Pellegrino Rossi.
95
zwei Seiten den (Eingang in das Judcnvicrtcl, wo sie Auslagckästcn,Gewölbeschildcr und Fenster zertrümmerte und andern Unfug trieb, biscs verstärkten Abteilungen von Dragonern und Carnbinicri »gelang, dieTumultuanten anscinanderzntrcibcn. Die Hanpträdclsführcr wurden ver-haftet, die Gerichte schritten wider sic ein; eine Bekanntmachung vom95. verdammte in entschiedener Sprache die Gewalttätigkeiten wider dieInden, die den allgemeinen Schutz der Gesetze gcnößcn; „die Regierungwerde der Civilisation und den Gesetzen nicht ungestraft Hohn sprechenlassen."
Einige Tage nach diesem Vorfälle trat General Zucchi, dein derPapst mittelst eigenen Handbillcts das Jndigenat im Kirchenstaate er-teilte, an die Spitze der Armee, die zu reorganisircn seine Aufgabe war.Ein Mann von großer Willenskraft, unverdrossener Arbeiter — er er-schien Morgens 5 Uhr in seinem Amte, wo sich sonst die Beamten erstum die Hälfte des Vormittags cinzusindcn pflegten — zog er sogleichdie Zügel der militärischen Zucht straffer an, wußte einen neuen Geistin die Militär-Verwaltung zu bringen und das Ansehen der bewaffnetenMacht zu heben, als von Garibaldi an die päpstliche Regierung dasVerlangen gestellt wurde, seiner Freischaar über das nördliche Gebiet desKirchenstaates Durchzug nach Venedig zu gestatten. Das Ministeriumgab eine ausweichende Antwort, ließ aber einige Schweizer-Compagnienan die toscanischc Gränze marschiren, um Garibaldi den Einmarsch, fallser ihn dennoch versuchen sollte, zu verwehren. Darüber entstand gewal-tige Aufregung, namentlich in Bologna, wo der Demagoge in der Mönchs-kutte U. Gavazzi auf offenem Markte jene Maßregel der Regierung wi-der den „tapfersten der Italiener" znm Gegenstände aufreizender Ausfällemachte. Zucchi eilte in Person nach Bologna, ermahnte eine Deputation,die sich zu ihm verfügte, in strengen Ausdrücken, das Volk von allenbewaffneten Kundgebungen abzuhaltcn, widrigcns er für bedauerliche Folgennicht sichen könne. Er ließ Verhaftungen vornehme», die Straßen derStadt von Schaarwachcn durchstreifen, in der Rächt des 6. Novemberdie in den Häusern versteckten Waffen aufsuchen, bedrohte die Widcr-spänstigcn mit dem Standrccht. Zwar fand sich die Regierung zuletztdoch bewogen, den Schaaren Garibaldi's den Durchmarsch zu gestatten;doch mußten sic an der Gränze die Waffen ablcgcn, die ihnen erst beimAustritt ans dem Kirchenstaat znrückgcgcbcn werden sollten; auch durftensie nicht das Weichbild von Bologna berühren, sondern mußten ihren