Epistel an Tobias GMard in Bamberg über eine auf Johann Christian Dieterich in Gbttingen bekannt gemachte Schmähschrifft. 1776. Vorerinnerung des Herausgebers. ^^achstehenderBriefward eigentlich von dem Verfasser nicht zum Druck bestimmt, sondern sollte auf der Post dem Manne zugeschickt werden, an den er hauptsächlich gerichtet ist. Aber auch dieses geschah nicht, und der Verfasser begnügte sich blos denselben einigen Freunden vorzulesen, unter deren Anzahl sich der Herausgeber befindet, lauter Personen, denen Göbhards Schmahschrifft bekannt war. Da aber der Göbharde, zum grosen Nachtheil der Schrifftsteller so wohl als der ehrlichen Buchhändler, mehr sind, als man glauben solle, und dieser Brief einige derbe Wahrheiten gerade in dem Ton gesagt enthält, A 2 den den dieses Gesindel allein versteht, das ^ übrigens als Vogelfrey für die Schrifft- I steiler keiner Achtung und Schonung werlh D ist: so glaubt der Herausgeber weder den Unwillen des Verfassers noch den Undank des Publikums zu verdienen, wenn er chn auf diese Art nicht an Einen Gbbhard, sondern an alle gelangen läßt. l»ll> Friedrich Eckard. haben recht gethan, daß Sie dem Merkchen, das neulich bey Ihnen gegen Hrn. Dieterich in Göktingen erschienen ist, keine Aufschrift vorgeftzt haben. Die Büchermul » wären gänzlich entbehrlich, wenn man sie allezeit so glüklich, wie dorr geschehen, durch Unterschriften zu ersehen wüste. Die Unterschrift sagt nämlich bey jenem Büchelchen alles mit zwey Morren, was der Leser in demselben zu suchen hat: Lügen, äusffrst schlecht erfunden, und noch schlechter gesagt; abge- nüzre Jesuiten-Kniffe, mir einem Grad von Dummheit wieder gebraucht, der in unser» Gegenden von Deutschland un- A z er- 6 ----- erhörr ist; Verrheidigung von Betrug und Dieberey auf jeder Seite, in einer Are vom Babel vorgerragen, wie es sich für eine solche Sache, und in einer Sprache , wie sie sich von einem solchen Ver- rheidiger erwarten laßr —; und diese zwey Worte sind Ihre des Verfassers Namen: Tobias Göbhard. Beschuldigungen, mit diesem Lügenzcichen gebrandmarkt, würde kein ehrlicher Mann glauben beymessen, auch wenn sie gegen streitige Ehrlichkeit und schwankenden Credit gerichtet wären ; aber was soll man gar sagen, da sie Dietrichen treffen sollen, der Lurchseine bekannte Ehrlichkeit, die noch täglich von Betrügern von allerlei) Stand gemie- braucht wird, mehr verlohren hat, als sie durch ihre Spizbübereyen je gewinnen werden? Also wozu meine Widerlegung, da schon eine so herrliche in Ihrer Unterschrift stekt? Ich bekenne es gerne, die Correspondenz, womit ich Sie beehre, hat wenig aufmunterndes für mich. Ich schreibe an einen Mann von solchen Gesinnungen und solchem Fell, daß von ihm Ehre gar nicht, und I !- » ß « B K Ä ----- 7 und Besserung kaum zu erwarten steht; wider eine Classe von Menschen, die ausser Betrug und Gewinn nichts aufmerksam macht, und sicherlich ausser Peitsche und Pranger nichts bessert; und endlich wider eine Sache, bey deren Widerlegung sich sonst noch Wiß und Scharfsinn anbringen ließ, bis Sie nun durch ihre unehrliche Vel theidigung auch diese schändlich leicht gemacht haben. Die Ursache, warum ich Ihnen schreibe, muß ich Ihnen also in wenig Worten erklären. Es ist nicht Privat - Interesse, denn ich bin weder Buchhändler noch Schriftsteller, aber ein warmer Freund von bey- Len, und was Sie wohl kaum glauben werben, unter allen denen, die Sie und Dietrichen in diesem Lande kennen, vielleicht der einzige, der noch erträglich von Ihnen denkt: und da sollte dieser Brief ein Versuch seyn, zu erfahren, ob man Sie ferner zu Ihrer Besserung noch gehen lassen soll, oder ob es nun schon bereits Zeit sey, ein so fettes Stück, wie Sie, endlich zum allgemeinen Besten deutscher Schriftsteller mit einem derben Streich am Altäre des Apoll zu schlach- A 4 ten. 8 ------ ten, denn ein Vertrauter dieses Gottes hat mir gesteckt *), daß er solche Opfer mit unter die grösten Lekerbissen zähle. Auch dieser ehrlichen Absicht haben Sie es zuzuschreiben, daß ich Ihren Lügen und schimpflich schlechten Argumenten noch dieses mal mit einigem Ernst und einem Anstand begegneter, so frey er auch, gegen jeden ändern gebraucht, scheinen möchte, gegen Sie immer einer Zurückhaltung ähnlich sehen muß. Doch ehe ich mich aufJhre Verkheidigung des Nachdrucks einlasse, muß ich erst die ungeschickte Blendung von Lügen wegräumen, die Sie ihr vorgeschoben haben. „Dieterichs „preißesiyen unerhört, sagen Sie, und „führen zum Beweis an, daß er Hrn. von „SindS Stallmeister, den er für 6 Thalcrver- „kaufe, Traunern für 2 Thaler überlassen habe, „so bald ihm derselbe mit einem Nachdruck gedroht: ferner, daß er für ein Buch vom Hrn. „Prof.Feder, worüber der gegenwärtige Streit „ent- *) Kallimachtls indem er sagt: velcüsnr xinßui» kkoebum zllnicitiia. 9 „entstanden ist, i Rthlr. i6 Ggr. fordere, das „Sie im Nachdruck genüyltch für i Rthlr. „verkaufen könnten." Wenn Dietrich auch nur zuweilen seine Käufer übernähme, oder sich nur nicht so vorzüglich durch geringe Preise, zumal bey ausländijchen Werken, auszeichnete, sowollte ich Ihnen verzeihen, daß Sie einen an sich wahr ren Saz einmal durch ein erlognes Beyspiel hätten bestättigen wollen: allein so ist, ganz in der Göbhardischen Manier, beydeS Sah Nnd Beweis erlogen. Denn ich kann, glaube ich, getrost alle ehrliche Deutsche, von denen Sie und Ihre Bande, versteht sich, ausgeschlossen sind, auffordern, ohne einen Einspruch zu befürchten , mir ein Buch zu nennen, das Dieterich iheurer verkauft hätte, als andere ehrliche Buchhändler: hingegen könnten ich und meine Freunde, wenn es verlangt würde, Bücher ge- nug nennen, die uns Dieterich für fünf lieferte, wenn andere sieben forderten. Allein seinen eignen Verlag verkauft er unerhört theuer, sagen Sie. Gut. Also nun zu Ihren Beweisen. Es ist wahr, Dieterich verkaufte Hrn. v. A s Sind- IO ------ SindS Stallmeister den Buchbändlern für 6 Thaler, aber mit dem bekannten Rabat von z zH p. L. das ist, für vier. Dafür erhielten ihn alle; die unehrlichen so gnt, als die rechtschaffenen, Göbhard so gut, als Nikolai lind Reich; dafür, und um keinen Pfennig geringer, erhielt ihn auch Tcarrner. Was aber diesen bewog, Dietrichen mit einem Nachdruck zu drohen, (übrigens wie ich zu Trauners Ehre bekennen muß, so freundschaftlich, als cs sich nur drohen läßt:) war nicht die Höhe des Preises, sondern die Art der Bezahlung. Dieterich verlangte baares Geld,und Trarmer wollte Bücher geben, die jener damahls nicht nüzen konnte. Als endlich nach drey oder vier Briefen, worinn Trarmer von Nachdrucken sprach, auch einer kam, worinn wirklich ein Bogen des Nachdrucks lag, so wendete sich Dieterich an seinen nunmehr verewigten Be- schüzer in Hannover, auf dessen Vorschreiben Trarmern der Nachdruck untersagt wurde; den er, um Dietrichen blos zu schrecken, vielleicht nie weiter, als die ersten Bogen zn treiben gedacht II dachte. Geben Sie, so verfährt Trarrner, der, wie man auch aus dieser allerdings nicht ganz zu lobenden Handlung sieht, noch mehr Edles an sich haben muß, als den Titul. Nie hat er einExemplar für 2 Thalcr erhalten. Sie verwechseln doch wohl nicht gar die zweyte Ausgabe mit der ersten? Jene verkauft Dieterich für 4 Thaler; den Rabat abgerechnet, für 2 Thaler und einen Gulden; und diesen Gulden herunter gelogen, genau für 2 Thaler. Bey der zwoten Beschuldigung rücken Sie mit einem ihrer andern Talente Hervor. Hier gesellt sich nämlich zur Lüge Ihre eiserne Unverschämtheit. Sie verkauften, sagen Sie, Hr. Prof. Feders Buch, genüglich für einen Thaler, das wäre also Logik und Metaphysik für einen halben. Hier habe ich einmal vor einigen Monaten ein Verzeichniß von Ihren gestohlenen Büchern Herumschleichensehen, darin» steht dieses Buch zu einem Gulden ange- sezt, und eben dafür verkauft es auch Dieter rich hier: also wäre der Unterschied blos im ver- verschiedenen Münzfuß, und betrüge etwa ein paar gute Groschen, und ist das alles? Sehen Sie, was Sie für ein Mann sind. Sie sind nicht einmal ein ehrlicher Dieb. Ich wollte wetten, Käsebier hätte das Exemplar für 6 Groschen gelassen, und Käsebier hätte es mit Vorrheil noch immer thun können. Denn einmal hätte er dem Autor nichts bezahlt, nichts für das Mfpt., und nichts für die neuen Aust lagen. Dieterich bezahlt für jedes gleichviel und reichlich. Ferner hätte sich Käsebier so gut wie Sie gehütet, ein Buch nicht eher nachzudrucken, bis er gemerkt hätte, daß es wie warme Semmel gienge. Diererich hingegen muß wagen, und verliehet oft an Einem nützlichen Buch, was er am andern gewann; ge, tvixwt aber auch freylich zuweilen an einem unnützen, was er an einem nützlichen verlohr u. s. fort. Aus Ehre hätte Käsebier so gut wie Göbhard sicherlich auch nichts unternommen, wie Diererich) thur, dessen Eifer, seinen Büchern alle äussere Zierde zu ertheilen, eine gute Strecke weiter bekannt ist, als Ihre Schande (kein ------- IZ (kein geringer Ruhm, fürwahr!) und alle Götkingische Druckereyen auf einen bessern Fuß gebracht hak. Und den Mann nennen Sie einen Schurken, weil er seine Bücher nicht so wohl- feit geben kann, als der Dieb, der nichts bezahlt, und nirgends verlieh«, so lang er nicht' fest sizt? Und wo wollen Sie denn aufhören? Geseßt, er verkaufte sein Buch für einen halben Thaler, würde der Dieb nicht auf lo Ggr. fallen? u. s. w. Bringen Sie also Beyspier le von ehrlichen Buchhändlern bey, wenn Sie Dieterichs Preise verdächtig machen wollen; und kommen Sie nicht mit Ihrem eigenen, denn das leztere ist beydes unehrlich für Dieterichen, und ohne die mindesteBeweiskraft für Sie. Doch so viel von diesen Lügen, wenigstens hier, und nun zu Ihren übrigen Argumenten! Daß ich Ihrer Scharteke alles entgegen sehe, was man wider den Nachdruck überhaupt sagen kann, werden Sie kaum erwarten. In einem Brief wäre der Ort nicht dazu, und in einem an Sie wäre es weggeworfen. Was sich über 14 E--- aber gegen Ihren Nachdruck und gegen Ihre Beweise von der Rechtmässigkeit desselben sagen läßt, das will ich Ihnen sagen, und hoffentlich Ihrem Paar Ohren vernehmlicher, als vielleicht noch geschehen ist. Wenn Sie sich weiter unterrichten wollen, als hier geschehen kann, so lesen Sie, was einer unserer grö- sien RechtSlehrer über diese Sache geschrieben Hat *); ja sollte es Ihnen je einmal wieder einfallen, rin ehrlicher Mann zu werden, so rache ich Ihnen, damit der Uebergang wenigstens nach dem Gesez der Stetigkeit geschehe, drucken Sie dieses Buck nach. Dieser einzigen Handlung wegen, würden Sie zum lezten- mal von allen ehrlichen Buchhändlern als Nachdrucke»! verflucht, und zum erstenmal als ehrlicher Mann gegrüßt werden. Dieses thun Sie künftig einmal; je eher, je b sser. Wir zusammen hier können leichter und geschwinder fertig werben. Denn obgleich die Beantwortung der Frage: Ist der Nachdruck ertaube? im ') Der Bücher - Nachdruck nach Achten Grnndsazen des Rechts geprüft von 2-S-Putter. Gdttuigen. -774-4-, ------- iz im allgemeinen alle die Gelehrsamkeit und den Prüfungsgeist des Mannes erfordert, dessen Buch ich Ihnen so eben empfohlen habe; so ist sie doch gemeiniglich in einem besondern Fall, wenn alle Umstände bekannt sind, leicht, und in dem Fall zwischen Ihnen und Dietrichen so sehr auffallend leicht, daß, glaubeich, ausserhalb des Toll-Zucht- und Stockhauses kein Mann für Sie sprechen wird, er sey nun Göttinger, ober Bamberger, oder Grönländer. Vieles von dem unbegreiflichen, das Sie und Ihre Bande noch in den Beweisen von der Unrechtmäffigkeit des Nachdrucks finden, steckt in dem Work Nachdruck und Nachdrucker selbst, das mir allerdings auch nicht gefällt. Mich dünkt, wenn es von Ihnen gebraucht wird, müste nothwendig mehr vom Spizbnben hinein. Ich will, bis mir ein besseres angegeben wird, die Wörter Schleichdrucker und Schleichdruck gebrauchen, wenn ich von Ihnen und Ihrem Verfahren rede. Die Verwandschaft mit Schleichhandel l6 ------ würde niemand leicht wegen ihrer Bedeutung in Zweifel lassen, und daß ich sie zuerst von Ihnen brauche, bestimmt ihre Unehrlichkeit völlig. Sie haben Recht, Nachdrucken läßt sich so wenig allgemein verdammen, als Menschenblut vergießen. Für das letztere giebt es Belohnungen, von dem seidnen Band an, das man an den Mann hängt, bis zudem hänfenen, an das der Mann gehenkt wird, und so auch für das erster«. Betrachten Sie einmal die folgende Leiter von Nachdruckern, und sagen Sie, ob ich unrecht habe: Richrer in Alkenburg, Trarrner in Wien, Göbhard in Bamberg, und Mirchel in London. Der erste unter diesen verdient das seidene Band, von dem ich so eben geredet habe, und der leztere hat das hänfene wirklich empfangen. Viele würden die Stufen schon in diesem Umriß erkennen, allein für Sie, sehe ich, muß ich sie mehr ausschatlir reu. Richtet in Altenburg druckt die Werke der Ausländer nach, ohne ihren Verlegern zu schaden, und ohne ihnen schaben zu wollen, ja viel- !-< D s-z' s ü'I K Ätz HI 17 vielleicht ohne sich einmal einen andern Vortheil zu verschaffen, als den, für welchen die Bande der Schleichdrncker kein Gefühl hak: Ehre. Er erzeigt dadurch seinen Landeeleuten einen Dienst, die jene Werke kaum erhallen konnten, und nie, ohne durch Postgeld beträchtlich ver- thenert, erhielten. Ein solcher Mann verdient die gröste Aufmunterung, und man sollte ihn nicht einmahl Nachdrucker nennen, seitdem die» ses Wort in der Gesellschaft von Ihrem Namen angesteckt worden ist. Trarrner in Wien, der von einem Ar- tikel fünf- sechshundert Exemplare zu nehmen im Stande ist, kann von einem Verleger allerdings billigere Bedingungen erwarten, als ein anderer, der nur ein Dußend nimmt; gewährt ihm diese der Verleger nicht, so droht er mit einem Nachdruck; die Bedingungen werden noch nicht eingegangen, kann man es ihm so sehr verdenken, wenn er alsdenn endlich würklich nach, druckt? und zwar nicht unter der Aufschrift: Hanau und Leipzig, sondern schlecht weg: B Wien 18 Wiett bey Trarrnern. Hierinnen ist, was i.,r auch darin seyn mag, nichts schleichendes, und A für das, was dieses Verfahren tadelhaftes an ,,i sich hat, hat der gute Mann nunmehr schon hun- ^ dertfach dadurch gebüßt, daß Sie ihn für Jh- ^; res gleichen halten. Ai Göbhard in Bamberg, der ohne die min, ß -este Ursache, als die jeder Dieb hat, nicht um z, r ter seinem Namen, und nicht unter dem Na- ^ men seiner Stadt, ohne, auch die billigsten, ^ Bedingungen eingehen zu wollen, nachdruckt; ^ zu faul, sein eignes Feld zu bauen, und ver- ^ mnthlich zu ungeschickt, es zu können, erndlet, wo er nicht gesäet hat; ehrlichen, emsigen Leu- ten, und ihren rechtschaffenen Familien, denen, ^ so gut als ihm, der Vortheil des Schleichdrucks ^ offen stünde, wenn sie ihre Gewissen über den ^ kleinen Nachrheil, Spizbuben zu heissen, beru- higen könnten, ihr Brod raubt, was ist der? ^ und was soll man ihn nennen? Sagen sie selbst, was ist ein Spizbube, wenn das keiner ist? , ne». Wer dieses thur, den nennt man so; hier zn Lan- ^ ------ 19 Lande wenigstens, müssen Sie wissen, und mau würde Sie so nennen und wenn Sie der Edle von Göbhard wären, ja wenn Sie des Heil. R. R.— — — doch ich will Ehrwürdige Ti- tul, die sich vor Ihrem Namen gar nicht den- cken lassm, nicht eiumahl durch eine symbolische Verbindung mit demselben schänden» Glauben Sie etwa, Dieterich bezahle Geld für Mspte. wie der König von Frankreich für Recepre wider den Bandwurm? Wagte offt ei« nen Theil seines Vermögens um solchen Hecken- Verleger», wie Sie, sichern Profit zu ver, schaffen, den Sie noch, aus Erkenntlichkeit für seine Mühe, allein von dem seinigen nehmen? Was? Warum lassen Sie sich nichtdort Metaphysiken schreiben, es ist ja in Bamberg alles wahr, was hier wahr ist, ein paar Kleinigkeiten ausgenommen. Ich verspreche Ihnen, wenn Sie Ihnen in diesem Lande, wo der Schleichdrucker unehrlich ist, nachgedruckt werden, den Schaden mit zoo Procent zu er, statten. Dieterich ist Bürge für die Bezahlung. Und warum sezen Sie nicht schlecht weg unter B 2 Ihre 20 Ihre gestohleneWaare: Bamberg be^ Göb- hard? Hatten Sie das gethan, wahrlich Die- rerich hakte Sie verklagt und bewundert. Das Erzene im Charakter verdient und erhält auch ü- berall seinen Grad von Achtung, anstatt, daß Sie jezt jeder ehrliche Buchhändler anspeit, so Hätte man alsdann vielleicht gesagt: Schade, daß der Mann ein Betrüger ist, es hätte etwas aus ihm werden können. Doch es ist noch Eine Stufe zurück, für mich ansznschattiren, und für Sie, (wenn Sie anders weiter zu gehen gedenken), zu besteigen: die Mrrchelische. Mirchel in London, der unglücklichste unter allen Schleichdruckern, aber sicherlich der geschickteste, druckte mit unglaublicher Kunst und grosem Risico auf sehr feinem Papier ge, wisse einblätteriche Werkchen nach, worauf die Bank in England allein das Verlagsrecht hat, und wurde, so wie alle, die sich, wie er, vier ser Kunst befleissigen und bekannt werden, ohne die kr-l ,'A ö- An! sp' LÄ »>, 21 die mindeste Hofnung einer königlichen Gnade aufgeknüpft. Ich weiß es wohl, Ihr Fall und der Mitchelische sind allerdings unterschieden ; allein, daß bey dem erster» der Schaden geringer und die beleidigte Person minder Ehrwürdig ist, macht das die Thal erlaubt? Oder hat man Sie gelehret, der Spizbube und der ehrliche Mann seyen nur dem Grade nach unterschieden? Sie müssen mir hier nicht von Ge- sezen sprechen, die noch nicht gegeben wären. Ein empfindliches Gewissen und ein gerader Menschen - Verstand sind, so wie die getreusten Ausleger, also auch die besten Vertreter derGe- seze, und lassen ihren Bestzer über die Rechtmässigkeit einer Handlung selten in Ungewißheit, da hingegen ein arglistiger Betrüger oft in dem klaren Buchstaben desselben noch Schlüpflöcher findet, im Fall der Noch einmal mit heiler Haut Lurchzuwischen. Wenn ein Reichsstand zuweilen noch das, was er keinem seiner Unterthanen wider den andern erlaubt, gegen einen Fremden zu thun »erstattet, wer steht nicht, daß das von andern Umständen, als von Zweifeln über Bz die 22 ---------- die Rechtmässigkeit der Sache herrühren muß? So lange wir nicht im Krieg mit uns selbst leben, so müssen Schwierigkeiten daran Ursache seyn, die nach der ißigen Verfassung des deutschen Reichs nicht so leicht zu überwinden sind, aber hoffentlich einmal werden überwunden werden. Und was kann denn endlich das Positivs Gesez thun, wenn es kommt? Sagen Sie» Etwa aus einer billigen Handlung ein Verbrechen machen? Bewahre der Himmel! Reinlich will cs Ihnen sagen: das Positiv Gesez wird machen, daß der Schleichdrucker, den man jezt blos zur Erstattung des Schadens anhalten kann, an den Pranger gestellt, gebrandmarkt und nach Befinden der Umstände auch aufgeknüpft wird. Das wird es thun. Wenn frey herum gehen dürfen so viel sagt, als ein ehrlicher Mann seyn, und der Betrug erlaubt ist, der durch Löcher geschieht, die das Gesez offen gelassen hat: Dann wehe uns von zärrerem Gewissen, wen» die Spizbnben anfangen sollen die Rechte zu stndir ren! Sie wissen, was die Chicane schon zur Vertheidigung von Verbrechen hervor gebracht hat. kB Ä i-ri« Mk Ii hni i>Ü Di «ir Hi,: itiz >!« - ----- r 2Z hat, die ohne sie, mit Bewußtseyn der Unrecht- rnässlgkeit, und gegen das klare Gesez begangen worden sind. Wie wenn die Chicane nun gar selbst ansienge den Plan zum Betrug zu entwert sen? Es geht mir durch die Seele, wenn ich . bedrucke, daß in diesem erleuchteten Theil von Europa, ja baß unter Deutschen, deren Redlichkeit bey Ausländern zum Sprüchwort gediehen ist, noch Leute frei) herumgehen, ja öffentlich bekennen dürfen, sie halten Dinge für erlaubt, die Vernunfft und Gewissen verbieten, bloö weil noch kein Positiv - Geseß dem Schaarwäch- ter oder dem Henker Vollmacht ertheilt seinen Dienst an ihnen zu verrichten. Schändlich fürwahr! Allein hören Sie doch einmal. Sollten wir denn so ganz und gar kein Gesez haben, das uns auch noch etwas mehr bände, als den Huronen? Ich weiß nicht, was Sie in Bamberg haben, wir, hier zu Lande, haben eines, das auch unsre Bauren deutsch lesen dürfen, das heißt: Was ihr wollet, das euch die Leute nicht khun sollen, das rhuk ihr ihnen B 4 auch 24 -E- auch Nicht. Kennen Sie den, der das Gesetz gegeben hat? Ich fürchte fast. Sie kennen weder den Gesetzgeber, noch das Gesetz, und statt beyder nur die schimpfliche Glosse zum lezteren: IiaeretiLi8 uon est seruauäa 6cies. Doch ich will weiter gehen. Sagen Sie mir nur um aller Welt willen, wer hat Ihnen den desperaten Satz angegeben , auf den Sie sich so viel zu gute thun, daß, wer Sie und Ihre Bande Diebe nennt, der kaiserlichen Arone kein geringschätziges Kleinod entwende und sich des Lasters der beleidigten Majestät schuldig mache. Also nun wissen wir es: Göbhard druckt ehrlichen Leuten ihre Bücher nach, um die Kaiserlichen Revenüen durch einzuholende Prir vilegia zu vermehren. Eine vortrefliche Entschuldigung! Sie bringen rechtschaffene Leute um ihr ehrlich erworbenes Brod, um dem Kaiser zu dienen? Wie? Ehemals diente man in gewissen Landern, die Sie kennen werden, Gott dadurch, daß man seinen Nächsten plünderte, oder ihm auch wohl im Diensteifer einmal den Hals 25 Hals abschnitt, aber wehe dem, der Joseph dem Zweiten einen solchen Dienst anböte. Wir leben, dem Himmel sey Dank! unter einem Kaiser, unter dem, wenn man Recht und Gerechtigkeitunb folglich denBeyfall aller Rechtschaffenen für sich hat, man es frey sagen darf, unbekümmert wegen Folgerungen, die ein arglistiger Kriecher oder schiefer Jesuiten-Kopfdaraus zieht. Nein! damit Sie es doch wissen, was der Kaiserlichen Krone (mich Ihres Ausdrucks zu bedienen) dieses Kleinod geraubt hat. Göb- harde haben cs gethan. Göbharde haben Kaiserliche Privilegia anfangs nöthig gemacht, und Göbharde machen, daß man sie jezt wieder unzulänglich findet. Anstatt, daß, nach ' Ihrer Art zu schließen, die Schleichdrucker mehr Kaiserliche Privilegia hervorgebracht hätten, haben sie vielmehr gemacht, daß man sie fast gar nicht mehr einholt, und warum? weil man gefunden hat, daß Drohungen vom ersten Thron der Welt, so wenig wie die vom Himmel, kräftig genug sind, einen gewissenlosen Spizbuben zu schrecken. B s Der 26 Der Taugenichts, der glauben kann, er diene einem Kaiser, wenn er stiehlt, glaubt auch wohl mit eben so leichter Mühe einmal, sich für seinen Dienst bezahlt zu machen, wenn , er dessen Privilegia nicht achtet. Ja, können Sie wohl glauben, man hat mir gesagt, daß man sogar Privilegia nachdruckt? und das soll ein Mann gclhan haben, der deswegen vor zwey Jahren, bey Nacht, vor dem Schwerd der Gerechtigkeit aus Leipzig flüchten muste, und sich seit der Zeit dort nicht mehr blicken läßt. Wo ich nicht irre, so hieß er auch Göbhard, und was noch sonderbarer ist, war auch aus Bamberg. Ich hoffe nicht, daß Sie es gewesen sind, sonst zerrisse ich meinen Briefauf der Stelle. Was? Weil Privilegia einigen Personen besondern Schuß versprechen, darf man deswegen die Bücher Nachdrucken, die diesen Schuß nicht haben? den Mann anfallen, der sich nicht wehren kann, oder nicht Geld und nicht Gelegenheit hat, sich Gewehr zu kaufen; in die Gärten steigen, an deren Thür kein Blech Selbst- ----- 27 Selbstschüsse verkündigt? Bäume in Alleen um- hauen, wenn kein Pfahl mit Staupbesen dreht? Oder den Pflug stehlen, oder auch nur gebrau- chen, weil er unangeschlossen auf dem Felde liegt? O herrlich! Uebrigens verdient die Entschuldigung, man habe gestohlen, um manchen Leuten Diäten zu verschaffen, die Aufmerksam, keit aller Spizbubcn; sie ist neu und in unfern ruchlosen, aber ökonomischen Zeiten jener frommen der vorigen Welt weit vorzuziehen, da die Missethäter noch sagen konnten: der Teufel habe sie verführt. Was Sie von der Hanauer Messe sagen, daß man dort die Schleichdruckcr schütze, die daher also keine Spizbube» seyn könnten, und daß Diererich, der das leztere behaupte, sich wiederum des Lasters der beleidigten Majestät schuldig mache, verstehe ich nicht. Ich will wetten, das wahre, das diese Nachricht enthielt, ist verdunstet, indem es durch Ihre Feder geflossen ist, und Sie haben es reichlich mit Lügen wieder erstattet. Man sollte die Schleich- dm- 28 - drucker in Hanau schützen? das ist unmöglich. Sie wollten vcrmuthlich sagen, man will es dort nicht so genau nehmen, man will nicht lange mühsam untersuchen, was nachgedruckt und nicht nachgedruckl ist, sondern die Sache lieber den Gewissen der Leute selbst überlassen» Denn stellen Sie sich vor, wenn man die Schleichdrucker dort schützte, würde Dieterich, die Wittwe Vandmhoeck, Nicolai, Reich, Voß, Lohn und einige andere, die Deutschland auch ausserhalb Ehre bringen, und die es eigentlich sind, die die Messen machen, würden die nach jener Messe ziehen? Serin Sie versir chert, wo Schleichdrucker geschützt werden, da bleiben ehrliche Buchhändler sicherlich weg. Auch selbst mit dem nicht so genau nehmen, wird es sich endlich geben, wenn Hanau ein Leipzig wird. Von Anfang läßt man solche Sachen geschehen, und muß sie geschehen lassen, es ist den Regeln einer gesunden Politik wenigstens nicht zuwider. Mancher Staat und manche Colonie haben ihren Ursprung einem Zusammenfluß von Menschen zn danr 29 danken gehabt, die man hundert Jahre nachher darinn aufgeknüpft hätte. UebrigenS läßt es sich ohne Unwillen nicht lesen, daß ein elender Bambergischer Schleichdrucker so sehr für die Majestät der Grossen besorgt ist, er, der genng zu thun hat, seinen eignen Hals gegen jene Majestäten zu verwahren. Die Majestät braucht Ihre unehrliche Vertheidigung nicht, allein thstn müssen Sie, was die Leute thun, die ich gegen Sie vertheidige, wenn Sie länger vor dem Arm der Majestät sicher seyn wollen. Wenn Sie doch ein Gewissen hätten, oder wenn es blos schliefe, wie knrz hätte ich alsdann seyn könne»! Ich hätte es mit ein paar Worten wieder aufgedonnert. Weißt du, hätte ich gerufen, der du so sehrvonMajestäcen sprichst, wesi sen Majestät du beleidiget hast? und hätte aufden Gesetzgeber hingewiesen, von dem ich oben geredet habe, und dessen Bild vermuthlich in ihr rem Zimmer hängt! Aber so muß ich, anstatt an einem erstorbenen Gewissen mich müde zu schütteln und zu rufen, mich an den armseligen Rest von Menschenverstand, den Sie noch be- sizen. ZQ -Ersitzen, wenden, und Ihnen das Falsche in Ihren Schlüssen, und das Kahle und Lächerliche in Ihren Entschuldigungen weiter fort zeigen. Das Waysenhaus zu Salzburg habe Ihnen, sagen Sie, Ignaz Scbmios Larechl- sten nachgedruckt, und dock stehe es unter hohem Schnh. Das ist wieder eine Entschuldigung, so wie man sie gewöhnlich kurz vor der gänzlichen Nebcrführung, bey betroffenem und über die Hälfte schon bekennendem Gesicht vor den Schranken der Gerichtsstube herausstottern hört. Verhält sich die Sache so, wie sie muß, um für Sic zu streiten, woran ich sehr zweifle, so hak das Salzburgischen Waysenhaus unrecht. Waysenhäuser sollten sich, da ihnen so viele rechtliche Wege offen stehen, sich ein Einkommen zu verschaffen, nicht einmal einen wählen, über dessen Billigkeit noch gestritten wird, am allerwenigsten.aber einen so entschieden unehrlichen. Es bringt sicherlich keinen Secgen. Warum verklagen Sie das Waysenhaus nicht beym Erzbischof? Aber da haben wirs, wer wür- ------ ZI würde nur die Aufschrift einer solchen Klage ohne Lächeln lesen können? Oöbhard das XVaysinhaus zu Salzburg eines Verübten Nachdrucks. Aber eine der schönsten und lustigsten Stellen ist die S. 12, wo sie sagen, daß ein gewisser Xaver Riennec in Würzburg, der selbst bey Ihnen als Diener gestanden. Ihnen Ihre Bücher jezt nachdruckte, da er doch wegen Ihres damaligen sowohl als nachherigen Betragens gegen ihn, zu einem solchen Schritt gar nicht Ursach hätte. Sie sehen also hieraus, was für Leutchen aus Ihrer Schule kommen. Konnte wohl der Erfolg anders seyn, solange jener kein heil. Xaver war? Er thut, was sein Patron that, wie die meisten Menschen , und daß er ein Dieb geworden ist, davon ist die Ursache leicht zu finden: Sein Patron wareiner. MiristdabeyMacHeath in Gay's Bettler Oper «ingefallen; dem ehrlichen Mann geht es eben so. Mac Heath ist einer von den reitenden Göbharden in England, die die Taschen- Z2 —. scheu - Uhren auf den Messen ganz genüßlich A wohlfeiler lassen können, als die ehrlichen Uhrr Macher, weil sie sie nichts weiter kosten, als ^ ihren ehrlichen Nahmen und im schlimmsten K Fall das Leben. Dieser hält eine Menge Diener, A die ihm des Abends die Uhren und Schnupftücher A bringen, die sie auf der Strasse gestohlen, oder ^ mich eines Ihrer Ausdrücke zu bedienen, von nur ^ bekannter Hand in Commission bekommen haben. Er dankt Ihnen für ihren Diensteifer, steckt die ^ Beute ein, und geht ab. Indem er aber weg- ^ geht, so schleicht sich ein schlauer Fuchs von eir ^ nem Xaver Rienner hinter ihm her, und ^ holt mit derselben Kunst, die ihn sein Patron ^ gelehrt hat, des Patrons beste Sch.upftüchec A wieder ans der Tasche heraus. Sie sehen, die ^ Welt ist sich überall gleich, und wenn man die ^ Geschichte manches Mannes so druckte, wie die ^ Zoll Zettel und Frachtbriefe, mit leergelassenen Stellen, so kostete es oft weiter nichts, die Le- ^ ben von zweyen zu beschreiben, als daß man hier ^ hinein schriebe, Uhren, Schnupftücher und ^ Mac Heath, und dort, Logik, Metaphysik und . (vovr «>! U, »M lliüL klii! 1Ä: ,»>!! <-ß- ixr- Fl!' Göbhard. — Aber das ist noch lange das Schönste nicht in der angeführten Stelle. Die, ses ist es: Sie sagen, Sie hätten so etwas an Riennern gar nicht verdient. Höchst vortreflrch! Sie sehen, wie unwiderstehlich die Macht der Wahrheit ist. Selbst Sie, Selbst Göbhard muß sie wider Willen reden, in einem Büchel» chen,wo sonst Lüge an Lüge stößt, und gerade an der Stelle, wo er ihr den derbsten Stoß zu versetzen glaubt. Also ist es doch wenigstens unrecht, einem Bücher nachzudrucken, und zwar noch unrecht in der Meinung des Mannes, der es andere lehrt, das ist alles mögliche. Sie ha« ben es also nicht an Riennern verdient? Sagen Sie mir, womit verdiente es Diererich an Ihnen? dadurch vielleicht, daß er ein Keher ist? Ich fürchte fast. Pfuy schämen Sie sich voik den Neu-Seeländern! Mehr als hundert Männer, sagen Sie' auf der izten Seite, könnten Sie nennen, die alle nachdruckten, machen aber doch zugleich den involuntären Zusaz wieder, Ls möchte manchem C dar, Z4 darunter nicht lieb seyn. Warum nicht lieb? Das müssen recht verworfene Sünder seyn, was man auch fürGrundsäze aunimmt, Dtece» rrchisthe oder Göbhardis^e; nach jenen sind sie Schleichdrucker und Diebe, und nach diesen, noch was weit ärgere, Leute, die sich ei» ner guten That schämen. Und hundert sollten in Deutschland seyn? Welche Hecatombe für die Musen, wenn man die Heerde beysamr men hätte! Nun das wäre es, was ich gegen Ihre Lü- gen, gegen Ihre Jesuiten-Kniffe und erbärmliche Entschuldigungen zu sagen hätte, und nun noch ein paar Worte von Ihrer Sprache und einer Drohung, womit Sie das Schandbüchel- chen schlossen. Wenn ich Ihre Sprache betrachte, wahrhaftig, so lähmt mir der Anblick fast alle Ent- schliessung mich mit Ihnen abzugeben. Gütiger Himmel! Was für ein citeles, elendes, hinfälliges Ding ist es um Bücher-Titul-Kennt- niß. Nl'ß , wenn der Mann, der sein Leben mit ihnen zugebracht hat, in dessen Kopf alles von ihnen voll ist, was Betrug und Arglist leer ge, lassen haben, der sie ewig abschreibt und wieder ab schreibt, wenn der am Ende so denkt, wie der gewissenloseste Dieb, und so buchstabirt und spricht, wie der Gassenjunge, der ein Buch noch nicht von einem Backstein unterscheiden kann! Und doch (ich werde fast weichmüthig) und doch ist Büchcrmnl-Kennlniß das, was leider noch henk zu Tage oft Geschichte der Gelehrsamkeit, ja Gelehrsamkeit selbst gencnnt wird! Es ist allerdings traurig, einen Mann, wie Sie, schreiben zu sehen: Dieterich komme in Rasche, und dann ihn, den Sie beraubt und so empfindlich beleidigt haben, auf jeder Seite, noch Schurken, Lotterbuben, ehrenrührigen Kerl und schlechten Burschen nennen zu hören: Es ist betrübt, sage ich, allein übel nehmen wir es Ihnen hier zu Lande nicht. Jeder Mensch hak, so gut wie jedes Land, seine eigene Gebräuche und Sit, C 2 ten. ten, und ich werde Ihre Schimpfwörter sicher- lich so wenig erwiebern, als Ihre Schnitzer wir der die Orthographie. Nur die einzige Anmer» kung will ich machen, die Ihnen künftig Key Ihren Sircitschrisken von Nuzen seyn kann: die Lakonischen Beweise, die Sie so sehr lieben, ich meine die Wörter Schurke und Lorrer- bube u. dergl. erhalten ihre Stärke von der Beschaffenheit der Zunge, die sie ausspricht, und sie verlieh-en oft ihre Würkung ganz, 'oder ge' Hen gar in das entgegengesezte über, wenn die» ses beweisende Glied homogen mit dem Ber weise ist. Ich will mich durch die Anwendung erklären. Wenn Ihre Zunge Dieterichen e» neu Schurken nennt, so bringt cs ihm die grör sie Ehre: hingegen hätte sie ihn Freund undConr sorren geschimpft, so wäre ihm kein Professor und kein Pursche mehr in Laden, und kein ehrlicher Bürger mehr über die Schwelle gegangen. Aber was soll ich zum Beschluß Ihrer Schartecke sagen? Oder was würde Ihnen ein Mann antworten, der minder zurückhaltend wäre. Z7 wäre, als ich? „ Dreymal habe ich deineSchand „ Periode *) gelesen,würde er sagen, und noch weiß „ ich nicht, was in derselben mehr auffallend ist, „ deine galqcnmässrge Frechheit, wodurch du ei- „nem Manne, der in dem ganzen Streit von „jedermann (unter Christen wenigstens) als „der beleidigte Theil erkannt wird, rin Werk „nachzudrucken drohest, noch che eS heraus ist, „ oder deine an Wahnwiz gränzende Dumlir-» „heit, die sich mehr von einem geschwänzten „Menschen, als einem Bamberger Buchhändr „ ler erwarten liesse, womit du es dir zum Ver^ „dienstanrechnest, daß du nachgedruckte Bür „cher wohlfeiler geben kannst, als der Verleger. Weißt du, daß du aufferDierericherr „nnt ') Die Stelle, worauf der Verf. anspielt, istfolgende: „Ich behalte nur mein weiteres Recht gegen einen „solchen Lügner und Derläumder bevor; umsonst hos- „set derselbe durch eine angekündigte neue Auflage „der obdereqten Werke des Hrn. Prof-Feders das Publikum zu täuschen, ich erwarte sehnlich diese ver- „mehrte Auflage, und wenn dieselbe das Licht erblickt „so werde ich zu einer geringen und einsweiligen Ge- „nugthuung den Nachdruck nicht scheuen, und als- „dann erst das Publikum durch die Verschiedenheit „des Preises zu überführen, wie diesem Derläumdrr „um nichts zu thu» scy, als seine Haab- und Gewinnsucht;» befriedigen. Anmerk. d. Herausgeber». Z8 —- „mit deinen Spizbuben-Drohungen auch noch „den verehrnngswürdigen Verfasser beleidigest, „ja daß du den Wissenschaften selbst schadest, „würde ich sagen, wenn solcher Pöbel, wie du, „wüste, was Wissenschaft ist, oder wenn man „ solchem Leim tretenden Gesindel wie dir glau- „ben machen dürfte, sie könnten durch ihre Un- „ ehrlichkeit im Arbeiten den Bai« eines Tem- „ prls des Jupiter aufhalten. Und ist es denn, „würde er fortfahren, ist es denn so etwas ungewöhnliches, daß die Schuster, die das Le- „derstehlen die Schuhe wohlfeiler geben könr „tten? Nimm lieber sechs der Handfestesten „aus deinem Hundert, breche hier gerade weg „bey Dieterichen ein, oder schlage seinen „Fuhrmann zwischen Göttingen und Leipzig „einmal zur guten Stunde auf den Kopf.,, So würde der Mann sagen, und hätte Er unrecht? Allein Ich, ich liebe ein allezeit laues Blut und Barmherzigkeit. Auch wenn ich recht bedenke, so ist in jener Schlußperiode , so sehr xro mit contra und contra mit pro verwech» selt, ans der einen Seite so viel Tücke, und aus der t ----- Z9 der andern wieder so viel possierliche Albernheit, daß man nicht weiß, was man glauben, oder wo man anfassen soll. In einem solchen Fall halr reiches, nach einer bekannten hermenevtischen Regel, die die Lösung solcher Schwierigkeiten, wenn sie der Vernunft zu schwer werden, der Menschenliebe überträgt, für meine Pflicht, zu glauben, daß Sie wenigstens zuweilen nicht klug sind, oder, daß Sie aus Achtung gegen Ihren grossen Vorgänger im Betrug, welchem Göbhard, der betrügerische Schleichdrucker, freylich besser Gesellschaft leisten könnte, als Dr. Faust, der ehrliche Buchdrucker, Ihren Abschied vom Leser mit trausscendentem Gestank zu nehmen gedacht haben. Ich meines Theits denke immer: Ende gut, alles gut! und anstatt Ihre Drohungen mit einer einzigen zu erwiedern, will ich Ihnen lieber zwo Ermahnungen geben. Für das err ste, wenn Sie den Tausenden von redlichen, die mit mir stimmen, antworten wollen, so thun Sie es Ihrer Ehre, jetzigen und künftigen Ruh« wer 5 42 ------- wegen, (die jenseit des Grabes nicht ausgeschlossen) durch Besserung mir der That, und nicht durch eine schriftliche Antwort. Merken Sie wohl, was Ihnen dieser Rach für Ehre anthut? Mehr, als ich Ihnen zugedacht hatte, da ich mich zu diesem Brief niederseßte. Er sezt voraus, daß Sie noch ein besserer Bürger werden könnten, wenn Sie wollten, und daß Sie nur zum Schriftsteller und Advocaten unwiederbringlich verdorben sind. Für das zwey« te wollte ich Ihnen auch nicht rachen die Feder eines andern zu gebrauchen. Die Köpfe, die Wißund Kunst genug besizen, eine böse Sache, zumal eine, die der Name Göbhard drückt, gutzu vertheidigen, sind überhaupt in Deutschland selten, und wenn man dem Himmel für die Seltenheit derselben danken muß, so ist ihm, dünkt mich, Ihr Vaterland vorzüglichen Dank schuldig. Leben Sie wohl. Ich bin u. s. w.