Kedenlrßl'ati auf das Hinscheiden Sr. Königlichen Hoheit des hochseligen Fürsten Hui'l ^utan vo» , am 2. Juni und der AeifeHungsfeiertichkeit am 6. Juni 1885. Sigmaringell. Druck und Verlag der M. Liehne r'schen Hofbuchdruckerei. I. Die letzten Stunden des hochseligen Aiirsten. Sigmaringen, den 3. Juni. ^chon seit mehreren Wochen war die Hoffnung auf Genesung des hvchsetigcn Fürsten geschwunden, nicht geschwunden aber die Hoffnung, sein theures Leben noch länger zu erhalten. Die letzten Tage hatten jedoch di? Besvrgniß höher als je steigen lassen und gestern in der Frühe verbreitete sich die schmerzliche Kunde von^Hanö zu Hans, von Mund zu Mund: Seine Königliche Hoheit unser gnädigster Fürst ringt mit dem Tode. Aber Gottes Gnade ließ diese letzten Stunden für den erlauchten Kranken ohne Leiden, ohne Schmerzen sein, ein Trost für die in Schmerz aufgelösten nächsten Angehörigen, welche um das Sterbelager des innigst geliebten erlauchten Gemahls und Vaters versammelt waren, ein Trost für Alle, welche in den anstoßenden Räumen dem Hinscheiden unseres guten Fürsten beiwohnen durften, ein Trost für Alle, Alle, die seinen Tod betrauern und beweinen. Unter den Gebeten des Priesters hauchte Fürst Karl Anton seine große Seele ans; begleitet von den Gebeten aller Anwesende» stieg sie hinauf zu Gott, um den Lohn zu empfangen, für all das Gute, was Se. König!. Hoheit in einem fruchtreichen Leben zum Segen und Wohle seiner Mitmenschen gethan, um auszuruhen von vielen Leiden und Schmerzen, die der hochselige Fürst mit bewundernswürdiger Ergebenheit und starker Willenskraft die letzten Jahre tragen mußte. Auf der kleinen Wanduhr im Krankenzimmer stand der Zeiger auf 9 Uhr und 16 Minuten, als der Leibarzt, sich zu unserem nunmehrigen Fürsten Leopold wendend, das unsagbar schmerzliche Wort sprach: „Das Herz hat ausgeschlagen. Se. Königliche Hoheit ist geschieden." Es war ein tief ergreifender Augenblick! Kein Auge blieb trocken, Thränen tiefsten Schmerzes flößen. Um 9V- Uhr senkte sich die Zollcrnfahne, auf die seit der Frühe die Augen der Einwohnerschaft in bangster Erwartung gerichtet waren und die fast unheimliche Stille auf den Straßen schwand. Allüberall bildeten sich Gruppen, in denen tiefbewegt die Trauerkunde besprochen wurde und manches Auge naß wurde. Kurze Zeit nach dem Hinscheiden des hochseligen Fürsten celebrirte der Hofkaplan in der Schloßkapclle eine hl. Messe für die Seelenruhe Sr. König!. Hoheit, der die ganze fürstliche Familie beiwohnte. Gott möge den tiefen berechtigten Schmerz aller Angehörigen des fürstlichen Hauses lindern und mildern! 4 II. Nekrolog. Sigmaringen, den 3. Juni. Von dem hohen First des fürstlichen Residenzschlosses weht halbmast, schmerzliches Zeichen der Trauer, die Hohenzollern-Fahne. Traurige Kunde ist aus den" Gemächern der Zollernburg in die Stadt gedrungen, und schmerzbcwegt findet sie allüberall in den Hohenzollernschen Landen die Gcmüther ob der Nachricht: „Fürst Karl Anton ist dahin geschieden." Welch tiefergreifender Gegensatz zwischen den gesegneten Tagen des Oktobers des verflossenen Jahres und heute! Damals Helle jubelnde Festesfreude, wenn der Name des Fürsten genannt wurde; heute ernste Trauer und tiefe Bewegung ob seines allzuraschen Hinscheidens. Und wie in jenen Tagen Hunderte und Tausende das Glück, die Freude des fürstlichen Hauses theilten uild Heilend sie vermehrten und hoben, so empfindet auch heute die Bevölkerung der Hohenzollernschen Lande, und in erster Reihe die der Residenzstadt, tief und schmerzlich den schweren Verlust, den die fürstliche Familie erlitten. Möge doch die aufrichtige Theilnahme Aller, die dem Fürstenhause in Treue und Verehrung anhängen, den berechtigten Schmerz der hohen Angehörigen des Hochseligen lindern und mildern! Schon seit längerer Zeit litt Se. Königliche Hoheit in Folge seines langjährigen schweren Leidens, das er allezeit mit wahrhaft bewunderungs- werther Geduld und Ergebung trug. Mit der ganzen Energie seiner that- kräftigen Natur kämpfte er gegen die steigende Schwäche. Seine sonst außergewöhnlich gesunde Körperbeschaffenheit, gehalten und gefördert durch selbst aufcrlegte strenge Regelmäßigkeit in der Lebensweise, sowie durch aufmerksame Pflege, ließ die Hoffnung auf eine glückliche Abwendung der Gefahr lange nicht ersterben. Doch Gott hatte es in seinem allweisen Rathschlusse anders beschlossen. Am 19. Mai war das erste offizielle Bulletin des Leibarztes ausgegeben worden, und gestern am 2. Juni erfolgte sanft und schmerzlos der Tod Sr. Königlichen Hoheit. Es ist eine tiefschmerzliche Nachricht, die der Telegraph jetzt durch ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus verbreitet. Und diese Trauerkunde wird überall, wo sie hingelangt und wo der Name des hohen Verblichenen gekannt war, Wehmuth Hervorrufen. Mit Fürst Karl Anton von Hohenzollern ist wieder einer jener Treuesten der Treuen dahingeschieden, die unserem ehrwürdigen greisen Kaiser zunächst standen. Wie schmerzlich muß ihn der Tod seines geliebten Freundes und Stammverwandten treffen! Thränen perlten in den Augen des Monarchen, als er am 22. Oktober vorigen Jahres nach den herrlichen Tagen der goldenen Hochzeit Abschied nahm von dem Jubilar, und tief ergriffen trat Kaiser Wilhelm, als der Zug die Donaubrücke überfuhr, nochmals an das Fenster, um einen letzten Scheidegruß dem Fürsten hinaufzusenden. Es war der Abschied für dieses Leben. 5 Mit Fürst Karl Animi ist einer der hervorragendsteil Fürsten Dem'' lands, einer der besten deutschen Männer, einer der treuesten, thatkrästigst s Söhne des Vaterlandes dahingeschieden. l Karl Anton von Hohenzollern war geboren am 7. September 181'' zn Krauchenwies als einziger Sohn des Fürsten Karl von Hohenzollern- Sigmaringen. Eine tüchtige, gediegene Erziehung legte den Grund zn jenem äußerst thätigen, vielseitigen, ersprießlichen Leben, das Fürst Karl Anton von Jugend auf in Dienst seiner engeren Heimath, des preußischen Staates, des deutschen Vaterlandes gestellt hat, das ihn für alles Schöne, Hohe und Edle warm empfinden ließ, das eine Fülle von hervorragenden Leistungen für das allgemeine Wohl in sich barg. Am 21. Oktober 1834 vermählte er sich mit I. K. H. der Prinzessin Josefine von Baden, Tochter des 1818 verstorbenen Großherzogö Karl von Baden. Es war ein reich gesegneter, glücklicher Ehebund, den das hohe Paar damals schloß, und dein die Vorsehung die seltene Gnade des fünfzigjährigen Jubiläums verlieh. Nachdem Fürst Karl Anton, seit März 1848 Vollmachthaber seines Vaters und seit dem 28. August desselben Jahres Souverän, auf Grund mehrfacher älterer und neuerer Erbverträge mit dem stammverwandten preußischen Königshause, nach langer und reiflicher Ueberlegung sein Fürstenthum durch Staatsvertrag vom 7. Dezember 1849 an die Krone Preußen abgetreten hatte, nahm er am 6. April 1850 bei der definitiven Uebergabe der Negierung an Preußen, tiefbewegt Abschied von seinem Volke, von seinem Lande. Aber es war doch nur eine räumliche Trennung, die stattfand, als der Fürst Hohenzollern verließ, um sich nunmehr ganz dem Dienste des preußischen Vaterlandes zu widmen, dessen Größe, Gedeihen und Entfaltung ihm so warm am Herzen lag, dessen große Aufgabe in der weltgeschichtlichen Entwickelung er schon lange mit scharfem Blick erfaßt hatte, dem er die angestammte Souveränetät und mehr noch, eineu hoffnungsvollen Sohn, wenn auch schmerzbewegt, so aber nicht minder opferfreudig, hingab. Seine hervorragenden Geistesgaben, seine Tüchtigkeit als Soldat, als Politiker, als Diplomat und vertrauter Freund und Rathgeber des Monarchen führten ihn in die höchsten Kreise der Großen dieser Erde; das hohe Ansehen des fürstlichen Hauses Hohenzollern ließ ihn in nahe und nächste verwandtschaftliche Beziehungen zu einer Reihe herrschender Dynastien treten, aber dessen ungeachtet bewahrte er Hohenzollern heimathliche Liebe, und mit dem Volke, das seinen Namen trägt, mit seinen ehemaligen Unterthanen, blieb er nichtsdestoweniger enge verbunden, an ihrem Wohlergehen sich freuend, ihre Freuden theilend und in Tagen der Prüfungen, der Heimsuchung mitfühlend, helfend und thatkräftig beispringend. Des Königs Majestät berief den Fürsten, nachdem dieser aktiv in das preußische Heer eingetreten war und in eifrigem Studium und praktischem Dienst sich mit den Pflichten und Forderungen seiner neuen Stellung vertraut gemacht hatte, schon am 17. April 1851 zum Kommandeur der 12. 6 ifanterie-Brigade. Das hohe Vertrauen, welches der oberste Kriegsherr den Fürsten gesetzt, rechtfertigte dieser in vollem Maße. Ein wichtiges Kommando nach dem andern wurde ihm übergeben und hiermit stiegen auch seine Beförderungen. Am 12. März 1853 ward der Fürst zum General- Lieutenant ernannt und ihm am 22. November 1858 das Kommando über das VII. Armeekorps übertragen. Wenige Tage vorher am 5. November übernahm er auf Wunsch unseres heutigen Kaisers und Königs das Präsidium des neugebildeten Ministeriums. König Wilhelm anerkannte die vielen und hervorragenden Verdienste des Fürsten auch dadurch, daß er ihm am 18. Oktober 1861 das Prädikat „Kömgliche Hoheit" verlieh. Mit huldvollstem Handschreiben vom 29. September 1862 entband der Monarch nach mehrfach wiederholten Bitten Se. Königliche Hoheit von dem Vorsitz des Staatsministeriums. Schon am 31. Mai 1859 war Fürst Karl Anton zum General der Infanterie befördert worden. Am 17. März 1863 erfolgte daun seine Ernennung zum Militär-Gouverneur der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz und am 7. April desselben Jahres die Berufung als Mitglied der Ingenieur-Kommission. Dem Feldzuge gegen Dänemark 1864 wohnte der Fürst im Hauptquartier bei. Der Krieg von 1866 fesselte ihn au den durch die politischen Verhältnisse sehr wichtigen Posten als Militär-Gouverneur der oben genannten Provinzen; er blieb am Rheine. Drei seiner Söhne, unser jetziger durchlauchtigster Fürst Leopold, sowie die Prinzen Anton und Friedrich standen im Felde gegen Oesterreich, der Zweitälteste Sohn Prinz Karl, der nunmehr ruhmreich regierende König von Rumänien, war im Begriff unter schwierigen und nicht gefahrlosen Verhältnissen den rumänischen Thron zu besteigen. Prinz Anton starb den Heldentod für das Vaterland. Die übrigen Söhne des fürstlichen Hauses waren umringt von den Gefahren des Krieges. Wahrlich eine schwere Zeit für den fürstlichen Vater! Aber gerade in solchen Tagen, erfüllt von angestrengter Arbeit, banger Sorge und weitgehender Verantwortlichkeit, zeigte Fürst Karl Anton die seltene Energie seines Geistes, die unentwegte Ruhe, richtig eingreifende Thatkraft und klare, nicht schwankende Entschlossenheit. Das Jahr 1866 war wohl das bedeutsamste seines vielbewegten Lebens. Auf der Tafel, welche die für das Vaterland gestorbenen Söhne der Hohenzollernschen Lande verewigt, steht auch der Sohn des hochseligen Fürsten. Die Blätter der Geschichte jenes Jahres verzeichnen die hohen Verdienste, welche Fürst Karl Anton sich damals erwarb und die König Wilhelm mit besonderem Handschreiben und Verleihung des Ordens pour le märite auch vor der Welt anerkannte. Am 9. Januar 1868 ernannte der König den Fürsten zum Mitglied und stellvertretenden Präses der Landesvertheidigungskommission. Als am 3. September 1869 mit dem Tode des Fürsten Friedrich Wilhelm Konstantin die Linie Hohenzollern-Hechingen erlosch, ward Fürst Karl Anton der alleinige Ehef des schwäbischen Hauses Hohenzollern und nannte sich, den Hausgesetz- liehen Bestimmungen gemäß, von da ab: Fürst von Hohenzollern, ohne den Zusatz „Sigmaringen". An dem glorreichen deutsch-französischen Kriege, zu dem die spanische Thron-Kandidatur unseres nunmehrigen Fürsten Leopold bekanntlich für das übcrmüthige Frankreich einen frivol herbeigezogenen Anlaß bieten mußte, konnte der hochselige Fürst nicht mehr Theil nehmen; denn schon hatte sich jenes Leiden eingestellt, das allen Anstrengungen der Aerzte, allen Hülfs- mitteln der ärztlichen Wissenschaft und Heilmitteln der Natur gegenüber sich hartnäckig behauptete, stetig wuchs und die Thatkraft des Fürsten zu lähmen suchte. Die heroische Weise, mit der Se. Königliche Hoheit das schwere Leiden Jahre hindurch trug, die Selbstbeherrschung, die er stets und immer bewies und mit der er niemals seine Umgebung die harte Prüfung, die ihn getroffen, empfinden ließ, die ungemeine Energie, mit welcher er gegen den Einfluß der Krankheit kämpfte und sich in seiner rastlosen Thätigkeit nicht beschränkte, sind wahrhaft bewunderungswürdig. Sie bilden ein merkwürdiges Beispiel für das Uebergewicht einer eisernen Willenskraft über den Körper. Der hochselige Fürst hat während seines langjährigen Leidens ein hellleuchtendes Beispiel gegeben, wie schwere Prüfungen ertragen werden sollen. Am 18. Juli 1870 überreichte der Fürst seine Bitte um Entlassung von seiner Stellung als Militär-Gouverneur der vorgenannten Provinzen; aber erst am 15. April 1871 ging Kaiser Wilhelm auf das Gesuch ein. Zwei Monate später siedelte Se. Königliche Hoheit nach Sigmaringe» über, um wieder in dem fürstlichen Schlosse seine Residenz zu nehmen. Der Anlaß hierzu war allerdings nicht fieudig, aber der Thatsache durfte sich Hohenzollern und ganz besonders Sigmaringen wohl freuen; denn mit jenem Zeitpunkt beginnt auch ein rascher Aufschwung der Stadt. Geschäfte und Berkehr hoben sich, Sigmaringen verschönerte sich von Jahr zu Jahr, und heute ist die kleine Donaustadt bekannter und besuchter als manche deutsche Stadt mit weit größerer Einwohnerzahl. Am 15. September 1877 erfolgte die Ernennung des Fürsten zum Chef des hohenzollernscheu Füselier-Regiments Nr. 40; die gleiche ehrenvolle Stelle bekleidete er seit 1849 bei dem 1. Magdeburger Infanterie-Regiment Nr. 26. Am 17. März 1881 beging Fürst Karl Anton sein fünfzigjähriges Militärjubiläum, das Se. Majestät unser Kaiser und König nicht vorübergehen ließ, ohne dem hohen Jubilar wieder einen Beweis seiner Verehrung und Werthschätzung zu geben. Ein huldvolles Handschreiben gab ehrenvolles Zeugniß hiervon. Mit welch großartiger Feier das goldene Hochzeitsfest des fürstlichen Ehepaares im verflossenen Jahre begangen wurde, ist noch in Aller Angedenken. Hier sei es betont und hervorgehoben, weil es einen bis dahin nie erreichten, glänzenden Beweis gab für das Ansehen, die Verehrung und Liebe, welche Fürst Karl Anton von Hohenzollern, von unserem erhabenen 8 Kaiser an bis zum schlichte» Bürger herab, genost. Jenes herrliche Fest war gcwisscrinasten der Schlussstein des öffentlichen Lebens des hochseligcn Fürsten und ein würdiger, schöner Schluss, den Gott geschenkt, die Weihe der Kirche geheiligt, die Gebete Tausender begleitet und milde, wohlthätige Stiftungen und Gaben des Jubelpaares verewigten. Das Bild, welches wir hier in großen Zügen von dem Leben unseres hochseligen Fürsten entworfen, kann nur unvollständig sein; denn dafür ist dieses zu reich, zu ungewöhnlich, zu bedeutend, zu mannigfaltig. Es ist nur ein Rahmen, zu dessen Ausfüllung ein so ungemein reicher Stoff vorliegt, wie ihn wenige Menschenleben bieten. Wo wir auch Hinblicken mögen, überall strömt uns eine Fülle hervorragender Leistungen entgegen Was Fürst Karl Anton als erlauchter und nicht minder unermüdlicher, treuester Unterthan seines innig verehrten und geliebten Kaisers und Königs gethan, wie er rastlos für das Wohl, die Ehre und das Glück seiner hohen Familie bedacht war, welche Bereitwilligkeit er hohen Standesgenossen stets bewies, wenn es galt seine reiche Erfahrung, seinen Rath zu verwerthen, wie er als Chef seiner weitausgedehnten Verwaltung mit eisernem Fleiß und musterhaftester Ordnung in allen seinen Geschäften ein leuchtendes Beispiel gab, wie segensreich seine werkthätigen Unterstützungen von Kunst und Wissenschaft, von Industrie und Gewerbe wirkten, wie viel des Guten heimlich und öffentlich geschehen, kurz, in welcher Weise der hochselige Fürst mit dem Talent wucherte, das die göttliche Vorsehung ihm verliehen, das ist nur zum Theil bekannt. Aber es ist dieser Theil schon so reich, so vielseitig, so eminent bedeutend, daß er das Gedächtnis; an den Fürsten Karl Anton von Hohenzollern nie mehr erlöschen läßt. Sein Andenken wird sein ein gesegnetes und ehrenvolles für und für. III. Die Peisehungsfeierlichlreii am 6. Äuni. Nachdem Mittwoch den 3. Juni die irdische Hülle des hochseligeil Fürsten einbalsamirt und mit der Generals-Uniform bekleidet worden war, wurde die Leiche Donuerstag Morgen in der Schloßkapelle auf dem Paradebett aufgebahrt. Bei derselben versahen beständig zwei Herren vom Dienst und zwei Kammerdiener den Ehrendienst, während ein Geistlicher am Altäre Gebete verrichtete. Die Schloßkapelle war in einen Blumengarten verwandelt, und von Stunde zu Stunde wuchs die Zahl der Kränze, welche von Nah und Fern, von Hoch und Niedrig zu Füßen des Sarges niedergelegt wurden. Hervorragend unter diesen waren herrliche Kränze von I. M. der deutschen Kaiserin, I. M. der Königin von England, I. K. u. K. H. der Kronprinzessin und den nächsten Angehörigen. Von Nachmittag 2—4 Uhr, sowie den nächsten Tag von 10—12 Uhr Vormittags und abermals von 2—4 Uhr Nachmittags wurde dem massenhaft zuströmenden Publikum der Zutritt zur Kapelle gestattet. Viele Gebete 9 sind hier für den hvchseligen Fürsten ans schlichtem Herzen zu Gott anfge- stiegeu, viele Thronen still und ungesehen geflossen, selbst ans Augen, die lange nicht mehr geweint, über Wangen, gefurcht vom Alter, voll in der Kraft der Jugend, gebräunt von Wind und Wetter, und im Kampfe des Lebens hart und fest gewordene Gcmüther wurden weich — schönster Tribut der Verehrung, Liebe und Dankbarkeit. Die im Leben so markigen Züge des hohen Verstorbenen hatte der Tod nicht entstellt; sie waren freundlich und milde. Am Kopfende des Sarges war die mit Flor umhüllte Krone befestigt, sodann das Band des Schwarzen Adler-OrdenS, Degen, Schärpe und Handschuhe. Auf beiden Seiten des Sarges befanden sich je 3 TabonretS, ans denen die zahlreichen Orden des hohen Verblichenen niedergelegt waren und zwar: die Kette des Schwarzen Adler-OrdenS und der Orden poiir In meriko; die Kette des Königlich Hohenzollernschen Hausordens und sämmtliche übrige Preußische Orden und Kriegsdcnkmünzen, sowie der Fürstlich Hohenzollcrnsche Hausorden; das goldene Vließ; sämmtliche deutsche Orden und endlich sämmtliche ausländische Orden des hohen Verstorbenen. Ebenfalls am Kopfende befanden sich die Epauletten der Regimenter Nr. 26 und 40., sowie der Generals-Helm. Im Laufe des vorgestrigen Tages trafen dann als Leidtragende ein: J.J. H.H. der Herzog und die Herzogin von Anhalt, sowie General- Lieutenant Baron van der Smissen, Vertreter des Königs der Belgier. Gestern: I. M. die Königin Karola von Sachsen, Se. K. H. der Prinz Georg von Sachsen als Vertreter des Königs und Se. K. H. der Groß- herzog Friedrich von Baden. Sodann als Repräsentant des rumänischen Ministeriums und der Nation Kultusminister Demetrius Alexander Stnrdza; der Vertreter I. M. der Königin von England 8ir NnIIot,, englischer Botschafter zu Berlin, und auf Allerhöchsten Befehl die Kommandeure Oberst von Blomberg vom 26. Infanterie-Regiment und Oberst von der Lochau vom 40. Infanterie-Regiment, um dem erlauchten Chef ihrer Regimenter den letzten Ehrendienst zu erweisen. Heute, Samstag den 6. Juni Morgens um 8*/- Uhr trafen Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen mittelst Extrazug ein, empfangen von S. H. dein Fürsten Leopold von Hohenzollern, dem Erbprinzen Wilhelm und den Prinzen Ferdinand und Karl. Se. K. u. K. Hoheit gingen sogleich zur Schloßkapelle, legten daselbst einen prachtvollen Kranz am Sarge des erlauchten Stammesverwandten nieder und begaben sich hierauf in ihre Gemächer, um sich umzukleiden. Um Uhr versammelten sich alsdann die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften im rothen Saale des Schlosses, während die Fremden, zur Feier Abgeordneten, das Gefolge der höchsten Herrschaften, der Hofstaat, die Träger des Leichentuches und die besonders Befohlenen im Speisesaale sich eiufanden. Die auswärtigen Deputationen, die Generalität und die sonstigen Offiziere, die königlichen und fürstlichen Beamten, die anwesenden 10 Fremdcu hatten sich mittlerweile nach der Stadtpfarrkirche begeben zu den ibnen dort eingcräumten Plätzen. Die Stadtpfarrkirche war schwarz ausgeschlagen und in sinnig-ernster Weise dekorirt, das Licht der hohen GlaSfenstcr durch schwarze Vorhänge gedämpft, reiche schwarze Draperien mit silbernen Schnuren und Fransen garnirt, schieden das Chor vom Schiff der Kirche, die Aussicht auf den prachtvollen Sarg, sowie überhaupt auf das Chor und die fürstliche Empore frcilasscnd. Eine Stunde vor Anfang des Trauergottesdienstes begann die Geistlichkeit die Gebete und Gesänge der üblichen Trauer-Vigil. Nunmehr wurde die Leiche unter Vortritt des HofdiensteS, sowie der sechs Ordensträger von 8 fürstlichen Offizianten auf den Schloßhof getragen, wo sich inzwischen die Geistlichkeit und der Magistrat aufgestellt hatten. Einen tiefen Eindruck machte es, als ans dem Wege von der Schloßkapelle bis zum Schloßhofe die fürstlichen Söhne: Fürst Leopold, König Karl und Prinz Friedrich, sowie die Enkel, der Erbprinz Wilhelm, die Prinzen Ferdinand und Karl und Prinz Balduin von Belgien zu beiden Seiten des Sarges traten und mit Hand anlegten, um dem erlauchten Vater und Großvater den letzten Ehren- und Liebesdienst zu erweisen. Nachdem die feierliche Einsegnung stattgefunden, begaben sich die Allerhöchsten und Höchsten Damen: I. K. H. die Frau Fürstin-Mutter-Wittwe Josefine von Hohenzollern, I. K. H. die Frau Gräfin Marie von Flandern, I. K. H. die Frau Fürstin Antonia von Hohenzollern, J.J. M.M. die Königin Elisabeth von Rumänien und die Königin Karola von Sachsen, I. D. die Frau Prinzessin Karoline von Hohenzollern mit ihren Gefolgen auf das Oratorium der Stadtpfarrkirche. Hierauf wurde der Sarg von acht Magistrats-Mitgliedern ausgenommen und unter dem ergreifenden, durch Umhüllung derKlöppel gedämpften Geläute der Glocken setzte sich der hochfeierliche Zug in nachstehender Weise in Bewegung: Zwei Tranermarschälle mit Kreuz und Fahnenträger, der Magistrat mit brennenden Kerzen, die evangelische und die nicht celebrirende katholische Geistlichkeit in Chorröcken mit brennenden Kerzen, die celebrirende Geistlichkeit in Trauerornat, der langjährige treue Pfleger des hochseligen Fürsten, Kammerier Knickenberg, die gesammte Hofdienerschaft, die Herren vom Hofdicnst des erlauchten Verstorbenen: Leibarzt Geh. Sanitäts- und Hofrath vr. Koch, der Vorstand der Hofökonomieverwaltung Hofkammerrath Lasser und Hofrath vr. von Lehner. Hierauf folgten, vorausschreitend Kammerherr von Heldcn-Sarnowski, sechs Offiziere, welche auf ebensovielen Kissen, die zahlreichen höchsten und hohen Orden des hochseligen Fürsten trugen. Es waren diese: Oberst von Blomberg vom 26. Jnf.-Reg., Oberst von der Lochau vom 40. Inf-Reg., Oberst von Collas vom 117 Jnf.-Reg., ehemaliger Adjutant des hohen Verstorbenen, Hauptmann von Pressentin, Kommandeur der Besatzung der Burg Hohenzollern, Lieutenant von Sukow Pom 1. Garde-Reg. zu Fuß, militärischer Begleiter Sr. Durchlaucht des 11 Erbprinzen Wilhelm von Hohenzollern, Premier-Lieutenant Panthel vom 2!>. Inf.-Reg., Landwehr-Kommando Führer der Hohenzollcrnschcn Lande. Nunmehr folgte der prachtvoll mit Gold und Purpur dekorirte Sarg mit der hohen Leiche, dem der Geh.-Kabinetsrath Herr von Werner, Hof-Ehef des hochseligen Fürsten und der persönliche Adjutant desselben, Major von Schilgeu voranschritten. Sogleich hinter dein Sarge den Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften vorausschrcitend: der Kammerherr und Schloßhauptmann von Benrath, Freiherr Roth von Schreckenstein und der Kammerherr von Armin, Vorstand der Hofhaltung S. H. des Fürsten Leopold. Die Reihe der hohen Leidtragenden eröffnten Se. Kaiser!, und Königl. Hoheit der Kronprinz des deutschen Reiches und von Preußen, Friedrich Wilhelm in General-Feldmarschallsuniform, in der Rechten den Feldmarschallsstab führend. Au seiner Linken S. M. König Karl von Rumänien, rechts S. H. der Fürst Leopold von Hohenzollern. Hierauf S. D. Prinz Friedrich von Hohenzollern, S. K. H. der Prinz Philipp von Belgien, Graf von Flandern, S. D. der Erbprinz Wilhelm und die Prinzen Ferdinand und Karl von Hohenzollern und Prinz Balduin von Belgien, S. K. H. der Großherzog Friedrich von Baden, S. H. der Herzog Friedrich von Anhalt, S. K. H. der Prinz Wilhelm von Württemberg als Vertreter S. M. deS Königs Karl von Württemberg, S. K. H. Prinz Georg von Sachsen, Vertreter S. M, des Königs Albert von Sachsen, S. H. der Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, J.J D.D. der Fürst Karl Egon von Fürstenberg und der Fürst zu Wied. S. D. Prinz von Ratibor, S. D. Prinz Max von Hohenlohe, S. D. der Erbprinz von Monaco mit Sohn, der Abgesandte I. M. der deutschen Kaiserin, Graf Fürstenstein, die Vertreter I. M. der Königin von England, S. M. des Königs des Belgier, des rumänischen Ministeriums, sowie eine weitere Reihe erlauchter Leidtragender. Den hohen Herrschaften folgten sodann das glänzende Gefolge derselben. Nachdem der feierliche Zug in die Kirche eingetreten war und der Sarg im Chor aufgestellt worden, wurden die Orden, wie in der Schloßkapelle, neben dem Sarge angebracht, auf dem unter anderen Blumenspenden der herrliche Kranz von I. M. der deutschen Kaiserin lag, wobei die sechs Ordensträger hinter den Tabourets Stellung nahmen. Die hohen Leidtragenden und die fremden Fürstlichkeiten, sowie alle übrigen am Zuge Teilnehmenden verfügten sich hierauf zu dm ihnen reservirten Plätzen im Schiff der Kirche, die von königlichen und fürstlichen Beamten, zahlreichen Fremden und der Bevölkerung dicht gedrängt voll war. Das nunmehr folgende Traueramt celebrirte der päpstliche Geheimkämmerer Domkapitular Marmon, der mit Domkapitular Dr. Bchrle vom Erzbischof von Freiburg hierher gesandt worden. Tief ergreifend erschallten die Klänge des Requiems, mit dem der Kircheuchor den Trauergottesdienst begleitete. Um 11V, Uhr hatten die Exequien 12 ihr Ende erreicht, und der Sarg wurde »>m non den Mitgliedern des Magistrats wieder unter Vortritt des Hofdienstes ans der Kirche getragen und auf den vor derselben bereitstehenden, reich geschmückten Leichenwagen gehoben, der von sechs schwär; verhüllten, mit schwarzem Fedcrbusch gezierten Pferden gezogen wurde, lieber den Sarg wurde sodann das Bahrtuch gebreitet. Die Enden desselben trugen: der königliche Regierungspräsident Herr Graaf, der Präsident der fürstlichen Hofkammcr Freiherr von Godin, der Kammcrherr und Schloßhauptmann von Düsseldorf Freiherr von Märcken zu Gcrrath und der Bürgermeister der Stadt Sigmaringen Herr Gayer. In gleicher Reihenfolge wie zur Kirche bewegte sich nunmehr der Zug den Schloßberg hinab durch die Stadt nach der jetzigen Gymnasialkirche zu Hedingcn, woselbst sich die fürstliche Gruft befindet. Hinter die beiden Trancrmarschälle, welche den Zug cröffneten, traten zuerst die Knaben der Volksschulen mit ihrern Lehrern, das Gymnasium mit dem Lehrerkollegium, die Ackerbauschule, die sonstigen Militär- und Vereine der Stadt und Umgegend mit trauerumflorten Fahnen. Dem Gefolge der fremden Fürstlichkeiten schlossen sich dann noch an: das fürstliche Hofkammer-Kollegium, die württcmbcrgischen Standesherren: die Fürsten von Waldburg-Zeil-Wnrzach und Waldburg-Zeil-Wolfegg, S. E. der Graf von Königsegg-Aulendorf u. a. m., der sonstige hohe württemb. und badische Adel, worunter die Grafen von Beroldingen, Reuttner, von Normann, die Freiherren von Enzberg, von Ulm-Erbach, von Ow, von Hornstein-Grüningeu, von Hornstein-Binningen, von Bodman, von Gült- lingeu, von Stotzingen n. s. w., die Generalität, wobei General-Lieutenant von Hartmann, Gouverneur von Ulm, General-Lieutenant von Guretzky- Cornitz aus Ulm, General von Wagner und eine große Anzahl Stabs- und sonstige Offiziere der benachbarten Garnisonen Ulm, Weingarten, Konstanz und der Burg Hohenzollern. Sodann die höheren königlichen Beamten, eine Reihe auswärtiger Deputationen der Städte Karlsruhe, Düsseldorf, Hechiugen, verschiedener Vereine und Genossenschaften, hierauf eine große Anzahl von bei Hofe vorgestelltcn Fremden, hierunter: der Rektor Magnificus der Universität Tübingen, Professor vr. von Schöuberg, denen sich die übrigen königlichen, fürstlichen und sonstigen Beamten anschlossen, während die Bürgerschaft der Stadt auf der Straße nach Hedingen Spalier bildete. Nachdem der ungemein feierliche und großartige Trauerzug die ebenfalls der ernsten Feier entsprechend ausgeschmückte Kirche zu Hedingen erreicht hatte, wurde der Sarg unter dem Gesänge der Schüler des köuigl. Gymnasiums in das Chor derselben getragen und die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften, sowie sämmtliche offizielle Theilnehmer am Trauerzuge nahmen ihre vorher bestimmten Plätze ein. Die fürstlichen Damen waren unmittelbar vor dem Zuge mittelst Wagen eingetroffen und hatten sich ebenfalls in die Kirche begeben. Nunmehr hielt Domkapitular Marmon folgende Leichenrede: V 13 „Durchlauchtigste hochau sehnliche in Trauer versammelte Zuhörer! „Erst sind sieben Monden verflossen, als die hohe Fürstcnbnrg in ihrem höchsten Festschmuck prangte und alle Räume derselben angefüllt waren mit Vertretern des Volkes, mit hohen und erlauchten Gästen von nah nnd fern, mit Fürsten und Königen, um dem hohen Jubelpaare zur Feier der goldenen Hochzeit ihre Glücks- und Segenswünsche darzubringen. Selbst Seine Majestät unser greiser Heldenkaiser war herbeigeeilt, um dem Feste den höchsten Glanz zu verleihen. „Aber wie ist jetzt alles anders geworden! Trauer ist eingekehrt in das Haus der Freude, die Todesfahne weht von der Zinne des Schlosses. Dumpf und klagend tönt die Sterbeglocke vom Thurme und verkündet uns: Ein edler geliebter Fürst ist dahin gegangen, Karl Anton von Hohenzollern ist nicht mehr! — Geschlossen ist der Mund für immer, welcher am 21. Oktober vorigen Jahrs auf die Frage des hochwürdigsten Offizianten: /Versprechen Sie gegenseitig vor Gottes Angesicht, jenem Bunde, den Sie vor 50 Jahren geschlossen, bis ans Lebensende treu zu bleiben/ mit vernehmbarer kräftiger Stimme geantwortet: ,Ja, ich verspreche es/ „Starr und bewegungslos ist jetzt die Hand, welche sich damals zur Erneuerung des hl. Bundes in die Rechte der erlauchten Gemahlin legte. Erloschen für immer ist das Auge, welches damals in Freuden strahlte. Nimmer pnlsirt das edle Fürstenherz, das Jedem wohlwollend entgegenschlug, der sich dem Verblichenen nahte. Voll Schmerz und Wehmuth schaut die edle Fürstinmutter, schauen die Kinder hinab in die dunkle Grabesgruft, welche die irdischen Ueberreste des geliebten Gemahls und Vaters aufnimmt. „Es ist sonst Sitte, am Grabe hochgestellter Persönlichkeiten, besonders solcher, welchen die göttliche Vorsehung eine beoeuisame Stellung in der Geschichte der Völker und Staaten zugewiesen hat, ein Lebensbild zu entwerfen; das müßte in der That eine dankbare Aufgabe sein für den Biographen, den höchstseligen Fürsten Karl Anton zu schildern als Familienvater, als Fürst, als Militär und Staatsmann, als vertrauten Freund und Nathgeber des Kaisers, als Mäcen der Künste und Wissenschaften und aus allen seinen vortrefflichen Eigenschaften und hohen Verdiensten einen Lorbeerkranz zu winden —; allein dazu wäre mehr Zeit erforderlich, als mir gegeben ist, und dazu gehörte ein beredterer Mund, als der meine ist. Darum will ich nur einige kleine Gedenkblätter aus seinem reichen Leben an seinem Sarge niederlegcn. „Fürst Karl Anton wurde geboren am 7. September 1811 und erhielt am selbigen Tage die hl. Taufe. Nachdem der junge Prinz eine sorgfältige Erziehung genossen, und auf den Universitäten Freiburg, Göttingen nnd Berlin die nöthige wissenschaftliche Ausbildung sich erworben hatte, kehrte er im Jahre 1831 in das väterliche Schloß zurück, von wo an er 14 sich an den Administrations- und Regierungsgeschäften betheiligte. Am 21. Oktober 1834 schloß er mit der Durchlauchtigsten Prinzessin Josephinc von Baden den so glücklichen und mit herrlichen Kindern gesegneten Ehcbund. Am 27. August 1848 übergab ihm sein Vater Fürst Karl die Regierung des Landes, die er jedoch nur über ein Jahr in Händen behielt. Es war jene verhängnißvolle Zeit, in der die Revolution Thron und Altar zu stürzen drohte. Nicht aus Schwäche, sondern mit wohlüberlegter Entschließung und in der patriotischen Absicht, für die Einheit Deutschlands das erste Opfer zu bringen, trat Fürst Karl Anton am 7. Dezember 1849 in lieber - einstimmnng mit alten Hans- und Familien-Verträgcn an die Krone Preußen sein Land ab. DaS Manifest vom 9. April 1850, in welchem er die Beweggründe zu diesem Schritte anseinandersetzte, ist zugleich ein merkwürdiges Zeugnis; für seine politische Fernsicht. Fürst Karl Anton war eine ideal angelegte Natur, begeistert für die Macht und Größe des deutschen Vaterlandes und zugleich ein Freund der Künste und Wissenschaften, wie seine herrlichen Kunstsammlungen bekunden. Seine gemächliche und leutselige Art und seine stattliche Mauuesfigur bleibt Jedem unvergeßlich, der ihn einmal gesehen und gesprochen hatte. „Das innige und vertraute Verhältnis;, in welchem Fürst Karl Anton zum Kaiser stand, beweist, wie Seine Allerhöchste Majestät die vortrefflichen Eigenschaften, die hohe Begabung und den Rath des Fürsten zu schätzen wußte. „Weit entfernt, daß die Verzichtleistnng auf die Souverainctät das fürstliche Hans der Dunkelheit überlieferte, hat dasselbe vielmehr seit dieser Zeit unter den Fälligen des Adlers, der sich in der Sonne wiegt, zu einem nie gesehenen Glanze emporgeschwungcn, indem Söhne und Töchter desselben sogar königliche Throne bestiegen haben. Aber wie keine Rose ohne Dornen blüht, so war auch der Lebenspfad des dahingeschiedenen Fürsten mitunter mit Dornen bestreut, auch er mußte erfahren, daß die Erde kein Paradies mehr ist mit ungetrübtem Glücke. Kaum hatte eine Tochter die höchste» Gipfel des Glückes bestiegen, als der Tod sie hinwegraffte, und Prinz Anton starb den Heldentod fürs Vaterland. „Und wem ist nicht bekannt, daß Fürst Karl Anton seit vielen Jahren ein schweres Leiden zu tragen hatte? Aber sein gläubiger Sinn ließ ihn dasselbe mit Ergebung in den Willen Gottes und bewnnderungSwerthem Starkmnth ertragen. Diesen christlichen Sinn bethätigte er auch durch großartige Stiftungen für wohlthätige und gemeinnützige Zwecke. Er starb unter den Gebeten der Kirche und gestärkt für den Gang in die Ewigkeit mit den hl. Sakramenten. Allgemein ist das Gesetz des Todes seit der ersten Sünde; jedes offene Grab verkündigt uns: ,Heute mir, morgen dir" — denn der Apostel sagt: ,Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben/ Voll Schmerz und Trauer stehen wir am offenen Grabe, aber eine Stimme von oben ruft uns tröstend zu: ,Er ist nicht todt, er schläft nur/ Es ist die Stimme des Sohnes Gottes, des allmächtigen H über Leben und Tod, desselben, der uns die unfehlbare Versicherung g>. geben hat: ,Es kommt die Stunde, wo alle, die in den Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören und hervorgehen werden, die Gutes ge- than haben zur Auferstehung des Lebens, und die Böses gcthan, zur Auf- erstekmng des Gerichtes/ Der Tod ist nur daS dunkle Thor, durch welches wir alle hiudurchgehen müssen, um zum ewigen Lichte und zur ewigen Glückseligkeit zu gelangen, die uns zu Thcil werden wird, wenn wir an den dreieinigen Gott glauben, auf ihn hoffen und ihn lieben, Amen." Nach abermaliger kirchlicher Einsegnung wurden hierauf die sterblichen Uebcrreste des hochseligen Fürsten, unter Vortritt des Hofdienstes und gefolgt von der celebrirenden Geistlichkeit durch acht Hofoffizianten in die fürstliche Gruft getragen. In diesem ungemein ergreifenden Augenblicke läuteten sämmtliche Glocken der Stadt und die auf der Höhe des Josefsberges ausgestellten Geschütze gaben dreimal zwölf Schüsse ab. Die Schüler des Gymnasiums sangen eine vierstimmige Motette. Beim Ausgang aus der Kirche geleitete S. K. u. K. H. der Kronprinz I. K. H. die Frau Gräfin von Flandern, Marie, Prinzessin von Belgien, S. K. H. der Großherzog von Baden I. K. H. die Frau Fürstin Änlonie von Hoheuzollern, S. H. der Fürst Leopold I. M. die Königin Elisabeth von Rumänien, S. K. H. oer Graf von Flandern I. M. die Königin Karola von Sachsen und S. K. H. Prinz Wilhelm von Württemberg die Frau Herzogin Antoinette von Anhalt. Die Feierlichkeiten waren von herrlichem Wetter begünstigt; die Haltung der zahlreichen Zuschauer äußerst würdig und ernst. Die Feier rief bei Allen eine tiefe Bewegung hervor.