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1 (1869) Die Belagerung und Einnahme Wiens October 1848
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I. 9. Jenseits der Leitha.

österreichischen Boden betreten hatten, verging selten ein Tag, wonicht das Feldgeschrei:Die Ungarn kommen" die Reihen ' der

Aufständischen durchflog, wo nicht Zeitungen, Flugblätter, tyrtäischeGesänge die nahe Ankunft eines ungarischen Heeres, einer ungarischenFlotille auf der Donau, materieller oder diplomatischer Unterstützungaus Ungarn verkündeten. Kam dann in Wirklichkeit nichts von alledem, so hatte die leichtzüngige Fama allerhand beruhigende Erklä-rungen in Bereitschaft:sie werden Windischgrätz über Galizien undMähren in den Rücken fallen"; oder:sie werfen sich nach Fiume,in dessen Gewässern ein britisches Kriegsschiff kreuzt, dann müssensich die Kaiserlichen nach dem bedrohten Süden wenden" u. dgl. Eswar nicht zu wundern, wenn Einzelne über diese stets von neuemangeregte und immer wieder betrogene Hoffnung den Verstand ver-loren. Eines Tages kam eine abgezehrte hohläugige Gestalt ohneKopfbedeckung auf einem elenden Klepper durch das Stubenthor ge-sprengt:5000 Husaren stehen bei Simmering!" Roß und Reiterbrachen zusammen, das Pferd raffte sich mühsam wieder auf, aberder Reiter war ein stiller Mann; später erfuhr man, er sei vomTyphuslager aufgestanden gewesen.

Wenn man die Waffenstellung der magyarischen Revolution gegenEnde September 1848 im Großen in's Auge saßt, so bildeten Groß-Kanizsa und die Gegend südwärts vom Plattensee den äußersten Punktihres rechten, Kezdi - Vasärhely an den Marken des Szeklerlandes inSiebenbürgen den Endpunkt ihres linken Flügels. Im Rücken dieserausgedehnten Linie drohte von den theils eingeschüchterten theilsführerlosen Völkerschaften der Slovaken und Ruthenen keine Gefahr:dagegen stand der ganze Süden von der Murinsel an der steirischenGränze bis Kronstadt im Burzenlande bewehrt und bewaffnet denpolitisch-nationalen Anmaßungen des Panmagyarismus gegenüber.In Schönbrunn hatte man spät genug die Folgen der überstürztenMärz- und April-Zugeständnisse in ihrem wahren Lichte zu schauenbegonnen. Der Wiener Kriegsminister knüpfte mit dem entschlossenenBanus von Kroatien geheime Fäden an, um der ungezügelten Herr-schaft der Pester Revolutionspartei ein Ende zu machen, das kaiser-liche Ansehen, Gesetzlichkeit und Ordnung in Ungarn wieder herzu-stellen. Die allmälige Zusammenziehung einer militärischen Machtum Preßburg sollte die von Kroatien und Slavonien ausgehenden