298 m. 22. Eindrücke »I,d Einwirkungen der Wiener Ereignisse.
ihm eine Sendschaft aus seinem geliebten Tyrol angemeldet wurde,die er ohne hinausschiebende Frist, wie es sonst zu geschehen pflegte,unmittelbar vorließ und mit Rührung an die Tage erinnerte, die erim letzten Sommer in ihrer schützenden Mitte zugebracht; oder wennVmin fernen Osten des Reiches eine ruthenische Deputation vor ihmerschien, die ihren tiefen Schmerz ausdrückte über die „traurigen Er-eignisse", mit denen Ihm vergolten wurde, „der nach so vielen Be-weisen der Huld und Liebe von Seinen Völkern nur Dankbarkeit zuerwarten berechtigt war", und die Versicherung beifügte, wie ihrenschlichten Herze» die Lehre eingeprägt sei, „Liebe mit Gegenliebe zuerwiedern und dem angestammten Monarchen unbefleckte Treue zubewahren". Dann richtete sich sein Sinn hoffnungsvoll wieder auf,wenn ihm sein ruhmgekrönter Feldherr das Bild der italienischenArmee vorhielt: „Nicht Zwietracht, nicht Haß und Zerstreuung herrschtin ihren Reihen; der Gedanke an Kaiser und Vaterland beseelt dieGlieder dieser großen Familie; einem Zeichen nur, dem alten AareOesterreichs, dem Zeichen so vieler herrlichen Thaten, folgen sie imKampfe, aus dem Oesterreich und seine Freiheit glänzend hervor-geheu werden" oder wenn ihm andere Stimmen zu Ohren ka-men, die mit offenem Freimuth sich auf die Seite des Rechts undder Gesetzlichkeit stellten und keine Scheu trugen, die Dinge mit ihremwahren Namen zu benennen. Was Grillparzer in den Apriltagenvom Heere Radeckh's gesungen, bewährte sich fort und fort. Inseinem Lager war in jener traurigen Zeit nicht bloß der starke ArmOesterreichs, es schlug da auch das lebensvolle Herz, es wachte daslebendige Bewußtsein Oesterreichs. Die Männer, die an den Markendes Reiches einen an Truppenzahl überlegenen Feind gedemüthigthatten, sie besaßen auch den bürgerlichen Muth, in bedrängten Tagenihre mannhafte Ueberzeugung auszusprechen, in Wort und Schriftfür die Interessen des Gesammtstaates einzustehen. Um dieselbe Zeit,^>a der greise Führer seine Ergebenheits-Adresse nach Olmüz sandte,richtete das Officiercorps der Garnison von Mantua einen Aufrufan die italienische Armee, uni „auf gesetzlichem Wege" dem Aufstande,der Empörung, den offenen und verdeckten Ränken gegenüber, wo-mit es „eine durch fremdes Geld bezahlte Partei" auf die „Zertrüm-merung und Auflösung der seit vielen Jahren glorreich in den größ-ten Stürmen der Zeit bestandenen Monarchie" abgesehen, „eine