u eder Handel und Gewerbe, Steuren und Zölle von B e n z e n b e r g. 18 19 . Gedruckt Lei H. B üs ch 1 er in Elberfeld. ^Zch habe im deutschen Beobachter eine Reihe von Aufsätzen über Handel und Gewerbe abdrucken lassen, welche ich hier zusammenstelle da sie dort vereinzelt, zerstreut und zerstückelt waren. Verschiedene sind geändert—andere sind ungeändert ausgenommen, — einiges Neue ist hinzugekommen. Bey der jetzigen Einrichtung der Gesellschaft üben die Zeitungen die größte Macht von allem was gedruckt wird. — So wie der Tag sie bringt verweben sie sich schnell in das stets bewegte Gewebe des bürgerlichen Lebens — und indem sie das Kind der Minute sind so werden sie auch wieder die Mutter derselben. Allein schnell vorübereilend, werden sie vom kommenden Tage auch wieder verdrängt, der wieder neues Leben und neue Luft bietet. Ist etwas in ihnen so des Aufbewah- rens werth so muß dieses aufs neue gesammelt und aufs neue gedruckt werden, denn das nächste Jahr findet das Blatt zerstohrt und vergessen. Wer besitzt jetzt noch das Osnabrücker Wochenblatt? — Wer von dem jetzigen Geschlechts hat es nur noch gesehen? von einer Million Menschen kaum Einer. Mosers Aufsätze wären verlohren für die Welt, wenn seine Tochter sie nicht aus jenem Wochenblatte sammelte und sie in der Patriotischen Phantasie zusammenstellte. Ich habe die Aufsätze über Handel und Gewerbe in vier Abtheilungen gebracht, die erste enthält allgemeine Gegenstände des Handels. Die zweite enthält eine Bittschrift der Rheider und Gladbacher Fabrickherren, an den König. Da ich diese entworfen und da jene Aufsätze die Veranlassung zu dersel- bm waren, so schien mir dieses die schicklichste Stelle zu sepn die ich ihr einräumen konnte. Als Einleitung zu dieser Bittschrift habe ich einen Aufsatz über das Recht der Bittschriften abdrucken lassen, der ebenfalls im Beobachter gestanden. Da es angenehm ist alle Aktenstücke beisammen zu haben, die sich auf eine Begebenheit beziehen, so habe ich die Antwort des Staatskanzlers mit abdrucken lassen, so wie eine spätere der Elberfel- der Kaufherren so Herr Aders entworfen, nebst der Antwort so ihnen hierauf vom Fürsten Staatskanzler ertheilt worden. Die dritte Abtheilung umfaßt Aufsätze über den Kornhandel. Die vierte enthält die über Steuren und Zolle. Erste Abt Heilung. Allgemeine Untersuchungen über Handel und Gewerbe. Deutschlands Gewerbe. Deutschlands Fabricken -^Vill man über die deutschen Gewerbe und über die deutschen Fabricken reden sd muß man bis auf ihre erste Entstehung zurückgehcn. Man muß sehen wie sic entstanden, um ein klares Bild von dem zu haben, was sie sind. Man muß an der Hand der Geschichte bis in die Zeiten zurückgehen wo noch keine vorhanden waren — wo der Zustand der Gesellschaft noch ein ganz anderer war. Nur auf diese Weise kann man hoffen eine klare Ansicht von ihnen zu gewinnen, und erst wenn man diese hat, laßt sich in verständiger Weise über sic reden. » H » Zu den Zeiten Christi waren in Deutschland weder Gewerbe, noch Geld, noch Städte. Die ganze Kriegscinrichtung der Nation gründete sich ans den Ackcrhof — und war Erbe last. Eben so die Rechtsfindung. Nur Erben waren Ecbtbürtig und hatten Echtwort und konnten Schöffen sein, und als solche ein rechtsgültiges Urtbcil weisen. Damit keine arme und hcimathlose Leute unter ihnen entstehen konnten, so durfte kein Ackerhof zerstückelt werden, und jeder hatte, nach unserer Art zu reden; die Natur einer Staatsaktie. Die ganze Staatseinrichtung war ans die Erhaltung der gemeinen Freiheit berechnet, und ruhte auf der Würde des Mannes, der in seiner Wehre als Priester nnd König herrschte. Der ganze Staat war eine Republick von Königen, deren keiner vom andern konnte bestraft werden, die keinen gemeinen Richter über sich erkannten — sondern die ihr Recht bei Genossen-Gerichten nahmen, bei Schöffen die Echtbürtig waren wie sic — und die jegliches Vergehen unter einander nach Wehrgcld büßten, allein nie körperliche oder entehrende Strafen zu leiden hatten. Nie hat ein Staatsvcrcin unter Menschen bestanden der auf edlcrn Grundlagen geruht. Diese Republick von Königen mußte mit ihrer ganzen Gesetzgebung und Kriegscinrichtung in Verwirrung kommen, sobald geringe und hei- mathlosc Leute entstanden, welche nicht Echtbürtig waren, welche kein Echtwort hatten und die bei keinem Schöppengerichte erscheinen konnten, und da ihr Recht nehmen. Um dieses vorzusehcn, hielten sie strenge darauf daß ihr Staat ein Ackerbauender blieb — und damit er es bleibe, so duldeten sic keine Städte und kein Geld. H * * Achthundert Jahre nach Christi Geburt, als Karl der Große den alten Thron der Casare bestiegen, und sein Reich von der Elbe bis zu den Pyrenäen ausdchntc — da fing die Entstehung der Städte an. In drei und dreißigjährigen Kriegen hatte Karl die Sachsen unterworfen — ihnen das Christenthum aufgedrungen — ihnen einen Lateinisch- rcdcnden Priester gesendet — und sie mit den Franken zu Einem gemeinschaftlichen Reiche verbunden. — Mit ihrer Unterwerfung gicng ihre Freiheit, ihre Religion und ihre Staatseinrich- tung zu Grunde. In den Städten, die nun entstanden sammelten sich viele arme und geringe Leute, auf welche die alte Rechtsfindung nicht mehr anzuwenden war, und die genöthigt waren, ihr Recht bei einem Gemeinen Richter zu nehmen, vor dem sie, wenn sie geladen würden, zu erscheinen gehalten waren. — Das Nömisebe Recht, welches ganz auf Städtische Verhältnisse gebauet war, weil es aus Städtischen Verhält- 0 Nissen hervorgegangen, wurde eingeführt und verdrängte das einheimische Nationalrecht des Volkes. >— Denn mit der Lateinischrcdcnden Priesterwelt, die die Quelle ihres Rechts jenseits den Alpen hatte — war eine lateinischrcdcnde Advokatenwelt ebenfalls über die Alpen gekommen, mit einem dicken Lorpns jaris fremder Gesetze unter dem Arme. H » » Schon im zwölften Jahrhundert waren eine große Menge Städte in Deutschland aufgebläht, und bei der damaligen Lage .des Handels reich und mächtig geworden, wie man dieses noch ans den Denkmälern und Gebäuden und Anstalten sicht, die in dieser Zeit errichtet wurden. Denn der lebhafte Handel mit dem Morgenlande war damals fast blos Land Handel, und ging über Italien und Deutschland. Von der Bevölkerung, dem Flor und dem Reichthumc, den die Städte im L3tcn, im tüten, im I5ten und l6ten Jahrhundert erreicht, haben wir eine viel zu geringe Vorstellung, und cs wird uns schwer zu glauben, daß er bei weitem größer war, als jetzt, obgleich es doch in der Thal so gewesen. Jndeß ist der Städte Flor immer etwas Zufälliges und Vergängliches, da er von Umständen abhängt, die sich verändern können, und 7 - die keine menschliche Weisheit versehen oder ab- ändcrn kann. Die Magnetnadel wurde erfunden, und der neue Weg nach Indien, nms Kap der guten Hoffnung, wurde entdeckt. — Der Handel nahm nun einen andern Weg, und der Landhandcl fiel in demselben Grade, in dem der Seehandel mächtig wurde. Von dieser Zeit an sanken die deutschen Städte — und manche fiel bis zu einem Dorfe zusammen, wie z. B. Dortmund, einst berühmt als Hansestadt und mächtig und wohlhabend — jetzt zusammcngeschmolzen bis auf einen kleinen Kern Häuser, der einsam innerhalb der weiten Ringmauer liegt. Endlich kam im I7ten Jahrhundert der dreißigjährige Krieg mit seinen zerstöhrendcn Folgen, und aller Wohlstand und fast alle Kultur gierig mit ihm auf mehr als ein halbes Jahrhundert verkehren. * « » Mit den Städten waren die Gewerbe aufgebläht, und da kein Wohlstand auf die Dauer bestehen kann, wenn cs nicht durch Gesetze geordnet ist, so hatten die Bürger, indem sie ihr Städtisches Regiment geordnet, auch zugleich das Leben der Gewerbe durch Gesetze geregelt. Sie hatten erkannt; daß die Gewerbe zu Grunde gehen, sobald ihrer zu viele werden. 8 und um dieses zu verhüten, so hatten sie sie durch Zünfte gebunden. Denn damals war die Gesetzgebung der Städte noch in den Städten selber, und die höchste Staatsgewalt war noch nicht so entwickelt, daß sie sich unterfangen konnte, den Haushalt, selbst der kleinsten Landge- mcinen, zu ordnen. Die Bürger, welche wohl wußten, was zu ihrem Frieden diente, sonderten die Gewerbe in Zünfte, und diese Zünfte lebten in allem, was sich auf ihr Gewerbe bezog, unter eigenen Gesetzen. Sie bildeten das in den Städten, was die Manie in der Ackcrverfass»ng der Sachsen war. Jeder Hausvater der in der Zunft ausgenommen worden, war Meister. Als solcher hatte er in der Zunft Sitz und Stimme bei der Wahl des Altmeisters, und konnte selber zum Altmeister gewählt werden. Nur die Söhne der Meister wurden wieder in die Zunft ausgenommen. Kein Fremder, oder er heirathc denn die Tochter eines Meisters oder die Wittwe eines Meisters. ^ Auf diese Weise war es vorgesehen daß sich die Meister nicht zu sehr vermehrten, und genöthigt, einander durch schlechte Waarc und durch Arbeiten unter Preis zu schaden. Denn hieran gehen immer die Gewerbe zu Grunde. Jeder, der in die Innung aufgeuommen wurde, mußte sein Meisterstück mache», und indem er seine Geschicklichkeit erwiesen. 9 erhielt er mit der Aufnahme als Meister zugleich das Recht, als Meister zu arbeiten. Die Mcistersöhne mußten in die Fremde gehen, und als Gesellen in andern Städten nud bei andern Meistern arbeiten, und wenn sie von der Wanderschaft zurückkamen, erhielten sie in ihrer Vaterstadt das Meisterrecht. Die Zünfte arbeiteten nur für ihre Stadt und die nächste Umgegend, denn jede Stadt hatte ihre eigenen Zünfte, die es nicht litten oder duldeten, daß aus einer andern Stadt solche Waarcn hereingebracht wurden, die sie selber verfertigten. So war die Zunft der Schuster, die der Schneider, die der Tischler, die der Zimmer- leute, die der Rothgcrber, die der Wcifigcrber, die der Bierbrauer rc. rc. alle auf das Bedürfniß ihrer Stadt angewiesen. Andere Zünfte, wie z. B. die der Tuchberei- ter, welche auch in den Städten verkauften, wo keine Tuchberciter waren, hatten für ihre Maaren einen größer» Kreis des Absatzes. H In vielen Städten waren Jahrmärkte und Messen errichtet, zum leichteren Austausch der Waarcn, durch Kauf und Verkauf. Da die Städte es erkannten, wie vorthcil- haft ein solcher Jahrmarkt für sie sey, so errichteten alle Städte Jahrmärkte, und auf diesem 10 — dursten während dreien Tagen alle Maaren ausgestellt werden, auch die, welche in der Stadt von den Städtischen Zünften gemacht wurden. Denn die Bürger sagten: Ihre Zünfte müßten eben so gut arbeiten lernen wie in andern Städten und eben so wohlfeil, und wenn sic dieses thäten, so würden sie auch eben so gut verkaufen, und sic wollten ihrer Zünfte wegen nicht auf den Bortheil eines offenen Jahrmarktes Verzicht thun. Die Städte, welche Gewerbe hatten, so im Auslände verkauften, errichteten Legc-Aemter ans diese mußten nlle Maaren gebracht werden, ehe sie versendet wurden —> sie wurden hier von den Lcgcmcistern besehen — und wenn ihre Güte, ihr Gewicht und Maaß als richtig anerkannt worden, so wurden sie mit einem Stempel versehen, der solches bescheinigte, und sic konnten dann versendet werden. Auf diese Weise sorgten die Städte dafür, daß die Maaren immer von gleicher Güte blieben, und daß das Zutrauen nicht untergraben wurde, welches sie einmahl erhalten, indem neue Anfänger unter Preis verkauften und sich an der geringeren Güte der Maaren wieder erholten, wodurch sie das gemeinschaftliche Kapital des Kredits aufzehrtcn, welches die Genossenschaft besaß und über das kein Einzelner das Recht hatte, zu seinen Grinsten zu verfügen. Andere Städte verbanden mit ibrcn Lege- und Schall-Aemtern, einen Stapel für die Maaren, auf welchen die Gewerbe ihre Maaren aufstapeln konnten, wenn es ihnen an Absatz fehlte, damit sie nicht genvthigt seycn, unter Preis zu verkaufen, weil sie gefunden daß es ungemein schwer sey, mit den Preisen wieder in die Höhe zu gehen, wenn sie einmal unter ungünstigen Umstanden, die jedes Geschäft im Laufe des Jahrs treffen, herabgedrückt worden. s Dieses waren die Einrichtungen, so unsere Väter zur Erhaltung ihrer Gewerbe getroffen hatten. Es ist nothwendig, daß man sich an die Vergangenheit erinnert, wenn man gegen die Gegenwart gerecht seyn will. Alle Innungen, alle Zünfte hatten fortgcdau- rrt bis auf die französische Revolution. In dieser giengen sie unter, und sie wurden gesetzlich aufgehoben. Daß sie untergiengen, rührte wohl daher, daß sie nicht mehr auf die Gegenwart paßten.' Die Besitzthümer hatten sich sehr vermehrt, der Handel hatte sich sehr ausgedehnt, die Maschinen — diese Sclaven der Gesellschaft — waren erfunden und die Gewerbe hatten sich in Fa- bricken verwandelt. Die Maaren wurden schöner gelchfert unv Handl» u, Tewerve. ( 2 ) — 12 wohlfeiler — und mit Hülfe der großen Messen in Frankfurt und Leipzig, fand ein Austausch zwischen den entferntesten Gegenden statt. Diese Messen wurden von allen auswärtigen Kanfleuten besucht, von Engländern, Franzosen, Polen, Russen, und es wurde auf ihnen Europäischer Welthandel getrieben. Gegen diese Messen und gegen die Maschinen konnten sich die Zünfte nicht mehr halten, und sie erschienen als alte Institute, so sich überlebt hatten. 4- «ft Hi Die Fabricken hatten eine Einrichtung, die wesentlich von der Einrichtung der Zünfte und der Gewerbe unterschieden war. Statt daß die Gewerbe in ihren Arbeiten durchaus strenge gesondert waren, vereinigten die Fabricken oft mehrere, so wie ihnen solches bequem und vortheil- haft erschien. In der Sohlinger Messer und Klingenzunft durften die Meister, welche Messerklingen machten, keine Schwerdtklingen machen, und die, welche die Klinge machten, durften daS Heft nicht daran machen. Oft gehörte aber zur Güte und zur Schönheit der Arbeit, daß beides in derselben Werkstätte geschah, und als Peres in Sohlingen im Jahr L803 seine Fabrick von englischen Stahlwaaren 13 — anlegte, so erhielt er von der Regierung die Er- laubniß daß er in seiner Werkstatte alles vereinigen könnte, wogegen damals die andern Handwerker sich setzten, weil es gegen die Gesetze ihrer Zunft war. Grade weil das Handwerk sich zwei Jahrhunderte hindurch innerhalb den Gesetzen der Zunft fortbcwcgt, so war es stillstehend geworden, und hinter den Arbeiten anderer Gegenden zurückgeblieben. Zwei Jahre nachher wurde die Innung völlig ausgehoben, und jedem Meister überlassen, seine Maaren nach eigener Einsicht zu machen, und so die fortgeschrittene Zeit wieder zu ereilen. Es scheint als wenn die neuere Gesetzgebung es erkannt hatte: daß das Gewebe der Gesellschaft und das der Gewerbe zu fein und zu verwickelt geworden, als daß man es noch länger durch Gesetze versehend ordnen und lenken könne, indem zu befahren, daß man durch den Mechanismus der Gesetzgebung diesen complicierten Mechanismus der Gewerbe mehr stöhre als fördere. Denn ganz Europa liege in Hinsicht der Gewerbe, so wie in Hinsicht des Kornhandels, in einem gemeinschaftlichen Verbände, und es könne wenig helfen, ob man in einem Staate etwas gebiete oder verbiete, sobald sie dasselbe nicht ebenfalls in andern Staaten thun. Besonders gelte dieses von Deutschland, welches in 38 Staaten getheilt sey, die alle Sou- vcrain sind, und von denen keiner sich etwas vom andern in seinem inncrn Haushalt vorschreiben läßt, eben weil er souverain und selbstständig ist. H H > Dadurch daß die Gewerbe nun völlig ihrem eignen freien Leben überlassen sind, haben sie ihre Natur ganz geändert. Jeder kann die Maaren so gut und so schlecht machen als ihm solches genehm, ebenfalls kann er so theuer und so wohlfeil verkaufen, als er solches für gut findet. Seiner eignen Einsicht ist alles überlassen, und er ist weder durch Zunft- gesctzc, noch durch Schauhäuser und Legetischc beschränkt, noch durch Stapelörter, an die er seine Maare zu liefern. Und wirklich scheint dieses die einzige Einrichtung zu scyn, auf die man kommen konnte, da der Fabrikant auf den Messen von Frankfurt und Leipzig die Konkurrenz mit allen Europäischen Kaufleuten zu bestehen hat, woher die Gesetzgebung seine mannigfaltige Thä- tigkcit und sein Benutzen der Umstande in keiner Weise beschränken darf. Bei dieser Einrichtung pflegt nun der Gang der Gewerbe folgender zu scyn. So lange ein Gewerbe oder ein Fabrickarti- krl neu ist, wird gute Maare gemacht. Diese — 15 Waarc wird theuer verkauft, und es wird ein ansehnliches darauf verdient. Indem der Gewerbtreibende oder der Fabrikant seinen Verdienst seinen Mitbürgern zur Schau stellt, indem er sich entweder schöne Kleider kauft, oder/ nachdem die Gelegenheit es gibt, schöne Pferde und Wagen — so ladet er diese zur Theilyahme an diesem Gewerbe eilt, indem er ihnen zeigt, wie portheilhaft solches sey. Auch konnten sie es schon an der immer größer» Ausdehnung sehen die jeder Gewerbtrcibender seinem Geschäfte gibt, sobald solches einträglich ist. Es legen sich nun des Vyrtheils wegen mehrere auf dieses Gewerbe und die Neuen suchen dadurch sich Kundschaft zu erwerben, daß sie um etwas geringere Preise verkaufen. Der erste Gewerbtreibende ist genöthigt, diesen niedrigeren Preisen zu folgen, oder setzt auch wohl schnell seine Preise herunter, um jene wieder nieder zu bringen« und sie zum Abhaspeln zu nvthigen. Welcher von beiden Fallen nun eintreteu mag, auf jeden Fall gehey die Preise zurück, und mit den Preisen geht es grade wie mit einem Sperr- Rade, das zwar rückwärts gehet aber nie vorwärts. Indem nun die Preise sinken, so sucht man den Verlust, den mau dadurch erleidet, durch die geringere Güte der Maaren zu ersetzen, man nennt dieses Fabrickvorrhcile, 3n einige 16 Seidenstoffe wird statt der Seide, feingesponnene Bauinwolle eingeschlagcn, in andere Linnen, in andere die nach dem Gewichte verkauft werden, wird die Seide in der Farbe erschwert, und mit dem Baste des Fadens so viel Gallussäure und Eisen chemisch gebunden, daß 100 Pfund rohe Seide, wenn sie schwarz gefärbt sind, 200 Pfund wiegen. Jndeß da diese Fabrickvorthcile immer nach und nach ein Gemeingut der ganzen Genossenschaft werden, so ist hicmit dem Einzelnen immer wenig geholfen. Zu gleicher Zeit wird der Arbeitslohn her- untergcdrückt. Das Volk der Fabrickarbciter vermehrt sich schnell, da sie immer frühe heirathcn. Durch diese Vermehrung entstehen nun immer mehr und mehr Hände, die nach Arbeit verlangen, und erbieten sich, zu einem geringeren Arbeitslöhne zu arbeiten, oder wenn dieses auch nickt ist, so lassen sie es sich doch wenigstens gefallen, wenn der Fabrikant einen geringeren setzet. Auf diese Weise arbeitet sich der Arbeitslohn auch immer von selber herunter, wie der Preis der Maaren, und es ist selten, daß er wieder in die Höhe geht. Ueberall wird er, so wie Adam Schmith solches vom Tagelohn bemerkt, ein Minimum. So wie er ein Minimum geworden, bei dem der Mensch noch eben so viel Brod und Kartoffeln erwirbt, daß er leben kann — an Fleisch 17 darf er gar nicht denken — so muß er mit einer großen Anstrengung des Abends bis 10 oder 11 Uhr arbeiten, um so viel zu erwerben, daß er sich und seine Familie ernährt. Zu dieser Anstrengung ist der Mensch genö. thiget, um dein Hunger zu entgehen, und es ist nicht zu leugnen, daß die Fabrickcn dem Men. scheu eine ungleich größere Anstrengung auflegen, als der Ackerbau, weil ihr Leben künstlicher ist/ und weil der Kartoffelbau, der ans dem Webstuhlgetrieben wird, viel abhängiger von ungünstigen Umständen ist, als der, so unmittelbar auf dem Felde vom Landbauer getrieben wird. So wie der Arbeiter zu einer großen Anstrengung genöthigt ist, so ist es auch der Fabrikant, der überall auf Ersparnisse denken muß, um nur eben über Wasser zu bleiben und mit seinen Maschinen am Runddrehen. Denn alle die Maschinen und Gebäude und Verhältnisse, so auf dem Fleck entstanden, wo der Fabrikant seine Thatigkeit entwickelt, sind nur wenig mehr werth, sobald alles still steht und auseinander geht, weil nur das Ganze werth hat, so lange cs beisammen und ineinander. So haben die Räder der besten Repctiruhr säst gar keinen Werth sobald man »sie vereinzelt und einzeln verkaufen will. Daß die Fabricken ein System von Maschie- nen, Gebäuden und Verhältnissen voraussetzen» 18 das macht ihren Reichthum abhängig und gefährlich, denn sobald sich die Konjonctur ändert, so daß das ganze System nicht fortbcstehen kann, so verliert alles Einzelne ungemein in seinem Werthe, und kommt, wenn es verkauft wird, nicht auf ein Viertel des Preises, so es bei seiner Einrichtung gekostet. Der Handel mit Fabrikaten ist weniger gefährlich. Dieser kann immer den Zcitum- ständen folgen, und sich immer ändern, wie diese sich ändern, wohingegen der Fabrikant genöthigt ist, Einrichtungen zu treffen, welche eine Dauer und eine Stabilität der Dinge von mehrern Jahren voraussetzen. Sobald die Fabricken alt werden, und sich eine große Konkurrenz in ihnen entwickelt, so tritt jedesmahl das Herunterdrücken der Preise ein — und das Hcrunrcrdrückcn des Arbeitslohns. — Ferner eine große Ausdehnung der Fabrickvor- thcile und eine große Anstrengung von Seiten des Fabrikanten, um das Geschäft am Rundgehen zu halten. Diese Anstrengung herrscht in den Baumwollenfabrickcn in Manchester, in den Seidenfabrickcn von in den Uhrfabrickcn in l^oclo und Is Llmncl cls koncl, in den Fabricken von Crefeld, Elberfeld und überall. — Sie liegt in der Natur des Fabrickgcschäfts. Sie rührt daher daß cs nicht zünftig scyn kann, — daß seine Vermehrung durch kein Gesetz beschränkt werden kann, sondern daß die Grenze der Ver- mehrung zu bestimmen, einzig der Noch muß überlassen werden, so wie die Grenze der Vermehrung der Bevölkerung einzig durch die Ärmlich bestimmt wird, da bei dem jetzigen Zustande der Gesellschaft die Vermehrung der Bevölkerung ebenfalls nicht durch die Gesetze kann vor- sehends beschränkt werden. Ein Thcil des Volkes muß daher immer in Armnth nud im Elende sehn. Es ist der Theil in dem die Bevölkerung erloscht. — Es ist der Kirchhof der Familien, wo diejenigen ausgchen, so aus dem Wohlstände zurücksinkcn. Ilm diesen Kirchhof der Familien zu vermeiden, wollten die alten Gesetzgeber die Ehen beschranken. Allein nirgend ist dieses gelungen, und die Gesetzgeber haben es überall der Natur überlassen müssen, der Bevölkerung ein Ziel zu setzen. » » * Die Klagen der Fabrikanten, so aus der Konkurrenz entstehen, sind daher allgemein, sie sind in allen Ländern, sie sind immer gewesen — sie werden immer seyn, sie gehen aus der Natur der Fabriken hervor, sic kommen daher daß diese nicht zünftig seyn können. Derjenige wird aber überall das beste Tbcil erwählen, der der Klügere ist, der die richtigste Ansicht von den Dingen und von den wahren Verhältnissen der Fabrrcken hat. Alles was der Mensch als Broderwerb treibt — ist Ackerbau — ist Hervorbringung und Erzeugung von Lebensmitteln. VViit mont clo lieor ckun vor cle Kost? fragen die Holländer ganz naiv, wenn sie sich nach dem Gewerbe oder dem Stande eines Mannes erkundigen. Je künstlicher die Hervorbringung von Lebensmitteln ist, desto abhängiger ist sie von den Umständen, und wenn man sein Brodkorn auf einem Acker zieht, der tausend Meilen weg jenseits des Meers liegt, so ist das vielleicht wohlfeiler, aber nicht so sicher, als wenn man solches ans einem Acker zieht, welcher einem vor der Hausthüre liegt. Hat man das Glück eine solche Konjunktur in diesem künstlichen Ackerbau der Gewerbe zu treffen, wo ein ungemein fruchtbares Jahr ist, wo es zwanzigsältig und dreißigfältig und fünf- zigfältig getragen, so muß man das Korn in seine Scheunen und auf seine Speicher sammlen, und gleich bedenken und überlegen, daß solch ein fruchtbares Jahr vorübergehend ist, daß der Acker, den man gebaut, immer tausend Stunden weg hegt, und daß cs sicherer ist, einen kleinen Acker vor der Hausthüre zu haben, auf dem man, wenn der künstliche Kornbau der Gewerbe nicht gehr, unmittelbar einen ganz einfachen Kornbau treiben kann, der von der Veränderung der Umstände weniger abhängig ist. Werden auf diese Weise die Kapitalien, so in Fabricken und im Handel gewonnen werden,, nicht verzehrt, sondern in Grund und Boden angelegt, so wie dieses immer der Grundsatz der Holländer war; so steigen die Landgüter im Preise. Steigen die Ländcrcyen, so wirkt dieses grade, wie eine Prämie aus den Ackerbau, und die Kultur eines Landes vermehrt sich. Es wird mehr Land urbar gemacht — und das, was bereits urbar gemacht war, wird mehr getheilt; — durch das Thcilcn des Ackers vermehrt sich aber die Menge der Lebensmittel, da auf einem Morgen Gartenland so viel wächst, als ans drei Morgen Ackerland, und auf sechs Morgen Weiden. Der Fabrickhcrr selber hat aber den Vortheil, daß er nicht genöthigt, mit der sorgenvollen Anstrengung zu arbeiten, wenn einmal Miswachs in den Gewerben eintritt und der Acker wenig tragt, der tausend Stunden entfernt ist. Auch bedarf cs dann keiner falschen Geschämigkeit, um sich in schönen Kleidern und Pferden und Wagen zu beschränken, da er sich dieser nie als Maßstab seines Rcichthums bedient hat, sondern nur den Acker als Maßstab des Rcichthums angesehen, der sicher liegt und vor der Thüre. 22 Dieses sind die allgemeinen Verhältnisse, die für alle Fabricken gelten, sie mögen in England, in Frankreich oder in Deutschland liegen« Für die deutschen Fabricken finden aber noch besondere statt, von denen jetzt soll geredet werden. Staaten, die eine geschlossene Lage haben, wie,z. B. England und Frankreich, sind in Hinsicht ihrer Gewerbe auf die Grundsätze zurückgr- gangeu, so unsere deutschen Städte zu den Zeiten des Städteflors hatten. So wie jene sagten : In unserer Stadt soll nur der einheimische Bürger verkaufen, und der auswärtige Kaufmann soll 20 pCt. am Thor abgeben, wenn er mit seiner Waare in die Stadt kommt; so sagen jene ebenfalls: auf unseren Märkten soll nur der Engländer, nur der Franzose verkaufen, und der auswärtige Kaufmann soll an der Landes-Grenze 20 pCt. von der Waare abgcben, so er einführt. Hiedurch bezahlen wir zwar diese Waare um 20 pEt. theurer, allein die inländischen Fabricken werden dieselbe Waare machen, da sie um 20 pCt begünstigt sind. Sobald sie hiemit im Zuge, so kann der fremde Kaufmann die Seinige lischt mehr ciuüriugcu, und in einer Reihe von Jahren drücken unsere inländischen Fabrikanten den Preis unter sich so lange herunter, bis die Waare so wohlfeil, als sie möglicher Weise in nnserm Lande ;u erzeugen ist. — Alle Fabrikation ist am Ende nichts als Ackerbau — ist Erzeugung von Lebensmitteln; — nun ist cs aber besser, daß der , Inländer, der Mitbürger diesen Ackerbau > bei uns führe, als der Ausländer, der zu keinen Staatslasteu beiträgt, und der nicht in unserem Heere dient, noch den Acker vcrtheidigen hilft, den er baut» In dieser Weise reden die Staatsmänner in England und Frankreich. > Nicht so reden sie in Deutschland, welches, wie ein großer Jahrmarkt, dem Handel von ganz : Europa offen liegt. H Die deutschen Staatsmänner reden aber in ^folgender Weise: Deutschland ist in 38 Staaten gctheilt, die alle souverain sind, und deren keiner sich vom andern was sagen laßt; eben weil jeder souve- ' rain und selbstständig ist. Seine Lage ist nicht geschloffen, wie die von England und Frankreich, und gleich wie man in einem offenen Dorfe, oder in einer ungcschlosscuen Freiheit, wie z. B. in Elberfeld *), keine Zunfteinrichtungcn einführen kann, wie in einer geschlossenen Stadt, und "jede auswärts gefertigte Waare ausschließen, so kann man dieses auch in keinem offenen Lande, und es ist besser, daß man gar keine Gesetze gibt, als solche die sich nicht ausführen lassen, weil *) Elberfeld ist bekanntlich keine der vier Städte der Herrogthmus Berg, sondern eine offene Freiheit mit 20000 Einwohner- sie nicht für das Land passen, für das sie gege--> ben werden. Man bereichert sonst nur die Schmuggeler, Deutschland kann aber vermöge seiner Lage, am meisten vom Handel verdienen, wenn es einer allgemeinen Messe gleicht — und alles frey durch sich hindurchgehen läßt. Hierauf erwiedern nun die deutschen Fabrick- herren: Eine allgemeine Messe ist zugleich ein allgemeiner Trödelmarkt, auf den man jede schlechte und jede verdorbene Maare sendet, so sonst nicht anznbringen. Ebenfalls sendet jeder Kaufmann, der in Verlegenheit ist, und sich zu jedem Preise Geld verschaffen muß, seine Maare hin, und läßt um jeden Preis losschlagcn. Dadurch aber verdirbt er nicht allein sich selber den Preis, sondern auch den andern, und dieser Trödelhav- del ist stets das Verderben eines regelmäßigen Waarenhandels und eines wohlgeordneten Fabri- kenwesens. — Es ist allerdings sehr schmeichelhaft für uns Deutsche, daß die Franzosen uns neulich gesagt: Deutschland sei die hohe Schule von Europa; wir sollten uns deswegen nicht von den andern Nationen absondern, und uns ja vor allem Nationalstolz hüten, weil dieser am Ende zum Nationalhaffe führe der sehr sündlich sey. Eben so sey es unschicklich, daß die Deutschen von Grenzzöllen reden wollten, indem Deutschland die Messe von Europa sey. Außer diesen beiden Vortheilen, hat Deutschland auch noch den, daß es das Schlachtfeld von Europa ist, und indeß wir Deutsche immer gutmüthiger Weise geglaubt, daß solches nicht anders scyn könnte, geriethcn im Jahr 1814 die Franzosen ihrerseits in einen großen Zorn, als ihr heiliger Boden durch die Gegenwart fremder Krieger besudelt wurde, und vermahnten, daß alles Volk aufstehen sollte; da solches in hundert Jahren und seit Menschcngedeuken nicht erhört sey. Wir Deutschen hingegen haben billiger Weise mit unserem Zorne stets an uns gehalten, wenn die benachbarten Völker für gut fanden, die Universität von Europa zu einer Kaserne von Europa jzu machen. Also reden die deutschen Kaufherren. Es ist klar daß diese sich mit den Staatsmännern nicht in einerley Meinung vereinigen können. Ebenfalls ist klar, daß der Unterschied in dem was England und in dem was Frankreich thut, von der Verschiedenheit der Lage herrührt. Wenn Frankreich in 38 isonveraine Staaten getheilt wäre, deren keiner dem andern was zu befehlen, so würde es auch keine solche Zollgesetze haben, wie jetzt, denn jeder Einzelne bedenkt immer den Dortheil, so ihm am nächsten liegt. Und was die Stärke von Deutschland betrifft, an die hat ohnehin niemand einen großen Glauben, gerade wegen der Zertheilung. Auch ist natürlich jeder größere Staat, wie z. B. Preußen, in seinen Zollgesetzen sehr beschränkt, gerade seiner vielen Grenzen wegen. Denn es ist kein Punkt in ihm, der mehr als 20 Meilen von der Grenze liegt *) Frankreich hat lange nicht so viele Grenzen als Preußen, und doch 25000 Douaniers. Jeder Douane kostet täglich 30 Sous. Also jeden Tag kosten dieDou- anierö 37500 Fr. und jedes Jahr über 13 Milk. Fr. — und beinahe 3 Mill. 400000 Berl. Thlr. Jeder von den 10 Mill. Einwohner des preußischen Staates müßte also für die Douane, direkt oder indirekt 8 gnte Groschen aufbringen; wohingegen in Frankreich jeder Franzose noch keine 3 gute Groschen an die Douane aufzubringen hat — nemlich bei gleicher Höhe der Zölle und bei einer gleichen Dichtigkeit der Douanenlinie. Denn die Höhe des Zolls, wirkt überall als eine Prämie, so der Staat aufs Schmuggele» setzet, und je geringer diese Prämie, desto weniger wird geschmuggelt. * Y« » So wie die Sachen jetzt stehen, werden die deutschen Fabrickherren sich vorläufig dabei beruhigen müssen, daß Deutschland nicht allein die Universität von Europa ist, sondern auch der ') Jahn will ausgefunden haben, daß ein Krug zwischen Meserih und Schwerin, im Großherzogthum Posen, derjenige Punkc sey, der im preußischen Staate am weitesten von der Grenze liege. Nemlich 20 Meilen also get «issermaßen der Mittelpunkt der preußischen Staates- 27 Trödelmarkt von Europa. Denn nach Holland und Frankreich können die Engländer keine Maaren ans den Trödel schicken, weil diese Staaten hohe Zölle haben, und die Maaren schon gleich so viel ans dem Zollamtc beim Eingehen bezahlen müssen, als nachher ans ihnen erlöst wurde, wenn sie auf dem Trödel ausgestellt werden^ Wohingegen in Deutschland überall freier Ein-- gang. Jndeß ist es nicht unwahrscheinlich, daß wenn in Zukunft Landstände vorhanden sind, und die Gesetzgebung neu geordnet, und die Deputaten aus allen Provinzen vereinigt sind — und unter diesen die Deputirten der Städte, daß dann diese die Sache anders beurtheilcn wie die Staatsmänner. — Denn der Bürger der keine Kamcralia studiert, auch keine Handlungswis- scnschaften auf Universitäten gehört, der betrachtet die Dinge aus einem ganz anderen Gesichtspunkte, wie die, so das Regieren als eine Kunst erlernt. Auch behandelt er Dinge in anderer Weise, wie solches die alte Geschichte der Hansa gelehrt — und neuerlich die Geschichte der Kvrnhausa in Elberfeld. H Was die gegenwärtige Verlegenheit der Fabrikanten und die traurige Lage der Fabricken bc- Handl. u. Gewerbe! ( Z ) 28 trifft, so muß man gegen diese aus alle Weise gerecht scyn. Diese Verlegenheiten stammen zum Theil aus dem Napoleonischen Continentalsystem her, — zum Thcil aus einer fehl Erndte, die seit 23 Jahren beispiellos war. Napoleon gründete das Continentalsystem nicht auf das Interesse des Handels, sondern auf das, seines Hasses gegen England; und diese Basis war ein wenig schwach, um das Handelssystem von ganz Europa zu tragen. Wir haben den Worten dieses Napoleon — die er allerdings in seinem Moniteur gut zu stellen wußte — mehr geglaubt als billig; und zu große Erwartungen von der großen merkantili- schcn TriaS gehabt, so durch ihm sollte zur Welt geboren werden. Wir waren etwas unerfahren in der Geschichte, und wußten nicht: daß einer, der nicht zum Throne geboren ist, sich ungemein schwer auf dem Throne halt, wenn er ihn besteigt. — Andere stürzen ihn zwar nicht, allein er stürzt sich selber, weil er von einer beständigen Unruhe geplagt wird, da er stets das Gefühl mit sich hcrumtragt, daß er an einer Stelle ist wo er nicht hingchört. Denn alle Regcntcn- hauser sind lauge und langsam zu der Höhe gestiegen, wo sic jetzt stehen, und die Fürsten so jetzt auf den Thronen sind, sind nach den Rechten der Geburt von der Natur herausgcführt 29 worden, so wie sie die Reihe des Herrschens traf und ohne daß es ihre Wahl war. Daher sie regieren ohne beneidet und ohne gehaßt zn werden. Wenn ein großes Talent, vom Glück cmpor- gctragcn den Thron besteigt, ohne dazu geboren zu scyn, so ist es gezwungen, die niedrige Abkunft durch den Glanz großer Unternehmungen zu überstrahlen. — Je größer aber die Unternehmungen, je waglichcr sind sic. Bonaparte hatte keine Wahl mehr, er mußte vorwärtsgehen, und als er das Eine gethan, als er nach der Krone gegriffen, war ihm das Andere nicht mehr freigegeben. Seine Dynastie mußte entweder untcrgchcn, oder in zehn Jahren die älteste in Europa seyn. Dieses waren seine Worte 1805. Als sich der Krieg in Spanien entzündet, so begann ein neuer Abschnitt in seiner Laufbahn. Denn dieses war ein Volkskrieg, in welchem alles an alles gesetzt wurde, statt daß in den früher» Kriegen mit großer Mattherzigkcit immer nur Wenig an Viel gesetzt worden. — Ein Spiel wobei der Kühne stets gewinnet. Als er gcnvthiget in einem Lande Krieg zu fuhren, welches nicht die hohe Schule von Europa war, und wo das Volk sich von einigem Nationalhasse noch nicht frei gemacht. — Da stand die Wage, und dieser Krieg kostete täglich eine Million, da in Spanien der Kartoffclbau noch gar keine sonderliche Ausdehnung erreicht. Dieser Krieg zerrüttete seine Finanzen, und er mußte sich Geld auf jede Bedingung verschaffen. Daher die vielen deturnierten Fonds, die jetzt alle zur Liquidation gekommen, und die 600 Millionen betragen. Daher sein Alleinhandel mit England, den er vermöge der Licenzen trieb, und der ihm jährlich 100 Millionen cintrug. Daher seine hohe Bcstcurung der rohen Produkte, z. B. der Baumwolle. Als die neuen Zolltarife kamen, so mußte die große Spinnung in Bonn von Frohwcin und Berg 120,000 Thalcr an Zoll für ihre Baumwolle zahlen, welches den Grund zu ihrem Verderben und zu ihrem nachhcrigcn Falle legte. Die Garne gicngcn aber nicht in demselben Grade in die Höhe, als die Zölle die Preise vom llrstoffe erhöhten. Auch nahm die Konsumption der Baumwollcnzcugc durch die hohen Preise ab —. und bei verringerter Konsumption waren der Spinnercyen schon zu viele, und sie mußten sich wechselseitig durch niedrige Preise drücken. Das Kontinental-Fabrickspstem wäre zu Grunde gegangen, obgleich später, wenn auch Buvnaparte uoch neun Jahre länger regiert. Er stürzte cs selbst durch seine Atttikaufmännische Unternehmungen. Die sichere Dauer ist die erste Bedingung bei allen Fabrickunternchmungcn, und kein Fabrikant war sicher, daß der nächste Moniteur nicht ein 31 kaiserl. Dekret brachte, wodurch alle seine Fa- brickvcrhältnissc umgekehrt wurden. Als im Jahr 1813 das Kontinental-System mit der Schlacht von Leipzig zu Grunde ging, so mußten natürlich eine Menge Verhältnisse mit zu Grunde gehen, die auf dasselbe gegründet waren, und durch dasselbe hcrvorgerufen. — Daß dadurch Einzelne, daß dadurch das Ganze einen großen Verlust erlitten, das war nicht zu vermeiden. Eine Spinnerey, die groß eingerichtet war, wo Tag und Nacht 14000 Spindeln rundlichen — wo das ganze Werk durch eine Dampf- maschicne in Bewegung gesetzt wurde — die mußte nun still stehen. — Die Verhältnisse verschwanden, die auf der Stelle entstanden waren. — Das Ganze hatte einen großen Werth — das Einzelne, als es zerstreut wurde, einen äußerst geringen. — Der Fabrikant verlor die Früchte seiner Anstrengung, der Wechsler sein Geld, so zum Betriebe gedient, und hundert Familien, die in dieser Spinnerei) ihren Ackerbau und ihren Brodcrwcrb trieben, verloren ihren Unterhalt. Dieses sind Begebenheiten, die bei jedem künstlichen Ackerbau cintrcten können, der immer in demselben Grade gefährlicher und unsicherer wird, in welchem er für kurze Zeiten einträglich ist. — Denn bekanntlich haben unsere ersten Baumwollcnmühlen Zeiten gehabt, wo sie täglich hundert Dukaten rein verdienten. Aber fast überall steht die Größe des Gc- winnstcs mit der Wahrscheinlichkeit des Verlustes in einem festen Verhältnisse. — So wie das Wagen mit dem Gewinnen. Geschrieben im Januar 1818- An den Herrn Professor Benzenberg. Von Aders in Elberfeld. >^)ie wünschen, mein werther Herr Professor, meine Ansicht über Ihren Aufsatz: Deutschlands Gewerbe Deutschlands Fabricken, in Nr. 599 — 601 des deutschen Beobachters. Ich gehe nicht gerne an diesen Gegenstand, über den so vieles sür und wider mit Leidenschaft geredet und geschrieben ist, und über welchen meine Meinung sehr von der der Menge abweicht. Es scheint mir nicht eben nöthig, daß, um über die traurige Lage zu reden, in welcher sich die Fabricken am Rhein, und unter diesen vorzüglich die Baumwollen - Manufakturen seit einigen Jahren befinden, man 18 Jahrhunderte in die Geschichte zurückgehe, wenigstens kann ich ihnen so weit nicht folgen. will und ») DicftS Zurückgehen bis auf die Zeiten vor Christi Geburt geschah nicht ohne Ursache, noch ohne Absicht. Ich hatte bemerkt, daß ein großer Theil der unvernünfti« gen Redner«, so über öffentliche Angelegenheiten in Cir« kularion ist, in einiger historischen Unwissenheit über die Entwickelung der Gesellschaft ihren Grund hat. — Die wenigsten Menschen haben einen Begriff von den verschie, Lenen Zuständen, in denen sich die Gesellschaft in frühem Zeiten befunden, und sie beurtheilen daher die Gegenwart unrichtig, weil sie nicht wissen, wie es sonst gewesen, als die Gesellschaft noch ganz anders organisirt war, wie jetzt. — Daher kommt es, daß so viele von denen, welche Gott für mehr danken, als sie empfangen haben, der fe« sten Meinung sind, daß in frühern Zeiten, als Adel und Lehcnwcscn bestand, die Gesellschaft durchaus Unvernunft pig wäre eingerichtet gewesen. So wie auch die Volker vor Erfindung des Schieß« gewehrt gar nicht verstanden, ordentlich mit einander Krieg zu führen, welches schon daraus zu ersehen, daß sie keinen Generalstab und keine Landkarten gehabt. In allen Aufsätzen, die ich im Beobachter über Ver« fassungs - Angelegenheiten über Handel — über Gewer« be — über Adel mitgctheilt, bin ich immer bis auf die früheren Perioden zurückgegangen, und habe gezeigt, wie es sonst in der Welt gewesen. — Diese Art des Vortrags hat mehrere Vortheile a) Sieht man, daß die Gesellschaft ihrer Natur nach ver« ständig ist, und daß sie in jedem Zeitalter auf Zeikgc« mäße Einrichtungen kommt. s) Begreift man den Mechanismus der Gesellschaft und die ganze Einrichtung derselben viel besser, wenn man in eine Zeit zurückgehc, wo dieser noch sehr seinfach war, und das war er grade damals, als nur eine Art Rcichkhum in der Nation war — der Landreich» Z5 — Ein Zurückgchen bis zu den Zeiten der französischen Revolution dünkt mich vollkommen hinreichend, um die Ursachen des jetzt so trostlosen Zustandes zu erforschen. Vis zum Beginnen dieser großen Staatsum- wälzung ging cs mit den Fabrickcn in unscrn Rheinischen Provinzen, wie alles, was Bestand haben soll, gehen muß, allmählich vorwärts, und der Fabrickherr, wie der Fabrikant, befanden sich wohl dabei. Die Fabrikation war auf die Produkte^ des thum — und als alle Einrichtungen der Gesellschaft sich bloß auf diesen bezogen. Ich habe deswegen in meinem Buche, über Verfassung den Zustand der Gesellschaft in Deutschland von Hermanns Zeiten bis zu Karl dem Großen so ausführlich dargestellt, damit die Leser, für welche dieses Buch geschrieben, und von denen ungemein wenige, Montesquiu, Machiavelli und Möser, studiert haben, sich eine richtige Kenncniß von demjeni,' gen erwerben möchten, was man die innere Mechanick der Gesellschaft nennt, und welches grade dasjenige ist, was bei einer Verfassung soll hergestellt, erneuert und verbessert werden. Es ist schwer, eine Uhr zu reparieren, wenn man nicht weiß, wie eine Uhr gebaut ist,— und die Einrichtung einer Repeciruhr zu begreifen, ist unmöglich, wenn man nicht damit angefangen, Eine Drey-Räder-Uhr zu studieren- — Wie viele Menschen, die eine Taschenuhr tragen, wissen, wie eine Taschenuhr eingerichtet ist? — Wie viele Menschen, so über Verfassungs-Angelegenheiten reden, wissen, wie der innere Mechanismus der Gesellschaft geordnet ist? — Machiavelli, Montesquieu, Möser-solche und ähnliche Namen kennen diesen Mechanismus. Bg. 36 Europäischen ^'odens berechnet. Leinen, Garn, Seide und Baumwolle aus der Europäischen Tür key waren die Urstoffe, welche unsere Fabrikanten verarbeiten ließen. Der Absatz dieser Fabrikate vcrthcilte sich nicht nur durch fast ganz Europa, sondern auch durch den Zwischenhandel mit Holland und den Hanststädten, außer Europa nach den entfernten- Welttheilen. Die Französische Revolution änderte den Zustand der Dinge. Ga> Frankreich bewaffnete sich. Die Fabricken dieses großen Reichs standen meist stille, und 25 Millionen Menschen, die ihre Bedürfnisse, selbst fabriziert und in vielen Artikeln ausgeführt hatten, mußten für mehrere Jahre mit mancherlei Manufaktnrwaaren aus fremden Manufakturen versehen werden. Es fehlte daher den deutschen Fabrikanten nicht an Absatz, sondern meist immer an Waarcn. Die bestehenden vergrößerten ihre Geschäfte bedeutend, und es wurden fortwährend immer neue errichtet, die wieder schnell aufwuchscn und sich ausdehnten, weil in jener Zeit das Zutrauen gar leicht gefunden wurde, und ein junger Mann ohne Vermögen, wenn er einen guten Ruf hatte, gleich eine Fabrick errichten konnte. In England waren die Maschinen zum Spinnen der Baumwolle erfunden, die, zu Anfang der Französischen Revolution, in Deutschland nachgeahmt .wurden. England führte uns 37 dabei seine Gespinnsie zu, und die Fabricken nahmen nun einen noch rascheren Schwung, und führten ganz verschiedene Zeuge aus feinen Indischen Baumwollen ein. Die alten Artikel, aus Leinen und Leinen und Baumwolle vermischt, wurden immer mehr und mehr und bald ganz verdrängt. Der Weblohn stieg in kurzer Zeit so ungeheuer, daß die westindischen Artikel, wobei unsere Väter bei großer Sparsamkeit ihren Wohlstand begründet hatten, ganz verschwanden, und sich nach wohlfeileren Gegenden hin verpflanzten. Der Fabrickherr, wie der eigentliche Fabrikant, gewannen das Doppelte und mehr an den neu eingcführten Artikeln. Vermehrter Gewinn vermehrte die Bedürfnisse und vertheilte sich dadurch auf die ganze Gesellschaft. Daher stieg der Werth der Grundstücke, der Miethwcrth, und alles gestaltete sich anders. Dieser vortheilhafte Zustand wurde noch vermehrt durch die Erbitterung, mit welcher der Krieg von Frankreich gegen England geführt wurde. Die Manufakturen unserer Gegend durften eine geraume Zeit gegen mäßige Zölle nach Frankreich und Italien cingcführt werden, und als die Seehäfen Italiens von französ. Truppen besetzt wurden, mußten die Engländer auf Schleichwegen durch die Häfen der Nord und Ostsee indirekte, durch den Zwischenhandel, ihre Manufakturen wie nach Deutschland, auch nach Italien und Neapel einzuschmnggelen suchen. 38 Die neu entstandenen Baumwollenfabrickcn hatten in diesem Zeitpunkte, 1798 — 1806, ihre höchste Höhe erreicht. Der Verlust des indirekten Handels nach den Indien in Leinen- und Halbleinen Waaren war unter diesen Umständen leicht verschmerzt, er wurde nicht einmal bemerkt, viclwr- niger geachtet. In dieser Herrlichkeit gingen nun die Fabri- cken mehrere Jahre fort, bis im Jahr 1810 das bekannte Dekret von Trianon wiederum große Veränderungen herbeiführte, und den Schleichhandel mit englischen Manufakturen gleichsam unmöglich machte. Die Beziehung der englischen Baumwollcn- garne wurde durch dieses Dekret ebenfalls so erschwert, daß sie nur in unbedeutenden Kleinigkeiten cingeführt wurden. Dagegen vermehrten und vergrößerten sich überall in Deutschland die Spinnereyen mittelst Maschienen ungeheuer, und wuchsen wie Pilze aus der Erde. Der große Gewinn war eine hinlängliche Aufmunterung, war aber auch an der andern Seite die Ursache, die die jetzige Stockung vorbereitete. Die Spinnereyen hatten ryin nicht mehr gegen die englische Konkurrenz zu kämpfen, ihre Garne waren waren gut genug, weil die besseren fehlten. Es wurde dabei so viel gewonnen, daß keine Ursache blieb, auf Vervollkommnung der Gcspinnste zu denken, und daher blieben diese — 39 Garne in so höchst unvollkommenem Zustande. Was auf diese Weise die Spinncreyen in Deutschland für einige Zeit begünstigte, war in gleichem Verhältniß den Englischen nachtheilig. England suchte den stöhrcnden Dekreten Napoleons so viel als möglich auszuwcichen, und als die Einführung seiner Manufakturen und Garne über die Küsten der Nord und Ostsee gleichsam unmöglich gemacht war, da suchte es den einzigen, noch offenen Weg durch die Türkei so viel als möglich zu benutzen. Die Maaren wurden indeß auf diesem ungeheuren Wege durch den großen Zeitverlust und die schweren Transportkosten so vertheuert, daß dieser Handel England wenig nutzte. Daher wurde in diesem Zeitpunkt, wo unsere Spinner in Deutschland die höchsten Vortheile aus ihren Anlagen Zögen, und dadurch abgehalten wurden, auf Vervollkommnung des Gespinnstes und wohlfeileren Preis nachzudenken, in England am meisten darauf hingearbeitet das Maschiencn-Wescn zn vervollkommnen, und gutes Garn wohlfeil zn spinnen; so wie Hindernisse überhaupt beim thütigcn Fabrikanten am meisten geeignet sind, Nachdenken zu wecken. Auf dem rechten Nheinufer hatten die Fabri- cken schon seit dem Jahre 1808 durch die immer grötzere Ausdehnung des französischen Reichs bedeutend abgenommcn, daher die Fabrikanten des Großherzogthums Berg im Jahre 1811 nothge- drungen und aus Verzweiflung die Bitte an Napoleon gewagt hatten, diese Provinz mit dem großen Reiche zu vereinigen, was indeß, so sehr es der Eitelkeit Napoleons schmeicheln wollte, durch andere Interessen und das Gegenwirken der französischen Fabrikanten verhindert wurde. Die Lage der Fabrikanten des rechten Rhein- nfers war kurz vor der großen Entscheidung der europäischen Verhältnisse und seit dem Jahre 1810 wirklich höchst bedenklich, und die Klagen damals laut und gerecht. Mit beinahe allen Hindernissen und Plage- rcyen des Napolconischcn Systems belastet, hatten sic keinen Theil an den Vortheilen, welche das ungeheuer große französische Reich ihren Nachbarn auf dem linken Rhcinufcr darbot. HAH Zur Untersuchung der jetzigen Klagen der Baumwvllenfabrikanten am Rhein schien es mir durchaus nöthig, bis zu der Zeit zurückzugehen, wo die französische Revolution begonnen und das ganze Fabrickwesen verändert hat, und wir werden dann nun auch am besten beurtheilen können, ob und wie diesen Beschwerden abzuhel- sen seyn wird. Nicht immer ist das Vorthcil, was ans den ersten Anblick so erscheint, so wie wiederum man- 41 ches in der Folge zum Besten ansschlägt, was für den Augenblick den Untergang drohet. Dies beweisen eben die Verfügungen Napoleons, welche auf die Vernichtung der Englischen Fabrickcn berechnet waren, und die sie noch che wohl befestigt haben. Die Fabrikanten in England mußten, vom europäischen Handel gleichsam verdrängt, in anderen Wcltthcilcn ihren Absatz zu vermehren suchen, und dieselben Dekrete, welche ihnen den Untergang geschworen hatten, begünstigten ihre Anstrengungen. Bis zum Dekret von Trianon gingen—wenn ich nicht irre — die Bonten und Buchleincn aus Sachsen und Schlesien noch immer über Bremen und Hamburg nach den Indien. Nun aber hörten diese Versendungen ganz auf, und die englischen Fabrikanten ließen diesen günstigen Umstand nicht unbenutzt, dieselben Artikel in den vieljäh- rig bekannten deutschen Mustern in Baumwolle nachznahmen und nach den Indien zu versenden. Der Mangel an Leinen-Maaren besiegte die Dorurtheilc und der gezwungene Zustand wahrte eben lange genug, um die Indianer zu diesen Baumwollen-Waren herüber zu holen, die nun wegen ihres wohlfeilen Preises nicht so leicht wieder zu verdrängen scyn werden. Ware dieses nicht, so würden unsere Fabri- cken am Rhein weniger in Verlegenheit scyn und die schlesischen Weber nicht nothgedrungen ans den Kunststraßen arbeiten zu müssen. Der Ackerbau und die Schaafzucht würden vielleicht in England nicht so die allgemeine Aufmerksamkeit erregt; die Seidcn-Spinnereycn in Bengalen nicht so rasche Fortschritte gemacht haben, wenn nicht die Dekrete Napoleons diese Anstrengung nöthig gemacht hätten. Man fodert von den Regierungen, daß diese den augenblicklichen Hindernissen und Stockungen durch Ein- und Ausfuhr-Verbote gleich zu Hülfe kommen sollen und äußert sich unzufrieden, wenn diese nicht alsbald dergleichen ausgesprochenen Wünsche begegnen. Es ist weise von den Regierungen, die darauf nicht so leicht eingehen wollen und sorgfältig Gewinn und Verlust der Gesellschaft in die beiden Wagschalen legen, und nun zu sehen, wohin das Zünglein sich neigen will. Nehmen wir Oestrcich wo schon lange ein Mauthsystcm besteht, das strenge gehandhabt wird, und fragen wir die Fabrikanten: ob sie besser daran sind, als die unsrigen am Rhein. Was werden sie antworten? Wenden wir uns nach den Niederlanden und fragen die Fabrikanten in Belgien: ob ihre Hoffnungen auf die Verfügungen vom Jahr 1816 sich verwirklicht haben. Werden sie Ja antworten können? Preußen ist von allen Staaten in Europa seiner Lage nach am wenigsten für ein Mauthwe- scn gelegen. Ein allgemeines Zollsystem ist >n den 38 Souveraincn Staaten Deutschlands nicyt 43 denkbar; einmal nicht wegen den entgegen strebenden Interessen dieser verschiedenen Staaten, die thcils keine Fabricken haben, und andere deren Fabrick nach ihrem Alter und ihrer Lage auf eben so abweichenden Stufen der Vollkommenheit stehen, als unsre Fabricken im Vergleich mit denen in England. Das Geschrei würde also blei- hcn, und da der Unwillen sich nicht mehr gegen England ausgeifern könnte, würde er sich gegen verbundene und verbrüderte Staaten richten^ Kann der Baumwoll-Fabrikant in Ocstreich, mit dem in den Rheinprovinzen Konkurrenz halten? und nehmen wir so der Staaten mehrere, in welchen sich spater erst die Fabricken angcfiedelt haben und stellen dieselbe Frage aust Die Klagen über das, was England von Baumwoll-Mannfakturen nach Deutschland führt/ würden sicher verschwinden, wenn mau den Betrag der Einfuhr des letzten Jahrs genau anszu- Mitteln suchte, und mit der Summe in Vergleich stellt, welche England in diesen Artikeln im eigenen Lande und nach den Indien umgesctzt hat. Die Baumwoll-Fabricken, und fast möchte ich dieses von den Fabricken im Allgemeinen behaupten, haben sich in den letzten 25 Jahren zu sehr vermehrt, und cs wird mehr Waare gemacht als der Verschleiß wegnehmen kann. Das ist sicher die richtigste, wenn nicht die einzige Ursache. Die englischen Fabrikanten haben das in den Jahren 1814—1816, bei ihren schlecht be- Handl. u. Gewerbe ( -h. ) rechneten Versendungen nach dem Kontinent von Europa, eben so sehr gefunden, als viele ihrer Kollegen in den Rhcinprovinzcn, die auf Hoffnung besserer Zeiten immer eine Erpedition nach der andern nach Italien und Neapel folgen ließen. Die Aufmerksamkeit unserer Fabrikanten muß sich auch nach fremden Weltthcilen richten, wo keine Fabricken sind, und wo die Menschen in der Kultur noch so weit gegen die Europäer zu- rückstchcn, daß ffo bald noch keine einheimische Konkurrenz zu fürchten ist. Mit der englischen Konkurrenz werden unsre Fabrikanten cs am leichtesten in Indien aufnehmen können, wenn sic diesen Handel auf dieselbe Art direkte betreiben, wie dieEngländcr und vermittelst vertrauter Agenten ( LuporcÄi-Aos ) dem Verkauf ihrer Manufakturen , wie' den Einkauf der Produkte bewachen lassen. Die Hindernisse welche unsere Nachbarn, die Niederländer, in den Weg gelegt haben, indem sic, dem WicncrDertrag zuwider, unseren Seewärts gehenden und kommenden Waarcn einen schweren Tribut auflcgen, wird dieWcisheit undMacht unseres Königes, und seines aufgeklärten Ministern, im Wege der Unterhandlungen zu beseitigen wissen, oder durch gerechte und strenge Gcgcnmaßregeln den freien Durchgang erzwingen. So wie die preußischen Rhein-Provinzen ohne eine freie Benutzung des Rheins bis ins 45 Meer, ihrem Untergange schnell entgegen gehen, so hängt auch das Bestehen der Niederlande von der freien Benutzung dieses Stroms auswärts ab. Ist dieses Hindcrniß beseitiget, so bleibt der Negierung noch etwas zn thun übrig, nemlich mit Aufbietcn aller Kräfte dahin zu wirken, daß den preußischen Manufakturen in den Indien die gleiche Begünstigung für die Einfuhr gestattet wird, welche die englischen genießen. Stehen wir so weit mit den Engländern gleich in diesem entfernten Handel, so werden wir auch mit ihnen konkurriren können. Ter Ta-- gelohn ist in den Rhein-Provinzen bedeutend wohlfeiler als in England. Die Baumwolle können sich unsere Spinner wohlfeiler verschaffen, da sie nicht 1 Pfenning per Pfund, — vhnge- fähr A Gutegroschen an den Staat zu bezahlen haben, wie die Spinner in England, und wogegen die westindischen Artikel bei der Ausfuhr keinen Nückzoll genießen.- Bei den gemeinen westindischen Artikeln ist die Weberei durch Wasser- webstühlc nicht anwendbar, wenigstens bis jetzt nicht angewandt. Noch auf einem dritten Wege kann die Regierung den Fabrickcn zu Hülfe kommen, und dieser neue westindische Handel möchte eine solche Unterstützung am meisten verdienen. Diese Westindischen, so wie alle andre Manufakturen von geringem Werth werden in Eng 4(1 land meist, entweder durch Kinder oder abgelebte Arbeiter gewebt, die zu feineren und schweren Fabrikaten noch nicht, oder nicht mehr zu gebrauchen sind. Der Fabrikant zahlt davon nur einen geringen Lohn, wovon der Arbeiter in England sich nicht ernähren kann. Das Fehlende wird bis zu einem kärglich festgesetzten Bedürfniß- Maasstab, aus den Armen-Mitteln zugesetzt, welche durch Taren erhoben werden, da in England jeder Ort gesetzlich verpflichtet ist, seine Dürftigen zu ernähren. So viel auch gegen die Einrichtungen der Armen-Taren in Dcutscbland und selbst in England geredet und geschrieben werden mag, so befindet sich die Gesellschaft gut dabei. Alle Kräfte im Staat werden auf diese Weise benutzt, und dadurch ein blühender Zustand der Fabrickcn hcrvorgernfcn. Die ganze Gesellschaft gewinnt und da nothwendiger Weise der Kapitalist und Gutsbesitzer, wie der kleinste Krämer dadurch gewinnen, so liegt nichts unbilliges darin, wenn die Stockungen der Fabrickcn und Gewerbe jeder nach seinen Einkünften zu Erhaltung der bürgerlichen Ordnung beitragen Muß. Wo nicht auf solche Weise dafür gesorgt ist, daß der fleißige Arbeiter seinen kümmerlichen Unterhalt im Wege der Ordnung findet, da wird derselbe sobald ihn die Arbeit nicht gut nährt, ,ald zur bequemem Bettelei übergehen, sich von — 47 der Arbeit ganz entwöhnen nnd den Müßiggang nnd alle damit verbundenen Laster auf ein kommendes Geschlecht vererben. Ein wohlgeordnetes Armenwesen, wo alle Kräfte eines jeden Mitgliedes der Gesellschaft in Anspruch genommen werden, wofür die Erziehung der Kinder der Dürftigen gehörig gesorgt, nnd diese zur Thatigkeit, Reinlichkeit und Ordnung angeführt werden, ist, zumal in großen Fabrickstädten, das dringendste Bedürfnis!. Fehlt hier die nöthige Aufsicht und Strenge, so wcrd die Unstttlichkeit mit allen ihren Folgen schnell um sich greifen. Das ohne Beschäftigung herumwandelnde Gesindel schreibt an die Thnren selbst seine Steuren aus und treibt sie ein, die leicht das Doppelte anstragen mag, was bei einer gut eingerichteten Armen-Anstalt die Armen-Taxe austragen wird. Und — abgesehen von dem Vortheil für die Fabricken — welcher Gewinn in jeder höhern Rücksicht für die Gesellschaft, wenn alles im Wege der Ordnung geht, und auf die Erziehung der Kinder der Dürftigen gehörig gerechnet werden kann! So wie uns, in Betreff der Gesetzgebung nnd Verfassung, England als Muster ausgestellt wird, so dürfen wir, zumal im Gebiete des Handels nnd der Fabrick-Einrichtungen, diese große Nation gewiß zum Muster nehmen und ihr kühn- lich folgen, Jede ihrer Einrichtungen ist reiflich überdacht, imd insofern sie in die ganze Gesellschaft cingrcift, durch den Verstand der ganzen Nation in beiden Kammern wohl erwogen, ehe sie Gesetzeskraft erhalten hat, Hier, mein Freund! haben sie meine Ansicht über den großen Gegenstand, worüber so vieles für und wider geschrieben ist, und welchem auch Sic im deutschen Beobachter Ihrer Aufmerksamkeit gelvürdiget haben: Einfuhr - Verbote oder Belastung fremder Manufakturen, wie sie außer dem schon angeführten noch vieles gegen sie haben, lenken überdies den Fabrikanten vom rechten Ziele ab. Dagegen bin ich der sichern Ueberzcngung, daß, wenn die Regierung auf die angedeutetc Weise mit Kraft und Nachdruck zu Hülse kommt, wo ihr Eingreifen so höchst nöthig ist, es bald besser werden wird. Und wenn dann unsre Fabrikanten und Kaussente ihrer Seits den Engländern Schritt für Schritt folgen, kleinliche Eifersucht gegen einander beseitigen, *) und da, wo die Kräfte des Einzelnen für eine Unternehmung nicht ausrcichcn, mehrere sich vereinigen, so werden die Klagen am Rhein allmählich verhallen, *) Das ist etwas was sehr zu wünschen wäre, aber wohl nicht zu erwarten. Denn jeder denkt nur an seinen eigenen und an seinen nächsten Vorcheil, und beurtheilc die Dinge wenig in dem Sinne und in dem Interesse der ganzen Gesellschaft. Bg. §9 nud alles um uns her wird nach wenigen Jahren wieder eine fröhliche Gestalt gewinnen. Antwort an Herrn Aders in Elberfeld auf daS Schreiben in Nr. 616 des Beobachters. haben, mein lieber Freund! Durch ihr Schreiben in Nr. 616 des Beobachters bei ihren" Zunftgcnossen großen Anstoß gegeben, und alle meinten: man könne sehen, daß solches ein Twisthändler geschrieben, die.stets für die unbedingte Freiheit des Handels wären. Sogar Onkel Toby murmurirtc darüber, jedoch ohne diel Gründliches vorzubringcn. — Mit dem populai- ren Grundsätze von den tus talionis ist es bei weitem noch nicht abgethan. Denn da die ganze Gesetzgebung eines Volks sich blos um politische Klugheit dreht, und nicht um den Heidelberger Katechismus, so kann man bei der Entwcrfung der Gesetze nur in so fern von diesem schönen Rechte Gebrauch machen, in wiefern solches der politischen Klugheit angemessen ist. 50 — Ich habe gefunden, daß es nicht leicht ist, die Meinungen der Herren Kaufleute und Fabrikanten auf einer gemeinschaftlichen zu vereinigen, welches doch einigermaaßen nothwendig ist, wenn von einem Gesetze, oder von einem Vorschläge zu einem Gesetze die Rede ist, da nach dem Natur- rechte Das Gesetz der gemeinschaftliche Wille seyn soll. Die Kaufleute sagen: Allgemeine Handelsfreiheit das ist das Wahre und Rechte; hiebei gedeiht alles. Wer die beste Waare hat, und den wohlfeilsten Preis, er sei Jude oder Türke, er behalt den Markt. Die Fabrickherren sagen: Nein, das geht nicht; wir und unsere An beiter wollen auch leben. Wir bezahlen die Abgaben an den Staat, vertheidigen ihn im Kriege, und der Ausländer, dem der Inländer den Markt räumen muß, thut keins von beiden. Die ausländischen Fabrikate müssen belastet oder verboten werden. Blos rohe Stoffe dürfen eingehen und solche Fabrikate, die unsre Fabrickcn nicht entbehren können, z. B. die feinen englischen Garne, welche unsre Fabrickcn bedürfen, wenn sie in Leipzig mit den Sächsischen und Schweizer Fabrickcn sollen konkurriren können, weil diese ihre feine Garne ans England frei beziehen. Mit Nichten, sagen die Baumwollenspinner, wir gedenken auch zu leben, so wie die Dörfer, 51 — deren Kinder wir ernähren. Wenn wir so lange gesponnen haben, wie die Engländer, so spinnen wir eben so gut. Wenn ihr aber die englischen Garne herein laßt kommen, so müssen wir das Spinnen aufhören lassen, und dann lernen wir es nie. Blos die rohen Produkte müssen frei eingehen, und ihre Ausführung muß zum Nutzen der inländischen Gewerbe entweder verboten, oder mit Zöllen beschwert werden. Das wäre was schönes, sagen die Gutsbesitzer; wir sollen zuerst unfern inländischen Gewerben alles theuer bezahlen was wir vom Ausländer wohlfeiler kaufen können. Dann zweitens sollen die rohen Produkte, wie sie es nennen, frei eingehen, hingegen wir sollen die unsrigen versteuren, wenn wir sie ausführen, und solches noch für eine Gnade ansehen, wenn uns solches erlaubt ist. — Was nennen diese Herren rohe Produkte? etwa Steinsalz, was man in Portugal zusammengeschaufelt hat? oder Eisensteine, so in Schweden gebrochen sind? doch hoffentlich keine Schaafwolle deren Erzeugung Veredlung und Erhaltung reichlich so viel Nachdenken und Fleiß erfordert, als eine ElleBuglinncn zu machen. Und wie kommen die Gewerbe dazu, sich so breit im Staate zu setzen — da sie im Verhältniß mit dem Ackerbau nur eine so geringe Anzahl Staatsbürger beschäftigen. Wohnen nicht drei Viertel der ganzen Bevölkerung auf dem Lande und nur ein Viertel in den Städten? — und hat der französische Finanzminister nicht gezeigt, daß unter einer Bevölkerung von 29 Millionen nur 1 Million 747000 Arbeiter Beschäftigung in den Fabricken finden, und daß diese in einem Jahr nur für 1362 Millionen Franken fertige Waarcn machen? Was haben die Urstoffe zu diesen Waaren gekostet? z. B, die Wolle bei den Wol- lenwaaren und die Seide bei den Seidenwaarcn, — da der Werth der letzten häufig fünf sechstel vom Wcrthe des Fabrikats ist. Bchauptet man nicht, daß das Kapital, das auf den Leipziger Messen umgeschlagcn wird, jährlich nicht mehr als 18 Millionen Thaler beträgt? wohingegen in dem Hungerjahre 1816 blos in der rheinisch-westphälischen Mark über 50 Millionen in der Brodkonsumtion rundgegan* gen sind. Man muß glles guf genaue Zahlen bringen, und jedes Ding nach seinem innern Werthe schätzen, so den Ackerbau, so die Gewerbe. Die Engländer sind darin klüger, wie wir. Diese sehen den Weitzen eben so gut für ein Fabrikat an, wie die Leinewand, und sie halten den auswärtigen Verkäufer so lange mit seinem Fabrikate vom Markte, wie der Preis unter 80 Schillinge das Quart ist, — damit der englische Ackerbau nicht genöthigt sey, seine Weitzen-Fa- brikation einzustellen, die der Bauer an der Oder und an der Weichsel viel wohlfeiler betreiben kann, und so oft es ihm beliebt, mit seinen niedrigen Preisen dem englischen Bauer seinen Acker- bau still legm kann, wenn diesem die Zölle nicht schützen. !» -d » In dieser Weise reden die verschiedenen Stände mit einander — und will man sie auf einer gemeinschaftlichen Meinung vereinigen, dann muß man, wie in einer Steucrvcrsammlnng, stets damit anfangen, sie sich müde reden zu lassen, und nachdem die Meinungen sich gehörig gegen einander gerieben und wechselseitig ncutrali- sirt haben, einen Vorschlag thun, der beiläufig das Mittel von allen entgegengesetzten Meinungen hält, und dann fragen: ob jemand etwas besseres wisse? — Ist dann niemand vorhanden, der etwas besseres weiß, so vereinigen sich die Meinungen auf diesen, und größtenthcils aus Noth, da man doch einmal genöthigt, über eine gemeinschaftliche Sache auch gemeinschaftlich einig zu werden. * » -i: Und welche könnte dann wohl diese mittlere Meinung in Hinsicht von Handelsfreiheit und Zöllen seyn, auf der sich die entgegengesetzten ausgleichen ließen? Es mag nicht ganz leicht scyn, diese zu finden. Auf jeden Fall muß man die Dinge unter großen und 'allgemeinen Gesichtspunkten betrachten, wenn man zu einer solchen Meinung gelangen will, die Allen genehm sey. Die Menschen haben sich in Gesellschaften vereinigt, zux Sicherung der Freiheit und zur Erhaltung des Eigenthums. — Solche Gesellschaften nennt man Staaten. Alle Einrichtungen- alle Gesetze beziehen sich, wenn man sie bis zu ihrer Quelle verfolgt, immer: ans Sicherung der Freiheit, und Erhaltung des Eigcnth ums. Gewöhnlich sind die Staaten durch natürliche Grenzen von einander getrennt — zwischen denen ein Volk wohnt, daß desselben Ursprungs ist, daß dieselbe Sprache hat, dieselben Sitten, Gebrauche und Gesetze. Diese Staaten scheiden sich von einander durch Krieg und Frieden — und wie im Kriege, so im Frieden, ist jeder auf seine Sicherheit bedacht, Jeder Staat strebt nach natürlichen Grenzen, nach vollkommnen Einrichtungen, nach starken Institutionen. Jnstinktmäßig fühlt jede Gesellschaft, daß dieses zu ihrer Erhaltung nothwendig sey. Reißend ist daher der Hang der Völker zur erblichen Monarchie. Dann zur Oeffentlichkeit der Gesetzgebung — damit das, was die ganze Gesellschaft betrifft, auch Von der ganzen Gesellschaft bcrathen werde, Zeder, der cm den Vortheilen der Gesellschaft Anthcil nimmt, hilft an den Lasten der Gesellschaft tragen. —- Jeder hilft sie verthcidigen, nnd jeder steuert von dem Eigcnthume, so er sein nennt, und so bei der Gesellschaft zn Lehn geht. Jeder, der zur Gesellschaft gehört, genießt daher Vorzüge vor dem, der nicht zur Gesellschaft gehört, und das geringste Glied der Gesellschaft ist immer mehr, und khat größere Rechte, als der ausgezeichnete Fremde. — Je vollkommner sich die Gesellschaft entwickelt hat, desto mehr ist das Gefühl durch alle Glieder verbreitet, daß sie nur ein Ganzes machen. — Daher ist der Engländer in der Fremde nirgend lieber als unter Engländern. Jedes Gewerbe, so irgend ein Glied der Gesellschaft treibt, wird daher von den Gesetzen gegen das Gewerbe des Ausländers geschützt. Jede inländische Brodwinnung gegen alles Ausländische, was diese stöhren kann. Zuerst ist die Gesellschaft diesen Schutz ihrem Lehnmanne schuldig — der ihr zur Kriegseinrichtung steuert — und wenn sie den Heerbann auf- bietet, gewaffnet ihr zuziehct, als ihrem Lehnherrn. Es ist eine Verpflichtung, die unmittelbar aus dem Lchnrechte folgt, welches jetzt, so wie immer, die eigentliche Basis des ganzen Staatsvereins ist. Allein zweitens befiehlt ihr auch solches ihr 6b eigner Vortheil. Jede Brodwinnung, so sie schützt, ernährt eine Familie, und aus dieser werden vielleicht zwei, indem sich diese Brodwinnung durch den Schutz, den sie genießt, immer mehr ausdehnt, und so die Masse der Staats- lchne vermehrt. Denn es war ein alter Brauch, daß alles, was ein LehNmann erwirbt, dem Lehne anhcim- fallt — so war die Krone von Polen immer der Universalerbe des Königs — und die Erhaltung und Vermehrung der Lehne ist dasjenige, worauf die Gesellschaft, ihrer eignen Starke wegen, am meisten zu sehen hat. Früher wo alles Ackerbau in der Gesellschaft war, zog jeder, was er gebrauchte, rmd es fand kein Austausch der Güter statt. Als spater die Städte entstanden, als die Gewerbe erblühten, als eine gemeinschaftliche Religion alle Völker des Abendlandes verband, und als St. Peters Schatz von den guten Werken der heiligen, als eine Nationalbank der Christenheit wirkte, so entwickelte sich nach und nach das Geld in der Gesellschaft und ein großes Tauschsystem. — Statt daß früher jeder alles selber gemacht/ thciltcn sich die Menschen nun in die Arbeit, und indem jeder nur eine Sache machte/ so' machte er sie schneller und besser. Durch den Austausch gcgcn Geld verschaffte er sich die anderst Dinge , so er bedurfte und selber nicht machen konnte und wollte, und da auch 57 — diese besser gemacht waren, und weniger gekostet, so waren sic wohlfeiler und jeder stand sich bei diesem Tauschsystemc besser, als früher, wo jeder sein eigener Schmidt, Schuster und Schneider war. So wie die einzelnen Menschen mit einander tauschten, so tauschten auch die Gesellschaften mit einander, die Franzosen Mit den Engländern, diese mit jenen, mit beiden wieder die Holländer, und so alle andere- Zn den beliebtesten Tauseb- waaren gehörten die edlen Metalle Gold und Silber. Um sie leichter zu tauschen , theilte man sie in Stücke, denen man eine bestimmte Feinheit gab (z. B. drei Viertel fein), und ein bestimmtes Gewicht. Dieses warGclV. -- Man brauchte dieses nur zu zählen, da die Präge das Gewicht, so wie die Feinheit attzeigte und verbürgte. AlleAnstauschungen machten sich gegen Geld, und dieses wurde bald die einzige Maare, gegen die man alle andere WaareN eintanscheu konnte, die daher jeder gebrauchen konnte, und die daher jeder gerne nahm; wohingegen ein Gefäß mir Wachen bloß einem Becker brauchbar war, und eine Stange Eisen nur einem Schmiede. Jeder berechnete sein Vermögen Nach Geld, und hielt sich um so reicher, je mehr er dessen besaß. So wie die Einzelnen — so die Gesellschaften. Auch die Staaten glaubten um so viel reicher zu seyn, je mehr Geld sie besäßen. —Sie berechneten nun, wer bei dein allgemeinen Aus- tausch das meiste Geld bekomme, und nannten dieses ihre Handelsbilanz. Um dieses zu berechnen, dienten ihnen die Zollregister über Ein- und Ausfuhr, und die Wechselkurse. Alle dachten nun darauf, das Geld im Lande zu behalten, und sahen fleißig nach, für welche Artikel am meisten ins Ausland gehe. Waren dieses Fabrikate, so suchten sie sic im Lande zu machen; waren es Urstoffc, so suchten sie die Konsumtion durch hohe Abgaben zu beschränken. So handelte die Preußische Regierung unter Friedrich dem Großen mit Kaffe, und ließ jsich t Thaler fürs Pfund bezahlen. So verbot dieOcst- reichische Regierung ihn im letzten Kriege völlig. — Auf keinem Kaffehausc durfte Kaffe geschenkt werden, und nur die Apotheker konnten ihn auf Verordnung des Arztes als Medizin machen. Man glaubte dem Abfließcn der Konvcutious- münze nach dem Auslande dadurch zn hemmen, und den Kours des Papiergeldes gegen Konvcn- tionsgeld günstiger zu halten. Die englische Regierung war die erste, die das Wesen des Geldes richtig auffaßtc, und ein- fah, daß es nicht nothwendig sey, daß man Metall zu Geldmünze; man könne eben so gut Papier münzen, und dieses habe noch manche Vorzüge vor dem Metall. Denn alles, was abschleife, sei wcrthlos; — auch könne man das Nachmachcu eben so verhindern, wie das Nachmachen des Geldes, das Einzige, worauf es ankomme, sey: 59 — daß das gemünzte Papier ein richtiges Verhält- niß zum Bedürfiiiß der Gesellschaft habe, und dieses Derhältniß nie übersteige. Habe man 60 Millionen gemünztes Metall im Umlauf, so könne man diese durch 60 Millionen gemünztes Papier ersetzen; nur müsse das Metall dann verschwinden, weil sonst zu viel Austausch-Mittel da sep, wodurch das Austausch-Mittel, wie jede andere Waare, im Preise sinke. Auch dürfe man nicht mehr als 60 Millionen Papier münzen, weil sonst dasselbe Sinken cintrete, und aus denselben Gründen. Unterbleibe dieses, so halte sich die- Papicrmünze in der Gesellschaft durch eigne Nothwendigkcit. — Denn die Gesellschaft wäre, vermöge ihrer jetzigen Konstitution, genöthigt, zu tauschen, keiner könne etwas zu essen oder zu trinken haben, oder ein neues Kleid, ohne zu tauschen, und ohne Tauschmittel könne niemand Stunden zubringen, ohne zu hungern und zu dursten. Was die feste Grenze betraft, die das cirku- lirende Kapital von gemünztem Gclde oder von gemünztem Papiere nicht übersteigen dürft, so fände diese sich bei den Metallen von selber, in ihrem thenrcn Preise, da jede Münze nur dann münze, wenn das Metall bedeutend wohlfeiler im Preise als das Geld — und das Geld thcurcr als das Metall, als ein Zeichen daß des Geldes zu wenig vorhanden, und das gemünzte Metall mehr gesucht als nngemünztes. — Hingegen beim Handl, u, Gewerbe, ( 5 ) -- 60 gemünzten Papier fände diese natürliche Grenze sich nur in der Oeffentlichkeit der Gesetzgebung, wodurch die Gesellschaft immer genauer unterrichtet würde, wie viel im Umlauf sey. Wo diese Oeffentlichkeit der Gesetzgebung fehle, da dürfe man kein gemünztes Papier ausgeben, — weil die Regierung es leicht als Anleihen betrachte, welches sie in bequemer Weise machen könnte, und ohne Zinsen zu geben, wodurch dann immer das Bedürfnis! überschritten werde, welches die Gesellschaft nach einer bestimmten Zahl von Austauschmitteln habe. — So habe die östreichische Bank für 80 Millionen Gulden Noten ausgegeben, — und diese hätten pari gestanden, da das Konventions-Geld nun aus dem Lande gewichen. Als aber die Wiener Bank immer mehr Noten ansgegeben. Anfangs für 160 Millionen, dann für 300, darauf für 600 endlich für 1060, da hätte das Papiergeld fallen müssen. Und als diese Noten nun durch eine Reduktion auf ein Fünftel, auf 212 Millionen Einlösungsscheine gebracht worden — so hatten diese sich ebenfalls als Geld nicht halten können, da sie noch mit andern 212 Millionen Anticipations-Scheine vermehrt worden, wodurch sie sich wieder auf ein Drittel oder ein Viertel ihreHNominal-Werths gestellt. Die englische Regierung hingegen sah ihr Papiergeld gar nicht als eine Finanzspekulation an und gab nicht einmal so viel aus, als sie ge- — 61 könnt hätte. Sie ließ durch die Bank nie mehr als 28 Millionen Banknoten ausgeben und erlaubte 860 Privatbanken, daß diese für sich und für eigene Rechnung noch für 32 Millionen Privatnoten der Eirculation übergaben. *) England laßt sein Gold und Silber nach dem festen Lande gehen, und zeigt, daß es über das Vorurtheil der Handelsbilanz, in sofern solche die edlen Metalle betrifft, längst hinweg ist. Allein über das andere: Möglichst viele Bürger zu beschäftigen, sey es in den Gewerben, sey cs in Ackerbau,— und so die Staatslehne immer mehr auszudehnen und immer mit neuen Lchnmännern zu besetzen, — über dieses ist es nicht weg; — und ich glaube, daß wir ihm hierin wohl nachahmen können, denn es ist ein kluges und verständiges Volk. Nur muß man bei diesem Nachahmett die Verschiedenheit der Lags berücksichtigen, in welcher sich Dcutsch- *) Weil sich das Papiergeld in England nicht vermehrte, so behielt eS seinen Werth, und Gold und Silber ver« schwanden aus der Cirkulaiion — bis aUf etwa 5 Millio« neu Pfund. Wahrscheinlich wird der Umlauf des Pspiem geldes fortdauern, da nach den gegenwärtigen Preisen von Gold Und Silber die Münze von England zu viel Verlust hat, wenn sie nach dein bestehenden Münzgesetze münzt, indem die Münzen gleich eingeschmolzen werden, weil sie einen zu großen innern Werth haben, i» Verhältniß des Marktpreises des Metalls.- 62 land gegen England befindet und die Verschiedenheit aller Verhältnisse. » » Wenn wir in die innre Natur der Gesellschaft cindringen, so finden wir, daß dort die meisten Menschen wohnen, wo die meisten Lebens, mittel gebaut werden — denn mit der Ernährung sängt jede Familie und jede Haushaltung an. Daß ferner: da die meisten Lebensmittel gebaut werden, wo der Boden am besten bearbeitet wird, wo er am kleinsten getheilt ist, indem auf L Morgen Garten so viel wächst als auf 3 Morgen Ackerland und auf 9 Morgen Weideland. Daß endlich diese kleine Thcilung da am mchrsten statt findet, wo die Gewerbe sind, und wo die Gesellschaft durch ihr Tauschsystem die größte Entwickelung erreicht hat. In den Fabrickgcgenden ist der Ackerbau auf eine merkwürdige Weise in die Gewerbe verflochten, und ist selber ein Gewerbe geworden, indem er überall in das Thcilen der Arbeit und in das Tauschsystem, in dem die Gesellschaft sich bewegt, mit cingreist. Daß der Acker in diesen Gegenden viel trägt, geht aus seinem hohen Preise hervor, — sowohl bei Pachtungen, als bei Verkäufen. Alle Besitzer dieser kleinen Staatslehne, verlangen nun von der Gesellschaft: daß sic sie in 63 — ihrem Besitze schützen soll. — Die Gewerbe sagen: Der Fremde hat nicht das Recht, mir meine Brodwinnung zu nehmen, indem er das cinführt, was ich verfertige. Der Ackerbauer sagt: Meine Lehne beruhen wieder auf diesen ihren, und wenn jene zu Grunde gehen, so sinkt mein Boden im Wcrthe, und er trägt dann nicht mehr die Kosten der Kultur. Wenn die Lehnleute so reden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß der Lchnherr sie zu schützen verpflichtet ist, denn das Verhältnis! ist wechselseitig , und wenn der Lehnherr den Schutz versagt, so ist der Lehnmann nicht mehr zum Gehorsam verpflichtet, noch zur Steuer, noch zum Heerbanne. Man sieht, daß die Sache tief in das Wesen der Gesellschaft greift, die durchaus auf wechselseitigen Schutz gegründet ist, und daß sie sich nicht so leicht weg mit einigen philantropi-« scheu Reden von einer allgemeinen Brüderschaft und dergleichen abthun läßt. Wenn sich nun die Gesetzgebung des Reichs in ernster Weise mit dem Gegenstand beschäftigt - von welchem Gesichtspunkte kann sie ausgehend Zuerst: daß sie ihre Gewerbe und ihren Ackerbau schützt , da der Staat hiezu verpflichtet wegen der Oberlehn, so er über alles Eigenthum übt, so sich in seinen Schutz empfehlen. Dann: daß er dieses, so wie alle andre Staaten, durch Zölle thut. Endlich: daß er diese Zölle nach seiner Örtlichkeit einrichtet — denn was an dem einen Orte zweckmäßig ist, das ist cs nicht an einem andern — und daß er in diesen Zöllen ein festes System befolgt und dieselben Grundsätze in einen Jahrzehcnd wie im andern, damit die Gewerbe, diese einmal kennend, sich darnach cinrich- ten und vor Schaden hüten können. Man muß nun bei den Zöllen zweierlei Arten derselben unterscheiden: L) Nothzölle, die angelegt werden, um bestehende Fabricken von ihrem Untergänge zu retten, 2) Allgemeine Zölle, die nicht wegen einzelner Gewerbe angelegt werden, sondern bloß nur die Gewerbe und den Ackerbau im Allgemeinen zu begünstigenvon dem Gesichtspunkte ausgehend: daß der Lehnherr verbunden, die Lehne und die Lehnlcute zu vermehren, allgemeiner Nothdnrft und Sicherheit wegen. Was die Nothzölle betrifft, so ist dieses etwas, worüber sich nichts im Allgemeinen sagen läßt, sondern nur in einem gegebenen Falte bei gegebenen Verhältnissen und gegebenen Zahlen. Bei diesen fragt sich zuerst: Wie viele sind der Gewerbe, die sich jetzt im Rothstande befinden? — wie viel beträgt ihre Ausbeute? — Welche Mittel stehen uns zu Gebot, sie zu schützen? — Wie hoch müssen die Zölle sscyn, wenn sie ihnen nützen sollen, wenn sic als Prohibitiv- Zölle wirken sollen? — Wie dicht muß dann die Zolllinie besetzt seyn? — wie viel wird dieses uns täglich kosten? In den meisten Fällen wird man finden, daß cs damit geht wie mit den Barbaresken. Man wird finden,. daß der Handel im Mittcl- mccre weniger einträgt, als eine Flotte kosten würde, um ihn zu schützen, und daß, wenn man das Geld nimmt, so auf die Flotte verwendet werden muß, und gibt davon die Hälfte an den Day vonAlgier,so steckt erAlgier selber inBrand (wozu er sich bekanntlich schon bei der Belagerung von Kaiser Karl V. anheischig gemacht), und indem man die andre Halste an die wenigen Kaus- lcute Deutschlands gibt, die nach dem Mittel- mecr handeln, so stellen diese mit Vergnügen den Handel dahin ein, wodurch dann der Sache von zweien Seiten völlig geholfen ist. In allen den Fällen, wo der Bändel mehr kostet als der Sack, lasten es die Menschen gewöhnlich bei einzigen Philantropischen Redensarten, die sie wohlfeilen Kaufs geben —- und wobei sie dann hintendrein ganz vergnügt sind, obgleich gar nichts geschehen und beschlossen ist. H H * Was hingegen allgemeine Zölle sind, die nicht dem einen oder dem andern Gewerbe zu Liebe angelegt werden, sondern als Grenzfestun- 66 gen, wegen der Oberlehn des Staats, so glaube ich, daß man hiebei von dem Gesichtspunkte ans- gchen muß: daß sic niedrig sind, und — daß sie viel cinbringen. Beides gehört zusammen. Es liegt in der Natur der Dinge, daß das Wasser den Berg hinablauft, und daß wenn die Regierung eine Zolllinic anlegt und einen hohen Tarif bekannt macht, daß dann die Privatpersonen ebenfalls einen Zolltarif bekannt machen der niedrigere Sätze hat, als der der Regierung, und für diesen nun ebenfalls besondre Zollstadte an legen , die den Namen Defraude-Büreaus.führen. — Der Kaufmann sendet seine Waaren an den Spediteur, und dieser laßt sie an den Zollstädten cingchen, welche die niedrigsten Sätze hat. Was hilft es jetzt den Niederländern, daß ihre Zollbürcaus für 10 pCt. eingehende Rechte die Maaren durchlassen, da die Kette der Dcfrande-- Büreaus, die ebenfalls ums ganze Königreich geht, Pc für 4 pCt. einführen, und Bürgschaft für jeden Verlust leisten. Eine Folge hievon ist, 1) daß die Staatszölle wenig cinbringen, und 2) daß die inländischen Fabricken nicht um 10 pCt. begünstigt werden, sondern nur um 4 pCt. Ich glaube, daß man bei allen Zolllinien das zum einig leitenden Grundsätze zu nehmen hat. Die Satze so niedrig zu machen, daß sich 6 ? neben der Zollliuie des Staates keine zweite Zoll- linie von Privatpersonen bilden kann, die niedrigere Satze hat, als die des Staates. Die Dinge, die sich nicht schmuggeln lassen, wie z. B. Mühlsteine, Siropfaffer «. dgl., kann man höher verzollen, als andre, die leichter der Defraude unterworfen sind, und solche, die bei einem kleinen Umfange einen hohen Werth haben, als z. B. edle Metalle, Brabanter Spitzen rc., mnß man gar nicht verzollen lassen, weil ein geringer Zoll nichts trägt, und ein bedeutender sie die Zollstädte umgehen macht. Ist der Zolltarif so niedrig, daß Privatpersonen keinen niedrigem anbieten können, so brauchen die Zollstädte nur an den großen Wasscr- nnd Landstraßen angelegt zu werden; die Maaren verlassen dann ihre gewöhnliche Wege nicht, und bei geringen Erhebungskostcn geben die Zölle einen hohen Ertrag. Die Verzollung kann dann, so wie in Nordamerika, nach der Originalfaktnr geschehen, wobei keine Defrauden sind, sobald das Zollsystem auf festen und gerechten Grundsätzen beruht, die nicht jedes Jahr so oft ein neuer Minister oder ein neuerDonanen-Dircktor kommt, geändert werden, sondern stets dieselben bleiben — so daß das Publikum diese Gesetze eben so gut kennt, wie die Zollbedicnten. In Nordamerika, wo die Gesetzgebung öffentlich ist, und wo man nicht so über Nacht und in geheimer Weise eine Bestimmung trifft, die die ganze Gesellschaft 68 berührt, ohne daß diese etwas davon erfahrt, bis sie sie im Amtsblatte lies't, — geschieht die Erhebung der Seezölle grade auf diese Weise. Und obschon diese bis auf 16 pCt. gehen, (da sie die einzige allgemeine Staatsabgabe sind, so der Staat hat), so geschehen diese Angaben ganz ehrlich, und ein Kaufmann bewacht den andern, daß er die Gesetze nicht umgehe, — Dort lebt nemlich die Gesellschaft nicht mit der Regierung in einem heimlichen Kriege. Indem die Zölle auf diese Weise bloß Staatsabgabe sind, so befördern sie den Ackerbau der inländischen Gewerbe auf eine einfache und völlig naturgemäße Weise, wie man solches auch in Nordamerika gesehen, wo die Gewerbe mit jedem Jahre zunehmcn, ungeachtet der Arbeitslohn sehr hoch ist, weil die Bevölkerung noch so dünne, daß erst 360 Menschen auf der Quadratmeile wohnen. Zölle, die als Prohibitivzölle wirken, und die die Maaren von ihren natürlichen Straßen abführcn, zu diesen würde ich nie rathcn. Erstens bringen sie nichts ein, weil man eine doppelte und dreifache Donancn-Linie haben muß, so wie Frankreich, welche diesem Staate täglich 9000 Bcrl. Thlr. kostet. *) *) Nach spätern officiellen Angaben der französischen Regierung hatte Frankreich im Jahr i 3 i 8 nicht weniger als 26000 Douanen, die jährlich i 5 Millionen Frank testeten. Also täglich 41000 Frank. 69 Zweitens bildet sich bei dieser Hohe der Zölle eine neue Zolllinie von Privatpersonen, welche die Waarc gegen geringere Zollsätze eingehen läßt, und wo also die inländischen Fabrickcn nicht mit dein Procent begünstigt werden, was die Negierung nimmt, sondern blos mit dem, was die Privatpersonen nehmen. So werden z. B. in den Niederlanden die Fabrickcn nicht mit den 10 pCl. der Rcgierungszölle, sondern nur mit den 4 pCt. der Privatzölle begünstigt. Die Fabrikanten wollen: man soll strenge Gesetze gegen die Defraudeurs erlassen — man soll sie hängen, köpfen, rädern — dann höre die Kontrebande von selber auf. So könne man in Frankreich keine Baumwollene Artikel weder bei der Douane der Regierung, noch bei der Douanc der Privaten hercinbringen, auch wenn man 30 pEt. geben wollte, weil diese prokids wären, und die Uebertreter kriminell behandelt würden: Allein diese Strenge ist gegen die Milde der Sitten, die in unserm Zeitalter herrschend ist, und steht mit den übrigen Einrichtungen der Gesellschaft in keinem Verhältnisse. Die Privatdou- anen betreiben ihre Geschäfte mit den sogenannten Päckelträgcrn, welches arme Leute sind, die hieran etwas zu verdienen suchen, um, wie sie sich ausdrücken, Frau und Kinder ehrlich zu ernähren. Soll man nun so eine arme Frau, weil sie des Nachts einige Stücke Kattun über die Grenze getragen und damit erwischt worden, von ihren Kindern wcgreißcn und sie vom Prevotalhofe auf 10 Jahre verdammen lassen? >— Wenn die Gesellschaft aus diesem Punkte eine solche Strenge üben will, wie muß sie sich dann in ihren Strafen nicht steigern, da die Größe der Strafe doch immer im Verhältnis der Größe des Verbrechens seyn muß. — Steigert sic aber alle andre Strafen nicht in demselben Verhältnisse, so kehrt sie in den untern Volksklafscn alle Begriffe von Recht und Gerechtigkeit um, und um diesen Preis sind die Gewerbe zu theuer erkauft. s » » Man muß die Gewerbe in zwei Klaffen thei- len. In die erste gehören alle diejenigen, welche sich itens entweder von selber halten, da sie ganz auf das Land und seine Einwohner passen, oder die Aciis in den See- und Grenzzöllen hinlänglichen Schutz finden. In die zweite Klasse gehören die, welche in den gewöhnlichen See- und Grenzzöllen keinen hinlänglichen Schutz finden, und sich daher gegen die Ausländischen nicht halten können. Diese Klasse muß man wieder in zwei Unterabtheilungen thcilen. In die erste gehören diejenigen, denen das inländische Klima oder die inländischen Naturverhältnisse so ungünstig sind, daß sie gegen die ausländischen die unter gnnsti- — 7L geren klimatischen Verhältnissen leben, nie ankön- ncii- So wird man in Deutschland nie durch Prohibitiv-Zölle den Seidenbau begünstigen können, so daß die italienische Seide ausgeschlossen wird. So wird Frankreich mit seinen Eisenhütten und Waldungen nie gegen die Schwedischen Eisenhütten und Waldungen ankönnen, und nie so gutes, noch so wohlfeiles Eisen erzeugen, als Schweden ihm zuführt, und ihm — ungeachtet seiner Kanäle und Landstraßen —^mit geringeren Kosten zuführt, als wenn es das Eisen von seinen eigenen Hütten holt, da 500 Meilen Seefracht mit 3 Meilen Landfracht pari stehen. Da die Natur und alle klimatischen Verhältnisse in einem Jahrhundert sind wie im andern, so muß man auf diese Gewerbe gleich Verzicht thun, und nicht durch künstliche Mittel eine kränkliche Industrie hervorrnfen wollen, die doch heute oder msrgen wieder an der Bleichsucht dahin stirbt. In die zweite Abtheilung gehören die, melde durch Klima und Naturvcrhältniffe im eigenen Lande eben so sehr begünstigt sind, als im Auslände, die aber gegen die ausländischen Gewerbe nicht ankönncn, t) weil entweder bei andern Völkern die Gesellschaft eine größere Entwickelung und eine größere Vollkommenheit ihrer inncrn Einrichtungen erreicht hat, die dann auch zu einer größer» Vollkommenheit der Gewerbe führt, oder 2) weil jene Gewerbe schon länger bestanden, und dadurch schon eine größere Vollkom- menheit erreicht, welche angehende Gewerbe nie haben und auch nicht haben können. * -!- ü- Hier sind wir zu dem Punkte gekommen, um den cs sich eigentlich zwischen unfern und den englischen Gewerben handelt/ und worüber, wie Sie mein lieber Freund! sehr richtig bemerken, sehr viel unverständiges gesprochen worden, das füglicherwcise hätte ungcsprochen bleiben können. Die Uebcrlegenheit der englischen Gewerbe rührt zuerst von dem leichten Absätze her, den sie über die ganze Erde finden, da die Handelsflotten dieser reichen und mächtigen Insel alle Meere durchsegeln. Zweitens von dem großen innern Reichthum des Landes an Naturprodukten, an dem es ein größeres inneres Kapital besitzt, wie irgend ein anderes Land. — SeiN fruchtbarer Boden — seine Stcinkohlengruben — seine fischreichen Küsten. Man rechnet, daß in England ein Drittel der Nation hinrciche, um für sich und die übrigen zwei Drittel die Lebensmittel zu erzeugen und beizufahren.- Zwei Drittel können sich also dem künstlichen Ackerbau in den Werkstätten,- in den Kohlengruben, auf dem Seeschiffe, auf dem Webstuhle, auf der Schreibstube, im Waarcnla- ger und im Gewölbe widmen. 73 Drittens, die große Verständigkeit, so sich in diesem Volke über die innern Angelegenheiten des Landes dadurch verbreitet hat, daß das Oeffcnt- liche immer bei ihnen öffentlich gewesen ist, und indem sie — wie der Oberpräsident von Vincke in seiner trefflichen Schrift über die innere Ver- waltung von Großbritannien sagt — selbst Hand ans Regieren gelegt-, so haben sie soicheo praktisch gelernt, ohne daß sie auf Universitäten gegangen und Staatswisscuschaften und Kameralia studiert hatten. Wären sie immer von einer besonder« Beam- tcnwclt regiert worden, so waren sie eben so dumm, wie wir. Denn wie groß bei uns die Unwissenheit über öffentliche Angelegenheiten ist, das geht über alle Vorstellung, und nirgend siebt man cs mehr als beim Steuerwesen. In jeder Gemeine-sind im Durchschnitt keine sechs Personen, die wissen, wieviel die Gemeine bezahlt und wofür, und keine zehn sind in einem Regierungsbezirke, die wissen, wie viel der Bezirk bezahlt, und wie die direkten und indirekten zu einander stehen. Die große Entwickelung, die die Gesellschaft in England dadurch erreicht hat, daß dasOcffent- liche bei ihnen öffentlich ist, und die große Verbreitung der Kenntnisse, die hiedurch entstanden, und die große Verständigkeit, womit sie alles an- greisen, dieses ist wohl dasjenige, wodurch sie über benachbarte Staatsgesellschaften die gro- ßc Ueberlegcnheit üben. — Die Allmacht des Geldes ist bei ihnen größer als bei uns — das Thci- len der Arbeit geht viel weiter —- und der Austausch der Arbeit ist viel schneller — da alles sich mit einer beispiellosen Geschwindigkeit durch einander bewegt. Man rechnet, daß in dem eigentlichen England, in der Ebene zwischen den Schottischen und Wallischen Gebirgen der sechste Mensch immer auf Reisen ist. — Außer diesem mündlichen Austausche der Ideen und der Meinungen, findet noch ein schriftlicher statt, der eben so stark ist. Man sieht dieses an den 19 Postkutschen von London, die jeden Abend 35000 Briefe und 30000 Zeitungen mitnehmen, und in der Gesellschaft vcrtheilen. *) Durch das Thcilen der Arbeit haben sie eine ungemeine Zeitersparniß cingeführt, und sie thun in 365 Tagen so viel, als wir in 2000. Das thcnre Brod, was sie essen, wirkt daher weniger nachtheilig auf ihre Gewerbe, als man glaubt. Denn während eine gewisse Summe von Arbeit fertig wird, essen sie nur 365mal thcurcs Brod — wir aber 2000 mal wohlfeiles — und der Brodberg, den wir wahrend der Arbeit verspeist *) Der schriftliche Austausch für London und die nächsie Umgegend, für welche die Pennypost eingerichtet ist, ist allein so stark, daß diese Post jährlich §53ooo Thlr. rein ein» bringt, also mehr als die Hälfte von dem, was in unscrm Staate die Reichsxost von Memel bis Trier einträgt; die selten auf einen Reinertrag von 6so,ooo Lhlr- kommt. 75 - haben, kostet uns dann doch am Ende noch mehr, als der, den der Engländer während seiner Arbeit gegessen. Sie haben das klug eingesehen, daß bei allen Arbeiten und Fabrikaten die Hälfte an Kosten darauf gehen, an dem, was der Mensch in 24 Stunden an Lebensmitteln und Kleidung verbraucht. In Hinsicht des Essens ist nichts zu ersparen, denn der menschliche Magen fordert täglich sein bestimmtes Quantum an Lebensmitteln. Allein, wenn man in der Zeit doppelt so viel Arbeit macht- so ist die zweite Hälfte völlig Abgaben- und Spesenfrei. Daher ihre kluge Berechnung auf die Geschwindigkeit in allem, was die Bewegungen der Gesellschaft betrifft; daher ihre Schnelligkeit im Reisen, im Arbeiten, im Versenden; daher ihre Wetten auf Schnelligkeit — von dem Pferderennen an bis zu der Fabrikation wollener Tücher. — Die Wette des Herzogs von Bclford, daß die Wolle in 24 Stunden den Kreislauf der Fabrikation mit Scheeren, Waschen, Spinnen, Weben, Farben, Walken, Tuchscheeren, bis zum fettigen Kleide durchlaufen könne, ist in dieser Hinsicht äußerst bezeichnend und etwas mehr als ein gewöhnlicher englischer Witz. — Eben so merkwürdig ist die Aussage eines Reisenden, der zugesehen, wie die rotheu baumwollenen Taschentücher mit den weißen Müschen (Bandattäs) den Kreislauf des Färbens, Drückens, Waschens nndTro- Hand!, u. Gewerbe.' . ( 6 ) 76 — ckenens, nebst dem Verpacken in 15 Minuten durchlaufen, und im gewöhnlichen Gange der Fabrikation. *) Alles dieses ist Uebcrlegenheit der Gesellschaft, kn der nichts klimatisches liegt, und die wir eben so erhalten, wenn wir dieselben Staats-Institutionen haben, die auf dieser Insel schon so lange geblüht haben. Nach der Erblichkeit des Königthums, ist die vorzüglichste dieser Einrichtungen, die Oeffent- lichkeit der Gesetzgebung nnd die Provinzial-und Gemeine-Verwaltungen durch Landstände nnd Gcmeineschöffen, also durch Eingeborne nnd Eingesessene. Wir werden Landständc bekommen. Die Erklärungen von Preußen und Ocstreich am Bundestage lassen hierüber keinen Zweifel. Sie sind versprochen — man wird sic geben — aber mehr noch um Wort zu halten, als daß man allgemein die großen Vortheile einsieht, die der Gesellschaft daraus Zuwachsen werden. Ständische Verfassungen; diese sind das erste, mit dem man anfangen muß, und von denen allein dauernde Hülfe für unsre Gewerbe ausgehen kann. Wie will die Gesellschaft z. B. zu einem *) Auch die Amerikaner sehen ein, daß das Gehcimniß, der Fabrikation in der Schnelligkeit liegt. NachZeitungs« Nachrichten ist in Nordamerika, schon die Wette mit dem fertigen Tuch mit Stunden gewonnen worden, und ein anderer soll eine auf 12 Stunden geschlossen und mit 9 Stunden 4» Minuten gewonnen haben. 77 guten Zollgesetze gelangen, wenn ihre Gesetzgebung nicht öffentlich ist, wenn keine Einrichtung vorhanden, daß das Gesetz, ehe es ausgegeben, von allen Widersprüchen und Einwendungen kann getroffen werden, die sich dagegen machen lassen, wenn, wie Sie sich in Ihrem Briefe ausdrückcn, die Angelegenheiten der Nation nicht, wie in England von dem gesammtcn Verstände der Nation überlegt und berathen werden. Eine Regierung kann beim besten Willen in Handels-und Gewerbe-Angelegenheiten nichts leisten, wenn sic keine Institution hat, in der die Meinungen sich treffen können, und auf die die Ocffentlichkeit in gesetzmäßiger Weise einwirkt. — Ein Staatsrath kann Nachrichten sammlen Meinungen cinziehen — Urtheile vergleichen — aber alles bleibt immer einzelne Meinung; es entsteht auf die Weise keine Gesammt-Meinung, wie in einer Kammer, die öffentlich redet und in der jede dünne Meinung, die auftaucht und sich geltend machen will, entweder gleich durch einen Gegner vernichtet wird, oder doch den andern Tag in den Zeitungen, wo sie durch genaue Zahlen pulvcrisirt sind. Bei allen diesen Dingen machen die genaucnZahlen die Hauptsache-da um diese sich immer alles Urtheil, dreht—das so oder anders steht, je nachdem diese Zahlen so oder anders lauten. Deswegen reden die Engländer immer so verständig über ihre Angelegenheiten, weil das 78 Gespräch sich immer über genaue Zahlen hin und her bewegt, und sic nie so in allgemeinen Deklamations-Hebungen in den Tag hiueinrcden, wie wir. Hiezu kommt ihre große Wahrhaftigkeit — das Schimpfliche, was für jeden darin liegt, wenn er einer Unwahrheit geziehen wird. — Wenn nicht jeder genau die Wahrheit sagt, und wenn nicht jeder wohl unterrichtet über die Zahlen ist, über die er redet, so ist cs unmöglich, zu einem klugen Gesetze zu gelangen. Viele glauben, man bedürfe der Anstalten gegen Englands Manufakturen nicht — man könne die Hände in den Schooß legen, denn in zwei oder drei Jahren bräche dort alles von selber zusammen, und zwar unter der. Last ihrer Nationalschuld. Man glaubte dieses schon 1816. Jndcß ist cs nicht gebrochen. Der Moniteur berechnete im Jahr 1811 dieses Zusammenbrechen auf 1813, längstens 181N. Die Engländer selber berechneten 1810, daß die ganze Masse des BrittischeN National-Einkommens 132 Mill. Pfd. Sterl. sey, und daß die Nation mit 51 Mill. nothdürftig leben könne, so daß also 81 Millionen übrig blieben. Der Friede ist dä. Alle Nationen leihen Geld, NM die Schulden zu bezahlen, so sie im Kriege gemacht. — Wir haben in England fünf Millionen geliehen zu 7 pCt. die englischen Mi- nister haben in diesem Jahre ebenfalls 5Millioueu ans ihrem 15 Millionen starker Tilgungsfond geliehen, wodurch die Abtragung ihrer Schuld zwar verspätet wird, der Nation aber keine neue Auflagen aufgelegt werden. Hätten sie mit diesen 5 Millionen Stocks eingczogen so hätten die Minister 3^ pCt. Zinsen gespart, da dieses nicht geschehen, so ist die Sache so, als wenn sie ein Anleihen zu 3^ pCt. gemacht, also bedeutend wohlfeiler wie wir. Wie weit sie es in der Vollkommenheit ihres künstlichen Ackerbaues gebracht, beweist nichts deutlicher, als der Umstand, den Sie in einem ihrer Briefe anführten, daß sic die Zölle auf die Farbestoffe erhöht haben, daß vom 1. Juni an, Cochenille 5 Schill. Stcrl. zahlt, daß Wollenma- nusakturen ausgehend * pCt. bezahlen sollen, die Baumwolle eingehend wie immer, und Baumwol- lenwaaren ausgehend wieder ^ pCt.—Wir brauchen also ihre Maaren nicht zu besteuren, sondern sie besteuren sich selber — ein Zeichen, daß die Vollkommenheit ihrer Einrichtungen sp groß, daß sie, ungeachtet sie ihre Fabrikate ausgehend besteuren, sie doch noch Preis aus den fremden Märkten halten können. Fabrikate ausgehend zu besteuren und rohe Stoffe eingehend, ist eine solche merkantilische Ketzerei, daß die Professoren der Staatswiffen- schaften auf allen deutschen Universitäten in ihren Vorlesungen dagegen reden sollten, und zeigen. 80 daß solches stracks gegen die Theorie des Handels angche, und daß hieraus zu ersehen, daß die Englischen Minister nichts von der Kaufmannschaft verstanden, so wie sie schon früher erklärt: daß sie ganz unwissend in der Theorie des Geldes wären, auch in Orford und Cambridge nie Vorlesungen darüber gehört. * H H „Da aber nun geringe Aufsicht vorhanden, daß Englands Fabricken zu Grunde gehen, ungeachtet die Minister als Leute regieren, die auf Universitäten gar keine Staatswissenschaften gehört oder studiert, sollen wir denn nun unsre Gewerbe zu Grunde gehen lassen, und sie nicht in künstlicher Weise durch Prohibitiv-Fälle am Leben erhalten — so wie unsre Nachbarn, die Niederländer und Franzosen?" Wenn man sich bei Beantwortung dieser Fragen nicht in leeres Hin- und Herreden verlieren will, so muß man bestimmen: Welches ist die Anzahl aller Gewerbe? >— wie viele Menschen beschäftigen sie? — was ist ihr Ertrag? 2) Wie viele von diesen gehen ohne Prohibitiv- Zölle unter? 3) Wie viel Menschen beschäftigen diese, und wie groß ist ihr Ertrag? 81 Bei der Untersuchung dieser Frage» wird man finden: 1) Daß in Deutschland vielleicht nahe die Hälfte der Nation mehr oder weniger zu den Gcwerb- treibenden gehört — und daß die andre Hälfte blos und allein vom Ackerbau lebt, 2) Daß bei weitem die meisten Gewerbe von den Zöllen nichts empfinden und auf ihre gewohnte Weise fortleben, es mögen Grenz- und See- zöüe da seyn oder nicht, und diese mögen hoch seyn oder niedrig. Die wichtigsten Gewerbe sind die, welche das ganze Volk berühren und jeden einzelnen im Volke. Das Kapital, daß in ihnen rund geht, ist das größte. Das Kapital, welches jährlich in der Brod- konsumtion rund geht, ist unter allen das stärkste. Rechnet man, daß unter den 30 Millionen Deutschen 12 Millionen ihr Brodkoru kaufen, und daß auf den Kopf nur für 8 Thlr. Korn kommt, so beträgt dieses schon nahe 100 Millionen. Das Kapital, welches in Bier, Branntwein und Wein rund geht, ist wohl eben so stark. Das, was die Nation jährlich für Schuh bezahlt wird etwa 30 Millionen Thaler betragen, da man auf jeden Menschen im Durchschnitt jährlich ein Paar Schuh rechnen kann, welches groß und klein durch einander gerechnet, auf 1 Thaler zu stehen kommt. Jever Mensch trägt ein Hemd, und das Kapital, was kn der Lcinewand rund geht, mag wohl eben so viel betragen. Die Baumwollenfabricken kommen '— ungeachtet ihrer großen Ausdehnung — doch noch lange nicht an die Größe der Fabrikation der Leinewand, von der jede gutgeordnete Haushaltung eine kleine Manufaktur hat. Da, nach Leipziger Angaben, alle Maaren, so dort auf den Messen ümgeschlagen werden, nur 18 Millionen Thaler betragen, so sieht mau, daß diejenigen Gewerbe die bedeutendsten sind, die über die ganze Flache des Landes verbreitet sind, und die in jedem Dorfe und in jedem Hause einen Mittelpunkt haben. Alle diese bedürfen keines Schutzes durch Zolle. 3) Wie groß ist die Anzahl der Gewerbe, die des Schutzes durch Prohibitiv-Zölle bedürfen? — wie heißen sie?—wie groß ist das Kapitas, so von ihnen rund geht? Ohne daß man dieses in genauen Zahlen übersieht, laßt sich wenig Kluges und wenig Ausführbares über diesen Gegenstand verhandle». Wenn man diese Zahlen hat, so findet es sich vielleicht, daß die verschiedenartigen Meinungen sich ans folgenden Sätzen ansgleichcn: Erstens: wenn Unter IM Gewerben zwei oder drei in Noth sind, und sich ohne Prohibitiv- Zölle nicht halten können, so ist es nicht der Staatsklugheit angemessen, daß man dieser zwei oder drei Gewerbe wegen Prohibitivzölle anlcge, die dem Lande immer Millionen an Grenz-Bewachung kosten. Zweitens: sind diese zwei oder drei Gewerbe der Art, daß sich vorausschen laßt, daß sie in Zukunft, sobald sic den gehörigen Grad von Vollkommenheit erreicht, auf eigenen Füßen stehen können, so muß man sie nicht ertrinken kaffen, denn wenn die Ausländer sie so lange drücken, bis sie hin sind, so können sie natürlich nie die Vollkommenheit erreichen, welche die Bedingung ihres Lebens ist. Diese Gewerbe unterstütze man nicht mit Prohibitiv-Zöllen sondern mit Prämien, so aus der allgemeinen Zollkassc des Reichs genommen werden, und in welche die Fremden, gegen ihren Willen, zum Flor der inländischen Gewerbe steu- ren müssen. So wie die Grundsteuer für die Kriegsein- richtung des Reichs bestimmt ist, so scy die Zollkaffe für die gesellschaftlichen Einrichtungen bestimmt, von denen zunächst der Austausch der Güter und der Flor der Gewerbe abhäugt. — Man verwende alles Geld, was die Zölle tragen, auf Kanäle, Landstraßen, Posten, und befördere so daß große Tauschsystem, das aus dem Thcilcn der Arbeit hcrvorgcht, und das die einzige und bleibende Grundlage der Gewerbe ist, so wie ihre nie versiegende Quelle. Frankreich hat Prohibitiv-Zölle, deren Ver- waltung ihm mit der dreifachen Douanenlinie täglich YOOO Berl. Thaler kostet, und wobei noch eine zweite Zolllinie von Defraude-Büreaus ums Reich geht, welche für die Artikel, auf die sie sich eingerichtet, viel niedrigere Zollsätze haben, wie die Regierung. Hätte Frankreich statt Prohibitiv-Zölle andere, mit so niedrigen Sätzen, das keine Zolllinie von Privaten gegen sie aufkommen könne, weil die Maaren die gewöhnlichen Land- und Flnß- straßen nicht verlassen, um auf den Defraude- Büreaus cinzugchcn, welches doch nie ohne ttm- packen und mancherlei Kosten und Beschwerden geschehen kann, so brachten seine Zölle wahrscheinlich mehr ein, wie jetzt und die täglichen Kosten stellten sich wohl von 9000 auf 2000 Tha- lcr, da nun der Zollstädten so wenige geworden, indem alle Bewachungsposten wegfallen. Mit diesen 7000 Thalern täglichen Vortheils konnten nun die Gewerbe unterstützt werden, welche durch die ausländischen gedrückt werden, und wenn jedem Gewerbe die Kosten eines Tages verliehen werden, so kann man mit diesen täglichen 7000 Thalern schon jedes Jahr 365 Gewerbe über Wasser halten Ein Gewerbe aber, das in zwei oder drei Jahren das Allcingehen nicht lernt und auf seinen eigenen Füßen stehen kann, von dem muß man schließen, daß es doppelte Glieder hat, oder rachitischer Konstitution, und ein solches aufzuziehen, lohnt nicht der Mühe, da man ohnchüi wenig Freude an einem so kränklichen Geschöpfe erlebt. »Aber, so wendet man ein, Frankreichs Zölle sind nicht allein Prvhibitiv-Zölle, sondern sind Nothzollc, welche die Regierung bcizubchalten gc- nöthigt ist, da während des Kontinentalsystems viele Gewerbe ans eine künstliche Weise entstanden sind, die jetzt fallen muffen, wenn sie nicht ebenfalls auf eine künstliche Weise erhalten werden, und mit ihnen fallen die Kapitalisten, welche ihre Kapitalien diesen Gewerben anvertrauct, wodurch dann alle Verhältnisse im innern der Gesellschaft leiden würden, und der Verlust den die Nation dadurch erlitt, würde größer seyn, als der andre, den sie bei ihren Zöllen und ihren A-OOO Douanen hat, welche sie täglich füttern mnß.a Wenn es Nothzölle sind, so stehen die Sachen wieder anders, allein ob es welche sind, das kann man nur beurtheilcn, wenn man die genauen Zahlen über die Statistick der Gewerbe von Frankreich kennt, welche im französischen Finanzministerium sind zusammengestellt worden, und von denen in den Zeitungen bloß das Endresultat gestanden, daß in Frankreich in den Gewerben 1 Million 747000 Arbeiter beschäftigt werden, welche für 1362 Millionen Franken fertige Maaren lieferten. Wahrscheinlich sind in dieser Zahl die Land- gcwcrbc mit einbegriffen, z. B. das der Gerber, 86 das der Schuster, u. s. w., da diese alle in der Nolle der Patente sind. Allein, wie gesagt, um ein Urtheil hierüber zu haben, muß man die Liste der einzelnen Gewerbe kennen, um zu sehen, 1) wie viele von diesen Schutz durch die Prohibitivzölle finden, und 2) wie viel Arbeiter in diesen, durch die Prohibitiv-Zölle geschützten Gewerben beschäftigt werden, und wie groß die Summe ihres Ertrags ist? In England sind die Prohibitiv-Zölle ganz bestimmt Nothzölle, weil das Hauptgewerbe der Nation mit zu denen gehört, die durch die Zölle müssen geschützt werden, wenn sie nicht zu Grunde gehen sollen. Dieses ist der Ackerbau. Bei uns hat in dem Hungerjahre von 1816 auf 1817 jeder Mensch für 20 Thalcr Brod gegessen, wie solches die Rechnungen Ihrer Elber- felder Kornhansa auswcrsen. In England ist dieser Preis der gewöhnliche, und man wird an- nehmen können, daß die 14 Millionen Engländer jährlich für 280 Millionen Thalcr Brod essen. Wenn der Weitzen den Preis von 80 Schill. Sterling übersteigt, so darf nach der Parlamcnts- akte fremder Weitzen eingeführt werden, weil dann die inländische Weitzcnfabrikation hinlänglich durch den Preis begünstigt ist. Dieses ist z. B, jetzt der Fall, wo unser Weitzen die Maaß hinunter nach Holland und von da nach England geht. Dieselbe Quantität Weitzen, die in England 80 Schill. St. kostet, kostet in Brabant ,'ge- - 87 wohnlich 40 Durch die Prohibitiv-Zöllc wendet also die Nation ihrem Ackerbau einen jährlichen Gewinn von 14» Mill. Thalcr zu, ohne welchen er sich nicht halten könnte und die hohen Pächte an die Eigcnthümer bezahlen. Fielen die Pachte, so fiele der Preis des Ackerbodens- mit diesem die Kapitalien, so ans ihn verwendet worden, mit diesem vielleicht die große Gcldcirknlation, und die Kapitalien, die als Stocks ihrer Nationalschuld im Umlauf sind.—Denn der Ackerboden ist die eigentliche Hypothek, auf der ihre Natio- nalschnld gegründet ist, da jeder, der Stocks besitzt, diese täglich an der Börse gegen Ländereyen verkaufen kann. Daß der Ackerboden dieser Eigenschaft einer Hypothek der Geldcirkulation erhalten, sieht man an den Preiskouranten der Mäkler, auf denen angegeben ist, was zwischen 3 pCt., 4 pCt. und 6 pCt. Stocks nnd zwischen Ackerboden pari ist, wenn die 3 pCt. 55. 56. 57. 58-, ^ . . . stehen. So wie in andern Staaten das Metallgeld die Hypothek fürs Papiergeld ist, weil man jeden Augenblick das eine gegen das andere vertauschen kann, so ist es dort der Ackerboden, Und indem man in den Preiskouranten sieht, was zwischen den verschiedenen Effekten pari ist, so kann jeder gleich benrtheilcn, ob bei einem ihm vom Makler eingetragenen Handel es vortheilhafter ist, 3 pCt. Stocks oder Ackerboden zu kaufen, wenn er sek- 88 ber 5 pCt. Stocks besitzt, die er zum Austausch bieten kann. Wenn man diese Verhältnisse kennt, so sieht man, daß es durchaus leere Reden sind, wenn man von dem Ins talionis redet, wodurch man die Engländer zwingen will, entweder ihre Zölle gegen uns abzuschaffcn, oder wenn sie das nicht thnn, ihre Maaren ebenfalls mit 20 pCt. zu ver- ^ zollen, da bekanntlich die meisten Waarcn bei ihnen gegen 20 pCt. cingchen können. Gesetzt, die Engländer schafften ihre Zölle ab, was wäre die Folge davon? und wer hätte den Vortheil davon? — Etwa die Baumwollen- spinncr, die nur ihr Gespinst in England verkauften? oder die Kattunfabrickcn, die nun ihre Mouseline und Kattune übers Meer sendeten? — Schwerlich. Wer den größten Vortheil vom Auf- bcben der englischen Zölle hätte, das wäre — unser Bauer. Wenn dieser sich mit seinem Sack Wcitzen zu London auf dem Markt stellt, so kann er gegen jeden englischen Bauer verkaufen, wenn dieser auch den Schmalschen Schwing- pflug hat, und die Säemaschiene, und die Ernd- temaschiene, und die Dreschmaschicnc und alle andere Maschienen. Wenn also die Engländer ihre Zölle aufhe- ben, so essen wir alle theurer Brod, wie jetzt, nnd indem wir nun mit den Ins talionis unfern Willen gehabt, und die so allgemein gewünschte Gerechtiglcit hergcstellt worden, so werden unsre 8Y Fabrickcn davon keine sonderliche Vorthcilc verspüren. Auch unsre Linnenfabricken nicht. Denn bei ihnen hat der Mangel an Absatz zwei Ursachen. Erstens hat die Wohlfeilheit und die Schönheit dcS Baumwollcngespinnstes das Linnen- gcspinnst in vielen der kleinen Staaten, die wir eine Familie nennen, verdrängt. Zweitens haben die Linnen-Manufakturen in Irland sehr zugenommen, wo die Menschen noch ärmlicher von bloßen Kartoffeln leben, als im schlesischen Gebirge. Drittens drückt die Abnahme von einem einzigen Zehntel im Absätze schon ein Gewerbe ungemein, weil die Gewerbtrcibenden sich nicht einigen können, daß nun jeder gleich um ein Zehntel weniger machen läßt, welches doch das Einzige, wodurch der Sache gründlich zu helfen ist. Statt dessen sucht jeder den Absatz durch wohlfeilere Preise zu erzwingen, und indem nun die Gewerbtrcibenden sich wechselseitig die Preise her- nnterdrücken, machen sie die übrigen neun Zehntel des Artikels noch mit schlecht, da sie füglicher Weise noch gut hätten halten können. Sind nun die Preise endlich so schlecht'gcworden, daß sie nur mit Schaden verkaufen können, dann geben sie den Artikel auf. Hätten sie früher einen Thcil desselben aufgegcben, so wäre der ganze Artikel gut geblieben. Allein das geht grade wie bei einer Hungers- noth. Hätte sich die Gesellschaft 1816 gleich entschlossen, nur die Hälfte von Lebensmitteln zu verzehren, weil nur die Hälfte gewachsen war, welches das Einzige ist, was in solchen Fallen hilft, so hätten .sie zwar nur wenig Brod gegessen, allein wohlfeiles. Da sie dieses nicht that, sondern jedermann sich in gewohnter Weise satt essen wollte, so trieb sie sich den Kornpreis in die Höhe, und sie aß sich am Ende auch nur halb satt, aber nicht in wohlfeilem Brodle, sondern in theurem. H » » Wenn wir also bei unfern Zöllen von dem jus tsliouls reden, so müssen wir heimlich wünschen, daß die Engländer in solchen Ideen allgemeiner Gerechtigkeit nicht eiugehcn, weil uns wirklich nicht sonderlich viel damit gedient wäre. „Allein wir müssen ebenfalls, wie sie, 20pCt. „auf die Waaren setzen, Nicht allein als Prohibi- „tiv-Zölle, sondern als NothMe, nm die Fabriken zu erhalten, die bei uns, so wie in Frank- Elch, während des Kontinentalsystemö anfge- „blüht sind.« Um hierüber in verständiger Weise reden zn können, muß man zuerst so eine Statistik über die Gewerbe anfstellen, die der Minister von Frankreich über die französischen Gewerbe aufgestellt, damit man sieht. 1) Wie viele Gewerbe in Deutschland sind? Wie — 91 — viele Arbeiter sie beschäftigen? Wie groß das Kapital in Maaren , welches sie erzeugen. 2) Wie viele von diesen Gewerben Prohibitlv- Zölle bedürfen , und wie viele nicht? 3) Wie groß die Anzahl der Arbeiter ist- die in Gewerben beschäftigt werden - welche zu ihrer Fortdauer Prohibitiv-Zolle bedürfen, und wie groß das jährliche Kapital ihrer gefertigten Waaren ist? st) Da nicht um ganz Deutschland , wie um ganz England- ein breiter Wassergraben geht, so muß man berechnen, wie hoch diePrivatdouane ihre Zollsätze bestimmen wird , wenn die Regierung die Ihrige auf 20 pCt. setzt. Wenn diePrivatdouane ihre Sätze aufstpCt. setzt, so wie die auf der Niederländischen Grenze, so N>äre .für unsre Fabricken mit den 20 PCt. Noch wenig gewonnen, da dann die meisten Waaren wohl nicht auf der Reichsdouane eingehcn würden , sondern auf der Privatdoüane. Bevor jene Statistik nicht ausgestellt ist- laßt es sich durchaus Nicht beurtheilen , ob cs der politischen Klugheit angemessen ist, einen Zoll von 26 pCt. auf die eingehenden Waaren zu legen, gesetzt auch., daß Deutschland auf dieselbe Weise aus einem einzigen Souverainen Staate bestände, wie Frankreich. Allein der Umstand, daß cs aus 38 Svuvr- rainen Staaten besteht, würde schon allein die Handl, u» Gewerbe,. ( 1 ) 92 ganze Stellung der Frage mit den deutschen Zöllen andern. Alle Fabrikanten, so ich noch gesprochen, sind der einhelligen Meinung/ daß alle Binnenzölle in Deutschland müssen aufgehoben werden, und daß, so wie in England und Frankreich, blos Grenz- und Seezölle auf den Grenzen des Reichs müßten angelegt werden. Bei den vielen Territorien wird die Sache ihre Schwierigkeiten haben. Allein möglich und ausführbar ist sie. Bei der großen Lebendigkeit, so die Gesellschaft in ihrem Innern erreicht, seit das Volk aufgestanden, und die Gallier abgetrieben, so sich in seinen Sitzen niedergelassen, ist eine große Theilnahme am Ocffentlichcn allgemein rege geworden, weil jede Persönlichkeit bei dieser großen Bewegung Partie ergriffen hat. Da der dreizehnte Artikel der Bundesakte bestimmt/ daß in jedem Lande Landstände seyn sollen, die aus dem Volk hervorgchen und das Volk vertreten/ so findet diese Bewegung in jedem Lande ein gesetzmäßiges Organ, in welchem sie sich regsn und kund geben kann. Eine in unserer Zeit sehr allgemein verbreitete Idee ist dis Einheit von Deutschland. Diese Idee wird immer wach und rege gehalten, dadurch daß das Volk sieht/ wie sich das öffentliche Leben in den benachbarten Nationen regt/ die diese Einheit bereits erreicht / und die dieser Einheit gemäß eine öffentliche Gesetzgebung ha? — 93 — ben, in welcher alle großen Angelegenheiten des Volks unter den Augen des Volks in lebendiger Rede verhandelt werden, Und wie sich in dieser großen Staatsinstitutivtt Redner und Staatsmänner bilden. Diese Idee von der Einheit Deutschlands Hst die Deutschen immer bewegt. — Hermann wurde ihrentwegen von den Seinen erschlagen, nachdem er das 36ste Jahr seines Lebens Und das i2te seiner Feldherrnschaft erreicht. Er hatte erkannt, daß die Einheit Deutschlands das Einzige sey, wodurch Man sich mit Erfolgs den Einfällen der Nömerheere widersetzen könnte. >— Er wollte, wie Julius Cäsar, ein Reich stiften, aber die Zeit war noch nicht reif zu einem solchen Unternehmen. Auch die Sueven sahen die Nvthwendigkeit davon ein, und wollten einen deutschen Bund stiften, .so wie sie früher den Markomanncnbunv gestiftet, sie wollten ein Allem an nien, «inm Bund, in dem alle Abkömmlinge von Mann, dem Sohne des Teilt, vereinigt wären. So wie der Plan von Herrmann an der Eft fersncht der Fürsten der andern Stamme gescheitert, die den Besieger des Varus Und den Befreier des Vaterlandes nicht über sich erkennen wollten, so scheiterte der Plan der Suaden an der Eifersucht der Fränkischen und der Sächst« y/l - schen Vereine, welche fürchteten, daß in diesem Staatenbunde der Präsidialgcsandte immer ein Suabc scyn würde. Endlich kamen die Franken an die Reihe, nm Dcrsucbe zu machen, Deutschland zu einer Einheit zu verhelfen, nachdem cs den Sachsen (zu denen Hermann, der Cheruskerfürst, gehörte) nnd den Suaben mißlungen war. Den Franken gelang cs. Daß ihnen das gelang, was den andern mißlungen, hatte in zwei Staatsinstitutionen seinen Grund, so sie unter sich- getroffen. Zuerst hatten sie Könige-^ also eine Einheit und einenPlan in allen ihren Unternehmungen. Als sie sich zu einem Bunde vereinigten, so hatten sie bald bemerkt, daß es ohne Einheit nicht gehe, und daß man diese nur durch ein Herrschergeschlecht erhalten könne. Dann hatten sie andre Ackergesetze wie die Sachsen und die Suaben. Bei den Sachsen lag der Boden in geschloffenen Hofen, deren jeder nach unserer Art zu reden, die Natur einer Staatsaktie hatte. Die Vertheidignng des Vaterlandes war Erbelast. Weil diese Staatsaktien nicht getheilt werden konnten, so war keine Vermehrung der Bevölkerung möglich. Bei den Suaben war eine ganz andre Einrichtung. Alles Land gehörte dem Staate. Privat-Eigenthum gab es nicht; die Gesetze duldeten keins. Ihre ganze Einrichtung war auf den Krieg. Jährlich 95 pferchten sie sich fort, die Hütte und den Boden verlassend, den sie das Jahr über gebaut. Auch bei dieser Einrichtung, die ein stetes Nomadischen ist, bleibt die Bevölkerung schwach. Bei den Franken hingegen war aller Acker Privateigenthum, und hatte gar nicht die Natur einer bestimmten Staatsaktie, auch konnte er ge- thcilt werden, wie es dem Besitzer desselben genehm war. Hiedurch entstand bei den fränkischen Stammen die große Bevölkerung, und da diese mächtige Bevölkerung in ihrem Königthume eine Einheit hatte, so wurden sie die Besieger der übrigen Stämme und die Besieger der Gallier. Sie besiegten zuerst die Allemannier oder Suaden, dann die Sachsen. Unter ihrem Könige Clotar legten sie den Sachsen schon einen Tribut von 500 Rindern auf. Als das Merovingische Fürstenhaus gefallen und die Carolingcr den fränkischen Thron bestiegen, so vollendete Carl der Große das, was seine Vorfahren begonnen, und indem er das römische Reich in den Abendlanden wieder hcrgcstcllt, so gab er Deutschland die Einheit, nach der cs 800 Jahre lang vergeblich gestrebt. Jndeß gicng diese Einheit wieder verlohren, als Unglück mancherlei Art das regierende Haus traf, als dieses fiel — als Deutschland ein Wahlreich wurde — als diese Wahl in die Hände der großen Bedienten der Krone kam — als sich unter diesen die Landeshoheit entwickelte — als endlich der Kaiser völlig verschwand, Jetzt sind wir nun in unserer Geschichte wieder zu einem Staaten Hunde gekommen, Es würde vermessen sepn, bestimmen zu wollen, wie dw künftige Geschichte Deutschlands seyn wird, Allein das Streben nach Einheit ist geblieben, und den, der dem Volke diese bietet, den grüßt es als seinen Herrscher, Alles, was diese Einheit nur in irgend einer Weise begünstigt, das wird immer das Ziel des Strebens der Nation werden — nach diesem werden sich immer die Blicke des Zeitalters wenden und hierhin gehören auch: Die deutschen Reichs - unh GrenZ»ölle, * H ch Sobald die Gesellschaft eine gewisse Lebendigkeit in ihren innern Bewegungen erreicht hat, dann erreicht sie diese Dinge immer auf eine eigene Wesse, gewissermaaßen auf dem Wege der lUtation. sleberall ist Konkurrenz; der eine bietet dieses, der andere bietet jenes, und wer der Gesellschaft am meisten von dem bietet, was sie wünscht, ans dessen Seite stellt sie sich, Reichs- Grenz- und Seezölle sind in Deutschland entweder gar nicht zu erhalten, oder nur in vernünftiger Weise. 97 Wenn ihre Sätze so gestellt sind, daß ihrent- wegen die Maaren ihre gewöhnliche Land-und Flußstraßen nicht verlassen, und daß sich neben ihnen keine zweite Linie von Privatzöllen bilden kann, die niedrigere Satze hat als sie — dann sind sie möglich« Sollten aber ihre Sätze so seyn, daß sie als Prohibitiv-Zölle wirken, so ist es nicht zu vermeiden, daß eine Linie von Privat- douanen sich bildet, welche niedrigere Sätze hat und zugleich ungleiche. Nun verlassen die Maaren ihre gewöhnlichen Land- und Flußstraßen, und suchen die Büreaus auf, die die niedrigsten Sätze haben. Alle Grenzstaaten, die hiedurch leiden, beschweren sich dann über die Rcichszölle, und in ein paar Jahren werden sie wieder abgeschafft. — Wir haben es an den Französischen Douanen gesehen, wie diese die Maaren von ihren gewöhnlichen Wegen abführe,r, und wie unsre Fabrikanten ihre Maaren nicht auf der nächsten Grenze ließen eingehen, sondern sie nach Kehl sandten, weil dort die Büreaus der Privatdoua- nen am besten organisirt waren und die niedrigsten Sätze hatten. *) . !>l * « ') Zwei Gebrüder Manisre beschäftigten sich früher viel mit diesen .Privatzollen und mit sehr glücklichem Erfolge. Hierauf bezog sich der Witz des Grafen Süffy, des Mi« nisters des Handels, der dieses wohl wußte: H n'^ » äeux msnieres xour kslre I, controbaaäe. - 98 Dieses in Hinsicht der Gewerbe und der Zölle im Allgemeinen, und in Beziehung ans ganz Deutschland. Was nun nnsre Gegend betrifft, so glaube ich, daß die Gewerbe in ihr noch ans einer sehr soliden Basis beruhen. Die große Thätigkeit,, dann die im allgemeinen herrschende Sparsamkeit — von der nur wenige Ausnahmen sind — endlich die große Menge inländischer Kapitale, die« scs alles sind sehr sichere Grundlagen sür die Gewerbe. Hiezu kommt, daß die Gewerbe größten- thcils auf dem Lande zerstreut sind, und daß von unserer Bevölkerung von 8051 Seelen auf der Quadratmeile (Regierungsbcz. Düsseldorf) ungemein wenig in den Städten wohnen. Auf dem Lande lebt aber der Mensch immer mit ungleich weniger Anstrengung als in den Städten , weil alles viel woblfcilcr ist. ^') Gewerbe, die auf dem Lande zerstreut sind, beruhen immer auf der sichersten Grundlage, sie können nicht leicht von andern Gewerben nberby« *) Wie sich auf dem Lande alle Durchschnittspreise am ders stellen, als in den Städten, das sicht man im Katar ster. In den Landkantonen ist der mittlere Methwerth der Häuser gewöhnlich 16 bis 18 Franken, in den Stadt« kantonen i2c> bis 14» Fr. Wohnen muß jeder Mensch,-^ auch der Zimmermann, der Schreiner, der Maurer, dev Glaser, der an einem neuen Haufe arbeitet, und so geht der Miethzins von diesen schon wieder in den Kapital« werch des neuen Hauses, sowohl in d?r Gtadt, wst gnf dem Land- — teil und über Bord geworfen werden, da sie schon auf dem Marimo der möglichsten Wohlfeilheit, in Hinsicht des Lebensunterhalts, stehen. Ich habe eben bemerkt, daß die Irländischen Leinenfabricken noch wohlfeilere Preise haben, wie die Schlesischen, weil dort die arbeitende Klaffe noch wohlfeiler lebt. Eben so hat man berechnet, daß unsre arbeitende Klasse noch in einem gewissen Lnrus lebt, wenn man sie mit der arbeitenden Klasse in der Schweiz vergleicht, und man glaubt daher, daß es möglich sey, im Falle der Noth mit den Preisen des Arbeitslohnes noch heruntergehen zu können« Aehnlichc Rechnungen kann man über die Haushaltnngskosten der Fabrickherren a istcllen, die sich im Falle der Noth auch noch mehr hernn- terdrücken lassen, und schon durch den Umstand, daß die Gewerbe sich durchaus aufs Land zerstreuen, weil auf dem Lande eine 'Haushaltung nur die Hälfte von dem gebraucht, was sie in der Stadt bedarf, wo so viele sogenannte Chren- ansgaben sind, vom Schornsteinfeger angerechnet, der zur Ehre des Hauses einen Kronenthalcr erhält, wenn er sich in verbindlicher Weise in den Schornstein bemüht, bis zum Mairicsekretair, der wieder einen bekommt, wenn er einen fnngen Staatsbürger in den Civiletat eingeschrieben und diesem den Gang nach dem Rathhause erspart hat. — Solche und ähnliche Thorheiten begehen die Menschen nur in den Städten, wo eine große 100 Hörigkeit unter die Meinung der Nachbarn und Basen und Vettern zu finden. Auf dem Lande hat man wenigstens keine andre Thorheiten zu bezahlen, als solche, die einem Vergnügen machen, und hiedurch entsteht schon eine bedeutende Ersparniß in Hinsicht der allgemeinen Lebcnsspec- seu die auf jede 2ü Stunden kommen« Endlich ist es ein Glück, daß die meisten Gewerbe in der Gesellschaft völlig unabhängig von der Konkurrenz mit dem Auslande sind. Das Gewerbe der Schuster ist viel bedeutender, wie das Gewerbe der Kartunarbeiter; und wenn man in Deutschland die Menschen zählt, die von Schubarbeiten leben, so ist die Anzahl von diesen viel größer, als die, welche von Baumwollen- arbeiten leben. -i; ch Viel unvernünftiges Reden über die Noth und die Verhältnisse der Gewerbe entsteht dadurch, daß man in den Tag hinein redet, ohne Zahlen zu nennen, — ohne zu bestimmen: Welche Gewerbe in Noth sind und welche nicht in Noth sind,unh wie groß die Anzahl der Menschen ist, so von jenen leben, und wie groß die von diesen? Wenn wir uns von hem Joche der Engländer frei machen wollen, so müssen wir damit anfangen, mit gleichen Waffen gegen sie zu kämpfen, und vor allen Dingen arifangen, so kluge Reden zu führen, wie sie, und uns nicht weiter an allerhand leeren Deklamations-Uebungen erfreuen und ergötzen, so wie wir bis jetzt gethan haben. Bei Gelegenheit, daß im Jahr '.i lll die Kornbisi im Parlamente durchging, wurden von beiden Seiten, sowohl von den Ackerbcsitzern, als von den IFabrickherren, sehr viel Verständiges vorgebracht , und da auf diesem Punkte die Interessen entgegengesetzt waren, so einigte man sich darüber, haß man blys über genaue Zahlen reden wolle, nnd wer keine genaue Zahlen hatte, mußte stillschweigen. Es handelte sich bekanntlich NM die Frage Ob der Einfuhr des fremden Getreides sollte verboten werden, damit her englische Bauer das sei- nige desto thenrer verkaufen könne? Die Fabrikanten sagten: Nein! Denn wenn unsre Arbeiter kein wohlfeiles Brod haben, so können wir keinen wohlfeilen Tagclohn haben. Unsere Fabrikate werden dann so theuer, daß wir auf den ausländischen Märkten keinen Preis halten können. — Wir müssest unsre Fabrickcn Hann still setzen, Und Englands Größe, so auf seinem Handel und auf seinen Gewerben beruht, geht verkehren, Die Bauern sagten; Mit nichten! Wenn durch di? Gesetze das ausländische Korn nicht vom Markte gehalten wird, so gehen wir zu Grunde«. Wir können bei unfern Preisen, des TagelohnS Und der Steuern aller Art, das Korn nicht so wohlfeil bauen, als es der Bauer in Polen und in Rußland kann, wo die Bevölkerung sehr dünne, und alles um die Hälfte wohlfeiler ist, als bei uns. Bei der Leichtigkeit und Wohlfeilheit der Seeschiffahrt ist cs eben so gut, als wenn Danzig und Riga nur zehn Meilen landeinwärts von London läge; — sobald also ein fruchtbares Jahr kommt, so verdrängen uns die Ausländer vom Markte; denn wir können unter 80 Schilling, das Quarter nicht bauen, wohingegen cs aus der Ostsee und ans Holland und Brabant für 40 Schilling kann eingeführt werden. Der Ackerbau- muß also bei uns aufhören, und alle Kapitalien gehen verloren, so auf dieselben verwendet werden. Daß unsre Fabrikarbeiter thcnres Brod essen, das ist freilich schlimm; allein in sofern dieses auf unfern ausländischen Handel Einfluß hat, (daß nämlich die Thcurung des Arbeitslohns das Fabrikat vertheuert), so ist solches von einer geringen Bedeutung, da, wie jedermann weiß, die Konsumtion unserer Fabrikate im Innern viel bedeutender ist, als die Konsumtion derselben im Auslande. Indem nun über diese entgegengesetzte Meinungen gestritten wurde, so wurden folgende Berechnungen vorgelegt. Im Jahr 1811 waren 895998 Familien hauptsächlich mit dem Landbau beschäftigt. In demselben Jahre waren L Mill. 129049 103 Familien mit dem Handel, Manufakturen und Handwerken aller Art beschäftigt. Für den ausländischen Handel waren, nach Colquhoutt, ll06350 Personen beschäftigt, oder 101587 Familien, da man in England auf die Familie vier arbeitende Personen rechnet. Mit dem ausländischen Handel und mit den Gewerben, so sich auf den ausländischen Handel beziehen, war also nur ein Achtel von der Anzahl Familien beschäftigt, die mit dem Ackerbau beschäftigt waren. Hieraus folgte, daß die Fabrikanten, so für den auswärtigen Handel arbeiten ließen, still- schweigen mußten, sobald von einem Gesetze die Rede war, was den Ackerbau begünstigte, da sie nnr ein Achtel der Ackerbauer ausmachten. Als dieseZahlen vorgelegt wurden, so schwiegen sie auch ganz still; denn daß sie nur ein Achtel betragen, das hatten sie nicht gewußt; so wie auch unsre Heuerleute es in ihrer naiven Unwissenheit nicht bemerkt hatten, daß sie nur ein Neuntel der Nation betrügen. *) Sie hatten sich eingebildet, daß sie zwei Drittel der Nation betrügen, und es war ihnen nicht zu verdenken, daß sie einigermaßen in Zorn geriethen, als das Verfasi sungsbüchleiN nach ihrer Meinung die Pluralität der Hausväter zu Passivbürgern machen wollte. — Als sie aber hörten, daß ihrer nur ein Neuntel sey, so giengen sie in sich, und dachten: Wenn die übrigen acht Neuntel der Nation kluge Gesetze machen, so wird sich leidlich gut — 104 So wie in Hinsicht der Anzahl der Familien der auswärtige Manufaktur-Handel sehr gegen die Anzahl der Familien zurücksteht, so Ackerbau treiben — so steht auch der Betrag des Gewinn- stes zurück. Die Zoll-Listen zeigen/ daß der Werth aller von England ansgcführten Maaren in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt nicht mehr als 50 Mill. Pfd. Sterl. betrug. Rechnet man hierauf l5pCt. als Gewinnst, so beträgt dieses 74 Millionen. Pitt schlug hingegen schön im Jahr 1798, als er die Einkömmentare einführte, die reine Bodenrente von England zu 25 Mill. Pfd. Sterl. an, und die Zehnten zu 5 Millionen; und seit dieser Zeit hat sich die Bodenrente verdoppelt. Aus diesen Zahlen ergab sich, daß der Reinertrag des Landbaues, das Siebenfache vom Reinerträge des auswärtigen Handels war. William Spence sagte damals! ,'Was würde man von einem Privatmanne sagen, der ein Gewerbe, das ihm 70000 Pfd. Sterl. einbrächrc, zu Grunde gehen ließ, NM ein anderes zn erhalten, welches ihm nur 10000 Pfd. Sterl. einbrächte? — und Was verdienen wir, die wir unaufhörlich im Parlamente rufen: Unser Handel! leben lasten, wenn wir auch, s» wie die Heuerleuke in Frankreich, England und Nordamerika nicht zur Gesetz» Hebung berufen werden. 105 Unser lieber Handel! Unser unschätzbarer Handel! — Unser Alleinhandel ist eine Nebensache. — Wir sind die erste landbaucnde Nation von Europa- und dadurch die reichste und mächtigste Nation. Ans dein Kontinente ist drei Viertel der Volksmenge mit dem Landbau be- beschäftigt. Allein wir haben unfern Ackerbau zu einer solchen Vollkommenheit gebracht, daß nur ein Drittel der Nation damit beschäftigt ist, und daß dieses Drittel hinreicht, um für die ganze Nation die Lebensmittel zu bauen.« "Den Tadel, dieses nicht einzuführen, zieht sich nicht allein die kaufmännische Klasse zu, sondern auch die Landbauende. Demi diese hat sich den Anmaßungen der Kaufmannschaft nicht wider- setzt, noch ihren Anspruch- die erste, wesentlichste Und ehrwürdigste Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft zu scpn- geltend gemacht. — Es giebt bei uns 150 verschiedene Artikel, deren Einfuhr durch besondere Bills verboten ist — nur ist keine gegen die Einfuhr des Korns vorhanden- welches der Polnische Edelmünn für 3o Schilling baut, Und dadurch den englischen Bauer so oft vom englischen Markte treiben kann, Äls es ihm beliebt.^ Eotquhoun berechnete, daß in England ein Kapital von 1500 Millionen im LandbaU stecke. Das Kapital- welches in Manufakturen und Handel stecke, Kanäle und Bergwerke Mit eirigeschlöss .sen, betrage nur ützO Millionen, Jenes vermehr- te sich in den Jahren 1812 und 1813 um 21ü Millionen, dieses nur um 16 Millionen» Nachdem die Debatten im Parlamente von beiden Seiten mit großer Heftigkeit geführt worden, so kam es zum Abstimmen und die Kornbill ging durch- ungeachtet an dem Tage ein Auflauf des Volks von London war, das sie verhindern wollte, um wohlfeiles Brod zu essen, — ohne nach Polen zu gehen» Es begriff nicht, daß solches in Altengland nicht mehr möglich ist. Für den Quarter Writzen wurde als Normalpreis 80 Schilling gesetzt. — Wenn er über diesen Preis geht- so ist die Einfuhr erlaubt. *) Man sieht an diesem Beispiele, was es für ein Volk werth ist, eine öffentliche Gesetzgebung zu haben, wo alle seine Interessen im großen Lichte des Tags verhandelt werden, und wo es grade durch diese Verhandlungen über dieselben aufgeklärt wird — und nun nicht allerhand unsinnige Forderungen an die Regierung macht, die Liese nicht befriedigen kann, weil sie an sich etwas unmögliches enthalten. Dann sieht man *) Der Quarter Weisen wiegt 420 Pfd. 80 Schill. Sterling sind beiläufig 26? Perl- Thlr., dieses macht den Berliner Scheffel, so 90 Pfund wiegt, z» 5 Rchlr. »Ggr- 4 Pf- Die Land < Surregers (Abschätzer,) so von beiden Parteien waren ernannt worden, gaben den Preis von 76 bis 86 Schilling an, für die noch Weitzrn in England könne gebaut werden. 107 — auch, wie durch eine Berathung, bei der der gesummte Verstand der Nation gegenwärtig, die Meinungen sich zuletzt auf den Rechten vereinigen und auögleichcn; — indem die verschiedenen Interessen sich bekämpfen, behält zuletzt immer dasjenige die Oberhand, welches das Stärkste in der Nation ist. Und das V. R. W. -j- -<- « Jeder Staat muß sich in seinem Zollsisteme nach seiner Oertlichkeit richten, und nach der Lage, in der er sich befindet. Unsre Lage ist so sehr von der von England verschieden, daß es unmöglich für uns ist, auf ein ähntickes Zollsistem zu kommen, wie das auf jener Geld-und Gc- werbercichen Insel. Vielleicht ist es sogar unmöglich, auf ein Zollsistem zu kommen, wie das von Frankreich, obgleich dieses ebenfalls ein Staat des Festlandes ist, und in allen Verhältnissen ungleich mehr Ähnlichkeit mit uns hat, als England. Frankreich hat 500 deutsche Meilen in See- und Landgrenzen und wir haben 650 deutsche Meilen See- und Landgrenzen. Frankreich hat nach den neuesten Angaben ein Korps von 26't62 Zvllbedientcn, welche jährlich 15 Mill. kosten. Preußen muß bei demselben Zollsisteme und bei derselben Dichtigkeit der Donanenlinie ein Handl. u. Zew.'N'e. ( 8 ) — 108 — Korps von 3^00 Zollbedicnte» haben, welche, wenn sie in gleichem Vcrhältniffe bezahlt werden, jährlich 20 Millionen Frauken oder 5 Millionen Berliner Thalcr kosten. Frankreich hat nahe 30 Millionen Einwohner. Preußen nur 10 Millionen, also nur 1 Drittel so viel. Seine innere Konsumtion und der Ertrag seiner Zölle kann dann auch nur ein Drittel seyn. Im vorigen Jahre wurde ^der gesammte Ertrag der preußischen Zölle auf nahe 4 Millionen angegeben, und nach dem damaligen neuen Finanzplane des Grafen von Bülow sollten sie auf 5 Millionen Reinertrag gebracht werden. — Wie hoch sich die Vcrwaltungskosten der Zölle beliefen, darüber ist nichts bekannt geworden. Nach der französischen Verwaltungsweise würden die Kosten ebenfalls auf 5 Millionen Thaler kommen, wo also die Erhebungskosten sich eben so hoch stellen, wie der Reinertrag. — Dieses Verhaltniß wäre noch ungünstiger, wie das bei der Lotterie, wo, wie aus den französischen und englischen Verwaltungsberichten hervorgeht, die Kosten der Verwaltung 40 pCt. des Bruttoertrags wegnchmen. Ich muß den langen Brief wohl schließen. Daß vieles in ihm vorhanden, das nicht für Sie, mein verehrter Freund! geschrieben, sondern für Andre, — dieses bedarf kaum einer Erwähnung. Brüggen, den 6. Mai 1818. B-g. Zweite Abtheilung. Bittschriften an die Regierung über Gegenstände des Handels und der Gewerbe. Das Recht der Bittschriften. (clrolt äes ziekltions. ) ^L^as Recht der Bittschriften gehört mit zu den wesentlichen Rechten einer freien Verfassung, und wir sehen, welche Wirkung solches in England und in Frankreich auf die Regierung des Landes übt. In der Englischen Verfassnng ist ein besonderer Artikel über die Bittschriften. 2n der Bill c>5 klAkts lautet der fünfte Artickcl wie folgt: „Die Unterthanen haben das Recht, Bittschriften „vor den Thron zu bringen (cloo pernion lel^nZ) „und alle Verhaftungen und Verfolgungen wegen „Pctitionirens sind rechtswidrig.« Die Brittschriften können an die Krone gerichtet seyn, (aber an keinen Beamten der Krone,) und sie können auch an die Kammern gerichtet werden. Ebenfalls können sie von jeinzelnen Bürgern unterzeichnet seyn, oder von einer Mehrzahl von 112 Bürgern, so sich zur Unterschrift einer Bittschrift vereiniget haben. Auch können sie von cinerKör- perschaft unterzeichnet werden, wie z. B. von einem Magistrate, von einer Synode u. s. w. Sie können nicht gedruckt scyn. Der Ausdruck, daß sic eine Schrift sind, wird wörtlich genommen, und als vor ein paar Jahren Lord. Eochrane im Englischen Unterhause eine große Anzahl Bittschriften, die eine Parlaments-Reform betrafen, einbrachte, so wurde die Annahme von Seiten des Hauses verweigert, weil man sie hatte drucken und sie auf dem gedruckten Bogen unterzeichnen lassen, um desto leichter eine große Menge Unterschriften sammeln zu können. Hiedurch ist indeß nicht verboten, daß man den Entwurf zu einer Bittschrift drucken lasse. Dieses ist erlaubt, und in vielen Fällen sogar sehr zweckmäßig, damit jeder Bürger, der angc- sprochcn wird, die Bittschrift zn unterzeichnen, diese vorher mit nach Hause nehmen kann und mit Aufmerksamkeit durchlescn, damit er sich mit völliger Kenntnis? der Sache entschließe: Ob er an derselben Thcil nehmen will oder nicht. So war auch die Koblenzer Bittschrift gedruckt worden, nachdem sic den I8tcn Oktober in Koblenz von einer Anzahl Bürger unterzeichnet, welche sich zn einem Mahle auf der Jnnkerherbcr- ge (Kassino) versammelt — trcnblcibcndcr alten deutschen Sitte, Staatsgcschäfte beim Gelage zu 113 überlegen, weil dann, so erzählt Tacitus, nach der Meinung der Deutschen das Herz der Fröhlichkeit offen und aller Hader vergessen sey. *) Die gedruckte Bittschrift wurde nun in die Gemeinen des Regierungsbezirks vertheilt, damit jeder sic lesen und mit völliger Kenutniß der Sache sie unterschreiben könnte. Die Unterschriften aber geschahen nicht auf gedruckten Bogen, sondern auf geschriebenen. Unterzeichnet eine große Anzahl Bürger, so müssen diese Unterzeichnungen auf mehrern Abschriften der Bittschrift geschehen, welche dann, indem sie alle vereinigt werden, ein Ganzes machen. — So bildeten die Unterschriften unter der Koblenzer Bittschrift, als Görres sie mit zehn Theiluehmcrn dem Staatskanzler mit der Bitte übergab, sie an den Stufen des Throns nicder- zulegen, einen Folivband Unterschriften, da an 50N0 Bürger unterzeichnet hatten. *) Auch pflegten sie bei Gelagen über Aussöhnung mit Feinden, über Heirathsstiftungen und Herzogen»,«»! zu berathschlagen, sogar über Krieg und Frieden. Als wenn der Geist zu keiner Zeit für sanfte Gefühle offener, oder für die wichtigsten Angelegenheiten erwärmter wäre. Ein Volk, so wenig tückisch, als verschlagen, blößce in seiner ungezähmten Lust jedes Geheimniß des Herzens- Nachher wurde das, was jeder frei und offenherzig geäußert, den folgenden Tag von neuem in Ueberlegung gezogen. Beide Zeitpunkte hatten ihren Werth, denn sie berachschlagten, wenn sie nichts von Verstellung wußten, und beschlossen, wenn sie vor Jrrchum sicher waren. Tacitus über die Sitten der Deutschen. 11 ^ Bei so großen Bittschriften ist cs am besten, daß sic Gemeinde Weise unterzeichnet werden, wo dann der Mayer oder Bürgermeister die Richtigkeit der Unterschriften durch die scinigc anerkennt, welches er zu thun gehalten, er mag nun selber für seine Person der Bittschrift bcitretcn oder nicht. Die Unterschriften der Bürgermeister werden von dem Landrathe des Kreises anerkannt, in dem die Gemeinen liegen. Ans diese Weise wird überall die gesetzliche Form beobachtet, und die Wahrheit der Thatsache: daß diese Unterschriften wirklich zu dieser Bittschrift von den Bürgern gegeben sind, deren St amen da stehen, über jeden Einwurf nnd Zweifel erhoben. ü- ü- 4- Dieses betrifft die Form. Was nun den Inhalt betrifft, so ist das Wesentliche bei jeder Bittschrift, welche von einer Anzahl Staatsbürger unterzeichnet wird, daß sie auch nun wirklich die gemeinschaftliche Meinung dieser Bürger ausdrückc; denn darin liegt eben ihre Starke, daß sic nicht die Meinung eines einzelnen ansdrückt, sondern die Meinung einer Mehrheit. Eine solche Bittschrift kann nur in gesellschaftlicher Weise zu Stande kommen, indem sich h zuerst einige wenige Bürger, denen die Sache ß am Herzen liegt, darüber bcrathen, die sich dann « mit andern wieder darüber besprechen, wo dann, ^ wenn die Sache hinlänglich greift, eine Zusam- mcnknnft statt findet. ^ Nachdem auf dieser die Sache von allen Sci- H tcn besprochen, so wird einer gewählt, der die l Bittschriften entwerfen soll, und noch etwa drcie r oder viere, die, wenn sic entworfen, sic gemein- « schastlich weiter berathcn. A Dadurch daß ein Einziger sie entwirft, wird l die Sache aus einem Guß und die Perioden werden j organischer Natur, so daß der eine gehörig aus dem andern herauswächst, und sic nicht stieben I einander liegen, wie in einem Conglomeratc, und z eine Art von Breccic, Nagcflue, Linsen oder z Puddingstein bilden- ^ Dadurch, daß sie einer gemeinschaftlichen Bc- I rathnng llnterworfcn wird, und daß diese zwi- ^ scheu wenigen Personen statt findet, welche voll- 1 kommen über den Gegenstand unterrichtet sind, 1 erhält sie den Karakter des Gcmeinschaftli- ' chen; Indem sich nun drei oder vier Meinnn- j gen auf einer einzigen Meinung ausgleichen müs- scn, so bekommt die Bittschrift eine gewisse All- 1 gemeinhcit, die sic geschickt macht, daß auch drci- H ßig und vierzig ihre bcsvndre Mcinnng in ihr L wicdcrfindcn und sie genehmigen. — Durch diese 8 gemeinschaftliche Berathung verliert die Bittschrift 116 allen Karakter von Individualität und Persönlichkeit. Haben diese drei oder vier sich über alles geeinigt, so nimmt der so die Bittschrift entworfen, diesen Entwurf zurück, und macht nun einen neuen Entwurf, der wieder aus einem Guß ist, und in welchem die Perioden wieder gehörig aus einander hervor wachsen, und ohne alle Korrekturen und Beinbrüche. — Ist man mit der Bittschrift so weit fortgc- rückt, so wird sie einigemal abgeschrieben, und um er die Thcilnehmer vertheilt. Jeder kann sie sich dann abschreiben, sie zu Hause dnrchstudieren und sie mit seinen Nachbarn, die ebenfalls daran Theil nehmen, in tlcberlegung ziehen. Nach 8 oder ia Tagen wird dann wieder eine Versammlung gehalten, und die Bittschrift erst im allgemeinen, und dann Punkt vor Punkt in Bcrathung gezogen, welches nun nm so leichter geht, da jeder Anwesende sowohl vom Ganzen als von jedem Einzelnen vollkommen unterrichtet ist. Bei dieser Versammlung muß derjenige, so sie entworfen, den Vorsitz haben, und die, welche bei der ersten Bcrathung waren, müssen in der Gesellschaft vertheilt scyn. Jenes ist nothwendig, damit einer vorhanden, der die Bcrathung immer auf die wesentlichen Punkte zurückführt, und es verhindert, daß — 117 inan in keine leere Reimerei mit wenig sagenden Deklamationen gcrathe.— Dieses, damit wenn sich irgendwo eine abweichende Meinung in der Gesellschaft entwickelt, die deswegen abweichend ist, weil sie irrig ist, ' diese gleich an einem Nachbargliede der Gesellschaft ihre Berichtigung findet, der der ersten Be- rathung beigewohnt, und also vollkommen über den Gegenstand unterrichtet ist. Bei einer solchen Berathung findet man nun, daß viele Meinungen deswegen ganz abweichend sind, weil sic irrig sind. Diese muß man daher zu berichtigen suchen, weil es unmöglich, sic ans einer Gemeinschaftlichen auszuglcichcn, so lange sic unberichtiget sind. Das einzige, was hiebei zu beobachten ist, ist das, daß man dafür sorgt, daß dieses schnell und kurz von einem geschehe,' der mit bei der ersten Berathung gegenwärtig, damit man nicht in verworrene Rcdnerei gcrathe, und verschlagen werde auf die hohe See allgemeiner Betrachtungen. Der Vorsitzende darf sich auf solche Berichtungcn nicht einlassen, weil er sonst leicht Partei nimmt und die leitende Ucbcrsicht verliert. Andre Meinungen in der Gesellschaft sind deswegen vielleicht abweichend, weil die Bittschrift noch nicht in der Mittlern Richtung der allgemeinen Meinung der Gesellschaft ist. Gewöhnlich lassen sich diese Meinungen durch kleine Abänderungen vereinigen, indem man ein einzel- — 118 iics Wort, oder eine einzelne Periode anders stellt. Indem man nun jede Persönlichkeit ehrt, '— jede Einsicht benutzt, nnd keine Meinung verletzt, so gelingt es gewöhnlich in einer mäßig kurzen Zeit, alle Meinungen auf einer gemeinschaftlichen ansznglcichcn. — Nur muß man die Sache nicht übereilen wollen, sondern sic ihrem natürlichen Gange und ihrer natürlichen Entwickelung überlassen. Für den Vorsitzenden ist das Wesentlichste, daß er sicht: Wie der Inhalt der Bittschrift eine Gesellschaft berühret, welche in völliger Kcnntniß der Sache ist. Daß er sicht, welche Vorurthcilc und welche irrige Ansicbtcn und welche Kenntnisse in der Gesellschaft in Umlauf sind, damit er im Voraus beurtheilen könne, welche Wirkung sie üben wird. Denn wenn man eine klare Ansicht von dem Kapital gewonnen, welches an herrschenden Vornrtheilcn und Jrrthümern und von herrschendem Verstände in einer Gesellschaft von 50 Personen vorhanden ist, — so hat man auch eine klare Uebcrsicht über des Kapital der Jrr- thümer, so in einer Gesellschaft von 5000 vorhanden, — und ebenfalls über das Kapital vom Verstand, so in ihr vorhanden. So etwas laßt sich aber nur in gesellschaftlicher Weise finden. Man muß die Menschen zusammcnbringen, um cs sich entwickeln zu lassen, und um es zu scheu. Ein Weltwciser, der in der vierten Etage wohnt, und die Welt ans seinem Stubenfenster betrachtet, — 119 — wird mit Lnsftsis und /rnal^sls inLnIwruni solches nicht herausrcchneu. Dieses ist eine Aufgabe aus der Mechanik der Gesellschaft, die sich nur in mechanischer Weise lösen laßt, nnd bei der die Rechnung ungemein zu kurz kommt. *) Indem nun der Vorsitzende den Verhandlungen der Gesellschaft genau gefolgt ist, so kann er, wenn er nun zum dritten Male die Bittschrift entwirft, diese so entwerfen, daß er genau die mittlere Richtung trifft, auf der sich die verschiedenen Meinungen vereinigen, nachdem sie vollkommen über den Gegenstand aufgeklärt sind. Man sieht aus dieser Darstellung, wie Bittschriften zu Stande kommen, und daß ihre Stärke nicht allein in der Anzahl der Unterschriften liegt, sondern darin: daß sie keine einzelne Meinungen enthalten, sondern eine Gemeinschaftliche, der jede Einseitigkeit benommen und an die sich *) Jener Feldherr, der, als die Nachricht kam, daß Buonaparte von Elba entwichen sey, gleich eine Gesell« schaft, von Männern und Frauen, und Gelehrten und Ungelehrten, und Staatsmännern und Kriegsleuten — zum Abendbrod bat und zum Kolloquium über Bonaparre «inlud, — verfuhr wohl nach ähnlichen Grundsätzen. Er wollte wissen, wie dieselbe Nachrichr die Gesellschaft in Europa berühren würde und auf welche Meinung sich die Gemeinschaftliche ausgleichen würde. — Wenn man die Richtung der magnetischen Kraft mit einer Nadel bestimmt, so nur einen Zoll lang ist, so weiß man auch die Mich« tung, m welcher sich eine Nadel von drei Fuß lang fest« stellen wird. - 120 gerade deswegen so leicht viele andre Meinungen anschließcn, weil sic die gemeinschaftliche Meinung einer Mehrzahl ist. Auch sicht man, daß diese Entwerfung der Bittschriften zugleich eine treffliche Uebung und Vorschule für ständische Berathung ist, denn diese beruhen in ihrem Wesen auf demselben Mechanismus. — Auch bei ihnen soll sich nach und nach aus einzelnen Mcinnugcn eine allgemeine Meinung bilden, in der jedes Einzelne vernichtet und untergegangen ist. Diese allgemeine Meinung ist nun diejenige , die durch die Sanktion des Königs zum Gesetze geheiligct wird. Die, welche die Verhandlungen bei Entwerfungen von Bittschriften mchrmalcn geleitet, werden eben so leicht die andern in der Kammer leiten. Denn alle folgen demselben Gange, und bei allen ist dieselbe Geduld nothwendig, die Meinungen sich entwickeln, bestreiten und aussöhnen zu lassen, und sie ihrem eignen inwohnenden Zuge anheim zu geben, — nur sorgend, daß der Streit der Meinungen sich zwischen angegebenen Grenzen bewege, und immer wieder auf den Hauptpunkt der Berathung zurückführc, indem jedes Abschweifcn auf andre Gegenstände unerlaubt ist. *) H H *) Nach den Gesetzen der Kammer ist jedes Mitglied berechtiget, darauf aufmerksam zu machen, wenn der Re< 121 Das Recht der Bittschriften gehört wesentlich zu einer freien Verfassung; erstens damü die Staatsbürger sich über dasjenige in gemeinschaftlicher Weise äußern können, was sie wünschen, und was sie dem Besten des Landes für angemessen halten, und zweitens, daß sie lernen, über das Gemeinschaftliche auch gemeinschaftlich zu verhandeln und so nicht immer und ewig ge- nöthiget sind, wegen hergebrachter Ungeschicklichkeit stets still zu schweigen. dende sich vom Gegenstände der Berathung entfernt, und zur Ordnung zu rufen. Der Präsident der Kammer thut dieses von Amtswegen. Entsteht Streit darüber, ob der Redende sich vom Gegenstände entfernt habe oder nicht, so kann der Präsident die Kammer durch Abstimmen zur Ente scheidung ziehen. Dieses geschah auch neulich in der fran« zösischen Kammer, wo einer von der Partei des Ultras re« dece, und die anderen zur Ordnung riefen, dieser aber behauptete, er hätte sich nicht von der Ordnung entfernt. Der Präsident befragte die Kammer und ließ abstimmen. Diese entschied, baß er sich von der Ordnung entfernt habe, und diese Entscheidung kam ins Protokoll der Kam, mer. — In England kommt cs selten dazu, daß die Kam, mer absttmmc, da dem Sprecher des Hauses, (der Präsi, dent) gewöhnlich in seiner Entscheidung geglaubt wird. So mußte noch neulich der Sprecher gegen den Minister Lord Castlereagh entscheiden, den die Opposition so lange geneckt, daß er zornig geworden, und sich im Eifer von dem Gegenstände entfernte. Die Opposition rief zur Ord» nung. Der Minister fragte den Sprecher des Hauses: Ob er sich von der Ordnung entferne habe; — und die Disposition hatte den kleinen Triumph, daß dieser Ja sagte- Bonapartc, der klüger war, als viele andre, wußte wohl, wozu das Recht der Bittschriften führe. Er verbot deswegen, daß die Staatsbürger sich versammelten, und einen Gegenstand in Ueberlegnng nahmen. Für alles wußte er und sein Moniteur gute Gründe anzuführen. Sie sagten: Die Bittschriften wären hänfig unvernünftig abgefaßt, oder würden auf Veranlassung geheimer Umtriebe gemacht. Diese Unschuldigen! Die unvernünftigen Bittschriften waren eben nicht die, die sie scheuten, sondern die andern. — Auch scheuten sie die von unbedeutenden Männern nicht, sondern die von Leuten, wie Imluv, kg)nousicl und solchen gekannten und geachteten Namen — die, wenn sie unter einer Bittschrift stehen, gleich eine Million Unterschriften auftviegcn und eine andre Million erwerben. Was die geheimen Umtriebe betrifft, so reden von diesen diejenigen Negierungen am meisten, die kein gutes Gewissen haben. Sprach doch Bo- uaparte sogar von geheimen Umtrieben, die unter den Deputaten der Departements am Ende des Jahrs 1813 statt fänden — und war sein trefflicher Minister des Innern, der Graf von Montalivet, nicht der Meinung, — man müsse die Kammer der Deputirten, die sich so gegen seine Majestät vergangen — decimircn — und — 123 den Zehnte,» todtschießen, um ein Beispiel anfzu- stellen. Die andern Regierungen verspüren von diesen geheimen Umtrieben nicht sonderlich viel. Eine Negierung, die gerecht und weise regiert, ist nicht zu stürzen, — auch ist aus der Geschichte noch kein Beispiel bekannt, daß eine solche sey gestürzt worden. Das über eine solche Regierung aber ebenfalls murmurirt wird, das wird niemanden wundern, der das Innere Getriebe der Gesellschaft mit seinem kleinen Räderwerke wohl durchgeschen — und erkannt: daß das Mnrmu- riercn eine beständige Funktion der Gesellschaft ist — so eine Art von Freudenhimmelchcn für die Philister, — da sie glauben; daß sie sich damit in der Gesellschaft wichtig machen könnten, daß sie alles bester wißen und alles tadeln. — Allein vom Murmuriercn fällt kein Hundestall ein, sondern solches verschwindet jeden Abend wieder eben so, wie es den Tag über aufgetaucht, und sinkt im Meere der Vergessenheit zu Boden, ohne daß den folgenden Morgen eine Spur davon zu finden. Allein anders ist es mit dem Murren. Es ist ebenfalls noch kein Beispiel aus der Geschichte bekannt, daß das Volk gemurret, wenn cs keine Ursache dazu gehabt — wenn in der Staatsverwaltung keine große und bedeutende Gebrechen vorhanden gewesen.— Sind diese vorhanden, so kann man leicht die Menschen auf einer gemein- Handt. ü. Gewerbe. ( 9 ) L24 schaftlichen Meinung vereinigen, und für eine Bittschrift viele Thcilnehmer finden, die um Abstellung dieser Gebrechen bittet. — Beim bloßen Mnrmurircn ist dieses nicht möglich. — Wie es von dieser Seite in der Gesellschaft bestellt sey, weiß niemand bester, als ein Zeitungsschreiber.— Wenn die Philister so recht am Murmuriren sind, und sich so recht bequem und behaglich und wichtig fühlen, indem sie in coi.ragcuscr Weise eklatante Dinge gegen die Regierung sagen — und bedeutende Fakta erzählen, so sich ereignet haben .— und man fangt nun an, sich genau nach diesen zu erkundigen, und zu versichern: man wolle solche Ungerechtigkeiten in der Zeitung bekannt machen, und die Sache allen Ernstes angreifen, und gleich Mann und Pferd nennen; —so gehen sie vorsichtiger Weise zurück, und sagen: sie wollten sich noch näher vergewissern, daß cs so sey. Mit einem kleinen Schreck, so der Mann und das Pferd befallen, ist dann die ganze Nednerei schnell zu Ende gebracht. It -I- ü- Daß zuZciten unverständige und bedeutungslose Bittschriften von bedeutungslosen Menschen zu Stande kommen, ist eine bekannte Sache. Selbst in England wo das Volk durch den An- theil, den es am Oeffentlichcn nimmt, über seine öffentliche Angelegenheiten so sehr verständig ge- worden, — ist dieses nichts Seltenes. — Wenn irgend so ein Dutzend Spießbürger beisammen sitzen, und die Noth dcS Landes in Betracht zie- hcn, so machen diese eine Bittschrift aus Parlament, in welcher .sie mäßig über die Minister schelten, und um nichts weniger, als um eine Parlamentsrcform bitten. — Sie senden diese an ein Mitglied des Hauses, dieser überreicht sie, und da nun niemand vorhanden, der sich einer so dünnen und nüchternen Bittschrift annimmt, so wird sie auf die Tafel gelegt, und das Haus fahrt in der Ordnung der Materien fort, die es an dem Tage zu verhandle» hat (das Haus, heißt cs, geht zur Ordnung über.) Anders aber ist es, wenn so eine Bittschrift von Lord Grcy abgefaßt- nnd von den Angesehensten in den Grafschaften unterschrieben worden. Diese ist dann mit einer genauen Kcnntniß des Gegenstandes abgefaßt,' und kommt zur Berathung. Und wenn sie auch nachher verworfen wird, so ist doch durch diese Verhandlungen die Nation über den Gegenstand vollkommen unterrichtet worden. Wenn die Leute das Recht haben sollen, vernünftig zu reden, dann kann man ihnen das andre, unvernünftig zu reden, nicht streitig machen. Eben so mit den Bittschriften. Wenn das Volk das Recht hat, vernünftige zu machen, so mnß cs auch das Recht haben, unvernünftige zu machen. Will man hierüber dem Minister ein Urthcil Zutrauen, so findet der zuletzt alles unvernünftig, was ihm unangenehm ist. » » rst Im Preußischen hat schon seit Friedrichs des Großen Zeit und früher jeder Untcrthan das Recht, an den König zu schreiben und ihm sein Anliegen vorzntragen. Auch ist er immer seiner Antwort aus dem Kabinette gewiß, die stets vom Könige eigenhändig unterzeichnet ist. Es ist begreiflich, daß viele dieser Briefe, so an den König kommen, unvernünftiger Natur sind. — Jeder der irgendwo eine Noth oder ein Anliegen hat, glaubt, daß der König ihm Helsen könne, und er brauche es diesem nur zu sagen. Andere glauben, daß ihnen Unrecht geschehen sep, an welchem Glauben nun wohl in den meisten Fallen mehr ihre geringe Rechtskcnntniß und ihre Unwissenheit in allem, was die Verwaltung betrifft, Schuld ist, als etwas anders. Alle diese Leute schreiben an den König, und so gehen täglich eine Menge Briefe ein von alten Invaliden, von Soldatenfrauen, von Bürgern und Bauern aller Art, die ihrem Wesen nach unvernünftig sind, und die sich der Briefsteller hätte ersparen können, wenn er die bestehenden Verhältnisse gekannt hatte. Auf solche Briefe kann nicht, anders als eine versagende Antwort ertheilt werden. — Von 30, die eingehen, mögen wohl 25 in der 127 Weise unvernünftig und unzweckmäßig sevn, daß sic keine Art von Erfolg haben, und daß sic eben so gut ungeschrieben hatten bleiben können. — Andre sind wieder leeren Inhalts, wie z. B. die des Baurcn Adam Müller, der nachher — sich freuend, eine Antwort vom Könige zu haben — diese in die Zeitung setzen ließ. Ungeachtet nun bei weitem die große Mehrheit dieser Briefe unvernünftig sind, so wird doch niemand wünschen und wollen, daß wegen dieser regierenden Unvernunft das Recht aufgehoben nxrdc, das jeder preußische Untcrthan hat, sich seinem Könige zu nahen, und daß er einer Antwort sich zn erfreuen habe. Indem er eine Antwort bekommt, ist er sicher, daß seine Sache bis zum Könige gelangt ist, und indem der König diese bei der Unterzeichnung durchsiehet — da sie immer ganz kurz und in ein paar Zeilen gefaßt ist >— so weiß der König, was allen geantwortet wird, und ist sicher, daß ihm nichts "verborgen bleibt. — Ob im Kabinette ein paar Sekretäre mehr gehalten werden und täglich ein paar Buch Papier mehr verschrieben, das ist ein kleiner Verlust, der bei der Trefflichkeit dieser Einrichtung gar nicht in Betracht kommt. Eben so mit den Bittschriften. Wenn auch einige unvernünftige mit unterlaufen, so ist dieses ein kleiner Nachthcil gegen den Dortheil, den cs hat, wenn eine Anzahl Staatsbürger einen Gegenstand, der das Wohl des Landes betrifft. 128 in gemeinschaftliche Berathung nehmen können, und hierüber eine Bittschrift abfassen, und solche dem Könige vortragen. So wie es eine Beruhigung selbst für den geringsten Unterthancn des Königs ist, daß er sich seinem Könige durch einen Brief nähern kann, und ihm sein Anliegen vortragen — so ist es auch eine Beruhigung für die Bürger, daß sie die Angelegenheiten ihrer Gewerbe, ihrer Stadt, ihres Kreises und ihrer Provinz in gemeinschaftlicher Weise in Berathnng ziehen können, und wenn ste sich geeinigt, in gemeinschaftlicher Weise an den König schreiben können. *) » » * So wie es für die Unterthancn der Krone beruhigend ist, sich dem Staatsoberhauptc nähcrir zu können, wenn sic in Noth sind, oder gedrängt werden, so ist es auch für den König ein Wahrzeichen, wie es im Lande hcrgeht, wie es mit der Rechtspflege beschaffen, und welche Arten von Beschwerden statt finden, wenn er in den Briefen und in den Bittschriften sieht, worüber man sich *) Bonaparte liefi nicht an sich schreiben; auch gelangte nichts an ihn, als was unter dreifachem Couvert ging, und wo auf dem Innersten stand: N L. Nt!, l'empeieur rnerne. — Von einer sanften und paterncllen Regierung wollte dieser xawr xsri-i,e nichts wissen. — Daß er jeman« den geantwortet, davon ist kein Beispiel bekannt. 129 — am meisten beschwert. Dir Wahrheit bleibt ihm dann nicht verborgen. *) * * Das Recht der Bittschriften, ist demnach ein wesentliches Recht der Staatsbürger in jeder freien Verfassung. — Es übt die Bürger, sich über die öffentlichen Angelegenheiten wohl auszudrücken, und nöthigt sie, sich vorher wohl zu unterrichten, weil sie ohne dieses sich nur in leere und nichtssagende Nednerci verlieren, mit denen sie ansgelacht werden, wenn ihre Bittschrift in den Zeitungen gedruckt wird. Es klart den Fürsten über die wahre Lage der Provinzen auf, (auch der entfernten) indem eine Bittschrift mit einigen Tausend Unterschriften, ein stärkeres Beweisstück ist, als einzelne Briefe und einzelne Berichte. Dadurch daß eine solche Bittschrift genöthigt ist, sich öffentlich zu bewegen — fällt der Verdacht aller heimlichen *) Bonaparte beklagte sich auf seiner Reise nach Elb« ganz naiv, daß man ihm immer geschmeichelt und nie die Wahrheit gesagt habe. 'Wenn er das nur gewußt, Laß die Franzosen nicht glücklich gewesen, so hätte er ganz anders und besser regieren wollen. Er bedauerte das Loos der Prinzen, die immer von Schmeichlern umringt wären und die daher teilen die Wahrheit hörten. Der arme um schuldige Mann! 130 — Umtriebe weg, da alles am großen Lichte des Tages geschieht, und der Fürst die Bittschrift vielleicht schon in sechs Zeitungen gelesen, ehe sie vollendet, und che sie zu ihm gelangt — da auf die Vollendung einer großen Bittschrift immer mehrere Monate hingehcn. Stehen gekannte Namen unter der Bittschrift, solche, die nicht allein zn den Eingeborncn gehören, sondern auch zn den Eingesessenen,—solche, die einen guten Klang im Lande haben —und auf die in Zeiten der Noth' ihre Mitbürger gesehen, so bürgen diese für die Sach? und für die andern Namen, die vielleicht nicht das Glück haben, dem Auge des Fürsten bekannt zu seyn. Alle gefährliche Eigenmacht der Beamten wird durch das Recht der Bittschriften abgeschnit- tcn — indem nun der Fürst unmittelbar erfährt, was die Provinz wünscht, und picht durch widersprechende einzelne Meinungen geirrt wird. So waren am Rheine einzelne Stimmen gegen die Leffentlichkeit der Gerichte und gegen die Ge- schworncn. Allein wie sehr dieses einzelne Stimmen gewesen, das würde sich offenbart haben, wenn diese es versucht, eine Bittschrift zn Stande zu bringen, in der der König um die Abschaffung dcr Oeffentlichkcit und um die Abschaffung der Geschwornengerichte gebeten wurde, wohingegen Tausende eine Bittschrift für die Beibehaltung derselben würden unterzeichnet habe». Eine Bittschrift, sy von 60 Staatsbürgern 131 unterzeichnet worden, wiegt in Hinsicht der Verständigkeit eben so viel, als eine, so von 6000 unterzeichnet worden. Denn eine Meinung, über welche sich 50 Menschen in gemeinschaftlicher Weise berathcn nnd ausgeglichen ist eben so allgemein, als wenn sie von 500 oder von 5000 wäre berathcn worden. Jede Individualität der einzelnen Meinung ist darin untcrgegangen. Da nnn, wie schon oben angeführt, die Stärke einer Bittschrift in ihrer Verständigkeit liegt, so ist cs hinreichend, wenn sie von einer geringen Anzahl Bürger unterzeichnet wird, vorausgesetzt, daß sie klug abgefaßt ist und mit völliger Kenntniß des Gegenstandes. — In England läßt man die Bittschriften, wegen der Parlamentsreform, jetzt nur von 20 Bürgern unterzeichnen, um alle größere Versammlungen zu vermeiden, und um dem Minister jeden Vorwand zu benehmen, daß er von Volksversammlungen, Volksunruhen und Volks- aufwiegclern reden könne. Jndeß gibt cs doch Fälle, wo es nützlich ist, die Bittschrift von einer großen Anzahl Bürgern unterzeichnen zu lassen. Es sind die: wo man der Regierung in offizieller Weise zeigen will, wie die Stimmung des Landes ist. Jeder, der Theil an der Entwcrfnng und Unterzeichnung von Bittschriften genommen, weiß, daß, sobald fünf angesehene Bürger sich über eine Bittschrift geeiniget haben Und solche unterzeichnet, daß dann die übrigen keinen An- 132 stand nehmen, sie ebenfalls zu unterzeichnen. Etwas, worunter 80 angesehene Namen stehen, genießt schon großes Zutrauen in der Gesellschaft, weil jeder fühlt, daß 50 Menschen sich nicht leicht vereinigen, ihre Namen unter etwas Unbedeutendes zu setzen. Betrifft es. nun einen Gegenstand, den das Dolk kennt und der ihm werth ist, so erfolgen die Unterzeichnungen in großer Menge,—und die Menge der Unterzeichnungen giebt dann Zcngniß von der Stimmung und Meinung des Volks. Ein Beispiel zu dem Gesagten lieferte die Koblenzer Bittschrift um Einführung der Landstande. — Daß Landstande etwas sehr wohlthäti- gcs waren, und daß deswegen die Fürsten in jenen großen Tagen Landstande versprochen, als (wie in altgermanischer Zeit) die Völker für den Herzog fochten, und der Herzog für den Sieg;— das begriffen die Rheinländer sehr gut, und deswegen Unterzeichneten 5000 Bürger jene Adresse zum Zcugniß der Stimmung des Landes. Für einen andern Gegenstand möchte es wohl unmöglich gewesen scyn, 5000 Unterschriften der Angesehensten des Landes zu sammeln, — auch wenn man das Unterschreiben auf die eine oder die andere Weise hätte begünstigen wollen. Früher wären wir Rheinländer aber auch dieser Einheit nicht fähig gewesen. Das Noch und Hungcrjahr 1816 hat sie uns gegeben. Indem damals die bestehenden gesellschaftlichen Ein- 133 ricbtungcn sich als unzulänglich bewiesen, und die versprochenen Früchte ausblicben, auf die man sich verlassen, so brach die Noch und der Hunger und das Elend mit Macht in die untern Volksklassen, und wenn da die Hülfe sich nicht im Volke selber entwickelte, so wäre das Elend nicht abzusehcn gewesen. In solchen Fallen treten nun die Namen hervor, die im Volke guten Klang haben, und das altrömische Ver- hältniß der Klientel tritt wieder ein, wo der Geringere sich in den Schutz des Mächtigem empfiehlt. Auf diese Weise entwickelten sich in allen Gemeinen und Ortschaften die Hülfsvereine, welche alle mit dem Koblenzer Ccntralvereine zu- sammenhiengcn, von dem sie ihre Früchte und ihre Hülfsmittcl bezogen. Durch diese Einrichtung hatte sich ein großes System von Verbindungen in der Landschaft entwickelt. In jedem Orte kannten sich die bedeutendsten Menschen, sie hatten mit einander gearbeitet, sie hatten wöchentlich Zusammenkünfte gehabt, und sie hatten es gelernt, wie man Geschäfte im Großen betreibt. Früher wäre cs sicher unmöglich gewesen, eine so große Adresse in der Landschaft zu Stande zu bringen. Auch würde es jetzt noch unmöglich seyn, über andere Gegenstände eine zu Stande zu bringen. — Die Idee von einer Verfassung ist die einzige, die jetzt so allgemein verbreitet ist, daß sich eine so große Menge Bürger zur Unterzeichnung einer Adresse an den König entschloß- scn; und doch wäre es vielleicht auch jetzt noch unmöglich gewesen, wenn nicht der große Zusammenhang durch die Hülfsvercine statt gefunden, wo der Mensch durch die Noth den Menschen näher gerückt worden und die Landschaft ihre Kräfte hatten kennen gelernt, so in ihr verborgen. Aus einem Schreiben vom Niederrhein, vom loten Juni. E-ei der Ankunft Sr. Durchlaucht des Fürsten Staatskanzlers in den Nheinlandcn, machten Dieselben bekannt, daß diejenigen, welche bcson- dre Wünsche und Anliegen hätten, so sich auf das Gemeinewesen bezögen, solche sich an Sie wenden möchten. Sie würden solche mit Vergnügen anhören, und sie Se. Majestät dem Könige vortragen. Auf diese Veranlassung haben die Fabrickher- rcn der Gemeinen Rheid, Gladbach, Vierssen, Süchteln, Kaldenkirchen und benachbarte Oertcr, in den Regierungsbezirken von Düsseldorf und Cleve, folgende Adresse an Se. Majestät den König entworfen und solche dem Fürsten Staats- kanzlcr mit der Bitte übersendet, sie an den Stufen des Thrones nicderznlegcn. 135 Allerdurchlauchtigster Großmächtigster, Allerguadigster König und Herr! Unterzeichnete Kabrickinhaber der Gemeinen Nhcid, Gladbach, Vicrssen, Süchtelen, Kaldenkirchen und benachbarte Oerter (zu den Regierungsbezirken Düsseldorf und Cleve gehörend) nahen sich in tiefster Ehrfurcht dem Throne Ew. Majestät, um vor demselben die Klagen über die Abnahme ihrer Gewerbe nieder zu legen, und um Hülfe von Ewr. Majestät zu erflehen. Seit wir aufgehört haben, zum französischen Reiche zu ^gehören, welches uns einen großen Markt bot, von dem die Negierung durch ihre Zoll-Linien jeden Ausländer ausschloß, und seit wir wieder zu unserm deutschen Vatexlande zurückgekommen, hat sich die Lage unserer Gewerbe ganz geändert, und die, so einst blühend waren —Sind jetzt am Sinken!!—-Von allen Märkten Eu- ropens sind unsere Gewerbe durch Zolllinien ausgeschlossen, indeß alle Gewerbe von Europa in Deutschland einen offenen Markt halten! Alle Staaten begünstigen durch Zollljnien ihre inländischen Gewerbe, blos Deutschland hat für seine Kinder keinen Schutz! — — Ist doch der Rhein noch nicht einmal frei von seinen Quellen bis ins Meer obgleich solches im Frieden verheißen und festgesetzt — und müssen nicht Deutschlands Schiffe, die auf Deutsch- 136 lands Strömen ins offene Meer gehen wollen, gegen die Stipulationen von Wien, in Holland hohe Abgaben erlegen, und durch allerhand Formalitäten ihre freie Durchfahrt gestöhrt sehen? Wir haben an demjenigen, was Ew. königl. Majestät in Mainz zu erklären befohlen haben, die väterlichen Gesinnungen, mit welchen Ewr. Majestät sich dem Wohle unseres Handels und unserer Gewerbe annchmen, mit dem innigsten Danke erkannt. Auch haben wir uns die Schwierigkeiten nicht verhehlt, welche ein wohleingcriehtetes Zollsystem für einen Staat hat, dessen geographische Lage so viele Grenzen darbi/tct, wie der Preußische. Unsre Rheinischwcstphälischc Mark hat 150 Meilen Grenzen bei einer Fläche von 830 Qna- dratmeilen und bei einer Bevölkerung von 2Mill. 850000 Seelen. — Wird um diese kleine Ländcr- Jnscl eine Zolllinie gezogen, so ziehen die Nachbarstaaten um ihre kleine Länder-Inseln ebenfalls eine, und der Deutsche wird dann bei jedem Schrittö/ so er über die Grenze thut, von deutschen Zollknechten geplagt, gerade als wenn er in einem feindlichen Lande reifete. Wenn dieselbe Zolllinic zugleich die andern Staaten Ew. Majestät umfaßte, und wenn unsre Waare siegen Ursprungsscheine frei eingehcn könnten, so würde dieses allerdings von großem Wcr- the für die Gewerbe söyne 137 — Allein die Vorthcile, die die Zolllinie «ns gewähren würde, standen doch vielleicht in keinem Verhältnisse mit den Kosten, so auf ihre Erhaltung müßte verwendet werden, da die östlichen Provinzen bei einer Landgrenze von 400 Meilen und bei einer Seegrenze von 100Meilen nur eine Fläche von 4100 Quadratmcilen mit einer Bevölkerung von etwas über 7 Millionen Einwohner haben. Wenn man bedenkt, daß Frankreich bei einer Seegrenze von 275 deutsche Meilen und bei einer Landgrenze von 230 deutsche Meilen eine Flache von mehr denn 8000 Quadratmcilen einschließt, auf der eine Bevölkerung von nahe 30 Millionen wohnt, so sieht man, daß Preußen bei 100 Meilen Seegrenze und bei 550 Meilen Landgrenze, nur unter sehr großen Schwierigkeiten auf ein Zollsystem kommen kann, das auf denselben Grundsätzen beruht, wie das Französische, indem Preußen nur ein Drittel der Bevölkerung von Frankreich hat, und dabei 150 deutsche Meilen mehr an Grenzen, als dieser Nachbarstaat. Bedenkt man ferner, daß die Höhe der Zölle immu als eine Prämie wirket, so auf die Kon trebande gesetzt wird, daß, sobald diese Prämie 10—15 oder 20 pCt. beträgt, der Drang zu dem Gewerbe der Kontrebande so stark ist, daß eine einfache Zolllinie schon nicht mehr genüngt, sondern daß einige Stunden hinter der ersten eine zweite Zolllinie muß angelegt werden / wo dann — 138 — alle Maaren, so sich zwischen der ersten und zweiten bewegen, der Aufsicht und den Untersuchungen der Zollbcdientcn unterworfen sind, daß diese doppelte Zolllinie, so Frankreich um sich gezogen, ein Korps von 24000 Douaniers beschäftigt, deren Besoldung den Staat täglich 9000 Berl. Thaler kostet, so erscheint es als unmöglich, daß die Gewerbe in Ew. Majestät Lande durch solche Zölle, die als Prohibitiv-Zölle wirken können, geschützt werden. Wenn der Zwischenraum zwischen beiden Linien nur zu einer Meile angenommen würde, so beträgt seine Fläche schon über 600 Quadratmci- len, welche dann das Theater der Verationen, der Kontrebandc und jeder Unsittlichkcit würde», so immer im Gefolge des schnell wechselnden Spielerglücks der Mcnschcnklasse ist, die sich mit diesem Gewerbe beschäftigen. Auch scheint sich in Hinsicht derVerwaltungs- kostcn, das Resultat für solche Zölle sehr ungünstig zu stellen. Als die französische Douanc am besten geordnet war, so betrugen die Vcrwaltungskostcn 17 pCt. der Einnahme. Früher hatten sie über 30 pEt. betragen. Da die Verwaltungskosten der Preußischen Zölle bedeutend größer werden müssen, weil 150 Meilen an Grenze mehr vorhanden sind, als in Frankreich, und da der Ertrag nur ein Dritthcil sepn kann, weil die konsumirende Volksmenge 139 — nur ein Drlttheil ist/ so würden die Verwaltungskosten vielleicht 60 bis 70 pCt. der Einnahme wcgnehmett! — Indem wir alles dieses sorgfältig erwogen, so haben wir es gewagt, uns dem Throne Ew. Maj. mit der unterthänigsten Bitte zu nähern, daß es Se. königl. Majestät gefallen möge, in gnädige Ueberlegung zu nehmen: »'Ob es bei der Lage der Staaten Ew. Maj., und bei der Lage der übrigen zum deutschen Bunde gehörigen Staaten, nicht zweckmäßig zur Belohnung der Deutschen Gewerbe sey, wenn alle Zölle im Innern von Deutschland aufgehoben würden, und blos Grenz- und Seezölle angelegt.« Alle Staaten haben die Verderblichkeit der Binnenzölle erkannt, so in allen aus frühem Zeiten stammten; sogar Spanien hat sie aufgehoben, und Deutschland ist der einzige Staat des Kontinents, der sie noch hat! Die Einführung der Grenz - und Seezölle wird bei der großen MettLe kleiner Staaten, in welche Deutschland gcthcilt ist, ihre großen Schwierigkeiten haben; allein diese Schwierigkeiten werden überwunden werden durch dieNoth- wendigkeit, den Grundsatz der Wiedervergeltuug gegen die Staaten anzuerkennen, die unsere Gewerbe entweder ausschließen, oder mit Zöllen beschweren. Auch unterliegt es keinem Zweifel, daß Handl. u. Gewerbe» ( 10 ) 140 sich hierin die Wünsche des gesammten Deutschlands vereinigen! — Es würde vermessen von uns scyn, der Weisheit Ew. Majestät mit Vorschlägen vorzugreifen, wie diese Zölle zu erheben und wie sie unter die Staaten zu vertheilcn, welche innerhalb der gemeinschaftlichen Zolllinicn liegen — Nur scy uns noch hinzuzufügen vergönnt, daß wir die Ansicht derFabrickinhaber von Aachen und Koblenz theilen, welche ebenfalls nicht in Binnenzöllen, sondern in Grenz- und Seezöllen, ein Mittel für die Erhaltung ihrer Gewerbe sowohl, als die andern GewerbeDeutschlands sehen!— Indem wir uns ' dem Throne genähert, so haben wir nur wagen wollen, Ew. Mas. mit aller Ehrerbietung zu bitten, diesem Gegenstände Ihre königl. Aufmerksamkeit allergnädigst zuzuwenden! — Vielleicht dürfen wir hoffen, daß wenn diese unterthänigfte Vorstellung das Glück hätte, den Beifall königl. Majestät zu erhalten, daß dann der königl. Gesandte in Frankfurt den Auftrag erhielt, diese Angelegenheiten beim hohen Bundestage in Vortrag zu bringen! Wir verharren in tiefster Ehrfurcht Ew. königl. Majestät treugehorsamste Unterthanen. Rheid, den 27. April 1818. (Hier folgen 70 Unterschriften der Fa- brickherren der genannten Oerter.) 141 Die Adresse an Se. Majestät den König, war mit folgendem Schreiben an Se. Durchlaucht den Fürsten Staatskanzler begleiten Durchlauchtigster Fürst Staatskanzlcr! - Wir Unterzeichnete Dcputirte der Fabnckorte Nheyd, Gladbach- Viecssen, Süchteln rc. rc. in den Regierungsbezirken Düsseldorf und Kleve, nahen uns vertrauensvoll Ew. fürstl.Durchlaucht, und überreichen Ihnen eine Bittschrift an Se. Majestät den König, in der Hoffnung, daß cs Ew. fürstl. Durchlaucht gefallen möge, solche an den Stufen des Throns niederzulegen, und dort der Dollmetscher unserer Wünsche zu seyn! Wir haben Se. Majestät die traurige Lage vorgestellt, in welcher sich unsre Gewerbe befinden. Wir haben die Ursache nicht verhehlt, wodurch sie in diese Lage gekommen, noch die Schwierigkeiten verschwiegen, die aus der geographischen Lage unseres Staates hervorgehen und die sich der Negierung als fast unüberftcigliche Hindernisse eutgegenstcllen, wenn sie durch Binnenzölle die Gewerbe begünstigen will! — Wir haben umNrichszölle gebeten, um Grenz- Und Seezölle, mit Aufhebung aller Binnenzölle, so als nachtheilige Scheidewände zwischen dem Deutschen Volke bestehen! — Deutschlands Gewerbe finden in ihrem niedrigen Tagelohn immer eine große Begünstigung 142 vor den Gewerben jener Insel, wo der Tagelohn mit den Frachtpreisen zu einer so großen Höhe gekommen ist. Werden unsre Gewerbe auf diese Weise durch Zölle begünstiget, so wie die Nachbarstaaten die Ihrigen begünstigen , so werden die deutschen Fa- bricken im Stande sepn, durch Fleiß und Thätig- kcit den Wetteifer mit den ausländischen Fabriken zu bestehn, Und so den dauernden Flor der Gewerbe in eigener Trefflichkeit zu gründen. Besonders aber werden diese See-und Grenzzone dazu dienen, den großen Andrang der Maaren zu vermeiden, welche jährlich aus andern «ändern nach den Messen von Frankfurt und Leipzig auf den Trödel gesandt werden, — da alle andre Länder ihre Zolllinien haben, und Deutschland das einzige Land ist, wo alles frei ringeht, Und jede schlechte und jede verdorbene Waare ihren Markt findet. Dieser Trödelhandel ist aber von jeher das Verderben eines regelmäßigen Fabrickgeschäfts gewesen, — da ein solches in allen seinen Zweigen auf Dauer und Bestand berechnet seyn muß, weil ein Fabricksystem sich nur langsam entwickeln kann, und oft erst späte Früchte trägt. Unsere Fabricken bestehen daher mit großer Mühe die Konkurrenz mit den Englischen und Französischen. Es ist nicht zu läugtten, daß die große Ue- berlegenheit, die diese üben, zum Thcil von ei- 143 ner größern Entwickelung hcrrührt, welche dir Einrichtungen der Gesellschaft in diesen beiden Reichen erhalten» Im Besitz einer öffentlichen Gesetzgebung, wo alle großen Interessen der Nation unter den Augen des Volks verhandelt werden, hat sich das ganze,Leben des Staats auf's Oeffentliche ein» richten müssen, und indem hierdurch die Kenntnisse von den Angelegenheiten des Landes sich allgemein verbreitet haben, so ist das Volk zu einer großen Verständigkeit gelangt. Aus dieser Verständigkeit hat sich eine große Vollkommenheit ihres Gemeinewcsens, ihres Ackerbaues und ihrer Gewerbe entwickelt, und indem nun das ganze Getriebe der Gesellschaft rasch und schnell in einander greift, so verfertigen sie alles mit einer solchen Zeitersparniß, daß sic, ungeachtet der Höhe des Tagelohns, doch niedrige Preise haben» — Wenn man sicht, wie in Deutschland auf kurzen Wegstrecken, wo ein starker Verkehr mit schweren und an sich wenig Werth habenden Stoffen ist (und wo der Engländer unter gleichen Umständen eine Eisenbahn anlegen würde) — nicht einmal eine Stcinstraßc kann zu Stande kommen, so sicht man, daß es bei uns der Gesellschaft noch sehr an innerer Entwickelung fehlt. Allein es ist unmöglich, daß die Gesellschaft diesen Grad der Entwickelung erreicht, wenn sie 144 - sich nicht in ihrer Weise frei bewegen kann, wenn das Oeffentliche in ihr nicht öffentlich ist, und sie sich auf diese Weise über die Lage ihrer Angelegenheiten wohl unterrichtet.. Wir haben daher mit der frohesten Thciliiah- me die Erklärung gelesen, welche Se. Majestät der König durch ihren Gesandten beim Bundestar ge in Betreff der Einführung der Provinzialstän- de haben machen lassen. Wir sehen in diesen eine Hoffnung aufgehen, um zu einer größeren Vollkommenheit unserer gesellschaftlicbeu Einricch tungen zu gelangen, und uns so der Ueberlegcn- hcit zu entziehen, die deienwe,' Nachbarstaaten über uns üben, welche vollkommnere Staats-In« stitutionen haben als Wir. Indem das Volk bei seinen Wahlen dieManr uer aufsucht, die das meiste Talent zur Besor« gung seiner Angelegenheiten haben (so wie es sie bei dem Koruvercine und bei den Hülfsvcreiuen hat kennen gelernt), so wird ein neues und ein reges Leben im Staate entstehen, weil nun alles öffentlich verhandelt wird, und die Kenntnisse sich leichter austanschen, und die Jrrthümer sich früher finden. Von der größer» Entwickelung der gesellschaftlichen Einrichtungen, zu denen auch die Zölle gehören, ist allein dauernde Hülfe gegen das Sinken der Gewerbe zu erwarten; denn jeder Flor, der nicht auf den Grundfesten des Landes und auf de» Grundfesten der Gesellschaft beruht/ ist nur ein vorübergehender. Indem wir uns erkühnt, unsere Ansichten Ew. fürstl. Durchs, vorzutragen, so bescheiden wir uns gerne, daß diese nur aus dem Gesichtskreis von wenigen Meilen entnommen sind, und wir wissen nicht, in wiefern sie ans andere Gegenden und auf andere Gewerbe paffen. Wir hoffen, daß es Ew. fürstl. Durchlaucht gefallen möge, Dcputirte aus den verschiedenen Fabrickgegenden um sich zu versammlet!, damit sich auf diese Weise die einzelnen Meinungen, und die einzelnen Kenntnisse gegen einander aus- tauschen, und so sich endlich auf einer gemeinschaftlichen Meinung ausgleichen, der jede Einseitigkeit benommen ist. Wir haben die Ehre u. s. w. (Hier folgen die Unterschriften der fünf Deputirten.) Antwort Sr. Durchlaucht des Fürsten Staatskanzlers. An die Herren Fabrick-Inhaber in den Gemeinen Rheyd, Süchteln, Gladbach, Vierssen und Kaldenkirchen. uf die von ihnen an des Königs Majestät ge? 146 - richtete und mit einer Vorstellung an mich begleitete Bittschrift vom 27. April eröffne ich ihnen hiermit Folgendes: Die Fabxick-Inhaber aller Staaten haben seit sehr langer Zeit schon versucht, die ausländische Mitwcrbung nicht blos durch die Vorzüge und Wohlfeilheit ihrer Maaren, sondern auch durch Zwang auszuschließen. Sie haben deshalb bei ihren Regierungen stets um Verbote, oder wenigstens hohe Bestcurungen fremder Fabrikate uachgesucht, und auch größtentheils erhalten. Solche Erschwerungen der Einfuhr fremder Fabrikate bestehen seit mehr als einem Menschenalter in mehreren der größten Europäischen Staaten und bei den verschiedensten Verfassungen, und sie breiten sich fortschreitend über mehrere Länder und Maaren-Artikel in dem Maaße aus, in welchem mit dem allgemeinen Fortschreitcn der Kultur sich auch der Kunstfleiß immer mehr verbreitet und entwickelt. Dem Preußischen Staate sind sie auch keinesweges fremd geblieben, und cs haben in der größer« Ländermaffe desselben schon seit mehrern Negierungen Verbote oder hohe Ein- gangsgcfälle gegen die wichtigsten fremden Fabrikate bestanden. Der Gewerbefleiß in der Provinz Kleve, Jülich, Berg erhob sich zu einer Zeit, wo diese Länder unter mehrern Landesherr» vertheilt, und so vielfach mit Grenzlinien durchschnitten waren. — 147 daß der Gedanke an Abwehrung fremder Zufuhr durch Verbote und Eingangsgcfälle gar nicht auf- kommcn konnte. Er erreichte demungeacbtct schon damals einen hohen Grad von Vollkommenheit und Ausdehnung. Durch die Folgen der Französischen Revolution wurde der überseeische Absatz, den die Fabricken dieser Provinz erlangt hatten, ganz zerstöhrt; dagegen aber ihnen der Markt in dem weitläuftigcn Reiche eröffnet, welches durch die revolutionäre Macht damals entstand. To wenig dauerhaft auch ein Zustand erscheinen könnte, der zu widernatürlich war, um anders als durch Gewalt aufrecht erhalten zu werden: so nahm doch der Gcwerbefleiß die Richtung, welche ihm diese Verhältnisse gaben, mit großer Schnelligkeit und Sicherheit an. Die Zeit hat gerich« tet; Frankreich, Italien, und die Niederlande sind den Rheinprovinzen wieder so fremd geworden, als sie ihnen vor dreißig Jahren waren, und diese Staaten erschweren den Eingang aller fremden Fabrikate, jetzt aus eben der Ansicht,, aus welcher die Rheinprovinzen die Erzeugnisse des ausländischen Kunstfleißes von den Märkten Deutschlands abzuhaltcn suchen. In den östlichen Staaten Europa's entsteht und wächst mit den Fortschritten der Kultur aus gleichen Ansichten die Neigung, die Mitbewerbung der ausländischen Fabricken zu entfernen. In Rücksicht Englands ist das Vcrhältuiß in 148 sofern unverändert, als schon lange vor der Revolution die meisten fremden Fabrikate von dem innern Verbrauche Großbritanniens ausgeschlossen, die deutschen Messen aber dem Brittischen Kunst- fleiße offen waren. Nur die Bestrebungen, einander gegenseitig durch Fülle und Mannigfaltigkeit der Waarenlager, Wohlfeilheit und Bewilligung von Kredit zu überbieten, sind in dem Maaße umfassender und dringender geworden, in welchem die Fabrikation sowohl in Großbritannien als in Deutschland sich erweitert, und das wirkliche Bedürfniß und natürliche Maaß des Absatzes weit überschritten hat. Alle diese Verhältnisse haben auch der Regierung des Preußischen Staats nicht unbekannt bleiben können, und was davon auf bcsondre örtliche Beziehungen der Rheinprovinzen beruht, ist durch die vielfältigen Vorstellungen der Fa- brick-Inhaber selbst, durch die Berichte der dortigen Behörden, und durch eigene Ansicht vollkom-, men klar geworden. Auch die Möglichkeit, die ausländische Mitwerbnng in solchen Schranken zu erhalten, worin die Vortheile derselben von ihren Nachtheilen nicht übcrwogcv werden, ist auf den Grund dieser Kenntniß sorgfältig geprüft worden. Die Schwierigkeiten, welche aus der zerstreuten Lage der Preußischen Staaten und aus der Länge ihrer Grenzlinien entstehen, und die Vor- theile, welche aus der Vereinigung mehrerer deutschen Staaten zu einem gemeinschaftlichen Fa- brick-und Handelssystem hervorgehen könnten, haben der Regierung um so weniger unbekannt bleiben können, da sie auf sehr leicht zu übersehenden Verhältnissen beruhen. Mit steter Rücksicht hierauf ist der Plan zur Reife gediehen, dessen Ausführung des Königs Majestät jetzt befohlen haben; und welchem gemäß eine Zottlinie die äußern Grenzen der drei westlichen Provinzen des Staats umschließen, dem inländischen Gewcrbe- flciße durch verhältnißmäßige Besteurung der gleichartigen fremden Erzeugnisse einen billigen Vorzug sichern, und die Freiheit des Verkehrs mit den östlichen Provinzen durch Aufsicht gegen die Einmischung fremder Fabrikation möglich machen und schützen wird. Es liegt ganz in dem Geiste dieses Plans, eben sowohl auswärtige Beschränkungen des Handels zu erwidern, als Willfährigkeit zu vergelten, und nachbarliches Anschließen an ein gemeinsames Interesse zu befördern. So werden auch die Herren Fabrick-Inhaber in den Gemeinen Rheid, Süchteln, Gladbach, Viersscn und Kaldenkirchen!2hre Wünsche in so weit erfüllt sehen, als es bei den Mitteln, welche der Regierung zu Gebote stehen, und mit gerechter Rücksicht auf das Ganze, wovon sie nur einen Theil ausmachen, möglich ist. Es wird auch zu fortschreitender Vervollkommnung deS Fabrick- und Handels-Systems jede Erfahrung sorgfältig erwogen, und den Umständen nach möglichst benutzt werden, welche sie aus ihrem besonder» Wirkungskreise entnehmen, und mit Unbefangenheit und Vertrauen zux Kenntnis! der Regierung bringen werden» Besonders glaube ich ihre Aufmerksamkeit darauf lenken zu müssen, wie sehr viel mehr, als von besonder» Rcgierungsmaaßregeln, das Gedeihen der Fabrikation und des Handels von dem Geiste abhängt, welcher den Gcwerbestand selbst belebt. Es gibt eine Art, Fabrikation Und Handel zu betreiben, welche dem Einzelnen für den Augenblick sehr nützlich erscheinen kann, die aber gleichwohl den Keim eines Verderbens in sich trägt, dessen Entwickelung die Macht und Weisheit der Regierung nicht zu hindern vermag Die Fabricken werden größtentheils in dem Maaße vollkommener und lohnender, i»I welchem sie mehr ins Große getrieben werden. Dieses Verhältniß reizt sehr oft die Unternehmungen bis auf einen Punkt zu erweitern, wo die Unmöglichkeit des Absatzes sie begrenzt. Diejenigen, welche durch diese natürliche Grenze ihre Unternehmungen beschränkt finden, sind abcx nicht immer unbefangen genug anznerkcnnen, daß die Mitbewerber, deren Thätigkeit sie beengt, aus derselben Ansicht und mit derselben Befugniß Han- deln, als sie selbst, und die Versuchung liegt alsdann sehr nah, sich neben zweckmäßigen und rechtlichen Mitteln zur Erlangung eines Vorzuges auch unzweckmäßiger und unrechtlicher zu bedienen, deren Folgen ihren Urheber treffen, ohne daß der Staat ihn dagegen zn schützen vermochte. Aller Absatz in die Ferne ist abhängig davon, daß thcils die Einwohner fremder Länder lernen, dasjenige selbst zu erzeugen, was sie bisher vom Auslande entnahmen, thcils andre Völker auch anfangen, denselben Markt zn besuchen und als Mitwerbcr aufzutrcten, theils endlich die Veränderung der Sitten Und Gewerbsverhältnisse den Verbrauch mindert. In allen diesen Fällen leiden diejenigen große Verluste, welche bedeutende Kapitale auf die Hoffnung hin angelegt haben, daß ihrer Natur nach so sehr veränderliche Verhältnisse unverändert bestehen würden. Allein auch gegen diese Verluste vermag der Staat nicht zu schützen. Alle Erschwerungen der Einfuhr fremder Er- zeügnisse haben mehrfache natürliche Grenzen. Ausfuhr und Einfuhr hangen oft sehr enge zusammen. Indem der Fremde gehindert wird, seine Erzeugnisse abzusetzen, verliert er auch die Mittel, unsre Erzeugnisse zu kaufen, und dadurch kann sehr leicht auf der einen Seite mehr verloren werden, als auf der andern gewonnen wird. — 152 — Wenn die Ackerbau und Viehzucht treibenden Länder an der Nord- und Ostsee jetzt sehr viel mehr Fabrikate bezahlen und folglich verbrauchen können, als vor fünfzig Jahren, so liegt die Ursache davon offenbar auch mit in den hohen Preisen, welche seitdem für ihre Erzeugnisse gezahlt worden sind, als in England die Fabrikation das Uebergewicht über den Landbau erhielt, die bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch Prämie» beförderte Ausfuhr des Getreides aus England aufhörte, und cs dagegen in vielen Jahren einer großen Einfuhr bedurfte. Noch naher begrenzen sich die Erschwerungen der Einfuhr durch den Unterschied in den Preisen und der Vollkommenheit zwischen den inländischen und ffremdcn Erzeugnissen gleicher Art. Nur da, wo beide beinahe gleich sind, und eine mäßige Abgabe hinreicht, dem Inlands den Vorzug zu sichern, ist die Zurückhaltung der fremden Mitbewerbung gerecht gegen diejenigen, welche die Maaren verbrauchen, und deren Vortheil die Re- , gierung eben so wohl zu beachten hat, - als den Vortheil derer, welche die Waare erzeugen. Am nächsten werden die Erschwerungen der Einfuhr beschränkt durch den Grad von Rechtlichkeit der im Fabrickhandel herrscht. Der gefährlichste Kontrebandier ist ohne Zweifel der inländische Fabrikant selbst, wenn er seine Zeichen auf fremde Waare setzt; und der große Manufaktur- 153 Händler, dessen Lager aus fremden und inländi-, scheu Maaren zusammengesetzt, sich aller klaren Ucbersicht entzieht, und nur durch seine eigene Ehrlichkeit kontrollirt werden kann. Endlich liegt unstreitig eine sehr große Annehmlichkeit für den Fabrickuuternehmcr darin, wenn die Arbeiter von der frühesten Kindheit an zu seiner Fabrikation ausschließlich auferzogen sind. Der höchste Grad von Fertigkeit und ge- nauigkcit ist nur durch so frühe Angewöhnung zu erreichen, und nur Menschen, welche schon beim Eintritt in die Jünglings-Jahre zu sehr an die Beschäftigung ihrer Aeltern gewöhnt sind, um noch eine Wahl zu haben, werden bei dem geringen oder wenigstens unsicher« Erwerb, der den Fabrickarbeitcrn iu der Negel nur gewahrt werden kann, sich dennoch dieser Lebensart widmen und fest dabei ausharrcn. Aber diese Vortheile, auf welchen die Wohlfeilheit und Vollendung der Fabrickarbeiter beruht, werden auch theuer erkauft durch die Bildung einer Volksklasse, welche nicht allein die Fähigkeit verliert, selbst zu andern Gewerben überzugchen, sondern deren häusliche Verfassung es sogar unmöglich macht, ihre in der Regel zahlreiche Nachkommenschaft zu andern Gewerben aufzuziehen. Diejenigen, durch deren au sich wohlgemeinte und verdienstliche Bemühungen eine solche Volköklasse entsteht, haben wohl nicht im- mer daran gedacht, ob die Vermehrung derselben sich stets in den Grenzen der Möglichkeit, ihr ein anständiges Auskommen zu gewähren, Halten möchte. Gleichwohl ist eine strenge Rücksicht hierauf nöthig, wenn aus der Blüthe der Gewerbe nicht großes Elend für die Zukunft erwachsen soll. Indem der Staat den Herren Fabrick-Unternehmern gern vertraut, daß sie mit Einsicht und Redlichkeit den Nachthcilett vorzubengen wissen werden, welche nur ihr Benehmen von der Fabrikation abwenden kann , darf er auch das Ver- - trauen von Ihnen erwarten, daß die Negierung auf ihrem Standpunkte die Verhältnisse der Fa- bricken richtig würdigen und sorgfältig beachten werde. Berlin, den 3. Juni 1818. (Gez.) C. Fürst von Hardenberg. — 155 Adresse der Kaufherren von Elberfeld an Se. Durchl. den Fürsten Staarskanzler^ Durchlauchtigster Fürst Staatskanzler! Avenn wir vor mehreren Monaten, als Ew. fürstl. Durchlaucht in unserer Nähe waren, vergebens gehofft haben, Hochdieselben in unserer Stadt zu sehen, so ist dieser sehnliche Wunsch endlich in Erfüllung gegangen, nnd wie dürften wir diesen lange ersehnten Zeitpunkt vorbei gehen lassen, ohne Ew. sürstl. Durchlaucht unsere Klagen, Wünsche und Bittgn ehrfurchtsvoll vorzutra« gen! Durch die Unfruchtbarkeit des Bodens, worauf eine große Anzahl Menschen in einem engen Raume zusammcngedrängt leben, haben wir nur unsre Fabrickeu und Gewerbe als Mittel zu unserer Erhaltung. Diese durch mannigfaltige Ereignisse und Hindernisse gelähmt, wollen unseren Anstrengungen nicht mehr abwerfcn, was zur Bestreitung der Staatsabgaben und unserer Bedürfnisse erforderlich ist. Ew. fürstl. Durchlaucht haben vielfältig ähnliche Klagen ans benachbarten Fabrickgegeuden Handl. u. Gewcrve,- ( ) lob — angehort und huldreichst Hülfe versprochen, so weit sie in der Machd der höchsten Negierung ist. Wir wollen nichts zu bitten wagen, worüber die Meinungen im Staat noch getheilt sind. Dazu zählen wir allgemeine, vom gesammtcn deutschen Volke zu nehmende Maaßregeln gegen fremden Handel. Von solchem großen Gesichtspunkte ausgc- gangen, ist diese Angelegenheit allerdings anders zu beurtheilen, als wenn von Gegenmaßregeln einzelner Staaten die Rede ist. Es vereinigen sich indcß die Ansichten der Bewohner der Rheinprvvinzen darin: daß Maaß- rcgcln, von einzelnen Staaten gegen fremden Handel genommen, überall schädlich wirken und das Gcgcnthcil von dem Herbeisühren, was damit bezweckt werden soll. Dies ist wohl insbesondere anwendbar auf unseren Staat. Von allen Seiten durchschnitten und umgeben von kleinern Fürstenthümcrn, würden die väterlichen Absichten, den Gewerben wieder anfznhelfcn, durch einzeln genommene Maaß- regeln nicht erreicht werden; die Kosten der Bewachung der Grenzen den Ertrag übersteigen, und das Gehässigste, was mit der Herrschaft des Fremden verbunden war, znrückgcführt werden. Wir wagen es daher, den Wunsch auszu- sprechcn, von einseitigen Zöllen und Manchen verschont zu bleiben, bis von Seiten des deutschen Bundes allgemeine Maaßregeln gegen den 157 fremden Handel in Vorschlag kommen. Dagegen flehen wir um Ew. fürstl. Durch!, kräftige Verwendung, unseren Fabrick-Erzeugnissen den freien Eingang in die Provinzen, jenseits der Elbe gelegen, zu verschaffen, und ake noch bestehenden Zwischenzölle aufheben zu machen. Sind wir gleich die jüngeren Kinder unseres erhabenen Fürsten, so dürfen wir kühn behaupten, daß wir den ältesten an Liebe zum gemeinschaftlichen Vater nicht nachstehen, und hoffen denn auch, auf die gleiche Gegenliebe Ansprüche zu haben. Ein anderes wichtiges Hinderniß für den Handel der Niederrheinischen Provinzen, liegt in den willkührlichen Belastungen, welche die Niederländische Regierung den transitierendcn ausgehenden Manufakturen und seewärts cinkommenden Waaren anflegt, und welche seit der Wiederherstellung der Ordnung in Europa mit jedem Jahre vermehrt wurden, obgleich im Wiener Vertrag die Freiheit des Rheins bis zu den Mündungen des Meeres festgesetzt worden ist. Es ist uns bekannt, daß von Seiten unserek Regierung bei der Central-Kommission in Mainz in mchrern Vorstellungen kräftigst auf Vollziehung des Vertrags gedrungen worden ist; indessen scheinen dergleichen Vorstellungen bei der Niederländischen Regierung wenig Eingang zu finden. Ungewißheit ist überall schlimmer, als die Gewißheit des Unangenehmsten; hier ist sie es insbesondere. 158 Wie sich der Handel in den letzten Jahren gestaltet hat, ist eine Ausdehnung jenseits der Meere nothwendig geworden. Wir werden andre Verbindungswege durch Kanäle anfsuchcn müssen, wenn uns der nachstgelcgenc, von der Natur gleichsam angewiesene, durch die Niederlande nicht geöffnet werden kann. So lange diese Frage unterschieden bleibt, darf man deswegen ans die entfernteren nicht ernsthaft denken, und Vorschläge zu deren Anlegung muffen so lange unterbleiben. Es vergeht durch den langsamen Gang der schriftlichen Unterhandlungen eine kostbare Zeit; die fremden Fabrickstaaten machen sich mittlerweile dem cinträglichern Handel nach den Indien eigen und setzen sich immer mehr darin fest. Daher sei uns die Bitte vergönnt, daß die Unterhandlungen mit der Niederländischen Negierung über die freie Benutzung des Rheins bis ins Meer, schnell zu einem Ergebniß möge gefördert werden. Wir wagen es ferner, Ew. fürstl. Durchs, auf die Nachtheile aufmerksam zu machen, welche die jetzige militairische Einrichtung den hiesigen Fabrickgcgenden bringt. Wir bescheiden uns, daß wir in der jetzigen Lage Europas nicht mehr die Befreiungen hoffen dürfen, welche die Bewohner des Bergischen unter den Fürsten von Pfalz genossen haben. Unsere Söhne haben in den Feld- Zügen von 1814 und 1815 mit geblutet, und 159 werden sich nie zurückzichen, wenn es Roth thut, das Vaterland zu verthcidigen, dessen Befreiung sie zweimal hal'cn erkämpfen helfen. Wir bitten nur um die möglichste Berücksichtigung unserer Lage und Verhältnisse bei den jährlichen Waffenübungen der Landwehren. Wenn wir so in der Kürze die Wünsche und Bitten der hiesigen Kaufleute in Beziehung auf Handel und Gewerbe vor Ew. fürstl. Durchs, freimüthig ausgesprochen habe», so sey cs uns noch vergönnt, eine besondere Bitte einzelner unserer'Mitbürger vorzulegen. Wir meinen daß im Jahr 1814 vom General-Gouverneur Grafen von Solms-Lich ausgeschriebene gezwungene Anlehn. Es ist die Rückzahlung desselben binnen 6 Monaten mit den feierlichsten Versicherungen versprochen worden, und schon sind vier Jahre darüber verstrichen, und wir hören noch von keinen Anstalten, dieses Versprechen zu erfüllen, das, wie wir glauben, als eine Verbindlichkeit an unsre Negierung übcrgcgangcn ist. Diese Anleihe ist damals in großer Eile umgelegt worden, und Elberfeld über jedes billige Vcrhaltniß hinaus darin belastet. Wiederum ist die Untervertheilung hier nicht gehörig nach dem Vermögen der Betheiligten getroffen, und es Md Einzelne viel zu hart darin belästigt, welchen die so lange Entbehrung ihrer Kapitalien nachtheilig und drückend ist. Wir bitte»/ Ew. fürstl. Durchlaucht wollen sich auch hier kräftigst verwenden, damit die gerechten Klagen der in dieser Anleihe Betheiligten bald aufhörcn können. Nichts ist erfreulicher und heilbringender im Staat, als gegenseitiges Vertrauen zwischen Fürst und Unterthanen, Regierung und Regierten. Die Bürger Elberfelds glauben insbesondere um baldige Rückzahlung dieser gezwungenen Anleihe bitten zu dürfen, als sie in einer höchst be- dcnklichenZeit, im Jahre 1815, von ihrem Vertrauen zum Staate Beweise gegeben haben. Wir wollen nicht hoffen, daß der Staat je wieder unter ähnlichen Verhältnissen die Kassen seiner Bürger in Anspruch zu nehmen möge gezwungen werden. Wenn indcß Bereitwilligkeit von einer Seite bewiesen ist, so ist es ein billiger Wunsch von .der andern, pünktliche Erfüllung der Verbindlichkeiten zu finden, es mögen nun diese direkte eingegangen oder übernommen seyn. Wir verharren in tiefster Ehrfurcht Ewr. fürstlichen Durchlaucht. (Hier folgen die Unterschriften.) Elberfeld, den 24. Julius 1818 — 1hl — Antwort Sr. Durchlaucht deS Fürsten Staatskanzlers an die Fabrickherren von Elberfeld. Wünsche, welche Sie mit den Deputaten der dortigen Kaufmannschaft in der Eingabe vom 24. v. M. vorgelegt haben, sind seit geraumer Zeit der Gegenstand einer unausgesetzten Aus« merksamkeit unserer Regierung gewesen. Sie hat sorgfältig erwogen, woher den Fabricken ihrer Bergischen Lande Nahrung und Unterhalt znfließt, was auf sic störend einwirkt, und was ihnen forderlich seyn kann. Wenn sie sich gegenwärtig mit der Einrichtung eines neuen Steuersystems an ihren westlichen Grenzen beschäftigt, so gründen sich ihre Beschlüsse auf eine sorgfältige Abwägung aller verschiedenen Interessen, und man hat dabet nicht übersehen, welche Rücksicht dem Gedeihe« jener Fabricken zu widmen ist. Es wäre allerdings zu wünschen, daß Maaßregeln, um das Ausland zu einer günstigen Behandlung des deutschen Gewerbfleißes zu vermögen, von allen Staaten des deutschen Bundes übereinstimmend beschlossen würden. Da diese Uebereinstimrnung aber noch nicht so bald zu erwarten ist, so müssen diejenigen Negierungen, welche rin vorzügli- 162 chcs Interesse dabei haben, so viel dieses es fordert lind die Lage ihrer Länder es erlaubt, mit den diesen angemessenen Eiurichtnngen nicht Zurückbleiben, welche sobald sse einmal bestehen, vnd die Erfahrung für sic redet, eine allgemeine Ausdehnung oder sonstige Vereinigung am ersten vorberciten können. Die königl Niederländische Regierung hat in neuerer Zeit den Anfang gemacht, zu günstigen: Bedingungen für die durch ihr Gebiet transitiren- dcn Maaren sich zu verstehen, und da es der ernstliche Wunsch der Unsrigen ist, die Wiener Konvention über die Rheinschiffahrt in Ausführung gebracht zu sehen, so wird sie ihrerseits nichts unterlassen, was zu einem guten Fortgang und kzu einem baldigen Resultate der Arbeiten der in Mainz versammelten Central-Commission beitragen kann. Da dies aber auch von einer gleichen Willfährigkeit der übrigen betheiligtcn Staaten abhängt, so finden die Bemühungen nuferer Regierung hierin eine Grenze. Noch ist die Einrichtung des jetzigen Mili- tairsystems zn neu, und man hat noch nicht genug Erfahrungen gesammelt, um zn entscheiden wo es nur aus Ungewohnheit oder aus einer gleichgültigen oder geringen Theilnahme an dem hohen Zweck der Vaterlands-Vertheidigung drückend scheint, und welche Modifikationen in der That nöthig sind, um mit diesem Zweck die Rücksichten auf das Gewerbe zu vereinigen. Unse- 163 re Negierung verfolgt aber alle Wirkungen der neuen Einrichtung mit einem aufmerksamen Auge, und wird gerne die Maaßgaben allmahlig eintre- ten lassen, von deren Nothwendigkeit oder Zweckmäßigkeit sse sich überzeugt. Wegen des Antrags über das im Jahr 1814 unter dem damaligen General-Gouvernement ausgeschriebene gezwungene Darlehn behalte ich mir den Bescheid besonders vor. Spa, den 22. August 1818. tGez.) C. Fürst von Hardenberg. , Dritte Abtheilung. Ueber Kornhandel uud K o r n v e r e i n e. Ueber den Kornhandes, -^er verstorbene Reimarus in Hamburg war einer der Ersten, der richtige Grundsätze über den Kornhandel aufstellte und bekannt machte. Er that dieses in einer kleinen Schrift, die längst unter dem endlosen Wnste deutscher Makulatur vergraben worden, und deren Daftyn wol nur wenige kennen mögen, die in der letzten Zeit über Kornhandcl geschrieben und über Kornwucher ge- schrien. Gehen wir, mn die Natur des Kornhandels, darzustellen, bis auf die ersten Zeiten zurück, in denen sich die Gesellschaft bildete, und die Menschen anfiengen, sich in Familien und in kleine Staaten zusammen zu thun. * » H Ueberall, wo wir den-Menschen im rohen Naturzustände finden — sei es als Jäger — sei eS 168 als Fischer, — sei es lselbst als Hirte — überall ist die Bevölkerung ungemein geringe. — Gewöhnlich wohnen in großen Strichen keine 50 Menschen auf der Quadratincilc, weil der Lebensmittel so wenige sind, die die Natur freiwillig gibt, besonders aber deswegen, weil die Natur sie so regellos gibt — auf einmal zuviel und dann wieder lange gar nichts. —Den einen Tag ist die Jagd ergiebig — und dann einmal wieder mehrere Tage hindurch nicht. Der Jäger der noch gar keine Mittel hat, die Lebensmittel aufzubewahren— denn Salz fehlt ihm fast immer — ist dann gleich wieder im Mangel. Eben so der Fischer; den einen Tag gibt das Meer einen großen Uebcrfluß — und wenn 8 Tage spater eine Zeitlang ungestüme Mitterung eintritt, so leidet er gleich Hunger, und er muß leben wie die Raubthiere, welche, nachdem sic sich einmal satt chnd übersatt gegessen — auch 8 Tage, hungern müssen. *) Der Engländer Maltus hat in seinem Werke: über die Hemmnisse der Bevölkerung, alle die Ursachen zusammengestcllt, woher cs kommt, daß bei den wilden Völkern die Bevölkerung so 0 In Amerika fand Herr von Humbold ein Fischer» Volk, welches in» Winter, wenn die Srröme angeschwol» len und ausgetreten, und kein Fischfang möglich, von einer fette» Tbonart lebte, die es aus Mangel anderer Nahrung zu sich nahm. Dieses waren Erd esser. 169 schwach ist, ungeachtet sie fast keine Krankheiten haben. —Der Mangel an Lebensmitteln und die ungleiche Vcrtheilung derselben widersetzen sich jeder Vermehrung der Bevölkerung. So wie der Mensch Hausthiere zähmt, und Hccrden erzieht, die ihn mit Milch versehen, so wie er Hirte wird vermehren sich seine Lebensmittel — auch kommen sie ihn nun gleichförmig — und sein Wohlstand vermehrt sich und die Be- Bevölkerung. Die Größe der Triften bestimmt dann die Größe der Heerden und diese die Größe der Bevölkerung. — Ist einmal so viel Vieh vorhanden, als die Triften tragen können, so hat die Vermehrung der Lebensmittel und die Vermehrung der Bevölkerung ihre Grenze erreicht. So giebt cs Dörfer in den Schweizcralpen, in denen die Bevölkerung seit Jahrhunderten stillstehend ist. Die größte Vermehrung der Lebensmittel und der Bevölkerung geschieht aber dann, wenn der Jäger und der Hirte Ackerbauer werden — wenn das bewegliche Zelt sich verwandelt in die feste Hütte — wenn der Meirsch das Band der Gesellschaft knüpft, wenn des Feldes Grenzen der Markstein bestimmt — wenn das schützende Gesetz die Habe schirmt und die Hütte. — Mit der Sicherheit des Eigenthnms vermehrt sich die Freude am Eigcnthum und mit dieser dessen Menge, und indem die Kriegseinrichtung Sicherheit gegen die - .170 Fremden gicbt, und die Rechtseinrichtnng Sicherheit im Innern gewährt, so vermehren sich säzuell die Güter des Lebens und mit diesen die Bevölkerung, Da, wo sonst kaum 30 Menschen auf einer Quadratmeile lebten — leben dann 4000. Der civilisirte Mensch, der unter schirmenden Gesetzen lebt, ist bei weitem nicht dem Elende und der öftern Hungersnoth ausgesetzt, wie der Wilde. — Unter den Wilden sterben oft ganze Völkerschaften am Hungertode >— oder nähren sich Monate lang von den elendesten Nahrungsmitteln — oft, wie in Amerika, bloß von Erde, die sic mit Fett ankneten. Durch die Kultur ist in Europa die Hun- gcrsnoth gebändigt und die Pest; außer im schönsten Dhcile von Europa, in der Türkei, wo die Staatscinrichtung noch so unvollkommen ist. Allein auch im civilisirten Theil Eüropens wird die Gesellschaft von Zeit zu Zeit mit theuren Zeiten heimgcsucht, wenn ein allgemeines Negen- jahr cintritt, welches gewöhnlich einen allgemeinen Miswachs zur Folge hat, — wie das Jahr 1816 . Ist die Staatscinrichtung unvollkommen, so kann eine wirkliche Hungersnoth erfolgen, — bei der die Menschen vor Hunger sterben, wie dieses 1817 in einigen Gegenden Deutschlands und der Schweiz der Fall war. Ist die Staatscinrichtung zu einer gewissen Vollkommenheit gediehen — so tritt dieses Nie 171 — ein. Die Menschen müssen dann auch zwar hungern, aber cs verhungert Niemand. Allein am Hungern ist nicht vorbeiznkoinmcn, es ist das Einzige, was hilft — denn wenn die Masse der vorhandenen Lebensmittel einmal so klein ist, daß -die ganze Gesellschaft sich nicht an ihr satt essen kann, so ist das Einzige, was übrig: daß die Gesellschaft weniger ißt — lind je gleichförmiger sich dieses Wenigeressen durch die Gesellschaft vertheilt, desto besser ist es. Ist die Mannschaft auf einem Schisse in einem ähnlichen Falle, so bestimmt der Kapital», daß vom Offiziere bis zum Schiffsjungen jeder nur die Hälfte von dem bekommt, was er gewöhnlich erhält. Wäre eine solche Einrichtung in der Staatsgescllschaft möglich, so wäre gleich geholfen. Da dieses aber nicht ist, so ist die Theururig der Lebensmittel das Einzige, was die Gesellschaft vermögen kann, weniger zu essen; und zwar muß die Theurung so groß werden, daß nicht allein die armern Klassen von ihr gedrückt werden, sondern auch die mittleren. Denn wenn nur wenige sich halb satt essen, so hilft das nichts; — Die Anzahl muß groß werden, wenn die Lerzehrrrng der Lebensmittel wirklich abnch- men soll. Das gleichförmige Hungern ist das erste, um der Hungersnoth zu steuern. HaM. t>. Gewerbe. ( 14 ) 172 — Das gleichförmige Vcrtbcilen der Lebensmittel durch die ganze Gefellscbaft ist das zweite. Dieses geschieht durch den Handel, und besonders durch den Kornbandel; Da das Korn i,-ier allen Lebensmitteln am leichtesten kann verfahren werden, und auf dem Transport am wenigsten dem Verderben ausgesetzt ist. Die Thcnrung der Lebensmittel befördert den Handel, und macht den Transport von einem Drte zum andern möglich. So wurde in diesem Jahre Korn auf der Achse von Bremen nach Frankfurt und von Magdeburg nach Regcnsburg gefahren, und Baicrn bezahlte in einem Monat 540000 Gulden an Früchten. Der Handel ist eine Folge der Theurung, allein die Theurung ist keine Folge des Handels, wie das Volk gewöhnlich der Meinung ist, und dem Kornhandcl deswegen den Namen Kornwucher beigelcgt. Indem nun die Preise mit jedem Tage in die Höhe gehen, bis sie das Maximum erreicht, welches durch die Menge der vorhandenen Lebensmittel und durch die Menge der sich nur halb satt essenden Menschen bestimmt wird — so wird auf dem Kornhandel immer Geld verdient, und dieses ist die Ursache, daß sich nun jedermann damit beschäftigt— besonders da in solchen Zeiten alle andre Gewerbe still liegen, weil Brodkaufen doch das erste und nothwendig- ste ist. Ein neuer Rock — ein neues Tuch — din neues Hemd kann man entbehren. Wenn das Koni thener, ist der Sack (das Linnen) wohlfeil, — das ist ein altes Sprüchwort. Je größer dir Ausdehnung des Handels mit Getreide---desto gleichförmiger vrrthcilt cs sich in der Gesellschaft —desto gleicher werden die Preise— in den Städten — auf dem Lande — im Gebirge — an den Strömen — in den Seehafen. Je gleichförmiger die Gesellschaft von den hohen Preisen getroffen wird, desto besser für den Einzelnen. Ob einer sich in Kölln oder in Danzig nur zur Hälfte satt essen kann, das gilt der Gesellschaft, im Ganzen genommen- gleich. — Die Danziger hätten sicher diesen Winter wohlfeiler Brod gegessen, wenn wir Rheinländer nicht so viel Korn von ihnen geholt, und Unsre Kauflcute keinen Kornwucher getrieben. Einzelne Orte, wo viel Getreide vvrrathig, verlieren durchs Aufkäufen, und die Mittelklassen müsse« theurer Brod essen, als sic essen würden, wenn kein Kornhandel wäre, — allein andre gewinnen dadurch, die gar kein Brod essen würden, wenn kein Kornhau- del wäre — weil ihnen nichts gewachsen. Im Ganzen gewinnt die Gesellschaft bei der gleichförmigsten Vertheilnng, und diese kann nur durch die große Ausdehnung erhalten Werden, die der Kornhandel erhalt, und die er der Natur der Sache nach dadurch erhält: daß die Frucht so thener ist — und die ThentUNg bewirkt ihrer Scits, daß das Verzehren der Lebensmittel übnimmt — welches das Einzige ist, was hilft, — 174 — wenn man mit dem vorhandenen bis zur nächsten Erndte reichen muß. Wenn die Mittlern Stände der Gesellschaft - sich bis auf die Hälfte der Lebensmitteln cin- schränken, so daß von 100 Menschen sich etwa nur U0 oder 50 ganz satt essen, so entsteht hiedurch eine solche Ersparung: daß das Verzehren mit dem vorhandenen Vorrathe wieder in ein bestimmtes Verhältniß kommt, Und dieses Vcrhält- niß bestimmt das Marimnm und die Grenze der Kornthcurung. Sind die Mittelklassen bis auf die Hälfte der gewöhnlichen Portion eingeschränkt, so haben die untersten gar keine Lebensmitteln mehr, Und diesen müssen sie durch die Hülfsvereine gereicht werden. In den Städten ist die Anzahl dev Ar- * Men groß. Auf dem Lande ist sie geringer. In den kornreichen Gegenden des Münsterlandes hatten sie in diesem Jahre in den Landgemeinen auf 1500 Seelen 25 ganz Arme, denen der Hülfsvercin ihren ganzen Unterhalt reichen mußte. Durch das Heranziehen der Neichen Zu Ar- menstkuern, wie in England, wird nicht allein den Armen geholfen sondern auch dem Ganzen, weil nur die obern Stände der Gesellschaft sich ebenfalls aufs Ersparen legen, und Hunde, Pferde und sonst manches Unnöthigc abschaffcn, ' wodurch der Vorrath der Lebensmittel geschont wird. 175 — Wenn nicht durch Getreidesperre» der freie Austausch gehemmt wird, so ist an eine eigentliche Hungersnot!), bei der Menschen wirklich verhungern, nicht zu denken. Und zwar aus folgenden Gründen: 1 ) Trifft ein Rcgenjahr nie ganz Europa. Auch 1816 ging der Regen nur bis an die Weichsel. Ter ganze Osten hatte Trockenheit und ein sehr frucbtbares Jahr, so wie sich solches schon im September aus den Monatsberichten ergab, die die Obcrpräsidcnten der verschiedenen Provinzen an den König sandten. Wenn also in einem Theile die Erndte zur Hälfte mißräth — nud im andern ist sie gut, so kann die Gesellschaft wenigstens Dreipicrtel von dem essen, was sie gewöhnlich ißt. 2 ) Das Essen ist für die meisten Menschen ein Vergnügen — und sic essen nicht blps: ob des Leibes Stärke, wie Claudius es nannte, sondern aus Wohlgefallen, und dieses macht, daß jeder Mensch in gewöhnlichen Zeiten das Doppelte von dem ißt, mit dem er wohl anskommcn könnte. Die Hälfte der Lebensmittel ist also im eigentlichen Sinne ein Lurus-Artikel, den der Mensch im Fall der Noth entbehren kann. In China ist es anders; der Chinese ißt sich nur halb satt, und hat sich seit Jahrtausenden nur halb satt gegessen, wodurch denn der Nation auch endlich die Waden und alles Muskylösc geschwunden. Ganz China ist angebaut, wie euL — 176 — Garten. Jeder besitzt nur ein klein wenig Eigenthum, da die Volksmenge so groß, weil die Gesetzgebung und die Religion die Ehen so sehr befördern. Kein Nahrungsstoff läßt der Chinese umkommeu, — hrlbfaule Pflanzen, die bei uns nur das Vieh frißt, und verrecktes Vieh — vers schmäht er nicht als Nahrung. Und was ilt die Folge davon? — Weil die Menschen so wenig essen, oeöwegcn tonnen auf dem Boden so viel? wohnen, die ihren Unterhalt finden, — und daher diese Bevölkerung von Millionen- Und was ist die Folge dieser Bevölkerung? Unsägliches Elend, sobald ein Fehljahr eintritt; die wenigen Lebensmittel reichen dann unter der Menge nicht hin — es entstehen Hnngcrsnoth Und Seuchen,und ganze Landstrich? sterben leer.-— Das Aussetzen der Kinder ist daher durch die Ger sehgebnng bei ihnen erlaubt, sobald her Vater sitz nicht mehr ernähren kann. Hätte Europa in diesem Jahre eine solche Bevölkerung gehabt, wie China, es wäre ihm auch nicht mehr zu helfen gewesen, 3) Di? Erfindung des Branntweins und die Liebe, welche die Nordischen Völker gegen dieses Getränk haben, sichert Europa auch mit gegen eine Hungersnoth, Eine große Menge Getreide wird jährlich gebaut, um in Branntwein verwandelt zu werden, das nicht gebaut würde, wenn die Menschen die Kunst nicht erfunden, sich 177 aus mehlartigen Substanzen geistige Getränke zu bereiten. Dieses Getreide ist vorhanden, und kann doch zu Brod verbacken werden, welches nicht möglich, wenn die Branntweinblascn sölches nicht hcrvorgcrufcn. M Der Kornhandel und die Seeschiffahrt. Nach reichen Erndtcn hat oft das Korn einen ungemein geringen Werth — besonders im östlichen Europa, wo die Bevölkerung schwach, wo wenig Städte und gar keine Manufakturen und Fabri- ckcn sind — welche Korn in Maaren verwandeln — und dann als Waare ausführen. In diesen kann der Ackerbau nur mit dem Handel ermuntert werden — nur dadurch, daß der Kaufmann mit dem Seeschiffe kommt, und einladet — und dahin führt, wo es theuer ist. Denn überall gerath es doch nichtauch gibt es Gegenden, wo viele Fabrickarbeiter den Ackerbau in den Werkstätten treiben, und Korn essen, das 1000 Stunden von ihnen gewachsen. Die Ausdehnung des Kornhan- dcls befördert daher ungemein den Kvrnbau in Europa, und der Kornhandcl ist eine der Hauptursachen, haß auch in Fehljahren so viele Lebensmittel in der Gesellschaft vorhanden sind. Aus diesem Gesichtspunkte betrachtet auch Reimarus den Kornhanhel. Daß hie Kornhändler Geld an der Frucht verdienen, dieses ist billig, denn jeder Handel wird des Vorthcilshalber geführt. Sic verdiene» dadurch, daß sic theurer verkaufen als sie ein- 178 gekauft—entweder, daß sie die Frucht von einem Orte, wo sie wohlfeil, zu einem andern gebracht, wo sie theurer — oder weil sie sie an demselben Orte wieder verkauft, aber später, Daß die Frucht theucr werde, — daß sic daß Marimum des Preises erreiche, wo, das Verzehren derselben so abnimmt/ daß der Verbrauch wieder ein günstiges Verbältniß zum Vorratho habe — das ist, wie mir oben gezeigt, das Einzige was hilft — da die Summe der Lebensmittel bis zur Erndte einmal nicht zu vermehren ist, noch die Anzahl der Essenden zu vermindern, Wenn die Kornhandler nun von ihrem Ge-- winnste die Hülfsvereine freigebig unterstützen, welche denen das Brod geben, die kcins haben und auch keins bezahlen können, so entledigen sie sich ihrer Pflicht als Staatsbürger vnd als Mensch, Cs frägt sich nun noch: in wiefern der Staat Antheil am Kornhandel nehmen könne — nicht um zu gewinnen, sondern um die Armuth zu er« leichtern? Man hat von jeher bemerkt, daß der Staat ein schlechter Kaufmann und neck ein schlechterer Fabrikant sey, Seine beständige Kontrolle-^seine Förmlichkeiten — sein Jnstanzenzug — und die langsame Bewegung der Aktenstöße, durch die Journale, Vortragende Räthe und Kanzelcien —< machen, daß beim Schlüsse die Dinge da gar picht mehr sind, wo sie beim Anfänge waren, 179 oder Kaufmännisch zu reden: daß di? Konjunktur vorbei oder anders geworden. Dieser Langsamkeit kann der Staat nicht Herr werden, da sie einmal in seiner Einrichtung liegt, Deswegen muß er auch nichts unternehmen, wozu Schnelligkeit die erste Bedingung. So sollte ein Hoftricgsraih nie einen Krieg unternehmen. Um besten ist, daß der Staat gleich von dem Grundsatz ansgeht, nichts zu thun, als den Kornhandel die möglichst größte Ausdehnung zn geben — und sich mit einigen großen Handlungöhäu- sern zn verbinden --- mit diesen ein großes Kapital znsammenschießen — und diese dann auf gemeinschaftlichen Gewinn stind Verlust handeln zn lasten/ Giebt er nun seinen Gewinn an die Hülfsvercine, so daß diese denen Brod gehen, die keins haben und kxins bezahlen können, so hilft er dem Lande, ohne daß er Gelder aus dem Schatze zu nehmen braucht, die eine andre Bestimmung haben. Denn, wenn der Staat den Armen etwas geben will, so muß er es doch vorher von den Reichen nehmen, sei es in Stenern, sei es in anderen Abgaben, » » ü- Bei anderen Nationen, die alte stehende Institute haben, sei es in der Gesetzgebung, sei es in der Verwaltung, sind gewisse Marimen und 180 Nerwaltungsrcgeln herrschend auf die man in ähnlichen Fällen stets zurückgeht, weil man einmal weiß, daß ste richtig sind, So z. B. bei der alten I1I>«mloii cis ponts cllsussees in Frankreich. Wenn eine Brücke oder eine Landstraße soll gebaut werden, so weiß man gleich, ans welche Weise dieses am besten nnd wohlfeilsten zu ma- cbcn, und die Sache ist schnell und ohne viel Rednern entschieden. Nicht so bei uns. Da uns solcbc Institute ermaugclu, so wird mit allem Phiiosophiren stets wieder von Vorne angcfan- gen. Weil man die Akten über die zu erbauende Ruhrbrücke in Hcrdikc liefet, so glaubt man, daß der ganze Brückenbau, erst noch müsse erfunden werden, indem noch fast gar nichts über solchen bekannt. — Auch dauert dieses Phiiosophiren schon 10 Jahre, ohne daß die Brücke fertig geworden. Aehnkichcs hat sich in diesem lind dem vorigen Jahre beim Kornhandcl gezeigt. Ob der Koruhandcl frei seyn müsse — oder ob einzelne Länder sich sperren konnten, — Diese Frage ist lange debattirt. Endlich hat denn doch der Bundestag der selber in Frankfurt, nne auf einer gesperrten Insel saß, entschieden, daß in Deutschland keine Sperre mehr statt finden solle, Eben so ungewiß war man, ob man das Branntwfinbrenncn verbieten solle oder nicht, Es ist klar, dnß wenn in Holland, an der Ostsee und in ganz Deutschland, das Brannte-- 181 weinbrennen verboten würde, alle Frucht, die jetzt in Getränk verwandelt wird, in der Mehl- koiisumtion bleiben müßte, und da sich die Gesellschaft nun mit dem vorräthigen Branntcwein bis zur nächsten Erndte behelfen müßte, so würde dieser sehr in die Höhe gehen — und in dein Grade weniger getrunken werde», in dem er theurcr werde — wodurch denn bald die feste Grenze im Preise würde erreicht werden, welche stets durch die Größe des Bedarfs und die Größe des Vorrashs bestimmt wird, Da aber alle nicht zu gleicher Zeis das Brenn?» verbieten, so gilt es gleich, ob inoo Scheffel in Schedam oder ob 10H0 Scheffel in Kölln verflocht werden, Sie verschwinden auf gleiche Weise aus der gemeinschaftlichen Mehlkonsumtion, da zwischen Schedam und Kölln freier Kornhandel ist. Mein nichts dcstoweniger wäre es vorthcil- haft gewesen, das Branrtteweinbrenncn zu verbieten, und die fremden eingehende» mit einem bedeutenden Zolle zu belegen, da Branntcwein nicht zn den Dingen gehört, die leicht zu schmuggeln sind, Eine Folge hievon wäre gewesen, daß der Branntcwein im Preise gestiegen — u»d eine Folge hievon, daß die Gläser kleiner geworden, »nd die Konsumtion abgenommen. Der Brannte-. wein aber, der nicht getrunken wird,wird auch 182 nicht gebrannt und sein Urstoff bleibt in der Mehlkonsumtion. Dann ist es auch nicht ganz wahr, wenn man sagt: es gilt gleich, oh 1000 Scheffel in Kölln oder 1000 Scheffel in Holland verflocht werden. Wenn nämlich das Getreide aus Holland kommt — so ist das, was bereits in Kölln liegt, mehr werth, als das in Rotterdam liegt, und das vielleicht, wenn der Rhein groß wird, in vier Wochen nicht nach Kölln kommen kann. Noch mehr gilt dieses von den Kartoffeln. Diese sind kein Gegenstand des Handels, wie das Korn, da sie bei einem geringeren inneren Wer- the ein viel größeres Gewicht haben. In der Gegend, wo sie liegen ha bleiben sie liegen, und indem das Branntewcinbrcnnen von Kartoffeln verboten wird, so müssen sie nothwendig in der Mehlkonsumtion bleiben, — denn ungeachtet des freien Handels mit Lebensmitteln schickt sie niemand 5 Stunden weit über die Grenze, um sie da in Branntewein ZU verwandeln. Das schlimmste in Hinsicht des Branntcweins war ist diesem Jahre, daß er so wohlfeil blieb. Er wollte nicht in die Höhe gehen. Man rechnet sonst, daß ein 12pfündiges Brod an Werth einem Maaß Branntewein gleich komme. Der Branntewein war hingegen in diesem Jahre so wohlfeil, gegen Brod gerechnet, daß ein Maaß Branntewein nur dem Werthc eines 7pfündigen Brodcs gleich kam. Die Ursache lag wohl zunächst in 183 den großen Dorrathen. Dann: daß die Branntweinbrennereien sich seit einigen Jahren sehr ver- vollkommt haben. Das ObcrpräsidiUm m Kölln nnd das Odcr- präsidium in Münster stimmten für die Dcrbie- tung des Brannteweinbrcnnens. Das Oberpräsi- dium in Koblenz war entgegengesetzter Meinung. Das Ministerium in Berlin glaubte durch ein solches Verbot die Freiheit und die Sicherheit der Gewerbe zu stören und so gieng das Brannt- wcinbrcnncn immer fort. Der Haß der untern Vvlkskl'assen, in deren Eingeweidcn der Hunger nagte, kehrte sich gegen die Branntweinbrenner, die seine Kartoffeln in Getränk verwandelten — die zu essen es sich so sehnte. Zugleich kehrte sich dieser Haß gegen diejenigen, welche das Brennen nicht verboten — und es hielt diese für Mitschuldige derer/ die sich von seinem Elende und seinem Hunger bereicherten. Die französische Regierung zeigte in solchen Dingen eine weit größere Wcltklugheit. Als 1812 das Getreide thener, allein lange so theuer Nicht war als 1816, so verbot die Regierung gleich das BranUtweinbrenncn — sowohl aus Mehl, wie aus Kartoffeln, nnd hielt hierauf mit aller Strenge, obschvn sie in ihren ärchts rsunts hiedurch einen großen Ausfall erlitt. — Da sagte das Volk: „Das Ko.rtt ist thener, was würde „es aber erst tbeuer geworden seytt, wenn das 184 "BranntweinstocheN nicht verböten. Ja, es ist ,->für den gemeinen Mann kein Schaben, baß der "Franzos im Lande.« Also sprach damals der gemeine Mann. Die schneidende Konsequenz, die km französischen Verw Otungssystcmc wohnte, und die große Helligkeit des Verstandes, so in ihm regierte, war dasjenige, was das Volk fürchtend achtele. Und den Völkern geht es Wie den Weibern, sic lieben am Ende immer dasjenige, was sie achten wohingcgcn schwankende GutMüthigkeit sich webet ihre Achtung- noch ihre Liebe zu erwerben Vers mag. Hr H H- Oben ist schon bemerkt Wörden- daß übet Jäger- nnd Fischervötker deswegen sö oft und so schnell Elend einbricht, weil sie den Vorrat!) von Lebensmitteln, den sie aus einmal erhalten, nutt uicht gleichförmig ans den Monat und aufs Iaht verthcilen können. Dieses gleichförmige Verthcilen ist dasjenige, was am meisten zum Wohlbefinden der Völker beitragt, — nicht Noch wie die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens. Denn wenn diese sich auch ans einmal verdoppelte und Mit ihr die Menge der Lebensmittel und mit dieser die Menge der Menschen, so würde während den 20 Jahren, daß die Volksmenge sich verdoppelte, die Gesellschaft sich allerdings in einem sehr angenehmen 185 Zustande befinden. Mein sobald der Boden die Bevölkerung erreicht, die er tragen k>>n», so wird diese wieder stillsichend, und wenn nun ein Mis- jahr kommt, in dem nur die Hälfte der Lebensmittel wäcbst, so ist die Gesellschaft, ungeachtet der erhöhten Fruchtbarkeit des Bodens, doch wieder in gleicher Notch Deswegen sind alle Weingegenden arm, weil die Erndten so ungleich in ihrer Ergiebigkeit sind. Es leidet keinen Zweifel, dasi ein Morgen Weingarten in einem Jahrhundert das Doppelte cin- bringt, als derselbe Morgen in einem Jahrhunderte mit Frucht bestellt. — Allein da nach einer guten Weincrndte oft sechs schlechte folgen, und das richtige Vcrtheilcn auf 6 Jahre etwas sehr schweres für den Menschen ist, so bleibt der Weinbauer immer arm — weil bei ihm nicht, so wie beim Ackerbauer, die Natur das richtige Derthei- lcn übernimmt. Die Gesellschaft würde sehr gewinnen, wenn sie solche Anstalten träfe, wodurch auch beim Ackerbau die Erndten zweier Jahre mehr in- und durcheinander wirkten — und sich gleichförmiger vcrtheiltcn. Etwas geschieht durch den wohlhabenden Bauer, der nicht genöthigt, zu verkaufen, und oft zwei Erndten aufbewahrt — wovon die eine auf dem Speicher, die andre in der Scheune. Auch tragt der Welthandel zü diesem Ausgleichen bei, weil der große Kaufmann häufig Vörräthe auf Sveculation kauft, find sie dann liegen läßt, 186 — bis die Preise in die Höhe gehen, das heißt, bis Mangel und Nachfrage kommt. Der Staat könnte etwas in dieser Hinsicht thun und zwar durch Anlegung großer Magazine. Nur muß er die Sache kaufmännisch betreiben, Nemlich des Vorthcils wegen. — Denn von moralischen Reden und vom Schaden kann niemand leben, auch die Staatsgescllschaft nicht. — Es ist thöricht, daß Man im bürgerlichen Leben andre (Grundsätze zum Grunde legen will, als die, nach denen sich die Gesellschaft bewegt. Nur das, was in das allgemeine Getriebe der Gesellschaft eingrcist, kann von Dauer sehn und sich in der Gesellschaft halten, — Und wenn man glaubt, daß man Mit gütmüthigeN, generösen Und moralischen Redensarten etwas nützliches in der Gesellschaft ausrichten könne, so ist man sehr auf dem Holzwege. Daß in England die Gesellschaft den hohen Grad von Entwickelung erreicht, das rührt daher, daß man die Gesetze, nach denen sic sich bewegt, besser erkennt, wie anderswo, — und die schönen Brücken und Wege sind von Privatpersonen erbaut, Nicht aus christlicher Liebe, sondern des Bortheils und der Zölle wegen. — Das ChristenthuM fängt da an, wo Mart schenkt, und Krankenhäuser und Versorgungshäuser baut, in deren trefflichen Einrichtung England ebenfalls von andern Völkern ein Muster ist. Es liegt im Getriebe der Gesellschaft, daß der, welcher in verständiger Weise seinen — 187 - eignen Vortheil verfolgt, jedesmal de» Vortheil des Ganzen befördert, nnd es ist eine wohlthätige Einrichtung von der Natur, daß sic den Vorth eil des Ganzen an eine so einfache Sache geknüpft, wie der Pri vatv orthci l ist, auf dem sich jeder Mensch noch leidlich gut versteht. Eben so hat sie das Ernährungs-Geschäft seines Körpers nicht an seinen Verstand geknüpft, s sondern an seinen Hunger — nnd so bleibt alles im Gleise, obschvn Millionen Menschen nicht einmal wissen, daß sic einen Magen oder Limpfatische Gefäße haben. Friedrich der Große kaufte das Getreide in der Ostsee auf, wenn der Berliner Scheffel 12 oder 16 Ggr. kostete. Er verkaufte es wieder, wenn er auf 2 Thlr. kam. Hiedurch erreichte er einen dreifachen Vortheil. Zuerst ermunterte er den Getreidebau in seinen östlichen Provinzen, die nach einer reichen Erndte oft so am Uebcrfluß leiden, daß das Getreide fast keinen Werth hat. — Die königlichen Magazine öffneten sich dann, und nahmen den Uebcrfluß der Märkte in sich auf. Der zweite war, daß seine andern Provinzen nun Nie theurc Zeit plagte — weil die königlichen Magazine den Mangel ersetzten. Der dritte Vorthcil bestand im Vortheile selber, den der Staat auf seinen Eittkaufpreisett machte. Der preußische Staat hat 10 Millionen Einwohner. Rechnet matt auf jeden jährlich 2 Handl. u, Gewerbe. ( iZ ) Scheffel Getreide, so macht dieses auf den Tag ungefähr ein halb Pfund Mehl, oder nahe zwei drittel Pfund Brod, womit eine Familie ans« reicht, wenn groß und klein durcheinander gezählt werden. Würde eine halbe Erndte ^anfgespart, so machte dieses 10 Millionen Scheffel. Geschähe dieses in einer Zeit, wo der Scheffel nur 1 Thlr. kostete, so erfordcrrc dieses 10 Millionen Kapital. Durch Austrockncn verliert das Korn nur im ersten Jahr; später verliert es fast gar nichts mehr. Angenommen, daß im Durchschnitt alle fünf Jahre verkauft würde, wenn der Preis auf 2 Thlr. gegangen, so würden sich die Magazine wohl verzinsen, wenn auch ihre erste Anlage kostbar wäre. Ohne die Probe zu machen, so kann man die Frage: wie sic sich verzinsen würden? schon befriedigend beantworten, wenn man die Preise der letzten 25 Jahre durchgeht, und die Rechnung nach zweierlei Voraussetzungen macht. Zuerst, wieviel gewonnen werden, wenn man grade bei der größten Wohlfeilheit cingekauft und bei der gröffesten Theurung wieder verkauft. Dann: wie viel gewonnen worden: wenn man cingekauft, vbald das Getreide unter einen gewissen Preis gegangen, z. B. unter 1 Berl Thlr., und wieder verkauft, sobald es über einen gewissen Preis gegangen, z. B. über 2 Thlr. In Danzig ist die allgemeine Meinung, wie ein sehr unterrichteter Mann versicher- — 189 te, *) daß der Fruchthandel in den Familien kein Vermögen anhänfe, wohl aber der Holzhandel. Auch findet man am Rheine, daß die, welche immer mit Frucht handeln, selten reich werden, wohl aber die, die nur in gewissen Konjunkturen mit Frucht handeln, z. B. in Jahren wie 1794 und 95 und wie 1816 und 17 , Die Ursache muß in der Natur des Handels liegen, die von der Art, daß nur an ihm zu gewinnen, wenn große Preisverschiedenhciten statt finden — entweder durch schnelles in die Höhe gehen, innerhalb 5 oder 6 Monaten; — oder aber durch liegen lassen in Magazinen, wobei das langsame in die Höhe gehen benutzt wird, was in 5 oder 6 Jahren statt findet, wo die Frucht eben so aufs Doppelte geht, wie sie dieses iü Hnngcr- jahren in 5 oder 6 Monaten thut. Für diesen Fruchthandel, der eine lange Magazinirung erfordert, ist der Staat besser eingerichtet wie der Privatmann, — theils weil er das Geld leichter entbehren kann, theils weil er sich durch Aitle- gung großer Magazine an den Wasserstraßen besser hierauf einrichtcn kann, als es für deü Privatmann möglich, der seine Geschäfte nie übev eine gewisse Grenze allsdehnen darf, weil er sonst leicht seinen Kindern große Gebäude statt Capi- lalien hinterläßt, und jene nur einen geringen H Der Ökekpräsideiit von Schön in Danzig, 190 Werth haben, weMr die Verhältnisse verschwunden für die sie gebaut worden. Bg. Ueber den Kor »Handel. An Herrn Professer Benzenberg vom Amtsrath Karbe. V^)ie haben durch ihren Aufsatz in Nro. 581 und 582 des Beobachters, die Natur des Kornhandels in seinem innern Wesen ergründet, und ich erinnre mich nicht, diese Sache irgend mit mehr Klarheit und Kürze ans die Hauptprincipen, worauf es ankommt znrückgeführt, gefunden zu haben. Die Geschichte des englischen Kvrnhan- dels steht ihnen dabei zur Seite. — Sie haben gezeigt, was in den Zeiten des Mangels und der Noth hilft, und auch zugleich was nicht hilft. Ich werde in kurzen Worten zu zeigen bemüht seyn, was nicht hilft, wohl aber unter 'allen Umstanden für die Gesellschaft schädlich ist. Dieses ist das Verbot, aus Früchten Brann- tewein zu brennen, voir dem Sie sich unter Umständen Vortheile versprechen. Zur Berichtigung meines Urtheilö habe ich es mir zum Grundsatz 1Y1 gemacht, alle theoretischen Raisonnements über Dinge meines Gesichtskreises an die praktische Erfahrung zu hakten, und diese redet ihrer Ansicht über das Brannteweiubrennen nicht das Wort. Sic hat mich vielmehr gelehrt, daß, wäre im verwichcnen Jahre das Brannteweiubrennen aus Früchten verboten worden, unendlich viel von diesen der Menschen Nahrung entzogen worden wäre, und daß ihre Meinung nicht gegründet: "Ein Verbot der Art führe sämmtliche Früchte in die Mehlkonsnmtion.^ Ich treibe ansehnliche Branntewcinbrennerci, die aber hauptsächlich auf Kartoffeln basirt ist. Da ich im Verhältmß zu dem Viehstande, welcher zu dem mir nvthigen Düngergcwinn erforderlich ist, wenig Heugcwinne, so ist bei Regulirung dieses Viehstandcs, zu dessen gedeihlicher Ernährung, eine Hauptrücksicht auf die Abgänge der Brennerei,'genommen. Würde nun das gedachte Verbot cingetrctcn scpn, so war nicbts natürlicher, als daß ich die Kartoffeln mit meinem Vieh roh zu verfüttern gezwungen war, um dasselbe im Leben und in gutem Stande zu erhalten. Hierzu kam noch, daß die Kartoffeln meiner Gegend gar kein gesuchter Artikel, und folglich nicht im richtigen Vcrhältniß ihres innen: Werthes zu dem des Getreides, dem Preise nach, standen. Dieses müßte sich erklären, wenn man erwägt, daß die vorjährigen Getreidepreise dieser Gegend, nicht - — ly2 7 - ganz wegen des Miswachscs, sondern wegen des Welthandels zn ihrer Höhe stiegen. Dg nnn Kartoffeln, wie Sie gezeigt, kein Gegenstand des ausgedehnten Handels sind, so würden diese unter den vorjährigen Erndte-Verhältnissen dieser Gegend, und bei dem mchrgcdachtcn Verbote, den unmittelbaren Nahrungsmitteln des Menschen ganz entzogen worden scyn; und dieses um so mehr,, da sie in dem Falle zum größten 'Thcil zum Schaaffuttcr verwendet worden waren, weil das Schaaf diejenige Thierart ist, welche ihr Futter in der gegenwärtigen Zeit am besten und zwar durch die Wolle bezahlt. Dieses ist der Gang, welchen die Sache in meinem individuellen Verhältniß bei eingetretenem Verbote, ans Früchten Branntcwein zu brennen, genommen haben würden, und den sie hei Tausenden hätte nehmen müssen, -da eines Thcils hie Kartoffeln in den Gegenden, wo das Korn, hauptsächlich des Handels wegen, jm hohen Preise stand, nicht zu versilbern waren, und andern Thcils kein guter Landnsirth eines vorübergehenden Gewinnes wegen, seinen Vjehstanh weder schwächt« noch denselben schlecht nährt. Nun wird aber kein verständiger Mensch in Abrede stellen, daß der Branntcwein dem Bewohner des nördlichen Europas ein dringendes Bedürfniß für die Erhaltung seiner Gesundheit- ist, welches ihm, ohne guf der andern Seite, wi? gezeigt, einen Ersatz dafür zu gewähren, durch ein Verbot der gcdach- 1Y3 lcn Art, entzogen worden wäre. Dem Branntc- wein dürfen wir cs sicher im Norden, so wie dem Wein im Süden zuschreibcn wenn in den Jahren des Mangels, wo die ärmste Volkoklasse sich in der Regel mit schlechten, und zum Thcil mit schädlichen Nahrungsmitteln behelfen muß, keine Seuchen unter den Menschen ansbrechcn, und Sic dürfen cs nicht füd das schlimmste halten, daß der Branntwein in diesem Jahre so wohlfeil blieb, daß selbst der Aermste hin und wieder sein Schnäpschcn trinken konnte. Ohne diese Wohlfeilheit würden die von mir gefürchteten Folgen des Mangels und der Noth sicher nicht ausgcbliebcn scyn. Sie ist, da sie noch jetzt bei fortdauernden hohen Fruchtpreisen besteht, ohne Zweifel mehr ein Produkt der vcrvollkomm- ten Kunstfertigkeit des Brcnnereibctricbes, als der vorhandenen alten Borräthe. Tiefe Kunstfertigkeit besteht besonders darin, daß man jetzt aus einem doppelten Maafi Kartoffeln so viel Spiritus zu ziehen weiß, wie aus einem einfachen Maaße Roggen. Dieses macht den Brcnncrcibe- trieb aus dieser Frucht ungemein lukrativ, da sie auf keine andre bekannte Weise so hoch zu benutzen ist, und dadurch wird sic in einem ungleich größerem Maaße hervorgcrufen, wie zur Zeit, als man das Dreifache gegen Roggen in der Branntweinbrennerei bedurfte. Hierin steckt aber der große Gewinn für die Gesellschaft, indem das Fünffache vom Branutcwcin ans einer 194 gegebenen Ackerfläche durch den Anbau der Kartoffeln gezogen werden kann, gegen Roggen, und diese ist mit ein Grund, warum ich Ihre frühere Aeufferung in Nro. 364 dieses Beobachters beitrat: ^ „daß die Erfindung, aus mchligten Substanzen geistreiche Getränke zu bereiten, für das „Menschengeschlecht ungemein wichtig war,— „wichtiger als alle Romane, so geschrieben „worden, wenn man etwa 12 anslnmmt.« Ich füge hinzu, daß man auch diese 12 auf jene Erfindung noch gerne in den Kauf geben kann. Bei Gelegenheit vorstehender Aeußerung haben Sie zugleich den Nutzen des Branteweins auf die Gesundheit der Bewohner des Nordens gezeigt. Folglich find wir über diesen Punkt einverstanden. Ich wünsche, daß wir, nach dem, was ich weiter vorne beigebracht, nun auch darüber einverstanden sind, daß das Verbot, Brauntewcin zu brennen, unter allen Umstanden schädlich auf die Gesellschaft wirkt, nicht blos, Weil es das Gewerbe stört, dieses unsicher macht, und seiner Entwickelung in den Weg tritt, sondern auch, und hauptsächlich, weil es gerade das Gegentheil von dem bewirkt und bewirken muß, was man bezweckt; dabei auch außerdem eine Menge Menschen für den Augenblick brodlos gemacht. Sie haben in der letzten Ubtheilung der vor — 195 letzten Seite ihres Aufsatzes so schön als wahr gezeigt: "daß der, welcher in verständiger (und ich "füge hinzu, in moralischer) Weise seinen "eignen Vortheil verfolgt, jedesmal den Vor- "theil des Ganzen befördert, und daß cs "eine sehr wohlthatigc Einrichtung der Natur "ist, daß sie den Vortheil des Ganzen an eine "so einfache Sache geknüpft, wie der Prival- "vortheil ist, auf dem sich jeder Mensch noch "leidlich gut versteht.« Warum soll dasBrannteweinbrennen von dieser ewig unwandelbaren Wahrheit eine Ausnahme machen? ' Die Natur wird ohne Zweifel jedesmal Racbc dafür nehmen, wo sic eintritt, und dieses um so mehr, je künstlicher sie ersonnen und angewandt wird. So wird z. B. im Verbot, aus Kartoffeln Branntcwein zu brennen, noch üblere Folgen haben, wie das allgemeine Verbot. Da jene aus Grüudeu, welche Sie beigebracht, und aus andern, die noch bedeutender, kein Gegenstand des Welthandels sind, folglich liegen bleiben, wo sie liegen, so werden sic in diesem Falle den Gegenden, wo kein Miswachs gewesen, mit dem Vieh verfüttert, und der Branntcwein aus Korn gebrannt werden. Obwohl in Weinlandern andre Rücksichten kintrctcn, wie iu den nördlichen, so kann ich nach dem, was ich über die Sache gesagt, keine große 190 Wcltklugheit der französischen Regierung darin finden, daß sie im Jahr 1812 das Branntcwein- brcnnen verbot. Und wenn damals das Volk sagte: „Das Korn ist theucr, aber was würde cs „erst theuer geworden scyn, wenn das „Brannteweinstochen nicht verboten; und „daß es für den gemeinen Mann kein Schade, „daß der Franzos im Lande,« so ist das biblische Sprüchwort auf die also, sprechende Menge anwendbar: „Herr, vcrgieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie reden.« Nun lassen Sie uns jzum Schluß die Sacke noch von Seiten der Ausführbarkeit und des Rechts, mit Rücksicht auf den preußischen Staat, betrachten. Es ist am andern Orte im Beobachter als ein Vorzug der geographischen Lage des preußischen Staats gerühmt worden, daß feine Endpunkte an die Maaß und an die Memel stoßen, daß eine völlige Mißerndtc bei dieser Lage nie zu fürchten siehe, weil diejenige Witterung, welche dem' einen Ende schädlich, dem andern nützlich srvn könne, auch in einer solchen Ausdehnung dieselbe sich fast nie gleich sey. Wenn wir über diese Art des Vorzuges einverstanden sind, so ergiebt sich daraus, daß die Verhältnisse des preußischen Staats sehr verschieden sind, die Vcrwaltungsmaaßregcln, welche in allen Thcilcn desselben nicht dieselben vernünftiger 197 Weise seyn können. In der scheinbaren Gleichheit, welche darinnen liegt, würde die größte Ungleichheit enthalten seyn. So hatten die Ostscegegenden im verwichenen Jahre eine viel gemäßigtere Witterung und eine recht leidliche Erndte. Ware nun da, wie cs am Rheine verlangt wurde, das Brannteweinbrennen verboten worden, so würde diesen Gegenden nicht nur ein großer Schaden erwachsen, sondern auch alle die Nachtheile, welche ich weiter vor gezeigt, für die Rhcingegcnden cingetreten seyn. Hatten nur die westlichen Provinzen dem Verbote unterliegen sollen, so würde das nicht nur zu einer höchst schädlichen, gehässigen und entzweienden Sperre im Lande selbst geführt ha bin, sondern cs würde sich,, da in Fällen der Art, der Uebergang der Noth, aus einer Gegend in die andre, nicht in grellen Abstufungen, sondern allmählig erfolgt, noch um den Maaßstab der Anwendung gehandelt haben. Und wer vermag diesen anzugebcn, oder ein Scala davon zu entwerfen? Der Produkten- prcis, wie Sic in Nro. 561 vorgcfchlagcn, ist ein höchst unpassender. Was am Rhein ein Mittelpreis, ist am Riemen eine unerschwingliche Thcu- rnng. Auch würden die Nachthcile partieller Verbote, welche Sie so gut entwickelt, unfehlbar cingetreten seyn. Und endlich nach welchem Rechte will eine Regierung solche, für einen Theil des Volkes zerstöhrcnd ornschreitcnde Maaßregeln geltend machen? 198 Was sie gutes in solchen Fällen stiften kann, besteht sicher nur in Ermunterung und Belebung des Handels, durch Wegräumnüg seiner Hindernisse und Austheilnng von Prämien für schnelle Beförderung der Lebensmittel nach den Gegenden des Mangels, so wie in unmittelbarer Unterstützung der Hülfsvereine, welche der gute Geist des Volks aus sich selbst hcrvorrust. An den Herrn Amtsrath Karbe. (Als Antwort auf Nro. 587 des Beobachters.) H»^s ist mir angenehm gewesen, dasi der Aufsatz über Kornhandel (in Nro. 581 und 682 des Beobachters) den Beifall eines verständigen Land- Mannes erhalten, Ich hatte viel unvernünftige Rednern, so meine Kollegen, hie süddeutschen Zeitungsschreiber, über den Kornwuchcr erhoben, wieder gut zu machen. ^ Daher wurde jener Aufsatz länger, als billig, § Mir sind über so viele Punkte einverstanden, daß wir uns auch noch leicht über diejenigen 1<-Y -- ausgleichcn können, in welchen unsre Meinungen verschieden sind. Ich glaube, daß es weise von der französischen Regierung war, im Jahr 1812 alles Branntewein- brenncn zu verbieten, sowohl aus Kern, wie aus Kartoffeln. Ich glaube ferner, daß es weise von jeder Regierung ist, das Branntewcinbrcnuen aus Kartoffeln in jedem Regierungsbezirke zu verbieten, sobald der Preis der Kartoffeln das Doppelte von dem Mittelpreise ist, den sie die letzten 6 Jahre auf den Markten des Regierungsbezirks gehabt, in welchem das Branntewcinbrcnnen soll verboten werden. H H In dem Aufsatz über den Elberfelder Korn- vercin (in Nro. 585 und 586) habe ich gezeigt, daß alle Europäische Völker auf demselben Korn- markte wohnen — daß das Meer die große Tafelrunde ist, um die sie alle sitzen; daß die Ströme, so sich ins Meer ergießen, die Straßen, auf denen sie es sich zufahren; — daß von Archangel bis Amsterdam die Seefracht nicht höher, wie die Strvmfracht von Amsterdam nach Düsseldorf — und wie die Landfracht. von Düsseldorf bis Hagen; — daß in Hinsicht der Frachten folgendes pari ist: 500 Meilen Seefracht, 25 Meilen Strvmfracht (zu Berg) und 6 Meilen Landfracht, wo Steinstraßcn sind; —^daß es also wenig verschlägt, ob ein Sack Korn auf dein einen Ende des Marktes zu Riga, oder auf dem andern Ende des Marktes zu Amsterdam steht — und daß cs seinen Preis nur um ein Sechstel erhöht, wenn man ihn von der einen Stelle nach der andern fahrt. Da der Branntewein nun ebenfalls ein Gegenstand des Handels ist, und ein Faß von diesem mit derselben Leichtigkeit von Danzig nach Amsterdam gehen kann, wie eine Last Korn; so kann es natürlich zu nichts dienen, wenn man an dem einen Ende des Marktes das Branntc- weinbrennen verbietet, während man cs an dem andern erlaubt —und da in der Staatenrcpublick, die um das Weltmeer sitzen/ keiner dem andern etwas zu befehlen hat, so wird das Branntcwein- brcnnen nie überall verboten, und cs kann daher auch zu nichts führen, daß man cs an dem einen Ende des Marktes verbietet, während cs an dem andern erlaubt ist. Es ist daher stets weist, das lebendige Gewebe der Gesellschaft durch keine Verbote zu stören — sondern gerade von seinem eigenen Getriebe, wo nicht die Ab hülfe, doch wenigstens die größte möglichste Linderung der Noth zu erwarten- Denn bei einem allgemeinen Miswachs kann immer nur von Linderung der Noth die Rede scyn, — an der Noth selber kommt man nicht vorbei — und alle Könige und Kaiser sind 201 zu schwach, die Noch, welche ein Fchljahr über ihre Völker bringt, an diesem vorbeizuleiten — auch wenn sie die Weisheit Salomonis besäßen. Whitbread sagte einmal, als im Parlament von der Nvth des englischen Volkes die Rede war, und wie solcher abznhelfcn: »Meine.Herren! »Wenn der Himmel drei Wochen hindurch gutes »Wetter giebt, das Hilst der Noch mekr ab, als »alle klugen Reden, so wir hier führen.« * ch ch Daß es von der französischen RegierNNq weisc war, 1812 das Branntwein brennen atts Frucht zu verbieten, hatte darin seinen Grund: Laß damals die Seesperre war, daß also für Frankreich kein Kornhctndcl auf dem großen europäischen Markte statt fand — und daß es sich auf den Vorrath beschränken mußte, der auf seinem inländischen Markte war. Alles, was nun nicht in Branntcwein verwandelt wurde, mußte der Mehlkonsumtion bleiben. Im Jahr 1816 Und 1817 bat die französische Regierung, so viel ich weiß, das Branntewcin- brennen nicht verboten. Das Meer war wieder geöffnet — sie saßen wieder mit auf dem Europäischen Kornmarkte an der großen Tafelrunde— und der Herzog von Richelieu ließ Korn von Archangel und von Odessa kommen. Ebenfalls ist es weise, das Vrannteweiubreu- 202 neu aus Kartoffeln zu verbieten, sobald wie ihr Preis das Doppelte des Mittlern Marktpreises der Gegend erreicht. Gerade weil die Kartoffeln kein Gegenstand des Handels sind, wie das Korn, sondern wegen ihres größer» Volumens und ihres geringeren Werthes genvthigt sind, auf der Stelle liegen zu bleiben, wo sie gewachsen—auch keiner Aufspeicherung fähig, wie das Korn. H * ch Sie fragen: Woher der Staat zu einem solchen Verbote berechtigt, das in die Freiheit des Privatcigenthnms eingrcift? Diese Frage muß vorher beantwortet werden, ehe von der Zweckmäßigkeit des Verbots die Rede scyn kann; denn sobald der nicht dazu berechtigt -—kann keine Rede davon seyn, daß er es gebe. Sie müssen mir erlauben, daß ich die Sache historisch begründe. Da die Art, wie ich die Natur des Kornhandels aus der Geschichte der Gesellschaft entwickelt, sich ihres Beifalls erfreuet hat — so hoffe ich durch folgendes mir ebenfalls Ihren Beifall zu verschaffen. » H » Nach den Begriffen der altitalischen Völker gierig alles Grundeigenthnm vom Staate ans — und mit dem Staate gieng es wieder verloren. 203 Nach diesen Ansichten pflegten die Römer, wenn sie ein benachbartes Volk besiegt hatten, diesem einen ansehnlichen Theil seiner Grundstücke abzunchmen; den andern Theil überließen sie den Besiegten gegen einen Zins, die ihnen dadurch zinspflichtig wurden. — Denn wenn der Krieg ausgebrochen, spielten die Völker um Freiheit und Eigcnthum, und da beide Alles setzten — so wurde dem, der gewann, auch Alles zu Theil. Es lag hiebei immer der Begriff zum Grunde: Das alles Eigenthum eiues Volks nicht dem Einzelnen gehört, sondern der Gesellschaft — dem Staate — und daß jeder Einzelne das, was er sein Privatcigenthum nennt, vom Staate zu Lehn tragt. Die damaligen Völker hatten viel richtigere Begriffe über die Entstehung und Bildung der Gesellschaft, wie Wir, gerade weil sie jenen Zeiten näher gelebt, wie die Gesellschaften noch klein waren und sich übersehen ließen. — Wenn die Gesellschaften, wenn die Staaten lange bestanden, wenn sie alt geworden nnd einen großen Umfang erreicht, so übersehen nur wenige privilegirte Köpfe — so wie Machiavelli, Montesquieu, Möser ihre Geschichte und die Entstehungsweise und den Mechanismus ihres zusammengesetzten Getriebes. — Auf der Netzhaut des Volks bildet sich nur ein dunkles verworrenes Bild hievon ab, nnd es glaubt, die Gesellschaft sey immer so Handl. u. Gewerbe. ( ) 204 — eingerichtet gewesen, wie jetzt. — Landstraßen und Gassenbeleuchtungen — und der ganze jetzige Lebensaparat sey schon zu den Zeiten Christi vorhanden gewesen, und zu den Zeiten Karls des Großen hatte schon Thurn und Taxis die Reichspost besorgt — auch halten die Postillone damals schon gelbe Rocke getragen. Der Satz: Daß alles Privateigenthum vom Staate zu Lehn gehe, ist alt und tief in der Geschichte der Gesellschaft gegründet. Der einzelne Mensch ist schwach — er vermag nichts zu erwerben — noch weniger das Erworbene zu schützen. Erst wenn das Band der Gesellschaft geknüpft— wenn aus Familien kleine Staaten erwachsen, erhält das Eigenthum Schutz. Es entstehen Gesetze, und so wie schirmende Gesetze vorhanden, die dem Eigenthümer Schutz gewähren, fängt das Eigenthum an sich zu mehren. Alle Güter des Lebens, so wir um uns haben — alles Eigenthum — so jeder sein eigen nennt — ist ein Erzcugniß der Gesellschaft, und wäre ohne die Gesellschaft und ohne schützende Gesetze gar nicht vorhanden. Man muß nicht glauben, daß dieses blos in einer rohen Zeit gewesen, wo die Menschen noch wenig Verstand und wenig Kenntnisse gehabt — und so zu sagen, ein bischen dumm gewesen. Sie kannten den Staat und seine Institutionen 205 besser als unsre Heuerleute ihn nicht kennen — wie man dieses klar sieht, wenn man Mösers Einleitung in die Osnabrücker Geschichte liefet, und zugleich das, was die Heuerlcute in den Zeitungen in allerhand matten Reden über St^ats- einrichtungcn von sich geben. *) Man hat er am Beobachter getadelt, daß er stet- vom schwachen Verstände der Heuerleute rede und von ihren geringen Kenntnissen. Zur Erläuterung will er folgende Anekdote von Jahn erzählen. Als Jahn seine ersten Turnübungen beiBerlin anfing und desSonnabends mit den Knaben vors Thor in die Haide ging, damals als die Franzosen noch überall in Deutschland florieren, so ereignete sich eines Tages Folgendes: Jahn kam mit den Knaben zum Brandenburger Thore herein, welches damals leer stand, da die Franzosen die Viktoria nach Paris entführt. Er fragte einen der Jungen: Was sonst oben auf dem Thore gestanden? „Die Viktoria."— Wo ist die denn geblieben ? — „Die Franzose» hätten sie mitgenommen nach Paris." Was er sich denn dÄbei dächte? — „Ey, er dächte sich nichts dabei." — So wie er dieses gesagt, gab ihm Jahn eine Ohrfeige, und sagte ihm: Nun denkst du auf ein andermal dabei, daß du helfen mußt, daß sie wieder hinauf kommt. Die Berliner meinten damals, Jahn wäre toll geworden. Denn es scy doch eine ganz verrückte Idee, einem Jungen eine Ohrfeige zu geben, weil er sich nichts dabei gedacht, daß die Viktoria nicht mehr auf dem Brandenburger Thor stände, da jeden Sonntag Tausende von Menschen dadurch gierigen, die sich nichts dabei dächten. Jndeß so oft der Junge nachher durchs Thor gieng, dachte er an die Ohrfeige und an die Viktoria. Und viele andre kamen ebenfalls durch dieses Propheten, Gleichnis mit der Ohrfeige auf die Idee: daß sich wohl etwas dabei In der römischen Geschichte finden wir, daß die größten Bewegungen des Staats daher gekommen, daß man nicht zu allen Zeiten den Grundsatz strenge durchgesührt: daß alles Grund* ei ge nt hu in vom Staate zu Lehn gehe, nnd daß nur einerlei Art Eigenthum im Staate zu dulden sey. Die Römer nahmen von den Völkern mit denen sie im Kriege um Freiheit und Eigenthum gewürfelt, wenn sic das Spiel gewonnen, in welchem sic ebenfalls Freiheit und Eigenthum gesetzt — einen Theil der gewonnenen Ländcrcycn Lenken ließe — und wie die Viktoria wohl wieder hinauf zu bringen Eben so ist es mit den Heuerlcuten gegangen, und es ist ein wahres Glück, daß Freund Koppe diesen Ausdruck auf die Beine gebracht — auch daß sie sich von Hofrath Luden aufheften ließen, sie sollcen alle mit den Jüdin nach Palästina. Dieses hat sie in Zorn gebracht, und im Zorn haben sie weiter über die Sache nachgedacht, und indem sie einen großen Lärmen erhoben, so haben andre ebenfalls darüber nachgedachr. Früher war ihnen solches nicht eingefallen. Daß ihrer in der Weimarer Verfassung keine Erwäh« nung geschähe, das hatten weder Herr Ludewig Wieland, noch Herr Hofrath Luden, noch Herr vr. Schlokmann bemerkt, und es war zu befürchten, daß letzterer in seinem politischen Panorama das Kapitel von den Heuerlcuten ganz vergessen würde. — Daß sie die französische Lcgisla« tion in xiincw der Hcuerleure nicht kannten, war ihnen zu verzeihen, da sie in Jena nicht einmal die Weimarer kannten- 207 für sich, einen andern Theil überließen sie den lleberwundencn wieder gegen Zins, wie solches eben bemerkt worden. Hiedurch hatten sie schon WO Jahre nach Erbauung der Stadt große Landereyen erworben, die sic theils als Privatcigenthum unter die Bürger vertheilt, theils als Staatsdomainen in Pachtung gegeben. Kleine Besitzungen, so gelegen lagen, wurden vertheilt. Große, so weniger gelegen, bleiben Staatsdomain und wurden in Pachtung gegeben — und kamen in die Hände der großen Familien, die damals in Rom regierten in die Hände des hohen Adels — in die der Patricier Familien — später in die des nieder» Adels. Ter vornehmen Plebejer — Das Weide- laüd benutzten sie gemeinschaftlich; das Ackerland wurde von einzelnen Familien und von einzelnen Patricicrn occupirt (so nannte es die römische Gesetzgebung) und als Eigenthum betrachtet, so daß es vererbt, verkauft und verschenkt werden konnte. Der Pacht, den sie abgaben, war ungemein geringe. Vom Ackerlande gaben sie den zehnten Scheffel und von Baumpflanzungen und Weinbergen ein Fünftel des Ertrags, welche Pachte alle fünf Jahre zum Vortheil der Republick an die Finanzpächter (xubllcsni) bezahlt wurden. Dieses war die römische Gemeinheit — der -iZer i>ui>licus — der das berühmte agrarische 208 Gesetz hervorrief, welches den Grachcn—fallend —^ so großen Ruhm verliehen. Der Fehler Roms lag damals darin, daß sich das Grundeigcnthum in zu wenig Händen befand — daß der freien Ackerbcsitzer 'zu wenige geworden. Denn das große Grundeigenthum greift auch immer wuchernd um sich, und ein großer Hof frißt zuletzt ein ganzes Dorf und alles Land, was den Kleinen gehört. Dadurch, daß die großen Familien das ungeheure Staatsdomain so unter dem Namen des sZer publiclis bekannt war, in Pacht hatten — übten sie eine große Ueberlegenheit über alle kleinen Ackerbesitzer; und wenn diese in Noth waren, so liehen sie ihnen Geld, und brachten so nach und nach den Acker der Kleinen ebenfalls an sich. Ums Jahr 388, nach Erbauung der Stadt, war Licinius Stolo Volkstribun. Dieser, ein Mann von großem Geiste, sah das Verderbliche, so dem Staate aus diesem großen Staatsdomain erwachsen würde — wie dadurch alle kleinen Eigenthümer verschwinden, und alles Grundeigenthum in die Hände weniger großen Familien kommen würde. Einsehend, daß die freien Grundeigenthümer die Starke der Rcpublick machten — und daß der der natürliche Besitzer des Ackers sey, der auf ihm wohnt und ihn baut, setzte er unter hef- 209 tigcm Widerspruch das Gesetz durch: daß kein Gruudeigenthümer mehr als 500 Acker (Juger zu 20,000 Quadrat-Fuß, also ungefähr so viel wie bei uns ein Magdeburger Morgen ist) vom Gemeine-Acker public»») besitzen solle. Alles Uebrige des Gemeine - Ackers sollte unter die kleinen Ackerbesitzer gleichmäßig vertheilt werden. Auf diese Weise wollte er die freien Ackerbauer wieder vermehren, und es verhüten, daß das Grundeigenthum nicht nach und nach völlig in die Hände der Familien von Noms hohem Adel käme. Wenn das Grundeigenthum sich in einzelnen Händen schon sehr angesammelt, dann ist es sehr schwer, solches durch die Gesetzgebung wieder auf eine gleichförmige Weise unter die ganze Nation zu verthcilen, und das Gesetz des Licinius fand so viele Schwierigkeiten in der Ansführung wie die preußischen agrarischen Gesetze von 1810.*) Licinius starb — und die großen patricier *) Geldreichthum, wenn er in wenige Hände kommt, übt dieselbe Despotie und bringt den Staat ins Derber» den. Als der Banquicr Tbelüsion in seinem Testamente O7N 000 Pfd. Ster!, auf Zins von Zins stellte, bis ein Urenkel von ihm vorhanden, der 3 o Jahre alt sey, dev dann Kapital und Zinsen erhalten sollte; da verbot Groß» briianniens Gesetzgebung für die Zukunft ähnliche Testa» mente, die in die Hände eines einzelnen Mannes ein Vcr» mögen von 14 Millionen Pfd. Srerl. oder 84 Millionen Thaler bringen können; eine Summe, die größer als der preußische Schatz unter Friedrich dem Großen. Familien wußten es so zu mache»/ daß sein Gesetz nicht ausgeführt -- und nach und nach vergessen wurde. Es ist lehrreich, die Despotie kennen zu lerne», die der Ackerboden ausüben kann, wenn man nicht strenge auf den Grundsatz halt: daß alles Eigeuthuin von: Staate zu Lehn geht — und daß dieser über ihn zu verfügen. — Sie entschuldigen es daher, daß ich in der Geschichte des römischen agrarischen Gesetzes fortfahre. Wir kommen nachher doch wieder auf das Verbieten des Brannte- weinbrcnncns aus Kartoffeln. Zweihundert Jcchre nach dem Tode des Licinius bekriegten die Römer die Numantier in Spanien. — Die Numantier, ein tapferes und frciheitlicbendes Volk, brachten die römische Armee in eine Lage, wo sie zu kapitulircn gcnö- thigt war. — Der junge Grachus, der durch sein edles Betragen bei Freund und Feind in hohem Anschn stand, rettete die Armee durch einen Vergleich, der nicht schimpflich für Rom war, und der den Numanticrn ihre Freiheit znsicherte. Roms Senat, voll hohen Stolzes auf alten Waffenruhm und Ahneuadel, vernichtete den Vergleich, und beschloß, den Grachus und alle, so au der Abschließung Theil genommen, dem Feinde zu überliefern. — Grachus rettete indeß sein Anschn beim Volke, und nur Mancins wurde ansgeliefcrt. 211 Von dieser Zeit an Habite Grachus den Senat, und er beschloß, dem Volke eine große Wohlthat zu erweisen, und zu gleicher Zeit den Adel zu demüthigen. Das souveraine römische Volk, war damals in großem Elende, da es fast alles Grundeigenthum verloren, welches sich nach und nach in den Händen der großen Familien angehäuft. Er wurde zum Volkstribun erwählt. Als solcher war seine Person unverletzlich. Sobald er Volkstribun war, erneuerte er das Gesetz des Licinius. Hatte das Gesetz schon vor 230 Jahren, als cs zuerst gegeben wurde, großen Widerstand gefunden, so fand es jetzt einen noch größer«, da unterdeß ganz Italien von den Römern erobert worden, und diese National-Domaine zu einer ungeheuren Größe angewachsen war. Auch war sie nicht mehr ausschließcnd in den Händen von Roms hohem Adel — den Patri- ciern —sondern zum großen Theil in den Händen der großen bürgerlichen Familien, die, indem sic öffentliche Aemter verwalteten, sich große Reick- thümer erworben hatten, und nobilitirt worden, so wie bei uns die Herren von *** und von *** n. s. w. Der Mittelpunkt dieser Familien war der Senat, oder die eigentliche Regierung des Staats. Grachus hatte nun nicht allein den hohen Adel gegen sich, sondern auch die vornehmen bür- — 212 — gerlichen Familien — und für sich und das Gesetz hatte er blos das ärmere Volk, das nichts war und nichts hatte. Denn der große Landbesitz hatte in den beiden letzten Jahrhunderten immer wuchernd um sich gegriffen, und die großen Landereyen hatten die kleinern verschlungen, Rach einem großen Widerstande wurde endlich das Gesetz des Licinius über die Ackerverthei- lung aufs neue durchgcsetzt, nachdem ein VolkS- tribun, Marius Octavius, der sich ihm widcrsetzte, fast erschlagen worden, Das Volk ernannte zugleich drei Kommissa- rien, die das Gesetz ausführen sollten, dieses war Tiberius Grachus, sein Bruder Casus, und sein Schwiegervater Appius Claudius, Allein nun fand sich gleich eine große Schwierigkeit. Es war keine Statistick über dasjenige vorhanden, was Gemeinacker und was Privatacker sey. Die Landereyen waren nicht gemessen. Man hatte keine Flürkarten und keine Flurbücher. Es gieng nun wie bei der Aufnahme der Urbarien in Schlesien. Zwanzig Jahre giengen darüber hin, ehe man einmal die Statistik über die Staatsdomaine fertig hatte. Wie nachher die beiden Grachen fielen, wie mit ihnen das agrarische Gesetz fiel, wie nun das erste Bürgcrblut in Rom vergossen wurde, und 213 wie das große Landeigonthum das kleine nun völlig besiegte, und so den Grund zum Untergange des Staats legte.—Dieses alles hier anzuführcn, würde zu weitläufig seyn. Allein man sieht, wenn man die Geschichte des agrarischen Gesetzes durchgeht, daß bei den italischen Völkern aller Grundbesitz vom Staate zu Lehn gieng, und daß man in Rom darin gefehlt, daß man zweierlei Grundcigenthum hatte entstehen lassen, und nicht gleich durch Ackcrgesetze dafür gesorgt, daß das Grundeigenthum getheilt bleiben mußte, und sich nicht in großen Mafien vereinigen konnte, die den kleinen Ackcrhof unterjochten und an sich brachten. Als der Kriegsstaat der Franken mit den Galliern um Freiheit und Eigenthum gekämpft — und diese endlich überwunden, so gehörte der ganze erkämpfte Boden dem Staate — der zwei Drittel da.von der unterworfenen Nation zu Lehn übergab, da sie ungleich zahlreicher war, als die erobernden Franken — ein Drittel gab der Kriegsstaat an seine Kricgsfürstcn und Kriegsleute zu Lehn. Allein der Besitz alles Grundcigenthums gieng eben so, wie bei den alten italischen Völkern, vom Staate ans. Als der Kricgsstaat der Normänner unter Wilhelm dem Eroberer sich England unterwarf, so wurde das ganze Land im60125Lehne getheilt, die alle vom Staate ausgiengen, und noch auf den heutigen Tag ist «ach englischen Rechtsbe- griffen die Krone die Besitzerinn alles Bodens von England, und jeder Grundbesitz geht bei ihr zu Lehn. H H Sie hatten mit der Frage: Ob der Staat zu einem solchen Gesetze berechtigt? — die Mitte der Sache berührt, um den sich alles Reden vom Verbote der Ausfuhr und vom Verbote des Branu- tcweinbrennens dreht — und alle diese Reden müssen ihrer Natur nach unvernünftig werden wenn man der Sache nicht bis auf den Grund geht. Sobald man darüber einig, daß alles Eigen- thnm vom Staate zu Lehn geht, weil aller Besitz vom ihm ausgcht — und weil ohne ihn keine Besitzthümer unter den Menschen vorhanden wären; so ist es klar, daß er über diese Besitzthümer durch seine Gesetzgebung verfügen kann. — Jede Frage die man nun aufwirft, hat eine vernünftige Basis, und ist einer vernünftigen Beantwortung fähig. — Besonders, wenn man nnn Mosers Grundsatz als Richtscheid aufstellt: "Daß die ganze Gesetzgebung eines Volkes sich blos auf politische Klugheit gründet, und daß diese ihr Princip i st.a So wie man auch die Geschichte der Völker 215 und die ihrer Institutionen immer aus dem Gesichtspunkte der politischen Klugheit auffassen müsse — und nie aus dem der allgemeinen Weltgeschichte, oder dem der allgemeinen Geschichte der Menschheit. H » K Das Volk fühlt es dunkel, daß aller Besitz vom Staate zu Lehn gehe, und kommt deswegen immer auf die Behauptung: Daß der Ackerbauer den Preis seiner Lebensmittel nicht über ein gewisses Marimum hinaufsteigern könne, und daß, wenn er dieses thue, vom Staate hindernde Verbote eintretcn müssen. Das Volk weiß sich die Sache nicht klar zu machen, allein cs fühlt, daß daheraus etwas Wahres liegt — geräth aber immer in der Weise in eme leere Rednerei, so wie die Zeitungsschreiber in diesem Jahre herein gcr.icthen. Wenn wir annehmen, daß ein Volk eine gewisse politische Mündigkeit erreicht, und alle Organe gefunden, die zu einer vollkommenen Gesetzgebung uothwendig sind; — wenn cs seinen König hat, sein Ministerium, seinen Staatsrath, und seine zwei Kammern — so kann sich diese Gesetzgebung bei diesen Fragen immer nur um folgende Punkte drehen: Alles Eigenthum, aller Besitz geht vom - 2!.6 — Staate zu Lehn; daher kann der Staat in seiner Gesetzgebung darüber verfügen. Alles Eigenthum ist in Privateigenthum verwandelt — weil dieses die einfachste Art ist, es zu verwalten, und die leichteste, das Staatseigenthum zu vermehren; — denn indem jeder in verständiger Weise seinen eignen Vorthcil fördert, fordert er immer den Vortheil des Ganzen. Der Staat aber kann zum Vortheil des Allgemeinen scher jedes Privat-Eigcnthum verfügen. Thut er es, so thut er es gegen Entschädst gung. Nicht, weil er hiezu, vermöge des Rechts gcnöthigt, sondern weil solches der politischen Klugheit angemessen, da die Reichthümer des Ganzen sich vermindern würden, wenn die des Einzelnen irgendwo verletzt und dadurch unsicher würden. Handelssperre könnte er verfügen; allein er unterlaßt es, weil er dem Ganzen schaden würde. Ein Marimüm für die Lebensmittel könnte er bestimmen — allein er thut es nicht, weil dadurch das Getriebe der bürgerlichen Gesellschaft zerstört würde, La dieses auf den Vorthcil und aus den Austausch auf dieselbe Weise berechnet ist, wie ein Dampfwcrk auf die Federkraft der Dämpfe. Wenn in Jahren des Mangels der Ackerbauer von den Verzehrern nimmt, was er bekom- 217 men kau«; so muß er sich in Jahren des lieber- flnffes gefallen lassen, daß sie ihm geben, was erhaben soll. Ist Mangel da, so ist die Grundursache der Thcurung diese: daß das Verhältniß der vorhandenen Lebensmittel zü denen, die gebraucht werden, zu klein ist. — Dieses Verhaltniß kann nur dadurch hergestellt werden, daß weniger gebraucht werden, und dieses nur durch eine strenge Ökonomie, die sich durch die ganze Gesellschaft verbreitet, und die eine' Folge der Theurung ist. Ich glaube, daß die Gesetzgebung auch das Verwandeln mehligter Substanzen in geistige Getränke verbieten kann, wenn sie solches der politischen Klugheit angemessen findet — wenn sie nämlich sicher, daß sie dasjenige damit erreicht, was sie sich vorsetzt. So halte ich es für politisch klug, daß die französische Regierung 1812 das Branntewcin brennen verbot, weil dadurch alles Korn und alle Kartoffeln in der Mchlkonsümtion blieben, die sonst in Getränke verwandelt wurden, weil Frankreich damals nach aussen gesperrt war, und blos auf sein eignes Wachsthum beschränkt. Daß die Regierung sich dadurch die Liebe des gemeinen Mannes erwarb, war ein Nebcn- umstand, der auch wohl zu berücksichtigen. Eben so halte ich cs für klug, das Brennen aus Kartoffeln zu verbieten, sobald sie in ihrem Preise das Doppelte vom Mittelpreise der letzten fünf Jahre erreichen« Zwei Fragen kommen dabei in Betracht. Die erste: Hilft das Verbot? Ich glaube ja. Gerade weil die Kartoffeln kein Gegenstand des Handels sind, so sind sie genöthigt, in dem Kreise zu bleiben, wo sie gewachsen. Darf kein Brannte- wein daraus gebrannt werden, so findet es niemand vorthcilhaft, sie zn kaufen, um das Vieh zu füttern. Sie bleiben also in der Mehlkonsumtion für die Menschen. Die Zweite: Wird das Verbot der Erzeugung der Kartoffeln Abbruch thun — werden im nächsten Jahre weniger gepflanzt swcrden? Ich glaube nicht — denn beim doppelten Preise findet jeder immer noch seinen Vortheil, und er pflanze deswegen im nächsten Jahr so viel er kann. Uebrigcns ist cs nothwcndig, für jeden bcson- dern Regierungs - Bezirk den Marktpreis zn bestimmen. Bei uns ist der Mittelprcis der Kartoffeln LOO Pfund 16 Ggr., der doppelte ist 1 Thlr. 8 Ggr.— Dieses ist in Elberfeld aber nahe der gewöhnliche Mittelpreis. Auch sind wir ja darin einig, daß jede Provinz ihre brsondre Vcrwaltungsgcsctze haben muß, die auf die Oertlichkeit und das Leben und die Einrichtungen der Gesellschaft berechnet sind. Die in der -Mark würden für uns nicht passen, und die mistigen in der Mark nicht. Ist doch nicht einmal die preußische Feldmesser- Ordnung am Rheine anwendbar, obgleich sie von Eitelwciir entworfen ist, und erst vom Jahr 1813. Im Regierungsbezirk Düsseldorf wohnen 8051 Menschen auf der Qnabratmeile. In dem Ihrigen vielleicht 1500. Bei Ihnen liegt der Boden in großen Gütern, bei uns ist er in kleine Güter gethcilt, da er nie in den Banden der Unterthä- nigkeit gewesen. Nach der Landmesser-Ordnung zu urtheilcn, müssen bei ihnen auf die preußische Qnadratmcile von 22222 Magdeburger Morgen nicht mehr als 1002 Parteien kommen. Bei uns kommen im Durchschnitt 14400 Parteien auf die Quadratmeilc, ja in großen Strichen wo der Boden durch fortgesetztes Theilen, Scheidemünze geworden, gehen 40000 Parteien auf die Qua- dratmcilc, und 10 bis 20 Parteien kommen im Stcuerbuche auf einen Grnndcigenthümer. Der Ackerbau ist bei uns ein Gewerbe, welches auf die mannichfachste Weise mit nnd neben andern Gewerben getrieben wird. — Zu diesen gehört auch das Branutewcinbrenncn aus Kartoffeln, das auch bei uns alles Branntcwciubrcnncn ans Frucht verdrängt hat — welches ein ungemeiner Vvrtheil für die Gesellschaft ist, da derselbe Morgen Ackerland, mit Kartoffeln bestellt, fünfmal mehr Branutewein tragt, als wenn er mit Korn bestellt worden^ Die, ivclche das'Gewerbe des Branntcweinbrcnnens treiben, ziehen nicht alle Kartoffeln selber, sondern kaufen diese zum großen Handl, li. Gewerbe,- ( 15 ) 220 Theile. Wird das Brennen verboten, sobald der Preis das Doppelte des Mittelpreises ist — so kaufen diese Brenner keine, um ihr Vieh damit zu füttern, denn dazu sind sie zu theuer. Ja, sie werden es dann vortheilhaft finden, ihr Vieh und ihre vvrräthigcn Kartoffeln zu verkaufen — wodurch also in dem Augenblicke der Thcurung von zwei Seiten Lebensmittel in die Konsumtion treten. — Das nächste Jahr pflanzen sie doch wieder doppelt so viele Kartoffeln, weil der Doppelte Preis einer Frucht gerade wie eine Prämie auf den Ackerbau wirkt, und mehr zum Anbau derselben beiträgt, als alle vernünftige Diskurse. » » » Auch glaube ich, daß die Gesetzgebung die Meinung des Volks und dessen seine Vorurtheile zu berücksichtigen hat, die von seinem niedrigen Standpunkte herrühren. Ich halte dieses der Klugheit für angemessen — besonders in Provinzen, die noch neu sind, die die Regierung noch nicht kennen, die man gewinnen will, und die die Gegenwart mit der nächsten Vergangenheit vergleichen. Der gemeine Mann — und hier rechne ich sieben Achtel der ganzen Bevölkerung dazu— hat von der Staatsmaschine eine ganz dunkle und verworrene Vorstellung. Er übersieht nur den Horizont von einer Meile — und was jenseits 221 ist, ist nicht für ihn vorhanden. Es ist chm wie ein grauer Nebel, aus dem von Zeit zu Zeit, wie von unsichtbaren Machten, Gestalten gesandt werden, die die Steuern einnchmcn, die junge Mannschaft aushebcn, und ihn richten, wenn er Verbrechen begangen. — Er hört das dumpfe Getöse vom Gange der Staatsmaschine, aber von ihrem Gange und Mechanismus hat er gar keine Vorstellung- Unter dem Worte: »die Herren^ begreift er alles, was zn befehlen hat — wie dieses aber zu einer Hierarchie geordnet, davon weiß er nichts- Jch bin überzeugt, daß in der Gemeine Brüggen/ bei einer Bevölkerung von 1700 Seelen, keine 50 sind, die wissen, daß wir Minister haben, und keine 6, die wissen, wie viele Minister in Berlin sind, nnd wie sie heißen- Die Meinung des Volks ist Nun stets die, daß die Reichen gegen den Armen zusammenhal- ten- Als das Branntweinbrennen nicht verboten wurde, ungeachtet die Kartoffeln auf das Dreifache des Mittelpreises waren, so war die allgemeine Theorie des gemeinen Mannes: daß die reichen Brenner die Herren bestochen hatten'—und daß der König solches nicht wüßte. *) Der Begriff bom Könige, als einer wohlthLtigen Macht im Staate, ist in den Begriffen des gemeinen Mannes noch am Meisten entwickelt- Wahrscheinlich durch 222 Ich glaube nicht, das es klug ist, den Unwillen des Volks gegen die Regierung dadurch zu vermehren, daß wenn die Noth am größten, doch das Brennen aus Kartoffeln immer fortgeht. Kömmt das Volk in Schwankungen, so bleibt ihm bei der völligen Unwissenheit, die es über die Staatseinrichtungen hat, nichts übrig: als die Maschiene kurz zu schlagen, wodurch dann die Noth erst recht groß wird. Gerade wegen der Unwissenheit des Volks sind die Aufstände so gefährlich, denn es thnt immer dasjenige, was nicht hilft. * *) die Religion und durch die Bibel, in der die Könige so häufig die handelnden Personen sind. Auch von den Rechten des Königs — Steuern und junge Mannschaft zu fordern und Krieg zu führen — hat das Volk einen richtigen Begriff. Es sieht in ihm das Abbild der obersten Staatsgewalt, und fühlt instinktmäßig daß solches alles zur Erhaltung desj Landes nothwendig sep. Vom Ministerium weiß es nichts. Daher ist auch jedes Ministerium, und es sey das geschickteste, so schnell mit seinem Latein zu Ende, sobald es nicht im Namen des Königs regiert, und zwar eines Königs, der zum Throne geboren, diesen besteigt, so wie ihm die Rechte der Geburt Hinaufrufen. *) In de» kleinen Staaten der Alten war dieses anders. Bei der Kenntniß, die jeder von der Einrichtung des Staates hatte, wußte er, was er wollte — und eine Volksbewegung hatte ihr Ziel und ihr Ende. Montesquieu bemerkt, daß in Crcta, wo die Verfassung Aehnlichkeit mir der Lacedemonischen hatte, der Aufstand mit zu den konsti rationellen Maaßregeln gehört, so wie in England die, Opposition und die Minorität, in welche die Minister gebracht werden, wenn das Volk neue haben will.. Bei einer wirklichen Hungersnot!) — bei der Menschen vor Hunger und Entkräftung sterben — kommt das Volk in keine Schwanknugen. Die Menschen sind zu matt und zu müde, als daß sie etwas unternehmen sollten; sie schleichen Hern in wie Leichen, gehen des Morgens noch aus, um sich etwas Lebensmittel zu erbetteln, und sitzen dann so an den Wegen hin und sind todt. So war es am Rheine, im Gebürge, und so ist es in der Schweiz gewesen. Allein früher kommt das Volk in Bewegung wenn es noch Kraft hat — und sein Haß sich entweder gegen die Kornhäudler und Branntweinbrenner richtet — und wenn es glaubt, es müsse über acht Tage verhungern. Hiedurch wurde Paris immer in Aufruhr gebracht, daß es hieß, cs sey kein Korn mehr in der Getreidchalle. *) Nun muß man das noch dazu nehmen, daß den untern Behörden immer gleich der Muth a'us- geht, wenn sie so etwas sehen, das einer Volksbewegung ähnlich sieht — wodurch die Sache dann erst recht schlimm wird. Alles dieses erwogen, so glaube ich, daß es der politischen Klugheit angemessen, daß die Gesetze über das Brannteweinbrennen bestimmen: "Daß, sobald in einem Regierungsbezirke das *) Das war ein großer Vortheil der Elberfelder Ge< trcidehansa, daß das Volk wußte, daß für einen Monat Getreide immer im Kornhause vorrüthig liege. — 224 Korn und die Kartoffeln im Preise über das Doppelte des Mittlern Marktpreises gehen, — daß dann di? Branntweinblasen versiegelt werden.^ Allein dieses Gesetz muß früher gegeben scyn, ehe man cs ausführt, damit die Gewerbe Zeit haben, ihre Einrichtungen zu treffen, und die Gesetze eben so wie die Jahreszeiten mit in ihre Berechnung aufnehmen. Ich habe oben der preußischen agrarischen Gesetze von 1810 gedacht. Da die Sache von großer Wichtigkeit, so erlauben Sie mir, noch folgende Betrachtungen hinzuzufügen. Der Zweck dieser Gesetze ist offenbar der: Die Anzahl der freien Grnndeig enthü- mcr zu vermehren. — Es ist derselbe, den Tiberius Grachus sich vorgcsetzt, als er das Gesetz des Licinius erneuerte — und wodurch er sich de« Haß der großen Grundbesitzer zuzog. — Daß dem Staatskanzler, der im Geiste dieses großen Volks- tribuncn gehandelt, ähnliches geworden, liegt im Laufe der Dinge. — Sein Name würde auf die Nachwelt gekommen seyn, schon blos des agrarischen Gesetzes wegen, wenn er auch in die großen Begebenheiten der neuen Zeit durch seine Stellung und durch seine Persönlichkeit nicht auf eine so bedeutende Weise eingegriffcn. Man hat bei Gelegenheit des agrarischen Gesetzes in Preußen nach der Befugnis; gefragt, die die Krone habe, über das Befitzthnm zu, verfügen — und dem Gutsbesitzer zu sagen: Du sollst mit dem Bauern, der auf dem Acker Hofe wohnt, zu gleichen Th eilen theilen, damit dieser auch freier Grundei g c n t h ü m er werde. Ich denke, die Bcfugniß liegt da: daß jegliches Eigenthum beim Staate zu Lehn geht, und daß die Krone der Inbegriff der ganzen Staatsgewalt ist und ihr sichtbares Zeichen. Damals, als die Mark Brandenburg gegen 400000 Dukaten an die Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollcrn kam, war der Staat ein ganz anderer — und das Leben des Staates ein ganz anderes. Durch eine Reihe Erbfürsten, wie kein Volk sie hatte, wurde der kleine Staat groß und mächtig. — Die Jahrhunderte und die fortschreitende Entwickelung der Gesellschaft — änderten sein ganzes innres Leben, und alte Formen, die stehen geblieben, standen außer der Zeit. Das Recht jedes Dings geht aus seiner Natur und aus seinem Leben hervor, und es ist vorhanden, sey cs geschrieben, sey es ungeschrieben. Daß der obersten Staatsgewalt die Bcfugniß znstaud, durch agrarische Gesetze das gesunkene Volk zu heben, das an Anzahl und Bevölkerung hinter den andern Stämmen zurückgeblieben, in denen der Boden frei war, und in eine Menge kleiner Ackerhofe getheilt, wer will dieses leugnen? *) Zu diesen agrarischen Gesetzen gehörte: Daß jeder Ackerhof frei besessen werde, und allep Bands *) Das Einzige, was bei diesen agrarischen Gesetzen zu Wünschen gewesen, war das: daß damals, als sie entwor» fcn wurden, die Gesetzgebung eine vollkommnere Einrichtung gehabt hatte. Wenn die Gesetze in der Stille des Kabinets von einigen wenigen Beamten entworfen werden, wenn blvs die Unterbehörden berichtend zu Rathe gezogen werden, so bewegt sich alles in Papieren, und dieses ist kein Mechanismus, aus dem ein vollkommnes Gesetz her« porgehen kann. Die Gesetze erfahren Lang erst die Widersprüche, wenn sie ins Leben treten und von den Mei« nungen getroffen werden. Wieles zeigt sich dann als um gusführbar und muß in späteren erläuternden VerorLnum gen wieder zurückgenommcn werden. Dieses war besonders bei der Gesetzgebung über den Schlesischen Bauernhof der Fall. Anders ist cs, wenn die Gesetze im Staatsrakhe ent« worben sind, wenn sie dann in die beiden Kammern gehen und an» großen Tageslichte erscheinen, und jeden Widerspruch erfahren — und vernünftiges und unvernünftiges, was sich gegen sie sagen läßt. Sind sie endlich durch den Mechanismus der Gesetzge» bung durchgeaangen, hat die öffentliche Meinung in Zeitungen und Flugschriften ihre ganze Wirkung auf sie geübt, so haben sic auch einen so hohen Grad der Vollendung, daß nachher nichts zu ändern und zurück zu nehmen ist, wie man solches an den Gesetzen sieht, die durch Franweichs und Englands Gesetzgebung hervorgerufen worden. 227 gegen den Oberhof entlassen. — Daß jeder Ackerhof steure nach seiner Große und seinem Ertrage sey er Edelhöf oder sey er Baucrhof. Daß dieses in den Marken, den alten Stammsitzen des Hauses, wo der Edclhof bis jetzt blos seine Rittrrpferde bezahlt, obgleich alle persönliche Heerfolge anfgchört, wegen der der Edelh'vf ursprünglich von der Grundsteuer ausgenommen worden, für unrecht und vcrtragwidig gehalten wurde, ist begreiflich. — Allein daß der Staat zu diesen Gesetzen befugt war, da alles Eigen- thum bei ihm zu Lehn geht, das leidet keinen Zweifel, Man hat gesagt: Wenn der Staat auf diese Weise über das Eigenthum verfüge, so könne er dieses nur gegen Entschädigung. Die ganze Gesetzgebung beruht auf politischer Klugheit, Sie kann über Privateigenthnm verfügen, und entschädigen — wenn sie solches der Staatsklugheit angemessen findet. Sie kann ebenfalls über Privateigenthum verfügen, und entschädigen nicht, wenn sic solches der Staatsklugheit angemessen findet, Bcy Frankreichs agrarischen Gesetzen ist nirgend Entschädigung geboten worden. Als man die Zehnten aufhob, so wurde zugleich die Geistlichkeit aufgehoben, die die meisten besaß. Als die Steuerfreiheit des Adels aufgehoben wurde, so wanderte der Adel aus' In dieser stürmischen Zeit glichen sich die Dinge selber nach ihren allgemeinen Gesetzen des Gleichgewichts aus. — Die Menschen thatcn wenig, und Menschen,, und Ministerkräfte erschienen als unbedeutend und schwach, Als später sich die französische Gesetzgebung über einen großen Theil von Deutschland aus- dchnte, so verschwand überall die Steuerfreiheit des Edelhvfes. Von Entschädigung war nirgend die Rede. Hätte map angefangen, von Entschädigungen zu reden, so das bisherige steuerfreie Gut von dem steuerbaren zu fordern habe, so wäre man zu einer Berechnung und Auseinandersetzung gekommen, bei der das steuerbare Gut gezeigt, wie lauge es die Steuern für das steuerfreie mitbezahlt, und wie Die Summe, so eö zu fordern, che beide gleich standen, den ganzen Werth des steuerfreien überstiege. In allen Bewegungen der neuern Zeit ist cs immer sichtbar gewesen: Daß aller Besitz vom Staate zu Lehn geht, und die Menschen haben nicht allein nach diesem Princip gehandelt, sondern auch die Dinge. Und so kommen wir denn am Ende wieder auf den Anfang zurück — wie solches öfter der Fall, wenn sich das Gespräch in heiterer Weise «nd in freien Formen bewegt. Uebrigens glaube icb, daß wir in der jetzigen Zeit an diesem Princip mit allem Ernste zu halten haben. Wenn der Staat nicht stark ist, wenn wir nicht alle Zusammenhalten, so gehen wir alle zu Grunde. Denn die jetzige Ruhe ist nur eine vorübergehende. Ich empfehle mich ihrem freundschaftlichen Andenken. Bg. Der Korn verein in Elberfeld. -^ie letzte Zeit ist dadurch besonders merkwürdig geworden — daß sich alles in ihr von selber gemacht hat, ohne leitende Behörde, und daß die Menschen überall schnell das Rechte gefunden, sobald die Noth vorhanden — und ohne daß sie vorher auf Universitäten gegangen und hierauf besonders studiert. Im Jahr 1813 blieben alle Kriegswiffcnschaf- ten zu Hanse, woher denn auch stille und sedatc Menschen auf die Meinung kamen, daß aus einem Kriege nichts werden könnte, der mit so wenig Gelehrsamkeit geführt würde, und in dem man treffliche Sebriftcn, so über die Strategie geschrieben, gar nicht zu Nathc zog. — Wo - Eben so hat im Jahre 1816 Elberfeld sich der Theurung erwehrt, ohne daß jemand Kamcral- und Staatswissenschaften studiert hatte,—obscho» allerdings zu wünschen gewesen, daß ein Professor vorher einen Kursus gelesen, wie eine Stadt sich zu verhalten habe in thcurer Zeit, -7- Da dieses nun nicht gescbchen, auch keine Beamten vorhanden- die sich besonders für dieses Fach gebildet, so mußte eine löbliche Bürgerschaft die Sachen mit ihren geringen Kenntnissen durchsetzen, da für den Augenblick keine Gelehrsamkeit auf dem Platze zu haben. Folgendes ist aber die Geschichte des Korn- vercins, so wie sie in einer kleinen Schrift erzählt wird, welche die Direktion desselben hat drucken lassen, und in welcher sie eine klare Ucbcrsicht über den Gang desselben giebt, mit allen Belegen rn Zahlen. Als im Jahre 1816 das anhaltende Rcgen- wettcr eine Fehlerndte voraussetzcn ließ, so war die Frage: Wie schützen wir unsere Stadt vor Brodmangel? die Unterhaltung in jeder Versammlung der Bürger, Die Stadt hat 20,000 Einwohner und gar kein eigenes Wachsthum. Mancherlei Vorschläge wurden gemacht, und als unzulänglich oder nicht ausführbar wieder verlassen, Als am 6. Juli sich die Besorgnisse wieder allgemein unt> laut äußerten, so entwarf ein Bür- 231 gcr einen Plan, eine Snmme von 100,060 Thlr. ans Aktien von 500 Thlr. zusammen zu schießen, diese mit 5 pEt. zu verzinsen. Dann eine Gesellschaft zu bilden, welche für diese Summe in der Fremde Brodkorn kaufte. Dieses sollte dann in Elberfeld an die Becker zn einem bestimmten Preise verkauft werden, und aus dein erlösten Gelbe wieder neues Korn in der Ostsee gekauft werdein Hiebei hätte man folgende Vortheile: 1) Man wäre sicher, daß immer so viel Korn auf dem Platze sey, als zum täglichen Verbrauche nothwendig, Es könne also keine Hungers- n o t h cintreten. 2) Weil man wisse, daß immer so viel Korn vor- räthig sey, so könne der Glaube und die Furcht vor einer Hungersnot!) unter den untern Volks- klasscn nicht eintretcn, wodurch diese also vor allenVcwegungen geschützt würden, in die sie vielleicht kommen könnten, da in dieser tramigen Zeit alle Fabricken darnieder liegen. 3) Würde man das Brod immer wohlfeiler geben können, als es ohne diese Maaßregel nicht seyn würde. ti) Würde dieser Verein einen wöhlthätigen Einfluß ans die Umgegend üben, da Elberfeld mit seiner Konsumtion nicht allein vom inländischen Markte verschwände, sondern nach den Elberfel- der Preisen würde sich die Umgegend richten, da sie dieses immer gewohnt gewesen auch der Kornverein als größter Kornhändier nach den allgemeinen Gesetzen des Handels den meisten Einfluß auf die Preise übe. Dieser Plan, obschvn von einem nnstudierten Laien aufgesetzt worden, der auf Universitäten nie Aamcralia gehört, schien den Bürgern so einleuchtend, daß in wenigen Tagen 55000 Thaler unters zeichnet waren, und den 13. Juli, also 7 Tage nach dem ersten Vorschläge, trat der Kornverein schon iu Thätigkeit. Das sist der Vortheil bei allem, was vom Bürger und von der Gemeine ansgcht, -- der große Zeitgewinn. An keine Formen gebunden, — so wie die Regierungs-Behörden es sind — können sich die Bürger immer selber die kürzeste und bequemste wahlein — Eine lästige Kontrolle findet nicht statt, weil die Männer des Volks immer jeder Kontrolle übcrhobcn find, — da sie nach geendigtem Geschäfte öffentlich Rechnung ablcgcn, von ihrem Haushalten, — wo dann das Urtheil ihrer Mitbürger über sie ergeht.— Dieses Endnrthcil ist stets ein verständiges, denn wenn auch während des Geschäfts die Urtheile der Menge Ungewiß hin - und hcrschwanken, aus Mangel an Uebcrsicht und Kcnntniß des Tatbestandes, so muß sich doch zuletzt das Urtheil auf dem Rechten ausgleichen sobald die Rechnung abgelegt worden, und in dieser nun alle Thatsa- chen genau angegeben und mit ihren Belegen beurkundet sind. Möchten wir doch in nnsern Staatseinrich- luiigm solche Formen finden, wo alles Oeffent- lichc dein öffentlichen Urtheile anheim gegeben wird, und wo dieses Urtheil genöthigt wird, gleich nach der Milte zu gehn, und nicht in leerer Nedncrei hernmzusch.wcifen, da es durch eine genaue Angabe der Zahlen innerhalb gewisse Grenzen eingeschloffen wird. — Denn man kann ohne Uebertreibung annehmen, daß die Hälfte der unverständigen Reden, so übers Ocffcntliche geführt werden, blvs deswegen unverständig sind, weil dem Redenden der Thatbestand mit seinen ihn begleitenden Umständen Unbekannt ist. Der Landrath von Elberfeld, Graf von Seiffcl; war als Mübetheiligter zugetreten, und es wurden den 13. Jnli gleich 6 Bürger zu Geschäftsführer des Vereins gewählt, welcher aus 153 Bürgern besteht. Da man aber fand, daß diese Anzahl zu klein sey, weil viele derselben durch Reisen und durch andre Geschäfte oft verhindert wurden, für den Verein thatig zu sepu, so wurde den 3. September die Anzahl der Vorsteher, so der Verein aus seiner Mitte schöpfte, (Schöffen) bis ans 13 vermehrt. Hier hat sich den« aufs neue bewiesen; daß die altdeutsche Schöffeneinrichtung auch noch vollkommen auf den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft paffe, und daß das Geheimniß da liege, daß ihrer Viele sind, wo also Viele fehlen können, ohne daß der Gang der Geschäfte leidet. So 234 sind im englischen Unterhause 653 Glieder als Schöffen der verschiedenen Grafschaften Und Städte versammelte Von diesen ist aber selten die Halste gegenwärtig, da gewöhnlich Hundert auf Reisen sind, und wieder Hundert andere, denen der beständige Aufenthalt in London zu theucr ist, und nur von Zeit zu Zeit im Parlamente erscheinen« Selten sind 400 gegenwärtig, und nur bei ganz wichtigen Angelegenheiten. Gewöhnlich nur 100 bis 200, und 40 dieser Schöffen reichen gemäß der Verfassung schon hin, einen rechtgültigcn Schluß zu fassen« - Bei allen Schöffeneinrichtungert ist dies das Wesentliche, daß ihrer viele sind, — dann, daß eine geringe Anzahl hinlänglich, einen rechtsgültigen Scbluß zu machen; endlich, daß keiner irgend eine Art von Bezahlung erhalte, daß nirgend ein Utile für den Schöffen zu finden. Jeden Monat war eine Versammlung des Vereins, in welcher die Schöffen Rechenschaft von ihrem Haushalte gaben, und obgleich die Wahrscheinlichkeit eines bedeutenden Verlustes vorhanden, da der Verein das Korn immer unter den Preisen der Umgegend verkaufte, so wu'.de doch immer einstimmig beschlossen, daß hiemit fortgcfahrcn werden sollte, — auch wenn Verlust damit verknüft scy. Die Genossenschaft (Hansa) hatte in allem 74000 Thlr« zusammengcschoffen, mit denen sie 235 einen ausgcbreitetcn Kornhandel trieb. Sie kaufte in Amsterdam, Nostok, Lübck und Riga, ließ dann die Früchte den Rhein herauf gehen bis Düsseldorf, und von da zu Lande, sechs Stunden weit, nach Elberfeld. In der Ostsee wird das Getreide nach Lasten verkauft. Diese sind unter sich etwas verschieden an Größe. So sind 100 Last in Lübek gleich 110 Last in Amsterdam, und 100 Last in Rostok gleich 120 in Amsterdam. Bei uns ist die Amsterdam- mer Last am bekanntesten, welche 164 Elberfclder Malter enthält, oder 60 Elberfclder Scheffel welche 55 Berliner sind. So weit in Europa Wasserfracht geht, so weit geht auch der gemeinschaftliche Kornhandcl der Europäer, die alle um das große Weltmeer sitzen, als um eine gemeinschaftliche große Tafel. Von Riga bis Amsterdam ist der Mittclpreis der Fracht 30 bis 35 holl. Gulden, die niedrigsten Frachten sind im Jahr 1817 zu 21 Gulden notirt worden, die höchsten zu 48 Gulden. Der Malter Korn kostet .also von Riga bis Amsterdam etwa 2 Rthlr. Fracht. Die 6 Stunden, von Düsseldorf nach Elberfeld, kostet es 1 Rthlr. Landfracht — also bei 12 Stunden Entfernung 2 Rthlr. Tausend Stunden zur See machen daher keine größere Entfernung, in Hinsicht der Fracht, wie 12 Stunden zu Lande. — Wenn das Korn 12 Thlr. in Riga kostet, so kostet cs nur 14 Thlr. in Amsterdam, also um f. Hendl, u. Gewerbe. ( 16 ) — 236 seines Werthcs mehr, ohne die Assekuranz, die im Sommer gewöhnlich 14 bis 2 pCt. ist. Deswegen ist Nie eine allgemeine Hungers- noth zu befürchten, da die Frucht doch nie in ganz Europa mißrath, und die Leichtigkeit der Seefracht einen so äußerst leichten Austausch möglich macht. Ob der Kornsack an der einen Seite des Marktes zu Riga, oder Archangel oder an der andern Seite zu Amsterdam, oder Antwerpen steht; — Denn die Fracht von Archangel bis Amsterdam ist ungefähr dieselbe, obgleich die Schiffe durchs Eismeer und ins Nord-Kap gehen. Eine Schiffsfracht Korn, so den 17. Juli in Archangel verschifft worden, war in der Mitte Septembers schon in Amsterdam. Die Stromfrachten sind schon theuercr. Denn von Amsterdam bis Düsseldorf kostet die Last ebenfalls 30 bis 35 Gulden. Die niedrigsten Frachten, so bezahlt wurden, waren 28 Gulden, die höchsten, als im Juni das Wasser so hoch wurde und die Rhcinschiffahrt so erschwerte, 45 Gulden; hierin sind die Rheinzölle mit einbegriffen, welche auf die Last etwa 4 Gulden machen. Der Kornvercin hat indeß alle seine Frachten zu 28 Gulden gehabt; auch wurden ihm auf Verwendung des Oberpräsidcnten, Grafen von Solms Laubach, die Oktroigebührcn zurückerstattet, so wie die Zoll- und Weggclder. Die Gemeine Elberfeld lag nun mit ihren 20,000 Einwohnern zwischen den andern Gemein- 237 den des Landes, wie eine Insel, ans der das Brod immer bedenkend wohlfeiler war. Denn wenn in den andern Gemeinden das Korn 25 Tbaler kostete, so kostete es in Elberfeld nnr 20 Thlr., und jedes 7pfü»dige Brod war 5 Stüber wohlfeiler, als eine Stunde davon.— Oft betrug dieser Unterschied 6, 8, ja endlich 10 Stüber. Gewinnsüchtige Bäcker, die das Korn beim Kornvcrein für die festgesetzten Preise holten, verkauften das Brod außerhalb, um thcure Preise zu machen. Es wurde nun, nm hierüber jeder lästigen Kontrolle enthoben zu scyn, von der Kornhansa ein einfaches Mittel beschlossen. Sie ließ eine kupferne Münze prägen, mit der Aufschrift: El- berfcldcr Kornvcrein, und mit der Umschrift: Kauft in der Zeit, so habt ihr in der Noch. Aller Kornhandel wurde nun mit dieser Münze geführt, und zwar in folgender Weise: Zuerst wurden in jedem Distrikte der Stadt alle Einwohner in jedem Hause ausgenommen, und hierüber eine genaue Liste gemacht. Nach dieser Liste wurde berechnet, wie viel jeder Hausvater wöchentlich an Brod bedürfe, wenn man im Durchschnitt täglich Z Pfund auf den Kopf rechne,— und jedem wurden so viele Brodzeichen cingesendet. Wer nun Brod haben wollte, schickte diese Münze nebst dem Gelbe zum Bäcker. Jede Münze wurde für 5 Stüber angenommen/ welches der Satz war, um den das Brod unter dem Preise verkauft werden sollte, den der Oberbürgermeister jede Woche bestimmte, und der mit dem Brod- preise der Gegend im Durchschnitt übereinstimmend war. Die Vcrthcilung der Brodzeichen war sehr lästig; 74 Bürger unterzogen sich ihr. Sie wurden von den Vorstehern des Kornvereins gewählt, und jeder hatte einen Distrikt in der Stadt von etwa 50 Häusern, der seine Nachbarschaft aus- machte, in die er die Brodzeichen verthciltc. Die Dcrtheilnng geschah nach der aufgenommenen Liste; doch konnten die Aufseher hierbei etwas nach eigener Einsicht verfahren, und den untern Standen, die aus Mangel an andern Lebensmitteln, mehr Brod essen, als die höheren, auch reichlicher bei der Verthcilnng der Zeichen bedenken. So wie Niemand ohne ein Brodzeichen ein Brod bcym Bäcker kaufen konnte, so konnte kein Bäcker ein Malter Korn in dem Kaufhause der Kornhansa ^ haben, wenn er außer dem Geldc, keine 50 Brodzeichen hatte, welche ihm, jedes zn 5 Stüber gerechnet, bei der Zahlung für 4 Rtlr. 10 Stüber angenommen wurden. Als das Korn 20 Thlr. 10 Stüber kostete, so mußte er für den Malter 50Brodzeichen geben, und 16 Thaler oder 8 Kronthaler in Silber. Durch diese Einrichtung war dem Verkaufen außer der Gemeinde vorgcbeugt, weil jede Woche 23Y die Brodzeichcn, so bei den Bäckern eingegangen, und von diesen beim Kornkaufhausc vom Anfänge der neuen Woche aufs Neue an die Bürgerschaft vcrtheilt wurden. Allein wie schwer es ist, da die gehörige Kontrolle zu führen, wo man nicht mit dem Edelmut!), sondern mit dem Vortheile zu thun hat, das hat sich auch hier gezeigt. Es waren 40,000 Stück geprägt worden. So wie sie jede Woche entkamen, wurden sie in der neuen Woche wieder an die Bürgerschaft vertheilt, so daß in allem 5,423230 Münzen auö- gethcilt worden. — Als der Kornvercin sich am iO Sept. 1817 auflöste, da die Stadt bei den hcrnntergegangencn Fruchtpreisen seine Hülfe nicht mehr bedurfte, so waren von den 40,000 Münzen nicht mehr als 26710 wieder zurückgekommen. Der Verlust war geringe, auch konnte Niemand ein Interesse dabei haben, eine Münze zu behalten, die für 5 Stüber gegangen, und deren inner» Werth in Kupfer nur ^ Stüber betrug. Es war schwer, hiervon einen Erklärungsgrund anzugeben. Am wahrscheinlichsten ist folgendes: Es ist bei dem Polizey-Satze angenommen, daß 1 Malter Korn 50 Brodte giebt zu 7 Pfund. Allein dieser Satz ist vielleicht etwas zu geringe. Man machte später die Entdeckung, daß aus dem Malter gut gedörrten Rigaer Roggens 52 Brodte, jedes zu 7 Pfund, konnten gebacken 240 — werden. Wäre die Entdeckung srübcr gemacht worden, so hätte sich die Abschluß-Rechnung noch um 5500 Thalcr chorthcilhafter gestellt. Die Vorsteher des Vereins.bemerkten: daß es ungemein schwer halte, jedesmal ein richtiges Verhältniß zwischen dem Korne und dem Brodte ausznmittcln, so daß von der einen Seite die Bäcker nicht zu sehr bereichert würden, und daß sie von der andern nicht gezwungen wurden, sich an der Verminderung der Güte des Brodtes zu erholen, indem sie es entweder nicht ausbacken, oder geringere Fruchtarten zusetzen. Am besten würde es seyn, in solchen Fällen eine eigene kleine Probe-Bäckerei anzulegen, um an dieser eine fortwährende Kontrolle für die andern Bäcker zu haben» Das Kapital von 74000 Thalcr, so die Hansa zusammcngcschoffen, ist in dem Jahre von 1816 '— 17 etwas über sechsmal umgeschlagen worden, und von ihr für 455416 Thlr. gekauft und verkauft worden. In Elberfeld hat also jeder Mensch in diesem Jahre im Durchschnitt für etwa 20 Thlr. Brod gegessen. Aus einer Uebersicht, so der Kornvercin über die Preise des Elberfelder Kernhauses, mit denen der benachbarten Kornmärkte Woche für Woche zusammengcstellt, ergiebt sich, daß in den Monaten November, Dccember, Januar, Februar, März, April und May das Malter Kenn immer 3, 4 und 5 Thalcr wohlfeiler gewesen, als auf den Markten der Umgegend. Damals waren die Preise des Vereins 15 bis 20 Thlr. das Malter. —- Im Jnnius, wo die große Noth durch das Ausbleiben des königlichen Korns eintrat, gicng der Unterscl'icd einmal bis auf 7 Thaler und einmal bis auf 9 Thaler. In einer besonder» Kollonne der Tabelle ist angegeben, wie viel die Gemeinde Elberfeld hiedurch wöchentlich am Brodpreise ersparte. Gewöhnlich war dieses Ersparniß 1500, 1800 bis 2000 Thaler. Doch stieg es im Junius einmal in einer Woche über 3000 Thaler. Die ganze Summe des Ersparnifses war 64834 Thaler 10 Stbr. Diese waren also durch das Zusammenschicßen des Kapitals von 74000 Thlr. der Gemeinde erspart worden. Als die Kornhansa den 20. September 1817 ihren Kornhandel schloß, so sandte sie jedem sein eingelegtes Kapital mit den Zinsen zu 5 pCt. zurück. Die Zinsen betrugen 4076 Thlr. Ich hoffe, daß mein Freund, der Ncgierungs- rath Evppc, hiedurch von der Meinung zurnck- kommc, daß man im Regieren von unten auf nicht über die Gemeindeverwaltung herübcrgehcn könnte, und daß man für das höhere immer besondere Regierungsorganc haben müsse, die aus Leuten bestanden, so das Regieren ox xrokosso gelernt und hierauf studiert hätten. In England macht sich die ganze Verwaltung auf die Weise, wie der Elberfelder Kornverein, und ohne daß jemand angestellt scy, der Kamera- lia studiert habe. Wenn man bedenkt, daß diese Kornhansa ein Geschäft betrieben, in dem 458000 Thalcr umgc- schlagcn und 65000 Thaler erspart sind, so sieht man, daß dieses Geschäft an Umfang den Geschäften eines kleinen Regierungsbezirks gleich zu setzen sey. Denn die drcy Regierungsbezirke des Niederrheins bringen an Steuern 1850000 Thlr. auf, also jeder 600000 Thlr. —eine Summe, welche sich der Summe so die Kornhansa umgcschlagen, schon sehr nähert.—Berechnet man nun, was das Geschäft, wenn es so geordnet gewesen wäre, wie eine Regierungsbehörde, an Räthen, Schreibern, Papier, Zeit und Geld würde gekostet haben, so fällt offenbar die Vergleichung zum Vortheil des Regieren? von untenauf aus. Als die Kornhansa ihr Geschäfte schloß, so war außer den Zinsen, statt des Verlustes, ans den man gerechnet, und den alle gcweissagt hatten, noch ein Ueberschuß von 10758 Thlr. 20 Stüber in der Kaffe. Es wurde nun beschlossen, zum Andenken der Noth und Hungerjahre 1816 und 17 ein Monument zu setzen, welches zugleich ein Monument der Kornhansa seyn sollte, damit auch die Nachkommen sich noch erinnerten, wie die Bürger von Elberfeld sich in diesen Jahren vor Mangel geschützt hätten. Dieses Monument besteht in einem allgemei- nen Krankenhause, wozu diese 10000 Thalcr der Grund sind. Aus der Rechnungsablagc des Kornvcrcinö ergeben sich manche interessante statistische Data, die wir hier zusammenstcllen wollen. Es ergiebt sich, daß in diesem Hungerjahrc der Mensch im Durchschnitt für 20 Thlr. Brod gegessen hat, da die Gemeinde Elberfeld mit ihren 20,000 Einwohnern für 400,000 Thalcr gebraucht. Wenn man auch annimmt, daß vieles, ehe die Brodzeichcn cingeführt wurden, in andere Gemeinden gieng, so wird dieses durch den Umstand reichlich gedeckt, daß die Gemeinde Elberfeld ihr Brod um 65000 Thalcr wohlfeiler gehabt, als die andern Gemeinden. Die Bevölkerung der 9 rhcinländifch westfälischen Regierungsbezirke ist 2 Millionen 800,000. Das Kapital, was also in diesem Jahre in der Brodkousumtion rund gegangen, betragt 5b Mill. Ein Viertel aller Einwohner dieser Provinzen wohnen in. den Städten, also gebrauchten die Städte allein 14 Millionen. — Da diese alles kaufen müssen und ihnen nichts wachst. Die übrigen 42 Millionen kommen aufs Land. Vielleicht darf man annehmcn, daß die Hälfte von diesen auch gekauft werden mußte, und daß nur die andere Hälfte des Mannes eigener Wachs- thnm war. Man kann daher annehmcn, daß im großen 244 und kleinen Kornhandcl in diesen Provinzen, 36 Millionen Thaler rund gegangen sind. Des Königs Majestät hatten befohlen, daß für 2 Millionen Korn in seinen östlichen Provinzen solle gekauft werden, und in die westlichen gesendet. Zwei Millionen Berliner Thaler sind 4,333,333 Laubthaler, diese 2,666,666 Thaler bergiscb. Die- ^ ses ist dieselbe Münzsorte, in der der Kornverein seine Rechnungen gestellt. Wenn eine Hansa wäre errichtet worden, die mit diesen 2 Mill. 666,666 Thaler« etwa so gehandelt, wie die Elberfelder, und mit derselben Lebhaftigkeit und demselben Glück, als diese mit ihren 74000 Thalern Grundkapital, so würde diese für 16 Millionen Geschäfte gemacht haben. Da die Elberfelder Hansa mit 74000 Thaler Kapital ihren Bürgern in der Brodkonsumtion 65000 Thaler ersparte, so würde diese im Vcr- hältniß ihres größern Kapitals -der Provinz 2 Millionen 300,000 Thaler erspart haben, so daß jeder Einwohner seine jährliche Brodkonsumtion nahe an 1 Thaler wohlfeiler gehabt, so wie jeder Elberfelder die scinige um 3 Thaler wohlfeiler hatte. Denn mit diesen 16 Millionen wäre nahe ein Drittel von all dem Korn bezahlt worden, was in dem Jahre in den 0 Regierungsbezirken von Minden bis Trier in der Brodkonsumtion rund ging. — Da die Grundsteuer dieser Provinzen 4 Mill. Berliner Thaler beträgt, also 5 Mill. bcrgisch; so wäre hiedurch die Grundsteuer von 6 Monaten erspart worden. Wahrscheinlich wäre aber der Vorthcil der Ersparung größer gewesen/ weil eine Hansa, die, so wie dir Hülfsvcrciue organisirt war, und 16 Millionen umschlug, den Preis auf allen Markten von Minden bis Trier bestimmte. Ware das Geschäft mit demselben Glücke ge führt worden, wie das Elberfeldcr, so wäre den 29. Sept., nachdem dem Schatze die 2 Millionen und 666,666 Thaler als die 5 pCt. Zinsen zurück- gezahlt worden, nvck 388060 Thaler in der Kasse als Ueberscbuß gewesen, wofür denn zum Andenken an diese Zeit und an die königliche Huld, ein großes Krankenhaus hätte können gebaut werden, so wie die Berliner Charite. Solche Resultate sind aber nur dann zu erhalten, wenn solche Staatseinrichtungen gefunden sind, vermöge denen man schnell das Rechte erkennen und ausführen kann. Das einzige, wodurch man in Jahren des Miswachses derNoth einigermaßen abhelfcn kamt, ist das: daß man sie gleichförmig aufs ganze Jahr und auf die ganze Gesellschaft vcrthcilt. Es muß weniger gegessen werden; denn was nicht vorhanden ist, kann man nicht essen — und bis zur nächsten Erndte muß man ansreichcn Es muß eine große Ersparung in den Lebensmitteln eintrctcn. Da man aber die Gesellschaft nicht bevormundschaften kann, wie eine Garnison 2,6 eines belagerten Platzes, die noch einen Monat mit den vorhandenen Lebensmitteln Haushalten muß, und wo man täglich einem jeden sein bescheiden Thcil zuwiegt—so ist das einzige Mittel, zu dieser Ersparung zu gelangen: die Thcu-- rung. Diese macht, daß unnöthigcö Dich abgeschafft wird, daß in jeder Haushaltung alle Lebensmittel sehr zu Rathe gehalten werden, daß kein Brodkrüstchen verlohrcn geht, und daß viele Menschen sich nur halb oder nur zwei Drittel satt essen. Ist durch die Theurung diese Ersparung an Lebensmitteln eingetreten, die durchaus nothwcn- dig ist, wenn die Vorhandenen bis zur nächsten Erndte reichen sollen, so muß man ferner die Vorhandenen möglichst gleichförmig durch die ganze Gesellschaft vertheilen. Der einzige Weg hiezu ist der Handel. Diesen muß man nun auf alle Weise begünstigen, und jedes Kornschiff und jeden Kornkarrcn Zoll- und Akzise frei machen. Ist wie im vorigen Jahre, in einem Striche von 100 Meilen lang und breit allgemeiner Mißwachs gewesen, so reicht der kleine Kornhandel, der zwischen nahe liegenden Plätzen und Märkten statt findet, nicht mehr aus. Es muß dann der Kornhandel im Großen getrieben werden — der auf dem Mecrschiff geführt wird, und zum allgemeinen Welthandel gehört. 247 Diesen Handel können nur große Handlnngs Hauser führen, die in Petersburg und in Amsterdam, in Riga und in Archangcl, in Danzig und Antwerpen Verbindungen, Kredit und Handelsfreunde haben. Beschäftigen diese sich nickt damit, so kommt keine Last Korn ans den Platz, so sehr auch die Gevattcrlcute unter den Schneidern und Handschuhmachern (und unter den Zeitungsschreibern) über Kornhandel und Kornwucher schreien und schreiben mögen. Witt eine Regierung für die Erleichterung einer Provinz etwas thun, so kann sie keinen andern Weg cinschlagen, als den die Elberfcldcr eingeschlagcn haben. Sie muß ein Kapital her- schießcn, mit dem der Kornhandel; im Großen getrieben wird — und sie muß nichts thun, als handeln wollen, und sich nach den Gesetzen der Gesellschaft und des Handels richten, denn diese richten sich nicht nach ihr. Sie hat bei diesem Handel immer drei große Vortheile: 1) Ist immer eine große Menge Korn in ihren Händen sie weiß was sie hat und was sie jeden Monat bedarf — und kann also immer im Voraus ihre Maaßregeln treffen, so daß nie wirklicher Mangel eintritt. 2) Verdrängt sie entweder den ganz kleinen Kornhandel vom Markte, oder schließt ihn in sehr - enge Grenzen ein, da der Preis, den sic jede Woche für ihre Kernhäuser fcstsetzet, der Regulator für die ganze Gemeinde wird. Dieses war auch in der Umgegend von Elberfeld der Fall, und die so schwankenden Preise waren zwischen cngern Grenzen einqc- schlvffen, als in andern Gegenden. Z) Liefert sic hiedurch der Provinz wirklich wohlfeileres Brod, als sic ohne diese Maaßregcl voürde gehabt haben. - Das lleplscsment cles be'rturiss, was in einem Hnngerjahrc nothwcn- dig in der Gesellschaft eintritt, ist also geringer. „Alber wie den Kornhandel cinrichtcn — wie ihm ohne Schaden führen — wie ihn kontrolli- ren>— So wie in Elberfeld. (Göthc sagt: Unter allen Formen des Stoffes ist der Bürger doch die edelste. Was man mit dieser edlen Form nicht aus- zuicichten vermag—richtet man mit keiner andern anS. —In der Geschichte ist wohl verschiedenes vbit Bürgern zu finden — und in den Städten sieht man, was diese ansgcrichtet. Von Dikaste- rien hingegen ist weniger darin zu lesen. Bei einer Schöffcneinrichtung, so sich unter Bürgern bildet, regiert und bestimmt das öffentliche Vertrauen alles. Die Anzahl dieser Schöffen ist zu groß, als daß alle in gleichem Grade Theil nehmen könnten, und diejenigen, die die meisten Kenntnisse des Geschäfts bcsil'cn, sind durch den natürlichen Mechanismus der Dinge bald an der Spinc. 249 So auch sin Elberfeld. Alle Einkäufe des Kornvereins fanden sich bald in der Hand eines Mannes, der einen ausgedehnten Handel mit Getreide zwischen den Häfen der Ostsee und Holland trieb. Dieser besorgte die Einkäufe, und zeigte seinen College» die Fakturen, nach denen er gekauft. In Riga und Archangel kannte Niemand den Elbcrfelder Kornverein — noch hatte er auf einen dieser Plätze für 1000 Rubel Kredit. —Der Geschäftsführer des Vereins machte die Käufe im Namen seines Hauses, und wenn sie dem Verein nicht augcstauden, so blieben sie für seine Rechnung, da es seinem Hause wenig verschlug, ob cs einige Last mehr oder weniger nmsetzte. Auf diese Weise wurden auch die 10000 Thlr. verdient, welche jetzt den Grund zum neuen Krankenhause gelegt, haben. Die Kornhansa hatte nämlich 400 Last Roggen in Riga gekauft. Diese segelten fast zu gleicher Zeit durch den Sund, und kamen in Holland an, als die Preise den höchsten Gipfel erreicht, und die Last bis ans 310 und 320 Goldgulden gestiegen war. *) Ein Elbcrfelder Bürger Und Mitglied des Kornvereins, der gerade in Amsterdam war, rieth, die Hälfte davon zu verkaufen, da ohnehin so viel Rheinschiffe nicht zu haben, daß es auf einmal könne verfahren werden*—und Aller Fruchchandel in Holla,,8 wirS in Goldzulden geführt, deren S gleich 7 Gulden holländisch sind. 250 dann wieder neue 200 Last zu kaufen, über 4 Wochen abzuliefern. Dieser Vorschlag kam den 7. Juni an, und den 8. schickte der Kornvcrciu schon eine Stafette nach Amsterdam, mit dem Aufträge, die 200 Last zu verkaufen —und andere 200 Last zu kaufen. So ein rascher Entschluß ist bei einer Regierungsbehörde unmöglich, da sic immer genöthigt, um selber außer Verantwortung zu bleiben, höheren Orts anzufragcn, worüber denn der Augenblick verstreicht, wo die Sache ausführbar war. Es ist deswegen unrecht, die Regierungsbehörden wegen etwas zu tadeln, was nothwcndig aus ihrem Mechanismus hervorgcht, weil jeder Tadel der die Sache trifft, immer mehr oder weniger auch die Personen verletzt," so mit darin befangen sind. Daß am Nicderrhcin die Noth nicht noch größer geworden, das verdanken wir allein dem großen Kornhandel, den einige Hauser in Elberfeld und Cölln und Mainz getrieben haben. — Wenn diese nicht so ungeheure Vorräthe aus der Ostsee hatten kommen lassen, so hätte cs uns gegangen wie in der Scbweiz, wv viele Menschen verhungert sind, weil kein Korn vorhanden und weil kein einziges der großen Züricher, Aarauer und Baseler Häuser, sich auf den Kornhandel mit der Ostsee gelegt. — Als Ursache daß sie dieses nicht gethan, giebt man an: daß der Handel mit ' Korn in den Augen des Volks und der Zcitnngs- schreibet.' als etwas verächtliches erscheint und Kornwucher genannt wird. So hatte der große Kornhändler Kertcl in Mainz, Unangenehme Auftritte mit dem Volke, — obschott er blos mit Ostsee-Getreide handelte, wovon die Mainzer ohnehin nichts gehabt) wenn er es nickt hatte kommen lassen. Er handelte viel nach Frankreick, weil es da noch theurer war, wie in Mainz, ein Zeichen, daß da der Mangel noch größer, und die Menschen noch mehr hungerten, dieses empfanden die Mainzer übel, und nöthigten ihn Mainz zu verlassen.— Uebrigens hat Kertel den Hülfsvereinen große Quantitäten unter dem Marktpreise überlassen. Niemand ist übrigens durch das. Geschrey über, den Kornwuchcr, das alle süddeutsche Zeitungen damals erhoben, harter gestraft worden, wie die armen Schweizer, bei denen das Bröd daS Dreifache von dem gekostet- was es in Elberfeld nut Hülfe der kornhandelnden Hansa gekostet, wodurch denn in der Schweiz so unsägliches Elend entstanden. Der Buchhändler Büschler hat eine neue Auflage der Schrift über den Elberfelder Korn- vcrein fürs größere Publikum drucken lassen. Der Titel ist: Wie schützte sich Elberfeld in den Jahren der Noth 1816 und 1817 vor Brodmangel? Handl. u. Gewerbe- ( ) 252 - Die erste Auflage war nur als Handschrift auf Verordnung der Kornhansa gedruckt worden. '— In ihr finden sich die Namen der 153 Mitglieder desselben verzeichnet, so wie auch die der 15 Schöffen der Hansa. Ebenfalls ist das Verzeichniß der 74 Nachbarmeistcr darin zu finden, wovon jeder in seiner Nachbarschaft die Brodzei- chcn vcrthcilte. Die Namen der Kleingläubigen, welche am Kornvercine keinen Anthril nahmen, weil sie meinten: es hälfe doch nicht, und man müsse es dem lieben Gott überlassen, diese find nicht angegeben. Der Vollständigkeit wegen, wäre solches vielleicht zweckmäßig gewesen. Auch ist es billig, daß im Ocffentlichen der Gemeinde, jeder seinen Theil an Lob und Tadel hinnchme. Der Verfasser dieser Schrift ist der Chef des Handlungshauses Brink et Lornx., Herr Jakob Aders, der an der Spitze des Kornvereins stand, und die Einkäufe in der Ostsee besorgte. Die Mainzer hätten eine ähnliche Kornhansa errichten können, wie die Elberfcldcr, und diese würde denselben Erfolg gehabt haben, wenn in dieser so wie in der Elberfcldcr, Bürger gewesen, die einen großen Kornhandel auf dem Meerschiffe, zwischen der Ostsee nnd Holland führten. Denn das Bischen was die Mainzer aßen, war noch wohl vom großen Kornmarkte Europas beizuschaffen, und eine solche Kornhansa hätte den Main- 253 zern wohlfeiler Brod verschafft, als alle die vernünftigen Diskurse, so die dortigen Gevatterleute über den Kornwucher in den Zeitungen geführt haben. Elberfeld ist seit langer denn zwei Jahren der Krone Preußen unterworfen. Die preußische Städteordnung, die den Stolz Berlins, Breslaus, Königsbergs macht, ist dieser Stadt noch nicht gegeben. Doch scheinen die Bürger dieser Stadt jene Stufe der politischen Würdigkeit erreicht zu haben, wo cs schicklich, daß sie ihre Angelegenheiten in der Weise selber besorgen, wie die Stadtver- vrdnung' ihnen solches vergönnt. — Bg. Der Kornverein zu Frankfurt. November 1816 bildete sich in Frankfurt ein Verein angesehener Bürger, welcher den Zweck hatte, durch Ankäufen von Früchten in der Ostsee für den eigenen Bedarf der Unterzeichneten zu sorgen. Dieser Verein erweiterte sich aber bald, und schon den 24. Nov. wurde durch einen einmüthi- gen Beschluß festgesetzt, daß man zugleich den Armen und unbemittelten Bürgern das Brod zu einem wohlfeileren Preise verschaffen wollte, und auf die Erhaltung einer mäßigen Brodtare für die ganze Stadt hinwirken. Diese Kornhansa wählte nun ihre Schöffen > und deren Vertreter, und stellte auf ihrer Tagsa- irung vom 28. Nov. folgendes. 1 ) Das Getreide sollte in der Ferne aufgekauft werden. 2) Den Unbemittelten sollte der ßpfündigc Laib Brod zu 26 Kr. gelassen werden. I) Dem Steigen des Getreidcpreises sollte entgegen gewirkt und für die Erhaltung einer mäßigen Brodtare für die Stadt gesorgt werden. g) Es sollte ein Verzeichnis! der Hülfsbcdürftigen ausgenommen werden. 5) Das nöthige Geld sollte auf dem Wege freiwilliger Unterzeichnungen hergebracht werden. Der Verein lieferte wöchentlich an den Bäcker 180 Malter zu dem festgesetzten niedrigen Preise. Den 25. December, also gerade auf Christtag, konnte schon die Auslieferung des Brodtes zu 26 Kr. an die Unbemittelten geschehen. Es wurden, um allen Unterschleif vorzubeugen, Scheine aus- gethcilt, welche mit einem besondern Stempel versehen waren, und die auf dieselbe Weise vertheilt waren wie in Elberfeld die Brodzeichen. Als die Preise am höchsten und die Noth am 265 größten war, so wurden wöchentlich 6000 solcher Brodscheiuc (Billcts) ausgcgebcn. Die Summe, welche die Thcilnehmer (Kontribuenten) unterzeichnet (subseribirt,) betrug 128,305 Gulden. Die Anzahl der Thcilnehmer war 40y. — Ließen auch manche Bürger die Bitten unerhört, so gaben andre mit gutem Herzen und warmer Theilnahme um so reichlicher. Ein Schiff, so von Riga kam, verunglückte, doch wurde die Ladung gelöscht, auch hatte es der Verein versichern kaffen, so daß also kein Verlust darauf entstand. Ein anderes Schiff Korn, so wegen des ungewöhnlich hohen Wassers sehr lange jaus dem Rheine war, erhitzte sich, und wurde nach dem Auslande (2 Meilen von Frankfurt) verkauft jedoch mit unbedeutendem Verlust. Als endlich die Erndte kam, und der Brod- prcis sank, so löste sich der Kornverein auf, die Vorsteher desselben legten Rechnung ab und verschwanden wieder unter ihre Mitbürger. Es waren unterzeichnet worden 128305 Gulden Zurückbezahlt wurden .... 54444 - So daß die Unterzeichneten einbüßten 73861 Gulden Man sieht, daß der Verein auf einer ganz andern Grundlage beruhte, wie der Elberfelder. Die reicheren Bürger Frankfurts brachten den armern ein Opfer von 73861 Gulden, und erleichterten mit diesem Opfer die städtischen Armenkassen. Die Elberfelder Kornhansa hingegen war 266 rcin auf das große Getriebe des Handels und der bürgerlichen Gesellschaft berechnet, aus den Satz: Daß jeder, der seinen Bortheil in klugerWcisefordcrt, stets dcnVorthcsl des Ganzen fördert, und zun so mehr, je klüg er und je anstelliger er ist. Weil die Elberfcldcr Kornhansa auf eine so richtige Weise in das allgemeine Getriebe der Gesellschaft cingriff, so ergab sich die große Wirkung, daß sie erstens der Stadt das Brod um 65000 Thaler wohlfeiler lieferte, als sie cs ohne die Kornhansa würde gehabt Haben, wenn sic cs zu dem Preise hätte bezahlen müssen, den es in der Umgegend kostete. Daß sie zweitens dabei noch nahe 11000 Thaler übrig behielt, und daß drittens alle Thcilnchmer an der Hansa ihr eingelegtes Geld ohne allen Verlust zurückcrhielten, nebst den Zinsen zu 5 pCt. Außer diesen 65000 Thaler, die der ganzen Gemeine zu güte kamen, verwendete Elberfeld in diesem Hungerjahrc, wo alle Fabricken lagen, noch 70000 Thaler ans die Erhaltung seiner Armen. Die Gemeine Elberfeld hat 20000 Einwohner. Die Gemeine Frankfurt hat Ü3000 außer *) Bekanntlich kommen die Leute aufs Lügen und aufs Stehlen mehr aus Dummheit wie aus Gottlosigkeit, da »och nie einer auf diese Weise dauernden Wohlstand erworben 257 700t> Juden, so eine besonder Gemeine bilden und in einer besonderen Gaffe wohnen. Um die Frankfurter Kornhansa in ihren Wirkungen mit der Elberfcldcr vergleichen zu können, so hätte an dem Berichte eine besondre Tabelle müssen beigcfügt seyn, (so wie bei dem Glbcrfel- der) in welcher der Brodpreis der nächsten Orte, so um Frankfurt liegen, (und die nach dem Ausdruck des Berichts zum Auslände gehören) von Woche zu Woche hätte müssen angegeben werden, und diese mit den Frankfurter Preisen vergleichen. Man hätte dann gesehen, um wie viel die Frankfurter nach diesem Verein das Brod wohlfeiler gegessen haben, wie ihre Nachbaren, und daß sie ihren Armen nicht allein ein Opfer von 75000 Gulden gebracht, sondern daß auch die Stadt vielleicht noch außerdem ihr Brod um 75000 Gulden wohlfeiler gehabt, als wenn sie es ohne Verein, nach den Preisen hätte bezahlen müssen, so in der Umgegend waren. Wir führen hier die Stelle aus dem Briefe eines Freundes an, der derselben Meinung ist, und dessen Urthcil viele andre aufwiegt: "Jetzt ist dann auch die Abrechnung des Kornvcreins zu Frankfurt erschienen, die ich Ihnen beilege. Sic haben so viel Gutes von den Hülfsvcrcinen am Rheine im Beobachter gesagt, nun muß Frankfurt auch seinen gebührenden Theil am öffentlichen Lobe haben, denn auch dieser Verein hat viel Gutes gestiftet, und daß seine 258 Abrechnung für di« Betheiligten so nachthcilig ausgefallen, ist wahrlich nicht seine Schattenseite. Wer den gleich von Anfang festgestellten Brod- preis von 26 Kr. nicht Übersicht, und nicht vergißt, daß dieser die ganze Zeit hindurch, bis zur Auflösung durchgehaltcn worden, der wird kein anderes Ergebnis erwarten. Ehe würde ich tadeln, daß sich der Verein so spät und erst in? Beginn des November Monats gebildet hat, da man doch schon, lange vorher die mißliche Lage mustc erkannt haben, und im August von Doktor Faust in Bückcburg schreckhaft genug darauf aufmerksam gemacht war, daß kräftige Maaßregcln nöihig scyn würden, um den Mangel abznwcn- deß, und der Theurung zu begegnen.« "Dann würde, ich ferner mißbilligen müssen, daß man mit Einkäufen in der Nähe anfing, und bedeutende Auskaufe in Mainz, iy Auerbach und in der Wetterau machte, und dadurch die Vvrrä- the in diesen Nachbarstaaten schmälerte und die Preise in die Höhe trieb. Auf Verlust war dieser Verein, in welchem wohl auch nur die vermögendsten Bürger Frankfurts betheiligt gewesen sind, angelegt. Es sollte ein Opfer für die dürftige Volksklasse seyn. Der Zukunft wegen wäre sehr zu wünschen gewesen, daß der Austausch des Getreidevereins seine Abrechnung in tabellarischer Form mit Vergleichung des Brodpreises der nächstanschießenden Orten beigefügt hätte, woraus sich dann ergeben haben würde, daß der Ort durch den Verein weit mehr gewonnen hat, als die Betheiligtcn eingebüßt haben. Man halt sich sonst nach Jahren, wo in ähnlichen oder andern Fallen der Bürgcr- sinn in Anspruch genommen wird, gar zu leicht an die Erinnerung jener schlechten Abrechnung, und die Rückerinncrung an so große Einbußen,, ist ein Hinderniß des Zustandcbringens von etwas. Aehnlichem.« -.'Es würde sehr nützlich feyn, wenn alle Orte, wo solche Vereine bestanden haben, die Welt mit ihren Verrichtungen bekannt machten — und die öffentlichen Blatter sollten die mit der Mitthei- lnng zurückgebliebenen Orte auffordern, ihre Erfahrungen der Welt nicht vorzuenthalten. Mag auch überall, außer Elberfeld — ich glaube es wenigstens— die Sache mit großem Verluste verbunden gewesen seyy, der Gewinn fürs Allgemeine ist gewiß au allen Orten weit überwiegend über den Verlust der Einzelnen; und ohne diese Hülfsleistnng wäre cs, besonders im Bergifchen, schlimm gegangen, und die Theurung nicht zu überstehen gewesen. Elberfeld brachte z. B. allein 23000 Malter Korn aus der Fremde ein. Nehmen sie dazu, was Barmen, Ronsdorf, Lennep und Söhlingen cingeführt haben, so mögen leicht 36 bis 40000. Malter in einem Umkreis von 6 Stunden durch die patriotischen Vereine eingeführt worden seyn.« "Es wäre zu wünschen, daß jemand alle Nachrichten von den Orten, wo solche Vereine bestanden haben, sammelte und znsammenstellte, auch mit Bemerkungen begleitet, wie hier und da hätte anders und richtiger gehandelt werden müssen." "In Barmen hat Hr. Fischer, in Ronsdorf Hr. Bleckmann, in Lennep (wie ich glaube) Hr. Bauendahl, in Söhlingen Hr. Schmitzlcr die Geschäfte des Vereins geleitet. Wollen sie diese wohl einmal im Beobachter auffordcrn, ihre Resultate öffentlich bekannt zu machen?« — Hk He H Indem wir die Anzeige über den Frankfurter Kornverein schließen, so sei es uns vergönnt, eine Bemerkung zu machen, nicht um zu tadeln, sondern um zu bessern. Sie betrifft die Sprache. Der Bericht des Vereins ist in einer äußerst unvollkommenen Sprache abgcfaßt, welche — wie schon früher im Beobachter bemerkt — dadurch scheint gelitten zu haben, daß in unserm deutschen Vaterlande, der lateinischredcnden Priestcr- welt, so über die Alpen kam, eine lateinischrc- dende Advokatenwelt nachgcfolgt ist. Als Beleg mag folgende Stelle dienen, die ungemein schwer so vorzulcscn ist, daß diejenigen sie verstehen, so zuhören: "So mancherlei durch die schon hoch gesteigerten Preise, Mangel in der Umgegend, späte "Jahrzeit, verbotene rder erschwerte öffentliche „Ausfuhr, Unsicherheit der geschlossenen Käufe, „erzeugte Hinderuisse, den Bemühungen des Ausschusses in den Weg traten, so sähe sich derselbe „doch am 22. Febr. l.'I. in der angenehmen Lage, „eine Bcihülfe von 250 Malter Rocken wöchentlich zu dem Preise, wie solcher vom löblichen „Polizeiamt bestimmt worden, und der in Ver- „bindnng von Seiten Hochedlen Rathes an die „Bäcker wöchentlich abgegebenen Früchten, dadurch erzielten niedrigen Brodtare gemäß war, „zukommen lassen zu können.« Wer diesen Satz so liest, daß ihn von hundert Zuhörern zehn verstehen, von dem kann man auch sagen, wie in den altenglischcn Gesetzen; Er liefet, wie ein Geistlicher, — und man kann ihm die verwürkte Strafe erlassen. Es ist schwer, eine lange Periode gut zu bauen, so daß cs sich angenehm und melodisch lies't; deswegen folge man dem Beobachter, nnd schreibe in lauter kurzen Perioden, welches ungemein leicht ist. Die Menschen erfahren dann, was man will, und verstanden zu werden ist doch das Einzige und Erste, wegen dessen man schreibt. Auch vermeide man die ausländische Worte, wo die Muttersprache ihrer nicht bedarf, denn in Deutschland deutsch zu schreiben, ist doch kein Vergehen. Die unvollkommene Sprache, die in dem Deffcntlichen vieler Städte Süddeutschlands, und 262 namentlich in Frankfurt und Stuttgart herrscht, ist ein großes Hinderniß, daß sich etwas Zeitgemäßes und etwas Volksthümlichcs begeben kann. In Stuttgart wäre man vielleicht einig geworden, wenn man in der Ständcversammlung ein klares, kluges uud gelenkiges Deutsch geredet. Allein wenn ssich die Menschen in solche Perioden verwickeln, wie die angeführte — und in Stuttgart halten sie noch schlimmere, so verstehen sie sich nicht, und ssrboßen sich zuletzt, weil sie sich nicht verstehen, Bg. Die Kornhansa in Barmen- i^^ach der Gemeine von Elberfeld war die Gemeine von Barmen die volkreichste in der Fabrick- gegend des Herzogthums Berg. Sie zählt 16000 Seelen. In ihr bildete sich im Jahr 1816, als die Gemeinen blos auf ihre eigne Hülfe angewiesen wurden, —indem alle Vorkehrungen der Verwaltungsbehörden versagten — eben so ein Koruver- cin, wie in Elberfeld, der, so wie dieser, mit anscheinend geringen Hülfömitteln viel geleistet hat. 263 Neun und Zwanzig Bürget legten im Oktober 1816 27950Rthlr. zusammen, und gaben diese gegen 5 pEt. dem Kornvcreine. Die Schöffen dieser Kornhansa führten mit diesem Geldc, gleich den Elbcrfeldcrn, einen aus- gcbrciteten Kornhandel aus der Ostsee, indem sie über 12000 Malter kauften und verkauften (ungefähr 46000 Berliner Scheffel) nnd ein Kapital von 240000 Thlr. umschliigcn. Wenn in ähnlicher Weise mit den 2000,000 Thalern Kornhandel wäre getrieben, welche Se. Majestät der König ans dem Schatze hergegeben, zur Linderung der Noth seines Volks — was hatte sich damit nicht leisten lassen?. Eine Kornhansa, so eingerichtet wie die El- berfelder nnd Barmer, hätte hiemit für 18 Mist. Getreide gekauft und verkauft, und den Mittel- preis auf allen Märkten festgesetzt, von Minden bis Trier. An diesen Beispielen sieht man, welche Vollkommenheit wir in der Verwaltung erreichen werden, sobald die Provinzen ihre Landcsstände haben, so aus der Mitte des Volks hervorgehen, und die Provinzen, die dann doch am Ende nichts weiter sind wie eine große Gemeine sich aucb so bewegen können wie eine große Gemeine, und ihre eigene Angelegenheiten selber besorgen.*) *) Daß die Gemeinen ihre eignen Angelegenheiten selber bescrgcn, ist eine Einrichtung, die schon sehr lange in 264 Die Gemarker (Barmer) Kornhansa har jetzt die Rechnung über Einnahme und Ausgabe, über Gewinn und Verlust abgelegt, und drucken lassen. Jeder Bürger kann nun sehen, was sie geleistet, und da genaue Zahlen bekannt sind, so kann die Rede sich nicht ins Leere und Unverständige verlieren. — Es ist sehr zu wünschen, daß wenn die Untersuchung geendet, so Sc. Majestät der König wegen der zwei Millionen Ostsee Getreide befohlen, daß dann die Rechnung in ähnlicher Kaufmännischer Weise abgelegt und durch den Druck bekannt gemacht werde, damit allem unverständigen Reden ein Ende gemacht werde, indem man dieses zwischen genaue Zahlen cin- schlicßt, und jedermann nöthigt, mit seinen Redensarten zwischen diesen zu bleiben. Was die Barmer Kornhansa geleistet, zeigt diese Rechnung. Zuerst hat sie dafür gesorgt, daß immer Getreide auf ihrem Kornhansc war, so daß also die Furcht des Verhungerns und die Volksbewegungen, so hieraus entstehen, in der stark bevölkerten Gemeine' nicht statt finden konnten. England bestanden und mit glücklichem Erfolge. — Neue« re politische Schriftsteller, so über die inncrn Verhältnisse Englands geschrieben, behaupten, daH diese sehr mißlich wären, und daß es bis jetzt noch gut gehe, rühre nicht so sehr vom Verstände der Minister und der Regierung her, sondern von dem großen Kapital Privat> Verstand, so sich in der Nation entwickelt habe, und man könne nicht laug« ncns wenn man die Dinge vorurtheilsfrei betrachte, daß die Nation klüger sey, als das Ministerium. 265 Darm verkaufte^ sie den Bürgern der Gemeine das Korn zu einem niedrigeren Preise, als der auf den benachbarten Markten. Nach der mit abgedruckten Dergleichungs-Tabelle mit den Kornprciscn des Mülhcimer Marktes ergiebt sich, daß die Gemeine von 1816 in 1817 ihr Brod um 19000 Thlr. wohlfeiler gegessen als die benachbarten Gemeinen.- Dann hat drittens dieser Kornverein, so wie der Elberfelder, dadurch sehr auf die Kornprcisc in der Umgegend gewirkt, daß sie alles Getreide in der Ostsee kauften, und indem hiedurch die beiden größten Gemeinden vom inländischen Markte verschwunden, so war das vorhandene Getreide/ so sonst nach ihrem Markte würde gekommen seyn, genöthigt, nach den benachbarten Markten zu gehen. Ohne dieses wäre das Korn auf den benachbarten Märkten noch thcnrer gewesen, als jebt, und die Gemeine Barmen würde ihr Brod nicht nur 19000 Thlr. theurer gegessen haben als jetzt, sondern vielleicht um 38000 Thalcr. In Hinsicht des Gewinnstes ist der Barmer Kornvercin nicht so glücklich gewesen/ wie der Elberfelder, sondern hat 7 M. bei seinem Handel eingebüßt. *) Die Ursache desselben- lag in *) Nämlich von den 240000 Thlr. so er ümgeschlagen, der ganze Verlust betrug 16600 Thlr. Da das Betriebs» kapital nur 28000 Thlr, war, so ging auf diesem 6opCt. verloren. Naturereignissen, die niemand voraussehen konnte und keine menschliche Vorsicht vermeiden. Dieser Verlust war aber auf folgende Weise entstanden: Drcy Partien: Roggen von 84 Last Roggen wurden im May in Amsterdam zu 37686 Gulden gekauft, und so, daß alle 14 Tage 28 Last den Rhein herauf verschifft wurden: Hiemit reichte das Bcdürfniß der Gemeine ans, bis 60 andere Last ankamen, so in Riga gekauft worden. Allein da in dem Augenblick alle Regierungen in Holland kauften, so fehlte cs an Schiffen zum Versenden und an Händen zum Einladen.— Als die Schiffe eingcladen und eben abgefahren waren, so kamen die starken Regengüsse Anfangs May, wo der Rhein so aufschwoll, daß alle Schiffahrt unterbrochen wurde, und die Schiffe, die diese 84 Last geladen hatten, mußten unterhalb Arnheim liegen bleiben. Die durch den hohen Wasserstand des Rheins gehemmte neue Zufuhren, verursachte in den Gegenden des Ober- und Nicdcrrheins den größten Mangel an Brodkorn, und die Noth stieg aufs höchste. An vielen Orten war in mehreren Tagen gar kein Brod zu haben. Barmen hatte sich durch den Ankauf von 170 Malter Gersten und Erbsen und 580 Malter Roggen in Düsseldorf für diese Neth vorgesehen, so daß cs in dem Augenblicke den Mangel der auf dem Rheine zurück- gehaltenen Partieen verwinden konnte. In dieser Zeit der allgemeinen Noth war es vorzüglich, wo die Kornvereine sich thätig zeigten wo sie für ihre Mitbürger am meisten sorgten, und jedem noch schlimmer« Ereignisse vorbengten. Dieser angstvolle Zustand dauerte bis zum 8. Juni 1817, wo der Rhein wieder fahrbar wurde, und die von Holland abgcfahrnen Schiffe fast alle zugleich in Düsseldorf und Köln anlangtcn. Unter diesen Vorräthen waren viele, so fremden Negierungen angchvrten, und die diese nun, der verspäteten Ankunft wegen, am Niederrhein verkaufen ließen. Hiedurch gingen die Preise schnell herunter, und dadurch entstand ein Verlust beim Verkauf dieser 84 Last von 1Z400 Thalcr, wodurch dann die 800 Thaler, so die Kornhansa bereits gewonnen, wieder verloren gingen. Eben so verlor sie noch 6000 Gulden auf die 60 Last Rigaer Roggen, welche erst den 7. August in Amsterdam ankamcn, und dort wieder verkauft wurden, da inan sie nun nicht mehr in Barmen gebrauchen konnte. Die Last wurde für 90 Gulden verkauft. Wäre diese Partie 2 Monat früher angckommcn, so wäre sie für 350 Gulden verkauft worden, und statt 5000 Gulden Verlust wären 3000 Gulden Dortheil herausgekommen. 2n kaufmännischen Unternehmungen thut das Glück oft mehr als der Verstand, und der ist in den Augen des Volks ein geschickter Kaufmann, den das Glück mehr als einen andern begünstigt. Nicht in Hinsicht des Glücks, aber wohl in Handl. u. Gerrcebe. ( 18 ) 268 Hinsicht des Gemeinsinns kann sich die Barmer Kornhansa mit der Elberfelder messen, und sie hat mit beschränkteren Hülfsmitteln eben so viel geleistet. Die vorteilhafte Bilanz des Elberfelder Kornvereins rührte bekanntlich daher, daß die Schiffe, so für ihn in der Ostsee geladen, fast alle zu gleicher Zeit durch den Sund giengen, und die in einem Zeitpunkte in Amsterdam ankamen, wo das Getreide am teuersten, und wo der Verein gleich die Hälfte verkaufte, da es ohnehin an Schiffen fehlte, alles auf einmal den Rhein heraufzusenden. H An dem Barmer Kornvereine könnte man vielleicht das tadeln, daß die historische Darstellung der Geschichte desselben zu kurz ist. Gerade diese Geschichte ist lehrreich für die Nachwelt, — besonders wenn die Fehler gut dargestellt werden, so man begangen, und die Folgen gezeigt, so Lurch diese Fehler veranlaßt worden. — Der gewöhnlichste Fehler ist der, daß man nicht schnell und rasch im Entschluß ist, und indem man sich mit Bedenklichkeiten hcrumplagt, den rechten Augenblick versäumt. Allein es liegt in der Natur eines solchen Korngeschäfts, daß alles äußerst rasch gehen muß, und unsere Nachkommen haben vielleicht Mut, rasch durchzufahren, wenn sic die — 2d9 Kriegsgeschichte eines solchen Kornvereines vor sich hüben, und sie sehen, daß ihre Vorellern es eben so gemacht haben, und daß es gut gegangen. — Selten erlebt ein und dieselbe Generation eine solche Hungersnoth, wie die von 1817, und alle Erfahrungen sind verloren, wenn sie nicht ausgeschrieben und wenn sie nicht gedruckt werden. Sk H 4 Eben so ist es zu wünschen, daß die Negierung die Resultate der Untersuchung wegen der 2 Millionen bekannt macht, wenn diese vollendet seyen. Daß dabei Verlust gewesen, das hat dieses Unternehmen mit dem Barmer Kornverein gemein. >— Daß die Absicht gut gewesen, unterliegt keinem Zweifel, eben so wie es keinem unterliegt, daß Fehler dabei vvrgefallen. — Das was wir von dieser Angelegenheit zu sehen Gelegenheit hatten, schien uns zu den Vermnthungen zu führen, daß der Grundfehler eigentlich da lag: daß man keine klare Ansicht vom Kornhandel hatte, und wie er sich in solchen Hnngerjabren gestaltet. Der König hatte 2 Mill. für diese Ankäufe bestimmt. Diese auf dem Platz von Amsterdam zu bringen, kostete Unter den gegenwärtigen Umständen Schwierigkeit, und sie waren leichter auf die inländischen Häfen, an der Ostsee zu bringen. Hiedurch wurde man veranlaßt in der Ostsee zu kaufen, und nicht in Amsterdam. Dieses war 270 — das Grundübel, weil sich nun die Kornhändlcr auf keine Lieferungstcrmine in Amsterdam einlassen wollten, da bei der Verschiffung einer so großen Masse von Getraide es unmöglich ist, Zeit- fristcn zu bestimmen und cinzuhalten, da alles von der Menge der vorräthigen Schiffe abhängt, so zur Befrachtung in die Häfen kommen, — ferner vom Anfänge des Eises im Frühjahr und vom Durchgänge durch den Sund, der die Schiffe bei widrigem Winde um 3 Wochen aufhalten kann. Hätte man die Natur des Kornhandels in Hungerjahren gekannt, so hätte man gewußt, daß, nur für 2 Millionen Getreide in Amsterdam zu kaufen, man nicht mehr als 300,000 Thlr. baares Geld gebraucht, und diese kleine Summe war leicht auf dem Platz von Amsterdam zu bringen. Denn in solchen Jahren ist Korn eben so gut wie baares Geld, und Borgen findet gar nicht statt. Mehr als für 300,000 Thlr. Getreide läßt sich auf einmal nicht den Rhein aufwärts versenden. So wie es angekommen, in Wesel, Düsseldorf, Kölln und Koblenz, ist es auch gleich verkauft und bezahlt, und die folgende Partie wird dann wieder mit dem erlvs'tcn Gelde bezahlt. — Daß der Kornhandel wirklich diese Natur hat, das sieht man an den Geschäften des Barmer Vereins, der mit einem Betriebskapital von 28000 Thlr. für 240,000 Thlr. Korn gekauft und verkauft hat. — 271 — Da man einmal in Berlin diese Natnr des Kornhandels übersehen, und den Markt von Amsterdam verkästen hatte, so waren alle folgende Fehler nothwcndigc Folgen aus diesem ersten, und es ist daher nicht wahrscheinlich, daß die Untersuchungen des Justitzministers gegen das betreffende Ministerium, so mit diesem Kornankaufe beauftragt war, zu einem andern Resultate führen werden, als: daß das ganze Unglück aus einem Jrrthume entstanden — so wie der Fall von Magdeburg und Stettin ebenfalls aus dem Jrrthume hcrrührte, daß man abgelebte Greise zu Kommandanten bestellt, die sich nun gleich rath- und hülflos fühlten, als das Unglück über dem Staate zusammenschlug. Gerade weil die Kornsache in ihrem innersten Wesen höchst wahrscheinlich auf einem Jrrthume beruht, der unter den gegebenen Umständen leicht zu begehen war, da alle Personen, die an dem Abschlüsse Theil nahmen, nie ähnliches erlebt, so wenig wie die ganze jetzt lebende Generation —so ist es sehr wünschenswert!), daß sie hier ausführlich dargestcllt wird, mit allen ihren Jrrthümern und Verlusten. Eine Regierung, die sich guter Zwecke bewußt ist, kann dieses, ohne ihrer Würde etwas zu vergeben; — so wie auch der Barmer Kornvercin ohne Hehl die Verluste erzählen konnte, so er erlitten. Es ist nicht zu leugnen, daß vieles von dem, was über die Berliner Kvrngcschichte ist geredet 272 worden, durchaus unverständig war, und ohne gehörige Kenntniß der Thatsache. Es ist unrecht, daß man den Personen alles zur Last legen will, was die Elemente mit verschulden, und eben so ist es unrecht, daß man die Große des Jrrthnmö nach der Größe seiner Folgen berechnet. — Der Hungernde der hat freilich keinen anderen Maaß-> stab als seinen Hunger, und ein andrer ist nicht von ihm zu fordern; der, welcher aber nicht hungert — und alle so hierüber öffentlich geredet, gehören zu dieser Klasse, — ist verpflichtet, gegen Jegliches und gegen Jeglichen gerecht zu seyn. Daß die (,0 Last Roggen, so die Barmer Kornhansa in Riga kaufte, erst den 17. August 1817 in Amsterdam seyn würde, das hat sic wohl eben so wenig vorausgcsehcn, als das Finanzministerium es vorausschen konnte, daß das Ostsec- gxtreide so spät am Rheine ankomflien würde. Ileber Kornmagazine. Vergleichung 133jähriger Frachtpreise vom Markte von Noermond. über an redet und philosophirt immer nur dann den Koxnhandel und dessen Natur, 273 wenn die Noch und die thenre Zeit vor der Thür ist. Es ist vielleicht nützlich, auch einmal in guten Tagen davon zu reden, — wenn die Speicher gefüllt sind, und daö Feld voll vom Segen deS Jahrs. 4 » In dem Aussatze, so über diesen Gegenstand in Nr. 581 und 582 des Beobachters ist abgedruckt worden, habe ich die Meinung geäußert: daß der Hunger und die Noch im Volke immer durch das ungleiche Vertheilcn der Erndten entsteht, und daß wenn man die Erndten eines Jahrhunderts gleichförmig aufs Jahrhundert vcr- theilen könnte, daß dann diese Noth nicht statt finden.würde. Daß dieses auch die Ursache sey, warum der Kornhandel so wohlthätig wirke, weil er dieses gleichförmige Vertheilen der Erndten in der Gesellschaft befördere. Zuerst, indem er das Getreide von entfernten Orten weghole, wo Ucberfluß sey, und dahin bringe, wo Mangel cingetrctcn — dann: daß er auf seinen großen Kornböden immer große Vorräthe vom vorigen Jahre habe, wodurch dann die Erndten, wenigstens von zwei Jahren, sich mit einander vermischten und mit einander ausglichen. Ich äußerte zugleich am Ende jenes Aufsatzes die Mei-. nung, daß bey der großen Preisvcrschiedenhcit, so in den Früchten in zwei verschiedenen Jahren statt finden, die nahe beisammen liegen, die Kosten des Magazinirens vielleicht schon dadurch hcrauskämcn, wenn man von dem Grundsätze ausginge, cinznkanfen, wenn es wohlfeil sey, und zu verkaufen, wenn es theuer sey, und also nichts thun, wie mit Korn handeln, ohne allen philan- tropismus und ohne alle moralisckc Reden. Ich will hier die Stelle anführen, auf die ich mich beziehe: »Oben ist schon bemerkt worden, daß über Jäger- und Fischcrvölker deswegen so oft und so schnell Elend einbricht, weil sie den Vorrath von Lebensmitteln, den ste auf einmal erhalten, nun nicht gleichförmig auf den Monat und arufs Jahr vertheilen können. "Dieses gleichförmige Vertheilen ist dasjenige, was am meisten zum Wohlbefinden der Völker beitragt, — mehr noch wie die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens. Denn wenn diese sich auch auf einmal verdoppelte und mit ihr die Menge der Lebensmittel und mit dieser die Menge der Menschen, so würde wahrend den 20 Jahren, daß die Volksmenge sich verdoppelte, die Gesellschaft sich allerdings in einem sehr angenehmen Zustande befinden. Allein sobald der Boden die Bevölkerung erreicht, die er tragen kann, so wird diese wieder stillstehend, und wenn nun ein Mißjahr kommt, iil' dem nur die Hälfte der Lebensrnittel wachst, so ist die Gesellschaft, ungeachtet 275 der erhöhten Fruchtbarkeit dcö Bodens, doch wieder in gleicher Noth. "Deswegen sind alle Weingegenden arm, weil die Erndtcn so ungleich in ihrer Ergiebigkeit sind. Es leidet keinen Zweifel, daß ein Morgen Weingarten in einem Jahrhundert das doppelte einbringt, als derselbe Morgen in einem Jahrhundert mit Frucht bestellt. — Allein da nach einer guten Wcincrndtc oft sechs schlechte folgen, und das richtige Verthcilcn auf 6 Jahre etwas sehr Schweres für den Menschen ist, so lebt der Weinbauer, immer arm — weil bcy ihm nicht, so wie beim Ackerbauer, die Natur das richtige Verthcilcn übernimmt. "Die Gesellschaft würde sehr gewinnen, wenn sie solche Anstalten träfe, wodurch auch beim Ackerbau die Erndten zweier Jahre mehr in und durch einander wirkten — und sich gleichförmiger vcrthcilten. Etwas geschieht durch den wohlhabenden Bauer, der nicht gcnöthigt, zu verkaufen, und oft zwcy Erndtdrr anfbewahrt — wovon die eine auf dem Speicher, die andere in der Scheune. Auch trägt der Welthandel zu diesem Ausgleichen bei, weil der große Kaufmann häufig Vorrathe auf Spccnlaiion kauft, und sie dann liegen läßt, bis die Preise in die Höhe gehen, das heißt, bis Mangel und Nachfrage kommt. "Der Staat könnte etwas in dieser Hinsicht thun, und zwar durch Anlegung großer Magazine. Nur muß er die Sache kaufmännisch betreiben, 276 nämlich des Dorthells wegen.— Denn von moralischen Reden und vom Schaden kann Niemand leben, auch die Sraatsgesellschast nicht. — Es ist thöricht, daß inan im bürgerlichen Leben andere Grundsätze zum Grunde legen will, als die, nach denen sich die Gesellschaft bewegt. Nur das, was in das allgemeine Getriebe der Gesellschaft eingreift, kann von Dauer seyn und sich in der Gesellschaft halten, und wenn man glaubt, daß man mit gutmüthigen, generösen und moralischen Redensarten etwas Nützliches in der Gesellschaft ausrichten könne, so ist man sehr auf dem Holzwege. Daß in England die Gesellschaft den hohen Grad von Entwickelung erreicht, das rührt daher, daß man die Gesetze, nach denen sie sich bewegt, besser erkennt, wie anderswo, — und die schönen Brücken und Wege sind von Privatpersonen erbaut, nicht aus christlicher Liebe sondern des Dorthcils und der Zölle wegen. —> Das Christenthum fängt da an, wo man schenkt, und Krankenhäuser und Vcrsvrgungshäuser baut, in deren trefflichen Einrichtung England ebenfalls allen anderen Völkern ein Muster ist. Es liegt im Getriebe der Gesellschaft, daß der, welcher in verständiger Weise seinen eigenen Vortheil verfolgt, jedesmal den Vorthcil des Ganzen befördert, und es ist eine wohlthätige Einrichtung von der Natur, daß sie den Vortheil des Ganzen an eine so einfache Sache geknüpft, wie der Privatvortheil ist, auf dem sich jeder Mensch noch leid- 277 lich gut versteht. Eben so hat sie das Eniäh- ruugsgeschäft seines Körpers nicht an seinen Verstand geknüpft, sondern an seinen Hunger — und so blieb alles im Gleise, obschon Millionen Menschen nicht einmal wissen, daß sie einen Magen oder Limfatische Gefäße haben. "Friedrich der Große kaufte das Getreide in der Ostsee auf, wenn der Berliner Scheffel 12 oder 16 Ggr. kostete. - Er verkaufte es wieder wenn er auf 2 Thlr. kam. Hiedurch erreichte er einen dreifacbcn Vortheil. Zuerst ermunterte er den Getreidebau in seinen östlichen Provinzen, die nach einer reichen Erndte oft so am Ucberfluß leiden, daß das Getreide -fast keinen Werth hat. -— Die königlichen Magazine öffneten sich dann, und nahmen den Ueberfluß der Märkte in sich auf. Der zweite war, daß seine anderen Provinzen nun nie theurc Zeit plagte — weil die königlichen Magazine den Mangel ersetzten. Der dritte Vorthcil bestand im Vortheile selber, den der Staat ans seinen Einkaufpreisen machte. "Der preußische Staat hat 10 Millionen Einwohner, Rechnet man auf jeden jährlich 2 Scheffel Getreide, so macht dieses auf den Tag ungefähr Pfund Mehl, oder nahe zwei Drittel Pfr>. Brod, womit eine Familie ausreicht, wenn groß und klein durch einander gezählt werden. Würde eine halbe Erndte gespart, so machte dieses 10 Millionen Scheffel. Geschähe dieses in einer Zeit, wo der Scheffel nur 1 Thlr. kostete, so erforderte dieses 10 Millionen Kapital. Durch Austrockncn verliert das Korn nur im ersten Jahr; später verliert es fast gar nichts mehr. Angenommen, daß im Durchschnitt alle fünf Jahre verkauft würde, wenn der Preis auf 2 Thlr. gegangen, so würden sich die Magazine wohl verzinsen, wenn auch ihre erste Anlage kostbar wäre. „Ohne die Probe zu machen, so kann man die Frage: wie sie sich verzinsen würden? schon befriedigend beantworten, wenn man die Preise der letzten 28 Jahre durchgeht, und die Rechnung nach zweierlei Voraussetzungen macht. Zuerst: wie. viel gewonnen worden, wenn man gerade bei der größten Wohlfeilheit eingckauft und bei der größten Theurung wieder verlaust. Dann: wie viel gewonnen worden: wenn man eingekauft, sobald Las Getreide unter einen gewissen Preis gegangen, z. B. unter 1 Berl. Thlr., und wieder verkauft, sobald es über einen gewissen Preis gegangen, z. B. über 2 Thlr. „In Danzig ist die allgemeine Meinung, wie ein unterrichteter Mann versicherte, daß der Fruchthandel in den Familien kein Vermögen an- hänfc, wohl aber der Holzhandel. „Auch findet man am Rheine, daß die, welche immer mit Frucht handeln, selten reich werden, wohl aber die, die nur in gewissen Konjunkturen mit Frucht handeln, z. B. in Jahren wie 1791 und 95 und wie 18l6 und 17. „Die Ursache muß in der Natur des Han- 279 dels liegen, die von der Art, daß nur an ihm zu gewinnen, wenn große Prcisverschiedenheiten statt finden — entweder durch schnelles in die Höhe gehen, innerhalb 5 oder 6 Monaten, oder auch durch liegen lassen in Magazinen, wobei das langsame in die Höhe gehen benutzt wird, was in 5 oder 6. Jahren statt findet, wo die Frucht eben so aufs Doppelte geht, wie sie dieses in Hunger- jahren in 5 oder 6 Monaten thut. Für diesen Fruchthandel, der eine lange Magazinirung erfordert, ist der Staat besser eingerichtet, wie der Privatmann, theils weil er das Geld leichter entbehren kann, theils weil er sich durch Anlegung großer Magazine an den Wasserstraßen besser hierauf einrichten kann, als es für den Privatmann möglich, der seine Geschäfte nie über eine gewisse Grenze ausdehnen darf. * S 4- Meine Bitte um die Mittheilung der hundertjährigen Preisliste von den großen Korr- märkten von Danzig, Königsberg oder Riga sind unerfüllt geblieben. — Die Leute wollen den Beobachter wohl lesen, allein sie wollen ihn niebt schreiben, und so ein Blatt hat doch nur einzig Werth, wenn nicht der Einzelne es schreibt, sondern die Gesellschaft — indem jeder, der etwas Kluges zu sagen weiß, und genaue Zahlen hat, solches in heiterer Weise mittheilt. Es geht wie 280 in Kotzebues Kleinstädter. Jeder will dem Schauspiele, das Anto da Fe wohl beiwohnen, allein indeß sie die trefflichsten- patriotischen Gesinnungen äußern, wollte niemand sich einstellen zum allgemeinen Besten, als die Delinquentin entsprungen, und der Bürgermeister und die Bürgerschaft in der größten Verlegenheit sind. Während die großen Kornmärkte an der See ein gelehrtes Stillschweigen beobachten, habe ich von einem inländischen Kornmarkte ein hundertjähriges Frnchtvcrzeichniß erhalten, welches von 1685 bis 1785 geht. Es ist von Rvrcmonde aus dem Stadtarchive, und enthält die Preise von Korn (Roggen) und Hafer, die sie jedes Jahp um St. Andreas (Ende Novembers) hatten, welches der Zeitpunkt ist, wo alle Fruchtpächte abgeliefert und verkauft werden. Die Preise sind in Normender Golden und Steuvers gestellt. — Ein Golden ist nahe so viel wie ein Frank und hat 20 Steuvers. — Das Maaß ist das Röermonder Malter, deren 5 nahe gleich Berk. Malter oder 16 Berliner Scheffel sind. Folgendes ist das Nerzeichniß: ilkkrsclie clor totlboieinoncle d^lsixtrgct cie irwAistrste pratocollen A05teIIt om 8t. ^riclress. 1685. 1686. 87. Roggen. 6 Gl. 4 6 - 6 5 - 16 St. Hafer. 3 Gl. 10 St. 3 - yz - 3 - 15 - — 281 Hafer. 88. 5 Gl. -L St. 3 Gl. 2 St 89. 6 S 7; - 4 - 13 - 1690. 6 - S S -- 4 - 5 - 91. 7 - - s 4 - 13 - 92. 13 - 11 - 7 -7 1 - 93. 13 -r 19 - 6 - 19! - 94. 10 - 17 - - 6 - 8 - 1695. 7 - 15 - 5 - 8 96. 8 - 10;- - 6 - -L - 97- 11 - 12 - 4 - 14 s 98. 20 - 6 - 6 - 8 - 99. 18 - 6 - 7 - 4 - 1700. 5 - 18 - 3 - 4 1. 9 rr 12 - 7 s 4 2. 8 - 8 - 6 8 3. 8 S 16 - 4 - 8 - 4 . 1705. 6 . 7. 8 . 7 8 7 6 8 9. 19 8 4 Mittelpr. 9 Gl. Y St. 1710. 8 - - - 11. 7 - 4 - 12. 6-16 - 13. 9 - 12 - 14. 10 - - - 1715 . 6 - - - 16 . 5 - 4 - 17- 5 - 12 - 18. 6 - - - 19. 8 - - - 1720. 6 - 8 - 21. 6 - - - 22. 5-12 - 23. 6-16 - 24. 12 - - - 4 4 3 4 3 5 4 Gl. 18 St. 8 12 12 12 3 3 4 4 3 3 4 3 3 5 3 2 2 2 4 12 12 4 8 12 4 4 2 8 4 4 8 8 16 282 Roggen. Hafer 1725. 8 Gl. - St. 3 Gl. - St. 2b. - 7 - - 3 - 4 27. 7 - - - 3 - 12 - 28. 7 - 4 - 4 - -- - 29. 6 - 12 - 3 - 8 s 1739. 6 - 8 - 2 - 16 F 31. 8 - - - 3 - 12 B 32. 6 - 8 - 2 - 16 L 33. 6 - - 3 - 12 * 34. 6 - - 2 - 12 Mittclpr. 7 Gl. 2 St. 3 Gl. 8 St. In den ersten 25 Jahren Roggen9Gl.9St. Hafer4Gl.l8St In den zweiten 25 Jahren: - 7 - 2 - - 3 - 8 - Im Mittel: Roggen 8Gl.5St. Hafer4 - 3St. Man sicht hier, wie geringe das Schwanken der Fruchtprcife ist, sobald man 25 Erndten durch einander nimmt. — Noch auffallender wird dieses, wenn man die Erndten von einem halben Jahrhunderte nimmt. 1735. Roggen. 5 Gl. 10 St. 3 Gl. Hafer. St 36. 4 - 10 S 2 - 12 s 37- 5 - 6 s 2 - 16 38. 8 - 6 - 3 - 4 -- 39- 11 - 15 - 6 - - 1740. 13 - 14 4 - - - 41. 9 - 6 - 4 - 8 42. 6 - 18 - 4 8 43. 6 - 2 - 4 S 44. 4 - 16 - 3 - 12 1745. 6 - - - 3 - 4 46. 8 - 8 - 5 - 12 - 283 'Hafer. 47- 8 Gl. 6 St. 6 Gl. 8 St 48. 8 - 5 S 4 S 49. 9 - 12 - 4 -r c 1750. 7 - 12 L 3 12 51. 9 - 12 - 4 - - 52. 6 - 16 -- 3 12 5 53. 5 - 4 - 3 4 - 54. 7 - 16 - 3 - -r 1755. 5 - 4 -- 2 - 16 - 56. 9 - 4 * 4 - 8 K 67. 10 - 8 5 S 4 - 58. 8 - 8 - 5 s 4 - 59. 7 - 4 s 16 - ilttelp. 7 Gl. 15 St. 4 Gl. 2 St. 176«. 10 - - - 5 - 4 - 61. 11 - . 4 5 s 4 - 62. 10 - 8 - 5 s 4 - 63. 6 - 8 3 -- 4 64. 8 - 8 - 3 - 12 - 1765. 9 - 12 - 4 - 16 S 66. 8 - - - 4 - - - 67. 8 -- 16 - 4 - 8 - 68. 10 - - - 4 - -» - 69. 8 - 8 - 3 -- 4 - 1770. 16 - 16 - 6 - - - 71. 15 - 4 - 6 - 8 72.. 12 - 4 - 6 - 16 - 73. 9 - 12 - 4 - 16 74. 12 - 8 - 4 - - s- 1775. 10 - - - 4 -- 8 - 76. 8 - - - 4 s s s 77- 6 - 8 - 4 - rr 78. 8 - 8 --- 4 - - - 79. 7 - 4 - 4 - L s 1780. 10 -- 16 4 5 16 81. 11 - 4 - 6 S 8 - 82. 10 - S -r 6 - - Handl. tt. Gewerbe. ( IS ) 284 83. 84. Roggen. 10 - Gl. 12 - - St. Hafer. 6 Gl. - St. 6 - 8 - 4 Gl. 17 St. Mittelp. 10 Gl. 1 St. In den dritten 25 Jahren: Roggen 7Gl. 15 St. Hafer4Gl. 2St. In den vierten 25 Jahren: - 10 - 1 -- - 4 - 17 - Im Mittel: Roggen 8Gl. 18 St. Hafer 4Gl.9rS?. In der ersten Hälfte des Jahrh. kostete der Roggen In der zweiten Hälfte Im ganzen Jahrhundert 8 Gl. In der ersten Hälfte des Jahrh. kostete der Hafer 4 Gl. In der zweiten Hälfte 4 Gl. 8 Gl. 5 St. 8 - 18 St. 114 > 3 St. _ 94 - Im ganzen Jahrhundert 4 Gl. 64St. Aus diesen Zahlen gehen folgende merkwürdige Ergebnisse hervor: 1) Daß der Mittclpreis von Roggen und Hafer in der ersten Hälfte des Jahrhunderts sehr nahe derselbe war, den er in der letzten Hälfte des Jahrhunderts war. Beym Roggen verhielt er sich wie 100 zu 108. Beym Hafer . .100 zu 104. Im Durchschnitt von beiden wie 100 zu 106. 2) Sieht man, daß die alten Frauen in Röremonde im Jrrthum waren, als sic behaupteten, es würde täglich schlechter in der Welt, die kalten und nassen Sommern nähmen zu und die , — ' 285 Theurung stieg mit jedem Jahre. — Sie haben offenbar die mittlere Warme und die mittlere Theurung unrichtig bestimmt, weil sie, eine zu kleine Reihe von Jahren zur Vergleichung genommen, und weil alle Mittel schwankend sind, die aus einer zu kleinen Anzahl von Beobachtungen gezogen werden. Bey solchen schlechten Mitteln kann man immer das Gegentheil von dem finden, was andre Leute gefunden, — so wie Lichtenberg behauptete: man bedürfe nichts als eine schlechte Luftpumpe, um zu beweisen/ daß die Heber im Luftleeren Raume fließen. 3) Sieht maü, daß der Preis des Hafers das Jahrhundert hindurch im Mittel die Hälfte des Roggens gewescn- Diejenigen, denen die Ausdrücke: Mittlers Größen Und mittlere Richtung, welche öfter im Beobachter sind gebraucht worden, bis jetzt noch nicht recht klar gewesen, können aus diesem Beispiele sehen, was darunter in der Aeornecris rm- tui-alis verstanden wird. — Je größer die Reihe von Beobachtungen ist, desto mehr nehmen die Mittel die Eigenschaften der beständigen Zahlen an; — und wenn sie bei einer Reihe von 25 Jahren, wie hier bcyin Korn, noch um ein Viertel des Ganzen von einander abweichen, so wichen sie bei einer Reihe von 50 Jahren noch um rin Sechszehntel des Ganzen von einander ab. 5) Da dieselbe Quantität Frucht zu erzeugen, immer dieselbe Arbeit gekostet, weil in dem hien- 286 gen Ackerbau in dem Jahrhunderte von 1685 bis 1785 keine bedeutende Veränderungen vergefallen, und da der Preis in der ersten Hälfte sich zu dem Preise in der letzten Hälfte verhält, wie IM zu 106, so folgt, daß das Verhältniß vom Wer- the des Silbers zum Werthe des Getreides dasselbe geblieben, da man für dieselbe Menge Silber dieselbe Menge Getreide erhalten; und daß diese Veränderung nicht mehr als 6 pCt. betrage. * » * Nach diesen allgemeinen Betrachtungen wollen wir nun die oben angeführte Frage untersuchen: Welchen Vortheil oder Schaden der Staat ge- > habt, wenn er wie Friedrich der Große, bei wohlfeiler Zeit das Getreide eingekauft, und bei theurer wieder verkauft, und von folgenden Zahlbestimmungen hiebei ausgegangen: der Mittelpreis des Roggens ist 8 Gl. 12 St. — Sobald er unter den Mittelpreis kommt, wird eingekauft, und nicht eher verkauft, bis er das Doppelte des Einkaufpreises erreicht. Hiebei werden jährlich 4 pCt. für Zinsen und 2 pEt. Verlust für Umsetzen und Mausebiß gerechnet. Man muß ferner annehmen, daß der Staat seine Kornhäuser an den großen Wasserstraßen , stehen hat — daß sie allein stehen, — daß sic feuerfest sind, nicht versichert in einer Brandkasse, und daß er für das Kapital, was ihre Erbauung 287 gekostet, keine Zinsen rechnet, so wie er auch für das Kapitol, was die Erbauung der Steiustraßen gekostet, keine Zinsen rechnet, ja noch Zuschüsse zu ihrer Erhaltung giebt. *) Endlich wollen wir annehmen, daß das Königliche Kornhaus jedesmal 100,000 Malter gekauft und verkauft. Den erstell Kauf machte es 1685, als daS Korn 6 Gl. 4 St. stand, und verkaufte nach 7 Jahren 1692 als es 13 Gl. 11 St. stand. Seine Rechnung stand nun also: 100,000 Malter zu 6Gl.4St. machen 620,000 Gl. 7 Jahr Zinsen ä 6 pCt. 260,000 - Einkaufpreis 880,000 Gl. 100,OM Mltr. zu 13 Gl. 11 St. machen 1,355,OM « Gewinnst des Kernhauses 475,000 GlI Den zweiten Kauf hält das Magazin 1695, als er 7 Gl. 15 St. stand, und verkauft dieses wieder 1698, als es 20 Gl. 6 St. stand. Seine Rechnung stellt sich für diesen Kauf also : IM,OM Malter zu 7 Gl. 15 St. machen 775,000 Gl. 3 Jahr Zinsen zu 6 pEt. 139,500 - Einkanfpreis 914500Gst 100,000 Malter zu 20 Gl. 6 St. machen 2,030,OM - Gewinnst des Kornhauses 1,115,5MG6 *) Unter allen preußischen Provinzen hat die Grafschaft Mark die meisten Chausseen. Sie tragen jährlich Loooo Thlr. Weggelder ein, sind aber doch noch nicht damit im Freibau, sonder» verlangen noch jährlichen Zuschuß zu ihrer Unterhaltung. 288 Dell dritten Kauf hält das Konihaus im Jahr 1700, uud verkauft wieder 1700, 100,000 Malter zu 5 Gl. 18 St. machen 590,000 Gl. Zinsen von 9 Jahren zu 6 pCt. 318,600 - Einkanfpreis 908,600 Gl. 100,000Malter zu 19 Gl. 4 St. machen 1,920,000 - Gewinnst des Kernhauses 1,011,-100 Gl. Den vierten Kauf hält das ^Kernhaus gleich im folgenden Jahre 1710, wo das Korn 8 Gl. kostet. Dieses Korn kann es aber nicht wieder verkaufen, da nun eine lange Reihe von Jahren eintritt, wo das Korn ?sehr nahe bei seinem mittleren Preise bleibt, so daß es nie bis ans dqs Doppelte des Einkaufpreises geht, und nur einmal im Jahr 1742 bis auf 13 Gl. 14 St. Den nächsten Verkauf kann es erst 1770 hal- halten also nach 60 Jahren, wo das Korn wieder aufs Doppelte geht, nämlich auf 16 Gl. 16 St. Auf diesem Kaufe leidet es wegen der Zinsen großen Verlust. Der Einkaufpreis war für 100,000 Mltr. 80O,000G. Für 60 Jahr Zinsen zu 6 pCt. 2,880,000 -^ 3,680,OOOG. Verkaufpreis zu 16 Gl. 16 St. ^t,680,000G. Verlust des Kornhauses 2,000,000G. Den letzten Kauf hält cs 1776, wo das Korn 8 Gl. steht, und verkauft solches 1784, um seine Rechnung mit dem Jahrhundert abzuschließen, obgleich das Korn erst 12 Gl. kostet. — 289 — 100,009 Malter zu 8 Gl. machen 800 , 000 Gl. 8 Jahr Zinsen zu 6 pCt. 384,000 - 1,184,000 Gl. 100,000 Malter zu 12 Gl. machen 1,200, 000 - Gewinnst des Kornhauses 16,000 Gl. Da das Kornhaus die Zinsen von seinen Ankäufen berechnet, so muß es ebenfalls die Zinsen von den Kapitalien berechnen, so es gewonnen. Erster Verkauf von 1692. Gewinnst 475,000 Gl. Zinsen zu4pCt. bisl784, in92Jahren 1,748,000 - In allem Gewinnst 2,223,000 Gl. Zweiter Verkauf 1698. Gewinnst 1,115,500 Gl. Zinsen zu 4 pCt. bis 1784 in 86 Jahren 3,837,320 - In allem Gewinnst 4,952,820 Gl. Dritter Verkauf 1709. Gewinnst 1,011,400 Gl. Zinsen zu 4 pCt. bis 1784, in 75 Jahren 3,334,200 - In allein Gewinnst 4,345,600 Gl. Vierter Verkauf 1770. Verlust 2,000,000 Gl. Zinsen bis 1784, also in 14 Jahren 1,120,000 - In allem Verlust 3,120,000 Gst Fünfter Verkauf 1784. Gewinnst i6,OOO Gl Der Abschluß der ganzen Rechnung fürs Kornhaus fürs ganze Jahrhundert steht demnach wie folgt: 290 — Erster Verkauf. Gewinnst Zweiter - - Dritter - - Fünfter - - 2,223,000 Gl. 4,952,800 - 4,345,600 - 16,000 - 11,537,420 Gl. Verlust auf den vierten Verkauf 3,120 ,000 Gl. Gewinnst des Kornhauses in l Jahrh. 8,417,420 Gll Das Korn Haus hätte also über 8 Millionen gewonnen, indem es ein Jahrhundert hindurch den Grundsatz befolgt: Einzukaufen, sobald die Frucht unter dein mittleren Marktpreise ist, und nicht eher wieder zu verkaufen, bis sie auf dem Doppelten des Ein- kaufpreises steht. Da das Kornhaus sein Geld auf Zinsen gestellt, und die Zinsen wieder zu Kapital gemacht, so könnte man berechnen, wie viel noch Zinses Zins gewonnen, da zu 4 pEt. das Kapital sich alle 20 Jahre pcrdoppelt. — Die drei ersten Verkaufe würden in Kapital, in Zinsen und in Zinseszinsen im Jahr 1784 etwa 42 Millionen betragen. Wogegen auch der Verlust des vierten Verkaufs zu Zinseszinsen (seit 1710) etwa 17 Mill. betragen würde, so daß 25 Millionen Gewinnst übrig blieben. Allein solche Zins Rechnungen muß man gar nicht anstellcn, denn offenbar hangt alles von dem Umstande ab, ob das Kornhans seinen Gewinnst grade am Anfänge des,Jahrhunderts hat, oder aber seinen Verlust; — und beides ist zufäl- 291 lig und läßt sich in keiner Weise vorausbestimmen. Am sichersten geht man bei diesen Rechnungen dann zn Werk, wenn man gar keine Zins-Rechnung weder für Gewinn, noch für Verlust an- stellt, und von dem Grundsätze ausgeht: daß die Gesellschaft das Kapital für den ersten Kornankauf als koncl perilu hergiebt — so wie sie auch jährlich 1 Million zum Ehasseebau als konä perclu. hcrschießt, die sic auch nie zurückerhält und nie verzinset. H rs- * Allein es ist auch ein Umstand da, der es macht, daß die Rechnung des Kornhauses sich viel vortheilhaster stellen wird, als die, so ich eben geführt habe. Diese ist nämlich in der Voraussetzung geführt, daß die Verkäufe, so wie die Einkäufe, in derselben Jahrszeit geschehen sollen, nämlich um St. Andreas, welches gerade die Zeit ist, wo die Frucht immer am wohlfeilsten — also die beste zum Einkäufen, — allein nicht die beste zum Verkaufen. Ich war zu dieser Annahme genvthigt, weil daS Verzeichniß bloß die Preise von St. Andreas enthielt, welche also die einzigen, die bekannt waren. Hätte das Vcrzcichuiß die Preise von allen 292 Monaten des Jahrs enthalten, so hätte man berechnen können, was das Korn im Durchschnitt, im Monat Januar gekostet, was im Monat Fe, brnar u. s. w., und so hätte man den Monat bestimmen können, in welchem die Preise immer am höchsten. Wahrscheinlich würde man den Ju- nius gefunden baben, und so hätte man unter die Gesetze des Kornhauses auch noch das anf- nehmen können: daß immer um St. Andreas eingekanst würde, wenn der Preis unter dem Mittelpreise sev, und im Junius wieder verkauft, wenn er das Doppelte des Einkanfpreiscs erreicht. Wahrscheinlich hätte dann auch nicht die lange Periode von 1710 bis 1770 statt gefunden, wo das Kornhaus nicht verkaufen konnte, weil um St. Andreas die Preise nie bis aufs Doppelte des Einkaufpreiscs giengcn. Im Monat Junius sind sie in dieser Zeit gewiß oster auf dem doppelten gewesen. Das Kornhaus soll nichts thnn, als bloß mit Frucht handeln, indem es von dem Grundsätze ausgeht: daß alle Europäische Völker in Hinsicht des Getreides in einem gemeinschaftlichen Verbände liegen, — da alle um den gemeinschaftlichen Markt (das Weltmeer) wohnen, auf dem sie bei der Wohlfeilheit der Seefracht ohne große Mühe und Kosten einen Sack Getreide von einem Ende des Marktes nach dem andern bringen können — da 500 Meilen Seefracht nicht 293 thenrer sind, als 6 Meilen Landfracht, und von Riga nach Amsterdam nicht weiter als' von Düsseldorf nach Hagen. In diesem Grundsätze liegt eine zweite Ursache, warum die Rechnungen des Kernhauses sich vortheilhafter stellen werden, als die eben angeführte, die in der Voraussetzung geführt wurde, daß an dem Orte, wo das Kornhaus steht, gekauft und auch verkauft würde. Dieses ist zwar die Regel, weil der meiste Kornhandel und der meiste Kornverbrauch immer in der Gegend statt findet, wo es gewachsen, und von allen Körnern, so jährlich erzeugt werden, werden» sicher über drcy Viertel keine drei Meilen von dem Orte gegessen, wo sie auf dem Halme gestanden. — Weil dieses die Regel ist, so richtet sich das Kornhaus auch bei der Bestimmung seines Mittelprcises nach dem Orte, wo es steht. — Allein kann cs wo anders unter diesem Mittel- Preise kaufen, so kauft es wo anders, und kann es ebenfalls nachher wo anders für das Doppelte des Einkaufpreises wieder verkaufen, so verkauft es auch wo anders. Obschon es dieses zu Zeiten thnt, so wird cs doch in den meisten Fallen in der Gegend einkaufen und verkaufen, wo es steht — und es wirkt dann auf die Gleichförmigkeit der Preise in dieser Gegend auf dieselbe Weise, wie die großen Korn- Häuser von Amsterdam, so die dortigen Frucht- Händler besitzen. — In Holland ist nie Hungers- noth gewesen. Durch die freie Aus-und Einfuhr 294 ist immer eine solche Menge Frucht auf dem dortigen Stapel, daß die Eingebornen zu jeder Zeit so viel Frucht haben können, als sie wollen, sobald sie so viel bezahlen, wie der Ausländer, in Holland einkauft. Wohlfeiler, wie dieser, haben sie es ohnehin, weil die Frucht an Ort und Stelle ist, und sie keine Fracht weiter zu tragen haben. Auf den Handel ist einmal die ganze Gesellschaft eingerichtet, — auf das große Tauschsystem, das sich mit Hülfe des Geldes unter den Neu- Europäischen Völkern entwickelt hat. — Hiernach haben sich alle bestehenden Verhältnisse gebildet und entwickelt. In Hungerjahren ist der allgemeinen Noth nur dadurch zu begegnen, daß sich die vorhandenen Lebensmittel gleichförmig in der Gesellschaft vertheilen, — und daß man überall ein wenig hungert, damit man nicht genöthigt ist, an einem einzelnen Orte über die Gebühr viel zu hungern. Denn das gleichförmige Vcrthcilen der Lebensmittel ist das Erste, was Hilst, da sich die Anzahl der hungernden Magen nicht vermindern läßt, noch die Anzahl der gewachsenen Körner vermehren. Denn zweitens ist die Thenrung selber das, was die Thenrung steuert, weil die Menschen gerade durch die Theurung zu einer großen Sparsamkeit der Lebensmittel ungehalten werden, ans die sie auf einem andern Wege, und selbst - 2^5 — durch die besten 'philantropischen Ermahnungen gar nicht zu bewegen sind. Weil dieses so ist, und weil die Gesellschaft, so vortrefflich auch der Austausch eingerichtet ist, und überall Wege, Wasserstraßen, Schiffe, Fuhrleute, Spediteurs, Geldwechsler, Posten, Estafetten u. dgl. hat, was zu diesem großen Tauschsysteme gehört, so ist cs thöricht, etwas anders thun zu wollen, als handeln. — Dieses ist das Einzige, was wirklich von Erfolg ist. — Die moralischen Neben, und das Schelten auf die Kornwuchcrer was die Gcvattcrleute in Mainz mit so großem Eifer gethan, ist von einer sehr geringen Wirkung für das allgemeine Beste gewesen;—ungefähr so, wie unsere Bauern sagen, als wenn zwei mit einer Schiebkarre kommen, und bringen Nichts. Nie ist der Kornhandel lebhafter, nie ist er vollkommner, nie beschäftigen sich so viele Menschen damit, als gerade dann, wenn die Noth so groß, und der Preis so hoch ist. Geborgt wird ! gar nichts; und da die Naet frage so stark, so ist ! das Korn so gut wie baa.es Geld. Es nimmt ! daher auch gewissermaaßen die Natur des Geldes ^ an, indem es die gesuchteste von allen Waaren ist, und eine Waarc, die gerade wie das Geld , von Jedermann gesucht wird. Hierin liegt auch I die Erklärung der merkwürdigen Thatsache, daß ! die Elberfelder Kornhansa, mit einem Kapital ! von 74,000 Thalern, innerhalb eines Jahres für - 296 - 455,OM Thlr. Getreide kaufte und verkaufte, also alle zwei Monate ihr Kapital nmschlug. Sic gewann mit diesen 74,OM Thlrn. in allem 75,MO Thlr. wovon 65,000 der Bürgerschaft zu gute kamen, indem sie dieser die Frucht um so viel unter dem Marktpreise der Umgegend ließ, und noch zugleich 10,000 Thlr. zur Gründung eines Krankenhauses übrig behielt. Im Durchschnitt hat sie also bei jedem Umschläge ihres Kapitals 17 pCt. gewonnen, — welches bei einem sechsmaligen Umschläge 102 pCt. war. Sie konnte also leicht an die Theilnehmer die 5 pCt. landübliche Zinsen zahlen. Als Se. Majestät der König bestimmt hatte, für 2 Millionen Getreide ankaufen zu lassen, so machte die Anschaffung der 2 Millionen auf dem Platze von Amsterdam einige Bedenklichkeiten und einige Schwierigkeiten,— und indem man vorzog, in der Ostsee zu kaufen, und mit Berliner Hand- lnngshäusern abzuschließen, so kam man auf eine ganz unschuldige Weise in die Verwickelungen, welche nachher so unangenehme Folgen hatten. Offenbar lag der Jrrthnm darin, daß man die Natur des Kornhandels nicht hinlänglich kannte, und daß man nicht einsah, daß, wenn Se. Majestät der König sich entschieden, seinen Rheinländern für 2 Millionen Getreide zugehen zu lassen, daß dazu nicht mehr als eine Anschaffung von etwa 3M,OM Thlr. auf dem Platz von Amsterdam nothwendig war, weil, so wie das Korn ankommt, es auch gleich wieder verkauft und bezahlt wird, wo mau dann gleich wieder neues kaufen kann. Denn so große Quantitäten Korn sind ohnehin nicht auf einmal zu trancpor- tircn, noch zu verkaufen, noch zu verbrauchen. Man kauft daher auf Kontrakte, die nach 4, 8, 12 Monaten lieferbar sind - und die nicht eher zu bezahlen nothwendig, bis das Korn abgclicfcrt worden, woher denn der ganze Handel immer mit einem verhältnißmäßig kleinen Kapital geführt wird. Und selbst dieses kleine Kapital braucht eine Negierung, die Zutrauen besitzt, nicht einmal herzuschießen. Da die Geldanschaffungen von den Handelshäusern, mit denen sie die Geschäfte macht, gegen eine sehr geringe Provision besorgt werden, weil diese hierbei nichts wagen, da sie die Frucht immer in Händen haben, und der Spediteur immer die erste Hypothek auf die Maare hat, die in seinen Magazinen lagert, und auf die er Geld vorgeschofsen. 4 - 4 - 4 - Es ist nicht unwahrscheinlich, daß, sobald wir Provinzial-Landstände Haben, diese sich sehr ernstlich mit der Anlage eines großen Kornhauses in jeder Provinz beschäftigen werden, — und wenn so etwas nicht bloß mit dem Verstände der Behörden, sondern mit dem Gesammtverstande der Provinz berathen worden, so unterliegt cs 298 wohl keinem Zweifel, daß dann ein Beschluß zu Stande kommen wird, der so vernünftig und zweckmäßig ist, daß er ausführbar ist, und aus- geführt wird. Bei der Entwerfung der Gesetze fürs Kornhaus müssen dann aber recht viele Zahlen verglichen werden, damit man die Natur des Kornhan- dcls ganz genau übersieht. Es lassen sich dann gewiß welche angeben, die noch viel vortheilhaftcr im Jahrhundert wirken, als die eben angegebenen. » » H- Seit der Französischen Revolution und den Kriegen so ans ihr entstanden, und der Seesperrc, so in ihrem Gefolge war, ist in den Fruchtpreisen ein viel größeres Schwanken gewesen, als früher. Um dieses zu zeigen, so will ich die Preise vom Markte von Rörcmonde von 1785 bis 1817 hier hinsctzcn. Sie sind ans demselben Naths- Verzeichnisse genommen, aus dem die obigen sind« Korn. 1785. 9 Gl. 12 St. 86. 9 S 12 - 5 - 9 - 87. 12 s- S 6 - - - 88. 11 s 9 6 -- 16 - 89. 19 -r 9 - 6 - 8 1790. 12 8 -s 6 - 8 - 91. 9 - 12 - 7 9 - 92. 19 - 8 - 8 - 16 «S 95. 19 12 9 - 9 Hafer. 5 Gl. 4 St. 299 Roggen. Haftr. Y4. 20 Gl. - St. 13 Gl. 12 Sr. 1795. 27 - 12 - 10 - - - 96. 16 - - - 6 -- 16 -- 97- 14 - - - 6 - 10 - 98. 13 - - - 8 -- -- - 99- 18 - - - 11 - 10 - 1800. 18 - - - 7 - - - 1. 22 - - - 7 - - - 2. 31 - 10 - 11 - 10 - 3. 16 -- 10 - 8 - 10 - 4. 20 - 5 - 9 - 15 - 1805. 22 - - - 10 - - - 6. 19 - 10 - 7 - 10 - Mittelp.19 Gl. 3 St. 8 Gl. 11 St. 7- 19 - - - 9 - - - 8. 18 - - - 9 - - - ' 9. 15 - - - 9 - - - 1810. 14 - - -- 9 - - - 11. 22 - - - 9 - - - 12. 23 - - - 12 - 10 - 13. 17 - 10 - 9 - 10 - 14. 19 - - - 12 - - - 1815. 29 - - - 9 - 10 - 16 . 43 ----- 13 -- - -- 17. 37 - - - 12 - - - Mittelp.23 Gl. 6 St. j 10 Gl. 6 St. Korn. Hafer. Mittclpreis der 1.11 Jahre l5Gl. - St. 7Gl.l4St. - - 2.1l Jahre 19 - 3 - 8 - 11 - - - 3.11 Jahre 23 - 6 - 10 - 6 Mittelp.der letzten 33Jahre 19 Gl. 3 St. 8Gl.17St. In diesen drei und dreißig Jahren, von 1785 bis 1817, ist also Korn und Hafer um mehr als das Doppelte theurer gewesen, als in den 100 Jahren von 1685 bis 1785. Ju diesen war der Handl. u. Gewerbe. ( 20 ) 300 Mittclprcis des Korns 8 Gl. 12 St. und des Hafers 4 Gl. 6 St. Auch hat sich in den letzten 33 Jahren das Verhältniß zwischen dem Preise des Roggens und des Hafers etwas geändert. Von 1685 bis 1735 kostete der Roggen genau das Doppelte vom Preise des Hafers. Eben so von 1735 bis 1785. Aber von 1785 bis 1817 ist der Roggen um 8 pEt. thenrer gewesen, als das Doppelte vom Mittelpreise des Hafers. Diese Theurung hat als eine Prämie auf den Ackerbau gewirkt, und es wird jetzt viel mehr Frucht gebaut, als früher, und besonders wird viel mehr zu Markte gebracht. Denn man hat den eigenen Verbrauch der Frucht durch den Anbau der Kartoffeln sehr vermindert, und besonders dadurch, daß man keinen Branntewein mehr aus Körner brennt. Es werden jetzt gewiß zehnmal so viel Kartoffeln gebaut, als im Jahr 1785. „Ein theures Jahr ist ein wahrer Segen — sagte ein Bauer—man lernt dann noch manches, was man früher nicht gewußt hat; daß man aus einem Morgen Kartoffeln für 500 Thlr. Brannte- wcin machen könnte, das habe ich erst im Jahr 1817 gelernt.« Der Mann mochte wohl in seiner Weise Recht .haben. Denn am Ende ist bei allem Elende doch niemand todt gehungert — Dank sey den Hülfsvercinen und den Kornvereinen. Und es 301 sind auch keine Krankheiten ausgebrochen, welches bei jeder früher» Hungcrsnoth der Fall war. Dieses verdankt man vielleicht der großen Erfindung, aus mehlartigen Substanzen geistige Getränke zu bereiten — und besonders der, diese aus Kartoffeln zu bereiten. Wären die Menschen genö- thigt, schlechte und unnahrhafte Speisen zu genießen, so konnten sic die Verdauung derselben noch immer durch einen Schluck Branntewein befördern. Denn dieser bleibt jetzt immer wohlfeil, da auf einem Morgen Kartoffeln in einem Jahre so viel Weingeist wächst, als auf einem Morgen des besten Weingartens in fünf und zwanzig Jahren. P H Die große Betriebsamkeit deren sich nach einem solchen Hnngcrjahre die Gesellschaft im Anbau der Lebensmittel hingiebt, ist sicher eine der Hauptursachen, daß nach so thenrcn Zeiten gleich wieder wohlfeile cintreten. Im Jahr 1817 sind gewiß doppelt sö viel Kartoffeln gepflanzt worden, als im Jahr 1815. Die Menge der Lebensmittel, die durch diese größere Betriebsamkeit erzeugt werden, ist eine Ursache der Vermehrung der Bevölkerung, weil nun viele Ehen zu Stande kommen- die ohne dieses nicht würden zu Stande gekommen scyn. — Denn die Bevölkerung ist intmer auf dem Mari- mo, auf dem sic sich bei den vorhandenen Lebensmitteln erhalten kann. l«' i - — 302 — Hat die Gesellschaft aus Lust geheirathet, so muß sie nachher aus Noth arbeiten. Denn wenn sie in der Anstrengung die größtmögliche Menge Lebensmittel zu bauen Nachlassen wollte, so würde sie gleich wieder in Noth seyn, und am Hungern. In dieser Weise tragen die Hungerjahre immer auf eine indirekte Weise zur Vermehrung der Lebensmittel, zur Vermehrung der Bevölkerung und zum Steigen der Ackerprcise bei. Bg. Ueber Kornmagazine. Vergleichung mit 136jährigen Fruchtpreisen vom Markte von Paderborn. ^i^urch die Güte des Freiherrn von Brenken auf Erdbecrenburg bei Paderborn, erhielt ich die Fruchtpreise von Paderborn vom Jahr 1675 bis >1810, so wie djas Domkapittel solche jedes Jahr nach den dortigen Marktpreisen, hatte feststcllen lassen, zum Behufe der Berechnung seiner Pachte. Dieses Vcrzcichniß war mir um so angenehmer, da cs die Preise von der Westfälischen Kornkammer sind, die mitten im festen Lande liegt, und ohne alle Verbindung von Wasser- 303 straßen. Dabei aus einem Lande, was eine schwache Bevölkerung hat, und wo die meisten Menschen ihr Korn selber bauen, also Nie genö- thigt sind auf dem Markte zu erscheinen, um dort Korn gegen Silber einzutauschcn. Die Umstande waren also ganz anders wie die unter denen die Roermonder Kornpreise festgestellt wurden. Da Roermond an der sehr befahrncn Wasserstraße derMaas liegt, und zugleich auf dem Landwege die volkreiche Fabrickgegcnd von Aachen mit Getreide versorgt. Da die Fuhren gegen sehr geringe Fracht nach Aachen fahren, indem sic Steinkohlen als Rückfracht nehmen,—woher dann die Marktpreise in Aachen unn die in Roermondc, immer zu gleicher Zeit steigen und fallen. Man sieht in den Padcrborner Preisen, daß in ihnen lange der Wechsel mit steigen und fallen nicht statt findet, wie in den Roermonder, und daß, wenn man hier Korn lauf lange Jahre in der Weise, magaziniren wollte, wie ich solches im vorigen Aufsatze für einen Markt wie Roermoude vorgeschlagen, man jedcsmalSchaden dabei haben würde, eben weil die Preise sich Jahr aus Jahr ein zu gleichförmig bleiben. Dieses Magaziniren kann nur an Seehafen, und an Flüssen mit Vortheil betrieben werden, wo ein beständiges Steigen und Fallen der Preise ist, weil diese auch von denjenigen Begebenheiten berührt werden, so sich in fremden Gegenden ereignen. So hat in diesem Jahre der Markt von Noermond es sehr lebhaft empfunden, daß die Getreide-Einfuhr in England frcigegeben war, da nun alles Getreide aufgekauft und auf der Maas nach Holland verschifft wurde. — Der Markt von Paderborn der ringsum im festen Lande liegt, wird hievon ungemein wenig empfunden haben. Diese Korupreistabelle des Domkapitels ist nun auf folgende Weise entstanden: Nachdem Carl der Große die Sachsen so damals in Westfalen wohnten, bezwungen, so stiftete er 795 an den schönen Quellen derPader einen Bischofsitz, den er und seine Nachkommen reichlich beschenkten. ^ Das Domkapitel hatte im Laufe eires Jahrtausend, große Besitzungen erworben, und es war fast kein Dorf im ganzen Bißthum, wo es nicht einige Höfe, Zehnten Meiergüter oder Leibeigene besaß. Seine Einfälle in Westfalen geschahen immer oon der hessischen Seite her, von da wo jetzt Cassel liegt. Auf derselben Linie wo früher Eueren und Cherusker sich bekriegt, bekriegten sich nun unter veränderten Nahmen, Franken und Sachsen. Paderborn war immer der Mittelpunkt der Krieqsoperationen gegen die Sachsen, und deswegen suchte Carl, diesen auf alle Weise auch zum Mit« telpunkte der Anstalten zu machen, so er zur Ausbreitung des Christenthums getroffen, dg ex gerade niit Hülfe der neuen Religion, die Sachsen zähmen und beherrschen wollte- Paderborn war sein Waffenplatz sowohl für« geistliche qls fü;s weltliche. 303 Eine große Menge Pächte waren in Frucht gestellt, und da viele mit Geld bezahlt wurden, so mußte jährlich ein bestimmter Fruchtpreis festgesetzt werden, nach welchem man diese Pächte berechnen konnte. Alle Frnchtpächte waren um Martini (den 12. Nov.) fällig. Um die Marktpreise bestimmen zn können, so schickte das Dom- kapittcl zwischen Martini und Ostern, einige seiner Bediensteten, auf die Mittwochs und Sonnabend Märkte in Paderborn, und ließ die Fruchtpreise aufnehmen. Nach diesen berechnete dann das Generalkapittel, so um Ostern gehalten wurde, den Durchschnittspreis der verschiedenen Markttage und so entstand die Taxe des Domka- pittels. — Diese enthielt also den vorigjährigen Preis. In folgender Tabelle sind die Preise neben die Jahre geschrieben, in denen die Früchte gewachsen. Das Domkapittel schrieb sie in das Jahr, wo es sie bestimmte, also ein Jahr später. In Hinsicht des geographischen des Pader- bornschen Kornmarktes ist noch zu bemerken, daß das Bißthum auf einer Fläche von 50 Quadrat- mcilen etwa 100,000 Menschen hatte. Es wird von dem rauhen Gebirge, die Egge durchschnitten, so ein Theil des Teutoburger Waldes ist. Auf dem Gebirge sind die Eisen und Glashütten. Der Boden ist im Ganzen sehr fruchtbar, besonders das sogenannte Sendfcld zwischen der Alme und der Diemel. Ein großer Theil des Sollings, Nordhessen, —. 306 Herzogthum Westfalen und andere angrenzende Länder, werden von hier ans zum Theil mit Getreide versorgt. Die Fruchtmaaße sind das Padcrborner Krenzscheffel. Dieses ist gleich lOj-s^f Berliner Metzen. Der Rthlr. hat 36 Groschen. Der Groschen hat 7 D. Der Gcldsnß ist Convcntionsmnnze. 1 Bert. Thlr. ist in Conv. Gelde 34 Gr. 3 D. Die Tabelle sangt 1675 an. Ich habe die 10 ersten Jahre besonders genommen, damit man nachher von 25 zn 25 Jahre dieselbe Jahre hatte, die die Rocrmonder Marktpreise haben, die erst 1685 anfangcn. Der Padcrborner Scheffel kostete in Conventionsgeldc. Jahr. Roggen. Ger ke. Hafer. Gr. D, Gr. D. Gr. D. 1675 18 -- 18 — 11 .— 76 12 .- 12 '- 7 — 77 13 5 13 5 8 — 78 17 — 16 -— 8 — 79 17 .- 16 -- 8 — 1680 18 --. 14 — 8 -- 8l 17 -- 12 — 8 — 82 20 — 14 — 8 — 83 34 — 34 --. 16 — 84 12 — 11 — 6 '— Mitlpr. 17 6 16 — 8 6 1685 15 — 12 — 7 — 86 18 — 15 — 9 .- 87 16 — 12 — 8 — 88 18 — 13 — 8 — 307 Jahr. Roggen. Gerste. Hafer. Gr. D. Gr. D. Gr. D. 89 18 — 18 .- 11 — 1690 21 — 18 — 9 -- 91 31 — 2a — 10 — 92 33 .- 25 — 11 ,- 93 19 — 16 — 8 —— 94 20 — 15 — 11 — 4995 27 — 20 — 13 — 96 30 — 21 — 10 — 97 56 — 36 — 17 — 98 3 a — 32 — ia — 99 21 — 18 .- 12 -- 1700 18 — 16 — 12 — 1 17 — 15 — 12 .- 2 21 — 21 -. 10 — 3 23 — 18 — 9 -- a 16 — 15 — 9 .-. 1705 16 — ia — 9 - - 6 17 . — 16 — 10 .- 7 2a — 18 — 11 --- 8 2 a -- 19 — 11 - - 9 2a — 22 — 13 — Mtlpr. 23 — 18 5 10 a Jahr. Roggen. Gerste. Hafer. Raufntter Gr. D Gr. D Gr. D Gr. D 1710 29 — 21 — 12 -- .- .-. 11 22 — 16 -- 11 — — -- 12 36 — 28 — ia — 40 _ 13 39 — 30 — ia — 26 -. ia 20 — 18 — 9 — 20 — 1715 22 — 20 — 13 — 18 — 16 36 '- 32 — 16 — 28 — 17 22 — 19 — 9 — 15 — 18 31 — 31 — 20 — 45 — 19 2a — 18 — 10 — 24 — 1720 20 .— 1K — 9 — 15 ,- 21 19 — 16 — 9 — 15 — 308 .U Jahr. Rogqen. Gerste. Hafer !Raufuttcr Gr. Gr. D Gr. D Gr. D 22 27 — 20 — 11 _ 23 23 34 — 24 .- 12 — 24 24 20 16 — 9 _ 16 — 1725 20 — 20 — 12 _ 22 . , 26 19 — 18 — 13 _ 18 _ . 27 20 — 20 — 11 .- 23 ._ 28 18 — 16 — 10 — 20 29 22 — 18 — 10 _ 24 -1730 21 — 16 -. 8 _ 16 31 18 — 14 — 8 — 15 32 19 15 — 11 — 20 33 20 — 14 '-' 11 — 19 34 24 — 20 — 11 - 24 — Mtlpr. 24 — 19 6 11' 22 1735 24 — 21 — 10 22 _ 36 23 -- 16 12 30 _- 37 22 -- 16 — 12 . ... 18 38 36 — 27 19 _ 36 .- 39 27 — 20 — 9 — 20 1740 21 — 16 — 9 _ 21 _. 41 18 — 14 — 9 _ 18 _ 42 18 — 17 — 10 _ 16 43 18 — 16 — 12 18 .__ 44 24 — 20 — 11 24 ._ 1745 22 — 19 — 11 23 46 2^> 16 10 22 47 27 — 22 — 15 _ 27 §8 24 —^ 18 — 9 ._ 24 49 24 — 20 - 10 _ 24 175,) 24 — 22 — 12 — 24 51 29 — 23 — 12 _ 29 52 31 — 26 —- 15 -- 33 53 27 — 19 — 9 — 23 54 24 — 18 —- 11 — 24 1755 36 30 — 18 — 45 56 25 5 24 — 15 3 25 6 30Y Jahr. Roggen. Gerste. Hafer. ! Naufnttcr Gr. D Gr. D Gr. D Gr. D 1757 24 4 20 2 20 27 1 58 29 1 24 2 19 3 29 4 59 46 4 40 — 33 2 46 2 Mtlpr. 26 — 21 — 13 ^3 26 — 1700 76 3 52 V 35 2 76 3 61 48 2 48 2 15 — 48 62 32 — 24 — 12 — 26 63 24 -. 16 — 9 — 18 — 64 30 — 21 — 12 — 24 — 1765 24 — 18 — 12 23 — 66 21 — 20 — 13 — 24 — 67 21 25 — 8 — 18 -. 68 22 — 18 — 9 — 24 — 69 36 — 24 — 12 — 30 .- 1770 51 — 36 — 16 — 51 — 71 27 — 24 — 13 — 22 — 72 21 -- 16 — 8 — 21 -. 73 30 — 20 — 11 .- 20 — 74 22 — 16 — 10 -. 22 — 1775 18 3L 15 — 10 — 17 — 76 20 16 — 11 '— 18 — 77 23 — 19 — 10 — 20 — 78 18 — 15 — 8 — 17 — 79 28 — 24 - 14 — 24 — 1770 22 — 17 — 12 — 28 -. 81 24 — 21 — 14 — 12 -. 82 30 — 23 — 12 — 38 — 83 22 — 18 -- 13 — 20 — 84 23 — 18 — 9 — 26 — Mitlpr. 28 4 22 4 12 ^2 26 "5 Von 1685 bis 1784 haben demnach folgende Mittelprcise statt gefunden. Roggen. Gerste. Von 1685 bis 1709 23 Gr. — D. 18 Gr. 5 D. Von 1710 bis 1734 24 Gr. — D. 19 Gr. 6 D-' 310 Roggen. Gerste. Von 1735 bis 1769 26 Gr. — D. 21 Gr. —D. Von 1760 bis 1785 28 Gr. 4 D. 22 Gr. 5D. Mittelprcis 25 Gr. 3 D. 20 Gr. 4 D. Ferner: Hafer. Raufntter. Don 1685 bis 1709 10 Gr. 1 D. Von 1710 bis 173/1 11 Gr. 2 D. 22 Gr. 3 D. Non 1735 bis 1759 13 Gr. 3 D. 26 Gr.—D. Non 1760 bis 1785 1 2 Gr. 2 D. 26 Gr. 5 D. Mittelprcis 11 Gr. 6 D. 25 Gr. —D. Man sieht in diesen Zahlen wie die Früchte das ganze Jahrhundert hindurch langsam aber regelmäßig gestiegen, oder mit anderen Worten: Wie das Silber gegen Frucht langsam aber regelmäßig im Werthe gefallen. Noch deutlicher sieht man dieses wenn man die Fruchtpreise nach Procenten berechnet, und den Mittelprcis des Jahrhunderts gleich 100 setzt. 1 . 25 Jahre Korn. 91 Gerste. 91 Hafer. Raufntter. 89 — 2. 25 Jahre 91 97 95 90 3. - -- 102 102 113 101 1 . — — 113 110 103 106 Mittelpreis 100 IM 100 IM Rechnet man alle Fruchtarten durcheinander so findet man folgendes Steigen im Preise der Früchte gegen Silber. Mittelprcts der 1. 25 Jahre 91 — — 2. 25 — 95 — — 3. 25 — 105 — — 1. 25 — 109 Mittelpreis 100 — 311 — Man sieht aus diesen Angaben daß in dem Jahrhunderte von 1685 bis 1785 der Werth des Silbers ungefähr um 20 pCt. gegen den Werth der Früchte gesunken ist, also um etwa ein Fünftel des Ganzen. Dann sieht man daß im ganzen Jahrhunderte nur einmal eine solche Theurung gewesen, wo der Fruchtpreis übers Doppelte vom Mittelprcise des Jahrhunderts ging. Nämlich im Jahr 1760. In diesem Jahre verhielten sich die Preise auf folgende Weise: Preis von 1760. Mittelpr. des Jahrh. Korn 76 Gr. 3 D. 25 Gr. 3 D. Gerste 52 — 6 — Hafer 35 — 2 —- Naufutter 76 — 3 — 60 Gr. 2 D. 20 — 4 — 11 — 6 — 25- 20 Gr. 5 D. Im Durchschnitte kostete also die Frucht das Dreifache des Mittelpreises. Sonst ist sie sich das ganze Jahrhundert sehr gleich geblieben, und selbst in dem Hungerjahre 1770 ist sie nur aufs Doppelte des Mittelpreises gegangen. So wie wir aber in der Periode der französ. Revolution kommen, so finden wir in den Pader- borner Marktpreisen, dasselbe Steigen der Frachtpreise, was wir im vorigen Aufsatze in den Roer- monder gefunden haben, wie folgende Tabelle zeigt, so die Preise von 1785 bis 1810 enthält. Zahr. Roggen. Gerste. Gr. Hafer. Gr. Raufutt. Gr. 1785 32 20 10 32 86 28 24 14 24 87 26 22 11 28 88 42 25 15 30 89 30 21 12 22 1790 29 22 13 22 91 40 25 17 27 92 40 28 14 30 93 52 32 20 42 94 60 40 29 48 1795 36 27 17 33 96 31 27 14 30 97 42 33 22 40 98 42 33 24 36 99 42 30 16 38 1800 55 36 16 48 1 72 42 26 66 2 48 42 21 42 3 72 39 20 44 4 72 46 30 4-4 1805 45 30 15 34 6 36 36 20 36 7 /14 30 19 42 8 . 39 26 16 30 9 28 20 13 24 1810 48 27 15 48 Mittelprs. 43-7 307 174 361 Folgendes Täfelchen giebt die vergleichende Ucberstcht. Mittelpreis Mittelpreis von 1685 bis 1784. von 1785 bis 1810. Korn 25 Gr. 3 D. 43 Gr. 3 D. Gerste 20 Gr. 4 D. 30 Gr. 1 D. Hafer 11 Gr. 6 D. 17 Gr. 4 D. Raufutter 25 Gr.— D. 36 Gr. 1 D. Mittelp. d.4 Fruchtarten 20 Gr. 5 D^ 32 Gr. — D. — Für dieselbe Menge Getreide für die man vor 1785 100 Rthlr. gab, mußte man nach 1785 154 Nthlr. gebem Doch waren alle Getreidearten nicht auf dieselbe Weise gestiegen. Das Raufutter war bis 145 gestiegen die Gerste — — 147 — die Hafer — 148 — das Korn — — 171 — In den Roermonder Marktpreisen tvar von 1758 bis 1810 der Preis vom Korn und Hafer- gerade das Doppelte von dem was er in dem Jahrhunderte gewesen so dem Jahr 1785 vorherging. Nach Procenten gerechnet also 200 . In Paderborn war er von 1785 bis 18 lO Nur bis auf 170 gestiegen. In Roermond waren daher die Fruchtpreise seit der Revolution um 15 pEt. mehr gestiegen, als in Paderborn. Es ist nicht leicht eine Ursache, anzugeben, die dieses Steigen der Fruchtprcise seit der Revolution erklärt. Vom Fallen des Goldes und Silbers konnte es nicht herrühren. Da dieses wie wir oben gesehen von 1685 bis 1784 nur um 20 pCt. in seinem Werthe gesunken; wo es also von 1785 bis 1810 nur höchstens um 5 «Et. fallen konnte. 314 Als gewöhnliche Ursache vom Fallen des Goldes und Silbers wird angeführt, daß jährlich so viel aus den Bergwerken gewommen werde, wodurch die edcln Metalle, da ihrer immer mehr werden, in ihrem Werthe gegen die Lebensmittel sinken müssen. Allein seit 1785 haben die Bergwerke jährlich nicht mehr edle Metalle gegeben, wie vorher, und dieses kann also das Sinken ihres Werthcs um 90 bis 100 pCt. nicht erklären. Eher würde noch die Einführung des Papiergeldes in England, Oestreich und Rußland, dieses Sinken der Metalle erklären. Denn ein Staat der für 60 Mill. Pf. Sterl. Gold in der Circulation hat, wie England, bringt auf einmal für 6oMill. edle Metalle auf den Markt, sobald er Banknoten einführt, und statt des Goldes Papier in Cirkulation setzt. Und es .ist bekannt daß in England die ganze Cirkulation auf 28 Millionen Banknoten beruht, so die Bank von England ausgegeben, und auf 32 Millionen Banknoten, so die 870 Privatbanken ausgegeben,so im ganzen Lande zerstreut sind. So wie in England ist in Oest- rcich und Rußland das Metall ans der Cirkula- tion verdrängt worden, und man hat statt seiner Papier eingeführt, und dieses hat sicher seit 1800 mehr Gold und Silber auf den Markt gebracht, als alle Bergwerke in Europa und in Amerika in dieser Zeit zu Tage gefördert. Ebenfalls hat Von 1790 bis 1800 mehrere Jahre hindurch die 315 Assignaten-Periode in Frankreich geherrscht, wodurch ebenfalls alles Metall aus der Circulation verschwand, und durch Papier ersetzt wurde. Allein wie dem auch sey,so viel ist ans jeden Fall sicher: seit 1785 hat der Bauer für sein Getreide auf dem Markte noch einmal so viel an Silber gefordert, und noch einmal so viel dafür erhalten. Hieraus folgt: daß der Käufer seit 1785 doppelt so viel hat biethen und doppelt so viel hat geben können. Wodurch haben aber die Käufer doppelt so viel Silber erhalten? Alles ist thcurer geworden, sagt der gemeine Mann; aber eben wenn alles theurer geworden/ ist nichts theurer geworden. Denn dann bekommt der Schuster für ein Paar Schuh jetzt noch eben so viel Korn als er vor 1785 dafür bekam. Allein alle Preise scheinen nicht in demselben Verhältnisse gestiegen zu feyn, wie die Frncht-- preise, und wenn jetzt nur die Käufer verhalt- nißmaßig mehr Silber fürs Korn geben können/ so rührt das daher, daß sie thätiger geworden, und sparsamer. Und dieses scheint wirklich der Fall zu seyn. Seit der großen Bewegung der franz. Revolution die beinahe alle gesellschaftliche Verhältnisse geändert, scheinen die Menschen wirklich thätiger und rühriger geworden zu seyn, und besonders viel haushälterischer mit ihrer Zeit. Man kann annehmen daß ein Drittel der Handl. u. Gewcrde. ( 21. ) Bevölkerung das Brodkorn kaust. Die übrigen z ziehen es selber, und zwei Drittel von allem Korn so jährlich wächst wird keine Viertelmeile von dem Orte gegessen, wo der Halm gestanden, auf dem es gewachsen. *) Bezahlt der dritte Theil der Bevölkerung um das Doppelte in Silber für sein Brodkorn, so macht dieses in einem Staate der 10 Millionen Einwohner hat, und in dem jeder für 8 Rthlr Korn ißt, 26 Millionen Rthlr. Eine solche Summe in einer einzigen Cirkulation mehr oder weniger, berührt wie man leicht steht alle Einrichtungen der Gesellschaft. Die Bevölkerung hat ungeachtet der bestän- *) Fast nie liegen die Felder eine Vierkelmeile von ver Wohnung des Bauern entfernt, da alle Kosten des Acker» baus, (des Dungfahrens des Einärndtens u. s. w.) sich so sehr mit der größeren Entfernung vermehren. Von dem letzten Drittel so nun eigentlich ein Gegen« stand des Handels wird, wird wieder das meiste innerhalb 3 Meilen auf den Markt gebracht. Da der kleine Korn« Handel bloS Landhandel ist, wo der Bauer seine Frucht auf dem naheliegenden Markt oder zu dem nahewohnenden Becker führt. Nur ein kleiner Theil des Korns gelangt auf die Ströme. Ist es aber auch einmal auf diesen, dann kommt es leicht auf einen Markt der ioo Meilen von der Stelle ist, wo der Halm gestanden auf dem es ge« wachsen, denn die Stromfracht und die Seefrachten sind so ungemein niedrig, wie oben in dem Aufsätze über den Elberfelder Kornverein gezeigt worden, und ob man es So oder 1oc> Meilen weit seudct, macht, wenn es einmal im Schiffe ist, nur einen geringen Unterschied. 317 digen Kriege doch überall seit der Revolution zugenommen — ein Beweis daß mehr Lebensmittel gebaut werden, wie früher. Denn alle Menschen die jetzt mehr vorhanden sind, haben einen Magen und essen sich auf dieselbe Weise satt wie die übrigem Dadurch, daß überall der Ackerboden frei gegeben worden, hat er sich mehr gethcilt, und durch die Theilung sind mehr Lebensmittel gebaut worden. Hiezu kommt das große Grundeigeuthum, so die Geistlichkeit in einem Jahrtausend gesammelt hatte, und das überall verkauft worden. Diese große Masse Ländereyen so' Jahrhunderte in tobten Händen waren, sind jetzt im bürgerlichen Verkehr, und dieses hat einen entschiedenen Einfluß auf alle Verhältnisse des Ackerbaus und des Gründeigenthums geübt. Alle Verhältnisse der Gesellschaft haben sich seit der Revolution in neue Fugen gesetzt. Es ist ein ganz neuer gesellschaftlicher Zustand hervorgegangen/ und indem alles geändert, ist es thöricht dieser Aeuderung nicht huldigen zu wollen/ sondern das Alte in beharrlicher Weise festzuhalten. Aus diesem neuen Zustande wird sich wieder ein zeitgemäßer Organismus entwickele», wenn das gegenwärtige Geschlecht klug genug ist/ überall mit Mäßigung zu verfahren. Zum Schlüsse will ich noch eiüe Frage aufstellen 315 Sollte das Steigen der Fruchtpreise seit den letzten 30 Jahren nicht zum Theil von der Ausdehnung hcrrühren, die das englische Fabricksystem seit dieser Periode erreicht hat? Früher führte England Getreide aus. Durch die große Ausdehnung die sein künstlicher Ackerbau erhalten/ den cs in der Werkstätte, im Comtoir, im Waa- renlager und auf dem Seeschiffe treibt, hat seine Bevölkerung sich sehr vermehrt, und in gewöhnlichen Jahren reicht sein Ackerbau nicht mehr zu seinem Bedürfnisse hin. Es läuft nun im Auslande, und wenn in einer Landschaft 100,000 Malter Getreide liegen, und es werden von diesen nur 10,000 gekauft, so steigeren diese Aufkäufe nicht allein die Preise dieser 10,000 sondern auch die der übrigen 90,000. Endlich trägt die große Ausdehnung die der Spekulationshandel die letzen zwanzig Jahre genommen, indem geldreiche Leute, ihre Capitalicn nicht auf Zinsen stellen, sondern sie in rohen Produkten, als Korn, Baumwolle, Seide, Oel, Colo- malwaaren u. s. w. anlegen, auch wohl mit dazu bei, daß die Preise sich im ganzen höher stellen als sonst, denn sonst verkaufte der Bauer unmittelbar an den Consumentcn, und an das Aufspeicheren der Naturprodukte, bis thcure Preise eintreten, konnte er nicht denken, da er, wenn er Geld zu Steuern und Gesindelohn bedurfte, noth- wendig verkaufen mußte. Jetzt, nun die rohen Produkte in die Hände des speculirendcn Capita- 319 listen geben, ist cs anders, da dieser das Geld entbehren kann und diese Produkte erst wieder verkauft, wenn es ihm genehm ist. Auf dem Markt erscheint daher immer weniger, und dieses Wenigere wird dann zu thcureren Preisen bezahlt, und bestimmt den Marktpreis, nach welchem nachher der Capitalist seine Vorrä- the so nun gar nicht auf dem Markte erschienen sind, ebenfalls verkauft. Das große Spekulationssystem, was sich über alle Handelsplätze von Europa verbreitet hat, und das durch die wöchentlichen Preisverzeichnisse, so von allen Plätzen an alle Plätze gesendet werden, seinen Zusammenhang und seinen Betrieb erhält, befördert diesen Capitalienhandel ungemein; der große Capitalist hat den einen Monat sein Capital in Italien auf der Seide liegen, den folgenden in der Ostsee ans Getreide, und den Dritten vielleicht in Amsterdam auf Colonialwaaren. Und alle diese Produkte werden nicht eher zum ersten Kauf ange- bothen, bis cs ihm genehm, und er seines Vor- theils gewiß ist. B. 320 Ueber Kornmagazine. Vergleichung hundertjähriger Kornpreise von Elberfeld. L^/urch die Güte des Herrn Oberbürgermeisters Brüning in Elberfeld erhielt ich eine Abschrift der alten Kornprcise so auf dem Rathhause seit 1714 sind angeschrieben worden. Früher sind keine bemerkt worden, oder sie sind mit in dem Brande von 1687 untergegangen, in welchem die ganze Freiheit Elberfeld mit ihrem Gemeinehause abbrannte. Diese Frachtpreise waren mir ungemein angenehm, da ich nun hundertjährige Preise von dreyen. Orten hatte, so sich unter ganz verschiedenen Verhältnissen befinden: 1. Die von Roermonde, aus einer fruchtbaren Korngegend, durch welche die Wasserstraße nach Holland geht, welche die Ausfuhr so leicht macht, und den Roermonder Markt, abhängig von den Märkten des Auslandes macht, und namentlich von den Märkten von Amsterdam und London. 2. Die von Paderborn, aus einem Frucht, baren Kornlande, mitten im Festlandc, durch das gar keine Wasserstraßen gehen, und wo die Korn 321 — preise also wenig abhängig sind von ausländischen Märkten. 3. Die von Elberfeld, von einem Orte der mitten in einer Fabrickgegend liegt, die fast gar keinen eigenen Wachsthum hat und der alles Jahr aus Jahr eiu, auf der Achse muß zugefahren werden. In dieser wird aller Ackerbau auf dem Webstuhle und in der Werkstatte getrieben, und die Frucht gegen Arbeit eingetauscht, nachdem diese vorher in Silber verwandelt worden. Folgende Tabelle enthält die Preise von Korn und Waizcn von 1714 bis 1818. Zur Erläuterung will ich noch folgendes bemerken. 1. Von 1714 bis 1774 sind die Preise gewöhnlich jedes Jahr viermal, allein zu ganz verschiedenen Zeiten angegeben. Der angeführte Preis in der Tabelle ist immer das Mittel aus diesen verschiedenen Preisen. 2. Von 1775 bis 1818 ist der Herbstpreis angegeben der im Oktober oder November statt fand. 3. Das Maaß ist das Elberfelder Malter das etwas kleiner als 4 Berliner Scheffel. 4. Der Geldfuß sind Reichsthaler und Stüber. In der ersten Hälfte des Jahrhunderts galt der französische Kronthaler 1 Rt. 50 St. Darauf bis in die Neunziger Jahre 1 Rt. 55 St. und endlich 1 Rt. 57 bis 2 Rt. Man mußte also wenn man die Preise genau auf denselben Werth des Silbers haben wollte, die der letzten Jahre mit 8 pCt. erniedrigen. Der Reichsthaler hat bekanntlich 60 Stüber Clevisch oder 30 Stüber holländisch, Fruchtpreise von Elberfeld, Jahr, Weitzen. Korn. Nthlr. Stbr. Rthlr. Stbr. ' "7 >4 — — 4 45 »5 5 20 3 35 i6 — — 3 16 »7 — — 3 2c» 18 — —. 3 33 ^9 — — 3 i3 1720 5 i5 4 25 21 4 32 3 »9 22 4 40 3 26 2-3 5 3 3 36 24 5 3o 4 42 »725 6 48 4 46 26 5 20 3 32 27 5 — .— — 28 4 00 3 4» 29 5 — 3 56 »7Z0 4 40 3 27 5 3 4 4 32 4 17 3 34 33 4 .5 3 >2 34 4 87 3 14 Mtlpr. 5 — 3 44 »735 4 5o Z »9 56 4 — 2 59 5? 4 IÜ 3 10 38 4 5o 4 6 as 6 Z 3r Jahr. Weitzen. Korn. Rthlr. Stbr. Nthlr. Stbr. > 7 io — — 6 16 4 ' 6 55 4 46 42 6 r6 4 7 43 — — 3 *7 44 4 53 - - »745 — — 5 IO 46 5 45 3 45 4 ? — — 4 ,5 48 5 52 4 4 49 6 17 4 52 1750 6 -8 5 3 5 > 6 49 5 16 52 5 56 5 4 53 5 5 3 55 54 6 22 4 69 1755 6 i 5 3 55 56 6 5 o 4 54 S7 - . — 6 ^9 58 9 00 6 26 69 8 7 4 28 Mittlpr. 5 56 4 27 1760 9 52 6 43 6l 9 4 7 24 62 9 4 r 8 16 63 6 5 o 5 37 64 6 56 4 34 1765 7 35 6 — 66 6 48 5 57 67 7 ' 22 — — 63 8 4 * 5 34 69 7 23 5 24 477 " 8 -- 7 Zch 7 » LI 21 S 6s 72 9 34 7 53 73 10 4 7 3 o 74 8 52 5 56 L77L 8 45 5 Zs Jahr. Weitzen. Korn. Rthlr. Stbr. Rthlr. Stbr. 76 7 38 4 3o 77 6 42 3 ä5 78 6 5Z 5 54 79 6 20 4 »780 7 i5 5 45 Li 7 3o 6 .8 82 8 6 — 83 6 20 6 i5 84 8 56 5 48 Mittlpr. 8 »c> t 6 11 Mittelpreis. Weitzcn. Korn. Don 1714bis 1734 5 Rt. - St. 3 Rt. 44 St. — 1735.bis 1759 5 — 56 — 4 — 27 — — 1760 bis 1784 8 — 10 — 6 — 11 — Mittclprcis 6 Rt. 22 St. 4 Rt. 44 St. Man sieht daß während eines Zeitraums von 71 Jahren die Preise Anfangs wenig allein in den letzten 25 Jahren von 1760 bis 1784 bedeutend gestiegen sind. Die Ursache lag in der Zunahme des'Fabrickwescns so in diese Periode fallt, wo also die Käufer sich vermehrten, und da der Kornbau in der Umgegend so ziemlich derselbe blieb, der Markt aus entfernteren Gegenden mustc versehen werden. Doch ist diese Zunahme der Frachtpreise noch nichts, gegen die Zunahme derselben seit der französischen Revolution, wie folgendes Täfelchen zeigt. Jahr. Weitzen. Korn. Rthlr. Stbr. Rthlr. Stbr. i ^85 10 — 5 3 o «6 8 4 o 5 45 87 9 26 7 48 88 9 3 c> 6 5 o «9 »5 3 o 1 ! 38 1790 9 20 7 22 9 ^ 8 20 5 42 92 9 35 ' ? 55 9 ^ 1 1 3 o 10 42 94 >7 3 o ,4 — >795 23 45 '9 — Mittlpr. 1 L 55 9 '7 9^ .5 38 11 Z0 97 IO 53 8 . — 9 « »2 10 8 i 5 99 >4 3 c> 11 — 1800 45 9 — L ?5 46 10 53 2 '7 ,5 i 5 35 3 14 62 12 -- 4 18 iS 1 1 3 o 1806 >9 i 5 i 5 .5 6 ',4 5 o 12 >5 Mittlpr. -4 53 11 20 7 .3 — 10 8 1 I 45 9 — 9 1 L i5 - 7 45 18,0 >3 10 8 3-7 1 I >4 25 9 52 12 »6 — 1 1 45 i3 >4 35 10 42 ^4 12 38 9 r 8.5 12 55 10 54 u. a6 24 38 12 43 326 — Jahr. Weitzen. Korn. Rthlr. Stbr. Rthlr. Stbr. >7 20 2) .6 _ 18 l3 33 I 1 45 Mittlpr. 52 10 40 Mietpreis. Weitzen. Korn. Von 1785bis 1795. 1lRt.55St. 9Rt. 17 St. — 1796 bis 1806. 14Rt.53 St. 11 Rt. 23 St. — 1807bis 1818. 14Nt.52St. 10Rt. 40St. Mittclpreis 13Rt. 53 St. 10 Rt7 27 St. Wir finden hier also dieselbe Verdoppelung der Mittelpreise seit dem Jahr 1785 die wir auf den Märkten von Noermonde und von Paderborn gefunden. In den 71 Jahren von 1714 bis 1784 kostete der Weitzen 6 Rt. 22 St. In den 34 von 1785 bis 1818 13 Rt. 53 St. Unterschied im Preise 7 Rt. 31 St. In den 71 Jahren von 1714 bis 1784 kostete das Korn. 4 Rt. 44 St. In den 34Jahren von 1785bis 1818 10 Rt. 27 St. Unterschied im Preise °5 Rt. 43 St. Allein wenn man auch nicht die letzten 71 Jahre sondern die letzten 25 nimmt so vor 1785 hergehen, so findet man zwar nicht völlig so große Preis-Unterschiede, allein man findet denn doch auch schon welche die nahe bis auf die Hälfte gehen. 327 Von 1760 bis 1784 kostete derWeitzen 8Rt. io St. Bon 1785 bis 1818 — — — 13— 53 ^ Preisunterschied^ 5 Rt?43Sl. Vonl760bis 1784 kostete das Korn 6Rt. 11 St. Von 1785 bis 1818 — — — 10 Rt. 27 St. Preisunterschied 4Rt. 16Ss. * ^ Im Jahr 1816 in 1817 hat nach den Rech, nungen des Korrivcreins, jeder Mensch in Elbcr- seld für 20 Rt. Brod gegessen. Die Bevölkerung war ungefähr 20000 Seelen und der Mittelprcis des Korns war im Nov. 16 Nt. Nehmen wir an daß dieses der Mittelpreis fürs gange Jahr- gewesen, nehmen wir ferner an daß Elberfeld von . 1785 bis 1818 immer eine Bevölkerung gehabt die ungefähr 20,000 Seelen gewesen, so haben diese nachdem Mittelpreise von 10Rt. 27St. der von 1784 bis I8l8 statt gefunden, jährlich für 260,000 Rt. und jeder für 13 Rt. Korn gegessen. In den letzten 34 Jahren hat also die Bevölkerung von Elberfeld einen Berg Korn weggegessen der8Millionen und 840,000Rt.gekostet hat. Dieser Berg Korn hat 553,000» Pf. Silber von der Feine gekostet, so die Kronthlr. haben. Hätte man diese auf 92 vierspännige Karren geladen so waren auf jede 6000 Pf. Silber gekommen. In England wo die Frucht immer nahe noch 328 einmal so theuer ist als bei uns, hatte eine Gemeine von derselben Größe eben so vielKorn, und noch einmal so viel Silber weggegcssen. Aber in derselben Zeit hätte sie vielleicht fünfmal so viele fertige Waare auf den Markt gebracht, da in dieser Insel alles auf Schnelligkeit der Bewegung von der Postkutsche bis zur Spinnmaschiene berechnet ist, woher sie dann auch viel weniger von der Theurnng empfinden, als man nach dem Anblick ihrer Marktpreise vcrmuthen sollte. Denn bei ihnen kostet das Elberfelder Malter Weihen im Durchschnitt immer 25 Rt., da es in Elberfeld doch nur 14 kostet. Sic essen daher bei derselben Quantität Waare die sie zu Markte bringen, immer noch «inen kleineren Haufen Silber weg wie wir. 4-' H H Was NUN das Anlegen von Magazinen betrifft, so scheint dieses für Elberfeld nicht so vortheilhaft zu scyn als in Noermond, weil nicht so ein großer Wechsel in den Preisen statt gefunden. Wenn man diese Untersuchungen über den Kornhandel und über die Kornpreise fortsetzt, so wird sich wahrscheinlich zuletzt als bleibendes Er- gebniß finden: daß 'Kornmagazinc nur aU den Wasserstraßen vortheilhaft anzUlegen sind, weil hier die Preise den mei- - 329 sten Schwankungen ausgesetzt, da sie auch von entfernten Markten und deren ihren Bewegungen berührt werden, wie z. B. die Noermonder von den Preisen des Londoner Marktes« -ft ü- q- In folgendem Tafelchen sind die Mittelpreise angegeben, wie sic von 17l4 bis 1774 in den verschiedenen Monaten des Jahrs statt gefunden. Diese Zahlen sind indeß nicht ganz sicher, da damals das Aufzeichnen auf dem Elberfelder Rathhause unvollkommen geschehen, indem nicht in jedem Monate der Preis angcmerkt worden. Damit diese Zahlen nicht für genauer gehalten werden, als sie wirklich sind, so habe ich bei jedes Mittel die Anzahl der Beobachtungen angegeben aus dem es genommen ist. Weitzen. Korn. Anzahl Anzahl der der Besinn- St. Bestim- Rt. mungen. Nt. mungen. St Januar — — — »7 6 Februar März ,8 7 i3 ^7 s 21 14 7 8 24 5 2c, April *7 7 '7 26 5 2 ? Mai 21. 6 55 27 5 ic> Juni 14 7 58 24 5 2<) Juli i4 7 46 25 5 35 August 22 6 36 4«' 4 45 September' 16 8 12 26 5 Z30 Weitzen. Korn. Anzahl Anzahl der der Bestim- Bestim- mungcn. Nt. St. mttngeii. Rt. Oktober 7 54 24 5 November >4 7 29 22 5 Deee.nbcr 7 45 18 5 Mittelpreis 176 7 23 290 5 Damit matt diese Verhältnisse leichter übersieht, so sind sie in folgender Tafel nach Proeeu- ten berechnet. Weiizen. Anzahl der Bestimmungen. Mittlpr. Anzahl der Bestimmungen. Mittlpr. Januar — — 17 110 Februar 18 97 >7 98 März 14 95 24 101 April '7 98 2 V 97 Mai 21 92 27 96 Juni a 4 107 24 101 Juli 14 104 26 io 5 August 22 83 40 88 September l6 I IO 26 98 Oktober 106 24 104 November 14 100 22 101 Dcccmber 11 .8 10; Mittelpreis Ivo Korn. Der höchste Preis des Wcitzeus scheint int September statt zu finden und der des Roggens im Januar. Doch sind der Zahlen aus denen das Mittel genommen nicht genug, um völlig sichere Schlüffe hieraus zu machen. 331 Die größte Anzahl von Fruchtpressen findet sich in unserer Gegend so viel ich weiß auf dein Aachener Kornhause. Sic gehen bis auss Jahr 1656/ und sind jedesmal von fünf verschiedenen Fruchtarten angegeben. Reinlich von Korn, Weitzen, Spcltz, Nübsaamcn und Buchwcitzcn. Wahrscheinlich hat man noch altere Verzeichnisse gehabt, die aber in dem großen Brande von Aachen von 1654 wo das Kornhaus mit dem Rathhause und der ganzen Stadt abbranntc, sind vcrlohren gegangen. Ich habe diese Kornpreise gesehen. Sie stehen in zwei Büchern in Folio. In den ersten Jahren sind sie etwas unvollständig, nachher aber ist der Preis von Woche zu Woche angegeben. Man kann vom Kornhause nicht verlangen daß cs seine Originalia verleiht Ein paar Versuche so ich bei der Regierung gemacht habe um eine Abschrift davon zu veranlassen, die dann wohl könnte verliehen werden, sind mir fehlgeschlagen. Wenn man diese Abschrift hätte, und man könnte diese Preise im Zusammenhänge bearbeiten so würden sich aus diesen eine Menge genauer und sehr sicherer Ergebnisse ziehen lassen. Reinlich: 1) Die genauen Mittelpreise von 25 zu 25 Jahren für fünf verschiedene Fruchtarten. 2) Das Sinken vom Werthe des Silbers gegen jede dieser Frnchtarten. Dann sein Sinken gegen den Durchschnittspreis aller. ( 22 ) Hkndl. u, Gewehr. 332 3) Die ganz genaue Entwickelung der Mü- telpreise so während 150 Jahre hindurch in jedem Monate und in jeder Woche statt gefunden, so daß man angcben könnte, auf welchen Tag des Jahrs die Marima und die Minima der Preise von jeder der fünf verschiedenen Fruchtarten fallen. Vielleicht finden sich noch mehrere merkwürdige Ergebnisse besonders wenn man diese Preise mit denen des Dürner Marktes und des Köllner zusammenstellt, (wo an beiden Orten auch ganz alte Preis-Verzeichnisse sind) und dann alle linc- risch verzeichnet so wie man solches mit den Barometer-Beobachtungen von London, Paris und G'e nf gemacht, um zu sehen wie das Steigen und Fallen derselben sich gegen einander vcr halt, und ob die Barometer in London Paris und Genf zu gleicher Zeit ihren höchsten und ihren tiefsten Stand haben. *) Man kann hiemit uoch die Preise des Roer- monder Marktes verbinden, der mit dem Aachener genau zusammenhangt, da die Kohleufuhren aus der Gegend von Roermond, Getreide nach *) kittet hat in der Libliotdeyiis brittLiiiyue zuerst solche Barometrische Linien in Kupfer stechen lassen, die den Stand des Barometers von London, Parisund Genf für jeden Tag des Jahrs angaben. — Es fand sich daß die Ursache die den tiefsten Stand in London machte, bei Westwind gewöhnlich den folgenden Tag in Paris eintraf und den dritten erst in Genf. 333 Aachen fahren und Kohlen als Rückfracht nehmen» R a ch s ch r i f t» Äls das vorige schon geschrieben, so erhielt ich in einem zweiten Briefe von dem Herrn Oberbürgermeister Brüning, das Verzcichniß der Kornpreise von Elberfeld von 1775 bis 1818 und zwar von Monat zu Monat, durchs ganze Jahr» Da dieses 44 Jahre sind, so laßt sich der mittlere Preis des Korns von jedem Monate viel genauer bestimmen, als es in der vorigen Tabelle möglich, bei der nicht so viele Bestimmungen zum Grunde lagen, und die auch nicht so regelmäßig von Monat zu Monat, Jahr aus Jahr ein, waren ausgeschrieben worden. In folgender Tabelle sind die Mitlclpreise zusammengestellt, welche das Getreide in Elberfeld im Januar, im Februar im Marz u. s. w. das ganze Jahr hindurch im Durchschnitt von 1775 bis 1818 gegolten. Tabelle über die Mittlern Kdrnpreise in Elberfeld vott 1775 bis 1818 ansgestellt für jeden Monat des Jahrs- 334 Roggen. Mittclprcis Nt. Stbr. Januar 9 IO Februar 9 i5 März 9 Li April 9 27 Mai 9 HL Junius 9 41 Julius 9 36 August 9 3 September 9 2 Oktober 9 11 November 9 20 Dccembcr 9 28 9 Li Wenn man diese Tabelle durchsieht, so sicht man daß das Getreide im Mai und Junius immer am theuersten und gleich nach der Erndte im August und September am wohlfeilsten gewesen. Noch besser übersieht man dieses, wenn man die Tabelle auf Procente stellt und den Mittelpreis des ganzen Jahrs gleich 100 setzt. Januar Februar März April Mai Junius Julius August September Oktober Roggen. pCt. 96 99 100 101 104 104 102 97 96 98 — 335 — Roggen. pEt. November 100 Dcccmber 101 Mittelpreis 100 Aus dieser Tabelle sieht man, daß Jemand der im März Korn kaust und im Mai wieder verkauft im Durchschnitt 4 pCt. gewonnen hatte, oder etwa 3 Schilling aufs Malter. Daß aber Jemand so im Mai und Junius Korn hatte und solches nicht vor der Erndte verkaufte, im Durchschnitt 8 pCt. daran verlohr, oder 1 Gulden aufs Malter, wenn er cs nach der Erndte im September verkaufte. Folgende Tafel zeigt die Mittelpreisc so das Korn ailf dem Elberfelder Markte das ganze Jahr hindurch gehabt hat. Sie sind aus den Preisen der 12 Monate genommen. Die oben angeführte Tabelle enthielt keine Mittelpreisc, sondern den Preis den das Korn im Oktober gehabt, und der von dem Mittelpreisc des ganzen Jahrs oft bedeutend verschieden ist. Rog- Rog- Rog- Rog- Jahr gen. Rt. St. Jahr gen. Rt.iSt. Jahr g Rt. cn. St. Jahr gen. Rr-iSt. L 77 Z 6 53 178^ t> 6 .739 9 3 o >796 12 29 1776 5 i 3 >788 5 02 1790 9 l2 >797 8 47 1777 4 7 178^ 6 25 > 79 » b 55 -793 7 5 o 1778 4 Z2 ,763 5 22 1792 6 33 1799 11 28 ^779 5 10 1786 5 i -4 » 79 ^ i'O 3 1800 9 »4 1780 4 16 ,787 7 7 »794 5 o i8vt 10 3 o >781 6 r- 1788 / 2 1794 ;>9 1802 i 5 7 336 Rdg- Rog- Rog- Jahr ge Mr. n. St. Jahr gen. Nt., St. Jahr ge Rt. n. St. Jahr i8c>3 c4 i3 . 80-7 io 3o >8 1 6 ' 4 ^8i5 1604 ro 2 808 9 27 1812 L 2 33 c 8 i 6 >8c>5 i3 48 1809 8 3? >.8>3 52 8.7 1806 r 1 55 1816 ° 2 1814 8 39 ;8»3 Rog- gen. Rl. St, 9 »4 '9 12 21 21 20 55 Mittelpreis von 44 Jahren y Rt. 2l St. Es wäre zu wünschen daß die alten Preisverzeichnisse so sich auf den Rathhäusern' von Cölln, von Düren und von Aachen befinden, auf eine ähnliche Weise tabellarisch bearbeitet würden, Hamit man aus ihnen die wichtigen statistischen Notizen ziehen könne so in ihnen für den Getreidehandel enthalten sind. Vierter Abschnitt. Ueber Steuern und Zölle. Ueber die Grundsteuer und deren Wirkung auf die Land-W irthscha ft. Don August Karbe. Heber die Natur der Grundsteuer gicbt es zwei Meinungen bei den Staatswirthen, so wie im Publikum. Sie gehen im Wesentlichen mit ihren Gründen und Gegengründen auf Folgendes hinaus: Daß die Grundsteuer nichts anders als eine Rente sey, die der Staat auf das Grundcigen- thum sich Vorbehalten, welche also ganz die Natur einer unablöslichen hypothekarischen Schuld oder eines Kanons habe. Daß ein mit Grundsteuer belastetes Gut ein solches, sey, das man für ein Kapital kaufe, von welchem der Käufer einen Theil — nämlich denjenigen, welcher die Grundsteuer als Zinse repräsentirt 340 dem Verkäufer bei der Bestimmung des Kaufgeldes in Abzug bringe und zum Vortheil jenes Wirthschaftsbetrixbcs zurück behalte, und daß daher, zumal im Fortgange der Zeit und der Unveränderlichkeit der Grundsteuer, dieselbe gänzlich den Karakter einer Abgabe verliere, folglich für den Besitzerz des Grundstücks als gleichgültig erscheine. 2) Daß die Grundsteuer nur sehr bedingterweise mit eiuer Grundrente oder unablöslichen hypothekarischen Schuld verglichen, am wenigsten aber die Behauptung zugestgnden werden könne, daß die Bezahlung einer auf einem Grundstück haftenden Grundsteuer gleichgültig sey. Denn eine hohe Grundsteuer hat mit einer starken Belastung der Güter mit verzinslichen hypothekarischen Schulden, den Nachtheil für die Kultur, daß die Landwirthschaft ein gewagteres Geschäft wird. Wer ein Gut, das in Mitteljahren fünf tausend Thaler Reinertrag bringt, und also zu 5 pCt. hunderttausend Thaler werth scyn würde, für fünfzig tausend Thaler ersteht, weil er eine darauf haftende Rente von zwei tausend fünf hundert Thalem mit übernimmt, der trägt eben so viel Gefahr, als derjenige, welcher ein unbelastetes Gut von gleichem Ertrage besitzt, hat aber nur halb so viel Vermögen, gehäufte Unfälle zu über- ftchen, 341 Für die Wohlhabenheit der Nation im Ganzen, liegt aber noch überdies ein großer Unterschied darin, ob die Renten, welche der belastete Grundbesitzer zahlen muß, als Grundsteuer in die Staatskassen, oder als Zinsen in die Hände von Privatleuten fließen, welche sie viel allgemeiner und unmittelbarer in den Berkehr bringen; in dem Maaße ihres Einkommens kaufen und verzehren, wodurch die Märkte beleben und die Preise, auch der inländischen Erzeugnisse, unmittelbar und mittelbar erhöhen. Dazu kommt noch, daß in Staaten, wo nebenbei Verbrauchssteuer auf die ersten Lebensbedürfnisse bestehen, auch diese die Grund- und besonders die Gutsbesitzer, in einem vorzüglichen Maaße treffen. Die Arbeiter, welche die große Masse des Volks ausmachen, können diese Steuern nur dadurch aufbringen, daß sie entweder spärlicher leben oder den Lohnsatz erhöhen. Im elfteren Falle sinken die Preise der Lebensmittel, weil die Nachfrage abnimmt; im zweiten wird die Gewinnung der ländischen Erzeugnisse, welche die meisten Hände braucht, auch.am meisten besteuert. Es bedarf daher wohl keines Beweises, daß für welchen Preis man auch ein Gut erkaufen mag, eine freie Besitzung immer vortheilhaftcr sey, als eine mit Grundsteuer belegte. Nur im Fall, wo man fortdauernd für das in Rücksicht der Ercmtion mehr zu zahlende Kapital eine Zinse gezahlt, oder ent- behrt hätte, leidet eine Ausnahme hierin. Dieser Fall ist aber seiner Natur nach vorübergehend, und in der Regel, besonders im Verlauf einiger Zeit, der beim Einkauf eines cremten oder belasteten Grundstücks gemachte Verlust oder Gewinn an Kapital verschmerzt oder verschwunden, so wie sich auch gar nicht behaupten laßt, daß der Erwerber eines besteuerten Grundstücks wirklich in Rücksicht auf die Steuer, ein Kapital in Händen behält. Was man daher an Grundsteuer bezahlt, findet bei weitem nicht immer in der That, sondern in der Idee einer Kompensation, und ist eine wahre Abgabe. Bei einem an den Staat, von einem Erbpachtstück zu entrichten, den Kanon ist dieses zwar in so weit derselbe Fall, allein im übrigen ist die Sache doch keineswegs dieselbe. Der Kanon nämlich afficiert das Grundstück im engsten Verstände, da er — wenigstens in der Regel — weder vermindert, noch vermehrt werden kann, sondern ohne alle Rücksicht daran hastet. Die Grundsteuer aber — die Belastung damit sowohl, als die Aufhebung, die Erhöhung sowohl als die Ermäßigung hängt vom Staate und von Vcrwal- tungsgrundsätze» ab; sie dient außerdem sogar zum Maaßstab anderer Steuern. Für die Unvcr- änderlichkeit des Kanons bürget alles, was im Staate die Sicherheit des Eigenthums überhaupt 343 begründet. Für die Unveränderlichkeit der Grundsteuer kann cs eigentlich gar keine Bürgschaft geben, da die Besteurung eine Regicrungsmaßrcgel ist, die wohl durch Versprechungen, Rcccsscu.s.w. an Bedingungen, gegenseitige Einwilligungen u.s.s. geknüpft, aber nie für alle Zeiten und für alle Umstande unwandelbar geordnet werden kann. Hiedurch aber wird die Verbindung der Grundsteuer mit dem Grundstücke weniger enge, und ihre Beschaffenheit als Steuer sichtbarer. Auch bekömmt der Staat selbst es dadurch in seine Gewalt, die Natur derselben zu bestimmen. Setzt er fest, daß sie nie verändert werden soll, so erklärt er sie dadurch für ein, dem Gute allein, in Rücksicht auf dessen Erwerbung inhärirende Qualität, so macht er sic, soweit sein Beschluß gehörig verbürgte Dauer hat, zu einem wahren und eigenthümlichen Kanon. Behandelt er aber das Grundstück als ein ^steuerbares Objekt, so entstehet das Gegentheil. Die Verschiedenheit der Ansicht, ob die Grundsteuer einen Kanon oder Abgabe gleich zu achten ist, kann daher immer nur von den finanziellen Maaßregeln des Staats erst ihre Bestimmung erhalten. HP* 2n so fern die Gründe der zweiten Meinung besonders aus der Idee von der nachthciligen 24 » Wirkung der Grundsteuer auf die Landwirthschaft fliesten, ist es vielleicht nicht überflüssig, meine sächliche Ansicht, als die eines Mannes, welcher seit zwanzig und mehreren Jahren Landwirth- schaft mit großer Neigung und einiger Aufmerksamkeit treibt, hier niederzulegen. Sie wollen das Gewicht auf meine Ueber- zeugung nicht üben, welches ihnen auf die, der darstellenden Personen geworden. Ich bin Gegen- theils überzeugt, daß die Grundsteuer auf die Landwirthschaft nicht nur unschädlich, sondern daß sie sogar wohlthätig darauf wirkt. Mau hat die Bemerkung gemacht, daß das hervorstehende Talent zur Landwirthschaft, so wie Fleiß, Ausdauer und Sparsamkeit am rechten Orte, in größerem Maaße in den gebildeten, aber nicht besonders wohlhabenden Bolksklaffcn gefunden wird, — wovon der Grund wohl in der Erziehungsweise liegen mag. Sehr wahr sagt Herr von Zimmermann: „Der Fleiß und die Talente des Menschen haben eine kaum glaubliche Macht.« — Taschenbuch der Reisen 1808. S. 103. Wenn cs nun aber keinem Zweifel unterworfen, daß jedes Gewerbe seiner größten Entwickelung Nnr in der Hand »orgedachter Eigenschaften fähig ist, der Landbau also auch nur durch diese Hand Mit besonders glücklichem Erfolg für das Individuum sowohl, als auch für die Gesellschaft 345 betrieben werden kann; so muß, der Natur der Sache nach, jedes Mittel wohlthätig darauf wirken, wodurch der cigentbümlichc Besitz der Scholle dieser Hand erreichbar wird, Wenn ferner die Grundsteuer, scy es als eine Grundrente, oder unablässige hypothekarische Schuld, oder als eine stehende, wenig veränderliche Angabe, nnbezweifelt auf den Preis der Grundstücke dahin wirken muß, daß dieser niedriger, dieselben also für das minder bemittelte Talent crwerbnngsfähiger gemacht werden, so kann die Grundsteuer nur vortheilhaft auf die Land- wirthschaft wirken. In solchen Händen ist letzteres auch kein gewagtes Geschäft. Sie, die das Gewerbe derselben ex xroleesch treiben, wißen Unfälle theils besser zu begegnen, und, thcils sie besser zu überstehen, wie der Besitzer anderer Art und der Pächter, letzterer ist seinem beengten Verhältniß, dieses vermögen. Auch ist das ausgestellte Beispiel der mindern Gefahr bei einem freien Gute nur in so fern passend, als man voranssetzen darf, daß keine Schulden, weder an das Gut, noch an die Person des Besitzers haften; ein Fall, der nicht zur Regel, sondern zur Ausnahme gehört. Wenn aber, wie oben gesagt, die völlig freien Besitzungen zu den Ausnahmen gehören, so ist es ein großer Vorzug der Grundsteuer, als unablüsliche hypothekarische Schuld betrachtet, gegen gewöhnliche Schulden, daß sie ä',0 nicht ablöslich ist, daß sie folglich Nie gekündigt, der Grundbesitzer also in dieser Hinsicht nie in Verlegenheit gesetzt werden kann; eine Verlegenheit, die bei weitem die verderblichste für den Eigenthüincr ist. Der landwirthschaftliche Kulturzustand von Belgien und Schlesien, bei einer hohen Grundsteuer, geben den Beleg zu dem Vorhergesagtcn. Grundsteuer und hohe landwirthschaftliche Kultur scheinen sich mir, wie Ursache und Wirkung Zu einander zu verhalten; indem jene zur Industrie reizt, und indirekte zugleich die Mittel dazu bietet. Je höher diese steigt, um desto größer ist der Gewinn aus einer gegebenen, mit Grundsteuer belasteten Fläche. Um auf das Beispiel von Schlesien zurüÄzukommcn, bemerke ich noch, daß dieses Land —nach Demian — zugleich die stärkcste Bevölkerung der preußischen Monarchie zählt. Aus diesen Wirkungen sowohl, als auch dem ewig wahren Grundsatz, daß alles das, was in moralischer Weise dem Bürger nützt, auch dem Staate selbst von Nutzen seyu muß, erscheint die Grundsteuer zugleich als eine sehr zweckmäßige Staatseinrichtung, auf die am Schluß «och einmal zurückgegangen werden soll. Ob die Reinen übrigens als Grundsteuern in die Staatskassen, oder als Zinsen in die Taschen der Privaten stießen, dieses ist in so ferne ganz 347 gleichgültig, als der Staat nicht einen bedeutenden Theil seiner Einkünfte zu einem, dem Verkehr entzogenen ruhenden Schatze aufhäuft, und hierüber darf die gegenwärtige und dienächstkom- mendc Generation gewiß am wenigsten in Sorge seyn. Bei der damaligen finanziellen Lage der Europäischen Staaten, treten die Staatsabgaben gewiß viel schneller und allgemeiner in Zirkulation, wie die Hebungen der Privaten, da hierunter doch hin und wieder einer zu finden, welcher dieselben ganz oder zum Theil der Zirkulation entzieht, und hiedurch die Märkte verödet. Hiezu kommt noch, daß die Grundsteuer das Maaß der Staatsabgaben nicht erhöht. Sie bewirkt vielmehr das Gegentheil, durch die Wohlfeilheit ihrer Erhebung in Vergleich mit den Erhcbnngskosten, der sogenannte« indirekten Steuern. Was durch jene aufkommt, kann an diesen nebst Kosten nachgelassen werden. Die Verbrauchssteuer von den ersten Lebensbedürfnissen, diese ärgerliche Steuer betreffend, so tragen die Gutsbesitzer diese, so weit sie ihre Arbeiter treffen, in jedem Falle unmittelbar, letztere mögen um derentwillen spärlicher leben, oder den Lohnsatz erhöhen. Die Natur beobachtet in der körperlichen Nahrung lebender Wesen die Regel, daß das Arbeitsprodukt derselben von der Güte und Kräftigkeit jener abhängt. Sie stehen in einer unmittelbaren Wechselwirkung. Der ( 23 ) Han dl. u, Gewerbe. 348 frugale Schlesier und Sachse staunen über das Tagewerk des kräftigen ländlichen Ukermärkers. Auch wollen aufmerksame Beobachter die Bemerkung gemacht haben, daß die schlesische Landwehr sich imJahre 1813 erst von da ab mit preußischer Tapferkeit zu schlagen begann, wo der Körper von der kräftigen Feldnahrnng des Soldaten — Fleisch, Brod und Branntewein — völlig durchdrungen und gestärkt war. Mit Grütze und saurer Milch schlägt man also keinen Feind, obgleich sie bei mäßigen Arbeiten gesunde Nahrungsmittel sind. Bei spärlicher Lebensweise der Arbeiter wird weniger Arbeit zu Tage gefördert — so der Lohn, so die Arbeit — und auf diese Weise zahlt der Grundbesitzer jene verwerfliche Steuer sicher in höheren Sätzen, als durch die Lohnerhöhung. Bedarf es aber noch eines Beweises, daß die Verbrauchssteuer, die, beiläufig gesagt, den Steuerpflichtigen, ganz besonders aber den größer» Landwirth, der nicht alles durch eigene Hände kann gehen lassen, nie zu dem Gefühl von Ruhe gelangen läßt, wobei der Mensch seines Lebens und seines Gewerbes froh wird, mit aller ihrer Aergerlichkeit, in je höherem Maaße von dem Landwirthe gezahlt werden muß, je weniger er an Grundsteuer zu den Staatsbedürfnissen beiträgt? Wohl aber bedarf es nach dem, was ich weiter vorne beigebracht, des Beweises, daß bei gleichen Vermögenskräften, eine freie Besitzung unter allen Umstanden vortheilhafter sey, wie eine mit Grundsteuer belegte. Meine Ueberzcugung und Ansicht von der Sache sagen mir, daß es vortheilhafter ist, als das Beispiel ausgestellte Gut mit der Grundsteuer von zwei tausend und fünf hundert Thalern für fünfzigtausend, als davon befreit, für hundert tausend Thaler zu erwerben. Die Voraussetzung: daß nach Verlauf einiger Zeit der beim Einkauf eines eremtcu oder belasteten Guts gemachte Verlust oder Gewinn verschmerzt oder verschwunden sey, hat auf die Wirkung der Grundsteuer, in Beziehung auf die Landwirthschaft, keinen Einfluß, da, wenn dem also seyn sollte, wie doch zu bezweifeln, die Sache in beiden Vorfällen dieselbe bleibt, daß aber der Erwerber eines mit Grundsteuer belasteten Guts, in Rücksicht auf diese, wirklich ein Kapital in Händen behalten solle, ist wohl nicht gesagt. Es ist nur angeführt, daß er ein solches, in Rücksicht derselben zurückbehalten, oder mir andern Worten, nicht gezahlt habe. Aber weil es wirklich zurückbehalten ist, so findet die Grundsteuer nicht blos in der Idee, sondern in der Wirklichkeit ihre Kompensation. Die Erfahrung rnng bestätiget dieses, denn diese Steuer hat es mit anderen bestimmten Ausgaben gemein, daß sie bei Formirung von Ertragsanschlägen dem Roherträge in Abzug gebracht wird; Ganz anders verhält es sich mit der Verbrauchssteuer. Diese kommt als eine unbestimmte Abgabe bei .der vorbemerkten Gelegenheit nie in Abzug, und gleichwohl übt sie denselben Effekt auf den Werth des Grundstücks, und auf die Sicherheit der hypothekarischen Gläubiger. Diese ist es also, welche zum Nachtheil der letzteren ihre Kompensation nur in der Idee findet. Wird die Grundsteuer nicht unmäßig, etwa um ^ jedesmal erhöht, so bringt dieses dem Landbau keinen Nachtheil; solch eine mäßige Erhöhung de- rangirt den Grundbesitzer nicht. Sie verschwindet gegen das Schwanken des ans dem Betriebe der Landwirthschast überhaupt fließenden Gewinns, welches in der Natur dieses Gewerbes begründet ist, wie der Tropfen im Meere, und zeigt in der Regel zugleich von einem verminderten Metall- werthe, so daß eine solche Erhöhung mehr im Namen, als in der That bestehet. Eine auf diese Weise geordnete Grundsteuer haftet eben so unmittelbar an das Grundstück, wie ein Erbpachtskanon, der doch auch nicht immer unveränderlich ist, und es ist nicht einzusehen, warum das, was im Staate die Sicherheit des Eigenthums überhaupt verbürgt, nicht zugleich als Bürgschaft für die Anfrechthaltung der Grundsteuer-Ordnuug dienen soll? Schwerlich dürften wohl in irgend einem Staate, dessen sämmtliche Bedürfnisse aus diesem einzigen Steuerzweige entnommen werden können, und so bleibt das unerreichte Bedürfniß 351 den übrigen Zweigen immer noch Vorbehalten. Schlesien giebt von beiden ein sprechendes Beispiel. Auch darf es bei einer nach gleichmäßigen Grundsätzen angewandten Grundsteuer nicht für ein Unglück erachtet werden, wenn sie zum Maaß- stab anderer Abgaben dienen. Ihr Auffinden kann nur das Werk ruhiger Ueberlcgungen und Prüfungen seyn, und da ist es immerhin besser, in außerordentlichen Fällen darauf zu rekurriren, als sich jedesmal mit der ganzen Administrations- Weisheit um den Maaßstab abnehmen, als ob die Kunst, Abgaben aufzubringen, erst erfunden werden sollte, wobei denn doch aus Mangel an Zeit zu ruhiger Ueberlegung nnr selten der rechte Weg eingeschlagen wird, wie die Geschichte des Tages leider nur zu oft gelehrt hat. - Da die Einkommensteuer ein unauflösliches Problem seyn soll, so erscheint mir die Grundsteuer, abgesehen davon, daß keine Abgabe angenehm ist — in Rücksicht ihrer Unschädlichkeit auf das Gewerbe des Landbanes, und in Rücksicht ihrer Sicherheit und der Einfachheit und Wohlfeilheit ihrer Erhebung, höchst wünschenswert!). Für eine legitime Regierung liegt wohl ihr größtes Kriterium in der Einführung und Beziehungsweise in der Ausdehnung auf die bisher steuerfreien Grundstücke. Sie darf nie vom Pfade des Rechts abweichen, wenn sie einiges Gewicht 352 — auf Liebe und Vertrauen ihrer Unterthaueu legt; und mit dem Rechte verträgt cs sich nicht, den zcither steuerfreien Grundbesitzern, durch die Glcichsctznng ihrer Grundstücke mit den steuerpflichtigen, einen Thcil oder vielleicht ihr ganzes Vermögen zu nehmen. ^Die Ausdehnung der Grundsteuer auf das steuerfreie Besitzthnm, scheint mir unter einer solchen Negierung nur allein aus einer ständischen Verfassung hcrvorgehen zu können. Der Mensch ist mehr dazu geneigt, Opfer, als Folge der Umstände, aus freien Stücken, wie im Wege eines Befehls zu bringen; und so werden die Repräsentanten der steuerfreien Grundbesitzer, von denen man annehmcn muß, daß sie ans dem verständigen Theil dieser Staatsbürger-Klasse hcrvorgchcn, die gegenwärtige Zeit begreifend, mit Herrn v. K. — F. auf S. in d. N. M. — Mocglinschc Annalen der Landwirthschaft, 1817. Stück 1. Pag. 136 — einsehcn, daß cs gcrathc- ner ist, einen kleinen Thcil der Habe zn opfern, um den größeren Theil dadurch desto mehr sicher zu stellen. Sie werden daher mäßige Opfer nicht scheuen, indem es ihnen einlcuchtet, daß ein Theil derselben ihnen dadurch wieder zu Gute kommt, daß sie in dem Vcrhältniß von den indirekten Stenern frei werden, wie sic durch die Grundsteuer zu den Staatslasten beitragen; sie werden die Steuerpflichtigkcit ihrer Grundstücke nicht län- 353 ger versagen, wohl aber auf angemessene mäßige Entschädigungen sinnen, die sich denn auch finden werden, wenn man nur erst die Sache wist. Bl., im Februar 1818. A. K. Ueber die Grundsteuer. An den Herrn Amtsrath Karbe. Urlauben sie mir, daß ich Ihnen öffentlich für den schönen Aufsatz in Nro. ,611 des Beobachters danke, und daß ich Ihnen vom Rheine einige Belege zu dem sende, was Sie dort gesagt haben. — Das ist das angenehmste bei den Zeitungen, daß sie schnell die Meinungen und die Kenntnisse austauschen, da sie jede Woche erscheinen, und daß sic selbst entfernte Menschen durch Gleichheit der Gesinnung verbinden, obschvn sie sich Nie gesehen, woher dann — im Vorbeigehen sey es gesagt, — bei uns die öffentliche Meinung besser und unterrichteter ist, als in den Staaten der Alten, — weil sie bei uns über die ganze Flache des Staates verbreitet ist, bei jenen aber blos in der Hauptstadt vorhanden war. 354 Ich will die Belege zu ihrem Aufsatze in kurze Sätze zusammenftcllen. * * » Sie sagen: "Daß die Grundsteuer wirke wie ein Kapital, das nicht gekündigt werden könnte; — und daß das Kündigen der Kapitalien für den Ackerbau so verderblich, da es den Landmann so sehr in Verlegenheit setze, der nicht, wie der Bankier, ausgebreitete Geldverbindnngcn unterhalte.« Ich weiß nicht, ob unsere Schriftsteller über die niederländische Ackerwirthschaft es bemerkt haben, daß nach der alten Gesetzgebung des Landes kein Kapital konnte gekündigt werden, so lange die Zinsen bezahlt wurden. — Der Grund- cigenthümcr hatte gegen seine Gläubiger ein ewiges Moratorium, und sic konnten vor lloe I3ok5 V3N Lrsbsnt nicht klagbar gegen ihn werden. — Der Grundcigenthümer aber konnte kündigen. — Die französische Gesetzgebung hat dieses aufgehoben; allein da Gesetze keine rückwirkende Kraft haben, so sind alle alten Kapitalien geblieben, und Brabant steckt ganz voll davon. Die Grundcigenthümer kündigen nicht, weil sie zu einem sehr niedrigen Zinsfuß stehen, gewöhnlich 3 pCt., und die Besitzer der Rente können nicht kündigen. 355 So hat dieses kluge und freiheitlicbende Volk in seiner Gesetzgebung immer seinen Ackerbau geehrt. Die Grundsteuer ist in Brabant nicht hoch. Sie ist cs nirgend, wo Alle, tragen, und wo sie gleichförmig vertheilt ist. In Brabant war der Adel nie steuerfrei. Blos sein Kastcl mit seiner Umwallung war frei; Haus, Garten und Hof- raum was zwischen den Schloßgrabcn lag, etwa 2, 3 oder 4 Morgen. Aller andere Boden stand mit dem Bauergutc in gleicher Linie. * rfi H Ihre Bemerkung, daß der Landbau am einträglichsten für den Mittlern Gutsbesitzer ist, findet sich am Rhein vollkommen bestätigt. Im Vergleich mit den Marken und Preußen haben wir keine andere als mittlere Gutsbesitzer, da im Durchschnitt unsere Ackcrhöfe von 50 bis 100 Morgen sind, von 1 und 2 Pferden, selten von 3 und 4 Pferden. Bei der großen Bevölkerung, die wir haben, wo z. B. im Regierungsbezirk Düsseldorf 8051 Menschen auf der Quadratmcile wohnen, hätten wir jedes Jahr eine Hungcrsnoth, wenn unser Acker, nicht so getheilt wäre und daher so viel trüge. Selbst im Jahr 1816 waren noch so viel Lebensmittel erzeugt, daß wir wohlfeile Zeit gehabt hatten, wenn nur 12 bis 1500 Menschen auf der Quadratmcrlc gewohnt, wie in 356 Preußen. Man wird annehmen können, daß ein Morgen, der als Garten bearbeitet wird, so viel Lebensmittel trägt, als drei Morgen, so als Ackerland liegen, und als neun, so als Weideland genutzt werden. — So zeigt es auch das Kataster von Frankreich. — Ein Bauer erzählte mir, daß er aus 1 Morgen (von 224 rheinländ. Ruthen) in vorigen Jahren 500 Thaler gemacht. Er hatte ihn mit Kartoffeln als Gartenland bestellt, darauf diese in Branntcwcin verwandelt, und diesen zu 30 Thaler die Ohm verkauft. Auf dem Morgen waren nabe 18 Ohm Branntewein gewachsen. Dieses Tbcilen geht bei uns immer fort. In der Gemeine Kruchten (der nächsten bei Brüggen) waren im Jahr 1793, als das Kataster vollendet war, 8300 Parcelen— in ungefähr 12000 Köllner Morgen (ungefähr 15000 Magdeburger.) Jetzt, nach 25 Jahren, sind in derselben Gemeine 10800 Parcelen. Vieles Theilcn geschieht in unverständiger Weise. Ein Vater hinterläßt 6 Stücke und 6 Kinder; diese theilcn nun nicht so, daß jeder 1 bekommt, sondern jeder will von jedem Eins, und indem nun jedes von den 6 in 6 Theile getheilt wird, so entstehen 36 Stücke, wo sonst 6 waren. Dieses Theilcn geht so weit, daß bei Wiesen die Streifen so schmal, daß sie nicht mehr können gemäht werden, ohne in eine benachbarte zu kommen. Die Nachbarcn mähen dann gemeinschaftlich und theilcn das Gras. 357 Durch dieses Theilcu ist der Boden Scheidemünze geworden, die leicht aus einer Hand in die andere geht. — Man sagt: die Bauern würden dadurch Bettler. — Dieses ist nicht. Denn seit die Kartoffeln in Europa sind, ist niemand ein Bettler, der nur noch 1 Morgen Ackerland hat, und wemr dieser auch auf 10 Stellen im Felde zerstreut liegt. Da diese Stücke so klein, daß er sich nicht mehr mit dem Pfluge darauf wenden kann, ist kein Hinderniß, da er keinen Pflug hat, sondern den Boden, so wie der Weinbauer, blos mit Karste und Hacke bearbeitet. — Der Pflug hat die Welt zuerst gezähmt; allein nachdem sie gezähmt, so verschwindet er wieder, und die größtmögliche Menge von Lebensmitteln werden sicher in den Gemeinen gebaut, in denen kein Pflug mehr zu finden, und wir haben schon welche am Rheine, die auf diesem Grade der Kultur und der Entwickelung seyn. Sie können gar nicht glauben, wie vortheil- haft es ist, wenn man in einer Gemeine keine Pflüge mehr hat. Man gebraucht dann kein Zugvieh, kein großes Anlage-Kapital, und, was im Kriege ungemein angenehm ist, keinen Vorspann. — Es ist eine Lust, Vorsteher in einer solchen Gemeine zu seyn. Alles, was kommt und gefahren seyn will, Fouriere, Unteroffiziere nnd Offiziere, alles muß absteigen und zu Fuß weiter gehen, — wenn sie nämlich die Fahrmaschienc des Herrn von Drais nicht bei sich haben. 358 Man hat viel von der Schädlichkeit des Theilens geredet — allein man wird es nie hindern können. Unsere Volksmenge ist immer am Steigen, und die Nation ist genöthigt zu theilen, weil dieses das einzige Mittel ist, um eine größere Menge von Lebensmitteln zu erzeugen. Die neuen Theorien des Ackerbaues erzeugen sie meistens nur auf dem Papier, und unsere 8000 Menschen auf der Quadratmcile müßten, ungeachtet unserer gelehrten Agronomen, verhungern, wenn das Volk nicht instinktmäßig das wahre Geheimnis! gefunden, eine große Menge Lebensmittel auf der Quadratmcile hcrvorzurufen, als es bedarf,— und dieses Gehcimniß liegt: in der Karste und in den Kartoffeln. Man hat die Weinlande und deren ihre Ar- muth als Beweise von der Schädlichkeit des Theilens angeführt. Allein diese Armuth kommt von den ungleichen Erndten, wo der Boden einmal sehr viel giebt, und dann einmal wieder in langen Jahren nichts. Der Mensch kann aber selber nicht sparen. Wenn die Natur ihm sein bescheiden Thcil nicht jedes Jahr regelmäßig zumißt, und ihn bevormundschaftet, so kommt er immer in eine Komödianten-Wirthschaft, die auf Einmal viel haben, und dann einmal wieder gar nichts, wie solches im Wilhelm Meister zu lesen. Bei allem dem leben die Menschen in den Niederlanden, und wenn man das überschlägt, was sie in einem Zeitraum von 50 Jahren an 359 Steuern bezahlt haben — und wie viel tausend Menschen täglich auf der Quadratmeile gegessen, so sicht man, daß die Quadratmeile noch viel mehr eingebracht, als wenn sie so bestellt wäre worden, wie Hoffwiel oder Möglin — und daß diese 8000 Menschen hätten verhungern müssen, wenn sie auf einer Quadratmeile gewohnt, die so bestellt geworden, wie die genannten Landgüter. Das Geheimuiß liegt in dem Thcilen des Bodens, in der Bearbeitung mit der Karste, in dem Verschwinden des Pfluges, in der Verwandlung des Feldes in Gärten, in dem Anbau der Kartoffeln und in der großen Menge Stärkemehl, so diese auf jede Quadratrutke geben. —- In der Feldmark der Gemeine Königswinter ist nur noch ein einziges Slück, das einen Morgen groß ist, und dieses wäre auch schon lange gctheilt, wenn es nicht in tobten Händen wäre. Eine Quadratmrile von 8000 Seelen Bevölkerung wird immer eine Ueberlegenheit über eine Quadratmeile von nur 2000 ausüben. Zuerst, weil sie schon an sich viermal stärker; dann, weil die Gesellschaft auf ihr eine größere innere Entwickelung erreicht. Allein nicht die Menge der Menschen machen ein Volk stark, sondern die Gesetze — die Institutionen, unter denen es lebt. - So ist das volkreiche Indien stets von fremden, aber wenig zahlreichen Völkern beherrscht worden — so Gallien von den Franken so China mit seinen 150 360 — Millionen Chinesern von den Mantschn-Tartaren, so kaum Eine Million betragen mochten. Soll Scheidemünze bestehen, so muß sie einen Rückhalt und eine Stütze an grob Courant haben; und soll der kleine Ackerboden in seiner Kleinheit besiehe«, und so die größte Summe von Lebensmitteln ttagcu, so muß er größere Ackcrlose unter sich haben, die ihm einen Anhalt geben, und ihn durch Institutionen und Gesetze beherrschen. Jede Gemeine muß, der Natur der Sache nach, ihren Vorsteher oder Maire haben — jedes Landwchr- fähnlein seinen Hauptmann. Dieses muß ein Eingesessener seyn, und kann kein geringer Mann seyn, weil er sonst ohne Ansehen ist, auch keine Zeit sürs Oeffcntliche übrig hat, da er alle auf seinen Erwerb wenden muß. Es müssen Familien in der Gemeine seyn, welche ein größeres Ackerlos besitze«, und zwar ein solches, das groß bleibt, weil cs nicht gctheilt werden kann, sondern ohne Theilung immer an den ältesten der Söhne übergeht. Und so werden wir im 10. Jahrhundert zu einem neuen Adel gelangen, der sich auf dieselbe Weife zeitgemäß entwickclen wird, wie der Adel Roms, der altgermanische Adel und der Lehnadel des Mittelalters sich zeitgemäß nach dem damaligen Zustande der Gesellschaft entwickelt hat. Unsere Gemeinen sind kleine Staaten. So wie sie selbstständig werden, entwickelt sich in ihnen ein Adel, — und in den Landgemeinen am ersten, in denen ohnehin drei Viertel der ganzen Bevölkerung wohnt. Die Landwehrordnnnq, wodurch die ganze Nation.und jede einzelne Gemeine wehrhaft ist — wird daS ihrige dazu beitragen, und am Ende des ly. Jahrhunderts werden wir in jeder Gemeine mehrere Familien und mehrere Alloden haben, so diesen Familien gehören — und einen neuen Adel, der zahlreicher, wie der Alte — allein nirgend Steuerfreiheit. Wenn diese ^größeren Ackerlose in jeder Gemeine vorhanden sind, und dem ganzen Gemeinewesen als feste Anhaltpunktc dienen — so kann man die Gesellschaft immer nach ihrer besten Einsicht die andern Ackerlose thcilen lassen, ohne sie durch Gesetze zu beschranken. Viel unvernünftiges Theileu fällt schon von selber durchs Kataster weg, da, sobald alle Stücke gemessen und abgc- schätzt sind, die Erben sich bei den Erbthcilungen leichter auseinandersetzen können, und sie kommen dann seltener darauf, wie jetzt, daß sie auS 6 Stücken 36 machen. Will man aber noch etwas über die Grenzen der Theilung verfügen, so kann man dieses aber nur dann, wenn die Gesetzgebung eine große Vollkommenheit erreicht hat, und wenn man sie durch die Statistick des Katasters eine genaue Kenntniß des Gegenstandes erworben. Wollte man es jetzt thun, so dürfte der Fall eintrcten, wie bei den agrarischen Gesetzen Schlesiens, wo nachher die Ausnahmen und die Erläuterungen 362 die Gesetze selber verschlingen, welches immer der Fall ist, wenn die Gesetzgebung nicht in der Weise geordnet, wie in England und Frankreich, wo alle Widersprüche die Gesetze treffen, ehe sie gegeben sind — und wo sie, wenn sie ins Leben und in die Anwendung treten, keinen mehr erfahren, weil sic in den Kammern schon von allen dem getroffen sind, was sich gegen sie sagen läßt. -s- * * Ebenfalls pflichte ich Ihrer Meinung bei: daß die Grundsteuer den Ackerbau befördert, so parador cs auch klingt. — Viele große Gutsbesitzer döfeln mit ihrer Ackerwirthschaft so hin, sie nehmen nicht viel ein, haben aber auch wenig zu bezahlen. Kommt die Grundsteuer, so halten sie es mit ihrer gewöhnlichen Döseley nicht mehr, und der Acker geht in andere und in thatigere Hände. Da, wo bei uns das Kataster vollendet ist, wo also durch die Messung jeder Morgen und jede Ruthe aufgefundcn, und durch die Abschätzung alles nach den Mittlern Pachtpreisen abgc- schatzt — da, wo also alles trägt und alles gleichförmig trägt— ist die Grundsteuer nur ein Neuntel des reinen Ertrags. Ein Bauerhof der 900 Rt. Pacht thut, bezahlt in der Hauptsumme 100 Rt. Grundsteuer. — Dieses Neuntel trägt leicht ein Gut mehr, wenn es in andere und in thäti- 363 gere Hände kommt. Denn Zimmcrmann hat ganz recht in der Stelle, die Sie von ihm auführcn: der Fleiß und die Talente des Menschen haben eine kaum glaubliche Kraft. Bei Ihnen liegt alles auf der Konsumtion, eine Einrichtung, die wahrscheinlich noch aus der Zeit der französischen Regie stammt, so Friedrich der Große cinführte. Bei uns liegt alles auf dem Boden, — und wo ist die große Bevölkerung und der große Wohlstand? Die Mark Brandenburg hat 750 Quadrat- Meilen. Unsere rheinische Mark (Westfalen, Mittelrhein und Niederrhein) hat 830 Quadratmeilen. Die Mark Brandenburg hat 1 Million 18)000 Seelen und unsere rheinische Mark hat 2 Million 850000 Seelen. Bei Ihnen wohnen also auf der Quadratmeile 1565 Seelen; — (da Sie Berlin mit seinen 170000 Einwohnern haben) und bei uns 3)00—(da wir im Münsterlande auch große Haiden besitzen.) Sie bringen jährlich 5 Millionen ausi Wir sehr nahe 5 und eine halbe Million. Bei Ihnen bezahlt also jeder Mensch im Durchschnitt 4 Rt. 5 Ggr. Bei uns bezahlt er noch keine 2 Rthlr Dieser geringe Steuersatz rührt von unserm armen Fabrickvolke her, das auch sagen kann nss num- niorus sunrus — und von dem an Steuern und Abgaben wenig bcizubriugen ist. Allein bei allen dem glaube ich: daß wenn das Kataster die ganz Handl. u. Gewerbe. ( 2) ) .;ol - genaue Statisrick beider Provinzen entwickelte, sich finden würde, daß bei Ihnen die Steuern höher gespannt find, als bei uns.— Bei uns find sie nicht drückend durch ihre Höhe, sondern blos durch ihre ungleiche Vertheilung. *) Bei Ihnen liegen die Steuern ganz anders wie bei uns. — Sie werden in der Mark Brandenburg nur etwa 800,000 Thlr. Grundsteuer aufbringen, und 250,000 Thlr. Gcwcrbsteuer. Dagegen aber sehr nahe an 4 Millionen Akzise und Landkonsumtionsstcuern. Unsere Rheinische Mark hingegen bringt etwa 225000 Thlr. an Gewerbstcucr auf. Ferner ebenfalls 225000 Thlr. an Konsumtionssteucr, und sehr nahe 5 Millionen Grundsteuern. Unsere Einrichtung halte ich für vortheilhaf- tcr. Zuerst kosten uns die 5 Millionen Grundsteuer nur 300,000 Thlr. Hebungskosten, da diese nur 6 pCt. betragen. Ihre 4 Millionen Konsumtionssteuer thun aber wohl 800,000 Thlr. Erhebungskosten, denn unter 20 pCt. werden Sie sie wohl nicht haben. -) Diese ungleiche Vertheilung ist eine Wohlthat fürs Land, wenn man eine Regierung hat, die geneigt, so viel an Abgaben zu nehmen, als sie erhalten kann- Denn die ungleiche Vertheilung setzt ihr eine Grenze, die sie nicht zu überspringen vermag. — Hat aber das Land das Glück, eine strenge gerechte Regierung zu haben, die gegen alle Staatsbürger auf dieselbe Weise gerecht seyn will — dann ist die ungleiche Vertheilung ein Fluch. 365 Zweitens hemmt unsere Grundsteuer die Gewerbe nicht, da wir keine indirekte Abgaben haben, so kann jeder kaufen, verkaufen, transporti- ren, laden und abladen, so wie es ihm genehm und gelegen, ohne daß er durch irgend eine Abgabe oder Kontrolle hierin beschrankt ist. Der Verlust, den die Gewerbe durch die beständige Kontrolle erleiden- ist sicher viel größer- als die 20 pCt. Hebungskosten bei den Konsumtionssteu- irn. Während der eine darüber nachdenkt, wie er die Steuer umgehen will — und der andre, wie er jenen beobachten und fangen will, könnten beide etwas Nützlicheres thun. Hiezu köinmt, daß bei uns die Städte, obgleich sie keine Konsumtionsstsuern Wahlen, doch nicht mehr zu den privilegirtcn Ständen gehören, so wie früher. — Sie zahlen von ihrem unbeweglichen Eigenthum die Grundsteuer, wie das Land- und bei ihnen wird der Pachtprcis ebenfalls als die Rente angesehen, so das Eigcnthum trägt, und die der Staat besteuert. Ein Haüs, das 1200 Thlr. Miethe trägt- wird mit einer- freien Rente von 900 Thlr. eingesetzt. Es wird nämlich ein Achtel für Reparatur abgezogen, und ein Achtel für allmähliges Verschwinden der Häuser. — Von diesen 900 Thalern bezahlt es nun 100 Thlr. in der Grundsteuer, gerade wie ein Bauernhof, der 900 Thlr. Pacht trägt. Eine Stadt, wie Kölln, bringt allein 36,000 Thlr. Grundsteuer auf, und eine, wie Berlin- in welcher jedes Haus auf der Bähreustraße und unter den Linden in seinem Mietverträge einem großen Ackerhofe gleich zu stellen ist, bringt ungemein viel auf, da auf einer solchen Straße gleichsam Ackerhof an Ackerhof liegt. Man findet bei der Verfertigung des Katasters, daß der Boden nirgend mehr aufbringt, als da, wo er mit Häusern bebaut ist, und eine Quadratmeilc Hauser giebt noch einen ganz andern und höher» Ertrag als eine Quadratmeilc Gartenland. H H * Es ist aber auch noch ein anderer Grund da, die Gewerbe in ihrem raschen Betriebe nicht durch lästige Kontrolle zu stören. — Seit alle Zünfte, Innungen, Schauämtcr und Stapel aufgehört, und die Gewerbe einer völligen Freiheit hingegeben sind, macht sich in ihnen alles durch Wetteifer. Die Konkurrenz ist die Gelegenheit, und jedes Gewerbe sucht sich die günstigsten Umstände, unter denen es bestehen kann. Dieser Umstand macht, daß sich alle Gewerbe von der Stadt aufs Land ziehen werden, weil hier immer wohlfeiler zu leben ist. Die Lcinwandweberei ist schon seit lange aus den Städten entwichen. Ihr ist die Seidenweberei und die Kattunweberei gefolgt, und alle andere Gewerbe folgen ebenfalls. In zehn Jahren ist keine einzige Braniitcwein- brennerei mehr in den Städten, wenn diese sie 367 nicht auf eine künstliche Weise durch ihre Akzise erhalten. — Der Bauer pflanzt die Kartoffeln selber, — rechnet sich die Viehmästung hoch an (wieder wegen des Düngers,) und findet, daß er den Branntewein für die Halste des Preises geben kann, für den ihn der Städter giebt. Und so ist es mit allen Gewerben. Die Ursache, warum die Menschen zuerst in die Städte zusammen gezogen, fällt jetzt gänzlich weg. — Dieses war die gemeinschaftliche Sicherheit, und seit dem Landfrieden ist diese auf dem kleinsten Dorfe eben so groß wie in der größten Stadt. >— Sind aber die Gewerbe einmal aufs Land zerstreut, so muß man auf den größten Thcil der Konsumtionssteuern Verzicht thun, auf alle, welche sich nur bei Mauern und Thoren empfangen und kontrolliren lassen. Diejenige Staatsgesellschaft, die sich in ihrem Innern die größte Gelenkigkeit erhält, wird aber immer den größten Einfluß auf die Andern üben- * Ä- H Sie sagen, mit Beziehung auf die bisherigen steuerfreien Güter: »Für eine legitime Regierung liegt ihr großes Kriterium in der Einführung der Steuer auf den bis jetzt steuerfreien Gütern' Sie darf nie von dem Pfade des Rechts abwei- chcn, und mit dem Rechte verträgt es sich nicht, durch Gleichsetznng mit den Steuerpflichtigen — 308 ihnen einen Thcil ihres Vermögens zu entziehen. In einem früheren Aufsätze habe ich gezeigt, wie cs nnscrn steuerfreien Gütern am Rheine ergangen, und wie die Dinge sich endlich Recht verschafft, und wie ihnen eine Entschädigung weder angcboten, noch geworden. Seit die persönliche Hcerfolge aufgehört, ist jede Steuerfreiheit ein Unrecht gegen den bestehenden Zustand der Gesellschaft. Allein darin haben Sie recht, daß sie sagen: „Die Ausdehnung der Grundsteuer auf das bisher steuerfreie Grundeigenthum, kann nur aus einer ständischen Verfassung hervorgehcn. Denn der Mensch ist mehr geneigt, Opfer als Folge der Umstände und aus freien Stücken als in. Folge eines Befehls zu bringen.« Es ist nicht zu leugnen, daß Ihr Brandenburger darin Recht habt, wenn Ihr behauptet: "Wir sind kein erobertes Land, sondern bei uns beruhet alles auf Verträgen, so unsere Vorfahren mit dem Burggrafen von Nürnberg aus dem erlauchten Hause Zollern geschloffen, als diese die Landeshoheit gegen tMOOOO Dukaten erwarben." Allein Folgendes ist ebenfalls wahr: Alle Verträge, so zwischen den Ständen und der Landeshoheit in deutschen Landen!sind geschlossen worden, beziehen sich immer auf den gegenwärtigen Zustand des Staates und der Gesellschaft, hei- dem sie abgeschlossen wurden. Wären diese 369 Verträge 100 Jahre früher oder 100 Jahre später abgeschlossen, so wären sie anders abgeschlossen worden, weil dann ein anderer Zustand des Staats und der Gesellschaft statt fand. Hieraus folgt: daß diese Verträge nur dann jung und bei der Gegenwart bleiben, wenn sie so abgeschlossen sind, daß sic mit der fortschreitenden Gesellschaft ebenfalls fortschrciten. — Thttn sie dieses nicht, so kommen sie endlich außer der Zeit zu stehen, und cs tritt dann der Fall ein, dessen Goethe im Faust gedenkt, wenn er vom lus redet: Es erheben sich Gesetz und Rechte Wie eine ewige Krankheit fort. Sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte, Und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohkthat Plage; Weh dir, daß du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, Von dem ist, leider, Nie die Frage. Ich glaube, daß sich aus diesem Gesichtspunkte die vielen und sich zum Theil widersprechenden Klagen über Verletzung der Verfassung und der Verträge wohl erklären und bcurtheilen lassen. — Der Fehler hat offenbar mehr in den Dingen, als in den Menschen gelegen. Gleich von Anfang an waren diese Verträge in sich fehlerhaft abgeschlossen, weil man keine Einrichtung getroffen, daß sie der Gesellschaft folgen konnten. Daß England seine Verfassung so lange bey 370 der Gegenwart erhalten, das rührt daher, daß cs in ihr das bewegliche Element der Parla- mentswahlen hat, wodurch die Vertretung immer jung bleibt. Und doch sind diese Wahlen auch schon zum Theil im Laufe der Zeit sehr sebler- haft geworden, indem seine UottinAdourglls vertreten werden, und seine blühende Fabrickstädte nicht. Es hat mir immer geschienen, daß an dem Brechen der Vertrage, dessen die aufstrebende Landeshoheit so oft bezüchtigt wird, diese weniger Schuld gewesen, als die alles ändernde Zeit. Es war für den Staat unmöglich, in den alten Formen fortzuleben, wenn er nicht zu Grunde gehen wollte. Daß man jetzt nun neue Formen verabredet, die auf den gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft und des Staats passen — so wie die vor llOO Jahren verabredeten, auf den damaligen Zustand der Gesellschaft paßten; — hierin sehe ich nichts Schwieriges, auch nichts, was gegen die Würde des Staatsoberhauptes ist. Denn insofern wir eine Art von politischer Mündigkeit erworben, und die StaatScinrichtung kennen und verstehen, so wir wünschen, so wissen wir auch, welche Rechte der Krone -welche Befugnisse den Ständen, und welche Freiheiten dem Volke zukommcn, und es kann so wenig die Rede davon seyn, diese in irgend einer Weise schmälern, noch in irgend einer Weise sie über ihre natürliche Gränzen ausdeh- ncn zu wollen.— Denn wenn das eine oder das andere geschähe, so würde die Staatsverfassung schon den Keim des Verderbens und der Zerstörung in sich tragen. Os mlnnridus xrincipes äs rrmjoribus omnss, sagt Tacitus, sey es bei den Deutschen gewesen, und da die Luft damals eben so wohl 2l pCt. Sauerstoff enthalten, wie jetzt, so scheint nichts vorgefallen zu seyn, wodurch cs nothwen- dig geworden, daß eine Verfassung vktrohirt werde. Dieses würde voraussetzen, daß die Stände weniger Kenntnisse vom Verfaffungswescn hätten, oder weniger guten Willen, als man billiger Weise bei ihnen voraussetzen darf. Bei einer Rcichsvcrsammlung, bei der die ganze Nation vertreten wird, ist es unmöglich, auf eigennützige und schlechte Grundsätze zu kommen. Nur gerechte können sich die Mehrheit erwerben. Dieses folgt schon aus der mechanischen Zusammensetzung der Ständcgesellschaft. Es ist unmöglich, daß eine und dieselbe Ungerechtigkeit allen Deputierten genehm sey von Memel bis Trier. Die sittlichen Eigenschaften der Deputierten braucht man nicht einmal mit in Anschlag zu bringen, obgleich es schon an sich nicht wahrscheinlich ist, daß das Volk, von Memel bis Trier, gerade die Schlechtesten wähle. Eine Ungerechtigkeit, wie z. V. die Befreiungen von Abgaben für gewisse Stände der Gesellschaft, setzt der klügste Minister nicht durch. Er wird immer die Mehrheit gegen sich haben, — Bei uns würde diese schon über drei Viertel betragen, da in der Hälfte der Monarchie, in Schlesien und am Rhein, der Adel nicht steuerfrei sist, und da die ganze Monarchie sich gegen die Steuerfreiheit des Adels erklären würde». Auf einem Reichstage ist kein anderes Princip durchzusetzen, als das von Tell: ^Jedermann wird besteuert nach Vermögen'» — Den einzigen Grund, den die Minister haben könnten, dem Könige vorzuschlagen, die Entscheidung früher zu geben und ganz im Sinne der agrarischen Gesetze von 1810 wäre der: daß sie den Schock der Parteien vermeiden wollten, wenn sic auf einen großen Widerstand von Seiten des Adels rechneten, und wenn sie glaubten, daß die Parteien nahe einander gleich wären. Allein bei der großen Stimmenmehrheit, deren sie sicher sind, können sie die Entscheidung auf den Reichstag bringen, ohne daß sie eine heftige Gegenwehr zu besorgen haben. Bei uns am Rhein giebt die Quadratmeile 6000 Thaler Grundsteuer. Bei Ihnen, in der Mark Brandenburg, giebt sic nur 1000 Thaler, allein 5000 Thlr. Konsnmtionssteuer. Hieraus folgt, daß bei Ihnen die Grundsteuer entweder sehr niedrig ist, oder daß fast die ganze Mark aus steuerfreien Gütern besteht. — Die Einführung der Grundsteuer -statt der Konsumtionssteuer 37Z — scheint daher nicht so sehr rin Hindcrniß in den steuerfreien Gütern zu finden, (weil ohnehin säst gar keine Grundsteuer bezahlt wird) als in der allgemeinen Schwierigkeit, die cs hat, das Steuersystem einer Provinz zu ändern, wenn solches lange bestanden hat. Bg. Die neuen preußischen Zollgesetze. x^chon im Jahre 1816 hatte Graf von Bülow, der damalige Finanzminister, einen ganz neuen Fiuanzplan für die preußische Monarchie entworfen, der für alle Provinzen auf gleichförmigen Grundsätzen beruhte. Er gründete sich hauptsächlich auf Verbrauchssteuern, welche früher in den mittleren Provinzen der Monarchie bekanntlich durch die Franzosen sind eingeführt worden, die Friedrich der Große aus Frankreich kommen ließ, wo da-, mals das Regiewescn auf seinem höchsten Flor war. Dieser Plan fand vielen Widerspruch, als er im Jahre 1817 dem Staatsrathe vorgelegt wurde. Man besorgte, daß er in den westlichen Provin- zen, wo man an diese Steuern nicht gewöhnt ist, manchen Widerstand erfahren würde. Diese Lander sind mehr dem physiokratischen Systeme ergeben, und der Meinung: daß es für die Gesellschaft besser sey, wenn sie dasjenige, was sie zur Erhaltung der gesellschaftlichen Zwecke unter sich aufbringen müsse, nicht durch indirekte Steuern aufbringe, sondern durch direkte; denn diese hatten die kleinsten Erhebungskosten ( 6 pCt., wo jene 16 bis 20 haben,) die wenigsten Angestellten, *) und gar keine Kontrolle und keine Verationen der Unterbeamtcn, die bei den indirekten Steuern nie zu vermeiden sind, selbst nicht beim besten Willen der oberen Behörden. Als in Frankreich das Regiewesen seinen höchsten Flor erreicht und in der Revolution mit dem Ministen» und mit dem regierenden Hause siel, so schaffte das Volk alle indirekte Abgaben ab, und der Konvent errichtete statt ihrer eine Grundsteuer von 240 Millionen. Gegen diese Grundsteuer kamen keine Klagen, ' aber wohl gegen ihre Vertheilung, die äußerst unvollkommen war, da die frühem Minister nie dafür gesorgt, daß sie eine genaue Kenntmß von dem Lande erhalten, was sic regierten, und sie wußten gar nicht, wie viel Morgen Ackerland, H So hat Frankreich über 26000 Zollbeamten und i8o» Gensd'arnien. 375 Wiesen, Wald und Weinberge in jeder Provinz zu finden, noch was sie cinbrächten. Was die Minister sündigen, das müssen die Völker büßen, nnd der klassischen Unwissenheit der damaligen Französischen Minister über die Statistik des Landes hat es Frankreich zu verdanken, daß es seine hohen und seine lästigen Verbrauchssteuern wieder bekommen« Denn die Klagen gegen die Vertheilung der Grundsteuer waren so allgemein/ daß die Regierung sich genö- thigt sah, nach und nach 68 Millionen nachzn- lassen, und sie auf 172 Millionen herabzusetzen, um die am meisten überbürdeten Departements zu erleichtern. Bei allem dem bezahlt aber jetzt noch das eine Departement das Doppelte von dem, was das andere bezahlt, und diese Ungerechtigkeit kann nicht eher verschwinden, bis das Kataster vollendet ist, da man noch keine hinreichende statistische Data hat, nach welchen man naherungsweise die Steuerkräfte jedes Departements erkannt hätte, und so den schreienden Ungerechtigkeiten der Vertheilung abhelfen könne. --) *) Die Ungerechtigkeiten der Vertheilung gehen durch alle Stufen derselben. So wie ein Departement das Dop» pelce von Sem bezahlen MUß, was das andre bezahlt, und zwar bei gleichen Sreuerkraften, so muß ein Kanton Las Doppelte von dem bezahlen, was der andre bezahlt, wenn beide auch in demselben Departement liegen. Eben so muß eine Gemeine Las Doppelte von dem bezahlen, was eine andere bezahlt, wenn beide auch in demselben Kanton 376 Der Grundsatz des National-Konvents, daß die Grundsteuer eine Gewerbesteuer ist, so vom Gewerbe des Ackerbaues gegeben wird, ist richtig. Ebenfalls der: daß sie, wie jede Gewerbesteuer, den Preis des Fabrikats erhöht, und daß sie daher vom Gcwerbtrcibcudeu nur vorgeschofscn, und vom Ankäufer entrichtet wird- da dieser das Fabrikat um so viel theurcr bezahlen mnß. I-'a^riontture, — c'sst aussi uns naanusa» imre, sagte Mirabcau einmal mit donnernder Beredsamkeit im Nalionalkonvcnte; — und je mehr der Ackerbau dieses ist, desto höher ist sein Ertrag in Produkten^ Daß cs möglich ist, daß die Ackerbau treibenden Burger eine lange Reihe von Jahren hinliegen. In der Geschichte des Katasters, so jetzt bei Weber in Bonn erschienen, sind eine Menge solcher Beispiele angeführt, wo alle Ungerechtigkeiten in der Seeuerverthei, lung ihren letzten Grund in dem Mangel von statistischen Kenntnissen haben. Von vielen Beispielen sehen hier nur ein Paar angeführt. Der Kanton Düren hat 99600 Franken zu kätastric, ren gekostet. Er bezahlte jährlich 3 oZoo Fr. zu viel. In drei Jahren hatte er die Kosten wieder heraus, die daS Kataster veranlaßt; allein die 600000 Fr-, die er wegen Unkunde über die statistischen Verhältnisse zu viel bezahlt, gab ihm niemand wieder. 377 — durch das Doppelte an Silber für ihre Fabrikate auf dem Markte fordern und erhalten können, das unterliegt keinem Zweifel und läßt sich durch Zahlen beweisen. * *) Der Kanton LecheNich bezahlte 2Z000 Franken zu viel. Sein Kataster hat 64000 Franken gekostet. In weniger als 3 Jahren hatte er diese Kosten wieder gewon» nen; allein die 460000 Franken, die die Eingesessenen zu oiel bezahlt, waren weg. Der Kanton Elsenstand 24000 Franken zu hoch. Er hat nahe 5oooo Franken zu karastrire» gekostet. In un< gefähr 2 Jahren hatten die Einwohner die Kosten ihres Katasters gewonnen; allein die 480000 Franken, die sie zu viel bezahlt, waren verloren- Bei der jetzigen Einrichtung der Gesellschaft, wo die ganze Staatseinrichtung auf Geldwirthschaft beruht, da alles sich in Geld ausgleicht, bezahle die Gesellschaft nichts so theuer, als die Unkunde der statistischen Verhake- nisse. Die eben angeführte Kantone liegen alle im ehemali, gen Roer - Departements, in welchem jetzt das Kataster Sie großen Fehler der Vertheilung aufgedeckt hat. *) Auf dem Markte in Roermonde war der Preis des Roggens in den 5s Jahren von i685 bis 1784 im Durchschnitt 8 Golden 5 Stüber das Roermonder Malter. — In den 5o Jahren von 1755 bis 1784 war er 8 Golden -8 Stüber. Das Verhältniß in dem Preise zwischen Korn und Silber war also in dem ganzen Jahrhundert sehr nahe dasselbe geblieben. In den 33 Jahren von 1786 bis 1817 hingegen hat sich dieses Verhältniß ganz geändert, und der Mittelprers 378 Jede neue, Abgabe, sie bestehe in Steuern, oder in Erhöhung des Gesindelohns, oder der Sattler- und Schmiedearbeit, erhöht gleich die mittleren Fruchtpreise, sobald sie alle Ackerbautreibende auf gleiche Weise trifft, und wenn sie sie in einer stetigen Folge von Jahren trifft. — Jede neue Grundsteuer wirkt daher wie eine Verbrauchssteuer, die die ganze Nation trifft, weil die ganze Nation Brod und Gemüse und Fleisch ißt; und ist sie, wie in Frankreick, zugleich eine Gebaudesteuer, so trifft sie die Nation zwcimahl und wieder ganz gleichförmig, weil die ganze Nation in Hausern wohnt, und außer dem Petersberge bei Mastricht, wenig Trogloditten zu finden sind. Wenn eine Nation sich diese Verbrauchssteuer auflegt, so hat sie dabei den Vortheil, daß sie sie mit Hülfe des Katasters gleichförmig auf alle Gemeinen und Kreise vertheilcn kann. — Ferner: daß dieser Steuer nichts kann entzogen werden, und daß die Erhebung ohne alle Verationen und ist 19 Golden 3 Stüber gewesen; der Bauer fodert und erhält also mehr als das Doppelte an Silber für dieselbe Quantität Getreide. H Wie groll das Kapital ist, so in Gebäuden angelegt worden, das sieht man an den Brandkasscn. Nach der Angabe des Ministers sind im Königreich Baiern 700000 Gebäude für einen Eapitalwerth von 270 Will. Gulden versichert. Kontrolle ist, und daß sie nur ein Drittel von dem kostet, was die andern Verbrauchssteuern an Hebegcbühren kostest. Eiste Folge neuer Grundsteuern ist gewöhstlich die, daß eine Menge Gutsbesitzer zu Grunde gehen, nämlich alle die, welche mit ihrer Ackerwirthschaft so fortdöseln, ohne sich recht viel um sie zu bekümmern, und die ohne Anstrengung und Sparsamkeit so in den Tag fortlebe". — Diesen folgt dann eist thätigeres Geschlecht im Besitz, ustd indem der alte Edelmann verschwindet^ der französisch gelernt und einen Hofmeister und einen Rentmeister und eine Gouvernante hat, so kommt der Bauer an seine Stelle und wird wieder Barö und Herr des Bodests.*) Man berechnete im vorigen Jahre, daß in den neun westlichen Regierungsbezirken, bei einer Bevölkerung von 2 Mill. 800,000 Menschen, 56 Mill. Thaler in der Brodkonsumtion rund gegan- I ^n. , ! Alle Geschäfte, so auf den Leipziger Messen ; in Waarenhandel gemacht werden, sollen jährlich H nur 18 Millionen Berl. Thaler betragen, h Jede Verbrauchssteuer, die die Korn - Kon- 8 sumtion trifft, triffi daher ein viel größeres Ka- z pital, als die, welche Fabrikate und ändere Ge- *) In unser». Kreist Kempen sind von Sr landtagsfähigen Rittersitzen bereits 48 in den Händen des Bauern. Diese haben nie Steuer» Reste. -Handt, u. Gewerbe- ( 25 ) — ,;8n — genständc des Handels trifft, da drei Viertel des ganzen Rcichthums eines Volks in seinem Ackerboden steckt; und dieses ist ein Verhältniß, was, wie Colgnchoun gezeigt, selbst in dem gewerbereichen England statt findet. Die Grundsteuer ist daher unter allen Verbrauchssteuern die erste und größte. Außer ihr können aber noch andere Verbrauchssteuern statt finden, besonders solche, die den Reichen treffen (der gewöhnlich bei allen Steuern am gelindesten wcgkömim) indem sie auf Gegenstände gelegt werden, die der Arme entbehrt, z. B. auf Wein, auf Kaffe, Zucker u. s. w. Nur müssen diese Steuern immer so niedrig bleiben, daß die Einladung zur Defraude äußerst geringe ist, damit keine lästige Kontrolle noth- wcndig, und kein Heer von Angestellten. Sonst wird die Nation von ihren eigenen Zollknechten immer geplagt und gequält. » H * Ueber alle diese Gegenstände ist schon öfter im Beobachter die Rede gewesen. —- Es schien aber nicht überflüssig, sie noch einmal ins Gedächtnis! zurück zu rufen, da jetzt von der Anwendung dieser Grundsätze die Rede ist. !l> » « 381 Der Finanzplan des Grafen von Bülow fand in der Fiuauzkommission, so sich unter dem Vorsitze des Ministers v. Humbold im Staats- rathe gebildet, Widerstand, und er wurde zurückgenommen. Bald nachher trat ein Miuisterwcck- sel ein, und Freiherr von Klewitz wurde Finanzminister. — Graf von Bülow wurde Minister des Handels und der Gewerbe^ Indeß war es schwer, an die Stelle des Finanzplans des Grafen von Bülow einen andern zu stellen, der besser und ausführbarer gewesen. Die Schwierigkeit lag zuerst in einem großeü Mangel an zureichenden statistischen Nackrichten über die Steuerkrafte aller Gemeinen und Provinzen des Reichs. Die Verwaltung war kaum erst geordnet, eine Menge neuer Provinzen waren zum Staate gekommen, und selbst über die alten waren die statistischen Data unvollständig. Die zweite Schwierigkeit lag in der Verschiedenheit der Provinzen, welche bis jetzt nach ganz verschiedenen Steuersystemen waren verwaltet wbrdcn- und die sich auf ein gemeinschaftliches und gleichförmiges Stcuersistem, nur in einem Zeiträume von vielleicht20Jahren bringen lassen, weil den bestehenden Verhältnissen Zeit muß gelassen werden, sich den neuen Steuern zuzubilden. Es ist z. B. unmöglich, in Brandenburg und in Preußen eine allgemeine Grundsteuer in der Art und in der Höhe einzuführeu, wie sie am Rheine rst, wenn man nicht dort denselben Stand der freien Ackerbauern hat, wie am Rheine. Am Rheine, wo der Bauer seinen Ackerhof eben so frei besitzt, wie der Edelmann seinen Rittersitz, ist es nicht merklich, wenn der Edelmann verschwindet, weil gleich ein Bauer vorhanden, der den Nittcrsitz beackert, und seine Steuern entrichtet, und im Kreise Kempen hat es der Ackerbau nicht nach- theilig empfunden, daß von 51 Rittersitzen 48 in die Hände des Bauern gegangen. — Allein dort ist es anders. Alle Güter liegen in dem doppelten Socialkontrakte, der überall entsteht, wo Eroberung gewesen, und der Stand der freien Ackerbauern wird jetzt erst durch die Ablösungen her- vorgerufen, die der König vor 8 Jahren befohlen, indem er den ganzen Gutsverband aufgehoben, in welchem die Hintersaßen mit dem Hauptgute standen, und von diesem, als ihrem Dominio, abhängig waren. Da es daher für den Augenblick noch unmöglich ist, ein ganz gleichförmiges Steuersystem durch die ganze Monarchie einzuführen, so hat man in einzelnen Zweigen desselben angefangen, um es so nach und nach einzuführen, so wie sich 1 ) die statistischen Kenntnisse langsam zusammenfinden, die dabei nothwendig, und wie 2) die innen: Verhältnisse der Provinzen sich den neuen Steuern nachbilden können. Hierauf beziehen sich die Worte des Königs iy der Einleitung zu dem Zollgesetze vom 2Gen 383 Mai, welches jetzt in die Gesetzsammlung aufge-» nommcn worden: "Wir haben bereits durch die Finanzgesetze vom 27. Oktober 1810 *) und 7- September 1811 die Vorzüge einer einfachen Steuerverfassung ans erkannt. Eine gründlich verbesserte Finanzgesetz- gebung kann sich jedoch um so mehr nur allmäh- lig entwickelten, als der Staatsbcdarf niemals dem Zufall preisgegebeu werden darf." "Die bisher erwogenen Verbesserungen des Steuerwesens beruhen auf besonderen Verhältnissen des Inneren, und unterliegen noch der näheren Prüfung. Allgemein und klar zeigt sich aber schon jetzt das Bcdürfniß, die Beschränkung des freien Verkehrs, zwischen den verschiedenen Provinzen des Staates selbst aufzuhebcn, die Zolllinien überall auf die gegenwärtigen Grenzen der Monarchie vorzurücken, auch durch eine angemessene Besteuerung des äußeren Handels und des Verbrauchs fremder Maaren, die inländischen: Gewerbe zu schütze», und dem Staate das Einkommen zu sichern, welches Handel und LuruS ohne Erschwerung des Verkehrs gewähren können." "Wir haben alle sich hierauf beziehenden und zu Unserer Kenntniß gekommene Verhältnisse sorgfältig prüfen lassen, und verordnen, nachdem wir *) In diesem Gesetz hob der König die Steuerfreiheit der Adels in der ganzen Monarchie auf. — 38, darüber das Gutachten unseres Staatsratheö vernommen haben, deshalb nunmehr wie folgt: 1) Alle fremde Erzeugnisse der Natur und Kunst können im -'ganzen Umfange des Staates eingcbracht, verbraucht und durchgeführt werden. 2) Allen inländischen Erzeugnissen der Natur und Kunst wird die Ausfuhr gestattet. 3) Ausnahmen hievon sind zulässig aus polizeilichen Rücksichten und auf bestimmte Zeit. 4) Der Verkehr mit Salz und Spielkarten ist besonderen Verordnungen unterworfen. 5) Gegenseitige Handelsfreiheit soll bei den Verhandlungen mit anderen Staaten zum Grunde liegen. 6) Bei der Einfuhr fremder Maaren wird ein Zoll erhoben, der für den preußischen Zentner einen halben Thaler beträgt. Die Maaren, welche zollfrei eingehen, oder einen geringeren oder höheren Zoll tragen, zeigt der Tarif (die Erhebungsrolle.) 7) Bei der Ausfuhr sind die Maaren zollfrei. Diejenigen, welche cs nicht sind, zeigt der Tarif. 8) Außer dem Einfuhrzoll soll von mehreren Maaren des Auslandes, wenn sie im Lande bleiben, eine Verbrauchssteuer bezahlt werden. Diese Verbrauchssteuer soll bei Fabrik- und Manufaktnrwaaren des Auslandes, Zehn vom Hundert des Werths betragen. Sie soll geringer 385 eyn, wo es unbeschadet der inländischen Gewerbe sch ehe n kann. Die Maaren, so der Verbrauchssteuer unterworfen sind, bezeichnet der Tarif. 9) Die Erhebung dieser Gefälle geschieht entweder nach dem Maaß oder dem Gewichte, oder nach Stückzahl. 10) Außer den Gefällen -sind die im Tarif angegebenen Zettel- und Siegelgelder zu entrichten, wenn die Maaren mit Gcleitscheinen versehen werden. 11) Nach dicsenGrundsätzcn sind zweierlei Tarife festgestellt. Einer für die sieben östlichen Provinzen (Preußen, Westpreußen, Brandenburg,Pommern, Schlesien, Posen und Sachsen,) und einer für die drei westlichen^ (Westfalen, Jülich, Kleve, Berg und Niederrhcin.) Außerdem ist eine Zoll-und Verbranchssteuer- Ordnung erlassen und gegenwärtigem Gesetze beigefügt, welche die Formen zur Sicherung der Einnahme vorscbreibt, und die Strafen bestimmt, die auf Uebertretung dieser Formen stehen. 12) Von Gegenständen, so bloß durchgcführt werden, wird bloß der Ein-und Ausfuhrzoll nach dem Tarif entrichtet. 13) Gegenstände der Durchfuhr können innerhalb des Landes unter der geordneten Aufsicht umgcladen und gelagert werden, ohne eine Verbrauchssteuer zu bezahlen^ 1-1) In den östlichen Provinzen sollen alle Maaren, so links der Oder cingchen und links der Oder ausgeführt werden, nur einen halben Thaler Durchfuhrzoll auf den Zentner bezahlen, auch wenn sie im Tarif höher angesetzt sind. Dasselbe gilt für die Waarcn, so durch die Odermündungen eingehen und links der Oder ausgeführt werden. 15) Besondere Verordnungen werden angeben, wo, wegen Berücksichtigung der Ocrtlicbkeit, eine Ermäßigung der Durchgangszölle statt fiichet. 16) Der Verkehr im Innern soll frei seyn, und keine Beschränkung desselben zwischen den verschiedenen Provinzen des Staats statt finden. 17) Alle Binnenzölle fallen weg, von dem Tage an, wo das Gesetz in Kraft tritt. 18) Eben so fallen alle Verbrauchsabgaben weg. 19) Gehörten jene, wie diese, an Gemeinen oder an Privaten, und sind sie durch lästige Er- werbmittcl erworben worden, so wird ein Ersatz gegeben, der nach dem Durchschnitts-Ertrage der drei letzten Jahre berechnet wird. 20) Die Elb- und Weserzölle, die Rhein-Ok- iroigefälle und alle andere Erhebungen, welche zur Erhaltung der Stromschiffahrt und Flößerei, der Kanäle, Schleusen, Brücken, Fähren, Häfen, Leuchtthürme, Krahnen u. s. w. bestimmt sind, bleiben, so wie bisher. 21) So lange eine Gleichstellung der Steuer von fremden Weinen in den östlichen und westli- 387 chen Provinzen unmöglich, so bezahlt der in den westlichen Provinzen gewonnene Wein bei seiner Einfuhr in die östlichen zwei und einen halben Thalex Nachschußsteuer vom Eimer. 22) Fremde Maaren und Produkte, die in den westlichen Provinzen den Eingangszoll be- zahlt, werden in den östlichen als inländische angesehen. Eben so, wenn sie aus den östlichen in die westlichen kommen. Dasselbe gilt auch von der Verbrauchssteuer, die auch nur einmal im ganzen Umfange des Staats entrichtet wird. 23) Der Durchfuhrzoll wird ebenfalls nur einmal entrichtet, auch wenn die Maaren durch beide Landestheile gehen. Sie bezahlen Ein- und Ausfuhrzoll in der Provinz, so sic zuerst berühren und verlassen. 24) Abgesondert gelegene oder auch vorsprin- gende Landestheile können von der Entricktnng des Zolls, so wie der Verbrauchssteuer, ausgeschlossen werden, und besondere, sich auf ihre Oertlichkeit beziehende Verfassungen erhalten. 25) Abänderungen des Tarifs können mir nach den in diesem Gesetze ausgestellten Grundsätzen erfolgen. Die Tarifsätze werden alle drei Jahre nach den veränderten Waarenpreisen berichtigt, und der Tarif dann wieder aufs neue vollzogen. 26) Erläuterungen des Tarifs, welche von Einfluß auf die Steuerpflichtigen sind, werden 388 jährlich nur einmal ausgesprochen und jedesmal 2 Monate vor dem 1. Januar, mit dem sie in Kraft treten. 27) Keine Art Befreiung von diesen Abgaben findet statt. 28) Bei der Auslegung dieses Gesetzes und seinen Beilagen soll nirgend auf ältere Zoll- und Steuergesetze zurück gegangen werden. 29) Die Anordnungen dieses Gesetzes treten in den drei westlichen Provinzen am Tage der Bekanntmachung in Kraft. In den sieben östlichen Provinzen wird dieser Tag durch eine Bekanntmachung des Staatsministeriums naher bestimmt.« H * * Was nun die Form dieses Zollgesetzes betrifft, so ist zuerst an dieser zu loben, daß cs in klaren und kurzen Sätzen gestellt, so daß jedermann begreift, was es will, und ohne alle gelehrte Eregcse. — Seit Errichtung des Staatsrathes hat unsere Gesetzspracke bedeutende Fortschritt« gemacht, und sie nähert sich schon sehr der klaren runden und bestimmten Gesetzsprache, so sich seit der Revolution in Frankreich gebildet hat. Wie viel vollkommncr ist in diesem Steuergesetze nicht schon die Sprache als in den älteren? Welch ein Unterschied zwischen diesem und dem Gesetz über die neue Organisation der Negierungen, so der König den 26. Dcccmber 1808 Unterzeichnete? *) Jndeß lassen sich auch beim Stencrgesctze in Hinsicht des Stiels noch einige Bemerkungen machen. Zuerst hatte es noch kürzer gesagt seyn können, und jene Darstellung, die ich so eben gegeben, hat nur 3 Worte wo das Zollgesetz 5 Worte hat, und ist also um kürzer. Und doch ist kein einziger Sinn und kein einziger Gedanke ausgelassen, der im Zollgesetze enthalten. Zweitens findet sich ein paarmal der Ausdruck in der Regel in ihm. Dieser ist Berlinerisch und fehlerhaft, denn er kann in einem Gesetze nicht so viel heißen: daß die Sache wohl so seyn kann oder auch anders, weil ein Gesetz immer scharf und bestimmt ist. Sagt man aber: in der Regel, und laßt die Ausnahmen gleich drauf folgen, so ist der Ausdruck müßig, und steht als leer und überflüssig da. Ich habe dasselbe gesagt, was das Gesetz sagt, und kürzer und eben so klar und den Ausdruck vermieden. **) » H HL *) Ich habe dieses in den Beilagen zu dein Werke Ueber Provinzial > Verfassung wieder abdrucken lassen, wo man es mit dem gegenwärtigen Steuergesetz vergleichen kann. *') Wenn man so ein Gesetz liest, an dem nun von allen oberen Behörden zwei Jahre gearbeitet worden, und sinder noch solche Unvollkommenheiten in ihm, so fragt man sich: wie solche möglich und woher sie kommen? Und warum der Minister nicht auf den ganz einfachen Einfall komme. — 390 — Was nun den Inhalt des Gesetzes betrifft, so spricht einem gleich von Anfang eine große Milde an, so in ihm enthalten, — und eine gewisse Billigkeit, so sich überall in der preußischen Verwaltung findet. Es liegt nicht das harte und streng Fiskalische in ihm, was im Französischen Vcrwaltungssysteme der indirekten Abgaben lag. Alle Bestimmungen dieses Zollgesetzcs sind immer zu Gunsten des Steuerpflichtigen gemacht, und nicht zu Gunsten des Fiskus. Im Allgemeinen ist ein Zollsatz von einem halben Thaler auf den Zentner (also von noch nicht zwei Pfennigen auf das Pfund) so unmcrk- llich, daß eine Waare deswegen schon nicht ihren gewöhnlichen Weg verläßt, um der Zollstättc zu entgehen, und hiedurch fällt schon der größte Theil der Grcnzbewachung und der Kontrolle weg. Bei einem so niedrigen Zollsätze kann sich neben der Reichsdouane keine Privatdouanc bilden, die noch niedrigere Sätze giebt, — da eine ganze Pferdsladung nur 5 Thaler thut, und die Päckelchensträger es zu diesem Preise nicht her- cinschaffen können. Hiezu kommt noch, daß Kleinigkeiten, die unter 12 Pfund betragen, dem Zolle und der Verbrauchssteuer gar nicht unterworfen sind, und ei selber eigenhändig abzuschreiben und umzuschreiben, ehe rr es dem Könige zur Unterzeichnung verlegt. Denn Ge« neral, Verordnungen sind in eben dem Grade wichtig in dem sie selten sind- 391 also nicht genvthigt, auf der Zollstätte zu erscheinen. Bei denen Maaren so zwar einen höheren Zoll als einen halben Thaler bezahlen, aber doch so, daß der Zoll nebst der Verbrauchssteuer unter ll Thaler für den Zentner bleiben, sind Kleinigkeiten, die im Gewichte bis 3 Pfund betragen, dem Zolle und also auch der Angabe nicht unterworfen. Bei denen Maaren, die über 5 Thaler an Zoll und Verbrauchssteuer zahlen, als Kaffee, Thee, Zucker, Taback, ist eine Quantität von einem Pfunde dem Zolle und der Verbrauchssteuer nicht unterworfen. Eine Folge hievon ist, daß sich um Sen Staat ein schmaler Grenzstreifen bildet, wo die Leute sich diese Maaren gelegentlich jenseits der Grenze für sich und ihre Nachbaren holen, wenn sie gerade jenseits etwas zu thun haben. Der Verlust, den die Zollkassc hiedurch erleidet, ist geringe, weil dieser Streifen, der Natur der Sache nach bei einem Vortheil von 1 Ggr. aufs Pfund Kasft nur schmal seyn kann. Der Dienst der Zölle wird aber durch diese Einrichtung sehr erleichtert, eine große Menge Angestellte werden erspart/ und der schmale Streifen brächte vielleicht nicht so viel auf, als diese größere Menge der Zollbedieute» kostete. — Der größte Borthcil ist aber der, daß hiedurch alles Kleinliche und Veratorische wegfällt, welches.überall ist,, wo mau nicht diese Emrich- 392 turig getroffen, und wo man, um 1 Ggr. Zoll zu bezahlen, für 2 Ggr. Zeit versäumen muß. Kaffe, Thee, Zucker und Taback bezahlen alle in den westlichen Provinzen nur 12 Ggr. Eingangszoll. Für die östlichen Provinzen bezahlt der Kaffe 1 Thlr., Zucker 1 Thlr, 8 Ggr., Thee Und Taback 1 Thlr. 16 Ggr. In der Verbrauchssteuer bezahlt in deN östlichen so wie in den westlichen Provinzen der Kaffe 1 Ggr. auss Pfund, der Zucker 1 Ggr. 9 Pf., und Thee und Taback 2 Ggr, 6 Pf. aufs Pfund. Die Erhebung der Gefalle geschieht ganz in Silbergeld, wenn der Betrag unter 5 Thlr. ist. Ist er über 5 Thlr./ so geschieht sie halb in Silber und halb in Gold/ den Friedrichsd'or zu 5 Thlr, gerechnet. Gegen diese Verfügung läßt sich folgendes einwenden: Der Friedrichsd'or ist keine Münze/ sondern eine Waare, die im Preise sinkt und steigt, je nachdem sie mehr oder weniger gesucht Wird, Bei uns ist das Silber der Münzstoff (msteria cii monskgj wie es in dem trefflichen Neapolitanischen Münzgesetze vom 20. April dieses Jahrs heißt, so in Nro. 660 des Beobachters jNitgetyeilt worden,) Und der Thaler ist die Münze, Da das VtrhältUiß zwischen dem Werth von Gdld und Silber ein veränderliches ist/ so kön- 3Y3 mn nie zwei Metalle zu gleicher Zeit Münze seyu. Das eine, welches die Einheit giebt, ist die Münze, und das andere wird die Waare. — In Berlin ist der Thaler die Einheit und in Bremen der Friedrichsd'or, der immer 5 Thlr. gilt. — In Berlin gilt der Thaler 2ll Ggr. und der Friedrichsd'or 5 Thlr. 10 bis 12 Ggr. Das Verhältnis! zwischen dem Werthe von Gold und Silber hat sich also um 8 bis 10 pCt. geändert. — Dieselbe Waare thut also aus den preußischen Zollstädten einen Zoll, der um bis 5 pCt. höher ist, wenn sie in großen Quantitäten eingesührt wird, und die Hälfte in Gold bezahlen muß, als wen» sie in kleinen Quantitäten eingeführt wird, wo sie den ganzen Zoll in Silber entrichtet. — Da wir indcß die Gründe für diese Bestimmung nicht kennen, so enthalten wir uns jedes Urtheils hierüber, und bemerken nur noch, daß eine solche Bestimmung gegen Zölle cinnimmt, weil es in der Natur des Menschen liegt, daß niemand gern auf die Münze verliert, und 1 Gr. Verlust auf diesen schmerzt die Menschen, mehr, und sie reden mehr darüber, als wenn der Zollsatz 2 Gk- höher ist.