272 It. 7. Nationale Gleichberechtigung und staatsrechtliche Föderation.
zu; sic versprach bei der neuen Gerichtscinthcilnng darauf zu sehen, daßin wendischen Gegenden sprachkundige Beamte eingestellt würden de. Vons. g. panslavistischen Tendenzen war hierbei überall keine Spur. Wercs einzelnen lansitzer Serben verargen wollte, das sie ein lebhafteresInteresse für die Ereignisse bei den Böhmen, bei den Kroaten an denTag legten, der mußte es in gleichem Grade seinen deutschen Lands-leuten verübeln, die aus ihrer Therlnahme für das Schicksal der sicbcn-bürger Sachsen kein Hehl machten. Auf die Wortführer der preußisch-schlesischen Slaven wurde der Verdacht geworfen, daß sie die Vereinigungihrer Stammesgcnossen mit Mähren und Österrcichisch-Schlesicn anstrcb-tcn; doch gehörte dieß nur in das Gebiet grundloser Verläumdnng.
Auch den österreichischen Nationalen blieben begreiflicherweise Wer-läumdungen ähnlicher Art nicht erspart. Dieselben hat niemand treffen-der widerlegt, als Ban Jclacio, der ritterliche Paladin der Gleichberech-tigungs-Idee. Er hatte letztere von seinem ersten Auftreten mit überzeu-gender Beredsamkeit vertreten; er hatte für sie das Schwert gezogenund sich zur Erhaltung der Monarchie, die nach seiner Auffassung allenihren Völkern in gleichem Maße gerecht sein werde, an die Spitze seinerKroaten gestellt; er ließ auch sonst keine Gelegenheit vorübcrgchen seinengroßösterrcichischen Standpunkt vor aller Welt kund zu thnn. Als ihnam 13. November eine Deputation der in Wien wohnenden Slovencn— Miklosic und I)r. Dolenz darunter — begrüßen kam, lehnte er ihrenDank für sein hochherziges Beginnen freundlich ab: es sei nicht seinVerdienst; er erkenne die Eingebung und das Walten der gött-lichen Vorsehung darin, daß er sich schon von Jugend auf mit dem Ge-danken nationaler Gleichberechtigung beschäftigt habe. „Es wollte mirniemals einlenchten", fuhr er fort, „daß der Stempel des Adels undder Bildung nur einzelnen Stämmen aufgedrückt sein solle; ich konntenicht Ansehen, warum ein Volk unter dem andern stehen, dieses herrschen,jenes gehorsamen solle. Eine solche Einrichtung widerstreitet den ewigenGrundsätzen der Vernunft, denen ich bereit bin Geltung zu verschaffenund wenn es mein Leben kostete. Mit uns Slaven hat man durchlange Jahrhunderte verfahren wie mit Unfreien. Doch der Riese isterwacht. Wohl traut er noch seinen Angen nicht und blickt wie ein ansdem Schlafe erwachtes Kind um sich; allein mit des Himmels Hilfewird sich der göttliche Funke in ihm entzünden und nicht wieder erlöschen.Die Slaven bilden die Grundlage und den Eckstein der österreichischen