122 I. 13. Wachsende Macht der reagirendcn Bevölkerung in Frankreich.
träumten von ihm als einem zweiten Monk, der der rückkehrenden Mon-archie den Weg bahnen werde. Die „Rne de Poitiers", die anfangsgar keinen Candidaten anfstellen mochte, bequcmte sich allmälig dazu, den„Prinzen" — so hieß er schon allgemein — anzncrkennen. Die Burg-grafen der Kammer, wie Thiers, Odilon - Barrot gaben schon EndeOctober allen die sich an sie wandten den Rath, Louis Napoleon zuwählen, „da seine Erwählung im gegenwärtigen Augenblicke die einzigeAussicht bietet, das Land von dem vierjährigen Regiment jener unfähigenCoteric zu erretten, die seit Februar die Herrschaft über dasselbe mono-polisirt hat." Broglie, Pasguicr u. a. waren derselben Ansicht. Wennihnen ein Bedenken anfstieg, so war es nur das, wer für ihn regierenwerde; denn daß er es nicht vermöge, dessen hielten sic sich überzeugt.Dann schmeichelten sic sich aber wieder mit dem Gedanken, ihnen selbstwerde es gelingen die Fäden zu lenken; „denn", wie jener legitimistischeSchneider Herrn von Raumer zurannte, „er ist wohl erzogen und nichtohne Verstand und hat eine sehr gute Eigenschaft: sich leiten zu lassen."Es schrieben auch schon einige der größeren Journale für ihn, so die„Gazette de France", weil sie von ihm die Auflösung der Constituanteerwartete, die „Presse" ans Haß gegen Cavaignac, der Emil Girardinacht Tage hatte sestsetzen und dessen Journal einen Monat cinstcllrnlassen. Auch der „Constitutionel" Vcron's war dem General bitter böseund schon ans diesem Grunde der Bewerbung Louis Napoleon's günstig.
In den rcpnblicanischen Kreisen, in und außerhalb der Regierung,gab man sich über das Auftreten L. N. Bonaparte's keiner Täuschunghin. Was das Land wollte, war die Herbeiführung einer bleibendenOrdnung, und unter allen Candidaten um die Präsidcntschaftstelle wares der Prinz allein, den Name, Herkunft und geschichtliche Überlieferungüber das Niveau eines gewöhnlichen „Bürgers" erhob, den man heuteeinsetzcn und morgen wieder absctzen könne, um das. Land neuen Schwan-kungen preiszngeben. Dabei trug jeder, ob Anhänger oder Gegner, dasGefühl in sich, daß der Prinz und die Republik auf die Länge nichtmiteinander auskommcn würden, und am lebendigsten war dieses Gefühlim Schoße der National-Bersammlung, der nachgerade um die Fortdauerihrer Herrlichkeit zu bangen begann. 'Noch bevor Louis Napoleon seineBewerbung um die Präsidentschaft angekündigt hatte, war am 9. Octoberein Amendement eingebracht worden, daß „alle Mitglieder der Familiendie einst über Frankreich geherrscht" von der Präsidenten - Wahl ausge