Ztmmermanns, Auferstehung von den Todeen. Ein Lustspiel in einem Aufzug vom Verfasser im strengsten Inkognitos Ein Gegenstück zu dem Schauspiel/ Docror Bahrdt mir der eisernen Stirw Lorvos ckslustr Iiianres! - 7 9 r. Personen des Lustspiels. Ritter von Zimmermann. ä Dessen Gemahlin. > Kinder. Bedienter. Goldhaaens Geist. Zimmermanns deutsche Union samt Freyherrn von Knigge. Zimmermanns Auferstehung von den Todren. Erster Auftritt. Der Ritter von Zimmer mann (liegt auf einem Sofa, seine Waden schlottern, seine Wangen sind verbleicht, seine Augen einfallen, — er faltet seine Hände und seufzt:), — ach — großer Gott! wie bin ich gefallen — von meiner Höhe herab—-- ach — was Hab ich dir gerhan, lieber Gott! Hab doch am egypkischen Obelisk ss brünstig geberer? (Panse)- Ach, die verteufelten Fahndrichs — wenn sie auf den Straßen mich witterten, schrie einer dem andern zu: Deutsch gesprochen! — o, ich hätte mögen verzweifeln — (Pan- (Pause)- Ich — ein Mann von hohem Adel — der erste Arzt in Europa — von einem solchen Aftercheologen,— von einem Apostaten — von einem lumpichren Naturalisten so beschimpft, so entblößt, so in meinen sämtlichen pucienäis der Welt unter die Augen gestellt, — ach — das ist mein Tod! — (Pause)- (Er zittert am ganzen Leibe and der Unflat geht «nter ihm weg.) Ach — Weibchen! Weibchen! — Zwei- < 9 ) Zweiter Auftritt. Der Ritter von Zimmermann. Dessen Gemahlin. Madam, (kömmt ängstlich gelaufen) Gott, was ist Ihnen, mein Gemahl! um Gotteswillen, was ist Ihnen begegnet? Soll ich Ihnen Eubachs Gebetbuch bringen? Ritter, (mit sterbender Stimme) Ach, liebste Gemahlin — es ist «nein leztes. Der vermaledeite Bahrdt hat mich in ganz Europa prostituirc — hat mich — hat Mich — (die Sprache vergeht ihm) Madam. Nehmen Sie doch Ihre Zuflucht zum Gebet, theuerster Gemahl. Das stärkte Sie ja so mächtig, daß Sie vor dem gro, ßen Friedrich siebzehn Tage stehen konnten, ohne müde zu werden. Ril- Ritter, (schlägt die Augen auf) Ach — der Bahrdt har mich — hat mich — mich, einen russischen Ritter zum Trvs- , buben gemacht — hac mich — ach ich kann nicht mehr beten: der böse Feind hat an mir, als einem Kinde Gottes, seine ganze Wuth ausgelassen. — In ganz Deutschland — in ganz Hannover weisen sie mir Fingern auf mich. In Göttingen singen sie Gassenhauer von mir. Ja — in — ach — (er sinkt in Ohnmacht) ( " ) Dritter Auftritt. Kinder. Bedienter. Vorige. ' Bedienter. Befehlen Ew Gnaden eine Portion Löwenzahn aus den großen Slükfasse, das Höchstdieselben alljährlich bei Dero Patienten konsumirm? Madam, (verdrüßlich) Halts Maul, Schlingel! — (für sich) Jch'wollte, daß der ver danne Löwenzahn nicht in der Welt wäre, der meinen armen Mann schon so vielfältig zum Narren gemacht hat. Tochter. Ach der gute Papa hat wohl eine Alteration oehwr! (zum Ritter) Gnädiger Herr Vaner, soll ich em bischen Meerzwiebel holen? Nit- l ( -2 ) Ritter, (erwacht und fährt hastig zu) Verdamt bist dn mit deiner Meerzwiebel. Ich wollte, daß alle Naturalisten sich an ihr zu Tode vomitten. Madam, (bestreicht ihm die Schläfe mit kaltem Wasser) O mein theurer Gemahl, wie können Sie sich doch über die Schrift des BahrdlS so ärgern? Widerlegen Sie ihn doch — zeigen Sie den Ungrund seiner Lästerungen — machen Sie seine Lügen vor aller Well durch die Macht der Wahrheit zu schänden — thun Sie — Ritter. Halten Sie ein, Gemahlin: Sie är- gern mich noch mehr. — Ach, wer den vermaledeiten Bahrdt widerlegen könnte! Der Mensch hat mir Wahrheiten gesagt, die ( rZ ) die mir noch kein Mensch so gesagt hät. Er hak meine Schreibart, meine Religion, meinen Adel, meine Medicinischen Kenntnisse, — ach alles, alles, was in und an mir ist, — har er in den Koch getreten, — ach er hat — (die Sprache vergeht ihm abermals.) Madam. Kinder schaft ein Brechmittel: — die Galle drükl ihm das Herz ab. FrizZimmermann. (bringt ein Pulver ) Bester Vater, hier ist — Madam, (schlägt ihm hinter die -Ohren)! Wie sagst du, Junge? Friz. Friz, (rekolligirt sich.) Gnädigster Herr Vater! hier ist ein wenig Brechwell, stein. (Er giebt ihineinZ- LPause) — Der Ritter bekommt Convul- sionen. — ( -5 ) Vierter Auftritt, Goldhagens Geist. Vorige. Alle, (da sie die Erscheinung erblikken) Gott sey uns gnädig! (sie machen Kreuze über sich) Goldhagens Geist, (zumRitter) Ich bedaur' euch armer Ritter, daß ich euch in diesem Zustande finde. Aber eure Knabenstreichs haben euch das Unheil zugezvgen. Und ränget ihr nicht schon mit dem Tode; so würde ich euch hiev auf der Stelle für die Unverschämtheit züchtigen, mit welcher ihr meine oft gesagten Urtheile über eure medicinischen Schwächen, als Erdichtungen von euch abzulehnen gesucht habe. Ritter, (mit Zittern) Ach lieber Herr Kollega — Gold- ( -6 ) Goldhagens Geist, (zornig) Was? Kollega? Muß so ein Quaksal» ber, der selbst Könige mit seinen Medica- menten verhunzt, mich noch unter den Vollendeten so schänden? (Ergiebtihm einen Nasenstüber) Dort finden wir uns. (der Geist verschwindet) Ritter (stirbt — ist mause todt) Alle, (mit Jammergeschrei) Ach, der gottlose Bahrdt — der Mör» der! Ewig muß der in der Hölle brennen. Bedienter, (für sich) Ich glaube, daß den der .Teufel nicht nimmt, aus Furcht, daß er auch in der Hölle noch Bücher schreiben, und allen Teufeln den Kopf damit warm machen möchte. Fünf- Fünfter Auftritt. Jüngste Tochter des Ritters. Vorige. Jüngste Tochter. (Stürzt zur Thür so hastig herein, daß sie nicht gleich gewahr wird, wie die Gesichter aussehen. Papa! Papa! Ihr Triumph! Ihr bester, schönster Triumph!! — (Sie hielt ihm ein kleines Büchlein vor.) Der Bahrdt, Biester, Gedike, Nicolai, Kästner — all« sind zu Sckanden gemacht — Indem sie die Consternation der Versammelten gewahr wird.) Ach, Herr Jesu! was ist das? Ritter, (öfnet das linke Auge.) A — ch!» Sch — Schanden? X Tochter. ( 18 ) Tochter. Alle zu Schanden gemacht, mein gnädigster Herr Vater. O sehen Sie nur — eine Komödie. Hören Sie nur den scharmanten Titel: Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn oder die deutsche Union gegen Zimmcrmann. Ein Schauspiel in vier Aufzügen, von Freihern von Bnigge^ Ritter, (schlägt das rechte Auge auch auf, und wird wieder ganz lebendig.) Ach! Gott sey Dank — der liebe Mann hat doch Wort gehalten. Ach — — er hat mich vom Tode errettet. Madam. < -9 ) Madam, (lächelt) Es war gewiß der Schulmeister von Schilde, der vor acht Tagen bei Ihnen war. Ritter. Ja, liebste Gemahlin! Ich hatte an alle meine Freunde, (selbst an Valdinger) geschrieben, und sie gebeten, gegen die Aufklärerbande die Feder anzusezzen, und den mir angethanen Schimpf zu rachen: aber alle hatten mirs abgeschlagen! — Da bat ich endlich den ehrlichen Wizlosius aus Schilde, und der — Ach, dem Himmel sey Dank! — (heimlich zur Madam) Und, meine Gemahlin, was mir das vollends für ein Labsal ist, daß der liebe Schulmeister sich den berühmten Namen Knigge gegeben har, der mich, wie Sie wissen, vor Zeiten mit dem Hosenmacher so geärgert hat! (schmunzelnd zur jüngsten Tochter) Wo ( 20 ) Wo hast bu'S denn her, Fräulein Toch» m? Hast du'S schon gelesen? Zsts schön geschrieben? Tochter. Ach, allerliebst, gnädigster Papa! Frei» lich , Wiz und Verstand ist nicht darin: man kan nicht einmal dabei lachen: aber geschimpft ist ganz allerliebst, und — das allerschönste ist — der allerliebste Herr Schulmeister hat im lezren Akt Bahrdten und alle Ihre Feinde lassen in den Abtritt purzeln. Alle, (lachen von ganzem Herzen) Ritter, (munter und freundlich) Ach, mein liebstes Fräulchen, du giebst mir das Leben wieder! Er fängt plözlich an, zu morgen) Halt, Kinder, Gott segnet nun die ( 2r ) die Arznei! Erworgt, endlich kömts zum Erbrechen) Geschwind ein Gefäß! Es stürzt dem Ritter aus dem Halse, wie ein Strohm, und mit jedem Schupp schießt ein Monstrum mit heraus: eins, wie eine Meerlazze, der auf dem Schwänze der Name Adelstolz zu sehen war — eins, wie ein Hase gestaltet, auf dessen Löffeln stand medizinische Al leinweis- heit— eins, wie ein Esel, dem an die Ruth« geschrieben war, affektirte Religiosität — eins, gleich einem Affen, auf dessen Popo zu lesen war: siebzehn Tage hinter Friedrichs Lehnstuhl u.s.w.) Madam. (Voller Gchrekken über die Monstra, die aus dem Ritterschaftlichen Bauche kommen) Ach, mein Gemahl, was für schrek» liche Erscheinungen! Der gottlose Bahrdl muß greulich auf Hochdero Magen ge» wirkt haben. Ritter. ( 22 ) Ritlr. (sinkt nach Endigung des Erbrechens ganz ermattet, jedoch mit heiterm Auge auf dem Sofa zurük.) Dem Himmel sey Dank! nun ist alles heraus. — Ach, was Hab ich ausgestan» Len! Zezt helft mir nur noch von meinem nassen Lager. r Madam und Kinder (gehen ab.) Sech- ( 2Z ) Sechster Auftritt. Ritter. Bedienter. Bedienter, (der ihm die Hosen auszieht) Ach, gnädigster Herr, da siehkS garstig aus! O die schönen Atlashofen! Ritter' Laß gut seyn. Ich bin froh, daß ichs aus dem Leibe habe. Ich bin total kurirr! Sieben- ( 24 ) Siebenter Auftritt. (Lahrdt, Biester, Gedike, Büsching, Campe, Trapp, Boje, Bloe»^ bring, Lichrcnberg, Lbcling, Nicolai, Rastner, Duittenbauin, Schulz, iTiaurrllon, Blankenburg samt dem Freiherrn von Bnig-- ge, rufen Alle von der Straße dem Ritter zum Fenster herein: Wünschen allerseits, wohl zu bekom» men! (Im Weggehen) Gute Besserung, Herr Nmer! Total kurin! Helf Gort! Das wär der erste Narr, den wir local kurirt hätten. (Oer Vorhang fällt.)