388 m. 27. PLbelherrschast in dcr inner» Stadt, 31. OctoLer V.-M.
drohten freizumachen; der falsche Ungar aber bestieg in Eile seinPferd und sprengte mit dem Rufe: „Zu den Waffen, die Ungarn sindda!" wieder fort.
In den Vorstädten sah es schon darum minder bedrohlich ausals in der innern Stadt, weil sich das ärgste Gesindel in letzteregezogen hatte, die ruhigeren Leute dagegen zurückgeblieben waren.Man war hier fast durchaus gegen jede Erneuerung der Feindselig-keiten. Die Placate des Gemeinderathes und Messenhauser's, aberauch jene des Fürsten Windischgrätz blieben meist unverletzt anden Straßenecken, und die Leute hatten Muße, sie zu lesen und zuerwägen. Daß es mit den Ungarn vorbei sei, war man jetzt schonallgemein überzeugt. Einer von der polnischen Lanciers-Escadron,der in Mariahilf das Märchen von ihrem Anrücken ansstreuen undzum Kanlpfe auffordern wollte, wurde bei der Stiftskirche vom Pferdegerissen und es fehlte wenig, daß er der Volkswuth zum Opferfiel. An mehreren Linien gab es zwar noch gegenseitiges Geplänkel;allein auch da ließen die Leute mit sich reden- Eine Sendschaft desMagistrats, an der sich mehrere Mitglieder des Studentenausschussesbetheiligten, begab sich mit weißen Fahnen an die bedrohten Punkteund fand an den meisten williges Gehör- Bei der LerchenfelderLinie fand sich ein zwölfjähriger Junge herbei, ans den Giebel desMauthhauses zu klettern und, während von draußen die Kugeln umihn sausten, das Friedemszeichen auszustecken. Nur in der Joseph-stadt sah es noch bedrohlich aus. Bei der Reiter-Caserne wurdendie Friedensboten umringt; dem Hinweis auf ihre Sendung, auf dieweißen Fahnen, auf das gemeinderäthliche Abzeichen antwortete Schimpfund Hohn. Ein Techniker kam herangesprengt und verkündete denSieg der Ungarn; nun war die Rotte vollends nicht zu halten undes ging den Abgesandten an's Leben, wenn sich nicht MagistratsrathBliimel freiwillig als Geißel anbot, um seinen Gefährten Brodhuberim Wagen unter Bedeckung von drei Mobilen in die Stadt geleitenzu lassen, neue Verhaltungsbefehle einzuholen. Auch an der benach-barten Hernalser Linie schien der Kampf von neuem entbrennen zuwollen; vom Militär wurden Granaten geworfen, mehrere naheBretterhäuser fingen lichterloh zu brennen an. Doch allmälig wichendie Vertheidiger von Thor und Wall, die gegen Mittag ganz ver-