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1. 2. Zustände und Stimmungen in Wien.
unter dm Augen des Gemeiuderaths lichtete sich das Heer seinerUntergebenen in so auffälliger Weise, daß über Würth's Antrag derVice - Bürgermeister Bergmüller aufgefordert wurde, „eine Liste derpflichtvergessenen Magistrats - Beamten anzufertigen, die Wien imDrange verlassen und die, falls sie nicht schleunig zurückkehrten,ihres Amtes entsetzt werden sollten". Was die Hauptstadt in solcherWeise an Bevölkerung verlor, das gewannen die Orte ihrer Um-gebung, und zwar in um so höherem Grade, je weiter sie vom Sitzedes Aufstandes waren. In den unmittelbar vor der Linie gelegenenOrtschaften, wie Fünf- und Sechshaus, Ottakring, Hernals war eseben so wenig geheuer wie in der Stadt selbst; dagegen schon inDöbling, in Dornbach und Neuwaldegg, in Hietzing, Hütteldorf w.wimmelte es von geflüchteten Familien; der Kahlenberg schien, beson-ders in den letzten Octobertagen, eine Wiener Kolonie zu sein.Krems, Stein, Mautern, alle größeren Orte an der Donau und ebenso alle am Gebirge, Perchtoldsdorf, Brunn, Mödling, Gumpolds-kirchen beherbergten Wiener Flüchtlinge. Vollends aber in Baden— „ Schwarzgelbowitz" hieß es damals spottweise — saß im wahr-sten Sinne des Wortes einer auf dem andern; man schätzte ihreZahl auf 20000. Kein Dachstübchen war mehr zu bekommen; Hun-derte mußten weiter ziehen, die nicht mehr unterzubringen waren.Schanderl's Kaffeehaus war die große Neuigkeitsbörse, wo sich allestäglich einfand, die jüngsten Nachrichten und . . Lügen aus derHauptstadt zu vernehmen. Da gab es keinen Unterschied des Ran-ges, des Neichthums, der Bekenntnisse; die gemeinsame Noth undBangigkeit machte alle gleich. So mancher hatte Wien im erstenSchrecken verlassen und konnte nun plötzlich nicht mehr zurück, ohneWechsel des Anzugs, der Beschuhung, der Wäsche. Die Geschichte vonEpaminondas, der sich zu Hause halten mußte, weil er den ein-zigen Mantel, den er besaß, zum Walker gegeben, erlebte in Badenmehr als eine neue, veränderte, wenn anch nicht verbesserte Auflage.Anch in Wiener-Neustadt waren alle Gasthöfe angefüllt. Dort gabes auch eine Druckerei, von Heinrich Liebergesell, die von manchender Geflüchteten, wie Quirin Endlich, zu belehrenden und beschwich-tigenden Ansprachen an das Landvolk, und auch von den Militär-Behörden zur Vervielfältigung ofsicieller Proclamationen benütztwurde.