1 Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn, oder Die deutsche Union gegen Ztlnmermann. Ein Schauspiel in vier Aufzügen, von Freyherrn von Knigge. r 7 9 r. ' ' > Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn, oder Die deutsche Union gegen Zimmermann. Zueignungsepistel an den Herrn Schauspieldirectvv Großmann. /A^ott zum Gruß! mein lieber! Großmann; V-/ wenn Golk anders mir uns beyden etwas zu thun haben will. kJch bin sehr schwach und krank, mein letztes Ständlein naht, kund da geht es mir, wie es unsers gleichen gewöhnlich zu gehen pflegt: das bisgen Gewissen rührt sich. Alle die alten Geschichten, zum Beyspiel, die Ehereufeleyen in Göttingen (und wer vermag die Sterne am Himmel zu zählen) stehen Rabenschwarz vor meiner Seele. -Unter andern, mein lieber Großmann l ,7- «r weiß wohl — haben wir uns schwer an dem braven Zimmermann versündigt, wenn wir uns so des Abends nach dem Essen miteinander Hinseztess7 und mit dem Viertelpfunde Witz, ^ welches Gott uns verliehen hak, einen uner» raubten Wucher trieben. Da habe ich nun alle meine Kräfte zusam- mengeraft, um wieder guc zu machen so viel ich kann, und hoffe, da Zimmermanns Groß» MUth mir aus tausend Bcyspieien bekannt ist, er werde mir alle meine Thorhmen verzeihen, auf daß ich ruhig sterben könne. Di« heilige lavatersche Salbung, welche hier in Bremen herrscht, wo ich seit kurzem Drost geworden bin, hat sehr viel zu meiner Bekehrung beygelragen. Ihm, lieberFreund! rache ich, sobald er morgen Früh aus dem Bette aufsteht, sich demüchiglich in Zimmer» mannö Behausung zu verfügen, damit dieser wahr- » wahrhaft große und gute Mann, die Hand, auf seine kahle Glatze lege, und ihm alle seine winzigen Albernheiten verzeihe. Nur unter dieser Bedingung, und da wir immer alte Freunde und Spiesgesellen gewesen, habeich Ihn in dieser lustigen Comödia nicht selbst mit auftreren lassen, wie es sich doch gar eigentlich gebührt hätte. Nehme Er sich aber in Zukunft wohl in acht, und sey Er keine von den schmutzigen Fliegen, die sich nicht entblöden, ihr Häuflein auf einen blanken Spiegel zu setzen. Geschrieben zu Bremen am Tage des Erzengels Michael 1790. von dem Erzschalk Rmgge. A4 Den Spötter sind Strafen bereitet, und Schlage auf der Narren Rücken. Sprächt». Salomonis- Cap. 19. v- 29. Sollt' ich aber darum ein Unflat seyn, weil wir euch und euresgleichen Unfläter, unflätig beschreiben? non se^uit, sagt der Abt. Fischart, Spielende Personen. Doctor Bahrdr mit der eisernen Stirn. Der gute Biester. Der wohlgezogene Gedike. Der junge Büsching. Der uneigennützige Campe. Der feinlachende Trapp. Der Achseltrager Boje. Der artige Rlsckenbring. Der kleine geile MondcorrespondeNt Lichtenberg. Der blinde Ebcling. Der Heerführer Nicolai. Der keusche Bastner. Der arme Teufel O-uirenbaum. Der Leipziger Magister, Assistent des Vorigen. >1on6eur Herin. Der Zvpfprediger Schnitze. Der kleine tapfere Mauvillon. Der verkappte Blanckenburg. Doctor Luthers Geist. Coldhagens Geist. Ritter von Aimmcrmann. Heinrich, dessen Bedienter. Chor von Zeitungsschreibern, Journalisten und einigen masquirten Personen. Besonders zeich, MN sich unter diesem Chor aus: Die Gochaische A 5 gelehrt gelehrte Zeitung unter der Anführung des unbedeutenden Ettingers. Die Schulräthe Gtuvc undöcusinger. Der Marionetten Principal Schink. Dinandor der Rosmopolit. Der verf. des Sendschreibens an den Herrn Ritter von Zimmermann, seine Schrift über Friedrich den Großen betreffend. Der Verf. der Widerlegung derselben Schrift. Der Verf. der Schrift: Kann die Religion der Christen abgeschast werden? u. s. w. EineMen« ge andere zu geschweige», die auch mit quäken. Iufwäter. Suren. Himmlische Seerschaaren. u- s. w. Erster Erster Aufzug. Erster Auftritt. (Der Schauplatz ist Doctor Bahrdts Zimmer auf dem famosen Weinberge, gründe stehen seine Hausgötter, Ltngam.) Im Hinter- nemlich ein Donor Bahrdt mit der eisernen Stirn allein. (Er sitzt und kaut an den Krallen. Seine eiserne Stirn schwizt große Angstperlen, welche über die lederne Wange herab auf die schmutzige Wasche träufeln, und allenthalben grüngelbe Flecken, gleich giftiger Materien, zurücklassen. Endlich knallt ihm em Seufzer aus der hohlen Brust, über welchen erfolgenden Commentar verlautbarl:) damals waren noch glückliche Zeiten*) " als ich früh um i k Uhr, wenn meine Kollegia "auswaren, mir ein Tuch vorband, in die Küche "ging, und meine Saucen, Schmelzungen u.s.w. " selbst machte. Ein delikater Tisch. Am Ende " des *) Siehe Bahrdts Leben von Pott, Seite zoo. < 12 ) " des Jahres hatte ich nicht mehr als zoa Thaler " Schulden. — Das brillanteste Haus in Erfurt " war das — Sie war die Geliebte des — Ich "war Liebling des Hauses, wo höchste Frechheit " beym höchsten Luxus herrschte- Sie ging mit " ihren schönen Brüsten halbnackend. Wenn ich "kam küßte sie mich, und hielt mir die bloßen " Brüste zum Sattküssen hin. Da that sie auch " mehrern- Riedel war mit ein Haupthacksch. „ Jene selige Zeiten sind nicht mehr! Will man Saucen machen, so muß man Butter kaufen; will man sich an bloßen Brüsten satt küssen, so ist es nicht mehr genug, ein saupchacksch zu seyn, man mußauchGelthaben; obgleichGedike meynt: verda valenr stcur numi *). Ach! will denn kein Kürschner Ruhl mehr Hebräisch bey mir lernen: **) Ist denn kein Doctor Larrrcnrius mehr da, den man um eine Erbschaft prellen könnte? ***) Wie! oder soll ich wieder eine evangelische Sittcnlehre Jesu schreiben, und sie an ein halbes Dutzend Buchhändler auf einmal verkaufen? ****) In der Schulpforte läßt man mich den Esel tra» gen, und relegirt mich, nachdem man mir wegen meiner *) Siehe die Berliner, Monatsschrift. März 1789 - **) S- Bahrdts Leben von ihm selbst. Seite 292. ***) Ebendaselbst. Seite ZZ7. E*) Siehe Bahrdts Leben von Pott. 254. V ( »3 ) meiner Hetzereyen und Klatschereyrn unzählige Ohrfeigen und Nasenstüber mitgetheilt. Von Leipzig, Erfurt, Gießen und Marschlinz fortgejagt, von Heidesheim durch Reichshofräthlt- che Verordnungen und durch Gläubige entfernt, bin ich endlich bis zum Bier und Coffeeschenken, bis zum Hurenwirth in Halle herabgesunken. Nichts will mir gelingen! Kein Heidesheimer Philantropin! Keine Pränumeration auf Ueber- setzung lateinischer Schriftsteller, die ich nicht ver» siehe! Kein Coffeehaus mit einer Loge verbunden! Keine deutsche Union! Kein Zweyundzwanziger will mir einen Thaler schicken, kein Fürste, günstling will Zweyundzwanziger werden! *) Nicht einmal der Buchhandel geht ein, um in die Hände der Union zu fallen, und wir, mehrere Taufende, besetzen weder Sekretariat ni^ch Pharrep, weder Hofmeister- noch Nachtwach- terstelle. Ak! das mögt« noch alles hingehn, wenn man mir nur den Thaler schicke, um welchen ich so höflich bat. Mein Christingen, welche in jedem Betracht reizender ist, als das 40jährige Brest, welchem ich im raten Jahre meine Erstlinge opferte; mein Christingen, welche, wie Hagar, das alte Testa» ment in meinem Hause vvrstellt; **) mein Chri» stingen *)G. Berliner Monatsschrift. Marz 1789. **) kalirclr cke locorum vereris reÜLmenri iu no>r sccomvcksuone orrliväoxLxaZ.2v.-t. c r4 ) stingen, ein Bissen, desgleichen jene alte Kupplerin, Bels Freundin, mir nie geliefert hat, und um welcher willen sich meine Frau, so Gott will, von mir scheiden zu lassen gedenkt — Ach! auch sie verläßt mich! sie versagt es, mir ihren keuschen Sckoos zu ofnen, weil ich kein Geld habe. Sie ist dabey grausam genug, mir die Lungenhiebe vorzuwerfen, die ich von öcrcs, Specht, dem sollander, Grüner, und andern mehr erhalten. Sie erinnert mich an die Impertinenz, mit welcher ich die Wittenbergische Facultät einst an- griff; an die alberne Unüberlegtheit, mit welcher ich die Erfurtische Professur einst niederlegte; sie lacht, wenn ich behaupte, ich hatte unzählige Freunde von Norden nach Westen und von Süden nach Osten; sie sagt, die ganze Welt verachte mich tief, tief, als einen schlechten Menschen und ungeschliffenen Esel; sie will vor Lachen sterben, wenn ich mich ganz bescheiden mit dem heiligen Geiste vergleiche;*) sie wagt es sogar zu mir zu sprechen, was einst mein Vater zn einem Dragoner Rittmester in Dobrilugk sagte: Wollüstig gelebt und hundsvoigtisch gestorben, Heißt mtt Leib und Seele verdorben; sie vergißt meine Verdienste, sie vergißt, daß ich schon ale Rnabevon io Jahren frisiren konnte, wie *) S. Bahrdts Leben von ihm selbst. S. 8. ( -5 4 «ic ein alter Geselle ; daß ich sehr früh anfieng, meine Hofmeister gar witzig Narren und Esel zu schimpfen, oder sonst schmutzige Namen zu geben; daß ich schon in jungen Jahren mehr Methode Leute zu plagen gelernt habe, als mancher Zeitlebens nicht zu erfahren bekommt; daß ich immer auf Unkosten derer witzig war, die sie vermöge ihrer öammelena- turnicht vertheidigen konnten; daß ich die ehrlichen Töchter des Tertius äenschcl durch die Namen Posthaus und Schuhwachs brandmarkte, als wären sie die meinigen; daß ich meinen 70jährigen Lehrerinder Mathematik, Mazrief; daß ich mir schmeichle, wüthcnd hassen zu können; daß ich sogar meinem alten Vater einst die geladene Pistole vorhiclt, mit der Drohung ihn vor dcn Ropf zu schicssen ; daß ich junge Eheweib«- zu verführen suchte; daß man sich in den Despu- tatorien meiner Unverschämtheit mit Grobheit zu entledigen drohte; daß ich die Wechsel, welche ich an Huren und Kupplerinnen angestellt hatte, ihnen mörderisch Wiederaus den Taschen riß; sie vergißt endlich, daß so oft ich pelzwerk sehe ich nie ermangele in Brunst zu gerathen, *) und doch — 0 ich habe viele Prügel in meinem Leben bekommen, *) Ebendas. 40. 41. yz. 91. 92. rzo. izi. 207. 245. Z7tz. 47. men, aber keine haben mich so geschmerzt, als diese Schläge von der geliebten öand! Undankbares Vaterland! das mich ausstieß, weil ich einer Hure das schönste Kind von der Welt gemacht hatte; was wirst Du einst antworten vor dem Richterstuhl der Nachwelt, wenn sie mit Schaudern liest: Bahrdt! der große deutsche Mann! dcrAufklarer! der Bierschenke! hatte amEnde nicht mehr so viel, daß er die gemeinste Eas^ stnhure bezahlen konnte! indessen ein Mann, wie Johann Georg Zimmermann in Hannover, alles Lestzt was seinem Herzen gelüstet, da er doch nie eine evangelische Sittenlehre Jesu geschrieben, sondern aufs höchste nur so lebt, als sey sie ihm ins Herz geschrieben worden, welches jeder Baur ihm nachmachen kann, wenn er Lust dazu hat. Achl das drückt meine eiserne Stirn schwer zu Boden! Zwar " keine Nebel kann auf lange Zeit mich "niederbengen, das ist das schätzbare Eigenthum " meiner Seele, welches Mutter Natur mir ver- " lieh. *) Nur der erste Schlag geht durch und " durch! (selbst durch die eiserne Stirn!) und macht " mich auf einige Minuten Nachdenkens (lange " habe ich noch in meinem Leben nicht nachgedacht.) " Dann fallen mir gleich Anschläge und Projekte " ein, *) Bahrdts Leben von ihm selbst. S. 76. "ein, durch deren Ausführung ich mir wieder " schadlos halte. „ Nur jezt — eiserne Stirn! eiserne Stirn! (er pauckt darauf herum) willst auch Du, mein treuer Freund, mich in der Noch verlassen? Doch halt! welch ein göttlicher Einfall elektri, sirt mich! ich will ein Pasquille auf mein alte Mutter machen! Das ist ein ganz neuer Gedanke! und ich wette, daß ein paar tausend Exemplare von diesem Products reiffend abgehn werden. Bravo! Dabey bleibt es! wenn nicht der Zufall oder der Teufel, mich auf die Spur einer andern Erwerbsquelle leiten. — Der Teufel? — nein! — mit meiner eisernen Stirn biete ich dem Teufel Trotz, etwas höllischeres auszudenken. Zweyter Auftritt. Drr Aufwarter. Es ist ein Ding drausen, scheint ins Geschlecht der Seespinnen zu gehören, hat einen Katzenbuckel, ein Affengesicht, eine Menge Arme und Beine, Krallen daran, und ein Gebiß im Maule. Bahrdt. Q das ist mein kleiner Freund Lich- renberg aus Göttingen; führ' ihn herein. B Dritte ( -8 ) Dritter Auftritt. Der kleine gure Moridcorrespondem Lichten» berg und Doctvr Bahrdt mit der eisrr» nen Stirn. ! (Bahrdt will den kleinen Lichtenberg umarmen, ^ der ihm durch die Beine schlüpft.) v Bahrdt. Ey! ey! mein lieber kleiner Freund! « woher des Landes? Lichtenbercs. Freund, Herr Doctvr? — ich Ä Lin keines Menschen Freund. Auch sehe ich Sie § heute zum Erstenmal. «i Bahrdt. Was sehen! Freundschaft gründet j, sich auf Gleichheit der Gesinnungen. Ihr boshafter ^ Witz wäre im Stande Ihnen den Teufel zum ^ Freunde zu machen. Schlagen Sie ein! (er reicht , ihm die Hand ) - § Lichtendcrg. (ihm seineKnochenhand reichend) A Der Teufel segne diesen Bund! ^ Bahrdt. Amen! (er umarmet ihn ein wenig heftig, und stößt ihn mit der eisernen Stirn zu tz Boden. Entschuldigungen deshalb. Der kleine geile ^ Mondcorrespondent Lichtenberg rafft sich auf) ^ Bahrdt Welcher glückliche Zufall führt Sie ^ über die Schwelle meines Tempels? , L ichtenbcrg. (mit einem Blik auf den l-inzam) Der Wunsch fremden Göttern nachzuhrnken- §cor- §cortar,o muß seyn daheim, Denn sie ist mir all angenehm. Insonderheit äcorrario l>!ü> Machet mein Herze lustig und froh.*) Ich hahe Krallenhiebe ausgethrilt, und Peit- »n, schenhiebe eingenommen, ich habe ungelegte Epec beschnüffelt, mich oft gekitzelt um zu lachen, und ^ mir die Arme in die Seiten gestemmt, um den Witz herauf zu pressen, wie die Luft aus meiner Engli- H fchen Luftpumpe. Daher ist denn endlich ein leerer ^ Raum in meinem Gehirn entstanden, kein vernünftiger Gedanke vermag mehr Athen, darin» fl zu schöpfen. Auch die Korrespondenz mit dem Mon- " de ist abgebrochen. Ich fange an mich zu langwei- « len, und habe an nichts mehr Freude, als an jener ch angenehmen und nützlichen physikalischen Erfindung des Kinderzeugens. Ich mache nicht selten Experi- d) mente, und zwar nicht wie Spallanzani, sondern auf die gewöhnliche Manier. Ein kleines Kuckfen- >iz flergen, vor welchem ich zu sitzen pflege, wie die lP Spinne im Mittelpunkte ihres Gewebes, dient ,«ik mir auf Beute zu lauren. Freylich, so wie die Stifmutter Natur mich erschaffen, kann ich keine he Liebesnetze ausspannen; aber ich fange in goldenen Netzen manches artige Insekt, nur mit dem B - Unter- *) Siehe Lichtenberg im deutschen Museum- August,779- pag. i;2. ( 20 ) Unterschiede, daß ich nicht aussimAe, sondern ausgeßrugt rvcrdc. Vor vielen Jahren schon hielt ich mir ein Mädchen von n Jahren, welche Blumensträuße feil trug. Sie wohnte in der Caßpühlen, und wir brachten wechselseitig Götternächte mit einander zu. Ich kleidede sie mit brit- tischrr Freygebigkeit, unterhielt auch Papa und Mamma. Die Sache wurde aber endlich so notorisch, daß in der äckola xuellarum meine Amasia rin Gespött der übrigen wurde, und der Herr Schulmeister sogar^ 6s sornicarione onürrenäL herrliche Ermahnungen ergehen ließ. Seit der Zeit sind die Auflaurer und Spürhunde überall hinter mir drein gewesen. Ich muß meine Professorwürde retten, damit ich nicht einmal bey einer Molly Seagrim ertappt werde- Deshalb nehme ich meine Zuflucht zu Ihnen, werther Herr vocror! ich weiß, daß Sie eine Pflanzschule von gutherzigen Mädchen errichtet haben, die auch mit schlaffen Beuteln verlieb nehme, wenn es nur keine Geldbeutel sind. Bahrdt. (in Extase) Willkommen Seelenbrüderchen ! Dn sollst bedient werden r - « »! ! i »! Vier- ^Vierter Auftritt. Aufwärcer. ' Es ist ein Herrdraussen, der behauptet, ersey hochgelahrt, wisse Alles, und könne über Alles urtheilen- Bahrdt. O das ist mein Freund Nicolai aus Berlin. Laß ihn hereinkommen. Fünfter Auftritt. Der Heerführer Nicolai. Die Vorigen. Nicolai. Ihr Diener, meine Herren! ich komme eben von der Leipziger Messe, habe viel gehört von dem neuen philantropischen Institut, welches der Herr Oocror Bahrdt in seinem Garten errichtet hat, habe io Bände Reisen geschrieben, die Niemand kauft und Niemand liest, weil ich samt meinem Erstgebohrnen jeden Dreck berochen, und folglich die Pränumeranten geprellt habe, da will ich nun einen Anhang fabriciren, den ich bin ein mächtiger Fabrikant, und habe der Fabricken gar viele, die meistens durch Ochsen getrieben werden. In diesem Anhang soll es mit Ihrem Institute zur Sprache kommen. Bahrdt. Das nenn ich deutsch gesprochen'. Willkommen deutscher Mann! (er schüttelt ihm die - Bz Hand ( -r ) Hand) Ich gebe Ihnen mein Institut und alle meine Mädchen Preis, doch unter der Bedingung, daß Sie auch einmal ein hübsches Lob auf mich fabri- ciren lassen. Ich sehe denn schon zu, wie ich mich einmal wieder revanschire. Nicolai.. Ganz wohl! ich werde meine Orckres stellen. Bahrdt. Rechts». Das lockt die Käufer, dann löst vocror Bahrdt Geld; und für Geld wären mir meine einbalsamirken Ureltern feil, wenn ich ein Egyptier wäre. Sechster Auftritt. Ausmärker. Es ist ein kleiner bucklichter Kerl draussen, der ganz verteufelt tapfer aussieht,*) und den Hut erschrecklich kühn und verwegen ins Gesicht gedrückt hat. Bahrdt. Das ist mein tapferer Freund Mau- villvn aus Braunschweig. Sie» *) Siche das Titelkupfer vor dem oiabls boi- reux. ( 2Z ) Siebenter Auftritt. Der kleine tapfere Mauvillon. Die Vorigen. Mauvillon. Solo. ^UeZro maeüoso. Ich komme, um sie, meine Herren, sämtlich in tausend Granatbischen zu zermalmen, wenn sie nicht einstimmig bekennen, daß ich Mirabeaus würdiger Schildknappe bin. Chor. Iremulanäo. (wobei) Lichtenberg den Discant singt) Wir bekennen es! Achter Auftritt. KlonlieurHerln schlüpft unangemeldet herein. Monsieur l.ilerin. Meine Herren, ich komme ihnen zu sagen, daß ich zwar eigentlich Leuchstn- ring heisse; aber les kran^ois xrononcsnr I^eule- rinß (l^euiering) er meine I^iierin. Diese große Wahrheit habe ich bereits durch alle meine Visi, tenkarten der Welt gemeinnütziger zu machen gesucht *). Chor. Willkommen Monsieur l.iierinl Neunter Auftritt. Aufwämr. Es find rin paar Herren draussen. Der eine, ein kleines schwarzbraunes Mändchen, blickt hohn- B 4 lächelnd *) Siehe Leuchsenrings Visitenkarten. ( -4 ) lächelnd auf Gottes Schöpfung herab, und meynt, er hätte es wohl besser gemacht. Der andere, ein Schulmonarch, welcher versichert, er sey, wie je, ner Römer, hinter dem Pfluge weggenommen, und ihm ein Scepter in die Hand gegeben worden. Beyde haben mich hinten und forne berochen, und sich dann bejahend zugewinkt. Vahrdr. Das sind meine werthen Freunde Gedike und Biester aus Berlin. Oeffne die Tho, re weit! Laß die Ehrenmänner einziehen auf ihren Eteckeneselnl Zehnter Auftritt. Der gute Biester und der wohlgezogene Gedike treten herein. (Der gute Biester rollt einen Rechthaberblick rings umher, und erwartet die ganze Gesellschaft zittern zu sehen- Der rvohlgezogcnc(gedike wirft Leym ersten Kratzfuß einen Lisch mit Thüringer Porcellain um, und als er sein Versehen wieder gut machen will, stößt er mit dem Kopfe drey Scheiben ein.) Bahrdt. Willkommen, meine Herren! in der Freystatt der verfolgten Tugend. Immer herein Sünder! Juden! Heyden, Spanier! Irokesen! Hottentotten! Südsee Insulaner! Alle sind mir willkommen! ich bin ein Cssmopolit. Biester. ( 25 ) Biester zu Gcdikc. Haben Sie es gehört? ^ Zweifeln Sie noch daran, daß wir hier einen Schlupfwinkel der Jesuiten finden? Haben Sie ^ seine Worte bemerkt? — 7uden, Leyden, 8pa- nier — 1.H. 8. Immer Herein 8ünder! I H 8. Irokesen, Hottentotten, 8üdsee Jnsulanter! —^ I ri 8 — Was bedarf es weiter Zeugniß! ^ Der rvohlgczogcne Gedike. (brüllend) Recht ^ Herr Mitbruder! wieder ein Beytrag zu den ges ^ Heimen Gesellschaften.*) Der gute Biester. Herr voctor, schon lang ist mir Ihr Garten verdächtig vorgekommen, und ich bin hier um zu untersuchen, welche Früchte ^ Ihre Baume tragen? Bahrdk. Das will ich Ihnen sagen. Rosen- N knospen auf den Busen schöner Mädchen, Honig ch auf ihren Lippen und Waizenhaufen auf ihren ^ Nabeln. Der rvohlgezogene Gedike. Schwerenoth! W Das ist prächtig! Der gute Biester, (dem Wasser mit Galle ver- mischt aus dem Munde läuft) Ich kenne diese Spra, che, weiß auch, daß der Jesuitismus keinen Weg verschmäht, um sich im Finstern auszubreiten- 1Z758 von den Aerzten verlassene Patienten, die B 5 fich *) Siehe Berliner Monatsschrift diesesJahres. ( 26 ) sich den Magen verdorben hatten, habe ich bloS dadurch curirt, daß ich ihnen meine Jesuiten Geschichten so lange vorgekaut, bis Eckel und Erbrechen darauf erfolgte. Hier, denkeich, soll es mir nicht an Gelegenheit fehlen, z bis 4 Stücke meiner langweiligen und bcissigen Monatsschrift anzufüllen. Ich will jede Ihrer Huren bis auf den Grund untersuchen, und die Jesuiten hervorhohlen, wenn sie auch in der lägen- Der wohlgezootene Gcdike. (mit einer herkulischen Mustelbewegung) Ich will dir treulich beyr siehn, Herr Bruder! Bahrdr. Nach Belieben meine Herren! nur die Taxe bezahlt, so mögt ihr meinethalben allen meinen Mädchen die Tonsur geben, rvo ihr wollt. Etlfter Auftritt Aufwärter. Es ist ein junger Mensch draussen mit grauen Haaren. Bahrdt. Das ist der ehrwürdige Büsching aus Berlin. Zwölf- ( 27 ) 7 Zwölfter Auftritt. üm, Der junge Büsching tritt herein. (Die ganze -Ni, Versammlung verbeugt sich ehrerbietig, wie ^ die Indianer vor der Pagode zu Jaggernat, ^ welche 489Z Jahr alt ist. *) M Der junge Büsching. Bitte, sich um mei« M netwillen keinen Molest zu machen. Bahrdt. Was steht zu Ew. Hochehrwürden ch Befehl? Der junge Büsching. Sintemal und alldieweil ich in Erfahrung gebracht, welchergestalt der Herr vocror Bahrdt durch einen seiner vertraute, « sten Freunde, vermuthlich einen Küchenofficianten « am Königlichen Hofe, einen höchst eigenhändige ^ L geschriebenen Küchenzettel von des Höchstseeligen Königs Friedrich des Zweyten Majestät, inseine Gewahrsam bekommen, ich aber zu dieser Frist gesonnen bin, die Reyhe der langweiligen Lebens- laufe, mit welchen ich das Publikum gezüchtigt habe, **) durch ein Meisterstück zu beschließen, ^ indem ich den großen und thätigen Geist Friedrichs des Zweyten also und dergestalt zu schildern gedenke, « daß *) Siehe Sonnerats Reisen irgendwo. **) Siehe unter andern: das Leben einer Freutet», von Ahlefeld, eines Grafen Lynar u. s. w. ( 28 ) daß er so klein als möglich erscheinen soll; als ergehet mein gehorsamstes Gesuch — Bahrdr. Ich verstehe Ew. Hochehrwürden vollkommen, und werde alle Küchenzettel, diemein Haus vermag, in das Verließ Ihres Archiv abliefern. Unterdessen werden Sie die Güte haben, mit einer kleinen Kollation aus meiner Küche und meinem Serail für einen massigen Preis verlieb zu nehmen, zu welcher mein Christinchen recht königlich unorlographisch den Küchenzettel selbst verfertigt hat. Der ;önge Büsiching. (macht eine fromme Verbeugung und streichelt sich den Bauch.) Dreizehnter Auftritt. Aufwärter. Es sind ein paar arme Teufel draussen, welche wünschen hereingelassen zu werden. Der arme Teufel Duittcnbaum. (stecht den Kopf durch die Thür, und läßt sich wehmüthig also vernehmen:) Ich bin ein armer Teufel. Der Leipziger Magister, sein Assistent, (ihm über die Schulter sehend:) Ich auch! übrigensein Leipziger Magister, so gut als Sie, mein Herr vocror; nur habe ich noch kein Kind machen können, weil der Hunger mir in den Waden schlottert. Bahrdr, Bahrdt. So kommt nur herein! vielleicht findet sich für euch etwas zu thun. Könnt ihr hundertmal gesagte Armseligkeiten nachplaudern? erbärmliche witzige Einfälle Wiederkauen? kvnyt ihr im Finstern nach großen Männern schlagen? Die Heyden armen Teufel sehr freundlich. Im Finstern? o ja! Bahrdr. Nun so sollt ihr euch auch einmal satt essen- Tretet näher! Vierzehnter Auftritt. Aufwärler. Ein Prediger, der die Heterodoxie in den Haaren trägt, folgt mir auf dem Fuße. Bahrdt. (ihm entgegen) Willkommen mein lieber Zopfprediger Schulze! welcher gute Geist führt Sie unter die bösen Geister? Der Zopfpredigcr Schulze. Das Verhäng« niß, das karum, welchem der Mensch vergebens widerstrebt. Das karum wickelte mir diesen Morgen meinen steifen Zopf, reichte mir meine ledernen Hosen, spannte vier Pferde vor den Postwagen, wälzte mich darauf und schleppte mich hieher. Bahrdt. Nun, das karum hat auch für eine gute Mahlzeit, und für hübsche Mädchen gesorgt. Der Zopfprediger Schulze. Ich widerstrebe dem Schicksal nicht. Fünft ( 3 » ) Fünfzehnter Auftritt. Aufwämr. Es steigt ein Herr, ein wenig lendenlahm die Treppeherauf, der frugmich, ob ich der Engel von dem Paradiese sei) ? und darauf stieß er mich mit dem Ellenbogen sehr artig in die Ribben. Bahrdt. Das ist gewiß mein witziger und artiger Freund Klockenbring aus Hannover. Welch ein sympathetischer Zug bemeistert sich meines Herzens! er ist es, der boshafteste und gröbeste aller Witzlinge! Herein! witziger und artiger Klockenbring! stürze dich in meine Arme! Zechzehnter Auftritt. Der witzige und artige Klockenbring stürzt in Bahrdts Arme. Beyder Stirnen berühren fich, und tönen, wie ein paar eiserne Kochtöpfe. Llockcnbring. Da bin ich zum Besten der Menschheit! in der wichtigsten Angelegenheit meines Lebens. Süsser Bahrdt! Die Natur hat nnS zu Brüdern gemacht! Stoffe deine eiserne Stirn noch einmal gegen die meinige! Bahrdt thut es, es sprühe Feuer aus beyden. Rlockcnbring. Der Bund ist geschlossen! Höre mein Begehren! Höre und hilf! Du weißt, daß ich ( Zr ) ich das Polizei) vexarremenr in Hannover verwalte, und so viele Mühe ich mir auch gebe, den wich» tigsten Zweig desselben, ich meyne die Huren, immer sauber und rein zu erhalten; so bekommeich doch alle Augenblicke die Franzosen. Da ich nun vernommen, daß man bey Dir, mein Setlenbrü- derchen, ohne alle Gefahr huren kann; so bin ich ausdrüklich hieher gereist, um mich von dieser gro, sen Wahrheit zu überzeugen, und wo möglich Dir das Geheimniß abzulauren, welches dich zum Be- neidenswerthester aller Doctorer der Theologie macht. Bahrdt. Du sollst bedient werden; aber du mußt vorher Quarantaine halten. Llockenbrrng. Was Quarantaine! ich bin erst kürzlich von den Franzosen eurirt worden, welche das Publikum sehr treuherzig für eine schlimme Hä- morhoidal Krankheit hielt. Ich bringe deinen Mädchen die Erstlinge meiner wiederkehrende Krafft. Lahrdr. (durchs Fenster sehend) Da marschirt noch ein ganzer Schwarm von berühmten Männern auf mein Haus los. Jeder hat einen Nimbus um das Haupt, der immer kleiner wird, je näher er kömmt. Der keusche Lästner führt den Zug an — He' Aufwärter! setze geschwind das Porcellain aus dem Wege, damit es nicht noch einmal umge» worfen wird. — Jetzt hält die ganze Schaar und schließt ( Z2 ) schließt einer Kreis um den keuschen Rastner/ der sich mit einem Fischweibe prügelt. Vermuthlich hat er ihr ein Epigramm in den Bart geworfen, welches sie nicht verdauen konnte. Dagegen scheint jener Karenschieber, der dort unter dem zusammen« gelaufenen Pöbel siehe, und mit weitem Mauke wie ein Nürnberger Nußknacker grinst, viel gefallen anBastners keuschen Witze zu finden — Doch halt! jezt neigt sich der Sieg auf die Seite der liebenswürdigen Fischverkäuferin. Der keusche Bastner sezt, nachdem seine Amazonin ihm die Wangen mit ihren Händen, und die Rase mit ihren Fingern, ein wenig geschminkt, seinen Weg weiter fort. Ihm folgt ein xar nobile kratrurn, der uneigennützige Lampe, und derfcinlachcnde Trapp. Des Ersten Großmurh gegen den braven Moritz in Berlin ist weltkündig, und alle Teufel haben ihre Freude daran gehabt. Vor dem lezkern nehmt euch in acht, er correfpondirt mit dem Könige von Eng. land, und hat eine Menge Schreiber in seinem Solde! ja sogar die Geister berühmter Männer, sollen ihm so gut als Schwedenburg und Kagliostro zu geböte stehen. Er sagt ihnen dummes Zeug vor, und sie plaudern ihm gedultig es nach. Noch ein zweytes Paar beschließt den Zug. Der rechte Hand ist der blinde Magister Ebeling, der sich sich auf Boje's Achsel stützt. Ihr müßt wissen , daß ^ Bsje zwey Achseln hat, auf welchen beyden er wechselsweise trägt. Der Verkappte da ganz hin- ^ ten, heißt Blankenburg. Ihr seht, wie höflich ^ ihm Boje seine zwevte Achsel anbietet. ^ Jetzt treten sie sämtlich ui mein Haps. (Oie ganze Versammlung richtet Erwartungsvoll ihre ^ Blicke auf die Thür.) du se Stebeuzehnter Auftritt. "" Der keusche Kästner. Der uneigennützige ^ Kampe; der feinlachende Trapp. Der Achselträger Boje. Der blinde Ebeling und ^ der verkappte Blankenburg treten herein. G ^ Nachdem die Herren sämmtlich Platz genommen, hört man plötzlich ein abscheuliches Geschrei) auf der ^ Straße, meistens von Knabenstimmen. Die Ver- 'ch samrNlung springt neugierig auf, rennt an die Fem sier, stüßt die Scheiben ein, und erblickt einen B Haufen muthwilliger Straßenjungen, welche Zim- ^ mermanns Bild an einer Stange^herumtragen, und mitKoth darnach werfen. Oie Versammlung , am Fenster apvlaudirt jubelnd. Als die Straßen- ^ jungen das hören, kommen sie sämmtlich herauf, und fvrmiren daß famöse Chor, dessen unter den st spielenden Personen rühmlichst gedacht worden. § An ihrer Spitze steht der linbcdcurcudc Erriiigcr C aus ( 34 ) aus Gotha, welcher von dem kleinen geilen Lich- tcnberg freundlich grinsend bewillkommt wird. Bahrdr. Mit erlaubniß meine Herren! ich bin den Augenblick wieder bey ihnen- Ich will mm sehn, was Küche und Keller vermögen, und ob meine gutwilligen Mädchen schon angekleidet sind. (er geht ab) Als er fort ist, beginnen sämmtliche hohe Gäste sich untereinander zu loben. (Siehe Erasmus-Lob der Narrheit/ die Vignette, wo die beyden Ese, lein sich an einander reiben, und ihre Köpfe gar treulich einer auf des Andern Rücken legen.) Es daurt aber nicht lange, so fangen Biester, Camp und Nicolai an zu brummen, weil sie nicht genug gelobt werden. Das Brummen steckt die übrigen an, und in wenig Minuten brummen sie alle Nachdem auf diese Weise den Donner eine Zeitlang in der Ferne gegrununelt, erfolgt plötzlich «in Hagelschauer und das Gewitter schlagt ein. Plumper Witz wird herum geschnippt, wie Kirschkerne aus der Hand muthwilliger Gaßenbu- den- Boshafte Anspielungen, stinkendes Selbstlob, großthuerische Erbärmlichkeiten, strömen wie Lava, und ergieffen sich über alle Felder, wohin und wieder ein gurer Nähme blüht. Endlich nehmen sich die Herren bey den Köpfen- Es entsteht eine fürchterlich ( 25 ) terliche Schlacht, in welcher der arme blinde und taube Ebeling abscheuliche Prügel bekommt, ohne zu wissen wohin? noch warum? Der gute Biester reißt dem jungen Büsching die Perücke vom Kopfe, um zu sehen, ob er eine Tonsur hat. Der wohlgezogene Gedike thut bey dem artigen Klockenbring einen unerlaubten Griff, und behält den abgefaul- ten Gegenstand des Griffes in der Hand. Der Heerführer Nicolai ist des Satans Engel, der de» kleinen geilen Mondcvrrespondenten Lichtenberg mit Fäusten bläut und dagegen vom Zopfprediger Schulze Püffe erhält, dessen Zopf der arme Teufel Quitenbaumum seinen Arm gewickelthat, und sich damit gegen den Leipziger Magister, seinen Assistenten, wehrt. Die beyden Schulräthe Trapp und Campe sitzen unter dem Tische, und empfangen von dem Achselträger Boje Fußtritte, welcher von dem keuschen Kästner Arschtritte empfängt. Der kleine tapfere Mauvillon reitct auf Klonlieur l.i- j-rin. DasganzeChor istbewegt, wieeineMist- pfütze, in welcher die Enten herumpatscheln. Der unbedeutende Ettinger wird mit Füßen getreten, -O großer Chvdowiecky! wenn dieses Bild dich nicht begeistert, so ist der Götterfunke in deiner Brust verloschen. Greife schnell nach dem Griffel, mache Kalenderkupser daraus, und laß dann Archenholz die Geschichte des siebenminutigen Krieges C » dazu ( Z6 ) dazu schreiben; denn gerade sieben Minuten dauerte diese schreckliche Fehde. Da trat herein voccor Bahrdt, stießt mit der eisernen Stirn Alles zu Boden, was ihm in den Weg kam, und brachte durch diese bewaffnete Neutralität Alles wieder in die gehörige Ordnung. Bahrdt. Meine Herren! was ist das? — Sie verschwenden die edlen Kräfte, vor welchen vereinigt, geliebt' es Gott! noch mancher ehrliche Nähme zu Boden stürzen soll. Da ich sie alle so rüstig und streitbar sehe, so erlauben sie mir, ihnen einen Vorschlag zu thun, dessen Ausführung die Beutel füllen, und uns von einem unerträglichen Menschen befreycn wird, (die ganze Versammlung spitzt die langen Ohren.) Sie kennen doch sämmtlich den Ritter von ^iinmcrniann in Hannover? Chor der ganzen Versammlung. Leider kennen wir lhn! Bahrdr. Sie wissen, wie dieser Mann allen Ruhm an sich reißt, wie Kaiser und Könige ihn mit Ehre, und was das schlimmste ist, mit Geschenken überhäufen. Chor. Leider wissen wir es! Bahrdt. Sie wissen doch auch — (mit einem Seufzer) daß er es verdient? Chor, (laut seufzend) Leider fühlen wir es! Bahrdt. ( 37 ) i M lt!« O Bahrdt. Nun wohlan! auf! ihr tapfer» Streiter! greift zu den Waffen! fallt über ihn her! stecht ihn! zwickt ihn! kneipt ihn! heimlich! von hinten! von der Seite! von unten! und ich mit der eisernen Stirn packe ihn von vorne und spreche Dcnrsch mir ihn». Chor. Halloh! Halloh! zu den Waffen! zu den Waffen! Bahrdt. Mein unmaßgeblicher Vorschlag wäre folgender: — Der kleine Feile Mondcorrcspondent Lich- tenbcrg (fallt ihm in die Rede) Halt meine Herren! ehe wir weiter rathschlagen— (er hat unterdessen ein Eudiometer hervorgezogen , mit welchem er Experimente macht) Wir hauchen sammt und sonders so viele verpestete Luft aus/ daß wir todt zur Erde stürzen müssen, wenn wir noch fünf Minuten in diesem engen Zimmer verweilen. Bahrdt. So folgen Sie Mir sammtlich in den Garten! Dort wollen wir unfern Pestschwangern Hauch in Gottes freye Luft schicken, daß, gleich der italienischen Hundegrotte, dieVögel, die über uns wegfliegen, todt herab fallen sollen. C z Zwey- Zweyter Aufzug. > (Der Schauplatz ist in Bardts Garten- Es sieht j daselbst aus, wie in Elysium, (siehe Fontenelle Todtengespräche) wo Cato undSocrates sich unter die Lais und Phrynen mischen. Der kleine geile Mondcorrcspodcnr Lichtcnberg liegt im Graben, und liest einer Nymphe die Experimentalphysik , welche aber seinen Dortrag sehr trocken findet. -Hier verfolgt der keusche Bastuer, den die herunterhängenden Beinkleider am Laufen hindern, eine fliehende Schöne, und wiehert ihr nach: „ Daphne! Daphne! fliehe nicht deinen Apoll!" Dort demon« stnrt der gute Biester dem rvohlgezogcnen Ge- dikc, was griechische Liebe sey. Hier stolpert der blinde Ebcling über einen Maulwurfshügel, und fällt mit der Nase gerade auf den Mittelpunkt des unbescheiden entblößten Hintertheils des bescheidenen und uneigennützigen Lampe, welcher eben beschäftigt ist, einer lieben Tochter uneigennützige väterliche Rathschlage zu ertheilen- Dort windet sich, gleich einer Kupferschlange, der Zopf eines Predigers aus dem Grase hervor, indessen seine ^ seine kühne Hand, gewöhnt den Vorhang von der Ewigkeit aufzuziehen, (siehe die eitle Titelvignette vor seiner Sittenlehre für alle Stande) sich mit Hinwegräumung eines gewissen andern Vorhangs beschäftigt. Hier macht der artige Rlockenbrmg, am Ab- ^ Hang eines Hügels, die wichtigsten Fortschritte in ^ den Mysterien der Vordellpolizey; und dort hält ler der Heerführer Nicolai, welcher Alles weiß, Alles ck besser weiß, und Alles am besten weiß, eine Vor- ^ lesung über die Freuden der Liebe, beklagt die ^ Blattläuse, welche sie ganz entbehren müssen, und beneidet die Schaalenthiere, welche sie doppelt ge- nießen. Die Nymphen des Hayns, welche ihn « umgeben, wenden endlich dieser Blattlaus mit jE Hohngelächter den Rücken und fliehen zu den Schaa- lenthieren Trapp und Bose, welche im Dunkel c- eines Tannenaebüsches mit ihnen verschwinden. « ^onsteur l^ilerin ergießt eine Flut von Süßigkei- Ä keu über ein hübsches Judenmädchen, welchem er Heurathsvorschläge thut, unter der Bedingung, D daß sie eine Jüdin bleiben soll. Seine schwimmen« ck» den, wässerigten, wollüstigen Augen, seine mar- M kigten Gliedmaßen und sein philosophisches Ge- B schwätz, wodurch die Weiber sich für erstaunlich P erleuchtet halten, machen, daß man seine übrige B Schulmeisiergestalt vergißt. Auch ist er hier vor Äl C 4 Göthen ( 40 ) Göthen und dem Pater Brey im Sicherheit *). Der kleine tapfere Mauvillon sig, von Siegen müde, unter dem Rocke seiner Besiegten, undath- met Wohlgerüche ein. Das Chor wälzt sich in bunten Gruppen. Doctor B'ahrdt mit der eisernen Stirn, steht in der Ferne, und berechnet mit Fauns Lächeln an den Fingern den Gewinn, welchen er von diesen Orgien ziehen wird. Endlich, als er glaubt, seine lieben Gaste mögten wohl des Guten genug gethan haben, zieht er einen Hammer hervor, und schlagt damit dreymal an seine eiserne Stirn, welches einen Ton von sich giebt, wie die ehernen Becken des Orakels zu voclona. Auf dieses Zeichen versammelt sich die ganze ehrbare Gesellschaft auf einem runden Platz, in der Mitte des Gartens. Dieser Platz seufzt unter der Last eines Tisches, welcher unter der Last von Zvo Weinflaschen seufzt. Man lagert sich, ein Jeder nimmt sein Liebchen auf den Schovß, Dr-Bahrde erhebt ''eine Stimme: Der Weise gebrauche seine Kräfte, der Thor Verschwender sie. Meine lieben Brüder! nachdem wir die körperlichen Bedürfniße befriedigt, so laßt uns nun auch dem Hange unsers Herzens folgen. Laßt *) Siehe Göthens Fastnachtsspiel. ( 4l ) ^ Laßt uns liebreich über ihn herfallen, über den All Mann, dessen Ruhm uns blutige Wunden schlägt. ^ Laßt uns seinen guten Nahmen zermalmen, seine §>« Ehre begeyfern, laßt uns deutsch mit ihm sprechen! Ich, zumBeyspiel, will ihm sagen, daßec Di kein Ritter, sondern ein Troßbube ist (Siehe Bahrdts Pasquill gegen Zimmermann ) se» tZikolar. Freund Bahrdt! meynt ihr nicht M auch? wenn das deutsch ist, so ist es doch auch h» verzweifelt grob! und man sollte stch beynahe lU schämen ein Deutscher zu seyn. ^ Bahrdt. Ha! ich merke, ihr seyd noch nicht U in der richtigen Stimmung. Frisch auf! greift zu Len Gläsern! um deutsch Zureden, müssen wir ganz Deutsche werden- Nun wißt ihr aber, daß ^ lLcilu8, an welchem ich mich auch einmal versün« dik digt habe, erzählt, daß unsre Vater ihre Helden« "r müthigsten Entschlüsse im Rausch faßten, und her« nach nüchtern noch einmal durchdachten. Diese löbliche Gewohnheit laßt uns befolgen, da wir im Begrif stehen, eine deutsche Union gegen Zim- * IN ermann zu stiften. (Im Begeisterung nach den vollen Humpen greifend ) ^ Trink! Brüder trink l ^ So lange noch ein Tropfen Zm Glase blinkt! ^ Chor. Lcce «zuam bonum, bonum er jucun- st ctemi erc. C5 Sammt« ( 42 ) Sämmtliche Verschworne saufen wie die Prälaten. In fünf Minuten sind die zoo Flaschen leer, und werden durch zoo andere ersezt. Der uneigennützige Campe lachend zu dem feinlachcnden Trapp. Was meynst du Brüderchen? Da wird es was für uns zu lachen geben, besonders für dich, der du eine so feine Lache hast. (Siehe das Braunschweigische Magazin ) Der blinde Ebcling (entrüstet, das er bekanntlich gar eyfrich über die Reinigkeit der deutschen Sprache wacht) Lache ihr Herrn, Eine Mistlache also, denn nur in diesem Verstand kann daS Lubüanrivum Lache gebraucht werden. (Trapp und Campe prügeln den blinden Ebcling windelweich, um ihm die große Wahrheit einzuprägen: daß man die Wahrheit nie sagen muß, einem Gelehrten noch weniger als einem Fürsten.) Docror Bahrdt mischte sich endlich mit seiner eisernen Stirn unter die Streitenden, und theilt Stoffe aus wie ein Bock. Seine Argumente sind so kräftig, daß die Ruhe bald wieder hergestellt ist. Darauf nimmt er das Wort: „Ihr großen hier versammelten Männer! „ wenn wir oprichtig sevn, und uns keiner über- „ triebenen Bescheidenheit schuldig machen wollen; „so müssen wir gestehen, daß die größten Män- „ ner Deutschlands hier auf diesem Platze versam» „ melt sind. " Chor. Ja, das müssen wir gestehen; Bahrdr. < 4Z ) ^ Bahrdt. Wohlan dann! ihr unsterbliche Deut- ^ sche! mögt ihr es leiden, daß Kaiser und Könige (er schlägt ein Schnippchen) nicht so viel nach euch km fragen, indessen der gottlose Zimmermann im ver- trauten Briefwechsel mit der größten Monarchin ^ und größten Frau der Erde steht? lch Chor, (mit den Zähnen) Knirsch! Knirsch! ^ Bahrdt. Daß Friedrich der Einzige ihn zu seinem Krankensessel ruft, und mehr als Medici» iee mit ihm spricht? ^ Chor (mit Zähnen) Knirsch! Knirsch! ^ Bahrdt. Daß seine Schriften verschlungen werden, indessen man die unsrigen nur kam, und K-- manche gar wieder ausspeyt? Ä Chor. Knirsch! Knirjch! M Bahrdr. Daß er niedliche möblirte Zimmer, » getäfelte Fußböden, eine wohlbesezte Tafel und guten Wein im Keller hat? indessen ich, und der « Leipziger Herr Magister, und der arme Teufel M Auittenbaum, und mehrere unter uns, kaum einen ni> Krug Bier und eine Pfeife Brandenburger Knaster bezahlen können? Chor. Knirsch! Knirsch! Knirsch! Bahrdt. Go recht! das ist die Stimmung, ^ in welche ich euch zu versetzen wünschte. Wer über ^ gewisse Dinge die Geduld nicht verliert, der hat ^ keine zu verlieren. So schwört mir denn, diesen ^ unser« gemeinschaftlichen Feind, diesen Dorn in unserm Auge, diesen Pfahl in unserm Fleische, zu necken und zu verfolgen, überall wo ihr ihn errei- O chen chen könnt. Wer noch ein Bischen Witz vorrathig hat, der sei) witzig! und bey wem diese Waare ausgegangen ist, oder wer sie nie führte, — nun der sey grob! — möge dann Zimmermann noch so ein braver, biederer Mann seyn,. mit Witz laßt sich auch die Bibel lächerlich machen, warum nicht Er? Und ist er vernünftig — desto besser für uns! so schweigt er, wenn wir grob sind- Blorkcnbring. Recht gut, er wird schweigen, dazu kenne ich ihn. Aber wenn nun Einer von den Tausenden, denen Zimmermann das Leben gerettet, oder denen er die Gesundheit wieder gab, über unsere Union ergrimmt, aus Gefühlen der Dankbarkeit die Keule, oder auch nur eine Peitsche ergreift, und uns sammt und sonders windelweich haut, wie so eben dem blinden Ebelmg von dem uneigennützigen Campe und dem feinlachenden Trapp wiederfahren ist — Bahrdr. Ach warum nicht gar! Keiner wird es wagen in unser Wespennest zu stechen. — Auf; schwört mir! Bundestreue! und Einigkeit der Hölle, wenn sie eines Heiligen sich bemächtigen will! Chor. Wir schworen! Bahrdr. Halt! wir müssen diesen Schwur «och feyerlich machen, (zu einem Paar lüdrrlicher Dunen) Hohlt den Lingam herbey! (Die Dirnen hohlen den Lingam und setzen ihn auf den Tisch.) Dieser Lingam, meine Herren, ist eine rer vornehmsten Gottheiten Indiens. Sie sehen, es ( 45 ) es sind die vereinigten männlichen und weiblichen ^ Zeugungsglieder. Junge, aufblühende Mädchen ^ waschen diesen Gott in Milch, und bekränzen ihn ^ mit Blumen. Auch wir versagen unsere Ehrfurcht nicht diesem Gotte, dessen Geist durch die allbrleb- ^ te Natur weht. Auf ihn laßt uns den Schwur des Bündnisses ablegen. Ein jeder lege seine rechte Hand auf'diesen / künstlich verfertigten Lingam, und fasse mit der Linken den halben Lingam, den er auf dem Schoose hält. Ihr Mädchen aber, ergreifet die andere " Hälfte, wo ihr eine findet! und in dieser feyerli- E' chen Stellung empfanget, ihr fürchterlichen Mächte des Erebus! den Fluch eurer gelehrigen Zöglinge, ^ ausgesprochen gegen ein Mann, dessen Ruhm uns gräßlicher peinigt, als eure Schlangen-Geiseln je vermocht haben. Peitscht ihn her! den Verbrecher! daß er falle unter unfern Streichen! ^ Chor, der ganzen Versammlung. Er falle! ^ Bahrdr. Und seine Fall besinge das Hohnge- B lächter der Hölle! Chor. (Zähnefletschend) Ha! ha! ha! — ha! ha! ha! D Lccompagnement von höllischen Geistern M unter der Erde. Ha! ha! ha! — ha! ha! ha! § ls - lt'» ^ Drit- Dritter Aufzug. Der Schauplatz ist noch im Garten. Sämtliche Verschworne sind tüchtig besoffen, taumeln und krakkelen, blinzeln und rülpsen. Der wohlgezo« geue Gedike hält Lichtenbergs Maul für «inen Kammerropf und will ihm mit Gewalt hineinpissen. Der keusche Kästner, der sonst nur einen Schwall von Epigrammen zu machen pflecht, läßt diesesmal einen nicht mehr noch minder eckelhaften Schwall von halbverdautenVictualien strömen, und da der Achselträger Boje bereits am Abhang eines Hügels schnarcht, und dabey die üble Gewohnheit hat, das.Maul ein wenig weit aufzusperre«, so empfängt er den ganzen sauerreichenden Strom, wie ein sichres Glückskind, im Schlafe. Wohl bekomme es ihm! Der uneigennützige Campe verrichtet seine Noch« dürft ganz dicht vor der' Nasenspitze seines schlafenden Collegen, des feinlachenden Trapp, und reinigt sich mit einem Stück der Berliner Monatsschrift, welches er dem guten besoffenen Biester aus der Tasche gezogen, wovon er aber Giftblasen ( 47 > im Hintern bekommt. Der artige Klockenbring har sich in einen Schweinestall retirirt, wo er sanft unter seinen Brüdern ruht. Oer Heerführer Nicolai taumelt neben einem Bienenstock nieder, und wähnt, die Bienen sollen ihm Honnig aufs Maul tragen, wie jenem berühmten Griechen. Der sch Zopfprediger Schulze liegt auf einem Misthaufen, G und träumt, er ruhe auf einem Berge vonMacula- tur seiner Schriften. Der blinde Ebeling, der ,A, junge Büsching, der kleine tapfere Mauvillon und der Leipziger Magister, haben sich zu einer Whist- ^ Partie gesetzt. Keiner von allen hat Konneurs an- ^ zugeben. Monsieur l^ilerin, der große Weiber- ^ jäger, kräht mit lallender Zunge und schwimmen- , den Augen, dem armen Teufel Quitenbaum seine ^ Eroberungen vor, der ihm bey >eder neuen Perio- ^ de ins Gesicht rülpst, und jedesmal sehr höflich um , Verzeihung bittet. Der unbedeutende Ettinger wälzt sich mit seiner Schaar auf faulen Birnen herum, die er für Recensionen hält, und emsig in die Lasche sammelt, um sie gelegentlich- gegen große . Männer zu schleudern. D !! Mli i» Doktor Bahrdt mit der eisernen Stirn ist zwar auch ein wenig benebelt, da er aber 7 Flaschen ausstechen kann, ohne zu taumeln, so hält er sich noch so ziemlich auf den Beinen. Seine Huren schleichen ( 48 ) chen unterdessen zwischen den Schlafenden herum, und escamotiren ihnen die Beutel aus den Taschen. Nach Verlauf einigerStunden zertheilrn sich die ^ schwerenOünste, die Schläfer erwachen und gähnen: Ya! Ya! Doctor Bahrdt zieht seinen Hammer hervor, schlägt dreymal an die eiserne Stirn, und halbschlaftrunken taumeln die großen teutschen Männer herbey, sich aufs neue um die runde Tafel zu lagern. Bahrdt. Nun ihr Herreujetzt gilts! ein jeder von ihnen beliebe seine Meynung an dem Lag zn legen. Der rvohlgezogcne Gedike. Ich Affe des Grafen Srollberg — (Siehe Berliner Monatsschrift März 1789) will höchst witzig die Worte mit einer Münze vergleichen, und das Oellämpchen unserer Aufklärung gegen jede Zugluft in Schutz nehmen. Dann wollen wir vereinigt Zimmermann einen plumpen Schiinpfrcdncr nennen (Ebendas.April 1789 ) und ihn durch die Kaiser Valens und Da- lentinian zur Infamie condemniren lassen. Wir wollen seine Standeserhöhungen, worüber wir aus Neid des Teufels werden mvgten, mit gerümpfter Nase plötzliche nennen- überhaupt sey unser aller ( 49 ) ^ /er Grundsatz, so oft wir ihn Herr von Zimmer« ^ mann nennen, das von in zwey Klammern z« ^ schliessen: (von) als ob wir seinen Adel bezweifele ^ ten. Denn ob es gleich leider nur allzuwahr ist, und ^ wir dadurch entweder eine hämische Bosheit, oder eine allberne Unwissenheit verrathen, so kann uns AK doch niemand eben zumuthen, die Statuten des ^ wladiner Ordens gelesen zu haben, obgleich sie ge- M -ruckt sind. Wir können uns daher immer mit der ü Unwissenheit entschuldigen, und der ganze Vorwurf, den man alsdann uns machen könnte, wäre m höchstens, das wir von Dingen gesprochen, die SM wir nicht verstanden, oder aus Neid und Mißgunst nicht verstehen wollen, welches uns ohnehin gar oft wiederfährt. Da überdieß natürlicherweise die russt- E sche Kaiserin unsere beissige Monatsschrift nicht ^ liest; so sind wir auch sicher, daß der Mangel des ^ Respekts, den wir durch eben diese Klammern an ^ den Tag legen, ungeahndet bleiben wird. Ferner wollen wir ihn einen tftachrichter, einen ^ Epkophantcn, einen Sraarsftskal nennen, und ^ gelegentlich unfern Mitverschwornen, den kleinen ^ tapfern Mauvillon, als einen cdcln Mann heraus, ^ streichen, denn auf ein paar Worte mehr oder we- «iger kommt es uns nicht an (Seite Z84-) l- D (Der < 50 ) (Der kleine tapfre Mauvillon bedankt sich, indeür er seinen gewaltigen Hut abnimmt, und einen Gprachmeistermessigen Kratzfuß macht.) ' Der gute. Vicster. (fährt fort:) Auch hämisch soll er gescholten werden, und vorrücken wollen /wir ihm, er übc sich trotz Mirabcau, indem Talent zu schimpfen. Hernach will ich, der -wohlgezogene Gcdike, mich ganz fürchterlich zermartern, um es «inen unserer Mitvevsthworne'n gleich zu thun, der ein ' paar französische Zeilen auf Ammermann anwandte, und wenigstens das Verdienst dabey hatte, das Bischen Witz mit französischer Leichtigkeit hingeworfen zu haben. Ich Schulpedant aber, will mich dren Tage und drey Nächte -in den schmutzigen Bauch meiner Gtudierstube setzen, und den armsn Horaz so lange zwicken und zwacken und zerren, bis ich ein paar jämmerliche Anspielungen heraus- gezerrt habe. (Berliner Monatsschrift April 89 ) Die will ich denn brav recken und ziehen wie eckelhaften Schleim, theils weil es ein paar Blätter mehr ausfüllt; theils weil ich mir selbst sogar sehr wohl dabey gefalle, und weil mir alle meine Einfälle so gewaltig schnakisch Vorkommen, und meiner Frau auch. Ich kann zugleich das Vergnügen gemessen, meine Belesenheit zu zeigen, und das ganze Publr- ( 5 - ) "kc, «IM M, lA» A- »s Publikum als Schüler zu behandeln, denen man ein Pensum hundertmal vorkaut. Ich will unter andern sagen, ha! ha! ha! Zim« mermann habe eine mala lcabies, ha! ha! ha! morbus reßius das Witt ich durch Gelbsucht über» setzen, ha! ha! ha! will ihm Merkur,us (den deutschen Merkur) dagegen verschreiben, und die Schwcfclcur der Satire, denn meine Sa, tyre stinkt würklich nach Schwefel, ha! ha! ha! Ich Witt sagen, seine Geschwüre juckten ihn besonders zur Nachtzeit/ weil ich glaube, er schreibt viel bey Nacht, und weil ich die Ähnlichkeit mit der Krankheit herbeyzerren muß, ha! ha! ha! ich Witt ihm Seelcninfarctus Schuld geben, win- dcpedcmio, ha! ha! ha! will ihn dcnRittcr von Löwenzahn, den heiligen Ritter Georg nennen, und mit dem heil, syeronimus vergleichen, ha! ha! ha! will auch den geheimen Rächen Ia- cobi und Schlosser nebenher einige Krallenhiebe versetzen, denn es sind Biedermänner, die wir nicht müssen aufkommen lassen, wenn unsere Aufklärung uns noch ferner Geld eintragen soll. Ich will Jacobi mit dem Orion vergleichen, und ihm sagen, er habe einen Mbclsiccken. Ist das nicht erschrecklich witzig? Ha! ha! ha! Alles dieses will ich bis zum Eckel mit Allegaten aus allerlei) Bücher» belegen, um meine erstaunliche Gelehrsamkeit zu D 2 zeigen l 52 ) zeige^ha! ha! ha! und am Ende will ich noch ganz vescheiden sagen: daß kein Mensch gegen die Berliner Monatsschrift aufkommen könne, ha! ha! ha! — Aber so lachen Sie doch meine Herren! Finden Sie denn nicht Alles, was ich da gesagt habe, ganz verteufelt witzig? Chor. O ja! wenn Sie so befehlen. Ha! ha! ha! Der gute Biester. Ein Mann von Erziehung, der im Umgang mit der großen Welt gelernt hat, was Witz ist, wird freylich nur die Achseln über solchen pedantisch plumpen schwerfälligen Trampelthierwitz zucken; aber für solche Leute schreiben wir auch nicht. Ich wette dagegen, daß alle Schulmeister in den Preussischen Landen eine große Freude darüber haben werden. Bekanntlich haben überhaupt, wenn von Witz die Rede ist, wir Deutsche das Wort und die Franzosen die Sache. Ferner soll der Hofrath Zimmermann in Braunschweig ganz unverhoft zu der Schande kommen, gar gewaltig von uns gelobt zu werden , Berliner Monatssch. April 1790) bloß deshalb, weil es sich so artig trifft, daß er auch Zimmcrmann heißt, und das immer zu nachtheiligen Vergleichungen für den Hannövrischen Zimmcrmann Gelegenheit giebt. Wir wollen jenen einen Unrcrsuchcr, und diesen einen Erdachter nennen, wollen sagen: dieser ( 53 ) str sep durch Wahrheiten berühmt, und jener durch Lügen; wollen ihn einen irrenden Ritter nennen (denn mit dem Worte Ritter treiben wir unfern Spas gar gewaltig, und können gar nicht wieder davon aufhören, weil es uns so grimmig ärgert) wollen ihn fragen: ob er nicht so gut styn will, sichfüruns jainmerlichenBerle zu schämen? und weil wir schon vorher wissen, daß er sich vor uns nicht schämen wird, so sollen wir keck behaupten: er könne sich gar nicht schämen, er habe, so wie Lavater, allen Sinn für den Unterschied des Schimpfen« und Nichtschimp- fcns vcrlohrcn, kurz, er scy alle Schaam abgestorben, und werde nun Srarckder Zwepce. Dabey wollen wir witzig anmerken, man könne bereits eine bibliotbecaÄmmsi'MLnniLNL sammeln, von allen, was gegen ihn geschrieben worden, und wollen uns stellen, als wüßten wir Nicht, daß wir selbst gar oft und jämmerlich zusam« men gehauen worden, wollen sagen: Die guten Böpfe in Deutschland hatten Gelegenheit, sich in dcr Satpre und Ironie an diesem Man« ne zu üben, weil wir nicht hoffen, daß es etwa einem einfallen wird, die Geisel auch über »Ns zu schwingen- — D 3 Der ( 54 . ) Der wohlgezogene Gcdike. (ihm ins Wort fallend) Ja, und am Ende will ich noch einmal recht witzig seyn, ha! ha! ha! Da sollmeineFrau was rechts zu lachen kriegen. Ich wkü sagen: Der Ritter Georg fechte gegen den Lindwurm der Berliner Aufklärung; habe es in der Bunst sich zu übereilen eben so weit gebracht/ als in dcrRunst zu schimpfen; könne dasLichtnicht gut vertragen (nemlich unsere stinkende Oellam- pe); verstehe die große Glocke gut zu lauten, u s. w- Ha! ha! ha! *) sshor. Wenn Sie so befehlen, ha! ha! ha! Der gute Biester. Nun meine Herren! ist alles das euch grob, seicht und albern genug? Chor. Recht so! recht so! Bravo! Bravo! OiAnus es inrrars In rnalo noüro corpore **). Bahrdt. Vivar le^uens! Der scerführer Nicolai. Ich will eine Stelle aus einem Briefe Friedrichs des Zweyten an seine Schwester drucken lassen, welche also lauten: I.e >teclecin ci' Hannovre a voulu le kaire va- loir auprss 6e vous ; und: il in'a ere inurile. Zwar, *) Siehe die Berliner Monatsschrift von 1780. März und April, und 1790 Marz, April und Juny. **) Siehe Rollers» kvlilacie imLAwaire. < 55 ) Zwar, wer Zimmermanns erstes Buch gelesen Hat, weiß freylich wohl, daß er selbst sehr beschei- ^ den über diesen Punkt spricht, und daß er die alte ^ Frau nun nicht durch traurige Nachrichten nieder- schlagen wollte; aber alle Leute haben das nicht !r>»i gelesen, oder erinnern sich dessen nicht mehr, und ^ daher ist es immer hämisch genug, und wird einen allerliebsten Übeln Eindruck machen. ^ In Ansehung des eingeklammerten van und des Spottes über seine Standeserhöhung, bin ich ganz der Meynung meiner würdigen Mitverschwornen, ' des Auren Biester und deswohlgezogencnGc- L dike. Denn ob er gleich selbst, in seinem Sendschreiben an den Dänischen Rcgimentschirur- gus sempcl, sich „über Fratzen des Ranges" lustig macht,*) so haben doch auch das nur wenige D 4 gelesen, *) Es heißt daselbst: „Ich -- soll auf Fratzen ^ „ des Ranges sehen? — mich demüthigt die -, „ Stelle, auf die mich die Fürsehung gesetzt „ hat. Ach! wie oft denke ich, wenn ich mein „ Glück betrachte, und die Art, wie man mich „belohnt, und die Güte, womit man mir „ begegnet, wie mancher Arzt im Elende seufzt, „ und von der Welt nicht gekannt, vielleicht „vor Kummer vergeht, der dieß besser werth „wäre als ich." So etwas ist dem guten -,'P Biester, und dem wohlgezogenen Gedike und M dem Heerführer Nicolai noch niemals eingefallen; so etwas kann nur wahres Verdienst i decken «nd mit edler Freymüthigkeit sagen. gelesen, ober doch schon längst vergessen und überhaupt ist das hämische, von hinten zwickende, dem Publikum immer willkommener, als das Offene, Edle. Chor. Recht so! Recht so' Bravo! Bravo! D1ANU8 es intrars In rnalo noüro corpore. Der keusche Rästner. Ich, meine Herren, will mit Karrenschieber Epigrammen gegen ibn zu Felde ziehen. Chor. Recht so! recht so! Bravo! bravo! Der kleine geile Mondc-rrespondent Lichs tenberg. Ich hoffe mich schon längst zur Aufnahme in diese honorige Gesellschaft qualificirt zu haben, indem ich in Zeitungen und Magazinen (sogar in englicher, da Deutschland für meine Bosheit ein viel zu beschränkter Schauplatz ist) immer hinten und forne gegen Zrmmermann ausgeschlagen, auch sogar einst einen niederträchtigen Kupferstich mit dem Scheidewasser meines Knabenmuthwillens habe ätzen lassen- Jezt aber kann ich nur im Stillen zu Erreichung des löblichen Zweckes beytragen, da ein verdammter Puterhahn mir mit einer moralischen Rede gedroht hat, (S- die Ailurokromachie) mit welcher ich aus bewegenden Ursachen verschont ( 57 ) ^ zu bleiben wünsche- Das Gute soll aber älich im dH Verborgenen durch mich gewirkt werden. H»r, Chor. Recht so! recht so! Bravo! bravo! Der artige Llockenbring. Ich bin gewiß ein so grober witziger Kopf, als. jemals in der Lüneburger Heyde gebohren wurde, und daher so ge-, schickt als Einer, die Absichten der respectabelnVer- sammlung zu befördern. Da ich jetzt die Direction t«i> r>er Hannövrischen Anzeigen habe, so will ich gern auch dadurch behülflich seyn, etwas gegen Zimmermann in die Welt gehn zu lassen, und allenfalls mit einer Anmerkung von meinem groben Witze be- chs reichern, wofern er nur nicht namentlich aufge- ^ führt wird, welches die Polizey nicht leiden würde. , ^ Es ist zwar wahr, daß ich bey meinen sehr gefähr- ^ lichen venerischen Krankheiten, für welchen mich ^ weder meine Frau, noch meine genaue Auf- und Einsicht in dieses Theil — der Polizey schützen kann; ^ und bey meiner großen Neigung zur Weinflasche, ^ Der zu Liebe ich gewöhnlich alle Nachmittage be- ^ trunken bin, leicht in den Fall kommen könnte, ^ Zimmermanns Rath zu bedürfen- Allein da ich , ^ oftmals erlebt habe, daß er seine tödlichsten Fein- ^ Len, wie zum Cxempel meinem College« Flügge ^ und andern, doch nachher in der Noth aufs treuer lichsie beygesianden, so hat es damit kein Gefahr» D 5. und t rs ^ «kd was man etwas von Dankbarkeit in einem sob chen Falle schnicksnaken mögte, o! darüber ist mein hoher Geist weit hinaus, seitdem es mir gelungen, den Nachkommen des seel. Wüllen dasJntelligenz- comtvir zu entreißen und mit andern Hungrigen die Beute zu theile», da doch eben dieser Wüllen die einzige Ursach meines Glücks und meiner Beförderung war. Chor. Recht so! recht so! Bravo! bravo! Oi^nus es inrrrrs In mLlu noliro corpore» Der arme Teufel Duitcnbaum in Assistenz des Leipziger Magisters. Ich, meine Herren, will ihn, Zimmermann, den Ucberreiter oder Ueberritter nennen, ich will ihm sehr witzig sagen, daß er sein Werk geschrieben har, wie das Pferd des Herzogs von Devonshire, welches „«»^Minuten braucht, um 4 englische Meilen zu laufen, und Satze von rz Fuß macht. .Ich will ein Register mit einem Rahmen vergleichen, ihm höchst witzig in einen Rahmen fasten, chm Gottlosigkeit vorwerfen, um den würklich sehr witzigen Einfall wo möglich zu entkräften; daß er keine anders Wunder glaube, als die der König im siebenjährigen Kriege gethan. Ich will ihm sagen, daß der Todtengraber des Doms dem Bönigc, ( 59 ) ^ Röntge, in Beziehung aufstine Rrankheit, die ncmlichen Dienste erwiesen haben würden, Hk» als er. Ich will mich drüber lustig machen, daß er vergibt zu wissen, die Kaiserin von Rußland W sey gesund, da sie es ihm doch nur selbst geschrieben U, hat. Ich will ihn einen lttariolus nennen, zum Krepiren witzig von politischen Tanzmcistcrn, Ecclcntanzstundcn und erzwungenen Tanz-- gipfcln schwatzen! ich will die Kaiserin von Rußland mit einem Ocean vergleichen, der auch die ^ Pfütze nicht verschmäht, welche ihm ihr Tröpfiein Wasser aufdringt, obgleich das erne m gar schändliche Zweydeutigkeit, und in Rücksicht m, auf Zimmermann eine alberne Lüge ist, denn die «kr Kaiserin war es, wie es sich von selbst versteht, W welche die Correspondenz anfieng, die uns allen so manches Tröpfchen neidische Galle kostet. Ich will ^ sagen: er habe den O. Oberen durch eine Rcil-- ki- schrift entseelt, sein Pegasus sey ein stolzer A Schecke, seine Schrift sey mit Schustcrpcch ^ wohlriechend gemacht, seine Schreibart sey d pyrmontisch, sein Buch eine Folie aller Fo-- ^ lien; nebenher will ich einen weitschweifigen, al- ^ Kernen Salm über Regentenerziehung und Staaks- ^ Wissenschaft herbabbeln, wobei) die Leser sanft ruhen 2 können, welcher aber doch ein paar Seiten mehr ^ anfüllt, und folglich auch dem hungrigen Magen ^ ^in c so > ei« paar Bisse« mehr eknträgt. Auch werde ich nicht ermangeln, die Nicolaischen Anecdvten zu loben, Und des jungen Büschings Buch ein lignum zu nennen, aus welchem sich ein Merkur schnitzen lasse. Der Heerführer Nicolai und der junge Bü- sching stehen auf, verbeugen sich tief, und erbieten sich recixroce zu loben. Der arme Teufel Duitenbaum fährt fort: Ich will ihn eine Rapitalgans nennen, einen 6 ost vourmschneider, einen Ritter r>on der lustigen Gestalt, irsm Ritter von der Hellen Sonne, einen komisch kecken Aimmcrmann, einen oic- ra-cor, und am Ende, wenn ich bis dahin nicht selbst schon vor Lachen über meinen schnackischen Witz gestorben bin, will ich ausrufen: Olancrs Timmsrmanne! vra xro nobis! Bahrdt. Hör' er gute Freund! sein böstr Wille mag wohl recht gut seyn, aber das Voll« bringen taugt wenig. Und auf wie vielen Seite» denkt er das ganze elend witzige, und jämmerlich staatskluge Gewäsch Herzusage«? Der arme Teufel Guitcnbaum und derLeip- zugcr Magistar (auf ihre hungrigen Magen und schlotternde» Bäuche deutend). Auf222 Seiten- Bahrdt. ( 6l ) »ji «rt: U' M/ )/c- » >ft M lch B Bahrdr. Ehrlicher Bildschnitzer! wenn er machen kann, daß Zimmermann das würklich liest, so sind wir den Menschen auf einmal los, denn er gähnt sich zu tode. Unter dessen hat es nichts zn sagen, wenn wir auch einige Straßenjungen unter unserer Armee mitschleppen, die statt der Waffen Kuhfladen führen. Nicht wahr, unbedeutender Erringcr. Der unbedeutende Ettinger. (im Nahmen seines Chors). Nein, es hat nichts zu sagen. Bahrdr. Es finden sich doch immer Narren, die da lachen, wenn man ihnen nur znruft: lacht doch! Chor. Recht so! recht so! Bravo! bravo! Der Lchscltragcr Boje. Ich meine Herren, Lin es freylich dem Herrn Zimmermann, mir selbst, und denen, die meine vieljahrrAeVerbindung mit dicstm von allen, die ihn ganz kennen, verehrten Manne Wissen, schuldig zn gestehen, daß ich abscheulich hämisch handeln würde , wenn ich öffentlich gegen ihn auftrate. weit entfernt übrigens den ehrwürdigen Verfassern der noch im Embryo liegenden Schriften daraus einen Vorwurf zu machen, will ich vielmehr mit Freuden mein neues deutsches Museum zu diesem ( 62 ) fem Behuf einräumen. Doch behalte ich mir vor, hernach öffentlich in den Zeitungen zu versichern, ich, der Herausgeber, lese vorher nichts von dem, was in meinem Journal abgedruckl wird. Und so, meine Herren, danke ich mit Rechr Anspruch auf den Pfiffigen Beynahmen der Lchselträger machen zu dürfen. Chor. Recht so! recht so! Bravo' bravo! Der fcinlachende Trapp. Ich habe einen über« schwenglich witzigen Einfall, ich fürchte nur, ihr werdet euch alle todt drüber lachen. Ein Sendschreiben von Doctor L urher an Zimmcrmann! Ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! ha! (Der Athem vergeht ihm, er wird braun und blau, und ist im Begriff zu ersticken. Alle springen zu, klopfen ihn in den Rücken, giessen einen Kammertopf über ihn her, und bringen ihn wieder zu sich. Der feinlachende Trapp, (sich die Sauce vom Maul wischend) Ha! ha! ha! Nun was meynt ihr dazu? Da soll ihm Doctor Luther sagen: crsty grob, er habe einen tüchtigen Nagel, und er soll in Zukunft mehr Respekt haben vor unserer gewaltigen Aufklärung. Ha! ha! ha ' — Docror Luthers Geist erscheint plötzlich und giebt dem Educatronsrath Trapp mit der feinen Lache si r'li -in iS § S l « k I S! r ,s «l < 1 63 ) »«, Lache eine fürchterliche Ährfeige, fo daß er vom ^ Stuhle taumelt, und da der Boden ein wenig ^ abhängig ist, in eine nahgelegene Mistlache hin« abrollt. ^ Docror Luthers Geist im männlichen Baß-- A ton. Jhrseyd eine Art, die sich rein dünket, und ist doch von ihrem Kothe nicht gewaschen. (Spruch- Wörter Salom- Kap. xxx. Vers i 2 > Eine Art, die Schwerdter für Zähne hat, die llik mit ihren Backenzähnen fristet und verzehret die ^ K Jesuiten im Lande und die geheimen Gesellschaften ^ unter den Leuten. (Ebendas, v. 14.) Die Seele des Gottlosen wünschet Arges und gönnt seine Nächsten nichts, darum macht es auch Bauchgrimmen, daß die Gewaltigen im Lande mit §ki> Zimmermann correspondiren. (XXl. ic>.) Ihr sprecht: so laßt uns auf den gerechten Zim, mermann lauern, denn er macht uns viel Unlust. (Buch der Weish. H. 12.) E Mit Schmach und Quaal wollen wir ihn stocken, E daß wir sehen, wie fromm er sey, und erkennen, wie geduldig er sey. (Ebendas. 19 ) ^ Es wird aber eine Zeit kommen, ihr bösen Bu- ^ ben! da ihr unter einander reden werden mit Reue und vor Angst des Geistes seufzen: das ist der ^ Zimmermann, welchen wir etwa für einen Spott ^ hatten, ( 64 ) hatten, und für ein höhnisch Beyspiel. (Ebendas.- -V-.Z.) Denn da ihr hörtet, daß diesem Zimmermann van Kaisern und Königen Gutes geschah, durch wel« ches ihr gequält wurde, da fühltet ihr den Herrn: denn den ihr etwa verächtlich verstoßen und ver» worfen hatte, und ihn verlachtet, deß mußtet ihr euch zuletzt verwundern- (Ebendas, xi. 14.15.) Darum will ich dem Bösen wehren mit harter Strafe, und mit ernsten Schlagen, die man fühlet, (iki-ä- XXVII. 22.) Dem Roß eine Geisel, dem Esel eine Zaum und euch Narren eine Ruthe auf den Rücken- (Sprüchw. XXVI. z.) Zimmermann antwortet den Narren nicht nach ihre Narrheit, damit er ihnen nicht auch gleich werde. Ich aber antworte den Narren nach ihrer Narrheit, daß sie sich Nicht weise lassen dünken. XXVI. 4. 5. Es ist doch kein Lauern über desReiders Lauern. (Jes. Sirach- xxv. 19.) Laßt ab vom Hadern, so bleiben viel Dummhel'» ten nach. ibiä. XXVIII. io.) Der Narren Rede ist über die maßen verdrüß» lich. Ihr Hadern macht, daß man die Ohren zu» halten ( 65 ) A halten muß, und ist verdrüßlich zu hören, wie sie sich zerschellen, (ikiä. XXVII. 14.15.16.) W „t Junger Bösching! wenn dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht. Wenn sie sagen: ge« -N he mit uns, wir wollen auf Blut lauern, und dem unschuldigen Zimmermann ohneUrsach nachsiellen. (Sprüchw- Salom. I. io. n. ^ Am Ende lauern sie selbst unter einander auf W Blut und stellet Einer dem Andern nach dem Leben, (chich 18.) E Dünke dich nicht weise zu seyn, kleiner Mond- ^ corrcspondent Lichtenbceg, sondern sürchce den Herrn, und weiche vom Bösen. Das wird deinem Nabel gesund seyn, und deine elenden Gebeine ^ erquicken- (ikich HI. 7. 8.) Thue von dir den verkehrten Mund, guter Biester, und laß das Lästermaul ferne von dir. ^ (iküch IV. 24.) Wer gedultig ist, wie Zimmermann, der ist ^ weise. Ein gütiges Herz, wie das seinige, ist des Leibes Leben; aber Neid, guter Biester, ist Ey- ^ rer in Beinen, (chiä. XIV. 29. zo.) Es steht einem Narren, wie dir Zopfprcdigcr ^ Schulze, nicht wohl an, von hohen Dingen reden. ^ (chiä. XVII. 7. E Ei» < 66 ) Ei» bitterer Mensch, wie du keuscher Rastner, trachtet Schaden zu thun, aber es wird ein grau« samer Engel über ihn kommen (ch. XVII. n.) Ein närrischer Sohn ist seines Vaters Trauren, und Betrübniß seiner Mutter, die ihn gebohren hat. Darum, armer Teufel Guirenbaum, tragen Vater und Mutter Leid umdich (il,. XVII. 25.) Wer vorgehet und sich menget in fremden Hader, du Leipziger Magister, der ist wie Einer, der den Hund bey den -Ohren zwacket. (II,. XXVI. 17.) Die Lippen des Narren, keuscher Rästner, bringen Zanken, und sein Mund ringet nach Schlägen, wie du auch schon erfahren hast. (il>. X VIII. 6.) Fahre nicht bald heraus zu zanken, Heerführer Nicolai, denn was willst du hernach machen, wenn -u deinen Nächsten geschändet hast? (il>. xxv. z.) Also thut ein falscher Mensch mit seinem Nächsten, Lchselrragcr Boje, und spricht hernach: ich habe es nicht also gemeynet. (il». XXVI. 19.) Wie ein Hund sein Gespeytes wieder frißt, guter Biester, also ist der Narr, der ewig von Auf, klärung schwatzt, (il,. XXVI. n.) Du aber, mein artiger RIockenbring, sprich: ich bin der Allernarrischste, und Menschenverstand ist nicht bey mir. (il>. xx)i. 2.) Hast c 67 ) l-r- dl» lk hm M s.) Ä- !i>i! Hast du geuarret, wohlgczogener Grdike, und zu hoch gefahren, und Böses vorgehabt, so lege nun die Hand aufs Maul. (ib. xxx. z2.) Denn die Weisheit, kleiner tapferer Mav- villon, kommt nicht in eine boshafte Seele, und wohnet nicht in einem Leibe der Sünde unterworfen. (Buch der Weish. I. 4 ) ' Es wäre dir besser, blinder Ebeling, der drt aus 9 Büchern das rote machst, und aus der Haut fahren willst, wenn man die Ofsicicrs statt die Vfficierc sagt: es wäre dir besser, du sprächest: ich will mit dem giftigen Neid nichts zu thun ha- den, denn derselbige hat nichts an der Weisheit, (id. VI. 25 ) Was du, DoceorBahrdt, gutes stehest, deutest du aufs ärgste, und das Allerbeste schändest du aufs höchste. (Jes. Sir. XI. zr.) Hörest du was Böses, Docror Dahrdt, das sage nicht nach; denn man hört deiner Grobheit wohl zu, und merket darauf, aber man hasset dich gleichwohl, (»k». XIX. 6. 9.) Laß dich nicht zu klug dünken, guter Biester, jedermann zu tadeln. Denn ein solcher giftiger Mensch, wie du guter Biester, schadet ihm selber und wird seinen Feinden ein Spott, (ik. VI. 2.4.) E 2 Odu ( 68 ) Odu2lchstItragerBoje! es ist mancher Freund, und wird bald Feind, und wüßte er einen Mord ans dich, er sagte es nach. (ik>. VI. 9.) Ihr, Gcdikc und Biester, rühmet wohl viel von der Aufklärung, aber wißt wenig darum. (ik>. VI. 2Z.) Verachte nicht, roohlgezogenerGedike, was Zimmermann redet. Denn von ihm kannst du lernen, wie du dich halten sollst, gegen große Leute, (ib. VIII. 9.10.) -lonlieur Imkerin, mein KiNd, stecke dich Nicht in mancherlei) Händel, denn wo du dir mancherley vernimmst, wirst du nicht viel daran gewinnen, (ib. x. 10.) § >!t^' D Lerne zuvor selbst, uneigennütziger Campe, ehe du andere lehrest ; hilf dir zuvor selber, guter Biester, ehe du andere arznenest; strafe dich zuvor selber, Docror Bahrdr mir der eisernen Stirn, ehe du andere urtheilest. (id. xvill. 19.20 21.) Es ist mancher scharfsinnig, keuscher Lastncr, «nd doch ein Schalk, (ii-. XIX. 22.) Derselbe Schalk, uneigennütziger Campe, kann den Kopf hängen, und ernst sehen, und ist doch eitel Betrug. (il>. 2z.) I § sili r> ES ( 6A ) U Es straft einer seinen Nächsten oft zur Unzeit, ^ verkappter Blankenburg, und thäte weislicher, daß er schweige, (il,. XX. i.) Dein böses Maul, keuscher Bastner, zer- »4 schmettert Beine und Alles. Viele sind gefallen durch die Scharfe des Schwerstes, aber nirgend so ^ viele ehrliche Namen, als durch eure bösen Mau- ler, du keuscher Bastner und du kleiner Lich- ^ renberg! (il,. XXVIII. 21. 22.) Wie der Schellhengst schreyet gegen alle Mähren, also du uneigennütziger Campe hänget sich der - Heuchler an alle Spütter- (ib. XXXIII. 6.) ch E Siehe dich nicht um i nach schönen Menschen, Monsieur Leiterin, und sey nicht so gern um die Weiber. (il>. xxxx». 12.) U' ^ Wer seinen Nächsten schändet, verkappter E Blankenburg, der ist ein Narr. (Spr. Wört. ^ Salom- xi. i2. L Zu sammtlichen verkappten. Wer heimlich sticht, der verwundet sich selbst. (Jes.Sir.xxvil. 28) Zu dem unbedeutenden Ettinger und seinem Chor. Lieben Kinder, lernt das Maul halten, ^ denn wer es hält, der wird sich mit Worten nicht ^ vergreifen, (ib.xxm. 7.) ... E 3 Seher Sehet ihr Zimmermann endlich in seinen Ge« schäften, der wird vor den Römgen stehen und wird nicht vor euch Unedel» stehen. (Spr. Gal. xxn. 29.) Drum lasset irnS loben die berühmten Leute, und unfern Zimmermann mit ihnen! (Jes. Sirach. XXXXIV. I.) Die Leute reden von seiner Weisheit und die Gemeine verkündigt sein Lob. (ld. 14. 15.) Ihr andern aber habt keinen Ruhm und werdet umkommen, als wäret ihr nie gewesen, und da ihr noch lebtet, war es eben, als lebtet ihr nicht. (it>. 9.) Drum will ich nicht ablassen die Knaben zu züch, tigen, denn wo du sie mit der Ruthe züchtigest, so darfst du sie nicht tödten. Du hauest sie mit der Ruthe, aber du errettest ihre Seele von der Hölle. sSprüchw Salom. xxm. iz. 14.) (Er verschwindet. An seiner Statt erscheine« Plötzlich die himmlischen Heerscharen mit Ruthen in den Händen, und hauen sämmtlichen Ver« fchwornen die Eteisse wund, daß ihnen das Blut an den Lenden herunter Läuft. Darauf singen sie rinmüthig gar lieblich und süß:) Ehre ( 7 - ) 8 , Ehre fey ZinMrermann in Hannover, Friede «i unter euch Neidhämmeln! und allen guten Men- schen ein Wohlgefallen-! Lccompagnemenr der Verfchrvornen. Au ^ Weh! Au weh! (Die himmlischen Heerschaaren ^ verschwinden.) Der kleine tapfere Mauvillon. (sich den Hintern reibend) Ich prahle zwar sonst viel mit Frey- ^ geisterey und Starcfgeisterey: aber diese Geister find mir doch zu stark. «k Der keusche Rastncr. (sich auch den Hintern d k reibend) Ja, diese verdammten himmlischen Heer- W. schaaren sind stärker, als der italienische Sprach- Meister 5an8everino, der mich einst im Buchladen ^ durchprügelte. )) Docror Bahrdt mit der eistrnen Stirn, «k Auf! ihr tapfern Gehüsten! Lasset den Mukh nicht Ar. finken! Was kümmern euch Ruthenstreiche! Ihr seyd deren gewohnt. Auf! rächet an Zimmermann das Blut, welches an euren Lender herabfließt. sA Docror Luthers Geist in den Lüften. Wenn du den Narren im Mörser zerstießest mit dem B Stämpfel wie Grütze, so ließe doch seine Narrheit ^ nicht von ihm. (Sprüchw. Sal. XXVII. 22.) (er verschwindet.) E 4 (Die > (Die himmlischen Heerschaaren erscheinen abermals mit metallenen Mörsern. Sie zerstoßen die ganze Versammlung mit demStampfel wie Grütze. Als sie aber verschwunden sind, findet es sich, daß ihre Narrheit doch nicht von ihnen gelaßen hat.) Der uneigennützige Campe, der blinde Ebeling, >1on6sur Sterin, der kleine tapfere Mauvitlon, der junge Büsching und der verkappte Blancken- bürg treten nun nach einander auf. Em jeder nennt den Cloack, in welchen er sich seiner Excrementen zu entladen gedenkt. Z. B. Das deutsche Museum, die berliner Monatsschrift, das braunschweigische Magazin, der Hamburger Correspon- dent, die neue Hamburger Zeitung u. s. w. Ein Zeder rührt zugleich diese Excremente vor den Nasen der Mitverschwornen ein wenig um und um, welche sogleich ein Chor anstimmen: Mit vollen Athemzügen Saug' ich, du Dreck aus dir! (Siehe Göthe's Erwin und Elmir.) Auch der unbedeutende Ettinger und sein ganzes Geschwader, zeigen an, was ein Jeder im Schilde führt, so erfahrt man nach und nach: Daß der verkappte Blankenburg höchst niedrig »vnYapieren spricht, welche sin Minister zu Haarwickeln wickeln bestimmt hatte, von Feldjägern, welche «inen kiccaur 6 e la lvlarliniero zu Ministern gemacht; daß er das, schon vom kleinen geilen Lich- tenberg abgenutzte Bild vom neuen Bellerophvn wiederkaut, weil er selbst nicht Witz genug hat, etwas neues zu sagen; daß er eine vollkommene Aehnltchkeit zwischen Zimmermann und Mirabeau findet; daß er ihn mitPhysignatus und Hypsiboas vergleicht, und endlich seine Grobheiten noch durch den dummen Einfall würzt: Zimmermann habe nur vier und Lreyßigmal vor dem Könige gestanden, dieKammerlakayen aber viele hundertmale *). Daher entstand anfänglich die Vermuthung, dieser Aufsatz sey von einem gereizten Kammerlakayen geschrieben worden. Diese Vermnthung hat sich nunmehr widerlegt; wenigstens aber muß der Verfasser vielen Umgang mit Kammerlakayen haben. Man erfährt ferner: Daß Dmandar der Rosmopolit sich folgender kosmopolitischen, und einen Gelehrten sehr anständigen Ausdrücke zu bedienen gedenkt: Arroganz, Eigendünkel, Afterweisheit, Diktatorisches Ansehn, triviales Geschwätz, gelehrte Pedanten, stolze Aristarchen, dummdreistes Urtheil, Scha- E 5 denfreuve *) Neues deutsches Museum. 6tes Stück 1790? Ueber historische Gewißheit. ( 74 ) deNfreude und Bosheit, Lampe mit elendem Thran genährt, radotiren, u. s. w. *). Darauf behaupt tet er: nur ein Brandenburger habe das Recht, den Grafen Mirabeau zu widerlegen- Chor. Ha! ha! ha! Dinandar fortfahrend, versichert, baß nicht allein der Hannövrische Leibarzt, sondern auch Nicolai und die Berliner Journalisten ausgezischt würden. Sogleich entsteht eine schreckliche Prügeley- Nicolai, Gedike und Biester fallen über Dinandar her, andere wollen ihn vertheidtgen, es setzt blutige Köpfe und Stetste. Dinandar durch die Faustargumente überzeugt, daß man nur allein gegen Zimmermann hinten ausschlagen dürfe, sucht die Gemächer zu besänftigen, indem er verspricht, in der zwoten Lieferung seiner Novellen ans dem Archive der Grobheit und Schmahsucht, dem redlichen Weltweisen, dessen Fäuste er nicht zu fürchten hat, noch ein kleines kosmopolitisches Schimpfregister aufzuladen, als da sind: Unbescheidenheit, 6er- zensharrigkeir, Schmeichele?, Intoleranz, komisch burlesk u. s. w. Darauf *) Novellen aus dem Archiv der Wahrheit und Aufklärung, rste Lieferung Darauf nähert sich dem kranken köwen ein anderer Esel, schleudert ihm mit dem Eselshuf Koch in die Augen, und'Dat den andern nach, von Panegyrikern? aufsich selbst, Stolz, Eigendünkel, Selbstlob, kriechende Schmeicheleien, ehrenrührige Ausdrücke, Phantasien in der Fieberhitze, o Hvae re 6cmenria cepir! *). Ein Anderer tritt auf, um diesen armseligen wiederlegcr zu widerlegen, plappert aber doch auch von stlbstangezündcren wcyhrauch, und mehr dergleichen Erbärmlichkeiten, die keine wic- dcrlegung verdienen **). Ein Dritter will den Unterschied zwischen Llioral und Religion ***) zeigen, zeigt aber nur den Unterschied zwischen einem bescheidenen Mann und einem Grobian. Ein Vierter versichert, es fty ihm bey seiner Arbeit so angst, daß er sechsmal die Feder weglegen und *) Widerlegung der Schrift des Ritter von Zimmermann, von einem Wahrheitsfreunde. Die Wahrheit dieses Freundes ist sehr langweilig. **) Kann die Religion der Christen abgeschaft werden? u. s. w. "*) Beweiß des Unterschieds zwischen Moral «nd Religion. ( ) und siezumsiebentenmale wieder ergreifen werde *). Aus dieser Angst, welche über und unter sich ge» würkt hat, ist denn auch lauter stinkendes Zeug entstanden. Ein Fünfter, Sechster, Siebenter Liren! j-u» iatis ett! Das Chor wiederholt fleissig den Weyhgesang: Recht so! recht so! Bravo! bravo! Oi^nus 65 intrare Irr malo iroürc» corpore. Endlich und zuletzt erhebt sich DoctorBahrdt nur der eisernen Stirn als Meister vom Stuhle dieser geheimen Gesellschaft. Die beyden Vorsteher Eedike und Biester gebieten Schweigen links und rechts, und der Gröbste aller Grobiane läßt sich folgendergestalt vernehmen: Meine lieben Brüder! Collegen und Mitver» schworne! Ihr seyd alle gar sehr hämisch und bos, Haft, und das lobe ich wie billig; aber ihr seyd alle nicht grob genug. Denn ob es gleich scheine» mögt«, als hätte Vergüte Biester undderrvohl-s gezogene Gcdike den Gipfel der Grobheit erstie» gen; so will ich doch sogleich unwidersprechlich dar» thun *) Sendschreiben an den Herrn Ritter von Zim» rnermann> lhun, daß noch eine Stufe übrig ist, auf welcher ^ „ur ich allein prange. Merke auf Bruder Gedike/ ^ denn selbst du kannst hier noch etwas lernen. Ich nenne ihn, statt einen Mann vonStan- de, einen Boorsknccht, starr einen Gelehrten, einen Bauerlimmel; starr einen Ritter, einen >: Troßbubcn; Ritter don O.uixotte, der mir Windmühlen ficht, undausgepfiffcn zu werden verdient. Beleidigtes ööckerwcib; wahnwitziger irrender Ritter; der erste Schaafs- köpf in ganz Europa; Schwachmatikus» ik gröbster Grobian, würhrich; Sie besitzen Cali labrischen Sclbstdünkel, Zudringlichkeit, Gabe zu schwadronircn, Guackfalbcrwitz, »ll sochadlichc Schaafsköpfigkeir, Tollheit, Bc- K söffonhcit, äundswurh, Dummdrcistigkcir, Unverschämtheit, garstige xuäencka *) , (Die ganze Versammlung, die denn doch das z, Gefühl des Schicklichen noch nicht in dem hohen Grade verlohren hat, als dieser elende, verachtli- ^ che Mensch, fangt an sich zu speyen. Die schäm« M lose eiserne Stirn kehrt sich aber nicht daran, so», ^ dern fährt folgendergestalt fort:) iil> Und wenn noch zehn solche Ritterchen, wie d»' Sie, auf einem Hmbost in einen zusammen- P geschmiedet, N Siehe Bahrdt mit Zimmermann deutsch ge- '' sprvchen. gesihnnedet, sich st> vor mich hmstellten, rvie 6>c, so würde ich noch mir eisgrauen Ropfe ihm zeigen, daß Mer nicht vor Thorheit hilft, und daß ich noch eben so grob rin Flegel bin, als vor zo Jahren. Sie haben uns auf einem Zie« genbocke angesprengt, haben sich auf unserm Grund und Boden unflätig hcrumgerummelr, und zuletzt noch einen cckeln Abgang ihres Thiercs zurückgelasscn. Sie bekuckendiehlrins glästr und besichtigen die Stuhlgänge ihrer Patienten, schimpfen Ablader-massig, die Teufel sind aus denGergcstner Schweinen in Sic gefahren, was Sie bcy Friedrich rhaten, hätte ich auch rhun können (ach du jämmerlicher Wicht!) Sic haben vor Angst schier in die Zofen gemacht. Gjemincs Gesicht! Sie stehen ja da wie ein Schulknabe, dem die Burrer- bcmmc in den Sand gefallen, man sollte meinen , Sic hatten tagtäglich die Zostn voll- gehabt — Der keusche Rästner. (ihm ins Wort fallend) Man sieht doch, Bruder Bahrdt, daß du ein Scheiskerl bist, weil du immer mit vollem Hosen z» thun hast. Bahrdr. Man sieht, Bruder Kästner, daß dein Witz ans Gottscheds Schleim gebildet worden. Aber 1 ( 79 - Aber laß nur, es soll noch besser kommen. Auch will ich mich nebst dem guten Biester gelegentlich über sein französisch lustig machen. Der Sccrführcr Nicolai. Das laßt nur lie- ber bleiben, den da blamier ihr euch. Französisch ist Zimmermanns zweyte Muttersprache, die er eben so gut spricht und schreibt als die Deutsche. Einen Theil seiner Jugend brachte er bei) s.auiLnnL zu, wo man bekanntlich so gut spricht als in Frankreich. Du Bruder Bahrdt kannst mit deinem Leipziger Schnabel das Französische gar nicht aussprechen, und in der niedrigen Welt, worin du immer gelebt hast, lernt man das auch nicht. Da spricht man, wie klonlieur l.iieriii > icke für je. So wie der närrische Boje einmal Oransche statt Orange zu schreiben pflegte. Du aber, plattdeutscher Lübecker Biester, hast durch die übel gerochene Uebersetzung der kiikoire 6s mc»r> rerns eine schlechte Probe von deiner Kenntniß der Sprache gegeben, und wenn du es gar sprechen willst, so flehst du aus, als ob du das Maul voll Heu hättest, und es klingt, als höre man die Bauern ans Dithmarschen. Bahrdt. Ey was! das thut Alles nichts! Wer es nicht versteht, glaubt uns doch mehr als ihm, denn wir können besser scheryen als er. Nebeis- ( 82 ) Nebenher will ich uns recht fein und versteckt also loben: Unsere Schriften und Nahmen werden noch lange genannt werden/ wenn Zimmern,anns Nähme im Meer der Vergessenheit ersöffen/ und sein Fragmenten Bündel an dem eben ausgcstauprcn Sintern der Aufklärer verwischt scpn wird- Auch den Herrn Zopss- prediger Schulze will ich gelegentlich recht sehr leben. (Der Zopfprediger Schulze bedankt sich.) 5 ^ !»li B kÄ LH Bahrdt. Dann will ich mich auch selbst ganz bescheiden mit Lutbern vergleichen, undMelanch- thon tief unter mich herabwürdigen. , (Der junge Büsching nießt.) ^ Lhor. Prosit! «j (Der junge Büsching bedankt sich.) ^ Der kleine Lichtenberg. Aber Brüderchen, ! willst du denn nicht auch ein Bischen Witz mit an- !n bringen? ^ Bahrdt. Ey freylich! höre nur- — Ah öion- 6 eur 1 e I^leäicin, Ivlontieur 1 e Lbevalier, ^lon- ^ lieur 6 e Limmerinann, ach! wie Hab sich da ^ prostiruirt? mack sick wohl ein Schüler aus ! rsrüL solcher Schnitzer gegen die Gramatick Ej fchuldich macke»/ wie sich hier bLonüeur ls mj Lbeva- ( 8i ) ktt! «V '«pj M tz.- cbevalier der gröbsten Schnitzer gegen die gesund Menschenverstand schuldick gemarkt Hab? Mack sick je ein Fischrvcib, ein Boors- kncckr, eine poisarde st Tummwüthick gebraust und geschimpft und gelästert Hab? Nun was meynt ihr? ist das nicht zum Krepiren witzig ? saht ihr je eine schönere Vereinigung des witzigen mit dem Groben? Chor. Recht so! recht so! Bravo! bravo! vißnus es praessclere malo nostro corpore. Bahrdt. O es soll noch besser kommen. Rik-s ter mit dcm Zicgcnbockc! Härten Sic doch nur einen deistischen Lumpen, um Ihren moralischen sintern zu bedecken. Der keusche Rastner. Haben Sie schon wieder mit dem Hintern ;»»thun? Ich glaube wahrhaftig , Sie sind in Zimmermanns Hintern verliebt? Wer weiß, ob er nicht so gütig ist, Ihnen einen Kuß auf die Wangen Ihrer neuen Geliebten zu verstauen. Lahrdt. Ich gehe gleich zu den Shrm über. Spitzen Sie die langen Dhrcn. Sie vcrbmdcn mit dem Talent Religiosität zu heucheln, die F Lunst < 82 ) Lunst zu lögen — V du armseliger Ritter mit deinem lutherischen Katechismus. Dein Lhristenthum ist ein schnackisches Ding. Der junge Bäsching. Lieber HerrConftater, ich sehe mich gemässigt anzumerken, daß Zimmer- mann kein Lutheraner ist. 5 z,ti „! Bahrdt. Ist er nicht? nun in Gottes Nah- i men was geschrieben ist, das ist geschrieben. Das ft» Publikum mag sehn, wie es sich aus dem Wirr- Ä warr heraushilft. — Jetzt aufgemerkt! Ich will « ihm sagen: er habe die Curdcs großen Königs , verpfuscht, stinc Sachen in 8ans5ouci schlecht » gemacht, 2 Ovo Thaler mit Sünden gcnom- men, ich hatte cs besser gemacht. Chor. Ha! ha! ha! Bahrdt. Was lacht ihr? "Fi Chor. Nein, das ist gar zu pudelnärrisch. Du ^ Brüderchen hattest es besser gemacht? Ha! ha! ha! Bahrdt. Ja freylich. Er wollte nur para- N dircn. Nun so paradire du, daß du schwarz wirst. ^ Nicolai. Daß muß ich gestehen, Herr Bruder, Sie drücken sich doch immer mit vieler Eleganz U aus. paradire daß du schwarz wirst! das ist wieder ganz artig. Bahrdt. c 8z ) Bahrdt. Nicht wahr? Dann will ich ihm ^ sagen, daß der Löwenzahn zu weiter nichts taugte, als uns Anlaß zu Millionen, immer und immer -H, wiedergekäuter, jämmerlicher Wortspielereyen zu AN geben. Die Meerzwiebel, den Mohnsirfr hätte er brauchen sollen. ^ Lhor. (fällt in ein cvnvulsivischeskachen. Alle ^ schwadroniren durch einander, man hört nichts öm als Exclamationen:) „ Ach du drolliger Bahrdt! Hk „ ach du pudelnärrischerBahrdt! und kann so ehr- itz „ bar dabey aussehen, wie ein Affe, wenn er eine ch „ Uhr aufziehen will. Nein, das ist zum tvola« ^ „chen!" Ha! ha! ha! Bahrdt. Hört nur! jetzt kommt das Beste. Ich will ganz dreist und keck behaupten: der scc- liFc Eoldhagcn habe mir cscsagr, Zimmer-- Üil mann sep selbst als Lrzt ein ganz mittcln-as- h«! fioscr Mensch, und durchaus nicht im ersten K» Glicdc der deutschen Letzte, ms (Goldhagens Geist erscheint und giebt dem Doc- tor Bahrdt mit der eisernen Stirn eine fürchterliche Ohrfeige, so, daß er augenblicklich unten bei- Trapp in der Mistlache liegt ) ^ F 2 Golds Goldhagens Geist. Du elender Bube! mußt Lu den Nahmen eines ehrlichen Mannes misbrau« chen, weil du glaubst, das Maul sey ibm mit Erde gestopft? Du Bahrdt bist verachtet von der Körper- und Geisterwelt, Zimmermann aber, von allen/ welche ihn ganz kennen/ verehrt/ das gestehe selbst der Achseltragcr Boje. Wer dich Bahrdt ganz kennt/ wird nie mit dir aus einer Schüssel essen, und aus einem Glase trinken. Treibt indessen euer neidisches Wesen nach Gefallen! Die Geisterwelt lächelt darüber. Aber hütet euch, die Ruhe seliger Geister zu stören, wenn ihr nicht sammtlich euer Grab in jener Mist, lache finden wollt. (Er verschwindet) (Bahrdt und Trapp prügeln sich in der Mistlache herum, und besprühen die ganze Versammlung. *) Endlich kriechen sie wohlgebadet heraus. Bahrdt proponirt mit seiner eisernen Stirn, trotz der Hölle und aller ihrer Geister, die deutsche Union gegen Aimmcrmann zu erneuen, und da er die Verschwornen willig findet, führt er sie in einen Winkel Wer hatte damals glauben sollen, daß einst der gute Trapp den Anfang machen würde, sich Lahr0ts'Fr>Ui,Se nennen. Siehe die Geschichte von Bahrdtö Gesan- gennehmung u. s. w> S- 20. ( 85 ) «itz Winkel des GartenS, wo dem zischenden Neide ein Altar errichtet ist- Der grinsende Neid mit U seinem Schlangenhaar ist darauf abgebildet, die G drey Furien ruhen zu seinen Füssen. Die Verschwornen knieen rings umher, eine >E blasse Flamme brennet auf dem Altar, welche die W Gesichter der Anwesenden mit fahler Todtenfarbe überzieht, Zimmermanns guter Name wird geopfert- Die Lust verfinstert sich. Die Vögel in den Gebüschen schweigen. Die Fledermäuse flattern Ai umher. Die Unken rufen. Die Schuhus heulen. Der Neid grinst. Die Furien frohlocken.) ch l') ck MI ist MS !»l!t LZ Vier- Vierter Aufzug. Apotheose des Dockor Bahrdt mit der eisernen Snrn und seiner Mitverschwornen. Erster Auftritt. (Der Schauplatz ist in Zimmermanns Hauße. Zimmermann sitzt in seinem Studierzimmer am Tische und schreibt, Heinrich, sein Bedienter tritt herein, mit einem versiegelten Packet in der Hand, und übergiebt es ihm mit den Worten: von der Post. Zimniermann erbricht es, und findet das Bahrdtische Pasquill. Er blättert darin, und als ihm gerade zuerst die Stelle vom Loorskncchr, Baucriümmcl und Troßbubcn in die Augen fällt, so machtet es lächelnd wieder zu, giebt es dem Bedienten zurück, und spricht: Auf den Abtritt. (Der Bediente geht ab, Zimmermann schreibt ruhig weiter ) Zwey ( 87 ) ^ Zweyter Auftritt. Der Schauplatz verwandelt sich in Zinimer- manns Abtritt. (Der Bediente tritt herein, und nachdem er M selbst sich vorher des Tittelblatts der famösen Schrift zu einem gewissen Behuf bedient hat, legt er sie zu dev übrigen, und geht ab. Kaum ist er fort, als der neue Ankömmling sich ein wenig unter der Gesellschaft umsieht, in welche . er eingeführt worden. Er findet daselbst unter an» dern ein sehr zerrissenes Stück von der Berliner E Monatsschrift, ein beschmiertes Stück vom neuen ^ deutschen Museum, einen Abtrittmassig illu-- minitcn Kupferstich von Lichtenbergs Erfindung, ein beschmutztes Exemplar des Hamburger Correspondenten u. s. w- Oben im Winckel eines kleinen is Fensters liegt Doctor Luthers Sendschreiben, worein man Rattenpulver gewickelt: und in Mit, dl, telpunkt des Altars der Göttin cioacina, hangen U noch hin und wieder zerfetzte Ueberreste vom Braun« N schweigischen Magazin, der Gothaischen gelehrten Zeitung u. s. w- «t, Der neue Ankömmling merkt nun wohl, welch ein trauriges Schicksal ihn bedroht, und um, wo möglich, eines edler» Todes zu sterben, sucht er ein L 4 wenig ( 83 ) wenig von dem Rattenpulver zu erwischen, welches in Doclor Luthers Sendschreiben eingewickelt ist. Kaum aber haben die übrigen erkannt, wes Geistes Kind sich vnttr sie verirrt, als sie, durch die schmäh, liehe Behandlung, die sie auf seines Vaters Antrieb erdulden, erbittert, sämmtlich über ihn herfallen, und ihn in wenig Minuten kurz und klein rupfen. Ja ih. e Wuth steigt so hoch, daß, als das letzte Blatt der deutsch gcfprochncu Echrrfr, um ihren Klauen zu entrinnen, sich in den Abtritt herunter- w rfc, sie sich alle ihm nachstürzen, und die Bühne auf einn.al leer wird. Go, givßer Münchhausen! wurden einst alle deine d leidi r > nd Pelze toll, als dein, von einem tobe. Hunde gebissener Wolfspelz, wenige Stunden in deiner Kleiderkammer gehangen hatte! Aber was that denn der arme Zimmermann, als er auf den Abtritt kam, und kein Papier mehr vorrathig fand? — Er beschloß ein Avertissement zu entwerfen» vermittelst dessen er seine zahllosen Neider dicnstfreundlich ersuchen wird, recht bald wieder ein Pasquill auf ihn zu schreiben. Lächelnd wiest er einen Blick hinab in den Abtritt, wo die sämmtlichen Herren sich in ihrem Elemente her- umbalgen. (Der Vorhang fällt.) Ept- k 8S ) E p i l o g u s. (dyn einem Kinde gehalten.) alte Sprüchwort sagt deutlich und klar: "Kinder und Narren reden wahr.,, Drum höret, ihr Narren! von Rechtswegen! ich will euch ein Wort ans Herz legen. Ihr seyd nur seit vielen Jahren, über den guten Zimmermann hergefahren, und habt ihn gescholten früh und spat, wenn er kaum das Maul aufthat, wollet ihm hier die Ehre abzwacken, und dort seinen guten Nahmen bekacken, habt euch oft gar mächtig ereyfert, seine Blumen mit eurem Gift begeyfert, nach ihm gekrallt mit hungrigen Tatzen, und wolltet daben aus Neid zerplatzen. Zwar euer Geschoß, und euren Gift, Das allzumal wenig Schaden siift't, Achtet er eben so wenig als Swift, F 5 Da ( 92 ) Da eine ganze Legion mit Knöppeln über ihn herfliel, wie ihr lesen mögt in der Meditation über einen Besenstiel *). Ihr sitzt im staubigen Trotzwinkel, schwatzt viel von seinem Eigendünkel, und kräht doch selbst zu jeder Frist, wie eine Henne auf ihrem Mist, so oft sie ein Windey gelegt, wornach in der Welt doch niemand fragt. Eure grossen Untersuchungen, eure gewaltigen Aufklärungen, die ihr ausposaunt mit mächtigen Lungen, «ure Jesuiten-Riecherey, Das ist das große Windey, worauf ihr euch viel gute thut, ihr beissige, giftige Natterbrut. Gut, *) Vv« Iaevhi im Museum- Gutherzige Schaafe zu scheeren, Eure hungrigen Bauche zu nähren Geht ihr von Haus zu Haus/ und breitet eure privatmcynungcn aus, das nennt ihr aufklaren. Mit vergifteten Malayen Gewehr fallet ihr über jeden her, der nicht mit euch bläßt in ein Horn. Darum hat im gerechten Zorn, bekannt mit euern Satans Kniffen, endlich Einer die Peitsche ergriffen, und euch alle zusammen gehauen, wie gar lustig hier anzuschauen. Nun mögtet ihr toll werden, daß ihr nicht wißt, wer dieser drollige Jemand ist, wogtet ihn gern mit Füssen treten, und durch euer Schimpfen tödten, liesset in euren beissigen Journalen, ihn gern das ganze Bad bezahlen, weil weil er eure Ohren aufgedeckt, die ihr unter der Löwenhaut versteckt. Aber bewegt und rührt nur nicht so in euren Köpfen das Bischen Stroh, der Jemand hält sich inkognito. Er gehört auch mit zu den großen Hansen, die am schriftstellerischen Horizonte glanzen, hat ausser Msiten-Karten für Gassen und Strassen seinen Nahmen noch niemals drucken lassen; sieht nicht die Person, sondern die Sache an, kennt weder euch, noch den braven Zimmer- mann, den er liebt, um des vielen Guten willen, Das er übt, öffentlich und im Stille». Da konnf er es nun nicht langer mit ansehn, «vir sie tückisch mit ihm zu Wer*" aehn, wie wie sie hier und dort ein Bein ihm stellen, wie die Hunde den Mond anbellen, wie sie des schimpfens sich nicht entblöden, und sich geben viele Müh, Alle Leute zu überreden, ^ ganz Deutschland dächte so wie sie. Da hat er euch denn sagen wollen, ohne zu zittern vor eurem Augen-Rollen, daß es der guten Menschen gar viele giebt, von denen Zimmermann wird geehrt und geliebt, die nur nicht in die Welt hinein, so laut wie ihr mögen sprudeln und schreyenz die nicht so viel Grimassen machen, nicht wie ihr die Welten bewegen, sondern ihn lieben und über euch lachen, Alles im Stillen von Rechtswegen. ? Frisch auf! ihr beissigcs Gesindel! Packe nun ein Jeder sein Bündel, und kehre wohlgemuth nach Haus, denn die lustige karce ist aus. ( 9 ^ ) Die Peitsche wird hier an den Nagel gehängt, und zuweilen mit Oel ein wenig eingesprengt, damit sie fein geschmeidig bleibt, wenn euch der Kitzel noch einmal treibt. Dann holen wir sie wieder herunter, und schwingen sie lustig, tapfer und munterl