Einige Winke
für die Benutzung der Laugeuscheidtschcn Bibliothek sämt-licher griechischen und römischen Klassiker?
„Wer will haben den Genuß,Soll nit scheuen den Verdruß."
(Altdeutsches Sprichwort.)
1. Reihenfolge der Lektüre: Wie alles, was dem Menschen in Wahr-^ heit frommt, ihm nicht geschenkt wird, — wie namentlich die Güter
> des Geistes von ihm erkämpft und erarbeitet werden müssen, ehe er sich
s ihres Genusses erfreuen kann, — so fordert auch die Lektüre dieser
Bibliothek, besonders für den Anfang, immerhin einige Arbeit und Auf-merksamkeit. Haben auch die Übersetzer iu Hinwegräumung der sichbietenden Schwierigkeiten das Menschenmögliche geleistet, so bleibt dochfür jeden Leser, besonders für den, der gar keine, bz. keine abgeschlosseneGymnasialbildung genossen hat, dieBeachtnng einer gewissenRcihen-folge geboten/ damit er nicht möglicherweise, abgeschreckt werde, undnicht aus Scheu vor einiger Mühe lieber dein Genüsse entsage?
Solche Leser thun am besten, mit Prosaikern, und unter diesenwieder mit Historikern zu beginnen. Letztere lesen sich am leichtesten undflüssigsten, nehmen auch durch den gebotenen Stoff die Aufmerksamkeitnicht allzusehr in Anspruch. Auf diese Weise vermag der Leser sich derihm neuen Form der Darstellung ebenfalls zu widmen und sich soallmählich und deshalb leichter iu den hohen Geist der klassischen Litteratureiuzuleben.
Ohne etwaigen individuellen Wünschen und Geschmacksrichtungenvergreisen zu wollen, stellen wir demnach bezüglich der Reihenfolge über-haupt folgende fünf Gruppen auf. die nach der mehr oder mindergroßen Leichtigkeit des Verständnisses vom Einfachsten bis zum wenigerLeichten anfsteigen. Die Wahl innerhalb dieser Gruppen steht frei; csist also z. B. unter Gruppe II gleichgiltig, ob man zuerst etwa Hcliodo'rliest und dann Tere'nz, oder umgekehrt. ^
1. Ausführlicheres über dieBcnutzung derLangenscheidtschenKlassiker-Biblio-thek ist zu entnehmen dem „Abriß der Geschichte der antiken Litteratur. Milbesonderer Berücksichtigung der tnngenscheidlsche» Bibliothek sinntlichcr griechischen undröm. Mi ssikcr" (40 Pf.), dessen Besitz für jeden Leser dieser Bibliothek von Wichtigkeit.
2. Man denke sich nur beispielsweise einen Neuling in der deutschenLitteratur, der das Studium derselben etwa mit Klopstocks „Oden" und„Messiade" oder Goethes II. Teil des „Faust" einleiten wollte!