zeigt sich südwärts eine prächtige Aussicht auf die hohe Alpenkette, welche PVallis von Piemont trennt; man sieht aber nur den kleinen Theil, der dem Gemmi gerade gegenüber liegt. Höhe des Gemmi. Von der Hütte gelangt man sehr bald auf die Höhe des Gemmi, die Daube genannt, 6985 F. übers Meer, also 400 F. höher als die Strafse über den Grimsel , 646 F. höher als die Strafse über den Gotthard , 8t r F. höher als über den Simplon, Gejimi. 27 •"W I Offif.. ®äden •Waue ftc liei •o Fel. d »inj illerie, % recl- »diese 111 m mj; 1 auf siet llftn- 0 nett 1 H 1 t 0 ie Stuf" ■jlst ^ $**' aber 351 F. niedriger als der Weg über «len Gries, und 563 F. niedriger als über den grofsen Bernhard. Ostwärts zeigen sich zwey ziemlich gleiche Felsenhörner, welche wahrscheinlich diesem Felsen seinen Namen veranlafst haben. Westlich erblickt man den breiten und grofsen hämmern - Gletscher, Ausüufs eines Eis- thales, welches sich südwestlich nach dem Strubel — und Rdlzli -Gletscher oberhalb Lenk im Simmen - Thal ausdehnt. Es kostet Mühe, sich dem Lämmern- Gletscher zu nähern. Der Bach dieses Gletschers läuft in den Dauben - See, längs dessen östlichem Ufer die Strafse weiter führt. Dieser See ist y* St. lang , acht Monate zugefroren, und ohne sichtbaren Abflufs; um ihn halten sich Dolen mit gelben Schnäbeln, Dävi genannt fCorvus pyrhocorax) auf. Bund umher nichts als nackter Fels, dessen Oberfläche sonderbar gestaltete Vertiefungen, Furchen und Löcher in wunderlichen Windungen zeigt. Eine halbe Stunde vom See gelangt man zu dem Wirthshause Schwarrbach , dessen Bewohner den Winter sich entfernen, wo der Schnee bis 18 F. hoch fällt, wie das im J. 1788- der Fall war. Schn ec stürz. Von hier geht der W^eg weiter über die Trümmer eines eingestürzten Felsen, hernach über einen ebnen Alpengrund, wo man noch deutlich den 2 Sr. langen verwüsteten Strich wahrnimmt, den eine Schneelauine im J. 1782. nahm, welche ostwärts von dem Rinder-llorn herabstürzte, und auf dieser Alp viele Menschen und Vieh tödtete. Aus dieser Alp kömmt inan in eine andere, wo man rechts das Gemm i. 28 C Ja t, gii ■6 st hr im eina Thun G F, M M I. 21) dron hirsutum bey dem Wirthshause Schw arr'h ach. Saxifraga aizoon , mutata, androsacca, hyoides , oppositifolia, autumnalis , s. cum flore aurantio. Silcne acaulis. Drahn dubia, Cnicus spinosissimus. Arbutus alpina. Arbutus uvu ursi. yaccinium uliginosum . Arenaria serpillij'olia und laricifolia. Cherleria. Sedum alratum. Cerastium latifo- lium. Potentilla dubia. Cistus grandißorus. Pcdicularis foliosa. Iberis rotundifolia. Arabis alpina. Ononis rvtun- difolia. Gnaphalium alpinum. Erigeron unißorum. Hiera- cium intyhaceum. Astragalus alpinus , montanus, campestris auf der Südseite. Valeriana montana. Eriophorum alpinum. Alchemilla pentaphjlla. Anthericum serotinum, Epilobium angustissimum. Daphne mczereum. Itumex scutatus. An- tirhinum genistifolium. Juncus Jactjuini . Aira montana. Festuca alpina. JS'ardus stricla. d- 11- ldsw e des 1 und insiiw u sid £111 e® |d«Ü 4 ' '«i y * C*i* Geognostische Thatsachcn. Die Südseite des Gemmi ist ausserordentlich merkwürdig, weil man in den schweizerischen Alpen nirgends das bisher noch so unbekannte Kalkstein - Gebilde ganz genau von oben bis unten, ununterbrochen, Schicht vor Schicht, wie ein Buch bequem entblättern und beobachten kann , wie hier längs des Weges. Der Fufs des Gemmi besteht aus bläulichem Thonschiefer mit breiten Quarzadern. Unmittelbar auf diesem Schiefer sitzt: i) Graugelber derber Kalkstein. 2 ) Gelbe Kalkspatadern. 3) Einige Schichten Schiefer. 4) Kalkstein von gröberm Korn. 5) Kalkstein von feinerm Korn. 6) Kalkschichten mit Quarzsand gemengt, so dals er Feuer giebt. 7) Wellenartige Spatadern. 8) Kalkschichten, in denen Lagen und Nester eines 3 » I X -am .'1 g 0 CemmI. grauen, feinen und harten Sandsteins, der mit dem Stahl Feuer giebt. 9) Schichten Quarzsand mit Kalk. I0 ) Derber Kalkstein in beträchtlicher Dicke. 11) Kalksteinschichten von geringer Derbheit mit Eisenpi- riten , welche die Kalkschichten ockerartig färben. 12 ) Einige Adern gelblichen Kalkspats mit Schieferschichten untermengt. 15) Kalkstein. 14) Schiefer mit Kalkstein gemengt. 15) Reiner Kalkstein. 16) Breite Adern gelblichen Kalkspats mit Quarz gemengt, giebt am Stahl Feuer; dicht unterhalb der Höhe des' Gemmi. 17) Die Höhe selbst zeigt nur derben grauen Kalkstein. Die Kalksteinschichten des Gemmi und seiner Nachbarn senken nach NW. ein. Man soll auf dem Gemmi versteinerte Kochliten und Tcrebratuliten gefunden haben. So oft ich ihn auch besucht habe, sind mir doch nie Versteinerungen zu Gesicht gekommen; indessen darf man ihr Daseyn gar nicht bezweifeln, denn nicht fern südwestlich am Kazli und Strubel fand ich viele dergleichen. Der Gemmi hat an seiner Südseite fürchterliche Einstürzungen erfahren (man s. hierüber den Art. Leuh). Die hohen Hörner, welche zwischen den zwey Gemmi - Spitzen östlich, und der Felsspitze des Z.ammer/2-Gletschers westlich gestanden haben, sind herabgestürzt, und haben die grofsen Schuttkegel am Südfufse des Gemmi, die jetzt mit Rasen und Wald überzogen sind, erzeugt, und der Gemmi ist ein platter Fels gegen die benachbarten hohem '/Angel geworden. Entstehungsart der e i g entlr ümlichen Oberfläche des Gemmi auf der Nordseite. Genf. «k» s hi, « ästtji *• I! uckü fer * 1 Brei i giek jaul Kill. SOKI ’ Bau •faa- mir es- em Utk «taut erübet iisitn :\«pw ®,ite rfOrt*"- ul# tJi""' 3» Ehe diese Einstürze sich ereigneten, lagen auf der Nordseite grofse Gletscher, welche den ganzen Gemini bis unterhalb dem Dauben -See bedeckten. Diefs ergiebt sich bestimmt aus der sonderbaren Oberfläche dieses Berges, dessen wunderlich gewundne Vertiefungen und platte Erhöhungen von dem Schmelzwasser des Gletschers entstanden sind. Unter allen Gletschern rinnt das Wasser in tausend Windungen, und löst die Oberfläche der Felsen in seinem Laufe auf; das Bett dieser kleinen Bäche sinkt immer tiefer, und die dazwischen liegenden Feistheile erscheinen dann als platte Erhöhungen. Nach erfolgtem Einsturze der mittlern Oemmi - Hörner hörte die Ernährung des Gletschers auf; der untere Theil mulste also ganz zerschmelzen, und der Gemmi erschien nackend, während zu beyden Seiten von den noch stehenden Hörnern Gletscher herabhängen. Genaue Untersuchung des Gemmi und andrer Felsen (S. Hinter- Rhein ) haben mich überzeugt, dafs diese merkwürdige Erscheinung mancher Felsen-Oberflächen von keiner andern Ursache als von ehmaligen Gletschern herrührt. Genekoso (Monte} auch Cal-vagione genannt, im Muggia -Thal der Landschaft Mendrys , K. Tessin; merkwürdig durch seltne Pflanzen (S. Mendrisio _). Gene fGeneveJ *). Wirthshäuser ; Aux Baian- ces; Ecu de Geneve; Ecu de France; ä la Couronne; Hotel d'Angleterre oder au Secheron , ausserhalb der Stadt, St. vor dem Thor St. Gervais: Diefs ist' *) S. Mailet s harte von Genf und dessen Gebiet: im J. 1776. herausgegebeu. 32 Genf. das am schönsten gelegne, und am befsten eingerichtete aber theuerste Gasthaus , wo der Reisende auch stets Pferde findet. Gent liegt unter 46°, ia', 17" nördl. Breite* und 25 °i 49 *i 3 Ü" der Lange, auf einem Hügel von 8° bis <50 Fufs Höhe über den Genfer* See, von der kristallhellen Rhone durchströmt. Das Klima Genfs ist kälter als das von Paris , obgleich Genf um a Grad 38 Minuten südlicher liegt, welches von der hohem Lage und den nahen Schneegebirgen herrührt. Die gröfste Kälte steigt auf 14 0 , und die giöfste Hitze auf 2G 0 Reaumür. Geschichte. Julius Caesar ist der älteste Schriftsteller, welcher von Genf redet, und seine Worte sind: Extremum oppidum Allobrogum , proximumque Helve- tiorum finibus est Geneva. Das Land der Allobrogen , zu welchem Geneva gehörte, erstreckte sich über ganz Savoyen bis Lyon und Vienne. S. Chambery. Caesar errichtete liier seinen Waffeuplatz gegen die Helvetier , und am linken Ufer der Rhone eine Mauer von 150 Stadien (9000 Schritt) Länge und 16 Fufs Höhe mit vielen Thürmen (S. hierüber Abauzit Untersuchungen in Spon Histoire de Geneve. T. II. der Ausgabe vom J. 1731 in 4 0 ), um den auswandernden Helvetiern den Zug durch die römische Provinz zu wehren, (S. deren Schicksal weiter unten). Genf wurde in den ' Kriegen unter den römischen Kaisern zweymal zerstört, und man findet auch a Pilaster übereinander; das erste in einer Tiefe von 3-4 F., das zvyeyte in einer Tiefe #5 Biif 10 V iiÜ Fr« ! 11 Eft i f « 1 i ! ^ i ¥ w . ■ ! ! k 1 i De 4 Genf. 33 ifl r von 5-6 F. — Gundjochs Sohn, Hilperich , hatte al« Iiurgundischer König im J. 466;. seinen Sitz zu Genf. Sein Bruder Gundebald , welcher zu Lyon herrschte, bekriegte ihn* nahm ihn gefangen, liefs ihn enthaupten und bemächtigte sich seines Reichs. Hilperichs von Gundebald gefangen gehaltne Tochter Clolilde erhielt ihre Freyheit, da sie der fränkische König Clovis, der sich im J. 485 . ganz Gallien unterworfen hatte, zur Gemahlin begehrte, welche ihn nachher zur Annahme des christlichen Glaubens bewog. Gundebald liefs Genf wieder hersteilen. Im J. 5°2. hielten die burgundischen Freyen zu Genf einen Landtag, an welchem sie die Gesetze Gundebalds abschaften, und neue ordneten. Gundebald hielt zu Quadruvium (dem nahe bey Genf liegenden Quarre) einen Reichstag, und liefs seinen Sohn Sigismund zum König ernennen. Gundebald starb im ■L 5 1 5 - 1 ° dem nahe bey Quarre liegenden Sumpfe findet man an dem zerstörten Schlosse Rolbaud Spuren von der Burg Gundebalds. — Im J. 773. reiste Carl der Grofse auf seinem Zuge nach Italien durch Genf,— Rudolf II. König von Burgund, versammelte ira J. 923. sein Heer zu Genf, und zog von hier nach Ivrea, um dem König Berengar Italien zu entreifsen, welcher die ßladscharen oder Ungarn zu seiner Hülfe rufte, die von dieser Zeit an die Lombardey, Rhätien, Burgund und Deutschland lange verwüsteten (S. Solothurn). Der deutsche Kaiser Konrad (S. Solothurn ) zog im J. 1034. als Graf Odo und dessen Parthey in Burgund das Haupt empor hoben, mit einem Heere durch die III. f \ \ I 3 Schweitz nach Genf , welches sich ergeben mufste, worauf Conrad hier von den Burgundern zum zweytenmal zu ihrem König gewählt und gekrönt wurde. — Schon im IV. Jahrhundert soll ein Bischof hier seinen Sitz gehabt haben, welcher nach und nach alle Hoheitsrechte über die Stadt an sich zu bringen wufste, ob sie gleich seit dem XI. Jahrhundert als deutsche Reichsstadt erklärt war. — Von dem XIII. Jahrhundert an unaufhörliche Fehden zwischen den Bischöfen, dem Grafen von Genf und dem Grafen von Savoyen wegen des Besitzes der Stadt. Von der Mitte des XV. Jahrhunderts bis 1556. steter Kampf der Genfer gegen die Herrschsucht der Herzoge von Savoyen, bis sie durch ihren Muth und die Unterstützung der Eidgenossen völlige Freylieit und Unabhängigkeit erwarben. Im J. 1550. begannen Farel, Froment, Lambert und Bousquet, die Genfer zur Abschüttelung des Priesterjochs einzuladen , und unter thätiger Mitwirkung Calvins wurde 1535, die Reformation eingeführt. Calvin war nicht blofs Reformator, sondern wurde auch Gesetzgeber dieses Freystaats. Clemens Marot flüchtete 1543. und bald nachher Theodor de Beza aus Frankreich nach Genf. Beyde übersetzten die Psalmen in Verse, und Calvin liefs sie von Goudimel und Bourgois in Musik jetzen, 1561. in Lyon drucken, und führte sie in den Kirchen Genfs ein. Diese Psalmen, von l.obyrasser ins Deutsche übertragen und zu 4 Stimmen gesetzt, sind,von jener Zeit die Kirchengesänge aller Refortnirten der ganzen Schweitz geworden, und sind es noch. Die Reformation l! iß (0 BT ta 0 I: 1 1 £1 R& t 1 zog viele Proseliten aus Languedoc , Poitou , aus Lucca , aus der Gegend von Vicenza , selbst aus der griechischen Insel Candia (t. B. Caesar Portus) nach Genf. In den J. 1542. und 1545. litt Genf durch die Pest ausserordentlich. Dieser Freystaat errichtete 1558. mit Bern und 1 j 84 - mit Zürich und Solothurn einen ewigen Bund, schlofs sich an die Eidgenossenschaft, und wurde seit der Zeit immer als ein Theil der Schvreitz betrachtet, in welcher Genf die gröfste Stadt war. Genf zeichnete sich schon seit dem Anfang des XV. Jahrhunderts durch Betriebsamkeit und Handelsgeist aus; aber seit der Reformation blühten daselbst Wissenschaften, Künste und Erwerbsfleifs in einem bewundernswürdigen Grade. Keine Bürgergemeinde in Europa hat nach Verhältnils der Volksmenge so viele berühmte Gelehrte und Schriftsteller hervorgebracht, so allgemein verbreiteter Verstandesbildung und eines so grofsen Reichthums genossen *). In dem Laufe des XVIII. Jahrhun- Das ganze Gebieth des Freystaats betrug 3 7 /roo Q Stunden. In der Stadt lebten 35,000. in der Bannmeile 4x00. und im übrigen Gebieth 4600 Einwohner zu Ende des XVIII. Jahrhunderts. Die Einwohner der Stadt Genf bezogen 1780. für die an Frankreich geliehnen Summen 16 Millionen, und aus Holland und England für ihre dort stehende Kapitalien auch noch 6 — 8 Millionen Livres jährliche Zinsen. Der Spekulationsgeist auf die von fremden Mächten veranstalteten Anleihen und auf die Benutzung der Veränderung des Zutrauens der Staatspapicre ist nie weiter getrieben worden wie zu Genf. Die Genfer ersannen die Vertheilung beträchtlicher Leibrenten auf 3 o junge Töchter, wovon das Ganze einen Tontincn- Fond ausmachte. Gent. 36 derts brachen zu wiederholtenmalen sehr heftige innere Unruhen in der Stadt Genf aus, wobey es einigemal zum offnen Gefecht kam, (S. hierüber die Schriften des XVIII. Abschnitts im I. Theil , und Heiners Reisen). Der Glanz dieses kleinen aber desto merkwürdigem Freystaats wurde auf einmal getrübt. Die politischen Krämpfe Frankreichs theilten sich ihm im J. 1793. mit; schreckliche Greuel und Anarchie hausten einige Jahre in dessen Innern; und wie so eben Ruhe und Ordnung wieder zurückgekehrt waren, verlor das Vaterland RousseaiCs , Bonnets und so vieler edler Männer, seine Unabhängigkeit, Gesetze und Sitten *). Genf wurde den 15. April 1798- von französischen Truppen besetzt und gleich darauf mit Frankreich vereinigt. (S. die Schriften d. XVIII. Ab sehn. I. Th.) Europa hat durch die Vernichtung dieses Freystaats eines der merkwürdigsten Tlieile des mannigfaltigen Lebens der europäischen Völker verloliren. Genf bis 1792. ist in dem Genf von 1800. in keiner Rücksicht mehr wieder zu erkennen. In jener glücklichen Zeit hatte Genf die innere und äussere Lebendigkeit und den Glanz wie irgend nur die Hauptstadt eines grofsen Landes, verbunden mit der Nettigkeit und Reinlichkeit einer freyen Schweitzerstadt. Merkwürdigkeiten. Von den Mauern und Thürmen, welche 1366. der Bischof Wilhelm von Mar- cossay aufführen liefs, steht noch der Tour Maitresse. Die jetzigen Befestigungswerke wurden im Anfang des *} S. die Verfassung und Gesetze des Freystaats Genfs in Etat civil de Gen'eve, par Xaville. 1790. / XVII. Jahrhunderts unter Aufsicht Agrippa’s d’Aubigne angefangen; die Bastion de Hesse erbaute man aus 10,000 Thalern, welche der Landgraf Moritz von Hessen dazu schenkte. — Sehenswerth sind: 1) Die Bibliothek , welche ihren Anfang dem treflichen Bonnivard , Prior zu St. Victor zur Zeit der Reformation (S. über dessen Gefangenschaft den Art. J r evay') verdankt. Sie besteht aus 50,000 Bänden und 200 Handschriften *). Die Bibliothek besitzt 24 Bände Predigten Calvins, Sammlungen von Briefen der Reformatoren Calvin, Beza, Bul- linger, Predigten des H. Augustin auf Papyrus geschrieben aus dem VI. Jahrhundert, ein Fragment der Ausgabe-Rechnungen Philipp des Schönen vom J. 1314. die aus sechs hölzernen mit einer wachsartigen Materie überzognen Täfelchen bestehen, worauf die Buchstaben eingegraben sind. In einem Zimmer der Bibliothek sind optische, mathematische Instrumente, anatomische Präparate, Alterthümer, unter denen ein zirkelrunder silberner Schild , 34 Unzen schwer, mit erhobnen Figuren und der Inschrift: Largitas D. N. Valentinian! Augusti; er wurde 1721. im alten Bette der Arve gefunden. Ausser diesem giebt es nur noch 2 andere silberne Schilde aus der römischen Zeit, die auf der Bibliothek zu Paris sind. Ferner sieht man auf der Bibliothek mehrere Bildnisse berühmter Genfer , unter andern von Mayerne Turguet, (Leibarzt Heinrich IV. und später der *) S. Catalogue raisonne des Manuscripts conserves dans la Bibliotheyue de Gen'eve, par J. Senebier. S. Gen'cve > 77 9 - t 58 Gen *' englischen Könige Jacob und Carl I.) durch Petitot ge- raahlt, und einige Bruchstücke der so berühmten und bewunderten Leda (34 Zoll hoch, 50 Zoll breit, Kopie eines Basreliefs von Michel Angelo) des Maler Arlaud , (S. hievon weiter untenDie Bibliothek ist Dienstags von 1-3 Uhr offen. 2) Die Sternwarte. 3) Die Akademie , wo 12 Professoren angestellt sind und ihren glänzenden Ruf behauptet. In einem Saale derselben viele Gypsabgüsse von den antiken Bildsäulen, Gruppen, Büsten und Basreliefs, welche von Eingebohrnen geschenkt worden sind, und trefliche Gemälde von St. Ours und Delarive. 4) D* e Zeichenschule. 5) Das Hospital. 6) Die Peterskirche , dessen Vorderseite nach der Rotunda in Rom gebaut ist. Auf dieser Stelle stand zur Allobrogen— und Römerzeit ein Tempel der Sonne. In der Kirche die Grabmäler Heinrichs , Herzogs von Rohan, Partheyhaupts der Protestanten in Frankreich im Anfänge des XVII. Jahrhunderts *), seines Sohnes Tancreds , dessen Geburt und Daseyn einen der berühmtesten Processe erregte (S. Pitavals causes celebresj, des Agrippa d'Aubigne , Kriegers und gelehrten Theologen , Herausgebers einer Universalgeschichte und der Geschichte seinerzeit, wodurch er sich die Ungnade des französischen Hofes zuzog und Frankreich verlassen *) Herzog Heinrich von Rohan wurde von llichelien vertrieben, lebte in Genf, diente als Freywiiliger unter dem Herzog Bernhard von Weimar, wurde i633. in der Schlacht bey Rheinfelden verwundet und starb. Sein Grabmal hier liefs seine Gemahlin, Margaretha von Be- thune, Tochter des grofsen Sully, setzen. 01 f- tn 114 .fäj, (r/önj iensag, 'Ult 1 iba welk '«PP, len g( . voi St, 5) B» e mc stanä mne. m StA Wto« beiito - tlebtts]. ? sali »* a ,0* 634 * iUtt" * „M*' Genf. 59 niufste. Genf beschützte ihn mit allem Mtith gegen die "Verfolgungen des mächtigen Hofes; er starb 1630. Auf dem Thurm der Peterskirche herrliche Aussichten. 7) Die Kunstarbeiten der Uhrfabrikauren, der Emailmaler, Vergolder, Gold- und Silberarbeiter, Juweliercr und Mechaniker. Die Uhrfabriken beschäftigten am Ende des XVIII. Jahrhunderts 5 — 6000 Männer und Frauen. 8) Die Sammt - Zitz- Hut- Lederfabriken. 9) Die grofse Fabrik des Hrn. Pictet de R'ochemont, dessen Schawls mit den ostindischen wetteifern. 10) Die Wassermaschine, welche alle Brunnen der Stadt versorgt, und in jeder Minute 500 Pinten giefst. n) Die Gesellschaft zur Beförderung der Künste, vom Uhrmacher Louis Faizan gegründet. Na t ur a }ien-S a mm] u ng en. Bey Hrn. Theodor von Saussüre (gelehrten Sohns des berühmten Naturforschers und Montblanc - Besteigers ) die vollständigste Sammlung der Stein- und Gebirgsarten, der vulkanischen Produkte, Sammlungen von Versteinerungen, Insekten und Vögeln, viele physikalische Instrumente und ein chymischcs Laboratorium. Mineralien - Sammlungen bey den HII. Tollot, Pictet, Tingry, Boissy, de Luc (bey dem man das schönste Stück Uran oder Pechblende und Quarzkristallen von Titan durchdrungen sieht; Ilr. de Luc besitzt auch ein Konchylien-Kabinet), bey dem Wundarzt Hr. Jurine, welcher besonders alle Fossilien des Gotthards in gröfster Schönheit, ein sehr reiches Kabinet von Insehten und Fögeln , und gemeinschaftlich mit seinem Schwiegersohn Hrn. Berger ein beynabe vollständiges Herbarium der Alpen. In-, sebtcn-Sammlung be y Hrn< Gourgas.— In der Sammlung des JIrn. Gosse eine Misgeburt von einer Kuh, die man für sonderbar merkwürdig wegen einigen Aehn- lichkeiten mit dem Menschen hielt; nach dem Ausspruch des gröfsten Anatomen unsrer Zeit, Soemmerings in München, der vor einigen Jahren Genf und auch diese Sammlung besuchte, ist es nichts weiter als ein Wasserkopf am Kalbe. Bey Hrn. Walner findet man Sammlungen von Alpen-Insekten zu kaufen. Gemälde-Sammlungen und Künstler. Gemälde - Sammlungen bey den H1I. Tronchin , Sellon , Chapuis, Francilion in der Grande Rue, bey der Wittwp le Maitre. Ausgezeichnete Geschichtsmaler sind: St. Ours; Landschafts- und Thiermaler Delarive in Prin- singe 2 St. von Genf; dessen Darstellung des Montblanc bey Untergang der Sonne ist einzig in seiner Art; Landschafts - und Karrikaturmaler Töpfer; die geschicktesten Email-Maler Favre und Jungfer Terreux; Minia-r tur - Maler Arlaud, Bouvier, Senet, Jungfer Masset, Rath, und Link; Modellier in Wachs Vialandi; Modellier in Thon Vaupher; Bildhauer Jaquet. — Paul ist einer der besten Verfertiger physischer Instrumente in Europa. Argand ist Erfinder der so berühmten Lampen, welche nach seinem Namen benannt werden. Agasse, berühmter Pferdemaler, lebt in London, Berühmte Maler der vergangnen Zeit waren Petitot und Arlaud. Der Erstere lebte als Miniatur - Maler zur Zeit Vandyks am Hofe Carls I. nachher am Ilofe Ludwig XIV. und Genf. 4 * '• k V r fct, t 4 ck ®F r -i i ch diese > Wm. SlQUZK r. Ge- Selion, F/otc St. 'harnt* in; JäsSl- Uhii- Ji-> _ P» istn ® 93 0til* ,d & *** starb 1691. au Vevay in hohem Alter (S. auf der Bibliothek von ihm das Bild Turquets, der als guter Chy-r mist in Zusammensetzung der Emailfarben ihm sehr half, und ihn an den Hof Carl I. brachte). Arlaud zerhieb seine von allen Kennern in Paris so bewunderte Leda im J. 1738- zu Genf aus Gewissensbissen ; einige Bruchstücke davon sind auf der Bibliothek, der Kopf in den Händen eines Privatmanns zu Genf, ein Bein in London, eine Hand in Paris. Huber, der Vater, war durch die Kunst im Ausschneiden in hohem Grade geschickt und berühmt. Sein Enkel hat dasselbe Talent D geerbt. (S. Lausanne ). Bey Monti im Rathhause Kunsthandlung . Wissenschaften und berühmte Männer. Schon 1478- waren in Genf Buchdrucker. Der 'Buchhandel war hier von jeher sehr blühend, und eine Menge Werke, welche in Frankreich nicht gedruckt werden durften, erschienen hier, und von den berühmtesten Werken wurden liier vollständigere Ausgaben veranstaltet, als in Frankreich geschehen durfte. Unter der Menge von berühmten Gelehrten und Schriftstellern aller Art, welche Genf besessen hat, will ich nur Abauzit, Spon, J. J. Rousseau, Bonnet, Fatio de Duillier (Mathematiker am Ende des XVII. Jahrhundert), Michel du Crest (erster Bergmesser in der Schweitz , S. Aarburg') Le Sage, De Luc, Senebier, Saussure Vater und Sohn, Pictet, Mailet, Neckerund dessen Tochter, Frau von Stael-Holstein ( S. Coppet ), des blinden Huber’s, Schüler Bonnets und Naturforscher (S. Lausanne,), \ 43 Genf. u. s. w. gedenken. (Man sehe Senebier histoire litte - raire de Ceneve. 1786. 3 Vol. Ceneve). Prof. Pic- tet giebt hier das allgemein geschätzte Magazin bri- tannique heraus. Die Zahl der Genfer, welche als ausgezeichnete Offiziere in den europäischen Heeren dienten , und als Erzieher in den Häusern der Reichen des nördlichen Europa’s lebten, war vor dem Untergange des Freystaats sehr grofs; aber noch weit grösser war die Anzahl der Jünglinge aus England, Deutschland, Dänemark, Rufsland, Polen, welche auf Jahre hieher kamen, um die französische Sprache zu lernen, ohne den Gefahren von Paris ausgesetzt zu seyn. • Pensions - Anstalten. Bäder. Lesekabinette. Es giebt viele Familien, bey denen Reisende sich in Pension hegeben können. In den wohlfeilsten Pensionen wird 4-5 Karoline monatlich für ein gutes Wohnzimmer, für Frühstück, Mittag- und Abendessen, Thee des Nachmittags, Feurung und Aufwartung bezahlt. — Seebäder findet man aux Baitis de Lullin; kalte Rhone-Bäder in einem Gebäude mitten im Flufs nahe bey der Fabrik Fatio , wohin man durch St. Gervais geht; warme Rhone-Bäder in der Rüe derriere le Rhone , besonders bey H. Grobety , wo in den Badezimmern N°. 1-4 vortrefliche Aussichten sind; hinter dem Schiefsplatze dicht an der Rhone ; und ausserhalb der Stadt am linken Rhone- Ufer, dem Hügel St. Jean gegenüber. Die Arve - Bäder sind die kältesten ; ( ein sichrer Platz *um Baden bey der Tour des Philo- fophes Bey St. Gervais ist vor wenigen Jahren eine Genf. 43 «k An dm { Ktr^ Utrr UctlijK * iidif J, «k hh ’iseoäi ilstea ptrs >j W Ltllin; m FW> St. O iirrir. 11S®'' jSt> in * warme Qualle entdeckt worden , welche 33 0 Hitze Reau- mür halt, und wovon 50 Pf. Wasser enthalten: schwefel- sauern Kalk mit ^7 kohlensauern Kalk 2 Loth 2 Gran , Schwefelsäure Soda 3 Loth 2 Quentchen, .salzsaure Soda 1 Loth 3 Quent. 2 Gr. , salzsaure Magnesia 2 Quent. 20 Gr., Steinöl 2 Gr., konkrete Kohlensäure 1 Quent. 8 Gr. — Lesekabinette in der Rite de Cite ; ein Kabi- net h la gratide Rite N°. 205. bey H. Paschoud , wq englische, französische, italienische und deutsche Monatschriften und Zeitungen gehalten werden ). Spaziergänge und schöne Standpunkte in der Stadt. Die Häuser Sellon , Turettini , Tron- chin , Buisson , Saussure und Boissy auf einer 60 Fufs hohen Terrasse nach Südwesten , dann die Häuser in der Strafse Beauregard und um den Dohm, haben die schönste Lage und die herrlichsten Aussichten. — Spaziergänge in der Stadt sind: La Treidle; le Bastion, bourgeois ; la Place St, Antoine (wo die Aussicht auf den mit Landhäusern besetzten Hügel Cologny und über den See an der savoyischen Seite bis Y-voire , an der Schweitzer-Seite bis Coppet , Nyon und Morges herrlich ist; auch sieht man den Buet von hier sehr gut); le Petit Languedoc , wo man spazirt, wenn der Nordwind ( Bise genanntJ heftig wehet. Schöne Aussichten sind: Auf dem Thurm des Dohmes, in der Strafse Rue derriere le Rhone bey den Häfen der Korn- und Holzschiffe, am Ende dieser Strafse bey den Fleischbänken vorbey, an dem Orte , wo mehrere Adler als ein Symbol des Stadtwappens ernährt wurden; 4 ' ( Genf. liier ist ein schöner Blick über den See; auf der Bastion de Chante-Poulet in St. Gervais; in dem Garten des TI. Fatio , Besitzers der grofsen Zitzfabrik. Spaziergänge ausser der Stadt. Die Gegend von Genf ist so reizend und von so vielen Wegen durchschnitten, dafs die Mannigfaltigkeit der Spaziergänge, der treflichen Standpunkte und Aussichten ausserordentlich grofs wird. Nur die vorzüglichsten will ich anmerken. Die Schweitzer -Seite der Stadt hat wegen der prächtigen unbeschreiblich schönen und erhabenen Aussichten auf den Montblanc und dessen Nachbarn unendliche Vorzüge vor der savoyischen Seite. i) Schweitzer- oder W. und N. Seite der Stadt. Da man die savoyischen Gebirge von dieser Seite stets in Augen hat, so will ich sie zuerst bestimmt kennbar machen. Wenn man aus dem Thor St. Gervais her- ausspazieit, und eine Viertelstunde davon sein Gesicht nach den jenseits des Sees gelegnen Hochgebirgen wendet, so erblickt man grade gegenüber den 45*6 F. hohen pyramidenförmigen und grünen Mole ; rechts oder westlich den nackten hieinen und grofsen Saleve 3073 F. hoch ; links oder östlich den grünen länglichen Voirons 3112 F. hoch; vor dem Mole zwischen dem Voirons und Saleve den sanftrunden reizenden Hügel 625 F. hohen Montoux; zwischen dem Mole und Saleve südwärts die Felsen Brezon und Vergi 4-5000 F. nnd über diese erhebt sich der majestätische Montblanc I 3i4 2 8 F. Zwischen dem Mole und Voirons erblickt man die hohe Aiguille d'Argentiere , und den rund- Genf. 45 iil Gt {*: % Spiit *a i» len n£ adt Im «I erb- i Jficfc- Seiit t. Di «in liar ier- sftt WJr ji6 F. recte Sale« eben J* . len Bf 1 und ^ ( . 5 # 1 „e* köpfigen 8345 F. hohen Buet *). An vielen Punkten der Schweitzer- Seite bemerkt man weit in Osten hinter dem Voirons zwey kable 5655 F. hohe Felsenspitzen , Dents d’Oches genannt (die zwischen Meillerie und St. Gingouph sich erheben), und von da, sich nach Nordosten wendend, alle Gebirge, welche hinter Chillon und Montreux am Genfer-See sich bis nach dem Molesson ziehen, den ich vom Petit Sacconex sehr genau erkannt habe. (Der Molesson, 5°47 F. über den See , erhebt sich bey Gruyeres im K. Freyburg , und ist von Genf ohngefähr 15-16 St. in grader Linie entfernt). Wendet man sich nach N. und W., so zeigt sich die lange Bergmauer des Jura, in welcher man die drey höchsten Kuppen derselben , nämlich den Reculet 4062 F. hoch (nur 4 St. von Genf), die Dole mehr nordwärts 3948 F., und noch nördlicher der Tendre 4056 F. über den See. Spaziergänge: Die Tour sous terre oder nach der Höhe des Flügels von St. Jean bey dem Landhause les Detices, in welchem Voltaire einst wohnte**), und auf der Höhe des Hügels bey dem Landhause des H. Constant vorbey. Da, wo der Weg ein Ende zu haben scheint, folge man links *) Alle diese Höhen sind über den Genferse gerechnet. **) Yoltaire war zu Colmar nach dem Verlust der Gnade Friedrichs II.. als ihn der Buchhändler Cramer aus Genf besuchte , und ihm vorschlug, alle seine Werke zu drucken, wodurch er bestimmt wurde, flach Genf zu gehen. Er wohnte in dem Landhause les Delices, welches er in dem Gedicht: O! Maison d'Aristippe! Oi Jardins d’Epicure! besang. Alle Vergnügungen und Genf. 46 einem engen sehr verwachsnen Fufsteige, der am Abgrund eines, eingestürzten Hügels auf eine offene freye Stelle führt. Hier setzt man sich gern auf den Rasen, um die schöne Aussicht ganz zu geniefsen. Verfolgt man den Fufssteig weiter , so kommt man zur Stadt zurück. Nach den Hügeln Klein- und Grojs-Sacconex , mit Landhäusern in der entzückendsten Lage besetzt. Man folge aus dem Dorfe Crofs-Saccoiiex rechts der Strafse, die nach Genf führt, bis an eine Kirche auf der Höhe des Weges ; von hier aber links einem Fufs- steige, der durch dickes Gesträuch auf eine offene Stelle fühlt, wo man die ausgedehnteste und reitzendste Aussicht über den See, welche in der Nähe von Genf möglich ist, geniefst. Geht inan demselben Ful’ssteige weiter nach, so kommt man in die grofse Heerstrafse hinab, und von da in einer halben Stunde nach der Stadt; Der befste Standpunkt, den Montblanc zu bewundern. Wenn Himmel und Luft recht hell und heiter sind, so lade ich Jeden ein, gegen Abend, 1^2 St. vor Sonnenuntergang, die Stadt zu verlassen, und die grofse Landstrafse , welche durch Grand-Sac- conex nach Ferney führt, bis auf die Höhe derselben, % St. vor dem Dorfe Crojs - Sacconex zu spazieren, Und dort den Anblick des Montblanc beyrn Untergang Annehmlichkeiten vereinigte er in diesem Hause; auf seinem Gcsellschaftstheater theilte er die Rollen selbst aus t und spielte bisweilen mit. Alles dies erregte den Hafs der Cenfer-Geistlichen und die Unruhen der Strengen , so dafs er nicht lange hier -wohnte, sondern » 757 « nach Lausanne und von da 1759. nach Ferney zog. G ENF. 47 H »bs. t wir» k*: tbt thett d Fii OHE iob i Ges ■teigt a fse ad', iMl beni, «Jen, !-Sac- istlio p#* ** det & *<* r der Sonne zu geniefsen. In der ganzen Gegend von Genf habe ich nirgends einen Standpunkt gefunden, wo dieser König der Berge durch seine Gröfse, Masse und Gestalt so fesselt, entzückt und in Erstaunen setzt, wie hier. — Nach den Landhäusern Varambe , Gen- thod ( wo Karl Bonnet wohnte) Beaulieu , Pregny , Penthe , Chambeisi u. s. w., die alle eine sehenswerthe Lage haben. 2) Spaziergänge auf der savoyischen oder östlich- und südlichen Seite der Stadt: Nach den Hügeln Cham- pel , Boissiere und Cologny, der 359 F. über den See liegt; auf den letztem zu Chougny , Bessinge und bey dem Landhause des H. Tronchin herrliche Aussich- ten. — Die Tour des Philosoph.es und die Tour de Tranchee, — Auf dem Plairi - Palais , dicht vor dem neuen Thore. — Die Tour des Jardins, nach dem Zusammenflüsse der Rhone und der Gold führenden Arve , welche die Gewässer des stolzen Montblanc und aller seiner Nachbarn herbeyfluthet, % St. von der Stadt. — Nach dem Hügel Batia oberhalb / der Vereinigung der beyden Flüsse. Nach den Ro- chers de Cartigny in dem 255 F. tiefen Bette der Rhone bey dem Dorfe Cartigny. — Nach T'illetle in Savoyen , vom Schlosse grade südwärts durch einige kleine Dörfer nach diene , und von da zurück nach Genf (auf diesem Spaziergange viel romantisch Malerisches ). — Spazierfahrten auf dem See in der Nähe der Stadt zeigen ebenfalls sehr angenehme Ansichten.— Angenehmer Spaziergang nach Collonge und Coin , wo Genf. 43 man eine ausserordentliche Zerstöbrung der Felsschichten des Saleve und eine enge Schlucht, die den Saleve spaltet, sieht; f / 4 St. oberhalb dem Dorfe Coin die Grotte de Balme * und t % St. noch höher die Grotte d'Orjabet , merkwürdiger als die erstere ; der gemächliche W eg dahin geht durchs Dorf Croisette, Ausgedehnte Aussichten und kleine Spazierreisen, in der Gegend von Genf. i) Auf den Saleve. Der Weg dahin geht durch Caronge und Veiri t St. Von hier zu Fufs grade in das Thal hinauf über den Pas de l'echelle i St. W T er dem Schwindel unterworfen ist, kann diesen Fufssteig nicht steigen, sondern mufs , um den kleinen Saleve herum von der Südseite, bis ins Doif Monetier , 5 St. von Genf, fahren. Wer hier mehr als Milch, Wein, Brodt, Honig und Eyer geniefsen will, mufs sich in Genf besser versorgen. Von dem Dorfe Monetier auf den grossen Saleve 1 St. Der Gipfel, Piton genannt, durch die physischen Versuche des H. de Luc berühmt, liegt 5072 F. über den Genfer- See. Die Aussicht näch Savoyen , auf das Thal de Bornes , den Lauf der Arve , auf die Stadt Bonneville , auf den Mole , die Felsketten Brezon und P'ergi hinter Bonneville , auf den Montblanc; links von diesen auf den Geant , die Aiguille d'Argentiere und den Buet , südwestlich auf einen Theil des Sees von Annecy ; auf den Berg Sion, der sich an dem Saleve anlegt, und den Rhone - Kessel von der SW. Seite schliefst; westwärts auf die Berg- Lücke zwischen dem Jura und p'ouache, wo die Rhone den Jura durchbrochen hat und das Fort PEcluse liegt; nordwärts auf den langen Jura, den grofsten Theil des Pays de Vaud, den Genfer- See und die Stadt Genf (diese Aussicht ist ausserordentlich schön), Von Monetier auf den hieinen Saleve St.; % St, vom Dorfe, oberhalb dem Pas de Pechelle, bey den Ruinen des Schlosses de l’Hermitage eine herrliche Aussicht auf den Genfer - See , das Pays de Vaud, die Stadt Genf und den Jura. Einige Minuten davon liegt die Balme de VHermitage , wo einige hundert Personen Schutz finden können ; oberhalb dieser liegt die Halme de Demon; es ist aber gefährlich dahin zu gelangen. Am östlichen Ende des hieinen Saleve liegt bey Etrem- hieres eine mineralische Quelle, welche Schwefel, fixes Alkali, und absorbirende Erde enthält ; ihr Wärmegrad ist 6 ° über Null Reaumür. — Die naturhistorischen Merkwürdigkeiten des Saleve sehe man weiter unten. 2) Auf den Voirons. In 2 St. fährt man nach dem Dorfe Cranve; von hier steigt man zu Fufs oder zu Pferde in 2% St. zu den Ruinen des Klosters, welches man aus der Gegend von Genf überall erblickt , und 468 Klafter über den See liegt. Hier ist eine herrliche Aussicht auf den Genfer - See, das Pays de Vaud, auf das ganze Chablais und auf eine Menge Felsen nach O. Der Gipfel des Voirons , Calvaire genannt 3114 F. über den See, gewährt keine Aussicht. Folgt man dem Fufssteige auf dem Rücken des Voirons, nahe an einem Abgrund, Mädchensprung genannt, vorbey, so gelangt man in 1 ^ St. an das westliche Ende ober- Gen». 5 ° halb der Sennhütte Pralaire auf eine freye Anhöhe, YiO eine vortrefliche Aussicht auf das Thal de Bornes nach SW., den Montblanc , und viele Felsen nach S., auf das Thal Boege am südlichen Fufs des Voirons, auf den Lauf der Menoge, und auf den Genfersee, dessen Landhäuser und Dörfer. Von dieser Stelle steigt man in 1 St. zu dem Dorfe Cranve herab. 3) Auf den Mole. S. Bonneville. 4) Auf den Hügel Boisy, und nach dem ehma- ligen Kloster Ripaille , dicht am See, wo trelliche Aussichten sind. Man kann in einem Tage bequem diese kleine Reise machen. Auf ‘dem Hügel Boisjr , der nur 1116 F. über den See liegt, 1 St. lang und 5 z St. breit ist, giebt es entzückende Aussichten, die fast mit jedem Schritte wechseln, besonders am nördlichen Ende der grofseu Allee des Waldes; man sieht alle Städte und Oerter am schweizerischen Seeufer. Nach SW. kann man in ein kleines wiesen- und buschreiches Thal am Fufs des Voirons , wo man das Schlofs Cer- ■vens* **) ) sieht, herabsteigen. Nordwestlich vom Schlofs Boisy (911 F. über den See} auf der Höhe Chate- lar eine herrliche Aussicht nach Genf zu. An diesem Hügel wächst der Vin de Crepi , der einzige der savoyischen Seite welcher gut ist, vortreflichcs Obst und Gemüfse. Ueber Ripaille siehe l'honon. *) An den Höhen oberhalb dem Schlosse Cervcns finden sich versteinerte Madrepore. **) Auf dieser Höhe fand man zwey Gräber der alten Allo • breger , die aber zerstört worden sind. 5 ) Auf die Dole. Dieser Berg ist einer der höchsten Theile des Jura, 3948 F. über den Genfer- See, und 5-600 F. über den Jura - Rücken erhaben. Von Cenf fahrt man nach Beaumont 2 St. und von hier steigt man in 3 St. hinauf. Der längere Weg gehe durch Nyon nach dem Dorfe St. Sergue 6 St. oben auf den Jura , wohin man fahren kann, und von hier gelangt man in 2 St. auf die Höhe. Da die Aussicht nur des Morgens oder Abends ausserordentlich ist, so mufs man auf diese Reise zwey Tage wenden. 6) Auf den Reculet de Toiri oder Thuiry, die höchste Kuppe des ganzen Jura - Cebirges, nach den neuesten Messungen des H. Prof. Pictet 4062 F. über den Genfersee , oberhalb dem Dorfe Thoiry, 4 St. von Genf. Man geniefst dort die nämliche Aussicht wie auf der Dole. 7) Nach dem Fort l’Ecluse, 3 St. und von da bis zur Perle du Rhone 2 St. Geschichts - Merkwürdigkeiten. Seit dem merkwürdigen Zuge der Cimbern nach Gallien und Italien (S. Alpen und Arona ) waren die nördlichen Völker deutschen Stammes in Bewegung. Auch die alten Helvetier , von denen sich die Tiguri- ner und Tugener an die Cimbern angeschlossen, und ein römisches Heer an dem Genfersee geschlagen hatten (S. Villeneuve') , verlohren die Lust an ihrem unfruchtbaren Lande. Ein Mächtiger unter ihnen , Orge- torix , veranlafste in der grofsen Landesgemeinde den V olksbeschlufs, nach drey Jahren das Land zu verlas- 5 Z Genf. sen, in Gallien ein neues Vaterland zu suchen, und ihre Nachbaren ebenfalls dazu einzuladeu. Sechs und fünfzig Jahre vor Christi Gehurt verbrannten die Hel- -vetier in ihren 4 Gauen 12 Städte, 400 ^Flecken und Dörfer und alle Häuser, luden ihre. Greise, Weiber, Kinder und befsten Sachen auf Wägen, und zogen 263.000 Menschen stark, durch 23,000 Rauracher, 46.000 Tulingier, 14,000 Latobrigier und 32,000 Bojen verstärkt gegen den Genfersee, um durch Allobrogicn nach Gallien zu gehen. Caesar verweigerte den Uebcr- gang über die Rhone ( s. oben). ^Bey den darüber ge- pflognen Unterhandlungen zwischen Divico, Haupt der Helvetier, der vor 50 Jahren die Römer schlug (S. Villeneuve ) und Caesar, welcher Geifseln verlangte, gab ersterer die stolze Antwort: ,, Die Helvetier seyen gewohnt , Geifsel zu fordern , nicht solche zu geben; Rom habe es vormals erfahren .” Da indessen die Seijuaner den Helvetiern den Zug durch ihr Land verstauet hatten, so gieng ihre Volksmenge durch den engen Pafs zwischen dem Jura und Vouache bey dem jetzigen Fort L’Ecluse, dem Nantua-See vorbey, nach der Saone zu, wo Caesar in der Gegend von Autun sie in blutiger Schlacht besiegte, denUeberrest von 110,000 Menschen wieder zur Rückkehr zwang, und sie zu Bundsgenos seu des römischen Volks machte *). Das Fort l’Ecluse verschliefst vollkommen den Pafs , und war die alte Grenze *) Caesar sagt von diesem Pafs in Bello gallico L. I. C. 6. Iter anguslum et difßcile , inter montem Jur am et flu- men Rhu dan um via: qua singuläres carri ducerentur; I Genf. 53 fei,. *t» n Wtibe i 4 10j 5 da , 0 kjn 4t0{ia 1 l : tla. ikerit- spt k f (S. V«. Jen tn; die .w- i dm *5 da» 5 , 114 ut M '* ■£d' l5e ' t: ' ,r»* Frankreichs gegen Savoyen bis im J. 1792* D er Eintritt in diesen wilden Felsendurchrifs, hoch über den Abgrund der Rhone aus dem weiten reizenden Thale des Gen/er -Sees, ist sehr überraschend, und die Aussicht von hier südwärts über das weite Thal nach der Alpenkette prächtig. Nichts ist ausserordentlicher als der Eindruck, den dieses prächtige Naturgcmälde auf jeden Reisenden macht, der von Lyon oder aus Burgund den öden traurigen Jura durchfahrt, und hier plötzlich, beym Austritt des Fort t'Ecluse , das umliegende reizende Land und die erhabnen Alpen erblickt. Das Verschwinden der Rhone. Die Perte du Rhone mufs man im Frühjahr oder Winter, wo der Wasserstand nicht am höchsten ist, sehen. Gewöhnlich hat die Rhone, welche nach der Vereinigung mit der Arve % St. von Genf 213 F. Breite hält, zwischen dem Jura eingeengt, 15-30 F. Breite, und 15 F. Tiefe; bey hohem Wasserstande hingegen steigt sie 45 “54 E. höher. Bey dem Dörfchen Coupy, ^ St. vor dem Postwechsel Fanchy, steigt man zur Perte du Rhone herab. Man sieht die Rhone in einer Länge von 60 Schritt nicht, wo Felsenstücke, von oben herabgestürzt, in dem obern Theil des Rhonebettes eingeklemmt liegen. Bey der Brücke Lucey , 234 F. niedriger als der Genfersee, steigt man auf einer Leiter in die Schlucht, deren senkrechte Wände 59 F. hoch sind. Dieses Feinten* autem altissimus impendebat , ut facile perpauci prohibere possint. lieber die Schlacht Caesars gegen die Helvetier sehe man Caesars Commentar. L. I. C. 1-29. r 54 OENF. senbett der Rhone -wird von hier an so tief, dafs die Seiten - Felswände 150 F. hoch werden. So viel Ausserordentliches auch von dein Verschwinden der Rhone gesagt worden ist, so Lleibt es für Jeden, der die grofse Natur in den Alpen gesehen hat , kleinlich und ohne allen Eindruck. Nahe vor Fanchy, bey der Brücke Bellegarde , gewährt die Vereinigung der Rhone mit dem Strom Falsceline , in einem schrecklichen wilden und tiefen Schlunde, einen weit merkwürdigem Anblick ; in der Tiefe dieses Scnlundes eine Mühle. 8) Nach dem Thal Torrens zu den dasigen Glashütten, nur einige Stunden von Genf. Der eine Weg geht durchs Thal Annecy; der andere, für Wagen bequemere, durch das Städtchen la Roche. Das Dorf la Verrerie liegt fast am Ende des Thals. Das Glas, was hier gemacht wird, ist sehr gut, und kommt dem böhmischen nahe. Aus diesem Thal kann man über den Berg Sion , wo herrliche Aussichten sind, zurückkehren. 9) Nach Fernex 2 St. Als es Voltaire im J. 1759. kaufte, und von Lausanne liieher zog , bestand Fernex aus 8 Strohhütten, und bey seinem Tode im J. 1775. aus 8° Häusern und 1200 Einwohnern. Alle geistreichen Reisenden aller Länder strömten hieher, um den in jener Zeit so bewunderten Schriftsteller zu sehen. Voltaire’s Schlafzimmer im elimaligcn Zustande wird noch jetzt den Fremden gezeigt, und die Kirche nahe am Schlosse trägt die Aufschrift: Deo erexit Voltaire. In der Bibliothek des verstorbnen Hm. Vagniere zu Fernex T li k il, le; j L, W.. Alt, datjfj )o «K r ffi Dis Du mm t man .,m- liie in tarn* Tode» lein. D u e wird "f e s$* * * Genv. < 55 befindet sich eine vollständige Ausgabe von Voltaire’* Werken, welche Band für Band mit erläuternden Bemerkungen und Zusätzen von Hrn. Vagniere versehen ist. Hier sieht man die Geisteswerke Voltaire’s ganz unbeschnitten. Die Herausgabe wurde bisher durch einen Prozefs in der Familie verhindert. Auch hat Vagniere eine Relation du voyage de Ms. de Voltaire ä Paris et de sa inort hinterlassen; ist ungedruckt. Das t Ländchen Gex, worin Fernex liegt, gehörte zur Waadt , und war unter der Herrschaft Bern’s von 1536* bis 1560., wo Bern dasselbe an den Herzog von Savoyen, Emanuet , zurückerstattete , wofür Frankreich und Spanien die Besitzung der Waadt dem K. Bern gewährleisteten. Durch dieses Ländchen , welches nachher an Frankreich gelangte, und bis an den Genfersee bey Vtrioix sich ausdehnte, war ehedem das Gebiet des Freystaa^ts Genf vom Schweitzerboden getrennt. Wege. Nach Chamouny zwey Wege. Der bisher einzig gewohnte, kürzeste und für Wägen bequemste, geht durch Bonnevil/e und Sallenche nach Chamouny 18 St. Nach Donneville 5 St. Zuerst nach Chesne 1 j? St.; am Ende dieses Dorfes machte der Bach ehedem die Grenze zwischen dem Freystaate Genf und dem Herzogthuine Savoyen. Eine Stunde hinter Chesne sieht man den Saleve im Profil, bald nachher an dessen Südseite das Schlofs Mournex, den Hügel und das Schlofs Esery. Hernach auf einer Brücke über die Menage , die am Fufs des Voirons entspringt; durch die Dörfer Nangy , Contamine , den Ruinen des Schlosses Faucigny vorbey (S. Bonne- £6 G E E F. ville). Der andere Weg, der nur seit wenigen Jahren von einigen Reisenden gebraucht wurde, geht nach Tho- non 5 St. (S. Thonon ), wo man die Nacht bleibt. Von hier über Samoens, Six und Servoz nach Chamouny , 15 St. in einem Tage zu Pferde ; denn fahren kann man hier nicht. Zwischen Six und Servoz ein herrlicher Wasserfall , und die Trümmer der im J. 1751. eingestürzten Felsenspitze des Varens. (Man^s. hierüber den Art. Chede ). Zu Six kann man allenfalls übernachten. — Von Genf nach Lausanne 12 St. (S. Coppet , jyyon , Rolle , Morges und Lausanne'), Von Genf nach Chambery t6 St. Postkutschen. Oeffentliche Postkutschen gehen von Genf wöchentlich einigemal nach Lausanne , A T eu- chatel , Lyon , Grenoble , Turin u. s. w. Man findet in den Wirthshäusern fast immer zurückkehrende Kutschen aus diesen und andern Städten, mit denen mau billig reist. Pflanzen. Die Gegend und nahe gelegnen Berge von Genf geben dem Botaniker eine sehr reiche Ausbeute. Bauhin , Ray und Albrecht von Haller, haben deswegen von Genf aus botanische Reisen gemacht. Die Hügel um die Stadt und die Wiesen bey Fronte- nex ernähren verschiedne seltne Pflanzen , welche sich sonst nur in viel heifsern Gegenden finden. Z. B. Eryihronium Dens canis. Fragaria sterilis, Ornithogalum pyrenaicum und nutans, Colutea arborescens, Centauren solstitialis. Cucubaius bacciferus• Trifolium * incamaUnli und rubens, Qxalis corniculatä. Tinea major, Geranium sanguineum . AUhaea hirsuta, Althaea officinalis in dem Morast von Sinot ♦ Zactuca virosa Plantago cynops und Psyllium (diese drey in der Schweifs sehr seltnen Pflanzen wachsen in den trocknen Gräben der Stadt Genf), Avena fragilis . Sium nodißorum * S ison amomum , Anemone ranunculoidcs . Lathyrus cicera. Galium glaucum, J/olosteum umhcllatum . Sedum cepea. Antirrhinum belli- difolium , a u s « ch 1 i efs 1 i c h nur hier (und im Wallis). Der Salcv e ist reich an seltnen Pflanzen} a u s s c h li c f s- lich gehören ihm: Turritis Raji, Lepidium petraeum , ,5i‘- napis pyrenaica , Anthyllis montann , Zeontodon hirtum , Daphne alpina, Arahis multicaulis und Halleri. Ausser diesen wachsen : Doronicum pardalianches oder Thora. Aciaea spicata • Ononis rotundifolia. Potentilla rupestris und can- lescens . Scilla hifolia . Jlryum pulvinatum. Spiraea arun - cus. Rosa alpina . Äoja pimpinellifolia. Alle Arteu der .ftosa austriaca. Cistus fumana und marifolius. Lathraea squamaria. Gentiana verna, cruciata, campestris und lutea. Saxifraga granulata, rotundifolia, Cynosurus coeruleus. Viola montana und mirahilis. Papaver dubium. Samlucus racemosa. Rubus saxatilis. Ribes uva crispa. Arbutus uva ursi, am Fufs des Saleve in Menge. Convallaria majalis y polygonatum , multiflora und bifolia . Cyclamen europaeum^ Anthericum ramosum und liliago. Fumaria bulbosa. Os - munda lunaria. Lonicera xylosteum. Erinus alpinus , pochaeris rhaculata . Mehrere Orchis - Arten, auch die mit gelber Blume, und viele andre seltne Alpenpflanzen. Auf dem Berge Sion im Herabsleigen nach Frangy wächst Plantago coronopus ; es ist der einzige Ort, wo auf der Nord - und Westseite der Alpen diese Pflanze gesehen wot- Gest. i i f t 58 den ist. Der Thuiry und die Dole tind berühmt durch se | lne Pflanzen; nirgends in der Schwciu als auf dem Th uiry wächst Aconitum anihoraj auf der Dole unter andern auch das Bupleurum longifolium mit der Blume von der Farbe des pulirten Bronze. Der Voirons reich an Cryptogamen . Insekten und Vögel. Es leben Insekten viel wärmerer Länder um Genf, z. B. Mantis rcligiosa; die meisten übrigen findet der Naturforscher in J.C. Fu efs ly Verzeichnifs der ihm bekannten Schweitzer-Insekten. 4. Zürich 775. angeinerkt, und die vorzüglichsten Käfer, in Saussure's Reisen, T. I. S. 44 - Auf dem Saleve leben herrliche Schmetterlinge; unter andern der schönste in ganz Europa, der Apollo, Eben dort nistet der pultar aibua ( weii'siiche Geyer ) und der Turdus saxatiiis ( öteindi ossel). Geognost. Uebersicht des Rhone-Ressels. Der Rhone - Kessel bildet vom Einilufs der Rhone in den Genfer- See bis an den Sion und Vouache, wo der Strom seinen Ausgang nimmt, ein prächtiges, 20 St. langes und 6-7 St. breites Thal, in O. und S. von den Kalk-Alpen Savoyens, in Westen von dem Jura, in NO. vom Jorat, in SW. vom Sion geschlossen. Der Jorat, (S. Art. Jorat), der Sion und der ganze Rhone- Kessel zwischen den Kalk-Alpen Savoyens und dem Jura, bestehen aus Sandstein mit gerollten Steinen bedeckt; Thon - und Mergellager wechseln mit den Sandstein-Schichten ab. Der feste graue und gelbliche Sandstein geht in der Tiefe durch den ganzen See, durch das Pays de Vaud und einen Theil des flachen v&t Ist Savoyens; in diesem Sandsteine findet man nie gerollte Steine, welche nur nahe an der Oberfläche aufgeschüttet liegen. Die spätem Schutthügel in der Gegend von Genf zeigen horizontale Schichten von Sand, Grand, Thon, Geschiebe aller Art, und in der Tiefe festen Sandstein. Viele Hügel dieser Art gieht es um Genf. Die innere Beschaffenheit dieser Schuttgebilde sieht man an den senkrechten Abschnitten der Hügel St. Jean, Batie, in dem Rhonebett bey Cartigny, und im tiefen Bette der Menoge auf dem Wege nach Bonneville. Der feste Sandstein in regelmäfsigcn Schichten ohne gerollte Steine liegt nicht blofs in der Tiefe, sondern bildet auch beträchtliche Hügel wie der Montoux , welcher, 625 F. über den See, seine Sandstein-Schichten nach OSO. unter seinem Winkel von 15-22 Grad senkt. In derselben Richtung , auf der Südseite des Saleve, eine Hügelreihe, deren Sandstein-Schichten dieselbe Senkung zeigen. Der 1116 F. hohe Hügel Boisy senkt seine weichen Sandstein-Schichten nach S. In der Mitte dieses Hügels, ohngefähr unter dem Dorfe Balai- son , zeigen sich Kalkstein - Schichten zwischen dem Sandstein in gleicher Senkung wie der letztere, und hin und wieder steile Wände von 2-300 F. wie der Roche de Massongy und de Marignan. Der Voirons , 3114 F. über den See, besteht ebenfalls aus Sandstein, dessen Schichten nach SO. unter einem Winkel von 45 Grad senken; nur am südlichen Ende ohngefähr in der Mitte seiner Höhe oberhalb dem Dorfe Lussinge und am nördlichen Ende in gleicher Höhe unter 60 Genf. dem Chalet de la Cervette zeigen sich zwischen dem Sandstein Kalkstein-Schichten, welche von O. nach \V. streichen. Der Mole besteht aus Kalkstein (S. Bonneville J. Zwischen Contamine und Bonnevilla kömmt man auf der Strafse an einen Standpunkt, wo man die senkrechten von NO. nach SW. streichenden Schichten, und etwas nach SO. andere Schichten bemerkt, welche auf die vorigen in rechtem Winkel stos- sen.— Der Saleve , der nur i St. südwärts von Genf von NNO. nach SSW. sich ausdehnt, und aus festem weifslichem Kalkstein in 2, 3 und bisweilen in 60 Fufs mächtigen, nach S. senkenden Schichten besteht, steigt mitten aus dem Sandstein - Gebilde empor, und war wahrscheinlich ehedem ganz davon bedeckt; denn auf der Südseite des grofsen Saleve’ findet man zwischen den Sennhütten Crange Tournier und Gabri , in einer Höhe von 2760 F. über den Genfer- See, einen schönen weifsen Sandstein auf den Kalkstein abgesetzt, der sehr tief herabsteigt, ja sogar ganz oben auf dem Saleve, , dem Dorfe Crevin gegenüber, grofse Blöcke dieses Sandsteins, und einige Fufs tiefen lockern Sand mit Pflanzenerde bedeckt und begrast; am hieinen Saleve ebenfalls Sandstein auf Kalkbreccia aufgesetzt, welche unmittelbar auf dem festen Kalkstein aufliegt. Die Schichten dieses Sandsteins senken nach SO. unter einem Winkel von 25 Grad. Der Sion , welcher südwestwärts an dem grofsen Saleve fast hinansteigt, und unter einem rechten Winkel an den Jura sich anlegt, besteht ganz aus Sandstein. Die südliche Einsenkung des Saleve hat folgende merkwürdige Ausnahme : Z. B. oberhalb Col- longe zeigen sich Schichten, welche von der Höhe nach Nordwest senken, aber nicht ganz hinabsteigen, sondern in noch beträchtlicher Entfernung vom Fufs des Berges abgebrochen sind; ferner am nordwestlichen Fufs zwischen Veiri und Crevin stehen fast senkrechte nur wenig gegen deh Berg gelehnte Schichten, welche bis zur Hälfte der ganzen Höhe des Saleve hinansteigen, und nur 1-2 F. dick sind; überhaupt zeigen sich an dem ganzen nordwestlichen Fufs die Wirkungen ausserordentlicher Schichten - Zerbrechungen und Zerstöhrun- gen. Dem zufolge scheint es, dafs der Saleve aus parabolischen Schichten bestand, welchjT nach SO. und NW. hei absenkten, eine Lage, welche sich an andern Orten in den Alpen gleichfalls zeigt. (S. die Art. Al- torj , Cluse , Jura ). Am hieinen Saleve zwischen der Balme de l’Hermitage und de Demon streichen zwischen dem Kalkstein Thonschichten von 11-22 Zoll Mächtigkeit, und in diesen letztem zeigen sich Spuren von Steinkohlen , Oyps und Eisenbohnenerz. Aul groj'sen Saleve hat man in einem Thonlager unterhalb der Grange des Fayards oder Feus mehr Steinkohlen gefunden. Merkwürdig ist der Wechsel der Kalkstein- und Thonschichten. Unter der Balme de l’Hermitage sieht man 3 Schichten Thon, dann 5 Schichten Kalkstein von 2 Zoll, 1, 3-60 Fufs Mächtigkeit; dann folgen Thonschichten auf die nämliche Art, nur in Zahl und Dicke unterschieden. Dieser Wechsel wiederhohlt sich am kleinen und grofsen Saleve nach ihrer Höhe zu 3-4 mal. 6z Genf. Versteinerungen auf dem Saleve. In dem Kalkstein des Saleve giebt es viele Versteinerungen, als Griphiten, Terebratulitcn, Madrepore, Pektiniten, I Entrocbiten, Korallen. Geht man von Monetier hinauf nach den Bäumen des grofien Saleve, so findet man ganze Bänke äusserst zerbrochner Muscheln und Korallen in einem gelbbraunen Kalkspathteig; am östlichen | Ende des kleinen Monetier - Thaies Bänke Cenchriten. Im Kalksteinbruch oberhalb Monetier fand IT. de Lim zwey Bivalven, welche bisher ganz unbekannt waren. Gyps in dem S a nd s t e i n - C e b i 1 d e. Cyps streicht auf savoyischer Seite im Thonlager von St. Ju- i * i lien (südwestlich von Genf ), am Berg Sion, durch das ganze Chablais ostwärts. Zwischen Leluiset und St. Julien, in den 570 F. hohen Hügeln Cologny und Confignon, findet man krystallisirtcn seidenartig glänzenden fasrigen Gyps; im 570 F. hohen Hügel Choully auf der rechten Seite der Rhone reiche Minen von Gyps verschiedner Art; bey Dardagny am 418 F. hohen Hügel Chalais in weichem Sandstein dünne Lagen von Steinkohlen, und im Hügel Cologny Adern bituminöser Erde. Biegsamer Sandstein. Der Sandstein von St. Julien erlangt durch ein halbstündiges Glühen eine merkliche Biegsamkeit. Fossile Elephantenknochen. Im December 1786. wurde am rechten Ufer des Baches London nahe bey dessen Mündung in die Rhone, nicht weit unterhalb Genf, ein 5 F. langer Elephantenzahn, ein zwevtrr I) **16, Msii Klirrfc faJili mUi ii isilt Cracli': II. AI rat wir e, t io Sil dir; Kt II y m fin- koullj raGjf len W trefl ft 8 jiin ®' 1 tin ^ «D* jjni®* ■it Genf. 63 in der Rhone selbst am linken Ufer dem Dorfe Onex gegenüber, 150 Schritt unterhalb der Mühle de Vaux, gefunden. Der Bauer , welcher diesen zweyten Zahn fand, versicherte Hrn. von Saussure, dafs er sehr grofse Knochen gesehen, die man auch in der Rhone gefunden habe. Beyde Zähne sind in der Naruralien- Sammlung des Hrn. v. Saussiire aufbewahrt. E er Engländer Whitaker findet darin einen seiner Beweisgründe, dafs Hannibal über Genf und den Bernhard gezogen sey ( S. dessen Werk in der ßibliotheque britannique 1796, T. I. S. 655., und Widerlegung davon im Art. Alpen und Bernhardsberg ). Diese Zähne sind viel älter als Hannibals Zug, und gehören zu den fossilen Knochen aller Riesenthiere, welche über alle Länder Europa’s in so ungeheurer Menge ausgestreuet liegen. S. Ebel über den Bau der Erde u. s. w. Zürich igog. Th. II. §. 64. S. 6G. und S. 245-278. Gerollte Steine. Die Oberfläche des Sandstein- Gebildes des Rhone - Kessels, nämlich der Jorat, das Pays de Vaud , die Ufer des Sees, der Rhone , der Arve , bis zum Durchbruch der Rhone bey Fort l’Ecluse, sind mit gerollten Steinen bedeckt. Die meisten dieser Trümmer sind aus dem Walliser -Lande und die andern aus dem Chamouny - Tliale durch hohe Fluthen herausgewälzt worden. In der Nähe um Genf findet der Steinliebhaber eine unendliche Mannigfaltigkeit gerollter Steine; z. B. eine Menge Gneifs- und Granitarten (unter denen die schönsten aus Bitterstein (Jade), grüner Hornblende und Gtanaten besteht), Quarz, Feld- Genf. 64 spat, Jaspis> Granaten, Schöri, Sferpentin, Asbest, Amianth, Topfsteine, Hornsteine, Kalksteine, Thonsteine. Bey den HH. Riltiet und Bordenave zu Genf kann man vollständige Sammlungen aller gerollten Steine aus der Gegend , und bey letzterrn geschnitten und po- lirt sehen. Die Porphyrgeschiebe , welche sich unter dem Nagelflue und gerollten Steinen in der östlichen Schweitz so häufig finden, verschwinden in der westlichen Schweitz gänzlich ; dagegen liegen in dem Rhone - Kessel so viele Jade-Trümmer zerstreut, als man sonst nirgends unter den Geschieben der ganzen übrigen I Schweitz findet. Die Jade bricht nur im TVallis , und wurde von dort nur westwärts fortgefluthet. Granittrümmer in beträchtlicher Höhe. Merkwürdig sind aber besonders die Ungeheuern Granittrümmer , die fast überall im Rhone - Kessel zerstreut liegen. Von Genf längs der Landstrafse nach Lausanne und am Ufer des Sees lagen ausserordentlich viele Blöcke , wovon die meisten seit 30 Jahren gesprengt und zu Gebäuden oder Wegbau angewendet wurden; jetzt sieht man noch die meisten zwischen Rolle und Allemand. Am Jura , von Lassara bis an den J r ouache y findet man Granitblöcke bis zur Höhe von 3400 F. über die Seefläche liegen; die meisten, grade der Ocffnung des JYalliser - Landes gegenüber. Am Eingänge des Genfer - Hafens ein ungeheurer Cranitblock, Pierre « Nilon vom Neptun so genannt, dem er ehedem ge- weihet war. Auf dem Hügel Montoux , dem südlichen Fufse des J'oirons , und auf dem Hügel Boisy, ausser- ordentlich viele Granitblöcke; auf dem Boisy , besonders nordwestlich vom Schlosse Boisy , der Pierre du Goute, io F. hoch, 15-20 F. lang und breit, aus grauem Quarz, weifsein Feldspath und schwarzem Glimmer, und der Pierre a Martin 23 F. hoch, iß F.. breit und 26 F. lang, aus Quarz, Glimmer, Hornblende und jSerpentiu in wellenartigen Schichten. Die Gneil'strüm- mer auf dem Boisy gleichen sehr den Felsen des Crossen Bernhards unterhalb dem Plan'du Jupiter. Viele der hiesigen Granitblöcke (aus grofsen Fcldspatkörnern, glänzendem Gold-Glimmer und wenig Quarz) gleichen sehr dem Granit der Montblanc- Kette, wovon so viele Trümmer im Chamouny - Thale liegen. Am Kleinen Saleve , auf der Südseite von Etrambieres bis Mone— tier , und das Thälchen Monetier , voll Granit und Gneifstrümmer. Zwey Granitblöcke oberhalb den Ruinen des Schlosses de Vllermilage sind als sprechende Denkmäler hoher Fluthen ausserordentlich merkwürdig; sie liegen am nordwestlichen Abhange, 1-2 F. über den begrasten Boden erhöht, auf einer Kalklage wie auf einem Piedestal : Diese Kalkstein-Unterlage ist rund umher, die hintere oder südliche Seite ausgenommen, bespült, und von oben, wo sie der Granitblock schützte, hat sie ihre wagrechte Flache erhalten. Auf dem Grossen Saleve , in einer Höhe von 2760 Fufs über den Genfersee, oberhalb der Crange Tournier ,- gegenüber Crevin , gro/se Granitblöcke. Alle diese Urfels-Trüm- mer an und auf dem Saleve sind von der Montblanc- Kette hicher gefluthet worden, und ich pflichte mit 111 . 5 voller Ueherzeugung der Meinung des H. von Saussürc bey, dafs das Thälchen Monet ier , welches den Crossen und Kleinen Saleve trennt, den einst aus jener Gegend ungestüm hervorstürzenden Gewässern seinen Ursprung zu danken habe. Merkwürdige Spuren von hohen W a s s e r - strömen am Saleve. Ausser allen diesen Beweisen einer ehmaligcn .hohen Flut giebt es noch andere sprechende Spuren davon am Saleve. So z. B. an dessen nackten nordwestlichen Wänden zeigen sich Wasser- Einfurchungen bis 2 ]$ der Höhe des grofsen Saleve; ganz besonders auffallend oberhalb CorVt, zwischen Weiri und Crevin , an den Felsen über dein Pas de 1 'eckeile , und an der Balme de l'hermitage , wo die Kalksteinschichten in einer Länge von 200 Fufs und einer Tiefe von 50-40 F. unterwaschen sind, so dafs einige hundert Personen wie unter einem Dache Schutz finden können. Form und Aussehn zeigen hier aufs deutlichste die Wirkung strömender Gewässer. Fast auf der Höhe des grofsen Saleve , oberhalb Colonge , ist ein 160 F. tiefes Loch , Creux de Brifaut genannt, an dessen inwendiger Seite tiefe Einfurchtungen sich zeigen. Durchbruch des Jura an der Westseite des Rhone-Kessels. Nach dem Durchbruche des Jura bey dem Fort l’Ecluse flofs der grofse See des Rhone- Kessels in dem Maafse ab, als das Bett der RliMie tiefer einfrafs. Jetzt strömt die Rhone 504 F. (im Winter nämlich) urterhalb dem Pafs des Fort, welches 73 Fufs über dem Genfer- See liegt. Ehedem ««Ca «1 «t Win, i Bt*t in da i ff« l Sihri heu F« Ctchth lkstm ■ Tiek iira- kait« mVA« 1 Jtt flöh in i6®^ äesst>* ;e«. Wo 111 tiln* 1 rtt^ 1 in®- [laut f »!«^ f Genf. \ 67 war hier das Bette, und deswegen nothwendig auch’ der Wasserstand des Genfer- Sees noch viel höher. Zwischen Collonge und l’Ecluse am Fufs des Felsens, auf welchem noch alte Reste des Chateau de la Folie stehen, lassen sich einige Spuren von der ehmaligen Höhe der Rhone bemerken. Sehr deutlich läfst es sich beobachten, dafs einst der Hügel, worauf die Stadt Genf liegt, eine Halbinsel war, und nur mit der Seite von Champel Zusammenhang, nachdem sie vom Hügel St. Jean getrennt worden war. Das ganze Plain Palais, alle Carten dort, die Ebne unterhalb Lancy, bey Ca- rouge, Pre l’Eveque waren einst Seeboden, und noch vor dreyzehn Jahrhunderten bedeckte den ganzen untern Theil der Stadt Genf das Seewasser, und nur nach dieser Zeit, als das Rhone - Bett im Durchgänge des Jura tiefer sank, und der Seeabflufs stärker wurde, konnten das Quartier Rive und les Rües basses gebaut werden Der 500 Klaftern hohe Jura und der ge- *) Der Einschnitt, den der Rhodan beyrn Fort d’Ecluse in dem Jura bildete, liegt a3i Fufs unter dem jetzigen Wasserspiegel des Genfer- Sees, und 4 Stunden unterhalb Genf ; also wirkt er nicht so unmittelbar auf den Wasserstand des Genfer -Sees. Dagegen ist gleich unterhalb dem Einflüsse der Arve in den Rhodan eine Hügelkette , die aus horinzontalliegenden Sandstein - und Nagelfluc-Lagern besteht; diese ist vom Rhodan ebenfalls durchschnitten worden, und heifst, links dem Rhodan r Jlois de la Ratie, und rechts Colline de St. Jean. Von der Tiefe dieses Einschnittes hieng die Höhe der Wasserfläche des Genfer- Sees ganz unmittelbar ab, bis def S. huttkegel, d, i, die Ceschiebsmasse der Arve sich nach Genf. 68 genüberstehende 400 Klafter hohe Voitaohe waren ehedem Ein zusammenhängendes Gebirge; diefs zeigt der Augenschein sogleich und bestimmt; der Durchrifs zwischen beyden beträgt einige hundert Klaftern Breite in der Höhe; in der Tiefe, wo die Rhone Riefst, nur i 5 - 3 ° Fufs Breite. Die Kalksteinschichten von beyden stehen fast senkrecht und senken nur unter Winkeln von 13 Graden nach Osten; was sich oberhalb des Fort an der Höhe des Jura , abwärts nach der Rhone , am befsten aber 2-300 Schritte vor dem Fort hinter der Kapelle beobachten läfst. Da diese Schichtungstellung einen unzerteifsbaren Damm gegen Südosten bildete, und derselbe doch von einer aus SO. her wirkenden Wassergewalt durchbrochen worden ist, so ist dieser Ort für den Beobachter desto merkwürdiger. Jenseits dieses Durchrisses am Fufs des Credo liegen viele gerollte Steine, die entweder durch den Rifs, oder über den Vouache hieher gefluthet worden sind; hinter dem Credo findet man nichts von diesem Gerolle mehr. Der weitere Lauf der Rhone durch den ganzen Jura, seinen Ungeheuern Kampf, ehe der Strom die Ebnen vor Lyon erreicht, dessen unglaubliche senkrechte Einsägungen in den dichten Kalkstein, und andre geognostische Merkwürdigkeiten, gehören nicht hieher, verdienen aber die und nach so erhob, dafs er über diesen Hügel - Durchschnitt empor stieg, und also jetzt für sich einzig die Höhe des Wasserspiegels des Genfer -Sees bestimmte; daher auch jetzt mit der allmähligen Erhöhung dieses Schuttkegels der jlrve , auch der Genfer- See sich in seiner ganzen Ausdehnung erhebt. F.. Aufmerksamkeit des reisenden Naturforschers. Bey der Perte du Rhone tritt in dem Felsenbette in einer Tiefe von 50 F. (261 F. tiefer als die Wasserhöhe des Gen- fersees) eine Kalksteinschicht von 2 F. Dicke auf bey- den Seiten 8-m F. weit hervor, unter welcher die Rhone noch eben so tief wie oberhalb eingewühlt hat. Der Kalkstein dieser Schichte ist weit härter als von den übrigen Schichten. Dieser Vorsprung ist Ur- sach, dafs v<)n oben herabgestürzte Felsenstücke in dem Bette hängen blieben und die Rhone verbargen. In dieser harten Kalksteinschicht sind sehr viele Versteinerungen, besonders Turbiniten , und Ammonshörner von 3 F. im Durchschnitt. Die übrigen Kalksteinschichten enthalten keine Versteinerungen. In den nahen Hügeln aus Sand und Thon findet man viele Ammonshörner , Graphiten, Echiniten , Stücke von Orthoceratiten , Kubische Schwefelkiese in einer unter der harten Kalksteinschicht liegenden Thonschichr. Genfer-See *), liegt nach II. de Luc 1126 F., nach II. Schukbourg 1152 F., nach H. Professor Pictet 1134 F. übers Meer. Bey dem stärksten Wasserzuflufs schwillt er über den gewöhnlichen Wasserstand, 5-6 F. an. Seine Länge beträgt an dem grofsen krummen Bogen auf der schweitzerischen Seite ig Stunden, auf der savoyschen Seite 14 ^ St., seine gröfste Breite »wischen Rolle und Thonon 3 % St,, und seine Oberfläche fast 26 O Stunden. Von Nyon an bis Genf verengt er *) Ray description of the lake of Geneva; ist dem V. nie zu Gesicht gekommen. f: | • I lu ; . ^ tL •V. : »; s * a. 70 Gf.nfer-See. sich auf 1% St. Breite, hat hier nur 3-400 F., 1 St. von Evian 620 F., in der Nähe des Schlosses Chillon 313 F., in der Gegend von Meillerie aber 950 b. Tiefe. Nicht weit von ViHeneuve fallt die Rhone in 3 Aer- rnen in den See, der vor Jahrtausenden um 4 St. weiter bis nach Rex sich ausdehnte. Das Wallisische Dorf Port Vallay , was einst dicht am See lag, ist jetzt | v s St. davon entfernt. Vom J. 1676. bis 1726. hat sich zwischen der Rhone-Mündung und Villen«uve eine Erdzunge von mehr als ^2 St. Länge und 40 Schritt Breite angesetzt. Ausser der Rhone ergiefsen sich in den See 4 t Bäche. Der See friert nie weiter als einige Schritte von Ufer, und von Genf aufwärts bis zur grofsen Sandbank. Die Rhone bildet bey ihrem Ausflusse bey Genf zwey Aerme, welche eine Insel umfassen, und sich bald wieder vereinigen; und nimmt ^4 St. von Genf die Arve auf, welche bey heftigem Anschwellen die Rhone dergestalt in die Höhe treibt, dafs ihre Wasser nach Genf zurückfliefsen. Im J. 1711. geschähe es, dafs die angeschwollne Arve die Rhone dergestalt zurückdrängte, dafs Rhone und ^me-Wasser während 12-16 Stunden in den See strömte, und eine Stunde weit den See trübte. Merkwürdigkeiten. Der Genfersee hat immer für den schönsten See im südlichen Europa gegolten; nur der Bodensee dürfte mit ihm um den Vorrang streb j ten. Voltaire pflegte zu Ferney zu sagen; K Mein Sei I ist der schönste" *■). Nur die östlichen, nordöstlichen *) Voltaire singt in einem seiner Gedichte : ,,Que le ehantre flatteur du Tvran des Romains, Genfer-See, hk »51 Williii L iü! iß. hau i eiott bitiB: in däS je Sd" ien 5 a 7 id s/ci ent die i Wiont ssn " 1C ickäii»! • I6SW 1 HlS«® 1 «to * «tt Von**' .. P %■ * t> 5 '' und südöstlichen Ufer sind mit Felsen von 4 “ 5 000 f* Höhe eingefafst. Von Evian an sind die savoyisc/ieit Ufer theils Hach, theils mit Hügeln von 2-6oo F. Höhe umgeben, hinter denen Bergreihen südwärts bis zum Montblanc emporsteigen. Die schvr eitzerischen Ufer erheben sich aus der Seefläche ganz sanft stuffenförmig bis zu 15-1600 Fufs Höhe, und lehnen sich an den 2-4000 F. hohe /«ra-Wall. Das savoyische Ufer hat ein ödes Aussehen, weil dort sehr wenige Ocrter liegen; desto lebendiger, reicher und schöner zeigen sich die herrlich geschwungnen Buchtenufer der schrreitze- jischen Seite, welche mit einer Menge Städte, Dörfer, Landhäuser und Schlösser prangt. Durch Roufseau's Heloise sind die östlichen Ufer dieses Sees verewigt. (Ueber die Schönheiten des Sees sehe man die Art. Genf, Coppet, Nyon, Rolle, Morges , Aubonne, Lausanne , Vevay, Montreux, Villeneuve, St. Gingouph, Meillerie, Evian, Thonon 1 . — Die LVinJe des Sees heifsen: Bise und Bise noir (Nordwind), Sechard, L’auteur barmonieux des douces Georgiques, Ne vante plus ccs lacs et leurs bords magniüques, Ces lacs, que la nature a creuse de ses ruains Dans les canipagncs italiques. jYIon lac est le premier! C’est sur ses bords heureux, Qu’habitc des hurnains la Deefse eternelle , L’arne des grands travaux, l’objet des nobles voeux, Que tout Mörtel embrasse, 011 desire, 011 rapeile, Qui vit dans tous les Coeurs, et dont Ie nom sacre Dans les cours des tyrans est tout bas adore, La liierte! — J'ai vu cette deefse altiere Desccudre de ßlorttl en habit de guerrier, u. s. w. Gknfe r-Sf.e. 7 2 (der Nordost), Molan (der Ost), Vaudaire oder Bor- nau (der Südost), le Vent (der Süd), Yent de la Cluse (der Südwest), Bourguignon (der West), Joran (der Nordwest). Die Bise, der Sechard und le Vent herrschen am meisten; die Bise und Vaudaire sind die \ gefährlichsten. Mit einem Sturme der Bise segelte ein Schiff von Vcvay nach Genf (15 Stunden) in 4 Stunden. Die Schiffer bedienen sich dreyseitiger Segel, und gewöhnlich zwey. — Die Luft um den See ist, besonders nach grofsen Regen so rein, dafs man eine der Sonne entgegengesetzte Stadt auf 12-14 Stunden weit deutlicher entdeckt, als an Meeresküsten eine Stadt in Entfernung von 3-4 St. — Im Herbst liegen bisweilen 200 Klafter hohe Nebel über den See, während auf den Bergen das herrlichste Wetter herrscht. — Man sieht bisweilen Wasserhosen. Berghauptmann Wild beobachtete eine Wasserhose am 1. November 1793. von Cuilly aus, während es rechts und links schneite; das aufschäumende Seewasser schien 100 F. zu steigen, und unter der Säule schien der See ausgehölt. — Man sieht bisweilen plötzlich den See 4“5 F- hoch steigen uud fallen, und eine der Ebbe und Fluth ähnliche Bewegung während einigen Stunden fortsetzen. Diese Erscheinung, welche Seiches genannt wird, ist hauptsächlich in der Nähe von Genf , wo der See schmäler wird, bemerkbar. Die wahre Ursache davon ist noch nicht entdeckt. Einige Physiker ineynen , dafs elektrische Wolken die Wasserfläche des Sees anziehen und in die Höhe heben; andre, dafs ein vcrschiedner Druck der 1 *11. 'h *K dpfe, MS» ’fjtli !t, ies. eite t ulani Säen bisst- ährenl Mia Wid vrav tollt; steiP' _lls 1 Stof' alicktt 5 Diesig b« 4* elek^ inA*’ r^' Genfer-See. 73 Atmosphäre auf verschiedne Thcile der Seefläche diese Erscheinung veranlafsen *). Fische und Vögel. Unter den 29 Fischarten des Sees sind die köstlichsten Fische : Die Lachs-Forelle CSalmo trutta); der Ombre Chevalier (Salma thymallus) oft 3 F. lang; die Fera (Salmo lavaretusJ, und der Barsch (Perca ßuviatilisj. Die Karpfe , bis 30 Pf. schwer. Der Aal , ehmals häufig, wird selten. Die Lachsforelle ist bisweilen 40-60 Pf. schwer, und wird eingemacht weit versandt. Die Fera ist dem Gen- fer-See eigenthümlich , und erhält die Gröfse von 2-4 Pf. Unter seinen 49 Vögelarten sind die seltensten Vögel: Mehrere Taucher- Arten, als: Colymbus cri- status , C. Immer , C. arcticus, C. urinator. Der schöne und grüne ICourli (Tantalus falcinellusJ. Der gemeine und kleine Kourli (Scolopax arquata und phoeopusj. Der Stelzen - Läufer , verschiedne Arten Kaempfer' und eine Menge Enten- Arten. — Die sehr giftige Viper Coluber berus lebt hin und wieder an den *) Aehnliche Erscheinungen sind auf dem Sec Tay in Schottland in den J. 17154. und 1794. und auf dem Brie-See in Canada wahrgenommen worden. S. Th. Garnett’x Heise in die schottischen Hochlande. T. II. S. 76. Und I-Veld’s Reise durch Nordamerika. II. Professor Fauch er in Genf hat die Ursache dieser Seiches näher untersucht, und schreibt sie in einer im J. 1804. der dortigen physikalischen Gesellschaft vorgelesnen Abhandlung dem veränderlichen Druck der Atmosphäre auf diese grofsen Wasserbecken zu. Auch die übrigen Seen in der Scliweitz zeigen die gleiche Erscheinung in geringem! Grade ( S. Bodensee , Comersee). k klippenreichen Ufern von Mcillerie und des Ryfthales zwischen Lausanne und Vevay. Gentel-Thal ( K. Bern), ein Thal des Hasli- Landes, durch welches man auf die Engstein- Alp und von da übers Joch ins Engelberger - Thal geht (S. Meiringen ). Geusa e, am yierwaldstädter- See, am steilen Fufs des Rigi, in einem Winkel zwischen dern Gersauer - Berg und rothen Schuh, Der Murli- Berg ob Gersau ist 3965 F. über den See. Der kleine Freystaat. Gersau war von Ilabs- burg an die Hrn. -von Moos , Landleute vom K. Uri, verpfändet worden. Diese Gemeinde trat im J. 1359. in einen Band mit den III. Waldkantonen, leistete den Eidgenossen in jeder Gefahr Hülfe, und in der Sempa- cAer-Schlacbt 1386. erobeite ein Gersauer die Fahne von Uohenzollern, Im J. 1390. kaufte sie den -von. Moos alle ihre Hechte ab, und erhielt nun völlige Freyheit und Unabhängigkeit, und seit dieser Zeit bis 1798. w ar Gersau die kleinste Republik ( 1500 Einwohner) in Europa. In dem Kampfe der Schwytzer gegen die Franzosen im J. 1798- stritten 60 Gersauer mit den erstem bey Schindellegi. Jetzt bildet sie einen Theil des K. Schpvylz. Ihre Landesgemeinde wurde immer den 3. May oder den ersten Sonntag iin May gehalten. — Hier viel Seidenspinnerey. Gessenav (S. Saanen). Ges tinen oder Gösch enen, K. Uri, das letzte Dorf vor Eintritt in die Schöllenen. Wirthshaus: Rösli. Hier Krystallhändler. (S. Am Stäg ). Gingoüfh, l )Ä, '•ilfn leDtnl, CffJflKv ili Ga* 00 Mt- K. bi, 'JjS-it ’e da 'mpa- rloe ton. leit Ws f,in«W net if rjjiKf l 1 sW * # 5 “* , l ' ri|: p'bP #>■ 75 Ginoouph (wird Ging6 ausgesprochen), das letzte Dorf an der westlichen Grenze des TValliser- Landes , am Ufer des Genfer- Sees und am Fufse der steilen Felsen von Oche, deren zwey höchste Hörner, Dents d’Oche, 5655. F. über den See, nahe bey Genf ( 10 St. in gerader Linie entfernt) sehr deutlich gesehen werden. Dieses Dorf wird durch einen Strom , der aus dem Oc/ze-Tlial strömt, in zwey Hälften getheilt, und bildet die Grenze zwischen TVallis und Savoyen . Von hier nach Evian führte sonst nur ein schmaler Pfad. Die französische Regierung liefs eine breite Landstrafse sprengen, so dafs am 6. Dezemb. 1805. die ersten Frachtwagen hier fahren konnten. (S. Evian). Von Gingouph geht die Strafse nach Maurice , und von da weiter nach dem Simplon. Mineralogie. In dem Gehe- Thal streichen vor- trefliche Steinkohlenflötze mit Thonlagern wechselnd, und senken wie die Kalksteinschichten, zwischen denen sie liegen , nach S. Das beträchtlichste Flötz liegt oberhalb den Chalets de Bize südwärts an den Felsen , welche das Oche — Thal vom Thal Abondance trennen. Es verdient eine nähere Untersuchung, ob diese Fiötze nicht mit denen zu einem und demselben Gebilde gehören, welche südwestlich hoch in Kalksteinfelsen, ^2 St. vom Dorfe Pentan , ohnweit Cluse ( s. diesen Art.), dann nordöstlich zwischen Roche und Yvorne , und endlich hoch in den Bergen oberhalb Sepey, sich zeigen. Alle Felsen bey Gingouph bestehen aus Kalkstein, dessen Schichten nach S. senken, und 76 Giornico; zeigen an mehrern Stellen an ihrem Fufs Schichten, die theils senkrecht, theils angelehnt sind, wie am Saleve ( s. Genf). Die Felsen sind äusserst steil und abgerissen; es ist offenbar, dafs hier grofse Felsmassen herabgestürzt sind ('S. Vevay, Villeneuve). Der Kalk von St. Gingouph ist der befste im ganzen K. Waat, in Unter-Wallis , Savoyen und Genf. Er bricht bey Bassavay , am Dörfchen Bret , als ein dunkelgrauer, Feinkörniger Kalkstein, von unregelmäfsigen Lagen eines schwärzlichen glänzenden zarten Gesteins durchzogen, und das Canze von weifsen Kalkspattrümmern durchschnitten. Ist der Kalkstein gebrannt, so werden die schwärzlich glänzenden Streifen violetartig, und es ist wahrscheinlich Braunstein , wovon ein wenig Zumischung jeden fetten Kalk zum Gebrauch vortreflich macht. ( Saussure J. Giornico (deutsch , Irnis ) im K. Tessin , am Anfänge des Unter - Liviner-Thals , 1098 F. über« Meer, 462 F. über den Langen -See (s. Faido , Daxio und Airolo ). Wirtlishaus : Das grofse Zollhaus , und alle Giudici. — Der Tessin thcilt das grofse Dorf in zwey Theile, von prächtigen Kastanienbäumen umgeben. Auf der Westseite einige Wasserfälle. Nicht weit von der Brücke am rechten Ufer sieht man Spuren einer alten Burg, welche die Einwohner den alten Galliern zuschreiben , und auf der Ostseite Ruinen eines Thurms aus dein J. 940. Schlacht von Giornico. Nachdem die päbst- lichen Gesandten die Eidgenossen gegen die mailändische Giornico. "»Stk Dn 5 , ■fr* •ridn ;tl{ni5 5« ui thiojet. i duni- ■. I-Tll] Glänuu auch is tim nt tlöita auiwin ea Alf- f. uni iiic ien uMil, jisxM', m. D* ut eut«S liutits ja Fnii" t W‘ ilaieis®'* G>‘ 1 Gesträuch überziehen das Chaos der andern Trümmer. Dicht dabey liegen zwey Steine , welche dem Wandrer Sitz und Lehne anbieten, und nicht weit davon murmelt ein Wasserfall dem See zu. Dieses Plätzchen wiegt die Seele in die süfseste Schwärmercy, besonders wenn bey dem Sonnenuntergang eines heitern Abends im magischen Zauberreitz das wunderbar gefärbte Gemälde dieses Idyllenthals im See sich spiegelt, und durch die hehre Stille die Glocken der Kühe und das Alphorn des Hirten aus ferner Höhe ertönen. — Am östlichen Ufer des Sees geht der W'eg dicht am Fufs des VUiggis nach dem schönen und grasreichen Seeriiti, wo wohlgebaute Sennhütten stehen. Der See ist r St. lang und St. breit; viele Bäche stürzen sich in selbigen , unter denen die wasserreichsten die Klo vom Pragei und die Klo vom Gletscher des Glärnisch sind; Hechte, Goldforellen, Barschen oder Reelinge, und Treuschen oder Quappen, beleben den See. W ege aus dem Klönthal. Aus dem Seeriiti , dem nordwestlichen Ende des Klön - Thaies , führt die Strafse in 3 St. auf den Pragei , von da in 2 y» St. herab ins Muotta - Thal, und von da in 3 St. nach Schwytz. — Ein Weg über die Safs -Berge nach Einsiedeln und Kothenthurm. — Von dem Seeriiti läfst sich der Glärnisch ( s. den Art. Glärnisch ) und der mggiS ersteigen. Aussicht von dem Wiggis. Der Weg geht durch die Dheien -Alp nach der Stock -Höhe am Ende der Oberlangenegg- Alp in 5 St., wo man in einer UI. Glarus. 82 Senuliiilte die Nacht zubringt ; die Hälfte dieses Weges kann man reiten. Von der Sennhütte ersteigt man den folgenden Morgen in i St. den Schien oder Schere, 5600 F. über den Luzernersee, 6950 F. übers Meer, das höchste Horn des FJ'iggis. Ein kürzerer aber unbequemerer Weg führt von dem Dorfe Ncttstal durch die Queren-Alp, auf die Gaumen ^ und von da auf die Scheye in 4 St. Die Aussicht ist ausser ordentlich ausgedehnt nach O. und N. Man sieht den Boden- Zürcher- Greifen-See und noch andre Seen; die Gebirge App'enzells , Bündtens , ‘j yrols , Glarus und Schtrytz , und überschaut die wilden . Gletschergründe des Glärnisch. Von Glarus nach dem Linth-Thal. Wasserfalle. Gleich merkwürdig ist das Linth - Thal für den Liebhaber ausserordentlicher Natur. Von Glarus bis zum Dorfe Linththal 5-6 St. für kleine W T agen fahrbar. Die Strafse führt durch Mitlödi, wo eine Bierbrauerey ist; rechts der Glärnisch , links der Schilt und Fässis. — Durch Schis anden , der volkreichste Ort des ganzen Kantons; liier rauscht die Sernfl' um einen hohen Felsstock, auf welchem das Dörfchen Sool liegt, hervor, und verbindet sich mit der Linth *) Wo die SernJi in die Linth fällt, stehen einige lläuscr, Zusingen genannt. ln einem derselben wohnte Stüssi, welcher nach Zürich zog, und dessen Sohn der lerühmte Bürgermeister von Zürich war , unter und durch den der erste und zweyte Bürgerkiieg der Schweizer im J. 1440. entstanden. (S. Zürich und Toggenlurg )■ Nach SO. der Eingang in das Sernft - oder Klein* Thal; nach NW. die Felsen des Gnppen. Bey Schwanden und auf dem Äoo/-Stocke noch Leberreste von Burgen aus dem XIII. Jahrhundert *) ; hier der Platz , wo die reformirten Glarner ihre jährlichen Volksversammlungen halten; viele Tischler und Schiefertafeln-Einfas- ser wohnen in diesem Dorfe. Hinter Schwanden geht es aufwärts und man betritt das Croyi-Thal, welches sich westwärts ausdehnt. Zuerst durch Nidfurren . und durch Leugelbach; hier stürzt der Lengei -Bach aus dem an Goldforellen reichen Blegi- See im Hochgebirge herab; gegenüber die Dörfer Zu fingen , Haslen und Leuw — durch Luchsingen; hier ein schwefelhaltiges Bad. Ueber die Linlh durch Hatzingeh , Diesbach und Dornhaus; rechts Sieht man den Braun- wald- Berg, an dessen Fufs ein Bach aus einem Tobel herausstürzt; links die Diesthaler- Alp, über welche der Dornhaus — oder Diesthaler - Bach aus einigen Seen in drey malerischen Fällen herabstiirzt. — Nicht weit vom Braun— Bach unter Braunwald , am Fufse des Stahl- Berges eine Schwefel, Eisen, und Mineral-Alkali führende Mineralquelle, die seit dem J. 1769. von H. Dr. Marti mit grofsem Nutzen in verscliiednen Krankheiten angewandt worden ist. Durch Betschwan- *) König Albrecht zerstörte dem Hrn. Burkard von Schwanden dessen Burgen zu Schwanden, Schwendi und Soole. Burkard floh arm in den Ritterorden von St. Johann y war unter denen, welche die Insel Rhodos erstritten, und war Oberster Meister des deutschen Ordens in Preus- sen Vom J. ja83 - 1290; Glarus. »4 den und Rüti , wo der bisweilen fürchterliche Durna- gel- Bach aus S. herausströmt *). Von hier an stellen sich aufs herrlichste die hohen Felsen, welche das Grofsthal schliefsen, dar : nämlich der Selbstsanft und Kammer-Stock ; zwischen beyden der Doedi ( 11037 F. übers Meer ) mit seinen Gletschern; links das wilde Gebirge Frei- Berg, so genannt, weil die Gemsen dort eine Freystätte finden; rechts die Klariden - Hörner, Fismatt , Baumgarten und Altenohren. — Von Rüti nach Linththal , das. letzte Dorf. Weg ins Bisis-Thal im K. Schwytz. Von Rüti führt ein Fufsweg über die Braunwald- Alp bis auf den Grat 4 St., über die schwytzerische Chaaren - Alp auf den Milch -Berg 1 1 j 2 St., hinab ins Bisis - Thal 1 St., nach Muotta 1 St., Schwytz 3 St. W eg von Lintli-Thal über die Klariden in den K. Uri. Vom Dorfe Lintthal zuerst mühsam aufwärts , nicht weit vom FeLrc/r-Bach durch die Frutt- Berge iu die Alp Unter - und Ober — Freitern ; rechts die Felsen Glatten und Scheien , links der Fismatt; durch die Urner - Alp auf den Klausen - Berg (4 St. von Linththal) , wo eine Kapelle steht; in der Ferue erblickt man die Surenen- Alpen. Herab an der Balm- Wand ins Schlichen - Thal nach Speiringen 1 St. *} Diese Waldbäche erscheinen in den Tiefen der Thäler plötzlich, wenn in den Hochgebirgen während des Sommers heftige Cewitterrcgen fallen. Ihr Ankonimen erkennt der Thalbewohner an fürchterlichem Brausen in den Höhen öfters — lfi St. vorher, che sie inr Thal bey den Wohnungen erscheinen, deswegen können 1 H.. "S Hk, * dt! 1 jensin; '■-Bi« Voik Jti. t« d-ilp i 'hatm- ■is-Tbi. riden liks® <, prutt- j j ietlö fism# «5 U s , d« f ö 1 4 « ^ j &■ e lt < Glarus. 85 Wasserfall des Schachen. Am Fufse der 2 ?a/m-Wand stürzt der Sc/nicAe/t-Bach, Stiibi genannt, einige hundert Puls herab, und etwas weiter öffnet sich links eine Aussicht auf hohe Felsen und den Gletscher Iiauchi , 9600 F. übers Meer. Von Speiringeu nach Altorf ifa St. Das Linth-Thal. Wasserfälle. Die Pan- ten-Brücke. Vom Dorfe Linththal , durch die Wiesen, Auguster genannt, nach der Fanten - Brücke 1 1 j 2 St. Eine halbe Stunde vom Dorfe erblickt man den prächtigen Wasserfall des Fetsch - Bachs, der auf dem Klausen entspringt, verdient in der Nähe gesehn zu werden ; [2 St. weiter befindet man sich nahe bey dem zweyten herrlichen Wasserfall des Fismatt — oder Schreien - Bachs, den man aus weiter Ferne als ein weisses flatterndes Band sieht , und welcher in der Alp Altenohren aus Gletschern abfliefst. Die Ungeheuern Felskolossen des SelbstsanJ't , Altenohren und Baumgarten , schliefsen das liebliche Thal in einen melankolischen Halbzirkel. Hier im hintern Linth- Thal ward Melchior Thut gebohren, der wegen seiner 7 Fufs Höhe als Riese herumgeführt wurde.* *). — Zur Panten - Brücke hat man ziemlich steil hinauf 1 j 2 St. zu steigen ; diese Brücke führt über die Linth immer einige Anstalten zur Abwendung von Unglück getroffen werden. *) Thut war bis in sein neunzehntes Jahr sehr klein. Sein Bildnifs findet sich in Lavaters Physiognomik. Er starb zu Wien, wo sein Gerippe aufbewahrt wird. gg Glarus. (welche in der schwarzen Tiefe von 196 F. dahin tobt) nach der Limmern- Sand - und Baumgarlen- Alp. Die Brücke ist höchstens 12 Schritte lang, und zeigt nichts Besonderes ; allein der schreckliche Abgrund unter derselben, die schauerliche Wildnifs umher, und die gräfsliche Zerklüftung ungeheurer Felsen, machen den Ort merkwürdig. Ursprung der Lintli. Der Oberslaffel- Bach, Abflufs der Gletscher des Gemsi - Stocks, auf der obem Sand- Alp, welcher in seinem Sturze nach der mittlern Sandalp einen der höchsten Wasserfälle des K. Glarus bildet, verbindet sich mit dem iSanr/- Each, (Abflufs der Gletscher des Doedi ), auf der untern Sand -Alp, strömt am Fufs des Selbstsanft in einem breiten Bette, und nimmt ^ St. oberhalb der Panten- Brücke den Limmern- Bach auf, der aus dem Gletscher des Kisten- Berges entspringt, und dort einen schönen Fall bildet; diese drey Bäche vereinigt, erhalten den Namen Lintli. W ege nach Disentis, Brigels und Ker- steln-Tlial. Von der Panten - Brücke nach der ohern Staffel der Sand-Alp 4 St. zum Theil ziemlich steil ; dort befindet man sich am Fufs des ausserordentlichen Doedi und des Gemsi - Treib- und Gaifsbutz- Stocks, zwischen denen grofse Gletscher liegen. Ein Chaos von Felstrürnmern bedeckt die vqrschiednen Staffeln der San^-Alp, und die wildeste Gebirgsnatur umgiebt den Reisenden. In den Sennhütten findet man Milchbewirthung. Von der obern Sand - Alp kann t.... M *U- 4 MnÜlj «W Fds. ffd-k i als nid t etJiii: * ’J-lä : r bhe i eilte inten- •.lieber Unis. toi in ,n4 ; tack i aeil ii® u»c® s t litt® . Gtl»? 4 # Glarus. 87 man über den Gletscher zwischen Doedi und Gaifs — Lutz- Stock nach Disentis in Graubündten in 3 St. gelangen. Von dem Mutten-See am Fufs des Kistenbergs bis nach Brigels im Vorder-Rheinthal l St., und von der Sandalp nach dem Mutten- See auf der Limmernalp betragt 4 St., und der Weg dahin ist sehr wild , mühsam und gefährlich. ( S. Disentis ). — Von der Sandalp führt ein Jägerweg über Gletscher zwischen dem Treib- und Gaifsbutzstock ins Kersteln- thal des K. Uri. Verunglückte auf dem Sandalp-Gletscher. Auf diesem Gletscher stürzte im J. 1786. einer von drey reisenden Engländern in einen Spalt; er war so glücklich, sich wieder heraufzuarbeiten, indem er mit seinem grofsen Taschenmesser Stufen ins Eis hieb. Dieses Unglück entstand, weil die fremden Wandrer jede Warnung des Senn verachteten, und,' ohnerachtet frischer Schnee die Nacht vorher gefallen war , doch den Weg machen wollten. — Thomas lläfti , ein eifriger Geriisjäger, stürzte im Juny 1797. vor den Augen zweyer andern Mitjäger, als sie von der Sandalp nach der Firstenalp giengen, in einen Gletscherspalt, und kam um. Dasselbe begegnete im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts dem Gemsjäger Caspar Störi aus Schwanden auf dem Limmernalp - Gletscher, wurde aber gerettet. Derselbe Weg aus dem Linth- Thal nach Glarus zurück ist nicht langweilig, indem nun alle Gebirge in andern Gestalten sich zeigen. Glarus. SS Sernft-Thal. Von Schwanden durch das Sernft- Thal oder Kleine Thal bis Elm sind 3 St. Der Weg ist nur für Fufsgänger und Reiter. Nach einem Stunden langen Eng - Pafs gelangt inan nach Engi t dann nach Matt , 2 St. von Schwanden. Hier öffnet sich der Kranchthal - Schlund , aus welchem der wilde Krauch - Bach strömt. Gegenüber zwischen Malt und Engi ist der Platten- Berg, an welchem die schönen Schiefertafeln brechen, mit denen die Glarner Handel treiben , und in dessen Schichten so viele Fischabdrücke gefunden werden. (S. den Art. K. Claras'). Hinter Matt zeigen sich die Grenzfelsen zwischen Craubünd- ten und Glarus: die Tschinglen, der Kor ab , Falz- hüber, Kerbhaus und Wichler- Stock, unter denen der Ilausstcck 83 10 f -1 nnd die Scheibe ob Elm 7985 F. übers Meer liegen. Der Falzhüber erhebt sich über der Sargansischen Alp Camperdon. — Elm , 1 St. von Matt ist das letzte Dorf, welches im Winter 6 Wochen lang keine Sonne sieht. Ostwärts von Elm sieht man in dem Tschingel- Spitz oder Segnes (8870 F. übers Meer, nach den Messungen des H. Müller aus Engelberg) ein grofses Loch, Martis-Loch genannt, durch welches die Sonne den 3, 4. und 5 März, und den 14. und 15. September alten Styls, giade hindurchscheint, und den Thurm von Elm eileuchtet. Das Thal krümmt sich von Elm noch t ^ St. höher hinauf an die Füfse des Kerpf- Haus - und IVichlen- Stocks, deren Gletscherabllufs die Sernft bildet. Wege nach Graubundten und Sargans. Hie s. ■s k + h, 4 f OQK;, fc I- » Jfat ( iliesa* tuet 1* iKisiei 4 fc Gruki d, Fti, Jenen k 7 985 l iber der St. s® i £!m SÄ • 5 (w ; , MülUr i UDO» ,S^' ; ils, P*‘ fl» . mJ jl . Glarus. 89 selbst für Pferde gangbare Strafse von Elm nach Biind- ten geht durch die Alpen Erbs und FVichlcn , durch den Jätz -Schlund auf den Rinken - Kopf 5 St. in der Nähe des Haus - Stocks, und von da herab nach Panix 5 St. Dieser Alpenweg wird von den Bündtnern al Qitolm de Pejnu (der Panixer - Berg) genannt. Eine gefährlichere, aber von den Viehhändlern, welche den Markt zu Lugano besuchen, gebrauchte Strafse, führt durch den Segnespajs nach Flims, und ein Jägerweg führt von Elm durch Riichi bis an den Grath 2 y» St. an der linken Seite des Martis - Lochs vorbey, dann abwärts in die Flimser - Alp und nach Flims 2 St. — Von Matt ins Sarganser - Land i) Ueber die Krauch- thal-A\p , Fans - Alp und Crofs - Alp nach Meis und Sargans 7 y» St. 2) Ueber die Alp Riseten , Siez- Kamm oder iSier;-Boden , Dils- und Kloster-Alp 3 St., und herab ins FVeiJstannen - Thal % St. Von hier nach Sargans 2 St, oder wieder dufwärts über die Gebirge nach Valenz bey Pfeffers 4 St. Diesen Weg ritt 1799. eine Schwadron französischer Reuter , wovon fast die Hälfte stürzte und umkain. Schwefelquelle. In der JVichlen- Alp, 1 St. von Elm , liegt eine Schwefelquelle, die bis im J. 17G4. zuin Baden benutzt wurde, seitdem aber fast verschüttet worden ist. Von Glarus nach Kirenzen und Wallen- Stadt. Von Glarus nach Kirenzen auf dem Kirenzer- Berg oberhalb dem Wallenstadter - See, in eiuer an Glarus. 90 Gebirgsansicliten reichen Gegend, 5 St. Die für Pferde gangbare Strafse geht von dem äusserst anmuthigen Mollls durch den Britter- Wald aufwärts, und ist an Ansichten sehr reich. Von Kirenzen steigt man in lj 2 St. nach Mülli-Hoin herab, und von da führt der Weg weiter am Seeufer nach J'Vallenstadt in 2 J2 St. Postkutsche nach St. Gallen. Von Glarus fährt wöchentlich zweymal eine Postkutsche durchs Taggenburg nach St. Gallen. Von Glarus nach Näfels. Von Glarus, das Thal hinaus , durch Nettstal , wo die Lönsch sich mit der Lintk verbindet, nach Näfels , längs dem Fufs des Ungeheuern RViggis 2 St. Von Näfels verengert sich das Thal nach Glarus au schnell, und der Anblick des TViggis ist für jeden Reisenden , der von Näfels tiefer in das Thal eindringen will, schauerlich und fürchterlich. Näfels ist der Hauptort des katholischen Theils des Kantons. Viehzufcht ist der Haupterwerb seiner Bewohner, und ausser Töpferarbeit giebt es hier keine Betriebsamkeit. Hier bildet der Rauti — oder Riiti— Bach, welcher ein Abflufs des Ober - und Nieder - Sees hoch auf Alpen gelegen ist, einen herrlichen Wasserfall, welcher oft sehr zerstörend wird. Das 1675. 'gestiftete Kapuziner-Kloster Marienburg liegt auf der Anhöhe, wo ehmals die Burg der österreichischen Vögte stand, und ragt über den Flecken. Schlachten bey Näfels. Nachdem Glarus im J. i 35 «* von tl en Eidgenossen besetzt worden war (S. Glarus , der Kanton), kam der österreichische Vogt N *«, * Wt ( ">!:i * ö> k* dm lanu, k i sich c't i Futsk ’at m tick äti i tiefer cbter- jlifa ^toV wiM B’-' ili-BKk .Seesk« W'itst* ft'P* Itt'l 0 ' »W* , «olä'*' Glarus. gr FF'atter von Sladion mit einer kleinen Scliaar bald zurück, und gritf bcy Näfeis die Glarner an, welche ihn erschlugen, seine Kiiegsknechte zerstreuten, und die Burg zu Näfeis zerstörten. Glarus Helden, welche von Sempachs denkwürdiger ( 1386.) Schlacht zurück- • kehrten ( S. Sempach') zerstörten die Burg Oberwindeck am Eingänge ihres Thaies oh Nieder-Urnen , eroberten das Städtchen Wesen , legten Besatzung hinein, und erbauten vor Näfeis eine Mauer tjueer durchs Thal, welche sie Lezi , Lezine nannten, wovon man noch Ueberreste am Gebirge beym Rautibach und ob Bechlingen sieht. Oesterreich rüstete sich indessen, um in das Herz der Eidgenossenschaft einzudringen. Den 22. Februar 1388. wurde die schweizerische Besatzung zu Wesen ermordet, und am g. Aprill rückten 1300 Oesterreicher über die Linth , erstürmten die Mauer und drangen ins Glarnerthal. Nur 350 Tapfere bewachten die Mauer, kämpften 5 St., zogen sich ans Gebirge zurück, und nachdem sie einige Verstärkung erhalten hatten, so fielen sie unter dem Hauptmann Mathias am Buel, dem Pannerherrn Heinrich am Buel, und dem Amman Vogel von der Höhe herab, schlugen alles zu Boden und verfolgten den Feind bis 1 / escu , welches sie den Flammen preifs gaben. Die Ranti- Feldcr waren mit den Leichen von z85 Rittern und Grafen, und 2500 Gemeinen bedeckt; 11 l’anner und 1800 Helme wurden erobert. Von den Glarnern und Schwytzeru bluteten an diesem Tage 163 ; 55 derselben liegen auf dem Kirchhof zu Mollis begraben (deren Glarus. 92 Namen siehe in Ebel's Schilderung der Gebirgsvölker , 2. Th. S. I74-I75). Zehn Steine mit der Inschrift 1588- bezeichnen zum ewigen Andenken die wiederholten Angriffe der Oesterreicher. Das Gedächtnifs dieses Schlachttages wurde seitdem auf dem Rautifeld alljährlich mit grofser Feyerlichkeit begangen, und heifst Nä- felserfahrt. Dieser Sieg befestigte die Freyheit von Glarus und der Sehweite. Der Krieg gegen die Anhänger Oesterreichs gieng noch bis 1393. fort : die Kantone Zürich , Luzern und Bern wuchsen sehr an Ausdehnung des Gebieths; die bittersten Feinde der Schweitzer als die Bonstätten , Landenberge , Gesler wurden Bürger zu Zürich; Peter von Thorberg und Andere wurden Bürger zu Bern , Oesterreich gieng einen Waffenstillstand ein, und machte etwas später einen fünfzigjährigen Frieden mit den Eidgenossen. —. Im J. 1799. bestürmten die Bussen die von Näfels nach Mollis führende Brücke mehreremal (S. Glarus , der Kirnton). Von Näfels nach Mollis, Wiggisthal , Wesen und Bilten. Näfels gegenüber liegt Mollis, durch seine Lage, seine freundliche Häuser, Obsthaine, herrliche Wiesen, seine schönen Bäehe und Quellen im höchsten Grade anmuthig; hier wächst W^ein. Zitz- und Tuchfabriken und Schabzieger - Mühlen hier. Ob Mollis auf den Neuenkamm eine schöne Aussicht. Im J. 1765. wurden hier in Boden - Wald 200 römische Münzen von verschiednen Kaisern ausgegraben. Auch ist hier eine Schwefelquelle, die jetzt verschüttet ist. Glarus. H :1 % j. jbtit * fe b fort: a > fehl ig rinde u , Gtiät •rg uni später i. — iijlls CilnTus, gistVif' : gt JIoB. ^Wf*" ff«* ^ ik» bis,) gtii® ! ,* <** 95 Von Näfels führt ein Fufsweg über die Alpen Ober- und Nieder-See in 4^. St. ins Wiggis- Thal; ferners eine Fahrstrafse über einen Damm durch den Sümpf »ach Wesen, und eine andre Fahrstrafse über Oberund Nieder - Urnen nach Eilten und nach der Ziegel- Brücke. Berg fall. Zwischen Näfels und Ober - Urnen sieht man die Spuren eines Bergsturzes, welcher ob dem Nieder - Berge von der steilen Felswand des Sonnenbergs, (ein Theil des Wiggis) im J. 1762. geschah; ein ansehnlicher Wald wurde unter den Trümmern begraben, und hielt zum Glück das weitere Rollen der Felsblöcke auf. Oberhalb Ober - Urnen gewähren auf einer sanften Anhöhe die Reste von Sekingens Lorburg einen romantischen Anblick zu Nieder-Urnen , am Fufs des Rothen-Bergs , ein Bad, Seidenfabrik, Gerbcreyen, \ und auf dem Berge bey einem Lusthäuschen, wo ehedem die Burg Ober-Windeck lag, eine schöne Aussicht nach dem Wallenstadtersee. Von hier”die Strafse nach der Ziegel-Brücke, wo sich die Mag aus dem Wallen- städler-See mit der Linlh vereinigt, und nach Wesen , geht rechts, grade aus nach Schennis, durch’s Caster- v land ins Toggenburg , oder nach Uznach und Rapper- svyyl; und links nach Bitten und Lachen. (S. Lachen und Wesen). Das Hirzli oberhalb Bitten und dem Biltnerberg ist 5070 F. übers Meer. Ueber die Versumpfungen zwischen Urnen, Bilten und Wesen, und über die wichtigen Austrocknung«-Anstalten S. Wesen. 94 Gl arcs. Glarus (der Kanton)*), besteht aus einem Hauptthal und 3 Nebenthälern zwischen Gebirgen von 5-11,037 F. Meerhöhe, die ihn von allen Seiten ummauern, ausgenommen gegen NO., wo der einzige thalebne Eingang ist. Seine Länge beträgt vom Nufsbühel bey Bitten bis zum Doedi 15 St,, die Breite 7 St., die Thal- breite dagegen % höchstens y 2 St., und die ganze Oberfläche 21 % D Meilen, unter denen nur 2 Q Meilen der Bebauung fähiges Land ist. Im J. 1803. lebten in dem Kanton 24,000 Menschen, wovon der gröfste Theil Protestanten sind. Merkwürdigkeiten. Der K. Glarus wird von der Linth , Sern ft und Lontsch , in welche sich sehr viele Bäche ergiefsen, durchströmt. Ausser einem kleinen Theil des TVallensladter-Sees liegen der Klönt ha- ler-See , und in den Hochgebirgen noch der Ober-See , Nieder - See , Oberblegi-See , der Diesthalcr-See , Mutten - See , und zrrey Blattenalp-Seen und viele Gletscher in den Glarner-Gebirgen, zwischen denen sie aber nicht in die Thäler hinabsteigen. Die Ungeheuern und Schroffen Felsen leeren bey heftigem Regen so plötzlich den empfangnen Wasser-Reichthum nach der Tiefe aus, dafs schon oft die engen Thalflächen, besonders in den *) Der Ursprung des Namens ist ungewifs. Es wurde immer Clarona , Glarona geschrieben, und dieses Wort soll vom zeltischcn : claer , glaer (glänzend) und ona (fliessend Wasser) herkommeu. Oder entstand aus der ersten in diesem Thale von Fridolin eingeweihten Kirche des 11 . llilaris , Ltii l's , endlich Glarisl Die Freude an des H. llilaris Fest heilst auch gliiielen. Jahren 1762 und 64* von den gilifslichsten Ucber- schwcmmungen gelitten haben. — Das Land eignet sich hauptsächlich zu Wiesenbau und Alpcnwirthschaft; Obstbau ist beträchtlich, Getreide und Wc/nbau unbedeutend. Das Klima ist in den Thaltiefen nicht rauh; Pfirsichbäume kommen sehr gut fort, cfsbare.Kastanien stehen am Kufsbühel und am Wallenstadtcr - See, und Mandelbäume sind auch foi tgekommen.- Die Südwinde führen sehr schnell den Frühling lierbey, und oft schon hatte man in Mitte Aprill reife Erdbeeren, Ende May reife Kirschen. Die Rindviehart ist nicht so grofs wie im K. Schwjlz, nur 3-4^2 Ct. schwer. Im Sommer weiden 7-8000 Kühe auf den Alptriften, im W’iuter aber können nur 4— 5000 ernährt werden. Die Milch wird hauptsächlich zu Butterbereitung benutzt. Eigen-* thümlich und allgemein geschätzt ist der Glarner grüne Käse, Schabzieger genannt, der nirgends in der Schweitz als in diesem Kanton so gut verfertigt und in Menge ausgeführt wird. Die Zahl der Ziegen ist ausserordentlich grofs, denn jede Gemeinde hält 100-400 Stück. Seit 1802. haben einige Patrioten die spanischen Scliaaf« eingeführt, und schon ist die Landschaatwolle sehr verbessert. Auch Pferdezucht wird getrieben. — Die Glarner gehören zu den demokratischen Völkern der Schweitz, (sie halten ihre Landesgemeinde alljährlich zu Glarus oder Schwanden) und sind durch Erwerbs- fleifs und Handelsthätigkeit sehr merkwürdig. Der au-" fangs spärliche Vertrieb der schönen Schieferplatten aus dem Scrnftthale im XVII. Jahrhundert wurde der Ur- G LAKB S. öG Sprung der nachmaligen grofsen Betriebsamkeit. Am Ende desselben Jahrhundert entstand eine Lcinewand- und Halbtuchfabrik, im J. 1714. das Baumwollenspin- nen, und seit 1755-60 das Wehen der Moufseline, und später grofse Zitz - und Schnupftücher -, Seiden -, Strümpf-i, Mütze - Ratine - Fabriken , Färbereyen und Druckereyen , in denen die prächtigsten Moufseline Shawls gedruckt wurden. Seitdem der Baumwollcn- Erwerb gefallen ist, hat man das Moufsclin-Sticken und 2 Tuchfabriken cingeführt. Auch eine Fabrik der Baumwollenstreichen (Karten), und eine Papiermühle. Die Bereitung des schönsten Maserholzes ist auch nicht unbedeutend. , Noch thätiger ist Handelsgeist bev dem Glarner-Volke. Ohngefähr der 50 Theil der Glarner wandert aus, um durch Krämerey und Handel Vermögen zu erwerben. In fVien\ Petersburg , Hamburg , Riga , Bologna , Ancona , Triest u. s. w. haben Glarner Handelshäuser gestiftet, und das Haus Jenny und Aebli in Enneda hat in Böhmen und Oesterreich Kammertuch - Fabriken errichtet. Hauptsitz der Fabriken und des Handels sind Glarus , Mollis , Enneda und Schwanden. Enneda , welcher vor dem 1780-ger Jahre nur aus wenigen Häusern bestand, ist jetzt der schönste Flecken von 150 Hausvätern, welche Handel treiben Gelehrte, Künstler, Staatsmänner, Hel- *) Umständliche Schilderung des Kanton und des Volkes von Glarus sehe man in Ebels Schilderung der Gcbirgsvölker . 2. Th. Leipzig 1802. und Hrn. Pr. Steinmiillers Alpen- wirthschaft des II, GlarMs, Winterthur i$na. den. Als Dichter haben sich hervofgethan : Heinrich Lorelin, Glarean genannt, Argebald Strub und ein Gallati * *). Glarus hat den Ruhm, einen der ersten Geschichtschreiber in seinen Landammann Aegidius Tschudi der Schweitz gegeben zü haben; er -war 1506. gebohren und starb 1572. Die beyden ersten Bande seiner Kronik wurden zuerst 1754-1 736 - von J. R. Jselin herausgegeben, und begreifen den Zeitraum vom J. 1000-1470. Die Fortsetzung bis 1559. (4 Baude in Folio und 2 Bande Supplemente) ist noch ungedruckt. Vollständige Abschriften davon besitzen das Kloster Rheinau , nicht weit von Schaffhausen , das Kloster Muri im K. Aargau, das Kloster Engelberg im K,. Unterwalden, die Kantonsbibliotheken zu Aargau und St. Gallen Job. Heinrich Tschudi zu Schwanden *) Loretin war zu Mollis *488. gebobren, wurde if>T2. vom Kaiser Maximilian a!s Poet gekrönt, stand als Professor der Mathematik und Politik zu Basel bis 1629* urtd zu Freyburg bis 1665. Seine Beschreibung der Schweitz in lateinischen "Versen kam zu Basel i 5 i 4 . sein "Werk de arte musica 1546. heraus; von ihm auch Kommentare über lateinische Klassiker, Abhandlungen über Geographie 11. s. w* — Strubs Gedichte und Reden wurden j 5 i 8 , in Wien gedruckt. * k ) Gilg Tschudi’s W*erk über das alte Rhätien erschien zu Basel 1738-» dessen Geschichte des alietr t Galliens ( Gallia comata) zu Konstanz 1758'» dessen Geschichte der Fog* tey Sargans zu Feldkirch 1734.; dessen Beschreibung des Bürgerkrieges (Cappelerkrieg) von i 53 i. ist noch ungedruckt. Man sehe Aegidius Tschudis Lehen und Schriften , von Ildcphons Fuchs, Archivar des Klosters Rheinau, 1306« Glarus. 98 lief« 1714. eine Kronik seines Vaterlandes, Juli. Peter Tschudi eine Beschreibung der Vogtey Werdenberg 1726. und Christoph Triimpi zu Schwanden eine Kronik des K. Glarus 1774. drucken. — Matthäus Aebli zeichnete sich als Stempelschneider zwischen 1740-1750. sehr aus. Rudolf Steinmüller , (Prediger zu Rheineck im K. St. Gallen) geschätzter Naturforscher und Schriftsteller. _ Unter den berühmten Glarnern als Staatsmänner und Feldhauptleute ragen besonders Rudolf Stiifsi , Bürgermeister von Zürich ( S. Zürich , Toggen- burg), Landamman Jost Tschudi , welcher an allen wichtigen Begebenheiten und Kriegen zwischen 1419 bis 1450. Theil nahm und dem Stiifsi gegenüber stand und focht; Werner Aebli , der einzige von 50 Glarnern, welcher aus der fürchterlichen Schlacht zu St. Jacob (S. Basel ) mit Wunden bedeckt zurückkam , Hans Aebli , der als Landammann den Ausbruch des ersten Bürgerkriegs der Eidgenossen im J. 1529. zu hindern wufste; Matthias und Heinrich am, Buel, Held bej JVäfels , Hans TVala , genannt Schüler , welcher 1499. im Schwabenkrieg am Luziensteig Wunder der Tapferkeit tliat, und so viele andere Kriegsmänner in allen Kämpfen der Eidgenossen. Seit dem Anfang des XVI. Jahrhunderts traten die Glarner stets in fremde Kriegsdienste und schwangen sich in Frankreich , Holland , Neapel und Venedig durch ihre persönliche Verdienste zu den ersten Stellen. Die Geschlechter Tschudi , Freuler , Jauch , Bachmann , Müller , Marti , Paravi- cini , Schindler zählen eine Menge ihrer Glieder auf, welche Generäle und Marschälle waren. Einer der berühmtesten war der Feldmarschall Kaspar Oallali , welcher während 69 Jahren den Königen Frankreichs Heinrich III., Karl IX., Heinrich IV. und Ludwig XIII. befallen damaligen innern Kriegen die allerwesentlichsten Dienste leistete. — Glarus hat stets die kühnsten und leidenschaftlichsten Gemsjäger gehabt *). Geschichte. Höchst wahrscheinlich war während der Herrschaft der Römer der Eingang des jetzigen K. Glarus von ihnen oder rliätischen Söldnern besetzt; am Wallenstädtersee, im Gastcrländchen sind genug Spuren davon und die zu Mollis gefundnen römischen Münzen beweisen es. Ein irländischer Mönch, Fridolin , gründete im J. 490. das Kloster Sekingen am Rhein zwischen Lanfeoburg und Rheinfelden, verbreitete den chiisllicheu Glauben auch in Glaris und baute hier bey dem befsten Meyerhofe dem II. Hilaris zu Ehren eine Kirche, worauf ihm livso und Landulph , Besitzer dieser Landschaft dieselbe als Eigenthum des Gotteshauses Sekingen vermachten. Alle Einwohner waren *) Johann Heilt erlegte 900 Gemsen. Ohnerachtet seines Muths und seiner Ucbung die Felsen zu erklettern, wurde er doch in einer Felskluft tedt gefunden. Sein ßilduifs in völliger Jagdrüstung findet sich in Königs Sammlung der Schweitzertrachten . David Zwicki erlegte t 3 oo Gemsen und unzählig anderes Gcvvild. I111 Herbst 1796. blieb er aus und 9 Monat nachher fand man ihn als Cerippe auf der Auernaip am JViggis. Der Jäger Triimpi kam 1715. und die Jäger Murner und Hefti 1797. im Gebirge um. 100 Glarus. Leibeigne, nur 40 Geschlechter ausgenommen, von de^ nen noch jetzt mehrere bestehen *). Im Namen der * Abtcy verwalteten die j Vschudi s das IVleyeramt, aber seit 1264. wurde es Ausländern, und die Reichsvogtey von König Albrecht von Oesterreich seinem Hause übertragen. Gewalttätigkeiten aller Art, die Härte des österreichischen Landvogts zu Nälels bestimmten viele freye Geschlechter zur Auswanderung nach Uri, Schwytz, Zürich. Während dieser Zeit hatten diese Nachbaren das österreichische Joch abgeschüttelt (S. Luzcrnersee , Steinen, Küjsnacht, Egeri, Luzern , Zürich"). Die Glarner errichteten zwar 1323. ein dreyjähriges liündt- nifs mit Schw'ytz, sanken aber nachher in härtere Unterwürfigkeit Oesterreichs, bis die Eidgenossen 135t. mitten im Winter Claras besetzten, um der Gefahr Kuvorzukommen, welche ihnen Oesterreich von dieser Seite bereiten konnte. Der österreichische Vogt, Ff r al~ ter von Stadion, welcher von Näfels geflohen war, brach r352. mit einer Schaar Kriegsvolk in Glarus ein, wurde aber zurückgeschlagen.’ Den 8. Juny 1352. wurde Glarus in den Bund der Eidgenossen aufgenom- *) Z. 15 . die Tschudi, Ebner, Schindler, Gallati, Trümpi, Freuler u s. w. Die Tschudi (dieses 'Wort bedeutet io der slavischen Sprache einen Ausländer ) verwalteten fiir die Abtey das Meyeramt in Glarus vom J. 906 — 1264. wo Rudolph Tschudi io dem Kriege gegen den Mungalen Batuchan fiel, sie halfen ihrem Vaterlande Freyheit und Unabhängigkeit erkämpfen, bluteten vielfach für dasselbe, standen siebenzehnmal als Landammanne an der Spitze ihres Volks, (unter andern Jost Tschudi während 3 o Glarus. ioi t 'S In«* Hint ; DtQ t* , ScW Mn WBJ ij. Hi «feere IV '35'' jehit teer K’iil- l KM. i Qi« i« t'jl 1 m 4 ®* y, Vf ortVl^ J.S» 1 '’ ,l»V ft fr*?' 1 * men, 1386. kämpfte es die Schlacht von Sempach mit seinen Verbündeten, i 3 S 8 . allein die Schlacht von NäJ’els , kaufte vor Ende des Jahrhunderts alle Steuern und Rechte der Abtey Seckingen los, vergröfserte den Kanton durch Vereinigung von Bitten , Ober - und Nieder - Urnen , Villenspach und Kerenzen , machte Friede mit Oetserreich, und wurde 1415. von aller Zinsbarkeit durch den Kaiser Sigismund losgesprochen. Die Glarner halfen in den J. 1403. und 1404. den Appenzellern ihre Freyheit erkämpfen, erwarben mit den andern Eidgenossen im J. 1415. gemeinschaftliche Unterthanen, im J. 1441- mit Sc/urjtz die Landschaften Carter und Utznach (’S. Toggenburg), und kämpften in allen Schlachten des XV. Jahrhunderts, so wie im Anfang des XVI. Jahrhunderts in den italienischen Kriegen mit bewunderter Tapferkeit*). Im J. 151". kaufte Glarus die Grafschaft TVcrdenberg, welche von nun an durch Landvögte regiert wurde. Der Reformator Zwingli stand von 1506-1516. als Prediger in Glarus, und seine Schüler Fridolin Brunner , Valentin Tschudi , Hans Heer (Geistliche) beförderten die Jahren hintereinander) und viele Kriegsmänner sind von ihnen entsprossen. Der noch jetzt lebende General Tschudi sitzt in Frankreich gefangen, weil er als alter Offizier in neapolitanischem Dienst den Königen Joseph und Joachim Napoleon nicht den Eid leisten wollte. (S. Iler- manni Geschlechthuch der Tschudi }. Das Glarner Geschlecht Paravicini war im J. n5o in Como sehr bedeutend. *) In der Schlacht von Itfarignan (iäi 5 ) fielen 400 Glarner. 103 Glarus. Reformation, welche von den Bewohnern des Sernft- thales zuerst angenommen wurde, und sich über den gröfsten Theil des Kantons verbreitete. Die Glaubenstrennung hatte nahen Einfinfs auf die politischen Verhältnisse, und dadurch entstanden oft die heftigsten in- nern Spaltungen, wo die übrigen Eidgenossen stets als Vermittler bis ins J. 1757 auftreten mufsten. Es entstanden durch die mancherley dadurch nothwendig ge- wordnen Veränderungen in der Verfassung aus den Alt- und Neugläubigen gewissermafsen zwey Bürger-Ganze, welche abgesonderte Landsgemeinden halten, und nur In den allgemeinsten Angelegenheiten zusammentreten Bey der Umwälzung der Schweitz im J. 1798. verlor Glarus alle Unterthanen, und dessen Vogteyen Gast er, Vlznach, Gambs und Werdenberg wurden dem K. St. Gallen zugetlieilt. Neue Geschichte. Von 1588. bis 1798. näherte sich dem Kanton kein fremder Feind. Am 17. September 1798. ward Glarus von den Franzosen entwaffnet. Den 28. May 1799. Gefechte zwischen den Oesterreichern und den Franzosen bey Mollis , den 30. Aug. bey Näfels , den 31. August bey Mollis , am 5. September bey dem Pafs nach Kerenzen , am 25. Scpt. im Servr/it-Tliale und im Kerenzer- Pafs. Am 26. dringen die Oesterreicher bis Schwanden. Von 27 - 29. Gefechte bey Glarus , worauf die Oesterreicher nach dem Sernft - TllvAe zurückgetrieben wurden. Den 30. Sep- *) S. die politische Verfassung und bürgerlichen Gesetze in Ebels Schilderung der Gcbirgsvölkec 11 . TlT 1802. l.eipz. / tember Gefechte im Klön - Thale zwischen Russen und Franzosen. Zug der Russen durch den K. Glarus im Herbst 1799. Der General Surt'arotv (S. Altorf upd Muttathai) nachdem er aus dem Muotta - Thale nicht Vordringen konnte , wandte sich über den Pragei mit seinem Heer von 25,000 Mann zu Fufs und zu Pferde, mufste jeden Schritt erkämpfen, nahm 6-800 Franzosen im Klön - Thale gefangen, und langte am I, October in dem Flecken Glarus an. Zwölfhundert Verwundete befanden sich bey dem Heere, ein Vienheil der Pferde war lahm, die Soldaten ohne Schuhe und Strümpfe und so verhungert, dafs sie die Eingeweide der Thiere aus dem Mist hervorsuchten und frafsen. Den 4. October um 1 Uhr Nachmittags brach Suyva- rory wieder auf, und suchte durch das Sernft - Thal einen Ausweg. Auf diesem Zuge wurden die Dörfer Matt und Elm ' an allen Nahrungsmitteln und Schuhen geplündert. Im Hause des H. Stauffacher zu Elm erhielten der Gen. Survarow und der Prinz Constantia die letzte Flasche Wein im ganzen Thal. Die Franzosen waren ihnen so nahe auf dem F’ufs, dafs die Armee mitten in der Nacht um 1 Uhr den 5. October wieder aufbrechen und durch den Ja/a-Schlund über die hohen Gebirge nach Graubiindten marschiren mufste, wo sie Abends in Chur ankam. Auf diesem Wege fielen sehr viele mit Bagage und Kanonen beladne Pferde und Maulthiere, die man alle im Stiche liefs. Dieser Zug des russischen Heeres seit dem 24. September über den 104 Glarus. Gotthard , über die vorher unbetretnen Hirtenpfade des Kienzig- Culms, aus dem Schachen- Thal ins Muotta- Tbal, von Muotta üher den Pragei nach Glarus, und durchs Sernft - Th&\ über den Segnes nach Chur , immer blutig kämpfend und ohne Lebensmittel, wird künftige vielleicht unglaublich scheinen. Die Armee rastete zu Glarus drey Tage, und legte also diese schreckliche Felsenreise fast so schnell zurück , als ein rüstiger Gehirgswandrer, unter allen Stärkungen des Tisches und nächtlicher Ruhe, solches zu thun vermag, P fl anz e n. Die Gebirge von Glarus sind reich an Alpenpflanzen, Ausschliefsend wachsen auf des en Alpen Hypericum coris ( Hartheu); am Wege auf den fViggis; Ophrys mono, phyllos (Ragwurz) am Wege auf die Fr o h u-Alp (diese findet man aber auch in Biindten). In der übrigen Schweitz finden sich seltne Alpenpflanzen auch auf einigen Glarner- Alpen. So z. B. Poeonia ojficinalis auf den Bergen des Sernft - Thaies. Senecio abrotanifolius (stabwurzblätteriges Kreuzkraut), sehr selten; wächst nur im Vaitelin, bey Lugano und auf dem Mont Rosa. Senecifi incanus. Jnula montana (Alant) bey Kerenzen. Chrysanthemum Halleri. Lunaria annua auf den Bergen um Glarus, ^ilchemilla maxima auf Bühren-Boden-Alp. Galium hareynium auf Märsche n - Stock. Py- rola unijlora auf dem Schilf. Daphne mecereum und Li. eben islandicus in grofser Menge. Durch den thätigeu Handel, den seit einigen Jahren die Glarner mit Seidelbast-Rinde besonders nach Holland getrieben haben, s ** ■' (I, 'i* ih h t *ks •hua. i cm mono. ii«e re\U ATUT* funit^‘ tiar * it R * 11 Kt fr d** itr» 1 ’ .SttA t i** Glarus. 105 möchte dieser Strauch im K. Glarus bald sehr selten oder gar vertilgt werden. G e o g n o s t i s ch e Beschaffenheit. Alle Felsen auf der Nordseite des K. Glarus bis an den Rolhen- Berg bestehen aus grauein Kalkstein , dessen Schichten nach SOS. senken , und von ONO. nach WSW. streichen, Vom Rothen - Berg beginnt Nagelflue. Auf der Südostseite ziehen ebenfalls Gebirge aus Kalkstein derselben Art, in denen die Zwischen-Lager von Thonschiefer , Grauwake und Gyps sehr merkwürdig sind. Der schwarze und blaugraue Thonschiefer zeigt sich vom Clausen - Berg an der Grenze von Uri bis ins Sernft- Thal an vielen Stellen; der rothe und grüne, derbe und schiefiige Thonstein, und die rothe Grauwake setzen von dem Sernft - Thale östlich nach dem JYeifstaunen- und Murg - Thal am l'Valleustadter— See fort. Fast die ganze östliche Seite des Sernft- Thaies zeigt diese rothe Felsen; auch sieht mau sie zwischen Glarus und Mitlödi auf der Südostseite. Nahe bey Miilli - Horn am T7 allenstadter - See strömt der Rothe - Bach vom Gebirge herab , und führt nur diese rotheu Thonsteine, wodurch sein Wasser roth gefärbt wird ; oberhalb Murg sieht man vom See aus sehr deutlich die rothen Felsschichten, und hinter Meis im TVeifstannen- Thal werden in dieser rothen Grauwake Mühlensteine gebrochen. Diese merkwürdigen Thonstein- und Grauwakelager zeigen ein wunderbares Gemenge von Farben und Bestandteilen ; reiner rother bald derber bald blätteriger Thonstein wechselt io6 Glarus. init Schichten grofskörniger Grauwake, in denen eckige, bald kleine bald grofse Quarzkörner, Kalkstücke, schwarze Schieferstücke, Jaspis - und Lavezkörner in unendlicher Mannigfaltigkeit in dem Thonstein zusammengeknetet sind , oder mit weifslichen oder grünen Schichten aus Quarz , Lavez und Jaspis ohne allen Thon bestehend. Rothe und grüne Schichten liegen unmittelbar übereinander, nur durch eine Quarzader getrennt. Die grofs - und grobkörnige rothe Grauwake geht auch oft durch Verkleinerung des Korns in Grauwakeschiefer über. Diese Gemenge zeigen sich nicht blofs schichtenweise in greller Aufeinanderfolge, sondern sogar ein Gemeng findet sich nesterweise in dem andern, So z. B. in reinen rothen Thonstein - Schichten zeigen sich einige Fufs grofse Nester von dem weis- sen Gemeng aus Quarz, Lavez und Jaspis, und in grünem Thonstein rothe Nester mit Quarz, Kalkstein und schwarzen Schieferstücken geknetet. Die eckigen schwarzen Thosschiefertrümmer, welche in der grobkörnigen rothen Grauwake eingeknetet liegen, beweisen, dafs die Lager derselben weit jünger sind, als die hohen schwarzen Thonschiefer - Gebirge , welche etwas südwärts auf der Grenze zwischen den KK. Glarus und Bündten und dem Kalfeusen- und Taminthale iin K. St. Gallen. Diese rothe Grauwake und Thonsteinlager liegen in dem K. Glarus beträchtlich hoch, wenigstens einige tausend Fufs übers Meer, und streichen und senken wie die Kalksteinschichten. Die südliche Einsenkung der rothen Schichten zeigt sich sowohl im Sern/t- Glarus. 'S ' wa*. 'Pkt »fes» (an* jntimt ■ Gi» di nt SOOK! m an- licka weis- 1™’ l«iA k.önu{0 ,i»G« jsck« de'#»* «JW“ *K uid ^ .iin^ * io 7 Thale, als am Wallen - Sec oberhalb Murg sehr deutlich. Mehrere tausend Fufs mächtig lagern . die Kalk- steinschichlen über die Grauwakenlager, aber an vielen Stellen ist diese hohe Decke zerstört und gänzlich weggeführt, und die biosgestellten Rothe-Grauwakelager zerrissen, deren zahllose Bruchstücke, sehr häufig von ausserordentlicher Gröfse , von dein Sernft - Thale an nordwärts durch den ganzen Linth-Kessel , auf allen Bergen desselben und in allen dessen Schutthügeln bis in die KK. Thurgau und Aargau 16-20 St. weit ausgestreut liegen (S. hierüber Ezel). ln der nordwestlichen Kalksteinkette des K. Glarus streichen an den Cuppen in der Alp Guppen Lager von rothem dichtem Eisenstein (in welchen noch an drey Orten die drey Stollen vom J. 1530-60. kennbar sind*), welche den ganzen damisch durchsetzen; denn dieselben Lager gehen im Klön- Thale auf der westlichen Seite des Sees am Fufs des Glärnisch wieder zu Tage aus (hier wurden sie ira J. 1571. ausgebeutet). Sowohl diese als die reichen rothen Eisenstein - Lager im Gonzen- Berg, zwischen Wallenstadt und Sargans, 1 j 2 St. vom Weifs- tannen - und Murg - Thal entfernt , liegen ziemlich in gleicher Höhe mit den rothen Thonstein- und Grauwakelagern zwischen dem WciJ'stanncn- und Sernft- Tliale, und scheinen im Zusammenhänge gestanden zu haben. Der schwarze Thonschiefer , von Qurrz und Kalkspatadern häufig durchzogen , liegt besonders in *) Die Schmelzhiitte des Eisenerz - Bergwerks am Gu/rpe a stand zu Schwanden . Glarus. io8 dem JCraucA-Thale (ein Nebenthal des Ser«/i;-ThaIes), südwestlich gegenüber nicht weit vom Dorfe Matt am Platten - Berge, welcher seit dem Anfang des XVII, Jahrhunderts durch die hier gebrochnen schönen Schieferplatten und seine Fischversteinerungen berühmt worden ist, am Fufs des Soolstocks , an den Eckbergen bey Diesbach , in dem Schlunde der Pantenbruck zu Tage. Durch den südlichsten Hintergrund des SernJ't - Thaies ziehen auf der Grenze Bündtens hohe Thonschiefergebirge nach dem Kalfeusen- und Tztmtre-Thal, welche ebenfalls hin und wieder ihre ehmalige Kalksteindecke verlohrcn haben; die Schichten senken ebenfalls nach Süd. Die kurze Reise durch das Semft-’XhxA und über den Segnes - Pafs nach Graubündten führt den Beobachter grade durch diese Kalksteinkette, wo die rothen Grauwake-, Thonstein - und schwarze Thonschiefer-Zwischenlager streichen, und dem Forscher eine grofse Manigfaltigkeit der Gegenstände darbieten. — Gyps stöst in der Mitte des SernJ’t - Thaies in der Mühlialp oberhalb Engi, und im Krauch - Thal unter dem Thonschiefer zu Tage, und in dem Grofsthale des K. Glarus flicfsen mehrere, schwefelhaltige Quellen. Acufserst merkwürdig ist es, dafs die Richtung der 55 Erdbeben im XVII. Jahrhundert, der 37 Erdbeben vom August 1701. bis Februar 1702., und der 5a Erdbeben vom J. 1765— 1764. ohngefähr auf der Linie vom Linththal , queer durchs iSern/f-Thal nach Mülli- horn am Wallensee fortgieng, längs welcher die schwefelhaltigen Quellen und der erwähnte Gyps liegen. Die nichtigen gcognostisclien Folgerungen über den schwe- felreicken Gyps, welcher durch das gan?,e Alpengebirge streicht, sehe man in Ebel , über den Bau der Erde. Zürich 1808 . I. Th. S. 357 - 558-— Die höchsten Kalksteinfelsen des K. Glarus , nie der Docdi , Kistenberg und andere, sind, so nie die Windgälle (s. Altorf ), auf Gneifs aufgesetzt.— Schwarzer, und schwarz und weifs geaderter Marmor bricht auf der Bärenbodenalp , dem Guppen , dem Ginzenhorn. Kry- stalle am Docdi, und in den Beyfarten der Sandalp. Schöne rosenrothe Flufsspate und amethystfarbne Quarzkryslalle in dom Gerolle des Linlh - Bettes , welche aus dem Urfels, worauf der Docdi und seine Nachbarn ruhen,. herabgespült werden. Schwefelkiese finden sich auf der Sandalp , öfters in kuglichter Gestalt und im Innern strahlenförmig, weswegen ihn die Hirten auch Slrahlstein nennen. — Farbenerde auf dem Krähenberg zwischen Mollis und Nettstall; vor- treflicher Tupfstein in Marchlen hinter Betschwanden , welcher ausgebeutet wird , und woraus der Kitcluhurm zu Glarus gebauet ist. Bey Nieder-Urnen geht die nördlichste Linie der Kalkstein-Alpen und die südlichste Linie der Nagelßue- Berge durch; von hier nordwärts über Bitten hinaus nichts als Nagelßue , von dessen Bergen ungeheure Trümmer herabgestützt umherliegen; über das merkwürdige Nagelßue-Gebilde sehe man die Art. Ezel , Rigi , TVesen. Mehrere Hügel im Thale, wie bey Glarus , Netstal, Enneda, Mitlödi , bestehen aus Kalksteintrümmern, und der Thalboden aus Gerolle und Schutt. / Glarus. i io ■Versteinerungen. Die Kalksteinfelsen enthalten Versteinerungen : Auf dem Glämisch Ammonshörner, auf dem Guppen Ammonshörner, Griphiten, Ostra- citen , Terebratuliten ; in dem Frei- Berge, unter des höchsten Kuppen, gtofse Blinke voll Porphyten, Pecti- niten u. d. gl., welche der H. Doktor Marti in Glarus entdeckte, ln den Thonstein-Lagern hat man bisher nirgends als in dem Tafelschieferbruch des Plalten- Berges Versteinerungen bemerkt. Hier sind es aber nicht Secmuscheln, sondern Fische. Manche derselben gehören Meerfischen, z. B. dem Scliwerdfisch (Squn- lus pristis) an; andere scheinen die Kennzeichen von Flufs- und Seefischen, z. B. von Lachsen , Forellen, Barschen, Trüsclien an sich zu tragen.; auch Abdrücke von Schlangen und Schildkröten weiden daiin gefunden. Bisweilen sind die Gerippe sehr vollständig und schön Zwischen den dünnen Schieferblättern abgcdruckt liegend. Man s.die ziemlich beträchtliche Sammlung aller Versteinerungen des K. Glarus bey dem H. Steinmüller, jetzt Pfarrer zu Rheinegg am Bödensee, im Rheiuthale des K. St. Gallen , ganz vorzüglich aber das ehmalige Schcuc.hzeri- seke , und das Rathsherr hav ater sehe Kabinet in Zütich. Mineralogie. Der Eisenerze am Guppen und im Klönthal ist schon im vorigen Absatz Erwähnung geschehn. Am Guppen arbeitete man im J. 1526. auf Silbererz, welches sich aber verlor. Am Mürtschen- Stock auf der Alp Bärenboden sieht man noch verfallne Stollen eines Kupferbergwerks ; es giebt liier nämlich Kupfergrün als Anflug in rothem Grauwakeschiefer. Glärnisch. iii 'v; s *•»* lü»» lf« t Ut I* äa ^;V 'ein .1 Jo, Jr iWiadi Ute iiiö'rt tjol. saoot- tlüfc' iaV diud" n it t- W : ,1.^ litt * 4 * Auf der Limmern- k\p wird ein sehr starker Steinölgeruch wahrgenommen ; und die Gegend, wo derselbe am stärksten sich verspürt, nennen die Hirten Oelblan- ken. An vielen Orten schlägt an den Kalkschiefer- Felsen Sali aus, Sulaläkincn j^nannt, wohin die Gemsen im Sommer liaüfenw'eise zum Lecken kommen. GL ARS ISCH, auch Glärnis , ein durch seine Höhe und Gestalt merkwürdiger Felsenstock iin K. Glarus. (S. den ersten Alpenaufrifs dfes I. Theils ). Er liegt unter 47 °, o', ta" nördlicher Breite und 26°, 41', 4 " der Lange. Derselbe besteht aus dem vordem , mildern und hintern Glärnisch, dessen höchster Gipfel Fcuer-Bcxg heifst und 7621 F. über den Zürcher-See* oder 890° F. übers Meer, also ohngefähr so hoch wie die Gotthards - Hörner ist. Auf seiner nach N. und W. zugewandten Seite Hegt ein 3 St. langer Gletscher, der aus der nördlichen Schweitz vermittelst Fernrohren gut erkannt wird. Der Glärnisch lälst sich ersteigen 1) Ueber die Gnppen-A\ p, über einen Gletscher nach dem Rüchi - Stock zu gelegen, 3 St., und von hier sehr mühsam und zum Theil wieder über Gletscher auf den Feuer - Berg 4 St. 2) Aus dem Klön —Thale in die Schlatt- Alp, ins Gleitter auf die Glärnisch- Blangen , auf die Höhe des 'vordem Glär- niseh 3 /ä St. — Nach dem miltlern Glärnisch geht es aus der vordem Schlatt-Alp durch’s Kamm - Thäli und über Hochthor -Stock in 5 St., und von da über Gletscher auf den Feuer-Btxg ; ein gefährlicher \Veg. 112 Gletscher. Gletscher *), oder Eisberge , wie man sie aber uneigentlich nennt, gehören zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Alpen. Die Benennung stammt aus der celtisclien Sprache* Man s. das kurze Idiotikon im I. Th eil. «r Ursprung. Jeder Gletscher, Lage und Gestalt soy welche sie wolle, verdankt seinen Ursprung einer Ungeheuern Last Schnee , welche von geschmolzenem Schneewasser durchzogen wird, und den zweyten Winter erlebt. Der Geburtsort dieser Ungeheuern Eismassen , welche jetzt bis in die fruchtbarsten Thiiler hcr- abreichen, sind die höchsten Felsentliäler. Wenige derselben haben die Richtung von Morgen nach Abend; alle sind von hohen Felsen umgeben, so dafs also die Wirkung der Sonne in den drey Sommermonaten geling ist. Hier fällt neun Monate lang Schnee; von allen herumstehenden Felsen stürzen ganze Lasten desselben in das Thal, wie in einen Kessel herab, wo er sich als eine sehr dichte Masse viele hundert Fufs hoch aufhäuft, während des Sommers nicht wegschmelzen kann, und den folgenden W’inter schon als ein Haufen Schnee erscheint, der aus Eiskörnern besteht, die nach und nach durch das langsam von der Oberfläche durchsickernde und gefrierende Wasser zusammengefügt und zu gröfsern Körnern gebildet werden. *) Die Gletscher lieifsen in Graulüindten U ** jilito' Clf" |li rt )lr gif * 1 Gletscher. 115 dasselbe zurückweicht, wenn der Gletscher von oben herab nicht um eben so weit vorrückt, als das Ende an Masse verlor. Eben so nehmen sie auch in andern Jahren wieder zu, oder drängen sich tiefer im Thale über Wiesen und fruchtbare Hügel fort. Doch findet dabey keine Regelmäfsigkeit statt; denn es hängt von langen, schneereichen oder milden Wintern, und von langen und heifsen oder gemäfsigten Sommern ab. Wenn die Gletscher wachsen, so geschieht diefs gewöhnlich im Frühling; sind sie ein Jahr ungewöhnlich weit in dem Thal vorgerückt, so nehmen sie gemeiniglich die folgenden Jahre ab; es scheint, dafs sie zu weit fortgeschoben sind, und dafs es einige Jahre erfordere, ehe in den obersten Felsenthälern durch neu erzeugte Eismassen ein solcher Druck entstanden ist, dafs er nach unten wirken kann. Beschaffenheit der Oberfläche. Die Oberfläche und Gestalt der Gletscher wird von der Fläche bestimmt, auf welcher sie liegen. In ganz ebnen oder nur wenig abhängigen Thälern sind die Gletscher gleichfalls eben und fast ohne Spalten; wo der Abhang stärker und die Bodenfläche unebner ist, zeigen sie das Ansehen von 50-100 F. hohen Meereswogen voller Spalten. Wird der Abhang über 50-40 Grad, so werden die Eisbänke gesprengt, verschoben, übereinander gedrängt, und erscheinen in den sonderbarsten und mannigfaltigsten Gestalten. Die Oberfläche der Gletscher ist mehr oder weniger von Spalten durchrissen, die oft 416 Gletscher. mehrere Fufs breit und über ioo F. tief sind Heftige Kälte, plötzliche Luftveränderung und die abhängige Lage sind die Hauptursachen davon. Alle Spalten zeigen in ihrer Tiefe eine dunkelblaue Farbe; die Ränder, Ecken und Spitzen aber ein helles entzückendes Meergrün. Im Winter ist es auf den Gletschern sehr ruhig; so bald aber die Luft wärmer wird, und während des ganzen Sommers, hört man bisweilen schreckliches Brausen, und fürchterliche Stöfse, die alles erbeben machen; das Spalten geschieht immer mit einem furchtbaren Getöse und Dpnner - ähnlichem Knall, und läfst es sich in einem Tage oft hören, so ist es ein Vorbote von Wetterveränderung. Die Spalten sind täglich und stündlich veränderlich; deswegen ist es so gefährlich, Reisen darauf zu machen. Gletscher, Gletscher-Gebläse, Bäche und Löcher. Das sogenannte Gletschergebläse giebt einen Beweis von der Luftbewegung in und unter den Gletschern. Bey plötzlicher Luftveränderung stofsen aus den Spalten bisweilen Luftströme von der durchdringendsten Kälte hervor, die zugleich feine Eiskörnchen mit sich führen und sie wie Schneegestöber weit und breit fortblasen. Ueberall sicht und hört man auf den Gletschern Wasserbäche rieseln und rauschen, die sich ihr *) Selbst der Schnee, der bey Scbncestürzen fest zusammen- gcschlagcn wird, zeigt schon Spalten, und in den Ungeheuern Schneelasten des Montblanc sieht man den Schnee in regelmäßige Vierecke gespalten, welche die Savoyarden Serats nennen. GlETS CHER. 117 Bett eingraben. Oefters, wenn der Ablauf des Wassers unter den Gletschern verstopft wird, und sich in ausserordentlicher Menge angesammelt hat, werden dann die Eistafeln gesprengt, und ein wilder Strom ergiefst sich plötzlich aus einer breiten Spalte. — Hin und wieder trifft man runde Löcher an, die senkrecht durch den Gletscher geben und bis oben mit Wasser angefüllt sind. Diese Löcher entstehen von Steinen, welche durch die eingezogne Wärme das Eis um sich her schmelzen, und immer tiefer und tiefer einsinken, ln diesen Löchern treibt man ein Spiel mit^den Bergstöcken , nämlich man stöfst sie mit Gewalt in das W r as- ser, und sie kommen immer wieder in die Höhe. Steine an und auf den Gletschern. Manche Gletscher haben eine schmutzige schwärzliche Farbe an der Oberfläche , welche von aufgelösten verwitterten Steinen entsteht. Eine grofse Menge Steintrümmer, welche in den höchsten Felsenthälern durch Stürme und Lauinen herabgestürzt werden, liegen immer sowohl in dem Eise des Gletschers als auf demselben; daher findet man an den Rändern und am Ende aller Gletscher Steinhügel, die bisweilen 100 Fufs hoch sind. Diese Steindämme (Gandehen , Ganda , Morene , Moraine , Mürene *) genannt) schieben das Ende jedes Glet- *) Iu Tyrol heifsen die Stcintriimmer - Haufen um die Gletscher trockne Murren, woher auch wohl das französische "Wort Morren, Morene seinen Ursprung hatj es ist wahrscheinlich ein altes celtisches Wort. Nafse Murren heissen die X\l'oler das, was die Schweitzer Steinrysenen nennen. Gletscher. H8 scher« vor sich her, und sind die deutlichsten Merkmale ihrer ehmaligen und jetzigen Ausdehnung und Hohe. Längs den Seiten - Rändern der Gletscher, welche ein Felsenthal füllen, liegen gleichfalls hohe zusammenhängende Haufen von Steinen, die aber durch die unglaubliche Gewalt der Bewegung der Gletscher zwischen dem Eis und den Felsen gröfstentheils zu Sand und Gries zerrieben werden, lin hohen Sommer sind die Gletscher niedriger als diese Sanddämme an ihren Rändern, und durch einen Zwischenraum von ihnen getrennt; beydes nur Folge des starken Abschmelzens. Bisweilen trifft man mitten auf den Gletschern in den ohern Theilen der Felsthaler hohe und lange Steinhaufen in Cestalt von Grabhügeln parallel nebeneinander liegend an. Die höchsten, längsten und breitesten Haufen dieser auffallenden Art, Cufferlinien genannt, sähe ich auf dem Rosbodmer - Gletscher (S. Simplon'). Wahrscheinlich entstehen sie theils von Lauinen, welche von manchen Felsen immer in derselben Richtung stürzen, theils von dem Herabschicben der gegenüber liegenden Gletscherränder nach der Mitte, und theils von dem starken Abschmelzen des Eises unter den nicht hoch über einander liegenden erhitzten Steintrümrnern; so dafs das Eis, welches höher bedeckt liegt und nicht schmelzen kann, in die Höhe steigt. Ganz etwas Aehn- liches zeigt eine andre schöne Erscheinung; auf manchen Gletschern, z. B. auf den Aar- Gletschern, bat man hohe regelmäfsige Eispyramiden über die übrige ebne Oberfläche des Gletschers emporragen, und auf «I* Gries w Ot- Kittel [las . fei- In ta Uns A'e/as n iit- t ich itw stium lieft* tkfc* jßlffifll ' jt ^ tß* , JÜ f Gletscher. 119 ihrer Spitze einen breiten Felsblock tragen gesehn. Ohn* diese Wahrnehmung würde es schwer gewesen seyn, das Entstehen der andern Pyramiden, welche ihren gegen die Sonnenhitze schützenden breiten Felsblock schon verloren hatten, zu begreifen und zu erklären. Einige wenige Gletscher sind von den zahllosen Trümmern eingestürzter Felsen so überdeckt, dafs man von ihrem Eise nichts, und nur gerade da, wo der Gletscher-Bach hervorstürzt , etwas davon wahrnehmen kann. Die Steindämme an dem Ende der Gletscher, welche .sie vor sich her schieben, sind dem Naturforscher über alles wichtig, indem er liier mit der gröfsten Bequemlichkeit ein Steinkabinet durchsuchen kann, worin er Probestücke von den höchsten Felsen, zu denen man so oft nicht gelangen kann, aufgehäuft findet. Beschaffenheit d e s G le t s ch er-E i s es. W^ena man Gletscher ohne Spalten, ohne scharfe Abschnitte, Spitzen und scharfe Ränder sieht, so glaubt man nur Schnee zu sehen; da hingegen die glänzenden Firnen, welche man für Gletscher hält, nichts als Schnee sind, der mit einer dünnen Eiskruste überzogen ist. Man erkennt die Gletscher, auch aus weiten Fernen, nur an den Brüchen und scharfen Absätzen dieser Schnee gleichen Masse, und, in der Entfernung von wenigen Stunden, an der blauen und grünen Farbe ihrer Spalten und Schründe. Die Gletscher bestehen nicht aus solchem festem Eise, wie Flüsse und Seen im Winter zeigen, sondern aus Eiskörnern und Stücken, welche mehrere Zoll lang und dick, voll Vertiefungen und Er- 120 Gletscheii. •rekr • .: t ■EV liabenheiteu sind und die wunderlichst gekrümmten Gestalten weisen, die aber alle so in einander fügen und eingreifen, dafs sie sich wie Gelenke etwas hin und her schieben, aber aus der Verbindung der ganzen Masse nicht anders lösen lassen, als wenn man mehrere zerbricht. Die Ursache dieser höchst sonderbaren Gestaltung ist die Luft, welche sich beym Gefrieren der mit Wasser getränkten Schneemassen entwikelt, ausdehnt, und dünne Luftblasen von allen Krümmungen bildet, nach denen die immer gröfser werdenden Eisstückchen sich modeln. Nur alle starkabhängige Flächen, scharfen Abschnitte, Ränder und Spitzen, und alle Schründe und Spalten , in denen Schmclzwasser fliefst, zeigen ein festes, höchst durchsichtiges, hellgrünes Eis. Auch an den Seiten der Gletscher findet man gewöhnlich unter den Sand- und Grieshaufen das Eis fest und schwarzblau. Nur einen einzigen Gletscher kenne ich, der hievon eine Ausnahme macht; nämlich die’ ganze Masse des Rosbodtner -Gletschers besteht aus einem äusserst harten, festen, dichten und schwarzblauen Eise, und gleicht einem Ungeheuern dunkeln Glasgusse. ( S. Simplon J. Eisgewölbe und Gletscherströme. Die Eisgewölbe arn Ende der Gletscher, aus deren Tiefe der Gletscherstrom herausstürzt, entstehen immer an dem abhängigsten Ort, wo alle Schmelzwasser des Gletschers hinströmen. Im Winter sieht man nichts von den Eisgewölben; Schnee und Eis bedeckt sie, und der hervor- fliefsende Bach ist klein; im Frühling und Sommer aber s S n ’lUte "Sft- ttt foj l, »«. *o? «do L- &S- a, i*i hnm dlpi- ' am Es A« ämVä teilt w A«"- JaiU . »&• ,T* f Kt*' «J® 1 des^ Goldingp.r-Thal. I 21 durchbricht der sehr angeschwollene Strom das Eis , und es entstehen ioo Fufs hohe und 5 °~ 8 ° F. breite Gewölbe, deren Gestalt und Gröfse veränderlich ist. Das Wasser des Gletscherstroms ist weifsbläulicht und behält diese Farbe viele Meilen weit , wenn nicht andre einfallende Bäche sie verändern. Diese eigentümliche Farbe der Gletsclierströme entsteht von dem vielen fein zerriebnen Quarz, Feldspatli, Glimmer und andern Felsthailen , die sie immer mit sich führen. Zahl und Flächeninhalt aller Gletscher. In den Alpen vom Montblanc bis an die Grenze vom Tyrol liegen gegen 4 °° Gletscher, von denen äusscrst wenige kleiner als eine Stunde lang, sehr viele 6-7 Stunden lang und St. breit und 100-600 F. mächtig sind. Es ist unmöglich , die Flächenausdehnung aller dieser Eismassen genau bestimmen zu können; indessen läfst sich dem Verstände doch eine Total-Vorstellung geben. Ich habe es versucht, die Ausdehnung aller Gletscher nach einem Maasstabe zu berechnen, der bestimmt eher zu klein als zu grofs ist; und daraus ergab sich: Dafs in Jen Alpen vom Montblanc durch die ganze Schiveitz bis an die Grenze Tyrols ein Eismeer von beynahe 50 deutschen Quadralmeilen liegt , welches der unversiegbare Quell der wichtigsten und gröfsten Flüsse von Europa ist. (S. Lauinen Göschenen-Tiial, im K. Uri. S. Am Steig. Goldin cer-T UAL, in der Landschaft Uznach (K. St. Gallen ) an der Grenze* des K. Zürichs. An dem Cham - Berge ist eine grofse Höhle, welche der 122 G o s s a r. Sage nach eine goldführende Erde enthält, woher das Thal den Namen bekam. Goss au, ein grofses Dorf im K. St, Gallen , Hauptort des Bezirks desselben Namens, 2 St. von der Stadt St. Gallen, i St. von Herisau in Appenzell entfernt. Geschichte. Gofsau gehörte stets zur allen Landschaft , der Abtey St. Gallen unterthan. Als die Appenzeller im Anfänge des XV. Jahrhunderts ihre Frey- heit gegen den Abt von St. Gallen erkämpften, vereinigten sich die Gofsauer mit ihnen , wurden aber 1429. mit Gewalt wieder ins äbtische Joch gespannt. Zur Zeit der Reformation empörten sich alle Bewohner der alten Landschaft gegen den Druck des herrschenden Klosters und verjagten alle Mönche; allein die damals siegreichen katholischen Kantone legten den Gotts- hausleuten, wie man sie nannte, die harte Unterthä- nigkeit der Abtey von neuem auf. Der Druck des äbti- schen Ministers empörte gegen Ende des XVIII. Jahrhunderts alle Bewohner der 9 Stunden langen und 4- 5 St. breiten alten Landschaft , und Gofsau erhob 1 795 - zuerst die Stimme und hielt Bürgerversammlungen. Die übrigen Gemeinden schlossen sich sogleich an und erwählten eine Versammlung von Stellvertretern mit der Vollmacht, alle Klagen zu prüfen, aufzusetzen, und das Beschwerdenheft dem Abt zu überreichen. Man unterhandelte lange. Die Mönche und weltlichen Amtleute widersetzten sich allen Forderungen des Volks und dem Willen des Abts Heda, welcher am Ende aus eigner Gewalt ein Verkommnifs zu Stande brachte, worin alle Punkte der Staatsreform bestimmt, und durch einen zweyten Vertrag vom August 1797. Erläuterung und Gewährleistung von vier Kantonen erhielten. In Gofsau wurde den 23. November 1795. die grofse Gandsgemeinde gehalten, wo in Gegenwart des Abts der neue Verein dem Volke vorgelesen und angenommen wurde. Der Abt Beda Angehr n , aus dem thurgaui- 6chen Dorfe Hagemveil gebürtig, war seit 1767. Fürst- Abt. Unter den Volksmännern spielte Major Kuenzli von Gofsau die Hauptrolle; er trug am meisten zur glücklichen Beendigung der vaterländischen Angelegenheiten bey, führte die grofse Landsgemeinde und ernd- tete die allgemeine Hochachtung seiner Mitbürger ein. Kuenzle war seines Handwerks ein Schlächter, und seit vielen Jahren Fufsbriefbothe zwischen Gofsau und Herisau, welches Geschäft er auch nach 1795. noch fortsetzte. — Nicht weit von Gofsau das Städtchen JVyl 9 wo fast in allen Bürgerkriegen der Schweitzer und in dem Kriege der Appenzeller stets Gefechte statt gehabt haben. Ueber die Niederlage der Appenzeller bey Gofsau im J. 1427. S. den Art. Herisau, Gotthards-Berg, auch St. Gotthard *), *) Dieser Name soll aus den celtischen Wörtern Got und arth d. h. der erhabenste Gott, entstanden seyn, welcher wahrscheinlich auf diesem Gebirge verehrt wurde. Der grofse Geschichtsforscher in Zug, General Zurlauben 9 machte es zu Folge einer llorentinischen Cornaline wahrscheinlich, dafs die Taurisker auf der Höhe des Gotthards ihren Gott angebetet, und dieses Gebirge, Berg Gottes genannt hätten. Andere leiten den Namen von den Go- Gotthard. 124 iin K. Tessin. Einer der gebahntesten Alpenpässe führt über den Gotthard aus Deutschland und die Schweitz nach Italien. Geschichte. Die Römer kannten den Gotthard nicht , daher kann man die römischen Benennungen von Adula uud Lepontinische Alpen * *) nicht auf den Gotthard beziehen. Zu welcher Zeit die StraJ'se über den Gotthard geöffnet wurde, ist nicht genau bekannt. Die Geschichte dieses Passes hätte aus den Dokumenten des Archivs im Kloster Disentis , welchem der Gotthard und Ursern — Thal gehörten, aufgeklärt werden können; allein Alles ist im J. 1799. dort verbrannt. D r gelehrte Kipitular, Kr. P/acidui a Specha , versichert als getrijs, dafs diesen Urkunden zufolge schon im J. 1300. am Fufs des Gotthards ein [Iospital gestanden, dafs 13ar. käufliche Sachen über den Gotthard geführt worden sind, dafs der Abt Guillelmus de Planezia im J. 1", 19■ mit den Urnern ein Bündtnifs eingegangen sey, und dafs r/ien, welche im J. aus Italien vertrieben wurden und si. h in die Thüler von Uri setzten. Die alten helvetischen kroniken thuu allgemein Meldung von dieser Ankunft der Gothen, uud die Laudleyite rühmen sich nach uralter Sage, dafs viele unter ihnen von Gothen ahstammeu. Päoch andere leiten die Benennung von dem H. Gotthard (hildesheimisrh :m Bischof im XU. Jahrhundert) her, welchem die Achte des Klosters Disentis hier eine Kapelle zu Ehren bauten. *) Cäsar in hello gallico sagt: „Rhenus autem oritur ex Le- pontiis, qui alpcs incolunU’, und Plinius verlegt die Lcpon- lii Viberi ins AYalliserland; die Aar auf der Grimsel wurde damals ebenfalls fiiv einen Thcil des lihcins angesehen. ■von dieser Zeit die Strafse durch das Lirnerloc-k und über den Gotthard begonnen habe. Ferner, dafs die Abtey Disentis die Alpen Fortune}’, Rotund und Lu- zendro auf dem Gotthard als Eigenthum besessen, nach dem J. 1374. ein Hospital und die Kapelle des II . Gotthard auf dem höchsten Punkte der Strafse erbaut, spater aber bey den Streitigkeiten mit den Einwohnern des Ursern - Thals jene Alpen an die Gemeinde Airolo mit der Bedingung verkauft habe, dafs Airolo das Hospital zur Beherbergung der armen Reisenden unterhalten solle. Das Ankauf-Iustrument ist in Verwahrung der Hm, Camussi in Airolo. Go 11 h a rd s-S t r a f s c bis zum Ifospitium. Die Strafse ist mit Granitplatten belegt, hat nie weniger als 10 F. und nie mehr als 15 F. Breite. Von Amstäg bis Airolo ist sie 10 St. lang. Im Winter ist sie 20 - 30 F. hoch mit Schnee bedeckt. Die Bahn wird stets durch Ochsen von Airolo und Ursern offen erhalten , und selten ist die Strafse 8 Tage lang gehemmt. Die W^aaren werden in Ballen auf dem Rücken von Pferden getragen ; die Pferdelast von 3 Ctr. wird Saum , und deswegen die Pferde Saumrosse, und die Führer dabey Säumer genannt. Der Saumweg fängt von Flüelen an und geht bis Bellinzona 30 Stunden, welche von den Sautnrossen in 4 Tagen zurückgelegt werden; das erste Nachtlager ist in Ursern , das zweyte in Airolo , das dritte in Giornic.o , das vierte in Beilenz. Die Waarenfracht ist im Winter am stärksten, wo zwey Ochsen auf Schlitten 12 Centner fortschaffen. Wo- 12.6 Gotthard. chentlich gehen 300 Saumrosse, und 15,000 Reisende jährlich über den Gotthard. Ueber den Weg von Artist äg bis Hospital s. die Art. Amstäg und Andermatt. Von Hospital im Ursernthal bis zum Hospiz 2 y. St. geht es durch eine wilde, öde und steile Felsengegend längs der Reujs zwischen den Felsen Hühner - Eck Westwärts und dem Gams und Gnspis , auch Gotthards- Ilorn genannt, ostwärts. Nach einer Stunde ist man an der Grenze des Vrsern -Thals, jund man tritt ins Gebiet der Gemeinde Airolo des Livinen — Thals im K. Tessin. In 2 St. kommt man an einen schönen Sturz der Reujs , und die sich vordrängenden Felswände scheinen jeden weitern Fortgang zu versperren. Gleich nachher führt die Rudunt - Brücke über die Keufs in die Rudunt- Alp , wo man nach Osten den Blau-Berg und Prosa , südwestlich den Luzendro und Orsino sieht. Man steigt noch etwas, und nun erblickt man westlich einen Theil des Sees Luzendro , aus dem die Reujs entspringt , dicht neben dem Wege rechts den grofsen See, und bald noch einige kleine Seen, zwischen denen die Strafse nach dem Hospitium führt. Erste Reise über den Gotthard in der Kutsche. Der englische Mineraloge Greville war der erste, welcher es den 25. Juli 1775. wagte, mit seinem Wagen über den Gotthard zu fahren. Dieser Versuch kostete ihn 18 Karolin. Im J. 1793. geschah es zum zweytenmal, dafs ein Engländer in seiner Kutsche über den Gotthard reiste ; seitdem ist es nun öfterer unternommen worden. Es werden dazu 4 Pferde und 6-8 Männer erfordert. In 7 Tagen kann man von Altorf nach Magadino am Langen- See fahren, welchen Weg man zu Pferde oder zu Fufse in 4 Tagen zurücklcgt. Die Transportkosten der Kutsche über den Gotthard, d. h. von Altorf bis Giornico , wo die Thalebne nicht mehr unterbrochen wird, betragen 24 Karolinen, etwas weniger und mehr, je nach der Gröfse der Kutsche. Hospitium auf dein Gotthard. In einem der vorigen Absätze ist die Geschichte des Hospitals , Spitals, erzählt worden, welches auf dem höchsten Punkte der Gotthardsstrafse steht, wo die Armen eine Mahlzeit, und, wenn sie auf der Reise ein Unglück gehabt haben, Pflege erhalten. Der Pferdestall ist sehenswerth , wo in einem Raum , dessen Durchmesser 56 Fufs ist , 47 Pferde stehen können. Dem Spital gegenüber steht das Kapuziner-llospitium , wo zwey italienische Kapuziner wohnen, bey denen der Reisende, so gut als es hier seyn kann, aufgenommen wird ; wenigstens findet man gute warme Betten und guten italienischen Wein. Die Kapuziner machen für die Bewirthung keine Rechnung ; die wohlhabenden Reisenden bezahlen nach ihrem Gutdünken, und vergessen nie, dafs hier so viele Dürftige unentgeldlich aufgenommen werden müssen. Karl Borromeus , Erzbischof von Mailand , wollte im J. 1560. ein Hospitium stiften, starb aber darüber. Friedrich Borromeus schickte dann im J. 1602. einen Oblaten-Priester ins hiesige Spital, und liefs ihm 162g. eine eigne Wohnung errichten. Vom J. 1648- 1682. stand sie leer, und nur erst 1683. kam das Hospitium 123 Gotthard, durch den Kardinal Visconti zu Staude; Die Pflicht der hiesigen Kapuziner ist, Nothleidenden auf der Strafse zu Hülfe zu eilen, sie zu pflegen, und Messe zu lesen. I ra J. 1775. stürzte eine Lauine das Hospitium zu Boden; aber schon 1777. wurde ein geräumigeres Gebäude auf- geführt. Während der Gefeehte im J. 1799* und 1800. wurde das Hospitium , (welches schon 16 Betten für Fremde aufgestellt befafs ) und das Spital geplündert und die F.inwohner verjagt. Im Winter 1799-1800. wurde ein Piket von 50 Franzosen hieher gelegt. Obgleich Airölo alles Brennholz lieferte , heitzten sie doch mit den Thüren, Fenstergesparr, Balken und allem Holzwerk des Hospitiums , so dafs es gänzlich zerstört wurde. Im J. 1800. liefs Airolo eine elende Hütte für drey Wächter zum Schutz der Waaren bauen. Die Reisenden mufsten sich bisher mit dem elenden Spithal' behelfen. Um das den Reisenden so wohlthätige Hos- pitium wieder herzustellen, hat der Pfarrer Pozzi in Airolo in einem igot. gedruckten Sendschreiben die Mildtliätigkeit der Zeitgenossen aufgefordert. Das Hospitium lag unter dem 46°, 27', o" nördlicher Breite, 26°, 6', o° der Länge, G390 F. übers Meer nach H. 'V. Saussure, 6573 F- u^ch Pini , 6700 F. nach TVeifs , 6620 F. nach Müller in Engelberg. Wetter- Beobachtungen. Nirgends sind auf einer solchen Höhe so viele Wetter- Beobachtungen angestellt worden , als in diesem Hospitium des Gotthards. In den Mannkeimer-Ephemeriden kommen neun Jahrgänge täglicher Beobachtungen des Gotthards vor, * 1 «. ■ijoo. 0 iit iWc J-ifc sitiri nj ut «ntär i«e£ii Die »tii/ ta- [»ui'» ibO!* i b# : «J« 1 Gotthard. 129 und im Bande fürs Jahr 1788* e ‘ n Auszug aus Pater Laurentius Beobachtungen vom J. 1782. an; letzt- rer setzte seine Beobachtungen bis i 79 2, f° rt - E* as Mittel aller Barometerstände ist 2t', io" 1 , 001C; und dem zufolge lag das llospitium ( nach der Berechnung des Hin. Placidus Heinrich , Professor zu St. Emmeran in Regensburg) 6650 J'oF. übers Mittelländische Meer 11 ). Gotthards-Thal. Das rauhe und nackte Felsenthal, worin das Hospitium liegt, ist 1 St. lang, zieht von N. nach S. und ist von allen Seiten mit hohen Felsenhörncrn umgeben. Oestlich erheben sich der Prosa , Sella, Schipsius und Sorescia; südwestlich der pibia , iieudo , der 973 ° hohe Luzendro - Spitz, und der 9944 F. hohe (d. h. übers Meer) Orsino oder Urser-Spitz. Der Fieudo ist 8268 F. übers Meer nach Saussure , 8586 F. nach Pini , 9550 F. nach LVeifs , 9470 F. nach Miltler. Der Prosa ist S262 F. und der Fibia 9730 F. übers Meer nach Saussure**). Der Fieudo und Prosa lassen sich in 2-3 Stundeu *) Ausser dem Gotthard sind noch auf den 3 ooo F. übers Meer gelegnen Peisrenbcrg i:i Ober-Baiern (zwischen dem Lech und der Halber bey Schongau und Weilheim) in dem dort van dem Siift Bolkenbuch errichteten Observatorium seit 178* • unausgesetzt Wetter - Beobachtungen durch die Herren Hemmer und HHin Schwaiger angestellt worden. **) In den Messungen der Gotthards • Hörner, welche auf der von Hm. Lf'eijs herausgegebnen Karte der Schweilz (in 16 Blättern) angegeben sind, mufs ein Irrthum obwalten; denn sie fallen um jo - i 3 oo F. höher aus, als die Messungen, der HI 1 . von Saussure und Pini , ///. 9 t Gotthard. 130 ohne grol'se Beschwerlichkeit ersteigen ; der letztere ist jedoch viel steiler. Die Uebersicht über unzählbare Felsspitzen und schwarze Abgründe ist auf diesen Gipfeln einzig. Seen und Ursprung des Tessins und der Beufs. In dem Gotthardsthal liegen 8“ 10 kleine Seen. Der Luzendro- See am Fufse des Orsino und Luzendro St. vom Hospitium nordwestlich , in einem grausenden Felsenwinkel, von dem Luzendro - Gletscher mit Zuflufs versorgt, giebt der Reufs den Ursprung, welche im Ursern- Thal zwey starke Bäche, nämlich bey Hospital den zrreyten Reufs- Arm von der Furca (welcher bis hieher dreyzehn Bäche aufgenommen hat}, und bey Andermatt den dritten Arm von der Ober- und Unteralp erhält, bey Seedorf in den Vierrraldstädter- See, und bey Koblenz , mit der Aare und Limmat vereinigt, in den Rhein fallt. Der Luzendro - See ernährt rothe Forellen, während in der Reufs und im Tessin nur weifse bemerkt werden. Der Tessin entspringt aus einem kleinen See unweit des Ilospitiums, am Fufse des Prosa und aus dem Sella - See auf der Sella- Alp zwischen dem Prosa , Sella und Schipsins, empfängt einen Arm aus dem Val Sorescia am Ende des Tremola-Thals , und bey Airolu noch einige und stärkere Aerme aus den Bedretter -, Kanaria - und /Vorn-Thälern, lallt bey Magadino in den Lago mag- giore , und unter Pavia in den Po. — Die vier kleinen Seen vor dem Hospitium stehen unter einander in Verbindung, und schicken kleine Bäche sowohl der * « * \ «nt "4t «iea. wdre ?Ustv 4s* [,»4t kjk. (webt ), * - Juni iier- Mt ttt- jirt efc* (ptlloEi, t juik Sctip ! am &* eiii!* 1 *■* W* i tifi ^ Gotthard. 131 Reufs als dem Tessin au. Man findet bisweilen um diese Seen des Gotthards Enten und Schneehühner. Der Tessin stürzt vom Hospitium bis nach Airolo 476 Klafter, von Airolo bis Giornico 406 Klafter, und von da in der Thalebne fliefsend, fällt er bis zum Langen- See noch 77 Klafter. Die Reujs stürzt vom Luzendro- See bis ans Urner -Loch 504 Klafter, von hier bis Am- Stäg 497 Klafter , und von da bis in den Vierwalcl- städter-See nur 43 Klafter. (Der Langen - Sec liegt 106 Klafter und der Viernaldstädter- See 220 Klafter übeis Meer). Klima und gefährliche Stellen im Gotthards-Thal. Der Winter dauert 9 Monate und der Schnee fällt an manchen Stellen 20 - 40 Fufs hoch ; hey anhaltenden Südwinden sieht man es doch auch im Januar hier regnen. Die strengste Kälte ist selten stärker als ig u Reaumür. Die wegen der Lauinen gefährlichen Stellen im Winter und Frühjahr sind: Nördlich vor dem Hospitium in dem sogenannten Feld; auf der neuen an die Felsen gestützten Strafse, gleich südlich vom Hospitium; der ganze Weg nach Airolo hinab. Ganz besonders gefährlich aber sind die Stellen la Piota, St. Antonio, Giuseppe, das ganze Val Tremola, und Madonna ai lief. Wegen Schneewirbeln und Schneegestöber ( Gugseten genannt) sehr gefährlich von der Rudunt- Alp bis zum Hospitium. Wer im Winter und Frühlinge hier reist, mufs nur strenge dem Rathe der Bergbewohner folgen, die sehr genau wissen, wenn die Gefahr der Lauinen vorüber ist, und keine Schnee- Gotthard. 132 Wirbel zu besorgen sind. Mufs die Reise durchaus während einer gefährlichen Zeit foitgesetzt werden, so besteht das einzige Vorsichtsmittel darin, den Pferden alle Glocken und tönende Sachen abzunehmen, und, ohne ein Wort zu sprechen, ganz still bey den gefährlichsten Stellen vorüber zu eilen , weil sehr oft von dem geringsten Schall die überhängenden Schneelasten Stürzen ( s. Lauinen ). Gewöhnlich kommen jährlich 5 - 4 Personen auf der Reise über den Gotthard in der gefährlichen Zeit um. In dem Gotthaidsthai giebt es nur die Rudunt - und SrK'o - und Luzendro - Alp , wo Sennhütten stehen, und Rühe und Pferde weiden. Weg nach Airol o. Von dem Hospitium hinab nach Airolo 2 St. sehr steil; r St. lang geht es durch das Zitier - Thal ( Val Tremola , Trimmein J über die Ponte Tremola. Im Winter liegt hier der Schnee 50 Fufs hoch, und in der Mitte des Sommers sieht man noch öfters Schneegewölbe über dem Tessin , über welche schwere Lasten gehen. Es giebt zwey Wege in dem Ziffer-Thal, einen für den Winter, den andern lür den Sommer. Unterhalb der zweyten Brücke geht die Strafse über eine grüne Alp, bey der Kapelle St. Anna vorbey, durch den Wald Piotella ins Thal hinab, und von da noch % St. bis nach Airolo. Oberhalb und in dem Walde Piotella öffnen sich erfreuende Aussichten auf das grünende Ober - Livinen - Thal, welches nach S. der Platifer schliefst. Nach SW- fallt der Blick ins Bedretter - Thal. (S. Airolo). V N 'S mt nun äWid Hl* |«k# Uft" a. lid i dis die inee mV. ff» Hilfe i&l* ibi» tt*-^ ,sff> Gotthard. 1^3 Blutige Gefechte im Gotthards - Thal am Ende des XVIII. Jahrhunderts. Im J. 17$)!). bemächtigten sich in der Mitte des Maymonats die Franzosen , unter General Sou/t, des Gotthards. Am 16. und 18. Gefechte im Livinen - Thal und auf dem Cenere gegen die Oesterreicher und die bewaffneten Einwohner. Den 19. ziehn sich die Franzosen aus Bündten unter dem Gen. Suchet nach XJrsern. Den 28. May wird der Gen. Lecourbe von den Oesterreichern unter dem Gen. lladdick zurückgetrieben; den 29. erobert der österreichische Gen. St. Julien die Teufels - Brücke und dringt bis Wäsen. Gefechte bis zum 6. Juny, wo die Franzosen den K. Uri verlassen. Im August dringen sie wieder über die Surenen- Alpen und über den Süsten - Berg durchs Main - Thal vor, schlagen am 15. August bey Flüelen und TV äsen die Oesterreicher zurück, erobern den 17. das Ursern— Thal, den Gotthard und die Ober -Alp bis Disentis in Bündten, und die Furca vom Wallis aus. Den 24. und 25. September dringt Ceneral Suyrarorr mit 25,000 Russen und 5000 Pferden über den Gotthard , schlägt die Franzosen vor sich her , und zwingt sie, sich in die iS/trenen-Alpen zurückzuziehen. Ucber die Ereignisse im Ursern- Thal und bey der Teufels - Brücke s. Andermalt. — Den 4 - October rücken die Franzosen vom Wallis wieder auf den Gotthard vor. Den 28. May 1800. marschirt eine Division Franzosen unter den Gen. Lorge und Moncey über den Gotthard , und dringt fechtend durchs ganze Livinen -Thal nach Lu- 134 Gotthard. gano und Conto , vro sie den 4. Juny eintreffcn, (S, Uri, der Kanton). Pflanzen. Das physische Kliina auf der Nord- scite des Gotthards ist so kalt, dafs der Baumwuchs in der Höhe vou 45G6 F. aufhört. Eigenthiimliche Pflanzen des Gotthards sind: Viola minima und Campanula patvla, Aufser vielen unter dem Art. Alpen angeführten Pflanzen wachsen noch auf dem Gotthard zwischen Hospital und Airolo folgende seltnere : Cnicus spinosissimus. Chrysanthemum llalleri, Pedicularis rostrata und comösa. IAnnca borealis. Apar ■ gia pyrenaica . Cardamine hellidifolia und resedifolia bej dem Hospitlum. Cistus calycinus Lin. Potentilla grandi. flora. Cherleria. Empetrum nigrum. Neunerloy Arten Saxifraga. Lilium bulhiferum auf der Südseite. Erigeron unißorum. Gnaphalium supinum , und viele andere. Merkwürdige Lage des Gotthards. Obgleich der Gotthard nicht der höchste Gebirgsstock in den Alpen ist , wie man bis über die Mitte des XVIII. Jahrhunderts glaubte' 1 ), so ist er doch durch seine Lage in der Mitte zwischen dem Montblanc und Montrosa in SW. und Ortcler , TVildspitz und Fermunt in 0 . in Tyrol uud besonders dadurch sehr merkwürdig, wenn man ihn nicht blos in seiner höchsten Kuppe, sondern in seiner wahren Ausdehnung als Gebirgsstock betrachtet. Der Umkreis des Gotthards-Gebirges wird *) Zufolge Blicheli du Crest Beobachtungen hielt man den Gotthard t 6 , 5 uo F. hoch übers Meer. t Gotthard. »35 ' 5 *. •net Falt ' Jnt «Ut 5 «P* Rik: . 4 >. ilh Ir grnü. a b in ln CT1 iitU? Moit* «l i< ! *k*«$ » W W? iii » 1 von folgenden Fclshörnern bestimmt : Von dem Galen - Stock in W. nach N. zu über das Bieter - Horn oder Gletscher - Berg, Spitz-, Mutz- und Teufels- Berg nach dem Crispalt; von hier ostwärts nach dem Cal- mot, Badus und Lukmanier ; von hier südwärts nach dem Pettine und Piotino oder Platifer; von hier westwärts nach Ravina, Naret, Mutthorn, Furca und Galen- Stock. Durch diesen Umkreis zieht der Alpenkamm von W. nach O. vom Ga/en-Stock, über die Furca , Mutt - Horn oder Pischiora, Fibia, Fieudo, Prosa, Sella, Peter-Stock., Nera und Cornero, Vomo- Spitz und Lukmanier. Unter diesen Hörnern ist der Galen -Stock ij,25o F. übers Meer, nach Müller das höchste von allen. In diesem Umfange liegen: 1) Das Ursern - Thal , das Ober - Liviner - Thal, und die kleinern Thäler Canaria und Piora, Termini, Cade- lina, Cornero oder Gurnern, Magis, das Gamer- Ober- und Unter- Alpthal, und das Felsen - Thal auf der Kuppe des Gotthards. 2) Acht und zwanzig bis dreyfsig kleine Seen, wovon der gröfste 1 St., und die kleinsten nur einige hundert Klafter Länge halten. 5) Acht Gletscher, nämlich der Furca - Bielen - Matten - Crispalt- St. Anna— Jl citenyrasser - Luzen- dro — und Pisciora -Gletscher. 4) Die “Quellen des Tessin , der Reufs, der Rhone und des Vorder- und Mittel - Rheins. Der Ursprung der beyden erstem Flüsse ist schon oben angezeigt; die Rhone entquillt am Fufs der Furka ( s. Furka), ^er Vorder - Rhein am Crispalt, Badus und im Gurnern -Thal (s. Tavät- scher - Thal ), und der Mittel - Rhein in dem Thal Cadelina ( S. Medcls - Thal') *). Geognost. Beschaffenheit. Der ganze Gott- hard besteht aus Uifelsarten, ■welche in ihrem Gemenge ausserordentliche Abwechslungen zeigen. Auf der Nord- seite , vom Teufels- Berg an Urnerlock im Ursernthal an (S .Am Stäg ), adriger Granit, Gneifs, Glimmerschiefer; von der Roduntalp an grobkörniger Gneifs, ■welcher durch das Gotthardsthal und an dessen Felshörnern mit derbem grofskörnigem Granit, adrigem Granit und Glimmerschiefer wechselt. Von der Höhe südwärts herab : Derber Granit von grofsem und kleinem Korn abwechselnd, Gneifs, Glimmerschiefer; im Tremola- Tlial, am Fieudo und Sorescia , beginnt Hornblendeschiefer, und schiefriger Sienit, bald mit feinkörnigem Quarz, bald mit Feldspath, und tiefer mit schönen rothbraunen zwölfeckigen Granaten gemengt. Ueber diese schöne Felsart geht die St;rafse durch den Piot - tel/a-W ald hinab nach Airolo. (S. Airolo '). An der Nordseite des Gotthards im [/Arern-Thal streicht zwischen den erwähnten Felsarten auf der SSO. Seite des Thals Topfstein, auf der NNW. Seite Ur-Kalkstein und Thonschiefer, und an der Südseite im Ober-Livinen- Canaria — u\d Piora - Thal Ur - Kalkstein und Gvps. (S. Airolo }. *) Vortrelüeh sindi Itineraire du St. Gotthard > avec unc Carte lithologique. Bale Zivey Blatter %.es Gotthardherges nach dem Relief dc$ Ur. Excha™,t icm ur- ;t o» fit 6f»t! Hielt iMe li»- ntml* tto»* k»«*' iitAJk' ißgH 1 $jg*' gtü«' .W Gotthard. 139 Mannigfaltigkeit der Fossilien auf dem Gotthard. Nirgends in den Alpen, und vielleicht nirgends auf der Erde, findet sich in einem so geringen Umfange ein solcher Reichthum von Fossilien als auf dem Gotthardsgebirge; und höchst wahrscheinlich sind seine Schätze in dieser Hinsicht noch nicht alle aufge-. funden. Wer im Ursern - Thal, im Hospitium , iu Airolo , in Medels und Tavetsch- Thale seine Standpunkte wählte, und von da aus, mit guten Führern versehen , alle Theilc des Gotthardsgebirges bereiste, könnte binnen einigen Wochen die herrlichsten Fossilien und immer die. belehrendsten Stücke selbst aufsammeln. Im Ursern - Thal finden sich : Bey dem St. Anna- Gletscher: i) Eine schöne Gebirgsart aus schwarzem Schörl (selten), schwarzem Fcldspath und weissem Quarz; zwischen Andermatt und Hospital sieht man oft am Wege schwarzen Schörl vom Anna- Gletscher herabgestürzt. 2) Grüner Strahlstein in weissem Talk. 5) Asbest, Amianth und Bergkork. Auf der Unteralp : 1) Schwarzer Schörl. 3) Grofse Blätter Silberglimmer in Quarz. Auf dem Cuspis: 1) Grüner Strahlstein, oder Delphinite, (sehr selten). 3) Gemeiner Quarz. Zwischen Hospital und Zum Dorf , auf der südlichen Seite des Thals oberhalb dem Wege, liegen bey der JYyler-Stude zwey grofse Blöcke Topfstein (hier Giltst ein genannt); und hier findet man auch gemeinen Talk, Braunspath, und Wolfram (sehr selten); ferner Chloritschiefer von dunkelschwarzgrüner Farbe, und in diesem Schiefer viele kleine Krystalle von magnetischem 1 Eisenstein , (ein Mittelfossil zwischen Speckstein und Talk), und Krystalle von Bitterspath (sehr selten). Zum Dorf gegenüber nach NNW. erheben sich der Mutz - und Spitz- Berg, an denen sehr schöner Granit bricht, welcher aus weissem Feldspath, schwarzem Glimmer und amethystfarbigem Quarz zusammengesetzt ist. In den Trümmern dieser Felsen fand Pini im Jahr 1781. einen wahren Amethyst-Krystall von 1 Zoll Länge (woraus dieser Naturforscher zwey Edelsteine schleifen liefs, welche durch ihre Reinheit und Farbe gleich schön waren), und auf ihrem Gipfel hat man eine Menge Krystalle von schwarzer und brauner Farbe wie Rauchtopase ausgebeutet. Auf dem Mutz- und Spitz -Berg Tremolithen in körnigem Kalkstein, und auf erstem noch Flufsspath. Gegenüber, auf der SSO. Seite, erheben sich der Klein- und GroJ's- Stock, und zwischen ihnen zieht ein Schlund, Jvarer-Thal genannt, aufwärts ; in demselben sieht man auf der einen Seite einen grossen Gang von Quarz und herrlicher Sammt- oder Chloriterde, und auf der andern den schönsten Talk mit grünem Strahlstein gemengt; höher im Schlunde wieder eine Ader Sammterde in Gneifs, und ganz zu hinterst noch eine Schichte Talk mit Strahlstein. In der Gegend von Realp finden sich Krystalle von rosenrothem Flusspath (sehr selten), von zwey vierseitigen Pyramiden gebildet. Zwischen Realp und der Furka bricht verhärteter Talk, sehr schöner Talkschiefer von Silberglanz , und in den umherliegenden Trümmern sieht man weissen und grauen salinischen Kalkstein und dichten Gotthard. N 'Sk, Sit 15 Gnt «H«u im], ollli, txhla W» «t Sw «te-Sej erm e, e- isdtra sürv, «s?» oloÖs iT* : n« W . b* «i** 141 Gyps mit Talkblättchen. Bey der Furla -Höbe Glimmerschiefer der sich dem Thouschiefer nähert. Ausser den genannten Fossilien findet man noch in dem Ur- sern - Thale auf der NNW. Seite graublauen derben Kalkstein, Kalkspathe von vierfachem Blätter - Durchgänge, stinkenden Kalkspath, phosphorsauren Kalkstein (die drey letztem seltenendlich gemeinen, schwimmenden ( sehr selten ) und biegsamen Asbest. Auf dem ß/nu-Berg findet sich schwaizer Schörl.— Auf dem Fieudo ; Rotber Schörl oder Sagenit, Titanerz , mit krystallisirtem blättrigem Chlorit. — Auf dem Sella : Tourmaline, erst im J. 1775. auf dem Gotthard entdeckt; krystallisirter Glimmer, Chlorit-Erde, zierliche Drusen von Schwerspath, gemeinen Feldspatli und Quarz- krysrallen und krystallisirten Glimmer in Sechsecken, blättriger Quarz, und in dessen Spalten und Holen Drusen des opalisirenden Feldspaths oder Mondsteins, den Pini im J. i7St. entdeckte, und (von dem alten Gotthards -Namen Adula) Adularia nannte. Dieses Fossil fängt an, hier sehr selten zu werden **). In dem Tremolo- Thal, dicht am Wege, lag, vom J. 1777. an, ein ausserordentlich grofser Block grünen Strahlsteins *) Die -^fdu/erüz-Rhomben und Prismen sind von der Grüisc i/ä Linie bis 1/2 Fufs. Pini besitzt einen Rhombus von 9 Zoll Länge, 5 r/r Zoll Breite, un \ Zoll Höhe. **) Doch ist es immer zu rathen , vom llospitium den "Weg nach der Sella-Alp zu machen, wo der dem Prosa zugerichtete Arm des Sella mit zertrümmertem Gestein gewöhnlich ganz überschüttet ist, und wo man oft Drusen mannigfaltiger Art findet. Von Kalkspathadern durchzogen, und erfreute in dieser fürchterlichen Steinwüste das Auge jedes Reisenden; noch im J. 1790. bewunderte ich das ungeheure Exemplar dieses schönen Fossils. Es war von dem Sorescii herabgestürzt, wo eine ganze Schichte dieses Strahlsteins dicht neben dem mit Granaten und Hornblende gemengten Glimmerschiefer streicht. Der Tremolith bricht, ungeachtet seines Namens, nicht im ZVemo/a-Thal, sondern tiefer unten im Livinen- Thal. — lieber die braunen, schwarzen und Hyazinth-Granaten die schönste Hornblende, Tourmaline, schwarze, weifsc und braune Schorle, zwey Arten von Granatit, die schönsten Tre- moliten, Cyaniten oder Sappare, und Dolomiten, den stinkenden Scliwerspath, und verschiedne Gypsarten, welche auf der Südseite des Gotthard-Berges brechen, s. man die Art. Airolo und Dazio. Ausser allen bisher angeführten Fossilien findet man noch auf dem Gotthards - Berge : Tallit ; Strahligen Zeolith (sehr selten); Pechblende oder Uranit; gemeines Schwefelkiefs; Sphene (sehr selten); Anatas (öctaedrit), sehr selten ; späthigen Eisenstein; schiefrigen Eisenglanz; Byssolit (sehr selten); krystallisirten Glimmer bis 1 Z. Durchmesser, von schwarzer, weisser und gelber Farbe; sehr viele weisse Quarz - Krystalle (ehedem fand man | Krystalle von a F. Lange), weiche bisweilen Titanerz, | Tourmalin, Strahlslein, Amianth , Chlorit - Erde, Eisenglanz u. dgl. seltner Wassertropfen, enthalten, gelbbraune Krystalle fast wie Rauchtopase. Eine Sammlung von 50-60 Gotthards-Fossilien ko- Stet, je nach der Gröfse und Schönheit der Stücke, 2-10 Karolin. Einige Fossilien aber sind so selten, dafs man sie nur sehr schwer erhalten kann; z. B. die weissen und grünen Tourmaline, welche man von 1-5 Karolin bezahlt. Ueber die Fossilien-Hiindler sehe man die Art. Airolo , Andermatt, Hospital. Gransok, ein Städtchen im K. Lcman, am westlichen Ufer des Neuchateler -Sees, und am Fufse des Jura , den man hier Thevenon nennt, in einer herrlichen Lage, und über alles merkwürdig in der Geschichte der Schweitz. Geschichte. Das berühmte Geschlecht 'von Granson , welches oft fürstliche Ehre genofs, erlosch hi®r mit Otti von Granson, (ein tapfrer Bitter in den Kriegen der Könige von Frankreich und England, der Herzoge von Burgund und Savoyen, und ein berühmter Liederdichter) im J. 1399. und etwas später in Hoch» burgund mit Johann von Cranson. Otto fafste Leidenschaft für die Frau Catharina von Help , Gemahlin des Hm. -Gerhard von Estavaye , welches Granson gegenüber liegt (S. Estavaye ). Gerhard voll Rache benutzte den schleunigen Tod des Grafen von Savoyen Amadeus VII., um Otto des Ho.chverraths anzuklagen und ihn zum öffentlichen Zweykampf herauszufordern, welcher im August 1399. zu Bourg im Lande Brcsse in Gegenwart einer grofsen Veisammlung des Amadeus VIIT. seines Hofes und des hohen Adels geliefert wurde. 0 (lo erlag, und Burg, Stadt und Herrschaft Granson wutde von Amadeus in Besitz genommen, Das Haus Chalons 144 i Granson. bcsafs es nachher bis zum burgundischeu Krieg. Johann »von Granson wurde wegen seines Widerstandes an der Spitze des Adels gegen innere Einrichtungen vom Herzog von Burgund gefangen und erdrosselt. Burgundischer Krieg. Schlacht b e y G r a n- son. Nachdem die Eidgenossenschaft und Erzherzog von Oesterreich Sigismund (S. Bern ) an Herzog von Burgund, Carl den Kühnen , im October 1474. den Krieg erklärt hatten, zog das Schweitzer - Heer unter Niklas 0)011 Scharnachlhal, Petermann -von Wabern, Felix Keller und Hans Waldmann über Bruntrut und Mümpelgard den 25. October ins Hochburgund. Am 10. November verlohren die Burgunder unter Graf von Romont und dem Marschall von Burgund die erste Schlacht gegen die Schweitzer, und Hericourt und das ganze Land bis Luxeuil mul'ste sich ergeben. Den jweyten Zug im J. 1475. führte Niklas von Diesbach und Hans von Hallvryl. Sie eroberten Poutarlier ; und nachdem Pelermann von FVabern , Hafs- furter aus Luzern und JVilli Tcchtermann aus Freyburg mit einigen Tausend zu ihnen gestofsen waren, giengen sie auf Granson , welchen wichtigen Pafs Lotus und Hugo von Chalons-Chateau-Gujon den Burgundern offen hielt. Stadt und Schlofs waren sehr fest. Peter von Joigne lag mit einer Besatzung darin. Ohne Büchsen, Leitern und andere Mittel liefen die Schweitzer Sturm und etoberten die Stadt; llenzi pögeli von Freyburg leuchtete liicbey durch Uath, Hülfe und Muth ausserordentlich hervor. Zwey Tage nachher ergab sich Granson. ' s Grjs. iteioj *{1011 n m fliim Uicaä cl. M 3 nf* ( (IS! ui ou Dm iWi jnüe ftf u Ft*! - («S» filsl* »w ,** hr*' »* ft? ii#** *45 das Schlofs. Die Vesten Montagni le Corboz und Champvent in Gebirge, die Burg xu Orbe, Joigne am wichtigsten Pafs, die hohen Bergschlösser Grammont, Valant, Varambon, Clemont, Clerival wurden genommen und gebrochen; die Städte Lille am Doubs, Monbi , Nonlaroche und die gewaltigste Burg in gaux Burgund Blamont erobert unter Anführung von Niklas -von Diesbach , Niklas -von Scharnachthai , Rudolph -von Erlach und Hans Thüring von Biiltihon; Diesbach erhielt bey Blamont eine Wunde und starb bald nachher. Im October 1475. erklärten die Eidgenossen den Krieg an Jacob von Savoyen , Graf von Romont und Herrn der Waadt, und eroberten in drey Wochen die ganxe Ff r aadt mit 46 Städten und Schlössern, ganx Unterwallis, und schlugen hier am 10. November ein Heer von 10,000 Savoyarden. Hierauf gestanden sie dem Herzog von Burgund einen Waffenstillstand bis zum Neujahr zu. Karl der Kühne brach von der Stadt Neujs am Rhein, welches er schon lange belagert hatte, im November auf, drang von Luxemburg in Lothringen ein, eroberte es und zog mit seinem Heere am 6.Jenner 1476. nach der Schweicz; 5000 liederliche Weiber folgten demselben. Am ig. Februar liefs Karl Cranson vergebens stürmen, aber am 24. wurde es genommen. Georg von Stein schlug sich mit 8°« Schweitzern durch nach der Burg, welche sie am 29. übergaben, Karl liefs alle • Schweitzer ersäufen, hängeii' und hinrichten. Den 28. war der Berner - Schultheifs von Scharnachihal mit seiner Mannschaft von Murten in u r. ,0 i/fi Granson. Neuchatel angelangt, und am 39. war fast das ganze Schweitzer - Heer, 20,000 M. stark, versammelt. Karls Heer, 60,000 M. stark, hielt Cranson , die Dörfer Poissine, Corsalette, Giez, Vallieres, und Tuillerie besetzt, stürzte sich rechts an den See, links an den Amou und war westlich vom Gebirge Thevenon und auf allen übrigen Punkten durch Verschantzungen gedeckt. Karl beschlofs, dem Schweitzer- Heer, welches den 3. Merz Morgens bey Naumarcus angekommen war, entgegen zu gehn, ln der Ebne von Champigne und Bonvillars sollte sich der Mittelpunkt seines Heeres in Schlachtordnung stellen, welches durchaus unmöglich war. Der Vortrapp bey der Heere stiefs in der Gegend von Concise und der Karthause Lalance*') 2 St. von Gransou, aut einander. Die Schweitzer errichteten ohnweit der Karthaus eine Batterie, welche der feindlichen Reuterey groi’seu Schaden zufügte; die Batterie der Burgunder hingegen, zwischen Concise und Cor— celles auf eiuer Anhöhe, haue wegen ihrer zu hohen Richtung keine Wirkung. Die Burgundiscke Reuterey unter Anführung Louis von Chateauguyon wurde drey- mal zurückgeschlagen, und er selbst mit vielen andern Grofsen fielen nach dem heftigsten Kampf auf einer Wiese, le Maret. Unterdessen gewannen die Schweitzer Raum, ihr Haupttreffen besser vorrücken und sich ausbreiten zu lassen. Um 5 Uhr, als auf den Höhen *) Diese Karthause war i 320 . von Otto von Granson gc~ stiftet worden. Jetzt steht auf dieser Stelle ein Landhaus, welches auch Lalance genannt wird. G R A N S 0 N. V; ■ nit Op. wtkkt «f« Kt feilt! » t in ac ) sSl um i»f- ®tt* lO- i hoku leiio*!. oitt* ii & *.* & Mz zwischen Bonvillars und Champigny ein neuer Heerhau- fen Schweitzer mit dem Uri - Stier und Unlcrwaldner- Landhorn, welche fürchterlich ertönten, erschienen, griffen sie die Feinde mit neuer Kraft an. Karl hielt es nun für nöthig, sich in sein festes Lager zurückzuziehen, welches in der gröfsern Ebne 1 j 2 St. von Oran- son stand, und liefs das Zeichen dazu geben. Die Reutercy stürzte dem Lager zu; das Fufsvolk sah diefs für Flucht an, warf die Waffen weg, und floh. Die Schweitzer folgten dem fliehenden Heere auf dem Fufse, und um 5 Uhr war im ganzen Lager kein Burgunder mehr zu sehen. Bis Martigny wurden sie verfolgt; ihr Verlust belief sich auf 2000 und der Schweitzer auf einige 100 Mann. Der Schultheifs von Bern , Scharnachthai , und Hans von Halwyl, ebenfalls ein Berner , führten das Haupttreffen; Cöldlin, Breitlan- denherg , Waldmann und Schwarzmurer aus Zürich , den rechten Flügel; Hasfurter von Luzern, sirnoldi von Uri und Hemman von Müllinen den linken Flügel. Die Burgunder liefsen alles zurück, und die Beute war unermefslich : 400 Hauptbüchsen, 8°» Hackenbüchsen, 27 Hauptbanner, 550 Fahnen, 4 00 nli t Seide behängte Zelte, darunter 7 der kostbarsten nahe am Zelt Karl des Kühnen , welches für das herrlichste im damaligen Europa galt, und in welchen sein silberner und vergoldeter Stuhl und die höchsten Kostbarkeiten an Edelgesteinen und Perlen, in dem Spcisezelt ganze Staffcleyen von Silber- und Goldgeschirr und 400 Reise- kisren voll Silber und Goldstsffc gefunden ' wurden. Gr ans ok, *48 fassen und Geldvorräte wurden mit Hüten vertheilt, und silberne Teller, welche man für Zinn hielt, verkauften die Schweitzer - Soldaten für wenige Batzen. Die Beute an Karls Eigenthum betrug t Million, an dem Eigenthum der andern Fürsten und des burgundi- schen und niederländischen Adels auch i Million, und die Beute an Geschütz und allen Feldgeräth ebenfalls i Million , welches nach jetzigem Maafsstab für 30 Millionen zu schätzen ist. Den gröjsten Diamanten der damaligen Zeit, welchen Karl so hoch als eine Provintz schätzte, fand ein Schweitzer auf der Strafte seiner Flucht (die nur mit 5 Gefährten über Joigne nach Nozeroi gieng); der Pfaff zu Montagny gab ihm 1 Gulden dafür, und diesem die Berner 3 Franken Noch 3 andere grofse Diamanten *) **) kamen in die Hände der Eidgenossen. Diese ungeheure Beute wurde nach Luzern geführt, wo die Eidgenossen Jahre lang bey der Tlieilung zubrachten. Die Wirkung dieses Keich- thums auf die Sinnesart der bisher armen, genügsamen und mäfsigen Schweitzer war von grofsen Folgen; denn von dieser Zeit an wurde ihr Hang zur Beute und zum J ohn - Kriegsdienst herrschend bey ihnen. Nach der Schlacht wurde die Burg von Vaumarcus eingenommen, *) Dieser Diamant gieng durch viele Hände, und endlich kaufte ihn der Pabst Julius aus dem 5 Iailändischen Schatz für 20,000 Dukaten. *') Einen zweyten grofsen Diamanten, Halszierde Karls, zwi- .sehen herrlichen Rubinen, nebst dessen festlichem Hut mit Edelgesteinen und Perlen besetzt, kaufte Jacob Fugger s t.,. fe ji »Ms Ji « ' fcs ■ to* >h iiü £fl ‘ \ wie aci Iki iÄ- »lafflei I denD ** ,pb ] ,{■1 If 1 ' ' GkAUBUNDTEN. I^g und Niklas von Scharnachthal , der älteste Ritter, er- theilte die Ritterwürde dem Hallvryl , Waldmann , Roll von Bonstetten und vielen Anführern der Städte und Orte. Am 5. Merz mufste sich die Burgundische Besatzung von Granson ergeben, und die 500 Gefangne wurden der Rache geopfert. Ueber den Fortgang des Burgunder-Kriegs S. Lausanne und Murten. Wege. Von Granson nach Yverdun 1 St., nach Neuchatel 6 Stunden. Graubümdten, der Kanton (im Rhätischen; Re- pubika grisona, la Tera oder Tara grisona und grisuna, auch blofs la Grisona; im Italienischen Republica di Grisoni oder Grighioni; im Französischen Pays des Grisöns). Dieser Kanton ist einer der gröfsten in der Schweitz, denn er enthält 140 Q Meilen, 73,862 Einwohner (im J. 1806.), unter denen 44,982 Protestanten und 28,38° Katholiken , und 27,000 Einwohner deutscher Zunge, 36,565 Einwohner der alt-rhätischen Zunge, und 9797 der italienischen Zunge sind. Einige 60 Haupt - und Nebenthäler liegen in den Gebirgen dieses Kantons. Geschichte. Vor 2429 Jahren wurde das jetzige in Augsburg für 47,000 Gld. Den Diamanten verkaufte Fugger an Heinrich VHI. König von England, im J. J547.; alsdann kam er durch die Königin Maria an Philipp II. in Madrid und liegt jetzt in der Schatzkammer zu Wien. Der dritte grofse Diamant wurde von den Eidgenossen für 5 ooo Gld. verkauft, und gelangte endlich an die Krone Frankreichs, wo er 1,800,000 Livres geschätzt wird.- Graubündten. 150 Craubiindlen von dem italienischen Volke bevölkert, welches Griechen und Römer Tyrrhcner , Tusber, He - trusker nennen, und von den Alpen bis an die Tiber in einer Eidgenossenschaft vieler Städte ruhig lebte. Als Bellovesus an der Spitze der Gallier im J. 620. vor Christi Gehurt die Alpen überstieg und als wilder Eroberer in die Ebnen Ober-Italiens einbrach, floh ein Theil der uralten Einwohner in die Appenninen nach Toskana, ein andrer Theil unter Führung des Rhätus in die Alpen des jetzigen Bündtens, wo sie in Veltlin. den Ort Tiran (von Tyrrhenus, dem Führer einer Kolonie aus Asien nach Italien), Teglio (von Tejl, Flachs und, Hanf, den sic dort anpflanzten), in Engadin viele Oerter mit den Namen von Städten ihres italischen Vaterlandes C S. Engadin ), im Domie.schgvr-Thai Tnsis (von Tosana) u. s. w. erbauten und ihr neues Vaterland nach ihrem Führer Rhätia nannten. Hier lebten die Rliätier frey und wild und beunruhigten die Römer sehr, welche sie bis zum Jahrhundert des Angu- stus Barbaren und Krieger nennen. Ueber die Geschichte der von den Römern eroberten Alpen-Länder *} Der ursprüngliche Name scheint Rhaea, oder Rhae für das Land, und Rhaet, Rhaets für die Einwohner gewesen zu seyn. Die uralten Namen Rhaealta (ein altes Schlofs über Sils, und ein Dörfchen nördlich von Kazis im Domleschger-Thale ) ; RI,actsin , Rhaezun , lateinisch Rhaetia ima , deutsch Rhiizins (Schlofs und Dorf beym Eingang ins Domleschgerthal); Rhacom (uraltes Schlofs und Dorf im Oberhalbsteiner-Thäl) zeugen für diese Vef* ^nuthung. (Placidus a Speeha), sehe man den Art. Alpen. Augustus sandte (ig Jahr vor Christi Gehurt) seine Stiefsöhne Tiberius und Dru- sus, um die Rhatier zu unterjochen. Die Römer griffen sie von Norden, vom Bodensee her, wo sie auf der jetzigen Inselstadt Lindau einen festen Waffenplatz hatten, an, und der Krieg dauerte mehrere Jahre, ehe ganz. Rhätien überwunden wurde. Die Bücher des Livius , worin dieser Krieg beschrieben war, sind verlohren, und in dem Lib. Y. C. .35. redet er bey Gelegenheit der Auswanderung der Hetruskcr nur im Vorbeygehen von den Rhätiern *). Die Herrschaft Roms dauerte in Rhätien bis zum Umsturz desselben durch die Germanischen Völkerzüge ( S. Chur). Vor diesem Zeitpunkt nannten es die Römer Rhaetia prima, auch alpina zum Unterschied eines andern benachbarten Landes, welches Rhaetia secunda, auch plana (Schwaben und Bayern) hiefs. Im V. Jahrhundert stand Rhätien unter der Herrschaft der Ostgothen , dann der Longobarden und hernach der Franken. Ein fränkischer König setzte Victor , aus einem reichen Geschlecht des Dom/eschger- Thales, zum Grafen von Chur und Vorsteher des rhä- tischen Volkes im J. 600. ein. Die oberste Verwaltung *) Dio Cassius nennt Rliätien: regio populosa.— Die 4 Ode des Horaz bezieht sich auf den Krieg des Drusus, und die r4* Ode auf den Krieg des Drusus und Tiberius gegen die Rhatier; in der letztem heifst es: Immanesque Rhaetos auspiciis pepulit secundis. — Ueber den Krieg der Römer gegen die Rhatier S. Strabo Lib. VI. und VII. — Vellejus Lib. II. C. .I9. 95. 12a. — Plinius Lib, III. und XVI. — Florus Lib. IV. C. 12. 1$2 Graubundten. Rhätiens blieb nmer 6 Vorstehern und 4 Bischöfen aus diesem Hause (unter denen Paschalis zugleich Bischof von Chur und Gemahl der Gräfin Aesopia aus dem Schlosse Realta war) bis zum Bischof Tello, dem letzten dieses Stammes im J. 734. Er stiftete die Kirche au dem Hofe zu Chur und schenkte Land und Leute an das Stift Chur und ans Kloster Disentis; (in der Kirche St. Luciensteig bey Chur ist der Grabstein Victor I. mit einer Inschrift zu sehen). Karl der Grofse gab hierauf dem Bischof Constantiu's das höchste Ansehn in Rhätien. Die Central-Regierung bestand, bis das Land im Anfang des X. Jahrhunderts an das deutsche Reich gelangte. Von nun ah verbreitete sich der von Gothen und Franhen eingeführte Lehnadel durch alle Thäler über alle Maafsen, und während V. Jahrhunderten zeigte Rhätien das jämmerliche Schauspiel der Dienstbarkeit unter dem harten Eigennutz einer Anzahl Freyherren, Grafen und Geistlichen Herren, welche ihre Unterthanen bald den Fahnen der deutschen Kaiser, bald denen der Pä'bste zuführten, um Vergünstigungen zu erschmeicheln, aber nach dem Sturz des Hohenstaufischen Kaiserhau- ses (gegen Ende des XIII. Jahrhunderts) selbst über einander mit der Gier des Raubthiers herfielen, und jeder sich zu vergröfsern und sich unabhängig zu machen suchte. Die endlosen Fehden der geistlichen und weltlichen Herren und der Druck so vieler kleinen Tyrannen erregte endlich das Volk zur Selbstthätigkeit und zur Vertheidigung seiner Person und seines Eigenthtfflis gegen jede Gewalt, wozu allerdings das Vorbild der Eid- genossen, ihrer Nachbarn, nicht wenig beygetragen haben mag. Im J. 1400. schlossen alle Gemeinden des Stifts Disentis nebst dem Abt, Ulrich von Räzilns , mit allen seinen Gerichten, Albrecht von Sax nebst allen Gemeinden am Vorder - Rhein um llanz , zu Lugnetz u. s. w. mit dem Kanton Glarus ein Bündtnifs, nachdem 1396. Johann von Werdenberg , der Bischof von Chur mit allen Gemeinden in den Thälern Ober- halbstein , Schams , Domleschg, Avers , Vas, Bergitn einen Bund errichtet hatten, aus welchem der Gotts— hausbund entstand. Dieser Verbindung setzten alle Gemeinden von den Quellen des Hinter - Rheins und Vorder-Rheins bis Reichenau den Obern oder Granen Bund entgegen, welcher zu Trons im J. 1424. geschlossen wurde (S. Trons). Im J. 1436. vereinigten sich auch alle Gemeinden, welche vom Scaletta und Fluela an zwischen dem Rhaeticon und der Plessur liegen, in den Zehn - Gerichten - Bund , und diese drey Bündte schlossen endlich im Merz 1471. auf dem Hofe Vazerol im-Gericht Beifort einen allgemeinen und eryigen Bund. Von dieser Zeit an erhielt das alte Rhätien, welches im Mittelalter das curische Rhätien , auch Curry allen , Curryalchen *) (d. i. das Thailand , die Thäler um Chur ) hiefs, den Namen Biindten, G rauh iiml tc n , und *) Damals wurden die Rhätier TValen, die welche unter der Herrschaft des Bischofs von Chur lebten Curwalen, Curwaller, und ihre Sprache walisch, wälsch genannt. Diese Benennung ist noch in Walenstadt , Walensee, Wallgau aufhehalten. *54 Graut, und tf,n. die Einwohner den Namen Biindtner , Graubündtner und von dieser Zeit an treten die Biindtner als ein freyes und unabhängiges Volk auf, deren Verfassung noch demokratischer als in den Democratien der Schweitz ist; denn ihre Republik gemeiner 3 Bündle besteht eigentlich aus einem Bunde von 26 Hochgerichten oder kleinen Freystaaten , und stellt diejenige politische Verfassung dar, welche federative Ochlokratie genannt wird. In dieser Verfassung lag der Keim der heftigen innern bürgerlichen Unruhen, und der Wuth der Partheyen und aller ihrer unglücklichen Folgen, welche der bündtnerische Freystaat seit dem XV. Jahrhundert so oft erfahren hat. Die Bündtner schlossen sich noch vor Ablauf des XV. Jahrhunderts durch Bündtnisse an die Eidgenossenschaft, welche ihren Freystaat als ein zugewandtes Ort erklärte, kämpften mit den Schweitzern 1499. in dem blutigen Schwabenkrieg, und eroberten 13 12. die Landschaften Veltlin, Chiavenna und Bormio, welche bald darauf vom Herzog von Mailand ihnen ganz abgetreten wurden. Die freyen Bündtner beherrschten die 80-90,000 Einwohner dieser Landschaften als ihre Unterthanen , durch Landvögte bis zum J. 1797. wo sie abgerissen wurden (’S. Veltlin j. Bündten war bis 1798. ein un- *) Der Ursprung des Worts Grauen , Grisoni ist dunkel, llr. Placidus a Specha glaubt, dafs es aus dem ver* fälschten Worte Rhaetia, Rhaeti entstanden sey, indem die rhätische Sprache gern vor dem lateinischen r im Anfänge eines Worts ein g setzt; z. B. aus ripa longa macht sie gripa longa u. s. w.; aus Rhaetsin mit Vorschlag des g Graetsin konnte leicht Grisun, Grisoni entstehen, V •s» * «ulü “Sb. Jj 4 »lir. 16 » Heidt mk lei IT, m tu- I Olt dem rette® -jo ,« 0 etto® 1 jj. 61 » „a« : Hü/ Gr AUBÜNDTETtr. 155 abhängiger Frevstaat; von dieser Zeit bildet es einen der 19 schwcitzerischen Kantone. Merkwürdigkeiten. Alte rhätische Sprache. Die höchsten Gebirge Bündtens übersteigen 11.000 F. Meerhöhe nicht; eine Menge Gletscher liegen zwischen denselben, und der prächtige Rhein, entspringt hier. Geschichte und Verfassung der Einwohner Bündtens sind für den Menschen-Beobachter gleich merkwürdig und lehrreich. Der uralte rhätische Volksstamm in den Hochthälern Bündtens hat seit 2400 Jahren den Grundcharakter seiner Sprache beybehalten, welche jetzt lingua romanscha genannt wird, und in den zwey Mundarten des Romanischen und Ladini- schen gesprochen wird. Ueber das Ladin s. mau den Art. Engadin , und über das Romanisch s. das romanische Idiotikon am Ende des /. Theils der Anleitung. — In keinem Lande sieht man so viele Schlösser - und Burgruinen aus dem Mittelalter als in Crau- bündten , denn man zählt deren über 180. — Ganz Biindten ist Alpenland, und die Hauptbeschäftigung der Einwohner ist Viehzucht und Alpenwirthschaft. Der K. Biindten besitzt 80,000 Stück Rindvieh, unter denen 35 - 30,000 Kühe ; 60 - 70,000 Ziegen , und 100.000 italienische Schaafe weiden des Sommers auf dessen Bergtriften*). Die'gröfste und schönste Rind- so wie aus Rhaetigau mit Vorsetzung des p Praettigau geworden ist. Ueber Land - und Alpenwirthschaft Biindtens s. den ßündtnerischen Sammler vom J. 1779. an, und die Pcrfrand- 156 Graubündten. viehart Bündtens findet sich im Preltigau , und. diese ist von mittlerer Gröfse, und von Farbe schwarzbraun. Die andre kleine Rindviehart ist in den übrigen Thei- len ßündtens; iin Oberlande grau und gelblich, und die rothbraune ist hin und wieder zerstreut. Weinbau wird in den nördlichen und südlichsten Thälern getrieben. — Durch diesen Kanton geht einer der ältesten Alpenpässe aus Deutschland nach Italien , und deswegen ist der Durchgangs - Handel für die Bündtner von grofser Bedeutung. Alle übrigen Merkwürdigkeiten dieses Kantons sehe man unter den Artikeln der Biindt- nerischen lhater und Oerter. Geognost. Beschaffenheit und Mineralogie. Der K. Btindten liegt ganz im Gebiet der Ur- Atpen , mit Ausnahme seines nördlichen Theils, wo die Gebirge aus 'fhonschiefer und Flötzhalbstein bestehen (s. die geognost. Karte in Ebel über den Bau der Erde , Zürich tgo8.) Ueber deu Lauf des Alpenkamms und der zwey nördlichsten Ketten des Kantons S. den Art. Galanda. Die Gebirge Biindtens sind noch nicht vollständig in allen ihren örtlichen und einzelnen Merkwürdigkeiten untersucht. In mineralogischer Rücksicht scheint es, dafs schon im X. Jahrhundert Erze, z. B. Eisen am Julier ausgebeutet worden ist. Im XIII. Jahrhundert waren Bergwerke im Pus~ c/arer-Thal , und im XIV. Jahrhundert bestätigten die Kaiser Karl IF~. und Sigismund dem Bischof von lungen der Gesellschaft landwirthschajtlicher Freunde in Bündten. Chur 1780. und 1781. Greiers. *57 \ r. t '1 Mit mit. tsttn Uftt« i von %k- luh- rilo- Cr- m teil p- intom lind 1 di- eii«? jin» j *** : itf ftJ Chur das Privilegium auf alles Eisen , Bley, Kupfer, > Silber, Gold und andere Erze. Ueber die Erze und Bergwerke Bündtens zu verschiednen Zeiten s. die einzelnen Artikel Biindten betreffend, Pflanzen. Bündtens eigentümliche Pflanzen sind: Cerastium manticum, Clematis ßammula , Ilorminum py- renaicum, Arnica doronicum, Gypsophila fastigiata (auf dem Septimer), Saxifraga burseriana und Festuca rhae- tica auf feuchten Alpen. Galiurn aristatum. — Häufig wachsen auf den Alpen Bündtens : Carex alpina , foetida, tripartita. Gentiana punctata. Alle bisher in Biindten entdeckten Alpenpflanzen sehe man in Alpina, Th. II. S. 104. Der Botaniker kann in Bündten noch viel entdecken. Rathschläge für die Reisenden. Die den Reisenden nützlichen Rathschläge badet man bey dem Art. Chur, und Reise - Entwürfe für den K. Biindten im 6 . Kap. XIII. Abschn. des ersten Tlieils. Greiers ( Gruyeres J im K. Freyburg. Wirtshaus : Adler. Ein kleines Städtchen mit einem grofsen Schlofs auf einem hohen Hügel, dicht an dem Fufse der Freyburger - Alpen. War ehmals der Sitz der mächtigen Grafen von Crüyeres, der letzten nnter so vielen regierenden Geschlechtern der Schweitz , und welche bis zum J. 1554. ihr Erbe behaupteten. Zu dieser Zeit mufste Graf Michel seine beträchtlichen Besitzungen Schulden wegen an die Städte Freyburg und Bern verkaufen. Die St. Theoduls - Kirche zu Greiers ist im J. 1254. vom Graf Rudolph erbaut. Die Landschaft Greiers trat auf Bewilligung ihrer Gra- G R E I E R S. «5d fen mit Freyburg schon im J. 1475. in Bürgerrecht. Von der ganzen Besitzung des Graf Michel kam das deutsche und französische Saunen an Bern, ga ni Greiers und das Städtchen Oron an Freyburg. Merkwürdigkeiten. Die Landschaft Grüyeres, 8-10 St. lang und 4 St. breit, ist durch seine Käse, welche unter allen Schweitzerkäsen mit die befsten sind, überall berühmt. Die Alpen von Greiers liegen auf Kalkfelsen. Die vorzüglichsten dieser Käse werden auf den Alpen des Molesson und auf den Bergen der Thäler Bellegarde und Charmey bereitet. ( S. Freyburg , der Kanton ). Der Centner Käse unausgesucht kostet alif den Alpen 2 Karolin, und bey den Grofs- händlern im Lande wird der befste Käse zu 6 Batzen das Pfund verkauft. Zu Bulle , 1 St. von Greiers, sind grofse Niederlagen davon. — Die Einwohner der Landschaft Greiers gehören zu den schönsten Alpenvölkeru der Schweitz; die Tracht der Mädchen ist hübsch; ihre Sprache ist ein französisches Patois. In der Stadt Greiers weite Aussichten über den K. Freyburg vorn Schlosse und Stadthause. Aussicht auf dem Molesson. Ganz nahe bey der Stadt erhebt sich der Molesson , von dessen Gipfel man eine der herrlichsten Aussichten über den' ganzen Genfer- Sec, den ganzen K. Lcman und Frerburg, auf einen grofsen Theil der KK. Bern und Solothurn , auf Neuchatel und dessen See, auf den Murten- See, den ganzen Jura bis zum Anfang des K. Basels , auf Savoyen und Unter - Wallis genisfst. In 5-4 St. steigt man hinauf, und des Nachts Endet der Reisende in einer Sennhütte Ruhestätte; von Bulle läfst er sich bequemer ersteigen. Wege. Von Greiers nach Bulle i St., und von hier nach Freyburg C St. ( S. Bulle). — Nach Mont- bovon tiefer in die Landschaft Greiers 3 St. in einem fruchtbaren und sehr bevölkerten von der Saane (Sa- rine J durchflofsnen Thale, welches sich bey Villars schon ganz verengt. Den Weg von da ins Saanen- Land oder über den Dent de Jaman ( s. Montbovon). G tut 1 f r E'S s E e, 3 St. von der Stadt Zürich. Wirthshaus : Bär. Liegt an dem flachen östlichen Ufer des anmuthigen Greif Jen - Sees, in einer fruchtbaren Hügel - Gegend , wo man eine Aussicht auf einen Theil der Alpen geniefst. Auf der SW. Seite des Sees erheben sich der allgebaute GeifsForka- und Murberg ; am NO. Ufer liegen die Dörfer Maur und Fällanden ; am östlichen Ufer das Dorf und Schlofs Uster, im XIII. Jahrhundert Stammsitz des Geschlechts von Bonstetten (deren schon im J. 1042. Erwähnung geschieht), welches jetzt noch in Bern (in Carl von Bonstetten) zur Zierde des Vaterlandes blühet. Der y^n-Bach führt die Wasser des Pfeffiker- Sees in den Greiffen- See, und die liebliche Glatt Riefst heraus, und fällt unter Glattfelden in den Rhein. — Dieser See ernährt besonders grofse und sehr beliebte Aale. Geschichte. Greiffensee wurde von Zürich dem letzten Grafen Friedrich von Toggenburg abgekauft. Das Schlofs von Greiffensee ist in der Geschichte der Schweitz auf eine scfiauerliclie Art merkwürdig. Dy Züricher - If auptmaim Johann -von Landenberg , d et im zweyten Bürgerkriege im J. z 444 - dieses Schlofs aufs äufserste vertheidigte, mufste sich endlich ergeben , und -wurde von den Siegern unter des schrecklichen Schwytzer-Landammanns, ltal Iiedi/ig , Führung eum sclimäligen Tode verdammt. Er bot seinen Kopf dar, und flehte nur Schonung für seine Waffenbrüder; aber Vergehens! Er wurde, von 72 Mann der letzte, auf der Wiese bey Greiffensee hingerichtet. S. über diesen Bürgerkrieg die Art. Toggenburg, P/effikon , Zürich. Gries, Felsen in dem Alpenkamm zwischen Ober- JJ r allis und Piemont. Wege. Eginen-Fall. Ausserordentlicher und prächtiger Wasserfall der Tose. Es führt ein Alpenpafs von Ober - Gestein über diesen Felsen nach Domo d'Ossola , ins Maggia - Thal und nach Locarno. Von Ober-Gestein bis nach Formazza, auf der Südseite des Gries, 7^4 St. Der Weg geht von Ober-Gestein nach Zum Loch , ins Eginen-Thal, wo die Egine einen schönen Fall bildet. Am Ende des Eginen- Thals führt eine Strafse ostwärts über den Lu- -vino nach Airolo. Die Strafse des Gries erreicht die Höhe von 7336 F. übers Meer, uud führt über einen Gletscher , welcher eine weite Ebne bildet, und grau von angeilognem Glimmerschieferstaub aussieht ; das dumpfe Wiedertönen der Tritte verräth ein Eisgewölbe. Der südliche Abhang des Gries bildet vier Thalstufeu. Gries, iGi Das erste Alpenthal südwärts, welches man betritt, lieifst Bettelmat; zu den Sennhütten desselben von der tigt , und die Toccia entspringt hier aus einem forellenreichen See. Das zweyte Thälchen heifst Morast , wo ein Dörfchen Sennhütten, Kehrbächi, welches auch im Winter bewohnt wird. Steil hinab ins dritte Thal- clien auf der Fruth , in welchem wieder ein Dörfchen Sennhütten, und am Ende desselben eine Kapelle. Hier öffnet sich das Thal Toccia oder Dolgia , durch welches ein Weg in 5 St. nach Airolo führt. Steil hinab zum vierten Thälchen Frulval , stets neben dem prächtigen Fall der Toccia oder Tosa, welcher in drey Sätzen 3-400 F. herabstürzt. Seine Wassermasse ist nach dem Rheinfall die stärkste, und gehört deswegen zu den gröfsten Natur - Schönheiten dieser Art in der Schweitz. Ueberall, oben, an der Seite, unten, entwickelt dieser Wasserfall neue herrliche Ansichten. Am Fufs desselben ist das Thal kaum % St. breit, von steilen Felsen ummauert , die mit Lerchenbäumen bekränzt sind. Vom Fufs des Falls bis Frutval St. ; hier ein Ft'irthshaus bey Hin. Saleier. Von Frutval bis Pommat , oder zum Stäg (italienisch al Ponte, Höhe 3 ^ St. Hier werden sehr geschätzte Käse verfer- 1 Oie- »k’k Foimazza) 7» St. (S. Pommat). Die Reise läfst sich tP®** zu Pferde machen; sie ist beschwerlich, aber gefahrlos. fc* (S. Pommat). Die Einwohner auf der Südseite des dt Gries sind bis zum Dorfe Foppiano (ijz St. tiefer im jjjji;' Thal als Pommat) Deutsche. (S. Arona III. 11 1Ö2 Grimsel. Pflanzen. Im Eg inen - Thal: Arnica montana in Menge. Auf der Höbe des Gries- Weges: Draba villosa. Ahsjnthium alpU num. Ranunculus glacialis , nivalis, rutaefolius. Cardamint trifolia. Auf der Nordseite des Gries zwölf verschiedne Alpenweiden-, als: Salix herbacea, retusa, Lapponum, helvetica , serpjrllifolia u. a. In dem zweiten Thälcben auf der Südseite : Polj'gonum divaricatum. Serratula alpina, Pbjteuma spicaia, Carduus defloratus. Trollius europaeus. Aster atpinus. Rosa alpina u. a. in gröfster Schönbeit. G e ognos ti sehe Thatsachen. Der Gries ist ein Theil des Gebirges, welches auf den Karten Albrün genannt ist. Die Nordseite desselben besteht aus Gneifs, adrigem Granit und Glimmerschiefer mit Granaten. In dem Eginen - Thal streicht Topfstein, welcher ^ St. von der Brücke östlich ausgebeutet wird. Auf der Südseite zeigt sich Schiefer mit Quarznestern, und tiefer Glimmerschiefer ; in dem ersten Thale Gneifs und Kalkstein; unterhalb des zweyten Thälchens nach NO. Felsen aus Thonschiefer ; auf der andern Seite Felsen von rostartigera Ansehn ; bey dem Sturze der Toccia adriger Granit. Alle Felsarten auf der Nord - und Südseite bis Pommat streichen in fast senkrechten Schichten von NO. nach SW. (S. Pommat). Der Gries ist reich an mineralogischen Fossilien. Grimsel. Ueber diesen Felsen führt ein Alpen- pafs aus dem K. Bern ins Ober - Wallis. Diese Reise ist reich an den wildesten und aufserordentliclisten Ansichten der hohen Gebirgsnatur. Von Meiringen im Hasli-Thale bis zum Spithale auf dem Grimsel 7 St.; von Obergestein im Wallis bis zum Spithal nur 3 St. Wer zu Pferde reist, thut am Befsten, an den schlimmsten Stellen der Strafse, wo gräfsliche Abgründe und schauerliche Brücken sind, abzusteigen. Weg hinauf von Meiringen. Prächtige Aar-Fälle bey Handeck und Guttannen. Von Meiringen über den bewaldeten Kirchet , durch das anmuthige Thal im Grund , wo sich links das Miihli- Thal (durch welches ein Weg über den Siisten in den K. Uri , und über den Joch ins Engelberger-Thal führt, s. Meiringen) , und etwas weiter rechts das kleine Urbach-'Thal öffnet, in welches der grofse Urbach- oder Gauli - Gletscher herabhängt; auf einer Brücke über die Aar , führt die rauhe und einsame Felsen- strafse zwischen den Urbach -, liitzliGauli- und Gutta/i-Stöcken, bey den Hütten Im Boden vorbey, nach dem Dorfe Guttannen 3 St. (3198 F. übers Meer), wo ein leidliches Wirthsbaus ist. Eine Viertelstunde vor Im Boden ist die Strafse iu den Felsen eine Strecke eingehauen, und ist auf der Seite des Aar - Abgrundes durch ein Geländer geschützt; hier stürzen im Frühlinge hauinen. Guttannen brannte 1803.' fast ganz ab , erhielt aber sehr reichliche Steuern aus der Schweitz. Ueber dem LVirthshause hier stehen die Verse: ,, Laflst die Liebe bey uns wohnen , die uns Rosenkränze flicht”, u. s. w. Am Wege, St. von Guttannen % bildet die Aare einen Fall, zu welchem man ganz 164 G R I M S E L. nahe hiugehen kann ; zwischen io 1 Uhr Morgens und 2 Uhr Nachmittags bildet sich bey Sonnenschein ein schöner Regenbogen in demselben. Von Cuttannen über den Stampf , zweymal über die Aar , nach der Sennhütte Handeck 2 St. Ostwärts auf dem Felsen der Gelmer- Gletscher und See, von dem der Gelmer- Bach herabfällt; südwestlich der Erlen- und Ritzli - Gletscher ; südwärts das Handeck - Horn. Tief unterhalb der Sennhütte bildet die stürzende Aar einen der prächtigsten und gröfsten Wasserfälle der Scliweitz. Man inufs ihn des Vormittags zwischen 9^- 11 Uhr im Sonnenlicht sehen, und zu diesem Zweck % St. unterhalb Handeck ins Bett der Aare herabsteigen , und an der Seite desselben dem Fall so weit entgegen gehen, als es möglich ist. Der Anblick ist • ausserordentlich, der Strom scheint aus dem Himmel zu stürzen. Von Handeck bis zum Spithal 2 St.; dieser Theil des Weges ist der steilste ; dreymal mufs der Wandrer über sichre , aber für' viele Fremde gewifs scliauci liehe Brücken gehen. Eine halbe Stunde oberhalb Handeck geht die Strafse über glatte , abgerundete, grofse Flächen von Granit , durch Einhiebe für die Fiifse der Pferde und Menschen angreifbar gemacht ; die erste heifst deswegen die Hollen — Platte , die andre die Stock— Stäge , oder die böse und letzte Seite, Eine halbe Stunde höher gehts durch einen Alpengrund, Rödrichs - Boden genannt, und von hier noch 1 St. sehr steil Dach dem Spithal; bey der letzten Brücke, kuiz vor dem Spithal, macht die Adr noch einen fürchterlichen Sturz. GRIMSEL. 165 Spithal auf dem Grimsel. Das Spithal liegt in einer schauerlichen furchtbaren Felsengegcnd, St. unterhalb der Höhe des Weges über den Grimsel, 5628 E* übers Meer. Der Spithalmeister, ein Einwohner von Hasii , geniefst die Weiden, welche in der : Nähe liegen, und hat die Erlaubnifs , in der Schweitz eine 'Kollekte zu sammeln; dafür mufs er die armen Wändrer ibeköetigen und herbergen. Er hält sich hier vom Merz bis Anfang Novembers auf; hat jetzt 7 ordentliche Betten eingerichtet, und beherbergt bisweilen 96 Personen. Wöchentlich-gehen hier gegen 300 Packpferde vorbey. Dieses Spithal wurde im J. »557. wieder hergestellt. Nahe dabey der Kleine- See , welcher 33-63 F. Tiefe hat. Auf seinem Grunde liegen eine Menge Granittrümmer in kubischer und prismatischer Gestalt. Einige Hechte leben darin'.’ 1 Der Safsbach macht einen' hübschen Fall, dhe ’efd’sich in den Klein- See ergiefst.. Kleines Gärtchen, wo Kohl und Rüben fortkommen. Aargletscher. Alle Felsen umher tragen ausgedehnte Gletscher- und Eisthäler. Naoh NO. zieht das lange Ge/mer-Eisthal und nach SW. liegen die ausserordentlichen Aar- Eisthäler. Es ist der Mühe werth, hey gutem 'Wetter einen Tag zum Besuchen der letztem zu verwenden. Sichre Führer und Wegweiser findet man im Spithal; ohne Gefahr kann man hier in den Schoofs der hohen Felsen- und Gletscher - Natur eindringen, wo alles das Gepräge einer andern Welt trägt. Vom Spithal his zum 7 ,inhen - Stock 1 St., wo iG 6 Grxmsel. das Ende des Vorder- oder iaufenjar-Gletschers in eine Eiswand aasgeht. Der Gletscher ist i St. weit mit Granittrümmcrn überschüttet ; das Hinaufsteigen ist beschwerlich, dauert aber nicht länger als ^ St. Er ist ganz eben, ohne Spalte, 6 St. lang und tj 2 St. breit. Hin und wieder runde Vertiefungen , aus deren Mitte sich Eispfeiler erheben, welche grofse Trümiüer'- blöcke tragen; Eispyramiden vah 18 F. Höhe aus durchsichtigem Eise. ( S. den Art. Gletscher), Südwärts stehen der Vordere und Obere Zinken -Stock, das Lauter - Aar -Horn , das Finster-Aar- Horn, die Vieschef- Hörner; nordwärts Gauli -, Ritzli - , Trifli- Horn, Branderlamm -Horn; westwärts die Schreck -Horner. Von dem Lauter- Aar - Gletscher zieht sich nordwärts bey Gauli - Horn der 4 St. lange Gauli- Gletscher, krümmt sich westwärts gegen die Burg - Hörner, und bildet dort den Rosenlauwi - Gletscher, welchen die Reisenden auf dem Wege von Meiringen über die Scheideck bewundern. Diese beyden Thäler, die jetzt von Eis gefüllt, sind, waren, nach Urkunden, einst gute Weidtriften. Etwas höher als der Lauter- Aar - Gletscher liegt das zweyte Eisthal, Finster - Aar- Gleischer genannt, 7 St. lang, in dessen Hintergründe das Finster - Aar - Horn 15,234 F. übers Meer nach Ilm. Prof. Tralles sich erhebt. Diese prächtige Gra- nitpyramide ist noch nie erstiegen worden; vielleicht wäre cs möglich , wenn man den Versuch von der Südseite aus dem Viesch- Thale in Ober - Wallis anstellte. Der Felsgrat zwischen dem Finster - und Lau- f er -Aar- Gletscher ist 7536 I' - . übers Meer nach Saus - sure. Die Finster - Aar {liefst von diesem Gletscher unter den Lauter- Aar- Gletscher, erscheint am Ausgange des letztem als ein beträchtlicher Strom, und nimmt die Ober-Aar sogleich auf, welche vom Oler- Aar- Gletscher herkömmt, der in einem langen Eisthale zwischen den Zinken - Stöcken und Seidel- Hörnern südwärts hinaufzieht. Hieher hat sich noch niemand gewagt. Alle diese Eisthäler liegen in der Richtung von O. nach W., hängen aber mit den Grindeltvald-Glet- schern nicht unmittelbar zusammen, sondern sind durch Felsengräte von ihnen getrennt. Bis an den Fufs der Schreck- Hörner, die sich 12,566 F. erheben, war man über den Lauter - Aar - Gletscher vorgedrungen, aber weiter nicht. Alle hohen Thäler , sowohl nord - als südwärts, von dem Grimsel bis gegen die Gemmi , sind dergestalt mit Gletschern gefüllt, dafs die Felsen nur wie Inseln aus dem Eismeere hervorragen. Höhe des G r im sei - P a s s e s. Von dem Spithal auf die Höhe des Grimsels - % St. 6570 F., und das Seidel - Horn, als die höchste Spitze desselben, 858 ° F. übers Meer nach H. Prof. Fralles. Braune und schwarze Bären lassen sich bisweilen auf der Höhe des Grimsels sehen. Auf der Spitze des Seidelhorns hat H. Ingenieur Weifs (Verfertiger des Meierschen Reliefs und der Meierschen Karten von der Schweltz) ein Panorama gezeichnet, und will es stechen lassen. Selbst im Sommer liegt auf der Höhe des Grimsel-Passes immer Schnee. Aus dem Finster - See {liefst ein Bach ■**tä «Ü3ii M »4 i § ■; 163 Grimsel. nach der Aar und nach der Rhone herab. Eingesteckte Stangen bezeichnen die Richtung des Weges für die Zeiten, wenn Schnee den ganzen Grimsel deckt. Von der Höhe geniefst man eine Aussicht auf die Furca , den Galen -Stock , einige Gotthards - Hörner , den Gries , und auf die südliche Rette von Wallis bi? zum Montblanc. Herab nach Ober-Gestein 1-2 St. Weg über die Maien - Wand. Wer vom Grimsel über die Maien - Wand zu dem Rhone- Gletscher gehen will, wendet sich links nach Haus- Eck, von da zur Maien - Wand 1 jj , nach dem Rhone - Gletscher 1 tfe St. Dieser Weg wird gefährlich bleiben, so lange nicht über die Maien-Wund ein Fufspfad angelegt ist, und deswegen bedarf der Reisende eines sichern Führers aus dem Spithal*'). Wer vom Grimsel gerade nach dem Ursern - Thal reisen will , gewinnt über die Maien-W and an 3 St. Zu Pferde aber läist sich dieser Weg nicht machen. Neueste Kriegsgeschichte. Auch hier auf dem Grimsel, in dieser fürchtet liehen Felsengegend, schlugen sich Oesterreichcr und Franzosen im August 1799. Die Franzosen wurden von Guttannen durch das Eisthal des Gelmer - Gletschers geführt, und überfielen so von oben herab die Oessterreicher , welche den Grimsel besetzt hielten; viele fanden hier ihren Tod. Pflanzen. "Vor Guttannen der prächtige Cnicus spinosissimus in Menge. Bey der Sennhütte Hajidcck Alpen fohren *} Es soll seit 2 Jahreu eiu Fufspfad gemacht worden sejm. (Pinus mughn ) in Mznge. Achillea marrophylla , überall bis tum Spithal. Auf den Weiden nach dem Aar-Glct- scher, Gentiana lutea,, pus deren AVurzcIn hier der Enzian-Geist gehrannt wird, der einen feurig - feinen und angenehmen Geschmack hat. Auf der Höhe des Grimsel- Passes • Pinguicula alpina ; Sonchus alpinus ; Salix herbacea und Azalea procumbcns verdrängen fast alle andern Pflanzen. Am Fufs des Scidelliorns: Potentilla grandißora , Veronica alpina-, Ranunculus nivalis, glacialis , alpestris, Chrysanthemum Hallers, Lichen islandicus und andere. Geognostische Beschaffenheit. Eine Stunde von Meiringen , in dem Thälchen Grund , geht der Gneils unter den Kalksteinfelsen zu Tage aus , deren Schichten auf dem Urfels abgelagert sind. Die Schichten dieses Gneifses stehen fast senkrecht und senken nur wenig nach S. Hinter dem Wald am Ende des Grundes hören die Kalkfelsen ganz auf, und Gneifs und Glimmerschiefer-Felsen setzen nach Guttannen zu, deren Schichten etwas mehr nach S. senken. Eine Viertelstunde oberhalb Guttannen beginnt derber Granit, der aus feinkörnigem in grobkörnigen übergeht, und bis auf den Grimsel fortsetzt. Seine Schichtung zeigt sich deutlich : i) Eine Viertelstunde oberhalb der ersten Brücke hinter Guttannen auf beyden Seiten der Aar. 2 ) Bey der zweyten Brücke. 5 ) Bey Handeck auf beyden Seiten der Aar. 4) 20 Minuten oberhalb den gefährlichen Stellen, die Höllen-Platte genannt, auf beyden Seiten, und 5 ) 1 St. von der zweyten Brücke oberhalb Handeck , dem Wege gegenüber, ein Grimsee. 170 Felsen, an dem die senkrechten Schichten vollkommen regelmäfsig sind. Alle Schichten streichen von NO. nach SW. bis 12 Minuten oberhalb der zweyten Brücke hinter Cuttannen; von da an streichen sie von ONO. nach WSW. Auf der Höhe des Grimsels erscheint ein röthliclier Gneifs, auf der Südseite Glimmerschiefer, und am südlichen Fufs Thonschiefer in der nämlichen Streichung und Schichtung. Alle Trümmer auf dem Lauter-Aar -Gletscher sind derber Granit, Gneifs, Feldspath und Hornblende in allen Abwechselungen. Man findet hier schönen Byssolit. Am Fufse der Zinsen-Stöcke Hornblendeschiefer in fast senkrechten von NO. nach SW. streichenden Schichten. Ausserordentlich reiche Krystallgruben. Breite Quarzgänge durchziehen die Felsen, in denen Krystallgruben verborgen sind. An dem Jochli -Berg sind mehrere ausgebeutet worden. Ara Zinhen -Stock einige Krystallgewölbe, zu denen man gelangen kann. Ein solches Gewölbe, in einem Quarzgange von 3 Fufs Mächtigkeit, wurde im J. 1720. eröffnet, und war das gröfste und reichste, welches in der Schweitz je ausgebeutet worden ist. Seine Tiefe betrug 120 F. und seine Breite 18 F. ; es enthielt einzelne Krystalle von 8 Centnern, mehrere von 4~5 Centnern, viele von 1 Ct. Schwere , zusammen einige tausend Centner Kry- stalle, 30,000 Gulden an Werth. Einer der gröfsten dieser Kry stalle, 3^2 F. im Durchmesser, 2^ 2 F. lang, eine der sechs Seiten i r / 2 F. breit, befindet sich im Museum der Naturgeschichte zu Paris. Gr I N BEL'TA LI)*), im K. Bern. Nur ein Wirths- haus ; ist es zu voll, so nimmt der H. Pfarrer die Reisenden auf. — Ein alpenreiches und sehr bevölkertes Thal, 3150 F. übers Meer, in der Richtung von NO, nach SW. von ausserordentlich hohen Felsen omt schlossen. Die nördliche Felsenkette erhebt sich in dem Faul-Hom bis zu 8020 F. , und südlich starren die fürchterlichsten uud höchsten Felsen aus ewigen Eisthälern in die Himmel. Das Wetter - Horn 11,453 F. , der Eiger 12,268 F., die Schreck- und Viesch - Hörner noch einige hundert Fufs höher. In NO. schliefst die Scheideck , 6045 F. hoch das Thal, und nach SW- liegt sein enger Ausgang. Wird von einem muntern und wohlhabenden Alpenvolke bewohnt. Kirschen und Erdbeeren wachsen bis im September. Dieses Thal ist eines der berühmtesten und besuchtesten von allen Thälern der Schweitz , weil man nirgends so gefahrlos und bequem Gletscher sehen und bewundern kann, wie hier. Von Bern kann man in 1^2 Tag, thcils zu Wagen, theils zu Wasser, hier ankommen. Wer von Unterseen am Thuner - See hieher reist, wendet sich bey dem Wirthshaus zu Zvreyliitschirten links nach O., geht über die Weijsliitschine , welche aus Lauterbrunn strömt, bald nachher über die Schrrarz- Lütschine in das enge hutschen - Thal, wo der Fall— *) Erhielt seinen Namen von einem nordöstlich liegenden Berge, Grindel , Grindle (ein ccltisches Wort, welches Riegel bedeutet), welcher nach Hasli zu das Thal schliefst, und dem ehmaligen grofsen Walde, welcher das Thal bedeckte, Grindelwald. 17a Bach sehr hoch herabstürzt und sich am Fufse ,j e j Schauer - Bergs verliert. Von '/.ereyliitschinen bis ; ns Wirthshaus des Grindelrvalds 2-3 St. Sonntags versammelt sich das im ganzen Thal zerstreute Alpenvolk hier im Wirthshause. Die Rindviehart des Grindelwalds ist nicht grofs, aber schöner als die im Hasli- Thal , sehr milchreich , und wird sehr geschätzt. Merkwürdigkeiten der G ri ndel w aljd-Glet- scher. Die beyden Gletscher liegen getade gegenüber, der Kleine zwischen dem Eiger uud Metten - Berg, der Grofse zwischen dem Metten-Berg und A fetter- Horn. Ganz im südlichen Hintergründe, des kleinen Gletschers erblickt man die Vieich 1 1 Iörner,, welche sich durch das reine Weifs ihres unversehrt scheinenden Schneegewandes auszeichnen ; von diesen zieht sich ein sonderbarer F'elsenkamm nach dem innern Eiger (man s. im I. Th. den dritten Alpenaufrifs zwischen dd und f). Von dem Ungeheuern Eisthale zwischen den AcAretA-Hörnern, A'k'ercA-Hörnern und beyden Eigcrti, ist der kleine Gletscher ein Ausflufs. Der grofse Gletscher ist von dem kleinen durch die Felsen der iScArecA-Hör- ner ganz getrennt, und erstrer ist .ein Abflufs des Eisthaies zwischen den Schreck - Hörnern Ef'etter- Hörnern und Metten - Berg. Die beyden Grindelwald- Gletscher hängen mit den Lauter - Aar -, Gauli- und Jungfrau - Gletschern nicht unmittelbar zusammen, sondern sind durch Felsenkämme getrennt. In der Mitte des kleinen Gletschers ragt ein senkrechter Felsen hervor, auf dem kein Schnee liegen bleiben kann, Grindelwald. 173 tl I und der deswegen die heijse Platte genannt wird. Der in Grindelwald noch herrschenden Sage gemufs, Warna» noch in Grindelwald eine Glocke mit der Jahrzahl 1044., welche in der Kapelle der H. Petronella an ges nach Grindelwald , und das Vlesch - Thal ist jetzt gleichfalls fast ganz mit Eis gefüllt. In dem Bürgerkriege von 1712. retteten sich drey Berner vor der fanatischen Wuth der Walliser in die Gletscher des Viesch - Thaies , und wagten es, durch diese furchter-? liehen Eisthäler nach Grindelwald vorzudringen, wo sie auch glücklich ankamen. Der im J. 1790. lebende Besitzer des Wirthshauses, Christian Boren in Grinde IrraId , trieb eine Schaafheerde von den Weiden der Bänis- Eck über den Gletscher, und stürzte in einen Snalt ? 7.11m filürvlr wür e\T> In rl nr TVTolws rloe ^TOfSCH letscher in dem Gange desselben abwärts, und kam lebendig, Wirthshaus bis zu dem grossen Gletscher r St. Auf dem Wege dahin geht man über den Bergei - Bach , der von aufgelöstem Thonschiefer ganz schwarz ist. Die alte Grenze des Gletschers ist ein Schutthligel V f ren ehedem fruchtbare Alpthäler zwischen dem Metten- Kl Berg, Eiger - und den Viesch- Hörnern, wo jetzt alles Wd mit Eis ausgefüllt ist, und ein Pafs führte durch diese ie/j. Tbäler ins Ober - Wallis. Zum Beweis dessen zeigt I lifo diesem Passe nach Wallis liieng. lliemit stimmt eine .{j, gleiche Sage in Ober PVallis überein ; man sieht dort im Viesch- Tbale sogar noch Reste des elimaligen Well». nur mit gebrochnem Arm wieder zu Tage. — Yon dem % von Grindelwald, 30 F. Hohe, mit ansehnlichen Tannen bewachsen; im J, 1720. reichte der Gletscher noch bis hieher, ist aber seitdem sehr zurückgewichen, und deswegen mufs man steil von dem Schutthügel herab über viele Trümmer gehen, ehe man sich dem Gletscher nähern kann, In diesem Zwischenraum waren auch starke Bäume aufgewachsen, von denen mehrere im J. 1780. durch das Vorrücken des Gletschers wieder umgeworfen wurden. Der Gletscher - Bach , welcher hervorstürzt, wird schwarze Lütschine genannt, weil dessen Wasser vom Bergei -Bach schwarz gefärbt wird. — Nach dem kleinen Gletscher ebenfalls fast 1 Sr. Dieser ist nicht so breit, aber mehr gebrochen, und zeigt gröfsere Eis» thürme und Hörner. l ängs diesem Gletscher führt am Fufse des Metten -Bergs hin ein mühsamer und durch Abgründe gefährlicher Fufsweg nach Sanis-Eck, und mehr südlich nach dem Zesen - Berg, wo Schaafweiden sind. Hier kann man das hiesige Eismeer und das fürchterliche Schreck - Horn sehr gut sehen ; doch mufs man dem Schwindel nicht unterworfen, und des gefährlichen Felsensteigens gewohnt seyn, wenn man dahin gehen will. Sehr nahe bey dem kleinen Gletscher ist ein Erlenbusch, wo man im Angesicht des Eises tref— liehe Erdbeeren pflücken kann. Sehr oft kann der Reisende in diesem Thale das Donnern der Gletscher hören und die heftigen Gletscher - Gebläse erfahren. (S- Gletscher j, Wetterhorn und Eiger. Das Wetter -Ilorn verhüllt fast immer sein Haupt in Wolken, und dient Grindelwald. J75 den Einwohnern als Wetter-Verkündiger. Am Gipfel des Ei ger- Breit - Horns (auch äussere Eiger genannt) zeigt sich eine Oeffnung, Heiter- Loch genannt, weil die Sonne in gewissen Monaten zur MittagzeJt einige Minuten durchscheint. Gestalt und Aussehen dieser Felsen ist gigantisch, ausserordentlich wild, und in diesem grünen und belebten Thale äusserst romantisch. Wege. Von Grindelwald nach Lauterbrunn, längs der fahrbaren Strafse , zurück nach Zweyliitschinen 5 St. und von da noch 1 St., (S. Unterseen Der an Gebirgs-Ansichten weit reichere, aber mühsamere Weg führt über die Lauterbrunn-Scheideck und TL'enger - Alp in 6 St. nach Lauterbrunn; man s. diesen Artikel über die Merkwürdigkeiten dieser Reise. Merkwürdigkeiten auf dem Wege übe’r die Scheideck nach Meiringen. Eben so reich an grofsen Natur-Ansichten und Erscheinungen ist die Reise ins Hasli- Thal über die Gr inde/ir a/dar-Sc/ieideck, 7 St. Der Weg ist ohne alle Gefahr zu Fufs und zu Pferde, und von Grindelwald hat man weit weniger zu steigen, als von Meiringen aus. Zuerst in die Bach- Alp, von welcher der Berget- Bach herabströmt, dann in die RoJ"s- Alp; hier ist man dem TVelter- Horn am nächsten, dessen furchtbare Gestalt und wechselndes Wolken- und Nebelspiel die Aufmerksamkeit fesselt; dann auf den Esels - Rücken , die Höhe der Scheideck, 6045 F. übers Meer, von Grindelwald in 2 J' 2 St. zu ersteigen. Nach W. das FVzu/-Horn *); nach NW. das *) Hrn. Ingenieur Weifs hat auf dem Faulhorn ein Panoram aller dort sichtbaren Gebirge gezeichnet. 176 Gri:sdelwald. Schwarz- Horu, und mehrere andre Hörner der wilden Felsen, welche zwischen Scheideck und dem Brienzer- See stehen ; nach S. das Weiter- Horn. Von der Höhe abwäits durch die Alpigeln - Alp in die Schw arzn-ald- Alp 1 Jh St. wo die hefste Sennhütte am ganzen Wege über die Scheideck steht. Hier erhielt ich einen grossen Kübel Neidei (Rahm) von solchem Wohlgeschmack, wie ich ihn sonst nirgends fand. Gerade gegenüber nach SO. sieht man zwischen dem Wetter- und Well- Horn den Schwarzwild- Gletscher. Von dieser Sennhütte führt der Weg durch die Bruch- Alp in die Ro- senlaui - Alp nach dem Rade desselben Namens 1 St. Hier an der Brücke **) geniefst man den herrlichen An- *blick des Rosenlani - Gletschers zwischen dem lUcll- und A'eh'i - Horn auf der südlichen, und dem Engel- lind Kamli - Horn auf der östlichen Seite; er ist ein Ausflufs des Gauli -Eislhales (S. Grimsel), und dessen Abflufs bringt dem Reichen- Bache das meiste Wasser. Von hier zur Sagemühle und auf den Bergvorsprung Zwirgi , 1^2 St. Bis dahiu sieht man ostwärts die fürchterliche Felsenmasse Burg mit den Engel- Mittag- und Burg - Hörnern; nordwärts, jenseits des Schlundes, in welchem der Reichen - Bach strömt, einen artigen Wasserfall des Säuh'-Bachs. Am Zwirgi überraschender Anblick des Unler-Hasli- Thaies. Nach Meiringen *') F.in vortrefliches sechs Schuli hohes Gemälde in Ocl von 11 . König in Unterseen, von diesem Standpunkte genommen, befand sich auf der Kunstausstellung zu Zürich im J, 1803. Grindelwald. \ 177 hinab 3 j 4 St. Man kommt sehr nahe bey dem obern prächtigen Fall des Reichen-l&achs vorbey; von Sclwetuli wendet mau sich nur einige Schlitte Ünks. Man sehe hierüber Meiringen . Auf dieser Reise über die Sehe Uleck sieht und hört ffiau sehr oft die Erscheinung und Wirkung der Staub- Lauinen (S. Lauinen) \ auch befindet man sich mitten unter den schönsten Alpen, wo die Sennwirthschaft beobachtet werden kann. Nicht weit vom Wege nach NW. liegt die Breiten-Boden- Alp, die gröfste und schönste Alp des ganzen Hastig wo mehrere 100 Stück Kühe weiden, und wo eine trefliche Aussicht ist. Schöne Alpenpflanzen. Viola moniana um das Dorf Grindelwalä. Saxifraga oppositijolia mit Purpurblume; eine der schönsten Pflanzen der hohen Alpen. Saxifraga autumnalis mit orangefarbner Blume. Pedicularis comosa und Astragalus alpinus bey den Gletschern. Pinus cembra ( A rveu-Fichte) am Fufse des Metten -Bergs und. auf der fV e r g i st all- Alp. Auf dem Scheideck: Artemisia rupesiris (Gäbuse hier genannt). Gnaphalium supinum. Ajuga alpina (Alpen* günsel). Saxifraga aspera y caesia, und bryoides . Silene acaulis (stielloses Leimkraut). Rhododendron fer - rugineum (Alpenrose). Primula villosa. Soldanella alpina . Cardamine resedifolia . Trifolium alpinum . Astragalus alpinus und campestris im Hinaufsteigen von Gr in- delwald . Gentiana asclepiadea und Arabis hellidifolia , im Hinabstcigeu vom Zwirgi nach Meiringen, UL 12 *78 Grind ei, wald. Geognost. Beschaffenheit. Schreck-Horn. Alle Gebirge bestehen aus Kalkstein, nach W. und N. auf Thonschiefer aufgesetzt, welcher in dem Gemr-Berg und Scheideck bis über 6000 F. steigt ; und dort seins ehmalige Kalkdecke verloren hat. Der Scheideck besteht aus schw arzgrauem feinblütttigern Thon - und Mergelschiefer mit Kieselschiefer-Nieren, welche ScliVre- felkies enthalten. An der Grindeirr alder - Seite sind seine Blätter so verwittert, dafs sie unter den Füfscn weichen. Nach O. und S. sind alle den 1 Scheideck und Crindelryald zugekehrtc Kalkstein-Felsen von den Bnrg- Hörnern bis zum Eiger auf Urgebirge aufgesetzt. An den Südseiten dieser Felsen gebt der Gneifs zu Tage, der in senkrechten, nur etwas nach S. gesenkten, Schichten von NO. nach SW. streicht, während die Kalkstcinsclüchtcn des Eiger , Metten -Bergs, PVetter- Ilorns, welche auf diesem Gneifs liegen, sehr steil unter einem Winkel von 60-70° nach Norden senken. Eine Stunde weit hinter dem A/ellera-Berg und Eiger steigt noch der Kalkstein hinauf; dann aber bestehen alle Felshörner aus Urgebirge. — Das Schreckhorn , wovon der Metten- Berg nur den Fufs ausmacht, steigt uicht weit hinter demselben zu 12,560 F. übers Meer etnpor, und besteht aus Ungeheuern senkrechten Granitschichten, die von NO. nach SW. streichen; ein Beweis, wie ausserordentlich schnell hier, so wie überhaupt auf der ganzen Notdseite des Alpcnkamms, das Urgebirge von seinen Höhen in die Tiefe stuft, und von Flötzkalkstein bedeckt wird. Das Schreckhorn lieg 1 unter 46°, 5142" nördl. Breite, und 25°, 48 v 1 11 11 der länge; (man s. im ersten Thcil den 1, 2, und Jtcn Alpenaufrifs). Zwischen dein Gneifs und aufgesetzten Kalkstein streicht dichter brauner Eisenstein, auf welchem zum erstenmal iin J. 1482. hergwerksrnäfsig gearbeitet wurde. An dem Metten - Berg und seinen Nachbaren liegen bunte Kalkbänke mit eingcmengtein grünem und rothem Thonstein, welches einen schönen Marmor bildet. Da das E T rgebirge so nahe zu dem > Crindehvald - Thal hinabstufc, so >vird man sich über die zahllosen Gneifs - und Granittrümmer nicht mehr wundern, welche auf den Gletschern an ihren Füfsen aufgehäuft, und in dem ganzen Thale selbst zerstreut sind, unter denen ausserordentlich grofse Blöcke sich zeigen. Unter den Steintrümmern am Fufse des grossen Gletschers, uud in dessen Gletscher-Bache liegen auch grofse, herrliche, abgerundete Marmorblöcke aus gelblichem Kalkstein, und rothem und grünem Thonstein von Kalkspath durchzogen; diese Blöcke werden von den Bächen, welche von der Seite der Scheideck und des FVetter -Horns herabströmen, in die Lütschine gewälzt. Auch fand ich am Bande des grofsen Gletschers ein Stück sehr schönen Alabaster. — Alle Felsen zeugen laut von der Zerstörung, welche hier einst gewü- thet und Alles in den jetzigen zerrifsnen Zustand versetzt haben inufs. Die Gebirge nach W. und N. sind noch wenig bereist und untersucht. Grütli, ein klassischer Ort in der Schweitzergeschichte. S. Vierwaldstädler -Seei Gruveres. j8o Gkuyekes. S. Orders. Gste ic-Thal, in der Landschaft Saanea im K. Bern, ein hohes 5-4 St* langes Gehirgs-Thal, welches von N. nach S. hinaufzieht; vom Sanetsch und Olden -Horn in S., vom Pillon , Florietaz und Gunun- Flue auf der Grenze der Landschaft Hex und Aigle in SW* und von dem Cht innen in NO. geschlossen wird. Von Saanen bis zum Dorfe Csteig sind 3 Stunden. Ursprung der Sane. Auf dem Sanetsch entquillt dem dortigen Gletscher die Saane, welche einer grofsen und thalerreichen Landschaft den Namen Saa- nen -Land giebt, den ganzen Kanton Freybarg durclr- fliefst, und bey O/tigen sich in die Aare ergiefst. — ln einem Nebenthale des Gsteig - Thals, am F'ufs des Florietaz , liegt der Arner -See. Wege. Iis führt ein Pafs über den Sanetsch nach Sitten in Wallis, ein Fufsweg in das Thal der Ormon- der und nach Ilex in 5-6 St. und ins Lauenen- Thal 1 St. — Die Gypsformation der Landschaft Bex und Aigte streicht durch das Csteig -Thal nach NO. Geognost. Thatsachen. Zufolge der Beobachtung des Ilrn. Trolles , welcher eine Sommernacht auf dem 10,000 F. hohen Oldcnhorn zubrachte, besteht die Kuppe dieses Kalkstcinfelsens aus dem merkwürdigen Alpensandstein , dessen Schichten nicht selten zwischen den Lagern des Alpen-Kalksteins getroffen werden. Die ganze Kuppe war mit zertrümmerten Schichten bedeckt.— Gyps ~ Lager streichen durch das Gsteigthal (S. Bex , Lauenen, Bculissen ). Guggisberg. rSi OuGf.iSBEEG, im K. Bern, an der Grenze des K. Freyburg, in der Landschaft Schwarzenburg , zwischen der Sense und Schwarzenbach; reich an Viehzucht und Alpen, und merkwürdig wegen seines derben Volksstamms und der sonderbaren Tracht seiner hübschen Bewohner *); ist von allen Landstraisen ganz abgelegen. Von Freybarg nach Thun geht der Weg durch diese Landschaft; auch nach dem Thal Bellegarde oder Tann, an der Grenze von Sannen , kann man seinen Weg von Freyburg über Guggisberg nehmen. Geschichte. Nicht weit von Guggisberg lag das Kloster Rügisberg, welches Liilold von Rümlangen im XI. Jahrhundert stiftete. Im J. 1323. nahm die Stadt Bern den Landammann und das Volk von Guggisberg in ihr Bündtnifs auf, und im J. 1434. erkaufen Bern und Frey bürg das an der Sense gelegne Reichs-Schlofs Grasburg , an welches die benachbarten Guggisberger pflichtig waren. Ursprung der Sense. Die Sense entspringt an der Gebirgskette, welche das Siemen- und Sannen- Land nördlich begrenzen; der östliche Arm kömmt vom Ganterisch , Gcmsen-Grath und andern Felsen; der südliche aus dem Schwarzen-See (See Omeina , in Patois) zwischen der Regardi, Korbli- Flue, Ouschel und Umeinaz auf der Grenze des Yann - Thaies. Die Ufer des Schwarzen - Sees bestehen aus Kalkstein, auf den sieh *) Unter den Volksliedern der Schweitzer giebt es kein einfacheres als das Cuggisberger- Lied. Ig2 Gdhnigel. gegen NW* hin bald Sandstein aufsetzt, welcher nach N. und W. bis an den Jura fortsetzt. Schwefelquelle. Nahe an diesem See, an der Westseite, quillt ein starkes Scbwefelwasser; und da, nicht sehr weit nach NO. am Ganterisch und Gurnigcl auch Schwefelquellen fliefsen, so darf man mit Recht auf eine und dieselbe Ursache schliefsen, die an der Nordseite dieser Felsen verborgen liegt. Bey Schfrar- zenburg ist der Sandstein mit Nagelflue bedeckt, über syelchen der Weg eine halbe Stunde fortläuft. Guitu igel. Berg an der Nordseite üer^Stochhorn- Kette, im K. Bern, an der Grenze von Schwarzenburg, 6 St. von der Stadt Bern, und 3 St. von Guggisberg entfernt. Derselbe besteht aus Sandstein; auf seiner Oberfläche mit einer tiefen Lage von Thon, in dem sich Schwefelkiese befinden. Daher bleibt der Boden, nach regnichter Witterung, länger nafs als sonst auf Bergen der Fall ist, und der niedrigere Theil , der untere Gur- nigel genannt, erzeugte deswegen nicht sehr milchra- ches Futter, welches man lange keiner Verbesserung fähig glaubte. Allein mehrjährige Versuche und Erfahrungen haben nun bewiesen, wie auch ein Grundstück von dieser Beschaffenheit durch zweckmäfsigen Anbau ausserordentlich gewinnen, von einer schlechten Alpweide in guten Wiesengrund, und überhaupt in urbares Land umgeschaffen werden kann. Nicht nur haben sich auf dem ausgetrockneten und mit dem Pflug umge- brochnen Erdreich die natürlichen Grasarten ungemein verbessert, sondern auch der spanische Klee, und das . Gurnigel. *83 hcy den Engländern so beliebte Honiggras (Holcus lanatus) sind dort mit vielem Nutzen gepflanzt worden. Ausserdem gedeihen auch Gersten, Koggen, Spelt, und Lein vorzüglich gut. Schwefelbad. An dem nordwestlichen Abhange dieses Bergs, dicht an einer schönen Tann-Waldung, liegt das bekannte Schwefelbad, zu welchem man, seiner hohen Lage ungeachtet, mit jedem Fuhrwerke gelangen kann. Die eine Quelle, Slochnasser , von dem Badhause ^ St, entfernt, hat 6° Wärme nach Rea'u- mür. Das Wasser ist hell, und riecht etwas nach Schwefel; wird cs nur zum Bade getragen, so trübt es sieh, wird aber bald wieder helle. Ein Schoppen oder 14 Unzen dieses Wassers enthält ; Luftsäure mit Schwefelluft 5^ Kubikzoll, luftsaure Magnesia 2^ Gran, Kalk 1 Gran , Vitriolkalk 8 1 ls Gran , vitriolische Magnesia ^24 Gran, salzsaure Magnesia ^24 Gran, Eisen Gran (nach II. Apotheker Morell in Bern ). Diese Quelle verändert sich übrigens in der Stärke des Geruchs, nach der Beschaffenheit des Wetters, sehr leicht. Indessen ist die Wasser-Menge derselben, bey anhaltender Trockne oder langem Regen, nicht nach diesem Verhältnisse verschieden ; und die ungleiche Wirkung des Brunnens scheint daher vielmehr der bey kaltem, feuchtem Wetter für dergleichen Curen ungleichen Empfänglichkeit des menschlichen Körpers, als der Veränderung seiner Heilkräfte zugeschricben werden zu miifsen.— Eine zweyte Quelle, Salzbrünnlein , ebenfalls % St. vom Badhaus, hat starkem Schwefel- iS4 Gurnigel. lcber-Gerucli, ist sehr hell, zersetzt sich aber an der Luft schnell, und wird inilchweifs. Diese zweyte, stärkere Quelle wird daher auch zu einem Tropfbade benutzt; und das Wasser von beyden nicht nur am Ort häufig getrunken, sondern auch in Hern, bey dem Eigentümer, in beträchtlicher Menge, in hermetisch ver- schlofsnen Flaschen, zu 5 1 j 2 und 4 Bz. abgesetzr. — Die Heilkräfte dieses Brunnens zeigen sich, durch viel— jährige Erfahrung, gegen Hypochondrie, gegen Verstopfung, Blähungen, Hämorrhoiden und Magenbeschwerden — so wie die des Tropfbads besonders, gegen alte rheumatische und gichtersche Zufälle sehr bewährt. Dann trägt die herrliche, reine Bergluft auch das ihrige zu der heilsamen Wirkung dieses Kurortes bey, der daher jeden Sommer von einer zahlreichen Gesellschaft aus allen Ständen, besonders von Bern, besucht wird; worunter viele sich befinden, die, frey von Krankheit, blofs eine wohltätige Erholung und Zerstreuung suchen. Wie in allen solchen Berg-Bädern, und hier ganz besonders, da das Wohnhaus gegen Norden sieht, ( und daher die Luft bey einfallendem Begenwetter sehr kalt und rauh ist) thun übrigens die Gäste wohl, sich auf den Fall hin mit warmer Kleidung zu versehen. Das dicht am Badhaus anliegende Wohngebäude ist nicht glänzend, aber bequem eingerichtet. Man findet da eine gute, offene Tafel (für diese und das Zimmer wird des Tags 4-5 Schw. Fr. bezahlt), ein Billard, u. s. f. In mehrern Zimmern sind Kamine angebracht. Das Badgebäude enthält drey Abteilungen für die verschiedenen Badgaste, in welchem man jedoch in he- sondern Badewannen (Kästen) und mit Absonderung der Geschlechter, gemeinsehaftlich zu baden pflegt. Einen ganz eigenen, und anziehenden Anblick gewährt, besonders an den Sonntagen, der Gebrauch des schon genannten, im Fre'yen gelegnen, nur durch einige Tannen beschatteten Tropfbades, welches in der heifsen Jahrszeit von einer Menge Landleuten aus der Gegend, von mehrern Stunden irn Umkreis, besucht wird. Beyde Geschlechter drängen sich hinzu, die Heilquelle, und zwar auf ganz verschiedene "Weise zu benutzen. Die « einen trinken davon; andere füllen ihre Flaschen, um das Wasser zu Hause zu gebrauchen. Die meisten ft halten den leidenden Theil, Aerme, Beine, Kopf, ja selbst den Bücken, ohne solchen zu entblöfsen, unter die Röhre des eiskalten Brunnens hin, und legen sich dann zum Trocknen an die Sonne. Das Gedränge der Menschen, der kleine Markt von Erfrischungen, die sonderbaren Stellungen der Badenden — wobey jedoch immer bäurischer Anstand herrscht — und hinwieder die Zuschauer, bilden für den städtischen Beobachter ein an Mannigfaltigkeit reiches und malerisches Schauspiel *_). Dafs der Glaube an die Heilkräfte dieses Brunnens nicht blofses Vorurtheil ist, beweisen, besser als alle chemische Zerlegungen, der alljährlich erneuerte Zuflufs von Kranken aus den nämlichen Ortschaften, *) Eben zum Theil von derselben ist das colorirte Blatt des H. Zehenders genommen, dessen (Th. I. S, 26g.) wähnt wird. ei- ißS Gurnicel, und eine Menge von Erfahrungen, welche blofs 4tti Mangel eines beobachtenden Arztes nicht gesammelt, und gehörig dargethan sind. Aus den Zimmern d s Wohnhauses, so wie von der Terrasse vor demselben, geniefst man einer sehr ausgedehnten Aussicht über denjenigen ganzen Theil des Kantons, der zwischen dem Jura und den Gebirgen des Emmen- Thals liegt, so wie auf die Stadt Neuenburg und den See; i St. höher, auf dem obern Gur- niget , dehnt sich dieselbe auch über die Schneegebirge und den Thuner- See aus; und noch weiter auf dem Ganterisch , wo man die hügelreiche Schweitz, von ' Yverdiin bis an den Bötz- Berg bev Bruck übersieht. Merkwürdig ist die Schwefelquelle auf diesem letztem. In der nämlichen Felsenreihe, weiter nach SW, hey dem Schwarzen - Sek quillt auch Schwefelwasser. ('S. gleich oben, Guggisberg'). Wege. Vom Gurnigel über den Ganterisch nach dem PVeifsenbitrger-Bade in dem Simmenthal 5 St. — Nach Guggisberg 2 St. ( S. VVeifsenburger - Bad , und Guggisberg J. Pflanzen. Alle diese Berge, reich an seltenen Alpenpflanzen , werden daher auch oft von Botanikern besucht. Zu den dort einheimischen Pflanzen gehören ^ vornhmlich : lulymus eurepaus . I/ieracium aureum und villosum. Bja- seris foetida. Juncus maximus und spadiceus . Gentiana aeaulis und purpurea. Sedum villosum . \ Soldanella alpine. Swertia perennis, Tussilago alpina. Yaccinium vitis idiea, u.a. Haggen -Berg. 137 Guttannen, Dorf an der', Strafse auf den Grim- sel, 3 St. von Meiringen , und 4 St. vom Spithal des Grimsels ; der müde Wandrer findet hier ein leidliches Wirthshaus. ( S. Grimrel). ff. Habchern - Thal, ein hohes Bergthal im K. Bern zwischen dem fieaf«/z-Berg, Höhgant und Harder -Flue, vom Lohn- Bach durchströmt, der sich nicht weit von Unterseen in den Thuner - See ergiefst, liegt ganz verborgen und ist wenig gekannt. Weg in dieses Thal. Von Unterseen führt ein Weg um den Harder in dieses Thal, und aus diesem über die Hirsegg und das Fliili nach Schupfen im Entlebuch 11 St. zum Theil mühsam und rauh. Berg öl. Die kleinen Bergbäche dieses Thals führen oft eine Menge flüssiges Bergöl in den Lohn- Bach hinunter. Die Kalkstein — Gebirge in dieser Gegend sind noch nicht gehörig untersucht. — Ammons - Hörner sollen sich auf selbigem finden. IIabsburg (das Schlofs). S. Schinznach, Hag gen - Berg {Schweitzer - Haken, Hohe , Mythen), ein Felsen im K. Schwytz (s. dessen Gestalt in dem ersten Alpenaufrifs J. Weg über diesen Felsen. An dessen südwestlichem Fufse liegt der schöne Flecken Schwytz, von welchem ein Weg für Reuter und Fufsgänger nach Einsiedeln in 3 St. über die Alpen des Haken führt. Knt H A G G E N - B E R O. 188 Von Schwytz steigt man iii i St. zu dein Wirths- hause, 5120 F. über den picrwaldstädter- See hinauf. Aussichten. Hier ist eine schöne Aussicht auf die hotverzer - und Hierpraldstädter - Seen und die herumlicgenden Gebirge; auf der Höhe der Halen- Alp aber öffnet sich der Gesichtskreis vollends über den Kant. Zürich , den Zürcher See und die ganze nördliche Schweitz. Südwärts vorn Wirthshause stehen die beyden Spitzen des kleinen, und grofsen Mythen, 4548 F. über den See und 5868 F. übers Meer , nach General Pfyf- ferv zwey nackte und rauhe Felsen, auf welche kein Fufsweg leitet, die man aber unter der Leitung guter Führer aus dem Wirthshause erklimmen kann , wenn man dem Schwindel nicht unterworfen, und des Felskletterns gewohnt ist. Die Aussicht von dem Gipfel der Mythen ist noch weit ausgedehnter als von der Haken - Alpe.— Nicht weit von dem Wirthshause ist eine Schwefelquelle. Geognost. Beschaffenheit. Der Haken bestelit aus dichtem grauem Kalkstein, dessen Schichten nach S. senken, wie gegenüber der südliche Abhang des Rigi, zu welchem von hier die nördlichste Linie der Kalkalpen durch den Lorrerzer -See , uud zwar gerade durch die Insel Scluvanau , nach Wk dicht an dem Nagelflue-Gebilde hinstreicht. ( S. Rigi , Schrrytz und horrerzer- See ). In der Nähe des Weges über den Haken liegen unter dem Kalkstein einige Schichten grünen Sandsteins mit häufigen Versteinerungen. Der Sandstein hat Chlo- riterde zum Bindemittel, und daher die grüne Farbe. Hallwyler - See. igg Unter den Versteinerungen finden sich oft ganz unversehrte Austcrschalen. In diesen Sandstein ist häufig ein weifser Kalkstein eingesprengt, welcher verwittert, und dadurch den Sandstein löcherig darstellt. Dies wurde die Veranlassung , dafs der von einer Seite ganz kegelförmige Mythen in den Buf eines Vulkanes kam. Diese seltne Sandsteinart findet sich auch an den bey- den Aubrigs im TVäggi - Thale, 4-5 St. östlicher als der Mythen. II a l 1.w v t f.k - S ee, im K. Aargau, nicht weit von Lenzburg in einem fruchtbaren und breiten Thale, 2 St. lang, St. breit; die höchsten Hügel in seiner Nähe steigen bis auf 1776. Fufs über den Luzerner- See. Der Aa - Bach aus dem Heidegger - See ergiefst sich in den Hallwyler-See , fliefst unter demselben Namen wieder heraus , dicht bey Lenzburg vorbey, und fällt bey Tf r ildegg in die Aare. Dieser See ist sehr fischreich ; besonders wprden die Iläglinge sehr geschätzt. Seine Ufer sind mit 7 Dörfern besetzt. Die Gegend des Sees und von Seengen ist reich an malerischen und idyllenartigen Landschaften; die Wasserfahrt auf demselben und auf dem Kanal bietet schöne Ansichten auf die südwestlichen alpenartigen Ufer, auf den prächtigen Eichenwald Schlatt und auf die mit Gebüsch und Epheu bewachsnen Mauern und Thiirme des alten Schlosses Hallwyl dar. Auf dem hinter Seengen liegenden Eichberg übersieht man die gauze Landschaft; Mittagwärts erheben sich die Berge um den Baldegger- See, entfernter der 1 ‘ilatus und Bür- Hallwyler-See. 190 genstock am Luzerner - See, und himmelwärts die Hoclialpen der K. Unterwalden und Uri , unter denen der Titlis besonders sein Haupt empörträgt. Geschichte. Dieser See erhielt seinen Namen von dem Schlosse Hallwyl am nördlichen Ende, welches seit dem XI. Jahrhundert der Stammsitz des alten ünd berühmten Geschlechts •von llallwyl ist. Die llallwyt erscheinen fast in allen Fehden und Kriegen der Schn ellz und Oesterreichs. Bis ins XV. Jahrhundert waren die Hallevyl dem Hause Oesterreich eitrigst ergeben, in dessen Kriegen eine Menge derselben bluteten. Als die Berner im J. 1415. Aargau eroberten (S. Aargau ). begab sich Thüring ■von Hallrryl zum Herzog Friedrich von Oesterreich , und als ihre Burgen (die beyden Wartburg) gebrochen, und das ganze Land unterworfen war, behauptete sich Thüring mit seinen beyden Brüdern RudoiJ' und T'Valter im Schlosse TYildech zwischen Lenzburg und Schiuznach, hoch am Jura gelegen und noch jetzt sehr wohl erhalten. Einige Zeit nachher wurden die Hallwyl Bürger von Bern , und gaben der Eidgenossenschaft den grossen Kriegshelden Hans -von Halhvyl. Er war 1 44 t■ Hauptmann der Zürcher in deren Bürgerkriege gegen die alten Kantone, und führte das Schweitzer - Heer gegen die Burgunder in den Schlachten von Cranson und Murten ( S. diese Artikel ). In spätem Zeiten theil- ten sich die Hallwyls in den Zweig , welcher auf dem Stammsitz Eidgenol's und protestantisch blieb , und in den andern Zweig, welcher nach Wien zog und katholisch Handeck. * 9 * blieb. Der letzte Sprosse des schweizerischen Zweiges Zweiges, der noch jetzt lebenden Wiltwe, Flau von vom Schlosse Hallwyl liegt am östlichen Ufer des Sees ) Farwangen , wo die Burg Rudolfs von Bahn - Farwangen stand , der mit Herzog Johann von Schwaben den König Albrecht bey Königsfe/den im J. 1308. ermordete. Die junge Agnes , Königin von Ungarn, und Herzog Leopold , Kinder Albrechls , zogen vor diese Burg, welche auf Gnade geöffnet wurde. Alle Kriegsmänner, 63 an der Zahl, welche sich darin befanden, liefs Agnes in dem nahgeleguen Walde, und 46 andere aus der Baimischen Burg Altbüren , ohn- weit Sursee , vor ihren Augen enthaupten, und rief beym Anblick der Blutströme dieser unschuldigen Schlachtopfer aus: J\un bade ich mich im Maythau, — Das Dorf VUlmergen , nahe am Hallwyler - See, ist der Schlachten wegen merkwürdig, welche hier im Bürgerkriege vom J. 1656. den 1 (. Januar zwischen den Bernern und Luzernern, und im Bürgerkriege vom J. 1712. geliefert wurden. H am deck, Sennhütte auf der Nordseite des Crim- sels an der Siräfse. ( S. Gr im.se l). vermählte sich mit der Tochter des österreichischen V Hallwyl , einer durch Geistes- und Herzensbildung und ( * t, »d.* Schicksale gleich merkwürdigen Frau ; von ihren drey iiij, Söhnen lebt nur noch einer. Ein Saal des Schlosses, ß ( auf welchem die Witwe lebt, ist mit den Bildnissen der Edlen von Hallwyl ausgeziert, bbu. G e s chi ch t s - M erkwü r d ig k ei t en. Nicht weit Hasenmatt. 192 Hasf.n matt, einer der höchsten Punkte des Jura t der Stadt Solothurn gegenüber. ( S. Solothurn ). Haslithai. , gewöhnlich Hasli genannt, im R. Bern, an der Grenze von Unterwalden und Cni, 10 St. lang, von der Aar und andern Bachen durchströmt; besteht aus dem Unter - Hasli ~ Thal, Hasli- Grund, Urbach- Thal, Guttannen -Thal am Giiinsel, Miihli-, Geniel-, Nessel- und GaJmen- Thal, von allen Seiteu mit hohen Gebirgen ummauert, Öffner sich nur nach NW. am Bricnzer-Sce , ist aufserotdenilich icich an den mannigfaltigsten und herrlichsten Ansichten und Landschaften. Schöner M e n s ch e n s t a mm. Dasselbe wird von einem Bergvolke bewohnt, welches wohl der schönste Menschenstamm unter den Gebiigsvölkern der Alpen ist. Die Sage geht unter diesem Volke, und in ihrem Landurbar steht es mit klaren Worten: Dafs, als zur Zeit Riesberls und Graf Christophs -von Ostfriesland ira V. Jahrhundert die Hungersnoth in Schneien fürchterlich gestiegen sey, 6000 Menschen, zu denen noch 1200 aus Ostfriesland gestofsen, ausgezogen unter ihrem Hauptmann Ilatis aus der Stadt Hasle, durch Deutschland gewandert wären, und an dem Vier- n'aldstädter -Sec, in der Gegend des Pilatus , sich niedergelassen hätten, bald nachher aber über den Briinig in dieses Thal gezogen wären. Diese Sage wird auch in einem Liede von 77 Versen fortgepfianzt. Auch sollen mehrere Wörter der Hasler ganz schert- V 1 I.J Gmd, »ili-, 'Stile; a md KÜll b m ij m i ämlt 'Jpa iffl i v® tiiUti i irtbs i Ja® V‘ , 0 ' H’asli-Thal. 193 (lisch seyn *). Dem sey wie es Wolle, so vid ist ausser Zweifel, dafs dieses Volk von einem andern Stamm als seine Nachbaren entsprosseh ist. Sein Körperbau trägt ein andres Gepräge; unter Männern und Frauen sah ich herrliche Gestalten , die würdig waren, als Modelle der bildenden Kunst zu sitzen. Auch ist die Sprache dieses Volks nicht so rauh, wie bey den übrigen Schweitzern , sondern mild und angenehm. Die Tracht der Weiber zeichnet sich ebenfalls durch Eigen- thümlichkeiten aus. Muth , Selbstgefühl, Freylieitsliebe, gesunder Verstand, Treue, Aufrichtigkeit und Gutmü- thigkeit , sind Hauptzüge in dem Charakter dieses edeln Volkes. Es behauptete seine Freyheiten unter den Häusern Zähringen , Kyburg , Oesterreich , Strasberg, welches diese Landschaft im J. 1516. verkaufen mufste. Das Volk von Hasli war mit der Stadt Bern schon im J. 1275. in einen Bund getreten. Als der Reichsvogt Johann von Wcifsenburg die Hasler zu hohem Reichs- steuern nöthigte, so klagten sie darüber bey ihren Nachbarn, den Unterwaldnern, und machten den Anschlag, die Burg Unspunnen am Brienzer - See, wo Weifsenburg wohnte, zu überrumpeln. Die Hasler kamen zu früh, wurden zurückgeschlagen , und 50 det •) Herr von Ilonstelten sagt in seiner Yoyage sur la scene des sis derniers livres de l’Eucide, Geneve, igo4- p. 15.: ,, 3 ’ai trouve parini d'ancicnnes chansons nationales da- noises une conformite avec le chanson de Hasli, ou l’un ne peut meconnoitre l'identite des faits, (ju’clles con- tiennent l'une et lautre.” 111 . 13 Vornehmsten gefangen. Zwey Jahre lagen diese hier gefangen, bis der Hasler-Landammann Werner Resti (ein uraltes Geschlecht, dessen Burg Resti in Ruinen noch zu sehen ist) sich an Bern wandte , und es bat, 6 ich für sie zu waifnen, wofür es ewig die Vogtey über Hasli habeu solle. Die Berner zogen gegen Uns- punnen , befreyten die Hasler , kauften JfeiJ’senburg die Vogtey ab, und dieser wurde Bürger zu Bein, Seit 1334. erkennt Hasli die Hoheit Berns , genofs aber stets Vorrechte wie kein Theil dieses grofsen Kantons. Seine Bürger hielten nämlich alljährlich ihre Volksversammlung, ernannten ihre Richter und Beamte, schlugen dem Rath von Bern drey Männer zur Wahl eines Ammanns, welcher alle Gewalt eines Land- rogtes ausübte, vor, und bezahlten keine Abgaben. Alle übrige Merkwürdigkeiten s. man unter dem Art. Meiringen. H auenstein (der obere und untere ), Gegenden des Jura im K. Basel, wo Heerstrafsen von der Stadt Basel über die Jura - Höhen nach den KK. Solothurn und Aargau führen (s. Ballstall , Langenbruch und Liechstall in Betreff des Ober-Hauensteins; Olten und Liechstall in Betreff des Nieder-Hauensteins'). Heidegger-See ( auch Baldegger - See genannt), 1^2 St. lang, T i2 St. breit, zuin Theil im K. Luzern , zum Theil im K. Aargau , nicht weit vom Halhvyler- See. Die Aa fliefst heraus. Die höchsten Hügel in dessen Nähe erheben sich bis zu 990 F. über dessen Fläche. — Die Feste Baldegg , welche dem Rit- Herisau. *95 ter von Hünenberg gehörte, zerstörten die Luzerner im J. 1386. (S. Entlibuch). Heinzen -Berc. S. Tusis. H E r e n s ( Val de ). S. Erniger-Thal. Herisau, im K. Appenzell. Wirthshäuser; Och.t und Hecht. Schöne Aussichten auf den Burgstöcken Rotenberg und Rosenburg (welche die Appenzeller in ihrem Freylieitskriege zerstörten J, und auf andern nahe gelegnen Hügeln. Geschichte. Der Graf Friedrich von Toggen- burg überzog die Appenzeller im J. 1427. mit Krieg. Er griff sie von drey Seiten an (S. Cais und er selbst wollte von Gofsau her gegen Herisau Eindringen. Als die Appenzeller Gofsau in Brand sahen, stürzten sie übereilt aus ihren Grenzschanzen herab, und geriethen mit dem Toggenburgischen Heer, welches hinter Gofsau in Schlachtordnung stand, in einen harten Kampf. Achtzig Appenzeller erlagen, unter denen die Söhne der Lnndammanne Enz und Häcli; keiner ergab sich gefangen, kaum zogen sie sich bis zur Schanze zurück, und besetzten den Wald gegen Herisau so , dafs der Graf nach St. Gallen zurückzog. S p a t z i er gän ge. Appenzeller - Volksversammlung. Von hier nach Teuffen und dem Kloster TVonncslein 1 y* St., ein sehr angenehmer romantischer Spatziergang. Nach Hundrryl durch den tiefe» Tobel der Urnäsch 1 St., wo die reformirten Appenzeller ihre Volksversammlungen, 9-10,000 Köpfe stark, abwechselnd mit Trogen , halten. HlNDELB ANK. If)G Merkwürdigkeiten. Herisau ist der gröfste und betriebsamste Ort im K* Appenzell, der Sitz von grofsen Handlungshausern und Fabrikarbeitern In der Gegend findet man Ammonsbörner und Turbiniten. Eine Stunde von Herisau das Bad Waldstadt , dessen t Heilquelle Kalkerde, etwas Eisen und Selenit enthält. ( S. Appenzell , d. Kanton). W ege. Auf dem Gipfel des Hundrryler - Bergs i y 2 St. eine ausgedehnte Uebersicht. Von hier nach dem Flecken Appenzell 2 St. Nach Cais , St. Gallen und ins Toggenburg über das hochgelegne Schrrell- brunn , führen fahrbare Strafsen. Hindelbank, 2 St. von der Stadt Bern; die Dorfkirche durch das Denkmal der Madame Langhaus berühmt, wovon man zu Bern kleine Modelle in gebrannter Erde zu 12 Livres verkauft. (S. Bern). FI inter-Rhein, das höchste Dorf im Rheinwald-Thal, K. Bündten (S. Rheinrrald — Thal ). Hochdorf, ein Dorf zwischen der Stadt Luzern und dem Heidegger - See. Auf dem Gebiete dieser Gemeinde sind viele römische Münzen gefunden worden. IIohentwi el und Hoheustaufek, zwey steile kegelförmige Hügel, i 85 t* F- hoch über den Rhein, welche sich auf der schwäbischen Seite des Zeller- Sces , 4 St. von Schaff hausen , aus der ganz flachen Gegend erheben, und deswegen von so vielen Standpunkten am Boden-See und von den Höhen der nördlichen Schweitz ins Auge fallen. 1 , '*t tts »i'i, •Bes ■ Cii i; & P »ui- )■ [iw» . fc»' W» HF<* *» t* „fr» Hohentwiel und Hohenstaufen. 197 Geschichts - Merkwürdigkeiten. Sie sind geschichtlich und naturhistorisch merkwürdig. Auf dem zweyten Hügel stehen noch die Reste eines (im Bauernkrieg 1525. zerstörten) Schlosses und ehmaligen Stammsitzes des Geschlechts von Hohenstaufen , welches im J. iiy8. in dem Kaiser Conrad 111 . seine glanzende Rolle begann, aber schon im J. 1268- mit dem unglücklichen Conradin zu Neapel erlosch. — Hohent- n'iel, jetzt noch eine TViirtembergische Festung, war schon in den frühesten Jahrhunderten eine Burg. Im X. Jahrhundert nahm Hedwig *), Herzogin von Schwallen , die verscheuchten Musen in diesem Bergschlofs auf. Ihr Lehrmeister war der Münch Ekard , berühmter Rektor der Schulen der Abtey St. Gallens, und Lehrer des Sohns Kaiser Otto 1 . Diese edle Frau las den Horaz und Virgil , und lehrte den Jüngling Burkard die griechische Sprache. G e 0 g n o s t is ch c Beschaffenheit. Von dem Berghügel Hohentwiel nach NO. liegt der Kegelberg A Hohenkrähen mit Burgruinen, gegen N. über einen Wald der Megdberg mit einem alten Schlofs, gegen * NW. der Berg Hohenstaufen mit einer Veste. Diese vier Berge stehen in dem Lfmkreis eines niedrigen zwischen ihnen befindlichen Hügels. Von Hohenstaufen nach NW. jenseit des Thaies zeigt sich der Kegelberg *) Sie war Tochter Herzog Heinrichs von Schwaben, und Wittwc Herzog Jlurkards II. von Schwaben; starb im. J. 998. Der höchste Schwur in Schwaben war: Bejm > Leben Hedwigs ! Hohenstofjlen mit drey Burgen , und fast in N. erhebt sich über alle Nachbarn der Kegelberg Hohenhewen , an dessen Fufs das Städtchen Engen liegt. Der Horizont von N. nach O. wird durch eine entfernte Bergkette begrenzt; nach W. mehrere ParaleU - Beigzüge, welche die Gegend von Sahaffhausen decken; nach SO. der Zeller - und Bodensee , und eine Ebne bis an dieselben, von Sandhiigeln umgeben. Die Bergstrecke von N. nach O. besteht aus Jura-Kalkstein , die Berge in W. gegen Schaffhausen aus Sandstein. Der Hügel, an dessen Umkreis die vier genannten Kegelberge sich erheben, besteht aus Schichten Thon voll Gerolle aus Urfelsarten, Kalkstein und Sandstein; um Hohentwiel finden sich unter den Bruchstücken auch Chalcedone , Hornstein , Pechopal nestervveis an der südwestlichen Seite in den Steinbrüchen nahe am Fufssteig, der vom Walle der Festung nach dem Meierhof Schoren herabführt. — Der Bergkegcl Hohentwiel besteht aus grauem und dunkelgrünlichgrauem Porphyr- schiefer (Klingstein genannt) in Schichten von a-3 Zoll Dicke, welche von O. nach W. streichen und fast senkrecht stehen. In den Spalten und Höhlungen desselben bricht schöner Zeolit in Kugelabschnitten, auch in derben Stücken, auch eingesprengt und ange- ilogen , selten in nadelförmigen Kry stallen; am vollkommensten findet man den Zeolit an der Nordseite des Felsens gleich über den Todteuacker nahe bey dem Wege zur Festung hinauf. Der Kcgelberg Hohenkrä- ken , flgj St. vom vorigen und um den vierten TLeil niedriger als jener, besteht aus Porphyrschiefer , in. welchen die eingesprengten Feldspaththeile verwittert sind, und das Gestein ein löcheriges Ansehn erhalten hat. Megdberg , y» St. vom vorigen, besteht aus röth- lichgrauem Porphyrschiefer , und enthält Zeolit von sternförmig strahliger Gestalt und gelbrothcn Farben. Hohenstaufen zeigt an den cntblöfstcn Stellen seines Fufses Porphyrschiefer in Schichten von x - 2 Zoll Dicke und fast senkrechter Stellung. Eine halbe Viertelstunde davon nordwestlich ein 25 F. hoher mit Wein bepflanzter Hügel, an dessen Nordseite ein Steinbruch auf Porphyrschiefer. Hohenstoflen , 2 St. von Hohentwiel und viel höher als dieses, zeigt an der Grundlage des Schlosses auf der nördlichsten höchsten Spitze 5-6 senkrecht stehende 3 F. starke Basaltsäulen und grofse Massen Basalt , dessen Trümmer bis in die Poststraisa bey PVelterdingen hcrabgefallen sind. Der Basalt wird durch Auswitterung des dunkelgrünen Olivin löcherig. Am Hohenhevpen sieht man am Bergabsturz deutliche Schichten von Basalt - Breccia - Wake und Traf», welche unter dem Basalt der Kuppe sich einsenken , und vielen unversehrten Kalkstein nesterweis enthalten. Unter diesen Schichten liegt Thon, Bolus und Sandstein. Alle diese Kegelberge wurden für erloschne Feuerberge von französischen Mineralogen gehalten , und an Hohenhewen sollte man die Lavaströme deutlich erkennen. ' Homburc,er-Tha.l, im K. Basel. Hier lag die Stammburg der Grafen von Homburg, von denen die ZOO Horgen. Stadt Basel diese Landschaft im J. 1464. kaufte. Dnrch dieses Thal führt die Landstrafse von Basel über den Unteren - Haaenstein nach Olten. Hob gen, grofses Dorf am südwestlichen Ufer des Zürichsees, 3 St. von der Stadt Zürich. Es liegt am Handelswege von Zürich nach dem Gotthard und Italien ; deswegen werden die Waaren bis hieher geschifft, und dann zu Lande über die Sihl - Brücke nach dem Luzernersee geschafft. Geschichte. Oberhalb diesem Dorfe am Hirzel , wurde den 24. May 1445. e ' ne Blutige Schlacht zwischen den Eidgenossen und den Zürchern in dem damaligen Bürgerkriege gefochten. ( S. ToggenUurg , Bfef- fikon , Zürich ). Nachdem die Zuger, Urner, Unter- waldner und Luzerner bey Baar und Bükenstorf den Gewalthaufen von Zürich und Oesterreich zurückgeschlagen hatten ( s. Baar ) , so wandten sich 3000 M. jener Kantone gegen die Schanze (welche die Zürcher- Landleute über den Hirzel, 2 St. laug aufgeworfen hatten ) von 1400 Zürchern vertlieidigt. Schmähung von der Schanze herab brachte die Eidgenossen in Wuth , und gegen allen Befehl und alles Abmahnen stürmte der gemeine Mann den Berg, wo er am steilsten und die Schanze am höchsten war, hinan. Es fielen die zwey Landammanne von Unterwalden, Johann Müller und Zeiger, der Schultheifs von Luzern, Liitu- hofen , der alte Urner-Feldherr Johann lmhof von Blumenfeld , der edle Heinrich Jauch von Altorf, viele Urseler, Liviner, Entlibucher, Unterwaldner, d«- \ i H i ren Leichname endlich den Schanzgraben füllten, und über welche sehreitend , die Schanze erobert wurde. Von den Zürchern fielen über 300 Mann, mit ihrem Hauptmann Meier -van Knonaii und den Kricgsräthen Brunner , Hegnauer , Trinkler; die übrigen flohen gegen Horgen. Den folgenden Tag brachen die Eidge- r nossen den Berg herab, und zogen, mit der Brandfackel in der Hand, den See abwärts. Ueber die Wuth dieses Bürgerkrieges s. Greifensee, Zürich. Hospital ( Hospendal im Rhätischen), im Ur- jet-tt-Thal, St. von Andermalt , 45G6 F. übers Meer. Wirthshaus : Goldner hon e. Der Edle von Hospital oder Ospenthal. Nahe bey dem Dorfe steht noch auf einem Hügel der Thurm einer Burg, Stammsitz des Geschlechts von Ospenthal oder Hospithal *), wovon ein tapferer Ritter in den Reihen der Eidgenossen an dem Schlachttage von Morgarten focht, und sein Leben für die Unabhängigkeit des Vaterlandes opferte. Dieses Geschlecht ist erloschen. Dieses Dorf hat seinen Namen von dem Hospital , welches mit dem Anfang des XIII. Jahrhunderts hier am Fufs des Gotthards für die Reisenden erbaut war. ( S. Gotthard und Ursern ). Wege. Auf den Gotthard 2^-5 St. (S. Gotthard'). — Nach Andermatt St. (S. diesen Art.) — Ueber die Furka nach Obergestein in Ober - Wallis *) In einer Urkunde des Klosters Disentis vom .1, i3oo. kommen ein Heinrich und Walther Hospenthal vor; sie scheinen damals noch nicht Ritter gewesen zu seyu. 8 - 9 St. Von Hospital nach Zum Dorf St. Nach Realp St. In der Gegend von Zum Dorf erheben sich nach NNW. der Mutz- und Spitz -Berg, auf der andern Seite der Hühner- Eck, und Klein- und Grofs- Stock , zwischen denen ein Schlund, Käser- Thal genannt , sich öffnet. Zwischen Zum Dorf und Realp s liegt nach SW. der Matten - Gletscher. Bey Realp erhebt sich nach SW/ der Rhyn - Berg, das Bieler- Hotn und der Bieter - Gletscher ; auf der andern Seite der IMiern-Spitz oder Orsino , und der ff'eifsrpasser— Glttscher zwischen dem Mutt-Born und Fibia, Zu Realp findet der Reisende bey den Hrn. Kapuzinern eine gastfreundliche Aufnahme. Von Realp bis auf die Furka 5 St. sehr einsam; rechts der hohe Galen- Stock oder Gletscher— Berg , links das Mutt — Horn. An der Nordseite der Furka entspringt der eine Arm der Reufs , und von der Hohe der Furka' fallt der Blick zurück nach O. auf die Ober - Alp am Fufse des Krispalts. Von der Furka hinab an das Ende des Rhone - Gletschers 2 St. und von da nach Ober-Gestein 2^2 St. (S. über alle naturhistorischen Merkwürdigkeiten dieser Reise die Art. Gotthard , Furka, Ober — Gestein , Ur— sern - Thal und Andermatt). Mineralogie. Nahe bey Hospital im Bette der Reufs sieht man zwey alte ausgeleerte Krystallgetvölbe, welche man hier ohne Mühe betrachten kann. Professor Reufs in Tübingen fand in diesen Höhlen den Quarz erst halbgebildet, und tbeils als Schleim, und schrieb darüber: Investigandae Crystallifodinarum oeconomiae quaedam pericula. Turici 1785-1 wovon ein Auszug in Crells chymischen Annalen vom J. 1785. II. St. »teilt. Bcy Joh. Pet. Escher Walliser in Hospital findet der Reisende Fossilien zum Kauf. Hütli - Berg, auch Vto genannt, ist die höchste Kuppe der Albis - Kette. (S. Zürich ). Hu n n ert - T H a l. ( S. Centovalli und LocarnoJ. Huttbs! - Grab, gewöhnlich Ufnau genannt, eine Insel in dem Zürcher-See , 5^2 St. von der Stadt Zürich , St. von Rappersrryl und 1 St. von Richters- rryl , noch vor Kurzem das Eigenthum eines Bürgers von Rapperswyl. Dieses kleine, durch Gebüsch und Wiesen freundliche Eiland, auf welchem nur die W ohnung des Pächters, eine von der Mutter des Herzogs von Schwaben, Adelreichs , im J. 973. gestiftete Kirche, eine Kapelle und ein Lusthäuschen stehen , liegt herrlich in dem breitesten Becken des Sees, zwischen den unbeschreiblich schönen Ufern von Rieht ersrryl , Stäfa und Rappersrryl, und im Angesichte des Alpenkranzes der Gebirge Toggenburgs , Casters und der Mark , über welche im Süden das Haupt des hohen Glärnisch malerisch herüberschaut, und geniefst nach allen Seiten der prächtigsten Aussichten. An den Genufs der schönen Natur knüpft sich hier noch ein für Geist und Herz viel höherer, edlerer und würdigerer Antheil. In dem Erdschofse dieser Insel ruhet die Asche eines tugendhaften Mannes , eines grofsen deutschen Helden. Der fränkische Ritter Ulrich ■von Hutten , seltner Liebling der Musen, thatenvoller Geist voll Löwen- Huttens - Grab. 204 rjjuth und Kraft, voll Hafs und Feuereifer gegen alle Diener der Finsternifs , jeder Tyranney , jedes Betrugs und jeder Gleifsnerey, unermüdeter Kämpfer für Wahrheit, Recht und Vaterland, mit heldenmüthiger. Aufopferung seiner selbst und Verachtung äusserer Ehre und Güter, aller Verfolgung, alles Elends und selbst des Todes ; wichtigster Vorarbeiter zur grofsen Bege- Lenheit, welche den Geist der Menschheit von den schändlichsten Fesseln befreyte, und feuriger Verfechter der religiösen und politischen Frcyheit, der Ehre, Aufklärung und Glückseligkeit der deutschen Nation — dieser aufserordentliche Mann fand, nachdem sein letz- « ter Beschützer Franz -von Sickingen gefallen war, im deutschen Vaterlande keinen Ort, wo er sicher sein Haupt hinlegen konnte, und mufste nach der Schwcitz fliehen. Von Basel, Mühlhausen und Zürich vertrieben, bereitete ihm der edle Zryingli bey dem Pfarrer Hans Schnepp auf der Insel Ufnau einen Zufluchtsort, Wartung und Pflege für seinen kränklichen Körper, Vierzehn Tage nach seiner Ankunft, den 30, August 1523. unterlag der Held im 3C. Jahr seines Lebens, und der glühende Sprecher für Wahrheit und Vaterland sank als Vertriebner in ein unbekanntes Grab. Nichts als eine Schreibfeder, einige Briefe und die Ausgabe seiner kleinen Schriften mjt vielen schön ge- schriehnen Verbesserungen von Huttens eigner Hand versehen, fand man bey ihm; dieser einzige littera- risch so merkwürdige Nachlal’s wird in der Stadt-Bibliothek zu Zürich aufhewahrt. Der Ort seines Begrab- Huttens- Grab. H | ■4t «tje. i ott erfeet- sltt, itin- tiiits- 'tr, in r m wein So, tut Wh iqtfth iin« Lä«i 1 Viw-, ites 6* t ** ** y p* ao5 nisses ist ungewifs; man zeigt in der Kapelle einen Leichenstein *), dessen Innschrift aber nicht mehr lesbar ist * unter welchem seine Körperhülle beygesetzt seyn soll. Gleichviel, an welcher Stelle die Asche dieses ehrwürdigen Menschen ruht; genug , dafs wir wissen , sie ruht in dein Schoofse dieser kleinen Insel. Durchdrungen von Bewunderung , Verehrung und tiefster Rührung für diesen grofsen deutschen Mann , denke ich das Gefühl aller Edeln , welchen der Ruhm und die Ehre der deutschen Nation am Herzen liegt, auszusprechen, indem ich der Insel Ufnau den Namen Huttens-Grab beylege, und damit auf immer eine heilige Stätte zur Ergiefsung der innigsten Huldigung bezeichne. Hir edeln Jünglinge und Frauen Deutschlands, wallfahrtet auf euerm Wege in die erhabnen Alpen zu Huttens - Grabe , ehret durch eine dankbare Thräne in stiller Andacht das Andenken eines Mannes, auf welchen die deutsche Nation stolz seyn darf, und kehret mit gestärktem Muth für Wahrheit, Recht und Tugend, mit heiligbelebtem Eifer für des deutschen Vaterlands Wohl und Ruhm in den Schoofs der Eurigen zurück**)! *) Ein fränkischer Edelmann und seine Freunde in der Schweitz liefsen ihm -einen, nicht mehr vorhandnen, Leichenstein mit folgender Innschrift setzen : Hic eques auratus jacet, oratorque disertus, Hultenus vates , carmine et ense potens, Herder und ll iclund waren die ersten, welche das Andenken Huttens erneuerten. Seitdem sind vollständige Lebensbeschreibungen dieses aufserordentlichen Mannes von Moser , Küitner , Schulart j Meiners „ Vh' ivgenseil Jacobs - Thai.. 206 I. « Jacobs-Thal ( falle di St. Giacomo J auf der Südseite des Spliigen , von der Lira durchströmt. Der Pafs über den Splügen geht durch einen Theil dieses Thaies nach Chiavenna hinab. (S. Splügen und Chia- venna ). Jam an (Dn nt de), deutsch der Jommen, im K. Freyburg. Ueber diesen Berg führt ein Weg aus dem südlichsten Ende des K. Freyhurg nach Montreux und Vevay. Von Montreux ersteigt man den Jaman in 5 St. Der Pafs für Pferde ist nicht zu verfehlen; für Fufsgänger aber, welche abkürzenden und angenehmen Pfaden folgen können, ist ein Wegweiser bis 1 1 jß St. oberhalb Montreux nöthig. Der Weg ist zu Pferde oder zu Fufs ohne Gefahr und Beschwerde; auch Frauen haben ihn schon oft gemacht. Die Höhe des Passes auf den Jaman beträgt 545 o F. über den Genfer- See und 4572 F. übers Meer. Herrliche Aussichten. Auf dieser SW. Seite von Montreux hinauf geniefst der Wandrer beständig herrliche Aussichten. Die ausgedehnteste Uebersicht und Heinrich Füfsli in Zürich herausgegeben worden. Einige hier nicht angeführte Umstände über die Vertreibung Huttens von Zürich, sehe man in Ebels SchiU dentng der Gebirgsvölker. III. Th. Bisher ist die von Meinen die vollständigste. Diejenige von Füfsli befindet sich, noch unvollendet, in dem Schweizerischen. Museum , und enthält zugleich sehr kernhaftc deutsche Darstellungen von Iluitens sämtlichen Schriften und Briefwechsel. Jenazer-Bad. 207 aber über den ganzen Genfer- See, den K. Waat , übers Savoyen und Unter - Wallis , über die Neuenburger- und Murten - Seen , eröffnet sich auf dem Gipfel des Jaman, wohin man von- der Hohe des Passes sehr steil 1 St. zu steigen hat. Von der Hohe des Weges hinab nach Montbovon , im K. Freyburg, 2 St. ist der Weg sehr rauh, steinigt und übel, einsam, ohne Aussichten und sehr einförmig, ein kleines an- Znuthiges Thälchen am Longrin - Bach ausgenommen, wo man sich mit köstlichem Wasser oder schlechtem Wein in einem dortigen Wirthshause erfrischen kann. Wer von Montbovon den Jaman besteigt, bereitet sich eine unaussprechliche Ueberraschung ; nur mit dem letzten Schritt auf die Höhe bietet sich plötzlich der Anblick des herrlichsten Landes in blendendem entzückendem Glanze dar. Wenn man vom Jaman hinab, nicht nach Montreux sondern nach t~evay wandern will, so mufs man sich, wenn man an den Bach, Baye de Montreux genannt, kommt, rechts näher an den Cubli-Berg halten, und den Weg nach dem Dorfe Char- mey , dem Schlosse Chatelar und Clärens einschlagen. Der Jaman besteht ganz aus Kalkstein , welcher bräunlichen Feuerstein enthält, wovon man ganze Stücke an der Strafse findet. St. Jean de Maurienne. S. Maurienne. Jenazer-Bad, im Prettigau , K. Graubündten, ist eine kalte schwefelhaltige Quelle, welche in Hautkrankheiten gute Dienste leistet. Das Gebirge daselbst ist mit Quarz gemengter Thonschiefer. «203 Jenis-Berg. Jenis-Berg, Dorf in Graubiindten. Hier e ; ne der sehenswürdigsten Brücken. (S. Alvencti und Davos Iffertf. N. S. Yverdun. IiA»!., \(Rhäl. I/an oder JlonJ im K. Graubünd- ten, am Fufse des Mundaün oder Rarlisberg. im erweiterten Thal die Grube genannt, zwischen dem Vorder- Rhein und Glenner t der von S. her aus dem Lug- netzer - Thale hervorströmt. Winhshaus : Bey Fr. Stut/i oder im Neuen Haus , oder im Lii'iven aufser der Stadti — Ist die erste Stadt am Rhein , und die einzige, welche romanisch spricht. Sie hat zwey Vorstädte : Si Nicolai und Portasura. Die Brücke über den Rhein ist hier schenswerth. Die Bürger sind Protestanten. Am 29. September ist hier ein sehr grofser Viehmarkt. Unter den Weibern von l/anz t so wie in der Nähe desselben, da, wo sieb das Thal verengt, unter den Einwohnern viele Kröpfe, llanz ist Hauptort des Hochgerichts Grub (rhät. la Fopa), welches deswegen so genannt wird, weil die Ortschaften desselben in einer Vertiefung liegen. Mit Thusis und Trons abwechselnd wird hier das Appellätions - Gericht des Grauen-Bundes gehalten. Das Archiv des Grauen- Bundes ist hier. Die Landschaft Grube traten die Grafen von Sax-Misox im J. i 483 - ^ em Bisthum Chur ab, und von diesem kauften sich die Einwohner 1 558 - los. — Bey llanz werden köstliche Forellen von 20-24 Pfund Gewicht gefangen. Wege. Von llanz nach Trons 4 St. durch ein enges Thal. Links sieht man Ober -Sax , dessen Be- Ilanz. v 209 3 Ar. lUf. StJ fr, : mit , laii «ft». fit k iriPit- f mc witit V’ U (ton taits- 0 »&'•* lfl»* / woliner deutsch sprechen, und rechts auf der Höhe 7,7 'alterspurg- (Hauptort ■* eines Hochgerichts)^in einer angenehmen Lage; von hier gehen Wege in den K. Claris. Der kürzeste Weg nach Tröns geht immer in der; Nähe'dej Rheins; längere füllten über TV alterspurg *), Brigels'. und Starts auf den Höhen des linken Rhein - Ufers, und über Eargara , Quart , Belaua und Ränken - Berg auf den flöhen am rechten Rhein- Ufer. yjer das merkwürdige Lugnetzer - Thal sehen will, kann es bis Puzasch durchwandern, und sich von da über die' Diesruter- b'urka ins Sunrriker- Thal wenden , welches nicht. wei^t von Truns sich öffnet ; eine Wanderung von 12-13 Stunden. (S. Lugnetz-Thal J. Von Ilanz! ugeh Reichenau'' (S. diesen Artikel'). Mineralogie, Bey Ruvis, 1 St. ob Ilanz auf der linken Seite des Rheins, -wird auf silberhaltigen Bley- g!anz\s welcher nesterweis in Gneils bricht, gebauet. In einer Urkunde von 1 .,72. ist die Bede von Erzgruben in der Gegend von TValtersburg..;i r Lxs Obersax 1 1 j/ t St. von Ilanz, auf der rechten Rheinseite, sieht man einen alten Schacht, in welchem schönes an Silber reiches KupJer-Ta/tlerz bricht, und viel Berggriin enthalten ist. Sowohl hier als zu Ruvis hat H. Demengha aus Calankerthal diese Erze seit 1806. in Bau genommen. Geognost. Beschaffenheit. Von Ilanz hinab bis Tamins herrscht Thonschiefer. Ueber die Beschaffenheit nach Trons hinauf S. diesen Artikel. *) Die gesunde und vortrefiii he Trinkquelie Keniat» bov // allersburg ist in der ganzen Gegend berühmt. Ul. t i I aio Illiez-Thal. Illiea-Thal, in Unterwallis. S. Lie-Thal, Ilems-Tjial, im K. Bündten. S. Disentis und Trons. Imer-Thai. oder Erguel , io St. lang und 4 St. breit, zieht von W. nach SO. im Jura^ von der Süze durchsironn, welche sich bey Biel in den Bielcr-Se e ergielst, an der Grenze des F’ürstenth. Neuchatel. Geschichte. Dieses Thal erhielt seinen Namen von einem Ritter Imier , der zur Erfüllung eines ge- thanen Gelübdes im VII. Jahrhundert hier eine Einsie- deley baute. Im IX. Jahrhundert schenkte Karl der Grojse dasselbe an die Probstcy Montiert , wodurch es an das ehmalige Bisthum Basel gelangte. Es liegt aber im natürlichen Gebiet der Schweitz, deren Grenze hier die Natur so bestimmt und deutlich an den Felsen des Pierre Pertuis gezogen hat, und wurde deswegen auch als Schrreitzerboden betrachtet , und im Westphälischen Frieden vom deutschen Reiche unabhängig erklärt. Die Einwohner des Imer-Thaies standen in so nahen Beziehungen mit der Schweitz, dafs sie immer unter den Fahnen Biels in den Reihen der Schweitzer auszogen und fochten. Allein im J. 1798. wurde dieses Thal von den Franzosen besetzt, und mit Frankreich einverleibt. (S. Biel). Merkwürdigkeiten. Dieses Thal ist ausserordentlich bevölkert; der Erwerbsfleifs der neuchatelischen Thäler Chaux de fand und Bocle, welche unmittelbar angrenzen, hat sich auch hieher verpilanzt, und gros- «n Wohlstand verbreitet. Das höchst gelegne Dorf I mer-Thal. 211 V ; \ ^ iw. »••Sei Sin« «je. ata Ivit »W £i 1« Grei# t fil- an- l im »nab- ^$8»* riO, to i^ te »!■<* l/ J Renan , in gleicher Höhe wie Chaux de fond, gehörte zu den gröfsten und schönsten Dörfern der Schweitz. Auch wird viel Viehzucht und Alpenwirthschaft getrieben. Die Einwohner sind reformirt und sprechen französisch. Der C/iasseral und Tessen- Berg schliefsen das Thal südwärts; über den erstem führen Wege in das Riitz - Thal von Neuchatel. (Die Merkwürdigkeiten des Chasseral s. man unter diesem Artikel). Auf dem Tessen - Berg wächst ausschliefsend Coriandrum sativum. — Ueber die überraschenden Aussichten und schönen Wasserfälle von Sonzeboz bis Biel i J s St. am SO. Ende, s. man Biet. Pierre pertuis. Von Sonzeboz nordwärts führt in 1 j 2 St. die Landstrafse an die merkwürdige Felsenöffnung, Pierre port oder Pierre pertuis genannt. Die Oeffnung ist 40-50 F. hoch, und die durchbrochne Felswand 10-15 F. dick, am Fufs des Felsen Vion. gelegen. Auf der Nordseite grade über der Oeffnung lieset man noch etwas von der römischen Innschrift; Numini Aug : : .- • : Um (:J : : : : ; ; VIA : CTAPERT. : : DU : : UM PATER : II. nii : : COL HELV. .■*■). *) Eine der bessern Lesarten ist folgende . Eurnini yjugus torum - via facta per Tiium Dunnium Faternum 11 % yirum CWcn, Helvut , 212 Imek-Tuai;. Die Inschrift liat keine schöne römische Buchstaben. In der ersten Linie sind sie heynahe um die Hälfte gröfser als in der letzten. D^e linke Seite ist mehr ausgelöscht als die rechte , indem diese durch einen kleinen Felsvorsprung gegen die von der Höhe herab- fliefsenden Gewässer schützt. Oh man gleich allgemein glaubt, dals die Römer diesen Felsen durchbrochen haben, um die Verbindung zwischen den Helvetiern und Raurachern zu erleichtern, so scheint diefs'doch sehr zweifelhaft, da die I’clsenöffnung unregelmäfsig und offenbar nicht durch Kunst geaibeitet ist. Diese Felsenöffnung scheint schon stattgefunden zu haben, und die Römer leiteten nur einen Weg hinab ins Dachsfelder- Thal durch diese Oeffnung ; auch sagt die Inschrift nichts anderes als via facta , und keinesweges aperta. Von der Fclsenöffuung geht es sehr steil ins Thal von Dachs fehlen (Tavannes) abwärts, und ganz am Fufs rechts hinter der Mühle sieht inan die Quelle der lautern Birs. Die Ansicht des Dachsfelder- Thals durch diese Felsenöffnung , wenn man von Sonzeboz sich demselben nähert, versäume man nicht, zu geniefsen. Der Eingang in die Schweitz kann hier vermittelst eines Dieser Titus Dunnius Paternus war Duumvir Colon. Helvet. unter den Kaisern M. Aurelius und L. Verus und wohnte zu Avenche. Andere lesen via facta per M. Durvum statt per Titum. Die Einwohner nennen noch jet^t den Felsen Durvau ,* und Durvus war vom Geschlecht Paternus, welches schon auf zwey andern Inschriften, auf einer zu f'illars le Moine bey Avenche und auf einer zu Solothurn verewigt ist. V t«. "Hl •'ieni. ii®ia seq in_ ierutti Wut ui« a. jä Faja* , m ; i iifiliii- tal/it iptrli, I m tld* Itt i» fokb ; ( ki ä' 1 ' itttl** dt L!i ins«, “it® wjO, ItfUi W-' [»!■ ^ *■*' « 4 " JORAT, 217 Lausanne senkt er sich so stell in den Genfer- See, dafs der Weg eingehauen werden tnufste; und in der Gegend von Vevay liegen kleine Thiiler in demselben- Die Landstrafsc von Lausanne nach Mourlon und Bern führt über den Jorat, in einer Höhe von 1698 F. (bey der Hütte Gobert ) über den Genfer- See. Doch ist diefs nicht die absolute Höhe dieses Berges, der sich noch mehr gegen dem Molesson zu erhebt. Der Jorat ist merkwürdig: 1) W^eil derselbe den Rhone - Ressel nach NO. so wie der Berg Sion in SW. schliefst. 2) Weil alle Gewässer der Nordseite des Jorats, durch die Broye, Jar und Rhein , dem Ocean, so wie von dessen Südseite in den Genfer -See, und durch die Rhone dem Mittelländischen Mecte zufliefsen. 3) Weil der ganze Jorat aus Sandstein besteht, hin und wieder mit Nagelflue bedeckt (wie zwischen Vevay und Cully ), und auf der Oberfläche mit einer Menge Granit und Gneifstrümmer überstreuet ist, wovon man in dem Innern des Sandsteins kein einziges Bruchstück antrifft. (S. hierüber Genf). Alle Steinbrüche des schönen blauen Sandsteins, welcher Pierre de Lausanne heifst, liegen oberhalb Lausanne in dem Jorat. Dieser Sandstein wechselt mit Schichten von Tbonmergcl. Bisweilen findet man Versteinerungen, hauptsächlich Hayfisch- zähne, aber sehr selten Knochen darin. H. Professor Struve besafs einen in diesem Sandstein gefundnen Knochen, der jetzt in den Händen der Mademoiselle Roei in Lausanne seyn soll. Hin und wieder trifft man in den Spalten des Sandsteins Spuren von Stein- 313 Joux-Thal. kohlen , und bey Paudex , zwischen Lausanne und Luttry , an der Westseite des Bachs Paudeze, ein Steinkohlenflötz in drey Schichten von 7 — 10 Zoll Mächtigkeit, zwischen Sandstein und Stinkstein gelegen, an. Zwischen den Steinkohlen und dessen Dach liegen kleine zersetzte Flufsmuscheln *). Die Schichten der Steinkohlen senken unter einem Winkel von 15 0 nach S. während dafs die Sandstein - Schichten unter einem Winkel von io° sich nach S. neigen. Der Nagelflue, welcher den Jorat hin und wieder bedeckt, wie z. B. zwischen Cu/ly und Vevay, wo man ihn längs der Strafse sieht, liegt auf einer Schicht verhärteten Mergels, welcher, vom Wasser aufgelöst, den Sturz von grofsen Theilen dieser Nagelflue verursacht. Hin und wieder wechselt der Nagelflue mit Schichten von sandigem Thon. Die meisten gerollten Steine sind Kalksteine, Kiesel und Sandsteine. Oberhalb Vevay , wo der Jorat den Namen Chardonne trägt, trifft man in den Spalten und Zwischenräumen des Nagelflue Kalk- «patli-Adern an. (S. Lausanne und Vevay). Joux-Thal (Val de Joux) , im K. Waat, auf dem Jura gelegen, 6 St. lang, wovon nur die Hälfte auf Schweitzerboden, die andere in Frankreich liegt, zieht von W. nach O. Dasselbe ist von allen Seiten geschlossen, ohne Eingang, und, obgleich reich an Seen und Bächen, doch ohne Stromabilufs. Es liegen hier im Jura mehrere Thäler unter einander. Der oberste *) Etwas Achnlichcs zeigt sich bey den Steinkohlenflötzen in dem Sandstein - Gebilde des Ii. Zürichs. S. Alhis. Jotjx-Thal 2i 9 Theil des Joux - Thals in Frankreich, wo der See des Rousses liegt, heifst Val de Rousses; der untere Theil^ tiefer nordöstlich, das OrA«-Thal, und östlich das Thal Vanlion , welches den obern Theil des Thals von Ro- mainmortier ausmacht.— Die Wege nach dem Jom- Thale s. man unter den Art. l.ausnnne , Y-verdun , Orbe und Rolle. Wirtlishaus. Die Reisenden finden gute Wirths- häuser in Brassu , Chenit , Lien , Pont und Abba je ; gewöhnlich kehrt mau in Pont zwischen dem Joux - und Brenel-See ein. Geschichte. Der Name Joux zeigt die Höhe des Orts an, und stammt wohl von dem lateinischen Ju- gum montium. Pontius errichtete im V. Jahrhundert am Joux-See da, wo noch jetzt le Lieu (Locus Domini pontis ) ist, eine Einsiedeley, und an diesem Ort stiftete Ebal von Lasarra im J. ii 86. ein Kloster. Auch sollen die Einsiedler Romanus und Lupicinius (s. Romain Motiers J im V. Jahrhundert anf der Stelle, wo jetzt das Dorf Abbaye liegt, das Kloster St. Claude gestiftet haben, welches 155G. von Bern aufgehoben wurde. Merkwürdigkeiten. Bey dem Hause la Cure ist die Grenze der Schweitz, und die erste Douane, Zollstätte Frankreichs; nahe dabey führt die Strafse steil nach Nyon hinab. Der See des Rousses ist y* St. lang ; die Kirche dieses Dorfs liegt im Juragebirge wohl am höchsten, und steht auf dem Kamm des Gebirges so, dafs die westliche Dach-Traufe ihr Regenwasser 220 Joux -T ha L. in die Bienne , durch diese in den Ain, die Rhone und ins Mittelländische Meer, und die östliche Dach-Traufe ihr Regenwasser durch den See des Kousscs, und die Orbe nach detn Neuchaleler — See, aus diesem durcli die Thiele nach dem Bielerste , und aus diesem durch die Aare und den Rhein der Nordsee sendet. Uin die Thalebne von les Rousses bilden die höchsten Kuppen des ganzen Jura - Gebirges einen Kranz, unter denen sich der Noirmont, die Dole , Mont Tendre auszeichnen, welche 3 Monate lang ohne Schnee sind. Nördlich von les Rousses liegt Bois d’Amont, durch seine Schachtelfabrik— und nordwestlich 2 St. abwärts im Thal Grand, wo die Eiennc Riefst, sind die Dörfer Bellefontaine, Foncine , Morbicr, durch Uhren - 1 und Bratenwender - Fabriken — merkwürdig. Das hohe Jouxthal , wo keine Obstbäume mehr fortkommen, liegt 1902 F. über den Genfer - See oder 3034 F. übers Meer , ist sehr bevölkert und bietet eine sanfte und lachende Natur dar, welche sich in den Ter - Joux- und Brencl-Seen spiegelt. Der Ter- See (lacus ter- tius J ist der kleinste , aber sehr tief. Der Joux - See hat 2 St. Länge und y* St. Breite. Der Brencl- See hat 1 St. im Umfange. Die Orbe , welche in dem Val des Rousses entspringt, fällt in den Joux -See, und dieser ergiefst sich in den Brencl -See, welcher keinen Bach ausschickt. Bey dem Dorfe Abbaye , y» St. von Tont , am östlichen Ufer, ist der See 80 F. tief. Alle drey Seen sind fischreich , und ernähren sehr grofse Hechte. Sonderbarer Ab Hufs der Seen. Zwischen Pont nnd les Charhonnieres sieht man am Ufer des Brenel- Sees viereckige Löcher, welche die Einwohner Entonnoirs (Trichter) ueTinen , und die für sie von höchster Wichtigkeit sind. Nach N. nnd O. ist das Joux-Thal von Felsen ummauert, so dafs die Seen keinen Abflufs durch einen Each haben können. Glücklicherweise finden die Wasser unterirdische Ausgänge zwischen Kalkstein - Schichten, welche senkrecht stehen. Der gröfste Trichter ist das Werk der Natur, und liegt in NW. am Ufer des Brenel - Sees , ohngefahr in der Hälfte seiner l änge. Da sich das Wasser des Sees mit Heftigkeit in diesen Schlund ergiefst, so hat man dort Sagemühlen gebaut, welche Moulins de Bon port genannt werden, und mit ausserordentlicher Schnelligkeit arbeiten. Nicht zufrieden mit den natürlichen Trichtern, graben die Einwohner noch künstliche an dem Ufer des Brenel - Sees ; cs bedarf dazu werter nichts, als zwischen den senkrechten Kalkstein - Schichten , die sich sehr deutlich zeigen, Löcher von 18-20 Fufs Tiefe und 8-ro F. Breite zu graben, und kleine Kanäle von dem See dahin zu leiten. Man wendet die gröfste Aufmerksamkeit auf diese Abflufstrichter, welche immer gereinigt, und auch ganz erneuert werden. Sehenswert he Quelle der Orbe. Alle Wasser des ganzen Joux-Thaies, welche sich am nördlichen Ufer des Brenel- See zwischen den senkrechten Felsschichten verlieren, sprudeln 680 F. tiefer, mitten aus einer hohen Felswand, als ein 17 F. breiter und 4 F. 222 J O U X - T HA L. dicker Strahl, in höchster Lauterkeit hervor, und bilden die Orte, welche ^dann durchs OrAe-Thal fortströmt. In St. kann man aus dem Joux-Thal zu diesem herrlichen Felsenquell ira Schoofse einer überaus romantischen Natur heiabsteigen; das umständlichere s. man unter Orba - Thal. Schauer volle Höhle. Sehenswerth noch im Joux-Thale, bey der Quelle der Lionne , die Höhle Chaitdiere d'enfer; ein höllischer Anblick, wenn man tief hineingeht. A u fser o rd en t li che Aussichten. Von Pont kann man in i r -2 St. auf den Dent de Vaulion steigen , welcher das Joux - Thal vom Thal Vaulion und Romainmotier trennt, und 5342 F. über den Genfer- See und 4476 F. übers Meer erhaben ist. Die Aussicht von dem Gipfel auf die Alpen vom Titlis bis zu den Felsen im Dauphine , über die KK. Waat , Frey- burg , Neuchatel und über den Jura bis nach Pontar- lier , ist unbeschreiblich. Dieselbe, und noch ausgedehntere , Aussicht auf dem Mont Tendre zwischen dem Vaulion und der Dole, einer der höchsten Kuppen des ganzen Jura , 5 t 7 ° F. übers Meer nach Hrn. Prof. 'Pralles neuesten Messungen. Aus dem Joux- Thale steigt man ganz bequem hinauf. Eben so auf der Dole, auf deren Kuppe man vom Hause la Cure in 2 St. steigt ; von hier mufs man Wegweiser mitnehmen. (S. D6le). Einwohner. Erst im J. 1571. erhielt das Joux- Thal durch die Protestanten, welche dem Morde in Joux-Thal. 223 Frankreich unter Karl IX. entflohen, eine beträchtliche Bevölkerung, Die jetzigen drey grofsen Gemeinden (3959 Menschen} dieses Thaies bestehen nur aus wenigen Geschlechtern, z. B. Rochat , Meilan , Rei- mond , Chaillet u. s, w. Unter diesen Einwohnern herrscht ungemein viel Kunst - und Erweibfleifs. In die Kirche gehen hier alle Männer bewaffnet, nach alter Sitte , wo man gegen Einfälle der Burgunder stets auf der Hut scyn mufste. Der Kirchengesang ist sehr gut in diesem Thal, Wege. Aus dem Joux-Thale nach Romainmotier 1 y 2 St. und ins Orbe - Thal nach Vallorbe 1^2 St. Wege nur für Fufsgänger. Nach Ronsses 4 St. ein Weg für einen Stuhlwagen. — Nach Lausanne und Rolle a. man diese Artikel. P fl a n z en. Seltne Pflanzen: Comarum palustre und Swertia peren- nis in der Nähe des Sees des Ro us ses. Trabis alpina in Menge. Iris sibirica im Jo u x • Thale. Pinus mugho am Joux~ See. Buxbaumia aphylla bey der Quelle Brassu . Geognost. Beschaffenheit. Alle Felsen bestehen aus Kalkstein. Am Vaulion senken die Schichten nach SO., gegenüber an der Nordseite des Thaies senken sie nach NW-, und in der Mitte zwischen beyden stehen die Schichten ganz senkrecht in der Streichung von O. nach W., wie man dies am Brenel - See sehr gut sehen kann. Diese Schichten - Stellung erlaubte allen Wassern dieses hohen und langen Thaies einen leichten unterirdischen Abffufs. Die Seen konnten also 22 ^ I S E L G A U. nicht zu einer solchen Höhe anwachsen, um durch ihren Druck die Felsen zu zerreifsen, und einen TVeg h. r den künftigen Bergstrom zu bahnen ; das Thal blieb also \on allen Seiten durch Felsen festgeschlosscn. Hinter dem Dorfe Charbonnieres Eisenerz in Bohnen. — Auf dem Faulion finden sich Ammonshörner, Chami- ten , Kochliten und andere Versteinerungen. IsEtoAc. S. Aarberg. Isen-Thal, auch /»«-Thal, im K. Uri. Sein Eingang ist an der SW. Seite des Vierwaldstädter - Sees, fast gegenüber von 7 W/.r-Kapell, und zieht südwärts nach dem Engelberger - Thal, von welchem es durch die hohen Felsen Brisen , Gemsespiel und liolh- Stock (der letzte 9546 F. übers Meer nach Ceneral ljj f/er') getrennt ist. Der Gelschenen - Gletscher liegt im Hintergründe dieses bewohnten Alpenthales. In der Alp Nieder- Bauwen sollen viele Höhlen seyn. Ist gar nicht besucht. Iso la. Das erste Dorf im ,/uäoä.s - Thal , auf der Südseite des Splügen , beym Austritt aus dem schrecklichen Kardinell. Hier das befste Wiithsliaus auf dem Wege zwischen dem Dorfe Splügen im Rheinwaldr- Thal bis Chiavenna 8 St. Isola (Bella und Madre). S. Borromäische Inseln, und Langen- See. IsosE - Ttut, auch Agno - Thal genannt, im K. Tessin, ein enges, au Alpen und Kastanien - Wäldern reiches Thal , welches sich, paralell mit dem ' Marobier - Thal, von dem es durch den Iso ne - Berg getrennt ist, nordöstlich nach dem Camogher, dem höchsten Berg in den Landschaften Bcllenz , Lugano und Conto (s. Beilenz ), hinaufzieht. Dasselbe ist vom lsone- Bach durchströmt, und öffnet sich am östlichen Fufse des Mont Cenere. Am Fufs des Camogher liegt die grofse Gemeinde lsone , von der ein Weg über den lsone- Berg in 2-3 St. nach Beilenz führt. Ueber die weite Aussicht auf dem Camogher s. man Bel- lenz. Der lsone - Bach fällt bey Agno in den Laga- ner - See. Julier-Berg, in dfcr nördlichen Felsenkette Engadins nordöstlich vom Septimer , im K. Graubündten. Ein Pafs führt über diesen Felsen von Chur nach Sel- vaplana im Ober - Engadin. Von Chur bis Bivio 11 Sti und von Bivio nach Selvaplana 3 St. (S. Chur und Bivio ). Geschichte des Passes. Wenn Tacitus, Sex- tus Kufus und andere 'römische Schriftsteller von Juli- schen Alpen sprechen, so bezieht sich dies nicht auf den Julierberg , sondern auf die Jütischen Alpen in Krain ( S. Alpen ). Man glaubt, dafs seit dem Kaiser Augustus eine römische Strafse über den Julier gegangen sey , und zwar von Como nach Chiavenna, durchs Bregell - Thal , über den Maloia- Berg, längs dem Silser- See durch Sils, über den Julier nach Bivio, und nun durchs Oberhalbsteiner — Thal weiter. Spuren von Whgengleisen finden sich auf diesem Wege an mehrern Orten , die freylich auch aus spätem Zeiten seyn können. Indessen ist wohl nicht daran zu zwei- 226 Joher - Berg. fein, dafs eine römische Strafse hier gegangen scy • Antonins Itinerarium giebt die Strafse durchs Ober- halbstcin bestimmt au , und in diesem Thal sind auch römische Ahertliümer gefunden worden (s. Conters ), Der Alpenpafs über den Julicr ist der betjuemste unter allen ; er hat weder Abgründe noch Schneestürze , und ist in 5 St. überstiegen, und die Römer waren viele Jahrhunderte Herren von Rhiitien.— Im J. t2t2. gieng Kaiser Friedrich II. über den Julicr nach Italien, wahrend alle andre Alpenpiisse von seinen Nebenbuhlern besetzt waren. Im XIII., XIV. und XV. Jahrhundert gieng die wichtige Handelsstrafse von Venedig durchs Etschthal, Engadin über den Julier nach der Schweitz, Deutschland und Frankreich. Noch im J. T772. wurde der Pafs sehr gebraucht, aber seitdem ist er so in Abnahme gekommen, dafs er im Winter nicht mehr gebahnt wird. Seit r8o6. wollen Sils und Silvaplana in Ober-Engadin den Weg wieder bessern und herstellen. Uraltes Denkmal, Auf der Höhe des Passes stehen zwey Säulen, Julius — Säulen genannt. Den Namen leiten Einige von Julius Caesar, Andere von dem Jul feste der Celten her. Die Säulen sind 4 Fufs hoch, aus dem Granit des Julier-Bergs ganz roh gehauen, ohne Unterlage, Fufs, Aufsatz und Inschrift. Gehörten diese Säulen zu dem Altar eines in diesen Gebirgen wohnenden celtischen Volksstamrnes, bey denen cs Sitte war , der Sonne (Thor) an dem sogenannten Jul -Feste um die Zeit der Winter-Sonnenwende auf hohen Gebirgen einen Eber zu opfern; oder sind es JüLlER- B ER Gi 227 römische Meilensäulen , welche zu denen gehören, die unter Augustus ohne Inschrift gemacht wurden ? — Det Alpenstock senkt sich auf den Julier herab , und bildet hier eine 'so weite Oeffnung, dafs man in der ganzen Schweitz keine Gegend findet, wo so leicht und mit so wenigen Unkosten eine breite fahrbare Landstrafse über die Zentralkette gebahnt werden könnte, wie hier, Merkwürdigkeiten. Zwischen dem Julier und Albula erhebt sich ein sehr hoher Felsen, in Bergün Ci- nuols, in Oberhalbstein Piz oder Vadretg d’Err, und weiter hin Vadretg da Flex genannt, von welchem eiiffe herrliche Aussicht sich darbietet. Man gelangt aus Oberhalbstein durchs Thal Err zu demselben (s. Con- ters 1. Von Seiten Engadins kennt man den Namen Err gar nicht. Zwischen dem .Julier und Albula liegen Gletscher; der innerste stöfst an die Julieralp , liegt ob Picuolg und hat 1 j 2 St. Umfang; man gelangt zu diesem Gletscher aus dem Beverser - Thal von Serra in Gianda in 3 St. Der zweyte Gletscher ist bey Suvretta , und der dritte 1 St. weiter ; alle drey an der rechten Seite des Beverser- Thals ( s. St. Moritz). Auf der linken Seite desselben Thals liegen die Gletscher, welche die Oberhalbsteiner Flix und Err nennen. Geognost. Beschaffenheit. Am Julier geht der Granit in bestimmten Sicnit über, welcher weifsen Feldspath , grauen Quarz und schwarzgrüne Hornblende zu Bestandtheilen hat. An der Nordseite des Julier streicht schöner schwärzlichgrüner Serpentin, welcher über den hohen Felsenkamm , südwärts nach dem Sep- 228 Jungfrau. timer fortsetzt (s. Septimer ). Auf dem Julier Kiesel und Dachschiefer von rother und grüner Farbe. I); e Felsen nordwärts von dem Julier zeigen sehr mannigfaltige Urfelsschichten, welche aber in ihrer Aufeinanderfolge noch nicht gehörig untersucht sind (s. Ober- halbsteiner-Thal , Albuia , Bergiin und 1 ‘insur \ Mineralogie. Nordwärts des Julier, im Thal Err, und südwärts desselben auf einem Maiensäfs zwischen Silvaplana und Campfeer und auf den Moritztr- Alpen , welche durch das Val Suvretta vom Julier getrennt sind, finden sich häufig Spuren von Eisenerz (s. Conters). Es giebt in manchen Schriften einige Anzeigen, als hätten die welfischen Grafen -von. Altorf im X. Jahrhundert an dem Julier Eisenerze ausbeu- ten lassen. Jungfrau*), der schönste, prächtigste, aufser- ordentiiehste, stets mit einem Schneemantel umhüllte, und mit schrecklichen Abgründen und seheufslichen Felswänden umgebene Gebirgsstock in der nördlichen Flötz - Kalksteiukette der Alpen, erhebt sich aus dem Lauterbrunn - Thal im K. Bern zu einer Höhe von 12852 F. übers Meer nach H. Prof. Tralles trigonometrischer Messung. Man sehe den ersten, zweyten und dritten Alpenabrifs des 1 . Theils. H. Bieter zu Bern hat ein kleines aber sehr schönes Blatt verfertigt, auf welchem die Gestalt der Jungfrau mit der gröfsten Genauigkeit dargestellt ist. Man s. auch das trefliche *) ATahrscheinluH vom Celtischen Jun-flau, ein Ort, von dem Wasser herabilleist. 'S Blatt : Die von Bern ans sichtbare Alpenhette von Stader und Bieter. — Ueber die geognostische Merkwürdigkeiten der Jungfrau s. man Laulerbrnnii. Jura*) ( Jurassus J, Jura - und Jurat - Gebirge, welches die Nordwestseite der Schweitz wie ein hoher Wall beschützt , zieht aus Savoyen von dem Vouache in SSW. nach NNO. bis in den K. Schaffhansen in einer Länge von go - ioo Stunden fast paraleil mit den hohen Alpen, und dehnt sich nach NW. in einer Breite von 15-18 St. aus. Sein höchster Rücken liegt den Alpen am nächsten ; närnlieh der Jura erhebt sich aus den Ebnen der Schweitz wie ein steiles Giebeldach bis zur Höhe von 2-3000 F., läuft ohngefähr in dieser Höhe seine ganze Länge als gebogne Wellenlinie durch, über welche sich nur hin und wieder rundliche Kuppen noch 600— 1000 F. höher erheben, und stuft über eine Menge Paralellketten nach Burgund allmälig herab. Die höchsten Theile des Jura liegen übers Meer (nach den neuesten Messungen der HH. Prof. Trolles und Pictet) : nämlich die Dole 5082 F., der Mont Tendre im Jouv-Thale 5170 F. und der Reculel (Spitze des Thoiry ) 5196 Fufs. ( S. Dole , Genf und Joux-Thal). Merkwürdigkeiten. Zur Römerzeit trennte das Juragebirge die Helvetier von den Secjuanern , welche *) Im Ccllisclien Jon-rag (Regierung Gottes oder Jupiters). Strabo nennt ihn Joras ; das Volk im K. TVaat nennt ihn Jurat, wodurch mit einem andern Bergzug, der Jarat heifst, leicht Verwirrung entsteht. Man s, den Art. Jorat. V 230 Jura. einen Theil von (1er Franche Comte und Burgund g e _ wohnten. Der Jura ist dadurch sehr merkwürdig, dafs durch dieses Gebirge die Grenze Frankreichs gegen die Schneitz von der Natur so bestimmt bezeichnet ist. Nur sehr enge, leicht zu schliefsende Engpässe, wie bey dem Fort de l’Ecluse (S. Genf), bey der Klus von Leclees (nicht weit von Orbe auf der Strafse nach Pontarlier ) bey der Cluse von Verrieres im F. Neuchatel, bey Pierre Pertuis im lmer - Thal, bey den K.lusen im Münster - Thal, bey der Klus von Ballstall und Wallenburg gewahren Zugang in die Schweitz. Der Jura verliert alle Frühlinge den Schnee, und trägt keine Gletscher, weil er sich nicht zur Höhe der Schneelinie erhebt; nur in einigen tiefen Grotten, z. B. in den Jura-Höhlen bey St. George hinter Rolle, und zwischen den Travers- und Brevine - Thälern, findet man den ganzen Sommer Eistafeln und Pfeiler ( s. Motiers). Die Weidtriften des Jura sind viel trock- ner als in den hohen Alpen; doch sind sie in einzelnen Gegenden , z. ß. im K. Basel eben so schön, frisch und fruchtbar, wie in den Alpen ; auch findet man dieselben Alpenpflanzen , welche dort bis auf eine Höhe von 5000 F. übers Meer wachsen. Der Jura ist sehr reich an Buchsbäumen, besonders in seinen nordwestlichen Bergketten, und in einigen innern Theilen , wie in der Gegend St. Claude und Champagnole, wo die Bäume 30 Fufs Höhe erlangen. Auf den Juraketten 4 - 5 St. von Polygny breiten sich die Tannenwälder aus, welche von jeher die schönsten Maste für die Kriegsschiffe zu Toulon, die Materialien zu einem grofsen Holzhandel und zu den mannigfaltigsten Ilolzwaaien liefern, -welche die Jura - Bewohner des Winters in so grofser Menge verfertigen. Auch versorgen diese Wälder die grofse Zahl von Eisenschmclzen und Hämmer und die Salzwerke zu Salins, Are und Senans mit Holz und Koli- 7 ✓ len. — Der braune Bär bewohnt noch jetzt den westlichen wildern Theil des Jura , von wo er schon meh- reremal in die T'Vaat hei abgestiegen ist. Auch sind wilde Katzen in den Jura - Wäldern ^einheimisch, deren Fleisch von den Einwohnern gegessen wird. Geognost. Beschaffenheit. Der ganze Jura besteht aus dichtem grauem und braun gelblichem Kalkstein , der immer heller als der Alpen-Kalkstein ist; nur bin und wieder an den äufsern Seiten der Jura-Ketten ist der Kalkstein hochgelb. Die Kalksteinschichten wechseln mit Mergel und Thonlagern. Hin und wieder Gyps, Asphaltlager , vortrefliche Marmorarten, schwefelhaltige und kochsalzhaltende Quellen, von denen die reichsten in dem französischen Jura zu Salins, Courbauson und Mont- morot nahe bey Fons le Saulnier, und bey Groson,. Tormont und St. Lantlieim in der Nähe von Poligny fliefsen. Roggensteinlager sind im Jura sehr häufig. Die Schichtung des Jura-Gebirges ist sehr merkwürdig ; die südliche und nordwestliche Senkung der Schichten , die senkrechte Stellung derselben, ihr gewölbartiges Ueberbeugeu und giebcldachartiges Zusammenstofsen auf den Höhen der Ketten finden darin statt. Die Streichung der Schichten geht von SSW-nach NNO. Das /«ra-Gebirge ist I V R E A. 238 voller Höhlen. Das Kalkstein - Gebilde des Jura zeichnet sich durch Reichthuui und Mannigfaltigkeit der Versteinerungen aus ; denn man findet 40 verschiedene Ammonshörner , 20 andere Meerschnecken , 8 Auster - und so viele andere Seemuschelarten , 40 Arten Korallen-Gewächse u. s. w. Die schönsten und seltensten Versteinerungen finden sich in dem Jura-Departement bey Orgelet ln dem Berge Perouse. Der Reichthum an Eisenerz in den Mergel- und Thonlagern des Juragebirges ist so aufsei ordentlich, dafs der französische Jura für ganz Frankreich genug Eisen liefern könnte. Der Berghau auf Eisenerz in der ehrualigen Franche Comte ist äufserst beträchtlich; auch in dem ehmali- gcn Bisthum Basel siud die Eisenbergwerke bedeutend, hingegen im schweizerischen Jura ist der Bau darauf gering. (S.Arau, Baden , Schaff hausen'). Hin und wieder zeigen sich in den Jura-Thälern Braunkohlen- Lager, welche ihren Ursprung Wäldern verdanken, die durch fürchterliche Erdbeben, denen der Jura in den vergangnen Jahrhunderten sehr unterworfen war, verschüttet wurden. Sehr merkwürdig sind noch die zahllosen Granit- und Gneifs - Blöcke, welche längs der ganzen Ostseite des Jura hin und wieder sogar bis zur Höhe von 2400 Fufs zerstreut liegen, (S. das Umständlichere in Ebel , über den Bau der Erde , 1808. Zürich, im II. Th. S. 90 - 147 ). Ivrea, Stadt am südlichen Fufs der Pcnninischen Alpen, nicht weit von der Oeffnung des Dora- oder Aostathals (S. Aosta ), Hauptstadt der Salassier zur Zeit der Römer. Unter dem Consul Marius wurde sie zur Colonia romana (früher als Turin) erklärt, und Ipporedia genannt. Unter Karl dem Grofsen war es der Sitz eines Markgrafen zur Hütung der Grenze. Einige der Marchesen von Yvrea bestiegen den von den X Lombarden gegründeten Thron, und nannten sich Könige von Italien. Die Nachkommen dieser Könige, deren Ende nicht glücklich war, tlieilten sich in das Gebiet von Yvrea, welches vom VIII. Jahrhundert an das Land von Canavese (Canapicium, weil hier viel Hanf gebaut wurde ) hiefs. Seit 1802. ist Yvrea Hauptstadt des Departements der Dora. Mineralogie. Drey Stunden von Yvrea streiche bey Baudissero ein unerschöpfliches Lager von Schwefelkies , trefliche Eisenerze und Porzellanerde , welches eigentlich verwitterter Cacliolong ist. K. Kaisbbstuhl, ein Städtchen am Rhein zwischen Eglisau und Zurzach. Man halt es für das Forum Tiberii; andere aber setzen dies letztre nach Zurzach. (S. diesen Art. ). Kaisers tuhl, im K. Unterwalden, am Wege zwischen Sarnen und dem Brünig. Wirthshaus: Linde. Kaeveiser-Thal, in der Landschaft Sarga/is, K. St. Gallen, ein hohes, äufserst wildes und unbewohntes Alpenthal, in welchem die Tamin unter dem Sardona - Gletscher ihren Ursprung hat. (S. Pfeffersy. 234 K A N D E R S T Ä G. Kanderstag, das einzige Dorf im /vander-Thal (K. Bern J, welches vom nördlichen I'ufse des Cemmi 3 Stunden lang nordwestlich nach Frutingen und dem Niesen hcrabsenkt. — Ein gutes YVirthshaus hier. — Eine Viertelstunde vom Dorf beginnt der Pafs über den Cemmi, (Man s. alle Merkwürdigkeiten desselben unter Gemmi Herrliche grofse Natur in dem Oeschen— und Gaster-Thal. Nordöstlich, i J \ 2 St. von Kan- derstäg, liegt das ausserst malerische, aber unbewohnte Oeschenen - Thal (auch Gesehen - Thal genannt); der Fulspfad dahin führt durch einen engen Schlund längs dem Oeschen - Bach, welcher nach Kanderstäg berab- fliefst, und neben Wasserfällen vorbey. Das kleine Thal ist rund ~~ umher von schrecklichen Felsen mit Gletschern belastet umgeben, die sich in einem See in der Mitte des Thals spiegeln, dessen Ufer von frischem Wiesengrün und Gebüsch belebt sind. Nach Osten das Dohlen - Horn 11,287 Fufs und die Blümlis - Alp 11,393 F* übers Meer; nach Norden das Biren- und Crvynde -\lorn. Hier im Schoofs dieser hehren Natur, abgeschieden von der übrigen Welt, herrscht die tiefste Stille, die nur von der Musik der Wasserfälle unterbrochen wird. Keinen Menschenlaut vernimmt der Naturpilger da; aber die Stimme der Felsen antwortet ihm desto gewaltiger in diesem erhabnen Tempel. Im J. 1742. gieüg der II. de Boltens (Pfarrer zu Lausanne ) aus diesem Thal in Einem Tage über die Felsen nach Lauterbrunn. Seit dieser Zeit sollen sich die ✓ Gletscher so sehr vergröfsert haben, dafs nur selten ein Gemsjäger die gleiche Reise wagt. — Auf dem Wege von Kanderstäg nach dem Fufs des Cernmi sieht man links siidostwärts einen schwarzen engen Schlund, durch welchen die Kontier herabströmt; diefs ist der Eingang ins Gast er - Thal, eins der abgeschiedensten und wildesten aber doch bewohnten Bergthäler, in welches der prächtige Kander- Gletscher (ein Arm des grofsen Tschingel- Gletschers) herabsteigt. Von Kan- derstäg bis zu diesem Gletscher 4 St. Er liegt zwischen der Bliimlis- Alp und dem Tschingel , und steigt zwischen dem Dolden - und Zack-Horn äufserst malerisch ius Thal. Die Kander entspringt unter diesem Gletscher. Nach S. erhebt sich der Lötsch- Berg, über welchen ein Wegl ins Lötsch - Thal in Wallis führt, und die Alt-Ets (11,432 F. übers Meer}. Vor 20 Jahren sind Schweitzer von dem Fufs des Kander - Gletschers in 9 Stunden bis zur ersten Hütte in Lauterbrunn , äusserst mühsam und gefährlich über Gletscher und Felsen gegangen. Zu dieser gewagten Reise sind sichre Wegweiser, heitres Wetter, Gewohnheit im Felsen- und Gletschersteigen, und Muth, nothwendig. — Von Kanderstäg nach Frutingen 3 St. auf einer Strafse, die mit Wagen befahren werden kann, und von da nach Thun 5 St. Auf dem Wege nach Frutingen zeigen sich rechts auf einem Felsen Reste eines alten Schlosses, und in der Thalebne mehrere kleine kegelförmige Hügel, welche derselben Ursache, wie die Hügel neben der Rhone , zwischen Sitten und Sidcrs in / 23S Kamor. Wallis, ihren Ursprung verdanken. Ehe man an das Schlofs Tellenburg , dicht vor Frutingen kömmt, öffnet sich nach N. eine Durchsicht auf zwey hohe Felsen, ■welche jenseits dem Thuner- See liegen, und deswegen einen auffallenden Anblick gewähren:, weil sie dicht neben einander, nur durch das enge Ueschis- Thal getrennt , paralell in gleicher Form herahsenken ; diefs sind der AaZ/ig’-Stock, und die Wand,- Flue, an deren Fufs der Beaten- Berg liegt. Von Frutingen an nennt sich das Kander - Thal Frutinger - Thal. (S. Frutingen. Pflanzen. In dem Eingänge oder der Klus nach dem Gasten)- Tliale wächst ausschliefsend hier Arenaria austriaca; doch hat man Sie seit dem grofsen Haller auch in den Alpen von Bes gefunden. Auf der Kanderitiatt die seltne Pflanze Inula montana. G eo gn o s t is ch e Beschaffenheit. Alle Felsen bestehen aus Kalkstein, In den Gaster- und Oesche- nere-Thälern verdienen die Fiifse der Ungeheuern auf, gerifsnen Felsen genau untersucht zu werden. In der Nähe von Kanderstäg finden sich viele und reiche Schwefelkiese. Kamor. S. Appenzell. Kappel. S. Cappel. Kavrein-Thal, im K. Bündten. S. Sonvik. Kersteln-Thal, eigentlich Kaerschele - Thal , Kiirste/n-Thal , S, Am Stag. Kien -Thal, öffnet sich bey Kien , 1 St. von Frutingen , und zieht 5-4 St. zwischen dem Kander - Thal und Laut er britnn -Thal aufwärts nach der Blilm- /ir-Alp (auch Frau genannt»), Bütlosa und Gespalten- Horn. Der Gntnrc/tt-Gletscher, den man von Bern aus sieht, steigt von der Blümlis-k\\> hinab in dieses Thal, welches reich an fetten Alpen ist. Von Müllinen und Frutingen können die Reisenden, welche nicht Gebirge zu erklimmen wagen, sehr bequem auf die Alpen dieses Thaies gelangen, und die Sennwirtlischaft beobachten. Klön-Th al. S. Glarus. Kloster, in Prettigau , K. Bündten, Hauptort eines Hochgerichts. Das hiesige/ Kloster St. Jacob wufde 1526. aufgehoben. Die Strafsen aus dem Prettigau nach Davos und ins Engadin gehen durch Kloster. Wege. Von Kloster nach Mambiel St.; dieses Dörfchen wurde im XVIII. Jahrhundert durch einen Felsensturz meistentlieils zerstört. Von Mambiel zur Alp Parten ^ St. Hier theilt sich das Thal; links nordöstlich gehts ins Thal Sardasca, rechts gegen S. ins Thal Ferraina. Zuerst J jo St. bis an den Fufs der Stütz und aufwärts nach Davos 1 St, Wäll man ins Engadin , so geht es von der Stütz einen .Wald steil aufwärts , und dann nach SO. noch 1 St. ins Ferrainathal. Dieses Thal spaltet sich hier gegen O. ins Thal Fernela. und gegen S. ins Thal Fremd - Ferraina , welches aus den Nebenthälern Eisenthal , Jörithal und Süserthal besteht. Der Weg ins Engadin geht durchs kleine Süserthal auf die Jochhöhe 1 St., hinab nach Süjs 3 St. 238 Knut yvylkr - Bad. !■' v:"V- K N o n A u, im K. Zürich , auf der SW. Seite des Albis , an der Landstrafse nach Luzern 5-6 St. — Nicht fern yon dieser Strafse in der Nähe von Masck- sranden auf dem Hügel Gestade stehen noch Reste der Burg Maschwanden; und gegenüber auf der andern Seite der Reufs die Reste der Burg Reufs - Egg, einst den Edcln -von Eschenbach gehörig. Alle Einwohner dieser Schlösser, nur ein kleiner Knabe ausgenommen, der verschont blieb, wurden der Wuth der Königin Agnes im J. 1508. geopfert, und die Burgen selbst zerrtört. ( S. Hallvryl und Königsfelden und Albis j. Römische Alterthümer, Westwärts 1 St. von Knonau, zu Lannern , wurden im J. Z741. römische Alterthümer entdeckt; wie z. B. Reste eines^ Tempels, Bäder, Begräbnisse , die W erkstädte eines Töpfers , welcher den vortrefiiclien Thon dieser Gegend benutzt hatte. Der Tempel stand auf einem Hügel und war der Isis geweihet; noch jetzt wird dieser Hügel Isen- Berg genannt , und die Einwohner sprechen von der Heiden - Kirche auf dem Isen - Berge. S. Salzer und Breitingers Beschreibung einer unbekannten Stadt. 4. Zürich 1741. Knutwyler-Bad. S. Sarsee. K o b e l w r e s , im K. St. Gallen, zwischen dem südöstlichen Fufse des Kamor und niedrigen Kalksteinhügeln, an der Landstrafse des Rheinthals nach Vl r er- denberg und Sargans. lEirthshaas: Bey dem Eigentümer des Bades. v r i'^5 Kobelvtif. s. \ 259 Ilühlen und Bad er. Von Kobehries 10 Minuten bis am Kienberg , dein Fufs des Ivainor, aufwärts St., abwärts 80 Schritt zwischen Waidbäuinen zu dem , gelben Thonüberzug verborgen sind. Dieser Kalkspath ist tlieils weifs, theils rauchgrau, und glänzt mit schönen reinen Ablösungsflächen seiner grofskörnig abgesonderten Stücke. Wird dieser Kalkspath gebiannt, so zerfällt er in weifses Pulver und giebt den feinsten Gyps für die bildende Kunst. Im J. 1801. lag ein Doppel- spathstück von 6 F. Länge und 5 F. Höhe auf dem Boden der Höhle, weiches man von der Decke abgelöst hatte, weil es herabzufalleu drohte. Aus der zwey- teu Hohle geht es in eine dritte , welche geräumiger seyn soll; aber der Eingang dazu hat sich so verengt, dafs kein Mensch mehr durchkriechen kann. Der Bach, welcher aus djesen Höhlen strömt, versieht 40 Bäder in Kobelwies, welche erwärmt sehr häufig gegen das in den Si mplgegenden des Rheins herrschende kalte Fieber gebraucht werden; das Wasser ist sehr hell, läfst nach einiger Zeit starken Bodensatz fallen, und führt Kalkerde und Schwefelsäure. Wege. Von Kobelwies auf den Camor geht der Eingang der sogenannten Krj stall - Höhlen. Aus der II "* äufsern Höhle geht es durch ein Dachsloch 24 F. lang auf Bauch und Knien, dann bald gebükt bald aufrecht 20 Schritt aufwärts nach der Krystall - Höhte , die «fcti 8-to F. breit und lang und 1G-20 F. hoch ist, und :11tk deren Wände mit demjenigen Kalkspath, der Doppelt - spath genannt wird, bekleidet, und zum Theil in einen 240 Koblenz. Weg über den Kienberg , Strausleberg , den Wänden des Fähnern vorbey, auf den Schwamm , wo die erste Sennhütte steht, 2 St.; von hier bis an den Fufs des Unter - Camor 8 Minuten , und auf den Ober - Camor 1 y»-2 St. (S. Appenzell). Vom Camor nach Appenzell 2-3 St., ( S. diesen Artikel). Die gewöhnliche Strafse von Kobelwies führt nach Haard; von liier links aufwärts über Eggerstanden nach Appenzell 3 St. und grade aus ins herrliche Rheinthal nach Altstädten , Rheinegg u. s. w. Südwärts geht die Landstrafse von Kobelwies nach Kobeln a'd , Oberlieden , durch den liirzensprung , nach lliiti und Sennwald 2 y'.' St. (S. Sennwald). Fuf’sgänger können bis lliiti einen Pfad durch herrliche Ruclienwälder nehmen, wo sich oft malerische Aussichten eröffnen. Von Haard bis Riiti befindet man sich in einer wilden und sehr einge- schlofsnen Gegend. Der Hirzensprung ist ein Pafs zwischen Kalkstein-Hügeln (S . Rheinthal). Die Weiber dieser Gegend, von Haard bis Riiti , tattoviren sich auf die Haut mancherley Zeichen. S. Ebels Schilderung der (Jebirgsvölker. II. Th. S. 98. ' Koblenz (Conjluentia) , im K. Aargau. Hier er- giel'st sich die Aare in den Rhein. (S. Bruck'). Römische Alterthümer. Hier liefs Tiberius das Forum Tiberii anlcgen, welches bald bedeutend, und von dieser Seite als das äufserstc Festungswerk von dem grofscu Vindonissa angesehn wurde. Man sieht noch Ruinen, und vielerley römische Münzen sind hier gefunden woidcn. Aus einem Theil der Trümmer von KöfllGSFELDEN. A •4b, % i Idtn ä» ria iji. i tJC l li3 1 lil !'■ Ms W- «ii Siü“ %' <1, u V & ifjti' n t* ; ** / i.\l Conßuentia erbaute ein römischer Beamter Certiacum (das heutige Zurzath }. Nicht weit von diesem Ort liegt Kaiserstuhl , welches unter den Namen Praetorium und So/iitm Caesaris voikömrnt. Einige setzen das Forum Tiberii nach dem letztem Ort. Geognost. Merkwürdigkeiten. Die Aare fliefst hier durch ein Kalksteinbett voll- versteinerter Seemuscheln, und der Rhein in einem Nagelfluebette. Schräg gegenüber liegt Fl a/ds/mt , unter welchem das Eisenwerk Altbruck , dem das Eisenerz von Aarau zugeführt wird. (S. Aarau'). Bey IValdshut kommt der Gneifs unter dem Kalkstein wieder zu Tage, und geht bis Laufenburg. (S. diesen Art.} Königsfelden, im K. Aargan, an der Land- strafse zwischen Windisch und Brugg. Geschichte. Kaiser Albrecht J. wurde hier den i. May r3og. von seinem Vetter Herzog Johann von Schwaben, l'J alter von Eschenbach , Rudolph von Balm , von TVart, von Tägerfcldeu , und Finstinger, welche den Kaiser, der seiner Gemahlin entgegen ritt, von Baden aus begleiteten, aus Rache ermordet, weil Albrecht dem erst genannten Herzog Johann (dem einzigen Sohne seines Bruders Rudolph) den Besitz seines väterlichen Herzogthums vorenthielt. Nach dem Morde schwang sich Johann auf Albrechts Pferd, und jeder rannte einen andern Weg; nur Eschenbach und JVart flohen nach Falkenstein in dem Balls- Thal zu ihrem Oheim. Von den 6 Verschwornen blieb nur JVart ruhiger Zuschauer, büfste aber für alle. Er in. 16 Königsfel den. 242 wurde zu Avignon von seinem Vetter für eine Geldsumme verratlien, und in der Schweitz lebendig aufs Rad geflochten, auf welchem er noch 3 ganze Tage lebte *). Herzog Johann entkam als Bettler verkleidet nach Pisa und starb dort in einem Kloster, oder, wie Andere meinen, in hohem Alter als ein unbekannter Bruder auf seinem Stammgut Eigen bey Königsfelden. Eschenbach hütete 35 Jahre im Würtenbergisclien Vieh- licerden und gab sich erst auf seinem Todbette zu erkennen ; er war der letzte seines alten Geschlechts. ( S. Albis , Knonau, Zürich). Was aus Tägerfelden und Balm geworden, hat man nie erfahren. Nachdem die Kaiserinn Elisabeth und ihre Tochter Agnes einige hundert adeliche Familien in der Schweitz (mehr als 1000 unschuldige Männer, Weiber und Kinder) durch Henkers Hand hatten liinrichten lassen (S. Hallyryl , Knonau) , so stifteten sie aus den Gütern so vieler Unglücklichen im J. 1310. an diesem Ort ein Klarissen- Nonncn - und Minoriten - Mannskloster. Die Kirche wurde über dem mit Blut befleckten Platz, und der Altar über der Stelle aufgerichtet, wo der Kaiser sein Sobald die Nacht einhracii, kam seine junge und schone Gemahlin, aus dem Hause Halm, unter das Rad, stand ihm mit aller möglichen Hülfe bey, betete mit ihm, Und milderte, so viel sie konnte, die ungeheuren Mar» tern des Unglücklichen. Vergebens beschwor er sie, sich zu entfernen , weil er durch den Anblick ihres Jammers doppelt leide. Sie aber vcrlicfs ihn nicht eher, als bis sie ihm nach der langen schrecklichen Pein di« Augen geschlossen hatte. Von dem Richtplatze begab »ic steh nach Basel, wo sie „geliebt und bewundert von Königsfelde n. 245 Leben verloren haue * *). Die Königinn Agnes legte selbst das Nonuenkleid an, und lebte mehr als 50 Jahre hier. Viele Glieder des Kaiserlichen Hauses, unter andern auch der in Sempachs Schlacht r3SÖ. ersehlagne Herzog Leopold , lagen in dein Kloster begraben. Alle Särge dieser fürstlichen Personen wurden in dein Jahr 1770. unter der Regierung der Kaiseiinn Maria Theresia nach der Abtey St. Blasien , im Schwarzwald, abgeführt. Dieses ausserordentlich reiche Kloster von Kdnigsfelden wurde zur Zeit der Reformation im J. 1524. unter der Aebtissin Catharina ■von li'aidburg , welche sich nebst mehrern Nonnen verheyrathete, sekularisirt, und in ein öffentliches Staatsgut des K. Bern verwandelt ; die Amtmannstelle von Königsfeldcn war eine der gewinnreichsten des ganzen K. Bern. Noch jetzt sieht man dort die Kapelle des Klosters, und die Zelle der Königin Agnes , in dein elunaligen Zustande, und sehr viele schön gemalte Fensterscheiben mit geschichtlichen Vorstellungen sind als Denkmäler der Rache und Trauer der beyden Königinnen merkwürdig genug, um sie zu betrachten. aller Ehrbarkeit ”, wie sich ein altes Geschichtsbuch aus- driiekt, in der Blüthc ihrer Jahre dahin welkte, und nach ihrem Tode das Andenken einer Heiligen hinterliefs. *) Albrechts Leichnam wurde in die D-'hmkircbc zu Speier heygesetzt. AU die Franzosen unter Louis XIV. die Pfalz verheerten, erbrachen sie die Gräber der Kaiser zu Speier und zerstreuten ihre Gebeine. Bcyni Wiederbegraben erkannte' mau Albrechts Schädel an dem gräfsli- cheii Hieb, den ihm Eschenlachs Schwerdt versetzt haue. Kohstami. a 44 Konstanz, 1089 F. übers Meer, an dem Boden- See, vom Rhein duichströmt. Wirthshäuser: Coldne Adler und Lamm, Geschichte. Unter der Regierung des Augustus erbauten hier die Römer Valeria , und legten mehrere Waffenplätze längs dem Boden -See, und selbst auf ' der Insel Lindau au. Die Allemannischcn Völker zerstörten alle diese Burgen. Der Kaiser Constantius Chlorus setzte der Germanischen Macht Grenzen, bezwang diese Völker im J. 297. dicht bey Valeria in einer blutigen Schlacht, und baute sogleich diese Stadt unter dem Namen Constantia wieder auf. Ihre Lage am Rhein, zwischen dem Boden- und Zeller- See, ist über alles günstig. Konstanz nahm sich erst etwas auf, seitdem unter Dagobert I. im J. 630. das Bisthun) Windisch hieher verlegt wurde. Im Mittelalter war sie freye Reichsstadt, zu Anfänge des XV. Jahrhunderts in vollster Blüthe, zählte 56,000 Einwohner, hatte bedeutende Leinewand-Fabriken und Handel. Die erhöhten Preise aller Lebensmittel während der Sitzung des Conciliums von 1414-1418- zwang die betriebsamsten Einwohner zur Auswanderung (S. St. Gallen), Im J. 1510. wünschte Konstanz, in den Bund der Eidgentassenschaft aufgenommen zu werden; aber da nicht lauge voiher die Städte Basel und Schaf hausen den Zutritt erhalten hatten, so fürchteten die demokratischen Kantone ein Uebergewicht der Städte und vereitelten Konstanz Gesuch. Inzwischen trat diese Stadt zur Behauptung der Reformation mit Zürich und Bern in Konstanz. 245 Burgrecht, Welches aber durch den unglücklichen Ausgang des Bürgerkrieges vom J. tS.j'- (S. Kappel } wieder vernichtet wurde, und verlohr nun im J., 15<8. nach def Zerstöhrung des Schmalkaldischen Bundes ihre Freyheit, mufste sich dem Scepter Oesterreichs unterwerfen und die papistische Lehre wieder aunehmen. Seit dieser Zeit liegt die Stadt in einem solchen Verfall, dafs sie nur 2000 Einwohner zählt. Genf ersehe Ausgewanderte gaben ihr zwischen 1784- und 17f?tz. eine vorübergehende Blütlie, die aber nach derselben Bück- kehr in ihr altes Vaterland sofort wieder verwelkte. Seit t 8 ° 5 - wurde Konstanz durch den Prefsburger- Frieden zwischen Frankreich und Oesterreich dem Ge- bieth des Markgrafen von Baden zugetheilt. K onstanzer-Concilium. Nachdem seit 1378. in der römischen Kirche ein Schisma, anfänglich zwey und dann drey Gegenpabste zu gleicher Zeit, und daraus in allen Ländern seit 30 Jahren die äufsersten Verwirrungen entstanden waren, in Deutschland und Frankreich viele gelehrte Männer ihre Stimme laut gegen dieses Unwesen erhoben hatten und von allen Seiten eine Kirchen - Verbesserung verlangt wurde, so berief König Sigmund die Kirchen-Versammlung nach Konstanz im J. 1414. nachdem er vorher zu Cotno und Lodi mit den Abgeordneten der Päbste darüber Verabredung getroffen hatte und über den grofsen Bernhard durch die Schweitzer-Städte Freybarg , Bern , Solothurn. und Basel zurückgekehrt war. Es kamen Abgeordnete aus Italien, Frankreich, Spanien, Deutschland Eng- z/|G Konstanz. land, Schweden, Dännemark, Polen, Ungarn, Böhmen und Konstantinopel von Kaisern , Königen , Frusten Städten , Kirchen und hohen Schulen. Es war die gröfste Kirchen-Versammlung, .welche je gehalten worden ist, über 100,000 Fremde, und in deren Gefolge 30,000 Pferde; aller Prunk und alle Ausschweifungen des damaligen Zeitalters waren hier in diese kleine Stadt vom J. 1414-1418 zusammengedrängt. Der Pabst Johann XXIII. und Herzog Friedrich von Oesterreich entflohen aus Konstanz. Johann wurde gefangen durch den Churfürst Friedrich von Brandenburg zurückgebracht, und seiner päbstlichen Würde entsetzt, worauf der zweyte Pabst Gregor XII. in seinem acht und achzigsten Jahre sein Amt der Kirchen-Versammlung übergab. Der König Sigmund gieng nun nach Spanien zu dem dritten Pabst Benedikt XIII. um dessen Eigensinn in Behauptung seiner Würde zu beugen , und von da nach Paris und London , um beyde Höfe zum Frieden zu bestimmen. Nach iß Monaten Abwesenheit kehrte Sigmund zurück, und nun wurde von 32 Kardinalen und 30 Wahlherren nach einem Konclave von 3 Tagen vor 80,000 Menschen der Graf Otto Co- onna aus Rom zum Pabst unter dem Namen Martin V . ernannt. — Da der Herzog Friedrich von Oesterreich auf die Mahnung des Königs Sigmund nicht zurückkam, so wurde Reichsacht und Bann 1415. gegen ihn ausgesprochen. Sigmund zog ein Heer zusammen, eroberte ganz Thurgau , befahl den Eidgenossen viermal Fehde gegen Oesterreich zu erheben, und die Kirchen- Konstanz. 247 Versammlung drohte mit dein Bann im Fall des Ungehorsams. Nachdem die Eidgenossen deswegen 4 Tagsatzungen gehalten und das Verlangen, des fünfzigjährigen Friedens mit Oesterreich wegen, abgeschlagen hatten, mufsten sie endlich Folge leisten und Krieg gegen den Herzog Friedrich anfangen. Von dieser Zeit an wurde das Gebieth des K. Berns durch rtargan vergröl’sert, und die Grafschatt Baden u. s. w. erobert. In kurzer Zeit war Herzog Friedrich aller seiner Länder beraubt. Freywillig begab er sich nach Konstanz , erschien knieend (im Speisesaal des Baarfüfser - Klosters) vor dem König Sigmund , ergab sich ihm auf Gewalt und Gnade, leistete den Eid des Gehorsams, und erhielt hierauf seine Herrschaften vom Tyrol bis in dem j Elsajs zurück. Sigmund sprach zu den Umstellenden : „Ihr Herren von Italien, ihr wisset, von „welchem Namen und Ansehn die Fürsten von Ocster- „ reich sind. I.crnet, was ein König der Deutschen ver- „mag”. Diese Kirchen - Versammlung zeigte auch der Welt die thörigte und empörende Anmassung , ihre Gewalt über das innerste Eigenthum ihrer Mitmenschen, über ihre Meinungen und Ueberzeugungen, auszudehnen. Sie forderte nämlich die berühmten Lehrer, Johann Hufs und Hieronimus von Prag vor ihre Schranken, verurtheilte sie als Ketzer zum Tode; und diese beyden heldenmüthigen Freunde der Wahrheit wurden, ohngeachtet des vom Kaiser Sigismund ihnen ertheiltea sichern Geleites, lebendig verbrannt. Uebcr den aufser— ordentlich bewundernswürdigen Charakter des llieioni- mus lese man den merkwürdigen Brief Poggio's a „ Leonard von Aretium , iin helvetischen Kalender vom J. ltJoo. S. 21. Man zeigt in Konstanz noch den Saal , i ües Conciliuins; zwey Sessel, worauf der Kaiser und der Pabst safsen; das Haus, wo Hufs in Verhaft genommen wurde, und an welchem sein Kopf io Stein ausgehauen ist; das Gefangnifs in dem Dominikaner- Kloster, worin Hufs lag; in dem Dohm eine steinerne Bildsäule von Hufs , welche die Kanzel trägt, und endlich in dem Boden der Doinnkirche eine Platte von Messing , welche den Ort bezeichnet, wo der edle Märtyrer stand , als die versammelten Priester seine Verurtheilung zum Scheiterhaufen aussprachen. Die Kirchen - Verbesserung selbst, Hauptgegenstand dieser grofsen Versammlung, wurde durch listige Unteihand- lung verschoben, und der Pabst hob am 22. Aprill 1418. das Goncilium auf ( S. Hasel). Ewiger Friede zwischen der Eidgenossenschaft und Oesterreich. Konstanz ist dadurch merkwürdig, dafs hier im Aprill 1474. zwischen den Eidgenossen und Siegmund, Erzherzog von Oesterreich , nach 159 Jahren Feindschaft und Kriege ein ewiger Friede (ewige Richtung) geschlossen und von Eouis XI. König von Frankreich, gewährleistet wurde. Jost von Sillcnen , Probst von Beromünster im Aargau und Bischof zu Crenoble, JVik/as von JJiesbach aus Bern und Louis XI. bewirkten hauptsächlich dieses Flreignifs, dessen unmittelbare Folgen waren: Die Ein- ös.ung der an Karl den Kühnen verpfändeten öster- Konstanz. 2/^9 reichischen Länder im Elsafs , die Enthauptung des burgundischcn Vogts Peter von Halenbach zu Brey - sack , (welcher durch Schweitzer-, Breisgauer-, Sund- gauer und Elsafser-Gesandte als Tyrann und Verbrecher an allein Heiligen des Menschen zum Tode vernrtheilt wnrde), den Bund der Schweitzer mit Louis XI. und, nachdem Karl der Kühne im August desselben Jahres im Sundgau die Feindseligkeiten begonnen hatte, im October die Kriegserklärung der Schweitzer und des Erzherzogs Sigmund an den Herzog von Burgund (S. Granson , Lausanne , Murten"). Merkwürdigkeiten. Aussichten. Prächtige Aussichten auf dem Thurm der Dohmkirche, an dem Hafen, auf dem Damm, auf der Brücke, auf der Insel Meinau i St., auf der Insel Reichenau im Zel/er- See, (S. Meinau und Reichenau ), im Hardt 1 j 2 St. von der Stadt, und bey Spatzierfahrten auf dem Boden - See. Schöne Arbeiten von altem gothischem Bildwerk in Holz und Stein sind in der Dohmkirche. — Bey HH. Niklas Matt und Felix Späth werden geätzte Zeichnungen von vielen Gegenden des Bodensees verkauft. Mehrere Jahrs wohnte hier (jetzt zu Frankfurt am Main) der vortrefliche Landsohafts — und Bildnifsmaler Hr. Biedermann (aus Winterthur gebürtig). Seine Schweitzer-Landschaften sowohl in Oel als in farbiger Waschmanicr gehören zu den herrlichsten Arbeiten dieser Art; man sehe dessen trefliche Stücke im I. Thcil, 16. Abschn. Die Stadt Konstanz liegt auf der Meiersclien Karte Blatt IV. um i St. zu weit nach O., und alle Ocrter zwischen Stein und I 250 Konstanz. Romishorn sind verschoben. Den Bodensee sieht man auf der Ammanschen - Karte richtig aufgetragen; denn Hr. Ammann hat im J. 1800. den See triangulirt. Wege. Die Reisen nach St. Gallen, meistens immer in der Nähe des Boden - Sees, und nach Stein, längs dem Zeller- See, sind äufserst angenehm und reizend; man sieht auf diesen Wegen die fruchtbarsten Theile des K. Thurgau, welche besonders zur Blüthe- zeit im Frühling, und zur Obsterndtezeit im Herbst, zu den schönsten Gegenden der Schweitz gehören. Auf dem Wege nach Stein sieht man die Schlösser Salen- stein, Mamre , und besonders Sandek (dessen Alter bis ins VIII. Jahrhundert hinaufsteigt), wo vortrefliche Aussichten sind. Die Lage des Städtchens Steckborn dicht am Zeller -See, 5 St. von Konstanz, ist reitzend. Die Strafse nach Arbon führt durch einen herrlichen Obstwald, und durch Rikenbach, Miinsterlingen (hier ein Frauenkloster, im X. Jahrhundert gestiftet), Landschlacht, Güttingen, Kefsrreil, Vtvyeil (links auf einer Erdzunge, welche weit in den See reicht, sieht man Romishorn — Cornu Romanorum, ein Waffenplatz der Römer — und ganz auf der Spitze der Zunge ein Schlofs aus dem XII. Jahrhundert, und ein Inselchen mit einem Wachthause), Salmsach und links von demselben auf einer. Insel das Schlofs Luxlmrg, Arbon (S. Arbon"). — Von Konstanz nach Zürich J2 St. — Nach Schafhausen geht wöcheutlich ein Postschilf ; der unterhaltendste Weg dahin ist auf der Schweitzer - Seite längs dem Zeller-See, der kürzeste KÜSNACHT. 251 aber mit Extrapost auf der deutschen Seite. — Nach Morsburg über den Boden- See a-3 St., nach Lindau 12 St., je nachdem der Wind der Fahrt günstig ist. KossTtsm-SEf. ( S. Boden - See ). Konters, im K. Bündten. ( S. ContersJ. Kornara - Thai, auf dem Gotthardsgebirge, enthält eine Quelle des Rheins (S. Medels - Thal), Kkachbs - Thai. ( S. Am Stäg ). Kreuzli-Berg. (S. Crispall ). Küsnacht, im K. Schwytz , am Viertv aldsläd- fer-See. Wirthshäuser; Fngel, Sonne , Rössli. Dieses Dorf kam erst im J. i 4 2 4 - aus ^ er Hand einer Frau Anna von Hunwyl durch Kauf an die Landleute des K. Schwyrz. Teils Kapelle in der hohlen Gasse. Merkwürdig sind : Nahe bey dem Dorf auf einem Hügel die Ruinen des Schlosses vom Landvogt Gesler. Hier sollte Wilhelm Teil in Ketten und Bande gelegt werden. Er rettete sich aus dem Kahn auf Teils Platte (S. Luzerher- See), lief dem Landvogt voraus, erwartete ihn in der hohlen Casse , % St. vor Küsnacht, auf dem W^ege nach Immensee , und crschofs ihn den t8. Nov. 1307. Zum Andenken dieser That ist auf dem Ort in der hohlen Gasse eine Kapelle errichtet worden. Aussicht. Bey den Ruinen der Geslerschen Burg, welche im Anfänge Januars 1308. zerstört wurde , ist eine herrliche Aussicht über den Piervpaldstädter - See bis Stanzstad , und auf die ihn umgebenden Gebirge K Ü S N A C H r. * 5 * Rigi und Pilatus; zwischen beyden auf den Bürgen- Stock, die Blum- Alp, die Renk , die Felsen des Mekk- Thals , Hasti- und Crindei-tvald- Thals; vor dem ft. latus auf die Höhe von Meggen mit den Ruinen des Schlosses Habsburg ; auf der andern Seite auf die bewaldete Landzunge des Rigi , Zinne genannt*-. Wege. Von Küsnacht an den Zuger- See f p St. Man schifft sich da zu Immensee ein, und rudert in 3 St. nach Zug , in i St. nach Art; von Immensee■ fühlt auch ein Fufspfad ain Ufer nach Art. — Der Fufsweg von Küsnacht auf den Rigi geht durch die Gegend Seeboden , über schöne Alptriften nach der Rigistafel, oder übers Leiterli ( über eine an senkrechte Felswände gestellte Leiter) nach dem Kalten Bad; der Weg wird unter der Höhe von Rigi-Staffel so steil und übel, dafs man die Hände so gut wie die Füfse gebrauchen mufs. — Nach Luzern schifft man in 3 St. Auch führt ein Fufspfad längs dem Ufer dahin ; auf den da gelegnen Hügeln sind vortrefuche Aussichten über den See. Man s. über die gcnufsreiche Fahrt von Küsnacht nach Luzern oder nach andern Gegenden des Viem-aldstädter - Sees den Art. Luzerner-See. Küsnacht, i St. von der Stadt Zürich, ain Zürcher-See. W'irthshaus : Sonne. In den obern Zimmern desselben sehr schöne Aussichten über den See. — Der Bach, welcher-durch dieses Dorf strömt, schwoll im J. 1778. dergestalt an, dafs er eine Menge Häuser in den See führte, 63 Menschen ersäufte, und grofse Vetwüstung anrichtete. Die Stadt Zürich sammelte für das unglückliche Küsnacln in ihrer Mitte 50,000 Gulden in wenig Tagen. Kybcrc, , Städtchen und uraltes Schlofs im K. Zürich , nicht weit von der Stadt Winterlhuf. Geschichte. Die Grafen von Kyburg sind aus dem Stamm der Welfen , welche schon ror Einführung des Christenthums in Deutschland mächtig waren. Der Erbauer Kybnrgs war Vater des ersten grofsen JYelfs, welcher Karl dem Grofsen i. J. 778. die Schwaben gegen die Sachsen zuführte, das Kloster Rheinau bey Schaffhausen stiftete, Vater der schönen Kaiserin Judith war, und den die Hohenzollern als ihr Stammhaus ehren. Von dieser Zeit an Wurde dieses Geschlecht in Deutschland und Italien sehr begütert und reich. Das italienische Haus Este soll vom Bruder des Erbauers Kyburgs abstammen. Im J. 1026. belagerte der deutsche Kaiser das Schlofs Kyburg während 3 Monaten , weil Graf Werner sich widersetzte, dafs das Burgundische Reich dem deutschen Kaiser zufalle. Die Grafen von Kyburg verwalteten ihre grofse Landschaft von der Glatt bis zum Rhein, und vom Bodensee bis zur Aare mit solchem Glanz, und bildeten ein so mächtiges Haus, dafs ihr Titel bis jetzt von den Herrschern Oesterreichs und Spaniens beybehalten worden ist. In dem Umfang dieser Landschaft standen im Mittelalter bis zu Ende des XIV. Jahrhunderts über hundert feste Burgen der Vasallen der Grafen von Kyburg. Dieser mächtige Stamm erlosch mit Craf Hart - mann im J. 1264., und dessen Grafschaft gieug au 254 Lachen. Rudolph -von Habsburg, nachmaligen Kaiser, übei Die IN eben zweige von Kyburg - Burgdorf, Kyburg - Thun, Kyburg-Bipp n. s. w. bestanden noch in der Schweitz bis zu Ende des XIV. und dem Anfang des XV. Jahrhunderts. Der Kaiser Sigmund bemächtigte sich der Grafschaft Kyburg im J. 1415. ( S. Konstanz), und verpfändete sie 1424. an Zürich, welches sie 14 (3. an Oesterreich zurückgab ( s. Zürich ) , aber 1452. vom Herzog Sigismund von Oesterreich wieder erkaufte. Seitdem war Kyburg der Sitz eines Landvogts (bis zum J. 1798- ) über 60,000 Einwohner. Die Gegend von Kyburg ist wild und malerisch, und auf dem Schlosse weite Uebersicht. L. I.acheh, K. Schwytz, am südlichen Ufer des Obern Zürcher-Stes. Wirthshäuser: Ochs und Kreuz .— Von dem See gewährt Lachen einen angenehmen Anblick. Nicht weit vom Dorfe der Buch - Berg, auf welchem schöne Aussichten über den See, seine Ufer, auf Rappersw'yl und über das Thal nach O. und S. bis an den Schcnnis -Berg und den Eingang in den K. Glarus. ■— Hier hielten die Schrrytzcr und Glarner, nachdem sie von dem Kriegszuge gegen die Sarganser zurückkehrten, die sie gezwungen hatten, das Bürgerrecht mit Zürich abzuschwören und sich dem Graf von Werdenberg-Sargans zu unterwerfen, im J. i 44 °* au ^ dem Platze vor Lachen bey dem Bildstein eine Landes- grmeinde. Alle Boten der Eidgenossen, der Kirchen- 1 I Lachen. 255 Versammlung au Basel, des Herzogs von Savoyen und vieler andern Städte redeten und suchten zwischen Schwytz und Zürich Frieden zu vermitteln. Aber die ten Cersau , l'Väggis und Saanen Fehde an Zürich. (S. Pfeffikon). W ege. Ueher den See nach Rapperswyl 1-3 St.; nach Schmerikon 1 St.— Nach Richters- wyl 3-4 St. — Nach der Stadt Zürich 8-9 Sr. bey Windstille. Ueber den Ezel -Berg nach Einsiedeln geht eine fahrbare Strafse; der abkürzende Fufspfad führt nach Altendorf, und von da in x ^ St. hiuauf. — Nach Glarus 5 St. und nach JA r esen 3 St. gehen gute Landstrafsen ; in Lachen finden die Reisenden immer Pferde und Wagen. Auf dem Wege nach JYesen und Glarus reist man bis gegen Eilten in der Landschaft March , welche die Appenzeller im Anfänge des XV. Jahrhunderts eroberten, und dem K. Schwytz Leidenschaften waren zu herrschend, und Schwytz und ^ Claris machte durch seine Häupter ltal Reding und - ! W Jost Tschudi solche Forderungen, welche die Eidge- “•■V nossen bey Zürich nicht zur Annahme zu bringen hof- r d.» fen durften; und so geschah es , dafs Schwytz und X% Glaruf von hier die Fehde an Zürich ergehen liefsen, SllNC und hiemit den zweyten Bürgerkrieg im Schoofs der lÜtta Eidgenossenschaft anzündeten. Zu gleicher Zeit sand- aus Dankbarkeit für die geleistete Hülfe schenkten. (S. March). Eine Stunde von Lachen, bey Siönen , gellt man über die rauschende Aa , welche aus dem JYäggi - Thale herausströmt ( s. diesen Art.), und dann Läger-Bkkc. 25Ö durch Schübelbach , Büzikon , Rychenburg , Billen Diese ganze Gegend trägt schon Alpen-Karakter, un <) fällt gegen die reizenden und sanften Ufer des Zürcher- Sees , die man eben verlassen hat, desto mehr auf. Ara Nufsbiihcl fängt der K, Glarus an, und dessen erstes Dorf Eilten wild Jedem gleich ein anderes Gebiet anzeigen. Zwischen Eilten und Urnen führt die Strafse hey Nagelflue - Bergen vorbey, von denen ungeheure Trümmer herahgestürzt zerstreut liegen. Gerade nach S. erblickt man den gehörnten Mürtschen- Stock im K. Glarus, und nach O. den pyramidenförmigen Schännis - Berg, und die Ebnen des Gasler- Landes. Von Urnen wendet man sich links zur Zie- gel- Brücke, und am Fufse des Schännis - Berges nach Wesen; rechts aber nach Nafcls , Nettstall und Glarus. (S. über Urnen und die andern Ocrter die Art. Glarus und Wesen'). — In dem See bey Lachen wächst Sparganium natans (Igelsknospe). Lager-Berg, der östlichste Theil des Jura im K. Zürich. (S. dessen Merkwürdigkeiten unter Regensberg ). Langenbruch., im K. Basel, auf dem Ober- Hauenstein , an der Landstrafse'nach Ballstall, Solothurn und Bern. Ein gutes Wirthshaus hier. Langen- bruck liegt 195a F. über Basel; die Wannen- Flue, der höchste Theil des Hauensteins , über Langenbruch 1078 F. oder 3980 F. übers Meer. Anmuthiges Thal. Piahe bey dem Dorfe verbirgt sich das anmutkige Schön - Thal iu tiefe Einsam- keU ; es ist y 3 St. lang , ringsum mit grünenden Bergen umgeben , die sich sanft ins Thal verlieren. Ganz im Hintergründe liegt ein altes Haus, ehmals ein Nonnenkloster , welches im J. i igo. von dem Graf von pro- burg erbaut wuide; es gehört jetzt dem Krankenbause in Basel. Neben dem alten Kloster stehen Wirth- schaft - Gebäude, und am Ende des Thals ein Sennthum von 50 Kühen. Eisenerz und Versteinerungen. Ehederh wurde im Sc/zfln-Thal Eisenerz gegraben; man findet auch Ammonshörner, Charaiten , Gryjdiiten, und hey Langenbruch Tcrcbratuliten. A r on hier nach dem K. Solothurn s. Ballslall, und nftch Basel s. Liechstall. Landen-See (Lago Maggiore auf italienisch, I.acus f erhanus zur Römer Zeit}, liegt in der Schiseitz und dem Königreiche Italien. Von Tenero , am nördlichen Anlang, bis Sesto 15-16 St. ( \\ italienische Meilen} lang; seine gröbste Breite zwischen Laveno und Fariolo 2St.*); 762 F. übers Meer nach Pini , tj.jß F. nach Oriani , 63C F. nach Saussure, 732 F. nach Graf A/orozzo**) ; 335 F- tief bey der Rapelle la Bardia, der Stadt Locarno gegenüber, zwischen der Mündung der Toccia und Belgirate noo F. und zwischen der Isola bella und Laveno sogar 1800 F. tief *) Strabo giebt die Breite zu i 5 o Stadien oder 19 italienischen Meilen an, d« ist, von Laveno bis Vogogna. S. die Schriften der Akademie der "lYissenseh, zu Tuiin, - vom J. 1788« und 89 « S, 177 — 213. 25S L A N G E N - S E E. 1 \ nach Amoretti ; die Temperatur des Vfassers in der Tiefe von '555 i'V ist 5 0 , 4' Rqaumür nach Saus- sure. Der Boden des Sees ist zwischen Laveno und den Inseln voll Hügel ; ein Jlügelgrnt geht von N. nach der Isola bella , ein anderer von SO., ein dritter von Palanza nach Isola inadre. Der Südwind heifst fnverno, der West Margozzolo, der Nord Vento oder Maggiore, der Südost Yento Bcrgatnasoo, welcher selten bläst. Die Schiffahrt ist sichrer als auf dem Comersee, weil die Ruder zweck/näfsiger eingerichtet sind; indessen sind die Seegel so fehlerhaft wie dort , denn die Schilfer bedienen sich nicht der dreyseitigen Seegel. Merkwürdigkeiten. W asser kesse! dieses Sees. In diesen Sec ergic-fsen sich, aufser einer Menge Bäche, beträchtliche Ströme. Nordwärts der Tessin , die Verzasca und Maggia , westwärts die Toccia , (Tosa) und der Abflufs des Mergozzo- Sees; südwärts der Abflufs des Orta- Sees, den die Toccia vor ihrer Mündung noch aufnimmt ; nordostwärts die Tresa , welche den ganzen Ueberflufs des Lnganer- Sees zuführt, und ostwärts die Abflüsse der Seen von Varese, Monate und Comabio. Diesem See werden also alle Was- str aus dem Ungeheuern Gebirgskessel zugeführt, welcher von der Südostseite des Rosa anfängt, und über den Siiitplo/i , Gries , Gotthard , Lukmanier , Moschel- Iloin , Bcrnhardino , Carnogher und Jöris - Berg fort- *) S. Yiaggio da Milano ai tre laghi, Maggiore, di I.uga» 0 e di Coino etc., di Carlo Amoretti. Terza edizione. Milano igoli. ( Langen - Seb. 259 V* geht, und sich in den Felsen zwischen dem Corner - und Luganer- See endigt. Am Südost-Ende Hiefst der Tessin als ein voller Strom aus dem Langen- See, fallt drey italienische Meilen unter Pavia in den Po, und hat bis dahin (55 italien. Meilen) einen Fall von 95 Klaftern ( S. Gotthard, Sesto ). Der Naturcharakter dieses Sees ist hohe Alpenwildheit mit dem Milden und Schönen des italienischen Bodens und Klima’s, enge Eingeschlossenlieit mit weiter Ausdehnung und Fernsichten verbunden. Hohe Gebirge umgeben ihn auf der Südwest- West-Nord- und Nord-Ostseite ; nach O. und S. stufen sie über sanfte Hügel in die lombardische Ebne herab. Von Magadino bis Laveno an der NO. Seite, stürzen die finstern und wilden Gebirge des Gamborogno in die Fluthen, über die sie 6000 F. cmporsteigen; der bewaldete Pino scheint mit dem Berge von Canobbio den See zu schliefsen, wodurch ein 3 St. langes Wasserbecken gebildet wird, welches auch Lago di Locarno genannt wird, und im Schweizergebiet liegt ; es ist unglaublich fischreich. (S. Locarno über die Schönheiten dieses Theils). Unterhalb Canobbio und Luino breitet sich der See nach SW^ in einem 2-3 St. breiten ovalen Busen aus, an dessen Ufern die glänzenden Städte Intra und Palanza liegen, und auf dessen Spiegel die Isola bella, Isola madre, Isola St. Giovanni und St. Michele, und naher am südlichen Ufer die Isola di Conigli (Kaninchen- Insel) schwimmen. (S. Borromäische Inseln, Locarno, Luino , Laveno, Sesto , Arona, Intra , Palanza ). m 9 2 6o Langen-See. Unter den zahlreichen Fischen des Sees wird der sar- dellartige Agone (Cyprinus Agone ) sehr geschützt. Auch sind seine Forellen und Aale von seltner Gröfse z. B. Aale von 30 Pfund. Ueber die herrlichen Granithrüche zu Baveno und Marmorbrüche zu Candöglia sehe man den folgenden Absatz und Domo d'Ossota. Geognosti Beschaffenheit. Der gröi'stc Theil des Sees liegt im Gebiet des Urfeh-Gcbildes , der kleinere südöstliche Theil im Gebiet der südlichen Kalkalpen , deren nördlichste Streichungslinie von SW. nach NO. ain westlichen Ufer über Solcio, und ain östlichen Ufer zwischen dem Boesio (der bev baveno mündet), und der Tresa durch die Tliüler Cuvio , Tra- vaglia und Gana nach dem Laganer -See forrgeht. Von Solcio nach Belgirate Thonschiefer, Glimmerschiefer. In dem Val Cuvio, Travaglia und Gana lagert der Flötzkalk auf Urfels, welcher überall zu Tage siöi'st, und unter dessen Felsarteu die Porphyre sehr merkwürdig sind (s. Travaglia ) , welche auch am Ot to- See nicht weit südlich vom Langen - See zu Tage liegen ( s. Orla- See). Die Kalkfelscn am östlichen und westlichen Ufer bey Angera und Atona zeigen eine solche Gleichheit, dafs man offenbar sieht, sie sind duich Gewalt des Wassers getrennt worden. Die Kalkllötze ruhen hier auf Tüonschicfcr, der am östlichen Ufer feinkörniger ist. Zwischen Sesto und Angera eine sehn-efelhaltige Quelle Jn Fufs eines Kalkfelsens. Zwischen Angera und Banco ausgedehnte Lager Sandstein von solcher Farbe, dafs er dem Poiphyr 1 Langen-See. H; n. ■ «t*l *.V fcü ilb.'t »UM mit. uii ihm Jn- t« l/ife k ÜS-- Orta- ip* fl* 1& S *** / / 261 ähnelt. Bey Arona ist ein Steinbruch auf Marmor , aus welchem der Dahin zu Pavia erbaut wird, und der hin und wieder schöne Dendriten enthalt. Bey St. Catlic- rina am östlichen Ufer dunkeltest her und weiJsgefleckter Kalkstein. — Bey Stresa ( vor Belgirate am westlichen Lfer ) Glimmerschiefer mit Granaten , und am nordöstlichen Ufer an der Punta dell Avello (das südliche Vorgebirge der Tiesa-Mündung ) Glimmerschiefer mit so -vielen Granaten , dafs man eine Menge in dem Bache von Porto und am Secufcr findet. Am südlichen lifer, nicht weit von, der Isola bella, streichen zu Bayeno nnd Fariolo und am Moutoifano die schönen rothen und n eifsen Granite (von den Einwohnern Migliarolo rosso und bianco), auf welche grofse Biüche angelegt sind. Aus dem rothen Granit von Baveno sind die herrlichen Säulen gehauen, welche zu Mailand die Kirchen St. Eedele , St. Alessandro, die Vorderseite des Frauenklosters von St. Paolo, das ehmalige schweizerische Kollegium, das Seminarium und viele Palläste zieren. Die beyden prächtigen Säulen auf beyden Seiten des grofsen Eingangs in den Dohm , 40 F. hoch und 4 F. im Durchmesser, sind auch in Baveno gehauen. Vor der Mitte des XVI. Jahrhunderts scheint hier kein Granit gebrochen zu seyu. Der Hügel von Baveno ist 600 F. boch, *(> St. breit und streicht 1 j-> St. westlich nach dem Berge Castello di Fariolo (auch Feraolo genannt) , welcher auch aus rothem Granit besteht. Am Fufs des Hügels Urthon- schiefer; auf diesen folgt Gneifs, und daun Granit. 263 Langen- See. Am Fariolo scheint der Granit in senkrechten Schichten von SSW. nach NNO. zu streichen. Der rothe Granit ist sehr hart, widersteht dem Einflufs der Luit und des Wassers, nimmt vollkoinmne Glättung an, und kommt manchmal dem prächtigen egyptischen rothen Granit gleich. Um diese merkwürdigen Granitlager von allen Seiten zu sehen , so folge man zu Ohre fiume dem Bett des Baches I'iume. Dieser Granit enthält hin und wieder grofse Nester Kaolin, schwarzen Glimmer, weifsen Quarz, Hornblende; auch statt des Feld- ' spaths röthliche Hyacynthen, seihst von Haselnufsgröfse; und sehr häufig Höhlen und Adern voll schöner Kry- stallc aus Quarz, Feldspath, Flufsspath, Glimmer und Scliörl. Die Höhlen halten 5 Zoll bis 5 Fufs Durchmesser. Eine ganz vorzüglich schöne Druse von 20 Zoll Länge, 16 Zoll Breite und 5 Zoll Höhe befindet sich im Naturalien-Kabinet zu Mailand. Das merkwürdigste bey diesen Drusen sind die Flufsspath — und weifsen und röthischen Feldspathkrystalle , und zwar letztere in mannigfaltigen und ihm ganz ungewöhnlichen Kry- stallformen. Der Flufsspath ist entweder grün, oder veilchenblau, oder weifs als dreyseitige Pyramide, als Acht - und Neuneck krystallisirt. Zwischen viereckigem Feldspathkrystalle befinden sich sechseckige Quarzkry- stalle und Anzeigen von schönen metallischen Kry- sallisationen. Dem Naturforscher Mailands, Hrn. Pini, hat man diese Entdeckung zu verdanken *). — Bey Pini memoire sur des nouvelles Crislallisations de Feld* spath et autres singularites renfermees dans les Granits dem Dorfe Fariolo streicht grauer und weifser Granit, und gerade gegenüber auf der andern Seite der Toccia steht der Montorfano aus vrcifsem Granit , dessen Fcldspath ein erdiges Ansehn hat, und der eisenfarbige Punkte , die ihn zersetzen , enthalt. Zu Candoglia, 1^2 St. vom Langen- See hinter Mergozzo, herrliche Marmorbrüche , aus welchen der Dohm zu Mailand gebaut ist; man sehe darüber den Art. Domo d'Os- sola. — Am nordwestlichen Ufer sind hinter Intra die I Urtrapp - Schichten am Fufs des Monte simmolo und Tarione merkwürdig; alle Basaltsteine im Bache St. Giovanni kommen davon her. Hr. Amoretti war der erste , welcher vor wenigen Jahren diese Urtrapplager zuerst beobachtete; sie stehen fast senkrecht und streichen zwischen Urthonschiefcr von SSW. nach NNO. i) Eine Schicht Urtrapp von 15-20 F. Breite zwischen der Brücke zu Pozzaccio und Ramello. 2) Eine halbe Meile vom See am linken Ufer des Baches St. Giovanni g - 10 F. breit. 3) Drey Lager (wovon das zweyte 40 F. breit) setzen zwischen der Kirche von St. Giovanni und dem Landgute Cacciapiatti queer über die Strafse. 4) Zwischen der Kapelle della Madonna della Vigna und dem Dorfe Biganzuolo ei« Lager zwischen den ersten Häusern, ein zrvejtes ob dem Dorfe von ockerartiger Farbe. 5 ) Bey Selasco durch- de Baveno. Milano 1779. von J. F, Gmelin ins Deutsche übersetzt. Halle 1780. — Bey den Steinmetzen in Oltrefiume findet man schone Schaustücke von den RruäSen des Granits von Baveno zu kaufen. a64 Lanüen-See. schneiden drcy I.ager den Bach, und zwar nächst den drey Wasserfällen ; das unterste Lager hat bald runde, bald längliche Höhlen. 6) Von Selasco bis jenseits Frino, dem See nach, streichen verschiedne Lager, die eine Fortsetzung derer von IN' 0 . 3. sind, und sich drey Meilen weit bis Ghissa verfolgen lassen. 7) Ein Lager durchschneidet den Bach St. Bernardino nahe an der Brücke bey Uncio. Alle diese Urtrappschichten haben viel Aehnlichkeit mit den sogenannten Lavalagern im Gebiet von Padua , Vicenza und Verona. Unmittelbar an den Urtrappschichten streichen hin und wieder breite Quarzschichten rqit Schwefelkies, wie an der Brücke von Uncio. Im Intrasca-Thal bey Cambiasca Urtrapp , bey Cussogno Topfstein -Schichten. In dem Canobina- Tlial bey Cavaglia und unter Spocio ebenfalls Urtrapp- Schiehten , und im hohen Berg Finero im Hintergründe des Val Cauobina weifser Urkalkstein , welcher wohl die Fortsetzung desjenigen zu Candoglia seyn möchte. — Merkwürdig ist, dafs die Gneil’sberge um den Langen- See wie der Monte Simmolo hinter Intra, welcher ganz abgetrennt steht, der Margozzolo , alle Gneifsberge bey Baveno, auf ihrer Oberfläche mit Granittrümmern von allen Gröl’sen bedeckt sind, so. wie die Flötzkalkstein- bcrge bey Varese, im Val Intelvi , am Corner-See, im Val Assina (S. diese Art. und Lecco). Auf den Margozzolo steigt man von Baveno längs dem Bach Fiume unter Kastanienwäldern. Ganz oben liegt unter der Wiesendecke ein Lager Gerolle ays Oneifs und Granit, unter diejen r F. tief Torf aus Zweigen und Lancfn-Sgf.. 2G5 Stämmen von Lerchenbäumen , die man jetzt in der ganzen Gegend nicht mehr findet, und der Torf ruht auf feinem Quarzsand von leichter Ocherfarbe; der Margozzolo besteht aijs Gneifs. Fossile Wälder auch am Orsa-See ( s. diesen Artikel). Unter dem Ramm des Fariolo ein ausgedehntes Torffeld , 5 F. mächtig, und auf einem I.ager feinen Quarzsand ruhend. Dafs der Langen- See einst tief ins untere Ossolathal, vielleicht bis gegen Domo d’Ossola hinein! eichte, zeigt der Augenschein, und dafs einst hohe Fluten in diesen Gegenden statt fanden, beweisen, ausser manchen andern Spuren, das viele Gerolle und Nagelflue im Val Cnvio, und zwischen diesem und Varese (s. Varese ). Ucber die sogenannten Vulkane bey Grantola sehe man Travaglia - Thal. Mineralogie. Die Gebirge um den See sind reich an Erzen. Ueber die Eisen - Erze und das Gold im Strona-Tbal, die Kupfer- und Bleyerze im untern Qssola-Thal , die Erze im Val Cana (S. Orla- 1 See, Domo d’Ossola , Val Gana). Zwischen Belgirate und Stresa wurden bey dem Felssprengen zur Bereitung der Ileerstrafse vor wenigen Jahren Kupfer und Kiesadern. entdeckt, welche nicht reich genug sind, um gebaut zu werden, ln der Höhe bey Gralia Goldhles- gänge und bey Ginesio Bleyerze. Eine italienische Meile vor der Mündung des Fiume entdeckten vor Kurzem einige Arbeiter im Bette des Baches eine reiche Kupfermine , und am Ufer noch mehrere Kupfererzadern , welche Hr. Amoretti schon vor Jahren durch a66 L ANGEÜTTHAt. seine Gefühlsfähigkeit für unterirdische Elektrizität angezeigt hatte *). Hinter Intra streicht bey Ramello eine Kupfererzader , welche sich bis an den Gipfel des Berges ausbreitet, und vor einem Jahrhundert ausgebeutet wurde. Zwischen Ganobio und Canero an der Punta della Creta Schyvefeikiesgang , und gegenüber am östlichen Ufer längs der Giona bey Macagno desgleichen. Langenthal, eins der gröfsten und schönsten Dörfer der Schweitz im K. Bern , nur 2 St. seitwärts von der Heerstrafse zwischen den Städten Bern und Aarau , und verdient wohl den kleinen Umweg; man verläfst, von Bern kommend, die Landstrafse bey Herzogenbuchsee , und geht von Langenthal über St. Urban in die Heerstrafse zurück. Wirthshäuser: Bär , Kreuz , Lösve. Es liegt in einer fruchtbaren und wasserreichen Gegend. Erwerbsfleifs und Handelsthätigkeit. Merkwürdig sind hier: Fabriken von Leinen, wollner und halbseidner Bänder, trefliche Bleichen, Färbereyen, die Niederlagen der in dem Eminenthaie und andern Gegenden des K. Berns verfertigten Leinewand und der Emmenthaler-Käse. Deswegen ist dieses Dorf einer der Hauptmärkte des K. Berns , denn es kommen hie- her sogar Kaufleute aus Holland. Auch leben hier geschickte Handwerker, und selbst Künstler, llr. Mum- mcnthaler verfertigt Vergröfserungs — uud Ferngläser, und stellt schöne Versuche in der Optik und Elektri- *' S. Amnreiti sulla Storia della Hahdomanzia , und dessen Brief in der Alpina HL Th. S. Ja3. Winterthur I8<>9- I *!*» *B« «an. h m B x* w St Af, WD- Lti-V. nöiiw he*»' tha^ £** D*i * \** : Langhjiü. 267 zitlit an. Hier wohnt auch Hr. Dennler , Verfasser einiger humoristischen, höchst wichtigen Aufsätze in der Isis *) , ein unbekannter Mann von höchst originellem Kopf, der alles, was er ist, es ganz allein durch sich selbst ist. — Eine halbe Stunde vom Dorfe das Lan- genthaler - Bad. Rö mische Altert hü me r. Man hat bey Langenthal römische Münzen , alte Mauern und Reste von TVasser - Leitungen gefunden. Abtey St. Urban. Eine kleine Stunde entfernt, iin K. Luzern , liegt die grofse im J. 1193. von zwey Herren von Langenstein gestiftete Abtey St. Urban , welche eine Bibliothek, Münzkabinet, und Sammlung von Versteinerungen und Muscheln des Pilatus (vom Dr. Lang zusammengesucht ) besitzt. Von Langenthal führen angenehme Fufswege in 4 St. ■ach Solothurn. Langnau, am ///fr-Bach, das schönste Dorf im Emmen- Thale , K. Bern. Wirthshäuser: Sonne , Bär. Merkwürdigkeiten. Hier grofse Niederlagen von Leinewand und Käse , und viele Handelsleute. (M. s. den Art. Emmenthal'j. In der Nähe des Dorffc streicht ein Steinkohlenflötz. Langnau ist der einzige Ort in den Alpen der Schweitz, von welchem Reisende *) S. Monatsschrift Isis. Zürich i 8 o 5 . Das April-Stück. S. 1. Ilomilie über ein TX r ort des Diogenes von Sinope , und Jahrgang igoö. September-Stück, S. 1. Neueste Reise von Lissabon nach Kamtschatka und dem Nordpol. Seiner sonderbaren Schicksale wegen verdient ganz besonders auch ein merkwürdiger Proccfs im Juniheft 1809. der Justiz- und Polizeyfama nachgelesen und beherziget zu werden. 26g Langnau. auf einige Alptriften bis zu den Sennhütten in Leiterwagen fahren, und dort die Sennwirthschaft beobachten können. Die nächste Alp uf der Schynen ist nur 3 St. entfernt; und da werden die befsten Ernmentha- ler- Käse bereitet. Berühmter U r i n b e s ch a ue r. Zu Langnau lebte in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts der Urinbeschaucr Michel Schuppach , welcher 15-ao Jahre den ausgebreitetsten Ruf eines Wunderarztes besaCs. Von Paris rollten die glänzendsten Kutschen in dieses Alpenthal zu dem Medecin des Alpes. Reisende aller Nationen beratheten ihn. In den Sommermonaten hielten sich bisweilen einige Hunderte reiche Fremde hier auf, die im Hause Schuppachs speisten. Jeden Tag kamen 8°-too Bothen mit Uringläsern. Er hielt sieh einen Dolmetscher, Schreiber und Apotheker. Schup- pack war in seiner Jugend Wundapzt, besafs gesunden Verstand, scharfen Blick und Seelenruhe ; war sehr wohlthätig , gutmüthig, heiter und drollig. Einige reiche Marquisen aus Paris , wovon die eine nach langer Unfruchtbarkeit schwanger aus den Alpen zurück- kehrtc, und die andere durch einen sehr komischen Zufall über die Wunderkenntnifs des Schuppachs bestürzt und erstaunt, wurden die Posaunen des Alpendpktors, und trugen seinen Ruf weit über die Grenzen seines Thals. Schuppach st. sehr alt zwischen den J. i 78 °" 9 0, W r ege. Von Langnau nach Bern .6 St.; nach Burgdorf 4-5 St. Zwey Stunden von Langnau tritt man ins Entlebucher-'lhuX (S. Entlebuch). Es giebt L A S S A R R A. 269 “n •V K, V ine« iaie encti ma'i idek dar« iefr da Ü>f ®s*n uw & &** \0f^ y . r / Wege nach Thun , Langenthal und Hutrryl. — Einige Stunden Von Langnau, hoch im Gebirge und zwischen den fettesten Alpen, liegt, an der Emme , Tschangnau am Fufse des Schallen - Bergs, auf welchem weite Aussichten sind. Lassabba, ein Städtchen im K> Waat, an der Landstrafse zwischen Morges und Yverdun, am Nozon gelegen. Hier öffnet sich das Thal von Romainmotier , durch welches ein Fufsweg ins Jona:-Thal führt. (S. diesen Artikel und Romainmotiersj. Merkwürdigkeiten. Nicht weit von Lassarra bey einer Mühle theilt sich der Nozon; der eine Arm fliefst in den Neuchateler - See, der andere in die l’cnoge nach dem Genfer - See. Um beyde Seen zu verbinden, wurde im J. 1G40. ein Kanal gegiaben, der schon bis y» St. von Lassarra geführt war, und hier; nur 2 St. vor seinem Ende; ins Stecken gerieth. Die grofse Bürg von Lassarra wurde von den Eidgenossen im October 1475. in dem Kriege gegen den Graf von Bomout, Herrn der Waat, verbrannt; sie erbeuteten hier eine Pfanne, worin man einen ganzen Ochsen braten konnte. — Eine römische Meilensäule wurde bey Entreroches, St. von Lassarra, bey dem Graben des Kanals gefunden ; sie war unter Kaiser Hadrian im JL 119. oder 120. errichtet, und steht jetzt im Schlosse Orny. — Der Wasserfall der Tine de Conflans zwischen Lassarra und Cossonex ist wegen örtlicher Eigentümlichkeit sehenswert. Auch sicht mau zwischen Lassarra und Cossonex das Schlofs Mon- Lauenen-Thal. 270 trocher , eins der ältesten in der Schweitz, und naher das Schlol's Isle, Sitz des Geschlechts von Chandieu , deren Ahnherr Anion im XVI. Jahrhundert während den bürgerlichen Unruhen Frankreichs bey dem Könige von Navarra eine sehr wichtige Rolle spielte (S. darüber I'huanus Geschichte). Er starb als Prediger zu Genf, und seine theologischen Werke wiedmete dessen Sohn im J. 1592. dem König Henri IV. Carl von Chandieu , Generallieutenant in französischen Diensten, verschönerte Isle. Wege. Von Lassarra nach Lausanne 5 starke Stunden auf üblem Wege. — Nach Aubonne 5 St.— Nach Orhe 2 St. ( S. Lausanne , Aubonne , Orbe). Nach dem Schlosse Isle am Jura 2 St. Geognost. Thatsachen. Oberhalb Lassarra und Bonvillars liegen in ziemlicher Höhe am Jura eine grofse Menge Graniltrummer. Diese Gegend liegt grade der Oefl’nung des Rhonethals gegenüber. ( S.Jorat * Und Jura ). Lauehbs—Thal, ein hohes Alpenthal im Saunen-Lande (K. Bern), vom Lauenen - Bach durclr- r strömt, zieht von NW. nach SO. \ -5 St. lang in das Hochgebirge. Erhabne, malerische und romantische Natur. Das Pfarrdot f Lauenen liegt 3 St. von Saunen. Das Wirthshau-s ist äufserst schlecht und arm, weil es gar nicht besucht wird. Wer die Gastfreyhcit des Pfarrers anspricht, der vergesse nicht, dafs die Stellen dieser Männer in den abgelegnen Hocbthälern sehr Lauf.nkn-Thal 271 dürftig besorgt sind. Dieses so wenig bekannte Thal verdient die Besuche des Freundes erhabner und romantischer Natur. Von dem Dorfe t Stunde entfernt liegt * der Lauerten - See. Zehn Minuten vor dem See steht ein Bauernhaus, wo der Weg durch einen Gatter verschlossen ist. Dicht vor dem Hause und Gatter ist ein kleiner Hügel; auf diesen setze mau sich, und geniefse den Anblick des Ganzen. Man mufs zu diesem Spatziergang den Morgen und ein helles Wetter wählen, weil sich dann der Umkreis der Gebirge in dem See spiegelt. Dieses kleine Thal mit seinen Felsengestalten, Gletschern, Wasserfällen und dem See, gehört zu den malcrischten Theilen des Hochgebirgs. Rechts nach S. die erste Felsspitze heifst das pp'allisrispill; von diesem nach O. folgen das Mult — Horn, das Gelten- Horn und der Gelten- Gletscher (von dem der Gelten- Bach herabstürzt), das p^oll-H orn, Haneschrill - Horn , Pp r ild-\{ovn , der Tangei nebst dem Tungel- Gletscher (von welchem der Tungel-Huch herabdonnert), das Seltesc/ion-llora und Stiertungel. Am Fufs dieses Felsenkranzes liegen Wiesen, welche zwey Monate lang kein Sonnenstrahl erfreut. Herrliche Wasserfälle. Von diesem prächtigen Standpunkte führt ein Weg in 4 St. zu dem Gelten-Gletscher ziemlich mühsam hinauf, und neben den herrlichen Wasserfällen des Tungel- und Ce/fen-Bachs vorbey. Oben am Fufs des Gletschers ist eine Alpweide von steilen Felswänden umschlossen, über welche eine Menge Bäche hcrabstürzen, ein Anblick der einzig v / 2TjZ L AUERZER-SeE. ist. Zwischen diesen Felswänden liegt der Dürr- See welcher sich bisweilen mit fürchterlichem Brüllen ergieft. Berühmte Ziegenkäse. Hohe Lage. Die Tungel - Ziegenkäse sind sehr berühmt. — Das Leuenen- Thal liegt so hoch, dafs im May noch gewöhnlich 6 F. hoch Schnee liegt. Im J. 1789. schneyte es hier, nur 2t Tage ausgenommen, alle Wochen. — Das hohe Felshorn, oberhalb dem Dorfe, heifst Lnuen-Horn. Wege. Von Lauenen ins Csteig -Thal 2 St. (S. diesen Artikel ). Nach l.enk im Almmcn-Thale 5 St. (S. Reulissen). Nach Sillen im Wallis führt ein für Pferde gangbarer Pafs über das Ce/ten-llom in 10-n St.; bis zum ersten W allisisciicn Doif Aye nt 8 St. — Nach Saunen 5 St. —> Auf diesem Wege bleibt der Mader-Berg rechts; und nicht weit vor Gestade strömt rechts der ’liir - Bach aus dem Turbach -Thal. G e ogn os t i sch e Thatsachen. Die Gyps-I.ager, Ton welchen in dem Art. Rex weitläufig geredet ist, streichen durch dieses Thal. Auf dem Wege nach dem Lauenen - See; auf der SW- Seite des Thals, geht iu der Rohrbachs — Weide der Gyps zu 'läge, und dort zeigt sich gediegner Schwefel, wie in der Nähe von Rex. Grade gegenüber, auf der NO. Seite, sind Schwefelhaltende Quellen. In dem Turbach-Thal sind Schwefelbäder , deren Heilwasser in diesen Gypslagern den Ursprung haben. Zwischen Lauenen und l.enk steigt der Gyps bis zur Höhe des Reulissen. (S. Reulissen). L a uer zer- S e e. S. Lowerzer-See. Laufen, an der Landstrafse von Basel nach dem Laüfenburg. 273 Münsterthal. Wirthshaus : Ochs in der Stadt, die Krone ausserhalb. Laufe«, Schlcifs im K. Zürich , * s St. von der Stadt Schafhausen. Unter diesem Schlosse ist der berühmte Rhein - Fall, welcher von den Einwohnern der Laufen genannt wird, woher das Schlofs seinen Namen führt. (S. Schaff hausen'). Laufenburg, (K. Aargau) eine kleine Stadt am Rhein , welcher dieselbe in zwey ungleiche Theile scheidet. Wirthshaus: Poslhaus. Die Brücke ruht auf drey hohen steinernen Jochen, die gerade an der Stell« erbaut sind, wo der Strom sich über Klippen hinab durch ein enges Fclsenbett zu stürzen beginnt. Der Fall, (der kleine Laufen , im Gegensatz des grofsen Laufen bey Schafhausen, genannt) von dem der Ort den Namen hat, ist zwar bey weitem nicht so hoch, wie jener ; er gewährt aber doch ein sehr schönes Schauspiel. Die Schiffe, • die von oben anlangen, werden hier ausgeladen, und an Seilen durch den gefährlichen Wellensturz hinuntergelaäsen. Vor 13-14 Jahren versuchte ein junger Engländer in einem Nachen den Sturz des Rheins liiuabzufahren, und verlohr dabey sein Leben. Am Ufer, zunächst unter der Brücke, ist ein Lachsfang im Strudel angebracht. — Diese Stadt war ehmals der Sitz der gräflichen Linie von Habsburg — Laufenbarg. Als der letzte Graf Johann im J. 1408. ohne Söhne starb, erbte es sein Schwiegersohn Graf Rudolph -von Sulz, dessen Stamm 1657. erlosch. Seitdem war es ein Theil der Vorder - Oesterreichischen S % UL 1 Länder, und gehörte zu dem Fricktliale, welches ig 02 mit der Schweitz vereinigt wurde ('S. Frickthal ). Auf der Südostseite der Stadt steht das alte zerfallne Sclilofs ein Denkmal der Verheerungen des dreyfsigjährigen Krieges. Ausser den Ringmauern an der Strafse ins Sulz - Thal steht ein Kapuziner - Kloster, und in der Stadt ein Krankenhaus. Neueste Geschichte. Den 16. Dec. 1795. trafen die Prinzessinnen Mar. Theresia Charlotte , Tochter Ludwigs XVI. und Maria Antonia von Oesterreich , nachdem sie zu Basel gegen französ. Staatsgefangene ausgewechselt worden waren, hier ein, und erholten sich einige Tage lang in diesem gefahrlosen Städtchen, ehe sie ihre Reise nach Wien fortsetzten. Geognost. Merkwürdigkeit. Flier am Rhein geht unter den Kalksteinflötzen des Jura der Gneifs sehr schön und bestimmt zu Tage, so wie auch bev Waldshut und Seckingen , nicht weit von Laufenburg. Nordwärts dieser ■ drey Städte steigt Granit und Gneifs in den Felsen des Schwarzwalds empor, und erhebt sich in dem Feldberg (der höchsten Kuppe des Schwarzwald - Gebirges ) bis au 4610 Fufs übers Meer. Das Vorstofsen des Urfelses hier am Rhein ist deswegen merkwürdig, weil zwischen dem nördlichsten Rande des Urfelsgebildes der Alpen und dem Rhein in dem Jura nirgends in dem 18-34 Stunden breiten Zwischenraum in der Schweitz irgend eine Urfelsart zu Tage kömmt (S. Jura). Lau ins. S. Lauwine . L A U P 1 ? E «. 275 Lau is. S. Lugano. La ui* feh, Städtchen itn K. Bern, nicht weit links von der Landstrafse zwischen Bern und Cümminen , oder nicht weit rechts von Neueneck auf der Strafse von Bern nach Frey bürg, liegt am Zusammenflüsse der Sense und Saatic. Beter von Thurn verkaufte die Vogtcy Lanppcn iin J. 1524. an die Stadt Bern. Schlacht hey Lauppen. Dieser Ort ist sehr merkwürdig, weil hier die Berner nach Gründung ihres Freystaats den ersten wichtigen Sieg über ihre Feinde erfochten. ( S. Bern, der Kanton'). Der ganze hohe und niedere Adel bis nach Burgund, JElsajs und Schwaben , unter denen die Grafen von Neuchatel, von Kyburg-Thun, von Greiers, von Aarberg, Nidau, die Bischöfe von Sitten, Lausanne, Basel, die Stadt Freyburg waren, versammelten 15,000 M.. Fufsvolk, 3000 Reiter, ’-oo Herren mit gekrönten Helmen, und 1200 Kitter, um die Stadt Bern von Grund aus zu vertilgen. Dieses Heer berannte Lauppen , wo Anton von Blankenburg mit einer Besatzüng lag, und dem 600 Berner unter Johann von Bubenberg und Pannerherr Rudolph von Muhlern noch zugesjindt wurden. Sie schlugen alle Stürme ab. Rudolph von Erlach zog mit 4000 Bcr- *) Rudolph von Erlach, (Sohn des Ulrich von Erlach, Hel* den am Donnerbüel s. Bern) Dicnstmann des Grafen Rudolph von Nidau, war Bürger von Bern und hatte seine meisten Güter im Gebiet dieses Freystaats. Der Graf verstattele ibm, unter seinen Mitbürgern zu streiten, mit ■den Worten, dafs es ihm gleichgültig sey, von ztveyhun* dert ihm ergebnen Kittern dielen Einen Maun zu Tcrlie- s,j 6 Ladppen. nern , 900 aus Uri , Schwytz und Unterwalden , $ 00 aus Hasli- Thal unter Kuno von Rinkenberg , 300 Sim- metlialern unter Johann von Weissenburg , und 5)0 Solothur nern , am 21. Juni 1339. in der Mitte der Nacht von Bern , und langte am Mittag auf dein Bram- Berg St. von Laupjien an, wo er, den Wald im Rücken, das Lager der Feinde übersah. Es erhob sich, wie in den alten Kriegen der Griechen, erbitterter Wortwechsel zwischen den beyden Heeren. Der Schult- heifs von Freyburg behauptet, die Berner hätten verkleidete Weiber unter sich, worauf Kuno von Rinkenberg rief: „ Ihr werdet es heute erfahren ”, Ein Mann von Schwytz schrie : ,, Wir sind bereit, wer will , trete hervor'”. Nach gegebnen Zeichen zur Schlacht rannten die Schleuderer auf den Feind zu; wie diese sich zurückwandten, hielten diefs die hintersten des Schlachthaufens für Flucht, und nahmen Reifsaus. In diesem Augenblick rief Erlach mit heiterm Gesicht: „ Freunde , wir siegen; die Furchtsamen sind von uns ”, Schwere eiserne Heerwagen, mit Streitern gefüllt, stürzten in die Glieder des Feindes; und in ren; worauf ihm Erlach antwortete: Ihr sagt, Herr Graf! ich sey ein Mann; als einen Mann will ich mich zeigen. Der Graf von Nidau wurde in dieser Schlacht erschlagen; und doch wurde nachher eben diesem Erlach die Vormundschaft über die hinterlafsnen Kinder des Grafen, und das Pflegeramt über deren Güter übertragen. Rudolph war 5 a Jahr alt, als er den Sieg bey Lauppcn erfocht. Das traurige Ende dieses tugendhaften Helden s. man in dem Artikel Bern, die so gebrochnen Reihen drang nun Erlach mit der Berner - Fahne in der Hand an der Spitze seines Fufs- volks. Nach einiger Zeit fürchterlichen Kampfs -wandten sich die Feinde zur Flucht; die ganze Feldmark von Oberrryl und Vf'yden war mit Leichnamen, Pferden und Waffen bedeckt. Achtzig gekrönte Ritter (unter, denen der Herzog Johann von Savoyen , der Graf von JVidau , Graf Gerhard von Kybarg , drey Grafen von Orders) , fast alle Freyburger mit ihrem Schulthcifs und Pannerträger Fulistorf der mitten unter 14 Verwandten lag, 5000 Manu Fufsvolk und 1500 Reitet sanken unter dem Schwerdte der freyen Berner * **) } , welche den folgenden Tag voll Jubel über ihren wichtigen Sieg nach der .Stadt zurückzogen. Lausanne, Hauptstadt des K. Waat. Wirths- häuser; An Lion d'Or; au Faucon (soll jetzt das befste seyuj, aux Balances , a la Couronne , a l'Ours , au Cerf. — Liegt unter den 46 5 l ' 5 11 nördl. Breite und 24°, 27' 4" der Länge, am südlichen Abhänge des Jorat , 432 F. über den Cenfer-See , oder 1566 F. über das Meer; geniefst fast einer eben so gesunden aber mildern Lage wie Bern , ist auf drey Hügeln und in die dazwischen liegende Thäler gebaut. Der Bach Flon Riefst zwischen Lausanne und dem Montbenon. *) Von den Bernern fiel in dieser Schlacht Hans Haller , welcher 135t. von Zürich nach Bern gezogen war. **) Am 15. July 1802. schneite es bey Lausanne, welches als Ausnahme der gewöhnlichen Witterung merkwürdig ist. ^78 Lausanne. Geschichte. Das alte Lousonne lag am Setufer zwischen den ietzigen Landhäusern Vidy und Dorigni % St. von dem jetzigen Lausanne. Unter den römischen Kaisern wurde es eine Colonia cquestris. Viele Ueberreste von römischen Alterthüinern , welche hier gefunden wurden (S. folgenden Absatz) und eine 1739. entdeckte Inschrift *) bezeugeu es. Ira J. 456. kam die Stadt unter die Herrschaft Gundjochs, ersten Königs von Burgund. Nachdem sie durch die Wirkung des Felsensturzes Tauretune zwischen St. Gingoulph und Meillerie (S. Vevay) iin J. 536. verwüstet worden war, so baueten sich die Einwohner auf der Höhe bey den Einsiedlerhütten des Protasius aus Venetia (welcher den Unfällen Italiens entflohen und hier im J. 500. eine Einsiedeley errichtet hatte) wieder an. Marius**), burgundischgr Edelmann und Bischof von Avenche (S. Payerne und Avenche ), verlegte als Lehnsherr dieser *} Soli Gcnio Lunae Sacrum Ex Voto Pro Salute Augus Torum P. Clod. Corn. Primus Curator Yica Nor Lousonnensium 11, Inn I. Vir Augustae C. GR. Convenlus llelv. D. S. D. Ueber die Erklärung dieser Inschrift sehe man Bockat memoires critiques etc. Das Datum dieser luschrift kommt mit dem 161. Jahr der christlichen Zeitrechnung überein. **) Dieser Bischof Marius hat eine Krouik seiner Zeit hin' terlassen. Gegend seinen Sitz im J. 580. in die neue Stadt, von nun an Lausanne genannt. Hierdurch sowohl als auch durch die Relit[uien der heiligen Anna , und andrer (z, B. eines Stücks vom Kreutz, einiger Haare der Mutter Gottes, einer Rippe der Maria Magdalena, einem Stuck von der Krippe und einer Ratte, welche eine Hostie gefressen) in der Kirche U. L. F. (dem jetzigen Münster), welche außerordentlich viele Pilger herbeyzogen, vergröfserte sich Lausanne. Man hat sogar aus Laus Annae (das Lob der Anna) den Namen der Stadt herleiten wollen. Die oben genannte Inschrift beweist, dafs die alte Stadt schon Lousonne hiefs. Während des X. Jahrhunderts hielten die Grofsen des burgundischen Reichs hier zweymal Reichstage , auf welchem sie nach Rudolphs II. Tode (937) seinen Sohn Conrad, uud nach dessen Tode seinen Sohn Rudolph III. (993) zum König erwählten, mit welchem das burgundische Reich im J» 1032. anfhörte und an den deutschen Kaiser Conrad übergieng (S. Genf , Solothurn, Payerne) , dessen Nachfolger an Lausanne grofse Freyheiten ertheilte. Der Bischof Hugo erwarb sich grofses Verdienst um seine Zeitgenossen im XI. Jahrhundert (S. Romont). Die Städte Bern, Freyburg und Solothurn mufsten oft die Vermittler zwischen dem Bischof und der Stadt machen, und 124° entstand wegen der Bischofswahl des Johann von Cofsonex durch die Gegenparthey des Prinzen von Savoyen in Lausanne grofses Blutvergiefsen und Einäscherung. Der Kaiser Rudolph von Habsburg erhob den hiesigen Bischof 1275. zgo Lausanne. rwm Reichsfürsten, als er sich in Lausanne mit d era Pahst Gregor X. uuterredete und der Einweihung de» Dohmkirche im Beyseyn so vieler Mächtigen bey. wohnte *). — In dem burgundischen Kriege wurde Lausanne 1476. von 15,000 Italienern unter dem Prinz von Tarent und Nikolas von Campobasso zur Uebergabe gezwungen. Nach der verlohrnen Schlacht von Gran- son (S. Granson ) kam Karl der Kühne in Mitte Merz aus Burgund über Joigne, Leclees, und Orbe nach Lausanne, und sammelte hier während 7 Wochen ein ueues Heer von 60,000 M. Karl musterte es auf einer flachen Höhe ob Lausanne, redete es an, befeuerte es mit Zorn und Rache gegen die Schweitzer und zog mit demselben über Morens und Bioley dem Neuchateiersee langsam zu, dann nach Cugy bey Estavayer, Payerne, Avenche gegen Murten (S. Murten). <— Vom hiesig gen Bischof und Kapitel wurden 1479. die Maykäfer, welche grofsen Schaden anrichteten, vor Gericht geladen, itj Contumaz verurtheilt, eskommunizirt, und aus dem Lausanner-Sprengel verbannt, wovon das Urtheil noch im Original vorhanden ist **). Lausanne verband sich mit Freyburg und Bern durch Bürgerrecht. Die Reformation begann. Bis zu dieser Zeit strömten die Gläubigen zu der W underwirk enden Anna, uud i 5 °- J. lang vor der Reformation both Lausanne das Bild des *) S- Fontaine Difsertation sur l’epocpie de cette entrevue. 1791. Freyburg. **) Solche Urthcile sind in Frankreich von Rischüfen noch in der letzten Hälite des XVI. Jahrhunderts gefällt worden- tiefsten Aberglaubens und der schamlosesten Liederlichkeit dar; denn die Kirche der heil. Anna war mit Hurenhäusern umgeben, und die Priester selbst hielten in ihren Häusern solche schändliche Wirthschaften für die frommen Pilger. Dieselben Sitten herrschten in Genf und in so vielen andern Städten derselben Zeit. Auf diese Art war die religiöse Veränderung langsam von Ferpe zubereitet. Der Bischof von Lausanne ergriff die Parthey des Herzogs von Savoyen, als diesem die Berner 1536. den Krieg angekündigt hatten, und damit verlohr er alles. Er floh im Monat Merz; die ganze Waat wurde von den Bernern erobert; Lausanne nahm die Reformation an und unterwarf sich freywillig, mit Vorbehalt ihrer seit 1219. gegründeten freyen Stadtverfassung, dem Kanton Bern. Seitdem hat der Bischof in Freyburg und der Berner-Landvogt in dessen Schlofs zu Lausanne seinen Silz genommen. Seit 1798- wurde Lausanne Hauptstadt des K. TVaat ( S. TVaat) *). Römische Alterthümer. Zwischen dem Landhause Vidi und Dorigny, y» St. vom jetzigen Lausanne, hat man auf der Stelle des Lousonne in verschiednen Zeiten Bruchstücke von Mauern , Bachsteine , römische Münzen , die Bronzene Gruppe eines Priesters , welcher einen jungen Stier zum Opfer weiht (wird auf der Bibliothek zu Bern aufbewahrt), und die Ueberreste einer römischen Strafse, die von Vidy nach Ouchy und Vevay geht und von den Einwohnern Estras (via *) Lcs elemens de l’histoire du Canton de Vaud, par Pellis, Lausanne. *82 strata) genannt wird, gefunden. Hier bey Vidy ver _ einten sieh die römischen Strafseu von Genf , Orbe und V'evay. Im Februar 1804. fand man in dem Bois de Vaux bey Vidy ein Gerrötbc voll Urnen nud Münzen. Die Societe d’emulation von Lausanne lief* hierauf Nachgrabungen machen, und die Ausbeute waren 4 grofse Amphoren (im Regieruugssaal aufgestellt), Trümmer von .Marmorsäulen, Architraven, Zierrathen, Münzen , eiserne und kupferne Schreibgriffel , silberne und kupferne Schmucknadeln, eine bronzne Statue der Diana von 3 Zoll Länge, und Dachziegel *). Auf dem Rathhause von Lausanne wird die Inschrift eines Altars , welcher der Sonne und dem Monde ge- wiedtnet war, aufbewahrt, und in dem Hause des Hrn. Pfarrer Levade ein römischer Meilenzeiger , den man bey Paudex am Wege zwischen Lausanne und Vevay fand; er wurde unter Antonin dem Frommen im J. i45* der christlichen Zeitrechnung • gesetzt, und bezeichnet die 38. Meile von Avcnche. Ueber alle in dem K. Waat gefundne römische Meilenzeiger s. man den Art. TVaat. Merkwürdigkeiten. Die im J. i 537> aus e ’ ,1_ gezognen Klostergütern gestiftete Ahademie , welch* ausgezeichnete Müuner, als Theodor Beza**), Pierre de Crousaz, Louis de Bochat, Stephanus, ßarbeyrac, Hot- S, über die römischen Ziegel einen gehaltreichen Aufsatz des llrn. Exchaquet in den Nötices d’utilite publique de Lausanne. **) Theodor de Beze wurde gegen i55°* nach Cenf versetzt, wurde nach Calvins Tode Haupt der französischen refor- \ Lausanne. 383 toman , Conrad Cefsner zu Lehrern gehabt hat, und jetzt den berühmteh Mineralogen Hrn. Struve , den Dichter und Schriftsteller Hrn. Professor Rridel und andere besitzt. Die Wohnungen der Professoren stehen um die Kathedralkirchc. — Die 1549. gegründete akademische Bibliothek , welche durch die Büchersamm- lung des Hyacinthus de Quiros (eines Spaniers von Geburt, der 1750. vom pabstlichen Hofe nach der Schweitz kam, Protestant und Professor der Kirchengesciiichte zu Lausanne wurde ) Zuwachs erhielt. — Reitschule — Hospital — Heute de charite ■— das Si h/oj’s , int Anfänge des XV. Jahrhunderts von Bischof Wilhelm von Challant erbauet. — Die Kathedralkirche von schöner gothischer Bauart im Innern und voll Grabmäler diese Kirche wurde 746. gegründet, und der jetzige Bau soll im X. Jahrhundert aufgeführt worden seyn. — Der Saal des Grossen Raths vom K. Waat. — Die Münze. — Das Theater, — Appellations-Gerichts- haus. — Die Sociele d'emulation , welche seit 1804. Notices d’utilite publique herausgiebt. — Zeichenschule , (Lycee genannt) unter der Leitung des berühmten Mahler Ducros , welcher 32 Jahre in Rom lebte, und dessen trefliche Arbeiten die Säle dieser seit igog. von der Kantons - Regierung gegründeten Anstalt zie- mirten Kirchen, und spielte bis aus Ende des Jahrhunderts eine wichtige Iloilc. S. J.elen des Theodor de fiese, von Fr. K. Schlosser. (Heideib. bey Moor und Zimmer goö.) *) Hier liegt auch der Herzog von Savoyen, Palst Felix V. begraben. (S. Thonon), ren. — Mineralien - Sammlung bey Hm. Professor Struve. — Die Naturalien- und Vogelsammlung des Hrn. Oberst Desruines befindet sich auf der akademischen Bibliothek. — Buchhandlungen und Druckercyen, die aber nicht mehr so bedeutend sind wie in dem XVI. Jahrhundert, wo hier trelliclie Werke in prächtigen Ausgaben erschienen. — Kupferstichdruckerev bey Hrn. Vincent. — Pastelfarben-F'abrik bey Hellmold. _ Geschickte Gold - und Silberarbeiter und Juwelierer. — Voltaire 20g von Genf r757. nach Lausanne, wohnte bis 2759. wo er Ferney kaufte, in dem Landhause Monrepos , wo er durch sein Gesellschaftstheater der Stadt Lausanne viel Annehmlichkeit verschafte ('S. Genf). Zur selbigen Zeit hielt sich auch der Grofse Haller hier auf, aber ohne Voltaire zu sehen. —. Der berühmte Arzt uud Schriftsteller Tifsot lebte in Lausanne in dem Hause Montrion von r 770-1786. dessen weit verbreiteter Ruf eine Menge reicher Kranke hieher zog.— Martin Lefianc (Dohmherr zu Lausanne) besang besser als alle vorigen und viele spätere französische Dichter den Kampf der Tugend und des Glückes, S. dessen Champion des JDamcs 01t l'estrif de la Fortune et de la Vertu, Paris 1805. — Es erscheinen in Lausanne 3 Zeitungen, wovon das Journal Suisse früher als andere einheimische manches Bedeutende erzählt. LJ e blin gs - A ufe n t h a 1 1 der Fremden. Die herrliche Lage der Stadt und die geistreichen Gesellschaften unter ihren Einwohnern, wo die Sitten der feinsten Welt und der gebildetste Umgangston, ohne die Laster, Gefahren und den Aufwand grofser Städte und Hofe herrschen, nebst der günstigen Gelegenheit, die französische Sprache vortreflich zu erlernen, hatten Lausanne , man kann sagen schon seit Jahrhunderten , zum Lieblings - Aufenthalte der reichen Ausländer von allen Nationen gemacht. Besonders lebten hier immer sehe viele .junge Engländer und andere reiche Jünglinge, deren einziger Zweck nur darin bestand, die ihnen fremde Sprache und die feinen Sitten der Gesellschaft zu erlernen. Deswegen giebt es hier sehr viele Pensions-Anstalten für die Fremdlinge. In den befsten kostet die Pension monatlich 6 Carolin, in andern 5, 4 , und die niedrigsten 5 Carolin. Bey der Wahl einer Pension ist einige Vorsicht nöthig; denn von dem Hause , wo mau sieh in Pension begiebt, hängt' gewöhnlich die Gesellschaft ab, in welche man eingeführt wird. Wer in den ersten Pensionshäusern wohnt, kann ziemlich gewifs seyn, die befste Gesellschaft der Stadt zu scheu; in den andern Pensionen hingegen mufs man besondere Empfehlungen haben, um in den befsten Häusern aufgenommen zu werden ; sonst sieht man sie nie. In allen Gesellschaften wird gespielt; nur wenige giebt es , wo Spiel verbannt ist. Schöne Aussichten und Spatziergänge. Auf der Terrasse bey der Münsterkirche, welche ein sehenswerthes Gebäude aus dem X. Jahrhundert ist; in dem Hause des Hrn. Lev ade, und besonders auL der Gartenterrasse des Hauses, in welchem der berühmte Gibbon lange Jahre wohnte, und sein Werk über den 1. A. U S A N K b. Untergang des römischen Reichs ausarbeitete ; auf d er Promenade Monlbenon vor dem Genfer- Thore; t- St oberhalb Lausanne, am Walde SauvaleUin*), bey dem Signa] (Hoclnvacht ) ; bey den Landhäusern Bellevue, Beaulien , de Veines, Cbnbliere; bey den Dörfern Bursins und Beguin; alles unbeschreiblich schöne Aussichten. — Spatziergiinge . welche reich an den mannigfaltigsten Ansichten sind. i) Nach Ouchy dicht am See ( 7 » St. unterhalb Lausanne) wo ein sehr gutes Wirthshaus ist. Ouchy ist als der Hafen von Lausanne au betrachten. Der Thurm von Ouchy wurde im J. 1160. von dem Bischof T.anderich von Dörnach zu Lausanne erbaut. Der Spatziergang von Ouchy nach Cour, dessen Umgehungen, und nach der Ferme aux Ceriscs, ist reich an den betulichsten Aussichten und Naturgenufs. Hier lebt der Naturforscher Hr. Huber ( s. Genf), Schüler Bonnets. Er ward blind im 30. Jahr nach der Verlobung mit seiner Frau wie der berühmte Dichter Pfeffel, und beyde Bräute betrugen sich auf gleich edle W eise. Der blinde Huber beobachtete durch die Augen eines geschickten Bedienten, und, seitdem er diesen verlor , durch die Augen seiner Frau, Bienen und PHanzen, und so entstanden seine *) Dieser Wald dehnte sich sonst bis an den Hügel der Münsterkirche aus, und wurde von Druiden bewohnt, die dort ihre Mysterien feyerten. Von dem Namen einer ihrer Gottheiten, liellinus, rührt wahrscheinlich Sylva Bellini her, woraus in verderbter Sprache Sauvabellin entstand. Auch das Thal Bellevaux neben dem Walde hat vielleicht davon seinen Namen. so berühmten Werke *). llr. Huber spielt Klavier, und singt vortrefiicli. 2) Auf der nordöstlichen Seite der Stadt nach p'evay zu. 5 .) längs den Ufern der P’enoge (welche unter dem Namen Nozon in dem liomainmotier— Thal am Vau/ion entspringt) aus einem Thälchen ins andere, welche bald romantische Bei g- gruppen, kleine Wasserfalle, liebliche Haine, Hütten, bald Landhäuser in der Mitte von schönen Anlagen, Wiesen und W r einbergen in grofser Abwechslung darbieten. Auf diesem Spatziergange berührt man die Dörfer Bottens , Renens und Mezerie. 4 ) Nach einer Sennhütte, St. ob Lausanne, auf einer mit Wald umgebnen Wiese, wo eine grofse Aussicht ist. Tissot wohnte hier oft Monate lang. Kleine S pa t zi er r ei s en. 1} Nach Vevay. Wo man sich auch ost - und westwärts von Lausanne hinwendet, wild man immer von den reizendsten Gegenden einer mannigfaltigen und prachtvollen Natur empfangen. Nach Vevay 4 St. , längs dein See durch Pully , Baud ex , Lutry , Uilette , Cully , St. Sa- phorin , über die wilde p’evaise , welche von dem Molesson im K. Freyburg herabsliöuit. Dieser Weg *) S. dessen Werk: über die Bienen und sur la germina- tion des Plantes. Sein ältester Sohn hat sich schon durch eine Abhandlung über die Hummeln , und sein zwejter Sohn durch eine Abhandlung über die kleinen Sperber (cmerillons) bekannt gemacht. Der älteste hat die außerordentliche Anlage des Crofsvaters im Ausschneiden geerbt. 288 Lausanne. ist eine unuhterbrochne Reihe der schönsten und prächtigsten Aussichten einer aufserortlentlichen Natur; Uln die günstigsten "Wirkungen der Lichter zu geniefsen so rathe ich, die Reise von Lausanne um 4 oder 5 Uhr Nachmittags anzutreten, und von Vevay nach Lausanne früh Morgens. Bey Paudex strömt der Bach Paudeze in den See , an dessen Ufer Steinkohlen ausgebeutet werden ( s. Jorat). Auf dem Berge bey Cully steht das Schlofs Gourze, welches im X. Jahrhundert erbaut wurde, als die Ungarn und Araber bis in diese Gegenden verwüstend streiften. Hinter Cully führt die Strafse dicht bey einer Mühle vorbey, welche durch den Abflufs des Sees Bray oder Brot ihre Mahlwasser erhält ; im Frühjahr oder nach langem Regen zeigt sich hier ein sehr malerischer Wasserfall. Nach dieser Mühle berührt man Clerolles , dessen Thurm ein Rest römischer Arbeit seyn soll. Bey St. Sapho- rin wachsen die herrlichsten Feigen, und in dessen Kirche ist ein bey Gerolle gefundner römischer Meilenzeiger eingemauert, welcher unter dem Kaiser Claudius im J. 47. errichtet wurde, und andeutet, dafs die Entfernung von pevay bis Avenche 57,000 Schritte betragt *). Ein andrer antnuthiger Weg nach Vevay geht *) Von Paudex bis St. Saphorin sind die Felsen des Jorat am steilsten, und geniefsen der heifsesten Lage; diese Landschaft wird Distrikt la Vdux (deutsch, Kyf - Thal) genannt, und hier wächst der so sehr geschätzte Kyf- Wein ( Fin de la Faux). Die befsten weifsen Weine wachsen in den Bergen von Cully , Kiez und Epesse; der stärkste und vortreilichste von allen aber in dem % / Lausanne. 289 ijtu- links von der grofsen Landstrafse über den Jorat. 2 ) Auf der Westseite längs dem See hinab nach Genf 12 St. 3) Nach Aubonne 3^2 St. Die Strafse nach diesen Oertern lührt von Lausanne über die Venoge durch Prevereuges , nach Morges 2 St. ( s. Morges , Aubonne , Rolle , Nyon , Coppet , Genf). 4) Nach Yverdun über Echallens (deutsch Ts che tl Hz ) oder Coumoens 6 r J 2 St. Die Strafse, besonders bey Regenzeit, ist nicht gut. Nahe bey Echallens liegt das Bergschlofs St. Barthelemi , welches die herrlichsten Aussichten nach dein Gebirge des Unter - PVallis und Savoyens , nach dem Montblanc und nach dem Jura geniefst. Nicht weit von Echallens hat ein H. von Afry , Besitzer des eben erwähnten Schlosses, einen 30 F. hohen Obelisk dicht an der Landstrafte mit der Innschrift: Alle Völker, lobet den Herrn! errichten lassen. Von Lausanne nach Yverdun durch Cossonex, Tasarra und Orbe ist etwas weiter, aber die Reise angenehmer. — Von Lausanne in das interessante Joux - und Orbe- Thal, entweder durch Rolle und dem kleinen Distrikt Dezaley, zwischen Cully und St. Saphorin. Die ausgesuchten Trauben dieses Strichs gehören zu den delikatesten von ganz Europa, Italien und Spanien nicht ausgenommen. Hier kostet aber auch ein einziger Arpent ( obngelahr 40000 rheinlündische □ Fufs ) i 3 - 16,000 französische Livres oder 7 326 rheinische Gulden. Der befste rothe Vauz-Wcin wächst in den Bergen von St. Saphorin und Treytorens. Der Distrikt von Palejie bey Lausanne giebt auch einen gesunden und herrlichen Tischwehl. Ul. «9 Lauterbrunn- Thal. 290 Gimel oder durch Lasarra und Orbe (8. Rolle , La- sarra, Orbe). — Nach Moudon 6 St. Zwey St. steigt die Strafse immer gemach auf den Jorat. Pflanzen. In dem Walde Sauv ab ellin*. Buxbaumia foliosa ; Melica unifiora. Juncus albidus. An den // £ e n : Mentha rotundifolia. Bey Lausanne-. Orchis coriophora , Fuma- ria capnoides , Oenanlkc peucedanifolia. Bey den Sümpfen zu St. Sulpy : Littorella lacustris , Scirpus acicularis , ho • loschoenus , supinus. Bosa cinnamotnea stachst oberhalb an dem Orte Rosiaz, bisher nur hier und auf dem Albis gefunden. Mentha austriaca bey Lausanne an den sumpfigen Wiesen von Bovereaz. Satyr tum hircinum zu Chamb lande. Geognost. Bemerkungen, lieber die geogno- stische Beschaifenheit des Jorats , an welchem Lausanne liegt, s. man den Artikel Jorat. Oberhalb der Stadt sind vortrefliche Sandsteinbrüche. Von Lausanne nach Pully liegen viele grofse Trümmerblücke einer grofs- körnigen Graurrahe mit Glimmerschieferarligem Bindemittel , dessen Mutterort zwischen Martinach und St. Mauritz ist (s. St. Mauritz ). Diese Trümmer sind aus dem IVallis , zur selbigen Zeit wie die zahllosen Granit- und Gneifs - Trümmer, welche über den Jorat und die ganze LVaat zerstreut liegen , lieiausgefluthet worden ( s. Jorat und Gen f ). Lauterbrunn-Thal, im K. Bern, eines der berühmtesten und besuchtesten Thiiler der ganzen Schweitz. Von Bern kann man bis in dieses Thal I I» •k, 'fak - f«r »U)k. Sk ton, in» tim > Hugo« soll ttiA *w A** «*“* i»»' *** i ** / Lauterb runn - Th al. 291 bequem theils zu Wagen tlieils zu Wasser reisen. Wicht weit von Unterseen ist der einzige Eingang ins I.auterbrunn-Thal, welches sich nach SW. 5 St. lang und höchstens St. breit zwischen die höchsten Gebirge hineinzieht. Seinen Namen trägt es mit Recht; denn mehr als 20 Bäche stürzen über die Felsen dieses Thaies. Nicht blofs um des Staub -Bachs willen, der eigentlich den Ruhm dieses Thaies so allgemein verbreitet hat , sondern wegen der aufserordentlich erhabnen Felsennatur, verdient Lauterbrunn den Besuch des Reisenden. Weg von Untcrseen nach Lauterbrunn. Von Unterseen nach I.auterbrunn und Grindelwald 5 St.; zuerst nach Matten (rechts der kleine Rügen, die Reste des Schlosses Unspunnen und Wilderswyl; über Unspunnen s. Hasli - Thal), über den Saxete- Bach, nach Z.weyliitschinen 2 St. Von diesem Ort führt eine malerische Brücke links auf die Iselten- Alp , und da, wo sich die schwarze Lütschine aus Grindelwald mit der H^eifs - Liilschine aus Lauterbrunn vereinigt, giebt es einige Punkte, wo man durch die engen Thalklüfte die weifsen Häupter der Jungfrau in S. und des Metten — Bergs und Wetter- Horns in O. erblickt. Von Zweyliitschinen bis ins Dorf Lauterbrunn i St. voll wilder und malerischer Ansichten. Die Kalkfelsen zu beyden Seiten sind durch eisenhaften Färbestoff äufserst manigfaltig gefärbt, werden von vielen Bächen bewaschen , sind in den sonderbarsten Gestalten zerrissen, hie und da mit Tan- % \ Laute ki; runn-Thal. 2(JZ nen und Laubholz besetzt, und bey günstigen Licht— und Schattenwürfen von aufserordentlicher Wiikung. Gleich hinter Zvyeyliitschinen behält man rechts die i Felswände der Eisen - Flue , auf denen ein Dörfchen gleichen Namens, die Sulek- Alp und zwey Seen liegen, die sich in den Saus -Bach ergiefsen, welcher vom Saus-Berg herab der Lütschine zueilt, und über eine Brücke weiter führt. Links erhebt sich die Hun- * ✓ nen-Flue, welche durch ihre Mauergestalt und regel- mäfsigen Schichten die Aufmerksamkeit fesselt. Das Thal verengt sich hier sehr, und man glaubt ein von Menschen erbautes Bollwerk zu sehn. Bald hinter der Hunnen - Flue fällt der Blick auf die Felsen des Lauterbrunn - Thals, und hauptsächlich auf die erhabne Jungfrau , deren Anblick unbeschreiblich ist. Hechts giefseu über die Felsen der Greifen - Bach, Flue- Bäcbii , Laui-B^ch, und das Herren - Bächli herab. Lauterbrunn. Wirthshaus. In dem Doife Lauterbrunn ist nur ein Wirthshaus. Jeder Reisende wird auf Verlangen hey dem H. Pfarrer beherbergt, und für Bezahlung befstens bewirthet. Lauterbrunn liegt 715 F, über den Thuner-See , 2450 F. übers Meer, also nicht so hoch, wie Grindelyyald ; daher wachsen auch hier noch Obstbäume, herrliche Ahorne und viele Lilen. Staub-Bach. Der Staub - Bach stürzt nahe beym Dorfe über die Wand des Pietsch - oder Fletsch- Berges 800 F. herab , löst sich in den feinsten Staub auf, und scLvrelit als eine ätherische, blendend weifte, ewig wechselnde Gestalt in den Lüften. Die Schönheit desselben geniefst man besonders Vormittags, wenn die Sonne ihre Strahlen darauf wirft. Nähert man sich dann, so sieht man das Wunderspiel von zwey Zirkel- Regenbogen. Da der Bach oft Steine mit herabführt, so mufs man nicht zu nahe treten; wer sich nicht scheuet, durchnäfst zu werden, kann sich auch zwischen den Fall und die Felswand stellen. Im Winter zeigt der S/auÄ-Bach ganz eigne Eisgestalten *). Derselbe Bach, welcher den Staub- Bach in seinem letzten Fall bildet, zeigt auf dem P/etsck-Bcrg noch andre sehr prächtig und malerische Fälle, zu denen man i St. zu steigen hat. Wasserfälle. In dem Hintergründe des Thals gfebt es mehrere prächtige Wasserfälle, die aber sehr selten besucht werden. Einige halten den Myrren- Bach und Schmadri - Bach für schöner noch als den ,Sfa«A-Bach. Von dem iSJa«£-Bach an stürzen an der Westseite des Thals der Spis - Bach, Buchen - Bach , Aegerten - Bach , My rren - Bach , Sefinen - Lütschi , Rufe - Bach , F/ne-Bach , Schmadri -Bach ; auf der gegenüber stehenden Seite der Schittvrald- Bach, zwey ohne Namen, dann der Trimlete- Bach, Rose/z-Bach jl/afe/z-Bach, Stalden - Bach, Stuffi- oder Ruffistein- Bach, und Rofe-Bach. Diese grofse Menge von Sturzbächen schwellen bisweilen nach heftigen Gewitterre- *) Man s. solche in dem schönen Blatt nach IT'olf, in dem Werke , von welchem im ersten Bande die Rede ist. • *■ 294 Lauterbrunn - Thal. gen die Lütschine , in welche alle sich ergiefsen, plötzlich auf das fürchterlichste. Im J. 1791. geschah dies in einer Nacht so schnell, dafs ein Reisender aus dem damaligen Wirthshause, auf welches die Wuth der Liitschine losstürmte, kaum sein Leben und eine Sammlung von Zeichnungen retten konnte. Jungfrau, und andere Felsen an ihrer Seite und gegenüber. Die prachtvolle Jungfrau * erhebt sich, dem Staub- Bache gegenüber, auf der Ost- scite des Thaies, 10,422 F. über das Dorf Lauterbrunn (12,872 F. übers Meer), eine so ungeheure Gröfse und Masse, welche das Auge aus dem engen Thale weder fassen , noch genug bewundern kann ; auf dem Pietsch- Berge, in einer Hohe von 1-2 St. vermag man es besser. Die Mittelregion dieses aufser- ordentlichen Felsen wird Jungfrau , der kegelförmige Fels rechts Mönch , der Gipfel Jungfrau- Horn genannt. — Auf die Jungfrau nach SW. folgen das Gletscher - Horn , Eben- Fine, Mittag- Horn, Grofs- Iforn, Breit - Horn und Tschingel -Horn , welche das Lauterbrunn - Thal südwärts schliefsen. Ungeheure Gletscher starren von diesen Felsen nach allen Seiten hinab; besonders nach SO. ins Jl r allis, wo der Aletsch- Gletscher von der Jungfrau herab 8-9 St. tief fast bis an die Rhone sich ausdehnt ( s. Brieg). Die Westseite des Thaies vorp Pietsch - Berg an, wird vom Schirarz- Horn, Kilch - Flue , Schilt - Horn, Gespalten- Horu und Bullosa , dem Tschingel - Horn gegenüber, geschlossen. ‘»•t Ni. ■fc H i« M 1 fei '•(fu ifcOs- db». WMl bi aa »;U fcw- wii- »J« »t* ^oiii lia* *** •5> . isl :S> Lauterbrunn - Thal. 295 Reise auf den Steinberg und die Gletscher des Thaies. Um das Aufserordentliche dieser Felsen bewundern zu können, mufs man von I.auter- brunn in den Hintergrund des Thaies reisen. Bis zum Dörfchen Trachsel - Lauinen 2 y» St. kann man reiten. Gleich hinter Lauterbrunn öffnet sich ostwärts an der Jungfrau ein Schlund, Trümleten - Thal genannt, in welches ein Gletscher hcrabsteigt, und mehrere Wasserfälle stürzen. Bald darauf öffnet sich an der Westseite das kleine Sefinen - Thal, aus welchem^ die Sefinen - Liitschi strömt, und auf dessen Alpen die befsten Käse des Lauterbrunn - Thals gekocht werden. Hier hört das ebne Thal auf, und man fängt an, gegen Breit- Lauinen und Sichel - Laninen zu steigen. Nicht weit von der letztem Gegend stürzt jährlich eine Lauine herab; man erblickt auch dort das Rothe - Thal, und den Rothe — Thal — Gletscher , bey welchem der Stuf— fenstein -Bach einen hübschen Fall bildet. Aus dem Rothe — Thal fallen die fürchterlichsten Lauinen herab* Vor mehrern Jahren stürzte hier eine solche 24 Stunden an Einem fort l die Gegend, wo sie herabfiel, heifs Stnffen- Lauine. Das Dörfchen Trachsel - Lauinen , welches 1360 F. höher als das Dorf Lauterbrunn, 2075 F. über dert Thuner- See, oder 3750 F. übers Meer liegt, besteht fast nur aus den Bergwerksleuten, welche in dem Bley — nnd Silberbergwerk am Hauri und bey der Schmelzhütte arbeiteu. Von hier erhält das noch tiefer eindringende fürchterliche Thal den Namen Ammerten - Thal. Um das Schauspiel der 29G Lauterbrunn - Thai» Ungeheuern Felsen und Gletscher von der Jungfrau bis zum Tschingel- Horn in aller Pracht zu geniefsen, steigt man von Trachsel- Lauinen auf den Ater«-Berg. Die Reise von Lauterbrunn hieher und wieder zurück läfst sich in einem Tage vollenden ; wer aber auf die Gletscher selbst steigen will, mufs in Trachsel-Lauinen die Nacht zubringen, und vor Aufgang der Sonne diese Reise autreten. In dieser Absicht mufs man von Trachsel - Lauinen auf die Hoch - Alp und Breit- Lauinen - Alp steigen. Auf der Hoch - Alp zeigt sich links der prächtige Wasserfall des Rothe - Bachs , welcher viele rothe Steintrümmer von der Hoch- Alp herabführt. Bey der letzten Hütte der Breit-Lauinen- Alp erblickt man den Breit - Lauinen - und Schmadri- Gletscher, welche vom Breit- und Grofs- Horn herabsteigen , und über diese geht man nach dem See des Ober- Horn. An der SW-Seite desselben ist ein Hügel, der aus herabgefallnen Trümmern des Tschingel - Horns entstanden ist. Auf diesen Hügel setze man sich, und geniefse den aufserordentlicheu Anblick : Von O. nach S. die Jungfrau und die andern schön oben genannten Fels-Kolossen bis zum Tschingel , und von diesen weiter das Zack- Horri, Schilt -Horn , Alt - Eis , Balm- Horn , welche man aber von diesem Standpunkte nicht mehr sieht. Auf der Südseite dieser Felsenreihe liegt das Latschen - Thal im Wallis. Gegenüber, nach NW. und W. ziehen der Lauterbrunn - Eiger , Gespalten- Horn, Bütlosa mit ihren vielen Hörnern, die Frau oder Blümtis - Alp, Mattel - Horn und Dolden - Horn, Die Ebne des Ober- Horn zwischen dem Tschingel- und Gespalten - Horn wird von dem Ungeheuern Tschingel- Gletscher ausgefüllt, welcher nordoetwärts ins Lauterbrunn - Thal einen Arm nusschickt — süd- westwärts 4~5 St. tief ins Gaster- Thal einen zweyten Arm ausdehnt , in welchem die Kanzler entspringt ( s. Kanderstäg) — nordwärts ins TCien-Thal den Gamchi- Gletscher— und südwärts ins Latschen - Thal einen vierten Arm herabstarrt. Gemsjäger wagen es bisweilen, über den Tschingel — Gletscher ins Gastern- Thal zu gehen fS. Kanderstäg). Will man die Rückreise antreten, so wendet man sich von dem See des Ober- Horns nach dem Fufse der Büttlosa (Biitlas- senj , auf die Steinberg- Alp, und von da ins Ammert- Thal hinab, wo alle aus den Gletschern sich sammelnde Bäche vereinigt den Namen Lütschine erhalten. Aus dem Ammert- Thal nach Trachsel - Lauinen geht der Pfad über Felsstücke , Leitern und sumpfige Stellen. Diese Gletscherreise erfordert einen Tag ; sie macht den Wandrer mit einer ganz neuen Natur bekannt, aber fordert Muth, festen und sichern Tritt, schwindelfreyen Kopf, sehr günstiges Wetter, geschickte Führer, Stricke und Stangen , um über die an Spalten reichen Gletscher ohne Gefahr gehen zu können. Reise über die La uterbrunn - S cheid ec k nach Grindelwald. Von dem Dorfe Lauterbrunn nach Grindehrald , auf der fahrbaren Strafse über Threyliitschinen , 4 St. ( s. Grindehrald). Fufsgänger müssen, wenn das Wetter günstig ist, den Weg über V I 298 Lauterbrunn-Thal, die Lauterbrunn - Scheideck , 6-7 St. lang und be- Schwerlich freylich , vorziehen ; aber die Mühe wird belohnt. Man bedarf eines Führers wenigstens bis auf die Hohe. Von Lauterbrunn geht es 1 St. ziemlich steil an den Tschuggen bis auf die JYenger - Alp *), hernach links uin die Ecke des Ly enger- Bergs, welcher von dem Fufse der Jungfrau durch den Schlund Trimleten-Thal getrennt ist; und da gelangt man bald auf eine Stelle, wo inan sich dem aufserordentlich erhabnen Felsen der Jungfrau gerade gegenüber befindet , und sie über alle ihre Nachbarn, von dem Eiger an bis zum Breit- Horn und Büttlosa , emporragen sieht. Auf der Hohe der Alp steht eine Sennhütte; hier erfrische sich der müde Wandrer, und geniefse in gemächlicher Hube das über alle Beschreibung prachtvolle Schauspiel der erstaunenswürdigen Gebirge, von denen man, selbst in aller Sicherheit vor Gefahr, beständig Lauinen stürzen sieht oder donnern hört. Der schönste Standpunkt ist auf dem Grasherg Manlicha , dessen fyuppe viel höher liegt als die Sennhütte der JE enger-E lp. (Die Höhe der Lauterbrunn —Scheideck beträgt 4504 F. über den 2 'huner-See, oder 6284 L übers Meer). Von dieser Sennhütte geht der Weg etwas rauh weiter; in der Nähe des Eiger-Breit- Horn, auf der Itramer- Alp, erblickt man auf einmal das *) Zwischen Lauterbrunn und der JVenger - Aip steht ein jVIehlbaum (Crataegus aria) von 3 Fufs im Durchschnitt, eine Dicke , welche an dieser Bauniarl sehr selten ist. A11 der Ostseitc des Jp r enge • Bergs liegt die Alp JT'ergi- i I* i V ’M «Ui *kt. . * lila £a fwja ■ft; tki mit- m ,W lull*. ft«' .4** LAUTinBKDN» - Th al- 29g Crindelrrald - Thal mit seinen Gletschern und Felsen Beym Herabsteigen am Fufse des Eiger kömmt man dem untern Gletscher ganz nahe* *).— Aus dem Lauterbrunn-Thale führen Fufswege ins Kien - Thal, und aus diesem nach Frutingen und Müllinen (s. diese Artikel ). Geognostische und mineralogische Beschaffenheit. Das Lauterbrunn- Thal bis in seinen tiefsten Hintergrund ist für den Erdforscher sehr lehrreich. Die Felsen des Lauterbrunn-Thals, von Zrrey- lütsc/iinen an, bestehen aus Kalkstein, der auf Thonschiefer, und, von der Mitte des Thals an, auf Gneifs aufliegt, der zu Tage ausgeht, und nach S. fortsetzt, wo nur noch die hohen Kuppen der Felsen von der Jungfrau au nach dem Tschingel aus Kalkstein bestehen. So weit sich der F'ufs der Jungfrau beobachten läfst, besteht derselbe aus bestimmten Kalksteinschichten, welche dem Anschein nach bis zu ihrem Gipfel fortsetzen. Sie ist noch nie erstiegen, weil es von der O.- N. - und W. -Seite bey jedem Versuch unmöglich war, und von der S.-Seite aus LVallis , wo aber der ungeheure Alctsch- Gletscher liegt, noch niemand die Reise unternommen hat. Die von den Höhen der Jungfrau durch Lauinen herabgestürzten Steintrümmer sind Kalksteine, in denen sich bisweilen Versteinerungen finden. Die Kalksteinformation liegt hier auf dem stal, auf welcher Arvenbäume ( Pinus Cembra ) stphen. Der Wald reichte ehedem bis zum Tschuggen -Berg. *) S. Parthenais. I f 5°o Lautf.rbrunn-Thal. Urgebirge eben so auf, -wie im Grindelsrald -Thal ■ es steigt südwärts sehr steil , und die aufsitzendea Kalkschichten senken nach NW. Die Linie von der Jungfrau nach dem Tschingel ist die Grenze des Flötz- kalksteins, über die hinaus nach S. derselbe nicht weiter fortsetzt; denn die gegenüber laufende Felsenkette auf der Ostseite des Lot sch - Thaies, wo die Aletsch- Bieisth- und Nest -Hörner sich auszeichnen, bestehen bis in ihre höcnsten Kuppen aus Urgebirge. An den Fiifsen der Jungfrau sind mehrere Höhlen, unter denen die Ki r -Labil am merkwürdigsten ist. Zwischen Lau- terbrunn uod Ztve) liitsdunen , wo das Kalkgebirge im Profil durchrissen ist, kann man an der Hunnen-¥\ne die regelmäßigen und sonderbar steigenden und fallenden Kalksteinscmciuen genau beobachten. Da, wo das Seji/it n - Tual sich ölinet, zeigt sich zuerst der Gneifs zu Tage, und von hier an erhebt sich der Urfels immer höher an der südlichen Kette, Ohngeachtet sich die äufserste Ablösungsfläche des Urfelses und die darauf lagernden Kalksteinschichten gegen N. senken, so sind doch die Schichten des Urfelses entweder senkrecht stehend oder doch sehr steil nach S. eingesenkt. Diefs zeigt sich aber nur deutlich in bestimmten Durchschnitten; wo der Granit in Gneifs und selbst in Glimmerschiefer übergeht, ist die steile südliche Einsenkung auffallend bestimmt. Dem hiesigen Granit ist nicht selten grüner Speckstein beygemengt. Eisen und Bl e y b e r gw er k. Auf der Hoch- Alp, am nördlichen Abhang des Breithorns , 2000 F. oberhalb **. * S 'fcr, 1 **» 9 . ■‘‘Urt m. kwh ■ bla ■ein eat» [Arjiit i'i-fk 'kante ibi ith» i,** i.IW £ *** + * , Lauterbrunn - Thal. 301 Trachsel-Laitinen , oder 5750 F. übers Meer, ist im XVII. Jahrhundert in dem Eisenerzlager, welches zwischen dem Urgebirge und aufsitzenden Kalkstein auf beyden Seiten im Hintergründe des Thaies, besonders aber an der rechten Seite ununterbrochen zu Tage geht und sehr weit fortzustreichen scheint (S. Grindelfra/d , Meiringen ), eine Grube getrieben und im XVITI. Jahrhundert aufs neue bearbeitet, aber auch wieder verlassen worden. — Schon im Anfang des XVIII. Jahrhunderts wurden in dem Hauri (westlich oberhalb Trach- sel-Lauinen) Bauversuche auf einen Gang silberhaltiges Bleyerz gemacht, welche aber wieder aufgegeben wurden. Im J. 1782. begann eine Kuxgesellschaft aus Bern, um den alten Stollen, Gnadensonne , wieder zu bearbeiten, und neue Stollen höher am Hauri -Berg, (der untre Abhang des Steinberg ) 4 2 5 ° F., und am Steinberg 488 ° F. übers Meer, auf einen und denselben Gang und an derselben Seite in Hochatp auf einen zweyten Gang Aischglück zu öffnen; aber erst seit 1792. erhielt, unter der Aufsicht des H. Direktors Grüner , dieses Bergwerk eine planmäfsige Bearbeitung. Die allgemeine Gebirgsart des Hauri sowohl, als aller das Thal schliefsenden Felsen, ist (bis auf die Höhe, wo der Kalkstein aufliegend erscheint) Gneifs, dessen Bestandteile und Gewebe sehr abändern, und ihn bald dem Granit, bald dem Glimmerschiefer nähern. Häufige Gänge aus Quarz und öfters auch aus Schwerspath durchziehen das Gebirge nach verschiednen Richtungen, meistens in fast senkrechten Lagen, und enthalten theils 302 I.AUWINF.N. eingespreugten, tlicils derben Bleyglanz, der silberhal- tig ist, zuweilen auch Schwefelkiese, magnetischen Eisenkies und derbe braune Zinkblende. Diese Erzgange sind sehr ausgedehnt. Nur einige Stunden südwärts von hier zeigt sich im Lötsch - Thale im Wallis, in der nämlichen Gebirgsart, ein ganz ähnlicher aber reicherer Bleyglanz-Gang, der mit vielem Vortheil bebaut wird. Die hier in das Urgebirge eingetriebneu Schachte sind für den Geognosten sehr lehrreich. Die Gangmasse, auf welche die Stollen getrieben sind, ist ein grauer mehr oder minder dem Calcedon sich nähernder •Quarz, der bisweilen in selbigen übergeht, und aus weifsem mehr oder minder - krummschaaligen Schwer- ^spath. Bis i8°5- wurde der Bergbau fortgesetzt und nun verlassen, weil sich die Gänge in der Tiefe auskeilten, und sie im Ganzen an Erz so arm sind, dafs sie auch bey der Nichtauskeilung doch nicht bauwürdig wären Lacwues (Laue , Lauine, ty.aurre, Lovren , Lene) **), heifsen Schneestürze; eine der entsetzlichen und aufserordentlichen Naturerscheinungen in dem Alpengebirge. So lange der staubige lockere Schnee nicht *) S. Hin. C. Eschers Materialien zu einer naturhistorisch- technischen Geschichte des Bergbaues bcy Trachscllauwi-' nen im Lauterbrunnthale am Ende des XY 1 I 1 . Jahrhun- liunderls in der Alpina, XI. Th. S, 236 . * # ) Tn 'J'j'rol heifsen sie: Schneeluhnenj im Rhätisclieu: Lavindy im französischen Palois: Levanze und Balance; in den Pyrenäen: Congeres , auch Ljdt de ierre, Ljfdt de Vent. L AUW IN EN. 5°3 von den Tannen gefallen ist, mufs inan Lautrinen besorgen, und diefs dauert nach reichem Schneefall oft 2, 3-4 Tage; Bey lockerm Schnee giebt es häufigere, bey Thauwetter gefährliche Lantrinen. Ein Schnee, welcher auf die gefrorne Oberfläche des ältern Schnees gefallen ist, bildet sich leichter zu Lauwinen, als wenn er auf ungcfrorne Oberfläche fällt. Die Lauwinen ereignen sich im Winter, Frühling und Sommer. W ind-Lauinen. Sind die Hochgebirge mit frischem Schnee bedeckt, und werden vom Winde oder einer andern Ursache kleine Schneeballen über die Seiten der Felsen hiuweggetrieben, so vergröfsern sie sich zu Ungeheuern Lasten, und wälzen furchtbar bis in ein Thal hinab; diese werden kalte und Wind - Lauinen. genannt. Wenn eine solche Lauine Menschen oder Vieh begräbt , so können die Unglücklichen durch schnelles Wegräumen des Schnees gerettet werden , weil der Schnee dieser Lauen locker ist. War der Schneesturz nicht grofs, so gelang es schon manchem darin Begrabuen, durch den Hauch, die Ausdünstung und stete Bewegung des Körpers, den Schnee tun sich her zu schmelzen und nach und nach sich herauszuarbeiten. War die Lauine zu grofs und keine Hülfe möglich, so mufs der Unglückliche erfrieren. Schlag-Lauinen. Die Schlofs- oder Schlag- oder Crund - Lauinen entstehen von Ungeheuern Schneemassen, welche am Ende des Winters weit über die Felswände herüberhängen, entweder durch ihre eigne Schwere im April und May, wenn die Sonne kräftiger wirkt, I 3<>4 Lau vvin en. und plötzlich Thauwetter eintritt, oder durch Erschütterung der I.uft vom Schellen der Pferde oder Geräusch der Menschen, oder durch Stürme alsdann sich losreis- sen, und mit unglaublicher Gewalt in die Tiefen stürzen, Steintiümincr, Bäume, Erde mit sich fortreifsen, Felsen zerschmettern, Hütten und Dörfer verschütten und ganze Wälder wie Strohhalme niederbrechen. Diese Schneestürze erfolgen im Frühling ain häufigsten, und machen die Reisen über die Alpenpässe so gefährlich. Jeder Laut ist im Stande, eine Lauine zu verursachen. Wer durchaus gezwungen ist, in dieser Zeit die Alpen zu übersteigen, mufs in Gesellschaft mehrerer Personen reisen, die in gewissen Entfernungen hinter einander gehen, um bey Lauinenfällen den Verschütteten sogleich Hülfe leisten zu können; mufs in den gefährlichen Gegenden den Pferden alle Schellen abuehmen, und früh Morgens in gröfster Stille und Eile vorüberziehen. Aus Vorsicht kann man Vor den gefährlichsten Stellen Pisto- ldh abschiefsen lassen, um durch diese Lufterschütterung die am meisten zum Ablösen geneigten Schuee- massen noch zu rechter Zeit zum Stürzen zu bringen. Die Einwohner jeder Gegend kennen genau die Stellen, welche alljährlich durch Lauinen gefährlich sind; man darf sich also nur berathen. Wer das Unglück hat, von einer Schlag - Lauine verschüttet zu werden, ist gewöhnlich ohne Rettung verloren; der Mensch erstickt oder wird erquetscht. Der Schnee dieser Lauinen ist so fest geschlagen, dafs wenn ein Mensch oder Pferd nur bis an den Hals darin steckt, es unmöglich ist, L A U W I S E N. 5°5 ohne Hülfe sich herauszuarbeiten; dieser Grund -Lauillen - Schnee bildet bisweilen über Gebjrgsströine Gewölbe, über welche bis tief in den Sommer Lasten wie über Brücken daliingchen. Die fürchterliche Gewalt der Wind- uud Schlag - Lauinen übersteigt jede Vorstellung. Der Sturz dieser Schneemassen aus Höhen von vielen 1000 Fufs stölst die Luft mit solcher Heftigkeit fort, dal's bisweilen weit von dem Fall derselben Hütten niedergerissen und Menschen und Vieh zu Boden geworfen und erstickt werden. Die Wurfkraft dieser Lauinen ist bisweilen so aufserordentlich, dafs sie in den Thälern meileiilange Flachen bedecken, und Wohnungen und Menschen Unglück bringen, welche über 2 St. von dem Fufs der Felsen, aus dessen Höhen die Lauine herabkam, entfernt leben. Diese Lauinen führen immer sehr viele Steintrümmer aus den Gebirgen herab, und lassen in den Thälern und auf fruchtbaren Bergen eine lange Reihe von Jahren die traurigen Spuren ihrer Fällrichtung gleich einem verheerenden Ge- birgswasser zurück, ' das die schönsten Wiesen mit Steintrümmern überschüttet hat. Staub-Lauinen, Die dritte Art sieht man nur im Sommer, und sie heifst deswegen Sommer - oder Staub-Lauinen; sie sind den Menschen und Vieh nicht gefährlich, weil sie nur in den höchsten Theilen der Gebirge, wo der Schnee selbst im Sommer immer liegen bleibt, fallen, und gewähren deswegen ein merkwürdiges Schauspiel. Sie erscheinen wie ein Silber- Strom , von'Wolken des feinsten Schnees umgeben, UI. 20 ver- 3 J « 6 ** & / * ^ i ♦ La veno. 509 strömten durch einen Siklwcstv.'ind veianlafst aufseror- dentlich viele Lauwinen sowohl in der ganzen Schyyeilz als auch in Tyrol herab. Viele Menschen kamen auf das jämmerlichste dabey ums Leben, stundenlange Wälder wurden entwurzelt, viel Vieh zerschmettert; Bergwiesen, Gärten, Gebäude herabgetissen. Der Schade in den K. Bern , Vri , Schvrytz , Glarus , Graubünd- ten betrug einige Millionen Franken. In dieser Nacht strömten Lauwinen in Gegenden herab, wo man sie seit Jahrhunderten nie erfahren batte. Der frisch gefallne Schnee lag auf glatt gefrorner Oberfläche der Felsen und des alten Schnees. Schneestürme. Die Schneestürme (Buxen und Cugsen in der Schweitz, und Tourmentes in Savoyen genannt) sind ebenfalls den Reisenden gefährlich. Heftige Wirbelwinde nämlich raffen «den gefallnen Schnee in den hohen Thälern der Felscnpässe in grofser Menge auf, jagen ihn in wolkenUlinlichen Massen von einer Stelle zur andern, füllen Schlünde und Vertiefungen in kurzer Zeit aus, verschütten die Strafsc, und selbst die Stangen, welche ihre Richtung andeuten. Ist ein Reisender so unglücklich, von diesen Schneestüimen überfallen zu werden, so befindet er sich in der gröfsten Gefahr, weil diese Wirbel von feinkörnigem Schnee, der auf der Haut stechenden Schmerz, Rothe und Geschwulst verursacht, kaum gestatten, die Augen zu öffnen und vor sich zu sehen; und weil man so leicht die Strafse verfehlt und in Abgründe von Schnee stürzt. Lavbno (Labienum) , ein Mailändisches Städtchen am östlichen Ufer des Uangensecs, am Ausgange des Cuviothals im Königreich Italien. Merkwürdigkeiten. Die Aussichten von hier über das weite Scebecken, in dessen Mitte die Borro- mäischen Inseln schwimmen, nach Belgirate, den Berg Veigante, Fariolo und Montorfano, auf Intra, Pa- lnnza u. s. w. sind prächtig. Oberhalb Laveno erheben sich der Orsero 2365 F. , der Safso del Ferro 2687 F‘ und der Beuscer 3206 F. über den See , nach Oriani. Monte Beuscer ist sehr wasserreich ; an dessen Mitte stürzt ein Bach, wie der Fiume di Latte am Co- rnerse, während den Sommermonaten hervor. Wege. Von Laveno nach lsola bella 2^'» St. (5 ital. Meilen).— Nach p'arese 12 italienische Meilen oder 2 Posten; man findet hier stets Postpferde. Die Strafse ist zum Theil * jäh und eng, führt aber durch ein fruchtbares Hügelland, mit allen lleitzen Italiens gesegnet, voll der aufserordentlichsten Aussichten-. Der Weg geht längs dem Boesio, aus dem Cuviothal heraus durch Citiglio, Gemonio, Trevisago, Coquio, S. Andrea, Gavirate , Comero (bey hellem Wetter ist zwischen den beyden letzten Dörfern die prachtvollste Aussicht auf die Alpen, den Monte Rosa, alle seine Nachbaren, den Simplon, u. s. w.; zu den Füfsen liegt der See von Varese mit seiner buschigten Insel Barbella), Barafso, Luinate, Colciago, Masnago und Varese (S. Parese), — Von Laveno durchs Val Cuvio über Brenta, Cuvio, Cassano, durchs Val Travaglia ijach Luiiio an der Mündung der Tresa ( S. Travag~ i n «le.f bfc, iA. 'OS fto «,w iiss ats j- tat » ui JfeM > ^ tal» KjWi "■ RSS<’ !*■ ,y .**:■ y- ✓ L e c c o. 3 11 lia-Thal und Luino); zu Cuvio liegt der herrliche Pallast der Litta, und zu Suigno, rechts zwischen Brenta und Cuvio, der Pallast della Porta. Geognost. Beschaffenheit. * Die Berge, welche das Cuviothal vom See trennen, bestehen am Fufs aus Schiefer, und in den Höhen aus Flötzkalkstein. An den Abhangen derselben sind ungeheure Nagelfluehiigel angelehnt, aus denen Regen und Bäche unzähliges Gerolle in die fruchtbare Thalfläche herabführen. Die Schutthügel tlieilen die; Gewässer, wovon ein Theil durchs Val Travaglia in die Tresa, der andere Theil durch den Boesio in den Langensee fliefst. Laviner-Thal, in Unter - Engadin, K. Bünd- ten, öffnet sich bey Lavin zwischen Süfs und Ardez, vom Lavinuozi durchströmt ( s. Säjs). Lavizzara-Thal, im K. Tessin, s. Maynthal. * I.ecco, mailändisches Städtchen am Ausflufs der Adda aus dem Comersee (s. Comersee). Merkwürdigkeiten. Lecco war ehedem eine starke Veste. Hier eine grofse Menge Drahtziehereyen, Schmiede, Schlösser, Mühlen zum Abhaspeln und Zwirnen der Seide, und Olivenpressen. An dem Kanal Fiu- inicello stehen no solche Mühlen, welche die Maschinen zu allen diesen Arbeiten in Bewegung setzen. Der Berg, an dessen Fufs Lecco liegt, wird zu Mailand gesehen, und dort Resegnone di Lecco : (Sägc von Lecco) genannt, weil er in seiner Höhe ausgezahnt ist; erhebt sich 4939 F* ü ^ er ^ ea See. Der Monte Brianza in der Nähe von Lecco ist wegen seiner herrlichen Lage, 1 312 Lecco. schönen Landhäuser und vortreflichen Weinwachses berühmt. Die ganze Gegend ist reich an Oliven, Maul- heerbäumen und Weinbau. Nicht weit von Lecco zu Laorca sehr schöne’Holen voll Tropfsteine. Bey Lecco tritt die Adda aus dem Comersee, fliefst nach einem kurzen Lauf in den See von Pescarena, dann in den See von Olginate, und zuletzt in den See von Brivio. Von Lecco bis Brivio kann man in einem Nachen mit 2 Ruderern in weniger als 2 Stunden diese drey Seen durchfahren; zurück braucht man aber 6 Stunden. Am linken oder östlichen Ufer, dieser Seen erheben sich die Bergamaskischen Berge, und hier lief die Grenze des Venezianischen Staats. — ln der .Nähe von Lecco auf dem Wege nach Coino die vier Seen von Oggiano , Pusiano, Sagrino und A her io , die reiche und fruchtbare Ebne von Erba und mehrere Berge, welche vor- trefliche Aussichten gewähren, besonders abseits von Cassano bey dem Kloster S. Salvatore, wo man die Ebne von Erba, das Assinatlial, und die lombardischen Ebnen übersieht. Merkwürdig ist das Dreyeck zwischen den beyden Seeärmen von Como und Lecco, in dessen Mitte das Assina~Thal vom Lambro durchströmt liegt, und welches man von Lecco aus über Ponte, Canzo und Asso, zu Wagen bereisen kann; von Asso weiter bis in den Hintergrund auf die Ebne von Tivano kann man nur reiten oder gehen. Der Lambro entspringt aus der periodischen Quelle MetiaresZa ob Magrelio; diese Quelle wächst alle 8 Minuten, nimmt während 3 Minuten zu, und daun während 5 Minuten wiefte 1 -W L E c c o. 3*5 Der Lambro fliefst zwischen den Seen Alserio nnd Pu- siano liin, erhält ihre Ausflüsse, und strömt durch die lombardische Ebne, nicht weit von Mailand vorbey, und mündet sich in den Po. Zwischen dem See Sagrino und Ponte liegt in der Höhe Castei - Marte an, in dessen Kirchthurm einige römische Alteuhümer, zu sehen sind. Zwischen Canzo und Asso ein schöner Wasserfall, Vallategna genannt. Zu Asso wird die resta dem Lambro Ursprung giebt. Von hier weiter welche reich an Alpenpflanzen ist. In dieser Ebne sieht man die Höhle Buco di Nicolina und mehrere andere Höhlen in ähnlichen von allen Seiten von Bergen geschlofsnen Ebnen, in welche sich alle abfliefsende Wasser verlieren. (S. hierüber unter Cumersee die Pliniana). Die höchsten Felsen-im Assinathal erheben sich, wie das Corno die Canzo, 361,9 F. , das Santo I’rimo 4603 über den Comcrsee, oder 5257 F. übers Meer. Aus dem Piano di Tivano kann man nach Bellagio und manche andere Dörfer atu Sccarm von Conto *Sa schöne Inschrift eines C. Plinius an den Genius von 111 h Asso und eine andere römische Inschrift zu Lasinigo kl «i aufbewahrt. — Von Asso nach Barni, eines der am Cn« höchsten gelegnen Dörfer, welches durch seine fetten [ko Schnecken, die mit Tussilago petasites gemästet wer- ’ia, den, berühmt ist. Von Barni nach Magrelio, wo die Hole, in welcher die vorhin beschriebne Quelle Mena- di nach N. breiten sich die Alpweiden auf der 3566 F. 41 & über den Comersee gelegnen Ebne von Tivano aus, und Lecco hinabsteigen, 3*4 L e c c o. Wege. Von Lecco nach Como auf einer fahrbaren Strafse durch Incino und Erba ; bey Incino stand das alte Licinoforo, welches mit Bergamo und Como die drey von I’linius erwähnten Städte der Orober bildete.— Von Lecco nach Mailand i ) Zu Wasser; von Lecco bis Trezzo, bis wohin die Adda einen Fall von 270 F. hat, gelangt man in 3 1 j 2 St., und von hier durch den Kanal in 7 St. nach Mailand. 2) Zu Lande über Carsnniga und Monza 5^ Posten. G eo gn o s t is ch e Thatsachen. Alle Gebirge ia dem Dreyeck zwischen den beyden Scearmen und bey Lecco bestehen aus Flotzkalkstein , zwischen dessen Lager Schichten rother Jkctzschiej'cr voll Ammoniten und Nautiliten , und Feuerstein bey der Höhle Buca di Piombo (abseits von der Strafse bey Villa), Schichten Hornstein unterhalb Canzo streichen. Bey Limonta Gyps und Marmor ; am Fufs des Corni di Canzo rother Marmor mit Nuinuliten - Versteinerungen, bey Asso auch Marmor. Bey Vigano (in der Nähe von Lecco) ein weifser und so weicher Sandstein , dafs mau die feinsten Verzierungen daraus verfertigen kann. Auf den Felsen von Torno bey Cassano versteinertes Holz und Versteinerungen, und am Montorfano Nagel- Jlue aus Porphyr, Granit und Kieselstein - Gerolle , aus welchem Mühlensteine gehauen werden. — Das 35(16 F. über den Comersee liegende Piano di Tivano und die andern Höhen dieser Kalkfelsen sind mit Cra- nit, Gneifs und Glimmerschiefer-Trümmern über- 1 streuet, so wie es auf der andern Seite des Comersee* im Val Intelvi und auf den Bergen am Langen- See beobachtet wird (s. diese Artikel). Auch steht hin und wieder auf diesen hohen Ebnen Kagetjlne an. Auch ist in gleicher Höhe mit der Ebne von Tivano das Torffeld von Veleso merkwürdig, wo in einem 4 F. tiefen Torflager die gröfsten Lerchenbaumstämme liegen ( s. dieselbe Erscheinung auf Höhen am Langen - und Orta-See); höchst wahrscheinlich stand einst hier ein geschlofsner See. — Das Assina - Thal ist südwärts von einem Bogen Hügel umschlossen, so dafs , bevor der Lambro bey Eambrugo einen Durchbruch bewirkt, der untre Theil des Val Assina einen grofsen See darstellen tnufste. Der ältere Plinius ( Lib. III. C. 19.) spricht auch nur von dem See Eupili, den der lambro bilde ; seit dieser Zeit sind drey Seen und ein weites Torffeld aus dfem ehmaligen einzigen See entstanden. 1 Mineralogie. Bey Aquate wird spathiger Eisenstein ausgebeutet. In den Kalkfelsen bey Mandello viel Bleyerz in Nestern, und zwar so reich, dafs man schon 70 von 100 reines Bley erhielt; auch hier Eisenerz mit Bley vermischt, welches zu Lecco geschmolzen wird. — Eisenerz in den Corni di Canzo, welches vor hundert Jahren ausgebeutet wurde. Lecsose, hoher Felsen im Veltlin am Corner- See. (S. Veltlin ). Lei-Thal ( Val di Lei ) hohes, nur im Sommer bewohntes, 4 St. langes Bergthal zwischen dem Splügen und Septimcr , öffnet sich ins ierrera - Tlia! , und ist von einem langen Gletscher geschlossen, über welchen 516 Leisingen. ein Weg au« dem Ferrera - Thal nach Srzuogno im Plurser - Thal führt ( s. Ferrera - Thal ). Dieses Thal ist das erstemal in der Karte des Helvetischen Alraa- nachs vorn J. 1806. gehörig gezeichnet erschienen. Die Grenze der Schweitz ist ain Kreuz in einem Telsen jenseits der Brücke über den Leienbach. L ei sin gen, Dorf am südlichen Ufer des Thuner- Sees , am Fufse des Leissig — Grats. Von Thun fährt man auf dem See in 3 St. dahin. Seine Lage ist sehr romantisch. liier ein Bad, Leissig-Bad genannt. Schwefelquellen und Bcstandtheile. Es sind hier drey Schwefelquellen. Die eine liegt mitten im Badhause, kaum 6 F. über die Seefläche, hat 10® Reaumitr, sehr starken Geruch und Geschmack, und läfst in offnen Gefafsen ein weifses Pulver fallen. Eine Maas davon enthält: Schwefelluft 6 j? Kubikzoll, Luftsäure 2^2 Kubikzoll, vitriolisches Bittersalz 5 y 2 Gran, vitriolischen Kalk 21 7 '3 Gran, luftsaures Bittersalz 1 ^5 Gr., und luftsauern Kalk Gr. Das Wasser dieser Quelle wird zum Gebrauch des Bades erwärmt. Die zsreyle Quelle ist 150 Schritte vom Badhause entfernt, und verdient als Trinkwasser den Vorzug. Das Wasser derselben ist stets milchig , hat einen starken Schwefelgeruch, und ro 0 Reauinür; eine Maas davon enthält Schwefclleberluft 9^2 Kubikzoll, Luftsäure 2 Kubikzoll, Bittersalz mit salziger Magnesia 5 % Gr., luftsauern Kalk 8^2 Gr., Eisenerde Gr. Die dritte Quelle ist das Ln/n/n-Bädli, 1 St. aufwärts im Berge, wo in einer halboffnen Ilütte 6-8 Badekästen und / L F, N G N A ü. 317 der Kessel zum Erwärmen des Wassers angebracht sind. In jeden Kasten, der kaum für einen Menschen Raum hat, legen sich bisweilen zwey Personen, die sich darin für i Batzen , so lange sie wollen, baden. Dieser wohlfeile Preis verursacht vielen Zulauf der Landleute. Diese Quelle besitzt nichts Flüchtiges, viel Bittersalz, Gyps, und hat einen starken mineralischen Geschmack ; es führt ab , und macht bisweilen brechen. (Nach der chymisclien Zerlegung des H. Morell, Apothekers in Bern). Nicht weit östlich von Leisingen bey Darligen fiiefst dicht am See eine Quelle, aus welcher ein Bewohner dieses Dorfes Glaubersalz bereitet haben soll. Geognost. Thatsache. Diese Schwefelquellen haben ihren Ursprung in den Gyps-Lagern, welche aus der Landschaft Bex von SW. nach NO. durch das Saanefi - Land und Simmen - Thal nach dein Thuner- See fortstreichen, und zwischen Spietz und Leisingen zu Tage ausgehen (s. Spietz ). Diese Gypslager setzen in gleicher Richtung durch den Brienzer-See nach dem Brünig , an dessen Fufs der Gyps wieder zu Tage geht, durch Unterwalden weiter (s. Sarnen). Leman (der Kanton). S. Waat. Len cs au, Dorf im K. Bern, an Fufs des Jura an der Landstrafse zwischen Solothurn und Biel. Neue Geschichte. Hier war es, wo der Donner feindlichen Geschützes zum erstenmal seit 1477. die Gebirge der Schweitz erbeben machte. (S. vorher den Zusammenhang des Anfangs der Umwälzung der yjif} Lenk (ander). Scliwcitz in den Art. IJ'aat, Bern , Aarau’). Die Franzosen unter General Schauenburg 15-17,000 M. stark giiffen den 3. Merz in der Nacht um 5 Uhr (179g .) das in Lengnau liegende Bataillon Berner -Militz, welches auf die Nachricht der von neuem begonnenen Fricdensnnterhandlungen zu Payer ne mit dem General Brune sich nichts vermutliete, an. Vierhundert Mann dieser Militz -wurden mit ihrem Oberst FVurstemberger getödtet und verwundet, eben so viele zu Gefangenen gemacht, und nur wenige entkamen. Die Fahnenträger Abraham Cafner von Ytingen und Peter Cliik von Maten (aus der Gemeinde Interlachen') retteten ihre Fahnen durch Beweise des höchsten Muths. Ein Stückknecht des Bataillons von Werdt (aus dem Amte Büren) blieb beym Stürmen der Franzosen ins Dorf zwischen seinen Pferden unbeweglich stehen. Ein Franzos fragt ihn, ob er Pardon haben wolle? indem er das Bajonet auf seine Brust setzt. „Nein, von den F'einden meines Vaterlandes will ich keinen”! war seine Antwort; sogleich stürzte er zu Boden, und gleich nachher der Franzos von einem Schweitzer getroffen. Die Franzosen drangen schnell gegen Solothurn und Büren. (S. diese beyden Artikel)., Mineralogie. Hier wird am Jura, wie zu Aarau, Eisenerz in Bohnen ausgebcutet. Lenk (an der), das letzte Dorf im Simme- Thale, K. Bern, ohngefähr 5000 F. übers Meer. Zwcy W rthshauser hier, wovon das befste jenseits der Sim~ men~ Brücke am Dorfe, links das letzte Haus vor de 01 Lenk (an der). 3’.9 Kirchhof. Der höchste Theil des 13 St. langen Simme- Thales gehört zu der» malerischsten und merkwürdigsten Gebirgsgegenden, dessen Schönheiten wenig bekannt sind und besucht werden , obgleich die Iieisendcn von Thun bis hielrer auf kleinen Wägen , und eben so weiter durchs Saanen - Land in den K. Freyburg sehr bequem reisen können. Den Weg nach Lenk s. man unter JVimmis, F.rlenhach , Lfyssenburg und ’/wey- simmen, und das* Allgemeine dieses Thaies unter dem Art. Simme - Thal. — Südwärts von dem Dorfe Lenk wird das Thal von einem herrlichen Felsenkranze geschlossen. Ueber die bewaldeten und begrasten Vorberge : Albresch - llorn , Obertaub, Palm , AJetsch , Braek, zwischen denen der Ammerl , Pommer, Laub, See, EJfig, der ‘ verlorne Bach und die Simme hervorströmen, erheben sich der Ammert -Grat, das Ammerl- Horn, und über dieses der trilde Strubel, von welchem der Rätzli- Gletscher in drey Stockwerken herabhängt , und sich sjhr malerisch zwischen dem Strubel - und LVyJs - Horn darstellt. Auf das letztere folgen: Das FFild- Horn, L^aufboden- Horn, Rohrbach— Stein, Mittag - llorn , Rauyl- und 1 ffig - llorn. Schönheiten dieses T,h ales. Die drey prächtigen Falle der Simme. Zu den prächtigen Fällen der Simme, den sieben Brunnen und dem Rätzli - Gletscher 2 Stunden vom Dorfe. Wenn man um 4 oder 5 Uhr Morgens weggebt, so kann man alle Naturschönheiten sehen und um Mittagszeit wieder im Dorfe anlangen. Der Weg führt eine starke halb« Stunde durch die Oberrieder- Ebne neben der Simme zwischen Hausern und Hütten (wovon die letztem im W inter 6-8 Wochen die Sonne nicht sehen) bis au einen ILrlenbusch , wo die eigentliche , auch für Pferde gangbare Slrafse links wendet; man folge der Strafse nicht , sondern steige gerade zwischen den Bäumen in die Höhe dem starken Geräusch entgegen, wo die Simme den untersten Fall macht. Von hier gehe man gerade aufwärts, und in 10-15 Minuten zeigt sich rechts eine kleine Brücke , auf welcher man den zvrey- ten Fall in seiner vollen Schönheit geniefst. Man mufs hier so lange weilen, bis die Sonne den Fall erleuchtet; nur dann ist er in voller Pracht, und sein | Anblick lafst sich mit keinem andern Wasserfalle vergleichen. Von dieser Brücke geht man auf die rechte Seite der Simme zurück und steigt längs derselben immer weiter, und durch das ehmalige Bett dieses Stroms, der sich sonst hier links ins Thal stürzte. Ist man bis dahin aufwärts gestiegen, wo die Simme ganz ruhig fliefst, so wendet man sich links über schöne Wiesen hinab, aber bald wieder rechts hinauf nach der Simme , nnd folgt einem Steindainme zwischen Gesträuch, bis an die äufserste Spitze. Hier ist der dritte Fall, welcher, im vollen Licht der Sonne (während die steile Wand des Ammer- Horns und die hohen Tannen noch im Schatten liegen ) gesehen, sicher einer der malerischsten J'Vasserjälle der ganzen Schweitz ist. Wenn man den Steindamm wieder zurückgegangen ist, so steigt man den grünen Hügel bis in die eigentlich« v V tu *Stt Bus »St la »t- ei. k (MÜ| aia ihre- • rafcs ffctien tets .sin» Sit Sa* liA 1 * 0 f ' *** /, Lenk (an der). 321 Strafse hinab, welche man nun bis zur Sennhütte auf der Alp bey den Sieben Brunnen nicht mehr verläfst. Bis dahin zeigen sich noch viele wilde und malerische Ansichten. Man geht auf einer Brücke über den Am- merl - Bach, und sieht einen -vierten Fall der S'imine , der aber mit den vorigen nicht zu vergleichen ist. Die Sieb en Brunnen. Einige Minuten vor der Sennhütte erblickt man schon die Sieben Brunnen. Es sind; nicht gerade sieben , sondern weit mehrere Quellen , welche aus der kahlen Wand eines Felsens unter einem Kreuz von grünem Gesträuch weifsschäumend und in solcher Fülle herausströmen, dafs sie gleich am Fufs des Felsen einen beträchtlichen Bach bilden, welcher die Siebne oder Simme genannt wird, wovon das lange Thal seinen Namen erhalten hat. Unstreitig gehören die Sieben Brunnen zu den eigenthümlichsten und schönsten Schauspielen in der Schweitz. Das hohe, kahle, spitzige Horn, gerade über diesen Quellen, lieifst See—Horn, weil hinter demselben ein See liegt, welcher von dem Schmelzwasser des Rätzli- Gletschers ernährt wird, und von welchem die Sieben Brunnen der Abflufs sind. Der Rätzli — Gletscher bildet drey Stockwerke, welches sich von Lenk aus sehr bestimmt wahrnehmen läfst ; in 5 St. kann man von der Simmen -Alp hinaufsteigen. Oben an der rechten Seite des Gletscherfelsens sieht man ein weites Loch , aus welchem nur Frühlings und Sommers ein grofser Bach hervorströmt, der von den Einwohnern dev -verlohrne Bach genannt wird. So oft dieser Bach von den Bewohnern des III. at 322 * Lenk (an der). Oberrieds gehört wird, entsteht hey ihnen lebhafte Freude, weil sie dann hoffen , von dem Winter bald befreyt zu werden; und diese Hoffnung täuscht s ; e niemals. Da die Felsen nördlich sehr steil abgerissen sind, so stürzen gewaltige Eismassen jedesmal hinab, so oft der Gletscher schiebt, Und bilden einen eignen Gletscher, ^2 St. von der Sennhütte entfernt. Jenseits des Gletscherbachs führt ein Fufspfad nach dem Dorfe Lenk zurück; allein er gewährt so wenig Unterhaltendes, dafs ich den Reisenden rathe , lieber auf dem vorigen Wege zurückzukehren. Personen, die des weiten Gehens ungewohnt sind , können sich die Bequemlichkeit machen, zurückzureiten, oder auch zu den Sieben Brunnen hinaufzureiten, und dagegen zurück, nur von der Ammert- Brücke, bey den drey angezeigten Simme - Fällen vorbey , bis an den Erlenbusch zu Fufs zu gehen ; ein Spaziergang, der kaum eine kleine Stunde beträgt. Wer mehr Zeit auf diese Reise verwendet, und sein Mittngsbrod oben in der Sennhütte einnimmt , der kann alsdann Nachmittags noch einmal das Schauspiel der Simme- Fälle in einem andern Lichte geniefsen , und die prächtigen Regenbogen, welche sich in deren Staube bilden, bewundern; es wird keinen Freund der Natur gereuen , dem Genufs dieser Schönheiten einen ganzen Tag gewiedmet zu haben. ► Wege. Von Lenk führt ein für Pferde gangbarer Paf’s längs dem Effigen - Bach über den Ravyl , äufserst steil auf der Südseite hinab, längs dem Liena- Bach durch Ar ent und Arba nach Sitten , in to-n St* I. n 1 tpu latu «hi ab ■ n ilef «in »fr 1 » «d w* * 16 « b Setup* «*** Lenk (an der). 523 Auf den Cemmi über die Aengstlen - Alp des Adelboden - Thals n St. Während 8 St. steigt man beschwerlich durch eine öde nackte Felsengegend, wo kein Pfad zu erkennen ist; deswegen ein sehr kundiger Wegweiser zu dieser Reise nothwcndig wird. Ins Adel - boden - Thal nur 5 St. über grüne Vorberge. — Nach Lauenen über den Reulissen 5 St. (s. lleulissen). Wer zu Wagen reist, fährt wieder bis 7 .»’eysimmen zurück, und von da nach Saanen , oder das ganze Simme - Thal hinab, bis an den l'huncr - See. Geognost. Beschaffenheit. Die hohen Gebirge hier bestehen aus Kalkstein mit Quarzkörnern gemengt, welche auf den obersten Lagen, die aller Witterung ausgesetzt sind, hervorragen und ein scharfes Reibeisen bilden. Auch streichen in den Höhen mächtige Lager Versteinerungen , wovon ein ungeheurer Block auf der «Sr/nnie/i - Alp zwischen der Sennhütte und dein .See-Horn liegt; die Vcrsteineiungen sind alle zerquetscht. Die Seiten-Gebirgsketten des Thaies scheinen aus Grauwake, auf Thonschiefer sitzend, zu bestehen. (Man s. den Art. Niesen'). — Nahe bey Lenk ist eine Schwefelquelle ; einige Stunden davon im Adel - boden- Thal quillt auch Schwefelwasser j 3 und weit tiefer herab, ain T/iuner - See bey Leissig , sind mehrere Schwefelquellen. Alle diese Quellen liegen genau in der Streichung der grofsen Gyps-Lager von SW. nach NO., und haben in selbiger ihren Ursprung. (S. Bex f Etivaz , Lauerten , Reulissen , Spietz ). 324 Lenta- oder L äN TA - TH AL. Lenta oder Lahta-Thal, ein Nebentha] J es Halserthals in J.ugnctz , K. Iiündten. Aus dem Gletscher dieses Thals entspringt die Hauptquelle des GUn- t ners. ( S. Lugnetzer*- Thal). hES>, ( rhätisch : Lanc und I.onc) , Dorf im K. Ctauhündten, an der Strafte von >Chur< ins •Engadin und nach Chia-venna. Hier theift die sich. Die Strafse über den Septimen geht gerade fort nach Hcfenhnsteh ins Ober-Halt),steiner - Thal; die Strafte über den Albula. hingegen geht links durch Vazerol und Brienz nach Alvenen (s. diesen Art. \ Nach Chur 5 St. Durch die sogenannte Lenzer - Heide in 2 St. nach 1 !' Par pan ( s. diesen Art.). 1. Lenzbubg, hübsches Städtchen im K. Argau am • 1 • ';n"> 'i : Aa ( ein . Abflufs des Halhrjler - Seef ) und an der - (l u. q ?2) Landstrafte zwischen Zürich. Aarau und Bern. Wirths- ’■ ' t häuser ; Krane, Loire, Bar. Geschichte. Die allemannischen I.enzer nann- 1 t • ten ihre" Burg in dem Aargau Lenz Burg , ehinals der Sitz der Grafen von Lenzburg, deren Stamm sich in dem Alterthum verbirgt; Urkunden vom J. 85 °- erwäh- nen dieses Geschlecht, welches zu den mächtigsten der Schweitz gehörte, und vom IX. Jahrhundert an in den Thälern vou Schwytz, Unterwalden, am Zuger-See und weit und breit im Aargau, Dprfer , Klöster, Burgen und Städte anlegte und eibaute. Als dieses Geschlecht im J. 1175. aus.staib, kam deren Gebiet an Oesterreich, und im J. 1415. an den K. Bern, von welchem es eins der grüfsten und reichsten Vogte)- Lenzbvkg. 325 ämter wurde. Das Felscnschlofs kaufte Bern von Werner, Schultheifs zu Lenzburg, iin J. 1460., und seitdem wolmte hier der Landvogt. Lenzburg gehört zu den kleinern Städten, wo Fabrik - und Ilandelsgeist am thätigsten ist. Hier hält II. Pfeiffer eine Privat - Erziehungsanstalt, welcher die (Jesangslehre, nach den Grundsätzen der Pestalozzischen Elementar - Methode ausgearbeitet, und die Ausübung dieser neuen Gesangslehre zu einem Grade der Vollkommenheit gebracht hat, welche in Erstaunen setzt. Man s. dessen und H. Nägeli's (in Zürich ) Werk: Gesangbildungslehre in 2 Th. 1809. Aussicht. Ruinen der Burg des Landvogt Gesler. Auf dem Schlofsberge eine schöne Aussicht. Westlich der Stadt auf der Spitze des kegelförmigen Slauffherges bey der Kirche auch eine weitere herrliche Aussicht, Nach JN. sicht mau am Jura das Schlofs PVildegg , (wo drey Brüder Nalhrjl sich gegen die Berner im J. 1415. behaupteten, als ganz Aargau erobert wurde, s. JJallrvj'l), und nordöstlich an der Ecke dieses Jura- Zweiges die Ueberreste des Schlosses Brunei , der Sitz des Gesler von Brunei, welcher im J. 1307. als österreichischer J.andvogt die W aldstädte Uri , Schwytz und Unterwalden tyrannisirtc, und von /'/ ilhclm Teil in der hohlen Gasse bey Kiisnacht erschossen wurde. (S. Allorf, Bürgten , Kiisnacht und Luzerner- See). Diese Feste wurde von den Eidgenossen im J. 1415. ( 108 Jahre nach dem Beginnen ihres Bundes ) erobert und zerstört. Ein angenehmer 1 326 Lenz bürg. Spaziergang nach der lieblichen Gegend von Seengen j St.; und 1 j/ t St. weiter nach den Halhryler-See und Schlojs in einem fruchtbaren Thale (s. Ilallrryt), — Von Lenzburg nach Aarau führt gleich hinter dem ersten Dörfchen rechts ein abkürzender Fufswcg durch einen schönen Eichenwald. Ueber einige Merkwürdigkeiten auf dem Wege nach Mellingen und Baden , siehe diese Artikel. Helvetische Erzieh ungs - Gesellschaft. Eine gewisse Anzahl edler Schweitzer hat diese Gesellschaft zur Beförderung des Erziehungswesens gestiftet. Ihre erste Sitzung hielt sie hier den 24. Oct. 1808. Es waren aus 11 Kantonen 41 Glieder versammelt, welche Heinrich Pestalozzi , den Gründer der berühmten Elementar - Methode, zum Stabführer erwählten. Diese Versammlung wird hier alle Jahre Sitzungen halten, und ihre Arbeiten werden bekannt gemacht werden. — Hr. Fischer in Lenzburg, welcher eine Erziehungsanstalt leitet, hat das grofse Verdienst, dafs er im Geist Pestalozzi’s die Elementar - Methode des Gesanges ausgearbeitet hat. Man s. dessen Werk. Geognost. Thatsache. Der Felsen, auf welchem das Schlofs liegt, besteht aus einem fast kalkartigen, mit zerquetschten Muscheln gefüllten Sandstein, dessen horizontale Schichten 1-5 Fufs dick sind. Dieser über den grünen schönen Hügel hervorragende nackte Fels ist in aus - und einspringenden Winkeln so bewachsen, dafs man die deutlichen Sptrren der Wirkung ehmaliger Wasserfluthcn nicht verkennen kann. — Die ganze weite Ebne zwischen Lenzburg , PLildeck und t-a St. nach Aran zu besteht aus unverbundnen gerollten Steinen, mit Pflanzenerde bedeckt. Diese zahllosen Geschiebe liegen hier ausserordentlich hoch übereinander geschüttet, und wurden aus dem Alpengebirge über den Vierwaldslädter - See geliuthet. (S. Rigi). Leus (Lounecke ) , ein schlechter Flecken auf einer Anhöhe an der rechten Seite der Rhone , im Wallis, nicht weit vom Einfluls der Dala in dieselbe. W^irthshäuser: Kreuz und Stern. Von Ferne giebt dieser Flecken mit seinen zwey alten Schlössern *) einen malerischen Anblick. — Nahe bey Leuk ist die Seufzer -Matte, wo die Walliser im J. 1318. ein kleines Heer des Adels, wobey die Blüthe des Adels aus dem Berner-Oberlande umkam , überwanden und vernichteten. — Bey der Rhone- Brücke hat man eine Ansicht auf den seltsamen Lauf des Flusses zwischen Hügeln von 150-200 F. Höhe, welche ganz aus Kalktrümmern bestehen. (S. über dessen Ursprung den folgenden Artikel und den Art. Sitten ). Die Landstrafse durch Wallis berührt diesen Ort nicht, sondern er bleibt links liegen. (S. Sidersf Wer aus dem Ober- Wallis kommt, und nach den Bädern Lenk, oder über den Gemmi , oder von da nach dem Ober - Wallis reisen will, mufs diesen Flecken tberühren. (S. Leuk , *) Im J. r4 I 4- zerstörten die Walliser dem mächtigen Witschard von Baron hier einen Thurm, und dem Bischof die Schlofsburg, die Bader ). Nach dem Loetsch- Thale und nach Raron führt ein Weg von Leuk am rechten Rhone-Ufer. Pflanzen. ‘ Die dem if r allis eigenthümliclien Pflanzen: Artemisia valesiaca und Xeranthemum annuum ( S t r o hb 1 uhn e ) wachsen am Wege zwischen Leuk und Siders. Uhus coti- nus ( Per iick en - Su in a ch) an der Iihone ; aufser diesen findet man bey Leuk: Cistus polifolius. Hieracium floren- tinum. Coronilla minima. A stravaius pilosus und ono- hrrclus , und Ononis minutissima, zwischen Leuk und Siders. Leuk f die Bäder , französ. Bains de Louaeche ), in einem hohen Bergthale, auf der Nordseite des Ober- Fl^allis , am Fufs des Gemmi. Die Wege dahin führen aus dem K. Bern über den Gemmi (s. diesen Artikel), oder von den Flecken Leuk und Siders im Wallis-Thal. Weg von Siders zu den Bädern. Von Siders his zu den Bädern Leuk 5 starke Stunden , fast immer ansteigend. Die Kranken, welche nicht reiten können, lassen sich in Sesseln hinauftragen. Der ganze Weg ist reich an wilder, schrecklicher ^tnd schöner Alpennatur. Man geht durch die Dörfer Salges , Faxen (wo in der Nähe des Wirthshauses eine schöne Aussicht auf das Rhone - Thal ist), steil den Berg Faxen hinauf, nach einem 'l’annenwalde, wo man ostwärts I den Flecken Leuk , und nordostwärts jenseits des Dala- Schlundcs auf einem steilen grünen Bergabhang das sonderbar gelegne Dorf Albinnen erblickt; aus dem L E U K. 1 3 29 Tannenwald steil abwärts an einer senkrechten drohenden Felscnwand, und vorbey neben einem fürchterlichen Abgrund , in welchem man nur schwach die Dala rauschen hört. Biese dem Wandrer Schauder erregende Stelle heifst die Gallerie. Zuin Schutze gegen herabfallende Steine ist ein Dach über den schlimmsten Tlicil angebracht; ehe der jetzige Weg eingchauen war, mufste man auf Sprossenleitern über diese furchtbare Stelle dabin. Die mannigfaltige Färbung dieser Kalkwand gewährt einen sondeibaren Anblick. Oberhalb derselben sind schofle Alpweiden ; zwey grofse Stiere geriethen dort in Kampf, und der eine wurde über diese Wand herabgestürzt. Jenseits dieser fürchterlichen Gallerie führt die Strafse über zahllose Kalkstein- Trümmer aufwärts durch einen Fichtenwald, durchs Dorf Inden , und von da auf- und absteigend nach dem Dorfe Baden , oder den Leuker - Bädern. Der Weg von dem Flecken Lenk trift zu Inden mit dem vorigen zusammen. Neueste Kriegsgeschichte. An diesem Fel- senweg hielten die Walliser , welche im May 1799. gegen die helvetische Regierung und die Franzosen in Aufstand getreten waren, die französischen und helvetischen Truppen mehrere Wochen lang auf. (S. Wallis). Die Walliser hatten einen Vorposten unter jenem Dach, auf welches die Franzosen vergebens Steine und Feuerbrände herabwarfen. In einer Nacht erkletterten die Walliser diese Felsenwände, überfielen die Franzosen im Rücken, schlugen viele derselben todt, 53» Lf.uk. und stürzten eben so viele in den naben Abgrund. J); e JValliser drangen nun wieder bis unter Siders herab Bald aber kehrten die Franzosen mit verstärkter Macht zurück, und einige hundert Oesterreicher kamen aus Italien zur Unterstützung der Walliser; diese mufsten die Leitung des Krieges den landesunkundigen Oester- reichem überlassen, und wurden mit diesen bis in die höchsten Gebirge getrieben und endlich zerstreut. Nirgends wurden von den siegenden Franzosen solche G'ausamkeiten verübt wie im Wallis, Ein Einwohner von Inda , Heinrich Camenzind , von Cersau gebürtig, wurde auf einer Schlachtbank gemordet, weil er den Weg nicht anzeigen wollte, durch den die Walliser jenen nächtlichen Ueberfall unternommen hatten. Die helvetische Kegieruug mufste durch einige hundert Berner die Erndte im Wallis besorgen lassen, weil die Einwohner sich vor ihren grausamen Besiegern geflüchtet hatten. E. r. Lage und Beschaffenheit der Bäder. Diese Bäder gehören zu den beiühmtcsten der Schweitz, nicht ihrer äufsern Annehmlichkeit, sondern ihrer Heilkraft wegen. Sie liegen gegen 5000 F, übers Meer. Ohn- geachtet der mittäglichen Lage des Thaies sind doch die Morgen und Abende der Sommermonate immer sehr kühl, oft rauh, und mitten im Juli sähe ich eines Morgens die ganze Landschaft und alle Häuser mit Schnee bedeckt, der erst gegen 9 Uhr vergieng. Aus diesem Grunde mufs jeder, welcher hier eine Badekur machen will, sich mit Winterkleidern und feurigen Weinen versorgen; denn hier findet man nur den schlechtesten Wein. Ueherhaupt ist für Bequemlichkeit der Kurgäste gar nicht gesorgt; alles ist äufserst schlecht, und ohne angenehme Kurgesellschaft wird der Aufenthalt den meisten Personen aus der gebildeten Welt fast unerträglich. Dem ohngeachtet werden diese Bäder sehr häufig besucht, und es ist notliwendig, dafs diejenigen Kranken , welche hier eine Kur machen wollen, zu gehöriger Zeit an den Pächter der Bäder, H. Monnet in Vevay (der sich schon im Monat May alljährlich nach I.euk begiebt} schreiben und Zimmer in dem Hause bestellen, aus welchem man unmittelbar in die Bäder gelangen kann, ohne viel der Luft ausgesetzt zu seyn. Der Preis für eine Kammer, für Mittag- und Abendtisch, Frühstück und tägliches Bad, beläuft sich auf 3-4 Gulden; für einen Bedienten oder eine Magd, welche der Kurgast hier nicht entbehren kann, täglich auf 1 y? Gulden. Unentbehrliche Kleinigkeiten, als Theegeschirr, Gläser, Spiegel u. s. f. mul’s jeder mitbringen, oder hier kaufen. Alle Kurgäste essen und baden gemeinschaftlich. Für gesellschaftliche Vergnügungen sind keine Anstalten getroffen ; ein kleiner Saal ist der einzige Ort, wo die Kurgäste Zusammenkommen können. Ehedem war hier weit mehr für Bequemlichkeit und Annehmlichkeit gesorgt. Im J. 1501. wurden von dem Bischof Mathäus Schinner und andern reichen Wallisern um den Platz, wo die Hauptquelle ist, schöne Häuser mit Laubengängen aufgeführt. DieTs alles bestand bis zum J. 1719. wo eine Lauwine alle diese Häuser niederstürzte und 60 Personen todtete Im J. 1758- rifs eine andere Uauwine noch mehrere Häuser nieder. Diefs ist die Ursache, warum kein Privatmann mehr gute Wohn- und Badehäuser aufführen zu lassen wagt. Diese Lauwinen fallen von einem ostwärts stehenden Felsen herab, der so weit entfernt ist, dafs man es für unmöglich hält, von da her Gefahr befürchten zu dürfen. Diese Lauwinenstürze ereignen sich hier nur im Frühjahr , und niemals im Sommer während der Kurzeit. Die Bäder und Wirthshäuser sind ein Eigenthum von Privatpersonen und dem Dorfe Baden , von denen II. Monnet Pächter ist. Die Kurgesellschaft ist in manchen Sommern ausserordentlich zahlreich. Im J. 1791. waren hier über ßo Kurgäste aus Frankreich, Italien, Deutschland, der deutschen und französischen Schweitz, welche die angenehmste Gesellschaft bildeten. Bestandtheile der Mineralquellen. In einem Umfange von ^ St. liegen 10-12 lieifse Quellen, wovon Sjio Tlieile sich in die Dala verlieren. Die grofse Quelle , auch Lorenz-Quelle genannt, auf einem kleinen Platze vor den Bad- und Gasthäusern, quillt wie ein grofser Bach hervor, und versorgt das Herren-Junkefh- und Armen - Bad. Oberhalb der Lorenz - Quelle liegt das Goldbrünnlein , und aufser dem Dorfe nach NO. trifft man auf den W iesen bis an die Dala eine Menge Quellen, unter denen die Kozgiille (Brechquelle), Siechen— oder Aussätzig en - Bad und das Neil - Bad, die beinerkenswerthesten. Keine aller dieser Quellen zeigte, 'l t n * «* *«, (ott ÄjHI 'm n* bhs [feit- Ufa •?* |W & (fflS ** *r‘ r \gf* & 9>- V s, ¥ Leük. 335 nach meinem genauen Reaumürsclicn Thermometer, unter 37 ö ? ab,er die Lorenz-Quelle Hitze. Hühner werden hey der Quelle abgebrütet und Eyer gekocliet; -für die Hand ist es unerträglich, zum Trinken aber nicht zu heifs, sondern angenehm. Das Wasser hat einen leichten Schwefeldunst; silberue Münzen werden in diesen Quellen nach einigen Tagen schön vergoldet, woraus man auf den Goldgehalt derselben schlofs ; diese Erscheinung aber entsteht i : mjr von Eisenocker, welcher sich in manchen QucllCur als ; ,ein feiner gelbro- ther Schlamm .ansetzt, . mit blauer Flau in; Je brennt, und dabey Schwefelgeruch 1 zeigt. Ein Pfund Wasser der Lorenz - Quelle enthält uach , 11 . Morelfs Untersuchung an fixen Bestandteilen : Kücbcnsalz und-etwas Bittersalz i Gran-— Gypskrystallen 15^52 Gr. — Luftsaures Eisen Sf s g Gr. — Luftsauren Kalk Gr. — Luftsaure Magnesia 1 Cr. 1 ; und aufscr diesen etwas Luftsäure und Schwefelleber - Luft in geringer Menge. Das Wasser, ist äufserst heli, und beyrn Trinken ohne Geschmack und Geruch; behält auch seine Klarheit im Verschicken. Js T ach vielen Kegen sind,..,die Quellen trübe. — In der Brech - Quelle hat man bisher keine Bestandteile gefunden, aus denen iljrc, Brechen erregende Kraft zu erklären ist. Das Wasser der Lorenz - Quelle wird zum Trinken und Baden gebraucht. _ Zweyhundert Schritte von den Bädern ist der Lieb- frauen - Brunnen, eine eiskalte Quelle, die nur vom May bis September fliefst. Gemeinschaftliches Baden beyder Geschlechter. Die Badhäuser sind elende, hölzerne, 334 Leuk. an dem Dach halboffenc Hütten, deren innrer ; n vier grofse vicreckte Kasten abgethcilt ist, von denen in jedem einige 20 Personen zusammen sitzen können- denn hier ist das gemeinschaftliche Baden bevder Geschlechter gebräuchlich, und nach hiesiger Kurart noth- \ wendig. Nämlich die Badegäste beginnen, mit £> St. Badern, steigen nach und nach bis auf g Stunden täglich (von 4 Uhr Morgens bis 9-10 Uhr, und Nachmittags von 2-G Uhr) bis zum Ausbruch eines staikeu Hautausschlags, und nehmen dann täglich in der Badezeit wieder ab. ; Schwerlich würde jemand ohne gesellschaftliches Baden und Unterhaltung eine solche Kur durchsetzen. Doppelte Bademäntel von dicker Leinewand und Wolle verhindern jede Beleidigung des Anstands. Das Herren -Bad ist das befste. Auf der einen Seite jedes Badraums ist t ein Verschlag, wo man sich aus- und aükleidet, und ins Bad steigt ehe man die Thüre zur Badegesellschaft öffnet, welche auf den Sei- tenbäiiken und auf eignen niediigen Stülchen hei umsitzt ; jeder geht in sitzender Stellung im Bade umher. An jeden Baderaum rinnt unaufhöilich in einer offnen Röhre dafs heifse reine Quellwasser, wo jeder Badende sein Glas zum Trinken füllen kann. Viele haben ein kleines schwimmendes Tischchen vor sich-, auf welchem sie ihr Frühstück einnehmen, Gläser, Schnupftabakdosen, Schnupftücher, Bücher, Zeitungen u. s. w. hinsetzen; die jungen Frauen zieren sie mit Alpenblumen, welche, obgleich halb verwelkt, in dem heifsen Quellwasser wieder kraftvoll und herrlich sich aufrichten und I 1 » n Hi ** ilj. *>*. am lak •K bb i Labil- US ni lim V *•» (#&' «** S / f i "> / L e u K. 535 neues Leben erhalten. Ein Queergang trennt die vier Badräume, und jeder ist mit einem dünnen Geländer umgeben. Hier treten alle Personen hin, welche nicht baden, und ihren Freunden und Bekannten im Wasser Besuch abstatten und ihnen durch Unterhaltung die Zeit vertreiben wollen. — In sehr vielen chronischen Krankheiten mancherley Art sind diese Bäder sehr wirksam , und in Heilung der Flechten haben sie sich besonders grofsen Huf erworben. Während der Kurzeit halten sich hier Aerzte aus Lenk und Brieg auf. Spatzier gänge , W asserfälle und Aussichten. Das Doif Baden ist von den schönsten Wiesen und Alpen umgeben, welche mit den Ungeheuern, abgerifsnen nackten Felsen die merkwürdigsten Ansichten bilden. Wer nicht die Badekur braucht, sondern auf den nahe gelegnen Alpen und Felsen hcr- umwandern kann, wird im School’se dieser grofsen und eigentümlichen Natur täglich neuen Genufs linden. Gerade nach N. erhebt sich der Cemmi ; von den Bädern bis auf dessen Höhe 2 St. (Man s. die Merkwürdigkeiten dieses Gebirges unter dem Art. Cemmi), Wenn eine grofse Gesellschaft aus den Bädern über den Cemmi reist, so versäume man nicht, zu beobachten , wie diese Karavane im Zigzag den Felsen, an welchem sich keine Spur eines Weges erkennen läfst, erklimmt. — Nach W. das Lämmern - Horn ; tiefer stürzt über die Felsen ein hübscher Wasserfall. Neben dem Cemmi nordöstlich das Rinder - und das Balm~ • Horn, von dem ein Gletscher herabhängt, in welchem 55*5 Leuk. die Dala entspringt. Bis zu diesem Gletscher Uann man in 3 St. aber mühsam liinaufsteigeD. Nach 0 stehen viele an Alpweidcn reiche Felsen, über welche ein Weg ins Loetsch- Thal führt, dessen von der "Welt ganz abgesonderte Einwohner wohl einen Besuch verdienen. Auf diesen ostwärts gelegueu Felshörnern eröffnen sieh die prächtigsten Aussichten nach der hohen Gebirgskette zwischen JVallis und Piemont , wo man unter zahllosen Hörnern den Rosa , das Matter - Horn, den Combin , Velan (höchsten Gipfel des Bernhards ), Aiguilie d’Argenliere , und in SW. über alle empört agend, den kameelbuckelartigen Gipfel des Montblanc erkennt ; und das ganze JVallis oder Rhone ~Thal bis Martinach liegt zu den Fül'sen herrlich ausgebreitet. In 4-5 St. kaun man von den Bädern das äufseiste östliche Horn, fast immer über Alpen sanft ansteigend, ej klimmen ;. ein Wegweiser * aber ist dazu nothwendig. — Kleine Spatziergänge: IN ach zwey v Felsenhöhlen nahe au der Data , ^ St. vom Dorfe nordwärts. ' Nach einer wildern Gegend ^2 St., wo die . Dala. einen hübschen Fall .bildet, in welchem sich zwischen 1-3 Uhr Regenbogenfalben spiegeln. iDcr Weg dahin geht quecr über die Wiesen nordwärts, durch eine Gatterthüre zur Dala hinab, wo einige heifse Quellen sprudeln; von hier rechts den mit Tannen und Lerchenbäumen bewachsnen Hügel hinauf; oben links längs dem Zaune vetfolge man den l’ufspfad, der unter schöne Lerchenbäume, und nahe au den Abgruud führt, wo die Dala hinabstürzt. Hie Lf.uk. 537 Durchsichten zwischen den Bäumen anf die nackten Cemmi - Wände sind von liier herrlich. Felsenwcg über Leitern. Ein angenehmer Spaziergang durch Wiesen t kleine Stunde nach den acht Leitern , über welche der W r eg hach dem Alpendorfe Alhinnen fühlt. Diese Felsengegend und dieser Leiternweg sind so merkwürdig , dafs jeder Reisende den Spaziergang bis zu dieser Stelle machen sollte. Ueber diese so entsetzlich gefährliche Stellen steigen die Weiber und Mäoner aus Albinen schwer belastet, bisweilen am dunkeln Abend, und letztere mit berauschtem Kopf, immer sicher glücklich herauf und herab. Aufserordentlicber Anblick der Felsen bey Mondlicht. Wer sich in den Bädern zur Zeit des Vollmondes befindet, der versäume nicht, bey hellem Himmel gegen io Uhr Abends Ins Freye zu gehen, und den Anblick dieser Felsennatur bey der Wirkung des Möndlichts zu geniefsen; das Bild davon wird Jedem unauslöschlich bleiben. Pflanzen. Alpen und Fölsen dieses höhen Thaies versprechen dem Pflanzenliebhaber reiche Erndte ^man s. den Art. Cemmi), ln der Thalgegend des Dorfes Baden wachsen: R'ero- nica fruticosa und teucrium. Geum hybridem und boreale . Phytcuma ovata. Ribes alpinum, Linum natlonens?. An. thericum liliastrum, Rosa villosa . Cucubalus behen (Taubenkropf). Pedicularis comosa. Anthyllis vulneraria. Hcdysarunx onobrychis. Gnaphalium luteo-album. Tussi - lago alpina nahe bey dem Cletschcr. Scnecio viscosus. 111 . 338 Leuk. Hieracium grandiflorum. Pinus cembra ( Arven-Fichte) über den Badern. Coronilla glauca (Peitsche) wächst auvschtiefscnd in Ha llis. Angelica Imperatoria , westlich i St. vom Dorf, nahe am Fufswege auf Alpen zwischen Kalkschieferfelsen in Verwitterung. Hier fand ich unter nichrern andern eine prächtige Angelika von 8 • io F. Höh« in voller Kliithc zu Ende July; die schöne Gentiana lutea in Menge an einem Walde zwischen den Bädern und der C aller ie am Wege nach Siders, in voller Bliilhe zu Ende Juny. Ponteniilla caulescens zwischen Inden und Salges. Euphrasia viscosa in dem Walde vor Salges (wenn man von den Bädern kömmt) eine dem IVallit eigentümliche Pflanze, welche wie Renetäpfel riecht, Mi- cropus erectus bey Salges. Geognostische Thatsachen. Alle Felsen bestehen aus Kalkstein auf Thonschiefer oder Kalkstein- schiefer aufliegend. (M. s. über die merkwürdige Aufeinanderfolge dieser Flötzformation den Art. Cemmi). An dem Wege nach dem Gemini, ^ St. vom Dorfe, liegen einige sehr grofse Felsstücke, welche von den Kalkfelsen herabgestürzt sind und an denen man auis deutlichste die Schichtung des Kalksteins beobachten kann. Der Schiefer steigt aus dem Rhone - Thal bis St. oberhalb dem Dorfe, streicht unter allen Kalkfelsen fort, und ist die Ursache grofser Felseneiustür- zungen in dieser ganzen Gebirgskette. Das ganze Thal der Leuker-Bäder zeigt dem Beobachter, dafs einst hier ein ungeheurer Felsensturz statt gehabt hat, der weit älter als die Geschichte der W*His* r Dt. Die Gestalt $ Lichtensteig. 339 dieser weiten eingestürzten Berggegend bildet ein Drey- eck, dessen Grundfläche an der Gemmi - Kette liegt, und dessen zwey übrige Seiten von Kalksteinschicilten gebildet werden, welche in Richtung, Lage, Beschaffenheit und südlicher Einsenkung, aufs genaueste übereinstimmend 2 St. von dem Gemmi nach dem Rhone- Thale hinab ziemlich nahe zusammenlaufen. In den Abgründen zwischen denselben wühlt die Data immer tiefer in den Schiefer ein. Der Gemmi ist unter den benachbarten Felsen am senkrechtesten und am tiefsten abgerissen; auch ruht er auf ganz zerreiblichem Thon- schiefer , dagegen am Fufse seiner Nachbaren mehr Kalkschiefer von unzähligen Quarz - und Spathadern durchzogen sich zeigen, wo ich, 1 St. westlich vom Dorfe, merkwürdige Ueberreste der ehmaligen Träger ungeheurer Kalkfelsen in ihrem verwitternden Zustande beobachtete, (Ueber eingestürzte Cemmt-Hörner s. man Gemmi). Die meisten Trümmer der eingestürzten Kalkfelsen liegen in dem Rhone- Thale übereinander gehäuft, wo die reifsende Rhone so tief durch diesen Schutt eingewühlt hat, dafs derselbe gerade der Oeffnung des Leuher- oder Data — Ti.als gegenüber sich in Hügel von 200 Fufs Höhe erhebt. — Merkwürdig, dafs *die Kalksteinschichten des Gemmi nach Norden, und die Schichten der Felsen südwärts der Leuker-Bäder nach Süden einsenken. — Oberhalb Salges und Faxen , 1 St. über dem Rhone- Thale, liegen am Kalk-Gebirge viele Granit - und Gneifs-Trümmer zerstreut. Licanasntc, Städtchen an der Thur , ehmal* ( Hauptort der Landschaft Toggenburg , jetzt Hauptort des Bezirks Ober - Toggenburg im K. St. Gallen. (§ Toggenburg ), Oberhalb der Stadt liegen die Reste des Schlosses Neu - Toggenburg, und 2 St. davon, nahe beym Kloster Fischingen, die Reste von Alt-Toggen- burg , Stammsitz der Grafen von Toggenburg , (S. Toggenburg ). Merkwürdigkeiten. Der Graf Heinrich von Toggenburg stürzte seine Gemahlin lda im J. 1180. von dem Schlofs Neu-Toggenburg in den Graben, als er an dem Finger eines seiner Dienstmänner den Brautring derselben sah, und liefs diesen Mann an einem Pferdeschweif die Felsen herabschleifen. Den Brautring hatte ein Rabe durchs offne Fenster geraubt. Ida erhielt sich an Gebüsch, gieng in der Nacht in den nächsten Wald, und begab sich ins Kloster Fischingen, welches sie nicht mehr verliefs, obgleich ihr Gemahl ihre Unschuld erkannt hatte, und sie sehr bat, zu ihm zurückzukehren. (S. Vita S. Idae. Konstanz i685-)" — In Lichtensteig eine Lesegesellschaft , deren Glieder in Toggenburg zerstreut wohnen, und hier eine jährlich« Versammlung halten. Wege. Die grofse Landstrafse von St. Gallen. nach Glarus führt hier durch. Fufswege führen über die Hulftegg ins Bauma - und Fischen - Thal des K. Zürich. Liechstal, Städtchen im K. Basel. Wirthshaus: Schlüssel. Liegt an der Ergelz in einem fruchtbaren Thal. Viel Erwerbsfleifs unter den Einwohnern: Eisen- k k ■Sl* fett ih- *=i b> Xtr 1)V G*‘ J t. ./ Luchstal. 34 1 und Messingwerke, Papiermühlen und Handschuhfabri- ken hier, ln der Nähe sind die Nebeuthäler Oris- und L'cW-Thal. Geschichte. Der Bischof von Basel war Lehnsherr über das Sifsgau , worin Liechstal der Hauptort war, seit 10.(1. Liechstal wurde von Ida von Honberg an das Stift von Basel im J. 1305. verkauft. Die Landgrafschaft Sifsgau kam durch die Gräfin Claranna von Thierstein im J. 1430. an das Haus von Falkenstein (S. Farnsburg). Der Bischof von Basel verkaufte Liechstal im J. 1(06. und die Erben Falkensteins das Sifsgau im J. 1465. an die Stadt Basel'! Seit dem schrecklichen Erdbeben vom J. 1356. sind die eingestürzten Maliern von Liechstal nicht mehr aufgeführt worden. — Bey der Staatsumwälzung der Schweitz im J. 1798- brachen hier schon im Anfang des Januars heftige Volksbewegungen aus, und Liechstal war der Versammlungsort aller Volksabgeordncten des K. Basels , welche von den Bürgern der Stadt Basel die Einführung der Gleichheit politischer Rechte verlangten. Da die Regierung zögerte, so bewaffnete sich das Volk, verbrannte die Schlösser Farnsburg und Wallenburg, und pflanzte Freyheitsbäumc, worauf am 19. Januar die Regierung die bisher bestandne Verfassung umänderte und den Willen des Volks erfüllte (S. Aarau}. Wege. Nach Basel 3 St. Durchs ganze Ergelz- Thal über die Schaafmatt nach Aarau (s. Schaafmatt). Nach dem Ob er - H au e ns tein. Merkwürdigkeiten auf diesem Wege. Nach dem Ober- Liechstale. 31 * Hauenstein 3 y 2 St. durchs Frenke - Thal; zuerst nach Höllenstein 1 j 2 St. Auf dem Wege hieher bleibt da» Bubendorf er-Bad links liegen, und nicht weit von dem. selben öffnet sich rechts das Regolzrveiler -Thal, a tt dessen Eingang Bubendorf liegt. Dieses Thal ist eng, wild und mit hohen Gebirgen des Jura geschlossen; im Hintergründe erhebt sich der Wasserfall , ein Felsen voll Höhlen und Schluchten und reich an schönen Alpen; an seinen Felswänden strömen neun Brunnen hervor. Von Regolzrreil nach dem Schelmenloch , wo sehr romantische malerische Felsen und Wasserfälle sind, und von hier bis zum äufsersten Hintergründe des Thals wo der höchste Fall zu sehen ist, 1 Stunde. Durch dieses Thal, bey den neun Brunnen vorbey, über den Wasserfall , führt ein Fufsweg in kürzerer Zeit nach Ballstall , als über den Ober - Hauenstein ; aber der Weg ist beschwerlicher. Von Höllenstein durch Ober- und Nieder-DorJ, nach dem Städtchen Wallenburg 1 St. längs der Frenke. Weit aus der Ferne erblickt man schon das ansehnliche Schlofs Wallenburg , hoch auf Felsen oberhalb dem Städtchen (S. FT^allenburg J. Strafse auf den Nieder-Hauenstein, Diese führt von Liechstal durch ein herrliches Thal nach Sissach 1 St. Von da durchs Hornberger - Thal in 3 St. auf die Höhe des Jura , und von da nach Olten hinab. Pf 1 anz en. Melittis melissophyllum (Immenblatt) bey Liech * stall. Zanichellia palustris an den Quellen bey Buben ■ dorf. Buxus sempervirens (Buxbaum) bey Hüllen- stein. Salvia glutinosa zwischen Höllenstein und Langenbruck. Salix repens. Arabis turrita. Hiera- eium amplexicaule bey Wallenburg. Stachrs alpina , Melissa ojjfuinalis , Daphne laureola, zwischen Wa llenburg und Lan g e nbr uek. — ( Leber die seltnen Pflanzen auf dem a s se rfall. s. den Artikel: Kantoa Basel). Mineralogie. Bey Liechstall finden sich Spuren von Steinkohlen. Sehr viele Versteinerungen mancher- lcy Art in der Nähe von Liechstall , BubendorJ\ Höllenstein , Ober- und Nieder - Dorf , und Lf'allenburg. Lie-Tiial (Val de Lie, Val d'ItlierJ im Nieder- Wallis, öffnet sich Bex gegenüber, zieht einige Stunden gerade südwärts in die Gebirge hinauf, und ist von der wilden Viege durchströmt. Ein ganz unbesuchtes, sehr fruchtbares, mit den herrlichsten Kastanienwäldern geziertes und sehr bevölkertes Thal; ist reich an seltnen Pflanzen und merkwürdig durch die Einfachheit seiner Bewohner. Im Dorf Val d’lllier findet der Reisende an dem ehrwürdigen Vikar Clement einen gelehrten Naturforscher, dessen Natuialien-Samm- lung und herrliche aus 8oo° Bänden bestehende Bibliothek viel schätzbares enthält. Verschiedne Pässe gehen aus diesem Thale in die benachbarten Thäler Savoyens hinüber. Nahe am Ausgange liegt Monlhey mit einem Schlosse, ehmaliger Sitz eines Landvogts. Uebcr die geognostische Merkwürdigkeit dieses Thaies s. die Art. Aigle und Bex. 344 Lindau. Lindau, Stadt auf einer Insel im Boden. See liegt unter 473t', 44« der nördl. Breite, uni j 27 0 , 11 ', o" der Länge. Wirthshaus: Gans. J,; ne Brücke von 300 Schritten verbindet die Stadt mit dem schwäbischen Ufer des prächtigen Sees. Römische Altertliümer. Zur Zeit des Augu- stus ( 27 Jahre vor Christi Gehurt ) kamen die Römer unter Tiberius Anführung von Konstanz über den See auf dieser Insel an, und erbauten einen Waffenplatz, aus welchem sie die nach Süden wohnenden Rhätier sechs Jahre lang hekämpften (s. Graubündlen ), und nach deren Unterjochung sich einen Weg durch die Wälder Gerntaniens bahnten, wo Tiberius im Innern des heutigen Schwabens , seine äufsersten Vorposten stellte. (S. Boden-See ). Die Burg, ein Werk, unter Constantius Clilorus aufgeführt, und eine dicke, der Zeit trotzende Mauer, Heidenmauer genannt, sind noch die Uebeireste von der Römer Kraft und Kühnheit. Geschichte. Lindau war schon 1275. Reichsstadt , und stand in den folgenden Jahrhunderten unter den Reichsstädten am Boden-See in grofsem Ansehn. Für die Eidgenossen der Schweitz sowohl als für jeden wahren Menschenfreund ist Lindau durch die wichtige Schiedsrichter-Handlung des Peter von Argun (Bürgermeisters von Augsburg) höchst merkwürdig. Als der wüthende Bürgerkrieg zwischen Zürich und den andern Kantonen (S. Toggenburg , Pfefßkon , Greifensee , Zürich') durch den Frieden des g. Juny 1446. geen- Lindaü. 545 digt, und darin bestimmt worden war, dafs über die Hauptfrage: ob Zürich wieder zu dem Bunde der Eidgenossen treten solle , oder nicht ? ein unpartheyi- schcr Obmann (Schiedsrichter) entscheiden solle, so fiel die Wahl zu diesem wichtigen Amte auf den angesehnen Bürgermeister Argun. Dieser hielt am 8. December 1446. eine Versammlung aller eidgenössischen Abgeordneten zu Lindau. Nachdem alle Bemühung zu gütlicher Vergleichung fehl schlug, so cnt- liefs er sie, um alle Urkunden einzusehen, und Raths sich zu erholen. Nach eilf Wochen berief er die Eidgenossen wieder nach Lindau; und da gütliche Vermittlung wieder fruchtlos war, liefs er sich fey erliche Briefe ausstellen, dafs sein Ausspruch vollgültig seyn solle. Hierauf erhob Argun in der Versammlung des 37. Februars 1447. seine rechte Hand, schwur, wie ein gerechter Mann zu sprechen, und richtete : ,, Dafs die von Zürich gemeiner Eidgenossenschaft ewigem Bunde in allen Artikeln nachkommen sollen Bald darauf wurde zum erstenmal wieder eine bundesmäfsige Versammlung der Eidgenossen zu Einsiedeln gehalten, wo alle übrige Streitfragen ausgemittelt wurden. — * Lindau blieb Pveichsstadt bis 1802., wo sie dem Fürst von Bretzenheim als Entschädigung zugetheilt wurde, und dieser trat sie nebst ihrem Gebiet im J. 1804. an Oesterreich ab, und von diesem Hause durch den Pres- burger - Frieden iin J. 1805. an den König von Baiern. — In dem Kriege Frankreichs gegen Oesterreich im Sommer 1809. wurde Lindau von den bewaff- I 346 L I N D A U. neten Wehrmannein des Vorarleberger - Landes öfters angegriffen , einmal eingenommen, und sehr geängstig. Herrliche Lage dieser Insel. Prachtvolle Aussichten. Die Insel hat 4450 Schritt im Umfang. Auf dem nordwestlichen Theile dieser Insel, in den anmuthigen Gärten längs der Stadtmauer, und an dem Hafen, Aussichten über den ganzen Boden - See hi* Hohentrriel 20 St.; aus diesen Standpunkten gewährt der Sonnenuntergang das prachtvollste Schauspiel. Am schwäbischen Ufer, in dem Landhause des II. von i Seiler, eine aufserordentlich schöne Aussicht auf die schweitzerischen Ufer des Boden-Sees, wo man Bregenz , die Felsen des Vorarlberger - Landes , das ganze Rheinthal , die Städte Rheinegg, Roschach, Arbon , und bey sehr heller Luft vermittelst eines Fernrohrs die Stadt Konstanz , oberhalb Roschach die runden Thurmknöpfe von St. Gallen , und über grüne runde Vorberge die 7-8000 F. hohen Berge Appenzells, als den Sänlis, den Kantor u. s. w. wunderbar stolz und erhaben erblickt. Auf dem Weinberge Halden ebenfalls eine unbeschreiblich schöne Aussicht, besonders eine herrliche Fernsicht ins breite Rheinthal hinauf, aus welchem der Rhein daher stiömt, und bey dem Dorfe Alt- Rhein in den Boden-See fällt.— Bey dem Kupferstecher J. C. Maier in Lindau findet man Aussichten der Stadt Lindau und Bregenz. — Die Aussicht der Stadt Lindau von Gabr. Lory ( 22 Gulden) ist ein herrliches Blatt. — Die berühmte Malerin Angelica Kauf man soll hier geboren seyn; nach andern aber in Dorrenbüren. Lindau hat einige gelehrte Schriftsteller besessen; z. B. Jacob Mellin, Joh. Christ. Wegelin und D. Hiinlin*). Genufsvolle Spazierfahrten. Von Lindau über den See an das schweitzerische Ufer nach Rheineck 2 St., in dessen Nähe herrliche Standpunkte sind. ( S. Rheineck ). Von Lindau nach Bregenz i y* St. Von hier sieht man über den ganzen Wasserspiegel des Sees, dessen Fläche 40 [j Stunden ausmachen kann. Wenn die Luft nicht sehr hell ist, so spielen in der Ferne die Wellen in den Horizont, und man begreift dann, warum dieser See einst das schwä- bische Meer genannt wurde. Gröfse und Pracht, Erhabenheit und Schönheit mit allen ländlichen Beizen der Anmuth, sind Hauptzüge der Natur in der Gegend von Lindau , und kein Reisender sollte diesen Thcil des Boden-Sees unbesucht lassen (s. Bregenz). Ueber die Merkwürdigkeiten des Boden- Sees 3. man den Art. Boden — See. Wege. Von Lindau fährt man mit starkem Ostwinde bisweilen in wenigen Stunden nach Konstanz , 11-12 St. entfernt. Ueber Bregenz führen Landstrassen nach Rheineck, Roschach , St. Gallen, und durchs Rhein - Thal nach Graubündten. Von Lindau nach *) S. Mellins antiquitates Lacus Bodamici , cum specimine historiae Lindauviensis. i 6 g 3 . Jena. — und kP'egeiiti Dissert. de Dominio Maris Suevici. Jena 174a. —• und dessen Thesaurus Sucvicarum. 4 T. voll Gelehrsamkeit. Hiinlin Beschreibung des Boden-Sees. Uhu 1753. 348 Linth - Thait. Morsburg 5 deutsche Meilen, geht die Strafe längs dem Boden-See durch ein herrliches Land voll heitrer lachender Mannigfaltigkeit und einen steten Wechsel von den entzückendsten Aussichten über den See nach dem schweizerischen Ufer. Zwischen Lindau und Mörs- burg liegen am Bodensee 1) Wasserburg ; 2) Nonnenhorn und Krefsbrunn; 3) Argen, ein Schlofs auf der Insel Argenhorn (vom Graf von Montfort 133a. erbaut ) , und nahe dabey Langenargen ( wo ein Mergel gegraben wird , der unter dem Namen Langenar- ger - Mergel verführt wird) ; hier mündet sich die Argen, ein wildes Waldwasser; 4) Eriskirch, wo sich die Schüssen mündet; 5 ) Buchhorn , seit dem XIII. Jahrhundert Reichsstadt, seit 1802. baierisch ; 6 ) Hofen, ein Kloster auf einer Landzunge; 7) Mannzell, Fischbach, Immenstadt; 8 ) Kirchberg, Schlofs auf einer Höhe ; 9) Hegnau. Linth-Thal s. Glarus. Livenen— Thal f Lifner — Thal, Valle Leven- lina und Luventina, Fallis Lepontina ) im K. Tessin , fängt auf der Südseite des Gotthard bey dem an Wallis grenzenden Felsen Lnvino (Lufenen) an, zieht 11 St. lang südostwärts bis Poleggio , und ist in drey Thäler, wovon jedes viel höher als das andre liegt, getheilt, nämlich ins Ober-, Mittel- und Unter- Livenen - Thal, von dem Tessin, der im Gebieth des Thaies entspringt, durchströmt. Die Gotthards-S trafse uitch Italien führt durch dieses Thal. Viehzucht ist Haupterwerb. Alle Alptriften wurden vor dem XII. Jahrhundert unter die 8 Hauptgenieinden vertheilt, und sind gemeinsam. Die Käse der Livcner, in Mailand Brinz *) genannt, sind sehr hart, und reisen aus den Häfen Italiens weit über die Meere. L.ivinen hat grofsen Reichthum an Wäldern, Kastanien , wildem Geflügel, Gemsen, und, in den untern Thälern, den fruchtbarsten Boden. ( S. Airoio , Faido , Dazio , Ciornico und Polleggio ). Geschichte. Die Römer nannten die Bewohner dieses Thals Lepontier, und daher wurden diese Gebirge die lepontinischen Alpen, genannt. Im VIII. Jahrhundert erbauten die Könige der Langobarden hin und wieder in diesem Tliale feste Burgen, wovon noch Ueberreste stehen. Mehrere Jahrhunderte war dieses Land in den Händen italienischer Bischöffc, und der Herzoge Visconti. Uri und Unterwalden nahmen Livenen wegen empfaugner Beleidigungen ein; verloren es wieder (s. Beilenz'). Uri eroberte es 1459. von Neuem. Erst im J. 1466. traten cs der Herzog und Bischof von Mailand feyerlich ab, und seit der Zeit blieb es eine Landvogtey des Kantons Uri. Im J. 1798. hörte die Unterthänigkeit auf, und das Thal wurde ein Theil des K. Tessin. Livino-Thal (auch Liviner - Thal , f r al di Livino , di Luvino genannt), ein schönes Wiesenthal in der Landschaft Bormio, nahe an der Grenze des Engadins, wohin auch alle dessen Gewässer sich aus- *) Wahrscheinlich weil von Brienz im K. Bern die härtesten Käse nach Italien kommen. LivI no - Thal. 550 leeren. Es gehörte bis 1797. dem Freystaat Graubünd- ten, seitdem dem Königreich Italien. Gutes PVirths- haus zu Livin. Geographische Beschreibung. Es herrschte sowohl in den Beschreibungen als auf den Landcharten grofse Unrichtigkeit über die Lage dieses Thals. Es zieht nicht von S. nach N., sondern von WSW. nach ONO., ist 2 St. lang, 1200 Schritt breit, und hat folgende Seitenthälchen : 1) Nach S. läuft eins bey Rosa gegen den Bernina aus; der kürzeste Weg nach Pus- clav führt von Livin durch dasselbe. 3) Das Fallt di Feno , ist durch eine Anhöhe getrennt. 3) Das Volle delle Mine , durch welches ein Weg ins Val- Biola und Grossino führt. 4) Nördlich öffnet sich das Val Federia, 1 St. lang, und zieht gegen SW. Die Seite des Livinothals gegen Eira und Trepal, wo der Weg nach Bormio geht, ist nicht steil, sondern voll Wiesen und Wälder. Hinter der Hauptkirche der H. Jungfrau werden die Berge steiler, und das Thal verwandelt sich zur Kluft, Yal Praspölg, durch welches die Aqua grande ins Val di Forno strömt, und, verstärkt durch die Bäche der Thäler Valpetin und Plator, nun unter dem Namen Spol bey Cernetz in den Inn fliefst. Merkwürdigkeiten. Man findet dieses Fallis di Livino zuerst in Dokumenten vom J. 1355. erwähnt. Ein muntres, starkes, wohlgewachsnes Volk italienischer Abkunft bewohnt dieses Thal. Viehzucht ist die einzige Beschäftigung. Nach der Untersuchung des H. Ulysses von Salis - Marschlins könnte durch dieses Locarno. 35 1 Thal und über den Hügel Tiepal eine fahrbare Strafse nach dem Vehlin und Corner-See sehr leicht angelegt werden, und ihm schien es sogar möglich, einen schiffbaren Kanal durchzuführen , welcher den Inn und die Donau mit der Adda , dem Po und Adriatischen Meere verbinden würde. —. Dieses Thal ist durch den Feldzug des Prinzen -von P K ohan merkwürdig, welcher ein französisches Heer aus dem Ober-Engadin über den Casanna führte, und den 27. Juny 1635. das stärkere österreichische Heer schlug und vertrieb. ( S. Engadin , Graubiindten , und Memoires du Prince de Kofian'). Wege. Von Livin nach Bormio 6 St. — Nach Scamfs über den Casanna 4-5 St. (s. Scamfs). Nach Cernetz 3-4 St. — Ins Ereelthal , aufwärts durchs Val Pisella , 1 St.; von hier gegen SO. ins Val d’entri laghi t St., zu dem Pafs Scala 2 St., und herab nach Pedenofs; und aus dem Ereelthal nach St. Maria im Münsterthal. Pf 1 a n z en. Wälder von Arven (Pinus cembra) an den Bergen des Livinothales. Senecio abrotanifoiium im Federia- Thal. Das schöne Papaver alpinum am Casanna. Locarü o (Luggarus), Stadt im K. Tessin, % St. vom Langen -See , indem der Alaggia - Strom den Se* um so weit angefüllt hat; liegt 72 F. über den See, und 7o8 F. übers Meer nach H. v. Saussure , und unter 46 °, 6', 17" nördlicher Breite. Geschichte. Locarno stand vom XI. bis XIII. Jahrhundert mit Alailand in der W'eifischen Parthey. .1 m J: 35 a . Locarno.- Der grofse mailändische Feldherr Simon Murult voa Locarno führte den zwey und zwanzigjährigen Krieg gegen die Gibetlinen , und besiegte gegen die Mitte det XIII. Jahrhunderts den Kaiser Friedrich II. bey Gorgonzola. Die mächtig gewordne Parthey der della. Torre in Mailand warf Muralt in einen Käfig unter der Treppe des Gemeinde - Pallastes im J. 1264., wo er sieben Jahre safs , bis ihn die Einwohner von Corao gegen einen andern Gefangnen bey dem Napoleon della Torre irn J. 1271. auswechselten (’s. Como ). Die Visconti, Herzoge von Mailand, unterjochten 1342. Lo- ✓ carno, und die See-Bewohner erbauten hier eine Burg, und legten Besatzung hinein, und Herzog Maximilian Sforza trat es im J. 1513. an die XII. Kantone der Schweitz für die ihm geleisteten Dienste ab. Seitdem war Locarno der Sitz eines schweizerischen Landvogtes, und Hauptort der Vogtey Locarno , zu welcher aufser 3-3 St. Seeufer auch die Thäler Verzasca, Onsernone, und Centovalli gehörten.— Die Reformation war auch bieher gedrungen , und die Anzahl ihrer Anhänger war in der Mitte des XVI. Jahrhunderts schon grofs. Da hierüber zwischen den reformirteu und katholischen Kantonen heftige Mishelligkeiten ausbrachen, so schrieben die Locarrfer an die reformirten Eidgenossen, dafs ihnen die Gewissensfreyheit das theuerste Geschenk sey, I sie aber tausendmal lieber auf dieses Kleinod Verzicht tbun, als durch Behauptung desselben die Eintracht der Eidgenossen stöien wollten. Hierauf erfolgte von Seiten der et wählten Schiedsrichter-Kantone Glarus und Jppcn- Locarno, 553 zell der Besclilufs , dafs alle ieformirten Locarner in die protestantischen Kantone ziehen sollten, dem zufolge Go angeseline Geschlechter, als die jMuralte, Orelle u. s. w, im J. 1555. nach Zürich und Bern auswanderten , wo sie Scidenfabriken und andere Zweige des Erwerbes gründeten. Merkwürdigkeiten. Locarno ist seit 1798. Hauptort eines Bezirks des K. Tessin, welcher aus der ehinaligen Vogtey besteht. Die Volksmenge desselben betrug (im J. i8o8-J t 7 ) 384 - Menschen. Locarno ist gegen N*. geschützt, und liegt gegen SO. offen; deswegen hier ein milderes Klima herrscht, als in manchen südlicher liegenden Orten. Alle vierzehn Tage kommen v iu Locarno am Donnerstage eine Menge Bewohner der Thiiler Verzasca , Maggia , Onscrnone und Cento-valli zum Markttage zusammen, wo der. Reisende die Ge- birgsvölker dieser unbesuchten und fast unbekannten Thiiler sehen kann *). Herrliche Natur. Aussichten und Spaziergänge. Zwischen Locarno und Magadino ergie- fsen sich in den See die Maggia, p'erzasca und der Tessin, Von Locarno erstreckt sich das Schweiizerge- biet noch 5 St. am'See hinab, und dieses Becken wird auch Locarner— See genannt (s. Langen - See), An beyden Ufern viele Ocrter. Lnbescht eiblich schöne Aussichten bey dem Kloster Madonna del Sasso , und ) Ausführliche Beschreibung ron Locarno und dessen Klima 11. s. w. sehe man in U. Sch in z Bej trügen Zur nähern Kenntnifs des Sclmeitzerlandes, Zürich 17,53, — 57. Ul. 2g der Madonna della Trinita. — Spatziergänge : ftach dein Landhause Tenia , in dessen Hofe ein Feigenbaum von 12 F. im Umfange; nach Tenero , wo die Ver- zasca in den See fallt. Das wilde Verzasca - Thal öffnet sich nordwärts über der Kirche Madonna della I'raggia, Die Brücke bev Tenero ist 120 F. über den gewöhnlichen Wasserstand der Fcrzas.ca erhaben, und doch überschäumt er bisweilen diese Wölbung (s.Fer- zasca - Thal). Von Tenero übersieht man das ganze Tocarner - Seebecken bis an den dunkelgrünen Pino östlich , welcher mit dem Gebirge von Canobio westlich den See zu schliefsen scheint. Locarno gegenüber bietet der Fufsweg von Magadino , längs dem See bis Molinelto , bev Morgenbeleuchtung aufserordentlich viel Malerisches dar. Eben so über alles reizend sind Spazierfahrten auf dem Seebecken. Spaziergang nach der Brücke Bro/la (Ponte brolln) iJ^St., an der Oeffnung des Maggia - Thals, wo die Maggia durch eine Fel- senschlucln von Gneifsfelsen durchwüthet. Furchtbarer wilder Trotz neben schwelgerischer Natur und der reizenden Fernsicht auf Pedamonte und Intragni , auf die Tualoft'nungen von Centoval/i und Onsernone (aus welchem der Onsernone - Bach pfeilschnell der Maggia nacheilt), und auf den hohen Finaro im Viehezza- Thal.— Spaziergang nach lntrani 2^ St. Hier, auf der Terrasse des Wirthshauses il Belvedere , eine herrliche Aussicht. Man sieht über den sanften Arcennio und den schroffen Borghese die Stadt Locarno , den Anfang des Sees , Magadin , den Cenere , die Dörfer t Locarno. 355 Pedamonte , St . Pedale , Julino , Carigliono (zwischen der Maggia und Melczza) , die hohen Brücken über die Melczza , Onscrnone und Maggia , und den auf- gerifsnen Schlund des O/tror/io/ie-Thals. Wege. Herrliche Fahrt nach den Borro- mäi sehen Inseln. Von Locarno nach Sesto am Ende des Sees 15-16 St. Nach den Borromäischen Inseln 7-8 St.; ein Nachen mit 2 Rudrern kostet von Locarno oder Magadino zu den Inseln 12 französische Livres und noch etwas di bona mano (Trinkgeld). Auf dieser Fahrt zeigen sich am westlichen Ufer; Ascona, Losone, Brisago (der letzte schweitzcrische Ort, 3 St. von Locarno), Lero, Rondonico, Spiragno, Conobio *) am Ausgange des Val Canobina (S. Canobina - Thal') ; am östlichen Ufer; Magadino, Vira, S. Nazzaro, Ab- bondio, Seriano, Piuo (zwischen beyden letztem Oer- tern die Schweitzer - Grenze), Bassano, Musignano, Campagnano, das Obere und Untere Macagno **) (an der Oeffnung des Vedescathals, aus welchem die Giona strömt ), über diese Oerter die finstern Felsen von Gambarogno, wo noch Bären hausen, der bewaldete Pino, die Stadt Luino (s. Luino ). Man kann von Locarno zu Fufs auf der Westseite des Sees bis Brisago *) Die Kirche von Canohio ist nach der Zeichnung Branian- te’s erhaut, und besitzt schöne Gemälde, z. B* von Gau- denzio Ferrari. Als Mailand Frcyslaat war, bildete Canohio auch eine Republik. **) In dem obern Macagno wird das Salz, welches von Venedig durch Jen Po und Tessin hiebei gelangt, für die Einwohner des h. Tessin geläutert, j zu Fufs reisen, und da sich einschiffen; oder ander östlichen Seite von Magadino zu Fufs bis Macagne wandern und hier sich einschiffen; oder zu Fufs einen Fclscnweg über lndemini nach Lulno wählen. — Von Locarno der nächste Weg nach I.ugano geht über den See nach Magadino , und von hier über den Cenere .— Nach Beilenz 2-3 St., durch Tenero , Cordoba , Cug- nasco, Jndo , Sementino uud dann über den Tessin. Fürchterlicher Anblick in den Schlund, aus welchem die Sementina hervorströmt. Auf diesem Strich die r üppigste Vegetation. — Durchs Maynthal führt eine Strafse nach Ober - Gestein im Wallis in 20-21 St., und eine andre nach Airoio , welche um einige Stunden näher ist, als die Strafse über Bellenz durchs Li~ Dinen - Thal ( s. Maynthal). Ins Onsernone - und Vcrzasca - Thal (s. diese Artikel ). Der kürzeste und geradeste Weg nach Domo d’Ossola und auf den Sim- plon geht von I.ocarno durch das unbekannte Cento- aia/li , welches seiner Eigenthüir.lichkeit wegen merkwürdig ist. Bis Domo d’Ossola 13-14 St. (S. Cento valll - Thal). Pflanzen. Das Klima ist äufserst mild, der Boden aufserordentlich fruchtbar, und die Vegetation im hohen Grade schwelgerisch, wodurch die landschaftliche Natur Reitze erhält, die in der nördlichen Schweitz ganz unbekannt sind. Im Merz beginnt der Frühling, im Juni ist die erste und im September die zweyte Erndte von dein nämlichen Boden, und die Weinlese. Feigenbäume Leschatten ganze Iläusei. Von Locarno Lucakno. 357 bis Brisago -wachsen Lorbeer, Krrschlorbecr und Olivenbäume, Zypressen und Granatbäume. Zu Brisago Pomeranzen , Zitronen und feine Melonen in freycr Erde; Jasmin, Myrteu, Rosmarin in lebendigen Zäunen — Kastanien und die schönsten I.aubholzwäldcr bekleiden selbst die steilen Felseiiseiten; hohe Farren- kräuter und blühender Ginster überziehen die Slein- trümmer, und die Wege führen unter Gewölben von Wein dahin. ln der Gegend von Locarno die seltnen Pflanzen : niofyrios Iotas. Peuceäanam alsaticum ( Hzarstra ng], Panicum hirtcllum an schattigen Oertern. Scubiosa grami ■ nifolia am See (ist sehr selten). Schocnus fuscus , aus- schliefscnd nur hier. Geogn o s t is cli e Thatsachcn. Alle Gebirge bestehen aus Gncifs; auf beyden Seiten des Sees streichen die senkrecht stellenden Gneifsschichten von O. nach W. Der Eingang ins Verzasoa- Onsernone- und Centovalli - Thal liegt hoch über der Thalebne; und so tief und eng ist der Spalt, durch welchen der Strom hinaustritt, dafs der Weg ziemlich aufwärts steigen mufs, um dann an den steilen Seitenwänden des Thals fortlaufen zu können. Der Eingang ins Maggiti- Thal zeigt senkrechte Gneifsschichten, die von OSO. nach WXW. streichen, und auf beyden Seiten genau übereinstimmende aus- uud eintretende Winkel; dasselbe im Verzas'ca- und Onseraone - Thal. Man sieht offenbar, dafs in diesen Gneifsgcbirgen die Durchbrüche nicht von der Wirkung der Wässer entstanden uud 358 L o c l e. zu Thälern gebildet sind, sondern heftige Stöfse und Erschütterung haben die senkrechten Schichten von ein. ander gerissen. Die eigentümliche Beschaffenheit dieser Thäler macht, dafs hier die Gcbirgsströme fürchterlicher als in der übrigen Schweitz sind; nirgends sicht man so hohe Brücken wie über die Ströme am Ausgange der italienischen Längcnthälei. Aller Schutt dieser Thäler liegt in der weiten Ebne zwischen Locarno , dem Eingänge des Maggia-Thzls , des Sees, Magadins und Bellenz , wodurch der See dort allmählig ausgefüllt und in eine zum Theil sumpfige Thalebne verwandelt worden ist. Locle, in einem hohen Bergthale des Jura im Fürstenthum Neuchalel. Wirtshaus ' Fleur de Ljs. Das Thal ist 2 St. lang, fast ohne Bäume, aber ganz mit städtischen Häusern besetzt, und wird von dem Bied durchflossen, der keinen andern Abflufs als durch die Klüfte der Felsen hat. Dieses Thal erhielt se.ne ersten Einwohner durch einen Bauer aus Cor alles , der sich hier 1303. mit seinen vier Söhnen ansiedelte. Der Winter dauert sieben volle Monate und der Schnee liegt bisweilen 50 F. hoch ; der Boden erzeugt nichts als Gras ; alle Bedürfnisse werden nur mit Mühe in dieses Bergtal geschafft, und doch ist hier und im Thal von Chaux de Fond der wahre Sitz der Uhifabri- ken , und einer aufserordentlich starken Bevölkerung. Höchst merkwürdiger Sitz menschlichen Kunst fl eifses. Diese Bergthälcr verdienen die höchste Aufmerksamkeit jedes Beobachters menschlichen Kunst- i L o c i. r.. 55y fleifses, seiner wahren Pilege, Entwickelung und seines herrlichen Gedeyhens. — Daniel Jean Richard, genannt ßressel, aus La Sagne (nicht weit von Lode) erhielt im J. 1679. von einem zurückgckornmucn Pferdehändler eine Uhr tur Ausbesserung, weil er der einzige in allen diesen Thälern war, der sich mit mechanischen Dingen beschäftigte. Das Zerlegen und die Zusammensetzung dieser Uhr richtete die Anlagen dieses fünfzehnjährigen Jünglings auf die L'lirmachcrkuust. Er ersann binnen einem Jahre viele Werkzeuge zur Verfertigung einer neuen Uhr, die er in 6 Monathen vollendete. Sein erster Handwerksgesell war Jat/ues Brandt aus Chaux de Fond . Im Anfänge des XVIiT, Jahrhunderts zog Richard nach Joele, wo er itn J. 17^1. starb. Seine fünf Sohne, und Brandt in Chaux de Fond, trieben noch mehrere Jahre diese Kunst allein, ehe andre Personen sich damit zu beschäftigen anfien- gen; und doch stand schon itn J. 1780. die Uhriabrick in einer so hohen Blüthe , dal’s Lode 7000 Einwohner, Chaux de Fond fast eben so 1 icle zählte, und alle übrige Thäler Ncuchatels , selbst das hner - Thal (im ehmaligen Bisthum Basel') und viele Dörfer in der eli- maligen Franche Comte bis 10 St, von Chaux de Fond von diesem Geiste des thätigsten Kunstfleifscs belebt, bevölkert Und bereichert waren. Dieses freyc und geistvolle Künstlervolk, aus Eingeborncn, Franzosen, Geufern und Deutschen entsprossen uud zusammengesetzt, hat eine Menge Erfindungen gemacht, uud ausserordentlich tiefe mathematisch - mechanische Genies Locle, 360 hervorgebracht. (Man s. über Jean Droz den Art Chaux de Fond J. Die kostbarsten Werkzeuge werden liier verfertigt, welche die berühmtesten Uhrmacher in London und Paris kommen lassen. Alle Einwohner, Mäuner und Frauen, beschäftigen sich mit einem Zweige der Kunst, sey es auch nur in Nebenstunden. Die Zahl der Künstler aller Art, welche in Gold, in allen Metallarten, in Holz, Elfenbein, Schildkröte und Glas arbeiten, dann der Maler, Kupferstecher und der Handwerker zur Bereitung aller Arten Werkzeuge für die Uhrmacherkunst, ist sehr grofs. Ohngeachtet der über- mäfsig theuern Miethe und Lebensmittel wird das Werk einer gewöhnlichen Uhr so wohlfeil wie sonst nirgends geliefert, nämlich für 4-5 Gulden; eine vollständige silberne Uhr für it Gulden. — Aufser dieser Kunst beschäftigt auch das Spitzenklöppeln mehrere tausend Frauenzimmer zu Locle und in den benachbarten Thä- lern, wovon Jede täglich 6-60 Sols verdienen kann. In Locle sind einige wohlversehne Buchhandlungen. Mühlen 100 Füfs unter der Erde. Sehenswerth nahe bey Locle die unterirdischen Mühlen an dem Ort les Raches. Der Abflufs des Ried an dieser Stelle zwischen den Klüften der Felsen hatte weite unterirdische Höhlen ausgewaschen. Zwey Brüder Robert von Locle hatten den Muth und die Geschicklichkeit; in diese tiefen Höhlen drey Mühlen senkrecht untereinander zu erbauen. Bey Lainpenschein steigt man in diese schauerlichen Grüfte, um die Kunst des Menschen zu bewundern. — Nahe bey diesen Mühlen der Roche Loclf. 561 fendu. Die Einwohner von Locle wollten diesen Felsen im J. 1779. durchbrechen, um sich unmittelbar aus ihrem Thal einen Weg nach der ehmaligen Branche' Comle , jetzigen Departement des Doux , zu bahnen. Die Ansicht durch dieses Loch auf Frankreich herab, ist sonderbar. — Nahe bey Locle, a la Ja/usa eine von Courvoisier-Clement vervollkommnete Amalgamir- mühle, worin alle Goldabgänge der Uhimachcr und Goldschmiede von der Asche getrennt werden. — Den herrlichen Fall des Doux (Saut de Doux genannt) im •ßrenefr-Thal von Locle 1 St. (S. ■ßrenefj-Thal). Wege. Nach Chaux de Fond 2 St. in einer fast ununterbrochnen Strafse von Häusern; zuerst aufwärts nach Crel-de-Locle , wo eine Hochwacht steht; von da durch den Theil des Thals , Ferger , und danD Eplature genannt. — Von Locle westwärts nach Bre- vine 2 St. (S. diesen Artikel}. — Nach Neuchatel 3 St. Durch ia Sagne, Gcncveis , Cofrane. (S. Sagne- Thal ). G e o g n o s t i s ch e Beschaffenheit. Die Schichten der Kalkfelsen des Thals von Locle und Chaux de Fond stehen seqkrecht; alle Wässer und Bäche fanden deswegen ihren Abflufs durch die Spalten dieser Schichten, wie im Thal von Joua r, und brachen daher an keiner Seite die Thäler durch, wo sie ihren Ausflufs suchen durften; und diefs ist ein eigeruhümlicher Charakter dieser Jura-Thiiler. (S. Jura'). — Man findet im Thal von Locle Stinkstein, und in denselben Halb- Opal und opalisirende Versteinerungen. 362 Loetsch-Thal. LoETica-Tiui in Wallis, Öffnet sich zwischen Campei und Raron auf dem rechten Ufer der Rhone als ein enger Schlund, und zieht 6 St. lang in die nördliche Gebirgskette hinauf, von der Lortza durchströmt, und von den hohen Felsen Brcit-llorn , Tschin- gel , Zak - Horn, Loetsch- Berg, Nest- und Bietsch- Horn umschlossen. Grofse Gletscher hängen vom Breil - und Tschingel - Horn ins' Thal. Vier bis fünf Dörfer liegen hier ganz abgeschieden und unbesucht von der übrigen Welt. Ein Pafs führt über den Loetsch -Berg ins Gastern - Thal, nach Kanderstäg und Frutingen. Die Einwohner dieses Thaies wurden von der harten Dienstbarkeit gegen das Geschlecht von Thnrn befreyt, als die Walliser Blutrache an Anton von Thurn nahmen, welcher seinen alten Oheim Bischof Witschard vom Schlofs Seyon herabstürzen liefs. (S. Sitten). Geognost. Beschaffenheit. Die nördliche Felsenreihe besteht aus Urgebirge mit aufgesetztem Kalkstein; die südöstliche Felsenreihe, wo das Bietsch- und JVesf-Horn, ganz aus Urgebirge. Es wird ein Bleyberg- werk ausgebeutet. (S. über das Gebirge und die Gänge dieses Erzes den Art. Lauterbrunn ). Lok gna-zkr — Thal, S. Lugnezer-Thal. Lowerzbk-Sbe (Laucrzcr-See J , im K. Schwytz, am Fufs des Rigi, 1 St. lang, % St. breit, 54 F. tief, mit zvvey Inseln geziert. Der ^n-Bach fliefst hinein, und die Severn fiiefst heraus nach dem plcrtraldstäd- ter- See. Er ist sehr fischreich. Das Dorf Loirerz und Seven liegen am Ufer, und nicht weit davon Steinen L O W E n 7. E R S K F. 365 ( s. diesen Artikel). Dieser See ist in hohem Grade lieblich, aJtmuthig und malerisch, und die Inseln sind besonders romantisch. Ehedem wurden sie von Einsiedlern bewohnt. Der letzte auf der Insel Schtranati hatte lange in Paris als Schweitzer-Gardist, und dann als Pförtner gelebt; er starb als achzigjähriger Greis kurz vor 1798- Seitdem wohnte ein Landmann mit den Seiaigen in der ehmaligen Klause. Auf der gröfsern Insel stehen noch Reste des Schlosses Schtvan.au , auch PVonau genannt, dessen Thurm aus dem XI. Jahrhundert zu seyn scheint. Ein Untertyrann des Landvogt Getier hatte iin J. 1307. ein Mädchen von Art geraubt und in seine Insel geführt. Die Brüder: der Entführten überfielen und erschlugen den Räuber, und am ersten Jenner 1308. nahmen die Schweizer das Schlofs ein, und zerstörten es * **). Von dem Schlosse Lowerz auf der kleinen Insel sieht man nichts mehr. Dev Flecken Schwytz , nur 1 St. entfernt. Von Lowerz geht der befste Weg auf den Rigi. (S. Schwytz). Von Lowerz durch das verschüttete Goldauer - Thal nach Art 1 1 js St.; man sehe über dieses schreckliche *) Unterschelmcn, werden in der Kruftsprache der alten deutschen Zeilbücher dergleichen subalterne Dienet' des Despotismus genannt, **j Eine romantische Volkssage betheuert: „Alljährlich „läfst sich ein Donnerschlag hören und schreckliches „ Gcschrpy tönt durch den Thurm; ein junges Mädchen ,, im zerrifsnen Gewand verfolgt mit LrenncnJer Fabel „auf der Zinne der Mauer einen gew-.lfnetin Manu, uer „vor ihr flicht und sich heulend in den See stürzt. r Ereignifs des 2. Septembers tgo 6 . den Art. Art. D er Schutt dieses Bergfalls erreichte den Lorvefzersee u n( J füllte dessen westlichen Anfang aus. Die Wirkung auE den See war aufserordentlich. Sein Wasser wurde dadurch ’Go-sjo F. hoch in stürmende Bewegung gegen Stven am Ende desselben gesetzt. Augustin Schaler stand grade auf einer Höhe, sähe das schreckliche ’ Schauspiel der einher wälzenden Wasserberge , und rettete alle Einwohner Seevens durch sein Schreyen zur Flucht bergan. Die kleine Insel des Sees war mehrere Tage nach dem Unglück bis an die Spitze der Bäume unsichtbar, und auf der grofsen Insel Sclnranau war der See bis in die Höhe des Glöckchens in dem Thurme der Kapelle gestiegen. Die höchste Bewegung des Sees dauerte 1 j^ St. Die Kapelle zum Olten oberhalb Seeven wurde weggespült und 2 St. davon auf die andere Seite bey Steinen abgesetzt. Einen Kalksteinblock von 100 Ct. in Seeven wurde mehrere Schritt weit auf eine höhere Stelle geführt. Der See ergofs sich fast bis an Steinen. Ein Kahn von Lotverz wurde 1000 Schritt aufwärts geschleudert. Einen Steinblock, der nicht weit von der Strafse nach Steinen lag, fand man nach dem Unglück auf der andern, Seite des Sees oberhalb Lorrerz , und er mufste etwas zerschlagen werden, um Platz für die neue Strafse zu gewinnen. Das Dorf Lowerz wurde ganz verschüttet, nur der Kirchtlmrm ragte aus dem Schlamme hervor. Der Pfarrer Jos. Ant. Linggi rettete sich durch schnelle Flucht. ( S. Art ). Die rauch- blättrige Alpenrose , welche gewöhnlich nur in der Lugano. 3^5 Höhe von 3000 F. übers Meer wächst, steigt hier zwischen den Felsen des Rigi bis an die Ufer des Lorrer- zer- Sees hinab. Ll fenf. h (eigentlich Lnvino), an der Südseite des Gotthards , ein Pafs aus dem Ober-Livenen-Tlml nach Ober - lYallis, (S. Airolo und Ober - Gestein). An diesem Felsen beginnt ostwärts das Li-venen-'thtil, und westwärts das wnllische Thal Budre. Lur. ano (Lauis) , am nördlichen Ufer des Luga- ner-Sees, die gröfste Stadt im K. Tessin. Wirthshaus: Grand Auberge Suisse bey den Gebrüdern Taglioretti, eines der treflichsten Gasthäuser der ganzen Schweitz. Liegt unter den 4559', 56" nördlicher Breite und 26°, 37 ', 18" der Länge *). Geschichte. Lugano gehorchte vom XI-XIII. Jahrhundert dem Freystaat Como, Nebenbuhlerin Mailands , und die Luganeser kämpften im Anfang des XIII. Jahrhunderts gegen die Milaneser, welche sich ihrer Burgen und Landwehren zu bemächtigen suchten, wo- bey der erstem Führer Alderan Quadrio (aus altem Geschlecht) fiel. Im J. 1160. eroberte Mailand in dem Luganesischcn 20 Schlösser. (S. Como). Im J. 1513. wurde Lugano mit seinem beträchtlichen Gebiet aus Dankbarkeit von dem Herzoge von Mailand, Maximilian Sforzia , an die scher eitzerische Eidgenossenschaft abgetreten , und war seitdem der Sitz eines Landvogts der XII. regierenden Kantone. Im J. 179g, ) In Lugano erscheint eine italienisehc Zeitung. 366 Lugano. wurde hugano Hauptstadt eines eignen Kantons- ;, n J. 1802. aber mit dem K. Tessin vereinigt £s. K Tafsin ), und bildet nun den Hauptort eines Bezirks welcher 29,141 Einwohner im J. ißo8. enthielt. Erw erbsflei fs. Viele Gewerbe wegen des Durchs passes der Waaren über den Gotthard. — Eine geringe Fabrik von Wollentuch; Schnup r tabaks-Mühlen ; Papier- und Pulvermühlen; in der Nähe Eisen- und Kupferhammer, wozu das Metall aus dem Venetiani- schen kommt; grofse Kohlenbrennereyen in dem Bezirk von Agno .— Seidenbau; die Seide, welche im Bezirk von Lugano gezogen wird, ist die befste des ganzen K. Tessins, und feiner als die mailändische Seide selbst.— Viele Klöster, Kirchen, und ein Semi- narium. Aus dieser Landschaft gehen viele Maurer, Baumeister und Brückenbauer aus. Lage, Spaziergänge und Aussichten. Die Lage der Stadt ist aufserordentlich reizend, und gewährt , vom See gesehen, einen herrlichen malerischen Anblick. Ostwärts der Stadt erhebt sich der fruchtbare Monte Bre (auch Gotthardo genannt) besetzt mit Dörfern, Landhäusern und Gärten voll Oliven-, Zitronen-, Pomeranzen-, Pfirsich- und Mandelbäumen und den schönsten Weinlauben, welche malerisch über das grüne Wasser des Scebcckens hinübeihangtn. Das Dorf Ca- atagnola zeichnet sich hier besonders aus; über demselben das Dorf Bre. Herrliche Spaziergänge und Aussichten auf diesem Berge. Nach SO. gegenüber zieht das rauhe Gebirge Caprino, an dessen Fufs ein Dorf- Lugano. 367 chen zu liegen scheint. Diese Häuser sind aber nichts weiter als die Keller der Stadt Lugano, Cantine di Caprino genannt. Fel s e 11 k e 11 er. Es befinden sich nämlich hier in den Felsen sehr viele Spalte und Klüfte, TVindlöcher genannt, aus denen des Sommers immer eine sehr kalte Luft ausstöfst. Die Luganer haben dies benutzt, und vor und über diese Klüfte Häuser erbaut, worin sie ihren Wein ganz kühl erhalten, und wohin sie in den lieifsesten Tagen oft Lustfahrten machen. Solche Keller sind auch zu Figino am südlichen Ufer des Luganer- Sees, bey Chiavenna, und an einigen Orten in der Schweitz ; eben so in Italien auf der Insel Ischia , bey Rom, Neapel, nicht weit von Terni bey dem Städtchen Cesi, wo sie Roche di Venti oder d'Eolo heifsen, und wo die Bewohner diese aus dem Innern der Berge ausstofsende kalte Luft durch Röhren nach Gefallen in ihre Zimmer und selbst unter ihre Trinkgefäfse leiten. Am 29. Juny fiel das Thermometer in diesen lugani- schen Kellern auf 2^5 Grad, während es in freyer Luft auf 2i° stand; im August 4J2®, und an fieyer Luft t 18 0 ; zu Ende Septembers 70, und an freyer Luft 16 5 . Neben dem Caprino südlich die Berge Rovio oder Riva, Ciona und Ceneroso, und an deren Fiifsen das Dorf Capo di Lago. Nach SW. der zum Theil kahle kegelförmige St. Salvador, auf dessen Gipfel eine kleine Kapelle. Am westlichen und nordwestlichen Ufer der herrliche Anblick der Stadt, unter dessen Gebäuden sic!* besonders der Pallast des Marchese di Riva und das 568 Lugano. Zoccolantenkloster agil Angeli auszeiclirict; und oberhalb der Stadt stuft das reizende Land terrassenmä[ s ig aufwärts, über welches, vom See aus gesehen, der beschneite Gamog/ier in dem Isone - Thal herübcr- schaut. — Bey der Kirche St. Loreuzo eine herrliche Aussicht. Aussicht von dem Salvador - Berg. Auf den Gipfel des Salvadors , von Lugano 2 t 3 St. Der Salvador ist das Ende eines Gebirges, welches mehr nordwärts Carona t und noch weiter Bigogno genannt wird; er streckt sich so weit in den See hinein, dafs er eine Halbinsel bildet. Die Aussicht auf seinem Gipfel, obgleich nur 1980 F. über den See erhaben, ist aufserordentlich. Von W. nach O. durch N. thürmen sich die unzähligen Hörner der Alpen von (A'allis bis Graubiindten; nach S. breitet sich die unermefsliclie Ebne der Lombardie aus , in welcher man bey sehr hellem Wetter zwischen den Bergen Generoso und Riva die Kuppole des unter Galeazo Visconti im XIV. Jahrhundert erbauten Dohms von Mailand (620 J. vor Chr. Geb. von Bellovasus gegründet) erblickt. Neben dem Riva stehen der St. Giorgio und Monte del Desert. Innerhalb dieses weiten Horizontes sieht man nach 0 . den Seebusen von Porlezzo , die Berge des Intelui- Thals , die Corner - und Bergamasker - Berge; nach NO. zu seinen Füfsen dit Stadt Lugano; hinter selbiger das reichste Hügelland der herrlichen Thäler Colla, Ravagna und Isone oder Agno , und über deren Kastanienreiche Berge den nackten Gamog/ier , den L tr G A N o. 369 Piz'ö Fächern (den Pini mehr als 8000 F. über den Luganer - See, aber wahrscheinlich zu hoch angiebt) Und die Fellliner - Gebirge; nach N. den Gotthard und die Biindtncr - Felsen; nach INW. die reichen und mit schönen Frauen beglückten Hiigel von Cade- fnnrio , den Monte Cademario ; höher den wilden Gambarogno ( s. Locarno ) , uiid himmelwärts die Gletscher des Gries und Simp/ons; nach SW. den kleinen See Muzea.no; über Ponte Tresa und Agho ein kleines Stück des Langen-Sees, Belg und Thal Mardirofo, und himmelwärts die prachtvollen Alpen, iü welchen der Monte Rosa sich hervorhebt. Spazierreise. Eine kleine über alles reizende Spazieireise von Lugano nach Agno durch Sorengo; vön Agno durch Miliaso Sn die Ponte Tresa ; von hier über den Laghetto di Tresa , wo man rechte das malerisch gelegne Dorf Lavenna, und links den malerischen Berg Caslano sieh;, in den Lago d'Agnc, wo man zu Figlio ans Land steigt, und bey drin See Mmzano vorbev nach Lugano zurückkehrt. Luganer - See. Im VI. Jahrhundert hiels er Lag ho Cerisio, später I.acus Luanus. Kein einziger römischer Schriftsteller erwähnt dieses Sees, und nur erst im VI. Jahrhundert vviid er- von Gregorio Turo- nense genannt. Deswegen glaubt Bonaventura Castig- lioue, derselbe sey bis zum Untergang des römischen *, Bey den Alten ldefs Cademario : Castra Marii ; und die Sage geht, dafs Marius hier die Cimbern erwartet habe, 2 * III. Lugano. 57 ° Reichs nur eine Lache gewesen, und sey später durch Wasserausbrüche angefüllt worden. Im J. 1528. hrach aus einer Berghöhle oberhalb Campionc so viel Wasser hervor, dafs die Einwohner es für die Sündfluth hielten. Etwas Aelinliches soll in weit entferntem Jahrhunderten oberhalb Melide geschchn seyn. Ein ähnlicher Ausbruch mit Wasser geschah 1711. in die Tresa. (S. Gana - Thal). Der Litganer - See liegt 198 F. / höher als der Corner- See, 234. F. höher als der Langen- See nach Oriani, oder 882 F. übers Meer. Er ist von Porlezzo bis Agno 10 St. lang und 1 St, breit, bildet aber so grofse Krümmungen , dafs einzelne herrliche Buchten nach den dort gelegnen Oer- tern benannt werden; z. B. der See von Agno , von Morco, von Tresa. Der Isone - oder Agno - Bach und der Abflufs des Sees Muzzano nebst einer Menge Bäche fallen in denselben, und südwestlich fliefst die Tresa heraus, und ergiefst sich in den Langen- See bey Luino. Der Gebirgskreis, welcher ihm seine Wässer zusendet, ist nicht grofs; er beginnt von den Felsen Gamba- rogno , Cenere , Gamogher , Pizzo Vachera , zwischen den Luganer- nnd Corner-Seen, und endigt an den INordseiten des Generoso , St. Giorgio und Mardirolo. Alle diese Gebirge tragen weder Gletscher, noch behalten sie im Sommer den Schnee. Die Tresa ist so wasserreich, dafs der See aufser dem sichtbaren nocli unterirdischen Zufiufs haben mufs. Ein Theil der Ostseite des Sees und die südlichen Ufer von Porto nach Tresa liegen schon ira Mailändischen, Der See Lugano. 37 1 ist so aufserordentlich fischreich, besonders an Forellen, dafs wöchentlich zwischen 2-3000 Pfund gefangen und nach Mailand versandt werden, Spazierfahrten auf dem See. Nur die Seite, wo die Felsen des Caprino sich erheben, ist fast nackt; sonst bietet der See in allen seinen Buchten die reizendsten Ansichten und Landschaften dar ; seine Berg- Ufer haben auffallende Aehnliclikcit mit den Bergen und Thälern der Südsee - Inseln , und sein helles Wasser von dunkelgrüner Farbe vermehrt den reizenden Eindruck des Ganzen. Das Bezaubernde dieser,Natur findet sich auf der Nordseite der Alpen nirgends. Wenn man von Lugano eine starke halbe Stunde in der Richtung nach Capo di Lago (2 St. entfernt) die Seefläche durchrudert hat *), so erblickt man ostwärts den langen Busen von Porlczzo , in dessen Hintergründe der Pizzo Legginno mit einem hohen Horn, il Pano di Suggaro, steht. Westwärts entwickelt sich die Halbinscl-zunge des wilden Salvador , dessen Fufs von Vipern**) wimmelt; bald darauf erscheint das reizende anmuthige Vorland, wo Melide ( in gemeiner Aussprache Milli ) und das reizende Vorland Punta di Milli liegt (dessen Kirche und Kapelle von der Hand eines seiner Söhne, des grofsen Baumeisters Fontana , *) Man nimmt gewöhnlich drej Schiffer, wovon jeder zuej Ruder regiert, und dafür wird bis Capo di Lago (2 St.) 6 mailändische Lire (noch nicht zwej Gulden) hezaldt. **) Die Vipern wohnen hier in so grofser Zahl, dafs die Bewohner eines dort stehenden Hauses gezwungen war- Lugano. 37 2 im J. 1G05. gebaut und verschönert wurden ), und der Blick in die Bucht di Morco fällt, welcher sich weit in der Ferne nach dem Busen von Agno windet. An den Ufern des Morco - Busens glänzen der schöne Flecken Morcotte und höher pico di Morco (das Vaterland des Pabstes Anaclets II.')-, an dem fruchtbaren Berge Arbostora die Dörfer Carona und Ciona; und an der weit vorgestreckten Landzunge, welche den dritten Busen di Riva von dem vorigen trennt, Bru- sino. Gerade Melide südostwäits gegenüber erfreuen und winken die üppigsten Hügel mit geschmackvollen Kapellen, die malerischen Dörfer Campionc , Bissone , Maroggio , die Ocfl'nuug des engen Thals Rogno , Mellano ; der Eingang ins Thal Rovio , Capo di Lago oder Codelago ; rechts in der Tiefe des Busens der schöne Fleckeu Riva (in dessen Kirche Freskogemälde von Morazzoni , und Oelgcmälde von Pctrini ), die schon genannte Landspitze Brnsin . und im Hintergründe der herrliche Monte Generoso. Zu Rovio und Maroggio wird die befste Seide gezogen. Zu Campione wurden schon in den ältesten Zeiten Oliven gebaut. Von hier und Melano gehen Wege ins Val Muggia und Iutelvi (s. Intelvi — Thal und Mendrys ).— Von Lugano nach Porlezzo 5 St. , wenn nicht Gegenwind den , es zu verlassen. Im Sommer schwimmen sie heer- denweise nach den kühlen Wäldern an dem andern Ufer; des Winters kehren sie an den Fufs des Salvador zurück, und rollen sich so ineinander, dafs sie Kugeln bilden, die nur mit Köpfen gespickt sind. isf. Der Busen von Porlezzo gewährt Jierrlicbe Ansichten , besonders bey Gandria, dessen auf hochge- vyölbten Arkaden schwebende Garten, Weinreben-Terrassen und das als Pyramide aufgebaute Dorf sich in dein See spiegeln , und bey dem Capo di Milan, wo auch ein in vielen Fällen stürzender Bach zu sehen ist. Oberhalb Gandria liegt Pre; bey Val solda zieht die Grenze der Schweitz. Am nordwestlichen Ufer folgen auf Gandria die Dörfer Orio, Albogasio, Cres- cogno, Cima, Porlezzo ; auf der südlichen Seite St. Mar- garilo, Osteno , und drüber Biridino. Die Olivenbaumzucht ist an diesen Ufern sehr stark. Nahe bey Osteno eitle grojse Grotte voll Tropfsteine , und hier mündet sich der Bach des Intelvi - Thals (s. Intelvi - Thal Das alte Porlezzo ist durch Einsinkung oder Steinryf- fenen verunglückt; denn an dem Orte St. Maorizio ragt noch die Hälfte des Kirchthurms hervor. Hier eine Glasfabrik. Oberhalb dem Ort erhebt sich dep Calbega oder Gada 4575 F. Bey Porlezzo strömt der Cucio aus dem Cavargna - Thal in den See. Dieses Thal zieht nach NO. aufwärts , und ist wegen seiner rcicheH Eisen-, Kupfer- und Blejerzc merkwürdig, welche hier ausgebeutet werden. Die höchsten Gebirge des Cavargna-Thals erheben sich, wie der St. Lu- cio, 3910 F., und der Pizzo di Giuo 61x4 F. über den See. Die Wasserfahrt ia die andern Seebusen nach Porto di Morco und Agno ist ebenfalls sehr reizepd. Merkwürdige Künstler. Diese Seedörfer ha- 374 Lugano. ben den Ruhm, das Vaterland grofser Künstler zu j eTn Dominikus Fontana aus Melide erfand im J. ijgg unter l’abst Sixtus V. eine Maschine, womit er den grofsen Obelisk ( 16000 Ct. schwer} vom Cirkus nach dem Platze des Vatikans fonbewegte und dort aufrich- icte ; was die ganze Kunst der Mechanik nicht vermochte, bewirkte der glückliche Gedanke Fontana's , vermittelst benetzter Stricke die ungeheure Masse zu heben ¥¥ ). In Verbindung mit den Baumeistern Vignola und dclla Porta vollendete Fontana die Kuppel der Peterskirche zu Rom nach der Zeichnung des Michel Angelo den 14. May 1590. Fontana errichtete auch den Obelisk vor der Kirche St. Johann de Lateran, und stellte die Säule Trajans wieder her. Zu Neapel erfand Fontana hydraulische Maschinen von aufseror- dentlicher Wirkung , und starb dort im J. 1607. im Alter von 64 Jahren, wo in der Kirche St. Anna seine Grabschrift steht. — Ritter Carlo Maderna aus *) Die Beschreibung dieser merkwürdigen Maschine und der Fortbewegung des Obelisk findet sich in einer italienischen Schrift : Delta trasportazione delV Ohelisco Vati- cano , fatta de IR Cavaliere Domen ico Font an a. Fol. Roma 15,90 — 92. Der Pabst belohnte ihn mit 5 ooo Scudi, 2000 Scudi Jahrgeldes für ihn und seine Erben, machte ihn zum Ritter, und zur Verewigung seiner liih- neu Unternehmung liefs er seinen Kamen an den Fufs des Obelisk einhauen : Dominicas Fontana trän « stulit ei erexit. **) Kach Einigen that dieses ein gemeiner Junge unter den Zuschauern, der, als die Stricke zu brennen anhengen : Acqua ! rief. Bissone baute das Portal und Vorgebäude der Peterskirche in Rom nach seinem Entwurf, und vollendete es im J. 1610. unter dem Pabst Paul V.; er starb zu Rom im J. 1629. im Alter von 73 Jahren. Stephanus Maderna war berühmter Bildhauer; von ihm die herrliche Bildsäule der II. Cecilia in der Kirche dieses Namens ; starb zu Rom im J. 1636. — Zwey Tencella aus Bissone ; der eine, berühmter Freskomaler, starb im J. 1685. iu seinem Vaterlande; der andre, einer der geschicktesten Stukatur- arbeiter Italiens, starb zu Venedig im J. 1748. — Bianchi aus Campione , Geschichtsmaler, starb zu Mailand im J. 1690.— Carloni aus Rovio, grofser Bildhauer, und^dessen zwey Söhne, Johann und Baptist , berühmte Mahler; von ihnen der Plafond der Kirche Annunciata in Genua , ein Meisterstück; der Vater starb zu Genua im J. 1615. und -die Söhne bis zu dem J. 1659.— Mazetti , auch aus Rovio , Bildhauer, starb im J. 1744.— Joseph Sardi , einer der giöfsten Baumeister Italiens im XVII. Jahrhundert; David Anton und Georg Fossali , der erste treilicher Frescomaler, der andre berühmter Kupferstecher im XVIII. Jahrhundert ; alle drey aus Morco ¥ ). — Baptist Colomha , dessen Sohn Anton und sein Enkel Innocenz , aus Arogna , in 'der Nähe von Agno , ausgezeichnete Ma- *j Joseph lebte im J. 1778- , und hinterlief« eilten Sohn, der sich ebenfalls in der Kunst und in schönen Wissenschaften übte. Georg lebte im J. 1762. in P'encäig, in genauer Freundschaft mit dem uueh lebenden grofscu Künstler Barlolozzi. Ly GANO. 57 6 ler; der Vater ward im J. 1638 - geboren, und der Enkel lebte im J. 477}. poch zu Arogna. — a us Lugano waren Maria Nosseni , berühmter Baumeister, starb im J. 1616 . zu Dresden; Alberloli , treflich^ Bildhauer ira XVIII. Jahrhundert, und Baptist Disce- poli, geschützter Maler im XVII. Jahrhundert; Job. Baptist Mola , (gebohren 1620.), Schüler des Albani pud Guercino, ein geachteter "Landschafts- und Ge- schichtsmafer; Bernardo J'a/coni, berühmter Bildhauer, gofs im J. 1G97. die kolossale Bildsäule des Carl Borro- meo, welche bey Arona steht (s. Arona). Wege. Von Lugano nach Porlezzo 5 St. zu Wasser. Von I’orlezzo nach dem Comersee giebt es drey Wege: 1) Ucber Osteno durchs Val Intelvi nach Ar- gegno 3-4 St. 2) Von Porlezzo den kleinen See Piano vorbey, nach Croce auf die höchste Höhe, wo eine herrliche Aussicht über den Luganersee , und herab nach_Mcnagio, oder auf schwierigem aber reitzendem Wege nach Cadeuabbia 2-3 St. Dieser Waldweg ist bisweilen Räubern wegen berüchtigt gewesen. 3) Von Porlezzo ins Cavargnathal nach S. Pietro, (wo die Kupfer- und Bleyerze des Thaies geschmolzen werden), Begna, über eine schone Brücke des Cucio, nach Car- dano (wo die Eisenhüttenwerke des Thalsj, Croce, Menagio. Zu Porlezzo findet man Esel und Pferde, um diesen Weg zu machen. Von Menagio oder Ar- gegno geht man in wenigen Stunden nach Corao. Ein andrer Weg nach Como führt von Lugano zu Wasser nach Capo di Lago 2 St.; hier findet man Wagen und / Lugano. 377 Pferde, welche man von Lugano schon vorher durch seinen Wirth hat bestellen lassen, und von hier nun führt man am Fufse des Generoso hin nach Mendrisio t St. und von da nach Como fn 2 St. (S. Mendrisio). Der nächste Weg von Lugano an den Langen- See führt durch Sorengo, dem See Muzzano und den reitzenden Hügeln von Carmignone und Muzzano vorbey, durch Agno, Magliano, Magliasino, Caslano, Ponte di Tresa, S. Maria de Piano (wo man allenfalls' Nachtlager findet), aufwärts nach CremcnagOi, bey dem Pozzo Nero, (eine Tiefe, worin die Tresa fliefst, und welche im J. 1711. durch Felsenschutt so aufgefüllt wurde, dal’s der Lnganersce anschwoll, S. Ganathal) vorbey nach Lnino 4-5 St.; etwas weiter, wenn man von Lugano bis Viglio geht, hier sich einschifft, und über den Lago d'Agno, den malerischen Berg Caslano und den in Schatten von Oliven und Kastanienbäumen und Whinranken liegenden I.avena vorbey über den Laghetto di Tresa nach Ponte Tresa fährt, und nun weiter, wie vorhin angedeutet wurde. Die Brücke ist die Grenze zwischen der Schvreilt und dem Königreich Italien. Bey Ponte Tresa werden immer viele Aale in Behältern aufbewahrt, die nahe am Ufer stehen. — Der grofse Weg für das Schweitzer-Kindvieh geht von Lugano nach Ponte Tresa, von hier nach Marchirolo, Grantola , Cunardo , Varese, (das Nähere sehe man C analhal). Der giadestc Weg nach Varesfc geht von Ijtgano über den See nach Porto 4 St.; und von hier 3 St. nach Varese; oder man geht bis Viglio ^ und Lugaso. 378 schifft von hier nach Porto, wo man Postpferde findet ( s. Varese ). Alle diese Wege sind so reich an Naturschönheiten, dafs die Wahl sehr schwer ist. Nach Bellenz und Magadino über den Cenere 6 St. (s, Bellinzona ). Pflä n z en. In der Gegend von Lugano folgende seltne Pflanzen: Galium rubioides. Galium purpureum, am See Loy Capo di Lago. Agave americana. Poeonia ojficinalis. Inula hirta . Crepis setosa , in den Weinbergen. Tanacelum bal- samita. Senecio abrotanifolius (sehr selten) oberhalb Lugano auf den» Berge St. Lucio . Cactus Opuntia (Sta- ehelfcige) auf dem Berge Peche 5 St. von Lugano; nur hier und im Nieder - PVallis, Centaurea spien- dens, nur hier und bey Bellen z. Helleborus niger , nirgends als hier. Cytisus nigricans , Cistus apenninus auf dem Salvador- Berg. Geognost. Thatsachen. Das Urfelsgebilde der Alpeu setzt von N. her bis an die Seen von Lugano , Conto und Maggiore fort; und erst hier erscheint wieder Flötzkalkstein. Die nördlichste Streichungslinie desselben am Luganersee zieht vom Langensee am südlichen Ufer der Tresa, über den S. Salvador-Berg, und den Seebusen von Porlezzo nach Menagio am Comer- sce. Alle diese Kalksteinberge lagern auf Gneifs, Glimmerschiefer oder Porphyr, welche an vielen Orten zu Tage liegen; z. B. bey Brusinpiano, Maroggia und Campione, zwischen Morcotte und Melide steht der Porphyr zu Tage theils von Kalksteinflötzen bedeckt» theils unbedeckt. Die Schichten dieser Urfelsarten senken nach S., so wie die Schichten der Kalkalpcn, welche von ihrer nördlichsten Strcichungslinie nach der Lombardey herahstuffen. In dem Seebusen von Porlezzo zeigen sich am südlichen Ufer, Orio gegenüber, die Kalksteinschichten wellenförmig. Am Fufs des S. Salvador unterhalb dem Hochgericht zeigt sich zwischen dem Urfels und dem ersten Kalkflötz Nagclflue. An dem Fufs der Kalksteinberge zwischen Capo di Lago und Porlezzo liegen viele grofse Granit- und Gneifs- trümmer. Marmor bricht oberhalb Lavena, und nicht weit von Porto di Morco bey den Dörfern Vigiu, Sal- trio, Arzo, Bcsascio von weifser und rother Farbe mit versteinerten Muscheln, meistentheils Cliamiten. Der weil'se Marmor zwischen Arzo und Saltrio ist Fortsetzung des Lagers von Gavirate zwischen Varese und La veno am Langensee. Zu Vigiu eine Menge Steinhauer, die trefliche Arbeiten in Marmor und feinem Sandstein , der auch dort bricht, machen. Nicht weit von Vigiu auch ein Bruch auf Kalcedon zwischen Marmorschichten von rother., weifser und streifiger Farbe. — Anzeigen von Steinkohlen zwischen Kalk- und Mergelschiefer bey Selvapiana oberhalb dem südlichen Ufer, bey Riva, oberhalb Osteno und auf dem Wege von Campione nach dem Iutelvi - Thal. Mineralogie. Der Berg Argentera bey der Ponte di Tresa lieferte schon in altern Zeiten viel Silber. Man sieht noch sehr viele Stollen, von denen man zwey neulich wieder geöffnet hat, und hier uutcr Lei- 58o Luggarus. tung des Hm. von Odmark silberhaltiges Bley mit Blende ausbeutet. Eä soll au?h hier Spiefsglanz und auf der andern Seite der Tresa giildisdier Kies brechen. Obeihalb Layeno Erzadern (s, Ganathal\. Bey Porto dl Morco ßleyerze und giildisch Kies. _ Bey Besascio Spuren von Braunstein. Im Cavargna- thal vortrefliche Eisenerze , von denen jährlich t6 bis 17,000 Ctn. geschmolzen werden; auch Kupfer- und B.leyerze brechen hier. Luggarus. S. Locarno. Lu g n ezer^TH al CLongnaza im Romanischen) im K. Bündtcn, öffnet sich bey llanz , wo der reifsende Glenner aus engem Schlunde heraustritt und sich mit dem Vorder - Rhein vereinigt (s. llanz'). Merkwürdige Natur in diesem Thale. Dieses n St. lange Thal mit vielen Nebenthälern ist gar nicht besucht, obgleich die schrecklich überhangenden wilden Felsen, die fürchterlich stürzenden Berg- ströme, die schauerlichen Brücken, die Gletscher, und das ganz abgeschieden lebende Bergvolk, besonders im Peters - Thal, eben so sehr den Besuch des Freundes aufserordenllicher Natur und des Menschenbeobachters verdienten, als so viele andre Gegenden der Schweitz.— Die Einwohner des ganzen Longnäz sind katholisch, Duvin, Riein und Pitasch ausgenommen, sprechen die romanische Sprache (die Gemeinde Vals im Peters- Thale ausgenommen ) und leben einzig von Alpen-» Viehzucht und wenige Acker- und Obstbau. I Lugnezer-ThaL. 331 Genaue geograph. Beschreibung des Lug- netzer-Thals und dessen Pässen, Das Lugne- tzer- Thal zieht südwärts in ein Labyrinth der höchsten Biindtner-Feisen hinauf, worüber keine Geographie bisher eine richtige Beschreibung gab. Von Ilanz bis zum Mittelpunkt, wo sich Longnäz theilt, 3 St.; von hier nach SW. zieht das Vrinthal j und nach SO. das Peters- oder Valser -Thal. Von Ilanz geht es ^ St. aufwärts zu einem alten Thurine, Ueberrest des Schlosses Casteiberg, % St. weiter an die Grenze von Longnäz, und eine halbe Viertelstunde weiter gelangt man an ein steinernes Thor, Ehrendenkmal der Frauen von Longnäz. Während Graf Rudolph 'von Tf r erdeitberg- Sargans den Ulrich von Beimont befehdete, 1355* in Lugnetz eingedrurigen war, und bey Mondaun ( zwischen Villa und Quoft) von den Lugnazern geschlagen wurde, sollen deren Weiber eine andre feindliche Schaar, welche durch diesen engen Pafs nachdrang, durch einen Hagel von Steinen zurückgetrieben, und dadurch den Rücken ihrer Männer gesichert haben. Seit dieser Zeit haben die Frauen das Vorrecht erhalten, in der Haupt- kirche des Thals zu Pleiv auf der rechten Seite zu sitzen. Gleich hinter diesem Thore zeigt sich links jenseits dem Glenncr das Dörfchen Riein, tiefer Pitaseh, und zwischen beyden der Hof W.ignina, welche uoch zu dem Hochgericht Grub gehören. Jenseit eines Tobels hier sieht man im Gebirg Düwing, Camonz, weiter Terschnaus und in der Tiefe Fuort. Von derit Thore bis Combels oder Peiden t St.; von hier bis Villa ^ Hauptort des Thaies St, 582 L U G K E Z E R - T H A L. Vrin-Thal. Von Villa nach Lumbrein a g t bis Vrin i ^ St., bis Pusash i St. Hier spaltet sich das Vrin - Thal: i) Ins I’usasher - Thal 2 St. lang nach W.; und 2) links nach SW. ins Vanasha- oder Vanäga-Thal, 1 ^2 St. lang; und 3) ins Gerboda-Thal, bis zu den Gletschern 2 St. lang. Vom Dörfchen Pusash geht ein Weg über die Diesruter- Alp ins Sum- ' vicer- oder Teniger-Thal, welches sich bey Surhein in das grofse Vorder-Rlieinthal öffnet (s. Sumvic ). Will man njclit ins Sumviccr-Thal hinab, so steigt man auf die Diesruter - Für ca , von da auf eine Alp-Anhöhe, wo sich der Medeis — Gletscher in voller Pracht zeigt, und nun hinab ins Monterascer - Thal ( K. Tessin), welches grade nach Olivone, im Belenzcr - Thal, 4-5 St. führt. i Peters- oder Vals er-Thal. Von Villa steil J hinab ins Bett des Glenncrs , und über eine Brücke nach Unorz (deutsch Vort, Fuort) 1 St. zwischen dein Glenner und l alscrbach. Auf dieser felsigten Erdzunge das Schlol's Surcasti, Obercastel , und höher das Dorf desselben Namens. Auf einer Anhöhe oberhalb Fuort kann man das ganze Lugnetz übersehen. Von hier zeigt sich, wie das westliche Ufer des Glenner eine etliche hundert Fuls hohe Felsenwand ist, auf welcher sich die schönsten WTesen, Aeker, und 9 Dörfer und Dörfchen äusbreiten. Von Fuort bis St. Peter , Hauptort des Valserthals , 3 St. Der Weg geht unter Tersch- naus nach der Kirche des H. Martini, an einem Abgrunde vorbey, Hundsschupfen genannt, durch die Lugnezer-Thal 383 Gegend Matasch und Feistenberg auf der westlichen, und Longenatsch auf der östlichen Seite (Geriehen noch zu Terschnaus gehörig , wo man aber schon deutsch spricht) , nach dem Hof Boka — Kiguna 2 St. Bcy der Kapelle der II. Annaist die Grenze zwischen dem Longnetzer — und Valser- Thal. Nun kommt man über den Valserbach bey der Nikolai- Kapelle voibev, über den Schutt eines gestürzten Felsens, und bey dem Dotfr Camps tritt man ins eigentliche Valsertlial. Höher liegt Saladura. Mitten in der Thalebne St. Peter, auch Platz genannt, weil hier die Landesgemeinde gehalten wird. Am Ende der Thalebne liegt Falle. Hier spaltet sich das Valsertlial; 1) Nach SO. ins Peil-Thal, bis zur Höhe des W'alseibergs, (Quolm Val im llhiiti- schen) 2^2 St. lang. 2) Nach SW. ins Zavreila - Thal; das Dörfchen Zavreila ist von St. Peter 5 Stunden. Hier spaltet sich das Zavreila - Thal : a) Nach S. ins Kanal-Thal, 2 St. lang, b) Nach \\ . ins Alpergalp-Thal, 1 St. lang; und dieses läuft nach S. ins Länta-Thal, 1 i[. St. lang, und nach NW- ins Alpnover-Thal , 1 St. lang, aus. — Zwischen Vallc und St. Peter geht ein Weg über die Flimser-Alp und Berg zur hintersten Kirche im Savieu - Thal. Durchs Peil-Thal führt ein für Pferde gangbaier Weg den Cuolm de Val (W'alseiberg j in 4 St. nach Hinter - Rhein im Rheinyyaldlhal. Diese Strafse ist auf beyden Seiten des Felsengrats sehr steil, au der Nordseite immer mit Schnee bedeckt, und nur im Sommer zu beweisen. Ein zweyter Weg führt über den Llichli oder 384 L t; g n e t e r - T h a r.. JYalischer - Berg nach Splügen im Rheinwald - Jhal Zwischen dem Alpnover - uiid Länta-Thal führt eiu Weg für Fufsgänger über den Belender - Gletscher i a das Thal Scaradra K. Tessin, bis auf die Hohe i J'„ St,, bis Ghirone a St., und von da bis Olivone 2 St. (’S. Oiivone ). Das Yalserthal ist reich an deu fruchtbarsten Alptrifften ; der Sommerrocken und Gerste gera- then gut. Torf giebt es im Thal. Die Einwohner gleichen an Bildung und Kleidung den Pihcinwäldern. Andere meinen, sie stammen von den Einwohnern des Vi inerthales, und hatten nur erst im XV. Jahrhundert angefangen, deutsch zu sprechen, weil sie keinen romanischen Pfarrer bekommen konnten. Gebirge und Gletscher. Gegen W. und S. erheben sich in dem Longnez die höchsten Felsen. Der Piz Valrhein (in der Mitte zwischen dem hintersten Theil des Rheinwaldthal, den südlichsten Thälern des Lugnez und den östlichen Thälern des Belenzerthals ) ist unter allen am höchsten •( 10,220 F. hoch übers Meer); dann der Cuj'er oder Guver zwischen dem Lünta- und Kanal - Horn und Piz Valrhein. Das Lantahorn wird auch Laida genannt. Auf der Abendseite des I.ämathals ist der Piz Jut, der Piz GuralaC oder Fcnella-Horn, diesen gegen S. die Fenil-Hömer, die höchsten Felsen im Yalserthal. Zwischen dem ’S aller - und Vrin-Thal sind der l’iz Yalajla oder Biikli (in der deutschen Sprache der Valser: Bliitschadura- Horn), Piz Kontagas oder Teii de Derlun die höchsten Felsen. H. Kapitular Placidus a Spechii hat. den I «t I •k n. 'iV W. ! 51 - ■. b nie F. in der Länge, und 12 F. in der Breite, und besteht aus 136 Stücken, weiche auseinander genommen werden können *). Unstreitig ist diel's die vollkommenste Landkarte. Ihre Genauigkeit in allen Gestalten der Felsen und Berge, die Treue selbst bey den geringsten Fufssteigen, Ilütten und Kreutzen, und die aufseror- dentlichc Wahrheit in der Nachbildung der Natur verdienen Bewunderung. Jeder Reisende kann hier denjenigen Theil der Gebirge, welchen er von Luzern aus zu bereisen gedenkt,* aufs genaueste studieren, oder nach zurückgelegter Reise seine beschränkten Beobachtungen berichtigen , erweitern und vervollkommnen. *) Nach dieser topographischen Abbildung sind Landkarten von Bunker, Meckel und Klausner in Kupier gestochen worden. LuzeRn. '405 Betrachtet man dieses herrliche Werk von oben herab, so erscheint es ohngefähr wie eine Landkarte; allein, um sich einen wahren Naturgenufs zu verschaffen, so mufs man sich so weit bücken, dafs das Auge über die Tafel streift. In diefer Stellung erscheinen alle Hügel, Berge nnd Felsen in ihrer wahren Höbe und Gestalt, und auf diese Art, aus den verschiednen Punkten angesehen, wird jeder über die genaue Aebnlich- keit mit der grofsen Natur erstaunen. Dem H. General Pfrffer gebührt der doppelte Ruhm des ersten Gedankens zu einer solchen Natur-Nachbildung, und die unglaubliche Ausdauer und Anstrengung bey der glücklichen Ausführung. Seitdem sind ähnliche Arbeiten vom Chamouny-Thale, vom Gotthardsgebirge, vom Kanton Zürich, von der ganzen Schweitz ( s. Aarau), und von einzelnen Theilen derselben ausgeführt worden. — 4 Bey Hm. Pfarrer Basinger ist eine solche vortrefliche Abbildung der ganzen östlichen Sehweite, von dem Hrn. Ingenieur Müller zu Engelberg (S. Engelberg) verfertigt, aufgestellt. Dieses Werk umfafst die KK. St. Gallen, Appenzell, Graubündten, Glarus, das Vorarlebergische Land und einen kleinen Theil von Tjrol, zusammen 550 Q Meilen. Es mifst in seiner Länge 93, in der Breite 73 Zoll Pariser - Maas; die Länge einer Stunde zu 15,000 grofsen Paiiser-Fufs, ist im Grundplan 20^2 Zoll Quadrat, im Durchmesser 4 % Zoll. — Sehenswerth noch, die drey Brücken. Auf der Mühlen- Brücke über die Reufs ist der Tod- temanz.von Meglinger gemalt; in der Kappel- Brücke L TT 1 . K R H. 404 über den Ausflufs des Sees in die Reufs, 1000 Fufs lang, hängen 200 Gemälde, auf denen die Grofsthaten der Schweitzer dargestellt sind, zu welchen H. Alt— Sekelineistcr von Balthasar Erklärungen herausgegeben hat; und in der Hof- Brücke, 1380 Fufs lang, welche die Hauptstadt mit der Pfarr- und Stiftkirche im Hof verbindet, hängen Gemälde aus der Bibel. — Das grofsc neue Waisenhaus in der St. Jacobs - Vorstadt.— Das im J. 1808- neuerbaute Gesellschaftsbaus, zum Schützen genannt. Bey Hrn. Xaver Mejer ein Lesehabinet , wo der Reisende Landkarten und die befsten Schwcitzerlandschaften lindet. Bey Hrn. Anich eine Buchhandlung. — Der englische Garten des Hrn. Oberst Carl lf) ff er. Unterrichts-Anstalten. Die vornehmste Schul- Anstalt des ganzen Kantons in dem ehmaligen Icsuiter- Kollegium. — Priester - Scminarium seit x8°7- — Zeichnungsschule seit 1796. — Musikschule. —- Eine Realschule. — Mädchenschule bey den Ursulincrin- nen. — Hier wurde 1808. eine schyy eitzerische Musik - Gesellschaft gestiftet, welche alle Jahre Versammlungen halten wird; man sehe Protokoll der Schweiz. Mus. Ceselis. Luzern i8°8* 3* S. Berühmte Männer und Künstler. Als Helden und grofse Feldhauptleute glänzen besonders der Schultheifs Gundoldingen , welcher in der Schlacht von Sempach fiel (S. Sempach)-, Anion Rufs, welcher in der Schlacht von St. Jacob 1444. als Hauptmann focht und fiel (s. Basel); die Schultheifse Hans von flau- Luzern. 405 rryl 1 Heinrich llafsfurtcr , Caspar von Hertenstein , in dem thatcnreichen XV. Jahrhundert. Hafsfurter besonders war zwischen 1430 — I 43°. in den wichtigsten Angelegenheiten die Seele seines Kantons und einer der grössten scliwcitzerischen Heerführer. Jost von Sillinen , Probst von Bero-Münster, spielte in den gröfs- ten Welt- und Staatshegchenhciten zwischen 1470. bis 1480. eine der wichtigsten- Rollen. Unter den Luzer- nern, welche in fremdem Dienst grol'se Kriegsmänner waren, will ich nur Ludevrig Pfeiffer nennen, welcher 1567. die Königin von Frankreich, Catharina von Medicis , den König Carl IX. und das ganze königliche Haus in der Mitte seiner 6000 Schweitzer, eingeschlossen durch das Heer der Huguenotten, welches ihn von allen Seiten umringte, von Monceaux unverletzt nach Paris rettete. Sänger der Kriegsthaten der Schweitzer waren Jos. Suter , welcher die Schlacht von Sempach mitfocht, und Joh. Viol , der bey den Schlachten zu Beilenz und des Burgundischen Krieges zugegen war. Chorherr Mever von Schauensee (1720. geboli- ren) war einer der gröfsten Organisten Europa’s. Jos. Slalder ( starb 1765.} geschickter Komponist und Kapellmeister des Prinzen von Conti; seine musikalischen Werke sind gestochen. Jos. Ign. Zimmermcinn (Professor in Luzern) dramatischer Dichter; von ihm x rauerspiele: Wilhelm Teil, Gundolfingcn und andere in den Jahren 1780. lierausgcgehen. Cysat , Cappeler , Lange , waren Naturforscher und berühmte Schriftsteller in den verflofsnen Jahrhunderten. Einer der gröfsten Ge- scliichtsforscher und gelehrtesten Männer der Schweitz ist der lebende ehrwürdige Alt-Sckclnicister von Balthasar , dessen gedruckte und ungedruckte Werke äufserst gehaltreich sind. II. Craucr und die Pfarrer Schnider von Jl'artensee (jetzt verstorben) und Stalder , sehr geschätzte Geschichtschreiber und Gelehrte; letzterer erwirbt sich bleibenden Ruhm durch das schweitzerischc Idiotiken , wovon der erste Tlieil im J. 1808. erschienen ist. Jacob Frey, vortreflicher Kupferstecher nach den Gemälden des Guido Reni, Andr. Sacchi, Peter Cortona, Carl Maratti (vornehmlich), und Dominichino, starb 1753. zu Rom. Der (zu Rom ermordete) trefliche Medailleur Schvrendimann. Hr. Reinhard , lebender Bild— nil'smaler. Jos. Ritter , Baumeister und Verfertiger der Mellinger- und andrer Brücken, welche den Grubeman- uischen an Kunst, Festigkeit nnd Schönheit nichts nachgeben , starb 1809. Ueber alle berühmte Männer Ru- * zerns sehe man des II. Alt-Sekeltneisters von Balthasar Werk : Museum virorum Lucernatum fama et meritis illustrium. 4. I uccrnae 1777., welches auch ins Deutsche übersetzt und vermehrt ei schienen ist. Aussichten und schöne Standpunkte. Die Renke, geschichtlich merkwürdig. Kalte Felsenkeller bey Hergiswyl. Auf der Hof- Briicke ist der Anblick des Sees und det Berg- und Felsen-Umgebung bey günstiger Abendbeleuchtung übet alle Beschreibung prächtig. Der II. General Pfyff er hat hier ein halbzirkclförmiges Brett befestigen lassen, auf welchem die Namen und Hohen aller im Gesichtskreis stehenden Gebirge aufgezcichnet sind, und wo, L v z e R iv. 407 jeder vermittelst der aus dein Mittelpunkt gezognen Linien und cingeschlagnen Stifte alle Felsen leicht finden kann. Ostwärts erhebt sic 1 der schöne grüne Rigi , südwärts der rauhe schwarze Pilatus , zwischen beyden der steile Bürgen - Stock, und vor diesem der See mit seinen angenehmen Ufern. Ueher dem Bürgen - Stock steigt die sonderbar gestaltete Blum - Alp aus Unterwalden empor, deren Sennhütten man bey Abendglanz erkennt; und nach O. und W. füllen eine Menge Felsen den Gesichtskreis, unter denen der Titlis und die Blum- Alp, der Crispalt zwischen dem Rigi und Blum- Alp, und das PVetter- Horn zwischen Blum-APp und Pilatus. — Mannigfaltige Aussichten : Bey dem Ursu- liner- Kloster; in der Nähe der Stadt auf den bis 1100 Ful's erhabnen Hügeln: Musegg (und zwar zu Ailen- winden , in der schönen Garten-Anlage des H. PVebers , und am Abhang in H. Dr. Salzmanns englischen und botanischen Garten), PVäsmeli , der Obern TVarten- Flue, dem Dietschen - Berg, dem Hom- Berg, Ulten- Berg, Hitzli- Berg, an der Halden , Spitzthalmatt , auf der Anhöhe Giitsch genannt, nahe an der Stadt in dem neu angelegten Garten, auf den Aonne/z-Berg und andern. — Spatziergang nach dem Reng- Loch St. zwischen dem Sonnen- und Blatten - Berg, wo der Krienz — Bach durchströmt; dieser Felsenkanal wurde durch Kunst seit dem XIII. Jahrhundert gesprengt, um die Gefahr des wüthenden Bergwassers von der Stadt abzuwenden. —— Nach dem Sclilofs Schauensee auf dem Schatten - Berge, 432 F. über den See, $4 St. / e, ;V’ / "1; I 4oy Luzern. Hier eine herrliche Aussicht. Spatzierfahrten auf dem See Ins nach der Insel Altstadt , wo man den prächtigen See von Küjsnacht bis in den Alpnacher - Busen überschaut; an das südwestliche Ufer, bis zu dem romantisch maleiischen Ort, im Klausen genannt; nach der melankolischcn Bucht von Alpnach , reich an erhabnen aber ernsten Ansichten, besonders des Morgens oder Abends. Alan kann dahin von Luzern aus rudern, oder man spatziert dem Pilatus zur Seite durch Horw nach Winkel i St., wo man Kahne findet, und in i 1 ]q St. nach Alpnach schifft. Von Winkel führt auch ein Fufsweg über die Renk^ auf dessen Hohe schöne Aussicht, nach Alpnach *). Wenn man sich zu Winkel einschifft und aus dieser Seebucht herauskömmt, so zeigt sich östlich am jenseitigen Ufer am Fuls des Bürgenstocks das kleine Dörfchen Kirsiten (am Bürgen ein Alaybrunn, der täglich periodisch fliefst und aufhört); *) Auf diesem Wege flohen die 4000 Oesterrcichtr aus Vn* terwalden , ■welche unter Graf von Strasbergs Führung im J. i3i 5 zu derselben Zeit eingedruugen waren, als Herzog Leopold mit seinem Heer, von Zug aus, auf Schwytz losiüchte und bey Morgarten geschlagen ward. Auch begann hier der Bürgerkrieg im Herbst ig02., welcher die Veränderung der seit 1798. bestehenden Ein- lieits-Vci fassung der Schweitz zur Folge hatte. Die Truppen der helvetischen Regierung hielten hier den Pafs der Renke an deu Grenzen Luzerns* gegen die iui Aufstand Begriffenen Einwohner Unterwaldens besetzt, während die Unterhandlungen fortgesetzt wurden. Die Unterwald - ncr-Mililzen griffen unvermuthet die helvetischen Posten an, tödteten mehrere, und trieben sie aus dem Passe, 1 Luzern. 409 südöstlich Stanzstad , und die dunkelgrüne Blun-A lp; nordwärts die weite Seelläche nach K.üjsnacht und der Rigi; nach W. der rauhe Pilatus , und am Fufse der Renk das Dorf Hergisurjl Hier sind 10 Minuten vom Orte Felsen-Keller im Kalkgebirge, in denen, die Milch drey Wochen, das Fleisch vier Wochen, und Kirschen das ganze Jahr sich frisch erhalten; der Thermometer fiel im Monat Juli auf 3 0 , 3' über Null, während er an freyer Luft im Schatten 18® stand. In der Alpnacher- Bucht selbst mufs man bey dem liotz- loch anlanden lassen, um diesen wilden Felsenrifs und den Wasserfall des Mehl-Bachs zu sehen. (Ueber das Merkwürdige hier s. Alpnach ). — Zwischen dem Rotz-Reeg und Alpnach quillt am See ein Schwefelwasser. — Spatziergänge zu der Vereinigung der Emme mit der RenJ's bey dem verfallnen Schlosse Stollberg , und nach dem ^3 St. langen und sehr fischreichen Roth- Ree. , nur St. von Luzern. — Spatzierreise nach Sempach 2 St., wo im J. 1386. die Eidgenossen einen so wichtigen Sieg erfochten ( s. Sempach ). Wege. Neu-IIab s bur g. Auf den Pilatus 5-6 St. (Man sehe alle Merkwürdigkeiten dieses Gebirges unter dem Art. Pilatus ). Nach Alpnach und Stanzstad ist schon erwähnt. — Nach Altorf im K. Uri, auf dem See 9 St., wenn das Wetter nicht ungünstig ist. Nach Küjsnacht auf dem See 3 St. (Ueber alle *) I/ergiswrl kaufte sich 1378. von seinem Herrn los uml vereinigte sielt mit dem K. Unterwalden, f P ft hv ; KU • k Luzern. 410 diese Seefahrten s. man den Art. Luter ner-See). jj aiJ kann von Luzern nach Kiifsnacht auch zu p u f s durchs Dorf Meggen und Mörlischach in 3 St. auf einem an Aussichten aufserordentlich reichen Wege wandern. Man kömmt hier nahe bey den Ruinen des Schlosses Neu- Habsburg auf dem Hügel Käme - Flue vorbey, wo oberhalb dem Dorfe Meggen ein herrlicher Standpunkt zur Uebersicht der ganzen See-Landschaft ist. Diefs war nicht der Stamm- sondern nur Som- mersitz der Grafen von Habsburg. Kaiser Rudolph I, hielt sich hier oft auf. Es wurde im J. 1352. als Herzog Albrecht gegen Zürich und die Waldstädte in Krieg lag und nachdem die Oesterreicher Kiifsnacht verbrannt hatten, von den Eidgenossen nach zehntägiger Belagerung eingenommen und zerstört. — Nach Zürich eine grofse Landstrafse 10 St. (s. Knonau und H/bis). Nach Zug 4 St. Fufsgänger wenden sich von der Keufs- Brücke (2 St. voa Luzern ) rechts auf einen Weg nach Buonas 1 St.); 1 [? St. von der Brücke betritt man den K. Zug. Zu Buonas sehifft man sich ein und fährt nach Zug. — Nach Bern die grofse Landstrafse über Zofingen , eine weniger gute durch tVillisau und Lange nt hat. und die kürzeste ( t8 St.), aber für Kutschen beschwerliche Strafse durch das Entlebucher - Thal. Nach Entlebuch längs der Emme durch Enningen, Malters (Kropf- Thal genannt, weil hier die Einwohner sehr mit kröpfigen Hälsen behaftet sind), über die Bram - Egg für Fufsgänger bis Entlebuch 6 St. (S. Entlebuch ). Luzern. 4 11 Luzern (der Kanton) ist einer der, grofsen Kantone, enthält 3 1 O Meilen und zählte 86 , 7 °o Eintv. im J. i 8 » 3 - N ur au seiner südlichen Grenze, vom Pilatus durchs Entlebncher-Thal, ziehen hohe Gebirge von 7000 F. übers Meer, welche nicht Gletscher tragen , noch immer den Schnee behalten. Das ganze übrige Gebiet ist nur Hügel-Land von sehr vielen Bä- ,chen durchschnitten, wo die beträchtlichen Hügel sich von 300-1572 F. über den Luzerner-See erheben. Al- penwirthschaft und Viehzucht wird nur im Entlebucher- Tlial und am Pilatus getrieben; in dem gröfsten Theile des Kantons ist Ackerbau die Hauptbeschäftigung, Weinbau aber ganz unbedeutend. Fabrikthätigkeit mangelt fast gänzlich; nur im Entlebucher -Tlhal wird viel gesponnen. Alle Einwohner sind katholisch ; sie leben mehr in Dörfern als zerstreuten Wohnungen; Häuser und Kleidertracht zeigen manches Eigenthümliche; hin und wieder herrschen noch sehr patriarchalische Sitten; ein starker Menschenstamm +); sie waren bis 1798. Unterthauen der Stadt Luzern , und empörten sich gegen dieselbe in den J. 1477., 1653. und 1712. Seit 1 798 - geniefsen die Landbewohner und Bürger der kleiden Städte gleiche staatsbürgerliche Rechte mit den ehmals 30 herrschenden Geschlechtern der Stadt Luzern. *) Ein Landniann trug 5 -600 Pfund schwere Fässer auf den Schulter fort; ein andrer trug auf ausgestreckten A ernten 1100 Pfund Eisenstangen; ein dritter fafst einen jungen unbändigen llengst in den Naselöchern, und wirlt ihn zu Bodtn; ein vierter erdrückte in der Umarmung einen Geistlichen Ley der Bewillkcmmung. 4*8 Luzern. Der Kanton enthält aufser Luzern die drey Städte Sem , pach, Sursee und IVillisau , io Klöster, 2 Stifter und 2 Maltheser Komtnenderien. Merkwürdigkeit. Zur Geschichte der Buchdruckerey. In dem Stifte Bera - Münster (im IX. Jahrhundert von Bero, Graf von Aargau gestiftet) ohnweit Luzern errichtete der Chorherr Elias von Laujfen in einem Alter von 70 Jahren die erste Buchdruckerey in der Schweitz, aus welcher im November 1470. Marchesinis’ Wörterbuch: Mamotrectus sive priraicerius , und im Dezember 1472. Roderici (von Zamora) speculum vitae humanac hervorgiengen. Von diesen aufserordentlich seltnen Ausgaben finden sich Exemplare in der Zürcher-Bibliothek und in der des H. Alt-Seckeimeister von Balthasar. Hier erlernte Ulrich Gering aus dem Flecken Münster bcy dem Kloster diese Kunst; auf-Antrieb des Baselschen Professors Johannes a Lapide begab er sich nach Paris, wo er der erste\ in ganz Frankreich, sein Gcheimnifs, Bücher zu drucken , vo,n 1473. bis r5to. ausübte. Gering liinteiliefs sein beträchtliches Vermögen der studierenden Jugend und den Armen von Paris, wofür sein Gedächtniis von der Sorbonne feyerlichst begangen wurde. Geognost. Beschaffenheit. Die Pilatus-Kette besteht aus Kalkstein (s. Pilatus')-, an diese legen sich die Berge Entlebuchs aus Sandstein, gerollten Steinen und Thon an (s. Entlebuch ), und alle übrige Berge und Hügel des ganzen Kantons liegen in dem Sandstein- und Mergel - Gebilde (s. AIbis und Rigi)- Nahe Luzerner-See. 4*3 bey der Stadt Luzern sind Sandsteinbrüche. An den Ufern des Sees, sowohl zwischen Luzern und Kiifs- nacht (besonders in der Gegend des Meggen - Horns und auf der Insel Altstadt) , als auch zwischen Luzern und Stanzstad an den Hügeln Vierek und Schatten- Berg , zeigt sich viel Nagelflue. Derselbe liegt in der Streichungslinie der hohen Nagelflue - Berge des Rigi- und Rnffi - Bergs , deren Gebilde ohne allen Zweifel nach der Nordseite des Pilatus fortsetzte , und durch die gewaltsamsten Fluthen bis auf diese letzten Ueber- reste weggeführt worden ist. (Man s. hierüber Rigi). Ueber das ganze Hügelland des Kanton Luzern liegen Granittrümmer zerstreut, wovon viele aufserordentlich grofs sind ; es ist dieselbe Granitart, die ich bey Kiifs— nacht und Buonas am Zuger - See sah ( s. Art ). — Vor der Reufs- Brücke, 2 St. von Luzern, traf ich einen 14 F. langen Trümmerhlock, und mehrere all andern Orten an. — Die Lutter und Emme führen einiges Cold, und durch die Emme auch die Reufs. (Ueber den Ursprung desselben und über die merkwürdigen Geschiebe in der Emme sehe man EntlebU— eher - Thal). Luzerner - Sek (gewöhnlich Uieriraldstädtcr - See genannt, weil er die vier Waldstädte Uri , Schrrjtz , Untcrn'alden und Luzern bespiihlt; denn so wurden diese Landschaften in dem Mittelalter benannt).’ Liegt 1320 F. übers Meer nach II. General Pfyffer 1 i 3*4 F. nach de Luc , 1350 F. nach Trern- blej 13(12 F. nach II, Ingenieur FUrfs; beträgt in 4*4 Luzerner - See. seiner Länge von Luzern bis Fluclen 9 St., in se ; ner Breite von Kiifsnacht nach Alpnach 4-5 St., und ist an einigen Orten, wie am Achsen- Berge 600 F. tief. Der äufserste Rand seines Wasserkessels, innerhalb welchem alle Gewässer diesem See zugeführt werden, beginnt vom Rigi , dehnt sich über den Ruffi- Berg, Mythen, Miessern und die IClarider- Alpen, nach dem Scheer - Horn, Crispalt, Badus , Prosa, Feudo , Alutt- Horn, Furca, Galen- Stock oder Gletscher- Berg, Thier- Stock, Siisten- Horn, Stein - Berg, Ura - Horn, Titlis , Roth- Horn, Hochstollen , Breiten - und llaslcr- Berg, Briinig , und endigt an dem Pilatus. Unter allen Bergwässern, welche sich in den See ergiefsen, sind die Muotla , Severn, zwey Aa- und Melch- Bach die beträchtlichem, die Reufs aber ein ordentlicher Strom, der bey Finden in den See tritt, und bey Luzern ihn wieder verläfst. (S. über den Ursprung der Reufs den Art. Gotthard ). Dieser See ist aufserordentlich fischreich (besonders in dem Theil, welcher im K. Uri liegt) an Lachsen, Barschen, Forellen, Karpfen, Hechten, Schieten, Aeschcn, Röteln, Aalen, Nasen U. s. w. Auch ernährt derselbe Ottern und Biber; und nach Uri zu werden im Herbste herrliche Neunaugen gefangen. Unter die köstlichsten Fische des Sees gehören die Balle (Salrao lavaretus) und das Rölele ( Salmo salvelinus ). Naturkarakter dieses Sees, Kein Söe in der ganzen Schweitz ist mit diesem zu vergleichen. Weder viele Dörfer, Städte, Landsitze, noch Gärten, Luzerner-See. 4(5 Obst- und Weinpflanzungen, noch wollüstig schwellende Hügel zieren und verherrlichen seine Ufer; und doch lesselt sein Bild unwiderstehlich, und bleibt unauslöschlich. Ohne allen Flitterstaat der schwachen Menschenkunst und Arbeit thront hier die Natur in ihrer ganzen Hoheit, und setzt durch die unerschöpfliche Mannigfaltigkeit ihrer Bilder und ihres Ausdrucks vom furchtbar schauerlichen bis zuin romantisch lieblichen Charakter in Erstaunen. Die aufserordentliche Felsenwelt, welche diesen See umgiebt und von 2000 bis 10,000 Fufs über seine Flache etnporthürmt, wechselt fast bey jedem Rudcrschlag in ihren Gestalten, und die An- und Aussichten in den bald reizend an- muthigen, bald erhabnen, bald melankolisclien , bald schauerlichen Busen von Kiijsnacht, Luzern , JL'inkel, Jlpnach , Buochs und Fluelen sowohl als von der Mitte des Sees (von dem sogenannten Trichter') sind nach den verschiednen Licht - und Schattenwürfen, besonders bey Morgen - und Abcndbeleuchtung, unerschöpflich. Von welchem Standpunkte man auch diesen See betrachtet, so herrscht in jedem Bilde Gröfse, Erhabenheit und etwas Aufserordentliches, welches nur Erstaunen empfinden läfst. An keinem See sieht man solche tiefe Schlagschatten, so dunkle Farben, solche wunderbare Wirkungen der Lichter an den Gebirgen, als hier. Ueber die Gefahren auf diesem See. Ver- schiedne Reisebeschreibec haben die Schiffahrt auf diesem See so gefährlich und fürchterlich geschildert, dafs 416 Luzerner - See. viele Wandrer sich ihm nur mit Angst anvertrauen Wer in dem Busen von Brunnen nach Fluelen , 0l j et . in der Gegend der Obern und Untern Nase , wo die Felsen senkrecht in den See stürzen, und nur an wenigen Stellen gelandet werden kann , von heftigen Ungewittern mit Sturm begleitet überfallen wird, befindet sich wirklich in Gefahr, und das Schauspiel wird fürchterlich. In allen übrigen Theilen des Sees ist diese Gefahr nicht so grofs ; und wer nur die Vorsicht gehabt hat, ein nicht zu kleines Fahrzeug und wackre nüchterne Schiffleute zu wählen, entgeht auch in jenem angegebnen berüchtigten Busen glücklich den schwarzen Schlünden , die mit schäumender Wutli sich tausendmal öffnen. Alle Schiffer, mit denen ich diesen See oft befahren habe, versicherten mich einmüthig, dafs, wenn ein Unglück geschieht, es immer der Betrunkenheit des Steuermanns und der Rudrer zuzuschreiben sey. Mein letzter Schiffmann, der in Küfsnacht wohnte, fährt seit 20 Jahren wöchentlich öfters zweymal nach Fluelen , und noch nie ist ihm ein Unglück zugesto- fsen. Die Gefahr der Schifffahrt auf diesem See ist also übertrieben worden. Folgende Vorsicht ist vernünftig : Wer von irgend einer Gegend der Seeufer nach Fluelen schiffen will, der richte seine Abfahrt so ein, dafs er vor Untergang der Sonne in Fluelen eintreffe. Auch ohne Gewittergefahr wehen alsdann gewöhnlich Alpwiude bergab, welche den nach Fluelen Schiffenden gerade entgegen blasen, und bey Heftigkeit die Fahrt bis in die dunkle Nacht verzögern. M*a Luzerne r -See. 417 ersuche Jen Eigentümer des Wirtshauses, nüchterne und tüchtige Schifi'leute rufen zu lassen ; man nehme nicht ein zu kleines Fahrzeug ; man sey nicht eigensinnig , gerade zu der gewünschten Stunde abzufahren, sondern man prüfe die Meynung der Schiffleute übers Wetter, und folge darin ihrem Rath. So wird dann Jeder, unverstimmt durch Besorgnisse, sich ganz dem Genufs überlassen, welchen das Schauspiel dieser aufserordentliclien Natur gewährt. Nach tagelangem Regen fallen von dem grofsen und kleinen Achsenberge Steintrümmer über die steilen Wände hinab, und sind den unten Schiffenden gefährlich. Ist der See mehrere Tage durch Stürme unschiffbar, so kann derjenige, welcher zur Fortsetzung der Reise notgedrungen ist, von Brunnen lind Morschach nach Fluelen über den Rücken des Achsenherges gehen, welches eine volle Tagreise ausmacht. Diesen Weg machte während des Krieges von 1799 — 1800. der französische General Lecourbe mit Grenadieren des Nachts bey Fackelschein. Felsensturz. Im J. 1801. löste sich ein Theil des Felsens ohnweit dem Dörfchen Sisihen während der Nacht ab, und stürzte in den See, welcher dadurch in ungeheure Bewegung gesetzt wurde. Die Wellen schlugen hoch übers Ufer, und wuschen einige ziemlich entfernte Häuser, Ställe, Sägemühle, mit allem was darin war, vom Lande in den See, wobey 11 Menschen umkamen, von denen nur ein Kind in der Wiege schwimmend, aber todt, wieder gefunden wurde. In die Dörfer Bauen und Fluelen an den entgegengesetzten Ul. 37 4 J 8 Luzerner-Sei;. Ufern schlugen die Seellutlien hoch hinein, und die Erschütterung des Wassers wurde his an die Stadt Luzern verspürt. Fahrt von Küfsnacht nach Luzern. Insel Aftstadt. Wenn man von Küfsnacht abfahrt, so ist die Aussicht über die ganze Seebreite, vom schwarzen Pilatus beherrscht, prächtig und fey erlich grol’s; die dunkeln Farben der Loper- Alpen an dem Busen von Alpnach erhalten durch den glanzenden Thurm von Stanzslad (wahrscheinlich zwischen 1260. und 1308. erbaut), welcher mitten aus dem schwarzgrünen Spiegel emporzusteigen scheint, einen Lesondern Reiz. Rechts ziehen die sanften Ilügelufer des Meggen - Bergs, wo Marlischachen , die Crenze des K. Schwytz, und weiter das Dorf Meggen , und die Ruinen des Schlosses Neu - Habsburg auf dem Hügel /{a/ne-l'lue (s. .Stadt Luzern über dieses Schlofs) wo oberhalb dem Dorfe Meggen eine prächtige Aussicht ist. Links am sanft absteigenden Fufs des Rigi die waldigre Landzunge Zinne, das Dorf Greppen und das Vorgebirge Punzen - Beig. In 1 St. langt man an die Landspitze Meggen - Horn, wo nahe dabey die Insel Altstadt liegt. Hier ist ein herrlicher Boden zum Baden in der prachtvollsten Aussicht des ganzen uin- birgteri Seeufers. Man sieht gerade über den Krenz- Trichter *) nach SO. zwischen den Nasen hindutch, ') Dieser IVauie bezeichnet die Mitte des Sees, wo sich die Seciläche zwischen küfsnacht und Alpnach mit der Scc* flache zwischen Lusern und den Nasen kreuzen. Luzf.rner - See, 419 nach NO. in den Busen von Kiifsnacht , nach 'S. in den Busen von Alpnach ; in O. herrscht der, in seiner Gestalt und seinen sanft auslaufenden Linien schöne Rigi 4256 F.; in SW. der zerrifsne wilde Pilatus 5760 F., zwischen beyden der Bürgen - Stock 2316 F., der Rotz-Berg 900 F., die Loper- Alpen 1680 F., und über diese die Blum - oder Schön - Alp 4592 F. Zwischen dem R.igi und Bürgen - Stock der Seclis- Berg, Bechen- rieder- Berg, Buochser- Horn , PVisplen- F.ck , Multen- Stein von 4000-fiooo F. Himmelwärts 'etwas von den Engelberger - und Surenei 1 - Alpen im K. Uri, über 8000 F. gerade hinter der Blum-Alp; der Gipfel des Titlis 9390 F. Zwischen der Blum - Alp und dein Pilatus die Sachseier - Sanier - und Melchthaler - Gebirge von 4000-7000 F., und himmelwärts das TVetter- Horn 10,140 F. über den Luzerner-See. Auf der Insel Altstadt Nagelflue - Felsen, so wie längs dem Ufer des Meggen -Horns ( s. Art. Kant . Luzern'), und altes Gemäuer von einer Sust (Waaren-Niederlage ). Der See soll ehedem nur bis hieher sich ausgedehnt haben; weswegen liier die Waaren ausgeladen und dann auf der Reufs nach der Stadt Luzern geführt wurden. Auf dieser Insel hatte der Abbe Raynal , zu Ehren der drey Freyheitsstifter der Schweitz, eine 4 ° F. hohe Pyramide aus Granit errichten lassen an deren *J Raynal wollte dieses Denkmal in der Grütli~Matte (siehe weiter nnten) aufrichten lassen, und suchte im J. le^o. um die F.rlauhnifs hey dem K. Uri an , der es nhsclilug, weil cs keines steinernen Denkmals bediirje fliiels es), Luzerner - See, 4>o vier Seiten in einer weifsen Marinortafel die Namen der Stifter in verschiednen Sprachen und der Käme des Erbauers dieses Denkmals eingegraben waren. Die eiserne Stange, welche die Pyramide befestigte, endigte sich oben in einen vergoldeten Pfeil, an dem der Apfel Teils steckte. Dies diente als ein Gewitterableiter, und der Blitz fiel so oft auf die Pyramide, dafs sie schon nach 10 Jahren zerschmettert war, und seit 1796. in dem Hause des H. Generals PJfff ers zu Luzern liegt. > Man kann sich nichts Kleinlicheres denken , als den Anblick dieser 40 F. hohen dünnen Steinsaule in dem Schoofse einer so erhabnen und allmächtigen Natur. — Von dieser Insel, durch den Busen von Luzern , in 1 St. nach der Stadt ; rechts die schönen Hügel an der Halden , links die langen Hügel Viereck und Schattenberg. Fahrt nach Stanzstad und Fluelen. Die Wasserfahrt von • Luzern nach Stanzstad , und von Winkel in den Alpnacher- Busen ist unter dein Art. Luzern beschrieben. — Von Luzern nach Fluelen 9 St. Ueber die Mitte des Sees , nach der Gegend des Vorgebirges Tanzen- Berg 3 St. Da erblickt man, am steilen Fufse des Bürgen , das bescheidne Kirsiten; links den südlichen fruchtbaren Fufs des Rigi * das Schlofs Her- so lange die Schweitzer sich frejr fühlen und der Freiheit sich erfreuen. Wenn aber je ihre Enkel diese Empfindungen verlieren sollten, so. würde ein solches Denkmal der Eidgenossenschaft so wenig nützen t als dent in Knechtschaft gesunknen Rom seine so häufigen Denkmale aus den tugendhaften Zeiten der Republik . Luzerne* - See. / t 2t tenstein (das Geschlecht Hertenstein war im XIV. und XV. Jahrhundert berühmt, s. Murten), die Dörfer Jfäggis ( s. diesen Art .), Filznau, und gerade gegenüber die steilen Wände des Mutten - Steins tind PVis- plen - Eck ; zwischen beyden, in der Gegend an der Rissen , stürzte ini XVII. Jahrhundert ein Theil der Felsen in den Abgrund des Sees, der an dieser Seite sehr tief ist. Wenn man durch die beyden Nasen hin- durehgescliifft hat, so überschaut man den ganzen Busen von Buochs, den Flecken Buochs (s. Buochs), das Buoch- ser-Korn, die fruchtbare Südseite des Burgen; bald Beckenried*) , den Rausch- Bach und den Seelis- Berg; links die Südseite des Rigi, an dessen Fufse Cersau (s. Cersau); bald auch nach O. Brunnen , und endlich entfaltet sich das herrliche Berggelände mit dem Flecken Sihrrytz am Fufse des zweyzahnigen nackten Mythen (4548 F. über den See). Auf der Höhe des Seelis- Bergs liegt ein Dorf gleiches Namens, die Reste der Burgen Blumenstein und Beroldingen , Stammhaus eines noch bestehenden Geschlechts, und vor der Spitze des See/is- Bergs das Dörfchen Treib , auf der Grenze von Uri und Unterwalden, wo die drey Urkantone in dem Aufblühn des Schweitzerbundes oft Zusammenkünfte # hielten**). Wenn man um die Spitze gewendet hat, *) Hier hielten die Eidgenossen 141 5 . mehrere grofse Tag- satzungen, um zu herathsehlagen, ob sie auf Verlangen des Königs Sigmunds und' der Kirchen - Versammlung den Herzog Friedrich von Oesterreich mit Krieg überziehen sollten. S. Konstanz . •*j Hier hatten die Franzosen Stücke gegen die Ocslerrci- 4 za Luzerner-See. befindet man sicli Brunnen gegenüber, wo dLe Schiff, leute zur Mittagszeit anlegen ( s. Brunnen). Von hier bis F/ne/en 3 St. Sobald man vor dem aus dem See hervorragenden Felscnstück bJ'j'ten-Stcin vorbeygerudert ist, eröffnet sich die Fernsicht über diesen engen, mit den schauerlichsten Felsen umschlofsnen Busen. Gleich hinter Brunnen erheben sich die Frohn- k\\r .jo8o Fufs an dessen Fufs der CeiJ’sstäg , und Scheibern- Eck, am Bissigen — Thal; Bubis-Grat, Hakemesser , und über diese der grofsc und kleine Achsen - Berg *); auf der andern Seite der Seelis- Berg 4416 Fufs, Niederbauer , l'Verch , Teujelsm Inster und ■ der Ko'm. Im Hintergründe nach SO. thürmt sich eine wilde Gebirgswelt immer höher, in deren Mitte der Gletscher tragende Bristen aus Granit (6700 F. über den See) besonders in die Augen fällt. Grütli’s Matte. Ursprung der Freyheit des Schweitzer-Volkes. In diesem Seebusen liegen zwey klassische Oertcr; heilige Denkmale in der Geschichte der europäischen Menschheit. Gleich hinter dem eben benannten THyten - Stein ruht am Fufs des Seelis - Bergs die Crütli's-Matte , eine steile Wiese, eher in Brunnen aufgefiihrt. Die Haubitzen reichten über den See und über Brunnen, und giengen bis an den Fuls des Iligi zwischen Brunnen uud Kindiismord. Hat seinen Namen von achrn , ächzen, klagen , jammern t Angstseufzen , weil die Schiffahrt an den steilen Wänden dieses Kelsen bey Stürmen so gefährlich ist, und dann allen Schiffern Angst einjagt. Luzerner-See. 425 wo unter Obstbäumen bey drey Wasscrquellen *) ein Haus steht. An diesem Orte war cs, wo Werner Stauf jacher von Steinen aus Schwytz, Erni an der Halden (Arnold ) aus dein Melchihal in Unterwalden, > und kT'alter Fürst von Attinghausen aus Uri, nächtlich zusammentrafen, und den Bund edler Seelen beschworen, die unwürdigen Fesseln der Knechtschaft zu brechen, die Tyrannen zu verjagen, und uralte schändlich geraubte Rechte ihrem Vaterlande mit Out und Blut zu erkämpfen. Ilieher kamen sie oft in stiller Nacht, sich zu bereden: und endlich den 17. Nov. d. J. 130a. brachte jeder zehn redliche Männer mit sich. Diese 33 treue Vaterlandssöhne gelobten sich durch Handschlag: Alles gemeinschaftlich , nichts eigenwillig zu wagen; einander Beystand zu leisten , und treu zu bleiben in Leben und Tod; die alten Rechte zu behaupten; den Habsburgern von ihrer Habe und Out nichts zu entwenden , und deren Vögte nicht zu mifshandeln. Alsdann traten die drey Häupter in die Mitte, und schwuren mit gen Himmel gehobner. Händen bey dem Gott, der Kaiser und Bauern in allen Rechten der Menschheit gleich geschaffen : Männlich die Freyheit zu behaupten und ihren Nachkommen zu überliefern ! welchen Eid auch hernach die 30 übrigen leisteten. Der verabredete Plan wurde am 1. Jenner d. *) Von dem Volke heilige Quellen genannt, weil sie auf der Stelle, wo die drey hohen Stifter der helvetischen Freyheit den Bund beschworen , sogleich aus der Erde hervorgesprudelt seyn sollen. 4 2 4 Luzerner-See. J. 1308. in Unterwalden , Uri und Schwytz ausge- fülirt; die Zwingschlösser wurden eingenommen, und die tyrannischen Vögte ohne Mifshaudlung an die Grenze geführt, wo sie Urphede schwören mufsten, die drey Waldstädte nicht mehr zu betreten. So der Anfang zur Eidgenossenschaft , zur weltberühmten Schweitzer-Nation. Im J. 1313. erneuerten die drey Bergvölker von Uri , Schwytz und Unterwalden hier auf Crütli am 33. Juni ihren ersten Bund, und zum letz— tenmale wurde er im J. 1713. von 360 Abgeordneten dieser drey Kantone beschworen. Teils Platte und Kapelle. Der andere klassische Ort in diesem See-Busen ist Teils Kapelle an dem entgegengesetzten östlichen Felsenufer, von der Crütli-Mzite 1 j 2 St. entfernt. Ehe man dahin kömmt, sieht man auf derselben östlichen Seite das enge Sissi- g'en-Thal mit seinem Dörfchen. Von diesem Thälehen steigt der wilde Achsen -Berg zu einer Höhe von 5340 Fufs über den See, und an seinen steilen Wänden des Bubis - Grats und Hakemessers ist der See 600 Fufs tief. An dieser furchtbaren und bey Sturm gefährlichen Seite springt am Ufer ein Felsstück weit hervor. Hier war es , wo Wilhelm Teil , den der Tyrann Gefsler geschlossen von Altarf nach seiner Burg bey Kiifs- nacht abführte (s. Altorf) , aber bey plötzlich entr standnem Sturm und Lebensgefahr ihn von den Banden lösen liefs, um das Steuerruder zn Aller Rettung zu führen, aus dem Fahrzeuge sprang und es in selbigem Augenblick in die Fluthen Zurücks tiefs. Teil lief auf f Luzerner-See. ihm bekannten Felsenwegen voraus, und erwartete in der Hohlen Gasse bey Küjsnacht Geslers Ankunft, wo er den Feind seines Vaterlandes dm ig. November i^o'. erschofs ( s. Küfsnacht), Seit dieser Zeit wurde dieses liervorspringeude Felsenstück Teils Platte (Teil. sprung) genannt. Seine Mitbürger liefsen sjt Jaiire nach seinem Tode auf dieser Stelle, so wie an seinem Geburtsort Bürg len, Kapellen erbauen. Als im J. am Freytag nach der Auffahrt das erste Fest zum Andenken des grofsen Bürgers in dieser Kapelle auf TeHs Platte gefeyert wurde, waren 114 Personen zu egen, welche den Helden noch persönlich gekannt hatten (s über seinen Tod und Nachkommen den Art. Bürgtet. Alle Jahre wird in dieser Kapelle eine Messe zum Andenken dieses Freyheitsbringers gehalten, wobey sich noch immer viele Menschen einfinden. Die merkwürdigsten Züge aus dem Leben Teils sind an den Wänden abgemalt. Diese offne Kapelle zeigt sich von ver- schiednen Punkten des Sees sehr malerisch; und aus derselben sieht man gerade gegenüber den Eingang ins /jir-Thal, dessen mit Buchenwäldern bekleidete Berge, die Sägmühle an der Risleten, das Dörfchen Bauen; himmelwärts den Roth- Stock, die Snrenen - Alpen, die Blümlis- K\p mit einem Gletscher, welche b..; 8760 F. über die Seeflache emporsteigen ( s. Isis-Thal). Von Teils Kapelle nach dem Landungsort Fluelen , bey den schauerlichen W änden des kleinen Achsen- Bergs vorbey, wo der Milch - Bach von einem kleinen See auf einer Alp herabströmt. Nach S., wo sich die Reujs in das 4z6 Luzien - Steig. Urner -Seebecken crgiefst, zeigt sich Seedorf z .m F u f se des Gutscheii- Berges. ('S. Fluelcn'). Geognostische Thatsachen. Dieser grofse J.uzerner -See liegt zum Theil zwischen Kalkstein und zum Theil zwischen Nagelflue und Sandstein - Felsen und Bergen. Die Grenze beydcr Fels - Gebilde streicht von O. nach W., nämlich vom Rigi, vor dem Nasen- und dem Burgen - Stock vorbey, nach der Renk und dem Pilatus; südwärts dieser Linie nichts als Kalkstein , nordwärts Nagelflue und Sandstein. Aeufserst merkwürdig sind die sonderbaren Schichtenbeugungen der Felsen in dem Urner- Seebecken von Brunnen bis Fluelen. (Man sehe umständlich hierüber den Artikel x/ltorf). Luzien - Steig, ein enger Pafs nahe an der nördlichsten Grenze des K. Granhündten gegen Schwaben , zwischen der Guscheralp (5575 F. ) und dem Fläscherberg (5114 F. übers Meer), auf der rechten Seite des Rheins. Durch eine 100 Klafter lange Mauer, uud eben solchen Wall, war hier der Eingang in Grau- biindlen verschlossen. Hier fiel in dem Schwabenkriege 1499. ein blutiges Treffen zwischen den Eidgenossen und den Schaarcn des Kaisers Maximilian vor, in welchen durch die erstaunenswürdige Tapferkeit des Wala aus Glarus der Feind geschlagen wurde (s. Glarus ').— In dem Kriege von 1799- i8°° wurde bey diefem Pafs viel gefochten, und er konnte sowohl von den Oesterreichern als Franzosen nie anders genommen werden, als dafs man ihn umgieng. Die Oesterreicher erklimm- Lys-Thal. 4 2 7 ten aus dem 'Montafun - Thale im May 1799. die Gebirge und überraschten von der Guscheralp herab, wie vom Kimmei gefallen, die Franzosen (s. Feldhirch'j . Diese hingegen umgiengen den Pafs auf der linken Seite des Rheins , drangen über den Strom, und griffen die Oesterreicher von hinten an. Die letztem haben die dasigen Befestigungswelke gesprengt. — Ohnweit dem Luzien- Steig führt ein schmaler Fufsweg nach dem abgelegnen an der Bergwand der Guscher - Alp hängenden Guscha , dessen Bewohner noch in patriarchalischer Einfalt leben. Man versichere in der Gegend, dafs die Mütter ihre kleinen 2-5 Jahr alten Kinder, wenn sie selbige ohne Aufsicht in den Häusern, der Arbeit wegen zurücklassen müfsen, an einen Lauf-Strick aubinden, damit sie nicht herabstürzen können; so steil sind rund umher die Bergwände. Die Grenze des K. Graubiind— ten gegen Deutschland befindet sich jenseit der Steige unweit dem Dorfe Balzers. Eine Steinplatte neben dem Katharinen - Brunnen, welcher unter der Landstrafse hervorquillt, trägt auf der nördlichen Seite das fürstlich Lichtensteinische Wappen, auf der südlichen Seite das Bündtnerische Wappen mit der Umschrift: Alt fry Rhezien. Lys-Tiial fauch Lesa - Thal , italienisch: Val di LesaJ, am Fufse des Rosa in Piemont , von Deut- sehen bewohnt; öffnet sich bey St. Martin im Aosta- Tlial (s. Aosta ), 4*8 Macausa- Thal. M. Mac auu-Thai, im K. Bern, ein hohes Neben- tbal des Saanen - Landes, von der Macausa durchströmt, welche sich nicht weit von Rougemont in die Raane ergiefst. Von hier geht ein Weg durch dieses Thal nach Cliarmey und Bulle im K. Freyburg; es liegt vom Hauptthale nordwestlich abgesondert und ist wenig bekannt. Macughaga, am Fufse des Rosa (s. Anzasca- Thal). Maderan - Thal, eigentlich Kersteln- Ker schäle- Thal genannt, im K. Uri, öffnet sicl/bey Am Stag, und Lieht ostwärts nach ßündten zu, 6 St. lang, zwischen den Ungeheuern Felsen der fVindgälle , Äri- spalt und Stotzingen -Grat, welche über 9000 F. über den Luzerner - See sich erheben. Der hinterste Theil wird Ruppleten - Thal genannt, in welches der grofse Gletscher Husifüra herabsteigt, in dem der Kersteln- Bach oder die Mader entspringt. Viele merkwürdige Gletscher liegen rund umher auf den Felsen, von deren Abflüssen die Mader öfters fürchterlich angeschwellt wild. Vor mehrern Jahren fiel eine Lauine in ihr Bett, hemmte gänzlich ihren Lauf, schwellte sie unglaublich, und drohte dem ganzen Dorfe Am Stag den Untergang. Dieses abgesonderte Thal ist reich an Alpweiden, und hat zerstreute Wohnungen. Es geht ein Gemsjägerweg über Gletscher entweder bey dem Doedi voibcy nach der Sand- Alp und Fanten -Brücke Mai en-Thal. 429 jm K. Glarus (s. Glarus ), oder durchs Kavreiner- Thal hinaus in das Thal des Vorder - Rheins; und ein andrer Weg durchs Ezli - Thal über den Krispalt nach Disentis 6-7 St. (S. Disentis und Mm Stag). Mineralogie. An der Windgällc hrechcn Eisenerze , und im Ruppleten-Thal Bley- und Kupfererze. Mai cs-T h al, im K. Uri, vom Maien- Bache durchflossen, öffnet sich bey Vf'äsen und zieht als ein hohes Alpenthal nordwestlich nach dem Süsten, über welchen ein Fafs ins Gadmen- Thal führt. Von Wasen geht der Weg steil aufwärts ^2 St., ehe man ins enge Thal tritt von da 1 tj, St. bis zum Dörfchen Maien , 2860 Fufs über den Luzerner - See, 3160 Fufs übers Meer; y» St. weiter das Dörfchen Fähringen , 3400 F. über den See oder 4700 F. übers Meer. Bey Fähringen wird noch Korn gebaut. Zwischen Maien und Fähringen sieht man auf der südlichen Felsenkette den Rand eines blendendweifsen ausgezackten Gletschers, der immer beträchtlicher wird, wenn man von Fähringen weiter ins Thal kommt. Bewaldete Hügel trennen das bewohnte von dem unbewohnten Maienthal. Zwischen diesen Hügeln stürzt der A/u/era-Bach in tiefer Schlucht wildschäumend und brausend neben dem Fufspfade durch. Von Fähringen bis zur ersten Senn- *) Ara Eingang in tlirses Thal ist eine geschlossene viereckige Redoute, welche die Urner zur Sicherheit gegen Bern errichtet hatten; sie ward im J. 17159. von den Oesterreichern besetzt, und von den Franzosen t die über Süsten kamen, mit Sturm erobert. 43 « M.VIEN-Th AL. hütte auf der Hundsalp i St., 3650 F. über den See diese Hütte ist gut eingerichtet. Es erfolgt noch eine zweyte Verengerung des Thals, und hinter derselben erweitert es sich wieder in schöne Alptrifften mit Sennhütten , wo es dann von der Siisten-Scheideck geschlossen wird, und wo von dem Uraz- Horn und Süsten- Horn ( 10,830 F. über Meer nach Ilrn. Müller ) der Siisten und noch ein andrer Gletscher herabhängen, welche dem Maien- Bache den Ursprung geben. Nahe am Siisten - Gletscher steht die letzte Sennhütte. Der l’fad bis auf die Höhe der Siisten-Scheideck (7100 F., nach Ilrn. Müller, übers Meer) ist gut, und wird von Saumpferden und Rindvieh betreten; der ganze Abhang ist fast bis oben begrast. In i St. ersteigt man das Siisten -Joch , wo sich eine merkwürdige Aussicht »ul ungeheure Gebirge darbietet. Gegen SW. der in ewigen Schneemantel gehüllte Sleinherg , der von hier gc- sehen aus 3 grofsen F'elsstöcken bestehet. Der südlichste Stock macht die Westseite des Tristengletschers , dessen herabhängender Theil Steinberg-Gletscher heifst. Von N. her zieht die Titlis - Kette nackt und dunkelbraun, und endigt mit kahlen, zackigen fast senkrecht abgeschnittnen Felswänden; hinter diesem zeigt sich die Kette der Plan -Platte, und zwischen heyden die Gebirge des liasli- Thals. Nach NO. zeigt sich eine un- untcrbrochne Felscnkctte, deren schwarzbraune Hörner aus Gletschern emporsteigen. Bcym Herabsteigen vom Siisten erblickt man den Steinberg - Gletscher unmittelbar neben und unter sich, eitf aufserordentlicher An- M A. I E N - T H A L. 45 1 blick; man sicht in die offnen Eisspalten tief hinein. Jn der Höhe ist er schrecklich zerrissen und zackig; sein tiefrer Theil hat eine ebne Oberfläche , und ist mit hoebaufgethürrotem Gletscherwall umgeben. Er ist ein Ausflufs des grofsen Eisthalcs, welches G St. lang nach dem Galen - Stock und der Furka hinzieht, wo es den prächtigen Rhone - Gletscher ins Thal herabstarrt; Die erste Sennhütte, welche man antrifft, steht auf der S/ei/z-AIp, 6140 F. übers Meer, 5 St. von der Hundsalp-Hütte. Von hier geht es sehr steil und mühsam hinab ins Gnr/tnen-Thal nach Gadmen 2 St. 4146 Fufs übers Meer, und von hier bis Meiringen 3 St. (Ueber die Merkwi'n digkeiten des Gadmen - Thaies sehe man Meiringen J. Geognostische Beschaffenheit. Das ganze A/tf/en-Thal liegt in dem Url'cls-Gebilde. Aus Granit und Gneifs bestehen alle Felsen; an dem Siisten nähert sich der Gneifs dem Glimmerschiefer; die Schichten sind sehr steil gegen S. eingesenkt, und nähern sich fast der senkreckten Stellung. An den Seiten des Thaies liegen sehr steile Schuttkegel von herabgerollten Ur- felstriimmern; ungeheure grofse Granit- und Gneifs- blöcke sind in den Thalwiesen zerstreut, und zwischen der Sennhütte der Hundsalp und der letzten Thalveren- gcrung ist die Thalebne mit grauen Urkalksteinen ganz überdeckt. An der Nordseite des Siisten nahe am Pfade viel Trümmer von Hornblendeschiefer und Sienit *). Die erste genaue Beschreibung dieses Thaies verdankt man dem llr. II C. Eicher -, s.-den helfet. Almanach vom J. 179s. Mag cia. - Thal (auch Mayhtkal , italienisch • Val Maggia , Val MadiaJ war bis 1798. eine der ennetbürgischen oder italienischen Vogtcyen der Schwein und bildet jetzt einen Theil des K. Tessin. Liegt zwischen dem Li-venen- und Eschen-Tbal, öffnet sich 2 St. von Locarno , zieht nordwestwärts 8*9 St. lang, spaltet sich in 5 Nebentbäler, und ist von der Maggia durchströtnt, welche durch eine enge Felsenschlucht bey der Ponte brolla hcrausstürzt, in der Ebne die Melezza und Onsernone aufnimmt, und nicht weit von der Stadt Locarno in den Langen- See fällt. Das Thal ist reich an Kastanien, Wein, Getreidebau, Alpen und Vieh, aber plötzlichen Ueberschwemmungen und Verheerungen durch wüthende Gebirgsbäche häufig ausgesetzt, wovon die Ursache in seinen steilen Felsen liegt. — Das eigentliche Maggia - Thal erstreckt sich von der Ponte brolla bis Bignasco 5 St. lang, wo 12 Dörfer liegen. (Ueber die merkwürdige Schlucht bey Ponte brolla s. man Locarno ). Von Ponte brolla geht es durch Vegno, Bardagno, Cono, Eumano, Sonca, Pendo nach Maggia 1^3 St.; von hier y 2 St. aufwärts, wo man den Flufs tief unter sich sieht, durch Coglio, Giumag- lio (wo unter der Brücke ein schöner Wasserfall ist) nach Somco (1224 F. übers Meer) St. von Maggia; von hier nach Cevio (1320 F. übers Meer oder 684 F. über den Langensee) l 1 /- St. Bey Cevio, dem ehmaligen Sitz des schwcitzerischen Landvogts, öffnen sich das Campo- und Lavizzarathat. Durchs Camperthal nach W. geht es durch einige Dörfer nach Ceren- Maggia-Thal, 433 ino, wo Sich das Thal wieder spaltet; nach SW. nach Carapo, Cirna al Motto, und von hier führt ein Pfad übers Joch nach Pommat im Ober - Eschenthal, nach NW* ins Thal von Bosco oder Caverna (deutsch Gurin), von Deutschen bewohnt; von liier gehen Passe über die Furca di Bosco nach Pommat, und bey den Cavergna und Naret vorbey nach Villa und Airolo im Ober-Livenenthal (s. Bosco), La v i z 2 a r a-T h a 1. Von Cevio nach Bignasco St. Von hier erhält das Hauptthal den Namen Lavizzara- Thal , welches in drey Nebenthiiler zwischen dem Gries und Naret ausläuft, unter dessen zehn Gemeinden Prato und Sornico grofse und wohlgebaute Oerter sind. Bey Penia spaltet sich das Hauptthal ins Val Peccia Fusio und Sambucco, Das letztere wird von dem Be— dretter- Thal durch die grofse Alp Campo della Turba getrennt, und über diese führt ein Pafs nach Airolo, nur im hohen Sommer gangbar. Die Reise von Locarno durchs Maggia - Thal über diesen Pafs nach Airolo ist um einige Stunden kürzer, als von Locarno über Bellenz und durchs Livenen — Thal. Von Prato führt ein W r eg über die Gebirge nach al Dazio im Livenen - Thal, und über die Gebirge nach Lavertezzo Im Verzasca - Thal (s. Dazio und Verzasca ), Die Einwohner des Lavizzara — Thals treiben nur Viehzucht , und kochen einen in Italien sehr geschätzten Käse, der, weil er aufserordentlich weich ist, nur mit vielem Stroh umwickelt, verschickt werden kann, und deswegen unter dem Namen Strohkäse (Formaggio di III. a8 434 Maügia-Thhl. Paglia ) allgemein bekannt ist; auch ist das Lavii iara _ Thal durch seinen vortrefliclien Topf- oder Lavez- Stein, dem es eigentlich seinen Namen verdankt berühmt. Von den Einwohnern wandern viele als Kamin- und Rauchverständige (fumistes im Französischen genannt) nach Frankreich und Holland. Merkwürdigkeiten. lieber die entsetzlichen Ueberschwemmungen, denen das Maggiathal ausgesetzt ist, sehe man den Art. Kant. Tessin. — In den Lerchenbaum - Wäldern dieses Thaies wird sehr viel Lercheuharz gesammelt. Peter Morctini , berühmter Ingenieur im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts unter Marschall Vauban in Frankreich und dem General Coehorn in Holland, war aus dem AJaggia-Thal; Morctini sprengte das merkwürdige Urnerloch im, J. 1/07. ( s. Amstüg y. Geognost. Thatsaehen. Das ganze Majn» Thal liegt in dem Urfelsgebilde. Von dem Eingänge des Thals bey Pcnbrolla an bis Someo Gneifs, in senkrechten Schichten, und von Someo weiter aufwärts Gneifs , adriger Granit, Hornblende und Glimmerschiefer mit grofsen Granaten gemengt, alles in sehr steil eingesenkten Schichten von ONO. nach WSW. streichend. Hinter Bignasco bricht ein grober Topfstein (hier Cnglia genannt) zu Ofenplatten, und im Thal Peccia zeigen sich ausgedehnte .Talklager ; denn ltiet bestehen ganze Felsen aus Topfstein, welcher an Schönheit den Lavezstein von Chiavenna übertrifft. Es r werden hier alle möglichen Gefäfse daraus gedrechselt Manuach. 435 und nach Italien geführt. In den Bergströmen werden Quarzkrystalle vom gröfsten Feuer gefunden. Auf den Felsen des Lavizzara - Thals bricht schöner Dolomit. Der Eingang ins Maggia-Thal ist ein enger Schlund ohne Thalebne. Hier und in Bosco und andern Neben— thälern stofsen die Felswände von beyden Seiten in der Tiefe scharf zusammen, und zeigen bestimmte ein - und ausspringende Winkel. Malehker-Thal. S. Sondrio. , Malleray, im Münster - Thale , ehmaligen Bisthum Basels, i St. von Pierre Pertuis , und 2^2 St. von Münster. — Das neue Wirlhshaus , vortreflich. ( S* Münster - Thal Maloja-Berg, zwischen dem Engadin und Bre- gel-Thal, s. Soglio oder Sils. Man dach, ein Dorf im K. Aargau, im Bezirk Wildenstein , am linken Ufer der Aare, am Fufse des Botz- Bergs unweit Brugg und Schinznach ; Grofse Mannigfaltigkeit von Versteinerungen. Die ganze Gegend von Mandach ist wegen der grofsen Mannigfaltigkeit der dortigen Versteinerungen merkwürdig. In der Nähe von Mandach liegen auf dem Felde und in dessen Boden Bruchstücke von Ungeheuern Ammonshörnern, im Durchschnitte von zwey Und mcbrern Fufsen ; auch versteinerte Korallgewächse in Menge: als Millepore, Porpyten, Tiochiten. Nicht Vreit von Mandach, bey Hofyryl , hat man Elephanten- zähne gefunden, und dort liegen vielerley Arten Meer- »chnecken : als Ammonshörner, Kochliten, Bucciniten, 43<5 March, Mark, Turbiniten, Belemnitcn, Tubuliien, Ostraciten, Gry_ phiten, Cbamitcn, Muskuliten, Echiniten, Soleniten Pektiniten , Buccarditen, Mytuliten und Balaniten. Bey Deutschbeuren finden sich aufser den eben genannten noch folgende Versteinerungen : als Pinnitcn, Tellini- ten, Oolithen, eine mächtige Lage Griphiten, deren Originale im Meere noch unbekannt sind; an der Halde eines Feldes in einer Sandschicht eine kleine Lage von unversteinerten und unvermischten Venusmuscheln (ton- / cha hypocephaloid.es ), welche noch nirgends anderswo sind gefunden worden. Bey E/ßgen eine harte Bank kleiner Meerschnecken ganz unvermischr. Bey Veltheim Telliniten, Belemniten, Griphiten, Ammonshörner. Bey Castelen und Schenkenberg liegen Oolithen, Ostraciten, Terebratuliten, Chamiten u. s. w. Auf dern Bt>tz- Berg selbst finden sich auch Ammonshörner, und an dessen südöstlichem Fufsc bricht Eiscn-Bohnenerz. Alie diese Versteinerungen im Distiikt kVildensiein liegen t in der Sandsteinformation, welche hier sehr hoch an dem Botz- Berg über dessen Kalksteinschichten hinaufsteigt. March, Mark (die Landschaft) im K. Schwytz, et streckt sich vom ohern Zürchersee bis an die Grenze des K. Glarus, und begreift das T-Veggi - Thal. Diese Landschaft machte in den ältesten Zeiten die Grenze der Helvetier gegen Rhülien , und hiefs deswegen die Mark (Marclia Tugguniae, von dem Dörfchen Tuggeu an der I.inth unterhalb dem Schlofs Grynau); sie war ein Eigeulhum der Grafen von Rappersnyl , deren 3 uralter Stammsitz bey Altendorf lag, und wurde deswegen häufig die Grafschaft von Rappcrsrvyl genannt. Nach dem Aussterben dieser Grafen kam die Untere ; March an Oesterreich, die Obere March an die Grafen ‘ von Toggenburg; erstere wurde im Anfänge des XV. | Jahrhunderts von den Appenzellem erobert, und aus j Dankbarkeit an den K. Schwytz geschenkt, und letztere i trat der Graf von Toggenburg 1427. an Schwytz ab. Die Einwohner waren seit der Zeit Untertlranen des freyen Volks von Schwytz, von welchem sie alle Jahre j an der grofsen Landsgemeinde durch Abgeordnete die Bestätigung ihrer von den Grafen im XV, Jahrhundert erbaltnen Freyheiten nachsuchen mufsten ; seit 1798. erhielten sie mit den Schwytzern gleiche politische Rechte (s. Lachen , Pfeffikon , LYeggi-Thal'). Viehzucht ist Hauptbeschäftigung der Einwohner; die Rindviehart ist sehr grofs. Maria, St., Hauptort des Münster-Thaies in Graubündten. S. Münster -Thal, ' Marobier-Thai (Val Marobia , Malvarobi , ZebiascaJ im K. Tessin, im Bezirk Bellenz, öffnet sich St. östlich von Bellenz , und zieht ostwärts 3 St. lang und St. breit bis an die Grenze von Chiavenna und Gravedona , von dem St, Jöris — Berg geschlossen und von der wilden Marobia durchströmt. Es liegen fünf Dorfschaften in diesem fruchtbaren Thale.- Von Bellenz führt eine für Pferde gangbare Strafse durch dieses Thal über den Zöris-Berg (" ital. St . Jovio ) nach Chiavenna und Gravedona am Corner - See « /[38 Mahtigny. ( s. Beilenz ). Auä dem Marobier-Thal führt ein Fii/s- ■weg über die Alpe Borno in die Landschaft von Lu. gano. Die Weiber dieses Thaies tragen eine Kapuzi. nermäfsige Kleidung, welche ihre Vorfahren bey Anlafs eines Gelübdes cinfülmen. so wie die zu Gravedona arn Comer-See. In dem Thale sind hin und wieder Anzeigen von Eisenerz , auf der Scheideck des Jörisbergt Kristalle, und beym Sasso acuto Turmaline. (S. Corner - See }. Mutiost (Martina dt J , Stadt im Unter-Wallis 356 F. über den Genfer- See, 1734 F. übers Meer. Wirthshauser; Grofse Haus , Adler , bey Laqui an der Kirche *). Geschichte. Zur Zeit der Römer hiefs es Octo- durum , Forum Cläudii , Ficus Feragrorum , und das Thal Fallis Pennina, weil dieses Thal am Fufse der penninischcn Alpen lag (s. Bernhards- Berg). Cäsar unterwarf die Völker des Vallis Pennina , weil sie den Pafs über den Crofsen Bernhard (s. diesen Alt.} störten. Casars Unterbefehlshaber Sergius Galba legte zu Octodurum, dem Flecken der Veragrer, ein Winterlager für die XII. Legion (wovon er zwey Kohorten bey den Nantuaten , welche zwischen Octodurum und dem Genfer - See wohnten,} an, und befestigte es an der Westseite der Dransc. Die Feragrer und Seduner (welche nach Sitten hinauf wohnten) er- *) Um sich gegen den Mückenschvrarm in den heifsen Monaten zu schützen, mufs man in die obersten Zimmer der Fr. Wirthin Hulm gehen. \ Martigny. 43g »türmten d»s römische Lager; die Römer erschlugen jo,ooo Einwohner, verbrannten Octodururn, und zogen nach Savoyen; aber die Walisischen Volker erhielten die Rechte Latiums. Martinach war schon im IV. Jahrhundert Sitz der Bischöfe von Wallis , welcher im VI. Jahrhundert nach Sitten verlegt wurde. Ueber die neuere Geschichte von Unter - Wallis s. man den Art. Wallis. Merkwürdigkeiten. Sehenswerth hier bey H. Prior Murith eine schöne Mineraliensammlung und viele römische Medaillen und Inschriften, die auf dem grofsen Bernhard gefunden worden sind , und andre Alterthümer aus den umliegenden Gegenden (s. Grosser Bernhardsberg). Der herrliche Wasserfall, die Pissevache, und die merkwürdige Felsenkluft des Trient sind i St. von Martinach am Wege nach St. Maurice. Das Klima ist sehr heifs; nahe bey Martinach wachsen die feurigen Weine : Vin de la Margne und Coquembin. Der Honig dieser Gegend gehört zu dem köstlichsten der Schweitz. In Martinach sähe man vor dem J. 1798. viele Cretins*); in diesen Kriegsjahren kamen viele um. Martinach gegenüber, jenseits der Rhone liegen Fouly , Branson und Nasimhre , wo der Cretinism im hohem Grade herrscht, und auf dem *) Der Cretinism ist eine höchst merkwürdige und endemische Krankheit von Unter - Wallis und andern Thälern der Schweitz, Savoyens , Piemonts , Tyrols , Steiermarks und Karnthens , Taubheit und Stummseyn gehört zu den Zufällen dieser Krankheit. Martiony. 41 ® Berge Fouly ein aufserordentiicher Reicluhum seltner Pflanzen ( s. Fouly ). Eine schone Aussicht bey d en Ruinen des Schlosses la Balia. Wege. Von Martinach auf den grnfsen Bernhard ( s. Antremont -Thal ), Nach St, Maurice ^s. diesen Artikel). Nach Charnouny 8-9 St. ($, Cha- mouny , Col de Balmc , und p ulor.sine ). Nach Sitten 6 St., zuerst nach Saxon, Rilde , über die Rhone nach St. Pierre (links bleibt Seillon oder Schellon liegen, wo eine warme Mineralquelle) bey den Felsen Cha- moyon , Ardeva und Letran vorbey, hinter denen sich die Diablerels erheben, wo im XVIII. Jahrhundert •zweymal Felsenstürze entstanden ( s. Diablerets), Nach Ardon , wo die schönen Weinberge von Magnes , und wo sich angenehme Aussichten sowohl nach Sitten als zurück nach Martinach öffnen ; hinter Ardon kommt man über die Marge , welche auf dem Sanetsch entspringt, und ehedem die Grenze des Ober- und Unter- TVallis bildete. — Nach Fouly 1 St. (s. Fouly), Pflanzen. Bey Martinach: Aster amcllus in den Weinbergen. Anemone pulsalilla. Primula villosa. Verbascum thapsus, Hieracium glaucum und amplexicaule. Pimpinella nigra . Bey Saxon : Astragalus cicer. ( S. Fouly). Geognost. That Sachen. Alle Gebirge rund um Martinach bestehen aus Urgebirge. Der Felsen, worauf das Schlofs Batia steht, ist glimmerreicher Kalkstein mit Spatadern, eine Fortsetzung des Urkalk- Steins, welcher durch das Charnouny - Thal über den Matter-Thal. 44 1 Col de Bahne nach NO. fortstreicht. Bey den letzten Häusern des Dorfs Botin Kieselschicfer, in welchem hinter dem Schlofs ein Steinhrucli ist, in fast senk- rtchten Schichten von NO. nach SW. streichend (man sehe die merkwürdigen Uebergänge der Felsarten auf beyden Seiten der Rhone abwärts unter dem Art. St. Maurice , und die eben so merkwürdigen Urgcbirgsar- ten nach dem Bernhard zu unter Antremont-Thal}. Auf dem Wege nach Sitten geht bey Saxon und jenseits der Rhone bey Saillon schöner Gyps zu Tage. Von Saxon streicht er südwestwärts bey Chara , p~oa- lege und Chable vorbey. M A n T x n s-B« u c k , an der Grenze des K. Grau- bündten im Engadin gegen Tyrol (s. Remus ). Masino-Thal, ein Seitenthal vom Valtelin, welches von Ardcnno in die Berninakette hineinzieht ( S. Morbegno }. Matter -Horm, auch Cervin und Sylvio genannt, ganz im Hintergründe des Vispacher- Thaies, an der Grenze von fVallis und Piemont , die dünnste und spitzigste Felsnadel in dem Alpengebirge, 13,85° F. übers Meer (man sehe ihre Gestalt in dem zweyten Alpenabrifs im I. Theil); sie besteht aus Serpentin, Gneifs und Urkalkstein. (Ueber alle Merkwürdigkeiten dieser Nadel und des Passes nahe bey derselben s. man Vispacher—Thal ). Matter-Thal (auch N iholai-Thal} genannt, ist der rechte Arm des Vispacher - Thals, in dessen höchstem Theil das Dorf Zermatt (Praborgne auch ge- 44a Mauen - See. nannt) und das Matter - Harn liegen (s. Visp a ~ eher - Thal, Mauen-See, im K. Luzern, unweit des Städtchens Sursee. Tn der Mitte dieses nicht beträchtlichen Sees stand auf einer Insel das Schlofs Mauen; sein Abflufs ergiefst sich in den noch kleinern Egotzrrei~ ler-See , und dieser sendet seinen austretenden Bach in die IVigger. M-aurice (St.), Stadt im Unter-Wallis, an der Rhone , zwischen den Dent de Midi und t)ent de Mordes. Wirthshäuser: Stadthaus , TVeifs Kreutz. Geschichte. Hier soll Agaunum gestanden haben, auf dessen Kirchhof die Römer ihre verstorbnen .Mitbürger aus weiter Ferne führten und begruben. Die Kirche der hiesigen Abtey war ehedem mit den römischen Leichensteinen dieses Kirchhofs gepflastert. Maurice war zufolge der Grabschrift des Drusus die vierte prätorianische Stadt des Vallis Pennina. Auf Befehl des Kaisers Maximinian soll hier im J. 3o?.. die thebaische Legion mit ihrem Anführer Maurice niedergehauen worden seyn, und seit deT Zeit Agaunum den Namen Maurice erhalten, haben. Von den römischen Alterthümern ist nichts mehr übrig, als die Brücke über die Rhone und einige Inschriften *) in der Abtey. Von dieser Abtey wird schon ein Abt St. Severin *) In der Kirchhofinauer ist eine Inschrift eingemauert, in welcher das "Wort Nantuates, etwas beschädigt zwar, in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts noch gelesen werden konnte. St. Maurice. 443 vom J. 5°6. angeführt. Der Burgundisclie König Sigmund (Sohn Gundebalds , Mörders seines Bruders Chitderich , s. Genf } schenkte im J. 515. viele Güter jn dieses Kloster. Nachdem er seinen Sohn ermordet hatte, uud dessen Grofsvater, der ostgothische König Dietrich von Italien gegen ihn Krieg erhob, flüchtete Sigmund in dieses Kloster, wo er 526. entdeckt, nach Orleans geführt, und aus Rache CIo- tildens (Tochter Ghilderichs und Gemahlin des fränkischen Königs Clovis), mit seiner zweyten Frau und ihren zwey Söhnen enthauptet wurde. Sein Bruder Gondemar führte den Krieg fort, wurde aber 534. geschlagen und getödtet, und damit endete das Bur- gundische Reich nach einem 128 - jährigen Bestand. Von dieser Zeit an beherrschten die fränkischen Könige das helvetische und rhätische Land. Während der allgemeinen Verwirrung unter den Enkeln Carl des Giofsen berief im J. 888. Rudolph , Graf Conrads von Sträflingen Sohn (s. Mullinen) , eine Versammlung von geistlichen und weltlichen Herren nach Maurice, und liefs sich zum König von Hoch - Burgund krönen. (S. Pajerne, Solothurn , Genf). — Nahe bey Maurice, lag Epone , wo 1517. ein Concilium versammelt war; dieser Ort wurde im J. 1562. durch einen Bergfall verschüttet. Merkwürdigkeiten. Die Kloster - Bibliothek besitzt viele interessante Manuscripte. Nahe bey der Stadt eine Einsiedeley mitten an einer hohen Felswand wo eine hübsche Aussicht ist. — Das JVallis verengt 444 St. Mau Ri cr. sich hier bey Maurice dergestalt, dafs dieses 30 Stunden lange Thal vermittelst des Thores an der Brücke gänzlich verschlossen wird. Am Ende der Brücke beginnt der K. Leman, und ein dort angebrachtes Thor verschliefst die Landschaft Bex gegen Wallis, Wege. Herrlicher Wasserfall. Nach Bex 1 St. Nach Martinach 3 St. So wie man aus Maurice heraustritt, so steht rechts der Dent de Midi in einer Schlucht, aus welcher der Bach St, Barthelemi beym Dörfchen Juviana heraustritt, links der Dent de Mordes , beyde mehr als 7000 F. über die Rhone erhaben, und in der Ferne nach S. sieht man den Velan uud Vnlsoret , zwey Hörner des grofsen Bernhards , gegen to,ooo F. übers Meer. Der Weg führt durch die Dörfer Labarte und Mieuvitle oder Miville , dann dicht bey dem herrlichen Wasserfall der Pissevache vorbey. Der Bach heifst Sa/anche , und stürzt einige hundert Fufs hoch herab, aber nur 100 F. senkrecht. Vormittags steht er im Sonnenlicht, dann bilden sich die schönsten Begenbogen ; auf beyden Seiten kann man den Steinhügel hinansteigen, und sich ihm ganz nahe stellen. An der östlichen Seite ist der Anblick schöner, als an der westlichen. — Von hier geht die Strafse weiter bald über die Brücke des Trient, welcher aus einem merkwürdigen Schlunde hervortritt. Die Felsen sind nur in der Breite des Stroms von dem Trient in senkrechte 200 Klafter hohe Wände durchsägt oder durchfressen. Durch diesen Schlund ist schon Holz a us dem Valorsin - Thal geflözt worden. Von der St. Maurice. 445 Brücke geht es weiter durch Verriercs , Bat in und Martinach. Auf dieser Reise hlciht die Rhone stets linker Hand. Pfla n z e n. Nahe bey Maurice: Sinapis nigra. Gratis turrita, Colutea arhorescens. Salix amjgdalina? an der Rho ne. Hia- cfntlius comosus an den Felsen. Crataegus oxyacantha non spinosa. Potentilla caulescens an den Mauern. Ophrys spiralis . Orchis ahortiva. Seseli annuum 9 Uieracium glau- cum, alle drey bey der Eremiten-Zell. Beym Austritt des Trient aus seinem Felsenschlunde.: Sempervivum arach- noideum mit purpurrother Bluthe, Alyssum ulriculatum. S. Fo u ly. Geognost. Thatsachen. Der Dehi de Midi und de Mordes stehen auf der südlichsten Linie der Kalk-Alpen, zeigen beyde aufs genaueste gleiche Höhe und Form, dieselben Felsarten und denselben Schichtenbau, und haben einst ein einziges zusammenhängendes Gebirge ausgemacht, welches durch gewaltsame Begebenheiten queer durchrissen worden ist. Ihre Füfse bestehen aus Urgebirge, auf welchen die Kalksteinflötze, nach NW- senkend , aufgesetzt sind. In einer Höhe von 7870 F. zeigt sich an beyden eine mächtige Lage versteinerter Muscheln , und über jene eine Schicht Eisenstein. Von der durch den Bach St. Bartheleroy dutchströmten Schlucht, aus welcher sich der Dent de Midi erhebt, nordwärts nach Maurice, i St. weit nichts als Kalkstein in dicken Schichten, nach NW. senkend, hernach aber gebogen, gebrochen, uud endlich gar 446 St. Maurice. horizontal: auf der andern Seite der Rhone, oberhalb St. Mauritz, an der Nordseite des Mordes ebenfalls Kalksteinschichten, die wunderbar gezogen sind; von der Schlucht südwärts nichts als Urgebirge. Auf dem Weg* von Juviana , am Ausgange dieser Schlucht nach Balm und Lab..rbe Kieselschiefer, wie Saussure iha nennt, aus vielem Feldspath und aus Glimmer bestehend, von äufserst feinem Korn und dem Granit ähnelnd. Zwischen Labarbe und Miville ist dessen Korn nicht so fein, und viele Feldspathadern durchziehen den Fels, Bey Miville sieht man deutlich, dafs die Schichten senkrecht stehen und von NO. nach SW. streichen. Die F'elsen bey der Pissevache sind derber Kiesel, nach Saussure's Benennung; dichter Feldspath, nach der Benennung der neuesten Mineralogen; grünlich, schwach durchscheinend, sehr hart, aber etwas fett im Anfühlen; unter den Trümmern am Wasseifall findet man schönen, fast weifsen Kalcedon, an Blöcken jener Felsart ansitzend. Von der Pissevache an erscheint kleinkörnige Crauirake mit viel Glimmer gemengt, und nahe an der Pissevache grob- und groj'skörnige Grau- wake mit Urfelsbruchstücken von Granit, Gneifs und Quarz. Hierauf folgt Urthonschiefer, und dann bis acht Minuten vor der Trient - Brücke die vorige grobkörnige Crauwake, deren Schichten wie alle andern Felsarten, in senkrechten Schichten von SW. nach NO. streichen und eine Fortsetzung der Grauwake an der Nordseite des Balm und des p'alorsine ( s. Balm) sind; grofse Trümmer dieser Grauvvake liegen oberhalb Pullv , St. Maurice. 447 fc St. vor Lausanne; sie sind von liier, ihrem Mutterort, dort hingeiluthet worden. Auf diese Grauwake folgt Glimmerschiefer, dann Kieselschiefer aus Glimmer und vielem Feldspath, mit einer Menge Feldspathadem durchzogen. Von dem Trient-Schlunde an verliert sich das Schiefrige, die Felsart wird gelblicht und nimmt das Aussehen eines Porphirs an; gegen das Dorf lialia au wieder grauer Kieselschicfer, und dann Urkalkstein, alles in fast senkrechten Schichten (s. Martigny). Auf der rechten Seite der Rhone zeigt sich die nämliche Aufeinanderfolge der Felsarten. Geht man von Martigny über die Rhone nach Fouly , so trifft man auf den dichten Feldspath der Felsen der Pisse vache; von da über den vorspringenden Bergwinkel hinab nach der Bhone die porphir-ähnlichen Felsen zwischen dem Trient und ßatia; hier enthalten sie viele Feldspath- •krystalle und grünliche Kieselkörner. Nur 25 Minuten vom Dörfchen Roge erscheint die Grauwake in schwarzem Glimmerteig; etwas weiter dünne Schichten eines weifslichten Kalksteins mit Nieren von Gneifs, welche zusammen höchstens einige Fufs dick zwischen Gneifs senkrecht streichen. Weiter folgt schwarzer Glimmerschiefer, und dann Grauwake in dunkelschwarzem Glim- merteig. Hier zeigt sich der Bau desselben aufs deutlichste; seine Schichten sind 10-15 Fufs dick; oberhalb dem Dörfchen /es Diablets sieht man dessen senkrechte Schichtenstellung, von NO. nach SW. streichend, am befsten. Diese Grauwake scheint über Derbignon weiter fortzusetzen, und erscheint da bald giau, bald 448 Maorhnkk-Thai,. grünlicht und röthlicht. Hinter Derbignon nieder Kieselschiefer oder Feldspatli mit Glimmer, wie auf der andern Seite. Obgleich das Thal i St. breit ist, so zeigen sich doch auf beyden Seiten dieselben Felsschichten. Bey dem Dorfe Outrc - Rhone (Ultra Rhodanum) auch Colonge genannt, kann man auf einer Fähre über die Rhone wieder nach Marligny zurückkehren. Wie weit die Grauwake von Derbignon nach NO. fortstreicht, ist noch nicht beobachtet, verdient aber sicher eine eigne Reise und Untersuchung. Das ganze Wallis ist von seinem Anfänge bis nach Foitly und Mar- tigny ein Längen-Thal; von hier nimmt es eine Queer- I richtung nach WNW. mitten durch die von NO. nach SW. streichenden Schichten des Urgebirges; und der Kalkalpen bis an den Genfer— See, g-io Stunden. Die nämliche Gewalt, welche diese Felsen durchbrach und wegführte, hat zwischen der engen Oeffnung des Dcnt de Midi und de Mordes die unzähligen Urgebirgs- trümmer hindurchgewälzt, welche im ganzen Rhone- Kessel bis Genf zerstreut, aber besonders über den Jorat bis zur beträchtlichen Hohe am Jura hinauf, gerade dieser Oeffnung zwischen den) Dent de Morales und de Midi gegenüber, aufgehäutt liegen. (S. Genf , Jorat , und Lasarra'). Maurienne-Thal in Savoyen, von der Are durchflossen, welche am Mont-Cenis entspringt. Duich dieses Thal geht die so begangne Heerstrafse über den Cenis nach Italien. — Das ganze Maurienne soll 150,000 Einwohner enthalten, deren Hauptbeschäftigung Viehzucht ist ; nur Rocken und Haber wird gebaut. Es enthalt 2 Städte, nämlich : i) Aiguebelle , (Aqua bella ) 99 ° F. übers Meer; hier ein herrlicher Wasserfall; 2) St. Jean Je Maurienne , 1788 'F. übers Meer. Zwischen bcvden liegt Chambre, wo man noch Reste des Schlosses sicht, welches Stammsitz des Geschlechts von Chambre, das mächtigste im XI. und XII. Jahrhundert nach den regierenden Crafen von Maurienue, war. Je näher man St. Jean kommt, desto mehr Kröa. pfige und Cretins trift man an. 1 Wege. Von Aiguebelle nach St. Jean 4 St.; bis Chambre geht derjW'eg am Fufs der Felsen Roucheray. Von St. Jean bis auf den Cenis io J» St.; die Strafse geht durch St. Michel, Mod^e (3258 F.), Broman (5752 F .), Villarodin, Lanslebotirg (4272 F. über* Meet); s. Cenis. — Von Aiguebelle nach Montmelian 4 tjo St., und von hier nach Chambery 2 St. (S. beyde Artikel). Geognostische Thatsachen. Wenn man von Chambery komriit, befindet man sich stets zwischen Kalksteinfelsen bis Aiguebelle, wo die Urgebirge anfangen , und zwar aus Glimmerschiefer. Zwischen Chambre und St. Jean Felsen aus Feldspath und G/immer , bald in blättriger bald in granitoser Gestalt, und dichter Feldspath , wie bey der Pissevache in Wallis. Hinter St. Jean zwischen schwarzem Thouschiefer herrlicher Gjps. Nach St. Michel Glimmerschiefer und Vrkalkstein abwechselnd. Nach Villarodin Glimmerschiefer und Gneifs. Bey Madane und Villarodin Cyps; bey Broraan Cyps zwischen grauem Urkalkstein. Nach Lanslebourg Urkalkstein mit Glimmer. Mavekfeld, Städtchen im K. Bündten, am rechten Ufer des Rheins , Hauptort eines Hochgerichts in der fruchtbarsten Thalgegend Graubündten», wo der meiste Wein und das meiste Getreide dieses Kantons gebaut wird. Es gehörte seit 1436- zu dem Zehn-Gerichten - Bund, aber alle Herrschaftsrechte der Freyherrn ■von Brandis wurden erst von i5°9 -I 537- von den drey Bünden erkauft, so dafs von nun an die Einwolmer dieses Hochgerichts freye Bündtner und zugleich Lnter- thanen der Republik wurden. Merkwürdigkeiten. Das schöne 1 St. breite Thal ist von hohen Kalkgebirgen umgeben. Ostwärts der Falknis 7605 F., höchste Spitze des Felsenkamms ob Mayenfeld 78241 der Vilan oder Angstenberg oh Malans 7356 F., die Guscheralp 5575 F., nordwärts der Fläscherberg 3**4 E-» südwestwätts die Leyden Brüder 4479 F. , Matlou 5534 F. und die höchste Spitze des Galanda 8253 F., und die Thalebne am Rhein zwischen Mayenfeld und der Zollbrücke 15-1622 Fufs übers Meer nach Hr. Magister lioeich t dessen trefliche trigonometrisch aufgenommne Karte dieses Thaies sich in dem IV. Theil der Alpina (1809. Winterthur) befindet. — Durch Mayenfeld geht die Heer- und Handelsstrafse aus Deutschland nach Chur und Italien. Drey Viertelstunden davon liegt der Pafs von Luziensleig (s. diesen Artikel ). Bey Flasch , 7» St. entfernt, ist eine Rhein-Ueberfahrt; in dem Fläscher- Medf.lser-Thal. 4 *>* Berg eine Höhle von Tropfstein. Jenins, 1 j 2 St., am Fuls des Falknis auf einer sanft geneigten Halde, welche sich gegen den Rhein und die Landquart ausdehnt. Diese ganze Halde ist aus Felsabstürzen des Falknis und der benachbarten Felsen entstanden. Malans St. von Jenins, am Fufs des Augstenbergs; hier i Schlösser Salis, von denen das obere, Bothmar genannt, schöne Garten-Anlagen hat; in dem einen wohnt der berühmte Dichter Gaudenz Satis von Seryis, Bey Malans wächst der beste weilse und rothe Wein Bündlens, Zwischen Jenins und Malans oberhalb dem vorspringenden Ge- birgsfufs die Reste des Schlosses Aspermont und PJ'inek. Nahe bey Jenins blicht Gyps , und hinten in der sogenannten Bläue giebt es viel blauen Mergel . Von Mayenfeld zur Zollbrücke i St., und von hier durch Zizers nach Chur 2^. St. Nach Ragatz über den Rhein St.— Hier bey Mayenfeld war ehedem eine Gold- nasche im Rhein. Medelser-Thal (rliät: Val de Medel oder Val Medel), im K. Bündten, öfnet sich bey Disentis , zieht südwestwärts 5-6 St. nach dem Lukmanier, wird vom Mittel - Rhein durchströmt, ein wildes, enges und romantisches Thal. Merkwürdigkeiten. Im J. i 45 °- waren * n ^em y t » Thal nur 2 Hofe , nämlich Kurajia und Mucnatija. Der Abt von Disentis, Johannes Ussenport , baute zu Plata die Pfarre und gab den Einwohnern, die sich vermehrten, ihren eignen Priester. — Gerste, Sommerrocken, viel Flachs und etwas Hanf wird darin ge- Medelser-Thal. 452 baut, Viehzucht ist Hauptbeschäftigung. Die Männer von Medels sind grofs und stark und bräunlich von Farbe. Die fetten Käse dieses Thaies sind sehr gut. Reise in Medels von Disentis. Von der Vereinigung des Vorder- und Mittel-Rheins bey Disentis ist, f j2 St. lang, das Thal sehr eng, dunkel von überhängendeu Felsen und Nadelholzwäldern, und der Mittel-Rhein stürzt schäumend und in 2 Fällen durch enges Felsenbctt. Nach dieser schauervollen Gegend öfnet sich das Medelserthal freundlich, wo über dem Ufer das Dorf Kurajla (1 1 j/ t St. von Disentis}, und gleich links das Nebenthal Platas liegen, in welchem die Dörfchen Soliva und Bisquolm. Von Kurajla nach Plata % St. (Hauptort des Thaies), nach Parde oder St. Rocco % St.; nach Fon , Fuol'ns vorbey, und Perdac 3 t£ St.; hier öfnet sich das 1 y 2 St. lange Kristalliner - Thal (S. Kristalliner-Thal ), zum Hospital St. Johann tjz St., zum Hospital St. Call ij 2 St., bey dem Val Nalps vorbey bis zum Hospital St. Maria auf dem Lukmanier t St., wo sich das Kadelinthal öfnet, in welchem der Mittel 1 -Rhein entspringt ( s. Lukmanier). Der höchste Felsen an der Westseite des Mcdelserthals ist der Vieira oder Stremasneras und Sanc Jai (d. i. St. Gail) westlich über dem Hospital von St. Gail, /wischen dem Medelser -, Teniger- und Bellenzerthal breitet sich der prachtvolle Medelsergletscher aus, aus dem viele Quellen des Blegno entspringen (s. Olivone), » In der Mitte dieses Gletschers erhebt sich der FH d'ol t Clacar , ein Felsenstock ira Alpengrat, von allen Serien M R U F. L S E K - T H A L. 453 j mit Eis und Schnee bedeckt, ausgenommen von der Westseite. — Durch das Medelserlhal führt die Strafse über den Alpenpafs des Lukmanier nach Italien (S. huhmanier ). Alle Bemühungen der Aebrc von Disen- tis und von gemeinnützigen Privatleuten (z. B. des Landammann Balthasar von Mont und J. K. Kasa- nova von Trons (n dem J, 1780.) die Strafse von Disenti* durch Medels recht gut und gangbar zu erhalten, sind bisher gescheitert. Geognost. Thatsaclien. Die Felsen des Me- delser- und Nebenthäler bestehen aus Granit, Gneifs, Glimmerschiefer. Auf der Höhe des Lukmanier-Passes streicht Urkalkstein, Urgyps (mit dessen feinen Staub der Weg bestreut ist), Urthonschiefer. Der Kalkstein dauert südwärts fort bis zum Hospital Casaccia , wo wieder Granit und Gneifs mit undurchsichtigen Granaten erscheint. Diese Kalkstein- und Gyps-Lager sind Fortsetzung derer, welche durchs l’iora - Canaria- und Ober - Livinenthal streichen (S. Airolo). Von dem Lukmanier streichen sie nordostwärts weiter durchs Ca- tnadra- und Monterascher - Thal (s. Olivone'). Der Lebergang der steil nach S. eingesenkten Schichten in die senkrechte Stellung und aus dieser in die steile nordwestliche Einsenkung ist in dem Medelserthal wie auf dem Gotthard zu beobachten. Auch giebts Talkfelsarten, schöne und grofse Quarzkrystalle, Schörl, Granaten, krystaHisirten Glimmer in den Medelser-, Kadelin Kristalliner -, jSalps- , Platas — Thälern. Leber andere merkwürdige Fofsilien sehe man den Art.' Gotthard ÄI E I L L E R I E. 4M Mineralogie. Sclioa im XIV. Jahrhundert wurden hier Siibetgruben bearbeitet. Bleyglanz in Quarz zwischen Gneifs; dieser Gang bat alle Anzeigen grofsen Reichthums. Strcitigke'ten über Eigenthumsrecht verhindern die Ausbeute. Die Erzgiinge streichen durchs Rhein bett zwischen Disentis und Kurajla. Mui llerie, ein Dorf am südlichen Ufer des Cen- jer - Sees und ain Fufse steiler Felsen, der Stadt Vevay gegenüber; berühmt durch J. J. Rousseaii's Heloise. (S. Genfer-See , Evian und Fevay). Me zn au ( die Insel) *), in der nördlichen Bucht 1 des Boden - Sees, mit dem westlichen Ufer vermittelst einer schmalen Brücke von 630 Schritten verbunden, von wo man in 1 y 2 St. nach der Stadt Konstanz spaziert. Reisende, welche sich mit ihrer Kutsche von Veberlingen oder Mörsburg nach Meinau übersetzen lassen, finden hier Pferde, mit denen sie nach Konstanz fahren können. Die Insel, ein Hügel von •^4 St. im Umfange, war ein Eigenthum des Johanniter- Ordens; das Schlofs des Kornthurs steht am höchsten Punkte; alle Reisende sind hier äufserst gütig und gefällig aufgenommen. Gemüse- und Obstgärten, Weinberge, Kornfelder und Wiesen beleben dieses herrliche Eiland, welches von 50 - 60 Personen bewohnt wird. *) Ursprünglich Allmannsow, Manauw, weil die Allemannen in diesen Gegenden überall Läger und Vorwachten gegen die Römer hitlen. Die HH. von Langenstein erbauten hier ein festes Schlofs. Arnold von Langcnstem übergab die Insel im J. 12g2. dem deutschen Orden. Meiringen. 455 Lage und Aussichten dieser Insel sind prächtig, und sie verdient deswegen von jedem Freunde der Natur einen Besuch. Die schönsten Standpunkte sind in den obern Zimmern des Schlosses und in dem Garten. — Sehenswerth noch hier die Weinkeller, in denen too Fässer liegen, wovon jedes 5000 Flaschen, und ein einziges i 84 i 3 2 ° Flaschen fassen kann. Meiringen, Hauptort in dem Hasli, K. Bern. Wirthshäuser : J'f ilde Mann und Landhaus. — Liegt 1818 Fufs übers Meer, in dem 3 St. langen Unter- /faj//-Thal, welches durch seinen eigentümlichen Ge- birgscharakter im höchsten Grade romantisch und malerisch ist, und von einem der schönsten und muntersten Hirtenvölker bewohnt wild ( s. Hasli - Thal'). — Kömmt man vom Brienzer- See ins Unter - Hasli , sot siebt man rechts die Vorberge Zaun und lseltryald , die Berge Oltschern , TVandel und Kaltbrunn , links den Briinig, Breiten-Berg , und weiter den sonncnrei- clien fruchtbaren Hasler - Berg , auf welchem mehrere kleine Dörfchen, und jenseits desselben nach NO. das bleich - Thal liegen. Gegen S. die Scheideck; in O. wird das sich verengernde Thal von dem Kirchet geschlossen , über welchen nach S. die Burg - Hörner emporsteigen, und jenseits welchen der Crimsel und die Thäler im Grund , Miihli , Centei , Nessel und Gadmen liegen. Auf der Nordostseite sieht man die Wasserfälle Mühli- Bach, Dorf- Baoh und Alp- Bach über fünf und mehrere Staffeln herabstürzen: der letztere ist der schönste, aber auch der gefährlichste für 456 Me IR INGEN. die Wiesen der Einwohner. Auf der Südwestseite der Reichenhach , dessen Gewitter-ähnliches Donnern durchs ganze Thal erschallt. Kommt man vom Grimsel oder aus dem Miihli — Thal über den Kirchet ins Uiiter- Hasli , so ist der Anblick desselben bezaubernd. Von dem Kirchet zeigt sich am Fufse einer mit Fichten besetzten Felswand ein runder Hügel, an welchem 7-3 Hütten in gerader Linie untereinander stehen, über deren zwey ein grofser Nufsbaum seine Zweige ausbreitet; bey Abendheleuchtung ein entzückender idyllische* Anblick. Schöne Standpunkte und prächtige Fälle des R eich enha ch s. Hinter der Kirche von Meiringen auf einem Hügel ist ein schöner Standpunkt zur malerischen Utbersicht des ganzen Thaies. Der Reichenhach gehört zu den schönsten Wasserfallen der Schweitz. Von der hintern Gallerie des Wirthshauses zum TYilden Mann erblickt man einen kleinen Theil des obern Falles. Der Weg zu dem obern Fall führt von Meiringen durch Scherendi , von hier wendet man sich rechts; man sieht die Ruinen eines Schlosses Resti, der Stammsitz eines alten Geschlechts Resti ( s. Hasli- Thal ). Wer über den Scheideck reist, mufs diesen Weg nehmen, und geniefst also im Vorheygehen den Anblick. Man mufs ihn Vormittags sehen , wo sich bey Sonnenschein drey zirkelförmige Regenbogen bilden. Die herabstürzende Säule beträgt 20-30 Fufs im Umkreis, selbst bey kleinem Wasser, und fällt 200 F. Meiringen. 457 Fast senkrecht. Den untern Fall*), der äufserst malerisch ist, und vielen Fersonen besser als der obere gefallt, mufs man Nachmittags und Abends sehen, weil er nur dann erleuchtet ist; man steigt zu dem obern Fall in % St. Ohne Führer mufs man nicht von oben zu dein untern Fall herabsteigen. i Schlund in dein Ki reitet. Sehens werth ist auch der Schlund in dem Kirchet, durch welchen einst die Aare geflossen ist, und der andere, in welchen sie jetzt fiiefst. Kampf- oder Scbwing-Tag. Die Einwohner Hasli's und die Unterer aldner halten einen Kampfoder Schwing-Tag den 26. Juli auf der Engstein - Alp, den 10. August auf der Tenn - Alp, 5 St. von Meiringen, und die Hasler und Grindelrralder gewöhnlich den ersten Sonntag im September auf der Scheideck, am Wege zwischen Meiringen und Grindelwald. W ege. Die Wege nach dem Grimsel, nach Engelberg, nach Wasen im K. Uri gehen über den Kirchet in dem Hasli -Grund (2030 F. übers Meer), wo sie sich trennen. Den Weg auf die Grimsel s. Grimsel. Südöstlich öfuet sich das Miihli- Thal, in welches die Strafse auf einer hohen Brücke über die wilde und Wasserreiche Geniel , die der Aare zueilt, führt. Nessel- Gadmen- und Gentel-Thal. Bey dem Dörfchen TYyler tlieilt sich das Mühli-Thal. Nach SO. geht es ins Gentel-Thal, nach S. ins Nessel- und Von diesem hat 11 . Hieter in Bern ein meisterhaftes Blatt geliefert. Cadmen- Thal. Nach dem Dörfchen Gadmen oder am Bühl 4 Stunden vpn Meiringen. Gadmen liegt 4146p ■übers Meer. Gegen NO. die gräfslich vergletscherten Urazhörner; gegen SO. die wilden Gebirge der Stein. Alp ; gegen NW. die schreckliche Felsenkette des Tit- lis, welche fast senkrechte Wände dem Gadmenthal zuwendet; gegen S. die Felsen des Steinbergs. Von Gadmen auf steilen Wegen nach der Sennhütte der Stein- Alp 3-3 St., über die Süsten - Scheideck (auf dem Wege dahin zeigt sich der Steinberg - und Trift- Gletscher, Ausflufs eines 6 St. langen Eisthaies, welches sich nach dem Ga/en-Stock hinzieht, wo es den Rhone -Gletscher herabstarrt) nach der Hunds- Alp im Maien-Thal 5 St., und von hier nach JVasen 3 j 3 St. (das Umständlichere dieser Reise s. man im Art. Maien - Thal). — Von JE'yler nach SO. führt die Strafse durchs Gentel -Thal über die Engstein - Alp, das Joch , nach F.ngelberg in Unterwalden, 12 St. von Meiringen. Das Gentel - Thal und dessen Alpen sind reich an Buchen, Eichen, Ahornen, Wasserfällen, malerischen Felsen und Ansichten. Prächtige Wasserfälle. Von JVyler aufwärts begegnet inan dem Jungibrunnen oder den Achtelsaasbächen , welche in neun Aermen aus den Wänden der Cadmer - Flue hervorströmen. Etwas höher bildet die Gentel einen malerischen Fall in Gestalt einer Pyramide. Es kostet Mühe, sich nach 1 St. demselben zu nähern. Man gelangt alsdann auf ein bemoostes Felsstück, welches gerade in die Mitte des runden Kes- Me I RINGEN. 4.*)9 scls herausspringt ; hier ist der Anblick grofs und entzückend. Steil aufwärts über Schiefer erscheinen sehr wilde und romantische Felsen mit Tannen besetzt. Der Weg wird sehr steinig und übel. Am untern Ende der Rofs- Alp stürzt ein Bach in herrlichen Fällen über eine Felswand; dann gelangt man auf die Engstein- Alp, wo man in den Sennhütten übernachten kann , ohngefähr die Hälfte des Weges von Meiringen nach Engelberg. Von dieser Alp sieht man nach NW. den Hohen Stollen , an dessen nördlichem Fufse das Melch- Thal beginnt; das Roth-Horn, an welchem in der Planplatte Eisenerz ausgebeutet wird ; in O. den Joch -Berg; himmelwärts den 2 'itlis über 11,000 F. hoch; in SO. die RT'ende- Stöcke (9556 F. hoch übers Meer), zwischen welchen der JVende- Gletscher sich herabzieht; nach S. den Teilt - Stock und A'fei/i - Berg, welche das Gentel- und Gadmen - Thal von einander trennen; nach SW. die Gadmen-Flue und die Felsen nach dem Grimsel zu. Steigt man von der Engsteln- Alp herab nach Meiringen, so sieht man über Imgrund weg grade ins Urbachthal zwischen den Engel-, Laut - und Rizli — Hörnern, von denen der Gauli— und Hang- Gletscher herabstarren. Auf der Engstlen- Alp viele Arven (Pinus ccmbra), die wenig höher als 50 F., und doch schon hundert Jahr alt sind; ihre Saamen gelangen erst im October zur Reife. Merkwürdige periodisch fliefsende Quelle. Auf der Engstein-A lp ist bemerkenswerth der sogenannte Ff'underbrunn, welcher im Frühling, 460 Meiringen. ■wenn die Viehheerden auf die Alp kommen, za fj; e _ fsen beginnt ; im Herbst , wenn das Vieh die Berg- trif:en verläfst, zu fliefsen aufhört, und während des Sommers regelmäfsig um 8 Uhr Morgens zu fliefsen anfäugt, und um 4 Uhr Nachmittags trocken wird; doch wird die Regelmäfsigkeit dieses täglich periodischen Flusses von dem Grade der Wärme und dem vielen oder wenigen Regen gestört. — Von der Engst e/n-Alp geht der Weg bey dem Engstein- See, der St. lang und ^ St. breit ist, auf das Joch t St., der höchste Punkt dieser Strafse (das Weitere s. unter Engelberg). — Den Weg über die Scheideck nach Grindeln-ald (s. den letzten Artikel}. — Von Meiringen nach Tracht am Brienzer - See 3 St,; hier schifft man sich ein (s. Brienzer-See }.— Die Strafse über den Briinig nach Unterpralden ( s. Briinig und Lungern }. Geo.gnost. Tlratsachen. Die Kalkgebirge des Unter-/Jasli, des Hasli - Grundes und des Miihli- und Gentel- Thaies ruhen auf Schiefer, im Gadmen- Thal auf Gneifs, über welchen das Kalkflötz mit nördlich eingesenkten Schichten bis gegen das Siisten - Horn emporsteigt, welches aus Urgebirge bestehend auf der Linie sich erhebt, in welcher von O. nach W. das Urfelsgebilde ganz zu Tage nahe an den nördlich aufgesetzten Kalk - Alpen dahinzieht. Zwischen dem untersten Kalksteinlager und dem Urfels streicht ein merkwürdiges 6 Fufs starkes Eisensteiulager in einer 16 F. mächtigen bald schwarzen, bald rothen, grün- M E IR IN G E K. /,6l liehen und grauen Thonschieferschicht, welcher hin und wieder so viel Quarzkörner heygemengt sind, dafs die bunten gebänderten Trümtnerstücke bisweilen mehr Sandstein als Schiefer sind. Diese Schicht streicht in einer Höhe von 6763 Fufs übers Meer, und zeigt sich am Joch , im Centei— Mühli- und Gadmen- Thal, im Hasli- Grund, Urbach - Thal , nach W. im Grindel- yyald , Lauterbrunn - Thal, nach N. im Melch -Thal u. s. w. In dieser merkwürdigen Schicht finden sich versteinerte Schaalthiere aus dem Meer. — In dem ‘Gadmen - Thale an dem Ort, Schaftelen genannt, streicht eine Schicht saliuischer Kalkstein zwischen den Gneifstafeln. Oberhalb Gadmen erscheint Sienit, Hornblendeschiefer, Glimmerschiefer (s. Maien-Thal). Am Zaun- Wald, nicht weit von Meiringen, streicht am Ufer der Aare eine Thonschicferschicht, welche voll 'verkiester Ammonshörner ist. — Der Hasli — Grund , ein sehr ebnes Thal von 1 St. Länge und *' 2 St. Breite, wird durch den Kirchet von dem Unter-Hasli-'Th'A getrennt, und bildete einen See, ehe die Wasser in dem Hügel Kirchct zwey Schluchten durchfressen hatten, wovon eine jetzt trocken und die andre das Bett der Aare ist. Mineralogie. Schon im XV. Jahrhundert wurde in dem Mühli - Thal ein Eisenbergwerk betrieben, welches in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts gänzlich erlag. Die Regierung von Bern übernahm es, und seitdem wird der Eisenstein an der Plan- Platte und am Balmerek- Horn, 4 St. von der Schmelze ausgebeutet? aus Mangel eines guten Verfahrens und einer g utea Einrichtung wird nur schlechtes, kaltbrüchiges £; sea gewonnen. Melch - Thai, im K. Unterwalden, öffnet sich zwischen Sarnen und Kerns , und zieht südostwärts 3 St. lang zwischen 6 - 8000 F. hohe Felsen aufwärts; ein alpenreiches, sehr wildes, romantisches und mit zahllosen Hütten besetztes Thal, von dem Melch -Bach durchströmt, welcher aus dem Melch- See entspringt, der am Joch -Berg liegt und ^2 St. Umfang hält. Der Melch - Bach verliert sich aus dem See in unterirdische Höhlen, und wird erst r St. tiefer im Thal wieder sichtbar. Von Kerns und Sarnen gehen Wege durch dieses Thal auf die Engsleln- Alp im Centcl-Thal, K. Bern, und nach Engelberg (s. Sarnen). Arnold von Melch-Thal und Niklaus von Flüe. Ist besonders deswegen merkwürdig, weil einer der hohen Stifter des Schweitzerstaats und dessen Freyheit im J. 1307., Aerni (Arnold) aus dem Melch- Thal war, dessen Familie an der Halden noch im J. 1784. bestand; und weil der Friedensstifter, Niklaus von Flüe , in der letzten Hälfte des XV. Jahikunderts hier als Einsiedler im einer fürchterlichen Einöde lebte. ( s. das umständliche über diesen Mann unter Sarnen und Stanz Geognost. Beschaffenheit. Alle Gebirge bestehen aus Kalkstein, auf Thonschiefer ruhend. Es wird hier Marmor gebrochen. Ganz hinten irn Thale Mellingen. 463 geht die Eisenstein •- Schicht zu Tage aus, welche auf der andern Seite im A/nA/i-Thal ausgebeutet wird. Mellingen, ein Städtchen im K. Aargau, an der Reujs und der grofsen Landstrafse zwischen Zürich und Bern. Es wurde 1415. nach viertägiger Belage- Tung von Zürich eingenommen. Geognost. Merkwürdigkeiten. Die ganze Gegend liegt m dem Sandstein - und Mergel-Gebilde. Bey Mäggenvreil, in der Nähe von Mellingen, ist ein sehöner Sandsteinbruch, in welchem Hayfischzähne, Muscheln und Knochen gefunden werden, die eine nähere Untersuchung verdienten. Auf den Hügeln nach den drev Häusern aufwärts, an der Strafse nach Lenzburg , liegen unzählige Trümmerblöcke von Granit und Nagelflue zerstreut; eben so auf der andern Seite von Mellingen ‘1 St. weit nach Baden zu. Die Strafse steigt hier gleich von der Reujs über einen steilen Hügel, welcher nur ein Schutthaufen von Granitblöcken , andern gerollten Steinen, Sand und Mergel ist. Drey Viertelstunden weit von der Höhe dieses Hügels, nach Baden zu , zeigen sich links über den , Boden der Felder so ungeheure Granit - nnd Nagel- tluetrümmer hervorragend', dafs man sie von der Landstrafse auffallend gewahr wird. Die meisten dieser Granite gleichen demjenigen, den ich in Menge an. den Ufern des Zuger- und Luzerner-Sees, bey Art , Buonas , Küjsnacht , an der Reujs - Brücke 2 St. von Luzern u. s. w. fand. Alle diese Blöcke sind aus dem Innersten des K. Uri , zwischen dem Durchrifs 464 Mesduis, des Rigi - und Ruffi -Bergs und über deü Luzerner- See hervorgeflutliet Wörden. Alle Nagelfiuetrüremer welche sich weit und breit um Mellingen finden, g c _ hörten den Nagclflueschichten des Rigi und Rufji und sind mit unzählig andern Uifclsgeröllen durch den ganzen Aen/i-Kessel gewälzt, und hinter Mellingen an den südöstlichen ./«rrz-Zweigen aufgeschüttet worden. M F.SDRii (Mendrisio j ¥ ) , die am südlichsten gelegne Stadt der Sehweite, unter dem 450, 50' der Breite, seit 1522. Ilauptort einer Vogtey von 21 Gemeinden, seit igoi. Theil des K. Tessin , 1 St. voü dem Luganer- See, 3 St. vom Corner- See, und 4-5 St. vom Langen - See; liegt auf der letzten südlichen Stufe der Alpen. In der Stadt Mendris nichts merkwürdiges als drey Klöster und Seidenbau ; nicht fern von Mendris eine Schwefelquelle. Prächtige Landschaften und Aussichten. Die hügelreiche Landschaft von Fruchtbarkeit und Fülle der Vegetation schwellend bietet dagegen den höchsten Genufs und die herrlichsten Spaziergänge und Standpunkte dar. Nach dem Flecken Balcrna 1 Sr. Hier ein Landhaus des Erzbischofs von Como; eine Kirche, in dem schönsten Geschmacke gebaut ; herrliche Gär- <»n der Chorherren, und eine entzückend reiche Gegend, von der Breggia , die aus dem Müggin - Thal kömmt, *) Metidrisio stand im All. und \ 1 iI. Jahrhundert unter der Republik Como, und litt sehr viel in Kriegen zwischen dieser Stadt und Mailand , t dereu birrger es ganz zerstörten, (S. Como). MENDRIS. , 4G5 durchflossen* Von hier nach dem Dorfe St. Martin di Sagno , und nach der Höhe von Bisbino , wo die schönsten Aussichten sich öffnen; nämlich nach Norden sieht man die Alpen , nach S. die reizende Lom- bardey , zu den Füfsen nach O. den Corner-See und die Stadt Como. — Von Balerna nach dem Hügel redrinale 1 St., nahe bey Chiasso , der Grenze der Mendrisischen Landschaft. Um Chiasso wechseln die schönsten Fluren, von dem Bache Fallopia gewassert, herrlich zieht sieh das Thal zwischen Pedrinate und Sagno , aber der schönste Standpunkt ist bey der Kirche Sti Stephano , auf dem Hügel Pedrinate. Hier umialst das Auge das Prachtvolle der mit den herrlichsten Wäldern geschmückten Alpen in abfallenden Stuften voll Dörfer , Weingeländer und Festonen , welche über goldne Waizen-Fluren von Baum zu Baum ranken, — sich immer mehr erniedrigend, und in immer kleinere Hügel übergehend, bis sie sich gänzlich in der Lom- bardej verflachen. Herrliche Aussichten auch auf dem Hügel Stabio , 1 St. von Mendris, und bey der Einsie- deley von Sti Martina ^ wo jährlich ein grolsei- Vieh- markt gehalten wird. Bey Stabio eine schwefelhaltige Quelle; hier sind römische Alterthümer gefunden worden, zufolge deren man glaubt, dafs hier ein Stabulum der Reiterey J. Cäsars war. Bey dem nahe gelegnen Vigiu herrliche Marmorbrüche. Müggia - Thal, auch Val Mara genannt. Die Landschaft Mendris hat nur ein einziges Alpenthal, das Val Müggia , eines der schönsten Thäler der Schweitz, HI. 3 ° JÄ ' Im feT.. i. /•- 3 ° Mendris. 466 von ganz eigenthümlichem Charakter, ohne Thalebne- die Gebirgsseiten stofscn in der Tiefe so nahe zusammen, dafs die stillen Wasser der Breggia kaum Raum haben, sich durclizuwinden, und doch sind alle Abgründe blumenreich, und die steilsten Bergseiten von oben bis in die Tiefen von den Wölbungen der prächtigsten Kastanien- und Nufsbäumen, der IUbengeländer und Wiesen bekleidet, und die Iläusergruppen der sechs Gemeinden scheinen in der Luft zu schweben. Alle Bäche sind unschädlich und pellen nur, und die Wollust von Schauen und Sonne, von Kühlung und Wärme, fühlt man nirgends so, wie in diesem Thale. Bey Balerna öffnet es sich , da liegen die Dörfer Morb.o sotto und sopra, von welchen sich das Thal sechs Stunden lang nordwärts nach dem Monte Ceneroso (auch Calvagione genannt) hinaufzieht, welcher zwischen dtm Luganer- und Corner- See in die Gebirge des Val In- telvi übergeht. Sonderbar ist der Anblick des Dorfes Buzello von unten gesehen, welches auf kleinen Stuf— fen in Gestalt einer grofsen Treppe übereinander liegt. Oberhalb Monte ist eine prächtige Aussicht ; rechts zieht ein fruchtbares , aber unbewohntes Nebenthal. Von Buzello bis Monte mufs man r St. im Zigzag geben, um eine halbe Viertelstunde weiter zu kommen. Zu Monte steht bey dern Pfarrhaus ein Nufsbaum, der einen halben Morgen Land bedeckt. Bey Cabbia nuova sieht man links ein Nebenthal gegen lionco piano. Bey dem Dorfe Miiggia spaltet sich das Hauptthal in 5-4 kleine Beythäler, die sich auf dem Monte Cent - M E N I) R I S. 467 roso verlieren, und von hier beginnen Buchen-Waldungen. Die Aussicht von dem Gipfel des Generosa (4675 Fufs über den Luganersee oder 5557 Fufs übers Meer) über die Lombardey ist unaussprechlich schön. (Ueber dessen seltne Pflanzen s. man weiter unten). Die Breggia mündet in den Comersee. Künstler. Franz Silva, der Alte genannt, dessen Söhne Augustin Silva , Karl Franz Silva und Franz Silva aus Morbio sotto , waren im XVI. und XVII. Jahrhundert berühmte Maler , Bildhauer und Baumeister; der letzte starb im J. 1737. zu Born. Raphael Sua aus Sag/to , geschickter ‘ Zeichner für Baukunst und Perspektive, starb im J. 17G6. Peter Lironi aus p'acallo, Bildhauer, starb im J. 169a. zu Como durch Gift. Peter Anton Magati aus Vacallo , Geschichtsmaler, starb zu Varese im J. 1768• Peter Franz Mola aus Colderia, berühmter Geschichts- und Landschaftsmaler, war Direktor der Akademie St. Lukas zu Rom, wo er im J. rGG6. starb. Johann Baptist Mola, treflicher Landschaftsmaler im XVII. Jahrhundert. Carl Salterio aus Castel san Petro , berühmter Baumeister in Italien, starb im T. 1670. Franz Carabelli , aus demselben Orte, vortreflicher Baumeister, starb im J. 1^74. zu Mailand. Franz Toriani und Innocenz To- riani, aus der Stadt Merrdrisio, beyde geschätzte Maler; der erste starb im J. 1670. zu Rom, der zweyte im J. 171a. Wege. Von Mendris nach Capo di Lago 1 St., von hier über den Luganer- See nach Lugano 2 St.: nach Corno 3 St. durch Codrerio, Balerna, Pontega no wo man über die Breggia kommt, und Chiasso; lu Chiasso ist die Grenze der Schweitz, und ehe man dahin reist, erkundige man sich zu Mendris über die Mauth- und Zolleinrichtung* damit sich der Reisende keinen Unannehmlichkeiten von Seiten der Zöllnern ausgesetzt sieht. 'Von Mendris nach Varese 5 St., und von hier an den Langen- See s. Varese. Aus dem Hintergründe des Müggiathales führt ein Weg nach Cerano oder Casasco im Val Intelvi (s. Intelvi-Thal J. Pflanzen. Die Vegetation ist in der Landschaft Mendris viel reicher und üppiger, als bey Lugano und Locarno. Die palästinische Traube von 1 Elle Länge kommt zur Reife, und seihst im Schatten der Wälder wachsen viele Kräuter, unter denen sehr seltne Pflanzen: Bey der Stadt Mendris : I/elleborus viiidis. Oxalis corniculata . Silene gallica und Parieturia judaica , nur hier allein in der ganzen Schweitz. Bey Cassina im Müggia- Thal: Thesium linophyllum, Aut dem Monte Generoso folgende Pflanzen: Atropa Mandragora (Alraune). Se- linam Seguieri, Laserpitium trilobum (Laserkraut), Cre- pis alpina (Pippau), Achillea clavetmae und tanacetifolia (wcrmuth- und reiufarnblättrige Acliille) , alle diese nur ausschliefsend hier, Testuca spadicea. Paeonia ojficinaiis. Cytisus hirsutus und capitatus. Cnicus ochroleucus. Lnid* hirta, alle sehr selten in der Schweitz. Geognostische Beschaffenheit. Das Alpen- gehirge Stuft über den Monte Generoso herab, wird immer niedriger und geht in Hügel über, welche au- Misoxer-Thae. 4<>9 fänglich noch Zusammenhängen, dann einzeln erscheinen und sich endlich in die Ebne der Lotnbardey verflachen. Der Ceneroso besteht aus Kalkstein und Kalksteinschiefer, welcher auf Gneifs und Glimmerschiefer im Miiggia- Thal aufsitzt, |on NO. nach SW. streicht und nach S. einsenkt; auf der Höhe des Generoso wird der Kalksteinscbiefer gebrochen und zur Bedachung der Häuser in den nahe gelegnen Thälern gebraucht. Die Hügel im Mendi isischen bestehen aus Nagelflue, Sandstein , Thon und Gerolle. Merc. ozzo, Dorf an dem kleinen See von Mer- gozzo , in Piemont, 1 St. westwärts von dem Langen - See, an der Strafse nach Domo d'Osso/a , 5 St. davon entfernt. (Den Weg dabin s. man unter Art. Domo d’Ossola, Intra. Palanza ). Mini (Deist de) nahe bey Maurice ( s. Bex und Maurice'). Milden (s. Moudon ). Misoxer-Thal (Val di Misocco , Masocco und Mesolcina , in der Landessprache), das südlichste Thal in Graubündten, unter italienischem Himmel, von Italienern bewohnt; sehr fruchtbar, malerisch und äus- serst romantisch ; zieht vom Bernhardino südwärts 9 St. herab, von der Moesa durchflossen, und öfnet sich 1 j 2 St. vor Bellinzona. Der grofse Pafs aus Graubünd - ten über den Bernhardino nach Bellenz, Locarno und den Langen - See, geht durch dieses Thal. Die Einwohner sprechen eine Art rhätischen Dialekt; der Gottesdienst wird italienisch gehalten. MlSOXER-TH AL. 47 ° Geschichte. Die alten Moesiates, spater Mesanci wohnten in diesem Thale. Die Geschichte erwähnt des Geschlechts von Misocco , Herrn dieses Thals, schon im IX. Juhrhundert. Albrecht von Sax , Freyherr von Misox, erhielt 1403. von Rusca zu Como die Stadt Beilenz ( s. Como und Bellinzona ). Vom König Sigmund wurden die Brüder Johann, Donatus und Kaspar von Sax zu Grafen erhoben, Johann Jacob Trivulzio (ein vornehmer Mailänder) kaufte das Misoxerthal im J. 148% von dem Grafen Job. Peter von Sax *) für 10,000 Gulden. Seit 152t. schlofs sich diese Landschaft an Graubiindtep an, und 1549 * kauften sich die Einwohner vom Trivulzio los. Wege. Schöne Wasserfälle und Ruinen. Das erste Dorf auf dessen Südseite heifst Bernhardino , von hier bis Belienz 9 St. ; merkwürdig bey diesem Dorf ein Sauerbrunn , welcher versandt wird. Dieses Sauerwasser enthält viel Luftsäure und etwas Eisen ; di« Quelle ist zwar gefafst aber nicht gedeckt, so dafs sie bey Regenwetter sehr geschwächt wird. Von hier geht die Strafse durch Lesum , Cebia , Andersta , Doire , Anz011 , Logian , Durbia nach Cremeo oder Misocco 3 St. Schon bey Cremio fangen die Kastanien und Nufsbäume, Getraide und Gartenbau an, und das Thal wird sehr schön , indem die Berggelände herrlich aufwärts stuffen, und reiche Aussichten gewähren. Auf der einen Seite die zwey ansehnlichen Wasserfälle des *) Derselbe verkaufte au den K. Luzern die Landschaft fL'erdcr.lerg. M i s o x e k - T h a r. /|71 Riale di Verbio und di Crastera , welche man aus den Fenstern des Wirthshanses erblickt. F.ine kleine Stunde von Cremeo sieht man auf einer Fclsenhöhe die Reste der alten Burg Masox oder Misocco, welche im J. 1521. von den Graubündtnern zerstört wurde, das Stammhaus der Grafen Misocco. Dieses ungeheure Schlofs, dessen Mauern 10 Fufs dick sind, bildet mit der romantischen Gegend die schönsten Ruinen in der ganzen Sckweitz. Weiter abwärts bey Soazza der herrliche äufserst malerische Wasserfall des Riale di Rufj'alora , nach O. erhebt sich der Pombio , auf welchem man eine prächtige Aussicht bis Mailand geniefst. Von hier geht ein Weg über die Fnrcula nach Chiavenna. Bey Ca- biolo stürzen drey Wasserfälle des Riale di Groven, des R. di Giosella und des R. di Goinega. Hier wachsen Maulbeer und F'eigenbäume. Zu Gama ein Kapuzinerkloster, wo man allenfalls Mittagessen findet. Bey Crono öfnet sich das Calanher- Thal (welches zu Misocco gehört), aus welchem die Calanhasca der Moesa zueilt (s. Calanher-Thal). Die Ruinen des Schlosses Calanka oberhalb St. Maria fallen sehr malerisch ins Auge. In dem Calankerthal wohnt Hr. Landammann. Demengha , der sich um die Aufnahme des Bergbaues im K. Bündten seit 1806. sehr verdient macht. Bey Rogoredo sieht man den t Jöri - Berg, Monte di St. Giorgio. , über welchen eine Strafse ins Marobier — Thal und nach Gravedona am Corner - See führt. Bey St. Vittore und Monticello , St. vor Beilenz , öfnet sich das Misoxer-Thal. 472 MÖRSBURG. Geognostische Beschaffenheit. Alle Gebirge dieses Thaies liegen in dem Urfcis - Gebilde, sind aber noch nicht gehörig untersucht. Bey Soazza wird Lavezstein ausgebcutet. Möns bi;ro, Städtchen an dem schwäbischen Ufer des Boden - Sees. AYirthshaus : Ilär. Der fränkische König Dagobert soll hier eine Fahre nach Con- stanz angelegt haben. Spater wurde das Städtchen eibaut. Hier veilor Graf Rudolph 'von Rheinfelden Herzog von Schwaben, welcher vom Pabst Gregor VII. dem von ihm so bitter verfolgten Kaiser Heinrich IV. im J. 1077. als Gegenkaiser entgegengesetzt wurde, in einer Schlacht sein Leben im J. togo., worauf Friedrich -von Hohenstauffen , Stammvater der grofsen Kaiser aus diesem Hause, das Herzogthum Schwaben erhielt. Seit dem XVI. Jahrhundert war hier der Sitz des Bischofs von Konstanz. Gehört seit wenig Jahren dem Grofsherzog von Baden. In den Zimmern des bischöflichen Schlosses vortrefliche Aussichten, und eins der vollständigsten Conchylien - Kabinette in Europa, ■ w und eine Sammlung von Versteinerungen aus dem Oeninger - Steinbruch am Zeller - See ( s. die Schrift: Hie Konchylirn in dem Naturalien - Kabinet des Fürsten und Bischojs -von Konstanz in Mörsburg. Bregenz 1737. in 8.). Wege. Von Mörsburg nach Lindau 5 Meilen (s. Lindau}.— Nach Konstanz über den See 2-3 St- Wenn es bey heftigen Stürmen unmöglich ist, hier über den See zu fahren, so reist mgn nach Uehsrlin- !*' ssel ) » u< füll' yd Mo :aJ A mir der 1 1 Jett ( ■Ul tod 1 if di iiolm äse j o erl «a 1 tcu, Ir. I 1*4 *<»\ r M, Sr Montblanc. 47 3 gen , wo man über den schmalen Seebusen nach der Insel Meinan übergesetzt wird (s. Ueberlingen ). Mole ( s. Genf). Moless on ( s. Gray eres oder Greiers ). Moll ts, ein schönes Dorf im K. Glarus auf der Südostseite, nicht weit vom Eingang in das Glarner- Thal. Von hier geht eine Strafse nach Kirenzen und Mühli - Bach am T-Valdstädter - See , und von da an dessen Ufern bis JVallenstadt (s. Näftls und Glarus ). Monster und Muster s. Discntis. Montblanc, der höchste Berg in Europa, Asien und Afrika, erhebt sich in Savoyen zwischen dem Cha- mouny — und Entreves - Thal unter 45 °i 4 1, t 5 a/< der nördl. Breite ( nach dem Engländer Beaufoy 45 0 , 50', 11"), und 24°, 24', 22" der Lange; ist itbers, Meer 14,546 F. nach Deine , 14,556 F. nach Piktet, 14,446 F. nach Schukburg , 14,700 F. nach Saussure, und 14,793 F. nach Pralles*), also 5355 F. niediiger als der Chimborazo im südlichen Amerika. Obgleich absolut kleiner als der Chimborazo , so ist der Montblanc in Betreff des Thaies, über welches beyde Berge sich erheben, höher als jener, und gewährt einen grö- fsern Anblick ; denn der Montblanc erhebt sich über das Chamouny - Thal 11,532 F., hingegen der Chim- *) Hr. Trailes hat in den J. ifioa,, 1803- und I 8 °d* den Montblanc trigonometrisch gemessen, und diese Messungen wurden nachher von der Spitze des Moless-on im K. Frejhurg und von mehrern ./urvt-llöhcn wiederholt, und immer auf dieselbe Art zu 14793 F. üb. Meer gefunden. V 474 Montblanc. borazo über das Thal von Tapia nur 11,232 Fufs. Der Gesichtskreis des Montblanc - Gipfels beträgt i m Ilalbdurchntesser 68 Stunden, jede zu 2000 Klaftern; man sieht ihn zu Lyon in seiner ganzen Allmacht, auf allen Bergen Burgunds , zu Dijon , selbst zu Langres (65 St. in gerader Linie). Saussure glaubte ihn oberhalb Toulon auf dem Berge Caume zu erkennen; würden die Appenninen bey Genua den Gesichtskreis nicht abschneiden, so könnte man vom Montblanc noch r2 St. ins mittelländische Meer schauen. Hr. Bourrit versichert, auf dem Gipfel des Montblanc das Mittelländische Meer gesehen zu haben. Ohnerachtet dieses aufserordentlichen Horizonts ist der Genufs der Aussicht sehr gering, weil der Dunstkreis nahe an der Erdoberfläche in diesen Entfernungen sich zu sehr verdichtet, und weil die Kraft des menschlichen Auges viel zu schwach für diesen Gesichtskreis ist. Um der Aussichten willen lasse sich also Niemand verleiten, die gefährliche und so kostspielige Reise auf den Montblanc zu wagen. (Man s. den Art. Chamouny- Thal). Geschichte der Besteigung des Montblanc. Ohnerachtet des ausgedehnten Umfangs des Fufses vorn Montblanc, so kann man sich fast von keiner Seite nähern. In S., SW. und SO. verbieten es senkrechte Felswände von mehrern tausend Fufs Höhe, in N., NO, und NW. ungeheure Gletscher, Eismauern, Abgrüntje und treuloser Schnee; deswegen ist die Reise auf den Gipfel so schwierig und gefährlich. H. ■von Saussure versprach in den J. 1760. und 1761. ,elW Jren f(ie, 1 ■ja ^ ttlP 0 ß> 0 d UU o' lie u 11 UHU llhrt Weg ins; Cout Ith s lauft {mes mrr f eisui l\k uijsj Jfct f Montblanc. ' 475 denen eine beträchtliche Belohnung, welche einen erträglichen Weg auf den Montblanc finden würden, und selbst denen, die fruchtlose Versuche machen möchten, ihren Taglohn. Pierre Simon aus Chamouny war der erste, welcher im J. 1761. es versuchte, den Montblanc von der Seit«; des Bostons - und Tacul- Gletschers zu erklimmen, aber vergebens. Im J. 1775. wagten es vier Männer längs dem Grat la C 6 te genannt, paralcll dem Boston - Gletscher, vergebens. Iin J. 1783. nahmen drey andre Männer denselben Weg; einer ward von unüberwindlichem Schlaf befallen, und dies zwang sie wieder umzukehren. In demselben Jahre versuchte es H. Bourrit aus Genf; ein Ungewitter trieb ihn zurück. II. Bourrit , voll Eifer, nahm im folgenden Jahre 1784- im September mit fünf FühreVn einen We-g von der Westseite ; heftige Kälte und Ermüdung zwangen ihn, zurückzukehren; zwey Gemsjäger, Marie Coutet und Franz Cuidet , stiegen fort, und H. Bourrit 6ah sie auf dem Schnee des Gipfels; bey ihrer Zurückkunft sagten sie, nur noch Go Klafter von dem Gipftl gewesen zu seyn. Im J. 1785 * machten Saussure, Bourrit und dessen Sohn mit 15 Führern einen neuen Versuch : Sie giengen im September von Bionnossay (4 St. südwestlich von Chamouny') am Fufse des Bionnossay -Gletschers vorbey, nordöstlich über den Pierre ronde bis an den Fufs des Aiguille du Goute in 5»/, St., wo sie in einer erbauten Hütte, in der Höhe von 853 2 F. übers Meer die Nacht zubrachten ; der Sohn des II-. Bourrit befand sich übel. Den folgenden 4 7 6 ’ Montblanc. Tag erklimmten sie die Aiguille de Coute bis Iur Höhe von 11442 F. ; weiter konnten sie wegen des weichen und tiefen Schnees nicht kommen ; die Hitze war unerträglich, obgleich das Thermometer in der Sonne nicht höher als 5'° stand.— Im Juny des Jahrs 1786. suchten sechs Männer, von dem Chamouny- Thale aus, den Montblanc zu erklimmen; Erschöpfung und andre Zufälle zwangen sie, abzustehen; einer von ihnen, Jacques Balmat , verirrte sich auE den Gletschern, und mufste dort die Nacht zubringen; er verdankt die Erhaltung des Lebens seiner Jugendkraft. Am folgenden Morgen sah er den Gipfel des Montblanc in keiner grofsen Entfernung, und machte eine Gegend ausfindig, welche zugänglicher als alle übrigen schien. Jacques Balmat und Doktor Paccard waren die ersten, welche im J. 1786. den Montblanc erstiegen. Den 7. August desselben Jahres verreiste dieser Jacques Balmat mit dem Doktor Paccard aus Chamouny , schliefen auf der Höhe des Berges la Cöte , betraten den 8. August um 4 UM 1 Morgens die Eisfelder, um 3 Uhr Nachmittags wufsten sie noch nicht das Ziel ihrer Unternehmung; der Doktor fühlte grofse Beschwerde von Erschöpfung und Kälte; Balmat muntert ihn stets auf; endlich steht noch eine »Höhe vor ihnen, ohne zu wissen, ob es die letzte ist, und um 6 ^2 Uhr standen beyde auf dem Gipfel im Angesicht von ganz Chamouny und mehrern Fremden , welche sie durch Ferngläser sahen. Um 7 Uhr verliefsen sie den Gipfel, kamen um Mitternacht pj't 31 j,tten W 1 jniinii Kit fr Of" p Loai altba J’Hi im S inten k Ch Ufah jUUVi trurin km J uiuuue iesou' *• «ul 'Gift, •fl« s « t» : Montblanc. 4?7 auf la Cote an, rulieten liier 2 St., und langten gegen g Uhr Morgens, den 9. August, fast erblindet und mit aufgeschwollnem Gesicht, in Chamouny an; 20 St. hatten sie auf dem Eise zugebracht ; Balmät hatte acht Tage lang ein entstelltes Gesicht. Der König von Sardinien ertheilte ihm eine Belohnung, und der Herr von Oersdorf aus Sachsen , welcher sich gerade in Chamouny befand, sandte für Baimat an H. ßourrit 17 Louisd'or, welche er in seinem Vateilande gesammelt hatte. Saussure*s Reise auf den Montblanc. Herr von Saussure w r ollte noch in dem nämlichen Jahre ihren Fufsstapfen folgen ; er reiste mit 17 Führern nach la Cote, aber schlechtes Wetter trieb ihn zurück. Im folgenden Jahre 1797. im Juli begab sich H. von Saussure nach Chamouny. Balmat und zwey andre wurden abgeschickt, um die Beschaftenheit des Eises auf dem Montblanc zu untersuchen; allein übles AVetter verzögerte die Reise bis zum 1. August. Um 7 Uhr Morgens reiste dieser unerrnüdete Naturforscher mit seinem Bedienten und 18 Führern, welche physische Instrumente, ein Zelt, Bett, Leiter, Stangen, Stricke, Lebensmittel, Stroh u. s. w. trugen, von Chamouny ab, und langte auf la Cote um 2 Uhr an, w r o die Nacht zugebracht wurde. Am folgenden Morgen über den Cote - Gletscher 2 1 j 2 St., der wegen seiner Ungeheuern Spalte die gröfsten Schwierigkeiten entgegenstellte ; dann über Schnee rechts nach dem Dome de Qoute zu, wo die Felsen immer steiler und die Glec- 478 Montblanc. scher immer mehr voll Spalten und Höhlen wurden. Um 4 Uhr machte man Halt, in einer Höhe vou 1 1 ; 97 ° F* übers Meer, das aufgeschlagne Zelt schützte Alle vor Kälte. Den 3. August gieng es so steil, dafs sichere Tritte in das Eis eingehauen werden mufsten, und ohnerachtet aller Sorgfalt stürzte doch ein Führer in einen Spalt, aus welchem er aber durch die Stricke, womit er mit andern zusammengebunden war, glücklich gerettet wurde. Um 8 Uhr sah ganz Chamouny die Karavane über die letzte Anhöhe kriechen, und als sie um 11 Uhr auf dem Gipfel anlangte, läuteten alle Glocken im Dorfe. Physische Beobachtungen. Die letzten 150 Klafter gar nicht steilen Ansteigens über Schnee kostete der Reisegesellschaft a Stunden Zeit, weil jeder nach 10-15 getbanen Schritten so erschöpft war, dafs ruhiges Stillstehen und Erholung nothwendig wurde. H. von Saussure war sehr schwach, sein Puls that 100 Schläge, im Thale bey Ruhe 7a Schläge ; der Puls des Bedienten na Schläge, im Thal 60; der Puls des Jacques Baimal 98, im Thal 49 Schläge in einer Minute, und so war bey Allen der Puls aufserordentlich schnell; selbst die stärksten Männer der Gesellschaft wurden über der Höhenlinie von 11,400 F. leidend; Appetit hatte keiner, aber Durst nach Wasser quälte Alle; Uebelkeit, Erschöpfung, augenblickliche Abmattung bey der geringsten Bewegung und Sorglosigkeit erlitt jeder mehr oder minder. Der Barometer stad t6 Zoll 1 Linie, während ein audrci zu Genf 27 Zoll 1 Linie zeigte; im ' \'p fiiie (jjd, fi H' jebrtto fiJ lohen. fi&en, » sa mea Ion« stieg Seit :i Cm n; i eine ad riif JTot «4 det * aili fyönler h Mot -’&tit 1 *H»: * Sin 1 Gipf Montblanc. /179 das Thermometer um 12 Uhr an der Sonne 1 5], 0 Gr. , im Schatten 2 f l0 Gr., um 2 Uhr an der Sonne 1 f/o Gr., im Schatten 2 Ja Gr. unter dem Gefrierpunkte, während dem es zu Genf 22 Grad üher Null stand. Das Wasser fror an der Sonne. Die Farbe des Himmels war dunkelblau, und wenn man sich in Schatten stellte, so sah man die Sterne. Das Paj s de Vaud schien am Fufs des Montblanc zu liegen; die hohen benachbarten Aiguilles waren tief unter ihren Füfsen, alle Gebirgsketten und ihre beschneiten Hörner sah man deutlich, die entferntem Gegenstände waren wie in Flor gehüllt. Fünf Stunden weilte H. von Saussure unter seinem Zelt auf dem Gipfel. Um 3 Uhr stieg die ganze Karavane 299 Klaftern herab, wo die Nacht zugebracht wurde, und am 3. August langte sie zu Chamouny wieder an. Pflanzen. Saussure fand die Silene acaulis noch in einer Höhe von 10,680 F. , und Lichen nitphureus und rupeslris bis auf die höchsten Gräte. Montblanc - Besteiger. Den folgenden Tag nach der Zuiückkunft Saussures reiste Hr. Bourrit hinauf, allein übles Wetter trieb ihn wieder zurück. Im folgenden Jahre 1788- bestiegen Bourrit, sein Sohn, der Engländer JVoodley und der Holländer Camper den Montblanc. Sturm zerstreute den Zug, und nur Bourrit langte mit seinem Sohn und 3 Führern während Hagelschlag auf dem Gipfel an. Um sich gegen den Sturm zu schützen, stiegen sie an der Südostseite des Gipfels etwas hinab, und hier will Bourrit das f 4 HO M O K 1 !! I. A N O. Mittelländische Meer gesehen haben. Heftige Kalte von 15 0 Reaumur trieb sic bald wieder hinab. PT r ood~ ley hatte sich verirrt, stand'mit seinen Fülireril grofse Leiden aus , und kam mit erfrornen Füfsen und Händen zu Chamouny an ; er mufste 15 Tage seine erfrornen Glieder in Eiswasser setzen. Bey Bourrits und Campers Zügen hatten auch einige Zehen und Finger erfroren. Seihst Bourrit mufste einen Tag lang Zuflucht zum Eiswasser nehmen. — Her Engländer Beaujoy erstieg den Montblanc im J. 1790. mit ro Führern am 8. August, erieiclite am 9. den Gipfel, und langte den 10 August mit geschwollnem Gesicht und so verbündet zu Cliaroouny an, dafs er glaubte , das Gesicht verloh- ren zu haben ; er hatte auf dem Gipfel die Polhöhe aufgenommen. Im J. 1792. wollten vier Engländer die Reise machen, sie kamen aber nur bis la Cdte, wo ein Führer das Bein brach, einem andern der Schädel gespalten, und die Engländer mehr oder minder verwundet wurden. Dieses Unglück entstand durch einen falschen Tritt auf locker liegende Felstrümmer, welche dadurch herabzustürzen anfiengen. -— Im J. 1802. am 10. August bestiegen Forneret aus Lausanne, und von Ortern aus Kurland mit 7 Führern den Montblanc, erreichten am n. unter Sturm und Gewitter den Gipfel, hielten hier nur 20 Minuten aus, während die Kälte 7 0 Reaumur war, trafen am 12. Abends wieder zu Chatnouny ein, und versicherten, dafs nichts in der Welt sie bewegen könne, eine ähnliche Wallfahrt zu bestehen. Obgleich die Entfernung des Gipfels von bett uni i» * G plll icke; lif’ i» 1 (SjJicl tiion Isen ijo /es . Gipfel ntil wew hx 1 itietl (drod !«fet «tili, hin iletscl «i A «SV •Wiflj III, Montblanc. / ( yi Chamounjr in gerader Linie nickt mehr als 7.% St. betragt, so hat man doch wegen der weiten Umwege und der gefallt liehen Gletscher 18-20 St. bis zum Gipfel zu steigen. Gestalt des Montblanc. Gute Standpunkte, ihn zu betrachten, und seine Gletscher. Der Montblanc bildet eine erhabne, prächtige, Erstaunen erregende Pyramide, wenn man ihn von N. und S. betrachtet. Die südwestliche und nordöstliche Seite steigen allmälig über mehrere Stufen zum Gipfel unter Linien hinauf, welche mit dem Horizont einen Winkel von 23 bis 24° bilden, und sto- fsen auf dem Gipfel ungefähr unter einem Winkel von 130° zusammen (s. die Gestalt desselben auf dem zwey— ten Alpenabrifs im I. Theil). Südwärts ist er vom Gipfel 9600 F. fast senkrecht abgerissen, so dafs Schnee und Eis dort nicht liegen' bleiben können; nord- und • westwärts hingegen steigt er allgemach hinab, und ist fast 11,000 F. hoch mit Eis und Schnee ewig unveränderlich überzogen. Sein Gipfel zeigt sich wie eine gedruckte Halbkugel, welche, aus Standpunkten in NO. gesehen , genau die Gestalt eines Kameelbuckels darstellt , weswegen man ihn auch la Bosse de Drome— daire nennt. Von dem Montblanc steigen 17 - 18 Gletscher herab; in NO. der Tacul- und Bois-, in N. der Nantillons-, Pelerins-, Midi- und Bossons-, in NW. der Taconay - und Cöte-, in W. der Bion- nossay - und Freti -, in SW* der Clacier-, in S. der der Alleeblanche- , drey andre ohne Namen, Miage ///. Montblanc. Fr es n ay - und Broglia - , und in O. der Brenva- Gletsclier, unter denen mehrere 5-6 St. lang sind, und bis in die blühenden Thäler herabstarren. — Die befsten Standpunkte, den Montblanc in der Nähe zu betrachten, sind nordwärts im Chamouny - Thal auf dem Monlbreven , dem Col de Bahne und Buet ( siehe Chamouny-Thal und die beyden andern Artikel), südwärts auf dem Cramont (s. Courmayeur ), südwestwärts auf dem Col de la Seigne ( s. diesen Art.), nordost- wärts auf dem Col de Geant (s. Chamouny-Thal). Geognost. Beschaffenheit. Der Montblanc besteht so wie alle benachbarten Aiguilles (s. Chamouny ) aus senkrechten Schichten oder Tafeln, welche unter einander paralell von NO. nach SW. streichen, und von der senkrechten Stellung nur sehr wenig nach SO. senken. Da die Granitarten dieser Schichten gröfstentheils in rechtwinkiichen Prismen, auch in schiefwinklichen Paralellipipeden brechen, so haben fast alle Schichten des Montblanc und seiner benachbarten Aiguilles in ihren Höhen die Gestalt von Pyramidaltafeln, von denen mehrere so spitzig sind , dafs ihre Gipfel nur einen Winkel von 70 0 bilden. Dieser merkwürdige Schichtenbau des Montblanc zeigt sich nirgends so deutlich , als da, wo man seinen Riesenkörper im Profil beobachten kann; nämlich an der Südwestseite auf der Aiguille du Four und Col de la Seigne (s. Col de Bonhomme und de la Seigne), und noch besser an der Nordostseite auf dem Col de Ceant (s. Chamouny - Thal). Auf diesem letztem jtf nie Die llsi 0 t {tft JaS jiieh imr lieh Han Stel dir ! eilt Jen tanz itj 1 1 dr 1 h dt Säiich i Zo- ijurti Iotas' tad 1 Seite Siea Ho, Montblanc. 483 Standpunkte erblickt man bis unter den Gipfel des Montblanc die Qucerdurchschnitte der senkrechten Gra- nitscliichlcn in einer ununterbrocbnen Rcgelrnafsigkeit. Die Felstaleln der Aiguilles de CUarmoz , Crepon, Blailiere , du Plan und du Midi bilden arr der Nordostseite den Fufs des Montblanc, so wie die Aiguilles Bellaval , Clacier , Feieret, Rouge und Broglia auf der Südwcstseiie, die drey letztem in der Allee blanche (siehe Chamounj , Col de Bahne , de la Seigne und Courmajeur). Aeufserst merkwürdig ist cs, dafs nördlich und südlich dicht an den Granittaleln des Montblanc Schichten Urkalkstein und Schiefer in derselben Stellung und Streichung, wie die Granitschichten, beobachtet werden ( s. Chamounj , Perrex ; Courinajeur und Col de Bonhomme). — Eben so meikwürdig sind der Sandstein und Nagclfluc, der sich an der Südwestseite des Montblanc an dem Col du Four findet, dessen Gipfel in einer Höhe von 857G Fufs übeis Meer ganz daiaus besteht (s. Col de Balme). Die Schichten des Montblanc bestehen aus Gränit, dessen Gemeng sehr verschieden ist. An den vorhingenannten Aiguil— les des nordöstlichen Fufses des Montblanc zeigen sich Schichten: 1) Derber, adriger Granit und Gneifs von 3 Zoll bis 60 Fufs mächtig; 2 ) gelber Talk mit Quarznieren, und 3) einer schweren rostfarbigen, dem Hornstein nahe kommenden Steinart mit Granituieren Und mit Granitschichten wechselnd. Auf der Südwest- Scite des Montblanc zeigt sich mehr Granitello *) aus *) Sienit und llornblendcschiefer; der s. g. Scliörl ist meist Hornblende; der Hornstein, Saus s ure’s Pierre de 484 Montblanc. weifsem Feldspath, schwarzem Schörl, Quarz und p, r ;_ ten. Oberhalb dem Miage - Gletscher, in der Hohe von 7 * 7 ° Fufs, fand FI. von Saussure derben Granit und die rostfarbne, dem Hornstein nahe kommende Steinart, deren Schichten an der Nordostseite am Fufse der Aiguiile de Midi streichen. Ain westlichen Fufse des Montblanc bey Bionnossay findet man Trümmer: l) Eines violetrothen, derben, harten Steins, welcher aus Feldspath und Hornstein zu bestehen scheint; z) eines ziegelrothen sehr harten Steins aus Quarz, Glimmer und Eisen, und 3) eines grünlichen schweren Steins, der aus Quarz, Speckstein und Hornstein zusammengesetzt zu seyn scheint. Von Bionnossay aufwärts, nach der Aiguiile de Goute , Schichten aus Hornblende und Hornstein, bald mit Quarz, bald mit Feldspath gemengt. Von Bionnossay 1 1 j2 St., streichen am Bion- nossaygletscher graue Urkalksteinschicbtcn, Fortsetzung derer des Mont Lacha zwischen dem Charnouuy - und Bionnossaythale. Alle Felsen an der Südostseite des Thaies Bionnossay bestehen aus Urkalkstein , und dessen Schichten streichen queer durchs Thal Mont Joie von ONO. nach WSW., stehen fast senkrecht, und senken wenig nach SO., wie alle Schichten der Montblanckette. Oberhalb dem Urkalkstein streicht Quarz mit Hornstein, dann Schiefer, und dann Glimmerschiefer mit Quarz und I eldspathnieren, welcher bis zur Aiguiile du Goute hinauf fortsetzt. Die Schichten dieser Ur- Corne, oder Urthonsihiefer, der bald in Glimmerschiefer, bald in Hornblendeschiefer übergeht. C. Escher, ilsi nie btt cfcet Quai ,iael ftlli {<* lt f Itrili illb litt hob Bla Tri { lm Mi datc dem lüp leise tick: «lieft (tot j tpith, leig W Gipfe «0 ! Montblanc. zjg5 felsarten zeigen die nämliche Streichung und Stellung wie die Urkalksteinschichten. Die Aiguillc de Coute besteht aus abwechselnden gelblichen und schwärzlichen Schichten ; die erstem scheinen aus fettigem Quarz und Feldspath zu bestehen; die andern gleichen einem groben Sandstein, und scheinen aus Quarz, Feldspath und glänzenden Hornsteinblättchen zusammengesetzt ; hin und wieder sind die Körner gröfser , und da wird es wahrer adriger Granit; in den Spalten herrliche weifse Quarz - und Feldspathkrystalle. Oberhalb der Spitze Kieselschiefer, welcher vreifs, halbdurchsichtig und etwas fett wie Sandstein ist; noch höher grauschwärzliche blätterige Felsen, wovon jede* Blatt glänzt, Erdgeruch hat und I’euer giebt. In den Trümmern unterhalb der Aiguille de Coute findet man glänzend schwarze Quarznieren und Adern, schwarzen Feldspath, weiften Quarz von grünen Amiantfaden durchzogen, Kalk- und Feldspath - Krystalle mit seidenartigem Hornstein gemengt. An der Nordwestseite, längs dem Wege, welchen II. von Saussure bey seiner Reise auf den Gipfel des Montblanc nahm , zeigten sich : Am la Cote Hornblende, Feldspath , und Sienit- schiefer ; jenseits dem Cote - Gletscher, an denen aus dem Schnee hervorragenden Felsen, Hornblende, Feldspath, Reifsbley mit wenig. Quarz und Glimmer. In dem Dome du Coute zeigte sich die Hornblende als herrschender Bestandtheil. Nicht weit unterhalb dem Gipfel des Montblanc, nach Norden, ragen einige Felsen aus dem Schnee, und bestehen aus Feldspath, / y 4^6 Montblanc. Quarz, viel Hornblende und Chloriterde, mit sehr wenigen Glirnnierblüttchen, aher vielen Piriten gemengt, von Quarzadern mit grünem Schörl durchzogen ; hin und wieder blättriger Felsen aus Feldspath und Glimmer, mit biauner Thonerde überzogen, von einer Ader Cranitello aus Feldspath und Hornblende durchschnitten. Dicht unterhalb des Gipfels , in einer Hohe von 14,400 Fufs, steigen einige Felstafeln 4 Fufs 8 Zoll 6 Linien über den Schnee empor, und bestehen aus derbem Granit, wo Hornblende und Speckstein den Glimmer ersetzen ; in dem Gemenge dieses Granits ist der Feldspath herrschend, denn er macht ^ der Masse aus, ist mattweifs, nicht sehr glänzend, hin und wieder grünlicht, und blind von Speckstein -Ueberzug, und bildet Körner von 1 Zoll Länge und 6 Linien Breite ; der Quarz macht etwas weniger als % der Masse, und ist grauviolet; die schwarzgrüne Hornblende und der erdige Speckstein sind in sehr geringer Menge; dieser Granit ist mit grünlicher und schwärzlicher Chloriterde überzogen. Aus eben demselben Granit und aus Sienit besteht der erste Felsen unter dem Gipfel südwärts. ( Saussure J. Von allen diesen angegebnen und noch andern Gemengen der Granitarten des Montblanc finden sich zahllose Bruchstücke auf und an den grofsen Gletschern rund um den Fufs des Montblanc, und da kann jeder Naturforscher selbst die schönste Sammlung zusammensuchen. Ueber die geognostischen Merkwürdigkeiten der Nachbarn des Montblanc und der Erze sehe rnan den Art.: Chamounj . S« C* h* M 035 1 ftfll 1 L»n< 5“ h (s.< la Ja 1 1 Ende Tode alt tia P lut. Stud laß i Mi M Montken'nel. /j§7 Sonderbare vierseitige Spaltung des Schnees. Merkwürdig ist noch auf dem Doms de Goute und dem Gletscher du Mont Freti die sonderbare Erscheinung, dafs der tiefe Schnee von Spalten in rechten Winkeln durchschnitten wird, so dafs die regelmäfsigsten vierseitigen Schneehlöcke gebildet werden, welche der Savoyarde Seracs nennt, und die man in Menge auf den eben genannten Orten sieht. Monteovon, Dorf am südlichen Ende des K. Freyburg. Ein leidliches Wirthshaus. Wege. Von hier nach Rossiniere ins Saanen- Land 2 St. Durch den Pafs Tine zwischen den Bergen Culaz und Courjeon (s. Sannen und Oex). Nach dem Städtchen Greiers 3 St. durch ein fruchtbares Thal (s. Gruyeres und Bulle'). Den Weg von hier über den Dent de Jaman nach Montreux und Vevay ( s, Jaman ). Monte Moro (Ober - Wallis) im südöstlichen Ende des Saajs- Thaies, auf der Grenze des Anzasca- Thaies in Piemont, ist ein Theil des Monte Rosa und steht nordöstlich von demselben. Ueber Moro führt ein Pafs von dem Dorfe Saajs aus dem Saajs- oder Rosa - Thal nach Macugnaga im Anzasca - Thal in 8 Stunden. Der Moro ist reich an seltnen Pflanzen. (S. Saajs- und Vispach-Thal). Monte rascher - Thal, ein Nebenthal des Bellenzer - Thals im K. Tessin ( s. Olivone). Montrbnnel, ist der deutsche Name für Monte 483 Montmelxan. Cenere , über ■welchen die Strafse von Beilenz nach ^ Lugano führt ( s. Bellinzona'). 1 Mo n t M E I. I * n , Stadt in Savoyen, an der Isere, an der grofsen Landstrafse von Lyon über den Cenis nach Turin, und von Crenoblc durch das Thal der ^ Tarantaise über den Kleinen Bernhard nach Aosta : ' ,tr und Turin. Sie liegt an einem der wichtigsten Passe, 4® ff und wahrscheinlich war hier eine der ersten römischen &* 1 Städte an der jNordwestseite der Alpen von Ernilianus ff** erbaut. JVIontmelian galt für den festesten Platt von W* ri ganz Savoyen. Es wurde unter Heinrich IV. durch Sully im J. iGoi. , dann durch Catinat i 6 f)i., und ifech zuletzt 1705 erobert und geschleift. Es liegt 834 F, Ohi< übers Meer. Mt. Wege. Nach Chambcry a St.; nach Aiguebelle in l 4?2 St. (s. Chambery und Mauricnne ). doplil Geognost. Thatsachen. Nordwärts von Mont- fca melian bestehen die Gebirge aus Flötzkalkstein, süd- Ma. wärts aus Thon und Glimmerschiefer. Montreux, grofses Doif im K. Leman , zwischen Vevay und dem Schlosse Chillon , auf einer anmuthi- ^ gen Höhe, den Genfer - See beherrschend, an dem wilden Bach Baye de Montreux. Wirthshaus an dem Ende der beyden Strafseti , welche nach Vevay !o‘ und der Kirche des Orts führen. — Die Lage ist aitt» sehr schön. und die Aussichten auf den See , auf die “*»« Stufen des Pays de Vaud, auf die Savoyer- und Wal- fc liser Gebirge vortreflicb. Auf den obern Zimmern des »4n Witthshauses nach hinten geniefst man herrlicher jIi Ansichten. — Sehenswerth : eine Höhle voll Stalaktiten in dem Felsen unter der Kirche ; inan wird aber ganz durchnäfst, wenn man sie sehen will. — Der Wein, welcher bey Montreux wachst , wird geschätzt. Aus diesem Dorfe ist Hr. DitJ'our , welcher an der Spitze einer waadtländischen Kolonie in Kentuki in Nord- Amerika steht. Im J. i 7 f) 8 . pflanzte er am Ufer des Kentuki, 22 englische Meilen von Lexington, den ersten Weinberg in den weiten vereinigten Staaten Nord - Amerika’s, und derselbe erhielt den Namen Firstrrine- gard (erster Weingarten). Ein Theil der waadtlän- dischcn Kolonie zog im J. 1805. nach deu Ufern des Ohio, und nannte die neue Ansiedlung Schvvizzerland. Hr. Dufour ist seitdem zurückgekehrt, und hat aus dem in der Waadt gezognem Zucker-Ahorn (Acer pseu- doplatanus) Proben von Zucker vorgelegt. Dreifsig Bäume von 8 - 9 Zoll im Durchmesser geben 40 - 50 Maafs Saft, und aus diesem erhält man 2-3 Pfund Zucker; von 1000 Bäumen 500 Pf. Zucker, und sind die Bäume 25 Jahr alt, so erhalt man 2000 Pf. Zucker. w ege. Von hier auf den Dent de Jaman 3 St. ( s. Jaman). Nach Vevay s. diesen Artikel). Pflanzen. In der Nähe von Montreux wachsen seltne Pflanzen; unter andern : Lnurus nobilis. Tanacetum lalsamita. Ceras - tium tomentosum , IJyacinthus non scriptus, Croeus vernus in den Wiesen. Galanthus nivalis. Kosmarinus officindlis in dem Bette des Baches von Montreux. M o K a T ( S. Murten ). Morbegno, der gröfste und schönste Flechen im Valtelin, an der Adda und dem Bilto und am Fufse des Monte Legnone, von welchem die südliche Berg-, kette des Valtelins ausgeht (s, Valtelin ). — Vortref- liches Wirtlishaus in der Post. War ehedem wegen ungesunder Luft in so üblem Ruf, dafs man selbst den Namen davon ableitet. Die Einwohner haben die niedrigen Gegenden verlassen, höher am Gebirge gebaut, und die ehmaligen Sümpfe ahgegraben. — Hier eine im grofsen und guten Geschmack gebaute Kirche; mehrere Klöster, ein Chorherren-Stift. Viele Seidenmühlen; denn die befste Seide des Valtelins wird auf beyden Seiten von Morbegno bis Talamona und Delebio gezogen. Auf dem Gipfel des Legnone, der 8436 Fufs übers Meer nach Pini ist, geniefst man eine prächtige Aussicht auf die unermefsliche Ebne der Lombardey , nach Mailand, über den Corner- und Lnganer- See, über das Ve/tliner-Tial und nach der Bernina- Kette; auf diesem Gipfel lag bis 1796. der Grenzstein zwischen Mailand und Graubiindten. Der Felsengrat des Legnone zieht längs einem Berg-See und den obersten Gebirgen des Valle Sassina (wohin man durch den Pafs Portello gelangen kann ) nach O. und stöfst an einen andern Bergstock, Pizzo delli tre Signori genannt, weil auf demselben das Gebiet der Republiken Graubiindten , Venedig und des mailändischen Staats zu- sammenstiefsen. Dort vertieft sich dieser Felsengrat gegen das Val di Bitto beträchtlich, welches sich nahe bey Morbegno öfnet. Masino-Thal. 4g i Künstler und Gemälde. In der St. Maria- Kirche einige gute Gemälde von Antonio Cadelino, aus Bormio gebürtig, der 1655. lebte. In derselben Kirche a grofse Stücke von Giovan Pietro Romegiatlo , zu Motbegno 1739. gebohren. Von ihm ein Altarstück in der St. Eusebiuskirche zu Corno, und sehr gute Stücke zu Turin, Foligni, Aniso, 'Spoletto, Suria, Cidraso, Villa und Trcvisio. — Verschiedne gute Stücke in Morbegno von Giovan Francesc. Cotta , 1727. hier gebohren, ein treflicher Frescomaler. Petro de Petris , vortreflicher Maler am Ende des XVII. Jahrhunderts, war aus Carnpo in der Nähe von Morbegno. Bitto - Thal und dessen Käse. Diefs ist ein langes Thal, welches sich in zwey Arme spaltet, und reich an Vieh und Alpen ist. Merkwürdig, weil hier vortrefliche Käse , welche eben so gut wie die berühmten Tarraesankäse sind, gekocht werden. Masino-Thal. Gegenüber von Morbegno öfnet sich bey Ardenno das Mnsincrthal , welches in die Berninakette 6 St. lang hinauf zieht, und sich in zwey Ne- benthäler spaltet, wovon das eine nach dem Muretto das andere nach der Furcula di Mezzo, wo grofse Clct- scher liegen, ausläuft. Es ist bewohnt, besitzt vortrefliche Alpen, Topfsteinbrüche und im Hintergründe ein besuchtes warmes Bad , Bagni di Masino, genannt. Dieses Thal ist noch nicht gehörig untersucht und gekannt. Wege. Wer den Comersee hinabfahren will, geht von Morbegno durch Cosi, Rogola, Delebio, Piantedo, iS $L ;‘tn : •V. Moreegno. 49 z durch einen Kastanienwald, über den Felsenweg Strada della Scaletto’a nach Colico oder al Fass« (zlolliiaus zwischen dem Corner- und Chiavenna - See ) 3 St. *); von hier läfst man sich nach Doinaso rudern, wo man stets Schilfe zur Fahrt den Comersee herab findet ( s. Corner - See). — Der nach Chiavenna geht auf der Ponte di Garda über die Adda nach Trahona 3 St., bey den Oeffnungen der Thaler Ratti und Codera vorbey nach IN'ovate 3 St., Riva 1 St., Chiavenna 2 St., oder von Trahona nach der Bocca d’Adda, und von hier über den l.ago di Mezzola oder Chiavenna nach Riva 2-3 Sr. — Von Morbegno durchs Masinothal führt ein Weg über die Furcula di Mezzo ins Bregelthal, über den Muretto nach dem Ober-Engadin. — Von Morbegno das Voltelin aufwärts führt die Landstrafse durch Ardenno, durch die Ebne unterhalb Berbenno und Ca- stione nach Sondrio 6 St., durch den fruchtbarsten und schönsten Theil des Valteliner-Thals (s. Sondrio). Von Morbegno führt durch den rechten Arm des Volle di Bilto ein Weg ins Venetianische, und durch dessen linken Arm eine bequeme und getriebne Strafse über den St. Marcus -Berg nach Bergamo. P £1 an z en. Nirgends als in dieser Gegend und an der Adda- Mündung: Angelica archangelica; Ligusticum poloponnesiacum # ) Von Morbegno bis zum Ausflufs der Adda wird das Thal immer sumpfiger; der Reisende hüte sich deswegen, diese Gegend des Abends zu durchwandern, oder gar die Nacht in einem jener genannten Orte zu bleiben. lue« Jirf'" W* 1 }fil ,/tr-i latbiB M 31 Ho in der lltiai Der fi iuoo kfeol fej it Wist 1 Mot tCaJ •Voiia, V Ges »erf itle, Morges. 493 nur liier und im P usk la v e r -Thal. Sehr selten: Phyto - lacca decandra', Erica arborea zvrisrhen Morbcgno und der Adda; Sida abutilun auf den Bergen nach Ilergamo zu. Jiirginds in der ganzen Sehweite, als bey Dubino , die Serapias lingua , auf dem Berge Zece Aristolochia pisto- lochia, und nuf dem E'röla Asphcdelus lutcus. Mineralogie. In dem Masino-Thal brechen Kupfer- und Eisenerze , auch Goldkiese, wie behauptet wird. In dem Bittothai wird bey Girola spathiges Eisenerz ausgebeutet und iu den Oefen des Val Sassina geschmolzen, lieber die Bisenerze, welche durch die Legnonekette streichen, s, den Corner-See. Morci.e CDent de) , s. Bex und St. Maurice. Morgartem, s. Egeri. MoiGEtiTRit, im K. Bern, ein grofses Dorf an der Hauptstrafse zwischen Zürich und Bern , wo die Reisenden gewöhnlich übernachten. Wirthshaus : Bär. Der Bach Langeten fliefst vorher und fallt nicht weit davon in die Aar. Bey Aarwangen, nicht weit von Morgenthal, ein Steinkohlenßötz, — »Von hier nach Bern über die Abtey St. Urban und über Langenthal ist nur ein kleiner Umweg ( s. Langen-Thal). Morges (Morsee J , Städtchen am schönsten Busen des Genfer- Sees, im K. Letnan. Wirtlishäuser : a la Couronne; au grand Frideric. — Sehenswerth: Der Hafen. Geschichte. Morges scheint im XIII. Jahrhundert erbaut worden zu seyn. Als die Eidgenossen im October 1475. im Kriege gegen den Graf von Romont /Jg4 MORCES. (s. Cranson') fast schon die ganze Waat erobert hatten, und ihren Schaaren von Orbe und Lasarra her des Abends auf den Höhen von Aubonne erschienen, so ergriff die 3000 AT. starke Besatzung von MorgeS ein solches Schrecken, däfs sie zu Wasser und zu Land floh. Die Strafse nach Genf war mit weggeworfnen Waffen bedeckt, und das Gedränge über die Brücke in Genf wurde so grofs, dafs viele in die Rhone gestürzt wurden. Morges ergab sich, und das Sclilofs wurde verbrannnt. Aussichten. La C6te-Wein. Fluchtige Aussichten bey der Kirche, am Hafen, bey den Landhäusern oberhalb der Stadt; die schönste unter allen Aussichten bey dem Schlosse Sl. Saphorin , von Ilrn. von Pesme *) (unter dem Namen General von St. Saphorin) im Anfänge des XVIII. Jahrhunderts erbaut. In dem Schlosse Tapetengemälde von Joseph Werner aus Bern, in denen er einige Bernerische Anekdoten allego- risirt hat. Das Schlofs Wuflens soll aus der Römer- zeit herstammen. Nicht weit von Wuflens liegt Bussy, wo die Beste einer römischen Strafse 14 F. breit zu sehen sind; Sie gieng durch ganz la Güte, von Bussy *) llr. v. Pesme war 170a, österreichischer Generalmajor. Bern gehrauchte ihn im J. 1713. mit den Geheralstaaten von Holland den Traktat ahzuschliefscn, wodurch Bern einige Regimenter an Holland in steten Dienst üheriiefs; der holländische Dienst hat von dieser Zeit bis 1794* viele Familien in Bern bereichert. St. Saphorin war nachher Gesandter des Königs von England während 10 Jahren in Wien. nach Bougy Lcy Aubonne, nach Tartegnins, Bursinc, Trelex, Bonniont. Die Einwohner neunen diese Strafse Chemin estras (via strata). Längs der grofsen Seebucht von Morges bis Sj. Prex unbeschreiblich prachtvolle Aussichten über den See nach p'evay , dem Schlosse Chillon , Ff'allis, Meillerie , auf die grolse entzückende Natur an ddn Ufern des Gen fer- Sees von N. bis SO. — Auf dein Waffenplatz von Morges zwey Linden, wovon die eine 24 Eufs im Durchmesser hält. — Zwischen Morges und Rolle beginnt bey dem Bach Anbonne der Distrikt la Cöte (1582 F. über den See) Und erstreckt sich bis zu dem Bach Promontause , ^ St. vor Nyon ; dort wächst der geschätzte weifse p'in de la Cöte, und der befste in den Bezirken von Tartegnins , Mont und Fechy *). Wege. Von Morges nach Lausanne 2 St. ($. Lausanne). — Nach Rolle (5 St.) geht der Weg dem herrlichen Seebusen nahe bey St. Prex vorbey, über die Brücke der Aubonne , und durch Allcman f ad LcmanumJ , — Nach Aubonne 2 St.; so wie man über die Brücke des Baches Aubonne gegangen ist, wendet man sich rechts, der Landstrafse nach, durch einen Kastanienwald. — Nach Yverdun 5-6 St., durch Cossonay, Lasarra und Orbe (’s. alle diese Art.). *) Der Cöte - Wein ist nicht so stark und angenehm, als der Faux- Wein ( s. Lausanne) , aber gesunder, und verträgt das Reisen besser. Die vreifsen Arten von bej-den sind hitziger und dauerhafter, als die rothen , und veredeln sich mit dem Alter; auf Flaschen gezogen erhalten sie sich 3 o und mehrere Jahre, und sind nur Weine fiir den Nachtisch. Morges findet sich bey Monnaz Strahlgyps im Thon. An der Landstrafsc und am Seeufer zwischen Morges und Rolle , besonders von Alleman an, liegen sehr viele grofse Granitblöcke, merkwürdige Denkmale ungeheurer Revolutionen, welche aus dem Innern der Alpen diese Urfelstrümmer liielier gefluihet haben. St. Morii, im Ober - Engadin. Wirthshäuser: Beym obern und untern Flegi , und viele andre, wo es minder theuer ist. Berühmter Sauerbrunn. Hier quillt der stärkste Sauerbrunn der ganzen Schweitz. Nach II. Apotheker Morel/s Untersuchung enthalten 12 Unzen dieses Wassers: Luftsäure 57^2 Zoll, Kalkerde 5 Gr., Bittererde Gr., Glaubersalz 2 -y'j Gr., Küchensalz 1^5 Gr., aber kein Eisen *); diesem zufolge ist der Luftsauregehalt stärker, als in dem Spaa -, Sckivalua- cher — und Pyrmonter - Brunnen. Im Sommer 1805. zeigte die Quelle 5 0 (Rcaumur) Wärme. Die Quelle liegt % St. vom Dorfe in einer sumpfigen Wiese, zwischen den zwey Seen des Inn , nahe am Ful’se des Berges Rozatsch , wo Granit und Schiefer streicht. Von dieser Qnelle 400 Schritt entfernt ist eine zweyte, welche schwächer ist, und versumpft, und näher bey Surleg eine dritte, die vom Zufluis andrer Crcwässer sehr versüfst wird. Die Kurgäste sind gezwungen, alle Tage zur Trinkquelle zu reiten oder zu fahren, wo sie *) Dieses Sauerwasser hat Andern, die cs au der Quelle untersuchten , stets Eisengehalt gezeigt. St. Mort?,. / ( g7 nichts als ein offnes Haus finden, in welchem man gegen Regen Schutz suchen kann. Bis jetzt hat man die Gemeinde von Moriz, welcher der Sauerbruun gehört, noch nicht dahin bringen können, bey der Quelle ein Winks- und Badehaus zu erbauen; ja sogar, sie schlug das Anerbieten einbs italienischen Fürsten aus, welcher, aus Dankbarkeit für seine hier wieder hergestellte Gesundheit; ein grofses Gebäude aufführen lassen wollte. — Wer also baden will, mufs das Sauerwasser ins Dorf führen lassen. Diese Unbequemlichkeiten vertheuern den Aufenthalt. Jeder Kurgast kann die täglichen Ausgaben nicht weniger als fünf Gulden oder einen halben Karolin rechnen, wofür man in den zwey genannten Wirthshäusern gut und' iähnlich bedient wird. In den andern Wirthshäusern lebt der Kurgast wohlfeiler, aber nicht so gut. — Da dieses v Alsenthal zwischen 4200-4800 F. übers Meer liegt, so wird es für die Kurgäste nothwendig, sich mit Winterkleidung zu versorgen ; denn es ist nichts seltnes, in der Mitte des Sommers früh Morgens Wiesen und Dächer mit Schnee bedeckt zu sehen. — Vom Monat Juny bis September findet man hier immer eine zahlreiche Brunnen - Gesellschaft aus der Schweitz, Deutschland, und besonders Italien, wo dieses Sauei- wasser unter dem Namen Aqua forte di Agnadina berühmt ist. — Wenn dieses Sauerwasser versandt wird, so verliert es den gröfsten Theil seiner Luftsäure, und der einzige Grund davon liegt sowohl in den elenden dünnen Glasflaschen, die dazu gebraucht Ul. 32 4g3 St. MORIZ. werden, und welche alle zerspringen, wenn man sie S 0 schnell nach dem Füllen fest pfropft und verpicht, üb* 1 als auch in der heyspiellosen Nachlässigkeit bey Be- fdl sorgung des Füllens und Pfropfens *); dadurch geht keß nicht allein die Wohlthat dieses herrlichen Sauerwas- js S sers für die ganze Schweitz verloren, welche mit iill t schweren Kosten die deutschen und französischen Sauer- Stil* 1 Brunnen kommen lassen mufs, sondern auch Graubünd- Mode teu selbst verliert die beträchtlichsten Summen, welche Stao durch die Versendung nach der ganzen Schweitz, i nach dem südlichen Deutschland und Italien, zurück- j fliefsen würden. , Ben Spaziergänge und Reisen in der Nähe ,- lC y, von St. Moriz. Von Moriz aus giebt es angenehme ^ Spaziergänge an dem Morizer -, Silvaplaner- und gj lr Silser- See; zu dem Sturz des Inns am Ausflufs des ^ Morizer - Sees ; auf die nahen Morizer-Alpen i St.; j, n nach den angenehm gelegnen Oertern Cresta , Celerina ^ und Samaden ; ins Thal von Bevers ; ins Fester - Thal j nach dem Feet - Gletscher ; ins Pontrasiner - Thal nach tretuu dem Bernina - Gletscher; nach dem Roseggio - Glet- , scher. Die Merkwürdigkeiten des Silvaplaner- und Silser-Sees s. unter Soglio und Silvaplana. — Der ^ Ausflufs des Morizer- Sees vereint mit dem des Stazer- *) Ich schickte im Sommer 1801. mehrere Kisten Selzerlin Steinflaschen und der stärksten Burgunder-Glasflaschcn ^ nach 1 )Joris , von der dringendsten Bitte des dort be- *1 kannten Arztes zu Pfejfers ( H. D. Hager) begleitet, sie mit aller Schnelligkeit zu füllen, und aufs festeste zu ^ kl | St. Moriz. 499 Sees (im Celleiiner - Wald) stürzt durch Chiarnadüras über Felsen herab, und bildet einen sehenswürdigen Fall. Die Brücke über den Ausllufs des Morizer-Sees heilst Punt Sela ; aber gerade unter dem Fall erhält der Strom wieder den Namen Eent ( Inn ). Der Inn hält unter der Brücke nicht mehr als 20 F. Breite. — Südwestlich über Moriz, ^ St. entfernt, liegt ein kleiner Gletscher, wo der Uebergang von Surleg nach Rosana geht. — Zwischen Moiiz und Silvaplana sieht man die ersten Kornfelder im Ober - Engadin. Bernina-Gletscher und Pontresina- oder Bernina - Thal. Das Pontresiner - Thal , welches sich nicht weit von Moriz öffnet, spaltet sich in zwey Aeste : 1) Rechts ziehen die beyden Thiiler Rosana oder Roseg, und Morteraccia , welche sich mit Gletscher endigen; 2) links das Pontresiner - Thal, welches in zwey Thäler, 1) Piscade, und 2) Cavaglia, gegen den Bernina ausläuft, und nahe am Pontresina das Val Langard. Wenn sich der Brunnengast in Pontresina (1 St. von Moriz) sein Mittagessen bestellen läfst, und von da bis zur Sennhütte, % St. vor der Sboccatuc (Mündung) des Gletschers, fährt, so kann er gemach- lieh des Abends wieder in Moriz zurückseyn (s. Bernina), ohne besondre Ermüdung und Beschwerlichkeit. pfropfen. Nach langem Warten und schweren Kosten taugten sie endlich an : Alle Flaschen waren mit alten durchbohrten und hröcklichen Stöpseln gepfropft, und das Sauerwasser seiner Luftsäure dergestalt beraubt, ilafs ich cs als unbrauchbar weggielseu lassen tnufste ! 1! fH Der prächtige Roseggio-GIetscher. Hin- i&Ä ter dem hohen Bergstock Rozatsch , an welchem der Sauerbrunn quillt, zieht ein enges waldiges Alpen- ** „lei Thal, in dessen Hintergrund der Roseggio - Glet- kf 1 scher von Bernina herabliegt, welcher , obgleich un- 5 ? geheuer, und vielleicht der gröfste Gletscher - Arm Graubündtens , der in ein grünes Thal sich hinab- *** W 1 senkt, doch fast ganz unbekannt ist. Das Thal gehört der Gemeinde Samaden, und auf dessen Alpen wer- den vortrefliclie Fettkäse gekocht. Von Samaden bis ^ zu den Sennhütten 4 St., und Von hier bis zu dem ^ Roseggio - Gletscher, wo man ihn besteigen kann, ^ 2 Stunden. Celerina. Vor diesem Dorf strömt der wilde Schlattein, welcher im Leg alv entspringt, von den m S Gebirgen herab. Im XII. Jahrhundert hiefs Cellerina ^ Sclatanum , dem Worte Schlattein ziemlich ähnlich. Auf einem Hügel im Walde stehen die Reste des alten dälo Schlosses Castlasch. — Ehmals stand bey Celerina Ui ein See; man schofs aus den Häusern auf Enten, und ff.M Sprecher erwähnt desselben wegen seines Reichthums Uetsdi an Fischen ; sowohl durch herabgestürzten Steinschutt ff « als durch Kunst ist dieser See verschwunden. Der duth, Schlattein und Flatz haben ehmals diese Gegend mit Schutt überführt, wovon man beym Graben genug U,, j Spuren findet. Eine andre Ryffene, Ruvinatsch ge- (,[, j nannt, ergiefst sich auf Celerinas Boden, und hat schon oft die Strafse von Moriz nach Celerina über- schüttet. Zu Celerina gehört das Val Salaver, reich St. Moriz. 5oi an Alpweiden.— Der taubstumme H. Frizzoni aUs Cele- rina ist der einzige Maler des ganzen Engadins; in seinem Hause sieht man viele Landschaften und Seestücke ; er lebt in Bergamo bey seinem Bruder. Auf dem Gebiet von Celerina fliefst eine schwefelhaltige Quelle. Samaden und das Beverser-Thal. Samaden ist eins der schönsten Dörfer der Schweitz. Biveron ( Tuschet genannt) von hier liefs 1551. eine ladinische Ucber- setzung von Comanders Catecliismus, und 1560. eine solche Uebersetzung des Neuen Testaments in Poschiavo auf eigne Kosten drucken, die ersten TVerbe in dem Laiin des Engadins.—] Zwischen Samaden und Bevers öffnet sich das Val Bever, ein sehr unbekanntes und auf allen Karten verzeichnetes Thal. Eine Stunde von seiner Oeff- nung, bey Serra in Ganda, wird es enger, zieht hinter Aen Bergen von Samaden und Celerina herum, und spaltet sich gegen das Oberhalbsteiner -Thal in mehrere Neben- thäler. DasThälchen gegen den Julier heifst Picuolg, und ein anderes, welches sich vom Suvretta’ gegen Crest von W. nach O. erstreckt, heifst Val Cian Dugs. Ueber die Gletscher des Beverser-Thals sehe man den Art. Julier. Wege. Von Moriz führt eine fahrbare Strafse durch Silvaplana und Sils über den Maloja durchs Bregell nach Chiavenna. — Von Silvaplana ein Pafs über den Julier nach Chur. — Durch Pontresina ein Pafs über den Bernina durch Pischade in 7 St., durch Cavaglia in 6 St. nach Pushlav , und von hier nach Tirano im Veltlin; durchs Feeter- Thal, ein Pafs über den Feeter - Gletscher ins Malenker - Thal und nach St. Mokiz. 502 G Sondrio ‘im Veltlin ( s. Bernina ).— Das Engadin ab- wärts , von Moriz durch Crcsla , über den Schlauein, " durch Celerina , Samaden , über den Bevers -Bach, ^ der aus dem Thal gleiches Namens strömt, durch ^ Bevers (nicht weit davoii einzelnes Wirthshaus zur ^ Au , a. las Angias in Lndia , wo jährlich eine grofse ^ . n Landsgemeinde gehalten wird), nach Bunt 2 St. (s. diesen Artikel). Die kleine Quelle Fontana Merla zwi- ^ sehen Bevers und Punt theilt das Ober-Engadin in zwey politische Tiieilc. — Durch das Bever - Thal #li ' ir ' 1 geht für Fulsgänger ein Weg nach Tinzen und Sur 8® ^ im Oberhalbsteiner-Thal, und auch nach Bergün , wel- eher Pfad 2 St. näher ist, als über den Albula; nur im hohen Sommer gangbar. nach Pflanzen. Die Alpen utn Moriz sind reich an seltnen Pflanzen, und wer eine kleine Reise von 3-4 5 m®l Tagen durchs Livino- und Fieno- Thal nach den Ge- tiy birgen von Bormio oder nach Poschiavo und Tirano Jüori machen will, wird mit reicher Ausbeute nach Aloriz Seite zurückkehren. Die Wälder in der Nähe von Moiiz seW bestehen meistens aus Lerchen - uad Ziibclnufsbäumen Kalkst CPinus CembraJ. Dfcr gröfste Zirbelnufs - oder Arven- mi t j Wald des ganzen Ober-Engadins ist zwischen Pontre- jjj sina und Staatz ; die Bäuine sind 70-80 F. hoch, j,^ und 2 F. im Durchmesser (s. Engadin ').— Auf dem ^ Platz vor der Quelle des Alorizer-Sauetwassers blüht ^ jm Junv häufig Erij'olium a-lpinuni und Anemone ^ ^ apiifolia, Tn dem schattigen Walde, oberhalb dein 1# j ^ Sauerbrunn wächst die seltne Lir.nea borealis sehr Läufig. Mort ikb. 503 Geognost. Thatsachen. Um Moriz streicht Granit mit Speckstein, Schiefer, und 1 St. oberhalb dem Dorfe in den Alpen Cyps , welcher dort sehr malerische Pyramiden und Hügel bildet; oberhalb Celerina in der Gegend der Berghalde Saf5 Ronzöl bricht Alabaster und viel Mergel, und nicht weit von Samaden Cyps, worauf eine Grube angelegt ist. Bey dem Dörfchen Surleg ein ungeheurer Kalksteinblock , welcher von der Bernina-Kette bey einem Gletscherausbruch 1795. herabgeführt wurde. Die merkwürdigen Vrkalkstein - und U>g_y/>r-Schichten , welche von SW. aus der Gegend von Splügen im Rheinwaldthal nach dem Ferrera - und Averser-Thal streichen, setzen nach NO. dnreh da» Ober-Engadin, und namentlich durch die Gegenden von Soglio, Moriz, Celerina und Samaden weiter nach dem Val di Fieno. Auf diesen Gyps und Schiefer folgt bis Punt wieder Granit. Von Moriz aufwärts nach Sils streicht überall auf beyden Seiten des Inns Granit mit vielem Speckstein * abwechselnd mit Schichten Quarz, und weifsen sallnischen Kalksteins; ferner Gneifs und Quarz, mit grünem Speckstein gemengt. Mineralogie. Ohnweit Pontresina gegen den Bernina sieht man verlafsne Schachte. Es wurden hier ehmals, nach Campeis Zeugnifs (der 1570 schrieb), Erze ausgebeutet. Vielleicht sind es die Silbergruben , über welche im J. 1462. zwischen dem Hause Planta und dem Bischof von Chur Streit entstanden war, Morti n e (s. BuetJ. 5°4 Mo Tiers. Motiers, Dorf im Val de Travers , in J era F. Neuchatel. Wirththaus : La Maison de Villagg ( s. Travers). — Motiers ist das älteste Dorf in diesem Thale, der Sitz eines Chatelain. J. J. Rousseau. Die Regierung der Republik Genf hatte Rousseau wegen seines Werks: Emile oa de l'education , verurtlieilt, verhaftet zu werden, um über seinen Glauben und seine Schriften Rechenschaft zu geben. Rousseau wohnte damals in Yverdun; auf Befehl der Regierung von Bern mufste er diese Stadt verlassen. Er begab sich 1762. im August nach Motiers. , nachdem er sich vom Marschall Keith, dem damaligen Gouverneur des Fürstenthums Neuchatel, einen Zufluchtsort in dessen Bergen erbeten hatte. Von hier schrieb Rousseau seine Lettres de la Montagne , welche in Genf die Gahrung zwischen Bürger und Rath aufs höchste trieben, und unter den Geistlichen Netichatels , und durch diese unter dem Volke Aufsehn erregten. Die neuchatelsche Geistlichkeit brachte die Sache zur Sprache, und der Staatsrath schrieb deswegen an den König von Preufsen. Friedrich II. erliefs unter dem 30. Merz 1765. eine vortrefliche Erklärung. Des weisen Königs Wille, den Schutz der Gesetze dem Einsiedler Rousseau in Motiers angedeihen zu lassen, war vergeblich. Die Geinüthcr waren erhitzt , Rousseau wurde beschimpft , und den 'l ag nach diesem Vorfall flüchtete er nach der Pctersinsel im Bieler - See ( s. Bieler - See \ Als Rousseau sich weigerte, etwas von Friedrich 11 . anzunebtnen , sagte dieser: „le desintercs- d" r® n'trs «« i srisii « 1 . tkr , fisen nen miV Hol 3501 sdiöe Unti (die ist( Graft klttn Bi «ikli K tun Iti loti ’ k Mo TIE RS. 505 „semcnt de Rousseau est un grand pas vers la vertu, „si ce n’est pas la vertu elle-meme. Si jaraais «et „homme a besoin d’un roi, je souhaite, qu’il me donne „la preference ” *). Rousscau’s Wohnzimmer in Mo- tiers ist noch in dem Zustande, wie es war, als er es verlicfs. Merkwürdigkeiten. Zu Motiers wohnen die meisten Spitzenmacherinnen aller Bergthäler in Neucha- tel. Ganz nahe liegen die Dörfer Boveresse und Figurier, und eine Mineralquelle, welche Schwefel und Eisen führt.— Sehenswerth: Nicht weit von den Ruinen eines Schlosses, desen Alter unbekannt ist, ein malerischer Wasserfall; nahe dabey die Ocffnung einer Höhle, Baume de Motiers Travers genannt, welche 2500 F. tief seyn soll. Zu Su/py , 1 St. weit, die schöne klare, fiinfarmige, wasserreiche Quelle der Reuse am Fufs eines steilen Felsens, welche wahrscheinlich ein Abflufs des Sees F.lalleres bey Brevine ist ( s. Brevine ); und ein Naturalienkabinet bey einem Grafen zu Su/py , der sich lange in Ceylon aufgehalten hat. Büttes - Thal, eine Höhle und Höllen- mühle. Westlich von Su/py St. das enge Buttes- Thal, vom Buttes durchströmt, in welchem ein Theil seiner Bewohner während drey Monaten keine Sonne *J Man sehe die Briefe Rousseau'* an den Plärrer von Motiers, und die Erklärung Friedrich II. in Sinners hist, und litter. Reise durch das abendländische Helvt' tien. Leipzig 178a. <• Th. S. 2 o 5 . u. s. w. 506 Motiers. geniefst. — Eine halbe Viertelstunde höher liegt e ; a ändres Thal, vom Longeaigue durchflossen, der sich in einen Schlund stürzt, wo eine Mühle: Moulirt des Enfers, erbaut ist. Aus dem Büttes-Thal nach der grofsen Höhle, Temple aiibc Fees , i St. (s. Ferneres), Wege. Von Motiers das Thal nach O. abwärts ( s. Travers). Nach Yverdun 4 St., ein für Fufsgän- ger und Reiter brauchbarer Weg. Nach Brevine giebt es zwey Wege: Die grofse Landstrafse duich Sulpy , den engen Pafs la Chaine , (bey dem Heraustritt sieht man eine Vertiefung in dem Felsen la Combe a la Vaira , nach einer schrecklichen Schlange so genannt, welche hier lebte, und im J. 1273. von Sulpy Rai-, mond erlegt wurde), durch Bayards , Verrieres , 3 St. von Motiers (s. das weitere unter Ferrieres) ; der Fufsweg nach Brevine über Boveresse 2 St. , über Sulpy 2^2 St. Auf der Hohe des Jura , den man hier übersteigt, stürzt sich ein Bach in einen Schlund, über welchen eine Mahl- und Sägemühle wie in der Luft hängend erbaut ist , und Moulin de la Rocke genannt wird. Kleiner Gletscher in einer Höhle des Jura. Merkwürdig ist hier auf dem Jura , nahe am Wege, eine C.aciere (Eiskeller) den die Natur in einer sehr grofsen und tiefen Höhle gebildet hat. Gebüsch verbirgt ihren Eingang, deswegen ist sie ohne Wegweiser nicht zu Anden. Man steigt auf einer starken Leiter in diese tiefe Höhle, deren Boden mit einer dicken Eistafel bedeckt ist, über welche sich 4"5 schöne jetai red Sto> flert' 0 C J«i* KiH* (kJ i noiisl K iet häui in 0* ja K ( Mot auf 1 tat n i«i / lltU; l'S *üe «AI« «i je Ht, < Moüdon. 507 gerundete Eissäulen erheben, die in eben so viele senkrechte Felsen - Kanäle aufsteigen. Nur hier und eine Stunde von St. George oberhalb Rolle sind die einzigen Oerter, wo sich auf dem Jura - Gebirge Eis in tiefen Höhlen das ganze Jahr erhält. G e o gno s t i sch e Merkwürdigkeiten. Bey der Baume de Maliers zeigen sich wunderbar gekrümmte Kalksteinschichten, und beytn Eingang ins Wege. Von Münster das Wallis-Thal abwärts nach Brieg ( s. diesen Art. ); aufwärts nach Ober- Gestein 1-2 St., durch Gesehenen und Ulrichen ( s. Ober-Gestein). Man sieht nach N. die Furea und den Grimsel. Mün ster fMoutiers), Dorf im Münster - Thale des ehmaligen Bisthums Basel, an der Landstrafse zwischen Basel und Biet. Wirthshaus: au Cheval blanc ( s. folgenden Art.). M ü N st er - T H A L, Grandval de Moutiers (itn ehmaligen Bistlrum Basel, jetzt im französischen Departement des Ober - Rheins) , in dem Jura - Gebirge, zwischen der Stadt Basel und Biel , 8 St. lang, von der Birse durchströmt, und wegen seines wilden, romantischen , malerischen und ganz eigentümlichen Karakters sehr sehenswerth. Enthalt 28 Gemeinden. Geschichte. Germanus, aus einem angeselmeu Geschlecht in Trier, lebte hier als Einsiedler, und gründete 630. ein Kloster (Moutiers, Monstiers in dem alten Patois genannt, von Monasterium), welches Gondonins , Herzog vom ElsaJ's und Herr dieses Theils all« da« ■ l>! 0 ‘ reines ind 11 GeW bst i tarne lsdol[ teitsre in J. Jlöw sehr mit e die Ei Een lali i wurde rnrill friede fhmoh ‘•sich •öden , daft , hchof ^ i ^ Ge * Oe n I Münster - Thal, 513 vom Jura reichlich beschenkte. Seine Söhne ■wollten alle Schenkungen wieder an sich rcil’scn, zogen gegen das Kloster, und erschlugen 666. den Germanus . Car — loman, Pipins Sohn, bestätigte 770. alle Schenkungen seines Vaters und seiner Mutter an dieses Kloster, und im IX. Jahrhundert vermehrte Carl der Dicke das Gebiet desselben mit dem lmer- Thal. Diesem Kloster hat das Dorf Moutiers seinen Ursprung, und das ganze Thal Namen und Bevölkerung zu verdanken. Rudolph III., König von Burgund, schenkte die Hoheitsrechte über das Kloster und dessen Besitzungen im J. 1000. dem Bischof von Basel, Adelbert. Die Mönche entzweyten sich (" iogo.) mit dem Bischof so sehr, dafs dieser sie verjagte, und ein Chorherrnstift mit einem Probste einsetzte. Seit dem J. i486, traten die Einwohner des Münsterthaies mit dem Freystaat Bern in ein Burg- und Schutzbündnis, welches An- lafs zu einem Kriege zwischen dem Bischof und Bern wurde. Der Bischof unterlag, und der hierauf zu Re- convilliers nahe bey Malleray ( i486. ) geschlofsne Friede gab jenem das Thal zurück , und gestand den Einwohnern das Bürgerrecht mit Bern als unwiderruflich zu. Vermittelst dieses Vertrags waren sie verbunden, für Bern in jedem Kriege bewaffnete Mannschaft zu stellen, und in einem Kriege gegen den Bischof neutral zu bleiben ; dagegen genossen sie von Bern des kräftigsten Schutzes ihrer Freyheiten gegen jede Gewalt und Wülkühr des Bischofs, welcher seitdem mehr als einmal von Bern mit Waffengewalt in III. 33 die Schranken seiner Pflicht gegen die Miinsterthaler gezwungen wurde. Die Miinsterthaler genossen grofse F'reyheiten, z. B. sie erwählten an einer bewaffneten Landesgemeinde einen Volks-Anwald unter dein Titel: Ven- ner , auf Lebenszeit, welcher ausgedehnte Gewalt zum Befsten der Einwohner ausübte; in jeder Meyerey ernannte jede Gemeinde die Hälfte der Richter, und die andre erwählte sich selbst; gegen jede willkührliche Besteu- rung waren sie geschützt u. s. w.*) — Die Verbindung mit einein Kanton der Eidgenossenschaft schützte das Ländchen vor jedem iiufsern Anfall; z. B. als die Schweden im J. 1637. sich des Bisthums Basel bemächtigt, und der Herzog Bernhard von lYtimar sein Hauptquartier zu Delsberg (Delernout) hatte, so wurde das Münster-Thal als Schweitzerboden nicht berührt. — Farel begann die Reformation im Münster- Thale einzuführen. Als sie im J. 1539. durch Mehrheit der Stimmen allgemein wuide, zogen die Chorherren von Moutiers nach Delsberg , und seitdem stand die reformirte Geistlichkeit unter dein Kapitel des Ä. Bern , wo auch alle Ehestreitigkeiten geschlichtet wurden. im J. i 538 - verkauften die Chorheircn zu Dcls- berg alle ihre Herrlichkeiten über das Münster-Thal an den Bischof von Basel, und seit dieser 'Zelt erhoben sich oft Streitigkeiten zwischen diesem und Bern über die Gerechtsame der Einwohner. Diner allen hierüber *) Man s, das Umständliche!t- der bürgerlichen und politischen Freyheit des Münster - Thals in T.a role de la Prcvote. Münster - Thal. 515 geschlofsnen Vertragen war der vom J. 171t. der wichtigste, wodurch den Reforinirten die Probstey über den Leisen (nämlich die Gemeinden unter den Meyereyn Moutiers und Malleray ), und den Katholiken die Probslejr unter den Felsen (nämlich die Gemeinden unter der Meyerey Correndelin) zur Wohnung angewiesen wurde. — Die Regierung der französischen Republik litfs im J. 1792. das ganze Bisthum Basel bis an die Grenze des Münster-Thals besetzen, welches als Schweitzerboden unberührt blieb. Erst im I. 1797. den 14, September, als die gewaltsame Umwälzung der Schweitz beschlossen war, wurde das Münster-Thal, so wie das F.rguel und Biel, von Franzosen berreten, und bald nachher mit Frankreich vereinigt. Weg durchs Münster-Thal. Die Strafse von der Stadt Basel bis Laufen 4 St., und bis Corren- delin 8 St. ( s. Basel'). Hier öffnet sich das Münster - Thal, und das Delsberger - Thal, aus welchem die Sorne (s. den Ursprung derselben im Art. Dachsfel- den ) der Birs zueilt, und durch welches die Strafse nach Delemont und Pruntrut*) (ehmalige Hauptstadt des Bisthums Basel) führt. Zu Correndelin sind Eisen- sehmelzen- und Hammer und ein kleiner malerischer Wasserfall sehenswerth. Gleich hinter Correndelin geht die Strafse ins Münster-Thal, durch eine enge Kluft, die sich bey Martinet etwas erweitert, dem *) Die Landschaft des Bisthums Basel von Laufen an bis Pruntrut wird Salzgau genannt. Der Ursprung dieses Namens ist dunkel. * 5i6 Münster - Tu al. Dörfchen Bellerat seitwärts vorbey, nach Koche i St. dann wieder durch eine enge Kluft - nach Moutiers i St. Die Felsen dieser Kluft heifsen Münsterberg und Romont. Von Moutiers geht es sogleich wieder durch eine Felsehkluft der Berge Vermont, Ramuet und Mont Girard , welche sowohl durch die Gestalt der Felsen als durch zwey Brücken weit romantischer und malerischer ist, als die vorigen Klüfte, nach Court i y 2 St. lang, und von hier durch Eevillard nach Maliernf ¥ ) t St. (hier ein vortrefliches Wirtlisliaus), und dann nach Dachsfelden (Tavannes) im Dachsfelder - Thal i St. (s. Dachsfelden ). Merkwürdigkeiten. Wiedertäufer. Durch das ganze Münster-Thal wohnten vor Ankunft der Römer und während ihrer Herrschaft in Helvetica die Rauracher ( s. Augst ). Die Römer führten eine FIcerstrafse aus dem westlichen Helvetien von Biel her , durch das Pierre pertuis und Münster-Thal nach Augusta Rauraco- rum ( s. Dachsfelden ). Nachdtm die römische Strafse ganz verfallen war, so licfs die Burgundische Königin Bertha im X. .Iaht hundert durch einen Schottländer Makenbrv den Theil in der Kluft zwischen Münster und Court wieder ausbessern. Allein erst in der Mitte (des XVIII. Jahrhunderts winde derselbe für schwere fibf tb* 0t lisdn Sät 1 ff« hn, cm i von IV11 tridt IFifl sind ' tu hier eben ein F von d üünsti f. ist Jtanfe *) Zu Bevillard lebte im Anfang des XVIII. Jahrhunderts loch als Prediger Samuel d’Aubigne, Enkel des berühmten its Theodor Agrippa d’Aubigne (s. Genf), und Vetter der Madame de Maintenou , welche vergeblich ihm die ßi e ] glänzendsten Versprechungen that, um ihn nach *’ rank - sein reich und in den Scboofs der pabsliiehen Kirche zu Münster - Thal. *>i7 Fuhrwagen brauchbar. Die Einwohner des Münsterthals schossen grofse Summen zusammen, und legten mit ungeheurer Mühe diese trefliche Strafse an. Der Bischof begnügte sich mit der Ehre, und verewigte seinen Namen durch eine dort am Felsen angebrachte Inschrift, welche sagt, dafs Joseph Wilhelm von Baldenstein , Bischof von Porentru , im J. 1752. diesen Weg erneuert habe. In den einsamen Höhen des Jura , besonders im Thal Chalucl an der Grenze des K. Solothurns , nicht weit von Münster, wohnen in den dortigen Meierhöfen über hundert Haushaltungen von Wiedertäufern , welche aus dem K. Bern im XVII. Jahrhundert, und zuletzt 1708. und 1711. vertrieben wurden, weil sie weder Eide schwören, noch Waffen tragen wollten. Sie sprechen deutsch, und sind von allen Münsterthalern verehrt. Selten trifft man anderswo so viele Glieder dieser Sekte an, und hier bietet sich die befste Gelegenheit dar, diese trefli- chen Menschen zu beobachten. Von Münster führt ein Fufsweg in 3-4 St. auf den Weifsenstein , und von da in 2 St. nach der Stadt Solothurn. — Bey Münster, oberhalb der Strafse in der Höhe von 150 F. ist eine Höhle, in welche man nur auf Leitern gelangen kann ; hier soll die Einsiedeiey des H. Ger- locken. _ Malleray war der Schauplatz der Niederlage des Bischofs von Basel Johann von Vienne im J. 1367. welcher, uin das Biindnifs Biels mit Bern zu trennen, Biel verbrannte. Bern und die Eidgenossen eroberten seine Schanzen bey Pierre pertuis, und züchtigten ihn hier (s, Ballstal'). Münster-Thai,. 5*3 manus gestanden haben. — Die Einwohner des Mün- ^ ster-Thals, das Dörfchen Elsay an der solothurnischen ü® 1 Grenze ausgenommen, sprechen ein französisches Patois, ^ welches dem in der Franche Comte ähnlich, und von ,,D dem Patois in dem K. Freyburg und Waat sehr ver- f ere schieden ist. kl Pflanzen. An d. n Felsen bey Moutiers : Cochlearia officinalis, ^ und durchs Münster — Thal bis Corr endelin : Gs> Gß® nista ipiiosa. sio Geognost. Beschaffenheit. Alle Felsen des jich Münster-Thaies bestehen aus Jura-Kalkstein (s. Jura), Alpe der aufserordentlich reich an Versteinerungen ist ; mei das merkwürdigste ist die Schichtenstellung. In den l; r Pässen des Münster-Thals stellen die Kalksteinschich- jp'j ten ganz senkrecht in der Streichung des ganzen Jura, nämlich von SSW. nach NNO. ; auf der Ostseite der- y, selben zeigen sich Felsen, deren Schichten nach S. „jj und SO., und auf der Nordwestseite Felsen, deren Schichten nach NW. senken, nach oben sich krümmen, als wenn sie von beyden Seiten zusammenstofseud ein Gewölbe gebildet hätten, unter welchem die senkrechten ^ Schichten fortstreichen. ^ Versteinerungen und E1 eph a n t en kn och e n. Bey Roche finden sich Gyps, Ammonshörner und andre ^ Versteinerungen. Bey Moutiers Ostraziten, Madrepore und andre; bey Court und Maller ay, St. von ein- ; ns j ander entfernt, ganze Felsen von unversteuerten Tur- ^ biniten, an beyden Orten in ganz gleichem Zustande; , Münster-Th ai.. 5*9 hcy Court finden sich auch Oolithen, Kochlithen, Buc- ciniten, Porzclaniten, Belemniten und andre, auch ein Oker, den die Maler schützen; bey Maller ay Ostraci- ten und Bucciniten; auf dem Ranntet Echiniten und Terebratuliteu. In einem Berge dieser Thiilcr fand man bey seiner Durchschneidung einen Zahn und Knochen vom Elephanten. Münster — Thal (Val da Mästair), im K. Graubündten, zwischen Engadin , der Landschaft Bormio und Tyrol , vom Rom durchströmt, öffnet sich nach Tyrol, wo der Rom sich in die Etsch ergiefst. Alpenland; die Einwohner spiechen romanisch, sind meistens Protestanten, und freye Bündtner. Hohe Gebirge trennen es sowohl vom Engadin als Bormio. Wird gar nicht besucht und ist wenig gekannt. Die Einwohner dieses Thals mufsten in den Kriegen vom J. 1499., 1622-1636. und 1799-1800, viele Bedrängnisse erdulden. St» Maria der Hauptort desselben. Er war der Geburtsort des Reformators Galtatins , des gekrönten Dichters und Rechtsgelehrten beym Reichshof- rathe zu Speier , Marcus Latius , und des Simon Lemnius , welcher den Homer in lateinische Hexameter übersetzte und ein Heldengedicht de Bello Rhaetico 1499. in neun Büchern hinterliefs; er staib 1550. zu Chur . Wege. Von hier geht ein Weg über den hohen Cmbrail nach Bormio; durchs 6 St. lange Freel- Thal ins Livino -Thal, und nach Cernez im Engadin; ein andrer Weg gerade nach Cernez über die weidenreichen Berge del Forno und durchs SÄn/ 7 -Thal (s. Cer- Muri. 520 nez). Der östliche Theil der Gebirge der Münster- Thals gehört zu dem 1 Vingstgäu. Mineralogie. Schon 1352. wurde zu Fühler» Eisenerz durch Conradin Planta ausgebeutet. Wegen dieses Bergwerks et hob sich gegen Ende des XV. Jahrhunderts ein Streit zwischen dem Bischof von Chur und Herzog Sigmund von Oesterreich. — Von dem Silberberg trerk auf Buffalora - Alp (nahe am Berge Fuorn auf der Grenze des Unter-Engadin) kommen die ersten Nachrichten 1503. vor. Bevde Bergwerke liegen « schon langst still. Muri, Benediktiner - Abtey im K. Aargau, 1 St. von der Reujs , in einem Thal von der Buntze durchströmt, und von Hügeln umgeben, die 1000-1700 F. Flöhe über den Luzerner - See erreichen. Wurde im J. 1025. von Jda, Gemahlin Radbots, Grafen von Habsburg und mit dem Rathe des Bischofs, Werner von Strasburg (geborner Graf von AUenburg , so hiefsen ursprünglich die Grafen von Habsburg) , gegründet. Im J. 1701. wurde der Abt dieses Klosters (damals Placidus Zurlauben von Thum und Gestelienburg ), von Kaiser Leopold 1 , zum Reichsfürsfen erhoben (der letzte unter den .schweitzerischen Aebten, welcher diesen Titel erhielt, und welches bdy den souveränen Kantonen einige Maasregeln gegen diesen )U>t veran- lafste), sein Wappen vermeint, und er mit den vier Erbämtern r Mar schall, Kämmerer, Schenk und Truck- sefs begünstigt^ Merkwürdigkeiten. Merkwürdig wegen eintr jjts J * 1 aw' S £ tt M JisW kr;, soitrefi i' 95 - tta G liefs da t hod, bf,i Alpen, Htrai Mi'j »der a *«r,a üs toi $d ^itthslii Hirn Murtkn. 521 sehr ansehnlichen Bibliothek und eines Münzkabinets römischer Medaillen, wovon mehrere in der Gegend gefunden worden sind. — Auf der Bibliothek ein JVIa- nuscript über die Gründung dieses Klosters gegen die Mitte des Xil. Jahrhunderts geschrieben, welches bekannt gemacht worden ist, um den Ursprung des Hauses Oesterreich anfzukläreu. — Man zeigt auch hier das Jagdhorn Alberts des Uelsen , Grafen -von Habs— bürg , im J. 1199. In den Fenstern der Kirche sind vortrefliche Glasgemälde. — Die Abtey kaufte im J. r 795 - die kostbare und wichtige Bibliothek des gelehrten Generals -von ZUrlauben aus Zug an sich, über— liefs sie aber im J. 1804. der Stadt Aarau (s. Aarau). — Sehenswerth : 1 St. von der Abtey ein Landhaus des Fürst-Abts zu Horb auf einem Hügel von 1200 F. hoch, wo eine vortrefliche Aussicht auf die Kantone Zug , Schnjtz , Luzern, Aargau und Zürich , auf die Alpen, über das Reusf - Thal und nach den Bergen des Schwarz Waldes. Murten (MoratJ, ein Städtchen im K. Freyburg, an der grofsen Landstrafse zwischen Bern und Lau- sanne, am Murtcn-See. Wirthshäuser: Adler; Krone; Lion rouge am See, wo man bequemere Gelegenheit hat, Schiffe zum Uebcrsetzen zu finden, als von den Wirthshäusern in der Stadt. Römische Alterthümer. Merkwürdige Finde. In der Gegend von Murten, besonders bey Münchweiler oder Lillars le Moine , sind viele römische Alterthümer gefundon worden. In der Mauer der »* y .."V ■ I . r# Kirche St. Maurize, vor der Stadt Murten, ist eine römische Inschrift. Zu Münchweiler sieht man an den Mauern des Schlosses und der Bauernhäuser Reste römischer Gebäude, und in dem Schlosse 6 Inschriften, de-' rcn Inhalt vermuthen läfst, dafs hier ein Tempel der Göttin Aventia gestanden habe, und Vi/lars eine Vorstadt von Aventicum gewesen sey. (S. Avenche ). — Auf den Anhöhen über Münchweiler steht eine durch ihre Gröfse merkwürdige Linde ; sie hält 36 F. im Umfange, ist 90 F. hoch, und ihre Rinde wurde im J. 1550. ganz abgeschält. Hier ist eine herrliche Aussicht auf den Murten- Neuchat der - und Bieter -See, und auf die Schneegebirge. — Bev Münchweiler finden sich versteinerte Hayfisohzahne und Tercbratuliten. — Her- renschwand , berühmter Arzt in der Mitte des XVIII. Jahrhunderts, war aus Murten. Geschichte. In den Akten einer im J. 516. zu Epone in Wallis gehaltenen Kirchenversammlung heifst Murten: Curtis Murattum , ! n den Kroniken des XI. Jahrhunderts Castrum und Castellum Murtena. Der Kaiser Conrad lagerte (1034.) auf seinem Zuge gegen den Graf Odo von Champagne , der das Bur- gundische Reich als Erbe ansprach, mitten im Winter mit Heeresmacht vor die Burg Murten und den Thurm von Nenchatel. Beyde Plätze hielten sich *), und der Kaiser gieng nach Payerne, wo ihn die burgundischen *) Nach dem Abzug des Kaisers nahm Markgraf Bonifaz durch Ueberraschung die Burg Murten , lief« allen Einwohnern derselben Nasen und Ohren abschneiden und Murten. 523 Grofsen »um König wählten. Nach Erlöschung des Burgundischen Hauses (s. Payerne ) kam Murten mit der Burgundischen Schweitz (1126.) an Herzog Conrad von Zähringen , und nach Aussterben dieses mächtigen Geschlechts (121g.) an das Haus Savoyen , und im XV. Jahrhundert an die jüngere Linie desselben, an die Grafen von Romont. Als die Eidgenossen Karl dem Kühnen , Herzog von Burgund, den Krieg erklärt hatten (s. Konstanz , Granson) , wnrde Bern durch Jacob von Savoyen , Graf von Romont und Marschall von Burgund auf alle Art befehdet. Bern erklärte ihm im October 1475. den Krieg, und liefs Murten , diesen wichtigen Platz wenige Stunden von Bern, durch den Petermann von Tf'abern aus Bern und Roll von JVip- pingen , Schultheifs von Freyburg, sogleich einnehmen. Von dieser Zeit gehörte Murten zur Schweitz, und wurde abwechselnd von Landvögten aus Freyburg und Bern regiert. Seiy 1798. ist es ein Theil des Kanton Freyburg geworden. Berühmte Schlacht von Murten. Der Name dieses Städtchens ist durch die berühmte Schlacht verewigt worden , die Karl von Burgund an dessen Mauern den Sckn'citzern lieferte, um dieses Bauerngesindel seiner Rachwuth aufzuopfern und ihres Landes und Eigenthums sich zu bemächtigen. Nach der verlornen Schlacht bey Granson ( s. diesen Artikel) am drey Schilde damit füllen. Eine Gräfin konnte von ihm die Schonung ihres Sohnes, um so viel Gold als der Jüngling schwer war, nicht erhalten. 3 Mer* 1476. zog er sich nach Nozeröi zurück, u n( J begab sich in der Mitte desselben Monats nach Lausanne, wo er ein neues Heer sammelte (s. Lausanne'). Am 27. May kam Karl der Kühne mit seinem Heer von 70,000 M. bey Murten an. Adrian von Bubenberg aus Bern , der die Besatzung von 2000 Bernern und Freyburgern unter Afry befehligte, hatte Murten in den befsten Vertheidigungsstand gesetzt. Er versammelte die Besatzung und die Einwohner, redete mit groi’sem Ernst zu ihnen, und schlols mit folgenden Worten : „ Kriegsgesellen! wachet! an Murten hangt das Vaterland. Nur eine Fannulier hat die Schweitz , unsern Enischlufs" . Nach Bern schrieb Adrian: „Der Herzog von Burgu. d stehe mit aller „ f einer Macht ihm gegenüber. Schultheifs, Rath und „Bürger sollten nichts fürchten, sich nicht übereilen, „ und die Eidgenossen ruhig erwarten; er wolle Mur- „ ten behaupten ”. Die nach Bern führenden Pässe Aarberg, Lauppen, Güminenen , wodurch die Zugänge zu Murten gedeckt sind, waren in den Händen der Schweitzer; diefs machte, dafs die Burgunder die Belagerung nicht mit Sicherheit führen, und die Gemeinschaft zwischen Murten und Bern nicht hindern konnten. Der Graf Iiomont stand mit 15,000 Mann auf der Seite gegen Bern, so dafs sein rechter Flügel beyin Löwen- Berg an den See stiefs, und Altavilla nebst einigen Meyerhöfen in und hinter der Linie waren, die sich über den .Ldera-Rebhügel gegen Burg hinzog ; vor dem Flügel befand sich das einen Büchsenschufs von Murten dicht am See gelegne Dorf Montillier. Dev linke Hügel erstreckte sich in einem Hacken bis an die waldigten Hohen, wo das Heer des Herzogs an— fieng. Ohngefähr von Burg an lief dessen Linie über die Felder und Weinberge um Murten, neben Greng weg bis an Pfauen (Faou) fort, wo sich des Herzogs linker Flügel aulegte. Des Herzogs Zclc stand auf einem Hügel zwischen Murten und Gurwolf (Courge - vauxj, wo er das ganze Lager übersehen konnte. Den i Juni liefs Romont die Stadt von der Morgenseite beschiefsen. Den 11. Juni langte Karl selbst im Lager an. Den 12. liefs er bubenberg zur Uebergabe auffordern, der ihm folgende Antwort zurückgab: ,, Die ,, T/wre von Marlen wären , so lang er diese Festung „befehlige , nie geschlossen worden, um den Herzog „von Burgund nach Stand und Vf r iirden empfangen „ zu hönnen; er solle alsb nur kommen , es sey zu „seiner Aufnahme alles in Bereitschaft". Dicfs war keine Grofssprecherey; denn Bubenberg liefs während der ganzen Belagerung niemals, selbst bey Nachtzeit nicht, die Thore schliefsen, solidem die Oeffnung mit einer Kanone besetzen. Die Stadt welche mit Mauern , Thürmen , doppelten Graben und mit Bollwerken und Schanzen versehen war, wurde nun heftig beschossen; die Stücke ob dem Dorfe Montillier wirkten mit grossem Nachdruck und schossen alle Thürme und die Mauer von der Kirche bis an den See nieder, worauf die Burgunder Sturm liefen. Der Sturm wurde abgeschlagen , 700 Burgunder dabey getödtet, und die ein- gestürzte Mauer. des Nachts wieder hergestellt. lji e Stücke über dein Dorfe Merlach thaten der Stadt keinen Schaden. Ein Glück war es, dafs der Pafs von Cümmenen und ins (Amt) von den Burgundern nicht genommen wurde,; denn durch diese Pässe wurden Munition , Lebensbedürfnisse und Mannschaft nach dem Murten-See und bey Nacht über den See der belagerten Stadt zugeführt. Karl sah seinen Fehler zu spät ein, und liefs mit 6000 Mann die Brücken bey Güm- minen und Lauppen an der Saane und Sense, wo nur kleine Schaaren Bewaffnete waren , angreilen. Die Landleute von Neueneck mit ihrem Pfarrer an der Spitze schlugen die Burgunder zurück, worauf 6000 Berner unter Hans von Hallwyl hieher aufbrachen. Die Burgunder erneuerten den Sturm auf Murten während 3 Stunden, und wurden mit grofsem Verlust zurückgeschlagen. Nachdem Bubenberg 10 Tage und Nächte mit 2000 Waffenbrüdern gegen das ganze Heer Karl des Kuhnen gehalten hatte, schrieb er nach Bein: ,,So lange eine Ader in uns lebt, giebt keiner nach”. Am 12. Juni schickte Bern Eilboten nach allen Seiten in die Kantone und Städte, um Hülfe zu erflehen. Hans von Hallwyl aus Bern rückte von Gummenen , i als gegen den 20. mehrere Haufen Eidgenossen zu ihm gestofsen waren, nach CJiampigni , und bezog da ein Lager. Den 21. waren schon die Ifülfstruppen aller Kantone, die Saaner unter Graf Ludwig von Creiers, die Bieler unter den tapfern Luster , 2000 Baseler unter Peter Hott , die Strafsburger unter / 7 'ilhelm Her — Murten. 527 ter und Graf von Oettingen, die Reisige der Elsässer—Städte unter Graf Oswald von Thierstein , die Schaffhauser , Rotwj'ler, 200 von der Stadt St. Gallen unter Ulrich p arnhühler , 600 Appenzeller , goo Graubündtner, der von Karl vertriebne Renat Herzog von Lothringen , nebst den Grafen von Leiningen und Bitsth und 200 Ganzen angckomxnen ; nur der tapfre Hauptinann Hans TP'aldmann mit den Zürchern fehlte noch. Das Schvveitzerheer stand in einer hüg- lichten und buschigten von dem i?/Ae/n-Flüfschen durch- schnictnen Gegend, zvvischen Ulmitz und Gümmenen , dem Feinde ziemlich' nahe, und dem Grafen R.omont im Rücken ; vor sich hatte es viele und dichte Holzungen , weiter links neben und hinter sich die Saane. PP r aldmann stand mit 1000 Zürchern in Freyburg. Er sandte einen Boten nach dem andern gen Zürich und zeigte an, wie die Belagerung von Murten vorgerückt und wie dringend die Gefahr sey +J. Am iß. Juni zogen 3000 Zürcher unter Hans von Landenberg , und 2000 Thurgauer, Sarganser, Badner, und aus den freyen Aemtern, unter Ulrich von Hohensax von Zürich weg und langten in 2^ 2 Tagen bey dem entsetzlichsten Wetter und Wege in Bern an. LValdmann war ihnen *) fValdmunn schiieb : „Gnädig Herrn, fiirdernd iicli, „dafs wir niid die hintersten sygend. Hand keinen „Zweifel, die Liit sind all unser; wir wand sie n.it „der Gottsliulf alle erleiden. Dreymal so stark, als ihr „bey Gianson ihn sähet, ist der Feind; aber er ist „unser; unserm Sehwerd mag er nicht entrinnen. Mit „Gott, grofsc Ehre wartet auf uns' - . 52$ Murten. hiehcr entgegen gegangen, erfrischte sie, gönnte ihnen einigen Schlaf, liefs Nachts um io. Uhr aufblasen, zog bey dem heftigsten Regen weiter, und stiefs bey Tagesanbruch am 22. Juni zu* dem Heer, welches nun aus n,ooo Piken, ro,ooo Hallbarten, 10,000 Schützen, und 4000 M. Reiterey bestand. Auf der Stelle wurde der Kriegsrath zusammenberufen. Man besclilofs, Karin. noch heute anzugreifen. Ff r aldmann behauptete, inan müfse die Burgunder nicht blofs besiegen, sondern vernichten, und deswegen müfse ihnen der Rückzug nach Payernc und Milden abgeschnitten und ihnen nichts als die Wahl zwischen dem Tod durchs Schwerdt, oder im See, übrig gelassen werden; er rieth daher, die beyden aufsersteu Krümmungen der halben Mondslinie, die Karls Heer bildete, zu gleicher Zeit anzugreifen , und auf den Mittelpunkt zu werfen. Dieser kühne Rath machte, dai’s Waldmann zum Oberbefehlshaber des ganzen Heeres ernannt wurde. Die Ordnung des Heeres wurde in dem Murtner - Bannwald hinter einem Hügel zwischen 5-8 Uhr Morgens den 22. Juny 1476. gemacht, und war folgende: zuerst iooo M. als leichte Vorwachten, dann Landammarin Hatzi von Sc'nwytz mit der grofsen Vorhut; hinter diese Hans von Halhryl *) , Hans Fegeli **) und Rudolph *) Ilallwyl hatte sich in dem Türkcukriege der ungarschen Könige Ilunyad gebildet. **) Dieses Geschlecht bestellt noch zu Freyburg; im J. 5 Sr). befehligte ein Fegeli das Freyburger Kontingent an der Grenze der Schweilz gegen Deutschland. * 0 Sek' rttr tf/d 0«l iis 1 iw ■ Ira r ierte »urdi kam: aber Scb mr Hi W Rem Krie f« Itter setzte im A te B. Huk, toie 1 Seine itatb, *taei m Murten. 529 von Wippingen aus Freyburg mit 7 — 8000 M. Schwytzer, Urner, Unterwaldner, Entlibuclier und Berner-Oberländer, welche den rechten Flügel bey Entwickelung der Schlachtlinie bildeten ; dann Hans Waldmann und Herder mit dem Haupttreffen von 16000 M,, Kaspar von Hertenslein aus Luzern mit 7 - 8000 M. als linker Flügel, und nun die Rcitcrey unter Giaf von Thierstein für deu linken, unter Herzog Renat für den rechten Flügel. Der Herzog von Burgund veränderte die Stellung seines Heeres, und der linke Flügel wurde der rechte, welcher olinweit Pfauen zu stehen kam; das Geschütz war überall vertheilt, besonders aber gegen den Buchwald gerichtet, aus welchem die Schweitzer hervorkommen mufsten; seine ganze Linie war durch Holzung, einen Graben, nebst Hecken und Hohlwegen gedeckt. Ehe die Schweitzer aus dem Walde hervorrückten, wurde noch erst dem Herzog Renat, den vornehmsten Hauptleuten und vielen tapfein Kriegern von den Grafen von Thierstein und Oellingen und Vf r ilhelm Herter die Ritterschaft ertheilt. Guter schrecklichem Regen und bey dunkeim Himmel t setzte sich nun das Schweitzer-Heer in Bewegung. Bey dem Anblick des Feindes befahl Hallrvyl halt, redete die Eidgenossen mit Frohsinn an, befeuerte sie mit Muth, und als, währeud das ganze Heer mit gebognem Knie und gen Himmel gerichteten Armen betete, die Sonne durch die schwarzen Wolken in voller Pracht brach, erhob sich der Feldherr schnell, schwenkte sein Schwerdt und rief: Gott will ans leuchten , biderbe % Ul. 34 Männer! Auf! Gedenht eurer TVeiber und Kinder! Vorwärts! Es war grade Mittagszeit, nachdem schon 6 Stunden lang das Burgundische Heer im Regen gewartet hatte. Hallwyl warf sich, wie ihm 40 feindliche Stücke in kurzer Zeit 400 Mann niederstreckten, schnell rechts in einen Hohlweg, und in Zeit einer halben Stunde waren sic alle in seiner Gewalt. Die Kanonen wurden umgekehrt, und die in mehrern Treffen anrückenden Burgunder damit so empfangen, dafs das Haupttreffen der Schweitzer die erste Linie von dem Gurwolf - Rebhügel ins freye Feld warf, und mit dem Geschütz nachdrücklich unter die schon verwirrten Feinde spielte. Peterman -von TVabern hatte dazu den Weg gebahnt, und die Schweitzer schleppten mit unglaublicher Müüe die Stücke über die Graben. Die Schweitzer - Reiterey langte nun auch in der Ebne an, und setzte sich auf beyden Klügeln. Wahrend die Burgunder sich wieder ordneten und aus dem Lager frisches Geschütz lierbeyschäften, hielt Karl vor seinem Heer einen Kriegsrath und beschJofs : Auf der Stelle, wo das Ileer sich befand, den Angriff der Schweitzer zu erwarten. Seine Schlachtordnung lief von Courlevon bis Grain und hatte den See im Rücken. Der Prinz von Oranien und Philipp von Crevecoeur kommandirten das Haupttreffen; der Bastard Anton von Burgund und der Graf von Ravenstein befanden sich an der Spitze des linken, so wie der Graf briedrich von Tarent und der Herzog von So/n - merset an der Spitze des rechteu Flügels, wo sich Karl Murten. 53i selbst mit dem Kern seiner Reiterey gestellt hatte. Graf Romont stand hinter Murten. Nach 12 Uhr machten die Schrreitzer den zweyten Angriff; Sie stürzten sich in die Ebne, wo das hitzigste Gefecht begann. Sie wurden wirklich von der englischen Garde des Herzogs von Sommerset u{n etwas zurückgetrieben, ermannten sich aber sogleich, hieben alle diese nieder, und gewannen nun freyes Feld. Es war die höchste Zeit, uafs das Schireitzer - Fufsvolk das Burgundische über den • Haufen warf; denn die fünfmal stärkere feindliche Reiterey griff die schercitze- rische von vorn und in der Seite an, und nöthigte die Grafen von Thierstein und Griers zur Flucht. Dem Herzog von Lothringen stand dasselbe bevor, wenn ihm nicht Hans von Hallrvyl zur Hülfe geeilt und sich mit einem Theil seiner Vorhut zwischen ihm und der feindlichen Reiterey gestellt, und den heftigen Anfall derselben ausgehalten hätte. Diese Bewegung entschied eigentlich den Sieg, der sich um 2‘Je Uhr nicht mehr zweifelhaft erklärte. Die burgundische Reiterey gerieth nun in Verwirrung, und das Fufsvolk fleh haufenweis gegen PTißisbnrg zu. Jezt wurde das Getümmel entsetzlich , alles war durcheinander gemischt , Schtveitzer , Burgunder , Fufsvolk und Reiterey. Karl liefs immer neue Haufen anrücken, aber es war alles vergebens. Der Herzog von Sommerset jagte zwar die Grafen Thierstein und Griers zum zweytenmale bis ans Murtner - Holz; allein Karl liefs ihn abrufen, um das fliehende Fufsvolk zu decken. Sommerset , der wie eia Löwe kämpfte, ward von einer Kugel getroffen un j stürzte; diefs benahm seiner bisher sieghaften Schaar allen Muth, und brachte sie zur Flucht. Die Schweizer stürmten nach, und schlugen alles nieder. Als Hertenstein , der den Gang der Schlacht scharf beobachtet hatte, sein Tempo ersah, so schwenkte er mit der ganzen Nachhut links, und eilte auf die Strafse von PViflisburg hervor; nahe bey Pfauen schwenkte er sich halb rechts, so dafs sich seine Linie bis an den See erstreckte, wodurch’alle Feinde, die über Pfauen noch nicht hinaus waren, gänzlich eingeschlossen wurden. Zu gleicher Zeit stürzte Bubenberg mit tooa M. aus Murten heraus. Jetzt wurde das Gemetzel fürchterlich. Die 4000 Mann starke Ravensteinsche Reite- rey wollte durch den beschilften See dicht an Murten vorbey zu dem Graf von Romont sich retten; allein theils sank sie in den Morast ein, theils wurde sie durch das auf sie gerichtete Feuer aus der Stadt iu die Weite des Sees getrieben, wo alle Reiter bis auf Einen ersoffen. Die Schweitzer schenkten Keinem das Leben; die auf die Bäume sich retteten, wurden herunter geschossen; die in den See sich stürzten, wurden sclivim- rnend todt gestochen oder geschlagen; selbst die Weiber wurden nicht verschont. Mehr als ia,ooo stürzten sich aus Verzweiflung in den See. — Abends gegen 5 Uhr war die Hälfte des burgundischen Heeres vertilgt. Weit über TViJlisburg (AvencheJ hinaus wurden die Fliehenden verfolgt, und alles niedergehauen. Der Graf Romont, der zwischen Montellier , Char - Murten. i 553 mey und Chietre mit 12,000 Burgundern stand, und sich also im Rücken der Schweitzer befand, hätte sehr gefährlich werden können, wenn er den Befehl Karls, Murten au stürmen, ausgeführt hätte. Allein er liefs schon um 12 Uhr, als die Freude der Schweitzer über die Wegnahme des grünen Haags und der 40 Stücke zu ihm erscholl, aufpacken, und floh über Gallmiz , neben Kerzers durch, dem Neuenbur gischen zu , wandte sich dann links, und suchte über Vuilly und Ciidrefin Estavayer oder Stäfßs zu erreichen. Die Eidgenossen ereilten ihn noch, nahmen ihm Geschütz und Trofs ab, und zerstreuten seine Schaar. Er selbst rettete sich in der Nacht nach Joigne. Zwey Stunden um Murten , zu Wasser und zu Land, lag alles voll erschlagner Feinde; 18,000 Fufs- knechte und 5000 Reiter verloren an diesem Tag ihr Leben, wovon 12,000 im See ertranken. Die Schweizer hatten 400 Todte und 600 Verwundete. Karl floh von 3000 Reitern begleitet, und als er am 23. Juni zu Mocges ankam, waren nur noch 11 Reiter bey ihm. Den nämlichen Tag gieng er nach Ges., wo er bis den 27. blieb. Am 2. Juli langte er in Saiins an, wo er einen Landtag für ganz Burgund hielt, um seine Macht wieder herzustellen *). ■*) Der Herzog Rcnat zog nach diesem grofsen Siegestage bey Murten nach Lothringen und eroberte am 5. Octo- her Nancy. Karl eilte nun hieher und belagerte Nancy. Rcnat begab sich ini Winter narh Bern und Zürich, um Hülfe zu erbitten. Die hierüber berufne Tagsatzung 534 Murten. Die Beute an Geschütz, Zelten, Waffen, Harnischen, Wagen, Pferden, Gold, Silber, Kleinodien, Kleidern u. s. w. war aufserordentüch, und wurde unter die Kantone und die Verbündeten vertheilt. Der Minnesänger, Veit Vf'eher , welcher der Schlacht beywohnte, verfertigte an demselben Abend ein Kricgs- lied. (S. Neues Schweitzer - Museum , I. Jahrgang, 5. Heft. 1793. p. 193.) Die erschlaguen Burgunder wurden in grofse Gruben vergraben. Vier Jahre nach der Schlacht errichtete man Stunde von Murten dicht an der Sträfse ein Beinhaus, wo alle Knochen der Burgunder hineingelegt wurden. — Im J. 1755. liefsen Bern und Freyburg dieses Gebäude von 44 F. Länge und 14 F. Breite erneuern. Unter vier Inschriften waren folgende zwey die befsten ; CaROLI INCLYTI ET FORTISSIMT BuRCtUNDIAE Dt’ClS EXEKC 1 TCS Mt'RATUM OBSIDENS AB HeEVEIUS CAESUS HOC SCI MOKUMENTCM REUQC'tT. 1476. zu Luzern beschlofs, ihm C000 M. zu gestatten. Unter Jlans // ~aldmar.n, IJafsfurter und lirandolf von Stein , zogen 8000 Schweitzer ins Elsafs, wo unter flerter von Strafsburg 6000 Elsafscr zu ihnen atielsen. Diese Schaar rückte iu der schrecklichsten Kälte durch die Vogesen nach Lothringen, und von Luneville nach IVancy, wo am 5 . Januar 1477. die Schlacht erfolgte, iu welcher Karl der Kühne und alle Grofsen seines Hofes erschlagen wurden, und das burgundisch« Haus zu Grunde gieng. D. O. M. Murten. 555 Steh’ still, Helvetier, liier liegt das kühne Heer, Vor welchem Liiltich fiel und Frankreichs Thron erbebte; Nicht deiner Ahnen Stahl, nicht künstliches Gewehr, Die Eintracht schlug den Feind, die ihren Arni beichte. Lernt, Brüder, eure Macht, sic liegt in eurer Treu! O 1 würde sie noch jetzt bey jedem Leser neu. Dieses so merkwürdige Beinhaus, bey welchem kein Reisender vorüber gieng, ohne in ernster Betrachtung stille zu stehen, ist nicht mehr zu sehen. Die Franzosen , welche im J. 1798. in die Schweitz einbrachen, verbrannten den 5. Merz dieses verehrungswürdige Denkmal der Tapferkeit und des Heldensinns des ge- sammten Scliweitzervolks für Freyheit und Vaterland, und pflanzten auf die heilige Stätte, wo sonst alle Jahre der Gedächtnifstag dieser Schlacht von den Eidgenossen mit Andacht gefeyert wurde, das bekannte dürre, wurzellose Zeichen der französischen Freyheit ! ! Nachher pflanzten die Einwohner eine Linde auf diese Stelle, und umgaben sie mit einem Geländer. Wege. Von Murten nach Freyburg 3 St.; folgt man dem Fufsweg, so geht man j* St. von Muiten bey dem schönen Landhause des H. von Crafenriedt vorbey, durch ein angenehmes Gebüsch auf die Höhe eines Hügels, wo eine weite Aussicht sich öffnet; von dieser Höhe mufs man sich immer rechts halten, bis man die grofse Landstrafse trifft. Nach Bern 4 St.; auf dem Wege dahin liegt rechts, 1 - 1 ^2 St. entfernt, lauppen (s. über die merkwürdige Schlacht der Berner 536 Murten-See. liier den Art. Lauppen). Nach dvenche 2 St, (s. di e _ sen Artikel). Nach Anet 1 St. (s. diesen Artikel). Mortem-See, im Mittelalter Uecht-See genannt, (weil diese ganze Landschaft Uechtland , Oedland liicfs). 2 St. lang, St. hreit, 27 Klafter tief; die Broye fällt in denselben, und fliefst bey Sauge wieder heraus, und ergiefst sich in den Neuchateler- See. Ehmals dehnte er sich westlich 1 j 2 St. weiter aus, nämlich bis an die Mauern von A-venche. Der See ist seht fischreich; der delikate PT'els , Salut (Silurus glanis Linn.J wird hier häufiger gefangen, als in andern Seen. Die Ufer sind mit wenigen Dörfern besetzt: südwest- wärts Merlach , Gururolf , Avenche , Pfauen , wo sich der Bach Chandon , und etwas weiter der Schur arz- bach in den See ergiefsen, und Co st es; nordwestlich Zurrreiden , (Sngier , SaugeJ . Murten gegenüber erhebt sich der,Hügel Pf'ully oder Mistelacher-Berg, auf dessen Höhe eine schöne Aussicht auf den Neuchateler-See und die Stadt Ncuchatel , auf einen Theil des Bieler- Sees, über den grofsen Sumpf bis nach Aarberg und auf die Alpen. Während der Kutscher in Murten abfüttert, kann man über den See fahren, auf den Hügel steigen, und wieder zurückkehren. Wer aber nach Anet oder Erlach am Bieler-See wandern will, der steigt wieder ins Dorf Sugier herab, und folgt der Slrafse über den Sumpf; ist es noch zu nafs, so läfst man sich in einein Kahn durch die Kanäle so weit fahren , bis man trocken weiter gehen kann. Geognost. Bemerkung. Der Hügel Misteläch war einst eine Halbinsel , als der Neuchateler- und Murten-See und der breite Sumpf bis nach Aarberg nur einen grofsen See bildeten ; daher ist auch der Käme Mistelach entstanden, welcher das verdorbne Medio lacus ist; zur selbigen Zeit war Anet eine Insel (s. Anet). Der Hügel besteht aus Sand und Mergel, so wie die ganze Gegend. Bey Münchweiler liegen Versteinerungen. Muschci - IIorn eigentlich Mesoxer - Horn (Vogels - Berg , Avicula , Monte del Uccello ). einer der höchsten Felsen in dem K. Graubündten, zwischen den Rhein wald — Misoxer - und Calanker - Thälern, 1028 ° !'• übers Meer. Von ihm steigt der grofse Rheinwald- Gletscher herab, und an dessen Fufs entspringt der Hinter—Rhein (s. Rheinwald—Thal). Mutta-Thal, iin K. Schwytz, 2-5 St. lang, von der Muotta dnrehströrat, und öffnet sich St. von dem Flecken Schwytz. Die Strafse von Schwytz über den Pragei und durchs Klön - Thal nach Glarus führt durchs Mutta-Thal. Von Schwytz bis zum Dorf Muotta am Fufse des Prageis 2 ^ St. Mehrere Wasserfalle sieht man auf diesem Wege : rechts der 1 Zingel - und Sfoyi-Bach, sind nur nach starkem Ke- genwetter ansehnlich; links-der JJ r eth- oder Staubi- Bach und der Mellen -Bach. In dem Dorfe steht das Frauen-Klceter St. Joseph , wo der Reisende] aufgenommen wird, und für die Bewirthung nach Gutdünken bezahlt. Die Einwohner des Mutta- Thals unterscheiden sich durch Mundart, Gesichtsausdruck und Mutta-Thal. 538 Kleidung etwas von den Schwytzern. Vielleicht stani, men sie von (Jen im VI. Jahrhundert aus Italien ver- triebnen Gothen. Die uralte Kirche im Dorfe Mutta war sehr lange die zweyte Kirche im ganzen Kamen Schwytz, zu welcher aus Uri und Unterwalden lange Zeit hindurch gewallfahrtet wurde. Diese Kirche liegt 411 F. über den Vierwaldstädter - See, 173 t F. übers Meer. Am Ende des Dorfes die Säge eines Glarners, welche aus Ahorn und Rothtannen die feinsten Breter zu Resonanzboden der Geigen und Klaviere schneidet. Der Eigenthümer treibt damit weiten Handel. Das Holz der auf den höchsten Bergen wachsenden Bäume, und zwar nur solcher, welche an der Nordseite stehen, wird dazu ausgewählt; denn dieses ist weit elastischer und tönender als von solchen Bäumen, die an der Mittagsseite wachsen. Unter 100 Ahornbäumen findet «ich kaum einer , der zu diesem Zweck brauchbares Holz giebt. — Den Weg vön Mutta über den Pragei nach Glarus s. Pragei. Pflanzen. In den Wählern des Muttathaies wachsen Weifsdorn (Crataegus vxracantha) von i5-ao F. Höhe, und Schwarzdorn (Prunus spinosa) von 25 F. Höhe und 1 Fufs Durchmesser. Merkwürdiger Zug der Russen. Südwärts vom Dorfe sieht man die Oeffnung eines engen Thaies, welches sich nach dem Schärften - Thale hinaufzieht, durch hohe Felsen aber davon getrennt ist, und mit dem engen fii.ri.s- Thal paralell fortläuft. Dieses unbe- ’ Nekar - Thal. 559 wohnte Thal, durch welches sonst kein Reisender wanderte, ist dadurch so merkwürdig geworden, dafs das russische Heer unter dem General Suyyarotv am 27. und 28. September 1790. von Altorf und aus dem Schachen - Thal den Kinzigkulm überstieg, bey Muotta heraus kam, und hcy Schonenbuch am engen Ausgange dieses Thaies nach Schwytz und zwar bey der Muttabrücke in zwey blutigen Kämpfen gegen die Franzosen dem General Massena den Sieg beynahe aus den Händen wand. Viele Franzosen wurden von dieser Brücke in den Abgrund gestürzt. Als die Russen nicht voidringen konnten, so zogen sie über den Pragei nach Glarus (s. Pragei). Die Alp-Hirten selbst sprechen mit Bewunderung von dem Zug der Russen über den Kinzigkulm , wo sonst nur auf schmalen Pfaden Ziegen, Gemsjäger und Hirten wanderten. N. Nafels, im K. Glarus; berühmt durch eine Schlacht aus dem J. 1388- ( Claras ). Natees, im Ober-Wallis, an der Landstrafse, nicht weit von Brieg; ^2 St. davon öffnet sich das Aletsch-Thal, aus welchem der Massa strömt, und in welches die grofsen Atetsch- Gletscher von der Südseite der Jungfrau 8-9 St. weit herabreichen; ist ganz unbesucht und unbekannt ( s. Brieg). Kai'Debs, s. Remus. Nekar-Tbal, in der Landschaft Toggenburg, \ 540 Nessel-Thal. K. . t. Gallen, 3 St. lang, von dem JVeftar durchstromt welcher am Santi.s entspringt, und sich in die Thur hey Lülisburg ergiefst; ein Alpenthal, hat nichts Merkwürdiges. Nessel -Thal, K. Bern, in der Landschaft Hasli (s. Meiringen ). Neuchatel *) ( das Fürstenthum) n - 12 St. lang und 5-6 St. breit; liegt in dem Jura - Gebirge, an der Grenze Frankreichs, und besteht aus sechs bis sieben Thalern. Geschichte. Zu den Zeiten der Römer stand an der Stelle der Stadt Neuchatel Noidenolex **) (ein celtisches Wort), eine der fünf Städte der Sequaner. Im J. 1597. wurde naue bey der Stadt Neuchatel eine Meilensäule ausgegraben, welche unter Hadrian gesetzt war; am Fufs des Felsens von Neuchatel fand man 161?. eine römische Inschrift: Jovi et diis penati- bus Publius Martius miles veteranus civium Noideno- licis. Curator Duumvir designatur, D. S. D. Der Kanzler Hory liefs diese Inschrift in seinem Hause «inmauern, welcües 1714. abbrannte. Eine 1647. zu Avenche gefundne Inschrift sagt, dafs die Mauern von Aventicum unter Vespasian „lapidibus Noideloice multo labore tractis ” hergestellt worden wären. An der Ecke der Bastey de la Maladriere war noch zur Zeit des *) S. die vortrefliche Karte in 4 Blättern, unter Aufsicht und nach der Messung des II. Tralles entworfen. **) S. Untersuchung über das alte Noidenolex vom Kanzler Montmollin und Hory. Severo ), 1f >5 jebsi ' Qninlii : iitr l* zi tit ä® Eire ff* «len i« Cro, tchaft ( nals e bildete Sud ist erst ahgeseti Yokn dicker ” 35 . «eilte Dieb 1 Sie geh, Situiert, ietselbet »XII. knien i i bittet des 1, Serum V I I A Neuchatel.. 54l Kanzler Hory eine Inschrift lesbar: Imp. Caes. Alex. Severo August. Restaurat. Patri Patr, Noidenolex. Im J. 1656. wurde bey Neuchatel ein steinerner Sarg, nebst einer Silberplatte mit den Worten: S. Imp: Quintil: Sevir. Aug. gefunden, welche einen der Priester bezeichnen, die man Seviri Augustales nannte, weil sie den Dienst des Augustus, dem die Römer göttliche Ehre erwiesen, besorgten. Das alte Noidenolex lag zwischen dem Ende des Felsen Chazel und dem Felsen des Nid du Cro, und die römische Veste lag in der Nachbarschaft des jetzigen Schlosses; welche Felsengegend damals eine Halbinsel zwischen dem See und dem Seyon bildete; denn ein Theil des Bodens, worauf die jetzige Stadt Neuchatel gebaut ist, war ehmals nicht da, und ist eist durch den Schlamm und Steinschutt des Seyon abgesetzt worden. Nach den zerstörenden Zeiten der Völkerwanderungen wurde hier im V. Jahrhundert ein dicker Thurm, Novum Castrum *) erbaut, wovon die 1135. durch Graf Ulrich von Vinelz wieder hergestellte Stadt den Namen Neuchatel (Neuenburg ) erhielt, nach welcher die ganze Landschaft benannt wurde-. Sie gehörte zum Burgundischen Reich bis ins XI. Jahrhundert, wo sie ans deutsche Reich kam. Die Besitzer derselben, die Grafen von Neuenburg , breiteten sicn im XII. Jahrhundert sehr aus, und theilten sich in die Linien Neuenburg , Valengin , Nidau und Aarberg. *) Dieser Thurm diente im X, Jahrhundert der Mutter des burgundischen Königs zur Zuilucht gegen die damals herumziehenden Ungarn und Araber. * 54a Neuchaiel. •übtet Die Linie Neuenburg starb 1373. mit Grat Lud eyrig ! aus, und das Land kam an seine Tochter, Gemahlin te0 " des Grafen von Neuenbürg - Nidau , nach dieser an den Sohn der jüngsten Tochter, und 1503. ebenfalls durch eine Tochter an das Haus von Orleans-Longne- !’- r ‘‘ iruC ville. Am Ende des XIII. Jahrhunderts übergab Ru- tA en dolph von Neuenburg die Oberhoheit seiner Herr- ^ Schaft dem Kaiser Rudolph .von Habsburg , und dieser trat sie dem Johann von Chalons , einem mächtigen Veibindu' burgundischen Fürsten, ab. Dessen Lrurenkel, Johann j» Itn ® 111. , brachte im J. i 389 - durch Heirath das Fürsten- thum Oranien an sein Haus ; die nachmaligen Prin- politisch zen von Oranien erhielten als Nachkommen des Johann theä*- von Chalons die Hoheit über Neuchatel, an welche mit di Friedrich J., König von Preufsen , weiblicher Ab- Ldrtij kömmling vom Hause Oranien , Anspruch machte, als Schweitz das Haus Longueville 1707. erloschen war. Die Landstände ijn. J von Neuchatel ernannten am 3. November 1707. unter gen, o allen Prätendenten Friedrich 1. , König von Preufsen , sie es zum Erben des Hauses Chalons , und der Kanton Bern fe Vei beschützte mit bewaffneter Macht den Ausspruch der stellten. Bürger Neuchatels gegen die Drohung und Wider- t Setzung Frankreichs , welches im J. 1714. den König iütrlaoo von Preufsen als recbtmäfsigen Fütsten von Neuchatel ^ j anerkannte. — Neuchatel ist immer als eilt Theil der Schweitz betrachtet worden. Seit dem J. 1307. haben __ die Grafen Neuchatels die Stadt Neuchatel, Fallen- . Di e j gin und andre Gemeinden , Bündnisse und Burgrechte ""i mit 1 mit den KK. Bern, Solothurn, Frey bürg und Lusern Wlj c errichtet, und sehr oft in allen nachmaligen Jahrhunderten erneuert, ln dem im J. 1407. zwischen den) Graf Conrad, der Stadt Ncuchatel und Bern geschlofsnen ewigen Burgrechte wird von den beyden erstem die Regierung von Bern als Schiedsrichter bey allen ihren künftigen Streitigkeiten anerkannt, und festgesetzt , dafs sie ihre Urtheilssprüche mit aller Macht gegen den Ungehorsamen durchsetzen solle. Durch diese genaue Verbindung mit vier Kantonen stand Neuchatel mit der ganzen Schweitz im Biindnifs, nahm deswegen an den meisten Verträgen der Schweitz Theil, folgte denselben politischen Verhältnissen 11 ), und genofs dieselben Vortheile. Als die Eidgenossen (1511.) gegen Frankreich mit dem Pabst Julius II. in Bündnifs traten, und Ludwig von Orleans , im Dienst seines Königs, die Schweitzer äufserst beleidigt hatte, so besetzten sie 1512. das Fürstenthum Neuchatel, liefsen sich huldigen, und regierten es durch Landvögte bis 1529., wo sie es der Witwe des Louis Orleans unter Vorbehalt der Verfassung und aller Freyheiten des Landes zurückstellten. Die Unabhängigkeit Neuchatels vom deutschen Reiche wurde zuerst in dem Frieden öffentlich anerkannt, welchen Kaiser Maximilian I. im J. r 499 - mit den Eidgenossen schlofs, und im westphälischen Frieden ( 1648. ) wurden diesem Fürstenthum alle *) Die Neuchateler fochten auch in den Kriegen der Berner; z. B. Ellert von Tissot, ein tapfrer Ritter, stand mit 5 o INeuchatelern unter dem Panner Berns bey der Schlacht von St. Jacob bey Basel im J. 1444. 1 544 Ne 17 CH ATEL. Rechte eines unabhängigen Staates, welche von all en / Kantonen der Schweitz gewährleistet wurden, gesichert_ Die Könige von Preujsen erklärten Neucliatel stets als einen Theil der Schweitz, und in der Eigenschaft eines Fürsten von Neuchatel sich als Bundesgenossen je® ^ der Schweitz.— Noch iin J. 1766. übernahm Bern. # 1 ®* J das Bichteramt in einem heftigen und blutigen Streite vo« 11 ^ 1 zwischen den Einwohnern Neuchateis und dem König 11t von Preujsen, sandte eine bewaffnete Macht dahin, [indes vollzog die von schweitzerischen Bevollmächtigten gc- fällten Urtlicile, und stellte Ruhe, Ordnung und Zu- jdöto friedenheit wieder her. Das Fürstenthum Neuchatel B { S en, wurde im Februar 1806. von dem König von Preufsen, ltt e in Friedrich Wilhelm III. an den französichen Kaiser { t Napoleon abgetreten (s. die königl. Bekanntmachung gerl/cfe an die Bürger von Neuchatel und Valengin vom | 28. Febr. 1806.): den 17. Merz nahmen die Fran- zosen davon Besitz. Nicht lange nachher schenkte _ es der K. Napoleon dem General und Kriegsminister ,j ^ Alexander Berthier nebst dem Titel eines Herzogs. tlun Verfassung und Einwohner. Die Einwohner er ti des Fürstenthums Neuchatel und Valengin geniefsen lecnlt einen hohen Grad von bürgerlicher und politischer , Freyheit. In ihrer Verfassung ist die Gewalt des Mo- jnfai narchen einzig auf die Verwaltung des Staats beschränkt, Kenn die Souveränität dem Staat oder dem Bürgerganzen zugetheilt, und alle Rechte der Bürger sind gegen jede Ctäni Willkühr und jede Ausdehnung der Gewalt sicher ge- 1 stellt. (Man s. die Arlicles generaux de la Consli- ^ X * N E U C H A T EL. 545 tution , et les Artides particuliers de la Ville de Jfeuchatel et Vallengin *). Befrcyung von allen Abgaben, Steuern und Subsidien, von Zollgebühren und Mauthzwang, allgemeine Religionsduldung wie in keinem Theile der übrigen Schweitz, leichte Bürgerauf- nahme jedes Ausländers für 6 Livres und tiefer Frieden von aulsen haben die hochgelegnen, rauhen, 8-9 Monat Winter fühlenden und nichts als Gras hervorbringenden Bergthäler Ncuchatels mit einer grofsen Menge Fremden in der letzten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts bevölkert, welche Kunstgeschicklichkeiten aller Art hc- safsen. Seitdem sind Kunstlleifs und Handelsthätigkeit zu einem bewundernswürdigen Grad der Blüthe gediehen (man s. die Art. Locle und Chaux de Fond). Bürgerliche Freyheit, Sicherheit der Volksreclue, Aufklärung , blühende Künste, Erwcrbsthätigkeit und allgemeiner Wohlstand vereinigen sich hier, um die Be- *) Die Ausdehnung der Freyheit der Bürger dieses Fürstenthums iäsft sich schon aus felgendem Artikel abnehmen: Dafs Jeder in den Dienst einer Macht treten kann , wo er Lust hat. und selbst gegen den König von Preussen fechten darf, wenn nur nicht diese Macht mit dem König von Preussen als Fürst von Neuchatcl im Krieg begriffen ist. Die Neuchateler halten während des siebenjährigen Krieg* Friedrichs II. sieben Kompagnien im Dienste Frankreichs, und diese standen gegen Friedrich im Felde und waren bey der Schlacht von liofsbach. Gefangne Neuchateler-Offiziere liefs Friedrich rufen und frug sie sehr gütig, ob der Seyon neulich keine Verwüstungen angerichtet habe? Die Neuchateler fuhren fort, während des Krieges in Frankreich zu dienen. 35 111 . 546 Nkuchatkl. wohner Neuchatels zu den glücklichsten Menschen j n ^ ' Europa zu machen. — Die v Einwohner, die Cemeinde Landeron ausgenommen, sind protestantisch, und spre- chen französisch , das Volk ein Patois. I ‘ ere °’ r P fl an z en. Ausschüefsend nur in dem F. JV euchatel wachsen; Va- t -- j}m jrf leriana angustifolia in Creux du Vent ($, Neuchatel die Stadt;; und die schöne Fritillaria Meleagris (Schach* b 1 ume) bey Moron, auz Essertilles, und bey Goudela’ ® ! ' ea * wo sie die Tulpen von Goudela heifsen. terkohl In dem Bezirk von der Stadt Neuchatel über die Dörfer Peseux , Corcelles und Cormondrechc wächst der geschätzte Neucliateler - Wein. Der rothe Wein ’ ,en '8 von Corteil/od und Favarge wird dem befsten Burgun- «du* der gleichgesetzt, und nach diesem werden die Weine A «> von Boudry und St. Aubin am meisten geschätzt. zeigen Ein Morgen dieser Weinberge von 4000 QjFufs kostet kVits 500 Karoline, und eine Maas dieses Weins in Neu- senke chatel selbst 10 und mehrere Batzen. bedec Geognost. Beschaffenheit. Alle Gebirge Neu- > chateis bestehen aus grauem Kalkstein. Die aufsern Schieb Schichten sind etwas gelblich, nicht so dicht wie die Lager innern, und zwischen diesen streichen dünne und sehr U den mächtige graue und schwärzliche Mergellager, womit hinter < die meisten Gehänge der Berge bis über die Hälfte u Ta| ihrer Höhe bedeckt sind. Diese Mergellager sind Gebiete 2-6 F. mächtig ; oft liegen mehrere über einander, Höht i und durch Thonschichten von gelber, grauer, grüner den \j, und bläulicher Farbe von einander getrennt. Verstei- Jöri) frj nerungen von allerley Meerschaalthieren sind in den grauen, besonders aber in den gelben Kalkschiclitea überaus häufig. In den Mergellagern finden sich Kiesnieren , verkieste Muscheln und Schnecken, wovon die meisten verwittert sind ; der Mergel umher ist dadurch schwarz geworden, riecht nach Schwefel, wenn man ihn auf Kohlen wirft, und hat einen vitriolischen Geschmack. ln diesem Mergel hat man an verschiednen Orten in einer Tiefe von 25~ 2 8 F. wahres durch Feuer verkohltes Fichtenholz ( Werners mineralische Holzkohle) in Stücken wie gewöhnliche Kohlen, auch bituminöses Holz oder Braunkohlen, auch mehr oder weniger fette Steinkohlen gefunden. Die äufsern Kalk— steinschichten des dem See am nächsten hinlaufendeu Jura senken nach S.; nach dem Innern der Bergtliäler zeigen sich ganz senkrechte und wunderbar gekrümmte Schichten (s. Motiers und Travers). Die nach S. senkenden Schichten sind zum Theil von Sandstein bedeckt, der mit Mergel wechselt, an hohem Orten viel Spathtlieile und Versteinerungen enthält, dessen Schichten auch nach S. senke# , und in welchen dünne Lager Strahlgyps, t-5 Zoll mächtig, streichen, welche an den steil abgerifsnen Sandhügeln vor Boudry und hinter diesem Ort an dem Bach le ruisseau de Sagnes zu Tage ausgehen. Läugs dem ganzen Jura in dem Gebiete Neuchatels liegen bis zu einer beträchtlichen Höhe ungeheure Granittrümmer zerstreut, welche aus den Uralpen vom Grimsel , Schreck- und Viescher- Hörnern über den T/tuner-See bicher gefiuthet worden sind (s. Niesen). 54S N E U C H A T EI.. * 4 ? ItüU“ Neuchatel (Neuenburg J die Stadt. Wirthsh»u s . La Maison de Ville. Liegt am Abhang eines Hügels, am Ufer des Sees; vom wilden Seyon , der im Val * de Ruz entspringt, und bisweilen grofse "Verheerungen , , lH'®’ in der Stadt angerichtet hat, durchströmt. (er Ad Merkwürdigkeiten. Sehenswerth; Das alte t,jjkn Schlojs, ehrnaliger Sitz der Landesherren; die im J. \jckafi 1164* von Bertha, Gemahlin des Graf Ulrich von Vi- ‘ nelz erbaute Hauptkirche nahe am Schlofs, und in der- ‘ selben das Grabmal , welches Graf Louis, der letzte ^ des Hauses Neuenburg, vor seinem Tode ( 1373.) It Vi seinem erlöschenden Geschlecht setzen liefs; es ist 15 Fufs hoch, und besteht aus steinernen Bildsäulen 10 ® von neun Grafen und vier Gräfinnen. Mitten auf dem Platze vor der Kirche der Grabstein des Reformators mc ' Wilhelm Farell ; das schöne Hathhaus, Waisenhaus, ul ^ 1 Hospital, Bibliothek *). Das Herbarium des H. Haupt- ^ mann de Chaillet , eins der schönsten und befstgeord- nesten in der Schweitz. — David Pury , geborner ® a0 Neuchateler, wegen seines seltnen edeln Gemcinsinns ^our. ein ehrwürdiger Mann ; als Kaufmann in England und nicht Spanien erwarb er grofse Reichthümer, sandte von freitet 1778. bis 1786. an den Magistrat von Neuchatel eine »ar j Million Livres, und vermachte, als er im J. 1786. z u Sophie Lissabon starb, sein ganzes Vermögen von drey bis >j j ^ vier Millionen Livres der Bürgergemeinde, um es zu seU Errichtung und Verbesserung der Schulen, der Lehrer- , ' u *) S. Catalogue de la Bibliothec/ue des Pasteurs de la Seu* verainete de Neuchatel, 1780. , I Neuchatf.l. und Prediger - und ihrer Witwenpensionen, zur Unterstützung alter Armen, zur Erbauung eines Rathhauses, eines Krankenhauses, und andrer öffentlichen Anstalten, zur Verschönerung der Spatziergiinge , kurz zu Allem, was gemeinnützig ist, zu verwenden. Pourtales , der Aeltere, bestimmte im J. 1307. zu Erbauung eines Krankenhauses 600,000 I.ivrcs. — Die patriotische Nacheiferungs-Gesellschaft gab 1790. drey Abhandlungen sur l’etat de Neuchatel et Vallengin et sur la legislation du pays et de l'interet politique de la Suisse relativement ä la Principaute de Neuchatel et de Vallengin , par Sandoz de Travers. 1790. 10 Bog. heraus ; bis 1795. waren sechs von dieser Gesellschaft gekrönte Preisschriften erschienen. — Mehrere Erziehungs- und Pensions- Anstalten für Knaben und Mädchen in der Stadt. Schriftsteller. Pnry de Rive , Chorherr von Neuchatel, schrieb im XV. Jahrhundert eine Chronique canonicale. Montmalin , Hory , Osterwald , Louis Bourguet sind der gelehrten Welt bekannt. Besonders zeichnete sich Bourguet durch seine Talente, ausgebreitete Gelehrsamkeit und seine Werke aus*). Er war zuerst Kaufmann, und dann Professor der Philosophie (1753.) * u Neuchatel, welche Stelle für ihn *) S. Bourguet Lettres philosopliiques sur la formation des sels et des cryslauv. 1739. Neuchatel ; er entwickelt darin sein System von der Entstehung der Thäler und Berge, welches sehr viel Aufmerksamkeit erregte, und während einer langen Zeit angenommen wurde. Ferner von ihm : Traite des Petrifications n. s. w. V Neuchatel. 550 geschaffen wurde, Freund und Brief Wechsler mit den berühmtesten Männern seiner Zeit. Wie hoch Leibnitz diesen Mann schätzte , kann man in dessen Oper. T. VI. p. 202. in 4. sehen. Während seines Amtes erschien in Neuclintel seit 1752. der Mercure Suisse , an welchem Bour.uet, Abauzir, Bochat, Ruchet, Yver- nois, Arzt Garcin , Alunann, Wattewyl und Engel arbeiteten, und für Cie ersten 15 Bände vortrefliche Abhandlungen über Al er hümer und Naturgeschichte cinsaudten. Bourguets Lebensbeschreibung steht im Mer ure Suisse vom J. 1743.; desse 1 wichtige hinter- lafsne Handschrifte i und Sammlungen von Briefen derjenigen grofsen Gelehrten, mit denen er in wissenschaftlichem Briefwechsel stand, nebst Abschriften Seiner Briefe, liegen zu Ncuchatel in Dunkel.iieit verborgen. Spaziergänge und Aussichten. Längs dem See einige schöne Spaziergänge. Herrliche Aussichten auf der Höhe bey dem Schiofs , und bey einer Menge Landhäuser, unter denen wegen ihrer unbeschreiblich schönen Lage besonders merkwürdig sind : La Rochette % St. östlich, und Chattet % St. westlich von der Stadt. In dem Garten vor dem Landhause Rochette und auf der südlichen Terrasse von Chattet , oberhalb der Strafse nach dem f r al Travers , geniefst man der ausgedehntesten und prächtigsten Aussichten. Diese beyden Standpunkte sind besonders deswegen merkwürdig , weil man nirgends auf einer so geringen Höhe, als diese Landhäuser liegen , über iwey Drittheile der schweitzeriiihen und savoyischen Alpen, nämlich von so " i! piidi^ (htK 1 frjr) i (ilomii GomO irisch noch und 2 lieh Ende 1 ui 1 SO. tbeati Btrn. Alpen welche *1 S. 1 DU) ldii Tn m >n D« Oti 1 Neuchatei,. 551 den Gebirgen der KK. Uri und Schrrytz bis an den Montblanc sehen kann ; den Titlis in Unterwalden, so wie den Pilatus erkannte ich noch deutlich. Dieser Anblick ist bey günstiger Morgen - und besonders Abendbeleuchtung einzig *). Von der Gartenstufe bey Chanet sieht man in den Vorgründen dieses aufser— ordentlichen Naturanblicks rechts am Berggelände dia Dörfer Peseux , Cormondrecbe , Bolle , die kleine Stadt Boudry , das Schlofs Bauregard, am Ufer des Sees Colombicr (Lieblingsaufenthalt des Marschall Keith, Gouverneurs von Neuchatel im Namen Friedrich II. zwischen 1760. und 1770.), Auvernier und Serrieres; noch weiter westlich die Berge Boudry und Tourne , und zwischen beyden der Eingang ins p'al de Travers ; links nach O. die Stadt Neuchatel , St. Blaise am Ende des Sees, die ganze Gegend längs der Thiele nach dem Jolimont und Anet; nach S., SW. und SO. den Neuchateler- See, das mannigfaltige Amphitheater der Hügel und Berge in den KK. Freyburg , Bern , FUaadt , Aargau und Luzern , welche zu den Alpen hinabstufen. Dicht bey dem Landhause Chanet, welches in einem Wald unendlich romantisch liegt, *) S. Tue generale de la Chaine des Alpes, prise de la maison Itellevaux ä Neuchatel, 5 illuminirte und 2 Er- klärungsblätter. Sie ist unter den Augen des lim. Tralles (^Mitglieds der Akademie zu Berlin) in den Jahren 1801 — 1 go 5 . mit der grofsten Genauigkeit nach seinen mathematischen Höhenmessuiigen gezeichnet w, rden. Diese vortreflichen Blätter sind in Neuchatel bey Hm. Osterwald zu linden. ■Xl. i 55* Neuchatel. rauscht der Seyon in tiefem Abgrunde; geht man dem Rande desselben nach, so gelangt man auf eine Fläche, von welcher man auf Vallengin herabsieht. Wege. Von Neuchatel ostwärts längs dem See nach St. Blaise i St., von hier weiter nach Erlach am Bieler-See (s. Blaise und Erlach). — Nach Vallengin i St., steil aufwärts bis an den Ort. le Plan genannt, durch Pierre - ä- hot , und längs dem Seyon; von Vallengin nach la Chaux de Fond 5 St., durch Boudevilliers , Jonclieres , Haut - Geneveis , über die Hohe, la Loge genannt, wo eine prächtige Aussicht ist; durch Boinau , oberhalb welchem die Suze entspringt, die durchs Immer - Thal flicfst und in den Bieter-^ See sich ergiefst. — Nach Lode 5 y 2 St. Durch Coffrane , Ceneveis und la Sagne , ( s. Rüzthal). — Durchs Va,l de Travers führt die grofse Landstrafse nach Frankreich: von Neuchatel durch Peseux, Cor- celles , immer ansteigend durch einen Fichtenwald, durch Rochefort 2 St. *). Hier geht die Strafse steil aufwärts neben dem Roc coupe vorbey in die weite Oeff- nung zwischen dem Boudry links und dem Tonrne rechts (dessen nordwestliche Seite das Thal des Ponts schliefst), durch Brot , durch den engen Pafs la Clu- itU«' Crt den F “ 1 , Siirt'i (1, d» fkilt C |D! dt» der Sw liiiicb' jlerras längs 1 dem 1 Felsen H'is.<( durch ihsh: Landl Amu. Falle * der tri Cortaii Min, *) Am Eingänge in den Pafs zwischen der Tourne und Boudry die Reste des Schlosses, worin die Kreyherren von Rochefort wohnten und die Reisenden beraubten. D er letzte Hesitzer* f r authier , natürlicher Sohn Louis* letzten Graten von Neuchatel im .T, 1373. trieb hier auch 4 as Räubcrhandwerk uud unternahm eine Dokumcnten- Verfi rii?t aiede teil »ol* Neuchatel. 553 zette , an einem tiefen Abgrund vorbey, in welchen die Reuse fliefst, und wo ein Halbzirkcl senkrechter Felsen Creux de T ent genannt (weil hier immer Wind herrscht), den Fortgang des Passes zu verschliefsen scheinen ; nach Noiraigue i St., der Anfang des Travers - Thal, (s. das Weitere im Art. Travers ). — W^r aus dem Thale Cluzette nach Neuchatel wandert, wird, wie er aus dem Passe Cluzette heraufkömmt und auf die Höhe der Strafse am Tourne gelangt, durch die prächtige Aussicht auf den Seg und die hohen Alpen blendend überrascht. — Von Neuchatel nach Yverdun 7 St. längs dem Seeufer; der Weg führt durch Serrieres an dem Bach gleiches Namens, der zwischen malerischen Felsen äufserst voll aus der Erde sprudelt, und dessen Wasser Papiermühlen , Kupfer - und Eisenwerke treibt; durch Auvernier an schöner Seebucht; Colombier , reich an herrlichen Aussichten und Alleen; bey dem Landhause Rieds und einer Zitzfabrik vorbey , durch Arnuse an einem Bach desselben Namens, der einige Fälle bildet; durch Boudry nahe an der Reuse, (in der trefliche Forellen gefangen werden) und nahe an Cortaillod , (wo der befste Wein wächst) Bevais, St. Aubin , von welchem ^ St. nördlich das Schlofs Geor- Verfalschung, die ihn zu Neuchatel 1412. aufs Blutgerüst führte. Nach seiner Hinrichtung wurde das Schlofs niedergerissen. Seine Frau und Kinder rächten des Vaters Tod, indem sie 1434. die Stadt Neuchatel anzündeten, wobey sie fast ganz abbrannte, worauf sie nach Gujcnne flohen , wo ihre Nachkommen noch leben sollen. I 554 Neuchatel. gies liegt, durch I'aumarous, Concise, Granson , Yver- dun. (S. Granson). Von Granson an geniefst man sehr schöne Aussichten nach dem mittäglichen Ufer des Sees, welches mit Oertern und Schlössern besetzt ist; besonders geniefsen dort das Städtchen Estavayer und das Schlofs Grandcourt einer herrlichen Lage. (S. Estavayer , Granson und Yverdun). Planzen. In der Schweitz seltne Pflanzen: Lavendula spica an den bergen oberhalb der Stadt Neuchatel. Gratiola ojficinalis , Iberis ruid/raulis , Che - lidonium glaucium bey Colo m hier, Cardamine hirsuta , Geranium lii'idum , Hypericum pulchrum in dem Pafs Close 11 c bey dem Creux de Vent. Geognost. Thatsachen. Die äufserste den Alpen zugewandte Jura- Kette, welche von dem Voua- che bey l'Ecluse in Savoyen bis nach Brugg und Regensberg wie eine Mauer emporsteigt, ist auf beyden Seiten der Stadt Neuchatel zertrümmert. Der hinter Rochefort emporsteigende Boudry , dessen breiter Fufs % bis an das Seeufer ausläuft, ist jetzt steil abgerissen, und von dem Chaurnont (JumontJ , welcher östlich von der Stadt Neuchatel unzerstört in der Jura- Form wieder anhebt, und mit welchem der Boudry höchst wahrscheinlich ehedem nur eine Kette ausmachte, 2-5 St. weit getrennt. Diesen Zwischenraum füllet der felsigte hohe Fufs der damaligen hier stehenden J«r«-Kette aus, welcher jetzt von Weinbergen, Dörfern und Landhäusern belebt ist. Zwischen Neuchatel und deiti Boudry , besonders zwischen Corcelles und Joch«/ eine » jUil® 1 Jafe ja lirribet biib Ne prellt, östlich illgem jenie; bet J IDlri loidrj Mt und 1 Jura langer balb ( «Wal litt so; ■onshö in w kickste »»U f«f Sl Pirach t Rochefort und am Boudry längs der Reuse, liegen eine Menge ausserordentlich grofser Granitblöcke zerstreut, welche immer mehr verschwinden, weil sie zu Mühlensteinen zersprengt werden. Merkwürdig ist , dafs die ganze Gewalt der Fluth, welche einst aus der Gegend des Grimsels in den Uralpen herab, zwischen dem Beaten-Herg und Niesen, über den Thuner-See herüber wälzte, ihre Richtung nach dem Jura oberhalb Neuchatel nehmen, und an diese Felsmauer angeprellt, auf beyden Seiten westlich nach Yverdun und östlich nach Biel zu fortrfluthen und wirken mufste. Allgemeine Uebersichten von dem Niesen, dem Len- genberg und Gurten bey Bern, und von den Höhen bey Neuchatel, setzen diese Thatsache ausser Zweifel. Wahrscheinlich wurde die Jura - Kette zwischen dem Boudry und Chaumont dürch die hier besonders wirkende Gewalt der Fluth zerbrochen, und das Sand — und Mergel - Gebilde, welches längs der SO. Seite des Jura sish anlegt, so tief eingewühlt, dafs ein 16-20 St. langer See zurückblieb (s. Neuchateler-See). Oberhalb Granson liegen in beträchtlicher Höhe am Jura ebenfalls eine Menge Granitblöcke. Bey Corneau, östlich von Neuchatel, ganze Felsen von Bucciniten, Ammonshörnern ; längs dem Seyon versteinerte Echiniten; am Wege zwischen Neuchatel und Vallengin, am höchsten Orte desselben, ein Felsen voll Strombiten; auf der Höhe des Schlosses Vaumarcus ganze Lagen' von Muskuliten, Buccarditen, Pcktiniten, und Ostraciten. Neuchateler-See, 9 St. lang, zwischen Neuchat e/ und Cudreßn 2 St. breit, gegen 400 F. tiel • liegt rg6 F. höher als der Genfer- See, also 1320 F. übers Meer nach Saussure, 1340 F. nach Tralles; seine Wasserhöhe wechselt um 7 ^2 Fufs, Unter den Bächen, welche in den See fallen, sind die ansehnlichsten: Die Orhe ergiefst sich an der SW. Seite, die Reuse und Seyori an der NW. Seite; die Broye , aus dem Murten- See an dem Ostende, bey dem Wirthshause Fehlbaum; die Thiele , oder Ziel, tritt nordöstlich heraus, und führt allen Ueberflufs des Neuchateler-Sees dem Bieler- See zu. — Der Neuchateler - See hieng ehedem mit dem Bieier-See (jetzt 2^2 St. lang getrennt) zwischen dem Jolimont und 7 ’e.r ren-Berg zusammen, dehnte sich zu jener Zeit mehrete Stunden weiter südwestlich über Yverdun und nordöstlich über Biel aus, bedeckte den jetzigen grofsen Sumpf zwischen den Bergen Jolimont , Vuity und der Stadt Aarberg , und bildete so mit der grofsen Seebucht von Murten einen der grofsten Seen der Schweitz (s. Murten , Anet , Neuchatelf — Die Schiffer auf dem Neuchateler-See nennen den Ostwind Bise , den Nordwind Jauran, den Westwind Ouberra , den Südwind le Vent. — Der See ist sehr fischreich. Aufser den Fischen, welche bey dem Genf er - See erwähnt siud, ernährt derselbe noch folgende: Den Salut, oder TV eis fSilurus glanisj, den Lachs fSalmo salarj; Perschen , Aale, Hechte und andre. Der Ombre Chevalier wird für seinen delikatesten Fisch gehalten. Neueheck, Dorf im K. Bern, an der Sense , Nid au. 557 5 St. von der Stadt Bern, an der Landstrafse nach Freyburg. Neueste Kriegsgeschichte. Hier wurden die Franzosen am 5. Merz 1798- von 2000 Schweitzern , unter Anführung des Oberst Grafenried , zu wiederholten Malen geschlagen und über die Sense 2urückgetriebeu, wobey sie 18 Kanonen und 1500 Mann an Todten und Verwundeten verloren. Die Schweitzer gierigen mit gefälltem Bajonnet den Berg hinan, trieben den Feind aus allen Stellungen, machten keinen Gefangnen, und zählten 173 Todte und viele Verwundete. An demselben Tage wurden die Angriffe der Franzosen bey Laufen und Gümenen (rechts nicht weit von Ncucneck) gleichfalls abgeschlagen. (S. Bern). N e u s. S. Nyon. Nicolai-Thal, der rechte Arm des Vispacher- Thales im Ober-Wallis. (S. F'ispach). Nid au, kleines Städtchen im K. Bern, nahe am Ost-Ende des Bieter - Sees, beym Ausflufs der Thiele. Wirthshaus: Bär. Geschichte. Ira J. 1165. stand hier schon eine Burg. Der Stamm der Grafen von Nidau und Büren erlosch im XIV. Jahrhundert mit Graf Rudolph V. und das Land kam an Coucy (s. Büren). Bern eroberte es 1388- !n dem Kriege gegen Oesterreich, und seitdem wurde es Hauptort einer Laudvogtey. — Nicht weit von Nidau findet man bey Stauden und Tribei römische Alterihüiner, welche von dem alten Petenisca herkommen, und Spuren von der römischen Straf se zwischen Aventicum und Solodurum. Schiffahrt auf der Ziel. Gegend und Aussichten. Die Thiel oder Ziel fliefst herilich lauter, voll und rasch, durch Nidau und die Niederungen in dessen Gegend, und verbindet sich mit der i ^ St. von dem Städtchen; ist einer der bequemsten Flüsse zur Scbiffarth in der Schweitz; auch ist der Waaren- transport aus dem Rhein durch die Aare und Thiele nach dem Bieter- und Neuchateler -See sehr ansehnlich. — Die Gegenden von Nidau sind zum Tlieil sumpfig und bisweilen Monate langen Ueberschwem- mungen ausgesetzt. — In dem Bezirk Nidau, am westlichen Ufer des Bieter- Sees, kostet der Morgen Weinberg von 40,000 [j Fufs 3-4000 Gulden. — In dem ehmaligen Landvogtsschlosse und auf der Höhe Bellmonde , y 2 St. von der Stadt, an der Landstrafse nach Aarberg , hertliche Aussichten. Wege. Ueber den Bieter - See (s. diesen Artikel). Nach Biel r /s St. Nach der Peters - Insel iin Bieler - See 2 St. Nach Aarberg 2 St. Auf der Thiele und Aare nach Solothurn 3 St. dutch reitzende Landschaften. Pf 1 a n z en. Althaea ojjßcinalis, sehr selten in der Schweitz, wächst tiev dem Schlofs von Nidau. Niese», im K. Bern, eine herrliche Felsenpyra- milde, 5564 F* über den Thuner-See, 734 ° F. “^ers Meer nach H. Tralles, zwischen dem Ausgange des Niesen. 559 Simmen- und Frutigen- oder Kander- Thaies, nahe an der Südseite des Thui.er- Sees. Von der Stadt Bern sieht man dessen Gipfel sehr gut; und wer von Thun über den See nach Unterseen , und von Hasli her über den Brienzer-See nach Unterseen sehifft, erblickt seinen ganzen Körper. Nirgends zeigt sich aber dessen gigantische Pyramidenform so auffallend, als zwischen der Kander- Brück und Müllincn. Der Niesen ist wegen der aufserordentlichen Aussicht von seiner Spitze berühmt. Den Einwohnern in den nahe gelegnen Gegenden dient er als Wetterkalender; die Simmenthaler nennen seine Spitze den wilden Andres , und die Westseite den Stalden. Weg auf die Spitze. Der befste Weg auf den Niesen geht von dem Dorfe Müllinen an der SO.-Seite in 4 - 5 St- stets über Alpweiden hinauf. Bey der letzten Sennhütte sieht man links aufwärts ein hohes FIorn % diefs ist die Äefl-Flue; und rechts von derselben liegt der Gipfel des Niesen. Will man in gerader Richtung hinauf, so ist die letzte halbe Stunde über die steile Graswand sehr beschwerlich; wendet man sich hingegen von der letzten Sennhütte links aufwärts nach der Bett - Flue und geht dann rechts an dem Rande des Niesen nach der Spitze zu, so wird auch dieser letzte Theil des Weges leicht. In jedem Fall ist es gut, von Müllinen einen Wegweiser und einige Nahrungsmittel mitzunehmen. Nur bey dem letzten Schritt auf den Gipfel, dessen zerbrochne mächtige Felsschichten den sonderbaren Anblick einer Ruine geben, öffnet sich 560 Niesen. die aufserordemliche Aussicht über das grofse w e ;t e Thal zwischen den hohen Alpen und dem Jura. D et Gipfel ist etwas abgerundet, und giebt einigen Personen Platz, die hier in Sicherheit neben dem gähnenden Abgrund und im Angesicht unzähliger Schueegebirge ihr Mittagsbrod verzehren können. Aussicht. Zu den Füfsen liegt der Thuner- See, etwas links zwey kleine Seen bey Amsoldingen, zwischen * diesen das ehmalige Bett der Ränder, welches einen langen Strich Waldes bildet. Man sieht die Städte Thun und Bern, viele Dörfer, unzählige Hügel, den Neuchateler- See nnd die Stadt Neuchatel; in der langen /«m-Mauer erkennt man sehr deutlich die Hasenmatt hinter Solothurn, den Chasseral zwischen dem Immer- und Buz -Thal, den Boudrjr westlich von Neuchatel, Entfernungen von 16-24 St. in gerader Linie. Nach Norden erheben sich die Emmenthaler— und lintlebnc'ier- Berge, welche sich am Thuner-See in die Ballig- und TVand -Flue endigen, die ganz gleich gestaltet paralell unter sich in den See senken ; zwischen beyden liegt das Ueschis - Thal, und am Seenfer Merlingen; an der Nordwestseite des Ballig, am Ufer, Sigrisnyl ; höher der angebaute Bucltholder-herg und das Teuft - Thal; an der Südostseite der IVand - Flue der Beaten - Berg und das Habclseren-Thal, welches sich nordwärts in die Gebirge nach dem Höhgant heraufzieht. Nach NO. erblickt man den Anfang des T/tuner-Sees, Unterseen, den Brienzer Sec zwischen seinen steilen Felsen; den Pilatus , tiefer den Briinig und andre Untervraldncr- Niesen. 561 Gebirge, unter denen ich den Titiis zu erkennen glaubte. Nach W. zu den Füi'sen das Simmcn -Thal, die Stockhorn - Kette, in welcher sich schräg gegenüber das stumpfe Stock - Horn, welches 580 F. niedriger als der Niesen ist, erhebt; alle Simmenthaler- Saanen- Freiburger- und Leman-Gebirge in den Landschaften Aigle und Bex, unzählige Spitzen. Nach S. gerade unter den F'üfsen die Garten - ähnlichen Frutigen- Adelboden- Ränder.- und Äie/r-Thäler, die fruchtbare Gegend um das Dorf Aeschi, die schwarzen Engel- Ares- Axete- uud unzählige andre Berge und Felsen aus dem Grindelwald , Lauterbrunn - und allen andern genannten Thälern, welche zu den hohen Alpen emporstuffen, in welchen, dem Niesen gerade gegenüber, die Gletscher - und sonderbar gestaltete reiche Blümlis- Alp oder Frau (4053 F. höher als der Niesen) aus dem Kien-Thal emporsteigt; der grofse Gamschi - Gletscher starrt von ihr herab; östlich von der Blümlis - Alp himmelwärts die stolzen in Schneemantel gehüllten Breit- Grojs- Jungfrau- Eiger- Schreck - JVetter - Hörner, und hohe Felsen in dem Mühle- und Gentel- Thal; westlich das Dohlen -Horn, Alt-Eis, Gemmi, Lammern- Ilorn , Strubel , TVcifs - Horn , Ravyl , Geiten -\lovn, Sand sch, Ollen- Horn, Diablerets; unter allen diesen Iliesengcbirgcu ist das Jungfrau- Horn das höchste, nämlich 5532 F. höher als der Niesen. W eg vom Niesen herab in das Simmen- Thal. Wer in das Simmcn - Thal reisen will, kann vom Niesen da hinabsteigen. Man geht von der Nie- 5ö 111 . 562 Nies kn. senspitze zurück nach dem hohen Horn der Bett- Flu 8) und da führt ein Fufsweg dicht am Kande der abgerifs- !C# SI ,nen Niesen-Seite herab; wo sich der Fufspfad verliert, von da wendet man sich gerade auf einige Sennhütten zu, /»* ^ die man westlich tief unter sich erblickt. Der Rasen- abhang ist sehr steil, und ohne mit Stahlnägeln be- waffnete ßergschuhe äufserst beschwerlich. Von den Sennhütten führt ein Fufsweg ins Thal (2 St.) hinab; nff ie hier nun rechts bis Elimmis am Ausgange des Sim- 11 Tag 1 men - Thals Js St., links nach Erlenbach 1 St.; nach «Ick letztertn Dorfe folgt man einem Fufspfade, dem die Jiarae! Simme rechts bleibt, bis Laterbach , wo eine Brücke plunti über den Strom führt; von hier bis Erlenbach noch meid % St. (s. Erlenbach ). j^uhn Pflanzen. Der Niesen ist reich an Alpenpflanzen. t . } j Benedikt ArelLus aus Betterkinden , im K. Bern, be- 111S lat reiste den Niesen und das Stock - Ilorn, und gab eine Beschreibung ira J. 1561. heraus, die für jene Zeit in u jg a botanischer Rücksicht sehr interessant war. Der Nam.c ttr von Aretius wurde in dem Aretia- Geschlecht der Al- penpflanzen verewigt. ^ Geognostische Beschaffenheit des Nie- ^ sen. Der Niesen beginnt eine Bergkette, welche das ^ ^ Simmen - Thal auf der Südostseitc begrenzt, und pa- „ 01 * bpi, rallel mit der Stockhorn- Kette, welche auf der Nord- ’ ä M, , Westseite das Thal einschliefst, nach S. an die hohen r . ’ '«Uta Alpen heraufsteigt. Alle Gebirge nordwestlich, südlich ^ und südöstlich vom Niesen, bestehen aus Kalkstein; •• . ’ m sind dasselbe wurde immer vom Niesen auch behauptet, und t «Mead Niesen. 563 doch war es ein Irrthum. Der unterste Fufs des Niesen an der Süd- und Ostseite besteht aus Kalkschicfer, von Spathadern durchzogen; ^ St. vom Dorfe Müllinen beginnt Thonschiefer. In dem Kltipfi - Graben, St. von Müllinen, wird ein schön schwarzer und feinkörniger Schiefer , der in grofseu Tafeln bricht, ausgebeutet; nordwärts von diesem Bruche streicht ein magerer schwärzlicher Kalk, und gegen SO. geht Gyps zu Tage, welcher eine Fortsetzung der Gypslager ist, welche vou Aigle und Rex durchs Saanen - Land und Simmen - Thal unter der Niesenkette fort nach dem Thuner- See, und südlich von Leisingen nach NO. fortstreichen. Der blättrige Thonschiefer zeigt sich im Aufsteigen über die Hälfte der Niesen - liehe. Nach 1-2 St. findet man Bruchstücke eines gelblich weifsen aus lauter gerundeten grofsen Quarzkörnein bestehenden Sandsteins und Grauwacke, die immer häufiger sich zeigen, je höher man kömmt. Eine halbe Stunde unter der Niesen - Spitze gelangt man an die Schichten des genannten Sandsteins, von denen alle Bruchstücke herabgefallen sind, welche man beym Aufsteigen an- trifft. Diese Schichten, zwischen denen hin und wieder noch blättriger Schiefer hervorgeht, setzen dann bis zur Spitze fort, wo man sie am befsten beobachten kann, weil sie hier ganz nackt und rein von allen Flechten und Moos, als wenn sie erst vor Kurzem von dem Meere verlassen worden wären, zu Tage liegen. Sie sind 3-6 Fufs mächtig und liegen, von einer erstaunenden Gewalt zerbrochen, wie Ruinen eines Rie- 564 Niesen. sengebäudes, als ungeheure Quaderstücke aig^ und gegeneinander gestemmt. Diese hellgelblichten Schichten bestehen aus reinen, abgerundeten Quarzkörnern von der Gröfse eines Hanfkorns, selbst kleiner Erbsen, welche ' unter einander so fest wieder verbunden sind, dafs sie eine einzige Felsmasse bilden. Hin und wieder sind k die Quarzkörner so klein zerrieben, dafs sie in wahren Sandstein übergehen. Die innere Beschaffenluit des Niesen läfst sich sowohl von seiner Spitze, weil seine ganze Nordseite senkrecht abgerissen ist, als auch an dem Westrande derselben, wenn man nach TVimmis herabsteigt, vortreflich beobachten. Der ganze Körper des Niesen und der etwas südlicher emporsteigenden Bett - Flue bestehen aus Tegelmäfsigen Schichten von ^2-r Fufs Mächtigkeit, die von NO, nach SW. streichen und sich nach S. ziemlich steil senken; nur die obersten Schichten aus dem grobkörnigen Sandstein sind weit mächtiger, wie die übrigen. Diese gehen nach und nach in kleinkörnigen Sandstein *über, und unter diesen folgen dann abwechselnd Schichten von dünnblättrigem Schiefer und Grauwacke , aus blauligcm, schwarzem Schiefer und Kalksteinen in allen Gestalten und Gröfsen, mit und ohne Quarzkörner gemengt. Die Schiefer- und Kjlksteinstiicke sind alle eckig, äufserst selten sieht man ein gerolltes Stück; die Quarzkörner sind mehr abgerundet, als eckig. Diese geognostische Beschaffenheit des Niesen scheint nicht nur in der Niesenkette zwischen dein Adelboden- und Sirnrnsn - Tbale allgemein zu scyn, sondern zwi- lebea W» fiel e ” 1 ßrei‘ TIllcl“ „tick« hoiie 1 Sötnet „eiche alsäffi welch Bach m H am{ i onl e wach deckt Gehirg uog i - »a tissen, »eichen ieienti fteeenk Sichtm '■eees 3 sehen den Kalkgebirgen des Saarar*-Landes bis in die Laudschaft Aigle und Bex fortzustreichen. Ich fand unzählige Bruchstücke derselben Grauwacke an dein Ausgange des kleinen Fermei - Thaies, welches au die Niesenkette hinaufzieht; hinter Lenk , am Fufse des Albresch - Horns und selbst des wilden Strubels , an welchen sich das vorige anlehnt; in dem PVald- Bach, welcher vom liasler - Berg herabkommt; im Saanen- Lande, am Fufse des Lauerten- Horns und aller übrigen Hörner nach dem Turbach - Thale zu; in dem Bache, welcher aus diesem Thale strömt, nach Sannen zu; alsdann oberhalb Chateau d’Oex in der Tourneresse , welche aus dem Etivaz - Thale strömt, und in dem Bache le Mosch , hinter Legerette herab nach Ormond , am Wege nach Aigle. Diefs ist die Streichungsrichtung r> ' Felsenkluft über den Brienzer - See eingezwängt, her- ® vorstürzten , mufste nothwendig die Nordseite des Nie- 1( ' sen senkrecht herabreifsen und dessen innem Körper b* ^ blofsstellen. Der Gyps streicht vom Niesen weiter nach Ai NO., wo er zwischen Spietz und Leifsigen, und am fr* 011- südwestlichen Fufs des Brünig zu Tage stöfst. f^h Geognost. Uebersiclit des Aar -Kessels. An Die hohe Felsenkette, von den PVetter-Woraera an bis «bet nach den Diablerets , bestehet aus Kalkstein mit vielen tief a Quarzkörnern gemengt und reich an zerquetschten Sckwi Meer - Schaalthieren, auf Schiefer und Gneifs ruhend. Thum, Selbst diese hohe Kette ist an manchen Stellen mit wndrt dem grobkörnigen Sandstein gänzlich bedeckt. Auf dem lick 1 Olden - Horn (10,000 Fufs hoch) fand ihn H. Tr alles. p; e Der Niesen steht an der Südseite des Ungeheuern Fel- g ea h sendurchbruchs, welcher hier zwischen der Stockhorn- J cr j ( und Niesen- Kette und den Gebirgen an der Nordseite D J]mn der Thuner- und Brienzer -Seen geschehen, und ist (5 y 0 deswegen eine vortrefliche Warte zu einem allgemeinen ^ Ueberblick. Die Lage der gegenseitigen Gebirge am ^ Ausgange dieses Durchbruchs zeigt deutlich, dafs die Fluthen , welche über die Ur-Alpen herabwälzten, ihre j. Richtung n 3 ch W. dem Juda zu von der Hasenmatt , u ( hinter Solothurn,’ westlich bis an den Thevenon ober- ^ halb Granscn nahmen, ihre Hauptgewalt aber an dem . N Y O N. 567 Jura auf beyden Seiten der Stadt Neuchatel anprellen mufsten. Zahllose Granit- und Gneifsblöcke wurden damals in dieser Richtung forrgewälzt, und längs dem Jura von der Ilasenmatt bis Thevenon in beträchtlichen Höhen abgesetzt (s. liiel , Neuchatel nnd Solothurn). Das Sandstein- und Mergel-Gebilde, welches das breite Thal zwischen den Alpen und dem Jura füllte, wurde mit gerollten Geschieben und grofsen Granit- und Kalksteintrümraern überstreut, tief eingefurcht, in nach W. ziehende lange Berg- und Hügelreihen zerrissen, und längs dem Jura von Yverdun bis über Biel hinaus und nach Aarberg und Murten so tief aufgewühlt, dafs dort einer der gröfsten Seen der Schweitz zurückblieb. Noch jetzt läuft die Aar vom Thuner-See an genau in dieser Richtung nach W., wendet sich aber zwischen Aarberg und Murten plötzlich nordwärts ( s. Neuchatel und Neuchataler — See ). Die Grenze der zwischen der Stockhorn — Kette und Beaten — Berg hervorstürzenden Fluthen nach SW. war der Jorat , welcher als ein nach dem Jura hinziehender Damm den Rhone- Kessel von dem Aae- Kessel trennt. (S. Jorat). Nugerol, Nerval (vallis nigra), wurde die Landschaft zwischen Biel, Murten und Solothurn im VII. Jahrhundert genannt. Nyon (Neufs) , eine kleine Stadt im K. Leman , auf einem Hügel am Genfer -See; ehtnaliger Hauptort einer Bernerischen Landvogtey. Wirthshäuser: a la Croix und a la Couronne. Nyon. Ä68 Geschichte. Cäsar , nachdem er die Helvetier ^ geschlagen hatte (s. Ecluse unter dem Art. Genf ) , ^ gründete im J. 70g. nach Erbauung Roms (56 Jahre ^ jj#] ■vor Christi Geburt), hier bey Novidunum durch eine l!I Anzahl ausgedienter Ritter die erste römische Festung, ■welche von ihm den Namen Colonia Julia, von ihren Ile] Erbauern C. Equestris erhielt. Im X. Jahrhundert '' hiefs diese Gegend noch Pagus equestris. Man findet !! “ r P oft zu Nyon römische Inschriften, Münzen, Urnen, wo Ueberrcste von Mosaikfufsböden. Auf der Brücke über I» die Dullive (1 St. von Nyon auf dem Wege nach viele Rolle) liest man an einem Stein von Cylindergestalt des folgende gut erhaltne Inschrift: Pontes viasque vetu- tich i state conlapsas millia passuum VII. restituit Col. equ.— n i Von. der Gründung dieser Colonia Julia an breiteten jtffifi sich die Römer in der westlichen Schweitz schnell aus, Eniehu und bald auch in der nördlichen, wo sie viele Waffen- W» platze und Städte anlegten, welche sie durch vier grofse io« Heerstrafsen verbanden. Römische Gesetze, Sprache, Mm Sitten und Religion herrschten in der Schweitz bis in §i( Z e ( die letzte Hälfte des IV. Jahrhunderts nach Christi Ge- von j burt, wo die Römer von den einbrechenden deutschen [y fr Völkern, deren Einfälle und Kriege gegen die Schweitz Kj^ schon in der Mitte des III. Jahrhunderts begannen, be- ^ zwungen, getödtet und verjagt wurden. j Aussichten. Die Vorstadt la Rive liegt dicht ^ am Seeufer, am Fufse des Hügels, auf welchem die Stadt erbaut ist. Aus dem hintern Zimmer des Wi rt b s " ^ hauses zum Kreutz sind schöne Aussichten über den ^ N y o u. 5®g See, so wie auf der Terrasse des Marroniers , bey dem landvögtlichen Schlosse, und in der Pappel-Allee. Die Lage des Schlosses Prangin , ^ St. von Nyon, ist herrlich. Eine weite Aussicht auf der Erdzunge, wo das Dorf Promenthou unterhalb dein Schlofs Prangt" liegt. Merkwürdigkeiten, Nahe bey der Stadt eine sehr gute Porzellanfabrik, lieber den Bezirk la Cüte, wo der geschätzte la Cole - Wein wächst, s. Morges. In der Gegend von Nyon, dem Jura zu, wachsen viele efsbare Kastanien. Eine der höchsten Kuppen des ganzen Jura, la Dole (Dolaz) genannt, erhebt sich über Nyon; in i y» St. gelangt man von Nyon an den Fufs der Dole (s. deren aufserordentliche Aussicht unter dem Art. Dole). In der Stadt Nyon Erziehungsanstalten, unter andern die seit 21 Jahren bestehende Anstalt des Hm. Snell. Während der edle Bdnstetten hier als Landvogt lebte, wohnten die Musen und die Freundschaft in diesem herrlichen Sitze, wo Maltliisson , Salis und Friederike Brun , von Natur und Freundschaft begeistert, ihre schönen Lieder sangen, und Johannes Müller an der Geschichte seines Vaterlandes arbeitete. Wege. Nach Rolle 2 St. (s. [diesen Artikel). Nach Genf 4 St. fast immer längs dem Ufer des Sees; zuerst über den Bach Boiron , durch das Städtchen Coppet 1 1 { 2 St. (s. Coppet). Von Nyon kann man bis fast auf die Höhe der Dole fahren; der Weg geht nach Sb. Sergue 2 St., und von da bis auf die Dole noch 2 St. CzJ sw 57 ° Obergesteln. Pflanzen. Die Gegenden von Nyon sind reich a n seltnen Pflanzen. Seit 30 Jahren sind sie durch den v verstorbnen Hrn. Garcin de Cotens, und durch die Hm. Prediger du Croz und Gaudln zu Nyon durchsucht worden ; letztrer ist durch seine botanischen Werke rührnliclist bekannt. Micropus erectus ist dieser Gegend und dem Wallis eigentümlich. Briza eragrostis , ist sonst noch nirgends in der Schrreitz gefunden worden. 0. Obsrgesteln, das vorletzte Dorf im Ober- Wallis, nahe am Fufse des Grimsels, in gleicher Höhe wie Unter«-Thal. Das Wirthshaus hat keinen Namen und ist sehr klein, doch findet man einige gute Betten und dienstwillige Menschen. — Hier ist eine grofse Niederlage von Berner- und Walliser - Käsen, welche über den Gries nach Italien geführt werden. — Obergestein liegt an der Laudstrafse des Walliser- Landes, welche sich von hier nach drey wichtigen Gebirgspässen spaltet; nämlich über den Grimsel in den K. Bern über die Furca in die KK. Uri und Graubünd- ten, über den Gries durchs Eschen - und Maggia- Thal, über die Lufenen durchs Livinen- Thal, nach Locarno , dem Langen - See und Italien. — Das Seheuswürdigste in der Nähe von Obergestein ist der prächtige Rhone - Gletscher und der Ursprung der Rhone; der Weg dahin geht durch Oberwald js St., [titeln Obergesteln. 571 wo gegenüher der Bach Elrni aus dem bewohnten aber ganz unbesuchten Geren -Thal hervorrauscht, welches sich nach dem Mutt - Horn und Lufenen hinaufzieht; von hier längs der Rhone durch ein wildes naktes Thal bis an den Gletscher 1^ St. ( s. das weitere unter dem Art. Furca ). Die Ober - Walliser nennen die Rhone Rodden , Rotten. — Eine halbe Stunde von Ober- gcsteln macht die Egihe im Eginen- Thal einen hüb- l'all, und einer der gröfsten und schönsten Wasserfälle ist 6-7 St. davon zu sehen (s. Gries und Pommat ).— Die Häuser von Obergestein, Münster und aller übrigen Dörfer in dem höchsten Theile des Walliser- Thaies , sehen ganz schwarz aus, welches von der Wirkung der Sonne auf das Harz des Lerchenholzes, woraus sie erbaut sind, herkömmt. (Ueber die fürchterliche Schneelauine, welche einst Obergestein verwüstete, s. den Art. Lauine'). 'AA^ege. Von Obergestein über den Gries nach Pommat 6 - 7 St. ( s. Gries ). Nach Airolo längs der Südseite des Gotthards über den Lufenen 8-9 St. , wobey 5-6 St. zu steigen (s. Airolo). Bey dem Rkone- Gletsclier vorbey auf die Furca 4 1 [ 2 St., hinab ins Ursern - Thal nach Realp 3 St., ins Dorf Hospital ! St. _ Von Obergestein über den Grimsel nach dem dortigen Wirthsliaus, Hospital genannj, 3 St. Alle diese AVege können zu Pferde gemacht werden. Geognost. Thatsachen. Alle Felsen auf bey- den Seiten von Obergestein nach dem Rhone- Gletscher bestehen aus Glimmerschiefer , Gneifs , Granit, in sehr mannigfaltigen Verhältnissen ihrer Bestandteile, ®; t Hornblende, Talk, Granaten hin und wieder gemengt, von Quarzbänken durchzogen, alles in ganz senkrechten Schichten von SW. nach NO. streichend. Das merkwürdigste für den Beobachter ist ; Dafs zwischen dein Urgebirge auf beyden Seiten des Thaies Kalkstein mit Glimmer gemengt, Thonschiefer und Topfstein, nach der Furca zn ins lirsern-Thal streichen. Da gerade das Thal in der Streichungslinie aller Urfels- Schichten liegt, so sind die Schichten der letzten genannten Gebiigsarten gröfstentheils zertrümmert und weggeführt. Ansehnliche Ueberreste von Schiefer in senkrechten Schichten zeigen sich bey Oberwald und an der Furca; von dem blauen glimmerreichen Kalkstein eine Schicht von 500 Fufs Höhe zwischen Obergestein und einer kleinen Kapelle hinter Oberwald, dessen Bruchstücke an und neben dem Wege liegen, und an der Furca , vom Topfstein eine Schicht auf der linken Seite der Rhone , ohngefähr der ebenerwähnten Kalkschicht gegenüber. In dem Eginen - Thal, ^2 St. von Obergestein, wird sehr schöner Topfstein, Fortsetzung dessen, der nicht weit von Aernen bey Mühli- Bach in der Lamen ausgebeutet wird, gebrochen (s. Aernen'). lieber die Fortsetzung des Urkalksteins und Topfsteins durchs Ursern - Thal s. den Art. Gotthard. — Ueber die geognostiscbe Beschaffenheit nach 'dem Gries , nach Airolo über den Lufentn und auf den Grimsel s. Gries , Airolo und Grimsel. Orerhalbstbiner — Thal (roman. Sur Seifsa , Oberhalbsteiner -Thal. 573 supra saxum ) im K. Graubündten, auf der Nordseite des Septimer und Julier , 8 St. lang, von dein Oberhalbsteiner-Rhein durcliströmt, welcher in einem kleinen See auf dem Septimer entspringt, von dem Bach des Julier verstärkt wird, und bey Tiefenhusten in die Albula fällt. Merkwürdigkeiten. Dieses Thal hat seinen Namen von der Felsenklult , welche es von Tiefenha-~ sten trennt; denn die drey Dörfer Tiefenhasten, Alva- schein und Alons liegen am Ufer der Albula unter dem Stein, zu dem eim steiler Weg hinaufführt. Es gehorchte bis i 559 - dem Bischof von Chur , welcher es durch Vögte regieren liei’s. Dessen politische bürgerliche Verfassung und Gesetze sind 1716. zu Bonaduz gedruckt worden. Der Stamm der Einwohner ist grofs und wohlgebildet. Von alten berühmten Geschlechtern bestehen noch die Marmels zu Marmels, Calilina und Prevosti zu Bivio u. s. w., und von zehn alten Schlössern im Thal giebt es noch Ueberreste, Die romanische Mundart, die hier gesprochen wird, nähert sich mehr dem Ober-Engadinschen Ladin als dem Romanisch des Vorder-Rheinthals. — Die meisten Predigerstellen sind mit italienischen Kapuzinern besetzt. — Auf dem Rücken der hohen Gebirge dieses Thaies liegen vier kleine. Seen, schöne und weitläufige Alptriften ; Gemsen, Murmelthiere, weifse und graue Haasen, Lüchse und Füchse sind häufig, — Durch dieses Thal führt die Obere Strafse von Chur sowohl über den Septimer ins Brcgelltr - Thal, nach Chiavenna , dem Corner-See und nach Italien, als auch über den Julitr ins Engu- din (s . Tiefenkasten , Cunters , Bivio , Septimer Julier ). G eo gn o s t i s ch e Beschaffenheit. Das ganze Thal liegt in den Uralpen, und enthält mannigfaltige Ur- felsarten. Bey Tiefenkasten Urkalkstein undUrgyps, bey Cunters Glimmerschiefer, zwischen Salux und Tinzeu Serpentinlager von schwarzgrüner Farbe, in den Gegenden von Marmels grüner und blutrother Talkschiefer mit vielem Quarz in abwechselnden Schichten, schwarzrother Talkschiefer mit grünen Streifen und weifser feinkörniger Talkstein; von Marmels nach dem Septimer bleibt Talk herrschend. Schwefelkiese in Menge oberhalb Schweiningen auf den hohen Gebirgen Plan dals Boos und bey Tiefenkasten. Pflanzen. Gentiana lutea wächst sehr häufig in den Alptriften dieses Thals, aus deren Wurzel die Montafuner feurigen Geist brennen und ausführen. Die Birke ist «ehr häufig, und die Arve selten in hiesigen Wäldern. OuitAND im K. Grauhündten , auch Sur selva (über dem Walde) von den Einwohnern Panatutz genannt , ist das Vorder - Rheinthal von den Grenzen Vrserens bis Reichenau. Oberland, im K. Bern , wird die Landschaft genannt, welche von der Stadt Thun nach O. und S. in die hohen Gebirge auf der Grenze von TVallis sich ausbreitet; dahin gehören also die Thäler von Hasli , Grindelfraid , Lautet brunn , Kander , lrutigen , Adel- 575 % Oex, (Chateau d’). boden , Simmen und Saanett. Alle diese Thäler ■waren Eigenthum derer von Kien , von Krauchlhal , von l'.rlenhach , von IVeifsenburg , von ßrandis, von Scharnachthal , von Frutigen , von Thum zu Ge— stein , von Sträflingen, von Unspitnnen , no« Brienz, von Rinkenberg, von Greiers u. s. w-,, wovon einige Geschlechter im XIII, Jahrhundert ausstarbcn, die meisten aber nach Gründung von Bern in diese Stadt gezogen waren. Gegen die Mitte des XV. Jahrhunderts kamen alle Thäler durch Kauf an die Stadt Bern. Das Bernische Oberland ernährte im J. 1797. gegen 28,610 Kühe. ( S. Brienzer - See , Unterseen , Interlachen , Hasli , Meiringen, Grindelyrald , Lauterbrunn , I.eiJ’si- gen , Spietz , Thuner-See , Thun , Müllinen , Blutigen, Niesen , Kanderstäg, Adelboden , Simmen — Thal , Birlenbach , Diemten - Thal, TVeifsenburg , Anderlenk , Reulissen , l.auenen , Saanen , Chateau d'Oex, A 7 i- iias - Thal ). Oesisc.es, Dorf und Abtey am deutschen Ufer des Zeller -Sees, St. von der schweitzerischen Stadt Stein.' Die merkwürdigen Versteinerungen hier sehe man unter dem Art. Stein. Oes (Chateau i>’), Oesch , im K. Bern. Wirths- haus: Lu grande Maison de Village. Grofses Dorf an der Saane , an der Landstrafse ; Versammlungsort aller französisch redenden Einwohner des Saanen - Landes ( s. Saanen ). Oberhalb des Dorfes steht auf einein runden grünen Hügel die Kirche, wo ehedem das Schlofs der Grafen von Greiers stand; hier eine gute 576 Oex (Chateau i/). Aussicht über das Thal. Iu der Nahe von Oex eine schwefelhaltige Quelle. Merkwürdigkeiten. Merkwürdig war der vor Kurzem gestorbne H. Favrod , Schulmeister dieses Orts, wegen seiner Verdienste um Pflanzenkunde. Sein Trieb zu dieser Wissenschaft war so unwiderstehlich, dafs er alle Hindernisse besiegte , und einige Jahre das Pflanzenreich im Saanen - Lande untersuchte; mehr als go Baumarten nach Linne bezeichnete und beschrieb; eine grofse Menge Pflanzen sammelte, viele in seinem kleinen Garten, welcher von den Einwohnern zu Oex der lateinische Carlen genannt wird, verpflanzte, und ihre möglichste Benutzung untersuchte; mehr als 20 Pflanzen, welche Albrecht von Haller übergangen, eben so viele, welche im Linne nicht zu finden sind, auf« fand, und yerschiedne sehr gute Futterkräuter kennen lehrte. Es ist höchst zu bedauern, dafs ein so geschickter und guter Mann, wie H. Favrod , durch Dürftigkeit von gröfsern Dingen abgehalten wurde. Wege. Von Oex nach Rougemont und Saanen (s. diese Artikel). Nach dem K. Frey hurg geht der Weg durch Rossiniere 1 St., durch den engen Pafs Tine im Thälchen la Cuve, zwischen den Felsen Ctdaz und Courjon nach Montbovon t St. (s. diesen Art.). Ins hohe Bergthal Elivaz , aus welchem, Oex gegenüber , die Tourneresse nach der Saane hervoreilt ( s. Etivaz). Nach Jigle führt ein Weg für FulsgÜDger und Reuter in 7 St. längs der Tourneresse aufwärts t. Oliv onk. 577 (das jEfinaz-Thal bleibt links j über Legerctte , Sepey u. s. w. (s. Aigle). Pflanzen. ln dem Thale : Astragalus depressus , sehr selten. l.igtL' sticum ferulaceum, sehr selten, und dieser Gegend eigen** thümlich. Auf dem Rerge C r cy : Pedicularis fiammea, Draba pyrenaica , alle beyde ziemlich selten. Olivone, Olivon ( rhät. Uuorga , d. i. Gegend, woher die Bären kommen) Dorf im obern Theil des Belenzer - Thals im K. Tessin, an der Landstrafse über den Lukmanier nach Graubündten. Das Belenzer— Thal spaltet sich von hier nach der Grenze Graubünd- tens in eine Menge Nebenthäler, deren geographische ' * Lage wenig oder nicht bekannt ist. Hier eine genaue Beschreibung dieses ganz unbesuchten Theils der Schweitz. Genaue geographische Bes chreibu ng .eines bisher unbekannten Theils der Schweitz. Von Olivone zieht nach NW. das Camper - oder Zura- Thal aufwärts, im Anfänge bewohnt und fruchtbar , dann Wälder und Wiesen. Durch dieses Thai führt die grofse Strafse , neben den Hospitälern Cam- piero und Casaccia vorbey auf den Lukmanier in 4 St (s. das Umständlichere unter dem Art. Lukmanier ). Ostnordostwärts von Olivone zieht das Val di Ghirone nach einem kleinen Dörfchen, Ghirone, a St. von Olivon benannt, und spaltet sich bcy dem Dörfchen in zwev Thäler. Der westliche Arm heifst Val di Ca~ madra- , und in seinem hintersten Theil Centval (Von- Ul. 57 dert - Thal) , weil von dem grofsen Medelser- Glet_ scher hundert kleine wasserreiche Thälchen herabsteigen, welche ihre Bächlein sämtlich in dem Blegno oder Tessin vereinigen. Aus dem Centval zieht nach O. ein enges Thal, Cajlanara , dessen Bach aus einem andern Theil des Medelser - Gletschers entspringt, und am Ende desselben bey der sogenannten Scaletta einen Wasserfall macht ; man steigt beynahe i St. lang sanft berg-an, bis die Höhe erreicht ist, wo das Auge eine weit ausgedehnte sehr schöne Aussicht geniefst. Der östliche Arm des Chitone - Thals zieht nach ONO., heifst Val di Monterasch , und spaltet sich eine Stunde hineinwärts in drey Nebenthäler, von denen das nördliche seinen Namen beybehält, das nordöstliche Carsura , das südöstliche Scaradra — Thal genannt wird. Nachdem man 2 St. in dem Monterascher - Thal zurückgelegt hat, kommt man unfern der vorhin bemerkten Höhe des Cajlanara- Thal auf eine Anhöhe, von welcher sich der Medelser- Gletscher in seiner ganzen Pracht zeigt. An diese Anhöhe stöfst das Tenijer - oder Sonvicer- Thal, welches ein andrer Theil des Medelser - Gletschers schliefst, von dem es erst nordöstlich, dann ganz nördlich 6-7 St. lang nach dem Vorder-Rhein herabzieht, und sich bey Surr/tein nahe au Sonvic, nicht weit von Trons öffnet. Diese Anhöhe liegt auf einem Alpgelände, auf dessen Seiten hohe Felsen emporstei- gen, und welches die Einwohner von dem Lugnetzer- urid Belenzer - Thal gemeinschaftlich benutzen. Will man von hier seinen Weg östlich fortsetzen, so kann Oltf.n. 579 man entweder ins Tenijer - Thal* hinabsteigen; oder inan wendet sich aufwärts nach der Furca von Dics- ro( , gelangt von da durch eine Alp gleiches Namens ins Dorf Puzag , nach TYrin , und von da in 2 St. nach dem Hauptort Villa im Lugnetzer- Thal. Durch den südöstlichen Arm des Monierascher - Thals, nämlich durchs Scaradra - Thal, geht ein Weg über einen Felsen und Gletscher (sehr beschwerlich 3-4 St.) hinab ins Lenta- Thal, von da in i 1 /.. St, ins Doif Zafreila , und in 2 St. in den Hauptort des Val- ser - Thals ( s. Lugnetz ). Geognost. Thatsachen. Urkalkstein, Schieber und Gyps , welche sich von dem Luhmanier herab an seiner Südseite zeigen, streichen von da nach NO. durchs Camadra - Thal an der Südseite des Gajla- nara — Thals, durchs Monterascher - Thal, über die Diesroterr- Alpen ins Lugnetzer - Thal; und nördlich und südlich dieser Kalk- und Schieferschichten streichen Gneifs, Granit und Glimmerschiefer durch alle , - diese Thäler. Olteb, ein Städtchen an der Aare, im K. Solothurn , in einem Pafs zwischen zwey Bergvorsprüngen des Jura , an der Landstrafse von Hasel nach Luzern. — Wirihsliäuser : Krone , Loire , Kreuz. — Zur Römer - Zeit war hier schon Olta ein befestigter Ort, und ist noch jetzt mit Mauern nach römischer Bauart eingefafst. Die Vicani Ultinatenses haben schon dem Tiber. Claud. Ncr. ein Denkmal gestiftet, quod f 58o Olten. ■viam per Jurassi vallel duxit*). Solothurn kaufte Olten Atf I im J. t425. von dem Ilochsüft Basel für 6600 Gulden. f“ Merkwürdigkeiten. Olten wurde durch die «fr helvetisoh - patriotische Gesellschaft berühmt, welche ff von den verdienstvollen Männern, Dr. Hirzel aus Zü- , St rieh, und lsciin aus Basel, in dem J. 1760. gestiftet, tid* und deren grofse allgemeine Versammlung alle Jahre im Anfang des Juny zu Olten gehalten wurde. Die 0 Schweitzer - Lieder von Lavater , welche wahre Volks- ,»,S liedcr geworden sind, hat man dieser Gesellschaft zu und f verdanken. — Im J. 1780. setzte H. von Bonstetten htnli Preise auf die vollkommenste Darstellung der Erziehung in jedem Kanton, mit Vorschlägen zu ihrer Verbesse-" ^ rung. Es liefen hey der Oltenschen Gesellschaft über 1008 die KK. Basel, Luzern und einige andre Kantone Schriften ein, welche über diesen wichiigen Gegenstand mit der gröfsten Wahrheit und Freymüthigkeit handel- ,nl1 ten , und die Quelle der meisten Mängel und Mifs- ^ bräuche in der Verfassung und dem Geiste der Regie- eiM rung zeigten. .Dies brachte die Mitglieder der Gesell- Rem ^ Schaft, welche Bürger jener Städte waren, auf; sie be- gannen hitzige Wort- und Gedankenkämpfe, wider- *^1 setzten sieh der öffentlichen Bekanntmachung, und ^ 11 wufsten das Ganze zu unterdrücken. Seit dieser Zeit / (r 'St zogen sich die edelsten Männer von den Zusammen- Get künften zurück , und die Gesellschaft versank. Ueber *) S. über die zu Olten gefundne römische Inschrift L. F. von Hallers trefliche Abhandlung im Schweiz. Museum. JII. St. 1766. lttri, «c4 1 Orbe. 58 : das AuFleben derselben s. Zoßngen. — In der Nähe der Stade auf den Bergen die Ueberrcste der Schlösser Neu- und All - Wartenburg. Bey Güsgen , am Jura , grofse Austermuscheln und andere Versteinerungen. Wege. Nach Solothurn 4-5 St. Nach Aarau a St. Nach Aarburg 1 St. Nach Dasei über den Nieder-Hauenstein, durchs Hornberger- Thal, Sissach und Liechslal, 8 - 9 St. (S. Sissach und Liechstal). Ohserkone-Thal, im K. Tessin, öffnet sich 1^2 St. westlich von Locarno, zwischen dem Maggia- und Centovalli-TlhsX, als eine enge Felsenkluft, welche herrlich bewaldet ist, und zieht 4 St. weit an das Gebirge Cannarossa hinauf, von der Onsernone durchströmt, welche, mit der Melezza vereinigt, in die Maggia fällt. Das Thal hat fünf Gemeinden; die Männer wandern als Kaminfeger aus, die Weiber Hechten ämsig Strohhütte für Italien. Die Kleidertracht der Weiber ist romantisch. — Am Fufse des Cannarossa eine heifse Schwefelquelle und Bäder. Dieses Thal ist wenig gekannt und wird gar nicht besucht. (S. Locarno). Orbe, Landstädtchen im K. Letnan, auf einer Felsenhöhe an der Orbe, am Ausgange des Orbe- Thals und an der Landstrafse von Yverdun nach dem Qen* fer - See. Geschichte. Zur Römerzeit stand hier Urbi- genum, und die römische Heerstafse von der Colonia Julia (Nyon) gieng bey Orbe vorbey nach dem jetzigen Yverdun ( s. diesen Artikel ). In der Gegend von Orbe »ach Valeyre zu sind rnancherley römische Alterthü- mer und 1755. au Orbe selbst ein jL/orat'Ä-Fufsbodea und Spuren von römischen Gebäuden gefunden worden. — Brunhilde , fränkische Königin, befand sich auf dem Schlofs zu Orbe bey ihrer Enkelin Theude- lane, als der beleidigte Adel sie hier (613.) ergriff, und sie dem feindlichen König Chlotar II. zu einer grausamen Hinrichtung überlieferte. — Als Kaiser Luderrig (Sohn Karl des Grofsen) seine Krone niedergelegt, und im Kloster Prüm (855.) gestorben war, hielten seine drey Söhne, Ludewig , Lothar und Karl zu Orbe wegen der Theilung des grofsen Reichs eine Zusammenkunft. — Im J. g66. lieferte bey Orbe das Heer Lothars unter Anführung des Graf Konrad ■von Sträflingen eine Schlacht gegen das Heer des Herzog Hugberts (Bruders von Lothars Gemahlin Diet- burgi, deren Ehre er wegen Ehebruchs Lothars rächen wollte) , welcher geschlagen wurde. Dieses Graf Kon- rads Sohn, Rudolph , warf sich zum König von Hochburgund (888-) auf, nachdem Karl der Dicke alle Kronen Karl des Grofsen verloren batte (s. St. Maurice , Mullinen , Spietz , Solothurn ). Im X. Jahrhundert entstand neben der Königsburg die Stadt Orbe , welche 1275. von dem Freyherrn von Montfaucon, Erbgraf zu Mümpelgard, mit Mauern umgeben wurde. Am Ende des X. Jahrhunderts stiftete zu Orbe die Kaiserin Adelheid (Tochter der Königin Bertha und Wittwe Kaisers Otto des Grofsen) Friede zwischen Rudolph III. König von Burgund, und den Grofsen seines Reiches. — Orbe kam, wie die ganze LV»at^ Orbk. 583 unter die Hoheit des Hauses Savoyen. Als die Eidgenossen im October * 475 * dem Jacob von Savoyen , Graf von Romont und Herrn der TVaat , den Krieg erklärt hatten (s. über die Ursachen desselben die Art. Cranson und Marten) kamen sie auf ihrem Eroberungszuge von Estavayer und Yverdun nach Orbe , welches dem Hugo und Ludcwig Chateau-Cujon, die in der Parthey des Herzogs von Burgund standen, und gegen die Schweitzer fochten, gehörte. Die Stadt sandte die Schlüssel. Die Burg vertheidigte sich unter dem Hauptmann von Joux mit 400 M. aufs äufserte. Eines Tages brach der Scharfrichter von Bern durchs Burgthor, bahnte den Eidgenossen den Weg, und fiel. Auf allen Treppen und Gängen, im grofsen Saal, auf Speichern und Zinnen wurde gefochten, und die Besatzung warf sich in den Hauptthurm. Hier begann der mannigfaltigste Streit aus allen Ecken und Winkeln in Rauch und Flammen gehüllt. Schon lagen 120 erschlagen; mehr als diese Zahl war durch die Fenster herabgestürzt ; eine Stunde lang vertheidigte Joux die Hauptwache, als die Schweitzer durch eine geheime Thür eindrangen, und das erste Schwerdt des tapfern Joux Haupt spaltete; alle übrigen wurden die Felsen hinabgestürzt. Hierauf gieng es auf die feste Burg Lectees , in dem engen Pafs , der nicht weit von Orbc nach Frankreich führt, los, wo Rathsherren von Freyburg und Bern auf Befehl des Grafen von Romont in diesem Jahre ermordet worden waren. Peter von Cossonay , Hauptmann der Burg, liefs das Städtchen 584 Orbk. als unhaltbar anzünden, und schlofs sich mit 70 M Besatzung und den Einwohnern in die Burg ein. Als die Schweitzer die Schlofsmauern gebrochen hatten, und nun Sturm liefen, so ergab sich Cossonay, mit der Bilte, nur noch vor seinem Tode beichten zu dürfen. Denselben Abend wurde der zweyte Hauptmann St. Croix nebst vier andern, welche die Rathsherren ermordet hatten, und am folgenden Tage Cosso- nay mit noch vier hingerichtet; alle übrigen erhielten Gnade. Die gewaltigen Mauern der Burg Leclees stehen noch. Seit dieser Zeit wurde Stadt und Landschaft eine gemeinschaftliche Vogtey von Bern und Frej bürg. — Die Reformation wurde in Orbe erst nach langen Streitigkeiten 1554. angenommen, worüber Ruchat ('s. dessen Weik T. Th. 18. Abschn. S. 204.J ganz besondere Umstande erzählt.— Seit 1798. wurde Orbe ein Theil des Kant. PVaat. Schöne Gegenden und Aussichten. Orbe liegt auf einem Hügel, hat ziemlich steile Strafsen und eine schöne Brücke über die Orbe. Die Ruinen des alten Schlosses gehören zu den schönsten in der ganzen Schweitz. Die Lage dieses Städtchens an der im tiefen Felsenbett brausenden Orbe , die mehrere Fälle bildet, ftn lachenden Thale voll Gärten und Weinhügel, und umgeben vom Jura- Gebirge, ist äufserst malerisch und romantisch. Herrliche Standpunkte in Orbe sind; 1) Im Garten der Frau von Goumoens am Wohnhause; 2) in den Gärten der alten Abtey, wo auf der südöstlichen Terrasse der Anblick der Alpen tnu“ 1 yiO ® liebe® sei«" 1 der S« höcbsie m (i gen. ■ (leiem, mch i Grotte pfade berrli me & c hnd Orb di Sb fiter ie Va> tollen 1 bag der ® wert trehanij Kadett | B., still vor "'Mit Ga «e 0 , O R B E. 5S5 entzückend ist; 3) im Garten des verslotbncn II. Daval, wo man sowohl nach Yverdun, dessen See, die herrlichen Jurafernen und die Alpen erblickt. Die malerischen Reitze auf , neben und unter der alten Brücke der Stadt, und bey der Mühte sind einzig. Auf dem höchsten Bergrücken südlich von der Stadt geniefst mau eine ausgedehnte Aussicht nach den Schneegebirgen. Die Lage und Aussichten des Schlosses St. Bar- thelemy, i r J 2 St. von Orbe, sind herrlich. Von Orbe nach dem Dorfe Agi , von da in die Grotte Agi, der Grotte aux Fees gegenüber, und von hier führen Fufs- pfade durch Wald bis zu einer Stelle, wo man den herrlichen Fall der Orbe überblickt. Bis Agi kann man fahren. — Nach der Grotte aux Fees bey Mont- cliarand St. (S. über diese und die Quelle der Orbe den folgenden Artikel). Merkwürdigkeiten. Orbe ist der Geburtsort Peter Virets , des berühmten Reformators in dem Pays de Vaud und in Genf. — Hier, bey dem verdienstvollen Dr. Venel , eine merkwürdige Anstalt zur Heilung der Unglücklichen, welche mit Klumpfüfsen geboren werden. Er war der Erfinder dieser chirurgischmechanischen Kunst, und heilte von 1780-1791. über hundert Kinder. Seit seinem Tode stehen seine Schüler, H. Venel (Apotheker) uud II. Jaccard, der Anstalt voi. — Ehinals bey dem seit mehrern Jahren verstorbnen II. Daval ein sehenswerther botanischer Garten uud Bibliothek für die Botanik. — F.lias Ber- 5 y6 Okbe-Thal. trand, der durch seine zahlreichen Werke bekannt ist, war aus Orbe. Wege. Von Orbe nach Yverdun 2 St. An den Genfer- See nach Lausanne und Morges 4-5 St. (s. Lassara und Cossoney). Ins Orbe- Thal einige Stunden ( s. Orbe- Thal). Nach Komain Motiers 1 St. ( S. diesen Artikel). Mineralogie. Am südlichen Ufer der Orbe, % St. von der Stadt, geht ein Asphaltlager von 9 Fufs Mächtigkeit zu Tage aus. In den Rissen und Klüften desselben fiiefst Bergöl. Der blaue Kalkstein, auf welchem der Asphalt liegt, scheint davon mehr zu enthalten; denn schlägt man davon Stücke ab, so fiiefst sogleich Bergöl hervor. In dem Asphaltlager selbst findet man häufig versteinerte Knochen und Schnäbel von Vögeln und Muscheln. Die Eigenthümer davon, II. Turtaz und II. f^enel, lassen diese Asphaltminen ausbeuten. Okbe-Thal (Vallorbe) eines der romantischten Thaler im K. Leinan und der Sehweite, öffnet sich bey der Stadt Orbe , und zieht sich einige Stunden hinauf zwischen die Jura - Gebirge, von denen es ganz geschlossen wird. Sehens wert he Quelle der Orbe. Sehenswerth am Ende des Thaies die Quelle der Orbe , welche aus einer 200 Fufs hohen nackten Felsenwand, auf deren Vorsprüngen Tannen wachsen, und deren Seiten mit Wald umgeben sind, voll und krystallhcll, ah e * n O rbe- Thal. 587 Wasserstrahl von 17 F. Breite und 4 F. Dicke, lier- vorrauscht, über ein grünes Bett von schönem Moos (Fontinalis antipyretica) sanft dahingleitet, und bald hernach, über Abhänge und Felsstücke stürzend, in der Ferne des dunkel bewaldeten Thaies sich verliert, dessen schwarze Dinten von* dem lebendigem Buchengrün erheitert werden. Bezaubernd schön ist dieser hinterste und ganz verborgne Theil des Orbe-Thals, und weg^n der Cröfse seiner Gebirge und seines reichen Wald— wuchses dem so berühmten Thale von Vaucluse bey Avignon vorzuziehen. Bey dem Anblick der Orbe- Quelle begreift man, wie die Dichter Quellen zum Aufenthalt von Gottheiten machen konnten. Die hier aus dem Felsen springende Orbe ist bestimmt der Abflufs der Seen im Thale von Joux , welches 680 Fufs höher liegt; auch kann man von hier in 3 ^ St. ins Joux- Thal hinaufsteigen (s. Joux — Thal 'j. Von der Quelle St. abwärts im Thal liegt das Dorf Yallorbe, eines der gröfsten und reichsten im K. Leman, umgeben von den schönsten Wiesen, unzähligen Fläusem, und von arbelt- und gewerbsamen Menschen bewohnt. Hier viele Eisenhämmer, auf denen das Roheisen, welches an und in den Tura-Bergen in der Landschaft Yverdun und im französischen Departement du Jorat gewonnen und zu Drath, Flintenläufen, Kesseln u. s. w. verarbeitet \vird. Viel Viehzucht im Thal. Von Valorbe zur Grotte de Yalorbe ^ St. auf ziemlich gutem Wege, und von der Grotte zur Orbequelle St. Die Grotte theilt sich in mehrere Acrme, welche eigne Namen ha- ben, z. B. le Salon, la Cuisine; sie isc voll Tropfsteine. Von Valorbe aus kann man die Grotte, die Orbequelle und die Hammerwerke in Zeit von 3 St. besehen. Von Valorbe nach Montcharand 2 y» St. Grotte aux Fees. Zu dieser Höhle geht man nämlich von Montcharand gegen Mittag durch einen Eichenwald nach dem Gipfel eines steilen Felsens, welcher, 20 F. vom Eingang der Höhle, als senkrechte Wand in das enge Bett der rauschenden Orbe herabfällt. Die Höhle hat 30 F. im Durchmesser und 15 F. Höhe. Sie enthält wenig Tropfsteine und öffnet sich nach dem Orbethal, grade gegenüber der Grotte d’Agi, und oberhalb einem schönen Fall der Orbe. Diese Höhle wird jährlich als Tanzsaal bey einem Freyschiessen benuzt, wobey dem befsten Schützen ein Spinnrad als Preis zuerkannt wird, welches er dem tugendhaftesten Mädchen der Gemeinde übergiebt. Der Weg zu dieser Höhle und zurück nach Montcharand kostet 1 J% St. Zeit. Wege. Von Valorbe durch Balaigue, Lignerolles, Abergement, Montcharand nach der Stadt Orbe 3 St.; dieser Weg, wenn man von Orbe nach Valorbe gehen will, ist der bequemere, und zur Rückreise folgender: Von Valorbe bis Abergcraent wie vorhin; von hier durch Valeire, Matliou, Susseve und trois Covagne ( S nach Yverdun 3 y 2 St.; Leclees bleibt seitwärts liegen. Mineralogie. Die Eisengruben iin Orbethal sind wieder verlassen worden, weil sie nicht reichhaltig ge- Örta-See. 58 9 nug waren. — Wenn man aus dem Orbetbal kommt, so erblickt man bey Balaigue und Montcharand wieder die Alpen, weil hier die südlichsten Juraketten eine Lücke haben, und da trifft man sogleich gerollte Ur- felstrümmer an. Ormonder-Thal, im K. Waat, ein hochgelegnes Thal in der Landschaft Aigle, von der Grande Eau durchflossen, äufserst bevölkert, aber ganz abgetrennt und verborgen, beginnt 3 St. von Aigle, und zieht nach SO. 4 St. lang an den Pillan und die Dia- blerets hinan. Von Bex und Aigle führen Fufspfade dahin, und aus dem Ormonderthal kann man ins Csteig- thal (im Saanenlande^ gelangen. Oron, ein Städtchen im K. Waat, im Thal der Broye auf dem Jorat zwischen Moudon und Vevay. Hier ein Steinhohlenflötz. WAr bis 1798. Sitz eines Berner-Landvogts auf hiesigem Schlosse. Orsieres, in Unterwallis, am Eingang ins Fer- rex - Thal ( s. Antremont - Thal Ossola, (s. Domo d'Ossola ). Orta-See CLacus Cusius) , im Departement der Agogna des K. Italien, sehr nahe am Langensee. Von Baveno und Fariolo an diesen See geht man durchs ehmalige Bett der Strona nach Gravellona, der Oeff- nung des Stronathals vorbey nach Omegna am Ende i des Ortasees, wo die Negoglia ausfliefst und sich dem Strona vereinigt, ln dem Stronathal wohnt ein schöner Menschenstamm. Eine halbe Stunde südlich von Omegna UL 38 Orta-See. 50 ° öffnet sich das Yal Bagnola, in welchem auf der «Westseite in der Höhe eine lange Höhle, aus welcher bisweilen ein rother Bach fliefst. Von Omegna über den See nach Orta, ein hübscher Ort, über welche der Sacro Monte mit 25 Kapellchen liegt. Von Orta nach der Insel St. Giulio, welche durch die muthige Ver- theidigung der Gemahlin des Königs Berengar im X, Jahrhundert berühmt ist. Der Bischof wohnt hier. Die Kirche ist im VI. Jahrhundert gebaut; man sieht in derselben 3 Porphyrsäulen, schöne Reste einer Mosaik und einige alte Gemälde. — Der See ernährt sehr ■viele Aale, welche in der Negoglia bey ihrem Austritt während Ungewittern oder stürmischer See auf eine eigne Art gefangen werden. Wege. Von Orta eine Fahrstrafse durch das Agog- nathal nach Arona am Langensee ( s. Arona ), nach Novara ( s. Arona), und Mailand, und rechts nach Borgo-Sesia im Sesiathal (s. Sesiathal). Von der Insel St. Giulio hinüber nach Pclla; von hier für Fufs- gänger und Reiter ein Weg durch Arola, auf die Höhe la Colma, und abwärts durchs Valdugia längs dem Bach Fiscone nach Varallo im Sesiathal. Durchs Val Bagnola gehen Pfade ins Sesia- und Stronathal, und durch das Stronathal Pfade über Forno, Campello, links nach Ri- mella und Fobel im Sesiathal, rechts nach Banio im Anzascathal. Geognost. Thatsachen. Der rothe Granit von Baveno setzt durch den Berg Margozzo gegen Omegna fort, und jenseit des Seqs zwischen dem Bagnola— *md Okta-See. 59 1 Valdugiathal. In dein Stronatlial zwischen dem Glimmerschiefer Urkalksteinscliichteu. Glimmerschiefer südwärt* von Orta durcli’s Agognathal bis gegen Invorio, wo die nördlichste Linie des Flotzkalksteins vom Ortasee an gegen den Langensee streicht ( s. Langensee). Hier, nahe bey Maggiora, geht Porphyr zu Tage, auf Glimmerschiefer lagernd, und vom Flötzkalkstein bedeckt, olinstreitig Fortsetzung des Porphyrs im Gana- und Tra- vagliathal (s. diese Artikel); von hier setzt der Porphyr nach SW. gegen den Ortasee und dem Sesiathal weiter. Alle Urfelsarten am Ortasee senken ihre Schichten nach S. lieber den Fossilien -TVald, von Lerchenbäumen bey Maggiora, 100 F. unter der Oberfläche, sehe man den Art, Arona. Auf dem Wege nach No- vnra und dem Tessin neigt sich der Saum der Alpen nicht allgemach hinab, sondern besteht aus vier deutlichen Absätzen, welche beweisen, wie das die Lombar- dey bedeckende Meer nur Satzweise abgeflossen ist. Im IV. Jahrhundert soll der Heilige Julius von der Insel St. Julio in einem Nachen in den Lago maggiore gefahren seyn; beyde Seen standen also viel höher als jetzt. Mineralogie. Im Stronathal werden zwischen Lorreglia und Lussogno reichhaltige Eisenerzminen ausgebeutet, welche den Schmelzhütten und Hämmern von Graveilona genug Arbeit geben. Der Stronabach schwemmt Goldblättchen , welche vermittelst ungehobelter Bretter aufgefangen werden. Der rothes Wasser führende Bach aus einer grofsen Höhle in dem Bag- nola— Thal soll auch Goldblättchen mit sich führen. 59 z Orteler. Ueber den Reichthum von Erzen im Sesiatha] und des- sen Nebenthälern, welche unmittelbar an diese Gegend grenzen, sehe man Sesiatha/. Ortblbr, Orteies-Spitz, s. PVorms.