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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Achtes Buch.

Les Wieviel die erste, die Gleichheit nach dem Verhältnisse der Wür-digkeit die zweite Stelle ein. 4. Dies wird offenbar, wenn derAbstand zwischen zwei Personen, sei cs an Tugend oder Schlechtig-keit, an Wohlhabenheit oder irgend einer andern Eigenschaft, sehrgroß wird, denn dann sind sie nicht mehr Freunde, ja sie fordern csauch gar nicht einmal. Am augenfälligsten tritt das bei den Göt-tern hervor, denn diese sind am meisten an allen Gütern denMenschen überlegen, man ficht es aber auch bei den Königen, denndiesen Freund zu sein beansprucht gleichfalls Keiner, der tief unterihnen steht, so wenig als die Nichtsnutzigen und Geringen dieFreundschaft der Besten oder Weisesten beanspruchen.

3. Eine ganz genaue Bestimmung der Gränze, bis zu welchemPunkte Freundschaft unter so Verschiedenen noch Statt habe, ist nunallerdings nicht möglich; denn es gibt Fälle, wo der Eine von Bei-den viel von seinen Vorzügen verliert und dennoch die Freundschaftfortdauert; wird aber der trennende Abstand gar zu groß, wie z. B.der, der den Menschen von Gott trennt, so kann sic nicht mehr be-stehen. 6. Daraus wirft man denn auch im verneinenden Sinnedie Frage auf: ob demnach wohl der Freund dem Freunde den In-begriff alles Höchsten und Besten, z. B. Gott zu sein, wünschenkönne? Denn ein solcher werde ja dann sein Freund nicht mehr sein,und er selbst werde damit ein Gut verlieren, denn der Freund istein Gut.

Ich antworte: wenn es richtig ist, was ich zuvor gesagt habe,

"1 ES gibt keine Freundschaft zwischen Mensch und Gott und auch keinLieben, gell (zu Arist. Eth. VIII, Kap. 2, §. Z.) erschrickt über diesen vonAristoteles in den Nagna lNornlia >1, Kap. I>. mit dürren Worten ausge-sprochenen Satz, und meint, der Philosoph habe sich in der NikomachischenEthik eines Besseren besonnen. Aber das ist, wie diese und andere Stellenlehren (vgl. VIII. Kap. 14, h. s. und IX, Kap. I, h. 71 nicht der Fall. Dennüberall, wo Arist. von einerFreundschaft gegen die Götter" odermit Gott"redet, braucht er den Ausdruck wissentlich nur abussvisch. ' ES ist eine

rlrrk^o^r-", d. h. eine Freundschaft, wo Einer dem Andern völlig über-legen ist, und daher eben keineFreundschaft" im wahren und vollen Sinnedes Worts (s. Luilom. VII, Kap. 10. p. 1242, Z2 Bkk.), so wenig, als dasDerhältniß zwischen Pater und Kind, mit dem Arist. das Berhältniß von Gottund Mensch gleichst-llt.