Druckschrift 
1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
Entstehung
Seite
391
Einzelbild herunterladen
 

Aufmarsch der Truppen aus dem Glacis.

391

die ihre Bestimmung für Messenhauser, Schaumburg, Du Beine,Duuder, Weißenberger rc. hatten. Die Reichstags-Permanenz bliebin der Stallbnrg, d. h. ihre Mitglieder fanden sich ab und zu in dergewohnten Räumlichkeit ein. Mail kam zusammen und trennte sichwieder. Es lvar, nach dein Ausdrucke Schuselka's,wie wenn einschweres Gewitter über den Häuptern hängt und man nichts thunkann als den Gang desselben mit ruhiger Fassung abzuwartcn".Auf Befehl Messenhauser's wurden die bewaffneten Bürger-Corpsund die Stadt-Garden einberufen, um doch einige Abtheilungen zurHand zu haben, auf die man sich verlassen könne. Allein, war esnun Fahrlässigkeit der ausgesandten Ordonnanzen oder Zaghaftigkeitauf Seite der Beschickten oder waren Zufälle im Spiel, von de»:Bürger-Regiment erschien niemand, von den Garden fanden sich nurim Wimmerviertel ein paar Dutzend ein'^), und von den beidenCavallerie-Divisionen brachte Weißenberger zur Noth dreißig Mannzusammen. Man kommt bei Erwägung der Wiener Octoberereignissei,inner darauf zurück, daß der Haupttheil der Schuld weniger aufdie Thätigkeit der Uebelwollenden, als auf den Stumpfsinn der so-genannten Gutgesinnten fiel. Dessenungeachtet meinte man im Ge-meinderath, es würde alles in bester Ordnung ablaufen. EinigeMitglieder desselben, die gegen Mittag im Reichstagsausschusse er-schienen, verkündeten voll Freude,die Sachen stünden ganz erwünscht,die Entwaffnung gehe anstandslos vor sich, in zwei Stunden würdendie Truppen einmarschiren".

Wenn man sich in: Gemeinderathe so frohen Hoffnungen hingab,so herrschte in den Kreisen der wenigen Studenten, die noch amPlatze waren, gänzliche Niedergeschlagenheit. Die Einsichtsvollerenunter ihnen gaben sich keiner Täuschung mehr hin, ihr Muth wargebrochen, und wie sie von: Observatorium des Stephansthurms dielangen Colonnen sich auf das Glacis herausentwickeln sahen, da»leinten sie schier, die letzte Stunde der Freiheit, für die sie seit denMärztagen ihr bestes Theil eingesetzt, habe geschlagen. In: Convicts-Gebäude saß zwar noch immer der Studentenausschuß beisammen; alleiner war nicht mehr an der Spitze der Bewegung, er ließ sich nicht ein-mal von ihr Hinreißen, deren Fäden jetzt in ganz andern Händenlagen. Während des Aufmarsches der Truppen stürzte ein Mitglieddes demokratischen Vereines in den Ausschuß und verlangte,man