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2 (1870) Revolution und Reaction im Spätjahre 1848
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Zügellosigkeit der Presse.

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zeigen. In Pest wurde der Entwurf einer Vorschrift zur Regelung derPreßvcrhältnisse pnblicirt, in Wien erschien ein provisorisches Prcßgesctz.Allein jetzt erhob sich gewaltiges Geschrei aus den Reihen der Betroffenenund selbst einzelne Schriftsteller von Ruf, denen man bessere Einsichtzutrauen konnte, stimmten in den allgemeinen Lärm.Um Gotteswillcngebt mir meine liebe Ccnsnr wieder!" rief Saphir, als er den ungarischenEntwurf zu Gesicht bekam; und von dem Wiener Provisorium schriebHammcrschmidt:Am 1. April erschien ein Gesetz gegen die Preßfreiheit".Mit der Autorität des letzteren war cs nun ein für allemal vorbei unddie akademische Jugend von Wien that nur, was von der um nicht vielesgeschcidtcrcn Mehrzahl reiferer Leute gebilligt und beklatscht wurde, alssic das neue Gesetz öffentlich verbrannte. Man meinte eben auch dieseArt Freiheit so zu verstehen, daß ihr keine Schranke gesetzt werden dürfe.In der That gab cs nun kaum ein Schutzmittel die frechsten Angriffegegen den ehrlichen Namen und die persönliche Sicherheit Einzelner, gegenalle Grundlagen des Gemeinwohls und der allgemeinen Sitte zu verhüten,und fand sich kaum ein Gericht sie zu ahnden und zu strafen. Wie nacheinem heftigen Gewitter ans dem Boden allerhand garstiges Gcthicr sichhcrausarbeitet, dem es nirgends wohlcr ist als in dem Schmutz der zu-rückgeblieben, so tauchte, nachdem das große politische Unwetter überMittel-Europa dahingefahren, eine Unzahl obscurcr Scribler ans, deneneben so improvisirte Winkelpresscn die Mittel boten ihre unsaubere Waarean das Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Zur Kennzeichnung dieserLeute, deren primitive Muse selbst mit Grammatik und Orthographie aufgespanntem Fuße lebte, mag dienen, daß noch zu Anfang der fünfzigerJahre, also zu einer Zeit wo das Unwesen bei weitem nicht mehr insolchem Maße wucherte wie 1848, der Vcrtheidigcr eines wegen Preß-vcrgchcns angcklagtcn Nedactcnrs als Mildcrungsnmstand dessenMangelan Bildung" vorzubringen wagen konnte. Wenn sich die Journalistikgern für die Führen» der öffentlichen Meinung ausgcben möchte, so warim Jahre 1848 sicher das Gegcntheil davon der Fall. Der Zeitungenund Flugschriften waren vcrhältnißmäßig wenige die sich von dem ernst-lichen Bestreben leiten ließen, sich über dem Schwalle der wirr durchein-ander wogenden Tagesmcinnngcn zu halten, ihrem Leserkreise Anhalts-punkte zu richtigerer Auffassung der anftaucheudcn Fragen zu bieten undihn dadurch im wahrsten und besten Sinne anfzuklären. Die Mehrzahlder Blätter und Blättchen, deren in der heißesten Zeit jeden Tag neue