Capitulation von Krakau und die Unterwerfung von Prag den Fortgangder Bewegung im übrigen Oesterreich zu hemmen vermochten. Erst durchdas, was sich in der zweiten Hälfte Juni im Herzen Frankreichs ereignete,wurde die Revolution in einem der größten und ohne Frage dem bedeu-tendsten der von ihr ergriffenen europäischen Staaten vollständig zu Bodengeworfen und bezwungen.
Nachdem Ende Februar die neue Acra cingctrctcn war, hatten esihre Propheten und Jünger an begeisterten Verheißungen aller Art nichtfehlen lassen. Es war vor 1848 eines ihrer stärksten Argumente gewesen,Parteien könne cs nur unter einer dem Lande widernatürlich anfgcdrmngcncn Regierung geben, nicht unter einer solchen, die den allgemeinenVolkswillcn zur Grundlage hat; reibe sich dort die beste Kraft der Nationim Widerstreite gegeneinander gehetzter Oppositionen ans, so könne hiereine Verschiedenheit der politischen Meinung, weil im großen Ganzenin Eins verschmelzend, gar nicht anfkommcn. Diese Theorie wurde, nach-dem der große Sieg errungen, schwungvoller als je verkündet. „Unterder Republik sind Revolutionen unmöglich", rief der Haupt - Rcdacteureines Blattes dieser Richtung; „kann ein Volk gegen sich selbst anfstehen?!"Es waren kaum zwei Monate in's Land gegangen, so gab das Blutbadvon Rouen, 27., 28. April, furchtbare Antwort ans diese Frage. Dennes war dies; nicht etwa ein Kainpf zwischen Rcpnblicanern und Anti-Rc-publicanern; wer hätte damals gewagt, für lcgitimistischc oder orlcanistischcInteressen in die Schranken zu treten? Die Bewohner der Arbeiter-Quartiere Martainville und St. Hilairc waren sicher keine Monarchisten,und General Gerard, der sie mit seinen Bajonnetcn und Geschützen zuPaaren trieb, war es an der Spitze der Regicrungstrnppcn eben so wenig.Es war ganz eigentlich ein Kampf zwischen republicanischen Aufrührernund den gesetzlichen Autoritäten der Republik. Im Frcistaate, so lautetdie Theorie, regiert der allgemeine Volkswille. „Was ist allgemeinerVolkswille?" ließe sich fragen, wie Pilatus den Herrn frng: „Was istWahrheit?" Die Thatsache stand in den ersten Tagen fest: es gab unterdem Walten der Republik eben so Parteien, wie es deren unter der Mon-archie gegeben hatte, und wie in der letztem schieden sie sich in zweiHauptgrnppcn: die der Gemäßigten und jene der Maßlosen. Es ließsich in den ersten Monaten der wiedererstandenen französischen Republikwahrhaftig nicht sagen, Demokratie, Socialismus und was an diesen Schlag-worten hängt, hätten nicht ausreichende Gelegenheit gehabt, ihre Grundsätze