Angriffe auf Schlösser und Edelsitzc.
333
beabsichtigten Angriffen ans mehrere Großgrundbesitze auftanchtcn. DerAnfang sollte mit Gotschdorf, einer Herrschaft des Grafen Heinrich Arco,gemacht werden nnd das Erciguiß, an sich von minderer Bedeutung, hatvielleicht nur darum so viel von sich reden gemacht weil cs in die Zeitnach der Einnahme Wiens fiel, mit welcher alle größeren Ausschreitungensolcher Art in der nicht-ungarischen Rcichshälftc so ziemlich ein Endehatten. Wie einige wollten wären auch in jener Gegend allerhand Wild-ernd Holzdicbercien vorangcgangen, welche die Gntsobrigkcit nicht ungc-rügt hingehen lassen wollte, was die Erbitterung des Landvolks nursteigerte. Am 1. November fanden bei cinbrechcndcm Dunkel bedenklicheZusammenrottungen vor dem Schlosse statt, denen der Graf mit seinerFamilie das Feld räumen wollte- Kaum war er jedoch mit dem erstenseiner Wägen eine Strecke aus dem Schlosse heraus, als Alarm geschlagenund ein Schuß mit Schrot abgcfcuert wurde, der ihn in die rechte Handund Seite traf. Nicht unbedeutend verwundet stieg er vom Bocke herab,sank ohnmächtig zusammen und wurde in das Schloß zurückgcbracht,dessen unteres-Geschoß bald von der Menge übcrfluthct war. AndernTages mehrte sich durch falsche Gerüchte herbeigclockt die Zahl der Tu-multuanten auf 2000 Köpfe, die das Zimmer worin der blutende Graflag füllten und dessen Familie, den Schloßgcistlichen, die herrschaftlichenBeamten und Diener mit Flüchen nnd Drohungen insultirten, Kofferund Schränke erbrachen, das Branntwcingcwölbe leerten, alle Spciscvor-räthe thcils aufzchrten thcils durch ihre Weiber fortschlcppcn ließen. Schondrohte cs zum ärgsten zu kommen, als Natioualgardeu ans OlbersdorfKarlsthal Hcinzcndorf auf dem Platze erschienen und durch muthigesEinschreiten das Schloß und dessen Bewohner von aller weiteren Gefahr-befreiten. Zwei auf frischer That ertappte Plünderer wurden an Ortund Stelle abgestraft. Um 4 Uhr N. M. hatte sich alles Gesindelverlaufen.
Auf die Nachricht von diesen Vorgängen sandte Wessenberg denStatthalterei-Vicepräsidenten Grafen Lazanskh mit dem PräsidialsccretärFreiherrn von Pittersdorfs von Olmüz ab, die unter Begleitung einer-mobilen Militärcolonnc die vom Aufstande hcimgesuchten Gegenden durch-zogen. Die von Haus aus gutmüthige Bevölkerung kam ihnen überallvertrauensvoll entgegen und bestürmte sic nur mit Klagen über ihregroße Noth, welche die Wirren der Zeit und die Declamationen der de-magogischen Hetzer freilich nicht lindern geholfen hatten. Gegen die