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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Achtes Buch.

seitig tauschen, sind in geringerem Grade Freunde, und ihre Freund-schaft ist von geringerer Dauer, und endlich die Freundschaft derer,welche bloß um des Nutzens willen Freunde sind, löst sich auf, sobaldder Nutzen aufhört. Denn sie waren überhaupt nicht Freunde Einerdes Andern, sondern nur des Vortheilbringenden.

Um des Vergnügens und um des Nutzens willen können nunallerdings auch Schlechte mit Schlechten und Tugendhafte mitSchlechten, und Menschen, die keines von beiden find^), mit jedemBeliebigen Freunde sein, um ihrer selbst willen aber offen-bar allein nur die Guten ^). Denn die Schlechten habenkeine Freude aneinander, wenn ihnen nicht etwa irgend eine Unter-stützung von einander erwächst.

3. Die Freundschaft der Guten ist ferner auch die einzige,welche durch Verläumdung nicht zerstörbar ist; denn man glaubtnicht so leicht irgend einem Menschen etwas Nachtheiliges überJemand, den man selbst während einer langen Zeit erprobt hat.Unter solchen Freunden herrscht eben auch gegenseitiges Vertrauenund stete Enthaltung von Kränkungen und in Summa Alles, wassonst noch in der wahren Freundschaft gefordert wird. In den an-dern Freundschaften dagegen ist solchen Dingen Thor und Thürgeöffnet. >1. Da nämlich die Menschen sowohl diejenigen, welchenur um des Nutzens willen mit einander Verbindung unterhalten,Freunde" nennen, wie dies auch die Staaten thun derenBündnisse doch immer um des Nutzens willen geschlossen werdenals diejenigen, welche um des Angenehmen willen aneinander Freudehaben, wie die Knaben es thun''), so müssen, denk' ich, auch wirsolche Menschen Freunde nennen, aber auch zugleich mehrere Artender Freundschaft aufstellen, und zwar zu oberst und im eigent-

B DasMittelgut", wie Platon solche Art Menschen nennt.

") Diesen obersten Grundsatz der Aristotelischen Lehre von der Freund,schalt hat sich auch Eicero im Lälius, wie vieles Andere auS Aristoteles, an-geeignet. S. Stahr, Lristotella II, S. ISS 157. Vgl. A. GelliuS,Attische Nächte I, Kap. Z.

5) Dem Mißtrauen, den Verstimmungen durch Beleidigung u. s. f.

6) Wie acht Aristotelisch ist diese Bezugnahme auf die AuSbruckSweise derKinder" und zugleich auf die Sprache der Diplomatie und des StaatSrechtS!