Druckschrift 
7 (1893) Vier Bücher über die Teile der Tiere, Naturgeschichte der Tiere
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163

Eilftes Kapitel.

Von den blntführenden Eierlcgern sind einige vierfüßig, anderedagegen fußlos '). Von letztem gibt es nur ein Geschlecht, das derSchlangen. Die Ursache ihrer Maßlosigkeit ist in den Erörterungenüber die Ortsbewegung der Thierc auseinandergesetzt ^). Die übrigenhaben aber eine den vierfüßigen Lebendiggebärenden ähnliche Gestalt.Diese Thicre besitzen aber einen Kopf und die an ihm befindlichen Theileaus denselben Ursachen, wie die übrigen blutführenden Thiere, imMunde auch eine Zunge, mit Ausnahme des Flußkrokodils "); diesesdürste dagegen keine zu haben scheinen, sondern nur den Platz dafür.Die Ursache davon ist die, daß es in gewisser Weise zugleich einLand- und Wasserthier ist; weil cs nun ein Landthier ist, hat es denPlatz für die Zunge, dagegen weil es ein Wasserthier ist, ist eszungenlos. Die Fische scheinen ja, wie früher erörtert wurde, theilskeine zu haben, wenn man sie nicht etwa stark heraufbiegt"'), theilshaben sie eine unentwickelte. Die Ursache davon ist die, daß bei ihnendas Bedürfniß nach einer Zunge gering ist, da sie nicht kauen, janicht einmal schmecken können, sondern bei ihnen allen der Genuß derNahrung im Schlunde entsteht. Die Zunge empfindet nämlich dasFlüssige, der Genuß der festen Nahrungsmittel hingegen entsteht beimHerabsteigen; denn beim Niedcrschlucken empfindet man das Fettige

') Hiemit faßt Arist. seine Amphibie» zusammen.

2) Vgl. Ne an. lnee88. VIII.

'3) Einige Codices lesen offenbar unrichtig «oroxOtA (Eierlegern); eS sindhiemit die Säugcthicre gemeint.

b) Bgl. oben II, 17. und Am». 4 dazu. Das Flußkrokodil ist LrocockiluI vulgarla Luv. , das sogenannte Nilkrokodil, über welches die Alte» durchHerodvt (II, 68 u. 6g) die gcuauesten Nachrichten hatte», aus welche» auchArist. seine Angaben geschöpft zu haben scheint; den Mangel der Zunge (dieKürze derselben bei Arist. oben II, >3.), die (eingebildete) Beweglichkeit desOberkiefers hebt auch Herodot hervor. Die Zunge fehlt indeß dem Krokodilenicht, sie ist nur fast in ihrer ganzen Ausdehnung dem Boden der Mundhöhleangewachseu.

b) Bgl. oben II, >7. Beim Heranfbicgen des Zungenbeins sieht mandas Zungenrudiment.