Bombardement von Mariabilf nnb Gumpcndorf.
es entspann sich eine beiderseitige Kanonade, während welcher diekostbarste Zeit verloren ging. Windischgrätz, der vom Laaer Bergeden Gang des Gefechtes fortwährend im Auge hielt, wurde ungeduldig.„Man sieht", sagte er zu seiner Umgebung, „daß wir lange keinenKrieg geführt; wenn man den Feind schlagen will, muß man auf ihnlosgehen." Mehrere Ordonnanzen waren schon an Liechtenstein ab-geschickt; Jelaeic war zu ihm geritten; jetzt wollte sich der Oberfeld-herr persönlich an Ort und Stelle begeben, um den Grund der ihmunerklärlichen Zögerung zu erforschen. Schon war sein Pferd ge-sattelt und gezäumt, schon war es vorgeführt, um von ihm bestiegenzu werden: da ließ sich von Wien her Kanonendonner vernehmenund von mehreren Punkten liefen Meldungen ein, die Aufständischenhätten von neuem zu den Waffen gegriffen. „Nun muß Wien bom-bardirt werden, und Messenhauser wird wahrscheinlich hängen!" sprachWindischgrätz und ließ sein Pferd wieder abführen, um die gegenWien zu ergreifenden Maßregeln anzuordnen. Es läßt sich mit einemhohen Grade von Wahrscheinlichkeit sagen, dieser Zwischenfall habedie Armee Moga's vom Untergang gerettet.
Wie Windischgrätz am 28. den Angriff gegen Wien nicht hatteabbrechen lassen, nachdem er die Meldung von der AnnäherungMoga's empfangen, so änderte er jetzt nichts an den Dispositionengegen die Ungarn, da er neuerdings mit den Aufständischen in derStadt zu thun bekam. Er ließ es auf eine Doppelschlacht ankommen,die seine Truppen nach zwei Seiten auszufechten hatten. Die umWien herum postirten Commandanten erhielten den Auftrag, jedenAngriff gegen ihre Stellung mit allem Nachdruck znrückzuweisen.Auch erging der Befehl, die in der Nähe von Fünfhans abseits derHauptstraße (gegenüber dem jetzigen Schwender) aufgestellte Mörser-Batterie in Thütigkeit zu setzen; doch sollten, um größeren Schadenzu verhüten, keine mit Brandsatz gefüllten Bomben geworfen werden.So begann das bereits eingestellte Feuer gegen die Stadt von neuemund die geschreckte» Einwohner der nächst den Linien gelegenenHäuser suchten wieder die Keller auf, sich darin vor Freund undFeind zu schützen""). Am meisten litten Mariahilf, Gumpendorfund Wieden, wohin die Fünfhauser Bomben gerichtet waren. Anmehreren Stellen brach Feuer aus, bei vierzig Gebäude wurden durchdie einfallenden Wurfgeschosse mehr oder minder beschädigt. Das